Jlv. 116. Abonittment»-Kedinzungen: Abonnement!-Pret! pränumerando: Vierteljährl. 3,Z0 Ml., monatl. l.lvMl., Ivöchenllich LS Psg. frei in! Hau». Suuetn« Numnnr ö Pfz. Sonntag»- Nummer mit Iit»n>>eri«r Sonntag»- Beilage„Tie Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,1V Marl pro Monat, tiingelragen in der Post- Zeitung»- Preisliste für 1002 unter Dr. 707». Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungar» 2 Marl, für da» übrige Autland S Marl pro Monal. «Srlcheink laglich«»Qu Slonlag». Nevlinev Volksblakk. IS. Inlirzi,. Dt« Insertions-Gklillyr Setrligt für die fechSgefpaltene Kolonet- »eile oder deren Raum»o Psg., für polittf che und gcwerls chaftliche Vereins- und Versammlung»-Anzeigen 20 Psg. „Kleine Anleigri," jede» Wort 6 Psg. (nur da» erste Wort fett). Inserate für die nächste Nummer müssen bi» l Uhr nachmittag» in derExpedition abgegeben werden. Tie«rpeditton ist an Wochen- tagen dt» 7 Uhr abend», an Sonn- und Festtazen bt» S Uhr vormittags geöffnet. Telegramm- Adresse: „Korialdeniostr.rt vrrlin" Csntvalorgan der socialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: 19, Veuth- Strafe 2. ilerusprecher: Slmt I Nr. 1666. Donuerstag, den ÄÄ. Mai 1903. Expedition: SW. 19, Venttz- Strafte 3. Xerusprecheri Amt I, Nr. 5131. Der„Ankauf" Polens. Mehr cils ein Jahrhundert ist vcrflosseil, seitdem Polen durch Gewalt und List in drei„Tcilunsten" als selbstnudistes Reich ver« uichtet und als Beute stiicklveise unter die drei Nachbarrciche geivorfeu ist. Seitdem hat man nicht aufgehört, die Polen zu Preusteu Russen, Ocstreicheru zu macheu, und die Wirkungen dieser sinnlosen Eutuatioualisieruugs- Politik bestehen darin, daß die polnische Nationalität kräftiger ist denn je. Ganz besonders hat Preußen mit wachsender Leidenschaft, gc steigcrter Gewaltthätiqkeit und— uerinchrtcn Geldmitteln die »Germanisierung' Polens betrieben. Und jetzt, nach nichr als hundert Jahren germanisierender Thätigkeit, geht Preußen daran, das längst erworbene Land nun nachträglich noch— an zu kaufe». Was Preliße» ererbt von seinen Vätern hat, will eS jetzt bezahlen, um cS zu„besitzen'. Man hat das Polentnm nach allen Regeln preußischer Polizeibrutalität drangsaliert— mit dem Erfolg, daß man jetzt im großen Stil den Versuch unterninnnt, die polnische Nationalität— auszukaufen. Ein schmählicheres Fiasko hat nie- mals die famose„Staatskniist' der zünftigen Regiernngsmänner er- litten, ivie in der preußische» Polenpolitik. Die antipolnische Anskaufspolitik Preußens begann 1386. Da mals wurden die ersten 160 Millionen„zur Beförderung deutscher Ansiedlmigen in den Provinzen Westprenßen und Posen' von Staats ivegen flüssig gemacht. 18V3 wurde der noch nicht verbrauchte Fonds auf 200 Millionen erhöht. Und soeben ist dem preußischen Landtag der bereits seit einiger Zeit angekündigte G e s e tz e n tiv n r f zu gegangen, der nicht lveniger als weitere 2K0 Millionen— eine Viertel Milliarde— für den Germanisicrnngskricg verlangt. Diese ungehenerliche Forderung setzt sich zusammen ans 150 Millionen, um die der Ansiedlungsfonds vermehrt iverdcn soll, und 100 Millionen, die der Staaisregicrnng zur Verfügung gestellt iverden sollen,„uni in de» Provinzen Westprenßen und Posen Güter zur Verwendung alö Toniänen oder Grundstücke zu den Forsten anzulaufen und die Kosten ihrer ersten Einrichtung zu bestreiten Diese„innere Kolonisation' steckt sich also jetzt weitere Ziele. Sie begnügt sich nicht mehr damit, bankrotten polnischen Großgrunfr besitzern ihre Güter für teure Preise abzunehmen und sie dadurch wirtschaftlich zu stärken— gelegentlich wurden die Fonds auch zur „Rettung' notleidender deutscher Junker benutzt—, man strebt jetzt auch eine Art„Verstaatlichung' Polens an: polnische Güter sollen in preußische Domänen verwandelt Iverdcn, auf denen dann germanische Beamte und Pächter mit besonderer Schncidigkeit über die billigen polnischen Arbeitskräfte herrschen werden. Daß diese ganze germanisierende Ankanfspolitik gerade vom Standpunkt dcntsch-nationalen CauviniSmuS verfehlt ist, haben alle Erfahrungen bewiesen. Die Millionen, die hineingesteckt wurden, haben das Polentnm nicht geschwächt, sonder» gefördert. Wenn»och irgend ein Zweifel über die Zweckwidrigkcit der bisherigen An siedelungSthätigkeit bestehen sollte, so wird er durch die ,Be g r ü n d n n g' der neuen 250 Millionen-Vorlagc beseitigt. Denn diese Begründung ist die beste Widerlegung der in ihr e»t- haltcnen Forderungen und die schwerste Anklage gegen die ganze GernianisierniigSpolitik. Was stellt die„Begründung' über die Wirlungen der bisherigen Ansiedlungspolitik fest? Man höre: «I» den Provinzen Westprenßen und Posen ist seit einer Reihe von Jahre» daö Deutschtum wirtschaftlich und politisch in besonders gefahrvoller Weise znriickgedrängt worden und die Staatsregiernng daher genötigt, in Abwehr dieses Angriffs mit dem vorliegenden Gesetzentwürfe schon bestehende, ihr aufgenötigte Lerlcidigiingsmaßnahmen weiter auszugestalten. In dieser Hinsicht ist es dringlich geboten, der sich fortgesetzt zu Ungunsten deö Deutschtums vollzichendc» Verschiebung des Ralionalilätenverhältnisses Einhalt zu thnn durch Bereitstellung von Mitteln in einem solchen Umfange, daß durch eine deutsche Bcstcdelnng jener Provinzen ein ausreichendes Gegen- gewicht gegen das Anwachsen des polnischen Grundbesitzes ge- schassen wird.' Es wird dann die sehr interessante Thatsache festgestellt,„daß in den letzten fünf Jahren die deutsche Hand in den Ansiedelnngs- Provinzen unter Berücksichtignng ihres LandgrwinncS immer noch rund 31000 Hektar, also etiva 5.5 Quadratmeilcn, verloren hat". Für jeden vernünftigen Menschen wäre mit dieser Feststellnng unwiderleglich betviesen, daß der 200 Millionen- Fonds das Gegenteil der beabsichtigten Wirkungen zur Folge gehabt hat. Aber die königlich preußische Stoatsraisou hat ihre eignen Denk- gesctze. Sic folgert: Wenn man mit 200.germanischen' Millionen eine Vermehrung des polnischen Landbesitzes um 31 000 Hektar erzielt hat. so werden weitere 250 Millionen sicher die„polnische Hand' verkleinern. Diese Logik hat bisher nur einen Vertreter gehabt: Es ist nämlich die Logik des bankrotten Gründers, der Rüllionen auf Millionen wegwirst, um Treber zu trocknen; es ist die Politik etwa der Leipziger Bank. Wenn man nach einigen Jahren die neue Viertel-Milliardc so ziemlich verbraucht haben wird, so wird man vielleicht eine weitere halbe Milliarde fordern, und in der„Begrnndnng" wird aber- mals konstatiert werden, daß die bis dahin für GermanisicrungS- zwecke aufgebotenen 450 Millionen zu dem Resultat geführt haben. daß sich der deutsche Besitz wieder um etliche 10 000 Hektar Landes vermindert habe; es sei aber„eine Frage der Sclbsterhaltung für den preußischen Staat, in seinen östlichen Provinzen dem Deutsch« tum die politische und wirtschaftliche Stellung zu erhalten, aus die es durch seine bisher dort geleistete Kulturarbeit gerechten Anspruch erivorbeu hat'— folglich sei die weitere halbe Milliarde dringend notwendig. Will nian die ganze tolle Hilfslosigkeit der neudeutschen„Kultur- Politik" ermessen, so muß man diese Polenvorlage— deren nähere Kritik wir uns vorbehalten— studieren. Auf moralische Eroberungen.verzichtet man längst. Die„Kulturarbeit" besteht nur noch im Aufgebot von Wachtmeister-Schneidigkeit, und mit dem Stock begeistert man die Polen für die Vorzüge der Deutsch- christlichen Zivilisation, lind wen» man durch solche„Realpolitik" der Knute den letzten Polen glücklich zum Feinde dieses deutsch- tnms aufgereizt hat, dann fordert man von den deutschon Steuer- zahlern Hunderte von Millionen, um daS Polentnm— aufzukaufen, indem man die notleidenden polnische» Landherren ans ihrer wirt schaftlichen Zivangslage befreit: Verkaufte Käufer! Sollte eS nicht einfacher sein, wenn der preußische Staat— wenn er einmal solche Vorteile für die Z w a n g s p o I o n i s a t i o n hat— die jetzt verlangte Biertelmilliarde lieber gleich dem sage» haften polnischen Nationalschatz überweist, der sich in der Schweiz befinden soll?_ PolMfche Aebevstchk. Berlin. den 21. Mai. Ter Kinderschntz und die deutsche» Lehrer. Die deutsche Lehrcrversauunlnng in Chemnitz, über die wir an anderer Stelle berichten, hat sich auch mit der aktuellen Frage des ArbeiterschntzcL für Kinder und der dem Reichstage vorliegenden Gesctzcsvorlagc über diese Materie beschäftigt. Sic hat folgende Bc schlüsse gefaßt: „Die deutsche Lchrcrversammlung spricht der RcichSregiernng für die Einbringung des Gesetzentwurfs, betreffend die Regelung der gewerblichen Kinderarbeit ihren Dank ans. Zwecks Herbei führung einer baldigen Regelung, auch der landwirtschaftlichen Kinderarbeit wünscht die deutsche Lehrerversammlnng eine amt- lickie Erhebung. Das Princip der Erwcrbsihätigkeit schul Pflichtiger Kinder verwerfend, fordert sie gemäß ihrer Beschlüsse von 1898: 1. DaS Verbot jeder erwerbSthätigen Beschäftigung der Kinder vor vollendetem zwölften Lebensjahre, 2. ebenso das Ver- bot für alle Rinder vor Beginn des Unterrichts für Accordarbeit. Souutagsarbcit und Toppclbeschäftignng. 3. kurze Arbeitszeiten anch für die freien, gänzliches Verbot für bestimmte Betriebe, slaailiche Aufsicht und baldige Ausdehnung der Bestimmungen für die Beschäftignng auch in der Landwirtschast und häuslichen Diensten. Die deutsche Lehrerversammlnng spricht die Erwartung ans, daß die Lehrerschaft durch Mitwirkung bei der Ausstellung der Arbeitskarten und der Kontrolle an der AnSfnhrniig des Gesetzes beteiligt werde.' Zwar genügen anch diese Forderungen nicht, um einen wirklichen Kinderschntz gegen vorzeitige ArbcitSanSbcntnng herbeizuführen, aber sie gehen weit hinaus über die Vorschläge der verbündeten Re- giernngcn und bewegen sich in der Richtung, in der von social- demokratischer Seite Kritik an der Regiernngsvorlage geübt worden ist. Insbesondere fordern die Lehrer, in Uebereinstimmnng mit »nsrcr Partei, eine amtliche Erhebung über die I a u d w i r t s ch a f t- l i ch e Kinderarbeit und eine Regelung derselbe». Die agrarischen Wortführer im Verein mit dem Staatssekretär v. Posadotvsky haben diese socialdcmokratische Forderung im Reichstage entrüstet ab- gewiesen, indem sie die Greuel der ländlichen Kinderarbeit in ein liebenswürdiges Idyll nmzntänschen versuchten. Jetzt stellen die deutschen Lehrer, sgcwiß sachverständige Beurteiler dieser Dinge, in Einstimmigkeit dieselbe Forderung a»f!— Der Rücktritt Waldeck-RonsscanS. W a l d e ck- R o n s s e a n hat Wort gehalten. Was er schon seit Wochen durch in die Presse lancierte Notizen ankündigte, hat er mm- mehr in die That umgesetzt: er hat, nach der offiziellen Mitteilung des„TempS", dem Präsidenten Lonbct faktisch seine Denussion ein- gereicht. Lonbct soll Waldcck- Rousseau gebeten haben, die ormelle Demission bis zu seiner Rückkehr anS Rußland zu ver- tagen, was von Waldeck-Ronsscan concedicrt worden sei. Die Demission werde also etwa am 29. Mai offiziell werden. Waldeck-Ronsscan hat seine Demission mit zwei Motiven be- gründet. Einmal mit seinem angegriffenen Gesundheitszustand, andrerseits damit, daß ja seine Mission, der Republik über die Fährnisse dcS reaktionären Ansturms hinwegzuhelfen, vollendet ei. Der Ausgang der Wahlen habe ja bewiesen, daß der Republik ürS erste keinerlei ernste Gefahren mehr drohen. Ob die Demission Waldeck- RonffeauS den Rücktritt des gesamten Kabinetts bedeutet, ist einstweilen»och nicht zu übersehen. Man nimmt teilweise an, daß daS nächste Kabinett einfach ein Kabinett Waldeck ohne Waldeck sein, und daß der Zurückgetretene selbst hinter den Conlisse» daS Kabinett zusammensetzen werde. Nur soviel sei sicher, daß gleich- zeitig mit Waldcck M i l l e r a n d zurücktreten werde. Millerand werde der Auffassung seiner janrösistischen Parteifreunde Rechnung tragen, derzusolge ja innnnchr die Teilnahme eines Socialisten an der Regierung jetzt, nach Sicherstellinig der Republik, keine Be- rechtignng mehr haben soll. Möglich, daß Millerand bei seinem Entschluß auch nicht mehr ganz freiwillig handelt, da ja jetzt die Regierung auf die Unterstützung der Socialisten verzichten kann. Als Millerands Nachfolger wird P e l l e t a n genannt. Andre Ansichten gehen dahin, daß möglicherweise anch die Fortschritts- repuhlikaner. die ehemaligen Mcliniften, am neuen Kabinett beteiligt werden würden, daß sich also die Achse desselben nach rechts ver- chieben werde. AIS Vorsitzender des neuen Kabinetts wird anch B r i s s o n genannt.—__ Die imperialistische Bedeutuug des KornzollS. London, 18. Mai. sEig. Ber.) Nur langsam enthüllt sich den englischen Politiker» die wirkliche Bedeutung des KornzollS. Unbedeutend, wie er ist, scheint er be« 'timmt zu sein, die Grundlage der imperialen Föderation, d e S britische nZollverei n Szn werden. Darauf die Aufmerksamkeit Englands gelenkt zu haben, ist das Verdienst Sir Wilfried Lauriers, des Premierministers von Kanada. Am 12. d.M. sagte er im kanadischen Parlamente in Ottawa:„... Auf Einladung der Neichsrcgiernng gehe ich nach London, um die Handelsbeziehungen zu diskutieren. Ich kann mir nicht gut vorstellen, daß der Kolonial- sekrctär die Kolonialvertrcter zu einer Besprechung dieses Gegen- standcs eingeladen hätte, ohne ihnen bestimmte Vorschläge machen zu wollen. England hat jetzt einen Zoll ans Getreide und Mehl. Kanada ist also jetzt in der Lage, um Absatzmärkte mit dem Mutterlande zu unterhandeln. DaS ist der erste Schritt zu einem Vorzugstarif.' Wie bekannt, hat Kanada in dem imperialistischen Jubeljahre 1897 seine Verträge mit Deutsöh- land und Belgien gekündigt, um England einen Vorzugstarif von 25 resp. 33 Proz. gewähren zu können. So lange England daS Kreihandelspriiicip wahrte, konnte es den Kanadiern keine Gegen- leistimg bieten. Es durfte zwischen den Kolonien und dem Ausland keinen Unterschied machen. Das Budget 1902/3 mit seinem mini- nialen Kornzoll hat die Sachlage geändert. Kanada ist die bedeutendste Agriknlturkoloine dcS britischen Reiches. Es muß zu seiner lvciteren Entwicklung sichere Absatzmärkte haben. ES hat England einen Vorzugstarif gewährt und während deS südafrikanischen Krieges mit Hitfstnippeii gedient. Die Stimmung in England für Kanada ist eine äußerst freundliche. Sir Welfried Laurier wird mit Recht ans die Loyalität seines Landes hinweisen können, und cS dürfte der englischen Re- gicrung unmöglich sein, die Wünsche Kanadas unberücksichtigt zu lassen. Der Abschluß eines Handelsvertrages zwischen England und Kanada ist also unausbleiblich. Aber bei diesem Vertrage kann eS fei» Bewenden nicht nehme». Loyale Kricgshilfe habe» anch Australien und Neuseeland geleistet und ihre Regierungen haben bereits erklärt, zum Abschluß eines Hniidclsvertrages mit England geneigt zu sein. Der britische Zollverein, noch im Jubiläumsjahre 1897 ein Trainn ChamberlainS und RoseberhS, steht vor seiner Verwirk- lichnng. Am 13. d. M. brachte der liberale Führer Sir Henry Campbell- Baunerma» diesen Gegenstand vor das Parlament und benutzte ihn als Argument gegen den Kornzoll. In seiner Antwort ließ sich Mr.sBalfour ans diese Frage nicht ein, sondern blieb bei scinerstrsprüng« lichen Behauptung, der Zoll sei nur zu Fiskalzwccken eingeführt worden. Aber die„Times" vom 14. d. Mts. erklärten:„Was Sir Henry als ein Argument dagegen auffaßt, ist für uns ein Argument dafür. Die imperiale Föderation, die der Entwicklung misreS Reiches nötig ist. kann nicht durch platonische Erklärungen hervorgebracht werden. Wir müssen irgend eine Interessengemeinschaft und Gegenseitigkeit als Nahrung und Sporn für die Gefühle der Loyalität und An« hänglichkcit schaffen, die sich während der südafrikanischen Wirren so glänzend manefcsticrt haben.' Und in diesem Sinne sprach gestern abend Mr. Joseph C h a m b e r l a i n in Birmingham. Man irrt in Deutschland, wen» man die Meimmgen des Kolonialsekretärs gering schätzt; sie sind stets der Ausdruck der öffentlichen Meinung. Chamberlain sagte: . In der letzten Sitzung des Parlaments griff der liberale Führer den Kornzoll an und argumentierte, er werde uns zur imperialen Föderation führen. Gewiß ein schreck« licheS Unglück! jHeiterkeit). Cvbdcn, dem er zu folgen vor- giebt,— Cobdc», der große Freihandelsagitator, schloß einen Handelsvertrag mit Frankreich. Aber uns soll es verboten sein, einen solchen Vertrag mit misren Kindern zu schließen I' Das ist die wahre Bedeutung des Budgets 1902/3. Der Kornzoll ist der Grimdstein deS britischen Zollvereins, der wirtschaftliche» und militärischen Znsammciifassinig der britischen Kolonien mit dem Mutterlande. Die Zollschranken sollen den imperialen Gefühlen die Einheit geben. Und sie iverden aufgerichtet iverdcn am KrömmgS- tage Eduards VII.