Mr. 110, AbomemeM»-Kedingungea: Bbonnementä-Pr«>» ptänumerarbo: BierteliShrl. 3,30 Mk., monatl. 1,10831., «vöchipllich 28 Pfg. frei in« Hau«. etn»ilne Numw»� S P?g. Sonnlag»- Nummer mu«3ullr>er>»c Konniag»- Seilage„Die Neu« Welt» lo Psg. Post. Abonnement: 1,10 Marl pro Monat, eingetragen In der Post- Zeitung», PreiZliste für 1002 unter Sc. 7878. Unter lireuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl« für da» übrige Auiland» Marl pro Monat. VoMH 19. Jahrg. Sie Znstrttons GM?» betrügt für die fechügefpaitene Kolon«- tette oder deren Raum«0 Pfg.« für poiinicheund gewerlschaftliche Vereins- und Versammlung»-Anzeigen 20 Plg. , Kleine Anseilten" jede« Wort 5 Pfg. inur da» erste Wort fett). Inserate für die nächste Nummer müssen bis» Uhr nachmittag» in derErvedition abgegeben werden. Die Srpcdition ist an Wochen- tagen dl» 7 Uhr abend», an Sonn- und Festtagen dl» S Uhr vormittag» geöffnet «rschelnl lüglich nutzer Monkng». Devlinev Volksvlatt. Telegramm- Adresse r .. Soclnldemostrnl»erNn» Cmtmkrrgcm der soeialdemokratischen Partei Deutschlands. Nedaltlion: sw. 19, Venllz-SlraKe 2. Fernsprecher: Amt I Nr. IC>08. Mittwoch, den 14. Mai 1002. Expedition: sw. 19, Veutlz Stenge 3. Fernsprecher: Amt I« Nr. liiei. Die ultramontane Moral. Kaum, daß der Lärni der Münchener Hoensdroech- Schlacht verhallt ist, so erscheint der ketzerische Exjesuit schon wieder auf dem Plan; diesmal freilich nicht auf einem Felde, auf dem mit Stuhlbeinen und Maßkrügen die letzte Ent- scheidung geschlagen wird. In dem zweiten Bande seines Werkes„Das Pap st tum in feiner social- kulturellen Wirksamkeit", der soeben erschienen ist. behandelt Graf von Hoensbroech das Thema von der ultramontanen Moral. Die Betrachtungen über dieses allerdings weiwmfassende Gebiet füllen nicht weniger als 621 Seiten, und nicht jeder wird darum Zeit, Lust und Ge- legenheit finden, diese langwierigen und teilweise wenig erquicklichen Erörterungen ganz auszugenießen. Es ist darum vielleicht angebracht, einiges von dem Inhalt des Buches an dieser Stelle kurz wiederzugeben. Die christliche Sittenlehre, deren idealstes Wesen der einstige Jesuit bekanntlich im protestantischen Muckertum entdeckt zu haben glaubt, ist, so meint Hoensbroech, von Natur licht und offen und für jedermann"verständlich. Ihr Wesen aber sei völlig verdeckt worden durch die katholische Theologie, die aus dieser Sittenlehre eine rabulistische, Winkel- hafte und verschnörkelte Wissenschaft gemacht habe. Dem Einzelgewissen werde die Entscheidung durch die Kasuistik, die Lehre von den moralischen Spitzfindigkeiten, abgenommen und der Autorität der Fachgelehrten, das heißt natürlich der Beichtväter, überantwortet. Indem die Kasuistik besonders Fälle erfindet, an denen sie ihren moraltheologischen Scharf- sinn erproben kann und den klarsten Dingen noch eine andre Seite abzugewinnen versucht, läßt sie die moralthcologische Litteratur zu einem Wust von Werken verschiedener Autoren anschwellen, deren jeder eine andre Meinung vertritt. So entsteht eine arge Unsicherheit aller Begriffe, und die Lehre des P r o b a b i l i s m u s*) kommt zur Herrschaft. Im Zweifel über Bestehen und Ausdehnung eines Gesetzes darf man das Gesetz außer acht lassen, wenn die Berechtigung zum Zweifel wirklich wahrscheinlich ist. So lehrt denn der Jesuit Viva(1711):„Es ist erlaubt, die Schriften ver- schiedener Theologen zu durchsuchen, bis man einen findet, nach dessen Lehre man von einer Verpflichtung, zum Beispiel Schadensersatz zu leisten, frei ist." Und der Bischof Earamuel(1676):„Mit gutem Gewissen kann ein Ordensmann seinem Vorgesetzten gehorchen, auch wenn es sich um etwas handelt, das nach probabeler(wahrschein- licher) Ansicht sündhaft ist." Und noch im Jahre 1890 lehrt der Jesuit Lehmkuhl, einer der angesehensten katholischen Morallehrer unsrer Zeit:„Ein Theologe, der um Rat gefragt wird, braucht seinen Rat nicht zu geben nach seiner eignen Ansicht, sondern darf ihn geben nach der ent- gegengesetzten probabeln Ansicht anderer, wenn vielleicht diese Ansicht dem um Rat Fragenden günstiger oder erwünschter ist. Ja, er darf dies sogar, auch wenn er selbst diese Ansicht für sicher falsch hält. Und es darf ein Theologe V e r s ch i e- denen Personen in derselben Sache ver- schiedenenRater teilen, entsprechend entgegengesetzten probabelen Ansichten." Der Vervollkomniner dieses heillosen Systems ist nach Hoensbroech der vielgenannte„heilige" Alfonsos von Liguori (1696—1787), dessen Leben und Werke auf etiva 80 Seiten ausführlich behandelt werden. Sehr interessant ist eine viel- fach citierte.Lebensbeschreibung dieses sonderbaren Heiligen verfaßt vom Jesuiten Dilgskron(1887), in der u. a. rühmend erzählt wird:„Er(Alfonsus) geißelte sich so fürchterlich, daß er Blut vergoß, wie ein ge- schlachtetes Kalb und einen Muskel der Hüfte so ver- letzte, daß er hinkte.... Eine Kiste von Marterwerkzeugen stand unter seinem Bette." Auch die vielfachen Versuchungen des Heiligen durch den Bösen, der ihm in Gestalt von Geist- lichen und Ordensbrüdern erscheint, werden erzählt. Mit der„Liguori-Moral" hat man sich seit Graß- manns Veröffentlichung mehr als genug beschäftigt, und auch Leute, die besonderer Sympathien für den katholischen Kirchen- heiligen kaum verdächtigt werden können, haben die Schrift Graßmanns als das was sie ist, als Tendenzschrift, gekenn- zeichnet. Eine solche Tendeuzschrift ist wohl auch des Grafen Hoensbroechs Buch, wenn es auch erkennen läßt, daß die Schriften des religionswahnsinnigen„Fürsten der katholischen Moral- theologie" Kompilationen sind, für derenJnhalt derVerfasser nicht allein verantwortlich ist, und daß ein gut Teil der behandelten Fragen(ob gefrorener Wein konserviert werden darf, ob man die Nüchternheit verletzt, wenn man seine eignen Thränen schluckt u. a.) mehr albern als bösartig ist. Von sonstigen Moralfrageu sei nach Hoensbroechs Eitaten nur eine ihres socialen Interesses wegen envähnt. Alfonsus stellt es nämlich als zweifelhaft hin, ob ein vornehmer Mann ver- Pflichtet sei, ein Heiratsversprechen zu erfüllen, mit dessen Hilfe er ein armes Mädchen verführt hat. Denn das Btädchen mußte die Aufrichtigkeit des Versprechens be- zweifeln„und wenn es trotzdeni au dem Eheversprechen nicht gezweifelt hat, so ist das seine Schuld. Der Mann ist in diesem Falle auch dann nicht verpflichtet, wenn er es be- "s Die jesuitische Deutiveise, die bei der Beurteilung der Zu- lässigkeil und Unzulässigkeit von Handlungen, nicht nur die gestattet, für welche die besten Gründe sprechen, sondern auch die, für welche nur einige Gründe gellend gemacht werden könneit. schworen hat; denn ein Eid verpflichtet nur nach der Absicht des Schwörenden." Von den vielen Kapiteln, die die katholische Moral theologie zusammenfassend behandeln, enthält u. a. das Kapitel über die Sünde recht erbauliche Citate.„Es ist er laubt," schreibt der Kardinal G o u s s e t(1831),„sich über die Folgen einer bösen That zu freuen, so z. B. über die Erlangung einer Erbschaft infolge eines Mordes." Der Jesuit Fagundez(1640) war schon derselben Meinung: „Es ist einem Sohne erlaubt, sich über den in der Trunken� heit verübten Vatermord zu freuen oder wegen der reichen Erbschaft, die ihm zufällt." Nach den Jesuiten Lehmkuhl (1890), T a m b u r i n i und Casleopaolo(1669), ist es erlaubt. jemandem die Begehung einer kleinen Sünde (z. B. Ehebruch) anzuraten, um ihn vor der Begehung einer größeren(z. B. Mord) zu behüten. Viel besprochen ist die Frage der Pflicht zur Wahrhaftig keit. Eine erdrückende Masse von Eitaten wird angeführt, um zu zeigen, wie es die Moraltheologie in diesem Punkte hält. Die Jesuiten L e s s i u s(1617), Sa n ch e z(1706), Cardenas, Zschobar, Sa, Bughaber(sämtlich älteren Datums) halten es für keinen Meineid, wenn.man seinem Schwur einen andren Sinn unterlegt, als den. in dem er verstanden werden sollte. Die Verleumdung ist nach dem Bischof Earamuel keine Todsünde, wenn sie geschieht, um die eigne Ehre zu retten.„Wer wollte", ruft der öfter genannte Jesuit Lehmkuhl aus,„es als schwere. Ver leunidung bezeichnen, von einem Atheisten zu sagen, ni an halte ihn jedes Verbrechens für f ä h i g." Nach dem Jesuiten S a ist es keine Fälschung und deshalb auch keine Todsünde, ein verloren gegangenes echtes Testament oder einen verloren gegangenen echten Adels- brief nachzumachen. Neste des Ablaßhan de ls bestehen nach Hoensbroech noch in Spanien. Dort kann man sich heute noch von Sünden loskaufen durch Erwerb einer„Kreuzzugs-Bulle", die für 14 Pesetas gestohlenes Gut 1 Peseta und 15 Centimes kostet. Von der Ersatzpflicht gegenüber dem Beschädigten wird man durch diese Leistung nach kirchlichen Begriffen frei. Brüsewitze werden sich auf den Jesuiten T a m b u r i n i berufen dürfen, der schreibt:„Ein vornehmer Mann darf, um sich vor einer Ohrfeige zu schützen, einen andren töten, wenn er der Ohrfeige sonst nicht entgehen kann.(Man sieht, daß man sich von der urchristlichen Forderung, auch die andre Backe hinzuhalten, recht weit entfernt hat!) Aertuys (1898) ist überzeugt, daß man durch Ringe und Kartelle nicht gegen die Gerechtigkeit sündige; ob gegen die Liebe sei— strittig! Ob sich auch der Brotwucher des Centrums durch die Moraltheologie entschuldigen läßt? Nach Hoens- broech scheint das nicht der Fall zu sein.„Die indirekten Steuern erzeugen meist keine GewissenSpflicht(d. h. sie dürfen durch Schmuggel und Defraudation hinterzogen werden D.Red.); beziehen sie sich auf notwendige Lebensmittel, so kann man sie mit Grund als ungerecht betrachten." Da aber die Heim und Genossen sicher nichts gegen den Rat ihrer Beichtväter unternehmen, muß es wohl auch hier noch einen Ausweg geben. Auch der verstorbene Abgeordnete Lieber dürfte den Weg in den Himmel nicht so leicht gefunden haben, wie ihm nach den Versicherungen der Centrumspresse der Weg zum M inisterstnhle geworden wäre. Er war ja doch mehr militär- fromm als moralfromm und hat es zum mindesten nicht mit dem Redeniptoristcn Aertuys gehalten, der sich also ver- nehmen läßt: „Die erzwungene Dien st Pflicht ist die Sklaverei unsres der Freiheit sich rühmenden Zeitalters. Ist die allgemeine Wehrpflicht gerecht? Wenn sie alle Bürger verpflichtet, mit Ausnahme derer, die einen genügenden Entschuldigungsgrund haben, so ist die all- gemeine Wehrpflicht sicher ungerecht, weil sie für das allgemeine Wohl unnötig und für das Einzel wohl schädlich i st." Man sieht— gerade das Fünkchen Wahrheit, das in dem vielen Irrtum der ultramontanen Moral schlummert, hat bei ihrem niaß- gebenden politischen Verhalten gerade am wenigsten Beachtung gefunden. Einen sehr breiten Raum nehmen in der Darstellung Hoenbroechs naturgemäß die Lehren über geschlechtliche Beziehungen ein. Die sogenannte Pastoralmediziu be- schäfttgt sich mit diesen Dingen noch viel ausführlicher als'die gerichtliche Medizin. Ueber.die Art des Verkehrs zwischen Mann und Frau werden die genauesten Vorschriften gegeben. Ein näheres Eingehen auf diese Kapitel wäre an dieser Stelle kaum möglich. Es ist be- kannt, ein wie tiefes Eingehen in die intimsten Be- Ziehungen des menschlichen Lebens den Beichtvätern ge- stattet, ja geboten ist, und zu welchen Folgen dieser Zustand führt. Ebenso ist bekannt, was Hoensbroech gegen das Cölibat anzuführen weiß. Daß die vom päpstlichen Haus- prälatenFelixCadene geleitete römischeMonatsschrift,,�o»lsota juris?olltiüoü" bei der Behandlung von Ehescheidungs- Prozessen den Zustand der Geschlechtsteile einzelner Personen, von Männern und Frauen, unter Nennung ihres Namens beschreibt, ist ein Unfug, auf dessen Abstellung Hoensbroechs Veröffentlichung vielleicht nicht ohne Einfluß bleiben wird. Viel zartfühlender zeigt sich die Kirche, wenn es sich um geschlechtliche Ausschweifungen von Priestern handelt.„Was soll der Bischof thun?" fragt der Redemptorist Müller (1883):„Die Maske dem Heuchler herunterreißen? Ihn vom Altar wegtreiben, den er entehrt hat, aus der Pfarrei, derer vorstand? Wenige kennen seine Schandthaten. Soll der Bischof sie der Welt bekannt machen? Welches Aergernis für die Schwachen, welcher Triumph für die Ketzer und die Ungläubigen! Der gute Bischof betet, wacht und hoff t." Diese und zahlreiche andre Thatsachen benützt der Graf v. Hoensbroech, der den zweiten Band seines Buches:„Dem Vorsitzenden des Evangelischen Bundes zur Wahrung der deutsch- protestantischen Interessen, Herrn Grafen von Wintzigerode-Bodenstein in Verehrung und treundschaft" gewidmet hat, um das„wahre Christentum hristi dem Protestantismus in desto hellerem Lichte erstrahlen zu lassen." Wir sind bei dieser Disputation, die in ihrem weiteren Verlauf der berühmten, von Heine geschilderten, ziemlich ähnlich werden dürfte, in der glücklichen Lage des Zuschauers. Schließlich wird sich auch der streitbare Kloster- flüchtling sagen müssen, daß die katholische Kirche durch ihre bewundernswürdige, materiell gerüstete Organisation zu einer Riesin erwachsen ist, die man mit Büchern nicht totschlägt, seien sie auch noch so dick. Freilich ist sie für blaue Flecke desto empfindlicher.__ Volitifche Mebevflchk. Berlin, den 13. Mai. Kaiser, BimdeSfürste» und Socialdcmokratte. In konservativen Kreisen ist man höchst erregt über die erschreck- liche Thatsache, daß einige deutsche Bundesfiirsten das Ungeheuerliche gewagt haben, Unterhaltungen mit Socialdemokraten zu führen. Der schwere Groll dieser Leute, die daS„rote Gespenst" als Schreckmittel ihrer reaktionären Politik benötigen, entladet sich in einem Artikel des offiziellen Organs der konservativen Partei, der die Bemerkungen des„Vorwärts" über die Unterredung zwischen dem Regierungsverweser in Gotha Und unsrem Genossen Bock behandelt. Die „Kons. Korresp." giebt sich in ihrem Artikel„Socialdemo- k r a t i e und Krone' zunächst den Anschein, als ob sie in Uebereinstimmung mit der von uns geäußerten Auffassung solchen Unterredungen keine größere politische Bedeutung beilege. Daß sie aber thatsächlich diesen Vorgängen sehr erhebliche Bedeutung beimißt, beweisen ihre iveiteren Ausführungen. Sie schreibt: „Wenn wir gegen derartige Vorkommnisse starke Be« denken haben, so stehen diese ans einem andren Blatte... Wir befürchten keineswegs, daß ein deutscher Monarch oder Regent sich durch Unterredungen mit Socialdemokraten zu einem grundsätzlichen Entgegenkommen an die socialdemokratische Partei bewegen lassen könnte. Allein schon der bloße Schein ist geeignet, die Propaganda der Social- d e m o k r a t i e zu fördern. Wie soll der schlichte Mann a»S dem Volke von der Berührung der zersetzenden socialrcvolutionärcn Agitation ferngehalten, wie soll er zu der Erkenntnis geführt werden, daß die socialdemokratische» Führer und Agitatoren — wie der Kaiser treffend gesagt hat— eine vaterlandslose Rotte seien, weitn die Krone mit ihnen in persönliche Berührung tritt, nicht um den „Genossen" nachdrücklich und nnztvcideutig mores zu lehren, sondern um ihnen die Ehre der Unterhaltung zu gewähren, eine Ehre, die im Volke zu hoch geschätzt wird, als daß sie an Republikaner verschwendet werden sollte?" Wie die trefflichen Monarchisten der„Kons. Korresp." plötzlich sich gegen die monarchische Autorität unbotmäßig erheben! Sobald ein Fürst ein Verhalten einschlägt, das den Parteiinteressen der konservativen Monarchisten nicht gefällt, sogleich ist der seltsame Monarchismus dieser Leute bereit, dem Monarchen Borschriften zu machen selbst in der Auswahl der Personen, mit denen er eine Unterredung pflegen darf. Und noch mehr, man scheut sich nicht, einen Fürsten gegen den andren auszuspielen. Vielleicht beantragt die „Kons. Korrespondenz" für die Tagesordnung des nächsten KongreffcS ihrer Partei eine Erörterung der Frage: Welche Mittel find zu er- greifen, um deutsche Fürsten vor ungeeignetem Umgang zu be- ivahrenZ Wie wäre es mit der von den„Hamburger Nachrichten" bereits angekündigten Bundesexekution gegen alle Fürsten, welche die Socialdemokratie nicht als eine„vaterlandslose Rotte" be- zeichnen?