Zir. 127. AboMtMtitt«- Kedingunsea: Abonntment»-Prei» xränuinerando: vierteljährl. SLv Mr, monall. l.lvM!., wöch«»Iltch 28 Psg. frei int Haut. Einzelne Nu»im«r 5 Psg. Eonniags- Nunimer mir»UiiUicrier Sannlagi- Aeilage„Die Neue Well" lo Psg. Post- ilbounement: l.lv Marl pro Mona«. ringelragen in der Post- Zeitungt- Preisliste für lSOS unter Qr. 7878. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für da» übrig« Autland 3 Marl pro Monat. IS. Iahrg-. Die Instrtlcms.Gcvliyl beträgt für die fechtgefpaltens Kolonel» zeile oder deren Raun» 40 Pfg., für politische und gewerlschastltchc Vereins- und VersammlungS- Anzeige» 20 Psg. „Kletiir Anzeige»" jedes Wort ü Psg. (nur das erste Wort fett). Inserate für die nächste Nummer müsten bis 4 Uhr nachmittags in derErpedilio» abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtazen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. «rscheint täglich anher ZSonkug». Devlinev Volksblakt. Telegramm- Adresse- «Sorialdenivlirai Lcrlln» COntvalorgcrn der socialdemokratisthen Partei Deutschlands. Kedalitwn: 19, Venkli-Slrasle 2. Kerufprecher: Zimt I, Nr. ISO«. Mittwoch, den 4. Juni 1002. Exprdikwn: SW. 19, Vench-Slrafte 3. fhernsprcchcr: Slnil I. Nr. litül. Wirtschaftliche Wirkungen des Friedensschlnsses. Killturideafe habe» in der kapitalistischen Welt, wenn sie auch zu», dekorativen Anfputz nicht zn entbehren sind, nur geringen KurS- lvert, und so ist es verständlich, wenn ans den schönen Friedens- ergiisseir der leptc» beiden Tage weniger die Brfriedignng über die Beendigung eines Krieges hervorllingt, der auf beiden Seiten zu steigernder Verrohung und zur Verwüstung einst fruchtbarer Land- striche führte, als die Gcnugthuung darüber, daß es jetzt an ein Wiederaufbauen des Zerstörten geht und bei diesem Beginne» gute Vorteile für Handel, Industrie und Geldverkchr zu erwarten sind. Die geschäftige Spekulation ist sogar eifrig daran, so ivcit es ihr möglich ist, schon jetzt alle Alis- sichten, die der Friedensschlnst für eine Besserung der ivirtschafllichcn Lage bietet, vorlvegzunehme» und in KurSerhöhungen umzusetzen. Wie bereits im Februar, als zuerst die Anzeichen für baldigen Friedcnsschluh sprachen, die Börse mit einem fröhliche» KnrSauslrieb auf dem Effektenmarkt antwortete, so haben auch diesmal wieder die Friedcusunchrichtcn, noch ehe sie offizielle Bestätigung fanden, sowohl au de» gröberen kontinentalen Börsenplätzen als an der Londoner Stock Exchange ein Signal für wilde Kurstreibereien gegeben, die sich nicht nur auf Minenaktien, sondern auf die Werte aller niög- lichen Unternehmungen erstreckten, die ein blinder Geschäfts- Optimismus in wirtschaftliche Beziehungen zum südafrikanischen Markt zu bringen vermag. Daß bei dieser ESkomptierung von Aussichte» und Erwartmige« zumeist der Einflub des Friedensschlusses auf die wirtschaftlich« Lage überschätzt wird, kann nicht Wunder nehmen; innner- hin miifj zugestanden werden, daß thalsächlich die Beendigung deS südafrikanischen Krieges die Entlastung des internationalen Geschäftsverkehrs von einem Druck bedeutet, der vieles zur Wer- schärfung der heute herrschenden Krise beigetragen hat. und daß daher, wen» nicht ernste Nückschläge im Gefolge der llcbcrsockulat�u Mincnivcrten, die anregende Wircknng besonder» in neueren der Neugestaltung der Dinge in Südafrika durchkreuze», von dieser Neugestaltung eine günstige Einwirkung auf die gegenwärtige Wirtschaftslage Deutschlands erwartet werden darf. Allerdings von einer raschen Zunahme des deutschen