Ar. 125. Aboimtineitts-Kcdlngungen: n&onmmtnt«-Pr«!» pränumerando: vierteliäl»rl> Z.so Ml., inonall. l.wMk., wöchenlltch W Psg. frei int Hau«. Simelne Numw'r 5 Psg. Sonntag«. Nummer mii ittufltwtitt ecnntag«. Sieilage„Tie Neu« Welt" 10 Psg. Post- Hlbonnement: 1,10 Mark pro Monae. iiingeiragen in der Post-Zeitung». Preisliste kür Ivos unier Sr. 7870. Unter«reuiband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Mark, fite da» übrige Ausland s Mark pro Monal. IS. Jithrg. AI« Insertion»-S«hNlit beträgt für die l«ch«gispaltene NolonSi» zeil« oder deren Nanni 40 Pfg., für politifch« und gewerkschafiliche Verein«- und Versammlung»-Anzeigen so Psg. „Stein» Anfeigen" sede« Wort B Psg. (nur da« erst« Wori feil). Inserate für die nächste Nummer müssen bi« 4 Uhr nachmittag« in rerüxpedUion abgegeben werden. Die«rprdition ist an Wochentagen bi» 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bi« s Uhr vormittag« geöffnet «rsqetnl kilgllch«nlfer Wonkag». Verlinev VolKsbleztt. Telegramm-Adresse! .Porlnldrmoltrnt vrrli»" Centvalorgan der socialdemokratischen Partei Deutsehtands. Redakkiail: sw. 19, Veuklz-Strahe 2. flernfstrecher: Zlint I, Nr. 1508. Der Aktionsplan der Janrvsisten. P a r i S. LS. Mai.(Ei-,. Bor.) Hm Borabeud dcS Zusammentritts der itcueu Kanmier hat das Juterföderale Komitee der P. S. F.(Jaurtisisten) ein Bautett ver- austaltet„anläßlich der Wahlerfolge der Partei'. Die Kiiiidgebiiiig fand stestern initcr zahlreicher Beteiliisuiiq statt. Sie gewahrt ciiicn Einblick in die kommende parlamentarische Taktik der jaurhsislischeii Kannnerfraktion, sowie in die Stiinmung der leitenden Kreise der Partei. In letzter Hinsicht ist zunächst der Umstand bezeichnend, das; mit dein Vorsitz der Festlichkeit gerade die in Paris nutcrlegenen früheren Abgeordneten Viviani, Chassaing und GraS beehrt wurden, ebenso wie itt der auf den 31. Mai festgesetzten groben Parteiversammlimg die imter legcncn Abgeordneten F o u r n i e r e und Neno« deit Bot sitz führen werden. Dadurch ivnrde sinnenfällig markiert, daß die einzelnen Niederlagen das SiegcSgcfiihl der Partei nicht bc- einträchtigen. Und dasselbe Gefühl beseelte die Bankettreden. Aber noch ein andres Element kam in der gehobenen Stiuunnitg der Ncdner und Zuhörer ganz deutlich zum Ausbruch— das Gefühl der numerische» und taktischen Ucbcrlegenheit über das blanquistisch gueSdische Lager. Alle Redner loarcn mehr oder minder mit polemischen Anspielungen gegen diese? socialistische Lager gewürzt, die jedesmal deinonstratibcn Beifall entfesselteit... Am schärfsten klang der kriegerische Ton durch JanräS Rede. Der Wahlkamp und das Ende der Millcrandschen Minislerschaft haben also am feindseligen Verhältnis der beiden soeialislischen Lager nichts gc« ändert. Eine übrigens leicht erklärliche Zwangsvorstellung Icheini die französischen Socinlisten nach wie vor zu verhindern, die An- ficbten ihrer eignen Richtung ohne polemische Beziehung auf die andre Richtung zu entwickeln. Nun zu den Vauketlreden, deren wesentlicher Inhalt wieder- gegeben werden mag. Der Vorsitzende Viviani beginnt mit einem historischen Rück- blick auf die socialistischen Wahlerfolge. 1393 ivuchs die Kammer- fraktion spruiigivcise von einigen wenigen artf SV Mitglieder an. DaS war kein normales Wachstum. Damals haben sich dein Socia- lismnS zlveifelhafte Elemente angeschlossen! 18SS ninbte daher die Partei gesäubert werden. Die Fraktion spaltete sich im Gefolge der Millerandschen Programmrede(„Programm von St. Mande'), die den Auch-Socialisten zu weitgehend erschien. In den folgenden Wahlen wuchs die Fraktion normalerweise, so auch in den diesjährigen Wahle». Jetzt bildet die socialistische Partei die moralische Stütze der ganzen republikanischen Partei. Wir haben im Wahlkampf keine „verbrecherische Enthaltung" geübt. Die neue Fraktion hat nicht nur an Zahl, sondern auch an innerem Wert geivonnen. Sie wird in alle Debatten glänzend eingreifen können. Das Programm von Tours zeichnet ihr den Weg vor. Die am Programm geübte Kritik derjenigen, für ivelche„die sociale Revolution ein AnSfiihrartikel ist zu vernachlässigen. Gegen die individuelle Teilnahme eines Socialisten an der Regierung ist die Partei nunmehr gesichert. WaS die Taktik betrifft,-so wollen wir die Opposition beherrschen und discipliniercn. Wir verwerfen die schimpfende und uitfritchtbar-negative Opposition gegen die Personen, wir wollen eine positive, schöpferische Opposition gegen die Dinge, die Einrichtungen. So werden wir das Proletariat erziehen und eS zur dereinstigeu Leitung der Geschicke Frankreichs befähigen, damit unser Land nicht ins Leere fällt, wenn eS den Händen der kapitalistische» Bourgeoisie entgleitet. EdgarMilhaud, Redaktionsntitglied der„Petite Ntpubliqne". spricht namens des Jnterföderalen Komitees. Dieser Austrag, wie er bemerkt, ivnrde ihm deshalb zu teil, iveil er kein Wahlamt bekleidet und auch nie bekleidet hat: Im Gegensatz zn den alten Organisationen, deren historischem Werk wir übrigens volle An- erkennung zollen, betrachten wir die parlamentarische Aktion nicht nur unter dem Gesichtspunkt der Propaganda und Kritik, sondern auch als ein ivirksaines Mittel zur Erlangung positiver Resultate im Sinue unsres Nefornrprogramms. das ivir sehr ernst nehmen. Sodann befürivortet Redner die Notweiidigkeit der Differenzierung innerhalb der socialistischen Partei, der Dccentrali- fation, der Autonomie der einzelnen Föderationen. DaS Jnter- föderale Kontitee soll nur die Propaganda und Aktion orgauifleren, und zwar Hand in Hand mit der Kamnierfraltion. Bei jedem wichtigen Anloß ist eine Agitation im ganzen Lande zu entfalten, um die parlamentarische Aktion zu unterstützen. Ferner verbreitet sich Redner eingehend über die Rolle der Gewerkschaften und Gc- uossenschaften. Zum Schlusj ermahnt er die Socinlisten, zahlreicher als bisher den Organisationen aller Art beizutreten. B r i a n d, ucugeivählter Abgeordneter von St. Etienne, betont den principiellen Unterschied zwischen der socialistischen Partei und selbst der äußersten Linken der bürgerlichen Demokratie. Wir können mit den demokratische» Parteien zusannncngehen im Kampfe für Reformen oder in der Verteidigung der Demokratie, aber sie sind uns im Grunde feindlich, weil wir ztvei antagonistische Klaffen vertreten. Während der Drcyfus-Krise sind tvir mit ihnen intim zusammengegangen. Aber es wäre eine Illusion, an die Darier dieses Zusammengehens zu glauben. Selbst im Kampfe um Reformen nehmen wir eine andre Stellung ein. Die parlnmen- tarische Aktion genügt da nicht, wir müssen dann zum Druck von außen greifen. Redner spielt an auf den Generalstreik als ein Mittel des Druckes auf das Parlament tittd dann auch als ein Mittel der socialen Revolution. Zugleich polemisiert er gegen die „revolutionäre Romantik einiger nnsrer Nachbarn'. Das Proletariat ist zur Revolution noch nicht bereit, aber wir müssen eS darauf vor- bereiten. Die parlamentarische Aktion genügt nicht. Die Erwählten dürfen die proletarische Aktion nicht vergessen. Alle Aktionsformen hängen innig znsaminen. Redner schließt mit einem Toast auf die sociale Revolution. I a n r o s stimntt dem Vorredner rückhaltlos zu, aber seine Aufgabe sei eS, ausschließlich Über die parlamentarische Taktik in der nenen Legislatur zu sprechen: Mit der Demission deS MinistcrinmS beginnt eine neue politische Periode. Die Regierung der republikanischen Verteidigung hat ihr Werk vollendet. Die socialistische Ministerschaft, die so viel wahre oder sitnnlierle Leiden schaftcn entfacht, ist zu Ende. Wir haben nnsrc vorjährigen An- strcngi'ngcn nicht zn bedauern. Unsre hochmütig intranpgenten Kritiker haben sich geirrt. Es sind entscheidende Resultate erlangt ivorden, oder wenigstens solche, die durch unsre Thätigkcit ent scheidend Iverden können. Erstens ist die Republik gerettet. Wird der republikanische Sieg von der Demokratie nicht ausgenutzt, so ivird sich diese neue Verfehlung an ihr selbst rächen. Ziveitens hat die Socialrcform von neuem ihren Fortgang genonuircn Das Zchnstuudcngesetz stellt Frankreich, trotz der einschränken- den gerichtlichen Interpretation, an die Spitze aller Länder. Bedcntsam ist auch das Votum des Achtstiindcstagcs für Bergarbeiter in der Kammer. Der in socialer Hinsicht koii- scrvativc Senat hat seinen Widerstand gegen den Arbelterschutz für Männer aufgeben müssen; das ivar ein Entgelt für die llnterstützting der Republik durch das Proletariat. Drittens hat das Ministersinn seit drei Jahren zuerst die ministerielle Stabilität gesichert auf Grundlage einer demokratischen Mehrheit. Die häufigen nnsrncht- baren Miuisierkrisen aber erniedrigen das Parlament nur zum Vor- teil dcS Eäsarisnuis. An uns liegt es, den so befestigten Parlatncn- tarisni'uS zu einem schmiegsamen Werkzeug des Proletariats zu schmieden, um immer mehr sociale Gerechtigkeit zu schassen. Endlich hat die republikanische Mehrheit nicht nur an Zahl, sondern auch an Festigkeit und Eifer zngcnonimen. Die Wahlen bc- deuten einen Ruck nach Links. Mit Briaitd unterscheide ich zwischen SocialiSmuS und Demokratie, wie zwischen Reform und Revolution. Aber es liegt in der geschichtlichen Tradition Frank- reichs seit der Montagne(der„Bergpartei' der großen Revolittioit), daß die äußerste Linke der politischen Demokratie in sociale Demo- kratie umschlägt.... Die Partei hat aber ans den repnblikaiiischen Fortschritten der letzten Jahre nicht nur indirekten Nutzen gezogen. Sie hat auch direkte Erfolge zn verzeichnen. Die Wahlen haben das gezeigt. Und die Erfolge wären viel größer geivcscn ohne die „elenden Streitigkeiten" unter den Socinlisten. Redner ivnnscht und erhofft nach tvie vor die Einignng des Socialisinns, aber es wäre ein Fehler, weitere Schritte zu thun zur Einignng„mit dem, tvaS von den alten Organisationen übrig bleibt.' Stände nur die socialistische Ministcrschaft im Wege, dann gäbe eS keine Spaltungen vor und nach derselben, und die Blangnisten, die darauf Anspruch ntachen, die strenge marxistische Doktrin mit den revolutionären Ueberliefe« rungett Frankreichs zu versöhnen, hätten zn uns kommen müssen. Die Einigung ist nicht mehr möglich auf dem Wege der Unterhandlungen zwischen den Organisationen und Sekten, sondern nur durch die alle socialistischen Elemente absorbierenden Föderationen. Weiter kritisiert Janrös in scharfen Worten und unter stürmischem Beifall die Stichwahllaltik der GneSdisten und bemerkt, daß überall, wo der Socialisinns in den Wahlen an Terrain geivonnen. dies der Aktion seiner Partei zu verdanken sei. Wir haben das Recht abzutvarteu. daß die Zeit das ihrige thne. Die alten Organisationen haben keine andre Zuflucht als in der föderalistisch organisirten Einigkeit. Jnr Zusammenhang damit verurteilte JattröS die„Exkoinmnni- kationen des Marxismus von jenseits des RheinS", Ivo eine Revue sich„zn einem intcriiationalen Ccnsurbnreau' aufgcthan hätte: estertt waren tvir dort angegriffen, heute sind eS die Belgier. Was würden die Deutschen sagen, ivenu wir unter Außerachtlassung der be- sonderen Landesverhältnisse ihnen Vorwürfe machten, seit 30 Jahren einen wirtlichen Parlamentarismus im Reiche, das allgemeine Wahl- recht in den Landtagen nicht erkämpft und das Wahlrecht in Sachsen sogar verloren z» haben?... Zur parlainentarischen Taktik übergehend, betonte JaursS. daß die Schwierigkeiten im Parlament wachsen inürden. trotz des Endes der Milleraudicheii Ministerschaft: Die Logik der Thatsachen— die freilich eine andre sein kann als die Logik der parlamentarischen Jntrignen und die des Präsidenten Lonbet— verlangt ein radikales Ministerium, da die Radikalen und die socialistischen Radikalen zum erstenmal eine große Mehrheit innerhalb der republikanischen Mehr- hcit bilden. Doch bedarf ein radikales Ministerirrm der Unter- tützung uichtradikaler Elemente— sei es von rechts oder von links. Die Socialisten iverden sich also fragen niüssen. unter welchen Bedingungen sie ihre Unterstützung leihen wollen. Wir haben das größte Interesse an der gedeihlichen Thätigkeit einer radikalen Regierung. DaS Volk kommt nicht zum SocialiSmus aus Ekel gegen die Demokratie, sondern Iveil der SocialiSmus die VcrvoNstäudigung der Deniokratie ist. Aus Ekel gegen die Demokratie kommt nur Via zum Socialismus, 8/io aber gehen zur Reaktion über. Machen die Radikalen iviedcr einmal bankerott, so können wir einen Teil ihrer Anhänger nur dann gewinnen, wenn wir alles gethan haben, um ihren Bankerott zu verhindern, wenn wir nicht eine Taktik der reformatorischen Ueberangebote getrieben, deren einziges Resultat die Koalierung der äußersten Linken und äußersten Rechten. Unser Ideal muß stets mit dem alltäglichen Wirken ver- bunden bleiben, als logische Verlängerung der Reformen. Von Zeit zu Zeit werden wir auch theoretische Debatten aufrollen, wir iverden z. B. die Radikalen fragen, wie sie ihr Programm- versprechen, allen Arbeitern das Eigentum zu sichern, außerhalb des Socialismus zu erfüllen trachten. Dann sind heute schon Gesetz- entwürfe möglich, betreffend Verwandlung großer Stück« lapitnlisti- chen Eigentums in Geitteineigentunt. Ferner werden ivir die Ab- rüstnug verlangen. Man hätte die Haager Konferenz, welches auch die Motive deS Zaren gewesen sein mögen, ernst nehmen sollen. Expedilivn: 3�.19. Veuttz- Strafe 3. Hernsprecher: Amt I, Nr. 5131. anstatt darüber zu lachen, und in allen Ländern eine gewaltige Abrüstnugsbewegung entfesseln müssen.... Redner schließt niit der Anrufung der glorreichen Rolle Frankreichs für die Verwirklichung der socialen Republik. Die Fcslversammlnng bereitet Jaurös eine anhaltende Ovation: alle erheben sich von den Plätzen und spenden nicht endenlvollcnden Beifall. Ta§ Partcikomitee wird die vier Bankcttredcn vollinhaltlich als Broschüre zum Massenvertrieb veröffentlichen. Das Branntweittstener-Gesetz. Am Dienstag beginnt der Reichstag mit der Beratimg der Novelle zum Branntweinsteuer-Gesetz, mit der er sich seit jetzt fünfviertel Jahren beschäftigt. Es Ivar im Mai vorigen Jahres, als die Agrarier, die nicht rasch genug ihr Liebes- gaben-Gesetz unter Dach und Fach bekonimen konnten, den Reichstag überrumpeln wollten und an dem zähen Wider- stände der Linken, namentlich nnsrer Fraktion, kläglich Schiff- brnch erlitten— der Reichstag war beschlubunfühig und wurde geschlossen, der Gesetzentwiirf blieb in der dritten Lesung stecken. Im Winter des vergangenen JahreS wurde er wieder der Kommission überwiesen und diese hat sich dann monatelang mit ihm beschäftigt. Während anfänglich die Agrarier gar nicht rasch genug das Gesetz fertig gemacht bekommen konnten und die Linke anklagtest, daß sie durch ihre Obstrrtktion das Brenncreigewerbe und damit die Landwirtschaft ruiniere, waren es in der Konimission— ganz wie beim Zolltarifgesetz— gerade die Agrarier, die»nablässig nene Anträge einbrachten und sich nicht auf die Beratung der im vorhergegangenen Jahre un- erledigten Paragraphen beschränkten. Sie suchten auch bei andern Bestimmungen des Gesetzes sich besondere Vorteile zu verschaffen— wußten aber selbst nicht, was sie fordern sollten! Und das ist das Charakteristische des ganzen Vorgangs I Die Spiritusindnstrie befindet sich nämlich kurz vor einer Katastrophe, ganz so, wie sie jetzt über die Zuckciindnstne hereinbrach— und zwar ans denselben Gründen. Die Agrarier haben krast ihrer Macht als Mehr- heit des Reichstags die Spiritnsprodnktion mit Hilfe von Prämien und Liebesgaben ans Kosten der Bevölkerung z u einer ungesunden Entwicklung angerei z t. Ter Export von Spiritus ist schon seit 13 Jahren auf ein verhältnismäßig kleines Onantnm herabgesunken; das Aus- land produziert selbst genügend Spiritris und alle Ausfuhr- Prämien haben nichts genützt, um den Export zu steigern oder auch nur auf seiner früheren Hohe zu halten. Nun suchten die Brenner den Absatz von Spiritus im I il l a n d e zu steigern. Der Verbrauch an Trinkbranntwein steigt glücklicherweise nicht, namentlich seitdem billiges und wohlschmeckendes Bier auch auf dem Lande zu erhalten ist und die unablässige Aufklärung durch unsre Partei die�Arbeiter davor warnt, sich durch Schnaps zu ruinieren. Eine Steige- rung des Absatzes konnte also nur auf dem Gebiete der Ver- Wendung von Spiritus zu gewerblichen Zwecken erzielt werden. Soweit die„Centrale für Spiritus- Verwertung", die sich die Brenncreibesitzer schufen, auf diesem Gebiete durch Verbesserung der Apparate, technische Anregungen, Preisausschreiben, Ausstellungen u. dergl. wirkt, � hat sie von uiisrer Seite stets volle Unteistützrnig gefunden. Aber der sogenannte„technische Spiritus" muß. um größere Verbreitung zu Hciznngs- und Beleuchtungszwecken wie für Motoren zu finden, so billig sein, daß er in Konkurrenz mit dem Petroleum treten kann. Und ein solch billiger Preis entspricht keineswegs den Wünschen der Brenncreibesitzer; sie wollen viel Spiritus und zu hohem Preise ver- kaufen! Bei den Beratungen der Zolltarif- Konrmission ist ja seitens der Agrarier offen zugegeben worden, daß sie ihr Ziel auch dadirrch zu erreichen streben, daß das Petroleum verteuert wird. indem der jetzt schon 6 Pf. pro Liter betragende Zoll noch erhöht wird. Daß ein solcher Zoll gerade die ärmere Bevölkerung am schwersten trifft, danach fragen Brotwucherer ja nicht! Jetzt. wo das Petroleum noch nicht verteuert werden kann, mußten die Agrarier also sehen, wie sie den zu gc- werblichen und häuslichen Zwecken verwandten Spiritus ver- billigen konnten, ohne selber die Unkosten dieser Preis- Herabsetzung zu tragen. Deshalb schufen sie 1883 die B r e n n st e u e r. Je nach ihrer Größe hat jede Brennerei von einern bestinnnten ProdnktionSnmfang an eine sich mit der Menge des erzengten