Ztr. 117. Adonneinents-KcdiNMigen: Vlbonnemcntä- Preis pränumerando: Vierteljährl. L,Ü0 Mk�, inonarl. l.loMl., möchexllich W Pig. frei ins HauS. Siiuelne Nnmw-r 5 Pia. Ermmagi- Nummer mit»luNricrier Sonniagi- Vsilage„Die Neue Well" 10 Pfg. Poft- 'tlbonnemenl: l.lv Marl pro Monai. Eingelragen in der Post- ZeiumgS- Preisliste für 1003 UNler Dr. 7BV8. Uiiler Kreuzband für Denlschland und Oesterreich-Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland s Marl pro Monat. «rschelnk täglich außer ZV anlag». Devlinev Volksbl�kk. 19. Jahrg. Ale Knftrtwns-Wkbstyr betrügt für die f-chsgefpallene Kolonst« »eile oder deren Raum so Pfg., für poltttfcheund gewerkschaftliche BereinS- und VerfammlungZ- Anzeigen 20 Pfg. „Kleine Anieizcn" jede! Wort 6 Pfg. (nur das erste Wort fett). Inserate für die nächste Nummer müssen biS i Uhr nachmittags in derExpedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen biS 7 Uhr abends, an Sonn- und Festlagen btS SUHr vormittags geössnet. Telegramm- Adresse r „«»rlaldrmvltrak Berlin" Centralorgan der soeialdemokratischen Partei Deutschlands. Kedalitivn: sw. 19, Veutsz-Strasze 2. Fernsprecher: Amt I Nr. 180». Freitag, den ÄiZ. Mai IttOÄ. Expedition: sw. 19, Bench- Strafe 3. Fernsprecher: Amt I, Nr. 8181. Militärkritik. E§ ist eine oft erwiesene Thatsache, daß unsre Reaktionäre, sobald es sich lim Zustände des A n s l a n d e s handelt, hellänstist iverden rmd eine Kritik üben, die sie, wenn sie Fegen die Sünden des Heimatlandes geübt wird, mit wütender Entrüstung und unter Aufivand gröbster Beschimpfungen zurückweisen. Ein solcher Fall liegt heut in der„ Kr e u z- Z e i t n n g" vor. DaS konservative Blatt veröfsentlicht an leitender Stelle einen Neiv Dorker Brief»inter der Aufschrift„Amerikas P r o t e st gegen die Kriegführung auf den Philippinen", in dem die größeste Bewunderung bekundet wird für die rücksichtslose Offenheit und Wahrheitsliebe, mit der im Kongreß der Vereinigten Staaten von Nord-Amerika die Kriegführung der amerika- nische» Generale auf de» Philippinen gegeißelt wurde. Als vor nicht langer Zeit die deutsche Socialdemokratiezu einem„Protest Deutschlands gegen die Kriegführung in China" aufrief, da ivar dieselbe„Kreuz-Zeitung" mit der gesamten übrigen bürgerlichen und Utilitaristischen Presse Deutschlands einig, die Socialdemokraten als „Vernnglimpfer unsrer herrlichen Armee", als„Feinde des Vaterlandes" zu beschimpfen. Wir haben bereits wiederholt die Scheußlichkeiten, die von aincrikanischen Truppen gegen die nm ihre Unabhängigkeit Helden- mutig fechtenden Philippiner begangen Ivurden, behandelt. Aber es ist wirklich dankenswert, daß die„Krenz-Zeitung" mis die Kenntnis der im Kongreß geübten überaus bitteren Kritik an jenen Bor- kommnissen übermittelt. Wir freuen uns, einmal das führende Blatt der Konservativen als gute Quelle zur Erkenntnis der Kolonial- Äriegsgräuel citieren zu dürfen. Der Neiv Dorkcr Brief der„Kreuz- Zeitung" teilt mit: „In der Senatssipnng vom 6. Mai bezeichnete der angesehene Senator B e v e r i d g e den General Smith als ein„Ungeheuer in Menschengestalt". Andre Redner geißelten die Er- mordnngen der Eingeborenen und die Wasserkur(man steckte den Eingeborenen ei» Rohr in den Mund, pumpte ihnen Wasser in den Leib, bis sie entweder Geständnisse ablegte» oder den gnalvollsten Tod erlitten). Senator Naiv lins hob hervor, niaii habe auch andre Torturen beliebt, und teilte auf Grund amtlicher Berichte mit, man habe beim Einrücken in von Filipinos bcivohnte Ortschaften irgend tvelchen Bürgern den Kopf mit Zucker beschmiert,»in die dort anzutreffenden großen Ameisen heranzulocken, Ivelche die Delinquenten in so gefährlicher Weise zerstachen, daß sie alles sagten, was sie Ivußteti. Raivlius beivies, daß die aincrikanischen Truppen an- gewiesen seien, keine Gefangeucn zu mache» und sich nicht mit Verwundete» zu belasten. Der Obergeneral C h a f f e e sei— so sagte Rawlins ivörtlich unter großem Applaus—„ein feiger Schuft, der dem amerikanischen Namen und dem amerikanischen Volk nur Schande g e in a ch t h a b e". In gleich lebhafter Weise sprach der demokratische Senator S i in in o» s. Er erklärte mit dürren Worten, er zweifle nicht an der„Barbarei und Grausamkeit der amerikanischen Armee". Er glaube sogar, daß es sich nicht um einzelne isolierte Fälle von Tortur handele, sondern um ein s y st e m a t i s ch barbarisches Vorgehen., Im Nepräsentantenhause gab der republikanische Abgeordnete S i b l e h ähnliche Erklärungen ab, indem er ebenfalls ans die Geschichte zurückgriff. Sibleh erklärte, er habe die Re- giernng stets verteidigt und immer au die Expansion ge- glaubt, aber die Order des Generals Smith scheine zu b e- iu e i s e n. daß die Huinauitiit rückwärts marschiere. Er habe von dem Tataren Tininr und den Sarazenen gehört, aber erst der Gegenivart sei es beschieden gewesen, einen General Smith hervorzubringen, der sie an Grausanikeit weit übertreffe. Der Präsident sollte so viel Mut, Patriotismus und christliche Gc- sinnung gezeigt haben, einem solchen Manne die Uniform aus- zuziehen, nocb ehe die Sonne unterging. Der missourische Demokrat Williams crividerte darauf, allerdings sei ja General Smith eine„Bestie in Menschen- gestatt", aber man müsse für solche erschreckende Erscheinungen, wie diesen General, mehr das System verantwortlich mache». Wo so der Jingoismns herrsche wie in der Union, wo ein Er- oberungskrieg gegen ein schwaches asiatisches Volk geführt iverde, niiisste unbewußt in» Geiste dcS Systems gehandelt werden, d. h. cS müßte» Vrutalitätcn vor- kommen. Das erregte Murren bei den Republikanern, welche die einzelnen Schuldige» völlig preisgaben, um d a S S y st e m z u retten. Aber Mr. Williams fuhr fort, den Haupt- schaden bei diesem Kriege tvürde nicht die unterliegende, sondenr die sieg- reiche Nation tragen; das amerikanische Volk werde bestraft iverden durch die Versuchung zur Thrannei und die Verrohung seiner Sol- datcn.... Der Demokrat Teller beztveifelte auf Grund von Zeitungs- angaben, daß die Regierung nicht infonuiert gewesen sei. Ueber- Haupt sei daö ganze amerikanische Nuteruehmen gegen die Filipinos„elend und verbrecherisch". Im amerikanische» Kongreß ist eö im allgemeinen nicht üblich, d e n P rä s i d e n t c n anzugreifen; bezeichnend für die Erregung der Leidenschaften ist es, daß man diesmal auch von dieser Ge- wohnheit abging. Auf Grund einer abfälligen Bemerkung Roosevelts über die Filipinos sagte der demokratische Partei- führer Carmack, der Präsident der Republik gleiche in seiner Redetvcise eine»» gelvissen Pferde aus Tencssee, von dem behauptet werde, seine natürliche Gangart sei das Durchgehen; Roosevelts Beschimpfungen der Filippinos hätten ihren Widerstand nur noch gesteigert und verhärtet. Das Gleiche gelte von seinem Freunde General F u n st o n, der den Filipinos mit dem Galgen gedroht habe, während doch sein H e l d e n s ch l u n d zuerst den st ra n gu l i e r eu d e n G r i ff des e i n g e s e i f t e n Stranges fühlen sollte. Dieser G e n e ra l habe sich seinen Heldentitel durch Verletzung aller Regeln derEhrenhaftigkeit in der Kriegskuust«rtvorben; er sei ein Hruker-Brigadier» der auf der Verbrrcherliste stehe» sollte." ES mag sein, daß einzelne Geschehniffe im Ausrottungskrieg auf den Philippinen an Fürchterlichkeit noch das übertreffen, was aus andren Kolonial- und„Expansionß"- Kriegen bekannt ge> worden ist. Aber es ist kein Ztveifel, daß es sich höchstens um Unterschiede in Einzelheiten und des Grades, aber nicht in der Art der Kriegführung handelt. Alle Koloniab und lvellpolitischeu Kriege haben seit Jahrhunderten die Entfesselung aller Bestialitäten mit sich gebracht; in der neueren Zeit sind diese Kriege um so grausamer gelvordc», als die moderne Waffentechnik auch kleineren Volksstämmen die Möglichkeit giebt, den Kampf nin ihre Freiheit besonders hartnäckig und durch lange Zeit zu führen Und auch darin besteht kein Unterschied zwischen dem Krieg auf den Philippinen und den übrigen Kriegen ähnlicher Art, daß die Grausamkeiten von ihren Verüben» allemal mit den«Notwendig leiten" der'Kriegführung begründet und entschuldigt werden. Der vor das Kriegsgericht gestellte amerikanische Oberst Wordrnff erteilte seiiicu Majoren den Befehl:„zu töten und zu brennen, die Insel Samar in eine Wildnis zu verwandeln und alle über 19 Jähre alten Eingrborncn zu töten"; zur Rechtfertigung erklärte der Oberst und seine Verteidiger:„Knaben im Lebensalter von 10 Jahren seien auf den Philippinen ebenso gefährlich als Erlvachsene". Und General Smith berief sich gleichfalls zur Beschönigung seiner grausamen Anordnungen darauf, daß das alles bei den besonderen Vcr Hältnissen dieses Krieges„notwendig" gewesen sei. DaS ist dieselbe„Notwendigkeit", auf die sich die Engländer beriefen, da sie die Farmen der Boeren verbrannten und die Frauen und Kinder ihrer Gegner in den Konzentrationslagern dem schnellen Tode überlieferten; auf die sich die vereinigten Chinacivilisatoren beriefen, als sie die Provinz Petschili in eine Wüste verivaudelten und chinesischen Gefangenen den Pardon verweigerten. Mit Recht sagte im Repräsentantenhaus zu Washington der Demokrat Williams: Wo der Chauvinismus herrscht, wo man eine Politik der ausländischen ErobemngSkriege betreibe, da m ü tz t e n Brutalitäten geschehen, daS liege im S y st e m. Wie stellt sich nun die„ K r e u z- Z e i t u n g" zu dieser Kritik der amerikanischen Kriegführung durch Amerikaner? Spricht sie von „Vaterlandslosigkeit, also das eigne Heer zu verunglimpfen und vor dem gesamten Ausland bloßzustellen"? O nein, ohne ein Wort des Widerspruchs läßt sie ihren Korrespondenten sagen: „Diese Verurteilung der amerikanischen Kriegsgrcuel durch daS eigne Parlament läßt an Rücksichtslosigkeit nichts z u iv ü n s ch e n übrig und macht deshalb eine» versöhnende» Eindruck. Jedermann muß zugeben, daß auch der bitter st e Feind der Amerikaner nicht herber hätte urteilen können als hier geschehen." So wird die grausam tvahre Kritik der amerikanischen Volks- Vertreter von der„Krenz-Zeitung" gefeiert. Kritisieren wie es„der bitterste Feind" des Landes nicht herber konnte, ivird als ver- söhnender Abschluß furchtbarer Verfehlungen gepriesen. DaS ist die denkbar schroffsteSelbstverurteilung derdeutschen R e a k t i o n S p r e s s e, die in Deutschland jede Kritik an der Armee als Vatcrlandsvcrrat verfehmt! Niemals ist von Socialdemokraten im deutschen Reichs- tage in so schneidender Sprache Kritik an militärischen Vor- kommnissen geübt worden, tvie sie in den Vereinigten Staaten zur Ehre dieses Landes— nach der„Kreuz- Zeitung"— geübt ivnrde. Aber die Kritik, die die c i g e n e n Mängel und Gebrechen schonniigSlos aufdeckt, ist den Verhcrrlichcrn »nsres Militarismus ebenso eine Vaterlandslosigkeit, lvie sie, im fremden Lande geübt, ein Verdien st um das Vater- l a n d bedeutet! Als die Socialdemokratie im Reichstage und in der Presse H n n n e n b r i e f e aus China vorlegte und die Verrohung des soldatischen Geistes durch jenen Rachckrieg aufwies, als sie dieselbe Aufgabe vollführte, deren Erfüllung im Kongreß der Vcr- einigten Staaten den Segensspruch der„Kreuz-Zeitung" findet, da wurde die Socialdemokratie von derselben„Kreuz-Zeitung" und den ihn nahe stehenden Parteien unflätig beschinipst. Dieselbe» deutschen Blätter, die jetzt den Wahrheitsmut der Amerikaner hul- digen, versuchten die Aufdeckung der Wahrheit durch die Socialdcmo- kratie böSivillig zu verdächtigen. Nnd ivährend amerikanische Behörden rücksichtslos die begangenen Verfehlungen zur Untersuchung und Ab- urteilung bringen, nicht Halt machend vor Majoren. Obersten und Generalen, haben deutsche Gerichte, unter Berufung auf juristische Spitzfindigkeiten, die Möglichkeit abgeschnitten, daß die Wahrheit des Chinafeldzuges an Gerichtsstätte untersucht wurde. Indem die„Kreuz- Zeitung" die Rücksichtslosigkeit der Militär- kritik in Amerika feiert, fällt sie ein vernichtendes Urteil über deutsche UnWahrhaftigkeit, die niemals größer ist als in militärischen Angelegenheiten!— Volikifche UebevMzk. Verli», de» 22. Mai. Ausweisung vou Inländer». Der Schriftsteller H a n S L e u ß ivurde vor einiger Zeit vom Berliner Polizeipräsidenten als der Landespolizeibehörde auf Grund des Gesetzes über die Aufnahme Nenanziehendcr ans Wilmersdorf bei Berlin anSgelviesen. tveil er ein für die öffentliche Moralität und Sicherheit gefährlicher Mensch im Sinne jenes Gesetzes sei. Außer tvegen Preßvergehen ist Lenß 1394 anläßlich einer Ehe- bruchssache wegen Meineids und wegen Verleitung zun» Meineid bestraft worden, und zwar mit 3 Jahren 4 Monaten Zuchthaus. Nach vergeblicher Beschwerde beim Oberpräsideuteu klagte Leuß beim Ober-VerwalwngSgericht und machte folgendes geltend: I» der Meineidssache habe es sich lediglich darum gehandelt, die in Frage kommende Frau vor Unannehmlichkeiten zu bewahreil. Und die übrigen Strafen könnten ihn schon ganz nnd gar nicht als gefährlich erscheinen lassen. Weiter wandte sich der Kläger dagegen, daß in der Ausweisungsverfügung ihm zugleich der Aufenthalt in Berlin nnd seinen Vororten untersagt wurde. Darunter befinde sich auch Zehlen- dorf, wo er vor seinem Anzüge in Wilmersdorf längere Zeit gc- wohnt habe und zuletzt auf keinen Fall ein Neu anziehender gc- Wesen sei. Das Ober-Verlvaltnngsgericht wies die Klage ab und führte u. a. aiiS: Die Ausweisung L.'s rechtfertige sich schon wegen der Thatsache seiner Bestrafung mit Zuchthaus, auch sei er in Wilmersdorf zur Zeit des ErinittelungSverfahrens, das zu seiner AnStveisung führte, dort ein Neuanziehender gewesen. Seinem Einwände, Zehlendorf betreffend, sei entgegen- zuhalten, daß er aus Zehlendorf gar nicht ausgelviesen sei. Am Schlüsse der Ausweisungsverfügnng sei nur gesagt, daß er anS Zehlendorf lvie aus den übrigen mit angeführten Vororten und aus Berlin auSgetviesen werden tvürde, wenn er dorthin zöge. Vorläufig läge eine derartige Austveisung noch nicht vor, lönne in diesen» Rcchtsgange also auch nicht gewürdigt werden. Seit einiger Zeit mehren sich in geradezu gemeingefährlicher Weise die Fälle, tvo Personen, obivohl sie deutsche Reichsnugehörige sind, aus Berlin und den Vororten nusgeiviescn oder mit Ausweisung bedroht werden— und zwar auf Grund jenes noch ans der vor- märzlichen Zeit stammenden„ V a g a b o n d e n- P a r a g r a p h e n". Der s 3 des Freizügigkcits-Gesctzes vom 1. November 1867 bc« stimmt, daß,„insoweit bestrafte Personen nach den Landes- gesetzen Anfcnthaltsbeschränknngen durch die Polizeibehörden unter- worfen iverden können, es dabei sei» Bewenden behält. Infolge» dessen ist der§ 2 Nr. 2 des preußischen Gesetzes über die Aufnahme neu anziehender Personen vom Sl. Dezember 1842 in Kraft geblieben, wonach die Landes- Polizeibehörde berechtigt ist, einen cutlasscncn Sträfling von dem Aufenthalte an gewissen Orten auszuschließen. Hierzu ist die Landes- Polizeibehörde jedoch nur«in Ansehimg solcher Sträflinge befugt, Ivelche zu Zucht- haus oder wegen eines Verbrechens, Ivodurch der Thäter sich als einen für die öffentliche Sicherheit oder Mo- r a I i t ä t gefährlichen Menschen d a r st e l l t, zu irgend einer andren Strafe verurteilt worden sind. lieber die Gründe einer solchen Maßregel ist die Landcspolizeibehörde n u r dem vor« gesetzten Ministerium, nicht aber der Partei Rechenschaft zu geben schuldig." Durch Staatsmiiiistcrial-Beschluß vom 28. November 1860 ist diese Specialbestininmug noch ausdrücklich für antvcndbar erklärt worden. Diese vormärzliche Polizcibcstimmnng wird— und das scheint geltende Praxis im Reich des Berliner Polizeipräsidiums zu sein— ganz mechanisch und allgenieinangewendet.nndzwar nichtnur gegen Personen, die einmal mit Zuchthaus bestraft tvorden sind, sondern beispiclsiveise auch gegen Schriftsteller, die nur wegen Preßvergehcn Gefängnis- strafen erlitten hatten. Es sind uns eine Reihe von Fällen bekannt geworden, tvo derartige„vorbestrafte" Schriftsteller mit der Aus- Weisung aus den westlichen Vororten bedroht tvorden sind. Es ist klar, daß dadurch ein Ausnahnicgesetz gegen alle diejenigen geschaffen wird, die als Politiker und Publizisten gelegentlich in den Netzen staatSnnivaltlicher Deduktionen hängen geblieben sind. Es ist niemand mehr sicher, als ein„für die öffentliche Sicherheit oder Moralität gefährlicher Mensch" geradezu v o g e l f r c i zu werden. tvenn er in der Berliner Bannmeile seine» Wohnort wechselt. Die Freizügigkeit wird für die ehrenhaftesten Personen auf diese Weise aufgehoben, der auch die verkommensten Verbrechern nicht beeinträchtigt werden sollte. Niemand lvird bezweifeln, daß diese neuerlich beliebte Antuen- düng des Vagabondcn-Paragrapheii gegen„Preßvcrbrecher" einen schweren Mißbrauch des veralteten Polizeigesctzes darstellt, selbst wenn man die damaligen Polizei-Anschauungcn über den Begriff moralischer Verderbtheit' zu Grunde legt. Aber auch ganz allgemein ist jenes niodrige Polizcigcsctz eine Ilngcheucrlichkcit. Es bedeutet nichts weniger, als daß cS in der freien Willkür der Ortspolizei liegt, jemand. der eine Schuld in schtverer Haft gebüßt hat, auch nach Ablauf seiner Strafe für alle Zeiten heimatlos zu machen, ihn ruhelos von Ort zu Ort zu hetzen, und wenn er an einein Ort endlich eine Existenz gefunden hat, sie ivieder zertrümmert, indem dem Unglücklichen das Anfenthaltsrccht entzogen Ivird. Man züchtet dadurch rückfällige Verbrecher I Die Aufsicht über die verfassungsmäßig gewährleistete Frei- zügigkcit ist Sache des Reiches �md des Reichstags. Man sollte endlich von RcichSwegen diesen Rest rückständigster Polizeibarbarci beseitigen und das Gesetz von 1842 aufheben, das auch dann den» modernen Rechtsgewissen zuwider läuft, wenn es nicht— wie es jetzt häufig geniig geschieht— wider die Absicht des Gesetzgebers ausgelegt wird. Es ist unerträglich, daß jede OrtSpolizci das Recht haben solle, auf Grund vagster Begriffe, tvie den„moralischer Ge- fährtichkeil", deutschen Reichsbürgern das unantastbare Grundrecht der Freizügigkeit zu entziehen.