Nr. 70. Erscheint täglich außer Montags. Abonnements Preis für Berlin: Bierteljährlich 3,30 Mt., monatlich) 1,10 mt, wöchentlich 28 Pfg. fret in's Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- Nummer mit illuftr. Sonntags- Beilage Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3,30 Mt.pro Quartal. Unter Kreuzband: Deutschland u. DesterreichUngarn 2 Mr., für das übrige Ausland 3 Mt.pr.Monat. Gingetr. in der Post- Zeitungs- Preisliste für 1892 unter Nr. 6652. Vorwärts 9. Jahrg. Insertions- Gebühr beträgt für die fünfgespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pfg., für Vereins- und Versammlungs- Anzeigen 20 Pfg Inserate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr Abends, an Sonnund Festtagen bis 9 Uhr Vormittags geöffnet. Fernsprech- Anschluk: Amt I, Nr. 4186. Berliner Bolksblatt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: Beuth- Straße 2. Die neuen Arbeiterschutz- Bestimmungen. Mittwoch, den 23. März 1892. Expedition: Beuth- Straße 3. " jähriger Arbeiter an Eltern oder Vormünder ausgezahlt falls muß vor dem Gewerbegerichte geklagt werden. die wird, fo muß erst ein besonderes Ortsgesetz durch Uebrigens gilt dies Alles nur für Geschäfte die Gemeindebehörde darüber erlassen werden, und die feine Fabriken mit mehr als 20 Arbeitern sind; in Arbeiter können also in jedem Falle vorher Stellung dazu solchen Fabriken ist das System der Entschädigung" vulgo Ein Muster an volksthümlicher Fassung und Sprache nehmen. Für die Arbeitszeugnisse aller Arbeiter ist neu Buße in dieser Form überhaupt nicht anwendbar. Dafür müßte die Gewerbe Ordnung sein- denn sie ist für den die Extrabestimmung, daß die Unternehmer zur heimlichen müssen diese Fabriken nicht andere Geschäfte!- bis praktischen Gebrauch der einfachsten Leute im Volke, für Kennzeichnung keine Merkmale darauf anbringen dürfen; spätestens zum 28. April dieses Jahres eine Arbeitsordnung den Arbeiter in entlegenen Gebirgsfabriken oder ländlichen hierauf steht eine Geldstrafe bis zu 2000 M. oder eine eingeführt haben, die Bestimmungen über Arbeitszeit, LohnEtablissements so gut wie für den großstädtischen Fabrik- Gefängnißstrafe bis zu 6 Monaten. Wohnung und Land- zahlung, Fabrikstrafen, und falls die Buße für Kontratt fraft Gesetzes arbeiter bestimmt, und sie sollte auch dem jugendlichen Ar- nugung dürfen den Arbeitern von den Unternehmern künftig bruch durch Arbeitsvertrag eingeführt ist beiter und der schaffenden Frau verständlich sein. In nur gegen die ortsüblichen Mieth- und Pachtpreise, Feuerung, ist sie hier, wie wir oben sahen, nicht giltig- BeWirklichkeit findet das gerade Gegentheil statt faum Beleuchtung, Beköstigung, Arzt und Arznei, sowie Werk- stimmungen hierüber enthalten muß. Diese vier Punkte der Schriftgelehrte" kann sich aus den verwickelten Para- zeuge und Stoffe nur für den Betrag der durchschnittlichen sind Vorschrift; sonst kann aber natürlich noch alles Mög graphen herausfinden. Das gehört so zur bürgerlichen Ge- Selbstkosten verabfolgt werden; bisher konnte dies zu jedem liche hineingesetzt werden, und die Arbeiter haben nur sebesmacherei à la Gutfleisch und Genossen, die immer den beliebigen Preise geschehen. Lohnzahlungen überhaupt eine Waffe innerhalb des Arbeitsverhältnisses dagegen: Wald vor lauter Bäumen nicht sehen. Versuchen wir es dürfen nicht in Gastwirthschaften oder Verkaufsläden vor sie müssen, soweit sie großjährig sind, über die Arbeitsdeshalb, die hauptsächlichsten Arbeitersch u z genommen werden, ausgenommen dort, wo es die Polizei ordnung gehört werden, und zwar vor dem Erlaß; ihre Bestimmungen, die am 1. April in Kraft ausdrücklich gestattet hat, und gegen diese Gestattung können Beschwerden sollten sie dann überall schriftlich beim treten, in wenigen allgemein verständlichen Säßen zu- ja die Arbeiter in jedem Falle bei der Polizei vorstellig Unternehmer einreichen, denn dieser muß schriftliche fanimenzufaffen. werden. Die Zurückbehaltung von Kautionen vom Arbeits- Arbeiterbeschwerden, auch wenn er die Arbeitsordnung nach Da muß von vornherein beachtet werden, daß die lohn ist den Unternehmern fünftig ausdrücklich gestattet; es seinem Gutdünken erläßt, der Polizeibehörde mittheilen und Sonntagsruhe am 1. April noch nicht in Kraft tritt, darf aber auf einmal nicht mehr als ein Viertel des fälligen diese erfährt dann wenigstens davon. GhrverlegendeStrafen oder sondern erst später, wenn dies durch kaiserliche Verordnung Lohnes, im Ganzen nicht mehr als der Betrag des durch- Geldstrafen, welche die Hälfte des durchschnittlichen Tagesbeliebt wird, hoffentlich noch in diesem Jahre. Ferner schnittlichen Wochenlohnes zurückbehalten werden. Ein Bau- verdienstes übersteigen, dürfen nicht aufgenommen werden. fallen Kinder und jugendliche Arbeiter, die Arbeiter z. B., der 16 M. durchschnittlich verdient und Das Höchste in besonderen Fällen ist ein ganzer Tagesschon vor dem 1. April in Arbeit traten, bis zum 1. April wöchentlich ausgelohnt wird, braucht sich bei jeder Aus- verdienst. Jeder Arbeiter muß ein Exemplar der Arbeits1894 noch nicht unter die neuen Schutzbestimmungen. lohnung nur" 4 M. zurückbehalten zu lassen, und diese ordnung ausgehändigt erhalten. Alle Strafen müssen Unsere Partei hätte also eigentlich allgemein die Eltern von Zurückbehaltung darf" nur" vier Mal stattfinden, weil dann zum Besten der Arbeiter verwendet werden. Die Kündigung Arbeiterkindern davor warnen sollen, die Letzteren vor dem die zurückbehaltene Summe 16 M. erreicht hat. Von einer muß für beide Theile gleich sein. Nun folgen die neuen, ganz ausführlichen Vorschriften 1. April in Fabriken einstellen zu laffen. Endlich gelten Verzinsung der Kaution steht Nichts im Gesetz. Sehr au nicht die Hauptbestimmungen der Gewerbe- Ordnung, sondern zurathen ist den Genossen eine allseitige Agitation darüber, wie die Unternehmer in den Arbeitsräumen Eineine Reihe besonderer Verordnungen, die theilweise mehr, dahin, daß möglichst überall auf Grund von§ 119 a, richtungen zum Schuß gegen Gefahr für Leben theilweise weniger Schutz gewähren, für gewisse Arbeiter- Biffer 1, ein Ortsstatut durch die Gemeindebehörden und Gesundheit der Arbeiter zu treffen haben. Diese fategorien in Hammer- und Walzwerken, Drathziehereien, Glas- erlassen wird, nach welchem die Lohnzahlungen in neuen Vorschriften enthalten eine große Anzahl von Einzelhütten, Zichorienfabriken, Spinnereien, Zuckerfabriken und allen Betrieben regelmäßig wöchentlich stattzufinden vorschriften, die in der alten Gewerbe- Ordnung nicht entSteinkohlenbergwerken. Diese besonderen Bestimmungen müssen haben. diese„ Kautionen" verdient gleich an- halten waren und auf Grund deren mancher nachlässige gelegentlich in einem besonderen Artikel besprochen werden. gereiht zu werden die berüchtigte Buße für Kontrakt- Unternehmer künftig zur besseren Sorge für seine Arbeiter Für alle Arbeiter und Arbeitsstätten, welche hiernach nicht bruch für das Verlassen der Arbeit ohne Kündigung, gezwungen werden kann. Die Einzelheiten sind am besten ausgenommen find, gelten nun vom 1. April dieses Jahres wenn solche nothwendig war, oder für vorzeitige Entlassung im Gesez selbst nachzulesen, und zwar in§ 120 ff: Wir ab folgende neue Vorschriften. aus der Arbeit durch den Unternehmer. Diese Buße, die würden den Genossen aller Branchen rathen, sich in den Statt der Arbeitskarten für Kinder in Fabriken giebt Gutfleisch und Genossen in Entschädigung" umgetauft Gewerkschaften dieser Punkte sehr energisch anzues nur mehr Arbeitsbücher für sämmtliche Arbeiter unter haben, kann jeder der beiden Theile vom andern fordern, nehmen, sie mit den thatsächlichen Zuständen sehr genau zu 21 Jahren, und das Arbeitsbuch wird beim Verlassen der ohne daß er einen Schaden nachzuweisen braucht. Mehr vergleichen, sich öfters ärztliche Vorträge über die Anforde Arbeit nicht mehr an den minderjährigen Arbeiter selbst als ein Wochenlohn nach den ortsüblichen Tagelohnsägen, rungen der Gesundheitspflege halten zu lassen und auf aller dieser Erörterungen unnachsichtlich im ausgehändigt, sondern an dessen Vater oder Vormund, nicht nach dem wirklichen Verdienst, darf sie aber in keinem Grund wenn der Arbeiter unter 16 Jahre alt ist, oder wenn der Falle betragen. Praktisch wird sich die Sache so machen, Nothfalle mit Anzeigen an die Polizei vorzugehen, Speziell Vater bezw. Vormund es verlangen, in letzterem Falle auch daß der Unternehmer dem ohne Kündigung streikenden oder die dann nach§ 120d einschreiten muß. bei Arbeitern von 16 bis 21 Jahren. Ebenso können die sonstwie vorzeitig ausscheidenden Arbeiter soviel vom rück- nur für Fabriken gelten schließlich die Extra- SchutzbestimArbeitszeugnisse minderjähriger Arbeiter vom Vater ständigen Lohne einbehält, wobei die Genoffen nur immer mungen für Kinder, jugendliche Arbeiter und Frauen. oder Vormund verlangt werden. Soll die Aushändigung genau nachzurechnen haben, daß die Summe nach dem Kinder unter dreizehn Jahren dürfen hier gar nicht, solche gegen den Willen des Vaters oder Vormundes an den niedrigeren ortsüblichen Tagelohn, nicht nach von dreizehn Jahren nur dann beschäftigt werden, wenn sie Arbeiter direkt erfolgen, so muß in allen diesen Fällen immer ihrem wirklichen Lohn berechnet ist. Entläßt ein Unter- nicht mehr schulpflichtig sind; letzteres kann aber nur in erst die Genehmigung der Gemeindebehörde eingeholt werden. nehmer einen Arbeiter vor der richtigen Zeit, so wird der Bayern vorkommen, sowie in einzelnen kleinen Staaten für Dies Alles kann bereits auf Grund der bloßen Gewerbe- Letztere seine Forderung bei der letzten Lohnzahlung geltend Mädchen, die blos bis zu 13/2 Jahren schulpflichtig sind. Ordnung geschehen. Soll jedoch die viel angefochtene machen und natürlich immer viel größere Schwierigkeiten Hier sollen diese Kinder immer noch sechs Stunden täglich Bestimmung in Kraft treten, daß auch der Lohn minder haben, seine Entschädigung“ zu erhalten; nöthigen- arbeiten dürfen, junge Leute von 14 bis 16 Jahren aber Um meinetwillen? Dieser Gedanke beängstigt mich gut und recht erachte, und so lange dieses Bewußtsein aufs Neußerste." zwischen mir und Ihnen besteht, kann überhaupt von etwas Er sollte Sie nicht beängstigen, denn die Liebe war's, Anderem nicht die Rede sein." die Liebe zu Ihnen, die meine Phantasie beflügelte. Sie D, Fräulein, wenn es nur Dieses wäre...., zwar, waren das hohe Endziel aller meiner Wünsche und Be- ich bin mir keiner Schuld bewußt, doch wenn Sie meinen, strebungen, und der Tag, an dem ich Ihnen dieses Geheim- wenn Sie mir versprechen. niß offenbaren wollte, sollte ein Fest sehen, würdig einer Rönigin. O, sagen Sie, darf ich hoffen, daß dieser Tag endigen wird herrlich, wie er begonnen, indem ich zu allen Schäßen, mit denen das Glück meinen Fleiß gesegnet, den höchsten und theuersten, ein edles, von mir angebetetes Weib fügen darf? Sprechen Sie, theuerste Hermine, und entscheiden Sie über Leben und Tod." Feuilleton. Nachdrud verboten.] Am Webstuhl der Zeit. 170 no Beitgenössischer Roman in 3 Büchern von A. Otto Walster. An " " " Ich kann Ihnen augenblicklich nichts versprechen." " Nur einen Hoffnungsschimmer, matt wie diese Flämmchen.. Es würde mehr sein, als ich vor meinem Gewissen verantworten könnte." " Sie würden einen Trostlosen, einen gänzlich Vernichteten hier zurücklassen." Es ist des Schönen beinahe zu viel", murmelte Hermine, indem sie in Betrachtungen versunken dastand. Howald rückte ihr einen Seffel herbei, auf dem sie sich stillSchweigend niederließ. Dann zog er an einer Schnur einen Eine feierliche Bause trat ein, während der man mur Sie werden als Mann sich zu fassen wissen, Herr schwerseidenen grünen Vorhang, der die Grotte an der offenen Seite umzog, so daß die matte eigenthümliche Be- aus der Ferne das Rauschen der Musik und hier in der Howald, und ich muß Sie dringend bitten, mich für heute leuchtung ungestört durch die von außen hereinspielenden kämpfte sichtlich mit sich selbst, indessen Howald bleich, die und ersuche Sie jetzt um Ihre Begleitung nach der GesellLichter ihre Wirkung haben konnte. Hände halb gefaltet, ihr gegenüber stand. Endlich erhob schaft zurück." " Fräulein Findeisen," begann jetzt der junge Mann fie sich langsam, und, einen flüchtigen Blick auf den jungen mit leiser Stimme, bei deren Klang das Mädchen dennoch Mann werfend, begann sie mit leiser Stimme: leicht erzitterte, werden Sie mir zürnen, wenn ich diesen" Herr Howald, Sie hätten mich nicht so überraschen furzen Augenblick unseres Alleinseins benutze, um eine Frage sollen. an Sie zu richten, von deren Beantwortung das Glück Ich bitte Sie tausend Mal..... meines Lebens abhängt?" Schweigend reichte der Enttäuschte dem Mädchen den Arm und führte sie langsam aus der Grotte und der eins samen Allee nach den helleren und belebteren Räumen. Der beste Theil des Festes war vorüber, nicht nur dem von dem Festgeber aufgestellten Programme nach, sondern " Lassen Sie mich, bitte ich, aussprechen. Sie hätten auch was die Genußfähigkeit der Gäste und vor allen Dingen " Ich will nicht hoffen, Herr Howald!" rief das mich nicht so überraschen sollen, denn Sie haben mich in die festliche Stimmung des Wirthes betraf. Letterer hörte Mädchen erschreckt und wollte sich erheben. eine peinliche Lage versetzt. Mein Herz hat nichts bis jetzt zwar nicht auf, der freundliche und artige Ordner zu sein, für Sie gefühlt. Ob es je etwas für Sie empfinden wird, aber man merkte es ihm recht bald an, daß er aufgehört ist eine Frage, die ich Ihnen in meiner gegenwärtigen Be hatte, ein Vergnügen daran zu finden. Auch Helene beNur Eines muß ich merkte bald das veränderte Wesen in dem Benehmen ihres täubung nicht beantworten kann. Ihnen gen, was zu dieser Stunde gegen Sie spricht Sie Bruders, vermißte ihn namentlich in der Nähe ihrer haben an Ihrer Schwester nicht gehandelt, wie ich es für Freundin, in der man ihn sonst stets sah, wenn ihn seine " Einen Augenblick, nur einen Augenblick; ich glaubte feine günstigere Gelegenheit finden zu können, um Ihnen zu sagen, daß alle diese Herrlichkeiten, denen Sie Ihren Beifall geschenkt, von mir nur geschaffen worden, um Ihret villen." wurde in den Gefängnißlisten als vollends 10 Stunden. Auch die alten Bestimmungen über den Chef der Staatsanwaltschaften, und nach seiner Ge-| bischof Melchers wurde Arbeitsanfang und Ende( 26 Uhr früh und 1/29 Abends!), nehmigung zu erheben. Vielleicht wird durch diese An- Kartonnagenarbeiter geführt und in derselben Weise behandelt, sowie über Baufen( zwei Stunden täglich) sind für Kinder ordnung der betriebsame Eifer strebender Staatsanwälte wie die Mehrzahl der politischen und Preß- Gefangenen im und jugendliche Arbeiter unverändert geblieben. Ein Fortschritt um ein Weniges gezügelt. Reiche der Gottesfurcht und frommen Sitte. Nach der ist nur bei der Frauenarbeit gemacht: dieselbe darf( wie einen Lesart sind aus dem Welfenfonds die Kosten der Er bei Kindern und jugendlichen Arbeitern) nicht in der Nacht- Ein Dementi! Nun soll die Nachricht, die Krone hebung zum Kardinal für ihn bezahlt worden. Wie die zeit und an den Vorabenden vor Sonn- und Festtagen Preußen befinde sich in finanziellen Verlegenheiten, aus der Freifinnige Zeitung" jedoch und sie scheint sehr gut nicht nach 5 Uhr Abends stattfinden. Insgesammt darf sie am Luft gegriffen sein; man brauche weder einige hundert unterrichtet, erzählt, hatte Bismarck bei Beendigung des Tage nicht über elf Stunden, an jenen Vorabenden nicht tausend, noch 1 bis 1 Millionen Mark, um sich zu Kulturkampfes ein Interesse daran, eine Neubefeßung des über zehn Stunden dauern. Dazwischen hat eine mindestens arrangiren. Es ist auch schwer zu begreifen, daß die Krone erzbischöflichen Stuhles in Köln im Einvernehmen mit dem einstündige Mittagspause zu liegen; verheirathete Arbeite nicht mit der ihr zur Verfügung stehenden toloffalen Zivil Bapst herbeizuführen. Zu diesem Zwecke mußte eine kirchrinnen fönnen eine anderthalbstündige verlangen. Die liste auskommen sollte. Wäre dies trotzdem der Fall, so liche Erledigung des Erzbisthums durch Ernennung des Schonzeit der der Wöchnerinnen nach der Niederkunft müßte sie sich auf eigne Faust helfen. Sicherlich war es Erzbischofs zum Kardinalpriester in Rom herbeigeführt iſt von drei auf sechs Wochen erhöht, während nur der übelangebrachte Eifer finanzpolitischer Höflinge, der werden. Aber beim römischen Stuhl stieß die Dotation des der letzten zwei Wochen dieser Schonzeit darf eine von einer Erhöhung der Krondation zu reden wagte in Erzbischofs als Kardinalpriester auf Schwierigkeiten. Da Frau arbeiten, wenu sie ein ein ärztliches Beugniß einer Beit, da das Volk im Elend verkommt, in Schlesien nahm Fürst Bismarck den Reptilienfonds zur Hilfe und dafür beibringt. Eine Schonzeit vor der Nieder- der Hungertyphus wüthet, die Arbeitslosigkeit hundert setzte dem Erzbischof eine Jahresdotation aus den Revenüen funft ist noch immer nicht eingeführt. Die Ausnahmen von tausende von Familien zu den Dualen der härtesten Entdiesen Vorschriften, die jedes Mal von der Behörde aus- behrung verurtheilt. drücklich gestattet werden müssen, werden die Fabritarbeiter sehr bald in der Praxis würdigen lernen, um sich nöthigenfalls gegen sie zu wehren. In seiner heutigen Ausgabe( Nr. 70 vom 23. März) hält der Reichsbote" seine Angabe, daß die Krone etliche Hunderttausende oder gar Millionen