Nr. 124. Abomttments-Kedlnzungtu: «bonntment«-Pret» pränumerando: vierteljährl. Z,g0 Ml., monatl. l>10Ml.. Ivöchenilich 28 Psg. fiel tn« Haut. Ctmelnt Numm'p 6 Plg. Sonntag«. Stummer mU iilunttctur Sonntag!« Beilage„Site Neue Welt" 10 Psg. Pofl- Vlbonnement: 1,10 Marl pro Monat, «ingetragen in der Post- Zeitung!» Preisliste für Ivos unter»r. 7878. Unter streu, band für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da» übrige Ausland 8 Mari pro Monat, 19. Jahrg. Ate Instrtions-Geöllyr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel» jelle oder deren Raum 40 Psg., sür politische und gewerlschastliche VereinZ. und Versammlung»-Anzeigen 20 Psg. „Kleine Anieigeu" jede» Wort S Psg. (nur da» erste Wort seit). Inserate siir die nächste Nummer müssen MS 4 Uhr nachmittags in derSrpedition abgegeben werden. Die«rpcdition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtags» bi! 8 Uhr vormittags geö ssntt. Erschein!»glich ausser»ionlag». Devlinev Volksbl�kt. lelegramm-»dresser »»orialdemokrat verlilf Ejetttmlorgan der soctaldemokratifthen Varter Deutschlands. Dedalttlon: sw. 19. Benth-Skrahe 2. Fernsprecher: Zlmt l Nr. II»««. Sonnabend, den 31. Mai 1302. Gxpedikivn: 19. Benth-Sleaste 3. Fernsprecher: Niut I, Nr. lisSI. Kaninchen-Paris. Am Freitag früh brachte ein Berliner Blatt eine im Pariser »Figaro" veröffentlichte Untcrreditng mit dem deutschen Reichs kanzler Grafen B ü l o tv. Auch iver Urteil und Geschmack des Grafen Bülow dem zur Bersügung stehenden Material gemäh naturgetreu einschätzte, mochte zunächst nicht au die Echtheit der öffentlichen Aeuberuugen glauben. Indessen am Nachmittag übernahm und verbreitete das Wolffsche Burenn dies Interview. Graf Bülow hat also offenbar selbst veranlagt, daß die Ausströmuiigen seines Geistes als legitim an- erkannt und bekannt würden. Graf Bülow war in dieser nach Paris sgerichtcten Plauderei ungemein witzig. Er hielt es ohne Zweifel für seine Pflicht, den Franzosen zu beweisen, daß auch ein deutscher Minister Esprit haben könne, und Wolff beeilte sich, diese Eruptionen des Büloiv- scheu Esprits lavaheiß dem deutschen Volk zu übermitteln. Es ist notlveudig zur richtigen Schätzung der lebendigen Kräfte, die in nusrer Reichsregierung wirken, in die Pariser Ausstellung des Künstlergeistes einen Blick zu werfen. Zunächst äußerte der Graf seine bekannte höchste Zufriedenheit mit der Weltlage, die»selten so beruhigend war wie heute". Wie sollte eS anders sein, Ivenn Bülow regiert I„Die Erneuerung des Dreibundes ist, wenngleich noch keine vollzogene, doch eine sichere Sache." Auf die Bemerkung des Berichterstatters, daß die Frage der Handelsverträge vielleicht die Erneuernng des Dreibundes verzögern iverde, erividerte Graf Bülow:»Ich bin vom Gegenteil überzeugt. Die handelspolitischen Verhandlungen werden gesondert geführt werden. Sie werden um so iveniger Schwierigkeiten begegnen, als wir es in'betreff Italiens und Oestreich-llngarns mit vor- bündeten Nationen zn thnn haben. Der Dreibund hat keine Ab- änderung nötig f er ivird bleiben, was er immer ivar, eine defensive, friedliche Kombination. Wie die französisch-rnssische Alliance ist der Dreibund eine Bürgschaft der Ruhe und Sicherheit. Die beiden große» Kombinationen find Pfeiler des europäischen Friedens gebändes. Der Eindruck der Petersburger Feste in Deutschland war ein günstiger." Dann rühmte Bülow noch den«Takt und die Würde" Lonbets in Petersburg. Natürlich ist er auch mit dem englisch-japanischen Bündnis durchaus eiuverstauden. Wenn diese beiden Ziveibünde > nicht existierten, Bülow würde sie erfinden— so glücklich ist er über ihre Existenz. Hatte Bülow bis dahin nur feine durch die bekannte optimistische Allgenieiuheit ausgezeichneten inteniationalen Ansichten zum besten gegeben, so wurde er bei der Erörterung der deutschen Ver- Hältnisse farbiger. In Deutschland seien gegenwärtig die Polen und die Zollfrage an der Tagesordnung. Also erleuchtete Graf Bülow das polnische Problem: »Unsre Politik gegenüber den Polen achtet deren verfassungs- mäßige Rechte, aber sie kann nur eine entschieden nationale sein. In diesem Punkte werden wir nicht nachgeben. Graf Caprivi hatte einen Augenblick geglaubt, daß eine andre Methode vorzuziehen wäre. Die Ereignisse haben ihm Unrecht gegeben. Was wollen Sie? Wenn ich in diesen Park, den Sic hier vor sich sehen, 19 Hasen und S Kaninchen setze, dann habe ich das nächste Jahr 15 Hasen nnd 100 Kanin chr». Gegen eine solche Natur- erscheinnug wollen wir in den polnische» Landcstcilcn unsere nationale Einheit nnd die Integrität unseres Territoriums verteidigen." Graf Büloiv pflegt gern in den Stiefeln Bismarcks zu laufen. Der Chnismus des alten Gewaltmenschen liebte die Vergleiche aus der Tierzüchtung. Von Hengsten und Stuten sprach er gelegentlich auch dann, wenn er hohenzollcrische Familienangelegenheiten er- örterte. Der heutige Kanzler ivill auch in dieser Beziehung dem «großen Amtsvorgänger" nacheifern. Er begiebt sich allerdings, dem Abstand der Dimensionen gemäß, nur ins Bereich der kleinen Tierwelt. Er citiert nicht Heilste und Stuten, sondern bloß Hasen und Kaninchen. Der geschmacklose Vergleich wird bei den Polen mit Recht starke Eulrüstung hervorrufen. Er trifft aber eigentlich nur die Deutschen, die Hasen. Denn zutreffend ist in dem Tiercitat nur, daß die Deutschen Bnlowscher Rasse den Polen gegenüber tapferste Hasen Politik treiben. Im übrigen aber ist dieser Vergleich nicht nur beleidigend, sondern auch unsinnig. Der Hinweis auf die polnische Frucht- barkeit— die Provinzen Pose» und Westpreußen stcheu in der That iin Geburtenüberschuß obenan— ist um so unüberlegter, als die deutsche Landwirtschaft und auch die deutsche Industrie ohne die polnische Fruchtbarkeit gar nicht mehr existieren können, bringen die deutschen Agrarhasen doch sogar Tausende von polnischen Arbeiter» aus dem Ausland in die Felder des Deutsch- ttims. Welche» Zweck aber hat schließlich die ganze Bülowsche Polenpolitik, ivenn er die Polenfrage auf die den Deutschen gegenüber stärkere Vermehrung der Bevölkerung zurückführt. Glaubt Graf Büloiv. mit einer Viertelmilliarde eine.Naturerscheimmg" Lberiviuden zu können? Wenn eS noch eines neuen entscheidenden Arguments gegen die neueste Polenpolitik bedurft hätte, so hätte es der Reichskanzler geliefert, indem er die Polenfrage zu einer Natur- erscheinung der Bevölkerungszunahme machte. Schließlich sprach Gras Bülow auch noch über die Z o l l f r a g e. Auch hier ließ er seinem unendlichen Witz die Zügel schießen: Die Tariffrage ist zweifellos eine verwickelte. Beide streitenden Parteien führen ernste Argumente ins Feld. Ich habe die Ueber- zeugung, daß die Politik, die wir machen, und ivelche die Politik der Diagonale ist, die einzig praktisch mögliche ist. Um mich in dieser Ueberzengung zu bestärken, wird es mir genügen, auf die Angriffe zu hören, mit welchen mir gegenüber die Extremen iveder auf der einen noch der auf der andren Seite sparsam sind. Als Paris sich zwischen den drei Göttinnen befand, und der dritten den Apfel reichte, sollen die beiden andern ihrem Aerger keinen lauten Ausdruck gegeben haben, aber die Oppositions Parteien besitzen in keinem Lande die Zurückhaltung der Juno. Ich hoffe indessen, daß wir zur rechten Zeit auch in dieser Frage zu einer für das Land befriedigeudeu Lösung gelangen werden." Ein göttlicher Anblick: Bülow als der schöne Paris, der freilich nicht die Züge der hellenischen Heldenlegende trägt, sondern anS dem Kreise der schönen Helena von Offenbachs Gnaden stammt. In der Hand trägt er den Diagonalapfel des Zolltarifs; er reicht ihn der schönsten Göttiiv unbekümmert, ob die Benachteiligten schimpfen. Schade nur, daß den Apfel eigentlich niemand will. Die Venus ist gar nicht da, die diesen Apfel verspeisen könnte; Paris Ivird ihn schließlich wohl selbst hernnterschluckeu müssen nnd damit das große Geheimnis des Diagonalapfels ungelöst ins Grab nehmen; was sich Graf Bülow bei dieser Offeubachscheu Erinueruiig g e- dacht habe? Uebrigeus hat Wolff anscheinend eine Aeußeruiig des Grafen retouchiert. Iin„Figaro" hat der Kanzler die kühne Vermutung ausgesprochen, daß die Tarife noch vor Ende dieses Jahres angenommen werden würden. Wolff läßt ihn nur orakeln, daß die Frage hoffeut- lich„zur rechten Zeit" ihre Lösung finden würde. Eines aber hat Graf Bülow unnmehr erreicht: Als der schöne Kaninchen- oder auch als Hasen-Paris wird er in die Unsterblichkeit eines Jahrfünfts einziehen! Es giebt noch witzige Minister in Berlin!— Voltfische Mebevstchk. verlitt, de» 20. Mai. Abgeordnetenhaus. Das preußische Abgeordnetenhaus beriet am Freitag Initiativanträge und Petitionen. Eine längere Debatte zeitigte der Antrag v. Bockelberg(k.) und Genossen auf Annahme eines Gesehentwurfs betreffend die„innere Kolonisation". Der von Mitgliedern aller Parteien mit Ausnahme der Freisinnigen unterzeichnete Antrag ver- langt die Bereitstellung von 12 Millionen Mark zur Er- Werbung und planmäßigen Besiedelung von mittleren und kleineren Grundstücken zwecks Bildung von Rentengütern. Neu ist der Antrag nicht. Das Haus hat sich erst im vorigen Jahre damit beschäftigt. Ueber das Ziel sind sich die Antrag- steller, wie aus der Debatte hervorgeht, einig; nur über die Wege zur Erreichung des Zieles gehen die Ansichten aus- einander. Auch die Regierung steht der Forderung syntpathisch gegenüber. Der Antrag wurde einer Kommission überwiesen. Abgelehnt lvurde nach unwesentlicher Diskussion der Antrag Brömel(frs. Lg.), betr. die lebenslängliche Anstellung der Schutzmannschasten. Die Petitionen boten kein allgemeines Interesse. Am Sonnabend findet keine Sitzung statt. Dagegen ist am Montag ein„großer Tag" zu envarten. Die agrarischen Anträge Graf Limburg-Stirum und Frhr. V.Zedlitz, betreffend die Getreidezölle, kommen endlich zur Beratung.— Russische Attentatszüchtung. Ans dem reichen Material, das über die fast mtglaiiblichen Roheiten von Wohls, die er rnt den Verhafteten verübt hat, nun- mehr von den verschiedenen Seiten vorliegt, wollen wir nur einiges hier heransgreifen; es genügen selbst die kleinsten Bruchstücke ans diesen Dokumenten, um von der Person v. WahlS und seinem System eine Vorstellung zu erhalten. Die Arbeiterbewegung unter der Bevölkerung in Wilna machte in den letzten Jahren starke Fortschritte. Trotz aller Anklagen der IBehörden gelang es immer wieder Demonstrationen hervorzurufen; das sollte mit der Ankunft von Wohls anders werden. Dieser Mann, der an der Spitze der Petersburger Polizei gestanden hatte, verlegte nun feine Thätigkcit nach Wilna. Unter anderm führte er auch hier das System der Dlvorniks ein, d. h. die Hausbesitzer wurden gezwungen, aus ihrer Tasche Portiers als Spione zu halten, die die Einivohner eines jeden Hauses zu über- wachen haben. Als auch daS nur wenig half, beschloß von Wahl ein neues Mittel zu versuchen: die Körperstrafe. Hierzu sollte die Maifeier Anlaß geben. Schon die Vorbereitungen vor dem 1. Mai ließen erkennen, daß von Wahl„besonderes" plante. Ein Bataillon Soldaten stand unter Gelvehr, die Offiziere übernachleten in den Kasernen, Kosakenabteilungen schwärmten durch die Straßen. Die Hausthüren mutzten früher als sonst geschlossen werden. Am 1. Moi wurde die Puschkinstraße vollständig ab- gesperrt, die übrigen Straßen waren von berittenen Gendarmen und Polizisten übersäet. Um VhZ Uhr abends nun— so erzählt der Bericht des Arbeiter- bundes für Litauen, Polen und Rußland— war auf der Nemetzkaja Uliza eine starke Erregung der Bevölkerung zn be- merken. Da es aber den verschiedenen Gruppen unmöglich war, Ich zu vereinigen, so beschloß man, die Straßendemonstration auf- zugeben. Den Führern gelang es aber nicht, den Beschluß allen Gruppen zn übermitteln. Eine von ihnen, die davon nichts erfahren hatte, ging auf die Straße mit einer roten Fahne und unter dem Ruf:„Nieder mit dem Absolutismus!" Sogleich warfen sich nun die PolizeilieutenantS, die Soldaten und Dworniks auf die Demon- stranten. Nach zwei, drei Minuten erschienen auch Kosaken, um- zingelten den Fahnenträger; man schlug ihn so lange, bis er hinfiel. Aber auch dann ließ man ihn nicht los. Er hielt die Fahne fest und schrie:»Nieder mit dem Absolutismus I" Die Polizei begann nun, nach allen zu greifen, die nicht gleich angeben konnten, warum sie auf der Straße sind. Die Verhafteten wurden den Dworniks übergeben, die diese zur Polizei brachten. So ging es bis 10 Uhr abends. Die Kosaken ritten unter Geschrei auf die TrottoirS und wüteten besonders in den engen Querstraßen. Die Magazine und Hofeingänge mußten auf Befehl der Polizei geschlossen werden. Die barbarische Mißhandlung und Arretierung und Beschimpfung der Arretierten, von der schon früher kurz berichtet lvurde, fand am nächstfolgenden Tage statt. Sie mußten in einer kleinen Zelle zusammengefercht die Nacht stehend verbringen. Am andern Morgen wurden die Arretierten auf den Polizeihof heraus- geführt, v. Wahl bedachte sie mit den ekelhaftesten Schimpf- ivorten und übergab dann das Wort dem Staatsanlvalt, der mitteilte, daß Befehl gegeben lvorden sei, vom Gewehr Gebrauch zu machen; doch aus Befürchtung, daß auch das Publikum getroffen iverden könnte, habe man davon Abstand genommen, und außerdem habe inau der Demonstration keine Bedeutung beimessen wollen; mau Iverde sie so züchtigen, daß sie das nächste Mal nicht die geringste Lust verspüren sollten, zn demonstrieren. Nach Beendigung dieser Rede des Prokurators wurde ein Brett gebracht. das für die Exekution hergestellt war. Ein Brettchcn war zum Aufdrücken des KinneS eingefügt, ein andres wurde dem Delinquenten, in den Mund gepreßt, damit er nicht schreien konnte. Der Reihe| nach wurden alle ansgekleidet. Ein Kosak setzte sich auf den Kopf,, der andre ans die Füße und zwei Kosaken von beiden Seiten schlugen. Es wurden 25 Hiebe oder auch mehr gegeben. Einige fielen gleich bei den ersten Hieben in Ohnmacht: man brachte sie aber zum Be- ioutztsein und setzte dann die Exekution fort. Einer der Arretiert- gewesenen berichtet: Als man uns auf den Hof hinausführte, l und wir die Bank erblickten, dachten«vir, daß wir als die ersten an die Reihe kämen. Wir täuschten uns. Man stellte nnS beiseite. „Stellt diese beiseite", kommandierte v. Wahl,»mögen sie zu- schauen, wie nian ihre»Genossen" liebkost. Die koinmen später an die Reihe". Darauf nahm v. Wahl ein Papier und las davon einen Namen. Der Polizeilientenant Snitke stürzte sich auf den Unglück- licheu. Zwei Feuerwehrleute entkleideten ihn und die übrigen warfen ihn auf die Bank. v. Wahl befahl, langsam zu schlagen j und kommandierte:„Anfangen I"... So ging man ebenfalls mit dem zweiten, dem dritten um, wie viele in meiner Anwesenheit ge« schlagen, weiß ich nicht. Ich glaube zwaiißtg. Einer der Arretierten erklärte, er sei herzkrank. Der Arzt Michailoiv meinte aber, ohne ihn auch mir nntersucht zu haben, daß dieses nicht hindere, ihn zu züchtigen. Unter den zufällig Arretierte» befand sich ein 17 jähriger Jüngling, der iveinte und flehte, man möge ihn schonen. Die Henker bliebe» aber taub. Man gab 25 Hiebe; nur diejenigen, die eher in Ohmnacht fielen, erhielten weniger. Drei erhielten je 30 Hiebe, der eine von ihnen gab keinen Ton von sich, wurde aber ziveimal bewußtlos. Das erste Mal brachte man ihn in das Gebäude; der Arzt kam aber bald zurück und erklärte, daß man die Exekution fortsetzen könne. Ein andrer von den Arretierten berichtet, ivenn nach Beendigung der Exekution der Gezüchtigte ohne Beihilfe noch aufstehen konnte, warf man ihn nochmals auf die Bank und schlug ihn, bis er bewußtlos dalag. Wenn der Henker nicht genug gewandt und stark djw Rute schwang, erklärte v. Wahl, der betreffende Hieb lönne nicht gezählt werden.— Lückert, der das Attentat auf v. Wahl ausübte, ist von Beruf Schuhmacher, 26 Jahre alt, verheiratet und hat ein Kind. Seit zwei Jahren befand er sich in Wilna unter Polizei-Aufstcht. Man soll ihn bereits nach Petersburg gebracht haben, wo er vor das Kriegsgericht gestellt wird, daß ihn wohl wie Balmaschew zum Tode verurteilen wird.—_ Krieg oder Frieden? Das bange Fragespiel geht in der englischen Preffe munter weiter. Sämtliche Blätter kommentieren in optimistischer Weise die Erklärung Balfours in der gestrigen Sitzung des Unterhauses. Die meisten sind der Ansicht, daß der Friede am nächsten Montag ge- schloffen wird.„Daily Mail" erklärt kategorisch, die Antwort der Boerendelegierten sei am Freitag eingegangen und sofort im Ministerrat beraten worden. Andre Blätter berichten, die Friedenspräliminarien seien von den Boeren, selbst von der un- versöhnlichen Minderheit, auf der Basis der all- geut einen Waffen st reck uug und des Berzichtes der Unabhängigkeit angenommen worden. Es seien nur noch untergeordnete Fragen zu regeln.„Daily Mail" fügt hinzu, daß die Minister, obgleich sie sich jeder amtlichen Mitteilung ent- halten, in ihren Privatgesprächen zugeben, daß der Friede so gut wie abgeschlossen sei. In Börsenkreisen sind jedoch die Ansichten etivas pessimistischer. Andrerseits ist die Haltimg der ministeriellen Presse noch immer sehr reserviert.— Im Unterhanse wird die Er- klärung Balfours dahin aufgefaßt, daß am Montag dem Parlament der Friedensschluß offiziell mitgeteilt werden soll.- Deutsches Weich. Zollkommission. Die am Mittwoch abgebrochene Debatte in der Zollkommission über den Zoll auf Soda, kohlensaures N a t r o» und Aetznatron füllte noch einige Stunden in der Freitagsitziiiig aus. Schließlich wurden sowohl die Anträge auf Er- höhung des Zolles wie auf Freilassung vom Zoll abgelehnt und die „mittlere Linie" der Ncgienmg angenommen, die den Zoll ans rohes Soda von 1,50 Vi. auf 90 Pf., auf kalciuicrtcs oder sonst cntlvässertes oder gereinigtes Soda, sotvie auf dostpeltkohlenfaurcs Natron von 2,50 M. auf 1,50 M. herabsetzt und den Vicrinarkzoll. mit dem beute Aetznatron belastet ist, um 50 Pf. ermäßigt. Die Debatte über den Sodazoll zeitigte recht viel Material zur Kennzeichnung der Gcineiugcfährlichkcit des Schutzzolls auf Hilfsstoffe und der Nutzlosigkeit und Kulturlvidrigkeit der Einführung von Zöllen ziverls„Schutzes" bestimmter Methoden oder ftabrikationen. Soda wird in der chemischen Industrie und der Farbenindustrie, sowie in einer großen Reihe andrer Industrien, so bei der Glasfabrikation, der Färberei, der Bleicherei, der Wäscherei, dem Zeugdruck, der Papierfabrikation, der Scifcnindustrie, der Nahrungsinittel'Znbereitung, zur Arzneibercitung gebraucht und spielt auch im Haushalt' eine nicht unbedeutende Rolle. Diese Jntercsscnteukrcise erheischen eine Beseitigung drS Zolls. Die Soda- fabriken stehen glänzend da. Trotzdem entschloß man sich nach hartem Kampf lediglich zu einer Z o l l e r m ä ß i g n n g. Im Laufe der weiteren Debatte wurden fast alle Positionen bis zu Nilinnicr 307 des Tarifs nach den Sätzen der Regiernngsvorlage angenommen. Sie setzt an Stelle bisheriger Zollfreihcit einen Zoll von 25 Pf. auf Glaubersalz, von 2 M. auf Kupfervitriol, von 6 M. auf Zinuoxyd, von 3 M. auf salpctersanreS Ammoniak fest und er- höht den Zoll auf Pottasche von 1,50 M. auf 2 M. Eine Herab- fetzung des Zolls schlägt die Vorlage bei Chlorkalk(von 3 auf 2 M.) vor: Die Kommission setzte den Zoll, für dessen völlige Beseitigung Interessen der Industrie und der Landtvirtschaft sprachen,' mif 1 M. herab. Wie gruudsatzloS auch vom Standpunkt cnragicrtcstcu Schutzzolls die Beibehaltung oder Erhöhung eines ZoNS vorgenommen wurde, zeigt z. B. die Position Kali-Blutlaugcnsalz, Ivo der 8 Mark-Zoll beibehalten wurde, wiewohl die Ausfuhr SSfach so groß ist wie die Einfuhr. Die insbesondere auch vom Verband deutscher Industriellen der- langte Eiufiihrnng eines Zolls auf Nitrin wurde abgelehnt. Ans der Begriindiing der Petition dieses Verbandes ist hervorzuheben, daß die Einführung einer der Gesundheit der Arbeiter minder schäd- lichcn Nitrinfabrikation sdurch Salpeterbenntzung) nicht stattfindet. Nach der Getverbc-Ordnuug sind die Nnternchmer aber— das übersieht der Verband— dazu verpflichtet. Es dürften also Gctverbc- Jnspektc-en ihr Augenmerk darauf zn richten haben, daß in Zukunft die gesuudheitSgcfährlichere Produktion unterbleibt. Arbeitern, die bei Herstellung von Blcioxhd infolge der Nichtanwendung von Salpeter Schaden an ihrer Gesundheit leiden, ist zu raten, bei einem Schadensersatz« Prozeß auf Grund des§ 120». der Gewerbe- Ordnung sich auf diese Petition der Interessenten selbst zu berufen. Bei den Positionen Essigsäure- Salze, Essigsäure. Holzgcist, Acetin wurde die Debatte auf Dienstag um 9 Uhr vertagt.—' Vom freisinnige» Philistertum. Wenn wir nicht allen Grund hätten, die Auslassungen der„Vossischen Zeitung" über die social- demokratische„Verherrlichung des Meuchelmordes" lediglich als frei- sinnige Beschränktheiten anfzufasscn, an denen die Tante nun mit dein Eigensinn des Alters festhält, so könnten tvir fast auf den Ge- danken kommen, das freisinnige Blatt sei von einem Scharfmacher- Konsortium angekauft worden und hetze auf ein Ausnahmegesetz los. Denn selbst die konservative Presse scheut sich, die blöd ver- drehten Folgerungen aus uusre» selbstverständlichen Bemerkungen zu ziehen, die die„Bossiu" angstschlotternd jede» Tag aufs neue vorträgt. Heute verfällt die Tante gar auf den obcrschlanen Gedanken, die Socialdemokratie wünsche ein neneS Ausnahme- oder Umsturz- gesetz, weil wir um Agitationsstoff verlegen seien. Dann aber teilt sie glückstrahlend folgende Auslassnng eincS socialdemokratischen OrganS mit, das sie als„ B r o n> b e r g e r Zeitung" bezeichnet, wahrend wohl die„Brandenburger Zeitung" gemeint ist. Dieses Blatt hatte zu den AuSfühnmgen der„Leipziger Volks-Ztg." bemerkt: „Wir billigen den Mord unter k e i n e n U in st ä n d e n. Er ist bei den russischen Ziiständc» allerdings n u r zu erklär- l i ch: zu rechtfertigen ist er glcichivohl nicht. Wir anerkennen nur die Vollstreckung eines regelmäßig gefällten II r« teils; wir sind aber ebenso auf dein Gebiete des Staatsrechts Gegner der Todes strafe, wie auf dem des privaten Rechts. Zudem halte» wir die Knalle re i in W i l» a für gänzlich ihren Ziveck verfehlend; nicht einmal als eine„Warnuug" wird sie»virken; sie wird vrelniehr nur das Willkürregiurent der Knnte verschärfen...." Der letzte Satz enthält ein Urteil über die politische Ziveck- Mäßigkeit der russischen Kitentate— eine Frage, mit der wir uns nicht beschäftigt haben. Im übrigen giebt unser Bruderorgan sehr richtig die socialdemokratisäien Grundsätze wieder. Aber es übersieht nur, daß sie für civilisierte Länder gelten, in denen daS Volk so viel freie Selbstbestinimung hat, daß es seine Rechte durch- ziisetzen vermag. Die„Brandenbiirger Zeitung" ivird ivohl selbst nicht zugeben, daß man etwa der großen französischen Revolution gerecht ivird, wenn man sie unter dem Gcsichtspuult„regelmäßig gefällter Urteile" betrachtet. Nicht anders darf man die revolntio- näreu Erscheinungen in dem absolutistischen Rußland beurteilen, und wir glauben, daß man nicht Socialdemokrat zu sein braucht, um Verständnis für menschlichen Opfermut zu haben.