—_ DaS neue bayrische EchuldotatiouS-Gesetz. Man schreibt unS aus München: Seit Jahren schon wurde die bayrische Regierung gedrängt, endlich einmal eine zeitgemäße Revision der zum großen Teil recht erbärmlichen Eiukomniensverhältnisse der Volksschullehrer vor« zunehmen. Die Berechtigung dieses Verlangens konnte nicht be- stritten werden, aber noch im Jahre 18SS suchte sich der Kultusminister um eine Lehreraufbesserimg herumzudrücken mit der echt Landmannschcn Ausrede, noch bestehe ja ein Lehrer- mangel nicht. Inzwischen ist freilich in einzelnen Teile» Bayerns eine tuahre Lehre rfln cht eingetreten-, die Regierung sah sich dieses ihres letzten Nrgnmcnts beraubt und so brachte sie denn notgedrungen in der letzten Session(18SS/1vcX>) dem Landtage eine umfangreiche Denkschrift in Vorlage. Diese Session war aber der« maßen mit Arbeiten überlastet, daß die immerhin komplizierte Ans- gäbe einer durchgreifenden Revision der ganzen Einkommens- Verhältnisse der Lehrer nicht ntehr erledigt iverden konnte. Erst die gcgenivärtig tagende ordentliche Landtags-Versammlnug beschäftigt sich mit dem SchulvcdarsSgesetz. Die Lehrer wurden durch die Verzögerung empfindlich geschädigt. Denn man hat das früher erteilte Versprechen der rückwirkenden Kraft der GehrltSaufbefferungen nicht eingelöst. Viele Lehrer hatten ober schon sicher ans die HerouSznhsimq einiger Hundert Mark «imchnet. Kein Wunder, daß die Lehrer, für die die Socialdemo- tratie längst kein Schreckbild mehr ist, eine stürmische Sgitation entfalteten. Schwerer und bedenklicher sind aber die Schädigungen, die den Lehrern aus andren Bestimmungen des GesetzentivurfS erwachsen sollen. Vor allem hat man es vermieden, der Stellung des Lehrers eine staatsrechtliche Grundlage zu geben. Die socialdemokratischen Anträge auf Verstaatlichung der Volksschule wurden abgelehnt und damit die einzige Möglichkeit, dem Lehrer eine feste Position zu geben. Hatten schon die Liberalen nicht einmal den Mut. die Forderung der konfessionellen Staatsschule zu vertreten, so erscheint diese natürlich den Nltramontanen als wahres Teufelswerk. Sie stellten sogar den Grundsatz auf, die Schule sei ein Anhängsel der Kirche und der Geistliche der Vorgesetzte des Lehrer». Nicht einmal von den niederen Kirchendiensten hat man letzteren befreit. Die Aufbesserung selbst kommt eigentlich nur den Landlehrern zu gute, während die Stadtlehrer leer ausgehen. Die Lasten der Aufbesserung sind zum größten Teile den Gemeinden aufgebürdet, die ohnehin schon klagen, an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit angelangt zu sein. Den Städten über 10 000 Einivohner hatte man noch besondere finanzielle Straf- bcstimmungen zugefügt. In erster Linie sind es die beiden großen Städte München und Nürnberg, die sich sehr über die ihnen auferlegten Lasten beschweren. Der Minister gab ihnen zwei„gute Ratschläge": sie sollen sich durch Er- höh un g der Tramüahntarife bessere Einnahme» verschaffen und billigere Lehrkräfte anstcllcn. Unter billigen Kräften sollen aber weibliche und vor allem klösterliche L e h r k r äff t e verstanden Iverden. Die Tendenz des ganzen Gesetzentwurfes geht dahin, der Kirche ihren bisherigen Einfluß auf die Schule nicht'nur zu erhalten, son- der» ihn noch zu vergrößern. Man belastet die Gemeinden, um sie den Schulschwestern und Schulbrüdern in die Arme zu treiben; daS Schuldotationsgesetz verfolgt die Zivecke eines Schul« g e f e tz c s. In erster Linie sucht man natürlich auch der verhaßten Simnltmischnle das Lebenslicht auszublasen. Zu diesem Zivecke Ivnrde die Bestimnnmg aufgenommen, daß bei Vorhandensein von mindestens SO schulpflichtigen Kindern einer konfessionellen Minderheit, diesen eine eigene Schule ihrer Koilfession errichtet werde» muß. Ein Iveiterer Artikel erleichtert die Berufung von klösterlichen Lehrkräften. Endlich soll die Besoldung der Katecheten, die bisher von der Kirche zu leisten war, unter gcivisse» Voraussetzungen den Gemeinden auferlegt iverden. Das ivürdc aber eine Bcrfassungsänderung darstellen, auf welche die Regierung nicht ein- gehen null. Auch i» diesem Punkte machte das Centn»« einfach von seiner Mehrheit Gebrauch, indem es zunächst beschloß, eine Ver- fassungsänderung liege nicht vor; dann nahin es init der einfachen Majorität, über die es verfügt, den Artikel an. So ist denn unter dem Protest der gesamten Kammcrliuken ein Gesetz zu stände gekommen, das den bisher teilweise erbärmlich bezahlten Landlehrern zwar einige pekuniäre Verbesserungen bringt, dafür aber den Einfluß des Klcrikalismns auf die Schule aufs neue festigt. Alle Anträge, die nicht die Firma des Centrnms trugen, tvurden brutal niedcrgcstimmt. Natürlich auch der socialdeniokratische Autrag auf Eiuführnng der Schulgeld- und Lehrmittel-Freiheit. Ihm stellte der Kultnsniinisier das Wort entgegen:„Wir dürfen den Leuten das Belvußtsein nicht nehnren, daß sie für die Kinder, die sie in die Welt gesetzt haben, auch sorgen müssen!" Noch ist zwar der Entwurf nicht Gesetz; noch hat er die Reichs- ratskammer zu passieren, die zweifellos noch einige Korrekturen da- ran vornehmen wird. Aber das Centrum hat bereits verkünden lassen, daß diese Aendernngen wesentliche oder principielle nicht sein dürfen, da es das Gesetz sonst zu Fall bringen werde. Wenn das Centrum darauf bestehen bleibt, iverden die Liberalen in eine unangenehme Situation kommen. Sie haben zivar schweren Herzens mit den Socialdemokratcn gegen den Entwurf gestimmt, sie möchten aber nicht ein Scheitern des Gesetzes und damit der Gehalts- anfbessernngen riskieren, weil sie sich nicht trauen, den Lehrern mit leeren Händen zu komme». Der socialdemokratischen Fraktion ist ihr Verhalte» natürlich klar vorgezcichnet. Sie wird nicht um den Preis einer fraglvürdigen Lehreranfbcsserung die Schule und damit auch die Lehrer der Kirche ausliefern. Mit solcher Haltung ist auch der Teil der Lehrerschaft einverstanden, der nicht nur an sein momentanes Wohlergehen, fondcr» auch an die Zukunft und an eine wahre Volks- bildung denkt. Und da diese Lehrer erfreulicheriveise in der Mehr- zahl sind, so hatte der ultramontane Abgeordnete nicht ganz unrecht, ivenn er den Liberalen zurief:„Der wahre Messias der Volks fchullehrer ist ja jetzt schon der Herr von V o l l in» r!" •• Deutsches Aeich. Eine„imposante Vorsiihrntig" soll— so versichert die „P o st"— der Einzug des Kaisers i» die Stadt Aachen am IS. Inn! werden. Der Kaiser will, hochzuRoß. und zwar in daS alte Aachen einziehen, wie einst die deutschen Könige im Mittel- alter. Die vi» triuMxlislis geht dementsprechend auch nur durch die älteren Stadtteile. Zunächst reitet der Kaiser durch daS südliche Marschierlhor an dem Denkmal Kaiser Wilhelms I. vorbei zum Münster, wo die Krönung von 37 Königen während der Daner mehrerer Jahrhunderte stattfand. Von da ans begiebt er sich zum Rathans, der ehemaligen Pfalz Karls des Großen, und zwar wie die deutschen Könige nach der Krönung zum Kaisersaal. Auf der Freitreppe des Rathauses will er den Ehrentrnnk entgegennehmen und hierbei wohl eine Rede halten. Räch diesem Ritt ins Mittelalterliche folgt dann ein Ausflug ins Sllermodernste: ins Jndiistriercich Krupps. Für die photographierenden Leute der„Woche" werden jedenfalls ertragreiche Zeiten kommen.— Gin andrer Ton. Prinz Ludwig, der bayrische Thron- folger, zählt zn den deutschen Fürsten, die es lieben, redend auf- zutreten; seine Rede» zeigen eine besondere Nuance, die zuweilen tvie.absichtlich im Gegensatz zu den Reden andrer Fürsten gewählt erscheinen. Prinz Ludwig iveihte in RegcnSbnrg ein Denkmal seines Großvaters Ludwig I.' ein und er sagte von ihm nicht ohne deutliche Spitze:„Deutscher als König Ludwig I. war, glaube ich, niemand ans der Welt und ist wohl auch jetzt niemand". Prinz Ludlvig hielt dann in Fürth auf der Versammlung des bayrischen Vereins für Hebung der Fluß- und Äanylschiffahrt eine Ansprache, in der er ausführte: „Den Empfang, de» ich hier gefunden habe, rechne ich nicht nur für meine Person, ich nehme ihn auch dankbarst im Namen des Vereins an, dessen Protektorat ich übernommen habe. Fürth ist zu- nächst eine Industriestadt', es hat eine sehr große Arbeiter- b e v ö l k e r u n g, und der letzteren insbesondere danke ich, daß sie mich hier so gut empfangen hat. Ich weiß wohl, daß die Leute, denen es nicht so gut geht Ivie jenen, die ans der Höhe des Lebens stehen— obwohl die letzteren vielleicht in vieler Beziehung»ichr Aerger und Verdruß haben als die Arbeiter selber— ich weiß sehr wohl, daß diese Leute, die ja oft mit des Lebens Not zu kämpfen haben, manchmal mit Neid auf diejenigen schauen, die über ihneii stehen und von diesen glauben, daß sie' ein besseres Leben haben als sie; deshalb nehme ich es mit doppelter Freude an, wenn ich aus diesen Klassen will- kommen geheißen werde. Mein Bestreben ist ja nicht, einen einzelnen Stand zu begünstigen, sondern mein Streben ist, allen im Lande wohl zu thun und alle im Lande zu fördern lBravo!), natürlich am meisten diejenigen, denen es nicht gut geht." Selbstverständlich ist solchen Ausführungen— auch abgesehen von ihrer unbestimmten Allgemeinheit, aus der in der Lebens- Wirklichkeit alles Mögliche entstehen kann— ebensoivenig eine be- jondere politische Bedeutung beizulegen, wie dem Straßenlärm bei Fürstenbesuche«. Aber nicht ohne Interesse ist eS. daß der bayrische Prinz fich einer Sprache gegenüber der Arbeiterschaft befleißigt, die jedenfalls sehr absticht von der sonst häufig üblichen Tonart, in der Fürsten sprechen.— Die„Arenz-Zeitn««" fite Volkserhebung k In einer Monats- Rundschau behandelt die„Kreuz- Zeitung" auch die belgischen Ereignisse. Der Rnndschauer bekundet eine Ans- fassung, die gerade in dem Blatt der absoluten Autorität zu finden einiges Erstaunen erwecken muß; er schreibt: „In Belgien ist den Arbeits-, Lohn- und Lebensverhältnissen der arbeitenden Volksmaffen so gut wie keine Beachtung geschenkt worden. Auch im übrigen hat die belgische Regierung den... socialen Gesichtspunkten anscheinend nicht im gering st en Rechnung getragen.... Nach alledem kann eS nicht wunder nehmen, Ivenn der geringste Anlaß, der sich zn einer Erhebung bietet, selbst Ivenn er einen vorwiegend politischen Charakter trägt, sofort von den großen Massen als Aufforderung zu Demonstrationen begierig auf- genommen wird. Und diese Unzufriedenheit mit der socialen Verständnislosigkeit der herrschenden Kreise bcschräntt sich in Belgien nicht eben nur auf da? Proletariat und die arbeitenden Volksschichten, nein, sie preist bis hinein in die Reihen der Bürgerschaft und der industriellen Unternehmer selbst, welch letztere, wie allgemein bekannt ist, bei dem zu Gunsten dcS allgemeinen Wahlrechts iusceuierten General- streik zum Teil mit ihren Arbeitern gemeinschaftliche Sache gemacht und der Arbeitscinstellimg zugestimmt haben." Die belgischen Klerikalen, die dort migefähr die Politik der deutschen«Kreuz- ZeitungS"- Konservativen befolgen, werden wenig erbaut sein, im Blatt ihrer intimsten Geistesverwandte» die Erhebung gegen ihr Regiment also gerechtfertigt zu finden. Natürlich bezieht sich die revolutionäre Theorie des konservativen Rnndschauers mir auf— Belgien und andre Ausländer. In Preußeu-Dcutschland ist alleS vortrefflich eingerichtet.— Die Reichstags Grsatzwahl im 3. Wahlkreise deS Regierungs- bezirks Wiesbaden für den verstorbeneu Abgeordneten Dr. Lieber ist auf den 28. Juli angeordnet. Ein urncS Seuchengesetz soll im Herbst 1903 und Früh- fahr 190� dem Reichstage unterbreitet werden. Das neue Gesetz wird wesentliche Aendernngen in den Bestimmungen über die Vieh- s e n ch c n aufweisen ans Gnmd der Erfahrungen, welche mit dem alten Gesetze gemacht sind, daS trotz der Grenzsperren und sonstiger Maßnahmen die Ausdehnung der M a n l- und Klauensenche innerhalb des deutschen Reichs- gebietes nicht zu verhindern vermochte. Wir haben des öfteren dargelegt, daß gerade der Ivillknrlichc Ausschluß dcS gesunden VicheS des Auslandes die Vernachlässtgnug deS inländischen SenchenschvtzeS zur Folge gehabt hat. Außerdem sollen die Bestimmungen über die Hundesperre gemildert werden.— Pslizcibcauitc— gefährliche Zengc». Daß Polizeibcamte sehr gesährlickie Zeugen sein können, hat schon gar mancher erfahren. Ein neuer Fall zu diesem Kapitel liegt anS Essen vor. Ein Färbercibesitzcr sollte einen Polizeibcamtcn durch den Vorwurf schwerer sittlicher Verfchlimgcn beleidigt haben. ES wurde öffent- liche Anklage erhoben. Natürlich trat der Polizeibcanitc als Zeuge auf und beschwor— er sei rein wie ein ungeborenes Kind. Der „Beleidiger" wurde verurteilt zu vier Wochen Gefängnis, aber gab damit sich nicht zufrieden. Er legte Bernfnng ein, ließ etwa 20 Angehörige der Prostitntion zur Führung des WahrheitS- beiveise« antreten. Die unter Ausschluß der Oeffentlichteit geführte» Verhandlungen endeten mit Frciipruch deS Angeklagten von der An- klage: nicht erweislich wahre Thatsachen behauptet zu haben, die geeignet sind»sw. Trotzdem, die Ehre des beleidigten Beamten mußte repariert werden: wegen formaler Beleidigung erkannte das Gericht ans eine Geldstrafe von 10 M.— und der Ordnungshüter erfreut sich noch ungestört der deutschen Freiheit.— Hcldenthatcn eines Feldwebels. Vor dem Kriegsgericht der lS. Division in Kiel hatte» sich der Vieefeldwebel H. und der Sergeant B. vom 8ä. Jnfanlerie-Reginient in Kiel, ersterer ivegen Mißhandlung eines Untergebenen mit der Waffe, letzterer wegen Hansfriedensbruchs zn verantworten. Beide waren am 17. Februar cr. i» einem öffentlichen Hause in Kiel in Zahlungsstreitig- leiten geraten und ans dem Hanse gewiesen ivorden. Sergeant B. lief nach einem Schutzmann: inzwische» war der Feldwebel schließlich ans dem Hause gedrängt worden, klemmte aber seinen Fuß zwischen die Hansthnr und zog sein Seitengewehr. Mit diesem fuchtelte er um sich und drang so wieder ins Haus. Zufällig kaut in»! cin au der Sache ganz unbeteiligter Obermatrose in den Flur. Kaum war er über die Schwelle getreten, so stach ib» der Feldivebel ziveimal in den rechten Oberschenkel. Der Obermatrose sagte nun in der denkbar rnhigstcn Weise:„Was machen Sie? Sehen Sie fich doch vor I' Da rief der Feldivebel: Seien Sie ruhig oder ich bohre Sie durch und durch". Der Obermalroie erhielt dann noch einen Stich in den linken Oberschenkel. Durch das Hinzukommen des Sergeanten und eines Schutzmannes wurde den Thätlich- leiten ei» Ende bereitet. Der Obermatrose ivar infolge der Wunden 16 Tage dien st unfähig. Der Vicefeldwebel wollte in Notwehr gehandelt haben. Die Untersuchung ergab jedoch die Unwahrheit dieser Behauptung. Der Sergeant wurde frei« gesprochen. Der Viceseldivebcl wurde wegen Mißhandlung eine? Untergebenen mit der Waffe und Mißbranchs der Waffe, Bedrohung mit einem Verbrechen und Hausfriedensbruchs mit sieben Woche» Gefängnis bestraft.— Keine WahlrechtS-Reform in Sachsen. Im vorigen Herbste richteten die sächsischen Hausbesitzer- Vereine an den sächsi- scheu Landtag eine Petition, worin sie behaupteten, daß sich die Landograrier im Landtage einer unverhältnismäßig zahlreicheren Vertretung erfreuten als die Stadtagrarier. Die Petition ersuchte um eine Aendenmg des Laudtags-WahlrechtS zu Gunsten der städtischen Hausbesitzer. Auch sonst zeigte sich eine anwachsende Un- ziiftiedenheit mit dem jetzigen Wahl, recht" in national- liberalen Kreisen, da diese Partei ihre Hoffnungen auS der Wahlrechtsänderung nicht erfüllt sieht. Schließlich haben auch einige bürgerliche Blätter den Zustand völligen Ausschlusses der Arbeiter- klaffe für unhaltbar erklärt, indem sie auf die er« bitternde Wirkung dieses Zustande? hinwiesen. Einige Optimisten, zu denen sich freilich unsre Parteigenossen nicht gesellten, glaubten daher schon, es werde eine wirkliche WahlrechtS-Reform- Bewegung zu stände kommen, der die regierenden Kreise würden Rechnung tragen müssen. Das„Vaterland", Organ deS konservativen Landesvereins mid sämtlicher konservativen Vereine im Königreich Sachsen, richtet nun gegen die Refornl-Begeistertcn folgenden kaltcu Wasserstrahl: „Wir fühlen uns veranlaßt, aus unsrer bisher beobachteten Zurückhaltung herauszutreten und unsre Neinnng hien'iber offen auszusprechen. Und da müssen wir denn gerade heraus erklären, daß für die konservative Partei eine sogenannte„Wahlrechtsfrage" wenigstens zur Zeit überhaupt nicht existiert... Das jetzige Wahlrecht hat die Gefahr beseitigt, daß in der sächsischen Zweiten Kammer die Vertreter deS Proletariats eine gefahrdrohende Kopfzahl erreichen und dieses Verdienst möchten wir nicht gering schätzen..." Das war kaum ander? zu ertvaricn für die Kenner der sächsischen Zustände. Die Konservativen denken gar nicht daran, ihre parlamentarische Alleinherrschaft fteiwillig zu schwächen. Die Nationalliberalen sind die betrogenen Betrüger.— Ausland. Die französischen Wahlen. Es ist die falsche Meldung deS gestrigen Telegramms zu be- richtigen, daß ZövaeS in Grenoble gewählt sei; das ist nicht der Fall. Auch stellt sich daS Mandatsergebnis der socialistischen Parteien noch ungünstiger als gestern das offiziöse Telegraphenbureau ge- meldet hat. Die Gesamtzahl der gewählten Socialistcn be- trägt 43. Im Jahre 1898 tvurden 38 Socialisten gewählt, zivci weitere Abgeordnete traten der socialistischen Partei nach den Wahlen bei, in Stichwahlen wurden 3 Socialisten gewählt, so daß also auch bisher schon 43 Socialisten der verschiedenen Richtungen in zwei Kammern saßen. Nach der Aufstellung der„Petite Republigue' zählen von den 48 Gewählten 31 zur„Socialistischen Partei Frankreichs" sJrniresistenZ, dagegen 11 der„Socialistisch-revolutionären Einheit" sGursdisten und Blanquisten). Sembat hat sich keiner der beiden Gruppen formell angeschlossen. I a u r i s kündigt als sicher an, daß die bisherige Regierung freiivillig ihren Platz verlassen tvill, und daß M i l l e r a n d fich nicht an der bevorstehenden Kabinetts- bildung beteiligen wird.—_ Tie TricS der Madame Hnmbert, mit denen sie die Rftltionäre»ni Millionen betrog, waren anscheinend sehr maunigsaltig. Ueber etliche dieser Manöver berichtet das „B. T." nach französischen Blättern, in denen ein AnSgebeutelter seinen Reinfall erzählt: Madame Hnnibcrt bcschied in ihr PalaiS die, welche a»f die berühmte Erbschaft Geld leihen solllen, oder von denen sie einen Aufschub in der Rückzahlung schon geborgter Suminc» ver- laugte. Nachdem sie sich in sehr geheimnisvollem Ton über die hundert Millionen und über die Verschlagenheit der Crawfords an?« gelassen hatte, pflegte sie hinzuzufügen:„Ich werde für Sic etwas thun, was ich noch nie für jemanden gethan habe, ober sprechen Sie um GotteS willen kein Wort davon. Wir werden Sie über- zeugen I" Mine. Humbert entfernte sich sodann zum geheininis- vollen Kassenschrauk und kam bald mit einem großen Paket in Leiuwaiidumschlag in den Händen zurück. DieS„Paket", mit fünf großen Siegeln verschen, die den Stempel der„Brüder Craivford", einen rätselhaften Minervakopf, zeigten, mit de.... wie Madame Humbert versicherte, diese zwei Personen die Enveloppe vor zwei Wochen gesiegelt hatten. „Dank einem Kunststück und der Geschicklichkeit eines Arbeiters. der uns die Enveloppe präpariert hatte," flüsterte Madame Humbert dem künftigen Gläubiger in die Ohren, der schon halb ge- wouncn ivar.„können wir die Enveloppe öffnen, ohne au die Siegel zu rühren. Die CrawfordS werden es nicht bemerke». Für Sie werde ich eS machen— aber still I" Und Mine. Hnmbert cm- feriite in der Thai drei Siegel, zog a»S der großen Enveloppe einen Haufen Papiere heraus, und ich bemerkte dann folgendes mit eignen Augen, und zivauzig Gläubiger haben eS ebenso gesehen tvie ich: In' dem Pakete waren zunächst dreiprozentige französische Rcnteu- briefe.„Zählen Sie sie", sagte Mme. Humbert. Ich zählte: es waren für 587 660 Fr. Nentenbriefe vom Januar 1896.