—_ Der schwedische WahlrcchtSkampf. Bereits gestern haben wir darauf hingewiesen, daß unsre schwedischen Genossen nicht das Ziel mit ihrem Generalstreik erreicht habe», das sie sich ursprünglich gestellt hatten. Der gegenwärtige Reichstag hat trotz der gewaltigen Propaganda der Arbeiterpartei, trotz der großartigen Demonstrationen dcS schwedischen Volkes nicht dai allgemeine Wahlrecht definitiv eingeführt, sondern lediglich beschlossen, die Regierung aufzufordern, die Frage nochmals zu iintersuchc.i und um die Mitte der nächsten Legislaturperiode einen ans daS allgemeine Wahlrecht gegründeten Vorschlag nach proportionalein System borzulegcn. Der neue Reichstag imiß also »och nach dem a l t e n Wahlrecht gewählt Iverden. die Reform ist auf drei Jahre hinansgeschobe».—„ES ist nicht Sieg", schreibt Branting,„und wenn die Arbeiter dennoch Ursache zur Sieges- stlmmnng haben, so ist das wegen ihres bewundernswürdigen Auf» Marsches zum Generalstreik. Hnndertansend bei dieser Versuchs« Mobilisierung und alle ruhig und mit Selbstbeherrschung— ivie lange will man einer solchen Macht, die hinter einer Forderung der Gerechtigkeit steht, zu trotzen suchen?— Aber wenn die Frage anch dieses Mal gefallen ist, so ist sie doch gleichwohl in ei» ganz neues Stadium eingetreten. Unser nächstes Ziel ist gewonnen. Der Regier»ngsvorschlng i st definitiv begraben und der AnSschnßvorschlag ebenfalls. Statt dessen wurden beide Kammern genötigt, darauf hinznweisen, daß man an dem allgemeinen Wahlrecht nicht vorbei- komme» kann. Ohne dieses wird kein Friede im Lande iverdcn.'— »• Deutsches Weich. Ans dem wiirttcmbergisrhc» Landtag. Stuttgart, 19. Mai. Der Landtag trat am 13. Mai zu einer Tagung zusammen, um in der Hauptsache die endlich von einer Kommission vorbereiteten Steuer reform-Gesetze zu erledigen. Aber schon in den ersten Tagen mußte man die Hinterhältigkeit der EentrumSfilhrer wieder iti der unangenehmsten Weise empfinden. Durch die Energielosigkeit der gröfitcn Fraktion des Hauses, der Volkspartei, war daS umfangreichsle Referat der großen Materie, das über die Einkommensteuer, wieder an Gröber übertragen worden, der dasselbe auch bei der letzten vereitelten Steuerberaiung hatte. Später ivar dann auch noch der Vorsitz der Kommission einem Ceutrumsmann übertragen worden. So ist Gröber der Herr der Situation. Er rechnet: wird in diesem Frühjahr die Steuerreform in der zweite» Kammer fertig, dann ist in diesem Landtag noch Zeit zu einer Schul- und V e r f a s s u» g S- R e f o r m. Beides will das C e n t r u m nicht. Wird die Steuerreform möglichst lange ver- zögert, dann bleibt keine Zeit mehr für die beiden andren fragen. So kann man verstehen, daß Gröber jetzt erklärte, er sei nicht in der Lage, seinen Bericht fertig zu stellen, und erst nach laugen, sehr erregten Verhandlunge» zivischeu Regierung, Präsiduim. Frnktious- führern und Gröber kain die Einigung zu stände, erst etwa Ende J»»i an die Steuerberatung zu gehen. Dies alles erinnert sehr an den Verrat des Centrums vor zivei Jahren, als es die letzte Ver- fassnngsreform vereitelte. Die Tage der letzten Wochen brachten im Landtag ganz interessante socialpolitische Debatten. Zuerst kamen Beratungen über den Banarbciterschntz. Die sogenannte Landes- Koni- Mission der Bauarbeiter seine Verlrctnng der verschiedenen Gewerkschaften des Banhandiverks) und die christlichen Bau- Handiverker hatten je eine Petition an den Landtag gerichtet. Beide forderten eine schärfere Kontrolle der bestehenden Schutzvorschriften unter Zuziehung von Bauarbeitern. Während die christlichen Bau- urbeiter diese Regelung bei Erlassung einer neuen Bauordnung lviuischten, forderte die Landeskommission: es möchten alle bc- stehenden, ini Bürgerlichen Gesetzbuch, Strafgesetzbuch, Gewerbe- Ordnung, Bau- Ordnung, Polizeiverordnungen. niinisteriellen Verordnungen und den Unfallverhütungs-Vorschriften der Bau- gclverks- Berufsgcnossenschaften zerstreuten Schutzmaßregeln für die Bauarbeiter gesammelt und als„gesetzliche Schutz- dcstiminunaen für Württemberg" herausgegeben iverden. Weiter solle fdie Kontrolle einer staatlichen Behörde übertragen und zu diesem Zweck die Gelverbe-Jnspektion durch technische Beamte und praktische Bauarbeiter erweitert werden. F>'w dw zu ernennenden Controleure aus Arbeiterkreisen sollte den beteiligten Arbeitern das Vorschlagsrecht eingeräumt und jeder Bau monatlich einmal kontrolliert werden. Die Regierung gab zu. daß seither die Kontrolle noch sehrzu wünschen übrig gelassen habe. Der Minister v. Pischek wandte sich jedoch gegen die Einführung einer st a a t I i ch e n Kontrolle und gegen die Angliederung an die Gelverbe-Jnspektion. Principiell bekämpfte er die Anstellung von A r b e i t e r c o n t r o l e u r c u in der gewünschten Art, er könne niemand das Vorschlagsrecht für anzustellende Beamte einräumen. Er wolle die örtliche Banschau ausgestalten und halte das für ge- niigend. Dieser ablehnende Standpunkt fand die stärkste Unter- stützuug bei der„socialen Demokratie", bei imsrer Volkspartei, trotzdem der Berichterstatter der volkswirtschaftlichen Kommission, der Volksparteiler Gabler, zuerst den Antrag gestellt hatte, beide Petitionen der Regierung zur Berücksichtigung zu überweisen. Für unsere Fraktion führten in dieser Frage die Genossen Hilden- brand und Tau scher das Wort. Sie wiesen die volle Ve- rcchtigung der beiden Petitionen nach. Aber alles half nichts. Das Centruni zersplitterte sich auch und schließlich fand ein vom Volks- parteiler H a u ß m a n n und dem Centnimlcr Kiene zusammengebrauter Verlegenheilsantrag Annahme, in ivelchem die Petitionen durch die bereits erlassenen Vorschriften als erledigt bezeichnet werden. Die principiell wichtigste Frage wird darin durch folgenden all- gemeinen Satz erledigt: „Im übrigen diese Petitionen der königl. Regierung zur weikcren Berücksichtigung dahin mitzuteilen, daß auf eine fach- gemäße Ausgestaltung der Baukontrolle Bedacht genommen werde in der Weise, daß neben Arbeitgebern auch Mitglieder aus dem Aauarbeiterstande hinzugezogen iverden." Es ist sonach die Regierung weder an eine staatliche Regelung noch an eine Anstellung von Arbeitern als Controleure gebunden, und bleibt es Sache der Bauarbeiter, durch Stärkung ihrer Organi- sation bald tvieder den Landtag zu einer Entscheidung zu drängen. Der socialdemokratische Antrag', die Petitionen in ihrem ganzen Um- fange zu berücksichtigen, fand nur die fünf socialdeniokratischcn Stimmen. Mögen sich die christlichen Banhandtverkcr dafür beim Centrnni bedanken! Die zweite socialpolitische Beratung galt dem SubinissionS- Weseu, bei welcher unsre Fraktion die einschlägigen Forderungen der Arbeiter mit Erfolg zur Verhandlung brachte. Veranlaßt wurde die Beratung durch einen Antrag des Centrums, in welchem eine staatliche Regelung des Snbmissionsivesens gefordert wurde unter Zuziehung des' organisierten Handwerks bei Ausstellung der Voranschlage und Vergebung der Arbeilen. Die gesetzliche Regelung wurde gegen das Centruni abgelehnt, dagegen bei Vergebung staatlicher Arbeiten bestimmte Grundsätze an- erkannt, die auch den Gemeinden empfohlen iverden sollen. Bei der Beratung dieser Grundsätze stellte Genosse Hilden- brand schon in der volkswirtschaftlichen Kommission den Antrag auf Einfügung bestimmter Festsetzungen in Bezug auf Arbeitslohn und Arbeitszeit sL o h n k l a u s e I). Diese Lohnklauscl bildete denn auch im Plenum den Stein des Anstoßes und da waren es tvieder Volksparteiler, die sich als deren größte Gegner erwiesen. Die An- crkennung getroffener Tarifvereinbarungen fand bei der Regierung Znstimmnng, entschieden wurde jedoch von ihr der Antrag bekämpft, daß nur die Unternehmer staatliche Arbeiten bekommen sollen, bei denen„ständig nicht über zehn Stunden pro Arbeitstag" gearbeitet ivird. Dieser letztere Antrag tvurde auch mit allen gegen die Stimmen der Socialdemokraten abgelehnt. Das gleiche Schicksal hatte der vom Centruni aufgenommene socialdemokratische Antrag, daß„linverhaltlnsnläßige Beschäftigung von Lehrlingen" verboten sein soll. Annahme fand dann ein von der Regierung gestützter Kompromißantrag. Lnndrat b. Alten in Schleswig, dessen Wahl zum Abgeordneten- Hause für ungültig erklärt ivorden war und dem von höherer Stelle bereits bedeutet wurde, daß er auf eine erneute Kandidatur ver- zichten solle, ist jetzt auch von seinem Posten beurlaubt ivorden. Man nimmt an. daß die Beurlaubung nur der Vorbote ist für die völlige Abberufung des Herrn Landrats vom Schauplatze feiner Wahlbeeinflussungslhätigkcit. Es ist außergewöhnlich, daß Wahlbeeinflussnngen so schwer ge- rächt werden wie im Fall des Herrn v. Alten. Dieser Herr Land- rat hat das Wahlbecinflussungs-Unlvesen auch allzu sehr diskreditiert. So ungeschickt darf das nicht gemacht werden.— Zwei KricgögcrichtS-Urtcile. Kiel. 16, Mai. sEig. 93er.) Kürzlich war hier, wie seiner Zeit gemeldet, von dem Geschwader- Kriegsgericht der Ostseestatio» ein Matrose, der am hellen Tage in belebter Stadtgegend einen Schlosserlehrling niit dem Messer zu- sammcngestochen und dann den besinnungslos am Boden Liegenden in bestialischer Weise so lange mit den Füßen bearbeitet hatte, bis er den Geist aufgab, mit vier Jahren Gefängnis bestraft ivorden. Weite Kreise der Bevölkerung waren über die Milde dieser Justiz empört, nnd selbst die bürgerliche Lokalpresse riskierte über das Urteil mehr oder minder abfällige Bemerkungen. — Gestern hatte das Ober- Kriegsgericht als Berufungs- iustanz über die A n s s ch r e i t u n g e n dreier Seesoldaten zu urteilen. Die Leute hatten in der Betrunkenheit einen Maschinisten- maaten, der den einen angehallen und ihm wegen angeblich nnvor- schriftsmäßigen Grüßens die Mütze vom Kopf gerissen hatte, mehrere Schläge versetzt. Es handelte sich um eine Anrempelung gewöhn- licher" Sorte, wie sie hier zwischen Marinem untereinander nnd Marinern und Civilisten an der T a g e s o r d n u n g sind, nur daß diesmal ein Unteroffizier der Angegriffene tvar. Das Kriegsgericht der Marine-Jnspektion hatte die Angeklagten wegen thätlichen Angriffs auf einen Vorgesetzten zu d re i Jahren beziv. einemJahrGefängnis verurteilt. Gegen das Urteil hatte der Gerichtsherr Berufung eingelegt. Er will das Vergehen des Seesoldaten als Verbrechen des mili- tärischen Aufruhrs und der Zusammenrottung Untergebener gegen Vorgesetzte in Verbindnng mit Gewaltthätigkeiten nach§ 106 und § 107 des Militär-Strafgesetzes aufgefaßt wissen. DaS Ober- Kriegsgericht gab der Berufung statt und verurteilte die zwei der Angeklagten, denen Gewaltthätigkeiten nicht nach- gewiesen werden konnten, nach§ 106 wegen Aufruhrs zu je fünf Jahre» Gefäugnis, den dritten, der allein gegen den Maaten thätlich geivorden war. nach§ 107 zu fünf Jahren Zucht- hauS. Die Gegenüberstellung der beiden Urteile macht jeden Kommentar überflüssig!— Kapitalismus und Seelsorgc-Bctrieb. In einer Versamm- lung der Brcmenser Kirchenverlretung hat der Pastor Kalthoff einiges Erbauliche über die kapitalistische Fnndicruug des Prediger- geschäfts zur Sprache gebracht. Er meinte, daß die Gebühren für Taufen, Trauungen und Leichenreden genau das seien, was man sonst Trinkgelder nennt. Auch gegen Gebühren-Tarife hat der Pastor Bedenken: „Wenn der Geistliche der Herold einer sittlichen Weltanschauung sein soll, so kommt er auch in die Lage, sittliche Urteile anszu- sprechen, die gerade dadurch, daß sie der vulgären Wertschätzung widersprechen, das sittliche Urteil iveiterbilden und vertiefen. Für diese seine Thätigkcit, die jedenfalls eine wesentliche Seite seines geistlichen Amtes ist, braucht aber der Prediger die v o l l e U n- ä b h ä n g i g k e i t d e s R i ch t e r s, so daß ihn ni a t e r i e l l e Vorteile nicht bestechen. Der Prediger hat seinen Beruf verfehlt, der nach dem Grundsatz handelt: Reden i st Silber, Schweigen i st Gold. Aber auf diesen Grundsatz ist unser Bremer Kircheinvescn recht eigentlich zugeschnitten. Oft genug gerät das Urteil des Geistlichen nnbetvnßt unter de» Bau» der zahlungsfähigen Leute und mag das moralische Milieu derselben auch noch so aucrkcnnens- lvcrt sein, so verengt es doch den freien sittlichen Blick des Geist- lichen.... Hinter den Kouliffen tvirken noch ganz andre Gefahren mit: ein Werben einzelner Geistlichen in den Familien, um einen möglichst gefüllten Lehrsaal beim Religionsnntcrricht zu be- kommen, wobei dem Referenten Fälle bekannt sind, in denen dieses Ä u n d s ch a f t s u ch e n so offenkundig betrieben wurde, daß es bei den betreffenden Familien das größte Aergernis erregt hat, und dann im U ii t e r r i ch t e s e l b st zweierlei M a ß u n d Gewicht für die A r m e n und die Reichen.... Für die Persönlichkeiten sehe ich darin einen mildernden Grund für das oft bis au die Grenzen des n u l a u t c r c n Wettbewerbs gehende Konknrrcnztreibcn, daß das System dieses Koukurrenztreiben sanktioniert. So tverde aus den chaotischen Znständen deS Geinciiidelcbens zusammen mit dem E r>v e r b s- leben des Geistlichen aus der religiösen Freiheit eine g ei st i g e A b h ä n g i g k ei t von den materiellen Lebens- in ä ch t c n geschaffen. Die Geistlichen versuchen, bemittelle Leute in ihre Geincinde hineinzuziehen, um die Gemeinde finanziell zu stärken. So wird das kirchliche Lcbcu in der Hauptsache der Kapitalmacht ausgeliefert." Wenn der Pastor Kalthoff einnial das Kommunistische Manifest lesen wollte, so würde er dort in jenem berühmten Satz bereits den „Pastor der zahlungsfähigen Leute" charakterisiert finde»:„Die Bourgeoisie hat alle bisher chrivnrdigen und mit sroinmcr Scheu betrachteten Thätigkeitcn ihres Heiligenscheins entkleidet. Sie hat den Arzt, den Juristen, den Pfaffen, den Poeten, den Mann der Wissenschaft in ihre bezahlten Lohnarbeiter vertvandelt."