— Nachspiele zn den ArbcitSlosen-Demonstrationen in Frank- furt a. M. Ans Frankfurt wird uns berichtet: Mit ihre» Anklagen wegen der Arbeitsloseii-Dcmoustrationcn im Jamiar dieses Jahres bat die Polizei wenig Glück. Die Gerichte fassen die Sache wesent- lich milder auf als die liebe Polizei, und bestätigen damit nach- träglich, daß die vorgekommenen Krawalle wesentlich auf den Uebereifer der Polizeibeamten zurückzuführen sind. Nachdem schon bor einiger Zeit die„HmiptnidelSfiihrcr" abgeurlcilc worden sind— die meisten sind mit geringen Gefängnis« und Haft- strafen davongekommen—, kamen dieser Tage noch ei» paar Nachzügler an die Reihe. In dem einen Fall richtete sich die Anklage gegen den Schreiner, Genossen Ernst Jordan, dem bei den Krawallen von der Polizei übel mitgespielt worden ist. Ich ging, so erzählte er vor Gericht, am 13. Jannnr mit zwei Kollegen etlva um nach 4 Uhr vom Gewerkschastshans durch die Batton- und Schmirgasse über die Trierischc Gasse, nm bei Single, wo sich der ArbeitLnachiveis der Parkcttbodenleger befindet, nach Arbeit zu fragen. Da kämen 'in der Richtung Haseugasse- Tricrische Gasse zwei Sckmtzlente mit einem gefesselten Arrestanten daher. Wir blieben ein bis zwei Minute» stehen. Da uns daS Verhalten der Schutzleute etwas zu energisch vorkam, sagte ich zn den Umstehenden:„Bravo, die Polizei"! Sogleich kanien zlvei Schutzleute, rissen mir den Kragen vom Halse und verhafteten mich. Auf dem Revier wurde ich„Stromer", „Lump" zc. tituliert und als ich mir das verbat, erhielt ich ver- fchiedeue Schläge i»ö Gesicht. Eine Beschwerde wegen dieser Behandlung wurde vom Polizeipräsidcnteu als unbegründet zurückgewiesen. Durch sein Verhalten sollte Jordan die Polizei be- leidigt und Widerstand gegen die Staatsgewalt verübt haben. Der als Zeuge austretende Schutzmann bcschor, Jordan habe die Polizei als Lumpen bezeichncr, obwohl mehrere andre Zeugen unter Eid erklärten, nichts derartiges gehört zn haben. Der Staätsanivalt ließ selbst die Anklage wegen Beleidigung fallen; da- gegen erachtete er den Widerstand gegen die Staatsgewalt als er- wiese» nud beantragte dafür 20 M. Geldstrafe. Das Gericht erkannte ans Freisprechung, da auch von Widerstand in diesem Fall keine Rede sein könne. Der Schutzmann habe sich nicht in recht- mäßiger AnSiibung feines Slmtcö befnndcn.— Die ziveite Anklage richtete sich gegen einen Arbeiter Gottlieb Klause, der am 19. Januar nachmittags am Römerbcrg zufällig(!l) in de» Tumult hineingeraten war, als die polizeilichen Operationen gegen die dort versammelten 600 Arbeitslosen begannen. K. gehörte gar nicht zu den Arbeitslosen, wollte weder demonftriereu,»och mitmarschieren, hatte möglicherweise auch die Aufforderung zum Auseinandergehe» der Menge gar nicht gehört; er konnte aber nicht weiter gehen, da er in den: Augenblick, wo er es versuchte, von den Polizistc» gepackt und in derselben liebenswürdigen Weise wie Jordan»ach dem Polizeipräsidium geschleppt wurde. Das Gericht erkannte auch gegen K. wegen Bewcismangcts ans Freisprechung. So schrumpft nachträglich die große polizeiliche Staatsaktion zusammen!— Gegen die Zölle. Man berichtet uns ans Nürnberg: Der Verband der Arbeitgeber im Schueidergewerbe in F n r t h i. B., de», sämtliche Kleinmcistcr angehöre», faßte den Beschluß, gegen die Er- höhuug der Zölle aus Stoffe und Znthatcn zu protestieren, da die Zollcrhöhung für die Maßschneiderei nicht den geringsten Nutzen habe. Hervorragende Großindustrielle derselben Branche haben sich seiner Zeit für die Zollerhöhung ausgesprochen— Spott-blind. Wir machten vorgestern die Verhaftung des Leipziger„Geucralaiizeiger'-NcdactenrS Plcißner zum Anlaß einer ironischen Betrachtung über da? Mißgeschick dieses allerrelnsten Monarchisten, der, in dem Eifer, die unrein monarchistischen Linian und Harden zn übertrumpfen, selber dem MajestätSbeleidigungs- Paragraphen anheim fiel. llnsre Leipziger Kollegin, die„VolkSzeitung", tadelt uns wegen dieser Bemerkungen äußerst ernsthaft. Sie erklärt, daß es angesichts der Persönlichkeit des Herrn Plcißner ganz unangebracht sei, ihm„freimütigen und echten Monarchismus",„lohalen Freimut" und ähnliche Tugenden zuzuschreiben. ES ist gewiß für uns sehr ehrenvoll, wenn die„Leipziger V o lk s z e i t u n g" sich die Mühe nimmt, uns über uusre Dumm- heiten aufzuklären. Sollte eS aber für sie selbst nicht vorteilhafter sein, bevor sie uns belehrt, erst den Versuch zu wagen, ob sie nicht mit einiger Hingebung doch zn verstehen vermag, tvaS wir schrieben? So gar tiefsinuig und dunkel ist doch der„Vorwärts" nicht.—_ Die Germanisier ung PosenS. Ein feines Verständnis für die Polenpolitik des Grafen Bülow hat der„Ulk", der folgende„Kalcndergcschichte" erzählt: Ende Mai. Die preußische Regierung fordert eine neue VIertelinillinrde für den NnsiedelnngSfonds. Mitte Jnni. Das dem Grafen Krapilinski gehörige Ritter- gut Polackoivo ist von der Anstedcluiigslouimissioii für 200 000 M. erworben worden. Ende Juni. Graf Krapilinski kauft das Nachbargut Polacken- selbe von seinem Besitzer Nenmann für 150 000 M. Mitte In Ii. Nenmann übernahm das Rittergut Polackowo von der Ausicdcluiigskommissioil gegen eine Barzahlung von 100000 M. Ende Juli. Graf Krapilinski verkaufte seinen neuen Besitz Pokackenfclde an die AiisiedelungSkonmüssion zum Preise von 300 000 M. Mitte A n g n st. DaS Rittergut Polackowo ging in den Besitz des Grafen Krapilinski über. Nenmann erhielt dafür 200 000 M. Ende A n g u st. Nenmann übernahm das Landgut Polacken- selbe von der ÄnfledcluiigSkommission gegen eine Bezahlung von 150 000 M. Mitte September. Die Ansiedelimgskommission kaufte daS Rittergut Polackowo nud zahlte dafür dem' Grafen Krapilinski 400 000 M. Ende September. Graf Krapilinski kaufte das Nachbar- gnt Polackenfelde von seinem Besitzer Reumann für 300 000 M. Mitte Oktober. Nenmann übernahm das Rittergut Polackowo von der AnsiedeluugSkominisstou zum Preise von 200 000 M. Ende Oktober. Die Anstedelungskommission kaufte das Landgut Polackenfelde vom Grafen Krapilinski, der dafür S00 000 M. erhielt. usw. usw. Mai 1903. Die preußische Regierung fordert eine halbe Milliarde für den Aiistedclungsfonds.— Die sächsische Finanzreform ist nun endlich mit Ach und Krach zu stände gekomnicn. Am Donnerstag stiinmte die erste Kammer für den VerciiiignNgsbeschluß der vereinigten Deputationen der erste» und zweite» Kammer. Der Beschluß wurde, wie es heißt, einstimmig gefaßt. Die Einstimmigkeit kam dadurch zu stände, daß die Opposition von 16 Abgeordneten abwesend blieb. Am Freitag, so ivird unS tclcgraphisch gemeldet, trat aucki die zweite Kammer dem BereittiguiigSbejchluß bei. Die Nationallibernlc» stimmten dagegen. Die versäiicdcncn Phnsei!, die die Fiuanzrcfonn durchmachte, sind für die sächsische Bourgeoisie charateristisch. Die Regierung schaute der Stener-Nruordiiung, nachdem ihre Vorschläge von dem Landtage 1898 abgelehnt worden waren, gewissermaßen mit verschränkten Armen zu. Sie erklärte, vom finanziellen Standpunkt könne ihr daS Schicksal der Steuerreform gleichgültig sein. Scheitere die Reform, so werde sie 50 Proz. Zuschlag zur Einkommensteuer erheben. Die jetzt angenommene Stcnerrefornr besteht in folgendem: Die Eiiikouunensteuer wird um 25 Proz. erhöht, doch bleiben die Einkommen bis 800 M. von dem Zuschlag befreit. Ta§ Mehr wird auf 8'/2 Millionen berechnet. Es tritt eine 25prozeiitige Erhöhung der Kosten der freiwilligen Gerichtsbarkeit ein. Mehrertrag: eine Million. Es wird unter dem Namen„ErgänziingSstcner" eine Vermögenssteuer geschaffen, deren Ertrag die Regierung auf 5 900 000 M. schätzt.§ 1 dieses neuen Stencrgcsetzes lautet:„Im Königreich Sachke» wird eine Ergänzimgssteuer erhoben. Gegenstand der Ergänzungssteuer ist daS nicht von der Grundsteuer betroffene Vermögen." Die Grundsteuer besteht weiter, doch bleibt das laud- wirtschaftliche Betriebskapital von der Grundsteuer befreit. Die Meinmigsverschiedenhcit zwischen der ersten nud zweiten Kammer betrafen die Grundsteuer. Die ztvcite Kammer, in der die verschuldeten jclbstwirtschaftcnds» Landwirte sitzen, wünschte den Fortfall der Grnndstener und ihre Ersetzung durch die VermögeiiS- stener. Der Vorteil dieser Stcuerverschiebnug wäre für die ver- schuldeten Landwirte sehr bedeutend gewesen. Die Grundsteuer ivird ohne Rücksicht ans die Schulden vom Gesamtwert des Gutes erhoben; die Vermögenssteuer gestattet die Schulden vom Steuerobjckt abzuziehen. Auf diese Weise hätte» vielleicht viele Agrarier überhaupt weder Grund- noch VermögciiSftcuer bezahlt. Für die fteiiireichcn Großgrundbesitzer der Ersten Kammer liegt die Sache anders. Da sie meistens nnvcrschnldeten Grundbesitz ihr eigen nenneu, ist für sie die tolerant eingeschätzte Arimdstcucr vorteilhafter als die alljährlich neu veranlagende Vermögenssteuer. Die Erste Kammer stimmte also gegen die Aufhebung der Grundsteuer. Im VereiiiiguugSverfahrcn verstand es nur der hohe sächsische Landadel, eine Bestiimnuiig durchzudrücken, die von ziemlich viel llu- verfrorenheit zeugte. Er verlangte, daß das landwirtschaftliche Bc- triebskapital von der Gnmdstcncr befteit sein soll. Dieses Privileg erregte auf zwei Seiten Anstoß. Sofort lärmten die Industriellen. Sie führten sehr richtig aus, daß sie ihr Betriebskapital durch die Vcrmögensstcncr versteuern müßten, während das laud- wirtschaftliche Betriebskapital unverstciiert bleibe. Unzusrieden werden aber auch die mittleren Gutsbesitzer der Zweiten Kammer. Sie haben nur sehr wenig Betriebskapital, während die Großgrund- besitzer, die ihre Güter draiuierte» und ganze Vermögen als Betriebs- kapital verwenden köimeu, durch diese Steucrleislung laut Angabe der Regierung 100 000 M. sparen. Die Nationalliberalen stimmten dieses Steuerprivilegs wegen gegen daS ganze Gesetz. Die Geschichte dieser Steuerreform giebt daS schönste Agi« tationsmatcrial für uusre Redner bei den Wahlen in Sachsen ab.— Nochmals Herr RcichStastS-Abgcordneter Dr. Seniler. Aus uusre Wussühnliigen in der Nummer vom 27. Mai fordert Doktor Seniler eine Berichtigung. Er fordert sie auf Grund des Preß- gesetzes. Diese Forderung aber beweist nur einen Mangel an eleuientarcr juristischer Befähigung, denn die Berichtigung entspricht durchaus nicht den formalen Vorschriften des Preßgeietzes und wir wären berechtigt, dieselbe abznlehnen. Wir geben sie jedoch wieder, um zu beweisen,»ne wenig Herr Semler i» der Lage ist, uusre Mitteilung zn entkräften. Die„Berichtigung" lautet: „Ihnen ist berichtet: 1. Vor einer Verurteilung durch die Anwaltskammer hätte ich mich nur erretten können, indem ich vor der Urteilsfällung in einem gegen mich anhängigen Civilprozeß einen Vergleich mit den Klägern ermöglichte. Die Wahrheit ist: Ich habe über einen wegen eines vor zehn Jahren geführten Mandats gegen mich erhobenen Civilanspruch einen Vergleich geschlossen, und Werktags darauf nieinerseits an der zuständigen Stelle die ehrengerichtliche Nachprüfung meiner damaligen Handlungsweise beantragt. Das ehrengerichtliche Ver- fahren hat unter Uebereiiistimmiing der Anklagebchörde und des Ehrengerichts mit meiner kostenlosen Freisprechung geendet. 2. In den zwischen den beidcrieitigen Äiiwälten verfaßten' Vergleichsprotokollen soll wider Wissen des Klägers und durch Miß- Verständnis eines Anwalts eine zn niedrige Summe ausgesetzt sein, der Kläger soll erst verspätet von diesem ihm ungünstigen Vergleich erfahren haben. Die Wahrheit ist: Der Kläger war in dem gerichtlichen Ver- gleichster»»» niiweseiid mid hat daselbst das Vergleichsprotokoll persönlich unterzeichnet. 3. Iii einer Unterredung am 3. Januar 1901 soll ich zugegeben haben, daß ein Mißverständnis durch Schuld des klägerische» Au- Walls vorgelegen haben könne. Ich würde aber den Rest der streitigen Smnme zahlen, so bald die gegen mich eingeleitete ehren- gerichtliche Untersnchung beendet sein würde. Die Wahrheit ist: Ich habe ausdrücklich abgelehnt, dem Kläger bezüglich der von ihm verlangten Zinsen und Kosten ent- gegen zn kommen oder auch nur weiter mit ihm zu verhandeln, so lange nicht das ehrengerichtliche Verfahren erledigt sei. Zn- gleich aber habe ich meine Geneigtheit erklärt, nach erledigtem Verfahren dem Kläger dann entgegen zu kommen, lvenn ich die Ucbcrzeiignng gewinne, daß beim Abschluß des gerichtlichen Ver- glcichs ein Mißverständnis zwischen dem Kläger und seinem Au- ivnlt vorgelegen habe. Diese Bedingung ist nicht erfüllt worden, vielmehr hat mein Anwalt auf Erkuudigmig bei dem ilägerischen Anwalt die gegen- teilige Erklärung erhalten und mir brieflich seine Ueberzengung mitgeteilt, daß nicht der mindeste Anhaltspunkt für daS Vorhanden« sei» eines MißvcrsiändnisseS obliege. Herr Seniler irrt zunächst, lvenn er meint, uns sei über diese Angelegenheit mir„berichtet" worden; wir bemerken hierzu, daß alle Angabe» des Berichts ans Grund der beigcgcbenen beweiskräftigen Akleustncke von uns geprüft worden sind. Es ist gänzlich nebensächlich, daß Herr Semler mitteilt, er habe selbst eine ehrengerichtliche Untersuchmig gegen sich beantragt. Demi es mnß ihm bekannt sein, daß bereits zuvor eine Anzeige gegen ihn bei der Hamburger Äulvaltskaimner eingereicht worden war. Wie wenig zuversichtlich aber Herr S. dem Verlauf deS ehrengerichtlichen Verfahrens entgegengesehen hat, geht daraus hervor, daß er— unter 3— selbst zngicbt, er habe dem Kläger Ver- handlimgeii über seine weiteren Ansprüche in Aussicht gestellt, nachdem das ehrengerichtliche Verfahre» erledigt sein würde. DicS zeigt, daß Herr Seniler von einer s o so rti g e n Ablehnung der Allsprüche des Klägers cincii für ihn migünstigen Fortgang des ehrengerichtlichen Verfahrens gefürchtet hat. Diesem wollte er vorbeugen, liidem er ans später vertröstete. Gab es doch keinerlei Hindeiiiis, sofort festzustellen, ob ein Mißverständnis vorlag oder nicht. Desgleichen berichtigt Herr S. unter 2 nicht das geringste. Denn waS er hier als Bericktigung auSgiebt, ist von uns überhaupt nicht bestritten worden. Das Mißverständnis, auf Grund dessen der Vergleich z» stände kam, beruht vielmehr darin, daß der Kläger ohne Kenntnis des Wortlauts des Vcrgleichproto'olles unterzeichnet hat. weil er infolge der Miltcilmigeii seines Anwalts sich im Glauben befinden»nißte, daß der beklagte Dr. S.. seiner eignen kurz zuvor abgegebene» Erklärung gemäß, seine Schuld voll abtragen wollte. Unter 8 giebt Herr S. z». daß daS vorgekommene Mißverständnis in der Nntcrredmig am 3. Januar 1901 eine Rolle gespielt habe. Herr S. sucht aber jetzt die Dinge so darzustellen, als sei die Be- Häuptling eines Mißverständuifses lediglich eine vage Idee des Klägers und ein Nnchivcis desselben sei niemals geführt worden. Dies ist jedoch— gelinde gesagt— eine gröbliche Unrichtigkeit. Herr S. hat bereit« am 3. Januar' 1901 gewußt, daß ein Mißverständnis a»f feite» feines ProzeßgegncrS lhatiächlich vorgelegen hat. Denn er halte bereits im Dezember 1900 einen Brief des Anwalts des Klägers erhalten, in dem dieser Anwalt das„offenbar vor- g e k o in in e n e M i ß v e r st ä Ii d n i S" festgestellt hat. Gerade auf Grund dieses Briefes hat sich ja Herr Dr. S. genötigt gesehen, mit dein Kläger in neue Besprechungen zu treten. Danach haben ivir von unfrer Charalterisierung des Dr. Seniler- schcn Verhaltens nicht das mindestc zmückzuuehme».— Ausland. 20 Jahre Gotthardbahn. Zürich, 27. Mai.(Eig. ver.) Am 1. Juni find es 20 Jahre. daß die Gotthnrdbahn cröffiiet wurde. Die Schweiz, Deutschland »nd Italien beschlossen auf mehreren in Bern und Luzem in de» sechziger und siebziger Jahre» stattgefuiideucn internatioiialen Kvnfcreiizeii den gcniciiisameu Bau der Gotthardbahn, um eine direkte Berbindnug des Nordens mit dem Süden zu erhalten. Erst 85 Millionen und daim, als sich ivähreud der Bauarbeit die Uu- zuläuglichkeit der Kostenberechnung herausstellte, weitere 34 Millioucii Frank brachten die drei Staaten auf, wovon Deutschland 30, Italien 56 und die Schweiz 31 Millionen Frank. Die übrige Finanzienmg besorgte die Alticiigesellschaft, die heute insgesamt 292 Millionen Frank an Anlagekapital zc. ausweist. Am 1. Juni 1882 fand nach zehnjähriger Bauzeit— die Bauarbeiten waren am 1. Oktober 1872 degoimen worden— die Er- össnung der Gotthardbahn statt, bei welchem Anlaß in Luzer» und Mailand glänzende Erösfnuiigsfcstlichkeitc» veranstaltet wurde», denen auch zahlreiche Pnrlmiiciitarirr ans den beteiligten drei Ländenr— von der socialdemokratischeii Neichstagsfraktioii waren der verstorbene Genosse Grillcnberger, ferner die Genoffen Auer und Stolle dabei— beiwohnten. Welchem großen Bedürfnis der Bau der Gotthardbahn entsprach. zeigt die Verkehrsstatislik. Danach bat sich in den 13 Jahren seit 1882 der Personen- wie der Güterverkehr weit mehr als verdoppelt und in gleichen'. Maße sind auch die Einuahmei, gestiegen. Die Gotthardbahn hat eine gcivaltige internationale volkswirtschaftliche Bedeutung und ihre Erbauung stellt sich auch im Lichte der erreichten Zahlen als eine neue Knlturthat erste» Ranges dar. Was soll mau aber denn dazu sagen, wenn man heute in Deinschland und in der Schweiz— welchen beiden Ländern als Dritter im Bunde Italien folgen wird— am Werke ist, in Gestalt wahnwitzig hoher Zölle imübersteigliche Schranken aufznrichten und so gleichsam das erst mit enormen Kosten gemachte Gotlhardloch wieder zn verrammeln? Ocstveich-Nngarn. lBudapest, 30. Mai. In der ungarischen Delegation cntspaiin sich über die alldeutsche Bewegung eine lebhaste Er- örlerinig. Rakovsky verliest zahlreiche heftige gegen die öst- reichisch« ungarische Monarchie»nd die Dynastie gerichtete Stellen ans alldelttichen Flugschriften. Der gemeiiisaine Fiiianzmimjter, v. K a l l a y, erklärt nainens des Ministers des Ausivärtigeil, van deutscher amtlicher Stelle seien, betr. die alldeutsche Be- wegutig, spontan loyale Erklärungen abgegeben worden dahingehend, daß die Regierung dieser Bewegung nicht nur dtirchanö fernstehe, sonder» dieselbe»ttsibiiligc. lieber die alldeutsche Frage herrschten. in der Gesellschaft'Denlsclilands verschieden-«nffafsiingeii. für welche die Regiemiig nicht verantwortlich gemacht werden könne. Rakovsky erklärt, von der Aeußeriing des Ministers v. Kailay nicht befriedigt zu sei», da die ans Zcrlettuug der Monarchie gerichtete Bewegung von Vereinen ausgehe, tvelche die deutsche Regierung genehmige und welcher hervorragend« Politiker angehörten. Redner ivniischt. daß der Minister des Aus» wärtigen in Berlin Vorstellungen erhebe. Sollte daS nicht gc» schchen. so könne er die AusrKau»ma deS Neferenten über do? Selbst- Gefühl der answörligeu Politik Qestrcich-Ilii�orns nicht teilen. Gros S t e f a» Ti s z a lvciidcte sich ge�en die Auslassungen RakonZkys und erklärt. Ungarn sei stark genug, um die Quertreibereien und Agitationen der Alldeutschen mit Gcringschätztmg behandeln zu dürfen.— Belgien. Nochmals zu den Wahle». Zu dem gestern mitgeteilten Resultat sind dock noch einige kleine Abweichungen zu'melden. Nicht 37, sondern 36 Klerikale werden neben 84 Liberalen lnicht 33>. 34 Socialisten und 2 Christlichdcmokraten die nächste Kammer bilde». Die Majorität der Rechten über die Opposition be- trägt also 26 Stimmen. So ivenig erfreulich das Gesamt- resultat für die Socialisten sein mag, so ist doch die eine erfreuliche Tbatsache zu tierzeichuen, daß sie sich trotz der ungeheure» Hetze der Klerikalen auf dem flachen Lande behauptet haben. Be- sonders im Wahlkreise Löwen hatten die Klerikalen alles aufgeboten, um den Socialisten eine Niederlage zn bereiten. Dieser Wahlkreis mit seinen 112 Dörfern ist, Ivie Löwen selbst, erzkatholisch; die Bor- gänge vom 18. April wurde» von den klerikalen Rednern ausgenutzt, um die Socialisten als Mörder und Banditen bei der LandbevSlkenmg zn verleumden, und die klerikalen Kapitalisten des Kreises haben sich den Wahlkanipf riesige Summen kosten lassen. Alle diese Anstrengungen sind umsonst gewesen. Der socialistische Kandidat ist wiedergewählt und die socialistischen Stimmen sind nicht zurückgegangen, sondern haben um 1698 zugenommen. Das Wahiresultat im Kreise ist folgendes: Die Klerikalen erhielten 17 343 gegen 1ö 949 im Jahre 1336, gewannen also 1393; die Liberalen erhielten 6435 gegen 6837, verloren also 372 Stimmen, während die Socialisten von 6256 auf 79S4 stiege». Der Ausgang der Wahlen im Löwener Wahl- kreiS� bedeutet eine entschiedene Berurteilung der Metzeleien vom Dänemark./ Nntrr dem nenrn KnrS. In der am 17. Mai beendeten Rcichsings-Scjsion ist so gut wie nichts von den Versprechungen er- füllt worden, mit denen das neue Ministerium seine Aemter über- nahm. Sechs Punkte wurden bei der Eröffnung des Reichstags am 5. Oktober 1931 besonders hervorgehoben: Reform der Rechtsflege, Bildung einer Landcsvertcidigungs- Kommission, die alle Militär- fordcrnngen prüfen sollte, Steuerreform. Vorschläge zur Förderung des Erwerbslebens, Kirchcurefonn und Reform des t o u» in u- naleii Wahlrechts. Hiervon ist nur eins durchgeführt worden die LandeSvertcidignugs-Kommission. Aber diesck'wurde erst geivählt. nachdem sich die Ilegicrung S Millionen für neue Kanonen hatte be- willigen lassen. Bon der für das Volk wichtigsten Sache, der Reform des GcmeindewahlrechtS, tv a r nicht einmal die Rede Dagegen tvnrde verschiedentlich der Versuch gemacht, die Selbstverioal- tung der Gemeinden einzuschränken.— Diesocialdemokcatische Fraktion hatte fünf Gesetzentwürfe eingebracht, betreffend Schnlbespeisnng. Aufhebung der Befestigung Kopenhagens, Staatshilfe für die Arbeits- l o s e n- U n l e r st ü tz u n g S k a s s e n der Arbeiter, Staats- z n s ch n st zu den Armenkassen, Darlehen an die Komumncn als Hilfe gegen die Arbeitslosigkeit. Von allen diesen Anträge» wurde nicht«in einziger durchgeführt.— Die Resultate dieser ersten ReichStagSsession unter dem liberalen Regime sind im wesentlichen folgende:«ine Staatsanleihe von 33 Millionen Kronen, ein Staatsbudget mit einem Defizit von öV« Millionen Kronen, Erhöhung der Posttaxen, die das Porto um gut 1 Million Kronen ver- teuert; ein Besoldungsgesetz für die Postangestellten, das geringe Er- höhungen der Löhne festsetzt; ein Haustiergesctz, das die Aufwendungen für die Viehzucht um 233 333 Kr. vermehrt; ein Hochschnlgesetz. durch das der Staatsznschufi für die Volkshochschulen und landwirtschaftliche» Unterrichtskurse um ebenfalls 233333 Kr. erhöht wird, ein Kirchensteuer- gesetz und ein Gesetz über die Bespeisung bedürftiger Schulkinder, die beide keine Fortschritte gegenüber den bisherigen Zu- ständen bringen. Dazu kommen noch einige kleine sociale Reformen, worunter namentlich eine allerdings auch nur geringe Verbcffcrnng der A l t e rs v e r s o r g»> n g zu nennen ist. Im Vergleich zn den Resullateii der parlamentarische» Arbeit andrer Länder wird man aiierkemien müssen, dah der dänische Reichstag wenigstens i» einzelnen Pnnkten gutes geleistet hat; verglichen dagegen mit de» Ver- sprechungen und Hoffnungen, die sich an den Wechsel i» der Regierung knüpften, sind diese Resultate allerdings höchst u n befriedigend.