Nr. IIS Kbomumeitts-Krdingungen: Abonnements-Pret» pränumerando: «Zierteljährl. ZLV Mt., mvnall. 1,10®»., wöchentlich 28 Pfg. frei int Hau«. Ttn»elne Nummer S PIg. Donntage- Nummer mir iu»n->-r>«c Sonntags» Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Pafl- Abonnement: l, 10 Mark pro Monat. Singelragen in der Post-Zeitung«- Vmsüste für 1008 unter Er. 7878. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn L Marl, für da« übrig« Ausland 3 Marl pro Monat. 19. Jichrg. Fls Anftrtlsns-Gelillift beträgt für die sechsgespaltene Kolon«!» »eile oder deren Raum so Pfg., für politische und gewerkschaftliche Verein«- und Versammlung«-Anzeigen 20 Pfg. «Kleine Anfeigen" jede« Wort 5 Pfg. (nur da« erste Wort fett). Inserate für die nächste Nummer müssen bi« s Uhr nachmittag« in derSrpedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- lagen bi« 7 Uhr abend«, an Sonn- und Festlagen blSSUhr vormittag» geössn«. Srlilleinl 1, glich»»ster Rollkag». Vevlinev Volksblerkt. Telegramm-Adresse: »Sorlnldrmokrnl Berlin» Äentralorgcrn der focialdemokratifchen Uartei Deutschlands. Vedalition: sw. 19, Veulh-Skrafze 2. Fernsprecher: Amt I, Nr. 1508. Sonntag, den 25. Mai 100Ä. Expedition: sw. 19, Veullj-Striche 3. Fernsprecher: Slmt l, Nr. 5181. Am Vorabend der belgischen Wahl. Brüssel, den 22. Mai. Der Aufmarsch der Parteien mit ihren Kandidatenlisten und Wahlaufrufen ist nunmehr beendet. Rund 230 Kandidaten kämpfen um die 91 Abgeordneten-Mandate. Die Aufrufe bilden für die Mehrzahl der Listen daS Programm. Diese einzeln zu behandeln, ist nicht nötig, denn die Kandidaten rangieren sich fast ohne Ausnahme in die drei großen Parteien ein. Die andren aus lokalen und sonstigen Gründen entstehenden Parteien sind in der Regel nur ab gesprengte Teile der drei großen Richtungen, die aus taktischen Rücksichten vor der Wahl improvisiert werden und nach der selben noch schneller von der Bildfläche verschwinden, als sie erschienen waren. Eigentlich tritt nur die klerikale Partei im Wahlkreis Brüssel mit zwei Listen auf. Das geteilte Au treten ist indes auch hier nichts als ein Wahlmanöver. Au der einen Liste stehen einige Namen wie de W i a r t s, die für die katholischen Kleinbürger und Arbeiter den Köder bilden sollen, während derweiter untenstehende Golfs mehr dieantinülitärische Richtung jener Kreise repräsentiert. Diese Liste nennt sich die der..�Ilisneo conservatrice et ouvhere" und ist zusammengesetzt aus Berusspolitikern, Advokaten usw. Sie will nach ihrem Aufruf religiöse Freiheit, Harnionie der Klassen und fordert dazu auf, die gegenwärtige Regierung zu stützen, weil:— „die Linke infolge ihrer Zerklüftung unfähig ist, das Ruder in die Hand zu nehmen". Etwas deutlicher ist die Sprache der Organe, welche die zweite klerikale Liste, die sich abwechselungsweise die Liste der«Inäexenäkmts"(Unabhängigen) nennt, unterstützen Auf dieser Liste stehen Feudale, Generallieutenants und Groß bonrgeois. In dem Aufrufe wenden sie sich besonders gegen den Pseudoantimilitaristen Golfs der andren klerikalen Liste. der die Annee die Stätte des Lasters genannt hat. Der Zweck dieses Manövers ist, die Bewunderer für zweierlei Tuch, als da sind Kriegcrvereine ic., die übrigens monarchisch bis auf die Knochen sind, abzuhalten, in einem andren Partei lager Platz zu suchen. Selbstverständlich gehen die Abgeordneten beider Listen dann in der Kanimer Arm in Ann mit der Regierung durch dick und dünn Was hier von den hauptstädtischen Klerikalen gesagt wird gilt für die ganze Provinz. Nur daß man dort gemeinsam marschiert und daß sich vorwiegend Vertreter der Richtung der„Jndependants" auf den Listen breit machen. Die Ver treter der proletarischeren Elemente dieser Partei haben Plätze angewiesen erhalten, wo sie des Fiaskos sicher sein können. Der klerikale Chef W o e st e kandidiert wieder in Alost, im Lande der Würste, so benannt, weil dort der Stimmen kauf und Stimmenfang mit Vorliebe mit Würsten betrieben wird. Der Kammerpräsident S ch o l I a e r t ist in Löwen aufgestellt, und der Staatsminister Veernaert in Roulers-Thielt.— Die Fraktionen der Liberalen sind mit g e meinsamen Listen und zwei Manifesten auf dem Plane erschienen. Während dieses Zusammengehen in der Provinz weniger in die Augen springt, ruft es in der Haupt sladt, wo regeres politisches Leben herrscht und wo die liberalen Klopffechter in nächster Nähe beobachtet werden können, gar manches, wenn auch unbegründete. Kopfschütteln hervor. Kon socitilistischer Seite wurde die liberale Liste die „Vereinigung der Antipoden", genannt. Das ist sie aber keineswegs, wenn auch auf ihr der Name eines I a n s o n, der sich als„Republikaner" und„Kollektiv ist bezeichnete, neben dem eines H y m a n s und L e p a g e, die zur doktrinären Fahne schwören, steht, wenn auch unser «Republikaner und Kollektivist" mit den Kumpanen von „liberalen" Bürgermeistern, die die s ä b e l n d e n P o li z ist e n für die an wehrlosen Passanten verübten Attentate mit Orden belohnten, in einem Gespann geht. Gerade dieses Zusammengehen beweist zwar nicht die Ver- einigung von Antipoden, wohl aber die Thatsache, daß die Jansonschen Erklärungen von Rcpublikanismus und Kollekti- visnius nichts als inhaltslose Phrasen sind und daß die kerti ouvrier gut thun wird, ihre Stellungnahme den liberalen Freunden gegenüber einer Revision zu unterziehen. Die liberale Schaukelpolitik verdient wirklich einmal von links her beim richtigen Namen genannt zu werden. In den zwei liberalen Manifesten für eine Liste, kommt der Januskopf der liberalen Partei so recht zum Vorschein. In dem einen, unterzeichnet von denen um Janson, werden in weinerlichem Tone die die ärmeren Klassen inter- essicrendcn Forderungen ausgezählt und ihre Erfüllung von dem Stimmen für die liberale Liste abhängig gemacht. Mit diesem Manifest glauben die Liberalen den Stimmenfang nach links hin erfolgreich betreiben zu können. Das andre Manifest, gezeichnet von denen um Hymans (doktrinär), soll nicht nur den wegen der gemimten Revisions- freundlichkeit der Wadclstrümpflcr scheu gewordenen Bourgeois einfangen, ihn beruhigen und ihm Vertrauen einflößen, sondern es soll gleichzeitig auch für alle Eventuali- täten— da der Ausgang der Wahl nicht vorausgesehen werden kann— die Brücke zur klerikalen Burg bilden. Deshalb heißt es z. B. in dem zweiten Manifest:„Die Anwendung der Gewalt in einem Lande wie dem unsrigen i st nichtzuver zeihen.—— Der Liberalismus geht aus der Krise mit reinen Händen hervor.— Er ist frei von Doktrinen der Unduldsamkeit und des Hasics, Feind der Politik der Klassen und Sekten, allein im stände, die Ordnung ohne Reaktion und den Fortschritt ohne Gewalt zu realisieren und zu garantieren."— Die liberal ePresse macht dazu die ihren jeweiligen Lesern angepaßte Musik. So wendet sich beispielsweise der„Etoile" nach oben:„Die liberale Linke und die liberale Bourgeoisie haben, indem sie jede Neigung zur Insurrektion des avouierten, der Regierung die moralische Kraft gegeben, deren sie bedurfte. Sie haben ein Beispiel von bürgerlicher Tugend und ein Vorbild des Patriotismus gegeben." Die den linken Flügel deckenden Organe ma növerieren folgendermaßen: „Unser Programm>vird, wenn wir die Majorität haben iverdcn, das des MinisteriumsWaldeck-Mille r a n d sein. I n diesem antiklerikalen Mini sterium werden wir Liberale und S o c i a l i st e n vertreten sein lasse n."— Die Parti ouvrier kämpft in 13 Von den 21 Arrondisseinents. Da wo keine Genossen aufgestellt sind, werden die socialistischcu Wähler für die linksstehenden bürger lichen Kandidaten stimmen. Wie es scheint, sind die Be mühungen Von unsrer Seite, Kompromisse mit den Liberalen zu schließen, nur in ein eni Kreise erfolgreich gewesen. Die Liberalen Verleugnen Vielfach die früheren Alliancen mit den Socialisten. Der schon erwähnte liberale„Etoile" sagt: „Die klerikale Presse behauptet, die Liberalen seien mit den Socialisten Vereinigt—-- weil sie der Revision zustimmten. Das Gegenteil ist wahr. Wenn die Liberalen, und im besonderen die unter ihnen, welche nicht für das allgemeine Wahlrecht sind, für das In- Erwägung- ziehen der Revision gestimmt haben, so deshalb, um die Socialisten zu verhindern, die Revolution zu entfessel n." Kurzum, die Liberalen wenden sich iif den Versammlungen und in der Presse gegen die Socialisten in einer Art, als wenn es keinen andern und größeren Feind gäbe als die Parti ouvrier. Die liberale Taktik ist die einer Partei, die am Tage nach den Wahlen die Regierung übernehmen will. Trotzdem schrieb der„ P e u p l e" gelegentlich eines schmutzigen Angriffs des Liberalen Laniblotte auf den Genossen Colbeaux, Kandidat in Virton,„die S o c i a l i st e n haben ihr möglichstes gethan, um einen Kampf zwischen Liberalen und Socialisten zu verhindern. Die Liberalen haben nirgends einem Arrangement zugestimmt, sie haben sich bis zur Arroganz un- zugänglich gezeigt.... Man klagt uns an, das I n st r u ni e n t der Klerikalen zu sein; die Liberalen aben uns in allen neun Wahlkreisen diese dumme Be- leidigung entgegengeschleudert, und--- wir hosten trotz aller dieser Reibungen, daß er, der liberale Kandidat, nüt Hilfe d e r s o c i a l i st i s ch e n Stimmen über den klerikalen Gegner siegen wird."— Die Genossen betreiben im ganzen Land mit Begeisterung die Agitation. Von der„Ieune Garde Socialiste" ist namentlich die Landagitation mit ungemeinem Eifer betrieben Ivorden. Unter den zahlreichen Analphabeten wird mit illustrierten Flugblättern agitiert. Die principielle Seite des Socialisnius tritt in der Wahlagitation teilweise zurück. Im Vordergrund steht das allgemeine Wahlrecht, der Kampf gegen das klerikale Regiment. Den L i b e- r a l e n gegenüber wird wohlwollende Neutralität bewahrt. In der Wahlbroschüre von B e r t r a n d ist von den liberalen Gegnern nüt keinem Wort die Rede.— Die christlichen Demokraten, die sich um den Abbe Daens scharen, können in die klerikale Partei ein- gereiht werden. Von ihnen ist zwar vieles, besonders von ihrer Opposition gegen die Klerikalen, berichtet worden. Ihre hinkende Opposition geht jedoch bestenfalls nur bis zum Abgeordnetensitz. Einmal im Parlament, werden sie die Wege ihrer ch r i st l i ch- d e in o k r a t i s ch e n Vorgänger, des Carton de Wiart, Verhagen w. wandeln, die noch vor einigen Jahren ür das allgemeine Wahlrecht agitierten und heute den Schwanz und die volkstünilichen Parademänner der Klerikalen bilden, die der Bolksmund„vewooratss-ckomestigues" gezähmte Demokraten) getauft hat. Der Abbe Daens bereitete bis einige Wochen vor der letzten Wahl seine Kandidatur in A l o st, der Hochburg der Klerikalen, vor. Er hätte auch thatsächlich dem klerikalen Chef Woeste gefährlich werden können. Allein gerade diese Erwägung war für Daens Ursache genug, nach Brüssel auszuwandern, wo er dann, wie auch jetzt wieder, kandidierte. In dem Aufruf dieser Partei heißt eS:„Die Wähler, die Herrn Woeste und seine Politik nicht lieben, mögen für Abbö Daens stinimen; für den Ver- teidiger des Rechtes und der Gerechtigkeit, für en großen und verfolgten Christen." Die Partei verspricht den Bauern ländliche Kreditanstalten und den Arbeitern einen Minimallohn und staatliche Unfall- versichernng.� Gleichzeitig schlagen auch Gewerbetreibende die Werbetronimel für diese Liste, speciell für den auf der daensistischen Liste befindlichen Fleischermeister Wagemann, weil dieser stets gegen„den Mißbrauch der Koope- r a tiv e n"(soll heißen der Arbeiter-K o n s u m v e r e i n e) gekämpft habe! Die christlichen Demokraten haben in 4 Kreisen Listen aufgestellt.— So ist bei allen Parteien zum Gefecht klar gemacht. Von den 77 zur Neuwahl stehenden Abgeordneten' Mandaten— zu denen 14 neugeschaffene Sitze kommen — gehörten 20 der liberalen, IC klerikalen Partei. Möge der Mandate ein beträchtlicher sein! der socialistischen und 47 der Znivachs der socialistischen Das Gesetz auf Erhöhung ..... cbe der Depntiertenzahl zieht auch Ergänzungswahlen für sieben Seimtoren in sechs Arron- dissements nach sich. Diese werden gleichzeitig mit den Kammerwahlen am 25. Mai vorgenommen werden. Um diese sieben neuen Senatssitze bewerben sich sechs Liberale, sechs Klerikale und ein Socialist. In Ihres und Alost sind die zwei aufgestellten klerikalen Kandidaten schon zu Senatoren ohne Wahlkampf er- nannt worden, weil iveitere Bewerber nicht vorhanden waren. Bis jetzt besteht der Senat aus 104 Mitgliedern, wo- von 78(ans 80 000 Einwohner 1 Senator) direkt durch die Wähler und 26(für jede Provinz 2—4, je nach der Größe) von den Provinzialräten gewählt sind. Das Wahlgesetz für die Abgeordneten der Kammer gilt auch für den Senat. Nur muß der Wähler für diesen mindestens 30 Jahre alt sein. Während der Abgeordnete jährlich 4000 Fr. Diäten erhält, bekommt der Senator nichts; während der Kandidat für die Kanimer das 25., muß der für den Senat das 40. Lebensjahr über- schritten haben und in die Staatskassemin- d e st e n s 1 200 Fr. direkte Steuern zahlen oder Eigentümer oder Nutznießer von in Belgien gelegenen Immobilien sein, deren K ata st ral- e i n k osin'ist'e n die Summe von 12,000 Fr. über- steigt. Für die von den Provinzialräten ge- wählten Senatoren kommen die Bestimmungen bezüglich des Census w. in Wegfall. Die 104 Mitglieder des Senates verteilen sich auf die Parteien folgendermaßen: Liberale 39, Socialisten 5 und Klerikale 60. Unsre Partei könnte gemäß ihrer Stimmenznhl im Senat ebenso stark sein wie in der Kammer. Allein sie verfügt wohl über Wähler, aber über keine Senatskandidaten, die den gesetzlichen Bestimmungen entsprechen, will sagen: r e i ch und alt genug sind. >a Stimmenzivang existiert, stimmten 1900 unsre Ge- nossen, da wo socialistische Kandidaturen fehlten, für die liberalen Kandidaten oder gaben(wenn auch relativ wenige) weiße Stimmzettel ab. Von den fünf socialistischen Senatoren sind von den Provinzialräten vier entsandt, nur Defuisseaux- Möns ist durch direkte Wahlen gewählt. Defuisseaux vereinigte auf seine Liste 41 318 Stinimen, eine Zahl, die noch für einen Kandidaten mehr genügt hätte. Da aber kein zweiter auf- gestellt werden konnte, fiel dieser Sitz einer bürgerlichen Partei zu. Bei der letzten Wahl 1900 hatte die Parti Ouvrier noch in Gent, Möns und Chaleroi eigne Listen für den Senat auf- estellt. Die Kandidaten waren aber eher Progressisten als socialisten. Uebrigcns sind die Grenzen der Parteien im Senat verwischt. In diesem Hause, wo nur der satte Besitz eintreten kann, ist von Debatten von principieller Bedeutung keine Rede. In der Regel stimmt man dort den Beschlüssen der Kammer zu. Die öffentliche Meinung beschäftigt sich auch kaum mit dieser Körperschaft. Mai. Dolikifche Mebevfichk. Berlin, de» 24. Die SiegeSallce in Washington. SIS Wilhelm II. dem Präsidenten der Bereinigte» Staaten ein« Statne des alten Fritzen zur Aufstellnng in Washington anbot, sprach Herr Roosevelt in seiner Antwort die Bermntnng ans, daß das amerikanische Volk das Geschenk mit dem höchsten Vergnügen annehmen werde. lieber Nacht aber zeigte sich, daß er daS Vergnügen der Amerikaner falsch taxiert hatte— trotz der Heimichreise. Als Diplomat beschloß er darum, allen unangenehmen Weiterungen dadurch zu entgehen, daß er die ursprünglich ausgesprochene Absicht, daS Geschenk dem Kongreß zur Genehmigung vorzulegen, aufgab und den König in einen bedeutenden Feldherr» verwandelte. Aber auch dieser Schachzng bat nicht genügt. AuS New Dork weiß nämlich die„Frankfurter Zeitung" das Folgende zu melden: Repräsentant Stephens aus Texas legte eine Bill vor, der zufolge die Bundesregierung die Statne irgend eines Monarchen weder annehmen noch eine solche ausstelle» soll. Die Strömung gegen die Annahme der Statue Friedrichs deS Große» ist im Wachsen, selbst einige sonst gemäßigte deutsche Zeitungen finden dieses Geschenk nicht in der Ordnung. Es ist ganz begreiflich, daß die Amerikaner, von denen Goethe rühmte, daß sie das Glück hätten, in einem Lande ohne Ruinen zn leben, Wert darauf legen, keinen Monarchen in ihrer Repnbli aufzustellen. Sie müssen das schon, um Präzedenzfälle zu vermeiden. Demi wenn sie in der Aufstellung eines Ahnen des preußischen Königs willigen, so wäre es späterhin unhöflich, die Statue irgend eines andren Potentaten abzulehnen. Man stelle sich vor, ivelche Ueberflntung mit Monarchen- Denk- malern in den Vereinigten Staaten erfolgen würde, wenn auch nur die Fiirsteiigeschlechter der deutschen Bundes st aaten ihre allcrberiihmtesten Ahnen zum Andenken hinsenden sollten. Und schließlich hätten dann doch die Habsburger, die Romanows und Lbreuowitsch dasselbe Anrecht, ihre Freundschaft mit Amerika au die gleiche Weise zu belhätigen. Für die Amerikaner ist es also geradezu eine politisch-ästhetische Lebensfrage, dem Anfang zu widerstreben. Außerdem ist es nicht richtig, daß die Versendung von solchen Denkmälern keinerlei dynastische Demonstration beabsichtige. Ganz im Gegenteil. Wenn in Berlin ein Monument für die März- gcfnlleuen nicht gestattet wird, weil darin eine Verherrlichung der Revolution und Republik gesehen wird, so kann das Gescheut eines Fiirstendenkmals nur den Zweck habe», die Größe deS Hohenzollern- Gcschlechts auch den Republikanern»ind'im U r s p r u n g Revolutionären zu verkünden. Ueberaus prächtig benimmt sich wieder einmal die freisinnige Presse. Sie klagt lebhaft— siehe die„Vossische Zeitung"— über das bedauerliche Verhalten der Amerikaner, und niemand fällt es ein. auch nur ein Wort der Kritik an dieser seltsamen Denkmals- Politik zu üben. Was würde man dazu sagen,»venu es Herrn Loubet gefiele, nach Berlin ein Denkmal Napoleons I.— von Danton- oder Marat-Siatne» nicht zu reden— aus Freundschaft zu senden. Vielleicht nimmt einmal das amerikanische Volt einen Kursus beim Berliner Stadtfreisin», damit es lernt, sich schicklich zn verhalten, statt„bedauerlich"!—_ Die Friedensverhandlungen in Südafrika sind noch immer nicht zu einem greifbare» Resultate gediehen. Während die englischen Blätter im allgemeinen eine sehr Zuversicht- liche Miene zur Schau tragen und die Untertverfung der Boereu unter die englischen FriedenSbedingmigen als unmittelbar bevorstehend ankündigen, beobachtet die Regierung nicht nur eine be- greifliche Reserve, sondern sie ist auch augenscheinlich bemüht, den allzu großen Optimismus nach Kräften zu dämpfen. Was daran begründete diplomatische Taktik und was überfliissige Ge- heimniskrämerei. läßt sich nicht beurteilen. Falls die Lage der Boeren noch eine derartige wäre, daß ein allzu warmes Bekunden der Friedensliebe der englischen Regierung eine aber- mälige Verlängerung des Widerstandes befürchten lasten könnte. wäre die diplomatische Vorsicht der englischen Staatsmänner ja be- gründet. Wäre dagegen die Situation der Boeren eine so hoff- nungslose, wie das englische Preßineldunge» behaupteten, so könnte die englische Regierung schon den Schleier des Geheimnisses ein wenig lüften. So ganz trostlos scheint es um die Boeren also doch noch nicht zu stehen. Wie gesagt: die Regierung hüllt ihre Erklärungen in ein pythisches Dunkel. So erklärte am Freitag Kriegsminister Brodrick bei einem Bankett, es würde über seine Pflicht hinausgehen, wenn er aus den jetzt vor sich gehenden Austausch von Mitteilungen ein- gehen wollte, ivelcher, wie man hoffe, das V o r s p i e l zu der Uebergabe der im Felde st ehe» den Boeren bilde» werde. Die Regierung sei so entschlossen wie je und»verde die Beseitigung der Schwierigkeiten nicht erkaufen mit Aufopferung von irgend etwas, das der dauernden Sicherung des Friedens in Südafrika dienen könne. Weniger unbestimmt drückt sich die Presse aus. Wie D a i l y News" erfährt, haben die Boeren sofortige Bewilligung der S e l b st v e r w a l tun g gefordert und, im Kall dieses nicht gewährt werde, das Recht verlangt, sich mit ihren jetzigen Staatshäuptern zu beraten. Sie verlangten ferner A m n e st i e r u n g der Ausständischen in der Kap- kolönie, die Erlaubnis, ihre Gewehre und Pferde zn be- halten, die Bürgschaft, daß die Eingeborene» nicht den Weiße» gleichgestellt werden, und beantragte», daß die Darlehen zum Wiederaufban ihrer Häuser und zur Wiedereinrichtung ihrer Farmen ohne einschränkende Bedingungen gegeben Iverden sollen. Die englische Regierung soll darauf geanlivortet haben, der Zeitpunkt des Eintritts der Selbstverwallnng kvnne noch nicht festgesetzt iverden; die Aufständischen sollen, mit Ausnahme von gemeinen Verbrechern, nicht behelligt werden: die Führung von Feuer- waffeu zum Schutze gegen die Eingeborenen werde gegen Erlaubnis- scheine gestattet, und die Eingeborenen sollen den Weißen nicht gleichgestellt sein. Das Parlament werde um Darleihung der zum Aufbau der Häuser und der zur Neueinrichtung der Farmen nötigen Kapitalien ohne Einschränkung ersucht werden. '.D aily Telegraph" meldet: Man ist allgemein der An- ficht, daß der Meinungsaustausch ztvische» Pretoria und dem Kolonialamt noch so weit vom Abschluß entfernt ist, daß Balfour am Montag im Parlament keine be- st i m ni t e Erklärung wird abgeben können. Der„Standard" nieint. die Situation sei günstig für den Frieden. Die Delegierten der Boeren hätten keine Forderungen er- hoben, welche eine Aufopferung eines der vitalen Grundsätze bedeuten würden, auf denen die englische Regierung bestehen müsse. Der Anspruch auf Unabhängigkeit sei als hoffnungs- loS fallen gelassen worden, und die Delegierte» hätten sich damit begnügt, die Fragen der Amnestie, der Kompensation und einer repräsentativen Regierung auszuwerfen. Eine„Ncutcr"-Meldung besagt: Das Ergebnis der Boeren- Zusammenkiinft in Verceniging enttäuschte insofern, als eine greif- bare Entscheidung nicht erreicht wurde. Die Transvaal- boeren betonen die Notwendigkeit, die Friedens- b e d i n g n n g e n Englands a n z u n e h ni c u. lehnen es aber ci b, für sich a l l e i n ein Abkomme» mit der britischen Re- gierung zu treffen und die Freistaat-Bocren auf diese Weise den Kampf allein w e i t e r s ü h r e n z n l a s s e n. Es wurde jedoch beschlossen, daß die Hanptführer der Boeren sich zu Kitchencr begeben, um ihn von dem Ergebnis der Beratungen, zu unterrichten. Wegen des unentschiedenen Charakters dieser Mitteilungen wurde im allgemeinen erwartet, daß die Feindseligkeiten wieder eröffnet werden würden und jedermann war daher erstaunt, daß die Delegierten sich noch immer in Pretoria befinden. Deshalb wird vermutet, daß die Friedens- auSsichten nicht hoffnungslos sind. Sehr zuversichtlich äußert sich eine Meldung der„Pall Mall Gazette": Vor Ende der nächsten Woche dürfte alles Wesentliche über den Frieden geregelt sein. Die dem Kabinettsrat vorliegende Depesche machte eine Rückfrag e über verschiedene Punkte nötig: die Antwort hierauf von Südafrika sei nötig, ehe vom Kabinett eine fornielle Depesche geschickt iverden könne. Die Antwort werde schwerlich vor Montag erwartet, worauf ein weiterer Kabinettsrat stattfinden werde. .» Deutsches Weich. Konservative Handelsverträge. In seinem Wahlkreise Dreslau-Neninnrkt hat Graf L i m t, n r g- S t i r u m über die Zoll- tarif-Frage gesprochen und dabei bekundet, welcherlei Handels- vertrage die Herren Konservativen wünschen. Zunächst wendete sich Graf Limburg gegen die Regierung, die nicht genügend die Forde- rnngcn der Landwirtschast erfüllt habe, sei doch der Zoll von 7 50 M. kein ungerechter! Sodann erklärte er:„Er� halte es für besser, d i e alten Zölle zu behalten, als die in der Vorlage angesetzten zu niedrigen; die alten Vertrage können von Jahr zu Jahr gekündigt werden, während durch die langfristigen Verträge unhaltbare und un- heilvolle Zustände für die Landwirtschaft entstehen würden." Handelsverträge, die von Jahr zu Jahr gekündigt iverden können, sind natürlich für die Industrie und den Handel gänzlich unbrauchbar. Wenn Herr Graf Limburg noch offener sein' wollte als er in seiner Rede gewesen ist, so würde er erklären, Handels- Verträge seien überhaupt für die Landwirtschaft höchst unangenehm. Für die„Landwirtschaft", d. h. den Junkerbesitz, wäre nichts will- kommener als einige Jahre der Handelsvertragslosizkett, des Zoll- krieges, der Aussperrung jeglicher Kornzufuhr.