Nr. 107. Abomttinents.Ktdkngungea: SbonnemsntZ-Prel» pränumerando: vierteljährl. 3,30 Stf., monatl. 1,10 Kit., ivöchentltch 28 Psg. frei in« HauJ. Simslne Numm»p 5 Pfj. SonntagJ» Nummer mir MuNrlerl-c Sonniags- Beilage„Tie Neu« Welt» 10 Pfg. Post. Abonnement: 1,10 Mark pro Mona«, Eingetragen in»er Post- geitungs» Pr-tJIiste für IVOS unter Hr. 7878. Unter«reuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für das übrige«usland S Marl pro Mo.�i, Erscheint täglich«utzer Montage. Berliner VolKsblntt. 19. Jahrg. Ate Illftrtwns-Gebliyt beträgt für die fechSgespaltene Kolonet. zetle oder deren Raum 10 Psg., für polittscheund gewerlfchastltchc BereinS- und BerfammlungS- Anzeigen 20 Pfg. „Kleine Ank-igen" jede« Wort 5 Psg. (nur das erste Wort fett). Inserate für die nächste Nummer mästen bis 4 Uhr nachmittags in derSxpsdilion abgegeben werden. Die Srpcditton ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis s Uhr vormittags geöstnet. Telegramm- Adreste- „Borialdemolerat Verlin- Centralorgan der focittldemokratisthen Partei Deutschlands. Redaktion: sw. 19. Veuth-Stralze 2. Fernsprecher« Amt I Nr. ISO». Sommbend, den 10. Mai 100Ä Expedition: S'lV. 19. Venttz-Stvaske 3. Fernsprecher: An>t I, Nr. B121. Ouittnng. Im Monat April gingen bei dem Unterzeichneten folgende Parteibeiträge ein: Berlin, Beiträge der Wahlkreise: 5. Kreis 150,—(darunter R. K. 50,—, Gen. B. für einen Vortrag 10,—). 6. Kreis 5400,—(dar- unter Ueberschub der Kranzspende für die Märzgefallenen von den Arbeitern der Firma Keyling n. Thomas 9,15, desgl. von den Arbeitern der Finna Bergmann, Olidenarderstrahe 12,70, Sammlung zum Märzkranz, Spenerstrage, durch K. 19,15, Ueberschnfz vom Kranz der Frau Bergeinann, Gerichtstr. 74 4,65, von den Tischlern und Möbelpolierern der Finna Ehrlich 10, G. Jack, März u. April 9.-. P. Pfl. März u. April 3.-. auf Listen für die Belgier 1513,—(unter letzteren von der Deutsche» Waffen- fabrik 31,90), vom Verein Jinmunitas, Gerichtstr. 74 7,50, von einem, der muß B. D. Dr. 3,—, Märzkranz-Ueberschuß A. E. Ackerstr. und Brunnenstr. 354,65, Lese- und Diskutierklub 5,—), Berlin, diverse Beiträge: Ueberschutz vom Liebknecht-Denknial 51,50. A. W. durch Pfarr 10,—, vereinte Sangesbrüder Moabit 30, Sa. 40,—. Gesangverein Froh-Hoffnung 20,—. I. B. 25,—. M. B. 75,—. Koiitobucharbeiter vom Wedding 5,—. Dr. L. A LO,—. Tischlerei Gauert, Markushof 14,10. Von der Möbelfabrik G. Klug. Warschanerstr. 13 34,65. P. S. 50.—. A. B. 50,—. Buchdruckerei-Hilfsarbeitcr von Bading, Abteilung „Vorwärts» 10.—. A. Qu.. Boeckhstr. 3.—. Gutenberg 22,30. Skat der Rabitzspanner Bau Spindler. durch H. 2,10. E. Knutz 10,50. Lese- und Diskutierklub Brüderlichkeit. Landsbergerstr. 8 30.—. Ueberschutz vom Tanzkränzchen der Maschinenfabrik von Kilian, Lichtenberg 4,01. Drei Klempner von Schulze, Waldemar stratze 2,—. M. W. Neumark, durch Hoch 5,25. Mitglieder der U.-Dr. 6,30. Wnssermesser- Werkstatt von Siemens u. Halske 34,50. Westphal u. Genossen, Putzer vom Schulbau Oberschöneiveide 3,60. „Blum" durch Weimann 4,—. Unfreiwillige Maisünder d. Lederfabrik Treptow 11,25. Bierprozente v. d. Arbeitern der Eisengietzerei Grauert in Stralau durch W. St. 11,—. Von den Arbeitern der Neuen Berliner Genossenschafts- Bäckerei 24,—. In der Expedition des «Vorwärts» nach Schlntz der Sainmlung noch für Belgien ein- gegangen: Centralverband der Steinsetzer, Zahlstelle Charlotten- bürg 10,—. H. v. Vorschiitz Wohlfahrt 13,—. KuAferdrucker-Klub Berlin 50,—. Gesammelt unter Gasarbeitern von Stitzky 7,65. Personal der Packerei-Abteilung und Buchbinderei der„Woche" 25,75. Ans Stratzburg im Elsaß durch Bohle 37,13. Gürtler der A. Jürst u. Co., Ädlershof 2.50. Pianofabrik von Koch 9,60. Personal von Georg Büxenstein u. Co. 19,85. Rote Hochzeit in Delmenhorst 1,55. Organisierte Arbeiter der Berliner Eisemnöbel-Fabrik Schulz, Hasen- Heide, 27,50. Breslau, socialdemokratischer Verein 50,—. Bern 50,—. Bielefeld, E. Sch., 1. Quartal 1,—. Vromberg, durch P. St. 17,40. Breslau, für Belgien gesammelt, übersandt durch P. L., 80,23. Bamberg, von den Hutmachern für Belgien gesammelt, übersandt durch A. M., Altenburg, 11.—. Cottbus, P. L. 2,—. Cöthcu i. 21., vom socialdemokratischen Verein 10.—. Dortmund, durch Becker 141,10. Essen, von den Kruppschen Arbeitern für Belgien gesammelt 31,60, für den gleichen Zweck von E. H. 3.—. Sa. 34,60.' Falken- derg(Oberschl.) 2,50. Flensburg, dnrrfi M. 50,—. Gaarden, durch den Vertrauensmann 50.—.(Bietzen, E. K. 10,—. Gotha, durch I. für Belgien 17,—. Gcbweiler, ges. auf der Kreislonferenz in Sulz für Belgien 3,—. Hagen i. W., W. W. 3,—. Hamburg, Einzelmitglicder 22,—. Hastedt bei Bremen, von Parteigenossen 10.—. Hagen i. W, Ungenannt 3,—. Hamburg, von den drei Wahlkreisen durch D. 2358,95. Heidingsfeld, für Belgien gesammelt 100,—. Hamburg, im Monat April in der Expedition des„Echo» eingegangen 175,46. Jena, von den Arbeitern der Firma Carl Zeitz, «nit Ausnahme von 2,10, für Belgien gesammelt 115,01. Ilmenau, Verzicht auf Ehrentrunk 3,—. Kissingen, organisierte Holzarbeiter 10,—. Köln a. Rh., vom BertranenSman» der Stadt 100.—. Karlsruhe i. B., von Ungenannt 50,—. Luckenwalde, vom social- dcmolratischen Wahlvercin 50,—. Lüneburg, ans dem 16. hannov. Wahlkreise durch C. B. 100,—. Limbachs 15. sächs. Reichstags- Wahlkreis durch den Kreisvertrauensmann L. 200,—. Ludwigs- Hafen a. Rh., focialdemokratische Partei Bayerns, Gau Pfalz 200.—. München, Waldläufer 5,—. Magdeburg, Parteibeitrag 200.—. Mar- bürg, von den Parteigenossen 10,—. München, socialdemokr. Partei Bayerns, Gau Südbayern 102,80. Mülhausen i. E., für Belgien gesammelt 5,81. Mainz, durch die„Volkszeitnng" 17,30. Mannheim, nachträglich für Belgien eingegangen 121,24. Nürnberg, Marcel 2,—. Nürnberg- Altdorf, socialdemokratischer Verein 20,—. Neu-Nnppin, Kegelklub Brüderlichkeit 10,—. Ober« stein, Volksverein 2,36. Ober- Langenbiclan. socialdemokratischer Verein von Langenbielan und Umg. 50,—. Obcr-Schöneweide, Uebersch. vom Märzkranz von den Llrveiten« und Arbeiterinnen der A.-E.-G. Kabelwerl 60.05. Plauen i.V., übermittelt vom Bertranens- mann 10,—. Rousdorf. allgemeiner Arbeiterverein 25,—, Genosse E. 23. 1,—, Summa 26,—.' Rixdorf, Ueberschutz vom Hochzeits- gcfchenk des ersten LLahlbezirkes 4,10. Rixdorf, Kranzüber- schütz von den Arbeitern der Firma Nothmann 2.30. Sonnebcrg, S.-M., socialdemokratischer Arbeiterverein 30,—. Stratzburg i. E.. Altvater 5,—. Stille Genossin 800,—. Stuttgart, G. U. 10,—. Striegau. vom Wahlverein durch den Kassierer P. B. 25,—. Solingen, vom Kreisvertrauensmann F. 15.—(darunter vom Volksvcrein Solingen 10.—). Schiffcrstadt, vom socialdemo- kratischen Verein für Belgien 10.—.„Borwärts", 1. Quartal 1902 13 310,90. Wandsbeck, socialdemokratischer Verein durch Fr. K. 300,—. Württemberg 1100,—. Winsen a. L., für Belgien gesammelt, über- saudt durch Sch. 29.35. Die Realisierung der im September v. I. der Partei zu- gefallenen, bezlv. nberivicsenen Erbschaft des verstorbenen Genossen Schmitz-Aachcn, hat nach Zahlung der ausgesetzten Legate, der Erbschaftssteuer k.. sowie unter Hinzurechnung inzwischen zur Aus- zahlnng gelangter Zinsen für die Parleikäfse den Betrag von 36 771,82 M. ergeben. Für Flugblätter sind eingegangen: ») für Junkcr-Flngblätter(Nesteingänge): Berlin. 6. Kreis 828,—. Pirna, 8. sächsischer Kreis durch H. 65,50. Lemsdorf, durch K. W. O,?''. Diesdorf, durch Sch. 12,—. Kiel, durch H. 130,—. Braun- ' jiucifl, durch H. 371,60. Sa. 1413,30. b) für illustrierte Flugblätter: Dietharz-Tambach, durch W. 3,—. HaSlmühle, Post Ilmberg 3,80. Hagen i. W., durch Spr. 25,—. Sag an, durch H. 15,—. Ilmenau, durch Albert 9,50. Lötznitz im Erzgeb., O. G. 7,—. Osterwieck a. Harz, d. F. Sch. 7,50. Grüne i. 28estf.. d. H. Th. 10,—. Schweinfurt 7,—. Darmstadt, durch H. B. 75,—. Frankfurt a. M., durch Gg. M. 225,—. Rudolstadt, durch H. 27.—. Bochum 50,—. Ober-Langenbielau, d. A. K. 75,—. Berlin. 3. Wahlkreis 138,75. Berlin. 4. Wahlkreis Ost 375,—. Gersdorf. Bez. Zwickau, durch K. 5,50. Barth, durch B. 4,85. Halberstadt, durch H. 22,65. Snhl-Lauter, durch H. 13,65. Lngan, durch E. 4,85. Solingen, durch F. 13,—. Aachen, durch F. 22,35. Finsterwalde 4,55. Gotha, durch H. 81,60. Flensburg, durch M. 61,95. Delitzsch, durch B. 50,—. Alt-Warthan 4,85. Bunzlau 9,—. Grabow i. Mcckl. 9,—. Weitzwasser 4,55. Marburg(Hessen) 13,70. Lüdenscheid 18,—. Neustadt(Oberschl.). durch Sch. 20,50. Velten i. M., durch P. 68,20. Jena, durch H. 60.75. Harburg 13,65. Suhl 9,70. Gadebusch 4,85. Sonneberg(S.- Mein.). durch W. 18,—. Minden i. 23., durch Sch. 45,—. Berlin, 4. Wahlkreis(Südost) 213,75. Nenhaldensleben- Wolmirstedt, durch H. 27,—. Göttingen, durch W. 29,50. Ehlingen, durch E. 37,50. Saalfeld a. S. 9,50. Torgau, in 2 Raten 45,—. Chemnitz, durch Z. 13,75. Zeitz, durch K. 90.—. Gera(Reutz), durch St. 57,10. Einbeck 15,90. Reichenbach i. V., durch M. 100,—. Breslau, durch H. 75,—. Heddernheim, durch A. 54,—. Pößneck 13,65. Hamburg, durch D. 1327.50. Kottbns 31,75. Spremberg 22,35. Berlin. 5. Wahlkreis 133,10. Vilbel 9.—. Landes- Hut i. Schl. 51,90. München, Gau Südbayern 123,75. Burg bei Magdeburg, durch P. 99,75. Greiz i. 23., durch M. 56,25. Schleiz 4,20. Braunschweig, durch H. 153,75. Rheydt 4,75. Statzfurt, durch M. 93,75. Mainz, durch L. 74,80. Offenbach a. M.. durch H. 104,15. Bant, durch M. 94,45. Strelitz(Alt) 12,60. Remscheid. durch G. 43,10. Berlin, 2. Wahlkreis 380.—. Berlin, 6. Wahl- kreis 795,—. Summa 6046,30. In der Quittung in Nr. 85 des„Vorwärts» vom 12. 4. d. I. mutz cS unter den Einzelbeiträgen des 4. Berliner Wahlkreises Südost nicht heißen Maskenball vom Klub der Harmlosen 5,—, sondern Maskenball der Harmlosen bei Graumann am 15. 3. 02 von Gr. zum Wahlfonds durch Schley 5,—. Berlin, den 7. Mai 1902. Für den Parteivorstand: A. G e r i s ch, Kreuzbergstr. 30. Finanzsorgen. Man philosophiert so oft darüber, ob das Proletariat regierungsfähig ist; aber man hat bislang noch nicht die Frage vernommen, ob eigentlich die Reichsregierung— regierungsfähig sei. Man wird sich auch mit diesem Problem mehr beschäftigen müssen, je deutlicher die Unfähigkeit der herrschenden Cliquen und Klassen, ihre eignen Angelegenheiten zu verwalten, zu Tage tritt. Noch hat die Reichsregierung aus der Sackgasse des„ge- m ätzigten" Brotwuchers den rettenden Ausgang nicht gefunden, und schon erhebt sich drohend das Rätsclhaupt einer andren großen Frage. Je klarer es nämlich wird, daß das Reich auf die Einnahmen aus den neuen Zöllen, das Fell des un- erlegten Bären, wird verzichten müssen, weil der Zolltarif nicht zu stände kommen wird, desto krauser wird die Stirne des Herrn v. T h i e l m a n n, der eben noch in einem Meere von Gold schwamm, und jetzt nicht weiß, wie er die höllische Dürre berieseln soll. Je schlechter die Aussichten der Zoll- reform werden, desto drohender wird die Dringlichkeit der Finanzreform. Schließlich hat der Handlanger, dem die Ausführung des deutschen Reichsbaues übertragen war, doch wohl nur schlechte Maurerarbeit geliefert! Finanziell steht nämlich das Reich gar nicht einmal auf eignem Fundament, sondern es lehnt sich an die schwachen Mauern der Staatsfinanzen an.„Statt daß die größte Finanzgemeinschaft finanziell auf eignen Füßen steht, befindet sie sich dauernd im Verhältnis weitgehender Abhängigkeit von den einzelstaatlichen Finanzwirtschaften." Als erste Voraussetzung der Erhaltung gesunder Finanz- Wirtschaft hat man stets erachtet, daß die für Ausgaben per- antwortlichen Organe auch für die entsprechenden Dcckungs- mittel zu sorgen haben; eine fürsorgliche, den eweiligen Kräfteverhältnissen der Be- völkerung angepaßte, also in gutem Sinne des Wortes sparsame Ausgabepolitik ist gefährdet, wenn eine unmittelbare und jederzeitige Verantwortlichkeit für die Deckung etwaiger Fehlbeträge nicht be- steht, sondern die Verantwortlichkeit für die Deckung etwaiger Fehlbeträge an eine dritte Stelle abgeschoben werden kann." So klagt in einem jüngst erschienenen Buche*) der badische Finanzminister Dr. Buchenberge r. Nach den rosenroten Jubiläumswahlen hätte dieses dem badischen Großherzog„zum 25. April 1902 in tiefster Ehr- ürcht" gewidmete Buch eigentlich auch ein rosenrotes Jubiläumsbuch werden müssen. Leider erwiesen sich die bösen Thatsachen stärker als der gute Wille. Dr. Buchenberger sieht trübe in die Zukunft; sie erscheint ihm dunkel und ungewiß. Im Jahre 1879 hatte Baden mehr als zwei Millionen an das Reich herauszuzahlen. Die Wirkungen der Zoll- reform und der Frankensteinscheu Klausel(nach der alle Einnahmen des Reiches ans den Zöllen und Tabaksteuern, soweit sie 130 Millionen Mark überstiegen. den Kassen der Einzelstaaten zugeführt werden sollten) vermindern im Jahre darauf den badischcn Matrikularbeitrag auf 820 024 M. und lassen ihn bis zum Jahre 1882 bis aus 138 203 M. herabsinken. Der vom Ja M 1. Oktober ab vom Reiche ausgezahlte Anteil an der Reichs- Stempelabgabe hat dazu das Seine gethan. Es folgt ein ' ahrzehnt, in dem das badische Großherzogtum in wechselndem �aße Kostgänger des Reichs wird. Wie ein launischer Krösus, bald verschwenderisch, bald knickernd, giebt das Reich einmal (1884) mehr als eineindrittel Millionen an das Land, um dann wieder(1887) mit etwa 184000 M. hauszuhalten. Der Eintritt Badens in die Branntweinsteuer- Gemeinschaft im Jahre 1887 und die im Jahre darauf erfolgte Erhöhungder Getreidezölle erhöht nur die Größenverhältnisse dieses finanzwirtschaftlichen Zickzackkurses, ohne ihn zu beseitigen. Im Jahre 1889 beträgt das Mehr an Ueberweisungen 3300750 M.. das Jahr später ist es auf 1 248 197 M. herabgesunken. Es folgt nun für zwei Jahre ein Umschlag der Verhältnisse. Baden muß von seinen eignen Einnahmen im Jahre 1893 957 237 M., im Jahre 1894 194072 M. zu Reichszwecken beisteuern. Nach vier Jahren der Erholungen, in denen Baden jährlich eine drittel bis fast eine halbe Million aus Reichsmitteln einsackt, muß es im Jahre 1899 seine Zugehörig- keit zum Reiche mit 528 990 M., im Jahre 1900 mit 680 108 M. bezahlen.„Für die Höhe der Matrikularbeiträge sind hauptsächlich von Bedeutung: der Aufwand für das Reichsheer und die Marine, für den Pensionfonds und für die Reichsschuld..." so verrät der badische Finanzminister ein süßes Geheimnis. Wir erkennen aus seiner Zahlenreihe, die sich bei den andren Einzelstaaten mit andren Ziffern natürlich, aber in gleichen Verhältnissen wiederholt, daß jede Steuer- und Flottenvorlage für die Staaten eine finanzielle Schwächung bedeutet, gegen den nur das Radikalmittel einer neuen Zoll- erhöhung wirkt. In diesem Sinne spiegelt sich in der Ver- gangenheit die Gegenwart. Gelänge auch, was nicht gelingen wird: gelänge es auch diesmal wieder, durch eine Erhöhung der Lebensmittelzölle der deutschen Finanzwirtschaft für eine Weile auf die Beine zu helfen, so würde sich dieses Mittel in seiner Wirkung ebensowenig nachhaltend erweisen, wie es die gleichen Operationen vom Jahre 1879 und vom Jahre 1888 gethan haben. Es ist dasselbe Spiel, das sich in gleichem Rhythmus wiederholt. Durch eine zeitweilige künstliche Erhöhung der Ueberweisungen schafft man sich die glänzenden Finanzlagen, die die ersehnte Erhöhung der„Wehrkraft" möglich niachen sollen. Ohne neue Steuern beschließen zu müssen, stürzt sich die militärfromme und marinefrohe Reichstagsmehrheit stn neue Verwilligungen. Werden dann die Mittel knapper und knapper, so läßt man die„notleidende Landwirtschaft» auf das arbeitende Volk los, um mit ihr die Beute zu teilen. Die Einzelstaaten sind auf diese Weise völlig ein Spiel- ball in den Händen des Reiches geworden. Man läßt sie sich bereichern, um sie dann wieder desto nachdrücklicher ans- zupnmpen. Daß sie auf diese Weise zu einer geregelten Wirtschaft nicht kommen können, liegt auf der Hand.„Wenn für ein Land von der Größe Badens", so schreibt Buchen- berger.„innerhalb kurzer Zeiträume die Schwankungen in dem Abrechnungsverhältnisse mit dem Reiche aus zwei und mehr Millionen auf- und abwärts sich belaufen können, so ist auch dem Nichtfachmann klar, daß jede choraussehende Berechnung in der einzel staatlichen Finanzpolitik zur Unmög- lichkeit gemacht wird, und daß die einzel- st aatlichen Haushalte einfach dem Spiel des Zufalls preisgegeben sind. Die Einzelstaaten können natürlich in Zeiten der Flut ihr schönes Geld nicht in den Schrank legen, sondern begründen damit dauernde Aus- gaben. In den Zeiten der Ebbe aber finden sie sich gewisser- maßen im Verhältnis gewohnheitsrechtlicher Verpflichtung. diese Ausgaben fortzusetzen, ohne zu Ivissen, woher sie die Mittel dafür nehmen sollen. Die Einzelstaaten werden so gereizt und fast gezwungen, über ihre Verhältnisse hinaus zu wirtschaften. Nun könnte man meinen. der B u n d e s r a t als die berufene Vertretung der Einzelstaaten könnte und sollte für die Schonung der Einzelfinanzen Sorge tragen. Buchenberger klärt diese Naiven über die wirkliche Bedeutung des Bundes- rats auf. Nur auf dem Papier ist der Bundesrat maß- gebend; in Wirklichkeit aber hat er nix tau seggen:„Formell ist der Etat eine Vorlage der verbündeten Regierungen, materiell eine Arbeit der verschiedenen Reichsressorts. Ein maß- ebendes Urteil darüber, ob ein neues eichsbedürfnis vorliegt und ob es seiner baldigen Befriedigung entgegenzuführen ist, kann in vielen Fällen nur die zuständige Reichsinstanz haben...." Wie und w o die maßgebenden Urteile der zuständigen Reichsinstanzen zu stände kommen, weiß man zur Genüge. Man weiß auch, an welcher Stelle die großen Gelübde gethan werden, zu denen die Vertreter der Bundesfürsten nur Ja und Amen zu sagen haben. Herr Dr. Buchenberger ist nicht so unvorsichtig, die Mittel zu verraten, durch die diesem traurigen Zustand abgeholfen werden könnte, und er läßt den gespannten Leser völlig im Dunkeln darüber, ob er diese Mittel nicht anerkennen will, oder ob er sie verschweigt, weil er tauben Ohren predigen •) Finanzpolitik und Staatshaushalt im Grotzherzogtmn Baden in den Jahren 1850 bis 1900 von Dr. Adolf Buchenberger. Heidelberg, Carl WinterS, Universttätsbuchhandlung 1602, würde. Er spricht sich ebensowenig vorüber aus. welchen Nutzen sein Land von der großen Kriegsflotte hat als über den Wert der neuen Flinten und Kanonen. Er überläßt das Urteil den„zuständigen Reichsiustanzen". Er verrät nicht, daß die Zuführung einer Reichs-Ein kommen- und Reichs- Vermögenssteuer bei gleichzeitigen Ersparnissen am Waffen- und Wassersport die finanzwirtschas lichen Verhältnisse des Reiches und damit auch der Einzel staaten mit einem Schlage günstig gestalten könnte, er verrät nicht, daß Deutschland durch die Verkümmerung seiner Erb schaftssteuer den besitzenden Klassen ein Privileg gewährt wie eS in andern modernen Staaten unerhört ist, und dessen Aufhebung die Erschließung eines ungeheuren Geldstroms bedeuten würde. Alle Reformarbeit, die nicht Hand an des Nebels Wurzel legt, niuß nutzlos bleiben. Jede„Ordnung" des Verhält niffeS der Reichsfinanzen zu denen der Einzelstaaten, die unter den heutigen Umständen den Versuch machte, die Staatsfinanzen vom Reich loszulösen, würde sogar die politische Situation verschlechtem. Solange nicht das Reich auf direkte Steuern gestellt ist, bleibt die Haftpflicht der Einzelstaaten für das Reich das einzige Mittel, um ein wenig die zügellose Heer-. Flotten- und Weltpolitik des Reiches zu hemmen. Die Schuld an der Zerrüttung der Finanzen in den Einzelstaaten trägt ja ihre Nachgiebigkeit gegenüber der Berliner Politik. Die Wahrheit aber, daß man einen Staat nicht wehrfähig macht, indem man ihm die Mittel zu seiner Kulturenttvickelung entzieht und die wirb schaftliche Kraft seiner Bevölkerung erschöpft, dürfte den zm ständigen Instanzen des Deutschen Reiches höchstens durch ein Exempel mit hinreichender Deutlichkeit bewiesen werden können._ politische Mebevficht. Berlin, den 9. Mai. Der Minister de» Versammlungsrecht». Ans der letzten Rede des Ministers v. Hammerstein über das Versammlungsrecht in Preußen, die wir bereits in ihrem ganzen Tiefsinn gewürdigt haben, verdient der wundersame Abschnitt nach dem Stenogramm der Erinnerung aufbelvahrt zu werden, in dem der Minister sich gegen die Verkümmerung des Versammlungsrechts der deutsch sprechenden Preußen richtete. Er führte auS: „Man kann sagen: in der Verfassung ist einem jeden Preußen das Recht geivährleistet, an öffentlichen Versamm- lungen und öffentliche» Angelegenheiten teilzunehmen. Soll dieses Recht etwa der großen Mehrzahl der deutsch sprechenden Preußen verkümmert werden zu Gunsten einer Minorität?