— Konservativer WahlrechtS-Haß. Die in B a y e rn beabsichtigte Wahlrechts-Reform erregt die größte Entrüstimg der Konservativen. Diese Partei trachtet in» brünstig, wie sich eine Verschlechterung und Beseitigung der in laugen Kämpfen getvounenen spärlichen Wahlrechte des deutschen Volkes ermöglichen lasse; nun muß sie daS Entsetzliche erleben, daß ein großer Bundesstaat die bessernde Hand an sein veraltetes Wahlrecht legen will. Die„Konservative Korrespondenz", das offizielle Organ der konservativen Partei, giebt in ihrem Zorn über die bayrischen Vorgänge mit recht erfreulicher Offenherzigkeit ihre An- 'chaumrgeii über das Wahlrecht kund. In unglaublicher Unkenntnis nimmt sie an, daß jetzt in Bayern ein offenes Wahl- verfahren bestehe; dies ist bekanntlich nicht der Fall und die Klage der„Konservativen Korrespondenz" über die angebliche Absicht, das geheime Wahlverfahren einzuführen, ist gegenstandslos. Erwähnenswert ist nur, daß das konservative Organ die geheime Wahl als„eine Unterstützung der politischen Feigheit" bezeichnet, hinter welchen» lächerlichen Geschimpf sich bekanntlich nur der kon- scrvative Aerger verbirgt, daß es bei geheimem Wahlrecht schwierig s Fiir die Beseitigung des iGotteSlästeruugS-Paragraphcn ist, diejenigen, die von ihrem Wahlrecht einen nicht-konservativen Gebrauch machen, mit brutalen Maßregelungen zu bestrafe». In der Hauptsache wendet sich sodann das konservative Partei- Organ gegen die Beseitigung der indirekten Wahl.„That sachlich", erklärt es,„ist das indirekte Wahlrecht das freie und ideale." Natürlich! Bei der indirekten Wahl muß eine erhebliche Zahl von Wahlmänner» ausgesucht werden und diese Wahlmänner müssen wiederum öffentlich ihre Gesinnung bekunden; sie sind also wiederum bequeme Objekte der konservativen Berfolgungssucht! Die„Kons. Korresp." faßt ihre Meinung schließlich in folgenden Sätze» zusammen „Wir halten es also für keine Verbesserung irgend eines Wahl- rechts, tveini von der indirekten Stimmabgabe zur direkten über- gegangen wird. Während bei indirekten offenen Wahlen jeder Wahlberechtigte sich der Wichtigkeit seines Votums bewußt wird und den Mann seines Vertrauens zu bezeichnen vermag, wird Wählerschaft durch die direkte und geheime Wahl immer die nichr zu einem durch demagogische Mätzchen und Partei terrorismus geleitete»„Stimmvieh" degradiert. Von der Partei- centrale wird der Kandidat kommandiert, von dort werden die Parolen ausgegeben— und die Wählerschaft faltet geheimnisvoll den ihr aufgeschwatzten Zettel: Das Ergebnis nennt>man alsdann das„Votum des Volkes"." Es ist zu unangenehm, daß die Wählerschaft„geheimnisvoll ihren Wahlzettel fallen darf. Wie viel sinnreicher ist es. daß der Gutsherr und der Fabrikant der Wählerschaft mitteilt, welchen Kandidaten sie zu wählen hat, und wenn er in der Lage ist, sorg- sam zu kontrollieren, daß seinem Befehl getreulich' Folge ge- leistet wird. Es ist gut. wieder einmal die leidenschaftliche Sehnsucht der Ncaktion nach einem indirekten und n i ch t- g e h e i m e n Wahl- verfahren festgestellt zu haben.— Republik und Knute. Der Präsident der französischen Republik, der zur Zeit als Gast bei dem Zaren weilt. hat am Mittwoch jener großen Truppenrevne beigewohnt, die der Zar ihm zu Ehren ver- anstaltet hat. Nach beendeter Parade wurden bei einem Frühstück wieder die obligaten Trinksprüche ausgebracht, die natür- lich dem Schoßkinde des Kapitalismus, dem Militarismus galten. Der Zar feierte die Waffenbrüderschaft der Armeen der beide» verbündeten Staaten und leerte sein Glas„auf das Gedeihen und den R u h»i des tapferen französischen Heeres". Loubet trank auf das Wohl der„schönen Truppen", die jetzt ja wieder durch Niedcrlnutung der hungernden Bauern ihre«„hohen Ruf" bewährt haben, und verherrlichte gleichfalls die„edle Waffen- brüderschaft zwischen den beiden Heeren". Bei dieser Gelegenheit erinnerte sich der Zar auch wieder ei»mal seiner Friedensmission. Die„gewaltige militärische Macht" habe keineswegs die Bestimmung,„aggressive Absichten zu unterstützen. sondern ganz im Gegenteil die, die Aufrechter Haltung des allgemeinen Friedens zu sichern und die Achtung vor den erhabenen Grundsätzen sicher zu stellen, welche die Wohlfahrt der Völker sichern und ihrem Fortschritt dienen." Loubet seinerseits gab dieser nngehcilerlichc» Phrase, über die der Zar selbst in seineni FriedenSmanifest so bitter gehöhnt hatte, folgende Forni:„Diese gewaltige Macht ist, für niemand eine Drohung, Rußland und Frankreich dürfe» darin aber zu gleicher Zeit eine Garantie für die Ausübung ihrer Rechte und eine Schutz- wehr sehen, unter der sie in aller Ruhe fruchtbarer Arbeit nachgehen können, die ihren Wohlstand mehren und dadurch ihre Macht und ihren legitime» Einfluß erhöhen wird." lieber die private Unterhaltung des Präsidenten der Republik Frankreich mit dein Beherrscher des absolutistisch zerrütteten Landes ist noch nichts bekannt geworden. Die„Köln. Volksztg." wirft die Frage auf:„Ob Herr Loubet den Zaren zu raten wisse» wird, wie man den Ucbcrgang vom Absolutismus zur politischen Freiheit macht?" Herr Loubet>vird soviel über die ostasia- tische Eroberungspolitik zu verhandeln haben, daß ihm zu so nebensächlichen Dingen keine Zeit mehr übrig bleiben wird. Eine eigenartige Huldigung hat Herr Loubet übrigens auch Alexander III. dargebracht, indem er ans dessen Grabe ein kunstvoll ausgeführtes Schwert, unr das ein Myrtenzlveig geschlungen war, niederlegte. Die Bcdentnng des Mhrtenzlveiges ist einiger- niaßen unverständlich, das Schwert paßt schon besser für de» Mann. der im Balkan und in Asien mit besonderem Eifer die traditionelle zarische Eroberungspolitik vorbereitete. Eine Knute wäre für den Mann, der die konstitutionellen Forderungen als thörichte P h a n t a st e r e i e n bezeichnete und sich den Haß des geknechteten Volkes in besonderem Maße zu erwerben wußte, freilich ein noch sinnigeres Symbol gewesen.— ** « Deutsches Weich. Der HolikönigSburg-Erlaff. In seiner gestern mitgeteilten Rede hat der Kaiser II Jahre nach seinem Regierungsantritt die Aufhebung des D i k t a t u r p a r a p h e u damit erklärt, daß er erst die Liebe und Treue seiner Unterthanen gewinnen und das verständnisvolle Vertrauen seiner Kollegen, der Bundesfürstcn erwerben mußte. Das ist ein auffällig resigniertes Zugeständnis: Also erst jetzt. »ach II Jahren, hat Wilhelm II. die Sicherheit gewonnen, daß er die Liebe seiner„Unterthanen" � die es eigentlich seit 1318 nicht mehr giebt— und das Vertrauen seiner regierenden Kollegen genieße. Nach wie viel iveitere» Jahre» wird dies Gefühl des Kaisers stark genug geworden sein, daß die Regierung sich entschließen darf, auch die andren Ausnahmegesetze in Elsaß-Lothringen und die schroffe Behandlung der Polen und Däne» aufzugeben? Es steht im schneidenden Gegensatz zu der optimistische» auf reichsläiidischem Boden gehaltenen Rede deS Kaisers, daß sich die preußische Regierung»och immer so unsicher und bedroht fühlt, daß sie gleichzeitig mit der Aufhebung des Diktaturparagraphcn inr Westen, gegen den Osten eine neue Diktatur in Gestalt der Polenvorlage errichtet.— Ei» Reichstags- Abgrorduetcr militärisch befördert! Der Kaiser hat den Reichstags-Abgeordneten für Saargemünd, Baron de Smid, am Mittivoch beim Abendessen ans Schloß Urville zum Rittmeister a la suite des 8. Kürassier-Regiments ernannt. Der Baron soll bis 1883 in der französischen Kavallerie gedient haben!— Ein ReichStagSmiider. Herr Bassermann, so wird uns ans Jena telegraphisch gemeldet, der nationnlliberale Reichstags« Abgeordnete für den Wahlkreis Jena- Nenstadt-Blankenhain, will ■im nächsten Jahre keine Kandidatur wieder annehmen. So meldet das„Kreisblatt" in Blankenhain, wie es sagt, auf Grund eigner Aenßerungen Bassermanns.— Gegen die„germanisierende" Ansiedelnngspolitik hat selbst ein Hakatistisches Blatt wie die„Tägliche Rundschau" Bedenken; das Blatt erklärt, man werde sich davor zu hüten haben,„daß die Meinung aufkommt, der preußische Staat sei ein bequemer Käufer für in Verfall geratene Liegenschaften; dem könne man, wenws halt nicht weiter geht, seine„Klitsche" aufhalsen; der zahle auf dem Grundstückmarkt sine äabio die höchsten Preise." Dieser Fall ist gar nicht so selten. Der Ansiedeluugsfouds wurde wiederholt zu einer Art agrarischem Liebesgabenfouds. Erst unlängst erregte der Ankauf des Gutes des Bundeshäuptlings Majors v. Endell durch die Ansiedelungskommission Aufsehen.— tritt ein Aufruf des Giordano Bruno-Bundes ein. Anlaß dazu giebt die strafrechtliche Verfolgung der in Leipzig in deutscher Ucbersetznng erschienenen Schrift Tolstojs:„Der Sinn des Lebens". Die Leipziger StaatsaiNvaltschaft hat gegen Herausgeber und Verleger dieser Uebersetzung Anklage wegen„Gotteslästerung" und„Beschimpfung kirchlicher Einrichtungen" erhoben. Der Aufruf weist darauf hin, daß selbst die russische Re giernng gegen Tolstoj nicht eingeschritten sei. Ebensowenig haben die andren europäischen Kulturstaaten— denn die Schrift wurde in alle Sprachen übersetzt— etwas einzuwenden gehabt. Was aber Tolstoj selbst in Rußland erspart blieb, soll jetzt in Deutschland Uebersetzer und Verleger treffen. Was das Vorgehen des Leipziger Staatsanwalts und Landgerichts noch seltsamer macht, ist die Art. wie eine Beschimpfung d e n t s ch- kirchlicher Einrichtungen konstruiert werden soll. Offenbar hat der Z 166 des Reichs-Strafgesetzbuches nicht die Mission, die russische Kirche vor kritischen Anfechtungen zu bewahren. Indessen meint die Anklage, was Tolstoj gegen die griechische Kirche vorbringe, passe auch auf Dogmen und Sakramente des deutschen Kath'olicismus und Protestantisnms und stelle folglich eine„mittelbare" Beschimpfung kirchlicher Einrichtungen und Ge- bräuche dar. Es wird schließlich in dem von zahlreichen Schriftstellern, Künstlern, Gelehrten, Buchhändlern usw. unterzeichneten Aufruf die Forderung an die Gesetzgeber gerichtet, den veralteten Gottes- lästernngs-Paragraphen zu beseitigen. Die für deutsche Kultnrznstände höchst charakteristische Gerichts- Verhandlung wird am 4. Juni in Leipzig statlfinden. Es wird allerdings hohe Zeit, mit diesem Stück finstersten Mittel- alters endlich aufzuräumen.— Skandalöse Soldatcumiffhandluugen. Vor dem B r e s l a n e r Kriegsgericht der 11. Division unter Vorsitz des Majors v. Bar d i, stand am Sonnabend angeklagt der M i ß h a n d- l u n g und vorschriftswidrigen Behandlung Unter- gebe n er der Unteroffizier Hütter vom Infanterie- Regiment Nr. 11 in Breslau. Der Unteroffizier giebt zu, die Mannschaften einigemale geschlagen zu haben. In der I n st r n k t i o n s st u n d e oder bei andern Gelegenheiten, wenn die Leute z. B. die Kommandos des Korporals nicht recht ver- standen, nicht gleich ausführten, im Dienst nachlässig waren zc., so korrigierte der Unteroffizier die Fehler der Leute m i t kleinen Ermunter nn gen in Form von mancherlei Miß- Handlungen. Nach Zengenaussagen der bei dem Unteroffizier in Erziehung befindlichen Mannschaften mußten sie auf Befehl iu der Jnstruktionsstnnde sich hinlegen und wieder a n f st ehe n. sie wurden h e r u m g e st o ß e n, mußten oft 16 bis 23 Minuten lang ans der Stube und zurück laufen. Alle Leute der Korporalschaft mußten mehr oder weniger unter dem Soldaten- erzieher leiden, manche traktierte er wöchentlich einige Male, andre fast alle Tage, indem er einen oder den andren blutig schlug. Der Grenadier Narcl erhielt oft Stöße, einmal ward ihm die Nase blutig geschlagen, Grenadier Anschur ward mchrcre Male stark gcohrfcigt, Grenadier Runge ward jede Woche öfter stark geschlagen, ebenso der Grenadier Grischkowitz u. a., die Püffe und kleine Stöße erhielten. Am schlimmsten hatte der Grenadier Scholz unter dem oldatenpädagogen zu leiden. Wie er selbst und seine Kameraden vor Gericht aussagten. wurde er wöchentlich oft g e o h r f c i g t, g e st o ß e n, g e j ch u p st. Im Dezember fand der Unteroffizier an den Hosen des Sch. einen Fleck, letzterer verstand auch ein Kommando nicht. Der Unteroffizier st i e ß ihn mit de m Kopf an ein Spind und ohrfeigte den Soldaten. Dieser weinte, ward t a u m l i ch, bekam O h r e n s u ni m e n, Kopfschmerzen, das rechte Ohr eiterte, c r h a t jetzt noch S ch m e r z e n und h ö r t schivcr. Nach der Mißhandlung stellte der Unteroffizier den Mann ins zweite Glied. damit ihn der Lieutenant nicht sah. Als sich der Mann krank melden wollte, hielt ihn der Unteroffizier ab. Schließlich hieß er die Kameraden des Sch. ihn zu v e r s ch n i k e n, t h a t e n sie es nicht, so schlug er sie. Die Mannschaften hatten Angst, ihren Peiniger zu melden, Freunde schrieben den Fall der Mutter des Sch., und so kam die Sache zur Anzeige. Der Vertreter der Anklage bezeichnet das Verhalten des Soldatendrillers roh, er habe Unerlanbies an- gewandt, um die Mannschaften znsainmenznrcißen, daß sie was leisten. Auch habe er Druck ausgeübt und beantrage er drei Monate Gefängnis. Das Kriegsgericht verurteilte den Soldatenquäler zu drei Monaten Gefängnis, indem cS aiinahm, daß er die Leute gut ausbilde» wollte.— Aus dein baycrischeu Landtage. München, 21. Mai. lEig. Ber.) In der Abgeordnetenkammer brachten heute bei der Beratung des Forst-Etats wieder einmal einige ländliche Abgeordnete ihre Zoll- s ch m e r z e n zur Sprache. Der Centrunis-Abgeordnete Gersten- berger ersuchte den Finanzniinistcr, im Bundesrat für eine Petition einzutreten, in der für Holzkohlen ein Zoll von 1 M. pro Doppelcentner verlangt wird. Abg. S t e i n i n g e r iE.) wünschte eine Erhöhimg der Zölle auf Holz und namentlich auf Holzstoffe. Bei letzteren solle eine Differenzierung zwischen nassem und trockenem Holzstoff stattfinden. Im Ausschuß der Reichs ratskamm er kam es in den letzten Tagen zu einem Zusammenstoß zwischen dem zukünftigen und dem gegenwärtigen Verkehrsminister. Der ReichSrat Baron v. Soden, der beim Thronfolger Prinz Ludwig persona gratissirna ist und als kommender Mann des neuen Verkehrsministeriums gilt, brachte das mangelude Entgegenkommen Prentzens bei der Fortsetzung der Mainkanälisation von Aschaffcnbnrg bis Frankfurt zur Sprache. Wenn man entgegengehalten habe, Preußen fei geneigt, Bayern eiitgegeiiznkommen, so habe sich diese Annahme als trügerisch er- wiesen. Trotz des Entgegenkommens Bayerns bei der für seine Verkehrsverhältnisse schädlichen Regulierung des Oberrheins bleibe Preußen hartnäckig und widerspenstig. Dieses wenig bundrö- freundliche Verhalten solle Bayern mit gleicher Münze heim- zahlen. Ministerpräsident Graf Crailsheim suchte Preußen zu ver- leidigen, das ein Entgegenkommen„in Aussicht gestellt" habe. Doch bestehe bei der Verwaltung der preußischen Stnatsbahnen die Beflirchtung, daß die Bahiieiiinahmcii geschädigt würden; auch habe dieser Staat selbst sehr erhebliche Kanalschmerzen, so daß ein Zustandekommeii der Mainkanalisation nicht abzusehen sei. Da der Etat der Donau-Main-Kanalvertvaltimg noch im Plenum der ReichsratSkammer behandelt werden muß, so wird sich wahr- scheinlich der Gönner des Herrn v. Soden. Prinz Ludivig, die Gelegenheit nicht entgehen lassen, eine längere Rede über diese An- gelegenheit zu halten.— Ausrand. Frankreich. Zur Demission deS Kabinetts. Der Rücktritt des Ministeriums Waldeck-Rousseau schafft eine Situation, die in der Geschichte des französischen Parlaments ohne Beispiel ist. Die Regel ist, daß das Miiiisterium am Ruder bleibt, bis die Kammer es stürzt. Das ist auch bei solchen Ministerien der Fall gewesen, die bei den Wahlen eine Schlappe erlitten hatten oder doch weit weniger erfolgreich aus den Wahlen hervorgegangen waren, wie das bei dem jetzigen Kabinett der Fall ist. Die'Knmnier tritt am 1. Juni zu einer nur kurzen Tagung(wahrscheinlich nur eine Sitzung) zusammen: am 22. Juni werden es drei Jahre, daß das Kabinett Waldeck-Rousseau am Ruder ist. Da die Bildung des neuen Kabinetts durch Loubet einige Zeit in Anspruch nehmen wird, ist es nicht ganz ausgeschlossen, daß das Ministerium das Alter von 3 Jahren erreicht. In republikanischeu Kreisen versichert man, daß wahrscheinlich Bourgeois als Kandidat für den Vorsitz in der Kammer aufgestellt werden wird. Bourgeois werde jedoch den Vorsitz nur dann übernehmen, wenn Brisson ihn persönlich für diesen Posten empfiehlt. In diesem Fall werde Brisson mit der Bildung eines radikalen Ministeriums beauftragt werden. Zur Affaire Hnmbert. Der Chef der Sicherheitspolizei Hainac Humbert. Er soll diese Angaben zum größten Teil einem Londoner Geschäftsagenten der Familie Humbert zu verdanken haben. Der englischen Sicherheitspolizei ist die Summe von 23 666 Fr. für die Verhaftung der Frau Humbert angeboten worden. Gerüchtweise ver- lautet, daß Bekannte der Familie Hnmbert derselben in der Nähe der belgischen Grenze ein Versteck gewährt hätten.— Italien. Die Untersnchungen SaredoS. Die Proviiizialverwaltung von Neapel ist von jeher daS Boll« werk der süditalienischen Caniorra gewesen; von hier aus flst zum Teil auch das politische und sociale Leben Italiens imgüiistig beeinflußt worden. Der unerbittlichen Kritik des socialistischen Blattes „Jl Propaganda", welches zuerst mit mutiger Hand die Korruption angriff und der unparteiischen aber strengen Uiitersnchung Sarcdos ist es zu danken, wenn dieses Nest der Korruption endlich zerstörtwird. Saredos Bericht umfaßt, wie schon erwähnt, 826 Seiten und enthält außer einer Vorrede und den Schlußfolgerungen 11 Kapitel. Unter diesen befinden sich: die Provinzialvertretung von 1386— 1961; Verwaltimgs- beamte; öffentliche Arbeiten; Straßen; Straßenbahnen; Finanzen usw. Aus den Uiitersuchungeii erhellt, daß der au der Spitze der Pro- vinzialverwaltung gestandene Herzog Di Sandonato die reinste Paschawirtschaft geführt hat; er ließ sich, wie der Senator Astengo aussagte, vom Provinzialrat Gelder anweisen, um sie an„seine Annen" zu verteilen. Ein Faktum, so berichtet Astengo weiter. machte auf mich einen großen Eindruck und hat sich in meinem Gedächtnis festgesetzt, nämlich: die sogenannten„Töchter des Vater- landes", welche in großer Anzahl unter den Unterstützten figurierten, entpuppten sich bei genauen Nachforschungen des Quästors Pacini als P r o st i t n i e r t e. Zu Ostern und zu Weihnachten wurden dem Präsidenten des Provinzialrats und der Deputationen ebenfalls Summen in beliebiger Höhe zur Verfügung gestellt, um sie an Arme zu verteilen; diese Gelder wurden später einfach bei der Kasse erhoben. Die Art und Weise, wie dies geschah, war nichts weniger als exakt. Ein großer Teil der Unterstützungen wurde Personen zugewiesen, die solche durchaus nicht benötigten; die Herren Provinzialräte verteilten die Gelder nach Belieben und namentlich an solche Leute, welche sie bei den Wahlen oder in der Presse unterstützten. So wurden zur Zeit der hohen Feste regelmäßig eine Reihe Jonrnalisten mit Zuweiidungen in der Höhe von 36 bis 266 Lire bedacht. Auch an die Inspektoren der Trnmway und andre Privat- und Ver- Wallungsangestellte wurden Gelder verteilt. Gelegentlich des 23jährigen Jubiläums der Einnahme Roms vom 26. September 1876 wurde auf Antrag Billis beschlossen, daß eine Deputation nach Rom zu entsenden sei. Dabei haben neun Personen fünf Tage lang jede Person 44 Lire pro Tag für Zehrkosten liquidiert; der Antragsteller erhielt einige hundert Lire angewiesen ohne irgend welche Begründung.