— Zur Fiiiauzklcmme der Cinzelstaatc».— Strafbare Obstruktion. Aus A l t e n b ii r g wird uns geschrieben: Ilnser Land- tag ist nach vierzehntägiger Tagung am Pfingstsoiinabcud geschlossen Ivorden, um erst kurz vor Weihnachten mit seiner segensreichen Arbeit tvieder zu beginnen. Damit nämlich die Session nicht zu laug wird, hat unsre Stagtsregiernng ein sicher wirkendes Mittel gefunden, sie beruft nämlich den Landtag stets einige Wochen vor den großen Feiertagen ein; was dann bis zum Vorabend dieser Feiertage nicht fertig wird, bleibt liegen bis zu den nächsten Feiertagen. Auf diese Weise ist gewissermaßen vorgeschrieben, wann der Landtag mit seinen jeweiligen Arbeiten fertig sein muß. Die Session tvar besonders interessant, tveil eigentlich nur Steuerfragen zur Erledigung standen. Die leichtsinnige Schulden- Wirtschaft im Reiche hat neben dem Königreich Sachsen, iiaincntlich die thüringischen Kleinstaaten in finanzielle Schwierigkeiten gebracht. Zur Deckung des vorhandcncii Deficits im Reiche muß das Herzogtum Sachsen-Altenburg 173 000 M. beitragen, außerdem mußte mn» in den Jahren 1901 und 1S02 nicht tveniger als 300 000 M. mehr an das Reich abführen, als in den vorhergehenden Jahren. In einem Staatstvesen, dessen Etat rund 4 Millionen Mark beträgt. machen sich solche Suimiien überaus fühlbar und eine Deckung konnte nur durch neue Steuern erzielt werden. Zu diesem Zwecke hat der Landtag ein Gesetz angenommen, das eine Neu einschätz iiiig der Gebäude vorsieht, tveil deren Ertrag erheblich gestiegen sei. Ausgenomme n von dieser Neileinschätzung bleiben die dem landwirtschaftlichen Betriebe dienenden Gebäude, die völlig st eu erfrei bleiben, ferner iverden von diesem Gesetz nicht berührt Felder, Wald und Wiesen. Die neue erhöhte Steuer wird somit aus- schließlich von den Städten getragen und die Hausagrarier werden sich natürlich damit schadlos' halten, daß sie die Mieten erhöhe». Weiter wurde eine E r g ä n z u n g S st e n e r eingeführt. Diese zerfällt in eine Kapitalrenten« und in eine Gewerbe- st e u e r. Letztere tvird aber nicht bemessen nach dem Ertrag des Getverbes, sondern nach dem in dem industriellen oder Handels- betrieb steckenden Kapital. Zu versteuern sind künftig die auf Lager befindlichen Ware», die Rohstoffe, auch solche, die sich in der Ver- nrbeituug befinden, das zum 93etrieb nötige Geld, Wechsel, Außen- stände, die zum Betrieb nötigen Tiere und das Fnücr für diese Tiere, Dampfkessel, Kraftmaschinen. Förderanlagen in den Berglverken und so ivciter. Dagegen bleiben von dieser Steuer befreit alle landivirtschaftlichen Betriebe inkl. der B r a n n t w e i n- B r e n n e r e i e n. jedoch mit Ansnahme der Kunst- nnd Handelsgärtnerei! Da« Gesetz hat im ganzen Lande stürmischen Protest hervorgerufen, wurde aber trotzdem ini Plennm in wenigen Stunden durchgedrückt. Die Aunahme ivar nur möglich dadurch, daß die Agrarier in unsreui Landtag die Majorität habe». Durch ein wlinderbares Wahlgesetz ist es den Agrariern, die 40 Proz. der Einkommensteuer leisten, ermöglicht, 18 Abgeordnete zu stellen, während die Städte, die fast 60 Proz. aufbringen, nur 12 Abgeordneten haben. Als eine O b st r u k t i o n angeregt tvurde, erklärte ein Vertreter der Regierung, Obstruktion s e i b e i u n s v e r b o t e n. wer solche treiben würde, der könne nach dem Wahl- gesetz vom Landtag seines Mandates vertu st ig erklärt werden und verliere auf die Dauer von 2— 10 Jahren das Wahlrecht! Thatsächlich steht ein ähnlicher Passus im Wahlgesetz, der sich aber unmöglich in der Weise an- iveiiden läßt. Das Herzogtum Altenbnrg ist ein nach agrarischen Gniiidsätzen regiertes Land, die Vorgänge bei imS zeigen, wohin es führen würde, wenn die Agrarier im Reiche zu ausschlaggebendem Einfluß gelangen würden.—_ Zwei Urteile. Milde Richter fand, wie wir dem.Volksfreund" in Karlsruhe entnehmen, der Student Kolshorn, der wegen fahrlässiger Gefährdung eines Eisenbahn transPoris angeklagt tvar und von der Strafkammer zu einer Geldstrafe von IVO M. verurteilt wurde. Dieser Musensohn hatte nach einem Faschingsball in Durlach einen Gepäckkarren auf das Bahngelcise geschoben und es war nur deni raschen Eingreifen eines Bahuarbeitcrszn danken, daß der eine Minute nach der Beseitigung des Karrens einfahrende Orientexpreß- zng 18 vor Unheil bewahrt tvurde. Es waren also eigentlich die Voranssetzuiigen des 8 316 des St.-G.-B. gegeben, in dein G e- f ä n g n i s st'r a f e bis zu e i n e ni Jahre für die fahrlässige Gefährdung eines Eisenbahntransports angedroht wird. Es ist ja anzunehmen, daß die That unter dem Einflüsse alkoholischer Genüsse verübt wurde, es hat im Augenblick der That dem Studenten das Bewußtsein wohl gefehlt, daß er Eigentum und Leben andrer aufs schwerste gefährdete. Dieser Zustand mag für den Angeklagten bis zu einem getvissen Grade mildernd wirken. Aber, so müssen wir fragen, kann wirklich ein Angehöriger der ge- bildeten Stände in dem Maße Anspruch auf mildernde Umstände machen, ivie das Gericht sie ihm zubilligte. So ganz sinnlos be- trunken kann der Student Kolshorn nicht gewesen sein, denn einen vier Centner schweren vierräderigen Karren von der Plattform der Eilguthalle auf das Geleise zu verbringen, setzt immer nocki eine gewisse Willenskraft voraus, die einem sinnlos Betrunkenen nicht innewohnt. Auch soll Kolshorn den Bahnarbeiter noch beschimpft haben. Man wird im Volke dies milde Urteil nicht ver- stehen und Vergleiche mit andren Urteilen anstellen. Ein solcher Vergleich liegt aber um so näher, wenn man weiß. daß in der gleichen Strafkam mer-Sitzung ein Tage- löhner, weil er auf etlichen Frachtbriefen die Ziffern über die Frachtgebühr geändert und seinen Auftraggeber um eine Mark geschädigt hatte, zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt wurde. Graf HoenSbroech. Vom Grafen Hoensbroech erhalten wir folgende' weitete Zuschrift: „Sehr geehrte Redaktion I Als ich in meiner Zuschrift an Sie gegen die von Ihnen mir zugeschriebene Zugehörigkeit zum„protestantischen Muckertum" Einspruch erhob nnd zugleich erklärte, daß ich in der Socialdemo- kratie nicht das Schreckgespenst erblicke, als welches man sie gewöhn- lich hinstelle, sondern eine berechtigte Bewegung, gerichtet auf die Ge- sundimg unsrer socialen Mißstände, da war ich mir Ivohl bewußt, daß ich früher über die Socialdemokratie anders gedacht hatte. Um aber meine Zuschrift nicht zu lang zu machen, und tveil ich lvußte, daß die mir„befreundete" Presse auf diese» Widerspruch aufmerksam machen würde, unterließ ich es, aus frühere Aeußerungen einzugehen. Die ultramontane Presse hat mir unn den erwarteten Dienst erwiesen! sie macht mit großem Geschrei auf diese Aeußerungen(„Kreuz-Zeitung" vom 29. Dezember 1894 und„Zukunft" vom 13. Oktober 1894), die acht Jahre zurückliegen, anfuierksam. Ich freue mich, diese beiden Auslassungen als u n- reife und völlig unrichtigeJugendarbeiten öffentlich verleugnen zu können. Ich nenne sie Jugend- arbeiten; denn obwohl ich, als ich sie schrieb, 42 Jahre alt war, sind es doch recht eigentlich Jugendarbeiten, geschrieben mit der Unkenntnis nnd dem Unverstäiidnis über die thatsächlichcii Verhältnisse. die der Jugend eignen. E r st etwas über ein Jahr war ich damals, im Jahre 1894, aus der Llbgeschlossenheit des Jesuitenordens heraus- getreten. Meine Kenntnis, die ich damals von der Social- dcmokratie hatte, tvar eine von der jesuitisch-ultramontaiien Erziehiiug, der ich bis zum 42. Jahr unterstanden hatte, Iveseutlich beeinflußte. Dies alles mit einem Schlage abzustreifen. ist unmöglich. Erst allmählich, als ich lernte mit eignen Augen und nicht durch die Brille einer lebenslangen Er- z i e h u n g u n d G e w ö h n u ii g Dinge und Verhältnisse zu be- trachten, lernte ich auch die vielfach verbreitete thörichte Furcht vor der Socialdemokratie richtig einzuschätzen, und dieser richtigen Einschätzung habe ich seither schon wiederholt öffentlich Ausdruck gegeben sz. B. mein Werk:„Der Ultramontanismus", S. 243 ff.). Ich Ivifl aber auch von Ihnen»licht mißverstanden sein. Ein Socialdemokrat bin ich nicht. Mein socialer Standpunkt ist kurz der: geistige und materielle Hebung der arbeitenden Klasse»! Anerkennung und Förderung der Bewegung, die auf dieses Ziel gerichtet ist; Ueberzeugung, daß der geistig und materiell gehobene Ar- beiterstand ein wesentlicher Kulturfaktor ist. geeignet, das Glück nicht nur des eignen, sondern auch der übrigen Völker nach Möglichkeit sicher zu st e l l e n. Ich bedauere aufrichtig, Sie mit meiner Person so lange bc- schästigen zu müssen; aber da nun einmal mein Wort in vielen Kreisen etwas gilt, so ist es mein berechtigter Wunsch, richtig ver- standen zu werden. Noch nie habe ich mit meiner Ueberzeugung ängstlich zurück gehalten, und gerade meine Auffassungen über die von mir als berechtigt bezeichneten Forderungen der Socialdemo- kratie habe ich in ziemlich der gleichen Weise, wie ich sie eben formuliert habe, auch dem Kaiser gegenüber ausgesprochen. Wird die mir„freundlich" gesinnte Presse ehrlich genug sein, diese meine Richtigstellung ihren Lesern mitzuteilen? In vorzüglicher Hochachtung ergebenst Graf von Hoensbroech. Wir glauben dem Grafen v. Hoensbroech den Wunsch nicht ver- sagen zu sollen, auch diese Bekenntnisse der Oeffentlichkeit zu über- Mitteln. Für die geistige Entwicklung des ehemaligen Jesuiten ist es jedenfalls von Vorteil gewesen, daß er sich von jenen unsäg- lichen Anschauungen losgelöst hat, er die in dem erwähnten 1894er Artikel der„Krenz-Zeitung" zum Ausdruck gebracht hat. Es war allerdings für ihn ein tragisches Mißgeschick, daß er aus der Jesuitenhaft unmittelbar in die„Kreiiz-Zeitnng" fiel, aus einem Obskurantismus in den andern. In dem.Kreuz-ZcitungS"-Artikcl schlug der Graf nichts Geringeres vor, als daß die socialdemokratischen Volksvertreter aus dem deutschen Reichstage hinausgeworfen werden müßten, weil damals Liebknecht beim Kaiserhoch sitzen geblieben war. Wenn seine ehemaligen Freunde ihn wegen dieser Wandlimg schmähen, so ist das nur ehrenvoll für ihn. Wenn übrigens die bürgerliche Presse auf Grund seines ersten Briefes den Grafen Hoensbroech als Socialdemokraten angesprochen hat, so habe» wir zu diesem Mißverständnis keinerlei Anlaß gc- geben. Austalld. Zur Affaire Humbert- Crawford. PariS, 19. Mai.(Eig. Ber.) Die weitschichtige ErbschaftS- gaunerei bildet eine stehende Rubrik der Zeitungen, die mehr Spalten ausfüllt, als die Katastrophe auf Martinique und vom großen Publikum mit ungleich größerer Spannung verfolgt wird, als die durch die Neuwahlen geschaffene politische Situation oder gar erst Loubets Reise nach Petersburg. Es hat sich auch bereits ein Parlamentarier gefunden, um die allenieneste„Affaire" in der Kammer zur Sprache zu bringen. Abg. M i r m a n wird die Regierung über zwei Punkte interpellieren: 1. Warum wurde die Gannerfamilie nicht rechtzeitig verhastet? 2. Wie kam es, daß die gaunerische„Leibrenten-Anstalt" der Humbert selbst unter Verletzung der einschlägigen Gesetzesbestimmungen funk- tionieren konnte, ohne durch die Behörden im mindesten gestört zu werden? Auf denselben Punkt, speciell auf die erforderliche Reform des Gerichtswesens, dringt in einem bemerkenswerte» Brief an den „Matin" der Gerichtsvorsitzende von Ch�teau-Thierrh, Mag» and, der„gute Richter" Frankreichs, der sich durch seine humanen Urteile und deren antikapitalistische Motivirung in den socialistischen und demokratischen Kreisen einen schönen Ruf erworben hat. Er schreibt:.... Wenn ein Richterstand so weit gekommen ist, um sich IS Jahre lang durch juristische Spitzfindigkeiten foppen zu lassen, ohne daran zu denken, sich vor allem von der E x i st e n z jeder der streitenden Parteien zu vergewissern, ebenso wenig wie von der Realität der Akten und der Geldsummen, die tic Grundlage ciuc§ so bedeutenden JnteressenstreitS bilden; wenn dieser Nichtcrstand mit verschlossenen Augen sich auf eine Reihe Helfershelfer verläßt, die zumindest mit einem seltsamen und— besonders angesichts ihres Rufes— absolut unentschuldbarem Leicht- sinn, dank geschickten Prozednrmanöveni und der Autorität ihres Wortes, gerichtliche Verschleppungsentscheide erlangen, die das Gericht zum moralischen Mitschuldigen der umfassendsten und kecksten Gaune- reien machen,— so darf man kühn sagen, daß der Richtcrstand seine eigne Abdankung unterzeichnet hat.— Die Institution, wie sie besteht, und die Gesetzbücher, auf die sie sich stützt, um bewußtlos diese Art Rechtsprechung zu Gunsten von Hochstaplern aller Sorten zu lcister., sie sind dein Verfall geweiht. Sodann verweist Magnand auf die unbeachtet gebliebenen Warnungen, die seit Jahren von „gewissenhafter und einsichtiger" Seite an den Richterstand ergangen waren. was dessen Schuld noch vergrößere...„Die öffentliche Meinung wird insbesondere darüber staunen, daß derselbe Richterstand mit gleichsam mechanischer Behendigkeit und Schnelligkeit, ohne jede Verzögerung und mitunter in einer einzigen Minute, einen arnren Teufel, der mittellos auf der Landstraße auf- gefunden oder beim Betteln um ein Stück Brot erwischt wurde, mit mehreren Monaten Gefängnis bedenkt, während große Hochstapler, die im stände sind, dank ihrer Gaunereien den Beistand der im Reden und Prozessieren Erfahrenen zu erkaufen, beim Gericht eine fünfzehnjährige V e r s ch l e p p u 11 g haben erzielen können. Aus alledem geht zur Evidenz hervor, daß die Reform und die Vereinfachung des verrotteten Räder Werkes unsrer socialen Organisation, welches der Richterstand ist, sotvie die Reform der Gesetzbücher, die dessen Arsenal bilden, in jeder Beziehung dringend sind..." Magnand schließt mit einem Appell an das Parlament. Werden aber die Gesetzgeber aus der neuesten„Affaire" wirksamere reformc- rischc Konseguenzen ziehen als aus den früheren„Affairen"? Wer denkt hier noch z. B. an den„dringlichen" Gesetzentwurf von 1895, betreffend die Unvereinbarkeit von Parlamentsmandatcn mit fett bezahlten Posten in den Verivaltungen von Finanzgesellschaften?... Die„Berrottung" beschränkt sich eben nicht auf das richterliche Räder- werk der Bourgeoisrepnblik.