Mr. 109. AdsmumeMs-K-dwgunzea: Vbonnemenls-Preii pränumerando: vierteljährl. 3L0 Ml., monall. 1,10 Ml., wöchentlich 28 Psg. frei ins HauS. Siiuclne Nu>m»»r 6 Psg. Sonntags« Nummer mir niunncner Sonntags« Beilage„Die Neue Welt" 10 Psg. Poft- Abonnement: 1,10 Mark pro Monui. Eingetragen in der Post- ZeilungS« Preisliste für IVOS unter Dr. 7S7S. Unter«reuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für das übrig» Ausland 3 Marl pro Monat. IS. Iirl>rg. Ate Instrtions-Cleliliyt beträgt für die fschSgespaltene Kolonei« zeile oder deren Raum 40 Psg., für politische und gewerkschaftliche Vereins- und VerfammlungS- Anzeigen SO Psg. „Kleine Anzeigen" jedes Wort 3 Psg. (nur das erste Wort fett). Inserate siir die nächst« Nummer müssen btS 4 Uhr nachmittags in derExpedition abgegeben werden. Dt« Expedition ist an Wochen- tagen btS 7 Uhr abends, an Sonn- und V-sttaKen bis S Uhr vormittags gsöstutt. »rscheinl titglich«utzer»onlng«. Vevlinev Volksblstk. Telegramm-Adrester „Oorialdemostrat Srrlin" Csntratorgan der sociatdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 19, Ventlz- Strafe 2. Fernsprecher: Amt I, Nr. 1508. Dienstag, de» 1». Mai 1»<>2. Gapedttwu: SW. 19. Ventli-Ktealje 3. Fernsprecher: Amt I. Nr. RVtl. Die französischen Wahlen. AIS am Abend des ersten Wahlstanges am 27. April das Ergebnis der Poriser Wahlen bekannt wurde, brach die nationalistische Presse in ungestiimen Jubel aus: Paris ist unser, bald wird ganz Frankreich unser sein. Das Wahlergebnis ans den Provinzen stimmte den vorzeitigen Jubel tief herab und das Ergebnis der gestrigen Stichwahlen verwandelt ihn in tiefste Betrübnis. In Paris und im Scine-Departement hat die Stichwahl den nationalistischen Erfolg znin guten Teil aufgehoben, im übrigen Frankreich hat die Stich- Wahl den Sieg der republikanischen Regiernngsparteien vollendet und zwar in einem Maße, das selbst kühne Erwartungen über- trifft. Der Nationalismus und der Klerikalismus habe» die Wahlschlacht verloren und ihre außerordentlichen Aufwendungen an Geldmitteln und Wahlschivindel allerlei Art waren vergeblich. Die Politik, die das Kabinett Waldcck-Roussean geführt hat, hat die Billigung der großen Majorität des französischen Volkes ge- fimden. Wir verzeichnen zunächst die wichtigsten Wahlergebnisse, wobei allerdings mit Berichtigungen gerechnet werden muß, da die Stellung der einzelnen Kaudidaten häufig nicht mit Sicherheit an- gegeben werden kann. Nach einer Pariser Meldung des„W. B.° ist das Gesamtergebnis der Stichwahlen folgendes: Gewählt wurden 33 Konservative, 17 Nationalisten, 16 anti- ministerielle Nepublikaner, 29 Nepublikaner, 42 Nadikale, 40 socia- listifche Nadikale, 21 Socialisten und 4 Gncsdisten.— Die Konservativen gcwinncn 2 und verlieren ebensoviel Siße, die Nationalisten gewinnen 15 und verlieren 17, die Anti- ministeriellen gewinnen 8 und verlieren 17, die Republikaner gewinnen 12 und verlieren 13, die Radikalen gewiimen 14 und verlieren 11, die socialistischen Radikalen gewinnen 12 und vcr- liercn 10, die Socialiiten gewinnen 3 und verlieren 4 und die Gucsdisten gewinnen 2 Sitze und verlieren 1 Sitz. Somit sind, unter Hinzurechnung des Er- gebnisseS der Haupt Wahl, 587 Wahlresultate bekannt, und unter Zugrnndelegnng der von den Geivähllen vor der Wahl über ihren Parteistandpiinkt abgegebenen Erklärungen ergicbt sich s o l g e n d e Z u s a in»> e n s e tz n n g der neuen K a m in e r: 50 Kvnscivativc, 59 Nationalisten, SS aiitiniinisteiiellc Nepublikaner, III Republikaner, 1ÄS Radikale, 90 socialistifchc Radikale, 43 Socialisten und 6 Gncsdisten. Es sei gleich hier bemerkt, daß unter den 43 eigentlichen Socialisten sich die Blanquisten und einige Vertreter andrer Richtungen befinden, die den Guesdisten näher stehen als den übrigen. sogenannten ministerieNen Socialisten. Mit völliger Sicherheit lassen fich die Zahlen für die beiden Hauptgruppen des Socialismus noch nicht voneinander scheiden, es scheint. daß im ganzen 36 oder 37 Socialisten der Richtung Janrös und 12 oder 13 von der anderen Richtung gewählt sind. Von bekannten Socialisten sind in Paris unterlegen: Viviani, Alemanne, Deville; geivählt ivurden Mille- rand, Rouanet, Elovis Hugucs. Der Sieg MillerandS über seinen nationalistischen Gegner erfolgte nur mit einer Mehrheit von wenigen hundert Stiinmen; die antiininistcriellen Socialisten scheinen sich der Abstimmung enthalten zu haben. Im ganzen wählte Paris in der Stichwahl 8 Nationalisten und 13 Repnblikancr. In Grenoblc wurde der Guesdist ZSvaes gewählt, in Lille der Guesdist Delory. in Lyon de Pressense. In Marseille siegte Brisson, der Führer der Radikalen, dessen Wahl in Paris aus- sichtslos geworden war. Auch der bisherige Unterrichtsminister L e y g u e s wurde gewählt, so daß alle Mitglieder des bisherigen Ministeriums siegreich geblieben sind. * DaS Wahlergebnis bedeutet aller Voraussicht nach daS Ende der kritischen Parteiverhältnisse, unter denen Frank- reich seit der Zeit der Dreyfns-Affaire litt. Die Wahl von 1898 halte eine Mehrheit von Meliuisten d. h. Rcchts-Repnblikanern, Konservativen, Nationalisten und Antisemiten gebracht; aus den Dreyfnsivirren bildete sich eine mehr links- rcpnblikanischc, antikonservativc Mehrheit unter dem Kabinett Waldeck- Rousseau, dem der Socialist Millerand zugehöite und das die Uiilerstützniig der Mehrheit der Socialisten. der sog. Ministerielle». fand. Mühsam mid nnter Schwierigleite» erhielt sich dieses Mini- stcrimn, dem in seinen Anfängen nur eine sehr kurze Lebenszeit prophezeit wurde, gegen den fortdauernden Melinistisch-nationalistischen Ansturm. Es festigte sich immer mehr und es„machte" die Wahlen. Jetzt ist die Mehrheit, die dieses Ministerium stützt, weit stärker ge« worden und die„nationalistische Gefahr" ist geworfen. Während die bisherige ininisterielle Mehrheit 40— 50 Stimmen betrug unter Einrechnnng von 20—30 Socialisten, beträgt sie jetzt, sofern sich die im obigen Telegramm mitgeteilten Ziffern bestätigen, erheblich über lOO Stiinmen ohne Einrechnung von So- c i a l i st e n l Mag nu» Waldcck-Rousscail Ministerpräsident bleiben oder mag er. nach dieser Sicherstellnng der politischen Situation, einem Nach- folger weichen, jedenfalls erscheint jetzt die Zeit des lähmenden Kraftanfivandes gegen die nationalistisch-klerikale Gegnerschaft vorüber und die Kammermehrheit steht vor der E n t s ch e i d n n g. ob endlich dj� Politik der Schwankungen und der reaktionären Kon- zesjionen abgelöst werden soll durch->»e>ve»n auch die kapitalistischen Schranken nicht überschreitende, doch dcnlokratisch-fortschrittliche und sociale Refornipolitik. In diesen kommenden Entscheidtingen wird der französische» Socialdemokralie eine überaus bedeutungsvolle Rolle be- schiede» sein, wenn sie verstehen ivird, ihre» Bruderzwist z u beendigen und eine Taktik zu finde», die gleich weit entfernt ist von schcinrcvolulionärem Starrsinn>vie von verwirrenden Koni-' proniisscn. Für die Socialdemokratie Frankreichs ist das Wahlresultat nicht so ungünstig, als es uns nach den Ergebnissen des ersten Wahl ganges erschien. Immerhin kehrt sie a n M a n d k> t e n bereichert in die Kammer zurück, wenn auch die Gesamtzahl der Wähler aller socialistischen Richtungen mir ivenig die Stimmenzahl von 1898 über trifft. Und— wir dürfen es ansprechen: selbst die Stimmenzahl, die erreicht wurde, ist überraschend groß. Wer den unseligen Bruderzwist unter den französischen Socialisten. wer die Heftigkeit der gegenseitigen Befehdungen und Schmähungen kennt, der muß einer Partei, die trotz derartiger innerer Feindseligkeiten nicht znsammcnbricht, sondern sich immerhin ans ihrer zuvor geivonnenen Höhe erhält, die aussichtsreichste Zukunft zusprechen. Und insonderheit deshalb begrüßen tvir das Wahlergebnis in Frankreich, iveil es uns die H o s f n n u g zu eröffnen scheint auf eine bessere Gestaltung der Verhältnisse im fran- z ö s i s ch e n Socialismus. Der ministerielle SocialisniuS begründete seine parlamentarische Taktik mit der„nationalistischen Gefahr"; er stimmte für die Regierung, weil er in ihr die Regierung der„republikanischen Ver teidiguug" gegen Klerikalismus und gegen militaristische Reaktion sah; er glaubte diese Regierung, deren eines Mitglied selbst ein Socialist war, erhalten zu müssen trotz ihrer mannigfaltigen Kon Zessionen an die Reaktion. Während so ein großer Teil der franzö- fischen Socialisten in allzu innige Berührung mit den links stehenden bürgerlichen Parteien geriet und die Gefahr entstand, daß die stolze und principiclle Selbständigkeit verloren ging, die eine Lebensbedingung des socialdemokratifchen Kampfes ist, haben um- gekehrt andre Richtungen der Socialdemokratie sich von jener Taktik nilbt nur ferngehalten, sondern sind in das Gegenteil, eine— wir müssen eS ausspreche»— unfruchtbare Isolierung verfallen. Ans diesen Gegensätzen erwuchs der in der ganzen Lebhaftigkeit des fran« zösischen Temperaments geführte unselige Bruderzwist, der seit Jahren die Kraft der französischen Socialdemokratie lähmt und die leb- haftcste Sorge der außerfranzösischen Socialdemokratie bildet. Der Erfolg dieser mörderischen Zerwüisiiisse ist das Wahlergebnis, das am wenigsten die großen Hoffnungen unsrer Guesdistischcn Freunde erfüllt hat. Jetzt ist die nationalistisch- reaktionäre Gefahr beseitigt. Jetzt ist für den Socialismus die Bahn frei zum ungehinderten Kampfe gegen alle Feinde des Proletariats, gegen die Halbheiten und Rückständigkeiten der Linksrepublikancr wie gegen die Reaktion der Melinisten und Nationalisten. Die Socialdemokratie ist jetzt, da die Regieriliig einer großen Mehrheit gegenüber der konservativen Reaktion gewiß ist, unter keinerlei Gesichtspunkten mehr genötigt, Rücksichten ans die Regierung walten zu lassen. Es ist ihr die völlige Bewegungsfreiheit wieder ermöglicht, deren sie im jetzigen Stadium ihrer Entwicklung bedarf. Sie kann sich ganz ihrer Ans gäbe hingeben, auf allen Gebieten des politischen Lebens die treibende Kraft z» sein und die Negieritng zu einer entschlossenen Politik der demokratischen und socialen Reformen zu nötigen. Es iväre trostlos, tvenn die internationale Socialdemokratie zu der Erkenntnis gelangen müßte, daß in den zukünftigen Eni- scheidungen des französischen Lebens diese oder jene Richtung der Socialdemokratie außer Berechnung zu bleiben habe. Wir leben vielmehr der Hoffnung, daß in der neuen politischen Situation die hadernden Parteigruppen sich wieder zu einander finden und endlich den unheilvoll lähmenden Bruderzwist beendigen werden. Das kann, nach allem was vorgefallen, nicht von Tag zu Tag geschehen, aber es wird geschehen, wenn alle Beteiligte» e s ernsthaft wollen,_ politische Mebevllchl. Berlin. de» 12. Mai. Zur Aufhebung der Diktatur in Elsaß- Lothringen. Aus Straßburg i. E. wird uns geschrieben: Mit„ungeheurem Jubel" soll das reichSländische Volk, besonders die Bevölkerung der politisch regsamen Landeshauptstadt Straßburg, die überraschend ge- kommene Kunde von der bevorstehenden Aufhebung der Diktatur be- grüßt haben. Wir glauben, nach unsrer Kenntnis von Land und Leuten, die Empfindnugen, die diese beim Empfang der freudigen Botschaft bcschlichen haben, richtiger zu kennzeichnen, wenn wir sie ein stilles Aufatmen, ein stummes Gefühl der endlichen Erlösung nennen, dem das Bedürfnis lauter Jubelausbrüche schon deshalb völlig fremd ist, weil die schlimmen Wunden, die der endlich beseitigte Zustand dem Volke geschlagen, in der Erinnerung desselben noch allzu heiß brennen. Und schließlich, was hätten die Elsaß-Lothringer auch für einen Anlaß zu wilden Jubelausbrüchen? Wohl ist der kaiserliche Erlaß in moralischer wie materieller Hinsicht für Elsaß-Lothringen ein freudiges Ereignis und im Interesse seiner Bevölkerung zu begrüßen. Aber hat ein Volk, das, unbefugt und gegen seinen Willen ans dein Wege der Gewalt vom Mntterlande losgelöst, lange Jahrzehnte hindurch unter eine brutale Gewaltherrschaft gebengt wurde,— hat ein solches Volk Anlaß, in Jubel auszubrechen und die Hand zu küssen, wenn sie die Fesseln löst, die es so lange tragen mußte? l Oder müssen die Elsaß« Lothringer, wenn anders sie nicht ein Volk von Sklaven sein wolle», das, was man ihnen jetzt bietet, uickt vielmehr als ein s e l b st- verständliches Gebot der finipelsteii Gerechtigkeit und politischen Klugheit entgegennehmen? Die Patriotische Presse möge sich also die tönenden Phrasen von der fürstlichen Gnade. die dem elsässischen Volkejleuchtete. ruhig sparen, eingedenk der schlimmen Zeiten, die die in der Geschichte so schtver geprüften Westmarken unsres Reiches unter dem deutschen Regime durchzumachen hatten. Vor allem mögen sie aber nicht vergessen, daß mit der Diktatur nur ein Teil der drückenden Last beseitigt ivird, unter der das öffentliche und politische Leben des ReichslandcS nun schon seit mehr als drei Jahrzehnten seufzt. Denn noch haben wir Elsaß-Lothringer allen Anlaß, uns als Staatsbürger zweiter Klasse zu fühlen; noch ist die Gesetzgebung im eignen Lande und die stimmberechtigte Ver- tretung im Bundesrate uns vorenthalten. Und was die staatsbürgerlichen Freiheiten des einzelnen anbelangt, so sind diese durch eine ganze Reihe gesetzlicher Beschränkungen, die durch will- kürliche Auslegung und rigorose Handhabung in ihrer Wirkung noch verschlimmert werden, im Vergleich zu denen in den übrigen Teilen des Reiches noch erheblich gemindert. Insbesondere die politische und gewerkschaftliche Arbeiterbewegung hat unter diesen Zu- ständen schwer zu leiden. Erst dieser Tage iviedcr machte eine Eni- scheidnng des obersten reichsländischeu Gerichte? die Runde durch die Presse, in der ausdrücklich festgestellt wird, daß die a lle Beschränkungen der getverb- lichen Koalitionsfreiheit beseitigenden Bestininiungeii des§ 152 unsrer Reichs-Gewerbe-Orduung für Elsaß-Lothringen keine Wirkung hätten, daß dort vielmehr alle gewerkschaftliche» Vereinigiingen der Arbeiterschaft als politische zu betrachten und demgemäß zur Ein- holung der polizeilichen Genehmigung verpflichtet seien. Und wer den Geist kennt, der die reichsländischeu Polizei- und Vcrwnltnngs- behörden beseelt, der weiß,>vaS ein derartiger Nechtsziistmld zu bedeuten hat. Nicht minder bleiben auch der Freiheit der Presse in Elsaß-Lothringen nach ivie vor schwere Fesseln angelegt. Bei der im Jahre 1898 beliebten Reform der reichsländischeu Preßgesctzgebnng vermochte nian sich nicht zur Aufhebung der lästigen Kantions- Vorschriften anfznschivingen, und auch hinsichtlich der Kolportage von Druckschriften herrschen im ReichSland noch äußerst traurige Zu- stände. DaS Versammlungsrecht liegt in Elsaß- Lothringen vollends im Argen und ist der Willkür der Polizeibehörden völlig preisgegeben. Specicll die S o c i a l d e m o k r a t i e ist auf diesem Ge- biete geradezu rechtlos. Der Hinweis auf die eine Thatsache, daß sie, um ihren Vertretern im Reichstage die Möglichkeit der Bericht- erstattuug über ihre Thätigkeit zu geben, jedesmal auf die Gast- freundschaft des badischen oder schtveizcrischcn Nachbarlandes an- gelviesen war, genügt, um die geradezu skandalösen Znstände zu kennzeichnen, die auf dem Gebiete des politisch so außerordentlich ivichtigen VersainnilntigSweseiis im Lande der„wiedergewonnenen Brüder" herrschen und auch nach Aufhebung der Diktatur noch herrschen werden. Eine bittere Ironie des historischen Zufalls hat eS gewollt, daß daS durch die Aufhebung der Diktatur eingeleitete nette reiche- ländische System die Firma Mathias v. Koller tragen soll. Sejn Regiment Ivird in Verbindung mit den geschilderten Rechtszustäude» dafür Sorge tragen, daß auch in denjenigen Kreisen des ReichslandcS, deren sich bei der so überraschend gekommenen Kunde von den kaiser- lichen Erlaß eine freudige Erregung bemächtigt haben mag, nur allzu bald iviedcr eine nüchterne Auffassung der Situation Platz greift. Die jüngsten Aeußerungen des reichsländischeu Staatssekretärs Über seine Stellung zum direkten Landesausschuß-Wahlrccht wie über seine Wertschätzung der Presse lassen keinen Zivcifcl darüber, daß der Köller der neuen Acra dem Köller des Diktatnrsystems an beschränktem Polizeigeist und reaktionärer Entrcchtnngssncht nicht nach- stehen wird.— »« » Die konservative Presse ist nun plötzlich mit der Aufhebung des Diktatnrparagraphen einverstanden. Die Theorie vom„beschränkten Untcrthaiicnverstand" feiert plötzlich neue ungeahnte Triumphe. So läßt sich die„ K o n s e r v a t i v e K o r r e s p o n d e n z", indem sie die bisher ablehnende Haltung der Konservativen zu recht- fertigen uutcriiimmt, vernehmen: „Daß die Haltung der Konservativen die einzig korrekte ge- Ivesen ist, lehrt gerade der allerhöchste Erlaß an de» Statthalter von Elsaß-Lothringen: denn er beiveist, daß es des Drängens der Opposition nicht bedurft hätte, um eine Maßregel abzuschaffen, die sich als entbehrlich gezeigt Jjat. Sic sollte aber auch allen denen zur Lehre dienen, die nun schon wieder zu einer nenen Agitation ansetzen, um alle auf die unerläßliche staatsrechtliche Sonderstellung der Rcichslande bestehenden Bestimmungen zur Abschaffung zu bringen." DaS heißt: so lange der Kaiser etivaS nicht will, müssen die Parteien eS auch nicht ivollen. Wenn der Kaiser dann aber will, so muß man es gleichfalls ivollen. Deshalb halten die Konservativen heule noch die andren AuSnahmebestiininungen in den Reichslanden für„unerläßlich"— sollte aber der Kaiser auch diese beseitigen, mm so iverden die Konservativen ebenfalls dafür sein, daß der„Un- erläßliche" verschwinde. Wie schade, daß die Junker dieses famose Rezept nicht auch in den Zolls r a gen befolgt haben. Anstatt bei den Eaprivischen Handelsverträgen ruhig zu warte», bis die Regierung sich eines Besseren besinne, organisierten sie eine wüste, lärmende Agitation. Und als dann die Regierung richtig zur agrarischen Vernnnft kam, da begnügte» sie sich nicht mit diesem Erfolg, sondern setzten zu einer neuen Agitation an, hin weitere Vorrechte zu raffen. lieber die Art, in der die Beseitigung der Diktatur durch einen Akt des persönlichen Regiments— ohne ministerielle Gegenzeichnung — bcivirkt ivorden ist, bemerkte die„Badischc Landes- Zeitung": „ES kann die Oeffcntlichkeit nicht befriedigen, wenn fast ein- stimmige Vota des Reichstages Jahre lang unbeachtet bleiben, um in dem Augenblick einer gehobenen persönlichen S t i in- ni u u g in Thaten umgesetzt zu werden. Zudem hätte es seine Bedenken, wenn' ohne vorherige Rücksprache m i t dem Kanzler dessen freie Entscheidung beschränkt worden tväre� durch die Veröffentlichnng des an den Statthalter gerichteten Erlasses. Auch die Z n st i m m u n g der übrigen deutschen Regierungen oder ivenigstcus ihrer Mehrheit smuß garantiert lein, bevor sich der Kaiser für diese Entscheidung einsetzt." Es beiveist nur den byzantinischen Verfall des Bürgertiniis, wenn auch die liberale, freisinnige, demokratische Presse, statt ähnliche Erwägungen wie das badische Blatt anzustellen, noch in Jtlbcl- Hymnen ausbricht.— Die Industriellen fiir die Zolltrcnnnng. -St.