Spiritus progressiv steigende Steuer zn zahlen, die scheinbar von den Brennereien getragen, in Wirklichkeit vom Publikum be- zahlt wird, das den Spiritus um den Höchstbetrag der Brenn- steuer verteuert erhält. Aber nur den T r i n k s p i r i t u s! Der zu gewerblichen Zwecken verwendete, der durch Zrisatz gewisser Stoffe ungenießbar gemacht: denaturiert ist, wird durch Vergütungen, die an den Brenner für das von ihm als denaturiert zum Verkälts gebrachte Onantnm Spiritus gezahlt werden, verbilligt. Die ganze Last der Brennstcuer wird also auf den Trinksptrttus abgewälzt und da es die Aermsten der Alanen sind, die hauptsächlich Schnaps konsnnrieren, so sind sie es auch, die jene Last zu tragen haben. Es handelte sich ini Jahre 1399/19cX) um 3,6 Millionen Hektoliter Spiritus, die im ganzen erzeugt wurden; davon kamen 2,4 Millionen Hektoliter zum Trink- verbrauch, 1 Million Hektoliter zu gewerblichem zc. Verbrauch und nur 0,19 Hektoliter zur Ausfuhr. Die Breunsteuer, die bei einer Produktion von'600 Hektoliter mit 50 Pfennige pro Hektoliter begann und bei 3000 und mehr Hektoliter auf 6 Mark stieg, hatte etwa 4 Millionen Mark jährlich ergeben. Die Brennereibesitzer hatten inzivischen einen Ring gebildet, der unter der Firma»Centrale für Spiritusvertverrnng" Mittel und Wege suchte, um den Preis des Spiritus zu steigern. Abgesehen von der Brennstcuer sollte dazu noch eine gesetzlich erzwungene Einschränkung der Produktion dienen. Im vorigen Jahre sollte diese mit Hilfe des D c n a t u r i e r u n g s z w a n g e s herbei- geführt werden. Da dieses Projekt von uns zur Strecke ge- bracht wurde und nun nicht mehr zur Diskussion steht, brauchen wir hier nicht mehr darauf einzugehc». Bei der gegenwärtigen Rovelle suchten die Brennercibefttzer zunächst dadurchdie Produktioneinzuschränken, dast die Entstehnug neue r Brennereien möglichst verhindert wird, indem diese sozusagen mit Strafsteuern belegt werden, ferner die gewerblichen Brennereien zu Ungunsten der landwirtschaftlichen be- nachtciligt und die Melassebrcnnereien noch mehr zurückgesetzt werden. Dagegen ist fiir Kartoffel- brennereien von der Größe, wie sie vorwiegend in Lstelbicn zu Hause sind, das Gesetz so günstig wie nur möglich ge- staltet worden. Zunächst wurde der Höchstbetrag der Brenn- stencr erhöht(von K M. auf 6 M. 50 Pf.), dann die untere Grenze des ProduktionSumfangcs von 300 auf MO Hektoliter erniedrigt, arißerdem aber die unterste Steiierstiife von 50 Pf. ans � �>c. erhöht und die Höchstgrenze nicht erst bei 3000, sondern bereits bei 1800 Hektoliter gezogen. Dadurch wird 1,011 � Millionen Mark jährlich ans etwa 11 Millionen gesteigert— und in gleicher Höhe w ach st dre Verteuerung des T r i n k- B r a n n t- If- C g-r. r den die Brennstcuer bisher schon für die Bevölkerung hatte, wird also jetzt verdreifacht! Da- bei ,ft es ganz klar, daß auch diese Erhöhung der Brenn- stencr genau so wie die bisherige die Ueberproduktion nicht derartig emdäminen wird, wie es die Agrarier wünschen, um exorbitante Preise zu erzielen. Auch der Verbrauch von denaturiertem Spiritus läßt sich künstlich nicht so steigern, wie manche Agrarier sich und andren eilneden. Tie gan�e Umgeftal�uig des Gesekes wird nur bewirken, daß der T r i n k s p i r i t u s verteuert wird. Gleichzeitig sucht der Ring durch seine geschäftlichen Mampulationen, bei denen er auch vor Boykott nicht zurück- schreckt, die Preise zu steigcril— und je höher die Brenn- steucr ist, um so leichter wird ihm dies geliirgen! ..So läuft also auch die neue Umgestalsting des so vielfach veiboserten Branntwcinsteucr-Gesctzes nur darauf hinaus, den cumern auf.stosten des Publikums Vorteile zu schaffen! tu rJr �ei den das deutsche Volk den Brennern zahlt, schon riesengroß genug! Rechnen wir ihn einmal nach und beginnen bei dem neuesten Produkt agrarischer Laune. *—* Millionen Mark Brcnnsteuer Iverden voiil Trink- spiritus-Konsumenten getragen, sind also eine Liebes- gab e, die dieser dem Brennereigewerbe zahlt. Daß dieses den Betrag wieder an die Käufer von denaturiertem Spiritus wiedergiebt, ändert nichts daran, daß ihn der Konsument des Trmkbranntweins zahlen mußte! Dann kommt die große Liebesgabe, die durch die Verbrauchsabgabe entsteht: letztere beträgt 50 M. pro Hekto- litcr für den bis zu einer bestimmten Menge erzeugten Spiritus(das Kontingent); tvaS über das Kontingent ge- brannt wird, zahlt 70 M. Da aber das Kontingent niedriger stt als der Konsum, so muß stets Ueberkontingent-Spintus, sogenannter Siebziger, auf den Markt kommen und der Preis des gesamten Spiritus richtet sich nach dem des Siebziger. erhält der Brenner auf seinen Fünfzigcr-Spiritus -0 M. Zuschlag, das macht bei 2,4 Millionen Hektoliter Trinkverbrauch 48 Millionen Mark Liebesgabe, die von den Konsumenten des Trinkbranntivcins an die Brenner gezahlt wird und in deren Tasche bleibt! Als Dritte im Bunde der Liebesgaben ist die bei der Maischraum-Steuer entstehende zu bezeichnen. Diese Steuer wird beim denaturierte» und exportierten Spiritns nick- vergütet und zwar für das Hektoliter Spiritus mit 16 M. 1 Pf. Der Brenner hat aber nicht diesen Betrag entrichtet, sondern je nach der technischen Vollkommenheit der Einrichtung seiner Brennerei nur 10 bis 12 M., durchschnittlich mindestens 11'/» M. Es bleibt ihm also pro Hektoliter Spiritus, für den er beim Denaturieren die Steuer zurück erhält, 4'/» M., ebenso beim Export, das gicbt bei Iv« Millionen Hektoliter, die zu diesen Zwecken verbraucht wurden, 6'/« Millionen Mark, die aus der Staatskasse an die Brenner zu viel zurück- gewährt und vom Konsumenten des Trinkbranntwcins in der an den Staat entrichteten Steuer gezahlt werden. So sehen wir. daß der Konsument des Trinkbranntlveins drei Liebesgaben zu entrichten hat, die zusammen etwa 64 Millionen Mark jährlich betragen! Es ist selbstverständlich, daß unsere Fraktion so wie bisher gegen ein solches, die untersten Bevölkerungsschichten zu Gunsten der Brcnnercibesitzer belastendes Gesetz energisch Front machen wird, zumal doch noch zu diesen Liebesgaben die an das Reich zu zahlenden IM Millionen Mark Steuern hinzukommen! Die Debatten in der nächsten Woche werden dazu bei- tragen, das Volk über diese Liebesgaben- und Interessenten- gesetzgebung gründlich aufzuklären. politische Ltebeestchk. Berlin, den 31. Mai. Eine neue Paris-Rcde kann Graf Bülolv, wenn er sich inzwischen von seiner Karnickel- Plauderei genügend gekräftigt hat, am kommenden Montag im preußischen Abgeordnetenhausc halten. Denn. an diesem Tage Iverden die Konservativen und das Centrnm auffordern, im.Bundes- rate dafür einzutreten, daß den von der Mehrheit der Reichstags- Zolltarif- ltommission ausgedrückten Wünschen ans Verstärkung des landwirtschaftlichen Zollschntzes über die Zolltarif- Vorlage hinaus, entsprochen werde*. Milder ist der Wunsch der Freikouservativen, die lediglich verlange», daß Graf Bülow dafür sorge,»daß eine V e r st ä n d i g n n g mit dem Reichstage betreffs der von der Zolltarif- Kommission gefaßten Beschlüsse auf Verstärkung des Zollschntzes für die Landwirtschaft über die Sätze der Zolltarif-Vorlage hinaus, herbeigeführt werde*. Das Dreillassen-Parlament will also den Bundesrat zu Gunsten der Ueberzöllnerei scharf machen. Graf Bülow aber wird, sofern er überhaupt die Antwort auf die Interpellation übernehmen sollte, wieder als der schöne Paris mit dem Diagoualapfel erscheinen und einige Jnhaltlosigkeiten über den Ausgleich der Gegensätze reden. Sonderliches herauskommen wird bei der Debatte schwerlich, und Iva» Graf Bülow antworten wird, würde auch dann belanglos sei», wenn nicht daZ„Figaro"-Jnterview den letzten Rest der Bülow- Gläubigkeit-vernichtet hätte. Als der Graf seine Thätigkeit begann, gelaug es ihm, bei den Urtcilslosen Kredit zu gewinnen: man glaubte an geistige Märchen- schätze in der verschlossenen Truhe. Sein damaliger Zuruf:.Sie kennen mich ja noch nicht* deutete geradezu auf solche verschlossenen Reichthümer hin. Jetzt ist die Truhe geöffnet und man hat nichts weiter darin gefunden als ein Citatenlexikon nebst einer Gebrauchs- anweisung, wie mau Bilder möglichst falsch und ungeschickt an- wendet. Seine letzte Kallinchen« und PariS-Plaiiderei hat auch seine intimsten Freunde in tödliche Verlegenheit gebracht. Selbst der zahme Pastorale.Reichsbote* schreibt klagend über das Hasen- und Kaninchenbilb: .Mit diesem Vergleich hat der Kanzler seiner Polen- Politik einen bösen Streich gespielt; die Polen werden sich wahrscheinlich durch den Vergleich mit den Kaninchen verletzt fühlen, obivohl der Vergleich der Deutschen mit den dummen. feigen Hasen auch nicht gerade schmeichelhaft ist. Die Polen werden daraus den Schluß ziehen, daß es auf ihre Ausrottung abgesehen sei, iveil sie sich nrehr vermehrlen als die Dentschcn.* llebrigens hat Graf Büloiv thatsächlich,'ivas Wolfs schamhaft abgeändert hat,»ach dem..Figaro* seine H o f f n»» g ausgesprochen, daß die Verabschiedung des ZollgesctzcS noch vor Ende des Jahres erfolgen werde. Reichskanzler Paris ist»och öfter gnter Hoffmmg— als ein Kamncheri.—_ Zu de» belgischen Wahle». Brüssel, 28. Mai.(Eig. Bcr.) Bei der Beurteilimg des WahlausfallS ist zu berücksichtigen, daß die zur allgemeinen Wahl stchendcn ArondissenientS fast ohne Aus- nähme Hochburgen dcS KIcrilalisnnis ffiud, während die hauptsäch- lichsten dem SocialismnS anhängende Kreise erst lv0t zur Wahl stehen. Bekanntlich fanden in 15 Wahlkreisen allgemeine Wahlen und in weiteren ö Ergänzungswahlen statt. Für die kritische Beurteilung des WahlausfallS köimen nur die k5 Wahlkreise mit allgemeinen Wahlen dienen, denn in den andern sechs war von einer Eulfaliuiig aller Kräfte kaum die Rede. Es handelte sich hier immer nur um einen Sitz, der derjenigen Partei bczlv. Liste zuerkannt wird, die die einfache Stimmenmehrheit auf- weist. I» diesen Kreisen, von einem, Vcrviers, vielleicht abgesehen, kamen immer nur zwei Parteien in Betracht, die socialistische und die klerikale. Während die erstcre in Lnltich und Charleroi allein so stark ist als alle gegnerischen Parteien znsanimengciiomnic» und in Soigiücs die weitaus stärkste, waren die Klerikalen in Alost und Gent allen andern Parteien überlegen. Nur in Vcrviers war der Ausgang der Wahl zweifelhaft. Im Jahre IllOll zählten die Sociakiften dort 19 OVO Stimmen, die Klerikale» ebensoviel, während die Liberalen irai etwa 7000 zurückstände». Die Liberalen hatten bei dieser Wahl de» Ausschlag zu geben und sie entschiede» sich statt für ihre» socinlistischc» Alliierte» von einst, für ihren Todfeind von gestern, die Klerikalen. Die llerikalc Regierung kann jetzt ans eine» Getreuen mehr zählen, dank der Hilfe der„oppositionellen* Liberalen von Verviers. Bon diesen sechs Mandaten der ErgänznngSwahI sind bekanntlich drei lSüttich, Charleroi, Soignics) den Socialiste» n»d drei, die andeni(Alost, Gent, VervicrS) den Klerikalen zugefallen. Knüpften sich an den Ausgang dieser Ergänznngswnhlc» kaum besondere Erivartnngen— so»m so mehr an die allgemeine» Rahlen. Den» hier waren acht neue Mandate z» vergebe», die jede Partei zu erobern gedachte. Die klerikale Partei Halle a» einen solchen Stimmen- und MandatcnznwachS. ivie sie ihn erhielt, nicht gedacht.— In Antwerpen beispielsweise genügte» selbst die effektiven Kandidaten dieser Partei nicht für die ihn zugefallenen Sitze, so daß einem Ersatzmann ein Mandat zuerkannt Iverden mußte. Für niisre Partei brachte die Wahl leider kein Äquivalent für die viel« Arbeit der letzten zwei Woche». Und erst die liberale» Parteien! Sie hatten alle möglichen und unmöglichen Richtungen ans eine Liste gebracht und doch ihre Niederlage! Sie haben er- halten, ivas sie verdient I 11» f r e Partei s e l b st hat in den fünfzehn zur allge- meine» Wahl stehenden Kreise» 3029 Stimmen verloren.(Iii Brüssel allein fast 2000). In den Kreisen für die Ergänzmigswahle». also nnsren Hochburgen sind 12 555 Stimmen gewonnen. Somit bliebe als Rest eine Znnahine von 952V Stimmen. Dies bedeutet aller» dings! wenn man die starke Agitation, die Bcvvllcrnngsznnahmc nsw. in Betracht zieht, ein sehr magerer Fortschritt. Der Schwindel, der bei der Zuerteilnng der Stimmen usw. von der machthabcnden Be- Hörde geübt wird, kann für den nngüiiflige» Ausfall der Wahl kaum als entschuldigender Umstand ins Feld geführt werden. Denn dieser hat früher ebenso, wenn nicht noch in höherem Maße bestanden als jetzt. Wie erklärt sich dieser nngüiiftige Ausgang? Das Zurückschieben der priiicipiellen Fragen im Wahlrechts- kämpfe, das fast ansschlicßliche Betonen der Tagesfragc» usw. hindert »»möglich die Ausbildung der Prineipiensestigkeit der Masse. Daher die Unzuverläisigkeit zahlreicher Wähler, die immer wir dem zu- jauchzen, der ihr momentan Respekt einflößen kann. DaS Prestige der Parti ouvrier hat durch die letzte Eampagne gelitten niid die Unsicheren wenden sich jetzt dorthin, wo sie ein Prestige zu sehen wähne»— zur klerikalen Partei. Diese Zustände in erster Linie sind die Ursachen des nngiinstigen Ausganges der Wahlen. Immerhin ist zu hoffen, daß aus diesen Niederlage» die entsprechenden Lehren gezogen werden. Die Hoffmmg ans eine baldige Einführung dcS allgemeinen Wahlrechtes sind durch diesen Ausgang der Wahl, wenn auch nicht ganz vernichtet, so doch gewaltig deprimiert worden. Daß die klerikale Partei jetzt, wo fie in der wunmer fast 100 Mann starl ist, nicht daran denkt, auch nur um ei» Jota den Fordernngen der Linken entgegenzukommen, liegt ans der Hand. Das kann aber für unS natürlich mir ein weiterer Grund sein, mit frischem Mute an die Arbeit zu gehen. Die nächsten Wochen finden wieder Provinzialwahlen statt, bei denen unsre Partei wieder Gelegenheit hat. zu beweisen, daß Nieder- lagen fie mir noch zu kräftigerer Arbeit anspornen können. Am Vvrabend beS Friedensschlusses? Dem„B. Tgbl.' wird ans London gemeldet: Der Kabeldienst mit Südafrika ist durch eine» Kabelbnich verzögert. Trotzdem ver- kantet aus offiziellen Kreisen sicher, daß am M o n t a g um >/»2 Uhr im Unterhaus Baisour den Abschluß des P r ä l.i ni i» a r f r i e d e n s ankündigen wird. Andere Meldungen besagen: Enlgegen den von Brüssel und dem )ang ans neiierdings verbreiteten pessimistischen Meldnngenkwird in .icsigen diplomatischen und Finanz kreisen positiv ver- schert, daß der Abschluß de? Friedens bis auf einige wenige Formalitäten schon als vollzogen zu bezeichnen ist. Die.D a l i y N e w S' erklärten, das Resultat des Boereiilriege» ei heute noch d r e i j ä h r i g e n n n g e h e u r e n A n st r e n g n n g en dasselbe wie früher. Die h o l l ä n d i s Ä e R a s s e sei heule gegen die englische enger verbündet als zuvor»nd ~ n g l a n d sei gezwungen, seine Stellung in Kapstadt durch R e p r e ssi v m a ß r e g e l ii ausrecht zu erhalten. Der Krieg dnise nicht eher enden, bis der h o l l ä n d i s ch e n R a s s e die pol i- tischen Rechte abgeno mm c n werden könnten. Die.Preß Association* veröffentlicht folgende Meldung: Wenn in Bezug auf die FriedcuSverhaiidliiiigen alles gut geht, so'wird daS Kabinelt nicht mehr nötig haben, sich zn versammeln, bevor Lord Balfonr dem Parlaniciite die erwarteten Erklärnngen zu machen hat. Das ist aber nicht sicher und die Minister, welche in der Regel am Sonnabend und Sonntag fern von London weilen, haben ihren Aiifcnihaltsort angeben müssen, um nötigenfalls sofort zurückberufen Iverden zu lömien.— Sämtliche Telegramme aus Kapstadt stellen fest, daß die Frage betreffend Abschaffung der Autonomie in der Kap- k o l o n i e bedeutende Fortschritte mache. Eine Gruppe der sogenamiten rohalislischcn Partei entfallet seit einiger Zeit in dieser Angelegenheit eine energische Agitation. Liberale Bläiter veröffentlichen ein Telegramm einer halb- amtlichen Ageiilur über die militärischen Operationen in der Kap- kolonie. Es heißt darin, daß sich augenblicklich 4000 Bocren in der Kapkolonie befinden, gut bewaffnet und äußerst bÄvcglich, so daß 17 englische Kolomieii nicht im stände sind, die Ruhe besser als vor zwei Jahren herzustellen. Die Engländer be- sitzen mir den Teil der Kaplolonie, welcher an die Eisenbahn grenzt. Englische Kolonnen können zwar ein Boereiikommando ans einer Gegend vertreiben, aber sobald die Engländer sich zerstreuen, sint auch die Bocren wieder da. Die Engländer sind gänzlich ohnmächtig. das Land völlig zu besetzen. Die liberalen Blätter heben als wichtig den Umstand hervor, daß dieses Telegramm aus halbamtlicher Quelle stammt.— �# Deutsches Meich. lieber de» Kontraktbruch der ländlichen Zlrbetter wolle» die Junker im Abgeordnetenhaus interpellieren. Bekanntlich haben bereits einzelne Bundesstaaten Gesetze Über die Bestrafung des Kontraktbrnchs beschlossen. Auch für Preußen verlangen die Agrarier ein derartiges Gesetz, das auch wahrscheinlich ist. Den Jmikern aber dauert die Zeit zn lang, und so wollen sie durch ihre Interpellation der Regierung Dampf mache». Das schon rechtlose Landproletariat würde durch solches Ausnahme- gesetz äbennals ein Stück tiefer in die Leibeigenschaft zurückgetrieben — eine politische Mißhandlung, die nur die eine Wirkung haben kann, den Osten noch mehr zu entvölkern.