— Schweiz. Klassenjustiz in der Schweiz. In Basel spielte sich an 4 Tage» vor dein Strafgericht ein Prozeß ab, der in Basel und darüber hinaus in der ganzen Schweiz das größte Aufsehen erregte Der der Anklage zu Gmnde gelegene Fall ivar der am 28. August 1901 in der Acschenvvrstadt Basels erfolgte Einsturz eines 4 Stock hohen Hotel- Neubaues. Der nach dem neuen Bausystem Hennebigue-Paris sBetoneisen-Äoustruktion) erbaut worden war und unter dessen Trümmern 7 Bauarbeiter todt und 6 andre mehr oder weniger schtver verletzt hervorgezogen wurden. Der eingestürzte Rrubau tvar ein Spckulatioiisban der Basler Bangescllschaft vorm. Linder. Die Staatsanwaltschaft erhob Klage wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung und zivar gegen den Direktor der Basler Baugescllscliaft Rudolf Linder, gegen den' Ingenieur Jenidumir, gegen den Bauführer Wernlillund den Bautechniker Beudler, die sich aber alle unschuldig erklärten, indem der eine die Schuld auf den andern schob. Die Einvernahme der Angeklagten Ivie der verletzten Bauarbeiter, der iveitern Zeugen und der Experten er gab ein echtes Stück kapitalistischer Wirttchnft, die aus bloßer Profit ivnt in frevler Weise mit Menschenleben spielt. Der Staatsanivalt führte in seiner Anklagerede zutreffend das Motiv Linders bei seinem verbrecherischen Gebahre» auf die Sucht»ach großem Gewinn zurück und beantragte gegen ihn 4 Monate Gefängnis, gegen die übrigen, die nur Angestellte ivaren, geringere Strafen, Das Gericht verurteilte nur den Linder unter Zurückweisung des Vortvurfes der Gewinnsucht zu 4 Wochen Gefängnis, den Jenidumir zu 100 Fr. Geldstrafe, während es die beiden andren Angeklagten freisprach Die Hinterbliebenen und Geschädigten verlangen noch 95 000 Fr, Entschädigung, 39 000 Fr. haben sie bereits erhalten. Zürich, 19, Mai.(Eig. Ber.) In Genf ist der Regierungs Präsident und Nationalrat F a V o n, der jahrelange einflußreiche und mächtige Führer der dortigen Radikalen, im Alter von 59 Jahren gestorben. Der Regierung gehörte er erst seit 1399 an, aber er übte bis dahin einen großen Einfluß auf das öffentliche Leben in Stadt und Kanton Genf als Chefredacteur des„Genevois" ans. Er ver- tauschte den Journalisten mit dem Minister, wie das in der Schlveiz so oft vorkommt, allein er behielt auch seinen Einfluß auf de» „Genevois" bei, den er>vohl bis in die letzten Tage seines Lebens inspirierte. Der A r b e i t e r b e>v e g u n g brachte er ein gewisses Verständnis entgege», von ihren grundsätzlichen Bestrebungen tvollte er aber nichts wissen. �raitkreich. Der„Petit Son", das Tagesorgan der Blanquisten und Guesdisten, hat mit dem 16. Mai sein Erscheinen ein- gestellt. Die letzte Nummer trägt die Ziffer 612. Schon seit längerer Zeit befand sich daS Blatt in einer bedenklichen finanzielleu Lage. Mit knapper Not gelang es, sein Verschlvinden bis nach den Wahlen hinauszuschieben. Das Blatt ivurde bekanntlich gegründet mit Hilfe des reichen Alfred EdtvardS. Aber das gespendete Kapital— an die 700 000 Frank, wie eS heißt— hat nicht genügt, um die Zeitung durch Gewinnnng eines weiten Leserkreises auf eigne Füße zu stellen. Was das Eingehen ihres täglichen Kampforgans für die„Revolutionär-Socialistische Einigkeit" bedeutet, braucht nicht iveiter ausgeführt zu iverden. Möge es nnsren Genossen bald gc- lingen, Ersatz für den Verlust zu schaffen.— Italien. Die Camorra in Neapel. Mit der Bloßlegung der Korrnption in der Stadtverivaltung zu Neapel, über die seiner Zeit ausführlich berichtet lvurde, war die Lieinigungsarbeit durchaus»och nicht beendigt. Nachdem der Senator Saredo seine schtvcre und einiger- maßen undelikatc Aufgabe im Stadthause von Neapel gelöst und in einem beinahe 2000 Seilen umfassenden Bericht nachgewiesen, lvclch ein ungeheurer Schmutz in der neapolitanischen Stadt- verivaltung aufgehäuft, wurde ihm aufgegeben, die gleiche Uutersachung in der Provinzial- Verwaltung zu führen. Diese Arbeit liegt nun ebenfalls vor; auf 850 Seite» giebt Saredo eine Geschichte der Korruption, der Bestechlichkeit, der Betrügereien und Unterschlagungen der Provinzialverwaltung von Neapel wieder, wie sie schlimmer wohl kaum gedacht Iverden kann. Von den 60 Ex- provinzialrätcn gehen, wie die„Propaganda", das socialistische Organ von Neapel mitteilt, kaum 10 als rein aus der Untersuchung hervor. Die andern 50 sind alle, der eine mehr, der andre weniger belastet und werden unter Anklage gestellt werden müssen. Uebcr die Einzel- hciten der Untersuchungen werden wir noch berichten,— Schweden. Aussperrungen wegen des WahlrechtSstreiteS. Ans Stockholm erhalten wir folgende telegraphische Nachricht: Der Wahlrechtskampf in Schweden hat vereinzelte Unternehmer zu Repreffalien-Versuchcn veranlaßt. Besonders hat sich in dieser Beziehung die große Stockholmer Fabrik Sepnrator hervorgethan, die tausend Arbeiter auf das Straßcnpflaster geworfen hat und den Austritt der Arbeiter ans den Gewerkschaften fordert. Da man auch deutsche Arbeiter zu Streikbrecherdienste» anzuwerben sucht, bitten wir um sofortige und dringende Warnung durch die deutsche Arbeiter- presse. Wir ersuchen, für Fernhaltung jeglichen Zuzugs nach Schtveden Sorge tragen zu wollen. Das ausführende Komitee. Branting. Lindgrist. Wirkmann. Rustlaud. Zweibuud- Toaste. Präsident Loubet weilt augenblicklich be- kanntlich in Rußland, wo er Manövern beiwohnt und Festivitäten über sich ergehen läßt, kurz, die gleiche Rolle spielt, die Nikolaus II. in Frankreich gespielt hat, nur daß die Zarenreise mit einem groß- artigen Pumpversuch verbunden tvar, während Loubcts Besuch aus- schließlich repräsentativer Art ist. Natürlich fehlt es bei dem Prunk- mählern auch nicht an Toasten, Zwei Toaste sind am Dienstag bereits ausgebracht worden, sie galten selbstverständlich dem Zweibnnd. Der Zar toastete„auf die Größe und das Wohlergehen d e s sch ö n en, b e f re un d e te u u n d v e r bün d e t e n Landes" Loubet, dessen Toast redseliger und pathetischer als der des Zaren war, trank„auf die Wohlfahrt und die Größe Rußlands, des wahren Fmmdes und treuen Verbündeten Frankreichs" Selbst in Frankreich ist man der Ansicht, daß der französische Prw sidcnt es besser dem Zaren überlassen hätte, dem russischen„Freund" und„Verbündeten" derartige Attribute zu verleihen.— Asien. Die chinesischen Zahlungöschwievigkeite». Die Gesandten beschlossen, die aus die Entschädigungssumme eingegangenen Teil- zahlungen vorläufig zu verteilen. Sie beschlossen femer, den Bankiersausschuß aufzufordern, dem Taotai von Shanghai mit- zuteilen, daß seine Ansicht, die Entschädigungssumme sei in Silber zajllbar, unhaltbar sei. Der Generaiinspektor der Zölle, Sir Robert Hart, trat dieser Ansicht bei. Die Bankiers ersuchten vor kurzem den Taotai, sie davon zu benachrichtigen, welchen Fortschritt die Einziehung der Entschädigungssumme mache.— Amerika. Der SocialiSmnS in Kanada macht, wie aus dem Partei- Organ„Citizen and Country" ersichtlich ist. in letzter Zeit erhebliche Fortschritte, namentlich in der Provinz Ontario. Das obengenannte Organ hat eine Auflage von 15 000; an den nächsten Parlaments wählen werden sich die Socialdemokraten beteiligen. In einer Reihe von Wahlkreisen sind Kandidaten bereits aufgestellt. Im Kreise West-Elzin ist der Genosse Wilshire als Kandidat proklamiert worden. Derselbe ist Bürger der Vereinigten Staaten, mußte diese mit seiner Zeitung verlassen, weil der Generalpostmeister der Ver- einigten Staaten ihn durch Auferlegung der höheren Zeitungstaxe (die' sonst nur für die großen Weltblätter bezw, Annoncenblätter üblich istj ruiniert haben würde. Durch seine Aufstellung wollen die kanadischen Socialisten ihre internationale Denlungsweise zum Ans druck bringen.— Tie„Unabhä»gigkeitS"-Erklärniig KnbaS ist am Dienstag erfolgt. Der Präsident der Republik Kuba Palma unterzeichnete das erste Dokument in seiner Eigenschaft als Präsident, Nachdem ihm der bisherige amerikanische G o n v e r- neur Wood aus diesem Anlaß seine Glückwünsche ausgesprochen hatte, holte letzterer unter Salut die amerika- nische Fahne nieder und hißte mit eigner Hand die kubanische Flagge zum Zeichen, daß die Vereinigten Staaten Kuba freigemacht hätten. General G o in e z wohnte der Feier bei. Gouverneur Wood ging unmittelbar nach der Hissmig der kubanischen Fahne niit seinem Stabe und mit den amerikanischen Truppen an Bord der Schiffe, die dann sofort den Hafen verließen. Kubas„Unabhängigkeit" ist nichts weniger als eine effektive. Nicht nur, daß es auf eigne Faust keine auswärtige Politik treiben darf: es darf nickt einmal soviel Truppen unterhalten, als ihm zur Wahrung seiner Unabhängigkeit gut dünkt, sondern nur soviel, als zur Aiifrechterhaltimg der bürgerlichen Ordnmig erforderlich sind. d. h. als ihm Amerika erlaubt, Wohl aber bleiben auch künftig noch 600 Mann amerikanischer Truppen auf Kuba zurück. Auch in der Zollpolitik ist Kuba von den Vereinigten Staaten völlig abhängig Amerika wird es schließlich wohl auch soweit bringen, daß Kuba auf seine formelle Unabhängigkeit gern verzichtet.— Der Boeren- Krieg. Der Friedensschluß zweifelhaft. Dem„Ncilterschcn Bureau" wird ans Pretoria von heute ge- meldet: Verschiedene Mitteilungen, deren Richtigkeit nicht gewähr- leistet werden kann, die aber in vielen Kreisen bestätigt werden besagen, daß die Hauptgcgner der Annahme der ini April in Pretoria zur Verhandlung gekommenen Fricdeiisbedingnngen sind: Präsident Stei'jn und Wessels, der im Nordosten des Orange-Freistaats kanimandiert, Müller, der in der Nähe von Middelburg steht, sowie Celli ers, der Befehlshaber im wesi lichen Transvaal. Kommandant H e r tz o g soll sich gleichfalls a b � lehnend verhalten. De W c t, der zuletzt zur Besprechung kam und in etwas grimmiger Stimmung war. scheint jetzt fried- fertiger zu sein. Die der Einstellung der Feindselig- keilen abgeneigten Elemente sind zweifellos stark, so stark, daß sie eiiieu Friedensschluß zu den bereits be sprochenen Bedingungen sehr zweifelhaft erscheinen lassen. Um alles kurz zusammeiizufassen: Es heißt, daß die Mehr- heit der Transvaal- Boeren einschließlich der Mitglieder der Regierung dem Frieden günstig sind, während die zahlreichen Freistaat- Boeren niit wenigen einflußreichen Aiisnahincn die Unabhängigkeit als Grundlage für die Friedeiisbedingnngen wünschen._ Die letzten Gemcindcvcrtreter-Wahlcil in Slawen(Sprein- bcrg) wurden vom Gemeinderate einstimmig für ungültig erklärt. Die Wählerlisten hatten nicht rechtzeitig ansgelegcn und außerdem hatte der ernannte Gemeindevorsteher noch kurz vor der Wahl Aenderiingeii in den Listen vorgenommen; wohl 14 unsrer Genossen kamen dadurch von der ersten in die zweite Wählerklasse, was zur Folge hatte, daß der socialdemokratische Kandidat in der ersten Klaffe mit einigen Stimmeu unterlag. In der dritten und zweiten Klaffe waren die socialdeniokratischen Kandidaten einstimmig gewählt. Der gewählte Gemeindevorstand, dem als Zimmermann von der Aufsichtsbehörde die nötige Befähigung nicht znerkaimt und deshalb die Bestätigung versagt wurde, hätte solche Sachen sicher nicht gemacht. Zu deu Ausnahmezuständen in Elfaß-Lothringen nahm der Arbeiter-Wahlverein i» Mühlha usen i. E. in seiner letzten Ver- sammliing Stellung. Es ivurde einstimmig beschlossen: „die Reichstagsfraktion zu ersuchen, bei der nach dem Höh- königsburg-Erlaß zu erwartenden Reichstagsverhandlung über die elsaß-lothringische» Ausnahmegesetze einzutreten: a) für die vollständige Einführung des Reichsgesetzes über die Presse vom 7. Mai 1374 in Elkaß- Lothringen(Aufhebung des Ausnahmegesetzes über die Presse für Elsaß- Lothringen vom 8. August 1893); b) für die allgemeine gleiche geheime und direkte Wahl des elsatz-lothringischen LandeSausschusseS durch das Volk." Da die Frage der erneuten Einbringung des Antrages auf Er- laß eines Reichs-Vcrcinsgesetzes erhebliche Mciimngsvcrschiedenheiten ergab, wurde von einer Stellungnahme zu dem Punkt für den Augen- blick abgesehen. Städtische Bersauimlungslokale. Im Gemcinderat in S t r a ß b u r g i. E. haben unsre beiden Vertreter beantragt: „Der Gemcinderat beschließt: Die städtischen Lokale werden, soweit sie hierzu geeignet sind, zur Abhaltung von öffentlichen Versammlungen politischen und konfessionelleii Charakters mit Diskussion freigegeben. Der Herr Bürgermeister wird ermächtigt, zu jeder Zeit eventuellen Gesuchen stattzugeben." Unser Straßburger Parteiblatt bemerkt dazu, daß wohl auf Zustimmung zu diesem Antrage zu rechnen sei, da dieser Zustand chon in verschiedenen elsässischen Gemeinden, wie Metz, Colmar, Schiltigheim, Kestenheim besteht. Poltzrtlichrs, Gerichtliches usw. Vor der Kunst besckiützt. Im März ds. IS. hatte das Gcwerkschaftskartell in Grün- b e r g in Schlesien die dort gastierende Theatergesellschaft zu einer Volksvorstellung engagiert und zwar sollte Suderiiiaims„Ehre" gespielt werden. Einige Tage nachdem die Sache publiziert war, kam die Frau des Thcatcrdirektors zu dem Vorsitzenden, Genossen Stolpe. und sagte, sie hätte eine Anzahl anonymer Briese bekommen, auf Grund deren sie von der Vorstellung abschen müsse. Auch der Land- rat hätte solche erhalten und dieser habe ihr beziehungsweise ihrem Mann davon in freundschaftlicher Weise Mitteilung gemacht. Die Frage misres Genossen, ob der Landrat ihnen verboten hätte, das Stück zu spielen, verneinte sie. Genosse Stolpe ging dann zum Bürgermeister und fragte denselben, ob er etwas gegen die Aufführung der„Ehre" habe. Er verneinte dies. Gleich nachher erhielt Stolpe einen Brief des Thcatcrdirektors. in welchem er endgültig die Vor- stellung absagte. In einer später stattsindendc» Versammlung kritisierte Genosse Stolpe die anonymen Briefschreiber in scharfer Weise. Damit sollte der Landrat beleidigt worden sein. Tags darauf wurde Stolpe zum Bürgermeister bestellt und soll dort diesen sowie auch den Landrat in ähnlicher Weise beleidigt haben. Aus der Verhandlung resultierten folgende Thatsachen: 1. � Der Landrat hatte den Theaterdirektor mittels eines Schreibens, das insofern einen anitlichen Charakter trug, als es auf einen amtlichen Briefbogen geschrieben war, zu sich bestellt und ihm vorgestellt, daß er ohne Ztveifel sich durch diese Vor st ell n n g wirtschaftliche Nachteile zuziehen werde. Er rate ihm dringend, das Abkommen mit dem Gewerkschaftskartell zu lösen? 2. Der vom Theaterdirektor ge- schriebene, in allgemeinen Redensarten gehaltene Absagebrief hatte, ehe er abgeschickt wurde, die Censur des Bürgermeisters passiert. Aus dem Briefe ging vor allen Dingen nicht hervor, daß der Schreiber desselben von irgend einer Seite beeinflußt tvorden sei. Trotzdem Genosse Stolpe mit seinen Aeutzerungen nur die anonymen Briefschreiber treffen konnte und wollte, gewann das Gericht die Ueberzeugung, daß er nur den Landrat gemeint haben könnte. Unter Versagung des Schutzes des Z 193, den Genosse Stolpe für sich reklamierte, erkannte das Gericht auf drei Monate Gefängnis. Der Staatsanwalt hatte die Kleinigkeit von nenn Monaten Gefängnis beantragt. Wenn die Arbeiter auf solche Weife vor harmlosen Kunstgenüssen geschützt werden, dann werden sie eben ihre Zeit auf AgitationS- arbeit verwenden müssen; vielleicht erscheint das dem Landrat weniger gefährlich._ — Ein Maifeier-Prozeß steht auch in Solingen bevor. Eine Anzahl Parteigenossen haben dort unter der Befchuldigung. am 1. Mai einen nicht genehmigten Ilmzug veranstaltet zu haben. Straf- Mandate über 5 bis 15 Mark bekommen. Sie Ivollen gerichtliche Entscheidung beantragen._ Aus Ittdulkvie und Handel. Spiritus-Erzcuguug und-Verbrauch. Nach der„Zeitschrift für Spiritusinduftrie" betrug die Produktion von Spiritus und der Trinkverbrauch während der sieben Monate vom 1. Oktober bis Ende April innerhalb des Deutschen Reiches: Produktion Trinkverbrauch Hektoliter Hektoliter 1901/02... 