- Wien, 11. Mai. Es ist noch nicht in aller Form fest- gestellt, bnfe die AnSlstcichsverliandlnngen gescheitert sind, aber lveit ist man von diesem kritischen Punkte nicht mehr entfernt. Herr v. Kocrber hat gestern seine Kollegen um sich versammelt und ihnen berichtet, wie die Dinge stehen. Das Ergebnis des Ministerrates ist mm, daß vorläufig von einer Fortsetzung der Per» Handlungen abgesehen tvird. Während die letzte ungarische Meldung dahin ging, die Verhandlungen würden un» mittelbar nach Pfingsten fortgesetzt werden und«S fei Aussicht vor- Händen, dasj da schon die Fachreferenten eingreifen werden, erklärt die östreichischc Regierung, daß sie die Antwort der ungarischen Regierung auf ihre bestimmten, präcisierten Vorschlage ablvarten müsse, bevor die Fach leute das Wort erhalten sollen. Damit ist den Ungarn eine Art Ultimatum gestellt, und es wird sich nun zeigen, ob Herr v. Szell das gemeinsame Zollgebiet erhalten oder die Gemeinsamkeit mit Oestreich sprengen will. Denn daß die Dinge zur Zolltrennung treiben, wird immer klarer. Es ist von großer Bedeutung, daß sich nun selbst jene Kreise, die an der Erhaltung des ungarischen Marktes zu aller- erst interessiert scheinen, mit dem Gedanken der Aufhebung der Zoll gcmcinschaft zu befreunden beginnen. So hat gester» eine Afr ordnnng der drei großen Industriellen- Verbände dem Minist er Präsidenten eine Eingabe überreicht, in der offen ausgesprochen wird, daß selbst die Auflösimg der ivirtschaftlichen Gemeinsanikeit dem Zustande der Ungewißheit vorzuziehen sei. In der bemerkeiiSwerten Kundgebung heißt eS: Industrie und Gewerbe dürfen von der Regierung und den gesetzgebenden Körpern verlangen, daß ihnen in kürzester Frist Gewißheit über die nächste Zukunft verschafft tvird, sowohl lvas das wirtschaftliche Verhältnis zur n u g a r i s ch e n ReichShälfte als die Handelsverträge mit den ausländischen Staaten anbelangt. Im vollen Bewußtsein der Tragtveite nusrer Behauptung sprechen wir eS nmnnnvundc» aus, daß die industriellen und gewerb- lichen Kreise unseres Vaterlandes, mögen sie auch den größten Wert darauf legen, daß dai Verhältnis zur andern Reichs- Hälfte fortgesetzt iverde, selb st die tiesbcdauerliche Eventualität einer sofortigen Auflösung der wirtschaftlichen Gemeinschaft jenen: Z n st a n d e des Hanges und BangenS, der gegenwärtig besteht, vor- ziehen' würden, ebenso wie sie sich' langst darüber klar geworden sind, daß nur ein gerechter Ausgleich und ein die beiderseitigen Interessen gleichmäßig berück- sichtigender Zolltarif acceptabel lväre. Gerade in letzterer Beziehung tauchen nun die ernstesten Bedenken aus. Sollte es ivahr sein, daß die ungarische Regierung auf die Einführung von Zöllen für wichtige R o h st o f f e der Industrie bestehe und daß die Schwierigkeit, zu einem Einverständnisse zu gelangen, wesentlich in dieser Forderung ihre Ursache habe, so erklären wir rundweg, daß wir das Zustandekommen eines gemeinsamen anto- nomen Zolltanfes für ganz unmöglich erachten, daß ivenigstrns die östreichische Industrie, die heule schon vermöge der vielfachen ihr aufgebürdeten Lasten nicht im Jnlande. geschweige den» im Auslände entsprechend konkurrenzfähig ist und die durch die Rohstoffzölle hcrborgerufene Verteuerung der ProdnItlvnSkosten platterdings nicht ertrage» könnte, es unbedingt vorziehen würde, daß sofort eine selbständige Regelung derFrage d e S autonomen g o l l t a r i s S v o r g« n o in m e» werde. Die östreichische Industrie ist sich klar Trennung der Monarchie in darüber, daß die z iv e i Z o l I g e b i e t e wenjgstenS iil den ersten Jahre» schwere Nachteile für beide LIeichs- Hälften im Gefolge haben würde; die subtile Unterschcidiing, ob Oestreich, ob Ungarn von einer Trennung schwerer betroffen würde, lassen Ivir völlig außer Betracht. Wir wünschen daher eindringlichst, daß alles anfgebote» werde,»in eine solche Krise von der Monarchie abzntveiiden. Allein nicht minder schwerwiegend sind die Schäden, die ans dem Zustande der Ungeivißheit, in dem wir»US befinden, resultieren, und ebenso jene Nachteile, die aus einem lediglich bis z»»n Jabrc 1907 befristeten Ausgleiche oder ans einem Ausgleiche, der nnsrer Reichshälfte versagt,>vas ihr gebührt, ans einem Zolltarife endlich erwachsen würden, der die indusirlelle» Interessen der diesseitigen ReichShälfte nicht entsprechend berücksichtigt. Mag bei dieser Demonstration auch die Absicht geivaltet habe», Herrn v. Koerber zu Hilfe zu kommen, so ist ihr Ernst doch nicht zu verkennen. Daß die östreichische» Agrarier in Ungarn einen ebenso »»bequemen Konkurrenten erblicken wie in Rußland oder Amerika, ist bekannt, und sie würde» die Zollschranken an der Leitha je eher je lieber aufgerichtet sehen. Wenn aber nun auch die Industriellen, deren Exportgebiet Ungarn ist, die Zolltrenmnig unter Umständen als daS kleinere Uebel ansehe», so zeigt dies wohl die UnHaltbarkeit deS gegenwärtige» Verhältnisses in klarster Weife. Der zehnjährige Ausgleich ging nrit dem Jahre 1897 zu Ende, die Verhandlungen Über eine neue zehnjährige Erneuerung dauern nun das siebente Jahr. Belveist dies nicht bis zur Handgreiflichkeit, daß diese Ver- bindniig ztveier zur Selbständigkeit strebender Staaten unmöglich geworden ist? Deutsches Weich. Gegen die Erhöhung des EirrzoNS, wie er durch den Zoll- tarif vorgesehen ist, weiidet sich eine Eingabe der BreSlaner H a n d e I s k a m in e r. In derselbe» heißt es: «Galt Schlesien in früherer Zeit als eine Eier ausführende Provinz, so ist es jetzt bei weilein nicht mehr in der Lage, den Bedarf Schlesiens zu decken. Die von den Berliner Interessenten gemachte Angabe, daß der Bedarf an Eiern in Deutschland nur zu S Proz. durch die inländische Produktion gedeckt werde, trifft auch für Schlesien gegenwärtig annähernd zu. Die Zollerhöhung wird von der Zolltarisvorlage mit der Rücksicht auf Förderung der Ge- flügelzncht begründet. Nun tvird aber inländischen Eiern stets vor den ausländischen der Vorzug gegeben und ein höherer Preis dafür gezahlt. Die Behauptung, daß die auslätidischen Zufuhren die inländischen Eier zurückdrängten, ist daher völlig unbegründet und mizntreffend. ES ist daher auch nicht ersichtlich, lvie der vor- geschlagene höhere Zollschutz zu einer Ausdehnung der Geflügel- zucht beziehungsweise der Eierproduklion den Anreiz geben könnte. Die Zollerhöhung charakterisiert sich daher lediglich als eine Belastung der'Konsumenten, denn es ist selbst- verständlich, daß der Zoll bei einem derartigen Produkt, dessen Eiiifnhr das Inland nnbedingt bedarf, von dem Inland getragen »verde» muß. Die Zollbelastmig ivird bei einem S Marl-Zoll von der Zolltarifvorlage ans rund 7 Prozent angenommen, ist aber»och Höher, da der Abgang bei Eiern{tzlirch Bruch nsw. sehr groß ist. Eine derartige Vcrteiierung bedeutet für die Eier verbrmichendcii Gewerbe, insbesondere die Konditoreien, eine sehr hohe Belostung. Eine Anzahl BreSlaner Konditoreien verbrauchen jährlich bis 5000 Schock Eier, oder, wen» man annimmt. daß ein Schock gleichSKilogrannn tst, 15000Kilogrannn. DieZollbelastung würde so- mit für diese Betriebe bei einem ö Mark-Zoll jährlich je 900 Mark belragcn, die Mehrbelastung würde sich mithin gegenüber den, jetzigen Generaltarifc ans 450 M. niid gegenüber dem Vertrags- tarifc auf 600 M. belaufen. Noch bedenklicher ist die Zollerhöhung in Rücksicht ans die Eier konsumierende Bevölkerung. Di- V e r t e» e r u n g d e r j ä h r l i ch importierten 120 000 Tonnen Eier beträgt mehr als 7 Millionen Mark. Bei der hohen' hygienischen Bedentnng der Eieniahrnng ist die Ausdehnung des Eierkonsnms im Interesse der Volks- nähr, mg mit großer Freude zu begrüßen. und es muß eine weitere Ansdehnuiig des Eierverbranchs angestrebt werden. Es muß daher entschieden die Forderung erhoben werden, daß eine künstliche Vertencrung und mithin ein« Erschwerung des Eier- bezugs keinesfalls erfolgen darf. s Daß die importierten Eier von der konsumierenden Bevölkerung um 7 Millionen Mark jährlich teurer bezahlt werden sollen, genügt ilnsren Agrariern freilich noch nicht. Verlangt doch der Bund der Landwirte«inen Mindestzoll von Mark!— Die Lieber-Legende und kein Ende. Die„Germania" läßt sich nunmehr gegenüber der Erklärung der„Nordd. Allgem. Ztg. daß der Kaiser dem verstorbenen CentrnmSführer„Iveder direkt noch indirekt" Ordens« oder sonstige Anerbietnngen gemacht habe, von einem„lvohlinformierten Freunde' Licbers mitteilen, daß dix ganze Lieber-Legende wahrscheinlich auf ein Gespräch Lieber? mit dem die noch nicht ausgeschifften Herrn Miguel zurückzuführen sei. Miquel habe in diesem Gespräch bedauert, daß eine so schätzenswerte Kraft wie die des Herrn Lieber nicht für den Staatsdienst Ber> Wendung gefunden habe, und gefragt, ob er. Lieber, vorkommenden� falls nickt geneigt wäre, ein höheres Staatsamt anzunehmen. Lieber habe'scherzhast geantlvortet. daß für ihn nur das Amt eine« preußischen F i n a n z m i n i st e r s in Frage kommen könne Ob die Frage ebenso scherzhaft gestellt gelvesen sei, entziehe sich der Beurteilung; jedenfalls habe es sich aber um keine im höheren Auftrag gemachte Eröffmnig gehandelt. Danach haiteu die seltsame» Freunde des Verstorbenen ein be deutnngsloscs Kompliment des preußischen Finaiizminifters über mäßig aufgebanscht, ohne in ihrer politischen Naivctät zu ahnen tvelch zweifelhafte Anerkenitiliig des nltramontane» Politikers die angeblich in Aussicht gestellte Belohnung bedeutet hätte.— Daß es mit der Dedikation des Kaiserbildes seine Richtigkeit gehabt habe. betont übrigens auch dieser neueste Gewährsmann der.Germania" Der Kaiser habe am 28. März 1893, z n r E r i n» e r u n g an d i e V e r a b s ch i e d n» g deS Flottengesetzes, dem Dr. Lieber allerhöchst sein Bild mit eigenhändiger Unterschrift und Widmung überreichen lassen. In letzterer sei besonders die vaterländische Gesinnung des Begnadeten hervorgehoben gelvesen. So hat denn der Flottenpatriotismus LieberS ivenigstens doch eine gewisse Anerkennung gcfnnden. Den Posten eines RegiernngSpräsidenten verdient sich vielleicht einer der Nach- f o l g e r deS Herrn Lieber. Die würdelose Komödie des Centrums bei der Debatte über die Tirpitzsche Gchcimvorlage beweist ja einen energischen Ruck über den Liebcrschcn Flottenpatri'otismnS hinaus.— Ei» neuer Akt der„Notwehr"? Vor dem Breslau er Kriegsgericht der 11. Diviston, unter Vorsitz des Majors von Gran, stand am Sonnabend der berittene Gendarm Karl A s ch m a ii n von der 6. Gendcmnerie-Brigade zu P i l ch o w i tz, Kreis Rybnik, angeklagt der vorsätzlichen' Körperverletzung eines Civilisten unter Mißbrauch der Waffe. Am 18. August v. I. ging der Pferdekneckt Speidcl ans einem Weg vor dem Dorf K n u r ö in nach dem Dominiui» Reb oro w i tz-H a in in er. Da kam der Gendarm, der nach Einbrechern suchte. Er fing den Civilisten. in dem er eine» Vervrechcr vermutete, nach Namen und wo er arbeite. Der Civilist antwortete:„Auf dein Domiinnm I Der Gendarm fragte wieder, warum er nicht arbeite. Der Civilist antwortete nicht. Ohne jeden Grund g a b n n n, nach den I e n g e n a n s j a g e n, der Hüter der öffentlichen Ordnung cm Civilistc» Ohrfeigen. Der Gemißhnndclte ging weiter. Der Gendarm rief ihn zurück. Als dieser das nicht that, schlug der Gendarm-ihn mit dem Säbel ans den Rücken, woraus der Civilist sagte:«Herr Wachtmeister, w a r n m schlagen Sie mich, ich habe nickts getha u." Der B e r- treter der Anklage beantragt sechs Wochen und einen Tag Gefängnis. Das Kriegsgericht sprach den Gendarm frei, weil es annahm, daß derselbe sich in Notwehr befunden habe. Nach deS Gendarmen Angabe soll der Civilist, nachdem er die Antwort verwelgert, auf den Gendarm zugekommen und mit einer Flasche zum Schlage ausgeholt haben.— Ausland. Dir größte Gannerei deö Jahrhunderts nennt man in Paris die von uns in der Sonntagsnnmnier anS- ührlich dargestellte Affaire Hinnbert. Die Blätter sind voll von Einzelheiten über den tollen märchenhaften Schwindel. Eine geniale Frau in der That, die es verstand, zwanzig Jahre lang die Gerichte mit einer Hundertmiüioncn-Erbschaft zu beschäftigen, die nie existiert hat, sich von einem nie geborene» Amerikaner zur Erbin einsetzen zu lassen und gegen sich ztvei Neffen des Erblassers in Thätigkeit zu bringen, die lediglich das Licht der Welt-- einer beispiellosen Franenphaiitnfie erblickt haben. Diese Affaire beleuchtet— so wird der„Voss. Ztg." geschrieben — ein schancrliches Bild siltlicker Verkommenheit, nicht nur der Hnmberts, sondern auch ihrer juristisckcii Helfer. Sie bedeuten den vollkommenen Bankbrnch der Rechtspflege in Frankreich. Man kennt diese jetzt von allen Seiten. Die militäriiche Rechtspflege ist durch die Vorsitzenden Morel, Luxer, Jouaust, die Urteile in Sachen Drehfns, Esierhazy, Picquart hinreichend geteiinzeichnet. Die Straf- recktspflege hat man in den Zola. Prozesten und in der Wiedcranf- nahmesache an der Arbeit getchcn. Die Tüchtigkeit der bürgerlichen Rechtspflege mag man an der Rolle ermessen, die sie 19 Jahre lang in der Hnmbert-Crawford-Gaunerei gespielt hat. Alle Gerichte bis zum Knssationshos hinauf haben in 19 Jahren nicht ahnen können, daß mau sie narrt. Ein ein facker Z e i t n n g s in a n n ist, ohne alle amtliche Mithilfe und trotz Hindernissen und Drohungen aller Art, in vierzehn Tagen mit dem Schrvindel fertig geworden. DerRcchtZ- anwaltstand, dem natürlich auch zahlreiche tüchtige, edle, ehrenwerte Männer angehören— dicS zu bestreiten wäre ebenso thöricht wie ungerecht,— hat sich indes in seiner Mehrheit und in seinen äußer- lich hervorragendsten Mitgliedern als durch und durch verfault erwiesen. Man hat das auch von 1896 bis 1899 während der„Affaire" täglich beobachten können. Man weiß, daß der Nationalismiis seine Hanptfesten in der Rechtsfaknltät und im Anwaltstnnde hat. Aber so deutlich wie in der Himibcrt-Crawford- Sache war die Verderbnis der vernfensten Träger des Rechts- gedankens noch nie geworden. DaS Lustige und Versöhnende aber ist, so möchten wir hinzu- fügen, daß die um 40—50 Millionen Betrogenen selbst Betrüger— groß« Bankier» und Finanzinstitnte— sind,' die in, Vertrauen ans die verschlossene Riesen-Erbschaft getvaltige Summe» unter wucherischen Bedingungen liehen I— Belgien. BersammlungSverbote. Die socialistlsche Partei von Brüflel hatte für Sonnabend eine Anzahl Versammlungen nnter freiem Himmel anberaumt. Der Bürgermeister de Mot hat diese Versammlungen verboten. Die Er- regung über diese neue Provokation der Arbeiter ist eine große. Italien. Die neapolitanischen Skandale kommen am 26. Juni bor den dortigen Gerichten zur Verhandlung. Die Anklage erstreckt sich ans 28 Personen, tvovon der Abgeordnete Casale, der ehemalige Bürgermeister Sunimoiite und VilerS, der Direktor der Tramtvay, die am meisten kompromittierten find.— Die Beerdigung deS ermordete» Socialtsten Dnilto Dasfinart in Forli tRomagnal hat unter großer Bcleilignng der Bevvlkernng staltgefimden. Mehr denn 8000 Personen, unter denen 300 Frauen, gaben dem Ermordeten, der erst 13 Jahre zählt, das letzte Geleit.— Spanien. Anarchisteuverhaftung. In Barcelona überraschte die Polizei eine heimtick tagende Versainnilung von Anarchisten und verhaftete 37 von ihnen. Dieselben erklärten, sie versuchten eine Revision de» Moiiljuich-Prozeffes durchzusetzen.— England. «ei der ParlamentSwahl in B»ry wurde der Liberale Tonlmin niit 4213 Stimmen gewählt; sein Gegenkandidat, der liberale Unioiiist Lawson. erhielt 3796 Stinnncn. Bisher war der! Wahlkreis durch den Konservativen Kcnhou vertreten, der ans sein' Mandat verzichtet hat.— 1 Schweden. Die Neutralitätserklärung, wie sie der Abg. H e d i n in der Zlveiten Kammer beantragt hatte, wurde entsprechend dein Gutachten des parlamentariichen Ausschusses von der Kammer abgelehnt. Am Mittwoch bei den Verhandlungen über diese Angelegenheit hielt der Minister des Aeußcrn Graf L a g e r h e i in eine längere Rede, worin er u. a. erklärte, er müsse gegen mehreres, was die Motivierung des Antrags enthalte, entschieden Protest einlegen. Man hätte deutsche Preßstimmcn citiert, um zu beweisen, in Deutschland herrsche allgemein die Meinung. Ivir sSchrveden) wären als dessen Bundesgenosse engagiert. Er(Redner) hätte eine Reihe von Jahren Gelegenheit gehabt', sich über die in der deutschen Presse herrschende Auffassung zu informieren und sei zu der Meimmg gekommen, daß man in Deutschland nicht auf irgend eine Alliance mit Schiveden rechne. Im Gespräch mit leitenden Männern in Deutsch- land hätte er erfahren, daß man eine solche Alliance weder wünsche noch angestrebt hätte. Hinsichtlich Rußlands meint der Redner, daß dort nicht die Auffassung herrsche, daß Schweden im Kriegsfalle der natürliche Feind dieses Landes sein»verde. Zum Schluß gab der Minister dann folgende Erklärung ab: „Da ich ans das bestimmteste den König abraten muß von einer Maßregel lvie die vorgeschlagene, ich aber doch den Wünschen der Antragsteller entgegenkomnien will, die. wie ich weiß, mit der Anffassmig dc§ Königs wie mit den Anschaiiimgen meiner schwedischen und norwegischen Kollegen vollständig übereinstimmen, will ick, indem ich zugleich den Stimmungen Ausdruck gebe, die bei dem nnverhältniSinäßig größten Teil der Bevölkennig der skandinavischen Halbinsel herrschen, hier mit der ganzen Autorität meines Amtes und in der Erwartung, daß meine Auslassiingen auch außerhalb der Landesgrenzen beachtet tverden, erklären, daß es der bestimmte und unabtveichtiche Beschluß der Regierung ist, bei Be- Währung der strengsten Neutralität sich jeder Eiumischniig in die Streitigkeiten fremder Mächte zu enthalten. Ich bitte besonders die Presse, diese Erklärung innerhalb und außerhalb der LandeSgrenzen zu verbreiten."— Norwegen. Norwegens Staatsschuld, die am Schlüsse de« vorletzte» Finanzjahrs 228 734 167 Kronen betrug, war infolge der im Januar dieses Jahres aufgenommenen Anleihe von 36 432 000 Kronen am Scklnffe deS am 31. März 1902 verflossene» Bndgcttcrmins ans 262 598 341 Kronen angewachsen. Fiir Renten und Scknldcntilgiing ist ini diesjährigen Staatsbudget die Stimme von 10 200 901 Kr. aufgeführt.— Rnsjlnnd. vakmaschow ist vom Ki-iegsgericht zun, Tode durch den Strang vernrtellt worden. DaS Urteil unterliegt noch der kaiserlichen Be- ftättgimg. Einem Blatt wird über die Verhandlungen vor dem Kriegs- gericht gemeldet: Balmaschow verhielt sich ivährerrd der Verhandlnng vor dem Kriegsgericht überraschend ruhig und gefaßt. Auf alle an ihn gerichteten Fragen beobachtete er unausgesetztes Schtveigen, mw als der Präfident General von Ostcri-Sackcn ihn fragte, ob er absolut keinen Gehilfen und Anstifter bei VerÜbung de» Verbrechens gehabt, antwortete er laut:„Jawohl, einen C o m p l i c e n habe ich gehabt, das ist die russisch« Regierung." Auch ein Todesurteil nahm er mit stoischer Ruhe hin, ohne auch mir mit der Wimper zu zucken. Man glaubt, daß der Zar das Todesurteil in Zwangsarbeit umwandeln werde, um so mehr. als der Gesundheitszustand BaknraschowS derartig ist, daß ihm nur noch eine kurze Lebensdauer beschieden sein dürfte.— Der Streik der Wehrpflichtigen in Finnknnd dauert fort. Unterm 10. Mai Ivird aus HelsingforS gemeldet, daß noch den Resultaten zu urteilen, die die bis dato in 170 Kommimcn vor- reiioinmeueii Mnstcrungeii ergeben haben, in sämtlichen 500 Koirrnrnncn Zimilauds kaum 30 Proz. der Wehrpflichtigen sich einstellen tverden, cinberechnet diejenige», die rvegen verschiedener Gründe von vornherein als dieiistmitanglich anzusehen sind. In 36 Kommunen ist nicht ein einziger Wehrpflichtiger zur Musterung gekommen, in 6 andren Kommunen konnte über- Haupt keine Musterung vorgenommen tverden, weil der Sekretär und die MustermigSkomrnission sich wegen der Unvollzählig- keit der letztere» iveigerten, die Ausschreibung vorzunchnren. In einem Regierungsbezirk hat der Gouverneur die hohe» Geldbuße», z» denen die Konrnrnne» verurteilt waren, weil sie sich weigern, die Miisteruiigskommissionen zu wählen, aufgehoben. Es Ivird dort als unmöglich angesehen, diese Geldbußei» einzutreiben, ohne die Schul- gebäude und Kornmagazine der Kommunen zu verkaufen.