aufgenommen habe, mit aller Entschiedenheit aufrecht. " des Welfenfonds aus, welche bestimmt sind zur Abwehr feindlicher Unternehmungen des Königs Georg". Jedenfalls ist bas Schachergeschäft weder für den früheren Reichskanzler, noch für Melchers und das Papstthum ehrenvoll, aber es paßt trefflich in den Rahmen jener Do ut des( Ich gebe damit du giebst) Politik, welche auf Kosten des Volkes von den herrschenden Parteien getrieben wird. Die Kontrolle über die richtige Ausführung dieser wenigen erfreulichen Veränderungen ist nach wie vor so Zur Politik der Auswanderungs- Gesetzgebung. schwächlich wie möglich geblieben, nämlich bei den gegen die Einen vortrefflichen wirthschaftsgeschichtlichen Beitrag zur Die Kate läßt das Mausen nicht. In einer der Unternehmer so rücksichtsvollen und jedenfalls überlasteten Frage des Auswanderungswesens, der gerade jetzt, da die letzten Landtagssigungen erklärte der Stöcker: 1887 haben Polizeibehörden, sowie bei den Fabrikinspektoren ohne Macht Gesetzgebung des Reichs mit dieser Materie befaßt werden wir 84 000 Stimmen auf unsere Freunde vereinigt; ich und Kraft. Hier liegt Alles an den Arbeitern und ihrer wird, den Praktikern sehr zu Paß kommt, liefert der Frei- tam mit Virchow in die Stichwahl( Buruf: und Aufmerksamkeit, und hier sollte namentlich ihr Verkehr mit burger Universitätsprofeffor Dr. Eugen v. Philippovich fiel durch!). Ganz natürlich fiel ich durch, weil den Fabrikinspektoren, so schwach diese auch vielfach sind, in dem neuesten Heft des Archivs für soziale Gesetzgebung die Sozialdemokraten für Virchow eintraten." Im ein weit regerer werden. Wir hielten es für sehr gut, und Statistik". Seine auf tiefgründigem Aktenstudium auf Jahre 1887 aber ist Stöcker mit Virchow überhaupt nicht wenn an größeren Fabrikorten ein eigener, unabhängiger gebaute Untersuchung:" Staatlich unterstützte Auswanderung in die Stichwahl gekommen. In seiner Wahrheitsliebe Gewerkschaftsbeamter damit betraut würde, die Meldungen im Großherzogthum Baben" behandelt eine äußerst anziehende heißem Drange hat der Hofprediger aller Deutschen vergessen, der Arbeiter über Unregelmäßigkeiten in den Fabriken ent- Bartie der deutschen Auswanderungsbewegung. Philippovich, daß die konservative Parteileitung des zweiten Berliner Reichsgegenzunehmen, sie noch einmal nachzuprüfen und dann unter den" deutschen Dekonomen wohl der beste Kenner tags- Wahlkreises gar nicht ihn, sondern den Rechtsanwalt regelmäßig dem staatlichen Fabrikinspektor zur Verfolgung dieses Gebiets, legt mit löblicher Sachlichkeit die wirth- Wolf als Kandidaten aufgestellt hatte, für welchen dann mitzutheilen. Dieser Beamte müßte mit der Zeit eine schaftlichen und politischen Momente bloß, welche die badische der schwaßschweifige Salonphilosoph Lazarus und der Rechtseigene Routine in Fragen des Arbeiterschutzes bekommen Regierung und die badische Kammer ausgangs der professor Goldschmidt in ihres Geldjudenthums durch und die Behörden gradezu moralisch zwingen fönnen, gegen vierziger Jahre zur staatlichen Unterstützung der Emigration bohrendem Gefühle die Werbetrommel rührten. So springt jede Unregelmäßigkeit einzuschreiten. Bis jetzt ist diese Sache gedrängt hat. Soziale und politische Ursachen, das„ tolle Herr Stöcker mit der Wahrheit um, wie die Kaze mit der noch zu wenig systematisch betrieben worden. Jahr" und die Nothlage der Volksmasse stacheln die Maus. Sie ist in seinen Händen unrettbar verloren, und herrschenden Gewalten an, sich dieses Sicherheitsventils bas gerade giebt ihm das Anrecht, als der geftiefelte Kater zu bedienen( 1849-1866). Daß der Plan am Ende des antisemitischen Muckerthums einherzuftolziren. scheiterte, versteht sich. Da der Kapitalismus nicht mit über Aus der Ferienkolonie. Durch Selbstmord sind in das große Wasser ging, wiederholte sich in unabwendbarer Neuem. Wir kommen auf die interessante Arbeit noch des gestorben. Näheren zurück. 15 Politische Uebersicht. Folgerichtigkeit bas alte Schauspiel der Mifère immer von der deutschen Armee im Monat Januar bs. Js. 24 Mann Berlin, den 22. März. " " Wieder eine Ausweisung. Ein Vertreter Wiß Aus dem Abgeordnetenhause. Die Sigung vom Stenerschmerzen. Die vorläufige Ermittelung des mann's in Ostafrika, sein Vetter de la Fremoire, ist vom 22. März führte bei der Debatte über den DortmundEmskanal zu einer lebhaften Auseinandersehung zwischen Ergebnisses der neuen Einkommensteuer- Veranlagung für Gouverneur v. Soden aus Deutsch- Ostafrika ausgewiesen dem Agrarier Grafen von Kanitz und den Vertretern der den Regierungsbezirk Stettin, wo der gewerbliche Groß- worden. Er hatte angeblich in Sansibar Krawalle angeſtiftet. rheinisch- westfälischen Kohlenritterschaft. Kaniz, der seit betrieb und die grundbesitzende Magnatenwirthschaft in Unsere Kolonialpolitik treibt seltsame Blüthen. längerer Zeit literarisch und im Parlament die Rohlenringe schönster Blüthe stehen, hat ein Veranlagungs- Soll von Das Ueberliften der Geschichte. Hegel, der legte bekämpft, rügte die Interessenwirthschaft der Kohlen- 2538 397 m. gegen ein Erhebungs- Soll von 1769 712 M. vertheurer, die für den Kanal so gut wie feine Opfer der bisherigen Klassen und Einkommensteuer für 1891/92 ber großen deutschen Philosophen, hat einmal gesagt, die brächten, das Gelsenkirchener Bergwerk z. B., das fünf ergeben. Das ist ein Mehr von 768 685 M. oder von rund Geschichte lasse sich nicht überliſten. Er meinte, daß es durch feine Kniffe und Pfiffe möglich sei, der Entwickelung Millionen Mark Reingewinn gehabt habe, hätte ganze 431/2 pet.! 3000 Mark für den Kanal hergegeben. Die Hammacher Für den ganzen Regierungsbezirk Breslau beträgt nach der Dinge einen anderen Verlauf zu geben, als den natür und von Eynern wehrten sich wie Verzweifelte. Daß der der Schlesischen Beitung" der Steuer Mehrertrag infolge lichen, von den Verhältnissen gebotenen. Die Wahrheit wie ja Junker Kanit seinen Kollegen vom mobilen Kapital die des neuen Einkommensteuer Gesetzes für die Staatskasse dieses Sages tritt jetzt wieder so recht deutlich hervor. Alle nach ihrer Blusmacherei auf Kosten der Gesammtheit, die Befriedigung 12 Millionen Mart. Der Reichs- Anzeiger"( Nr. 71 vom Maßregeln der inneren Gesetzgebung werden ihrer Klaffenbedürfnisse auf Kosten des Volkes energisch 22. März) bringt folgende amtliche Nachricht: Bei dem Herr v. Caprivi ausdrücklich erklärt hat - das heißt, sie find vorrückt, ist ja recht hübsch. Aber treiben die Lebensmittel- allgemeinen Interesse, welches den Ergebnissen der neuen Wirkung auf unsere Partei geprüft zöllner, die Schnapsbrenner eine andere Politik? Die Einkommensteuer Veranlagung entgegengebracht wird, sind darauf berechnet, unserer Partei zu schaden. Thatsächlich feindlichen Brüder gönnen sich gegenseitig feinen fetten wir in den Stand gefeßt, die vorläufige Mittheilung zu ist aber die Wirkung eine entgegengesetzte. Alles was gegen Biffen. Ein Gutes hat der Bant. Wenn zwei Gentlemen machen, daß nach den erst in den letzten Tagen eingegangenen uns geplant ist, schlägt unfehlbar zu unseren Gunsten zu unserem Vortheil aus. Man nehme nur fich streiten, erfahren die ehrlichen Leute die Wahrheit. vorläufigen Anzeigen das Gesammtergebniß der Veran- und lagung sich voraussichtlich günstiger gestalten wird, als im zum Beispiel die Arbeiterversicherungs- Geseze, mittelst deren man uns das Wasser abgraben wollte. Zur Ministerkrisis. Wolff's Telegraphisches Burau" Finanzministerium bisher angenommen werden konnte."- Namentlich das Alters- und Invalidengeseß, die famose verbreitet folgende offiziöse Nachricht: Kardinal Melchers ein Stipendiat des Welfen-„ Bekränzung des Gebäudes" sollte der Nagel zu unserem " Voraussichtlich wird die Ministerkrisis demnächst ihre Lösung dadurch finden, daß Graf Caprivi Reichskanzler fonds. In der am 21. März im Abgeordnetenhause statt- Sarge werden. Und heute sind es gerade unsere Gegner, und preußischer Minister der Auswärtigen Angelegenheiten gehabten Welfenfonds- Debatte hat Eugen Richter festgestellt, die am lautesten über dieses Klebegesetz" räsonniren, während bleibt, aber als preußischer Ministerpräsident zurücktritt, daß der frühere Erzbischof von Köln, der jetzige Kardinal wir nicht den mindesten Schaden davon verspüren. Aehnlich und Graf Bedlit fein Amt als Kultusminister niederlegt." Welchers in Rom, aus dem Welfenfonds einen Jahres- ist es mit dem Bestreben, durch Vernichtung der freien gehalt bezieht. Melchers war eines der bestgehaßten Opfer Hilfskaffen uns einen Schlag zu versetzen. Den freien Hilfs Majestätsbeleidigungen. Der preußische Justiz des Kulturkampfes, wurde zu längerer Gefängnißstrafe ver- fassen ist das Leben ja sehr sauer gemacht, aber leidet die minister hat, wie die National- Zeitung" erfährt, die Staats- urtheilt und mußte in der Strafanstalt eine mit Bismarcki- Arbeiterbewegung darunter? Mit nichten. Im Gegens anwälte angewiesen, Anklagen wegen Majestätsbeleidigung scher Großherzigkeit ausgetiftelte entwürdigende Betheil. Die neuen, auf Grund des Gesetzes gegen uns gegen die Presse nur nach vorherigem Bericht an ihn, als handlung erdulden. Der politische Gefangene Erz- geschaffenen Kassen sind uns sehr nützlich geworden und " Pflichten nicht anderswohin riefen; sie schritt deshalb auf Letztere zu und nahm an ihrer Seite den von ihm verlassenen Siz ein. Dein Bruder hat um meine Hand angehalten", flüsterte Hermine der Freundin zu. " Ich habe so etwas geahnt, es sieht ihm ähnlich; das ganze Fest wurde zu diesem Zwecke arrangirt. Nun, und was hast Du ihm gesagt?" " Ich habe ihm wenig Hoffnung gelassen." " Er wird außer sich gewesen sein." Glaubst Du, daß er mich liebt?" " So weit er überhaupt zu lieben im Stande ist, ja." " Wird er sich unglücklich fühlen infolge meiner Weigerung?" ver In diesem Augenblicke kam Howald vorbei. Helene überwand ihre Abneigung und trat auf ihren Bruder mit der Frage zu: " Ich vermisse Herminen, wo kann sie geblieben sein?" " Fräulein Findeisen?" erwiderte dieser kühl, noch eben war sie hier, fie tann nicht weit sein." " Fräulein Findeisen ist nirgends zu sehen, Niemand weiß Auskunft über sie zu geben," berichtete Lange zurückkehrend. reizender Stellung, den Arm auf ein Korallenriff gelehnt, nachdenklich in die Wasser zu ihren Füßen schauend. Eine sanfte Musik, wie wenn Wassertropfen auf eine leichttönende Glasglocke fallen, begleitete das langsame Umdrehen der Scheibe, auf der sich die Figur befand, die, als sie wiederum das Antlitz den Zuschauern zugewendet, mit einem Stäbchen auf den Korallenstamm klopfte. Im Augenblick wurde es dunkel im ganzen weiten Raum; auch die Flammen, welche der Fontäne das wohlgeregelte Licht verliehen, schwanden soweit hin in ihrer Leuchtkraft, daß die Wasser nur noch Sie wird vielleicht nach dem Wagen gegangen sein," im matten rothen und grünen Schimmer hernieder meinte Howald. flossen. Aus dem Korallenriff aber strömte in dünnen" Hat sie Abschied von Dir genommen?" fragte Helene, Wasserfädchen eine gasartige Flüssigkeit und verwandelte ihren Bruder scharf ansehend. sich über den Häuptern der Anwesenden zu buntfarbigen Abschied? Nein, fie weiß, daß ich sie zurückbegleite; Wollen von mannigfaltigen Formen. Zugleich fühlte die vielleicht aber hat sie dies gerade vermeiden wollen, denn, " Ich habe ihn an sein Unrecht Dir gegenüber er Gesellschaft einen feinen Regen auf Gesicht und Händen, mit aller Hochachtung gesagt, die junge Dame scheint etwas innert." der aus einer mit den feinsten Wohlgerüchen geschwängerten launisch oder eigensinnig." ,, Es wird wenig nützen." Flüssigkeit bestand. Nach einer Weile, während welcher die entzückten Theilnehmer des Festes in Muße diese Wunder aus Tausend und Einer Nacht" zu genießen nicht müde wurden, begann die Fontaine von Neuem in helleren Lichtern zu erglühen, der vorn auseinander gezogene Wassermantel zog sich vorn langsam wieder wie ein Vorhang zu, hinter dessen Schleier die Nymphe verschwand. Dann prasselte mit einem Male ein buntfarbiges Feuerwerksbouquet in majestätischer Größe auf, und Alles kehrte wieder in die gewöhnliche Beleuchtung zurück. " So weit er unglücklich zu werden vermag." annehmen." 19 Er schien geneigt, etwas wieder gut zu machen." Möglich; jedenfalls würde ich kein Geschenk von ihm Du willst also überhaupt nichts mit ihm zu thun haben?" Es ist mir nicht möglich, ich kann ihn nicht als Bruder betrachten." " Dann hört er für mich auf, eine Person zu sein, der ich besondere Rücksicht zu schenken habe." Das bezweifle ich, da sie annehmen wird, daß Dein Hierbleiben wegen Ordnunghaltens nöthig ist." Nun, dann ist es eben eine andere Laune von ihr gewesen." " Sie hat wegen einer Laune noch nie die Regeln guter Lebensart außer Augen gefeßt." So hat fie es diesmal gethan, wir haben eine kleine Szene gehabt." " " " Es wäre nöthig, fich nach ihr zu erkundigen." " Ich werde sogleich Erkundigung einziehen." Das Abendessen ging ohne weitere Vorgänge vorüber; Es war neun Uhr geworden, und die Anwesenden fühlten Wit fichtlicher Spannung warteten die Drei auf nur zum Schluß wurden die Gemüther noch einmal erregt fast ausnahmslos das Bedürfniß, nach so vielen verschieden Howald's Rückkehr, die eine ziemliche Weile ihre Geduld in durch eine prachtvolle Fontäne, deren Strahlen und Tropfen artigen Genüssen und Eindrücken die Ruhe ihrer Wohnungen Anspruch nahm. Endlich kehrte er mit gleichgiltiger Miene magisch erleuchtet herniederflossen, indem sie in allen mög- aufzusuchen. Ein allgemeiner Aufbruch fand statt und zurück und meinte: lichen Farbennüancen erglühten und schimmerten, ein wahres die Diener hatten zu laufen, um die Mäntel, Hüte, Schirme, Meine Voraussage ist eingetroffen; Fräulein Findeisen Wasser Feuerwerk. Lange Zeit fesselte dieses Kunst- Ueberschuhe und sonstigen Effekten herbeizuschaffen. ist ohne Weiteres in die Stadt zurückgekehrt." spiel die Blicke der Bewunderer, dann hörten auf Sehen Sie doch, Herr Doktor," bat Helene ihren einmal die Wasser auf, aus dem vorderen Theile des Begleiter, einmal nach dem Fräulein Findeisen; ich habe unmöglich." Beckens zu fließen, so daß es aussah, als sei der fließende sie ganz aus den Augen verloren." Waffermantel nach beiden Seiten zurückgeschoben, und aus dem Dunkel heraus leuchtete in vollkommener antiker Schönheit eine Nymphe, eine hohe nackte Frauengestalt, lediglich vom langen blauschwarzen Haar umhüllt und in hne von uns Abschied zu nehmen? Das ist geradezu Wenn Du mir nicht glauben willst, so höre Diesen," " Zu Diensten", erwiderte dieser und durchflog die erwiderte Howald gleichgiltig, indem er einen Diener herbeis Gruppen. Auch mir ist die Abwesenheit von Fräulein Findeisen aufgefallen," bemerkte Elise. winkte. ( Fortsetzung folgt.) haben der Arbeiterklasse ein neues lohnendes Feld der Thätigkeit eröffnet. Und diese Beispiele ließen sich mit Leichtigkeit vermehren. Tie Entwickelungs Gesetze können eben nicht willkürlich geändert, oder in ihren Wirkungen ausgehoben werden; und gegen eine politische und soziale Strömung, die in den Verhältnissen begründet, durch sie hervorgerufen ist, kann die listigste Staatspfiffigkeit mit den pfiffigsten und kniffigsten Gesetzen und Maßregeln nichts ausrichten.— Die preußische Gesinde-Ordnung ist für die Dienst boten:c. gewiß kein Zuckerlecken, dem Ratzeburger Bürger meister v. Hertzberg ist sie aber immer noch viel zu human. Er sagt im Verwaltungsbericht pro 1891/92(„Ratzeburger Stadt- und Land-Zeitung" vom IS. März, Nr. 32):„Das Berhältniß zwischen Herrschaft und Gesinde ist im All- gemeinen nicht befriedigend. Es muß hier bemerkt werden, daß das Gesinde öfter ohne gesetzlichen Grund den Dienst verläßt und hartnäckigen Ungehorsam und Widerspenstigkeit gegen die Befehle der Herrschaft zeigt. Die Unbotmäßigkeit des Gesindes greift auch hier mehr und mehr um sich, wir sind daher der lAnsicht, daß die bestehenden Gesetze den Herrschaften nicht mehr den genügenden Schutz bieten, und daß diese Gesetze einer gründlichen Revision und Ver- besserung bedürfen, zumal die heute noch zu Recht bestehende Gesinde-Ordnuna aus dem Jahre 1811 stammt. Ein großer Uebelstand macht sich auch darin bemerkbar, daß viel Ge- finde ohne genügende Legitimation während der Sommer- monat« in Gegenden mit Rübenbau gehen, ohne ihren Verpflichtungen bei den bisherigen Dienstherrschaften nach zukonimen. Diesem Uebelstande könnte dadurch abg« Holsen werden, daß die Regierung bezw. die Polizei-Ver waltung in den oben bezeichneten Gegenden solchen Personen den Aufenthalt dort untersagt."— Eine Rückwärts-Revision um zwei Jahrhunderte wäre in der That ein Bedürfniß für die Krautjunker und ihre Gönner. So empörend die heutige Gesinde-Ordnung ist, sie spricht doch nicht offen die Leibeigenschaft des Gesindes aus. Und nnt schmerzlichem Verlangen klopft wohl das edle Ritterherz nach jenen idyllischen Tagen, da beim Becherklang eine Bauernfannlie aus gewürfelt wnrde gegen eme Koppel Jagdhunde. Die„Aus sässigkeit" der Dienstboten, das Kreuz der ländlichen und der städtischen Dienstherrschaften, ist das sichere Kennzeichen des beginnenden Widerstands gegen die mittelalterliche Unterdrückungsform. Rechtliche Gleichstellung des Gesindes mit der gewerblichen Arbeiterschaft ist die erste Vorbedingung für einen Fortschritt.