— Das AnSnahmcgesetz gegen die Pole». Den schmählich ausuahmcgesetzlichen Charakter des neuen Anti- polcnfonds-GesetzeS bespricht die Centrumspress« recht scharf. Wenn das Centrum im Abgeordnetenhause ebenso eindringlich gegen den Entwurs zu Felde zieht, können die Debatte» sich zu einer sehr er- regten Auscinandersetzung auswachsen. Die„Kölnische Volks-Zeitung" Z. B. sagt: „Für die Polen kommt in Betracht, daß sie die Geldmittel, mit denen sie ausgekauft werden sollen, s e I b st durch Steuer- zahlen mit aufbringen müssen. Hierin liegt für uns die moralisch peinlichste Konsequenz dieser Gesetzgebung. Wenn irgend welche Volkskreise gezwiingen werden, zu ihrer e i g n e n B e- kämpfnng Geld zn bezählen, so muß das so aufreizend wirken, wie nichts'anderes. Wie auch immer die Regierung zu den Polen stehen mag. so sollte sie nnsres Erachtens doch nicht wünschen können, dieselben unmer mehr gegen sich und den Staat zu er- bittern. Allzu scharf macht schartig, und wer Wind säet, muß Sturm ernten. Ist schon der Umstand auffällig genug, daß man im Westen Vcrsöhnungspolitik und im Osten Vcrbitternngspolitil treibt, so läßt sich erst recht nicht verstehen, daß man im Osten immer mehr Ocl ins Feuer gießt." In den„Posener Neuesten Nachrichten" wird die preußische „AnsiedlnngS"- Gesetzgebung als gründlich verfehlt gerade vom deutschen Standpunkt ans kritisiert. Das Blatt giebt folgende bemerkenswerte Darstellung: „Mit dem programmatischen Znsaminenschluß deutscher Elcincute in socialer Beziehung, mit der Anfnahine des Boykott- systems, mit dem Predigen nationalen Bewußtseins, mit Hurra- rufen, Toasten und Ergebcnheitsadressen, mit Museen, Bibliotheken und Vereinshäiiscrn kann eine Bolksgemeinschaft nicht erhalten werden, wenn die wirtschaftlichen Giundlagcu ins Wanken ge- roten. Dies ist aber sicherlich der Fall, wenn Handel und Ge- werbe in den Städten zurückzugehen begiimeii, die Bevölkerung in ihren gewerblichen Schichten abnimmt und der in unsren LandeSteilen fundamentale geschäftliche Verkehr zwischen Stadt und Land dauernd stagniert. Wie sehr dies thatsächlich und ganz besonders auf feiten der deutschen Bevölkerung zutrifft, darüber soll man sich bei allem Patriotisnnis keiner Täiischnng hingebe». Nichts ist schädlicher, als Br'gelstranß-Politik unter dem Deck- niantel des Pathos. Der deutsche Kaufmann und Handwerker ver- schwindet, wie tägliche Berichte zeigen, immer mehr ans den kleinen Städten, und die Prognose, welche dahin gestellt wird, daß es in nicht zu ferner Zukunft in den Städten der Provinz fast nur noch Polen und deutsche Beamte geben werde, dürfte im wesentlichen nicht fehlgehen.... Eine der Hanptursachen des Rückganges der Deutschen in den Städten wird nicht mit Unrecht in der Thätigkcit der A n- s i e d e l u Ii g s- K o m in i s s i o n gefunden. Selbst die wärmsten Freunde des Ansiedelungswerkes schätzen die bisherigen Ergebnisse nicht zu hoch ein und verweisen auf die Zukunft. Inzwischen hat aber die Ansiedelungsthätigkeit eine grelle Wirkung in zweifacher Hinsicht gezeigt. Einmal ist der deutsche Kaufmami, ivelcher mit dem Vorbesitzer der Ansicdclungskommission in Handelsbeziehungen stand, sei es durch Kreditgewährung, sei es durch Lieferung von Saat- Und Futtermitteln, sei es durch Kauf von Vieh und landwirtschaftlichen Produkten, oder durch Lieferimg von Bedarfsartikeln für das Dominium dieser Knud schaff immer mehr beraubt worden, da der Klcinverkchr durch den Großverkehr mit den Centralen ersetzt wurde. Zweitens wurde durch die Millionen, welche sowohl dem polnischen Verkäufer wie auch seinen Verwandten für ihre auf den Gütern scstgelcgte» Hypotheken znflvffe». bewirkt, daß das mobile polnische Kapital ein andcrweitcs Unterkommen suchte und hauptsächlich i ni st ä d t i s ch e n Grundbesitze und Gewerbe fand. Daher hauptsächlich oder nicht zum geringste» Teil die Ver- ni e h r u n g st ä d t i j ch e n Besitzes u n d städtischer G e- s ch ä f t e in polnische» Händen und die Abwanderung deutscher Mittelstands-Elemente aus den Städten. Um so erstaunlicher aber ist es, wenn trotz dieser klar vor Augen liegenden Erscheinung die von den Ministern verkündete That nunmehr obennäls in einer Hundert- oder Ziveihniidertniillionen- Vorlage für Ansiedelungs- zwecke ausläuft. Wir erachten diese Erweiterung als den Akt einer Verlegenheitspolitit, die sich im alten Geleise forlbewegt, weil sie etwas thun will, und nicht recht weiß, Ivo sie nun an- setzen soll."_ Der parlamentarische Bassermami. Man schreibt uns aus Jena: Mit Vasserniann ist es nicht recht geheuer. Die Nachricht, daß er parlamentsmüde sei. ist nun schon ein paar Tage ins Land ge- gangen, ohne daß die nationalliberaleu Partciblätter sich zu einem Dementi aufschwingen konnten. Auch die„Jenaische Zeitung", das „maßgebende" naiioualliberale Organ des dritten weiinarischen Wahlkreises, der Bassermami nach seiner voraussichtlichen Mann- heimer Niederlage wieder zu einem Mandat vcrholfcn hat, schweigt sich vollständig aus, obgleich bereits zu Anfang dieses Monats die nationalsocialc„Zeil" ci» gleiches Gerücht verzeichnet hatte. Das„Blankenhainer Kreisblatt", das darüber Crkuudigunge» einzuziehen versprach und zunächst etwas Bestimmtes nicht-sagen konnte, schrieb dann mit aller Bestimmtheit folgendes: „Unser Reichstags-Abgeordneter Dr. Basserniann wird that- sächlich bei den im nächsten Jahre bevorstehenden Wahlen zum Reichstag nicht wieder kandidieren. Von zuverlässiger Seite wird uns mitgeteilt, daß er im fremidschaftlichc» Kreise, der nach der letzten nationalliberale» Wahlversammlung im„Lindeu- haus" sich um ihn versammelt hatte, diese seine Absicht als fest- stehend ausgesprochen habe." Der Socialdemokratie kann der Rücktritt Bassennanns vom dritten weimarischen Wahlkreis ziemlich gleichgültig sein; sie bat sich eine gute Position gesichert. Unser Kandidat, Maleniicisier Paul Leutert in Apolda, auf den im Jahre 1893: 4733 Stimmen und bei der Stichwahl 7068 Stnnmcn abgegeben wurden, erhielt bei der letzten Hauptwahl bereits 6687 Stimmen und bei der Stichwahl 8673 Stimmen gegenüber 10 406 Stimmen, die sich auf Bassermami aus dem Lager der vereinigten Nationallibcralcn, Konservativen. Bündlcrn und Nationalsocialen vereinigt hatten. Pfarrer Naumann, der immer noch auf ein Mandat von diesem Kreise hofft, brachte es bei der Hauptwahl auf 4218 Stimme». In seinem Einverständuis haben bekanntlich seine Getreuen die schmähliche Parole ausgegeben, bei der Stichwahl für Bassemiann zu stimmen, da er das kleinere Uebel wäre. Die Nationalsocialen haben sich daniit jede Achtung verscherzt, und es scheint sehr fraglich, ob Naumann bei aller Agitation bei der nächsten Wahl wieder so viel Stimmen auftreibt. Durch die Zolltarif-Borlage haben sich die Gegensätze unter den Wählern Basseruianns bedeutend verschärft, außerdem hat er sich bei vielen seiner Wähler durch seine socialpolilischen Anschannngcn unbeliebt gemacht, so daß auch seine Wiederwahl nichts weniger als gesichert ist. Unter diesen Umständen wird sein Rücktritt immer be- greiflicher: vielleicht hat er den Geschmack an der parlamentarischen Thätigleit überhaupt verloren. Die Verschiebungeii. die durch die Zunahme der Bevölkerungszahl im dritten weimarischen Wahlkreise eingelreten sind.sdürften ausschließlich der socialdemokratischen Partei zu gute kommen. Außerdem hat die weimarische Regierung im Verein mit ihren untergeordneten Organen durch ihre Verbotspolitik auf dem Gebiete des Versammlungswesens ohnedies dafür gesorgt, daß sich die Chancen der socialdemokratischen Partei nicht verschlechtert haben. So kann es erfreulicherweise dahin kommen, daß bei der nächsten Reichstagswahl außer dem ersten weimarischen Wahlkreis auch der dritte einen socialdemokratischen Vertreter im Reichstag erhält— ob mit oder ohne Bassermami als Gegenkandidat, und Raumann dazu, ist ohne Belang.— Der Evangelisch sociale Kongreß behandelte am Freitag die Ursachen und socialen Wirkungen der moderneu Handels- und Jndustric-Kriien. Es sprachen hauptsächlich die Professoren Pohle- Frankfurt a. M.. Adolf Wagner und Pfarrer N a u m a n n. Nene Gesichtspunkte sind nicht zu Tage getreten. Die Redner waren einig in der Empfchlmig der Arbeiter- Gewerkschaften und der Konsumvereine. Naumann nannte es eine Schande, daß sich christliche Arbeiter den Fachverbäuden noch fern hielten. Professor Wagner sprach für die Verstaatlichung und Aomnmnalifierung aller öffentlichen Betriebe.„Die Socialdemokraten", meinte er, „haben keineswegs Unrecht, wenn sie sagen: Wer giebt den Berg- Werksbesitzern das Recht, etwas, was die Natur nneiitgeltlich der Menschheit gegeben, derartig zu ihrem Nutze» und zum Schaden der Kousumcutcn auszubeuten." Anderseits begeisterte er sich für„die Erhaltung eines tüchtigen Mittelstandes."— Naumanil und Stöcker sind ans dem Ausschuß des evangelischen Arbeiler-Verbandes herausgedrängt worden. Es scheint, als werde die Beiseitestellung Naumanns in einigen Vcrbandsgnippen noch zu Streitigkeiten Anlaß geben.— Dr. Simar, Erzbischof in Köln, ist in der Nacht zum Sonn- abend verstorben. Dr. Simar geHörle zu den katholischen Küchenobereu, die es verstanden, gleicherweise in Rom wie am Berliner Hof sich die Gunst der Einflußreichen zu erwerben. In einer Rede i» Paderborn im Januar 1900 bei der Geburtstagsfeier des Kaisers be- zeugte er sein katholisches Christentum, indem er sich gegen den „Umsturz" ereiferte und zugleich sich für Flottenverinehrimg begeisterte. Die guten Gesinnungen Dr. SiniarS fanden reichlichen Lohn, am 8. Februar 1900 erschien er im königlichen Schlosse in Berlin, um den Treueid als Erzbischof von Köln abzulegen.— Der jiiugste deutsche Rittmeister. Ans E Is a ß-Lothringen wird mis geschrieben: Die„patriotische" Preffe ist völlig konsterniert über die neue Ueberraschung, die ihr durch die Ernennung des lothringischen Großindustrielle!! und Reichstags-Abgeordncteii Baron de® ch in i d zum Rittmeister 4 Icr Luids des Deutzer K ü r a s s i e r r e g i m e n t s bereitet worden ist. Die national- liberale„Strqßbnrger Post" meint, die Ernennung werde besonders in militärischen Kreisen zieniliches Aufsehen erregen, weil sie in der deutschen Armee völlig ohne Vorgang dasteht. Der Herr Baron-Rittmeister hat nämlich niemals in der deutschen A r ni e e gedient. Als Lothringer in Paris erzogen, trat er in die französische Armee ein. brachte es aber trotz seines Geldes und seiner einflußreichen Beziehungen nur bis zum„dlsrealial cks logis", der ungefähr nilsrein Wachtmeister entspricht. Als er dergestalt seine Karriere verdorben sah, kehrte er nach Lothringen zurück, wo er seit etiva fünfzehn Jahren als Grundbesitzer und Großindustrieller lebt. In den Jahren der nationale» Wandlung des ehemals protcftlerischen lothringischen Notabeintunis versuchte Baron de Schund in seiner ökonomischen Einflußsphäre gleich seinem Freunde I n u n e z in Saärgeniünd auch eine politische Rolle zu spielen, und es gelang ihm bei der letzten Reichötags-Wnhl im Jnni 1898, de» alten klcrikal-protestlerischen Pfarrer Colbus im Kreise Saargemünd-Forbach mittels der landesüblichen Freibier- spenden und sonstigen Wahlbcstechnngen aus dem Felde zu stillagen. Im Reichstage entpuppte sich der ehemalige französische Wachtmeister alsbald als begeisterter Anhänger der preußisch-dentschcu Reichsherrlichkeit und schloß sich als solcher der freikvnservativcn Partei an. Die häufige Anwesenheit Kaiser Wilhelms in Metz und auf Schloß Nrvillc brachte ihn bald in nähere Bczichinige» zum Reichsvberhaupt, dessen ausgesprochener Gunst er sich seither erfreute. Bereits im vorigen Jahie erregte die Ver- leihimg des Kioncnordcns II. Klasse an de» Baron großes Aufsehen Nun ist seiner politischen und nationalen Wandlungsfähigkeit ein weiterer Lohn geworden. Noch vor einigen Tagen schrieb ein frei- siunigcS Blatt des ReichSlaudes über den nunmehr zum preußischen Rittmeister ernamiten lothringischen Granden: „Wer unsren Abgeordneten Baron de S ch m i d persönlich kennt. weiß, daß er ein körperlich sehr großer, gutmütiger und sehr lebenslustiger Mensch ist; das ist aber auch alles. Wenn wir ihn sehen, fällt uns immer ein Wort des französischen Schrift- stellers Victor Hugo ein, der von einem seiner Helden behauptet: „Pitt ist zivar körperlicki groß, besitzt aber dennoch Geist, was bei den meisten langen Menschen nicht der Fall ist." Letzteres trifft auch bei unsrem vielgepriesenen Abgeordneten zu. Den besten Beweis hierfür, lieferte er ja schon früher, als er in Frankreich die militärische Karriere einschlagen wollte, es trotz aller Anstrengung lind trotz seines Namens und Geldes nur bis zum„dlaräctwl de legis" in Commcrcy brachte. Wir haben uns schon oft gefragt, ob die vielvermögenden Herren der Verwaltung, die jetzt so lebhaft für unsren Abgeordneten agitieren, weil er den Konservativen im Reichstage bcigelretcn ist, auch sür einen simplen d eut s ch e n E x- W a ch t m e i st c r eintreten würden?" Ländliche Kultur.' In A m b e r g wird vor dem Landgericht ein Prozeß verhandelt, der durch ein wahrhaft ungeheuerliches Vorkommnis verursacht ist. Es handelt sich um einen geistesschwachen Epileptiker im Alter von 20 Jahren. Namens Max Gras, der in einer Anstalt untergebracht war, bis eines TagfS der Gemeinde der jährlich anfznweiidcnde lluterstützungsbeilrag von 200 M. zu hoch erschien. Der junge Mann wurde deshalb aus der Anstalt genommen und ins Ortsarmenhans geschafft. Damit glaubte man aber genug gcthan zu haben. Der arme hilflose Geistesschwache wurde, obwohl er sich nicht einmal mehr selbst bedienen konnte. seinem Schicksal überlassen. Niemand kümmerte sich um ihn, weder seine Mutter noch die einzige Mitinsassin des Armenhauses, eine ältere Frau, noch die Geqieindcbehördcu. Es soll nicht einmal ein Lager für ihn vor- Händen gewesen sein, noch weniger war trotz der Winterkälte fiir Heizung gesorgt. Weithin schallten in den ersten Tagen dieses Jahres die Janimerrufe des Bedauernswerten, aber auch das ver- anlaßte nieiiiaud, sich seiner anzunehmen. Schließlich ver- stummten auch die Klage» des armen Menschen. Er wurde eines Tages, in einem Winkel des Armenhauses znsamme»- gekauert, tot vorgefunden. Er war verhungert. Die Gemeinde machte sicli deswegen aber keine großen Gewissens- bisse, sie war froh, den lästige» Menschen los geworden zn sein, und nian wollte ihn kurzer Hand beerdigen. Da erschien infolge einer bei der Gendarmerie erfolgten Anzeige eine Gerichtskonimissioii im Orte und nahm eine Untersuchung vor. Die Obduktion der Leiche durch den Landgcrichtsarzt ergab, daß der Tod durch Ver- Hunger n erfolgt war. Der Magen soll vollständig leer ge- wesen sei»; in den Eingeweiden fanden sich Ueberreste von Tuch und Getrcidcköriier» vor. Beide Beine waren erfroren. Der Körper war zu einem Skelett abgemagert und mit Ungeziefer bedeckt. Infolge dessen nahm die Staalsanwaltschaft Veranlassung, einzuschreiten, und sie hat gegen die für das Vor- lommnis vcrantwoillichcn Personen, denen die Fürsorge für den völlig hilflosen Menschen oblag, Anklage wegen fahrlässiger Tötung erhoben, und zwar gegen 1. den Pfarrer Bergler, 2. den B Ü r g e r in e i st e r des Ortes, den früheren C e n t r u m s- abgeordneten im bayerischen Landtag Martin Lantenschlagcr. 3. den AniieiipflegschaftSrat Trettenbnch, 4, den Ortsführer Moritz und k>. den Gemeindedieiier Kagerer. Gestern fand die Verhandlung statt. Die Straskamnier verurteilte den Pfarrer B e r g l e r zu acht Tagen GrsäuguiS, den Bürgermeister von Nenkirchcn Lnutenschläger z» drei Monaten und den Armenpflegschaftsrat Trettenbach zu eine», Monat Gefängnis. Ortsführer Moritz undGemeindediener vagerer wurden f r e i g e sp r o ch e n. Mit diesem Urteil vergleiche man die Strafen, die gegen streikende Arbeiter gefällt worden sind, die sich in Wahrung ihrer Interessen gegen Streikbrecher einige nicht gerade schmeichelhafte Worte erlaubten. Ausland. Die franko-rnssischc Zäbclvcrbriidcrung ist beendet, Herr Lonbet befindet sich bereits wieder auf der Heiin- reise. Das unnatürliche Bündnis der französischen Republik mit der russischen Knute, das nicht zuletzt durch die Bismarcksche Eroberungs- Politik zu stände gebracht ivordcn ist, ist im Feuer bombastischer Trinksprüche abermals fester znsammengeschweifit ivordcn. Wenigstens versichert das das„Jonrnal de St. Petersbmirg", das im Stile der Toaste einen Hymnus auf das„grotze politische Ereignis" singt. Der„Figaro" meldet halbamtlich, Graf Lamsdorf und D e l c a s s e hätten sich in mehreren Unterredungen vergewissert, dafi Frankreich und 3t u h l a n d bei allen Gelegenheiten gegenseitiges' Einvernehmen zur Anwendung bringe» und die an, politischen Horizont stehenden Fragen zu ihrem Vorteile regeln werden. Die Unterredungen iverden sich wahrscheinlich auf die Ostasien- Politik bezogen haben, in der sich Frankreich von Rußland zur ge- fnhrlichen und auch in Frankreich unangenehm empfundenen Rolle des Complicen der russische» Expansions-Politik hat pressen lassen. ttcber eine Tcinonstration gegen die Regierung wird dem »Verl. Tagebl." vom 23. ans Petersburg gemeldet: „Der gestrige Tag endete mit einem grellen Mißton für die große Franzosenfrenndschaft. Nachdem sich französische Matrosen in den Gärte» der Restaurants gründlich betrunken halten, konnte nian sie in den späte» Abendstunden, von Hnnderie» schreiender und lärmender Russen begleitet, durch die Straßen ziehen sehen. Bis nach 12 Uhr wogte eine große Menschen- »i enge auf dem fast völlig dunklen Newski- Prospekt und wollte die Dekorationen z e r st ö r e n. Ei» Haufe sammelte sich vor dem Rathansc zu einer Demonstration. Unter die Rufe„Vivo la ITrancs!" mischten sich drohende Rufe gegen Polizei und Skegierung. bis die Gen- d a r m e n a u f r i t t e n und den N e tu s k i- P r o s p e k t mit Gewalt säuberten. Gegen 2 Uhr morgens war einige Ordnimg hergestellt. Heute bemerkte man beim Volk eine recht erbitterte Stimmung; bei der heutigen Fahrt des Präsidenten Itonbct durch die Stadt tönte ihm neben Hochrufen auch Hohn« gelächter nach." Die Demonstration scheint sich weniger gegen die französischen Gäste, als gegen die Regierung und den militärischen Charakter der Alliance gerichtet zu haben.— Die großartige WahlrechtSdeiuoustration der schwedischen Arbeiterpartei und ihr ruhiger und in jeder Hinsicht würdiger Verlauf wird manchen geradezu überrascht haben. Man gicbt in Deutschland im allgemeinen wenig acht auf das. Ivas in den nordischen Ländern geschieht, man beachtet auch sehr wenig die kulturelle Entwicklung, die in Schweden seit einigen Jahrzehnten vor sich geht. Die schnelle Eniwicklnng der Großindustrie einerseits, andrerseits aber auch der hohe Stand der allgemeinen Volksbildung sdie Folge eines guten Schulwesens) sind es, die der politischen und gewerkschaftlichen Arbeiterbewegung die Wege ge- bahnt haben, so daß in so kurzer Frist die Bewegung zu solcher Höhe gelangt ist, daß 116 000 Menschen mit Be- geisternng und doch in aller Rnhe, der Parole der socialde in akratischen Partei folgend, die Arbeit niederlegen, um ein ideales Gut. um das allgemeine Wahlrecht zu erkämpfen, und daß sie eben so ruhig und ordnungsgemäß die Arbeit ivieder aufnahmen,, um ab- znlvärten, ob ihnen niin endlich in den nächsten Jahren ihr Recht zu teil wird.— „Es ist kaum ein Menschenaller verflossen", schreibt K o p e n- Hagener„ S o c i a l d e m o k r a t e n",„seit der Socialismns und die Gewerkschaftsbelvegung ihren Einzug in Schweden hielten. Es war ungefähr 1885, fünfzehn Jahre später als in Dänemark. Aber Schwedens überaus schnelle großiudustrielle Entwicklung gab einen fruchtbaren Boden für den SorialismnS ab. Und der schwedische Arbeiterstand war ein brillanter Stoff, der mir des veredeln- den und erzieherischen Einflusses des Socialis- mus bedurfte. Die Urkraft des schwedischen Arbeiters kam früher in blutigcnSchlägereien un dm ächtigen Saufereien zum Ausdruck. Noch jetzt ivird nicht so selten davon berichtet— aber draußen von den Dörfern, ans den Kreisen der noch unorganisierten Arbeiter. In den Städten und den Jndustriedistrikten wurden die Kräfte geschult, die starken Triebe und Leidenschaften wurden in den ruhigen, aber um so wirksanieren Strom der Organisation geleitet. Die vielen hüpfenden, springenden, brausenden Bergwässer sind in einen niächtigen Strom ziisammengeflossen, der breit und niajestätisch, mit rnhiger, unwiderstehlicherKraft das Kultur-Jdeal der internationalen Arbeiterschaft auch in Schtveden dem Ziele zuführt.— Bei dem letzten See- und Hafenarbeiterstreil hier in Dänemarl glückte es den Reedern kaum, auch nur e i n e n e i n z i g e n s ch w e d i s ch e n Streikbrecher aufzutreiben, man mußte sich nach Rußland wenden. Das ist das Skesultat von 15 Jahren O r g a n i s a t i o n s a r b e i t in Schweden. Wir sind stolz darauf. Nachbarn eines Landes zu sein, das im Verlauf einer so überraschend kurzen Zeit eine solche Arbeiter- beivegung hervorgebracht hat. Die Zeit ist geiviß nicht fern, Ivo die schwedische Arbeiterpartei die Hanplpartei in Skandinaviens Socialdemolratie sein wird."— Schlveiz. Der Protest gegen die Wahle» in Außersihl. Der Fleder- wisch der wutschnaubenden Bürgerlichen in Außersihl gegen die Wahl der 27 S o c i a l d e in o k r a t e n ist nnn endlich in Gestalt des angekündigten Rekurses heraus. Gestern konstituierte sich der neugewählte Käutonsrat in Anwesenheit von 232(von 243) Mitgliedern, lvobei den Socialdemokraten, die doch mit ihren 39 Vertretern den sechsten Teil des Parlaments ausmachen, ein einziger Sitz im Bureau und zwar derjenige eines Stimmenzählers in der Person des Genossen Dr. Studer überlassen wurde, obwohl dasselbe ans 15 Mitgliedern besteht. Und diese brutalen Vergewaltigungspolitiker erfrechen sich, von socialdemokratischcr Vergewaltigung zu sprechen. Der Rekurs der Außersihler lag gestern dem Kautonsrat bereits vor, er wird aber erst in. der Wahlprüfniigs-Kommission behandelt werden. Der Rekurs, dessen Verfasser der ebenfalls unterlegene Führer der Außersihler Bürgerlichen, der A l t- S t a a t s a n w a l t Dr. Amsler, der bis vor einigen Jahren noch„hervorragender Grütlianer" war, ist in der bekannten perfide» Polizeisprache abgefaßt; die einzelnen mit Namen angeführten Genossen werden lockjpitzclmäßig be- zeichnet als„extremer Socialist",„bekannter socinldemokratischer Agitator",„socialdemokratischer Handlanger" usw. Was als „Thatsacheinnaterial" angeführt ist, ist läppisches dummes Zeug, Klatsch, zu dessen Anrichtung die Lakaien der Bürgerliche» sich nicht scheuten, von Hans zu Haus zu gehen und die Frauen ab- wesender Arbeiter durch List und Einschüchterung zu bespitzeln. Unsre Genossen sollen Stimmzettel von Arbeitern, die wegen Mangel an Zeit oder wegen Abivesenheit nicht selbst zu Urne gehen konnten oder wegen Gleichgültigkeit nicht gehen wollten, gesammelt, ausgefüllt und an der Urne abgegeben haben. Da? ist nun etwas, was von allen Parteien, von den Bürgerlichen seit jeher und mit geschäftlicher Virtuosität, geübt wird, das nun aber plötzlich ein Verbrechen sein soll, wenn auch die Social- demokraten es praktizieren. Mit berufsmäßiger Uebertreibung, gestützt nur auf bespitzelte Wirtshausgespräche geschwätziger Genossen, schwatzt der Alt-Sraatsanwalt in seiner ungestillten Sessel- sehnsncht von„Hunderten" von Stimmzetteln, die in Wirtschaften ausgefüllt worden seien.„Nur der Vollständigkeit wegen", meint der Alt-Grütlianer und Alt-Staatsanwalt, weise er auf das Strafgesetz hin— um dem ganzen Manöver mehr wirkungsvollen Hintergrund zu schaffen. Da die bürgerlichen Gewaltpolitiker bereits die erste Sitzung deS neuen Kantonsrats mit einem Gewaltakte gegen die Socialdemo- kraten eröffneten, so ist ihnen ja die Schamlosigkeit eines weiteren Gewaltaktes in Gestalt der Kassation der Außersihler Wahlen zn- zutrauen, um den Sesselhnnger der liberalen und demokratischen Streber zu stillen. Nun dann werden in einem neuen Wahlgange von den so frivol provozierten und mißhandelten Arbeitern die 27 Socialdemokraten wiederum so sicher gewählt werden, wie am 27. April.— England. E. L. Godkin. London, 22. Mai.(Eig. Ber.) Letzten Dienstag- abend starb in Greenaway, Weft-Cornwall, Mr. E. L. Godkin, der langjährige Redacteur der New Dorker„Evening Post" und ihres Wochenblattes„Nation". Mit seinem Tode verliert die amerikanische Journalistik einen ihrer gebildetsten und ehrenhaftesten Vertreter und die amerikanische Demokratie einen ihrer mutigsten und beredtesten Verteidiger. In der„Nation" gab er den Bereinigten Staaten ein Litleratürblatt großen Stils, das durch seine unparteiische, gründliche Kritik und würdevollen Ton einen erheblichen Einfluß auf die litterarische Bildimg Nordamerikas ausgeübt Hot. Die Verdienste der„Evening Post" um die amerikanische Freiheit sind bekannt und wurden an dieser Stelle des öfteren hervorgehoben. Godkin war im Jahre 1831 in Irland geboren und wurde in England und später im Queens College in Belfast erzogen. Im Jahre 1862 ging er nach den Vereinigten Staaten, Ivo er bald die „Nation" gründete imd in die Redaktion der„Post" eintrat. Er be- hielt diese Stelle bis zn Ende des Jahres 1900. Seinen Lebensabend verbrachte er in England, wie so viele der besten Schriftsteller und Künstler der Vereinigten Staaten: Bret Harte, Stephan Crane, Henry James, Sargent, Abbey ec. nach der Hauptstadt des Angel- iachsentums gezogen sind. Auch die amerikanischen Millionäre kaufen sich in England Häuser und Güter und verbringen einen Teil des Jahres in der altenglischen Heimat, oder wie die Ängelsachsen sagen: „bei der Großmutter". Unter Godkins Schriften sind besonders beachtenswert:„Problems of Dernocracy"(Probleme der Demokratie) und„Ilntoresssn Tsndsncies of Dernocracy"(Unvorhergesehene Tendenzen der Demokratie).— Schweden. Der gesetzliche Schutz des KoalitionSrechtS, wie er in einer Motion des Liberalen A e r g st r ö m angestrebt wurde, ist von beiden Kammern abgelehnt worden. Die Erste Kammer lehnte die Motion ohne Votierung ab. In der Zweiten Kammer sprachen außer dem Genossen B r a n t i n g mehrere liberale Abgeordnete ent- schieden für die Motion Bergströms. Sie wurde hier mit 102 gegen 57 Stimmen verworfen.