(Unruhe bei den Polen.) Sollen sie in den Versammlungen, welche in gemischtsprachigen Gebieten statt- finden, mundtot gemacht werden?(Ändauenide Unruhe bei den Polen.) Soll es ein Recht geben nur für die nicht deutsch sprechende» Preußen, fiir die deutsch sprechenden Preußen aber dieses Recht verkünimert werden? Ich glaube, meine Herren, das ist nicht der Sinn der Verfassung und auch nicht der Sinn dieses hohen Hause«.(Sehr gut! rechts.)" Eifriger hat sich noch niemals ein preußischer Minister für das Versammlungsrecht begeistert; polnische Versammlungen er- regen ihm Mißbehagen. weil die deutsch sprechenden Preußen die polnischen Redner nicht verstehen können und so in ihren» verfassnngsmäßigen Recht verkümmert»verde» l Soll das Versaininlnngsrecht der deutschsprachigen Preußen gelvahrt werden, so ist das Versammlungsrecht der polnisch sprechenden Preußen i>n Rainen der Gerechtigkeit zu beseitigen! Es ist nur noch erforderlich, daß der Minister demnächst auch für die deutsch sprechenden Landslcute die gleiche Gerechtigkeit herbei- führt. In diesen Landestcilen muß aus gerechter Rücksichtnahme auf polnisch sprechende Minoritäten die deutsche Sprache verboten »verden. Damit wäre das Hammersteinsche Ideal des Bersanuuluiigs rechts erreicht.— Rus der Wahlbewegimg. Paris, 6. Mai.(Eig. Bcr.) Das Stichlvahl- Kartell der Radikalen und Socialisten(ministeriellen und— mit einigen Ausnnhme»— antiministeriellen) macht fich geltend iin ganzen Lande. Soeben haben die vier centrale» Wahlo»-gan>sationen der LüikS repnblikaner in einem geineiiisamen Aiifruf die Stichivahlpnrole ans gegeben:»Votiert für den a n t i n a t i o n a l i st i s ch e n Re- p u b l i k a n e r. der im erste» Wahlgang die meisten Stimmen er- halten hat l' Damit empfehlen sie den.republikanischen Wählern" auch socialistische Kandidaten überall, Ivo diese gegen einen Rationalisten im Kampfe stehen. Werden aber auch die radikalen Wähler die Parole befolgen? Die radikalen Kandidaten haben schon vorher i,n Namen der„republikanischen Diseiplin"— von wenigen AnS nahmen abgesehen— zn Gunsten von Socialisten ihre Kandidatur zurückgezogen. In G r e n o b l e wird der Linksradikale H n b b a r d für die Kandidatur deS bisherigen guesdistischen Abgeordneten Zövae« agitieren, und letzterer, der gegen einen Ratioualistm zu kämpfe» hat. wendet sich in seiner Stichwahl-Affiche„an die Repnbli kaner aller Schattierungen, um den Kanipf gegen die Reaktion zu unterstützen.. Dort hatte fich nänilich der radikale Kandidat nach einer heftigen Campagne gegen Zövaös ziinlckgezoge», ohne zu dessen Gunsten verzichtet zu haben. Roch mehr, eine Anzahl„au- gesehener" Wähler des Radikalen forderten hierauf ihre Grsininmgs- genoffen auf,„gegen den KolleftivisinnS nnd dessen Vertreter", d. h. für den Rationalisten zu stiminen. Feruer ist in Marseille, wo Genosse FlaissiireS, der Bürgermeister, in Stichlvahl gegen einen Mclinisten steht, der radikale Kandidat zu Gunsten des Melinisten zun'ickgctretri». Aber, wie bemerkt, sind diese reaktionären Seitensprünge radikaler Kandidaten eine AilSnahme. Ein ziveite»— gleichfalls verspätete?— Rundschreiben Waldeck-RousseauS an die Präfetten»vendet fich gegen die Verletzung der Wahlfreiheit durch Groß- industrielle(die freilich nicht genmn,t»verde»): tn gewffsen Wahlfreisen wurde»» nämlich die Arbeiter gruppenweise unter Aufsicht der Werkführer an die Urne geftihrt. Der Ministerpräsident verlangt nun Bericht über diesen Unfug, sowie die gerichtspolizeiliche Fest- stelluug»euer Vorkommnisse dieser Art am Stichwahltage. Man erfährt jetzt a» einem Beispiel, wie die Nationalisten das Geld der Mönchsorden»in Wahlkampf ausgeben. Genosse Nectoux, blanquiftischcr Kandidat in einem Pariser Bann- meilen- Kreis, hatte für die Stichlvahl zu Gunsten des Radikale» verzichtet. Würde er aber feine Kandidatur aufrechterhalten, so siegte mit seiner relativen Mehrheit der Kandidat der„Vater- l a n d s- L i g a". Die letztere ließ nun unserem Genossen, der ja ein„einfacher Arbeiter" ist, eine Geldsumme bis 3l)0l)Fr. anbieten, falls er seine Kandidattir aufrecht erhalten»vollte. Der Bestcchnngsvcrsiich»vurde natürlich vom armen Arbeiter zuvück- gewieseu und dann in einer Wahlversaminlnng"des radikalen Kandidaten an die Oeffentlichkeit gebracht.— Paris» 8. Mai.(Eig.Ber.) Die Vereinigung der linksrepublikanischen Parteien einschließlich der Socialisten beider Richtungen gegen die Nationalisten nimmt diesen jede Hoffnung, in der Stichlvahl ihre Geschäfte zu verbessern. In ihrer Vcrziveiflung greifen fie zu den schofelsten Manövern. Daß mehrere nationalistische Kandidaten zwischen den beiden Wahlgängen fich in„socialistische Republikaner" umgehäutet und da» Wort„nationalistisch" ganz ver- lernt habe»«, ist noch eine harmlose Kleinigkeit. Zu allerletzt hat die„Partei der honetten Leute" in einigen Pariser Kreisen Strohmänner aufgekauft, die unter„socialistischer" oder auch„radikaler" Maske dem einzigen Stichlvahl-Kandidaten der LilikSrepublikaner zwischen die Beine geworfen»verden. Die Haupt anfgabe der feilen Strohmänner besteht darin, die zurückgetretenen socialistische» bezlv. radikalen Kandidaten der— Käuflichkeit zu de- schuldigen, die betreffenden Wähler der Hauptlvahl von der Stimm» abgäbe für den Radikalen bezlv. den Socialisten abzuhalten— je liachdem in» Nmnen der socialen Revolution oder im Namen des Privateigentums.... Doch das ist hier zu Laude ein abgenutztes Manöver, das nicht dadurch»virksamer werden kaiin, daß es jetzt auf größerer Stufenleiter angelveiidet wird. Nach den nellesten Nachrichten ist«8 in Lille doch zu einer Verständigung zlvischcn den Guesdisten und Radikalen gekominen. Die zivei radikalen Kandidaten sind zn Guustcu unsrer Genossen, Delory und Gherquiöre. zurückgetreten, und letztere werden auch vom Ccntralkomitee der radikalen Partei empfohlen. M i l I e r a n d wird in seiner schlvererei» Bedrängnis u. a. von G u 6 r a r d, dem Generalsekretär der socialrevolutiouärei» Eisen bahner-Geiverkschaft, aktiv unterstützt. In Millerands Wahlkreis giebt es nämlich an die 3000 Eisenbahner und die Halttmg des Handels- Ministers nud der Regiernug bei Beratung des bekannten Eisen� bahner-Schutzgcsetzcs Bertcaux-Rabier-Janres hat ihm vleke Eisen- bahnerstimmen oblvendig gemacht. Auch Abg. Berteaux, der Haupt Urheber jener gescheiterten Rcfor»». spricht in Milleraiids Wahl Versammlungen zu Gunsten des gefährdeten Handelsmiiiisters. ebenso der»eugeivählte Abg. Aristide Brian d. Sekretär der „Fraiizöfischcn socialist. Partei"(Jaurösisten).— Chauvin, der guesdistischc Gegenkandidat Millerands, hat sich zurückgezogen und empfichlt seinen 1094 Wählern,„weder für Millerand noch für Pechin(Nationalist) zu stimmen." B r i s s o n hat auf die aussichtslose Stichlvahlprobe in Paris verzichtet. Zuerst lvurde ihm eine sichere Stichlvahl in Die lDröme) angeboten. Er machte sich bereits reisefertig, als der dortig» radikale Kandidat ans seinen großmütigen Entschluß zurückkam und seine eigne Kandidatur von neuem aufstellt«. Weim man weiß, mit welchem besonderen Haß die Klerikalen Briffon auszeichnen, so»»iß man hinter dem plötzlichen Frontivcchsel deS Radikalen wellig saubere Machenschaften ahnen. Schließlich hat Briffon das Anerbieten des bisherige» radikalen Abg. Chevillo»»Marseille acceptiert, der zu seinen Gunsten auf eine sichere Stichwahl verzichtet hat. Auch der Socialist Vaulbert folgte dem Beispiel ChevillonS. So ist Briffon in Marseille der gemeinsame Kandidat der Radikalen und Socialisten. In der Wahlcanipag»« von 1898, wie Genosse RoldcS, damals Gegenkandidat BriffonS, in, „Petit Sou" zeitgemäß erinnert, hatte übrigens Briffon wacker mit ocialiftenfresserischen Phrasen gearbeitet und neben der Gefahr von rechts auch die„socialistische Gefahr' an die Wand gemalt. Es ändeni sich eben die Zeiten und die— Wahlkreise. »< Deutsches Zteich. Das Herrenhaus hat fich am Freitag auf unbestinnute Zeit vertagt, nachdem es im Handuiiidrehen, wie es nur„gcboreueu" Gesetzgebern möglich ist, eine Reihe von Gesetzen, darunter die Sekundärbahu-Borlage'und die Novelle zum Haudelskammcr-Gcsetz, allgenommen und als Zugabe noch einige Petitionen beraten hatte.— Gegen die Politik der Gcsundhcitöri'icksichte« nahm in aufklärender Weife am Freitag eine»ach Berlin ein- berufene Versammlung von Interessenten der Nahmugs, Nittelbranche Stellung. Geheimer Medizinalrat Prof. Liebreich erörterte insbesondere die wissenschaftliche Haltbarkeit des Borsäurevcrbotes für die Kon- 'ervierung von Fleisch. Den Forschliugcn der Wissenschaft ans dem Gebiete dcr Nahruugs- mittelforschung stellen sich immer Borurteile und Interessen von Parteien entgegen nud führen in einen Kampf hinein, der die ruhige Laboratöriumsarbeit stört. Eine der Waffen ist das Ver- ekeln von NahrnugSmittclu. Als der Kakao eingefübrt wurde, gab es auch Interesse», die dagegen wütete». Man»aunte >en Kakao ein Getränk für Schweine. Auf hygienischem Gebiet niache sich ein gewissenloser Purismus geltend. So unhaltbar der Purismus ist, so ist er maßgebend geworden in den Kreisen der Machthaber. GesuudheitSsragen spitzen sich heute zu aus Eni- chcidungen des Rcichs-GesundhcitSanitS. Diese Entscheidungen könne man nicht alö allgemein feststehende wissenschaftliche Thatsachcn annehmen, sonst würde ja jede weitere w.ffettschastliche Fonchimg aufhöre», denn das Reichs-Gesundheitsanit könne fich auch irre» und es fehle an der Möglichkeit, die experimentelleu Unter- lagen der Entscheidungen nachzuprüfen. Wollte man de» Grundsätzen in der B e g r ü n d u n g des F l e i s ch b c sch a u- G e s e tz e s zu- stimmen, so könnte man der Wissenschaft Adieu sagen. Wen» heute in der Chemie oder Medizin cttvaS erfimden werde, komme geiviß irgend ei» Juleressent und verlange ein Verbot, weil die Er- indung ihm schädlich sei. Redner legt dann eingehend dar, daß die Tierversuche des Reichs- GeslmdheilsamtS eine sehr zweifelhafte Unterlage bieten. Versuche, die reine Doktorarbeiteu sind, dürfe>nan nicht zur Grundlage leglslatorischcr Arbeite» machen. Er könne weder für noch gegen Borax und andre Mittel sprechen. Sie seien unschädlich, lveml man sie in vernünftiger Weise anwende, 'chädlich, wen» es in unvernünftiger Weise geschehe. Jedes Zusatzmittel, Pfeffer, Senf zc.. werde im Uebcrmaß genossen, allmählich schädlich wirken. Wen» keine Schädigung der Gesundheit iiachgeivieseii sei, könne man nicht auf Grund experimenteller Ver- «che sagen, daß eine solche Scklädigling eintreten könne und daß zeshalb ein Verbot begründet sei. Weshalb verhalte man sich so chonend gegenüber der Kupfcrfärbung von Bohnen und Erbsen? Wie ein Flußlauf eine Selbst'äuberung vornehme, so scheide der Organismus auch schädliche Stoffe von selbst aus. Bei all den Stoffen, sei es Borsäure. Arsenik, schweflige Säure Zt., komme es immer nur auf die Quantitäten an. Darauf sprach Dr. med. G e r la ch- Wiesbaden über Bor- ä u r e il n d d e r e n S a l z e. Die praktische und wissenschaftliche Erfahrung gebe nicht den geringsten Anhaltspuntt für eine schädliche Wirkung von Borax und Borsäure. Im Gegenteil sei eS nach- gewiesen, daß die Magcuwände nicht angegriffen ivcrden nnd daß Borax für die Nieren unschädlich sei. Das Verbot schädige die Volks- eniährung der unteren und mittleren Krcüe, schädige den Volks- Wohlstand und die Industrie. Der Vorsitzende bringt eine Znschrift der Frankfurter u r st f a b r i k a» t e n zur Verlesung, worin dargelegt wird, daß die Frankfurter Wiirstiiidnsirie auf einen geringen Borzusatz nicht verzichten könne. Ein Verbot mache die nach Millionen zählende Wursttonieroen-Fabrikation unmöglich. Gerichtschemiker Dr. I e s e r i ch(Berlin): Nicht die Substanz an fich, sondern die Quantität bedinge die Giftigkeit. Wenn der Versuchshund des Reichs-GcsnndheitSamtes Borsäure nicht vertragen konnte, so sei das noch kein Beweis für die Schädlichkeit. Schließlich lvurde einstimmig folgende Resolution angenommen: Der seitens des hohen Bundesrats ausgesprochene AnSschlnst der Verwendung von Borsäure und borsanren Salzen zum Zivecke der Konservierung von Nahrungsmitteln ist durch wisscuschast- liche Gründe nicht zu rechtfertigen und aufrecht zn erhalte»." Ob dieser Beschluß Eindruck machen wird? Wir bezweifeln es, denn die regierenden Agenten des AgrariertumS pfeifen auf die Wissenschaft, von der sie nur reden, um irgend einen auständig kliitgeude» Grund für die Aussperrung amerikanischen Fleisches angeben zu können.—__ Schauderbar, höchst schauderbar! DaS Land Gotha steht seit einiger Zeit am Abgrund des Verderbens. Nicht nur hat es eine» Miuisterpräfidente», � der gegen den Wuchertarif aufgetreten ist. sondern sein Landtag besteht fast zur Hälfte auS Socialdemo- kraten. die in die Gesetzgebung des Landes bereits mancherlei Reformen eingeführt haben, welche nicht den Beifall der Reaktonäre haben. Und da« Verderben droht stets entsetzensvoller,»cuerdings berichtet die„Gothaische Landeszeitniig', ein lonservativ-ngrarisches Blatt: „Der parlamentarische Abend, mit dem unser zum- tägiges Verfassungsfest am Sonntag seinen Abschluß fand, wurde von dem Laiidtagsp'räsideiiten.OberbürgermeisterLi e b e t r an. im Hotel Wünscher ausgerichtet. Mit Ausnahme der agrarischen Ab- geordneten Troch und v. Wangenheim ivaren sämtliche 19 Mit- glleder de? gothaischen Landtags erschienen, also auch die neun socialdemokratischen. die sich im übrigen von der ganze» Feier ferngehalten hatten. Außerdem waren zugegen mehrere Zu dem Verfassungsfest herübergekommene Koburger Abgeordnete und die meisten Mitglieder des koburg-gothaischen Gesamtministerimn; im ganzen waren«tlva 40 Personen anwesend. Um 10 Uhr erschien auch Se. Durchlaucht der Regier» ngs-Ver- Weser... Ungefähr eine Stunde verweilte der Regent mit seiner Umgebimg in der höchst festlich gestimmten Gesellschaft, pflog mit vielen Herren anregende Gespräche und zog auch den ihm vorgestellten Reichstags- und Laiidtags-Abgeordneten Bock in eine liirze Unterhaltung.... Der glanzvolle Besuch einer Gesellschaft, in der die Social- demokraten anwesend ivaren, durch de» regierenden Landesfürsten wird und nillft überall peinliches Aufsehe» erregen. An der Bedeutsamkeit gewinnt dieser Vorgang noch dadurch, daß dazu die Verfassungsfeier benutzt wurde. Mit Spammng kau» man der fenieren Entivicklung der Dinge im Herzogtum Golha entgegeiiseheil. Die Stinimung im Lande üher die Zllkliiist ist keine sehr rofige." „Im Lande"— d. h. bei eiuigen lächerlichen Leuten, die den Untergang der Welt gekommen glaube», wenn die Möglichkeit ver- ringert wird, das rote Gespenst tanzen zu lassen. Verständige Menschen messen derartigen persönlichen Begegnungen eines Fürsten oder Regierungsverivesers n>it einem Socialdemokraten überhaupt keine größere politische Bedeutung bei. Wenn die Regierenden daraus einige Belehrung schöpfen sollten, die in der Gesetzgebinig zum AuS- druck gelangt, so wäre der Socialdemokratie auch solcher Erfolg willkomine». Die Socialdemokratie denkt zu gerecht, als daß sie irgend jemand anSnahmslveise ihre propagandistische Bethätigung versagen sollte.—' TaS Urteil im Krostgkprozeß ist am Mittwoch rechts- kräftig geworden. Wie die„Königsbcrger Hartungsche Zeitung" meldet, hat der koniinandierende General des 1. Armeecorps Frhr. v. d. Goltz verzichtet, das Urteil deS Ober-KriegSgerichtS von neunn durch das RechlSmittel der Revision an dos ReichS-Militärgericht anzugreifen. Damit hat der Prozeß sein Ende erreicht nud Marten wird im Juni, nach Berbüßung seiner einjährigen Strafe wegen Desertton, die Freiheit wiedergegeben werden.— Herr Lie. Mumm als Schleppenttäger ultramontaner Politik. Im rhcinisch-westfälischen Industriegebiet ist den Ultramontanen das iiiterkonfessionelle Mäntelchen für die im Grund« genommen doch nur ultramontanen christlichen Gewerkschaften höchst angenehm. Das evangelische Element in diesen Gewerkschaften ist verschwindend schwach vertreten nnd wird auch niemals stärker hervortreten. Und das ist für die Ultraniontane» verstärtt Beranlassung, die Jnter- konfessionalität als Dekoration beizubehalten, hinter der die ultta- montanen Ziele sich hübsch verstecken lassen. Da kann man sich vor- stellen, lvie die schwarzen Pfäfflein, geschorene und ungeschorene, ihre höllische Freude hatten, als der Herr Lie. Mumm aus Berlin ihnen im Rheinland die Geschäfte besorgte. Während man in den ulttaniontanen Blättern aus Anlaß des HereinfallS des Centrnms in Saarbrücken dort die Gründung christlicher Geiverkschafte» forderte, damit das Centrnm durch solche Hilfe siege, durchzieht Herr Lie. Mumm das schwarze Rheinland und agitiert gleichfalls ftir christliche Gewerkschaften! So fördern die Evangelischen die Sache der allein seliginachendcu Kirche— zur großen Genugthunng der katholischen Amtslollegen.— Ein Kulturbild. Ans Essen wird un« geschrieben: Der Arbeiter Josef Rosenmaken ans Holland war am 25. April auS dem Krankeiihause in Oberhansen entlassen worden. Vergeblich versuchte er Arbeit zu erlangen. In der Verzweiflung faßte er den Eutschlnß, laiigsam zn verhungern. Er begab sich in ctnen Tannenbusch mid hüllte hier sich in Lanb ein. So brachte er zehn Tage zn ohne jegliche Nahrung, dem Wind nnd Wetter.ausgesetzt, bis er endlich aufgefunden und in einen» Krankenhause untergebracht wurde. Die Christen vevteuer» das Brot, Arbeiter suchen den Hungertod l Gött- liche Weltordmmg!— Den Selbstmord eincS Soldaten verschuldet hat der Unter- offizier Beyer vom Pionier-Regiment Nr. 22 in Riesa, der sich vor dem Kriegsgericht in Chemnitz wegen systematischer Mißhandlung Untergebener k. zu verantlvorten hatte. Beyer ließ abends nach beendigtem Dienst noch 1 bis 2 Stunden Griffe üben und tyranisierte überhaupt eine Untergebenen durch wörtliche nnd t h ä t l i ch e Beleidigmigcn. Besonders hatte der Pionier Stemmler von ihm zu leiden. Diesen traktierte er mit Redensarten, wie:„Hund, ich ersteche Dich! Elender vollgefresscuer Hund, fette« AaS, elcudcS AaS, Mistbauer zc." Obgleich i.i in de» späten Abend geübt lvurde, mußten die Leute am' andren Morgen zeitig, einmal sogar schon um 2 Uhr nachtS, mit geputzte» Diustsachen antreten. Das Essen wurde warm ge- holt, aber niemand durfte zugreifen, ehe es kalt war. S t e m m I e r sollte so lange nicht essen, bis er K l i m ni z ü g e machen könne. Dieser mußte auch in der Kniebeuge verharren bis ihm die Kräfte schwanden, und am geheizten Ofen. mit dein Mantel angethan, zwei Stunden lang Stiefel schmieren. Außerdem wurde Stemmler in und außer dem Dienst geohrfeigt, gestoßen, getreten, an der Nase gezogen, in die Brnst gekniffen und gegen die Schränke geworfen. Andre Leute wurden ähnlich in i ß h a n d e l t, mit dein Leib- riemen über die Schulter geschlagen und in das Brnstfleisch ge- kniffen. Stemmler bat sich in eineni Briefe vom 3. November v. I. chou bei seiner Braut über die ihm widerfahrene Behandlung beklagt und Selb st mordgedanke u geäußert. Er bat aber, im Antwortbriefe nichts davon zu er- lvähne», sonst ginge eS ihin nicht gut. Am 8. Januar d. I. ver« schwand er von der Truppe und wurde später als Leiche aus der Elbe gezogen. Seine Braut ist davon über« zeugt, daß ihn die Schinderei deSAn geklagten in den Tod getrieben hat. Zehn Soldaten bestätigten überdies als Zeuge» die Behauplnngen der Anklage. Der Vertreter der Anklage betonte, daß der Angeklagte indirekt schuld daran sei, daß Stemmler den Tod gesucht und gefunden habe. DaS Gericht schloß sich dieser Meinung a» und verurteilte den Unteroffizier zu einen» Jahr sechs Monaten Gefängnis und zur Degradation. Ausland. Die Rache der belgische» Klerikalen. Brüssel, 8. Mai.