— Die Borsäiirc. In den Schriften des Rcichs-GesiindheitSamtes sind jetzt die Untersuchungen über die Gesuiidheilsschädlichkcit der Borsäure veröffentlicht worden. Ans den Auszüge» der.Norddeutschen Allgemeinen Zeitung* geht hervor, daß die Versuche an Menschen, auf denen das Verbot beruht, sich darauf beschränken, daß fünf— ganze fünf— Personen 12— ganze zwölf— Tage lang mit Borpräparaten gefüttert worden. Die Folgen waren erschrecklich: Verminderung der Aus- iiiitzmig des Eiweißes und der Felle der Nahrung im Darm, ge- steigerte Wafferabgabe und Gclvichlsabnahme,„die bisweilen sogar bedrohlich wurde*. Diesen zwölflägige» Versuchen an fünf Personen stehen die Millionen geimider Menschen gegenüber, die jahrelang ohne die mindeste Schädigung mit Bor konserviertes Fleisch gegessen haben. Wir möchten den Herren vom Neichs-Gcslindheitsamt einen andern Gcgciivcisiich empfehlen. Sie sollen einmal ein Jahr lang die durch Fleischabsperrnug und Zölle im Proletariat ver- minderte niid verschlechterte Ernähruiig am eignen Leib probieren. Der Befund ivürde dann erheblich bedrohlicher lauten als die Wirkimg der Borsiitterniig. Wenn das Eiweiß und die Fette der Nahrung durch de» Borznsatz beim amerikanischen Fleisch an- gcblich etwas gemindert wird, dann schreit das NeichS-GcsmidhcitS- nmt entsetzt auf und die Gesetzgebung legt sich inS Zeug. Wenn aber dem Körper Eiweiß und Fette überhaupt in ungenügender Quantität zugeführt werden— daim kümmert sich kein Mensch darum.— Zur AnSsuhrnng der Flcischschan- Gesetze. Die neueste Nummer dc§„CentralblatiS für das Deutsche Reich* enthält in einer Beilage die AnSfÜhruiigSbeftiimniingen, welche der BnudrSrat dem S ch l a ch I v i e b- und F l e i i ck b e s ch a u- G e s e tz be- .�.ofleii hat. Die Feststtznng des Z e i t p u n lt e S. mit welchem das Gesetz seinem Geininlninsaiige nach in Kraft tritt, ist d a r i n ii o cki offen gehalten. Wie die.Rordd. Allg. Ztg.* hört, soll hierüber eine beioudcre Bcschlnßfasiniig erfolgen, sobald feststeht, bis wann die Eiiizclstaaten mit ihren Vorbereitungen und Eiurichtungcii für die Durchführung des Gesetzes fertig sein werden. � Die Annahme der Polenvorlage. Die zur Vorberatimg der P o l e n v o r l a g e eingesetzte Koni. Mission des Abgeordnetenhauses setzte in ihrer Sitzimg am Sonn- abend zunächst' die am Freitagabend abgebrochene allgemeine Ei« örtcrung fort. Abg. v. Wenzel(k.) richtet Angriffe gegen den KleruS in Posen, der Deutsch versliinde, die deuische Sprache aber ängstlich vermeide. Die deutschen Katholiken sollicii Schüller an Schulter mit den deulschen Proleftaiiteii gegen das Poleiitnm stehen. Die Genossen- jchasten müßten gepflegt werden, eine Schädigimg der kleinen Gewerbe- treibenden durch sie sei aber nicht zu billigen. Nachdem sich die Abgg. FnchS und Gzuiula(C.) gegen die Vorlage ausgesprochen haben, tritt Abg. Hobrecht(natl.) lebhaft für sie ei». Es sei aber zu vermeiden, daß ivirtschafllich verkrachten Gutsbesitzern die Güter abgekauft werden, um sie zu sanieren. Abg. Ernst ifrs. Vg.) tritt für den Antrag ein 100 Millionen der verlangten 150 Millionen zn bewilligen. Seine Partei- freunde versprächen sich zwar von dieser Vergrößerung des Polen» fouds nichts, sie wollten sie aber bcivilligc», um daS Ansehen der Regiernng nicht zu schädigen. Landwirtschaflsmiiiifter v. PodblelSki greift in die Debatte ein, um zu erkläre», daß von den bisher von der Aiisiedeluiigskonimission angelausten Gütern nur 18 Proz. größere Güter seien. Eine An- rage des Abg. Ernst beantivocket er dahin, daß die KreiSordnung 'ür Posen in Vorbereitung sei und in der n ä chst c n Session d e nr Hanse vorgelegt werden würde. Nach weiterer Diskussion wird Artikel I der Vorlage, wonach der der StaatSregieruiig zur Verfügimg gestelll« Fonds von 200 Millionen Mark ans 350 Millionen Mark erhöht wird, mit 14 gegen 6 Stimmen a n g e n o in m e n. Der Antrag Ehlers ist damit erledigt. Die Beratung wendet sich hierauf dem Artikel II der Vorlage zu. der 100 Millionen zum Ankauf von Domänen und zur Ans« -orftmig fordert. Alig. Reck(kons.) regt an. da auch schon in Masnren das Polen- tum fein Haupt erhebe, den Fonds auch für Masuren nutzbar zu machen und auch dort Domänen anzukauseii. Finanzminister Frhr. v. Rhciuvabcu hält die Anregung des Vorredners für»ützlich. Er werde bemüht sein, auch in Masuren Domänen zu errichten. Er bitte aber, die Angelegenheit nicht mit diesem Fonds zu verquicken. Dieser Fonds dürfe nicht zersplittert Iverden. Abg. v. Arnim(k.) erklärt namens seiner Parteifreunde, daß ie den Standpunkt des Ministers gut heißen. Abg. Seer(natl.) wünscht, daß nicht nur ganz große Güter zu Domänen umgewandelt würden, damit eS mich Leuten mit geringerem vermögen möglich sei, Domänen zu pachten. Nachdem der LandwirtschaftSmi n i st e r möglichste Be- rücksichtignng dieses Wunsches zugesagt hat. wird auch Artikel Ii der Lorlage und zwar mit 13 gegen 7 Stimmen angenommen. DaS ganze Gesetz wird hierauf in der Grsaintabstimmung mit 13 gegen 7 Stimmen angenommen.— Wilhelm II. in Rußland. Nach Lonbet wird min auch der deutsche Kaiser nach Rußland reisen, und zwar Anfang August. Kcine Politik der Nadelstiche? Wie polnische Blätter mit- teilen, wird vom l. Juni ab der polnische Gesang, den die Bergleute vor Beginn jeder Schicht anstimmten, in den Bergwerken Oberschlcsiens aufhören, Bon diesem Termine ab ist der polnische religiöse Gesang nebst den polnischen Gebeten in den Bergwerken verboten. Graf Biilolv liebt die Politik der Nadelstiche nicht. Also hält er dieses Verbot offenbar für eines der große» Mittel, um die— Kaninchen auszurotten!— Die Aufhebnng des Diktaturparagraphen. Die Vorlage über die Aufhebung des Diktaturparagraphen ist,>vie die„Sndd. Neichskorrespondenz" ans Straßburg berichtet, vom Reichskanzler dem Bundesrat nnter»» 27. Mai zur Bcschlutznnhme vorgelegt worden. Eine kurze Begründung ist der Vorlage beigefügt.— Eine Brziignalimc auf de» Gumbinner Mordprozest erfolgte in der Verhandlung gegen den Hauptmann Krug von der 5. Tompagnie des 19. Jnfanterie-Reginrents Nr. 178 im Kmnenz, die erneut von dem Kriegsgericht in Dresden stattfand. Der ivegen Mißhandlung und Beleidigung eines Untergebenen vorbestrafte An- geklagte war am 19. März d. I. vom selben Gericht wegen Uli- gehoisams und unrichtiger Erstattung einer dienstlichen Meldung in nicht öffentlicher Sitzung zu sechs Monate» drei Wochen Gefängnis und Entfernung ans dem Heere verurteilt tvorden. Auf die Benifung des seitdem in Haft befindlichen Angeklagten kassierle das Ober-Kriegsgcricht am 6. Mai er. dieses Urteil, ivcil es den Ausschluß der Oeffentlichkeit als einen außerordentlich schlveren Verstoß gegen die Mili- t ä r g e r i d) t s o r d ii ri>i g erachtete, und wies die Sache zu erneuter Verhandlung an die Vorinstanz zurück. Vor Eintritt in die uciie Verhandlung, zu der über dreißig Zeugen, zunicist Unteroffiziere und Mannschaften der S. Compagme des Kamenzer Regiments geladen sind, erklärt der Angeklagte, daß er den Vorsitzenden und die beiden juristischen Ltichtcr wegen Be- sorgnis der Befangenheit ablehne, weil alle drei bei dein ersten Urteile mitgewirkt hätten. Vor einem neugebildete» Forum von Ersatzrichtern wird dann der Alltrag des Angeklagten von dem Verteidiger begründet. Der Vertreter der Anklage niinint Bezug auf die letzten Verhandlungen iin Guliibinner Mordprozeß und macht für die drei beanstandeten Richter dieselben Giünde geltend, die dort für deren Zulassung sprachen. Der Verteidiger setzt es aber, nachdem die drei beanstandeten Richter selbst ibre Ablehnnug als vom rein menschlichen Standpnnkt ans für begründet erachten, durch, daß die Ablehnnug der drei Richter durch den Erfatz-GerichtShof erfolgt. Die Sache selbst mußte vertagt»verde».—_ Mnckerischeö über Martinique. Man schreibt uns: Das mnckerisch-pharisäische Gezeter, mit dem die Berliner Synode nnlängst die Katastrophe von Martinique znni Strafgericht Gottes gestempelt hatte, reizte uns, einem Vortrag bei- zmvohnen, de» am Freitagabend Herr Hofprediger a. D. S t ö ck e r über»Die Katastrophe von Martinique und die göttliche Welt- ordiiiliig" in der Tonhalle hielt. In der Erwartimg. eine echte nnd rechte Kapuzinadc über die sündige Menschheit zu hören, der gerade zur rechten Zeit durch ein neues Sodom nnd Gomoirha eine heilsame Warmnig zu teil geworden, wurden wir freilich ein wenig enttäuscht. Die Rede des Oberbonzcn des protestantischen Muckertums glich so gar nicht dem Fenerwirbel, der das nnglücklichc St. Pierre verzehrte, sie roch nicht im mindesten nach Schlvcfel nnd Höllenbrodem, sondern säuselte lind nnd ein wenig schläfrig dahin, wie eine Sonntags- Nachmiltagsprcdigt im Hochsommer. Immerhin brauchten wir das Opfer zweier Abendstunden nicht zu bereuen, denn Herrn Slockcrs Rede war geradezu ein Meisterstück theologischer Sophistik. Die Versammlung an sich»vor nicht interessant. Das Auditorium, etwa 400 Personen, darunter die Hälfte Frauen, lvctr überwiegend das bekannte Stammpubliknni der Slöcker-Vorsammlnugen. llllig ivar nur die Eröffnnngsaiisprache eines höchst drolligen Vorsitzenden, die wörtlich lautete:„Sie haben ja wohl alle von dem groß- artigen II n g l ü ck ans Martinique gehört. Herr Hofprcdiger Stöcker hat sich einem Vortrag über diese Sache unterzogen. Ich erteile ihm hierzu das Wort." Herr Stöcker sprach, wie schon bemerkt, sehr lind nnd säuselnd. Er erklärte, solche Katastrophen, lvie die Über Martinique herein- gebrochene, könnten nicht alsStrafgerichtc angeschen werden. lleberhaupt dürfe man über der Plötzlichkeit und Schrccklichkcit saldier Katastrophen nicht vergessen, daß das ganze Leben erfüllt sei von ähnlichen Katastrophen. Täglich ereigneten sich llnglücksfälle aller Art. Oder man brauche mir an Hungers- nöte zu denken, oder an Kriege, die noch zahlreichere Opfer hinwegrafften, als Bulkanausbrüche mid Erdbeben. Bedenke man all das, so müsse man den Gedaukeii an ein Strafgericht Gottes an den j e lv e i l i g B e t r o f f e n e n fallen laffe». In einem andren Sinne müsse man freilich in diesen Katastrophen ein Strafgericht Gottes erblicken: nur nicht an ein Strafgericht über einzelne, sondern über die g a n z e s ü n d i g e M e n s ch h c i t. Solche Katastrophen seien ein warnend erhobener Finger Gottes, der die Menschheil zur Einkehr mahne. Darüber, iveshcilb Gott solcher Strafgerichte bedürfe, könne man ihm nicht rechten. Wenn er selbst seinen eignen Sohn ans Kreuz habe schlagen lassen, so dürfe auch kein Mensch über ein noch so schivcrcs Marlhrinni klagen. Außerdem aber, was als furchtbares Geschick erscheine, verwandle sich oft bei näherem Zusehen in eine Wohlthat. Oder sei es nicht ein besonders glückliches Los, von einstürzeiiden Kirchen- maiiern im Gebet erschlagen zu werden? Ein so seliges Ende sei eine hohe Gnade. Aber Herr Stöcker begnügte sich nicht damit, so im Hand- mudrehen Strafgerichte nnd erschütternde Katastrophen in göttliche Gnadenerweife verwandelt zu haben. Auch ans den K r i e g. den Schandfleck des Menschengeschlechtes, mußte ein versöhnendes Licht fallen. So erzählte er denn eine rührende Geschichte von drei Soldaten, die nach der Schlacht mit dem aufgeschlagenen Gesangbüchlein i» den Händen aufgefunden worden seien. Gebe es einen schöneren Tod?. Man dürfe eine Katastrophe nicht nach den äußeren Schrecken, sondern nach den tieferen Absichten Gottes beurteilen. Auch wenn mau diese nicht begreifen könne, dürfe man an dem liebevollen Walten Gottes nicht zweifeln. Welche wunderbare Absichten Gott zuweilen auf den seltsamsten Wegen verfolge, erläuterte Herr Stöcker dann an einem Beispiel aus seiner ehemaligen Hofprcdigerpraxis. Nach der Genesung von den Verkctznngen durch das Attentat Nobilings habe Wilhelm I. in einer den Ho�predigcrn gewährten Audienz erklärt, daß die Wunde, die seinem Herzen durch die verruchte That eines U n t e r t h a n c n geschlagen lvorden sei, nicht verheilen »verde, lind doch: 3 Jahre später habe er jene Erlasse gegeben, die den Grundstein der so heilsamen socialen Gesetzgebung gelegt hätten. Nach dieser wundersamen Auffassung waren also die gepriesenen kaiserlichen Erlasse von 1381 und 1883 die Folge von Nobilings Attentat gewesen k Bei diesen nnd aiidren brenzlichen Fällen genierte sich freilich Herr Slöcker, Gott selbst für diese schließlich doch so heil- samen Katastrophen verantwortlich zu machen. Es sei falsch, an- znnehnicn, Gott sei für jehes Ereignis direkt so verantlvortlich, lvie der Schütze für die Kugel, die er seiner Waffe entsende. Gott lasse solche K a t a st r o p h e n, die er ja freilich verhindern könne, wenn er»volle— aber das brauche er ja nicht— n n r z u. Vielfach lasse er den Naturgesetzen, die er geschaffen, ihren Lauf. Doch genug der krausen Rabulistit des Herrn Stöcker, dieses noch immer hochangeschenen Kirchenlichtes. Man könnte die »virrcn Sophistereien dieses»zweiten Luther" ja überhaupt für völlig »invcrt der Erlvähunng hakten,»venn die Kirche nicht immer»och eine Macht bedeutete und»venu solche Hcrzenscrgießuugen einer schönen Thcologcnsccle nicht gar zu deutlich das System verrieten, lvie das Volk durch die Kirche iii�fatalistischer Apathie erhalten tvird. Wozu sich gegen Hungersnöte und Kriege, d, h. das System, das beide verschuldet, auflehnen, wenn die Schrecknisse im Grlinde gar keine Schrecknisse sind, sondern nur göttliche Gnadenerlveise? Wie ja überhaupt schon Luther sagte:»Leiden, leiden, Kreuz, Kreuz, ist des Christen Pflicht, das und kein andres."— Anstand. Der Kornzoll und die TrndeS UinouS. London, 29. Mai.(Eig. Ber.) Um im Namen der englischen Arbeiterklasse gegen den vor- geschlagenen Kornzoll zu protestieren, berief das parlamentarische Komitee des TrndeS UiiionS- Kongresses eine außerordentliche Konferenz, die am 27. Mai im Holborn Restaurant. London, statt- fand. Es»varen 170 Delegierte aus allen Teilen dcS Landes anivesend, die rrnid eine Million Arbeiter vertraten. Mr. S tcadnian, der Präsi- dent des parlamentarischen Komitees, führte den Borsitz nnd eröffnete die Konferenz mit einer längeren Ansprache, der»vir folgendes ent- nehmen:„Wir haben uns hier versammelt, um gegen die Ver- teuernng der Bolksnahrung zu protestieren. Die Konferenz»vill nicht irgend»velchcn Parteiintercssen Vorschub leisten. Ihr Zlveck ist vielmehr, jene Principien zu schützen, die von Cobden und Bright im Interesse der Gesamtheit geivonnen»vorden sind. Der Staat»nuß sicherlich zur Führung der Regicrnngsgeschäfte Fonds haben. Aber der Komzoll ist eine Kriegsstener nnd der Krieg»vird nur zum Nutze» der Kapitalistenllaffe geführt. Möge diese auch die Kosten tragen. Der Vorschlag der Regierung ist ein Versuch, das dünne Ende des Schutzzollkeils in unsre Mitte zu treiben und den Kainpf ums Dasein noch schlverer zu machen."— Mr. C o>v e y, Vertreter der Bergarbeiter-Föderation, stellte folgende Resolution: „Die Konferenz erhebt den nachdrücklichsten Einspruch gegen die Bestenernng der Volksernahrung,»vie sie im Budget vor- geschlagen»vorden ist." Zur Vegründnng sagte er u. a.:„Ich bin in einer Chartisten- familie anferzogen»vorden»md gedenke noch der Zeiten des teuer» Brotes. Die Regierung ist jetzt im Begriff, das Rad der Zeit zurück zu drehen. Wehren»vir uns dagegen." Nachdem noch eine Anzahl von Delegierten für die Resolution gesprochen hatten. »vurde sie einstimmig angenommen. Auf Antrag deS Vertreters der Postbeamten wurde beschlossen, eine Deputation zu ivählen, die de», Schatzkanzler Sir Michael Hicks Brach die Resolution überbringen soll. Zur näheren Bestimiiiiuig des Antrags sagte Mr. Stcadnian:„Sollte der Schatzkanzler den Empfang der Deputatitvn ablehnen, so»verde» Hunderttausende von organi- sierten Arbeitern gleich Soldatenbataillonen vor das House of lornrnons sUnterhauS) marschieren, um dort gegen die neue Steuer zn protestieren. Ter Schntzkauzlcr enipsiug gestern die Deputation anfs freund- lichste und setzte ihr höflichst auseinnudcr, daß nicht die ge- ri ng st e Aussicht vorhanden sei, den K o r n z o l l zu widerrufen.—__ Zur französischen Ministerkrise. Paris, 30. Mai.