— Nuftlaud. Aus Wilna wird nns gemeldet, daß außer v. Wahl noch ein Beamter, unter dessen Leitung die grausame Exekution vorgenommen wurde, von der fürchterlich aufgeregten Arbeiterschaft bereits ge- züchtigt worden ist. Ein Arbeiter überfiel auf der Straße den Polizeikommissar K o n t s ch c w s k y und versetzte ihm mit einem Stock einen wuchtigen Hieb a»f seinen Kopf, so daß er besinnungslos zu Boden stürzte. I» der Proklamation, die die socialdemokratischen Organisationen Wilnas nach der Exekution veröffentlichten(erschienen in russischer, jüdischer und polnischer Sprache), heißt es„wir wollen kein mensch- lichcs Blut vergießen, aber wenn dje fürchterliche Aufregung, die unter der Arbeiterschaft wegen der grausamen Exekution herrscht, sich in Gewaltthätigkciteii äußern wird, so fällt die Verantiuortung nicht auf nns, sondern ausschließlich auf v. Wahl und seine Mithelfer." Die jüdische Arbeiterschaft Wilnas hat ihren Henkern diesmal gezeigt, daß man im 20. Jahrhundert sogar im despotischen Rußland nicht ungestraft menschliches Blut vergießen darf.— Türkei. Ein neuer Ziisaiiimcnstoff an der macedonischrn Grenze. Nach einer konsularischen Meldung ans Ilskneb kam es am letzten Dienstag an der Grenze zwischen Male Planina und Rado- vischte zn einem Zilsaminenftoß zwischen einer 60 Mann starken macedonischen Bande und türkischen Truppen, bei welchem crsterc fünf Tote und sieben Verwundete verloren und auch letztere Verluste hatten.— Zlineriku. Lord Panncefote, der englische Botschafter in Washington, ist v e r st o r b e n. Pauncefotcs Namen wurde unmittelbar vor der P r i Ii z e n r e i s e viel genannt, als England den bekannten Vorstoß unternahm, um Deutschland wegen seiner amerilafeindlichen Haltung während des spanisch-amerikanischen Krieges anzuschwärzen. Dieser Vorstoß war insofern ein täppisches Manöver, als bei den in Frage kommenden Jnterventionsversuchen der englische Botschafter Lord Panncefote selbst eine zum mindesten ungeschickte Rolle gespielt hatte.—_ Nns Indupkvio und Hnndvl. Deutschlands Roheifcn-Produktiou. Nach den statistischen Ermittelungen des Vereins deutscher Eisen- und Stahlindnstrieller belief sich die Roheisen-Prodnktion des deutschen Reiches(cinschließ- lich Luxemburgs) im April 1902 auf 672 912 Tvimen; darunter Pnddelroheisen und Spiegeleisen 95 701 To., Bcsscmerrvheiscn 27 912 To., Thomnsroheisen 422 917 To., Gießereiroheisen 126382 To. Die Produktion im März 1902 betrug 681 349 To., im April 1901 651 944 To. Vom 1. Januar bis 30. April 1902 wurden produziert 2 608 283 To. gegen 2 643 959 To. im gleichen Zeitraum des Vor- jahres. Westfälisches Kohleilsyudikat. Eine Nachricht, die mit den in letzter Zeit von der Zechcnpresse verbreiteten Meldungen über den äußerst günstigen Stand des Kohlenabsatzes in Widerspruch steht, wird von der„Rhein.-Weslf. Ztg." veröffenrlicht. Danach giebt der Vorstand des Westfälischen Coaks-Syndikats bekannt, daß nach den vorliegenden Aufträgen die Prodnktionseinschränknng im Juni 35 Proz. betragen werde. Diese Nachricht kommt einigermaßen unerwartet, da im Vormonat, wie damals berichtet wurde, insoweit eine Besserung des Absatzes zn konstatieren war. daß die auf 37 Proz. festgesetzte Fördereinschränkung nur in Höhe von 30 Proz. in Anspruch genommen zu werden brauchte. Die nunmehr bekannt ge- gebene Herabsetzung des Satzes um nur 2 Proz. gegenüber dem Voranschläge für den Bormonat scheint auf geringe Zuversicht des Syndikats hinzuweisen, daß die bessere Gestaltung der Marktlage sich weiterhin erhalten wird. Hambnrg-Amerika-Linie. Der in gestriger Nunimer mitgeteilte Antrag des Vorstandes und AufsichtsratS der Hamburg-' Ämerika-Linie auf Abänderung der Statuten findet, wie nicht anders zu erwarten war, in der kapitalistischen Presse selbstgefälliges Lob. Mit einer gewissen naiven Genngthnnng wird Hervorgehoben� daß im Gegensatz zu den Direktionen der größeren englischen Schiffahrts- gesellschaften die Leiter der beiden großen deutschen Linien nicht in das Morgansche Netz gegangen sind,' sondern sich ihre Selbständigkeit gesichert haben, und daß die beantragte StatiUcnänderung dazu geeignet sei, einem Nebergehen der Hamburgischen Linie in amerikanische Hände einen festen Riegel vorzuschieben. Dabei kommt den das Lob des Patriotismus der deutschen Kapitalisten singenden Blättern ein vor einigen Tagen von den englischen„Times" veröffentlichter Artikel zu statten, in dem dieses Organ der(Londoner Kaufmannschaft sich in höchst tölpelhafter Verteidigung der englischen Sieeder zu folgender Aus- lassung versteigt: „Die deutschen Schiffsbesitzer würden nnr zu froh gewesen sein, wenn sie unter denselben Bedingungen wie ihre engli- scheu Kollegen dem Verbände hätten beitreten können. Da sie das nicht konnten, stellen sie sich jetzt so, als wenn ihr Patriotismus zn groß gewesen wäre, um ihnen zn gestatten, das englische Beispiel zu befolgen.... Deshalb sind sie verärgert und in ihrem Acrger bemitleiden sie unser Land, und versichern uns, daß wir einen furchtbaren Schlag erlitten hätten, und versuchen auf öffentlichen und privaten Wegen unser Volk zu einer Gcgcnmaßregel zu treiben." Zugegeben kann werden, daß einem direkten Aufgehen des Nord- dentschen Lloyd und der Hambnrg-Zlmerika-Linie in den Morgan- scheu Schiffahrtstrnst das von beiden Linien eingegangene Kartell- Verhältnis immerhin vorzuziehen sein mag. Indes ist die Frage, die geflissentlich seit Monaten immer wieder in den Vorder- grund der Diskussion geschoben wird: die Frage, wie einem Flaggenwechsel der deutschen Linien vorgebeugt werden kann, im Grunde eine recht nebensächliche. Gewiß hat Morgan als echter Vankee auch seine Dosts amerikanischen„Patriotismus", aber nach seinem ganzen bisherigen Verhalten ist er jedenfalls noch ein weit besserer Geschästsmann als Patriot; und wenn er nur sonst seinen Zweck und Vorteil erreicht, dürfte es ihm ganz gleich sein, unter welcher Flagge die seinen Interessen dienst- baren Linien fahren. Er läßt die von ihm im vorigen Jahre angekaufte Leyland-Linie weiter unter eng- lisch'er Flagge fahren, weil das amerikanische Schiffsregistriernngs- gesetz einer Aenderung ungünstig ist, und ebenso werden die White Star- Linie und die übrigen dem Trust angeschlossenen Linien für die nächsten Jahre vorläufig unter englischer Flagge bleiben, wahr- scheinlich auch dann, wenn nach drei Jahren die Snbsidien-Vcrträge mit der englischen Regierung abgelaufen iseien werden— falls nicht inzwischen drüben eine Schiffsregistriernngs- und Snbveiitioiisbill zu stände kommt, welche die Vertauschung der englischen mit der amerikanischen Flagge als vorteilhafter erscheinen läßt. Warum es sich für Morgan handelt, ist der Profit, nicht die nationale Gloire. Deshalb ist das Gerede von„Entnationalisiernng",„Sicherung der Flagge" usw. nnr geeignet, die Frage, auf die es ankommt, zn verschleiern. Warum es sich handelt, ist, ob die beiden großen deutschen Reedereien irgendwelche Verpflichtungen bezüglich Fracht- raten, Passngierpreise, Beschränkung ihrer Routen oder Ein- richtung neuer VerkehrSverbindimgen eingegangen sind, welche die Entwicklung des deutschen Schiffahrts- Betriebes und des Außenhandels zu Gunsten entgegenstehender amerikanischer Interessen beeinträchtige»; und zweitens, ob derartige Abmachungen zwischen dem Trust und den beiden großen Hamburger und Bremer Schiffsgcsellschaftcn existieren, welche die beiden letzteren finanziell an den Gewinnen und Verlusten des Trusts beteiligen und sie dadurch in der einen oder andern Form bis zu gewissem Grade finanziell abhängig vom Geschäftsgang des Trusts machen. In Bezug auf diese Frage erscheint aber eine optimistische Auf- fassung nach allem, was bisher über die gegenseitigen Abmachungen in die' Oeffcntlichkeit gedrungen ist, recht tvenig angebracht. Auch der vom Vorstand der Hambnrg-Anierita-Linie beantragte Zusatz zum Z 26 der Statuten deutet darauf hin, daß das Äartellverhältnis nicht nnr die„Regelung" des Schisssverkehrs betrifft, sondern sich zugleich auf eiiie Art gegenseitiger Gcwinn-Garantiernng er- strecken muß. Bisher hieß der ß 26 nur: „Der nach Abzug der sämtlichen Passiven, des Aktienkapitals, des Reservefonds, deS Reserue-Assekuranzfonds, des Ernenerungs- fonds, der Abschreibungen der Organisations-, Betriebs-, VerwaltungS- und sonstigen Kosten von den Aktiven verbleibende Ueberschntz bildet den Reingewinn." Jetzt' soll er noch folgenden Zusatz erhalten: „Zn den in Abzug zu bringenden Kosten sind auch die Kosten der Begleichung derjenigen Verbindlichkeiten zn rechnen, welche sich ans Gcwinnbeteilignngsverträgen ergebe», die der Vorstand mit Genehniiguiig des Aufsichtsratß mit andren Gesellschaften ab- geschlossen hat." Das kann nur heißen, daß einerseits der Trust am Gewinn der Hambnrg-Amerika-Linie und andrerseits diese am Gewinn des Trustes partizipiert.—_ Gemeeltf-chnfkliches. Berlin und Umgegeud. Der ZluSstnud in der Hnlilboldmühle in Tegel ist beendet. So einmütig, wie die Arbeit eingestellt wurde, ist sie nach dreitägiger Dauer des Streiks am 23. Mai wieder anfgenoinmen worden, nach- dem die Firma, angesichts der Geschlossenheit ihrer Angestellten, die aufgestellten Forderungen znni größten Teil bewilligt hatte. Der Ganvorstand des Mühlenarbeiter-Verbandes. Die Berliner Klempner-Jnnnng hat in ihrer letzten Quartals- versammlimg beschlossen, den Arbeitsnachweis der Kühne- männer als den der Berliner Klempner-Jnnung zu erklären. Wer noch bis jetzt bei der Mehrzahl der Berliner Klempnermeister social- politisches Verständnis vermutete, dem dürfte durch diesen Beschluß und dessen„Begründung" die Augen geöffnet werden. Der Geschäftsführer der Kühnemänner war als Referent bestellt. Er sagte, eS wäre an der Zeit, daß die Berliner Klcmpner-Meister, deren schon 200 bis 300 der Voreinigung angehören, durch allgemeinen Anschluß an die Kühnemänner, dem Bestreben der socialdemokratischen Gewerkschaften einen Damm entgegensetzen, denn nur dadurch sei es möglich, die „Aufwiegler und Hetzer" aus den Betrieben der Vcr- einigung auszumerzen. Kollege Weitzel vom GesollenanSschnß trat den Änssührnngen energisch entgegen und betonte, daß wir danach streben, paritätische Arbeitsnachweise zu schaffen, bis jetzt aber davon absehen müssen, weil die Unternehmer dem fcind- lich gegenüberstehen. Selbst einige Meister traten den Ausführungen des Referenten entgegen. Der Antrag auf Anschluß an den Kühne- mannschen Arbeitsnachweis wurde gegen s ü m t l i ch e S t i m m e n desGesellenansschnfses und einige der Meister angenommen.— Den organisierten Klempnern erwächst nun die Pflicht, nicht nur selbst das Kontrollbnrean der Kühncmänncr zu meiden, sondern auch jeden indifferenten Kollegen auf das Gcbahren der Kühnemänner aufmerksam zu machen. Metallarbeiter-Verband. Ortsverein Berlin. Die Maurer in Brandenburg a. H. haben am Freitag den Streik beschlossen und am Sonnabend die Arbeit nieder- gelegt. Sie fordern einen Stimdcnlohn von 45 Pf. Bisher wurden Löhne von 32—40 Pf. bezahlt. In Luckenwalde streike» die Maurer. Sie haben am Mittwoch einmütig die Arbeit niedergelegt, um die Forderung eines Stundenlohnes von 40 Pf. durchzusetzen imd den Brauch abzuschaffen, wonach jeder Geselle sein eignes Werkzeug halten nmß. Deutsches Reich. Maurer und Bauarbeiter! Die Kollegen in Dömitz (Mecklenburg) befinden sich seit dem 20. d. Mts. im Streik. I n Berlin werde» Streikbrecher gesucht! Im„Berliner Lokal-Anzeiger" und in der„Morgenpost" sucht Bannnternehmer Geißler Arbeiter zu einem Mühkenbau in Kaltes. Geißler war pörsönlich in Charlottenburg, er hat 13 Arbeiter angeworben und soll ihnen auf ihre Anfrage erklärt haben, daß kein Streik an ihreni neuen Arbeitsort sei. Als die Arbeiter in Dömitz ankamen, wurden sie über die Sachlage unterrichtet und reisten wieder ab. Also Vorsicht bei Anwerbliiig von Arbeitern nach Mecklenburg. Haltet den Zuzug fern. Der Streik der Ratheuower Zimmerer ist»ach achtwüchent licher Dauer durch einen vor dein Einigunqsamt des dortigen Geiverbcjterichts geschlossenen Vergleich, der einen tcilweisen Erfolg der Streilenden enthielt, beendet tvorden. Tie Arbeitswilligen in Kiel. Daß sich unter den Streik blechern niemals die besten Elemente finden, ist bekannt. Wenn der artige Leute in beständiger, lvenn auch unbegründeter Angst lebe» dast ihrer werten Person ein Leid zugefügt werden könnte, so braucht man sich darüber nicht wundern. Ergötzlich ist es aber, wie einige dieser Bursche sich vor eingebildeten Ueberfnllen zu schützen suchen In einem Streikbrccher-Logis sind an der Thür des Schlafcauines als Waffen— gegen wen. das wissen die Götter— graste Hamnier und Brechstange» aufgestellt, und da bekanntlich doppelt besser hält. so hat jeder Streikbrecher an seiner nächtlichen Lagerstatt noch eine eiserne Brechstange als persönliche Wehr stehen. Natürlich denkt kein Mensch daran, den Unternehmern ihre geliebten Arbeitswilligen nächtlicherweile zu entführe». Diese Bursche gönnt man ihnen gern.— Bei den Maurern sind 372 auswärtige und 33 ortsangchörige Streikbrecher in Thätigkeit. 120 Ausgesperrte sind noch in Kiel zu unterstiitzen. Die Zahl derselben verringert sich täglich, da sowohl Maliter wie Zimmerer auswärts Arbeit finden. Manrerstreik in Jena. Uns wird aus Jena telegraphiert! Eine von 300 Maurern besuchte Versammlung beschlost am Sonn- abend zivecks Erringung eines Mintmallohnes von 33 Pf. sofort die Arbeit niederzulegen und das Gewerbcgericht als Eimgungsami anzurufen. Bei den GcwerbcgerichtSwahlen in Münster sWcstfalen) erhielten— wie unL telegraphiscb gemeldet wird— die Kandidaten der christlichen Gelverlschaftcn 927,' dte der sreien Geiverlschaflen 682 Stimmen. Ausland. Gcneralbersammlnngcn schweizerischer Gewerkschaften. An den Pfingsttagcii hielten die Buchdrucker in Schasihausen und die Müller in Winterthur ihre Verbandstage ab. Die General- versainmlung der erstercn ivar von 30 Delegierten aus 21 Sektionen niit über 200V Mitglieder beschickt. Beschlossen wnrde, das eigene Haus deS Typographenbundes in Basel zu verkaufen und die Druckerei nach St. Gallen zu verlegen, wo sie den Druck des „St. Galler Stadt-Anzeigers" übernimmt. Der Vorschlag des Buchbinder Verbandes auf Gründung einer graphischen Union wurde dem Vor stände znr Prüfung überiviesen. Dagegen wurde dem Vorschlag der Bnchdruckereibesitzer, betreffend Errichtung eines Einigungsamtes, voll läufig auS dem Grunde nicht zugestiinmt. Iveil zunächst der Setz Maschinentarif und das revidierte Lehrlingsrcgulativ erledigt werde» sollen. Die Daner der Arbeitslosen-Unlerstützung tvurde von sechs auf acht Wochen verlängert. Als Vorort lvurde Bern bestätigt Schliestlich fand eine entschieden gehaltene Protestresolution gegen die agrarischen Wucherzölle einstimmige Annahme. Die Regierung des Kantons Schasfhausen leistete an die Koste n der Gencralversamm- lung einen Beitrag von 200 Franken. Die Delegicrten-Versammlung des Müller« Verbandes war von 12 Delegierten aus 11 Sektionen besucht. Aus ihren Vcr Handlungen und Beschlüssen erwähne» wir: Der Central-Vorstand soll an den Bundesrat eine Eingabe richten betreffend die Ab fchaffung der 2Ve Centncrsäcke in den Müllereien und betreffend die Aufstellung besonderer Vorschriften zum Schutze der Gesundheit und des Lebens der Müllerei-Arbeiter; ferner soll der Central-Vorstand an zuständiger Stelle darauf hinwirken, dast das Fabrikgescy in de» Müllcrcibetrieben ebenso gehandhabt werde, wie in andren Betrieben, denn die Müllerei-Arbeiter müssen heute nocki nach einem Eutscheid des Jndustriedepartcments in Bern an den Vorabenden von Sonn- und Festtagen 11 Stunden wie an den übrigen Arbeitstagen arbeiten, statt nur 10 Stunden. Weiter soll eine energische Agitation für die Einführung des Zehnstnndentages eingeleitet und durchgeführt werden. Die Frage der Gründung eines Judustricverbaudcs der Arbeiter der Lebensnrittel-Jndustrie soll der Ceutralvorstand noch weiter prüfen. Als Vorort wurde Winterthur bestätigt. AuS England. sEig. Ber.) Der Kougrest der Gewerkschaft der Gas- und allgemeinen Arbeiter tagte in Manchester. Nach dem Berichte des Generalsekretärs Genossen W. Thorne ist die Gewerkschaft in ununterbrochenem Wachsen begriffen. Ihre Mitglied- schaft bcläuft sich auf rund b0 000. Von den 47 403 Pfd. Sterl.. die die Gewerkschaft in den letzten zwei Jahren als Beiträge einnahm, wurden 14 742 Pfd. Sterl. zur Unterstützung von Streiks aus- gegeben. Die Dockarbeiter hatten ihre Konferenz in Swansea. Ihr Generalsekretär Ben Tillett erklärte den Delegierten, die Arbeiter mühten der politischen Aktion mehr Aufmerksamkeit schenken, da vom jetzigen Parlament nichts zu erivarten sei. Den Trusts und den gew'erkschastsfeindlichen Gerichtshöfen gegenüber gelte es. sich fester denn je zu organisieren. Er trat auch für die Einrichtung von Schiedsämtern nach dem Muster Neuseelands ein. Eine in diesem Sinne gefastte Resolution wurde von den Delegierten an- genommen. Der Kongrest der belgischen Metallarbeiter fand zu Pfingsten in Brüssel statt. Dem vom Generalsekretär gegebenen Jahresbericht ist zu entnehmen, daß dem Verband jetzt 49 Gruppen mit 7548 Mit- gliedern angehören. Die Zunahme des Verbandes in, letzte» Jahre war eine sehr geringe, denn die Biitgliederzahl betrug schon im Vor- jähre 7S09. Als Ursache dieser geringen Steigerung wird die Wirt- schaftliche Krisis, die besonders die Metallindustrie betroffen, an- geführt; der Generalsekretär Solan machte aber auch darauf auf- merksam, daß der Verband dem Beispiele der englische», deutschen und dänischen Gewerkschaften folgen müsse, nämlich dast er durch Einführung von Unterstütznugskassen suchen müsse, die Mitglieder an den Verband zu ketten.— Von den 44 Streiks, die im Berichtsjahre in der Metallbranche staltgesunde», war nur einer siegreich, es war dies der in Brüssel, welcher geführt lvurde, um die Einführung der Accordarbeit zu verhindern. Sorierles. Erprefsnug und BcrrnfSerklärung. «m 13. Januar d. IS. wurde von der 1. Strafkammer des Landgerichts I Berlin der Zimmermann G. wegen Erpressung zu Gefängnisstrafe verurteilt. G., der Mitglied der Organisation der Zimmerer ist, arbeitete mit einer Anzahl organisierter Kollegen zusammen bei einem Polier, bei dem auch der Nichtorganisierte Zimmerer K. arbeitete. In Beziehung auf K. hat G. zu dem Polier gesagt:„Wenn Sie den behalten, dann hören wir alle auf." Und zu K. hat er einmal gesagt:„Na, Du wirst schon sehen." Beide Acusternngen sollen zu dem Zwecke gemacht jein, den K. zum Eintritt in die Organisation zu bewegen und sollen zugleich eine Drohung im Sinne des Z 253 des Straf- Gesetzbuches sein, wonach derjenige mit Gefängnis bestraft wird, der einen anderen durch Gewalt oder Drohung zu einer Handlung, Duldung oder Unterlassung nötigt zu dem Zivecke. sich oder einem Dritten einen rechtswidrige» Vermögensvorteil zu verschaffen. G. legte Revision ein gegen das Urteil, das Reichsgericht ver- warf jedoch die Revision und bestätigte damit ausdrücklich die Auffassung. dast die Handlung des G. eine Erpressung sei. Das Reichsgericht verfährt dabei sehr kurz und bündig. In eine Prüfung der Frage, ob es sich für den Drohende» um die Erzwingung eines Vcrmögensvorteils handelt und ob der Vorteil rechtswidrig sei. lästt sich das Reichsgericht, wie auS der uns vorliegenden Ürteilsausfertigung ersichtlich ist. gar nicht ein. Und doch wäre das gerade für die Juristen in erster Linie not- wendig. Es handelt sich um keines von beide». Es handelt sich lediglich um die Wahrung gesetzlicher Rechte. Der Angeklagte hat keinen Vermögensvorteil davon, dast K. in die Organisation eintritt; weit eher könnte man sagen, dast K. einen Vermögensvorteil hat von dem Eintritt in die Organisation, und es wird auch dem K. dadurch, dast er zur Organisation Bei träge zahlt, nicht rechtswidrig Vermögen entzogen, denn durch die Zahlung von Beiträgen erwirbt er Rechte, die er �ohne dieses nicht hat. Das Reichsgericht hat sich aber nicht damit begnügt, die Kenn- zeichnung der Handlung des G. als Erpressung zu billigen; das wäre gar nicht einmal etwas Neues. Es hat auf die Revision des Staatsanivalts das Urteil ausgehoben mit der Begründiutg, dast auch der§ 153 der Gewerbe-Ordnung An- Wendung sinden m n ss e.(Jdealkonkurrenz.) Es liege auch der Zwang zur Teilnahme an einer Verabredung im Sinne des K 153 der Gewerbe-Ordnung vor. Um das zu begründen, braucht das Reichsgericht allerdings mehr Worte, wie zur Abiveisung der Revision des Angeklagten. Thatsächlich unterscheidet nämlich der 8 l52 der Gewerbe-Ordnung zwischen Verabredungen und Vereinigungen. Erhebtalle Verbote und Strafbeftimmungen gegen den Beitritt zu Verabredungen n n d Vereinigungen auf und stell« den Rücktritt von beiden frei. Der Strafparagraph l53 dagegen redet nur von Verabredungen. Im vorliegenden Fall handelt es sich nun um den Beitritt nicht zu einer gelegentlichen Verabredung über ein bestimmtes Handel» im Einzelfall, sondern um den Beitritt zu einer Vereinigmig, das Heist! um die Erwerbung der Mitgliedschaft in einem Verein. Das Reichsgericht müht sich nun ab, nachzuweisen, dast eine Verabredung und eine Vereinigung begrifflich dasselbe seien; da eS aber doch nicht verkennen kann, dast dieser Nachweis noch immer etwas zweifelhaft ist. so sucht es auS der Entstehungs- geschichte der 88 152, 153 nachzuweisen, dast der Gesetzgeber mit dem Strafparagraphen auch den Zivang zum Beitritt zu Vereinigungen treffen wollte und dast nur infolge nicht ganz sorgfältiger Redaktion das Wort Vereinigungen aus dem 8 153 herausgeblieben ist. Dieses schwierige Stück Juristenarbeit, das geleistet wurde, de» angeblich nicht klar genug ausgedrückten Willen des Gesetzgebers zu Ungunsten des angeklagten Arbeiters zu ergänzen, erinnert an ein andres Urteil aus den letzten Tagen, wo ein Unternehmer angeklagt war und wo ebenfalls der Wille des Gesetzgebers nicht klar aus- gedrückt war. Wir haben es mehrmals behandelt. Wir meinen die Freisprechung eines Unternehmers vom Ober-Landesgericht München, der es unterlassen hatte, für seine jugendlichen Arbeiter Lohn- zahlungsbüchcr einzurichten. Die Einrichtung der Lohnzahlungs- bücher ist in bündiger Form vorgeschrieben. Durch ein RedaktionS- versehen ist jedoch die Aufnahme einer bestimmten Strafvocschrift in das Gesetz unterblieben. Obwohl die Entstehungsgeschichte der Vorschrift unzweifelhaft erkennen lästt, dast auch jdie Nicht- einrichlung der Lohnzahlnngsbücher unter Strafe gestellt werden sollte, lvurde der Unternehmer freigesprochen, weil das Wort fehlt. Dazu kommt, dast der Unternehmer anscheinend mit vollem Be- wusttsein unier absichtlicher Nutzbarmachung des Gesetzesmangels gegen die Vestinlinung verstosten hat, während der Arbeiter nicht im geringsten an eine Gesetzesverletzung gedacht, sondern sich in den, vollen Glauben der Wahrnehmung eines Rechtes und eines be- rechligtc» Jnlcrcsses befunden hat. Die beiden Urteile wurden a nicht von denselben Personen gefällt, aber dast sie des- elbigen Geistes sind nicht nur trotz, sondern gerade wegen ihres Gegensatzes, das wird austerhalb der Juristenkaste wohl wenige Zweifler finden. Abseits aller dieser juristischen Spitzfindigkeiten haben wir aber die Thalsache vor uns, daß das Koalitionsrecht praktisch Schritt vor Schritt beseitigt wird. Wir sind nun glücklich so weit, daß das lelbstverstäiidlichste Recht der Arbeiter, die Arbeit einzustellen, weil te nitt einen, bestimmten Manne nicht zusammenarbeiten wollen, dann strafbar wird, wenn sie den, Unternehmer den Grund dafür mitteilen. Auf eine bessere Rechtsprechung ist natürlich in absehbarer Zeit mchi zu rechnen. Nur eine Acndcrung der Gesetzgebung, die das ZkoalitionSrecht vor allen juristischen AuSIegungskünsien nach Möglichkeit schützl. kann Ifier helfen. Der Arbeitsvertrag der Handlungsgehilfen. Das Oberlandesgericht Frankfurt hat, wie wir der juristischen Zeitsckrift„Das Recht" entnehmen, kürzlich eine Entscheidnng gefällt, die für Handlungsgehilfen wichtig ist. Sie lantet: „Ein Abkomme», daß der Prinzipal auch bei der geringsten ferneren Unregelmäßigkeit den Handlungsgehilfen soll entlassen können, ist an ich rechtlich belanglos, wohl aber kann es der Richter bei der Be- deutung der Frage, ob wichtige Gründe zur sofortigen Entlassung vorliegen, berücksichtigen." Das Gesetz gestattet— so erläutert„Das Recht"— die so- ortige Entlassniig des Handlungsgehilfen nur aus wichtigen Gründen und stellt die Bemleilung der Frage der Wichtigkeit eines Grundes dem freien richterlichen Ermessen anheim, so iveit sich nicht aus dem Gesetz selbst Einschränkungen in dieser Hinsicht ergeben. Durch Privatabkominen kann das' richterliche Ermessen nicht eingeengt, noch viel weniger kann an dessen Stelle das Belieben des Prinzipals gesetzt werden. Zu dieser Anslegung des Gesetzes führt die social- politische Vcdeutnng der einschlägigen Bestimmungen des H.-G.