(Eig. Ber.) Der Klerikalismus will weitere Opfer haben. Noch haben fich die Gräber der 12 Märtyrer kaum geschlossen, noch liegen linzähNge verwundete danieder, noch arbeiten die Tribunale mit einer in Belgien nie dagewesenen Härte gegen die Arbeiter, und sckou bereitet die Negierung einen neuen Coup im großen Stile vor. Wahrscheinlich bieten die Denunziationen der klerikalen und sogenannten.neutralen' Presse noch keinen genügend soliden Grund, um darauf«ine Anklage zu basieren. Die Re- giernng versucht es daher mit andren Mitteln und Wegen: So ist eine Untersuchung gegen die Redaktion des „Peuple" von der Staatsanwaltschaft eingeleitet worden. Es handelt sich dabei um folgendes: Die Redaktion des.Peuple' hat im Laufe des vorigen und dieses Jahres an ihre Abonnenten Revolver zu billigen Preisen verkauft. Die Anklagebehörde will nun ermitteln, ob zwischen dieser Abgabe von Revolvern und den Tumulten von Brüssel ein Zusammenhang bestehe; sie folgt damit den Aufhetzungen der klerikalen Blätter, welcke die Behauptung aufstellen,— wie das übrigens auch von deutschen Scharfmacherorgancn geschehen ist— die Revolver seien an die Angehörigen der soclalistischen Partei zu dem Zwecke abgegeben, sich derselben gegen die Sicherheitsorgane zu bedienen. Die Staatsanwaltschaft erschien selbst in den Räumen der Redaktion und vernahm das Personal. Dasselbe machte geltend, daß die Abgabe von.Prämien' an die Abouneiiten im.Peuple' seit Jahren üblich sei, wie das ja all- gemein auch von den Blättern aller Parteirichtungen in Belgien und Frankreich geschehe. In früheren Jahren habe man Uhren, Wecker, Ketten usw. zu billigen Preisen verkauft, diesmal Revolver. Durch die Bücher konnte nachgewiesen iverden, daß der Absatz von Re- volvcrn bedeutend geringer gewesen als au andren Gegenständen und ferner, daß seit Beginn der Unruhen der Verkauf von Revolvern eingestellt worden sei. Trotzdem wurde bei einigen Angestellten gehaussucht. Das Resultat war gleich Null. Alsdann verlangten die Gesetzeswächter die Namen der Wer- fasser der Berichte der Versammlungen seit Oktober vorigen Jahres zu wissen. Da die Redacteure ein phänomenales Gedächtnis nicht besaßen, war eS auch hier mit einer Ausbeute nichts. Schließlich zogen Staatsanwalt und Untersuchungs- lichter mit ihrem Gefolge unverrichteter Sache von dannen. ES ist indes möglich, daß man es in den nächsten Tagen mit andren Mitteln versucht. Die von der klerikalen Presse gemeldete nahe bevor« stehend« sensationelle Verhaftung ist bis heute noch nicht erfolgt oder will die Regierung damit bis zum Kammer- schluß warten? Äuch in Löwen ist man fieberhaft thätiz. So versucht man dort eine Anklage gegen densocialistischen Abgeordineten van Langendonck zu konstruieren. Der Untersuchungs- lichter giebt sich redlich Mühe, von den in H a f t befindliche» Manifestanten Geständnisse zu erlangen. Er sucht beispielsweise die Verhafteten durch folgende Auslasinngen zu Er- klärungen zu provozieren:.Langendonck ist schlau, er ist gesund und wohlbehalten und Ihr sitzt im Ge« sängnia für ihn'. Der Untersuchungsrichter läßt weiter die Eivilgardisten im Beisein deS Hauptmanns Dewet in seinem Bureau defilieren und stellt an jeden folgend« Frage:»Haben Sie gehört, daß Langendonck die Manifestanten aufgefordert hat, sich de? Hauses des Herrn Schollaert zu bemächtigen, und daß er bereit sei, als Posten zu beginnen?' Als ein Gardist mit nein antwortete, wurde er ohne weitere Worte zur Thüre gewiesen. Heute standen diese und noch andre ähnliche Borkommnisse in der Kammer zur Debatte. Der Minister der.Justiz' wußte nur von einer.gewissenhaften" Untersuchung zu berichten. Die Beweise des Interpellanten, Genossen Destree, waren für ihn natür- lich nicht maßgebend._ Oestreich-Ungarn. Da» Expose deS Grafen GoluchowSki. Das übliche jährliche Exposö des gemeinsamen östreichisch- ungarischen Ministers des Auswärtigen, das am Mittwoch in der Sitzung des Budgetausschusses der östreichischen Delegation gegeben wurde, behandelte neben einer ganzen Reihe von andren Fragen auch die Frage des Dreibundes und der Hände l s Verträge. Die Ausführungen Goluchoivskis über den Dreibund betonten gegen- über Bülo wS derzeitige» Extratouren- Rede, daß der Dreibund keineswegs tot sei, sondern im Gegenteil noch seinen vollen Wert besitze. Der Dreibund, dessen Gültigkeitsdauer im Mai 1903 ablaufe, gehe nmmrehr der Erneuerung entgegen. nachdem die drei Kabinette formelle Zusicherungen hinsichtlich ihrer besten Absichten ausgetauscht hätte», den zwischen ihnen bestehenden Alliancevertrag in seinem vollen Werte aufrecht zu er- halten und an die Unterzeichnung der einschlägigen Instrumente rechtzeitig zu schreiten.(Lebhafter Beifall.) Auf der Grund- läge fich gegenseitig deckender Interessen aufgebaut, jeder aggressiven Tendenz nach was immer für einer Seite bar, werde somit der eminent konservative Bund der europäischen Centralniächte auch weiter die hehren Friedens- ziele, denen er sein Entstehen verdanke, mit um so größerer Zuversicht verfolge», als er»ach den von berufener Seite wieder- holt abgegebenen Erklärungen über die n i ch t m i n d e r f r i e d- fertigenZiele des ihm gegenüberstehenden Z iv e i b u n d e s in dieser Gruppierung eine höchst wertvolle Ergänzung und Forderung seiner eigne» Slufgabeu wohl erblicken dürfe. Krama r.-z konnte sich diesen Ausführungen gegenüber nicht enthalten, B ü l r. w für seine mehr als laxe Behandlung des Drei- bundes allerlei Li'benswürdigkeiten zu sagen. Der deutsche Reichs- kanzler habe am 3. Januar mit aller Deutlichkeit erklärt, daß der Dreibund für Deutschland nur ein S i ch e r u n g s m i t t e I für seine frühere Eroberungspolitik bedeute. Angesichts dieser N>n iv e r t u n g deS Dreibundes sei für die Geheim- Haltung des Dreibundes kein ersichtlicher Grund mehr vorhanden. GolnchowSki beging übrigen? im weiteren Berkaufe seiner AuS- führimgen die Unvorsichtigkeit, auch den beiden ö st reichischen Zlveibiiuden die gleiche Tendenz der Aufrechtcrhaltung deS Friedens, de», Status quo, zuzuschreiben, die er an dem Dreibund gerühnit hatte. Ueber die Handelsverträge äußerte sich der Minister: Die IV» Jahre, die noch vor dem Erlöschen der gegenwärtigen Handelsverträge liegen, werden vollauf unsre Thätigkeit in Anspruch nehmen, und ivcn» auch ich mich der Erkenntnis nicht verschließe, daß die Verhandlungen zu deren Erneuerung auf manche Schwierigkeiten stoßen dürften, so glaube ich doch, daß dieselben der einigein guten Willen nicht so unüberivindlich sein werden, um nicht endlich zu einem allseitig a» n c h nr b a r e n Vergleich zu führen. Dies setzt allerdings ztvei Bedingungen voraus, einerseits eine» gewisse» Grad von Einsicht und Mäßigung in den wirtschaftlichen Kreisen der verschiedeneu in Betracht kommenden Staaten, um— ohne daß dabei die Preisgabe wirk- lich vitaler Interessen in Frage kommt— die Uebcrbriickung der zum Vorschein kominenden Gegenstände zu erniöglichen, anderseits, was uns speciell betrifft, eine vollständige Ueber- e i n st i in in u n g zwischen beiden Teilen der M o n- a r ch i e, um dem A u S l a n d gegenüber als geschlossenes und standkräftiges Ganzes auftreten zu können und uns nicht etwa durch mangelhafte Bestellung des eignen Haus- Halles schon a priori in Nachteil zu versetzen.(Hört, hört!) Daß von jeder Seite einige Opfer gebracht werden müssen, um zu einer billigen Verständigung zu ge- langen, daß vor allem die Alliierten beachten müssen, sich mit- einander abzufinden, um einen vertraglosen Zustand zu vernreiden und ihre wirtschaftlichen Beziehungen mit den politischen möglichst in Einklang zu bringeü, scheint mir ziemlich einleuchtend zu sein.'— Bevorstehende Neubewaffnung der Artillerie. Im Budget- ausschuß der östreichischen Delegation bemerkte der Reichskriegs« minister von Krieghammer: Die Entscheidung über ein neues Feldgeschütz werde noch einige Zeit erfordern, um die ein- gehenden Versuche mit den neuen Modellen des Rohr- rücklaufgefchützes, welches nach allgemeiner Ansicht daS Geschütz der Zukunft sein dürfte, zu beenden. Dies sei kaum vor dem Frühjahr nächsten JahreS zu erwarten. Ueber die Kosten der N e u b e w a f f n u n g der Artillerie könne die Regierung derzeit noch keine bestimmten Angaben machen; jedenfalls aber würden die bezüglichen Forderungen auf drei Jahre der« teilt und das gesamte Material im Jnlande beschasst werden.-- Italien. Turati» der seine Wiederwahl im 5. Mailänder Wahlkreise mehrfach abgelehnt hatte, machte schließlich die Annahme des Man- dats von der Zustimmung der Mailänder.Socialistischen Föderation' abhängig. Es ist dies die' alte Mailänder Partei-Organisation, von der fich Turati und sein Anhang seiner Zeit getrennt hatten. In ihrer letzten Sitzung hat die Föderation der Wahl Turatis zugestimmt.— Rußland. Eine Auferstehung. Im vorigen Jahre während der Früh- jahrsunruhen fiel bekanntlich die russische Zeitschrift„Das Leben' einem Censurstreiche zum Opfer. Ihre Redacteure und Mitarbeiter, unter ihnen der berühmte Schriftsteller Maxim Gorjki, wurden ins Gefängnis gesteckt, später freigelassen und aus Petersburg ver- bannt. Seit Ende März erscheint nun diese staatsgefährliche'Revue unter dem alten Titel.DaS Leben'(Oa vie. Eevue litteraire, politique et scientifique) in London. Ihre erste Nummer, die Ende März erschienen ist, stellt einen stattlichen Oktavband von 4M Seiten Text und Illustrationen mit einem Anhang von Sö Seiten dar, und ihr reicher Inhalt zählt sicherlich zu dem Besten, was die moderne politische Litteratur Rußlands geleistet hat. Neben friissischen Originalbeiträgen, die die Zustände des heiligen Zarenreiches beleuchten nnd über die Bewegung des Proletariats und der Studentenschaft Aufschluß geben— auch die polnische und lettische Bewegung finden dabei besondere Berück- sichtigung— enthält der Band Uebertragungen von G. Haupt- manns.Webern", Bebels Programinredc in Hannover, einen Artikel von Hubert Lagardelle, Das Proletariat und die Armee, zahlreiche Gedichte und Illustrationen. Diese Wieder- auferstehung eines tapfere» Streiters mag als neuer Beiveis dafür dienen, d-.ß der mächtigen russischen Freihcitsbeivegung mit beschränkten und barbarijchen Polizeimaßregeln nicht beizu- kommen ist.— Asien. Die neue Boxer-Erhebung. Dem„Standard" wird aus Tientsin telegraphiert, die aufrührerische Bewegung in der Provinz Tschili sei in der Ausdehnung begriffen. ES seien wieder Angriffe auf christliche Kirchen und Missionäre gemacht worden. Die Zahl der Aufständischen Iverde auf 40 000 Mann geschätzt. die gut bewaffnet seien. Bis jetzt sei eS den Truppen des BicekönigS Juanschika» durchaus mißlungen, die Erhebung niederzuschlagen; die Behörden seien nun bemüht, die Aufständischen durch Geldgeschenke zur Ruhe zu bringen. Nach einer Pekinger Depesche des Renterschen Bureaus ist dem Bischof Favier die Mitteilung zugegangen, daß an den Ilnruhen in Tswili 10 000 Bewaffnete mit einigen Geschützen teilnehmen. Eine gleichzeitige Meldung anS Hongkong lautet be- rnhigender. Ein allgemeiner frenidenfeiiidlicher Ausstand nach Art der Boxer-Unruhen sei nicht im Gange. In örtlich eng um- grenzten Bezirken sei eS zu Gewaltthätigkeiten gegen Missionare ge- komnien. Die Berichte darüber seien aber nicht frei von Uebertreibungen gewesen. Es werde nicht daran gezweifelt, daß die chinesischen Truppen, trotz eines verlorenen G e f e ch t e s, der B e iv e g u ii g gewachsen seien, die ihren Höhepunkt vermutlich schon überschritten habe. Auch der Aufruhr in den Kuang-Provinzcn wird in Hongkong ruhiger beurteilt, als in den französischen Kreisen Caiitons.—' Amerika. In der Botschaft de» argentinische» Präsidenten, mit der am Donnerstag der Kongreß eröffnet wurde, heißt es, die Republik lebe mit allen Ländern im Frieden, die Fragen betreffend die Grenzen seien erledigt beziehungsweise ans dem Wege freundschaftlicher Lösung. Die chilenische An- gelegenheit Iverde demnächst geordnet werden und werde zwischen beiden Republiken herzliches Ein- vernehmen herstellen. Die Einkünfte deS Staates seien gestiegen trotz großer außerordentlicher Ausgaben, welche die Nation gehabt habe, und hätten über den Voranschlag hinaus einen Ueber- fchuß von ö Millionen Papierpiaster ergeben. Von der inneren Schuld feien 6 Millionen Papierpiaster und eine Million Goldpiaster amortisiert worden. Auch die auswärtige Schuld sei erheblich ver- ringert. Die Zinszahlung iverde gewissenhaft bis zur völligen Tilgung geleistet werden. Ackerbau und Viehzucht, die Hauptguellen des Reichtums des Landes, machten außerordentliche Fortschritte. Nie bisher sei eine so große Fläche Land bebaut gewesen, wie jetzt. New Dork(St. Domingo), 0. Mai. Einem Telegramm aus Port au Prince zufolge hat Präsident Sam die Präsidentschaft niedergelegt. Der Kongreß wird am 12. d. M. zur Wahl seines Nachfolgers zusammentreten. Die Hauptstadt ist nihig. Das Nachspiel der Möncheaer Maßkragschlacht. München, 8. Mai.(Eig. Ber.) Unter ber Anklage, sich an den Aiisschreitiingen in der Hoensbroech- Versammlung am 10. März dieses Jahres beteiligt zu haben, standen gestern vor dem hiesigen Schöffengericht 12 fast ausschließlich den „besseren Ständen" angehörige Herren, nämlich ein adeliger Arzt, ein Rechtsanwalt, ein Redacteur, ein Schriftsteller, ein Pvstexpeditor, ein katholischer Geistlicher, ein Holzhändler, der Geschäftsführer des ultramontanen Eisenbahner-VerbandeS, ein Ministrant der Domkirche, ein Maschinist, ein Werlführer und ein Zahntechniker. Sämtliche Angeklagten gehören teils der liberalen, teils der christlichsoeialen Partei und dem Centrum an. In der Verhandlung, die den ganzen Tag bis Mitternacht dauerte, konnte trotz eines großen Zeugenapparates nicht festgestellt werden. wer die faulen Eier und die Stinkbomben auf den Grafen Hoensbroech und das jungliberale Komitee geschleudert hatte; auch ließ sich kein Antiliberaler ermitteln, der mit Maßkrügen gearbeitet hätte. Lediglich dem Zahntechniker konnte von Zcngen nachgewiesen iverden, daß er mit einer Anzahl von Maßkrügen seine Gegner bombardiert hatte. Und dieser Zahntechniker ist ein Liberaler I Aber deswegen sind die Klerikalen keineswegs die unschuldigen Lämmlein, als die sie fich vor Gericht aufspielten; mir hatten sie die Sache so geschickt arrangiert, daß man ihnen eben nichts beweisen konnte. ' Im übrigen zeigte die Verhandlung, daß die Angehörigen der sogenannten gebildeten Stände absolut keine Ursache haben, sich bei Exe essen ungebildeter Arbeiter als Sittenrichter aufzuspielen. So soll der angeklagte juiiglibcrale Rechtsanwalt den Mitangeklagten anti- semitischen Postexpeditor auf den Boden geworfen und geprügelt haben. Der Geprügelte behauptete nun, er habe auf dem Bauch am Boden; gelegen der Anwalt dagegen sagte aus, sein Gegner habe auf dem Rücken gelegen, er wisse das ganz genau, denn er habe noch die Absicht gehabt, ihm auf die Brust zu knieen! Der angeklagte g e i st l i ch e H e r r, ein Benestziat von St. Peter, erklärte„b ei sei n er Priester ehre', er habe fich ganz ruhig verhalten; insbesondere verwahrte er fich gegen die Behauptung eines hiesigen Blattes, daß er auf den Fingern gepfiffen habe wie ein Vi eh treib er. Der Mann Gottes wurde aber durch einen Zeugen und zwar noch dazu durch einen Meßner von St. Johannis arg blamiert. Dieser sagte aus, er müsse„leider Gottes" bestätigen, daß der Herr Benestziat so skan- datiert und geschrien habe, daß er ganz heiser wurde; dann aller- dings— als er nämlich nicht niehr konnte— wurde er ruhig. In gleichem Sinne sagte ein andrer Zeuge aus. Recht niedlich waren auch die Titulaturen, mit denen sich die bürgerlichen Herrschaften bekoiiiplimentiert hatten. Mit einem ge- wissen Stolz gaben sie zu, Ausdrücke gebraucht zu haben, wie: Laus- buben, Lumpengesindel, Strizzi, Hundskerl, Judenknecht, Pfaffen- knecht, Saupfaff u. s. f. Der liberale praltische Arzt Dr. v. S. soll zu einem höheren Beamten sehr gesetzten Alters gesagt haben: Halten Sie die Fresse, Sie ganz gemeiner Kerl, sonst haue ich Ihnen eine runter! Einer der Angeklagten giebt zu, dreingeschlagen zu haben, weil er dachte,.damit die Lente eher zu be- ruhige n". Das Urteil lautete für 11 der Angeklagten auf Freisprechimg, da ihnen ein Verschulden nicht genügend nachgewiesen werden konnte, der zwölfte Angeklagte, der liberale Zahntechniker, muß für das ihm nachgewiesene Werfen mit Maßkrügen 80 M. blechen oder 6 Tage brummen. Möchten doch Arbeiter, die sich einmal vergessen haben, auch stets so milde Richter finden!_ Im Dienste der Kriegervereine. Durch energisches Vorgehen haben unsre Parteigenossen in Fürstenwalde eine wertvolle Feststellung darüber erreicht, wozu die Mitgliederlisten socialdemokratischer Vereine dienen können. Sie glaubten, wie die„Märkische Volksstimme", unser Forster Parteiblalt mitteilt, die Erfahrung gemacht zu haben, daß die dortigen Kricgervereine nicht nur ein Verzeichnis der socialdemokratischen Stadtverordnetenwähler, sondern auch eine Mitgliederliste des socialdemokratischen Wahlvereins in Händen hätten. Gegen die Liste der socialdemokratischen Stadtverordneten- Wähler ist weiter nichts zu machen; die Abstimmung ist öffentlich und jedermann kann sich über die Abstimmung eines Wählers unter- richten. Immerhin beweist eS eine besondere Intimität zwischen Be« Hörden und Kriegervereinen, wenn diese gleich die vollständige Ab« stimmungLliste besitzen, denn ohne besonderes Entgegenkommen der Behörde dürfte es trotz der öffentlichen Abstimmung kaum jemand möglich sein, sich solche genaue Liste zu verschaffen. Aber da es sich auch um die Mitgliederliste handelte, führten die Parteigenossen Be- schwerde bei der Polizeiverwaltung. Da sie hier kurz abgewiesen wurden, führten sie die Beschwerde weiter und darauf erhielten sie folgende Antwort: Der Königliche Landrat deS Lebuser Kreises. Seelow, den 16. April 1902. Auf Ihre Beschwerde an den Herrn Regierungspräsidenten vom 17 v. M., die mir zur Bescheidung überwiesen worden ist, erwidere ich Ihnen nach stattgehabter Ermittelung, daß das v o n I h n e n d er Polizeiverwältung eingereichte MitgliederverzcichniS den Kriegervereinen nicht überlassen worden ist. Das von denselben benutzte Verzeichnis soeialdemokratisch gesinnter Männer hat viel- mehr ein Beamter aus eignem Willen ohne Zuthnn der Polizeiverwaltung bei Gelegenheit der Stadtverordneten-Wahlen und nur für seinen Privatgebrauch angefertigt, ei aber den Kriegervereinen zur Durchsicht überlassen. DaS ist gesetzlich nicht unzulässig, denn da die Wahlhandlung und Stimm- abgäbe öffentlich erfolgt, kann jeder Wahlberechtigte Ber» aniassung nehmen, sich über die Parteirichtung der Wähler zu informieren. Daß die Polizeiverwältung nicht befugt ist, die amtlichen Mitgliederlisten Ihres Vereins den Kriegervereinen zur Verfügung zu stellen, ist ihr bekannt. v. d. Marwitz. Nach dieser Antlvort scheint zwar nichts besonderes passiert zu fein; immerhin bleibt noch die Frage offen, ob den Kriegervereinen nicht vielleicht eine Abschrift der eingereichten Mitgliederliste überlassen worden ist. Auch fällt es auf, daß sich ein Beamter„für seinen Privatgebranch" solche Proskriptionslisten anfertigt. Besteht der private Gebrauch vielleicht darin, die Listen auf Wunsch den Interessenten zu überlassen? Aber die scheinbar so harmlose Darstellung de? Landrats war eigentlich schon vorher desavouiert durch die viel früher ergangene erste Erklärung der betroffenen Polizeiverwaltung, welche lautet: Polizeiverwältung. Fürstenwalde(Spree), 20. Februar 1902. Dem Vorstand steht ein Recht zur Kontrolle, was mit den diesseitigen Listen geschieht, nicht zu. Wir bemerken hierbei, daß uns die Pflicht obliegt, die hiesigen Militärvereine dahin zu überwachen, daß Personen, welche fich zur socialdemokratischen Partei bekennen, nicht aufgenommen werden nnd daß. falls solche Personen bereits aufgenommen sind, von uns die Entfernung aus dem Verein gefordert werden muß. Zu diesem Zweck haben mir das Recht, unsre Listen mit denen der Militärvereine zu vergleichen. Kenn die Polizeiverwaltung selber gar nichts mit der Sache zu thun hätte,— wie eS nach dem Schreiben des Landrats scheint— und nur die private Handlung eineS unverantwortlichen Beamten vorläge, dann wäre es doch recht merkwürdig, daß die Polizei« Verwaltung sich vorher selber anilich zu der Einmischung bekennt. Es bleibt nur die Annahme übrig, daß die Ermittelungen des Land- rats nicht die richtigen und vollständigen Resultate zu Tage ge« fördert haben und daß dieS Schreiben der Polizeiverwältung vom 26. Februar den Thatbestand richtig darstellt, soweit nicht etwa das Schreiben des LandratS eine Ergänzung deS Schreibens der Polizei- Verwaltung ist. Soviel geht aus den beiden Schriftstücken jedenfalls deutlich hervor, daß Beamte und Behörden ihre amtlich erlangte Wissenschaft im Dienste der Kricgervereine verwenden, die doch keine öffentliche Einrichtung, sondern nur private Veranstaltungen sind. Wie weit dabei von den Mitgliederverzeichnissen des socialdemokratischen Vereins Gebrauch gemacht worden ist, bleibt noch aufzuklären. Es bleibt noch anfzu- klären, was die Polizeiverwältung unter den„diesseitigen Liften" versteht, und ob daS Schreiben des LandratS auch sagen will, daß den Kriegervereinen auch keine Abschriften der»amtlichen" Mitglieder- listen überlassen worden seien. Bei den Widersprüchen zwischien den beiden Schriftstücken ist solche Aufklärung dringend nötig, und die Parteigenossen in Fiirstenwalde würden sich ein Verdienst erwerben in deni Kampfe gegen die polizeiliche Bevormundung der politischen Vereine, wenn sie sich bei der Antwort des LandratS nicht beruhigten. sondern weitere Aufklärung forderten. Voliieilichos. Gerichtliches usw. — Keine Arbeit findet die Strafkammer in Wiesbaden in dem Verteilen von Flugschriften an Sonntagen. Im November und Dezember vorigen Jahres, zur Zeit der Neichstagswahl, verteilten in verschiedenen Orten des Rheingaues au Sonntagen socialdemo- kratische Arbeiter die Flugblätter„Zur ReichstagSwahl" und„Die Befteueruiig des Hungers". Sic erhielten deshalb Strafverfügung, welche sie der richterlichen Entscheidung iiitterstellte». Das Schöffengericht zu Rüdesheim sah, getreu der Kammergerichts- Entscheidung, in der Thätigkeit der Beschuldigten«ine.