— Biel Lärm um Nichts. Die Regienmg hat mit dem erzog von Cumberland ihren Frieden gemacht, der Welsen onds harrt auf sein Bearäbniß, trotzdem geht die Unter- suchung in der hannoverschen„Welfen-Angelegenheit" munter weiter. Mit erstaunlichem Eifer sind lOS Haussuchungen und 360 Vernehmungen veranstaltet worden; auch welfische Reichstags-Abgeordnete, die im Direktorium und Ausschüsse des welfischen WahlvereinS sitzen, sind in Untersuchung. Die Geschichte wird ausgehen wie das Hornberger Schießen. «Weifische Umtriebe" giebt es nach amtlichem Zugeständniß nicht, da ja der Welfenfonds endlich beseitigt wird, und die politische Organisation und Agitation der Welfenpartei läßt sich doch keinenfalls als gesetzwidrig ausdeuten. Was sagen wir, politische Organisation und Agitation? Harm lose Vcrguügungsvereine hat der staatsauwnltliche Schars blick unter die Lupe genommen. Der Welfcnbazillus ist nicht zu finden, man' müßte ihn denn künstlich wieder züchten.— Die Junker in der Fr onde. Sie reiten mit offenem Visir in du Schranken, die alten Teklaranten und schwenken die alten Tartschcn. In dem Museum für parlamentarische Alterthümer, im Herrenhaus hat heute der feudale Graf Klinkowström dem verflossenen Kultusminister Zedlitz eine Lob- und Grabrede gehalten, stachlig wie eine Alos für die. welche den Abgang des Ministers ans dem Kerbholz haben.— Fortschritte der Sozialdemokratie in der Schweiz. Am 20. März fand in Zürich eine Nachwahl für den Nationalrath, die schweizerische Volksvertretung, statt. Ge- wählt wurde der Kandidat der liberalen Partei, Oberst Meister, welcher 10 337 Stimmen erhielt. Auf unseren Parteigenossen Lang fielen 5S99, auf den demokratischen Kandidaten Dr. Amsler 3S85 Stimmen. Aus diesem Stimmenverhältniß crgiebt sich, daß die Demokraten, die bisher im Kanton Zürich mit in erster Reihe standen, der jugendfrischen Arbeiterpartei ihren Platz haben einräumen miissen. Es geht vorwärts.— Warum der Dynamitschrecken? Das wird jetzt von oder ihr nahestehende„Gentlemen" hätten die Attentate ge- macht— das sagen sie nicht, wenn es auch in Paris all- gemein geglaubt wird. Aber trotzdem haben sie den rich- tigen Grund angegeben. Vor der Feier des 1. Mai graut es der französischen Bourgeoisie in diesem Jahre. Nicht daß sie Erneuten, oder gar eine Revolution fürchtete. Was sie fürchtet, das sind die Gemeindewahlen des 1. Mai, in denen sie voraussichtlich eine schwere Niederlage erleiden wird, wenn die Sozialisten ungehindert aaitiren können. Mau wird sich erinnern, daß schon die Rede davon war, die Wahlen auf einen anderen Tag zu verlegen. Das zeigte sich jedoch nicht thunlich. Jetzt klammern die Herren Bourgeois sich an die Hoffnung, die Maifeier der Arbeit könne be- hördlich verboten und damit der Gefahr einer sozia- ustischen Beeinfluffnng der Wahlen vorgebeugt werden. Die Dynamit-Attentate kommen nun diesen Herren Reaktionären wie gerufen und werden nach Möglichkeit„sruktifizirt". Eitel Komödie sind die„außerordentlich thätigen Nach- sorschungen", welche die Pariser Polizei den Zeitungen gemäß nach den Dynamiterichen anstellen soll. Thatsächlich weiß sie die Leutchen sehr wohl zu finden. Herr Audrieux, der frühere Polizeipräfekt von Paris, hat uns in seinen »Denkwürdigkeiten' genau gesagt, ivas'er den Herren bc- zahlte— und er kannte auch ihre Adressen. Die Nach- folger des Biedermanns Andrieur sind sicherlich nicht weniger wissend.— Zum Pariser Dynamit-Schwindel. Haben wir kurzlich den Pariser Berichterstatter der„Kreuz-Zeitung" über die jüngste von der Polizei und ihrem Gönner Eoustans in Szene gesetzte Anarchistenjagd zu Worte kommen lassen, so höre man heute den Pariser Korre- spondenten der„Kölnischen Zeitung"(Nummer 231 vom 21. März): „Die Polizei hält zwar noch einige der verhafteten Ana* chisten unter Schloß und Riegel, es scheint aber nicht, daß sie die wirklichen Schuldigen erwischt hat, und die zahlreichen Haussuchungen sinv wohl so ziemlich pro uilülo(umsonst) ge- wesen. Inzwischen macht man alle Augenblicke aus den Straßen und in den Häusern neue Funde, die auf den ersten Blick sehr bedenklich aussehen, sich aber schließlich als ziemlich harmlos herausstellen. Vielen Leuten scheint nämlich ob der zahlreichen Haussuchungen himmelangst geworden zu sein, und sie entledigen sich nun aller Gegenstände, die irgendwie ge- eignet scheinen könnten, sie in den Verdacht des Anarchismus zu bringen. So hat man eine ganze Menge uralter Granaten auf der Straße und in Hausfluren gefunden, von denen man annehmen kann, daß ihre Besitzer sie als ein Andenken an die letzte Belagerung von Paris aufgehoben hatten. Sie hatten wohl nie etwas mit den Anarchisten zu thun, aber der Vor- ficht halber hat man sie nun beseitigt. Am übelsten fahren da- bei die Finder, die eine schwere Angst ausstehen, bis die bedenk- lichen Gegenstände in das städtische Laboratorium geschafft sind, wo man ununterbrochen mit der Untersuchung solcher ge- fundenen Gegenstände beschäftigt ist."— Fachvereine nnd Unternehmer in Frankreich. Die französische Deputirtenkammer erörterte am 21. März den Geletzentwurs von Bovier-Lapierre, der dahin geht, daß Maßregeln gegen diejenigen Unternehmer ergriffen würden, die den Arbeitern keine Beschäftigung gegeben oder sie ent- lassen hätten wegen ihrer Theilnahme an den durch das Gesetz von 1884 eingerichteten Berufssyndikaten. Das Gesetz ist vom Senate in der vorigen Gesetzgebungsperiode abge- lehnt worden. Bovier-Lapierre hält an seinem Entwürfe fest gegen die Abänderungen, die ihn in seinem ganzen Wesen umgestalteten.— „Revolution" in Venezuela. Wieder einmal schlagen sich Nachkommen der spanischen Konquistadoren, der Er- oberer und Unterdrücker des 16. Jahrhunderts, um den Antheil am Raube. Diesmal ist es die„Republik" Venezuela, in welcher die Frohnherren der Eingeborenen sich in die Haare gerathen sind. Diese südamerikanischen Möchtegern-Republiken sind Freistaaten, wie Deutschland ein Verfassungsstaat ist.— ZtavkstNKt&rtihken. Welche schreckhafte Wirkung die Krawalle der Berliner Ballonmützen auf die sanften Bourgeoisgemüther in der Provinz ausgeübt haben mögen, läßt sich an folgender heiterer Geschichte ermessen, die uns aus einem Städtchen unweit Berlins mitgetheill wird. Der dortige Herr Bürgermeister hat eine solche Furcht vor den Sozialdemokraten seines Machtbereichs, daß er be- fürchtete, dieselben würden am IS. März unter Umständen das gute Städtchen dem Erdboden gleich machen. Aus diesem Grunde wendete er sich an den Oberführer der freiwilligen Feuerwehr mit der Frage, ob er sich in der Stunde der„Gefahr" auf deren ~>ilfe verlassen könne. Als ihm die Antwort wurde, daß die euerwehr nur zum Feuerlöschen da sei, meinte das besorgte itadthaupt schüchtern, ob dann wohl die Schützengilde eingreifen würde, da der Herr Oberführer ja zugleich auch oem Vorstande der Gilde angehöre. Wir wissen noch nicht, ob die Schützengilde am IS. März mit Wehr und Waffen ausgerückt ist, um den Frieden der gute» Stadt vor den Horden der Sozialdemokratie zu sichern; uns ist nur bekannt, daß unsere Genossen sich über die Sorgen des fürsichtigsn Stadthauptes weidlich amüsirt haben und der IS. März von ihnen mit vollem Verständniß seiner Be- dentung gefeiert und eben deshalb selbstverständlicherweise die Ruhe und Ordnung im Städtchen nirgends gestört worden ist. Ten 18. März wollten'die Sozialdemokraten Karls- ruh es in der städtischen Festhnlle feiern. Der liberale Magistrat gab hierzu jenes Lokal mcht her. Kann man liberaler sein? Gewiß nicht. Die konsequente Verleugnung seiner eigenen poli- tischen Grundsätze, die er im„tollen Jahre" in den blutrünstigsten Phrasen dem„feigen Michel" gepredigt hat, das ist ja der In- begriff des Liberalismus.� Ueberall der Sozialdemokrat! Sogar der preußische V o l k S s ch u l- G e s e Y en t w u r f hat für ihn noch eine Thür offen gelassen, durch welche er hereinkomme» kann. Zu dem Entwurf nahmen auch die Kollegien der guten Stadt Wandsbeck Stellung. Magistrat und Stadtverordneten beschlossen einstimmig. den Landtag um Ablehnung des Entwurfs zu ersuchen, weil das vorgeschlagene Gesetz die kommunalen Behörden in ihrer Initiative in der äußeren Gestaltung und Fortbildung des Volksschulwesens beeinträchtige und ihnen die Wahl der Lehrer und Lehrerinnen entziehe, resp. beschränke. Als weiterer Grund, der gegen das Gesetz spreche, wird in der angenommene» Resolution wörtlich angeführt:„Die jetzige einheitliche, bewährte Organisation der städtischen Schulbehörden durch die in dem Entwürfe vorgesehenen Organe zu ersetzen, kann nicht als eine zweckmäßige Einrichtung angesehen werden; sie entbehrt ferner bei ihrer Ab- hänaigkeit von dem Regierungspräsidenten die vollen Eigen- chasten eines Organs der städtischen Selbstverwaltung und unter- iegt, was Zusammensetzung und Wahl, wie Geschäftskreis an- langt, den gewichtigsten Bedenken. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß»ach de» Verhältnissen unserer Stadt die �ausväter lichen Mitglieder des Schulvorstandes ediglich aus den Reihen der Sozialdemokraten hervorgehe n werden." Diese Entdeckung der Wandsbecker wird wohl das Schicksal des Bollsschul-Gesetzentwurfs besiegeln. Dem„König" Stumm wurde am Sonntag eine besondere Ueberraschung bereitet. In seinem Reiche— in Neunkirchen und Wiebelskirchen— hat man an diesem Tage drei Tausend Exemplare der Schrift verbreitet, in welcher die be- kannte Rede des Herrn v. Stumm und auch gleich die Antwort. welche Bebel ihm gab. abgedruckt ist. Die Vertheilung. die von den st. Johaun-Saarbrücker Genoffen besorgt wurde, ging glatt von Statten. Wenn einzelne Polizeidiener nicht wußten, daß sozialdemokratische Schriften verbreitet werden dürfen, so ist das im Königreich Stumm nicht verwunderlich. An der Ver- brcitung antisemitischer Flugblätter hat man, was bei der Ge- innuugsverwandtschaft der Stumm und Stöcker erklärlich, bis cht noch nichts auszusetzen gefunden. Nun, wenn auch vier Genossen von den eifrigen Gesetzeswächtern notirt wurden, so sind doch sämmtliche Büchlein zur größern Ehre des Herrschers von Neunkirchen vertheilt worden. Daß dieselbe Rede, welche die Sozialdemokratie vernichten sollte, als Agitationsmiltel ü r die Sozialdemokratie benutzt wird, noch dazu unter seinen Auge», in Neunkirchen und Umgegend selbst, das ist ein Erfolg, den sich Herr v. Stumm�jedenfalls nicht geträumt hat. Für die Ausbreitung des Sozialismus unter den Helgoländern sorgen die zahlreich anwesenden Arbeiter aus Hamburg:c. in bester Weise. Das„Hamburger Echo" hofft daß bei der nächsten Reichstagswahl die Insel eine erhebliche Zahl sozialdemokratischer Stimmen aufbringen wird, zum großen Uerger unserer Hurrah- Patrioten, welche bei der Erwerbung Helgolands in einen förmlichen Freudenrausch geriethen, dem nun der unausbleibliche Katzenjammer folgen wird. Die Arbeiter- Marseillaise ist, wie neulich bereits erwähnt, schon jetzt auf Helga- land das am häufigsten gehörte �Lied. Ueber die Verhaftungen berichtet' die Magdeburger„Volks- stimme": Außer dem Kolporteur Willborn wurde am Sonnabend Nachmittag auch unser Expedient Genosse Königstedt verhaftet. In der Expedition der„Volksstimme", sowie be» den Genossen Keil, welcher ebenfalls verhaftet wurde, und Willborn wurden Haussuchungen vorgenommen. Behufs Vernehmung wurden in Neustadt fünf Genossen zur Polizei flstirt. Bei den GewerbegerichtS-Wahlen in Hamburg wurden auch in der zweiten und dritten Klasse der Arbeiterbeisitzer die sozialdemokratischen Kandidaten gewählt. Bei de» Gewerbegericht'swahle» in Ohlau(Schlesien) siegte in der Klasse der Arbeiterbeisttzer die soz,aldemokrat,sche Liste. «* Todtenliste der Partei.'In Rendsburg wurde am 17. März einer der ältesten dortigen Genossen, I. N a ch t i g a l l, beerdigt. »» Polizeiliches, Gerichtliche« tc. — Dr. Lux, Redakteur der Magdeburger„Volks- stimme", wurde von zwei Anklagen(Offiziersbeleidigung und Verächtlichmachung von Staatseinrichtungen) freigesprochen. — Wegen Majestätsbeleidlgung(Beleidigung des Großherzogs von Mecklenburg-Schwerin) wurde Genosse Bö mel- bürg vom Landgericht Schwerin zu 4 Monaten Gesängniß ver- urtheilt. - Ein interessantes Urtheil fällte daS Schöffengericht Uetersen. Angeklagt war Genosse Peers; derselbe sollte gegen die dänische Sabbath- Ordnung dadurch verstoßen haben, daß er am 17. Januar während der Zeit ves Gottesdienstes Druckschriften verbreitet hätte. Das Schöffengericht sprach ihn frei und motivirte das folgendermaßen: Die dänische Sabbath- Ordnung verbiete während der Zeit des Gottesdienstes alles Hausiren, Feilhalten»c. von Waaren; der Angeklagte habe aber nicht im Sinne des Gesetzes haustrt, da er die Druckschriften un- entgeltlich verbreitet habe. — In Fürstenwalde genehmigte— wie die„Märkische Volksstimme" berichtet— das Stadtoberhaupt eine sozialdemo- kratische Versammlung deshalb nicht,„da die Schützengild« die Hergabe des Schützenhauses zu derartigen Versammlungen ver- weigert hat". Der Pächter des Schützenhauses hatte das Lokal zur Verfügung gestellt; aber der Bürgermeister ist Vorsitzender der Schützengilde. Natürlich ist dieses Verbot für unzulässig er- klärt und die Fürstenwalder Polizeiverwaltung„dementsprechend bedeutet worden". — In Oderberg i. Mark ist gegen den Vertrauensmann W. K ü n e ck e Anklage wegen Gotteslästerung erhoben. Das Vergehe» soll in einer Versammlung des Arbeiter-Bildungs- vereins bei der Besprechung des Themas„Jesu? von Nazareth" begangen worden sein. — I n A r a d(Ungarn) wurde Genosse Wilhelm Kohn wegen zweier im„Közjülät" erschienener Artikel, in denen zum Klaffen- haß und gegen das Privateigenthum(!) aufgereizt sein soll, von, Schivurgericht zu 2 Monaien StaatSgefängniß und öS fl. Geldstrafe verurtheilt. Soziale Itebsrliphk. Zum Streik der Berliner Kornträger. An der Berliner Produktenbörse ivurde, wie man uns mittheilt, gestern morgen vom Direktor der Norddeutschen Waagenfabrik ein Brief des Königsberger Trägeramts verlesen, in welchem dieses Amt an- zeigt, daß wenn hier Kornträger gebraucht würden, eS sofort so viele derselben, als erforderlich seien, hierher senden könne. Dem gegenüber fordern mir die Kornträger u. ganz Deutschlands und namentlich der Seestädte auf, ihren Berliner Kameraden nicht in den Rücken zu fallen, sondern Berlin fern zu bleiben. damit die Berliner Kornträger ihren nunmehr 19 Jahre alten, vom Polizeipräsidium unterzeichneten, mit der Kaufmannschaft abgeschlossenen Tarif aufrecht erhalten können. Lasse sich Nie- mand durch das angeblich glänzende Leben der Großstadt Berlin zur Streikbrecherei verlocken. Der Berliner Arbeiter sieht das „glänzende„Leben" nur von außen, er selbst kann daran nicht theilnehme», denn Berlin ist mit das theuerste Pflaster ganz Deutschlands, und Tausend» und Aber- tausende haben hier keine oder nur unzulängliche Arbeit. Deshalb. Kornträger Deutschlands,»leidet Berlin, bis Eure Kameraden gesiegt haben. Euer Stolz sei, daß keiner von Euch an Stelle von Streikenden in Arbeit tritt, oder daß, sofern es seitens einzelner Auswärtiger infolge von Unkenntniß inzwischen geschehen wäre, dieselben sofort ihr Arbeitsverhältniß gesetzmäßig wieder lösen.„... 10 arbeitslose Berliner Brauergesellen, welche die Gesellschaft des kleinen Packhofes vom Arbeitsnachweis der Brauer als Sackträger engagirt hatte, haben nach kaum emer Stunde die Arbeil sofort ernmüthig niedergelegt, als sie erfuhren, daß sie an Stelle von Streikenden in Arbeit ge- treten waren. Sie handelten so rechtschaffen, trotzdem für die arbeitslosen Brauer Berlins K— Smonatliche Arbeitslosigkeit nichts Ungewöhnliches ist. Jeder Arbeiter möge sich dieses schöne Beispiel praktischer Solidarität zur Richtschnur nehmen, dann werden und müssen die Kornträger siegen. I« Trieft streiken die Maurer um di, Verkürzung des Arbeitstags. In New-Aork streiken di- Setzer der„New-Aorker Staatszeitung". Ueber das Blatt ist infolgedessen der Boykott verhängt. Ter UnterstiitzungSverein der Bildhauer Deutschlands hatte im Jahre 1891(1. Januar bis 31. Dezember) eine Einnahme in Höhe von 32 833,99 M., von welcher Summe auf Eintrittsgelder 664 M. und auf ordentliche Beitrag« 29 001,25 M. entfallen. Den Einnahmen standen Ausgaben in Höhe von 85 425,79 M. entgegen, von welcher Summe«ntfallev auf Reise- Unterstützung 15 977,95 M.(gegen 12 089 M. in Jahre 1890 und 5150 M. im Jahre 1889), Unterstützungen taut Reglement 8 1 des Statuts 1125,75 M., Rechtsschutz 8* 6 M.. Stellen vermittelung 290,70 M., Unterstützungen?lVdeS Statuts ai Wittwen 1950 M., an Kollegen 795 M.'�ter Vermögensstaw am 1. Januar 1892 betrug 28 304,44„T.' der Mitgliederstmd im vierten Quartal 1891 insgesamnn�042. Gauvereine rev. Mitgliedschaften bestanden in p Ortschaften. Den größtn Mitgliederstand wiesen auf J-rlin mit 742, Dresden mit 24, Stuttgart mit 135, Hambure...nit 116, Breslau mit 136, Leipig mit 97, Nürnberg mit 96 Mitgliedern:c. 27 pCt. Dividende für die PrioritätS- und 22 pCt für die Stammaktien gieZt der Essener Bergwerks- Verein„K ö> i g Wilhelm" seinen Aktionären.— Die Mitglieder der Beroan- Aktiengesellschaft„?luto" bekommen diesmal 10 pCt. wiiger als voriges Jahr. Warum? Es muß ein neuer Luftschachtaus- geführt werden, Wasierhnltungs- und Wäschebauten sind ach in Angriff zu nehmen— kurz, des Lebens Roth tritt hart a die Aktionäre heran. 