-B., welche im öffentlichen Interesse den Schutz des Haudlungsgehilfci, als deS Abhängigen und im Regelfalle wirtschaftlich Schwächeren gegen einen übermästigen Druck von feiten des Prinzipals be- zwecken. Erwägt man, daß das Gesetz s§ 67) es den Parieien nicht einmal gestaltet, die Kündigungsfrist auf weniger als 1 Monat fest- zusetze», so kann es unniöglich die Absicht deS Gesetzgebers gc- ivesen sein, den Parteien in einem ungleich einschneidenderen Punkte, nämlich darin freie Hand zu lassen, beliebige Gründe zur wforligen Entlassung festzusetzen. Es steht jedoch nichts im Wege, erscheint vielmehr geboten, bei Ausübung des richterlichen Erniesseus der übereinslimmendeii Willensnieinung der Parteien in billigem Maße Rechniing zu tragen, so daß unter diesem Gesichts- punkte Gründe, über deren objektive Erheblichkeit die Meinungen versckiiedeii sein können, eine erhöhte Bedeutung gewinnen können. Dagegen kann die Rücksichtnahme auf Abmachungen der Parteien nicht so weit gehen, daß Umständen, die objektiv schlechthin von keiner Bedeutung si»d, die Bedeutung wichtiger Entlasinngßgrüude bei» gelegt wird.—_ Blus der Frnuenarbrit in Hessen. Nach dem Bericht der hessischen Gewcrbe-Jnspektion waren in, Jahre 1901 in dem Großherzogtnm 13 630 Arbeiterinnen über 16 Jahre in 831 der Inspektion unter- stellten Betrieben beschäftigt, wozu noch 2370 weibliche Jugendliche kommen. Der Bericht klagt außerordentlich über die Unzulänglichkeit der Konfektions-Vcrordnung, die gerade aus die Geschäfte keine An- wendnng findet, wo sie am nötigsten wäre, die kleinen nämlich, die auf Einzelbestellung arbeiten. Die Franrnvercinigung der Norwegischen Arbeiterpartei hat am 17. Mai, dem Verfassungstage der Norlveger. eine Wahlrechts- Versammlung abgehalten, in der eine Resolution für daS all- ge in eine Frauen Wahlrecht beschloffen wurde, die dem S t o r t h i i> g überreicht werden soll. Die Vulkanausbriiche. AuS Fort de France liegt über die Flucht der geängstigten Jnselbelvohner folgende Schilderung vor: Aus der ganzen Umgegend strömen die Flüchtlinge ununterbrochen nach Fort de France. Sie sind nicht mittellos, sondern nur von Entsetzen gepeitscht und ver- langen, von der Insel weggebracht zu werden. Die Konsuln unk» die Offiziere der Kriegsschiffe werden beständig von Menschenmaffeir bestürmt, die fast wahnsinnig vor Furcht sind. Das Wetter ist jetzt schön und ruhig. aber der Berg von vulkanischen Wolken verschleiert. die oft ein sehr drohendes Aussehen annehmen. Von Zeil zu Zeit ertönt dumpfes unterirdisches Grollen. Heuie morgen fiel ein lang ersehnter hefiiger Regen. DaS amerikanische Kanonenboot„Dixie" kam heute mit viele» berühmten Gelehrten an Bord hier an. Zu früher Stunde begann man Vorräte zu landen, und die Lagerhäuser waren bald überfüllt. Die Kon»» Mandanten der verschiedenen Kriegsschiffe begaben sich heute morgen zum Zweck einer Jnspeklion an Bord der„Potomac" nach St. Pierre. Die Landung erfolgte unter gröstlen Schwierigkeiten. Die Offiziere be- richten, daß der gestrige Vulkanausbruch gewaltig gewesen ist. Die hohen Basalttürme der Kathedrale sind zu Staub zermalmt worden. Ein Bombardement durch vulkanische Steine wäre nickt genügend, um eine derartige Erscheinung zu erklären. und man glaubl daher. daß ei» Wirbelstnrm feuriger Gase mit fabelhafter Schnelligkeit und unbereckenbarer Gewalt über den Ort dahinsuhr. Dieser Ausbruch war offenbar bedeutend heftiger als der vom 6. Mai. Die vulkanische Thätigkeit hat noch nicht aufgehört. Jniuier noch steigen Rauch und Gas ans dem großen Krater auf. und die neuen Spalten an den Seiten des Berges speien ohne Unterbrechung gelbe Wirbelivinde ans. Auch kochender Schlamm wird ausgeworfen und fließt in Strömen ins Meer. Die„Potomac" konnte nicht bis zur Stadt vordringen. Die„Dixie" gehl morgen nach St. Vincent. Eine Komniission von Gelehrten wird die Frage untersuchen, ob der Berg Carbet, der in der Nähe von Fort de France liegt, ebenfalls gefährlich werden kann. Der gestrige Ausbruch hat alles Vertrauen auf die Sicherheit dieser Teile der Jn>cl erschüttert, und der einstimmige Aufschrei von Arm und Reich lautet:„Wir wollen keine Lebensmittel, schafft uns nur weg!" Die ersten photographische» Aufnahmen der Zerstörung von Pierre sind Donnerstag in New Jork eingetroffen und werden heute von den leitenden Blättern gebracht. Sie geben ein packendes Bild von der zerstörten Stadt. Eine der Photographien zeigt eine Straßenecke, an ivelcher 16 menschliche Leichen, alt lind jung, wild durcheinander liegen. Die Lage der Leichen deutet darauf hin, daß die Leute in vollem Lauf tot niedergestürzt sind. Nirgends sieht man Spuren von gebrochenen Gliedern oder sonstige Verletzungen, was die Schlilstfolgerung bestätigt, daß alle Opfer von Schwcfelgasen wurden. Die Gebäude der Straße sind vollständig in Verfall. Eine Ansicht des Sndufers von St. Pierre zeigt Mauern, Bäume, Telegraphenstangeii, Steine der Gebäude iisiv., alles wie Staub zusammen von einem Rieseiibese» fortgefegt. Eine Photographie der englischeir Kolonialbank läßt von dieser nur die Grundmauern stehen; die oberen Etagen und das Dach sind voll- ständig verschwunden, ebenso die Thüren und Fenster des Parterres, dessen Mauern halb niedergeworfen oder kontlisioniert sind. Im Vordergründe sieht nian die Ilebcrbleibsel einer eisernen Bettstelle, welche sich vorher in einem oberen Räume befand. Eine Kabeldepesche der„Daily Mail" meldet an? Kingston ans Saint Vincent, ein Fünftel der Insel sei völlig verwüstet.' Die übrigen vier Fünftel des Landes seien für den Anbau von Früchten und Gemüsen gänzlich verloren. Es seien keine Aussichten dafür vorhanden, daß das Zuckerrohr vor 1905 ivieder eine Ernte liefern werde. Das Land könne nicht bebaut werden. Ueber die bereits gemeldete Besteigniig deS Pclöe wird weiter berichtet: Herr Cl er c, ein Mitglied der Kolonial-Regierung, ist von einer Besteigung des Pelse nach Fort de France zurück- gekehrt und teilte folgendes mit: Am Freitag trat er den Aufstieg zu dein Vulkan auf dem Wege längs der Küste an. Herr Chancöle. Beamter der Zuckerwerke, begleitete ihn. Die beiden Herren kamen ohne Schwierigkeit bis zu einer Höhe von 1233 Meter und stellten fest. daß der Krater augenblicklich einen Dnrchmesser von etwa 300 Meter hat. Im Osten wird er durch den Morne-la-Croix, der höchsten Spitze der Insel, die eine Höhe von 1350 Meter hat, über- ragt. Dieser Berg ist ganz untergraben und kann leicht znsaniinen- stürzen. Der Morne- Petit- Bonhomme sieht glühend ivcist aus. Mr. Clerc sagt:„Wir fühlten eine Anzahl elektrischerSchläge und unsre Schuhe wurden durch die große Hitze angebrannt. Eine Quelle, die in der Nähe von Morne-La-Croix war, ist vollständig ausgetrocknet und ein eisernes Kreuz am Fuße des Berges verschwiindeii. Der Rand des Kraters ist durchaus verändert, der Anblick des Berges furchlerregend. Um uns fielen Steine nieder. Wir hoben große Stücke Schwefel auf, die wir aber nicht mitnehmen konnten. Der ganze Berg ist mit Elektricität geladen, die sich so heftig äußerte, daß wir uns zum Rückzug gezivungen sahen. Der Abstieg war bedciitcnd schwieriger als der Aufstieg. Ein blendender Aschenregen fiel auf uns nieder. Herr Chancöle wäre durch einen großen Stein beinahe getötet worden." Auch in Frankreich sind einige Erscheinunge» zu Tage ge- treten, die mit den Ausbrüchen auf den Antillen in Zusaminen- hang zu stehen scheinen. So meldet man auS Autun: Der Vulkan von Saint Pierre de Varennes, der im Centrum des Moraii-GebirgsstockeS zwischen de» Städten CoucheS-leS-Mines und Le Crensot gelegen ist und als erloschen gilt, scheint die n», liegenden Ortschaften anfs neue zu bedrohen. In den letzten Tagen der verflossenen Woche wurde dumpfes Grollen aus dem Erdinnern vernommen, daS niit Bodenschwankungen verbunden war, und in der Nacht vom Sonntag zum Montag versetzte ein ungeivöhn- lichcS Grollen die Bewohner in höchste Erregung. Gegen Morgen wiederholte sich das drohende Geräusch.' Die Beunruhigimg dauert an.— Ferner wird aus Pan gemeldet, daß in der Nacht vom Mittwoch zum Donnerstag Schwankungen des Bodens auf vcr- schiedcncn Punkten des Bcrgbezirks von Oloron und in dieser Stadt selbst verspürt wurden. Auch die atmosphärischen Stönmgen, Hagel- fälle, Schneefälle. Regengüsse, Windstöße und anorinale Kälte, dauern in Frankreich noch immer an. Uvtzte Itaifzviiliitett und Vepofthru. Ungarische Delegation. Budapest, 24. Mai. sW. T. B.) Gegen Schluß der Debatte über das Budget d c S A e u ß e r n ergriff Minister» Präsident v. S z e I l daS Wort, um auf Angriffe gegen die Dreibunds- Politik zu antivorten. Der Ministerpräsident erklärte es für einen Jrrluni, wenn behauptet werde, das Bündnis mit Deutschland wurzele nicht im Volksbewnßtsein. Die Grundidee dieses Bündnisses rühre schon ans jener Zeit her, da die ganze Nation, mit Ausnahme eines kleinen Bruchteils, sich eutschiedc» gegen eine Teilnahme an dem Kriege Frankreichs gegen Deutschland erklärte. DaS Ziistaudekommen des Bündnisses habe dieses Gefühl der Solidarität verstärkt und es sei die Ueberzengung der Nation, daß das Bündnis mit Deutschland den Interessen der Monarchie, in erster Linie aber den Interessen Ungarns entspreche. In der Debatte sei eine Aeußerung a»S der Rede des Grafen Bülow vom 3. Januar angeführt worden. Er sei überzeugt, man könne dieser Aensterung des Reichskanzlers nicht den Sinn unterlegen, als hätte er den Wert des Dreibundes herabsetzen wollen. Allerdings trete der Wert des Viindnisscs erst im casus foederis augenfällig zu Tage. Gegen Schluß der Sitzung bcautivortete SeksionSchef v. Mereh die Interpellation Rakowsky.' Der Text des Dreibundsvertragcs könne s nicht veröffentlicht werden, da Geheimhaltung vereinbart worden sei._ Ueberschwcmninuge». PariS, 24. Mai.(®. H.) Ans allen Teilen der Provinz laufen Meldungen über große Ueberschlveinmungen ein, ivelche durch die auf den Bergen eingetretene Schneeschmelze verursacht ffnd. Gescheitert. Antwerpen, 24. Mai. sB. H.) Wie ein hier eingetroffenes Telegramm berichtet, ist der D a m p f e r„S t a n l e y v i l l e", welcher an, 8. Mai von hier nach dem Kongo abging, au der wcstafrika« nischcn lKnste gescheitert. DaS Schiff ist vollständig verloren. Die Mannschaft sowie die 54 Paffagicre deS Dampfers komitn, gerettet werden. Verantwortlicher Redacteur:«ar» Leid m Berlin. Sur den Inseratenteil verantwortlich! Tb. Glocke in Berlm. Druck und Verlag von Mar Badiug in Berlin. Hierzu 3 Beilage» u. UnterhaltungSblatt. Ar. 119. 19. Jahrgang. 1. KeilM te„Wmiirls" ßtrlintt AcksM Soillllag, 25. Pai 1902. Navkei-LlAchvichtem Die Wahlrechtsreform in Bayern. Wir haben in»nsrer Nummer 113 eine Münchener Korrespondenz nber die Wahlreckisreform-Dcbatte in der bayrischen Kammer der Abgeordneten veröffentlicht. Seitdem wurde das Verhalten unsrer bayrischen Genossen in unsrer Parteipresse einer abfälligen Kritik unterzogen. Nachdem wir daraufhin in die betreffende» Debatten der bayrischen Kammer genauere Einsicht genommen haben, »uifseii wir uns dieser Kritik, zwar nicht in allen ihren Teilen, aber in der Richtung anschließen, daß eS als eine bedauerliche Taktik der dortigen Fraktion erscheint, jener Resolution zuzustimmen, Ivelche die Regierung auffordert, einen Wahlrechts Entwurf vorzulegen, der an eine Reihe für Socialdemokraten un- annehmbare Voraussetzungen geknüpft ist. Wie wir mitgeteilt haben, soll das neue Wahlgesetz die Bc- seitignng der indirekten Wahl und eine Acndeung der Wahlkreise derart bringen, daß die Wahlkreise nach der Volkszählung vom 1. Dezember 1900 neu eingeteilt werden und mindestens 32 000, höchstens 44 000 Einwohner haben sollen; ferner soll das Wahlalter von 21 auf 25 Jahre hinaufgesetzt und statt der bisherigen halb- jährigen eine ganzjährige Steuerentrichtung des Wählers erfüllt sein. Es darf zweifelhaft erscheinen, ob ein also teils verbessertes, teils verschlechtertes Wahlrecht für die Arbeiterklasse überhaupt Vorteile bringen wird. Wenn wir aber uns auch nicht der Thatsache verschließen mögen, daß die bayrische Fraktion nienials einem Wahlrecht zustimmen wird, von dem sie nicht die Gelvißheit zu haben meint, daß es der Arbeiterklasse nützlich sein muß, wenn wir also auch die Frage des möglichen Zuknnftsnutzens einer solchen Reform dahingestellt sein lassen wollen, so bleibt es uns doch unverständlich, welche Gründe miste Genossen genötigt haben können, schon dieser Resolution zuzustimmen, die der Regierung zunächst erst den Wunsch der Kammer bekunden soll. Da die Resolution für das neu zu schaffende Wahlrecht neben einigen gewiß nicht verächtlichen Verbesserungen bösartige Ver- schlcchternngen des bisherigen Zustandcs fordert, so durfte u. E. die socialdemokratische Fraktion nicht mit den übrigen Parteien ein solches Wahlrecht der Regierung zur Vorlegung an die Kammer empfehlen. Zwar bleibt es der Fraktion unbenommen, nach Vorlegung des Entwurfs ihre Anträge zur Ver- besserung desselben zu stellen— und sie wird diese Aufgabe sicherlich vollauf erfüllen; auch bleibt es ihr vorbehalte», ob sie schließlich dem Entwurf je nach seiner endgültigen Gestaltung zu- stinimen oder ihn ablehnen soll. Aber das erscheint zweifelsohne, daß die Zustimmung zu jener Resolution unnötig war und höchst geeignet ist, die weitere Agitation für ein besseres Wahlrecht zu beeinträchtigen. Vezirksronferenz in Posen. Zum erstenmal ivar es den Genossen in Posen möglich, in den Mauern der Festung ihre Bezirks- konferenz für Posen und die fünf umliegengen Wahlkreise abzuhalten. Erschienen waren 14 Delegierte. In fünfstündiger Beratung beschloß die Konferenz u. a., mit allen Mitteln für die Herausgabe einer dreimal ivöcheutlich erscheinenden polnischen Zeitung einzutreten, und das Erscheinen derselben noch vor den nächsten ReichStagswahlen zu ennöalicheii. Als Kandidaten für die nächste Reichstagsivahl wurden ausgestellt: Gutsche-Schweri», Stemkowitz-Berlin, Pietsch-Obornik, Bttdrinsli-Poseu, Matusreivli-Gogoivski-Poseu. Auch ein„Kinderheim". Die Unzulänglichkeit der Säuglingspflege wird ln»euerer Zeit in immer ivcitercn Kreisen erkannt. Immer dringender ivstd Beseitigung der Mißstände gefordert, die auf diesem Gebiete herrschen, inid auch an Verbesseruugsvorschlägen fehlt es nicht. Was die Behandlung der Kinder in den Familien angeht, so stößt der Wunsch, eine sachgeniäßere Pflege herbeizuführen, hier vorläufig noch auf vielfache Scbwierigkeiten, die größtenteils durch die Wirt- schaftlichen Verhältnisse bedingt sind. Aber auch die Pflege in A n- stalten, die ja für einen nicht geringen Teil der Berliner Säuglinge, namentlich für die außerehelich geborenen, die Familienpflege er- setzen muß, liegt noch sehr im argen. Anstalten dieser Art sind überhaupt� erst sehr spärlich vorhanden. und obenein ftchenjffie in der Regel unter Verwaltung und Leitung privater Ver- e i n i g« n g e n. denen es ebenso sehr an Verständnis für ihre Aufgabe wie an Mitteln zu deren Durchführung zu mangeln pflegt. Die Gemeinden suchen sich der Verpflichtung, hier helfend ein- zugreifen, zunächst noch möglichst zu entziehen. Auch die Stadt Berlin erivartet das Heil im wesentlichen immer noch von der Privatwvhlthätigkeit. Wie es in den privaten Anstalten für Säuglingspflege aus- sieht, das lvisscn nur die Eingciveihten. Wir bitten die Leser des „Vorioärts", uns einmal in eine dieser Anstalten zu begleiten. Sie befindet sich in einem unsrer entfernteren Vororte, dürfte aber auch mancheni Berliner bekannt sein; denn sie wird besonders von Berlin aus viel zur Unterbringung von Kindern benutzt. In Fürsten- w aide steht in der Gartenstrnßc ein Backstciubau von recht wenig anhcniiclndein Acutzerii. Früher hatte er als Kaserne gedient, nachher war eine Tuchfabrik in ihm untergebracht worden, jetzt be- herbcrgt er ein—„K i n d e r h e i in". Eine eigenartige Wandlung, nicht wahr?! Sie ist dem Gebäude noch heute anzusehen. Di außen soll ein über der Hausthür angebrachtes Relief auf die jetzige Bestinnnnng des Gebäudes hindeuten: eine Frau.faltet Kindern die Hände und unterweist sie ini Beten. So ganz paßt das eigentlich wohl nicht zu einem solchen Heim— wenigstens sollte hier die Sorge für das Heil der Seelen, wenn man sie schon nicht entbehren zu können glaubt, nicht gerade in den Vordergrund, geriicki werden. Indes, man wolle nicht übersehen, daß die Vereinigung, die dieses Heini unterhält, eine kirchliche ist, und daß die Anstalt unter der Aufsicht eines G e i st I i ch e u. des Pastors B u r g d o r f in Fürstenwalde, steht I Drinnen ist der kaserncn- oder fabrikartige Eindruck ebensowenig wie draußen verwischt worden. Die Räume, die zur Unterbringung der Kinder dienen, unterscheiden sich von Kasernenstuben oder Fabriksälen eigent- lich nur durch die Bibelsprüche, Engelsbilder usw., mit denen sie ausgestattet sind. Die Wände sind nicht mit Oelfarbe. sondern nur mit Leimfarbe überzogen, können also nicht abgewaschen werden. Die Fußböden sind(abgesehen von einem Raum, der als Station erster Klasse dient) ungestrichen und zeigen breite, unverkittete Ritzen, in denen sich der Schmutz sammeln kann. Wenn man nicht die Bettchen stehen sähe, dann würde man schwerlich auf den Gedanken kommen, daß in diesen den Forderungen der Hygiene so sehr widersprechenden Räumen ein.Kinderheim" haust. Die Anstalt Ivill, wie ihr Prospekt sagt,.heimatlosen Kindern, auch solchen diskreter Geburt, eine Heimat bieten, sie unter ärztlicher Aussicht gewissenhaft verpflegen und sorgfältig erziehen"— nebenbei bemerkt: gegen Entgelt. Die Fürsorge taiin auf Wunsch bis zum 15. Lebens- zahre dauern, doch befinden sich in der Anstalt fast nur Kinder der ersten Lebensjahre; manche sind gleich wenige Tage nach der Geburt eingeliefert worden. Welcher Art sind nun die Pflege-Erfolge? Darüber belehrt uns ein Blick in die Betten! Nur wenige der Kinder, die wir hier sehen, haben eine annähernd normale, ungefähr ihrem Alter entsprechende Äörperentlvickelung. Viele sind so ver- kümmert, daß ihr Anblick einem das Herz zerreißt. Einzelne be- finden sich in einer geradezu entsetzlichen Verfassung. Es ist wirklich kaum eine Uebertreibung, wenn man sagt, daß sie fast nur aus Haut und Knochen bestehen. Dabei kommen die Kinder meist erst i n d e r A n st a I t s o h e r u n t e r. In der Regel sind sie bei ihrer Einlieferung gesund, aber in der Anstalt tritt nur zu rasch ein Um- schlag ein. Sie bekommen oft schon nach kurzem Aufenthalt einen Darmkatarrh, an dem sie unter großem Gewichtsverlust elend hin- siechen. Die Sterblichkeit ist hier unter den Säuglingen so groß, daß die Polizei über die Zahl der ihr gemeldeten Sterbe- fälle gelegentlich bereits ihr Befremden geäußert hat. Aber selbst bei den älteren Kindern in der Anstalt ist es nichts Ungetvöhnliches, daß sie dauernd an Darmkatarrh leiden. Der Arzt, der die gesundheitliche Ueberwachnng des Kinderheims sowie die Behandlung der erkrankten Kinder übernommen hat, ist selbstverständlich über die Ursachen dieser Miß- erfolge durchaus im klaren; aber ebenso selbstverständlich fehlt ihm die Möglichkeit, bessere Erfolge zn erzielen. Auch der Hausmutter mangelt es anscheinend nicht an Einsicht und gutem Willen, doch ist sie natürlich noch weniger in der Lage, etwas zu bessern. In solchen Anstalten muß man eben„sich nach der Decke strecken". Ueberdies pflegt in ihnen die letzte Entscheidung über die etwa zu treffenden Maßregeln nicht denjenigen zuzustehen, die die erforderlichen Fachkenntnisse haben, sondern dem Herin Pastor oder, wo eine solche vorhanden ist, der Frau Oberin. Es heißt: daß das Kinderheim in Fürstcnwalde wegen der Mißerfolge in der Säuglingspflege künftig überhaupt keine Säuglinge mehr aufnehmen und sich nur noch auf die Erziehung älterer Kinder beschränken soll. Das wäre allerdings das mindeste, was gefordert werden muß. Selbst die sorgfältigste Pflege der Säuglinge vermöchte in diesen anscheinend völlig durchseuchten Räumen gegen den Würgeengel Tod nichts auszurichten. Fehlt hier doch sogar eine Einrichtung. um bei Erkrankungen an ansteckenden Krankheiten die Kinder rasch und sicher zu isolieren! Ob übrigens die leibliche Pflege hier wirklich immer eine sorgfältige ist, das erscheint auch noch zweifelhaft. Das der Hausmutter zur Verfügung stehende Personal ist an Zahl zu gering und wohl auch nicht hinreichend geschult. Nur so bc- greift man es, daß ein Kind, das gesund und kräftig in das Heim eingeliefert worden war und krank wieder herausgenommen wurde, sicki in einem Zustande befinden konnte, den der Arzt, in dessen Behandlung es überging, in einem uns vorliegenden Attest als„verwahrlost" bezeichnen zu muffen geglaubt hat. Wie iveit die Sorge für das Seelenheil dcS Kindes gegangen sein mag, ließ sich nicht feststellen; das Beten halte man dem erst wenige Monate alten Kinde begreiflicherweise noch nicht beibringen können. Zum Schluß noch ein Wort über das finanzielle Ge- bahren dieses„Kinderheims". Die Anstaltsleitung legt sichtlich Wert darauf, möglichst viele Kinder in Pflege zu bekomincn. Sie versendet sogar an Hebammen gedruckte Prospekte und annonciert in Berliner Blättern. Eines ist uns dabei aufgefallen. Das Kinderheim geht auch darauf ein, daß an Stelle der laufenden Pension, die außer einem Kleidergeld jährlich 300 M. in der 3. Klasse, 500 M. in der 2. Klasse und 000 M. in der 1. Klasse beträgt, eine einmalige Ein- zahlung geleistet wird. Die Abfindungssumme beträgt in der 3. Klasse 2000 M.. in der 2. Klasse 4000 M.. in der 1. Klasse 6000—10 000 M.. je nach der geforderten Ausbildung. Die Kinder haben zu beanspruchen in der 1. Klasse ein eignes Zimmer, „beste Kost" und Besuch einer höheren Schule, in der 2. Klasse.gute Kost" und Beinch einer Bürgerschule, in der 3. Klasse.Kost"/2 Uhr hält der Wahl- verein im Wirtshaus Schmargendorf seine Versammlung ab, in der ein Vortrag über:„Was lehren uns die Gcmeindewahlen?" ge- halte» wird. Zahlreiches Erscheinen der Parteigenossen wird er- wartet. Stralau. Heute nachmittag 1 Uhr findet die Generalversamm- Inng des Wahlvereins bei Gursch statt. Waldeck Manasse spricht über das Thema:„Verschiedene Arten Vaterlandsliebe". Paiikow-Nieder-Schöiihansen. Die regelmäßige Mitglieder- versanivilnng bei Settekorn am Dienstag fällt aus zu Gunsten einer öffentlichen Versammlung, welche ani Donnerstag, den 29. Mai, bei Ulitz,„Schwarzer Adler"', Blankenburgerstraße 3, stattfindet. Referent Redacteur Genosse Paul John über:„Krisis und Brotwucher". FrirdrichSfelde- Karlshorst- MahlSdorf. Bei Haberland, Wilhelmstratze 38, findet Dienstagabend 8l/sUhr eine außerordentliche Generalversammlung des Wahlvereins statt, in der das neue Statut beraten wird. Lichtcuberg-Fricdrichöberg-WilhelmSberg. Der Wahlvercin wird im Monat Mai keine Versammlung abhalten.