öffentlich be- merkbare Arbeit" und verurteilte sie unter Aniiahine mildernder Umstände zu einer Geldstrafe von je 1 Mark. Gegen dieses Urteil legten die Angeklagten Berufung ein. Sie beriefen sich zunächst auf den§ 43 der Gcwerbe-Ordiiuiig, welcher das Verteilen von Flugschriften während der Wahlzeit ohne polizeiliche Er- laiibnis gestattet, bestritten dann aber auch, daß ihre Thätigkeit bei dem Verteilen der Flugblätter als Arbeit aufzufassen ei. Die Strafkammer sprach sie frei und legte auch die ihnen notwendig erwachsenen Auslagen und die Kosten der Verteidigung der Staatskasse auf. I» der interessanten Begründung wird ausgeführt, daß es dahingestellt werden könnte, ob die Thätigkeit der »ngellagten als Arbeit im Sinne der fraglichen Verordnung auf' zufassen sei. jedenfalls aber sei, um den Thatbestand des Z 1 der Verordnung zu erfüllen, erforderlich, dah die Thätigkeit geeignet sef das religiöse Gefühl der Allgemeinheit zu verletzen.' Und das könnte von dein ruhigen Austeilen von Flugblättern nicht behauptet werden. — Sofortige Verhaftung verfügte, wie bereits mitgeteilt, die Strafkammer des Landgerichts Beuthen gegen Genossen Haase zur Verbühung der ihm zudiktierten 9 Monate Gefängnis. Diese An ordnuiig wurde nach dem Bericht der parteilosen„Kattowitzer Zeitung dainit begründet, dab die östreichische Grenze sehr nahe sei und es daher leicht möglich erscheine, dah der Angeklagte seine Zeitung von Oestreich aus verbreite. Wenn der Berichterstatter des Blattes richtig berichtet, so ist das so gut wie gar keine Begründung. Es ist ja nicht die Aufgabe des Gerichts, zu verhindern. daß der Angeklagte seine Zeitung weiter verbreite, sondern es soll nur dafür sorgen, daß er sich der Berbiißung seiner Strafe nicht entziehe. Die Zeitung des Verurteilten wird nach wie vor verbreitet werden. Aus Induptvio und Hsudel. Der aiuerikanifche Dampfertrust. Noch immer befolgen die um Trust beteiligten Schiffsgesellschaften die Taktik, sich über die wichtigsten Bestimmungen der Trustierung ausznschweigen, und so iveit sie sich hin und wieder zu kleinen Veröffentlichungen veranlaßt fühlen, sind diese absichtlich so vieldeutig abgefaßt, daß sie mehr zu raten aufgeben als klarstellen. Dennoch sickert»ach und nach manche Mitteilung durch, die bestätigt, daß es sich für die amerika nischen Macher des Uuternehnrens keineswegs nur um eine Regulierung der Fracht- und Passagierpreise handelt, wie zuerst verkündet wurde, sondern in der Hauptsache darum die großen englischen und deutschen Reedereien den besonderen Interessen der amerikanischen Eisenbahn- Gesellschaften und dem Exportbedürfnis der Trusts dienstbar zu machen. So berichtet die „New Jork Post", daß mehrere der bedeutenden amerikanischen Eisenbahnen wesentlich am Dampfschiffahrts- Trust beteiligt seien und erwarteten, sich als Haupteigentümer zur Geltung bringe» zu können. Es tviirden aber Anstrengungen gcniacht, die Angelegenheit möglichst geheim zu halten wegen' des Wider- standes, der sich im Auslande hiergegen zeige und der auch hier ent- stehen könnte. wenn die Thatsachen bezüglich der Eigentums Verhältnisse bekannt würden. Von gutunterrichteten Kreisen würde zugegeben, es sei beabsichtigt, die auf dem Atlantische» Ocean ver- kehrenden Linien den Interessen der größten Eisenbahnen und Transport-Unternehmungen der Vereinigten Staaten dienstbar zu machen. Zugleich veröffentlicht heute die White Star- Compagnie den Wortlaut ihres vom 4. Februar d. I. datierenden Abkommens mit den, Morgan-Shndikat. Die Kontrahente» find, heißt es darin, die White Star-, die Dominion«, die American- und die Atlantic Transport-Linie und I. P. Morgan u. Co. Zweck des Abkommens ist der vor dem 31. Dezember d. Js. durchzuführende Erwerb deS Besitzes obiger Gesellschaften und Uebernahme des Be triebes derselben durch eine amerikanische Korporation, die unter der Direktion der Verkäufer orgauisiert wird mit einem Kapital von 120 Millionen Dollar/ davon 60 Millionen Vorzugs- aktien. mit 6 Proz. verzinslich, und 60 Millionen gewöhnliche Aktien mit 10 Proz. verzinslich, und dazu kommen als Ncbeusicherheit 60 Millionen Trust-Obligationen(oöllateral trust. äsbsnturss) mit 4M» Proz verzinslich und»ach 6 Jahren mit 106 rückkaufbar. Folgende Schiffnhrtswerte sollen erworben werden: 760 Anteil' scheine a 1000 Pfund der White Star-Linie, das Geschäft von Jsmay, Jmrie u. Co., einschließlich der Stellung als Leiter der Oceanic Steam Navigation Coinpany, alle Anteil scheine der Dominion- Linie einschließlich der Mississippi- and Dominion-Steamship-Company. das Vermögen, sonstiger Besitz und Aktiva der Americau-Linie und der Atlantic-Transport-Linie, 118 463 gewöhnliche Aktien und 58 703 Verzugsaktien der Leyland- Linie. Die Käufe der Korporation gelten vom 1. Januar 190l. Die Korporation wird unter de» Gesetzen des Staates Neiv Dork oder eines andern von Morgan ausgewählten Staates organisiert werden. Die angegebenen Werte entsprechen einer Summe, die zehnmal so groß ist, als die Reineinnahmen der White Star- und der Do- minion-Linien im Jahre 1900. Der Wert der American- und der Atlantic-Transport-Linien lvird auf 34168000 Dollar bemessen und derjenige der Leyland- Linie auf 11736 000 Dollar. Die Morgan-Gesellschaft wird sich bemühen, ein Syndikat zu bilden, an den, die Verkäufer sich beteiligen können, um von den Verkäufern 60 Millionen Dollar Collateral Trust DebentureS, 26 Millionen Dollar Stannnakticn und zweieinhalb Millionen Dollar Vorzugsaktien der Korporation gegen 60 Millionen Dollar bar käuflich zu übernehme». Dieses Syndikat garantiert also den verkaufenden Gesellschaften die ihnen seitens der Korporation zustehende Kaufsumme durch teilweise Uebernahme der von der Kor- poration ausgegebenen Aktien und Obligationen. Das Abkommen entspricht unbedingt nicht dem jetzigen Umfang des Unternehmens, sondern giebt das Bild eines früheren Stadiums der Kombination wieder. Die Miteinbeziehung der holländischen Amerika-Linie wird nicht erwähnt, obgleich ihr Anschluß an den Trust zweifellos ist. Auch die Thatsache, daß»eben den 60 Millionen Trust-Obligationen die englischen Gesellschaften nur 25 Millionen gewöhnliche Aktien und L'/z Millionen Vorzugsaktien zu- gewiesen erhalten, also über drei Viertel der Gesamt- aktien in amerikanischem Besitz bleiben. deutet darauf hin, daß beim Abschluß des Vertrages eine iveitere Ausdehnung des Trusts über die im obigen Bericht genannten Linien hinaus ge- plant gewesen sein muß. Welche Linien das sind, auf deren Anschluß noch sonst spekuliert, bleibt ungewiß. Die Holland- Amerika-Linie ist nach de» eigne» Angabe» ihres Direktors dabei; aber welche Linien sonst noch? Von der Cunnrd- Linie wird in englischen Blättern berichtet, daß sie beschlossen habe, zu Angeboten für den Bau eines neuen für den Passagierdienst nach New Aork bestimmten Dampfers aufzufordern, der enva 1 Million Pfund Sterling kosten und der schnellste bisher verkehrende Dampfer »verden solle. Und es wird hinzugefügt, dieser Beschluß solle zu er- kennen geben. daß die Gesellschaft nicht beabsichtigt, die Linie in andre Hände übergehen zu lassen, sondern daß»veiterhin die Politik verfolgt»verde» soll, es mit allen Mitbeiverbern aufzunehnicn. Weiter»vird aus London berichtet, zlvischen Mvrgan und Harland Wolff in Belfast sei ein Abkomnicii getroffen»vorden, nach »velchem letztere sich verpflichten, nur für den Trust zu bauen, sich aber das Recht vorbebalten, Aufträge von der Hainbnrg-Amerika- Linie anzunehmen. Der Trust verpflichtet sich, alle Aufträge für neue Schiffe oder Reparaturen, welche in, Vereinigten Königreiche zur Ausflihrung zu gelangen haben. Harland Wolff zu überlragen. doch soll der Trust durch das Abkommen nicht gehindert sein, neue Schiffe oder Reparaturen in den Vereinigten Staaten in Bestellung zu geben._ Geivevlts/estündig an. In Obcrschlcsien sind 66 Prozeirt der Belegschaft bei der eigeirtlichen Kohlengeivinnung thätig, in Rheinland-Westfalen»»»r 60 Proz. Hingegen sind in Oberschlesien nur 16 Proz., in, Ruhrgebiet aber 28 Proz. der Beleg- schaft als Reparaturhauer thätig. Würde man die Leistung pro Stunde berechnen, unter Einziehung der indirekt produktiven unter- irdischen Mannschaft, dann Ivürde sich eine höhere Leistung des Ruhr« Bergmannes gegenüber den, Oberschlesier herausstelle»». An der Ruhr steht der eingeivanderte Schlesier hinter dem Einheimischen zurück. In deinselben Maße wie der Bergbau in größere Tiefen dringt, komnrt eben die Intelligenz der Arbeiter zur höheren Geltung. Uu, dieselbe aber zu entivickeln, bedarf es größerer Arbeitspausen. Auch wenn die Arbeitszeit jetzt,»vie einige Werke wollen, verlängert würde, würde die Leistung ihre sinkende Tendenz beibehalten. Reiche Erfahrungen belveisen sogar, daß bei gleichbleibender, lai»ger Ar- beitszeit die Leistung rascher sinkt, als ivei»n die Schicht nach un� nach verkürzt wird.' In Niederschlesien haben einige Gruben bei Einführung des Achtstundentages(1900) eine höhere Leistung pro Kopf erzielt, in den Vorjahren»var die Leistung gesunken. Die Saar-Berg- leute erhielten 1839 eine Stunde Schichtverkürzung und ihre Leistimg stieg I In der Rosfiger Bergbaugesellschaft lieferte 1832— 1884 in IlVestündiger Schicht ein Hauer 20,83, hingegen 1901 in neunstündiger Schicht 22,06 Metercentner Kohlen. Die Änwendung von Bohr- und Schräm, naschinen in dem Umfange, wie in Nordamerika üblich, bedingt eine höhere Arbeiterintelligenz,»vie»vir sie zur Zeit im deutschen Bergbau besitzen. In Nordamerika erhöhte sich infolge der »veitverbreiteten Verivendung von Arbeitsmaschinen bei der Kohlen- getvinnung die Arbeiterleistung pro Kopf 1330—1900 von 374 auf 630 Tonnen. Der amerikanische Bergmann schafft durchschnittlich jährlich nur 200 Schichten a 8 Stunden; der deutsche Kohlengräber verfährt 300 Schichten. Weshalb macht man sich bei uns solche Er- fahrungen nicht zu Nutze?" Die hier angestellten Vergleiche bestätigen avfs neue, worauf »vir erst dieser Tage bei Betrachtung der Zahle» des amerikanischen Census über die industrielle Produktion Amerikas hinlviesen: Bei kurzer Arbeitszeit und unter Anwendung aller technischen Hilfsniittel leistet der amerikanische Arbeiter außerordentlich viel mehr»vie der deutsche; er hat dcSivegen einen viel höheren Lohn und trotzdem das amerikanische Kapital dabei noch eine sehr hohe Ver- zinsung erzielt,»vird doch so billig produziert, daß die anierikaiiischen Produkte iminer gefährlichere Konkurrenten auf den» Weltmarkte»verde». Im deutschen Bergbau aber werden die Arbeiter jetzt entlassei?.»veil sie sich»veigeri», noch länger für noch»venigeren Lohn zu arbeiten, »vie bisher._ Eine Konferenz der GewerbcgerichtS- Beisitzer Mittel- frankeuS sArbeitervertreter), die vor einigen Tagen in Nürnberg stattfand, nahm folgende Resolution an: „Die Konferenz der Gewerbegerichts-Beisitzer MitielfrankcnS niinmt mit Bedauern Kenntnis, daß die in Leipzig und Halle ein- gesetzten Koimnissionen nicht rechtzeitig dahin gcivirkt haben, die Stellung der Gewerbegerichts- Beisitzer in, Verband deutscher Gelverbegerichte zu regein. Dieselbe erwartet mit aller Bestimmt- heit, daß die neue Berliner Kommission diesbezüglich ihre Pflicht thun»vird." Die Auswanderung aus Norwegen ist in den letzten Jahren bedeutend gestiegen. Nach den Angaben des Statistischen Central- bureaus iva'ndert'en im Jahre 1901 14 210 Personen über norivegische Häfen aus, davon»varen 12 746 Noriveger, 1394 Schivedeix»nd 71 gehörten andren Nationen an. 1900»vor die Zahl der Emigranten über Norlvegen 12 407, davon waren 10 931 Noriveger, 1899 wanderten 7372 aus(6699 Noriveger), 1898: 5410(4869 Noriveger), 1697: 6236(4669 Noriveger). „Verdens Gang" vern»»ltct, daß die Ausivandernng im laufenden Jahre einen größern Umfang aniiiunnt als je zuvor. In de» ersten vier Monaten dieses Jahres sind nämlich schon 10 000 Personen ausgeivaudcrt, das ivürde. auf das Jahr berechnet, 30000 ausmache».(Bisher fand die größte Auswauderuiig 1832 statt, mit 29 000 Persoucn.) Dafür, daß sich die jetzt herrschenden traurige» Eriverbsverhältuisse iin Laufe dieses Jahres bessern, ist »venig Aussicht vorhanden.„S o c i a l d e m o k r a t e n"»veist darauf hiu, daß die größte Zahl der Ausivanderer kurz vor dem WehrpflichtS- alter steht, und daß die Uebungspflicht bei den» kurzen Sommer und langen Winter in Norwegen ganz besonders schivcren Schaden für die arbeitende Bevölkerung mit sich bringt und somit erheblich zur Ausivandcrung beiträgt.—_ Vvhke Iladiuirfilctt und DepeMen« Essen(Ruhr), 3. Mai.(W. T. B.) In der letzte» Nacht brannte die Gummifabrik von Meisiviukel nieder. Der Besitzer der Fabrik, Meisiviukel, und ein Dienstmädchen erlitten bei Reltuugs- versuchen schwere Brandwunden; MeiSwinkel ist an den Verletzungen gestorben. Marburg, 9. Mai.(B. H.) Der stuä zur. Frhr. v. D ö r n- b e r g»vurde heute von der Strafkammer Ivegen Zweikanipfes zn drei Monaten Festung verurteilt. Sein Gegner Graf v. Horndorf »vird sich vor einem Kriegsgericht zu verantivorten haben. Mainz, 9. Mai.(B. H.) Aus ganz Rheinhesseu»verde»» schwere �roftschädei« gemeldet. Der Schaden,»velche»» die Kälte an den Weinbergen von Nierstein, Oppenheim und Gnntersblum angerichtet hat,»vird auf Millionen geschätzt. Budapest, 9. Mai.(W. T. B.) Im Budgetailsschuß der Oestreichischcn Delegation erklärt bei der Verhandlung des Heeres- OrdinariumS der Delegierte Kiudcrniann namens der deutschen Volkspartei, trotz der erfreulichen Mitteilungen deS Ministers des Acnßern gegen das Budget des Heeres zu stiminen, aus Mangel an Vertrauen zur Heeresleitung soivie»vcge» unzeitgemäßer Mehr- fordcrungcu derselben. nicht aber auS Gereiztheit gegen die Armee oder aus Mangel an Jutcrcsse für die Fortentivicklung des Hecrlvesens. Krainarsch bedauert, daß seine Partei nicht für die Forderungen der Kriegsvcrivaltuiig sliinmei» lönne, einerseits ivegen ihrer Stellung in der innere n Politik, andrerseits, weil auch der Geist der Armee ein herzliches Verhältnis zlvischen der Armee und dem Volke nicht aufkommen lasse. T o l I i„ g e r spricht die Uuznsriedenheit aus über das», a n g e l h a f t e Entgegenkommen der Leitung der Kriegsverwaltuiig gegenüber den»viederholt ausgesprochenen Wünsche»,' betreffend' die Erleichterung der Militär- d i e» st p f l i ch t und beinängelt die Bcantwortung der vorjährigen Resolution, betreffend das Duell. New Jork, 8. Mai.• m'»«2. Die sensationelle Meineidsasfaire, welche seit so langer Zeit die Bewohner von Groß-Lichter- f e I d e in Atem gehalten hat, soll in einer Verhandlung, welche zwei Tage das Schwurgericht des Landgerichts I beschäftigen wird, zum Abschluß gebracht werden. Die Anklage richtet sich gegen den 68 jährigen Rektor Hermann H i I l g e r und den 73 jährigen Re» dacteiu Dr. med. Adolf Klein, beide zu Groß-Lichterfelde. Die Vorgeschichte ist allgemein bekannt. Hillger hat eidlich abgeleugnet, für das Blatt des Klein Artikel geliefert zu haben. Bei Haussuchnngcn aber fand man Schriftstücke, tvelche das Gegenteil zu erweisen schienen. Hillger wurde am 28. Januar in Untersuchungshaft genommen. Vor dem Unter- snchungsrichter gab er zu, daß er wiederholt Material für die Zeitung geliefert habe, aber höchstens in zehn Fällen. Daß er der Verfasser der fraglichen Artikel sei, stellte er in Abrede. Er sei bei seiner Ver- nehmung in dem Kleinschen Prozesse so nervös und aufgeregt ge- Wesen, daß er thatsächlich nicht gewußt habe, ob er jemals dem Dr. Klein Material für seine Zeiiung geliefert habe. Daß Hillger an großer nervöser Reizbarkeit litt, ist vom KreisphhsikuS bestätigt. Da die Behauptung Hillgers, er habe die an ihn gerichteten Fragen nur auf bestimmte Artikel, nach denen er gefragt Ivnrde, bezogen, sich nicht widerlegen ließ, lautete die Anklage gegen ihn anfänglich nur auf fahrlässigen Meineid, später ist das Verfahren aber an wissentlichen Meineid ausgedehnt tvorden. Der Mitangeklagte Dr. Klein hat sich wegen Beihilfe zum wissentlichen Meineid zu verantworten. Der Angesdnildigte H i I l g e r gab in der gestrigen Verhandlung zu, daß er mit manchem seiner Kollegen auf schlechtein Fuße ge- standen habe, er könne sich die Schuld daran aber nicht zuschreiben. Er bleibe dabei, daß er die an ihn gerichteten Fragen nur auf die beanstandeten sechs Artikel bezogen und sie der Wahrheit gemäß beantwortet habe. Wenn ihm u. a. vorgeworfen werde, daß er seine Vorbestrafung nicht angegeben habe, so sei er der Ansicht, daß nur ehrenrührige Vorbestrafungen anzugeben seien, er sei aber nur wiederholt wegen Beleidigung vorbestraft ivorden. Sein Verkehr mit Dr. Klein sei thatsächlich nur als ein oberflächlich frenndschaft- licher zu bezeichnen. Dr. Klein, der früher Arzt gewesen sei, habe ihm bei Krankheitsfällen häufig Rat erteilt. Auch der Angeschuldigte Dr. Klein behauptete, daß er die an ihn gestellten Fragen nach bestem Wissen und Gewissen beantwortet habe. Habe er in einigen thatsächlichen Punkten falsche Angaben ge- macht, so sei dies auf seine Schwerhörigkeit und sonstige Gebrechlich- keit zurückzuführen. Hillgcr habe ihm früher vielleicht zehnmal Material zu Artikeln gegeben, aber den sechs Artikeln stände derselbe fern. Er habe geglaubt, daß die an ihn gerichteten Fragen sich nur auf diese 6 Artikel bezogen hätten. Die Belveisanfnahme beginnt mit der Vernehmung des Landgerichtsrats Weber, welcher in der früheren Verhandlung gegen Dr. Klein den Vorsitz geführt hat. Der Zeuge glaubt sich mit Bestimmtheit entsinnen zn können, daß der Zeuge in eindringlichster Weise vor dem Meineide verwarnt worden ist. Der Einzelheiten vermag der Zeuge sich nicht zu entsinnen.— Landrichter Arnim, der in dem Prozesse als Referent fungiert hat, bekundet, daß dem damaligen Zeugen Hillgcr gesagt worden sei, er könne seine Aussage verweigern, ivenn er befürchte, fich dadurch selbst einer strafbaren Handlung bezichtigen zu müfien. Hillger habe mit Entschiedenheit bestritten, daß er zn einem der sechs beanstandeten Artikel das Material ge- liefert habe und nur die Möglichkeit zugegeben, daß er einmal dem Dr. Klein statistisches Material znr Ver- fiigiing gestellt habe.