3 566 997 1 435 207 1900/01... 3 362 017 1467 266 1899/1900.. 3 054 175 1 436 585 1898/99... 3 162 232 1 474 396 1397/98... 2 715 303 1 403 299 Die Erzeugung der ersten sieben Monate des BetriebsjahrcS war dennoch die höchste bis dahin beobachtete; die zweithöchste fällt in das Betriebsjahr 1900/01 und ist um 204 936 Hektoliter geringer. Der Trinkverbranch im April des Jahres hat gegenüber dem Borjahre um eine Kleinigkeit zugenommen. Deutschlands Kohlcnproduktiou vom Januar bis April 1903. Nach amtlicher Berechming betrug in dem Zeitraum vom I.Januar bis Ende April die Förderung in den deutsche» Kohlenrevieren an: � � a,....... Briqnetts und Steinkohlen Braunkohlen Naßpreß st einen 1902. 33 831 225 To. 13 344 906 To. 2 703 880 To. 1901. 35 694 072„ 14 393 449.. 2393 243„ An Coaks wurden in den ersten vier Monaten des laufenden Jahres produziert 2 828 700 Tonnen gegen 3 268 313 im Vorjahr. Die Kohlenförderinig hat also in' den Monaten Januar/April im Vergleich zum Vorjahr beträchtlich abgenommen. Dennoch hat es die seltsame Preispolitik des rheinisch-westfälischen Kohlensyndikats fertig bekommen, daß die Einfuhr fremder Steinkohlen in den ersten vier Monaten dieses Jahres um über 60 000 Tonnen gestiegen ist; sie stellte sich nämlich im Vorjahr von Januar bis Mai auf 1 604 880 Tonne», in diesem Jahre auf 1 664 971 Toiuicii. Der größte Anteil hieran entfällt auf England, das trotz seiner Kohlenausfuhrzölle im laufenden Jahre 1 314 152 Tonnen Stein- kohlen in Deutschland einzuführen vermochte, in den vier ersten Monaten des vorigen Jahres hingegen nur 1270 799 Tonnen. Allerdings hat auch die deutsche Stcinkohlenausfuhr um ein Geringes zugenommen: sie ist von 4 713 769 auf 4 731892 Tonnen gestiegen. Aber dieses relativ günstige Resultat ist zum großen Teil den Un- ruhen in Belgien und dem dort ausgebrochenen, wenn auch bald wieder beendeten Generalstreik zu danken, der zu einem außer- ordentlich starken Export deutscher Kohlen nach Belgien Ver- anlassiing gab. Zur Lage im Rnhrkohlenrevier. Wie die„Rheinisch- Wests. Zeitung" zu berichten weiß, hat sich der Absatz des rheinisch- West- fälischen Kohleusyndikats derartig gehoben, daß z. B. bei einer be- schlossenc» Fördercinschränkung von 24 Proz. und bei einer wirk- lichen Einschränkung von 22.35 Proz. im vorigen Monat die Zechen der Fettkohlengruppe ihre Förderungen bisher im laufenden Monat nur um durchschnittlich ungefähr 15 Proz. einzuschränken brauchten. Noch besser lägen die Absatz- und Förderungsverhältnisse zur Zeit bei den Gas- und Gasflammkohlen- Zechen, schlechter indessen fort- dauernd bei der Magerkohlen-Gruppe. Mit der Thatsache, daß in den letzten Wochen wiederholt Arbeiter- eiitlasiimgei! und Lohnreduktionen stattgefunden haben, stimmt diese rosige Meldung des Zechcnblattes schlecht überein. Sollte nicht viel- leicht die optimistische Auffassung feiner Gewährsmänner durch das Bestreben des Kohleusyndikats beeinflußt sein, die außerhalb des Syndikatverbaudes stehenden Zechen zu sich hernberzulocken? Saakeustand in Oestrcich. In Oestrcich hat sich in den letzten Wochen der Stand der Getreidesanten wie auch der Obstbäume wesentlich verschlechtert. Der bis Mitte Mai reichende Bericht des AckerbauministcriimiS konstatiert die schädliche Einwirkung der Witterung, insbesondere des Frostes in Mähren, Steiermark und Krain. Die Wintersaaten haben sich gegen den Vormonat verschlechtert, namentlich Roggen in Mähren, Schlesien, Ostgalizieu und teilweise in Böhnien, Sommersaaten blieben infolge des Nachtfrostes in der Entwicklung zurück, namentlich Gerste in Galizicn. Raps ist zurückgegangen; Rais, Kartoffelanbau und Zuckerrüben sind durch Nässe und Kälte chiver geschädigt; der Rübenbau ist vielfach eingeschränkt, der Hopfen ist im Wachstum zurückgeblieben. Die Obstbäiime litten stark durch Frost, namentlich in den Sudetenländern. GeivevItsthAftl iches. Eine Konferenz der Mosair-Fliesenlkger Deutschlands tagte am Dienstag im Berliner Gewerkschnftshause. Dieselbe war einberufen vom Ortsvercin Berlin und von Vertretern auS Berlin, Leipzig, Dresden, Dortmund und Nürnberg beschickt. Hamburg. Köln. Düsseldorf und Hannover hatten zwar ebenfalls Delegierte angemeldet, doch waren dieselben nicht erschienen, Zweck der Konferenz war: den Zusamlnenschluß der bislang ohne Fühlung miteinander bestehenden Ortsvereine dieser Branche anzubahnen.— Aus den Berichten der Delegierten geht hervor, daß die Fliesenleger allerorts zu den besser bezahlten Arbeitern gehören, die. entsprechend ihrer geringen Zahl, auch nur in kleinen Einzelvereinen organisiert sind. Der Dortmunder Verein führt»och den Namen Vergnügung sklub derPlattenleger, ist aber dem Geiverkschnitskartell angeschlossen. Da die Branche der Fliesenleger teils aus Maurern, teils aus Töpfern hervorgegangen ist, so sei man anfänglich im Zweifel gewesen, ob man sich den großen Organisationen der letzteren anschließen solle oder nicht: aus verschiedenen Gründen habe mau sich jedoch für die bestehenden selbständigen Ortsvereine erklärt. Rur der Nürnberger Delegierte Wolf berichtet, daß sich die dortigen Fliesenleger als Sektion dem Centralverband der Maurer angeschlossen hätten, welcher Organisation sie auch Ivohl fernerhin treu bleiben ivürden. Das Ergebnis der Konferenz war ein Beschluß, welcher besagt, daß sich die Fliesenleger- Organisation der Geschäftskommission der .Freien Vereinigung deutscher Gewerkschaften"(Vertrauensmännev Centralisation) anschließen und den gemeinsamen Namen führen: .Bereinigung der Mosaikflieseuleger Deutsch- l a n d s Die Regelung der genieiusamen Angelegenheiten liegt dem Vertraueiismaim ob, an den jeder Ortsvercin 10 Prozent seiner Einnahmen abzuführen hat. Als Kontrollkommission steht dem Ber trauensman» ein aus drei Personen bestehender Ausschuß zur Seite.— Der Nürnberger Delegierte enthielt sich der Abstimmung, weil seine Kollegen eine Sektion des Centralvcrbandes der Maurer bilden und es sehr zweifelhaft sei, ob'sie als Anhänger der modernen Centralisation dem Beschluß zustimmen ivürden. Bezüglich der Agitation irmrde noch bestimmt, daß der Ver: traueusmann und der Ausschutz zur nächsten Konferenz einen voll- ständigen Organisntionspla» zum weiteren Ausbau der Vereinigung auszuarbeiten und vorzulegen haben. Hierauf tvurde Wcgner- Berlin zum Verlrauensmann und Berlin als Vorort der Ver einigung geivählt. Die Wahl des Ausschusses bleibt den Berliner Kollegen überlassen._ Berlin und Umgegend. Steinsetzer! Die Differenzen bei der Firma Jgler in Spandau sind geregelt, die Sperre ist aufgehoben.— 'Dagegen ist im S t r e i k i n E b e r s w a l d e, F r e i e n w a l d e, Wri'ezen a. O. eine Aenderung bis jetzt nicht eingetreten. Am Sonnabend vor Pfingsten haben Verhandlungen zwischen der Innung und den Vertretern der Arbeiter stattgefunden, die jedoch resultatlos verliefen, da die JnmmgSmcister sich zu keinerlei Kon- z e s s i o n e n verstanden, obwohl die Arbcitervertreter sich bereit erklärten, die Forderungen um die Hälfte zu ermäßigen. Beteiligt sind SS Mann, die alle organisiert sind. Zuzug ist fernzuhalten. Desgleichen vom Bau des Steinsctzermeisters Thielecke in Linden- berg bei Berlin, da derselbe sich weigert, den Berliner Lohn- tarif anzuerkennen. Verband der Tapezierer. Zu dem in der Nr. 114 deS.Vor warts" wiedergegebeneu Kassenbericht des Verbandes der Tapezierer ist zu berichten,' daß dortselbst irrtümlicheriveise die Lokalabrechnung als Gesamtabrechnung gegeben ist, welche folgendermaßen lautet: Bestand vom 4. Quartal' 3037,90 M., Einnahme im 1. Quartal 3282,03 M., in Sunima 6319.93 M. Ausgabe ini 1. Quartal 3323,33 M. siull. 1239,07 M., die an die Hauptkasse abgeführt sind). Bleibt Bestand 2996,42 M. Der Name des neugewählten zlveiten Bevollmächtigten ist: Paul H irth. Deutsches Reich. Tie Maurer in Königsberg i. Pr. stehen in einer Lohn- bewcgung. Seit Jahren haben die Königsberger Maurer keine enisthaften Schritte zur Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen unter- nommen. Infolgedessen ist der Lohn auch wesentlich geringer wie in andren Städten mit gleicher Bedeutung. Es wurde bisher nur an eine geringe Anzahl von Gesellen ei» Lohn über 45—30 Pf. pro Stunde' bezählt: die meisten Gesellen erhielten 43 Pf. und ein nicht unerheblicher Teil sogar noch einen geringeren Stundenlohn. Es iverden jetzt 30 Pf. Stundenlohn bei zehn- stündiger Arbeitszeit gefordert. Die Bauunternehmer hielten es nicht einmal für notwendig, den Gesellen eine Antivort zu geben, als ihnen die Forderung vorgelegt wurde. Die Bauinnung erklärte, daß sie nicht mit der Lohnkommission, sondern nur mit dem Gesellen auSschuß. der so gut lvie unter Ausschluß der Oeffentlichleit gewählt wurde und nur aus Polieren besteht, verhandeln iverde. Es finden noch Auseinandersetzungen statt. Inzwischen ist es aber bei mehreren Unternehmern, deren Bauten bis zu einem der Lohnkommission zu- sagenden Stadium gediehen waren, die Arbeit eingestellt. Mehrere Unternehmer haben darauf hin beivilligt. Die Bauten andrer Unter- nebmer sollen dafür in diesen Tagen durch Arbeitseinstellung zum Stillstand gebracht werden. Ausland. Ei«» Streik in Rußland. Eine der größten Streikbeiveguiigen, die Rußland in den letzten Wochen erlebt hat. ist die auf der Wotkin- scheu Fabrik im Gouvernement Wjatka, die über 2000 Arbeiter beschäftigt. Am 4. April morgens früh versammelten sich plötzlich alle Arbeiter der Fabrik und statt an die Arbeit zu gehen, zogen sie zu den« Haus des Fabrikverwalters. Die Masse nahm den Verwalter in ihre Mitte und der Zug, dem ein Arbeiter eine rote Fahne mit der Inschrift:„Einer für alle, alle für einen", vorantrug, bewegte sich auf den Platz vor der Kirche zu, Ivo er von der ganzen Bevölkerung des OrteS empfangen wurde. Hier wurden dem Verwalter schriftlich die Forderimg des Achtstundeutages und noch einige andre betreffend die Entlohnung vorgewiesen. Der Verivalter weigerte sich, die Forderung anzunehmen, doch die Menge erklärte, er könne nicht eher freigelassen werden, bevor man nicht seine Unterschrift habe. Der Verivalter ivehrte sich bis 3 Uhr nach- mittags, als er aber sah. daß er anders nicht loskam, unter- schrieb er. Die Streikenden verhielten sich ruhig, auf de» Straßen sah man keine Betrunkenen. In der darauffolgende» Nacht erschien aus Sarapul der Prokurator mit dem Jsprawnik, die zwei der beliebtesten Kameraden unter de» Arbeitern verhafte» ließen. Am andern Morgen gingen nun die Arbeiter statt in die Fabrik, nach ihren Genossen zu fahnden. Der erste Weg war zu dem Stanowoi, als dieser jede Auskunft verweigerte, demolierte man seine Wohnung. Von hier zog die Menge zu dem Prokurator, schließlich gelang es, die Verhafteten in der Wohnung des Stadt- richters aufzufinden, den die Arbeiter vertrieben und die ein- gekerkerten Kameraden wurden im feierlichen Zuge»ach Hause gebracht. Mit welcher Sympathie die ganze Bevölkerung dem Streik gegenübersteht, beweist die Thatsache, daß obgleich diese schon einige Tage über die Vorbereitung zu dem Streik wußte, die Adniinistratlon der Fabrik und die Polizei nicht das geringste geahnt haben. Beim Beginn des Streiks wurden alle Telegraphen- drähte abgeschnitten und auf allen zu der Ortschaft führenden Wegen Posten aufgestellt. Ueber den Verlauf deS Streiks wird berichtet. daß Militär abgesandt und der Streik unterdrückt worden ist. 83 Personen sind durchgepeitscht worden, unter ihnen auch ein Schüler der Kunstakademie in Petersburg. Entlassen sind aiiS der Fabrik 40 Arbeiter, acht befinden sich in Haft. Sluö Frankreich. In G r a m m o n t sind 1200 Arbeiter einer große» Drahtsabrik ivege» Lohnstreiligkeiten in den Streik getreten.— In R e n n e s streiken die Schuhmacher. ein- Sociales. Die schwierige Socialpolitik. In Heideuheim hielt jetzt der württembergische Landesverband der evangelischen Arbeitervereine seine Hauptversammlung ab. Der evangelische Arbeiterverein in Eßlingen hatte dazu unter andrem beantragt, der Verband möge eintreten �„., für die Einführung von Arbeitsämtern und örtlichen Arbeiter- kaminern in Jndiistrie-Orten. für gesetzliche Verpflichtung der Ge- meinden zur Gewährung von Mindestgehalten, Minimallöhnen und Pensionen an ihre niederen Diener und Arbeiter, desgleichen für gesetzliche Verpflichtung der Gemeinden zur Versagung von Gemeinde-Arbeiten an solche Arbeitgeber, ivelche die von den örtlichen Arbeiterkammern festzusetzenden Minimallöhne ver- weigern." Es entwickclte sich darüber eine Debatte, in deren Verlauf der als Vertreter der Regierung anwesende Ministerialdirektor M o st h a f erklärte, die Forderungen gingen so weit, daß man darüber noch länger reden müßte. Daraufhin beschloß die Versammlung, über den Antrag zur Tagesordnung überzugehe ii und ihn auf die Tagesordnung der nächstjährigen Hauptversammlung zu stellen. Der Regierung werden wohl die Fordeningen auch nächstes Jahr»ach der weiteren Aussprache zu weit gehen; daß die Delegierten von Arbeitervereinen sich über die Berechtigung dieser Forderungen noch nicht klar sind, beweist nur, wie rückständig diese evangelische» Arbeitervereine im allgemeinen sind und ivie wenig sie zur Vertretung der Arbeiterinteressen geeignet sind. Die Aus- »ahme, die der Eßlinger Verein zu bilden scheint, bestätigt nur die Regel. Vielleicht kommt der Eßlinger Verein auch noch zu dieser vollen Einsicht._ Zur Reform deS KrankenversichcrungS-Gesetzes faßte die Konferenz der Krankenkassen im Bezirke der Versicherungsanstalt Hannover folgende Beschlüsse: 1. Die auf der ersten Konferenz der Krankenkassen im Bezirke der Landes- Versicherungsanstalt Hannover versammelten Vertreter erklären, daß sie jeder in einer neuen Krankenkassen-Novelle ge- planten Verminderung der Selbstverwaltung oder eine Stärkung des Unternehmereinflnsses auf das entschiedenste entgegentreten,' weil hierdurch die gedeihliche und kulturelle Entwicklung der Kranken- Versicherung aufs schwerste bedroht werden würde. 