— Am 3. Juni werden die G e w e r k s ch a f t e n zu einer gemeinsamen Versammlung bei Höflich eingeladen. Neben einem Vortrage des Genossen Albert M a s s i n i soll die Abrechnung des Komitees zu den Gelverbegerichts- Wahle» gegeben werden. UoKkrtes. DaS westliche Prachtstrahen-Projekt. DaS Projekt der Verbreiterung der Bismarckstraße, welches der Magistrat unsrer Nachbarresidenz Charlottenburg der dortigen Stadt- verordneten-VersammIung vorgelegt hat, ist jedenfalls auch für die Einwohner Berlins von allgemeinem Interesse— handelt es sich doch däriini, eine schöne und bequeme gradlinige Verbindung aus dem Herzen Berlins bis zum Grunewald und durch diesen bis zur Havel, ja über diese hinweg nach Picheiswerder herzustellen. Die Bismarckstraße ist die geradlinige Verlängerung der Chaussee, die im Zuge der Linden vom Brandenburger Thor nach Charlotten- bürg führt. Am sogenannten Knie macht die Chaussee, die in Charlottenbiirg den Namen Berlinerstraße angenommen hat, einen Knick und geht in nordwestlicher Richtung weiter, während die geradlinig weiter geführte Straße eben die Bismarckstraße ist. In ihrem ersten Teil ist sie nicht sehr belebt; dagegen hat sie sich von der Leibniz- straße an bis zur Wilmersdorferstraße— letztere ist die Haupt- Verkehrsader Charlottenburgs in nordsüdlicher Richtung— zu einer stärkeren Berkehrsstraße entwickelt, und gerade hier verengert sie sich, so daß der Engpaß an der Leibnizstratze schon lange als ein häß- liches Berkehrshindeniis empfunden wird. Der Bebauungsplan Charlottenburgs sieht dessen Beseitigung schon seit längerer Zeit vor; es war beschlossen worden, der Bismarckstraße in ihrer ganzen Ans- dehnnng bis über die Wilniersdorferstraße hinaus, nämlich bis zur Kaiser Friedrichstraße, die Breite von 26,4 Meter zu geben, auf der kleinen Strecke von da bis zur Schlohstraße sowie i» der weiteren Verlängerung bis zur Ahorn-Allee(Straßen 33 und 8 des Bebauungsplanes) sollte sie sogar 46 Meter breit hergestellt werden. Von der Ahorn-Allee au sollte die Straße mit einem Knick weiter geführt werden. Die Staatsregiernng wünscht nun erstens die geradlinige Weiter- führnng der Straße auch von der Ahorn-Allee an, ein Wunsch, der sich ohne Kosten berücksichtigen läßt; zweitens aber verlangt die Regierung, daß die Straße in ihrer ganzen Länge vom Knie an als eine Prachtstraße von 50 Meter Brette angelegt werde. Ob der noch nicht bebaute Teil, für den bereits 46 Meter Breite vorgesehen sind, noch um 4 Meter verbreitert wird, ist ziemlich belanglos; dagegen würde die ungemeine Verbreiterung des bebauten Teiles sehr erhebliche Kosten verursachen— müssen doch sämtliche Häuser abgerissen und die Eigentümer entschädigt werden. Der Magistrat verlangt für das Projekt einen Kredit von 10 Millionen Mark, die im wesentlichen auf den Grundertverb und die Strabenregulierung des bebauten Teiles der Straße kommen; der Ausschuß, an welchen die Stadt- verordneten- Versammlung die Sache Verlviesen hat, ist sogar der Meinung, daß nian zwölf Millionen brauche. weil die Verzinsung der anfzunehmenden Anleihe ftir eine ganze Reihe von Jahren auS der Anleihe selbst gedeckt werden müßte. Liegt nun irgend ein Verkchrsinteresse der Stadt vor, eine so ungeheure Last auf sich zn nehmen, um der Straße vom Knie an das Gepräge einer Prachtstraße zu geben? Um die Höhe der Last recht zu würdigen, vergegenwärtige man sich, daß der gesamte JahreSetat Charlottenburgs 12,4 Millionen Mark be- trägt; für Berlin mit einem Jahresetat von 112 Millionen würde eine entsprechende Belastung 108 Millionen Mark be- trägen. Ganz unbedingt ist die gestellte Frage zu ver- neinen und der Wunsch der Regierung von vornherein abzulehnen; in der Erkenntnis dieser Sachlage hat die Re- gierung der Stadt ein Aeqnivalent angeboten: Sie will der Stadt ein Terrain von beinahe 180 Morgen, welches durch die neue Strqße und ihre Entwicklung zu bestem städtischen Bauland werden soll, nicht etwa schenken— wer daS meint, kennt den prcn- ßischen. Fiskus> schlecht—. sondern billig verkaufen, nämlich zum Preis» von 400 M. für den Morgen, also zu fast 72 000 M. Es ist das.der Preis, der gegenivärtig für Waldboden gezahlt wird; immerhin ist der Preis mäßig, weil bei der zu erlvartenden Eni- Wicklung von Charlottenburg und Halensee jener Boden schon jetzt erheblich teurer verkauft werden könnte. Wird die neue Prachtstraße Wirklichkeit. Iso wird die Entwicklung sich um so schneller nach diesem Teile hinziehen, die Stadt kann dos Land dann als Bauland verlaufen und aus dem Gewinn die gepumpten Millionen zurückzahlen. Die neue Straße ist. dann ganz ohne Kosten hergestellt. Daß bei der Durchführung deS Projekts das Land m absehbarer Zeit viele Millionen wert sein wird, ist allerdings zweifellos; die Stadt aber, vertreten durch den Magistrat und die bürgerliche Mehrheit der Stadtverordneten-Versammlung, wird das Land viel früher los- schlagen, und zwar an Terraingesellschaften nnd Bauspelulanten, welche die Millionengewinne einstreichen werden. Könntc sich die Stadt entschließen, das Land i» Gemeindebesitz festzuhalten und entweder selbst zu bebauen oder zur Bebauung lediglich zu verpachten, so daß die steigende Rente stets nur der Gemeindekasse zu gute käme, so läge die Sache wesentlich anders. Dann kölinte man aus dem Gesichtspunkte, daß für die Gemeinde hier eine seltene Gelegenheit gegeben ist, Besitzerin einer großen Fläche des städtischen Bodens zu werden, dem Projekte wohl zlistimmen. Die Stadtverordneten-Versammlung wird die Vor- läge wahrscheinlich bewilligen; hoffentlich erstarkt die Arbeiter- bewcgung Charlottcnburgs in den nächsten zehn bis fünfzehn Jahren so sehr, daß sie die.spätere Verschleuderung des städtischen Bau- terrains zum Vorteil privater Spekulation und gewissenloser Aus- beutung zu verhindern im stände ist. Die Nerztekamincr für die Provinz Brandenburg nnd den Stadtkreis Berlin trat gestern in Gegenwart des Oberpräsidenten im hiesigen Provinzial-Städtehause zu einer Sitzung zusammen. Es wird zunächst eine Kommission gewählt, welche die auf Veranlassung des Ministers von seilen des Vorsitzenden des Aerztekammer-SIus- schusses gestellten Anträge über die wissenschaftliche Bedeutung der Hypnose und den Mißbrauch der Hypnose durch Privat- Personen zu berichten, bearbeiten soll. Es folgt dann die Beratung über die flir 1902 zu erhebenden Beiträge für die Kammer, da die Aufsichtsbehörde bereits zum zweitenmal die hierin von der Kammer gefaßten Beschlüsse beanstandet hat. Der letzte Beschluß der Kammer, eine Ermäßigung von 50 Proz. auf Antrag denjenigen Aerzteu des Kannnerbezirks zu gewähren, welche weder eine ärztliche Thätigkeit �ausüben, noch in einem andren Berufe thätig sind, zu dessen Ausübung die Kenntnisse der medi- zinischen Wissenschaft erforderlich sind, hat des- halb die Billigung der Regierung nicht gefunden, weil 82 im Bezirk ansässige beamtete oder beamtet gewesene Aerzte hiernach das Benefiziiim der Ermäßigung von 50 Proz. nicht erhalten. Die Kammer beschließt nach langer Debatte, die Ennäßigung von 60 Prozent den Uiiiversitätslehren: nnd Medizinalbeamten z» ge- währen, aber beim Minister hierin nochmals vorstellig zu»verde». Die Kainmer beschäftigt sich hierauf mit dein Bericht der P o l i- Hin i ken- Ko m in i s si on. Hierzu liegen folgende Anträge der Kommission vor: Die Acrztekanmier wolle beschließen, eine Petition an die städtischen Behörden zu richten des Inhalts, daß dieselben die . mit den städtischen Kraukeuhäuseru verbundenen Polikliniken ausheben, ferner eine entsprechende Petition an die großen Stifls-Kraukeu- Häuser zu senden, endlich eine Petition an die Staats- behörden um Aufhebung der sogenannten Hebamnieu-Fanggclder zu richten. Zugleich soll die Kammer die Erklärung abgebeuV Die Polikliniken dürfe» keine Erwersquelle sein. Die Behandlung in denselben hat im all geni einen unentgeltlich st a t t z u f i n d e n. Da indessen die Aerztekammer keine Machtmittel besitzt, irgeiidwelche an die Polikliniken-Besitzer gerichteten Verbote zur Durchführung zu bringen, so überläßt sie es den Kollegen, etlvaige Fälle unlauteren Gebahrens von Polikliiiikeii-Bcsitzern dem Ehrenrat zur weiteren Verfolgung zu überweisen. Die Kammer beschließt, als Grundsatz aufzustellen, daß von Kranken, die die Polikliniken in Erwartung unentgeltlicher Behandlung auf- suchen, kein Honorar genommen werden darf. Die Polikliniken sind eine sociale Nollvendigkeit, doch bedeutet die Behaudlnug in ihnen gegen Entgelt eine schlvere Schädigung des AerztestandeS. Die Kammer will den Fortbcstand der mit den Kranken- Häusern und Stiftungen verbundenen Polikliniken. Der vor diesen Verhandlungen von Professpr Koßman erstattete Bericht über die Arbeiten der K u rp fu s ch e r e i- o m m i s s i o n enthält die Mitteilung, daß bereits in 80 Fällen Strafanträge gegen Kurpfuscher gestellt sind, die teils Bestrafimg herbeiführten, teils noch in der Schwebe sind. Das Referat gipfelte in dem Vorschlag, den Be- Hörden eine sachlich gehaltene„Warnung an das Publikum" zur Veröffentlichung zu übermitteln, ivas die Kammer auch beschließt. In der gestrigen Sitzung der städtischen Verkehrs- deputalion unter dem Vorsitz des Ober-BüraermeisterS Kirschner genehmigte die Deputation, vorbehaltlich der Zustimmung der Behörden, das Gesuch der Hoch- nnd Untergrundbahn-Gesellschaft zur Anlegung eines Fördertunnels für Kohlen vom Landwehrtanal zum Kraftwerk der elektrischen Hochbahn unterhalb des Tempel- hofer Ufers. Der Fördertunnel soll zur schnellen und billigen Transportierung der Kohlen direkt vom Schiff unter der Straße hindurch nach dem Kraftwerk in der Trebbincr Straße dienen. Die Genehmigung wurde au die Zahlung einer Abgabe ge- knüpft und kaim jederzeit widerrufen werden. Dann beschäftigte sich die Deputation mit den Petitionen von Eigentümern deS Halleschen und Tempelhofer Ufers, der Königgrätzer Straße usw.»vegen des durch den Betrieb der Hochbahn verursachten Geräusches. Die Firma Siemens u. Halske hat sich bereit erklärt, auf zwei Versnchsstrecken von etwa 100 Meter Länge Erprobungen mit geräusch- losem Material und Versuche zur Verminderung des Geräusches vor- nehmen zu lassen. Die Deputation lvird darauf hiiNvirten, das diese Versuche beschleunigt werden. Der Nachtlvächtersabul. Die Nachtwächter des Nachtwacht- iustituts des Grundbesitzer-Vereins im Westen Berlins haben jetzt ebenfalls die Berechtigung zur Führung von Säbel und Notpfeife erhalte». Ebenso sind die Wächter, wie dies bei den Angestellten der Genossenschaft der Hausbesitzer schon vor einiger Zeit erfolgt ist, mit polizeilich anerkannten Legitimationskarten versehen. Bei Sistierungen, »velche durch die Nachtwächter veranlaßt werden, brauchen diese Privatbeamten für die Zukunft nicht mehr mit den Schutzleuten zur Wache zn gehen, sondern zeigen den Polizeibeamteu nur ihre mit Nummer versehene Legirimalionskarte vor. sodaß der Wächter nicht mehr genötigt ist, sein Revier, wen» auch nur vorübergehend zu verlgffcn. LaudgerichtSdircktor Voigt-ß. Nach zehntägiger Krankheit ist in seiner Wohnung Potsdainerstr. 51 der Direktor am kgl. Land« gericht I, Otto Voigt, infolge eines Nierenleidens gestorben. In der Vorbereitung für den großen Sauden-Prozcß warf ihn die 5kranlheit nieder. Voigt ist neuerdings dadurch bekannt geworden, daß er in dem H u n n e n- P r o z« ß gegen unsre Part'eigenvffeii Schmidt und John durch einen juristischen Kunstgriff die Führung des Wahrheitsbeweises abschnitt und dann das bekannte harte Urteil über die beiden socialdemokratischen Redacteure aussprach. Renerunge» bei der Hochbahn. Bei der elektrischen Hoch- und rlnlergrnudbahn werden jetzt Fahrkartenbündel ausgegeben. Sie enthalten je zehn Stück Karten derselben Sorte nnd vereinfachen die Lösung der Karten erheblich, zumal die Fahrkarten zu demselben Preise für die verschiedensten Strecken benutzt werden können. Ein- gehende Verkehrszählmigeii haben ergeben, daß der stärkste Verkehr nachmittags von 3 bis 8 Uhr herrscht. Von nächster Woche an soll versuchsweise während dieser Stunden«ine regelmäßige Verstärkung des Betriebes vorgenommen werden. Die Fahrabstände der Züge werden zunächst auf vier Minuten verringert. Die Betriebsverwaltung beabsichtigt ferner mit dem 1. Juni Früh- karte n zu einem ermäßigten Preis auszugeben. Die Karten gelten für die ersten Stunden des Tages bis 8 Uhr morgens. Zu demselben Zeitpunkt ist auch die Ausgabe von Uebergangs- lauten zur Flachbahn von der Warschauerbrücke zum Central- Viehhof in Aussicht genommen. Diese Uebergangskarten berechtigen zu einer Fahrt auf der Hoch- und Untergrundbahn und einer sich daran anschließenden Fahrt auf der genannten Straßenbahn. Ihr Preis wird gegen die beiden Beträge, die jetzt erhoben werden, wesentlich ermäßigt werden. Im gcineinsamen ArbeitSnachlveiseranm deS Gewcrkschnfts- hauses sind dadurch, daß sich die Sattler ein eignes Bureau zu- gelegt und die Kupferschmiede ihren Arbeitsnachlveis aufgehoben haben, zwei Plätze freigeworden, die durch andre, nicht im Besitz eines eignen Bureauranms befindliche Geiverkschaften besetzt werden können. Der monatliche Beitrag für Miete, Fernsprecher, Heizung, Beleuchtung und Reinigung beträgt 10 M. Nähere Auskunft erteilt die Verwaltung des Gewerkschaftshauses. Der Radler scheint vor den Thoren Berlins inimer noch als eine Kreatur betrachtet zu werden, die man möglichst unschädlich machen muß. Wir schweigen heute davon, daß der Ortsgeudarm einen Akt hervorragender Pflilbterfüllung darin sieht, wenn er, hinter einem Baum versteckt, den ans einsamem Fußpfad radelnden Mensche» stramm zur Strecke bringt. Weit zielbewußter als die Obrigkeit, Ivenn auch nicht ganz so genau auf dem Wortlaut der Ge- setzesparagraphen fußend, gehen gewisse Elemente der Be- Völkerimg gegen die Radfahrer vor. Auf der Frankfurter Chaussee zwischen Tasdorf nnd Vogclstorf fand eine aus drei Herren und zlvei Damen bestehende Nadfahrergesellschaft dieser Tage in später Abenddämmerung de» Fahrweg in der Quere so sinnreich mit Steinen verbarrikadiert, daß alle Mann vom Rode gestürzt wären, wenn der Vordermann nicht im letzten Augenblick die Gefahr bemerkt nnd auf das Hindernis aufmerksam gemacht hätte. Für diesmal konnten die ländlichen Gegner einer allzu großen Vcrkehrshast nicht ihren Zweck erreichen; möglicherweise ist ihnen für eine spätere Gelegenheit ein Erfolg beschieden gewesen. Die Besichtigung der Ganöwindtscheii Erfindungen in seiner Ausstellung am Mariendorfer Wege fand gestern. Sonnabend- nachmittag, im Beisein des Untersuchungsrichters Landrichter Reuter, Staatsanivaltsschaftsrats Mittag und dem Vertreter deS Verteidigers Rechtsanwalts Dr, Schwindt, Referendar Arndt vom' Landgericht II statt. Von der Schönebcrger Polizei war Präsident Hammacher und Kriminalkommissar Rucks anwesend. Als Sachveiständige waren geladen und erschienen die Bauräte Hausbrandt und Herzberg und die Diplomiiigenicure de Stoutz und Crohn. Auf Ersuchen wurde auch der Reichstags-Abg. Jacobsen zngelasscn. Die Bcsichtignngjbegaim mit der Vorfiihrima der Luftschraube in der westlichen Aiisstellimgshalle. Bei der praktische» Vorführung erhob sich die Luftschraube mit einem Mann belastet etwa einen Meter. Die Bewegungsfreiheit war in dem Raunie nnr eine beschränkte. Das Gewicht mit dem Drahtseil dient dazu, die Luftschraube in eine drehende Bewegung, die zum Aufstieg erforderlich ist, zu versetzen. Dem Apparat und den Er- läuterimgeii gegenüber verhielten sich aber die Sachverständigen, wie ihre Zwischenfragcn zeigten, sehr skeptisch. Nach den Er- klärungen Gaiiswindts und seinen Antworten, machten sie sich vielfach Notizen, um ans Grund allen Materials ein technisch- mathematisches Gutachten ausarbeiten zu können. Gansivindt war während dieser Vorführung wiederholt ziemlich aufgeregt. In der östlichen Halle wurden Flugapparate älterer Bauart besichtigt, in dem technischen Bureau andreErfiiidungeu. Tie Tretmotorboote.jdic auf einen, See vorgeführt werden, hielten die Sachvcrstäudigeu für veraltet gegenüber den Fortschrilteii derTcchuitk.mich fiirzii iimftnndlich und kostspielig. Auch der Tretmcterpflug wurde besichtigt. Im Eomptoir. das man zu diesem Zwecke öffnete, wurde ein Protokoll mtfgcnoininni. Nach Schluß des Lokaltermins wurde Ganswindt mit der Droschke wieder in das Untersuchungsgefängnis gebracht. Eine Anzahl Eiiifchreibrbncfc, welche Wertsachen und Bar- geld enthielten, sind durch eiue raffinierte Fälschung bei dem Post- amt 1 in der Königstraße gestohlen worden. Eine hiesige Brief- marken-Handlung läßt ihre Postsachen von dem Amt in der König- straße abholen, so auch die Einschreibebriefe. Mit diesen Bliesen wird eL derartig gehandhabt, daß der mit der Abholung der ge- wöhnlichen Briefe Beauftragte die Oiiiiiimgsformnlare für die Ein- schreibebriefe erhält; nachdem der Chef der Firma dann später die Unterschrift vollzogen hat, werden die Sendungen an den lieber- bringer ansgehäudigt. So lagerten vor einigen Tagen acht Ein- schreibebriefe auf dem Postamt 1 ftir die genannte Firma, die zum Teil Gelder, zum Teil Ivertvolle Vriefmarken enthielten. Als die Briefe nach der oben geschilderten Weise ab- geholt werden sollten, stellte sich heraas, daß dies schon durch eine unbefugte Person geschehen war. Ter Gauner hatte es nicht nnr verstanden, sich in den Besitz von Pvst-Quittimgsscheinen zu setzen, sondern er hat auch die Unterschrift des Markenhändlcrs i» io geschickter Weise' gefälscht, daß der expedierende Schalterbeninte nicht die geriiigsteii Bedenken trug, die Briefe auszuhändigen. Der dreiste Dieb und Fälscher scheint eine recht bedeutende Beute gemacht zu Haben, denn einer der Briefe enthielt allein acht Stück Tahiti- Aufdruckmarken, die angeblich einen Wert von 900 M. repräsentieren. Auch die übrigen Briefe enthielten nicht mibedenleude sWerte, jedoch konnte deren Inhalt bis jetzt noch nicht genau festgestellt werden. Daö Opfer eines Brandstifters ist die 4 Jahre alte Tochter Käthe des Schuhwareuhändlers Buffs aus der Bergmaimstr. lg ge- worden. Wie damals berichtet wurde, sahen am Soimtag, den 20. April, vormittags uni II3/* Uhr, Hausbewohner ans der Woh- mmg Buffös, in der nur die beiden Kinder Herinauu und Käthe sich befanden, Ranch herausdringen. Sie fanden den Änadeil un- versehet in dein brenneiiden Bette liegend, während das Mädchen schwer verbrannt»vor. In der Wohnung fehlten 03 Mark, die das BuffSsche Ehepaar bei seinem Weg- gange auf dem Tische hatte liegen lassen. Unter dem Verdachte, das Geld durch Einbruch gestohlen und den Brand an- gelegt zu haben, um den Einbruch zu verdecken, wurde ein 21 jähriger Arbeiter Hermann Giesche festgenvinmen, der bis zum 1. Marz bei den Leuten gewohnt hatte, noch eine» Wohnungsschlüssel besaß und unmittelbar vor der Entdeckung deS Brandes vor der Thür der Wohnung gesehen worden war. Giesche sitzt noch in Uiitersiichungs- hast. Die kleine Käthe, die von der Feuerwehr nach dem Krauten- Hans am Urban gebracht wurde, ist dort jetzt ihren Brandwunden erlegen. Ei» Bau-Nnfall, bei dem ein Familienvater schwer zu Schaden kam, ereignete sich Sonnabendmorgen um 7 Uhr in WilmerS- d o r f. Hier»vird in der Berlinerstraße ein altes Haus abgenffeii. Gestern niorgen machten sich mehrere Arbeiter daran, das Mauer- werk, das schon bis auf einen Meter über der Erde heruntergebrochen war. gau; abzutragen. Um die Grundmanern zn lockern, gruben sie ringsherum das Erdreich weg. Schon bald nach Beginn der Arbeit, früher, als man erwartet hatte, fiel eine Mauer plötzlich um, uachdeoi mau kaum wahrgenommen hatte, daß sie zu wanken begann. Wäh- rend die andren Arbeiter noch beiseite springen louuteii, wurde der 36 Jahre alte Bauarbeiter August Gott schall aus der König- chaussee Nr. 49 zu Weißensce unter dem Mauerwerk begraben. Der Aermste erlitt unsägliche Oualeu, bis seine Arbeitsgcnoffcii die schwere Last gehoben und ihn befreit hatten. Dann verlor er die Besiimimg. Iii der Charitö. wohin man ihn mit einer Droschke brachte, stellte man außer schweren inneren Verletzungen eine Zermalnumg beider Beine fest. Der Verunglückte ist verheiratet und Vater von sechs Kindern. Zeugen gesucht. Die Personen, welche gesehe» haben, wie am Dienstag voriger Woche(dritter Pfingsttag) der Knabe Max Mandl in der Frankfnrter Allee, gegenüber der Kronprinzenstraßs, von«iiiem Auhängcwagen der Straßendahn überfahren wurde, werden dringend gebeten, sich entlveder bei dem Vater des Kindes, Frank- furter Allee l7g, Hof parterre, oder bei Kerkenbusch, Frankfurter Allee 182, zu melden. Unkosten werden gel« ersetzt. . Zlvei gewerbsmäßige Taschcudiebinucu twurden gestern nachmittag festgciiomnie». Die eine ist ein erst 16ßs Jahre altes Dienstmädchen Marie Münster aus der Loihnngerstraße. Deren Eigenart war es, bei kleinen Einkäufen zu stehlen. Sie hielt sich mit Vorliebe in der Nähe von jüdischen Schlächtetläde» auf. paßte imn�r eine Zeit ab, in der viele Kunden im Laden waren. setzte dann rasch ein kleines Kind, das sie zn beaufsichtigen hatte, ans die Treppe des nächsten Hauses, ging in den Laden hinein, kaufte irgend etwas und benutzte die Gelegenheit, den Kundinnen, die warteten, das Portemonnaie zu entwenden.— Die andre ist eine alte Sünderin, die von ihren 32 Lebensjahren schon l3 in Strafanstalten zugebracht hat, eine frühere Plätterin Emma Mählig, die es vorzüglich auf Damen abgesehen hatte, die mit ihren Kindern den Kleinen Tiergarten aufsuchen und dort auf den Bänken ausruhen, während die Kinder spielen. Zunächst mit einem Verweise bestraft, bekam sie bald darauf acht Tage Gefängnis und dann nacheinander 3 Wochen, 8 Wochen, 6 Monate und 4' Jahre Gefängnis und schließlich 8 Jahre Zuchthaus, die sie erst vor kurzem verbüßt hatte. Während die Münster die Porte- monnaies sofort leerte und in den ersten besten Kellerschacht warf. pflegte die Mählig sie einstweilen zn behalten, um sie später bei guter Gelegenheit zu beseitigen. Als innii sie in der Tracht eines Dieiistmädchens mit weißer Schürze an der Hcilandskirche festahm. besaß sie noch drei Portemonnaies, deren Verlust der Kriminalpolizei noch nicht angezeigt ist. Eines, ei» Klappportemonnaie, ist mit einer Kette versehen, an der es am Gürtel getragen wurde, ein andres enthielt 40 M._ SluS de« Rnchbnrorkeu. Charlotte»ib«rg. Am Sonntagnachmittag 4 Uhr findet im Volkshaus, Rosinenstr. 3, wieder ein Konzert des Symphonie- Orchesters unter Leitung seines Dirigenten, Herrn Direktor Fischer, statt. Im Anschluß daran Tanz. Eine getvaltsaine KindeSentflihrung bildet im henachborten Friedrichsberg das Tagesgespräch. Der frühere Bäckermeister, jetzige Rentier W o i f, Kronprinzeiistr. 26, hatte seine Tochter mit cineni Kaufmann August Sauer aus Berlin verheiratet. Die Ehe war unglücklich, da S. seinen Schwiegereltern gegenüber sich vor der Hochzeit als wohlhabender Mann aufspielte, während seine Vermögensvcrhältnisse in Wirklichkeit völlig zerrüttet� waren. Als Herr Wolf nach mehrfachen, sehr erheblichen Geldopfern, die Un- Möglichkeit einsah, die Vermögeiisverhällnisse seines Schwiegersohnes für die Dauer zu ordnen, nahm er seine Tochter mit deren vier Monate altem Kinde zu sich zurück und veraulaßte die Ein- leitung der Ehescheidung. Am letzten Dienstagnachmittag fuhr ein Wagen vor dem Hanse vor, dem Herr Sauer in Begleitung mehrerer handfester Männer entstieg. Die junge Frau befand sich ahnungslos mit ihrem Kinde in der Küche, als sie plötzlich ihren Eheiiiann in die Wohnung eindringe» sah. Sie verriegelte sofort die Küche von innen, was aber nichts nützte, da ihr Mann die Thür geivaltsam aufbrach. Während einer seiner Begleiter die junge Frau festhielt, riß Sauer das Kind an sich und brachte es in den Wagen, mittels dessen der Entführer und seine Helfershelfer schleunigst das Weite suchten. Wie raffiniert S. zu Werke gegangen war, beweist, daß er die Stubenthiir von außen abschloß und da- durch die in der Wohnung anwesenden Brüder seiner Frau hinderte, ihr zu Hilfe zu kommen. Die Nachforschungen nach dem Verbleib des Kindes sind bis jetzt ergebnislos geblieben. Herr Wolf hat so- fort die Polizeibehörde von dein Vorfall in Kenntnis gesetzt und deren Hilfe zur Wiedererlangimg des KindcS nachgesucht sowie gegen seinen sauberen Schwiegersohn Strafnntrag»vegen Hausfriedensbruchs und Freiheitsberaubung erstattet. Schöneberg. Ter in der Schöneberger KrankenhanSangelegen« heit niedergesetzt Ausschuß hat am Freitag daS Projekt des Mogistrats abgelehnt und beschlossen, an dem ursprünglichen Projekt, nach welchem ein Krankenhaus mit 600 Betten vorgesehen ist, festzuhalten. Die Stadtverordnete»- Versammlung wird sich bereits am Montag mit der Sache zu beschäfligen haben. Steglitz. Die Gemeindevertretung beschloß in ihrer letzten Sitzung u. a. eine neue Bolksschul-Lehrerstelle zn schaffen imd bewilligte die dazu erforderlichen Mittel. Der AustellimgSverirag zwischen der Gemeinde und dem Schul- und Kiich�iidiener Fritze ist zum 1. Augiist gelöst worden; der Gemeinde- Vorsteher schlägt vor. diese beiden Äeiuter nicht wieder an eine Person zu vergeben, da hierdurch die Kirche sowohl wie die Schule zn kurz gekommen wäre.(Jedenfalls waren die„Opfer" de» Kirche größer wie die der Schule. D. Ref.) Das Anfangsgehalt für den S ch n I d i e n e r, welcher Militäranwärter sein muß, beträgt 900 M. bei freier Wohnung und Heizung und steigt bis ans 1500 M. Der Antrag des GemeiiidevorstandeS wurde angenonimcn.— Da die vorhandenen Schulräume nicht mehr ausreichen, wird der Ge- »leindevorstand beauftragt, balduiöglichst eine Vorlage über Schul- Neu- oder E r w e i t e r u u g s b a u t e n zu macheu. Ein Antrag, unsre Realschule in eine Ob er-Realschule umzuwandeln, wird dein Gcmeindevorstaiid überwiesen.— Tasselbe Schicksal fand ein An- trag, die dazu geeignete» Gemeindegruiidstücke in Spielplätze für Kinde r umzuwandeln und von der Domäne Dahlem einen größere» Komplex zu eiwerben. um daselbst einen Spiel- und Sportplatz für E r>v a ch s e n e zu schaffen.— Der Antrag auf Errichtung einer B a d c- A u st a l t wurde zunächst einer besonderen Konmiission, in»velche auch Genosse Rapp gelvählt Wurde, überlviesen.— Die WohnuiigSstatistik- Kouunission bean« tragte durch Driuglichkeitsautrag Bewilligung von vorläufig 200 M. zur sofortigen Inangriffnahme der Statistik. Bei dieser Gelegenheit entpuppte sich Herr Kirchner als wütender Gegner der beschlossenen Statistik. Entgegen dem Antrag der Kominission wurden schließlich die 200 M. bewilligt mit der Bedingung, daß die Statistik erst im Herbst anfgenonuncii werde. Schöffe Mauke machte nun darauf aufmerksam, daß dieser Be- schluß»ach der Geschäftsordinmg ungültig sei. da ein Antrag, für den die Dringlichkeit beschlossen sei, nur von sämtlichen auwesendcn Vertretern zum Beschluß erhoben werden löiine.— Tablea».