—_ Partciprcsse. Der Rücktritt der Genossen Kasch und Brücker vom„Harbnrger Volksblatt" erfolgt nicht, wie irrtümlich berichtet wurde, am 1. Juli, sondern erst an: 1. Oktober. NlS ReichStagSkandidat für Kassel-Melsungen wurde i» einer Versammlung des socialdcinokratischen Vereins in Kassel der Genosse Karl Thiel, früher Redacteur des dortigen Parteiblattes, wieder aufgestellt. Polizeiliche», Gerichtliche» usw. — Mai-Nachfeier. In Nienstedten(bei Altonas ist gleich falls ei» Maifeier-Prozcst zu erwarten. Wege» angeblicher Ver- anstaltung eines öffentlichen Unizuges ohne polizeiliche Erlaubnis haben dort«ine Anzahl Bauarbeiter polizeiliche Strafmandate be- kommen. Da sie nach ihrer Meinung keinen Umzug gemacht haben, werden sie gerichtliche Entscheidung beantragen. Wirtschnstlicher Wochenbericht. Berlin, den 28. Mai 1332. (Vor der Börse.) Der Börsenverkehr stand in letzter BcrichtSwoche nntcr der Stimmung, dah schon in den nächsten Tagen eine offizielle Friedens- bestätig«»g des englischen Kabinetts zn erwarten sei: eine Zuversicht, die durch die durchweg feste Haltung der Londoner Fondsbörse, die iveiter« Kurssteigerungen für Konsols und Minenaktien meldete, fast zur Geivistheit winde und zn vielfachen Meinungskänfcn anregte. Dazu kam als weiteres stimnliereiides Moment die Kundgebung des Anfsichtsrats und Vorstandes der Hamburg- Amerika- Linie über den Kartellvertrag ihrer Gesellschaft mit dem Morgan- schen transatlantischen Schisfahrtstrust und die Erläuterungen des Generaldirektors Ballin in der Generalversainmlimg vom 23. d. M. Vermögen die Vertragsbestimmungen auch die verschiedenen volkswirtschaftlichen Bedenken, die in den letzten Monaten gegen das Abkommen geändert worden find, teinesivcgs gänzlich zu eutkrästcn, so stellen sie doch den Aktionären infolge der Beschränlung der bis- herigcn Konkurrenz zwischen den deutschen n»d englischen Linien, der bereits vereinbarten Erhöhung der Passagierprcise erster nnd zweiter Klasse und der sicher zu erwartenden Erhöhung der Frachten eine gröbere Rentabilität deS Unternehmens in Aussicht, als dieses im letzten Jahr uutcr dem Einfluß der ungünstige» Frachtvcrhältnisse auf- zuweise» hatte; und nur diese voraussichtliche Steigerung des Er- träges, nicht politisch-volkswirtschaftliche Nutzeriväguugen, haben für das Kalkül der Bör>e realen Wert.< Ferner stimulierte der dritte Qnartalabschliiß der Vereinigten Königs- und Laurahütte, obgleich der Bruttogewinn des letzten Quartals gegenüber dem der ersten Quartale noch weiter zurück- gegangen ist und gegen das dritte Quartal des vorigen Jahres eine» Fehlbetrag von nicht weniger als 767 746 M. zeigt, denn dieser Minderertrag ist nach den Darlegungen deS Geschäftsberichts nur durch da« schlechte Kohlengeschäfr hervorgerufen, während der Eisen- absatz sich gehoben hat und für das vierte Quartal noch günstigere Resultate verspricht, da, wie der Bericht sagt,»die inzwischen beim Walzeisengeschäft in den Preisen eingetretene Aufbesserung naturgemäß erst später in den Gewinnen der Gesellschaft in Erscheinung treten kann". Ob dieser optimische Ans- blick in die nächste Zukunft ganz berechtigt ist, insbesondere >n Anbetracht der Thatsache, daß die Laurahütte seit' >n 6 Jahren, obgleich inzwischen ihre Betriebsmittel beträchtlich ver- mehrt worden sind, lein annähernd ungünstiges Geschäftsergebnis auszuweisen hat, mag dahingestellt bleiben, jedenfalls faßte die Börse unter dem Eindruck, daß die Beendigung des südafrikanischen Krieges auch die Geschäftslage der Eisenindustrie bessern werde, den Bericht als Symptom deS Beginns eines erneuten Aufschwunges des Eisen- geschäftS auf— der Kurs stieg am Dienstag, nach Veröffentlichung des QnartalberichtS um ca. 4 Proz., und hat seitdem sich weiter um etwa 3 Proz. gehoben, wobei allerdings zu berücksichtigen ist, daß an den vorausgegangenen Börscntagen der Kurs durch AuSsprengnng falscher Gerüchte über den Ouartalsabschluß der Laurahütte und durch spekulative Abgaben gedrückt, worden war. Rechnet man hierzu weiter das Wiederauftanchen von Gerüchten über größere, von verschiedenen Berliner Bankhäusern betriebene Fusionen im rheinisch- westfälischen Kohlen- und Eisenrevicr. die Meldungen von dem zwischen Chile und Argentinien geschlossenen Vertrag und schließlich den glatten Verlauf der Ultimo-Prolongation, so erscheint es nur natürlich, daß nach der Oede der letzten Wockcn sich wenigstens zeitweilig etwas Geschäfts- und Unternehmungslust zeigte. Stellt doch schon die feste Zuversicht auf baldigen Friedensschluß zwischen England und den Boerenrepubliken ein genügendes Motiv zn heiterer Anffa ssimg der Geschäftslage, da die ohnehin starke Beteiligung des deutschen Kapitals w afrikanischen Mineuwerten in den letzten Monaten nach dem Ze..'gntS der RemisicrS durch neue Erwerbungen noch bedeutend vermehrt worden ist. Man kann sogar in Anbetracht der Sicherheit, mit der die Friedensnachnchten auftraten, befremdlich finden, bestände nicht die allgemeine Furcht vor einem Umschlag der amerikanischen Hochkonjunktur, daß trotz aller genannten animierenden Faktoren doch im ganzen der Verkehr ein träger und schleppender blieb, vermochten doch auch in dieser Berichtswoche wieder an zwei Tage» selbst für mehrere erste Spekulationswerte keine Anfangs kurse festgestellt zu werden. Am meisten profitierten von den FriedenShoffmmgen die Aktien und Anteile der großen Banken, nnnrentlich der, die als stärker interessiert a» Miiie»werten gelten, wie z. B. die Deutsche Bank, Diskonto- Gesellschaft, Handelsgesellschaft, Dresdner Bank. L letztere anbetrifst, so kam am Sonnabend und Montag noch hinzu, daß in Hamburg, wo anscheinend ein fnicht unbedeutendes Dccouvert in Dresdener Bankaktien vorhanden gewesen sein mutz, größere Deckungskänfe in diesen Aktien vor- genommen wurden, die hierher zurückwirkten; dock trat bereits am Dienstag, als die Deckungen nachließen, eine leichte Abschwächnng ein. Durchweg sind die Kurse für die Aktien der großen Banken in letzter BcrichtSwoche um 2—3 Proz. gestiegen.' Aber nicht nur sie, auch die wichtigeren Eisenwerte haben infolge der Friedensnachrichten, des Onartalbcrichts der Laurahütte und ivicdcrholter DeckmigSkäufe zum Ultimo ihren Kursstand um einige Prozente zu erhöhen vermocht, und selbst Kohleuakticii sind meist um 2—5 Proz. in die Höhe gegangen, trotzdem das Coakssyndikat für das nächste Halbjahr seine bisherige Prodiiktionseinschränkmig beibehält. Neben der allgemeinen optmiistischere» Auffassung der wirtschaftlichen Situation spielten auf diesem Gebiete besonders Deckungskänfe der Lokalspekulatio» mit, besonders in Aktien der Konsolidation, die infolgedessen von Sonnabend bis gestern ihren Kurs um etwa 12 Proz. erhöhten. Dagegen lagen Fonds recht still bei fester Tendenz, und ebenso meist Bahnaktien mit Ansnahme von Kaiiada-Pacific-Aklien, in denen sich das Geschäft lebhafter gestaltete. Die Aktien deS Norddeutschen Lloyd und der Hamburg-Amerika-Linie gewannen bis gestern nnaefähr 4 Proz. Wie ans dem Einfluß der FricdenSnachrichten ans den Kurs der Eifenaktien hervorgeht, wird in den Börseukreifen die Hoffnung gehegt, daß die Beendigung des südafrikanischen Krieges auch auf die deutsche Eiscuwareii-AuSfuhr günstig einwirken werde, und nn- begründet ist diese Erwarluug nicht. Deutschlands Ausfuhr nach de» Boereii-Republikeu hat schon bisher hanplsäcklich in Chemikalien, Drognen und Eisenwaren bestanden, und geht es dort an den weiteren Ansban der Minenbetriebe und der Wiederherstellung der Farmen, ivird sicherlich auf dem südafrikanischen Markt bald eine rege Nachfrage»ach Maschinen, eisernen Werkzeugen, Ackergeräten. Ban-Materialien sc. entstehen, an deren Deckung neben England und den Vereinigten Staaten auch Deutschland voraussichtlich einen größere» Anteil haben wird. Vorerst ist indes die Lage des deutschen EisenmarkteS noch immer eine völlig unbefriedigende. Allerdings ei» wirklich genaues Bild des Geschäflsgongeö auf diesem Gebiet zu gewiiuieu, ist zur Zeit fast unmöglich. Wohl zu keiner Zeit waren die Ansichten widersprechender über die Siluation wie jetzt. Zum Teil ist das begreiflich; die beiden letzten Jahre haben mannigfache Verschiebungen sowohl in dem Verhältnis der einzelne» Branchen der Eifenindnstiie zu einaiider, als in der Bedeutung der verschiedene» lokalen ProdnktioiiScentren für die Versorgung deS Gesamtmarktes gebrockt, und je nach dem ver- schiedeneu Beobachlungsfcld des Urteilenden ergiebt sick daher ein völlig abweichendes BeobachtungSresnltat. Der eine urteilt nach der Lage dieser Branche und dieses Bezirk«, der andere nach dem Geschäftsgang jener Branche und jenes Bezirks. Zudem haben sehr viele Interessenten von Syndikatsvercinignngen wie von eilizeluen llntcruehmnngen ein Interesse daran, daß in dem einen oder andren Pmilt die Sachlage günstiger oder ungünstiger erscheint, und wissen in ihrem Sinne die Fachpreffe zu beeinflussen. Eine einigem niaßeu zuverlässige Korrektur liefern die Berichte über den Arbeitsmarkt, aber auch nur einen einigermaßen zir verlässigen, denn abgesehen davon, daß sich auch' dies« Berichte nur auf geivisse lokale Centren beziehen, besagt der Beschäftigungsgrad der Arbeiter noch nichts Genaues über die Geschäftslage der b* treffenden Unternehmungen selbst; hier tvird die augenblickliche Not- läge vom Unternehmertum übertrieben und durch Arbcilercntlaffmigen auf den Lohn zn drücken gesucht; dort übernimmt man, um den Arbeiterstamm zu halte», in der Hoffnung auf Besserung der Situation Aufträge für das Ausland, bei denen von Gewinn keine Rede sein kann. Wie der schon erwähnte Geschäftsbericht der Lanrahiitte kon- statiert, hat sick in Schlesien die Lage des EisenmarkteS etluas ge- bessert. Zu demselben Resultat kommen eine Reihe andrer Berichte und Meldungen a»S dem oberschlesischeu Revier. Sowohl die Roh- eise»- als die Walzeiscu-Produktiou zeigt ein langsames Fortschreite». Allerdings darf man die dortige Sitnatio» auch»ickt überschätzen; manche der neuen Anlagen, von deren Ingebrauchnahme in letzter eit berichtet wurde, diene» nur zum Ersatz veralteter Werkleile. .hre Herstellung ist größtenteils noch in der Prosperilätszeit in Angriff genommen worden. Dagegen sieht es auf dem rheiuisch-westfälischcn Eisenmarkt fast schlechter au« wie zu Anfang vorigen Monat?. Was de» Roheisen« kousuiu anbelangt, so sehen ztvar die Hüttenwerke mit großem eignen Bedarf allmählich ihre Vorräte aus früherer Zeit schwinden; aber die Hochofemverke, die nicht mit andren Merken kombiniert sind. ondcr» nur zum Verkauf produzieren, wie die Siegerläuder. sind übel daran, da das Syndikat ihre Produktion nicht unterzubringen vermag. Hält diese Lage weiter an, werden wahrscheinlich verschiedene dieser sogenannten.reinen' Hochofenwerke sich zur Eiiistellinig ihres Betriebes verstehe» müssen. Nur die nicht dem Syndikat an- geschloffenen Hochöfen haben, da sie an der Roheisen-Einkanfs- vereinigmig einen Abnehmer finden, besseren Absatz. Etivas günstiger ist die Lage ans dem Walzeisenmarkt, doch hat auch auf diesem wieder ein Nachlaffen der im März, April bemerk- baren mäßigen Beffcrimg stattgefunden. In Stabeisen werden die alten Bestellungen abgewickelt, aber neue Aufträge gehen nur spärlich ein, und auch tu Bandeisen macht sich eine enieute Abflaiinng geltend. Ebenso zehrt die Blechproduftion durchweg von alten Aufträgen, be- 'onders die Grobblechfabrikation, während in der Röhrcnfabrikation sich keine Aussicht bietet, daß der schon seit Monaten vorhandene Mangel an Beschäftigung abnimmt. Im Gegensatz zu dieser Lage des deulscheii EisenmarkteS melden die Berichte' auS den Vereinigien Staaten wieder eine Zunahme der Nachfrage nach Eisen und Stahl, nnd die Betrieb«- Vergrößerungen und Neuanlagen nehmen noch immer kein Ende. So beabsichtigt die Colorado Fnel u. Jron Co. 16 333 333 Dollar ür Verbesserungen ihrer BetriebSeiiirichtungen auszugeben, die, wenn möglich, noch im Laufe dieses Jahre« zur Durchführung gelangen sollen. Von der United State? Steel Corporation wird. ivie schon mehrfach im»Vorwärts' erwähnt wurde, ein Aufwand von 25 333 333 Dollar für Umwandlimg und Modernisierung vorhandener, sowie Errichtimg neuer Werke geplant. Vor allem beab- sichtigt die Gesellschaft, durch Neubau von Hochöfen sich von dem Roheisenmarlte unabhängig zu machen. Trotz ihrer sehr bedeutenden Produftion war sie genötigt, im Laufe de« JahreS etlva eine Million Tonnen Roheisen im offenen Markte anzukaufen. Durch ihre Tochter- qesellschafte» befindet sie sich im Besitze von 75 betriebsfähigen Hoch- ose» mit einer Produktionskraft von 3 455 333 Tonnen pro Jahr. Der im Gange befindliche Neubau von vier weiteren Hochöfen wird ihre Licfernngsfähigkeit etwa innerhalb eines JahreS um weitere 1333 333 Tonnen erhöhen und auf rund 13 533333 Tonnen bringen. Da auch andre Noheisenproduzenten ihre Lieferungs- fähigkeit vermehren, so dürfte am Schluß des Jahres die Roheisen- produktionskraft der Vereinigten Staaten sich auf 13 Millionen bis 23 Millionen Tonnen pro Jahr belaufen. Von Neiiunternehmimgen auf dem Gebiete der Fabrikation von Eisen- und Stahlwaren sind namentlich folgende von Bedeutung. Die große Fabrik landwirtschaftlicker Geräte, die Deering Harvester Co., be- absichtigt, einer Meldung au« Chicago zufolge, sich von den großen Erz- und Stahlproduzenten durck Erwerbung eigner Erzgruben und Errichtung eines Eisen« und Stahlwerks unabhängig zu machen. Die Durchführung des Planes erfordert einen Kostenaufwand von 3 333 333 Dollar, und die neue Fabrik wird etwa 3333 Arbeitern Beschäftigung gewähren. Für den Erzbezng hat die Gesellschaft bereits für 525 333 Dollar die im Mesaba-Distrikt, nahe Hibbing, Minnesota, gelegene Kinney- HawkinS-Crosbh-Mine angkanst. Von dort wird� daS Erz in eigenen Booten der Gesellschaft nach Chicago befördert werden. Ferner plant die United Staates Steel Corporation,� abgesehen von einer großen Stahlröhrenfabrik, die in Lorain, Ohio, am Ufer. des Erie-SeeS, und einem Brückenstahlwerke, welches in Eeonomh, Pemisylvanien, erbaut werden soll, angeblich die Er- richtring eines weiteren großen BrllckenstahlwerkeS in Chicago, das nahe dem Ufer des Michigan-SeeS erbaut werden und mehrere in Chicago, Milwaukee und Lnfayette gelegene Fabriken ersetzen soll. Nur das Brückenstahlwerk in Toledo, Ohio, soll bestehen bleiben, während die übrigen Fabriken in der Neuanlage konzentriert werden sollen._ Tat. A«-s Ittduptvie und Handel. Zum transatlantische» Dainpfertrnst macht die„New Yorker Handelszeilung' nachstehende Aciißenmgen, die insofenr von be- soliderem Jmeresse sind, als sie direkt bestätigen,� daß I. P. Morgan lhalsächlich anfangs bei der Gründung deS Schiffstrusts beabsichtigte, durch Verbilligimg der Exportfrachten für die Produkte des Stahl« trusts diesem die Konkurrenz auf dem europäischen Markt zu er- leichtern: »Eine dieser Tage aus London hier eingetroffene Depesche be- sagt, mau befürchte dort, daß hinter der Verschmelzung unsre großen Stammbahneii stünden, die damit eine direkte Kontrolle über die Durchgangscxportraten erlangen wollte». Ein ähnlicher Schreckschuß ist ja auch schon von der deutsch-ngrarischcn Presse abgefeuert worden. ES wurde insinniert, daß die Amerikaner mit dieser Dampferabsorption nichts Iveiter beabsichtigten, als ihre Ausfuhr durch niedrige Frachten zu erleichtern und vice versa durch hohe Frachtrate» ihre Einfuhr zn erschweren; doch wurden hierbei unsre Bahnen nicht mit- verdächtigt, sondern nur Morgan und Genossen des heimtückischen Anschlages bezichtigt. Da nun aber auch von London ein solches Märchen anfgetifchi n»d hier von so angesehenen Blättern, Wie .Bradstreets', ernst genommen wird, ist es doch wohl an der Zeit, diesem Uiisi»» etivas näher auf den Leib zu rücken. Es ist ja wahr, daß der Präsident nnsreS Stahltrustes. Chas. M. Schwab, seiner Zeit die Aiidcutuilg fallen ließ, von der Realisternng gewisser Pläne, welche I. P. Morgan bezüglich einer Umgestaltung des transatlantischen Ver- kehrs hege, sei eine erheblicke Verbillignng imsrer Exportfrachten zu gcivärtigen. Ebenso wahr ist aber, daß Morgan seine Pläne seit jener Zeit geändert hat. Jnzimsche» ist jede Aussicht auf An« nähme der Schiffssubsidien-Bill geschwunden, nnd die dentscheu Linien habe» gezeigt, daß doch nicht alles für Geld und gute Worte zu haben ist. Eine derartige Begünstigung misres Exports wäre mir durchführbar gewesen, wenn Morgan sich eine in jeder Hinsicht siiperiore Flotte hätte beschaffen können... Die Meldung von einer Begünstigung deS amerikanischen Exports durck das Dampferkartell gehört ebenso zu den Utopien, wie die Vorstellimg einer auch nur aimähernde» Mouopolisieruiig deS Seeverkehrs." Es mag ja sein, daß Morgan seine Pläne geändert hat, da es ihm nicht gelungen ist, jene. siiperiore Flotte' zusammen zu bringen, der er zu seinem Zweck bedurfte. Wer aber garantiert dafür, daß er. wenn eS ihm glückt, iveitere englische Linien seinem Trust einzu- gliedern, und andrerseits drüben ein Umschlag der Konjmiftur er« folgt, der den Stahltrust zum Exportiere» drängt, nicht seine alte» Pläne wieder aufnimmt. Eisen-»ud Ttahlproduktion de« Stahltrusts. Nach einem kürzlich veröffentlichten Bericht der»United States Steel Corporation', schreibt die Fachzeitimg.Industrie", förderte diese größte Stahl- iverksvereinigung im ersten Jahre ihrer Thätigkeit, das am 31. März 1332 zn Ende ging, aus ihren eignen Gruben 13 326 735 Tonnen Eisenerz und stellte ferner 3 373 142 Tonnen Coaks in eignen Cokereien her. Mit Hilfe dieser Rohmaterialien ge- wann sie an Hochofenproduklion 6 361 543 Tonnen Roh- eisen, 134 364 Tonnen Spiegeleisen und 56 514 Tonnen Manganeisen, zusammen 7 152 121 Tonnen Eisen. Au Roh- und Spiegeleisen wurden in den gesamten Vereinigten Staaten im Kalenderjahr 1331: 15 878 354 Tonnen hergestellt, von dieser Menge macht also die oben berechnete Erzeugung der Steel Corporation ruild 45 Proz. ans. Zur ausrcicheiideu Versorgung ihrer Stahliverke mit Roheise»»nißte die Vereiiiignug neben der eigeueu Produktion noch erhebliche Mengen hinzukanfen nnd stellte dann aus cigcueni und gckanftem Roheisen 6 262 232 Tonnen Bcssemer und 2 772 378 Tonnen Siemens- Martin- Jngots, zusammen alio 9 384 583 Tonnen Roh- stahl her, was 67 Prozent der Gesamterzeugimg der Union a»s- inachte', da diese sich auf 13 363 6l3 Toimen Stahl belief. An Stahlprodnkiion versandte die Steel Corporation, ivobei allerdings die Bersendnnge» zwischen den verschiedenen Anlagen derselbe» initgerechnet werden müssen, im gauzeii 13 323 837 lToime» im Verkaufsiverte von 413 643 625 Dollar, deren Herstellung ihr 315 662 881 Dollar kostete, so daß sich auf diese Weise ein Verdienst von rund 95 Millionen Dollar oder nmd 33 Proz. der Herstellungs- kosten hcrnnSrcchnc» ivürde.' Zum Vergleich sei bemerkt, daß selbst in 1899. dem Jahr der höchslen Eisenerzeugung Deutschlands, die deutsche Gesamtproduktion an Roheisen sich nur auf 8,14 Millionen Tonnen bclief, also nur etlua 1 Million Tonnen mehr betrug, als die Erzeugung des Stahltnists. Ferner prodlizierte der Trust in 1931 nur ungefähr zwei Millionen Rohstahl weniger, als Großbritannien und Deutsch- land zusammen.—_ Da« Hamburger Gewerkschaftskartell und daS Arbeiter- fekretariat Hamburg haben für daS Geschäftsjahr 1931 geincinsain einen kehr umfangreichen Bericht veröffentlicht. Dem Kartell gehörten 82 Zahlstellen von 53 Ceutralverbänden und zivei Lokalvereine mit inSgesainl 31 738 Mitglieder an gegen 31 653 iin Vorjahre. Die Metall- arbeitcr, angeblich weil das Kartell bei der Aussperrung im Vor- (ihre versagt,»„d die Echuhmacker, weil sie mit einzelnen Bestiiinnunge» deS Regulativs nicht einverstanden, sind aus dem Kartell ansgetreten. Sowohl ans den Jahresabschlüssen der einzelnen Geiverkschaften Hamburgs als auch aus der Statistik der Mitgliederbewegung geht hervor, daß während der wirtschaftlichen Depression die'O r g a n i s a ti o n e n g e wach s e» waren. Allerdings ist bei einigen Organisationen eine' geringe Verschlechterung der ruanziellen Verhältnisse und bei 21 eine Abnahme von insgesamt 1383 Mitgliedern z» verzeichnen. Dem gegenüber stehen aber eine rößere Zahl solcher Gewerkschaften, die trotz der stattgehabten Lohn« '(impfe finanziell günstig abschliefien. Bei 2S konnte eine Zunahme von insgesamt 1S97 Mitgliedem festgestellt werden. Die Kapitel Über Lohnbelvegungen und Streiks, die allein 33 Druckseiten umfassen, bieten ein sehr interessantes Material über die Kämpfe im ver- flvssenen Jahre. Trotz des schlechten Geschäftsganges haben einige Gewerkschaften nicht unerhebliche Erfolge errungen oder wenigstens die geplanten Verschlechterungen der Lohn- und Arbeitsbedingungen, welche die Unternehmer vornehmen wollten, abgewehrt. An den Streiks— in vielen Fällen sind die Differenzen durch VerHand- Inngen ganz oder teilweise erledigt worden— waren namentlich die Bauarbeiter, Gärtner, Holzarbeiter und Kupferschmiede beteiligt. Der Streik der Kupferschmiede, der infolge der Aussperrung von 90 Arbeitern wegen der Maifeier entstanden und an den sich durch- schnittlich 1200 Kupferschmiede beteiligten, dauerte 13 Wochen und kostete 59 223 M. Die Einnahmen und Ausgaben de? GewerkfchastSkartellS be- trugen inkl. der Bestände 52 005,74 M., die des Arbeitersekretariats 22 471,84 M., die deS RechlsschntzfondS für Referenten 3025,40 M. An K a s s e n b e st a n d waren in den drei Fonds am Schlüsse des Geschäftsjahres 40 089,27 M. vorhanden. Für auswärtige Streiks wurden vom Kartell 20 982 M., davon der größte Teil für den Generalstreik der Glasarbeiter, verausgabt. Die ca. 10 000 Bände unifassende Bibliothek, die bisher schon den Gewerkschaftsmitgliedern zur Verfügung stand, wurde zum Preise von 5000 M. dem Besitzer vom Kartell abgelaust. Mit der Errichtung des Gewerlschaftshauses, für das sich mit wenig Ausnahmen alle Gewerkschaften aus- gesprochen, soll in diesem Jahre begonnen iverden. Das Stamm- kapital soll 200 000 M. betragen und das Kartell sich mit 30000 M. beteiligen. Der Bericht des Arbeitersekretariats, das mit dem 31. Dezember sein erstes volles Geschäftsjahr beendet hat, weist eine fortgesetzte erhebliche Steigerung der Frequenzziff r auf, trotzdem zwei Gewerkschaften aus dem Kartell ausgetreten und dadurch die Zahl der zur Inanspruchnahme Berechtigten um 5464 verringert worden, indem nur an die Mitglieder der dem Kartell angeschlossenen Gewerkschaften und organisationsunfähige Personen(Lehrlinge, Dienstboten zc.) Auskunft erteilt wird. Die Zahl der Auskunft- suchenden betrug 7509 männliche und 1143 Iveibliche, insgesamt 8712 Personen. Diese Zahl würde sich mehr als ver- doppeln, wenn Auskunft an alle Personen, die sich an das Sekretariat lvaudten, aber abgewiesen werden mußten, erteilt worden wäre. Soweit das Sekretariat mit den Behörde» zu thun hatte, wird konstatiert, daß die Wünsche und Eingaben Ent- gegenkommen und Berückfichtigung fanden war; auch der Verkehr ein angenehmer.— Die Gesamtzahl der erteilten Auskünfte an die Be- sucher beläuft sich auf 8750, die folgende Sachen betrafen: Arbeiter- Versicherung 3475 Fälle, Arbeits- und Dieustvertrag 1093, Bürger- liches Recht 2505. Strafrecht 408. Gemeinde- und Staatsbürger- Angelegenheiten 578. Die Zahl der angefertigten Schriftsätze betrug 2035, und zlvar handelte es sich zumeist um Unfallversicheruugs- fächern_ Der deutsche Buchbinder- Verband hat nach Ausweis seines Geschäftsberichls im Jahre 1901 eine« geringen Rückgang an Mit- gliedern erfahre». Während die Mitgliederzahl am Schluß des Jahres 1900 11 720 betrug, zählte der Verband Ende 1901 nur 10 022 Mitglieder. Der Rückgang ivird darauf zurückgeführt, daß sich infolge der Lohnbewegimg des Jahres 1900 viele Kollegen aufnehme» ließe», die aus Anlaß des schlechten Geschäftsganges 1901 der Organisation wieder den Rücke» kehrten. Interessant ist die Feststellung der Dauer der Mitgliedschaft. 820 Mitglieder ge- hören dem Verbände seit 1893 und länger an, 312 sind seit 1894, 454 seit 1895 Mitglied.— Aus den finanziellen Leistungen des Ver- bandeS heben wir hervor: Es wurden ausgegeben für Arbeits- losenunterstützung 37 788,30 M.(mehr wie das Doppelte der im Jahre 1900 gezahlte» Arbeitslosenunterstützung), für Streik- u n t e r st ü tz n n g 1919.37 M., an andre Organisationen 1000 M., für G e m a ß r e g e l t e u- U n t e r st ü tz u n q 6403.89 M.. für Rechtsschutz 1996,92 M., für llmzugslosten 625 M.