— Im ganzen sind es dieselben Erscheiimiigen, die in der Stadtverwaltung zu Tage getreten sind; vielfach handelte es sich um dieselben Personen, welche widerrechtlicher- weise Zuwendniigen aus öffentlichen Mitteln erhalten haben. Es sind nur wenige Provinzialräte diesen Bestechungen und Unter- schlagungen ferngeblieben; die Belasteten werden sich vor Gericht verantworten müssen._ Abermals ein Socialist erstochen. In Castelfidardo wurde ein junger Socialist von zwei Republikanern, die ihn verfolgten, von vier Dolchstichen tödlich verletzt. Es ist dies innerhalb weniger Monate das vierte politische Attentat, welches von Republikanern, die in Italien vielfach zugleich anarchistischen Ideen huldigen gegen Socialisten ausgeführt wurde.— Schwede». Der schwedische Wahlrcchtskainpf. Der Konstitutionsansschuß hat nun einen Ausgleich unter den Beschlüssen der beiden Kamniern herbeigeführt und zwar auf Kosten des Beschlusses der Zweiten Kammer. In diesem Ausgleich sind die Prämissen in der Auf- fordcrnng an die Regicrimg forlgefallen, so daß die Aufforderung nichts enthält über die P r i n c i p i e n, die der Wahlrechts- Vorlage der Regierung zu Grunde gelegt werden sollen. Dieser Ausgleichsvorschlag wurde am Dienstag in der zweiten Kammer nach langer Debatte angenommen. Damit hat also das schwedische Klnssenparlament den erfreulichen Beschluß vom 16. Mai nun wiederum nicht unbedeutend eingeschränkt, und die Forderung des allgeiiicinen Wahlrechts zu vertreten bleibt nach wie vor dem Volke überlassen.— Norwegen. Norwegens Neutralität. Das Neutralitätskomitee der Stortings beantragt einstimmig, daß das Storting folgenden Be- schlnß faßt:„Indem das Storting die Urberzeugung ausspricht, daß die norwegischen Staatsbehörden in Ilebereinstiininung mit den Wünschen des Volkes es sich immer angelegen sein lassen werden. für die Anfrechterhaltung der Neutralität des Reiches zu wirken— hinweisend aus seine Adressen an den König von 1896 und 1897 spricht das Komitee die Hoffnung aus, daß es nach der Friedenskonferenz in Haag 1899 und der Errichtung eines festen Schiedsgerichts in nicht ferner Zukunft glücken wird, bindende Schiedsgerichtsvcrträge zwischen Norwegen und andren Mächten, namentlich Nachbarländern abzuschließen— fordert das Storthing die Regierung auf, sobald sie die Zeit für geeignet erachtet, die Frage bezüglich der permanenten Neutralität Norwegens und Schwedens in Erwägung zu ziehen und unter Formen, die die Freiheit und Selbständigkeit der zwei Reiche sichern, zu versuchen, sie durchzuführen."— Ruhland. Zur Charakteristik des Generals v. WahlS. gegen den vor einigen Tagen ein Attentatsversuch gemacht worden war, schreibt die„N. Fr. Pr.'": Das Attentat ist wohl die Folge der kosakischcn Unterdrückung der Wilnaer Straßendemonstration, welche auf Befehl des Generals v. Wahl bewerkstelligt wurde. General v. Wahl, der erst vor wenigen Monaten, nach dem Tode des Generalgouverncnrs Trotzly, sein gegenwärtiges Amt angetreten hat, entwickelte in W i l n a e i n e T h ä t i g k e i t, welche unter der Bevölkerung großes Miß- vergnügen hervorrief. Wahl verschärfte die Polizei- A u f's i cki t in Wilna, wiewohl die Ruhe und die Ordnimg in der Stadt bis zu seinem Amtsantritte nicht gestört worden waren. Die Politik der„starken Hand" betrieb General v. W a h l s e i t jeher. Als Adjutant des ehemaligen Statthalters von Warschau, Grafen Berg, nahm er an der II n t e r d r ü ck u n g des 1863er p o I n i s ch e n A ufst a nd e s hervorragenden Anteil. Beim Attentate auf den Grafen Berg wurde v. Wahl durch die aus dem Hause der Grafen Zainoyski geschleuderte Granate ver- wnndet. Nach dem 1874 erfolgten Tode des Grafen Berg wurde v. Wahl zum Gouverneur von Jaroßlawl ernannt. Auch hier bekundete General v. Wahl große Rücksichtslosigkeit allen selbst- ständigen Fordernogen der Bevölkerung gegenüber. Während der großen Hungersnot von 1891 unterdrückte er jede In ff- liative. welche nicht von behördlicher Seite aus- ging. Aber nirgends hat General v. Wahl so üble Nachrede hinterlassen, wie in Petersburg, wo er vier Jahre Stadt- Hauptmann war. Alexander III. berief ihn 1892 nach dem Tode des Stadthauptmanns Grcncr ans diesen Posten, welchen General v. Wahl bis zur Thronbesteigung des gegenwärtig regierenden Zars inne hatte.— Ter Oberproknrator der„Heiligen Rnssischr» Synod". P o w j e d o n o ß z e w, hat dem„Wiesbadener Tagblatt" zufolge seinen auf mehrere Wochen berechneten Wiesbadener Aufenthalt vor- zeitig abgebrochen und ist bereits heute vormittag direkt nach Petersburg zurückgereist. Er wird auch auf der besitzt angeblich alle Einzelheiten über die Flucht der Familie j Reise von einem G e h e i m s ch n tzni a nn begleitet.— Der Boeren- Krieg. Zwischen Furcht und Hoffnung beivegt sich noch immer die Stimmung in England. Für die Friedens- anSsichtcn sprechen folgende Meldungen: Sechs von der Konferenz in Vereeniging gewählte Delegierte, darunter Mitglieder der beiden Regierungen, sind nebst D e I a r e y und D c W c t und acht Sekretären Sonntag in Pretoria an- gekommen und wohne» in einem Hause neben dem Hause K i t ch e n e r s und M i l u e r s, die g c st e r n hier eingetroffen sind.— Der Kriegskorrespondent deS„Dailh Telegraph, B e ii n e t B n r I e i g h, telegraphierte einem Londoner Verwandten, daß er z u r ü ck k e h r e. An diese Mitteilung knüpft er die Bitte, dies dem„Daily Telegraph" zur V e r- f n g n n g zu st e l l e n. Das Blatt sieht in dieser Benachrichtigung ein sicheres Zeichen dafür, daß sein Korrespondent so unter Umgehung des Censors den Friedensschluß mitteilen will. Ans Brüssel wird dagegen gemeldet: Hiesige Boerenkreise bestätigen den schlechten Stand der Friedensverhandlungen und niachcn lediglich England für das etwaige Scheitern derselben verantwortlich. Chaniberlain und Milner hätten sich selbst in sekundären Fragen, wie die Freigabe des Kabels an die Boeren- sllhrcr, unnachgiebig gezeigt. Es könne daher als Beweis gelten, daß dieselben, entgegen den friedlichen Intentionen des Königs von England, gar nicht ernstlich gewillt sind, einen Friedensschluß herbei- zuführen._ Pa vf e i- It adjtui dj feit« Parteiprcssc. Die redaktionelle Leitung der„Fränkischen Tages- Post" in Nürnberg ist voui Genossen Scheide mann, der die Leitung uns res Offenbachcr Parteiblattes übernimmt, auf den Ge- n'ossen Dr. Ad. Braun, früherem Redacteur des„Vorwärts", über- gegangen. Aus einer Wahlkrciökonscrcuz des Wahlkreises F o r ch h e i m- K u l m b a ch wurde an Stelle des bisherigen Reichstags-Kandidateii Genossen PH. W i e in e r- Nürnberg, der für die'Znkuuft die Wieder- annähme der Kandidatur abgelehnt hat. jedoch auch fernerhin im Kreis« agitatorisch thätig sein will, der Genosse Deinhart- Erlangen als Kandidat für die nächsten Reichstagswahlcn aufgestellt. polisLilichoo, Gerichtliches u sw. — In einer Gemeinderatssitzung soll der Genosse Scherf sii L a n g e n h n r s d o r f sSachscnj den Gemeindevorstand beleidigt haben. In der Sitzung soLtc Geld bewilligt werden für das Löjährige Amtsjubiläuni des Kantors, eines der bcstbegüterten Männer in dem Orte, der sonst viele arme Einwohner hat. Solche Bewilligungen kommen dort häufig vor und die Beschenkten pflegen sich dann durch ein Festessen zu bedanken. Genosse Scherf hielt das für einen Mißbrauch und bemerkte bei der Debatte über die Bewilligung für den Kantor dem Geineindevorstande gegenüber: „Sie gehen auch zu Festessen, zu denen arme Leute vorher die Mittel bewilligt haben." Dafür unter Anklage gestellt, lvurde er zu 40 M. Geldstrafe verurteilt._ Deutslhe LehrttM'smiiilW. In der zweiten Hauptversammlung sprach Hauptlehrcr Wolgast ans Hamburg über„ D i e B e d e u t u n g d e r K n n st f ll r d i e Erziehung". Sein Gedanlcngang ist ans folgenden von ihm aufgestellten Leitsätzen zu ersehen: l. Die Kunst ist Grundlage und Richtschnur für die Ausbildung der künstlerischen Anlage»: als die umfassendste und sinnenfnlligstc Darstelllliig der inneren und äußeren Welt bietet sie aber auch allen andern Seiten der Erziehung, insbesondere der intellektuellen und moralischen, wertvolle Stoffe und Anreize. 2. Gemäß dem Begriff der harnionischen Ausbildung aller Kräfte verlangt die künstlerische Erziehung eine Stellung im Er- ziehnngsplan, wie sie der Stärke und Allgemeinheit der künstlerischen Anlagen im Kinde entspricht. 3. Indem die künstlerische Erziehung die LebenStttchtigkeit der Jugend steigert und sie mit einer veredelten Genußfähigkeit und einer verfeinerten Enipsindnng ausrüstet, Hilst sie den Einzelnen fähig machen, an dem mehr und mehr auf künstlerische Kultur ge- flellien Leben der Nation arbeitend und genießend teilzimchnien. 4. Die künstlerische Erziehung ist der intcllektiielleii und mora- lischcn gleichberechtigt. 5. Das wichtigste Mittel der künstlerischen Erziehung ist die lediglich auf künstlerische Wirkung ausgehende Darbietung von Werken ans allen Gebieten der Kunst; soweit die Schule hierzu im Nahmen der künstlerischen Lehrfächer(Litteratnr, Gesang, Zeichnens nicht im stände ist. muß sie die öffentlichen Kuuslinftitute(Theater, Konzerte, Museen) in Anspruch zu nehmen suchen. 6 Unterstützt wird der Einfluß der Kniistlverke a) durch Anleitung zu einem ernsthaft betriebenen Dilettan- tisiiins, b) durch Hervorhebung ästhetischer Momente in allen den Lehr- fächern, die dazu Gelegenheit bieten, os durch eine künstlerische Gestaltung und Ausstattung der Schul- räume. 7. Auf allen Stufen inuß neben der unmittelbaren Einwirliiiig ans den künstlerischen Sin» gleichberechtigt hergehen: as eine systematische Uebuiig der Ausdrucksfähigkeit, b) eine geordnete und energisch betriebene Ausbildung der höheren Sinne und der schaffenden Handthäiigkeit. 8. Um die in der Schule gezeitigten Erfolge für das Leben sicher zu stellen, hat s) mich die Fortbilduiigsschnle sich der Pflege der künstlerischen Bildung anznnehmcii und muß bj der Lehrer bestrebt sein, bei Volks-Bildiingsveraiistaltiiiigen deni künstlerischen Princip zu seiucm Siechte zu verhelfen. v) eine die Erfassung des Charakteristischen anstrebende Ver- tiefung in die Natur und das Menschenleben der Heimat, et) eine den Sinn für einfache Zweckmäßigkeit, für die Echtheit des Materials und die Ehrlichkeit der Verzierung fördernde Betrachtung von Bauwerken und kunstgewerblichen Erzeugnissen. 9. Da die künstlerische Erziehung der Jugend die künstlerische Bildung deS Lehrers voraussetzt, so ist zu fordern: a) daß das Seminar feine Zöglinge fähig macht, die Aufgaben der künstlerischen Erziehung zu' erfülle», b) daß jeder Lehrer seine eigne ästhetische Kultur energisch in die Hand nimmt. In der lebhaften Diskussion zeigten sich erhebliche Gegensätze über diesen Punkt. Auf Antrag von Nies- Frankfurt wurde schließlich mit 109 gegen 100 Stimmen diese Resolution angenommen: „Die Deutsche Lehrer-Bersanmilung begrüßt die neuen kunst- pädagogischen Bestrebimgen niit Freuden und ist überzeugt, daß Schule und Leben eine innere Bereicherung und Veredelung daraus schöpfen werden. Sie hält aber zur Zeit die iieuaufgetaiichtcii Probleme noch nicht für genügend geklärt, um jetzt schon bindende Beschlüsse fassen zu können." Sodann sprach der Lehrer Wolgast aus Kiel über die Frage der Einführung des h a u s w i r t s ch a f t l i ch e n Unter- r i ch t s i ii de» Mädchenschulen. Jni Gegensatz zu den Lehrerinnen stellte er sich auf den Standpunkt, daß der hnuswirtschaftliche Unterricht nicht in die Schule gehöre. Die Behauptung, daß der Hauswirtschaftsunlerricht die Vil- dang wesentlich fordere, ist falsch. Der Gewinn ist ein so kleiner, daß er nicht im Verhältnisse zur aufgewandten Arbeit und Mühe und den verursachten Kosten steht. Warum führt man diesen Unterrichtszweig dann nicht ein in den höheren und höchsten Mädchen- schulen? Dem Mädchen fehlen im schulpflichtigen Alter noch völlig die Reife und Einsicht. Indem Zeit und Interessen der Schule durch Einführung des hauswirtschaftlichen Unterrichts beeinträchtigt werden, hemmt man die allgemeine Bildung. Zum Haushalte ge- hört mehr als Kochen. Bei gutem Willen hat das Mädchen hierzu noch Zeit nach der Hochzeit. Die Arbeiterfrau mutz mit dem kleinen Verdienst des Mannes rechnen lernen. Sie mutz auch Verständnis für des Mannes geistige Jntercsscn haben und darum ssoll man die Zeit für die intellektuelle Ausbildung nicht kürzen. Die Schule kann, soll und mutz den hauswirtschaftlichen Unterricht vorbereiten, und dies geschieht im Rechnen und naturkundlichen Unterricht. Je höher die Intelligenz, je schärfer die Sinne, je reicher das Gemütsleben sind, desto besser ist das Mädchen für den Haushalt vorbereitet. Die vom Redner aufgestellten nachstehenden Leitsätze wurden angenommen: 1. Die allgemeine Einführung des Haushaltungsunterrichts in den Lehrplan der Mädchenschulen ist abzulehnen, weil durch diesen Unterricht die Aufgabe der Mädchenschule als einer allgemeinen Bildnngsanstalt nicht gefördert wird, der Unterricht keinem allgemeinen Bedürfnis entspricht und die hanswirtschaftliche Unterweisung der Mädchen zunächst Pflicht des Hauses ist. 2. Wo in großen Städten und Jndnstriebezirken die socialen Verhältnisse dem Hause die hanswirtschaftliche Unterweisung unmög- lich machen, ist sie im Interesse der Erhaltung des Famiiicnlebens der Fortbildungsschule z» überweisen. 3. Wo diese fehlt, muß die Unterweisung in besonderen Kursen unter Anlehnung an die oberen Klassen der Volksschulen erfolgen. Nach den üblichen Schlußformalitäten wurde die Tagung sodann geschlossen._ Erster Kongreß her Lichtdriilker DentschlllndS. Am ersten und zweiten Pfingstfeiertag wurde der erste Kongreß für Lichtdrucker, Phoiographeu, Retoucheure und Präparateure im Berliner Gewerkschaftshause abgehallen. Anwesend waren fünfzehn Delegierte, welche nenn von dem Einberufnngskoinitee zusaimnen- gestelltc Bezirke niit 37 Städten vertraten. Alle in Frage kommenden Drnckstädte waren vertreten. Vom Verein der Lithographen, Stein- drncker und verwandte Berufe Deutschlands war dessen Vorsitzender O. S i l l i e r- Berlin anwesend. Die Verhandlungen wurden ge- leitet durch I a n tz e u- Berlin und Pilz- Leipzig. Vorsitzende, und Schäfer- Dresden als Schriftführer. Die von den Delegierten erstatteten Situationsberichte ergaben, daß der Lichtdruck im steten Aufblühen begriffen ist und daß ca. 700 Gehilfen im Berufe thätig sind. Die Lohnverhältnisse schwanken zwischen 23 bis 43 und mehr Mark. Die Arbeitszeit ist täglich zwischen 8 bis 9 und in cinzelnen Fällen O'/e Stunden. Feiertage werden allgeniein bezahlt, ebenso für Uebeiftunden meist 23 und mehr Prozent Zuschlag. Eine Reihe von Firmen zahlen für größere Leiftuugen extra Prämien; dies wurde als ein Uebelstand angesehen, weil sich dabei schon jetzt schädliche Auswüchse bemerkbar machen. Die Situationsberichte sollen statistisch zusammengestellt und veröffentlicht werden. Ueber den dritten Punkt:„Organisationsfrage" referierte G r e ß- Berlin. Er betonte die Notwendigkeit einer Centraiorganisation und. trat für Anschluß an den Verein der Lithographen, Steindrncker und verwandten Berufe Deutschlands ein, mit der Maßgabe, sich mit cigneii Sektionen oder Filialen diesem Verband anzuschließen. Der Redner legte eine in diesem Sinne gehaltene Resolution vor. In der ziemlich lebhaften Diskussion traten die zwei Dresdener Delegierten für einen fclbständigen Lichtdruckcr-Cciitralverband ein, winden aber von allen übrigen Delegierten darin bekämpft. S i l l i e r wies zahlenmäßig auf das Nutzlose eines eignen Licht- driicker-Verbandcs hin, selbst die Einberufiuig dieses Kongresses wäre ohne finanzielle Mithilfe des Lithographen- und Steindrucker- Verbandes kaum möglich gewesen, denn circa ein Viertel der Uu- kosten seien nur durch Saininlinigeii im Lichtdruckgewerbe aufgebracht, trotzdem die'Beteiligung an der Sammlung nicht schlecht war. Die vom Referenten vorgelegte Resolution wurde hieraus gegen zwei Stimmen angenommen; die zwei Dresdener Delegierten erklärten gleichfalls dafür zu sein, unr feien sie an ihren Auirag gebunden. Vor Schluß des ersten VerhandlimgstageS wurde noch eine Kommission von vier Delegierten eingesetzt, welche einen Tarif ü b e r d i e Lohn- und Arbeitsbedingungen im Licht- druck-Gciverbe zusammeiizustellen und dem Kongreß am nächsten Tage zu unterbreiten Hai. Am zweiten Verhandliingstag referierte H e s ch e r- Leipzig über den 4. Punkt der Tagesordnung: L e h r l i u g s w e s e u und Lehranstalten. Redner hob die Mißstände bei einzelne» Firmen hervor, welche, um billige Arbeitskräfte zu haben, oft mehr Lehrlinge als Gehilfen beschäftigen. Als ein besonders schwer empfundener Mißstand wurden bestehende Lehranstalten scharf kritisiert, welche ganz gewissenlos„Lehrlinge" suchen, und diesen in vier Wochen den ganzen Lichtdruck zu lehren versprechen. Diese „Lehrlinge" haben 100 M. und mehr zu zahlen, ohne nachher praktisch arbeiten zu könucn. Stedner legte am Schluß seiner AnSführungen eine Resolution vor, wonach 1. eine Lehrlingsstatistik aufzunehmen und zu veröffentlichen ist. 2, Auf je 3 Gehilfen soll ein Lehrling und in kleineren Geschäften bis 3 Ge- Hilfen ein Lehrling kommen. 3. Alle Lehrlinge sollen in zwei Fächern ausgebildet werden." 4. Ueberläufer aus andern Berufen sollen den örtlich festgesetzten Miildestlohn verdiciien. 5. Die Lehranstalten und deren Auswüchse sollen mit allen Mitteln bekämpft werden und die von diesen Angelernten den örtlich festgesetzten Mindestlohn erhalten. Die Diskussion hielt sich im Sinne des Referats. Die R e- s o l u t i o n wird e i n st i m m i g a n g c n o m m e n. Hierauf gab die am ersten Tage gewählte Kommission Bericht über die aufzustellenden Lohn- und Ä r b e i t s b e d i n g n n g e n Nach eingehender Diskussion wurden folgende Normen aufgestellt: 1. Arbeitszeit als Höchstgrenze zunächst neun Stunden pro Tag, für die achtstündige Arbeitszeit ist nachdem energisch einzutreten. In' Geschäfte» mit kürzerer Arbeitszeit ist eine Verlängerung nicht zuzulassen. 