„Sie sehen," fiihr die Dame fort,.587 660 Fr.— die dreiprozentige Rente von 9t Millionen für das vcrflosiene Quartal. Uebrigens ist hier das Certifiiat'— und dann zeigte Madame Hnmbert auf ein Papier, tvelches den Hansen Wertpapiere bekleidete, eS war von ziuci Anwälten unterzeichnet, die sehr vorteilhaft bekamtt waren. Diese bescheinigten, daß die Rentenbncf», denen die Nummern angefügt waren, die VierteljahrSrente von 91 Millionen darstellten und die von Herrn Craivford in dreiprozentige Rentenbriefe mngewandelt worden waren. Nachdem ich das gesehen,— wie konnte ich noch zweifeln? Es waren die Nentenbriefe, eS waren die Quartals- kupons von 91 Millionen, die Certifiknte der beiden Anwälte— was konnte man niehr verlange»? Ich war dadurch überzeugt. Ich borgte, und ich ließ mich ans Fristverlängerung ein. ft Die H u m b e r t'sche Reiitenaiistalt ist zusammengebrochen. 1100 Versicherte sind niiniert. Das Unternehmen hatte klerikale Beziehungen, seine Werbebroschüren waren mit de» Bildnissen des Papstes, mehrerer Kirchenfürsten usw. geschmückt und beriefen sich auf geistliche Empfehlungen. Bei vier nugesehene» Rechtsaiiwalten sind HanSsuchungen vor- genonnnen und Akten konflsciert ivorden. Es handelt sich um die Ämvalte Bazille, Anzoux. Labat und Camiel. Bazille hinterlegte die scheinbar regelrecht ausgestellte Vollmacht der Brüder Craivford, die— niemals existiert haben. Die drei andren Anwälte brachten gleichfalls für die Entscheidungen in der„Millionen"-Affaire wichtige Dokumente vor.>- Vom rnsslschrn Freiheitskampf. Man schreibt uns: Es war vorauszusehen, daß der Tod EstpjaginS für die revolutionäre Bewegung das Interesse entferntester Kreise wecke» ivird. Mit einem Scblagc steht die Opposition im Mittelpunkt aller Gespräche, das spöttische Lächeln über die Revolutionsmacherei ist von so manchem Munde geivichen. Man ficht, daß von neuem der ernste Kampf begonnen hat, der so jäh in den achtziger Jahren ob- brach. Gierig wird jeder Hauch anS dem unterirdischen Rußland ans« gesaugt und der ehrlichere Teil der rusfischen Gesellschaft, der schon längst aufgehört hat, injden öffentlichen Preßorganen seinen Weg- meiier zu suchen, ist immer mehr bestrebt, Annäherung mit der freien Presse zu finden, die, obgleich nur aus hettographierten oder aus mit ungelenken Lettern bedruckteil Blättchen besteht, doch in lenchtender Sprache das zum Ausdruck bringt, ivas alle Herzen be- ivcgt. So auch jetzt. Die große Presse duckt sich lautlos uuter dein Maulkorb; das einzige, ivoraus man ihre Meinung über die Ermordung Ssipjagiiis ersehen konnte, war ihr Schweigen. Ilm so schärfer geht mit der Regierung ins Zeug die revolutionäre Tageslitte'ratur. Mit rücksichtsloser Hand reißt sie die schimmernden Fetze» der Galgenregierung vom Leibe und legt die Ursachen klar, die die revolutionäre Bewegung gezivungen haben, zur Gewalt zu greifen. Ein Aufruf, der von den vereinigten Komitees der Partei der socialistischen Revolutionäre und der Socialdemolraten in Saratow ausgeht, charakterisiert die Ministerthütigkeit Ssipjagins. ES wird auf die Erdrosselung der S e m st w o S hingewiesen, die Vertuschung des Notstandes, die Wohlthaten. die cr dem reichen Dienstadel erwiesen hat, die s y st e m a- tische Knebelung der Presse, die Ausdehnung des kleinen Belag erungSzu st andeS fast auf das ganze Rußland und die polizeiliche Willkür, die unter den, Regime SfipjaginS feine Grenze» gekannt hat. Der Aufruf schließt mit den Worten: An Stelle SsjpjaginS ist V. P l e h tv c ernannt worden, der sein ganzes Leben in der Verfolgung der politischen Bewegung verlebt hat und seiner Zeit sogar das Oberhaupt der Polizei gewesen ist. Bei dem Antritt seines Amtes flehte'er den Allerhöchsten an, ihm moralische Kraft zur Wanderung in den Fnßstapfen SfipjaginS zu gebe» und er versprach nicht nur Worte, sondern auch Thatcu. Die Thätigkeit Ssipjagins hat also wohl nur zu viele grausanie Worte gezeitigt, aber wenig grausame Tbaten. Der neue Minister ist sich treu. Er Hot Balmaschew dem Kriegsgericht überlviesen. Es ist also dcr schontings- lose Krieg zwischen dem russischen Börger und der Regierung ent- brannt. Schwören auch wir, daß auch wir, das wcrkchätige Volk. wie alle Bürger Rußlands nicht die Waffen niederlegen. Wir ver- langen eine Verfassung auf Gnmd deS allgemeinen gleichen Stimmrechtes, damit die arbeitenden Klassen an dem Schicksal des Heimat- landes teilnehmen können. ES lebe die Konstitution I Nieder mit dem Zarenminister l Nieder mit dem Absolutismus l" Oestreich-Ungarn. Z« den RuSgleichSverhaudlnngcn ans Wien wird vom Dienstag gemeldet: Wie verlautet. ist die Antwort der imgarischen Regierung ans die östreichischen Ausgleichsvorschläge bereits in Wien eingetroffen. Ministerpräsident Koerber dürfte fich daher noch im Lause dieser Woche nach Budapest begeben, nm die diesbezüglichen Verhandlungen fortzusetzen.— Krakau, 13. Mai. Bei den gestrigen Gemeinderats» Wahlen siegte die Liste der Linken. Unter andrem wurde auch der socialistische Reichsrats-Abgeordnete Daszinski zum Mitglied des Gemeinderats gewählt.— Italien. Rachwehe» vom I. Mai. In L» c e r a standen dieser Tage 4 Landarbeiter vor Gericht, sie sollten stch durch gewaltsamen Widerstand gegen die Obrigkeit schuldig gemacht haben. Am 1. Mai zogen etwa 200» Landarbeiter, Bauern und Jndnstrie-Arbeiter durch die Felder, um für den Welt- fcicrtag der Arbeit zu demonstrieren. Auf ihrem Rückweg begegneten sie den Wächtern der Ordnung, und diese hieben ohne jegliche Ver» anlassnng auf die Manifestanten ein; der Präsident der Legha di resistenza(Gewerkschaft) der Landarbeiter wurde an der Hand verwundet, ein Hieb, der gegen seinen Kopf geführt wurde, konnte von einem andern aufgefangen werden. Ein Teil der Manifestanten beantivortete nun den brüsken Ueberfall mit Stein- würfen. Die Gendarmen sprengten schließlich zur Stadt zurück, ließen die Thore schließen und erschreckte» die Einwohner durch Er- Zählungen der unglaublichsten Art. Die Arbeiter waren vernünftiger und zerstreuten sich. Der Gerichtshof sprach drei von den An» geklagten frei, der eine wurde zu fünf Tagen Haft verurteilt; es wurde anerkannt, daß dieGendarmen ini höchsten Grade provokatorisch aufgetreten s e i e u.— Dänemark. Die liberalen Minister, die bekanntlich ihr Amt zu einem große» Teil der Wahlhilfe verdanken, die die organisierten Arbeiter ihrer Partei geleistet habe», zeigten sich bei dem nun beendeten Konflikt der Seeleute und Hafenarbeiter als die unbedingten Schutzpatrone der kapitalistischen Ausbeuter und thaten nicht das mindeste, um das staatlich anerkannte Koalitions- recht'der Arbeiter zu schützen. Der Justizminister Alberti trat in seiner Zeitung.Dannebrog' sogar für eine Einschränkung dieses RechtS ein und bezweifelte es,„daß das Organisations recht der Arbeiter sich in allen Fällen in den bis jetzt bekannten Formen für alle ökonomischen Betriebe eignet". Die skandalösen AbsperrnngSmaßregeln am Hafen überstiegen alles bisher Dagewesene und hätten unter einem konservativen Ministerium jedenfalls auch den entschiedenen Widerspruch der Liberalen hervor- gerufen. Für die Verladung der Waren der bäuerliche» Genossen- schaftS-Schlächterei in Esbjerg hatte der Landwirtschaftsminister Ole Hansen ganz besondere Vorkehrungen getroffen, um den Streikbrecher» der Agrarier ausreichenden Schutz zu gewähren. Sörensen der Minister des Innern besichtigte während des Konfliktes den neuen Amerikadampfer Oskar II. hielt beim Champagner eine Lobrede auf„Det forenede Dampslibselskab", aber der ausgesperrten Arbeiter gedachte er in keincr Weise.— Da? sind die Minister aus der Partei, deren Angehörige einst die Arbeiter in ihren wirtschaftlichen Kämpfen moralisch und finanziell unter- stützten; das war vor dem Ministerwechsel, als man die Arbeiter noch brauchte, um zur Macht zu gelangen.„Unter der konservativen Regierung", schreibt„Socialdemokraten", „hatten die Arbeiter nur die K a p i t a l i st e n auf dem Nacken. Unter der liberalen haben wir nun die alliierten Kapita- l i st» n und V g r a r i e r auf den Hals gekriegt. Aber ihr Versuch, uns zu einem Nichts herabzudrücken, wird doch fehlschlagen." Schweden. WahlrechtS-Demonstratioueu Wehrpflichtiger. AIS am Mittlvoch in Stockholm zwei Kontingente in die alte Kaserne ein- rückte», um von dort an die betreffenden Regimenter weiter befördert zu werden, sangen sie daS Arbeiterlied„' A r b e t e t s S ö n e r" und brachten Hochrufe auf das allgemeine Wahlrecht ans. Aus Göteborg und Landskrona sowie aus Malinö lverden nhnlicke Vorgänge gemeldet. In Göteborg sang ein Teil der Wehrpflichtigen statt der alten Kriegslieder Arbeiterlieder, mehrere stimmten in den Ruf„Nieder mit dem Militarismus" ein. In Malmö folgte der focialdemokratische Jugendklub den Wehrpflichtigen zum Rathause, wo Hochrufe auf das allgemeine Wahlrecht ausgebracht wurden.— Weitere Wahlrechtsdemonstrationen fanden am letzten Sonntag in Stockholm und in vielen andrenStädtenSchlvedens statt. Die Zahl der Teilnehmer am Demonftrationszngc in Stock Holm wird aus 30 000 angegeben. 18 Musikkapellen begleiteten den Zug. Auf dem Sammelplatz, auf Ladugaardsgärdet sprachen u. a.: Ltndquist, Branting, Lindley, Wickmann und Karleson.— AuS Göte borg wird gemeldet, daß 12000— IS 000 Personen an der Demo» stralio» teilnahmen, in Malmö waren es SOOO, in Eskilstuna 4000 bis 5000, in Gefle eben so viele, in Jöuköping 2000, und eine dem- entsprechend starke Beteiligung wird auS einer ganzen Reihe andrer Städte gemeldet.— Ruftland. Standesrechtlicher Massenmord, das ist von jeher die Stütze wankender Throne gewesen. Der Zarismus, dessen ganze Geschichte einem Blutstrom gleicht, fühlt, natürlich noch weniger als das bei irgend einer absolutistischen Regierung der Fall gewesen, irgend welche GewiffenSbisse. wenn er ein Massengrab schaufelt. ES ist in Rußland bald kein Pflasterstein auf der Straße mehr, an dem nicht Arbeiterblut klebte. Und nun wird der Boden ganzer Gouvernements mit dem Blute ver- hungernder Bauern getränkt. Obgleich der Gouverneur ohne Schonung prügelt, die Revolte nimmt nicht ab. heißt es in einem Briese aus Poltawa. In einem der umliegenden Dörfer wurde auf die Bauern geschossen, viele Frauen und Kinder wurden dabei verwundet, mehrere der Bauern blieben tot liegen. Einer davon hatte 14 Kugeln in seinem Körper. Man teilte mir mit. schreibt unser Korrespondent heute aus ver« traueustvürdiger Quelle, daß 23 Soldaten wegen Weigerung, auf die Revoltierenden zu schießen, verhaftet toorden seien. Der Aufstand hat nicht den Charakter einer Revolution, eS wird nichts zerstört. Man verteilt daS Korn entsprechend der Größe der Familie, und das, was von dem Getreide übrig bleibt, wird in die Gemeinde- Kornbänser abgeführt. DaS Militär bringt das Getreide in die Gutsspeicher zurück. Sobald aber daS Militär fort ist, beginnt alles wieder von neuem. Die Anführung liegt dabei in den Händen der Gemeindeältesten." In einem andren Bericht aus Poltawa heißt es: „In dem hiesige» Gefängnis befinden sich Bauern und Studenten, die der Gouverneur hat verhaften lassen. Unsre Proklamationen erscheinen mit der Pünktlichkeit und Regelmäßigkeit der„Poltawaer Nachrichten"(das Blatt des Gouverneurs). Ein Offizier beschloß, um jeden Preis denjenigen zu fassen, der in sein Bataillon die Flugblätter hineinschmuggelte, er paßte in einem Hinterhalt auf, und als eines Nachts der Arbeiter KritschewSki erschien, um durch das offene Fenster in die Kaserne die Proklamationen zu werfen, stürzte der Offizier mit vier Soldaten heraus und ergriff ihn. Der Offizier(sein Name ist Fedorow) zog den Revolver und drohte den Arbeiter aus der Stelle zu erschießen, wenn er nicht gleich seine Komplicen nenne» wollte. Auf der Polizei wurde Kritschewski furchtbar zugerichtet. Man schlug ihn. bis er beivnßtlos hinsank. Auf seine Beschlverden beim Prokurator erklärte dieser spöttisch, daß die Zeit vorüber sei, wo man mit solchen Leuten ceremoniös ver- fahren sei. Ein Offizier erzählte, daß in einigen Dörfern die Bauern sich dadurch zu schützen gesucht haben, daß sie die K i n d e r in die vorderen Reihen stellten, in der Hoffnung, das Militär würd auf diese nicht schießen. Sin O f f i z i e r ist vor dai K r i e g S» g e r i ch t gestellt worden, weil er nur das zehnte Gewehr hatte scharf laden lassen. Die Gutsbesitzer nahmen die Offiziere sehr fashionable auf. In Karlowka gaben sie dem Gouverneur und den Offizieren ein großes Diner. Der Champagner floß in Strömen. Im Gouvernement Charkow ist das Gemetzel noch schrecklicher gewesen wie bei uns. Ein Soldat erzählte:„Wir schössen alle nieder, die uns in die Quere kamen, und wer ergriffen»vurde, wurde bis zum Tode geprügelt." Die Zahl der Peitschenhiebe gingen bis auf 250. Acht Bauern, denen eS gelungen war, zu entfliehen, stießen auf eine Patrouille, an deren Spitze ein be- trunkener Offizier stand. Er kommandierte, alle acht lagen tot auf der Erde."— Assen. Peking, 12. Mai. Die chenesische Regierung giebt bekannt, daß in zweitägigen Kämpfen die Aufständischen in Süd-Tschili völlig be- siegt und ihre Anführer gefangen genommen sind,— Der Boereu- Krieg. Eine Depesche Kitcheners aus Pretoria meldet, daß in der ver- gangenen Woche IS Boeren getötet, 6 verwundet und 802 gefangen genommen wurden. ES wurden 580 Ge- wehre, 6420 Patronen, 157 Wagen, 400 Pferde und 4800 Stück Vieh erbeutet. Bruce Hamiltons Kolonnen ruckten am 9. Mai wieder nördlich von der Lindleylinie aus vor. Jan Hamilton säuberte das Gebiet östlich des Hartsflusses und rückte am 7. Mai in Ver- bindung mit Nochfort von Bloemhof aus westlich vor. Am 11. Mai trafen sämtliche Kolonnen ans der Westbahnlinie mit 357 Gefangenen und nahezu dem ganzen Wagen» und Viehbestande der in diesen Distrikten sich aufhaltenden Kommandos ein. Durch diesen Zug steigt die Verminderung von DelareyS Streitkräften seit dessen erfolgreichem Angriff auf Major Paris vor zwei Monaten anf 860 Mann._ Psitfzi Parteilittcratur. Die von der Buchhandlung Vorwärts in Wochenheften zu 10 Pf. herausgegebene Illustrierte Romanbibliothek „In freien Stunden" liegt jetzt bis zum Heft 19 vor. Neben dem mit prächligen, für den Inhalt charakteristischen Zeichnungen ge» schmückten Roman„Der Bastard" von Spindler, der bei dem Leser» kreis reichen Beifall gefunden hat, fesselt auch der stimmungsvolle Lotische Roman„Ein Seemann" namentlich die Frauenwelt und die Jugend, so daß wir wiederholt unsre Leser auf die Romanbibliothek aufmerksam machen, die zur Verdrängung der leider auch in unsren Arbeiterkreisen noch vielfach verbreiteten Schundroman-Litteratur be- stimmt ist. Jede Buchhandlung und jeder Kolporteur nimmt Be- stellungen entgegen. Tie WeihuachtS-Zeitting„ArbeitSloS" ist endlich in Magde» bürg, wie das dortige Parteiblatt vom 12. d. M. meldet, freigegeben worden. Ob man wohl über den Grund der Verschleppung der Freigabe etwas erfahren wird? Die Parteikonferenz für den Wahlkreis Hof faßte einen Beschluß, der auf baldige Schaffung eines eignen selbständigen Partei- blattcS für die ober- und unterfränkischc» Wahlkreise gerichtet ist. Jetzt besteht seit einiger Zeit für die oberfränkischen Kreise ei» Kopfblatt der„Fränkischen Tagespost" unter dem Namen„Ober- fränkische Volkszeitung". polizeiliches, Gerichtliche»»fw. Die Verhaftung der Frau Dr. Golde, der Redacteurin der „Gnzeta Robotnicza", soll, wie die„Leipziger Volkszeitung" nieldet, auf einer Anklage wegen Aufreizung beruhen. Deswegen ist sie in Ilntersuchungshäft genommen worden. Aus InÄultvio und ZZaudel. Rekonstruktion der Dortmunder Unio». Nach nionatelangen Erörterungen über die Reorganisation der„Dortniunder Union wurde endlich in der gestrigen Sitzung des Aufstchtsrals der Beschluß gefaßt, der Generalversammlung, die auf den 9. Juni anberaumt lverden soll, vorzuschlagen, das Aktienkapital durch Zusammenlegung im Verhältnis von 5:3 von 42000 000 Mark anf 25 200 000 Mark herabzusetzen und zugleich 5 Prozent Vorzugsaktie» int Betrage von 10 800 000 M. auszugeben. Die Vorzugsaktien solle» eine Vorzugs-Dividende von 5 Proz. erhalten; nacki ihnen die nach- stehenden Aktien Litt. C eine Dividende bis zu 4 Proz. Ein dann noch verbleibender Ueberschuß des RetngeiviniiS soll auf sämtliche Aktien beider Gattungen im Verhältnis des Nennbetrages verteilt werden. Wenn die nachstehenden Aktien 4 Jahre hintereinander eine Dividende 5 Proz. erhallen haben werden, so entfallen sämtliche Unterschiede zivrschen beiden Aktienarten. Ferner wurde beschlossen, der General- Versammlung zu empfehlen, den Vorstand zur Errichtung einer besonderen Aktiengesellschaft für die Henrichshütte nebst Zn- behör zu ennäckitige», die mit rund 13 Millionen zu Buch« stehen und mit K�/s Millionen in die Aktiengesellschaft eingebracht werden soll, wobei an Magazinbeständen und an Debitoren rund 3'/« Millionen zu überiveisen sind, so daß die Aktiengesellschaft mit einem Grundkapital von 10 Millionen zu errichten sein würde. Endlich wurde empfohlen. die 4 prozentigen Obligationen, zu deren Ausgabe die Gesellschaft berechtigt ist. am 1. Juli d. Js. (rund 2S/io Millionen) zu begeben. Das Ergebnis dieser Vorschläge ist folgendes: Zur Abschreibung stehen 16 800 000 M. zur Ver- fügung, wovon 6 500 000 M. auf die Henrichshütte zu verwenden fiiid, und 10 300 000 M. zu andren Zwecken, einschließlich der Deckung der Verluste im laufenden Geschäftsjahre übrig bleiben. Das Aktienkapital wird sich auf 36 000 000 M. stellen. Die fundierten Schulden der„Dortmunder Union" werden, ab- gesehen von der planmäßigen Tilgung, um rund 6 500 000 M. ver- nnuderi Die Bankschulden lverden sich um 10 800 000 M.. soivie »ach Verkauf der Aktien der Henrichshütte um weitere 8 500 000 M. und endlich um den Erlös der noch zu begebenden 4prozentigen Obligationen im Nennbeträge von 2 300 900 M. vermindern. Halbzeugverband. Wie die„Kölnische Zeitung" meldet, wurde in der heutigen Hauptversammlung deS HalbzeugverbandeS festgestellt. daß der Absatz nach dem In- und Auslande sich in befriedigendem Umfange bewegt. Die Versammlung bewilligte die AuSfuhrvergütung für daS dritte Vierteljahr. Hamburg-Amerika-Linie. Der Vorstand bemft die Aktionäre zu einer außerordentlichen Generalversammlung zusammen, die an, 28. Mai in der Börsenhalle in Hamburg stattfinden soll. Die Tages- orduung enthält folgende Gegenstände: Antrag des Vorstandes und AnfsichtsrateS auf Äbändenmg der Statuten der Gesellschaft, ins- besondere der Bestimmungen der g§ H, 16(Abs. 1), 17(Abs. 1), 19(Abs. 2). 