Ar. IIS. AboiMtMtitt»-Ktdkngungen: «bonnemenlZ-Pret» prSnumerando: viertiljährl. Z,Z0 Ml., monall. 1,10 wöchtxllich 28 Psg. frei in« Hau». Einzelne Numw»r 5 Psg. Sonnlag»- Nummer mi» iii»nrieri-r SonnIagZ- Beilage„Die Neue Well" 10 Psg. Post- Hbonnemenü 1,10 Marl pro Mona», Eingeiragen in der Post- Zeitung«» Preisliste für 1808 unter Sr. 7878. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da» übrige Au»land 3 Marl pro Mona». «rfcheinl liglich«ich»»onlig«. Vevlinev Volksbl�kk. 19. Jalfrg. Di« Insertisns-GMyr betrügt für die fechSgefpaliene Kolonel» »eile oder deren Raum»0 Psg., für politische und gewerkschaftliche Verein«- und BersammlungS- Anzeigen 20 Psg. „Kleine Anzeigen" jedes Wort S Psg. (nur da« erste Wort fett). Inserate für die nächste Nummer müssen bis i Uhr nachmittag« in derExpedition abgegeben werden. Die Srpcditlon ist an Wochentagen bi« 7 Uhr abend«, an Sonn- und Festtagen bi« s uhr vormittag« geöffnei. Telegramm- Adresse r «Porialdemoliral Berlin" Csntralorgan der socialdemokratischen Partei Deutschlands. Ledalltion: L�v. 19. Benth-Slrahe 2. Nernfprecher: Amt I. Nr. 1S08. Freitag, den t«. Mai»80». Expedition: 3W, 19, BcnUi-Strage 3. Fernsprecher- Stint I, Nr. KI21. Die amerikanische Gefahr. ii. Doch selbst zugetseben, der omerikanische Hochofenbesitzer könne titfolge der niedrigen Coakspreise bequem die Tonne Roheisen um S oder selbst 10 M. billiger liefern, so erklärt sich daraus noch immer nicht die Furcht der deutschen Eisenindustriellen vor der amerikanischen Eisen- und Stahlindustrie. Thaisächlich beruht denn auch deren Ueberlegenheit auf ganz andren Ursachen: auf der enormen Betriebskonzentration, der Vereinigung der verschiedenartigsten Haupt- und Hilfsbetriebe miteinander. Nicht nur der Stahltrusl, auch die andeni grasten Compagnien haben ihre eignen Kohlen- und Erzlager, ihre eigenen Schiffe und Eisenbahnen, ihre eignen Kokereien, Hochöfen, Konverter, Martinöfen, Walziverke usw. Unter Benicksichtigung dieser Konzentrationen berechnete schon 1S97 die Zeitschrift.Stahl und Eisen' die Produktionskosten für eine von der Carnegie- Compagnie hergestellte Tonne Roheisen auf nur 7.25 Dollar(30,50 M.); der. E n g ine er' rechnete 1899 unter Ziigrnndelegnng der damaligen Preisvcrhältnisse 33,20 M. heraus; und Lenschau meint gar, dast unter günstigen Umstanden der Stahltrnst die Tonne Bessemer- Roheisen für 27 M. herzustellen vermag. Dennoch wird sich unter gewöhnlichen Umständen der amerika- nische Export von Roheisen und Stahlknüppeln nach Europa kaum als lohnend erweisen— nur im Fall einer in Amerika ausbrechenden Krise und wenn es den amerikanischen Gesellschaften gelingt, sich für ihre Exporlprodnkte weit unter dem jetzigen Niveau stehende Fracht- sätze zu sichern, must mit einer gröberen Ausfuhr von Eisen-Roh- Materialien und«Halbstoffen gerechnet werden. Bisher Ivar der omerikanische Export in solchen Artikeln recht gering. In 1898/99 führten z. B. die Vereinigten Staaten nur 232 812, 1399/1900 103 245 und in 1900/01 259 321 Tonnen Roheisen ans,! d. h. in den beiden letzten Jahren noch nicht die Hälfte jenes Quantums, das Deutschland allein anS England bezogen hat. Was vielmehr die Ver einigten Staaten in den letzten Jahren in rasch steigendem Mäste nach Europa ausgefühtt haben, das sind feinere Eisen- und Stahl waren und besonders kompliziertere Maschinen: Lokomobilen, land- wirtschaftliche Maschinen, Maschinen für Spinnereien und Webereien, Werkzeugmaschinen verschiedener Art, Nähmaschinen. Fahrräder zc. Schon im Jahre 1899/1900 belief sich der Wert des amerikanischen Maschinen- Exports auf beinahe 231 Millionen Mark. Es ist aber geradezu lächerlich, die überlegene Konkurrenz Amerikas auf diesem Gebiet aiiS der Billigkeit seiner Rohmaterialien erklären zu wollen; den» ob das Roheisen pro Centner 40—50 Pf. oder auch gar 1 Mark billiger ist, kommt bei den Preisen einer Sä- oder Spinnmaschine. einer Näh- oder Schreibmaschine nicht in Betracht. Das Uebergewicht, das die Vereinigten Staaten auf dem Gebiete der Maschinen Produktion erlangt haben, besteht in dein hohen Grad ihrer Technik, der weitesten Anwendung von Maschinen und der Betriebskonzentration. Das zeigt sich deutlich darin, dast ihre In dustrie sogar in solchen Branchen die Konkurrenz zu schlagen beginnt, in denen sich die Rohstoffe drüben teurer stellen als in Europa. Obgleich beispielsweise die amerikanische Schuhwarcn-Jndnstrie die Häute und Felle grösttenteils ans Europa einführt und demnach weit höher bezahlen must, gewinnt sie stetig in Europa an Absatz und hat nach Deutschland bereits in 1900 fiir 412 000 M. Schuhwaren geliefert, und doch beträgt in den grostcn Schuhfabriken Philadelphias der wöchentliche Lohn ungefähr 00 M., in den dentschen Fabriken durchschnittlich kaum 20 M. Nach dem Census von 1900 betrug in diesem Jahr das in der amerikanischen Schnhwaren- Industrie angelegte Gesamtkapital 101,8 Millionen Dollar, die Zahl der Lohnarbeiter 142 922, die JahreS-Lohnsnmme 59,18 Millionen Dollar, also pro Kopf ungefähr 413 Dollar(ca. 1735 Mark). Die Ausgaben für daS verarbeitete Materiol stellten sich auf 169,0 Millionen Dollar, die allgemeinen BetriebSnnlosten auf 10,8 Millionen Dollar, während der Gesamtwert aller produzierten Waren sich auf 201 Millionen Dollar belies. Der Anteil der Ausgabe für verarbeitetes Material an dem Gesamtwert der Produktion betrug also nicht weniger als 65 Proz. Wem» trotzdem die Konkurrenz amerikanischer Schnhivaren sich bereits auf den europäischen Märkten fühlbar macht, so infolge der überlegenen Betriebsweise der grosten amerikanischen Schuh- und Stiefelfabriken, die «in englischer Sachverständiger folgendermastcn beschreibt:„Sämtliche Maschinen, die in den Fabriken gebraucht werden, sind neuester Konstruktion. Mit Ausnahme des Schneidens der Materialien, aus denen der obere Teil des Stiefels hergestellt wird, wird beinahe nichts mit der Hand gemacht. Es ist unmöglich, alle die Maschinen aufzuzählen, die sich im Gebrauch befinden. Die Thatsachen aNein, dast 300—500 Arbeiter im stände sind, täglich 1500—3000 Paar Stiefel und Schuhe zu machen, genügt, um zu zeigen, dast nahezu die gesamte Arbeit von Maschinen geleistet wird. Eben der Gebrauch dieser verbesserte« Maschinen ist eS, der den amerikanischen Fabrikanten in den Stand setzt, so gewaltige Mengen zu produzieren.' Und dasselbe gilt von einer Reihe andrer amerikanischer In- dustrien. Sprechen auch bei einzelnen von diesen die billigeren Roh- raaterialpreise immerhin nicht unwesentlich mit, so ist es doch vor allem die gröstere Betriebskonzentration, die Maschiiienbenntznng, die Arbeitsteilung, die der amerikanischen Industrie ihre Konkurrenzfähigkeit gicbt. Und in der Einführung der amerikanischen Betriebs- und Fabrikationsiveise besteht denn auch, wie Lenschau treffend hervor- hebt, das Mittel, der amerikanischen Gefahr zu begegnen, nicht in Zollerhöhungen und der Ansklügelung vorläufig undurchführbarer Zollbündnisprojekte. Der deutsche Inlandsmarkt lästl sich zivar durch hohe Zölle gegen die amerikanische Einfuhr von Industriewaren absperren: aber gerade jene deutschen Industrien, die am meisten von der amerikanischen Konkurrenz bedroht erscheinen, arbeiten in weitestem Maße für Auslandsmärkte, und au diesen helfen die deutschen Zölle nicht nur nichts, sondern erschtveren im Gegenteil den Konkurrenzkampf. Denn die amerikanische Maschincnindustrie hat vielfach Specialitäten ge schaffen, die von unserer Industrie und Landwirtschaft gar nicht ent- behrt werden können. Eine Verhinderung des Imports oder Ver teuernng solcher Specialmaschinen wäre gleichbedeutend mit einer Hemmung weiteren Fortschritts, mit einer Vcrgrösternng der Pro duklionSkosten, statt ihrer Verminderung. Das Mittel zur Abwehr der sogen, amerikanische» Gefahr ist vielmehr die Erleichterung der Anwendung von Maschinen, und zweitens eine der amerikanischen angepastte Vetriebstvcise und BetriebSgliede rnng, also z. B. in der Eisenbranche die Zusammenfassung von Kohlenzechen, Hochöfen, Martinöfen, Walzwerken usw. zu grosten, einheitlich geleiteten Betrieben. DaS giebt auch Lenschau zu; völlig verfehlt ist es aber, wenn er meint, diese BetriebSiveise könne sich auf der Grundlage der heutigen deutschen Shuditatsschichtnng aus bauen und wenn er deshalb die allgemeine Bildung von Syndikaten empfiehlt, die sich mit einander zu verbinden und womöglich eine gleitende Preisskala aufzustellen hätten,„welche eS erlaubt, sobald der Preis eines Fabrikats sich auf dem Markt ändert, Gewinn und Verlust sofort über alle an seiner Herstellung beteiligten Betriebe zu verteilen'. Das ist eine reine Phantasmagorie, besteht doch gerade das Wesen der deutschen Syndikats bildung in der horizontalen Schichtung, in dem Znsammenschlnst der Betriebe einer und derselben ProdnktionSschicht zu dem Ztveck, für das hergestellte, zur Weiterverarbeitung gelieferte Produkt möglichst hohe Preise herauszuschlagen. Nein, der Weg führt über die heutige Syndikatsschichtung hinweg zur Bildung grostcr, die verschieden� artigen Betriebe vereinigende Aktiengesellschaften. An Ansätzen dazu fehlt es ja auch in Deutschland nicht. Eine in ihrer Art der ameri- kamschen ähnliche Organisation zeigt der Kruppsche Betrieb, und auch bei andren kleineren Werken finden wir das Bestreben, eigne Kohlen- zechen und Erzlager zu eriverben und den Hochofenanlagen Konverter, Martinöfen. Walziverke usiv. anzugliedern. Daneben sind die hohen Eisenbahn-TranSportkosten zu ermästigen, vontehinlich die im Vergleich zu andren Ländern relativ hohen Frachttarife für geivisse Rohstoffe, vornehmlich Eisenerze, und be sonders mtist das Wnsserstrastcunetz weiter ausgebaut werde». In den Vereinigten Staate» stellen sich durchweg die Frachten für Eisen Produkte ansterordentlich niedrig; die Eisenbahnfracht von Pittsbnrg nach Neiv Dork betrug z. B. im vorigen Jahre nach Lenschans An gaben für Roheisen pro Grostlonne<2240 engl. Pfund) 2,20 Dollar, für Knüppel und Walzdraht 2,40 Dollar, für andre Eisen- und Stahlfabrikate 2,91 Dollar, das macht pro Kilometer und metrische Tonne(1000 Kilogramm) 1,28 Pfennig für Roheisen, 1,40 Pfennig für Stnhl-Kniippel und 1,63 Pfennig für Fertigfabrikate. Hingegen führt eine Erhöhung der Eisen- und Maschinenzölle unter allen Umständen zu einer Beeinträchtigung der deutschen Koukurrenzfähigkcit; denn da erhöhte Zölle auch beim Fortfahren im alten Prodnklionsgeleise gute Profite garantieren, hemmen sie den Uebergang zu einer BetriebSkonzeutration in der Art der ameri- kaitischen, begünstigen die Bildung von Syndikaten und die Durch- führung der von diesen betriebenen, genügend bekannten Preispolitik und erschtveren ferner durch Berteuernng der Roh- und Halbstosfe den diese weiter verarbeitenden Branchen den Export nach den Auslandsmärkten. Und selbst, falls die Syndikate der Eisenindustrie einen Teil der aus dem Inlandsmarkt cingeheimsten hohen Gewinne dazu benutzen, durch Gewährung von Exportprämien die Ausfuhr zu erleichtern, ergiebt sich als Endresultat eine Beeinträchtigung der dentschen Konkurrenz- fähigkcit auf dem Weltmarkt— ganz abgesehen davon, dast ein solches Prämicnsystcm nichts andres bedeutet, als den deutschen Konsumenten das geschäftliche Exporlrisiko aufzubürden— denn wenn auch viel- leicht in diesem Fall der Eisenindustrie selbst nicht der Export er- schivert wird, so doch den übrigen Industrien, welche die von ihnen gebrauchten Arbeitswerkzeuge und Maschinen um so teurer zu be- zahlen und infolgedessen mit erhöhten Produktionskosten zu rechnen haben.__ PolMsche Mebevflcht. Berlin, den 13. Mai. Die Politik der festen Preise. Die N a ti o n a l s o c i a l e n— bisweilen ist's doch ergötzlich, sich mir ihnen zu beschäftigen— sind zwar erzcvangelischer Ab- stammung, haben aber einen unüberivindlichen Hang für das Mühlendammertum in der Politik, fiir die Uebertragnng der Prin- cipien des Hosenverkaufens, für daS System des„reellen' Geschäfts. Wenn himmelblaue Romantiker in die Politik geraten, suchen sie sich allemal als nüchternste Rechner und Kaufleute zu geberden: sie Neimen sich dann mit Vorliebe Realpolitiker, haben aber doch nur den mühlendammlichen Ehrgeiz. Ein ganz besonders herrliches Erzeugnis solcher realpolitischen Politik der festen Preise— Handeln gestattet!— findet sich in der neueste» Nummer der„Hilfe', allwo wörtlich folgendes zu lesen ist: Kuhhandel. Der Diktaturparngraph im NeichSland, der dem Statthalter bisher die Möglichkeit gab,„bei Gefahr für die öffentliche Sicherheit alle Mastregeln ungesäumt zu treffen, ivelche er zur Abwendung der Gefahr für notwendig hält', wird aufgehoben. Der Kaiser hat durch einen von der Hohkönigbnrg bei Schlcitstadt datierten Erlast den Statthalter angewiesen, sich dicserhalb mit dem Reichskanzler in Verbindung zu setzen und der Bevölkermig die freudige Nachricht von der Einsargung der alten Gejctzmmuie zu übermitteln. Die überraschende Plötzlichkeit dieses Ereignisses ist echt kaiserlich. Aber auch die scheinbar unberechenbarsten Kundgebungen Wilhelms II. haben ihre Planmästigkeit. Die Auf- Hebung des Diktaturparagraphen ist der Entgelt für die erheblichen Beiträge des Reichslandes zur Wiederherstellung der Hohköuigsburg. Unter der monarchischen Einkleidung eines Ver- trrntensbeweiseS versteckt sich ein solides Handelsgeschäft. Wir gratulieren den Elsast-Lothringern zu diesem billigen Kuhhandel, der zeigt, dast auch der Kaiser auf Kompromisse angewiesen ist. Die Socialdemokratie sollte an solchen Vorgängen endlich einmal politisch denken lernen. Würden die deutschen Arbeiter offen zugeben, dast Erhaltung und Stärkung von Heer und Flotte die Grundbedingung ihrer Wohlfahrt ist, dann könnten sie gegen das Zugeständnis monarchischer Führung billiges Brot und Socialreform einhandeln. So lange sie das nicht wolle» und„voll und ganz' auf ihren doktrinären Ansichtcu von Demokratie und Socialismus beharren, fällt den klügeren Politikern eine reife Kompromistfrucht nach der andern in den Schost. Heute den Agrariern, morgen den Grostindustriellen, übermorgen den Centrumsleuten. Es lebe die prineipienfestc Unentlvegtheit der Kautskh und Luxemburg! Wären wir nicht geradezu überwältigt von diesen erhabenen Maximen nationalsocialcn Geschäftssinns, so würden vielleicht in uns 1 einige Bedenken aufsteigen. Ist z. B. die Aufhebnug eines chikanvsen Ausnahmegesetzes, an dessen Erhaltung eigentlich niemand interessiert ist, zu vergleichen mit den Lebensfragen ganzer Klassen, wie sie bei der Zollvorlage ausgekämpft werden müssen? Aber derlei kleine Einwände verschwinden vor unsrem Entzücken über die neue Taktik, die unsre Ablöser und Mahner uns entpfehlen. Wir sind überzeugt! Wir ivcrden es künftig keinem Künstler � mehr übelnehmen, lvenn er durch kluge Anpassung an einen persönlichen Geschmack sich reiche Aufträge„einhandelt'. Wir werde« so auf allen Gebieten des gesellschaftlichen Lebens für Bar- zahlniig Gegenleistungen erzielen. Nur ivcrden»vir gleich aufs Ganze gehen und die Konsequenzen ziehen. Wozu die Umstände und Umlvege? Bülow soll einfach) einen Preistarif für Gesetzvorlagen aufstellen. Der Centralverband; der Scharfmacher hat 12 000 M. an die Zuchlhansvorlage gewandt. Auch wir werden uns nicht lumpen lassen. Wir sind bereit, für ein � ordentliches Koalitionsgesetz die höchsten Preise zu bezahlen, und für die Beseitigung der Zölle Iverden wir auch gern eine anstündige Summe bewilligen. Auch sonst sind wir zu Gegendiensten gern bereit: die Socialdemokratie wird auf Wunsch und, wenn ihr der Handel etwas einträgt, auf ihr gesamtes Programm verzichten, sich in einen Kriegervcrein verwandeln und warten, dast ihr die reifen Komprontistfrüchte— Orden, Titel und dergleichen— in den Schost fallen. Schliestlich sind wir auch bereit, die Monarchie selbst auszukaufen. Wir hoffen, uns dann endlich die Zufriedenheit der National- socialen zu eriverben, dieser einzigen Leute, die sich auf richsige Politik verstehen.