— Seit anderthalb Jahren»vird an der Wohnungsstatistik gearbeitet, und jetzt, Ivo es nun endlich losgehen soll, verweigert die Gemeinde- Vertretung die Mittel dazu! Zahlreiche Fahrraddiebstähle sind in letzter Zeit in den nörd- lichcn nnd östlüdeu Vororten verübt worden. So lvnrdcn in Reinickendorf allein in Ivenige» Tagen 5 Fälle zur«»zeige gebracht, ohne daß eö bisher gelungen»väre, der„Spccialisten" yav- Haft zu werden._ Sorinle Mrihks pfleg r. Hysterie als Folge eincö Betriebsunfalls. Dem Arbeiter Lücke»var im Betriebe eines Alkaliiverls ein zweicententnerschwereS Stück verhärteter Schlamm auf den Rücken gefallen, so daß er zu- sammeubrach und»ichl weiter arbeiten konnte. Nach etwa 14 Tagen nahm L. die Arbeil wieder aus, setzte dann aber wiederholt aus und klagte über allerlei Beschwerden, nameutich im Rücken und an der Brust, über Schwäche des einen Armes usw. Er führte die Beschwerden auf jenen Unfall zurück. Der Knappschaftsarzt Dr. Schiele und die Aerzte des Krankenhauses BergmaunStrost, wo L. eine Zeitlaug behandelt worden war, vermochten jedoch an den inneren Organen des Arbeiters keine Beraudernng zu entdecken, die jene Beschwerden er- ltären könnten. Sie nahmen Simulation, zum mindesten aber starke Uebertreibimg an. und Dr. Neck von Bergmainistrost erklärte, es wäre kaum denkbar, daß ein Mensch in so gutem Er« uähruiigSznstaiide, wie L., ein schweres Leiden mit sich herumtrage; es wäre völlige Erwerbsfähigkeit anzunehmen. Die Kiiappschafts-BerufSgenosseiischast lehnte es am 24. März 1899 ab, L. eine Uufallreute zu gewähren, wogegen L. beim Schiedsgericht Be- rufu»g einlegte. Er halte jetzt geschwollene Füße und brachte diese ebenfalls in Zusaiiimeuhaug mit dem Unfall. Das Schiedsgericht ließ sich vom SauitätSral Dr. Risel ein Obergutachtcn erstatten. Dr. Risel würdigte sehr eingehend den Zustand des K agers und kam zu dem Schluß, daß L. völlig e r w e r b s u» f ä h i g sei. also zu einem ganz entgegengesetzten Urteil, als die andern Aerzte. Aus seinen Darlegungen ist folgendes besonders iuteressant: Es bandele sich bei L. im weientlicheu um Störunge» des Nervensystems, lueHfje sich darstellten als ein Zeichen jener hysterischen oder neurastheuischen Erkrankung des centralen Nerven- systems, wie sie sich nicht selten nach Unfällen ausbilde. Allerdings sei. wie bei allen solchen Krankheiten. Uebertreibung nicht ganz anszuschliesten. Die augenblicklich vorhandene völlige Erlverbs- unsähigkeit sei als Folge dcS Betriebsunfalles anzusehen. Das Schiedsgericht verurteilte darauf die Knaypschafts- Berufsgenossenschast. L. die Vollrente für Unfallverletzte zu aewähren. Auf den Rekurs der Bernfsgenossenschaft hörte das Reichs- Versichern ngsanrt noch den Professor Flechsig von der Leipziger UuiversitntS- Nerbenklinik, nachdem der Kläger dort noch einmal beobachtet worden war. Professor Flechsig sprach sich in seinem sehr unifang- reichen Gutachten im Princip ähnlich aus wie Sanitätsrat Risel, war aber der Meinung, dah L. im Sitzen leichte Arbeiten machen könne, wenn auch nicht dauernd. Das Reichs-VersicherungSamt hob das Urteil des Schiedsgerichts auf und verurteilte die Berufsgcnossen- schafl nur zur Zahlung von 80 Proz. der Vollrente. Gleich dem Schieds- gericht erachtete es die nach den Gutachten des Dr. Risel und des Professor Flechsig hauptsächlich auf psychischem Wege zu stände gekommene Krankheit als entschädigungspflichtige Folge des Betriebsunfalls vom November 1893; nachdem seit dem ablehnenden Bescheide der Berufs- genossenschaft mehr als 3 Jahre verflossen sind, ist L. zu seiner Rente gelangt.— Bor dem Schiedsgericht und vor dem Reichs-Ber» sicherungSamt vertrat ihn der Genosse R. G r e i n e r. Von der königliche» Porzellanmannfakttir verlangte de>� Arbeiter Müller durch Klage beini Ge Werbegericht 500 M. für Ucbecstunden aus der Zeit vom 1. Januar 1899 bis zum 3. September 1900, und zwar pro Tag 1 M. Der Vertreter der Beklagten, Verwaltungsdirektor B a r e n t h i n, wandte ein, daß der Kläger in der fraglichen Zeit als Maschinenwärter und Kesselheizer ein Monats- gehalt. von 120 M. bezogen und ans Ueberstundcubeznhlung»ach der Arbeitsordnung keinen Anspruch habe.— Nach längerer Ver- Handlung und Beratung zog M. seine Klage auf.Vor- halten des Gerichts zurück. Wie der Vorsitzende, Gewerbe- richter Dr. Meier verkündete, wäre M. im andern Falle aus folgenden Gninben abgewiesen worden: Erstens habe er als Maschinenwärter und AnHeizer Monatslohn gehabt, während nach§ 7 der Arbeitsordnung von den Arbeitern der Manufaktur, die zu seiner Kategorie gehörte», Ueberstnnden nur die besonders vergütet erhielten, welche in Tagelohn ständen. Ferner sei für den Anfänger die Arbeitszeit überhaupt keine von vornherein genau fixierte, sondern st» werde nach dem Ermessen der Direktion festgesetzt. Und schließlich schreibe die ArbeitSordnniig vor, daß Einwendungen gegen die einzelnen Lohn« Zahlungen binnen drei Tagen geltend z» machen feie», loa» Kläger unterlassen habe. Der Kläger ist übrigens noch in der Manufaktur beschäftigt. Vor dem Eintritt in die Verhandlung war die Z u st ä n d i g- ke its fr a g e zu erledigen, da der Betrieb der kömql. Porzellan- manufaktnr sich auf Charlottenburger Gebiet befindet.' Das Gericht erklärte sich für zuständig, weil sich Verwaltung und Hauptkasse der Manufaktur in Berlin befinden und die Lohnforderungen bei der Hauptkasse anzubringen sind. Geviifzks-IeituttÄ. Mark Twain, der bekannte amerikanische Humorist, signrierte gestern in einem vor der 4. Strafkammer des Landgerichts 1 verhandelten Nachdrucksprozeß, allerdings in absentia. Mark Twain veröffentlichte seiner Zeit eine Geschichte unter dem Titel .Tom Saivyer Detective', welche zuerst in„Harper« Mouthly" erschien und alsdann bei de» Londoner Verlegern Cbalto& Wiudns als Buch herauskam. Von den letzteren erivarb Robert Lutz in Stuttgart � das Recht, eine deutsche Ausgabe zu veranstalten. Damit die Geschichte den Schutz der Bcruer Lilteralur- Konvention erlange, hat der englische Vertreter von HarperS die Erzählung nach den Vorschriften des englischen Gcs.tzcs in Stationers Hall als. proprietär" eintragen lassen. Nun erschien im Verlage von R. JacobSthal in Berlin eine von dem Schriftsteller David Hatschek herrührende llcbcr« setzung der Mark Twainschcn Schrift. Herr Lutz hielt dies für einen unberechtigten Nachdruck und stellte ausgangs 1898 den Strafantrag bei der Staatsanwaltschaft. Der Staalsamvalt hat zunächst »rehreremal die Erhebung einer Anklage aus de» verschiedensten Gründen abgelehnt, schließlich wurde sie aber doch erhoben, und inr Dezember 1900 verurteilte die 4. Straskamuier die Angeklagten JacobSthal und Hatschek wegen fahrlässiger Verletzung des Gesetzes zum Schutze des Urheberrechts zu je 300 M. Geldstrafe. Hiergegen wurde die Revision eingelegt und das Reichsgericht hob das erste Urteil auf und verwies die' Sache an die erste Instanz zurück, da die Fahr- lässigkeit des Angeklagten nicht genügend dargcthan erschien und die Frage des guten Glanbens der Augeklagten noch näher erörtert werde» sollte. Die Angeklagten halten nämlich behauptet, daß Mark Twain die Geschichre gar nicht erfinidcn. sondern nur Über- setzt Hab«: die Geschichte stamme ans etiler schwedische» Prozeß» Verhandlung; Mark Twain habe diese nur übersetzt und die schivedischen Orts- und Personennamen in amerikanische umgewandelt. Es wurde ferner die BchaupkiAig des Herrn Lutz bestritte», daß die Geschichte im Jahre 1896 zu gleicher Zeit in London und Amerika erschienen sei und die Gcgenbehanptnng anfgestellt, daß die Ver- öffentlichung in Amerika, d. h. in ciiicm nicht»»ter die Genfer Konveniron fallenden Lande schon Jahre vorher stattgefunden habe und deshalb nicht geschützt sei.— Mark �tvain, mit seinem bürger- kichen Namen Samuel Langhorne El er» ens, mußte deshalb auf dem deutschen Konsulat in Rctv Aork über diese Dinge als Zeuge vernommen lvcrden. Er hat unter andernr ausgesagt, daß er die Geschichte nicht ans dem Schivedischen übemonimen, sondem ans seinem eignen Kopfe ersonnen und nur ein kurzer schwedischer Polizeibericht den Anstoß dazu gegeben habe. Ferner aber erklärte er, daß die Geschichte nicht zuerst 1896 in New Dork und London zu gleicher Zeit veröffenlltcht worden sei, daß vielmehr seines WiffenS schon 1893 oder 1894 in New Aork eine Veröffentlichung stattgefunden habe. Infolge der letzteren Erklärung mußte der Prozeß zu Gunsten der Angeklagten, die durch die Rechtsanwälte Dr. Richard Wolfs und Leo Kemper verteidigt wurden, entschieden werden, ganz ab- gesehen davon, daß inzwischen ein neues Nachdrucksgesetz in Geltung getreten ist, welches die Fahrlässigkeit nicht kennt ,md als milderes Gesetz aiizuwendcn ist. Rechtsanwalt A x st e r als Vertreter dcS Herrn Lutz behauptete, daß Mark Twain sich über die Veröffentlichungs- zeit irre und im übrigen nicht bloß fahrlässiger, sondern vorsätzlicher Nachdruck vorliege.— Der Gerichtshof erkannte ans Freisprechung der Angeklagten und legte die Kosten der Staatskasse auf. Den An- trag, die Kosten dem Nebenkläger aufzuerlegen, lehnte der Gerichts- hos, als ganz verfehlt, ab. Der Vorsitzende verkündete die Ansicht des Gerichts dahin, daß die Angeklagten ein besonderes Glück gehabt, an sich aber durchaus nicht schön gehandelt haben, so daß man eigentlich von einem Siege des Unrechts über das Recht sprechen könne. Die Nachricht, daß der HauptverhandkinigS-Termin in Sachen Sauden nndGe nassen um acht Tage verschoben worden fei, bestätigt sich nicht. Der Termin beginnt vielmehr am Montag, den 26. d. Mts., im großen Schlvnracrichts-Saale. Landgerichts-Direktor Weiderich war gestern persönlich an Ort und Stelle,»in die letzten lokalen Anordmmge» zu treffen nnb die Plätze für die Sach- verständigen, die Berich'lerstalter ec. anzuweisen. Zu gleicher Zeit erschien vor dem Hanptportal ein großer Möbelwage» mit etwa 200 Geschäftsbüchern der Preußische» Hhpothekcnbank und der übrigen Institute. Mehrere Männer hatten lang« Zeit dami� zu thun, die dickleibigen Folianten zum großen Schwurgerichts- Saal hinauf zu schleppen. Tie in dem großen TiebstahlSprozeß Böhm und Genossen festgenommene ehemalige Braut des Angeklagten Raphael, Artistin Biese, ist am nächsten Tage, nachdem sie dem ersuchten Richter vorgeführt worden war, sofort wieder auf freien Fuß gesetzt worden. In der gestrigen Sitzung füllte ihre Vernehmung fast den ganzen Vormittag ans, da der Etnntsantvalt ihre gesamte Aus« sage protokollieren ließ. AuS der letzteren geht hervor, daß sie sich, nachdem Raphael von seiner Frau geschieden worden war, mit dicsein verlobt hatte. Tie Verlobung hat sie aufgehoben, nachdem der Verdacht gegen Raphael sich immer niehr verdichtet hatte. Es ist darüber z» brieslichen Auseinandersetzinigen gekommen, Fräulein Biese scheint auch von Eifersucht geplagt gewesen zu sein und hat dem Raphael in verschiedenen Briefen bodenlosen Leichtsinn, durch de» er sich noch unglücklich inachen würde, vorgeworfen. Ans dem Briefwechsel geht auch hervor, daß Raphael ein sehr .frommer" Man» sein muß, denn in seinen Briefen kommt an ollen niäglichrn paffenden und»»passenden Stellen daS Wort , A in e» 1* vor. Fräulein Biese bchnuplcte gestern zu Protokoll, daß sie von einer Socieiät zwischen Raphael und Rosenberg nichts ivissc und auch die drei des Diebstahls Angeklagten niemals bei Raphael gesehen habe. Sie stellt die Sache so dar. als ob sie aus eiser- süchtigen Motiven bei ihrer ersten polizeilichen Vernehmung ungiiiistig über Raphael ausgesagt habe. Belastend für Raphael war die Aussage der Verwalterin beS HanseS Stralanerstr. 41, in welchem sich die Lagerräume des entmündigten Partiewarenhändlers Rosen- berg befanden. Dort find all die Waren mit Beschlag belegt worden, die' zumeist aus Einbruchsbiebstählen herrührte» und jetzt als ein riesiges Lager im Gcrichtssaale aufgestapelt sind. Nach dem Zeugnis der Hausverwalterin befand sich Raphael in der Begleitung Rosen- bergs, als dieser die Räume mietete. Beide unterhielten sich daber über die„besonders günstige" Lage der Lokalität. Nach der Be- kundung der Zeugin befanden sich die gemieteten Räume an einer zieinlicß versteckten Stelle eines HofgebäudeS, von wo ans man aber den gesamten Hof und den Hauscingang übersehen und sofort wahrnehmen konnte, wer in das Hans eintrat, ohne daß man selbst gesehen wurde. Rosenberg hatte auch nicht seinen Namen, sondern nur die Aufschrift„Agentur" an der Thür des Geschäftslokals angebracht.— Die gestrige Beweisanfnahme drehte sich im übrigen im wesentlichen um die örtlichen Verhältnisse in den Lagerräumen der Firma Matz u. Co. und die Beschaffenheit des Fahrswhls, der den Dieben als Klettergerüst gedient haben muß.— Während einer kurzen Mittagspause wurde die Zeugin Biese, die im Aschingerschen Lokale eine Stärkung zu sich nahm, auf Antrag des Staatsanwalts und auf Anordnung des Unter- suchungsrichters, Landgerichtsrats Herr, abermals in Haft genommen, anscheinend wegen Verdachts der Verdunkelung. Rechtsanwalt Dr. D a v i d s o h n richtete sofort eine Beschwerde gegen die Verhaftung an die 8. Strafkammer und beantragte die sofortige Wiederaufhebung der Haft. Vevmtfihkess Straße, ibahnuuglück in Mainz. Gestern morgen ereignete sich am Bürgerthor zu Mainz ein folgenschwerer Zusammenstoß. Die Bremsvorrichtung eines mit Backsteinen beladenen Arbeitsfuhrtverks versagte und der schwere Wagen rannte in einen gerade heran- kommenden Zug der Dampfstraßenbahn hinein. Zwei Wagen des Trains entgleisten. Bei dem Unfall wurde ein Arbeiter getötet, fünf andre Personen erlitten schwere Verletzungen. Abermals sind in Amerika 170 Bergleute vernugliickt! Wie ans Victoria(Britisch-Colnmbia) ein Telegramm berichtet. fand in einem Kohlenbergwerk bei Fernie im Bezirk Kootenay eine Explosion schlagender Wetter statt, bei welcher 170 Personen getötet wurden. Es gelang, nur 30 Personen zu retten. Die unis Leben aekommencn Arbeiter stammen zum größten Teil aus dem Auslande. Wittermigsiiversicht vom»4. Mai 1S0S. morgens 8»Hr. Stationen c E % 6 Swinemde. Hainburg Berlin Franls./M. Münch cn Wien 768 Weiler WSW-'bedeckt 3 Regen 2 bedeckt 1 bedeckt 4 bedeckt 2 wölke»! 68 SW 760 W 772 SW 772 W 769 NW c» §•". S» Stationen Haparanda Petersburg Cork Aberdecn Paris Wetter- Prognose für Sonntag, den 28. Mai 1902. Ziemlich kühl i»id veränderlich, vielfach wolkig mit Liegeiifällen frischen westlichen Winden. Berliner Wetterbureau. und Residenz-Theater. Alle Abende: Einquartiernng.— Neues Theater. Alle Abende: Die Grobstadtlust.— tkrntral- Theater. Alle Abende: Coralie u. Co.— Thalia-Thcater.(Schlierscer.) Sonntag: Jägerblut. Montag bis Freitag: Amerikaseppel. Sonuabeud und«onntag: DaS Glöckerl von Birlensteiu.— Schalt und Rauch. Alle Abende: Screnisiinlns- Zwischenspiele und Einakter.(Gastspiel Emanuel Reicherfi— Krirdnrf, WilhelmftädtischeS Theater. Alle Abende btS Freitag: Lumpacivagabimdus. Von Sonnabend an: Ein lustiger Eheuiann.— Carl Wciy-Thcnter. Alle Abende: Die Viper.— Apollo- Theater. Alle Abende: Lyststrata.— Wiutergarteu:«pecialitäten. Die Gastwirtschaft von tzfrud Götz habe ich känslich mvorbcn und empfehle mich allen Freunden u Bekannten. W. Frehlandt, Grünauerstr. 3. Todes-Anzeige. Ctuttal-Kranken- u. Sterbt- Kiisse der Tte«!»!«!' it. Ortsverwaltung Berti» II. Am 22. d M. verschied nach lange» Leiden das Mitglied unsrer Kasse Vildelm tiuedldauzeu im Alter von 47 Jahren. I84/S Ehre seine,»'»»denke»' Die Bccdigung stndet heute nach- mittag 4 Uhr vom Trauerhause, Schlenschestr.44 aus nach demEinmaus- Sirchhos statt. Um rege Beteilig»»« ersucht Tie OrtSverwaltung. Hiermit die traurige Nachricht, daß mein lieber Mann nnser guter Vater •iulius Pritzel am Freitag früh sanft verschieden ist. Die Beerdigung findet am Sonn- tag. nachmittngs 3 Uhr, von der Leichenhalle des Urban-Kranlenhauses aus nach dem Heilige,, Srcuz-Ütrchhos in Marieildors statt. 2791 Die trauernde Witwe nebst ikindem. Vterdigungs-Ueretn Berliner Ilmmerlente. Am 22. Mai starb nach langem, schwerem Leiden unser Mitglied, der Zimmerer Herr d alias Pritzel Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung stndet am Sonn- tag, So. Mai, nachmittags 2'/, Uhr, vom Krankenhaus am Urban aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 2848b Der Vorstnnd. .�IlL-tiiAnKell-u Slei'I)diit88e der Drechsler u. Beml'sgeir. Cr. H. 86 Hanibnrg. Berwaltungsstelle Berlin A. Den Mitglieder» hierdurch zur Nachricht, daß unser Mitglied Udert Uerliermsllv ani 22. Mai gestorben ist. Die Beerdigung findet am Sonntag, dm 2ö. Mai, nachmittags 3 Uhr, vom Trauerhause, Friedrichsselberftr. 33, aus»ach dem FreireligiSsen Friedhof in der Pappel-Alle« statt. Um zahlreiche Vetetligung ersucht 2812 KZI« Ortüvci-wultan,;. Am Donnerstag früh oerstarb nach schweren Letdm uieia lieber Mann, unser guter Bnider, Schwager und Oltkcl, der Maurer 2S19b Carl Jäger. Die Beerdigung findet heute, Sonn- tag, nachm 4>/z Uhr, von der Leichen- balle des ikreuzkirchhofes in Marien- dvrs auS statt. 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Zu Pnull 12 lag folgender Antrag' der Deutscheu vor: „Bei P a r l a m e n t S>v a h l e n treten die Bergarbeiter nur für solche Kandidaten ein, die sich verpflichten, den von dieseni Kongreß gutgeheißeneu Bergarbeiter« Forderungen gesetzliche An- erkennring zu verschaffen: evcnt, sind besondere Bergärberler- Kan- didaicn zu nominieren." P o k o r n y- Deutschland begründet den Antrag znnächst mit Hinweis auf das. Verhalten einiger Bergarbeiter- Vertreter im englischen Parlnmcnt. Leute, die alljährlich den Beratungen der Bergarbeiter- Kongresse beiwohnten, st i m m t e n gegen den A ch t st u n d e n t a g, Daß man sich dessen von Arbeitervcrtretcrn versehen müsse, sei un- erhört,„würde sich bei uns ein Arbeiterführer so ctwaS erlauben, nrit Glanz flöge er h i n a u s I* (Zuftminiiinfl.) Daß die Bergarbeiter sich an den politischen Aktionen beteiligen müssen, hat man zu erfahren überall Gelegenheit gehabt, die Frage ist nur noch die, welche Partei zu unterstiitzen ist?.Wir in Deutschland Hab e n in der Socialdemokratie eine so zu« verlässige Verfechterin der Arbeiterinteressen. daß wir nicht nötig haben, eigne Bergarbeiter- Kandidaten aufzustellen oder bürgerliche Kan- d i d a t e n zu u n t e r st ü tz e n. Daß das so ist, liegt nicht an uns. sondern an den bürgerlichen Parteien selbst. Das Verhalten der englischen Arbeitervertreter ini Parlament bedeutet eine Durch- b rechung der Kongreßbeschlüsse. Solches für die Zu- kunft zu verhindern, bezweckt unser Antrag.— Calluwact- Belgien. E v r a r d- Frankreich erklären ihr Einverständnis niit dem Antrage.— C o b a ch- Oestrcich: Wir haben in Ocstrcich Parteien, die dem Arbeiter gegenüber in Versprechungen groß sind, aber schwach im Halten der Versprcchuugen. Die Thristlichsocialcn würde» uns sogar die Seligkeit versprechen, aber auf sie verlassen sein, heißt vor- raten sei», ivcnn es heißt, für Arbeiterforderiiligen einzutreten. Man müsse sich dahin erklären: Nur solche Kandidaten sind zu n n t e r st ü tz e n, welche v o n d e r s o c i a l d e n, v k r a t i s ch c n Partei a u f g e st e l l t sind.— H a ck l- Ocstreich ist niit dem Antrage in vorliegender Fassung ciiiderstanden. Für Ocstrcich selbst halte' man fest an der weiteren Forderung, nur Kandidaten der Socialdemokratie zu wählen, aber man wolle den übrigen Nationen nach dieser Nichtung keine Vor- schriflen machen. Auf Vorschlag der Engländer wird nunmehr die Diskussion gc- schlössen und findet der Antrag einstimmige Annahme.— Sodann tritt der Kongreß ein in Verhandlung des letzten (13.) Punktes der Tagesordnung:„Errichtung eines inter- nationalen Bergarbeiter-Sekretariats," Die Angelegenheit war gemäß den gestern gcsaßten Beschlüssen seitens eines ans englischen und deutschen Delegierten zusammen- gesetzten Geschäflskomitecs vorberate». H a r v e y- England bemerkt als Mitglied dieses Komitees, daß beschlossen wurde, die Zurück« stcllnng des(gestern niitgeteilten) Antrages der Deutschen zu einpschlcn und an dessen Stelle solgendcn Antrag zu setzen: „Der Kongreß, die Bedeutung des Pnnkles 13 des Progranims erkennend, ist der Meinung, daß es das beste ist, die Frage zu ver- tagen bis zum nächsten Kongreß. Inzwischen soll das zu wählende Koniitee den beteiligten nationalen Organisationen einen eingehenden Vorschlag nebst Kostenanschlag machen, in Uebercinslimniung mit de» Gesetzen jedes Staates und unter Berücksichtigung der besten Vkethode. welchem Vorschlag der nächste intcruationalc Kongreß seine Znstiinmung geben kann oder nicht." H a r v e tz verweist auf die große Schwierigkeit der Frage, Er glaubt, daß mindestens 20—32 000 Mark für ein solches Sekretariat auszuwerfen wären, falls man etwaS Würdiges leisten wolle. Es sei nun für die Engländer mit Slücksicht auf die Geldfrage nicht möglich, dem Antrage der Deutschen zuzustimiiieii, da man hierzu unbedingt die Einwilligung der Gewerkschaften brauche, Zimmer in a n n für die Deutschen: Es sei gestern beschlossen, daß das internationale Komitee Anfang nächsten Jahres zusammen- treten solle, um über die Fage zu beraten. Er bitte um die Zu- stiminnng zum Antrag der Deutschen und die Zurückziehung des An- träges der Kommission. Sachse- Zwickau: Die Ocstreichcr haben erklärt, daß sie den Kongreß nicht mehr besuchen würden, wenn auf dcni nächsten Kongreß nicht praktische Beschlüsse zu stände kommen. Er habe für die Deutschen eine gleiche Erklärung abzugeben, B r e n e t t(Belgien) ist mit den Vorschlägen deS Geschäftskomitees einverstanden, Der Antrag des Geschäftskomitees wird schließlich einstimmig augenonimcn,(Beifall.) Als Ort des nächsten Kongresses wird Brüssel gewäblt. Ein Antrag, auch den Sitz des Komitees nach Brüssel zu ver- legen, wird zurückgezogen. Zum Generalsekretär wird P i c a r t- London, zum Schatzsckrctär Abraham- England gewählt. In das Komitee werden gewählt: von den Deutschen Hnä. Sachse, Schröder. Von den Oestreichern: E b c r t. Zwanziger, Ersatzmann Reiß; von den Belgiern: C a l l u- wart. C a V r e a u x und MarvilleS: von den Franzosen: C o t t e, L a in e n d i n und B i x s o n: von den Engländern: Wilson. Aston und Abraham. Außerdem erklärt der Kongreß sein Einverständnis, daß Picard und Abraham xer ss als Schatzmeister resp. internationaler Sekretär, dem Komitee angehören. Die Deutschen geben die Erklärung ab, daß sie entgegen früher gefaßtem Beschluß, den nächsten Kongreß besuchen würden. sallS eine Tagesordnung vorgelegt werde, die praktische Arbeit verspreche. Die Belgier danken dem internationalen Sekretär, wie auch den englischen Arbeitsbrüdern für öftere Hilfe. Sachse dankt de» Leitern des Kongresses und giebt der Erwartung Ausdruck, auf dem nächsten internationalen Kongreß auch Vertreter der christlichen Organisation begrüßen zn können. Darauf hält nnniens der Oeslrcicher der TageSpräsidcnt E b e r t eine kurze Abschiedsrede und erklärt die Verhandlungen für geschlossen. Die Deutschen stiinnien das Frciheitslied„Durch Nacht zum Licht" an. Ltttevolvisrhes. SocialdeinokratifcheS ReichötagS-Handbnch. Ein Führer durch die Zeit- und Streitfragen der Reichs-Gesetzgebung, Von Max Schippel, Berlin. Verlag: Expedition der' Buchhandlung Vorwärts, 1174 S„ geb. 9 M,; in 37 Lieferungen 7,40 M, „Mit einem heitern, einem nassen Auge" trete ich an die Be- sprcchnng des Handbuchs, Wie ist es in den weitesten Kreisen der Partei mit Sehnsucht erwartet worden I Alle diejenigen, die mit Wort und Schrift für die Ausbreitung unsrer Ideen thätig sind, entbehren schon lange einen zuverlässigen Führer durch all' die tausenderlei Einzelheiten des politischen und socialen Lebens. Bisher standen uns nur die Handbückier zur Verfügung, die der Partei- vorstand zn den Wahlen herausgab. Sie muhten, eben um ihres Zweckes willen, sich auf die bei den Wahlen im Vorder- grund stehenden Fragen beschränken>»>d diese hauptsächlich in ihrer Beziehung zur jeweiligen politischen Lage betrachten. So war die Auswahl des Stoffes wie die Art der Behandlung ein- geschränkt. Was uns fehlte, war ein allgemeiner Ueberblick über das ganze große Gebiet all der Zeit- und Streitfragen, mit denen sich unsre Partei beschäftigt. Dazu gehört neben der theoretischen K c i t i k die eingehende Schilderung der p r a k« tischen Thätigkeit, die unsre Partei behufs Herbeiführung des von ihr geforderten Zustandes übt. Einefzuverlässige Uebersicht über Theorie und Praxis braucht nicht allein der Nachwuchs in der Partei, sondern auch die Schaar derer, die schon seit Jahrzehnten im Kampfe stehen. Gegenüber dem thörichten Geschwätz, daß unsre Partei eine rein negierende Stellung einnehme, ihre Thätigkeit eine unfruchtbare sei, mußte— und konnte niit Leichtigkeit— bei jeder Streitfrage darauf hingewiesen werden, wie es gerade unsre Partei ist, die von der ersten Stunde ihrer Existenz ab ohne Unterlaß ini Interesse der Arbeiterschaft thätig eingriff, um die herrschenden Mißstände zu beseitigen oder ivenigsteiiS zu mildern. Freilich muß man, um diese Thätigkeit der Partei würdigen zn können, auch be� greifen, daß selbst die reine Negation eine positive Arbeit ist und die ablehnende Kritik der gegnerischen Umtriebe genau so zu den Aufgaben des positiven Politikers gehört wie irgend ein Ver bessernngSantrag. Der Plan des Parteivorstandes. ein socialdemokratisches Neichstags-Handbuch hcranszugcben, wurde aus all diesen Gründen von den Genossen mit lebhaftester Befriedigung begrüßt und daß er null zur Durchführnng gelangte, ist erfreulich. Aber leider leider wird uns diese Freude arg vergällt durch die Art und Weise, wie Schippel die ihm gestellte, allerdings sehr arbeitsreiche Aufgabe gelöst hat, Au Üiiifniig läßt sein Buch nichts zu wünschen übrig— mit seinen 1174 Seiten kann es den Anspruch erheben, das stärkste aller derartigen Werke zu sein. Dagegen hat Schippel das Gebiet, das ihm zu bearbeiten oblag, nicht völlig erschöpft. So fehlen z. B, Artikel über Eisenbahn-, Gefängnis-. Jrrcnwcsen, Herings- und Wollzoll, Snbmissions- und Schulwesen, Staffeltarife, Polenfrage, Trunksuchts-Gesetzgebling u, a. Zum Teil gehören zwar diese Gegen stände zu den gesetzgeberischen Aufgaben