25 und 26 über die Mitglieder des Vorstandes und des RufsichtsratcS, über die Beschlußfassungen der Generalversammlung, für welche eine größere als die einfache Mehrheit der abgegebenen Stimmen erforderlich ist, über die Selbstversicherung der Schiffe und über die Berechnung des Reingewinnes. vom Dampfertrust. Beachtenswert für die Zwecke, die der Morgansche Schiffstrust verfolgt, ist. daß die Direktoren der„China Mutual Steam Navigation Company" den Aktionären ihrer Gesell- schaft mitteilen, sie hätten ein Angebot a»f Ankauf des gesamte» von der Gesellschaft ausgegebenen Aktienkapitals erhalten. Die Mehrzahl der Direktoren betrachtet die gestellten Bedingungen als günstig und beabsichtigt, was ihren eignen Äktieiibesitz betrifft, das Angebot anzunehmen. Wie das„Reutersche Bureau" erfährt, geht zwar daS Angebot von einer Liverpooler Schiffrceder- Finna aus. doch wird allgemein angenommen, daß der Morgansche Schiffahrtstrust dahinter steckt, um so mehr als bekanntlich Pierpont Morgan auch an der Spitze des amerikanischen Shndikats steht, das den Eisenbahnban in China betreibt. Bedeutend ist zwar die Flotte der China Mutual Dampfschiffahrtsgesellschaft nicht; sie besteht nur aus 14, meist kleineren Dampfern, kommt für den Transportverkehr nach den chinesischen Häfen aber immerhin in nicht geringem Maße in Betracht. In England hat die Thatsache, daß die Leiter des Trusts ge- sonnen find, fich nicht auf den nord-atlantischen Verkehr zu beschränken, neue Erregung hervorgerufen, obgleich es für den, der die Jntmsien- bcziehnngen der amerikanischen Faisenre betrachtete, von vornherein kaum zweifelhaft sei» konnte, daß der Trust nicht zuletzt dazu be- stimmt ist, den amerikanischen Exportinteressen zu dienen und deshalb auch sein Bestreben darauf gcrichtctsein muß, einen Teil des Schiffsverkehrs nach Ostasien, Oceanien und Australien in die Hand zn bekommen. Der „Daily Telegraph" weist auf die in dieser Ausdehnung des Trusts liegende neue Erhöhung der Gefahr hin und niacht besonders darauf aufmerksam, daß, wenn das zwischen dem Trust und den deutschen Gesellschaften geschlossene Bündnis sich über den nord- atlantischen Verkehr hinaus erstreckt, die höchste Gefährdung für alle diejenigen britischen Linien eintrete, die nach Südafrika, Ostasien und Australien verkehren. Es sei zweifellos, daß der Trust und die deutschen Linien gemeinsam die englischen Linien ihrem Willen unterthan machen würden. Thatsächlich trete der Trust durch den Erwerb des White Star sofort in den Besitz von Linien nach Afrika, Australien und Neu-Seeland. Goldproduktio». Der„Internationale Volkswirt" giebt in seiner Nummer 31 eine interessante Znsammenstellung der Gold- ausbeute des Jahres 1900 im Vergleich zur Goldproduktion der voraufgegangenen vier Jahre 1896/99. Wie er näher darlegte, be- gann von 1876 an, nachdem sich noch im Durchschnitt der Jahre 1871/75 die jährliche Ausbeute auf 173 904 Kilogramm ge- stellt hatte, ein langsamer Rückgang der Goldproduktion. Das Minimum Imirde 1883 erreicht: 144 727 Kilogramm im Werte von 403 Millionen Mark. Seitdem hat die Produktion stetig zugenommen bis zum Jahre 1900, in welchem infolge des südafrikanischen Krieges erneut ein Rückschlag Gesamtproduktion; eintrat. Seit 1890 betrug die jährliche Im Jahre 1890 1891 1892 1893 1894 1895 Tausend Kilogr. 181 188 196 236 272 301 Wert Mill. Mk. 505 526 549 660 758 840 Im Jahre 1896 1897 1893 1899 »00 Tausend Kilogr. 305 357 431 462 366 Wert Mill. Mt. 850 997 1202 1289 1974 Vereinigten Staaten Australien Afrika Rußland Mexiko Ostindien China Groß-Kanada Der Ausfall in 1900 kommt, wie die nachstehende Ueberficht über die Produktion der wichtigsten goldliefernden Länder zeigt, fast ganz auf Rechnung der Minderausbente in den südafrikanischen Goldminen- Distrikten. Zwar haben auch Australien und Rußland im Jahre 1900 etwas weniger produziert als in 1899, doch wird dieser Fehlbetrag überreichlich durch die Mehrerzeugung der Vereinigten Staaten von Amerika, Ostindiens und Kanadas gedeckt. In Kilogramm 1896 1897 1898 1899 1900 79 880 86 400 96 995 106 911 119 126 67 984 83 800 97 594 119 352 110 591 66 819 87 600 120 566 110182 13 048 32 404 35 000 38 814 33 854 80 315 12 586 14 200 12 790 13 450 13 542 9 224 10 900 12 506 12 816 15 057 4 650 8 800 8 114 8 387 8 887 4 228 9 000 20 822 82 086 41 951 Für die bekannt« Argumentation der Bimetallisten, die„Gold- decke" werde sich als zu kurz erweisen, und eine starke Steigerung der Goldpreise die Folge sein, bietet diese rapide Zunahme der Goldproduktion während des letzten Jahrzehnts eine recht schlechte Unterlage._ GvtvvvKMMfklMxes. Verls» und Umgegend. Die Müitiir-Dattler Berlins beauftragten ihre für Deutsch- land bestehende Tarifkommisston, eine Petition an den Reichstag zu sende», worin die Schäden der Heimarbeit klargelegt und um deren Abschaffung ersucht wird. Dentsche« Reich. Kongreß der Lichtdrncker Deutschlands. Eine Kommission von 17 Lichtdruck«» der bedeutendste» Druckstädte Deutschlands ladet zu einem Gehilfen-Kongreß alle Lichtdrucker, Photographen, Prä- parateure und Retoucheure nach Berlin im Gewerkschaftshause ein. Der Kongreß beginnt am 18, Mai und wird voraussichtlich zwei Tage dauern. Warnung fiir Maurer. Da in verschiedenen außerhalb Harn- bnrgs erscheinenden Zeitungen Manrer nach hier gesucht werden, so ersuchen wir die Kollegen, auf derartige Anzeigen' nicht sofort nach Hamburg zu kommen, sondern vorher erst bei uns anzufragen, ob Arbeit vorhanden ist«der nicht. Augenblicklich ist hier kein Mangel an Maurern und gewinnt eS deshalb den Anschein, als wenn es dem Unternehmertum nur darum zu thun ist, den Zuzug nach hier noch größer zu gestalten, als er schon ist. Der Bor st and deS Zweigvereins Hamburg. Forderungen der Flcischergefellen sollen der Allgemeinheit der deutschen Fleischermeister, dem diesjährigen Meister-Verbandstag in Stuttgart durch die organisierte Gesellenschaft unterbreitet werden. Dieselben umfassen folgende Punkte: 1. Einführung des zwölf- stlliidigcn Arbeitstages. 2. Strenge Durchführung der gesetzlichen Vorschriften für die Einhaltung der Sonntagsruhe. 3. Uneutgelt- lichkeit der Arbeitsvermittlung und Beteiligung der Gesellenvertreter an der Verivaltung derselben. 4. Aufrechterhaltung der elfstündigen Ruhepause für das Ladenpersonal. 5. Regelmäßige Kontrolle der Herbergen und Schlafräume unter Hinzuziehung von Gesellen- Vertretern und 6. Abschaffung der monatlichen Lohnzahlung und Lohnaufrcchnnng. Die Gtcinarbriter i« Kiel haben beschloffen. in den Strei! zu treten, iveil die Unternehmer den früher vereinbarten Tarif nicht unterschreiben»vollen. Lohnbewegungen der Maurer. In F ü r st e n w a I d e a. S p r e e haben die Maurer nach achttägigem Streik erreicht, daß ein Teil der Unternehmer die Forderung— Erhöhung des Stundenlohnes von 40 auf 43 beziv. 45 Pf.— bewilligte. Der Streik wurde deshalb aufgehoben und über die Unternehmer, die noch nicht bewilligt haben, die Sperre verhängt. Zuzug von Maurern nach Für stfe n- «aide ist daher fernzuhalten. Die Maurer in Waren(Mecklenburg) haben vor einigen Wochen di« Einfühnmg des Zehnstundentages und einen Stundenlohn von 35, bei Landarbeit 36 Pf. gefordert. Nachdem die Maurer jetzt den Streik beschlossen hatten, sind ihre Forderungen bewilligt worden, ehe der Beschluß ausgeführt werden konnte. Ein Geschäft, wo noch länger als 10 Stunden gearbeitet wird, ist gesperrt. Achtung, Schlächter! Da der Streik der Schlächtergesellen in ESbjerg(Dänemark) unverändert fortdauert und in Deutschland noch immer nach Ersatzkräften gefahndet wird, so richten die dänischen Schlächtergesellen an ihre deutschen Berufskollegen daS Ersuchen, den Zuzug von Esbjerg fernzuhalten. Zur Nachachtung empfohlen. Die Kieler Bauunternehmer hatte» die Polizei um Beivachuug der Arbeitsstätten zum Schutze ihrer Arbeitswilligen ersucht, und darauf von dein Polizeipräsideuten folgende Antwort erhalten: „Auf das Schreibe» vom gestrigen Tage erwidere ich Ihnen, daß ich dem Gesuche»ur iusowcitzu eutsprechen vermag, als: 1. die sehr geringe Anzahl meiner Beamten dies zuläßt; 2. eine Gefährdung der öffentlichen Ruhe, Sicherheit und Ordnung, oder 3. endlich eine Störung des Verkehrs auf den öffentlichen Straßen und Plätzen zu befürchten steht. Den Verkehr zwischen den streikenden und «(Mtenben Personen, welcher ohne eine solche Störung stattfindet, zu hindern oder auch nur zu überwachen, bin ich gesetzlich nicht befugt. Insbesondere kann es nicht die Aufgabe nieiner Beamten .sein, die fehlende Aufsicht über die Arbeiter während der Arbeits- .pausen zu übernehmen und so für die Bauunternehmer in dem Streit der Interessen einer allein ihnen obliegenden Pflicht �u genüge». Es wird und muß vielmehr mein Bestrebe» sein, völlig unparteiisch zu verfahren und mich streng an das zu halten, was meines Amtes ist." Der Standpunkt deS Kieler Polizeipräsidenten entspricht durchaus den gesetzlichen Bestiinmnngen über die Befugnisse der Polizei bei Arbeiterausständen. Es liegt deshalb keine Veranlassung vor, die Kieler Polizeibehörde wegen ihres korrekten Verhaltens zu rühmen. immerhin kann dasselbe der Polizei an manchem andren Orte als ein nachahmenswertes Beispiel und ein nicht immer erreichte? Ideal empfohlen werden. Ausland. Der Konfltlt der dänischen Seeleute und Hafenarbeiter. „Det forenede Dampskibselskab" und dessen Direktor Brand scheint von einer wirklichen Verfolgungswnt gegen die Arbeiterorganisationen ergriffen zu sein. Nach mehreren Hafenstädten, ivie Kolding, Horsens, Stege usiv. ist die Weisung ergangen, daß für Löschung und Ladung der Schiffe der Gesellschaft nur unorganisierte Arbeiter verwandt werden dürfen, widrigenfalls solle die Schiffahrt eingestellt werden. „Socialdemolraten" weist anläßlich der erlittenen Niederlage darauf hin. daß es ein Uebelstand ist und war. daß der Hafenarbciter-Verband außerhalb der Gesamtorganisation der Gewerkschaften steht und dementsprechend seinen Streikbeschluß faßte, ohne mit.den Vertretern der gesamten Arbeiterschaft darüber beraten zu haben.„Um in Zukunft stark zu sein", schreibt unser Bruder- organ,„müssen wir in noch höhcrem Grade als bisher Einigkeit und Disciplin in unsren Reihen haben. Es geht auf die Dauer nicht daß irgend ein Geiverbe außerhalb des Gcsanitverbandes der Gewerkschaften steht, denn das macht jeden geordneten Kainpf un- möglich." Die Zeitnngstypographen Stockholms und der General- streik. Das Personal sämtlicher Zeilnngsdruckereien in Stockholm hatte am Mittwoch eine gemeinsame Versammlung, um zu der Frage des Generalstreiks Stellung zu nehmen. H j a I m a r B r a n t i n g hielt das einleitende Referat und erklärte, daß er im Gegensatz zu den übrigen Mitgliedern des für den Generalstreik eingesetzten Ai>& schnsscs der Ansicht sei, daß die Zeituiigstypographe» ans Klugheits gründen eine Ausnahme bilden und nicht am Generalstreik teil- nehmen sollten. In diesem Sinne wurde dann auch beschlossen. Des weiteren wurde der Beschlich gefaßt, daß während der Dauer deS Generalstreiks jeder 50 P r o z. seines Einkommens an den Generalstreikfonds abzugeben hat. Streiks in Italien. 1200 Marmorarbeiter von P i e t r a f a n t a haben wegen Lohndifferenzen die Arbeit eingestellt.— In Florenz streiken die Bäckergesellen, um eine Lohnerhöhung durchzusetzen.— Im Po-Gebiete beginnen sich wieder die Landarbeiter zu regen; im V e r o u e s i f ch e» sind 500 Landarbeiter im Ausstand. Sociales. Die Zahl der Hansindnstricllen, sowohl im Hauptberuf als nebenberuflich, wurde bei der Berufszählung von 1835 auf 334164 Selbständige»»d 67 719 Gehilfen ee. festgestellt. In welcher Weise sich diese Zahlen seitdem verändert haben, läßt sich schwer beurteilen. Immerhin ist geiviß, daß der Kreis der Kranken- Versichcrinigspflichtigeii, auch wenn die Haus mdustricllen schon da und dorl auf Grund von Gemeinde- statuten versicherungspflichtig sein mögen, erheblich ausgedehnt werden wird durch die in Aussicht gestellie BiiiideHrats-Verordniuig. Dennoch ist es eine winzige Zahl gegenüber den Millionen land wirtschaftlicher Arbeiter und Dienstboten sowie sonstiger Angestellten, die noch der obligatorischen Krankenversicherimg harren und dringend bedürfen; stehen doch deü ca. 16 bis 19 Millionen Uufallverficherteii nur ca. 9 Millionen Krankenversicherte gegenüber. Zur Wohnungsfrage. Die Stadtverordneten-Verfammlung in F o r st sLansitz) beschloß nach einem Antrage unsrer Partei- genoffen die Einsetzniig einer Kominisston, die die Wohnungs- Verhältnisse in der Stadt untersuchen und die Frage der Erbauung von Arbeiterwohnungen durch die Stadt prüfen soll. Ans der Isvmtrnbenu'Nung. Schöncberg. Heute, Mittwoch, den 14. Mai, abends 8'/s Uhr, findet die allmonatliche Versammlung des Vereins für Frauen und Mädchen Schönebergs und Umgegend im Lokale von E. Obst, Meiningerstr. 8, statt. Herren und Damen als Gäste haben Zutritt. Da die Tagesordnung eine sehr wichtige ist. ersucht der Vorstand uin recht zahlreiches und pünktliches Erscheinen. Eine Wahlrechts-Pctition der Frauen Stockholms ist dem schwedischen Reichstag am Freitag zugestellt ivorden. Die Petition ist von 4154 verheiratete» und unverheirateten Frauen aus allen Gesellschaftsschichten unterzeichnet. Wegen der kurze» Zeit bis zuni Rcichstagsschlnß hat maii sich mit der Unterschriftensaniniliiiig auf Stockholm beschränken müssen. Von Göteburg ist eine gleiche Petition mit 1487 Unterschriften eiugegangen. Die Katastrophe ans den Antillen. Allmählich laufen über das Ereignis, daS am 8. Mai die Insel Martinique vernichtet hat, ausführlichere Berichte ein. Besonders anschaiilich schildert eine aus St. Lucia eingetroffene Meldung der Londoner„Dailv Mail" seinen Verlauf: Die Bewohner von St. Pierre hatten vier Tage vorher eine Warnung von der koinmeudcn Katastrophe. Nachdem der Vulkan Pelee 50 Jahre geschwiegen hatte, brachen um Mitternacht am 3. Mai dichte Rauchwolken mit hochragenden Flammen aus, begleitet von lauten, rollende» Geräuschen. Die ganze Stadt erwachte, die Bewohner stürzten auf die Straßen und eine allgemeine Panik erfolgte. Am nächsten Tage. 4. Mai, fing ein dichter Aschen- regen an auf die Stadt zu falle». Der Vulkan war un- sichtbar mid niemand wagte sich weit von der Stadt weg. um den Ilmfang des schnell zunehmenden Ausbruchs festzustellen. Der Sonn- tag wurde in Angst verbracht. Der Montag. 5. Mai. kam und da ergoß sich plötzlich aus dem Moni Pelee ein Strom gcschniolzener Lava, zivanzig Fuß hoch und eine halbe Meile breit. Er ergoß sich n>it einer Geschivindigkeit von hundert Meilen senglische. Red.) per Stunde vorwärts: sich durch das trockene Bett der Riviere Blanche ergießend. gelangt« der Lavastrom von der 4000 Fuß hohen Spitze des Berges zum 5 Meilen entfernten Meere in drei Minuten und vernichtete alles auf seinem Wege. An der Mündung des Flusses stand eine große Fabrik des Dr. Gnerin. lieber diese ergoß sich die geschmolzene Masse, und in einer Minute ivar alles vorüber. Fast jeder in der Nähe kam um. Die Zahl der Opfer wird auf 100 geschätzt, darunter befand sich der Sohn des Eigentümers. Dr. Gnerin selbst entkam. Jetzt ist nur der hohe Schornstein der Fabrik sichtbar. Der Druck des Lavastromes Ivar so groß, daß die See meilenweit an der Küste 300 Fuß zurttckivich und dann mit eiuiger Gewalt, ohne viel Schaden zu thun, zurückkehrte. Der Schrecken der Bewohner in St. Pierre nahm zu. Laute Detonationen erfolgten in kurzen unregelmäßige» Intervallen, und sie waren so laut, daß man sie 300 Meilen(60 deutsche Meilen) weit hörte. Montagnacht war der Klater eine Masse schauerlicher Flammen. die bergehoch schössen, während die Kanonode fortdanerte. Viele Per- sonen inSt. Pierre hatten jetzt eine Ahnung von dem, was lomme» würde. Trotz völliger Dunkelheit liefen die Leute in Nachtkleid, ing schreiend aus die Hügel in der Richtung vom Vulkane weg. während andre auf Danipsern nach St. Lucia flüchteten. Dienstag, den 6. Mai. spie der Vulkan immer noch gewaltige Massen rauchender Dämpfe und Lava aus, während die rollenden Geräusche und Erd- beben unaufhörlich andauerten. Der Krater und die Spitze deS Berges waren durch dicke Wolken unsichtbar gemacht, die Stadt wurde aber von einer einen viertel Zoll dicken Schicht von Lavastaub überdeckt. Es zeigte sich allgemein große Be- stürzung. Hunderte und Hunderte von Personen, die in der Nähe der vulkanischen Region wohnten, suchten Zuflucht in St. Pierre und andern Orten der Nachbarschaft. Einige wenige begaben sich in Fischerbooten nach St. Lucia oder Dominica. Mitt- ivoch morgen ließ der furchtbare Zustand ein wenig nach, aber um 2,30 Uhr nachmittags begann die schwere Kanonade wiederum. Bis St. Thomas und St. Lucia hörte man diese; sie dauerte eine gute Weile an und Freitagnachmittag, nach der Katastrophe, begann sie wieder ungefähr zur selben Stunde. Diese Kanonade erschütterte das Land an der Küste wie wenn es Erdbebenstöße wären und infolge dessen rissen die Kabel. Erschütternd in seiner lapidaren Kürze wirkt der nachstehende, kurze Bericht eines amerikanischen See-OffizierS über die Katastrophe selbst: Plötzlich hatte man daS Gefühl, als ob man geschüttelt werde. Die Luft erzitterte und aller Augen wandten sich nach dem Moni Pelee, ans