(Eig. Ber.) Die Ungewißheit der Lage,»vie sie insbesondere durch die verfrühte Deinissioii des Ministcriums ge- schaffen wurde,»vird noch durch einen nuberccheubaren Faktor ge- steigert— durch den persönlichen Willen des Präsidenten L o u b e t, dem ja Ivenigstens formal die Hauptrolle im Krisenschauspiel zufällt. „Loubct hilf!" riefen die geschlagenen Mcliuisten schon während seiner Alliancercise, ihn an seine„gemäßigte" Parteigäugcrschaft von ehedem erinnernd. Jetzt hat Lonbet in Dünkirchen eine Galarede gehalten, die selbst seine natiottalistischen Feinde»nit freudigen Hoff- Illingen erfüllt. Die Reise nach dem Kinitelircich hat ihn idyllisch ge- stinimt. Von der schönen Petersburger Ferne gesehen, erscheinen ihm die fralizösischen Parteikämpfe„hohl" und„uusruchtbar": ein Land lebe vor allem von Industrie, Landwirtschaft»nd Handel, die„Einigtiiig aller guten Bürger" sei also patriotische Pflicht. Die geschlagenen Kämpen der Reaktion, die nionntelaiig in einem fort von der„Weg- fegung" der Rcpnblikaner gesprochen hatten, jubeln nun der Bcschivichtigungsrcde Lonbcts zu. Zivar hat der Präsident auch ein Wörtchen für die„socialen Reformen" und„das zu lindernde Elend" übrig gehabt, aber diese Redensarten stehen ja in allen Partei- Programmen. Die Hauptsache ist, daß Lonbet seine Neigung zu einem„Beschwichtiginigs"-Miliisterinm kundgegeben zu haben scheint. Die Bcschlvichtigung aber nach einer Kainpfperiode, die mit der Niederlage der Reaktion geendet, bedeutet in Frankreich von jeher einen Friedeiisschlnß zu Gunsten der Reakiion, der dann einen neuen reaktionären Ansturm, eine neue Landeskrise vorbereitet. Die l i n k s r e p n b l i k a n i s ch e n Gruppen scheinen jedoch entschlossen zn sein, sich nicht um die Früchte ihres Sieges prellen zn lassen. Die„socialistischcn Radikalen", die„radikale Linke" nnd die„demokratische Union"(diese Gruppe ist eine llebcrgangsstufe zwischen den Radikalen und den BonrgeoiSrepublikanern oder auch der linke Flügel der letzteren; in der alten Kammer nannte sie sich„progreffistische Union", jetzt hat sie ihren Namen geändert, um ihren Gegensatz zn den„progressistischen" Melinisten zu markieren). suchen dem Präsidenten Lonbet den richtigen Weg zn zeigen. Das ist durch Resolutioiicn ihrer konstituierenden Fraktionsversammlmigen geschehen. Die demokratische Union erklärt ihren Ent- schlnß,„die demokratische nnd entschieden antiklerikale Politik des Ministenums Wolbeck- Roussean fortsetzen zn»vollen". Die Fraktionsversammlung der socialistischen Radikalen erachtet in nicht niißznverstehcndcr Sprache,„daß die republikanische Mehrheit der Kammer nur eine Regierung acceptieren kann, die ans dem republikanischen Bloc(Kartell) genommen würde, der in den letzten Wahlen triumphiert hat"(d.h. unter Ausschluß der Melinisten); ferner ist sie entschlossen,„eine entschieden äutiklcrikale Aktion zn be- thätigen, das Vereinsgesetz(gegen die Mönchsorden) mit der größten Festigkeit anznivenden und die deniokratische» uiid socialen Reformen zu verwirklichen". Zugleich hat die linksradikale Fraktion beschlossen, Gesetzcntlvürfe über die zlveijährige Dienstzeit nnd die Einkommen- stener zu beantragen. Die radikale Fraktion endlich erklärte sich mit den zivei andren Fraktionen solidarisch und„appelliert an die Re- publiknner. die«ntschloffen sind, ohne Kompromiß mit der Rechten nnd den Cäsarianern eine demokratisch-reformerische und entschieden antiklerikale Politik zu befolgen". Ferner»verden sich die drei genannten Fraktionen mit der jaurösistischen Kammerfraktion verständigen über einen gemeinsamen Kandidaten für dieK a m in e rp r ä s i d e n t s ch n f t. Ein solcher ist bereits von den Radikalen aufgestellt»vorden Leon Bourgeois, dessen Kandidatur der Zustiminuiig sämtlicher Linksrepnblikaner sicher ist. Wird Bourgeois am heutigen Sonntag, 1. Juni, getvählt, dann»vird Lonbet den Fingerzeig wohl verstehen und seine idyllischen Pläne ans bessere Zeiten verschieben. Bis dahin aber garantieren die Beschlüsse der Fraktionsversaninlllingen höchstens nur das ent- sprechende Votum ihrer Teilnehmer. Die Sorge der Linken bleibt nämlich die geheime Abstimmung bei der Präsidentschaflsivahl, die die furchtlosen Seitensprünge der in der Kammer stets zahlreichen unsicheren Kantonisten begünstigt. Durch die geheime Abstimmnng erklärt sich bekanntlich die skandalöse Wiederlvahl des reaktionär- nationalistischen Kandidaten D e s ch a n e l zum Präsidenten einer Kammer, die gleichzeitig in öffentlichen Abstiinninnjien dem Kabinett Waldeck-Roussean eine„treue Mehrheit" lieferte.— Oestreich-llngnrn. KoerberS AnSgleichSrede. Die gesamte Wiener Presse bespricht die gestrigen Erklärungen KoerberS Über den Stand der Ausgleichs- Verhandlungen mit Ungarn und bezeichnet sie als eine hoch- »vichtige politische Kundgebung, tvelche hoffen lasse, daß die n n g a r i s ch e n S t a a t S m Sit ner sich über die- selbe nicht einfach hinlvegsetzen, sonder» den be« scheidencn, aber gerechten Forderungen Oestreichs zustimmen»verde». Großes Aufsehen erregte die E r k l ä r u n g v. K o e r b e r S in der heutigen Herren ha us-Sitzung, daß das Z u- st a n d e k o m m e n d c s A u S g l e i ch s m i t U n g a r n ä u ß e r st gefährdet sei.— Schweiz. Zürich, 30. Mai.(Eig. Ber.) Am nächsten Montag, den 2. Juni, tritt iii Bern die Bundes v e r s a m m l n n g zur Sommerscssion zusammen. Sie findet ein Verzeichnis von nicht weniger als sechzig Geschäften vor, Ivovon manches von Wichtigkeit ist. Das Haupt- intercffe der»veitesten VolkSkrcise ist aiif die Beratung des Zoll- t a r i f s im Ständcrat gerichtet. Dessen Kommission hat manche Zollansätze reduziert, hauptsächlich solche betreffend gclverbliche Er- Zeugnisse, aber die agrarischen Wucherzölle hat sie unangetastet gelassen, so daß also auch der Ständcrat den Kotau vor den hoch- schntzzölliierischen Herrenbauern zu machen als seine Pflicht erachtet. Trefflich hat jüngst ein bürgerliches Blatt in Verteidigung der Bnucrnlvünsche den Kampfzollschivindel entlarvt, indem eS schrieb: „Was nützt der Landivirtschaft am Ende ein viel höherer General- zoll, ivenir die Unterhändler ihn einfach als Kampfzoll Verlverten." Und da»vollten die Beschivichtigungshofräte die Arbeiter nnd übrigen Konsnntentcn durch den Hiimbug einlullen, daß es sich bei den hohen Zollansätzen im Tnrifentivurf ja nur um Kampfzölle handle. Es werden denn auch bereits in mehreren Kantonen die Vorbereitungen für die Ergreifung des Referendums gegen den Wuchcrzolltarif ge- troffen. Niisilmid. Verstärkte Polizeibrutalität— das ist die Lehre, die der Nachfolger Ssipjagiiis aus den revoliitionären Ausbrüchen der letzten Wochen gezogen hat! Aus Paris tvird der„Voss. Ztg." nämlich gemeldet: Ein Vertreter des„Marlin" hatte eine NntcrredUttg mit Minister Plch»ve, der ihm u. a. sagte:„Die Stärke der U m st u rz p a r t e i liegt einzig in d e r S ch>v ä ch e d e r Polizei.(I) In z»v e i M o» a t e n lv i r d die Polizei st a r k sei n." Für die Zukunft stellte er Steuererleichterungen für die Bauer», namentlich die Abschaffung der Gemeinde- bürgschnft für die Steuern aller einzelnen Gemeindcmitglieder, in Aussicht. Dagegen erklärte er, daß die Prügelstrafe zur Zeit noch nicht entbehrt»verden kann. Wir haben mehrfach hervorgehoben, daß die That Balmaschelvs nicht das Resultat einer Verschlvörnng, sondern ein individueller Entschluß ivar. Dasselbe trifft auf die beiden Personen zu, die Attentate gegen v. Wahl unternahmen. Was vermag Las zahl- reichste Polizei- und Spionencorps gegen solche individuellen Thatcn auszurichten? Es kann nur durch potenziert« Brutalitäten die Zahl der Rächer der Opfer der Freiheit vermehren! Das»vird Herr Plehive, der»vürdige Nachfolger Ssipjagins bald genug erfahren. Asie»...... Peking, 31. Mai. Die fremden Gesandten und Generale haben den von den Generalen für die W i e d e re rn s etz iin g der chinesischen V e r lv a I t u n g in T i e n t s i n aufgestellten Be- dingungen ohne erhebliche Abänderungen zugestimmt; gestrichen»vurde nur die Besliminung, daß die Chinesen in Tak« nicht mehr als ein Kriegsschiff haben sollen. Die Bedingungen werden nunmehr der chinesischen Regierung zugestellt werden und Man crivartet, daß China sie— nach dem Üblichen Widerspruch— annehmen»vird. Der Hanpteinivand der Chinesen richtet sich gegen die Bestimmung, daß die chinesischen Streitkräfte innerhalb eines Umkreises von 30 Kilometer um Tientsin nicht vermehrt»verden dürfen; die Chinesen be- haupten, daß die jetzt auf diesem Gebiet befindlichen. Streitkräfte— nugcfähr 10 000 Mann— nicht genügen, um einen so umfang- reichen, von Ränber» heimgesuchten Landstrich in Ordnung zu halten.—.... Amerika....... Roosevclt über die PhilippiuruMrcnrl. Präsident Roosevelt hat anläßlich des„OrdenstageS''(Decoration Day) auf dem Nationalfriedhof zu Arlington eine'Rede gehalten, in welcher er auch über die von den amerikanischen Truppen auf den Philippinen verübten Grausamkeiten sprach. Er sagte, alle(?) Amerikaner beklagten diese Grausamkeiten. tief, die nnter dem Druck furchtbarer Provokationen durch einen verräterischen Feind begangen»vorden seien»<»■«« Uoks�e-s. Warum denn hier so eilig?! Wenn in Berlin irgendlvo ein neues Strabenpflaster j l d e r» vorgeführt; beim ersten Vortrag Ivnrden dazu die f r i v o l st e n Melodien von einem schr zweiselhaften Orchester vorgetragen. Ein ziveimaliges Klopfen des Redners und auf demselben Tuche«vird die Leidensgeschichte Christi in Bildern dargestellt! Noch ist das Gelächter über die Dar- slcllung der Frauenspersonen nicht verstiunmt, da erblicken«vir auf derselben Stelle Christus am Krenzl Was sich der Geistliche bei. dicscr Art Schanstellung gedacht hat, ist nicht zu verstehen; jedenfalls«vor der Eindruck ans die meisten der Zuhörer, wie nian ans den zahlreichen Benierkungen beini Verlassen des Gebäudes schlieffen konnte, ein gänzlich verfehlter, und die Varietses dürsten dem Hern« Pastor sür diese ihnen keinerlei Kosten aukerlegende Reklame sehr dankbar sein. Tie Sache hat auch ihr koniisches Nach- spiel gesunden. Ter Redner ist vor die Polizei citiert worden, um sich«vcgen„Veranstaltung von Varietö-Vorstcllnngen an einem Bet- tage" zu veranttvorten. Wir glauben nicht, daß die Berliner sündhafter veranlagt sind als die Beivohner von Kristiania, und sind daher überzeugt, daß bei ähnlichen Veranstaltungen auch hier der Bekehrnngseifer Wunder «virken«vird. Nur«Verden die Theaterdirektoren in diesen heißen Sommertagen von der Konkurrenz nicht sehr erbaut sei». Bricfträger-Lciden. Man schreibt unS: In jüngster Zeit sind Artikel in der �Presse veröffentlicht Ivorden, tvelchc die groffe Anzahl der u n b e st e l l b a r e n P o st s e n d u n g e n behandelten. Daraufhin hat die Ober-Postbircktion verfügt, daff die Amtsvorsteher der Bestellpostämtcr das Bestellpersonal auf ihre Dienstpflicht Ivicdcrholt eindringlich hinweisen und darauf ausinerksam machen, daff jeder Unterbeamte seiner Dienstvorschrift mit der peinlichsten Geivissenhaftigkeit nachkommt, Uebertrctnngen würden streng geahndet «verde» müssen. Nun, Verfügungen von militärischer Schneidigkcit zu schreiben, ist nicht schwer. Schiverer aber ist es, sie entsprechend auszuführen. Vergcgenivnrtigt man sich, daff es in Berlin vertvaiste Häuser giebt, wo«vcdcr ein Hausivirt noch ein Verivalter oder ein stiller Portier sein Domizil hat, daff es Mietskasernen giebt, in welchen Hunderte von Faniilicn wohnen, dann kann man sich leicht in die Lage des Briefträgers hineindenken. Ist in solchen Fällen der Briefb'esteller ein Neuling, so steht er ratlos da. Da«vürde es viel besser srnchten,«venu die Ober-Postdirektion darauf Wert legen «vollte, daff die Vorsteher der Postbestelläniter die Briefträger in ihren alten Bestcllrevieren nach Möglichkeit belassen und sie nicht bei jeder Geringfügigkeit einem andren Dienstziveig zuteilten;,..denn je länger ein Briefträger in einem Revier thätig ist, desto genauer lernt er sein Publikum kennen und tveiff auch dann bei ungenauer Adresse die Postsendungen dem richtigen Empfänger zu übermitteln, «vährcnd es sonst selbst der Polizei nicht iminer möglich ist, den Adressaten nachzuweisen. Auf diese Weise kann die Zahl der unbestellbaren Postsendiingen eine groffe Einschränkung erfahren und das Ansehen der Postbchörde gefördert werden. Ebenfalls ist das U r I ä u b s s y st e m der Postboten sehr zu verurteilen. Die Amtsvorstcher der einzelnen Postämter sind nämlich ennächtigt, den Urlaub der Postboten nach ihrem Belieben zu regeln und so geschieht es. daß auf vielen Postämtern die Post- boten ohne Rücksicht auf ihre Dienstzeit alle beurlaubt werde», während wieder auf manchen Postämtern die Postboten 4 Dienst- jähre nachweisen niüssen, um erst dann in den Gemiff des fünf- tägigen Erholungsurlaubs zu gelangen. Während der Urlanbszeit niüssen aber alle Unterbeamten den Dienst sür die Beurlaubten mit verrichten. So kommen denn auf den betreffenden Postämtern ver- schicdene Postboten zu mehr Dieiiststunden, aber zu keinem Urlaub. Daff der so ungleich geregelte Urlaub unter den betroffenen Post- boten Unzufriedenheit hervorrufen niiiff, erklärt sich von selbst.— Vielleicht tragen diese Zeilen dazu bei, daß mit den gegenwärtig herrschenden Miffständen aufgcräunit wird. I» der letzte» Runimcr des„GeuiriudeblatteS" schreibt der Magistrat eine Lehrerstelle sür Bl a u k e n f e l d e ans, welche mit einem Grundgehalt von llOOM. dotiert ist. Damit die Lehrer nicht so oft«vcchseln und sich eine neue, bessere Stelle suchen, beantragt die Gntsverivaltnng als„Patron", das Grundgehalt um 100 M. zu erhöben und eine bessere Altersskala festzusetzen. Die Haiisvälcr von BIai«kcnfelde, welche die Schiilgemeindc bilden, lehnten diese Erhöhung ab, obwohl die Giitsverlvaltung als Patron von von«- herein die Hälfte zu zahlen und für die andre Hälfte ebenfalls einen großen Teil beizutragen hat, da sie für die verheirateten Guts- insasse««, Knechte, Kutscher«c. die Beiträge voll bezahlt. Merkwürdiger- tveise haben diese Leute, oblvvhl sie gar nicht zu zahlen haben, auch gegen die Erhöhung gestimmt. DaS Geräusch der Hochbahn. Das Polizeipräsidinin hat der ,. Vereinigung zum Schutz gegen Schädigung durch das Geräusch des Hochbahnbetriebes" auf ihr Gesuch ablehnend geantlvortet. ES er- llnrt in dieser Angelegenheit nichts thiin zu können und spricht die Erwartung auS, daß sich das Pitbliknni an den Lärm der Hoch- bnbnzüge mit der Zeit gelvöhncn«verde. Eine ähnliche Ailtivort ist auch der Emmansgeineinde zugegangen, die angeblich bei ihren Gottesdiciistcn empfindlich gestört«vird. Der Vorstand der Schutz- Vereinigung hat beschlossen, durch ein Rundschreiben sämtliche An- licger der Hochbahn zu einer großen Versaninilimg eiiiznladcii, um eudgültige Beschlüsse über das Beschreiten des Klngciveges zu fassen. Der Verein Berliner Grinidcige>«tiimer„Südost" hat sämtlichen Hausbesitzern des Südostens eine Petition an die Behörden wegen des Geräusches zur Unterschrift Lbcrsandt. Die langen Straffe» der Reichshanptstadt. Die geplante Heerstraße Berlin— Döberitz wird die größte und bedeutendste Straße «verde»,«velche nicht nur Deutschland, sondern auch ganz Europa anfzuiveisen haben«vird. Mit einer Länge von 22 Kilometern wird sie der läiigste geradlinige Straßcnzug, von dein nur ein kleiner Teil, ca. 4 Kiloiueter, Berliner Gebiet berühre»«vird. Einen Begriff von dem Riesen« Unternehmen geben einige Vergleiibzahlen von Berliner Straffen, deren längste nicht,«vie allgeniein an- genoinmen«vird, die Friedrich-, sondern die Scestraße ist. Dieselbe hat eine Länge von 3680 Metern. Allerdings liege» einige Teile des Straßenzuges auf Reinickendorfer beziv. Plötzcuseer Gebiet. Die ziveitläugste ist die 3>!iillerstraffe mit 3610 und erst in dritter Reihe kommt die Friedrichstraße mit ca. 3300 Metern. Die nächst- längsten Straßenzüge sind Prenzlauer-, Schönhauser Allee und Jnvalidenstraße mit 2360 bis 2880 Metern. Die Christianiastraffe, «velche gegenlvärtig tciliveise reguliert«vird, rneicht»ach ihrer vollständigen Fertigstellung eine Länge von 4280 Metern. Die Belle- alliancc-, Friedrich-, Chaussee- und Müllerstraße bilden zusammen einen fast geradlinigen Straffenzng. der sich mit geringen Biegungen vom äußersten Süden bis zum nördlichsten Weichbilde erstreckt und nicht weniger als 10330 Meter, das heißt circa 1'/» deutsche Meilen lang ist. Zur Bahnsteig-Koutrolle. Man schreibt unS: Wie mitgeteilt, «vnrde am Sountagmittag auf dcni Potsdamer Ringbahnhofe die 63 Jahre alte Telegraphistin Ottilie Seidel von einem noch nach dem schon in Beivegung begriffenen Zuge stürmenden Manne so unglücklich unigerannt, daß sie zwischen ztvei Wagen fiel und tot- gefahren wurde. Sie ist Freitagnachinittag unter zahlreicher Teilnahme ihrer BcrnfSkolleginncn und Kollegen auf dem Marien- kirchhofe in der Prenzlauer Allee beerdigt worden. Dieser traurige Fall zeigt wieder, daß durch solche noch»ach dein abfahrenden Zuge blind losstürmende Menschen leicht Unglücksfälle verursacht«verde» können. Namentlich viele Neinibahn- Besucher zeichnen sich durch große Rücksichtslosigkeit in dieser Hinsicht aus. Früher«vurde diesem sehr zlveckmäßig dadurch vorgebeugt, daß die Controlenre am Eingang zuin Bahnsteig, sobald der Stationsvorsteher das Zeichen „Abfahren" gegeben batte, die Kette vorlegten und niemand mehr durchließen, bis der Zug abgefahren«var. Auf Station Bellevue «vnrde dementsprechend noch in der letzten Zeit verfahren. Aber seitdem die Kontrollen vielfach an dem Fuß der Aufgangstreppe oder weiter zurück verlegt«vordcn find, von Ivo sie die Abgabe des Absahrtsignals nicht mehr Ivahrnehuien könne», ist dieses ziveckmäffige Verfahren«vieder außer Gebrauch gekommen. Wie nötig aber die Wiedereinführung einer entsprechenden ähnlichen Maßregel ist, zeigt der vorerivähnte Unglücksfall. Wäre hier noch so«vie früher ver- fahren, so hätte auch die am Sonntag Totgefahrene nicht ein so schreckliches Ende gefunden. Die in den, Diebstahls- und Hehlerprozeff Böhl»»nd Genossen mehrfach genannte Zeugin Biese, die frühere Braut des«vegen Hehlerei verurteilten Partiewarcnhändlcrs Raphael, hat ein etivas ungeivöhnliches Schicksal durchzumachen gehabt. Sie «var in dem Prozesse als Belnstnugszeugin vorgeladen, wurde dann aber, wie wir mitgeteilt haben, nach ihrer Vernehmung auf Veranlassung des Staatsanivalts verhaftet, durch den ersuchten Richter aber am nächsten Tage wieder freigelassen. Am Tage darauf«vurde sie aber. ans Veranlassung des Staatsanwalts abermals in Haft genommen, weil sie der St'natSainvalt der Begünstigung des Raphael in dem Hauptteil der Anklage für verdächtig hielt. Nun ist aber Raphael gerade in diesem Teil freigesprochen ivorden, da der Gerichts- Hof die von der Anklage behauptete Societät zivischen Raphael u. Rosen- bcrg nicht für eriviesen erachtete. Damit siel auch der Verdacht der Begünstigung und Frl. Biese muffle abermals auf freien Fuß gesetzt werden.— Aehnlich ist es dem Händler R o s e u b e r g ergangen. Er konnte nicht auf die Anklagebank gebracht werden,«veil er nach dem Zeugnis des Gerichtsarztes Dr. Puppe geisteskrank ist. Aus deinselbeii Grunde ist auch von seiner Vernehmung als Zeuge— er ist als solcher geladen gewesen— Abstand genommen Wörde««. Jetzt hat der Staatsanwalt seine Verhaftung verfügt, weil er auf Grund von Beobachtungen dritter Personen der Ansicht ist, daß Rosenberg sich in zurechnungsfähigem Zustande befindet. Die Folge davon war, daß der Gerichtsarzt Dr. Puppe sofort den Antrag ge- stellt hat, Rosenberg zur Beobachtung seines Geisteszustandes auf 6 Wochen einer öffentlichen Anstalt zu überweisen. Rosenberg«vird nun also das IliitersuchnngSgefängnis wieder verlassen und Aufenthalt in der CharitS nehmen. Neucrnngc» mit SonntagSkartc». Die königliche Eisenbahn- Verwaltung hat dem„Werl. Tagebl." zufolge das Verbot, betreffend die Benutzung der fahrplanmäßigen Personenzüge init Sonntags- karten aufgehoben. Es gelten demnach, und zwar schon von morgen ab. alle Sonniagskarten nicht nur den Sonntngs-Sonderzügen, sondern auch zu alle!