— Das Vermögen des Verbandes betrug am Schluß des Berichtsjahres 139 709.34 M.. es ist gegenüber dem Vorjahre um 55 861,43 M. gewachsen. vcrlt» und Umgegend. Mit dem Mnurerstreiik in Brnudenburg a. H. hat sich am Freitag nach Anhörung der Parteien der dortige Fabrikantenverein beschäftigt. Welche Stellung er zu den Forderungen der Äusständigen genommen hat, ist noch nicht bekannt. Von den Streikenden sind 260 abgereist, andre werden ihnen in den nächsten Tagen folgen. Als Streikbrecher find 31 Poliere und 26 Gesellen thälig, sowie eine Anzahl Arbeiter. Drei Maurer arbeiten zu den neuen Bedingungen. Deutsches Reich. Von der Lohiibeweguna im Hamburger Baugewerbe ist zu berichten, daß die Forderungen der Maurer bis jetzt von 97 Unternehmern, die 1500 Gesellen und 70 Poliere beschäftigen, bewilligt sind. Von den Zimmerern arbeiten 550 Gesellen bei 60 Unternehmern zu den neuen Bedingungen. Die Bauarbeiter haben auf 78 Baustellen, wo 493 ihrer Kollegen beschäftigt sind, die Forderungen bewilligt erhalten. Die Gesamtzahl der ausständigen Maurer beträgt 350, die der streilenden Zimmerer III. Achtung, Maurer! Die Kollegen in Halle a. S. haben über den Bau deS Unternehmers Rosche die Sperre verhängt, und die Kollegen, welche bei den Unteruehmerii Püschel, Bindrich, Hammer und Weber arbeiten, aufgefordert, sofort wegen der Lohn- abzüge vorstellig zu werden und bei Ablehnung die Arbeit nieder- zulegen. Infolgedessen haben sämtliche 30 Maurer bei dem Unter- uehmcr Piischel die Arbeit niedergelegt, ebenso bei Bindrich und Hammer. Bei Rosche streiken 9 Maurer.— Um strengste Solidarität der auswärtigen Kollegen wird ersucht. Zahlstelle Halle a. S. des Ccntralverbandes der Maurer. Zum Maurerstreik in Jena. Dem Beschluß auf Arbeitsniederlegung haben sich 283 Maurer angeschlossen. Von diesen sind bereils 52 abgereist, während eine gleich große Anzahl im Interesse der Bewegung von der Arbeitsstätte ferngeblieben ist, ohne Streik- karten gelöst zu haben und Anspruch auf Unterstützung zu machen. Im Streik befinden sich außerdem noch 175 Maurer. Am Zimmererstreit in Braunschweig find 245 Zimmerer beteiligt, darunter 68 Ledige, von denen 27 abgereist sind. Von den Bäckern in RegenSburg befinden sich 39 im Streik, 60 arbeiten zu den neuen Bedingungen. Ans den christlichen Gewerkschaften. I» der General- Versammlung des christlichen Holzarbeiter-Berbandes, die vom 25. bis 23. Mai in Köln tagte, wurde berichtet, daß der im Jahre 1899 gegründete Verband 4022 Mitglieder in 91 Zahlstellen bat. Vor zwei Jahren hatte er in 32 Zahlstellen 1800 Mitglieder. Wenn es der Verband trotz eifriger Agitation im katholischen West- deutschland noch nicht weiter gebracht hat, so wird die jetzt geplante Agitation im Osten wohl noch geringere Erfolge zeitigen, womit be- wiesen ist, daß diese christliche Organisation mindestens über- flüssig fft. Die christliche Fleischerorganisation(Bund der Fleischergcsellen Deutschlands) hielt zu Pfingsten einen Bundestag in Berlin ab, der jedoch nur zu stände kam durch die Beteiligung der aus der Zunftzeit noch übrig gebliebenen, jeder modernen Gewerkschaftsbewegung feindlichen �Bruderschaften". Das einzige Ergebnis des unter Ausschluß der Oeffentlichkeit abgehaltenen Bundestages war ein Beschluß, wonach den.Bruderschaften" der Anschluß an den »Bund" empfohlen wird.— Das wird dann wohl eine Organisation werden, die weder Fisch noch Fleisch ist. Ausland. Der schweizerische Metallarbeiter- Verband hat in der Ur- abstimmung die neuen Statuten, wonach die Arbeitslosen- Unter- stützung eingeführt und ein eignes Verbandsorgan, die„Schweizer. Metallarbeiter- Zeitung", herausgegeben wird, mit 1401 gegen 346 Stimmen angenommen. 63 Sektionen nahmen die neuen Statuten an, davon 38 einstimmig, während 9 Sektionen sie verlvarfen, davon 2 einstimmig. Die Zimmerer Oestreich» haben auf ihrem zu Pfingsten ab- (lehaltenen Kongreß die Einführung von Arbeitslosen- Unter- t ü tz u n g— die jedoch nicht obligatorisch ist— beschlossen. Der Wochenbcitrag zur Organisation ist auf 14 Heller festgesetzt; bei einem Beitrage von insgesamt 20 Heller(16 Pf.) pro Woche erwirbt man Anspruch auf Unterstützung nach einwöchiger Arbeitslosigkeit für die Dauer von vier Wochen innerhalb eines Jahres. Die Organisation der Zimmerer Ocstreichs ist nur schwach. So sind bestpielsweise von 2500 in Wien arbeitenden Zimmerern nur OlV orgauifiert._ Nach dem Generalstreik in Schweden. Die Arbeiter der„Malmö Wollfabrik' haben am. Mitt- woch die Arbeit niedergelegt, weil 5 ihrer Kollegen des Wahlrechts- streiks wegen gemaßregelt wurden. Die Zahl der Ausständigen wird auf 800 angegeben. Sie verlangen, daß die Entlassenen wieder ein- gestellt werden und daß das Koalitionsrecht anerkannt werd«. Die Aussperrung bei der M a f ch i n e n f a b r i k„E e p a r a t o r" in Stockholm dauert noch unverändert fort. Ein Teil der circa 1000 Arbeiter hat fich bereit« andre Beschäftigung gesucht, die meisten sind jedoch noch arbeitslos.— Der Konflikt bei der Zuckerfabrik- Aktiengesellschaft in LandSkrona ist be- endet. Die Arbeiter haben die Zusage erhalten, daß keine Re- Pressalien wegen der Teilnahme am Generalstreik mehr stattfinden sollen. Von der Zuckerfabrik in Helsingborg liegt noch keine derartige Nachricht vor._ Zum Hafenarbeiter-Konflikt in Dänemark. Der Direktor Brand von Det forenede Dampskibselskab drohte, wie wir seiner Zeit mitteilten, mehrere Städte damit, die Dampfschiff-Ruten ein- zuziehen, falls nicht unorganisierte Leute zum Löschen und Laden der Schiffe gestellt würden. In Horscns wurde dies Verlangen von den Kaufleutcn abgelehnt. Daraufhin hat die Gesellschaft die Rute Kopenhagen-Horsens eingezogen. Streiks in Italien. In Parma sind seit dem 12. Mai 1000 Schuhmacher ausständig; sie verlangen Anerkennung der Organisation und 30 Cts. Lohnerhöhung auf jedes Paar Schuhe. Der Präfekt ist bemüht, eine Verständigung herbeizuführen.— In Cnstelsangiovanni sind 4000 Bauern ausständig; sie verlangen Anerkennung ihrer Organisation und Lohnerhöhung.— Die Streikbewegung schlägt ihre Wellen sogar bis in die heilige römische Kirche. In L i v o r n o wurde kürzlich das Fest des Schutzpatrons der Stadt, des Heiligen Ginlia gefeiert. Da versagte in der Kirche der Domchor, der wegen zu geringer Bezahlung die Mitwirkung ver- weigerte._ Sociale Vriszsspfleige. Weaen unberechtigter plötzlicher Entlastung forderte der Arbeiter R. im Klagewcge von der Firma Gebrüder Westfal eine vierzehntägige Lohnentschädignng von 44 M. Der Inhaber der Be- klagten, Herr Dewitz, bestritt in' der Verhandlung vor der Kammer 8 des Gewerbegerichts jede Verpflichtung und berief sich darauf, daß der Kläger auf seine an ihn nach der Entlassung gerichtete Frage, ob er noch irgendwelche Lohnforderungen hätte, geantwortet habe: Das müssen Sie a selber wissen.— Der Kläger behauptet, Beklagter habe gewußt, daß die vierzehntägige Kündigungsfrist gelle, während der Beklagte angab, das nicht gewußt zu haben. Wenn N. ihn auf jene Frage nach etwaigen Lohnansprüchen auf die Küiidigungsfristhiugeivicscii uiidkimd- gegeben hätte, daß er eine Lohnentschädignng zu verlangen gedenke, dann hätte er ihn wahrscheinlich noch 14 Tage beschäftigt.— Der Gerichtshof war der Meinung, daß der Kläger durch die Worte, das müßte Beklagter ja selber wissen, die an sich klare, ihm günstige Rechtslage zu seinen Ungunsten verwischt habe. Vor der Urteils- ■äNmig wurde noch ein Vergleichsversuch gemacht, der Erfolg hatte. Die Parteien verglichen sich auf 22 M. Gerichts-JeitunÄ. Ter neueste Kampf gegen die Socialdemokratie.§112 des Strafgesetzbuchs bestraft denjenigen, der eine Person des Soldatenstandes---— auffordert oder anreizt, dem Be- i'hle des Oberen nicht Gehorsam zu leisten. Der Töpfer Robert S e e g e r und der Zimnierniann A u g u st N e u m a n n. beide ans Mühlenbeck, hatten sich gestern vor der dritten Strafkammer des Landgerichts II wegen dieses Vergehens zu verantworten. Am Sonnwg, den 8. September vorigen Jahres, erhielten die beiden Angeklagten in Wensickendorf das bekannte Flug- blatt, welches sich gegen Zolltarif und Brot Wucher richtete und die Ueberschrift trug:«Die Besteuerung des Hungers". In Wensickendorf lag aber an dem Tage wegen des in der Gegend stattfindenden Manövers Einquartiermig, und da die beiden Angeklagten zunächst nach dem Dorskruge gingen und dort Flugblätter ans den Tisch legte», obwohl Soldaten daran saßen, und da sie auch in den einzelnen Häusern, in denen ebenfalls Sol- date» lagen, Flugblätter abgaben, so wurden die Angeklagten auf Beraiilnssung eines Hauptmanns angehalten und später unter Anklage gestellt. Die Staatsanwaltschaft ging von der Thatsache aus, daß ein Corpsbefchl des Generalkoininandos besteht, welcher das Halten und Verbreiten socialdemokratifcher Schriften und die Einführung solcher in die Kasernen verbietet, und nahm darauf an, daß die Angeklagten extra den Sonntag benutzt hätten, an welchem Einqiinrtieriuig am Orte log, um die Flugblätter unter die Soldaten zu bringen und diese zur Einführung in die Kaserne und zur Weiterverbreitung anzureizen. Mit dieser Auf- 'affuug der Staatsanwaltschaft ging der Verteidiger Rechts- anwalt Herzfeld streng ins Gericht. Er begreife den Staats- auwalt nicht— so führte er aus—, wie derselbe zu einer solchen Auf- fassung gelmigeii könne. Die Flugblätter-Verteiler gehe», wenn sie in ein Dorf kommen, zuerst in den Krug und legen ihr Flugblatt auf den Tisch, dann gehen sie von HauS zu Haus und geben ein flugblatt hinein, sofern ihnen ans ihr Klopfen geöffnet wird. Wer in der Wirtschaft oder in den Privathäusern anwesend ist, darum sich zu kümmern haben sie gar keine Zeit. Die Leute hätten doch auch keine blasse Ahnung davon, dnß ein solcher Corpsbefchl existiert. Hab« er selbst doch erst infolge einer natioiinlliberalen Interpellation von der Existenz eines solchen Corpsbefehls Kenntiiis erhalten. Sicher habe keiner der Richter und noch weniger der Staatsanwalt gewußt, daß es einen solchen Befehl gab, bevor diese Anklage erhoben wurde. Dieser Corpsbefehl sei übrigens rechts- imgültig. da er gegen die Vcrfasfiing verstoße, die jedem Preußen das Recht garantiere, feine Meinung frei zu äußern. Der Gerichts- Hof erkannte dahin, daß den Angeklagten nachgewiesen werden müsse, daß sie wußten, daß die Soldaten socinldemokratische Schriften weder lesen noch verbreite», oder gar in die Kaserne einführen dürfen. Dieser Nachweis sei nicht geführt und damit erledigen fich alle Nebenfragen. Die Angeklagten seien daher freizusprechen. Ei» großer, auf mehrere Tage berechneter Diebstahl«- und Hchlerprozcst nahm gestern schon wieder seinen Anfang vor der zweiten Strafkammer des Landgerichts I. Er trägt' die Be- zeichnuug A d a m i e tz und Genossen und hat 15 Personen auf die Anklagebank geführt. Der 17 jährige Adamictz ist die Hauptperson. Er hat in Gemeinschaft mit dein Schneider Karl Tanini weit über 30 Bodendiebstäble ausgeführt. Die' übrigen 13 Angeklagten sind wegen gewerbS- und gewohnheitSmnßiger Hehlerei angeklagt. Der bis dahin unbescholtene Adamictz ist in der Bnckerhcrberqe„Concordia" im September vor. Js. in schlechte Gesellschaft geraten. Er hat dort eine höchst bedenkliche Bekannt- schaft mit einem Händler Wuth gemacht. Dieser scheint ihm er- folgreichen Unterricht tu der Ausübung von Diebstählen gegeben und ihn auch mit Diebeswerkzenge» ausgerüstet zu haben. Er hat dann in der Person des Tamm einen würdigen Kumpnn gefunden imd beide gründeten eine Soeietät zur fort- gesetzten Ausführung von Bodendiebstählen. Sie haben darin en gros geardettet und mit einer unglaublichen Virluosttät verstanden, sich in die Häuser zu schleichen, die Bodenthüren zu öffnen und alles, was nicht niet- und nagelfest war, von den Böden wegzuschleppen. Den Verschleiß der Sachen in Herbergen und Kaschemmen haben alsdann die übrigen Angeklagten besorgt. Einzelne von ihnen stehen mit Ver« brecherkrcisen dauernd in Berührung und tragen ihre Spitznamen, wie«Schlächterkarl",«Hnmpel",«Schlesischer Alex" und dergleichen; andre sind schon bei andren großen Diebstahlsprozessen, wie Fuhr- mann und Genosseii zc. in bengalischer Beleuchtung aufgetaucht. Der erfolgreiche Justruktenr. Händler Wuth, ist eine mehr als zweideutige Persönlichkeit, die nicht gur Verantwo�ung gezogen werden kann. Er ist in Konstaiitiiiopel als Sohn eines deutschen Vaters und einer griechischen Mutter geboren. Vor etwa 20 Jahren kam er noch Deutschland und ist hier wiederholt bestraft worden. Schon im Jahre 1889 befand er sich vorübergehend in einer Irren- anstnlt, ging dann wieder nach Konstantinopel zurück, tauchte aber anfangs der neunziger Jahre abermals in Deutschland auf. Im Jahre 1894 fand er Aufnahme in der Irrenanstalt Herz- berge, wo er bis zum Jahre 1901 verblieb. Alsdann wurde er in Privatpflege gegeben. Er ist wegen Geisteskrankheit der Strafjustiz entzogen.' Zur Ueberführnng der Angeklagten find 50 Zeugen auf- geboten, die nun mehrere Tage an Gerichtsstelle zu weilen haben werden, da das Ende der Verhandlung, die ziemlich eintönig verläuft, erst'am nächsten Montag zu-rwarten ist. Den Vorsitz führt Landgerichts- rat Ziehm, die Auliage oertritt Assessor Dr. Schwickerath, die Verteidigung führen die Rechtsaiiwalte Dr. S ch w i n d t und W o l f e n st e i ii. Wir werden seiner Zeit das Urteil mitteilen. Die Polettvorlage in der Kommission. Die Kommission des AbgeordiietenhanseS zur Borbcratung der Polenvorlage hielt am Freitagabend ihre erste Sitzung ab. ES fand zunächst eine allgemeine Erörterung statt. Seitens des Centrums wurde erklärt, obwohl es von vornherein fest entschlossen sei, die Vorlage abzulehnen, wolle es fich doch an den Verhand- hingen beteiligen. Abg. Ehler« lfrs. Vg.) erklärt fich principiell gegen die Vor- läge. Aber wenn man sich auch auf den Boden der Vorlage stellen wolle, frage es sich doch, ob es möglich sei, 250 Millionen zu ver- langen und ob nicht eine geringere Summe ausreichen würde. Er tadelt, daß in die Vorlage die Aufforstungsfrage mit einbezogen sei und bemängelte die direkte und indirekte staatliche Unterstützung der Raiff- eiseii-Kassen. Er beantragt schließlich statt der für Germanisierungs- zwecke geforderten 150 Millionen nur 100 Millionen zu bewilligen, den bisherigen Fonds von 200 Millionen also nur auf 300 Millionen zu erhöhen. LandwirtschaftS-Minister v. PodbielSN rühmt das bisherige Austedelungswerk. Die geforderten 250 Millionen sollten etwa nicht sofort und auf einmal ausgegeben werden, sondern es solle nur nach Bedarf angesiedelt werden. Beim Ankauf neuer Domänen solle wie bisher darauf geachtet werden, daß sie eine Verzinsung von 3 Prozent ergeben. Eine Preistreiberei der Güter solle vermieden werden. Bon andrer Seite wird dem Abg. Ehler« erwidert, daß die Landwirte in Posen und Westpreußen mit den Raiffeisen-Gc- nosseiischafteii sehr zufrieden seien. Sie würden von ihnen gut und reell mit Futter- und Düngemitteln versorgt. Fiuaiizmiuister Freiherr v. Rheinbnben weist darauf hin, daß von den bisherigen Ansiedeluiigsfonds große Summen für Schulen und Seminare ausgegeben worden seien. Eine Ausiorstung in Posen und Westpreußen sei notwendig, iveil häufig«üter der schlechten Beschaffenheit der Forsten wegen nicht verkauft werden konnten. Er bitte uiii Annahme Ver Vorlage. Eine Ablehnung würde politisch einen �ehr bedenklichen Eindruck machen. Abg. Dasbach(C.) befürwortet die Annahme deS Antrags Ehlers. Redner ivüujcht vor allem, dnß man keine Güter von Magnaten kaufen solle, auch dürfe die Konfejfton keine Rolle spielen. Der Kinanzminister erwidert ihm, daß man keineswegs beab- 'ichtige, Magnalengüler zu kaufen, vielmehr jin der Bildung von Rentengütern fortfahren werde, Abg. Seer(ntl.) tvünscht, daß noch kleinere Bauernhöfe künftig angekauft würden. Laiidwirlschaftsminister p. PodbielSN erwidert. daß dies der Wunsch der Aiisiedeluiigskommissivii ebenfalls fei. Immer lasse eS ich aber nicht machen, denn oft seien Bauernhöfe viel teurer im Verhältnis als größere Güter. Abg. v. Tiedeman» wünscht. daß die AnfledelungSkommffsion darauf Bedacht nehme, Güter in ein und derselben Gegend zu kaufen, damit sich Gemeinden ziisaninieiifügen könnten. Abg. v. Hcydebraiid u a t r o n. Der Zoll auf Pottasche wird in der Vorlage von 1,50 M auf 2 M. erhöht. Gothei» sfrs. Vg.) beantragt Ermäßigung auf 80 Pfg., die Socialdemokraten Zollfreiheit. Schräder sfrs. Vg.): Pottasche ist ein sehr wichtiges Roh Produkt für Glas- und andre Industrien und darf durch so hohe Zollsätze, wie die Vorlage fordert, nicht verteuert werden. Stadthagcn: Die Gründe, die Schräder anführte, hätten ihn zur Forderung der.Zollfreiheit bringen niüssen. Gegenwärtig ist die rohe Pottasche frei und für gereinigte wird 1.50 M. Zoll erhoben. Die Ansfuhr übersteigt die Einfuhr gewaltig und fordert man eine Zollerhöhuug. Als Grund wird angeführt, der Zoll erhöht werden muß, weil die Preise so niedrig sind. Preisrückgang ist eine Folge der technischen Umwälzung, die wesentliche Verbillignng der Darstellung herbeigeführt hat. billigen Preisen sind die Industrien, die Pottasche gebrauchen, interessiert. Diese sind viel zahlreicher als die Industrien, die hohen Preis« missen. Hierauf wird der Satz der Regierungsvorlage angenonlnien. Der Zoll für Chlorkalk wird in der Vorlage von 3 auf 2 M. herabgesetzt. Die Socialdemokraten beantragen Zollfreiheit, Gothein sfrs. Vg.) Ermäßigung auf 30 Pf. Autrick sSoc.): Chlorkalk wurde 1900 nur 398 Doppelcentner ein- und 25 954 Doppelcentner ausgeführt. Chlorkalk ist nicht nur für zahlreiche Industrien ein wichtiges Rohprodukt, sondern auch ein bedeutendes hygienisches Mittel. Bei Ausbruch von Epidemien, wie bei der Cholera, bei Maul« und Klauenseuche, wird Chlorkall in große» Mengen verbraucht. Hier haben Industrie und Landwirt« schaft gemeinsam ein Interesse an billigen Preisen. Nun hält das Kartell die Preise in Deutschland auf 11—15 M.. während eS dasselbe Produkt nach dem Auslande für 2—6 M. billiger verkauft. Herold(C.): Die riesige Steigerung der Ausfuhr könnte ihn bestimmen für Zollfreiheit zu stimmen, da aber gegenwärtig ein Zoll von 3 M. erhoben wird, so würde die gänzliche Anfhebuug ein zu großer Sturz sein und er beantrage deshalb einen Zoll von 1 Mark. Graf v. Schwerin sk.) ist für Zollfreihcit. Die Chlorkalk« fabriken machen so gute Geschäfte, daß sie eines besondren Schutzes nicht bedürfen. v. Kardorff sRp.) schließt sich den Ausführungen des Grafen Schwerin an. Nach weiterer Debatte wird der socialdemokratische Antrag mit 13 gegen 14 Stimmen abgelehnt. Der Antrag Herold wird hierauf mit großer Mehrheit angenominen. lause dockl daß Der eine An sehr die Hierauf tritt die M i t t a g S p l i e ein. In der NachmittagS-Sitzung der Zolltarif-Kommission wurde zunächst chlorsaures Kali wie bisher zollfrei gelassen. Auf das bisher zollfreie schwefelsaure Natron soll ein Zoll von 25 Pf. gelegt werden, auf den ebenfalls bisher zollfreien Kupfervitriol ein Zoll von 2 M. Schwefelsaures Kali soll zollfrei bleiben. Bon den Freisinnigen und Socialdemokraten liegen Anträge auf Zollfreiheit vor. Blell sfrs. Vp.) tritt für Zollfreiheit ein, ebenso Antrick sSoc.), der besonders auf die Wichtigkeit des Kupfervitriols für die Wein- bauer zum Vertreiben der Insekten hinweist. Die Sätze der Regierungsvorlage werden a n g e- n o m ni e n. Auf Ammoniak-, Kali« und Natronalaun soll wie bisher ein Zoll von 3 M. gelegt werden. Kotheiu sfrs. Vg.) beantragt Ermäßigung auf 30 Pf. Hoch und Genossen sSoc.) beantragen Zollfreiheit. Diese beiden Anträge werden nach kurzer Debatte abgelehnt und die Sätze der Regierungsvorlage angenommen. Chrom- und Eiscnalann, ebenso Blei-Oxhd bleiben zoll- frei, dagegen legt die Vorlage auf das bisher ebenfalls zollfreie Z i» n o x y d einen Zoll von 6 M. Die Socialdemok raten beantragen Zollfreiheit. Unter Ablehnung aller Anträge wird der Satz der Regierungsvorlage genehn, igt. Auf das salpeterfaure Ammoniak, das bisher zollfrei war. soll ein Zoll von 3 M. gelegt werden, während salpetersaures .Natron und Kali zöllfrei bleiben soll. Schmidt-Warbnrg sC.) beantragt auch für„Nitrit und salpetersaures Blei" einzuschalten. Hoch und Genossen sSoc.) beantragen Zollfreiheit. Nach längerer Debatte wird für salpetersaures Blei ein Zoll beschlossen, im übrigen wird die Regierungsvorlage a n g e n o n« m e n. Für Wasserglas wird wie bisher ein Zoll von einer Mark be antragt. Gothcin sfr. Vg.) beantragt einen Zoll von 30 Pfg. Hoch u. Gen. sSoc.) beantragen Zollfreihcit. Stadthagcn sSoc.): Der Zollsatz von 1 M. für Wasiergkas erscheint niedrig, ist aber sehr hoch, da Wasserglas nur 5 M. kostet. Der Zoll ist ursprünglich als Erzichnngszoll gedacht. Jetzt ist die Ansfuhr 29 mal so hoch als die Einfuhr. Man sollte die Erziehung als abgeschlossen ansehen und den Zoll beseitigen. Es wird der Satz der Regierungsvorlage a n- g e n o m m e n. Auf F e r r o c h a n k a l i u in gernis: ivas der meist etwas eilige Leser nicht gerade unter dem anfgeschlageiien Stich iv ort ' i n d e t, f e h l t s e i ii e r M e i ii u ii g nach überhaupt, ob« ivohl es— meist aus gute» sachlichen Gründen, vor allem, um allgeineinere Zusaiiniienhänge n»d Eutlvicklungen schärfer hervor- treten zu lassen— des langen und breiten au andrer Stelle erledigt ist. Hier muß immer mit der Zeit einige Uebung im Gebrauch des Werkes hinzutreten, uni ein wirkliche« Urteil zu ermöglichen. Indes kann die Hervorhebung einiger festgehaltener leitender Gesichtspimkte vielleicht manchen fehlgehenden Einwanden vorbeugen. Es seien darum folgende Bcmcrkmigen in eigner Sache gestattet, da schließlich in diesem Falle immer auch ein Partei-Unternehnien in Frage steht. Die erste große Schtvierigkeit bei einem solchen Handbuch ist die Stoffabgrenzung. Schon daß das Buch ein„RcichStagS"- Handbilch geworden ist, ist eine Emschräiikmig, denn außer dein llleichstage giebt es noch Landtage, giebt es noch Gemeiiidebertretuiigeii, und schließiich spielen sich viele der wichtigsten socialpolitischen Ge« schehuisse und Erörterungen überhaupt nicht innerhalb parlamentarischer Körperschaften ab. Indes wird ma» sich soweit noch am ehesten mit der StoffauSivahl versöhnen. Ich darf auch hiiiznfügen, daß eine Reihe von Landtagsfragen, die mit der ReichSpolitik inniger zusaiiimeiihäiigeil— wie die Miquclschc Steuerreform, die von E. W. vermißten Polen nnd Staffeltarife— längst druckfertig vorlagen»md erst nach der, schon ans Nauiiirücksichten gebotenen Ent- schcidnng für ein ReichStags-Handbnch wieder ausgemerzt Ivurden, weil eS min einmal nicht anders ging. Doch mit dieser ersten Amputation war es natürlich nach lange nicht gethan. Was kommt im Reichstage nicht alles zur Sprache? Die Grabesruhe des heiligen Thomas von Aguino ist von Rednern der äußersten Linken und der Mitte nicht geschont worden, und der talmndischc Schnlchmi-Anich hat zeitweilig zu den heftigsten Partei« Ausriiiaiidcrsetzimgen geführt. Die wissenschaftliche Be- deutuug Momniscus ist vom Centriun kritisiert und vom weib» licheu Freisinn verherrlicht worden. Selbst nm die Kochschen Bacillen haben Parteien ivie um die Leiche des Patroklus gestritten. Durch alle diese Labyrinthe der parlameiitarischen Beredsamkeit würde selbst ein Ariadnefaden bon der Länge diverser Bände nicht hiiidnrchfiihren können. Hier muß demnach herzhaft weiter ans- geschaltet werde». Ich habe mich— nach dem Titelblatt nnd dem Vorworte, die beide dem Gciiosscn E. W. eiitgaiigeii zu sein scheinen— schließlich dafür eiilschicdcn. die Reichs-,.Gesetzgebung"(im wesentlichen: nach 1890) zum ansschließlicheu Behandlungsstoff zu wählen. Wie das