10 pCt. weniger— wie wird man sich ei der nächsten Badereise einschränken müssen! Theater. Mittwoch, den 23. März. Morgen, Donnerstag, den 24. März: Dank- und Abschieds- Vorstellung. Circus Renz. Achtung! Karlstraße. Opernhaus. Cavalleria rusticana. Circus G. Schumann. mittwoch, den 23. März 1892, Der Barbier von Sevilla. Schauspielhaus. Das heilige Lachen. Deutsches Theater. Faust. Leffing- Theater. Paragraph 330. Der sechste Sinn, Berliner Theater. Der Veilchenfreffer. Residenz- Theater. Der kleine Schwere nöther( Ferdinand le noceur,) Wallner- Theater. Yvette. Vorher: Nur drei Worte. Grosse Achtung! Kommunalwähler- Versammlung für den 22. Kommunalwahl- Bezirk Friedrich- Karl- Ufer, Ecke Karlstr. Abends 7/4 Uhr: Den vielseitigen Mittwoch, den 23. März, Abends Wünschen zu entsprechen, Wiederholung 7/2 Uhr: Große Gala- Benefiz- der am 19. d. Mts. stattgefundenen am Mittwoch, den 23. März, Abends 9 Uhr, in Haase's Salon, Große Frankfurterstraße 117. Vorstellung für die Gebrüder Max, Equeftrischen Gala- Vorstellung. Jaques und Adolf Schumann. Hippologischer Kongress von 36 Voll- Tagesordnung: Verkündigung des Wahlresultats. Diskussion. Das Komitee. J. A.: Gustav Janz. Sehr reichhaltiges mit besonderer Sorg- blutpferden( arabischer, Trakehner, 430/8 falt gewähltes Programm. Mehrmaliges englischer, irischer u. schottischer Raffe). Auftreten der Benefizianten. Diese Nummer enthält sämmtliche Mr. James Fillis, Freiheitsdreffuren des Herrn Franz mit seinem Schulpferd ,, Germinal". Renz. Alt- Friedericianische Quadrille Zum letzten Male: geritten von 8 Damen und 8 Herren, Fachverein der Tischler Friedrich- Wilhelmstädt. Theater. Der Krieg im Zululande. tommandirt von Herrn Franz Renz, HIVECIN Thomas- Theater. Ein blauer Teufel. Onkel Der Bureaukrat. Bellealliance- Theater. Bräsig. Ostend- Theater. Berlin im Jahre Adolph Ernst Theater. Der Tanzteufel. 2000. Feenpalast. Spezialitäten- Borstellung. Gebrüder Richter's Variété. Spezialitäten- Vorstellung. Winter- Garten. Spezialitäten- Bor ftellung. Kaufmann's Variété. SpezialitätenVorstellung. Grohe historische KriegsPantomime, arrangirt vom Direktor G. Schumann, ausgeführt von 250 Personen. Abends 71/2 Uhr: Dank- u. AbschiedsMorgen, Donnerstag, den 24. März, Vorstellung. 4 hohe Schulen geritten von Fräuls. Clotilde Hager, Oceana Renz, Helga Hager und Anna Georgi. 6 Gladiatoren. Miß Edith, Jockeyreiterin. Wir. Alex. Am Briatore, Saltomortales zu Pferde. Romische Entrees von sämmtl. Klowns. Zum Schluß: Auf Helgoland" oder: Ebbe und Fluth. Große hydrologische Ausstat Wo speisen Sie? tungs Pantomime in 2 Abtheilungen In der alt. pommerschen Küche, Dra nienstr 181, Hof pt. bei Klein! Frühst. 30 Pf., Mittagstisch Konkordia- Valaft- Theater. Spe- mit Bier 50 Pf., Abendtisch von 30 bis zialitäten- Borstellung. American- Theater. SpezialitätenVorstellung. PassagePanopticum. Franengestalten in 7 lebend. Bildern dargestellt von Berliner Modellen. Ohne Extra- Entrée. Castan's Panopticum Friedrichstr. 165a, Ecke Behrenstr. Interesantefte Völkerschaft Juner- Afrikas: Schuli b. Emin Pascha- Reich. 30 Personen, Männer, Frauen, Kinder. Vorstellungen: 11, 12 u. 1 Uhr Voruittags, 4, 5, 6, 7, 8 und 9 Uhr achmittags. Entree 50 Pf. Kinder 25 Pf. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 10 Uhr Ab. Gratweil'sche Bierhallen Kommandantenstrasse 77-79. Heute, sowie täglich: Gr. Freikonzert. Anfang Wochentags 71/2 Uhr, Sonntags 20 Pf. Entree. Anfang 6 Uhr. Empfehle meinen berühmten Mittagstisch à la Duval. Diner à 1 Mark. 3. Regelbahnen, 6 Billards, 2 Säle. 1169L Sowie täglich: Gr. Bock- Ausschank pel! aus der Berliner Bock- Brauerei. Teppiche in allen Arten und Größen kleiner Musterfehler wegen offeriren sehr billig. Portièren, Gardinen, Steppdecken in den geschmackvollsten Ausführungen zu anerkannt billigen Preisen. Reste 477M von Plüschen, Fantasiestoffen, Damasten und Ripsen, paffend für Sophas und Garnituren, zur Hälfte des früheren Kostenpreises. J. Adler Söhne, Teppichfabrik, Spandauer- Strasse 30, gegenüber dem Rathhause. * Vereins- Axeichen. H.GUTTMANN Stempel-, ( Schablonen-, SchilderFabrik 9. Berlin N., Brunnenstr. Stempel! Gavirung von Inschriften etc. 50' Pf, nach Auswahl. 18962 vom Direktor E. Renz. National Tänze( 65 Damen). Einlage: GardeHusaren und Ulanen. 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Der Heinze- Prozeß", dem, von allerhöchster Stelle angeregt, Heinze- Gefeßentwurf" auf dem Fuße folgte, hat aller Welt einen tiefen Riß in unserer vielgepriesenen Kultur gezeigt. Der Verfasser wei in obiger Broschüre nach, daß jene Bu stände mit all ihren Symptomen Bordellwirthschaft, Winkelprostitution, Zubälterwesen, die daraus sich entwickelnde geistige und physische Degeneration aller Gesellschaftsklassen teine Einzelerscheinungen, sondern in unserer heutigen honetten bürgerlichen" Welt zu einem System herausgebildet, unabwend= bare Begleiterscheinungen der privatkapitalistischen Wirthschaftsweise sind. Mit der Beseitigung der letzteren fallen auch jene Zustände.Wir können die flottgeschriebene Broschüre unseren Parteigenoffen zum Studium und zur Verbreitung bestens empfehlen. Ferner find wir in der Lage, mitzutheilen, daß die vielfach gewünschten gebundenen Exemplare der I und II. Serie der Berliner Arbeiter- Bibliothek nunmehr fertig gestellt sind. Der Preis stellt sich auf: I. 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Bericht der Arbeitss vermittlungs- Kommission und Erfahwahl zweier Arbeitsvermittler. 4. Verschiedenes. Zahlreiches Erscheinen erwartet Die Arbeitsvermittlungs- Kommission. J. A.: J. Leister. 2010b Verein z. Regelung d. gewerbl. Verhältnisse der Töpfer Berlins und Umgegend. Heute, Mittwoch, den 23. März, Abends 6 Uhr: Ordentliche Mitglieder- Versammlung in Kuhlmey's Salon, Schönhauser Allee Nr. 28. Tages Ordnung: 1. Vortrag über: Christenthum und Sozialdemokratie. Referent: Herr Kessler. 2. Jit unser Verein den Anforderungen, die an ihn gestellt wurden, nachgekommen? 3. Verschiedene Vereinsangelegenheiten. We Die Quittungsbücher sind am Eingang vorzuzeigen. Zahlreiches Erscheinen der Mitglieder erwartet Der Vorstand. 448/4 Verein zur Wahrung d. Interessen d. Maurer Berlins und Umgegend. Donnerstag, den 24. März, Abends 8 Uhr: Mitglieder- Versammlung in Orschel's Salon, Sebastian- Straße 39. Tagesordnung: 1. Hervorbringung und Bertheilung in der sozialistischen Gesellschaft. Referent: Genosse J. Türk. 2. Diskussion. 3. Wichtige innere Vereinsangelegens heiten. Der Wichtigkeit der Tagesordnung halber wird um zahlreichen Besuch gebeten. Der Vorstand. 427/15 Grosse Versammlung der Militär- und Lieferungs- Schneider am Donnerstag, den 24. März, Abends 8% Uhr, bei Feuerstein, Alte Jakob- Straße 75( unterer Saal). Tagesordnung: 1. Bortrag des Kollegen Timm. 2. Distuffton. 3. Abrechnung der Fachschule. 4. Verschiedenes. Der Vorstand. NB. Kollegen, da es im Interesse Aller ist, so ersuchen wir, recht zahl reich in der Versammlung zu erscheinen 5. Stiftungsfest 419/7 des Fachvereins der in Buchbindereien, der Papier- und Lederwaaren- Industrie beschäftigten Arbeiter am Sonnabend, den 26. März ds. Js., im Konzerthause Sanssouci", Kottbuserstraße 4a, bestehend in gr. Votal- u. Juftrumental- Konzert unter gütiger Mitwirkung dreier Gesangvereine des 3.-5.-B., ( Dirigent Herr Malmene.) Die Musik wird von der Freien Vereinigang der Berufs. Musiker" ausgeführt, Dirigent Herr Werner. Nach dem Konzert Anfang 8 Uhr. Ball. Entree inkl. Tanz Herren 60 Pfg., Damen 40 Pfg.. Alle Kolleginnen, Kollegen und Freunde des Vereins sind hierzu freundlichst eingeladen. Der Vorstand. NB. Billets find im Arbeitsnachweis bei Gründel, Dresdenerstr. 116, sowie bei sämmtlichen Mitgliedern und in Geschäften, welche mit den Plakaten versehen sind, zu haben. [ 407/4] D. 0. Verantwortlicher Redakteur: Angast Enders in Berlin. Druck und Verlag von Mag Bading in Berlin SW ,, Beuthstraße 2. Hierzu eine Beilage. Beilage zum„Vorwärts" Berliner Volksblatt. Nr. 70. Mittwoch, den 23. Mär; 1892. 9. Jahrg. Auf zur HVolzl: Parteigenossen! Wähler des 22. Kommunalwahl-Bezirks! Am heutigen Tage seid Ihr berufen. Eure Stimme für einen Kandidaten abzugebe», welcher Eure Interessen in jeder Weise vertritt. Die Verhandlungen im Rothen Hause haben in der letzten Zeit zur Genüge bewiesen, daß Ihr von der freisinnigen Majorität nichts zu erwarten habt. Ihr habt gesehen, mit welchem Hohn man die Hilferufe des Proletariats unterdrückte und zurückwies; Ihr wißt, daß von hervorragender Stelle in der Stadtvertretung ein Nolhstand überhaupt abgeleugnet wurde— man hat Geld für alle möglichen Zwecke: man giebt Feste, welche Tausende verschlingen, man bringt Geschenke dar, welche die mühsam zusammengebrachten Steuergroschen vergeuden— aber für die thatkräftige Hilfe für das arbeitende Volk fehlen die Mittel: das arbeitende Volk leidet überhaupt nicht unter dem Nothstand. Heute ist wenigstens ein Tag der theilweisen Abrechnung angebrochen. Arbeiter Berlins, die Ihr zu wählen habt, zeigt. daß Ihr die freisinnigen, nationalliberalen und konservativen Voltsausbeuter erkannt habt, tretet ein für Eure Gesinnungs- genossen, die allein von der Absicht ausgehen, die Schäden, die in der heutigen Koinmunalverwaltung hervorgetreten sind, zu beseitigen. Denkt daran, daß es Ehrenpflicht für Euch ist. heute den ausgestellten Kandidaten durchzudringen, zeigt, daß Ihr politisch reif genug seid, um die reaktionären Machenschaften zu erkennen. Seid rege und eifrig heute! Bringt Gleichgiltige und Un- erfahrene, wenn Ihr solche kennt, an die Wahlurne, rüttelt sie auf; Ihr, die Ihr vorgeschritten und zielbewußt seid, wißt, daß der Erfolg häusig von einer einzigen Stimme abhängt. Auf denn zur Wahl, wenn Jeder seine Pflicht thut, muß der Sieg unser sein! Der Kandidat für den 22. Kommunalwahl-Bezirk ist unser altbewährter Genosse, der Kaufmann Kodent Flatow, Wallnertheater-Straße 18, Wer ihm heute seine Stimme nicht giebt, handelt gegen fein eigenes Interesse! Das Zentral-Wahlkomitee. I.A.: Otto Klein, Schönleinstr. 6. VorrlÄMenlsbeviihke. Deutscher Reichstag. 200. Sitzung vom 22. März. 12 Uhr. Am Tische des Bundesraths: von Bötticher. Auf dem Präsidialsitze ist vor dem Sitze des Präsidenten ein prachtvoller Blumenstrauß niedergelegt. Präsident von Leveyow eröffnet die Sitzung mit einem Hinweis auf die heute erreichte Zahl der Sitzungen in dieser Session. Diese Zahl sei früher nie erreicht worden und werde nicht wiederkehren. Auf der Tagesordnung steht zunächst die Prüfung der Wahl des Abgeordneten von Colmar- Meyenburg. welche vom Hause schon einmal beanstandet war. Auf Grund der statt« gehabten Erhebungen beantragt die Kommission, die Beschluß- sassung über die Wahl noch weiter a u s z u s e tz e n und die eidliche Vernehmung des Kreissekretärs Worzowski und des Bureau- gchilfen Gieslcr zu Filehne darüber zu veranlassen, ob und event. an welche Schulzen, Distriktskommissare und Bürgermeister des Kreises Filehne die konservative» Stimmzettel versandt worden seien, ferner, ob die Kouverts, in denen die Stimmzettel und Flugblätter versandt wurden, durch Dienstsiegel, Stempel oder sonstwie äußerlich als aus dem Landrathsamt versandt, kenntlich waren, sowie den Landrath von Boddien uneidlich über diesen Punkt zu vernehmen, ferner die eventuell genannten Schulzen u. s. w. darüber eidlich ver- nehmen zu lassen, ob ihnen die zugesandten Kouverts mit Stimm- zetteln, als aus dem Landrathsamt kommend, erkenntlich ge- wesen seien. Dazu beantragt der deutschkonservative Abg. Mehner!, in dem Antrage auf Vernehmung des Kreissekretärs und des Bureau- gehilfen das Wort„eidlich" zu streichen, außerdem den letzten Antrag der Kommission fallen zu lassen. Abg. Träger(dfr.) beantragt prinzipaliter die U n g i l t i g- k e i t s e r k l ä r u n g der Wahl, event. die Veranstaltung von Erhebungen über eine Reihe weiterer Protestpunkte, die ungerecht- sertigte Aersammlungsvcrbote und behauptete Bestechungen und gleichartige Wahlbeemflussungen betreffen.. Abg. Träger giebt eine einfache Darstellung der bei dieser Wahl vorgekommenen nach seiner Meinung geradezu unerhörten Wahlumtriebe und Gesetzwidrigkeiten. Es sei nicht ganz ver- ständlich, welche Motive die Kommissionsmchrheit leiteten, noch weitere Erhebungen zu verlangen, während die erwiesenen Ver- stöße bereits mehr als genügendes Material für die Kassirung der Wahl geliefert hätten. Tie Vertheilnng der Stimmzettel durch das Landrathsamt zu Filehne und auf dem Amtszimmer des Bürgermeisters von Filehne sei festgestellt� und zugestanden. Tie gesetzwidrige Handlungsweise von Bürgermeistern und Distriktskommissaren bei dem Verbot bczw. der Auflösung von Versammlungen sei gleichfalls festgestellt. Die schlimmsten Exzesse seien aber gegen de» vielgenannte» Arbeiter Julius Dessau be- gangen worden, der elend zusammengehauen, danach gefesselt und eingesperrt wurde. Diejenigen, die ihn geschlagen hatten, der Schulze Helmuth Busse und der Müller Vogel, wurden gerichtlich bestrast, der Schulze mit 14 Tage», Vogel mit 3 Tagen; beide sind nachher aus Grund eines Gnadengesuchs von der Gefangniß- strafe befreit und zu 20 und 10 M. Geldbuße begnadigt worden. In dem Gnadengesuche sprachen sie von einem sozialdemo- kratischen Agitator, den sie geprügelt hätten, während es sich um die Vertheilung freisinniger Stimmzettel durch den Dessau ge- handelt hat. Ein Verurtheilter, der die Gnade der Krone an- ruft, hat vor allen Dingen die volle Wahrbeit zu sage», jede Unwahrheit ist ein Erschleichen der kaiserlichen Gnade durch Be- trug.(Sehr richtig! links.) Der zweifellos von der Staatsanwaltschaft in dieser Sache erstattete Bericht ist von der Wahl- prüsungs-Koinmission eingefordert, aber sehr eigenthümlicher Weise dicht zu erlangen gewesen. Deshalb ist auch die Vorlegung der staatsanwaltlichen Strafakten wiederholt beantragt. Trotz- dem Dessau halbtodt geprügelt worden sei, habe die Kom- wission diesen ganzen Borgang für unerheblich hinsichtlich der Wirkung auf das Wahlergebniß erklärt! Könne bei solchen Vor- kommnissen an die Möglichkeit der Ausrechterhaltung der Wahl Überhaupt gedacht werden'' Wenn aber nicht, dann habe es keinen Ziveck, die Entscheidung, wie die Kommission wolle, noch weiter hinauszuschieben. Tie Vernichtung der Wahl werde auch dazu beitragen, das Gefühl für Anstand und Sitte in weiten Kreisen bcs Volkes wieder zu beleben, welches unleugbar unter dem Ein- drucke dieser Vorkommnisse gelitten habe.«Beifall links.). Abg. Mehuert(dk.): Der Vortrag des Vorredners war mehr auf das Amüsement der Zuhörer berechnet als aus Gründe ge- stützt. Selten ist so viel behauptet und so wenig bewiesen worden. Man könnte auch auf der andern Seite sehr amüsante Bilder von dieser Wahl und der Betheiligung der Freisinnigen an der Wahlagitation entwerfen, man braucht blos an die Mitwirkung der Herren Pinkus, Abrahamsohn, Jsaac und Ephraim zu denken, an die Unsumme, welche sich die Freisinnigen die Wahlagitation haben kosten lassen und die zum mindesten auf 36 000?R. beziffert wird. Die meisten Darlegungen des Vorredners sind unerwiesene Behauptungen oder gar durch die amtlichen Akten widerlegt; Herr Träger hat aber das Material offenbar nicht genug sludirt. Das trifft besonders bezüglich der Versammlungsverbote zu. Abg. Auer(Soz.): Der Vorwurf des Vorredners gegen den Abg. Träger, daß er die Akten nicht genug studirt habe, trifft gerade auf ihn selber zu; überall, wo er die Akten zitirt hat, hat er falsch zitirt.(Hört, hört! und Zustimmung links.) Die Staatsanwaltsakten im Falle Busse sind nicht an den Reichstag eingesandt worden(Widerspruch des Abg. Mehnert), sie sind aber sehr wohl vorhanden; denn nach der Aussage des betreffenden Bürgermeisters seien sie seiner Zeit der Regierung in Broniberg vorgelegt worden. Auch dieser Redner läßt sich in eingehendster Weise über die einzelnen Vorkommnisse in dem Wahlkreise aus, beleuchtet die Ungesetzlichkeit der Versammlungsverbote, namentlich eines solchen wegen verspäteter Anmeldung, und den Fall des Arbeiters Dessau. Es sei gleichgiltig, welches politische Glaubensbekenntniß dieser Arbeiter habe; es stehe fest, daß er deutschfreisinnige Partei- agitation trieb, daß er als Beauftragter der freisinnigen Partei eine Versammlung angemeldet habe, und daß es vor Allem eine sozialdemokratische Kandidatur und Agitation in dem Kreise gar nicht gegeben habe. Wenn in dem Gnadengesuch gleichwohl von einem sozialdemokratischen Agitator die Rede sei, so sei mit dieser Behauptung die entscheidende Allerhöchste Stelle angelogen worden. Nun stehe ferner fest. daß Gnadengesuche, ehe sie an die entscheidende Stelle kommen, von der Staatsanwaltschaft geprüft und mit seinem Begleitschreiben versehen werden. Wie sei die Staatsanwaltschaft dazu gekommen, ein mit einer solchen faustdicken Lüge ausgestattetes Gnadengesuch zu befürworten? Es müsse festgestellt werden, auf welchem merkwürdigen Wege, mit welchen ivunderbaren Mitteln diese Begnadigung erzielt worden sei; darum müsse der Antrag Träger angenommen werden. Es werde ja jetzt oft in politischen Fragen mit Lügen operirt; erst gestern habe die„Kreuz- Zeitung" von sogenannlen Konservativen gesprochen, welche dem Kaiser etivas vorgelogen hätten; man könne den Verdacht nicht abweise», als ob hier Aehnliches passirt sei. (Vizepräsident Graf B a l l e st r e m: Es ist unzulässig, köiiig- liche Behörden in dieser Weise zu beschuldigen.) Ich habe das auch nicht gethan, ich habe nur gesagt, es bestehe der Verdacht. (Heiterkeit; Graf Ballestrem erklärt dies für ebenso unzu- lässig.) Die konservative Partei ist es ihrer eigenen Ehre schuldig, Wahlen, bei denen mit so unsauberen Mitteln gearbeitet worden ist, für null und nichtig zu erklären. Abg. Hahn(dk.): Selbst wenn»och weiteres Aktenmaterial existirt, so haben wir weder einen Anlaß noch ein Recht, diese Akten zu verlangen.