—_ Der schwedische WahlrechtSkampf. Kanin, dast die belgische Revisionsbeivegung ihr Ende erreicht hat, so schickt sich die schwedische Arbeiterschaft zu energischein Kampfe um daS allgemeine gleiche Wahlrecht an. Sogar die gleiche Waffe ivendet man in Schweden an, wie in Belgien. Man hat den encral streik proklamiert, um durch eine derartige Demon- stration einen Druck auf die Regierung und die Parlamentsmehrheit auszuüben. Darin freilich unterscheidet sich die schwedische Wahlrechts- bewegung. der besonderen politischen Situation und dem Charakter der schlvedischen Arbeiterbewegung gemäß, von der belgischen, daß sie sich in aller Ruhe vollzieht, daß man in die Bewegung eintritt, ohne sich überspannten Illusionen hinzugeben und auswärts falsche Vor- stelluiigen zu erivecken. Auch soll der Generalstreik einstweilen nur 2—3 Tage dauern, sowohl um sich selbst erst gewissermasten durch eine Art Generalprobe von dem Funktionieren desselben zu über- zeugen, als auch, um den privilegierten Klassen einen Vorgeschmack einer eventuellen späteren ernstlicheren Aktion zu geben. Ob nicht gerade trotz dieser nüchternen Vorsicht, mit der in Schweden die Truppen ins Feuer geführt iverden, ein Erfolg erzielt wird, bleibt abzuivarten. In der Hauptstadt scheint die Parole deS allgemeinen AuSstandes strikt befolgt worden zu sein. Ein Wölfisches Telegramm meldet ans Stockholm vom 15. Mai: Die Setzer beschlossen in einer Nachtversammlung den Anschlust an den allgemeinen Ausstand. Der Verkehr der S t r a st e n b a h n e n, Droschken, A r b e i t S w a g e u und Dampfer ist seit heute früh e i n g e st e I l t. In den hiesigen Fabriken und Werkstätten scheint die Arbeits- n i e d e r l e g u n g vollständig zu sein. Vom Mittwoch liegen noch folgende Nachrichten vor: In einer zahlreich besuchten Stockholmer Arbeiter- Versammlung erklärte der socialistische Reichstags-Abgeordnete Branting, dast die Stiinntung im Reichstage das Gepräge von Un« ächerheit und Ratlosigkeit trage. Auf seine Frage, ob die An- wesenden sich an dem Ausstände beteiligen wollen, erscholl ein lautes „Ja!'. Mehrere Redner forderten die Arbeiter zur Ruhe und Ordnung auf.— In Upsala beschlossen die Arbeiter, die Arbeit auf 3 Tage einzustellen, auch die Bäcker werden sich ihnen nnschliestcii.— In M a l m ö erscheinen von morgen ab während des Ansstaudes keine Zeitungen; die Restanrationcit und Cafös werden bis auf weiteres polizeilich geschlossen: die Arbeiter der Werkstätten der Staats» bahn in Mal in ö schließen sich dem Ausstaude an. In Stockholm haben die Behörden angesichts deS bevor- tehcnden Ausstandes die Absperrung einiger innerer Stadtteile für den Verkehr angeordnet. Ferner wurde dem Publikum der-Auf- enthalt unmittelbar an der Absperrungsgreuze untersagt. Die bürgerliche Presse ist natürlich in Heller Entrüstung darüber, dast die rote Internationale sortgesetzt in Thätigkeit ist und bald hier, bald dort die Ruhe der satten Bourgeois stört. Nameiitlich bie„National-Zeitung" zctert enisetzlich, dah min anch die schive- dischcii Genosse» versuche», durch„revolutionäre Deuioustrationeil" die Strmtsqewrilt einzuschiichteru. Aber sie spendet sich dann selbst gutniütig den Trost, doß die Demonstrntion wirkungslos bleiben «verde. Jeder dieser Versuche, die„Diktatur des Proletariats" zu etablieren, niiisse ja fehlschlagen. Habe aber erst die internationale Arbeiterschaft eine Reihe solcher Niederlagen erlitten, so werde die„revolutionäre Phrase bankrott" sein, habe doch schon jetzt unser Karlsruher Partciblatt als Konsequenz des gescheiterten belgischen WahlrechtskainpfcS gefordert:„Hinaus mit ihr aus dem Sprachschatz unsrer Propaganda!" Es thnt uns leid, dem nntionalliberalen Blatte seine Illusionen über die endlich denn doch eintretende Mauserung der Socialdcmo- krntie zerstören zu müssen. Aber da Ivir in dem Ausstand der schwedischen Arbeiterschaft absolut nichts„Revolutionäres" und erst recht keine„Diktatur des Proletariats" zu erblicken vermögen, so wird auch ein negativer Ausgang des Streiks keinen dem revo- lnlionären Charakter der Partei zuzuschreibenden Misterfolg be- deuten können. Der„Generalstreik", der gegenwärtig in Schweden als politische Waffe gebraucht wird, ist nichts als taktisches Experiment, das, mag es ausfallen wie es will, mit dem einzig Revolutionären des SocialismuS, seiner Principienreinheit, auch nicht das allergeringste zu thun hat. Nim beruft sich freilich die„Nationak-Zeisimg" mrf den Karls- ruher„Volksfreund", der aus der Anregung der belgischen Wahlrechts- canipagne die Lehre gezogen habe, daß die„revolutionäre Phrase" ans dem socialistischcn Sprachschatze entfernt werden müsse. Diese Auffassung trifft anch entschieden zu— auf Belgien. In Schweden ist von der revolutionären Phrase bisher cbciisowenig zu spüren gewesen, wie in Deutsch- l a n d. Allerdings hat unser Karlsruher Brudcrorgau die wunder- liche Ansicht ausgesprochen, dast ohne die„revolutionäre Phrase" auch in Deutschland unser„Einflnst"„auf allen Gebieten weit gröstcr sein" werde. Mit dieser überaus rätselhaften Auffassung dürfte aber der Verfasser des betreffenden Artikels in Deutschland völlig vereinsamt, und damit auch die Hoffnung der „National-Zcitung" auf die principiclle Mauserung der socialdenio- kratischcn Partei unerfüllt bleiben.— »* Deutsches Weich. Die agrarische Zuckcrobstruktion. Nachdem die Regierung sich bereit erklärt hat. gcmäst dem agrarischen VerschlepPUUgSlvnnsch nochmals Sachverständige über die Zuckerfrage zu veniedmen, rücken die Agrarier unn noch deutlicher mil ihren Ovstruktionspläneu hervor. Sie befolgen dabei durchaus das Versahrcn, das ihnen bei der Kanalvorlage so erfolgreich gediehen ist. Sie nehmen die MaSke der Harmlosen an, die nichts weiter wollen, als eine gründliche Beratung. Diese HarmlosigkeitS- Maske ist in diesem Falle um so dreister, als es sich nicht nur mn eine Materie handelt, die völlig geklärt ist, sondern um eine internationale Konvention, für die cS keinerlei Aenderungen durch den Reichstag gicbt, sondern nur Annahme oder Ablehnung. Die„Deutsche Tageszeitung" aber schreibt wohlgemut: „DnS Ergebnis dieser Sachverständigen-Konferenzen wird fest- gelegt werden müssen, man wird sowohl seitens dcS Bundesrats als auch des Reichstages dazu Stellung nehmen müssen, und das alles lästt sich nicht überS Knie brechen. Dazu kommt, dast die Rcichstagskommission bekanntlich»och andre Materialien, insbesondere die Vorlegung der Brüsseler Konferenz- Protokolle verlangt hat. Wird diesem Vcr- langen entsprochen, woran doch nicht zu zweifeln ist, so wird die Kommission kaum ihre Arbeit überhasten können. Jeder, der die ganze Angelegenheit vorurteilslos und rein sachlich vetrachtct, wird uns znstinnnen müssen, wenn wir immer und immer wieder fordern, dast man die Erledigung der Zucker vorlagen bis zum Friihherbste vertage. Glaubt man, die Sache beeilen zu müssen, und fürchtet man. dast der Reichstag, der sich in, Herbst vorwiegend mit den Zollvorlagen befassen»inst, zu wenig Zeit habe, so berufe man ihn dann einige Wochen früher ein; man wird dann sicher viel leichter ein beschlustfähigeS Haus erzielen und zusammenhalten können als im Juni. Gegen diesen selbst- verständlichen und innerlich begründeten Gedanken würde lediglich der Umstand sprechen, dast man gesonnen zu sein scheint, die Znckervorlagcn»i i t de in B r a» n t w e i n- stener-Gesetze zu verkoppeln. Diese Vcrkoppclnng hat aber keinen Sinn und kann durch nichts sachlich bc- gründet iverden. Sollte man uns wegen dieser Auslassnngen wiederum der Vcrschleppmigsabsicht zeihen, so lästt uns das ganz kalt..." Die Herren Agrarier wollen also das ihnen ivertvolle Bräunt- weinstener- Gesetz nach Pfingsten hurtig erledigt, dagegen die Znckcrgesctze bis zum Herbst verschoben sehen. Wie man dann im Herbst weiter manövrieren wird, daS wird sich später finden laut agrarischer Obstruktionsbcfähignng. Dast diejenigen Parteien des Reichstags, welche das in der Kommission auf gnnzZneue Basis gestellte und erhebliche Beratringe» erfordernde Branntwcingesetz nicht„über da? Knie gebrochen" sehen wollen, andrerseits aber eine baldige Klarstellung deS Schicksals der Zucker- gesctzgebnng für dringend' nötig halten. dieses agrarische Spiel nicht ruhig gewähren lassen werden, erscheint uns auster Zweifel.— Leder-Jnbnstrie und Zollmehrhcit. Der Verband thüringischer und sächsischer Lcderfabrikation hat am lt. Mai 1902 in Pöstneck zu den zelllollen Beschlüssen betreffend Gerbrinde, Qncbracho- und andres Gerbholz Stellung genommen, folgende geharnischte Resolution angenommen und die Uebermittlmig derselbe» an die Zolltarifmitglieder beschlossen: „Die heute sam 11. Mai 1902) in Pößneck tagende Versamm- lung des Verbandes thüringischer und sächsischer Lederfabrikanlen drückt ihre tiefste Entriistnug darüber aus, dast die Z o I l t a r i f- Kommission .») überhaupt Zölle auf Gerbstoffe, die unentbehrlich- sten Rohmaterialen der Lederfabrikation, beantragen konnte. b) insbesondere Zölle auf Gerbstoffe in so mistliiliger Höhe, in Höhe von 30—70—120 Proz. des Wertes bcschliesten konnte. Das sind keine Zölle mehr. daS sind Einfuhrverbote. Da in Teutschland knapp ein Siebentel dcS von der deutschen Lederindustrie gebrauchte» Gerbstoffes erzeugt wird, sechs Siebentel vom Ausland bezogen werden müssen, so wäre damit der Untergang der deutsche» Lederindustrie besiegelt. lim eine, iiu Fortschritt zurückgebliebene Schällvald-Jndustrie mit einer Gcsaint-JahreSproduktion von kaum 8 Millionen Mark zu unterstützen, richtet man die drittgrößte Industrie Deutschlands, mit einer Jahresproduktion von 450—500 Millionen Mark z u Grunde. Die Majorität der Zolltarif-Kommission hätte einen vollständigeren Beweis von ihrer Unfähigkeit einer objektiven Beurteilung volkswirtschaftlicher Verhältnisse nicht liefern können." Es ist erfreulich, dast die Leder-Jndiistriellen über die Gcrbzoll- Beschlüsse aufgebracht sind. Gerade ihnen lästt sich freilich von der Ueberzoll-Mehrheit erwidern, daß sie selbst teilweise recht enragierte Schutzzöllner sind. Gerade der Verband thüringischer und sächsischer Lederfabrikation hat beim Bundesrat z. B. mn Erhöhung des Zolls auf ausländisches Unterleder, dessen Herabsetzung von 30 auf 30 M. der Entwurf vorschlägt, und auf Erhöhung dcS bestehende» Zolls von 26 M. auf Kernstücke von Häuten auf 40 M. ge- beten. Die Lederindnstricllen hatten kein Wort dagegen gefunden, dast den deutscheu Kousmnentcn und Arbeitern die Lebensmittel und die unentbehrlichen Bedarfsartikel künstlich durch Zölle verteuert werden. Es ist gut, dast beim Gerbezoll den schntzzöllnerischen In- dustriellen langsam die Erkenntnis darüber aufgeht, dast die deutsche Gesetzgebung nicht dazu dienen sollte unter dem Schlachtruf«H eimats- Politik" die Haut der Deutschen zu gerben.— Unparteiische Politik. Eine Gerichisverhandlung. die ani Dienstag in Breslau stattfand, bot eine drastische Illustration für die Art, wie von der„unparteiischen", das heißt nach den Priucipien nacktester Profitmacherei geleiteten Presse Politik gemacht wird. Der Prozeß bewies gleichzeitig, welche Zumutungen von den Besitzern derartiger Annoncenplantagen an jene bedauernswerten Journalisten gestellt werden, die mit ihrer Arbeitskraft zugleich ihre Gesinnung' an ihren Exploitenr verkauft haben. ES handelte sich um eine Klage, die der Verleger des BrcSlaner „Generalanzeigers" gegen unser dortiges Brnderorgan wegen.,un- lauteren Wettbewerbes" angestrengt hatte. Der unlautere Weit- bewerb sollte in der Anfdcckuiig gewisser Geschäftspraktiken bestanden haben, die sich der„Eeneralanzeiger" hatte zu Schulden komnien lassen. In diesem Blatt war nämlich im Juli vorigen Jahres ein Leitartikel über die Z o l l t a r i f v o r l a g e erschienen, in dem der„politische" Redacteur des Blattes im agrarischen Sinne zu der Vorlage Stellmig genommen hatte. Der Verleger hatte vor der Drucklegung noch einen Bürsten- abzng des Artikels zu Gesicht bekommen, an der Tendenz des Artikels Anstoß genommen und, da der Artikel nicht mehr ganz herausgenommen werden konnte, veranlaßt, dast er mit einer römischen 1 versehen, damit also als der erste von mehreren Artikeln charakterisiert wurde. Am andren Tage hatte der Verleger dann den Verfasser vorgenommen und veranlaßt, schleunigst einen zweiten Artikel zu schreiben, durch den die Tendenz des ersten Artikels so tv e i t als irgend möglich a b g e s ch wsä cht u n d i n ihr Gcgente.il verwandelt würde. Durch die Biertisch-Erzählungen eines andren früheren Redaclenrs deS „Generalanzeiger" hatte die„VolkSwacht" Kenntnis von dein Vorfall erhalten und die sonderbare Haltung des„unparteiischen" Blattes gebührend gegeißelt, und zwar unter dem Gesichtspunkt, daß der Verleger des' BlatlcS aus geschäftlichen Rücksichten auf das keineswegs agrarische Publikum der Stadt Breslau seinen Redacteur gezwungen habe, in jenem zweiten Artikel die Ruffassung des ersten Artikels zu revocieren. Da die Beweisaufnahme die Richtigkeit der Angaben der„Volks- wacht" ergab, sprach das Gericht die„VolkSwacht" frei, ebenso jenen ehemaligen Redacteur des„Gcueral-AnzeigcrS", gegen den vom Verleger' desselben wegen Verrats eines Geschäfts- gcheimnisscs geklagt worden war. Ein uetles, freilich keineswegs ungewöhnliches Bild des kapitalistischen Prestbetriebcs: der Verleger, der aus ge- schäftlichcm Kalkül seinen Redacteur zur nuwürdigsten Fälschung feines Urteils zwingt, und der Redacteur, der sich auS Furcht vor Entlassung bereit finden lästt, heule links zu schreiben, während er gestern rechts geschrieben hat.— Stcuerhinterzichcr. Der in Rnhrort festgestellte Eifer der Wohlhabenden i» der Nichterfüllung ihrer Stcucrpflicht wird auch in andren Gebieten dentsch-kapitalistischcr Ehrlichkeit geübt. So wird aus B o ch n m berichtet: Daß das Geschlecht der Steiicrdcfrandanteu auch in hiesiger Gegend noch nicht ausgestorben, zeigt eine jüngst vor dem Hattingcr Schöffengericht verhandelte Klage gegen einen vermögenden Lehrer. Derselbe war augeklagt, in 5 Fällen, die bis 1897 zurückreiche», trotz Warnung unwahre An gaben über sein verstcuerbarcs Vermögen gemacht rcsp. aufrecht erhalten zu haben. Mit Rücksicht darauf, daß der verhältniSmästig sehr wohlhabende Mann lediglich ans Geiz gehandelt hatte, verhängte das Gericht die höchste zulässige Strafe: den zchnfachen Betrag der hiutcrzogenen Steuer: 970 Mark oder 79 Tage Haft. DaS Interessanteste aber an der Verhandlung war, dast der AnitSaiitvalt den als Zeugen fiingiereiidcn Sieuersekretär »iitcr anderm fragte:„Ist Ihnen nicht bekannt, oder anders gesagt: Sind Sie nicht der Nebcrzcugung, das« auch in niiscrm 5lreisc vielfach falsche Aiigabr» über die Höhe deö steuerbaren Ein- kommcus gemacht werden?" Hierauf entgegnete der Zeuge: „Unzählige Fälle; es werden vielfach falsche Angaben gemacht, aber ich weist nicht, ob das wissentlich geschieht." Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Niemeyer:„Handelt cS sich dabei in erster Linie um die höheren Einkommen?"— Zeuge:„Jawohl; aber wir haben keine Handhabe, dahiiucr zu greisen."