Borwort weiter ergiebt, setze ich dabei im allgemeinen voraus, daß der„behandelte Stoff immer schon seinen legislatorischen Ans- druck gefunden haben müsse, wenn auch»ur einseitig in Regiennigs- entwürfen oder Parlamcntsbeschlüssen", daß dagegen alles„anS- znschcidc» sei, ivas über bloszc Erörtcrnngen und Anregungen niemals hiiiausgclangie". Das ist, wie ich als Nächst« beteiligter am besten ans Erfahrung weis, in gewissem Simi« immer nur ein Notbehelf und nicht ohne manche Willkürlichkeiten nnd Abweichungen dnrchznsi'ihren. Aber für jede andre Grenz- absteckung würde das gleichfalls und ivnhrscheiulich noch viel mehr zutreffen und im Einzelfalle habe ich mir immer eine größere Be- wcglmgsfreiheit vorbehalten— nur mußten für die„Ausnahme" hcsoiiderc Gründe vorliegen, sonst hatte es bei der„Regel" zu bleiben. So ist allerdings, wie Genosie E> W. hervorhebt— unter Shn- di taten nur ein kurzer Hinweis auf die Reichstags- Debatten zu finden, nni Abgeordneten, Rcdacteurcn. Schriftstellern, aber auch sonstigen Interessenten ein zeitraubendes Nachschlagen über gewisse Daten und Drucksachen zu ersparen. Indes, an sich rechne ich schon diese kurzen Hiniveise zu den„Grcnzüberschreitnngen", da— ivie es S. 1062 ausdrücklich einleitend hcisjt—„bisher der Reichstag auch noch nicht mit einem gesetzgeberischen Schritte auf diesem Gebiete befaßt worden ist" und über„unverbindliche und nicist auch recht ziellose Erörterungen anläßlich von Preissteigerungen" nicht hinaus gelangte. Wollte ich hier die Grenzziehung, ohne die es»uu einmal nicht abgeht, preisgeben, Ivarum nicht in hundert andern Fallen, bei denen ein legislatorisches Vorgehen viel näher gerückt und geistig viel mehr vorbereitet ist? Gen. E.W. ist selber so liebens- würdig, zu betonen, daß ich gerade über die Syndikate Partei- tngs-Ncferent und Fraktionsredncr war. Umsomehr hätte ihm das nahelegen können, daß die Kürzung auf für mich sehr durchschlagenden Ursachen beruhen mußte. Desgleichen bei Heimstätte n. Ich verstehe hier au sich nicht, warum man dem Gegenstande Bedeutung beilegen soll; die Heimstätten haben im Reichstage immer nur eine ganz äußerliche dekorative Rolle gespielt und sie sind heute aus dem agrarischen Wunschzettel so gut wie ausgeschieden. Auch hier Ivar ich, wie Genosse E. W. wiederum freundlich zugiebt, Fraktiousredner und die in Wrirms Volkslexikon citierteu Partei-Artikel stammen allesamt ans meiner Feder. Aus Bequemlichkeit kann ich mich also, abernrals, kaum mit einer knappen Seite im Handbuch begnügt haben; es geschah»viederum deshalb, weil die einmal als maßgebend gewählten Gesichtspunkte auch hier maßgebend bleiben mußten und Ivahrlich auch ruhig bleiben konnten. Auch über A r b e i t c r a u s s ch ü s s e hat wohl(außer Dr. Quarck vielleicht) kein Parteischriftsteller mehr geschrieben, Ivie meine arme Wenigkeit; auch hier sollte sich darum E. W. zunächst fragen, ob die gewühlte Darstellung nicht aus verschiedenen Rücksichten geboten war. Dieser Faden ließe sich noch Ivciter fortspinncn, doch mögen die paar Stichproben genügen. Will also Genosse E. W. mit mir ernstlich streiten, so kann sich der Streit nur um die Frage drehen: ist für eine Darstellung der„Reichs"-,.Gesetzgebung" i» d e»> b e z e i ch» e t e n S i» n e in der Partei überhaupt ei» irgend dringenderes Bedürfnis vor- Händen und wardieWahl eines solchcnStoffgcbicts für dcnVcrfasscrratsam und zulässig? Partcitags-Beschlüsse konnten mir. wie ich hinzufüge, hierbei in keiner Weise den einzuschlagenden Weg vorschreiben, denn auf Partei- tagen ist ebenso oft an ein neues Luxsches allgemeines Social- Apolitisches Handbuch wie an ein spccicllcs Wahlhandbuch und eine breitere Progainmdarlegung gedacht worden. Ich kann über die schlietzliche Entscheidung nur wiederholen, tu a s in dem C i r k u l a r des Verlages ausgeführt ist:„Wahlhandbücher suchen ihre Stärke mit Recht nach einer ganz andren Richtung. Wahlen drehen sich meist um eine beherrschende Frage, die alsdann auch jeder Wahlagitationsschrist die Grundlage geben muß. Bei Wahlen ist die Vernichtung des Gegners alles; hierfür sind alle alten und neuesten„Sünden" zusammenzutragen, um Waffen für 'den Angriff zu haben. Alle diese Iv a h I a g i t a t o r i s ch c n B c- d ii r f n i s s e sind indessen nicht auf Jahr und Tag vorauszusehen. Ein kurzes Wahlhaudbuch muß kurz vor der Eröffnung des Wahlkampfcs, auS der augenblicklichen politischen Situation heraus geschrieben Ivcrdcu; je mehr die momentanen Bedürfnisse in ihm zur Geltung kommen, desto besser. Hier hat unsre Parteileitung von jeher anerlaiint Vor- züglichcs geleistet, und offenbar ist auch Schippe! von vornherein von der Anschauung ausgegangen, daß die Anforderungen des nächsten Wahlganges gleichfalls einen eignen Wahlleitfadcn, möglichst aus alter, bcivährtcr Hand, verlangen werden, und daß darum die eigentlichen Wahlauseinandersetzungen lieber ganz auszuscheiden seien. So ist eine Charakteristik der einzelnen Parteien und Partei- Programme unterblieben und man wird das billigen könne». Daß trotzdem bei den Einzelfragcn(Militär, Flotie, Steuern, Arbeiterschntz) die volksfeindliche Haltung der gegnerischen Parteien st e t s hervorgehoben und gegeißelt tvir'd, ist selbstverständlich. Auf der andre» Seite hat Schippe!, abiveichend von dem bekannten älteren Dr. Luxschen„ S o c i a l p o l i t i s ch e n H a n d b n ch", auf alle allgemeinere theoretische Raisonncments(über ehernes Lohn- gesetz Mehrwert, Profitrate...) verzichtet und den vcr- fiigbaren Raum um so reichlicher für die eigentlichen Gesetzgebnngs- Probleme offen gehalten. Auch bei den ein- zclnen Artikeln ist diese Grenzziehung deutlich bemerkbar." Das ist heute mehr>vie je meine Ansicht und was E. W. als Ideal eines Handbuches verkündet, ist zwar nicht neu, scheint mir jedoch nach ivie vor nichts ivie eine große Unüberlegtheit und gänzlich un- realisierbar.— llcbrigens ruft die lexikalische Anordnung auch hier manche Täuschung hervor. Wenn der Leser z. V. im Register die Stichworte Agrarier, Konservative verfolgt, wird er mehr Agitations- stoff gegen Junker und Jnnkergenvsse» finden, als in irgend einem andren Parteihandbuch. Und ähnlich in andren Fällen. Eine schwache Seite der Darstellung hat Genosse E. W. mit seinen Bemerkungen über die B ä ck e r e i v e r o r d n u n g und ähn- lichcs Herausgefühlt, nur komnit er zu einer ganz salscheu Erklärung. Ich darf vielleicht, ivcil es sich um einen etlvas titzlichen Punkt handelt, hier etwas eingehender sein. Wie weit soll ein socialdeni akratisches Reichs- t a g s-H a n d b u ch die n ä h e r B e t e i Ii gte n p e r s ö n li ch h e r- vor heben, ihre Reden erwähnen, ihre Thätigkeit rühmen? Wie soll man, bei so vielen Berufenen, die Einzelnen auswählen, um gegen keinen ringerecht zu sein oder auch nur zu scheinen? Der einfachste Ausweg ist der, den unsre jährlichen Fraktions- und so n st igen Parteiberichte fest« halten: man erwähnt überhaupt keine Namen von socialdemokratischen Partcircdnern. Ich bin heute noch zweifelhaft, ob nicht auch im Handbuch diese alte gute Parteitradition den Vorzug verdient hätte; alle meine ersten Niederschriften entsprachen ihr auch riud auch die ersten Druckbogen spiegeln diese Praxis noch wieder; Namen sind hier im allgemeinen nur genannt, wo eS sich um einen„Fall Lieb- knecht" oder„Fall Mcnde" handelt oder um einen„Gesetzentwurf � Fritzsche- Bebel", wo also der Name unbedingt unentbehrlich ist. � Schon bei der Korrektur der ersten Druckbogen kam mir jqur Empfindung, um wieviel lebloser und farbloser dar- 'unter die Darstellung ivird, ja daS Bild wird mitunter geradezu zu einem ganz irreführenden und verzerrten. Ich habe daruni schließlich stets, wo es meine älteren Notizen und die Zeit erlaubten, die Namensfeststcllung und Namensnennung vor- gezogen. Die ersten Artikel leiden jedoch unter dem Widerspruch 'der alten und neuen Praxis: manche Stellen weniger, weil sie kurz vor der Drucklegung neu geschrieben und darum mit Namen durchsetzt wurden; andre haben die alte Gestalt ganz . oder doch vonviegend behalten.�) Daraus erklärt sich denn auch das Wegbleiben des Namens am Anfange des Artikels Bäckerei; er erklärt sich weiter, und zwar in allererster Linie daraus, daß gerade im Anfang des Buches das vor- parlamentarische Stadium einer Frage stets von der Darstellung ausgeschieden und daß der ganze Artikel nur als Bild der parlamentarischen Kämpfe gegen die Bundesratsverordnung gedacht und angelegt wurde. Jede andre Vermutung nrüßte ich als eine niedrige, verächtliche Unter st eilung zurück>v eise«, die nieincs Erachtens durch das ganze Handbuch, von den Ar- tikeln Arbeiterschutz, Arbeiterversicherung und Arbeitsbuch angefangen bis zum Artikel Unfallversicherung, dutzend- und hundertfach wider- fflegt wird. Ob die FraktionSthätigkeit an sich zn kurz gekommen sei, darüber kann man sich sehr leicht ein Bild *) Beim Bauarbeiterschutz, den E. W. auch nwniert, haben Reichstags Vorgänge, wenn ich die Sache recht übersehe. überhaupt keine größere Rolle gespielt; der Schwerpunkt meiner Darstellung liegt darum wohl mit vollem Rechte in dem g e w e r k- schaftli'chen Vorgehen und den einzelstaatlichen Anläufen. Hieriii habe ich den Rahmen des Handbuches sogar noch wesentlich über- schritten, jedoch meines Erachten? aus tristigen Gründen. machen. Mo» schlage das Register S. 1172»ud 1173 auf und lese die hier unter Sccialdemokratie bezeichneten Stellen. Man erinnere sich ferner, daß der Verfasser doch gewissermaßen auch Partei- genösse ist und daß die socialdemokr'atische Kritik und die social- demokratischen Forderungen auch dadurch zu ihrem Rechte gelangen, wenn er, der Verfasser nämlich, die Regelung der Kinderarbeit, der Hausindustrie, des Koalitionsrcchtes und andrer Fragen kritisiert und fordert. Gerade in dieser Dar- stellung selber, in der Wahl der Gegen st ände und ihrer Behandlung muß die Partei st ellung« nähme vernünftigerweise am»leisten gesucht werden, und ich meine, sogar ein einfaches Aufschlagen des In- Haltes am Anfang genügt, um darzuthun, in welchem Maße es sich hier um ein Handbuch speciell der Arbeiterfragen und für die deutschen Arbeiter handelt. Zum Schlüsse nur noch zwei Beispiele, wie sehr der Mensch in seinem überkritischen Drang irren kann und wie gut man thut, sich einen VoNvurf lieber erst zu überlegen, bevor man ihn macht. Genosse E. W. bedauert, daß ich öfter auf bestimmte Nummern deS„Vorwärts" und andrer Tageblätter v e r- w e i s e. die so gut wie keinemGenossen zurBerfügung ständen. Letzteres meine ich wohl auch. Wozu also der Hinweis? Zum Excmpel I Der Prinz Gcorg-Erlaß überSoldatenniißhandluiigcn waraufangs meinem Manu- skript einverleibt, ebenso die bayrischen und ähnliche Erlasse. Die Auf- nähme in das Buch erwies sich als rein unmöglich; Auszüge sind hier, swo die Wirkung in der Häufung von Einzelfällen besteht, unthunlich; auch Raumrücksichten standen dem ini Wege. Doch mancher Kollege vom Tintenfaß und der Tribüne wird wiffcn, wie solche Aktenstücke gelegentlich unentbehrlich sind und wie schwer man sie wiederfindet, wenn man das Datum ihrer Veröffentlichung nicht kennt. Ich glaubte allen Be- drängten dadurch einen Liebesdienst zu erweisen, daß ich vermerkte: veröffentlicht im„Vortvärts" am 36. Januar 1892. Gewiß werden die Genossen in Halle oder Rostock den„Vorwärts" aus jener Zeit nicht gesanimelt besitzen, aber ihr eignes Blatt wird ihnen wohl zur Verfügung stehen, und da bedeutet die Notiz, daß sie im „Hnllcschcn Volksblatt" oder in der„Mecklenburg. Volkszeitung" nur die letzte Januar- oder die erste Febmammmner anfzuschlagen brauchen, um aus der Verlegenheit befreit zu sein— denn näch- gcdruckt haben den Erlaß zweifellos alle Parteiblättcr in den nächsten Tagen. Ich habe mir, nein, anderen vielfach so zu helfen gemeint und habe darum auch sonst die Darstellung verschivenderisch mit Kalcndcrdatcn ausgestattet. Nun wird mir daS gleich am erste» Tag als Bctvcis meiner ganz besonderen Unüberlegtheit entgegen- gehalten! Auf dem Gipfel der kritischen Verstiegenheit findet sich unser Genosse E. W. jedoch bei der Besprechung des Artikel?„Arbeits- w i I l i g e n- G e s c tz". Zur Oricntiernng diene ihm das Folgende. DeS inneren Zusammenhanges wegen sind alle Angriffe gegen das Koalitiousrcchl historisch(und kritisch) unter Koalitionsrecbt, Arbeiter- schütz und so fort behandelt. Den von ihm vermißten social- demokratischen Koalitionsentwnrf anläßlich der Zuchthausvorlage findet er so im Wortlaut abgedruckt Seite 739/751, allerdings unter „Koalitionsrccht", Ivo er auch an der einzig richtigen Stelle steht! Der übcrcilige E. W. hätte sich ebensogut entrüsten können, daß er unter„Arbcitswilligcn-Gesetz" nickit ein- mal— das Gesetz selber finden könne I Wahrhaftig, cS„fehlt"! Es steht nämlich gleichfalls nnlcr Koalitiousrecht, S. 747—7�9, wiederum aus leicht erkenntlicher Absicht. Sonnt war n n t e r„ A r b e i t s w i I l i g e" nur noch der äußerliche Hergang der damaligen Aktion festzuhalten: unter welchen Bc- sondrrheitc» sie sich einleitete, weiterentwickelte, und unter welcher parlanicntariscben Konstellation es schließlich zum Klappen kam. Daher, verehrter E. W., die gewählte Art der Darstellung I— Aber die Rede des D r. Lieber ist, über eine Seile lang, wieder- gegeben!! I So streicht ciii Soeialdcmokrat einen schivarzenArbeiterfeind heraus I! I Im Ernste? Wirklich im Ernste? Ist es dem Genossen E. W. niemals, gerade aus Partei agitatorischem Bc- dürfnis, begegnet, daß man eine Aeiißcnmg des Gegners festnagelt, um sie für die eignen Zwecke— in diesem Falle für die dringende Reform dcrKoalitionsgesctzgebung— zu gebrauchen, oder um die gegnerische Partei, wenn sie später umfallen sollte(a. la Rintelen oder Letocha), leichter als Verräter an ihrer eignen Vergangen- heit brandmarken zu könucn?**) Ich habe auch Mallinckrodts und ReichcnspergcrsRedcn über Militarismus wiedergegeben— offenbar, um das Centn»» in den Himmel zu heben! Im Ernste? Hervorragende Genosse» kommen heute noch gern auf alte Normalarbeitstags-Anträge des Centruins zurück— offenbar, um dessen Wahlchanccn bei den Arbeitern zu verbessern. Im Ernste?... Genosse E. W. meint an einer Stelle, ich hätte allzu geschulte Leser vorausgesetzt. Mag sein,»nag nicht sei». Aber er wird mir auf der andren Seite recht geben: absolut dumme Leser soll man auch nicht voraussetzen, sonst giebt es am Ende noch nicht einmal ein Kindcrlexikon statt eines politischen Handbuchs. Zum Schluß, tveiin auch widerstrebend, noch eines. Jede Art der Detailansführung eines Werkes ist schließlich immer auch eine Frage der Z e i t. Hier scheine» durch mißverständliche Aeußcrungcn ganz falsche Vorstellungen cnlstauden zu sein. Ich habe, wenn ich die notwendigen Materialbeschaffungen, die Zeit für die Drucklegung, für Bearbeitung später wieder aus- geschiedener Teile. für Nachträge und ähnliches niedrig an- setze, große Abschnitte waren lange vor der Drucklegung ausgearbeitet und darum bei Beginn des Druckes schon teiltvei'se wieder veraltet, wie daS bei einem sich entwickelnden, lebendigen Stoff nicht anders sein kann— reichlich ein Arbeitsjahr dem eigentlichen Werke widmen können— sagen wir,»ach oben abgerundet, fünfviertel Jahr. Ich wage noch immer zu hoffen, daß,'wenn jeder Kollege— Genosse E. W. dazu gerechnet— alljährlich annähernd das im Handbuch niedergelegte ArbeitSquantum leistet, die Partei- Entwicklung keinen Schaden davon haben wird. _ Max Schippe I. Sociales. Die Altersversorgung in Däne mark. In der ReichstagSsession 1898— 1SSS brachte P. K n u d s e n namenS der socialdemokratischen Fraktion einen Gesetzentwurf ein, der eine durchgreifende Reform der bestehenden Altersversorgung be- zweckte. Die Liberalen im Folkething haben diesen Entwurf dann von allen Seiten eingeschränkt und beschnitten, so daß nur einige kleine Acudeningen des bestehenden Gesetzes davon übrig blieben. Als aber dann im Herbst vorigen Jahres das Landsthing die Ueberbleibsel des großen Gesetzentwurfs in die Finger kriegte, wurde von den kleinen Verbesserungen auch noch die wichtigste(die Herabsetzung der Zeit, während ivelcher derjenige, der Altersversorgung erhallen will, keine Armcuunterstützung bezogen haben darf, von 19 auf 5 Jahre) ge- strichen, und zum Ueberfluß fügten die braven Landsthiiigsmäniier noch die Bestimmung dem Gesetze ein. daß der Altersversorgung Bean- sprucheude in de» letzten 19 Jahren nicht wissentlich ein Leben geführt haben darf, das nach dem allgemeinen Urteil Aergenüs erregt(Nachweis- bare Trunksucht, Erwerb durch Unzucht oder dergl.). Aber auch unter den Liberalen des Folkethings hatte die ganze Altersversorgung mehrere entschiedene Gegner und von dieser Seite wurde mitten zwischen den Verhandlungen ein Antrag eingebracht, der darauf gerichtet war, die ganze Altersversorgung abzuschaffen und eine Volks- Versicherung niit Beitragszwang ungefähr nach deutschem Muster einzuführen. Durch die klugeTaktik derSocialdeniokraticund namentlich durch die unerniüdliche Thätigkeit, die die Parteigenossen Folkethingsmann C. Hördum und LandSthingSinann C. C. Andersen entfalteten,' gelang es in der letzten Folkethingssitzniig dieser Session, das Gesetz zu retten. Der hauptsächlichste Fortschritt, der hiermit erreicht wurde, ist, daß die Staatskasse in Zukunft den Kommuiien(denen die Ver- sorgnngspflicht obliegt), die Hälfte der hierfür aufgewandten Mittel erstattet. Im Gesetz von 1899 war der Zuschuß des Staates auf 2 Millionen Kronen beschränkt; 1899 wurde diese Summe auf ") Ganz das Gleiche gilt natürlich von Berlepsch' Rede zur Bäckereiverordiiung. 2V2 Millionen erhöht.— Die Gesamtausgaben der Kommnncn für die Altersversorgung betrugen im letzten Jahre über 5 Millionen Kronen. VevssrnttnluttJgen- Der socialdemokl»tische Wahlverein für den dritten Wahlkreis hielt am Donnerstag eine Versammlung in der Berliner Ressource, Kommandantenstraße, ab, in der Reichstags-Abgeordncter Max Schippe! über die agrarische Obstruktion und den Brüsseler Zuckervertrag referierte. In l'/estündiger Rede behandelte der Referent die ganze Entwicklung der Zuckerindustrie, er erinnerte an die wiederholten, vergeblichen Versuche der zuckerproduzierendcn Länder durch internationale Vereinbarungen das Prämiensystem zu be- seitigen und erläuterte sodann die Bestimmungen der Brüsseler Konvention, die am 1. September 1993 in Kraft treten und die bisherige Prämienwirtschaft aufheben sollen. Der Redner kenn- zeichnete sodann in treffender Weise das Gebahren der Agrarier, die jetzt die Ratifikation zu verhindern suchen, obwohl sie sachlich gegen die Vereinbarungen nichts einwenden können. Der Referent giebt schließlich der Hoffnung Ausdruck, daß die Kou- vention doch zu stände konimt und die Brandschatzung der Kon- sumenten in der bisherigen Weise unmöglich gemacht wird.— Eine Diskussion über den sehr interessanten, mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrag Ivurde nicht beliebt. Der Vorsitzende Genosse Fritz ersuchte für die weitere Verbreitung des„Vorwärts" zu agitieren und gab bekannt. daß die Versammlungen um 83/i Uhr immer eröffnet werden sollen und demnach pünktliches Erscheinen notwendig ist. Die nächste Versanimlung wird am 19. Juni im „Apollosaal", Sebastianstraße, stattfinden. Am Sonntag, den 8. Juni, ist für die Genossen des 3. Kreises ein Ausflug nach der Pferdcbucht geplant. Der Arbciter-Sängerbund hielt am Sonntag, den 25. Mai. in der Brauerei Friedrichshain eine Ansschiißsitzung ab. Betreffs des Sängersestcs sind günstige Bedingungen abgeschloffen worden und es liegt nun an den Sängern, dafür Sorge zu tragen, daß das Fest ei» vollständiges wird.— Unter Bundesangelegenheiten ist durch den bisherigen Verlauf von Prozessen, wo der Bund den Vereinen Rechtsschutz gewährt hat, folgender Antrag angenommen:„Dem Vorstände werden sämtliche Rechtsschutzsachcn zur genauen Unter- suchung überwiesen, um dann, wenn Aussicht auf Erfolg, die Sachen weiter zu geben."— Im Verschiedenen wird durch das lange Hin- ziehen der Verhandlmigen von Beschwerden im Ausschuß der Antrag angenommen:„Alle Beschwerden und Streitigkeiten werden vom Vorstände untersucht, um zu verhindern, daß nichtige Sachen den Ausschuß beschäftigen." Ter Fachverein der Tischler Berlins und Umgegend nahm folgende Resolution gegen Einführung der Entlassungsscheine und des Jnnungsnachweises an: Die am 23. Mai tagende außerordentliche Generalversammlung beschließt, den K a in p f' g e g e n die Einführung der E n t- lafsungsscheine und des Zwangs-Arbeits-Nach- weises der Tischlerinnung mit aller Schärfe weiterzuführen. Ferner verpflichten sich die Kollegen, überall da, wo Tischler mit Entlassungsscheinen vom JnnungSnachweiS anfangen, die Arbeit sofort niederzülcgcn, wenn dies seitens der anders organi- siertcn Kollegen mit gemacht wird. Desgleichen wird der Vorstand beauftragt, zum 1. Juli einen eignen Arbeitsnachweis zn errichten, um die Kollegen fester denn je an die Organisation zu fesseln. An arbeitslose Kollegen wurden bisher wegen Nichtbenutzung des Arbcitsnachiveiscs der Innung 1359 M. an Unterstützung aus- gezahlt, welche zum größten Teil durch Erhebung der Extrnsteuer aufgebracht wurden. Der Verband der Tapezierer hielt am 26. Mai eine Mit- glicdcrvcrsammlung ab. in welcher der Reichstags- Abgeordnete Genosse Fritz Zubeil referierte. Unter Vereinsangclegenheiten wurde über die Art und Weise, wie bei der Firma Reinhardt erhebliche Abzüge an den Accordarbeiten gemacht wurden, Kritik geübt und die Kollegen aufgefordert, alle Vorkommnisse sofort der Verbaiidslciti'ing miiznteilen und in der Werkstatt Stellung dazu zu nehmen. Nachdem der Vorsitzende noch mitgeteilt hatte, daß auf dem Gcivcrkschastskongretz der Verband durch ein Mitglied des Hnuptvorstandes vertreten sein wird und daß Anträge unsrerseits nicht gestellt wurden, erfolgte um VIS Uhr Schluß der Versammlung. Der Centralvcrbaud der Stnccatenrc(Filiale Berlin) hielt am Montag eine sehr stark besuchte Mitgliederversammlung ad. Der Vorsitzende, Krebs, schilderte die Erfolge, die der Centralverband bei allen Lohnbewegungen bis dato zu verzeichnen hatte und stellte dein gegenüber das Fiasko, welches die infolge der vorjährigen schlechten Konjunktur ins Leben gerufene„Freie Vereinigung" mit ihrem auf dem Gcwcrbegericht niedergelegten Tarif gemacht hat. Dieser Tarif ist durchgängig nicht bezahlt worden und hat auch keiner der Mit- gliedcr der„Freien Vereinigung" den Mut gehabt, die Jnnehaltung deS Tarifs zu fordern. Redner schlug Nim im Namen des Vor« standes den Kollegen vor, diesen Tarif ihrerseits als Grundlage der Lohnberechnung zu betrachten. Nach regerDiskussion beschloß die Ver- sammlung, daß die von derllnternehnler-Organisniion im vorigenJahre auf dem Gewcrbegericht niedergelegten Tarifpofitionen auch ftir unsre Mitglieder die Grundlage bilden sollen, nach denen jetzt biö auf weiteres in Accord zn arbeiten ist. Bei hieraus sich ergebenden Differenzen ist rechtzeitig dem Vorstand Mitteilung zu machen, ehe dazu geschritten wird, durch Niedcrlegung der Arbeit die Angelegen- heit selbst zu regeln. Der Vorstand wird beauftragt, den heutigen Beschluß den Unternehmern zu unterbreiten, um dahingehend« Tarif- Vereinbarungen mit der Unternehmcr-Organisation anzubahnen. Der Verband deS technischen Bühnenpersonals beschloß in seiner letzte» Versanimlung die Gründung einer Sterbe-Unter- stützimgSkasse in dem Sinne, daß ein jeder Kollege nach zweijähnger Mitgliedschaft eine Sterbc-Untcrstützung von 29 M. erhält; hierzu hat'ein jedes Mitglied 19 Pf. bei jedem Sterbefall zu entrichten. Die Gründung einer Bibliothek wurde vorläufig abgelehnt. Es I wurde beschlossen, eine Sympathie-Adresse an die schwedischen Theaterarbeiter abzuschicken._ Briefkasten der Redaktion. Tie juristische Tprrchsinndc findet tiialich mit Zlnsiiahuic des Sonnabends tum TVa bis iN/, Uhr abends statt. Atter Abonnent 109. N�V.. Rathenowerstr. 