welchem eine himmelhohe Feuersäule emporschoß, dann barst der Berg auseinander und die Flamme schlug vom Himmel auf die Stadt und den Hafen zurück. Daraus stieg unter ge- waltigem Tosen eine enffetzliche Flutwelle empor. Heißer Schlamm ergoß sich und der Untergang der Welt schien herbeigekommen. Alle Schiffe standen in Flammen/ Die Stadt St. Pierre ivar in Rauch und grauen Staub gehüllt und der Hafen war voller Leichen. Weitere Depeschen melden: Fort de France, 12. Mai(über New Dorl). Eine Be- sichtigung der Unglücksstätte hat ergeben, daß die Opfer der Katastrophe infolge Einatmens giftiger Gase plötzlich erstickt sind. Die Insel ist noch immer von dichtem Nebel umhüllt. Auf dem Meere schwimmen Schiffstrümmer und daneben Leichen, welche die Möwen anfressen und die Haifische verschlingen. Heiße Windstöße Ivechscln mit kalten ab. Die Trümmer der Stadt brennen noch immer. Eine Landung ist sehr schwer. Die Straßen sind kaum zu passieren. Es liegen ganze Hansen von Leichnamen da, die meisten »ist dem Gesicht der Erde zugekehrt. Washington, 12. Mai. Repräsentantenhaus und Senat genehmigten für die Hilfsleistung auf Marttnique und St. Vincent 200 000 Dollar, anstatt der vom Präsidenten Roosevelt nachgesuchten 500 000 Dollar. Die Bill geht nunmehr zur Geuehmigung an den Präsidenten zurück. St. Thomas, 11. Mai. Nach Meldungen aus Dominica von heute fließt die Lava im Norden von Martinique noch weiter. Der ganze nördliche Teil der Insel ist verwüstet und seiner Vegetation beraubt. Auch ist der„Kochende See" verschwunden. New D o r k, 12. Mai. Einem Telegramm ans Fort de France von gestern zufolge befinden sich über 1000 Flüchtlinge in Le Carbet und Casc Pilotc bei St. Pierre. Fortwährend werden noch Teile von Leichen in der llingebung von St. Pierre gefunden. Soldaten und Gendarmen sammeln diese und verbrenne» sie auf einem der öffentlichen Plätze. Ein in London eingetroffenes Telegramm aus St. Vincent berichtet, daß die Nachrichten von Stunde zu Stunde schlechter lauten. Die Aerzte und Krankenwärter befürchten eine neue �Katastrophe. Ganze Familien sind umgekoininen und ans allen Teilen der Insel liegen Haufen von Leichen. Militär, Behörden lnid Ileberlebende .legen breite Laufgräben an, um die Leichen zu verbrennen. Das Londoner Kolonialamt hat dem englischen Kreuzer „Pallas" Befehl gegeben, mit Lebensmitteln von Jamaica nach St. Vincent abzugehen. Aus Kingston auf Jamaica wird telegraphiert, daß die S cb w e f e l q u e l I e n im Süden der Insel einen außerordentlich hohe» Hitzegrad erreicht haben; man befürchtet weitere vul- kanische Erscheinnngcii. Paris, 13. Mai. Nachrichten von Martinique werden namentlich in Marseille, Havrc und Bordeaux, welche Häfen in viel« fachen Handelsbcziehiuigen zu der Insel stehen, mit angstvoller Spannung erwartet. Die Telegramme der Korrespondenten der Handelshäuser ans St. Pierre treffen spärlich ein und enthalten nur Namen am Leben Gebliebener oder Getöteter. In allen drei Städten iverden Saiiimlniigen für die Opfer der Katastrophe veranstaltet. Mehrere Käuflcnte aus Bordeaux iverden am Mittwoch in Southanipton an Bord des„Atrato" nach Martiiiiqiie in See gehen, um sich an Ort und Stelle über die Lage auf der Insel zu informieren. Paris, 13. Mai. Eine heute im Mariiieininisterium ein- gegangene Tcpesche besagt, daß das durch den Ausbruch des Moni Pelee verwüstete Gebiet Carbet, Precheur, Graiideriviere und Macouba innfaßt. 400 Leichname sind bereits in Precheur beerdigt worden. Auch in Bassepointe ist der Schaden beträchtlich. Rom, 13. Mai. Wie der„Agenzia Stefani" aus Fort de France voni 13. d. M. genieldet wird, sind nach Mitteilungen des dortige» italienischen Konsnlarageuteii die italienischen Schiffe„Sacra Cuore" aus Neapel und„Nordamerica" aus Castellamare bei dem Ausbruch des Vulkans untergegangen. 13 italienische Staatsangehörige sind gerettet. London, 13. Mai. Das„Reutersche Bureau meldet aus Castries auf St. Lucia von heute: Nach Meldungen ans St. Vincent von heute früh sollen dort, seitdem der Soufrivrc begonnen hat. Lava auszuwerfen, 1600 Personen ums Leben gekommen sein.— Aus St. Thomas von heute meldet dasselbe Bureau: Der dänische Kreuzer„Valkyricn" rettete 500 Flüchtlinge im Norden und Nordosten der Küste, der„Suchet" rettete 2000; sämtliche Geretteten wurden nach Fort de France geschafft. ES heißt, daß die französische Bank in St. Pierre ihre Bücher und Wert- lachen auf dem„Suchet" vor dem Eintritt der Katastrophe fort- geschafft habe. Paris, 12. Mai. Der König von Italien hat der französischen Regierung durch den italienischen' Botschafter 25 000 Frank für die Opfer der Katastrophe auf Martinique zustellen lassen. Eine dem Minister der Kolonien zugegangene Depesche nieldet, daß der Dampfer„Pouher-Quertier" 450 Personen nach Fort de France gebracht hat; alle kommen von Prdcheur. Bon den Einwohnern von St. Pierre sind nur diejenigen nicht unigckoinme», welche Pierre am Tage vor der Katastrophe oder am Tage der Katastrophe selbst vor 8 Uhr früh verlassen hatten. Ueber die Hilfeleistung der Vereinigten Staaten wird berichtet: Washington, 13. Mai. Der Senat»ahm ohne Debatte einen Beschlußantrag an, wonach dem Präsidenten 5 000 000 Dollar einschließlich der bereits bewilligicn 2 000 000 Dollar zur Verfügung gestellt worden zur schleunigen Hilfeleistung für die durch die Katastrophe in West-Jndien und auf St. Vincent Be- troffenen. Es scheint fast, als ob die vulkanische Thätigkeit sich auf die ganze westliche Erdhälfte erstreckt. Aus Neiv Kork wird berichtet: Neiv Aork, 13. Mai.(Laffan-Meldung.) Nach dreißig- jähriger Ruhepanse beginnt der Mount Jona, der einzige Vulkan in den Vereinigten Staaten, jetzt wieder Rauch und Dampf zu peien. Die Einwohner in der Umgegend des Biilkans bereiten sich vor, ihre Heimstätten zu verlassen. Aus Neiv Jork wird gemeldet: In Mexiko ist der Vulkan Coli«»« sehr thätig und die Bewohner der Nachbarschast fliehen.— Seit 40 Stunden sind keine Nachrichten aus St. Vincent ein- getroffen und man befürchtet, daß dort die Situation sehr ge- ' ä h r l i ch ist._ Die schweren Angriffe,'denen im August v. I. die Ver- icher ungs-Gesellschaft„Victoria" ausgesetzt war, sollen in mehrtägiger Verhaiidlung erörtert werden, welche gestern unter dem Vorsitze des LandgerichtS-Direktors Oppermaun vor der vierten Strafkammer des Landgerichts I ihren Anfang nahm. Die Verhandlung findet im kleinen Schwurgerichtssaal statt. Am II. August u. I. und in den folgenden Tagen wurde in der F r i e d r i ch st r a ß e von Händlern eine kleine Broschüre angeboten. welche„Ein Wohlthäter der Menschheit" betitelt war und sensationelle Enthüllungen über eine große Versicherungs-Gesell- schaft und ihre Volksvcrsicherung enthalten sollte. Das Heft fand reißenden Absatz und dessen Inhalt bildete längere Zeit hin- durch den allgemeinen Gesprächsstoff. Als' Verfasser der Broschüre bezeichnete sich auf dem Titelblatt der frühere Lehrer, spätere Angestellte der Gesellschaft Hermann Kossert. Er war im Uiifrieden ausgeschieden und beleuchtete nun auf Grund der von ihm gemachten Erfahrungen die Geschäftsführung und die Grundsätze der„Victoria". Zunächst richtete sich der Inhalt der Druckschrift gegen die leitenden Persönlichkeiten der„Victoria", denen alles Ueble nachgesagt wurde. Die Volksversicherung diene lediglich dazu, den Säckel der Gesellschaft zu füllen, den Direktoren ein Rieseneinkommen und den Aktionären fette Dividenden zu sichern. Von dem, was das Volk opfere, würden 30 Proz. durch die Ver- waltting verschlungen. Sodann schilderte der Verfasser die Notlage der Agenten und Schreiber. Diese erlitten eine schlechte Be- Handlung bei schwerer Arbeit für einen Hundelohn, der ihnen kaum möglich mache, das Leben zu fristen. Die Direktoren schwelgten dagegen im Ueberflutz. Gegen zwei der Direktoren wurden schwere Beleidigungen ausgestoßen.' Am 13. August vorigen Jahres, am Tage der Beisetzung der Kaiserin Friedrich, waren sämtliche Geschäftsstellen der Gesellschaft„Victoria" geschlossen, und da es ohnehin eine Zeit der geschäftlichen Krise ivar, so entstand das Gerücht, die Ge- sellschaft befände sich in geschäftlichen Schwierigkeiten. Bei der großen Menge der Versilberten wurde in weiteren Kreisen eine erhebliche Unruhe hervorgerufen. Die Broschüre wurde be- schlagnahmt. Der Verfasser Kossert ivurde wegen Beleidigung zur Verantwortung gezogen und mit ihm die vier Verleger und Druckereibesttzer, ivelche bei der Herstellung und dem Verkaufe der Broschüre mitgewirkt hatten. Es waren dies die Druckerei« besitzer Arthur Hermann, Ambrosius P a r i s ch k e und Gustav Wolfs, sowie der Verleger und Redacteur Hans v. Mosch. Der Hanptangeklagte Kossert, der vom Rechtsanivalt Jüngst verteidigt ivird, hat einen»nnsangreichen Wahrheitsbeivcis für seine in der Broschüre alifgestellten Behauptungen angeboten. Der Angeklagte Hermann wird vom Rechtsanwalt Jnstizra't G e s ch k e verteidigt, den beiden Direktoren der„Victoria", Gerstenberg und Thon, welche als Nebenkläger zngelaffen sind, steht Rechtsanivalt Siegmann zur Seite. Die Anklagedehörde wird durch Staatsanwalt Schmidt vertreten. Die Vernehmung der Angeklagten»immt fast die ganze heutige Sitzung in Anspruch._ VovlÄmmlungvn. Die Deutsche Mctallarbetter-Grwerkschaft(Berw. Berlin) hielt am 4. Mai die Generalversammluiig für das 1. Quartal ab. Nach dem gedruckt vorliegenden Kassenbericht betrug die Einnahme für das 1. Quartal 2984.10 M., die Ausgabe 2442,38 M., demnach ein Ueberschuß von 541,72 M. Dazu Bestand vom 4. Quartal 1901: 1059,56 M., verbleibt ein Gesamt- Kassenbestand von 1601,28 M. Dem Kassierer ivurde die beantragte Decharge erteilt. Zum Ver- ivalttuigsbericht benierkt Wiesuer, daß sich die Mitgliedschaft wieder zu heben beginne. Den an uns gestellten Aiifordernngen sind wir vollauf nachgekommen, trotzdem gerade genug Differenzen zu schlichten ivaren, ande'rnteits auch der Streik der Kollegen von Alwiann eine größere Summe gekostet hat. Zum 2. Punkt gab Wiesner kurz die Gründe bekannt, die die geplante Konferenz nötig machen. Die Diskussion gestaltete sich sehr lebhaft. Beschlossen wurde, die Konferenz zu beschicken, und wurde G. Wiesner als Delegierter und M. Zedier als Stellvertreter geivählt. Zum zweiten Bevollmächtigten wurde provisorisch, da Kollege Köppen sei» Amt noch nicht nieder- gelegt hat, Kollege'R. Hcsve'r bestimmt. Zum Ortskassierer wurde Kollege P. Edelmann wiedergewählt. Der Verband deutscher GastwirtSgehilfen(Ortsverwaltung Berlin) hielt am Freitag eine Fortsetzung der Generalversanimlinig ab. Als 1. Punkt stand Neuwahl des HauptvorstandeS auf der Tages- ordnnng. Geivählt wurden die Kollegen Moock, Kraushaar, KobuS, Hilgert und Volkmuth. Als Revisoren wählte man die Kollegen Roih, Sohn und Krambach für den Hauptvorstand. Den Geschäfts- berickt vom 1. Quartal giebt Hilgert. Danach wurden durch den Arbeitsnachweis vermittelt: Feste Stellen 104, Anshilfestellen 2571. Den privaten Stelleilvermittlern ivurde» durch den kostenlosen Arbeits- nachioeis 1491,25 M., nach den niedrigsten Gebühren berechnet, entzogen. Der Kasfevbcricbt wird von Zeiske gegeben und ergiebt folgendes: Ein- »ahme 3076, 60 M.. Ausgabe 2537.85 M., Bestand 538,75 M. Nach dem Bericht der Revisoren wird dem Kassierer einstimmig Decharge er- teilt. Bei der Ersatzivahl zum Vorstand wählte man die Kollegen F e u e r h e e r d niid H. Schulz als Schriftführer. Eine zicnilich lebhafte Debatte rief ein Antrag Böhla auf Ausschluß des Kol« legen W e g e ii e r aus dem Verband hervor. Da die Versammlung sich stark gelichtet, wird derselbe bis zur nächsten Versammlung zurück- gestellt. Die Filiale deS Verbandes des Maffage-, Bade- und Kraukcnpflege-Pcrsoiialö hielt ani Himmelfahrtstag nn„König- stadt-Kasino" die ordentliche Mitgliederversammlinig ab. Für die, Bademeister wurde beschlossen, einen Fragebogen cirkulieren zulassen,. um ein positiv statistisches Material über die Zustände in dem Beruf' zu bekommen. Zun, Schluß wurde noch bekannt gegeben, daß zwei Kollegen als erste Opfer unsrer Bewegung gemaßregelt worden sind. Zu dem Bericht über die Laekierer-Versainmlung teilt uns Herr Karl Glatt nüt dem Ersuchen um Veröffentlichung mit, daß er einer der beiden im Krankenhaus Friedrichshain angestellten Maler sei, welche nach Angabe Hoefs dessen Entlassung verschuldet haben sollen. Hoefs Behauptungen entsprächen nicht den Thatsachen, da ihm 3—4 gewaschene, von Ansteckungsgefahr befreite, den Augen der Außenwelt entzogene und sein Schamgefühl befriedigende Räunie zur Vcrsügung standen. Seine weitere Angabe aber, daß er deshalb entlassen, sei vollständig»»»vahr, denn die Gründe, die zur Entlassung führten, bezogen sich nur auf Hoefs Arbeitsleistung. Netzte und Depeptzen. ZlbgeordiietenhauS. Wien, 13. Mai. In der fortgesetzten Budgetdebatte kommt der Eisenbahnminister Ritter v. Wittel auf die Berstaat- I i ch u n g s a k t i o n zu sprechen und erklärt, die Regierung verkenne nicht den Wert der sncccssiveu Vereinigung der großen Privatbahnen mit den Staatsbahnen, es dürfe aber die außerordentliche Tragiveite einer derartigen Aktion für die Staatsfinanzen nicht über- sehe» werden. Es handele sich auch um das große Problein des Staats- kredits.der bei einer derartig große» Aktion lebhaft inAnspruchgenonuneli würde, weshalb man sich von jeder Ileberstürzung fern halten müffe. Ein« besondere Vorsicht in der Frage der Fortsetzung der Vcrstaatlichungsakiion sei geboten. Bezüglich der konzessionsniäßige» Einlösung der östreichischen Nordivestbah» bestehen gewisse Vorsragen von teils principieller, teils großer finanzieller Bedeutung, die erst gelöst werden müssen, ehe wegen Verstaatlichuiig an diese Bahnen herangetreten werden kamt. Madrid, 13. Mai.(W. T. B.) In dem Kohlenbergwerk zu Sanabastol wurden durch einen Einsturz drei Bergleute getötet. New Dork, 13. Mai.(Telegramm des Reuterscheu Bureaus.) In Port au Prince fanden während der Nacht wettere Kämpf« ii» den Straße» statt. Einige Rebellenführer zogen sich nach der Gesandtschaft der Vereinigten Staaten zurück. Die Lage ist sehr ernst. Die gesanite Bevölkerung ist bewaffnet und besteht darauf, daß San» unverzüglich das Land verlasse. »eralltwortlicher Redacteur: Earl Leid in Berlin. Sur den Zuseratenteil verantwortlich: Th.«locke in Berlin. Druck und Serlaz von tfl»i««bin« in Berlin Hierzu 1 Beilaze h. Ii»tertzal«ii»gsl>lat». ». 110. ig. umn. Keilllge des Joniiürta" KMer KMslllsN. W»w°� w'M Neilttii>S?rozti ßillger md ktMjsen. Der Vorsitzende, Landgerichtsrat G r o d k e, eröffnet die Sitzung um 10 Uhr. Die frühereu Vorgesetzten des Angcllogten H i l I g e r, Schulräte K o b und H a r n y, stellen ihm bezüglich seines Charakters kein gutes Zeugnis aus und glauben Grund zu haben, besonders an deffen Wahrheitsliebe zu zweifeln. I» näherem Verkehr haben die Zeugen mit dem Angeklagten nicht gestanden. Der Redacteur AderS vom L i ch t e rf e l d e r G e m e i n- n ü tz i g c n*, dem dritten dort erscheinenden Blatte, hat der Ver- Handlung beigewohnt, um darüber für seine Zeitung zu berichten. Auch er hat die Vorkommnisse bei der Vereidigung Hillgers so ge- schildert, wie es seitens der übrigen Zeugen geschehen. Der folgende Zeuge, Lehrer Z i e g l e r aus Grost-Lichterfelde, erklärt, daß er mit Hillger befreundet sei. Auch er ist am 8. November in der Verhandlung gegen Dr. Klein als Zeuge ver- nommen worden. Er ist gefragt ivordcn, ob er etiva die Artikel geschrieben habe, mit dem Hinzufügen, dust er seine Aussage ver- weigern könne, wen» er befürchten müffe, sich selbst ttnannchmlich- leiten zuzuziehen. Der Zeuge hat von diesem Rechte Gebrauch ge- macht. Der Vorsitzende macht den Zeugen jetzt darauf nufmerksäm. dah eine solche Berechtigung jetzt nicht mehr vorliege, da ein gegen den Zeugen eingeleitetes Strafverfahren inzwischen erledigt sei. Der. Zeuge erklärt, dast er eine Aussage mache» wolle und erividert auf Befragen. daß er der'Verfasser der beiden ersten beanstandeten Artikel sei. Ob Hillger der Verfaffer der übrigen vier Artikel sei, könne er nicht sagen. Einmal habe er den Dr. Klein gefragt, iver der Verfasser der übrigen vier Artikel sei. Dr. Klein habe erwidert:.Das ist Redaktions- geheimnis*. Der Zeuge erklärt, daß er häufig die Versammlungen des Lichterfelder Grundbesitzervereins besucht und darüber Berichte an Dr. Klxin geliefert habe. Im übrigen sei es sein Bestreben gewesen, nur eine allgemeine Schilderung' der Verhältnisse der Gemeindeverwaltung von Lichterfelde zu'geben und alles Persönliche zu vermeiden. Würde er einen andren Zweck ver- folgt haben, so dürften wohl für die Gemeindeverwaltung Höchst unliebsame Erörterungen zur Sprache kommen. Staatsanwalt Reis hält dem Zeugen vor, daß der erste von ihm verfaßte Artikel mit der Ueberschrift:„Der große Herr von Pumpen- seid" doch auf eine bestimmte Person gemünzt sei und ebenso der zweite Schmähartikel. Nach längerem Vorhalten seitens des Staatsanwalts giebt der Zeuge zu, daß sich die Spitze der Artikel gegen den B ü r g e r», e i st e r und den Kaufmann S t e i n b a ch zu Lichter- felde richtete. Als AnHaltepunkte für die Artikel hätten Gerüchte gedient, welche in Lichterfelde im Umlauf gelvesen wären. Es sei dort allgemein erzählt worden, daß der Amt'svorsteher Schulz häufig während der Nacht am Spieltische sitze und Darlehne von den Mitspielern entnehme, wenn er in Geldverlegenheit gerate.— Amtsvorsteher Schulz wird vorgerufen, um sich auf diese Beschuldigungen z» äußern. Mit erhobener Stinnue und in augenscheinlicher Erregung erklärt der Zeuge Schulz:„An der ganzen Geschichte ist kein ivahrcS Wort. ES ist alles erlogen, und empörend, jo etwas hier vorzubringen. Ich habe zum Hazardspiel nie eine Karte in die Hand genommen und niemals geborgt!" Einer der Beisitzer richtet an den Zeugen Ziegler die Frage, ob er dieser- halb bei der Behörde des Amtsvorftehers Schulz Anzeige erstattet habe. Der Zeuge verneint.