2. Regelmäßige II e b e r st u n d e» sind zu vermeiden, wo solche vorkommen, sind 33'/» Proz. Zuschlag zu zahlen; für Sonn tagsarbeit 30 Proz. Bei den Ileberstiinden ist eine viertel- bis halb stiindige Pause einzuhalten und zu zahlen. Die Hausarbeit soll energisch bekämpft werden. 3. Alle Feiertage, auch vom Geschäft angeordnete, sind zu zahlen. Die Lohnzahlung hat innerhalb der Arbeitszeit zu er- folgen. K ü n d ig u ng s z e i t soll 14 Tage betragen und alle kontraktlichen Vereinbarungen mit längerer KündignngSzeit energisch bekämpft werden. 4. Accordarbeit ist abzuschaffen und jede Prämien- arbeit energisch zu bekämpfen und jede Neueinfühning abzulehnen. 5. Die Lehrzeit beträgt 4 Jahre, in welcher mindestens zwei Fächer zu erlernen sind. Lehrgeld soll nicht gezahlt werden. Auf je 3 Gehilfen soll 1 Lehrling kommen und in kleineren Ge fchäften bis 5 Gehilfen ein Lehrling. 6. Hilfsarbeiter und-Arbeiterinnen sind nur zur Hilfsarbeit zuzulassen. 7. Jede Arbeitsvermittclung geschieht durch die von den Ge- Hilfen eingesetzten Arbeitsnachweise uncntgeltlich. Alle Bestimimiiigeii in Arbeitsordnniigcn. welche diesen Arbeits- bediiigiingen zuwiderlaufen, sind zu bekämpfen. Von einem Miniinallohn über ganz Deutschland nahm der Kongreß Abstand, doch soll auf die Orte mit niedrigen Löhnen ein- gewirkt werde», einen örtlichen Miildestlohn aufzustellen. Es wurde noch beschlossen, eine C e n t r a l k o m m i s s i o n mit dem Sitz in Berlin einzusetzen, welche die Agitation unter den Licht- druckern zu pflegen hat, für Durchführung dieser Lohn- und Arbeits- bediuguiigeii zu sorgen und einen Centralarbeitsnachweis einzurichten hat. Nach einem Schlußwort wurde der Kongreß am 2. Pfingsttag mit einem Hoch auf den Verein der Lithographen, Steindrucker und verwandte Benife Deutschlands geschlossen. Gemevkfdzaftlidzes. Der fünfte internationale Kongreß der Textilarbeiter findet vom 1. bis 6. Juni 1902 in Zürich statt. Die provisorische Tagesordnung ist wie folgt festgesetzt: Bericht des internationalen Seiretarials; Bericht der Delegierten der einzelnen Länder; Ab- schaffnng der Nacht- und Ueberzcitarbeit; Verkürzung der Arbeits- zeit; Schließung der Fabriken am Sonnabcuduachmittag; Be- schränkung der Beschäftigung verheirateter Frauen in den Fabriken; Einführung einer Statistik über die Arbeitszeit und über die Löhne in allen Ländern; Gründung einer internationalen Streikkasse und Maßnahmen betr. die Agitation gegen die Schädigung des Alkohol- genusscs.— Auf dem Kongreß werden nicht nur die christlichen Textilarbeiter Deutschlands, sondern auch die Belgiens und Hollands außer den übrigen Gewerkschaften der verschiedenen Länder vertreten sein.'_ Katholische„Gewerkschaften". Der Dclegiertentag des Verbandes katholischer Arbeitervereine Nord- jimb Ostdeutschlands, der zu Pfingsten in Berlin abgehalten wurde, hat die nicht obligatorische Errichtung von Fach- a b t e i l n n g e ii innerhalb der katholischen Arbeitervereine bc- schlössen. Damit ist die Streitfrage, welche den christliche»„Arbeiter- führern" seit Jahr und Tag Anlaß zu heftigen Preßsehdcn und Wort- gefechten gab, im Sinne der'durch die Herren v. Savigny, Fournelle u. a. vertretenen Berliner Richtung entschieden, wenigstens soweit Nord- iiiid Ostdeutschland in Frage kommt.>vo ja die durch Brust und Giesbcrts repräsentierte Richtung der(iiitcrkonfessionellcn) christlichen Gewerkschaften ohnehin nur sehr schwach vertreten ist. Daß die „Fachabteilnugen" hier größeren Anhang finden, ist nicht an- zunehmen. Sicher ist, daß sie für die gewerkschaftliche Be- wegung nicht die geringste Bedeutung haben, denn sie bilden in' den ausschließlich von Geistlichen geleiteten und religiösen Zwecken dienenden katholischen Arbeitervereinen nur eine Dekoration, durch welche der gläubigen Gefolgschaft der Pfaffen so etwas wie eine Interessenvertretung der Arbeiter vorgespiegelt werden soll. In Wirklichkeit sind ja die„Fachabteilungen"— wie bekannt— deshalb gegründet worden, weil den Geistlichen und sonstigen Ver- tretern der Berliner Richtung der leise Haiich modernen Geistes, der hier und da in den christlichen Gelverkschaften zu wehen schien, höchst verderblich vorkommt. Als Bollwerk gegen die konsequente Vertretung der wirtschaftlichen Interessen der Arbeiter sind die„Fnchabteilungeu" errichtet worden. Einen Nutzen können sie freilich stiften, nämlich den: den katholischen Arbeitern, welche nicht völlig blind sind für ihre nächstliegenden Interessen, zn zeigen, daß sie eine Verbesserung ihrer Lebenshaltung niemals erlangen können unter Führung der Geistlichkeit, sondern nur im Zusammen- schluß mit ihren Berufsgenossen in den freien Gewerkschaften, wo die Arbeiter selbst über ihre Angelegenheiten entscheiden. Deutsches Reich. Die Wageuführer der Dresdener Straßcnbahne» werden in den nächsten Wochen eine dauenide Diensterleichterung erhalten. Die Ursache ist folgende: Die Dresdener Stadtverordneten hatten, als sich die Zahl' der tödlichen Straßenbahn- Unfälle im Jahre 1900 gegen das Vorjahr verdoppelte(von 7 auf 14) und die Zahl der übrigen Unfälle von 320 auf 401 stieg, einen Ausschuß zum Studium der Ursachen der Unfallsteigerung eingesetzt. Der Ausschuß ermittelte, daß die meisten Unfälle in den Straßen vorgekommen seien, in denen der elektrische Betrieb erst kürzlich eingeführt sei. In der verkehrsreichsten Straße, wo die Anwohner und besonders die Kinder mit den Gefahren des Betriebes schon lange vertraut waren, hätte man die wenigsten Unfälle zu ver- zeichnen gehabt. Zur Verringerung der Unfallziffer empfiehlt der Ausschuß den städtischen Kollegien in erster Linie die überlange Dienstzeit der Wagenführer abzukürzen. Er ist also der Meinung, daß das kapitalistische Ausbeutungssystcm die indirekte Quelle der meisten Unfälle ist. Die Hauptvorschläge des Ausschusses, die zweifellos angenommen werden dürsten, sind: Ermäßigung der 14 stundigen Arbeitszeit auf 12 Stunden; Ruhezeit von 3 Stunden auf jeden Tagesdienst; innerhalb 3 Wochen 3 Dicnstpausen von iniudestens je 28 Stunden; Pausen von einer halben Stunde und weniger sind als Dienstzeit zn rechnen. Ansnahnien von diesen Diensterleichterungen sind zulässig. So darf innerhalb je 7 Tagen die Dienstzeit auf 14 Stunden erhöht werden. Da diese Maßregeln nicht zum Schutz der Arbeiter, sondern nur zum Schutz des Stratzenpubliknms getroffen werden sollen, so werden sie auch nur für die Wagenführer und Signalwärter beantragt. Das übrige Bctriebspersonal hat keinen Anspruch auf achtstündige Ruhezeit. Es inuß sich die Pausen von der Arbeitszeit abrechnen lassen, die 14 Stunden betragen darf. Der Malerstreik ln Pose» ist in der vorigen Woche durch einen Vergleich vor dem Einigungsaint beigclsgt worden und zwar unter folgenden Bedingungen: lOstündige Arbeitszeit, Mindestlohn für gelernte Maler unter 21 Jahren 33 Pf., über 21 Jahre 33 Pf.. Anstreicher 28'/2 Pf. pro Stunde. Letztere sollen vom 1. April 1903 ab 30 Pf. Mindestlohn erhalten. Für Ucberstniiden und Sonntagsarbcit wird ein Aufschlag von 10 Pf., für Nachtarbeit ein solcher von 20 Pf. gezahlt. Die Vereinbarung gilt vom 15. Mai d. I. ab auf 2 Jahre »nd kann mit halbjähriger Frist gekündigt werden. Am Mittwoch dieser Woche ist die Arbeit unter den vorstehenden Bedingungen wieder aufgenommen worden. Die Lohnbewegung hatte auch den günstigen Erfolg, daß sämtliche Maler und Anstreicher in Posen der Organisation beitraten. Hoffentlich bleiben sie derselben auch treu. Die Zimmerer in Nciuniiustcr hatten im November vorigen Jahres den Unternehmern die Forderung auf 30 Pf. Stuiideulohn und 9>/s stiindige Arbeitszeit eingereicht. Es fanden Verhandlungen statt, in deren Verlauf die Arbeiter ihre Forderung auf einen Stnndenlohn von 48 Pf. ermäßigten, der dann im nächsten Jahre ans 30 Pf. erhöht werden sollte. Im März dieses Jahres erklärten die Vertreter der Unternehmer, daß sie diese Forderungen der Innung zur Annahme empfehlen würden. Bald darauf lehnten die Unternchnicr aber die Forderung der Arbeiter rundweg ab. Unter diese» Umständen beschlossen die Zimmerer am letzten'Mittwoch i n den Streik z u treten. Ausland. Zweitausend Bergarbeiter streike» in Biclitz(Ocstreichj seit dem 17. d. M. Die Unternehnicr hatten diesen Ausstand in gc- wisseuloser Weise provociert. Durch Kündigung lvollten sie alle Arbeiter zur Annahme einer überaus ungünstigen Arbeitsordnung zwingen. Der Kniff ist aber fchlgegaiigcn,' indem die Arbeiter iii einer massenhaft besuchten Versammlung beschlossen, die Entlassung zn nehmen und im Ausstände zn verharren, bis die Unternehmer von der Octroyicrung dieser nngiiiistigen Arbcitsordiinng absähen. Die Streiks in Italien im Jahre IKOO. Das letzte Vulletin des Ackerbanmiuisters enthält eine summarische Znsammen- stellung der Streiks in Industrie und Landlvirtschaft im Jahre 1900. In der Industrie waren 383 Streiks zu verzeichnen; davon endeten zu Gunsten der Arbeiter 112, während 128 erfolglos blieben. Bei den andren 143 Streiks wurden zivar einige Konzessionen erreicht. aber nicht alles, lvas die Arbeiter gefordert hatten. Ein großer Teil der Streiks war von sehr geringer Dauer, 208 dauerten nicht länger denn 3 Tage, 103 hatten eine Dauer von 4—10 Tagen, 33 dauerten 11—30 Tage und 13 dauerten über 30 Tage. An den 383 Streiks waren 80 838 Arbeiter(39 750 Männer. 16 392 Frauen und 4716 Kinder) beteiligt, die insgesamt 493 093 Arbeitstage ver- koren. Was das Streikobjekt anlangt, so teilen sich die Ausstände ivie folgt: für eine Lohnerhöhnng 181, für Verkürzung der Arbeits- zeit 31, gegen Lohiireduktionen 29, gegen die Verlängerung der Arbeitszeit 6. aus verschiedenen Gründen' 136. Neben diesen Streiks in der Industrie lvaren nur 27 landwirtschaftliche Streiks zn ver- zeichnen, 22 davon wurden geführt, um eine Lohnerhöhung zn er- reichen, 3 gegen Lohnreduktionen. 1 für bessere Beköstigung und 1 gegen die Accordarbeit._ Aus Indttst�iv und Mündel. HandelSkammrrwahl. Auf der Taxiesordnunq der gestern abgehaltene» Sitzung der Berliner Handelskammer stand als wich- tigster Verhaudlungsgegeiistaiid die Beschlutzfassung über den Bericht der Kommission belrefss des gegen die Wahlen eingelegten Protestes. Nach längerer Debatte, die auf Vorschlag des Präsidenten, des Geh, Kommerzienrats Herz, unter Ausschlusz'der Oefsentlichkeit stattfand, erklärte die Handelskammer die Wahlen für gültig und gab dem Einreicher des Protestes anheim, auf dem Wege des Berwaltungs- streitverfahrciis eine richterliche Entscheldung über die Gültigkeit herbeizuführen. Saatcustand in Preußen. Nach dem soeben veröffentlichten amtlichen Bericht Hai sich seit Mille April der Stand der Saaten i» Prcujzen bedeutend verschlechtert, wenn er auch im ganzen immerhin ein etwas besserer ist. als Milte Mai des vorigen Jahres. ES standen(Nr. 2-=. gut. Nr. 3= mittel. Durchschnitt. Nr.»= gering): Mitte Mitte Mitte Mai ltK)2 April 1902 Mai 1901 Wintcrlveizen. 2,5 2,3 3,8 Sommerweizen. 2,7— 2!« Wiiiterspelz.. 2,3 2,2 2/2 Winterroggen. 2,3 2,0 3.2 Soiniiierroggen. 3.0— 2.7 Sommergerste. 2.».— 2.5 Hafer.... 2.9— 2,5 Zkartoffeln... 2.9— 2.7 Klee..... 2,9 2,7 3,3 t-'uzerne... 2,9 2�5 3�0 Wiesen.... 3,2 2.« 2,8 Wegen Ausivinterung, Mäuseschadens, Schneckenfrasses u. dergl. timgcpflngte Flächen betragen bei Winterweizen 0,27, bei Winter- roggen 0,17, bei Klee 1,05 und bei Luzerne 0,73 Proz. In den Benierkuiigen der„Statistische» Korrespondenz" hierzu heißt eS: DaS stürmische, naßkalte Weller allein wäre den prächtig durch den Wiutcr gekommencn Saaten, Futlerschlögen und bereits aufgelaufeuen Sommersaaten kaum schädlich geiveseii, wenn sich nicht seit Ausgang vorigen Monats in allen Landesteileii fast ununler- brochene Nachtfröste hinzugcsellt hätten. Der Umfang des durch Nachtfröste den Saaten zugefügten Schadens lasse sich zur Zeit noch nicht mit Sicherheit übersehen; steige aber die Temperatur recht bald. so iverde vieles wieder gut gemacht werden. Am besten habe der Winterweizen, welcher kräftig bestockt aus dem Winter gekommen sei, mit Ausnahnie der englischen Sorten die Ungunst des Wetters ertragen. In einigen Gegenden, ivohin zu viel Nässe gekommen sei, zeige er eine braune Farbe; hier werde Nostbilduug befürchtet; inimerhin habe der Weizen nur geringen Schaden erlitten. Etwas ungiinstiger lauteten zum Teile die Berichte über den Winter- roggen. � Sei er im ganzen auch geringer geivorden gegen den Vor- monat, �so werde doch für sei» Gedeihen noch nicht gefürchtet, sofern bald wärmeres Wetter komme. Sommerweizen und Sommerroggen seien meist gut aufgelaufen, iveniger aber Sonimergerste und Hafer, von welchen noch nraiiches Ackerstück einzusäen, teilweise auch zu be- ackern sei. Die Bestellung der Kartoffeln sei am meisten im Rück- stände. Victoril» z» Berlin. Die allgemeine Versicherungs-Aktien- Gesellschaft„Victoria" versendet soeben ihren Recheiischäflsbericht für das Jahr 1901. Die Gesamtzahl der in der Lebens- und Unfallverstcherungs- Abteilung eingereichten Versicherungsanträge betrug danach 393 766, ivovon auf die Lcbensversicherungs- Abteilung 364 560 Anträge mit einer Versicherungssumme von 160180 895 M., auf die Unfallversichenliigs- Abteilung 29 206 Antrage mit 304 Millionen Mark für den Todesfall. Ver- sicherungssumuie, 576 Millionen Mark für den Jnvaliditätsfall, 198 000 M. für tägliche Entschädigung entfallen. Die Gesamt- einnähme an Prämien und Zinsen betrug 78 375 901 M. und zeigt gegen das Vorjahr eine Vermehrung von 7 005 203 M. Die Gesamt- rcserven aus allen Abteilungen betrugen 307 557 693 M. und die gesamten Aktiva erreichten die Höhe von 319 784 538 M. Der erzielte Uebcrschuß belief sich auf 17 135 218 M. gegenüber 14110 213 M. im Vorjahre. Davon erhalten nach Abzug der dem Reservefonds zu überweisenden Summe die Aktionäre der„Victoria" eine Dividende von 240,00 M. pro Aktie und die mit Gewinnanteil Versicherten zusammen 15 815 567 M. Vereinigung der Breölauer DiSkontobank mit der Darm- städter Bank. Die Gcneralversammlungsbeschlüsse der Breslauer Diskontobauk betreffs ihrer Vereinigung mit der Dnrmstädter Bank kommen nunmehr zur Ausführung und haben deshalb die Aktionäre der ersteren ihren Aktienbesitz setzt einzureichen und sich zugleich darüber zu entscheiden, ob sie den Teil der Aktien, der nicht der beschlossenen Herabsetzung unterliegt, behalten oder in Aktien der Darmstädter Bank umtauschen ivollen. Die Herabsetzung geschieht entsprechend der Reduktion des Kapitals der Breslauer Diskonto- dank von 45 Millionen auf 25 Millionen Mark derart, daß von je 5400 M. Aktien 2400' M. zum Kurse von 91 Proz., also mit 2134 M. nach Ablauf des Spcrrjahrcs, das ist voraus- sichtlich Anfang Juli 1903, eingelöst iverden, während rest- liche 3000 M. gültig bleiben. Zugleich stellt die Darmstädter Bank den Aktionären der Diskontobank anheim, auch die dem Be- sitzer von 5400 M. Brcslauer Diskontobank-Aktien nach der Kapitals- Herabsetzung verbleibenden 3000 M. Diskontobank- Aktien in 2000 M. Darmstädter Bankaktien unter Vergütung eines Barbetrages von 150 M. umzutauschen, indem sie zur Vereinfachung der Transaktion sich bereit erklärt. anch die Einlösung der zur Zurückzahlung gelaugenden Aktien der Breslauer Diskontobauk übernehmen zu wolle», also von je 5400 M. Aktien der Diskontobank sofort 2400 M. mit 21,84 abzüglich Zinsen aus- zuzahlen.__ Sorislrs. Znr Steinarbeiter-Verordniing. In der„Socialen Praxis" bespricht Prof. Dr. med. Sommerfeld in Berlin die Steinarbciter- Verordnung des Bundesrats. Dr. Sommerfeld hat mehrfach umfangreiche Untersuchungen des Gesundheitsstandes der Steinarbeiter vorgenommen, er ist mit den Verhältnissen dieser Arbeiter vertraut und daher zur Abgabe eines Urteils besonders berufen. Nach Z 1 der Verordnung Ivird die Errichtung heizbarer Schutz- Hütten nur für solche Betriebe vorgeschrieben, in denen regelmäßig fünf oder mehr Arbeiter beschäftigt iverden. Dr. S. macht darauf aufmerksam, daß es sich hier meist um Saisonbetriebe handelt und häufig in einem Betriebe nur 3—4 Arbeiter und dann wieder die vielfache Anzahl beschäftigt werden, so daß die Vorschrift des ß 1 unzulänglich ist und nur zu Streitigkeiten Anlaß bietet. Bei Be- schäftigung der Arbeiter auf Bauten soll der Unternehmer zur Er- richtuug von Uuterkunftsräumen nicht verpflichtet sein. Dazu weist Dr. S. darauf hin, daß Steinmetzen an Bauten meist monatelang be- schäftigt zu sein pflegen und deshalb die Ausnahme nicht gerechtfertigt ist. Die Ivichtigsten Mängel der Verordnung, die Dr. S. hervor- hebt, sind, daß sie auf Steinbildhauer keine Anwendung findet und daß für den Eintritt in den Beruf des Stcinarbeiters kein be- stimniteS Mindestaltcr und keine ärztliche Gesundheitsbescheinigung vorgeschrieben sind. ' Wie notwendig die Verordnung übrigens war, dafür liefert der neueste Berickit der hessischen G e w e r b e« I n s p e kti 0 n einige drastische Belege. So verlangte die Darmstädter Inspektion (vor Erlaß der Verordnung) von dem Inhaber eines größeren Stein- bruchbetriebes die Errichtung eines heizbaren Unterkunftsraumes. Der Unternehmer beschwerte sich darüber beim Ministerium und sagte zur Begründung der Beschwerde, daß ein solcher Raum nur dem Blaumachen der Arbeiter Vorschub leisten würde, und auch in Anbetracht der geringen Anzahl Leute eine Hütte nebst Ofen nicht erforderlich wäre. Die Beschwerde wurde jedoch vom Ministerium abgewiesen und dem Unlernehnier überdies aufgegeben, auch noch in zwei andren ihm gehörigen Steinbrüchen ebenfalls Schutzhütten zu errichten Diese Weisung suchte die Firma dadurch unwirksam zu machen, daß sie sämtlicheArbeiter einSchriftstück uuterzeichnen ließ, worin die Arbeiter erklären mußten, daß sie auf S ch u tz h ü t t e n verzichteten. Nachdem jedoch Kreisgesundheitsanit und Gewerbe-Jnjpektion nach Besichtigung der Arbeitsstätten die Schutzhütten trotzdem als notwendig erachteten, ließ die Firma endlich durch ihren Vertreter erklären, daß sie die Hütten erbauen lassen wolle. Eine andre Steinbruchsfirma, der die gleiche Auflage gemacht wurde, erklärte in ihrer Beschwerde, daß ein heizbarer Unlerkunftsraum nicht im Interesse der Gesundheit der Steinarbeiter liege, da der möglichst ausgedehnte Auseiithall in der freie» Luft geeignet sei, spcciell die Almungsorgane zu kräftigen, die durch die Ausübung des Beruses an, wenigsten angegriffen würden. Würde nun im Winter die Schutz- Hüne geheizt, so fände gewöhnlich eine Ucberheizuiig statt, und so würde nachher bei dem Austritt in die freie Luft erst recht der Keim zu schiverer Krankheit gelegt. Auch diese Unternehmerweisheit fand kein Verständnis bei der hessischen Behörde._ Kinder alS ZeitungSfalzer. Nach§ 135 der Gewerbe-Ordnung dürfen Kinder unter 13 Jahre» in Fabriken nicht beschäftigt werden. Das Ober-Verwallungsgericht hat jetzt, wie der„Volks-Ztg." mit- geleilt ivird, entschieden, daß auch das Zeitungsfalze» als Fabrik- arbeil anzusehen sei, selbst wenn es, ivie es in dem zur Aburteilung gelangten Falle eines Buchdruckcreibesitzers K. geschehen war, außer- halb der Druckerei, in der Expedition, vorgenommen iverde.