(Lebhafter Widerspruch links.) Wir haben nur Akten zu verlangen, welche sich aus die Prüfung einer Wahl beziehen. In das königliche Recht der Begnadigung haben wir nicht die Besugniß, einzugreifen, und die Staatsanwaltschaft hat nicht die Verpflichtung, ihren event. erstatteten Bericht heraus- zugeben. Der Kommissionsbericht ergiebt ja mancherlei Mißgriffe, aber sie sind nicht geniigend, um die Wahl rechtsungiltig erscheinen zu lassen. Abg. Träger zieht den Theil seines Antrags, welcher die Einforderung der staatsanwaltlichen Akten über den Fall Busse vorschlägt, zurück; Abg. Gröber beantragt, den Kreissekretär Worzowski nichteidlich und nur de» Bureaugehilsen Giesler eidlich vernehmen zu lassen. Abg. Mehnert zieht seinen ersten Antrag zu Gunsten des ebengenannten ebenfalls zurück. Abg. v. Komierowski(Pole) appellirt an die Behörden und an das Pflichtgefühl der Privatpersonen, das Wahl- geheimniß unverbrüchlich zu achten und jede Wahlbeeinflussung als ein verwerfliches Thun zu verurtheilen. Die Wahl von Colmar schon heule zu kassiren sei nicht angängig, da volle Auf- klärung über eine Zahl von Protestbehauptungen noch nicht vor- Händen sei. Abg. Gröber(Z.) empfiehlt die Ablehnung des zweiten An- trags Mehnert. Abg. Rickert(dfr.): Nachdem von verschiedenen Seiten die Meinung ausgesprochen ist, daß man noch weiterer Ermittelungen bedürfe, bevor nian über die Wahl selbst entscheide, ziehen wir den Prinzipalantrag Träger zurück. Es handelt sich allerdings um eine Vezögerung um ein Jahr, aber dann wird für die heute noch Nnsichereil das Material vervollständigt sein. Von einer Ausgabe von 36 000 M. für die Wahl wissen ivir nichts; es ist das ein von dem Gegenprotest aufgetischtes Märchen. Der Antrag Gröber gelangt zur Annahme, ebenso die Arn träge Träger mit Ausnahnie desjenigen, der die cid- liche Vernehmung des Restanrateurs Zibell darüber verlangt, von wem er die an Karl Schmiedecke für das Notiren der Wähler ausgezahlten 3 Mark erhallen habe. Dieser Antrag wird mit 117 gegen 112 Stimmen abgelehnt, desgleichen der Antrag Mehnert. Der so veränderte Kommissioiisantrag wird mit großer Mehrheit angenommen. Es folgen Kommissionsberichte über Petitionen. Die freien Vereinigungen selbständiger Barbiere, Friseure und Perrückenmacher Deutschlands bitten um Erweiterung des 8 100 o der Gewerbe- Ordnung dahin, daß auch gegenüber Innungen, denen die Rechte aus tz 100 o verliehen sind. Mit- glieder solcher freien Vereinigungen selbständiger Gewerbe- treibenden Lehrlinge auszubilden berechtigt sein sollen, welche Gewerbsangehörige in ihren Verband aufnehme», die das Gewerbe ordnungsmäßig gelernt haben, es selbständig und selbstthätig be- treiben und Fachschulen unterhalten. lieber die Petition wird infolge eines Antrages Hartmann zur Tagesordnung übergegangen. Die Petitionen, betr. Zollermäßigung für die zur Gas- erzeugung verwandten Oele und Oelrückstände werden dem Reichskanzler als Material für eine etiva beabsichtigte Aenderung der Gesetzgebung überwiesen. Tie Petition von 514 Ziegelei-Arbeitern aus dem Fürsten- thum Lippe, welche sich über Doppelbesteuerung beschweren, wird nach kurzer Befürwortung durch den Abg. Nhlciidorff dem Reichs- kanzler zur Erwägung überwiesen, ebenso die Petitionen wegen Schutzes der deutschen Küstenschifffahrt. Der Zentralauvschuß der vereinigten Jnnungsverbände Deutschlands petitionirt um Aenderung der Gewerbe-Ordnung in Bezug auf die Sicherung des Rechts zur Führung des Meistertitels. Die Kommission beantragt Ueberweisung zur Kenntnißnahme. Der Kommissionsantrag wird angenommen. 4393 mecklenburg-schwerinsche Bittsteller, Erbpächter Schlichting und Genossen, erachten die Nichtaufnahme des Jagdrechtes und einer Vorschrift über Wildschaden-Ersatz in das bürgerliche Gesetz- buch für inopportun und ihren Interessen znwiderlansend; sie richten unter Beibringung von Material an den Reichstag die Bitte, Bundesrath und Reichskanzler zu ersuchen, die Ausnahme solcher Bestimmungen anzuordnen.- Die Kommission beantragt Ueberweisung der Petltlon als Material für die Prüfung der Frage, ob und nach welcher Richtung hin Bestimmungen über das Jagdrecht und Wild- schadenersatz in das künstige bürgerliche Gesetzbuch auszu» nehmen seien. Abg. Pachnicke(dfr.) beantragt die Ueberweisung der Petition zur Berücksichtigung und begründet dies mit der be- sonders schwierigen Lage der Pächter in Mecklenburg, welche Wildschadenersatz nur bei übermäßigem Wildstande beanspruchen können, selbst aber nicht jagdberechtigt und dadurch einem fast ruinösen Wildschaden ausgesetzt seien. Da in Mecklenburg mangels einer Verfassung und infolge der alten feudalen Einrichtungen die landwirthschastliche Bevölkerung keine Aussicht auf Berück- stchtigung ihrer Wünsche und aus Abhilfe durch die Landes- gesetzgebung habe, möge das Reich sich dieser Bedrängten an- nehmen. Auch die Rechte würde gut thun, für die kleinen Land- wirthe des Großherzogthums einzutreten. Abg. v. Pfetten: Es stehen hier nicht Groß- und Klein- grundbesttz gegenüber, sondern die Interessen des Grundbesitzes und die der Jagdliebhaber. Auch die Grundbesitzer haben ein Interesse daran, daß die Ausübung der Jagd möglich bleibe; Jahr für Jahr wachsen die Erträgnisse aus der Jagdverpachtung durch die Gemeinde». In dem großen Umfange, wie es die Petition wolle, könne man dem Wunsche der Petenten unmöglich entsprechen. In fast ganz Deutschland, mit Ausnahme Mecklen- burgs sei die Frage gut geregelt. Redner beantragt den lieber- gang zur Tagesordnung über die Petitionen. Die Abgg. Goldschmidt und Büting treten für den Antrag auf Berücksichtigung ein. Der Antrag auf Uebergang zur Tagesordnung und der An- trag auf Berücksichtigung werden abgelehnt, der Kommissions« antrag angenommen. Nachdem noch 13 Berichte der Petitionskommission über Petitionen ohne allgemeineres Interesse ohne Debatte den!1onl- missionsanträgen gemäß erledigt sind, wird die Sitzung vertagt. Schluß 5 Uhr. Nächste Sitzung Mittwoch 12 Uhr. W e i n g e s e tz.) Abgeordnetenhaus. 39. S i tz u>, g vom 22. März. 11 Uhr. Ilm Ministertische: Miquel, Thielen und Kommissarien- Eingegangen ist der Gesetzentwurf, betreffend die Deklaration der Vorschriften des tz 72 Absatz 1 des Einkommensteuer-Gesetzes vom 24. Juni 1891 und ß 51 Absatz 1 des Gewerbesteuer-Gesetzes von demselben Tage. Aus der Tagesordnung steht zunächst die Denkschrift, be- treffend den Kanal von Dortniund nach den Ems» Häsen. Hierzu liegt ein Antrag des Abg. Grafen Kanitz vor: Die königliche Staatsregierung zu ersuchen, die Ausführung der vorgeschlagenen veränderten Linienführung davon abhängig zu mache», daß die auf 4 770 000 M. veranschlagten Mehrkosten durch iveitere Beiträge der Interessenten gedeckt werden. Abg. Schmieding(natl.): Die vorgeschlagenen Verände- rungen sind fast durchweg Verbesserungen. Der Kanal von Dort- mund nach den Emshäfen hat an sich nur eine untergeordnete Bedeutung. Seinen vollen Werth erhält derselbe erst, wenn der von allen Seiten gewünschte Mittelland- Kanal von der Weser nach der Mittelelbe hergestellt sein wird. Abg. Diinckctchcrg natl.): Ich vermisse bei dieser Denk- schrift den Namen des landwirthschaftlichen Ministers. Minister Thielen: Die Denkschrift ist von dem landwirth- schaftlichen Minister gut geheißen worden. Die Mittellandlinie ist in der Vorarbeit begriffen, und zwar für die Linie von Bevergern bis Minden ist die Vorarbeit fertig, von Minden nach Hannover ist sie in Arbeit. Die Denkschriften sind vorgelegt, um dem Landtag Kenntniß zu geben von der Lage dieser beiden Ver- kehrsstraßen, welche geplant sind. Daß der Kanal die größten Rheinschiffe trage» könnte, ist nicht zu erreichen. Der Kanal ist schon der größte Binnenlandkanal bei 2Vs Meter Fahrtiefe, während der Rhein 3 Meter Fahrtiefe hat. Abg. Graf Kanitz: Ich halte es für bedenklich, hier eine Erhöhung zu bewilligen, ohne daß uns eine Gesetzesvorlage ge- macht ivird, welche die Aenderungen begründet. 1886 waren die Verhältnisse der westfälischen Kohlenbergwerke schlecht. Damals mußte geHolsen werden. Aber der Kanal von Dortmund nach den Enishäfen wird nichts helfen; es wird nicht gelingen, die Ruhrkohlen so billig an das Meer zu bringen wie die englische Kohle. Besser und billiger würde es sein, einen Nebenfluß des Rheins zu kanalisiren und so das Kohlenrevier mit dem Rhein in Verbindung zu fetzen. Früher wurde gesagt, der Kanal solle sich selbst unterhalten, verzinsen und amortistren; es war eine Kanalabgabe von 2,50 M. in Aussicht genommen. Ich möchte den Minister bitten, sich darüber zu erklären, ob er heute noch denselben Standpunkt einnimmt, den die Regierung früher ein- genommen hat. Die Kohlenzechen können den Kanal garnicht benutzen, wenn sie nicht ein leider jetzt häufig befolgtes Verfahren einschlagen, nämlich nach dem Auslande billiger verkaufen, als nach dem Jnlande. Redner weist nach, daß das Koaks- Syndikat nach Seraing und Charleroi Koaks zum Preise von etivas über 6 M. verkauft hat. während im Jnlande der Preis von 12 M. festgehalten und behauptet wurde, daß derselbe gerade die Selbstkosten decke. Welcher Schaden für unsere Industrie! Wie gering ist die Opserwilligkeit der Interessenten für den Dortmund-Emskanal! Es wird an die Hilfe des Staats appellirt. Welche Gewinne sind in den letzten Jahren gemacht ivorden, Dividenden von 10, 20, 30, bis zu 80 pCr. Man sagt die hohen Dividenden sind eine Folge der Reduktion des Aktienkapitals. Das ist richtig; die Zechen waren in der Gründungszeit durch Ausgabe von Aktien überbürdet; es ist wünschenswerth, daß ein Gesundungsprozeß sich vollzieht. Wie große Abschreibungen haben die Zechen gemacht und ivelche Gratifikationen haben sie ihren Beamten gewährt, da konnten sie auch erhebliche Summen für den Kanal ausgeben. Besser wäre es, wenn der Kanal garnicht gebaut und das Geld erspart würde. Soll er gebaut werden, so müsse» die Interessenten die Mehrkosten tragen.(Zustimmung rechts.) Die Zahl der Bergarbeiter hat sich von 83 000 auf 138 000 Köpfe in den letzten 10 Jahren vermehrt; alle Erwerbs- ziveige haben ihre Arbeiter abgeben müssen. Jetzt sollen noch mehr Kohlen gefördert werden. Wo bleibt da die Lanvwirthschast? Es muß unser Bestreben sein, die Uebervölkerung der Industrie bezirke aufzuhalten.(Zustimmung rechts). Finanzminister Miguel: Ich kann nicht leugnen, daß die Bean- standung der Denkschrift nach der formellen Seite begründet ist. Es handelt sich um Aenderungen deS ursprünglichen Planes. deren Zweckmäßigkeit allseitig anerkannt wurde. Es fragt sich, ob es zulässig wäre, das Projekt ohne Kenntnißnahme seitens des Landtages zu modifiziren. Es wurde anerkannt, daß eine Mit- theilung an den Landtag nothwendig sei. Bei Erwägung der Frage, ob man einen neuen Gesetzentwurf vorlegen sollte, entstand die Schwierigkeit, daß eine feste Summe garnicht angegeben werden konnte, weil vielleicht der veränderte Plan ohne Mehr- kosten ausgeführt werden kann. Wenn das Haus die Denkschrift erledigt, ohne Beschlüsse daran zu knüpfen, so könnten die bc- theiligten Minister die Verantwortung für eine etwaige lieber- schreitung der Kosten übernehnien. Die Rede des Grasen Kanitz •yt- war mehr gegen den Kanal überhaupt gerichtet als gegen die seiner Uniform zeige. Das paßte aber dem Uniformträger gar macht, ist der Umstand, daß immer die eigene liebenswürdige vorgeschlagenen Abänderungen. Daß der Kanal gebaut werden nicht und auch sein Kollege verbat" sich ein solches Einmischen. Natur durch sein Spiel hindurchschaut. Da auch sonst ein flotter soll, steht durch die Beschlüsse beider Häuser unter Zustimmung Einige Vereinsmitglieder erklärten nun den Schuhleuten, daß Bug durch die Aufführungen ging, in denen besonders die Damen der Regierung fest und es fragt fich nur, ob man eine geschlossene Gesellschaft, welche das Lokal gemiethet habe, Schlüter und Wagner und die Herren Bollmann und durch einen Zuschuß von 4 Millionen Mark das Projekt auch für die Dauer der Miethszeit gewisse Rechte besitze und daß Walden sich hervorthaten, so blieb das Publikum bis zuletzt in so ausgestalten soll, daß es den praktischen Bedürfnissen entspricht. eines der vorzüglichsten Rechte das sei, ungebetene Gäften zu der fröhlichsten Stimmung. Was Graf Kanit gefagt hat über den billigen Kohlenverkauf an einem Spaziergang an die freie Luft aufzufordern. Leisten sie das Ausland bezieht sich nicht auf die geplanten Aenderungen, dieser Aufforderung keine Folge, so tann's eine Anklage wegen sondern auf den Kanal selbst, der durchaus nicht blos den Zweck Hausfriedensbruch geben. Diesen Erläuterungen zu gewissen hat, die Kohlenausfuhr nach dem Ausland zu begünstigen. Die Paragraphen des Strafgesetzbuches tonnten sich schließlich auch in der Nähe des Kanals liegenden Städte haben ein Interesse die Schuyleute nicht verschließen, sie gürteten ihre Lenden und an dem Kanal und die Kohlen würden unseren eigenen Dampfer verließen das ungaftliche Lokal. linien billiger zugeführt werden können. Die Annahme des Antrages des Grafen Kanit würde eine neue Verzögerung mit sich bringen. Es ist schon schwer genug geworden, das Geld für den Ankauf des Grund und Bodens zusammenzubringen. Ich bitte deshalb, die Denkschrift zu genehmigen. Abg. Hammacher( natl.): Der Antrug des Grafen Kanik, der ja ein Gegner des Kanals ist, hat nur den Zweck, die Fertigstellung des Kanals zu verhindern. Es liegt ein Wider spruch in den Ausführungen des Grafen Kanitz: Einmal weist er nach, daß der Kanal garnichts nüßt, daß er es nicht möglich machen wird, Kohlen ins Ausland zu schaffen und ferner behauptet er, daß die Verschleuderung der Kohlen ins Ausland durch den Kanal begünstigt werden wird. Die Manier, billiger an das Ausland zu verkaufen, besteht nicht blos in Deutschland, sondern überall. Solche schlechten kaufmännischen Gewohnheiten müffen auf andere Weise beseitigt werden, nicht durch parlamentarische Maßnahmen. Abg. v. Eynern: Ich hatte mich nur gemeldet, weil ich glaubte Graf Kanit würde etwas neues vorbringen. Das hat er aber nicht gethan, er hat nur die alten Dinge über die Kohlenverkaufsvereine u. f. w. vorgebracht, bei denen er sich immer in rührender Uebereinstimmung mit Herrn Brömel befindet. Abg. Graf Kanit erklärt sich befriedigt über die Erklärung des Finanzministers. Abg. Wallbrecht: Graf Ranih thut so, als wenn die Intereffenten überhaupt teine Gelder aufgebracht hätten. Sie haben bereits 5 Millionen für den Grunderwerb aufgebracht. Wenn die 4 770 000. ihnen auch noch auferlegt werden, dann wird entweder der Kanal gar nicht gebaut, oder in einer schlechteren Form, wie er bisher vorgeschlagen war. Redner bittet den Minister, die Vorarbeiten für den Mittelland- Kanal zu be schleunigen. Der Antrag des Grafen Kanit wird gegen die Stimmen der Konservativen und einiger Freikonfervativer abgelehnt; die Dentschrist wird für erledigt erklärt. Die Dentschrift, betreffend die Durchführung des Großschifffahrtsweges durch den Breslauer Stadtbezirk, wird nach kurzer Debatte für erledigt erklärt. Schluß gegen 3 Uhr. Nächste Sigung Mittwoch 11 Uhr. ( Petitionen.) bewahren. Lokales. Bemerkt muß noch werden, daß der Wirth die Partei der beiden Schuyleute ergriff. Aber auch er konnte sich den zwingenden gesetzlichen Bestimmungen nicht verschließen, er mußte eingestehen, daß der Verein in seinem Rechte war, als er auf dem Ausweisungs- Paragraphen verharrte und denselben ohne Weiteres zur Anwendung brachte. Als die Blauen" sich entfernt hatten, entfaltete der Verein fofort wieder feine Devise, welcher er seinen Namen verdankt, die „ Gemüthlichkeit". Gerichts- Beitung. = Giftmord Prozek. Vor dem Schwurgericht des Land gerichts I fand gestern die Verhandlung gegen die 21jährige Dienstmagd Wilhelmine 2o a statt, welche beschuldigt ist, eins der ihrer Obhut anvertrauten Rinder vorfäßlich durch Beibringung von Gift aus dem Wege geräumt zu haben, um sich dadurch eine Erleichterung ihres Dienstes zu verschaffen. Als die That derzeit durch die Zeitungen bekannt wurde, erregte fie ihres Beweggrundes wegen nicht geringes Aufsehen. Die Angeflagte trat am 20. November v. J. in den Dienst der KlempnerHeiratheschwindler. Zwei Heirathsschwindler sind in den meister Görisch'schen Eheleute, Zimmerstr.37 wohnhaft. Sie wurde als letzten Tagen festgenommen worden. Der eine hat sich als Kindermädchen angenommen zur Beaufsichtigung und Wartung Buhnen- und Dammmeister Schmidt aus Landsberg a. W., auch eines dreijährigen Knaben und zweter drei Monate alter weibals Korrigenden Aufseher bezw. Strafanstalts- Inspektor in ficher Zwillinge. Die Letteren wurden mit der Flasche genährt Straußberg ausgegeben und für einen angeblichen Freund den und lag es der Angeklagten besonders während der Nacht ob, Freiwerber gespielt, hat auf Annoncen heirathslustiger Wittwen die Nahrung für die beiden kleinen zum Genuffe vorzubereiten in reiferem Alter sich in deren Wohnung und durch sein scheinbar nnd denselben zukommen zu lassen. Das eine der Kinder, Emilie biederes Wesen in das Vertrauen derselben zu schleichen gewußt Görisch, war