der Landtage, sie sind aber samt und sonders auch im Reichstage verhandelt worden und daher auch in einem RcichstagS-Handbuch zu behandeln. Andrerseits sind manche Slrtikcl, die SchippelS Buch bringt, zwar oft sehr lang, aber keineswegs ihren Gegenstand er- schöpfend. Die Länge ist dadurch verursacht, daß Schippel eine große Anzahl Petitionen und Reden der Gegner wortgetreu bringt, während eine referierende Wiedergabe nicht nur Raum erspart, sondern auch die Benutzung des Buches er- leichtert hätte. Aber bei all diesen Abdrucken von Reden und Zeitungs- stimmen ist n n s r e P a r t e i gar sehr i n s H i n t e r t r e f f e n g c k o m m e n! Gewiß soll und muß das Handbuch uns zeigen, wie die Gegner denken, aber da es ein socialdemokratisches Handbuch ist, hat es über die Reden und Ansichten unsrer eignen Partei mindestens in ebenso ausführlicher Weise zu berichten, wie über die der Gegner, ja mit Fug und Recht können wir fordern, daß in erster Linie diejenige Kritik steht, die wir an den Gegnern üben, den» aus dieserKritik ergicbt sich ja auch, welche Anschanungenjene haben. In dieser Hinsicht' läßt uns aber das Schippcische Handbuch im Stich I Oft nur mit wenigen Worten wird auf die Stellung unsrer Fraktion hingewiesen, nachdem die gegnerischen Anschauungen Seiten lang dargelegt wurden. Ja, oft fehlt jede Wiedergabe unfrer Kritik I So wird z, B, beim Kapitel:„ArbcitcrauSschüsse" nur iiiid geteilt, daß die Fraktion die eutsprecheiiden Paragraphen der Gcwcrbe-Ordiiuug zu streiche» beantragt hatte; von all den vielen Kritiken, die im Reichstage unsre Genossen an dem Stzstem wie an dessen Durchführung geübt, steht kein Wort. Beim Kapitel„Arbeits- lvilligen-Gesetz" wird eine Rede Liebers niclir als eine Druckseite lang wiedergegeben, die socialdemokratische Kritik aber mit 10 Zeilen die ans deni FraktiouSbericht, der 1900 an den Parteitag erstattet wurde, geschnitten sind! Beim Kapitel„Bäckerei" ist es Schippel sogar passiert, daß er mit keiner Silbe erwähnt, was auch von gegnerischer Seite zugegeben wird, daß eS nämlich die socialdemokratische Fraktion, speciell aber Bebels Schrift„Zur Lage der Arbeiter in den Bäckereien" und seine Jahr für Jahr wieder holten wuchtigen Anklage» waren, die den Bäekcreiarbciter-Schutz ent stehen ließen. Davon erfährt man ans Schippels Buch nichts Er schreibt:„Die Kommission für Arbeiterstatistik hatte schon lange die trostlosen, menschenunwürdigen Verhältnisse in den Bäckereien »ach allen Seiten hin offengelegi, obwohl hier eigentlich gar nichts mehr zu enthüllen war." Nun— noch che es eine' solche Komniission gab, schrieb Bebel sein Buch, das 1890 erschien und auf das auch die amtlichen Erhebungen der Kommission ausdrücklich hinweisen, Schippel erwähnt zwar unter Litteralnr, daß dieses Buch existiert, daß es aber die ganze Frage erst zur Diskussion brachte, ferner, wie seitens unsrer Fraktion für den Bnckereiarhcitcr- Schutz Jahr i»n Jahr gekämpft wurde, wird sonderbarerweise nicht mitgeteilt, dafür aber eine fast eine Seite lange Rede des Herrn v. Berlepsch I Beim Kapitel„Bauarbeiter" sind es wiederum unsre Gr Nossen, die bei der Würdigung ihrer Thätigkeit arg zu kurz kommen. Auch bei Bier- und Branntwein steiler wird nicht die von unsrer Fraktion geübte Kritik ge uügend berücksichtigt: wie nur allzu oft begnügt sich auch hier Schippe! damit, daß er ein Stück des Fraktionsberichts heraus- schneidet. So aber kann keineswegs dasjenige Agitationsmaterial geschafft werden, das die Partei braucht. Wir haben gewiß nichts dagegen, wenn im Handbuch recht eingehend alle Anträge der Gegner wie ihre Anschauungen, womöglich ini Wortlaut, iviedergegeben werden, obwohl dann das Werk sehr uiiifangrrich wird und Haupt- sächlich nur für die parlamentarisch thätigen Genossen von Nutzen, diesen aber da« Material durch Privatsammlungen, besser noch durch ein FraktionSarchiv zugänglich zu machen wäre. Für die Bedürfnisse der großen Masse unsrer Agitatoren und Rc- dacteure ist jedoch nicht eine S a m n» l n» g von Material, sondern eine Durcharbeitung desselben vonnöten und an dieser, das Verständnis erleichternden, den Stoff beherrschenden Durcharbeitung fehlt es in Schippels Buch. Leider hat es auch den Fehler vieler LicfernngSwerke, am Anfang zu breit, am Ende zu kurz zu sein, so daß für das doch niclit allzuwichtige Kapitel:„Abgeordnete"(Immunität u. dergl.) 25 Seiten zur Verfügung gestellt wurden, während auf den Inhalt der Unfall- versicherungs-Novellc von 1899/1900 und deren Kritik nur noch 2'/i Seiten entfallen, die durch einen Ausschnitt aus dem FraktiouSbericht ausgefüllt werden! Es ist überhaupt ein Glück für SchippelS Hand« buch, daß wenigstens FraltionSberichte existierten I Wo eine nur irgend- wie eingehende Schilderung der Thätigkeit der Fraktion gebracht ist, wurde sie mit kühnem Schnitt den Fraktionsbcrichten entnommen, Nun— um dieses Material den Parteigenossen zugänglich zu machen, hätte es nicht des neuen NcichStags-Handbuchs bedurft. Diese Fraktionsbericlite sind ja als Bestandteile der ParteitagSprotokolle in den Händen all derer, die sich überhaupt für die Partei interessieren, Außerdem bchnudeln die FrnktionSberichte meist nur den angenblick- lichcn Stand einer Frage nnd die im Berichtsjahr darüber geführten Vcrhandluugen. Aufgabe des Handbuchs mußte es aber sein, eine umfassendere und eingehendere Darlegung zu bringen, als sie ein Fraktionsbericht bieten kann. Wo aber ein FraktiouSbericht fehlte oder nicht auS einem der Wahlhandbücbcr geschnitten wurde, ist von einer socia- listischen Kritik oft nichts zu spüren! So wird zum Beispiel über das gewiß doch hochwichtige und jetzt so aktuelle Kapitel: Syndikate(Kartelle, Ringe) noch nicht eine Seite gebracht, dabei aber nur eine Art R c g i st er der über die Kohleiiteiicriing stattgefundenen Debatten gegeben und hinzugefügt:„Von socialdcmokratischer Seite griff Sachse»achdrücklich ein." Wie?— das bleibt verschwiegen. Welche Kritik der Verfasser deS Handbuchs an die Stziidikate zu legen hat, welchen Umfang, welche Bedeutung diese für das Wirtschafts- leben besitzen, ob und wie sie zu bekämpfen find— darüber steht nur die Bemerkung:„Die Hilflosigkeit der bürgerlichen Politik gegenüber der raschen Ausbreitung der kapitalistischen Syndikate kommt drastisch darin zum Ausdruck, daß bisher der Reichstag auch noch nicht mit einem gesetzgeberischen Schritte auf diesem Gebiete bc- faßt worden ist." Wirklich ein nichts weniger als orientierendes Kapitel! Noch kürzer ist das Heimstättenrecht behandelt! Auch hier kein Wort der Kritik! Dabei ist gerade auf diesem Gebiet wie aus dem der Syndikate Schippel der Fraltionsrcdner geivesen und sehr gut orientiert, In dieser Weise sind manche andre Kapitel zu kurz gekommen. Hier haben wir es also mit einer absichtlichen Selbst- beschrünkung des Autors zu thun. die wir für einen schweren Fehler seines Buches erklären müssen. Der Verlag hat eine Erläuterung zu Schippels Handbuch ver- sendet, die in mehreren Parteiblättern als Recension abgedruckt wurde. In ihr wird diese Eigentümlichkeit des Schippelschen Buches als eine berechtigte hingestellt. Dieser Anschauung müssen wir ganz entschieden widersprechen. Es heißt in jener Erläuterung: „Offenbar ist Schippel von vornherein von der Anschauung aus- gegangen, daß die Anforderungen des nächsten Wahlganges gleich- falls einen eignen Wahl-Leitfadcn, mäglichst aus alter bewährter Hand, verlangen werden und daß darum die eigentlichen Wahl- ausciuandersetzungen lieber ganz auszuscheiden seien. So i st eine Charakters st ik der einzeliienParteienundPartei- progranime nnterblieben und man wird das billigen können. Daß trotzdem bei den Einzelfragen(Militär, Flotte, Steuern, Arbeiter« schütz) die volksfeindliche Haltung der gegnerischen Parteien stets her- vorgchobenund gegeißelt wird, ist selbstverständlich. Auf der andernScite hat Schippel, abweichend von dem bekannten älteren Dr. Luxschen „Socialpolitischen Handbuch" auf alle allgemeinen theo re« tischen Raisonncineiits(über ehernes Lohngcsetz, Mehrwert, Profit- rate) verz ichtet und den verfügbaren Raum um so reichlicher für die eigentlichen GesetzgebungSproblcme offen gehalten. Auch bei den einzelnen Artikeln ist diese Grenzziehung deutlich bemerkbar." Das letztere stimmt— leider, aber richtig ist diese„Grenzziehung" ganz und gar nicht, sowohl bezüglich der Auswahl des Stoffes wie der Art der Behandlnng. Ei» socialdemokratisches Handbuch hat vom socialdeniokrotischen Standpunkt aus Kritik zu üben. Ohne diese ist es eine Materialiensammlung, die nur für diejenigen vollen Wert besitzt, die bereits mit ausgedehnten theoretischen und praktische» Vorkeuntuissen das Buch benutzen. Dann ist es aber nicht für die großen Kreise von Wert, denen es dienen soll, Ebenso wertlos ist es, wenn anstgtt einer Kritik und Erläuterung deS Gegenstandes auf Artikel der Parteipresse verwiesen wird. Wem stehen denn alle Jahrgänge des„Vorwärts", der„Sächsischen Arbeiter-Zeituug" nnd andrer in Schippels Buch erwähnten Blätter zur Verfügung? Wenn er auf Artikel in der„Neuen Zeit" hinweist, so ist das eher noch berechtigt, da diese als Wochenschrift von ihren Abouiiciiten aufgehoben wird. Aber ein Tageblatt— wer sammelt dies? Dazu'i st ja ebendasHandbuchda.um wertvolle Artikel der Tagcspresse i in Auszug wiederzugeben und dadurch für die Dauer wertvoll zu machen. So fehlt es in Schippels Buch an vielen Ecken und Enden. Als Materialfanimliiiig hat es, bis auf einige Lücken, nicht zu unter» schätzenden Wert, oblvohl dabei, wie schon erwähnt, die eigne Partei oft sliefinüttcrlich behandelt ist. Als socialdemokratisches Handbuch aber hat es an vielen und wichtigen Stellen seinen Beruf verfehlt, Zum Glück wird ja sehr bald die Herausgabe eines Wahl» Handbuchs erforderlich sein: in ihm muß das in Schippels Buch Versäumte nachgeholt werden, und wenn dann bei einer zweiten Auslage diese notwendige Ergänzung niit in den Text der ersten Auflage des RcichStagS-HandbuchS hineingearbeitet ist, wird letzercs den Erwartungen entsprechen, die mit vollem Recht seitens der agitatorisch thätigen Genossen gehegt werden, Selbstverständlich aber enthält Schippels Buch trotz der hier gerügten Mängel eine Fülle wertvollen Materials, so daß es im Jntcressc der Partei liegt, wenn die Genossen in recht aus- gedehntem Maße davon Gebranch machen und es namentlich in keiner Arbeiterbibliothek schien lassen. Die der Arbeitcrschutz-Gesetzgebung geividmcten Kapitel sind die ausführlichsten t»id inhaltreichsten, _ E. W. VvvsÄnnnl ttugcn. Eine öffentliche Porzcllanarbeiter- Versammlung fand am Mittwoch statt, in welcher Frau E m m a Ihrer Über das Thema:„Wie gewinnen wir die Arbeiterinnen zur Organisation" referierte, Die Versammlung war hauptsächlich zu dem Zweck ein- berufen, um den Delegierten' der zur Zeit lagenden Genernl-Ver- sammlnng die nötigen Ratschläge und Aufklärungen zur Frauen- agitation zu geben. Die Neferentin gab zunächst eine kurze Uebersicht über die Zunahme der Frauenarbeit und deren Einfluß auf die gesamten VernfSverhältnisse und ging dann in längeren AnSsührungen darauf ein, welches die Ursachen sind, warum die Frauen sich so schwer organisieren lassen. In der Diskussion, an welcher sich die anwesenden Delegierten lebhaft beteiligten, wurde keine abweichende Meinung laut und wurde eine Resolution im Sinne des Referats einstimmig angeiioiiinicn. Rixdorf. Die socialpolitischen Großthnten der Stadt Berlin den städtischen Arbeitern gegenüber, hatten einigen hiesigen Kommunal- grüßen Veranlassung gegeben, eine ähnliche Gunst den von der Stadt beschäfligten Arbeitern zu bekunden: die Gcwerbcdeputation beabsichtigt die Gründung einer Betriebs-Kran kcnkassc. Die städtische» Arbeiter, welche Mitglieder der Orts-Krankenkasse sind nnd sich darin lehr wohl fühlen, koniiten sich niit diesem für sie zweifelhaften Problem nicht recht befrennden und hielte» daher am Donners- t a g eine öffentliche V e r s a ni m l u n g ab, um zu dieser Sache Stellung zu nchmeu. Der Leiter der Berliner städtischen Arbeiter. Genosse Schubert, schildert die mannigfachen Beschränkungen und Unannehmlichkeit«! einer burcaukratisch geleiteten BctriebS-Krankcn- lasse und bedauert die Kurzsichtigkeit der Herren, durch derartige«n- ichere Pläne ein Institut wie die Rixdorfcr Orts-Kranlcnkässe in �rage zu stellen. In der sehr regen Diskussion, an welcher sich von' den zahlreich erschienenen socinldemolratischcn Stadtverordneten, Genossen Conrad, Preßler und Dr. S i l b e r st e i n beteiligten, wurden die Anschauungen des Referenten bestätigt und noch ergänzt. Der Rendant der Orts- Krankenkasse, König, stellte außerdem noch unter Beweis, daß, entgegen den in der Gcwerbedepntation ge- machten Angaben, der ArbeiteranLschuß nicht die Bctricbsknsie gewünscht hat, Folgende Resolution fand gegen eine Stimme An- iiahme:„Die städtischen Arbeiter Rixdorfs erkläre» es als nicht in ihrem Interesse liegend, der Gründung einer städtischen BetriebZ- Äraiikeiilassc ihre Zusttnunuiig zu geben, Sie lehne» es daher ab, in diese Kasse einzutreten und erwarten bou der Solidarität der übrigen Kollegen, daß sie gemeinsam mit uns der Rixdorser Orts- Krankenkasse weiter angehören wollen. Das Biircau wird beauftragt, den Magistrat hiervon in Keiiiitnis zu setzen." lieber:„Kinderschul, in der gewerblichen Gesetzgebung" spricht Lehrer Ag ah d ain Montag, 8'/« Uhr abends, iui Bitrgersaale des Rathauses, Nach dein Vortrage DiSkussioii, Freireligiöse Geuieiude. Sonntag, den 25. Mai, vormittags 8'/t Ubr. tu der Aula der ßö, Gcinciiidcschnlc, Kl, Fraiikfnrterstr. ö: Versammluiig Freireklgivs« Vorlesung. Um lO8/- Uhr vormittags ebendaselbst: Vortrag des Fränleiii Ida Altmaim:„Religion und Mutter- spräche",— Bor- uiid Nachspiel auf dem Pariser Mu st el- Harmonium.— Gäste, Damen und Herren, sehr iviNkoiiniien, SlNgemeiue Fnmtlic«-Sterbe-Kaste. Heute Zahltag: Ackerpr. 123 bei Dicke und Mariannenstr, 48 bei Ltcbcyenschcl von 3—«Z Uhr, Barbiergchtlsen des Norden», Am Montag, den 26, Mai, findet bei Willy Mah, Brunneiistr, S6, die übliche Bczirkssitzuug statt. Um zahl- reiches Erscheinen wird gebeten, Rrbeiter-Samariter-Kolonne. Montag, de» 26. Mai, findet in der Centrale, Dresdcnerstr, 4o, Bortrag über: Verletzungen, Wundbehandlung, Blutstillung statt. Nachdem: Praktische Uebmigen,— Neue Mitglieder werden noch aufgenommen,— Domierötag, den 29, Mai, ebenfalls in der Centrale: Monalssitziing der dienstthuenden Abteilung.— Die Filiale be- findet sich jetzt Bruiiiienftrahe 41, Restaurant Lietzle. Aiir den Ii, l, alt der Inserate nberniinuit die Ncdnktion dem Piiblikm» oeneniiber keinerlei _ Veraiitinortiinn. Theatev. Sonntag, d e n 25� M a i. Freie Volksbühne. Berlins Theater 9. uud 10. Ab teilmig: Gläubiger, Puh, Volks aufklärung. Anfang Uh Metropol-Theater. Opern Vorstellung.(Rote Marken.) Don Juan. Anfang Uhr. Opernlians. Robert der Teufel. Anfang 7 Uhr. Montag: Carmen. Schauspielhaus. Vorletztes Meister spiel. Der Widerspenstigen Zäh- ninng. Anfang 7l/z Uhr. Montag: Don Carlos, Infant von Spanien. Ncues Opern. Theater(KroN) Das grobe Licht. Anfang 7-/- Uhr. Montag: Verdi- Festspiel IX. OtsIIo. Schiller. Mein Leopold. Anfang s Uhr. Nach»,. 3 Uhr: Einsame Menschen Montag: Zwei Wappen. Deutsches. Es lebe das Leben. Anfang 7>/z Uhr. � Nachm. V/z Uhr: Rofeninontag. Montag: Es lebe das Leben. Verliner. Kläffer. Anfang VU Uhr. Montag: Alt-Heidelberg. Lessing. So leben wir. Anfang 7V, Uhr. Nachmittags 3 Uhr zu volkstümlichen Preisen: Johannis- feuer. Montag: Johannisfener. Büeslcu. Wiener Blut. Anfang 7V- Uhr. Nachmittags zu halben Preisen: Martha. Montag: Der Wundersteg. Sieucs. Die Grobstadtlust. Anfang 7l/z Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Slesldeuz. Einquartierung..Anfang 7l/z Uhr. Nachmittags 3 Uhr; Chprienne. Montag: Einquartiernng. Central. Coralie u. Cie. Ansang 7-/, Uhr. Nachm. 3 Uhr und Montag: Dieselbe Vorstellung. Thalia. Gastspiel der Schlierseer. Jägerblut. Anfang 8 Uhr. Montag: Der Ainerika-Seppl. Belle-Zllliance. Die Dame ans Tronville. Hieraus: Er. Anfang . 7Vz Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Luiscu. Geschloffen. Carl Weih. Die Biper. Anfang 8 Uhr. Nachmittags 3 Uhr: Der Doppel- gänger. Montag: Die Viper. Sceessiousbühue. Heinrich Heine. , Ein gerissener Schwiegersohn. An- saug 8 Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. E. P. Wolzogens Buntes Theater (Ueberbrettl). Anfang 8 Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Schall»nd Ranch. Serenissimus- Zwischenspiele. Der Fall Moncel, Schöne Seelen. Kollegen. An- sang 8V- Uhr. Montag: Dieselbe Borftellung. Friedrich-Wilhelm städtisches. Lumpactvagabnndus, oder: Das liederliche Kleeblatt. Anfang 7i/z Uhr. Nachmittags 3 Uhr: Die Waise von Lowood. Montag: Lumpacivagabundus oder: Das liederliche Kleeblatt. Orpheus. Specialitätcn-Vorstellung. Anfang 8 Uhr. Charivari. Täglich Vorstellung. Anfang 8 Uhr. Dletropol.(Morwitz-Oper.) Der Troubadour. Ansang 8 Uhr. Montag: Die lustigen Weiber von Windsor. Apollo. Lysistrata..Spedalitäten- Borftellung Ansang 8 Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Palast. Ben-Ali-Bey und sein orientalisches Zauber- Ensemble. Ansang 8 Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Casiuo- Theater. Hochzeitsreise. Endlich. Specialitätcu- Vorstellung. Ansang 8 Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Steichshalle». Stettiner Sänger. Ansang 8 Uhr. Passag«- Theater. Spedalitäten- Vorstellung. Ansang nachmittags S Uhr. Passage- Panoptikum. Spedali- tnteii-Vvrstellung. llrauia. Taubeustr.(Im Theatersaal.) Abends 8 Uhr: Die deutsche Ostseeküste. Montag: Dieselbe Vorstellung. Juvalideustrahe S7/U£. . Täglich: Sternwarte._ Urania Tauben-Strasse 48/49. Im Theater um 8 ühr; Die deutsche OstseekOste. Montag: Dieselbe Vorstellung SWtt'Tljkliter (Walluer-Theater). S o n n t a g n a ch m i t t a g 3 Uhr: lMiisanic JIcMischeu. Drama in 5 Akten v G. Hauptmann. Sonntagabend 8 Uhr: Rleln Qeopalck. Volksstück in 3 Akten von Adolph L'Arronge. Montagabend 8 Uhr: 2«-«! �Vsppvn. Dienstagabend 8 Uhr: Tlnt«»' blöntlvn«e�tien. !»«»> TIioi' uml dev Tod.— Paracclsua.— Post festnin. Casino- Theater Lothringerstr. 37. 8 Uhr glänzender Erfolg! j�Uochaseltareiae". l„llnckllck". 6 erstklassige Spedalitäten. Sonntagnachmittag 4 Uhr: Extra- Gala-Vorstellung. Ans. Wochent. 8 Uhr, Somit. B/, Uhr. I'S88W-I'gIIlII>I!eW. 0!e Leejungler. ännotta, tütoviorts Lchönirsit. vor Tlgerknabe, seltsamste �.bnormität. Von 4 Uhr nachmittags halbstündlich: Daineo-Ringkampf. CASTANS Panoptikum Frtedrlch-Strasse 165. Nur noch kurze Zeit: Bärenweib! Das KRiesenphotographien von Martinique der vom Erdbeben heimgesuchten Insel . in West-Indien. Neu! Der Uocrenkricg. OOLOCISCHER dMMJ Heute Sonntag Entree: 50 Pfennige. Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Nachmittags ab 4 Uhr: Militär-Konzert, ausgeführt v. 3 Musikcorps. Morgen u folg. Tage: Gr. Konzert. SrMASWW. Heute, Sonntag: Zwei Vorstellungen. Nachmittags 3 Uhr halbe Preise: „Coralie tu Cie." chwank in 3 Akt. v. Albin Valabreque und Maurice Henneaui». Sonntagabend 7l/z Uhr: Zum 133. Male: ZM-„Coralie u. Cie." Uiorgen u. folgende Tage: Cnrolle & Cie. Thalia- Theater. Dresdeucrstraste 72/73. Anfang 8 Uhr. Gastspiel der Schlierseer. INqerblnk. Vollsslück mit Gesang und Tanz in 5 Akten von Benno Rauchenegger. Montag zum erstenmal: Der Zluierika- Teppl.— Dienstag und Mittwoch: Dieselbe Vorstellung. Bei günstiger Witterung: Orosses Carlen-Konzert. c aii AVeiss-Theater. Groste Frankfurterstr. 132. Nacknnittag 3 Uhr kleine Preise: WP- Parkett 60 Psg.-*3 Der Doppelgätiger. Abends 8 Uhr: Sensation. Novität: VIS Kriminal-Schauspiel in 7 Bildern von H. A. Rcvel. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Jeder Abonnent des„Berliner Lokal-Anzeiger" erhält an der Kasse gegen Vorzeigung der Abonneuients- quittung ein SV numeriertes Parkett für 60 Psi"W Im Garten: Täglich: Gr. Konzert, Theater und Specialitäten-Vorstellung. Anfang 4 Uhr._ Apollo- Theater Um«Vi Uhr; Grosses Garten• Konsert. Um 71/2 Uhr: Die Spccialitüten. 8 hervorrufende Kammern. Um 8V2 Uhr: Stürmischer Eacherfolg: Paul Linke's Operette: Lysistrata lÄÄ.„Grijolatis". Kasseneröffnung 6 Uhr. Siaiissoilei Kottbuserstr. 4u, Station der Hochbahn. Täglich im Garten, bei ungünstig Witternng imSaal: llofriuunns und Konzert Sonutag, Montag und Donnerstag»ach der Soiree: Tauzkränzchcn. Tanz frei! Anfang des Konzerts 6 Uhr, der Soiree 3 Uhr. Enire« 30 Pf., ab 0 Uhr 20 Pf. Selle-zilisnee-sbekter. Abends?>/, Uhr: Zum 134. Male: Die Dame aus Troimille. Schwank mit Gesang u. Tanz in3Akten. Mlzzl Birkner. Rosa Marlon. Ferd. Worms.— H. Werckmeister, Hierauf:„Er". Lebensbild in 1 Akt.— Morg.: Dieselbe Vorstellung I'KMge-slillfei'.I Anfang Sonntags 3 Uhr, | Wochentags 5, Ende 11 Uhr. 16 Elite-Nummern. W. Noachs Theater. Bnmnenflrabe 16. Täglich: Konzert, Theater- u. Specia- litäteil-Vorstellmig. Nord und Süd. Operette in 1 Alt von Rob. Linderer. Musik von Richard Thiele. Im Saal: Dan�krünsEehen. lÄßtropfll-flifioter Anfang 8 Uhr. Ülorsvitz-Oper. Sonntag: Heinrich BUtel: Der Tronbadonr. Montag; Horan-Olden: Die Instigen Weiber von Windsor.— Dienstag;; Heinrich Btttel: Der Postillion. Mittwoch: Der Wildschütz. Palast-Theater (früher Feen-Palast) Burgstr. 22. Täglich) abends 8 Uhr: Ben-Ali-Bey u. sein Orient. Zauber-Ensemble. Vorverkauf d. Logen u. nmn. Sitze an der Theaterkasi« des Warenhauses A. BSerthcim. Leipzigcrstr. Preise der Plätze: Logcusitz 2,50 M., Sperrsitz l,ö0, nnmer. Parkett u. nuiner. Rang- Balkon 1 M., Parterre ö0 Pf., Stehpart. u. umium. Rg. 30 Pf. Lcli.'ill inul Ranch (Kleines Theater) Unter den Linden 44. Sonntag, 25. Mai, abds. 8�/2 Uhr; Serenissimus-Zwiscliensiliele Gastspiel von Emannel Reicher. Der Fall Moncel. Schöne Seelen. Kollegen. Witt-WM Kastaiiicu-Zlllre 7—9. DM" Täglich: Durch fremde Schuld. Boltssiück mit Gesang in 3 Akten. Balleltges. Ualrlnl. Tyrollenne Hary Ellys. Grotesque-Kom. Paul Coradlnl. Brothera Fred,»mstk. Epcentrics. Mr. Bertling, leb. Photogr. Fred Marzahn! Troupe, Pantom Musikantenstreiche. Batlllngs elektrische Feerie.(3000 Glühkörper.) Konzert u. Ball. Anfang 4 Uhr. Eintritt 30 Pf., numerierter Platz 50 Pf. Kalbo. Ostbahn-Park. Am KUstrlnerplatz. R«dersdorferstr.7t. Hermann Imbs. Täglich: Gr. ioiwrt, Theater uud SpeclaMäten- Vorstellung. 4.1» Hünigsthor 4202L» A>» Criedrlcllsliain gy Täglich: Koazert, Theater, Speeiali- tateil-Mestellililg midBall. Voltsbelustigimg. Freier Damentanz. lo�ühr: Cnsailiie im Mt. An Wochentagen ist die Koffeeküche _ von 3-6 Uhr geöffnet._ __ Frübcls-9S Allerlei Theater früher Puhimann'VS Schönhauser-Allee No.<48. Dnrchweg glanzvoll erneuert! Täglich: Dr. Gartenkonzert, Theater, Specialltäten-VorstelUmg. Kommen l Sehe»! Staiiuen Allabendlich stürmischer Beifall, des erstklassigen Riesenprogramms Im Prachtsaal: Gr. Hall. Ansang Konzert 4 Uhr, Vorst. 3 Uhr. Uff- Borzeiger dieser Annonce zahlen auf all. Pläne» h. Hälfte. Bcrcineu u Gesellschaften steht mein Lokal unter günstig. Bedingungen zur Verfügung. Wilhelm Fröhel. Bei ungünstiger Witterung finden die Vorstellungen im Saale statt. Gesellschaftshaus Swinemiiiidcrstr. 42. Tägl. Theater- u. Specialitäteu- Borstelluug. Jeden Sonntag: Ball. Säle für Gesellschaften, Vereine coulant zu vergeben.(31892' Unter den 4.inden 68a. Eingang Schadowstr. 14. Heute Sonntag Eintrittspreis; BMF 25 Pf. Eeichhaltigste Ausstellung der Welt an lebenden Seetieren, Reptilien etc._ Reichshalle n. Täglich: Stettiner Sänger Ansang: Wochentags 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. Tageskasse U—U/zUhr Wintergarten. Heute: Das neue IHai-Progran! Interessant! Amüsant! Sensationell! Concorilia-Earten. Lichtenberg. ÄT Jeden Sonntag; M. PM. 3 verdeckte Kegelbahnen. Kaffeeküche von 2 Uhr an geöffnet. H. Paalzosv, Gastwirt. Sctiloss Wedtling-Park, Müllerstrasse 178, gegenüber der Dankcslirche. Inhaber: Garl Hellmann. Sonntag, HIlte-Konzert, Theater- 25. Mai: u. Specialitäten-Vorstellung, sowie Gr. Ball. Montag, Elite-Theater u. Special!- 26. Mai; täten-Vorstellung. DienStag, Familien-Abend. 27. Mai: Norddeutsche Sänger. Kränzchen. Mittwoch, Gr.Konzert, Theater u. 28. Mai: Speclalltäteii-Voretell. Grosses Kiiiher-Freiideiiseft. Ueberraschungen. DonnerStag, Virtuosen-Abend. 29. Moi: Gr. Konzert, Theater- und Specialitäten-Vorstellung. Sonnabend, Familien-Abend. 30. Mai; Norddeutsche Sänger. Mehrere verdeckte Kegelbahnen stellen täglich zur Verfügung. Upsms Wrangelstrasse 10/11. Jede» Sonntag: Grossen* Ball. Auf. 4 Uhr. Siehe Anschlagsäulen. Empfehle mein Lokal zu Fest- lichleiien und Bersamnilungen. 38408* C. P. Walter. I Alhamlira WalIncrtlicator-8trnsse 15 2. und 3. Feiertag: Grosser Extra- Ball bei doppelt besetztem g rohen Orchester. Anfang 5 Uhr. Entree 59 Pf. inkl. Tanz. A. Zanicitat. Johannisthal. Raus Park-Restaurant. Jeden Sonutag; Grosser Ball unter Leitung des Tanzlehrers Herrn Otto Wildauer.— Kattee- kilche.— Kegelbahn.— Ausspannung.—«aal für Vereine und Versammlungen. 38368' für ümiiif. 