— AuS dem bayrischen Landtage. München, 13. Mai. (Elg. Bcr.) Die Abgeorductenknmmer erteilte in der heutigeu Sitzung ihre Zustimmimg der Reorganisation des RentamtSwesens. Bisher find in Bayern die Rcntamtmänncr noch immer eine Art von Stenerpächtern gewesen, die einen Prozentsatz der emgetriebeiieii Steuern erhielten und davon das nötige Personal zu zahlen habe». Dieses steht also nicht im Staat"-, sondern im Privatdieuste des StcucrpächterS und erhält bei einer minicnschlich langen Arbeitszeit eine miserable Aczahlnng. Ter Rentamtmann hat auch persönlich die Berantwortniig für die gesamte Kasscnfnhrnng zn trage». Jnfolgcdcsscn»inst er sich dieser in erster Linie widinen, wobei natürlich seine eigentliche Aufgabe, die Einschätzung der Steuerpflichtigen, arg veruachlässigt wird. Diesen lnittelalterlichen Zuktäildcu wird mm durch die Nciiorganisalioii endlich einmal ei» Ende gemacht. Dadurch wird cS unn anch ermöglicht, die längst in Aussicht gestellte und dringend notwendige Steuerreform in Angriff zu nehmen. Als Gegner der Neuorganisation»nd Anhänger des alten Tantiemensyslems bekannte sich von allen Parteien des HanscS nur der Bancrnbündler Dr. G ä t h. der im übrigen ein großes Klagelied anstimmte über die— Tninnihcit der Bauern und daS Wort aussprach: Der Agrarstaat gehtflötcn durch die Dummheit der A g r a r i« r I Die Errichtung eines bayrischen V e rk e h r s m i n i st e r i u m s scheint min doch bald Thatsache iverden zu sollen. Der Teemiii zur Neberiiahme der jetzt in Privatbetrieb stehenden Pfalzbahnen rückt immer näher heran und dieser Moment soll dazu benutzt werden, um die VcrkehrSanstalten vom Ministerium des Aenstern ab- znlösen n»d einem eignen Ministcriniu zu unterstellen. In der gestrige» Sitzung des Finanzausschusses der Abgeordnetenkammer stellte der Minislerpräsident die Bildimg eines solchen Ministeriums in sichere Aussicht. Als ziilünfligcr LerkehrSminister wurde früher allgemein der jetzige Generaldirektor der Pfalzbahnen, Geheimrat v. Lavale, angeschen; doch haben sich dessen Chancen inzwischen ganz erheblich verschlechtert. In eingeweihten Kreisen gilt jetzt ein sehr cinflnstreicher nltramontaner ReichSrat als aussichtsreichster Bewerber um daS nenzuschaffende Portefeuille. WahlrechtS-Neform in Bayern. München, 15. Mai. Die Abgeordnctenkaininer beriet heute den An- trog auf Reform dcsWahlrechts. Der Minister des Juncrii Frei- Herr v. F e i l i tz s ch erklärte, die Regieriing werde, nachdem der be- treffende Zlusschilst des HanseS einstimmig zu einem diesbezüglichen Kompromist gekoiniueu sei, einen entsprechende» Gesetzentwurf vorlegen, weim die Kammern der Abgeorducteu und der Reichs- räte dem Komproinist beiträten. Die StaatSregierimg stimme der Einführung deS direkte» LandtagS-Wahlrcchts unter de» von dem Ausschüsse vorgeschlagenen Kautclen zu. Die„Frankfurter Zeitung" beschäfligt sich in einem Artikel „Vom Revisionismus" mit einer Anseiuaiidersetziing zwischen der „Leipziger VolkSzeitmig" und nusrem Karlsruher Parteiblatt über die Lehren der belgischen Kämpfe. Da wir nusre Ansicht über diese Ereignisse zur Genüge ausgesprochen haben, so lag und liegt für unS kein Anlast vor, rms in die Polemik der beiden Parteiorgane zu mischen. Nur der„Franks. Ztg." haben wir ein Wort zu sagen. Die„Lcipz. VolkSztg." hatte geschrieben:«Die deutsche Revolution lebt noch, und zwar nicht nur in der urwüchsigen llmwälzimg der Erwerbs- verhältuiffe". Die„Franks. Zig." fragt hierzu:„Ei, Ivo denn? Wo wird sie beim vorbereitet? Wenn das ieiu Phrciseudrusch ist...!" Der dürftige Spott des Frankfurter Demokrateubkattes beweist nichts a S die dürftige Beschränktheit seines politischen Gesichtskreises. Tie deutsche Revolution lebt kraftvoller denn je in der deulschen Social- demokratie, indem sie eine grundsätzliche Beseitigung der gegen- wärtigenGescllschaftsordnuiig willund dieErrichtung eiiiersocialistischcn Gesellschaft, in der es keine Ausbeutung des Menschen durch den Menschen giebt und in der alle Klassengegensätze ausgelöscht sind. Diese wahrhafte und unvergängliche deutsche Revolution hat freilich nichts gemein mit der von der»Franks. Ztg." nuterstellten.revolutionäre,, Phrase", die daS Mittel der Gewalt, dessen Auiveiidiing eine nur taktische Frage ist und abhängt nicht von der Socialdemokratie. sondern von deren Gegnern, mit den revolntioiiären Zielen der Socialdemokratie miklar verwechselt. Wenn aber andrerseits die „Franks. Ztg." auf Grund der Ausführungen des Karlsruher BlalteS den Schluß zu ziehen venneint, dast die Socialdemokratie ans dem Wege ist, sich ans die Reformen in den Kommunen, in der Verkehrspolitik usw. zurückzuziehen, so bedeutet dieser Schluß eine voll« ständige Verkeimiing dcS Geistes der deutschen Arbeiterklasse, der ein revolutionärer ist und ein revolutionärer bleiben wird bis zur Er- füllmig ihrer Ideale, für die freilich das Blatt des Herrn Sounc- manu kein Verständnis haben kann, den einst Vambergcr in dem Worte kennzeichnete: Mischung von Petroleum und Poninde. Die Socialdemokratie ist Iveder für Petroleum noch für Pomade, am wenigsten für eine Mischung auS Veiten.— Ausland. Qeftreich-Ungarn. Nene Anklagen gegen Wolf. Der Abg. Schall hat K. H. Wolf in Linz bezichtigt, eine W e ch s c l f ä l s ch n n g verübt zu haben, ferner hat er Wolf Mißhandlung der eignen Frau und Vergewaltigung zweier Mädchen zum Vorwurf gemacht.— Schweiz. Die Rache der Dcinokrate» in Zürich. Zürich, 13. Mai.v a r z m c e r- F l o t t e. In dem vom 19. April datierten Erlast heißt es: „Das russische Reich besteht nicht seit gestern; so leicht kann man es nicht umvanen, es ist zn stark, mn derartigen Aufruhr, Unordnung iilid Eigenwillen dulden zn müssen, die van n u b e r ii f e n e n W o h l t h ä t e rn—• s ch l a u e u A u f r ü h c e r ii — gesät iverden. So lange daS russische Volk treu bleibt Gott dem H e r r n i n d c r r e ch t g I ü u b i g e n Kirche, so lange es wie bisher hat seiiicu Zaren, den Herrn, und gehorcht den von ihm befielt ten Behörden, so lmige bleibt dos russische Reich storl wie bisher, mächtig in seiner Einigkeit, der kein Feind schrecklich ist. Die äußeren Feinde Nußlands schlummern nicht, sie verwirren den Verstand der Leute durch allerlei gesetzwidrige Blätter und andre schändliche Werke, mit Hilfe nnsrer Verräter Mißvergnügen verbreitend und geradezu zum Aufruhr gegen die Slaatsorduung hetzend, indem sie Freiheit versprechen, alier ivaS für eine? Die Freiheit der Liederlichkeit, deS SelbstwillenS, des Vergehens auch gegen die Behörden." Daß sich der Zar mit der Republik Frankreich, in der doch die »Freiheit der Liederlichkeit" herrscht, verbündet hat, muß doch die Marinemaimschafte» einigermaßen in Erstannen setzen.— Das Traktälchen beweist jedenfalls, daß man die revolutionäre Propa- ganda fürchtet.—_ Ter Voereu- Krieg. Die Verfammlung in Vcrecniging. Ans allen Teilen des Landes treffe» Boerendelegierte ein, die nach Vereeniging unterwegs sind. Am Freitag früh werden fämttiche veriammeU sein. Mau hofft, daß die erste Konferenz morgen statlfiudc» kann. Der Korrespondent de?»Nenterscheii BureauS" in Pretoria tele- graphicrt unter Hinweis ans das heutige Meeting in Vereeniging, daß, so viel sich ans den bisherigen Verhandlungen zwischen den Boerenfnhrern und Bnrghers im Felde ermitteln lasse, nichts statt- gesunde» habe, Inas a»f eine baldige Einstellung der Feindseligkeiten hindeute. Die beste Friedensgarantie liege noch immer i» energischer Fortsetzung des Krieges. Das britische Publikum solle sich nicht zu sehr darauf verlassen, daß die gegenwärtige» Beratungen euren vatdigen Frieden bedeuteten. Ans Middelburg wird berichtet, daß am 9. Mai die Boeren in ziemlich großer Anzahl eine englische Patrouille i» dem Distrikte von Middelburg angegriffen haben.' Fünf Engländer, darunter ein Haupt- mann, wurden getötet, zwei verwundet.' Aus FttduZIvie«nd LZandel. Grtteralvcrsanimlttug der Siktiouäre der Hamioverschc» Straffenbahn. In der heutigen Generalversammlrmg, an der etwa 400 biS 500 Aktionäre teilnahmen, kam es zu äußerst heftigen Ans- ciimndersetzungen. Namens der RedistoiiSkominission, die den Antrag auf Einholung eines RechlSgutachtenS über die Frage gestellt hat, ob von der Gesellschaft Schadenanspriiche gegen Vorstand und Ruf« sichtsrat geltend gemacht werden könnten, ergriff zunächst Geheimer Regiennigsrat Lndowig das Wort. Er erklärte, daß der Vorstand sowohl bei der Führung der Bücher als bei der Anfstellimg der Jahresbilanz die Geschäftsvcrhältinsse verschleiert habe; besonders habe Direktor Krüger die Gesellschaft durch Unredlichkeiten geschädigt.(Rufe: Hört! hört!) Redner empfiehlt zunächst eine Pri'ncipienllage zu er- heben.— Bankier Damann beziffert die zu hohe Belastung des Bankeouto auf 1 128 264 M.— Jnstizrat Kempner vereidigt den Aufsichtsrat. Unregelmäßigkeiten seien, meint er, sicherlich vorgekommen, aber eine Regreßpflicht bestehe nicht; und selbst wenn sie als zu Recht bestehend anerkannt würde, würde» die Aktionäre da- von mehr Nachteil als Vorteil haben, den» es würde» da»» die 24 Millionen Aktie» nicht zum Handel an der Börse zugelassen werde». Er ermahnt zu einem geeinten Vorgehen, da nur so die Smiiernng deS Unternehmens gefördert werden tonne.— Bankier Damann fragt die Anfstchtsräte, ob sie nicht ans eigenen Stücken irgend welche Entschädigung leisten wollten. Sie richteten sich ja selbst, wenn sie sich weigerten, die ordentlichen Gerichte entscheiden zu lassen.(Schluß des Berichts fehlt.) DaS Schiedsgericht zur Entscheidung des Streites zwischen der Stadt Hannover und der Straßenbahn- Gesellschaft, bestehend aus dem Oberbürgermeister Dr. Giese-Altona und dem Direktor der Großen Berliner Straßenbahn Geh. Regierungsrat a. D. Köhler, hat gestern alle Ansprüche der Straßeiibahn-Gescllschast abgewiesen. Die vertragsmäßige Sonderabgabe sei von der gesamten Betriebs- einnahnie des ganzen Unternehmens der Straßenbahn, sowohl im Personen- wie im Güterverkehr und von allen in der Stadt und außerhalb derselben betriebenen Linien zu erheben. Ausdehnung deS Einflusses Morgan?. Wie Wolffs Bureau berichtet, haben die Lonisville and Nashville Nailway und die Southern Railway die Chicago, Jiidinnopoliß and LoniSvillc Railwah angekauft. Nach der„Nelv Dork Times" haben die erst- genannte» Bahnen damit den Besitz und die völlige Beherrschnng eines unabhängigen Zuganges nach Chicago erworben.(Die Lvnis- ville und Nashville Eisenbahn steht unter Kontrolle deS Morgan- Syndikats.) Rohetsenprodnktion deS NralgebieteS. Nach den kürzlich von dem Kongreß der Montan-Industriellen deS Uralgebietes gc- sammelten Daten stellte sich die Noheisenprodnktio» i» de» letzten drei Jahre», wie folgt: Jni Jahre 1899 lieferte» 129 Hochösen in 37 749 Arbeitstage» 45 090 837 P»d(1 Pud gleich 16,38 Kilogramm), durchschnilllich also 1190 Pnd Roh- eise» pro Tag; in dem darauffolgenden Jahre ergaben 134 Hochöfen i» 39 414 Arbeitstagen 4V 873 290 Pnd, d. h. im Durchschnitt 1260 Pnd pro Tag. und im Jahre 1901 produzierten 127 Hochöfen in 33 003 Arbeiistage» 48 745 775 Pnd Roheisen, mithin durchschnittlich 1280 Pnd pro Tag. Hiernach hat sich die Noheisenprodnktio» des Urals, die im Jahre 1900 eine beträchtliche Zunahme aufwies, im Jahre 1901 gegen das Vorjahr um 1 127 Slä Pnd oder um 2,2 Proz. vermindert. Nommuntrses. Stndtverorductcn- Vcrfainvilnng. 19. Sitzung vom Donnerstag, den 15. Mai 1902, nachmittags 5 Uhr. Vorsteher Dr. Lang erhanS eröffnet die Sitzung gegen '/sS Uhr. Eingegangen ist folgender dringlicher Antrag Langer- Hans, unterstützt von de» Stadtvv. Cassel, Mommsen, Rosenow und Singer: Die Versammknng beschließt, für die durch die v u l k a n i- scheu A n S b r n ch e und Erdbeben auf den Antillen in Not geratenen Personen eine Siuiun« von 40 000 M. aus dem Fonds für unvorhergesehene Ausgaben zu bewilligen, und ersucht den Magistrat, diesem Beschlüsse beizutreten und den- selben zur AnSsührnng zu bringen. Ans Vorschlag des V v r st e h o r s wird die Verhandlung dieses Gegenstandes vorweggenommen. Der Vorsteher bemerkt� zur Begründung, daß Ivohl die ganze Versammlung bereit sei» werde, sich dem Antrage anzuschließen; es iverde ja damit eine ivesentliche Milden»»; der Not, welche nnsre Mitbürger auf den Antillen be- troffen, nicht herbeigeführt werden, aber man iverde, wenn die Stadt mit einem derartigen guten Beispiele vorangehe und so ein wirklich praktisches Zeichen' der Teilnahme gebe, die Opferwilligkeit nnsrer Mitbürger, so iveit sie größere Summe» zur Verfügimg haben, an- regen, damit sie sich den bereits veröffentlichten Aufrufen anschließen niid sich an den eingeleiteten Sammlungen um so reichlicher be- teiligen.(Beifall.) 'Stadtv. Michclet beantragt, geschäftsordmmgsmäßig einen Ausschuß niederzusetzen, der sofort vom Vorstande zu ernennen sei und noch in heutiger Sitzung Bericht zu erstatte» habe. Auf Vorschlag des Vorstehers wird der Ausschuß ans den fünf Aiitragstellern gebildet, ivobei für den verhinderten Stadtv. Singer Stadtv. Borg mann eintritt. In die W a i s e» v c r w a l t u n g wählt die Versammlung a» Stelle des Stadtv. Dr. Frudenbe'rg auf Vorschlag von Bruns den Stadtv. Dr. B e r» st c i n. Eine Reihe von Rechnungen wird gemäß den Anträgen deS NechiiuiigSausschnsses, für welche» als Referent Stadtv. B a s n c r (Soc.) fungiert, dcchargiert. Zwischen der Aktiengesellschaft Ncn-Bcllcvue und den Vertretern der städtischen Behörden bezw. den Beauftragten des für die Angelegenheit von der Versammlung eingesetzten Ans- schusses ist nach langwierigen Verhandlmigen endlich eine Vereinbarung über die Bediiignngen zu stände gekommen, unter denen die Erschließung des Geländes der ehemaligen Monbitcr V o r s i g m ü h l e und des B o r s i g s ch e n Dampf- Hammerwerks zwischen Stromstraße, Alt- Moabit, Straße Nr. 30, Lcvetzowstraße und Spree erfolgen soll. Zur nueiitgeltlicheii Hergabe des Terrains für eine Geineindeschnle hat man die Gesellschaft, an deren Spitze der ehemalige Stadtverordnete Wieck steht, nicht bewegen können. Es soll ein Grundstück für die Er- banniig eines Gymnasiums und einer Gemeinde« Doppclschnle, Areal 9104 Quadratmeter mit 95 Meter Straßenfront, zum Preise von 60 Mark pro Quadratmeter. abgetreten werden; als Gegen- lcistnng genehmigt die Stadt die Aniage der Uferstraße'34b zwischen Stromstraße und Lcvetzowstraße, der Straße 30, der Straße Alt- Moabit zlvischen Ottostraße und Thnsnelda- Allee, der Straße 30.Ä., 30B, 80C und 30D, sowie einer Fußgängerbrücke im Zuge der F l e n S b>i r g e r st r a ß e nach dem Euttvurf des StadtbaüratS Krause. Alle diese Stücke hat die Gesellschaft auf eigne Kosten unter Aufsicht des Magistrats auszuführen. Stadtv. Borgmail»(Soc.): Die Vorlage ist allerdings durch den Ausschuß tvesentlich verbessert worden. Es ist dem Ans- schnß gelungen, günstigere Bedingungen hermisziiarbeitcn, aber ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, daß trotzdem d i e Stadt für das Terrain einen zu hohen Preis be- zahlen mutz. Ein Teil des AnsschnsseS halte beantragt, für das zum Gymiinsinm bestimmte Terrain allerdings 60 M. pro Quadratmeter zu bezahle», aber den Platz für die Geineindeschnle kostenfrei zn verlangen. Es Iväre doch gut, die Gelegenheit zn erfassen und princip'iell zur gerichtlichen'Entscheidung zu bringen, ob die Stadt zu solcher Forden»»; be- sngt sei, Ivie von dem andern Teil des AnsschnsseS be- stritten imirde. Es ist auch hier seitens der Schnlverivaltmig wieder ejnmal versäumt worden, daS Nötige für die Befriedigniig des Bedürftiissos an Schnlbauten vorzukehren. Zuerst hat die Schul- Verwaltung überhanpl nicht das Bedürfnis anerkannt: als der Ans- schnß sich aber neuerdings erkundigte, erklärte der Schulrat, es be- stehe in diesem Gebiet eine Schlilnot.(Hört! hört!), der zu zahlende Preis svll unter dem Selbstkostenpreis der Gesellschaft sich befinden. Das mag richtig sein; aber wie der Bodenwucher in Berlin betriebe» wird, kann iiia» an diesem Exempel sehr deutlich sehen. Herr Vorsig besaß das Terrain, er gründete eine Attiengescllsch»ft, die wieder Herr Borsig selbst ist, und vcrkanfle ihr die Fläche nn- gemein teuer, so daß dann die Preise heranökoinincii, welche nnS abverlangt werden. Ich beantrage demnach, d a S Terrain für die G e m e i u d e s ch n l e kostenfrei von der Gesellschaft zu verlangen. Damit würden wir der spekulativen, wucherischen Steigerung der Bodenpreise einen Damm entgegensetzen und auch den Preis der Wohiiungsmieten herunter- drücken, weim wir dieses Verfahren allgemein beobachten.(Beifall.) Stadtv. Wallach(A. L.): Die Ansichten des Antragstellers stehen im Wideriprnch mit seinen eignen, früher geäußerten und den von seiner Fraktion vertretenen. Er spricht auch heute wieder vom Bodeniviieber, bedenkt dabei aber gar nicht, daß seine Forderung, diese Schnlgrnndstücke umsonst zu geben, erst recht den Preis de? Bodens' i» die Höhe zu treiben geeignet ist. Da würden Sic doch den Wucher treiben und nicht wir. Sollten die Gesellschaften alle Kosten für Erschließung des Tettains tragen, so müßten sie auch die Koste» für die städtischen Beamten tragen, die durch solche An- lagen ncn erforderlich tverde». Die Gesellschaft ist nicht Borsig selbst, sondern auch Aschrott und der Fiskus kommt hier mit in Betracht. Der Preis ist nicht z» teuer, er ist angemessen nach jedes Sachverständigen Urteil, sogar sehr billig. Der Ausschuß hat der Stadt ca. Ve Million eingebracht gegenüber dem Antrage des Magistrats, und wenn daS jeder Änsschuß einbringt, dann löiinen wir doch zufrieden sein.(Heiterkeit.) Stadtv. Borgt» mm: Die letzte Schliißfolgernng scheint mir doch nicht zu stimmrn, denn die betreffende» Gesellschaften brauchten ja mir recht ansscknveifeude Forderinigen z» stellen und dann etivas abzulassen, damit der Anschein entsteht, als ob für die Stadt erheb- liche Vorteile eingehandelt würden. Ich habe es als Bodenwucher bezeichnet, ivenn sich jemand von einer von ihm gebildeten Aktien- geselljchast für sein Terrain 650 M. zahle» läßt. Es ist auch im Ansschnß ausgesprochen worden, daß die Sache an sich eigentlich iveiter nichts als eine Schiebnng sei; ich habe auch persönlich diesen Eindruck.