« andren fahrplanmäßigen Personenzügen— mit Aus- schluß der Schnellzüge. Disselhof geisteskrank? Das Treiben des ehemaligen Pastors Disselhof aus Trebbin ließ Zweifel an der geistigen Gesundheit des Mannes anfkoinmcn. Die Vernehmungen, die der Nutersuchungs- richter Ländrichter Reuter in Trebbin und die Ermittelungen, die die hiesige Kriminalpolizei in den Lokalen, in denen Disselhof hier zu verkehren pflegte, anstellte, haben Dinge zu Tage gefördert, die diese Zweifel noch' bestätigen. Daher ist der Verhaftete gestern vom Untersuchungsgefängnis nach der Charile übergeführt worden, um auf seinen Geisteszustand beobachtet zu werden. Sclbmord im Krankenhanse beging der 31 Jahre alte Schuh- machcr Elias M e s s i n g e r aus der Veteranenstrahe 20. Messinger, der aus Ungarn stainm't, muffte vor vierzehn Tagen eines Herz- leidens wegen ein Krankenhaus aufsuchen. Hier benutzte er am Freitag einen Augenblick, den er allein war, sich de» Hals ab- zuschneiden. Ein Brand rief gestern inorgen einen großen Teil der Feuer- wehr nach der Scharnhorststraffe. Dort liegt an der Ecke der Kieler- straffe ein großer Bau, der zu einem Teil der ersten Abteilung des 3. Garde-Feldartillcrie-Regiments als Kaserne dient und zum andren Bureau- und Wohnräume für die Garnisonverlvaltung II enthält. In diesem letzteren Teile»ahinen die Beivohner gestern früh Brmidgernch«vahr, ohne seinen Ursprung finden zu können. Erst um 3 Uhr sahen Offiziere und Soldaten vom Exerzier- platz ans dicht an einen« Schornstein Rauch aus dem Dache konnnen. Der Brandherd lag im Dachstuhl an einer Stelle, an der sich Bodcnverschläge znr Anfbeivahrnng von Akten und Papieren befanden. Die Feuerwehr rückte auf die Meldung „Mittelfcncr" gleich in großer Stärke aus. Bon allen Stadtteilen rasselten ihre Wagen und Spritzen heran. Der Angriff auf das Feuer, das schon lange gcschlvält hatte, war wegen der starken Ve«.- gnalmung sehr schlvierig. In den Bodenraum selbst tonnten die Wchrlente nur mit dem Giersbergschen Rauchhelm vordringen. Daher wurden drei mechanische Leitern aufgerichtet, von denen aus «na n mit drei Schläuchen von drei Dampfspritzen eine große Menge Wasser in die Glut sandte. Eine furchtbare Hitze erschwerte auch diese Arbeit. Nach cinstündiger Mühe>var die Wehr aber trotzdem des FeuerS Herr gelvorden. Ein Mord»nd Selbstmord versetzte gestern morgen den Norden Berlins in groffe Aufregung. In der Chorincrstr. 28 hat die 38jährige Frau des Tapezierers A u b e r t ihren 8jährigen Sohn in« Schlafe erdrosselt inid sich dann selbst erhängt. Ueber die Familientragödie wird berichtet: Die Fainilie Aubert «vohnt erst seit 1. April d. I. in dem bezeichneten Hause. Aubert «var in letzter Zeit mehrfach arbeitslos und verlangte daher von seiner angenkranken Frau, daß sie mit für den Lebensunterhalt sorge. So gern das auch die Fran Aubert that, tvaren ihr dabei doch ihre kranken Augen sehr hinderlich. Ehezlvistigkeiten Ware«« die Folge davon, und die Frau äußerte wiederholt zu Nachbarn, daß sie lebensmüde sei. Gestern früh war der Tapezierer zur Arbeit weggegangen. Als er abends zurückkehrte, fand er die Wohnung verschlossen. Da ihin auf wiederholtes Klopfen nicht geöffnet wurde, ging er wieder fort in der Annahme, daß seine Fran hier wohnende Verwandte besuche. Da er aber auch während der Nachtstunden keinen Einlaß in die Wohnung fand, machte er heute früh der Polizei Anzeige, die die Thür erbrechen ließ. Im Bette lag. noch unangekleidet, der Knabe, er war bereits tot. Um den Hals trug cr eine Zuckerschnur und ein zusanimcngedrehtcö Taschen- tuch,«voniit er von der Mutter envürgt«var. Diese selbst hatte sich am Thürpfosten erhängt. Allem Anscheine nach ist die That schon Freilngvorinittag verübt worden. Die Leichen wurden nach dem Schanhause gebracht. Der Selbstmord eineS jungen Mädchens in dem Hanse Nollendorfstr. 10 rief gestern abend gegen 7 Uhr. im Berliner Orts- teil von Schöneberg große Aufregung hervor, da sich fälschlich die Kunde von einem Morde verbreitet hatte. In dein genannten Hanse wohnt bei dem Pferdehändler W. ein Referendar,«velcher ein Liebes- Verhältnis mit den« jungen Mädchen unterhielt. Gestern abend klingelte dieses an der Thür, erhielt aber den Bescheid, daß der Referendar nicht zu Hanse sei. Hierauf betrat sie den Korridor«nd zog blitz- schnell einen Revolver, mit dem sie sich eine Kugel in den Mund jagte, so daß der Tod sofort eintrat. Kurz da«', ach kam der Re- ferendnr nach Hause und fand seine Geliebte entseelt vor. Die Leiche «vnrde um 10 Uhr abends mit einem Rünzelschen Krankenwagen ans der Wohnung abgeholt. Straffenbah»- Unfall. Die 20jährige Tochter des Grafen Solms stand gegen 5 Uhr nachmittags vorgestern auf dem Hinter- Perron des ztveiten Anhängeivagens 128, eines Zuges, der von der Hundckehle nach der Linkstraße fuhr,«vährend ihre Angehörigen sich auf den« eisten Anhängewageii Nr. 153 befanden. Als der Zug sich noch in voller Fahrt befand und der Haltestelle Niugbahnhof Halensee -zustrebte, sprang Gräfin Solms, um zu ihre» Augehörigen nnizu- steigen, ab. Als sie das Trittbrett des Auhäugetvngcns Nr. 153 bc- steigen«vollte, kam sie zu Fall und unter den Vorderperron des Anhängeivagens Nr. 128. Da der Zug sich im Gefälle fand, wurde sie etiva 15 Meter«veit mitgeschleift und erlitt eine Verletzung der linken Hüfte. Sie«vurde nach dem Elisabeth- Krankcuhause in der Liitzoivstraße übergeführt. Straffenspcrrnnge». Die Gleimstraffe von der Schönhauser Allee bis zur Straße'24 Abteilung XI«vird«vegen Nenpflasternng vom 2. k. M. ab bis auf«vciteres für Fuhrlvcrke und Reiter gesperrt, desgleichen die Steglitzerstraße von der Genthiuerstraße bis vor Nr. 41. ebenso der Kreuzdqnim der Neustädtischen Kirchstraße. Die Opfer einer Schwiiidelkasse. Der Polizeipräsident niacht bekannt, daß die Liquidatoren der vorläufig geschlossenen„Wohl- fahrt", Krankenkasse für ganz Deutschland zu Berlin sEingeschriehene Hilfskasse Nr. 135) in den nächsten Tagen alle Mitglieder zur Zah- liing der rückständigen Beiträge schriftlich auffordern«verde««. Die Vei-pflichtiiiig der Mitglieder zur Zahlung von Beiträgen besteht nach den Bestimniunge» der ss 4 Abs. 3 und 40 Abs. 1 des Statuts� sowie nach§ 31 Abs. 1 des HiMassen- Gesetzes noch insoweit, wie sie für den Fall deS freiwilliqm Austritts vorgesehen sind. Zur Empfangnahme von Geldern für die„Wohlfahrt* sind nur die Liquidatoren Bethge und Werner, deren Geschäftsloknl sich nach wie vor Berlin dl. b8, Wörtherstr. 38, II befindet, berechtigt. Ein Einbruchsdiebstahl ist in der Nacht zum Sonnabend in der Wohnung des durch die Volksküchenpropaganda bekannt ge wordenen Rentiers Abraham in der Schapcrstr. 84 verübt worden. Herr Abraham ist mit seiner Frau nach Wiesbaden gereist und seine Wohnung steht unbeaufsichtigt. Die Diebe, die wahrscheinlich die HanSgelegenheit gekannt haben, sind sehr gründlich zu Werke gegangen und haben WertgegeiistSnde aller Art mitgehen heißen. Auf dem alten Genisrnberge deS Zoologischen GartenS tumnielt sich jetzt der diesjährige Nachlvuchs der Wildschaf- und Wildziegen-Kolonie. Da es bisher noch nicht möglich war, von vielen seltenen Arten je ein Paar zu erlangen, so wurden Vertreter verschiedener Formen zu einander gesellt und aus diesen Mischehen sind nun die interessantesten Früchte hervorgegangen. Wir sehen dort jetzt einen Mischling des Arkalscha'fes aus den nord persischen Gebirgen mit einem korsikanischen M u f l o n. Noch be merkenswerter sind die Bastarde zivischen einem Schrauben- Ziegenbock und Hausziegcn, von welchen einer drei Viertel Blut der Schraubenziegc hat und von einem früher gezüchtete» Mischling gefallen ist. Er beweist, daß die Schranbenzicge sich mit den auS der Bczoarziege hervorgegangenen HanSziegen fruchtbar fortpflanzt. Nach der Meinung der älteren Zoologen mußte also der mit einem schraubenförmig nach oben gewundenen Gehörn und einer schönen Nackenmähne gezierte Markhor, der Steinbock des Jndusgebietes. zu derselben Art gehören, wie der glatte, mit scharfkantige»» Ziegengehörn versehene Bczourbock des kleinen Kaukasus. Die Besucher des Gartens sollten nicht versäumen, den alten Genisenberg zu be- sichtigen. ES gewährt einen vollen Genutz, die unglaublichen Spring- künfte der jungen Lämmer z» beobachte», an ihren neckischen Spiele» sich zu erfreuen und zu sehen, Ivie wohl sich diese Tiere im Berliner Garten fühlen. Arbriter-BildnugSschule. Sonntag, den 8. Juni, mittags l/2l Uhr, Besichtigung der Ratio nal-Galerie. Treff- Punkt unter den Kolonnaden an der Friedrichbrücke t/zi ühr. Die Bibliothek wird am 20. Juni zwecks Neuauflage des Katalogs -geschlossen. Die Mitglieder werden gebeten, die entliehenen Bücher bis dahin zurückzugeben. - Im Sportpark Friedenau trifft am heutigen Sonntag nochmals die > erste internationale Klaffe der Flieger aufeinander, bevor dieselbe in den . Weltmeisterschaften zu Rom, die am 8. Juni beginnen, vereinigt wird, vm allen besseren Fahrern, welche das mit einem erslcn Preise von 1000 3)!. dotierte Hanptsahren bestreiten, Gelegenheit zu geben, ihre Chancen nach Möglichkeit auszunutzen, sind von der Remileitiing b Vor- und 2 HoffnungS- läuft vorgesehen, aus denen an den folgenden 3 Zwischenläufen 12 Fahrer trilnchuien werden. Da nur immer der erste der Zwischenläuse m den Endlauf gelangt, so wird es in den drei Läufen zu austerordentlich scharfen Gefechten kommen, und zivischen Ellcgaard, Jacquelin, Arend, van den Born, Schilling und Huber müsttcn die drei Endkämpfer zu suchen sein. Der Ausgang deS Hauptfahrens interessiert die ganze deutsche Sportwelt um so mehr, da bekanntlich auher dem jungen Rheinländer Rütt vom deutschen Verbände auch Willy Arend zur Bestreitung der Weltmeisterschaften nach Rom entsendet werden soll. Auch die übrigen Rennen des Tages, die um 4 Uhr beginnen, bringen graste Felder an den Start, da sowohl das Prämienfahren als auch daS Hinderuisfahre» mehr als 24 Fahrer sehen werden. 3 Vorläufe zum Vorgabefahren und 2 Vorläufe zum Tandem- tanptfahren sind erst nötig, um zuletzt die besten zu behalten, die sich den leg streitig machen sollen. An gutem Sport wird daher kein Mangel sein. Fcuerbericht. Sonnabend früh 1 Uhr war in der Prenzlauer straße 38 auf noch nicht ermittelte Weise in einer Tischlerei ein Feuer ausstekoinmc», das in kurzer Zeit Nutzhölzer, fertige Fabrikate zc. ergriffen hatte. Die Wehr mußte längere Zeit ans einer Schlauche leitnng Wasser geben, um die Flammen zu ersticken. Freitagabend gegen 7 Uhr mutzte in der Fuedrichstr. 134 in einem Keller ein Brand abgelöscht werden, der die Schaldecke erfaßt hatte. Gardinen. Kleidungsstücke zc. gingen in der Schwedterstr. 32 in Flammen auf, während in der GcrichtSstr. 17 ein kleines Feuer in einer Waschküche zu beseitigen war. Nachmittags 3 Uhr wurde der 17. Zug nach der Alten Jakobstr. 24 gerufen, Ivo im vierten Stock durch Ueberkochen von Kolophonium ein kleiner Brand entstanden war. dessen Ablöschung indes bald erfolgte. In der Rosenthalerstr. 31 hatten Körbe unter einer Treppe Feuer gefangen. In der Tresckowstr. 4S mutzte ein Knchenbrand abgelöscht werden, der durch Ueberkochen von Fett eni standen war. Vormittags hatte der 9. Zug in der Schönebergerstr. 3 einen Kellerbrand zu beseitigen. Butzrrdem liefen noch Feuer- Meldungen von der Sellerstr. 3. Kottbnser Ufer 63. Münzstr. 24 Alexanderstr. 37a, Teltolverstr. 16 und der Watzmannstr. 34 ein. In allen Fällen konnte die Gefahr in kurzer Zeit beseitigt werden. AuS deu Nachbarorten. Spandau. Die neue Grundwertsteuer hat, wie uns geschrieben wird, eine ansehnliche Anzahl Reklamationen im Gefolge, aber doch bei weitem nicht so viel, wie nach dem Lärni der Herren Hans- agrarier und Grundstücksspekulanten zu erwarten war. Veranlagt zur sGrundwertsteuer sind 1326 Eigentümer mit zusammen 27S2 Grundstücken. Hiervon sind 430 Reklamationen, d. f. etwa 33 Proz., eingegangen. Diese zu bearbeiten liegt dein neugewählte» Stadtrat Weber ob, welcher am 1. Juni sein Anit antritt, und der in Bezug auf gerade diese Materie bereits Erfahrungen in Köpenick ge- fnninielt hat. wo feit einigen Jahren die Grmidwertsteuer ebenfalls eingeführt ist. Grundstückskauf und Gemeinde-Jnteresscn. Ans Zehlcndorf schreibt man uns: Im Februar dieses Jahres hatte sich die hiesige Gemeindevertretung in nichtöffentlicher Sitzung mit dem Kauf eiucs Grundstücks zu befassen; man wollte verhüten, so hieß es, daß die künftigen Bewohner des Grundstücks durch das Geräusch des Elektricitätsivcrkes gestört würden. In der geheime» Sitzung lehnte die Gemeindevertretung den Kauf ab. In der folgenden Sitzung stand derselbe Ankauf wieder, nun aber öffentlich auf der Tages- ordnung. Dem stellvertretenden Gemeindevorsteher, Schöffen Architekt Wilsli gelang es trotz aller Beredsamkeit nicht, die Gemeinde- Vertretung für sich zu gewinnen. Mit großer Mehrheit ivurde der Antrag abgelehnt, man hätte keine Verwendung für das Grundstück, hieß es, und 60 000 Mark könne jetzt die Gemeinde für derartige Zwecke nicht ansgeben, belaste doch der Van zweier höherer Schulen schon sehr stark den Etat. Nach diesem Vorgang sollte man meinen. die Sache wäre endgültig abgethan, doch der Mensch denkt und der stellvertretende Gemeindevorsteher lenkt. Am letzten Dienstag stand, wie im Februar in geheimer Sitzung, der Ankanf eines Grundstücks in erster Und zweiter Lesung auf Tagesordnung. Wie wir erfahren haben, handelt es sich um dasselbe Grundstück, und jetzt endlich, zun» drittenmal, soll es gelungen sein, diirchziidrücken, tvas vor acht Wochen unmöglich erschien, und das alles zum Wohle der Gemeinde.* Tie Potsdamer Strastenbahn in städtische lverwalttmg. Die Siadtverordncten von Potsdam habe» einstimmig den Beschluß gefaßt, die Anlage und den Betrieb der Straßenbahn in städtische Verwaltung zu nehmen und den Betrieb in einen elektrischen umzuwandeln. Die Kosten in Höhe von vorlänstg einer Million Mark sollen durch eine Anleihe gedeckt werden. Die Potsdamer Straßen- bahngescllschaft hat nur bis zum Jahre ISVS Konzession. Gerichts �Seitung. Löffler und Thoinaschke. Der Giftmord- Prozeß, der ani kommenden Dienstag vor dem Schwurgericht deS Landgerichts I beginnen wird, dürfte allem Anscheine nach interessante Momente aus dem.dunklen Berlin* zu Tage fördern. Ist der Angeklagte doch ein schwerer Verbrecher, dem nach seinem Vorleben wohl die schreck- liche That. nämlich seineu einzigen Freund und Wohlthäter vergiftet zu haben, um sich noch angesichts der nicht erkalteten Leiche in den Besitz von dessen Wertsachen zu setzen, zugetraut werden kann. Im Zuchthause zu Brandenburg, wo sie gewiffer- iMaße» beide„Stammgäste* waren, hatten sie sich können gelernt und Frnmdfchast geschloffen. Die Gleichartigkeit der von ihnen be- gangenen Strafthatcn hatte wohl das wesentlichste Bindeglied zwischen ihnen gebildet, dem Agenten Arthur Thomaschke und dem Gcld� vermittler Eduard Löffler. Der Letztere wurde eher au freien Fuß gesetzt, er nahm sofort in Berlin sein früheres Gewerbe wieder auf. Er diente als Schlepper einigen kleinen Kapitalisten, welche ihr Geld, hinter dem Vermittler versteckt, gegen Wucherzinsen ausleihen und ihre Opfer hauptsächlich unter den Offizieren suchen und finden. Zunächst schlug Löffler sich künunerlich durch, dann hob sich nach und nach das Geschäft derart. daß er sich eine Buchhalterin halten konnte, die zugleich seine Geliebte war. Als später dann Thoinaschke ebenfalls au freien Fuß gesetzt wurde, wurde ihm seitens Löfflers ein freund- licher Empfang zu teil, dieser unterstützte ihn mit Tarlehen und gab ihm Empfehlungen, die ihm bei seinem neugegründeten Geschäft „Wein- und Cigarren-Agentur* von Nutzen waren. Aber Thomaschke begab sich bald wieder auf die Bahn deS Verbrechen?. Er wandte sich seiner früheren Specialität, dem Kantions schlvindel zu, nahm einen Kaffcndiener an. dem er eine Kantion von 1000 Mark abnahm, und verbrauchte dies Geld für sich. Die beiden Freunde verkehrten fast täglich niiteinander. Löffler hatte i», Hause Greifswalderstr. 