— Also dürfen schulpflichtige Kinder unter 13 Jahren zum Zeitungsfalzen nicht mehr Verwendung finden. Die Einheitsschule bildete das Thema der 4. General- versa mm tu» g preußischer Volksschullehrerinnen in der Miilwoch-Sitziing. Fräulein Marie L i s ch n e w s k a aus Spandau hielt einen ausführlichen Vortrag dazu. Mit großer Be- geislerung, getragen von ivarmer Liebe für die Schule und das sittliche und geistige Wohl der Kinder trat sie für die Einheits- schule ein. Um deswillen sei ihr auch die Konfusion verziehen, die sie dabei anrichtete, indem sie zugleich über Socialismus und Kapitalismus, Klassengegensätze und Klassenstaai, Nationalismus und Internationalismus sprach. Einige Sätze aus diesen Kapiteln genüge» zur Kelinzeichnung: Die Hoffnung der Arbeiterklasse. sie iverde dem Kapitalismus mit Erfolg entgegentreten können, habe sich als Phantasterei erwiesen.— Alle socialen Gegensätze seien Bildnngsgegensätze.— Durch die Einheitsschule würde vielleicht das furchtbare Wort vom Klassen- staate ausgerottet werden. In dieser Weise redete das Fräulein»och mancherlei ES soll aber nicht verkannt iverden. daß sie auch für die materielle Not der Arbeiter volles Verständnis zeigte und dem Idealismus der Arbeiterbeivegung An- erkennung zollte. Sie hätte nur nicht über Dinge reden sollen, die ihren, Gesichtskreise anscheinend recht fern liegen und über die sie sich nicht unterrichtet hat. Der Vortrag fand übrigens stürmischen Beifall und nach einer im Sinne des Vortrages geführten Diskussion wurde eine Resolutioil für die Einheitsschule angenommen, obivohl zwei Hallesche Schul- direkioreu dagegen aufgetreten waren. Ans der Fvnnrnbr>negttng. Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. Momag. den 26. Mai, abends 8Vs Uhr, in den„Armiuhallcn", Kommandantenstr. 20, wird Frau Wally Zepler über„Kommunistische Gemeinden" sprechen. Gäste willkommen. Der Vorstand. Das Vereinsrecht der Franen. Wegen Anwesenheit von Frauen ivnrde am 21. d. M. in Kiel eine Mitgliederversammlung des Ceutralverbaudes der Handlungsgehilfen aufgelöst. Die Aus- lösung erfolgte gleich bei Beginn nicht etwa wegen des verhandelten Gegenstandes, sondern auf die bloße Thatsache der Anivesenheit von Frauen hin. Die Auflösung ist natürlich ganz ungesetzlich und die Beschwerde wird das hofientlich auch dem überwachenden Beamten klar machen._ VevlÄmmlnngon. In einer öffentliche» Metallarbciter-Versainmiung. welche am 15, Mai in der„Königsbanl" stattfand, referierte Kollege Wiesenthal über:„Das Verhalten der Streikbrecher bei der Finna Stein." Nachdem der Referent noch eimnal die Ursache des ver- loren gegangenen Streiks klarlegte, kam er auf das Verhalten der Streikbrecher bei Stein zu sprechen und kritisierte das Ver- halten derselben auf das schärfste. Wie bekannt, verprügelten die Streikbrecher von Stein den Kollegen Weinberg. welcher daselbst Zettel für eine Wcrkstatt-Vcrsammluug verteilte. Nach einigen Tage» entblödeten sich die Streikbrecher nicht, an das Verbandsbureau der Metallarbeiter folgende Karte zu schreiben: „Wir erklären, daß wir in keiner Werkstatt-Versammlung erscheinen, die vom Deutschen Metallarbeiter-Vcrband einberufen wird, wir ivollen unsre Lage nicht verschlechtern, sondern verbessern, aber ohne den Verband, wir haben großen Verdienst bei unsrer Finna, haben es nicht nötig uns zu organisieren. Sollten jedoch Ivir wieder zu einer Versaminlung eingeladen iverden, dann schicken Sie uns den Bersainmlungs-Zettelverteiler ruhig nach unsrer Firma hin. die Ant- ivort ist, er kriegt furchtbare Schläge mit der Nilpferdpeitsche.— Der größte Teil der Arbeiter Steins." In der darauf folgenden DiS- flissioii sprachen sich sechs Kollegen scharf über das Vorgehen der Streikbrecher bei Stein in der Vlumenstraße aus. Zum Schluß wurde eine Resolution angenommen, Ivelche den bei der Firma Gebr. Stein beschäftigten Arbeitern für ihr Verhalten der Organisation gegenüber ihre größte Mißachtung ausdrückt. Tic städtischen Laternenanzünder ivaren in einer gutbesnchten Versammlung am Donnerstagvonnittag in S t e ch e r t S Fest- s ä I e n versammelt, um Stellung gegen die Bebaiidluiig seitens ihrer vorgesetzten Controleure zu nehmen. DaS Mitglied deS Arbeiter- ausschiisses. Band, gab ein anschauliches Bild der ihm zugegangenen Beschwerden und Wünsche bezüglich der Behandlung des Ausschusses und des dienstfreien Tages und forderte die Anwesenden auf, ihre Meinung zum Ausdruck z» bringen, damit der ArbeiterauSschuß ei» recht klares Bild erhält, um dcmentsprcchende Aenderungen herbeizuführen. In der sehr lebhaften Diskusfion wurde besonders darauf hingewiesen, daß der Dezernent. Stadtrat NamSlau, vor einiger Zeit die Wichtigkeit der Ausschüsse anerkannt und jedenfalls»auch nicht mit der jetzigen Anordnung, den dienstfreien Tag zum Laternenputzeu zu verwenden, einverstanden sei. Bon andrer Seite wurde mitgeteilt, daß selbst an den hohen Feiertagen geputzt ivorden ist. Man sollte dazu übergehen, die Kollegen mit ihren Leitern des Sonntags von Schutzleuten arretieren zu lassen, um dadurch festzustellen, ob eine derartige von den städtischen Behörden verlaugte Arbeit gestattet sei. Folgende Resolution fand cinstinmiige Annahme:„Die heute in einer öffentlichen Versammlung tagenden Laternenwärter Berlins protestieren gegen die Achlinigs- Verletzung und Richtwürdigung ihres Arbeitcrausschusses von seilen der Beamten des öffentlichen Beleuchtungsivesens. Sie beauftragen den Ausschuß, eine Sitzung bei der Verwaltung z» beantragen, mit der Tagesordnung: ob die Verivaltung der städtischen Gaswerke ihren Arbeiterausschuß auch als wirklich vennittelnde Körperschaft zwischen der Verwaltung und ihren Arbeitern anerkennen will. Die An- ivesenden erklären sich mit den Anschauungen des ArbeiterauSschuffes solidarisch." Centralverband der Civilmustker Deutschlands(Orts- Verwaltung Berlin). Eine überaus lebhaste Blindendebatte be- herrschte die letzte außerordentliche Mitgliederversammlung. Mehrere blinde Kollegen haben zur Wahrung ihrer Interessen und Hebnug ihrer wirtschaftlichen Lage einen Verein- erblindeter Musiker ge« gründet und sich mittels Cirkulare an die Oeffentlichkeit um Unter- stützung geivandt. Da dem Ortssiatut zufolge die Mitglieder keinenr andren Musikverein angehören dürfen, wurde ein Antrag ein- gebracht, nach welchem die blinden Kollegen aufgefordert wurden, ihren Sonderveretn aufzulösen eventuell aus dem Central- oerband auszuscheiden. Kollege R i ch t st e i g, Mitunterzeichne� des Cirkulars. schildert in' beredten Worten die traurigo wirtschaftliche Lage seiner Leidensgcsähricn. zum Teil bedingt durch! Verstäudnislostgkeit der nieisteii sehende» Kollegen, welchen dis Blinden überall im Wege stehen, und die deshalb bei den Geschäften zurückgesetzt wurden, wobei ihr Gebrechen als Vorwand benutzt ivird, Diese nicht wegzuleugnenden Thatsache» scicu der Grund, ivclchcr die Blinden veranlaßle, den Verein blinder Musiker ins Leben zu rufen. Von andrer Seite wurde die Qualifikation der Blinden zum Bernfsmusiker in Frage gestellt, dieselben sogar als Dilettanten hingestellt. Auf diese Äeußerung giebt der Kollege Becker(ebenfalls Milliiiterzeichner des Cirkulars) eine intcrcssante Erklärnng ab. in welcher Weise die mustkalische Ausbildung der Blinde» stattfindet. Nach einem Schlußaiitrag ergab die Abstimmung 44 Stinimen für den gestellten Antrag, 16 Stimme» dagegen. 5 St. ungültig. Nach dieser Abstimmung erkläri Kollege R i ch t st e i g im Name» der Mitglieder des Vereins blinder Musiker, gegen diesen Beschluß beim Hauplvorstand Prolest einzulegen. Kollege Hoch, Mitglied der Maifcier-Kommission, berichtet, daß an diesem I. Mai bedenleiid mehr Mitglieder beschäftigt waren wie im vorigen Jahr. Uetzte Machvichtett und Depeschen. Neue Centrumskniffe. Frankfurt a. M., 22. Mai. Die„Franks. Ztg." berichtet auS Bonn: In der gestrigen Vertraueiisinänner-Versammlung der hiesigen CentrumSpartei. in welcher der Zolltarif erörtert wurde, erklärte Abg. Spahn, zweifellos bedeute der Schutzzoll ein Mittel zur Förderung der Syndikate. Hiergegen eine Schutzivchr aufzu- richten, sei daher anch die Centrumsfraktion unter Umständeir fest entschloffen. Nachdem es doch schon ruchbar ge- worden sei. stehe er nicht an zu erklären, daß in seinem Pult ein Syndikats- Gesetzentwurf fix und fertig liege. Die CentrumS- Partei will jedoch den Zolltarif inchl mit neuen Schivicrigkeiten belasten und halte daher den Enttvurs vorläufig zurück. Der Ztveck des Gesetzentwurfes ist Schutz der Bedarfsartikel für die großen Mafien, event. mit Strafen. «» » Da? Ccntrum ist unerschöpflich, um seine Gläubigen über den Zollwucher durch allerlei Versprechungen himveg zu täusche». Nach der famosen Witiven- und Waisen-Versicherikng. dem Antrag auf Aufhebung der Lebensmittelsteilern in den Gemeinden, kommt nun die Ankündigung eines— Antikartellgesctzes. Alles das sind aber nur politische Anweisungen auf das Jenseits, leere und trügerische Zusicherungen. Das Centrum wird sich hüten, sein Syndikatsgesctz, lvie es allein zweckmäßig und notwendig iväre, in das Z 0 l I g e s e tz selbst hineinzuarbeiten. Nein, erst stärkt eS das Kariellivescn durch die Zölle und wenn es das gethan— dann nimmt es vielleicht eine kraftlose Resolution gegen die Kartelle an. Diese Politik der Täuschungen sollte doch wenigsteiis elivas schlauer betriebe» werden. Auf d t e Finten fällt niemand herein. Jnteruationalcr Bergarbeiter-Kongreff. Düffeldorf, 22. Mai.(W. T. B.) Der internationale Bergarbeiter- Kongreß nahm heute zivei Anträge an, welche sich auf die H a f t p f l i ch t der Arbeitgeber beziehen. Der eine von den belgischen Dcle- gierten eingebrachte Antrag verlangt Heranziehung der Arbeitgeber zur EntschädigungSpflicht für Unglücksfälle und Haftbarkeit der Ar- beitgeber, während nach dem andern, von den englischen Delegierten eingebrachten Antrag der Kongreß ein Haftbarkeils- Gesetz der Arbeitgeber in solcher Fornr erstreben soll, daß bei allen Unglücks- fällen, welche Arbeitern in den Gruben oder in deren Nähe zustoßen, vom ersten Tage an Entschädigung zu leisten ist. Ferner nahm der Kongreß zwei in der Hauptsache gleich- lautende, von französischer und von englischer Seite eingebrachte Anträge an, wonach die Bergarbeiterschast aller Länder eine gesetzliche Festsetzung des Minimallohnes erstreben soll. Schließlich nahm der Kongreß einstiiinnig eine Resolntion a», die sich für V e r st a a t l i ch u n g aller Bergwerke ans- spricht._ Revolte russischer Gefangenen. Wien, 22. Mai.(B. H.) Nach Meldungen auS Kowno(Ruß' land) fand im dortigen Strafhause eine Vcrschwöning der politischen Häftlinge statt', weil mehrere internierte Studenten brutal behandelt wurden. Die Fcnsterschcibc» und Eisengitter des Gefängnisses wurden zertrümmert. DaS Gefängnispersonal konnte der Rcvollierenden nicht Herr iverden, iveShalb Militär znr Herstellung der Ruhe requiriert wurde. Die Teilnehmcran der Verschwörung ivnrdcn schtvcrcn Züchligunge» unterworfen, was unter der Bevölkerung große Aufregung hervorruft._ Dcputiertenkainmrr. Rom, 22. Mai.(SB. T. B.) Minister deS Slcußern Prinetti bemerkt. dadurch, daß man durch unangebrachte Ratschläge die Frage der handelspolitischen Verhandlungen in die Oeffentlichkeit ziehe, erschwere man die Thäligkcit der Regierung und ihrer Bevollmächtigten bei den Verhandlinigen. Er sei erstaunt, daß Devili von der Regierung die Grundsätze zu ivissen behaupte, von denen dieselbe sich bei den Zugeständnissen, die sie machen könnte, werde leiten lassen. Er halte es gerade für die Pflicht der Regiermig, über diese Grundsätze vor dein Parlament keine Erklärung abzugeben. (Lebhafter Beisall.) Hierauf wird die Sitzung auf morgen vertagt. Vom Kongo. Brüssel, 22. Mai. 23. M« IWZ� des BerdudeS der Perjelliumdeiler Sitzung vom 22. Mai. Von der Zahlstelle Weißwasser ist ein Antrag eingegangen auf Einführung� permanenter statistischer Erhebungen über die Löhne der Mitglieder. Der Antrag ivird von Stürtz- Wcißlvasser begründet, von allen Rednern sympathisch beurteilt und einstimmig bei namentlicher Abstiiiunnng angenommen. Ei» weiterer Antrag, eine die gesamten B e r u f s v e r h äl t n i s s e umfassende S t a t i st i k betreffend, wird dem Vorstand über- wiesen.— Anknüpfend an einen Antrag der Zahlstelle Köppelsdorf wird der ungeheure Wucher zur Sprache gebracht, der in vielen Betrieben der Porzellanindustrie Dcntschiands dadurch ge- trieben wird, dag die Arbeiter gezwungen werden, Arbeitsmaterial wie Gold, Farbe, Pinsel usiv. von ihrem Arbeitgeber zu beziehen und mit einem oft geradezu unverschämt hohen Preise zu bezahlen. Gold, das vom Arbeitgeber für 340 M. per Kilo eingekanft wird, müssen die Arbeiter ihm für Sbl) M. wieder abkaufen. In einer Fabrik in Ilmenau werden jährlich über 14 000 M. am Gold ver- dient, das die Arbeiter zu kaufen gezwungen werden. In den ver- schicdenen Fabriken im Bezirk Selb schivankl der Preis für ein bestimmtes Qiiantuni Gold zwischen 4,10 M. und 6 M. In ähn- licher Weise ivird besonders mit den Farben geivuchert. In einige» Fabriken haben die Arbeiter vergebens versucht, den Preis, zu dem der Arbeitgeber das Gold einkauft, festznstelleil; die Goldfabrikantcn weigerten sich, den betreffenden Arbeitern Gold zn verkaufe», die Arbeitgeber hatten sich offenbar das alleinige Vcrkaufsrccht gesichert. — Wo Ilm ann machte den Vorschlag, mit Hilfe der Organisation an de» einzelnen Orten einen ortsüblichen Preis für das Matcrial feslznstellen und damit die Möglichkeit einer Klage auf Grund der Gelvcrbe-Ordnnng zu schaffen. Bisher war es nicht möglich, ans diesen, Wege dem Unfug zu steuern. Ans Rülksicht darauf, das; diese Frage eng mit der Lohnflage zusammenhängt und große Schwierigkeiten bietet, werden keine bestimmten Beschlüsse hierzu gefaßt.— Die Kommission zur Sanierung der Kassen- Verbältnisse hat inzwischen ihre Arbeit beendet und eine genau ausgearbeitete Vorlage über die Festsetzung der Beiträge entsprechend den Durchschnittslöhnen und der Untcrstütznngssätze eingebracht. Es entspinnt sich hierüber eine längere Debatte.— Diese Debatte! wird in der N a ch m i t t a g S s i tz u n g fort- gesetzt. In längerer Rede führt S a b a t h, der Vertreter der Generalkommission, aus, daß die von der Kommission vor- geschlagenen UnterslütznngSsütze außerordentlich hoch angesetzt sind im Verhältnis zu den Beiträge». Von einigen Delegierte» wird die Befürchtung geäußert, daß die Beitragserhöhung, die mit der Annahme der Vorlage für die Mitglieder, die nur in einer niederen Stufe versichert sind, eintreten würde, eine» Mit- gliederverlust und eine Erschwernng der Agitation herbeiführe» würde. Andre Delegierte sowie der Kassierer und der Verbands- Vorsitzende sprechen entschieden für die Vorlage. Die Vorlage wurde schließlich nach einer Abänderung der Skala mit großer Mehrheit a n g e n o m m e n. Folgende sind die Hanptbestiminungcn, die hiermit festgelegt wurden: Jedes Mitglied ist v e r p f l i ch t e t, sich scincin Verdienst entsprechend z u versichern und zwar bei einem Durchschnitts- verdienst bis 8 M. in die 4 M.-NliterstntzttiigSstnfc. Beitrag 10 Pf. 8-12„,„ 6..„ 20„ 12—15 ,„,8,„ ,25,, 15-18..... 10... 30. 18-21.„ 12„„. 35, über 21 „ U 40 Für männliche Mitglieder soll der Veitrag mindestens 23 Pf.. für Lehrlinge nnd weibliche mindestens 10 Pf. betragen. Die Zahl- stellen-Verivaltungeii sollen am Schluß des Jahres den Jahres- verdienst der einzelnen Mitglieder feststellen und daraus den Wochen- bciirag für das laufende Jahr berechnen. Die Unterstütziiiigeu sollen bei Arbeitslosigkei: gewährt werden: nach Ijährigcr Mitgliedschaft bis zu 6 Wochen 2 3 4 8 10 12 » 5„ ,,„,14, Das Prämiensystem, wonach Mitglieder, die dem Verbände mehr als fünf oder zehn Jahre angehören/ Extra- Unterstützung erhalten. wurde beibchallen. Der Beitrag für das Vcrbandsorgan wurde für männliche Mitglieder von 25 auf 50 Pf. pro Quartal erhöht, er beträgt für Lehrlinge und weibliche Mitglieder 25 Pf. Außerdem ist noch zu bemerken, daß der Prozentsatz von de» Beiträgen, der den Zahlstellen yerbleibt, von 15 auf 8 Prozent herabgesetzt wurde. «»ßerdem wurden noch mehrere Anträge von weniger einschneidender Bedeutung erledigt.