(Vorsteher Dr. L a» g e r h a n s: Sie meinen damit doch nicht Mitglieder des Ausschusses?) Ich habe natürlich dein Ansschnß diesen Bortvurf nicht machen wollen, ich habe selbst der Snbkommtssioii angehört. Wenn unsre Forderungen den Preis des Grund und Bodens in die Höhe treiben, dann wollen wir doch auch die Negnlicrnng der Straßen übemehinc», dann würde das Terrain ja noch viel biNiger werden. So ist die Sache also nicht. Nehmen Sie imsren Antrag an, die Stadtgemeinde kommt dann mehr zu ihrem Recht, als cS nach dem AnSschnßaiitrag geschieht. Stadtv. Rosenowi Ss ch n ß a nt r ä g e werden nach Ablehnung des Antrags Vorgmann a n g e n o m m e n. Die Hilfsaktion. Die anS Anlaß des W o l t e n b r» ch S und Unwetters vom 14. April eingebrachten Anträge Rosenow und Aug» stiu haben zu ausgedehnten Verhandlungen nnd Er« Mittelungen in dem niedergesetzte» Ansschussc geführt. Es sollte von Stadt wegen für diejenigen Geschädigten eingeschritten werden, die durch jene eleineiitaren Ausbrüche in eine Notlage geraten sind. Von einer nmfafsenden öffentlichen Hilfsaktion hat man absehen zu können geglaubt und die entsprechenden Anträge abgelehnt. Zur Anmeldung gekomme» sind etiva 300 000 M. erlittene Schädiginigeii bcziehnngsweiie Verluste. Beigesteuert haben die Grundbesitzer- vereine 6500 M., Präsident Krüger von Transvaal 500 M., Private 415 M. Der Ausschuß schlägt folgendes zu beschließen vor: I. Die Versammluug geht von dem Grundsätze aus, daß die dem Magistrat zur Verfügung gestellte Summe nicht als Schade nsersatzlei st u n g gelten, sondern als Beihilfe denen gezahlt werden soll, die durch diese Beihilfe in ihrer Existenz aufrecht erhalten werden. ll. Die Versanimlnng stellt dem Magistrat einen Betrag bis zur Höhe von 60 000 M. zur Verfügniig, um den Geschädigten Beihilfe leisten zu können. III. Die Versammlung überweist dem Magistrat die ein- gegangenen geprüften Gesuche zur entsprechenden Berücksichtigung und weiteren Veranlassung. Die Versgmmlnng nimmt diese Anträge ohne Debatte an. Nachdem die Lersanimlinig abgelehnt hat, den Druck der städtischen Drucksache» an die Firma Pasch zu vergeben, hat eine neue Aiisschrcibmig statt- aeftiiiden, in welcher der bisherige Unternehmer, die Firma W. und S. Löwenthal, das„preiswürdigstc und annehiiibarste" Gebot von 46 218(bisher 41 266) M. jährlich abgegeben hat. Die übrigen 6 Offerten schwanken zwischen 49 500 und 60 600 M. Der Magistrat beantragt, der Firma auf weitere 3 Jahre die Arbeit zu übertragen; die Bersaminlniig tritt dem Antrage ohne Debatte bei. Den vom Magistrat 1899 vor'geschkagciien Ncuba» der Eisernc» Brücke hatte die Versammlung abgelehnt, weil sie zuvor Sicherheit darüber erlangen wollte, daß' die' Straßenbahn-Geleise vor dem Finanz- minis'terinm„Hinter dem Gicßhanie", die seiner Zeit mir wider- rnflich gestattet worden sind, dauernd dort verbleiben. Der Minister der öffentlichen Arbeiten will seinerseits erst den Brücken-Nenbau sichergestellt sehen, che er„der Frage näher treten kann, ob die aller- höchste Genehmigniig zur dauernden Belassung der Geleise zu erbitten sein möchte." Der Magistrat legt mm einen neuen, monumentaleren, 564 000 M. Kosten erfordernden Entwurf zur Beschlußnahme vor, der eveutnell zur Ausführung kommen soll. Die Stadtvv. Di nse nnd Haberland befürworten Ans- schußberatimg; beide weisen darauf hin, daß sich seil 1899 nichts geändert hat, daß insbesondere die verlangte Sicherheit für das Verbleiben der Slraßenbahngeleise noch immer nickst gegeben sei. Stadtv. Bruns(Soc.): Ans diesen Gründen sind wir für die A b l e h n« n g der Vorlage. Der Magistrat will durch seine Vorlage dem Ziele der Bersainiiiliing näher kommen. Da hätte er uns doch erst fragen müssen, ob wir den alten Standpunkt ans- geben und dem veränderten Projekt znstinimen wollen. Die von uns geforderte Erklärung der Behörde ist doch nicht eingegangen. Die große Fraktion hat sich seiner Zeit auch gegen den Neubau er- klärt, tvir stehen noch heute auf dem Boden' der damaligen Er- klärimgen des Stadtv. Hugo Sachs. Stadtv. Mommsen(Fr. Fr.) sieht gar keine Gefahr in der An- nähme der Magistrntsvorlnge, da es sich ja bloß um die Beschluß- fassnng über den Entwurf und noch keineswegs um die Ausführung desselben handele. Stadtv. Hugo Sachs: Wir haben bisher aus Mißtrauen unsern ablehnenden Standpunkt festgehalten. Durch die Vorlage des Magistrats ist dieses Mißtranen keineswegs geschtvimden. wir fürchten, daß' tvir, wenn wir auf diesen Boden treten, die Gelackten sein werden. Banrat Gottheiner: Ans dem bisherigen Wege kommen wir nicht weiter, da der Minister eine allerhöchste Entschließniig erst er- wirken will, wenn ei» bestimmtes Bauprojekt zur Ausführung ge- nehmigt ist. Stadtv. Borgmanu: Wenn Sie die Vorlage nicht glatt ahlehne», tverden wir natürlich auch in den Ausschuß gehen. Seitdem die Vcr- sammlmig im Jahre 1897 die Vorlage ablehnte, hat sich nicht ein Atom in der Situation geändert. Nach dem Wortlaut der früheren Abmachnngeu kann die Straßenbahn-Gesellschaft gezwungen tverden, die Geleise sofort nach Vollendniu; de§ Neubaues der Eisernen Brücke zu enlferncn.(Hört I hört!) Wollen Sie die Geleise erhallen, dann ist das nur ans dem Wege möglich, daß uns die betreffende Zn- sichernng vor dem Neubau der Brücke gegeben wird. Banrat Gottheincr: Wir wollen alle dasselbe, auch der Magistrat will zur Ansführinig des Ncnbanes erst schreiten, wenn die baiiernde Beibehaltung der Geleise uns zugesichert ist. Die Vorlage geht an' einen Ausschuß. Der Brbaiiiingsplau der Ableilnngen XII und XIII � zlvischen Ringbahn nnd dem Weich bilde soll mit Rücksicht auf die inzwischen erfolgte Be- bannng von P a n k o>v, N e n- W e i ß e n s e e und Lichtenberg enlsprechend inodisiztert werden. Stadtv. Hugo Sachs beanstandet die projektierte Breite von 56 Meter für die große Ringstraße als viel zn übermäßig und will höchstens 30 Meter Breite zugestehen. Stadl». Banrat Prof. Crrmer(A. L.) tritt ihm unter dem Beifall der großen Mehrheit entgegen. Stadtv. Borgmanu: Herr H. Sachs scheint doch noch nie in den Anßcnbezirle'» gewesen zu sein, sonst hätte er zu solchen AnSfnhrnngen nicht kommen können. Für gewisse Leute hört ja' freilich Berlin nördlich schon an der Spree auf. Die Aendcrnng des BcbannngSplans ist mit Rück- ficht auf die Ausführnng des RqdialsystemS XI dringend notwendig. Wie konnten aber die Vororte selbständige BebannngSpläne aufstelle», ohne daß Berlin davon Kenntnis»ahm? Ich fürchte, daß mnimchi; der Stadt ungezählte Millionen entgehen werden, die sie sonst ver- einnahmt hätte, wenn sie den Anträgen der Adjaceiite» und lGescll- schaften ans Aendernng des den veränderten Verhältnissen nicht mehr entsprechenden Bebauungsplanes pon 1862 entsprechen soll. Diese Vorteile gehen verloren, wenn der Plan in dem vorgeschlagenen llmfange von Grund aus geändert tvird. Banrat Gottheincr: Der Arbeitsminister hat uns seit Jahren angehalten zu invglichster Ansteilung der Vauqnartiere. Wir ivehren uns dagegen»och heute und haben gerade deshalb gemeint, die Bauanariiere so groß zu lassen, daß es den Großgrundbesitzern überlassen bleibt, Zivischeiisiraßen«inzuschalte». Daun müssen uns die Herren kommen nnd wir haben Gelegenheit, die Bedingungen zn stellen, welche der Vorredner angedeutet hat. Nach einer weitere» Debatte zieht Stadtv. H. Sachs feinen Antrag zurück. Die Vorlage tvird angenonrineii. Darauf berichtet Stadtv. L a n g e r h a n s über die Ver- handliiiigen des AnsschnsseS wegen B e tvi llig n ng von 40 000 M. für die auf den A n I i l l e u Geschädigten. Der Ansschnß hat einstimmig für den Antrag votiert. Die Versammlung tritt ihm e i n st i m in i g bei. Zur Fretlegmig der Christianiastraffe von Prinzen-Allee bis zur Kolonieslraße soll das erforderliche Terrain teils freihändig, teils im Wege der Enteignung erworben werden. Das Grundstück des Schankwirts Christian Anklain ist für 124 975 M. feil; von dem Grundstück des Fabrikbesitzers Paulcnt werden 3844 Quadrat- mcter a 30 M.— 115 320 SM. gebraucht. Von dem zn enteignenden Terrain gehört eins dem Wcißgerbermeister König, ein anderes der Aktiengesellschaft Kappler. beim dritten ist das Eigentumsrecht an einer 1060 Quadratmeter großen Fläche streitig, der Betrag soll eventuell gerichtlich deponiert werden. Die Znslimmnng der Versammlung wird ohne Debatte erteilt. Zur Vorlage wegen Herstellung einer Kühlanlage für die K o ch- und S t e r i l i s a t i o n S a n st a l t auf dem Schlacht- Hofe, welche mmniehr in städtische Verwaltung genoininen werden soll, bemerkt der Magistrat, daß der Wunsch derVersainmlung, diepolizei- lich beschlagnahmten Schlachttiere und Teile derselben nicht mehr derAb- deckerei znübergebe», sondern ans dem Schlachthof sogleich verbrennen zn lassen, nicht erfüllbar gewesen ist. weil die Genehmigniig zu einer ent- sprechendeil Anlage vom Minister für Handel nnd Gewerbe nicht erteilt worden ist. Der Magistrat sieht auch keine» Anlaß, den Plan schon jetzt ivieder aiifzn»ehine>i. Auf Antrag des Stadlv. Gericke, der die Wichtigkeit einer solchen Anlage zur technischen Verarbeitung des beanstandeten Fleisches nochinals betont, wird beschlossen, zn erklären, daß die Versainnilung in diesem Punkte die Aufgabe der gemischten De- pntatioii nicht für erledigt hält, im übrigen die Vorlage an- genommen. DaS OriSstatnt für das Gewcrbegcricht soll gemäß den»eilen Bcstimnningeii der Gewerbegerichtsgesetz- Novelle vom 80. Jmii 1901 umgearbeitet werden. Von der Einführung der Proporlionalivahl ist Abstand genommen, dagegen sind einige Vercinfachmigeii und Verbilligmigen des Wahlverfahrcns vorgeschlagen. Vom Stadtv. Hugo Sachs sind vier AbänderungSaiiträge ein- gebracht; von andrer Seite tvird insolgedessen Vertagung der Beratung beantragt und gegen) den Widerspruch S t a d t h a g c n s, der geltend macht, daß das abgeänderte Statut schon bis zum 1. Januar 1902 hätte erledigt sein müssen, auch beschlossen. Die Vorlage kann somit erst nach zwei Wochen zur Erörterung kommen, da in der Woche nach dem Psingstfest die Sitzung ausfallen soll. Schluß»ach 3 Uhr._ Die Vttlkan-Attsbvnche. Die Katastrophen n»f den lleinen Antillen scheinen noch lange nicht ihr Ende erreicht zu haben; vielmehr scheint es, als od das AerstSnmgSwerk der Nntur noch an Furchtvarkekt zunimmt, vor allem ist jetzt die Insel Jamaiea bedroht. Die Zerstörung von St. Vincent und der Hauptstadt Kingston /ist, wie über New Aork berietet wird, nach allgemeiner Ansicht ' nur eine Frage von Stunden. Fürchterliche Explosionen folgen sich ' von Sekunde zu Sekunde und ein fortwährender Donner wird hörbar. Dichte Wolken und kolossale Mengen von Aschenresten speit der Vulkan noch aus. In Kingston haben sich die Bewohner in die Keller geflüchtet, wo sie Hilfe crivarten. Dichte, schwarze Wolken lagern über den Inseln und erstrecken sich teilweise noch auf das Meer hinaus. Brennende Steine und Asche verhindern die Dampfer, sich dem Lande zu nähern. Zivischen St. Vincent und der nahe gelegenen Insel St. Lucia ist das Meer von dichtem Aschenschutt bedeckt. Auf große Entfernungen steh» man ganze von Lavasteinen gebildete Inseln. Außerdem wird noch berichtet, daß ein schwerer Cyklon sich den Antillen nähert. Von St. Vincent telephonierte der Gouverneur am Dienstag, den 13. Mai, nach Dominica: In Nancy— von wo ich eben Bericht erhalte— sind 30 Einwohner getötet; in Owia 200 Tote; die Faktoreien und Plantagen von Turema, Orange Hill und Lot. im ganzen vierzehn, sind zerstört und alles Vieh wurde getötet. Viele Leute sind durch Steine und glühende Asche verwundet. Zur Lage auf Martinique wird aus St. Lucia gemeldet: Die Zahl der bereits hier eingetroffenen Flüchtlinge ans Martinique und besonders aus St. Pierre rednciert die ursprüngliche Verlust- ziffer bei der Katastrophe von St. Pierre bedeutend, namentlich be- .züglich der in St. Pierre befindlichen Weißen. Es scheint jetzt, daß ein großer Teil der letzteren die Stadt vor der Zerstörung bereits verließ. Fort de France meldet, daß dort bereits gleichfalls >450 Flüchtlinge eingetroffen seien, und mehrere Taniende sollen nach übereinstimmenden Meldungen auf dem flachen Lande, wohin sie vor der Katastrophe geflüchtet, umherirren. Aus Fort de France hat der Kommandant des deutschen Kriegs- fchiffes„Falke" folgendes Telegramm nach Berlin gesandt: Bewohner von St. Pierre sämtlich tot. Gouverneur von Martinique ebenfalls. 200 verwundet. 3000 Personen der Umgebung sind durch den „Suchet" und das dänische Kriegsschiff„Valkyrien" hierher gebracht worden. Habe Proviant und Verbandmittel übergeben. Paris, 13. Mai. Ans Fort de France Ivird berichtet: Die Ruinen von St. Pierre werden militärisch belvacht. ans Furcht vor den Piraten. Der Gesundheitsrat hat beschlossen, die Bevölkerung des nördlichen Teils der Insel auf die verschiedenen Distrikte des Südens zu verteilen und ihnen Lebensmittel zu verabreichen. Der Vulkan Pelee läßt immer noch ein unheimliches Getöse vernehmen. Der Anblick des Vulkans ist beunruhigend; auf der Seite von Basse- Pointe erkennt man deutlich drei leuchtende Punkte. Man»innnt an, daß dieselben drei neue Krater sind, die sich geöffnet haben. Der Hauptkrater ist noch immer in Tyätigkeit. Zahlreiche Ueber- lebende, welche versuchten, sich auf Booten nach der nahe gelegenen Insel Dominica zu flüchten, sind ertrunken. Aus sämtlichen be- »achbartcn Inseln treffen Hilfskräfte ein. Jetzt ist es auch gelungen, die verwüsteten Gebiete der Insel ! Martinique und insbesondere die Stadt St. Pierre zu betreten. Ueber die grausigen Bilder, welche sich den Eindringenden darboten, entnehmen wir einem Berichte der„Franlf. Ztg."; Der von der amerikanischen„Associated Preß" in Gnadelonpe gecharterte Dampfer kam am Sonntag früb um 6.40 vor Wtartiniqne an. Die Insel war hinter einem Schleier von violettem und bleifarbigem Dunste verborgen. Ter Dampfer stieß auf gewaltige Menge» Wracktrümmer, auf Trümmer von Hänsern. auf schwimniendc große Bäume und Leichen. Scharen von Seemöven flaltcrien darüber und Haifische kämpften im Wasser um die Beute. Von jenseits des vulkanischen Schleiers her kamen heiße Windstöße untermischt mit eiskalten. Bei Le Precheur, fünf Meilen nördlich von St. Pierre, stieß der Dampfer auf Canoes voll Männer und Frauen, die um jeden Preis die Insel verlassen wollte» und darum baten, vom Dampfer mitgenommen zir werden. Das ganze Rordendc der . Insel war mit silbergrauer Asche überzogen, die wie schmutziger Schnee aussah. Feuer, Asche und Schlamm wurde von heftigen Windstößen über den Dampfer geblasen, aber endlich erreichte er doch St. Pierre. Die Stadt hatte sich beinahe zivei englische Meilen am Wasser entlang und eine halbe Meile rückivärts zu den Anlänfern des Vulkans hin ausgedehnt, Ivo die ans Stein gebauten Hänser der reicheren französischen Familien sich erhoben. Die Ruinen brannten noch immer, und an vielen Stellen roch es furchtbar nach verbranntem Fleisch. Mit großer Mühe tvurde die Landung ausgeführt. Nicht ein Hans war unversehrt, überall sah man breiige Schlaminhaufen. Aschenhanfen oder Haufen vulkanischer Steine. Straße» ivaren kaum zu entdecken. Hier und da sah man unter den Ruinen Haufen von Leichen, alle mit dem Gesicht nach unten. In einem Winkel sah man 22 Männer, Frauen nnd Kinder in einer schrecklichen Masse. aus der Arme und Beine hervorragten, daliegen. Mitten durch die bisherige Place Berti» rann ein tvinzigcc Bach, der Rest des Goyave-Flnffes. Große entwnrzclte und vom Feuer ver- sengte Bäume ivaren nach allen Seiten zerstreut. Große Fclsblöcke und noch heiße Steine lagen überall umher. Unter einem großen Steinblock ragte der Arm einer weißen Frau bcrvor. Am meiste» fiel die völlige Ruhe auf und der furchtbare, übcrtvältigende, üble Geruch. Der feurige Slroin, der vom Vulkan herabkam, muß ans giftigen Gasen bestanden haben, die sofort Jeden, der sie einatmete, erstickten, und aus andren heftig brennenden Gasen, denn fast alle Opfer hielten ihre Hände vor den Mund oder zeigten auf andre Weise, daß sie sich vor Erstickung zu retten versucht hatten. Alle Leichen waren verkohlt oder geröstet. Der Ausbruch des Colinia nimmt zu, wie aus Manzanillo via Neiu Jork berichtet wird. Die Bevölkerung der Thälcr flicht in die 50 Kilometer nordöstlich gelegene Stadt. Die Panik ivird allgemein infolge beginnender Erdstöße, man befürchtet ein großes Erdbeben Ivie im Jahre 1863. Viele Weiße trafen Zuflucht suchend aus Colima im Hafen von Manzanillo ein. Der Vulkan Colima liegt 12 000 Fuß hoch über stark bevölkerten, äußerst fruchtbaren Thäler». Wenige Tage vor dem großen Erd- beben des 20. Dezeniber 1868 begann der Colima zum erstenmal seit laiigcn Jahren Rauch und Dampf auszuatmen. Erst im Jahre 1869 folgte der eigentliche Ausbruch, der erste nach vierzigjähriger �absoluter Ruhepause. Der Ausbruch des Kraters Jona nimmt gleichfalls an Stärke zu. Auch die längst erloschenen Gehser am Republikflusse sNebraskaj zeigen Symptome erneuter Betvegung. Man befürchtet um so mehr einen direkten Zusammenhang zwischen den vulkanischen Ausbrüchen auf den Antillen, der Aktivität des Colima und der des einzigen»ordamerikanischen Kraters Jona. als St. Vincent, Martinique, Jamaica und Manzanillo auf derselbe» Linie liegen, wenn die Entfernung zivischen den äußersten Punkten der unterirdischen Aktionszone auch über 4000 Kilometer beträgt. GeHvevKschlKstliilzes. Der Deutsche F'ylographenverband hat in der Zeit vom 31. August bis 1. September 1901 eine Statistik arrangiert, deren Ergebnis jetzt vorliegt. Dreiviertel der im Beruf Beschäftigten habe» sich an der Statistik beteiligt. Von diesen sind 568 Atelier- nnd 150 Hausnrbeiter. Vcrbandsmitglieder haben sich 526 be- teiligr. Einen Rückgang zeigt die Zahl der Gehilfen in Stuttgart, während Städte ivie Braunschtveig und Hanuover eine Zimähnie bringen. Ucbcrhaupt zeigt der Beruf einen ivescntlichen Rückgang im'sogenannten belletristischen Holzschnitt, d. h. den für die Verantwortlicher Redacleur: Carl Leid in Berlin. Für den önseratenteil Jvustrierung von Zeitschriften und Büchern— während der Holzschnitt für gewerbliche und rein technische Zwecke zugenommen hat. Die Länge der Arbeitszeit beträgt bei den meisten Organisierten 8 Stunden, es wird aber auch bis 12 Stunden gearbeitet.' 