1. F.®., Tpnndau. Die von Ihnen erwähnte Entscheidung trifft auf Ihren Fall nicht zu. Sie können sie aber dem Gericht oder Ihrem Anwalt vorlegen.— O. B. 37. Ja.— 9». A. 6. Ein solcher Vertrag ist zu- lässig, ist aber ungültig, wen» er in der Absicht aeschlosien ist, Gläubigem Objelte ihrer Befriedigung zu entziehen.— Reservist.§ 616 B. G. B. würde Ihnen nicht zur Seite stehen, weil Sie nicht für eine verhältnismäßig nicht erhebliche, sonder» für eine längere Zeit verhindert sind.— Sch. 1. 1.Nciii, doch stehen einzelne Behörden aus einem andern Standpunkt. 2. Der drcijähre Durchschnitt deS Lohnes— gleichviel welche Form dieser hat— soll bei der Stenerveranlaaung maßgebend sein. 3. Ja, 5 Jahre.— A. 999. New. — 199 ivt. B. Es ist w Ihrem Falle ratsam, ein Testament zu er- richten.— H. N. 37. Darlehu verjähren in 30 Jahre». Es länsl aber die VerjähnnigSfrist von jedem neuen Anerkeimwis ab. Es hängt dennoch die Beantwortung Ihrer Frage davon ab, ob die Schuld bis zum Jahre 1842 und dann tvicder bis 1872 mündlich oder schnftlich anerkannt ist.— W. B Nein.— W. X., Jüterbog. Das Gericht würde darunter einen angeincssenen Teil, in Jhrcvi Fall etwa Vz, verstehen.— G. Bi. 89. Ihre Schwägerin gehört kraft Gesetzes der Kaffe an und erhält von dieser die statutarische» Leistungen. Sie soll sich an dieselbe wenden. Außerdem kann sie aus Herausgabe des Krankenkafsen-Biichö beim Gcwerbegericht klagen. — A. P. und ft. G. Innerhalb eines Jahres nach der Heirat ist der Rückerstattmigsantrag zu stellen. Den Anttag können Sie Breiteftr. 24a zu Protokoll erklären oder ihn schriftlich einsende». Ein Beispiel für solchen Antrag finden Sie S. 443 3tr. 33 des in den öffentlichen Lesehallen aus- liegende» ArbeiterrcchtS.—/z Uhr. Thalia. Gastspiel der Schlierscer. Das Glöckerl vom Birkenstein. Anfang 8 Uhr. Bclle-ZlNiance. Die Dame aus Trouville. Hieraus: Er. Anfang 7-/, Uhr. Luisen. Geschlossen. Varl Weist. Die Viper. Anfang 8 Uhr. Sercssionsbiihne. Ein Abenteuer m den Blumensälen. Hierauf Ein gerissener Schwiegersohn. An fang 8 Uhr. Sriedrich-Wilhelmftiidtisches. Der lustige Ehemann. Anfang 7� Uhr. E. v. Wolzogens Buntes Theater (Ueberbrettl). Anfang 8 Uhr. Schall und Rauch. Screnisstmus Zwischenspiele. Der Fall Moncel. Schön« Seelen. Kollegen. An- fang 8'/, Uhr. Orpheus. Specialitäten-Borstellung. Anfang 8 Uhr. Chnrivart. Täglich Vorstellung. Anfang 8 Uhr. Metropol.(Morwitz-Oper.) Der Troubadour. Anfang 8 Uhr. Apollo. Lyfistrata. Specialitäten- Vorstellung. Anfang 8 Uhr. Palast. Ben-Ali-Bey und sein orientalisches Zauber- Ensemble. Anfang 8 Uhr. Sasino- Theater. Hochzeitsreise. Endlich. Specialitäten- Vor- stellung. Anfang 8 Uhr. ReichShallen. Stettiner Sänger. Anfang 8 Uhr. Passage- Theater. Specialitäten- Borstellnng. Anfang nachmittags b Uhr. Passage- Panoptikum. Speclali- täteii-Vorstelluilg. Urania. Tanbenstr.(Im Theatersaal.) Abends 8 Uhr: Die deutsche Ostseekllste. Jnnalidenstraste 57/63. Täglich: Sternwarte. yrania. Tauben-Straase 48/49. Im Theater um 8 Uhr:. Die deutsche Ostseekiiste. WIMtillei (Walluer-Theater). Sonnabendabend 8 Uhr: llntoi? I>»!oii«Ien Bestien. Komödie in 1 Akt von Max Dreyer. Ber Thor„»«l«ler Tod. Von Hugo v. Hosmannsthal. Berrneels««. Versspiel inl Akt von ArthurSchnitzler. Bost festnni. Lustspiel in 1 Akt von Ernst Wichert. 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Dezember 1S86 beim Kaiserlichen____ ——— Ber-nlwortlicher Redacteur: Carl Leid m Berlin. Für den Jnseratenleil verantwortlich: Dh. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Mar Badiug in Berlin. «t. 124. i9. nm*. 2. Ktilllge des Lmiilts" KMer MIKsblM. s«N°de«d. ZI. M.i 1992. Prozeß Sauden und Genoffen. Vierter Tag. Neben Eduard S a n d e n nahm gestem der Geist des seligen Herrn Spielhagen Platz. Nicht der Staatsanwalt, der sich lieber an die Lebendigen hält, hat ihn dorthin citiert, sondern die Verteidigung hat ihn hingewiesen. Denn, wie sehr man auch sonst die gute alte Zeit gelobt hat, in den letzten Tagen kann über die schlechte alte Zeit nicht genug geklagt werden. Die Verteidigung sucht den Nachweis zu führen, daß die Schwindler unter den Band dircktoren ebensogut ausgestorben sind, wie, nach den Versicherungen des Herrn Langerhans, nur tote Stadtoäter sich bei ihren Abstimmungen von ihren kapitalistischen Privatinteressen leiten ließen. Herr Spielhagen hat sich freilich seiner Zeit ebenso gut zu wehren geivußt, wie das uachrückende Geschlecht es heute vermag In den zahlreichen Berichten und Eingaben aus den siebziger Jahren, die verlesen ivurden, erscheint er als der Typus des be rühmten»durch Fleiß und Intelligenz' emporgekommenen Muster biirgers; das Schmalz der sittlichen Entrüstung trieft von seinen Lippen, wenn er die gotteslästerlichen Angriffe der nicht bankfrommen Presse auf das heilige Kreditsystem zurückweist. Seine antiquierten manchesterlichen Redensarten wirken heute beinahe humoristisch. Vielfach wurde indes nachgewiesen, daß auch Eduard Sonden auf diesen Schriftstücken als Mitunterzeichner figuriert und als dritter— Rechtsanwalt Mündel, der spätere Justizrat, der jetzt in diesem Prozesse als Verteidiger des Angeklagten H a e n s ch k e auftritt. Rechts anwalt Munckel war seinerzeit Sandens Mitdirektor an der Preußischen Hypotheken-Aktieubank, ferner mit Eduard Schmidt, Eduard Sande» u. a. Mitgründer der Aktiengesellschaft für Grundbesitz und Hypothekenverkehr, die der Preußenbank in die Hände arbeitete. Ein Bericht des Polizeipräsidiums aus den 70cr Jahren über die Mißwirt schaft der Preußischen Hypotheken-Akticnbank erklärt es für„unbcgreif lich", daß der Syndikus Munckel verschiedene vom Präsidium gerügte Manipulationen ohne weiteres hat durchgehen lassen. Dieser Bericht wurde gestern verlesen. Für Herrn Justizrat Munckel immerhin eine peinliche Verkettung der Umstände! Aber auch von solche» Streiflichtern abgesehen, gewann die gestrige Verhandlung durch das lebhaftere Hervortreten des Anklägers, die plastisch klaren Darstellungen des neu eingetroffenen Sach verständige», Hofrat Hecht, schließlich durch die rednerischen An strengnngcn der Angeklagten selbst an Farbe und Bewegung. Der Angeklagte Heinrich Schmidt erzählte ein Histörchen von der »Frankfurter Zeitung', deren Handelsredacteur einst von ihm über den Stand der Spielhagen-Banken eines Besseren belehrt tvnrde, dein aber von dem Chcfredacteur nicht gestattet wurde, eine den Banken günstigere Meinung zu vertreten. Die Geschichte beginnt nach Schmidts Angaben in den siebziger Jahren zn spielen, und es blieb unklar� ivann sie ihr Ende fand. Seit jener Zeit ist Herr Schmidt auf die Presse schlecht zu sprechen. Er hat auch reichlich einigen Grund dazu. Denn es ist seltsam, wenn Handels- redacteure Baukdirektorcu ihres»guten Willens' versichern, und sich zu ihnen über die Tyrannei ihres Chefs be klagen. Die Geschichte ist alt für die»Frankfurter Zeitung' die ja bekanntlich sehr energisch gegen die Spielhagen- Banken aufgetreten ivar, aber daß sie ewig neu bleibt, hat sich erst vor Ivenigen Monaten in Dresden bewiesen. So wenig die Sorte der gut gesinnten Handelsredacteure ausgestorben ist, so ivenig hat der bisherige Verlauf der Verhandlung den Beweis geliefert, daß der selige Herr Spielhagen der letzte Bankschwindler gewesen wäre. Schließlich scheint es doch, als ob die schlechte alte Zeit der guten neue» verdammt ähnlich sähe. Im übrigen sei auf den folgenden Bericht verwiesen. »» » Landgerichtsdirektor H e i d r i ch eröffnet die Sitzung um 10 Uhr. Der als Banken-Sachverständiger vorgeladene Hofrat Hecht- Mannheim hat sich gemeldet und ivohnt der Verhandlung bei. Dagegen ist von dem Justizrat Braun ein ärztliches Attest eingegangen, Ivouach er krank ist, außerdem schreibt er. daß er ab- solnt unabkömmlich sei. Der Gerichtshof sieht ihn als genügend entschuldigt an und verzichtet auf seine Mitivirkung als Bank- Sach verständiger. Die Beweisaufnahme beginut wieder bei dem Thema der Untere deckungen und der sogeicannten valutalosen Hypotheken, das heißt diejenigen Hypotheken, für welche von der Bant eine Valuta gar nicht oder nur zum Teil gezahlt und welche trotzdem voll als Unter' lagshypotheken verwendet worden sind. Kommerzienrat Lucas hat für die einzelnen Tage die Unter- deckungen berechnet und zwar wie folgt: Für den 25. September 1900 auf 980 212 M., für den 27. September 1900 auf 1 321 821 M.. für den 17. Oktober 1900 auf 2 öSS 492 M. ustv. usw. Angekl. W. Sande» erkennt das ziffernmäßige Material an. Seine Verteidiger� behaupten. daß die als valmalos bezeichneten Hypotheken in Höhe von 2 462 081 M. mit Recht als Unterlags« Hypotheken verwendet werden konnten, da die Valuta nicht von der Preußenbank, sondern von der Aktiengesellschaft für Grundbesitz und Hypothekenverkehr zu zahlen war. Kommerzienrat Lucas legt Wert darauf, ausdrücklich von den Angeklagten anerkannt zu sehen, daß er in diesen Punkten richtig gerechnet habe. Dies wird anerkannt. Der Vorsitzende hält dem Angeklagten Ed. Sauden vor. daß er nach diesem Anerkenntnis doch auch zugeben müsse, wider- rechtlich Hypotheken ans dem Tresor genommen zu haben. Der Angeklagte bestreitet dies. Der hier- über befragte Sachverständige Kommerzienrat Lucas sagt ans, daß mehrfach Hypotheken ans dem Treuhänder-Tresor herausgenommen seien, angeblich zu vorübergehendem Gebrauch, während sie that- sächlich verkauft worden seien. Der Zeuge läßt sich»och weiter auf Befragen über das Terraingeschäft zn Nen-Torney, das dort in Frage stehende Hypothekengeschäft und den Wert der 20 Millionen- Hypothek aus.— Staatsanwalt Beeck meint, daß diese 20 Millionen von der Revisionskonimission sehr gering bewertet worden seien, so zwar, daß gesagt wnrde:»Sie haben nicht einen Pfennig wert; sie sind Makulatur'. Ueber den Wert dieser Hypothek werden noch mehrere Anträge gestellt, die später erledigt werden sollen. Die Verhandlung wendet sich nun dem allgemeinen Teil zu. Hierzu stellt Justizrat W r o n k e r eine» Antrag, der sich auf die Grunderwerbs. Gesell schaft für Berlin und Vor- o r t e m. b. H. bezieht. Es wird— entgegen der Anklage— be- banptet, daß diese Bank, bei der die Angeklagten Puchmüller und Ed. Sande» in Frage kommen, sich sehr wohl mit eignen Mitteln erhalten konnte»md bei einigem Entgegenkommen der Glänber nicht zum Konkurs hätte gehen brauchen. Es soll darüber Herr Engen Göritz als Zeuge geladen werden. Aus den Erörterungen über den allgemeinen Teil, über welchen sich der Augeklagte Ed. Sande» auf wiederholte Fragen des Bor- sitzenden in längeren zusammenhängenden Ausführungen ausläßt, ergicbt sich etwa folgendes: Die Preußische Hypotheken-Aktieubank ist im Jahre 1864 mit eiliem Aktienkapital von drei Millionen Mark errichtet worden, welches nach und nach bis zum Jahr« 1896 auf 21 000 000 M. erhöht wurde. Anfänglich hielt sich die Bank mit ihrer Thätigkeit in sehr bescheidenen Grenzen. Im Jahre 1872 ivaren Hermann Spielhagen als geschäftsführender und Ed. Sauden als stellvertretender Direktor eingetreten und nun»ahm das Hypothekengeschäft eine große Ausdehnung an. Dieses Wachstum erregte Besorgnisse im Publikum und die Verwaltung mußte in den Jahren 1875' und 1878 wiederholt Angriffe, die aus der Mitte des Publikums und namentlich von der Presse erhoben wurden, öffentlich zurückweisen. Thatsäcklich kam aber die Bank nach und nach in eine üble Lage. Der Angeklagte Sauden schreibt die Schuld hierfür der Krisis in den siebziger Jahren zu. Die neue Leitung, die er später übernahm, habe mit den aus der Aera Spiel- Hagen herrührenden Schwierigkeiten und mit der Sorge für die vielen aus dieser Aera übernominenen Grundstücke zu kämpfen gehabt. Dazu kamen Schwierigkeiten, die sich aus der unveränderten Be- leihungsgrenze ergaben und der Amortisationszwang. Mit den Be- mühungen der neuen Bankleitung, die Bant zu erhalten, sei die Regienmg einverstanden gewesen. Sie habe u. a. für die Wiederaufhebung der 1879 von der Aufsichtsbehörde verfügt ge- wesenen Dividendensperre gewirkt und Verlosungen in großem Umfange gestattet. Für die Erhaltung der Spielhagenschen Subhastations-Grundstücke wurde die seit 1883 gegründete Aktien gesellschast für Grundbesitz und Hypothekenverkehr' benutzt. Diese habe auch ihre Aufgabe durchaus erfüllt.— Präs.: Haben Sie nie vor der Frage gestanden, zu liquidieren?— Angckl.: Nein, nach meiner Auffassung nicht.— Aus den weiteren Erörterungen geht hervor, daß die Aufsichtsbehörde häufiger Veranlassung gehabt habe, der Bant über Nichtzurückführinig der Hypotheken auf ihren wahren Wert, über den Erwerb zur Snbhastalion kommender Grund- stücke durch Strohmänner usw. Vorhaltungen zu machen und ihr einmal sogar mit der Eni- ziehiiug des Privilegs zu drohen. So soll beispielstveise der Kaufmann Stresemann zu den Strohmännern gehört haben, welche von der Bank beliehene und zur Subhastation kommende Grundstücke er- iverben mußten. Als er 1882 starb, war er im Besitz von 26 solcher Grundstücke. Die Bank war nun in der Lage, die Grundstücke ent- ivedcr selbst zu übernehmen oder sie in fremde Verwaltung zn geben. Die Aktiengesellschaft für Grundbesitz und Hypothekenverkehr soll nach der Ueberzeugung der Anklage hauptsächlich zn dem Ziveck ge gründet sein, um die Stresemannsche» Grundstücke auf sie ab zuschiebe», da die Preußenbank init Rücksicht auf die der Aufsichts behörde gegebene bestimmte Erklärung, daß sie Strohmänner nicht habe, die Grundstücke nicht wohl übernehmen konnte. Als Ed. Sande» nach dem Ableben Spielhagens im Jahre 1880 erster Direktor der Preußenbank wurde, ist diese mit den, Bankhause Anhalt u. Wagner Nach f. und mit der Maschinenfabrik und Eisengießerei von P e tz o I d u. Co. in einem umfangreichen Kontokorrent-Vcrkehr getreten. Der Vorsitzende niacht darauf aufmerksam, daß ein solcher Verkehr der Bank nach ihren Satuten verboten ivar und der mit Anhalt u. Wagner unterhaltene Verkehr schivere Verluste für die Bank gebracht habe. An der Firma Petzold u. Ko. soll die Bank allein 5 647 870 M. verloren haben. Die Angriffe der Presse dauerten fort und der Bank wurden Ueberbeleihungcn, Stroh mäuner-Wirtschast bei Snbhastationen, llndurchsichtigkeit der Geschäfts berichte zc. vorgeworfen. Milte der 80er Jahre wurde auch ans die Lerquickung der Bank mit der Deutschen Grundschuldbank und der Aktiengesellschaft für Hypotheken- und Grundbesitz, sotvie auch die Personalunionen in den Vorständen der drei Institute hingewiesen Als die Zeitungsangriffe 1900 neu aufgenommen wurden, erfolgte ein ungeheurer Rückfluß an Pfandbriefen und dann der Zusammen- brnch. In der Bilanz vom 31. Dezember 1900 ist der Verlust der Bank auf 56 441 538 M. berechnet ivorden. Angeklagter Ed. Sandeu bestreitet die Richtigkeit aller dieser ziffernmäßigen Angaben.— Die Verlegenheiten der Bank ergeben sich auch aus de» in den Jahren 1896—1900 in großem Umfange(bis zu 7 Millionen Mark in einem Jahre) stattgefmidcnen Lombardierungen. Unter den umfangreichen Darlehnsgeschäften wird auch ein solches hervorgehoben, bei welchem die Bank ihre eignen Bankgrnndstücke gegen ein mit 4'/s Proz. verzinsliches Darleh» von 1 800 000 M. verpfändete.— Der über diesen Punkt befragte Sachverständige Geh. Rat Hecht sagt in längerer Darlegung über rechtliche und Anstandspflichten von Hypothekenbanken u. a.'ans. daß er einer von der Verteidigung geltend gemachte» Ansicht Ividersprechen müsse, daß eine solche Bank, als Erlverbsgesellschaft, zunächst danach streben müsse, möglichst hohe' Dividende» und Tantiemen heranszuwirtschaften. Daß eine Hypotheken- dank ihr eignes Grundstück verpfände, sei immerhin migewöhnlich. Eine Hypothekenbank, die ihr eignes Gebäude von dritter Seite beleihen läßt, befinde sich in einer Notlage.— Die Verteidigung ist der Ansicht, daß auch auf den Grundstücken andrer Hypothekenbanken fremde Hypotheken stehen dürften.— Ferner ist hervorzuheben, daß nach den von der Prüfungskommission im l. Quartal 1901 ausgestellten Schätzungen die pro 31. Dezember 1900 vor: der Preußenbank ausgegebenen Hypolheken in Höhe von 11 Millionen überbeliehcn Ivaren.— Der Angekl. Ed. Sande» er- kennt auch diese Schätzungen nicht an. Der Staatsanwalt beantragt, zunächst eine am 8. November 1875 vom Kuratorium der Bank, gez. Friedr. Graf zu Solms- Baruth, veröffentlichte Erklärung zu verlesen. Angeklagter Ed. Sauden macht darauf aufmerksam, daß er zur Zeit dieser Erklärung erst drei Jahre in der Direktion der Bank gewesen, deren sachverständiger Leiter danials Spielhagen war. Er habe von Hypotheken- Bankgeschäften damals so gut wie gar keine Kenntnis gehabt und sich erst langsam und mühevoll hineinarbeiten müssen. Für diese Erklärung des Kuratoriums könne er keine Ver- antwortung übernehmen. Die Rechtsanwälte Dr. Bollert und Bernstein Ivider« sprechen einer Verlesung der nicht vom Angeklagten unterzeichneten Erklärung. Rechtsanwalt Bernstein beantragt, event. den Grafen zu Solms- Baruth darüber zu vernehmen, daß der Inhalt der fraglichen Erklärung den damaligen thatsächlichen Verhältnisse» ent- sprachen habe; er zieht diesen Antrag aber wieder zurück, nachdem festgestellt worden, daß der Graf v. SolmS-Baruth schon ver- storben ist. Der Gerichtshof beschließt die Verlesung der Erklärung. In dieser wird betont, daß die Hypotheken stets innerhalb der von der Regienmg vorgeschriebenen BcleihungSgrenzcn lägen, und sie sogar in' vielen Fällen nicht erreichten, so daß zwischen der Be- leihnngsfähigkeit der beliehenen Grundstücke und dem Gesamtbetrage der gewährten Tarlehen noch eine Differenz von 7 000 000 M. bestände. Auch habe die Bank von 650 beliehenen Gnmdstücke» bisher kein einziges zu übernehmen gehabt. Zur Verlesung gelangt ferner ein Rundschreiben der Bank vom 15. November 1878, in welchem versucht wird, die nicht aushörenden Preßangriffe zu widerlegen. Sie werden als.unsinnigsten Gerüchten' entspringend bezeichnet. Aus weiter verlesenen Schriftstücken geht hervor, daß die Bank inkeiner am 17. Februar 1880 gemachten Vorstellung gegen die Divi- dendcnsperre betonte, daß selbst nach der Ausführung der von der Aufsichtsbehörde gleichzeitig angeordneten Abschreibung von 250000 M. noch immer ein Reingewinn von 300 000 bis 400 000 M. verbleiben würde, der statutenmäßig an die Aktionäre zu verteilen wäre, falls die Generalversammlung nicht anders bestimmte. Es wird dann der Erwägung anheimgestellt, ob nicht wenigstens die Verteilung eines Teils des Reingewinns genehmigt werden könnte. Die Aufsichts- behörde erteilte diese Genehmigimg nicht, sondern verharrte auf ihrem Standpunkte, indem sie auf die große Anzahl der Subhastationen, die dabei vorgekommenen Ausfälle und die Höhe der rückständige» Zinsen hinwies und erklärte, daß es un- verantwortlich sein würde, auch nur den geringsten Betrag des Reingewinns anders als zur Verstärkung der Sicherheit der Bank- Hypotheken zu verwenden. In ihrem Antwortschreiben suchte die Bank ihre Lage als nicht so schlimm hinzustellen, in diesem Schreiben wird aber anerkannt, daß Ende 1379 nicht weniger als 1238 000 Mark Zinsen rückständig waren. Die Verlesung der von der Aufsichtsbehörde ausgegangenen Schriftstücke und der gegen die verordneten Maßregeln' erhobenen Einwände und Berichte, in denen die Lage der Bank günstig dargestellt wird, nimmt geraume Zeit in Anspruch.— Bei einem Bericht vom 17. Februar 1380 fragt der Vorsitzende den Angeklagten Ed. Sande», wie er denn diesen günstigen Bericht erklären wolle.— Ed. Sauden: Ich halte diesen Bericht gar nicht für besonders günstig.— Staatsanwalt Beeck: Giebt der An» geklagte zu, daß die Preußische Hypotheken-Aktienbank mit Stroh- männern gewirtschastet hat?— Angekl.: Ja.— Staats- anwalt: In einem Bericht an die polizeiliche Aufsichtsbehörde hatte der Angeklagte dies bestritten. Giebt der Angeklagte zu, daß in der „Frankfurter' und„Kölnischen Zeitung" Artikel erschienen sind, die darauf hinwiesen, daß die Preußenbank, die Grundschuldbank und die Aktiengesellschaft für Hypotheken und Grundbesitz einander in die Hände arbeiten?— Angeklagter Ed. S a n d e n: Die„Frankfurter Zeitung' und die„Köln. Ztg.' zogen ziemlich regelmäßig über uns her.— Staatsanwalt: Die Aussichtsbehörde hatte auf Grund der Zeitungsartitel Auskunft von der Bank verlangt und der Angeklagte Sauden hat in einem Bericht'vom 2. Juli 1896 die Behauptungen, daß die 3 Banken einander in die Hände arbeiten, für unrichtig er- klärt und sich in einem zweiten Bericht an das Polizeipräsidinm noch- mals gegen die Angriffe der Zeitungen gewendet, und es abgelehnt gegen die Zeitungen öffentlich die zn wehren und ihnen dazu wieder Gelegenheit zn geben, ihn durch angebliches Besserwissen zu kor- rigieren und ihnen willkommenen Stoff zu Pilanten, tadelnden und verdächtigenden Bemerkungen zn bieten. Eine Anklage gegen die„Frankfnrter Zeitung". Der Angeklagte Heinrich Schmidt erklärt auf Befragen hierzu, daß er die Berichte des Angeklagten Ed. Sande» in dieser Beziehung für durchaus richtig gehalten habe. Aus seiner früheren Thätigkeit bei der Nürnberger Vereinsbank wisse er, daß solche ZeituugS- angriffe oft ganz grundlos seien. Damals sei die Vereinsbank von der„Franks. Ztg.' vielfach angegriffen worden. Er habe dann in einer Gesellschaft Gelegenheit gehabt, den Handels- redacteur kennen zu lernen und mit ihm sich über einzelne- Punkte zu unterhalten. Der Redacteur habe daraufhin anerkannt, daß er ganz falsch berichtet gewesen sei. Später habe derselbe die Bilanz- in günstigen! Sinne besprechen wollen, nach seiner Mitteilung habe- aber der C h e f r e d a c t e u r gesagt:„Gegen die Vereinsbank- können Sie sschreiben, was Sie wollen, d a f ü r aber nichts.' Das« sei in den 70er Jahren gewesen. Rechtsanwalt Thurm betont,- daß der Angekl. Ed. Sauden den Mitdirektoren in allen hier beregten Punkten immer beruhigende Mitteilungen gemacht habe. Der Vorsitzende geht hierauf zu kurzen allgemeinen Erörterungen über die andren in Frage kommenden Banken und Institute über. Die deutsche Gruudschuldbauk ist am 1. Juni 1886 gegründet worden. Direktoren waren die Au-' geklagten Eduard Sauden und Heinrich Schmidt. Das Aktien- kapital betrug 3 Millionen Mark. Sie gab sogenannte Real- obligatio»?» aus, welche auf Rainen lauteten. Der Umlauf der Realobligationen betrug am 31. Dezember 1890 37 508 900 M. 1891 wurde die Erhöhung des Grundkapitals um 3 Millionen Mark durchgeführt. Am 31. März 1894 betrug der Pfandbrief-Umlanf 87 159 400 M. Am 13. März 1895 wurde das Aktienkapital um abermals 4 Millionen Mark, also im ganzen auf 10 Millionen Mark erhöht. Der Nealobligationen- Umlauf betrug am 31. Oktober 1900 05 095 300 M. Durch das Inkrafttreten des Rcichs-Hhpothekenbank-Gesetzes vom 1. Januar 1900 wurde die Deutsche Grundschuldbank der Staatsaufsicht unterstellt. An Dividenden sind in den Jahren 1894—1399 7 Proz. verteilt. Arn 28. Februar 1901 wnrde die Liquidation der Gesellschaft beschlossen, die am 4. März 1901 fertiggestellte Liquidationsbilanz ergab eine Ueberschuldung von 42 761 286 M. Die Aktiengesellschaft für Grundbesitz und Hypotheken- verkehr ist am 16. Juni 1882 mit eniein Grundkapital von 1 Million Mark, auf welche 40 Proz. eingezahlt wurden, begründet worden. Die Direktion bestand ans dem Professor der National- ökonomie Friedr. Clement und Otto Sauden. Nach dem Tode des Prof. Clement 1891 wurde Otto Sauden erster und 1893 der An- geklagte Haenschke zweiter Direktor. An Dividenden verteilte die Aktiengesellschaft in den Jahren 1892—1899 10 Prozent Schließlich tverden noch kurz die Verhältnisse der Neuen erliner Bau gesellschast zur Erörterung gestellt. Sie ist im Jahre 1393 errichtet worden. Von dem eine Million Mark be-' tragenden Grundkapital waren 772 000 Mark im Besitze der Aktien- gesellschaft für Gnmdbesitz und Hypotheken-Verkehr und 223 000 M. im Besitz des Angeklagten Otto Sauden. In dieser Gesellschaft waren Otto Sanden und Hänschke Aufsichtsrats-Mitglieder. Hiernrit wird diese allgemeine Erörterung für heute ab- gebrochen. Rechtsanwalt Dr. Bollert erklärt es für notwendig, in die Prüfung der gesamten wirtschaftlichen Lage der Preußischen Hypo- rheken-Ätticiibauk zur Zeit des Zusamnienbruchs im Vergleiche zu ihrer Lage in den achtiger Jahren einzutreten, um festzustellen, ob sich diese in den 20 Jahren der Arbeit Eduard Sandcns verschlechtert oder verbessert hat. Rechtsanwalt Bernstein erklärt auf eine vorherige Be« merkung des Sachverständigen Lucas: Die Verteidiger' wollen dessen ziffernniäßige Aufstellungen im einzelnen gar nicht an- greifen, sie müssen aber Gelegenheit haben, sie an der Hand der Bücher nachzuprüsen und sie erkennen serner die„Schätzungen" nicht als richtig. Die Verhandlung wird hierauf um 3 Uhr auf Montag 9 Uhr vertagt. Sonnabend findet keine Sitzung statt. Zum Montag wird eine'größere Anzahl von Zeugen vorgeladen, darunter auch der Landesökonomierat Robbe, der anfangs 1886 in den AuffichtSrat der Preußische» Hypothekenbank eingetreten, aber nach einem Jahr 'chon wieder ausgetreten war. Berliner Partei-Angelegenheiten. Weißensee. Den Genossen zur Nachricht, daß morgen. Sonn- tag, morgens 7'/, Uhr, für den II. und III. Kommunal-Wahlbezirk Flugblätter verbreitet werden. Die Genossen treffen sich für den II. Bezirk bei Schumann, Lehderstr. 