unruhiger wie das andere. Zehn Tage nachdem und dann seine Opfer um Geld und Werthsachen betrogen, auch die Angeklagte ihren Dienst angetreten, bemerkte Frau Görisch, daß bestohlen. Er hat auch selbst Annoncen in die Zeitungen rücken ihr Töchterchen Emilie von Erbrechen befallen wurde, nachdem es den laffen, in denen er sich als Maschinenmeister einer föniglichen Inhalt einer Flasche Milch zu sich genommen, den die Angeklagte ihr Werkstatt oder als fönigl. Beamter bezeichnet hat. Er ist als verabreicht, das Kind erholte sich aber wieder und es wurde den der Arbeiter" August Gerling, verheirathet und Vater von vier Umstande tein bedeutendes Gewicht beigelegt. Kurze Zeit darauf, Kindern, ermittelt worden. Der zweite Schwindler ist noch in der Nacht zum 3. Dezember, wiederholten sich diese Erunverheirathet, hat sich meistens an Dienstmädchen unter dem scheinungen, Frau Görisch bemerkte, daß das Kind in Zuckungen Vorwande, sie zu heirathen, herangemacht und vorgegeben, er lag. Es litt ferner an Aufstoßen und vor dem Munde zeigte Die geängstigte Mutter gab dem Kinde eine wolle ein Fuhrgeschäft einrichten: er hat dann die Mädchen um sich Schaum. ihr Geld beschwindelt. Er ist der stellenlose Arbeiter" Max Weber. von ihr selbst gefüllte Flasche mit erwärmter Milch und es Zweifellos haben Beide große Schwindeleien verübt und es wäre schien auch, als wenn der Zustand des Kindes sich bessere. zu wünschen, wenn alle Geschädigten sich bei der Kriminalpolizei Gegen Morgen traten diefelben Krankheitserscheinungen aber in verstärktem Maße auf und das Kind verschied, bevor melden möchten. der herbeigeholte Arzt erscheinen konnte. Es wurde Zwei Hochstapler sind heute festgenommen worden. Die Verdacht rege, daß das Kind Gift bekommen habe, Buchhalterin Margarethe W., die sich als Fräulein Margot von alle Krankheitserscheinungen für diese Annahme sprachen. Die Stockhausen, Tochter des Generalkonsuls in Kairo, ausgegeben Leiche des Kindes wurde untersucht und im Magen wurde und erzählt hat, daß ihre Brüder Offiziere und Regierungs- auch Arsenit nachgewiesen. Allerdings nur in sehr geringer affefforen feien, will diese falschen Angaben nur gemacht haben, Menge, aber die Aerzte begutachteten, daß, da das Kind außer m interessanter zu erscheinen. Sie hat unser diesem Namen in dem an einem atuten Magen- und Darmtatarrh gelitten hatte mehreren Hotels logirt und dieselben ohne Begleichung der Rech- und infolge dessen etwas geschwächt war, so genüge die vor Der andere Hochstapler, der Kaufmann Frib gefundene kleine Menge Arfenit, um eine tödtliche Wirkung nung verlaffen. von Poiesdorf, bereits wegen Diebstahls, Landstreichens und herbeizuführen. Nun wurde die Angeklagte, welche sich häufig Bettelns bestraft, hat sich, obwohl nur oberflächlich gebildet, für in unmuthiger Weise der Frau Görisch gegenüber darüber be einen hier immatrikulirten Studenten ausgegeben, mit Geschick in flagt hatte, daß. Emilie ihr weit mehr Last mache, wie studentische Kreise eingedrängt, Ehrenhändel angefangen, Waffen die Zwillingsschwester, einem Verhör unterzogen. der da Nach von Verbindungen belegt und vor dem Waffengange, zu dem es anfänglichem Zeugnen legte sie dem Hausbesitzer Renter gegen nie tam, Testamente gemacht, in dem er sein Vermögen den über ein Geständniß ab. Sie habe bereits am 28. November ein Freunden vermachte. Durch den Verkehr mit Studenten gelang Fläschchen mit Arsenit, welches auf dem Arbeitstische ihres es ihm, sich bei Gewerbetreibenden Kredit zu verschaffen, zumal Dienstherrn gestanden hatte und als Gift gekennzeichnet war, da er erzählte, daß er nach dem kürzlich erfolgten Tode feines an sich genommen. In der Nacht zum 3. Dezember habe sie die Vaters der Hebung eines bedeutenden Vermögens entgegenfehe. That ausgeführt, ihren Finger mit dem Gift in Berührung ge 10 an um fich Zur Bekämpfung der Arbeitsnoth sind nun richtig auch die wohlthätigen Frauen" an der Arbeit und haben die Arbeitslofen nun glücklich auch ihren Bazar! Gleichwie sich die Extreme im menschlichen Leben oft berühren, so auch in einer Notiz, die wir in einem philanthropischen Blatte finden, in welcher es nach Ein eigenthümlicher Diebstahl beschäftigt zur Zeit die bracht und dann den Gummisauger damit bestrichen, den sie Später hat die einem Hinweise darauf, daß der Magistrat von Charlottenburg Kriminalpolizei. Ein Amsterdamer Haus schickte vor einigen dann dem Kinde in den Mund steckte. Gift in der Absicht in Rücksicht auf die augenblickliche Nothlage der Arbeiter mit Tagen ein Packet an das hiesige Bankgeschäft von J. Löwenherz. Angeklagte das Geständniß dahin abgeändert, daß sie das sich genommen habe, dem Bau der Kanalifirung eines Theiles des Charlottenburger In der Postfendung befand sich unter Anderem eine breiprozentige selbst das Leben zu nehmen. Dies hält die Anklagebehörde für Ufers schleunigft zu beginnen gedenke, heißt: russische große Staatseisenbahn Obligation im Minimalwerthe Ferner ist man jetzt auch in allen Kreifen der Gesellschaft von 125 Rubeln. Das Packet ist dem Adressaten ausgehändigt wenig glaubhaft. Allerdings ist die Angeklagte im Besize eines eifrig bemüht, den Arbeitslosen passende Beschäftigung zu geben worden, ohne daß Spuren einer stattgehabten Eröffnung sichtbar außerehelichen Kindes und von dessen Bater verlassen, die Gr und der bitteren Noth abzuhelfen. So hat auch Gräfin Adelaide waren. Trotzdem fehlte das bezeichnete Papier, welches erwiesener- nährung des Kindes machte ihr aber wenig Sorgen, denn es Schimmelmann, die durch ihre menschenfreundlichen Stiftungen maßen in Amsterdam mit verpackt worden war. Wie es der war bei einer Pflegefrau untergebracht, die dafür monatlich 18 M. erhielt. Da die Angeklagte ein Vermögen von 2300 M. zum Besten der armen Ostseefischer bekannte Wohlthäterin, Dieb zu Wege gebracht hat, sich in den Besitz des Werthobjekts befigt, so fonnte ihr die Erhaltung ihres Kindes nicht schwer in aufopferndster Weise sich eines Theiles der brot zu sehen, bleibt vorläufig ein Räthsel. fallen. Bei dem Geständnisse der Angeklagten sind nur wenige losen Arbeiter angenommen und seit drei Wochen im Stillen schon über hundert Arbeitslose, die wirklich arZur Warnung für Damen, die spät Abends, ohne männ- Beugen geladen. Den Vorsitz führt Landgerichtsrath Voigt, die Anklagebehörde beiten wollten, beschäftigt und durch praktisches Eingreifen liche Begleitung, heimkehren, theilt eine hiesige Korrespondenz den mancher Familie Hilfe gebracht, sie vielleicht vom Untergange folgenden unerfreulichen Vorfall mit: Eine Artistin, Frau Auna vertritt Staatsanwalt Hoppe, die Vertheidigung führt Rechtsgerettet. Die Gräfin hat unter Anderem einen Schnitzfaal ein B., in der Spezialitätenwelt als Kunst- Radfahrerin wohlbekannt, anwalt Willy Davidsohn. Als Sachverständige find Sanitate gerichtet, wo ungefähr 30-40 Leute unter Aufsicht einfache durchschritt in der vorverflossenen Nacht, von einer Gesellschaft rath Dr. Mittenzweig, Medizinalrath Dr. Lovy und der Gerichts Muster, die ihnen aufgezeichnet werden, auf Kleine Solzmöbel fommend, gegen 12 Uhr die Oranienstraße, um sich nach ihrer, chemiter Dr. Bischoff zur Stelle. Die Anflage lautet nicht auf schnißen. Es ist erstaunlich, wie rasch sich manche von den Ar- in der Schönleinstraße belegenen Wohnung zu begeben. In der vollendeten, sondern nur auf versuchten Mord. Die An beitern, die vordem nie geschnitzt haben, Fertigkeit in der Technit Nähe des Oranienplages wurde nun Frau V. von einer Rotte geschuldigte, die keineswegs einen unangenehmen Eindruck macht, annehmen. Die Leute werden beköstigt, bekommen angemessenen junger Leute mit zotigen Redensarten belästigt und schließlich beantwortet die an sie gestellten Fragen in ruhiger Weise. Lohn, und es wird darauf geachtet, daß sie sich anständig be- wurden die Burschen derart zudringlich, daß die Geängstigte laut Bei ihrer Vernehmung wiederholt sich die häufig vorkommende nehmen und fleißig arbeiten. Der Verkauf der Möbel, meist um Hilfe zu rufen anfing. Ein Wächter, welcher infolge deffen Erscheinung, daß ein früher abgelegtes Geständniß zurüc originelle Höckerle und Stühle, findet in der Wilhelmstraße 39, auf der Bildfläche erschien, und bei dessen Heraunahen die Row- gezogen wird. verhaftete Frau V. wegen Präs.: Aber Angeklagte, wie kommen Sie dazu, jetzt dies schleunigst die Flucht ergriffen Ecke Kochstraße, statt und ist dem Publikum hier Gelegenheit nächtlicher Ruheſtörung" und führte fie, troß ihrer Betheue- plöglich die That zu leugnen?- Angek I.: Ich habe es nicht gegeben, manch' arme Familie vor Hunger und Verzweiflung zu zungen, völlig unschuldig zu sein, zur Wache in der Naunyn gethan.- Bräf.: Da muß ich Ihnen Ihr früh babie zunächtlicher früheres Ge Hätten wir eine Satire auf die heutigen Zustände schreiben straße. Nachdem hier ihre Personalien festgestellt worden waren, ständniß vorhalten. Das räumen Sie doch wenigstens ein, daß die fleine Emilie Görisch Ihnen am meisten Last machte, weil sie wollen, wir hätten es nicht beffer vermocht, als der Verfasser der konnte sie den so jäh unterbrochenen Heimweg wieder antreten. viel unruhiger war, wie ihre Zwillingsschwester?- Angefi: zitirten Zeilen, der sich zum begeisterten Lobredner der gedachten leberfahren. Von einer Droschke wurde vorgestern Abend Ja, das ist wahr.- Vors.: Ihr Dienstherr hatte auf seinem hochgeborenen( oder auch nicht?) Gräfin berufen fühlt. Tritt gegen 6 Uhr an der Ede der Koch- und Wilhelmstraße ein zwölf- Arbeitstische ein feines Fläschchen mit einem weißen Bulver doch in der vorstehenden Reklame das klägliche und Entwürdigende ähriger Knabe überfahren. Troh lauter Zurufe des Kutschers stehen lassen, welches er zu technischen Zwecken gebrauchte. Die des ganzen Wohlthätigkeitsrummels recht deutlich zu Tage; flag- lief der Knabe blindlings auf das Pferd zu und wurde von dem Flasche war mit der Aufschrift:" Arsenit! Gift!" versehen. Sie lich insofern, als man in heutiger Zeit durch Wohlthätigkeit der selben zu Boden gerissen. Ein Schuhmann schaffte den an wissen doch, daß Arsenik Gift ist? Angett: Ja, das wei Arbeitslosigkeit zu steuern gedenkt, entwürdigend insofern, als scheinend nur leicht an den Beinen Verletzten in die nahegelegene ich. Borf. Nachdem das Kind gestorben war, wurde das die Arbeiter- insbesondere aber die arbeitslosen Arbeiter elterliche Wohnung. Fläschchen im Bücherregal gefunden. Wissen Sie, wie es dahin als etwas betrachtet werden, das sich mit dem Begriffe von Menschenwürde schwer vereinbaren läßt. Wird doch auch in Ein sehr reicher junger Amerikaner, der seit einiger gekommen ist?- Angell.: Nein. Präs.: Denn will ich vorstehendem Zitate von Arbeitslosen gesprochen, die wirklich Zeit in Berlin lebte, ist hier in eine Kriminaluntersuchung ver- Ihnen fagen, was Sie früher gestanden haben. Sie haben zu arbeiten wollen"; wird doch ferner gesagt, daß sie unter Auf- strickt und dieser Tage verhaftet worden. Die ihm zur Last ge- gegeben, daß Sie sich das Fläschchen, welches ihr Dienstherr aus Vers Sie haben ficht" arbeiten, fowie: die Leute werden belästigt, bekommen an- legten Beschuldigungen sind derart, daß sie sich öffentlich nicht fehen auf seinem Tische hatte stehen lassen, anstatt es wie ges gemeffenen Lohn und es wird darauf geachtet, daß sie sich an- wiedergeben lassen. In der Wohnung des Amerikaners sollen wöhnlich zu verschließen, an sich genommeg haben. ständig benehmen und fleißig arbeiten". Eine gräflich- philan- wilde Orgien fich abgespielt haben.- Natürlich, denn arme angegeben, daß Sie zunächst die Absicht hatten, sich selbst au vers giften, da Sie aber nicht wußten, wie viel Sie zu nehmen hatten, thropische Arbeiter- Rolonie! Man giebt Arbeitslosen Arbeit, aber Leute können teine wilden Orgien feiern. so hätten Sie die Wirkung an einem der Kinder erst erproben nicht als ein ihnen zustehendes Recht, sondern als eine WohlPolizeibericht. Am 21. d. M. Vormittags fiel der Be- wollen. In der Nacht zum 3. Dezember hätte eines der Kinder that", von der Gnade eines Einzelnen abhängig! Ob man nun zum Besten der Armen" feftirt und pokulirt und sich amüsirt, gleiter eines Milchwagens vor dem Haufe Belle- Alliance- Platz 6a nach Nahrung verlangt, Sie wären nach Ihrer Stube gegangen, oder ob man der Noth der Arbeitslosen auf vorgedachte Art zu beim Besteigen des in der Fahrt befindlichen Wagens zur Erde, hätten das Fläschchen aus Ihrer Kommode genommen, den Kort steuern sucht, es ist beides gleich kläglich und der Arbeiter unwürdig gerieth unter die Räder und wurde an der Hand und am Bein mittels eines Pfropfenziehers gelöst und von dem an der unteren bedeutend verlegt. Am Plan- Ufer, nahe der Admiralbrücke, Seite des Pfropfens anhaftenden weißem Pulver etwas an und charakteristisch für die heutigen gesellschaftlichen Zustände. fiel Nachmittags ein 4jähriger Knabe beim Spielen in den ihren Finger gestrichen. Dann feien Sie in die Kinders Arbeiter Bildungsschule, Kursus für National Landwehrkanal, wurde jedoch von dem ihm nachspringenden stube gegangen, hätten das Gift an das Gummi Sauges Der Flasche abgestrichen und es dem ersten der B.tonomie. Vom 27. März ab findet der Unterricht in der Arbeiter Gäng noch lebend aus dem Wasser gezogen und in die stück Nationalökonomie bei Dehlmann, Münzftr. 11, Hof 1 Treppe, statt. Wohnung feiner Eltern gebracht. Im Laufe des Tages fanden beiden Kinder, welches es war, fei Ihnen ganz gleichgiltig ge fieben Brände statt. wesen, in den Mund gesteckt. So lautet das Geständniß, welches Sie vor dem Untersuchungsrichter abgelegt haben. Und jetzt behaupten Sie, das ganze Geständniß beruhe auf unwahrheit? -Angefl.: Ja, ich habe das Fläschchen nie in meiner Hand gehabt. Präs: Wer hat Ihnen den Rath gegeben, das Ge ständniß zu widerrufen?- Angefl.: Niemand.- Präf.: Warum haben Sie denn Ihrer Dienstherrin und dem Unter Im Thomas- Theater hat auch die neue Woche unter dem suchungsrichter gegenüber gelogen?- Angeklagte: Man Präs.: Zeichen Conrad Dreher" auf's Glücklichste begonnen. redete auf mich ein, ich sollte es zugeben. In schon vorgeschrittener Stunde fanden sich noch einige nicht Der Münchener Charakterfomiter, deffen Beliebtheit sich schnell Das ist ja aber durchaus unwahrscheinlich, daß Jemand eingeladene Gäfte ein, zwei Schuyleute in Uniform hatten sich im auf Berlinischen Boden verpflanzt und hier bereits feste Wurzeln sich wider befferes wiffen eines so schweren Verbrechens Borzimmer des Lokals niedergelassen und ließen sich bei einigen gefaßt hat, trat zunächst in dem Stieler'schen Genrebilde bezichtigen wird. Angefl.: Als ich vom Untersuchungs Seideln wohl behagen. Vereinsmitglieder ließen es sich nicht Gin blauer Teufel" auf und stattete den in's Bayrische richter vernommen worden war, sagte ich zur Wärterin, ich nehmen, mit einigen weiteren Schoppen aufzuwarten. Die übertragenen Kurmärker" mit dem gewinnendsten Humor aus. wollte mich wieder vorführen lassen, um zu widerrufen, die Herren Schuhleute zeigten sich von bestrickender Gemüthlichkeit. Daß es ihm auch gelang, in Moser's bekanntem Lustspiel Wärterin rieth mir aber ab, indem sie meinte, ich würde meine Leider hielt dieselbe nicht übermäßig lange an. Einer der Hüter Der Bureaufrat" dem norddeutschen Rendanten die über- Lage nur dadurch verschlimmern. Präs.: Als Ihre Dienst des Gesetzes ging nämlich in den Saal und damit waren verzeugenden Farben zu verleihen, ist seiner Kunst noch höher an- herrin die Aeußerung that, daß mit dem Kinde etwas passirt fei schiedene Vereinsmitglieder nicht einverstanden. Sie meinten zurechnen. Die Pedanterie des Beamten im Widerstreit mit den und daß sie es seziren lassen würde, sollen Sie sehr ängstlich nämlich, daß die Uniform zur Erhöhung der Gemüthlichkeit des luftigen Mißhelligkeiten und Verlegenheiten, in die ihn der Zufall geworden sein und gesagt haben: Das werden Sie doch nicht Gesangvereins Gemüthlichkeit verteufelt wenig beitrage und daß oder vielmehr die Laune des Dichters verstrickt, kamen zu höchst thun!" Angell: Daß ich ängstlich gewesen bin, bestreite der Träger der Uniform im Interesse der Festtheilnehmer am ergöglichem Ausdruck und trugen dem Künstler reichlich Beifall ich entschieden.- Bräf.: Sie sollen aus freien Stücken hinzus Beften thäte, wenn er dem Saal die blaue Rückseite ein. Was die Darstellungsweise Dreher's so überaus sympathisch gefügt haben: Ich habe- dem Kinde nichts gegeben." " Der Gesangverein Gemüthlichkeit"( Mitglied des Arbeiter- Sängerbundes) feierte am Sonnabend sein 5. Stiftungsfest im Lokale von Scheffer, Inselstraße 10. Die Freunde des Vereins waren sehr zahlreich erschienen, die Festtheilnehmer unterhielten sich bei Vorträgen und Tanz ganz ausgezeichnet. Be sonderen Beifall ernteten der Vortrag: Eine fidele Gerichtsverhandlung," welchen drei Mitglieder des Vereins zur Aufführung brachten. " Theater. AngeN.: Ich glaube nicht, daß ich dieZ gesagt habe.— Präs.: Man h at Sie im Verdacht ge° habt, daß Sie auch Ihr eigenes Kind, welches' oer Frau Wischinsty in Pflege war. durch das Gift aus dem Wege geräumt hätten, denn auffallender Weise ist das- selbe fast zu derselben Zeit gestorben, wie das Kind Ihrer Herrschast. Die Untersuchung hat nach dieser Richtung hin aber nichts Bestimmtes ergeben. Nun sagen Sie mal. Angeklagte. wer soll denn das Fläschchen mit Arsenik genommen haben?