536, 583, 730, 800, sogar 1200 Ueberstunden im Jahre verzeichnet die Statistik in vielen Fällen. Dabei berichtet die Statistik von einer Abnahme der Extra-Arbeit gegen die statistischen Erhebungen von 1897. Im ganzen arbeiten 454'zu den vom Statut geforderten Bedingungen. Die Bezahlung der Dylographen zeigt die größten Gegensätze. Der Durchschnittsverdienst beirug 1897 auf Gehalt 34 M.. anf Stück 35 M.,— 1901 betrug er auf Gehalt 33,3 M.. auf Stück 33,2 M. Es ist also ein kleiner Rückgang eingetreten. Während 1897 noch 13 Mann über 60 M. verdienten, zeigten sich 1301 bloß 5 Mann in dieser Höhe. In Leipzig arbeiten zwei Tylographen für 15 M. und für weniger sogar noch einige in andren Orten. Der niedrigste Lohnsatz beträgt 6.32 M. pro Woche, dem das höchste Einkommen, allerdings nur in einem Fall, von 83 M. gegenübersteht. Die Arbeitslosigkeit hat i» den letzten Jahren im Berufe be« sonders stark zugenommen. 1897 wurde vom Verband für 2854 arbeirslose Tage Unlerstützung bezahlt. 1901 stieg dies auf 6318 Tage. Die durchschnittliche Dauer der Arbeitslosigkeit betrug 39 Tage._ An die organistrrt« Arbeiterschaft Berlins und Vororte. Bekanntlich werden die Barbiergehilfen in ihren Bestrebungen, sich zu organisieren, mit allen kleinlichen Mitteln ihrer Arbeitgeber verfolgt. Die Arbeitgeber versuchen die im vergangenen Jahre er- rnngenen Verbesserungen dadurch illusorisch zu machen, daß man junge, kaum ausgelernte Arbeitskräfte von auSivärts heranzieht, tvährend Hunderte von Gehilfen sich außer Arbeit befinden. Die Organisation der Gehilfen hat dc» Arbeiter» ein Mittel in die Hand gegeben zu kontrollieren, wo die Forderungen der Gehilfen beivilligt' sind. Arbeiter, Parteigenossen, benutzt diese? Mittel, fragt bei In- anspruchnahme von Barbieren nach der gelben Kontroll- karte i3. Woche im Mai muß abgestempelt sein). Die AgitationSkommilston. Achtung, Dachdecker! Da die Differenzen bei der Firma Peglotv in Pankow zur Zufriedenheit der Beteiligten beigelegt Ivorden sind, so ist die Sperre über dieselbe hiermit aufgehoben. Achtung. Barbiergehilfen! In Frankfurt aVO. und H. niiover sind Differenzen ausgebrochen Zuzug»ach diesen Orten ist fern- zuhalten. Die Agitationskommission. In der Bautischlerei von G. Wegener in Wilmers- dort. Badenschestr. 18, bestehen seit dem 5. d. Mts. Differenzen. Die 32 daselbst beschäftigt gelvesenen Arbeiter sind in den Ausstand getreten tvcgen Einstellung von Arbeitskräften durch den Nachweis der Tischler- Innung. Verhandlungen mit Herrn Wegener hatte» keinen Erfolg. Der Unternehmer sucht Arbeiter zu gewinnen unter der Vorspiegelung, daß in seinem Betriebe alles geregelt sei: er hat auch in einigen Fällen damit Erfolg gehabt und versteht es, die Arbeitstvillige», auch wenn sie durch die Ausständigen eines Besseren belehrt sind, an der Arbeitsniederlegung zu hindern. Auch die Be- Hörde gewährt den Arbeitstvillige» den größten Schutz. Die Ans- ständigen ersuchen, die Sperre der Wegcnerschen Werkstatt zu beachten nnd den Zuzug fernzuhalten. Deutsches Reich. Zur AnSspcrrnng im Kieler Bangcwcrbe. Kürz�ch konnten wir berichten, daß der Kieler Polizeipräsident es abgelehnt hatte. dc» Ilnternehnrern den erbetenen iveitgehenden Schutz ihrer Arbeits- willigen zu gewähren. Sind die in dem von uns erivähnten Schreiben des Polizeipräsidenten niedergelegten Grundsätze den unteren Beamten nicht bekannt, oder fühlen sie sich nicht an dieselben gebunden, genug, wir lesen täglich in unser», Kieler Brnderorgan von Verhaftungen, die an Arbeitern vorgenommen werden, die den Versuch mache», znreiscnde Arbeitstvillige über die Lage der Verhältnisse aufzuklären. Es wäre ivünschcusivert. daß die Ansichten des Polizei« Präsidenten betreffs der polizeilichen Befugnisse bei Streiks den aus- 'iihrendeii Beamten eingeschärft werden. Fabrikarbeiter. Die Lokalverivaltnng Markranstädt dcS Fabrik- arbeiler-Vcrvnndes macht darauf aufmerksam, daß 14 Hilfsarbeiter der Kürschnerei von A. T n n g e r i n M a r k r a n st ä d t sich tvege» Maßregelung im Ausstand befinden, und der Zuzug deshalb fernzuhalten ist. In der Schuhfabrik von Preuß u. Möbius in Meißen sind wegen Maßregelung Differenzen ausgebrochen. Arbeitsangebote nach Meißen sind deshalb zu venneide».— Arbeiterfreundliche Blätter tverden um Abdruck gebeten. Ausland. Die BäckcranSspcrruug in Göteborg. Dieser Tage haben wiederum Verbandlunge» zivischen den Vertretern der Arbeitgeber und Arbeiter stattgefunden, eine Einigung kam jedoch nicht zu stände. Die Veitreter der Arbeiter hallen unbedingt an der Forderung des zehnstündigen Arbeitstages fest.— Von den sechs Personen, die an- läßlich der Krawalle vom 7. und 8. März verhaftet wurden, ist einer, der einen Polizisten mit einem Stein geworfen haben soll, zu zwei Jahren und zwei Monaten verurteilt ivorden, die übrigen sind zu geringen Gefängnisstrafen rcsp. Geldstrafen verurteilt worden. Die Weber in Euschede haben die von der Firma gestellten Bedingungen zur Wiederaufnahme der Arbeit mit 1197 gegen 182 Stimmen abgelehnt. Die Firma ivollte 20 Weber dauernd von der Arbeit ausschließen und außerdem besteht sie auf die Lohn- redaktionell für die Deckenivebcr. j VevsanfttUnttgem Sechster Wahlkreis(Schönhauser Vorstadt). Die am Mittlvoch in Fröbels Theater abgehaltene öffentliwe Partciversamm- lung war gut besucht. Rcichstag-Abgeordneter Richard Fischer behandelte daselbst das Thema:„Volldampf voraus in der Social- reform". Der Vortragende ging auf die überaus langsame Ent- tvickluug nnsrer Socialgesetzgebnng ein und zeigte an der Hand zahl- reicher Beispiele, wie weiiig Ursache die herrschenden Klassen haben, mit ihren socialreformatorischen Großthaten umhcrzuprahlen. Hierauf gab W ü» s ch den Bericht des Vertrauens- m a u n e s, der den Zeitraum von, 1. Oktober v. I. bis 1. Mai d. I. umfaßt. Danach wurden neun durchiveg gut besuchte Versammlungeu abgehalten. Die Einnahme betrug 7842.53 M.. der eine Ausgabe von 6787,16 M. gegenüber stand: an die Parteikaffe konnten 5030 M. abgeführt tverden. Bezugnehmend auf den Organisationsstreit meinte Redner: Es hege wohl jeder den Wunsch, diesen bedauerlichen Zlvist beigelegt zu sehen, damit endlich wieder einheitlich gearbeitet tverden könne. Auf Antrag der Revisoren wurde dem Vertraiieusmami Decharge erteilt.— Den Bericht der P r e ß k o m m i s s i o n gab Baun,, wobei er bemerkte, daß die Wünsche der Vororte in Bezug auf den„BorlvärtS" zum Herbste jedenfalls die laug ersehnte Bc- rücksichtignng finden dürften. Ueber die Thätigkeit der A g i t a t i o n S k o m m i s s i o n be- richtet Schmidt. Er bedauert hierbei, daß entgegen den getroffenen Vereinbarungen der Organisationsstreit auch auf da« Land hinaus- getragen sei. So z. B. erhalte er. wahrscheinlich auf Veranlassung von leitenden Genossen der Majorität, ans zwei Laudbezirken keine Berichte niehr zugestellt, iveil man ihn nicht niehr als Vertreter der Kreisorganisatio» anerkenne. Er könne nicht glaube», daß jene Genossen, die auf solche Art die agitatorische Thätigkeit hemmen. die Jntcressen der Partei wahrnehmen.— Im Anschluß hieran gab Dovrohlaw den Bericht der Z e i t n n g s k o m m i s s i o n. Redner konstatiert eine erfreuliche Zunahme der Abonnentenzahl; unterzieht aber gleichzeitig das Vorgehen der Majorität betreffs der Speditions- angelegen'heit in der Rofenthaler Vorstadt einer scharfen Kritik. An der Aussprache über diese Angelegenheit beteiligten sich u. a. Weisel, Geller», Mars und Lugscheider. M a r S stellte es entschieden in Ab- rede, daß die Abonnenten der Rofenthaler Vorstadt auf eine Zustellung deS„Vorwärts" durch die Spedition Gesniidbrnnnen verantwortlich: Xh. Glocke in verlin. Druck und Verlag von Max Badin gedrungen hätten; es sei dies vielmehr lediglich auf Betreiben der dortigen Bezirksführer geschehen. Bei ihm seien eine Anzahl Abbestellungskarten eingegangen, die alle von ein und derselben Person geschrieben waren; hinterher stellte sich dann heraus, daß viele Äbonneiiten von der Abbestellung Überhaupt nichts gewußt' hätten. Ferner sei es nicht wahr, daß er eine Ziisaiiimenkuiift niit Moabiier Genossen zwecks Besprechung neu- ciiizuführcudcr Orgnnisationsverhältnisse einberufen habe. Im Übrigen sei es auch kaum möglich, vom Gesundbrunnen aus die regelmäßige Zustellung des„Vorivärts" an die Abonnenten der Rofenthaler Vorstadt zu beiverkstelligen, was schon aus dem Umstand hervorgehe, daß den Ansträgerimien die Zeitungen auf offener Straße ausgehändigt würden. Er stehe nach wie vor auf dem Stondpmikt. es wäre richtiger gewesen, diese Angelegenheit, die nur beiderseits böses Blut machen müsse, nach der endgültigen Regelung des Orgaiiisatioiisstreitcs zu regeln.(Lebhafte Zustimmung.) Lugscheider. häufig durch Zurufe aus der Versaimiiluiig unter« brachen, führt aus: Die Verbilteriing sei durch das Verhalten der leitenden Genossen der Schönhauser Vorstadt leider verschärft worden. Wohl niögen seitens der Mehrheitsvertretcr tadelnswerte Uebergriffe vorgekommen sei», im großen ganzen sei aber korrekt verfahren. Insbesondere bestehe nicht die Absicht, Mars die Spedition ab- zutreiben.(Große Unruhe.) Weisel betont, er sei derjenige gc« wesen, der Mars zu einer Besprechnng der Moabiter Genossen eingeladen habe. weil die dortigen Genossen mit den jetzigen Zuständen unzufrieden wären. Sie würden nur als zahlende Mitglieder betrachtet, im übrigen aber würden sie fast nie um ihre Meinung befragt und� bekämen von den inneren Parteiverhältiiissen auch nichts zu wissen. Alles machten die Bezirksführer unter sich ab. ohne sich um die Mitglieder lveiier zu kümmern, außer wenn Zahlungen geleistet werden sollten. — Zum Schluß bemerkte der SertranenSmann Wünsch: Viele Worte könnten gespart werden, wenn die leitenden Personell der Majorität- sich vor Augen halten wollten, daß sie es in den Genossen der Schönhauser Vorstadt nicht mit einem losen Haufen, sondern mit einer festgefügten Organisation zu thnn haben. Eine beider- seitige Berständigimg sei jedenfalls das beste zur Förderung der Partei- iiiteressen: durch die jetzt ohne ersichtlichen Grund vom Zaune gebrochene Zeitungsangelegenheit aber werde die Erbitterung sicher eher gc- steigert' als vermindert. Hierauf wurde folgende Resolution gegen 3 Stimmen angenommen: „Die heutige öffentliche Parteiversammlung spricht nach An- hörung des Berichts über die Zeitungsspeditioil der Schönhauser Vorstadt ihr entschiedencs Mißfallen über die versuchte Abtreibung von„VortvärtS"-Äbonneiiten durch die Bezirksführer der Rofenthaler Vorstadt aus. Die Versammlung erklärt ferner, daß in dieser An- gelegenheit die leitenden Personen der Rofenthaler Vorstadt gegen die Partei-Jiiteressen gearbeitet haben." Waidmannslust. Am Soiliiabeiid. den 10. d. M., hielt der Wahlverein eine außerordentliche Generalversammlung ab. Die An- wesenden nahmen die Berichte der cinzelnen Ortschaften, welche Erfolge die wöchentlichen Diskutierabende gehabt haben, entgegen; in einzelnen Orten ist die Mitgliederzahl um das doppelte gestiegen. Ein Antrag der Tegeler Genossen, der dahin lautete, in Tegel einen selbständigen Wahlverein zu gründen, wurde, nachdem hierüber eine lebhafte Diskussion stattgefunden hatte, einstimmig angenommen. Tegel bildet einen selbständigen Wahlverein, gliedert sich aber im übrigen an den Bezirk Waidmaniisliist an. Uvtzke Llachvitfjketr und Depefthen. Abkommen zwischen England und China. Köln, 15. Mai.(W. T. B.) Der„Köln. Ztg." wird aus Petersburg von beute telegraphiert: Die hier soeben bekannt- gegebenen beiden Abkommen, die zwischen England und China ab- geichlossen wurden, baben hier unangenehme Ueberraschmig hervor- gerufen. Das erste Eisenbahn- Abkommen bezieht sich anf die Eisenbahn Peliug— Schauhaikwan und unterliegt der Nachtrag- lichen Geiiehmigmig der Mächte. Wenn man sich dabei anf das Abkommen der Mächte vom 15. Februar v. I. beruft, nach welchem die Bahnlinie Peking— Schanhaiklvan den Engländern übergeben tvurde, so ist das' nach hiesiger Auffassung nicht stichhaltig. weil die darin erivähiite Occupatio» des Landes im Verhältnis darstellt, das mit dem 22. September v. I. ein Ende genommen hat. Noch mehr Mißstiimiimig ruft die Konzession hervor, die den Engländern für die Strecken Tungtschau- Tangschan. Ticiitsiiig-Paotiiigfn und Peking-Kalgan gegebe» Ivorden ist. Wie es heißt ist der russische Vertreter in Peking beauftragt worden, bei der chinesischen Negiernng gegen diese Abkommen mit Nachdruck vor- ßellig zu werden."_ Der Wahlrechtskampf in Schwede«. Stockholm. 15. Mai.(W. T. B.) Die Anzahl der hier Au»« ltäiidigcn wird auf Ii» 000 geschätzt. Morgen dürfte diese Zahl bedeutend größer sein. Die Braiintiveiuläden sind geschloffen. In Göteborg ist der Ausstand kein allgemeiner. Die Buch- drncker, Gasarbeitcr, Straßenbahnarbeiter nnd Droschkenkutscher find nicht ausständig. In M a l m ö ist der Verkehr ungestört; in den Fabriken und Druckereien ist dagegen die Arbeitseinstellung vollständig. In H e l s i n g b o r g ist der Ausstand allgemein. Abgeordnetenhans. Wie». 15. Mai.(W. T. B.) Bei der fortgesetzten Beratung des Ackerbau-Budgets sagt der A ck e r b a u m i n i st e r Freiherr von Giovanelli: Die Mon'arckne dürfe sich in handelspolitischer Beziehung nicht auf den Jsolirschemel stellen, noch auch versuchen, gegen den Stroni zu schwinimen. Andererseits aber löune die vom D e ii t s-y e n 9t e i ch e gerade ans dem Gebiete der Land- und Forstwirtschaft eingeleitete Zollpolitik nicht ohne Rückwirkung auf Oestreich bleiben. Die Regierung ist sich der Verantwortung für den Schutz schiver- wiegender Interessen vollkoiinnen bewußt, und bittet das Haus, in Bezug auf die treuueude Frage der Weinzollklausel versichert zu sein, daß die Regierung iui Rahmen der großen zoll- und handeis- politischen Aktion für die Jntcressen der Land- und Forstivirtschaft einzutreten wisse._ Tischlerstreik. Laibach. 15. Mai./z Uhr. iverliuer. Alt-Heidelberg. Anfang 7V- Uhr. Lessiug. So leben wir. Anfang 7'/, Uhr. Wefte». Lilli Lehmann- Gastspiel. Norma. Anfang 7Vj Uhr. Neues. Der Frauenarzt. Anfang 7>/- Uhr. Residenz. Einquartierung. Anfang 7'/- Uhr. Ceutral. Das sühe Mädel. Anfang 7>/i Uhr. Thalia. Gastspiel der Schlierfeer. Der Schlagring. Anfang 8 Uhr. Pelle-Sllliauce. Die Dame aus Trouville. Hieraus: Er. Anfang 7-/- Uhr. Luise». Die Grille. Anfang 7-/z Uhr. Karl Weiss. Die Viper. Anfang 8 Uhr. Eecessiousbiihue. Detlev Lilien- crons Buntes Brettl. Anfang 8 Uhr. E. v. Wolzogenö Buntes Theater (Ueberbrettl). Anfang 8 Uhr. Gchall nub Rauch. Serenissimus- Zwischenspiel«. Anfang 8i/j Uhr. Friedrich Wilheliusiiidtischcs. Lumpacivagabundus oder: Das liederliche Kleeblatt. Anfang VU Uhr. Orpheus. Specialitäten-VorsteNnng. Anfang 8 Uhr. Kharivari. Täglich Vorstellung. Ansang 7V, Uhr. Metropol.(Morwitz-Oper.) �La-so korto. Ansang 8 Uhr. OlpoNo. Lyststrata. Spccialitäten- Vorstellung. Anfang 7Vi Uhr. Palast. Ben- Ali- Bey und sein orientalisches Zauber- Ensemble. Anfang 8 Uhr. Kasino- Theater. Tie Ballhans- Anna.