— Referendar v, H o e n e n bekundet dasselbe. Auch die Ergänzung seiner Aussage habe Hillger auf den von ihm bereits geleisteten Eid genonuuen und wiederholt versichert, daß er tveder mittelbar noch unmittelbar Stoff oder Material für die Zeitung des Dr. Klein geliefert habe. Schließlich habe er zu- gegeben, daß er ivohl einmal statistisches Material geliefert haben könne. Auf Befragen des Verteidigers, Rechtsanivalt Höniger, erklärt der Zeuge v, Hoenen, daß auf die an Hillger gerichtete Frage, ob er im allgemeinen Material an Dr. Klein geliefert habe, die entschieden verneinende Antwort erfolgt sei und daß Hillger dies nicht auf die in Rede stehenden 6 Artikel bezogen haben könne. Eine besondre Erregung habe Hillger bei seiner Vernehmung nicht gezeigt. Zeuge v. Hoenen bekundet noch, daß er später mit'seinen Kollegen einig darüber gewesen sei, daß Rektor Hillger einen Meineid geleistet habe. Der folgende Zeuge, Gemeindevorsteher Schulz zu Groß- Lichterfelde, schildert die Vorgänge bei der Vernehmung des An- ?eklagcn Hillger in derselben Weise wie der Vorzenge. Er habe so- ort die Ueberzeugung gewonnen, daß Hillger einen Meineid geleistet habe, als er beschwor, daß er weder direkt noch indirekt dem Dr. Klein Material geliefert habe, denn die beanstandeten Artikel enthielten Mitteilungen über Vorkommnisse, ivelche nur dem Angeklagten Hillger bekannt sein konnten. Zur Kennzeichnung des Charakters des Angeklagten erklärte Bürgernrcister Schulz, daß derselbe ränkesüchtig sei und sich freue, wenn er Unfrieden st i k t e n könne. Aus zahlreiche» Frage» der Verteidiger an den Zeugen geht hervor, daß letzterer die Anzeige gegen Hillger in besonders dringlicher Form erstattet und die Verhaftung des Angeklagten als besonders notwendig betont hat. Er hat seiner ersten amtlichen Anzeige noch eine eingehende Begründung hinzugefügt und diese sogleich mit eidesstattlichen Ver« sicherungen andrer Zeugen ausgestattet, die den von Hillger ge- leisteten Meineid bekräftigen sollten. In dieser Eingabe vom 21. Januar wurde darauf hingewiesen, daß Hillger der Leiter einer der bedeutendsten Schulen Lichterfeldes sei, und wenn er als solcher für ein Revolverblatt, ivie das Dr. Kleinsche, Artikel schreibe, so liege eS im Interesse der Bürgerschaft, von einer solchen Plage befreit zu werde». Der Zeuge behauptet, daß er die Anzeige mit einer außerordentlichen Eile betrieben habe, weil er befürchten mußte, daß der Angeklagte, wenn er nicht verhastet würde, sich ein Leid a n t h u n könnte, und weil nach seiner Meinung ein solcher Mann nicht mehr Leiter einer Schule sein dürfe.— Ueber den Inhalt der Strafanzeige des A m t s v o r st e h e r s und dessen Aussage in dem Prozesse wider Dr. Klein ergeben sich längere Auseinandersetzungen zlvischen den Verteidigern und dem Amtsvorsteher Schulz. Der Angeklagte Hillger bleibt dabei, daß besonders der Amts- Vorsteher Schulz mit Animosität gegen ihn vorgegangen sei. Er meine, daß eine ganze Reihe von Personen das Material zu den Angriffen gegen den Amtsvorsteher Schulz geliefert haben könne. Die Verhandlung wird am Sonnabend fortgesetzt. Berliner Partei-Angelegenheiten. Zweiter Wahlkreis. Die Parteigenossinnen und Genossen werden auf die am Dienstag, den 13. Mai, abends 8 Uhr, in der Bockbrauerei. Tempelhofer Berg, stattfindende Volksversammlung aufmerksam gemacht. Reichstags- Abgeordneter Genosse Dr. S ü d e k u m- Dresden hat das Referat über ,D i e belgische Wahlrechtsbewegung' übernonnnen. Spandau. Heute, Sonnabendabend 8l/» Uhr, hält Genosse Waldeck Manasse in„Löbels Festsälen', Schönwalderstr. 80, einen öffentlichen Vortrag über das Thema:„Götter, Götzen und Menschen'! Tegel. Eine Volksversammlung findet am Montag acht Uhr im Lokal des Herrn JulinS K l l p p e n st e i n,„See- fchlößchen' statt. Vortrag des Gcnoffen Karl Wiesenthal über„Die politische Lage, unter besonderer Berücksichtigung der letzten Vorgänge in Belgien und Rußland'. Die Genossen werden darauf aufmerksam gemacht, daß in dieser Versanunlung ein W a h l v e r e i n für Tegel gegründet wird. UoftAlrs. Ferienkolonien. Im„Berliner Verein für Ferienkolonien' bezw. in den Lokal- komiteeS, die der Verein in den einzelnen Stadtbezirken unterhält, hat nun wieder— wie olljährlich um diese Zeit— eine emsige Thätigkeit begonnen. Die Anmeldungen von Aufnahme begehrenden Kinder» sind in den letzten Woche» und Tagen er« folgt: jetzt gilt es, Musterung zir halten und die richtige Auswahl zu treffe». Das ist natürlich keine leichte Arbeit, wo das Miß verhält- nis zlvischen der Zahl der eingelaufenen Mel- düngen und der Höhe der verfügbaren Mittel so bedeutend ist. Die Aufgabe, die da den Lokal- komitees gestellt ist, wird diesmal sogar noch viel schwieriger sein als sonst. Die Menge der Kinder, für die um Aufnahme gebeten wird, soll i n diesem Jahre ganz anßerordent- lich zugenommen haben. In der Vereinsversammlnng, die am Sonnabend im Rathause abgehalten ivnrde, konnte man die Klage hören, daß„der Andrang geradezu ungeheuer' sei. Es dürfe behauptet werden, er sei„in diesem Jahre um 100 Proz. stärker als im vorigen'. Das Ivird hoffentlich erheblich überschätzt sein oder doch n»r für manche Bezirke zutreffen. Aber an sich ist es leider durchaus glaubhaft, daß sich die F o l g e n der Arbeitslosigkeit und der Not, unter der die unbemittelte Bevölkerung Berlins im letzten Winter noch schiverer als sonst zu leiden gehabt hat, jetzt auch bei den Ferienkolonien bemerkbar machen. Die Leistungen der Ferienkolonien und ihre Bedeutung für eine „rationelle Volkserziehung', für die„Förderung der leiblichen und sittlichen Gesundheit des Volkes", wurden in der Versamnilung vom Vorstandstisch aus gerühmt. Daneben Ivnrde versichert, der Verein dürfe«seine Aufgabe nicht eher als erfüllt ansehen, als bis jedes leidende Kind in Berlin der Wohlthat der Ferien- kolonien teilhaftig werden könne'. Auch wir schlagen den Wert der Ferienkolonien nicht gering an und ver- kennen nicht, was bisher auf diesem Gebiete geleistet ivorden ist. Wie weit aber der Verein von dem schönen Ziel, das er sich gesteckt hat, noch entfernt ist, das ist bekannt, und eS wurde auch in der Versamnilung selber durch die AuS- führnngen einzelner Mitglieder von neuem bestätigt. Im Hinblick auf die sehr große Zahl von Zurückweisungen, zu denen sich der Berein miS Mangel an Mitteln in jedem Jahre— selbst unter günstigeren Zeitverhältnissen als heute— hat entschließen müssen, wurde von einer Seite die Frage aufgeworfen: Wie läßt eS sich erreichen, daß wir mehr Kinder berücksichtigen können? Der Vorschlag, den Kindern die Dauer des Aufenthalts in den Ferienkolonien zu kürzen, wurde verworfen, aber im übrigen wußte man leinen Rat. Der Fragesteller hatte, ganz nebenbei, auch auf dieHilfe der Stadtgemeinde angespielt. Hierzu erklärte der Vorsitzende, Stadtrat Selberg:„Gerade das ist unser Stolz, daß wir die Mittel der Stadt bisher nicht in Anspruch genommen haben.' Wenn wir nicht wüßten, wie sehr man in diesen Kreisen vor allem zurückschreckt, was wie K o m m u n a I s o c i a I i s m n s aussieht, dann möchten wir fast annehmen, daß die Bedeutung der Ferienkolonien gerade denen, die im Dienste dieses Unternehmens thätig sind, doch noch nicht nach ihrem vollen Umfange klar geworden ist. Die Herr- schaften dürften sich nicht wundern, wenn dieser und jener sogar an der Echtheit ihres Mitleids mit den leidenden Kindern der Arme» zu zweifeln anfinge. Man schildert in beweg- licher Klage, wie groß die Not, wie tief das Elend ist; man preist beredt die Ferienkolonien als ein Mittel, den kranke» Kindern der ärmeren Bevölkerung Linderung. wenn nicht Heilung zu verscbaffen: und dennoch sieht man es ruhig mit an, daß Jahr für Jahr Taufende von arme» und kranken Kindern, die erwiesenermaßen in Rücksicht auf ihren Gesundheitszustand, ans ihre sittliche Führung und auf die Not- läge der Eltern als bedürftig und würdig gelten müssen, ledig- lich deshalb zurückgewiesen werden, weil das Geld nicht reicht! Dem.Vorwärts' ist es oft verübelt worden, daß er nicht kritiklos in das Lob der Berliner Ferienkolonien einstimmen will. Es sollte eigentlich überflüssig sein, erst noch zu versicher», daß da- mit nicht eine Schädigung, sondern eine Förderung des Unternehmens beabsichtigt war. Wir wünschen den Ferienkolonien weitest- gehende Unterstützung in der Berliner Bevölkerung, auf deren Wohlthätigkeit sie leider noch angewiesen sind. Aber eben deshalb. weil wir die Bedeutung der Ferienkolonien erkannt haben und ihren Segen allen leidenden Kindern der Armen sichern möchten, fordern wir immer von neuen», daß hier die Gemeinde eintritt. Das wäre keineswegs so entsetzlich, wie es manchem erscheint, und es würde deshalb nicht gleich der socialistische„Zukunftsstaat' in Berlin zur Wirklichkeit werden. Ein Stück Kommunal- o c i a I i s m u s steckt ja doch auch in so vielem anderen, was die Gemeinde als ihre Aufgabe ansieht. Gerade von der ö f f e n t- lichen Gesundheitspflege gilt das in ganz besonderem Maße.—_ Kasperle unter Censur. Wir würden an einen verspäteten Aprilscherz glauben, wenn wir das neueste Produkt der Berliner Theater-Censur nicht mit eignen Augen gesehen hätten. Das in Betracht kommende Dokument hat folgenden Wortlaut: L9. Polizeirevier. Sie werden hierdurch angewiesen, heute noch die Text- b ü ch e r für Ihr Puppen- Theater dem 9S. Polizeirevier, Greifenhagenerstr. 18, einzureichen. Berlin. 9. Mai 1902. An Herrn X. X. I. A.: Hier. Rabehl, Schutzmann 4240. Der Mann, an den. um in„polizeitechnischer' Sprache zn reden. diese„Anweisung' ergangen ist, erfreut sich des Besitzes eines Kasperle-Theaters. mit welchem er in einen, Sommerlokal des Nordens zum Vergnügen der lieben Jugend Vorstellungen giebt. Etliche Jahre fröhnte Direktor 1. seiner Kunstrichtung, ohne daß die Polizei sich um die Tendenz der in seinem Musen- tempel aufgeführten Dramen gekümmert hätte. Da er- hielt er gestern vom Schutzmann 4240 die hier ab- gedruckte Aufforderung und kam dadurch in schwere Verlegenheit. Denn Kasperle nimmt seit den Tagen seiner Geburt daS Borrecht ür sich in Anfpnich. rein auS dem Stegreif Prügel zu verteilen. und kein Mensch hat bisher daran gedacht, seinetwegen die Drucker- presse in Bewegung zu setzen. Das mag heutigentags, wo so mancher dramatische Kohl im Buchhandel erscheint, als eine Benachteiligung der hier in Frage kommenden Kunst- richtung empfunden werden, aber an der Thatsache läßt sich nun einmal nichts ändern. Auch meint der Direktor unsres Puppentheaters, daß es seine Schwierigkeiten haben wird, in der Eile einen Verleger zu finden, denn auch der ausschweifendste Förderer secessionistischer Richtungen verlangt seinen Vorschuß für den Druck. So wird denn nichts übrig bleiben, als daß die Polizcicensnr, sei eS in Gestalt des früheren Kanal-Landrals und jetzigen Ober- censors D u m r a t h. sei es in Gestalt des Schutzmanns 4240, sich vor dem Kasperle- Theater des Herrn X. zu einer Probe-Vorstellung einfindet. Dann wird sich heraus- stellen müssen, ob auch dem Polichinell gegenüber ohne weiteres das geflügelte Wort„Die j a n z e Richtung paßt uns nicht" Geltung findet, oder ob geniäß der für die Theaterccnsnr geltenden Order vom 3. Dezember 1899 gehandelt wird. Nach dieser Order ist zunächst die Censur nur solchen Beamten anzuvertrauen, die litte- r a r i s ch e Kenntnisse, Erfahrung und sittlich g e- reift es Urteil besitzen. Da jedoch diese bei den er- wähnten Personen gewiß vorhandenen Tugenden selbst nach polizeilicher Anschauung für das in Betracht kommende Amt zuweilen nicht ausreichend sind, heißt es weiter in der genannten Order: Von großem Nutzen ist auch die vorherige Be- fragung von litter arischen Sachverständigen, wenn die Tendenz eines Stückes oder sein K u n st w e r t im allgemeinen Bedenken erregt. Und da die Pritsche nach den heutigen Begriffen von Ordnung und Moral allerdings nicht ganz einwandfrei ist, so werden wir wissen, daß dem Kasperle ordnungsrettende Zügel angelegt sind, wenn er zum Leidwesen der Jugend in Zu- kunft weniger Prügel austeilt als jetzt. Die Arbeiter-VildimgSschulc veröffentlicht jetzt den Bericht über das elite Jahr ihrer Thätigkeit. Ueber die Erfolge der Schule in dem Zeitraum vom 1. April 1901 bis 31. März 1902 schreibt der Vereinsvorstand: Trotz der wirtschaftlichen Krise, welche zur Zeit herrscht, kann die Schule dennoch auf ein Jahr erfolreichen Wirkens zurückblicken. Betrachtet man de» Entwicklungsgang, den die Schule im letzten Jahre genommen, so ist es' zweifellos, daß das Interesse an der Schule, trotz des wirtschaftlichen Niederganges, sehr rege gewesen ist und hoffentlich auch für die Zukunft bleiben wird. Sieht man von Naturerkenntnis ob, welches Fach nie- mals den Zuspruch findet, der eigentlich gerade hierfür notwendig wäre, so war der Besuch der andern Unterrichtsfächer ausgezeichnet, so daß die Schulausgaben durch die Schnleinnahmen gedeckt werden konnten. An Mitgliedern ließen sich im Geschäftsjahre 1901/1902 einschreiben 694, darunter 9 Jahresmitglieder<72 Damen, 622 Herren). Soweit die Mitglieder Angaben gemacht haben in Bezug auf ihre Zugehörigkeit zur politischen oder gewerkschaftlichen Organisation, gehörten ersterer 26, letzterer 275 an, beiden Organisationen 201. Ueber die Altersstufe der Mitglieder wurde folgendes festgestellt: Es befanden sich im Alter bis zu 20 Jahren 84, 20—30 Jahren 416, 30—40 Jahren lOö, 40—50 Jahren 16, über 50 Jahren 2 Mitglieder. Am stärksten waren, nach Berufen ge- sondert, die Tischler mit 72 Teilnehmer vertreten, dann folgten Buch- drucker mit 43, Schlosser mit 39, Kaufleute mit 30, Schuhmacher mit 24. Arbeiter mit 23, Handlungsgehilfen mit 22, Schneider mit 20, Buch- binder mit 18 usw. Es wurden besucht im 1. Quartal 1902 die Vorträge über Geschichte durchschnittlich von 76 Personen, die über Nationalökonomie von 78 und die Rede- Ue bringen von 98 Personen. Sehr abwechslungsreich waren die SonntagSversammluugcn der Schule, in denen über die ver- schiedensten Fragen Vorträge gehalten wurden. Das Schul- lokal befindet sich im Gewerkschaftshanse, Engelnfer 15. Hof links, II. Jeder Kursus erstreckte sich auf zehn Aliende, und begann der Unterricht um 9 Uhr und endete um'/eil Uhr. Die reichhaltige Bibliothek war an den Unterrichts- Abenden von 8—9 Uhr geöffnet; außerdem war dieselbe nach Schluß der Kurse bis zum Wiedcrbeginnn derselben an einem bestiminten Abend in der Woche von 8—9 Uhr geöffnet.— Der Mitgliedsbeitrag betrug pro Monat 25 Pf,, das UntmichtSgeld für jedes Fach pro Kursus 1 M., zahlbar am 2. Abend. Die Anmeldungen zur Teilnahme an der Versamnilung von Mitgliedern deutscher städtischer Gemeindebehörden gegen den Zolltarif sind schon zahlreich eingegangen und gehen noch täg- lich ein. Stadlrat Fischbeck kann wegen eines Trauerfalles, sein Sohn ist plötzlich gestorben, den angekündigten Vortrag nicht über- nehmen. I» der gestrigen Magistratssilmng berichtete zunächst die Sub- kommission zur Borberatung des Ortsstatuts für das Berliner Ge Werbegericht über ihre Thätigkeit, Außer einigen unwesentlichen redaktionellen Aeudernngen sind hauptsächlich bei 8 13 grundsätz- liche Bestimmungen geändert worden. Von der Einführung der Verhältniswahl(Proportionalwahl) bei den Wahlen für die Beisitzer ist A b st a n d genommen worden. Dagegen ist beschlossen worden:„Zuni Zwecke' der Wahlen sind für jeden Wahlbezirk von dem Magistrat besondere Listen für Arbeitgeber anzulegen. Die Wahllisten sind spätestens vier Wochen vor der Wahl in einem oder niehreren zur öffentlichen Kenntnis zu bringenden Lokalen während der Daner einer Woche offen auszulegen. Ein- spräche gegen die Richtigkeit der Wählerlisten, insbesondere wegen nicht erfolgter Eintragung sind während der Dauer der Auslegung derselben beim Magistrat zn erheben, der darüber innerhalb zweier Wochen nach Ablauf der Einspruchsfrist endgültige Entscheidung trifft. Für Arbeiter werden vom Magistrat i e i n e Wählerlisten zum Zweck der Wahlen angelegt, es genügt viel- mehr für die Arbeiter ein Zeugnis ihres Arbeitgebers oder der Polizeibehörde, durch welches bestätigt wird, daß' der Arbeiter zur Zeit innerhalb seines Wahlbezirks in Arbeit steht oder wohnt. Formulare zu diesen Zeugnissen werden vom Magistrat oder anderen noch bekannt zn machenden Stelle» verabfolgt." Der Magistrat wird nun der Stadtverordneten-Versammlung noch eine Vorlage hierüber machen.— Ferner genehmigte der Magistrat ein Abkommen zwischen der Gesellschaft �.Fern drucker' und der Reichs- Telegraphenverwaltung wegen Einführung des neuen Apparates „Ferndrucker' in Berlin. Die rote Nelke. Ein Lokalblatt bringt folgende Neuigkeit: Des Kaisers Lieblingsblumc ist die— rote Nelke, also jene Blume, der man schon einen.Parteicharakter' gegeben hat und die dadurch zeitweise in gewissen Kreisen mißliebig geworden war. Der Kaiser, der überhaupt ein großer Blumenfreund ist— er hat diese Vorliebe von seiner Mutter— bevorzugt eine ganz be- sonders schöne Species der roten Nelke. Seine Lieblingsart zeichnet sich weniger durch ihren Duft aus als durch ihre wundervolle dunkelrote Farbe und durch ihre prächtige volle Form. Es ist eine Züchtung, die sowohl aus Stuttgart wie aus Nancy stammt und zwei rühmlichst bekannte Namen trägt: der eine ist„Fürst Bismarck', der andre„Carnot". In welchen Gewissenskonflikt kommen mmmehr die biederen sächsischen Richter, welche Sociakdemokratcn wegen Tragens republikanischer Abzeichen verknurrten, weil sie mit roten Nelken ihr Knopfloch geschmückt hatten! Die neue Rechtschreibung, welche der Kultusminister zur Ein- führung in den Schule» hat festsetzen lassen, soll auch bei s ä m t- lichen Staatsbehörde» eingeführt werden, wie es in der betreffenden Verfügung heißt,„znr Beseitigung der großen Ver« schicdcnheit auf dem Gebiet der deutschen Rechtschreibung.' Als Zeitpunkt der Einführung ist der 1. Januar 1903 in Aussicht ge- nommen. Der Besuch der Baumblüte in Werder, die jetzt ihren Höhepunkt erreicht hat, war am gestrigen Himmelfahrtstage ganz gewaltig. Das Wetter war in dem freundlichen Obststädtch'en recht gut und es blieb auch von den Regengüssen, die am Abend in Berlin und den westliche» Vororten bis nach Potsdam hin niedergingen. vollständig verschont. Die ersten Besucher ivaren wie gewöhnlich die Radler und Rodlerinnen, die schon in den Morgenstunden bei Hellem Sonnenschein in so großen Scharen eintrafen, daß sie auf den nach Werder führende» Chausseen eine fast ununterbrochene Kette bildeten Für die andren Werdcnvanderer hatte die Eisenbahndirettion so viel Sonderzüge eingestellt, daß die Hin- und Herbeförderung der großen Menschenmassen recht glatt von statten ging. Viele Personen zogen es vor, die Fahrt von Potsdam aus mit den Sterndainpfeni zu machen, die denn auch stets dicht besetzt waren. Die Leicheuhallen auf den hiesigen Begräbnisplätzen sind im Jahre 1901 zur Einstellung von 16 927 Leichen lgegen 15 345 im Jahre 1000) benutzt worden.— Die Zahl der in Berlin im Jahre 1901 Verstorbenen und Totgeborenen betrug 35897 37 248 im Vorjahre). Mithin sind 47,73 Proz. der im Jahre 1901 Verstorbenen und Totgeborenen sgege» 41,73 Proz. im Jahre 1900) vor der Beerdigung in Leichenhäuser'n untergebracht gewesen.— Die stärkste Frequenz hatte die Leichenhalle auf dem Begräbnisplatz der jüdischen Gemeinde in Weißensee aufzniveisen.' Hier wurden 1418 Leichen in die Halle«ingestellt; dann folgt die Halle auf dem Begräbnisplatz der St. Andreas- und St. Markus-Kirche in Wilhelm« berg bei Hohen-Schönhausen mit 1250 eingestellten Leichen. In die Leichenhalle auf dem Begräbnisplatz der freireligiösen Gemeinde in der Pappcl-Allee wurden 25 Leichen eingestellt. Ein«ngetvöhnlich starkes Ncberwiege» der Knaben gebnrtcn ist in Berlin im letzten Jahre zu beobachten gewesen. Nach den bei dem Berliner Statistischen Amt eingegangenen Meldungen wurden hier im Jahre 1901, Ivenn die Totgeburten mitgezählt werden. 52245 Kinder geboren. Darunter waren 27 077 Knaben und 25 168 Mädchen. Der Ueberschuß der Knabenqebnrten über die Mädchengeburten stellte sich hiernach auf 1909. Unter je 1000 neu- geborenen Kindern waren 518 Knaben und 482 Mädchen. Im Durch- schnitt der zehn Jahre von 1391 bis 1900 belief sich die Zahl aller Geburten aufjährlich 31 083. Darunter Ivaren 26 222 Knabcngeburten und 24 861 Mädchengeburten. DaS Mehr an Knabengeburten betrug also im zehnjährigen Durchschnitt nur 1361. Unter je 1000 neugeborene» Kindern des zehnjährigen Durchschnitts waren nur 513 Knaben, andrerseits 487 Mädchen. Im einzelnen war in den zehn Jahre» von 1891 bis 1900 der Knabenanteil: 514, 513. 511, 513, 511, 518 514, 513, 515, 514 unter je 1000 Neugeborenen. I» dieser Reihe weist das Jahr 1899 die höchste BerhältiiiSzahl(515) auf; aber selbst dieses bleibt in der Häufung der Knabengeburten noch be ttächtlich hinter dein Jahrr 1901(513 Knaben uiitcr je 1000 Neugeborenen) zurück. Den überhaupt höchsten Kuabeuanteil hatte übrigens in Berlin im vorigen Jahrhundert das Jahr 1820 525 Knaben unter je 1000 Neugeborenen; den überhaupt niedrigsten das Jahr 1885: nur 503 Knaben unter je 1000 Neugeborenen. Der Buchhalter Wilhelm Thielohi aus der Grünstr. 