— A n g e k l.: Die Lausburschen gingen ja in der Arbeits- stube auch ein und aus, und ebenso andere Personen.— Präs.: Was hat Sie denn nun veranlaßt, zunächst der Frau Görisch gegenüber das Geständniß abzulegen s A n g e k l.: Ich wurde ängstlich gemacht und dazu über redet.— Präs.: Wollen Sie nicht lieber Ihr Geständniß wiederholen und Ihr Gewissen dadurch erleichtern?— Angekl.: Nein, jetzt sage ich die Wahrheit, ich habe die Flasche nicht ge- habt.— Präs.: Sie sind von einer traurigen Verstocktheit. Allen ferneren Vorhaltungen des Präsidenren setzt die Angeklagte die Worte entgegen:„Ich sage jetzt die Wahrheit, ich habe die Flasche nicht gehabt." Die Beweisaufnahme beginnt mit der Vernehmung der Ehe- frau Görisch. Die Zeugin führt eine ganze Reihe von That- fachen und Aeußerungen an, wodurch die Angeklagte sich ver- dächtig gemacht. Das Fläschchen mit Arsenik wurde am folgenden Tage vermißt und alle Personen, welche Zutritt zu den Räumen hatten, wurden darnach befragt. Die Angeklagte habe auf Befragen der Zeugin erwidert, daß der Ehemann sie bereits darüber befragt habe, sie habe ihm gesagt, daß sie von einer Flasche nichts wisse. Ain Tage nach dem Tode des Kindes sei das Fläschchen ans eigen thümliche Art wieder an's Tageslicht gekommen. In der Wohn stube befand sich ein Regal, welches ein Konvcrsations-Lexikon enthielt. Es wurde bemerkt, daß der zweite Band benutzt und verkehrt wieder eingereiht worden war, der Rücken des Buches war innen gestellt. Als dasselbe herausgenommen wurde, fand man dahinter stehend das Fläschchen mit Arsenik. Der be- treffende Band enthielt den Artikel„Arsenikvergiflung". Damals schon hatte die Angeklagte sich durch ihr Benehmen verdächtig gemacht. Tie Zeugin hat die Angeklagte herein- gerufen und ihr den Artikel„Arsenikvergiftung" vorgelesen. Dabei hat die Angeklagte ein höchst unruhiges und aufgeregtes Wesen gezeigt und schließlich auf wiederholtes Befragen ein- geräumt, daß sie das Fläschchen gehabt habe. Endlich sei sie mit dem Geständniß herausgerückt, daß sie dem Kinde eine Kleinigkeit von dem Gifte eingegeben habe. Sie habe die Absicht gehabt, sich selbst zu vergiften und die Wirkung des Giftes zu- nächst an dem Rinde erproben wolle». Tie Angeklagte habe dann das Geständniß insoweit widerrufen, als sie später behauptete, die That sei ihr leid ge- worden, sie habe ihren Finger von dem Gifte wieder gereinigt, es müsse von dem Pulver aber doch etwas daran sitzen geblieben und an den Gummipsropfen gerathen sein. Der folgende Zeuge, Hauseigeulhümer Reuter, bekundet, daß die Angeklagte in seiner Gegenwart das Geständniß wiederHoll, allerdings dasselbe aber gleich darauf widerrufen habe. Die Zeugin Wischinsky. die das Kind der Angeklagten in Pflege hatte, weiß nur zu bekunden, daß die Angeklagte ihr gegen- über niemals Lebensüberdruß gezeigt oder Selbstmordgedanken geäußert hat. Gerichlschemiker Dr. Bischoff hat die Leichentheile deS verstorbene» Kindes auf Arsenik untersucht und ebenso die Milchflasche nebst Saugpfropfen. In den letzteren Gegenständen hat der Sachverständige Arsenik nicht nachweisen können. Nur im Magen deS Kindes habe sich'/wo Milligramm Arsenik befunden, eine so geringe Menge, daß von einer eigentliche»„Vergiftung" nicht die Rede sein könne.— Die medizinischen Gutachten lauten dahin, daß zweifellos Arsenik sich im Magen des Kindes befunden habe, allerdings in so geringer Menge, daß die vom Gerichtschemiker festgestellte Quantität eine tödtliche Wirkung nicht haben konnte. Es könne aber möglich sein, daß etwas Arsenik bereits durch den Urin ausgeschieden war......... Dr. Bischoff ergänzt sein Gutachten auf Anregung eines Geschworenen dahin, daß die im Magen des Kindes vorgefundene Spur von Arsenik auch aus anderem Wege wie durch die Speiseröhre in den Magen gelangen könne. Arsenik sei sehr leicht übertragbar und selbst in den allergeringsten Mengen nachzuweisen, beispielsweise wolle der Sachverständige sich anheischig machen, an den Fingern des Vorsitzenden Slrsenik nachzuweisen, weil derselbe mehrfach das fragliche Fläschchen im Laufe der Verhandlung angefaßt habe. Wenn das Kind auch nur den tausendsten Theil eines Gramms Arsenik einbekommen hätte, wurde sich weit mehr von dem Gifte haben nachweise» lassen, wie geschehen. Hiermit ist die Beweisaufnahme beendet. Auf Antrag des Staatsanwalts wird die Unterfrage gestellt, vb die Angeklagte wegen Beibringung von Gift schuldig sei. Der Staatsanwalt führte in seinem Plaidoyer aus, daß das Schuldbewußtsein der Angeklagte» deutlich aus ihrem Geständniß zu entnehmen sei, wenn sie dasselbe auch jetzt zurücknehme. Unterstützt werde diese Annahme durch alle die Verdachts- Momente, welche im Laufe der Beweisaufnahme zu Tage getreten seien. Er halte zunächst die Behauptung aufrecht, daß die Angeklagte de» Tod des Kindes beabsichtigt habe; sollten dw Ge- schworenen diese Ansicht aber nicht theilen, so müßte doch min- bestens die Frage bejaht werden, daß die Angeklagte sich der Gesundheitsschädigung des Kindes durch Beibringung von Gsst schuldig gemacht habe._.. � m Der Veriheidiger hielt daS in der Befangenhelt und Be- stürzung abgegebene Geständniß keineswegs für ausschlaggebend, um daraufhin die Angeklagte für überführt zu erachten Im Uebrigen habe die Verhandlung auch ergeben, daß noch ver- schiedene Möglichkeiten vorhanden waren, wie die nachgewiesene Spur des Giftes in den Magen des Kindes gelangen konnte. Ter Spruch der Geschworenen lautete auf Schuldig des v e r s u ch t e n M o r d e S. Der Staatsanwalt beantragte gegen die Angeklagte eine fünfjährige Zuchtshausstrase. das Urtheil lautete nach dem Antrage....„„, Die Angeklagte beruhigte sich bei dem Erkenntnisse Unter einer schwere» Beschuldigung stand gestern der llljährige Ober- Tertianer Ernst R o s e»- r vor der 123. Ab- theilung des Schöffengerichts. Der Angeklagte, der Sohn eines hiesigen Kaufmannes, befand sich im vorigeii Sommer m Be- gleitung seiner Angehörigen in Heringsdorf. Wiederholt kamen dort D,ebähle vor. die in der Weise begangen sein mußten, daß ein Unberufener sich in die Zellen Badender begeben hatte, wah- rend diese sich im Wasser befanden. Der Dieb fahndete nur auf Portemonnaies, die sich in den Kleidungsstücken befandeii. Die Badewärter befanden sich in nicht geringer Aufregung. Endlich elang es ihrer Aufmerksamkeit, den Angeklagten zu .rtappen, als dieser sich in unbekleidetem Znstande in eine fremde Zelle begab, während dessen Inhaber sich im Wasser befand. Man hielt den Verdächtigen fest, der die Ausrede gebrauchte, er wolle dort auf seinen Freund Stern warten. Es stellte sich her- au», daß ein solcher in Heringsdorf gar nicht anwesend war. Ferner wurde der Lebensweise des Verdächtigen nachgeforscht und dabei festgestellt, daß derselbe in ziemlich leichtsinniger Weise wit dem Gelde umgegangen sei. Der Vater des Angeklagten sandte damals dem die erste Untersuchung sührenden Amtsrichter zu Heringsdorf SV Mark zu wohlthätigen Zwecke» ein, die Annahme des Geldes wurde aber -»«weigert. Der Verdacht, daß der Angeklagte die Diebstähle in Hetingsdors ausgeführt, erhielt neiie Nahrung, nachdem derselbe »ach Berlin zurückgekehrt war. Am 14. Septemb« besuchte der Angeklagte.das Admiralsgarten-Bad. Ein Herr, der mit ihm denselben Ankleideraum benutzte, entdeckte, daß ihm sein Porte- monnaie mit über 40 M. Inhalt gestohlen war. Den Umständen nach konnte nur der Angeklagte der Thäter fein Es wurde ermittelt, daß derselbe gleich nach dem Vorfalle viel Geld ausgegeben, mit Vorliebe Kneipen mit Damcnbedienung besucht und bis zu 2 Mark Trinkgeld gegeben hatte. Trotz aller dieser Verdachtsmomente bestritt der Angeklagte mit Entschiedenheit, auch nur in einem der Fälle der Thäter gewesen zu sein. Er wollte die ihm nach gewiesenen Ausgaben von seinem 2 M. wöchentlich betragenden Taschengeld und von einer Anleihe bestritten haben, die er bei seiner Sparbüchse gemacht. Auf Grund der umfangreichen Beweisausnahme hielt der Gerichtshof ihn indessen für überführt und bei der Gemeingefährlichkeit seiner Handlungsweise wurde er zu einer Gesängnißstrafe von einem Monat verurtheilt. Ein aufgedeckter Justizmord. In Braunschweig ist dieser Tage ein armes Dienstmädchen, das unschuldig wegen Kindes- mordes zu acht Jahren Zuchthaus verurtheilt worden war, nach- träglich freigesprochen worden. Der Sachverhalt ist nach dem „Braunschweiger Tageblatt" folgender: Am 10. August 1890 erschien die 26jährige Dienstmagd funden sei. Die zwei Tage nachher vorgenommene Sektion der kleinen Leiche ergab nach Ansicht des Sachverständigen, daß der Tod durch Erstickung herbeigeführt war, und namentlich dunkel- braune Flecke, die sich an Gesicht und anderen Theilen der Leiche fanden, dienten dazu, diese Ansicht zu befestigen, während die Angeklagte und deren Mutter die Bildung der Flecke darauf zurückzuführen suchten, daß sie den Leichnam mit warmem Wasser gewaschen hätten. Nichtsdestoweniger wurde die Niethardt am 13. August in Untersuchungshaft genommen und aus derselben am 16. April 1891 unter der schweren Anklage des Mordes dem Schwurgericht vorgeführt. Die Augeklagie betheuerte unablässig ihre Schuldlosigkeit, wurde aber auf Grund des Gutachtens der Sachverständigen, das Kind sei aller Wahrscheinlichkeit nach erdrosselt, des Todtschlags schuldig befunden und zu acht Jahren Zuchthaus verurtheilt. Von dem Moment des Schuldigspruchs bis zum Verlassen der Anklagebank betheucrte die Niethardt unter hef- tigem Weinen ihre Schuldlosigkeit, und mit dem erschütternden Ausruf:„Ich bin unschuldig verurtheilt!" verließ sie gebrochen den Schwurgerichts- Saal. Der Veriheidiger, Dr. Aronheim I, in seinem Innersten fest überzeugt von der Schuldlosigkeit seiner Klientin, setzt« unmittelbar nach der Verhandlung alle Hebel in Bewegung, um das Schicksal der Bedauernswerthen zum Guten zu wenden. Er holte Gutachten ein von de» ersten medizinifchen Autoritäten Teutschlands, so auch von dem jetzt verstorbenen Geheimrath Lima« in Berlin, und hatte die Freude, seine Bemühungen von Erfolg gekrönt zu sehen. Durch die eingeholten Gutachten wurde zweifellos festgestellt, daß die in dem Prozesse vernommenen Sachverständigen bei der Beurtheilung des Leichenbefundes Jrrthümer begangen und daß das Kind nicht auf gewaltsame Weise ums Leben gekommen»st! Auf Grund dieser Gutachten veranlaßte die Staatsanwaltschaft die sofortige Hastentlassung der Nielhardt und beantragte selbst beim Landgericht Strafkammer II in dem Wiederaufnahme-Verfahren die Freisprechung der Verurtbeilten. Die Strafkammer hat jenem Antragein diesen Tagen stattgegeben, das schwurgerichtliche Urtheil aufgehoben und die offenbar unschuldig Verurtheilte jetzt freigesprochen. Es ist dies vor etwa vierzehn Tagen geschehen und uns erst durch einen Zufall(!) be- kannt geworden; denn der Freispruch ist erfolgt ohne ver- aufgegangene Beweisaufnahme und ohne öffentliche Haupt- Verhandlung. Es mag dieses Verfahren seltsam erscheinen, weil es wohl nur äußerst selten Anwendung findet, aber nach den gesetzlichen Bestimmungen ist es statthaft und vom Rechts- tandpunkt ans deshalb unanfechtbar.§ 411 der©traf-Prozeß- ordnung besagt nämlich:„Ist der Verurtheilte bereits ver- storben, so hat ohne Erneuerung der Hauptverhandlung das Gericht nach Aufnahme des etwa noch erforderlichen Beweises entweder die Freisprechung zu erkennen oder den Antrag auf Wiederaufnahme abzulehnen. Auch in anderen Fällen kann das Gericht bei öffentlichen Klagen jedoch nur mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft, den Verurtheilten sofort freisprechen, wenn dazu genügende Beweise bereits vorliegen." Aus Grund dieser Bestimmung ist denn verfahren, leider aber von der ebendaselbst angegebenen Publikationsbesugniß im„Reichs-Anzeiger" oder„auch durch andere Blätter" kein Ge- brauch gemacht worden, wie das wohl aus ethischen Rücksichten wünschenswerth gewesen wäre." Wer entschädigt das unglückliche Mädchen für die Qualen, die es unschuldig in Haft genommen, unschuldig verurtheilt im Znchthause erduldet hat! Die Nothwendigkeit der Bernsungs- instanz tritt wieder einmal klar zu Tage, die Nothwendigkeit der Enschädigung unschuldig Jnhaftirter und Verurtheilter wird an- gestchts solcher Vorkonnnnisse gleichfalls Niemand leugnen. Warum man den Schleier über die Kassation des ersten Urtheils gezogen hat, ist vom„ethischen" Standpunkt nicht zu verstehen. Sonst aber ist es sehr leicht zu begreifen.— Tie Revision im ProzeßPrager- Schweizer i st v e r w o r f e n w o r d e n. In den Urthcilsgründe» wird aus- -führt, daß das Osfizierepatent auch von Reserve-Offizieren die ..'at ralisation ersetze. Die Frageüellung sei korrekt gewesen und die Rechtsbelehrung Brausewetter's kein Revisionsgrund. VerpnmmUürgen. Eine grostc Kommnnalwähler-Versauiinlnng für den 22. Kommnnal-Wahlbezirk fand gestern Abend statt' und hatte den Saal von Hanse, Große Frankfnrterstraße, dicht gefüllt. lieber das Thema des Abends, die heute, am Mittwoch, statt- endende Stadtverordneten-Wahl in dem genannten Wahlbezirk, referirle zunächst unter reichen, Beifall an Stelle des noch chlenden Reichstags-Abgeordneten Genossen Stadthagen der Kandidat Genosse Kaufmann Robert F l a t o w. Nachdem Redner geendet, nahm Genosse Stadt Hagen das Wort in zleichem Sinne. Gegner zeigten sich trotz geschehener Auf- orderung nicht in der Diskussion. Folgende Resolution fand Annahme: „Die heutige Kominnnalwähler-Versammlung erklärt sich mit dem Referenten einverstanden. Sie verpflichtet sich, morgen für den Kandidaten der Sozialdemokratie einzutreten, um der frei- Innigen Majorität im Rothen Hause zu zeigen, daß dieselbe die Interessen der Arbeiter in keiner Weise vertritt, sondern daß nur die Sozialdemokratie im Stand« ist, unsere Interessen zu ver- treten." Ju prach am IS..„ PHPHl,-. die Fachorganisation die beste und praktischste Form der Organl fation wäre, da in derselben politische und sonstige Tagesfragen debatlirt werden können und die Agitation erfolgreicher zu be- treiben sei. Ein Zentralverband dagegen habe in den meisten st-ällen einen schwerfälligen Beamtenapparat, sei auch den Gesetzen gegenüber vielfach zu sehr gebunden. In der Diskussion sprachen sodann die Kollegen Schmidt, Köhler und E l l e n d t für die Gründung einer Fach- organisation, die Metallarbeiter Gerisch, Hart mann und B r ä» e r gegen dieselbe, worauf folgende Resolution gegen vier Stimmen angenommen wurde: „Die heutige öffentliche Versammlung der Klempner erkennt an. daß eineFachorgamsation die beste und praktischeForm der Arbeiter- bewegung ist, und verpflichtet sich, darnach zu streben, daß ein Fachverem der Klempner gegründet wird." einer öffentliche» Versammlung der Klempner i. März Genosse Keßler. Derselbe führte aus, daß Unterm Verschiedenen verlas Kollege Förster den Kassenberich der Agitationskommission. Nachdem noch der Vorsitzende beauftragt worden, unter ausgiebigsterPublikation eine Versammlungzur Grün- dung eines Fachvereins und zurWahl eines provisorischen Vorstandes einzuberufen, wurde die Versammlung mit einem Hoch auf die Bewegung der Klempner geschlossen. I« der Kürschner-Filiale Berlins sprach man sich zu dem in Sachen der Sonntagsruhe ergangenen Schreiben des Magistrats dahin aus, daß es durchaus nicht nothwendig sei, im Kürschnergewerbe an Sonn- und Festtagen zu arbeiten, und beschloß das Magistratsschreiben in diesem Sinne zu beantworten. Hierauf wurden die Anträge des Hauptvorstandes, welche der- selbe bei der Generalversammlung stellen wird, berathen, und soweit sie sich mit den Berliner Anträgen deckten, angenommen, dagegen§ 17, welcher besagt, daß drei Viertel des Einkommens der Filialen an die Hauptkasse abgeführt werden sollen, abgelehnt. Ein Antrag Frankurt a. M., die Reise-Unterstützung pro Kilometer zu berechnen und das Verbandsorgan monatlich nur einmal er- scheinen zu lassen, weil dessen Herstellung den größten Theil der Einnahmen verschlinge, fand Annahme. Die Anträge der Ham- burger Filiale wurden theils angenommen, theils zurückgestellt. Die Anträge der Zurichter in Markranstädt, Lindenau, Schkeuditz, und Rötha(Sachsen), einen einheitlichen Lohntarif für genannte Branche aufzustellen, wurde zurückgestellt, nachdem Kollege D i tt mann die Erklärung abgegeben hatte, daß in nächster Zeit eine Versammlung der Berliner Zurichter stattfinden werde, welche zu dem Antrage der sächsischen Kollegen Stellung nehmen würde. Die übrigen Anträge wurden, da sie sich mit den schon berathenen deckten, übergangen.