— Beisitzer: Aber Sie habe» sich nicht gescheut, auf so hinterlistige Weise Schmähartikcl in die Oeffent- lichkeit zu bringen?— Zeuge: Ich wollte nicht zum Denunzianten Iverden.— Staatsanwalt: Ja. wenn Sie glaubten. Ungehörig- leiten zur Sprache bringen zu niüssen, so hätten Sie es in ordeut- licher Form und an der gehörigen Stelle thu» niüssen, aber nicht in dieser schmählichen Weise Wirtshausklatsch über einen ehrenwerten und angesehenen Mann verbreiten.— Der Zeuge giebt des weiteren zu. daß er zeitweise während drr Erkrankung des' Dr. Klein in der Redaktion thätig gewesen sei. Rentier H e i d e r aus Lichterfelde, der nnt dem Angeklagten Dr. Klein seit zehn Jahren verkehrt, soll sich über dessen Gesundheit«- zustand äußern. Er weiß, daß Klein sehr schiverhörig ist und das Leiden zunimmt, wenn er genötigt ist. längere Zeit aufzupassen und zu sprechen. Der folgende Zeuge, Lehrer R o g a tz, berichtet über zwei Fälle, in denen sich der Angeklagte Hillger der Unwahrheit schuldig gemacht habe.— Der Angeklagte Hillger bleibt gegenüber allen Vorhaltungen dabei, daß wirklich eine Anzahl Uebelstände bei der Gemeinde- Verwaltung in Lichterfelde bestanden hätten, die zu beseitigen er für seine Pflicht gehalten hatte. Rektor F ü l l g r a f f, ein Amtsgenosse des Angeklagten Hillger, meint, daß man dessem Wort nicht allzuviel Gewicht beilegen dürfe. Er glaube bestimmt, daß Hillger der Verfasser des Artikels im „Lokal-Anzeigei" gewesen sei. Er schließe dies daraus, iveil in denr Artikel Gedanken zum Ausdruck gebracht waren, die Hillgcr ihm kürzlich zuvor gelegentlich einer Unterhaltung entwickelt habe. Be- stimmtere AnHaltepunkte habe er für die Verfasserschaft des An- geklagten Hillger nicht. Auf Befragen des Justizrats Cassel giebt er Zeuge zu, daß er dem Angeklagten Hillger nicht freundlich ge- sinnt sei, da dieser versucht habe, ihn in seinem Anscher herab- zusetzen. Zeuge Schulrat H o ch e ergänzt seine Aussage noch folgender- maßen: Cr habe den Rektor Hillger lvcgen der 6 Artikel vernommen. Einige Tage darauf habe er von unbekannter Seite die neueste Nummer der.Lichterfelder Zeitung" zugesandt erhalten mit einer blau an- gestrichenen Briefkastennotiz, worin die Redaktion erklärte, daß sie e§ aus gewissen Gründen für angezeigt halte, ausdrücklich festzustellen. daß der Artikel, betreffend die Schulverwaltung in Lichterfelde, nicht vom Rektor Hillger verfaßt sei, Hillger auch weder schriftliche noch mündliche Informationen dazu erteilt habe. Der Zeuge sowohl wie ein andrer Schulrat seien der Ansicht gewesen, daß diese Erklärung nur veröffentlicht worden sei. um etwaigen Maßregeln gegen Hillger vorzubeugen. Lehrer S ch u r i ck e, früher Lehrer in Lichterfelde und dem Rektor Hillger unterstellt, ist mit ihm jetzt noch befreundet. Die Frage, ob er Mitarbeiter der.Lichterfelder Zeitung" gelvesen. wird von dem Zeugen verneint. Die fraglichen Artikel seien ihm bekannt, daß Rektor Hillger aber deren Verfasser sein könne, sei ihm nie in den Sinn gekommen. Fortsetzung der Verhandlung Mittwochvormittag SVe Uhr. Berliner Partei-Angelegenheiten. Die Parteigenoffen de« sechsten KreiseS(Schönhauser Vor- stadt) werden auf die heute. Mittivoch, stattfindende öffentliche Parteiversammlung aufmerksam gemacht. Tagesordnung: Vortrag des Reichstags-Abgeordueten Richard Fischer über:„Voll- danipf voraus in der Socialreform." Bericht des Vertraucnsmaunö. der Prcßkommission. Lokal-, AgitationS- und Zeitungskommission. Rixdorf. Die Parteigenossen werden auf die heute abend bei Gröpler. Bergstr. 147. stattfindende Mitgliederversamm- l u n g des Wahlvereins aufmerksam gemacht. Frauen und Gäste haben Zutritt.___ Uoksles. Die Kirchgänger-Not hat auch der K r e i S s y n o d e Berlin l. die am Montag zu- sammengetreten ist, wieder recht reichlichen Anlaß zu lebhaften Klagen gegeben. Hier wurde besonders darüber gejammert, daß der Kirchen- besuch in Stralau und Treptow zichvimschen übrig läßt. Auch daran sind allein die vermaledeiten Sonntazs-Ausflüge der sündhaften Berliner schuld. Diese Berliner meiden nicht nur selber die Kirchen, zumal wenn der Sonnenschein lockt— nein, ihre Kirchen- flucht steckt auch noch die Bevölkerung derjenigen Ortschaften an. in die sie an schönen Sonntagnachmittogen mit Kind und Kegel hinaus- ziehen! In dem Ephoralbericht, der der Synode vorgelegt worden ist, wird ausgeführt, die Lage Stralaus und Treptows in der Nähe einer Großstadt, ihr Charakter als Vergnügungsorte„einer nicht gerade auserlesenen Gesellschaft" und die eigenartige Zusammensetzung ihrer Bevölkerung biete dem Aufbau kirchlich-» Lebens begreifliche Hindernisse dar. Der. Ausdruck„nicht gerade auserlesene Gesellschaft" verdient besondere Beachtung. Die Not an Kirchgängern muß in der That sehr groß geworden sein, wenn sie die Pastoren so gänzlich außer Fassung bringen kann, daß die hochwürdigen Herren sich schon nicht mehr damit begnügen, die verirrten Schäflcin zu bedauern, sondern anfangen, auf sie zu schimpfen. Noch in einer andern Hinsicht hat die wachsende Gottlosigkeit der Berliner Bevölkerung den auf der Kreissynode Berlin l ver- sammelten Seelenhirten Töne der bittersten Klage entlockt. Daß die Mehrzahl der Berliner den Kirchen fernbleibt, ist schlimm. Aber schlimmer noch, viel schlimmer ist es, daß immer größer die Zahl derjenigen wird, die sich nicht einmal mehr auf den FriedhöfenderKirchengemeindenbeerdigenlaysen möge n. Da» allerärgste dabei ist das, daß die Fälle, in denen die Beerdigung auf dem konfessionslosen Friedhof der Stadt Berlin bei Friedrichsfelde sogar ohne vorherigen Auskauf aus der Kirchengemeinde erfolgt, sich.in bedenklicher Weise" mehren. Und der Berliner Magistrat begünstigt geradezu diese Schlechtigkeit, indem er«S unterläßt, die Verwaltung des Gemeinde- Friedhofs anzuweisen, bei Anmeldung von Beerdigung den Aus- lösuugsschein zu verlangen. Die Kirchenverwaltung, so wurde auf der Synode ausgeführt, habe an der Sache ein erhebliches Interesse. Ei gewiß— sogar ein sehr erhebliches I Dieses Interesse ist freilich viel weniger ein religiöses als ein pekuniäres. Daher begreift es sich auch, daß allen Ernstes die Frage erörtert wurde, ob man nicht, wie das Konsistorium es empfiehlt, den— Klageweg beschreiten solle. Die Idee ist wirklich nicht übel! Erst klagt man sich die Kirchenbauten ein. hinterher das Recht auf die Leichen der verstorbenen Gemeindemitglieder— da fehlt nur noch, daß sich die Kirchengemeinden auch die erforderliche Anzahl von Kirchgängern aus dem Klagewege erstreiten. Wenn das ge- länge— ja. dann wären unsre Seelenhirten mit einem Schlage aus allen Schwulitäten heraus.__ Die Stadtverordneten- Versammlung hat in ihrer Sitzung am Donnerstagnachmittag ö Uhr u. a. folgende Gegenstände der Tagesordnung zu erledigen: Vorschläge des Ausschusses für die Wahlen von unbesoldeten Gemeindebeamteu.— Ei» NaturalisationS- gcsuch.— Wahl eines Mitgliedes— an Stelle des Stadtv. Dr. Frendenberg— in die Waisenverwaltung.— Berichterstattung des Ausschusses für Rechnungssachen über 19 Rechnungen, soivi'e über den Jahresabschluß der Haupt-Stistungskasse und über den Abschluß des Lagerbuchcs für das Etatsjahr 1900.— Berichterstattung über die Vorlage betreffend die An- legimg von Straßen auf dem Gelände der Akticn-Gesellschaft Ren- B e I l e v u e zwischen der Stromstraße, der Straße Alt-Moabit, der Straße 30, der Lcvetzowstraßs und der Spree, sowie einer Fuß- gänger-Sprcebrückev o h n e r Berlins, die sich in einer Notlage befinden.— Vorlagen betreffend: die Uebcrtragung der Druck- Herstellung des G e n, e i n d e b l a t t es und der damit in Ver- bindnng stehende» Drucksachen an die Firma W. u. S. Lölveuthal Hierselbst auf weitere drei Jahre,— den Neubau der über den Kupfergraben führenden Eisemen Brücke,— die Abänderungen der Abteilungen XII und XIII des Bebaunngsplanes zwischen der Riugbahn und dem Weichbilde im Anschluß an die Be- bauungspläne von Pankow, Neu-Weißcusce und Lichtenberg,— die Uebcrreichnng des Ehreubürgcrbricscs an den Stadtschul- rat a. D. Geheimen Regiernngsrat Professor Dr. Bertram,— die Erwerbung des zur Durchlegnng der C h r i st i a n i a st r a ß e von der Prinzcn-Allee bis zur Kolouiestraße erforderlichen Landes,— die Herstellung einer Kühlanlage für die Koch- und Stcrilisations- anstalt auf dem Schlachthofe und die Abänderung eineö Ortsstatuts für das Gcwcrbegcricht der Stadt Berlin.— 8 Rcckmungen.— Vorlagen betreffend die Bewilligung einer außerordentlichen Beihilfe für einen Genicindc-Schnllehrer.— Die Zusicherung des vollen Dienst- einkommens als Pension bei Svjährigen Jubiläen— und die Wahl von Vertranensmänncm für den beim Königl. Amtsgericht I in Berlin zu bildenden Ausschuß zur Auswahl der Schöffen und Ge- schworenen für das Jahr 1902. Schulnot i» Moabit. In dem Stadtverordneten- Ausschuß, der in den letzten Woche» stibcr die von der Aktiengesellschaft„Neu- Bellevue" geplante bauliche Erschließung deS' Geländes der ehemaligen„ B o r s i g m ii h l e" zu berate» hatte und in der nächsten Stadtvcrordncten-Sitznng Bericht erstatten soll, ist auch die Moabitcr Schulnot mit zur Erörterung gekommen. Es wurde vorgeschlagen, die Gesellschaft solle'verpflichtet werden, der Stadt außer einem Grundstück für das GymnasinmZ auch ein solches für eine G e m e i n d e s ck n l e zur Verfügung zustellen. Der Ausschuß hat so beschlossen. Interessant ist hierbei, das zunächst versucht worden war. das Vorhandensein einer Schnlnot in Moabit zu bestreiten. Es liege hier überhaupt kein Bedürfnis vor. noch mehr Gemeindeschnlen zu errichten. Hinterher wurde indes vom Stodtschulrat Gerstenberg erklärt, daß„unbedingt Terrain für eine Doppelschule gebraucht" werde. In dieser Gegend, so läßt das Protokoll über die betreffende Sitzung deS Ausschusses Herrn Gerstenbcrg sage»,„stehe man einer S ch u l n o t gegen- übe r". Daß sich der Herr Sladtschulrat durch dieses unvorsichtig- offene Eingeständnis nur nicht die Ungnade seiner Freunde und Gönner in' der Stadtverordncten-Bersammlung' zuzieht! Zur Gründung cinrS SänglingöheiulS, durch das die früh- zeitige Trennung der neugeborenen Kinder, namentlich der unehe- lichcn, von der Mutter verhindert werden soll, wird von einem Komitee ein Aufruf verbreitet. Die Mutter soll 2— S Monate mit ihrem Kinde in dem Heim bleiben. Ihre Gegenleistung soll darin bestehen, daß sie unter sachverständiger Aufsicht die natürliche Ernähmng und die Pflege des Kindes übernimmt und außerdem Hausarbeit leistet. Später. wenn sie zu ihrer Erwerbs- arbeit zurückkehrt, soll das Kind in einer mit dem Heim verbundenen Tageskrippe untergebracht Iverden können. Der Aufruf ist mitunterzeichnet von den Stadträten Münster- berg(für das städtische Armenwesen) und Straßmann(für das städtische Gesundheitswesen). Die städtische Verwaltung hat von dem Standpunkt aus, den sie in solchen Fragen leider immer noch einnimmt, in der That ein sehr wesentliches Interesse daran. daß die Aufgabe, derartige Hein, e zu schaffen, von der Stadtgemeinde abgewälzt und der private» Thätigkeit zugeschoben wird. Man wird sich aber nicht wundern dürfen, wenn die mit so schwungvollen Worten eingeleitete Aktion zu Gunsten der Säuglingsheime auch diesmal wieder mit einem kläglich geringen Erfolg abschließt. ES hat sich bisher noch immer gezeigt, daß die Privatthätigkeit auf diesem Gebiete Stückwerk bleibt. Mit solchen von privater Seite ge- gründeten und unter privater Leitung verbleibenden Anstalten sind selbst in lediglich sanitärer Hinsicht nicht immer die besten Er- fahruugen gemacht worden. Diese Thatsache ist bekannt, und sie wird manchem, der den Aufruf liest, von neuem ins Gedächtnis ge- rufen werden, wenn er unter den Unterzeichnern des Aufrufes auch den Namen des Sanitätsrats Th. Görges findet. SanilätSrat Th. Görges ist Chefarzt des E l i s a b e t h- K i n d e r h o s p i t a l s, das in, vorigen Jahre durch die Uebertragung einer Geschlechts- krnnkheit auf ca. 40 in der Anstalt untergebrachte Kinder bekannt geworden ist und durch dieses Vorkommnis einen traurigen Beweis dafür geliefert hat, wie bedenklich es ist. Anstalten solcher und ähn- licher Art privaten Vereinigungen zu überlassen. Einen ziemlich stürmische» Verlauf nahm eine vorgestern abend in der„Tonhalle" abgehaltene öffentliche Versammlung, welche unter dem Titel„Tierschutz und die Hnndesperre" einberufen worden war. An Stelle des angekündigten Referenten Redacteur Gerling sprach der Naturheilknndige Geist, der in seinem Referat die Hundesperre selbst und ihre Begleiterschein-"igcn nur kurz streifte und in dem größten Teil seines Vortrages gegen die Vivisektion, das Pastenrsche Jmpfverfahren und für die Naturheilkunde eiferte. Auch Herr Professor Förster, der Versammlungsleiter, trat entschieden gegen das Pastenrsche Jmpfverfahren auf und bezeichnete dasselbe als gemeingefährlich, umsomehr, als Personen, die gar nicht von toll- wütigen Hunde» gebissen worden sind, geimpft und tollwütig ge- macht werden. Der Tierarzt Dr. Kantorowicz trat beide» Rednern scharf entgegen und machte, in seinen Ausführungen von den An- hängern deS Naturheilverfahrens oft stürmisch nuterbrochen, den' Referenten auf verschiedene Irrtümer in seinen Aus- führnngen jaufmerksam. Einem Versannnlungsbcsucher, welcher zur Geschäftsordnung darauf aufmerksam' machte, daß er, wie auch zahlreiche andre Anwesende durch die an- gekündigte Tagesordnung düpiert seien, wurde von Herrn Professor Förster der Rat gegeben, den Saal zu verlassen. Schließlich gelaugte eine Resolution zur Annahme, in welcher gegen die Hundesperre, deren Handhabung sowie gegen die amtliche Ein- führung des Pasteurschen Jmpfverfahrens Stellung genommen wurde. Die Resolution soll dem Polizeipräsidium und dem Staatsministerium übermittelt werden. In der Diphtherie-Abteilnng des städtischen Krankenhauses am Urban wurden im Verwaltungsjahre 1390/91 insgesanit 376 Kranke behandelt, wovon 57 starben. Von den Kranken wurden 326 mit, SO ohne Serum behandelt. Von den mit Serum behandelten starben 53— 16,29 Proz. An Kindern unter 2 Jahren wurden 27 behandelt; davon starben 11---- 40,74 Proz. Zum Beginn der Reisezeit sollte der Teil des neuen S t e t t i n e r Bahnhofes, der für den Fernverkehr bestimmt ist, fertig werden. Daran ist jedoch nicht mehr zu denken. Bis jetzt sind erst zwei Halle» vollendet. Für den Neubau der dritten Hallo wird der östliche Teil des alten Bahnhofes, in dem sich Wartesäle und Verwaltuugsränme befinden, erst jetzt abgebrochen. Die Verkehrs- Verhältnisse vor dem Bahnhof, die früher viel z» wünschen übrig ließen, sind durch die neuen Anlagen zweckmäßig geregelt. Die Einfahrt zum Güterbahnhof, gegenüber der Borsigstraße, ist durch eine schmale Schutzinsel von dem großen Vorplatz abgetrennt. Der große Platz selbst hat vier Schutzinseln erhalten, die in Kreuzform die An- und Abfahrt der Wagen und die Haltestellen der Omnibusse regeln. Nach dem ganzen Ausbau, der mit den erforderlichen Aufschüttungen wohl noch ein Jahr in Anspruch nehmen mag, wird der Stetliuer unser größter Bahnhof sein. Die Güterabfertigung, aus der nanient- lich der Milchverkehr sehr stark ist, wurde schon im vorigen Jahre »nt Rücksicht auf die Neubauten weit nach Norden hinausgeschoben. Vor einigen Tagen besichtigte Eisenbahnpräsident Kramer mit mehreren Miiiisterialbcainten die ganzen Anlagen und Einrichtungen auf ihre Zweckmäßigkeit.< Z» der Uutcrschlagnng«- Angelegenheit im Konsum- verein der Firma Siemens u. Halske teilt uns der Vorstand des Vereins noch mit, daß die vom Rendantcn Robert Mann unter- ichlagene Summe sich nicht auf 32 000 M. beläuft, sondern genau 27 301 M. 5 Pf. ausmacht. Sonnabendnachmittag Sl/2 Uhr verlieb Mann das Fabrikgrundstück mit 26 500 Mark in Papier« und Goldgeld; er erzählte. daß er schnell zu Mittag speisen ivollc. Da der Reudant nach einer Stunde noch nicht zurückgekehrt war, schickte man zu seiner Wohnung in der Franklinstr. 27 zu Charlottenburg, wo bald klar wurde, daß Mann seine Photographie mit sich genommen hatte und ausgerückt war. Sofort wurde die Polizei alarmiert und bereits um 6 Uhr müssen samt- liche Hafenstädte und Grenzstationen benachrichtigt gewesen sei». Außer dem bewußten Zettel lag in der Wohnung der zweite Geldschrank- schlüsscl und 30—50 M. Silbergeld. Die sofort vorgenommene Revision ergab, daß Mann bereits früher 827 M. unterschlagen hat; die Entdeckung dieser That hatte er durch falsche Buchungen' zu ver- hindern gewußt. Auf' die Ergreifung des Verbrechers ist eine Belohnung von 1000 Mark ausgesetzt, außerdem erhält derjenige, der die Festnahme des flüchtigen Rendanten veranlaßt, 5 Proz. des bei ihm noch vorgefundenen Geldes ausbezahlt. Zur Erhaltung des Botanischen� GartenS wurde in der Montagssitzung der Schöneber ger Stadtverordneten-Versamm- l»ng von elf Stadtverordneten folgender Antrag eingebracht:„Die Stadtverordncleu-Versammlung ersucht de» Magistrat, eine gemischte Deputation, bestehend aus drei Magistratsmitglieder» und fünf Stadlverordneten, einzusetzen, um in derselben zu beraten, wie in Gemeinschaft mit den städtischen Behörden von Berlin der Botanische Garten in seinem heutigen llmfange als öffentliche Parkanlage er- halten werden kann." lieber diesen Antrag wird in der nächsten Sitzung beraten werden. Konrad Agahd. Das Buch„Kinderarbeit" von Konrad Agahd (Verlag von Gust. Fischer) hat in der gesamten deutschen Presse be- rechtigieS Aufsehen erregt. Jedes Blatt, das seine„sociale Ge- sinnung" als Aushängeschild benutzte, mußte, wenn auch mit süß- saurem Gesicht, einige Worte der Anerkennung bringen.