2. Die Konferenz der Kraukeukassen im Bezirke der Landes- Versicherungsanstalt Haiiiiovcr bittet die Volksvertretung, dahin zu wirken, daß auch der Gewerbebetrieb im Umherziehen in das Krankenkassen-Versicherungsgesetz aufgenommen lvird und die Be- stmnuungen, welche dem entgegenstehen, für ungültig erklärt bezw. aufgehoben werden. Klus der FrKuenbeivegnng. Weibliche Gcwerbe-Juspektlo». Der Gewerbe- Inspektor des Herzogtums Sachsen- Altenburg machr bekannt: Mit dem 1. Mai d. I. ist dem Gewerbe-Juspektor eine wcib- liche Hilfskraft(Assistentiu) beigegeben worden. Die Einrichtung ist in erster Linie zum Nutzen der weiblichen Arbeiterschaft unsres Herzogtums getroffen; sie kann aber nur nutzbriugciid werden, wenn die Arbeiterinne» der Assistentin ihr volles Vertrauen entgegen- bringen und mit Auliegeu jeder Art fleißig an sie herantreten. Solche Anliege» persönlich vorzubringen, ist Gelegenheit gegeben, einnial während der üblichen SnitSstundeu auf dem Zimmer der Assistentin in den Diensträumen, dann bei den von der Assistentin vorgenommenen Besichtigungen der gelverblichen Anlage». Ferner wird vom 1. Juni dieses Jabres ab die Assistentin hier in Altenbnrg sowie in den Städten Gößnitz. Schmölln, Roneburg, Meuselwitz, Eisenberg, Kahla und Roda regelmäßige Sprechstunden abhalten. Ein ständiger An« schlag an den für die öffentlichen Bekaimtniachiiiigeii in den Rathäusern üblichen Stellen wird auf die Tage, die Stunden und den Ort der Sprechstunden hiuweiie». Von den Arbeitgebern darf er- ivartet werden, daß sie der Thätigkeit der Assistentin nicht nur nichts in den Weg legen, sondern gewillt sein werden, sie nach Möglichkeit zu fördern._ Vevfkttnmlungen. Der socialdcmokratische Wahlverein Rixdorf hielt am 14. Mai seine Mitgliedcr-Versammluiig ab. Genosse Zubeil referierte über:„Zeit und Streitfragen im deutschen Reichstage." Eine Dis« kussion über den mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Bortrag fand nicht statt. Aufgenommen wurden 40 neue Mitglieder. Der socialdemokrattsche Wahlverein für AdlerShof hielt am 15. Mai seine Mitglieder- Versammlung ab. Es ist dies die erste Bersammlung, die seit einem Jahre ivieder in AdlerShof statt- findet. Der ReichstagS-Abgeordnete Fritz Zubeil hielt einen Vortrag über„Streit- und Zeitfragen aus dem Reichstage". In längerer Ausführung beleuchtete er den Toleranzantrag des CenlnunS. Reicher anhaltender Beifall lohnte dem Redner. Neue Vulkauausbrüche. Aus Fort de France auf Martinique meldet der Telegraph vom Dienstag: Heute früh 6 Uhr entlud sich ein starker Aschenregen mit un- geheuerer Schnelligkeit über Fort de France. Die Strahlen der aufgehenden Sonne ließen denselben als mit zuckenden Flainmen durchsetzt erscheine». Die Erscheimnig war von dumpfem Grollen begleitet. Während dieser neuen Thätigkeit deS Vulkans entstand eine gewaltige Panik. Die Bevölkerung flüchtete entsetzt »ach allen Richtungen. Etwa 20 000 Mensche» durcheilten während des Asche- und SteiiieregenS voller Schrecke» unter lautem Jammern die Straßen, viele warfen sich auf die Knie und beteten, andre retteten sich auf Schiffe. Die See wurde durch große Masse», Ivelche sich vom Mont Pelöe aus»cu sich öffnende» Krater» er- gössen, stellenweise zum Kochen gebracht. Das amerikanische Schiff Potomne" und der englische Kreuzer„Jndefatigable", ivelche ein- getroffen ivaren, um die Leichen des amerikanischen und englischen Konsuls aus St. Pierre zu holen, gingen schleunigst wieder in See. Durch eine Hochflut ivurde heute vormittag ein Teil von Le Carbet zerstört. Der stellvertretende Gouverneur nnd Senator Knight haben sich auf den,„Suchet" eingeschifft, um sich über die Lage im Norden der Insel zu vergewissern. Die Bevölkerung ist in großer Aufregung und räumt Fort de France. Ein Teil geht nach Guadeloupe, ein andrer nach südlich gelegenen Ortschaften. Eine Depesche des stellvertretenden Gouverneur von Martinique vom 20. Mai meldet, daß am Morgen ein dichter Feuerrege» über das Dorf Carbet herniederging. Nach drahtlichen Nachrichten aus Kingston fällt der Lava- taub der vulkanischen Ausbrüche auch auf Jamaika nieder, iveniger auf den höchsten Spitzen als auf den Ebenen der Insel. Man sieht den Staub wie einen blauen Nebel um die Berge hängen. Die durchflogene Entferiumg mutz ungefähr 1200 englische Meile» betragen. Der bekannte Geologe und Mineraloge Professor Seeley vom Kings College erklärt, nian befinde sich wahrscheinlich noch nicht am Ende der Ausbrüche. In nicht zu ferner Zeit ivürden auch einige der größeren Vulkane auf Dominica, Guadeloupe und anderen Inseln der kleine» Antillen, möglicherweise selbst einige Vulkane der großen Antillen in fast ebenso heftiger Weise aus- brechen, denn die ganze Kette der Vulkane müsse in gcringerer oder tärkerer Weise die'Gewalt der stattgehabten Ausbrüche mitempfinden. Ebenso könnten Ausbrüche in der Kette der Vulkane vorkomme«, ivelche sich in gleichlaufender Richtung in Mittelamerika himmter- ziehe. ES sei eine Thatsache, daß zwischen zwei gleichlaufenden Ketten von Vulkanen eine gewisse Beeinflussung bemerkbar sei, ivenn eS sich um ungewöhnliche Ausbrüche in der einen oder der andren handle. Die Einwohner auf Dominica und den benachbarten Inseln ollten sich jedenfalls durchs die Vorgänge wamen lassen. Der Vulkanausbruch auf den Antillen hat, wie zu erwarten war, auch dem Wetterpropheten Rudolf Falb Gelegenheit gegeben, sein« Theorie der Erdbeben und Vulkane in Erinnerung zu bringen. Bekanntlich behauptet Falb, daß die Anziehung der Sonne und des Mondes auf das glutflüssige Innere der Erde die Ursache von Bewegungen dieses Innern sei, Ivelche zu Katastrophen führen; auch die atmosphärischen Flutwellen sollen von erheblichem Einfluß nicht nur auf das Wetter, sondern auch auf den Druck der Gase und Dämpfe im Erdinncrn sein, die sich bei einem Nachlasse» des atmosphärischen Luftdruckes gewaltsam befreie». Da die Stellungen der Sonne und des Mondes zur Erde genau zu be- rechnen sind, so giebt Falb nach ihnen seine kritischen Tage an, an welchen sich elementare Katastrophen auf der Erde ereignen sollen. Die genaue Vergleichung aller derartigen Ereignisse im Lause mehrerer Jahre mit den' Falbschen kritische» Tagen hat zwar die völlige Haltlosigkeit seiner Darlegungen, Voraussetzungen und Schluß- folgerungen erwiesen: aber es ist am Ende begreiflich, daß Herr Falb seine Anschauungen nicht aufgeben ivill und daß bei ihm die Thatsache» stets so gruppiert werde», daß seiner Meinung nach seine Theorie dadurch gestützt lvird. So ist denn nicht ivunderbar, daß Falb unter dem stolzen Titel:„Einiges Licht über die Katastrophe auf Martinique", seine Ansichten wieder einmal darzulegen sucht. Unerhört aber ist es, daß er in der Einleitung Worte des Tadels für die unglücklichen Opfer findet.„Wenn in einer Fabrik einem Arbeiter von der rotierenden Maschine ein Arm abgerissen ivird, so bedauern wir den Fall, erblicken aber darin kein Shmptom der schlechten Weltordmuig. Der Betroffene hat sein Unglück selbst ver- schuldet. Warum ist er der Maschine, deren Gefährlichkeit ihm doch bekannt war, unvorsichtigerweise so nahe gekommen?" In demselben Tone heißt es dann weiter:„Was ein Vulkan zu leisten vermag, ist uns allen bekannt. Und ivenn er dann in seiner Thätigkeit einmal unsägliches Elend verursacht, so tragen die Schuld davon wahrhastig nicht das Naturgesetz, nicht der Vulkan, sondern diejenigen, die ibm in ibrer Unkenntnis oder in ihrem Leichtsinn zu nahe gekommen find. Wer hat die Leute gezwungen, St. Pierre so nahe an der Quelle des Todes zu gründen?" Um dieie Weisheit loszuwerden, die bei der entsetzlichen Katastrophe»ach einem Schuldigen sucht, und die Schuld bei den armen Opfern findet, brauchte Herr Falb freilich das„Berliner Tageblatt". Der geistigen Verfassung dieses Blattes entsprechen diese Aeußerungen durchaus. Wer zivingt einen Arbeiter, einer Ma- schine zu nahe zu komme»? Wer hat' verunglückte Bergleute ge- zivungen, ihren gefährlichen Beruf zu ergreife»? Nur ei» erstaun. sicher Leichtsinn I Sie härten ja ebensogut de» gefahrlose» Beruf eines Vteiitiers oder Grundstücksspekulante» ergreife» können. Nach der liberalen Weltanschauung kann es nur Duminheit und Leichlsinn sein, der so viele Millionen an das Los des Proletariers fesselt. Paris, 21. Mai.(W. T. B.) Der Marincmillister erhielt von dem Kommandanten des„Suchet" aus Fort de France ein Tele- granini folgende» Inhalts: Heute vormittag erfolgte ein heftiger Ausbruch; eS fiele» Steine nieder. Der AnSbrnch verursachte eine starke Panik i» Fort de France. Ich besuchte die Küste bis zur großen Küste hin. Umgekommen ist niemand. Der Schaden ist erheblich. Bon Carbet und den benachbarten Ortschaften kamen gegen 230 Menschen hier an. Zahlreiche Eimvohner verlassen die Kolonie, obwohl Fort de France nicht bedroht ist. Uelzke TlKchvichken und Depeschen. Zur Geschichte deS Hohkönigöburg-ErlaffcS. Knrzcl, 21. Mai. jW. T. B.) Bei dem Empfange des Vor- standeS deS LandesausschiisseS durch den Kaiser hielt Präsident Schlumberger eine Ansprache, die darauf auch als Adresse überreicht wurde, in ivelchcr der Dank der elsässijchcn Be- völkerung für die in Aussicht gestellte Aufhebung des Diktatur- Paragraphen zum Ausdruck gebracht ivird. Hierauf antwortete der Kaiser etwa folgendes: Meine Herren! Ich heiße Sie mit Freuden bei mir am heutigen Tage willkommen. Die Aufhebung des Diktatur- Paragraphen ist ein laugjähriger Wunsch der Bevölkerung des ReichslandcS gewesen. Ich fand denselben vor. als ich den Thron bestieg. Daß ich diesem Wunsche nicht sofort in den ersten Jahren meiner Regierung stattgegeben habe, beruht auf zwei Gründen. Einmal mußte ich erst die Liebe und Treue meiner U» t e r t h a n e n gewinnen und das verständnisvolle Vertrauen»i einer Kollegen, der B u n d e S f ü r st e n, i»jr erwerbe». Zum andern begegnete mir das Ausland bei meinem Negierungsantritt mit tiefem, ivenn auch unbegründetem Mißtrauen, da eS voraussetzte, daß ich nach dem Lorbeer kriegerischer Erfolge strebe. Demgegenüber ivar es meine Aufgabe, das Ausland zu überzeugen, daß der neue deutsche Kaiser und das Steich ihre Kraft der Erhaltung des Friedens zu widmen geivillt seien, Diese Aufgaben bedurften einer großen Spanne Zeit zu ihrer Verivirklichnng. Das deutsche Volk weiß nun, welche Wege ich zu seinem Heil zu ivandeln entschlossen bin. Seine Fürsten stehen mir treu zur Seite mit Rat und That. Das Ausland, weit davon entfernt, in uns eine Bedrohung des Friedens zu erblicken, ist gewohnt, mit uns als einem f e l s e n- festen Hort des Friedens zu rechnen. Nachdem nunmehr daS Reich im Innern b e f e st i g t und nach außen eine überall geachtete Stellung erlangt hat, erachte ich im Anfang deS zwanzigsten Jahrhuiiderts den Augenblick für gekommen, in welchem ich der Bcvölkcnmg des ReichSlaudes diesen Beweis nieines kaiserlichen Wohlivollens und Ver- trauenS zu geben im stände bin. Der Entschluß ivird mir um so leichter, als im Laufe meiner Regierung die Beziehungen zlvischcn de» Elsaß-Lothringern und mir sich immer intimer ge- staltet und der Empfang seitens der Bevölkerung innner wänner geworden ist. Nehmen Sie, meine Herren, nochnials meinen innigste» Dank für die loyale Haltung des Reichslandcs entgegen, auf die ich unbedingt baue. Der Wunsch, mit denr Ihre Adresse schließt, wird, so hoffe ich bestiiinnt, mit Gottes Hilfe für uns beide in Erfüllung gehen. Bei der später stattgefundenen Frühstücksstafel teilte der Kaiser dem Präsidenten deS LandcsausschusseS v. Schlumberger ivährend der Unterhaltung mit, daß er ihn zum Wirkt. Geheimen Rat mit dem Titel Excellenz ernanut habe. AbgcordiietenhanS. Wien, 21. Mai.(W. T. B.) Bei der heute fortgesetzten Be- ratniig deS I u st i z e t a t S kam Ellenbogen/e llhr im„Volkshaus", Rosinen- straße 3, statt. Der Stadv. Genosse Dr. Borchardt»vird einen Vortrag über„Kommunale Streitfragen" halten. An den Bericht des Borstandes wird sich die Reulvahl desselben schließen, AuS Schöneberg schreibt man uns: Trotzdem die genehmigte Realschule tvegen Mangels an Schülern am 1. April nicht eröffnet werden konnte, plant der um die Entivicklung des höheren Schul- Wesens sehr besorgte Magistrat die Errichtung einer höheren Töchterschule, die der Stadt einen erklecklichen Zuschuß kosten würde. Als Grundstück hierfür ivar der Steinplatz an der Martin Lutherstraße ausersehen, doch hat der zur Prüfung der Angelegenheit eingesetzte Ausschuß den Anlaiif tvegen des Hohen Preises sowohl als wegen der ungenügenden Lage abgelehnt. Hiergegen läßt sich ge- wiß nichts sagen; als aber seiner Zeit eine Gemeindeschule neben der Feuerwache errichtet lvnrde, fand man solche Nachbarschaft nicht störend. Wilmersdorf. Das bei einem Herrn Arnold in der Nachod- straße in Wilmersdorf beschäftigte Dienstmädchen Margarete Magdcn stürzte heute von eincni Fenster der ziveiten Etage än die Tiefe. Das Mädchen blieb mit schtveren inneren Verletzungen liegen und ivurde vorerst in die Unfallstation am Zoologischen Garten und von dort in das Charlottenburger Krankenhaus geschafft. Ob das Mädchen, dessen Znstand sehr bedenklich ist, in selbstmörderischer Ab- ficht den Sprung gethan hat oder ob ein Unfall vorliegt, ist noch nicht festgestellt.' Johannisthal. Die Gemeindevertretung hatte sich in ihrer letzte» Sitzung mit einer Beschwerde gegen den Gemeindevorsteher zu befassen. Die Gemeindevertreter Rehbein und v. Trützschler ver- langten, daß häufiger Sitzungen abgehalten iverden, �dainit nicht auf eine einzelne Sitzimg eine übermäßige Arbeitslast entfalle. Auch ivurde der Wunsch ausgesprochen, die Sitzungen Uhr fünf und nicht ivie jetzt Uhr drei zu eröffne». In Konsequenz dieser Anregnngcn stellte unser Parteigenosse Mann den Antrag, die Sitzmig bis Uhr fünf zu vertagen und so den Gemeindevorsteher zu veranlassen, den Wünschen der Vertretung Rechnung zu tragen. Dieser Antrag Ivurde jedoch abgelehnt. Als dann später die Geschäftsordnung und das Orts- st a t n t beraten ivnrden, stellte Herr v. Trützschler abermals den Antrag, mit den Gemeiderats-Sitzungen erst nachmittags Uhr fünf fii beginnen. Dieser Antrag, der auch von nnsren Parteigenossen tkertins und Mann unterstützt ivurde, lehnte die Vertretung dann mit Stimmenmehrheit ab und»ahm so der Masse der Bevölkerung die Gelegenheit, sich über die Vorgänge im Ortsparlament z» unter- richten. Die Sitzungen finde» jetzt jede» ziveiten Donnerstag im Monat statt. Die Kommission hatte aus der Landgemeinde-Ordnung den Strafparagraphen übernommen, ivelcher Geldstrafe sowie Ausschluß vo» den Sitznngen bis auf die Dauer eines Jahres über die Vertreter verhängt, die sich Verstöße gegen die Geschäftsordnung zu Schulden komme» lassen. Die Vertretung lehnte indes, nachdem sich die Ver- treter Rehbcin, v. Trützschler, Mann und Mertins teilweise in äußerst scharfer Weise dagegen erklärt hatten, den ganzen Paragraphen ab. Auf Antrag des' Vertreters Mann erhielt der Paragraph folgende Fassniig: Ist der Redner bei einer Sache bereits zweimal zur Orb- iiuug gerufen, so kann ihm der Vorsteher beim dritten Ordnungsruf das Wort entziehen, doch steht dem davon Betroffenen die sofortige Berufung an die Gemeindevertretung zu. Auf Antrag des Ver- treters Mann wurde ferner bestimmt, daß die Abstimmung eine namentliche sein»niß, wenn dies von einem Mitglied der Vertretung beantragt wird. AnS Lichtenberg schreibt nian uns: Herr Jgnaz Meißner hat seine Schuldigkeit gethan. er kann gehen. An seine Stelle tritt der Vicechef des Lichtenberger„Freisinns".