— Asien. Zu de» Unruhen irr Pctschili. AnS den austührerischci, Distrikte» der Provinz Pctschili hier eliigeaaiigene Nachrichten be» sagen, daß sich die Arifrührer bei der Äiiknnft von Juanschikais Truppe» zerstreute». Ihr Führer sei verschwunden. Die Dörfer der Anfrührer seien»icdergebraimt und schwere Strafen über ihre Be- wohirer verhängt worden.__ Die UrbeitSlosen-Zeitnng war am 10. Mai auch in Magde- bnrg noch nicht freigegeben. Sofort, nachdem die Freigabe hier er- ölg't, die doch ohnehin nicht nrit besonderer Schnelligkeit vor sich ging, hat der Geschäftsführer der Magdeburger Parterblichhaiidlmig bei der dortigen Polizei die Herausgabe gefordert, bis zum ver« gaiigencii Sonnabend aber ohne jeden Erfolg. Als Reichstags- Kandidat für: Hof wurde der Genosse t ü ck l e n in Altenburg von einer WcihIkreiS-Konferenz aufgestellt, Polizeiliches,(Seeichtliches usw. — StaatSgcsährltche Unbestimmtheit. In Sachsen-Wciniar ist mar» auf einen neuen Grund zum Verbot von Versanniiliiiige» verfallen. Bisher vertwt man Versaminlunae», weil das angegebene Thema zu aufreizend sei; dieser Grund wird auch anderwärts viel- ach benutzt»nd ist ziemlich abgebraucht. Dagegen ist es ganz neu, daß ein Thema zu u n b e st i nr i» t sei und daher bei seiner Be- handlniig die Möglichkeit einer Gefährdung der öffentlichen Ruhe bestehe. Mit solcher Begründung rviirde ei» in Oberwrimar erfolgtes BersanrmlnngSverbot oberbchvrdlich bestätigt. Haulinerstei» mit dem nenentdcckteir Recht des Preußen, Vcrsamnrlungsreden zu verstehen, steht also nicht einzig da._ Aus Ittdustvio und LZuudcl. UugültigkeitScrklärnug der Berliner Handelskammer- Wahlen. Wie der„Tag" verichtet, hat die in der ersten Sitzung der Hnndelskaiirmer eingesetzte Kounnissron zur Prüfung der Wahle» heute, nach Ablauf der gesetzmäßigen Frist zur Erhebung von Ein- wendniigen gegen die Handelskammcr-Wahlcn, eine Sitzung ab- gehalten, i» der mit überwiegender Mehrheit beschlossen wurde, dem Plein»», entsprechend den eingelaufenen Protesten, vorzuschlagen, die stattgesnndenen Wahlen für'nngültig zu erklären. Westfälisches Eoakssyudika«. Die Meldung, daß das Cvaks- yndikat nicht gewillt ist, eine weitere Preisernräßigmig für Coaks eintrete» zu lassen, bestätigt sich. In der am Sonnabend ab- gehaltenen Sitzring des Anfsichtsrats wurde mit großer Mehrheit beschlossen, die Preise,» die stir das erste Semester des laiifciiden Jahres festgesetzt worden sind, auch für das zweite Halbjahr beizubehalten und zwar für alle Coaksiorten. Da in den letzten Wochen der Abruf von Hockofrn- und Gießercicoaks wieder etwas stärker geworden ist, hall das Syndikat eine Rücksichtnahme auf die deutsche Industrie, specicll die Eisenindustrie, allem Anschein nach nicht für angebracht. Der Beschluß - mmmm>■ eigenen Interesse diktierte st recht chnrnkteristisch für die allein vom Preispolitik der Syndikate. Bochnmer BcrgwerkS-Nkticngcsellschaft. In der heutigen Geiieralversamittlniig wurde gegeniilier dem Antrage der Vcrlvaltlnig, den gesamte» Grivinn zur' Alischreibung zu verwenden, vom' Aktionär Lilienthal beantragt, von dem Gewin» von 186 481 Mark den Betrag von' 100 000 Mark in Reserve zu stellen und den Rest s86 481 Mark) au' neue Nechmmg vorzutragen, um einer späteren Untcrbilanz vor- znbeugen. Ein andrer Aktionär, NanrenS Schrödter, der seiner Au gäbe nach ein Aktienkapital von einer Million Mark vertrat, klagte darüber, daß gleich nach Einführung der zngczahllen Aktien der Kurs derselben beträchtlich ge fallen sei, und machte der einführenden Bank scrve gestellt und der Nest neu vorgetragen werden' Dann schritt man zur AufstchtSratswahl. Es wurden gewählt die Kandidaten der Berivaltung und zwar: Geheimrat v. Hansemann, LaudgerichtSrat Schmiding, Bcrgwerksdirekor Bingel und Bankdirektor Wöllstein neu Pom EiscnmiU'kt. Nach einer Mitteilung des„Jronmonger" ans Schottland macht sich dort ein Nachlassen der amerikanischen Nachfrage nach Roheisen benierkbar. Nene Bestellungen find von amerikanischer Seite in letzter Zeit nicht erfolgt. Auch im rheinisch- tvestfälischen JndustAerevier hat, wie die«Köln. Ztg." zu berichten weiß, die Nachfrage aus de» Vereinigten Staaten merklich nach- gelassen. Die.Industrie" entwirft von der Lage des rheinisch-west- sälischen EisenmnrkteS folgendes Bild:.Im allgemeinen ist der Verkehr ans dem Eisenmarkt in de» letzten zwei Wochen etlvas ruhiger, und es giebt Leute, welche deshalb schon sehr be sorgte Gesichter machen und den„Aufschwung* als beendet an- sehen. Wir können uns dieser Ansicht' nicht anschließen. Ein großer Aufschwung ist überhaupt nicht eingetreten, sonder» eine Besserung in der Beschäftigung und den Preisen, die aber zum rentablen Betrieb der Werke in manchen Zweigen noch gar nicht hinreicht.... Wir glauben nicht an eine weitere wesentliche Belebung des Geschäfts und höhere Preise, aber wir sehen heute auch noch nicht die sicheren Anzeichen eines Rückgangs, zninal wir die Sommermonat« vor uns haben. So viel hat sich die ganze Eisenindustrie ja überhaupt noch nicht erholt und gekräftigt, daß ein bedeutender Rückschritt dazu gehörte, um zahlreiche Betriebe in allen Zweigen de» EtsengewerbeS wieder vor die schwere Frage ihrer Existenzberechtignng zu stellen." Berlin und Umgegend. Die Differenzen der Bergoldcr bei der Firma Kunze» darf sind beigelegt. Durch das solidarische Verhalten unsrer Kollegen war Herr Kunzendorf gezwungen, mit der Organisation zu verhandeln, was er zuerst schroff zurückwies. Die Accordnrbeit wurde abgeschafft und Lohnarbeit mit dem Minimalsatz von 24 M. bei 53stündiger Arbeitszeit pro Woche eingeführt. Die Arbeit wurde am Montag, den 12. Mat, wieder aufgenommen und verpflichtete sich Herr Kunzendorf, nach der Aiiciennität sämtliche Arbeiter wieder einzustellen. Achtung, Steinsetzer! Die Differenzen bei der Firma Jgler in Spandau sind noch nicht beigelegt, da der Inhaber derselben sich geweigert hat, beide Ausgesperrte wieder einzustelle». Außerdem hat die Firma bis dato auch nicht das vertragsmäßige Fahrgeld be- zahlt, es ist deshalb noch Zuzug fernzuhalte».— Die bei der Ebers- »valder Steinsetzer-Jnnung beschäftigten Steinsetzer sind behufs Durchführung der im März aufgestellten Lohnforderungen in den Streik getreten. Es ist deshalb von Ebers Iv aide, F r e i e n w a l d e. W r i e z ezi a. O. und Unigegend ebenfalls Zuzug fernzuhalten. Deutsches Reich. Zum Kampf im Kieler Bangewerbe. Das Streikkomitee der Kieler Zimmerer schreibt unS: Da in verschiedenen Partei blättern von einer AliSsperrmig der Kieler Bauarbeiter die Rede sei, so könne daraus gefolgert werde», daß die Bauhilfsarbeiter anSgesperrt seien. Es handelt sich aber»in eine Anssperruiia der Maurer und Zimnierer. ivaS zur Vermcidniig von Irrtümern bicrinit ausdrücklich hervorgehoben wird. Eine Anzahl italienischer Maurer sind bereits als Streikbrecher eingestellt, auch einige arbeits- willige Zimmerer habe» sich geflnidcn, aber der Bedarf an Arbeits- kräfte» ist noch lange nicht gedeckt. Die Unteriichmer suchen deshalb in allen Teilen Deiitschlands nach Ersatz für die Ailsgesperrten. Es ivird wiederholt dringend erincht, de» Zuzug von Maurern und Z i m»i c r e r n n a ch Kiel fernzuhalten. Buchbinder, Kilrtonnagcn- n»d Gnlanterie-Arbciter. Es Ivird wiederholt darauf ausiuerksam gemacht, daß die Kollegen der Firma A n h ö ck u. Komp. i» G ö ß ii i tz wegen ihrer Zngehörigleit zum deiitschen Bnchbilider-Verbaiid gekündigt worden sind, und daß deshalb der Zuzug nach der genannten Firma unter allen Umständen fcrnziihalten ist. Zahlstelle Gößnitz des deutschen Buchbinder-Verbandes. Der'"itz der Steinmetzen im Bogtlnnb ist nunmehr beendet, und zwar zu Gnnsten der Ansständischen. Derselbe hat eine Woche gedauert und drehte sich um Anerkennnng des seiiens der Organisation der Steinmetzeii aufgestellten Lohiitarifs. Der Streik beschränkte sich nur auf die Orts Falkenstein, Auerbach u.O Irenen. _ ManrirstreikS In Hof befinden sich seit vorigem Montag 167 Maurer ini Aiisstand. Sic legten die Arbeit nieder, Iveil die Unteriichmer ihr vorjähriges Versprechen, 40 Pf. Lohn zahlen zu wollen, nicht hielten, vielmehr nur 88 Pf. zahlen Ivollen. Die Maurer v'rlangeii mnmiehr 43 Pf. Mindestloh». Die Unternehmet versenden fleißig schwarze Listen. Unter de» Manrergesellen in Röbel(Mecklenburg) ist eine Lohn« bcwegniig zum Ausbruch gekommen. Bei zehnstündiger Arbeit fordern die Streikenden 35 Pf. pro Stunde. Die Arbeitgeber ivollen vom 1. nächsten Monats an 30 Pf. t'willigen, falls die Gesellen sich dazu vcistehe.., für einen dreijährigen Zeitraum keine weiteren Fordernngen zu stelle». Eine f ondcrorganisatio», die sich vom Eentralverband der Texlilarbe'.er Deutschlands loslöste, hat sich kürzlich i,iiter dem Rainen„Verband der vogtländischcn Schiffchcnsticker" mit dem Sitz in Planen gebildet. Ans ivelchcn Griiiidcii die Absonderung der vogiläiidischen Schiffcheiisticker vom Tcxiilarbeiter-Verband stattfand, ivird nicht mitgeteilt. Bedauerlich ist die Absonderung in jedem Fall, denn die Zcrsplitlcruiig der Kräfte in kleinen Einzelorganisationen kaiin den gewerkschaftlichen Kampf nur schwachen. Die Straßenbahner irr Königsberg i. Pr. forderten die Einführung des Schichtivechsels mit neunstündiger Dienstzeit. Die Direktion lehnte diese Forderung ab, sagte aber zu, daß jeder fünfte Tag frei sein solle, außerdem solle an jedem zweiten Diensttage Ab- lösnng nach sechsstündiger Fahrzeit erfolgen und an jedem vierten Tage sollten Erleichterungen gewährt werden. Der volle Diensttag ist nach dem gegenwärtigen Fahrplan ein fiebzehnstüudigcr. Die Straßenbahner erklärten, diese Zusage als vorläufige Abschlags- zahlung anzuilchmen, an der Forderung der Neunstundenschicht ohne Lohnkürzung jedoch festzuhalten. Ausland. Tie WcberauSfpemnig in Enschide. Der Streik der Deckenweber hatte Ende der vorigen Woche bereits 16 Wochen gedauert, die darauf folgende Aussperrnng der ca. 2000 Arbeiter und Ar- beilcrimieii 14 Wochen. Das OraanisationSkomitee hat beschlossen, die verschiedenen Arbeiterorganisationen zu Psingsten zu einer Konferenz i» Amsterdam eiiizuladen, um über die' Herbcischaffnng der Mittel zu weiterer Unterstützniig der Ausgesperrten in Enschede zu berate».— Die Zahl der Streikbrecher beträgt jetzt 60. Von den Streikenden und Ausgesperrten ist bis jetzt nur ein Mädchen wieder in die Fabrik gegangen. In LimogrS sind jetzt gegen 8000 Arbeiter ausgesperrt; die Ursache bildet daS Gesetz Millerand-Collcaid. Diesem wollten sich, wie schon mitgeteilt, die dortigen Porzellanfabrikanten nicht fügen. Es kam zum Streik bezw. zur Aussperrung von einigen tanseiid Porzellanarbcitcrn; andre Fabrikanten sind diesem Beispiele gefolgt und haben ebenfalls ihre Arbeiter ausgesperrt, iveil diese nicht auf die geringen Vorteile des Gesetzes verzichten wollten. Sociales. Di« Krankenversicherung der Hausgewerbetreibenden. Durch Gesetz vom 30. Juni 1900 ist dem Bundesrate das Recht erteilt worden, die Krankenversicherung auch auf die Hansgewerbe- treibende» auszudehnen, während bis dahin diese Aiisdehnung nur durch stalntarische Bestimmung einer Gemeinde für ihren Bezirk möglich ivar. Von diesem Rechte soll jetzt Gebrauch gemacht werden. Der Entivurf zu einer entsprechenden Verordnung, der demnächst dem Binidesrnte ziigehen soll, liegt gegenivärtig den preußischen NcgieningSpräsldente» zur Begutachtung vor. Der Entwurf lautet in seinen ivesentlichen Bestimmungen: 1. Die Aiiweiidling der Vorschriften des Z 1 des Kranken versichennigs-Gcsetzcs wird auf selbständige Gewerbetreibende er- streckt, welche in eignen Betriebsstätten im Auftrage und für Rechnling andrer Gcivcrbctreibender, mit der Herstellung oder Bearbeitiing gewerblicher Erzengiiissc beschäftigt werden(Hans indlistrie), und zwar auch für de» Fall, daß sie die Roh- und Hilfsstoffe selbst beschaffen, und auch für die Zeit, während welcher sie vorübergehend für eigne Rechiinng arbeiten. 2. Die An- und Abineldnng der Hausgewerbetreibenden erfolgt durch ihre nnmiltelbaren Arbeitgeber. 3. Für die Emzahluiige» der Betträge und der Eintrittsgelder für die Hnnsgeweidetreibenden und für ihre berstchcriingspflliiitigen HilfSpersoiicn haften, vorbehaltlich der Wiedereinziehung nach Maßgabe von ZZ 58, 54 Abs. 6 des Krankenveisicherungs-Gesetz die»»mittelbaren Arbeitgeber der Hausgewerbetreibenden«»d, falls diese als Zwischenpersonen die Beschäflignng vermittelt haben, auch diejenigen Gewerbetreibenden, in deren Auftrag die Waren hergestellt oder bearbeitet sind, als Gesamtschuldner. Neben dieser Hastung bleiben die Hausgewerbetretbenden selbst für die Ein zahlniig der Beiträge und der Eintrittsgelder für ihre versicherungs Pflichtigen Hilfsperionen verhaftet. 4 Die Beiträge für die Hausgewerbetreibenden und für ihre versicherungspflichtigen Hilfspersonen sind zu zlvei Dritteln von den Hansgciverbetreibenden und ihren verstchcrungs Pflichtigen Hilfspersonen, zu einem Drittel von den»iiimtiel baren Arbeitgebern der Hmisgewerbetreibenden und, falls durch diese als Zivischenpersonen die Beschästigniig vermittelt ist, von denjenigen Gewerbetreibenden zu bestreite», m deren Auftrag die Waren hergestellt oder bearbeitet sind. 5. Die Hausgewerbetreibenden haben für die Zelt vorüber gehender Beschäftignng für eigne Rechmmg die Eintrittsgelder und die vollen Beiträge für ihre Person aus eignen Mitteln zu be streiten. Beschäftigen sie in dieser Zeit versicherungspflichtige Hilfspersonen, so haben sie auch für diese die Eintriltsgcldcr nnd Beiträge einzuzahlen und die Beiträge zu einem Drittel z» tragen, während die übrigen zwei Drittel von den versicherungspflichtigen Hilkspersonen zu tragen sind. Ans der dein Entivurfe beigegcbencn Begründung ist zu ersehen, daß nicht beabsichtigt ist— was nach dem erivähnte» Gesetze zw lässig wäre— irgend welche Kategorien von Hansindustriellen aus- ziiiiehineii. Die Bersicherungspflicht soll mich nicht durch eine Ober> grenze des EinkominciiK beschränkt werde»: dnftlr wird besonders auf die in Berlin daniit gemachten niigniistigen Erfahnmgen hin gewiesen. Badesaiso» und Arbetkerschntz. Zu Masseneingaben an den Bmidesrat>md Reichstag fordert ein Aufruf die Gastwirte der Bade« und Touristenorte Deutschlands auf. Es soll gegen die Bundesrats- Verordnung vom 23. Januar d. I. Über die Ruhezeiten der Gastlvirts« angestellten Protest erhoben werden, unter Hinweis darauf, daß die Bestimmungen über eine mindestens alle 14 Tage zu gewähreiide 24 stiindigo Ruhepause in den Bade- und Kurorten, ivege» Mangels an Aushilfspcrsonal schwer durchführbar seien. In de» Petitionen soll für den Wegfall dcS freien Tages folgender Ersatz vorgeschlagen werden: 1. De» Angestellten iverdeu wöcheiitlich 81 bezw. 74 Stunden Ruhezeit gewährt. 2. Die tägliche Nachtrnhepause be- trägt 7—8 Stunde». 3. I» der erste» Woche ivird zwischen 2 Uhr nachmittags und 8 llhr morgens eine ininnterbrochcne Ruhepause von 6 Stniide» gewährt. 4. Diese Ruhepause beträgt i» der 2. und 3. Woche 18 Stunden. 5. Die fchlenden 6 Stunden sollen auf einzelne Tage verteilt werde». 6. Für die Lchrliiiae nnd Gehilfen unter 16 Jahren soll es, außer der 24 stündigen Ruhepause, bei den 'eftgesetzten Bestin>mu»izen sein Betvenden haben. Vorläufig haben diese menscheiifreundliche» Wünsche keine AuS° icht auf Erfüllung. Das Recht der Handelsarbeiter. Eine Versammlung von Handels- und Transportarbeitern in Nürnberg, die sich nnt der Frage der gelverblichen Rechtsprechung in ihrem Berufe beschäftigte, »ahm folgende Resolution an: Die Versammelten protestieren aufs schärfst« gegen die von der Reichsregierung geplnnteii Maßnahmen, die Handels- und Transport- nrbeitcr den Geiverbegerichle» zu entziehen und«nter kaufmännische Schiedsgerichte im Anschluß an die Amtsgerichte zu stellen. Die Versammelte» sind der Meinung, daß die Gewcrbcgerichte gerade für die berufenste Instanz zur Erledigung von Differenzen im Arbeits- Verhältnisse sind und beauftrage» ihre Vertreter, die socialdemokratische Fraltion, ini Reichstage, in diesem Sinne die Rechte der Betreffenden vertreten zu ivollen. Gegen de» Arbeiterschutz macht die Handelskammer für de» RegiernngSbezirk Oppeln mobil. Sie beschloß in ihrer letzten Plenarversammluiig, dahin zu wirken, daß die Ruhepause der Auge- stellten allgemein ans 10 Stunden herabgesetzt werde. Förderung der Volksbildung. Der Kreistag für Offen- dach beschloß die Schaffung einer Kreiswanderbibliothek, die zu- nächst in Teilbibliotheken von je 100 Bände» auf 10 Gemeinden des Kreises verteilt werden soll. Mit der Zelt sollen sämtliche Ge- iiieiiideii des Kreises mit Teilbibliotheken versehen werden. Diese an sich sehr nützliche nnd begrüßenswerte Einrichtung verliert aber leider sehr viel an Wert durch den Beschluß, keine Litteratur anfzunehmeii, die„politischen oder konfessionellen Sonder- interessen dient". Unsre Genossen im Kreistag vermochte» trotz leb- hasier Bemühungen diesen Beschluß nicht zu verhindern. Er läuft darauf hinaus, de» Lesern alle moderne wissenschaftliche und politische Litteratur vorzuenthalten, wird sie aber nicht vor patriotischem Kohl bewahren._ Kinderarbeit in Amerika. Die Beschäftigung von Kinder» in Fabriken ist in den amerika- irischen Staaten, je nach deren EntWickelung und dem Stande der Industrie sehr verschiedenartig geregelt. In»achfolgenden Staaten ist die Kinderarbeit in den gewerbliche» Betrieben schon vom 10. Jahre an gestattet: Kalifornien, Nebraska. Neiv Hampshire und Vernronth; in Maine, Maryland, Dakota, Rhode, Island, Teimessöe, Virginia, Louisiana und New Jersey dürfen die Kinder vom 12. Jahre an in den Fabriken thätig sein. In den zwei letztgenannten bezieht sich dies nur auf die Knaben, während die Mädchen erst vom 14. Lebensjahre an beschäftigt werden dürfe»; in Ohio»md Pensylvanien beginnt sie mit dem 13. Lebensjahre, während in den nachstehenden Staaten alle Kinderarbeit bis zum 14. Lebensjahre verboten ist: Colorado, Illinois, Connecticut, Jndiania, Massachnssets, Michigan, Minnesota, Missouri, New Uork und Wisconsin.— In den meisten Staaten ist die Arbeitszeit der jugendlichen Arbeiter und Arbeiterinnen geregelt, nnd zwar ist für die' ersteren bis zum 16. beziehentlich 18. Jahre die Arbeitszeit meist im Maximum ans 55 oder 60 Stunden die Woche festgesetzt; für die Arbeiterinnen bis zum 21. Lebensjahre darf sie in der Regel 55 oder 60 Stunden nicht überschreiten. Die Katastrophe von Martinique. Der Korrespondent des„Bureau Laffan" telegraphiert unter dem 10. d. M. von St. Lucia: Der ganze Norden der Insel St. Vincent i st v e r w ü st e t. Der die britische Garnison kommandierende Lieutenant berichtet, daß beide großen Krater auf St. Vincent riesige Massen von Lava, glühender Asche nnd Rauch ausspeie». Ein breiter Lavastrom, der alles auf seinem Wege ver« nichtet, trennt die Insel in zwei Teile. Kleine Krater treten überall in Thätigkeit. Infolge der mtensiven Hitze und des Rauche? ringsum können sich Schiffe nicht der nördlichen Küste nähern. Man schätzt, daß bis jetzt mindestens 200 Menschenleben verloren sind. Die Stadt K i n g s t o w n ist mit Asche bedeckt und wird von den Vulkane» mit Steinen bombardiert. Asche fiel auch in großer Menge auf das Deck des Dampfers„Coya" nieder, der 250 engl. Meilen von St. Vincent entfernt lag. Der Korrespondent des„Bureau Laffan", der sich an Bord des von der britischen Regierung»ach St. Vincent entsandten Dampfers „Wear" befand, kabelt aus New Aork: Der„Wear"> verließ St. Lucia am Donnerstagabend. Während der ganzen Reise waren die furchtbaren Flammen auf St. Vincent sichtbar. Nach Mitternacht geriet der„Wear" in heftige Regen von graner Asche, so daß die Mannschaft m Gefahr war, zu ersticken. Um 5 Uhr morgens erreichte der Dampfer Kingstolvn. Man sah jetzt, daß sich der Vulkan im Zustande andauernder Eruption befand. Unaufhörlich erscholl fürckiter- lichcr Donner, und gabelförmige Blitze zuckten ohne Unterlaß über die Stätte der Verwüstinig. Die Zahl der Blitzschläge belief sich auf 60 bis 100 in der Minute. KiiigStown, das 12 englische Meilen von dem Bülkau entfernt liegt, war am Donnerstag 3 Zoll hoch mit Asche und Steine» bedeckt; das Thal des Vulkans bildete zu dieser Zeit einen drei englische Meilen breiten See. Der Ausbruch wurde zuerst am Montag beobachtet, als große Wassermassen emporschössen. Die Be- völkerung in der nächsten Umgebung deS VulkanS floh. Seither er- tönt das Donnern unaufhörlich werter. Die Lavaströme machen es unmöglich,»ach Norden zu eine Linie zu überschreiten, die Eyateau Belair nnd Georgetown verbindet. Wo vorher ein Thal war. sieht man jetzt einen riesigen Hügel. Der ganze nördliche Teil von St. Vincent steht in Rauch. 