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Beate nachmittag 23/t Uhr erste Opern-Vorstellung im Metropol-Theater: Don Juan. Stf* Einige Opemmarken sind für Mitglieder zu dieser Vorstellung noch vor Beginn im Theater erhältlich. Gleichzeitig S /IQ Abteilnng im Berliner Theater: Gläubiger. Fuss. Volksaufklärung:. 129/5 Der Vorstand. I. A.: C. Winkler, Rixdorf, Kirchhofstr. 48. Sonntag, 25. Mai, nachmittags 4 ühr: Das goldene Rad. Max Kliems Sommer-Tlieater Hasenheide 13—15.— Artistische Leitung: Gustav Beck. S*- Täglich: Gr. Konzert, Theater- u. Spedalitäten- Vorstellnng. Jeden Montag: Soininerfest.— Jeden Mittwoch: Die beliebten _ Kinherfeste.— Jeden Donnerstag: Elite-Tag. mr* Die Kaffeeküche ist täglich von 2 Uhr ab geöffnet."90 2 hochelegante Kegelbahnen, Würfelbuden, Konditorei, Blumenstand:c. Sonntag, Montag und Donnerstag in den Sälen: D�- IsANtilien-'VvÄttz�zett. H. Mentes Volksgarten Ciehteuberg,«dirür, S5|36, n'S ISÄ'" 25 000 Personen faffend. 8000 Sitzplätze. Jeden Sonntag und Donnerstag: ttaes Frei- Konzert -Wiiermpvf ä*Sir[eifM((BaU. V II V f- II* v I-!♦ Tanzmeister: W. Baner. Mr 4500 Personen verdeckte Hallen nnd Zelte. Kallee-Rlieke. vre! verdeckte Kegelbahnen. Volksbelttstigttttgen aller Art. Ter Besiiser B. Beate früher 21 Jahre Oekonom des Böhmischen Brauhauses._ 26606' MM Birkenwäldchen. Inhaber E. Felsch. Grögies und schönstes Vcrgnüguiigs-Etoblissemeiit uon Berlin nnd Umgegend. Mit der Wannseebahn für 10 Pf. bequem zu erreichen. Sonntag, den 25. Mai 1902: Ki»vsses RfEilitär- Konzert ausgeführt von dem Trompeter-Corps dcö 1. Garde-Ulanen-RegimenIS in Potsdam unter persönlicher Leitmig des Stabstrompcters Herrn i.. Löser. Sliifnng 4 Klir. Entree 15 Pf. Kinder frei. Im Saale: NAH. Donnerstag, den 29. Mai: Tanzkränzchen. Empfehle den geehrten Vereinen mein Etablissement zur Abhaltung von ommerfesren, Ausflügen:c. bestens. 42438* Diez' Specialitäten-Theater. Landsberger Allee 76/77, gegenüber der Ringbahn-Station. 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Derselbe tritt täglich abends tn/, Uhr aus. Gastspiel des unübertrosteuen Kunstradfahrers ZHster SUdaezr, welcher mit dem Bycicle einen Saltomorwle ausführen wird. Außerdem die übrigen T8.Attraktion ea des brillanten Mai- Programms, u. a.: Dewey, Odero, Miss Said«, Familie Hinein, Blonay-Trlo, the two Robbys etc. etc. Im Bal-champetre-Saal; Grosser Ball. SV* Anfang des Konzerts 4 Uhr, der Borstellung 5 Uhr. Kaffeeküche ist geöffnet.— 3 Kegelbahnen. Berlins Bock- Brauerei Fidicinstraste S/Z. Jeden Sonntag: Tempelhofer Berg. 1(Kapelle d. Königin Augusta Garde-Grcnadier-Reg. Nr. i in Uniform.) I Anfang 5 Uhr. Entree 30 Pf. 40262* Sm WWllml-TM: Großer Ball. Empfehle den geehrten Vereine» Garten und Säle zur Ab- Haltung von Sommerfesten. August Raddatz, Oekonom. Schloss Weissensee. „Zum Sternecker". ine.; Carl Kocli. Heute Sonntag, 25. Mai 1902: $ H Grosses K K Garten- und Promenaden-Konzert. Auftreten der berühmten Turmseilläufer „Origrlital- Niagara- Trio". Grosser Malenlanz �bÄn,�mBSUh.Z.8tr# Kaffeekiiclie. Seetlieater. Volksbelnstigungen. Montag, den LS. Mai 1902: „Hamburger Sänger"- Konzert Täglich: etc. etc. Grosses Konzert. Restaurant Rieck-Werder am ss-lakensee Woltersdorfer Zchieuse. Merderstraße 37, rmpftehlt sich Vereine» nnd Familie» zum angenehme» Zlnfenthalt. Schöner schattiger Garten. Großer Tanzsaal. Reichhaltige Speisenkarte zu jeder Tageszeit. Civile Preise. Gute Küche. Diverse Viere nnd Weine. SV" Große und kleine Sonimcrwohnnngen zu vermieten."VQ 41862*_____ Gnstav Bleck. Seeterrasse Lichtenberg Röderstrafte ii.— Inhaber: CT. Maschke und 91. Walter. mf Heute Sonntag, 25. Mai: Gr. Kontert n. SpttilllWen-Borstellnug. Auftreten des Turmseilläufers Th. Licpelts. Großes Land- und Wasser-Feuerwerk. �Sälenf" �R'O�SSK' Kall. Slnfang 4 Uhr. Entree 15 Pf. Spree- Havel t Dauipfscliiffalirts-Gesellschaft „STERN". 38 Salon-Scbraubendampfer und ein Elektrisches Boot. 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Sonntags: Konzert u. Ball. ff. Weiß- u. Bayrischbier. Kaffee- lüche, Kegelbahnen, Spielplätze zc. 40672* B. Ebert. Bestauraut zum liindenimrk Eriedrlehsrelde, an der Kirche. Haltestelle„Lindenpark" der Straßen- bahn Spittelmarkt-Alexandcrplatz-Friedrichsselde. Grösites Etablissement des Ostens. Großer Tur»-und-Spielplatz. Vereinen und Schulen bestens zu empfehlen. Kaffeekückie von 2—6 Uhr geöffnet..Angn«! Gesteh. __ i Köpenick, Schweizergarten.,_ Lindenstr. 4.— 15 Min. vom Vahnhof Sadowa oder Köpenick. HaUcstells d. elektrischen Strassenbahn Nlederschöneweide-Köpenick. Reizender schattiger Garten für 3000 Personen. Verdeckte Kegelbahnen. Kaffeeküche(Ltr. 80 Pf.,. Ausspannung für 40 Pferde. Voltsbelustigunge» aller Art. Sonntags: Gr. Tanzmitsik. 3K92I,*! Max Beicbeit, Fernsprecher: Amt Köpenick Nr. 132. DkiNZklMllMl& C0. M«denbMn 44. Billigste und reelle Bezugsquelle für Wiederverkäufer u. Händler, welche in Sabril. Verl. Nr. 5t 3,50 M., Nr. b6 u. 60 4 M, pr. 100 St, b. 1000 st. Rab. MialdeiMraMer Wahlvereiii für de« 1. Berlitier Reichstags-Wahlkreis. Dienstag, den 27. Mai, abends 8Vs Uhr: Oeffentliche Versammlung in D r ä sc l S großem Festsaal, Neue Fricdrichstr. SS. Tages-Ordnung: 1. Der politische Massenstreik i» Belgien und Schwede« und das preusttsche Landtags-Wahlrecht. Referent: Gen. Ed.sBerastelii. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Die Versammlung wird pünktlich eröffnet. Frauen haben Zutritt. 236/7_ Der Vorstand. SarialdtmokraMer Wahlverei« flir de« 1. Verl. Retchslags-Wahlkreis(Siibd). Dienstag, den 27. Mai, abendS 8V2 Uhr, im Köpnicker Hof. _ Köpnickerstraße 174: Vers a in in I«u g. Tages-Ordnung: 1. Vortrag deS Genossen D a v i d s 0 h n über:„Die oberen Zehn- tausend und die unteren Millionen." 2. Diskussion. 3. Vereins- angelegenheiten. 243/10 Der Vorstand. Socialdemokratischer Wahlveretn für den 6. Berliner Reichstags-Wadlkreis. DienStag, 27. Mai, abends 8V2 Uhr: DV Versammlnng''VES in„WeimaunS VolkSgarteu", Badstraste Nr. SS. Tages-Ordnung: 1. Bortrag des Reichstags-Abgeordneten Eedeboni- über:„Die Brüsseler Zuckerkonvention und die deutsche Zuckersteuer-Borlage. 2. Dis- kussion. 3. Verschiedenes. Zu zahlreichem Besuch ladet ein 2843 Der Toretand. Socialdemokratisclier Walilm für den sechsten Berliner Relciistap-Walireis (Schönhanser Vorstadt). Dienstag, den L7. Mai 19VS. abends 8'/, Uhr: Mitglieder- Versammlung in Schneiders Salon. Belsorterstraße 15. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Dr. Leo Arons über:„Wie beteiligen wir uns an der preußischen Landtagswahl?" 2. Diskussion. 3. Vereins- angelegenheiten. 247/18* Die Frauen sind hierzu eingeladen, für dieselben ist die Galerie reserviert. Zahlreichen Besuch erwartet Der Vorstand. I. A.: Carl vlar». Deutsch. Metallarbeiter-Verband Vcrwaltangsstelle Berlin. Burean: Engel-llferlS, Zimmer 1—3. Fernsprecher! ZlmtTIl,.153. Mechaniker-Versammlung am Dienstag, den 27. Mai, abends 8'/s Uhr, im GewerKschaftshaus, Eugel-Ufer 15, Saal III. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen l8a»«cnbacb über: Die geschichtliche Wntwicktnng der deutsche» Gewerkschaftsbewegung. 2. Diskussion. 3. Wahl eines Brnnchenvertreters zur Agitationslommission. 4. Verbands- angelegenheiten und Verschiedenes. Vovfkintutlttttg der Seid- und Silberarbeiter am Dienstag, den S7. Mai ISttiS, abends 8'/- Uhr, im Dresdener Garten, Dresdenerftr. 45. Tages-Ordnung: i. Vortrag des Herrn Dr. IToiibcini über:„StaatShilfe und Selbsthilfe." 2. Diskussion. 3. Mitteilung über die Errichtung der Kuust- schule für Goldschmiede und Verbandsangelegenheiten. Dienstag, den 27. Mai 1902, abends 8 Uhr, IV Versammlnng IM der Silberpolierer im Gewerkschaftshans. Engel-Ufer 15, Saal II. Tages-Ordnung: 1. Dortrag des Kollegen linbatscl, übet:„ttnfallvcrsichcrung." 2. Diskussion und Vcrbandsangelegenheite». AI Braiiclien-Tersamiiiliuig der Bauklempner am Dienstag, den Ä7. Mai 190S, abends 8'/« Uhr, in den ArminhaUen» Kommandaiiteilstr. 20. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Mngo Poctzcuck. 2. Diskussion. 3. Verbands-Angelegenheiten..•___ Dienstag, de» 27. Mai 1902, abends SVs Uhr, bei Ujimann, Brunnenstr. 188: Versammlung"MD der chirurgischen Dranche. Tages- Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Wnldeck Manasae über: Wie die Mensche» sich ihre Götter schufen. 2. Diskussion. 3. Wahl eineS Zlrbeitsverinittlers für die Ttahlbranche und Vereinsangelegenheiten. Die Kollegen und Kolleginnen werden ersucht, pünktlich»nd zahlreich zu erschelne». Die Kollege» der Firma Bcvitt& Herz sind besonders eingeladen. Zahlreichen Besuch erwartet 115/10_____ Die Ortsverwaltnng. Berliner Konsnm-Verein. Abteilang III, Moabit. Am Mittwoch, den S8. Mai, findet in:„Moabiter Klubhaus", Beustrlftr. 9, eine 108/7 Slitglleder-Versamiiilimg mit einem Vortrag des Herrn Dr. Schütte statt. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Die Abteilungsleitung. deutscher Holzarbeiter-Verband. Brauche der Korbmacher. Montag, de» 8«. Mai er., abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshaus, Engel-llfer 16: Versammlung."WU Tagesordnung: 1. Branchenangelegenheiten. 2. Ergänzungswahl zur Kommission. 3. Verschiedenes. Montag, den S6. Mai er., abends 8 Uhr, in Baskes Festsälen. Grenadierstraste Nr. 86: Branchenversummlnng der Varkettbodeuleger. wird in der Versammlung bekannt gemacht. Diskussion. Tag Verschiedenes. Die Kollegen von l.«Ib«& Comp., Mittag, Classen, Bendlx Söhne und Rumpf werden ersucht, in der Versammlung zu erscheinen. De»» Obmann. Dienstag, den 27. Mai er., abends 8V« Uhr: Brauchen-Bersammlttttg der Drechsler im Englischen Garten, Alexanderstraste 27c. Tagesordnung: 1. Vortrag des Reichstags-Abgeordneten Genossen E. Ilosenow. 2. Diskussion. 3. Verbandsaligelegenheiten. 4. Verschiedenes. Es muß Pflicht eines jede» Kollegen sein, in dieser Versammlung zu erscheinen. Mufikinstrumeuten-Arveiter. Mittwoch, den 28. Mai er., abends SVs Uhr: Braitclien-V ersammliing im Gewerkschaftshaus. Engel llfer 15. Tagesordnung: I.Bericht vom Verbandstag. 2. Disknssion. 3. Verbandsangelegenheit und Verschiedenes. Zahlreichen Besuch erwartet Die Kommission. Am«««! SM- und CelluloidäMer. AM««»! Mittwoch, den 28. Mai, abends 8 Uhr: VevfÄttttnlnng im Englischen Garten(oberer Saal), Zllexanderstr. 27c. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genoffen Bobert Schmidt: Die soeialpolitischen Aufgaben der Gewerkschaften. L. Diskussion. 3. Bericht- erstattniig vom Verbandstag. 4. Werkstattangelegenheiten. 5. Verschiedenes. Bic Kommission. Well-»nd Fsbriktischler sowie Helldreclisler. Mittwoch, den 28. Mai er., abends 8V-»hr: WvQNckenVevfLtlnutlnttg bei Schmidt, Gartenstraste Nr. 1». Tagesordnung: 1. Vortrag des Kollegen Stnschc. 2. Dis- kussion. 3. Die Erfahrungen von der letzten Aussperrung. 4. Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheine» ersucht Die Kommission. Mittwoch, den 28. Mai. abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshans, Saal I, Engel User 15: ]|»'ai»vIiSi»-V«R'!3aHu»IaaK her TeltchiitWer inih siimtlilher auf photographische, eltkirische tiub WMe Amrilte btsWWt Mep. Tagesordnung: 1. Die Geschästskonjunllur in unsrer Branche. 2. Dislussion. 3. Verschiedenes. 83/14 liee Einbcrnrev. Dkutslher Volzarbkitkr UeMiid. (ZahlMtellc Charl Ottenburg.) Montagabend 81/« Uhr im„Y«»lkshansc'4, Rosinenftr. 3: Mitgllcfter-Tersaiiimluiig*. Tages-Ordnung: 75/13 1. Bericht vom Verbandstag. 2. Bericht über den Jnnungsnachweis Zahlreiches Erscheinen erwartet_ Der Vorstand. Achtung! Achtung! WäeRer. Dienstag, den 27. Mai, nachmittags 3Vs Uhr, bei Keller, Koppenstr. 29; Gr. öffentl. Versammlung. Tages-Ordnung: 1.„Die Schntzgesetze der Bäckerei-Arbeiter nnd deren Gegner". Referent: Reichstags-Abgeordneter Angnst Bebel. 2. Diskussion. 3. Bericht über den Stand der Lohnbewegung in München. 4. Verschiedenes. UV Kollegen! Demonstriert durch Massenbesuch gegen alle Verschlechterungen der Sonntagsruhe und des Maximal- arbcitStageS. 23/13 Mit Gruß Der Vorstand des deutseken Bäcker-Verbandes. _(Mitgliedschart Berlin.)_ iiipfiiiflniinciiteii�lrbfilcr» Fachvereiu. Montag, den SS. Mai, abends 8'/, Uhr» bei Granmann» Naunhnstr. 27: Mitglieder-Bersgmmlnng. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genosse» Kaliski über:„Die Welt will betrogen sein." Beiträge zur Unternchmermoral. 2. Diskussion. 3. Bericht des Delegierte» vom Gemerkschastskartell und Neuwahl desselben. 4. Vereinsangelegenheiten. Zar Beachtung: Die wichtige Tagesordnung erfordert, daß sämtliche Mitglieder erscheinen. Gäste willkommen. 141/13 Her Vorstand. Schöneberg. Socialdemokrat. Wahlverein DienStag, den 27. Mai. abends 8 Uhr, im Obstschen Lokale, Meintngerstr. 8: VVVereins-VersilmmIung.�WU Tages-Ordnung: 1.„Technische Fortschritte im Verkehrswesen". Referent: Genosse Ingenieur Orcmpe. 2. Diskussion. 3. Beschlnstsassnng über die den Bezirks- Versammlungen vorgelegene» Anträge. 4. Vereins- angelegenheiten. 15/9 SV"" Der äußerst wichtigen Tages-Ordnung wegen ist es Pflicht eines jeden Mitgliedes zu erscheinen.— Für die Frauen sind besondere Plätze reserviert. Ber Vorstand. Verein für Frauen und Mellen der Arbeiterklasse. Montag, dc» SK. Mai, abends 8>/z Uhr, in den„Avmlnhallon", Kommaudnntenstr. SV: 55/10 Vortrag von Frau Wally Zcpler über:„Kommunistische _ Gemeinden". * Gäste willkommen.»vi? cenlralrerdand der Stueeateure Dentscblands. (Filiale Berlin.) Montag, den 26. Mai. abends 8'/: Uhr, im Gewerkschafts Haus 6, Hanhtgebände), Engelufer 15: Mitglieder-Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Welchen einheitlichen Boden zur Erringung guter Lohn- und Arbeits- dcrhältnisse empstehlt jetzt die Filiale den in Berlin beschäftigten Kollegen. 2. Diskussion. 3. Bericht des Gcwerkschaftsdelcgierten. 4. Verschiedenes. Kollegen, obige Tagesordnung ist die Folge der öffentlichen Bersainm- lung vom 6. April, welche durch Annahme einer Resolution die Filiale beauftragte, im Interesse der Einigkeit in unsren Reihen einen gemein schaftlichen Boden des Kampfes zu schassen, um nnsre wirtschaftlichen Ver hältnisie zu bessern. Kommt recht zahlreich, auch mit Gästen und Nicht: Mitgliedern, in diese Bersainmlnng, damit unsre Beschlüsse, machtvoller denn je, durch die Zahl der Anwesenden zur Geltung kommen. 173/9 I. Sl. des Borstandesl: P. Krobs. Verein der freiheitlichen Sociallsten. Dienstag, den S?. Mai, abends SVa Uhr, bei Patt, Dragonerstr. 15. T.-O.: 1. Vortrag des Herr» F. Philips: Heine als Freiheitsdichter. 2. Diskussion._ 27376 Gäste willkommen."90 Kranke'«-? Frauenleiden + Otto Grnndmann u. Frau, prakt. Naturheikundige. Natur- ärztl. Sprechst. 11-2, 6-8. Poliklinik Montags. Donnerstags auch weibl. Untersuchung. Kur-Heilanstalt Köpenickerstr. 72, S'ÄJK welche ich in 12jShriger Praxis und in chirurgischen Kliniken kennen lernte, behandle ich mit gutem Erfolge möglichst ohne Operation. Vereill deiitslher Slhuhiililcher. Montag, S6. Mai, abends 8V2 Uhr, im GewerkschaftöhauS (Saal 1). Engclufer 15: Anßerord. General-Uersamminng. TageS-Ordnnng: 1. Vortrag deS Genossen Or. H. Weyl über:„Der Schnaps und die Arbeiter". 2. Diskussion. 3. Fortsetzung der Diskussion über die Beschlüsse der Generalversammlung(Resolution Willner). 4. Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen ersucht 1S9/1Z _ Die Ortaverwaltwne- Verband der Tapezierer. Filiale Berlin. Montag, den 26. Mai, abends 8V, uhr- Mitglieder- Versammlung bei Fenersteln, Alte Jakobstr. 75. Tagesordnung: 1. Vortrag deS ReichStagS-Abgeordneten Genossen Fr. Znbell über Zeit- und Streitfragen. 2. Diskussion. 3. Verbandsaugelegenheiten. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht 177/18__ Die Bcrbandsleitung. Tmmck„Uchte". Mitglied des Arbetter-TurnerbundeS. Donnerstag, den LS. Mai 1662, abends 8 Uhr, im Apollo-Taal, Sebastianstraße 33: Außerordeutl. Verelns-Nersammlung. Tagesordnung: 1. Die Differenzen zwischen de» Bundesrebisoren und dem Bundesvorstand. 2. Diskussion. 3. Anträge und Verschiedenes.— Bei der großen Wichtigkeit und principirllen Bedcuwng der Differenzen für den gesamten Bund erwartet zahlreichen und pünktlichen Besuch Faul Itichter. Die BundeSleitung wie die benachbarten Brudervereine sind ebenfalls «ingeladen.__________ 289/7» Artzkung! MW" NNztuns! DicnStag, 27. Mai, abends S1/* Uhr: Uolks Uersammlung in Wernaus Festsälen, Schwedterstrasje 2Z 24. Tages- Ordnung: 1. Bortrag deS Genossen Dr. Otto.Jalisbariper über:„Welchen Standpunkt muß der moderne Arbeiter zur Alkoholfrage einnehmen? 2. Diskussion. Zahlreichen Besuch aller politisch und gewerkschaftlich organisterten Arbeiter enoartet Der Finberafer. Rabatt-Sparverein„Siid-Osl". Die Wahlen der Delegierten finden statt: Für den 1.. 2. und lt. Wahlbezirk: Mittwoch, den 28. Mai ISO», abends 8—10 llhr. im Vereinshaus„Süd-Ost", Waldemarstr. 75. Für den 41., 5., 6.»nd 7. Bezirk: Donnerstag, den 29. Mai 1902, abends 8—10 Uhr. im Lokal„Märkischer Hos", Admiralstr. 18 o. Für den 8., 0. und 10. Bezirk: Donnerstag, den 29. Mai 1902, abends 8—10 Uhr, in Rudorf im Male des Dem Thiel. Bergstras-c 131/152. Zu welchem Wahlbezirk die Mitglieder gehören, ist auf den im Bureau und in den Marken-Umtauschstcllen ausgehängten Plakate» ersichtlich. 108/8 Der Vorstand. Orts-Krankenkasse der Schueider, Schneiderinnen und verwandter Gewerbe zu Berlin. Den Kassenmitgliedcrn und den bei der Kasse zuständigen Arbeitgebem bringen wir hierdurch zur Kenntnis, daß die in der ordentlichen General- Versammlung vom 10. Februar 1302 beschlossene IX. Kl b ii n v e v u»r g zum Statut vom BezirkS-Ausschuß genehmigt worden ist. Hiermit sind die Bestimmungen der Satzung der Stadt Berlin, be- treffend die Krankenversicherung der selbständigen Hausgewerbetreibenden vom 7./14. Oktober 1901, in das Kassenstatut übergegangen. Der§ 12 des Statuts hat eine wesentliche Veränderung dadurch er- fahren, daß die Kassenmitgliedcr nicht wie bisher, nach Alter und Geschlecht in vier, sondern nach ihrem thatsächlichen Arbeitsverdienst in süns Klassen emgeteilt werden. Durch diese Einteilung haben sich auch Aenderungen, betreffend Eintrittsgeld, Beitrag, Krailken- Unterstützung und Sterbegeld ergeben. Die nunmehr in Kraft tretenden Sätze sind aus der unten befind- lichen Tabelle ersichtlich. Die vorbenannte IX. Abänderung tritt mit dem 1. Juni d. I. in Kraft. Der Vorstand. Frau Emma Rclmaan, Vorsitzende. Peter Bauer, Schriftführer. Robert Diese8er9 Restauration und Stehbierhalle, 145 Bruimenstr. 145, Ri.cinfber*e«tr. gjgy ff. Speisen nnd Getrllnke. 4I33L» «lasse I H III IV V Täglicher Arbeitsverdienst 3,50 Mark und mehr 2,50 bis 3,50 Mk. ausschließlich 2.-„ 2.50., 1,50. 2,- unter 1,50 Mark Eintritts- geld Mark 1,50 1,25 I,- 0,75 0,50 Beitrag (wöchentlich) Psg- 75 57 48 38 24 Wöchent- lichcs Kranleu geld J Sterbegeld Mark 10,50 7,60 8,— 4,50 3,- Mark 105 75 80 45 30 ii. Baer, H BERLIN N. 126, Badstraße 26,? ■a Ecke Prinzen-Allee,»J 3U.37ScliIleniann8tras8e 37 v . empfiehlt, wie bekannt, in reellster Aus- o liSäÄ flttiu Wen- IHerren-u. Knaben- l f Garderobe.- c Arbeitssachen."WW s IS Grosses Stofflager S£ naob Haas. Gesnndheit ist Peichtnm! und ISelssluft-Bäder wirksamstes, erfolgreichstes und billigstes Mittel gegen LrlcSItuilkk, Gicht und Rheumatismus. Lieferung an sämtliche Krankenkassen. 38311.» Roh-Tavak E. Hauen, Temlinttslr. X nahe der Schwedterstraße. 3683L» Rohtabak! Prima Java-Einlage, meist Umblatt, pro Psttnd nur Mark 0.05. 2693L* Karl Roland, Kottbuserstr. 3 a. Genau auf Hausnummer achten! 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Guthaben bei der Reichsbank und ersten Bankhäusern................. Darlehen an die Versicherten auf Policen.... Kautionen an versicherte Beamte....... Hausprundstücke der Gesellschaft....... Ausstehende Forderungen........... Effekten-Stüok-Zinsen Gestundete Prämien-Raten derLebens-Versioherung Reserve für Rückversicherungen bei Lebens-Ver- sicherungs-Gesellschaften......... Gestundete Prämien-Raten der Einzel-Unfall-V ersieh. Schadens- Reserve für Rückversicherungen bei Unfall-Rückversicherungs-Gesellschaften... Mobilion-Konto(abgeschrieben)........ Inventarien-Konto(abgeschrieben)....... Organisations-Kosten-Konto(abgeschrieben)• Verbindlichkeiten. Aktien-Kapital................ Kapital- und Gewinn-Reserven......... Nicht abgehobene Aktionär-Dividende aus 1900.. Schäden-Reserve der Lebens-Versioherung.... Prämien-Reserve und Prämien-Ueborträge für die Lebens-Versioherung........... Kriegs- V ersicherungs-Eoserve-F onds'...... Guthaben der Kautions-Darlehns-Empfänger..■ Unterstützungskasse der Bureau- u. Aussen-Beamten Darlehns-Zinsen-Uobertrag.......... Prämien-, Sterbefall- und Extra-Reserve für die Volks-Versicherung............ Schäden- und Risiko-Reserven für die Transport- Versicherung.............. Prämien-, Risiko-, Renten- u. Schäden-Reserve für die Einzel-Unfall-Versicheruno;•_...... Dividenden-Fonds für die Lebons-Versich.-Abtoilung Dividenden-Fonds für die Volks-Versich.-Abteilung Dividenden-Fonds für die Unfall-Versich.- Abteilung Ueberschuss................ || 319 784 588| 03 Es werden für das Rechnungsjahr 1901 an Dividenden für die mit Gewinn-Anteil Versicherten verrechnet in Sa. AI. 15 315 567,46 und zwar: a) 40 Ppoz. der Jahres-Prämie in der UBfall-VersIchernnits-Bettiiehc, bj 3 Proa. der vom Versioherungs-Beginn an gezahlten Geaaint-PrAiniea(nicht nur der einzelnen Jahres-Prämie) dei I.ebcnwverslchernngs-Bpanchc, d. h. beginnend mit 10 pCt. der Jahres-Prämie für den jüngsten Jahrgang steigend bis zu 78 Pro®, der Jahres-Prämie für den ältesten Jahrgang 1878. c) lO Pro», der Jahres-Prämie in der Abteilung der Versicherungen auf den Erlebensfall mit Gewinn-Beteiligung (Tarif L1). d) 85 Pro», der Jahres-Prämie in der Tolks-Tcrsiehernngs- Abteilung. Die DiPCktioils 0. Gerstenberg. PfrffiHmnrtiirfi» iH-.hnfteur: gart Leid in Berlin Für den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max«ading in Berlin 5t. ü«. i«. MM». 3. Ktilage des„Allllillts" Kttlim WIltsbIM. SZ. W.i 1S0Z. CtUrlllvtrMnnilung lies Vedmllits der Porzellllnarbtiter. Sitzung vom 24. Mai. ES werden zunächst eine Reihe besonderer Anträge erledigt. Zwei Anträge, innerhalb des Verbandes eine Sterbekasse zu gründen, werden dem Vorstand zur Berücksichtigung überwiesen.— Von der Zahlstelle Selb liegt ein Antrag vor,. eine Petition für die gesetzliche Einführung des Achtstundentages in der Porzellanindustrie an den Reichstag zu rickite». In der Begründung des Antrages wird hervorgebobcn, dafe die Lungentuberkulose unter den Porzellanarbeitern in erschreckendem Umfang auftritt und das Durch- schnitts-Alter in diesem Beruf kaum 3V Jahre beträgt. Nachdem Woll- mann sich dahin gcäichcrt, dasj eine solche Petition von, Reichstag einfach verlvorfen iverden würde, wird der Antrag abgelehnt. Ans den- selben Gründen wird ein Antrag Hüttensteinach abgelehnt, beim Bundesrat um Erlaß eines Verbotes der Beschäftigung von Arbeite- rinnen an Brennöfen in Porzellanfabriken vorstellig zu werden, und eine Denkschrift über die Lage der Porzellanarbeiter und-Arbeiterinne» verfassen zu lassen und dem Bundesrat zu überreichen.— Soda»» referiert Crantz- Berlin über den U n t e r st ü tz u n g s f o n d s für G e w e r k s ch a f t S b e a m t e nach der Vorlage der General- kommission für den Gewerkschaftskongreß. Die Generalversaminlimg beschließt, von einer Stellnngnahnie hierzu abzusehen und den Delegierten des Verbandes auf dem Gewerkschaftskongreß die Ent- scheidung in der Frage zu überlasse». Die Generalversammlung er- klärt sich damit einverstanden, daß eine solche Einrichtung geschaffen wird, und hält es für Pflicht, daß der Verband die volle Beitragsleistnng für seine Beamten übernimmt.— Zur Gehalts- r e g u l i e r n n g der Beamten des Verbandes wird auf Antrag de§ Vorstandes beschlossen, als Minde st geholt 2000 M„ für Hilfsbeamte 1800 M. festzusetzen.— Ein Antrag, daß der nächsten Generalversanimlung eine Gehaltsskala für die Vcrbandsbeamien vorgelegt werden soll, wird abgelehnt.— Es wurde beschlossen, den Vorort deS Verbandes in Char- lottenburg zu belaffcn. Als Sitz der Bcschiverdekoinmission wurde I lm e n a u gewählt.— Inden Vorstand Ivurden ge- wählt: als Verbandsvorsitzender W o I l m a n n, als Schriftführer Schneider, Kassierer Herden, Hilfsbeamter Tobias. Als stellvertretender Vorsitzender wurde C r.a a tz, als Redactenr der „Ameise" Richard Jahn gewählt.— Als Delegierte zum Gc- werkschafis- Kongreß wurden W o l l m a u n, H o f f m a n n lt 50 8tock....... iZ Länge 145 mm. 100 Stock 10,00 M. Netto-Ge wicn. iuu St. MO Gramm. Länge 142 mm. Kisteninhalt 25 Stock............ 100 Stock 25.00 M. Netto-Gewicht musk 720Giauuu- Lange 125 mm. Kisteninhalt 25 Stück........... 100 Stück 37.00 M. O Ol . tHuttmltiMliHiiunliinliifiliMiln Imi jimliinlimfnmlmilnnLiilnit O o - m i njtlmiliniliinlmiliinlüliljüilfi L,angrenmaass in Millimetern. Netto-Gewicht lOOStck. 660 Gramm. Länge 122 mw» Kisteninhalt 100 Stück..... 100 Stück 14.— M. fTefM-Oewfeht lOOStck. 530 Gramm. Länge 170 TM». Kisteninhalt 100 Stück..... 100 Stück 14.50 U. Netto-Gewicht 100 Stck. 600 Gramm. Kisteninhalt 100 Stück Länge 120 mm, 100 Stück 13.50 IC Mu. F. T. Havana-Im Netto-Gewicht lOOStck. 600 Gramm. 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