4. über dessen Unterschlagungen zum Schaden der städtischen Gaswerke wir berichteten, ist am Himmelsahrtstage in Potsdam fest genommen worden. Nachdem Thielow den größten Teil seiner Beute in Berliner Kneipen in leichtsiiniiger Gesellschaft durchgebracht hatte, ging er nach Potsdam und»ahm dort mit« den, Namen Narun Wohnung. Ain Himmelfahrtstage ließ er eS sich nicht nehmen, die Baumblüte in Werder zu besuchen. Als er von dort »ach Potsdam zurückkehrte, sahen ihn Leute von der Gas- inspcktiou 16, bei der er angestellt war, und ließen ihn festnehmen. Der Verhaftete that höchst verwundert und entrüstet zugleich, daß man ihn, Rarun, für den flüchtigen Defrandauten Thielow halten und festnehmen könne. Als aber auf Wunsch der Potsdamer Kriminalpolizei die Berliner, bei der der Magistrat sofort Anzeige gemacht hatte, die genaue Personalbeschreibung hinüber sandte, da gab er klein bei und bekannte, daß er der gesuchte Thielow sei. Auf etwas Weiteres aber ließ er sich nicht ein. Es scheint, daß er auf den »wilden Mann" hinaus will. Pastor Disselhoff. Immer mehr kommen die Schwindeleien dc-Z ehemaligen Diakonns Disselhoff in Trebbin zu Tage, je weiter die Untersuchung schreitet. Unter andern hat er noch' im Februar dieses Jahres der Oben» Spannagel in Dannstadt 1500 Mark ab- geborgt und als Deckung einen Schuldschein mit gefälschten Unter- schriftcn der Mitglieder des Trebbiuer Gemeinde- KirchenratS ans- gestellt. Feuersichere Eisenbahnwagen. Der Minister der öffentlichen Arbeiten hat auf de» Bericht des„AusschufleS für Personen-, Post- und Gepäckwagen� bestimmt, daß durch die Wcrkstättcn-Jnspektion Potsdam ein vicrachstger VerfuchSwage» gebaut werde, bei welchem-imprägnierte Schalbretter für den Fußboden, die Seiten- nnd Zwischenwände zur Beweudung gelangen sollen; eine Wand der drirten Abteilung soll in demselben nicht auf Füllung gearbeitet, fanden, mit gestrichener ASbestpappe belegt werden. Allgemein wünscht der Minister, daß bei neuen Wagen und. falls in den Werkstätten die Holzbekleidungen abgenommen werden miisstn, auch bei alten Wagen, die doppelten Fnß- böden und Seitenwände mit imprägnierter Holz- wolle oder andre», feuersicheren, Füll Material ausgefüllt werden. Diese Schutzvorrichtnngen haben sich auch ans die Sitzpolster zu erstrecken, deren untere Flächen durch Asbestpappe mit Blech oder durch Asbestschiefer feuersicher gemacht werden sollen. Die Versuche mit feuersicheren Anstrichen für Holzflächen, sowie mit Fußboden-Belag aus gepreßtem Kork und mit imprägnierten Rohr- matten(an Stelle der bisher verwendeten Kokosfaser-Matlen) sollen fortgesetzt iverden. Fran Hirsch, da? Opfer der Eisenbahnkatastrophe bei Zschortau, wurde gestern vormittag unter zahlreicher Beteiligung in der Familien- gruft auf dem Friedhof in der Schönhauser Allee beerdigt. Die Traucrfeier in der Wohnung der Verstorbenen gestaltete sich für die Mitglieder der Familie zu einer tief ergreifenden. Nach Gesängen des Chors unter Lcitmig des Mustldirektocs Rchfeldt hielt Dr. Weisse eine Ansprache. Unter den nächsten Verwandten sah man neben dem gebeugten Gatten den einzigen Sohn sowie die Schwester und ciuen Bruder der so plötzlich ums Leben Gekonmienen. In tiefe Trauer sind zwei hiesige Familien durch das Verschwinden von Kindern versetzt worden. In dem einen Fall handelt es sich um ein sechsjähriges Mädchen, in de», audre» Fall wird ein zivölfjähriger Knabe vermißt. Letzterer, der Schüler der Horwitzichen Knabenichlile, NanicnS Saly Hirsch, war am Sonntag von seinem Vater mit einer Bestellung fortgeschickt worden. Er hat den Auftrag auch ausgeführt, ist aber nicht mehr wiedergekommen. Die Verzweiflung der Eltern ist um so großer, als der Knabe ihr einziges Kind ist. Rätselhafter noch ist das Verschwinden des'kleinen Mädchens. Auch dieses wird seit den, 4. ds. MtS. vermißt und mit ihm der Arbeiter Hugo Van Dahl. Seit füuf Monaten wohnte dieser im Hause Pappel-Allce 5 a bei einer Frau K r a m e r. Am Souutag nahm er deren Töchterchen Else mit. Er wollte, wie er angab, nach Friedrichshagen fahren, um Ver- wandte zu besuchen. Weder der Mann noch das Kind sind jedoch bis jetzt zurückgekehrt»ud in FricdrichShagen angestellte Nach- forschungen haben ergeben, daß Van Dahl gar nicht dort gewesen ist. Sowohl seine Wirtin wie seine Arbeitgeber, bei denen er eben- fallS schon seit Jahren thälig ist, geben ihm daS beste Zeugnis. Die Vermutung, daß das Kind vielleicht eine», Verbrechen zum Opfer gefallen ici, hätte dauach wenig Berechtigung. Dagegen will mau Anzeichen von Tiefst»» bei Va» Dahl bemerkt haben und so ist es nicht unwahrscheinlich, daß er mit dem Mädchen planlos umherirrt. In beiden Fällen sind die Behörde» unterrichtet nnd es ist auch bereits alles aufgeboten, um de» Verbleib der Verschwundenen zu ermitteln. Große Aufregung entstand gestern abend gegen 7 Uhr in der Langenstraße. Der Schutzmann 3944 kan, ans Anlaß einer Wagen- kollisio» nnt dem Händler Remaun aus der Breslaucrstraße in Streit; als Rcmanu sich der Aufforderung, mit auf die Wache zu ko, innen, widersetzte, zog der Beamte seinen Säbel und brachte dem Händler schwere Verletzungen bei. Das Publikum. daS sich schnell ansammelte, worüber das Vorgehen des Beamten ans das höchste auigeregt «nd wollt ihm zu Leibe gehe». Der Schutzmann zog sich in den Laden eines Barbier? zurück, wo ebenfalls der verwundete Händler ver- bimdcn wurde; erst als mehrere andre Leanite erschiene» mid durüi gütliches Zureden die Anwesenden beruhigten, legte sich die Auf- regung. Der verletzte Händler wurde schließlich nach der Unfall- station am Grünen Weg gebracht. Ein alter Taschendieb geriet am Himnielfahrtstage in Treptow in die Hände der Kriniinalpolizei. Ein 60 Jahre alter Mann aus dem Scheunenviertel, Friedrich Herr mann mit Namen, hat bereits zwölf Jahre wegen Taschendicbstahls im Gefängnis und Zuchthause zugebracht. Erst vor kurzem war er wieder herausgekommen. Am Himmelfahrtötage gedachte er im Ge dränge der Spaziergänger in, Treptower Park einen großen Zug zu thun, vergaß aber, daß auch die Berliner Kriminalpotrouillen dort- hin kommen. Nachdem er bereits mehrere Portemonnaies erbeutet hatte, nahm er ein LiebcSpärchen, das bei seiner eifrigen Unter Haltung auf nichts andres achtete, aufs Korn. Die jungen Leute machten ihm die Arbeit sehr leicht. Sie merkten nichts von dem Griffe, mit dem der alte Sünder ihnen die Börse wegstibitzte. Die Kriminalpatrouille aber beobachtete seine verdächtigen Bewegungen und»ahmen ihn uimnttelbar nach seinem glücklichen Griffe fest Herrmaun behauptet, daß nur daS Mitleid seiner Frau, die ge lähmt ist»nd Armenimterstützung erhält, ihn wieder auf Abwege ge bracht habe. Er wurde gestern dem Untersuchungsrichter vorgeführt Ueber eine große Wcchselfälschung, durch welche eine sehr bekannte hiesige Baukfirma geschädigt wurde, wird folgendes be richtet: Ein AugesteNtcr der Firma Engelbert Hardt u. in Buenos Aires, O. Jäckel, hat 200 000 M. in 5 Wechseln, welche ordnungsmäßig an die Firma Hardt,,. Co. in Berlin indossiert Ivaren, gestohlen, hat aus dem richtigen Giro den Namen Hardt u. Co ausradiert rcsp. nnt Säure entfernt und an dessen Stelle den fingierten Namen H. Ncwmann gesetzt; dann hat er als H. New mann die Wechsel an die Banque Internationale de Brnxelles weiter- giriert, ist nach Europa gereist und hat die Wechsel der genannten Bank, bei welcher er sich durch ei» gleichfalls von ibm gefälschtes Empfehlungsschreiben der Firma Engelbert Hardt u. Co. eiuführte präsentiert. Die Bank hat dem Betrüger die Wechsel abgenommen »ud ihm auf seinen Wunsch den Gegenwert zur Verfügung gestellt Dort hat er die belreffeudeu Beträge abgehoben, bevor der Betrug entdeckt wurde. Der gknderverein„VorlvartS' feWt in diesem Jahre fein tOjähngeS Bestehen. Sem Ziel, das er sich im Jahre 1892 gesteckt hat,— auch dem Arbeiter den schönen und vor allem gesunden Rudersport ziifläiiglich zu machen—, ist ihm ja zum guten Teil ge lungen, doch giebt es immer nock zahlreiche Freunde des Rudcrns unter den Arbeitern, denen der Verein iveiiig bekannt ist. Diese seien speciell auf die Gründungsfeier an, Donnerstag, den 15. Mai im Bootshanse des Vereins in Stralau hingewiesen.'(Näheres stehe heutiges Inserat.) Ter bekannte englische Tanerfahrer Tam Linton, welcher am letzten Sonnlag durch seinen phänomenalen Sieg über Robl»nd Elkes in Paris und durch Ausstellung eines neuen Stunden-Weltrekords(68 Kilo- meter 411 Meter) die Sportwelt in Erstanne» setzte, nimmt bestimmt am Goldenen Rade von Friedenau teil, das am Sonntag, de» 25. Mai zur Entscheidung kommt. Fencrbcricht. Freitag früh gegen 7 Uhr wurde die Wehr nach der Alexanderstraße 54 gerufen, wo in einem Keller Müll Fener ge- fangen hatte. Ein größerer Wohmr'gsbrand kam Donnerstagabend kurz»ach 7 Uhr in der Gollnowstraße 14 zum Ausbruch. Möbel, Fußbode», Kleiduilgsstiickc ,c. gingen in Flammen auf. Die Wehr halte daher längere Zeit aus einer Schlauchleitnug Wasser zu gebe», um die Gefahr zu beseitigen. In der Luckauerslr. 13»mißte kurz vorher cn, Schornsteinbrand beobachtet iverden. In der Nacht zun» Freitag mußte in der Schliemaimstr. 22 ein Fener abgelöscht iverden, das den Fußboden, die Balkenlage, Lumpen zc. ergriffen hatte. In der Klostcrstr. 10 hatte die Wehr einen kleinen Dach- Itiihlbrand zu beseitigen. Donnerstag früh 9 Uhr ivaren am Königs- zrabc» 12 Möbel, Kleidungsstücke und Stroh in Brand geraten, der »des bald abgelöscht werden konnte. Außerdem hatte die Wehr noch Alarmieruuge» von der Wrangelstr. 83. Barbarossastr. 76„ud Nhkestr. 2 zu verzeichnen. In allen drei Fällen handelte eS sich cdoch nur um geringfügige Anlässe. SluS bei, Nnchbu» orten. Zur Stadtwerdung Lichtenbergs„ahm die dortige Gemeinde« lertretuug i» ihrer letzten Sitzung erneut Stellung. Die Regierung fat in väterlicher Fürsorge durch den Kreis-Landrat die Gemeinde viffen laffcn, daß, nachdem der Beschluß auf Annahme städtischer Ver- assung schon Jahr und Tag alt sei, eS wohl im Interesse der Ge- meind'e liege, sich die Sache noch einmal zu überlegen. Die Gemeinde» Vertretung beschloß mit allen gegen die d r e i S t i m m e n der Hausbesitzer Tiedtke, Schulz und Haberland folgendes: Die An« nähme städtischer Rechte ist eine Lebensfrage für die 45 000 Ein- lvohner zählende Landgemeinde Lichtenberg; mit allen Mitteln ist daher die Stadtlverdung zu betreiben. Zu den vom Laudrat geforderten Nachweisen über die finanzielle Leistungsfähigkeit der Gemeinde zc. bemerkte der Gemeindevorsleher unter Hinweis auf die ausgefertigte Denkschrift, daß eine Mehr- belastuug durch die VerfassungSäiidening gar nicht oder nur in geringem Umfange zu erwarten sei, daß aber die Vorteile auf ver- ivaltungstechinschem und sonstigem Gebiete so große seien, daß die Gemeinde unter Umständen auch Opfer bringen würde. Die geplante Abänderung der Landgemeiiide-Ordnuug, woiiach eventuell Lichtenberg zwei besoldete Schöffe» einstellen dürfte. sei durchaus nicht geeignet, einem in rapidem Wachstum begriffenen Industrie» Orte mit städtischen Einrichtungen über den Mangel städtiscker Verfassung hinweg zu Helsen. Luch die Frage der Einverleibung des ganzen Ortes in Berlin könne für die Regierung nicht wieder Ursache sein, die Anträge Lichtenberg? ohne Bescheid zu lassen. Sei auch die Einverleibung heute alS aussichtsreich zu be- zcichucn, so stehe die Gemeiudeverwaltmig und mit ihr die Ge- mciiidevertretung und die Eiuwohuerschast doch auf dein Stand- punkte, daß die erste Möglichkeit, die für Lichtenberg unpassende Landgemeindeverfassiii, g abzustreifen, zu erfassen sei. Dies Ziel, so meint unser Berichterstatter, wird auch gegen de» Willen einer kleinen Anzahl Hausbesitzer, die eine Einverleibung um eben Preis verhindern wollen, erreicht werden. AuS Schöncberg schreibt man unS: Eine WohnungS« i a t i st i k will jetzt der Magistrat von Schöneberg veranstattcn. Die Statistik bezieht sich nur auf leerstehende Wohnungen, Läden nnd GeschäflSlokale, nnd eS gehen zu diesem Zweck den Haus- eigentüniern Fragebogen zur Beantwortung zu.— Der im Herbst vorigen JahreS seitens der Stadtvcrordueten-Vcrsammluiig nieder- gesetzte Ausschuß, den, ancki Sladtv. Genosse M a s u ch angehört, dürfte hier ei» tüchtiges Stück Arbeit zu leisten haben; schade nur, daß der Zweck des damals von»nsre» Vertretern gestellten Antrags zur Ausnahme einer Wohuungs-Statistit nicht in, vollen Maße erreicht iverden dürfte. Hätte die bürgerliche Mehrheit schon im vorigen Winter eine olchc zu veranstalten den Mut gehabt, so wäre jedenfalls die seiner Zeit im höchsten Stadium stehende Wohmingsuot und daS damit verbundene Elend besser zum Vorschein gekommen In der Angelegenheit des Kranken hauSbaueS wurde in der letzten Sitzung der Hochbau- nnd Krankenhaus- Deputation wiederum betont, daß andern urspünglichen Projekte mit der Maßgabe festzuhalten sei, daß zunächst 365 Betten errichtet weiden. Der Kostenaufwand würde steh dann aus 4 200000 M. be- laufen. Zu verwundern ist hierbei nur der Standpunkt des Magistrats. Nachdem er seiner Zeit einem Stadtverordneten- beschlusse beigetreten Ivar, in der zweite» Bauperiode den Bettenbcstaiid auf 600 zu bemessen, dessen Erweiterinig auf diese Höhe programmmäßig vorgesehen war(die Kosten würden sich auf enva 6 Millionen Mark belaufen), hatte er sich plötzlich einem Beschlnsic der Finanzdcputatio» angeschloffeu, der dahin geht:„Die Gesanukosten des Krankenhausbaues dürfen SVe Millionen Mark nicht über st eigen." Daß«ine solche Sparsamkeit nicht im Einklang steht mit dem Zweck des Unternehmens. dürfte nicht zweifelhaft sein. Nach den ursprünglichen Aufstellungen des Magistrats war die Aufnahme einer Anleihe im Bs- trage von 38 750000 Mark erforderlich, die min nach dein neuen Kränkenhausprojekt auf etwa 30 Millionen Mark sich ermäßigen sollte,„es würde aber(nach dem Magistrat) eine Ueberschätzung der einschlägigen Berhältniffe dedeuten, wenn man über diesen notwendigen Betrag hinausgehen wollte." Und dabei wird immer wieder bei jeder Gelegenheit von unsren„außerordentlich günstigen" Finanzverhältmssei, gesprochen.— Hoffentlich wird die Stadtverordneten-Verjaunnlung'sich trotz der Mehraufwendungen für ein Krankenhaus entschließen, daS den augenblicklichen uud den Zulnnftsbedürfnisien in jeder Hinsicht genügt. Gevicszks �Äeikung. Wie mau vor Gericht kommen kann. Eine stete Quelle von Bedenken gegen das Wirken von Polizei nnd Staatsanwaltschaft in politische» Dingen bilden die Strafprozesse, die zuweilen aus nichtigen Ursachen gegen unsre Parteigenoslen eingeleitet werden. Wie es um solche Anklagen unter Umstäilden bestellt ist, daS zeigte sich in eine», gegen unser» Parteigenossen B o e s k e in Rixdorf eingeleiteten Ver- fahren. Ein Mitglied des socialdemokratischen Wahlvereins in Rixdorf. Eniil Lehmann, war nach Weißensee ver- zogen. Auf Grund irgend einer Mitteilung, die Lehmann dein Krimiualschutzmann Sywollow gemacht hatte, war eine Strafverfügung gegen Boeske erlassen worden. Es wurde darin die Behauptung aufgestellt, daß Boeske als Vorsitzender des WahlvercinS auf Grund des§ 8 der Vereinsstatuten verpflichtet gelvesen wäre, das Mitglied Lehmann binnen drei Tagen abzumelden; weil dies nicht geschehen sei, sollte Boeske 15 Marf Strafe zahlen. Boeslc blieb nichts übrig, als die Unbequemlichkeit eines gerichtlichen Ver- fahrens auf sich zu nehmen. Er beantragte gerichtliche Entscheidung. In der ersten Verhandlung, die dieser Tage stattfand, bewies Boeske. daß er fürs erste im August v.J., also zu der Zeit, wo nach Meimnig der Polizei die Abmeldung hätte erfolgen müssen, gar nicht Vor- sitzender des Wahlvereiiis gewesen ivar. Dann setzte Boeske ans- einander, daß das Statut nur die Bestimmung enthalte, daß ein Mitglied aus dem Verein oiiSgeschlosscn Iverden könne, wenn es länger als drei Monate mit seinen Beiträgen im Rückstände sei. daß aber zu dieser Maßregel durchaus keine Verpflichtung vorliege. Im vorliegenden Fall Ivar der Ausschluß deS Lehmann überhaupt gar nicht möglich, da er mit seinen Beiträgen keineswegs im Rückstände war. ja an dem Tage, an welchem der erste, der Vertaliung anheim- gefallene Termin in der Sache stattfand, sogar noch lvcitere Beiträge bezahlt halte. Auf Grund dieses Hinweises hatte der Gerichtshof eine Prüfung der Statuten vorgenommen. Lehmann erklärte dann in der Schlußverhandliuig seltsamerweise, daß er gar nicht gewußt habe, daß er noch Mitglied des Wahlvereins sei; ihm wären die Statuten unbekannt gelvesen. Auf die Vernehmung des Kriminal- schutzmanuS wurde allseitig verzichtet. Der Staatsanwalt beantragte elbst die Freisprechung, und der Gerichtshof erkaunle nach diesem Autrag nnd legte die Kosten der Staatskaffe auf. DaS Reichsgericht hat gestern einen neuen Beweis dafür er- bracht, daß seine Recblsprechimg das Recht der Kritik imnier mehr einschränkt. Es handelt sich diesmal um den bekannten Fall, daß eine Anzahl in Kriegervereinen organisierter Ordnungs- 't ü tz e» dem Schriftsteller Hans L eu ß vermittelst der Beleidigungs- Paragraphen beizilkoinmen trachteten. DaS Landgericht I in Berlin hat am 23. Dezember v. I. den Schriftsteller Hans L e u ß in Zchlen« darf und den Redacteur der„Welt am Montag", Max Ludwig, von der Anklage der Beleidigung der deutschen Kriegerverei'ne reige sprachen. Die Beleidigung soll enthalten sein in einem von Lenß verfaßten und in dem genannten Blatte veröffentlichten Artikel. Der Strafantrag ist von 22 Personen vom Vorstand de« deutschen KricgerbundeS und des Landesverbandes der Kriegervereine unter- zeichnet. DaS Landgericht hat auf Freisprechung erkannt, tveil nicht estgcstellt sei. daß die in dem Artikel erhobenen Vorwürfe sich gegen die Unterzeichner deS Strafantrages oder gegen sämtliche Mitglieder der Kriegervereine richten.— Gegen die Freisprechung richtete sick die Revision des StaatsaulvaltS. In der heutigen Verhandlimg vor dem 2. Strasjenat des Reichsgerichts beantragt der Reichsanwau Verwerfung des Rechtsmittels, da. ivie das Reichsgericht mehrfach ans- gesprochen, Vereine nicht beleidigungsfähig seien und ausdrücklich fest- gestellt sei, daß die Llutragsteller nicht beleidigt Iverden sollten.— Das Reichsgericht hob jedoch das Urteil auf und verwies die Sache an daS Landgericht II in Berlin. In der Begründung wurde angeführt: Die Voriustanz erklärt, gar nicht prüfen zu wolle», worin die Beleidigungen bestehen, dies ivar aber erforderlich. Wenn in dem Artikel allgeinciiie Beschuldigungen ausgesprochen werden, s o können sich dadnrch alle Mitglieder beleidigt fühlen. Daran ändert nichts der Umstand, daß der Verfasser einige ausnehmen wollte, denn er hat diese nicht namhaft gemacht, AreireligiSse Gemeinde. Sonntag, den II. Mai, vormittags 8>/, Uhr, in der Aula der 69. Genictndcschule, Kl. Frankfurter st r. 6: Bersauimlimg.„Freireligiöse Borlejung". Um 10»/« Uhr vormittags eben- daselbst: Bottrag des Herrn Prosessor Albert Gehrke:„DaS ChustciUum und der moderne Zeitgeist". Bor- und Nachspiel auf dem Pariser Mustelharmonium.— Gäste, Damen und Herren, sehr willkommen. Allgemeine Kranken- nnd Lterbekasfe der Metallarbeiter(E. H.29, Hamburg). Filiale B e rl i n 3. Sonnabend, den ICK Mai, abends 9 Uhr, hei Bergen«, Reichenbergcrstr. 157: Mitgliederversammlung. Hebet de» Socialismus in Belgien und Frankreich wricht Pfarrer Naumann am Montag, den 12. Mat, abends 8'/, Uhr, im „Brandenburger Hos", Mohrenstr. 47._ Briefkasten der Redaktion. de» Tie snristliche Sprechstunde finde« täglich mit A«»nahme Sonnabends von 7'/, bis 9Vj»hr abends statt. Streitende. Genosse B. vertritt nicht den zweiten, wie irttvmllch gemeldet sondern den ersten Hamburg« Wahlkreis. K. W. Das Victor iahauö für Krankeiwstege. Landsberger Allee 19/20, bildet geelgnete weibliche Personen zu»raittenpflegettiinen auS, um die Berliner Krankenhäuser mit Personal zu versehen. Die Kurse beginnen am l.'vpttl und 1. Oktober, doch müsicn sich die Mädchen ver» fischten, dem Hause vier Jahre lang als Pflegerinnen anzugehören. Die Bewerbettnnen müssen unverheiratet, zwischen 2t und 3V Jahre alt sein und bei der Auf- nähme 300 M. Kaution hinterlegen, ste«ballen völlig srete Station und auhcrdem ein von 300 M. an steigendes Gehalt. Persönlich« Meldungen stirb beim Benvaltungödirektor Tunier deS städtischen Krankenhauses am FttedrichSbain, Landsberger Allee 159, anzubringen. — Illegitim. Di« Namensänderung kann in dem Ihr« Tochter be- tressendeu Fall nur durch Erlaubnis der Behörden— in Bettin des Polizei-, In der Provinz des Regierungs-Prästdentcn— erlangt werden. Ein Recht auf Erteilung der Genehmigung steht niemand zu. Die Erteilung der Er- laubnis kostet 50 M.— F. W. S. Solche Verein« oder Privatpersonen sind«uS nicht bekannt.- A. G. 100. 