— Der beste Bruder. Specialitäten- Vorstellung. An- fang 8 Uhr. RcichshaNeu. Steitiner Sänger. Anfang 7 Uhr. Passage- Theater. Specialitäten- Vorstellung. Ansang nachmittags 3 Uhr. Passage- Panoptikum. Speciali- täieii-Vorslellnng. Urania, ltanbensir. 48/45).(Im Theatersaal.) Abends 8 Uhr: Die deutsche Ostscckiiste. Jubnlideustrasje 57/02. Täglich: Sternwarte.__ Urania, Tauben-Strasse 48/49. Im Theater um 8 ühr: Die deutsche Ostseeküste. castans| Panoptikum Frledrlcli-Stvasse 165. Das Bärenweib! i ein Wunder der Schöpfung! Neu; Skandintivischcs IfiNtruiiientuI- u.Vokal- Klliiüitlcr-Diisumble. 4 Damen, 2 Herren. Thalia Theater. Dresdcuerstrasse 72/73. Anfang 8 Uhr. Heute, Freitag, den 16. Mai: Der Schlagring. Sonnabend zum erstenmal: Alnienrausch n. Kdelwciss. Pfingstsonntag und Pnngstmontag: �.lnienrn.«!.«:!»». iDd«lrr«lss. Dienstag, den 3. Pfiugstfeiertag: lkKelneldbanvi». c Sil Wri88-Theilt6i'. Grosse Frankfnrlerstr. 132. Anfang 8 Uhr._ LV Zum erstenmal:"9� I>ie Viper. Kriminal-Schauspiel in 7 Bildern nach dem Roman des„Berliner Lokal- Anzeiger" von Dr. Rcvel. Dramatisierung von Kurt Junge. Biihnenbcarveitung und insccniert von Ernst Ritterfeldt. LIIIII I rSPTmTMWffTPBPn WIIttWM (Wallner-Theater). Freitagabend 8 Uhr: Xwei Wapzrcn. schwank in 4 Akten v. Osk. Blumen- thal und Gustav Kadelburg. Sonnabendabend 8 Uhr: Slrvcl Wappen. Sonntagabend 8 Uhr: Der Probckandidat. Wo ntagnach mittag 3 Uhr: Dlusame Denschen. Montagabend 8 Uhr: Xwel Wappen._ Cknwl-Tljkllttr. Heute Freitag, den 16. Mai, abends TV, Uhr, zum 151. Mal: Vas sutzv Wlädel. Morgen und folgende Tage: Das süsse Mädel._ Apollo- Theater Um 8 Uhr: Die vorzüglich. Specialitäten. Um 9 Uhr: liVislstrata «lit dem Lustballett„Clrigolatis" Kaiseneröffnung 7 Uhr. fflGtropol-TiiGater Freitag: Morwifa-Oper. f nnn> Moran Oldcn als Gast. A Ba.so Porto. Ä: Heinrich Sittel. Der Tronbadour. SPT" Anfang 8 Uhr. IPassap-TGeater. | Anfang Sonntags 3 Uhr, 1 Wochentags 5, Ende 11 Uhr. {Otto Bayer 1 der elegante Humorist. lEimuy Bore Internationale Soubrette. 16 erstkl. Nummern. Casino- Theater Lothringerstr. 37. Mur bis heute Haskel-Gastspiel. '„Ballhaus An»a� je. Ab Sonnabend: �teueS glänzendes Programm. ?alN8t-Theater (früher Fcen-Palast) Bnrgstr. 22. Täglich abends 8 Uhr: Len-AIi-Zey ! u. sein erlent. Zauder-llnsemble. Vorverkauf d. Logen u.»um. Sitze an der Theaterkasse des Warenhauses 9t. Wertheil». Leipzigersir. Preise der Plätze: Logensitz 2,50 M., Sperrsitz 1,50, immer. Parkett it. numer. Rang- Balkon 1 M., Parterre 50 Pf., Stehpart. u. unnum. Rg. 30 Pf. |...pipiissi|iy|. Wahlkreis! Belle-Allianee-Theater. Heute zum 145. Male: Die Saint ans TrauMe. Schwank mit Gesang 11. Tanz in 3 Akt. llmil Sondennann a. G. Ferd. Worms. Mizzi Birkner. Rosa Marlon. Hierauf:„Er". Pariser Lebens- bild in 1 Akt. Anfang 7'/2 Uhr. An beiden Psingst- Feiertagen: Früh-Konzert u»d Borstellung. Tehall tnul Bauch (Kleines Theater) Unter den binden 44. Freitag, 16. Mai, abends 8Vz Uhr: Gastspiel von Emannel Reicher. Serl'iiissirans-Zwiscliensp.ua. Vi Niacks Theater. Brnniienstrabe 16. Ms?- Geschlossen. Am 1. Pfingstsetertag: Eröffnung der Sommer-Saison. Atililli ii» Garte»: Theater- kröhkZs Allerlei?döaier ZM- früher Puhlniann'PW Schönhauser-AIIee No. 148. 91m 1. Psingst-Feiertag: Eröffnung der durchweg erneuten Räume. Mra-Galllvorsteffung des gesamten erstklassigen Schauspiel- n.Kiinstler-Personals. Rieseu-Fest-Programm. Im prachtvollen Parkettsaal: Am l. und 2. Festtag: FtHh-Konzert und Vorstellung. Täglich: Gr. Konzert u. Vorstellung. Kofi busersli'. 4 a, Station der Hochbahn. Jeden Sonntag, Montag und Donnerstag: Hoffixa» ns Norddeiitslhe Tänger Ab Pfingsten täglich im Garten: Konzert u.Vorstellg. Reichshalle n. Xttglich: Stettiner Säuger. Anfang Wocheut. 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. = JO Ä vi Wintergarten. Heute: Dasorti-Propniii! Interessant! Amttsantt Sensationell! SciiwGizGr-CGftGnl Am Königsthor. Ringbahn- Haltestelle. Am FriedrichShain. äs Extra-VorstelLi der neu engagierten Specialität. Festprogramm: Handstand- Akrobat., Musik-Excentr., Kugel- Jongleure, Clown-Eqnilibrisien, Ringgladiatoren. Chansounetten, Grotcsl-Duettisten, Hnmoristen, Wirbelwindtänzer, Gr. Ballett- Ensemble, Elektr. Lichtbilder. Bon Pfingsten ab täglich: Theatervorstellung, Specialität. und Ball. An beiden Feiertagen v. früh 5 Uhr ab: Frllhkonzert u. Vorstellung, in welcher die Hauptkräfte d. Festprog. mitwirk. Entree 30 Pf. Am 2. Feiert. nachm. 50 Ps. Ans. 4 Uhr. Fam.- Kaffeckochen erst 0. 3. Feiertag ab. Umtkr-TIikatkr Kastanieu-sttllee 7— i>. Sonntag, den 18. Mai: Eröffnung der Somniersaison. Dnrch fremde Sebald. Bolksstück m. Ges. in 3 Akt. v. A. Seelen u. O. Richter. Musik v. R. Mahnecke. Ballettgesellschaft Gatrlnl.— Tyro- lienne Mary Ellys.— Grotesgne- Koiniker Paul Coradlni.— Brothers Fred, musikalische Exeentries.— Mr. Bartling, lebende Photographien.— Fred Marzahnl Troupe, Pantomime.— Muslkantensireiche.— Bartlinge elektrische Feerie.(3000 Gliihkörper.)— Konzert 11. Ball. Ansang 4 uhr. Eintritt 50 Pf., nnmer. Platz 75 Pf. Kalbo. „Alter Dessauer". Soramer-Theater. 32 Artillerie-Strasse 32 Jnh. A. Ladewig. Artistische Direktion Hans Johannes. Wiedereröffnung: Pfingsten. Täglich: Thealer und Specialitäten. i t ä t! R 0 v i tä t! SJEF" Das Blunenmädchen"TBö vom Oranienburger Thor von Johannes Eiffner. Auf.: Sonnt. t/z6 Uhr, wochent. V..8 Uhr. Morrow Freilanf- Hinterräder. Fertig gespannt zum Einsesse» i» jedes Nah. 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Der von allen Fraktionen, auch der socialdeinokratischen, gestellte dringliche Antrag, für die durch den V n l k a n a n s b r u ch in Not geratene Bevölkerung der Antillen 40 00» Mark zu bewilligen, wurde nach kurzer Begründung durch den Vorsteher debattclos einen, Ansschntz überwiesen, wie es die Geschäftsordnung vorschreibt. Der Ausschuß wurde aber sofort ernannt, trat noch in, Laufe der Sitzung zu einer kurzen Besprechung zusaniincn und erstattete sodann seinen Bericht. Die 40 000 M. wurden darauf ohne Debatte bewilligt. Auch der vor vier Woche» eingesetzte Ausschuß, der über die U n t e r st ü tz u n g der durch das Unwetter vom 14. April in Berlin geschädigten Personen zu beraten hatte, erstattete seinen Bericht. Er empfahl, den betroffciicn Personen nicht Schadensersatz, sondern nur Beihilfe zu gewähren, und beantragte, zu diesem Zweck 60 000 M. bereit z» stellen. Auch hier wurde ohne Debatte nach dem Vorschlage des Ausschusses be- schlössen. Die eingegangenen und geprüften Gesuche werden dem Magistrat überwiesen. Hosscntlich laßt dieser die Geschädigten nun nicht noch länger auf die Hilfe warten. Der Plan einer baulichen Erschließung des Ge- käu des der ehemaligen„B o r s i g m ü h l e" ist von dem Ausschuß, dem die betreffende Mngistratsvorlage überwiesen worden war, in einigen Punkten geändert worden. Bon socialdemokratischcr Seite ivar unter anderm gefordert wurden, der Aktiengesellschaft, die jetzt als Besitzerin des Geländes gilt, auch die unentgeltliche Her- gäbe eines Gemeindeschulgrundstiickcs zur Bedingung zu machen. Genosse B o r a ma u n wies gestern in seiner Begründung dieser Forderung auf de» interessanten Umstand hin, daß das Vorhandensein einer S ch n l- not in Moabit im Ausschuß zunächst bestritten worden war, aber dann vom Stadtschulrat selber zugegeben werden mußte. Borgmann beleuchtete auch die Art, in der die G r n n d st ü ck s p r e i j e da draußen durch die Firma Borsig künstlich in die Höhe ge- trieben worden sind. sFür die unentgeltliche Hergäbe eines Gemeindeschnlgrundstückcs traten schließlich bei der Abstinunnng auch uusre Genossen ein. Als Wortführer der Gegner hatte sich besonders Herr Wallach hcrvorgethan. ES schmerzte ihn, daß der Grundbesitz der Gesellschaft in dieser Weise belastet werden sollte; aber er verbarg seinen Kummer hinter der treuherzig klingenden Versicherung, daß er die Wohnungen nicht verteuern lassen ivolle. Der Bau der e i s e r n e n B r ii ck e war vor Jahren vertagt worden, weil von den Staatsbehörden keine bestimmte Erklärung darüber zu erlangen war, ob die Straßenbahngelcise hinter dein Gießhause erhalten bleiben sollen oder nicht. Die Stadtverordneten- Versammlung hatte erklärt, daß sie w a r t e u könne. Der M a g i st ra t scheint aber keine Lust zu haben, noch längerszu warten— über die Gründe darf man allerlei Benmitungeii haben— und verlangt unn von der Versammlung, zunäckist wenigstens das Bauprojekt'zu genehinigen. Von unsrer Seite traten Bruns und B o r g m a n n für Ablehnung des Projektes ein, aber die Mehrheit beschloß die Ucberweisinig aii einen Ausschuß. Sie wird, wenn erst das Projekt genehmigt ist, dem Magistrat auch im Punkte der Kostenbewillignng ihre Unterstützung nicht versagen und Ann in Arm mit ihm wieder einmal mutig vor der Regierung zurückweichen. Die Beschlußfassimg über die Abänderung des G e- werbeqerichts-Statuts wurde vertagt. Die Freunde der Hirsch- Dnnckerschcn Gewerkvereine erklärten ,' sie hätten noch nicht Zeit gehabt, die Vorlage zu studieren. Die Gewerbegerichts- Novelle, durch die diese Abänderung ermöglicht wird, ist ziemlich ein Jahr alt. Da könnten die Herren allmählich mit der Materie vertraut geworden sein. Die von ihnen durchgesetzte Vertagung schiebt selbst die wenigen Berbesseruugen, die jetzt möglich sind, wieder noch um einige Wochen hinaus. Pastoren über das Familienleben der Socialdcmokrate». Von den Strafpredigten, die die Geistlichen Berlins auf den diesjährigen Synodalversammlungen zum Besten gegeben haben, hat schließlich auch die S o c i n l d e m o k r a t i e wieder ihr Teil abbekommen. Auf der Kceissynode Berlin II sind bei der Berichterstattung über die kirchlichen und sittlichen Zustände des Synodalkreises die Mängel d e r K i n d e r e r z i e h u n g ge- streift worden. Hier„trage die Socialdeniokratie insofern eine große Schuld, als die Kinder von den Eltern die Verachtung der Autorität und Pietät sähen und natürlich auch lernten". Es ist wahr, daß wir Socialdemokraten mancherlei sogenannte „Autoritäten" in ihrer Nichtigkeit erkannt haben. Die Pastore» gehören selber zu den„Autoritäten", von denen wir nnS nicht iniponieren lassen. Das mag den hochiviirdigen Herren schmerzlich sei», aber sie müssen es eben leiden. Auch das ist Ivahr, daß wir die Erkenntnis der Nichtigkeit gewisser„Autoritäten" auch in unsren Kindern zu rechter Zeit zu wecken suchen. Wir halten das aber nicht für einen Mangel, sondern gerade für einen V o r z u g der social- demokratischen Erziehungsweise. Was die angebliche Verachtung der P i e t ä t betrifft, so nehnien wir an. daß hierbei an die Pietät gegen die Eltern gedacht wird. Diese ist aber in socialdeinokratischen Familien um nichts geringer als andersivo. Wir kennen Socialdemokraten, denen von ihren Kindem ein solches Maß von Liebe und Achtung entgegengebracht wird, daß mancher Pastor stolz darauf sein dürfte, wenn ihm selber ein Gleiches von seinen Kindern geschähe. Im allgemeinen sprechen die Geistlichen von dem Familienleben der Socialdemokraten so, wie der Blinde über die Farbe. Für die Kirche und ihre Diener ist es allerdings viel weniger leicht, sich über uns und unser Familienleben ein zutreffendes Urteil zu bilden, als über das Treiben in den Tingeltangeln, gegen das ja ebenfalls auf den Kreissynoden gedonnert worden ist. Bezüglich der Tingeltangel tverden die Herren Pastoren oder ihre Agenten, um mitsprechen zu können, zweifellos das Opfer ge- bracht haben, die erforderlichen Studien an Ort und Stelle zu machen. Aber dieselben Leute, die in den Tingeltangeln wahr- scheinlich— wie jeder andre Gast— mit offenen Armeii auf- genommen worden sind, werden von socialdeinokratischen Arbeiter- samilien, wenn sie an diesen ihre Mission ausüben wollen, in der Regel so rasch wieder hinauskomplimentiert, daß ihnen hier gar keine Zeit zu Beobachtungen und Studien bleibt. Die Berliner Fortbildungsschulen. Die alljährlich erscheinende Uebersicht über das Berliner Fortbildungs- und Fachschul- Wesen ist aufs neue herausgegeben worden. Dies Ereignis veranlaßt auch jetzt eine Anzahl Blätter, die Leistungen dieser städtischen Ein- richtungen lobend zu erwähnen. Es ist auch von uns wiederholt betont worden, daß die Fortbildnngsschnle» bei der von der städtischen Verwaltung so viel gerühmten Freiwilligkeit des Besuches keine besseren Resultate erzielen können, als die, die gegen- wärtig vorliegen. Auf keinen Fall aber kann aus den niitgeteilten Zahlen etiva gefolgert werden, daß der Z w a n g s u n t e r r i ch t nicht notwendig sei. Im Gegenteil beiveist der Inhalt des Buches die Notwendigkeit des obligatorischen Unterrichts. Bekanntlich kann durch OrtSstatut der Zwang zum Besuch der Fortbildungsschule für alle männlichen Arbeiter unter 18 Jahren, soweit sie der Gewerbe- Ordnung unterstehen, ausgesprochen werden. Ks Jwiirts" Krli Nach der Schätzung des Magistrats beträgt die Zahl dieser jungen Leute in Berlin' einige vierzigtansend, und diese Zahl entspricht auch annähernd der aus den Berliner Gcmeindeschulen tvährend der letzten vier Jahre entlassenen Schüler- zahl. Nach der gegebenen Uebersicht betrug die Gesamtzahl der Fortbildungs-' und Fachschüler im Januar 1902: 29 399, sonach würden etwa 10 000 junge Leute des Unterrichts entbehren. Diese Anzahl ist gewiß nicht gering, aber sie stimmt nicht einmal. Von den angegebenen 29 390 Schülern sind zunächst lOlb abzuziehen, die die F o r t b i l d u n g s a n st a l t e n besuchen. Die Fortbildungs- anslalten sind für solche in einem praktischen Berufe stehenden Personen bestimmt, welche die einer Mittelschule entsprechende Bildung erivcrben, befestigen oder ergänzen wollen. Von den ehemaligen Gcmeindcschnlern werden nur wenige diese Anstalten besuchen können. Ferner gehen aber 16 933 Schüler ab, die nur am Fachunterricht teilnehmen, so daß nur 12 442 Schüler die Fortbildungsschulen für Jünglinge be- suchen. In diesen Schulen aber wird der Unterricht so erteilt, wie annähernd auch in der Zivangsschnle. Die Behauptung ist also voll- kommen berechtigt, daß der Elementarunterricht gegenüber dem Fach- Unterricht benachteiligt wird. Dieser Zustand mag dazu angcthan sein, gute und tüchtige Arbeitskräfte heranzuziehen, schließlich soll doch aber eine gute Schule nicht nur diesen einen Zivcck vcr- folgen, sie soll vielmehr auch ihre erziehliche Aufgabe erfüllen und daran mangelt es in den jetzigen Berliner Forlbildnngsschulen. Leider ist die in der Uebersicht gebotene Statistik äußerst Mangel- Haft. So ist nicht einmal aus ihr zu ersehen, wie viel Schüler ab- gegange» und wie viele neu hinzngctrctcn sind; sie enthält auch nichts über das Alter der Schüler. Es kann also lediglich konstatiert werden, daß seit dem Vorjahre die Zahl der Schüler um 2467, die Zahl der Lehrlinge um 2380 und die Zahl der Teilnehmerinnen an sämtlichen städtischen und privaten Mädchen- Fortbildungsschulen um 439 gestiegen ist. Es fehlt in der Uebersicht leider auch jeder Nachlveis über die Regelmäßigkeit des Besuches der llnterrichtsstnndcn; der Mangel eines solchen Nachweises wird gerade an der f re i Iv i l l i g e n Fort- bildnngsschule lebhaft beklagt. DnS Unwetter vom Ii. April d. I. hat die städtische T i e f b a u- V e r w a l t n n g veranlaßt, besonders für de» Norden einige Verbcssernngen einzuführen und noch iveitere N otanslässe zu bauen. Die Plane sind schon aufgestellt. Die Kosten sind auf 600 000 M. veranschlagt. Der Stadtvcrordiieten-Versainmlnng tvird in der nächsten Zeit eine Vorlage zugehen. Bei den Feststcllnngcn der Schäden hat sich ergeben, daß ein Teil der Grundstücks- lieber- schlvcmmnnge» von den Besitzern bez. Verwaltern selbst ver- schuldet ivorden ist. ES ist erwiesen, daß 56 Grundstücke das Wasser nicht voir außen, sondern von innen infolge von Mängeln an den Jnnen-EntwäffernngSanlagcn und durch Fahrlässigkeit erhalten haben. Zinn Teil sind die llebcrschwemnmngc» dadurch veranlaßt, daß entweder der Deckel des JnspektionSkastens offen oder defekt gewesen ist, daß bei den Kelleransgnßbecken die erforderlichen Rückstan-Einrichtungen fehlten oder ungeschützte Klosettcinrichtnngen vorhanden waren. In allen diesen Fällen tragen die Grundstücks- bcsitzer die Veranttvortnng. In den Gesuchen, die infolge der Hilfsaktion der Stadtgcmeinde wegen Beihilfe beim Magistrat und Stadtverordneten eingegangen sind, sind die Gesamtschäden mit rund 300 000 Mark bewertet Ivorden. Sie verteilen sich auf 40 Stadtbezirke. Viele der Ge- schädigten sind bemittelt, nur ein Teil ist nach dem osfiziösen Bericht »nbemittelt und in der Existenz bedroht. Von den Grundbesitzer- vereinen sind bis jetzt rnnd 7000 M. zur Verfügung gestellt worden. Diele Summe wird nach dem Be'chlnß des Stadtvcrordneten-Ans- schnsses den Vereinen zur Entschädigung ihrer eignen Mitglieder belassen werden. Von privater Seite sind 416 M.. vom Präsident Krüger sTransvaal) 600 M. eingegangen und ans Stiftnngsmitteln sind 3760 M. gezahlt worden. Die Zahl der von kleinen Leuten eingegangenen Gesuche bcläuft sich auf 281 mit rund 40 000 M. Etttschädignngsansprüchen. Große Aufregung Über die M a g i st r a t S V e r f ii g u n g betr. die Urlaubsbewilligung der Arbeiter und Handwerker herrscht in den Kreisen der städtischen Arbeiter. Nicht allein die in 22 Filialen organisierten Arbeiter, nein selbst die besonders vereinigten Straßenreiniger und die jeder Organisation fernstehenden übrigen Beschäftigten, beabsichtigen, sich in Fonn eines gewaltigen Protestes gegen diese aller Billigkeit hohnsprechenden Verfügung zu wenden. In einer nach Pfingsten einzuberufenden Versanimlnng soll diese Angelegenheit besprochen und durch eine Resolution dann die Berliner Stadtverordneten ersucht werden, die Interessen der städtischen Arbeiter gegenüber dem Magistrat zu wahren. Infolge der allgemeinen Einführung der Rückfahrkarten mit 46tägiger Gültigkeit sollen in diesem Jahre die sog. Ferien- Sonderzüge nach Süddcntschland, nach Wien, zur Nordsee usw. eingeschränkt werden. Nach den Vorbesprechungen zwischen den Bahnverwaltnngen sollen nach München, Lindau, Knfstcin, Salzburg und Bad Neichenhall in diesem Sommer 4 Sonderzüge gefahren werden an Stelle von 9 im vergangenen Jahre. Die Züge fahren Freitag, 4., Sonnabend, 6., und Dnnstag, 15. Juli, sowie Freitag, 15. August. Sie gehen vom Anhalter Bahnhof am 4. und 6. 