118; für den III. Bezirk bei Tscheutschler, LanghanSstr. 106. Zahlreiche Beteiligung ist not- wendig. Lichtenberg-FriedrichSberg-Wilhclinöberg. Sonntag früh >/s8 Uhr, wird eine F l u g b l a t t- V e r b r e i t Ii n g über den ganzen Ort vorgenommen. Die Genossen mögen sich recht zahlreich in den bekannten Lokalen den Bezirksführern zur Verfügung stellen. — Am Montag, abends 3 Uhr, kassieren die Bczirksführer in den Bezirkslokalen. Neue Mitglieder für den W a h l v e r e i n werden aufgenommen: die Billets zum Volksfest am 8. Juni in Mentes BolkSgartcn gelangen zur Ausgabe. Tolrnles. Die Hitze! DaS muß man sagen— ein starkes Stück ist ja dieser Witterimgsnmschlag I Am Dienstag fror mancher noch, als steckten wir noch halb im Winter, und seit Mittwoch schwitzt alle Welt, wie wenn wir nicht Ende Mai, sondern Juli oder August SJfttcn. Wer im Freien zu arbeiten gezwungen ist, der hat die Leiden dieses plötzlichen, übergnngslosen Wechsels in den letzten Tagen grüud- lich auskasteil müssen. Frciivillig drängt sich gewiß keiner danach, sich solcher Glut preiszugeben. So sollte man wenigstens meinen. Aber am Freitag konnte man doch an dieser Ansicht irre werden. Wir fuhren am Vormittag zwischen 11 nnd 12 Uhr im Omnibus dnrch die Friedrich- straße, die bekanntlich nin diese Feit fast gar keinen Schatten bietet. Im sengenden Sonnenbrand standen auf beiden Seiten der Straße Tausende von Menschen und stierten wie stumpfsinnig ans den Asphalt, der eine Ivahre Höllenglnt ausstrahlte. Fast hätten wir angenommen, die Hitze sei diesen Tausenden zu Kopfe gestiegen, so daß sie nicht mehr lvußten, was sie thaten. Aber das Heer von sauber gebürsteten und blank geputzten Schutz- leuten, die die Bordschlvellcn säumten, belehrte nns, daß da„etwas los sein" mußte. Noch zu rechter Zeit fiel uns ein, daß ja draußen auf dem Tempelhofer Felde Frühjahrsparade war. Ja so! Das Ivar etivas andres! Nicht die Hitze— nur der PalriotiSinuS ivar den Leuten zu Kopfe gestiegen. Als der Omnibus in die Leipziger Straße einbog nnd das Spalier von Patrioten, durch das Ivir hiudurchgefahren ivarcn, unsren Blicken entzog, atmeten wir auf. Wir freuten uns, daß wir nicht lvie diese Bedauernswerte» verpflichtet slvaren, an Paradetagen nach der Friedrichstraße zu laufen und dort auf den glühenden Asphalt zu stieren. Denn an solchen Tagen muß daS wirklich kein Vergnügen sein. Der Magistrat hat in seiner gestrigen Kiiznng eS abgelehnt, der Anregung auf Bcivilligung eines Beitrags zur Austcllnng eines staatlichen Konservators der Altertümer Berlins Folge zu' geben. Ferner wurde beschlossen, bei der Stadtverordncten-Versanunluug die Genehmigung zur Anlage einer neuen V e r b i n d u n g s st r a ß e zivischen der Olivaer- und Kuieprodc-Straße zu beantragen. Das Terrain befindet sich im städtischen Besitz. Das neue Ortsstatnt über die Neliktcnvcrsorgilng der K o m m u n a l b e a in t e» solvie daS über die Rcliklenvcrsorgung der Direktoren zc. der städtischen Schulen sind mit ivenigen Aendernugen vom Oberpräsidenten geuchniigt ivorden. Diese Ortsstatute werden mmniehr der Stadtverordneten-Versannnlung mit einer Vorlage zugehen. Zu Schulärzten wurden gewählt: Dr. Adolf Dicsterweg. Grüner Weg 34, und Dr. Schenk, Reinickeu- dorferslr. 47, für den 6. beziv. 11. Schnlbezirk. Außerdem beschloß der Magistrat, an der XIII. Realschule ain Schleswiger Ilfer 9 eine neue 3. Klasse Ai. nnd 4. Klasse Mi. zu Michaelis d. I. zu er- lichte». Anmeldungen nimmt der Direktor Prof. Dr. Immer ent- gegen. Dein Magistrat lag das Gesuch des vstreichischcn Architekten- und Jngenieur-Vercins vor, am 2. Juni d§. Js. eine Besichtigung städtischer Bauten durch die Vcrcinsniitglicdcr zu gestatten. Es ivnrde genehmigt. Die Führung wird besonders der Stadtbaurat Ludwig Hoffmann übernehmen. Wie eS dem Berliner Bau- nnd Tparverein in Tempel- Hof ergeht, zeigt recht deutlich sein vor kurzem veröffentlichter Jahresbericht. Die gemeinnützigen Zwecke des Vereins bestehen be- kanntlich darin, seinen Mitgliedern gesunde, gute und billige Wohnungen zu verschaffen in Häusern, die entivcder ans VcreinSmitteln erbaut oder auch angekauft werden. Sämtliche Häuser bleiben Eigentum des Vereins; ebenfalls sind Mictestcigermige» ausgeschlossen. Es scheint nuii, als ob diese Bestrebimgen nicht überall die erhofften Sympathien ' finden. Iveuigstens nicht bei der Tempelhofer Gemeindevertretung. Im vorigen Jahr nämlich hatte der Vorstand dcS Vereins den Ankauf eines vier Morgen großen Grundstücks an der Stolbcrg- straße in Tempelhof zun, Preise von 300 000 M. abgeschlossen. Dieser Ankauf ivar erfolgt, weil der dortige Aints- nnd Gemeindevorstchcr auf eine Anfrage erklärt hätte, daß die Regulierung der bereits im Bebauungsplan vorgesehenen ver« längerten Stolbcrgstraße— die eine unerläßliche Vorbedingung für die Errichtung der geplanten Bauvcrcinshänscr ist— sich auf Antrag voraussichtlich in wenigen Wochen bewerkstelligen lassen werde. Sobald aber bekannt ivnrde. daß es sich um die Bebauung des Grundstücks mit A r b e i t e r w o h n u n g c n handele, i»S- besondere für Arbeiter der auf Schvneberger Gebiet liegenden Eisen- bahnlvcrkslätten— da versagte die Gemeindevertretung einfach die erforderliche Bauer lau buis unter Berufung auf das Ortsstatut. wonach der Anbau an nicht regulierten Straßen unznlassig sei. Nun ivar guter Rat teuer. Man verhandelte hin und her; der Vorstand des Vereins erklärte sich sogar zn den weitgehendsten Gegenleistungen an die Gemeinde bereit— umsonst; auch ein erneutes Gesuch um Regulierung der Straßennd Erteilung derBauerlaubnis wurde abgelehnt. Ein sehr einflußreiches Mitglied der Gemeindevertretung begründete seine ablehnende Haltung mit dem Hinweis auf die hohen Schul- l a st e n und sonstigen Nachteile, die der Gemeinde aus deni unerwünschten Zuzug zahlreicher Arbeiterfamilien erlvachsen würden! (Diese Befürchtungen hatten den Herrn allerdings nicht abgehalten, dem Verein kurz zuvor ein ihm gehöriges, nur in andrer Gegend von Tcmpelhof belegenes Grundstück zum Kauf anzubieten.) Da der Verein infolge der ihm bereiteten Schlvierigkeiten erheb- liche finanzielle Nachteile hatte, suchte er zunächst die Vermittelung des L a n d r a t s vom Tellower Kreise nach. AIS auch dieser Schritt erfolglos blieb, wandte er sich an den Mini st er der öffent- liche n Arbeiten. Von hier auS ging deni Verein nachstehender Bescheid zn: Infolge der Eingabe vom 2. Dezember v. I. bin ich bemüht gewesen, eine Abänderung dcS von der Gemeindevertretung i» Tempclhof gefaßten Beschlusses, durch den der Verein sich beschwert fühlt, zn vermitteln; der Versuch ist indessen ohne Erfolg gewesen. Auch im Aufsichtsivege würde eine Abänderung nicht durchgesetzt werden können. In Vertretung: gez. Fleck. Sofort nach Empfang obigen Schreibens wurde der Gemeinde- Vertretung ein abgeändertes Bauprojekt vorgelegt, doch auch dieses fand keine Zustimmung. Der Verein will jetzt den Klageweg be- schreiten. Aus dem eigentümlichen Verhallen der Tempelhofer Gcmeinde- vertretnug ersieht man zur Genüge, mit welchen Gefühlen die Be- sitzenden allen, auch de» harmlosesten Bestrebungen der Arbeiter- klaffe nach Verbesserimg ihrer socialen Lage gegenüber stehen. Die Mitglieder der Baugenossenschaften aber werden ans derartigen Vor- kominnissen sicher recht nutzbringende Lehren zu ziehen wissen. Aus einem Schwcsteruheim. Vor deni Tharloitenbnrger Ge- tverbegericht fand am Freitag vormittag eine Verhandlung statt, die geeignet ist, grelle Schlaglichter auf die Ausbildung gewisser Kategorien vo» Krankcupflegeriniien zu werfen. Es handelte sich um die Klage der Schwester Anna Gröschner gegen die Oberin Li o g a l I vom A n n a h e i in zum roten K r e u z. Die Klägerin hat das Heim mit andren Schwestern verlassen, weil ihr die Behandlniig, die Kost und andres im Heim nicht gefielen und ihr zugcimiiet worden ist, unwahre Angaben über ihre A u s b i l d n n g zu machen. Der Schwester Ludmilla ist noch den Angaben der Oberin das Gc- halt für ein Vierteljahr zurückbehalten Ivorden, Ivcil sie das Heim vor Ablauf der in den Statuten ausbedungenen Dienstzeit von zwei Jahren verlassen hat. AuS der Verhandlung ging hervor, daß die Speisen nnd Getränke im Heim unter Verschluß sich befinden, weil es vorgekommen sein soll, daß Schwestern ein halbes Brot ans ein- mal aufgegessen haben. Der Kaffeesatz soll zum zweitenmaks benutzt Ivorden sein. Die Klägerin verlangte 61 M. für die Zeit vom 22. Februar bis 19. April, für Reise-ÄuSlagen nach Stendal und andre Unkosten. Die Oberin, eine sehr energische Dame, bestritt alles. und berief sich auf ihre Statuten, sie will auch die Worte:.Ochsen", „Bande' mit Bezug auf die Schwestern nicht gebraucht haben. Die Speisekammer hätte die Magd Lisette zugeschlossen, weil eine Schwester einmal Va Brot auf einmal verzehrt hätte und über den Belag hergefallen wäre. Der Vorsitzende Gewerberichter Walger empfahl der Beklagten einen Vergleich, der abgelehnt wurde, worauf sie zur Zahlung von 49,40 M. verurteilt und die Klägerin wegen der Mebrforderung von ll'/a M. für Auslagen an»schneiderlohn abgewiesen wurde. Ostclbirn in Berlin. Mit peinlicher Gewiflenhafligkeit hält die freisinnige Berliner Komnmualverivaltuug darauf, daß ihr wohl- begründeter'Ruhm, sich in socialpolitischer Rückstäiidigkeit von keinem andren Gemeinwesen des Deutschen Reiches übertreffen zn lassen, ihr auf keinen Fall verloren gehe. Wie wenig Berlin sich in der Arbeitcrbehaudlung von Ostelbien unterscheidet, möge ein AuSzug aus der für die Arbeiter der Stcindepotplätze erlassenen Arbeits- ordnuug zeigen. Es befinde» sich in dieser Arbeilsordmnig u. a. folgende Bestimmungen: § 4. Tagelohnarbeiter, die nach den Arbeitspausen nicht rechtzeitig wieder auf der Arbeitsstätte erscheinen, ver- l i c r e n'/i Tag, in wiederholten Fällen werden die Betreffenden außerdem �»tlastc». K 5. Ist ein Tagelohuarbeiler genötigt, kurze Zeit aus- zutreten, so hat er dies seinem Vorarbeiter und eventuell, wenn der gerade nicht zur Stelle sein sollte, einem seiner Mitarbeiter auf derselben Arbeitsstelle zu sagen und ist dieser gehalten, bei einer eventuellen Kontrolle der Arbeiter von dem An stritte dcS Betreffenden An- zeige zu machen. Wer längere Zeit austreten will rcsp. muß, oder Iver die Arbeit während des Tages verlaffcn oder abgehen will, hat sich bei dem Depotaufseher rcsp. deffen Stell- Vertreter zu melden. Ilutcrläßi der Beircssende die Meldung, erhält er n n r den Teil dcS Tages bezahlt, während dessen er nachweislich gearbeitet hat. § 6. Die an derselben Stelle rcsp. bei derselbe» Arbeit zu- sammenarbtileiiden Arbeiter sind gemeinsam einer für den andern für die korrekte und beding nngs- m ä ß i g e A u s f ü h r u n g der A r b ei t e n verantwortlich. Der hochscligc König von Snarabien wird sich im Grabe um- drehen, wenn er sieht, welch ein Slümper er im Vergleich zum Berliner Magistrat war. Tie Blmiiciipflege durch Schulkinder, deren Förderung seit einigen Sommern von einem aus Lehrern und Schulfreunden be- steheiiden Verein betriebe» wird, gewinnt mit jedem Jahre mehr an Ausdehnung. Diesmal haben sich 61 Schulen dem Unteriiehmen angeschlossen, während in den vier Vorjahren(bis 1393 zurück) 65, 52, 44. 38 Schulen beteiligt gewesen waren. Die Zahl der unter die Kinder verteilten Topfpflanzen ist von 1893 bis 1902 von 6000 auf 10 000 gestiegen. Tie diesjährige Verteilung hat erst in den letzten Tagen erfolgen können— später als in den Vorjahren, weil die kühle Witterung die Entwicklung der Stecklinge ausgehalten halte. Die Parldkputation hat wieder rund 2000 Topspflauzeu unentgeltlich beigesteuert, die übrigen Pflanzen sind durch den„Ver- ein zur Forderung der Bluincupflcge bei Schulkindern" beschafft worden. Bemerkenswert ist. daß der Verein neben den allgemeincr verbreiteten Zimmerpflanzen, den Fuchsien, Pelargonien usw., mehr und mehr auch seltenere Pflanzen berücksichtigt, z. B. eine als Zimmerpflanze verwendbare zwergartige Akazicnart(Acacia lophanta), die durch die am Abend eiutrcieude SchlasstcNimg ihrer Blätter die Aufmerksamkeit der Kinder erregt, ferner den Motteiistrauch (Plectrauthus fructicosus), der als wirksames Mittel gegen Motte» gilt, den Fieberbanm(Eucalyptus globulus), dem»um nachrühmt, daß er in sumpfigen Gegenden zur Verbesserung der Lust beiträgt. Gcgc» die Verlegung dcS Obst- nnd Gcmiisc-GrosihaiidelS. Der CeiiiralauSschnß hiesiger kauf»»ä»»ischer, gewerblicher und industrieller Vereine hat auf Autrag beteiligter Verbände an den Magistrat und die Stadtverordiicten-Vcrsammlung von Berlin die Bitte gerichtet, von der geplanten Verlegung des Großhandels für Obst und Gemüse ans der Ccnlral-Markihallc zmiächst Abstand zu nehmen. Die Eingabe fordert, daß zum mindesten seitens der Stadtverwaltung abgewartet werde, lvie nach Verlegung des Engros- Fleischhandcls aus der Central-Markthalle sich die Berhälluisse weiter- hin gestalten. Zur Haftpflicht der Lehrer. Auf die Bitte des Berliner Lehrcrvereins um Ucbcrnahmc der Haftpflichivcrsichernng der Berliner Lchrpersonen durch die Stadt hat die Sckiuldepntaiion geautivortct, sie werde den Geinciudebchördeu die Haftpflichtverfiche'rung der Lehr- Personen bei einer der bestehenden Versichcrungsgesellschaftcu nicht empfehlen. Sie sei— entgegen dem von den Vcrsichcruiigsgesellichaften vertretenen Standpunkt— der Ansicht, daß bei Schadeuscrsatzllngcu gegen Lehrer auch durch das iiene Bürgerliche Gesetzbuch die Sachlage für die Lehrer nicht verschlechtert ivorden sei. Wenn auch 8 832 B. G. B. die Bcweislast zu uiiaunste» der Lehrer verkehre, so sei doch der vorgesetzten Dieiistbchvrdc durch daS Recht der Erhebung des Konflikts nach wie Vor die Möglichkeit einer Beweiserhebung gegeben, bei der sie an die civilrechtlichen Bestimmungen über die Beweislast nicht gebimdcu sei. Die Lehrerschaft dürfe in allen solchen Fällen auf den Beistand der Schnldepntatiou rechnen. Bei Verurteilungen werde erwogen werden, ob bei den Gemeinde- behörden Schadloshalimig zn beantragen sei. Bezüglich zweier vor einiger Zeit in die Oeffeullichkcit gelaugten Nach- richten über Verurteilung von Lehrer»(Verunglückung riues Schülers beim Tunien, Tötung einer Ente durch einen Schüler im Zoologischen Garte») habe sich ergeben, daß sie auf Erfindung beruhen. Einem Lehrer, der den Vater eines vcruuglückteu Schülers nach erfolgloser Klage des VatcrS gegen die Sladl freiwillig entschädigt habe, sei die Summe von der Stadt bereits erstattet worden. Das über 5000 Personen zählende Lehrpersonal gegen eine der Erfahrung nach sehr selten auftretende Gefahr zu versichern, müsse als eine höchst unwirtschaftliche Verausgabung öffentlicher Mittel angesehen werden. Schlecht belohnter Vekchrnngscifer. Das 79. Jahresfest beging gestern abend in der Dreifalligleitskirche die„Gesellschaft zur Befördermig des C h r i st e n t n in§ unter den Jude n". Dem von Pastor Bieling gegebenen Jahresbericht ist z» entnebmen, daß das Werk langsam fortschreitet. 44 Personen meldeten sich im ver« gangeiien Jahre zur Teilnahme an dem Tausunterricht, neun wurden ans dem Unterricht fortgeschickt, weil es ihnen nicht Ernst war mit dem Christwcrden und 13 schieden ans, weil sie die„Schwierig- k e i t des Uebertritis unterschätzt hatten'(!). Von den Verbleibenden wurden 10 Frauen und 16 Männer getauft. Die Zahl der Opfer der„Großen Berliner' im Monat Mai ist nahezu die gleiche wie im Vormonat. Totgefahren wurde, wie im April, eine Person, der Klempner Franz Scholler in Pankow, nach einer andren Version soll sich Sch. in selbstmörderischer Absicht vor einen in voller Fahrt de- findlichen Wagen geworfen haben. Die Zahl der Schwerverletzten ist von 16 auf 13 hernntergegangen. Von den Unfällen sind 4 auf vor- zeitiges Abspringen, 3 ans unvorsichtigeSRadfahren zurückzuführen; zwei der Verunglückten waren in trunkenem Znstande. In mehreren Fällen gerieten Kinder unter Straßenbahinvagcn, ohne Verletzungen davonzutragen; auch ein 12jähriftes Mädchen, das sich in selbst- mörderischer Absicht vor einen Wagen der Linie Britz— Nicder-Schön- Hansen stürzte, blieb unverletzt. Drahtbrüche nnd Wagenbrände kamen im Mai nicht vor. dagegen eine Reihe von Znsammenstößen mit andren Motorwagen, Rollwagen, Droschken usw., wobei meist die Führer der Gefährte vom Bock geschleudert und teilweise recht erheb- lich verletzt wurden. Der Blumenhandel ist in ThcatcrrestaurautS naid S Uhr abends und Sonntags außerhalb der für den Verkehr in offenen Verkaufsstellen freigegebenen Zeit nicht gestattet, da er nicht deni Restaurationsbetrieb zuzurechnen ist. So hat das Kammergericht dieser Tage in einem Strafverfahren ent» schieden. ES handelte sich um den Blumenhandel im Metropol- Theater. Harte Strafe. In der Angelegenheit Schmoller-Wolh haben nun auch die akademischen Behörden gesprochen. Der vom Land- gerichi I zu 200 M. Geldstrafe wegen Vergehens gegen das llr- heberrecht bestrafte Stuck, phil. Erich Woth ist von den akademischen Behörden laut Senalsbcschlnß vom 28. Mai auf dem Disciplinar- Ivege mit der Unterschrift des ccrnsilium abeuncki bestraft worden. Dem Urteil ist eine Begründung beigegeben, in der unter andcrm gesagt wird, daß es ein nnbescheänktcs Recht der Doceitten bleiben muß', zu verlangen, daß alles, was sie sagen, inter rnuros uniyersi- tatis(innerhalb der Unidcrfiiätskreise) bleiben soll. Beröffent- lichiingcn von Aeußerungcn ohne Erlaubnis der Docenten in der Presse sei ein Verstoß gegen die akademische Ordnung. � Der Senat hat augenomme», daß die Veröffentlichung nicht des Celdgelviimcs wegen erfolgt ist.— Außerdem hat der Senat beschlossen, das Urteil ohne NameiiSiieiniuua am schwarzen Brett bekannt zu geben als ab- schreckendes Beispiel für die Zukunft. Das Ende einer Schwindclkasse. Der Polizeipräsident teilt mit: Unter Bezugnahme auf meine Bekamilmachimg vom 7. Juli nnd 31. August 1900 bringe ich hierdurch zur KeimiuiS der Beteiligten, daß die Liquidatoren der geschlossenen A l l g e in e i n e N Bolks-K ranke«lasse zu Berit«(E. H. Nr. 126) bc- abstchligen, in den nächsten Tagen unter Verwendung der zur Zeit vorhangenen Barmittel eine weitere Abschlagszahlung von 10 Prozent ans die anerkannten Ansprüche an die Berechtigten zu verteilen. Der Ngent Tomaschke, der sich in den Tagen vom 3. bis 5. Juni wegen Ermordung des Wucherers Löffler bor dem Schwurgericht zu veraniworten habe» wird, hat in seiner Zelle einen Selbstniordversnch gemacht. Er wurde eines Tages mit durchschnittener Pulsader am Boden liegend anfnefnuden und war durch starken Bliitverlnst schon außerordentlich geschwächt. Die Ent- dcckniig geschah noch rechtzeitig, so daß Tomaschke durch schleunigst angebrachte Bandage vor dem Tode durch Verbluten bewahrt»verde» konnte. Ter Nffe nnd die Nhr. DaS Polizeipräsidium teilt mit: In der Nacht vom ersten zum zweiten Pfiiignfeiertag ist einem Bäcker- meisler. der in Schützen« Uniform von der Jägerstraße nach Weißensee fuhr, während der Fahrt seine goldene Remontoir- Savonctte-Nepetiernhr� nebst goldener Kette im Werte vo» 650 M. abhanden gekommen. Der Geschädigte, welcher stark angeheitert und ohne Barmittel gewesen ist. benutzte zu der Fahrt eine Taxameter- Droschke. Er vermniet, daß er entweder die Uhr und Kette dem Droschkenkutscher in Zahlung gegeben oder diese Gegenstände in der Droschke liegen gekästen hat. Der Droschkenkutscher, welcher die Fahrt ausgeführt bat, wird ersucht, sich in den Vorinittagsstmiden im Polizeipräsidiilm, Zimmer 36, zu melden. Iii de» Flitietwoche» vergiftet hat sich die 35 Jahre alle Schneidersfra» Margarete Lcffek geb. Lemke aus der Marknsstr. 3l, die gestern. Freitag'nachmittag. auf dem Friedhofe der Markus- gemeinde z» Wilhelmsbcrg beerdigt wurde. Vor einem halben Jahr lernte Fränkein Lemke, die damals Verkäuferin in einem Geswäft am HeinrichSplatz war. cincn HanSgenossen. den Schneider Max Lcffek kennen, der 12 Jahre jüngere ist als sie. Aus der Bekannt- schast entwickelte sich ein Liebesverhältnis, das am 10. d. M. zur rhelichc» Verbindung führte. Neun Tage später, am zweiten Psingst- feierlag, machte da« Ehepaar nachmittags den ersten Ausflug. Er führte nach Treptow. Im Stadtbahnwagen zeigte Frau Lesse! ein leichtes Unwohlsein, beim AnSsteigen in Treptow aber stellte sich schon ein starkes Erbrechen-in. Nim gestand die Frau ihrem Manne, daß sie Rattengift genommen hatte. Mit einer Droschke nach Hanse ge- bracht, wiederholte sie diese Erklärung auch dem Arzte, den ihr Mann zn Hilfe rief, nnd fügte hinzu, daß es ihr leid thue. Eine weitere Aufklärung war vo» ihr nicht zu erlangen; ihrem Manne vcrlvcigerie sie sie ebenso beharrlich wie einer Tante, bei der sie als Mädchen gewohnt und der sie noch wenige Tage vorher erzählt hatte, dag sie sich sehr glücklich sichle. Das Befinden der Per- gifteten verschlimmerte sich noch am selben Tage so sehr, daß der Arzt sie mit einer Droschke nach dem Kranleichans am Friedrichs- Hain mußte bringen lassen. Hier erlag sie den Wirkungen des GifteS, ohne ihr rätselhafles Beginnen aufgeklärt zu haben. Vor den Angen der Wknttcr überfahre« wurde Freitag- mittag gegen 12 Uhr an der Ecke der Büloiv- und AlveiiSleb-nstraße die sechsjährige Tochter des Kaufmanns Zwiebel ans der Alvens- lebenstr. 