1. Nein. 2. Für die Alimentenklage, die ein Vormund anstellt, wird aus Grund einer Bescheinigung des Borrnundschaftsgericht über die VermögenSloflgleit des Kindes Annenrecht gewährt Dem Linde erwachsen also weder Gerichts- noch Bettchts- vollzieher-Kosten Die Bollstreckiattett eineS NnetlS«lischt erst nach 30 Jahren, von deni Uttetl od« d« letzten Pfändung ab g«echiiet. — Sch. Welche Borichristen über die Niederschlagung od« den Erlab von Koste,, für Desinfektion an andren Otten als v«lin bestehen, wissen wir nicht Sie«-fahren es durch Anfrage auf dem Polizet- und Gemeinde- bureau. Für Berlin gilt folgendes: Eine Desinfettton derjenigen Wahuräume, in denen an asiatisch« Cholera, an Pocken, an Fleck- und Rücksalltyphus oder an Diphtherie Leidende gepflegt worden sind, ist für Berlin als ein Muß vorgeschneden. Der von soctaldemokratisch« Seite wiederholt gestellt« Antrag, die Desinfektion mit« allen Umbänden aus Kosten der Stadt auszuführen, ist abgelehnt worden. Bon Zahlung der Gebühren ist nur befreit, wer sich zu biete« Zweck entweder von dem Borsteher des betreffenden Stadtbezirks oder von dem Vorsteher derjenigen Aruienlommission, in deren Bezirk er wohnt, ei» Attest ausstellen läbt und dasselbe an die DeSinsekttons- anstalt einschickt. Die Ausstellung des Attestes findet statt, wenn der Be- treffende eine Wohnung iui Mielswert bis zu 300 M. innehat oder zu der umersteu Stufe der klaffensteu« veranlagt ist, oder wenn sich nach Prüsimg der Bcrhälnuiie«giebt, daß er infolge von Unglücksfällen(Krankheiten, Sterbefällen und dergl.) nicht in der Lage ist. Gebühren zu zahlen. Die Befreiung von Zahlung der Gebühren hat nicht den Charakttt ew« Armenunterstützmig aus öffentlichen Mitteln. Wer von Kosten befreit sein will, läßt sich solches Attest ausstellen und beantragt bei der Teöinfektioiis- anstalt unter Einreichung des Attestes: Niederschlagung der Kosten.■— F. II. 1. Di- Redensart, die der Wirt Ihnen.gegenüber angeiv-itd-fe 8at, ist rechtlich ßleichaülttg. Z. Die Dauer«in«S MiktSvertrageS richtet sich nach der darüber getroffenen Vereinbarung Die Vereinbarung bedarf nur dann der Schristforvn wenn die Mictszeit wehr als ein Jahr beträgt. Ist keine bestiinuite Dauer vereinbart, oder ist die Schristsonn nnterlaffen, so gilt der Mictsvcrtrag als auf unbcsiinmite Zeit geschloffe«. I» solchen Fällen und wenn über die Kündigungsfrist nichts vereinbart ist, gelten folgende Kündigungsfristen: Die Kündigung ist nur für den Schluh des Kalenbervierteljahies zulässig. Sie hat spätestens amdritten Werltag des Vierteljahres zu erfolgen. Ist der Mietszins nach Monaten bemessen, so ist die Kündigung nur für den Schlich eines Kalendermonats zulässig; sie hat spätestens am 15. des Monats zu«folgen.— 83. 8. 28. 1. Ja. 2. Unbedeutende körperliche Fehler.— H. B. Ist der Nachtrag unter- zeichnet, oder auch nur mündlich vereinbart, so ist a gültig, sonst nicht. — Singvogel. Wenden Sie sich an die Fortbildungsschule oder an«in Privatinstitut. Ein bcstiniuites empfehlen wir grundsätzlich nicht.— — Berlin IVO. 1. Ja. 2. DaS Gesetz schreibt nicht vor, welche Gegen- stände im einzelnen unpfändbar sind. Unpsändbar sind die unentbehrlichen Möbel, Kleider, Hausgerät, Wäsche und dergleichen. WaS unentbehrlich ist, ist von Fall zu Fall zu entscheiden. 3. Wird der Offenbarungseid ver- weigert, so kann der Gläubiger die Hast beantragen. Die Haft kann sechs Monate lang dauern, ES muß der Verhaftete sofort entlasten werden, sowie er de» Eid leistet. 4. Mit Erlaubnis deS Gerichts kann auch an Sonn- und Feiertagen gepfändet werden, s. So viel als für 14 Tage erforderlich ist. 6. Das thun Sie. 7. Nein. 8. Ja, eS muß aber der Familie der standesmäßige Unterhalt bleiben. S. Das ist unzulässig und ungültig und kann strafbar sein.— W. E. 6. 1. Ja: Klage beim Gewerbegericht. 2. und 3. Ja, wenden Sie sich an die Polizeibehörde. 4. 14 Tage, falls nichts Gegenteiliges vereinbart ist. b. Der Lohn ist in derselben Weife zu zahlen, wie die Zahlung bis zur Kündigung erfolgte. 6. Die Kürzung ist zulässig. 7. Das Gewcrbegericht ist zuständig.— O.. Pankow. Nein. Für den Inhalt der Inserate überiiiinmt die Nednkliou dem Publik»»! gegenüber keinerlei Bernntwortung. Sonnabend, den 10. Mai. cpcrnhaiis. Der Wald. Oavalloria rusticana(Bauern- Ehre).— Karneval. Ansang 7t/z Uhr. Schauspieihans. Das große Licht. Anfang 7V, Uhr. Ncnes Opern> Theater'(Kroll). Meisterspicl HL Faust. Anfang 7 Uhr. Schiller. Zwei Wappen. Anfang 8 Uhr. Deutsches. Die versunkene Glocke. Anfang?!/, Uhr. Berliner. Ueber unfr« Kraft. (2. Teil.) Anfang?!>, Uhr. Lessing. So leben wir. Anfang 7'/, Uhr. «Sesten. Der Troubadour. Anfang 7Vi Uhr. Neues. Der Frauenarzt. Anfang 7-/- Uhr. Nesidenz. Einquartierung. Ansang 7-/- Uhr. Central. DaS süße Mädel. Anfang 7'/, Uhr. Thalia. Gastspiel der Schlierseer. In- Austragstüberl. Anfang « Uhr. Velle-Sllliance. Die Dame aus Trouville. Hierauf: Er. Anfang ?>/, Uhr. Luisen. Bei NeumannS.— Unfte Männer. Aiiiang 7»/, Uhr. Carl Weist. Der Doppelgänger. Anfang 8 Uhr. Nachm. 4 Uhr: Kindervorstellung: Fee Morgana oder: Prinz und Köhlertnabe. SeiessionSbühne. Detlev Lilien- crons BunteS Brettl. Anfang 8 Ubr. E. v. WolzogenS BunteS Theater (Ueberbrettl). Anfang 8 Uhr. Schall und Rauch. Serenissimus- Zwischenspiele. Anfang 8Vtn(jr. Friedrich Wilhek«, städtisches. Unfte Jungein Anfang 7«/, Uhr. Orpheus. Spccialitäten-Vorstellung. Anfang 8 Uhr. Eharivari. Täglich Torstellung. Anfang 8 Uhr. VIrtropol. Unsre Don JnanZ. Anfang 8 Uhr. Zlpollo. Lysisttata. Specialitäten- Borstelliitig. Aniang 71/, Uhr. Palast. Ben- Ali- Bey und sein orientalisches Zauber- Ensemble. Anfang 8 Uhr. Cosino-Theater. Der Lumpenball. Der beste Bruder. Specialitäteii- Vorstellung. Ansang 8 Uhr. ReichShalleu. Stettiner Sänger. Anfang 7 Uhr. Passage- Theater. SpeciaMäten Vorstellung. Anfang nachmittags b Uhr. Passage- Panoptikum. Speciali- täleii-Vorstellung. lirauia. Taubeusir. 48/43.(Im Theatersaal.) Abends 8 Uhr Die deutsche Ostseelüste. guvalideustraste S7/U2. Täglich: Sternwarte.__ EWttÄjtlilti (Walluer-Theater). Sonnabendabend 8 Uhr: Xwe>l Wappen. Schwank in 4 Akten v.Osk. Bliimen- thal und Gustav Kadelburg. Sonntagnachmittag 2 Uhr: Vi« Itttnber. Sonntagabend 8 Uhr: Die ZI titter. Montagabend 8 Uhr: Die Romantiucben. H icraus: Hexenfang. Sonnabend, den 10. Mai. 7V, Uhr. zum 145. Mol: Das siiste Wiädcl. Morgen Sonntag, 3 Uhr. halbe Preise: Di» Puppe. Abends 7>/z Uhr: vor- letzte Sonntags-Alissühnlng: Das sü�zv Mädel. Urania. Tauben-Strasse 48/49. Im Theater um 8 Uhr; Die deutsche Ostseekiiste. CÄSTANS Panoptikum Frlcdrlch-Strasse 165. " Bärenweib! •In Wunder der Schöpfung I Neu; Skandinavisches Instrumental- n. Vokal- Künstler-Ensemble. 4 Damen, 2 Herren. Thalia- Theater. Dresdenerstraste 72/73, Alisailg 8 Uhr. Im Ansttllgstnberl. Sonnabeitd. Sonntag u. Montag: In, ZluStragstüdevl. DienStag: Der Schlagring. NST- Der Sommer-Garten ist w oberbayrischer Art dekoriert.__ ilfitropol-Ileater Emil Thomas a. G. Henry Bender Josef Joseph! Unsre Don Juans Grosse Posse mit Gesang; u. Tanz in 4 Akten von Leon Treptow. Anfang 8 Uhr. Bauchen überall gestattet. Apollo- Theater und Konzert-Garten. Um 7 Ubr:«arten-Konzert. Um 8 Uhr: Die jgrossartigen tüpeclalittlten. MT Um 9 Uhr:"Vm Panl Elnekes Operette: Lvslsitrata mit dem Luftballett„Clrieolatis" Kassenerfiffnung 7 Uhr. Passage-Tlieater. Anfang Sonntags 3 Uhr, j Wochentags 5, Ende 11 Uhr. Das sensationelle Mai-Programm 16 ganz neue erstklassige Specialitäten I Palast-Theater (früher Feeu-Palnst) Buraktr. 22. 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Heute zum 135. Male: Die Dam aas Tmville. Schwank mit Gesang u. Tanz in 3 Akt. Emil Sondermann a. G. Ferd. Worms. Mizzi Birkner. Rosa Marten. Hierauf:„Er". Pariser LebenS- bild in 1 Akt. Anfang?>/, Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. LA8'U0-?hcatcr Lothringerstr. 37. Loouardy Haskel mit s. Gesellschaft 8 Uhr:„Der Dnmpcnball". 9' 2 Uhr:„Der beste Bruder". Anfang Wochent. 8, Sonntags 7»/, Uhr. Iii. Hoacks Theater. Brnnnenstraße 16. Jeden Sonntag, DienStag und Donnerstag: Tbentsr-Vorsteiiung. Die Änna-Liese. Schauspiel in 5 Akten von Hirsch. Vmi'icllimg TanzdrAllzehen. Nanssioiici Kottbnserstr. 4 a, Jeden Donnerstag, Sonntag und Montag: II>>kPi»>»»»« Nach jeder Soiree: Tanzkriinzeben. Wochentags Bereinsbillets W gültig und Tanz frei. Wintergarten. Heute: Das neue Mai-Propiii! Interessant! 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Nach langen, schweren Leiden verschied gestern abend?t/, Uhr unsre gelieble Schwester, Schwä- gerin und Tante lUllde Sinpr im sechzigsten Lebensjahr. Die Beerdigung findet am Sonntag, 11. Mai, vor- mittags 10 Uhr, von der Halle des jüdischen Begräbnis- Platzes in Weißensec, ans statt. Berlin. 9. Mai 1902. Namens der Hinterbliebenen: Heinrich und Pank Singer. Stklülh-Nestiulrant am zwisch. Müggelschloß u. Aussichtsturm. Empfehle Fabriken, Vereinen und Korporatroncn für Soiirinervergnügen u. AilSsiüge»lein großartig gelegenes Lokal. Saal ftir ca. 3000 Personen, Hallen, genügende Nebenräume. Bc- ttistirtuiigen aller Art. Coulante Preise. 3513L* M. Degcbrodt, „Strandschlost». Köpenick. Kinderwag., Sport-, Kasten- Letter- u. Ziegenbockwagen, Eiserne Bettstellen u. Kran- kenwagen für Er- wachsen« u. Kin- der. Preise Hill. Auch Tcilzahlg. A.W. Schulz H. Brunaenst. 95 a.Bhf.Gesulldbr. Fernsp. III, 1787 Gestern früh entschlief sanft nach kurzem, schwerem Leiden aar Herz- schlag mein innig geliebter Mann, ineim lieber Vater, Schwieger- unt» Großvater, der Schankwirt 26336 Friedrich Rohde. Die Beerdigung findet am Montag, den 12. d. M., nachmittags 3Vj Uhr, vom Trauerhause, Höchstestr. 30, aus nach Wilhelmsberg statt. Die trancrnden Hinterbliebenen. Verein Berliner Vächwilk-MWncmtißtr. Am 7. Mai verstarb unser Mitglied Pohl. Ehre seinem Andenken! Die sBeedigung findet am Sonntag, den 11. d. M., nachmittags 3 Uhr von der Leichenhalle des alten Rix- dorser Kirchhofes in Britz, Rudower- straße, aus statt. 35/7 Um zahlreiche Beteiligung ersucht Der Verstand. Nach jahrelangem schweren Leiden eutschlics sanft am Mittwoch der ehe- malige Clgarrensabrikant 25Z4b »eiT J. C. Sehneider. Er war stets ein treuer Freund und Gcnoffe. Die Beerdigung findet am Sountanachuiittag um 4>/, Uhr von der Leichenhalle des Thomas- Kirch- Hofs, Rixdors, Hermamistraße, aus statt. Verein«ur Wahrung der Interessen der Zink- gicsser n. Stürzer. Am Mittwoch, den 7. d. M., verschied nach langem, schwerem Leiden unser langjähriges Mit- glicd niid Mitbegründer unsres Vereins, der Zinkgießer Kail LOcke. Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung stndet am Sonntag, den 11. Mai, nach- mittags 3Vi Uhr, von der Leichenhalle des Thomas- Kirchhofes ans statt. Um zahlreicheBeteiligung bittet Der Borstaud. Todes-Auzeige. Nach jahrelanger Krancheft und schwerem Todeslampf starb mein lieber Bruder, der Schlossermeister Herrn. Baeihge, in Gcrbstädt(Pro». Sachsen). Alle, die ihn gekannt haben, werden ihm biS über fein Grab hinaus ein treues Andenken bewahren. 2S29b E. Baeth�e, Schankwirt. Central Berbaud herStllMtM'eDcllMM. Filiale Verlin. Der SlrheitSnachweiS und das BerkeHrSlokal der Stnccatcnre be- findet sich von jetzt ab bei 'Welbnaebt, Grünstrafte 21, Tel. Amt I 1787. ES werden dort alle Verbands- ailgelegenheiten erledigt, und sind die Kollegen verpflichtet, ihre Arbeitslosen- kontrolle dort auszuüben. Jederzeitiger Nachweis von tüchtiaeii, selbständige» Stuccateuren aller Branchen. 173/8 I. A.: P. Krebs, Baqmfchulenweg b. Berlin, Ernststr. 5. .gu Sonntag früh l/,7 Uhr (Prenzlauerthor nach Sie- Ewalde, 45 K.), nachm. WM-W2 fljhr, Koppenplatz nach Wilhelmsruh(Gautour). Donnerstag, den 15. Mai: Versammlung, Andreasstr. 26.(Besprechung der Pfingsttouren) Jeden Freitag: Ueben im Reigenfahren in Wends Klubhaus, Künigsgraben 14a. Gäste zur Tour und Versammlung stets willkommen. 11/20 H. Esders& Dyckhoff Iteipziger Strasse 50 a, Kclie Jenisalemerstrasse, äWT am IMnhoft-Platz"WZ Herren- u. Knabenbekleidung fertig, und nach Mass. Herren- u. Knaben- Sport- u. Mode-Artikel. Am Sonnabend, den 10. Hai, sind unsre Verkaufsräume bis 9 Uhr abends geöffnet. Am SOBBtag, den 11. Mai, sind unsre Verkaufsräume von 8 bis 10 Uhr und von 12 bis 6 Uhr geöffnet. Deutscher Holzarbeiter-Verband. (Zahlstelle Berlin.) Achtung!"WZ SW Achtung! Sonntag, den 11. Mai, vormittags 10 Uhr, in BuskeS Festfälen, Grenadierstr. 33: Oeffentliche Versammlung der ParKettbodeiilegtr Berlins«. Umgegend. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Reichstags-Abgeordneten Brlts Znhell üder:„Wie verbessern wir unsere Lage?" 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Der Elnbernfer: E. Krafft. AAnngl Einsetzer. Am«««! Am Sonntag, dm lt. Mai d. I.: Bezirks-Wllg(lurpfonidic) in famtlifeu Bezirken. _ Montag abend: Kommissioiis- Sitzung, Die Kontrollkommission. Veztrk WlrnAbrik. Sonntag, den 11. Mai, vormittags 10 Uhr, bei Schlößler, Stromstr. 28: Bezirks-Bersammlung Tagesordnung: 1. Vortrag de? Schriftstellers Herrn Schütte über:„Der allgemeine deutsche Arbeiterverein". 2. Diskussion. 3. Vcrbandsangelcgcnheiten und Verschiedenes._ 83/5 Verband der Möbelpolierer. Morgen» Sonntag, nachm. 4 Uhr, Hnssitenstr. 40: Vsrsomtnlnng."WU Tages-Ordnung: 1. Vortrag von Frau Besch über:„Frauenarbeit und Eewerkschafts- organisation. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 148/2 MM- Hierzu ist 31 ax Kohte, Metzerstraße 12,«ingeladen. _ Nach der Versammlung: AM-«einütllche» Beisammensein nnck Tans."Mg Die Auszahlung sämtlicher Unterstützungen erfolgt Montagabend 7 bis ß Uhr Vlumenstraste 38. _ Der Torstond. Deutsch. Metallarbeiter-Verband Terwaltnngsstelle Berlin. Bureau: Eugel-ttfer 15, Zimmer 1—5. Fernsprecher: Amt VII, 353. Am Sonnabend, den 10. Mai, abends 8Vs Uhr, bei Dieke, Ackerstraße 123: Konferenz der Vertrauensleute des Nordens. Am Sonntag, den 11. Mai, vormittags 10 Uhr, bei Wetzel, Wrangelstraße 136: Morgenfprache der Schraubendreher. Sonntag, 11. Mai, vormitt. 10 Uhr, im GewerkschaftshauS, Engel-Ufer 15(großer Saal): Allgemeine Versammlung der Eds-, Wasser- Mb Heizangs- Rohrleger«ab Cehilse«. Tages-Ordnung: 1. Vortrag deS Genoffen �Valdech Ilanasse über:„Kirche und Kaserne im Dienste der Reaktion". 2. Diskussion. 3. Verbandsangelegenhett. DM- Die Kollegen der Firuia Grove& Goldstein werden hiermit ganz besonders eingeladen. Ferner ersuchen wir die Mitglieder, ihren Wohnungswechsel am Vorstandstisch genau anzugeben. Da die Ver- sammlung pünktlich eröffnet wird, ist auch rechtzeitiges Erscheinen er- forderlich. 114/20 __ Die Ortsverwaltung. IAnf nach Werder m Kaumblnte! I_ Täglich Extrazüge— Extradampfer. 23/13 Um die Räumung meines Laden dmi'tattvirimK'K Berliner Strasse IIS�E so schnell als irgend möglich zu bewirken, beabsichtige ich sämtliche U. Aommpt> Neuheiten in Damen-Kleiderstoffen, Unterröcken m Vattist. Wolle, Seid«, Kl«sen-u. Kostum-Uocken zwar nicht ganz zu Verhhenlten, aber«u jedem auster- gewöhnlich annehmbare« Preise wegen Geschäftsauflösung zum VoUstlinditzeN Auö- nerkauf zu stellen. Ferner auch Restbestände in Leinen O fertiger Wäsche O Handtücher O Tischtücher« Servietten» Gardinen D Tischdecken O Bett- u. Steppdecken• Tüll- u. Schlaf- Decke» D Trikotagen O Strümpfe O Handschuhe O sämtliche Bade-Zlrtikel zc. 40022* Die Ladeneinrichtung ist billig zu verkaufen."MA Adolf DÜSterwald. Vereine u. für Gesellschaften Grosse ösfeillliche Mnner- und Franenversamminng findet am Motttag, den IS. Mai, abends 8 Uhr, im Fokal des Herrn Tkivlv, Nixdovf» Bergstraffe Nr. 150-151, statt. Tages- Ordnung: 1. Dortrag des Herrn Kater über:„Zweck und Ziele der Organi- faiion". 2. Diskussion. 3. Protesterhebung gegen den Centralverband deutscher Bäckeriuuungen behufs Aufhebung des Gesetzentwurfs zur Be- schränklmg der Kiuderarbeit. 4. Die Zustände der bei dem„Berliner Lokal- Anzeiger" und der„Berliner Morgeupost" angestellten Zeitungs-Austräge- rinnen und das Verhalten des Expedienten Herrn Lippe in der Filiale der Lützowstraße, welcher eine Botenfrau mit S Kindern auf die Straße ge- warfen hat. Um zahlreiches Erscheinen bittet 283/2 _ Die Elnbcrnferln. flllp. Kranken- n. Mekasse der Metallarbeiter (E. H. 29) Hamburg. Filiale Berlin 2. Montag. IS. Mai, abends 8 Uhr, bei Albrecht, Admiralstr. 18«: Mltglteder-Tersamnilimg. TageS-Ordnung: 1. Kassenbericht. 2. Abrechnung vom Maskenball. S. Die gestellten Unträge zur diesjährigen General-Versammlung. 2S3Lb BÜM- Die Mitglieder werden ersucht, zahlreich zu erscheinen."ME Die Ortsverwaltnns. E. Fahrenwald, Kottbuser User 44 a. In Folge grosser Abschlüsse in Teppichen, Portieren, Gardinen, Stores, Divan-, Tisch- und Steppdecken, Läufern, Möbelstoffen und Plüschen sind wir in der Lage, solche für die HälftC ÜBS rBtJU" lären Wertes �una Verkauf ru stellen, und können wir Lagert esuch nur dringend empfehlen. Teppichhaus Adler& Co., Köuigstr. 20— ai, dicht am Rathaus. Binsenhut 1,30 Mk. Anabenstrohhut von 0,25 Mk. an. Hüte muß man beim Hutmacher kaufe». gröbere Auswahl und billigere Preise wie ©twiwut von'.tO Ps. un. m Warenhäusern und Bazaren. 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Betreffs des Angriffsartikels der „Düsseldorfer Volksztg." gegen Röske wird erklärt, daß denselben der dortige Leiter der Glasarbeiter-Filiale geschrieben. Von Vorstands« seite wird erneut der Nutzen einer Verlegung der Zeitung nach dem Sitz der Verbandsleitnng hervorgehoben. Eine Reihe' von Un- zuträglichkeiten würden damit verschwinden. Bezüglich des Artikels wird von andrer Seite noch darauf hingewiesen, daß Solidarität wohl geübt iverden müsse, das Interesse der Allgemeinheit erheische es je- doch, daß dies nicht wähl- und regellos, sondern zielbewußt zu geschehen habe. Es sei bedauerlich, daß keiner unsrer großen Geister das erlösende Wort � gesprochen, trotzdem alle die haltlose Situation des Generalstreiks der Glasarbeiter erkannten. Hier sei Röske bahnbrechend vorgegangen, deshalb das Aufsehen. Vom Aus schuß wird darauf hingewiesen, daß Streiks allerdings innere An gelegenheiten der einzelnen Organisationen seien. In solchen Fällen aber, wo man schon von vornherein niit der pekuniären Unterstützung andrer Gewerkschaften gerechnet habe und beinahe lediglich darauf angewiesen sei, müsse man sich aber billigeriveise auch der Zustimmung dieser Organisationen versichern. Auch die Stellung der Leipziger Kollegen in der fatalen Buchdrncker-Angelcgenheit sei nicht die richtige gewesen. Die dortigen Parteigenossen durften sich nicht selber zu Schiedsrichtern in eigner Sache wählen. Dafür existierte» andre Instanzen. Diesen verfehlten Standpunkt hätten die Leipziger Kollegen nicht nutmachen dürfen, als sie im Kartell darüber bc- »rieten. Ein ebenso anfechtbarer Standpunkt sei jener in der Aerzte frage bei der allgemeinen Orts-Krankenkasse geivcsen. Man durfte nicht sagen:_„Mit Euch Acrzten verhandeln lvir nicht!" Demgegenüber wird von beteiligter Seite darauf hingewiesen, daß der Buchdrucker-Verband die Zwistigkcit seit Jahre» gewisiermaßen planmäßig vorbereitet habe. Näher wolle man auf die Materie an dieser Stelle nicht eingehe». Auch die Verlegung der Zeitung nach Berlin wird im Laufe der Debatte befürwortet. Jacobs als Vertreter der Preßkommission konstatiert, daß die gc- wünschte technische Beilage sehr bald zu Beschwerden einzelner Branchen führen würde, die sich zurückgesetzt fühlten. Im Vorder- gründe stehe die wirtschaftliche Bewegung, der Kampf mit dein Ünternehmertuni. Die Zeitung solle in Hamburg bleiben, wo sie entstand. Die Verhältnisse würden sich durch eine Verlegung keines- Wegs verbeffern. Was den Artikel anlange, so müsse man festlegen, daß es eine elementare Pflicht sei, auch etwa vorhandene Schwächen in der Gewerkschaftsbewegung rücksichtslos aufzudecken, damit sie be seitigt und in Zukunft vermieden werden könnten. Von Vorstands- feite wird darauf hingewiesen, daß die Verlegung der Zeitung»ach dem Sitz des Verbandes sich notwendig macht und auch über iktirz oder lang geschehen müsse. Das gegenwärtige Verhältnis sei unleidlich und muß daher im Interesse des Verbandes verändert iverden. Röske konstatiert nochmals, daß er seinen Artikel ge schrieben zu dem ausgesprochenen Zwecke, um den Glasarbeiter- streik zu beenden bezw. zu untergraben. Sein Mnnchener Streik- artikel sei einfach nützverstanden worden. Er beabsichtigte damit kcineslvegs, eine dem Vorstande entgegengesetzte Taktik einzuschlagen, sondern lediglich einen letzten Schreckschuß auf die Posilio» des lluternehmertums abzugeben. Es sollte ein letzter Trumpf fein, um Verwirrung in die Kreise der Arbeitgeber hineinzutragen. Die ihm zugegangenen Sitnationsberichte seien mitunter sehr übertrieben und er mußte sehr oft Erkundigungen durch Mittels- Personen einziehen lasse», die ganz andre Resultate ergaben. Erhalte