— Zur G e m e i n d e w a h l ist folgendes zu melden: Herr Buchdruckereibesitzer Albert Koch wird den Socialdemokrateii zeigen. Ivo Bartel den Most holt, sinte- malen die Soci iviederholt den Antrag gestellt haben, daß Gemeinde- Arbeiten nur in tariftreuen Druckereien ausgeführt werden dürfen oder— und das wäre noch schrecklicher—, daß Gemeindevertreter sich an Arbeiten der Gemeinde überhaupt nicht zu beteiligen haben. Der Umstand, daß es die Socialdemokrateii waren, denen Herr Koch es verdankt, daß er Gemeindevcrordnetcr ist, thut nichts zur Sache, Ordnung muß sein I Wozu iväre denn das Klasicnwahlgesetz da, wenn es nicht beniitzt iverden könnte, um den guten Spießern die bösen Sgcis vom Leibe zu halte». � Die Genosse» Grauer und Schulz haben nun Gnade ge- fnnden; gegen diese ist kein Einspruch erhoben ivorden. Aber gegen die Genossen Kette und W e i ß f l u ck ist in zwölfter Stimde durch Herrn Albert Koch Einspruch eingelegt ivorden. Ihr Besitzteil soll zu gering sein, und das Ober-Verwaltmigsgericht soll nun dem bedrängten Freisinn z» Hilfe tominen und entgegen dem klaren Wortlaut der Land-Gemeiiide-Ordiumg eine Entscheidung treffen, die den„Bürgervereinlern" doch ivenigstens etivas von dem verlorenen Besitzstand' sichert. Die Herren wollen sogar, daß die Gemeindevertretung einen Beschluß fassen soll, wonach die mit ganzen 6 Stimme» bedachten Bürgervereinler als gewählt betrachtet werden. Aber Herr Koch, die Kompetenz hat ja die Gemeinde- Vertretung gar nicht l Worauf Sie auch hinauswollen! Eine Masscnverhaftung jugendlicher Spitzbuben hat in Adlershof stattgefunden. Nichr weniger als elf junge Burschen im Alter von 16 bis 20 Jahren sind sest'geiiomincn ivorden. Die jungen Leute haben Gelcgeuheitsdiebstähle aller Art vollführt und die erbeuteten Waren bei verschiedene» Produktenhändlern zu Spott- preisen verkauft. Gleichzeitig mit der Diebesbande ist auch dre Fran eines Produktcnhändlers in Haft genommen und in das Unter- suchungsgefängnis in Köpenick eingeliefert worden. Ans Potsdam ivird berichtet: Bei einer Bootfahrt auf dem Templiner See ertranken gestern nachmittag drei Personen, deren Leiche» bis jetzt noch nicht anfgefunden sind. Gevichks--Jeitunq. Prof. Dr. Schmoller trat gestern vor der VIII. Strafkammer des Landgerichts I als Be- lastnngSzeuge gegen den trtnd. phil. Erich W o t h auf, der wegen Vergehens gegen das Gesetz vom 19. Juli 1901, betr. das Urheber- recht an Werken der Litteratur und Knust, zur Verantwortung ge- zogen wurde. Der Angeklagte hat im Winterseinester bei Professor Dr. Schmoller ei» Privat- Kolleg über praktische Nalionalökonomie gehört. In seinem Schlußvortrage berührte Professor Schmoller die damals besonders aktuelle Frage der Handelsverträge und des künftigen Schicksais der Zolltarif- Vorlage. Der Angeklagte hatte die Äusführuugen des Profeffors seinem Kolleghefte einverleibt und zwar teils ans Grund des Diktats des Professors, teils auf Grund von Stichiuorten, die er niedergeschriebc» hatte. Der Angeklagte hatte einige charakteristische Aeußerunge» aus dieser Vor- lesung zu einem Zeitungsartikel benutzt, den er in hektographierter Form verschiedenen Zeitungen gegen Honorar zusandte. Dieser Artikel wirbelte einigen Staub auf, insbesondere die angebliche Aeußerung des Professors Schmoller:„Ich weiß aus persönlicher Unterredung, daß kein Minister daran denkt, diese» Zolltarif Gesetz werde» zii lassen". Die„Hamburger Nachrichten"»agelten gerade diese Stelle besonders fest und forderten Professor Schmoller auf, den Namen des oder der Minister zn nennen, von denen er so etivas gehört habe. Professor Schmoller richtete darauf an die„Harn- burger Nachrichten" ein Schreiben und erklärte darin, daß der fragliche Artikel eine ganz unznreichende und vielfach mißverstäud- liche Wiedergabe eines etiva einstüudigen Vvrirnges darstelle. Eine solche Wiedergabe eines Kolleg-JnhaltS sei ein grober Mißbrauch uiid verstoße gegeiralle guten akademischen Sitten.— Prof. Schmoller stellte weiterhin Strafautrag gegen den Angeklagte». Letzterer bestritt, sich gegen das Urheberrecht vergangen zu haben, und behauptete, daß es sich bei' dem von ihm verfaßten Artikel nur»m die Mitteilung des wescnt- lichen Inhalts eines Vortrages, nicht aber um die Wiedergabe desselben handele. Dies gehe ja schon daraus hervor, daß Professor Schmoller selbst in seinem Schreiben an die„Hamburger Nachrichten" gesagt habe, seine Ausführungen seien entstellt wiedergegeben. Der An- geklagte stellte sich auf de» Standpunkt, daß sein Artikel nur die Änsarbeihiiia gehörter Gedanke» sei.— Prof. Dr. Schmoll e r erklärte auf Befragen des Vorsitzenden, daß er nicht im stände sei, den Strafautrag zurückzuziehen, denn es liege im Umversitätziiiteresse, «'«mal principiell die hier in Fraqe stehende Angelegenheit zur Ent� scheidniig zu bringen. Seit den 20 Jahren seiner hiesigen Lehrthätigkeit sci� es eine der empfindlichsten Klagen der Universitätslehrer, dasi sie nicht gegen den Mißbrauch geschützt seien, daß Hörer der Vorlesungen Aenßerungen, die die Professoren im Nahmen ihrer Vorlesungen lediglich für die Hörer bestimmt haben, durch die Aeituiigeu an die Oesfcntlichkeit bringen. Der Schutz der akademischen Freiheit würde nicht vorhanden sein, wenn ihnen nicht durch das Nachdrncks-Gesetz der hinreichende Schutz würde, daß das, was nur für den Hörsaal bestimmt sei, nicht aus dem letzteren iu die Ocffeutlichkeit hinausgetragen wird. Die Dozenten haben gewiß das größte Interesse daran, sich ganz frei vor den Schülern auszu- drücken. Was sie der Oesientlichkeit übergeben wollen, bringen sie selbst in diese hinein, und wenn der Angeklagte ihm de» Artikel vor der Veröffentlichung vorgelegt hätte, würde er ihn wahrscheinlich korrigiert und etivaige Mißstände ausgemerzt haben. Er stelle den Strafantrag durchaus im Einverständnis mit den Universitäts- bchörden. Den Ausspruch„ich weiß aus persönlicher Rücksprache zc." habe er in dieser Fori» nicht gethan, dieser Punkt der Veröffentlichung habe ihn stark kompromittiert. Sei» Stand- Punkt zur Zolltarifvorlage sei— wie bekannt sei— der, daß er die Sätze des Tarifs für stark übertrieben halte und hoffe, daß sie durch die HaudclsvertragS-Vcrhandlungcu ennäßigt werden. Wenn in der hier be- liebten indiskrete» Weise ein entstellter Ausspruch von ihn» in die Oeffcutlichkeit lanciert werde in der Erlvartung, daß derselbe eine gewisse Sensation erregen werde, so werde er durch ein solches Verfahren kompromittiert. Er habe im allgemeinen nur aus- geführt: man könne sicher voraussetzen, daß das, was künstig gelten iverde, eine wesciitliche Modifikation der jetzigen Vorlage darstellen iverde.— Verteidiger Rechtsanlvalt Dr. Herbert F r ä n k e l behauptete, daß die fraglichen Bemerkungen des Prof. Schmoller gar nicht mehr zum Kolleg selbst gehörten, sondern außerhalb des Rahmens desselben gemacht worden seien, und daß seine Aus- führungen im Kolleg genau mit einem Vortrage übereinstimmten. den er seiner Zeit in München bei einer Tagung des Vereins für Socialpolitik gehalten. Beides wurde von Professor Schmollcr be- stritten.— Staatsanwalt E l l e n d t hielt in subjektiver und ob- jcktivcr Beziehung den§ 38 des neuen Nachdruckgesetzes für verletzt. Da der Angeklagte hier nicht aus idealen Gründen gehandelt, sondern gewinusnchtige Zivccke verfolgt habe und es doch auch einen Vcrtraucnsmißbrauch darstelle, wenn ein Student solche Acutzerungen, die ein Professor in einem Privatkolleg macht, unkontrolliert in die Ocffcntlichkeit bringe, so beantrage er 300 Mark Geldstrafe event. 30 Tage Gefängnis und Vernichtung des betreffenden Teiles des SlvlleghcfleS.— Ncchtsanwalt Dr. Frankel bestritt soivohl subjektiv als objektiv das Vorliegen eines Nachdrucks und be- autragte eventuell die Einholung des Berichts über die Münchener Rede' des Professors Schmoller und Befragung der Sach- verständigen-Kanuner. Der Angeklagte habe geiviß nicht richtig gehandelt, er würde aber dem Professor Schmoller sehr dankbar sein, wenn er durch Zurückziehung des Strafantrags iveitere Un- aunehmlichkeitcu ersparte. Prof. Schmoller erklärte dies nicht für möglich.— Der Gerichtshof lehnte die Bewcisanträge ab, hielt einen Nachdruck in» Sinne des Z 38 für vorliegend und verurteilte den Angeklagten nrit Rücksicht darauf, daß hier ein grober Verstoß gegen die akademische Sitte und Ordunug vorliege, zu 200 Mark Geld st rase event. 40 Tage Gesänguis. Ein Ricscuprozcß wegen Diebstahls und Hehlerei begann gestern imter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Müller vor der S. Strafkammer des Landgerichts I, tvelche wegen der sehr großen Zahl der zu vernehmenden Zeugen im kleinen Schwurgerichtssaal tagen muß. Als Augeklagte stehen vor dieser Kammer der Portier Paul B ö h m, der Hausdiener Karl K I i» g e r. der Arbeiter Eugen Schreiner, ferner der Handelsmann Leopold Raphael und der Dienstmann Julius Herzberg. Die Anklage vertritt Staatsanwalt M e r s ch b e r g e r, die Verteidigung führen Juslizrat W r o» k e r und die Rechtsanwälte Dr. Davidsohn und?Dr. Schwill dt. Im Jahre 1000 wurden der Firma Matz u. Co. aus ihrem in der Friedrichstraße 94 be- legenen Lagerraum nach und nach eine große Menge von Fellen im Gesamtwerte von etwa S0 000 M. gestohlen. Es gelang nicht, den Thäter zu ermitteln, man konnte nur fest- stellen, daß die Diebstähle aller Wahrscheinlichkeit nach dadurch ermöglicht wurden, daß die Diebe den zu den Lager- räumen führenden Fahrstuhl in schlauer Weise benutzten. Im Juni 1900 wurde Herrn Kersten, dem Inhaber der Firma Matz u. Co., durch einen Agenten ein großer Posten Felle zum Kaufe angeboten und als sie von Herrn Kersten besichtigt wurden, konnte dieser sofort 30 Dutzend Felle als seinem eignen Lager entnommen erkennen. Es ergab sich, daß die Felle im Besitze des Partiewarcnhändlers Leopold Raphael waren. Das seiner Zeit gegen diesen eingeleitete Straf- verfahren führte zu keinem Ergebnis. Raphael behauptete, daß er die Felle ehrlich von einem Agenten Levin erworben habe und er blieb bei dieser Behauptung um so mehr, als ihm bekamn war, daß Levin es vorgezogen hatte,' das Weite zu suchen und gar nicht daran zu denken ist, daß er freiwillig wieder zurückkehren wird. Gelegentlich einer alsdann aus besonderer Veranlassung bei einem Händler vor- genommenen Durchsuchung wurden weitere 13 Dutzend Felle vor- gefunden, die durch Raphaels Hände gegangen waren und ans dem Matzschen Lager stammten. Auch hier behauptete Raphael, daß die Felle ihm von Levin verkauft seien; diese Behauptung hinkt aber in- sofern, als sich unter den Fellen solche befanden, die die Firma Matz u. Co. erst zu einer Zeit bezogen hatte, als Levin sich aar nicht mehr in Berlin befand, sondern bereits flüchtig geworden war. Die Polizei hatte Veranlassung genommen, das Geschäfts- lokal des Angeklagten Raphael, am Monbijouplatz 12, schon längere Zeit im geheimen zu Zbeobachtcn, und sie stellte fest, daß dieser mit einem andren Particwarenhändler Namens Roscnberg in einem sehr intime» Geschäftsverkehr stehen mußte, letzterer auch häufig in Raphaels Geschäftslokal Waren verkaufte. Ebenso konnte festgestellt werden, daß beide zusammen sich wiederholt. in das Haus Stralaucrstr. 41 begaben und daß in einem abgelegenen Winkel dieses Hauses sich das angeblich dem Rosenbcrg gehörige Warenlager befand. Als die Polizei dort eindrang, fand sie den Raum bis zur Decke vollgepfropft mit Paketen und Waren' aller Art: Tuche», Seidenstoffen. Trikotagen, Fellen, Teppichen. Elfenbeinsiöcken, 89 Uhren, die in Cigarreukisten verpackt waren zc. Der größte Teil dieser Waren stanuute aus Diebstählen her, die bei den Finnen Ury n. Meyersohn. Julius Prager, Gerson, Walter Hirschfeld, Kaufmann Klopstock und Fabrikant Seelig ausgeführt waren. Allein 91 Pakete enthielten Trikotsachen, die ans einem bei der Firma Gebr. Grumach ausgeführten Dieb- stähle herrührten. Rosenberg ist inzwischen geisteskrank geworden und kann deshalb nicht zur Verantwortung gezogen werden. Raphael be- streitet, daß er mit Rosenberg irgendwie in einem Sozietätsverhältnis gestanden habe, und lehnte jede Verantwortung für die in dessen Warenlager vorgefnudenen Waren ab.— Als Diebe werden die drei ersten Angeklagten iu Anspruch gcuonimen, insbesondere sollen Böhm und Klinger' in hervorragender Weise bei den Felldicbsiählen beteiligt gewesen sein. Der Angeklagte Hcrzberg wird be- schuldigt, als Dienstmann fortgesetzt für Raphael Pakete weg- getragen und sich dadurch der Beihilfe schuldig gemacht zu haben. Er bestreitet seine Schuld ebenso wie die übrigen Angeklagten. Da zur Ueberführung es der Vernehmung von über S0 Zeugen bedürfen wird, hat der Vorsitzende sechs S i tz n n g s t a g e für die Verhandlung angesetzt. Der Vorsicht wegen ließ der Vorsitzende während der Vernehmung jedes einzelnen Angeklagten die übrigen abführen, damit nicht einer vom andern lernen könnte. Wir werden seiner Zeit das Ergebnis der Verhandlung mitteilen. Von der Giitgettnitgene Druckschriften. ..Neuen Zeit"(Stuttgart, Dietz' Verlag) ist soeben das 33. Heft des 20. Jahrgang- erschienen. Aus dem Inhalt des Heftes heben wir hervor: Ein sonderliches Miswerständnis.— Die Volksschule in der Manufakturvcriode. Von Heinrich Schulz.(Fortsetzung.)— Und zum drittenmal das belgische Experiment. Von Rosa Luxemburg.— Die Gerichts- urteile des Herrn Paul Magnaud. Von Jacob Brod.— Aus den Wer- einigten Staaten. Von I. L. Franz(New Bork).— Splitter.— Litterarische Rundschau: Adolf Wagner, Professor, Agrar- und Industriestaat.- Feuilleton: Briefe von Karl Marx an Dr. L Kugelmann.(Fortsetzung.) Die„Neue Zeit" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch- Handlungen, Postanstalten und Colporteure zum Preise von 3,25 M. pro Quartal zu beziehen. I» der Zeitungspreisliste der Postanstalten»t die „Neue Zeit" unter Nr. 5389 eingetragen, jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. Das einzelne Heft kostet 25 Pf. Probenummern stehen jederzeit zur Verfügung. Von der„Gleichheit", Zeitschrift für die Interessen der Arbeiterinnen (Stuttgart, Dietz' Verlag) ist uns soeben die Nr. 11 des 12. Jahrgangs zu- gegangen. Ans dem Inhalt dieser Nummer heben wir hervor: Schutz unsren Kindern! I.- Das Weib und der Intellektualismus. Von Gertrud David.- Vereinsrecht der Frauen in Preußen.- Lohnsklavinnen in der Textilindustrie. Von W. D.- Aus der Bewegung.- Feuilleton: Frau Rat Goethe. Von Manfred Wittich.(Schluß.)— Notizenteil: Arbeits- bedingungen der Arbeiterinnen.— Weibliche Fabrikinspektoren.— Sociale Gesetzgebung.— Dienstbotensrage. Die„Gleichheit" erscheint alle 14 Tage einmal. Preis der Nummer 10 Pf., durch die Post bezogen(eingetragen in der Reichspost-Zeitungsliste für 1902 unter Nr. 3051) beträgt der Abonnementspreis vierteljährlich ohne Bestellgeld 55 Pf.; nntcr Kreuzband 85 Pf. Der„Wahre Jacob" hat soeben die Nr. 11 seines 19. Jahrganges erscheinen laffen. Die Beilage bringt einen Nachruf für Heinrich Möller, den verstorbenen Bergarbeitcrsührer, von Otto Hu«, nebst einem Porträt Möllers. Zlußerdeni enthält die 10 Seiten starke Nummer noch zahlreiche Beiträge aus dem Gebiete der politischen und gesellschaftlichen Satire, so daß wir unsren Lesern die Anschaffung derselben nur empfehlen können. Der Preis der Nummer ist 10 Pfennig._ Ceutralverband der Handlungsgehilfe« nnd Gehilfinnen Deutsch- lands.