11 im ersten Stocklverk eine aus drei Räumen bestehende Wohnung in»e. Als seine Buchhalterin am Vonnittage des 1. Oktober v. I. gegen 9i/s Uhr ihren Dienst antreten wollte/ fand sie die Korridorthür unverschlossen. Ihr Prinzipal lag in der Wohnstube als Leiche ans dem Sofa. Ans dem Schreibtische lag auf einem Stückchen Papier ein IveißeS Pulver und daneben eiii Rezept auf Antiphrhin lautend. Ferner standen auf dem Schreibtische zwei Biergläser, das eine leer, das andre noch eine Neige enthaltend. Man nahm an, daß ein Selbstmord vorlag oder daß Löffler versehentlich anstatt Antiphrhin Strychnin bekommen. Als später aber durch die Gerichtscheniiker fest- gestellt wurde, daß Löffler durch Vergiftung mit Slrychnin gestorben war, Ivurde die Uiitersnchung anfgenoninien. Dabei traten viele Umstände zu Tage, welche den Verdacht der Thäterschaft auf den Agentc» Thomaschke richteten. Es ivurde erwiesen, daß er am Abend des 30. September bei Löffler geivcsen war»»d beide zusammen Bier getrunken hatten. Die wertvolle goldene Uhr nebst Kette Löfflers war verschlvnnden, dagegen barg dessen Westentasche eine tombackne Uhr, die früher im Besitze ThomaschkeS ge Wesen war. Als bei Thomaschke Haussuchung vorgenommen wurde, fand man eine Anzahl Wechsel mid Bürgschafts Papiere, die nnr dem Löffler gehört haben konnten. Thomaschke machte über die Art deS Erwerbs dieser Sachen unglaubwürdige und wider- sprechende Angabe», und der Verdacht gegen ihn verdichtete sich nach und nach derart, daß er wegen Mordes verhastet und unter Anklage gestellt wurde. Wegen deS vorher begangenen Kanlioiisschivindels ivurde ei» besonderes Verfahren gegen ihn eröffnet. Er ist dicserhalb bereits zu 'echs Jahre» ZnchthnnS verurteilt ivorden. Zur Verhandlung vor dem Schwnrgencht sind über vierzig Zeuge» und eine Anzahl Sachverständiger geladen worden. Thomaschke bestreitet entschieden, den Gifiniord ausgeführt zu haben, nnd n,an ist äußerst gespannt darauf, ob der Vertreter der Anklagebehörde, Staaisnnwalt Randolph, oder der Verteidiger des Angeklagte», Rcchisainvalt Dr. Werthauer, als Sieger aus der Verhandlung hervorgehen wird. Wegen»nlanterc» Wettbewerbes sollte gestern gegen de» Heilkünstler Otto K a p l i ck vor der IV. Strafkammer des Landgerichts I verhandelt werden. Kaplick erläßt umfangreiche Annonce», in welche» er sich zur Heilmig von Krankheiten deS MagenS, der Galle, der Leber nnd der Nieren ankündigt. Wegen des markt- schreierischen Inhalts dieser Anzeigen halle Prof. Dr. Koßmami naniens der Braiidenburgischcn Aerztekannner den Sirafantrag gestellt. Zwei Tage vor den, Terniin ist, wie der Borsitzende mitteilte, ein Schriflsiiick der Verteidigung eingegangen mit dem Antrage, zur Eni- lastiing des Angeklagten 23 Zeugen, fenier zwei Sachverständige in Louisiana und Texas, sowie b Aerzte a»S Berlin zu laden. Daraus sei dem Angeklaglcn mitgeteilt worden, daß man in Berlin genügend viel Sachverständige habe und keine transatlantischen zn hören brauche, und es auch so vieler Zeugen nicht bedürfe, da als Ivahr unterstellt werden könne, daß dieser oder jener dem Angeklagten seine Heilung zu verdanken vermeine. Dieser Bescheid scheine nun Herrn Kaplick. der die Magenkrankheiten heilen zu können behaupte,„in de» Magen gefahren* zu sein, denn er habe sich durch Krankheit entschuldigt nnd die Einsendung eines ärztlichen Attestes versprochen.— Unter diesen Umständen mußte der Terrni» vertagt werden. Der Gerichtshof beschloß, zum nächsten Termin außer dem Professor Dr. Koßmann noch den Professor Dr. Rosenheim nnd den praktischen Arzt Dr. Geiser als Sachverständige zu laden. Auch soll ein inzwischen in einem gleichliegendcn Fall ergangen� Reichs- gerichls-Erkenntnis eingefordert werden. Tie Geheimnisse des Restaurants„»«isou d'or", Unter den Linden, dem inzwischen das Lebenslicht ausgeblasen worden ist, be- schäftigtcn gestern die 8. Strafkainnicr des Landgerichts I. Vor der- selben stand der Restanratenr Josef W e d l unter der Anklage der K n p p e l e i. Der Angeklagte, ein geborener Oestreicher, hat längere Zeit als Nachfolger deS„Kopier-Lelvy* die bekannte Pilsener Bienvirt- schaft Unter de» Linden 13 geleitet. Seit dem Jahre 1900 betrieb er Unter den Linden 27 ein Weinrestaurant, das seinem ganze» Zuschnitt »ach auf den Besuch der beslsituierten Kreise eingerichtet war. Die „Muisern d'or' wurde denn auch bald der Sammelpunkt der jerurosss äorss und in den lauschigen Eckchen und Plätzchen des mit allen» Komfort ausgestatteten EtabliffementS fanden sich mit Vorliebe die bekannten SecessionSgestalten mit gelangweilte» Ge- sichtern, Lackstiefeln, unglanblichen» Halskragen und Haby- Schnurr- bart ein, die nicht gewillt sind, des Lebens Unberstand mit Wchmut zn genießen, sondern es vorziehen, bei perlende»! Sekt einige der vielen überflüssigen Stunden ihres Lebens mit„holden Frauen* zu verplaudern. Die Polizei fand an diesen Plaudereien aber keinen Geschmack und so erfolgte denn die Anklage gegen Herrn Wedl. Zum gestrigen Terniin waren 33 Zeugen geladen, zumeist„Unverehelichte*, die die Nacht zum Tage zu machen pflegen, daneben aber auch einige Frauen. Als Entlaftmigszengen hatte der Angeklagte auch Herrn Adlon und Herrn Fehr, deni Besitzer des Dresselschen Restaurant«, geladen. Er Ivollte sich von ihnen bestätigen lassen, daß die von ihm berechneten Preise nicht exorbitant hohe gewesen seien. Beide Herren waren auch zur Stelle, auf ihr Gesuch ivurde jedoch auf ihr Zeugnis verzichtet, da sie andre dringende Vcrpflichtimgen zu erfüllen hatten.— Auf Antrag des Staatsanwalts beschloß der Gerichtshof im Interesse der gule» Sitten die Öffentlichkeit anszuschließcn. Der Gerichtshof»ahn» als erwiesen an, daß in dem separierte» Zimmer in umfangreichem Maße Unzucht getrieben ivorden ist und in den Kreisen von Dirnen und Lebemännern bekannt gewesen sei, daß man dort nngeniert verkehren löime. Die Aussage» der An- gestellten, die der Gerichtshof als der Mitthäterschaft verdächtig nicht vereidigte, hielt der Gerichtshof nicht für geeignet, den Angeklagten zu exkulpieren, da die angebliche Instruktion an das Personal wohl nicht ernst gemeint gewesen sei. Mit Rücksicht auf das ziemlich schamlose Treiben, welches in den, Lokal des An- geklagten geherrscht habe, verurteilte ihn der Gerichtshof sechs Monaten Gefängnis.(Der Staatsanwalt hatte drei Monate beantragt.) Gleichzeitig Ivurde die Verhaftung des Angeklagien ivegen Fluchtverdachts beschlossen. Für die Aufhebung der Haft wurde eine Kaution von 80000 Mark verlangt. Prozeß Adamiet? und Gcuoffeu. Der seit mehreren Tage» vor der 2. Strafkammer verhandelte große Bodendiebstahls-Prozetz ist gestern abend zu Ende geführt worden. Die beiden Haupt- angeklagten A d a m i e tz und Tamm wurden zu 4 r e s p. " Jahren Gefängnis verurteilt. Von den Hehlern erhielt einer 3 Jahre Zuchthaus, die übrigen mehrjährige bezw. mehrnionalige Gefängnisstrafen. Eine Angeklagte wurde frei- gesprochen.- Lichteiiberq-FriedrichSberg. Dienstagabend 8 Uhr findet in Höflichs grobem Saale, Frankfurter Chaussee 120, eine öffentlicheV ers a mm l un g aller Gewerkschaften Lichtenbergs statt. Genosse M as s i ni wird über die Gewerkschaftsbewegung sprechen. Auberdem findet die Abrechnung von de» Gewerbegcrichtöwahien statt. Aerband deutscher Barbiere. Friseure ,c. Bezirk 80, Montag, dm 2. Juni, abends 10 Uhr, bei Dalg, Stalitzerpr. S4d: Versammlung. Arbeiter-Damariter-Kolonne. Montag, den 2. Juni, abend» 9 Uhr, in der Filiale Brunnenstr. 41, bei Lietzke: Vortrag über: Verletzungen, Wundbehandlung, Blutstillung. Nachdem praktische Uebungen. Reue Mit- glieder werden noch ausgenommen. Sonntag, den I. Juni: Ausflug nach Friedrichsjelde, Resiauraut Bube, Priuzen-Mee 30. Tresspunkt nachmittags Uhr. Für die Blätter-, Blnmc»-, Piitzfedern-, Palmen- und JRarkart- bouquct-Zlrbeitcr nnd-Arbeiterinnen findet am Dienstag, den 3. Juni, abends 8»/, Uhr, in den Arminhotten, KommaiidaiiUustr. 20, eine öffentliche Versammlung statt. Vortrag des Genossen C o h e n über: Lasset die Kindlein zu mir kommen und wehret ihnen nicht. Eingegangene Druckschriften. Bon der Hütte. Zeitschrift für das Volt und seine Jugend(Dresden' Verlag H. Waflfisch) ist soeben das fünfte Heft erschienen. Ans dem Inhalt des Heftes heben wir hervor: Der Sieg des Schwachen. Erzählung von Melchior Meyr.(Forts.)— Der Boereufiieg. Ein Ueberbliit' von Rudolf Krafft.(Schluß.)- Spruch. Bon Goethe.- Der Heidebrand. Gedicht von Detlev von Liliencron.- Der Bode», auf dem du stehst. Von Cutt Grottewitz.(Schluß.)- Die Jnsektionskrankeiien. Bon Dr. Popitz. (Fortsetzung).— Kophtischcs Lied. Gedicht von Goethe.— Die Auskunft. Aus dem Russischen des Anton Tschechow.— Fahrendes Voll. Von John Schilowski.(Forts.)— Sehnsucht. Gedicht von Julius Grosse.— Der alte und der junge Rat. Zwei Charakterbilder von Justus Möser. - Adler und Taube. Gedicht von Goethe.— Zweibein. Märchen von Karl Ewald.(Forts.)- Politik und Volkswirtschaft.- Notizen.- Kunstbcilage: Im Kehricht der Großstadt. Nach einer Steinzeichnung von G. Lührig._ Vevmischkess Ein Mord in San Francisco. Das Polizeipräsidium teilt mit: Der ehemalige Buchhalter und Kassierer der in San Francisco erscheinende» Zeitung„The San Francisco� Examiner*, Charles H a d I e y, wird von der dortigen Polizeibehörde ivegen dringenden Verdachtes des Mordes, begangen an der fünfzehnjährigen Eleonore Maude Füller auS San Francisco, gesucht. Die Polizeibehörde, die um die Verhaftung des Hadley bittet, teilt über den Mord folgendes mit: das Mädchen verließ am Nachmittag de? 11. Jnnnar auf eine Zeitungsnotiz hin, nach welcher ei» junges, weißes Mädchen zur Wartung eines KindeS ge« sticht wurde, ihre Wohnung, um mit der zukünftigen Herrschast in einem Restanrant zusammenzutreffen. Seit der Zeit war das Mädchen verschwunden, bis am 3. Februar die Leiche in einem un» bewohnten Hause, Sutter-Street Nr. 2211, aufgefunden wurde. Am 16. Januar brachten die Zeitungen Artikel über das geheimnisvolle Ver« schwinde» des Mädchens und ihr Bild. A demselben Tage verschwand Hadley ans der Stadt. Er ist geborener Amerikaner. 40 Jahre alt, ' Fuß 9 Zoll hoch, hat dunkles, graumeliertes Haar, volles breites Gesicht ohne Bart, breites, leicht niederhängendes Kinn, das eine Bein ist gekrümmt nnd er hat verschiedene Narben an der rechten Oberlippe und den» rechten Augenlid. Die hiesige Kriminal- Polizei bittet, alle Nachrichten, die geeignet sein könnten, die Ver- Haftung des Hadley herbeizuführen, ihr zu Nr. 4064 IV 10. 02 zugehe» zu lassen._ Wetter> Prognose für Sonntag, den l. Jnni 191)2. Vielfach heiter und sehr warm bei mäßigen südöstlichen Winden und etwas Neigung zu Gewittern. ütamlilomoIinUjsclit;!' Wahlverein für den 6. Berl. Rdclistags-Walilkrels. Den Parteigenossen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Zimmermann lltto Sohlender durch Absturz vom Vau in der Lindensttaße verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag. den 2. Juni, nachmittags ö Uhr, vom Leichcnschauhauie, Hannovcrschestraße, ans»ach dem Hciiands- Kirchyvs in Plötzenfte statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht Ter Borftand. Centralverbilnd dkr Zjuimerlente Zeutsch!. XitlilBtoII« Borlin. Ten Kameraden zur Nachricht, daß »liier laugjähriges Mitglied, der Zimmerer Otts Schleuder durch Absturz vom Bau in der Linden- straße verstorben ist. Die Beerdigung findet am Montag, den 2. Jnni, nachmiltagS 5 Uhr, vom Leicheuichanhause, Haimoverschestraße, nach dem HeilandS-Kirchhof statt. Um rege Beteiligung ersucht TorHtand. Bezirk ö._ ktutral-Kranken n. Steröe- der Zimmerer E. H. Nr. 2. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Zimmerer Otto Sohlender am 29. Mai durch Absturz vom Bau verstorben ist. Die Beerdigung findet Montag, den Juni, nachmittags 5 Uhr, vom Lcichenschanhaule, Hannvverschefiraße aus»ach dem HeilandStirchhos in Plützensee statt. Um rege Beteiligung bittet Todes-Anxeige. Verein derZiinnierer Berlins nnd Umgrgcnd. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß am 30. Mai unier langjähriges Mit- glied, der Kamerad Hvinricd Matzke verstorben ist. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 1. Juni, nachm. 5V« Uhr, von der Leichenhalle des Schöne- berger Kirchhofs, Maxstraße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 257/13 Der Vorataiid. Neues Klub-Haus Komniaiidautciist raste Nr. 7Ä. Sonntag», Mittwoch», DonnerstogS: AM" Grosaer Bali.-M» NB. Säle an Somiabenden und Somitagen noch frei. lt. Ldart. Nach langem schweren Leiden ent- schlief sanft am 30. Mai 1902 mein lieber Mann, unser guter Vater, Großvater und Bruder, der Metall- drücke» 2963b Hermann 8ebröler im 53. Lebensjahre. Die Beerdigung findet Sonntaguachmittag 31/, Uhr von der Halle des St. Thomas-Ktrch- Hofs aus statt. Um stille Teilnahme bitten Dl« Hintcrbllebenon. TodcM-Anzeiec. Allen Freunden und Bekannten i hiermit die traurige Nachricht, j daß mein lieber Mann G. A. Rothe 1 am 31. Mai, vormittags 8»/, Uhr, plötzlich am Schlaganfall ver- | schieden ist. 2b Die Beerdigung findet am ! Dienstag, den 3. Juni, nach- mittags 4 Uhr, von der Halle | des Emmans-Kirchhofes aus statt. Frau I-aise Kotlie, geb. Gehrmann, Sorauerstr. 5. Ctiitrol-Krtliikti!- u. Sterbe- Anjse ber Tischler Ortsverwaltung Berlin H. Am Mittwoch, den 28. Mai, verschied das Mitglied unsrer Kasse Hennauu ßoldrnann im Alter von 49 Jahren. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute nach- mittag 4 Uhr von der Leichenhalle des Emmaus-Kirchhofs aus statt. 184/11 Um rege Bctettigung ersucht 1)1« Ortaivei'n'altiiiiC. Ccutral-Kmikeil- n. Sterbe- WdtrbeMenWnMbmr Filiale Schöncberg. Vadeg-Aiueeiee. Unser Mitglied Adolf Irrgang ist am 28. Mai verstorben. Die Beerdigung findet am 1. Juni nachmittags 2»/, Uhr auf dem Schöne- berger Kirchhof, Maxstraße, von der Halle aus statt. Um rege Beteiligung bittet 2973b Die Lrtsvcrivaltnng. Deutscher Buchbtnder-Uerbaud. (Zahlstelle Berlin.) Den Mitglicdeni hiermit zur Nach- richt, daß unser langjähriges Mit- glied, der Buchbinder Richard Wetter nach langem Leiden verstorben ist. Ehre seine nt A» deuten! Die Beerdigung findet heute Sonntagnachnnttag 4 Uhr von der Lcichenhafie des SebastianktrchhoseS tn filetnickendorf, Humboldtsttaße, auS statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet 24/3 Die Ortsverwaltung. SgnssollCsiSohmsrijönltorf Haltest.: SchützenhauS-Roseneck. Sonntags: 50�! ll. M, ff. Weiß- u. Bayrischbier. Kaffee- liiche, Kegelbahnen, Svielplatze zc. 4067L* H. JEbcrt. Üflltfdlft Zoliardeiter-Verbaiid. De» Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kvllege, Tischler August Gosche am 29. Mai Verslorben ist. 84/l2 Die Beerdigung findet am Sonntag, den 1. Juni, nachmittags um 2 Uhr, von der Leichenhalle des Central- Friedhofes in Fricdrichsselde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Tie Qrtsverwaltung. veulscder Meialiarbeiler-Yerbanii Verw nUnngsstelle Berlin. Todes-Anzeige. Am 30. Mai starb unser Mitglied, der Metalldrücker Hermann Schröder im Alter von 38 Jahren. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am 1. Juni, nachmittags 3Vz Uhr, auf dem alten Thoiiias Kirchhos, Nixdorf, Hermann- straße, statt. Ilü/IS stiege Beteiligung erwartet Tie LrtsverN-altnng. Deutscher Metallarbeiter- Verband Äerlvaltiiugsstrlle Berlin. Todes- Anzeige. Am Dienstag, den 27. Mai, ver- unglückte durch Ueberfahren von der elektrischen Straßenbahn unser Kollege, der Klempner Franz Mcholler, und verstarb auf dem Transport nach dem Krankenhause. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet statt am Sonntag, den l. Juni, nachmittags Uhr, aus dem Friedhos Pankow, Koaimunikationsweg. Rege Beteiligung erivartet 115/14. Tie OrtSverwaltuug. Danksagung. Allen Freunden und Bekannten, die meinen lieben Mann und unsren Baler zur legten Ruhestätte begleitet haben, insbesondere dem R-E. Ber- gißmeinnicht H., dem L. 25. 25. 25. Hand in Hand, und dem O. d. Raucherbund sage ich hiermit meinen innigsten Dank. 3b Witwe Voss nebst Kindern. Johannisthal. Raus Park-Restaurant. Jeden Sonntag: Cirosiacr Ball unter Leitung des Tanzlehrers Herrn Otto Wildauer.— iiatkes- Kllcli».— Kegelbahn.— Ausspannung.— Saal für Bereine und Versammlunge». 38ZKL- Beriiner||lk-Trio Felix Scheuer (1 Striliinderitr. 1. teppdecken MW kauft uiau am besten und billigsten mir direkt in der Fabrik II. Strohninndul, Berlin S. 7!, Wallslr. 72,„r.lchV., wo auch alte Decken aufgearbeitet werden. 4270L� Fbrcn, Goldwaren H. Gottschalk j Admiralstrasje 37.• Den Lesern des„Bonvärts" als reelle Bezugsquelle seit zehn Jahren bekannt. T>r. med. Schaper honw'qp. Arzt u. Spez.-Arzt f. Haut- u. Harnleiden, Frauenkvankheiten, Koniggrüizerttr. 27. Spr. 9-1. 4-7. Dr. Sehüneniann, Epccialnrzt für Haut-, Harn- und yranenlciden.«e.vdelntr.». _'/sia-'/a8, Dr. Simmel, PriMenstr.-» Spccialarzt für 25/17» Bnnt- und Hnrnleldcn. 10-2, 5-7. SoilNtagö 10-12, 2-4. isclier Watilveretn für den sectisten Berliner Reictistags-Walreis Die Parteigenossen werden hiermit ausmerksam gemacht aus die am TounerStag, 5. Juni, abends 8'/z Uhr, im Kolberger Salon, Kolbergerstr. 83, stattfindende 247/20 Äußernd. General-Versammlung. Der Vorbtnnd. Soiiiitfiö, hfn 1. Ziini, MmttW Nhr, bti Gieinerl, Schulstraße Nr. 29: Große öffeutl. Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag über UnsallverhntuugS Vorschristen und WohlfahrtS-Ein� richtuugen der Finna Schering in der Theorie und Praxis. 2. Diskussion. Der Herr Gcwerbc-Jnspeltor, die Doktoren, Chemiker und Direktoren der Firma sind persönlich zu dieser Versammlung eingeladen. 84/10 Der Elnbernfcr. aeitiiMl Parkettleger. TienStag, den 3. Juni, abends G'/s Uhr, bei Herrn Prill, Charlottenbnrg, Goethestr. 78: Vertrauens mamrer- Versammlung Die Vertrauensleute werden gebetin, Montagabend Werkstestensttznng abzuhalten, laut Beschluß der letzten Bersammlimg. 83/20 Der Dbinann. Berliner Konsum-Verein. Generalversammlttttg der Delegierten am Sonntag, den LS..Inni. vorm. IV Uhr, Im fronoen Saale den GewcrkacIinftHliauiseB, Ensel- Ufer 15. Anträge zu derselben bitte Z 14, Abs. 5 des Statuts zu beachten. I. A. des Genossenschaftsbureaus: 108/S _ Aug. O e h l k i n g, Rnuimelsbiirg, Schillerftr. 13._ Arbeiter- Säugerbund Berlins und Umgegend. Sonntag, den 13. Juli I902| findet in Eberswalde das diesjährige |p>rovSnzial-�änger-|r est statt.— Saiigesbriider! ES liegt im Interesse der Sache au jedem Einzelnen, dieses Fest zu besuchen. Für die Vereine, welche Sonnabend komme», ist für Nachtquartier in ausreichendem Maße Sorge getragen. Des weiteren wollen die Vereine unverzüglich ihre Zusage an de» zweite» Vorsitzende» Zld. Hiibner. Wilhelmstr. 134, gelange» lassen und angebe», wie viel Mitglieder teilnehmen und ob dieselben Sonnabend oder Sonnlag kouunen. Sonstige Anfragen find zu richten an den Borsitzenden deS Verein»„Eintracht", A. Obel in EberSwalde, Stetttnerstr. 11. 18/8-__ Das Komitee. Sonntag, 8. Inm, in Mrnte's Nolksgarten, Bvdere.tr. 35-86(zwischen Hohenzollcru und Seettrrasse): Wolks arrangiert von den Parteigei»ofsen Lichtenbergs. 