60 Menschen wurden, wie berichtet wird, bei dein Versuche, sich zu retten, vom Blitze erschlagen. Am Dienstag und Mittwoch ivar die Insel völlig mit Asche überschwemmt. Am Donnerstag ging ein anhaltender Regen von heißem Sand und Wasser nieder.' Alles auf der Insel wurde dadurch zu Grunde ge- richtet. Eine große Anzahl Menschen wurden* längs der Küste von Booten aus Kingstow» anfgenoimne». Zahlreiche Flüchtlinge waren bei ihrer Aiiknnft an der Küste dem Verschmachten nahe. Viele von ihnen waren seit 36 Stniide» ahne eine» Tropfen Wasser. Infolge des Wassermangels ist alles Vieh umgekommen. Wieviel Menschen- leben verlöre» sind, läßt sich vorläufig noch nicht mit Sicherheit an- geben; ihre Anzahl dürfte wahrscheinlich mehrere hundert betragen. Der„Wear" verließ KiiigStown um 8 Uhr morgens mit dem Auf- trage, ein Hilfsschiff von Belair nach Owia Carib zu schleppen. Auf der Höhe von Barronlie erhielten ivir von der Küste die Meldung, daß die Passage unmöglich sei. Wir setzten jedoch trotzdem unsre Fahrt fort und hatten dann gegenüber Belair eine» groß- artigen Ausblick auf die Westseite des Kraters. Lavaströme flössen in alle» Richtiiiige» den Berg hinunter in die See. Der ungeheure Krater warf ohne Unterlatz riesige Aschenmengen aus, die, von ihm hoch in die Luft geschleudert, m die See niederfielen. Dann be- merkten wir einen neuen Weg, der sich eine halbe Meile breit zur See hi»abzog. Es ivar wahrscheinlich vom Wasser abgekühlte Lava; seine Farbe war bräunlich. Es ivar unmöglich, nahe an die Stadt heranzukommen. Die See ivar dicht mit Bäiimeil und Trümmern bedeckt. Wir versuchten durch den Aschenregen hindurch nach der Stadt Santa Lucia vorzudringen, fanden eS aber unmöglich, da wir Gefahr liefen, zu ersticken. Am Horizont war nichts weiter als ein dichter Guß von Asche, Schlamm und anderen Dinge» zu sehen, der eine riesige Mauer aufschichtete. Wir machte» Kehrt und dampften luvivärts nin die Insel. Gegenüber Georgetoivn gerieten ivir in eine» Sturmwind, der Ranch und Trümmer nordwärts trieb nnd uns einen klaren Ueberblick über den heimgesuchte» Bezirk in seiner ganzen AnSdehnililg gestattete. Außer de» großen Kratern waren noch viele kleine in Thätigkeit. Eine Anzahl Lavaströme sah man in einer Breite von einer halben Meile der See zufließen. Wir fuhren dicht bei Georgetown vorbei die Küste entlang nach Santa Lucia, entdeckten aber kein Lebens- zeichen. Man glaubt, daß alle Menschen in dem heimgesiichten Distrikt inngekommen sind. Die Flüchtlinge in Belair und Georgetoivn sind noch i» Gefahr. lieber die Zerstörung der Stadt Saint Pierre telegraphiert der Korrespondent'dcS„Bureau Laffan" unter dem Datum des'll. Mai aus Fort de France auf Martinique: Der Vulkan Mont Pelöe hat schon seit dem 22. April beunruhigende Zeichen gegeben. Ain 8, Mai breitete sich um 3 Uhr morgens«ine dicke Wolke mit schrecklicher Geschwindigkeit über Fort de France aus. Ein heftiger Steinregen ging nieder und vernriachte unter der Bevölkc- ruiig eine Panik. Die See ging 15 Meter weit vom Lande zurück, so daß die an, Quai liegenden Schiffe zweimal den Grund be- rührten. Dann kehrte die Flut mit großer Schnelligkeit auf ihren normalen Stand zurück. Bon allen Seiten erscholl der eine Schrei: „Der Vulkan, der Vulkan l" Der Bürgermeister und die Re- gierungsbehördcil organisierten schleunigst«ine Hilfsexpeditio». Der ans der Reede liegende Kreuzer„Suchet" ging sogleich »ach Saint Pierre ab nnd Schiffe, welche am Morgen von der Stätte des Unglücks nngckomme» waren, kehrten rasch mit Lebens- mittel» dorthin zurück. Zwei Stnndeii später kamen sie mit der Nachricht zurück, St. Pierre sei vernichtet und die Küste von der Stadt Carbct bis zu dem Dorfe Rcchcur stehe in Flammen. Die intensive Hitze mache eine Landung unmöglich. Der„Suchet" brachte 30 Ueberlebende. die er bei Enrbet aufgenommen hatte. nach Fort de France, All« waren furchtbar verletzt, neun andre starben ans dem Transport. Die Ueberlebende» wurde» im Hospital von Fort de France anfgcnonnnen. Es wurden Lebens- mittel requiriert nnd die Hauptläden nnd Bäckereien von den Be- Hörden übernommen. Die Mannschaft des„Suchet" fand in den Straßen ii»d der Umgegend von Saint Pierre Hänfen von Leichen, alle ohne Kleider, die meisten mit furchtbaren Verletzungen, die Eingeweide heraiishängend. Bei einigen zeigten die Gesichter einen ruhige» Ausdruck, bei andren»nfagbaren Schrecken. Es sind Maßregeln zur Verbrennung der Leichen getroffen worden. Mit erschreckten Flüchtlingen angefüllte Dampfer sind in Fort de France eingetroffen. Die Leute sagen, das Unglück habe sich in weniger' als 30 Sekunden ereignet. Sie schätze» die Zahl der Umgekommenen auf 30000. Noch den letzten Nachrichten ist die Stadt und das Fort von Saint Pierre völlig vernichtet. Von den Straßen ist keine Spur mehr vorhanden. Einige Mauern im Hafen sind allein übrig geblieben. Die Hospitaluhr blieb um 7,50 Uhr stehen. Alle Wertsachen i» den Kellern der Bank von Martinique wurden unberührt gefunden und nach Fort de France gebracht. Die Leichen einer Familie von neun Personen fand man in enger Uni schlingung. Der Kapitän eines Schiffes im Hafen rettete sich durch fortwährendes Tauchen. Weitere Meldungen besagen: N e>v D o r k, 12. Mai. In St. Thomas schätzt n,an die Zahl der auf St. Vincent Umgekonunenen auf 500. Eine Meldung besagt. Fort de France sei bedroht. London, 12. Mai. Ein Telegramm des Administrators der Insel Dominica an den Kolonialminister Chamberlain besagt, daß bei dem Ausbruch des Mont Pelee auf Martinique 40 000 Menschen ums Leben gekomnien find und 19 Schiffe im Hafen von St. Pierre ihren Untergang gefunden haben. New Dork, 11. Mai. Nach einer Depesche aus St. Lucia ist der nördliche Teil der Insel St. Vincent durch einen gelvaltigen Lavastrom zerstört worden. Kein Schiff kann sich der Nordkiiste der Insel nähern. Man schätzt die Zahl der Umgekommenen auf 200. Sechzig Personen solle» durch Blitzschlag ums Leben ge kommen sein. Paris, 11. Mai. Zu der Katastrophe auf der Insel Marti niqne wird weiter gemeldet: Die Ueberfiihrung der Ueberlebendcn nach Fort de France geschieht durch Dampfboote. Ein Kreuzer des Nordgeschwaders trifft Vorkehrungen, um heute mit Lebensmitteln nach Martinique abzugehen. 450 Ueberlebende sind auf einem französischen Dampfer in Fort de France eingetroffen; das Schiff kehrt sofort wieder»ach St. Pierre zurück, um weitere Gerettete in Sicherheit zu bringen. Der Kapitän eines andren aus St. Pierre zurückgekehrten Fahrzeuges teilte mit. daß er die Stadt wegen der herrschenden gefährlichen Gegenströmung nicht anlaufen konnte; auch sei die Küste teilivcise iveggerissen, was die Landung sehr erschwere. Der Vulkan fährt fort, Lava auszuspeie», und die Versuche, an die Stadt heranzukommen, sind mit großer Gefahr verbunden. Der deutsche Kaiser hat dem Präsidenten der französischen Sie- publik wegen des Unglücks sein Beileid ausgedrückt und für die Opfer der Katastrophe 10000 M. aiiweisen lassen. Aus Fort de France werden folgende Einzelheiten über die Lage auf Martinique gemeldet: Die Meeresküste vor St. Pierre und das Meer selbst bis auf eine Entfermmg von einer Meile vor der Küste sind nnt Schiffstrünnnern bedeckt, Boote können nur schwer landen. Die Keller der Bank von Marttnique sind unversehrt ge- blieben, die Wertpapiere usw. im Betrage von zwei Millionen, die sich dort befanden, sind nach Fort de France gebracht Ivorde». Nach den Geivölben, wo sich der öffentliche Schatz und die Depots der Großknufleute befanden, wird noch ge- sucht. Der Konnnandant des Kreuzers„Suchet* hat die Stadt und Umgegend durchforscht und berichtet, daß sich im nördlichen Teile der Insel große Spalten gebildet haben, daß das ganze Gelände sich in Bcivegung befindet und daß sich plötzlich »cne'Thäler bilden. Glücklichenveise ist dieser Teil der Insel ganz von der Bevölkerung geräumt. Viele Familie», die Besitztum in St. Pierre hatten, sind ruiniert. Die Verbindungen mit Gnade- Ivupe, St. Vincent, Santa Lucia, Granada, Trinidad und Barbados sind vollständig unterbrochen. Nahe an 4000 Personen, die ans Boing de Pröcheur gerettet wurde», sind nach Fort de France ge- bracht worden. Viele Einwohner von Martinique verlassen die Insel und begeben sich nach den benachbarten Inseln oder kehren nach Frankreich zurück. London, 12. Mai. Der Korrespondent des„Bureau Laffaii* kabelt aus Point& Pitre sGnadeloupe): Der Vulkan Mont Pelee auf Martinique, der früher 1350 Meter hoch tvar, ist jetzt nach dem Ausbruch nur noch 450 Meter hoch. Paris, 12. Mai. Aus Anlaß des Unglücks, welche? Martinique betroffen, hat Kaiser Nikolaus an den Präsidenten Loubet ein Telegramm gerichtet, in welchem der Kaiser seine und der Kaiserin aufrichtige Teilnahme ausspricht. Der König von England hat dem Hilfskomitee für die Opfer der Katastrophe auf Martinique 25 000 Fr. gesandt. Paris, 12. Mai. Der Minister der Klonien hat eine Depesche des Kommandanten des„Suchet" erhalten, in welcher es heißt, daß es mit Hilfe des dänischen Kreuzers„Valkyricn" und des„Pouycr Qnertier" gelungen ist, die gesamte Bevölkerung von Boura du Prbcheur nach Fort de France zu bringen. Der Vulkan Pelee sei noch immer in Thätigkeit. London, 12. Mai. Nach den letzten Nachrichten waren die Mehrzahl der Mannschaft des in Santa Lucia eingetroffenen Dampfers„Roddnm", die bei der Katastrophe von Martinique zum Teil ertrunken ist, zum Teil schivere Brandwunden davontrug, Deutsche, die in Haniburg an Bord gegangen waren. London, 12. Mai. Der Verwalter der Insel Dominica telegraphiert: Die Katastrophe von Martinique stellt sich als noch schrecklicher heraus, als sie die bisherigen Berichte darstellten. Flüchtlinge melden, daß sich neue Krater nach vielen Richtungen hin öffnen. Die Flüsse sind ausgetreten und weite Landstrecken a» der Nordseite der Insel unter Wasser gesetzt. In andren Be- zirken drängt sich die überlebende Bevölkerung zusammen. Es herrscht fortwährend fast völlige Dunkelheit. Ich glaube nicht, daß Guadeloupe für die unsägliche Not genügend Hilfe bieten kann. Vevssmmlungen. Der Berein der Berliner Buchdrucker und Schriftgieffer hielt am ö. Mai eine Versanimlnng ab, in der unter anderm iitwr die Entgegnungen gesprochen wurde, Ivelche der„Vorwärts, auf die Auslassungen des„Correspondent" betreffend die Geldunterstütznng des belgischen Generalstreiks durch die Partcikasie der deutschen Socialdemokeatie veröffentlicht hat. Der Schriflfiihrer des ge- nannten Vereins sendet uns über diesen Teil der Versammlung den nachstehende» Bericht: Der Vorsitzende M a s s i n i wies auf die in den letzten Woche» vom „Vorwärts" erfolgten Publizierungen hin, die sich mit den dem Ver- bände seitens des' Parteivorstaudes in den Jahren 1891/1892 beim großen Streik bewilligten Ilnterstützungssummen beschäftigen. Es sei dies darum unbedingt nötig, da hierdurch nicht mehr die Correspondent-Redattion, sondern der Verband getroffen wird, und zwar leider nicht in dem Sinne, die nun einmal bedauerlicher- weise bestehende Spannung zwischen der Partei und uns beseitigen zu helfen. Es sei doch ohne Zweifel als wenig fair zu bezeichnen, wenn einer Organisation einmal in der Notlage geleistete Hilfe auf solche in der Absicht der Herabsetzung gerichtete Weise vorgehalten wird, da doch die in der Arbeiterschaft erfreulicherweise gepflogene Bethätigung der gegenseitigen Hilfe nicht mit Lob oder Tadel bedacht zuwerden braucht. Redner fragt, ob wir Buch- drncker jemals Dank geheischt haben für die Hilfeleistungen, die wir andren Arbeitern gethan haben; solches sei Ehrensache jedes auf- geklärten Arbeiters und deshalb die Stellungnahme des„Vortvärts" doppelt unerklärlich; es sei unsre Pflicht, dagegen zu protestieren, da hier von so einflußreicher Stelle uni're Organisation, die durch Jahr« zehnte hindurch in vorderster Linie für die Arbeiterinteresscn in Deutschland gekämpft hat. in der Absicht, sie in den Augen der übrigen Arbeiter herabzusetzen, glossiert wird. Gewiß sei zu verstehen, daß die Mittel der Parteikasse nicht für geiverkschaftliche Bewegungen genommen tverden können, aber man sollte, tvenn das einmal geschehen ist, darauf verzichten, solches bei öftereiiGelegenheiten nur uns gegnüber rühmend hervorzuheben. Im übrigen habe der Berliner Verein von der Partcikasie 1892 3000 M. Unterstützung oder als Darlehn erhalten, tvas nicht klar festgestellt werden könne: hätte» wir gewußt, daß diese Unterstützung einmal dazu dienen sollte, ein Mittel zu sein, um unsre Organisation zu bekämpfen, und noch dazu von dieser Seite, so wäre diese Summe selbstverständlich zurückgezahlt worden, genau wie der Verband die dem Leipziger Verein gegebene von 20000 M. in kürzester Frist beglichen hat. da wir glücklicherweise über Mittel verfügen, die uns gestatten, nicht nur unsreu Verpflichtungen nachzukommen, sondern auch andern Arbeitern, sobald sie Hilfe bedürfen, solche ge währen zu können. Kollege F a b e r als Kassierer der damaligen Streikkasse giebt darüber Aufklärung, daß diese Summe nach Beendigung des ver- lorenen Streiks für die Ausgesperrten gegeben worden ist und die Absicht derZnriickzahlung vorlag, ivelche aber nicht stattfinden konnte, da der darauffolgende Parteitag die Summe niederschlug. Es seien damals von der Berliner Arbeiterschaft, aus Wahlkreisen, einzelnen Personen und ans Listen ca. 42 000 M. aufgebracht worden, wozu die Summe von 68 000 M. von den während des Streiks in Berlin arbeitenden Kollegen komme. Redner hält die Verschärfung der Situation durch das so einflußreiche Centralorgan der Partei ebenfalls nicht für richtig Die Kollegen Wachs, Ebel, Schadebach und zwei wettere Redner finden die Ursache dieser Polemik in der Bemerkung des Kollegen Rcxhänser in dem Artikel, der de» belgischen Generalstreik behandelt, trotzdem sie sich mit dem sachliche» Inhalt desselben völlig einverstanden erklären; sie halten seine Schreibweise gegen die Partei in vielen Fällen für zu bayrisch. Vom Kollegen D ö b l i n wurde Aufklärung gegeben über die Schritte, die seiner Zeit gethan worden seien, um von der Parteikasse Gelder ge liehen zu bekommen; wie er mit Depeschen, die die Ankunft von Mitteln aus England anmeldeten, zur Fraktion im Reichstage ge gangen ist, um auf diese hin ein größeres Darlehen zur Hilfe aus der augenhlicklichen prekären Lage zu erbitten, aber auch dieses ab gelehnt wurde. Wenn die Leipziger Kollegen damals 20 000 M. erhalten haben, so sei solches nur dem Wirken dortiger einfluß reicher Parteigenossen zu verdanke»; diese Summe wurde im nächsten Jahre vom Centralvorstande zurückgezahlt. Weun man also alles in allem betrachtet, könne man nur bösen Willen der leitenden Partei- kreise gegen unsre Organisation annehmen, wie es in den Ans- führungen der Parteiredner im Reichstage sich zeige, wo man den Führern des Verbandes voriverfe, sie streben danach, die Bahn des Verbandes in ein andres, nicht einer modernen Arbeiierorganisation entsprechendes Fahrivasier zu lenken, oder in der beleidigenden Kennzeichnung des Verbandes im Historischen Kalender, soivie auch jetzt ivieder in der Kritik des gewiß sachlichen Artikels über die belgischen Verhältnisse, Ivo man schrieb. daß der„Corrspondent" den känipfenden Brüdern in Belgien in den Rücken gefallen sei. Trotzdem haben verschiedene Parteiblätter in Deutschland ihr Einverständnis mit den Ausführungen dieses Artikels zum Ausdruck gebracht. Redner meint, daß die Angriffe gegen unsre Organisation in Zukunft auch nicht unterbleiben werden, da an scheinend die selbständige Gewerkschaftsbewegung leitenden Partei sllhrern ein Dorn im Äuge ist. Er hält es für selbstverständlich, daß jeder als politischer Mitbürger sich der Partei anschließen mutz, die seine Interessen im öffentlichen Leben vertritt, und wenn eine socialdemokratische Partei nicht bestände. diese geschaffen werden smützte. so doch aber auf gewerkschaft lichem Gebiete der Weg cinzig richtig ist, den nnser Verband zu seinem Nutzen seit Jahrzehnten befolgt. Nachdem noch mehrere andre Redner sich gegen das Verhalten des„Vorwärts" gewendet hatten und die vcrschiedentlichen scharfen Stellungnahmen des„Correspond. gegen die Partei mit der Maxime erklärt hatten, daß ans einen grobe» Klotz auch ei» grober Keil gehöre, und man m so vielen Parteiblättcrn auf das ungerechtfertigste gegen uns kämpfe, resümierte Kollege Masfini die Aussprache dahin daß hoffentlich der„Vorwärts" Veranlassung nehmen wird, nicht mehr die Spannung zwischen Buchdruckern und Partei verschärfen zu helfen. Sollte solches nicht geschehen können, so würde selbstredend unsre Organisation darum in ihrer Entwicklung kaum beeinflußt werden, ebensowenig wie auch die Gewerkschafts- bewegung im allgemeinen, die sich immer kräfttger entfaltet, aber da doch nur die Interessen der Arbeiter vertreten werden könnten, indem die Kräfte gesammelt, nicht gespalten werden, so sei zu hoffen, daß auch das Centralorgan der Partei seine Stellungnahme der Buchdrncker-Organisation gegenüber ändert. Zu den vorstehenden Ausführungen bemerken wir. daß es der Correspondent" ivar, welcher die von Massini und Töbli» so scbarf kritisierten AuSlnssimgcn des„Vorwärts" veranlaßt hat. Der „Correspondent" sagte— und zwar, wie er ausdrücklich bemerkte. mit Absicht— daß der Partcivor stand ganz gegen seine so n st ige Gepflogenheit überraschend schnell Geld mittel für den Generalstreik flüssig gemacht habe. Demgeaenüber waren wir zu dem Hinweis genötigt, daß für den Buchdruckerstreik im Jahre 1891 ebenfalls Gelder' der Partcikasie flüssig gemacht worden sind. Eine Thatsachc, die Rexhänser absichtlich ignoriert hat, denn sonst hätle er ja die oben angeführte, gegen die Partei gerichtete Bemerkung nicht machen können. Unsre Erwiderung richtet sich lediglich gegen die hämische Bemerkung des„Correspondent". Wenn Massini— vorausgesetzt, daß der uns zugegangene Bericht seine Ausführnngen richtig ivicdergiebt— in der einfachen Fest ftellung einer Tbatsache die Absicht einer Herabsetzung der Buchdrncker-Organisatton sieht und wenn er gar meint, die damalige Hergabe der Gelder solle jetzt dazu dienen die Buchdrncker-Organisation zu bekämpfen, so ist das eine Auffassung. zu der man ohne Voreingenommenheit nicht komme» kann. Wen» ivir das Wort nehmen mußten gegen Verunglimpfungen der Partei durch den„Corrcspe»dent"-Rcdaclenr. so habe» wir stets betont, daß wir die Organisation der Buchdrucker nicht veranttvortlich mache» für die Anslasinugen Rexhänsers. DaS sollte doch auch den Leitern der Bnchdrnckerorganisation bekannt sein. Es ist uns unverständlich. wie Döbliu in unserer durch Rexhänser provociertcn AuSIassinig bösen Willen gegen die Organisation der Buchdrucker erblicken kann. Der Versammlnngsbericht läßt Döblin sogar sagen, wir hätten dem„Correspondent" vorgeworfen, er sei den