2 Uhr 36 nachmittags, am 16. Juli und 16. August 2 Uhr 46 nachmittags. Nach Frankfurt a. M.. Straßburg, Colmar, Freiburg, Basel, Trieberg. Konstanz und Schaffhausen gehen an Stelle von 6 Zügen 4 an den- selben Tagen Ivie nach München, und zwar am 4., 6. und 16. Juli vom Potsdamer Bahnhof 7 Uhr 36 oder 7 Uhr 66 abends, am 16. August vom Anhalter Bahnhof 8 Uhr abends. Nach Stuttgart wird wie im vorigen Jahr ein Zug am Sonnabend. 19. Juli 2 Uhr 36 nachmittags vom Anhalter Bahnhof abgelassen. Nach Hamburg mit Anschluß nach Kiel. Glücksbnrg, Westerland, Wyk, Anirum, Helgoland, Norderney, Jnist, Borkum ec. gehen statt 4 Züge 3, und zwar am Sonnabend, 6. und Montag. 14. Juli, sowie am Donnerstag, 14. August. An jedem der genannten Tage geht je ein Zug vom Lehrter Hanptbahnhof 3 Uhr 20 nachmittags und 10 Uhr 36 abends. Die Vertreter der Berliner Gemeindevcrwnltimg auf der diesjährigen deutschen Lehrcrvrrsaminlnng. die in den Pfingst- feiertagen in C h e ni n i tz abgehalten wird, werden nach einem von der städtischen Schuldeputation in ihrer letzten Sitzimg gefaßten Be- schluß die folgenden Personen sein: Stadtschnlinspektor Dr. Fischer, Rektor T h n r i s chnschie»c» fand gestern der nenn- zehn Jahre alte Arbeiter Fritz K ü h n. der bis vor kurzem in der Schwarzkopffschcn Fabrik in KönigSwnsterhansen beschäftigt war. Der junge Mann war früher ani der Wanderschaft gewesen und hatte bei dieser Gelegenheit seiner Mutter die ganzen Ersparnisse gekostet. Um ihn nicht'untergehen zu lassen, ließ ihn die Frau nach Berlin zurückkommen und verschaffte ihm Arbeit. Nachdem er sich nun wieder etwas verdient hatte, hörte er am Sonnabend plötzlich auf, um das Geld zu verjubeln. Dann ging er zu seiner verheirateten Schwester nach Weißensee, um sich Unterstützung zu erbitten, wurde aber von seinem Schwager abgewiesen. Da ihm auch seine Mutter, die nur einen kleineren Raum bewohnt, weder Unterkunft noch Geld geben konnte, so ging er gestern abend kurz vor 8 Uhr weg, hielt sich eine Zeit lang ans der„Schwarzen Brücke" in der Turmstraße auf, lief, als er einen Zug vom Viehhof kommen sah, die Böschung hinunter und warf sich unmittelbar vor der Maschine ans das Geleise. Der Zug ging über ihn hinweg und zermalmte ihn voll- ständig. Ans einer Geschäftsreise erschoß sich gestern abend der Strickcreibcsitzer Hermann Träger ans Jeßnitz in'Anhalt anf dem Grundstück Neue Fricdrichstr. 21a. Der betagte Mann, der ivohl schon an die 70 Jahre zählte, besuchte nachmittags die Gnrnfabrik von Elkisch in dem genannten Hanse und erledigte hier seine ge- schäftlichen Angelegenheiten, ohne daß man ihm etwas anmerkte. Beim Abschied sagte er, daß er in Berlin lebende Verwandte besuchen wolle. In Wirklichkeit aber ging er im Erdgeschoß des HanseS auf einen abgelegenen Ort und schoß sich eine Kugel aus einem Revolver in die rechte Schläfe. Als man ihn auffand, war er bereits tot. Was den alten Mann zu dem Selbstmorde veranlaßt hat, ist nicht bekannt. „Frau Lnna" i» der Karwoche. Die Ungültigkeit der Vor- schrift der Berliner Verfrommniigsverordnung vom 19. März 1893 in ihrem§ 12 Nr. 2b, welche das Theaterwesen in der Karwoche und an den ersten Tagen der drei großen Feste betrifft, wurde gestern vor dem Ober-Verwaltungsgericht geltend gemacht. Nach dem ß 12 sind in der Karwoche, ausgenommen den Karfreitag. und an den ersten Tagen der drei großen Feste nur die eigentlichen Theater hinsichtlich des Spielplans keinen Be- schränkungen unterworfen. tDagcgen dürfen an den fraglichen Tagen in sogenannten Ranchthentern, Singspielhnllen usw. usw., die nicht höheren Interessen der Kunst dienen, nnr Aufführungen ernsten Charakters stattfinde». Dem Baumeister Ziegra als dem Besitzer des Apollo-Thenters war für den Osterheiligabend und den ersten Feiertag 1901 die Aufführung der Ansstattungs-Operetten „Frau Lnna" und„Des Löwen Erwachen" verboten worden, weil das Apollo-Theater ein Rauchtheater wäre und die beiden Stücke keinen ernsten Charakter hätten. Herr Ziegra beschwerte sich vergeblich beim Oberpräsidenten und klagte dann beini Ober- Verwaltmigsgericht, indem er den Einwand der Ungülligkeit jener Vorschriften erhob und außerdem geltend machte, das Apollo-Theater sei ein Theater im eigentlichen Sinne und diene auch dem höheren Interesse der Kunst. Das Ober-Verwaltungsgericht Ivies nach drei- stiindiger Beratung die Klage mit der Begründung a b, daß das Apollo-Theater n i ch t zu den Theatern gehöre, die den höhere» Interessen der Kunst dienten und daß die Polizeivcrordiiung auch i n d e n h i e r i n F r a g e k o m m e n d e n P u n k t e n rechts- gültig sei. Tic Bernntrennngen deö BernfSgenosscnschaftS-DircktorS Georg Meyer ans der Neuen Promenade Nr. 3 belaufen sich nach den vorläufig abgeschlossenen Feststellungen auf 63 000 Mark. Von einer Buchführung kann bei ihm eigentlich nicht ge- sprachen werden. Was er einnahm, behicll erst einstweilen im Kopf, um es gelegentlich einzntragen. Wenn er dazu kam, so schrieb er dann ein, was er noch nicht vergessen hatte. � Damit es„stimmte", richtete er dann auch die Ausgabe» in de» Büchern den Einnahmen entsprechend ein. Den Jahresabschluß schickte er an die Centrale der beiden Berufsgenosscnschaften nach Mainz. Hier scheint die Prüfung ebensowenig genau ge- wesen zu sein, wie bei der Rückkehr des Abschlusses nach Berlin. Denn sonst hätte es z. B. kaum unbemerkt bleiben können, daß Meyer anf ein Jahr nicht 12, sondern 16 Monate rechnete. Die erste Unterschlagung liegt 10 Jahre zurück. Außer den Berufsgenosscnschaften hat Meyer auch kleine Sparer ge- schädigt. Die Sonntagsschüler der Georgeiigcmeinde, in der Meyer unterrichtete, legten vielfach eine Sparbüchse an, um ihre Groschen zu sannneln. Anf Wnnfch eines Geistlichen, der niit andren Arbeiten überhäuft war, wandten sich die Schüler an Meyer, der ihnen den» auch das Geld abnahm und verzinste. Die Beträge jedes Schülers trug er auch in ein Sparkassenbuch ein, von einer andren Bnckmng hat' nian keine Spur gefunden. Daher hat man auch den Umfang dieser Veruntreuungen noch nicht bestimmt ermitteln können; 2000 M. aber mögen es wohl sein. Ein gewerbsmäßiger Fnhrraddieb ist ein gewisser Erich Busch, ein Mann von 36 Jahren. Nach Verbüßung einer zweijährigen Gefängnisstrafe erst am 6. d. M. entlassen, stahl er gleich wieder in Braunschweig ein Rad(Marke„Wanderer"), fuhr damit über Land, bis er es in Weferlingen an einen Gastivirt verkaufte, wandte sich dann nach Berlin, wurde aber hier gestern beim Diebstahl eines Damenrades in der Danzigerftraße abgefaßt und wieder eingesperrt. Der Schrecken seiner angesehene» Familie ist ein Mann, Namens James Groß, der sich nnter den verschiedensten Nameu in der Welt herumgetrieben und Schwindeleien verübt hat. Als ihm zuletzt in London nach längerem Aufenthalt das Pflaster zu heiß wurde, kam er wieder nach Berlin. Hier nannte er sich Schau- spicler Schweiger, ferner Gordan ans London und mit Vorliebe Dr. meä.Blan. SeineHauptbeschäftigungbestand darin, sich eine Wohnung 5» mieten mitsr dem Vorlvande, dah seine Sachen nnd Papiere noch auf dein Lloyddampfer scic», die Vermieter um 30 bis 40 Mark au- zupumpen und dann a« vcrschlvindeiu So trieb er cS in allen Stadtvierteln, bis eine mißtrauische Wirtin sich bei der Kriminalpolizei einmal nach ihm erlnnhigte. Diese hatte den Mann schon ge- incht, konnte ilm aber nie erlvischcn, da die Aiizeigen immer zu spät kamen. Als sie sich nun den Dr. med. Blau etwas genancr ansah, blieb dieser dabei, datz er so und nicht anders Heike. Der Erkcnnnnflsdienst aber stellte bald fest, daß Dr. Blau, Schweiger nnd Gordan eine und dieselbe Persönlichkeit und niemand anders als JameS Groß Ivaren. mit dem sich schon verschiedene Strafbchörden beschäftigt haben. Der Schwindler wurde verhaftet. Der Saaldach-Einstiirz in der Gormanustrasie— eine Z?olge des IlnwetterS. Der Einsturz des eisernen Saaldachcs beim Neubau des Central-ArbcitsnachwciscS in der Gormannstraße. der, wie erinnerlich, am 22. April d. I. erfolgte, wird nunmehr auf das Unwetter vom 14. April zurückgeführt. Wie uns mitgeteilt wird, Knude konstatiert, daß der Blitz gelegentlich dcS großen Umvettcrs in den Saalban eingeschlagen habe und dadurch eine Lockerung und schließlich den Einsturz herbeiführte. Die Anfränmungsarbeiten, die mit großen Schwierigkeiten verbunden sind, sind noch immer nicht beendigt. Die Leiche eincS jungen Mannes wurde gestern abend gegen 7 Uhr in der Straße Neu-Kölln am Wasser hinter den Fischtoimcn, die dort stets lagern, gefunden. Nach den bei ihm gefundenen Papieren handelt es sich um den 25 jährigen Arbeiter Albert Völkner ans der llscdomstr. 20. Nach längerer Untersuchung fand man, daß er sich mit einem Revolver i»S Herz geschossen hatte. Die Leiche tvurde nach dem Schauhause geschafft. 5scnerbcricht. In der letzten Nacht wurde ivieder einmal Unsiig am öffentlichen Fenemielder in der Wasserthorstraße verübt. Leider konnte man des ThäterS nicht habhaft werden. Mittwochabend kurz »ach 7 Ilhr wurde die Wehr nach der Pflngstr. 5 gerufen. Hier war in einem Keller ei» ffencr ausgekommen, daS in kurzer Zeit altes Gcrümpel, Lumpen, Stroh ze. ergriffen hatte. Die Wehr hatte daher längere Zeit ans einer Schlanchlcitnng Wasser zu geben, um die Flammen zu ersticken. Nachinittags 2 Uhr mußte Grüner Weg 34 außerdem noch ein llciner Küchenbrand beseitigt werden. Die„dcntschc Automobil- Ausstellung Berlin 1902" tu der Georgenstraße Nr. 12 wurde gestern feierlich eröffnet. Nach Bc grühnngsansprachen des Vorsitzenden des Arbeitsausschusses. General majorö z. D. Becker und des Fürsten von Hoheiilohe-Oehringen, erfolgte der übliche Rundgang. Die Ausstellung ist von 114 Ausstellern beschickt nnd umfaßt alle Zweige des Automobillvesens. so daß außer vollständigen Motorwagen aller Art, Luxuswagen, Geschäftsivagen und Renmvagen auch einzelne Teile, ivie Motoranlagen. Gummi reifen zc. ausgestellt sind. Die Ausstellung wird bis zum 26. Mai währen. Dr.(f. Tcckert, der bekannte Amerikaforscher, wird am Sonnadeiid- avend 8 Uhr im wissenschaftlichen Theater der„Urania" einen Vortrag über die westindischen VulkanauSbrüche halten, mit« Vorslihrinig von zahlreichen Lichtbildern nach eignen Aufnahmen. Dr. E. Deckert ist einer von den wenigen dentschcn Forschungsrciscndcn, die Martiniaue und seine Nachbarinseln wenige Jahre vor der furchtbaren Katastrophe besucht haben. Deutscher slsreideuker-Kongrest. Die XlX. Hauptversannulmig dcS Bundes deutscher Freidenker findet am Montag, den 19.. und Dienstag, den 20. Mai. in Berlin sUnter den Linden 16. Illj statt. Aus diesem Anlaß wird der Bnndcsvorsitzende, Prediger G. T s ch i r n ans Breslau, Montag, den 19.. vormittags 10�« Uhr, in der Berliner freireligiösen Gemeinde sKl. Frankfnrterstr. 6) den Fcstvortrag hallen. Gäste sind willkommen. TiePcnsionSanstnltDentscherJonrngliste» und Schriftsteller (VcrsichcrungSvcrciu auf Gegeusritigkeit) in München hielt gestern abend in den Räumen des Berliner Presseklubs ihre ordeul iiche Hauptversammlung ab, bei der 23 Ortsvcrbändc durch 17 Ab' geordnete vertreten waren. Den Vorsitz führte Direktor Wenzel' Berlin. Der vorliegende Geschäftsbericht für 1901 wurde einstininiig angenommen und den, Borstand. dessen Mitglieder Ehrenstellcn bc kleiden, fürseine hingebende Arbeit der Dank der Versammlung zum Ausdruck gebracht. Im Anschluß an den Bericht teilt Obmann W. Prager-München mit, daß im laufenden Jahre schon eine Reihe sehr erfreulicher Erfolge auf dem Gebiete der außerordentlichen Ein- nahmen und die Bildung lveitercr Ortsverbände zu verzeichnen sind. Die sdurch Einführung deS Privat-Versichcrniigs-Gesetzcs notwendig gewordenen Satzungsänderungen fanden einstimmig Annahme. Die ausscheidenden Vorstands- und AufsichtSrats-Mitglieder wurden ein- stimmig wiedergewählt. An Stelle des verstorbenen Anssichtsrates Gustav DabmS-Berlin wird Chcfredacteur Heinrich Ripvler-Berlm und an Stelle des verstorbenen Anfsichtsrats-MitgliedeS Karl Wetzstein-München Herr Ernst Barlh-München gewählt. ansteckenden Krankheiten gestellt wird. Die Bcschlußfaffnng über einen Antrag der Schulvorsteherin Frau Blankenhon, um lieber lassung von Räumen des leerstehenden alten Schnlhauses sür ein Kinderheim, in dem auch die jetzt in Privatpflcge vergebenen Waisen kinder aufgenommen werden sollen, wurde zunächst zwecks genauerer Information ausgesetzt. Dem Verein zur wirtschaftliche» Förderung der Blinden wurden 25 M. und für die Fachschule der Barbiere ec. in Steglitz eine laufende Unterstützmig von 20 M. bewilligt. Steglitz. Zu dem K i r ch e n d i e b st a h l ist zu berichten, daß die Verhafteten, der Kirchendiener Fritze und zwei seiner Söhne wieder auf freien Fuß gesetzt sind, eine Coulanz seitens der Behörden, deren sich socialdemokratische Redacteure nnd für das KoalitionSrccht kämpfende Arbeiter nicht erfreuen. In dem Verhör hat Fritze angegeben, daß er den Schlüssel znm Opfcrstocke im letzten Winter im Schnee gefunden habe, was jedoch deSlvcgcn unmöglich ist, Ivcil noch nie ein Schlüssel, die sich stets'in dem Gewahrsam eines Geistlichen befinden, vermißt ivnrde. Welches Ansehen der fromme Mann in Steglitz genoß. gellt auch daraus hervor, daß ihm noch im April d. I. von der politischen Gemeinde eine Gehaltserhöhung von 60 M. bewilligt wurde, nachdem ihn der Gemeindevorsteher als einen besonders pflichttreuen Beamten geschildert hatte.— Die Gcschichtcheii, welche jetzt über den frommen Mann kursieren, der sich bereits seit 22 Jahren im Amt befindet, lassen eS unerklärlich erscheinen, daß ihm das Handwerk nicht längst gelegt ivnrde, zumal vor Jahren schon einmal ein starker Verdacht gegen ihn bestand. Mit welcher Gerieben' heit Fritze„arbeitete", beleuchtet folgende Episode. Nach einem der mehrfach vorgekommenen nächtlichen Einbrüche, welche sonderbarer weise immer' durch ein„zufällig" offen gebliebenes Fcnstcrchcn der Sakristei erfolgten, durch welches höchstens ein Kind schlüpfen könnte, klingelte der Kirchenhüter vor Tan und Nebel einen der Herren Geistlichen aus dem Schlaf, um ihn ganz aufgelöst die Mitteilung von dem schändlichen Verbrechen zu machen. LlnS de« Nnchbiirorte«. Die Charlottenburger Stadtverordneten- Versammlung nahm am Mittwoch die Auslosung der Wahlperioden für die Mit- glicder der Deputationen für den Städtischen Arbeitsnachweis vor. Bis zum 1. Januar 1904 sind auf Grund der Auslosung thätig Jost, Benschak, Förster, Waake, bis znm 1. Januar 1906 Klei», Sliicklen, Menge, Hoppe, und bis zum 1. Januar 1903 Dr. v. Liszt und March.