—- Seit neun Jahren ist Agahd aus dem Spccialgebiet' der„Kinderarbeit" thätig. Da ist es ihm wohl zu gönnen, daß er endlich eine gewisse Popularität erreicht hat. Es mag ungefähr ein halbes Dutzend Jahre her sein, da ver- össeutlichte Konrad Agahd in einer pädagogischen Zeitung einen Artikel, in dem er die inneren und äußeren Einrichtungen unserer Großstadt-Schulen kritisierte. IlnS erschien diese Arbeit wichtig genug, um davon Notiz zu nehmen. Leider geschah das nicht zum Heile Agahds. Die'hochcdlcn Dorfväter von Rixdorf fühlten sich auf daS tiefste beleidigt. Es begann ein wüstes Agitieren und Denunziere» gegen de»«frechen Lehrer". Natürlich fand sich auch„eine hochlob'liche königliche Regierung" bereit, den, Lehrer Agahd eine» Verweis zu erteilen. Der Herr ReichStags-Abgeordnete Gamp scheint bei den Rirdorfer Dorsvätem i» die Schule gegangen zu sein und seine Lehrmeister zu übertreffen. Ihm genügt schon„eine hochlöbliche königliche Regierung" nicht mehr, er verlangte in der Reichstags-Vcrhandlimg' über Kinder- arbeit, daß die frivole Verleumdung Agahds gerichtlich bestraft würde. Wo ist der Staatsanwalt, der wenigstens wie f. Zt.„eine hochlöbliche königliche Regierung" dem Lehrer Agahd einen Verweis erteilen läßt?" Ein aufregender LtraßeubahnnnfaN ereignete sich Montag- nachmittag in der Luisenstraße. Ein dreijähriges Mädchen Namens Prochnow war mit einer älteren und einer jüngeren Schwester im Tiergarten gewesen.«TI« die Kleine auf dem Heimwege das elter- liche Haus sah, entlief sie der älteren Schwester, um so rasch als möglich �n den Eltern zu konnnen. Wahrend sie den Fahrdamm überschritt, kam vom Karlsplatze her ein elektrischer Wagen der Linie Nolleiidorfplatz— Schönhauser Allee gefahren Der Führer läutet« und die Strahengänger auf beiden Seiten die ein schweres Unglück vor Augen sahen, riefen den? Kinde zu. Dieses hatte aber von der Gefahr, in der es schwebte, keine Ahnung und ging ruhig iveiter. Nun bremst« der Wagen- fiihrer so stark es nur ging, aber es>var schon zu spät. Zum Ent- setzen der Leute, die den Unfall ansahen, ohne ihn verhindern zu können,_ riß der Wagen die Kleine um und schleifte sie 20 Meter weit, bis er zum Stehen kam. Alle eilten herbei, um der Wer- nnglückten zu helfen. Regungslos lag sie unter dem Wagen und jedermann fürchtete, daß sie zermalnit und tot sei. Rasch wurde die Kleine aus ihrer Lage befreit und nach der nebenan ge- legcnen chimrgischen Klinik der Charitee gebracht. Geheimrat König und seine Assistcnzärzte entkleideten' sie sofort, um sie vielleicht durch eine Operation»och zu retten. Während dieser Vor- bereitungen aber erlvachte die Unglückliche aus ihrer Beivußtlosigkeit, und es stellte sich heraus, daß ihr auch nicht das geringste fehlte. Nicht einmal eine kleine Abschürfung hatte sie sich zugezogen. Nach- dcni man die Kleine gelabt hatte, so daß sie wieder ganz munter war, ließ sich auch die ältere Schtvester wieder beruhigen, und eine Krankenschwester vom Sommerlazarett brachte nun die ganze kleine Gesellschaft nach Hause. Der Stadtverordneten-NuSschuß zur Prüfung der ans Anlaß deS Unwetters vom l4. April d. I. augemeldeten Schäden tagte am Dienstagabend unter dem Borsitz des Stadtverorducten-Vorstehers Dr. LangerhanS im Beisein des Magistratsvertreters Stadtrats Dr. Münsterberg. Räch längerer Erörterung nnd Prüfung der von der Unterkommisston vorgeschlagenen Beihilfen wurden mehrere Anträge angenommen, die darauf hinauslaufen, zunächst 60 000 M. in der nächsten Sitzung der Stadtverordneteu-Versmnmlung als Beihilfen der Versammlung zur Bewilligung vorzuschlagen, die dann unter Zustimmung des Magistrats unverzüglich zur Auszahlung kommen sollen. Der BcamtenwohunngSverei» zu Berlin hat in W i l m e r S d o r f das hinter dem Kaiscrplatz zwischen der Weimarschen-, Hilde- gard- und Koblenzcrstraße belegene Terrain angekauft, um dort im großen Stil Wohnungen zu errichten. Der Verein soll die Gelder zum Ankauf des Grund und Bodens aus öffentlichen Mitteln zu einem mäßige» Zinsfuß erhalten haben; ebenso werden ihm die erforderliche» Hypotheken unter günstigen Bedingungen verschafft werden. ES sind in dem Bauprojekt Wohnungen in der Größe von zwei bis fünf Zimmern vorgesehen; im ganzen kann nach Fertigstellung der Bau- lichkciten etwa 1000 Personen Unterkunft verschafft werden. DaS erste der drei im Bauprojekt vorgesehenen große» Gebäude hofft man zum 1. April nächste» JahreS fertigstellen zu können. Ei» Todschlag ist an dem Arbeiter Hermann S« b e k o w, in der Landsberger Chaussee 2 ivohnhaft, verübt worden. Sonntag- abend gegen 10 Uhr waren in der Harnackschen Wirtschast in der Landsberger Chaussee Sebekolv und seine Frau, sowie der Zimmer- mann Hamann beim Kartenspiel beschäftigt. Als Hamann gegen Frau Scbekow anzüglich lvurde, entstand ein Streit, der auf der Straße seine Fortsetzung fand und zu Thätlichkeiten führte. Jnimerhin trennten sich die Streitenden bald nnd Sebekow stand nach einer Weile vor seinem Hanse mit dem Zimmermann Zorn im Gespräch. Hamann trat hierauf lvieder auf Sebekolv zu und ver- setzte ihm blitzschnell mit einem Stock einen wuchtigen Hieb über den Kopf. Der Uebcrfallene brach zusammen, erholte sich jedoch bald wieder und erstattete über das Vorgefallene selbst Anzeige beim Gendarmen. Bald jedoch klagte Sebekow über Ohrensausen und heftige Schmerzen im Kopf und Montagmorgen gegen 8 Uhr starb er, ohne daß ärztliche Hilfe zur Stelle war. Hamann wurde fest- genommen. Eine Ekandalaffaire spielte sich gestern in der PotSdamcrstraße ab. Eine dort im Hause Nummer 123 wohnende Witive K. hatte auf einer Reise in Frankreich einen Abenteurer kennen gelernt, der sich ihr als ein Graf v. Salviac vorstellte. Obgleich Frau K. bereits erwachsene Kinder hat, verheiratete sie sich mit dem angeblichen Grafen in England. Der Graf ist aber der Sohn eines Bäcker- meisters Steffens und seit 1901 entlassener Diätarschreiber bei der deutschen Gesandtschaft in Bern. Als das Paar»ach Berlin ge- kommen war. stellten die Kinder der Frau K. diesen Thatbestand fest und vcrlveigerten dem Steffen den Zutritt ins HanS. Gestern mittag nun versuchte Steffen sich mit Gewalt in den Besitz seiner Ehefrau zu setze» und drang zu diesem Zwecke mit Hilfe von fast einem Dutzend Männern in die Wohnung in der Potsdamerstr. 123 ein. Ucber den Verlauf des mißglückten Unter- Nehmens wird berichtet: Gegen Mittag verlangte ein junger Mensch, der sich für einen Reporter des„Lokal-AnzeigerS" ausgab, den Dr. K., ei» Sohn der erlvähnten Frau, in seiner Wohnung zu sprechen. Kaum hatte dieser die Korridorthür geöffnet, als er von dem ihm unbekannten Besucher an- gegriffen und in den Hausflur gedrängt, wurde. Gleichzeitig stürzte Salviac mit etwa einem Dutzend Helfershelfern die Treppe hinauf und erzwang sich den Eingang zur Wohnung. Es begann nun ein förni- licher Kampf, in welchem Dr. K. trotz der ihm durch de» Portier ertviesenen Hilfe unterliegen mußte. In einem günstige» Augenblick gelang es ihm aber, sich loszureißen nnd über die Hintertreppe die Straße zu erreichen, Ivo er einen Schutzmann um Hilfe bat. Es gelang dann mit Hilfe der Hausmieter, die Personalic» der meisten Personen, die sich a» dem gewaltsamen Eindringen beteiligt hatte», festziistellcn. Der Herr Graf wurde von der ihm angetrauten Frau mit den Ehrentiteln„Lump! Schuft!" und dergleichen belegt »nd mnßte unverrichteter Sache wieder abziehen. Er wird sich wegen Hausfriedensbruches vermutlich vor Gericht zu ver- anttvorten haben, weil die Wohnung nicht der Frau, sondern dem Sohne gehört. Dtrasteiispcrrnng. Die Kleine Poststraße wird wegen An- schlnsses des Grundstücks Nr.slj— 13 an die Kanalisation vom 20. bis 24. d. M. für Fuhriverke nnd Reiter gesperrt. Ein nttgcwvhnlichcr Selbstmordversuch» über den schon kurz berichtet wurde, hat nachträglich noch zm» Tode des Lebensmüden geführt. Vor acht Tagen stach sich im Kleinen Tiergarten der 33 Jahr« alte, ans Erfurt gebürtige Schlosser August Lin d n e r. der in der Rostockerstr. 6 in Schlafstelle ivohnte, mit einem scharfen Meißel in den Körper, wohin er nur traf, und wurde schwer verletzt nach dem städtffchen Krankenhanse in Moabit gebracht. Anfangs glaubt« man, ihn noch retten zu können, einige Kopf- und Hals- 'wunden aber brachten ihm doch den Tod. Schreck«nd Aufregung bemächtigte sich gestern abend gegen 7 Uhr des mitfahrenden Publikums auf der Linie Rixdorf— Dalldorf. In der Brückenstraße erfolgte eine heftige Detonation des Wagens, hervorgerufen durch die Entzündung der Accunmtatoren. Das ans dem Wagen stürzende Publikum kam mit heiler Haut davon. Dem Zoologischen Garten in Berlin hat Herr H.Wessels ein sehr bemerkenswertes Geschenk gemacht, nämlich ein Tier, das zum erstenniale lebend in einen europäischen zoologischen Garten gelangt. Es ist ein Krallenäffchen aus dem Innern von Peru, mit schwarzem Fell, weißer Gesichtsmarkc und rötlichem Anflug auf den Hinterschenkeln nnd schwarz und grau meliertem Rücken. Diese Art ist auch in den Museen noch sehr selten: sie wurde am oberen Ukajali, einem Nebenfluß deS Aniazonenstromes bei Saraja�n im Hinterlande von Peru durch Castelnau und Deville im Jahre 1847 entdeckt und ist seither nur in sehr wenigen Exemplaren in die allergrößten zoologischen Museen gekommen. Dieses Weiß- manläffchen wird von de» Zoologen Miiäas devillei ls. Geoffr. genannt. Dle Krallenaffen, zu denen auch die im Handel häufigen Löwenäffchen und Pinseläffchen gehören, werden immer „och zu den Affen gerechnet, obwohl sie recht geringe Verwandtschaft mit diesen haben. Sie unterscheiden sich schon äußerlich von den AffeuKdadurch, daß ihre Finger und Zehen mit Ausnahme der großen Zehe keine Nägel, sondern Krallen tragen und daß bei ihnen der Daumen resp. die große Zehe nicht den übrigen Fingern resp Zehen gegenüber gestellt werde» kann. Bemerkenswert ist auch, daß sie im Gegensatz zu allen Affen bei einem Wurf drei Junge zur Welt bringen. Feuerbericht. Nur wenig Alarmierungen hatte die Wehr in den letzten 24 Stunden zu verzeichnen. Dienstag früh gegen 1 Uhr wurde sie nach der Lothringerstraße 81 gerufen, Ivo Gardinen.� Kleidimgsstücke usw. in einer Wohnung in Brand geraten waren. Montagabend 11 Uhr mußte in der Franscckisiraße 6 ein Feuer abgelöscht werden, das den Fußboden und die Balkenlage ergriffen hatte. Gegen 9 Uhr erfolgte ein Alarm nach der Bcrnburgerstr. 9. Hier hatte aus noch nicht ermittelter Ursache Spiritus in einem Keller Feuer gefangen, das indes von der Wehr in kurzer Zeit beseitigt lverden konnte. Außerdem liefen im Laufe des Dienstags noch Alarmierungen von der KöSlinerstr. 23 und der Wilhclmstr. 130 ein, die jedoch beide auf geringfügige Anlässe zurück- zuführen waren._ Xiii den Stachbarorien. Steglitz. Die Verhaftung des Kirchen- nnd Schuldieners F bildet das Tagesgespräch in nnsrem Orte. Vor mehreren Wochen berichteten die hiesigen Lokalblätter über eine» frechen Kirchenraub. Danach waren Diebe durch ein zufällig offen gebliebenes Fenster der Sakristei in die evangelische Kirche eingedrungen und hatten die vorhandenen Sammelbüchicn, deren Inhalt wegen einer vorher- aeaangene» Kollekte für die äußere Mission besonders groß gewesen sein soll, geplündert. Jedoch auch schon vorher und ebenso in der jüngsten Zeit verschwand in unerklärlicher Weise der Inhalt der Büchsen. Trotz eifrigster Nachforschungen und strengster Aufsicht, bei welcher auch der verhaftete F. sehr eifrig mitgewirkt haben soll, wollte es nicht gelinge», den Frevler zn faffen, zumal nicht der geringste Ver- dacht bestand. Gesten, faßte jedoch ein Polizeibcamter den fromme» Mann in dem Augenblick als Dieb ab, als er gerade die erbeuteten Münzen in seine Tasche verschwinden ließ: diese„lirchliche Handlung" endete nun natürlich mit dem Gang nach der Polizeiwache. Wie wir erfahre», bezog der Mann als Kirchendiener ei» sehr auskömmliches Gehalt und auch die Nebenbeschäftigung als Schuldiencr brachte ihm noch etwas ein, so daß wirtsckrnftlicher Notstand nicht die Triebfeder des Verbrechens gewesen fein kann. Auffallen muß das Sckiweigen der Lokalpresse, die über jede Kleinigkeit in spaltenlangen Artikeln berichtet, in den MontagSblättern ober noch keine Silbe von der Ver- Haftung erwähnt. Anscheinend ist sie sprachlos ob der Schlechtigkeit de» frommen Mannes. Kriegervereine und Gemeindevertretung. Der Krieger- verein zu Deutsch- Wilmersdorf feiert im nächsten Monat sein 2Sjähriges Stiftungsfest, ein Vergnügen, das ebenso privater Natur ist, ivic das aus ähnlichem Anlaß begangene eines Turn- oder NancherbnndeZ. So denken die meisten Leute auf der Welt und so dachte auch die G e m e i n d e v e r t r e t n n g am Orte, als sie in ihrer öffentlichen Sitzung am Montagabend einen ans ihrer Mitte hervorgegangenen Antrag auf offizielle Beteiligung an der erlvähnten Feier mit etwa zivanzig gegen neun Stimmen ablehnte. Das war korrekt gehandelt und dürfte auch den Empfindungen der Mehrheit der' Bevölkerung entsprechen. Denn abgesehen davon, daß eine offizielle Ehrung, die dem Krieger- verein gewährt würde, ebensogut von einem Turn- oder Raucher- bund oder auch von einem politische» Verein beansprucht werden könnte, kommt gerade i» den im Kriegerbund vereinigten Organisationen eine extrem politische, namentlich gegen die Social- demokratie gerichtere Tendenz zum Ausdruck; die offizielle Beteiligung der Gemeindevertretung an dem Fest des WilmerSdorfer Krieger- Vereins würde also von der Mehrheit der Bcvölkerinig mit gutem Grund dahin ausgelegt werde», daß die Gemeindevertretung ich im getviffe» Sinne mit den die Politik berührende» Bestrebungen des Vereins identifieieren wolle. Hotte so die Gemeiiidevcrtrctnng nnzweidentig ihre Ansicht über die Angelegenheit des Kriegervercins festgelegt, so ivar eS um ö bedenklicher, daß nach Schluß der öffentlichen Sitzung der eben erledigte Fall»och einmal zur Sprache gebracht wnrde nnd eine Art Gefühl der Rene über den vorher gefaßten Beschluß bei recht viele» Vertretern zum Ausdruck kai». Es war im Ucber- 'chwang sogar von einer über die einfache Beteiligung Hinansgebenden weiteren Ehrung des Kriegervereins die Rede, ttnsre Partei- genossen in der Gemeindevertretung wiesen selbstverständlich mit Nachdruck auf den Widerspruch hin. in den die Vertretung durch Umsturz ihres vorhin gefaßten Beschlusses mit sich selbst gerate,»nd bekänipsie» lebhaft die Tendenz, die in der eben abgelehnten, nun aber aufs neue angeregten Hnldigniig liegt. Sine Aufhebung deS in öffentlicher Sitzung gefaßte» Beschlusses verbot sich allerdings chon ans Gründen der Geschäftsordnung, und so mnßte dieser Beschluß b e st e h e n bleiben. Die Freunde des Krieger« Vereins wollen jedoch die Frage der offiziellen Beteiligung am Stiftungsfest in der nächsten ö f f e n t l i ch e» G e m e i n d e r a t s- Sitzung von neuem anregen und hoffen dort manchen, der in der öffentlichen Sitzung von vorgestern von dieser Beteiligung nichts wisse» ivollte. zu ihrer Ansicht bekehrt zu sehen. Da unsre Parteigenossen natürlich energisch für die A u f r e cb t e r h a I t u n g des GcmeindcratS-Bcschlusses vom Montag eintreten werden, so dürfte sich die nächste Sitznug immerhin ettvas lebendiger gestalten, als die der letzten Wochen. In Wilmersdorf wird in dem an der Ringbahn belegenen Friedcnaucr OrtSteil nächstens ein Gemeinde-Schulhaus errichtet werde». Zur Zeit ist die Schule für diesen Ortsteil in einem Mietshanse untergebracht. Rixdorf. Die Ausdehnung des Kranke n-Versicherungs- z w a n g e s auf die in K o m>» u n a I b e t r i e b e n und im K o m n! n n a l d i e n st c R i x d o r f s beschäftigten Personen gemäß § 2 Absatz 2 des Kranken-VersicherniigSgesetzes wird jetzt in die Wege geleitet. Die Gewerbedeputation hatte sich dieser Tage mit einer entsprechenden Vorlage zu beschäftigen, lieber die Frage, ob ein Ortsstatut erlassen lverden solle, bestanden keinerlei MeinnngS- Verschiedenheiten. Die Meinungen gingen jedoch darüber auseinander, ob die beteiligten Personen der Allgemeinen Orts- Krankenkasse Rixdorfs zuzuführen seien oder ob sich die Gründung einer Betriebs- lasse empfehle. Durch letztere würde die Allgemeine Orts-Kranken- kaffe erheblich geschädigt werden, da ihr dadurch etwa 170 Arbeiter lädtischer Betriebe(Gasanstalten) verloren gehen würden, die ihr zur Zeit schon auf Grund deS allgemeinen VersicherungszwaugeS angehören. Einige Mitglieder der Deputation hoben dies hervor nnd befürlvorteten, die Leute her Ortskasse zuzuführen. Gegen ihre Stimme» wnrde jedoch beschlossen, dem Magistrat die Errichtung einer Betriebskaste unter der Voraussetzung zu empfehlen, daß bei einer Umfrage die Mehrheit der Beteiligten der Er- richtung einer Betriebskasse auf Grund des BerficheningS- zwange« zustimmt. Die Rixdorfer Fortbildungsschule hat nun endlich den lange erstrebten Physikunterricht. Dieser sollte eingerichtet werden, wenn ich nnndcsteiis 10 Schüler melde». Thatsächlich haben sich 34 ge- meldet. Die Gewerbedeputation beschloß wegen des häufig ge- wordenen unregelmäßigen Besuchs der Fortbildungsschule, daß in allen Fällen den Lehrherren seitens der Lehrer vom Zuspät- kommen oder Ausbleiben der Lehrlinge brieflich Mitteilung gemacht lverden solle. Lichtenberg. DaS Ortsstatut, wonach zur Veranlagung für die G r n n d w e r t ft e u e r ein Steuerausfckmß an Stelle deS Ge- meindevorstandes tritt» hat die Genehmigung der Re- giermig erhalten. Sechs Gemeindeverordnete sollten nun gewählt werden, aber die„Grimdbesjtzcrvereiiiler" beantragten in der letzten Sitzung der Gemeindevertretung Aussetzung der Wahl; cvent. solle der Ausschuß für dieses Jahr nicht mehr in Funktion treten. Es wurde Vertagung beschlossen. Zum zweiten Male wurde der Gemeinde- Vertretung der Antrag miterbreitet, der am Orte„so schwer empfundenen Kirchen not" abzuhelfen. Während früher 100 000 M. zu kirchlichen Zwecken gefordert wurden, sollen jetzt„nur" 80000 M. ausreichen. Genoff« Welk er- widerte auf die eindringliche Mahnung des GemeindevorstandeS nnd deS Herrn Bleckmann mit dem Hinweis, daß die politische Ge- meinde es ruhig der Kirchcngenieinde, und zwar gleichviel welcher Konfession, überlassen möge, für die Befriedigung religiöser Be- dürfuisse zu sorgen. Das Fehlen eines Krankenhauses, der Er- hohlungs- und Spielplätze, der Bade-Anstalt und Turnhallen nnd vor allem das Fehlen von Lehrkräften an unsren Gcmeindeschuleii»nd sonstiger Einrichtungen, die ohne Zweifel Aufgabe der politischen Gemeinde seien, wurden eine Ab- lehnung gewiß rechtfertigen. Herr Koch wies auf die leeren Stühle ini Saale hin und beantragte Vertagung, bis die Gemeindevertretung wieder vollzählig sei. Obwohl Herr Bleckmann gerade den„richtigen" Moment geivählt zn haben erklärte, wurde Vertagung beschloffcn. Vevmifitzkeso AuS Thor» wird berichtet: Auf dem Schießplatz bei Drziwal ereignete sich am Nachmittag des 12. Mai ein fchtveres Unglück. Wie die„Ostdeutsche Zeitung' meldet, setzte von drei mit Soldaten bc- setzten Lowries der Feldbahn infolge Übergroßer Geschwindigkeit an einer abschüssigen Stelle die erste Lowrie an der Kurve aus und fiel um. Die beiden andern stürzten über die erste hinweg. Die Jnsafien wurden hcrabgeschleudert. Ein Obergefreiter war auf der Stelle tot; zwei Soldaten wurden schwer, zwei leicht verletzt. Fünf- undzwanzig erlitten Hautabschürfungen. Der Schnelldampfer des Norddeutschen Lloyd„Kronprinz Wilhelm" hat seine letzte Reise von New Aork nach Plynionth mit mittlerer Geschwindigkeit von 23,18 Knoten zurückgelegt und erreichte auf der Fahrt von Plhmouth nach Cherbourg unter besonders günstigen Verhältnissen eine Geschwindigkeit von 26,4 Knoten, die bisher in der Schnelldampferfahrt unerreicht ist. I» Karlsbad wurde gestern auf Requisition der Dresdener Staalsauivaltschaft der angebliche Bade-Arzt Albert Block aus Berlin, richtig Adolf Bloch, 18S7 in Kaiisch geboren, verhaftet. Der- selbe wird beschuldigt, mit 250 000 M., die ihm zum Ankaufe von Bonds übergeben ivorden waren, entflohen zu fem. Bloch wurde dem KreiSgcricht in Egcr eingeliefert. 