belgischen Arbeitern in den Rücken gefallen. Davon steht in dem, was wir in dieser Angelegenheit geschrieben haben, kein Wort. Auf die weiteren Redensarten, daß leitenden Parteiführern eine selbständige Gewerkschaftsbewegung ein Dorn im Auge sei, wollen wir nicht eingehen. Wer die Partei- und Gewerkschaflsbewegnng kennt, der weiß, daß diese Redensarten auch nicht die ge- ringste Begründung haben. Ebenso unbegründet ist es,� wenn in der Versammlung gesagt wurde, wir trügen zur Verschärfung der zwischen der Partei und den Buchdrucker» bestehenden Spannung bei. Wenn Massini und Döblin die durch einen bösartigen Angriff des„Correspondent" provozierte Erwähnung einer bekannten That- fache für eine Beleidigung der Buchdrncker-Organisation halte», so ist das eine Auffassung, die kein unbefangener Mensch teilen kann. Wenn ihnen die Feststellung dieser Thatsache unbequem ist. dann mögen sie Herrn Rexhänser, der uns zur Abwehr genötigt hat. dafür verantwortlich machen. Wir werden uns durch die Empfindlichkeit einzelner Mitglieder des Buchdrucker- Verbandes nicht abhalten lassen, die Angriffe RexhäuserS auf die Partei, die wir für gewöhnlich ignorieren, gelegentlich, wenn sie das zu Duldende überschreiten, zurückzuweisen. Wir find überzeugt, und der Verlauf der Versammlung hat es ja auch gezeigt, daß bei weitem nicht alle Mitglieder der'Buchdrncker-Organisation sich durch unbegründete Aufregung zu ungerechter Beurteilung der Partei und ihrer Organe hinreißen lasien. daß nicht alle Mitglieder der Meinung sind, daß der„Correspondent" ztvar das Recht habe, unausgesetzt gegen die Partei die schwersten und nnbercchtigsten Angriffe zu richten, daß es aber ein schwerer Frevel ist. wenn die Partei und ihre Organe sich einmal herausnehmen, einen Angriff abzuwehren. Wir müssen gestehen, daß uns an den Ausführungen der führenden Redner am oller- unangenehmsten berührt. daß sie den ersten Angriff ihres Organs mit keinem Worte mißbilligen, dafür aber den Anschein erwecken, als ob der„Vorwärts" mutwillig Händel gesucht habe. Die Polemik mit dem Organ und der Leitung des Buchdrucker- Verbandes wäre um vieles erquicklicher und fruchtbarer, wenn man sich nicht immer in der Rolle der beleidigten Unschuld gefiele. Wer angreist, muß sich auch zum Angriff bekennen und darf nickt darüber klagen, daß der Gegner so bösarttg sei, den Schlag zu parieren. Die„Wahrheitsliebe" der Hirsch- Dunckerianer fand in einer am Sonnabend im Gewerkschaftshause abgehaltenen Versamm- lung des Metallarbeiter- Verbandes ihre gerechte Würdigung. In der letzten Nummer deS„Regulator". Organ de? Gewerkvereins deutscher Maschinenbau- und Metallarbeiter(Hirsch- Duncker) befindet sich nämlich eine in der Hauptsache völlig falsche Darstellung über die Beendigung des Streiks bei der Firma A l t m a n n- Marienfelde. Es heißt da, der wahre Grund der plötzlichen Streikbeendigung liege in der— M a i f c i e r. Und wört« lick:„Die Arbeitgeber haben beschlossen, wer am 1. Mai nickt zur Arbeit erscheint, wird auf eine bis zwei Wochen ausgesperrt, und da die große Masse, wie bereits mitgeteilt, diesen ver- rückte st e n aller Feiertage mitfeiern wird, so bedarf der Verband Mittel, um die Ausgesperrten zu unterstützen und deswegen wird ein wirklicher, berechtigter Kampf der Arbeiter auf solche unschöne Weise beendet."— Der Vorsitzende Cohen rief den Anwesenden noch einmal den Verlauf jenes Streiks ins Gedächtnis. Danach ist der Streik lcdig- lich deshalb als aussichtslos aufgehoben worden, weil sich in der Fabrik bereits ebenso viele„Arbeitswillige" eingefunden hatten, als Streikende vorhanden waren, so daß der Unternehmer schon dazu übergehen konnte, die weniger branchbaren Elemente unter den Ar« beitswilligen auszusieben. Es sei also entweder Thorheit oder Bös- Willigkeit, zu behaupten, daß der Streik aufgehoben wurde, um die dadurch ersparte Streikunterstützung den zu erwartenden Gemaßregelten vom ersten Mai izukomnien zu lassen. Das Letztere erübrige sich auch schon deshalb, weil nach der Beendigung eines Streiks die vollberecktigtcn Mitglieder ans Kosten der Hauptkasie so lange ihre volle Unterstützung beziehen, bis sie wieder in Arbeit stehen. Von der Unterdrückung eines berechtigten Streiks könne also keine Rede sein.— Da von der Leitung des bc- treffenden Hirsch-Dnnckerschen Vereins niemand zur Verteidigung jener Notiz erschienen war. der einzige Anwesende jener Richtung aber nur sehr unklare Antworten ans die ihm gestellten Fragen gab, so wurde einstimmig eine Resolution angenommen, die das Ge« schreibsel im„Regulator" als wahrheits widrig kennzeichnet. Gleichzeitig gab die Versammlung ihrem Unwillen Ausdruck Über die Art. wie das Hirsch-Dunckersche Blatt sich über die Maifeier aus- zulassen beliebt. Eine Protestversammlung gegen dte Arbeitsordnung der Personrn-LohnfuhrwerkS-Juunng hielten die Drosckkenkmschcr Berlins und der Vororte in der vergangenen Woche ab. Nach einem Referat und einer längeren Debatte wurde folgende Resolution ein- stimmig angenommen:„Die versammelten Droschkenkutscker Berlins und der Umgegend erheben energisch Protest gegen die Anwendung deS K 4 der Arbeitsordnung der Personen-Lohnfuhnverks- Innung. In Anbetracht des Umstandes, daß die ganze Arbeits- ordnung der Personen-Lohnfnhrwerks-Jnnung ungesetzlich ist, da der Gehilfenansschnß dieselbe abgelehnt und der JnnungS- vorstand nicht die Genehmigung der Aufsichtsbehörde für dieselbe eingeholt hat, sowie in weiterer Erwägung, daß einzelne Kutscher von Fuhrherni wegen nicht genügenden Verdienstes mit ihren Droschken oder ans andren nichtigen Gründen entlassen worden sind, nachdem sie schon zu arbeiten angefangen hatten, bei Geltendmachung ihres Rechtsanspruches vom Jnnungs-Schiedsgerichte aber auf Grund des 8 4 besagter Arbeitsordnung abgewiesen wurden, verpflichten sich die Versammelten, bei den Fuhrherren dahin vorstellig zu werden, daß diese die ungesetzliche Arbeitsordnung außer Kraft setzen." Der Boereu- Krieg« Ueber den bisherigen Verlauf der NriedenSverhaudlungeu führt der Korrespondent deS„Renterschen Bureaus" in Pretoria in einem vom 19. April datierten Schreiben aus, alle damals in Pretoria anwesenden Delegierten der Boeren seien anscheinend wohlauf gewesen, mit Ausnahme S t e i j n s, der außer an den Augen auch an den Nerven leide und dessen Znstand sehr schlimm zu sein scheine. In der ersten am 12, April abgehaltenen Konferenz stellten die Delegierten als Basis der Verhandlungen die Forderung der Unabhängigkeit auf, für deren Bewilligung den UitlaxderS ein liberales Wahlrecht zugestanden werden sollte. Auch wollten die Boeren ihre Forts schleifen. Als diese Forderung von der britischen Regierung abgelehnt wurde, legten die Delc- gierten eine Reihe von Bedingungen vor, auf deren Bewilligung sie den Boeren raten würden, sich zu ergeben. In diesem Stadium der Verhandlungen traf der Oberkommiffar M i l n e r ein und nahm mit Kitchener an allen weiteren Konferenzen teil. Die Forderung der Boeren. ihre Waffen behalten zu dürfen, wurde ohne weiteres abgelehnt, die brittsche Re- gicrnng kam ihnen aber in der Frage der Entschädigung für die niedergebrannten Farmen und der Wiederausstattung derselben weit entgegen und er- hob auch keine Schwierigkeiten hinsichtlich der geforderten A ni n e st i e r n n g der Aufständischen aus der Kap- k o l o n i e. Die Delegierten gaben zu. daß diese Leute eine Strafe für die Rebellion treffen müsse, hofften aber, daß diese Bestrafung in nicht mehr als einer Entziehung des Bürgerrechts bestehen werde. ES scheint, als ob diese Frage keine unüberwindlichen Schwierig- leiten geschaffen habe. Die britische Regierung Hai es da- gegen abgelehnt, schon jetzt den Tag für die Ein- fuhrung der repräsentativen Regierung zu b e st i m m e n. Dies war überhaupt der springende Punkt der ganzen Verhandlungen, Im Lause der Verhandinngen hat sich ge- zeigt, daß Steijns Fanatismus nock keinerlei Mäßi- g n n g erfahren hat. Zum Stillstand kamen die Beratungen. weil S t e i j n und Schalk Burger erklärten, daß sie keine Vollmachten besäßen. Es wurde ihnen dann bis z u in 1 5. M a i Zeit gegeben, mit den Boeren zu konferieren. Eine e w i ß h e i t. daß die Boerenführer beabsichtigen, sich zu er- geben, besteht somit nicht. Uetzte Nsrlzvirfzken und Vepefifzen« Unterhaus. London, 12. Mai.(W, T. B,l Chamberlain erklärt in einer an Howard Vincent gericktelen schriftlichen Antwort: um die gänzliche Abschaffung der Z n ck e r p r ü m i e n zu sicher», sei es nötig gewesen, darauf einzugehen, daß fremder und britischer Kolonialzncker in den Stand gesetzt werden, auf dem englischen Markte unter gleichen Bedingungen zu konkurrieren. Ei» bestimmter Zeitpunkt für die Beratung der Brüsseler Zuckerkonvention könne zur Zeit nicht festgesetzt werden. 14V 000 Arbeiter im Ausstand. Serantou(Pennjylvanien), 12 Mai.(W, T. B.) Der Vorsitzende des Vereinigten Grnbenarbciter-Vcrbandes erklärte heute, die Ein- tellung des Betriebes in den Anthrazit-Bezirken sei vollständig. Es eierten jetzt annähernd 140 000 Männer und junge Burschen. Wien, 12, Mai. dem nächsten VerbandStage eine dahingehende Vorlage zu unter» breiten.— Die sonstigen Beschlüsse zum Statut, dessen Beratung! nrit der Mittivoch- Sitzung endete, sind nicht von allgemeinen»! Interesse. Von den in der DonnerstagS-Sitznng angenommenen Anträge» sind folgende hervorzuheben: „Der Verbandstag beauftragt den Verbandsvorstand, bei de» Vorständen des Transportarbeiter- und des Fabriknrbeiter-BerbandeS; zu beantrage», den Milgliederu»nsres Verbandes, welche ans den zu misrer Organisation zählenden Betrieben ausscheiden und m einein zu einem dieser Verbände zählenden Betriebe Slrbcit nehmen, bei Ueberiritt in diese Verbände die gleichen Vergiiiistigungen bei dep! »lnfnahme und der Untersttitzinig ec nach Maßgabe ihrer Ilntcrstiitzimgs- Einrichtungen zn gewähren, wie es im Centralverband deutsches Brauer und Benifsgenossen gegenüber den aus jenen Verbänden in die Brauerei- tc. Betriebe und tu den letzten Verband eintretenden Mitgliedern üblich und statutarisch festgesetzt ist." „Der Verbaiidsiag beauftragt den Verbandsvorstand, dahin � wirken, daß mii dem Verbände der Branerei-Slrbeiter von Nord* amerika die Gegenseitigkeils-Bedinguugen insofern schärfer getößt lueibcn, sof; nur solche nach Amerika a»Zwa»der»ben Mitglieder europäischer Organisatione» die Vergäustigung als organisierte Arbeiter im amerikanischen Verbände genicben, welche mindestens ein Jahr ihrer Organisation angehört haben und mit den Beiträgen nicht im Rückstände sind. Nur in besondere» Ausnahmefällen soll von dieser Regel abgesehen werden und entscheidet hierüber der zuständige 'Verbandsvorstand." Zum Kapitel: Lohnbewegungen und Streiks wurde ein Antrag angenommen, welcher bestimmt, dah Lohnbewegungen sowie Arbeits- niederlegungen bei Differenzen und Mntzr'egelungen ohne Ge- nehmigung des Hauptvorstandes nicht vorgenommen werden dürfen. Die Streikunterstützung soll in der Regel betragen: nach sieben- tägiger Wartezeit für Verheiratete pro Tag 2 M.. für Unverheiratete 1.50 M., soweit es die jeweiligen Kassenverhältnifse gestatten. Keine Zahlstelle darf, um Verbandsschädigungen zu vermeiden, irgend welche Verpflichtungen übernehmen, aus freiwilligen Leistungen der Mitglieder am Orte den Streikenden besonders hohe Zuschüsse zu geivähren. Nach achttägiger Dauer des Streiks und sofern das Ende' desselben nicht abzusehen ist, sollen die Unverheirateten angewiesen werden, abzureisen oder anderweitig Arbeit zu suchen. Die ab- reisenden Mitglieder erhalten dann die ihnen zustehende statutcn- mähige Arbeitslosen-Unterstiitznng unter Fortfall der vierzehnlägigen Wartezeit, desgleichen die noch vorhandenen Streikenden bei Aus- Hebung des Streiks, sofern und so lange sie nicht inztvischen Arbeil erhalten haben. Die Aufhebung des Streiks erfolgt durch der Ver- .'ibandsvorstand»ach Verständigung niit der betreffenden Zahlstellen- Verwaltung; jedoch kann dieselbe auch entgegen der Ansicht der Zahl- stellen-Vertvaltung erfolgen, wenn nach den Umständen eine Weiler- führung des Streiks ztvecklos und schädlich für die Organisation ist. Der Sitz des Hnuptvorstandes bleibt in Hanno ver. Die Anstellung eines vierten Verbandsbeamten wurde beschlossen, sowie die Erhöhung der Gehälter der Verbandsbeamten von 1800 M. auf 2100 SDJ,— Die drei bisherige» besoldeten Beamten: Bauer erster Vorsitzender. K a g e r l Kassierer und Krieg Redacteur, tvurden einstimmig wiedergewählt. Die Stelle des vierten Beamten soll ausgeschrieben iverden. Als Sitz des Ausschusses ivurde Berlin, als Sitz der Preh- kommission Hannover bestimmt, und Richter-Bcrli» zum Vorsitzenden des Ausschusses gewählt. Ferner gelangten noch folgende Anträge zur Annahme: I..Der Verbandstag möge veranlassen, daß in sämtlichen Gauen durch die Vorstände genaue Statistiken aufgenommen werden: a) An tvie vielen Sonn- mid gesetzlichen Feiertagen wird gearbeitet, d) Wie viele Stunden und zu ivelcher Tages- oder Nachtzeit gearbeitet ivird. c) Welche Arbeiten verrichtet iverden. ä) Ob die betreffenden Brauereien diejenigen technischen Einrichtungen besitzen, um die Sonn- und Feiertagsarbeit ausfallen zu lassen oder auf ein geringes Minimum beschränken zu können."—.Der Hauptvorstand wird be- auftragt, bis zum nächsten Verbandstag ein Reglement zu einer Krankenzuschuhlasse auszuarbeiten."— Weiter beschloh der Vcrbandstag eine eingehend begründete Petition gegen jede Erhöhung der Getreide- und Lebens mittelzölle, dann wurden noch folgende Anträge angenommen: IL„Der Verbandstag des Centralverbandes deutscher Brauerei- Arbeiter beauftragt den Verbandsvorstand, noch im laufenden Jahre eine Petition nebst Denkschrift auszuarbeiten, zur Unterschrift in Kollegeukrelsen cirlnlieren und an den Bundesrat gelangen zu laffen. welche 1. sich gegen die unzulässig weitgehende Anwendung der ver- waltungsbehördlichen Befugnis. Ausnahmen von der Sonntagsruhe für Brauereien gemäh Z 105 e, Abs. 1 der Gewerbe- Ordnung zu geivähren, seitens der bayerischen Regierung wendet uiid deren Abstellung, wenn nicht anders möglich, im Wege der präciseren Fassung des§ 105 o fordert; 2. um die baldige Veranstaltung statistischer Erhebungen über die tägliche Arbeitszeit, soivie über die Nachtarbeit und Sonntags- arbeit und über die schädlichen Wirkungen übermähiger Arbcitsdaucr in Brauereien, Mälzereien us>v. durch die Arbeitsstatistische Abteilung des kaiserlichen Statistischen Amtes ersucht; 3. den Bundesrat ersucht, anf Grund de? 8 120s Abs. 3 der Gewerbe-Ordnng die Dauer der täglichen Arbeitszeit und Pansen in Brauereien, Mälzereien usw. im Verordnungswege derart zu regeln, dah als höchst zulässige Arbeitsdauer eine 10 stündige Arbeitszeit, unterbrochen durch mindestens zweistündige Pausen, bei Nachtarbeit eine Gesamtschichtdauer von 8 Stunden, unterbrochen durch mindestens zweistündige Pausen, festgesetzt wird, und 4. de» Bundesrat ersucht, eine einheitliche Regelung der Dauer der zugelassenen Sonntagsarbciten mit der Beschränkung auf höchstens zwei Stunden seitens der verschiedenen Landes- Central- behörden herbeizuführen." III.„Der 13. Verbandstag des Centralverbandes deutscher Brauerei- Arbeiter spricht der Brnderorganisation in Nordamerika in dem ihr aufgedrungenen schiveren Kanipfe die vollste Sympathie ans und ivünscht ihr baldigen und vollständigen Sieg, desgleichen auch dem Brnderverband in der Schweiz in dem soeben aus- gebrochenen Kampfe." Damit sind die Arbeiten des Veribandstages erledigt. Eingegangene Druckschriften. Vau der ,, Neuen Zett"(Stuttgart. Dtey' Verlag) ist weben das 32. Heft des 20 Jahrgangs erschienen. Aus dem Inhalt des Heftes heben wir hervor: Der Tanz auf Rhodus— Nochmals das belgische Erperiment. Von Em. Vandervelde.— Die Volksschule in der Manufakturperiode. Von Heinrich Schulz.— Die neue Seemannsordnung. Von Wilhelm Metzger. — Zur Notlage der deutschen Hebammen. Von Marie Kunert.— Neues von Maxim Gorkt. Eine Betrachtung von Ernst Kreowski(Berlin).— Splitter.— Notizen: Das belgische und das preußische Wahlsystem. Von Leo Arons.— Feuilleton: Briese von Karl Marx an Dr. L. Kugelmann (Fortsetzung.) Die„Nene Zett" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch- handlunge», Postanstaltcn und Colportenre zum Preise von 3.25 M. pro Quartal zu beziehen. In der ZciMngspreisliste der Postanstallen ist die „Nene Zeit" unter Nr. 5389 eingetragen, jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. Das einzelne Heft kostet 25 Ps Probenummern stehen jederzeit zur Verfügung. Briefkasten der Redaktion. des Die jnrisiische Sprechstunde findet tnglich'mit NuSnahme Soiiiinbends von TVa bis t»'/- Uhr abends statt. Kadi 1002. 1. Körperverletzung ist mit Geldstrafe bis zu 1000 Marl oder Gefängnisstrafe bis zu drei Jahren bedroht Als Mindeststrase für Körperverletzung, die mittels cincr Waffe oder eines hinterlistigen Ueber falls oder von mehreren gemeinschaftlich oder mittels einer das Leben ge- sährdenden Behandlung begangen ist, ist Gefängnisstrafe nicht unter zwei Monaten festgesetzt. 2. Wie viel an Verteidigungslosten zu zahlen ist, dar- über müssen Sie sich mit Ihrem Anwalt verständigen.— Danhauser Amberg. Eine strafbare Handlung(Unterschlagung und dergleichen) würde in der von Ihnen beschriebenen Handlung kaum gefunden werden. — Knoblauch Kalteudors. Der Wirt ist in Ihrem Falle im Recht Bis am 3. Juli kann er zum 1. Oktober kündigen— K. 10. 1 Ja. 2. Wenn nicht der Inhalt der Filialen ergiebt, daß diese selbständige Vereine sind, so genügt die Anmeldung am Sitz des Centralvereins.— Sch. 13. Der Austritt kostet in Preußen 3 M., eine Bescheinigung darüber au«t 3 M., in den übrigen Bundssstaalen gelten andre Sätze, in Schwarzburg und Rudolstadt z. B. bis 100 M— Esfig-BIume. 1. und 2. Ja. 3. Suche» Sie sich zu einigen.— F. D., Nieder-Schöneweide. Sie sind im Recht. — E. K. 37. Verzieht ein Alters- oder Invaliden- Reuwer nach einem andren Wohnort, sc wird auf feinen an den Vorstand der Versicherungs- anstalt gerichteten Antrag hin die Rente ihm an seinem neuen Wohnort ausgezahlt. Ein Beispiel für solchen Antrag finden Sie unter Nr. 90, S 143 des„Arbeiterrechts".— Vermieter. Allerdings ist der Mieter nicht berechtigt, ohne die Erlaubnis des Vermieters feinen Vertrag an einen Dritten abzutreten. Verweigert der Vermieter die Erteilung der Erlaubnis, wiewohl in der Person des Untermieters kein wichtiger Grund zur Weigerung liegt, so ist der Mieter aber berechtigt, unter Einhaltung der gesetzlichen Kündigungsfrist die Wohnung zu kündigen, falls nicht etwa dies Recht durch den Mietsvertrag ausgefchloffeii ist.— X. 10. Nein. — C. B, Helmarshausen. Der Beamte ist im Unrecht. Sie hätten der Aufforderung, Frauen und Kinder aus der öffentlichen Versammlung zn entfernen nicht nachkommen, sondern es aus eine Auflösung ankommen laffen sollen. Schlagen Sie jetzt den Beschwerdeweg ein— F 32. Der Lohnabzug wäre unzulässig.— M. 47. Das Berliner Landgericht ist zuständig. Die Klagc-Austellung kann nur durch einen Rechtsanwalt erfolgen.— 2 R. 1. Nein. 2. Nichts. — Charlottenburg. Sie können das Aufgebot des Wechsels beim Amts- gericht beantragen: vor dem Aufgebot braucht der Schuldner nicht zn zahlen. Gütliche Einigung ist wegen der Kosten des Aufgebots zu empfehlen. — E. P. 30. 1. Den Verwandten würden Sie mit Aussicht aus Erfolg nicht verklagen können. Laffen Sie aber ohne Rücksicht auf seinen etwaigen Widerspruch pfänden und fetzen Sie einer Jnterventionsklage den Einwand der Schiebung entgegen. 2. Sie müffen sich an das Gerichtsvollzieher- amt wenden; früher war das anders. 