222/13 Des- Vertrauensmann. Köpenick. MM der Leizer und Muslvtnijten (/»blstollo Köponlck). Sonntag, ilen 15. Juni 100%: Grosses Sommerfest im Lokal des Herrn Streleblian,„Marienlnst" am Müggelturm. Sammelpunkt früh 8 Uhr bei Vlb. Stippebohl, Schönerlmderstr. 6. Abmarsch punkt ö Uhr. BilletS a 30 Pfennige. Kinder nnter 14 Jahren frei. Abends Gelegcuhctt zur Rückfahrt per Dampfer zu»rniäßigten Preisen. Zu zahlreichem Besuch ladet ein s138/I3j Der Vorstand. Kraumaon' kestsäle prllliie Seii?1 Naunyn-Strasse 27. ssats* Empfehle meine Säle, SOO Personen fassend(auch mit Bühne) und prächtigen Garte» zu alle» Jestlichletteu und Versammlungm.— Sonn- abende und Sonntage im Juni. Juli»»0 �.ngu.t noch frei und an Vereine zu SommeniachtS-Bällen zu vergeben. _ Gustav Granmann. „Märkischer HofV�r®t.5S"."l80, Jeden Sonntafc CpACCOi* Rflll bei stark besetztem Orchester; U1 UodCr Dali unter Leitung des Tanzlehrers Herrn Otto Bertholy. Empfehle meine Säle, 150—400 Personen fassend, zu Festlichkeiten und Versammlungen. Einige Sonnabende in den Herbstmonaten noch frei und an Vereine unter conlantesten Bedingungen zu vergeben. 42UL* Dieck's Cigarrrn Filiale I; Wlener.tra..« 14 b, Ede Lausitzerstrasie 5—6. II: lioppru.tra.xr IS, EckeMünchcbergerstraste IS. V, (kau 9 Brandenburg.) Sonntag, den 15. Juni, im„Moabiter Gesellschaftshaus", Alt-Moabit 80/81: Gau-Fest. Hontett.- Gesaugsvortriige.— TurueMe Anfführungen. Sttlftrete» der Volkssänger-Gesettschaft Meigrttfohren und Vnll verschiedener Bundesvereine. Anfang 4 Uhr. Die Kaffeeküche ist von 2 Uhr ab geösfuet. Eintritt 30 Pf. 12/6 Centralverband der Maurer ete. (?ud!»feUen Berlin und Umgegend.) Mittwoch, den 4. huiti, abends 8Vj Uhr. im GewerkschaftöhauS, Euael-Nfer 15: �iross«?IitKlir«Iorrrrsj»mmI««A aller zum Lohngebiet Berlin«nd Umgegend gehörigen VerbandszahlsteNeu. Taqes« Ordnung: 1. Vortrag des ReichstagS-tzlbgeordneten iBo.oaosv über:.Die industrielle Arbeiterklasse im Kampf« mit dem Junkertum". 2. Bekanntgabe deS Resultals der am 27. Mai staitgesundenen Bautenkontrolle und Schlufifolgerungen. 3. Verschiedenes....._„ 138A4 Wüten Besuch erivartet DI« Tcrband.leitnnsr. I St.: Kar) Panser, Orts-Kranhenhaffe Her KergslHer«. Berilsskta. Montag, de» i». Inni IVOS, abends 8 Uhr. im GcwerkschaftS- hanse ISaal 5). Engcl-ttfer 15: Außerordentliche Ge»eral-Versammlung Tagesordnung: 1. Beschlnsifassnng über das dritte revidierte Statut. 2. Verschiedenes. Der Zutritt ist nur Delegierten gegen Vorzeigung der Vertrcterkarte gestattet.I Die Arbeitgeber werden höflichst ersucht, die Bekaimtmachnngen der Krankenkasse an sichtbarer Stelle an- zuschlagen. 273/9 Der Borstanb. Friedrich Nicolai, Vorfitzender, Kurfürstenstr. 6, H. III. Johannes Assmann, Schriftführet, Steglitzerstr. 6/8. Zur Beachtung: DaS Kaffenlokal befindet sich Engel- Ufer 16, Zimmer 13, und ist werk- täglich von 8—1 Uhr geöffnet. Ver- orbilmlgen von Wein, Milch«. bedürfen der Abstempelung. Chaiiottenburg. Oeffentliche am Mittwoch, den 4. Juni cr, abends 8'/, Uhr, im Volkshkins, Rosinenstr, 3. Tages-Ordnung: 1. Rabatt Sparverein oder Konsumverein. Referent: Reichstags-tzlbgcnrd- neter v. Bim- Hamburg. 2. Dis- kusfloil. 3. Verschiedenes. Ganz besonders werden die Frauen auf dtefe wichtige Versammlung auf- mcrkfam gemacht. 289/16' Dr. B. Borchai-dt. Empfehle den Genossen mew Weib- u. Bliijrislsibier-Llikill, VerelnSzimmer mit Pianino. s2S6tjb Hermann Pähl, f™™". Concordla-Barten. Lichtenberg, HS.?,-- Jeden Sonntag: ßst. 3 verdeckte Kegelbahnen. Kasseeküche von 2 Uhr an geöffnet. IT. Paalzow, Gastwirt. Gesellschaftshaus Swinemiinderftr. 42. Dsgl. Theater- u. Speeialtiäten- Borftrllung. Jeden Sonntag: Ball. Säle für Gesellschaften, Vereine coulant z» vergeben. s3l8SL- HVallaci-tlsoate»--St»-a»,»o 15 Jeden Sonntag und Dienstag: «roher Extra-«alt bei doppelt besetztem giofie» Orchester. Anfang 6 Uhr. Entrce 50 Pf. inkl. Tanz. A. Zanioltat. Prima Iahrräher, auch auf Teil- zahlnng ohne Brctserhöhung zu coulanten Bedingungen unter«a- ranti«. Wenig gebrauchte Räder auch auf Theilz. miter Garant. Preise be- deutend ermäftigt. Reparatur- anstalt aller Svstem- schnell»nd billig. Adornelt A l.andau,• Cothriiigerftr. 48 I, am Rofenth. Th. Genlnn-/Iehnng: 12. Jaul Marienbiirger-g � Pferdfi-LoosB ä Ä 11 Loose 10 JL, Porto vnd Liete'tO � SOSO werth volle Gawlnoe; 80000' 7 Equipagen, MRelt- und Wagen. PlSMO. 5 Fahrräder Sillurgewinni. Loose ttbersl!«u haben, auch hol dem General-Dobit; Bsnfcgssohftft Lud. Müller& Co. in Berlin, Breitestr. 5, üambnrjf, gr. Johannisstr. 21. W» Telser.-Adr.; MDsUaiüllsr.■■ Ceckalverbailh kt imitet u. Zweigverein Berlin. Sektion der Putzer. Mittwoch» de» 4. Juni, abcndS 7 Nhr, i» de» Arminhallen, Kommandanteiistrabc 20: lUtglleder-Versaiiiiiiluiigt. TageS-Ordnung: 1. Diskilffion über Zweck und Aufgabe der Organisation. 2. Bericht über die stattgesundene Banteiiaiisnahme. 3. Verbandsangelegeiihcitcn. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen der Mitglieder bittet 133/17_ I. A. der örtlichen Verwaltung: H. N e u m a n n. nPosainentenbranche! Mittwoch, den 4. Juni, abendS S Uhr, Ungllscdsr«ak, Neue Rohstrabe 3z "VvrsauiiiituiRS'WG aller �rlielter nnä �rheilerinnen(lleimarheiterliineii). Tages-Ordnung: 1.„Die Krise in unsrer Branche— die Lohn- und Arbeitsverhältnisse! der Arbeiter und Arbeiterinnen— waS müssen wir thun?" 2. Verschiedenes. Die Zlrbeiterinnr» treffen sich im felben Lokal um 7 Uhr zu einer Vorbesprechung. 153/1 Um das Erscheinen aller ersucht Der Vorstand._ Verein dentscher Mmcher. (Filiale Berlin.) Montag, den Z, Inni 15)02, abends SVa Uhr, bei«oh», Benthstrahe 20/21: s. Tagesordnung: 1. Vorttag über Tarifgememschast. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 189/14_ Die Oi-tsvcrwaltnng. Achtung! Lackierer* AAung! Dienstag, de» 3. Juni, abends 8'/- Uhr. im Gewerkschafshause, Engel> Ufer 15. Saal RH: ISir Versammilung Tages-Ordnung: 1. Vorttag des ReichStags-Abgeordneten Emil Rosenow:»Der deutsche Bauernkrieg--. 2. Dislusston. 3. Verschiedenes. 107/7 Dl« Oi-tsTerwaltanc. NB. Der Arbeitsnachweis befindet sich jetzt im GewerkschaftShauS, 3. Stock, Zimmer 36, und ist wochentags von 8>/,— IQy, Uhr vorm. geöffnet. Dienstag, den 3. Juni, abends 8% Uhr. in den„Arminhallen--, «ominandantenftrafte 20: Lcheiltiilhe VersWiilhiilg der Bliimen-, Bliitter-, Plilmeu- lllid Pilbseder- Arbeiter liild-Arbeiteriuileil. Tages-Ordnung: Vortrag des Vorsitzenden des Metallarbeiter-VerbanbeS Herr» Cohen: „Wodurch können die Gefahren der Saisonarbeit beseitigt werden? 289/14_ Der Einbernfer. Verband ber an Daljbearbettnngg-Maschinen beschäftigten Arbeiter Berlins n. ilmg. Dienstag, den 3. Juni, abends«>/- Uhr. im.«ewerkschaftshause« (grober Saal)� Wngei-Ufer 15: WmWMWW Tages- Ordnung: 1.„Unsre gegenwärtige Lage". 2. Anträge. 3. Erfatzivahlen. 75/14_ Der Vorstand. Achtun q!"HW Achtung! ICistenmecher! Montag, de« 8. Juni, abends 8>/z Uhr. im Geiverkschaftshans« Engel-User 16(«aal 3): Ztuherord. Mitglieder- Versamnilttttg. Tagesordnung wird in der Versammlung bekannt gemacht. Um zahl« reiches Erscheinen ersucht_[103/19]_ Der Vorwtawd. Verband der Tapezierer. (Ftttale Berlin.) Lvlttaon der Kleber* Mittwoch. 4 Juni, abend« 8>/,«Hr. bei Simoni«. Benthstr. 81: W?" Mitglieder-Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Vottrag des Kollegen P. Schmidt über A. Böckltn. 2. Diskussion. g. Bericht der Bezirkssührer. 177/1» Um vollzähliges Erscheinen der Mitglieder ersucht Die Mektlonsleltimc. IM Dienstag, den 3. Juni, abends 8>/, Uhr, im»VewerkschaftShanS-, Engel-User Nr. 16(Saal 6): IfSF" Versammlung TageS- Ordnung: 1. Abrechnung vom 1. Quartal 1902. 2. Vortrag des Herrn Cohn über„Wohnungs-Enquete und ihre Bedeutung für die Krankeulassen und deren Mitglieder-. 8. Diskussion. 4 Kassen Angelegenheiten. 186/2_ Die ABSTINJENTENHE1M Eingetr. Genossenschaft m. beschr. Hafipflicht. Geschäftsstelle: Prenzlauer Allee 27. Montag, de» 5). Inni. abends 8V, Nhr, islWondts Klubhaus, KUnis;s£;ruben Xo. 14 a: MM" General- Versammlung. Tages-Ordnung: J. Geschäfts- und Kassenbericht. 2. Bcrtcbt des Aussichlsrat«. 3. Di«, kusstvn über die Punkte 1 und 2. 4. Antrag des Aufsichtsrats anfDecharge- erieilniig. 5. Ersatzwahl für den Vorstand. 6. Ersatzwahlen für den Aussichtsrat. 7. Wahl von zwei Ersatzmitgliedern für den Aufsichtsrat. 8. Diskussion über die fernere agitatorische Ihätigkeit der Genossenschaft. Ais Legitimation dient die den Mitgliedern.zugegangene g«, druckt» Einladung. Der Verstand. 29656 Felil Sritukel. Oskar«oselowSki. aarcnhaus flontag: Dienstag1 fflttwoclft bringen wir ganz aussergewohnlich preiswerthe Postöll in Wasch-Mer und Seiden-Stoßen zu fabelhaft billigen Preisen zum Verkauf. Nicht an Wiederverkäufer. Soweit der Vorrath reicht. 30 Flaschen ff. Familienbier hell u. dunkel 2 Mark 05 .nur 60 Pf. Pfand. Waschstoffe onter Anderem Batist-Percal Zephir gestreift Werth bis 40 Pf. f&O gute Muster Mtr. Mw Pf. Werth 45 Pf. Mtr. 30 Japonais bedruckt Fonlardine Englisch Zephyr neue Muster, Pf. Werth 60 Pf., Mtr. OK entzückende Foulard- Ä C 80 cm breit, beste Quai JE O 0)3 Pf. Muster Mtr. 43 Pf. Werth 80 PL Mtr.«fr O PI i,cu!€ngl. Xeinenstoße k««!| jjeste organjy Satins Crepe-Chine| Weisse dur chbrochßnc Stoffe _ I und andere Waschstoffe I J|Ä A 15 ÄÄ ä jour mit bunten Streifen, Werth 1,40 Mtr. gg Ptg.| Werth bis 1,30 Mtr. nur dj-g Pfg. g ä j0Ur Punkte' Mtr- 40, 45, 50 PfS- f- ä Sämmtllche Im Ausschnitt übrig ao 1 Keste». 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Sie Prüft sämtliche Hilfsmittel für die Küche und steht ihnen nicht gleichgültig gegenüber. Einen Uersttch sollte deshalb auch jede Hausfrau machen mit der seit Jahren bewährten Maggi- Würze für schwache Suppen, Saucen, Gemüse usw. Ein Fläschchen ist schon für 35 Pfg. in allen besseren Kolonialwaren-Geschäften zu haben. Kr. krsllkillrterstr. 12k.§ WCSSSCilbSFO Ecke Koppenstrasse. Montag« Dienstag Mittwoch � Aussergewöhnliches Angebot i» Waschstoßen Nefle uut» einzelne Fen�keevobrn hedenlenh unlev Vveis. Verantwortlicher Redacteur:«arl««id m»erlitt. Wir dm Joieralenteit vaantwortiich: Th.«loch« in«erlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. in bs.» hiw 2. Keil«« des, Ärmels" Kerliier Wlksdlsll.-»i»>»>>!« Ztll Krallkellkliße» Bttlins llild der Vororte sowie dereit Mitgliedern znr Kenntnis, dnh wir vom Montnlr, den 2. Juni d. J> ab folftende Rezept« Sammelstellen, zunächst für Berlin« Nord und Pankow, ein- qcrichtet haben: 1. Wohlgemuth, Ackerstr. 69. 3, Zfifchcr, Lothringerstr. 26. ». Schult?, Miillerstr.»66». 4. Wenk, Chnnssccstr. 7. 5. Bnchinaun, Biiihlciistr. 17 i» Pankow. 6. Rosemann, Brehmcstr. 6Z in Pankow. Wir ersuchen nun die Mitglieder der Kranlcnkassen, alle nicht eiligen Rezepte i» diesen Sammelstellen abzugeben. D i e Rezepte brauchen hier nicht niehr löte bisher von den einzelnen Personen Verauslagtoderbe« zahlt zu werden, da Herr Bocsenhagcu(Prinzeu-Apothcke), Pruizeii-Nllee Nr. 69, den Krankenkassen laut Vertrag wieder den Kredit und ebenso 20 Prozent Rabatt gewährt. Pie Medikamente werden ihnen dann kostenlos in die Behausung zugestellt. Jedes Mitglied lveisz, daß es bei der Anfertigung von Arzneien hier bedeutende Ersparnisse an den teueren Arzncikosten für die Kassel» und somit auch für sich selbst machen kann,»ine Erspariii«. die ihm an andrer Stelle wieder zu gute konmit. Daher ersnchcn ivir nochmals, von dieser Einrichtung recht regen Gebrauch zu machen. Die Centralkommission der Kraukenkassen Berlins und der Vororte. Sociales. Ter Verband niärkischcr Arbcitönachwrise hat eine Zu- sannnenstellnng über die Eutwickelimg des öffentlichen Arbeitsnachweises i» den märkischen Städten veranstaltet. Dieselbe ist dazu bestimmt, bei der Neubegründung von Arbeitsiia-biveiscu oder beim weiteren Ausbau schon bcstcbcnder Austalteu als«ulcituiig zu die»«» und soll jeder Stadt ermöglichen, an den Erfahrungen andrer zu lernen. Das übcrcinstimincude Eigebnis der Zusainineiistclluug geht dahin, dast die Errichtung eines allgemeine» AibeilSnachiveises überall miblungen ist, Ivo sie einem Beamten übertragen ivurde, dnp sie hingegen Erfolge aufzuweisen hat, Ivo die'Verwaltung»»lcr Beteiligung von Arbeiter- und Untcrnehincr-Vcrirctern stattfand. Dementsprechend habe» auch wiederholt Ministcnalcrlasse von der rein.burcaukratischen" Verivaltuug komnmualer Arbeilsuachiveise ab- geraten und auf die Heranziehung der beiden beteiligten Kreise Gewicht gelegt. Der Verband beabsichtigt, zunächst an dem weiteren Ausbau der Arbeitsnachweise in Mittel- und Kleinstädten zu arbeiten, u»i dann den Ausgleich von Arbeitskräften je nach Bedürfnis zu befördern. Das Buch, daS im Verlag« von Georg Reimer in Berlin erscheinen wird, soll auch Nichtnutgliedcrn zugänglich gemacht werden. Wohiinitgöwesen. Die Errichtung eines städtischen Wohuungs» amtcs für Stuttgart ist jetzt seitens der Stadtdireklion genehmigt worden. Ter niederländische.Bund für Staatöpeilstoniernng'» der den Zweck verfolgt, eine staallirtic Altersversorgung für alle nieder- ländischen Staatsangehörigen ohne Beitragszahlungen herbeizuführen, hielt dieser Tage seinen zweiten JahreSkongrest zu Utrecht ab. Der Bund hat jetzt 3543 Mitglieder und 43 örtliche Abteilungen. Auf den» Kongrest ivurde eine Koinmission eingesetzt, die Material zu der Frage der Staatspeusionierung sammele,' und eine Adresse an die Regierung ausarbeite» soll. Der Sitz des Hauptvorstandes ist in Aruhem. Der Buiid gicbt unter den» Titel„De Nedcrlandsche PciifioiiSpartij* ei» eignes Organ heraus.— Ein BolkSheli». In Wien hat ein Verein foclalgesinntcr Männer und Frauen eine Bildungsanstalt begründet, welche zu den schönsten Hoffnungen berechtigt. Das erste Jahr ihres Bestehens— die Eröffnung fand im April 1901 statt— hat gezeigt, wie dringend eine gründliche Weiterbildung von vielen ersehnt, wie gerne die Gelegen- hcit dazu ergriffe» wird. Demi es ist ein geistiges Heim, welches dem Volke geboten wird; eine Bibliothek und Fortbildungsschule.— nicht im gelvvhulichcu Sinne des Wortes, sondern als Fortsetzung und Ans- bai» der VolkS-Hochscbnlkurse geplant. Daß Frauen und Männern in gleicher Weis« die Teilnahme freisteht, versteht sich bei der Gesinnung der Gründer von selbst; daß die Zahl der lenicndcu Frauen etiva die Hälfte der Hörer beträgt, legt für die erivcrbsthätigen Frauen und Mädchen Wiens ehrendes Zeugnis ab. Im Nordivestcn der Stadt, an einem weiten Platz mit schöne» Anlagen(XV. Bezirk. Urban, Loitzplatz 1) hat der Verein sein Heim auf- geschlagen. Die srenndlichen, praktisch gut verivertcten Räumlichkeiten werden kaum sehr lange dem Bedürfnis genügen, falls der Verein sich in der jetzigen erfreulichen Weise weiter' cntwickelt. Die Bibliothek. besonders reich an lucrtvollcn volkswirtschaftlichen Werken, genügt dem Wunsche nach ernsterForschnng; zahlreicheZeitungen und Zeitschriften in, Lesesaal sorgen kür die leichtere Unterhaltung. Für beides ist stets eine empfängliches Publikum vorhanden, so lange die Räunie geöffnet sind. Zn einem großen Saal und einer Anzahl Zimmer finden von 6—9 Kurse statt, die alle mit Eifer, fast alle zur Ueberfülluug besucht»verde». Au» zahlreichste» sind die Sprachkurse, allein vier englische, in verschiedenen Stufen folgen, drei französische und ei» lateinischer, welcher jedoch im großen Saal abgehalten werden muß. Litteratnr und Geschichtsforschung, Natur- Wissenschaften und Philosophie werden in verschiede»«» Einzel- kursen vorgetragen; Algebra findet seinen Platz und ein chemisches Laboratorinm mit sieben ivohleingerichteten Stellen giebt Gelegenheit, auch auf diesen» schwierigen Felde Anschauungen und Erfahrungen zu gelvinnen. Daß auch die einfache LebcnSpraxis nicht miveriickstchtigt bleibt, beweisen die Kurse für Rechtschrcivcn und Schönschreiben. Die Hörer und Schüler beiderlei Geschlechts sind i» ihrer Mehrzahl Comptoiristcn, Handclsangcstcllte jeder Art. Fabrikarbeiter sind voräufig in bescheidener Anzahl vorhanden. Den llnserricht erteilen Docenlei»»md Fachgelehrte in uneigennütziger Hilfsbcreitschasl, auch Franc» beteiligen sich»nchrfach an der schönen Ausgabe. Der Verein.Volksheim" hat, wie zu erwarten stand. Politik und Religion ans den» Kreise seiner Wirksamkeit völlig ans- geschlossen; er will seinen Mitgliedern lediglich eine gründliche Bildung ermöglichen. Zu den in Aussicht genommenen ivciteren HilfSrnitteki» gehören auch Führungen durch wissenschaftliche Institute und Museen, genieiusame Lektüre, gesellige Zuianimeiikünfte, Heraus- gäbe volkslümlichcr Schriften. Die Milgliedcrzahl beträgt etwa 1400, ein schöner Erfolg für die Arbeit eines Jahres Ans dvv Fvttnvnbrinvgung. Posamctttter-Hcimlnbeitrriuneil! Zum erstenmal ivendei» wir»ms an die Arbeiterslbaft Berlins init dein Eriuchcu, uns in unsrcin Bestrebe», die Arbeiterinucu für die Organisation zu gewinnen, unterstütze» zu»vollen. Ganz be- sonder« gilt es den Heimarbeiterinnen. Jedem ist bekannt,»vie groß die Ausbeutung der weiblichen Arbeitskraft ist, aber»och viel größer ist die Ausbeutung bei den Hcimarbeitcriuiieu. Wie tief der Ver- dienst der letzteren gesunken ist. kann nur derjenige beurteile», »velchcin die Verhältnisse bekannt sind, aber aiieb der Verdienst der übrige» Arbeitern»»«;» wird durch dieses System ebenfalls immer mehr herabgedrückt. Wir haben uns»inn die Aufgabe gestellt, hier Wandel zu schaffen. Da uns jede Fühlnug mit genannten Arbeite- rinnen fehlt, so richten»vir an die Gciiossinne» und Genossen die dringende Bitte, uns hierin dadurch zu unterstützen, daß sie alle ihnc» bekannten Posamenten-Arbcitcrinncn ans die am 4. Juni statt- findende Versammlniig aufmcrksan»»lachen und dieselben veranlaffen, dort hiiizukoimnc». Näheres siehe Inserat. Der Vorstand des dentichen Tcxtilarbeitcr-VerbandeS. Filiale II.' Tie Beteiligung der