__ Koiigrcß der Steimdeiter DeiltschlMds. Leipzig, den 21. Mai 1902. Die Vcrhaiidlinigen über die Organisationsänderung wurden fortgesetzt. Zunächst hielt Fink- Dresden zu den gestrigen Referaten von Lange und Riegel ein Korreferat. Er hob hervor,.daß, wenn einmal ein Verband geschaffen werde, es besser sei, wenn die Pflastcrarbeitcr sich mit den Steinsetzern nnd die Steimnctzen sich mit den Maurern vereinigen. Die VcrbandSform nütze aber nicht, weil die Betriebe der Großstädte zu Reparatur- Werkstätten herabsinken und die Arbeit in den Brüchen gemacht werde. Diese selbst lägen aber verstreut auf dem Lande, und die Steinbrucharbeiter seien für eine feste Organisationsform nicht z» haben, sie würden das paragraphcnreiche Statut nicht verstehen. Der Bewegung selbst würde durch Beseitigung der lokalen Organisation nur eine Zlvangsjacke angelegt. Man wolle schließlich bloß die lokal angesammelten Fonds für den Ver- band haben. Die Ertveiterung der Unterstütznugs- Ein- lichtunge würden aber den Kanipfcharakter der Organisation vertvischen und sei eine Beitragserhöhung nicht durchzuführen. Außerdem käme man durch den Verband dazu, immer mehr Beamte anzustellen, der Erfolg würde eine weitere Steigerung der Beiträge sein. Die Beseitigung der Fluktuation durch den Verband werde nicht eintrete». Die Unterslützuiigseinrichtimgen in andren Verbänden haben ganz außergewöhnliche Bcitragslcistnngcn hervorgerufen. Die Dresdener Kollegen seien gegen die Einrichtung eines Verbandes. In demselben Sinne sprach Mittcnmeyer. Er meinte, daß andre Verbände für sie nicht vorbildlich sein könnte, da siiiie Berufe sich auf die Städte konzeiilrieren. während die Steinarbeiter auf dem Lande verstreut sind, im Fühlen und Denken auch noch weit hinter den Arbeitern der Großstädte zurückständen. Für Gründung des Verbandes traten S ta r ke- Wechselburg. Stau- d i n g e r- Nürnberg, O s>v a I d- Berlin und Schmidt- Dresden ein. Sie hoben hervor, daß aus den bisherigen Geschäftsberichten ersichtlich sei, daß es so nicht weiter gehen können. Die Disciplin sei bedenklich geschwimden und mit dem Kasse, ibestande könne nie- mand imponiert werden. Eine feste Norm gebe es nicht, Leitfaden seien einzig und allein die Protokolle, und diese würden von den wenigsten gelesen, vielfach aber die gefaßten Beschlüsse anders ausgelegt. So konime es, daß keine Stelle eigentlich richtig ihre Kompetenzen kenne und Zwistigkeiten entstehen. Alle andren Gewerkschaften seien vorangegangen, ihre Organisation ans- zubauen, nur die Steinarbeiter seien zurückgeblieben. Das sei viel darauf zurückzuführen, daß dem Baumeister Kehler.Der Stein- arbeiter" lange für seine Quertreibereien zur Verfügung gestanden habe. Der Kanipfcharakter dürfe nicht verwischt werden, aber neben dem Kampf müsse auch ein Bindemittel in UnterstützungSeinrichtuiigen vorhanden fein. Daß durch den Verband die Mitglieder in ihrer Existenz gefährdet würden, treffe nicht zu; sie könnten ja Einzel- Mitglieder sein. Wenn der Kongreß die Verbandsform be- schlössen, dann müsse soviel Solidarität jbestehen, sich den Beschlüssen zu fügen. Einige andre Redner bezweifeln die Mög- lichkeit der Einführung von Uiitcrstütznngseinrichtungen. Ihnen hielt Oswald- Berlin entgegen, daß mit einem Verbandsbeitrage von 40 Pf. pro Woche und einem Wochenbeitrage von 10 Pf. die Unter- stützungsciiirichtungc» durchgeführt werde» könnten. Alle Delegierten beteiligten sich an der Diskussion, ohne daß neue Momente vor- gebracht wurden. Es wurde mit 37 gegen 5 Stimmen b e- schlössen, die Verbandsform anzunehmen nnd wurde die Beratung des Statntenentwnrfs einer Kommission überwiesen. ziltermtiollllltr Bergarbeiter-Koitgreß. Düsseldorf, den 21. Mai. Der Tagesprästdent Calluwart- Belgien eröffnet die Sitzung mit einer kurzen Ansprache, in der er bittet, bei den Ver- Handlungen die größte Sachlichkeit zu beachten. Darauf wird in die Diskussion eingetreten über den Punkt»Haftbarkeit der Unternehmer'. Die hierzu von Engländern und Belgiern eingegaiigeiien An- träge lauten: „Dieser Kongreß erstrebe nnermiidlich, eine» gesetzlichen Acht- stundentag zu erlangen, Einfahrt und Ausfahrt einbegriffen.' „Entschädigung für Unglücksfälle und Haftbarkeit der Unter- nehmer.' M a r v ill e s- Belgien tritt lebhaft für ein Haftbarkeitsgesetz ein, dasselbe sei für den Bergbau viel notwendiger nud wichtiger, wie für die Arbeiterschaft in den andren Judnstricn. Belgien habe auch keine Socialgesetze, wcShalb für dort die Frage der Haftbarkeit der Untcrnchmcr besonders brennend sei. Jetzt wird Unterstützung gar nicht oder a»S Werkskasseu gezahlt, doch sei dieselbe ungenügend. Bei inneren Verletzungen werde z. B. gezahlt 70 Pf., bei äußeren Verletzungen 1 M., wenn die Verletzungen Arbeitsunfähigkeit im Gefolge hatten. Bei sonstiger Invalidität beträgt die Pension 12—20 Fr. pro Monat. Eine Gesetzcsvorlage, die noch nicht einmal die minimalsten Forderungen enthält,— dieselbe sieht mir das System der Abfindung vor— hat bereits drei Minister gehen sehen, der vierte wird wohl bald folgen. Die Zahl der Unfälle in Belgien ist nicht gering. Es wurden ermittelt, pro 20 000 Arbeiter an tödlichen und schweren Verletzungen in 1896 gleich 302, in 1897 327, in 1898-- 331, in 1899— 284. Die Belgier erwarten von den Beschlüssen des Kongresses die gesetzliche An- erkennnng der Haftbarkeit der Unternehmer. H a s lam- Chesterficld(England) bedauert/ daß die Belgier noch jeglicher gesetzlichen Garantie auf Entschädigung bei Unglücksfällen ermangeln. I» England beträgt die Entschädigung bei Arbeits- Unfähigkeit infolge Unfalles die Hälfte dcS Lohnes. Bei Todesfällen wird au die Hinterbliebenen eine AbfindnngSsnmme von 2000 bis 6000 M. gezahlt. Reformbedürftig ist die Bestimmung, daß Unfall- entschädigüng erst nach zwei Wochen gezahlt wird, solvie daß ein Maximum, nicht aber auch ein Minimum vorgesehen ist. Ein weiterer Mangel ist, daß die Unternehmer durch ihre Vertrauensärzte' bei Arbeitsunfähigkeit infolge innerer Verletzungen. die Kausalität zwischen Unfall und Krankheit bestreite» und den Un- fallvcrletzten abivciscn. Dies wird in Zukunft noch schlimmer, weil die Unternehmer jetzt eine Bernfsgcnossenschast auf freier Grundlage bildeten und dies einzelnen Arbeiter nur mit der Organisation zu thun haben. Partenkirchner» Oberbayern bemerkt, daß das deutsche Unfallversicherungsgesctz vor dem englischen ztveifcllos Vorzüge habe — Redner gicbt eine kurze Darlegung über die hanptsächlichnen Be- stiinnningen und die Grundzüge des Gesetzes—. Bei dem Licht sei aber auch viel Schalten, die Unfallzisfern schwelle» fortgesetzt au. Eine dunkle Seite sei das Bcrtranensärztcsystcm. Was das Gesetz «p verimglückten Arbeiter zusichert, versuchen die Untcruehincr icder illusorisch zn machen. E b e r t- Oestrcich knmi nichts Rühmendes über die Unfallfürsorgc in Oestreich sagen. Dieselbe stelle er weit zurück hinter das deutsche Uufallversicherungögesetz. Von der staatlichen Versicherung sind die Bergarbeiter ausgeschlossen, diese sind auf die Knapp- schaftskassen angewiesen. Die Krankeilunterstützung ist sehr mangelhast, dazu in den einzelnen Revieren verschieden, schwankt zwischen 50 Pf. bis 2 M. Uufaklentschädiguug wird überhaupt nur gewährt, wenn die ErwerbSverminderung über 50 Proz. beträgt und in der Festsetzung der ErwerbSverminderung können die deutschen Vertrauensärzte von den Kollegen in Oestreich sicher noch lernen. Bei völliger Erwerbsunfähigkeit beträgt die llnfavrente 135 bis 250 M. Die Beiträge zu den Kassen werden je zur Hälfte von den Unternchmern und den Arbeitern getragen; die Arbeiter sind auch bei der Ver- waltung beteiligt, jedoch ist ein Unternehmer laut gesetzlicher Be- stimnmng Voisitzcnder in den Kassen und kann derselbe gefaßte Be- schlüsse sehr leicht, als nicht mit den Gesetzen im Einklang, annullieren. Besonders fruchtbar ist Oestreich in Massen- Unglücksfällen. O b>v o h l in einem Falle seit der Explosion ein halbes Jahr verflossen i st. liegen doch noch drei- n n d�d r e i ß i g Leichen im Schacht.(Hört I hört!) Ans Anlaß der letzten Ungtücksfälle haben einzelne Untcrnehmnngcn besondere Unfallkänen gegründet, aber die Entschädigung daraus erfolgt nach freiem Ermessen der Unternehmer. Bei Schaffung eines gesetzlichen Haftpflichtgesetzcs darf man nur nicht Oestreich als Muster nehmen. C o t t e- Frankreich: Vollständig zufrieden ist wohl keine Nation mit der Unfallfürsorge. Die bezügliche französische Gesetzes- Vorlage dürfte für uns einige Besserungen bringen. Für die Unfall- versichcnmg zahlt der französische Arbeiter nichts, sondern nur für die Knappschaftskassen, ans denen auch nur Unlcrstütznng bei Krank- hcit und bei Krankheit-Jnvalidität erfolgt. Die UiifaNvcrsichening ist ähnlich dem früheren deutschen Haftpflichtgesetz. Bei vorüber- gehender Erwerbsunfähigkeit wird die Hälfte des Lohnes vom fünften Tage an gezahlt. Mit dem englischen System der Abfindung sind wir nicht einverstanden. Mit den Aerzten sind wir zufrieden, das rührt daher, weil wir freie Aerztewahl haben.(Hört I hört!) Cotte schlägt sodann vor. folgende Grundsätze festzulegen: Die UnfaNrente darf nicht weniger betragen als 2 Fr. pro Tag, bei dauernder, teil- weiser ErwerbSverminderung 8/3 des verdienten Lohnes, bei voll- ständiger Invalidität Vi des verdienten Lohnes. Stirbt der Unfall- verletzte, erhält die Witwe 25 Proz. dcS Lohnes ihres verstorbenen Mannes, für das erste Kind 20 Proz., für jedes weitere Kind 10 Proz.; sind nur Waisen vorhanden, beträgt die an diese zu zahlende Rente 75 Proz. des Lohnes dcö verstorbenen Vaters. Nachdem die zu diesem Punkt gestellten An- träge Annahnie gefunden, entspann sich über die Zn- lassung des von Cotte gestellten Antrages, seine Resolution, die die vorstehenden Grundfordernngen enthält, zur Diskussion zn stellen, eine längere GeschäflsordnungSdebattc. Die Deutschen vertreten den Standpunkt, daß den verschiedenen Nationen überlassen bleiben könne, ihre besonderen Forderungen zu stellen, für den Kongreß genüge, daß man im Princip sich für gesetzliche Haftpflicht erklärt habe. Darauf wird die bezügliche Rcso- lntion zurückgezogen. Als Tagespräsidcnt für morgen wird bestimmt Sachse- Deutschland. NachmittagSfitzuug findet nicht statt, die Delegierten besuchen in oorxoro die Ausstellung. Der Sanden-Prozetz. Der Krach der zur Spielhagen-Gruppe gehören- den Banken ivird nun also am nächsten Montag und in den folgenden Wochen den Gegenstand eingehendster Erörterungen vor der 9. Strafkammer des Landgerichts I bilden und unter der Prozeß- sirma„Sauden und Genossen" bei vielen Tausenden kleiner und auch größerer Leute die schmerzlichsten Erinnerungen au ver- lorenes Glück, soweit cS sich in Mark und Pfennigen ausdrücken läßt, wachrufen. Auf der Anklagebank werden Platz zu nehmen haben: 1. Der frühere Baukdirektor Kommerzicn- rat Eduard Sauden aus Potsdam; 2. der frühere Bank- direktor Heinrich Schmidt ans Charlottenburg; 3. der frühere Bank- direktor Paul P u ch m ü l l e r ans Charlottenburg; 4. der Bankier Kommerzieurat Ed. Schmidt ans Berlin; 5. der frühere stell- vertretende Baukdirektor Berthold W a r s i n s k i ans Potsdam; 6. der frühere Baukdirektor Otto Sauden auS Berlin; 7. der frühere Baukdirektor Alexander Häuschke aus Zehlcndorf.— Der Zusammenbruch der sogennunten Spiclhageu-Gruppe erfolgte be- kauntlich Ende 1900. Die Gruppe setzte sich zusammen aus folgenden sechs Banken nnd Gesellschaften: 1. aus der Preußischen Hypotheken- Aktienbank, 2. der Deutschen Grundschuldbank, 3. der Aktiengesellschaft für Grundbesitz und Hypothekeuverkehr, 4. der Neuen Berliner Bau- gcsellschaft, 5. der Grundcrwcrbs-Gesellschaft für Berlin und die Vororte und 6. dem Märkischen Jnimobilieuverein.— Alle diese Institute und Gesellschaften standen untereinander in den allercngsten Beziehungen, ihre Geschäftsräume lagen fast sämtlich in demselben Hanse, ihre Verivaltungsorgaiie bestanden fast immer aus denselben Personen. Die wichtigste, maßgebendste und einflußreichste unter diesen war Kommerzicurat Eduard Sauden, der gleichzeitig Direktor der Preußischen Hypothcken-Alticubauk und der Deutschen Grund- schuldbank war und mit besonderen, Genie alle Fäden lenkte, die zu den übrigen Banken nnd Tochter-Gesellschaften hinüberleiteten. In letztere» hatten ausschließlich ihm verschwägerte oder doch eng be- freundete und blindlings ergebene Personen die Macht in Händen. So war sein Binder Otto Sauden Direktor der Aktiengesellschaft für Grundbesitz und Hypothekeuverkehr, deren Aktien wieder fast voll- ständig im Besitze der von Eduard Sauden geleiteten beide» Banken waicii. Die Aktien der Neuen Berliner Ballgesellschaft hiuwiedeiiim waren überwiegend im Besitz der von Otto Sauden geleiteten Bank. Der Märkische Jmmobilieiivcreiii, der von der Preußischen Hypotheken- Aktienbank gegründet worden ist. war von dieser vollständig ab« häugig, und die Grundcriverbs-Gesellschaft für Berlin und Vororte gehörte Eduard Sauden«ud Puchmüller persönlich. Die ganze Spielhagen-Gruppe stand mit dem alten, hochangcscheuen Baukhanfe Anhalt». Wagner aus der Brüderstraße in engster Verbindung. Der Inhaber dieses Bankhauses, Kommerzieurat Eduard Schmidt, war gleichzeitig Aufsichtsrat bei der Preußischen Hypothekcu-Aktieu- Bank, der Deutschen Grundschuldbank und der Aktien-Gesellschaft für Grundbesitz und Hypotheken- Verkehr. Das Bankhaus befand sich schon seit längerer Zeit in schwieriger finanzieller Lage. Kommerzicurat Schmidt hat von der Preußischen Hypotheken- Aktienbank Darlehen in ungeheurer Höhe erhalten, das Bankhaus sorgte dagegen dafür, daß die Pfandbriefe und Aktien der von Eduard Sauden geleiteten beiden Bankinstitute prompt untergebracht wurden. Schon in den siebziger Jahren tauchten allerlei Gerüchte über die Preußische Hypotheken-Aktieiibauk auf; eS wurde behauptet, daß die Hypotheken derselben vielfach außerhalb der vor- geschriebenen VeleihuugSgrcuzc lägen und die Pfandbriefe der Bank keine genügende Deckung hätten. Die Verwaltung der Bank »ahm damals wiederholt Veranlassung, diese Gerüchte öffentlich als gänzlich imbegrüudet hinzustellen, die Aufsichtsbehörde hatte aber in der Folge wiederholt der Bank ernste Vorhaltungen machen»lüffeu wegen Nichtznriickführimg der Hypotheken auf ihren wahren Wert, wegen des Erwerbs zur Subhastation kommender Grundstücke durch Strohmänner oder durch die Direktoren der Bank. Einmal soll der Bant sogar mit der Entziehung ihrer Privilegien gedroht worden sein. Um sich diesen der Bank durch die Aufsichts- bchörde bereiteten Schwierigkeiten zn ciitziehcn nnd iiisbesondere zu verheimliche», daß Häuser über Gebühr beliehen wurden, daß die Direktoren mit Geldern ihrer Banken auf eigne Rechnung in Grundstücken spekulierten sc., soll Ed. Sauden gerade' die Tochter- und HilfSiustitute gegründet haben. Koinnierzienrat Sande» und Puchmüller sollen Jahre hindurch für gemeinsame Rechnung große Bauterrains in Schöne- berg, Charlottenburg und Wilmersdorf auf- gekauft, parzelliert und die Parzelle» nut großem Nutzen weiter verkauft haben. Die Gelder zu diesen Vaugeschäften sollen sie der Kasse der Preußischen Hypotheken-Aktieiibauk eiitiiommen und bei der Verbnchung alsdann allerlei Schiebungen gemacht haben. Den Parzelleukäufer» sollen dann wieder erststellige Hypotheken aus den Mitteln der Preußische» Hypothekeu-Aktieubank besorgt worden sein. Die Bank soll infolgedessen über 9l/a Millionen Mark bar verloren haben, weitere Verluste ergaben sich daraus. daß die Bank i», Laufe der Jahre eine große Zahl der auf den Sanden-Puchmüllerfchen Terrains erbauten Häuser in auti- chrctische Verwaltung nehmen mußte. Infolge der ausgedehnten Darlehnsgeschäfte, die mit der Firnia A u h n l t n. Wagner ge- macht wurde», soll die Bank nnnäheuid 20 Millionen Mark verloren haben. Zur Verdcckung dieser Geschäfte sollen gleichfalls allerlei Schiebungen gemacht worden sein. Die großen zu Anhalt u. Wagner geflossenen Summen sollen nicht direkt an diese gegeben, sondern zunächst an die Aktiengesellschaft für Grundbesitz und Hypothekeuverkehr geliehen und von dieser dann an Anhalt». Wagner weiter gegebe» worden sein. In ähnlicher Weise sollen Darlehnsgeschäft» mit der Gesellschaft Petzold u. Co., der n. a. Kommerzieurat Sauden und Puchniüller angehörten, gemacht worden sein. Die Angeklagten werden außer- dem beschuldigt, zur Verdeckuug ihrer unreellen Geschäftspraktiken, KapitalSerhöhunge» vorgenommen zn haben. Durch unrichtige Buchungen, falsche Darstellung der Bilanzen nnd Fälschung der Ge- schäftSberichte solle» eS die Angeklagten verstanden haben, statt der tbatsächlich vorhandenen Nntcrbilnuzcn noch immer hohe Gewinne heranSzurechnon und in dieser künstlichen Weise nicht nur die Kurse der Aktien und Pfandbriefe zu halten, sondern für sich auch das Recht ailf den Bezug der hohenTanticmeu zu koustriiiereu. Im Herbst 1900 bildeten die geschäftlichen Verhältnisse der Preußischeii Hypotheken- Aktien- bank nnd ihrer Tochteriustitute den Gegenstand heftiger Augriffe in der„Frankfurter Zeitung' und andren Preßorganen, es erfolgte infolgedessen ein ungeheuerer Rückfluß der Pfandbriefe nud der Kurs derselben mußte schließlich an der Berliner Börse gestrichen werden. Der Zusanmieubrnch war unvermeidlich. Durch die Vor« untersttchung soll festgestellt worden sein, daß die Preußische Hypotheken-Aktieiibauk 56 Ve Millionen lluterbilanz hatte, daß sie eine große Anzahl Grundstücke iveit über ihren Wert beliehen, und daß sie bedeutend mehr Pfandbriefe a»S- gegeben hatte, als sichere Hypotheken dafür vorhanden ivare».— Die sieben Angeklagten befinden sich schon seit Ende 1900 bezw. Anfang 1901 in Uiitersuchuugshaft. Sie haben sich wegen Vergehen gegen§ 237 des Hypothekeiibauk-GesctzeS vom 13. Juli 1899, ferner ivegen Untreue und Bilaiizverfchleiermig auf Grund der§Z 312 und 314 Nr. 1 des neuen Handelsgesetzbuches zu veraut« Worte». Die beiden Sauden und Häuschke werden außerdem beschuldigt, bei Regulierung der Nachlaßinasse des verstorbenen Bank- direklorS Heinrich Sauden sich der Untreue schuldig gemacht zn haben. Den Vorsitz im Gerichtshof führt au Stelle des lebensgefährlich erkrankten Laudgerichts-DirektorS Voigt dcrLandgerichtS-Direktor Heiderich. den, knapp zwei Wochen zur Vorbereitung verblieben sind. Die Anklage wird durch Ober-Slnatsauwalt Dr. I f e n b i e I, Staats- anwalt Beeck nnd Gerichtsassessor Dr. Müller vertreten werden. Als Verteidiger sind bis jetzt bekannt: Rechtsanwalt Bollert für Kommerzicurat Sauden, Justizräte Dr. Sello, Muuckel, Wronker, Modler, Fedor Stern und Rechtsanwalt Thür in für die übrige» Angeklagten.