3. Die Herausgabe der Pfandscheine usw könnten Sie durch Zwang zur Leistung des Offenbarungseides erwirken.— T. 70. Sie sind in Ihrem Recht. Witterungsüberficht vom 12. Mai 1902. morgen? 8 Uhr. Stationen Swinemde. Hamburg Berlin Frankf./M. München Wien 759 SW 759 W 759 SW 780 OSO 760 SW 760 Still Wetter 2 heiter 1 bedeckt liwollenl l.hlb beb llwolkig —'bedeckt O. Ii W Stationen Haparanda Petersburg Cork Aberdeen Paris ---- s«■ 761 ONO 755 NNO 761 NNO 761 S Wetter 2 wolkig Ibedeckt 4 bedeckt Iwolkenl !SA f. Sa «s, -0 1 8 Wetter- Prognose für Dieustag, den 13. Mai 1902. Nachts etwas wärmer, am Tage ein wenig kühler, vielfach wolkig mit leichten Regenfällen und schwachen südwestlichen Winden. Berliner Wetterbnream Kür de» Juhalt der Inserate iüberiitiumt die Redaktion dein Publiknm gegenüber keinerlei Veraiituiortnng. TJirkltev. Dienstag, den 13 Mai ivpernha»?. Berdi-Festfpiel Aida. Anfang 7t/z Uhr. SchausPielhanS. Das große Licht. Anfang 7>/z Uhr. Kenes Opern- Theater i(KroN). Geschloffen. Schiller. Zwei Wappen. iAnfang 8 Uhr. Deutsches. Es lebe das Leben. Anfang 7>/, Uhr. Berliner. Alt-Heidelberg. Anfang 7V- Uhr. Lessing. So leben wir. Ansaug 7'/, Uhr. Wesieu. Wiener Blut. Anfang 7>/, Ubr. Neues. Der Frauenarzt. Anfang 7-/- Uhr. Residenz. Einquartierung. Anfang 7'/z Uhr. Central. Das süße Mädel. Anfang 7V- Uhr. Dhalta. Gastspiel der Schlierseer. Der Schlagring. Anfang 8 Uhr. BeNe-Zllliance. Die Dame aus Trouville. Hierauf: Er. Anfang 7V, Uhr. Luisen. Die Grille. Ans.?>/, Uhr. Carl Weift. Das Jungfernstift. Anfang 8 Uhr. SeeesfionSbühne. Detlev Lilien- crvns Buntes Brettl. Anfang 8 Uhr. G. v. Wolzogens Buntes Theater (Uebcrbrettl). Anfang 8 Uhr. Schall und Rauch. Strindberg- Cyklus. Anfang 8>/, Uhr. Krirdrich-Wilhelmstädtifches. Unfre Jungen. Anfang?Vz Uhr. Orpheus. Specialitälen-Vorstellung. Anfang 3 Uhr. Charibari. Täglich Vorstellnug. Anfang 7Vj Uhr. Metropol. Unsre Don Juans. Ansang 8 Uhr. Apollo. Lyststrata. Specialttäten- Vorstellung. Ansang 7V, Uhr. Palast. Ben-Ali-Bey und sein orientalisches Zauber- Eusemble. Anfang 8 Uhr. Cafiuo- Theater. Die Ballhaus- Anna.— Der beste Bruder. Specialitäten- Borstellung. An- fang 8 Uhr. «etchshallen. Stettiner Säuger. Aufaug 7 Uhr. Passage-.Theater. Specialitäteu- Vorstellung. Ansang nachmittags 3 Uhr. Passage> Panoptikum. Speciali- täten-VorfleNiiiig. Urania. Danbenstr. 48/40.(Im Theatersaal.) AbeudS 8 Uhr: Die deutsche Ostseelüste. gnbalideustrafte 37/02. Täglich: Stermoarte._ WltrWltt (Wallner-Thcater). Dienstagabend 8 Uhr: Xwei Wappen. Dchwank in 4 Akten v. Osk. Blumen- > thal und Gustav Kadelburg. Mittiv och abend 8 Uhr: ffrwel Wappen. Donnerstagabend 8 Uhr: vle RomanUselien. Hieraus; Hexenfang. Urania. Tauben-Strasse 48/49. Im Theater um 8 Uhr; Die deutsche CASTANS Panoptikum Frledrlch-Strasse 165. Bärenweih! ein Wunder der Schöpfung! Neu: lSkandinavisehes Instrumental- n. Vokal- Kiniütlcr-Endemble. 4 Damen, 2 Herren. Das CriitralThriitki. Heute Dienstag, 13. Mai, T-/2 Uhr: Dtts füßv ZNiidel. Donnerstag, 15. Mai, zum 130. Mal: Da« stt8«e Jllidel. NM- Jede Dame erhält ein elegantes Souvenier fflGtropol-IMer Emil Thomas a. G. HenryBender*JosefJosephi Unsre Don Juans Grosse Posse mit Gesang u. Tanz in 4 Akten von Leon Treptow. Anfang 8 Uhr. Bauchen überall gestattet. Freitag, den 16 Mai; Eröffnung der Morwitz-Oper. Cüi Weiss-Theater. Grosse Krauksurterstr. 132. Anfang 8 Uhr. Das Jungfernstift. Operette in 4 Akten von Emst Guinot. Musik von Jean Gilbert. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Seile-Ainanee-slieatei'. Heute zum 139 Male: Die Dme ails Tromiille. Schwank mit Gesang u. Tanz in 3 Akt. Emil Sondermann a. G. Ferd. Worms. Mizzf Birkner. Rosa Karton. Hierauf:„Er". Pariser Lebens- btld in 1 Akt. Ansang?>/, Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. |. PAPUSS! Thalia- Theater. Dresdcncrstrafte 72/73. Ansang 8 Uhr. Castspiel der Fchlierster. Heute und folgende Tage: Der Schlagring. D(P~ Der Soinuicr-Garten ist in oberbaiirischcr Art dekoriert. Vi. Noaclis Theater. Biiinncnstraße 16. Geschlossen."Tp® Am 1. Pfingstseierlag: Eröffnung der Sommer-Saison. Aglidi im toten: Thtilter- Apollo- Theater Um 8 Uhr: Die vorzüglich. Specialitäten. Um 9 Uhr: lijmimtvsttsi mit dem Luftballett„Grigolatis" Kasseneröffnung 7 Uhr. Passage-Theater.! Anfang Sonntags 3 Uhr, | Wochentags 5, Ende 11 Uhr. I>as sensationelle Mai-Programm 16 erslklass.' Specialitäten! Palast-Theater (früher Fecu-Palast) Burgsir. 22. Täglich abends 8 Uhr! Ben-Ali-Bey u. sein Orient. Zauber-Ensemble. Vorverkauf d. Logen u. num. Sitze an der Theaterkasse des Warenhauses A. Wertheim, Leipzigers»:. Preise der Plätze: Logcnsitz 2,50 M., Sperrsitz 1,50, numer. Parkett u. numer. Rang- Balkon 1 M., Parterre 50 Pf., Stehpart. u. umiuut. Rg. 30 Pf. Fröbels Allerlei Theater früher Pnliliuann"VB NO. 148. SV" Durchweg erneuert"W Jeden Sonntag Ball. 9(iii 1. Pfingsttlig: Grosse Eröffnungs- Festvorstellung. Auftreten des gesamten, sensationellen, erstklassigen Selmnsplel- und KHnstlerpersonal«. 20 Chordamen können sich inelden nachmittags von 4—6 Uhr. Lcluil! und Rauch (Kleines Theater) Unter den linden 44. Dienstag, 13. Mai, abends S'/j Uhr: Gastspiel von Emannel Reicher. Serenissimns-Zwischensn. u.a. Casiuo- Theater Lothriiigcrstr. 37. 8 Uhr:»Die Ballhaus An na-'. 9>/i Uhr:„Der beste Bruder". 5 Wintergarten. Heute: Das neue Mai-Propin! Interessant! Amüsant! Sensationell! iiiiiiiiiiaiiini Re ichsh alle ii. Täglich- Stell iner Sänger. Anfang Wocheut. 8 Uhr Sonntags 7 Uhr % Willi! m 50 Ps. Back wäre ZW"" 6 Stück für 10 Pf VJ Albrechts Bäckereien: Wraugelftrafte 9, Krautstrafte 19, Falkcustciuftr. 28. Laustberstr. 2. 1 Kleider smammmmmmmmmmmBammaamn machen Leute! Kaufen Sie Ihre bei 4103L* Alex Bohne, 79, Liandsbergerstr 79, ■' gegründet 1871' und Sie werden chic und elegant gekleidet gehen. illZQ(|6 von 18 M. an. fzletvis von Jg M an. Elegante Mass-ADfeitipig. Berufskleidung für alle Berufe. mim 1 1 1 1 1 II in Lriskrtlnkenkliise der Sattler und beriv. Gewerbe. Sonntag, den 11. Mai. verstarb unser Mitglied, Frau Anna Dokter. Die Beerdigung findet am Mitt- Wochnachmittag 3l/2 Uhr von der Leichenhalle des alten Rixdorfer Kirch- Hofs, Rudoiverstraße, aus statt. 213/2 I. A.: G. Aßmann. Allen Verwandten und Bekannten sage ich für die Teilnahme sowie für die reichen Kranzspenden bet der Be- erdigung meines lieben Mannes Hccmann Hinderlich meinen innigsten Dank. 2605b Agnes Hinderlieh geb. Würzburg. Für die rege Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes. des Zinkgießers 2bS0d Karl Ijttcke fage allen Freunden und Verwandten sowie dem IV. Wahlkreis und dem Zinkgießer-Berein meinen herzlichsten Dank. Frau I-Hche nebst ftmbetn. Sanssonei Kottbnserstr. 4 a, Station der Hochbahn. Jeden Sonntag, Montag und Donnerstag: HolTnianns MickMe Sauger Ab Psingsten täglich nn Garten: Konzert u.Vorstellg. Personen-Dampfer für 26076 Vereine und keseWsteu. Karl Krause, Wienerstr. 37. Dr. Simmel, Prlnsenstr. 41. Specialarzt für 22/5» Hunt- und Harnleiden. 10-2, 5-7 Sonntags 10-12, 2-4. Prima Iahrrader. auch aus Teil- zahl, mg ohne Preiserhöhung zu coulanten Bedingungen unter«a- rantie. Wenig gebrauchte Räder auch auf Theilz. unter Garant. Preise de- deutend ermäftigt. 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Erörterung der„Vor>värts"-Speditionsa»gelegenheit in der Rosenthaler Vorstadt. 4. Verschiedenes. 247/16" Zahlreichen Besuch erwartet Der» Vorstanel. IV. Wahlkreis(Südost). Dienstag, den 13. Mai 1902, abends 8 Uhr, im Lokale„Urania", Wrangclstraße 10: UolKsUersammlnug. Tages-Ordnung: l. Bortrag des Reichstags- Abgeordneien Rosenow über:»Die industrielle ArbeiterNasse im Kampfe mit dem Junkertum'. 2. Diskussion. 243/5* Zahlreichen Besuch erniarten Die BertranenSlente. lleutslikki'(klibiiillki'-Veiitönll. (Zahlstelle Berlin.) Morgen, Mittwoch, den 14. Mai, abends 81/, Uhr, MiigBieder- Versammlung im Gewerkschaftshause(Saal I), Engel-User 15. Tages-Ordnung: I. Bortrag des Genossen Theodor Metzner über:„Gleiches Recht für alle.« 2. Die bevorstehende Urabstimmung. 3. Verbands- angelegenheiten und Verschiedenes. Zahlreiches Erscheinen erwartet DielOrtsvepwaltnng, Sechster Wahlkreis (Scfaöuliauser Vorstadt). Mittwoch, 14. Mai, abends 8'/? Uhr, in Fröbels Allerlei-Dheater (früher Pnhliiian»), Schönhauser Allee 148: Geffentliche Uartei- Versammlung. Tagesordnun 1. Bortrag des Reichstags-Äbgeordneten Richard Fischer über: Bow dampf voraus in der Socialrcform. 2. Diskussion. 3. Berichte des Vertrauensmannes, der Preß-, Lokal-, Agitations- und Zeitungskommissio». 4. Verschiedenes. Um zahlreichen Besuch ersucht Der Vertrauensmaiin: liarl Wünsch. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Morgen. Mittwoch, den iL Mai. abends 8V, Uhr, im Saale des Herrn I,onIs Keller, Koppenstrahe Nr. 29: General Devs�nttttluttg. Tages-Ordnung: Kassenbericht vsm 1. Quartal. Bericht des Vorstandes, der Werkstatt- Kontrollkoniniisston und des Arbeitsvermittlers. Bericht vom vierten Berbaudstag. Wahl des Ausschusses. Verbandsaiigelegeuheiten. Die Mitglieder werden ersucht, zahlreich»nd pünktlich zu erscheinen. Eintritt nur mit Mitgliedsbuch. 83/7"_ Die Or tsver waltnng. "Qrtitltn*) IM 10 Jahre Garantie. Bollkomme» schmerzlos. Zahn- �UstUt ä ill. ziehen 1 M. Plomben 1,50 M. Teilzahl, wiicheutl. M. 2shnsrrt Walt, Leipzigerstr. 130. Spr. 3—7. Montag, den 19. Mai$. WilMeiertag): Geselliges Beisammeuseiu von 3 Uhr nachmittags an 24/2 in Svels Ken�ertgarten, Alte Köpuicker Landstraße 4(Treptow). ITrot- Konzert. Zahlreiche Beteiligung erwünscht. D. O. Arbeiter-Baugenossenscliaft„Paradies". Morgen Mittwoch, abends SVjUhr, Gewerkschaftshaus, Engel-User 15: Oeneral-V ersamiiilnug�. Tages-Ordnung: 1. Wahl der Gesamtlcitung. 2. Verschiedenes(Fragen usw.). Nur Mitglieder haben Zutritt, jedoch könueu diese ihre Frauen mit- bringen. Irgend ewe Legitimation ist mitzubringen. Aufnahmen, die zum Eintritt in die Versammlung berechtigen, werde» auf dem Flur des Lokals vorgenommen, desgleichen in den Zahlstesten:»sss, Brunnenstr. 96; Schulz, Brunnenstr. 38; Mohn, Oranienstr. 197; Schramm, Schinckestr. 3, v. II. _ Der Vorstand. Neu! Pfingsten: Am 1., 2., 3. Feiertag: "Mc AnOr- Wrasahrt verbunden m» vtundsahrt nach Zsvlebiisch(Berliner Scliweix). Einzigstes Vergnngungs-Etablisscineiit der Obersprec init eignen Waldungen und Berge». Circa 3000 Meter Wasscrfront am Seddinsee bei Schmöckwitz Abfahrt morgens?»/- llhr— nachmittags 3 Uhr _ von Iaiinowitzbrncke(Schultheiß-Garten). 25p5b» DW" Preis für Hin- und Rürkfahrt a Person 73 Pf."9� Es ladet freundlichst ein B. Gärtner lsrühcr Molkenstr. 12). Dr. med. Schaper homöop. Arzt u. Spez.-Arzt f. Haut- Ui Harnleiden f Frauenkrankheiten. Königgrätzerstr. 27. Spr. 9-1. 4-7. Orts- Krankenkasse der Tabakfalirikarlieiter Einladung zur Geuerol-Versammlnng am 21. Mai 1302, abends 8 Uhr, bei Feind, Weinstr. 11. 2589b Tagesordnung: 1. Staintenciiiderung. 2. Verschiedenes. Der kommlasariache Verwalter. Gebhardt, Magistrats- Sekretär. Dienstag, d. 13. Mai, abends 8V2 Uhr, im„Fnrstenhos", Köpnickerstr. 137: 4» Vortrag.+ Nur Herren haben Zutritt. Thema:„Die Heilung sogenannter Männcrleiden durch das Naturheil- oerfahren". Andrerseits:„Die schwc- re» Folgen der Quecksilberknren." Ref.: B. Müller, prakt. Naturheil- kundiger, Kurbad, Gr.Frankfnrterstr.87. KU?- Eintritt frei. vis schisteii Herren- Anzüge. Herrengarderobe in ne». sowie speciell 3883L* Monatsgarderobe von Kavalieren zurückgelegte Sachen, fast neu, für jede Figur passend, sind in größter Auswahl zu stannend billige» Preisen stels zu haben. J. Wand, PriitWstr. 17, Ecke Wasserthorstraste. Mk\§ Dr. ScliUnemann, Specialarzt für Haut-, Har»-»»d Frauciiloide». Se�delst»». v. '/-1S-V.Z,'/-.ö-VsS. Fabrik Emil lefövre,®s.* Oranien-ICQ Strasse lü«. Eigene Confection. Elegante ostümröcke w enorm billig in Tuch, Zibeline. Kammgarn nub Cheviot, SM.. 7 M, 10 M, 12 M., 13 M, S e ld e n dnninst 23 M., Alvacca 4.3S M., v M., bis 30 M.,«eis« CNsviot und Pique 3, 5, 7-15 M. Jaketkleider elegrante Fapons Cheviot, Covercoat und Homespun 41532* 15 M, 20 M, 25 M. Bolerokleider Saccokleider BlusenkBeidei* letzte Neuheit 12 M., 15 M, 18 M. Seidenblusen 6,50 M., 8 M., 10 M.. 15 M. 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Cr bekundete Hillger habe klar und deutlich unter seinein Eide versichert, er Hab niemals für die„Grob-Lichterfelder-Zeitnng" irgend welchen Sto sei es direkt oder indirekt, geliefert,»nd er habe noch hinzngefngt es gereiche ihm zur Genngthnung, dies einmal öffentlich bc künden zil können, denn er wisse wohl, dah man im Publikum das Gegenteil glaube. Der Zeuge hat dann in>der Sache wider den Lehrer Ziegler die Haussuchung bei Dr. Klein abgehalten und dabei auch die von der Hand des Angeklagten Hillger herrührenden Schriftstücke vorgefunden. Als Hillger am 28. Januar d. I durch die Gendarmerie verhaftet wurde, ist in dessen Wohnung auch Haussuchung abgehalten worden, bei der verschiedene Schriftstücke beschlagnahmt wurden� Unter den bei Dr. Klei» beschlagnahmten von der Hand Hillgers herrührenden Schriftstücken befanden sich einige, deren Inhalt er mit Bestimnitheit glaube vor einigen Jahren in der Lichtcrfelder Zeitung gelesen zu haben.(Die vom Staatsanivalt und der Verteidigung an gestellten Bemühungen, die ettva in Frage kommenden Nummern der früheren Jahrgänge zu erlangen, sind erfolglos geblieben.) An Befragen des Jnslizrats Dr. Sello erklärt Zeuge, dah er und andre am 8. November schon mit dem Gedanken in den Termin ge gangen seien, dasi irgend eine Uebcrraschnng stattfinden könnte. Z» dem ausführlichen Bericht über die Gerichtsverhandlung vom 8. November, der ini„Lichterfclder Lokalanzcigcr" erschienen sc habe er dnS Material nicht geliefert. Er habe seiner Zeit eine der eidesstattlichen Versicherungen unterschrieben die d e r v o in A m t s v o r st e h e r Schulz e r st a t t c t c Strafanzeige beigegeben waren. Wer die Ar regung zu diesem— nach Ansicht des Verteidigers u» gewöhnlichen— Verfahren gegeben, wisse er nicht. Die eidesstattliche Versicherung sei vom Amtsvorsteher Schulz formuliert worden und basiere auf wiederholten Besprechungen über den Inhalt der drei Monate zuvor gemachten Hillgerscheu Aussage, Akten zur Aufsrischun des Gedächtnisses hätten ihm dabei nicht vorgelegen. Woher es komme, daß der Wortlaut seiner eidesstattlichen Versichcrnng völli ü b e r e i ii st i m m e mit einem vorn Regie rnngsnssesso W i e h I e r i n d e m D i s c i p l i n a r v e r f a h r e n b e i g c f ii g t c n eidesstattlichen Versicherung, wisse er nicht. A»' Vorhalt, daß von dem Angeklagte» ein Unterschied zwischen ..Artikel",„Stoff" und„Material" gemacht»verde, erklärte der Zeuge, daß er bei Abgabe der eidesstattlichen Versicherung darauf kein Gewicht gelegt habe, da»ach seiner Meinung diese drei Begriffe dasselbe bezeichneten!— Amtsvorstcher Schulz gegen den geltend gemacht wurde, daß die Eile, in der er die Strafanzeige gegen Hillger betriebe», ans eine starke Animosität hindeute, versichert nochmals, daß die Gefahr des S c l b st mordes oder der Flucht bei Hillger vorlag, llcbrigcns sei er in voller Ueberciiistiminung mit dem RcgieruligSassefsor W i e h l c vorgegaiigen.— Letzterer bestätigt dies. Er habe selbst im Auftrage seiner vorgesetzten Behörde auf möglichste Be schleuuigung gedrängt.— Rechtsanivalt Dr. Löwen st e i n verweist nochmals auf das U n g e w ö h n l i ch e des Verfahrens, einer Strafanzeige gleich eidcs- st a t t l i ch e Versicherungen zur Bekräftigung bei zulegen. Noch auffälliger sei es, daß auch eine solche vom Steuerbureauvorsteher Nie m eh er beigelegt worden sei, der doch amtlich mit der ganzen Sache nichts zu thun hatte.— Angekl. Hinget vermutet, daß der Polizeikommissar Mohr ihm f e in d l i ch gesinnt sei; er habe nämlich in seiner Schule zwei Jungen des Zeugen zu unterrichten gehabt, die recht faul gc w e s e n feie ii.— Der Gendarmerie-Wachlmeistcr, der seiner Zeit bei Dr. Klein die Haussuchung nach den damals in Frage stehcndcn 6 Artikeln vorgenommen, hat'diese Manuskripte nicht gesunde», wohl aber mehrere Briefe Hillgers an Dr. Klein. Pfarrer Stolpe ans Groß-Lichtcrfeldc Iciint den Angeklagte» Hillger aus ö Jahren amtlicher Berührung mit ihm als Lokal Schulinspektor. Er glaubt, daß der Angeklagte trankhaft gereizt sei und an einer krankhaften Einbildung, krankhaftem Ehrgeiz u!id Selbst Überschätzung leide. Von einer Gedächtnisschwäche des An geklagten, unter deren Einwirkung dieser vielleicht ver- «essen haben könnte, daß er Artikel für die„Groß-Lichtcrfelder Zeitung" geschrieben, hat Zeuge nichts ivahrgeiiommen. In der „Lichterfelder Zeitung" sei einmal ein Artikel nuler der Heber schrift„Kanzelredner und Seclensorgcr" erschienen, der sich gegen ihn, Zeugen, recht scharf richtete und' ihm und seiner Frau anonym zugestellt worden sei. Er habe sofort gemutniaßt, daß Hillger der Ver- fasser sei, namentlich auch deshalb, weil er glaube, von dem Auge klagten wiederholt den ungewöhnlichen Ausdruck„Seekcnsorger (statt Seelsorger) gehört zu haben. Bei Uebeniahmc seines Amtes habe ihm sein Annsvorgänger Prediger Stcphany schon Vorsicht gegenüber dem Rektor Hillger anempfohlen. Er habe dann auch selbst die Erfahrung gemocht, daß diesem nicht zu trauen, daß er unausrichtig sei, ihn wiederholt belogen habe inid daß er sich selbst und seinem Vor (lesetzten Schwierigkeiten mache.— Der Angeklagte Hillger bc- treitet entschieden, mit dem qn. Artikel in irgend welcher Verbindnug zu stehen und beruft sich auf den Angeklagten Dr. Klein. Er bc- hauptet auch, daß der Zeuge sich bezüglich der Anwendung des Aus druckS„Seel e n sorger" verhört haben müsse, denn er gebrauche stets nur den Ausdruck„Seelsorger".— Zeuge Stolpe giebt die Möglich keit eines Irrtums zu, bleibt aber dabei, daß' der Angeklagte sich ihm gegenüber mehrfach nnwahrhaftig gezeigt habe? wenn es dem Angeklagten darauf ankam, einen bestimmten Zweck zu erreichen, ging die Phantasie mit ihm leicht durch.— Angeklagter Dr. Klein erklärt, nicht mehr zu wissen, von'wem der fragliche Artikel her rührte nnd giebt die Möglichkeit seiner eignen Verfasserschaft zu.— Kreis-Schnlinipektor H o ch e hat im Disciplinarvcrfahren den An- geklagten Hillger vernommen. Dieser habe jede Art Mitarbeiter- schaft an der.Lichterfelder Zeitung" bestritten, dabei aber einen sehr unglliistigen, weil unsicheren, Eindruck gemacht. Be füglich der Wahrheitsliebe des Augeklagten habe er, der Zeuge, sehr trübe Erfahrungen gemacht. Er habe seiner Behörde gegenüber wiederholt zum Ausdruck gebracht, daß die unerquicklichen Zu- stände nicht früher aufhören würden, als bis der Angeklagte versetzt sei. Letzteren halte er für einen unlauteren und tückischen Charakter. Unter andern habe er ausdrücklich bestritten, auch nur Leser der „Lichterfclder Zeitung" zu sein.— Angeklagter Hillger wehrt sich gegen den Vorwurf der llnwahrhaftigkeit nnd eS kommt darüber zu längeren Auseinandersetzungen zwischen ihm und dem Kreis- fchulinspektor Hoche und Pfarrer Stolpe. Er behauptet unter andern klipp und klar, daß er am 2. Februar 1898 seines Amtes enthoben worden sei und am 3. Februar Pfarrer Stolpe, der die Amts- snspension ausgcftihrt hat. ihm in seiner Wohnung einen Besuch ab- gestattet und sein Beileid ausgedrückt habe.— Pfarrer Stolpe bestreitet diese Behauptung mit aller Bestimmtheit.— Ein Geschworener macht darauf aufmerksam, daß der Angeklagte soeben in seinen Dar- legungen ganz spontan den Ausdruck„Seelensorge"(statt Scelsorge) gebraucht habe, den er nie anzuwenden behauptete.— Staatsanwalt JR e i§ giebt dcni Angeklagten den dringenden Rat, in seinem eignen Interesse seine bisherige Methode der Verteidigung aufzugeben.