dafür, daß erst beim Vorstande eine einheitliche Leitung ein- treten müsse. Thatsächlichs hätte Leipart alle Fäden derselben m der Hand. Darum solle auch er�l. Vorsitzender heißen. Würde eine Verlegung der Zeitung nach Stuttgart erfolgen, so stehe es ja an ihm, mitzugehen oder zu Hanse zu bleiben. Wähle nian einen andren Redacteur, so müsse das schon einer-mit festem Rück grat sei». Gegenüber diesen Anssührungen führt Kloß aus, daß der Vorstand eine kollegiale Körperschaft sei, in der es keinen Terrorismus einzelner geben dürfe und auch nicht gäbe. Freilich sei Leipart in vielen Einzelfällen bester informiert als er, und er selber fühle, daß seine Mandate ihn doch mehr hindern, als er ursprünglich angenommen. Er werde daher nach Ablauf der verschiedenen Wahlperioden zum Reichstag, Landtag und zur Stadtverordneten- Versammlung keine neuen Kan- didaturcu mehr annehmen. Von den vorliegenden Anträge» wird jener aus Dresden, der dem Redacteur ein Mißtrauensvotum wegen des Glasarbeiter- Streikartikels er- teilt wiffen will, in namentlicher Abstimmung mit 69 gegen 13 Stimmen abgelehnt. Inserate dürfen in Zukunft nur mit Zustimmung der Lokalvcrwaltung vcr- offentlicht werde». sofern es sich dabei um Arbeiter- Gesuche handelte. Die Sterbetafel wird in Zukunft vom Verbandsvorstand zusammengestellt und unter den Bekanntmachungen deS Vorstandes kostenfrei veröffentlicht. Der Antrag Berlin, die Zeitung von Hamburg nach Berlin zu verlegen, wird mit 62 g e g e n 22' S t i m in e n in namentlicher Abstimmung abgelehnt, in gleichen Weise mit 62 gegen 32 Stimmen ein Eventualantrag Besker-Hannover, die Zeitung nach Stuttgart als dem Sitze des Berbandsvorstandes zu verlegen. Es bleibt also bei dem gegen- wärtigen Znstande. Sodann wird in die Generaldebatte über die Punkte 5 und 6 der Tagesordnung: Arbeitslosen- Unterstützung und S t a t u t e n- B c r a t u n g, eingetreten. Zu gleicher Zeit wird die Unterstützungsfrage für alle übrigen, in der Zahl von mehr als 200 vorliegenden Anträge, gestellt. Bei dieser Gelegenheit fallen eine ganze Reihe von Anträgen aus der späteren Diskussion fort. Diese rein geschäftsordnnngsmäßige Thätigkcit nimmt den größten Teil der Nachmittags-Sitzung in Anspruch. Der Vorsitzende des Verbandes, Kloß- Stuttgart, trat in längeren Ausführungen für die Einführung der Arbeitslosen- Unterstützung ein. Er wies darauf hin, daß ähnlichen Schwierigkeiten wie diese Neuerung seiner Zeit auch die Einführung der Reise- Unterstützung sowie namentlich die obligatorische Einführung des Verbandsorgans begegnet sei. Heute halte man sie für selbstverständlich und ebenso werde mau sich nach einer Reihe von Jahren darüber wundern, wie man sich jenials gegen die Einführung der Arbeitslosen- Unterstützung hat sträuben können. Der Charakter einer Kampforganisation ginge durch die Einsührnng keineswegs verloren. M a i n z. 8. Mai 1902. In der D o n n e r s t a g s- S i tz n n g wurde zunächst durch Abstimmimg festgestellt, daß der Verbandstag niit dem Bureau der Meinung ist, daß über die Frage, ob angesichts der knappen Majo- rität der Urabstimmung für die Einführung der Arbcitslosen-llutcr- stützung diese letztere überhaupt eingeführt werden solle oder nicht, keine Verhandlung mehr stattzufinden habe. Die Thatsache der be- schlossencn Einführung liegt zweifelsfrei vor. Dagegen könne man aber immerhin über die andre damit verbundene Frage, ob die Er« höhung des Beitrages auf 35 oder 40 Pf. per Woche stattfinden solle, noch diskutieren, obwohl das Bureau auch hier der Meiunug war, daß durch die Urabstimmung diese Frage zu qunsten des 35 Pf.-Beitrages bereits entschieden sei. Bon den Diskusstousrediiern sind denn auch die meisten igegen 40 Pf., manche halten sogar 35 noch für zu viel, weil sie von jeder Beitragserhohmig einen erneute» Rückgang der Mitgliederzahl befürchten. Von den Gegnern der Arbeitslosen- Unterstützung wird zum Belege dafür, daß der Verband dafür ganz unverhältnismäßig mehr Geld ausgeben müßte, als die auf- gestellten Voransberechnungen besagen, die diesbezüglichen Ziffern des Metallarbeiter-VerbandeS vorgeführt. Dort habe man im zweiten Jahre sehr bedeutend mehr dafür aufwenden müssen, als im ersten. Von Vorstandsseite wird durch einen eben eingelaufenen Brief vom Kassierer des Metallarbeiterverbandes die widrige Verhältniszahl für diesen Unterstützungszweig festgestellt und auf Grund desselben eine noch günstigere Prozentziffer herausgerechnet, als dies in der ersten Kai- kulation geschah. Auch die Notwendigkeit der weiteren Anstellung besoldeter Gauvorsteher wird konstatiert. Um hierbei dem Vorstand etwas niehr Spielraum zu verschaffen, müsse eine einschränkende Klausel der diesbezüglichen Nürnberger Resolution fallen. Röske führt aus, daß die Gegner der Arbeitslosen-Unterstützung davon überzeugt sein dürfen, daß durch ihre Einführung der Durch- marsch zahlreicher Kollegen durch den Verband zum Teil aufgehalten werden wird. An der Urabstimmung betreffs der Beitragshöhe sei nicht mehr zu rütteln. Der Satz von 35 Pfennigeu habe einmal nach Abzug der ungenauen Antworten die Majorität. Er bedauere das, denn infolge des niedrigen Beitrages werden noch geringere Mittel als bisher für die Lohnknmpfe flüssig bleiben. Trotzdem würde uns die Zukunft deren noch sehr schwere bringen. Es werde richtig sein, wenn man von vornherein die Kollegen darauf aufmerksam mache, daß der nächste Verbandstag eine abermalige Erhöhung des Beitrages werde vornehmen müssen. Bezüglich der Maifeier sei bedauerlicherweise allerdings ein Unter- schied zwischen Theorie und Praxis zu konstatieren. Man müsse aber sagen, daß eine gewisse Festigkeit der Organisation hier von Nutzen sei. In einer Reihe von Städten habe sich dies gelegentlich der letzten Feier gezeigt. Wo die nötige Energie vorhanden war. konnte auch die Arbertsrnhe durchgeführt werden. Es sei Thatsache, daß durch das erste offizielle Abwinken die ganze Maifeier geradezu verpfuscht worden seil— Andrerseits verlangt man, daß die Beiträge am Arbeitsort und nicht am Wohnort entrichtet werden sollen, was schon der Kontrolle halber unumgänglich notwendig sei. Der Statuten- beratimgs-Kommission werden auch sonst noch eine Menge von Wünschen konform den verlesenen Anträgen mit auf den Weg gegeben. Kurz vor 12 Uhr mittags wird die Geiieraldiskussioi'i geschlossen und die Sitzung auf Freitag 8 Ilhr vertagt. Nachmittags findet eine von der Mainzer Zahlstelle arrangierte Nheinfahrt nach Aßmaiinshausen-Biiigeii statt. VevfÄmmlnngen. Ter socialdcmokratischc Verein für den fünften Berliner RelchStags-WahlkreiS hielt seine Gcncralversanunluiig am Dienstag im Alten Schützenhause ab. Den Bericht. des Vor- stau des erstattete Genosse Zucht. Im verflossenen Quartal haben vier Versainmliingen und nenn VorsiandSsitzmigen stattgesnnden. Die Neu-Organisation habe siw gut bewährt, im verflossenen Vierteljahr sei eine Zunahme von 50 Mitgliedern zu verzeichnen. Der Kassen- b e r i cki t, der vom Genossen L i e p m a nn vorgelegt wird, weist ein- schließlich eines Bestandes deS vorigen Quartals von 226,25 M. eine Einnahme von 1 417,04 M.. eine Ausgabe von 1228,31 M. auf. so- daß ein Bestand von 188,73 M. verbleibt. An den Parteivorstand wurden 450 M. abgeliefert. Dein Kassierer wird einstiminig Decharge erteilt, — Die Neuwahlen des Vorstandes hatten folgende« Ergebnis: 1. Vorsitzender Zucht, 2. Vorsitzender Peters, 1. Kassierer Liepmann, 2. Kassierer Kirste; 1. Schriftführer David söhn, 2. Schriftführer Stange.— Revisoren: H e r z e r, R e u l Gärtner.— Als Abteilnngsführer wurden bestätigt: für die I. Abteilung Hanisch. ll. Abteilung Roth. III. Abteilung Keller, IV. Abteilung B a t b I e. VII, Abteilung Wiese. Die Bestätigung der Wahlen für die V. und VI, Abteilung wurde»och hinausgeschoben. Darauf berichteten die Bert raucnspcrso neu über ihre Thätigkcit, Genosse B a b i e l führt aus, daß die VertraiienSleiite tcS fünftcu Kreises nicht anerkannt würden und keine Einladimge» zu den VertraueiisniKnner-Sitzungen erhalten hätten. Nur an drei Sitzungen hätten sie, und zwar durch Vcrinittlniig der Gewerkschafts- kommiisioii, teilnehmen können. Diese hätten sich mit der Arbeits loieii-Zählmig. mit der Maifeier und der Musikcrfrage befaßt. Bezüglich der letzteren Angelegenheit sei eine gemeinsamc Komniisfion gebildet worden. Hinsichtlich der Frage, welche Tage für gewerkschaftliche und welche für politische Vcrsannnlinigeii reserviert werden sollten, sei es nicht zu einer Einigung gekoinmeii. Die Meinung neige dahin, den Dienstag und Donnerstag der Partei zu überlassen. Die Einigungsversuche bezüglich der Organisntions- streitigkciten hätten zu stürmischen Debatten geführt. Redner geht aus Rücksicht auf die gegenwärtig statlfiiidcuden Einigungs- versnche nicht weiter auf diese Differenzen ein. Zlvecks gemeinsamer Bcthätignng wurde mit den Vertretern der Orgaiiisatiolicn des sechsten und des Wablkrcises Teltotv-Veeskow verhandelt.— Von der P r e ß k o in in i s s i o n berichtet Genosse Friedländer. Hier sind die Differenzen mit den Ver- tretern der andern Wahlkreise weniger scharf hervorgetreten. Die Auf- läge des„Vorwärts" sei von 55 000 auf 58 000 gestiegen. Die Heber- schüsse seien jedoch infolge der Verminderung der Inserate gesunken. Der gelbe Umschlag der„Neuen Welt" werde in nächster Zeit nicht mehr erscheinen. An der priiicipiclleii Haltung des„Vorwärts" sei nichts auszusetzen gewesen. Genosse K a r l K l e i n hat in der L o k a l k o ni m i s s i o n seine Thätigkeit nicht entfalten köimcn. weil er nicht zu den Sitzungen eingeladen wurde.— Von der Agitations- l o m m i s s i o n berichtet Genosse K o tz k e, daß in dem Wahl- kreise Prenzlau-Augermünde eine rege Thätigkeit entfaltet würde. In Schwedt sei jetzt ein Saal für die Partei zu haben. Die Organisation schreite rüstig vorwärts. Sodann referierte Genosse Zucht über die N e n o r g a n i- s a t i o n in Berlin. Nachdem die VertrauenSlente des 5. Kreises nicht anerkannt worden seien und nian ihnen auf die Einseiidnng ihrer Adressen nicht einmal eine Antwort hätte zukommen lassen, habe der Vorstand gemeinsam mit den Vorständen der beiden andern neu» organisierten Wahlvereine beschlosicn, nun auch ihrerseits, so lange dieses Verhältnis dauere, nicht mit den übrigen zusammen zu arbeiten. Der Redner legt den principiellen Standpunkt der Nen- organisation klar, tritt dann für den Einigungsvorschlag ein, der dahin geht, daß den Genossen in den einzelnen Wahlkreisen die Art, in der die Wahl ihrer Funktionäre vollzogen wird, selbst zu bestimmen, überlassen bleibt und nur für die Vertrauensleute die Wahl in öffentlicher Versammlung vorgeschrieben wird, und beantragt, den Vorstand zu ermächtigen, für diesen Kompromiß- Vorschlag einzutreten.— Genosse Hoffmann wünscht, daß über diese Frage erst innerhalb der Abteilungen diskutiert werde. Hiergegen wendet sich Liepmann, der warm für den Einiglings- Vorschlag eintritt. Die öffentliche Wahl der Vertrauensleute sei zwar nicht nach seineni Geschmack, aber um de» Frieden herbeizuführen, könne man wohl diese kleine Konzession machen. Nachdem Genosse B a b i e I ebenfalls für die Einignngsvorschläge eintrat, wurde ein- 'timmig beschlossen, den Vorstand zu erinächtigen, eine denientsprechende Entscheidung herbeizuführen. Zum Schluß weist der Vorsitzende darauf hin, daß nun nach den Erklärungen des Ministers Frauen als Zuhörer an politischen Ver- eiucu teilnehmen können, und fordert die Genoffen auf, zu den nächsten Versammlungen ihre Frauen einzuladen. Für eine Ab- onderuilg der Frauen wird gesorgt werden. Der Metallarbeiter-Berband sVerwallungsstelle Berlin) hielt am Montag in den Gennania-Festsälen eine Generalversammlung ab. Die Abrechnung vom 1. Quartal d. I. erstattet der Rendant P e tz o l d. Einnahme und Ausgabe in der Haiffftkasse balancieren in der Summe von 88 235,44 M. An OrtSunterstützuiig wurden gezahlt 32 284,53 M.,"an Streit- und MaßregelungS-Unterstützuiig 38'786.S0 Mark, wozu ein Zuschuß von 22 297 M. aus der Lokallafse erforder- lich war. Letztere weist einen Kassenbestand von 162 312,83 M. auf. Im Laufe deS Quartals sind dem Verbände neu beigetreten 3472 männliche und 285 weibliche Mitglieder. Zu dem Kassenbericht bemerkte der Vorsitzende Cohen: Die enorme Ausgabe im verflossenen Quartal dürfe nichl überraschen. In Berlin sei es in der Metall- industrie bekanntlich zu einer ganzen Anzahl von Einzelstreiks ge- kommen, und wenn auch in den nieisten Fällen ein Ausgleich der Differenzen herbeigeführt wäre, so hätten doch viele Kollegen als Gemaßrcgelte betrachtet werden müssen. Infolgedessen stelle sich die Unterstützung für Gemaßregelte ebenso hoch wie die gezahlte Streik- Unterstützung. Streiks hätten sich mitunter nicht vermeiden lassen, obwohl wenig Aussicht auf Erfolg vorhanden war, weil die seitens der Unternehmer den Arbeitern gestellte» Znmntmigen in einigen Fällen denn doch zu starke gewesen seien. Man könne sich aber auch trotz mancherlei Erfahrungen in der Beurteilung eines Streiks täuschen. Der beste Beweis hierfür liege in dem derzeitigen Streik bei Spinn n, Sohn, welcher entgegen der allgemeinen Annahme mit einem Erfolge endete, obwohl meistens nur ungelernte Arbeiter daran beteiligt waren. Die Ortsunterstützimg an Arbeitslose sei infolge der Krise so hoch tvie noch in keinem Quartal zuvor, docki sei zu hoffen, daß sich die hier in Betracht koninienden Ausgaben im nächsten Quartal verringern würden. Dagegen könne man fast mit Sicherheit auf eine Steigerung der Ziffern für Streikunterstützung rechnen.— Nach unweseutlichcr Debatte wurde dein Reiidanten Decharge erteilt. Hierauf begründet Cohen einen Antrag zum Gewcrkschafts- kongreß, den die Vertrauensmäiiner-Konfereiiz der Versammlung zur Annahme empfiehlt. Der Antrag besagt, der Kongreß möge die Resolution Busse wieder aufheben. Auf dem letzten Gewerkschafts- kongreß ist diese Resolution bekanntlich auf Veranlnssnng der Leder- arbeiter angenoinmen worden, um dadurch zu verhindern, daß Ver- bände mit niedrigerer BeitragSleistung denjenigen mit höherer Beitragsleistiuig in Znknnft die Berufsarbeiter abspenstig mache». In letzter Zeit sei es aber auf Grund dieser Resolution unter den Arbeitern verwandter Berufe zu UnzutrSglichkcitcn gekoinnien. So agitiere in kleinen Orten der Verband der Schmiede lebhaft dafür, die im Metallarbeiter-Verband organisierten Schmiedegcsellen in die Schmiede-Organisation hiiieinzulotscn, während sich in Berlin wieder die Graveure und Ciseleure darüber beschweren, daß deren Berufsgenosscn im Metallarbeiter-Verbande Ailfnahmo fanden. Um den auf solche Art hervorgerufenen gegenseitigen Mißstiinmiingen ein Ende zu bereiten, empfehle sich die Aufhebung jeuer Resolution. Der Antrag wurde ohne weitere Debatte einstimmig angenommen. Schlüsse gicbt Schmidt daS Wahlresultat bekannt. Demnach ist als Delegierter zum Gewerkschaftskongreß Cohen mit 392 Stimmen und als Ersatzmann W u s ch i ck mit 32 Stimmen gewählt. Die Tekti»» der Putzer des Kaiitoualverbandcs der Maurer hielt am Mittwoch eine Mitgliederversammlung in den Arminhallen ab. Nach einem beifällig aiifgenoiumenen Vortrage von D ä h n e über Zweck und Aufgabe der Organisation gab N c u m a n n den Situationsbericht über die Aussperrung wegen der Maifeier. Nur sehr wenige Unternehmer habe», wie der Redner ausführte, den Beschluß über die achttägige Aussperrniig durchgeführt. Dann be- sprach er die Vorkommnisse anläßlich der Aussperrung auf einzelnen Bauten.— Die Unterstützung der Maigemaßregelten wurde auf 4 M. festgesetzt.— Die Kollegen Emil Mohr, Heinrich Albrecht und Karl Klcs wurden zu Ehrenmitgliedern ernannt.— Ein Antrag, die Mit- gliederversammlungcn wieder Sonntags abzuhalten, wurde abgelehnt, sie finden also wie bisher Mittwochs statt. Theetkev. Bcrdi-Festspicle. Als im Jahre 1871 der große internationale Festbununcl zur Eröffnung des Suczkanals stattfand, war eine der allcrpoinpösesten Veranstaltungen die Aufführung der eigens bei Verdi bestellten Oper„AI da". Mittels einer altcgyptischcn Kriegs- und Liebesgcschichte war da sozusagen ein permanenter Fest- jnbclradan fabriziert, in angemessenen Abständen ergänzt durch Duette u. dgl. von einer Kunst. in welcher sich der min einmal in den Dienst äußerlicher Interessen gestellte große Komponist nicht verleugnen konnte. Im übrigen sind gegenüber all dem hier ent- falteten Derben, dem Mißbrauch der Kunst zum Trara und Bnmbum die vielgeschinähten älteren Werke Verdis wie der„Troubadour" Muster von Wahrhaftigkeit und Echtheit, von Vor- »ehmcni und Feinem. Ebenso sind die oft etwas mühselige» Leistnngen der sommerlichen Opernspiele in Berlin, wie der Marwitz- oper und selbst der ueulichen französischen Oper, der iminer noch von Urteilsfähige» freundliche Eriniierungen zu teil werden, Muster von künstlerischer Vornehmheit gegenüber den jetzigen Verdi- Fest- spielen. Nachdem wir den„Maskenball" gehört, wählten wir ans den noch folgenden Aufführungen jene historisch so bedeutende und jedenfalls die Entfaltung eines besonderen Könnens verlangende „Alba" ans. Das über den ersten Abend Gesagte können wir diesmal nur verstärkt wiederholen: innerhalb eines durchaus anders- wohin als auf künstlerische Erhebung zielenden Rahmens eine Fülle der artistisch überraschendste» Leistungen neben nianchen geradezu abstoßenden Einzelzügcn. Publikum und Bühneiilente adorierten einander, als gälte es in einem Bierverei» die Huldigung des Spenders eines gravierten Humpens. Das Geklatsche derer, die Kunst und Geschicklichkeit für Eins hallen, schnitt wenigstens mir so furchtbar in die Ohren, die ohnehin schon fast wund waren von dem Blechgeschmetter und Tenorgeschrei auf der Bühne, daß ich eS nach dem Höhepunkt des 2 Akte«, dessen Sextett ungeniert da capo gesungen wurde, nur niit Mühe noch auf einen weiteren Aki aus- hielt. Jenes Tenorgeschrei kam von FranceSco Signorini fRadamas)— ein Beispiel, wohin man mit einer stimmlichen Riesen- begnbnng geraten kann, wenn man eben mir an die eigene Glorie denkt. Um so niehr konnte der in Gesang und Spiel vollendete Bartz- ton Vittor io Brombara sAnionasro) interessiere». Die Bässe A r i m o n d i lRamfis) und S i I v e st r i sKönig) kannten wir schon. Gut bestand Eni Kraze(Bote), ein„hiesiger"— wie denn übcrhanstt bei dieser Spielerei die Gesellschaft ans Gästen und Ein« heimischen znsammengesetzt ist. Von den zwei Frauen im Stück haben wir Maria d e M a c ch i bereits gewürdigt. Ihre Aida zeigte sie noch bedeutender als ihre neuliche Amelia(wie eS in uusrem Bericht statt Aurelia heißen sollte). Sie besitzt eine der bc- wegtesten, ansdrucksvollstcn Stimmen, die wir kennen. Neu war Virginia G u e r i n i; auch sie ist mehr als eine Gesangs- virtnosin: sie bringt eine dramatische Persönlichkeit auf die Bühne. Nochmal: Arturo Vignn ist ein Kapellmeister, der seines- gleichen sucht! und seine berlinische Armee ini Orchester nud auf der Bühne folgte ihm so getreu, daß man damit sogar eine dramatische Kunstlcistimg hätte bestreiten können. Run aber genug von Angelo Nciimanns Artistenwerk!— sx. LSitterungsubcrsicht vom 9. Mai 1002, inorgeuS 8 Uhr. Stationen Swinemde. Hamburg Berlin Frankf./M. München Wien 763 NNW 764 N 763 N 762 N 758 NO 758 NNO Welter 1 heiter 1 hlb beb 2 wolkig 2 hlb beb obedeckt Lheiter »£ es< »II I» «I Stationen faparanda Ictersbnrg Cork Aberdeen Paris CS 3 a«■ 771 O 762 SO 769 NN® 76591 Wetter bwolkenl Ibedeckt 2Regen .Ibedeckt aS c< äU st Wetter- Prognose für Sonnabend, den 10. Mai 1902. Zunächst etwas wärmer bei mäßigen nordSstlichen Winden zmiehmender Bewöltnug! nachher Regen. Berliner Wetterdureau. -2 z io und nScmömeberg 151 HaupUlr 151 Special�LZttus größten Maßstabes. Steltvn günstige Kaufgelegenheit! Frlibjahrs-Paletots,*«" n�e schnitt. forme«, Jetat IS.-, 18.-, 14.00 Mk. Frühjahrs PalelOlS, Ersatz für Mass, streng reell u. neueste MusteroupMtnl;e14J, SIN Xottvussr Lkor. Sehöneberg. Beinkleider........ am, 5«» Jünglings-Anziige... IS„ Knaken-Anziige.... 3„ Kerufskleidnng m, w-s Gewerbe. Anfertigung nach Maass in elegantester Ausführung unter meiner persönlichen Leitung. 37038« Gl« Answalil in toMen. 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IM- Gut« Bezahlung und danernde Stellung'-WM Letten> Gesellschaft fUr Äetallwarea-Indnstrie Prag-Smlchow. Berantwortlicher Redacteur: «arl Leid tn Berltu Für den Inseratenteil verantwortlich: Th.«locke in Berlin: Drucks und Boetag von Max Batzing in Berlin