— Die Bcrhandlungei, lverden im großen Schwurgerichtssaale stattfiuden, der Zutritt' ist nur gegen Einlaßkarten gestaltet. LokAles. Tic Abstineiizbcwcgung e r t e l s fand am Donnerstagvorniittag im Rathause ein Terniin statt, zu dem etwa 40 Interessenten, Damen und Herren, Hausbesitzer, Mieter, Geschäfts- leute k. erschienen waren. Es handelte sich um die Prüfung und Erledigung der von verschiedenen Seiten gegen das Projekt deS Stadtbanrats Krause nach' seiner erfolgten öffentlichen Auslegung erhobenen Einsprüche. Banrat GoNheiner erläuterte die aus- liegenden Pläne, die Verkehrsverhältnisse usw.. wobei er auf die Vorteile hinwies, die aus einer Bessernng des jetzigen unhaltbaren Zusiandes erwachsen würden. Der Termin, der nach dem Gesetz wegen der iieiieii Festsetzung der Baufluchtlinien und nach Eingang der Einsprüche anberaumt werden mußte, verlief ohne daß eine Einigung zu stände kam. Die Erschienenen erhielten ihre Einsprüche aufrecht, wobei der Wunsch zu Tage trat, diese An- gelegenheit bald erledigt zu sehen. Die Entscheidung liegt nunmehr beim Minister der öffentlichen Arbeiten. Weist dieser die Einsprüche, die aus den verschiedensten Rücksichten erhoben werden, zurück, dann kann mit der Ausführung des Planes, wie er von der Stadt- verordneten-Versammlung genehmigt worden ist, begonnen werden. Zu unseren Mitteilungen über die Unfanberkeit in de» Berliner Gcnieindcschulcn erhalten wir eine Zuschrift von einer R e i n m a ch e f r a n, die in einer dieser Schulen beschäftigt ist. Die Einsenderin, die seit etwa 8 Jahren Schulen reinigt, also sicherlich Erfahrung genug hat, führt in vollkommen zutreffender Weise aus, daß' in'den Gemeindeschnlen eine genügende Sauber- kcit schon deshalb nicht zu erzielen ist, weil hier zu selten — trotz der starken Benutzung der Klaffen wöchentlich nur dreimal— gereinigt wird, und weil den Reinmachefraucn bei zu geringer Bezahlung ein zu hohes Arbeitspensum auf- erlegt wird. Wenn beispielsweise für die Reinigung von 10 Klaffen, 2 Konfereiizziminern und 2 großen Fluren 1 Mark gezahlt wird und diese Arbeit in der Zeit von mittags 12 Uhr bis abends 6 Uhr- erledigt sein muß, dann darf man sich allerdings nicht wundern, daß die Reinigung nur obenhin erfolgt. Die Einsenderin klagt übrigens auch über die schlechte Beschaffenheit des Arbeits- Materials, das den Frauen geliefert wird, der Scheuerlappen, der Besen usw. Sie tadelt ferner mit Recht, daß die drei- malige Reinigung zuweilen in eine nur zweimalige oder gar nur einmalige' verkürzt wird. So führt sie an. daß in der Himmel- fahrtswoche nur zweimal und in der Woche vor Pfingsten nur einmal gereinigt worden sei. Womit diese Einschränkung begründet werden soll, ist uns unverständlich: denn beide Wochen hatten doch je fünf Schultage. Von den Spncknäpfen sagt die Einsenderin, daß viele Frauen sie aus Ekel überhaupt nicht reinigen. Wir tadeln das. aber es läßt sich begreifen. Die von uns geforderte Ersetzung der jetzigen Spncknäpfe durch folche mit trichterförmigen Deckeln würde wahr- scheinlich auch in diesem Punkte Abhilfe schaffen; sie würde die Reinigung der Näpfe zu einer weniger unappetitlichen Arbeit machen. Tie„Feldpost", das bisher in dem vielseitigen Scherlschen Zeitungsverlage herausgegebene Tagesorgan für deutsche Krieger, wird, wie die„Parole" mitteilt, am 1. Juli d. I. zu erscheinen auf- hören. Hoffentlich bleibt der Patriotismus des Scherlschen Verlags imenlwegt bestehen. Auf frischer That ertappt und ergriffen wurden i» der Nacht zum Donnerstag drei Einbrecher i» der.Kiautstraße. Der Handelsmann Max Eschner und die Arbeiter Gustav Krebs und Emil Ncisberg, alle drei wegen Diebstahls schon bestraft, öffnete» mit einem Nachschlüssel das Hans Nr. bis und waren gerade dabei, vom Hofe aus durch ein Fenster in die Rcsterhaiidlnng von Gadegast einzusteigen, als sie überrascht wurden. Tie Einbrecher suchten ihr Heil in schleuniger Flucht, wurden aber verfolgt, eingeholt und alle drei von Polizeibcamtcn festgenommc». Auf dem Hofe fand man Einbrnchsiverkzeiige. die sie in der Eile verloren hatten, und Schmier- seife mit Lappen, die zum geräuschlosen Eindrücken der Fensterscheiben hatten dienen sollen. Trotz dieser Funde und ihrer Vorstrafen blieben die Ertappten auch bei ihrem Verhör durch die Kriminalpolizei dabei, daß sie keineswegs einen Einbruch geplant hätte». Ihr Unternehmen war vielmehr, wie sie es darstellen, zwar etwas innsländlich und un- gewöhnlich, aber doch durchaus harmlos. Sie wollten nämlich nur einmal austreten, und da sie es auf der Straße nicht thun wollten, weil das ja verboten ist und weil sie sich auch sehr genierten, so öffneten sie lieber mit cinein Nachschlüssel, den sie zufällig bei sich hatten, die Hansthür und zogen sich auf einen Augenblick in den Hintergrund deS stillen Hofes zurück. Daß die Kriminalpolizei so etwas nicht glauben will und sie trotz ihrer Beteuerungen nach Moabit bringt, dafür können die unschuldigen Leute nicht. Der Fall Rothenburg gestaltet sich immer seltsamer. Ein hiesiges Blatt teilt mit: Nach der Befreiung der Frau Rothenburg ans ihrer achtjährigen Einsperrung in hiesigen städtischen Irren- anstalten wurde bekanntlich seitens derselben eine Reihe von Pro- zcsicn gegen die beteiligten Angehörigen auf Wiedererlangimg des entzogenen imifangreichen Vermögens angestrengt. In diesen Pro- zcffcn ist nnnmchr festgestellt, daß der Vater der Frau Bau- Meister Rothenburg, Rentier Rcckner, ein Vermögen von über 200 000 Mark besaß, und seine»! einzigen Enkel, dem Referendar Rothenburg, wie polizeilich beglaubigt, nach diesem seinem Vermögen eine jährliche Snstentation von üM» 4000 M. gewähren konnte. Die beklagten Angehörigen wollen jetzi aber diese Sninine jährlich dem Sohn Rothenburg nicht zahlen und erheben plötzlich den hinreichend bezeichnenden Einwand der Ver- jährniig hiergegen. Damit der Sohn Rothenburg indes in allen diesen Prozessen nicht als Zeuge vernommen werden könne, halten die gedachten Angehörigen die Einleitung eines Entninndigungs- Verfahrens gegen denselben bei der hiesigen Staatsanivallschnft erwirkt, um auch die wegen der Jnterniening der Mutter erfolgten Anzeigen hierdurch niederzuschlagen. Wie bekannt, hatte der hiesige Richter Partisch ans Grund eines sogenannten „Gutachtens" des bekannten Sachvcrständidcn Dr. Mittenzweig die vorläufige Vormundschaft über den Sohn Rothenburg zu verhängen versucht. Indes war diese Maßnahme als ungesetzlich 'eitens des hiesigen Landgerichts zur Zeit wieder aufgehoben worden. Jetzt hat aber der Richter Partisch auch im Hanptverfahren dieselbe Entmündigimg auf Grund eines gleichen sogenannten Gutachtens des Dr. Mittenzweig ausgesprochen, obwohl letzterer den Sohn Rothenburg nie untersucht hat. Es leuchtet ein, daß der Referendar Rothenburg sofort diese eigenartige„Entmündigung" angefochten hat, da ihm nicht nur von bedentcnde» Psychiatern, sondern auch von anderweitigen Aerzten eine hinreichende Zahl vollständiger Gc- 'nndheitsatteste zur Verfügung steht und in den weitesten Kreisen überhaupt niemand von Anbeginn an jenials die Gesundheit des Referendars Rothenburg, welcher nach jahrelangen Kämpfen be- kanntlich die Freilassung seiner Mutter erzielte, bezweifelt hat. Ucbcrfahren. Ein taubstumnier Knabe wurde gestern vor- mittag das Opfer des Berliner Straßenverkehrs. Der Kleine, der achtjährige Sohn des in der Gollnowstr. 32 wobiicnden Tischlers Berger, wollte vor dem elterlichen Hause den Fahrdamm über- schreiten, als in übermäßig schneller Fahrt ein Schlächterfuhrwerk herannahte. Der Kutscher suchte den Kleinen durch Zurufe zu warnen, waS jedoch der Knabe infolge seines Gebrechens natürlich nicht hörte. Der Kleine wurde von dem Wagen niedergerissen, dessen Räder ihm über beide Beine hinweggingen. Mit Verletzungen am Kopf und beiden Unterschenkeln wurde der Lerunglücklc nach der elterlichen Wohnung gebracht. Die Personalien des Kutschers wurden durch einen Schntzmaini festgestellt. Im Straßenbahnwagen erkrankt und gestorben ist gestern nachmittag um 5 Uhr der Oö Jahre alte Kaufmann Gustav Winklcr ans der OranieNstr. 187, der einen Wagen der Straßenbahnlinie Görlitz« Bahnhof— Plötzensee benutzt hatte. Als sich der Wagen vordem Hause Oranienstr. 1 befand, brach W. plötzlich auf seinem Sitz ziisamincn. Ein Schlitzmann brachte ihn nach dein Krankenhause am Urban, wo bei dem Kaufmann der bereits eingetretene Tod konstatiert wurde. Zn dem Todesfall des Bankiers John wird uns von dem Bruder des Verstorbenen mitgeteilt, daß John vermutlich durch einen »»glücklichen Zufall zn Tode gekommen sei imd daß von einem Selbstmord keine Rede sein könne. Ebenso wenig könne man von John als von einem arbeitsscheuen Menschen sprechen; die Neigung zum Trunk möge in den unglücklichen Familienverhältnissen des Ver- jtorbenen zn suchen sein. Selbstmorde. Im Hanse Wilhelmshavenerstr. 12 hat sich der Student der Philologie Ludwig Sonntag ans Leipzig er- schössen, nachdem er sich die Pulsader an der linken Hand geöffnet hatte. Der Beweggrund war, daß er glaubte, an einem unheilbaren Leiden erkrankt zu sein.— Der seit einiger Zeit verschwundene 12jährigc Sohn Sally des Gastwirts Hirsch, Grenadierstr. 17, auf dessen Verschwinden schon mehrfach hingewiesen worden ist. wurde gestern nachmittag in der Spree als Leiche angetrieben und an der Weidendammer Brücke gelandet. Nach der Sachlage er- scheint es zweifellos, daß der Knabe Selbstmord verübt hat. Der Roman der Polin. Auf dem Schlesischen Bahnhofe ver- schtvnnden ist die zwanzigjährige Michaelina Piotrowski aus Orla im Gouvenienient Warschau. Michaelina, ein schmächtiges, blasses, mittelgroßes Mädchen, das bei seinen Eltern, schlichten Bauersleuten. wohnte, lernte auf dem Dorfe einen vielgereisten Landsinaiiii kennen. brannte den Eltern durch und ging mit dem Verführer nach Deutsch- land. Der Mann ward bald des Mädchens überdrüssig und ließ es dann in Dortniund im größten Elend allein zurück. Die Unglück- liehe schrieb nach Hause, schilderte ihre verzweifelte Lage und bat um Verzeihung. Zu Pfingsten machte sich denn auch ihr Vater auf die Reise und holte in Dortmund das Mädchen ab. Auf dem Schlesischen Bahnhofe ließ er seine Tochter für kurze Zeit allein, während er sich zuni Schalter begab, um die Fahrkarten für die Heimreise zu lösen. Als er zurückkam, war das Mädchen spurlos verschwunden. Es wird befürchtet, daß sich die Vermißte ans Rene und Scham das Leben genommen hat. Etwaige Mitteilungen über die Verschwundene, die kein Wort deutsch versteht, werden an KnflewSki, Krautstraße 3Ss, erbeten. Ein„Panorama der Oberspree", Berlin— Eckner und Köpenick— Königs-Wnstcrhanfcii ist im Verlage der hiesigen Litho- graphischen Anstalt von Friedewald u. Frick erschienen. Für jeden, der zu Wasser oder zn Lande die Schönheiten der Spree-Ufer genießen will, bildet die handliche Karte ein vorzügliches Orientierungs- mittel. Dem Hiingerkiinstler Papnß ist das Auftreten im Passage- Panoptikum von der Behörde untersagt worden. An» den Nachbarorten. Wahlvercin Groß- Lichtcrfclde. An Stelle des am vorigen Sonnabend ausgefallenen Kassenabcndcs findet die Kassierung von Vereinsbeiträgen ni o r g e n, S o n n a b e n d, im Vereinslokalc, Chausscestr. 104, statt. Nicdcr-Schöncwcidc-JohanuiSthal. Sonnabendabend 8'/z Uhr gemeinschaftliche Versammlung bei I. Franz, Niedcr-Schöncweidc, Grünancrstr. 5, mit wichtiger Tagesordnung. Durchlöcherung der Sonntagsruhe. Mit einer Eingabe um Verlängerung der Verkaufszeit an den Nachmittagen der Sonn- und Feiertagen haben die Bäcker und Konditoren von Mariendorf im Gegensatz zu ihren Bernfsgenossen in Berlin Erfolg gehabt. Die Müller- und Bäckeriminng Mariendorf hatte in ihrem Gesuche, für die Monate vom April bis zum September die Verkaufszeit von 1 bis S Uhr anszndchnen. also um die Stunden von 3— b Uhr zu verlängern. darauf hingewiesen, daß es eindringendes Bedürfnis sei, den vielenAus- flüglern, die von Berlin komnien, länger als bisher Backwaren, besonders Kuchen, verkaufen zu können. Der Amtsvorstcher Major Dcnck hat das anerkannt und die gewünschte Verlängerung für den Amtsbezirk Mariendorf angeordnet. Der Amtsvorsteher muß sich von den Bedürfnissen derer, die Mariendorfs Natnrschönheiten bewundern, merkwürdige Vorstellungeii machen. Wenn der Berliner am Sonntag sonst einen Ausflug vor hat, sorgt er rechtzeitig für das»ölige Gebäck;, nur wenn er nach Mariendorf geht, muß er partout dort zivischen drei und fünf Uhr nachmittags einkaufen. Weiß der Major a. D. nicht, daß die Sonn- tagsruhe zum Schutze der Verkäufer und Verkäuferinnen erlassen ist und daß die Bevölkerung, einige fromnie Jnnungsbrüder etwa aus- geschlossen, sie längst als cincn Segen empfindet. Charlottenbiirg. Die Stadtverordneten- Ver- s a in m l u n g hatte sich Mittwoch mit der Angelegenheit der 34 Millionen-Anleihe zu beschäftigen. Die Regierung trägt Be- denken, schon jetzt Anleihen zu bewilligen für Zwecke, für die erst nach mchrcrcn Jahren Mittel nötig werden. Magistrat und Stadt- verordnete erkannten die Berechtigung dieser Bedenken an und setzten 10 Millionen, die erst in der Zeit von 1907 bis 1909 gc- braucht werden, von der Anleihe ab. Dieselbe wird also 24 Millionen betragen, und zwar sollen 12 Millionen zum 1. April 1903 und 12 Millionen zum 1. April 1905 begeben tverden. ErbanlicheS ans Potsdam. Man schreibt uns: Von jeher hatte die„zweite preußische Residenzstadt" den Ehrgeiz, es in xrw.Ko socialer 3t ü ck st ä n d i g k e i t mit jeder andren Gemeinde auf- zunehmen. Wir berichteten bereits, daß eine' Depulation der streikenden Potsdamer Maurer bei dem Oberbürgermeister I ä h n e wegen Znrüflziehnng der arbeitenden Feuerwehrleute bei dem städtischen Elektricitätswerk vorstellig wurde, aber mit dem lvahr- Haft klassischen Bescheide abgespeist worden war:„Er, Jähne, ver- trete„die Interessen der Stadt", und nicht die der Maurer" was so viel heißen wollte, als— den Interessen der Maurer ent- g e g e ii h a n d c l n und die Interessen der Herren Unternehmer indirekt fördern helfen. Jetzt haben sich auch die Stadt- verordneten in Potsdam mit einer Petition der Streikenden zu beschäftigen gehabt. Die hier nach dem„Potsdamer Intelligenz- Blatt" wiedergcgcbene Debatte spiegelt getreu den Geist wieder, von welchem die Kouiinunen noch allgemein beherrscht zu werden pflegen: Oberbürgermeister Jähne ersuchte, das Einverständnis mit der ab- lehnenden Stellungnahme des Magistrats durch einen ausdrücklichen Beschluß erkennen geben zu wollen. Der Magistrat sei der Auf- fassung. daß er nicht die Interessen eines„einzelne» Standes", sondern diejenigen der.Allgemeinheit" zn vertreten habe.(Zurufe: Bravo! Sehr richtig! Zur Tagesordnung!) Stadtv. Bernhard trat der Magistratsaiischanuiig voll und ganz bei. Die Anwesenden wüßten ja alle, in welcher frivolen Weise dieser unerhörte Streik vom Zaun gebrochen sei. Wohlgeinerkt bezichtigte Herr Bernhard die Arbeiter und nicht die Unternehmer der Frivolität. Auch der Stadtverordnete und Reichstagsabgeordnete Pauli freute sich über das Vorgehen des Magistrats. Er wünsche nur, daß. die anshelfenden Feuerwehrleute auch gutbezahlt werden mögen. Nach einer im„Jntelligenz-Blatt" erschieneiien Notiz wären Frauen streikender Maurer bereits mit Gesuchen um Armenunterstiitznng vorstellig geivorden. Solche Ansprüche seien ganz un- gcrcchtsertigt und müßten abgelehnt werden, sobald sich die Familienväter unter den Streikenden befinden. Einzig der Stadtverordnete F r o e l i ch wagte unter dem Murren der Versamnilung den Einwurf, daß doch nicht jeder Ausstand zu ver- dämmen sei und der Streik oft die einzige Waffe deS Arbeiters bilde. Selbstverständlich erklärte sich die Stadtverordneten-Versanim- lung nahezu einstinunig mit dem vom Magistrat eingenonimeiieii Standpunkt e i n v e r st a n d e n. Die A n t w o r t auf diese Stellungnahme wird die Bevölkerung bei den Reichstagswahlen des nächsten Jahres erteilen. In der Angelegenheit deS alten Botanischen Gartens ist vom Stadtverordneten Müller- S ch ö n e b c r g der dortigen Koniniuiialvertretnng folgender Antrag unterbreitet worden: Die Stadtverordneteii-Versamnilung ersucht den Magistrot, eine gemischte Deputation von drei Magistrat'suertretern und fünf Stadtverordneten einzusetzen, um in derselben zn beraten, wie in Gemeinschaft mit den städtischen Behörden von Berlin der Botanische Garten in seinem heutigen Umfange als öffentliche Parkanlage erhalten lverden kann. Wirkung des Fruchtweins. Der Besuch von Werdera.H. ist bis auf weiteres durch Koimnandantnrbefehl der Potsdam e r Garnison verboten. Zu dieser Maßnahme hat die Militär- bchörde gegriffen, weil während der Zeit der Baumblüte eine ver- hältnismäßig große Anzahl von Soldaten durch den Obstwein der- artig besiegt wurden, daß die Leute am nächsten Tage dienstunfähig waren. Drei Personen, die Arbeiter Gubela, Beicr und Schiff- leger, sind, wie gestern schon kurz gemeldet worden, am Mittwoch- nachmittag um 5 Uhr im Templiner See ertrunken. Mit einem ge- lieheneu 10 Personen fassenden Boot fuhren sie gegen 3 Uhr auf dem See hinaus. Der Fischcrnieister Saruow bemerkte beini Legen von Aalkörbe», wie die drei Insassen lärmten, schaukelten und aller» Hand Allotria verübten, rnrze Zeil darauf trieb das Boot kiel« aufwärts, und von den Männern war nichts mehr zu sehen. Der verunglückte Fritz Gubela lebt von seiner Frau und Kindern, die in ffialht wohnen, getrennt. Schifflcgcr, der erst vor einiger Zeit ein Kind auf der Eisbahn verloren hatte, hinterläßt eine Witive mit vier Kindern. Gevichks��eikung. Fiiv de» große» Diebstahls- nstd Hehlerprozest Böhm und Weuvssc» hat sich der kleine Schlvurgerichtssaal in ein großes Warenlager verivandclt. Ans der gerichtlichen Verwahrungsstelle wurden gestern fort und fort große Koffer, Kisten, Pakete und Balle» herbeigeschleppt und türmten sich längs der Anklagebank zu hohen Berg«« auf. Da lagen große Ballen Tuche, Kleider und Futter- stoffe, Tricotagen und Strumpfwaren, Felle und, in zahlreichen Cigarrenkistcn verpackt, � eine große Anzahl Uhren. Die an- geregte Vernehnmng des geisteskranken Rosenberg mußte unterbleiben. Der größte Teil der gestrigen Beweisaufnahme erstreckte sich auf die Behauptung des Angeklagten Raphael, daß er die fraglichen Felle von dem flüchtigen Händler Max Lewin gekauft habe. Es wurden über die Geschäftsverbindung zivischen beiden mehrere Zeugen der- nomine», die nichts Wesentliches bekunden konnten. Nach der Aus- sage der als Zeugin vernommenen Frau Letvin ist ihr Ehemann, der wegen betrügerischen Bankrotts verfolgt wird, nach New Dork entflohen. Bon einer lebhaften Geschäftsverbindung ihres Mannes mit Raphael und einem Fcllverkauf wußte die Zeugin nichts.