— Die nächste Mitgliederversammlung wird am Montag vor dem lö. April abgehalten. Die Freie Bereinigung der Bauarbeiter Berlin? sprach sich in ihrer letzten Mitgliederversammlung nach einem Vortrage des Kollegen W. Gaßmann über den Entwurf der Hamburger Generalkommisston, für welchen in der Diskussion die Kollegen Marasas und Krüger eintraten, in einer Resolution gegen den- selben aus, indem sie es als erste Aufgabe der bestehenden Organisationen bezeichnete, die Mitglieder über ihre Klassenlage zu unterrichten. Weiter sprach die Versammlung ihr Mißfallen über die Berliner Straßenkrawalle aus, und zwar nicht allein dem sogenannten„Lumpenproletariat", sondern auch dessen Erzeugern. Jeder Arbeiter solle mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln dahin wirken, daß alle Arbeiter ihre Pflicht erkennen, Exzesse der geschilderten Art zu meiden und für die Interessen des arbei- tenden Proletariats als zielbewußte Kämpfer einzutreten. Auf Antrag des Kollegen Deretter beschloß man dann einstimmig, aus de» Gräbern der Märzgefallenen einen Kranz niederlegen zu lassen. Zum Schluß wurde ein Dankschreiben des Kollegen W. R o g g e verlesen, welcher seiner Zeit mit 20 M. unterstützt worden ist. Die nächste Mitgliederversammlung findet am 10. April statt. Der Verein der Knrbelstcpperinnen, Stepper«. beschäftigte sich in seiner letzten Versammlung mit dem bekannten Schreiben der Gewerbedeputation betreffs Ausdehnung der Sonn- tagsarbeit für Gewerbe, in welchen Waaren hergestellt werden, die zur Befriedigung täglicher Bedürfnisse nothwendig sind. Es wurde beschlossen, der Gewerbedeputation mitzutheilen, daß man eine Anwendung dieser Paragraphen der Gewerbe-Ordnung nicht für nothwendig erachte. Ferner wurde beschlossen, eine Bibliothek anzuschaffen; als erste Rate hierfür bewilligte man 20 M. Es folgte die Wahl einer aus drei Personen(Burisch, Prillwitz und Woisch) bestehenden Rechtschutz-Kommission. Aus der Mitte der Versammlung wurde dann bekannt gemacht, daß die Kolleginnen und Kollegen aus der Firma Kuschert u. Werner wegen Lohnreduklion die Arbeit niedergelegt haben. Die Firma will für Tambourarbeit statt wie bisher 7 Pf. nur S Pf. pro Gramm Seide bezahlen. Es wurde dringend ersucht, vor- läufig dort nicht in Arbeit zu treten, außerdem aber die Firma für später im Gedächtniß zu behalten. Einer Kistenmacher- Versammlung wurde das Resultat der statistischen Ausnahme vorgelegt. Danach ergab sich in den Hauptpunkten folgendes: I. Von 57 Werkstellen wird in Werkstellen mit Dampfbetrieb das Werkzeug geliefert, in Werkstellen dafür Vergütung gewährt. 2. Kündigung findet in 10 Werkstellen statt, eine Werkstatt- Ordnung ist vorhanden. Die Arbeitsräume befinden sich bei 16 Werkstellen im Keller, bei 7 im Parterre, bei 4 eine Treppe hoch, bei je 2 zwei und drei Treppen hoch. Ueber die Größe des Luftraums konnte kein Resultat gewonnen werden. S. Die Beleuchtung wurde bei 11 Werkstellen als„gut" angegeben, bei 4 als„genügend", Werkstelle wird elektrisch erleuchtet, in 2 Werkstellen Tag und Nacht Gas, in 11 des Abends Gas gebrannt; in Werkstellen wird bei Lampenlicht gearbeitet. 6. Das Durchschnittsalter beträgt 30 Jahre 11 Monate, der jüngste Kollege ist 17 Jahre, der älteste S8 Jahre alt; im Alter von 20—30 Jahren stehen 34 Kollegen, 30—40 Jahren 31 Kollegen, 40— SO Jahren 18 Kollegen, darüber alt sind vier Kollegen. 7. Die Lohnarbeiter erhalten im Minimum 24 M., als höchstes 33 M., im Akkord wird der Durchschnittslohn auf 17 M. 2Vs Pf. angegeben. 8. Der Tarif wird von sieben Fabri- kanten bezahlt. 9. Die Arbeitszeit ist in zwei Werkstellen S4 Stun- den, in sechs SS Stunden, in elf 57 Stunden, in drei S9 Stunden, in drei 60 Stunden, in einer 65 Stunden lang; in neun Wcrkestellen wird Sonntags gearbeitet. 10. Die Dauer des flottsten Geschäftsganges wird auf 4 Wochen bemessen und zwar ist dieselbe im Herbste. 11. In 19 Werkstellen wurde die Arbeit um zwei Stunden gekürzt, und zwar von Januar bis Juli; auch wurde in Werkstellen, wo sonst ganze Tage gearbeitet worden war, wegen Arbcitsmangels nur ein Viertelstag gearbeitet. 12. Beschäftigt waren in 26 Werkstellen 265 Kollegen, ün Vor- jähre 309; dem Jnteressenverein gehören 2S Kollegen an; arbeitslos sind 81 Kollegen, davon hat ein Kollege 7 Monate lang «feiert; arbeitslos ist Jeder durchschnittlich 2Wz Tag pro Jahr. ußer den Kistenmachern sind noch andere Arbeiter beschäftigt (mit dem Wegschaffen der Arbeit und dem Reinigen der Arbeits- räume); dieselben erhalten durchschnittlich 17,S3 M. Lohn. Nach Entgegennahme dieser Statistik verlas der Vorsitzende Puhl- mann das Schreiben des Magistrats betreffs der Sonntags- ruhe. Die Beantwortung wurde auf Vorschlag des Kollegen Friese dem Vorstand übertragen. In einer Versammlung der Kartoubranche sprach Genosse M e tz n e r über„Ursache und Ziele der Sozialdemokratie". I» der Diskussion erklärte Kollege D r e w s u. A. zu den Aus- lassungen des Referenten in Betreff des schwachen Besuchs der Versammlung, daß es vielfach an tüchtigen Referenten fehle, weil solche es nicht für wcrth hielten, in kleineren Versammlungen zu sprechen, wodurch die letzteren vernachlässigt würden. Unter Gewerkschaftlichem sprachen die Kollege» G r e i s e n b er g und Jahnke über die Verhältnisse verschiedener Fabriken, unter Anderem die Firma Kirstein erivähnend, wo der Werkführer häufig wechseln soll. und ...„ hielt Kollege I o st einen Vortrag über die Anfrage der Gewerbedeputation betreffend die Sonntagsruhe. Redner krilisirte das Verhalten der Regierung und des Reichstages gegenüber der vollständigen Sonntagsruhe und meinte, es wäre wohl möglich, eine vollständige Sonntagsruhe einzuführen, und zwar auch ,n unserem Gewerben Es gäbe freilich einige Branchen, wo eine vollständige Sonntags- ruhe ausgeschlossen ist, aber dafür könnte man dem Arbeiter «inen Tag in der Woche freigeben. Ebenso könnte die oaenannte Saisonarbeit in der gewöhnlichen Arbeitszeit aus- geführt werde», ohne daß man Tag und Nacht sowie noch des Sonntags arbeiten müßte. Aber es liege Haupts g- A Im Fachverein der tu Buchbindereien, der Papier- Lcderwaaren-Jndnstrie beschäftigten'Arbeiter Arbeit". Rauchflub Roschloch, Abends 9 Uhr, bei Kierstein, Admiralfir. 33. Rauchklub Humoristischer Rauch= Rauchllub affalle, Abends, bet Lock, Friedrichsbergenftr. 11. Rothe Nelte, bei Steuer, Weinstr. 22. Rauch flub Sans: tlub, Abends 9 Uhr, bet A. Niemann, Görlitzerstr. 42. Rauchflub Vorwärts Südost, bet Bogel, souci, Boedhstraße 51. Sorauerftraße 13. Rauchflub Eiserne Pfeife, Abends 9 Uhr, bet Rauchflub Ohne 8wang, Abends 9 Uhr, bei Hoffmann, Triftstr. 1. Rauchflub Grüne Quaste, Abends 9 Uhr, bet Späth, Weinstr. 28. Rauchtlub Bultan, Abends 9 Uhr bei Schlüter, Kleine Markussir. 10. Ahmer, Gräfeſtr. 82. Stattlub Treff, Abends 8% Uhr, bei Otto Zabel, Frankfurter Allee 90. Stattlab Busch et grün, Abends 8 Uhr, Reichenberger- und Manteuffelftraßen- Ede, bei Fürstenau. 1 Bühnenverband Othello, Abends 9 Uhr, Restaurant Lothringerftraße 101. Theaterverein Vultania, heute Abend Sitzung in Jäger's Gesellschaftshaus, Gartenstr. 13-14. Vermischtes. fächlich an den Geschäftsleuten, indem diefelben fo spät wie mög Sozialdemokratischer Wahlverein für den 3. Berliner Reichstage. lich die Bestellungen aufgäben, dann müsse der Arbeiter über Wahlkreis. Große Versammlung. Heute, den 23. März, Abends 8 Uhr, in Krieger's Salon, Wafferthorftr. 68. Bortrag des Reichstags- Abgeordneten Feierabend und Sonntags arbeiten. In der Anfrage der Ge- May Schippel über„ Der Einfluß der Agrarier in Breußen" werbedeputation erblickte Redner ein Zeichen der Zeit; trotzdem Verein oft- und westpreußischer Sozialisten. Heute Mitglieder: das Schreiben an die Innungen gerichtet ist, hat man es auch Bersammlung bet Ehrenberg, Annenftr. 14. Tabakarbeiter und-Arbeiterinnen. Heute Abend 8% Uhr bei an die Fachvereine gesandt, worin eine Anerkennung der Arbeiter- Seefeldt, Grenadierstraße 33. Deffentliche Bersammlung. Bericht vom Fachvereine liegt, welche sich diese durch ihr entschiedenes Ver- Gewertschafts- kongreß und Stellungnahme des Kongresses zur Arbeiter halten errungen haben. In der Diskussion sprachen die Redner Schußmarte. Große öffentliche Versammlung aller in Buchbindereien, Album, im Sinne des Referenten und für eine vollständige Sonntags- Karton, Suruspapier- und Lederwaaren- Fabriken beschäftigten Arbeiter und ruhe; der Vorstand wurde beauftragt, der Gewerbedeputation Arbeiterinnen. Heute Abend präzise 8 Uhr in Müller's Salon, Johannisdementsprechend zu antworten. Den Kollegen Thomas und traße Nr. 20. Vortrag des Herrn Silberberg über:" Stlaventhum und freie Frante ertheilte man Decharge für die Abrechnung über die zu Lese- und Diskutirklubs. Mittwoch. Vereinte kraft, Abends Gunsten der Buchdrucker veranstaltete Sammlung. Dann 8 Uhr, bet felein, Schönleinstraße 6. Johann Jacoby, bei Otto Thierbach, Schwedterstr. 44.- Heine, jeden Mittwoch vor dem 1. und 15. forderte Kollege Morbach die Kollegen zur eifrigen jeden Monats, Abends 8½ uhr, bet Bechlin, Hornsir. 9.- Gesund Agitation auf, - Gletch damit dem Fachverein der Arbeiterinnen brunnen, bends 8% uhr, bei Saferland, Bellermannftr. 87. mehr Mitglieder zugeführt werden. Kollege Tilgner beit, Abends 8% Uhr bet Schönemann, Stalizerstr. 7. wunderte fich darüber, daß der Vorsitzende der Zentral- der geselligen Arbeitervereine betreffen, find nur an die Vorstände derselben Alle Abänderungen, welche den Arbeiter- Sängerbund oder den Bund Ein tapferer Offizier. Am 20. März tam es in Roblenz Krankenkasse Herr Brandmair hier in Berlin als Mitzu richten. glied des Verbandes ist, da doch in Leipzig ein Fachverein sowie Arbeiter Sänger- Bund Berlins und Umgegend. Mittwoch. Uebungs- zwischen einem Lieutenant vom 28. Regiment und einem Zivilisten Siedesfreiheit, zu einem Streit, in deffen Verlauf der Lieutenant seinen Gegner ein Vertrauensmann des Altenburger Verbandsvereins besteht. ftunde Abends 9 Uhr, Aufnahme von Mitgliedern. Blumenstraße 38, bei Henfe. Freya,( Gem. Chor), Alte Schönhauser: erstach. Der Tod des Zivilisten erfolgte auf der Stelle. ftraße 22-23, Bößow's Brauerei. Silaritas, Hochstraße 32 a, bei Eine große Feuersbrunst verwüstet das Städtchen Echo 1, Deutsche Eiche, Blumenstraße 46, bei Went. Wilte. Lerche, Bernauerstr. 72, Restaurant zum Beitm menhausen bei Kaffel. 60 Wohnhäuser und 40 Nebenmänner- Gesangverein der Kürschner, D. V. D. Br. Berlin, Neue Friedrichtraße 44, bet Röllig.- Südo ft 2, Cuvryftraße 16, bei Ziemer. Ganges umgekommen. Steinnette, Röslinerstr. 17, bet Lust, Bülowstr. 69, bei Gründer. 2yra 1, Raupachstr. 6, bet Stachel. Euphonia, Annen ftraße 16, bei Reßner. Hand in Sand 1, Mariannenſtr. 31-32, bei Doberstein. Schneeglöd chen 1, Rottbuser Damm 39, bet Jacob. Schneeglöckchen 2, Potsdam, Brandenburger Kommuitation 16, bet Glaser. Unverbroffen, Abends 8% Uhr, bei Sachs, Lindowerstr. 26. Flöter'scher Gefangverein, Landsbergerstr. 31, bei Muſehold.- Rütli Friedenau im Kurhaus.- Borwärts 5, Friedrichshagen, Rundtheil, bei Freundestreue( Gemischter Chor), Jüdenftr. 55, bei Triescherche. mann. Sorbeertranz, Landsberger Platz 5, bei Müller.- Südosti, köpnicerftr. 191, Restaurant. Hoffnung 1, Friedrichsberg, Friedrich Karlstraße 34, bei Schulze. Rothe Nette, Schöneberg, Golaftr. 43, zugenommen. Freiheit, Nach einer lebhaften Debatte wurde der Vorstand beauftragt diese Angelegenheit zu regeln. Der Vorstand entlastet hiermit öffentlich die Liquidationskommission des aufgelösten Fachvereins der Lederarbeiter und bescheinigt folgendes erhalten zu haben: Kaffenbestand 121,72 M., außerdem eingegangener Beitrag 4,10 M., Summa 125,82 M.; 9 Geschäftsbücher; 1 Bibliothek von 47 Bänden und 2 Katalogen; Utensilien, bestehend aus Vereinsspind, 2 Wandschränken, 4 Stempeln, Fragekasten, Briefkasten, Geldkästchen und Verschiedenem. Man schreibt uns: Zu den letzten Bär'schen Auslaffungen geftatten Sie mir, als einem derjenigen, die von der Deffentlichkeit beauftragt wurden, mit diesen Personen zu verhandeln, einige Bemerkungen. Pantow, Schulzeftr. 27. geist" Gefangverein der Steinmeßen, Johannisstr. 20, bet Müller. gebäude sind in Asche gelegt. Viel Vich ist in den Flammen Wendt. bei Siegeler. Freiheit 1, Kulmftr. 36, bet Raumann. Moabit, Kronenbrauerei, Alt- Moabit 47-49. Steinfeger Sänger Pfeiffer's wegen nicht ins Leben trat, ist zunächst eine runde Weinstr. 11 bei Feind. Rafino. Fretes Lied 1, Gr. Frankfurterstr. 81 bei Weiß. Echo 3, in Theater Rauch In Hirschberg i. Schl. wurde gestern der vom Schwur gericht wegen Raubmord zum Tode verurtheilte neunzehnjährige(!) Knecht Josef Sippel aus Crummöls hingerichtet. Große Waldbrände haben in der Umgegend von So lingen bedeutenden Schaden angerichtet. Weite Strecken städtischer Aufforstungen sind vernichtet. Der Brand im Kohlenwerke Anderlues hat wieder Depeschen: ( Depeschen des Bureau Herold.) Alle unsere Kollegen, soweit sie nicht unter Bär's Druck stehen, sind mit unserem Vorgehen einverstanden; für die Genossenhor, Kaftanien- Allee 28 bei Maiwald. Offenbacher Sänger fei folgendes bemerkt: Punkt 1, daß die Betriebs- Werkstätte trans, Dranienstr. 153, bei Göße.- Gefangverein der Kupferschmiede, Vergißmein nicht, Schulftr. 29, im Weddingnette unwahrheit. Des Weiteren wird die Firma Bär sich Behlendorf, Stunde in Friedenau( Kurhaus). Brandenburger beeilen müssen, eine neue Ausrede zu konstruiren; wir sind in der Männer- Gefangverein in Brandenburg, Mengert's Boltsgarten. Wien, 21. März. Jm westgalizischen Bezirk Dombrowa Lage, eine ganze Reihe anderer geeigneter Personen in Vorschlag Mannesmuth, Mauerstraße 3, bet Ramm. Sund der geselligen Arbeitervereine Berlins und Amgegend. tritt der Hungertyphus epidemisch auf. zu bringen. Puntt 2-5, 7-8, ist wiederholt aufgestellt und noch mittwoch: Berein Fridolin, bei Wolff, Brunnenstr. 35a. ( Wolff's Telegraphen- Burean.) nicht widerlegt; es sind eben für Alles Zeugen vorhanden. Ueber und Vergnügungsverein Bultania, bet Jäger, Gartenstraße 37/38. Schroda( Provinz Posen), 22. März. Amtliches Wahl Punkt 6 habe ich mich schon des Defteren geäußert; es fann in Rauchtlub Hellblau, Alte Jatobftr. 18/19, Restaurant A. Seele. flub Kreuzfidel, bet Gumlich, Reichenbergerstraße 149. Geselliger jeder beliebigen Versammlung nochmals geschehen. Der letzte Berein Waldesgrün, bet Nebelin, Langeftr. 108. Theater- und Ber- resultat. Bei der heute hier stattgehabten Landtags- Erfahwahl Trumpf( Punkt 9) ist wiederum eine besonders fette Unwahrheit. gnügungsverein Durch Nacht zum Bicht, bet Bubeil, Naunynftr. 86. wurde Dr. von Zoltowski( Pole) mit 354 von 401 abgegebenen Humoristischer Verein Bipifax, bei Möhring, Admiralstraße Nr. 18 c. Stimmen gewählt. Der Gegenkandidat Neumann- Mikuszewo Die Theilnehmer der letzten Versammlung müssen bestätigen, daß Gefang-, Turn- und gesellige Vereine. Mittwoch. Gesangverein( nationalliberal) erhielt 47 Stimmen. Herr D. Bär mehrere Male, die Herren E. Bär, A. Bär, Wiese- nospe, Abends 9 Uhr, im Restaurant Wahlstatt, Belle- Allianceftraße. mann, Kulick u. f. w. je einmal zum Worte gekommen sind, und Musikverein Vorwärts, Abends 8 bis 10% Uhr, Große FrankfurterMänner- Gesangverein Waldkapelle 2, Abends 9 Uhr, das troh ihres provokatorischen Berhaltens. Es wäre nur leb: firaße 99, 1 Tr. Restaurant Kayser, Staligerstr. 22. haft zu bedauern, wenn B. seine Drohung, klagend vorzugehen, nicht wahr machen würde. NB. Die Kommanditgesellschaft Baruch leugnet ebenfalls; selbstredend ist auf unserer Seite die Wahrheit. Emil Rogge, Veteranenstr. 14. Turnverein Hoffnung, abends 9 Uhr, im Restaurant Schröder, manteuffelstr. 9.- Straftturnverein Jugendtraft, jeden Mittwoch und Sonnabend 9-11 Uhr Abends bei Lade, Beughofftr. 8. Theater- und Bergnügungs- Verein Humanitas Abends sy Uhr bei Reed, Lothringerstr. 94. Gefelliger Bergnügungsverein Regia, Abends 9 Uhr, im Restaurant Sommer, Grünstraße 21. Humoristischer Verein Arminia, Dresdener Kranken- und Sterbe- Unterstütungskaffe der Berliner Hans- Garten, Dresdenerstraße 45. Kreuzftdel, bet Gumlich, Reichenberger Pollack biener. Kaffenlotal Neue Friedrichstr. 44 bei Röllig. Sigung jeden Mittwoch firaße 149.- Fidele Brüder, bet H. Mrose, Lachmannstr. 5.Abends 8 Uhr. Klub Lustige Brüder, Abends 8 bis 10% Uhr, Restaurant Liewald, Azalie, Abends 9 Uhr Andreasstr. 56, Noad's Manteuffelstr. 46, Restaurant. Naturheil- Verein Norden. Heute Abend 8% Uhr in der Brauerei Königstadt. Vortrag über Fieber. Große öffentliche Volks- Versammlung für Köpenick und Umgeg. am Donnerstag, den 24. März, Abends 8 Uhr, im Lokal des Herrn Th. Wiedemann in Adlershof. Zages- Ordnung: 1. Bortrag des Reichstags- Abgeordneten Ch. Schwarz- Lübeck über den Parlamentarismus. 2. Diskussion. 3. Beschlußfassung zur Maifeier. Zur Deckung der Unkosten findet Tellersammlung statt. Der Vertrauensmann. 421/10 Achtung! Charlottenburg. Achtung! Freitag, den 25. Märy, Abends 8 Uhr: Große öffentliche Volks- Versammlung im Saale der Gambrinus- Brauerei, Wallstr. 45. Tagesordnung: 1. Vortrag über die Bedeutung des 1. Mai. Referent: Genosse Paul Heitmann. 2. Diskussion. 3. Wahl des Festkomitees. 4. Verschiedenes. 421/11 Der Vertrauensmann. Adhtung! Ethische Gesellschaft. Achtung! Sonntag, den 27. März, Vormittags 10 Uhr: Große öffentliche Versammmlung für Männer und Frauen zu Gunsten der Arbeiter- Bildungsschule im ,, Feen- Palast", Burg- und St. Wolfgangstraßen- Eckte. Referent: Reichstags- Abgeordneter W. Liebknecht. Diskussion. 437/18 Orts- Krankenkasse Ich erkläre Frau Mäder als eine der Strumpfwirker. brenhafte Frau. Den Arbeitgebern und Raffenmitgliedern zur Nachricht, daß die Beiträge vom 28. März d. J. ab für Erwachsene 39 Pf. und für Stassen mitglieder unter 16 Jahren 21 Pf. wöchentlich betragen. 288/3 Der Vorstand. Achtung! Verband der in Holzbearbeitungs- Fabriken und auf Holzplägen besch. Arbeiter. Der Besuch der Deutschen Hutfabrik findet am Sonntag, den 27. März, statt. Treffpunkt: Bormittags 9 Uhr bei Peterson, Veteranenstraße Nr. 22. Die Mitglieder beider Filialen werden gebeten, pünktlich und zahlreich zu erscheinen. 166/7 J. A.: Alb. Fischer. Rohtabat A. Goldschmidt, Spandauerbrücke 6, am hiesigen Plage bekanntlich Größte Auswahl. 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