(Bezirk Berlül.) Heute abend 9 Uhr in den„Arniinhallen", Komniandantenstr. 20: Mitgliederversammlung. Tagesordnung! Bericht über die Generalversammlung in Halle. Witternngsnbersicht vom 21. Mai 1903, morgens 8 Uhr. Stationen £ B S S s« II 89— Swinemde. Hamburg Berlin Franlf./M. München Wien ZZ a S 756 Still 760 NW 758|® 763 SW 764 W 761 N W Wetter -bedeckt 2 bedeckt 3 bedeckt 2stvolkig Vheiter 3 1)16.6 cd s' : b iE I« "4 f=>- f: s i| 756® 755! NW 742jN 767NW Welter llwolkenl 2, bedeckt Icheiter 3bedeckt k»/,»Hr. Weste». Die weiße Dame. 7>/, Uhr. Neues. Die Grobstadtlust. 7'/, Uhr. Nrsidcnz. Einquarticrung. 7-/, Uhr. Ec n trat. Das süße Mädel. 7»/, Nhr. Thaliä. Gastspiel der Schlierfeer. Der G'wissenswurm. Ansang 8 Uhr. Beilc-Stlliauce. Die Dame ans Tronville. Hieraus: Er. Ansang 7'/, Uhr. Lnisen. Geschlossen. Carl Weist. Die Viper. Anfang 8 Uhr. Tecessiousbiihiie. Heinrich Heine. Em gerissener Schwiegersohn. An- sang 8 Uhr. E. v. Wolzogens Bniited Theater (Ucberbrettl). Anfang 8 Uhr, Tchall und Ranch. DerFallMoNcel, Schöne Seelen. Kollegen. An- fang 8l/z Nhr. Frietrich-WilhelinstädtlscheS. Lumpacivagabnndus, oder: Das liederliche Kleeblatt. Ansang ?>/, Uhr. OrpheiiS. Specialitäteii-Vorflelluiig. Anfang 8 Ubr. «harivari. Täglich Borstelliing. Ansang 7»/, Uhr. Metropol.(Monvitz-Oper) A. Lasso Porto. Anfang 8 Uhr. Apollo. Lysistrata. Specialitäicn- Vorstelwng. Ansang?>/, Uhr. Palast. Ben-AU-Bey und sein orientalisches Zauber- Ensemble. Ansang 8 Uhr. Casino- Theater. Endlich. Speciali- täten-Vorstellnng. Anfang 8 Uhr. vieichshallen. Steltiner Sänger. Anfang 8 Uhr. Passage- Theater. Specialitäten- Borsiellniig. Alifang nachmittags 5 Uhr. Passage- Panoptikum. Special!- täteii-Vorsielluiig. Urania. Taubeustr. 48/li>.(Im Theolersaal.) Abends 8 Uhr: Dr. E. D e ck e r t: Die deutsche Ostseeküste. Jnpalidenstraste 57/03. Täglich: Sternwarte. WIMMer (Wallner-Theater). Donnerstagabend 8 Uhr: Ontvi' blonden Bestien. Komödie in 1 Akt von Max Drcyer. Bee Thor und der Tod. Bon Hugo v. Hofmannsthal. Bnrneelsns. Versspiel in l Akt von ArthurSchnitzler. Post fcstnni. Lustspiel in 1 Akt von Emst Wichert. Freitagabend 8 Uhr: Zlrvel Wappen. Sonnabendabend 8 Uhr: Unter blonden Bestien.— Der Thor und der Tod.— Paracelsus.— Post festnni. Heute, zum 158. abends 7'/, Uhr, und letztenmal: Das füke Wliivel. Freitag, abends 7'/, Uhr, und die folgenden Tage: jegT- ,,C'oraUe u. Cle.'*"TPS Schwank in 3 Akt v. Albin Valabröque und Maurice Hennequin. l'dalia-'I'IleAtöZ'. Dresdenerstraste 73/73. Anfang 8 Uhr._ 99� Zum erstenmal:"MU Der G'VissensVurm. Banernkomödie mit Gesang in 4 Akten von Ludwig Anzeiigruber. Freitag: Der G'wifienswurn».— Sonnabend: Jägerblut.— Sonntag: Jägerblut. Montag: Arnerikaseppl. Bei günstiger Witterung: 0ro«,e» Vsrtsn-iionrvrt. _ PrObels"MG AUerlei Theater früher Puhiiuann"Mg Schönhauter-Allee No. 148. Durchweg glanzvoll erneuert! Täglich: Gr. Gartenkonzert, Theater, Specia»täten- Vorstellung. Kommen.' Sehen! Staunen! Allabendlich stürmischer Beifall de? erstklassigen Riesenprogramms. Im Prachtsaal:«r. Ball. Anfang Konzert 5 Uhr, Vorst. 6 Uhr. Entree 30 Pf., Sperrsitz 50 Pf. gM- Vorzeiget- dieser Annonce zahlen auf all. Pläüeu d. Hälfte. Vereinen u. Gesellschaften steht mein Lokal unter günstig. Bedingungen zur Verfügung. Wilhelm Fröbel. Bei ungünstiger Witterung finden die Lorstellungen im Saal« statt. Urania. Tauben-Strasae 48/49. Ira Theater um 8 Uhr: Die deutsche Ostseekuste. CASTANS Panoptikum Frledrlch-Strasae 165. Nur noch kurze Zeit: Bärenweib! Das i�lRiesenphotographien von Jlartliiiqne der vom Erdbeben heimgesuchten Insel in West-Indien. Neu! Der Boerenkrleg. mOOLOCISCHER fidCARTEN Heute, Donnerstag, nachm. 4 Uhr: Grosses Militär-Konzert ausgeführt v. 3 Musikcorps. Entrec 1 Bark*98 von abends O Uhr ab 50 Pf., Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Morgen u. folg. Tage: Cr. Konzert. Metropol-Hieater Donnerstag: Borwitz- Oper. Fanny Boran Oldcn: A Basso Porto. A (Am unteren Hafen.) Freitag; Heinrich BUtel: Die weisse Dame. Sonnabend; populäre Vorstellung bei halben Preisen: Der Wildschütz. Komische Oper von Lortzing.___ Belle-Allianee-Theater. Abends 71/, Uhr: Zum 151. Male: Die Dame aus Trouville. Schwank mitGesangu. Tanz iii3Akten. Emil Sondermann a. G. Ferd. Worms. Mlzzl Birkner. Rosa Marten. Hierauf:„Er". Lebensbild in 1 Akt.— Morg.: Dieselbe Vorstellung. c arl Weiss-Theater. Graste Jraiiksiirtcrsir. 133. Anfang 8 Uhr. IM e Viper. Kriminal-Schauspiel in 7 Bildern von H. A. Rcvel. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Jeder Abonnent des„Berliner Loknl-Anzeiger" erhält an der Kasse gegen Vorzeigung der Abonnements- auitwng ein numeriertes Parkett für 60 Ps."90 Soimtag- nachm. 3 Uhr: Ter Doppelgänger. Im Garten: Täglich: Gr. Konzert, Theater und Spccialitäten-Vorstellung. Anfang üi/z Uhr. Apollo-Tiiealer Um 7 Uhr: Grosses Garten- Konzert. Um 8 Uhr: "liehet Specialitäten. Um O Uhr: Kolossaler liacherfolg: Lysistrata LÄÄ.„Crigolalis". Kasseneröffnung 7 Uhr. Passage-Tlieater. Anfang Sonntags 3 Uhr, Wochentags 3, Ende 11 Uhr. Das Riesen- Mai-Programm 16 Elite-NTimmern in der abwechslungsreichsten Reihenfolge. Otto Bayer der elegante Humorist. KSniiny Bore die reizende Soubrette. Auf der Sportbühne; Damen-Ringkampf. Mer-Thkater Kastanien-Allee 7—9, AM- Täglich:-ME pimli fremde Schuld. Volksstück mit Gesang in 3 Akten. Ballettges. Catrlni. Tyrollenne Mary Ellys. Grotesque-Kom. Paul Coradlnl. Brothers Fred, mustk. Excentrics. Mr. Bertling, leb. Photogc. Fred Marzahn! Troupe, Pailtom. Musikantenstreiche. Bertlings elektrische Feerie.(3000 Glühkörper.) Konzert u. Ball. Anfang 4 Uhr. Eintritt 30 Pf., numerierter Platz 50 Pf. Knlbo. Schall und Rauch (Kleines Theater) Unter den Linden 44. Donnerstag, 22. Mai, abds. 8V2 Uhr: Serenissimus-Zwisclicuspiele Gastspiel von Emannel Reicher. Der Fall Moncel. Schöne Seelen. Kollegen. W. Noacks Theater. Brnniitn straft« 16. Täglich im Garten: Äonjert, Theater- 11. Specitl- Xorrt und Süd. Operette in 1 Akt von Rod. Linderer. Musik von Richard Thiele. Im Saal: TunzilriLnzcbcn. Palast-Theater (früher Feen Palast) Burgstr. 33. Täglich abends 8 Uhr: Ben-Ali-Bey u. sein Orient. Zauber-Ensemble. Vorverkauf b. Logen u. num. Sitze an der Theaterkasse des Warenhauses A. Wertheim, Leipzigerstr. Preise der Plätze: Logcnsitz 2,50 M., Sperrsitz 1,50, minier. Parkett u. immer. Rang- Balkon 1 M., Parterre 50 Pf.. Stehpart, u.unnuin. Rg. 30 Ps. Casiuo-I'hcatei' Lothringerstr. 37. ..HochzcUsrclae". „Endlich«(Forts, d.„Hochzeitsreise"). Dazu S Spcciniit. I. Hanges. Ans. Wochcnt. 8 Uhr, Sonnt. 7'/a Uhr. Ostbahn-Park. Am Kilstrlnerplatz. RUdersdorferstr.TI. Hermann Imbs. Täglich: Gr. Konzert. Theater nnd Spettalttilten- VorsteUnng. rTTPiPDSS! Todes-Anzeige. Gestern morgen 3 Uhr verschied »ach langem schweren Leiden unser lieber einziger Sohn, der Bautechniker Otto Bitter, im Aller von 24 Jahren. Die? zeigen an die iiefbeiriibte» Eltern Tlieockor Ritter nnd Fran. Die Beerdigung findet am Sonn- tag, den 25. Mai, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Rummels- burger Friedhofs aus statt. Si/. 0,05 31. Flasche wutl mit 10 Pf. berechnet und rurückgenommen. Zu haben auch in unseren ca. 800 Uftedevlagoa. Nicht Zasagendes wird zorttckg enommen. Bestellungen frei Haus bitten an uns direkt zu senden. I Hermann Meyer& Co., wattstr. 11/12, Offtlier Abend am U. Mal. adeads S Uhr. Schönhauser Allee Nr. 161. Vortrag: OSnion k Diskussion. Nachdem Tanzkränzchen mit Kaffeetisch, humoristische Vorträg«, De klamationen, WesangSvorträge usw. Auftreten des rühmlichst bekaiillten Walzer- und Licdersänaers Herrn Carl A d a m i. Zur Deckung der Unkosten findet eine Tellersammlung statt. Bei der Bedeutung, welche die Alkoholfrage nachgerade für die gesamte Bevölkerung nid nicht zum mindesten für die arbeitende Klasse erlangt hat, ist es notrocuoifl, daß man sucht, sich gelegentlich öffentlich zu einander auS- zusprechen, um vorgefaßte Meinungen und Irrtümer richtig zu stellen. So laden wir Alt und Jung, Männer und Frauen ein, mit uns an diesem Abend die allgewaltige Ui.sttte des gesellschaftlichen Trinkzwanges objektiv zu besprechen. Bei der alkoholfreien FidelitaS wird man sich überzeugen können, d.. man nicht nötig hat, feine gute Laune aus dem Glase zu schöpfe», sondern daß man den echten Humor in seinem Innern trägt. 2720b _ Moimle WiiieiizbcmWg„SecesM". „Berliner Theater": O./IO. Abteilang. 2'/. Uhr: Sonntag, den 25. Mai: „Gläubiger", „Paas",„VolkHaufklttrnng". Danksagung. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten, sowie dem Metallarbeiter- Verband und dem 643. Bezirk des 6. Wahlkreises für die rege Beteiligung und für die reichlichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes und unsres unvergeßlichen Vaters, des Fonners Otto Weigert, sprechen wir hiermit unsren tief- gefühlten Dank ans. 2726b Die trauernde Witwe nebst Kindern. geutscher Doliarbeiter-Uerbaud. Den Mitgliedern zur Nachricht, iai der Kollege, Perlmuttdrechsier Biesenausvahl aller Qualitäten. Wolle vavtn Mocquetts, Plüsch-ausiv Satteltaschen. Muster bei näherer Angabe franco. Berlin, Oranlenatr. Emil Lefm,"— 158 am 17. Mai verstorben ist. Die Beerdigung findet am 22. Mai, nachmittags um 6 Uhr, von der Leichenhalle des katholischen Kirch- Hofes in Britz, Mariendorfer Weg, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 83/11 Ilie OrtsverwaUnng. Fernsprecher Amt III No. 3524. 4144L* Dr. med, Schapen* homöop. Arzt u. Spez.-Arrt f, Baut- u. Barnleiden, Ifraucnkrankh elten, Königgrätzerstr. 27. Spr. 9-1. 4-7. Dr. Simmel, Ptlnzenstr. 41. Spccialarzt für 22/5* Haiit- and Harnleiden. 10-2, 5-7. Sonntags 10-12, 2-4 »arke:„Schlesinger". Gleichzeitig: Erste Opern-Vorstellung(rote Marken): Don Juan im Bctropol- Theater. Verlosung der Billets beginnt Ä Uhr. Anfang ä3/. Ihr. Opernheft 1, Textauszug und Aufsatz nebst Theaterzettel von heute ab in den Zahlstellen von Beyer(N.), Löwenberg(C.), O. Schulz(SO.), -...—>- Vogel (O), Kumks(W.). Nächsten zweite Opernvorstellung: Sonntag [220/4 Don Juan«— Der Vorstand. 1. A.: C. Winkler. WaS ist Marke:„Sehlealager"? Marke:„SteMvSlHKVr" ist die Bezeichnung der auS dem BekleidungSHauS HCITniftnD Schlesinger w st�Moabit, Turnistrasse 85, stammenden Herren- und Knaben-Beklctdungsgegenstände, als Anzüge, Ueberzieher, Kosen, Sonnen»fw. Dieses Fabrikat bat sich als ebenso preiswert wie haltbar erwiesen, ist in Meabit gut eingeführt»nd auch aus andten Stadtgegendcn und von außerhalb wird der Zuspruch immer größer. Solidität, Ncellität»nd streng feste Preise ver- mehren täglich seinen Ruf, waS auch die stets zahlreicher werdenden Maßbestellungen beweisen. Nach dem überaus fiotten Pfingstgeschäft find jetzt ver- schieden« älter« Genres billiger zu haben, während daS Lager täglich durch Neuheiten ergänzt wird. Daö viele Borschlagen, Feilschen und Ablassen hat dem Publikum lange Zeit den Einkauf von Anzügen zu de» un- angenehmen Gelegenheiten gesellt. Die wirklich vornehme Bedienung, verbunden mit den festen Preisen, läßt den Ein- kauf bei Nehlealuger als angenehm und vorteilhaft erscheinen. Tonntag. de» LS. Mai,»achm. S'/, Uhr, tm.TrhMer- Theater": Einsame Menschen. Drama in 5 Akten von Gerhard Hauptmann. Karten für Mitglieder und Gäste stnd in nachstehenden Zahlstellen zu haben: Norden; Knapp, Nest., Grünthalcrstr. 5. Gradhandt, Prenzlauer Allee 215. Löhr, Ackerstrabe 38, II. Nord-O»t: Nest, Georgenkirchstr. 22, III. Nord-West: Becker, Cigarreilgeschäft, Gotzkowsktzstraße 9. SUd-West: Pech, Schuhgeschäft, Möckernstraß- 120. Stlden: Bobsien. Etgarrengelchäft, Kommandantenstraße 62. SUd-O»!: Köhn, Rest., Naunynstr. 83. Kaufhold, Wrangelstr. 52 III. Ozten: Gees, Rüdcrsdorserstr. 48. Hirsch, Mattern- straße 3, Stfl. III. ventrum: Glaser, W-inmeislerstr. 18. Kizdorf: Stam- pehl, Schinkestr. 11 I. Schöneherg: Arendt, CHeruskerstr. 2. Nrledenzu: Danz, Kirchstr. 15, Stfl. III._ 1W| 1 Fordern Sie in den Tabakhandlungen 40632* Feinste Marke 5 und 10 Pf.-Schleifen. Generalvertreter: C. Köcker, Berlin, Gritner Weg 8, Amt 7. 3861. Mle Wanzen sterben sofort nebst Brut, durch meinen Wanzeuted. in Fi. 0,50, 1 M.— Schwaben, Russen, Franzosen ze. werden durch mein Pulver vollständig vernichtet. Sckitl. 0,30, 0,60, 1 M. Zahlreiche Anerkeiinungen. 1000 Bark Belohnung zahle ich demjenigen, der mir einen Nichterfolg nachweist. Nur allein echt bei Hugo Birth, Droguerle, Zrannsn» «true 18, Ecke Veteranenstrahe* 74* Erich Lazarus � Prikt. Zalm-Arzt, Berlin NO. 74. Gr. 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Patentanwalt Dammann, iHoritzplatx 57. Aiiskuiift bis abends»eun.[4048S* Carl Heibig, ßeilgthilse und Masseur für sämtliche Krankenkassen Berlins 4lllL*s und Umgegend. Usedoniftr. 0. Eing. Wattstr. 19, I te-üssitates der GOrtler. Den Mitgliedern zur Kenntnis, daß die neuen Apotheker-»nd Droguisten- Verzeichnisse sämtlichen Arbeitgebern zur Verteilung zugestellt sind, Der Vorstand. 2729b G. Kneiff, Vorsitzender. lLmpfehle allen Freunden u. Bekannten vuieiniVel»«-, Baz'rlsehbler- und gr. Spelsegeschllft. Reichhaltiges Frühstück von 30 Pf., Mittag mit Bier 50 Pf. sowie Abendtisch a la carte von 30 Pf. an. 2 Vereinsziminer mit Klavier für 20—50 Personen.* H.lStraium, Rest., Olitterstr. 123. Neue Welt Hasenheide 108-114 Direktion: Arnold Scholz Artist. Leiter: H. Trinkkeller. Heute. Donnerstag, de» 22. Mai: Glitetag. Groaaca Doppel-Konzert von der RegimenlSkapelle des 4. Garde- Regiments z. F., unter persönlicher Leitung deS Musikdirektors B e r g t e r, sowie der Hauskapelle unter Leitung deS MufikdirektorS Both e. Gala-Varigtä-Vorstellung. Erstes diesjähriges Monstre-Feuerwerk mit eigens arrangiertem Pro» gramm, hergestellt und abgebrannt vom Kunstfeuerwerker Herrn Bock. Anfang des Konzerts 4 Uhr, der Vorstellung 5 Uhr. Töglleh Konscrt und SpcclalitiUen- Vorstellung. 3 Kegelbahnen. Die Kaffeeküche ist geöffnet.__ 42120 „Wanzenfeind in der Flasche" Prell 80 PI., 1,00, 1,50. Unfehlbar sicher „Mottenfeind im Beutel", nur 6 Pf.; Tb. Schmiedel „Schwabenfeind im Streu-Turm" 25 PI., SO Pf., 1,00 Gesetzlich geschützt I Allein-Verksuf: Fabrikant Fornspr.: Amt 7 a, 6331. Von 1 Mark an frei Hans, auswärt! Neue KOnlgstr. 53, 1 (Alezanderplatz.) Nachnahme! Da Wurzel& C- Berufskleidung- und Wäschefabrik jeiu: BrÖCkenstraSSS 10- 1 Treppe. ™ H � MM" Einzelverkauf zu Fabrtkpreleen. Jeder Käufer erhält 4 Proz. extra.-Mg__ I I Kleine Anzeigen. 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Auf dem Neubau des Maurermeisters Brunscli, Meincler- uiiii Riidersijorserstraßell-Klke, wird die Steinträger-Arbeit 25 Pf. uiiter dem tarifmäßigen Preis aus» geführt, trotzdem von der ersten Etage der Fahrstuhl ailsgestellt werden soll. Die Kollege» werden ersucht, den Zuzug nach diesem Bau fernzuhalten. 42/6» Die Lohnkommitsio». I. A.: O. Böttcher. Verantwortlich» Redacteur: Carl Leid m Berlin. Für den JnjeralenleU verautw örtlich: Tb- Glocke u> Berlin. Druck und Verlag von Max Babing ui Berllu.