170 Menschen tödlich verletzt. AuS Pittsburg wird am 13. Mai berichtet: Auf der Station Sheraden, der von hier über Fort Wahne nach Chicago führenden Bahnlinie ereignete sich heute beim Rangieren eine Explosion von Petroleum-Waggons, durch die 20 Personen getötet, etwa 150 tödlich verletzt und 50 leichter verletzt wurden. Durch Auffahren des letzten Waggons auf den vorhergehenden hatte sich das Oel, das ausströmte, entzündet; die Flammen, die 20 Fuß hoch in die Lust schlugen, brachten auch die übrigen Waggons zur Explosion und verwandelten den ganzen Güterbahnhof in ein Flammenmeer. Die verhängnisvolle Explosion erfolgte, als sich bereits ein« über 200 Köpfe starke Menge an- gesammelt hatte; von dieser blieb niemand unverletzt. Die Flut deS brennenden Ocls strömte i1/* Meilen weit nach Esplenbrough; hier geschah nochmals eine Explosion, durch welche drei Häuser, darunter«in großes Hotel, vernichtet wurden. In einem Tanzlokal zu Marseille kam eS Montagabend zu blutigen Ausschreitiingen. Zahlreiche Revolverschüsse wurden ge- wechselt. Zwei Personen wurden getötet, eine Anzahl verletzt. Eingegangene Druckschriften. „Die Freihcitsglocke-s Nummer 2, April 1902, Organ des Lodzer Komitees dcö„Allgemeinen jüdischen Arbeiterbundes in Litauen, Polen nnd Ruhlan!'". Vom„Süddeutschen Postillon" ist soeien die Nr. 10 erschienen. Sie behandelt unter andcriii den belgischen Wahlrechtskampf sowie den bekannten Vergleich der amerikanischen Journalisten mit den preußischen kommandierenden Generalen. Die Nummer ist zum Preise von 10 Pf. durch alle Buchhand- lungen und Kolporteure zu beziehen. Briefkasten der Bedakkion. A. S. Eine Marine-Jngendwehr soll in Berlin existieren, doch kann sie günstigsten FallcS nur eine ganz geringe Vorbildung gewähren. A. R. INN. Das Bimdesschleßen in Berlin ist im Jahre 1890 ab- gehalten worden.. R. Sch. 1000 Millionen. Sir. 72. Aerztliche Mittel oder bestimmte llerzte empfehlen wir nicht. Jedensalls werden Sie einen gute» Arzt aufsuchen iniisten. W. 00. New. Liegt kein Testament vor, so stnd allein die Witwe und deren Kinder zusammen Erben, können also biS zur Erbteilung nur gcmeinschastlich über Teile des Nachlasses, insbesondere über das Grniidstü-k verfügen. Liegt keine vor dein 1. Januar 1900 geschloffen« märkische Ehe vor, so erbt die Witwe V«, die Kinder V« des Nachlasses. Liegt ein« vor deni I. Januar 1900 geschlossene märkische Ehe vor, so hat die Witwe das Wahlrecht, ob st« nach märkischem Recht(danach erbt sie die Hälfte der aus dem Nachlaß und ihrem eigne» Vermögen gebildeten Masse) oder nach Bürgerlichem Gesetzbuch erben will. — Maiwnld, Rixdorf. Nein. Die Herrschaft hat in Krankheitsfällen « Wochen hindurch für Kur- und Pflegekosten aufzukommen, hat aber leider das Recht, das von ihr Aufgewendete gegen den für diese Zeit zu zahlenden Lohn anzurechnen.— stl. B. New. — M. 9. 7. Anspruch ans Invalidenversicherung erhält er, nachdem mindestens 200 Marken für ihn gellebt stnd, für die Erlangung einer Alters- rente besteht keine Aussicht mehr.— Sl. Zt. 128. Wenden Sie sich an den Standesbeamten. Sollte er unerwartelerweise den Schein nicht sür genügend erachten, so wenden Sie sich an das Bezirkskommando.— K. Kl. Einen Anspruch auf Alimente habe» die Kinder. Soll Ihnen die Erziehung übertragen werden, so müsten Sie sich an das Voruiundschaftsgericht(Amt?- gericht) wenden.— I. Sch. Es ist für die angesanacne Woche zu zahle», insgesamt also nur für eine Woche nicht zn Neben und sür nur«ine Woche abzuziehen._ WittrrungSübersicht vom 13. Mai 1902, morgen» 8 Uhr. Stationen Swinemdc. Hamburg Berlin Franks., M. München Wien Wetter es- -tU g* 753 W 3 hlb.bed. 75« WSW 2 bedeckt 737 W 769 W 759 Still 2. bedeckt 4 wolkig -hlb.bed Stationen Haparanda Petersburg ork Aberdeeo Paris SE o E i§ I- 3 e s S 76191 765 31 761NNO Wetter 2 wölken! Zhlb.bed wölken! d'f » ü Wetter■ Prognose für Mittwoch, de« 14. Mai 1902. Ziemlich kühl, vorwiegend trübe niit leichten Regensällm und mäßigen südwcsttichsii Winden._ Berliner W e t t erb ur e a u. Die Geburt einer Tochter beehren sich anzuzeigen 147/20 Hr. A. Blaschko n.'Fran. Berlin, den 12. Mai 1902. Danksagung. Für die Beweise herzlicher Teilnahme und reichen Kranz- spendeu be! der Beerdigung ineines lieben Mannes und guten Vater», Schwieg«- und Großvaters, des Schankwirts ri-tsärLek Rodde, sprechen wir allen Freunden und Bekaniiteu, insbesondere dem Arbeiterraucherbund, dem Rauch- klub„Abguß", den Genoffen deS 4. Reichstags-Wohlkreises und dem Chef nebst Arbeitern der Firma Sudicatis unsren innig- stell Dank aus. l2623b Die trauernde Wllw# nebst Kindern, Höchstestraße 30. Fritz Wilke früher Rndreasftrafte 26, jetzt Linleustraste 217, Ecke Rückerstrabe, (in der 9iähe deS städtischen Central- ArbeltSnachweises) empfiehlt allen Ac- »offen, Freunden nnd Bekannten sein neu eröffnetes Restaurant. Für Lereine, Gewerkschaften, Kranken- kästen zc. 2 BereinSztmmer, zu Bureauzwecken, nebst Telephon, Amt 3, 1163, zur unentgeltlichen Benutzung. £IiiJitl>H«e Harnwelnnen noch vorrätig. 3994C* Teilzahlung monatlich 10 M. liefert elegante Heiren-vardenide r nach Maß, auch bar Sasse allerbMigste Preise. Fert. Garderobe stets vorrätig. Toniporow8ki,ÄÄi, (I. Etage) Ecke Dresdenerftraß«. f¥flt de» Jnkialt de«?lnse«»te übernimmt die Redaktion dem Publikum negeiiiiber keinerlei Berantlvortnng. Tsiratrv. Mittwoch, den 14. Mai OperubauS. Robert der Teufel. klufang 7 Nbr. SchausbiclftaiiS. Melflerfpiel V. Des Postors Riele.. Anfang 7-/, Uljr. Neues Obern- Theater'(ikroll). Geschloffen. Schiller. Zwei Wappen. fAnfang 8 Uhr. Deutsches. Die Weber. Anfang 7l/z Uhr. Berliner. Alt-Heidelberg. Anfang 7V, Uhr. Lessing. Di« hohe Schule. Anfang 7-/2 Uhr. Westen. Fra Diavolo. Anfang 7'/- Ubr. Neues. Der Frauenarzt. Anfang 7'/- Uhr. Residenz. Einquartierung. Ansang 7V, Uhr. Central. DaS fühe MSbel. Anfang 7'/, Uhr. Thalia. Gastspiel der Schlierseer. Der Schlagring. Anfang 8 Uhr. Vellr-Zllliance. Die Dame aus Trouville. Hierauf: Er. Anfang 7-/, Uhr. Luisen. Dorf und Stadt. Anfang 7V, Uhr. Carl Weist. DaS Jungfernstift. Anfang 8 Uhr. TecessionSbühnc. Detlev Lilien- crons BnntcS Brettl. Anfang 8 Uhr. E. v. WolzogenS Büntes Theater (Ueberbrettl). Anfang 8 Uhr. Schall und Rauch. Sercnisstmus- Zwischenspiele. Anfang Syt Uhr. Friedrich Wilhelmsiiidtisches. Unsre Jungen. Anfang 7'/, Uhr. Orpheus. Specialitäten-Borstellung. Anfang 8 Uhr. !««. Borstellung. Charibari. Täglich Ansang 7-/. Uhr. Mctropol. Unsre Don Juans. Ansang 8 Uhr. IlpoN». Lhststrata. Specialitäten- Borstellung. Aufaug 7»/, Uhr. Palast. Ben-Ali-Bey und sein orientalisches Zauber- Ensemble. Anfang 8 Uhr. Casino- Theater. Die Ballhaus- Anna.— Der beste Bruder. Specialitäten- Vorstellung. An- fang 8 Uhr. Rcichshalle». Stettiner Sänger. Ansang 7 Uhr. Passage- Theater. Specialitäten- Borstellung. Ansang nachmittags 3 Uhr. Paffage. Panoptikum. Spectall- täten-VorfleNung. iirauia. Tanbenstr. 48/4».(Im Theatersaal.) Abends 8 Uhr: Die deutsche Ostsceküste. gnbalidenstrafte S7/ijÄ. Täglich: Sternwarte._ SchillMtlckl tWallner-Thenter). Mittwochabend 8 Uhr: Zwei Wappen. Schwank in 4 Akten v.Osk. Bluincn- thal und Gustav Kadelburg. Donnerstagabend 8 Uhr: IMe Romnnttsclien. Hierauf: Hexenfang. Freitagabend 8 Uhr: Zwei Wappen._ Mtral-TMer. Heute Mittwoch, 14. Mai, 7:/, Uhr: Dss süHo Wliidel. Donnerstag, Ib. Mai, zum ISO. Mal: Hau Misse Hfidcl. __ Jede Dame elegantes Souvcnter. � erhält ein Thalia- Theater. DreSdenerstrast« 78/73. Anfang 8 Uhr. mm her Älierseer. Heute und folgende Tage: Der Schlagring. UM- Der Sommer-Garten ist in obcrbaprischer Art dekoriert._ Hletropol-Thfiatgr Emil Thomas a. G. Henry Bender«Josef Joseph! Zum vorletztenmal:'TSBß Unsre Don Juans Anfang 8 Uhr. Rauchen überall gestattet. Freitag, den 16. Mai: Eröffnung der Morwitz-Oper. Fanny Sloran Olden als Gast. Ä. Basso Porto. Sonnabend, den 17, Mai: Heinrieh Höfel als Gast. Der Tronbadonr. Sanssouci Kottbnserstr. 4 a, Station der Hochbahn. Jeden Sonntag, Montag und Donnerstag: I>.»tr».a» um NMeiitslhe Sauger Ab Pfingsten täglich Garten: Konzert u.Vorstellg. Urania Tauben-Strasse 48/49. Im Theater um 8 Uhr: Die deutsche Ostseeküste. castans Panoptiknmj Frledrlch-Strasse 165. Bärenweib! ein Wunder der SchSpfung! Neu; Skandinavisches Instrumental- n. Vokal- Künstler-Ensemble. 4 Damen, 2 Herren. Das Äpoilo- Theater Um 8 Uhr: Die vorzüglich. Specialitäten. Um 9 Uhr: iLysistrata mit dem Lustballett„«rlgolatls" Kasseneriiffnung 7 Uhr. Sciiaii und Rnuch (Kleines Theater) Unter den Linden 44, Mittwoch, 14. Mai, abends 8V2 IThr: Gastspiel von Emannei Reicher. Serenissimns-Zwischeusp. u.a. C2l Weiss-Theater. (örcstc Frankfurterstr. 13«. Anfang 8 Uhr. Das Jnngferilstift. Operette m 4 Akten von Ernest Gninot. Musik von Jean(vilbert. Morgen: Dieselbe Borstellung. Heile-Aliisuee-Thester. Heute zum 143. Male: Die Dam ans Traitville. Schwank mit Gesang n. Tanz in 3 Akt. Emil Sondermann n. G. Ferd. Worms. Mizzl Glrkner. llosa Marlon. Hierauf:„Er". Pariser Lebensbild in 1 Att. Anfang Uhr. A» beiden Pfingft- Feiertagen: Früh-Konzert«nd Porstellnng. rssssge-siisztßs-.j Anfang Sonntags 3 Uhr, | Wochentags 5, Ende 11 Uhr. Das sensationelle Mai-Programm 16 erstklass. Specialitäten! Palast-Theater (ftiiher Fccu-Palnst) Biirgstr. Täglich abends 8 Uhr: Sen-Aü'öey u. sein Orient. 2auber-En«emdle. Borverkauf d. Logen u. nnm. Sitze an der Theaterknffe des Warenhauses A. Wcrtheim, Leipzigers�. Preise der Plätze: Logensitz 2,50 M.. Sperrsitz I,b0, »umer. Parkett u. immer. Nana- Balkon 1 M., Parterre 50 P:., D Stehpart. u. unnum. Rg. 30 Pf. Oasiiw- Theater LvtHringerstr. 37. 8 Uhr:„Tie«olthniiS-Annit* 0'/, Uhr:„Ter beste Bruder" krödels Allerlei Vdester srtiher K'iiblniann' Schönliauser-Allee No. 148, 91 111 1. Pfiiiftst-Feiertag: Eröffnung der durchweg erneuten Räume. Mm-Glliavorsteiinng deö gesamten erstklassigen Tchaiispiel-u.Kiinstler-Personals. Riesen-Fest-Programm. Im prachtvollen Partettsaal: Am >. und 2. Festtag: Früh-Konzert und Vorstellung. Täglich: Cr. Konzert u. Vorstellung. ichshalle n. Xüsllch: Stettincr Sänger Ansang Wochent. 8 Uhr Sonntags 7 Uhr. a** 5; 5« w-Ä SC/5® 5'5= CQ fi. 4. Wahlkreis(Südost). Sonnkog, den 18, Mat 1903(erfiev MingltfeivvkttA): Irüyka«zert Joels Uirtoria-Garten u. Kndtvigs Park-Reftauvant, Treptow, Köpnicker Landstraße. Anfang 4 Uhr. Billet 20 Pf. Zahlreichen Besuch erwartet Das Komitee. Restaurant Pferdebueht bei Kfyeniek, links vom Bahnhof Köpenick in 20 Minuten zu erreichem «N Am 1. kfiilgctfcicrtag: Crrosses Frülikonzert.«"IM Ausgeführt von der 36 Mann starlen Kapelle des Musikdircltors Herrn Bend! aus Köpenick. Abfahrt der Züge vom Schleichen Bahnhof morgens 3,51, 4,25, 6,12, 5,34, 6,03. 4042C» Die KaireckUelie steht den geehrten Damen von 5 l'hr ab xar gell. Benntsang. Es ladet zun: regen Besuch freundlichst ein Wilhelm Brilsewlts, Besitzer. Wintergarten. Heute: Das neue Mal-Pwanini! Interessant! Amüsant! Sensationell! ...PiPUSSi| W. Rucks Theater. Brunnenstrabe 16. Geschlossen.-MD Am 1. Pfingstseiertag: Eröffnung der Sonimcr-Saison. Täglilh im lArten: Thenter- ». ..Deellner Theater": 7./8. Abteilang, 23/. Uhr: Sonntag, den 18. Mai(1. Pfingsttag): „Glünblgee", „Pnss",„Volksnnrklüvnng". „I-essing- Theater": 11. IS Abteilung gleichzeitig(am Pfingstsonntag); — Die Hoffming.— Erste Opern-Vorstellnng(rote Marken): Don Juan am Sonntag, den SS Bai, 23/t Uhr im SIetropol-Tlieater.(Verlosung der Billets beginnt S Uhr. Opemheft 1, Teztauszug und Aufsatz nebst Theaterzettel von nächster Woche ab in den Zahlstellen von Beyer(N.), Löwenberg(C.), G. Schult(80.), Vogel(O.), Kumko(W.).[229/3 Der Torstand. I. A: C. Winkler. Achtung, Radfahrer! Wir liefern unsre Fahrräder auf Wunsch auch mit Schweinfiirther oder Ntorrowcr Freilansiiabe und mit Nücktrttt-Bremfe. Mehrkosten nur 9 Mark. 1-99» Btrliller EillklliifsHeltosstllschllft, Marsili.iss.rdste i». Wohtfahrts (Seid Lotterie. Ziehung: 27. bis 31. Mal lo 870 Geldgewinne haar ohne Jeden Abzug zahlbar von fflk. 575000 Eauptgewinse: Mark 100900 50000 2�000 eto. eto. ete. Orlslaalloose it.3. SO Hlc. Für Porto und Liste 30 Ff. extra. Marienbg. Pferde-Loose * 1 Mk.- n Stück IO Mk. (Porto u. List©«0 Ff.) OscirBräuerSCe.NaGli! Bank-Qeaohdft Berlin W. 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SV Gäste find willkommen."99 250/6_ Der Vorstand. Deutscher Holzarbeiter-Verband. iflitk. WiNwoch. dt« 14. Mai. abendS 8V, Uhr, im Saale des Herrn l.vnls lieller, Kopprnftrastr Nr. SS: Generstl�Verfntttmluns. Tages-Ordnung: Kassenbericht vom 1. Quartal. Bericht des Vorstandes, der Wsrlstatt- Kontrollkommission und des ArbeitsvermtttlerS. Bericht vom vierten Verbandstaa. Wahl des Ausschusses. Verbandsaneelegenheiten. Die Mitglieder werden ersucht, zahlreich«nd Pünktlich zu erscheinen. Eintritt nur mit Mitgliedsbuch. 83/1*_ Die Ortsvcrwaltnng. öftein soliaidemoliratischkr Gast- utiD SchanwMe Berlins und Umgegend. SGr" Der Feiertage wegen findet unser« regelmäßig« Mitgliederversammlung erst am SS. d. M. statt. Der Verstand. I.A.: Ferdinand Ftvnld, Mriil-MM her Töpfer. Freiing, den 1«. Mni. nbendS SVz Uhr, im Gewerkschnftshaufe(Saal 1), Wiigel-Ufer 15: Versststiiiilstiig her Bstii-Bertraiiensleilte uiih Bezirksleiter. In Anbetracht der Wichtigleit der zn besprechenden Fragen ist es eine unbedingte Notwendigkeit, daß jeder Bau vertreten ist. 195/14* Der Torstand. äditimi MMarlitiier. w«»! Tonnerstag. 15. Mai. abends 8V, Uhr, im Lokal»KönigSbank*. Große Frankfurterstratze 117: Tages-Ordnung: 1. DaS Verhalte» der Streikbrecher bei der Firma Sit ein. Referent: Wiescnthal. 2. Disküfston. Zahlreiches Erscheinen erwartet 115/3 Der Elnherafer. iireii,iiaiioiiingsg6iiii[ii..w... Mittwoch, 14. Mai, abends S Uhr, in den Arminhallen, Kommandantenstraße Sir. 29: UG" VSriSaAHMU»»I?UIHK''WW Tages-Ordnung: 8p»'»vlk Posadowsky! Referent: RetchStags-Abgeordncter Knill Uoscnow.— Nach dem Bortrage: Freie Aussprache. Kolleginnen und Kollegen I Seid alle zur Stelle? Wahrt Euer Recht! 289/3_ Der Eliiherufcr. T Hakenfelde b. 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Geschäftsguthaben- Mark Conto...... 116 212,30 Vermehrung im Jahre 1901....... 31 083,45 147 295,75 2. Sparelnlagen-Cont». 274 060,90 Z.Reservefonds-Conto.. 6 907,40 4. Siegsr. Levu-Schenknng 50 600,— 5. Bersügimgs- Conto der Siegsr Levh-Schcnkimg 653,60 O.Schuldverschreibungö- Conio...... 75 510,— 7.Hypolhcken-Co»to 1.. 199 088,97 8,Hypolhcken-Conio 2..200 000,- 9.Hypothckcii-Conto 3.. 101 000,— lO.Hyvotheken-Conto 4.. 318 000,— 11 Hypotheteii-Conto 5.. 388 582,68 IL.Hypotheken-ConIo 6..546 000.— 13.Reftlaiisgeld Grund- stück 7...... 75 000,- 14. Nestkaufgeld Grundstück 8...... 70 000,- 15. Creditoren-Conto.. 15 669,80 16. Vorausbezahlte Mieten 75,— 17.Neiiigewiim..... 4 918,54 Sa. 2 473 292,64 Gewinnvertellnng. S'/j Prozent Dividende aus Geschäftsguthaben am 31. Dezember 1900.. 3870,53 Dem Reservefonds gutgeschr. 1048 01 Sa. 4918,54 IHltgliederzahl Am 1. Januar 1901.... 1949 Eingetr. im Laufe d. Jahres 1901 762 2711 Am 31. Dezember 1901 schieden aus iilsoige Ausschluß, Tod, Verzug und Aufkündigung. 196 Bestand an Mitgliedern am 1. Januar 1902..... 2515 Die Haftsumme sämtlicher Mitglieder betrug am Schlüsse des Geschastsjahres 1990. 596 700 M. Dieselbe hat sich vermehrt um....... 173 400.. Gesamt- Haftsumme am Schlüsse des Geschäfts- jahres 1901.... 770 100 M. Der Verstand. 1. Schmidt. Frost Bescher. «ieiienhonig. schöne •OvlllC|*| hege Tafelware, vers. die 10 Psunddose zu 6.50 M., 5 Pfd. 4 M. srauko. Garant. Rückn. Reelle Bedienung zugesichert. 40l>lL* EOail NTordloh, Bahnhof, .»Vll, Augustfehn Oldeubg. Kleine Anzeigen. W Buchstaben zählen doppelt. JB JM Anzeigen in den Annahmestellen für Berlin bis 2 Uhr, für die Vororte bis 1 Uhr, in der Hauptexpedition Beuthatr.3 ■ bis 4- Uhr angenommen._ \ste rden A lin M Verkäufe. Restauration. Gesundbrunnen, billig zu verkaufen beim Eige»tüiner Schulslraße 72. 2584b* Restaurant wegen anderweitiger Ilnternehinunge» billig zu verlanfen. 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