— Vorsitzender Landgerichtsrat G r o d k e: Angeklagter, wollen Sie nicht Ihr Herz erleichtern und ein Geständnis ablegen, daß Sie einen Meineid geleistet haben?— Angekl.: Nein, ich bin mir dessen absolut nicht bewußt.— Gymnasialdirektor Dr. H e ni p e l ist seit 20 Jahren in Groß-Lichterfelde und kennt den Angeklagte» Hillger als einen recht intelligenten Mann. Bei der Veniehmuug als Zeuge in der Sache wider Klein sei der Angeklagte sehr ein- gehend über seine publizistische Tbätigkeit und seine Beziehlnigen zur „Lichters. Ztg." vernommen worden und zwar so ausführlich.!daß auch nicht eine Masche übrig blieb, durch die er hätte entschlüpfen können, wenn der schwere Verdacht, der ans ihm lastete, berechtigt ivar. Rektor Hillger habe unter seinem Eide erklärt: er habe in keiner Beziehung mit dem Kleinschcn Blatte irgend ctivas zu thun. Auch gegen Direktor Dr. Hempel sind in der„Lichterfeldcr Zeilnng" verschiedene hämische Angriffe gerichtet gewesen', die öffentliche Meinung habe diese dem Rektor Hillger zugeschrieben: er (Zeuge) habe sehr lange daran nicht zu glanbcn vermocht, zumal Rektor Hillger bei einer persönlichen Rücksprache jeden derartigen Verdacht von sich gewiesen habe. Er habe bei dieser Gelegenheit gesagt, daß er spccicll den gegen den Bürgermeister gerichteten Angriffen fernstehe, daß vielmehr die Verfasser wahrscheiu- lich unter den Beamten des Bürgermeisters zu suchen seien. Der Zeuge hat ihm dann in seinem eignen Interesse nahe gelegt. angesichts des Verdachts, der auf ihm ruhe, auch den Schein sorgsam zu vermeiden nnd nicht mit Dr. Klein zu verkehren. Ter Augeklagte Hillger habe dann niehrmals Auge in Auge, Mann gegen Mann feierlichst erklärt, daß er ganz ini allgemeinen keinerlei Mit- arbeiterschaft für die„Lichters. Ztg." leiste.— Im Anschluß hieran wird Gymnasial-Obcrlehrer Dr. L e h m g r ü b n e r vcniommc». Er ist seiner Zeit vom Direktor Hempel nach dessen Unterredung mit Hillger hiiizngezogen worden, und letzterer hat ihm das wiederholt, ivas er dem Direktor Hempel gesagt hatte. Danach hat er in der denkbar bündigsten Form jede Mitarbciterschaft an der Kleinsche» Zeitung abgelehnt. Nach weiteren Zeugenveruchnnnigcn wird die Sitzung ans Dienstag verlagt._ Berliner Partei-Attgelegenheitett. Obcr-Schöncwcide. Am Mittwoch, den 2l. Mai,»achmitiagS 3—7 Uhr, findet die durch Verzug dcS Gcnosscu John nötig ge- ivordcne Ersatzwahl z u r Gemeindevertretung statt. Der hiesige socialdeniokratischc Wahlvercin hat als Kandidaten den Genossen Lagerhalter Grunotv ausgestellt. Donnerstag, den 15. Mai, abends 8 Uhr, findet im Wilhelminciihof eine öffentliche Gemeinde- Iv ä h I e r v c r s a m>n l n n g statt. Den Mitgliedern des Wahl- Vereins zur Kciniliiis, daß die Sitzung am Biittwoch ausfällt, dafür findet um 7 Uhr eine Flugblattverbreitung statt. Jedes Mitglied hat sich zu dieser Zeit bei den Bezirksfiihrcrn im Restaurant Kanfholt einzufinden.— Desgleichen sei mitgeteilt, daß die für heut, Dienstag, angesetzte Gcineindcvcrtretersitzung in letzter Stunde abgesagt ist. AdlcrShvf. Die Mitgliedcr-Versaimniinigen des hiesigen Wahl- Vereins werden von nun an wieder in A d l e r h o f abgehalten Es steht uns das Lokal von Becker, früher S t i p p c k o h l, Oppenstraße, zur Verfügung. Wir iveii'en ans die nur Donnerstag- abend 8l/s Uhr dort stattfindende Vcrsainniliing hin, in welcher NcichstagS-Abgcordncter Fritz Z n b e i l über Streit- und Zeitfrage» aus dem Reichstage sprechen wird. Schmargendorf. Dienstag, den 13. Mai, abends 8'/s Uhr, hält der socialdeniokratischc Wahlverein bei Lvnhardt, Warncmündcrstr. 6, seine regelmäßige Mitgliederversammlung ab. Socialdcniokratischcr Wahlvercin siir Groß-Lichterfelde- Lanktvitz. Morgen Mittwoch, den 14. Mai, abends 8 Uhr, im Vereins- lokale Chansscestr. 101. B e rsa in m I» u g. Tagesordining: Vor- trag. Diskussion. Bcrcinsaiigclcgcuhciten. Socialdemokratischer Wahlvercin, Bezirk Pankow. Heute, abends S'/2 Uhr, V e r e i n s v e r s a m m l» n g bei G r o ß k u r t, Berlinerstr. 27. Tagesordnung: 1. Politischer Vortrag. Referent wird in der Versammlung bekannt gegeben. 2. Kommunales. UtfliQles. Eine nrne socialpolitischc Großthat des Berliner Magistrats. Seit Jahren erheben die i» den städtischen Betrieben beschäftigten Arbeiter die nicht unbillige Forderung, ihnen für die schwere physische Arbcitslcistnng einen kleinen Urlaub iin Sommer zu gewähren. Wer da weiß, wie viel Schweiß der Gasanstalts- Arbeiter vor dem glühenden Ofen verliert. wie gesundheitsschädlich für die Arbeiter der Kanalisation und der Wafferwerkc das Arbeiten im Wasser, wie gefährlich für viele die Thäligkeit auf dem Schlacht- und Viehhofe ist, der wird ohne weiteres den Wunsch nach ctivas Erholniig gerecht- ertigt finden. Einige Betricbslcitnugcn haben dies auch eingesehen und dem Magistrat dahingehende Vorschläge unterbreitet. Fast schien es auch so. als ob der Magistrat dieser Forderung ernstlich näher zu treten die Absicht habe. Wenigstens deutete die Wahl einer Äom- Mission, welche diese Materie prüfen sollte, darauf hin. Ob und ivic diese Konnuissio» gearbeitet hat. entzieht sich der Beurteilung. Kaum glanblich erscheint es uns aber. daß sie bei nur etwas billiger Be- rücksichtigung des von den städiischeu Arbeitern Gewünschten zii cincin Resultat gelangt sein sollte. wie es durch eine von dein Berliner Magistrat soeben erlassene Verfügung zum Ausdruck gelangt: Magistrat . No. 1330 G. B. I. Ol. Berlin. 20. April 1902. Von verschied e n e n V c r w a I t u n g s st e l I e n ist an- geregt Wörde», eine allgemeine und gleichmäßige O r d» u n g der U r l a n b s v e r t e i l u n g an Arbeiter und Hand- werkcr zu erlassen. Die g r o ß e Verschiedenheit der Arbeits- Ver- h ä 1 t n i s s e in den einzelnen städtischen Betrieben gestattet aber den Erlaß einer solchen generellen Ordnung nicht. Wir stellen deshalb den Deputationen und Kuratorien, in deren Bereich Arbeiter und Handwerker beschäsligt werden, auheini. soweit ein Bedürfnis dafür vorhanden ist, die generelle Er- niächtiguug zur Urlaubserteilnug an Arbeiter und Handwerker unter Fortzahlung des Lohnes, bei uns zu beantragen. Wir bemerken aber schon jetzt, daß die Vor- b e d i n g u n g eines solchen Urlaubs eine iniiidrstcuS zehnjährige ununterbrochene Tienstzcit bei der Stadt sein muß. Kirschncr. An amtliche Deputatioiien, Kuratorien p. p. Dieser neueste Guadeuakt ist ei» Meistcrstiick juristischen Scharf lirnis und giebt der Aiislegnngskunst der Betriebsleiter den weiteste» Spielraum. Welche Orgien mag da unser städtischer Burcaukratismus eiern in Bezug der willkürlichen Bewilligung oder Ablehnung eines Urlaubgesucbes. Abgesehen davon, daß es der Gcrcchligleit ent sprechen würde, jedem der ständig beschäftigten Arbeiter eine Er- holung zu gewähren, muß es dem Magistrat doch zum Bedenken Veraulassuiig geben, daß die städtischen Arbeiter die unwürdige Be- Handlung eines gewissermaßen nur Almoseii-Empfangendeii ablehnen und dafür seststehendc und für alle Angestellte geltende Normen verlangen. Der für ihre Arbeitsleistung gezahlte Lohn� ist wahrlich nicht derart. daß sie die eventuelle Gewährung eines Urlaubs noch als eine— wenn auch nur platonische— Gunstbezeugung anfzufassen Veraulassuiig hätten. Das hat wohl auch die Deputation der Kanalisnlions- werke eingesehen, indem sie im vorigen Jahre dem Magistrats-- kollegium vorschlug, allen Arbeitern.' Heizern usw.,«ach dreijähriger Dienstzeit vier Tage, für jedes weitere Jahr bis zu sieben Jahren einen Tag mehr, im Höchstbetroge also sieben Tage Urlaub unter Fortzahlung des Lohnes z» bewilligen. Soweit Vertretung nicht möglich ist, sollen niehr Arbeitskräfte eingestellt werden. Der Magistrat aber ist viel rückständiger und steht immer noch aus deni Standpunkt, daß eine einheitliche Regelung dcS- halb nicht angängig sei, weil man den Eiiizelvcrwaltungen der Betriebe nicht vorgreifen dürfe. Möge er sich nur andre städtische Verwaltungen in dieser Beziehung zum Vorbild nehmen: So sagt der bekannte Oberbürgermeister Rümelin in Stuttgart iii seiner Denkschrift:„Es sei»och sehr zweifelhaft, was mehr Lob verdiene, wenn der freie, jeden Tag kündbare Arbeiter 10 bis 20 Jahre der Stadt seine Arbeitskraft widine und treu diene, oder wenn dies ein von vornherein lebenslänglich angestellter Beamter thne, dem eine feste Pension gesichert ist." Stadtrat Dr. Winter er in Frei bürg i. B r. führt in der Begründung einer Vorlage, betreffend die Rechtsverhältnisse der städtischen Arbeiter, aus:„Ein innerer Grund, die beiden Bcriissstände(städtische Beamte und Arbeiter)»ach vollständig ver- schiedcnen Priucipicn zn behandeln, liegt nicht vor: Das Amt der verschiedenen städtischen Arbeiter in seinen zahlreichen Abstufungen mag nicht so wichtig und entscheidend sein, wie das der leitenden Beamten—, aber notwendig ist es ebenfalls, und es unterliegt keinem Zweifel, daß von der'pflichthaften Hingebung der Arbeiter dieses Stande? das Wohlbefinden der Stadt auf den verschiedeifften Gebieten mit bedingt wird." Diesen überzrugiingskräftigen und einsichtsvollen Worten stelle man die Rückständigkeit gegenüber, die sich in Berlin bei jeder Ge- legenheit der Arbeiierschaft gegenüber knudgiebt. Um HiminclSwillen nichts thun. was uns den Anschein geben könnte, als ob wir in der Socialpolitik von der fortschrittlichen' Parole„Immer langsam voran" abwcschcn I_ Ter Mangel an kleinen Wohnungen, sagt eine ans dem Rathause an die Presse versandte Notiz, scheine jetzt beseitigt zu sein. Das sei zu schließen ans der Frequenz der Familien- abtcilnng des städtischen Obdachs, die am 1. Mai dieses Jahres nur noch 60 Fnmilieii beherbergt habe, während am 1. Mai vorigen Jahres noch 149 Familien darin gewesen seien. Der Eifer, mit dem hier zu beweisen versucht wird, daß d i e Wohnungsnot in Berlin bereits iv i e d e r vorüber sei, ist sehr verdächtig. Er entspricht aber ganz dem Standpunkt, den der Magistrat in seiner kürzlich von uns beleuchteten Wohnnngs- Vorlage eiiinininit. Warum ist nicht im vorigen Jahre, als die Frequenz des Faniilicnobdachs noch über doppelt so groß wie heute war, mit demselben Eifer vom Ralhause ans verbreitet worden, daß in Berlin ein Mangel an kleinen Wohnungen herrsche? Damals schwieg man hübsch still! Die gegenwärtige Frequenz von 66 Familien erscheint nur des- halb als eine geringe, weil die Frequenz de? vorigen und deS vorvorigen Jahres so bedeutend über alles bisher Dagewesene hinausging. Thatsächlich ist die Obdachs rcquenz auch jetzt noch e i n e a n ß e r g c w ö h n l i ch große. Man wolle sich doch gefälligst daran erinnern, daß die FamilieNabteilniig des städtischen Obdachs z. V. am 1. Mai 1899 mir 30 Familie», am l. Mai 1898 nur 21 Familien und am l.'Mai 1897 sogar nur 11 Familien beherbergte! Gegenüber solchen Zahlen wagt man es, zu behaupten, der Besuch des Fainilicnobdachs„köimc jetzt als normal bezeichnet werde»". Dem Magistrat wäre allerdings sehr damit gedient, wenn dct Eindruck erweckt würde, daß die städtische Verwaltung keinen Anlaß mehr habe, sich mit der Regelung d e S Wohnungswesens zn beschäftigen und durch irgend welche M a ß>i a h m e>i eine Beeinflussung des Wohnung s in a r k t e s zu versuchen. Vollends die Hansagrarier der Stadtverordncteii-Versaimnlinig wünschen nichts sehnlicher, als daß die WohninigSfrage der V e p s u in p f u n g entgegengeführt wird. Gerade sie wissen es am allerbesten, daß die WohnuiigSnot in Berlin noch lange nicht beseitigt ist. Mit ihnen wissen es auch alle diejenigen, die sich gegenwärtig auf der Suche nach einer kleinen Wohnung befinden. Gewiß, es stehen jetzt wieder mehr Wohnungen leer als im vorigen Jahre. Aber was da leer steht, das ist meist nnverschänit teuer oder in »userablem Zustande. Wie weit das Angebot gesunder und billiger kleiner Wohiiiingen noch iimner hinter der Nachfrage zurückbleibt, das lehrt die Thatsache, daß Neubauten, die erst zum 1. Oktober bezogen werden können, vielfach schon jetzt v o n o b e n b i S unten vermietet sind. In der Sitzung des Kuratoriums für das städtische Obdach, auS der wir am Sonntag eine vom Stadtverordneten Hoffniann zur Sprache gebrachte Angelegenheit bedenklicher Art der öffeiillichcn Beurteilung unterbreiteten, kam ans Veranlassung unsres Parteigenosse» Angustin noch folgender Fall zur Erörterung: Der Tischlergeselle W., so berichtete Augustin, war am 25. April d. I. von Stettin hierher zugewandert gckonimeii. Er hat in Stettin seine Familie, ist aber, da er arbeitslos war, z» Fuß»ach Berlin gezogen,»m sich hier Arbeit zu suchen. Er ging abends nach dem Asyl und meldete sich am 26. morgens als Fnßkranker, da er sich die Füße durchgelaufen hatte. W. erhielt einen Verband. Als er am nächsten Tage. wieder das Asyl aufsuchte nnd baden sollte, bat er»ach seiner Angabe, ihm wegen des Fußleidcns vom Baden zu dispensieren. Es gab cincii Wortwechsel mit dem Bademeister, worauf dieser auf ihn in einer Art»nd Weise einschlug, daß er. Ivie ein ärztliche? Attest bescheinigt, geschwollene. b I» t u ii t c r l a u f e ii c Auge» hatte. Er flüchtete in seiner Angst nachdem Aiifiiahmezinimcr der nächtlich Obdachlosen, Ivo ein Kriininal» bcamtcr und ein städtischer Beamter anwesend waren. Auf die Frage, ivas er wolle, sagte W., daß er geschlagen wäre und bat um Schutz, worauf ihm entgegnet wurde:„I w o. hier wird d o ch n i e- m and geschlagen!" Ein Beamter habe die Thür anfgemacht »nd dann gesagt:„Es ist ja niemand draußen, wer soll Sie denn geschlagen haben? Gehen Sie mir hinaus!" Als er wieder auf dem Korridor war. schlug man, seiner An« gäbe nach, abermals auf ihn ein und prügelte ihn, bis er u n t esr d e m T b o r w e g iv a r. Als er dann an der Gasanstalt gestanden habe, hätte» ihn Leute nach der Rettungswache gewiesen; von dort sei er znm Inspektor des Obdachs geschickt worden und schließlich habe man ihm zn dem Stadtverordneten Angnstiii ge- wiesen, der mit ihm zum Obdach gefahren sei, um die Sache fest- zustellen. Hier sei von den Angestellten behauptet worden, daß der Mann zuerst mit dem Stiesel ans den Bademeister eingeschlagen habe, was ganz uiiglanblich sei. Als der Man» von der Rettungswache das erste Mal allein zum Inspektor wollte. habe mau ihm vorn im Anfnabme- zinimer gesagt:„Machen Sie. daß Sie hinaus k o in in e n. s o n st können Sie noch mehr bc k o m m e n 1" Das Schlimmste, so schließt Genosse Angustin seine Ausftthrniigen, ist aber, daß von solchen haarsträubenden Dingen weder der Ober- ausseher nocy der Inspektor etwas weiß; warum wird keine Meldung gemacht? Hier muß Wandel geschaffen werden. Herr Inspektor Ulrich wies daraus hin. daß die Angestellten und Beamten die Beschuldigung bestreiten. Genosse Hoffniann meinte, das sei wohl erklärlich; diese Beamten würden ganz selbstverständlich immer alles abstreiten, und wenn man solchen'Beteuerungen immer uiibediugleii Glaube» schenken wolle, werde nie etwas geändert werde». Nachdem sich Herr Inspektor Ulrich dagegen verwahrt hatte, daß er� an solchen„unbcwieseiieii" Vorgängen ich'uld trage, und der Herr Vorsitzende erklärt hatte, daß das Kuraloriiim über die Be- schw erden»och nicht beschlossen habe, wurde auch diese Angelegenheit bis zur nächsten Sitzung vertagt. Der Tischler�eselle W. auS Stettin, dem di» mitgeteilten Ding! passiert sind, wird gebeten, sofort seinen jetzigen Aus enthalt bei den Stadtverordneten An gu st in ode Hoffmann anzugeben. Die Unterkominission deS Ausschusses zur Beratung der Schäden des großen Nmvctters vom 14. April er. beschäftigte sich am Montagabend unter dein Borsitz des Stadtv. L i e b e n ö Iv und in Gcgcnivart des Stadtrais Dr. M ti» st e r b e r g mit den Berichten der verschiedenen B e z i r k s k o m m i s s i o n e», die alle Eni schädigimgsanspriiche geprüft haben. Ohne die größeren, die be sonders geprüft werden sollen, sind von den aus Bezirksvorstehern Arnienlonimissions-Borstehern, Vorfitzenden der Stenereinschätzungs Kommissionen und sonstigen BertranenSmännen« bestehenden Koni niisstoiien Schäden in Höhe von über 40000 festgestellt worden Die Stadtverordneten-Snbkommission beschloß, dem Ausschuß vor- zuschlagen, den genannten Betrag als vorläufig genügend in Rechnung zu stellen. Mit Bewilligung deS Magistrats soll dieser Betrag noch vor Pfingsten an die Neberschwcmmte» zur Auszahlung lommeu. Die VersichcruugSpflicht der Portiers, flu der vielfach erörterten Frage der Bersicherungspsticht der durch Golrährung freier Wohnung enlschädigten Pförtner, Haus' r e i n i g e r usw. hat nunmehr das Neichs-Bersicherungsaint in einer Reihe von Entscheidungen vom 1. April d. I. auf Grund des§ 155 deS Juvalidcuversicherungs-Gcsctzcs Stellung genommen. Es ist hierbei bei dein Grundsatze stehen geblieben, daß' eine freie Wohnung die über den Bedarf des A r b e i t'n e h m e r S hinaus einen selbst: ständigen Vermögensivert darstellt, die Bersicherungspflicht begründet fierbei kann aber nicht nur das Bedürfnis der beschäftigten Person e l b st in Betracht kommen, sondern auch das von Familien augehörige» sdes Ehegatten,»nerwachsencr Kinder), deren Er Haltung einen Teil und Ausfluß der eigenen S e l b sterhaltungs Pflicht des eriverbenden Familienhauptcs bildet. Für Berliner Berhältuisie wurde e i n Raun» als für das WohunngSbedürfni» einer einzelnen Person ausreichend erachtet und demgemäß die Wer- sicherungspflicht einer allein stehenden Hausreinigcrin, der eine Wohnung van Stube und Küche eingeräumt war, bejaht dagegen die eines verheirateten Pförtners, der ebenfalls zwei Räum« iiine hatte, verneint. In einem dritte» Foll wurde die Versicherungspflicht einer Hausreinigerin, die Stube und K n ch e bewohnte, anerkannt, weil der mit ihr zusammenlebende Ehemann zwar«NverbStlnsähig,, aber durch eine Unfallreute von 360 M. jährlich in den Stand gefetzt mar. für seinen notdürftige» Unterhalt s e l b st zu sorgen, milhin die Ehefrau versichcrungS rechtlich als a l l e i» st e h e n d e Person z» behandeln war. Ferner hat das Rcichs-Versicherungsamt cutschiede», daß. falls die Wohnung nicht über de» persönlichen Bedarf hinanSgeht, die Bersicherungspflicht anch dadurch nicht begründet wird, daß ein Teil deS Mietzinses oder der g a n z e M i e t z i n s gegen die „»»„........ in bestimmter Höhe festgesetzte Vergütung aufgerechnet wird. In dem betr. Fall halte die Hansreiiiiaerin bon der 14 M. monatlich betrag eudeu Miete für die ihr perfönliches Bedürfnis nicht über- steigende Wohnung 4 M. zu zahle», tvähreud 10 M. als Entgelt für die HanSreiuigung aufgerechnet wurden. Endlich ivurde die Zahlung eines geringen Barbctragcs(hier 2 M.»louatlich)»eben Gewährmig einer den Bedarf deS Arbeitnehmers nicht übersteigendeii Wohnung nicht für geeignet erklärt, die Bersichernngspflicht'zu begründen. Stipendium für Genesende. Bon Dr. jur. Schlösser ist der Stadtgemeinde Berlin ein Kapital von 100 000 M. zu dem Zwecke überwiesen ivorden, aus den Zinscrträgnissen bedürftigen Per sonen Freistellen in den städtischen Heimstätten zu beschaffen. Per: so»en, die eine Krankheit Überstanden haben, können sich in der Neuen Fricdrichstraße 0 II. unler Vorzeigung eines ärztlichen Attestes melden. Der Druck deS GcmciudcblatteS. Der Stadtverordneten- Versannnlung ist eine neue Vorlage wegen Uebertragung der D r n ck h e r st e I l u n g des Gemein de-Blattes und der damit in Berbindnng ftc'hendcn Drucksachen zilgegange». nachdem die Stadtberordneten es abgelehnt hatten, der Firma W. Grcvc als der niindestforderiiden den Zuschlag zu erteilen. Bei der»och uialige» vffelitllchcu Ausschreibung lvar die Firma W. u. S. L v iv e» t h a I, die bisher schon diese Arbeit zur Zufriedeilheit aus- geführt hat, die preiswürdigste. Sie hat de» Zuschlag erhalten und müssen»un die Stadtverordneten ihre Zustimmung noch einmal er- teilen. Die städtischen Gaswerke haben beschlossen, mit dem Bau bon A r b e i t e r- W o h n h ä u s e r n für 36 Familien in der Nähe der städtischen Gasanstalt V in Schmargendorf in der nächsten Zeit zu beginnen. Der Anarchistcnwanwa». In polizeilichen Kreisen scheint man eS immer noch für zweckmäßig zn halten, den paar Anarchisten in Berlin ein möglichst gefährliches Relief zu geben, lieber die ueueste Ordnungsrettung auf diesem Gebiet meldet man uns: Am Sonntagvormittng wollte» die hiesigen Leser des Anarchisten- blatteS„Neues Leben" ivegen Wahl einer Preßkommisfion eine Besprechling abhalten. Der Veranstalter der Be sprechung hatte diese, um sicher zu gehen, bei der Polizei ordnungsmäßig als B e r s a m m l u n g angemeldet. Am Sonntag früh erhielt der Veranstalter einen eingeschriebencii Brief vom Polizeipräsidenten deS Inhalts,„daß die Versammlung aus o r d u u» g§- und si ch e rh ei tsp o l i ze i l i ch eu Gründen, gemäß§ 10 Titel 17 Teil II deS Allgemeinen Landrechts untersagt sei". DaS Lokal, in welchem die Be- sprechung abgehalten werden sollte, ist nur klein, so daß von einer Versammlung im größeren Umfange überhaupt keine Rede sein konnte. Es hatten sich auf Grund einer Annonce im »N. L." etwa 20—25 Personen eiiigefunden. Desto mehr Polizei war auf den Beinen. Wohl sechs oder mehr Geheimpolizisten der politischen Polizei und zwei uniformierte Schutzleute hielten bis zum Nachmittag getreulich Wacht vor dem Lokal. Mütter, die genötigt sind, Kinder unter vier Jahren in f r e m d e P f l e g e zu geben, werden von der Polizei darauf auf- mcrkjani gemacht, daß ihnen ans Zimmer 235 im zweiten Stock des Polizeipräsidiums an Wochentagen in den Vormittagsstmiden Halte- flauen, die solche Kinder gegen Entgelt in Pflege nehmen wollen und dürfen, niicntgcltlich nachgewiesen werden kömie».— Die H a l t e f r a ii e n werden nach einer polizeilichen Bekanntmachung in ihrem eignen Interesse gut daran thun, von jeder Dame, die bei ihnen mit der Begründung vorspricht, sie sei eine der vom Polizei- Präsidium zur Uebcrivachmig der Haltekinder angestellten Anfsichts- damen, sich die polizeiliche LegitiinationSlarte vorzeigen zu laßen. da eS in letzter Zeit mehrmals vorgekommen ist. daß sich Frauen zn Unrecht als polizeiliche AnfsichtZdamiu ausgegeben und a»f Grund dieser falschen Angabe flutritt zu den Wohnräumen von Haltefranen gefunden und unbefugt Anordniiugen in Bezug auf die Haltekinder getroffen haben. Gastwirtsziinftler.„Gegen dieZunahnie der anto- m«tischen Restaurants" machen die Gastwirte mobil und bezeichnen diese Einrichtirng, welche bereits in allen größeren Städten besteht und in Berlin immer niehr an Ansbreitiing gewinnt. als„unlauteren Wettbeiverb". der den Gastwiriestand schwer schädigt. DieS begründen sie mit dein Hinweis auf die geringere Qualität und Quantität desGeboteuen.dieimVerein mit den geringeren Unkosten, derEr- fparnis an Personal, Miete usw. den automatischenNestanranIs einen im- verhältnismäßig großen Verdienst sichern soll. Nach einer Bercchiiinig werden z. B. an 100 belegten An tomatenb rötch en nahezu 15 M. als Reingewinn o e r d i e n t. DaS ist um so flandalöser. als für 100 solcher Brötchen bekanntlich nur zehn Marl eingenommen werden, der Brot- und Wnrstlieseraiit also bares Geld zu seiner Ware zugeben muß. Die Gastwirte beabsichtigen an maßgebender Stelle vorstellig zu werden, daß der weiteren Ausbreitung der AutomatviirestaurantS, auf Grund der Geltendmachung der Be» dürfnisfrage, Einhalt geboten und auf eine höhere Besteuerung der bestehenden Restaurants dieser Art Bedacht genommen wird. Eine» tödtlichen Ausgang hat ein Unfall genommen, der am Mittwoch vergangener Woche dem Bildhauer Otto Boots aus der Waldemarstr. 70 bei der Heinilehr von der Arbeit zustieß. Der Mann fiel rücklings bon der Treppe und mußte mit einem Schädel- bruch und einer Gehirnerschütterung in das Krankenhaus Bethanien gebracht weiden. Hier ist er seinen Verletzungen erlegen. Nach Veruntreuung von SS v«0 Mark flüchtig geworden ist der Nendant des Konsumvereins der Arbeiter der Maschinenfabrik von Siemens u. Halste in der Franklinstr. 27—29 zn Char- lottenburg, der 31 Jahre alte Schlosser Robert Mann. Das Geld ivurde in den Räumen der Fabrikleitung aufbelvahrt und von der Fabrik verzinst. Was zu zahlen war, holte der Rendant kurz vordem Monatstermin auf einen von ihm und zwei VorstandSmitgliederi! unterzeichneten Auftrag ab, um eS bis zur Versammlung deS Vorstandes im Gcldspind deS Vereins, der seine Räume im Keller der Fabrik hat, iiiedcrznlcgeii. Am Soniiabendiiachmittag um 4 Uhr waren an die Lieferanten 27 200 M. zu zahlen. Mann,' der an diesem Tage seinen Geburtstag feierte, holte sie um 3 Uhr auf die Quittung ab, that so. als iveim er sie in das Geldspind des Vereins legte, und ging weg. Er muß gemerkt haben, daß zu vorgestern eine Revision seiner Buch- und Kassenfsibrung geplant war, die er zu scheuen hatte. Als der Vorstaud sich zur Auszahlung an die Lieferanten versammelte und Mann nicht antraf, schickte man zur Polizei und nach der Wohnung deS Reudautcii. Dieser lvar nicht zu Hanse gewesen. Die Polizei fand eine alte Mietsquittim�, auf der Manu ein paar AbfchicdSivorte hinterlassen hatte. Sie lauteten: „Lebt wohl! ich gebe Nachricht, wo ich bin; ich mußte; Ade." Jetzt hatte man die Gewißheit, daß er mit den 27 200 M. durchgebrannt war, und die Polizei setzte sofort die Behörden aller Hafenstädte in Keiiiilnis. Die Revision ergab aber, daß der Flüchtige bereits vorher 4300 M. veruntreut hatte. Mann ist seit drei Jahren verheiratet und Vater von zwei Kindern. Seiner Fron, die er ebenso wie seine Kinder mißhandelt, gab er monatlich nur 9 M. Wirtschaftsgeld. Was er darüber erwarb, brachte er durch. Tie Verzlveiflnugsthat einer Mutter. Somitagvormittag hat die am 8. Januar 1861 zu Kniicru. Kreis Wohlan geborene Ebc- fron Bertha des Sprengwagen-Äutschcrs Aug. Anst, am 5. Juni 1856 zu Krischet im Kreise Wohlan geboren, zu Charlotteiibnrg. Sophie Charlottcnsiraße 82 loolmhafl, in ihrer im Seitenflügel par- tcrre ans Stube und Küche bestehenden Wohnung erst ihrem 3'/sjährigen Tvchterchcii Lieschen und dann sich selbst mit einem Rasiermcsscr die Kehle durchschnitten. Nachdem der Mann sich früh»ach seinem Dienst begeben hatte, schickte Frau Allst ihre 16jährige Tochter Arnia, die a» Krücken geht,»ach dem ca. 1600 Schritt entfernten, Potsdamerstr. 40 belegenen Scblächtergcschäft von Lehmann, um ciiiziikaufcii. Als das Mädchen zurückkam, ivurde ihr nicht geöffnet, und sie stieß deshalb das Fenster auf. Es bot sich ihr ein grausiger Anblick dar. Die Mutter lag mit durch ichuitteucr Kehle, mit dem Tode ringend, neben dem Bett auf dem Fußboden. Ihr Schwesterchen lag mit klaffender Halsivnnde entseelt im Bett. Die Ursache der That ist in zerrütteten Familienverhält- »issen zu suchen. Fenerbericht. Somitngmittag ivurde die Wehr nach der Buch- holzerstraße 9 gerufen. Hier war beim Schwefeln einer Wohnsiuve ein größerer Zimnierbrand entstaiideii. Ein Schlafbursche wollte die Wanzen vertilgen, war aber dabei nicht vorsichtig genug, denn nach seinem Weggänge geriet die Stiibeneiiirichtung i» Brand, der von der in großer Stärke alarmierten Feuerwehr beseitigt werden mußte. In der vorhergehenden Nacht war in der SchünleiiistraKe 15 auf noch nicht ermittelte Weise in einer Bodenkammer Feuer aus- gekommen. das schnell um sich griff und auch den Dach stuhl in Mitleidenschaft zog. Die Wehr hatte hier längere Zeit ans einer Dampfspritzenleitmig Waffer zu geben, um die Gefahr zu beseitigen. In der Hauptsache wurden Kisten. Körbe, Gerümpel:c. eingeäschert. Soimtagnachmittag 2 Uhr hatte Plamifer 62 ein Korb mit Wäsche Feuer gefangen. Kurz vorher gingen in der Elsasserstr. 32 Gardinen. Möbel und KleidungS- 'tiicke in Flammen auf, die indes in kurzer Zeit erstickt werden koniiteii. In der Arndtstr. 13 wurde vormittags ein Bretterverschlag eingeäschert. Soiinabciidabcnd 8 Uhr waren in der Oraiiieiiburger» traße 58 Möbel in einer Wohnung in Brand geraten, während in der Köpnickerstr. 26 ein Schornsteinbrand beobachtet werden mußte. Außerdem hatte die Wehr in der Zwischenzeit noch Alarmierungen von der Gerichtstr. 85 und der Pallisadenstr. 53 zn verzeichnen, die jedoch beide auf iiiibedeutende Anlässe ziirnckzuführcn waren. Orgelkonzert. Der Orgclvortrag in der Marienkirche am Mittwoch den 14. Mai, mittags 12 Uhr. bietet ein interessantes Pstngstprogranun, das von Herrn Musikdirektor Otto DiencI, Frau Marie Kvrnatis, Fräulein Wilma Eiiequist, Herrn Konzertmeister Leopold Hartmann und Herrn chwiesielmann ausgeführt wird. Der Eintritt ist frei. Vater ererbt, und waS dieser sich verdient, würde ihm hier abgepreßt",„wenn dem Stadtrat K., dem eifrigen Befürivoner der Grundwert-Stener. ein Denkmal gesetzt werden sollte, dann würde es sicher schon eine Stunde nach der Eiitbiistung mit dem gciuciiisteu Schmutz besudelt sein".„Die Kommission, welche die Einschätzung vorgeiioumien, sei sich der Tragweite i h r e r H a n d l u n g e n nicht bewußt g e w e s e u". In dieser Tonart„begründete" derStadtvaterseinenAntrag, ohne ein einziges Mal vom Vorsteher in die Schranken gewiesen zn werden. Erst nachdem Herr R. geendet, nahm der Vorsteher die Kommission gegenüber den Vorwürfen des Redners recht zart in Schutz. Von nnsrer Seite wurden die Reineckeschen Ausführungen in das gebührende Licht gc- rückt; dem Herrn wurde auch eine Belehrung darüber zu Teil, daß die Steigerung der Grundrente nicht etwa dem Besitzer eines Grund- siiicks, sondern bielmehr dem Zusammeiiwirlcn der gesamten Bevölkerung einer Gemeinde zuzuschreiben ist, und daß mit der Grundwertsteuer gerade verhütet werden solle, daß die Grundstücks- jpekulation bei der bevorstehenden Entfestigung wahre Nicsenprofiie ungeschmälert in die Tasche stecke. Im übrigen verteidigte unser Redner allein und grundsätzlich die Grnndwcrlstener. Nach längerer Debatte wurde der Antrag Reinecke und Genossen angenommen! Des ferneren wurde die Wahl des Stadtv. Schmidt(Soc), der kürzlich in der Ersatzwahl gewählt worden ist, für gültig erklärt. Vermiplszkes« SlnS den Nachbaroric» I» Charlottenburg wnrde in der gestern vorgenomnienen Gcmciiiderats-Ersntzwnbl in der II. Abteilung der liberale Kandidat, der Architekt und Maurermeister Mittag gegen den Kandidaten der Unpolitischen, Dr. meck. Schmidt gewählt,' der es auf 162 Stimmen brachte. Mittag erhielt 194 Stimmen. Der Magistrat von Chnrlottenbnrg wird zur Angelegenheit der Verbreiterung der Bismarckstraße zwischen Knie und Schloß- traße bei der Stadtverorducteu-Versamiiiliing den Autrag stellen, zur Bestreitung der Kosten entweder eine schwebende Schuld oder eine Anleihe iii Höhe von 10 Millionen Mark aufzunehmen. Mutterliebe! Die 35 Jahre alte Gattin des Kaufmanns Otto G. aus Groß-Lichterfelde lag mit diesem in Ehescheidung. Am d. M. war die 15 jährige Ehe, welcher ein Knabe im Alter von 9 Jahren und eine Tochter im Aller von 12 Jahren enlsprosseii waren, durch richterlichen Spruch geschieden und bestimmt worden, daß beide Kinder dein Vater verbleiben sollten. Frau G. hing mit großer Liebe an ihren Kindern. Am vorgestrigen Soimtagmittag sollte diejelben zum letztenmal sehen. Unmittelbar nachher brachte ich die geschiedene Frau in ihrer Verzweiflung zwei Rcvolverschnsse in die linke Brust bei. Schwerverletzt wurde sie in daö Kreis-Kranken- Haus Groß-Lichterfelde geschafft. Dort hat man einige Hoffnung, die Unglückliche am Leben zu erhalten. Agrarier in der Koni miine. An? Spandau wird uns geschrieben: Einen heftigen Vorstoß gegen die hier vom 1. April dieses Jahres ab neu eingeführte G r u n d iv e r t st e u e r unter- »ahmen in der letzten Stadtverordiietcil-Sitzung einige hausagrarische Stadtväter. Die Einführung der Gimidwertsteuer wurde seiner Zeit mit erdrückender Majorität, gegen mir 5 Stimmen, beschlossen, und zivar sollte sie im wesentlichen eine gerechtere Hcranziehniig des zn Spekulationszwecken dienenden unbebauten Grund und Bodens ermöglichen. Eine Maßnahme, die im gegenwärtigen Moment, wo durch die in sichere Aussicht gestellte Entfestigniig Spandaus die Gruiidstückspreise, namentlich im 1. mid 2. Rayon, enorm in die Höhe schnellen, doppelte Notwendigkeit ist. Die Grimd- tvcrtstener ermöglichte es� mich, daß die koinniniialen Zuschläge zur Staatseinkommeiisteiier, die im Vorjahre 200 Proz. betrugen, ans 185 Proz. herabgesetzt werden konnren. Die Herren Grundbesitzer nun, welche bisher gewohnt gelvescn waren, von ihren undebaiiiin Grundstücken lächerlich geringe Stenern zu entrichten, sind durch die neue Steuer geradezu revolutionär gestimmt ivorden. Zu ihrem Wortführer machte sich dannn der Besitzer zahlreicher Spekiilationsgrnndstücke. Stadtv. R e in e ck e. In der letzten Stadtverordncteii-Sitzung brachte er einen Dringlichkeitsantrag ein:„Weitgebende Rücksicht' bei der Einziehinig der Steuern gegen die Herren Grundbesitzer walten zn lassen und eine neue KoiitroNkommission niederzusetzen". Er be- gründete diesen Antrag wie folgt: Einige der so hart besteuerten Grundbesitzer trügen sich mit„Selbstmordgedanken", die Grundwert-Stener sei das reine Ranbsystcm",.ein System. um die Leute zu ruinieren,„was der Sohn vom Eisenbal, minfälle. Ans dem Bahnhofe in Hattingen eut- gleiste der Pcrsoneiiwagen vierter Klasse eines abfahrenden Personen- znges. Fünf Personen erlitten leichte Verletzungen. Das Unglück ist durch die Druckmaschine entstanden; sie hatte den Zug in Bewegung gesetzt, bevor die Vordermaschine zur Abfahrt fertig war. lieber den Eiseiibahnimfall in Zürich wird noch gemeldet: Ter Schnellzug Zürich— München hatte ungefähr dreißig Pastagiere. Bei der Entgleisung bohrte sich die Lokomotive tief in das Erdreich des Bahndammes. Die vordere Hälfte eines Waggons dritter K taffe, in dem sich zwei Damen und ein Herr befanden, ivurde fast völlig zersplittert. Insgesamt wurden bei dem Unfall vier Personen verletzt. UebriaenS hatte auch der kaiserliche Hofzng, ivie nach- träglich bekannt wird, mit der Fahrt nach Straßvnrg i. E. unweit SchifferSstadt einen wenn auch unbedeutenden Unfall zu verzeichnen und mußte anfoffcnerStrecke halten. Wie verlautet. soll dieBremsvorrichlniig versagt haben. Die Bremsklötze sollen schon bei der Durchfahrt durch den Bahnhof Schiffersstadt so fest gelegen sein, daß die Räder schleiften. Nachdem dem Schaden abgeholfen, setzte der ans 6 Wagen t'eslehcnde und von zwei Maschinen gezogene Hofzng nach einem Aufenthalt von mir wenigen Minuten die Weiterfahrt fort. Der Kaiser hatte von dem Vorfall nichts bemerkt. Ein geradezu graucnerregender Fall hat sich am Himmel- fahrtstag zugetragen. Bei der Zuckerfabrik in Frobcln wurde der 48jährige Bremser Franz Tisaka aus Gleiwitz von einem Güterzuge überfahren. Dem Unglücklichen wurde ein Bein, der linke Arm und drei Finger der rechten Hand abgequetscht. � Ter Verunglückte, der nicht einen Augenblick das Bewußtsein verlor, versuchte mit oller Kraftanstreiigimg sich von der Stelle wegzuschleppen. Er vermochte aber nicht vor über- großer Schwäche sich auch nur von der Stelle zn rühren. Er innßte liegen bleiben und hatte»och fünfmal die e n t s e tz l i ch st e n Todesqualen aiiszustchen, denn die fünf nachfolgenden Güter- ziige fuhren noch über ihn hinweg, höchst merkwürdigerweise ohne daß ihn noch einer derselben verletzt hätte. Endlich nach drei qnal- vollen Slimdeii wnrde er aiifgefiiiiden. Ein schwerer Unglücksfall, bei dem ftinf Kinder und ein Erwachsener vcrnnglncktcii, ereignete sich bei dem Bahnhofs- platz Hammerbrook bei Ha m b n r g. Dort raste ein scheu- gewordenes Pferd in die Menschenmenge hinein, die den Zug des „Vereins geborener Hamburger" begleitete. ES entstand eine nn- beschreibliche Verwirrnng. Ein großes Unglück war geschehen. lieber und über mit Bln't bedeckt lagen sechs Personen an der Erde, deren Wiinmern und Stöhnen das wüste Gewirr, das entstanden war, verschlang. Der 6 jährige Willy Klatt und der S jährige Ludivig Stavenolv wurden sehr schwer verletzt. Au ihrem Auf- kommen wird gezweifelt. Stavenolv, der einen Schädelbruch erlitt, soll nach einer neueren Meldung bereits gestorben sein. Minder schwer verletzt sind der 10jährige Ernst Lüders. der 10jährige Adolf Hinrichs, der 4jährigc Ernst Krause und der Hafenarbeiter Wilhelm Hesse. Lnftballon-Uuglück. Aus Paris wird telegraphiert: Der dem brasilianischen Deputierten Severo gehörige lenkbare Luftballoii „Pax", ivelcher heute früh aufgestiegen war, explodierte über der Ecke der Rne de la Gaitö und der Avenue du Maine. Die beiden Insassen fanden ihren Tod. Die Insassen waren Severo selbst und der Erbauer des Ballons, der Jngeuiciir Lachanibre. Eine be- trächtliche Volksmenge hatte dem Ausstieg im Park Vaugirard bei- gewohnt und folgte den Bewegungen des Ballons. Anfangs ging alles gut, nur schien die Lenkung einiges zu wünschen übrig zu lasten, da der hintere Propeller sich nur mit Schwierigkeit bewegte, wodurch der Ballon öfter stillstand. Als der Ballon sich in einer Höhe von 450 Metern über der Avenue Maine befand, erhob sich ein leichter Wind. Infolgedessen drehte sich der Ballon nm sich selbst im Kreise herum. Plötzlich schlug auS der Mitte desselben eine Flamme hervor, eine furchtbare Ex- plosion erfolgte und der brennende Ballon fiel mit einer migeheiiren Schnelligkeit zur Erde, wobei er ein Haus und mehrere Bäume der Avenue Maine streifte. Man beeilte sich, den beiden Luftschiffen! zu Hilfe zu eilen, beide hatten jedoch bei dem Sturze entsetzliche Verletzungen und Brandwuiiden erlitten und waren bereits tot. Nach Ansicht eines Arbeiters, welcher bei der Herstellimg beschäftigt war, soll der Unfall auf die Explosion des Petroleum- rcscrvoirs zurückzuführen sein, andre meinen, daß Wasserstoffgas ans dem Ballon entwichen sei. Eine eingehendc Untersuchung ist im Gange. Eine furchtbare FcucrSbrunst wütete, wie der„Schlcs. Volksztg." von der schlestlch-russtscheii Grenze gemeldet wird, in der Grenzstadt Salocznetz. Gegen dreihundert Besitznngeii sind völlig ab- gebrannt, der größte Teil der Stadt ist vernichtet, das Elend ist un- beschrciblich. Vi ertansend P e r s o n c n sind obdachlos und kampieren, notdürftig gekleidet und hnngernd, auf freiem Felde. Eine Dienstmagd und fünfzehn Kinder sind verbrannt. AIS das Feuer ausbrach, befanden sich die Erwachsene» in der Kirche und nur Kinder waren in den Häusern zurückgeblieben. Bei den RctttuinS» arbeiten babcn viele Personen Brandwunden erlitten.— Auch im russischen Flecken Ouikschty im Kreise Wilkoinir hat eine Fenersbrunst 160 Häuser eingeäschert. Vom Zschortaucr EisrubahnnngliiS. Wie gemeldet wird, hat die Staatsanwaltschaft zu Halle die eingeleitete Untersnchnug über die Ursache» des großen Eisenbahnunglücks ein» gestellt. Die Untersuchnng hat ergeben, daß ein Verschulden das Personal und die Eiiciibahubehördc nicht trifft. Der gegenwärtige Zustand der im Leipziger Kranlenhanse niitergebrachten Schwer» verletzte» ist andauernd sehr zusriedeiistellend. Schriftett-Emgang. Meine Beichte. Leipzig 1952. Eugen DiederlchS. Leipzig 1902. Eugen DiederlchS. Leo V. Tolstoi. Preis 1 M. Leo v. Tolstoi. Mein Glaube. Preis 2,50 Pf. Hugienische Plaudereien. Hest I. Plauderelen aus der Kinderstube. Plaudereien auS Stadt und Land. Heft II. Plaudereien aus HauS und Hof. Berlin 1902. Verlag: Das Rote Kreuz. Preis jedes Heftes 75 Pf. Lerantwortlicher Redacteur: Earl Leid in Berlin Für den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin, Druck.und Verlag von Max Babing m Berlin