1. Frau Zwiebel war im Begriff, ihr Töchterchen an der Hand haltend, den Fahrdannn der genannten Straßenkrenzmig zu überschreiten. Zn dieser Zeit herrschte jedoch dort ein ungcwöbnlich starker Verkehr; vom Paradefelde zurückkehrciide Droschken und Equipagen und zahlreiche ArbeUSfuhrwerke fuhren die Bülowstraße entlang, während gleichzeitig das 4. Garde-Regiment. ebenfalls vom Paradcfcld kommend, mit klingendem Spiel nach der Kaserne zog. durch die Bülow- und AlvenSlcbeiistraßc marschierte. Straßenpastanten, wie auch die zahlreichen Kntslher der Fuhrwerke widmeten ihre Anfmerksamkeit den vorbeimarschierenden Soldaten und so kam es, daß Frau Z. mit ihrem Kinde in den starken Trubel geriet. Plötzlich winde daS Mädchen von den Pferden eines in ziemlich schneller Gangart vorbeifahrenden Flaschenbier- iv a g e n ersaßt, von der Hand der Mutter los» und zn Boden gerissen und geriet unter die Hufe der Tiere. Obwohl der Knischer auf das Geschrei der Mutter die Pferde sofort znrÜckriß, konnte er doch nicht verhindern, daß daS linke Vorderrad des schw»reii Wagens über den Leib des Kindes hinwegging. Ein zufällig hinzukomineuder Arzt konnte nur den fast augenblicklich eingetreleneu Tod der kleinen Anna feststellen. Bemerkenswert ist, daß weder zur Zeit des Un- glücksfalles noch später, als bereits die Leiche der Kleinen fortgeschafft war, ein Schutzmann zur Stelle ivar. Zn dem Biuinnglück ans dem Neubau Lindenstr. 69, worüber wir gestern bereits berichteten, teilt eine Korrespondenz mit: Eine schreckliche Ueberraschnng wurde Doimeeslagnachmittag der Frau deS 82 Jahre allen Zimmermanns Otto Schleuder ans der Emdener- straßc 11 zu teil. Sie hatte mit ihrem Mann verabredet, daß sie sich um Jahr ans dem Neubau in der Lindenstr. 69, auf dem er beschäftigt war, treffen wollten, um gemeliisam einige Einkäufe zu machen. AlS die Fran zu der verabredeten Zeit mit ihrer zwölf- jährigen Tochter erschien, fand sie ihren Mann als Leiche wieder. Auf dem Lau war das Dach fertig geworden. Nun sollten die Klempner mit ihrer Arbeit begiimcn. Für diese wollt« Schleuder zwischen dem vierten«stocke»nd dem Dachgeschoß ein fliegendes Gerüst anlegen. Als er nun dabei war. zwischen zwei Auslegern durch Auflegen eines Brettes eine Verbindung herzustellen, verlor er, weil er nicht vorsichtig genug zn sein schien, das Gleichgewicht und stürzte in die Tiefe ans den Hof hinab. Einige Balken und Bretter fielen hinter ihm her. Der Verunglückte war auf der Stelle tot; er hatte sich das Genick gebrochen und schwere innere Ver- letzungen zugezogen. Eine Viertelstunde nach dem Unfall kamen Frau und Tochter, die über den so plötzlich hcreingebrochenen schweren Schicksalsschlag tnitröstlich waren. Die Leiche de» Ver- nnglückten wurde von der Rcvicrpolizci beschlagnahmt und zur gc- richtsärztlichen Oeffnuiig nach dem Schauhause gebracht. Arbeitslosigkeit hat den 45 Jahre alten Arbeiter Friedrich Zenker aus der Schlciciinacherstraße 11 zum Selbstmord getrieben. Der Mann ivar früher in Schriftgießereien beschäftigt und zog sich int Dezember v. I. in einer Gießerei in der Brandeiibnrgstraße beim Fallen einen Bruch der rechten Hand zn. Seitdem bezog er eine Unfnllrente von 8,75 M. den Monat, fand aber nur now ge- legentlich Arbeit, im ganzen nur sechs Wochen seit seiner Entlassung ans der ärztlichen Behandlniig zu Anfang Februar diescssJahres. Fori- während niedergeschlagen. erhängte er sich, während seine Fran in einer LlixtiSpapier- Fabrik arbeitete und die beiden Kinder in der Schule waren, in seiner Wohimng mit einem Lederriemen am Bett- Pfosten. Unerklärliche Diebstähle werden seit Januar dieses Jahres in der Werkzeugmaschinen-Fabrik von Mittag in der Andreasstraße 32 verübt. Der Spitzbube dringt nacht« in die Räume ein, ohne daß zur Oeffnuiig der Thür« Gewalt angewendet wird. Da er nur Werkzeuge mitnimmt, die für die Mnschinenfabrikation Wert habe». so scheint et ein Fachmann zn sein. Tuf SZerdncht hin wurden bereits Honssuchiinqcn vorqenonnnen, über ohne Erfolg. So ist es denn bisher noch' nickt flelnnßci,, des Diebes habhaft zu werden, obwohl man sich alle Mühe giebt. Ein grosirr Sonnenfleck ist wieder sichtbar geworden und wird jetzt' i cialich den Besuchern der Treptoiv-Sternwarte gezeigt. Sonntagnachinittag um 5 und um 7 Uhr wird Direktor Archenhold insbesonders über die leuchtenden Nachtlvolten sprechen, deren Er- scheinen in diesem Sommer wieder zu erwarten ist. Die auf den Antillen früh um 1liö Uhr gesehenen stransifederähnlichen, Iveisien Wolken sind vielleicht schon diese merkwürdigen Gebilde, welche auch »ach dem Krakatau-AuSbruch in Höhe von 80 Kilometern sichtbar wurden. Die Synodalen und die BaristsS. Gestern behandelte der Ncdactenr der„Artisten-Welt", Herr Reichardt, in der Tonhalle vor einem nur wenig zahlreichen Publikum das Thema:„Das Variete als Pflanzstätte der Unsittlichkeit". Der Vortragende wandte sich scharf gegen die kürzlich gefaxten Shnodalbeschlüsse, die, falls sie zur Durchführung gelangten, einer Special-Dex-Heinze gleichkämen. Die Behauptung der Synode, daß durch die Darbietungen der Varistes die Sittlichkeit untergraben und die Achtung vor dem Weibe verloren gehe, sei geradezu un« erhört. Sie sei nur erklärlich, weil die Herren Synodalen keinen Unter- schied zwischen Varietes und Singspielhallen oder Chantants zu machen verständen. Jeder wirkliche Artist müsse es weit von sich weisen, etwa mit den Tingeltaiigeleuscn der Elsasser- straste verglichen zu werden. Eine durchgreifende Reform in Bezug auf de» Unterhaltnngsstoff und die Darstellungsweise verbunden mit dem Kellnerinnen- und Anreitzerunwesen der Singspiel- hallen könne vielleicht nutzbringend wirken, jedoch hätten die Varietes damit nichts zu thun. Das Material, auf welches sich die Synodalbeschlüsse stützen, sei, so weit es sich auf Varietes beziehe, stümperhaft und wahrheitslvidrig. Redner enipfichlt eine Eingabe an den Minister des Innern, in welcher gegen die Beschlüsse der Synoden vrotestiert mid gleichzeitig eine strenge Scheidung zwischen Varietes und Singspielhalleii(Tingeltangeln) gefordert wird. In der lebhaften Diskussion vertraten auch einige Herren die Ansicht, e? sei nur schwer eine Grenzlinie zivischen Variete und Singspielhalle zn ziehen. Schließlich wurde eine Resolution im Sinne des Referats angenommen. Eliten VersammlnngS- und Festsaal von antzerordentlichcr Größe wird die Bevölkerung des Nordens in einiger Zeit erhalten. Die Brauerei K ö n i g st a d t läßt nämlich auf ihrem Grundstück Schönhauser Allee 10/11 einen Neubau errichten, in welchem außer den Ncstaurationsräumlichkeiten u. a. ein Saal von be- deutendem Unfange vorgesehen ist. DerKonzertgarteu des Lokals ist jetzt bereits eröffnet._ NuS den Nachbarorten. Ein Gemeindevertreter alö Erbschleicher? Eine sonderbare Testamentsgeschichte ivird demnächst den Strafrichter beschäftigen. Das Bürgerliche Gesetzbuch bcftimmt ini Gegensatz zum Allgemeinen Landrecht, daß nicht nur gerichtliche Testamente, sondern anch schrist- liche Berfügnnge» ohne jede Förmlichkeit, die sich im Nachlas; vor- finden, gesetzliche Gültigkeit als letzllvilligc Anordnungen haben solle». DicS ist für den Tapezierer Heinrich S c y d e l m Steglitz ver- hängnisvoll geworden. Herr Seydel, Hausbesitzer und Gemeinde- Vertreter in Steglitz, erfreute sich des Besitzes einer alle» reichen Tante. Sie saß auf ihren Geldsäcken. wollte bei Lebzeiten nichts herausrücken, sondern vertröstete Herrn Seydel und die anderen Freunde und Verwandten stets auf ihr Testament. Als sie starb, war aber kein Testament bei Gericht vorhanden. Zur Feststellung der gesetzlichen Erben wurde ein Nachlatzpfleger eingesetzt. Bei diesem ging eines Tages ein Testament durch die Post ein, in dem Herr Seydel als Erbe des etwa 100 000 M. betragenden Nachlasses ernannt war. Damit Ware» aber die andren Verwandten nicht zufrieden. Sie hegten den Argwohn, daß S. der Verfasser des Testaments»nd erstatteten Anzeige.' Der Schreibsachvcrstäiidige Schul- rat Grabow erklärte auch, daß S. der Verfasser der Urkunde sei mid S. wurde verhaftet. Rechtsanwalt Dr. S ch w i n d t hat mm den «iitcag gestellt, als iveitere Sachverständige den Landgerichtö-Sekretär A l t r i ch t e r und Herr» Langenbruch zn vernehmen, er bot auch für die Haftentlassung eine Kantion von 10 000 M. an. Gestern fand in Steglitz in der Wohnung des Angeklagten eine HmiSsiichung nach Handschriften des Beschuldigten und nach der Tinte, mit der die be- hanptcte Fälschung etwa vorgenounnen sein kann, stait. Der Schöneberger Konsumverein hat sich seit seinem am 80. September v. I. abgeschlossenen ersten Geschäftsjahr wiederum in erfreulichem Maße gehoben. Nicht nur die Mitgliedcrzahl, sondern auch der Warenumsatz ist bedeutend gestiegen, und es ist zn hoffen, daß sich die Konsumgenossenschaft anch weiterhin in den Kreisen der Arbeitnschaft ausbreitet. Verkaufsstellen befinden sich Apostel Panlns- straffe 27 und Gothenstraße 1, daselbst werden Meldungen zur Ans- nähme entgegengenommen. In seiner letzte» Gcneralversammlinig hat der genannte Verein beschlossen, der im Verein mit de» Konsnm- genossenschaften„Nord' und„Süd' gegründeten„Konsumgenossen- schaft Berlin und Umgegend' beizutreten. Eine 7�1 Millionen- Anleihe hat die Stadtverordneten- Versammlnng zu S ch ö n e b e r g in geheimer Sitzung am Montag von der Kur- und Neumärkischen NilterschaftS-Darlehnskasse auf- zunehmen beschlossen. Bestimmt ist die Summe zur Bestreitung der erstmaligen Ausgaben für die von der Kmnminie in Angriff zu nehmenden öffentlichen Bauten, besonders für das jüngst zum end- lichen Abschluß gelangte KrankenhanS-Projekt. Der genannte» An- leihe dürfte wohl bald eine größere nachfolgen. Die Gebäude des neuen Botanischen Gartens in Dahlem sind mit Ausnahme deS großen Palmenhauses im Rohbau und teil- weise anch schon völlig fertig gestellt. Besonders gilt dieS von den Dicnstwohnnngen für die Angestellten des Botanischen Gartens, die zum Teil bezögen sind. Das(an der Dahlemcr Chanssee belegene Gebäude für das Botanische Museum und für die Lchrsäle wird in lnrzem vollständig fertig werden. Mit dem Va» deS Palmenhauses, des letzten noch zu errichtenden Gebäudes, wird im Laufe des Sommers begonnen werden. Zur Einverleibmigsfrage wird uns ans Lichtenberg ge- schrieben: Die Terraingesellschaftcn denen der weitaus größte Teil des noch nicht'bebauten Grund und Bodens am Orte gehört, sollten im Falle der Einverleibung gemeinsam etwa 5000 Mark als Ablösungssumme für die am Orte er- hobene Grundsteuer zur Verfügung stellen. Fürst H e n ck e l I von D o n n e r s m a r ck erklärt mni plötzlich, daß er an der Ein- verleibmig kein Interesse habe, nachdem die Gemeinde ihn voriges Jahr an dem Verkauf seines Terrains an Berlin gehindert habe. Der Fürst sieht sich daher nicht beranlaßt, zu der vor- geschlagenen Ablösungssumme der Lichtcnberger Großgrund- besitzet einen Beitrag zu leiste». Angesichts dieser Haltung darf Wohl daran erinnert werden, daß der Fürst gelegentlich der Verkanfsberhandlnngen mit dem Magistrat bon Verlin der Ge- meinde Lichtenberg 500 000 M. als Abfindung anbieten ließ und daß außerdem ohne Wissen der fürstlichen Vermögensverwalinng etliche Ehrenmänner unserin Parteigenossen 10 000 M. und einem bürgerlichen Vertreter 3000 M. für glattes Durchdringen deS Ein- verleibungSautrageS geboten haben.'— Nun wird dem Berliner Magistrat der Vorschlag gemacht, neben der veranlagten Grund- und Gebäudestener eine Grmidwerlstener von 100 Proz. von dem Un- bebauten Terrain in Lichtenberg zu erheben. Auch hierbei dürften die Besitzer des Baulandes immer noch das beste Geschäft machen. Friedrichsfelde. Unsre wiederholte Kritik über die schlechte Eutlohnnng der S t r a ß e n f e g e r hat wenigstens ctivaS gewirkt. Seit knrzei» erhalten sie statt der bisher gezahlten 9 M. 12 M. Wochenlahn.— Der Restaurateur Haberland in der Wilhelm- straße 38, der der Arbeiterschaft sein Lokal zur Verfügung stellt, ist dafür nach den bekannten preußischen Principicn behandelt worden. Nachdem man ihm die Polizeistunde gekürzt hat, ist jetzt der Mi litär- boykott über sein Lokal verhängt ivordcn.— Der neue Stadt- b ahn Hof Lichtenberg- Friedrichsfeldc ist im Van. Dieser Um- staub gab den Hauswirten Gelegenheit, die Mieten forsch hinauf- zuschrauben? Wie wird das erst werde», wen» der Bahnhof fertig ist? Schmafgeildorf. Die Beschaffung von A r b e i t e r- W o ch e n- karten für die Straßenbahn- Linien Roscneck— Linkstraße und Hundekchke— Hnleiiscc— Lmlstraße ist jetzt ertcichtert. Die Karten sind von heule ab im R a t h a n s e ivochcntäglich von 9—2 Uhr und Sonntags von 11—12 Uhr zn haben. Neu-Weistensee. Unser Nachbarort stand dieser Tage im Zeichen des Lbjährigen Aintsjubilämns seines Vorstehers. Mit dem üblichen Festessen und Reden wurde der Akt eingeleitet. Auch ein Fackelzug fehlte nicht. Bei dein Kommers schien es gar lustig her- zugehen, denn in einem Bericht des hiesigen Lokalblärtchcns„Amt- sicher Anzeiger" ist wörtlich zn lese»:„Der Herr Schulrat, welcher sah, mit welchem Eifer die hiesige» Lehrer k o m m e r s i e r t e n, that in öfscullich- launiger Rede kund, daß die Schule am nächsten' Tage erst um 9 Uhr beginnen sollte, bis zn dieser Zeit sollte» sich die Familienväter wie die Lehrer von der Feier er- holen!" Und so war cS auch, nur mit dem Unterschiede, daß in einigen Klasse» überhaupt lein Unterricht erteilt wurde. Nen-Wetßensee steht wiederum im Zeichen der Wahl- bewegung zur Gemeindevertrcinng und zwar gilt es, das Mandat«nsreS verstorbenen Genossen Gcrstcnberger wie das für ungültig erklärte Mandat des Genossen Gartz neu zu erobern. Es ist' Ehrenpflicht der Weißcnseer Arbeiterschaft, beide Mandate zn behaupte». Anfgefpicsst wurde der 13jährige Gemeindeschttler Ernst Richter in Spandau, der auf dem Hofe des Hauses Moltlestraßc 4 an der Tcppichstange turnte, die sich in mmiiitelbarcr Nähe eines eiserne» Gitters befindet. Er stürzte und fiel auf die spitzen Gitterstäbe, von denen sich einige tief in seinen Körper einbohrten. Eine Spitze durchstach den Unterkiefer, die Zmige»nd den Oberkiefer. Nur mit großer Mühe konnte der unglückliche Knabe ans seiner entsetzlichen Lage befreit werden. An seinem Aufkommen wird gezweifelt. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, dm 1. Juni, vormittags Uhr, in der Aula der S9. Gemeindefchnle, Kl. Krankfurterstr. B: Bersammlung. Freireligiöse Vorlesung. Nur 10-/« Uhr vormittags eten- daselbst: Vortrag des Herr» E. Vogtherr- Stettin: Die Sittenlehre des Nazareners.— Vor- und Nachspiel aus dem Pariser Mustelharmoninm.— Gäste, Damen und Herren, sehr willkommen. In der Hnmauistischen Geineiiidc, Niederwallstr. IL, in ber Aula der Friedrich'-Werderfchen Ober-Realschule, hält am Sonntag, vormittags 10>/, Uhr, Herr Dr. Rudolf P e n z i g einen Vortrag Über: Frömmigkeit und Verbrechm. Damen und Herren habe» freien Zutritt. Hilfskasse der Graveure. Ciseleure»ud verw. Berufsgenossen i» Berlin tagt jede» ersten Montag im Monat Restaurant Eltze, Luisen- Ufer 1, abends 8-10. Köpenick. Am Sonnabend, den 31. Mai, abends?>/- Uhr, findet im Lokale Wilh. Zeidler eine öffentliche G l a s a r b e i t e r- V e r s a m m l n n g für Männer und Frauen statt mit folgender Tagesordnung: 1. Vortrag des Kollegen Julius Kalisky über: Banktrach und Krise. 2. Dissimion. 3. Abrechnung vom I. Ouarbal. 4. Verschiedenes. Des lehrreichen Bor- träges wegen bittet lim das Erscheinen aller Kollegen. Gaste haben Zutritt. _ Der Vorstand. Eingegangene Druckschriften. Die„Soeialistischen Monatshefte«(Administration: Veckin V/., Lsttzowstr. 85.4.) haben soeben das I n n t h e f t ihres VIII. Jahr- gangs erscheinen lassen. Aus dem Inhalt desselben hebe» wir hervor: Edouard Anseele: Der Kampf um das allgemeine Stimmrecht in Belgien. — Eduard Bernstein: Der Kampf in Belgien und der politische Massen- streik.— Hjalmar Branting: Die Generalstreikprobe in Schweden.— Wolfgang Heine: Arbeiterbewegung und Soeialdemolratie.— Oda Olberg: Eine Theorie der sociale» Umwälzungen.— Dr. Hugo Lindemann (C. Hugo): Unsre Forderuugen an die Kommunen.— Dr. Leo Winter: Die Sprachenfrage in Böhmen.— Fanny Jinle: Die Arbeitslosen- Unterstützung in den deutschen Gewerkschaften.— Henriette Fürth: Die sociale Lage der Pforzheimer Bljouterie-Arbeiter.— Rundschau: Politik; von Richard Calwer.— Wirtschast j von Max Schippel.— Sociolistische Bewegung; von I. Bloch und Dr. L. Gumplowicz.— Geivirkschaftsbewegung! von Heinrich Bürger.— Geuoffenschastsbewegung; von Gertrud David.— Sociale Kommunalpolitik; von Dr. Hugo Lindemonn(C. Hugo).— Frauen- bewegung; von Lotte Pohl-GlaS.— Socialwisseiischaften; von Dr. Ch. Schit- lowsky.— Rechtswissenschaft; von Wolsgana Heine.— Notizen; von I. Stern. — DerPreisdes Heftes beträgt 50 Pf., pro Quartal 1,50 M. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen, Colporteure und Posianstalten(Post- Zeiiiings-Katalog Nr. 7138), femer direkt bei der Expedition der „Socialistischen Monatshefte", Berlin W. 35, Lützowstr. 86 A.(Znsendungen unter Kreuzband oder in geschlossenem Couvert.). Vermifttzkes- Von Martinique. Die vulkanischen Ausbrüche er- fokstcu jetzt sehr zahlreich, jedoch mit geringerer Heftigkeit, llebersee- und dem Küstenverkehr dienende Dampfer schaffen die Bevölkerung des nördliche» Teiles der Insel fort. Der Bürgermeister von Caycime hat den von dem Unglück Betroffenen außer freier lieber- fahrt auch sonstige Erleichterungen im Falle ihrer Uebersiedlung angeboten. lieber die Nachgrabungen i» S a i» t- P i e r r e und die dabei zu Tage geförderten Funde werden imincnieneschanerliche Einzelheiten bekannt. So schreibt ei» bei diesen entsetzlichen Arbeiten beschäftigter Marinc-Artilleric-Unteroffizicr, die Bewohner von St. Pierre hätten sich beim Herciubruch des Verderbens stellenivcise so eng aiieniandec gedrückt, daß sie stehend verbrannt wurden. Die mit den Nach- grabiingen beauftragten Soldaten müssen furchtbar unter Durst und Hiniger leiden. Fast alle» sind Augcnbranen und Lider von der glühenden Asche verbrannt,»nd st- können in der heißen, stmibige» und verpesteten Luft kaum Ate», schöpfen. Trotzdem weicht keiner der ivackercn Leute von seinem Posten. Ihr Mut, ihre Opfer- freudigkeit und Selbstüberwindung verdienen allgemeine bewundernde Anerkennnng. Entdecktes Gräberfeld. Wie die„Hartnngfche Zeitinig" hat der Rektor Hollack im königlichen Forst ein Gräberfeld in welchem sich 150 Urnen befanden, die allerdings zum Teil beschädigt waren. Ferner wurden eine Anzahl von klingen. Laiizenspitze», Geivandnadel», Gürtelschnallen, viele Perlen ans Bernstein, Thon imd Glas solvie eine römische Münze aus der Zeit Kaiser Gordians III.(238 bis 240) gefunden. Der Fund wurde dc», Prussia-Muscum überwiesen. Witterungsttberslcht von,»V. Mai 1902, Mörsens 8 Nhr. meldet, entdeckt, größten Messer- Stationeil Swinemde. Hamburg y'erltn Fraiilf./M. Mliiichcn Wien e 3 ef 761 SSO 760 OSO 761 SO 760 O 7kNt SO 763 MO W-.Nec 3 heiter Lhcitcr Lwollenl Lhlb.bcd. llwollenl Iwolkeul »S C' »>! c es «i Stationen 758,®» 756 NNW 757® 18 Haparanda 18 Petersburg 22 lEort 18«berdte« 19 Paris 19| Welter-Prognose für Eonnavend, den 31. Mai 1902. Ziinächst meist heiter»nd sehr warm bei mäßigen südöstlichen Winden; später Aewiiterregc» mit etwas Ablühlmig. Berliner Wetterbureau. W-tier 2wolke»I 2 heiter l'hlb.i-d ts i Ii äti 9 JeMer HchMiter-MM. (ZahlMtclle Merlin.) Bureau! SO., Engel-User 15(Gewerlschaftshaus). Fern ffr.: Amt 7. 3258. Bilderrahmettntacher! �dwArm�nhalle,n Kounuarwantm�rÄ�: Der wichtigen Tagesordiluiig wegen ist das Erscheinen all« Kollegen »otwendig._ 83/19 Ter Ol'»».»». Verband der Möbelpolierer. Mnit-S, Uni 2.3"ni, JS'ÄS�iK Setsinunlniij. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Kollegen Hzti-n»,,,, über Baiigenosseiischaften. 2. DiSkiifston. 3. Verschiedenes imd Ausgabe der Billeis zur Dainpser- pattie am 29. Juni nach Hessenwinkcl. Mitttvch, dt« L Zlini: Wng der MrautilSTOlier. Für dc» Osten abends 7 Uhr Friedrichsbergerstr. 11. *» Südosten abends 7 Uhr Sknlttzerftr. 89. .» Korden abends SVj Uhr Brunnenftr. 96. TageS-Ordnung: 1. Entgegennahme der Fragebogen aus den einzelnen Werkstellen. S. Welche Maßnahme» stnd gegen die Möbelpolicrer zu richten, welche den JilNlliigsiinchwejs benutzen? Jede Werkftelle muß vertreten sein. Der Möbelpolicrer M. Kohte, Metzerstr. 12, und die Kollegen anS de» Werkstellen von Friedrich, Weinland, Schoy sind hiermit besonders etil- gelade»._ 146/6 Der Vorstand. .Pferdeblicht4, ücslaurant b. Köpenick. Empfehle meln allbekaimtes, in herrlichem Lanbwalde gelegenes Lokal den geehrten Gesellschaften unb Vereinen zn Ansfiüaen und Landpartien. Sommerwohnlingeil mit nnd olme Pension. Großartige Prvmenadcn. 100 Morgen Spielplätze. 5000 Sitzplätze. Aiisspaiiiiuiig für 80 Pferde. Gute und berühmte Küche.— Es ladet zum Besuch freundlichst est» 40368*_ Wlllicliti«rüsewltK. Besitzer. Restaurant„WiShelmstiof", Hirscbyarten. Am Balmhof Hlrscbeartcn. Jnh. W. Keller, Gastwirt. Empstehlt den Vereinen nnd Gesellschafte» seinen schönen schattigen Garte», ca. 2000 Personen fassend, großen Saal, Kegeldahiien, Kaffeeküche. Glilgepflegte Biere u. Speisen zu jeder Tageszeit. Vo»c»b»Iu»tigungsn. Auch zu erreichen Köpeuick von Bahnhofstraße. Kaiser Wilhelmstraße, Studenrauchstraß«(neu» Straße nach griedrichsh.)»»äliihrsr Pumpstatlaa. PreieVolKsbähne. Aclilung! Zu den Opernvorstellungen sind noch in einer Anzahl Zahlstellen Marken voriianden. Dieselben müssen von den Bestellern rechtzeitig abgeholt werden, da dieselben sonst an andre Mitglieder vergeben werden. Marken sind noch vorhanden bei Wcusol, Mariannenstr. 3, und Ooitfi*. Scholz. Admiralstr. 40a. Auch im Metropol- Theater werden von 2 Uhr ab die übrig bleibenden Marken ausgegeben. 229/7 Oer Vorstand. I. A.; G. Winkler. Acht öffentliche gemrWstliche Mämtt- mi Mlien VkOiiimlnilg am Vlontag, de» S. Junt, abends V28«Hr. in Sthrends Brauerei, Moabit, Durmftrafte Sir. ÄS/SS. Tages-OrdnuNg: 1. V arttag dc» Herrn Kater über Zweck und Nutzen der Organlsatton. 2. Wie stellt sich die Arbeiterschast Moabits zu den Angriffe» über die Kinderarbeit bei den Aiisttägerinlieir des„Bar- wätts" und die Organisterimg dieser Frauen? 3. Diskussion. 4. Bericht- eisiattnng der Kommisfioii betreffs der gcmabregeltcn Voteilfraneil bei Masse, und sind dieselbeil berechtigt, bessere Lohn- und Arbeitsbeditiguiigell tu«nspnlch zu nehmen? 5. Verschiedenes. 289/13 Um zahlreiches Erscheine» bitter tvie Vertrauensperson. Berein der Ban- Berlins nnd Uingegend. Sonntag, de« 1. Juni, vormittags 19 Uhr, im Saal I de»«cvrcchschaftshaoscs. Engel-Ufer Nr. 15: Außerordentliche General-Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Statutenberatung. 2. V-rei»sangelege»heiten. 33-lt- Ader Vorstand. Aloi'iaiv kreilsuk- NiliterriiAer. Fertig gespannt znin Eiiisehen in jede» Rad. Zusammengesetzt aus: Prima ainertkanischen Dvppeltdickend- Speiche», ans Kupfer hochsein veniick.lt, Kronprinz-stahtselge bestens schivarz lackiert, aus Wunsch ivciß oder Holzsarbig, »ud Morrow Freilaus-Nabe mit nutoiiiatischer Breuise, MadeN 1902. 4076L» M. 87,- einschließlich Porto und Ber- paiillna frei Dentschland nnd Oestreich-llngar». Nachnahme oder Vorausbezahlung. 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Mai, ilachmiilags 2 Uhr, von der Leichenhalle deS Städiischen CentralsriedhoseS in Friedrichsselde aus statt. 181/5 Die Verwaltung Berlin A. Ceilttlil-Krankeil- u. CterSe- dtr Tischler ze. Ortsvcrwaltung Berlin H. tzlui Dienstag, den 27. Mai, ver- schied nach längerem Leiden das Mit- glied imsrcr Kasse slS4/18 lleinriGh Iriski im Alter von 52 Jahren. Die Beerdigung findet heute, nach- mittags 4>/z Uhr, von der Halle des Emmans-KirchhofeS aus statt. 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