Franc» a>» den Verclllöverfam»«- lnngc»» begegne» noch fortgesetzt allen möglichen Schwierigkeiten. Dabei treten die ergötzlichsten Widersprüche in den» Verhalten der Polizcibeniuten zu Tage. Es wurde soeben erst berichtet, daß»n Berlin ein Polizeibcaintcr die Anwesenheit der Frauen in einer VercinSversanimlnng erst dann gestattete, als sie möglichst nahe in seinen Gesichtskreis gerückt waren—„der bessere» Ucbcrsicht wegen". Umgekehrt hat in Halle ein Polizeibcaintcr die Amvescnheit der Frauen i» der Versaininlung des dortigen socialdemokratischen Vereins erst dam» gestattet, als sie ans seinem Gesichtskreise eittfernt inid ctlvas scilivärts placiert worden ivaren. ES scheint doch, als ob cS den Polizeibcamten furchtbar schwer»vürde, sich in die Thatsache zu schicken, daß die Frauen in socialdemokratischen Bcreinsvcrsainin- lnngc» jetzt weiiigstciis anwesend sein dürfen. Ucber Francnarbrit n»d deren Entlohnung berichtet der Offciibachcr Gewcrbc-Jnspcktor: Eine Frau. 30 Jahre alt, deren Mann als Steinbrecher seine Beschäftigung findet, versorgt 5 Kinder im Alter von 1—7 Jahren. Sie arbeitet durchschuiltlich 7—8 Stunden am Tag in der Zeit von 6 Uhr morgens bis 11 Uhr abends und verdient n»it ihren beiden ältesten Kindern von 7 und 5 Jahren im Durchschnitt »vöchentlich 6 M. Eine LZjährige Kran, deren Mann Maurer ist, mit 1 Kind von 3 Jahren, nrveitct durchschnittlich 9 bis 10 Stunden täglich in der Zeil von 6 Uhr morgens bis 11 Uhr abends und verdient ivöchcnt- lich 9 bis 10 M. Zwei Mädchen von 21»nd 23 Jahren, welche keine Hausarbeit versehen, arbeiten täglich von 8 Uhr morgens bis 9 Uhr abends. Ihre Mutter und ihre beiden 11- und 13 jährigen Schivcster» unter- stützen sie bei der Arbeit. Der Gesamtverdienst beträgt durchschnittlich 12 M. in der Woche. .Eine kinderlose Frau, 30 Jahre alt, welche sich um das Essen nicht zu kümmern braucht, arbeitet täglich von 8 Uhr morgens bis 10 Uhr abends, wobei sie von ihrem achtjährigen Pflegebruder unter- stützt ivird, sie verdient wöchentlich 7—8 M. Zwei Mädchen, von welchen eins das HauSwcscn besorgt, arbeiten von>/s8 Uhr morgens bis 9 Uhr abends mit Unterstütz, mg ihres erwachsenen kränklichen Bruders, welcher Flitter einsaßt, und verdienen 6 M. ivöchcutlich.. Eine ö8jährige Frau mit ihrer 23jährigen Tochter arbeiten täglich zusammen von morgens 7l/2 Uhr bis abends IlVz Uhr. Die Tochter häkelt, die Mutter stickt ans, faßt Flitter und besorgt das Hans. Die beiden verdiene» höchstens 1,20 M. de» Tag. Welch cii» unglückliches Arbeitstier muß namentlich die zuerst genannte Frau sein, die 5 kleine Kinder versorgen und dann noch täglich während 7—8 Stunden ErwcrbSarbcit verrichten muß. Dabei verkommt die Mutter und die Kinder mit ihrl VevsÄmmlungen. Der Ccntrnlvcrbinid der Maurer hielt am Donnerstag»in GewerlschaftShanse eine gut besuchte Vandeputierteii-Versanmilimg ab, über die uns der Schriftführer folgenden Bericht sendet: An- schließend an die Bekanntgabe der letzten Balikontrolle,— die leider wieder»»»» bewiesen hat, daß von unsren Kollegen nicht in ivünschenS- werter Weise für die Jniiehaltung der VertragSbestiimniingen eingetreten Ivird,— cntivickelte sich eine äußerst lebhafte Diskussion, in der von sämtlichen amvcsenden Kollegen in zutreffender Weise die heutige» Zustände auf den Baute»» gegeißelt wurden. Ebenso wurde mit Recht getadelt, daß auf verschiedenen Bauten jetzt eine Arbeitsweise eingerissen ist, die Ivirklich berechtigte Ziveifel an der Einsicht nnsrer Kollegen aufkommen läßt und die auch iveiter beweist, wie wenig SolidaritätSgcsühl leider in unsrc» Kollegen steckt. Die Beseitigung aller dieser Mißstände kann,— nach dem einstimmigen Urteil der Versammlung— nur dadurch bewirkt tvcrdcn, daß durch unermüdliche kräftige Agitation und anregende nützliche Diskussion in der Baubude daS Interesse der Kollegen an der Organisation wieder gehoben wird. Wenn es jeder Kollege für seine höchste Pflicht erachtet, in dieser Weise für die Organisation zu arbeiten, so ivird und mutz eine Besserimg der Verhältnisse erzielt werden. Alle Resolutionen� und sonstigen Beschlüsse können nichts ändern, sondern hier ninß kräftige praktische Arbeit geleistet werden.— lieber den Streik in Tegel giebt dann Kollege Fritzsch einen kurzen Bericht. Nach diesen, Bericht arbeilen die dortige» Kollegen bei vier Unternehmern zu den neuen Bedingungen. Die Bauten der Unternehmer Valleutink und Engelke sind gesperrt. Hier konnte eine Anerkennnng der Forde- rangen nicht erzielt werden, weil beide Bauten von Accordmanrcrn und ciii- weiterer Bau,— dessen angeublickliche Lage bestimmt znr Bclvillignng gezwungen hätte,— von einen» lokalorganisicrtc» Maurer»nit Hilfe der Lehrlinge Vallentinks fertiggestellt wird.— Die gegen den Kollegen Georg Rudolph erhovenen Anschuldigungen, der Kollege soll Accord gemauert haben— entbehren jeder Grundlage. Durch eine von den Kollegen K. Moder und A. Krug vor- genommene Untersuchung hat sich herausgestellt, daß alle in dieser Beziehung vom Kollegen Herford anfgcstellten Behauptungen aus der Luft gegriffen sind und der Kollege Rudolph sich in keiner Weise mit den Bestrebungen der Organisation in Widerspruch gesetzt hat. Briefkasten der Redaktion. <$. D. Genf. Einen Brief von Ihnen haben wir nicht erhalten. In» übrigen können wir von Ihren» Anerbieten keinen Gebrauch»lachen. P.„'i- Liüjchlikon bei Zürich. B. 113. 1. Zinn Bademeister bildet nian sich wohl am bestell auS, indem inan Stellung in einer Bade-Aiistalt annimmt ilild von der Pike an dient. 2.„Englisch sprechen" lernt umn(wenn man es nicht im Aus- lande erlernen will) am besten in den KonvcrsatiouSctrkeln privater Institute, die aber meist teuer sind;»vcniger gut in den städtischen Fortbildungsschulen, die für daS Halbjahr 4 M. sordeni. G.®. Die Franzer-Kaserne in der Blüchersttaße wiirde 1803 bis 1866 erbaut und 1866 bezogen. Ncuendorff. 1. Worauf sich Ihre Anfrage bezieht, ist nicht ersichtlich. 2. Fundunterschlagung ist wie jede andre llntcrichlagnug viit Strafe bedroht. - R. K. 100. 1. Nein. 2. Ja. 3.&0 Mark. 4. Nein. 6, Nein. Auf Naturalisation hat ein Nicht-Deutscher kein Recht. Sie hängt im wescnt- llchcn vom Belieben der Behörde(in Berlin Polizeipräsident, in der Provinz RegieilingSprSsident) ab. Dem einmal Naturalisierten kann die Natnralisa- tio» nicht wieder genommen werden.— R. H. Wiederholt, zuletzt vor einer Woche. ist an dieser Stelle ausführlich dargelegt, dafe die Heranziehung zu Hebungen über das 32. Lebensjahr hinaus in einer Reih« von Fällen, insbesondre in dem für Sie zutreffenden Fall der Dlspensatioi» von der früheren Einzichiing zulässig ist.— B. Z. 980. Sie sind im Recht. — W. L. 79. Ja.— N. B. Die von Ihnen gebrauchte Anrede ist zutreffend. Daß der Antrag Erfolg haben wird, ist möglich.— 1. 2. 3. 1. und 2. Ja.— W. M. 40. 1. und 2. Nein.— L.<8. 24. 1. und 2. Nein. 3. Ja.— Adolf 27. Die Klage hätte nur Aussicht auf Erfolg, wem» nachgewiesen würde, daß der Betreffende wissentlich eine unwahre Auskunft gegeben hat.— A. Ja.— O. Neu» Aussergewöhnlich billig! Vor der Inventur: Weisse und farbige Baumwollstoffe. Nur erprobt gute Marken. Verkauf: Weisse Reste im I. Stock Farbige Reste im II. Stock Dollilir 30) 40) 50) 70 Flg. F. V. GRÜNFELD Landeshuter Leinen- und Gebild-Weberei W., Leipzigerstrasse 25. Kur den Inhalt der Inserate überuimint die Nedaktion dem Publirnni gegenüber keinerlei AcraiitUiortung. TheAtev. Sonntag, den Juni. Freie Volksbühne. Berliner Theater. It. iilid 12. tcilniig: Gläubiger, Pub, Volks aufkläruug. Aufaug 2% Uhr. Di e t r v p o l- T h e a t c r. Opern Vorstellung.(Blaue Marken.) Don Juan. Anfang Uhr. Opernhaus. Die Hilgenotten. Anfang VU Uhr. Montag: Margarete. TrhanfPielhanS. Das große Licht. Anfang 7Vz Uhr. Montag: Prinz Friedrich von Homburg. Neues Opern- Theater(Kroll). Ein Sommerimchtstraum. Anfang 7-/z Uhr. Jin Liederfpiclhaus: Offcnbach- Chklns. Die Zanbergeige.— Paimpol und Perinette. Apotheker und Friseur. Anfang 8 Uhr. Nachmittags 4 Uhr: Offenbach- Cnklus. Paimpol und Perinette. Apotheker und Friseur. Montag: Die Zaubergeige. Paimpol und Perinette. Apotheker und Friseur. Schiller. Die Mütter. Anfang 8 Uhr. Nachmittags 3 Uhr: Nathan der Weife. Montag: König Harlekin. Tciitschrs. Es lebe das Leben. Anfang?>/, Uhr. Nachmittags ,2V2 Uhr: Die versunkene Glocke. Montag: Die Weber. Verliuer. Alt-Hcidelberg. Anfang 7V2 Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Lefsiug. So leben wir. Aufaug 7'/, Uhr. ®?rste». Hoffmanns Erzählungen. Anfang 7»/, Uhr. Nachmittags zu halben Preisen: Uiidine. Montag: Der Freischütz. Nrnes. Die Grobstadtluft. Ansang 7'/2 Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Sirstdeuz. Einquartierung. Anfang ?-/- llhr. Nachmittags 3 Uhr: Cyprienne. Montag; Einquartierung. ltirntral. Coralie u. Cie., Anfang 7-/- Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Thalia. Gastspiel der Schliersccr. Das Glückerl vom Birkenstein. Anfang 8 Uhr. Piontag: Dieselbe Vorstellung. Vrlle-Zllliance. Die Danm ans Tronville. Hierauf: Er. Ansang 7r/2 Uhr. Motttag: Dieselbe Vorstellung. Luise». Geschlossen. Earl Weist. Die Viper. Anfang 8 Uhr. Nachmittags 3 Uhr: Die Räuber. Montag: Die Viper. Friedrich-WilhelmstädlischeS. Der lustige Ehemann. Anfang 7'/2 Uhr. Nachmittags 3 Uhr: Dorf und Stadt. Montag: Der lustige Ehemann. 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Juni, abends?>/, Uhr: Zum 140. Male: Coralie& Cie. Schwank in 3 Akt. v. Albin Valabrea»- und Maurice Heimeqnin. Morgen u. folgende Tage: Cor»U« & Cie. Casino-Theater Lothringerstr. 37. Nachmittags 4 und abends 8 Uhr: Abschieds- Galll-UorAMitg. IlI«ts»II«I-IIlDStKs Anfang 8 Uhr. Mvr«ltr-vp«r. Iren« Abendroth, kgl. sächs. Hof-Opern-Sängerin. Die lustigen Weiber von Windsor. Montag: Heinrieh Bölel. Der Postillon von Lonjumeau. Dienstag: Rigolctt». W. Moacks Theater. Brnimenstrabe 16. Täglich: Koitzert, Theater-». Specia- litäteü-Barßelliiilg. Nord und Süd. Operette in 1 Alt von Rod. Linderer. Musik von Richard Thiele. Im Saal: TnmEkrünaschvn. Schloss Wedding-Park, MUllerstrasse 178, gegenüber der Dankcskirche. Inhaber: Carl Hellmann. Täglich allster Freitags: Etite-Kouzcrt, Tlieater-, Specialität.-Vorstellang. Sonntags u. Dienstags: Ball. Dienstag und Sonnabend: Original Norddeutsche Sänger. Mittwoch: Kinder-Freudenfest mit Verlosungen. 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Dieser Landarbeiter- bnnd ist in Provinzial- und Kreisverbände eingeteilt, von denen eine Anzahl, ivic oben erwähnt, jetzt ihre Kongresse abhalten. In P a v i a fand dieser Tage der Kongresz für die drei Kreis- organiiationen von Pavia, Loniellina und Vogha statt. Am 13.� Oktober v. I. waren in jener Gegend erst 3» Ortsgruppen mit 2000 Mitgliedern vorhanden; heute zählt die dortige Organisation 60 Gruppe» mit 8000 Mitgliedern. Sehnlich sind die Fortschritte in der Provinz Toscana mid Ferrara, wo ebenfalls die Landarbeiter jetzt ihre Kongresse abhalten. Auf allen diesen Zusammenkünften werden die neuen Kontrakte und Forderungen ausgestellt, welche die Landarbeiter in diesem Jahre durchzudrücken sich anschicken. Die Debatten und Beschlüsse zeichnen sich durch ein so hohes Matz von Zielbewnfftsein und Klarheit ans (so wurde z. B. in Piacenza die Generalstreiks-Jdee fast einstimmig Vcrivorfen), das; man den Eindruck gewinnt, die italienischen Land- arbcitcr wachsen immer mehr zu einer Macht heran, mit der die Grundbesitzer zu rechnen habe». Tie Organisierung der italienischen Landarbeiter, die damit verbundene Besserung ihrer materiellen Lage ist für den Kultur- fortschritt dieses Landes von allerhöchster Bedeutung, umsomchr, als sie den größle» Teil der arbeitenden Klasse» überhaupt repräsentieren. Wie sehr die Lage der Landarbeiter einer Besserung bedarf, geht wiederum aus einer Schilderung der Zustände in A p u l i e n hervor, welche ein Korrespondent des„Avauli* in diesem Blatte ver- vffeutlicht. Bor kurzem ging die Nachricht durch die Presse, dah in jener Provinz, im südöstlichen Italien gelegen, Hungerrevolten ans- gebrochen seien, das; die Gendarmerie habe schieben müssen, wobei es eine Anzahl Tote und Verwundete gegeben habe. Diese Vor- kommnisse waren für das oben genannte Blatt die Veranlassung, die Lage der dortigen Landbeivohucr einmal genauer untersuchen zu lassen. Dabei wurde festgestellt, dah der Lohn für Männer je nach der Jahreszeit 50 b is 70 Elm. pro Tag beträgt; die Frauen erhalten nur 25 bis 40 C t m., in beiden Fällen für eine zivölf- st ü» d i g e Arbeitszeit. Nur während der Zeit des Mähens, das aber nur tvenige Tage in Anspruch nimmt, werden ansnahms- weise 2, in einzelnen Fällen bis 2,50 Frank den Tag verdient; während der Weinlese aber müssen Frauen für 6 bis 7 C t in. pro Tag arbeiten. Unter diesen Uniständen ist es erklärlich, daß für die Familie» jener Bevölkerung Fleisch, Wein, häufig auch Brot u n- bekannte Luxusartikel sind; eine Art gedörrtes Gersten- mehl ist fast die einzige Nahrung, die in verschiedener Zubereitung genossen wird. Zur Abwechslung Iverden eiinnal Bohnen oder wilde Kräuter gegessen. Um deS Elend vollständig zu machen, iverdx» noch eine Reihe lokaler Abgabe» auf Lebensmittel erhoben. Die Unzufriedenheit uiiter der dortigen Landbevölkerung ist denn auch eine sehr große, umsomehr, als zu nianchen Jahreszeiten für ein groß Teil derselben die Vorbedingungen selbst für dieses elende Leben fehlen. Stets sind Arbeitslose vorhanden nud der Arbeitsmangel treibt viele in die Nachbnrprovinzen, wo schon einigermaßen bessere Löhne existieren und Ivo sie als Lohndrücker auftreten. Am 13. Mai d. I. hatten sich in Bari gegen 4000 Land- arbeiter eingefunden, um sich den Grnndbesitzern für die kommende Campagne zu verdingen. Der große Andrang von arbeitslosen Leuten veranlaßte die Grundbesitzer, den so schon geringen Loh» noch weiter hcrabzudrücken; sie boten den Männern einen Tage lohn von 40 Ctm. Die Arbeiter hatten ihrerseits die Absicht gehabt, eine Erhöhung ihrer miserablen Löhne zn erlangen, und sie empfanden das Anerbieten der Grundbesitzer als eine Pro- vokation. Die Masse zog nun vor die Bürgermeisterei nud verlangte Arbeit beziv. die Vcrmittclung des Bürgermeisters; auch niachte sie ihrer Erbitterung Lnft wegen des vielen verfälschten Mehles, das ihr von den Grnndbesitzern und Händlern verabreicht werde, und verlangte Untersuchung desselben. Statt diesen Forderungen ent- gegenzukomme», ließ der Bürgermeister jedem eine Handvoll Bohnen zuteilen, tvas die Bauern als eine Verhöhnung auffaßten; sie schrien:„Wir wollen Arbeit; nieder mit dem Biirgermeisterl* Schließlich wurde bestimmt, daß am nächsten Tage Verhandlungen zwischen Vertretern der Arbeiter und der Grundbesitzer stattfinden sollten. Am nächsten Tage fand sich die Masse wieder ein; die Unternehmer aber ließen stundenlang ans sich warten und als sie endlich erschienen, provozierten sie die Arbeiter durch ihr Verhalten noch mehr. Einige Jungcns begannen mit Steinen»ach der ver- schlossenen Thür der Bürgermeisterei, in der sich die Unternehmer aushiclten. zn werfen, wobei ein Gendarm an, Kopf verletzt würde. Diese gaben nun sofort Feuer und schössen einer Frau durch den Hals, und ein Mann erhielt einen Schuß in die Brust, an dessen folgen derselbe erlegen ist. Mittlertveile hatte ein Trupp uabcn und Frauen' in ihrem Haß gegen den Zoll das Zvllhänschen gestürmt und Feuer angelegt, ohne seitens der Zollivächter auf großen Widerstand zu stoße». Die Schüsse der Gendarmen, das fließende Blut und der Feuerschein vom Zollhnuschen hatte die Menge so er- schreckt, daß sie auseinandcrstob und in kurzer Zeit waren die Straßen entleert, die Revolte war vorüber. Man spricht von Waffen, die sich in den Händen der Bauern befunden hätten, man versucht, den Tumult zu einer regelmäßig vor- bereiteten Revolution aufzubauschen, um so für das vergossene Blut die Bauern verantwortlich zu machen. Alle diese Erzählungen sind nach de» Feststellungen des oben bezeichneten Berichterstatters un- wahr. Die Gendarmen sind nur wenig verletzt, keiner von ihnen erheblich, außer dem Zollhause ist sonst kein Schaden angerichtet; dagegen sind auf seile» der Landarbeiter eine ganze Reihe Schwer- verwundeter. Trotzdem sticht man jetzt mit Eifer, um möglichst viel Schul big e zu finden. Hunderte von Verhaftungen sind vorgenommen und viele der Landarbeiter Iverden wiederum die Sünden der herrschenden Klassen durch monatelange Gefängnis- st r a f e n zu büßen haben. Die wahren Schuldigen sind die Unter- nchmcr, welche die Arbeiter durch ihr Anerbieten in ärgster Weise provozierten, und sodann die elenden Verhältnisse überhaupt, unter denen die Masse zu leben verdammt ist. Die fortschreitende Entwicklung der Landarbeiter-Organisationeu, der Aufstieg der Klasse zu höherem Lebensniveau wird hoffentlich auch die Landbevölkerung der äußerst zurückgebliebenen Provinz mit emporrcißen._ Schriften-Eingang. Ein deutsches Reichs-Nrbeitsamt, Geschichte und Organisation der Arbeiterstatistik im In- und Auslande. Von Dr. Rud. Dreydorf. Leipzig. Jäh u. Schunke. 4M. Die Arbeitslosen-Bersicherung wie allgemeine Vollsversorgnng Von A. Burgdorss in Altona-Ottcnsen. Selbstverlag. 50 Pf. Die Schweiz i» IS Tagen mit Generalabonnement genußreich und billig zu bereisen. Von R. Noö. Mit 4 Karten. Frcibnrg i. Br. und Leipzig, ffr. Paul Lorenz. Preis 1,20 M. Berliner Theater. Alle Tage: Alt-Heidelberg. Nur Dienstag und Donnerstag: Kläffer.— Nesidenz-Theater. Alle Abende: Ein- guartierung. Dieien Sonntagnachmittag: Cyprienne.— Neues Theater.- Alle Abende: Die Grobstadtluft.— Thalla-Theater. Alle Abende: Das Glöckerl vom Birkeiistein.— Central- Theater. 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