— Die Ver- bandlnng wird sich bis nächsten Dienstag hinziehen. Am Freitag soll die Sitzung ausfallen. Wege» versuchter Verleitung zum Meineide stand gestern die Schankwirti» Eittmä Held vor der vierten Strafkammer des Landgerichts I. Die Angeklagte ist Inhaberin eines Schanklokals mit Danieiibcdiennng. Im Herbst vorigen Jahres überschritt sie die Polizeistunde. Ein Schutzmann stellte dies fest und erstattete Anzeige, Warauf Frau Held ein polizeiliches Strafmandat in Hohe von 8 M. erhielt. Die von ihr beantragte richterliche Entscheidung fiel zu ihren Ungunsten ans, da selbst ihre beiden Kellnerinnen sie belasteten. Die letzteren schieden später von ihr in Unfrieden und zeigten nun an. daß Frau Held verflicht habe, sie in der Uebertretnngssache zu einem Meineide zu verleiten. Der Gerichtshof hielt dies auch auf Grund der stattgehabten Beweisaufnahme für erwiesen und verurteilte die Angeklagte zu dem zulässig niedrigsten Strafinatz— einem Jahre Zuchthaus. Vo» de» Rntillc» liegen heute folgende Nachrichten vor: Alle hei Fort de France liegenden Schiffe sind gefüllt mit geängstigtcn Bewohnern, die unter alle» Umständen Martinique verlasse» wollen. Der gestrige Ausbruch war stärker als irgend ein andrer zuvor. D i e ganze Insel schwankte stundenlang. Aus London wird gemeldet: Gestern abend vernahm man auf St. Bincent ein furchtbares Getöse, begleitet von heftigen Erdstöße» und clektriflhe» Entladunge». Ans dem Krater drangen dichte, schtvarze Wolken hervor. Um 8Vs Uhr erhob sich eine leuchtende Wolke aus dem Krater und verschwand nach Norden, alsdann er- folgte bis Mitternacht ein feiner Aschenregen. Der Bewohner hat sich eine große Panik bemächtigt, sie flüchten, tvohin sie können. Aus St. Lucia wird eine neue Katastrophe auf St. Vincent und Martinique gemeldet. Die erste Insel hat einen neuen Vulkan Bonhomme unweit Kingston. Der neue Ausbruch des Souvriör bedeckte alles mit Asche zwei Fuß hoch bis sechs Meilen vor Kingston. Vom amerikanischen Festlande kommt die nachstehende Meldung: In Florida wurden in der letzten Nacht zahlreiche Erdstöße beobachtet, hauptsächlich in der Nähe von St. Augustine, wo unter- irdische Geräusche wie Donnerschläge vernommen wurden und die Erde merklich zitterte. Die schwedische GradmessungS- Expedition wird, wie aus U p s a l a gemeldet wird, am 26. Juli von Tromsö mit dem Dampfer „Laura" nach Spitzbergen abgehen. Leiter der Expedition ist Dr. phil. Rubin, ferner gehen als Astronom Dr. v. Zipel und als Kartograph Lieutenant Duner mit. Ziel der Expedition sind die sieben Inseln nördlich von Spitzbergen. Die Rückkehr nach Tromsö soll am 10. September d. I. erfolge».. Die mitzunehmenden Lebensmittel sind für ein Jahr berechnet. Der schlafende Ula».' Seit nunmehr drei Wochen schläft der Ulan Ber necker von der ö. Eskadron des Littauische» Ulanen- regiments Nr. 12 in I n st e r b u r g, der im 3. Jahre dient und sich zur Zeit im dortigen Garnisonlazarett befindet. Er ißt und trinkt zur Zeit in halbwachem Zustande, nach Verordnung des Arztes, um alsbald wieder in tiefen Schlaf zurückzusinken. Der Schlafende giebt zwar auf die an ihn gerichteten Fragen Antworten, doch sind diese ganz verworren und unverständlich. Außer dem fast an- daucrndcn Schlaf ist das einzig wesentliche Krankheitszcichen ein stark verlangsaniter Puls. Die Äerzte stehen hier wieder vor einem Stätsel.— Ein schlafciidcr-Ulan machte schon einmal in den siebziger Jahren durch die Zeitungswelt die Runde. Auffindung eines Diamante» vo» ZZSVs Karat. Kimberley hat jetzt seine Sensation. In der dortigen Ottos Kopje-Mine wurde ein Diamant von dem genannten Geivichte gefunden. Ob er that- sächlich diese Größe hat, oder ob es sich überhaupt nur um ein Manöver handelt, um den englischen Aktionären, die in Südafrika festsitzen, wieder ein lvenig Mut zu machen und nötigenfalls zu neuen Opfern geneigt zu machen, läßt sich augenblicklich noch nicht übet» sehen. Der neue Diamant ist strohgelb gefärbt und hat die Form eines flachen Achtecks. So lange der Diamant ohne Schliff ist, läßt sich sein genauer Wert schwer bestimmen; inimerhin dürfte es ein nettes Sümmchen sein. In der Reihe der großen im Kapland ge- fnndenen Diamanten wird der„Diamant von Kimberley" erst an dritter Stelle stehen. Der größte ist der 1893 gefundene„Excclsior", der ein Gewicht von glflV« Karat hat. Nach ihm kommt der Diamant„Victoria", gefunden 1884(roh 437, geschliffen 180 Karat). Durch Schlangenbisse sollten in Indien nach den bisherigen Meldungen alljährlich 21 000 bis 27 000 Menschen umkommen. Die indische Verwaltung ist nun hinter einen recht bezeichnenden Vor- gang gekommen. Seit Jahr und Tag nahmen die Zahlen für die durch Schlangenbisse umgekontmenen Eingeborenen in beträchtlichem Maße zu, ohne daß dafür irgend eine Erklärung gegebe» werden könnte. Wie sich nun herausstellt, ist die Steigerung auf folgende Ursache zunickzuführen: Sobald ein Jndier an Vergistungserschcinungen erkrankt und stirbt, ist es die Pflicht des Dorfältesten, dem nächsten Rcgienmgsarzt Meldung zu machen und den Leichnam dorthin zur Untersuchung und zur Leichenschau zu schaffen. Etwas andres ist es, wenn der Betreffende infolge eines Schlangenbisses gestorben ist. Es genügt dann die einfache Versicherung des Dorfältesten und die Bescheinigung einiger augeschener Leute. Da bei der Entfernung der Gemeinden vön einander oft 30 und mehr Meilen bis zum nächsten Beamten zurückgelegt Iverden müssen, hat sich nun die Gepflogenheit herausgebildet, daß man Tote einfach als„durch Schlangenbisse verstorben", neidet, und das ganze Dorf steht in solchem Fall nicht an, zu beschlvören, daß der oder die Betreffende thatsächlich einer Giftschlange zum Opfer gefallen ist. Briefkasten der Redaktion. Wir bitte» bei jeder Anfrage eine Chiffre(zwei Buchstaben oder eine Zahl) anzugeben, unter der die Antwort erteilt werden soll, und die letzte Aboune mentsguittnng beizulegen. Fragen ohne solche werden nicht bcaut- wertet und schriftliche Antwort wird nicht erteilt. Die juristische Sprechstunde findet täglich mit AuSuahme des SouuabendS von 7»/, bis t»V, Illir abends statt. A. K. 83. Vielleicht paßt Ihnen der Berliner Spar- und Bauvereiii, Berlin k�lV., Sickingenslr. 7. Der Geschäftsanteil eines Genossen beträgt 309 M. und kann in Raten von wöchentlich 30 Pf. erworben werde». E. Sch. 38. Die Borsigsche Mühle ist am 7. Januar 1398 ab- gebrannt. Guter Rat. Ist teuer, da man von Ihren wirtschaftlichen, flnanziellen usw. Verhältnissen nichts kennt. Wie wäre es uiit der Gärtnerei? Wittcrungsübersicht vom 32. Mal 1003, morgens 8 Uhr. Wetter- Prognose für Freitag, de» 33. Mai 1003. Ziemlich kühl und veränderlich, vorherrschend wolkig mit leichten Regen- fällen mäßigen und westlichen Winden. Berliner W e t t e r b u r e a u. Für de» Jubalt der Inserate übernimmt die Redaktio» dem Publikuiu gegenüber keinerlei Veraiitumrtnng._ djenfr«;. Freitag, den 23. Mai. Opernhaus. Der Ring deö Nibe- lunge». Vierter Abend. Götter- dämuiermig. Ansang v>/- Ahr. Schanspteihaus. Weh' dem, der lügt. Anfang 7>/z Uhr. Neues Opern- Theater(Kroll). Meisterspiel X i Das vierte Ee- bot. Aniang 7>/z Uhr. Schiller. Zwei Wappen. Anfang 8 Uhr. Deutsches. Die versunkene Glocke. Ansang 7>/z Uhr. Berliner. Kläffer. Anfang 7>/z Uhr. Lessing, lieber den Wassern. Anfang 7Vz Uhr. Weste». Der Wmidersteg. Ansang 7>/, Ufir, Neues. Die Großstadtluft. Anfang 7'/- Uhr. Residenz. Einquartiermig. Anfang 7V., Uhr. Central. Coralie n. Cie. Anfang 7� Uhr. Thalia. Gastspiel der Schlierseer. Der G'wissenswürm. Anfang 8 Uhr. Belle-Sllllance. Die Dame ans Tronvillc. Hierauf: Er. Ansang 7-/2 Uhr. Luise». Geschlossen. Carl Weist. Die Viper. Anfang 8 Uhr. SercssioiiSbnhne. Heinrich Heine. Ein gerissener Schwiegersohn. An- sang 8 Uhr. E. b. Wolzogens Buntes Theater (Ucberbrettl). Anfang 8 Uhr. Schall und Ranch. Serenissimus- Zwischenspiele. Der Fall Moncel, Schöne Seelen. Kollegen. An- fang 81/2 Uhr. Friodrich-WilhelmstädtischcS. Lumpacivagnbundus, oder: Das liederliche Kleeblatt. Anfang 7-/2 Uhr. Orphons. Specialitäten-Dorstellnilg. Anfang 8 Uhr Charivari. Täglich Vorstellmig. Anfang 3 Uhr. Metropol.(Morwitz-Oper.) Die weiße Dame. Ansang 8 Uhr. Slpollo. Ltzststrata. Specialitäten- Vorstellung. Anlmig 8 Uhr. Palast. Ben- Ali- Bey und sein orientalisches Zauber- Ensemble. Ansang 8 Uhr. Easino- Theater. Hochzeitsreise. Endlich. Specialitäten- Vor- stellmig. Anfang 8 Uhr. ReichShalle». Stettiner Sänger. Anfang 8 Uhr. Passage- Thealer. specialitäten- Vorstellung. Anfang nachmittags 0 Uhr. Passage- Panoptikum. Special!- läten-VorsteNuug. Ilrania. Taubenste. 48/10.(Im Thealersnal.) Abends 8 Uljr: Die deutsche Ostfeeküste. Jnbatidenstrasje 37/0�. Täglich: Sternwarte._ Thalia- Theater. Dresdenerstrasse 73/73. Anfang 8 Uhr. Gastspiel der Schlierseer. Der E'Kiiffcilgiimrm. Banerntomodie mit Gesang in 4 Akten von Ludwig Auzengruber. Sonnabend und Sonntag: Inger- blut. Montag zum erstenmal: Ter Amerika Sepps. Bei günstiger Witterung: Grosses CarUn-Konzert. SWtt-TlMttt (WaNner-Thcatcr). Freitagabend 8 Uhr: Zwei Wappen. Schwank in 4 Akten v. Osk. Blumen- thal und Gustav Kadclburg. Sonnabendabend 8 Uhr: Vater blonileii Bestien.— l»er Thor und der Tod.— Pai-acelsns.— Post festnin. S 0 n» t a g u a ch m i t t a g 3 Uhr: Dinsume Renschen. Sonntagabend 8 Uhr: _ Mein Leopold._ CkiitrüI-TlMN. Heute, abends 7i/2 Uhr: „Coralie u. Cie�. Schwank in 3 Akt. v. Albin Valabreque und Maurice Hennequin. Morgen und folgenden Tage: Coralie 11. Cie." Apollo- Theater Um 7 Uhr: Grosses Garten-Konzert. Um 8 Uhr; 01 uchenü8' Specialitäten. Um» Uhr: Kolossales* l-acherfolg: Lysistrata lSÄ.„Grlgolalis". Kasseneröffnung 7 Uhr. lifitrßpBl-Iiißater Freitag: Morwitz-Oper. Heinrich Botel. Die weisse Dame. Sonnabend: populäre Vorstelluno: bei halben Preisen: Der Wild- sehiitz. Sonntag: Heinrich Bötcl: Der Troubadonr. Belle-Älüance-Thealer. Abends 71/2 Uhr: Zum 153. Male; Die Dsiiie(ins Xi'oimide. Schwank mit Gesang u Tanz in 3 Akten. llmtl Sendermann a. G Ferd. Worms. Mlzzl Birkner, Rosa Marion. Hieraus;„Er". Lebensbild in l Akt.— Morg.: Dieselbe Vorstellung. c arl Weiss-Theater. Grosso Fraiikfnrterftr. 133. Ansang 8 Uhr. Die Viper. Kriminal-Schauspiel in 7 Bildern von H. A. Revel. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Jeder Abonnent des„Berliner Lolal-Anzeiger" erhält an der Kasse gegen Vorzeigung der Abonnements- guittung ein|y numeriertes Parkett für 80 Ps.-VN Sonntag- nachm. 3 Uhr: Ter Doppelgänger. Im Garten: Täglich: Gr. Konzert, Theater und Tpecialitäten-Vorstellung. Anfang b'/z Uhr._ Casino- Theater Lothriugerstr. 37. „Hochzeitsreise". „Endlich**(Forts, d.„Hochzeitsreise"). Dazu«8peciailt. I. Hanges. Ans. Wvchent. 8 Uhr. Sonnt. H/z Uhr. Dsuden-Skrssss 48/49. Ira Theater um 8 ülir: Die deutsche Ostseeküste. CASTANS Panoptikum] Frledrich-Strasse 165. Nur noch kurze Zeit: Das Bärenweib! NeuiBißsenphotogpaphienj von Martlnlqno der vom Erdbebenheimgesuchten Insel in West-Indien. Neu! Der Koerenkrieg. 1 aa Palast-Theater (früher Feeu-Palnst) Burgstr. 33. Täglich abends 8 Uhr: Bou-AIi-Bov u. sein orlent. Zauber-Ensemble. Vorverkauf d. Logen u. nmn. Sitze an der Theaterkasse des Warenhauses A. Wertheim, Leipzigers». Preise der Plätze: Logensitz 2,50 91},, Sperrsitz 1,50, nnmcr. Parkett u. nuMer. Rang- Balkon 1 M., Parterre 50 Pf., Stehpart. u. uunnui. Ä!g. 30 Pf. W. Hoaclfs Tiieater. Vrunncustcaße l>>. Täglich im Garten: Konzert, Thtoter- 11. Speck- lMeii-MstellW. Nord und Süd. Operette in 1 Akt von Rod. Linderer. Musik von Richard Thiele. Im Saal: Danzkrünzehen. Passage-Tiieater. Anfang Sonntags 3 Uhr, Wochentags 5, Ende 11 Uhr. Das Riesen-Mai-Programm 16 Elite-Nummern in der abwechslungsreichsten Reihenfolge. Otto Bayer der elegante Humorist. Kuiiiiy]>ore die reizende Soubrette. Auf der Sportbühne: Damen-Ringkampf. Schall und Rauch (Kleines Theater) Unter den Linden 44. Freitag, 23. Mai, abends S'/a Uhr: Sercuissimus-Zwisclienspiele Gastspiel von Emannel Reicher. Der Fall Moncel. Schöne Seelen. Kollegen. KrM-Wffltt Kastanion-AUee 7—». mr- Täglich:-TWI Durch fremde Schuld. Bollsstück mit Gesang in 3 Akten. Dalleltges. Catrlni. Tyrollenne Mary Ellys. Grotesque-Kom. Paul Coradlnl. Brothers Fred, mustk. Excentrics. Mr. Bertling, leb. Photogr. Fred Marzahni Troupe, Pantom. Muslkantenstrelche. Bartlings elektrische Feerfe.(3000 Glühkörper.) Konzert u. Ball, Ansang 4 Uhr. Eintritt 30 Pf., nnmerierlcr Platz 50 Pf. K-Uho. Snnmmtuei Kotthnaci'sti*. t u, Station der Hochbahn. Täglich im Garten, bei ungünstig. Witterung imSaal: Heffhiu»»» MMMt Sliiigtt und Konzert. Sonntag, Montag und Donnerstag nach der Soiree: Tauzkränzchen. Tanz frei! Anfang des Konzerts 6 Uhr, der Soiree 8 Uhr. Eutree 30 Pf., ab 9 Uhr 20 Pf. Ostbahn-Park. Am Klistrlnerplatz. RUdersdorferstr.71. Hermann Imbs. Täglich s Gr. Konzert, Theater und SpecLalitäten- Vorstellnng. PrUhci« Allerlei Theater Mp- früher Puhlmann Sohönhauser-AIIee No. 148. Durchweg glanzvoll erneuert! Täglich: Or. Gartenkonzert, Theater, Specialitäten- Vorstellung. Komliicn! Sehen! Staunen! Allabendlich stürmischer Betfall des erstklassigen Riesenprogrannns. Im Prackstsaal: Gs*. 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Die Beerdigung findet Sonntag, »achmittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des Emniaus-KirchhofS aus statt. Die trauerude» Hinterbliebenen Witttie Honcck nebst Kindern. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die zahl- reichen Kraiizspenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau IUa Strölilingar sage ich hiermit allen Kollegen, Freunden und Bekannte», ins- besondere dem Vereinfür Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse, dem Verband deulscher Gast- wirtsgehilscn, sowie den Bc- amten der Orts-Krankenkasse für das Gastlvirts- Geiverbe meinen innigsten Dank. Hndolf Strühlinger. Orts- Krankenkasse für de» Genieindebezirk Lichteuverg. Sonnabend, den 31. Mai 1903. abends 8>/2 Uhr, im kleinen Saal d. Schwarzen Adler, Franlfnrler Chaussee 120(Haupt- eingang rechts) Ausserordentliche General- Versammlmig der geivählte» Vertreter. Tagesordnung: 1. Die letzten Vorkommnisse in der Orts-Kraukenkasse Lichtenbergs und Beschlubsassmig hierüber. 2. Anschluß der Orts-Krankenkasse Lichtenbergs an die Celitral-Kommissiou Berlins und Umgegend. 3. Verschiedenes. 1273/4 Lichtenberg, den 23. Mai 1902. Oer Vorstand der Orts-Krankenkasse. P. Lcvh», Vorsitzender. Mass- Anzüge 24 und 30 M. Paletots nach Mass 22 M. mache ich auch. Solche Anzüge sind jedoch nur durch Lvhndrnckerei und Konfcltioiisansbeuiung herzustellen. Dagegen liefere ich Maß-AnzÜge 36 bis 75 M.. Paletots 30—60 M. in ff. Ausführung, prima Schneider- arbeit. Der Kunde bekommt schon beini 30 M.-Paletot und 36 M.-Anzug aliständige Arbeit und der Sdineidcr anständigen Lohn. 4211L* Dmmilll Sltlltftwt Tnrmstr. 85. GummliMen. Jrrigatorbecher 0,43 „ komplett 0,90 ,, Schläuche 0,45 Gumini Unterlagen 0,45 Damenbinden Dtzd. 0,51 Reiililkeiliuifftl'str. 3Kb. Dr. Simmel, PrinzottBtr. 41. Specialarzt für 22/5' Bant»»nd Harnleiden. 10-2, 5-7, SvliNiags 10-12, 2-4 Central-KmiiltkillM der Manrer Gruttdstei»» z«r Einigkeit usw. Sonntag, 25, Mai, vorm. 10 Uhr, im GewerkschaftShause, Engel User 15 s Äiisserordentliclis itglieder-Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Beratung der Anträge zu der am 1. Juli stattfindenden General- Versammlung� 2. Kassenangelegenheiten. 149/5» Mitgliedsbuch legitimiert._ Die Ortsverwaltung. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Heute, Freitag, abends SV-Uhr, im Engel- Ufer IS i Sitzung der Ortsverwaltung. AAung! AMug! S3®r" Sonntag, den 25. Mai, vormittags 10 Vi Uhr,"WE _ im Oewerkscliaftsliansc, Saal VII: SV Voifanttnlung.-WS Tages-Ordnung: 1. Berichterstattnng iiber Arbeitsvermittelung. 2. Ergänzungswahl der KommWon und Wahl eines Revisors. 3. Branchenangelegenhetten. Die Versammlung wird pünktlich eröffnet. Die Zahlstelle Bezirk 3(Moabit) ist von der Stephanstraße nach Bredowstr. 11 bei Better verlegt._ 83/13 Bolz- und Bretteiträger sowie Brettsclineider Berlins und Umgegend. Sonntag, de» 25. Mai, vormittags ICN/i Uhr, im„Königstädtischen Kasino", Holzmarklstrasse Nr. 74: Mitglieder-Versammlung. Tagesordnung: 1. Abrechnung vom ersten Quartal 1902. 2. Vereins- angelegenhciten und Verschiedenes. Es ist Pflicht eines jeden Kollegen, zu erscheinen. 19/0_ Der Vorstand. P. Karnal. tsci .aiineri Zahlstellen Berlins und der Vororte. Sonntag, 25. Mai, vormittags 10 Uhr. in den ,,.d.rmlnl»»IIvi»", «ommandantenftr. 20 s SV Yensammlnngf"Vi Tages-Ordnung: 1. Vortrag über:„Etwas ans der Bülowschen Helmatpolliit». Referent: Reichstags-Abgeordneter Otto Antrick. 2. Die Kontrolle der Sammelkarte zum örtlichen Fonds(erstes Halbjahr). 3. Verbands- angelegenhciten. 254/10 Kameraden! Die Wichtigkeit der Tages-Ordnung erfordert recht zahl- reiches und pünktliches Erscheinen. Darum agitiert, daß die Versammlung gut besucht wird. DV Gäste sind stets willkommen."Vg Der Vorstand. I. St.; H. KnQpfar. Socmldemokrati scher Wahlverein fnr den Kezirk Ltrslau. Sonntag, den 25. Mai, nachmittags 1 Uhr, im Lokale des Herrn Gnrsoh, Alt-Stralau 5: Genernl Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Valllock blanaeso:„Verschiedene Arten Vaterlandsliebe". 2. Diskussion. 3. Kassenbericht. 4. Vereinsangelegenheiten. 2746b Neue Mitglieder werden in dieser Versammlung aufgenommen. lOor Vorstand Deutsch Jetaliarbeiter-Verband Verwaltungsstelle llerlln. Bureau: Engel-Ufer 15. Zimmer 1—5. Fernsprecher: Ruit VII, 353. Sonnabend, 21. Mai, abends 8-/-»Hr. bei Dleke, Ackerstr. 123; Versamilmig der Dobler, Dohrer, Zraiser»iw Sonnabend, 21. Mai, abends 8V2 Uhr, bei VlseUer. Waldstr. 8 s Konferenz der Moabiter Vertrauensleute. Montag, den 26. Mai, abends 8V2 Uhr, bei Hereler, Tteinmev- strafte 113 s 116/7 Bezirks-Versauimluiig für Rixdorf. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Wermnth-Berlin über:„Sibirien und die rusfische Schrecke»s Herrschaft". 2. Diskussion. 3. Verbandsangelegen- heiten. 4. Wahl eines Delegierten zum Rixdorfer Gewerkschaftskartell. Zahlreichen Besuch envartet_ Die Ortsverwaltung. Achtung! Zimmerer. Achtung! Verein der Zimmerer Berlins und Umgegend. Sonntag. 25. Mai, vormittags 10 llhr, bei Colrn, Benthstr. 20; Versamuiiung."WD Tages-Ordnung: 1. Vereinsangelegenheiten� 2. Vortrag des Genossen Th. Mehner über:„Gleiches Recht für alle". 3. Diökusnon. 4. Verschiedenes. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht 257/12 Der Vorstand. I. A.: Alb«! Juppenlatz. Medizinischer Ungarvein Mark süss......... 0,90-2,90 Ober-Ungar, herb... 1,25-2,20 Portwein........ 0,90-5,40 Sherry, Madeira, Malaga 1,00-5,40 Samos......... 0,75 Vermuth-Vein.... 0,80 Moselwein...... 0,45-2,75 Rheinwein....... 0,60-3,90 Deutscher Rotwein.■ 0,50-1,25 Bordeaux-Wein... 0,80-1,90 exkl. Flasche, welche mit 10 Pf. berechnet und zurückgenommen wird. Zu haben auch in unseren ca. 300 Niederlagen. Nicht Zuaagendes wird zurückgenommen. 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