— Lebhaftes Interesse erregte die Beratung des Prachtstraßen- Projektes. Verlängerung der Bismarck- SIrnße breite' Straße geschaffen iverdcn, bindmig der Linden mit dem Pichelsberg« bildet. Die Kosten, die sich Mark bclanfe». sollen entweder durch Durch Verbreiterung nnd soll eine fünfzig Meter die eine direkte Wer- Grunewald bis nach auf 10 Millionen eine schwebende Schuld oder durch eine Anleihe gedeckt werden. I» der Debatte wurde allseitig dem Verlangen Ausdruck gegeben, daß die Regierung aufgefordert werden solle, die Jungfcniheide als Waldbestand daucrud zu erhalten, damit auch die Bewohner des Stadtteils jenseits der Spree eine Erholuugsstütle habe». Namens uusrer Fraktion, wies Genosse B o r ch a r d t die Anschamnig zurück, als ob der Fiskus der Stadtgemeiude irgendwie eutacgcngckömmeu sei; auch warnte er davor, etwa die der Stadt zufallenden Grundstücke später zu verkaufen, um auf diese Weise einen Teil der Kosten zu decken. In ähnlichem Sinne äußerte sich Genosse Vogel, der zusammen mit Borchardt dem zur Lorberatnug eingesetzten Ausschuß augehört. � Eine weitere Vorlage des Magistrats betraf die unent- geltliche lleberlafiimg eines der Stadtgemeiude gehörende», auf Westend belegenen, etwa 200 Ouadratruten großen Grundstückes a» das Kuratorium des Waisenhauses„Stiftung Luisen-Andenken". mit der Verpflichtung, innerhalb dreier Jahre darauf ein Waisenhaus zu errichte». Entsprechend dem Autrag des Referenten wurde die Bc- schlußfassung vertagt, bis der Pctitionsausschnß zu einer Petition auf Errichtung eines Waisenhauses Stellung genommen hat. Bei der Stichwahl zur Grmeindevertretnng in Schmargen- darf wurde der Kandidat der Mieterpartei Herr Jnng mit 99 gegen 2(zwei) Stimme» für den a m t s t r e n« n Herrn Thurow gewählt. Der Sieg des ersten Oppositionellen ist eine schwere Niederlage der amtstreuen Partei und ihrer Hintermänner, sowie eine Verurteilung der Thätigkeit»nsrer Gemeindevcrlretnng und jener Praltiken. durch welche das Recht der Wähler bei den voraufgegangciien Wahlen beschnitten wurde. Die Wahl ist die Antwort ans jene» schriftlichen Bescheid des GemeindeborsteherS, nachdem eine Eingabe der Einwohner an die Geuieiudcvertretimg „nur zur Füllung' der Alten" verwandt wurde, llusre Geißelung der beabsicknigtcn Ködermig soeialdemokratifcher Stimmen für die Anitspartei hal in letztere eine» Keil getrieben, der diese zwang, der Stichwahl fernzubleiben. Die letzte Gemeindevertreter- Sitznng in Schmargendorf beschloß auf Anregung deS LandratsamtS die Beschaffung eines Desinfektionsapparats,' der Unbemittelten unentgeltlich� und sonst gegen Erstattung der Kosten für Materialien zur Verfügung nach Das L a n d g e rr ch t I Geldstrafe von 150 M.. indem als einen Fabrikbetrieb Sociale Veriikspflcgv. Tie Anwendung der Fabrikarbeiter-Bcstinnnnngen der Gewerbe- Ordnung auf einen große» Schneidcrribctricb, die von der Polizei versucht und von der Staatsanwallschaft gebilligt worden ist. hat im Strafverfahren nicht die Znstimmnng des K n m m e r g e r i ch t s erhalte». Es handelte sich mn folgende» interessanten Fall. Im Schneideratelier des Herrn Spitzer in der Mohrenstraße zu Berlin werden aus Stoffe», die Sp. selber bc zieht, elegante Damcn-Kleidungsstücke nach Maß angefertigt. Da es sich um die feinsten Sachen handelt, so erzielt Sp., trotzdem er im Jahre nur etiva 1000 Einzelbestcllnngcn erhält, doch aus der Schneiderei allein ein Jahresumsatz von durch schnittlich 400 000 M., wozu noch etwa 35 000 M. aus seiner Wäschc-Avteiluug kommen, in der auch nur für einzelne »ach Maß gearbeitet wird. In der Schneiderei beschäftigt Sp. stets mindestens 20 Arbeitcriimcn und 4 Schneider, in der Frühjahrssaison und in der Herbstsaison werden es über 100, die in nenn großen Zimmern im Geschäftshause selber arbeiten. Die Arbeitsteilung ist insofern durchgeführt, als ein Teil nur Röcke, der andre nur Taillen arbeitet und die Stepperei, abgesehen von Ausnahmen, von besonderen Arbeiterinnen besorgt Iverde. Im Schueidereibetrieb werden vier Nähmaschinen nnd eine Pliffemaschine benutzt. Für die Buchführung hat SP. ein besonderes kaufmännisches Personal.— Spitzer war nun wegen llebcrtretnug der Zß 134» bis 138», 147 Ziffer 5, 146 Ziffer 2 nnd 149 Ziffer 7 der Gewerbe- Ordnung angeklagt, weil er die Anforderungen, die an Fabrikbetriebe hinsichtlich der Arbeitsordnung. derÄrbcitszeit der Arbeiterinnen ec. zc. gestellt werden, nicht erfüllt hatte. Angeklagter bestritt, daß seine Werkstätten eine Fabrik seien. verurteilte ihn jedoch zu einer es die Schneiderei des Angellagtcn ansah. Spitzer legte Revision ein, die Rechtsanwalt Hugo Sachs vor dem Kammergericht rechtfertigte. Der Strafsenat hob die Vorentscheidung auf und sprach den Angeklagten mit folgender Ve- gründnng frei: Wenn das Landgericht feststelle, daß Sp. viele, manchmal an 100 Arbeiter und Arbeiterinnen i» neun großen von ihm gemieteten Räumen in der Weise, wie angegeben, beschäftige, daß Arbcitsleilmig im Betriebe obwalte, daß allein an Kleidern jährlich 400 000 Mark im Geschäft umgesetzt würden, daß der sociale Gegensatz zwischen dem Arbeitgeber und seinen Schneiderinnen und Scvncidern hier ein scharfer sei usw.: so seien dies allerdings lauter Kriterien des Fabrikbetriebes. Es sei aber falsch. schon Ivegen des Vorliegens der Mehrzahl dieser Kriterien einen Fabrikbetrieb anzimchmcn. Trotz alledem sei unter Ilm ständen das Vorliegen eines Fabrik- bctriebes zu verneinen. Hier müsse es verneint werden deshalb, Iveil bei Spitzer nur nach Maß auf E i» z e l b c st e l l n n g e n hin gearbeitet iverde. Die Arbeiten würden hier ausgeführt zur Befriedigung individueller Bedürfnisse, waS beim Fabrikbetriebe nicht der Fall sei. DieBestiminniigen derGewerbr-Ordnmig über die Arbeits- Verhältnisse i» Fabrikbetrieben fänden somit auf den Gewerbebetrieb des Herrn Spitzer keine Anwendung. Aber auch die Kon- ektionsarbeiter- Verordnung des Bundesrats vom 31. Mai 1897 sei nicht anzuwenden. Wenn diese von der Herfiellmig„im großen" spreche, dann meine sie Werkstätten. wo gleichartige Stücke in derselben Weise„im großen" hergestellt würden. Das treffe im vorliegenden Falle nicht zu. Gleichgültig wäre demgegenüber, daß der Gewerbe- betrieb an sich bedeutend sei. Krampsadcrbrnch als VctricbSiinfall. Die Hinterbliebenen deS Hausdieners Z., der am 81. August 1900 infolge Platzens einer Krampfader verstorben ist, waten von der B e k I e i d u n g s- i n d u st r i e- B e r u f S g e n o s s e ii s ch a f t mit ihrem Anspruch ans Unfall mite abgewiesen worden. Fran Z. legle Berufung ein und machte geltend, daß ihr Mann sich zwei Tage vor seinem Tode an der raglichen Stelle des linken Beines gestoßen habe, als er mehrere Auf- träge des Arbeitgebers erledigte mid dabei den Omnibus benutzte. ES handele sich mit einen Betriebsunfall, mt dessen Folgen Z. ver- torbcn sei. Die Klägerin nannte mich mehrere Zeugen, denen der verstorbene von dem behaupletc» Vorfall erzählt hat. Das Schieds- geeicht legte indessen darauf kein Gewicht, sondern wies die Berufung ohne weiteres zurück, indem es ausführte: Selbst wciiii die Angaben durch Zeugen bestätigt würden, könnte die Beklagte nicht verurteilt werden. Krampfadern köiiuteii erfahrungsgemäß auch ohne äußere Ver- letzmig platzen. Unter Berücksichtigung des ärztlichen Befundes sei hier mir mit der Möglichkeit zu rechnen, daß die Stelle, von der das Blut austrat, schon verletzt war u»d der Krampfadcrbruch infolge der Ver- letzmig erfolgte. Ebensogut könne aber die Ader ohne solchen änßern Anlaß geplatzt sein. Die bloße Möglichkeit des erste reu Falles genüge nicht, die EiitschädigiiiigSpflicht der Beriissgenoffenschaft zu begründen: dazu wäre vielmehr eine an Gewißheit grenzende Wahrscheinlichkeit erforderlich.— Gegen dieses Urteil legte die Klägerin Rekurs ein. Ihr Vertreter, Schriftsteller I. F r ä n! c l, erzielte zunächst beim Rcichs-VersicheriingSamt eine Beweiserhebung. Es wurde durch die Veriiehmmig der Zeugen festgestellt,� daß der Ver- torbeiie tbatsächlich sckion am 29. August eine blutige Stelle cim linken Bein dem Arbeiter Z. gezeigt und ihm erzählt hat, er habe sich beim Fortschaffen von Waren dort gestoßen. Auf Vcr- cmlassmig des Vertreters wurde eine Zeugin über eine Aeußerung deS Verftorbencii gehört, die nach der polizeilichen Protokollierung gelautet haben soll: da ist mir wohl wieder eine Ader geplatzt. Die Zeugin bekundete unter ihrem Eide. daß da« Wort wieder nicht gefallen sei. Das ReichS-VersicherungSamt hob nunmehr die Vor- entfcheidung auf und verurteilte die BerufSgcnoffenschaft zur Rentengcwährung. Freireligiöse Geineinde. Sonntag, den 18. Mai, vorniittags 103/, Uhr, in der Aula der 69. Genicindelchiile. Kl. Frankfnrterstr. 6: Bersaniililuilg. Festvortrag des Herrn Dr. Bnino Wille.— Montag, den 19. Mai, vorm. 10% Uhr, cbciidafolbst: Festvortrag des Herr» G. Tschirn- Breölau:„Der Bibelgolt als Erzieher der Menschheit."— Bor- nnd Nachspiel auf dem Pariser M u st e l h a r in o u i u m.— Gäste, Damen mid Herren, sehr willkounne». In der Huuianiftischeii Gemeinde, Niederwallflr. 12, in der Aula der Friedrich- Wcrderschen Ober-Realschule, hält am ersten Psingslsriertag, vormittags 10'/, Uhr, Herr Dr. Rudolf Pcnzig einen Vortrag»bei: „Menscheugeist und Elcmcntarkrast."— Damen und Herren haben freien Zutritt._ Briefkasten der Redakkwn. des Tic jnrisiische Sprechsiiiiidc findet täglich mit ZlnSuahme Sonnabends von T'I, bis ii'/, Nbr abends statt. O. F., Strelitzcrstraße Rr. 16. Das müsieu Sie einen Budiker frage». A. S. 25. 1. Frauen können vor Gericht und vor dem Standes- beamtcn Zeuge sein. 2. Der Lstreich-iingarische Tarif belegt frisches oder ziib«eitctcs Fleisch(gesalzenes, getrocknetes, geräuchertes, g«pökeltest mit sechs Gulden für 100 Kilograiinii.— H. ft. 1«. 1, Die höhere wird bc- zogen. 2. Wer dos siebzigste Lebensjobr vollendet hat. ist auf seinen An- trag an die untere Benvalimiftsbchörde(Magisiratsabteilmig, Breiteftr. 24) von der Klebcpsticht zu befreien. 3. Untere Verwaltungsbehörde. 4. Ja, Reich cnbergerstraße.— H. K. 36. I. n. 2. Ein Testament kann eigen- händig ohne behördliches Zmhnn errichtet werden, muß ober datiert und eigenbändig gc- und uuterschriebcu lein. Bcj'piele für Testamente finden Sie ä. 238 des dem Arbciterrccht beigefügten Führers. Das Arbeiter- recht liegt in den öffentlichen Lesehallen ans. 3., 4. n. 6. Wenn im Testament nichts andres steht: Ja. ö. Ja. 7. Darüber können im Testament Vorschriften gemacht werden.— F. T. 36. 1. Nein. 2. Ja. — H. B. 8. Die Verordnung ist durchaus zulässig. Sie entspricht der Auweismig des Ministers vom 10. Juni und der des Regielmigspräsidenten vom 22. Juni 1892: Danach soll die Beschästigungszcit von höchstens 5 Stunden in die Zeit von KV- vormittags bis IV, nachmittags salleu. — A. Die UebuiigSpflicht entspricht dem Gefetz. Wiederholt ist an dieser Stelle hervorgehoben, daß die Dienstpflicht nicht mit einer bestimmen Altersgrenze unter ollen Umftäudeu endet. Nach§ 33 des Reichs-Militär- gesetzes wird die Dienstzeit der unsicheren Hcerespflichtigen erst vom uächstsolgendcn Rekruten- Einstelluiigstermin ab gerechnet. Urb« die Berechnung der Dienstzeit vergleichen Sie Dr. Th.— 1666. Ja. — N. W. 9. Gegen die Eiutragimg eines Vereins kann die BerwaltnnzS- bchörde Einspruch erheben, wenn der Verein nach dem öffentlichen Vereins- recht unerlaubt ist oder verboten weiden kann od« wenn er einen politischen. socialpolitischeii od« religiösen Zweck verfolgt. Gegen den Einivriich der Verwaltungsbehörde ist dos BerwaltungSstait- Verfahre» zulässig. Als Vcrwaltuiigsbehörde ist nach der Verordnung vom 16. Ii. 99 für Berlin der Polizeipräsident(sür Stadtkreiie die Orlspolizcibehördc, sonst der Land- rat) zustäudig. Ueber die Ncchtiiiäffigkcit des Einspruchs entscheidet der BerzirksauSschuß. Der Berliner Bezirksaiisschub besindet sich Invaliden- straffe S2. Für das VerwalimigSftrcit- Verfahren besteht kein Anwaltszwang; die Parteien bedürfen keines Rcchtsbeistandes, können sich vielmehr schristlich und mündlich selbst vertreten. — Dr. Th. Die Verpflichtung zum Dienst im stehenden He« beginnt mit dem 1. Januar und zwar in dtt Regel desjenigen Kalenderjahres, in welchem der Wehrpflichtige das 20. Lebensjahr vollendet, und dauert 7 Jahre. Die aktive Dienstpflicht wird nach dem wirklich«folgten Dienstantritt berechnet, jedoch vom 2. Oktober bis 31. März Eingcflellte gelten als vom I. Oktober eiiigcstcNt. Nach Vollendmig des aktiven Dienstes(in der Regel nach zwei Jahren) erfolgt Beurlaubung zur Relcrve. Die Bersetzung von der Reserve zur Landwehr und die Entlassung ans der Landwehr findet in der Regel in den Frühjahrs-Kviitrollversaiiiniliiiigen, bei denen, die in der Zeit vom I. April bis 30. Scplember eiiigeticten sind, bei den Herbstkoiitrollen statt. Die Landwehr ist in zwei Aufgebote cingcteilt. Die Vcrpflichning zum Dienst in der Landwehr I. Aufgebots ist von fünsjährig« Dan«: der Eintritt erfolgt nach abgeleistet« Dienstzeit im stehende» Heer. Die Dienstzeit der Mannschaften des BcurlaiibleustondeS, die sich der Kontrolle länger als ein Jahr entziehen od« eine Order zum Dienst ohne aucrkannte E»t- schuldigiing mibeiolgt lassen, kann(unbeschadet der Strafen) verlängert werden. Vicisährig freiwillige Kavolleristen haben nur drei Jahre in der Landwehr I. Aufgebots zu dienen. Tie Veipfiichuiug zu der— nicht meffr üdmigspflichtigeii— Landwehr II. Aufgebots dauert bis zinu 31. März des Jahres, tu dem das 39. Lebensjahr vollendet wird. Laiidwehr-Mnnn- jchaften, welche das 32. Lebensjahr überschritten haben, tömicn zu den gesetzlichen Ncbungcii nur ausnahmsweise auf Gmud besonderer kaiserlicher Verordnung«indenifen werden TaS trifft aber nicht zu, wenn Sie entweder infolge eignen Verschuldens verspätet in den oltiven Dienst ein- getreten sind, oder wenn Sie wegen Komrollcntziehmig nachdieuen iiiüssen, oder iveuu Sie infolge einer FreiheitSsirase von mehr als sechs Wochen uachdiencii müssen, oder wenn Sie ans Ihren Antrag von der zuletzt vor- hergegangenen Laiidwchrübnng befreit worden sind.(Z 4 des Kontrollgesetzes vom 15. Februar 1875)._ WitternngSüberslrht vom 15. Mai 1063, niorgenS 8 Uhr. Weiter- Prognose für Freitag, den 16. Mai 1663. Etwas wärmer, zunächst ziemlich heiter bei mkffigen südwestlichen Winden: spät« neue Trübung und Regen. Berliner Wetterbnrean. «Sach langen. -4-» s-ftil-d am schweren Leiden ver- schied'am 13. Mai, abends 9'/, llbr. mein lieber Mann und gut« Vater, der Sattler IZinil im 57. Lebensjahre. Dies zeigt ticfbetrübt an Wlv. K"«»!!»« Idnatlg: 26526 nebst Tochter. Die Beerdigung findet Sonnabend, den 17. d. M., nachmittags 4V- Uhr, von der Leickicnballc des Central- Friedhoses in FriedrichSfeldc aus statt. Todes-Älitzeige. Am Mittwoch verschied nach langem schweren Krankenlager der alle Partei- geuosie, Sattler tmil Dastig. Wir verlieren in ihm einen neuen, rampfesmutigen Streit« für die Socialdemolratie. Ehre seinem Andenken! Nie N» r t e>{;« n o s» e»» 210/3 Berlin«. Die Beerdigung findet Soimabend, den 17. ds., nachm. 4% Uhr, aus dem Friedhofe in FriedrichSsetde statt. kcntrali'trtiilnii dn Mm DentschlandS. Zwei�voreln Berlin. Sektion der Piiteer. Den Mitgliedern sowie de» Mit- gliedern de» Gesangvereins zur Nach- richt, daff am 14. Mai unser Mitglied Viüielm Knrrng versiorbe» ist. 133/15 Die Beerdigung findet am Sonn- atend, den 17. Mai, nachmittags 5 Uhr, vlUiiMoabiterSraiilenhansc ans auf dem Friedhofe der St. Johannis- Gemeinde zu Plotzcnsee statt. Tie örtliche Bcrwaltung. Lvi'illltleinoki'atisvjler Wahlrerein für den 4. liei l. Reielistags-Walilkreis. (SlirlOsten.) Den Genossen zur Nachricht, daff tuif« Mitglied 243/7 Emil l>astig Kottbuser Ufer 58 am 13. d.M. seinen langen, schweren Leiden erlegen ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonn- abcndnachiiiittag 4'/- Uhr, von der Leichenhalle des Central-FriedhofeS in Friedrichsfelde ans. statt. Um zahlreiche Beteiligung ersticht Ber Voratnnd. Deutscher Metallarbeiter- Verband Letwaltungsstelle Berlin. Todea-Anxcls-e. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Gürtler Borke im Alter von 26 Jahren am 12. d. M. gestorben ist. Ehre seinem Zlndenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 16. Mai, nachm. 4 Uhr, von der Leichenhalle des EmmauS- Kirchhofs in Britz an? statt. Rege Beteiligung«wartet 115,4 Tie Ortsverwaltnng. Mdel-Kilbrik„Vutsm" zziautstraffe 53. Getteral-Versanunltms 31. Mai. abends 6 tthr, in de« Geschäftsräume». T.-O.: Jahresbericht. Neuwahl des Vorstandes. Verschiedenes. 2S47b 8. Nlneeks. W. Schulze. Verantwortlicher Redacteur: Carl Leid in Bnlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Bading ü» Berlin.