Export Handels nach den neuen Kolonien Englands in deur Maße, daß da durch einigermaßen die Konsmnabnahine des Inlandsmarktes aus- geglichen wird, kann kauni die Rede sein. Sicherlich aber ivird der Wieder« aufban der Farmen, die Erweiterimg der Miuenbetriebe, eine lvesend licht Zunahme der Einfuhr in die Boerenrepubliken bringen. Um welche ansehnliche Zahlen es sich dabei handeln wird, lehrt der Aufi schwimg, den die Einfuhr in Transvaal seit Beginn dieses Jahres, »ach der Zurückdrängung der Boerentruppeu in bestimmte, früher wenig besiedelte Gegenden, genommen hat. So betrug beispielö weise in den zwei ersten Monaten dieses Jahres(für die späteren Monate fehlt noch die Ziisammcustellung) der Gesmnttvert der Ein fuhr nach Transvaal söhne die Einfuhr für die Bedürfnisse des englischen Heeres, der Regierung und der Eisenbahnen) 1 224 000 Pfd. Steil, gegen 244 000 Steil, in den Monaten Januar und Februar deS Vorjahrs und gegen nur 1 143 192 Pfd. Sterling im ganzen ersten Semester des Jahres 1901. Und von dieser Einfuhr von 1 224 000 Pfd. Sterl. kommen 380 000 Pfd. Stcrl. auf landwirt- schastliche Geräte, Eisenwaren. Maschinen, 171000 Pfd. Sterl. auf Kleider. Konfektionswaren«., 151 000 Pfd. Sterl. auf Lebensmittel (ohne Getreide und Molkereiprodukte), 03 000 Pfd. Sterl., auf Getreide und Mehl, 54 000 Pfd. Sterl. auf Drogen und Chemikalien, 42 000 Pfd. Sterl. auf Molkereiprodnkte, 28 000 Pfd. Stcrl. auf Baumwollwaren. In manchen dieser Artikel wird ztveifellos schon in nächster Zeit die Einfuhr beträchtlich zunehmen, specicll was landwirtschaftliche Geräte, eiserne Baumnterialen, Eisentvaren, Maschinen, Kleider und Zeuge, Möbel usw. anbetrifft; während anderseits, sobald erst die Farmen teilweise wieder im Betriebe sind, die hohe Einfuhr land- wirtschaftlicher Produkte schnell zurückgehen dürste. De» weitaus größten Teil dieser Einfuhr aber wird ferner, wie schon bisher, sicherlich England liefern, zumal der Import Transvaals vielfach aus Waren besteht, in denen es am konkurrenzfähigsten auf dem Welt- markte ist, z. 83. in besseren Baumwoll- und Wollivaren, und da es zudem den Vorteil b ll gcrer Frachten besitzt. Als Artikel, in denen die deutsche Industrie unter Berücksichtigung der verschiedenen Fracht- Verhältnisse mit England auf dem südafrikanischen Markt zu konkurrieren vermag, kommen hauptsächlich nur Metallwaren und Maschinen wurde über die Sätze der Vorlage hinaus mit Zoll belastet. Bei den bisher zollfreien Positionen Blcizncker, gereinigter Weinslcin und Brechwcinstcin bedenkt die Vorlage die erste Position mit einer, die beiden andren Positionen mit 8 Mark Zoll. Die Mehrheit der Komniissivu billigt auch diesen. Bei Position 314, Ccilciumcarbid und Carboruud, würde die Debatte auf Mittwoch vertagt.— SchiffalirtStrust- Interpellation. Tic konservative Fraktion des Reichstags hat auf Antrag des Grafen Ka nitz beschlossen, folgende Interpellation einzubringen:„Die llnterzcichnetcu erlauben sich, an den Herrn Reichskanzler folgende Anfrage zn richten: „Welche Bedeutung für den deutschen Scebandel ist nach Auffassung der verbündeten Regierungen dem amerikanisch-cilglischen Schiffahrts- trust und den von deutschen Schiffahrts-Gescllschaften mit demselben getroffenen Vercinbarnngen beizumessen?"— Herr l>. Thielen, der preußische Eiscnbahn-Ministcr, soll wieder einmal gehen. Irgend ein General soll Nachfolger werden! Und der Kanal?— Gegen die Dainpfersubbeiitioiicu hat niemand anders als ivic Herr Ballin von der Hanibiirg-Anierikaiiischen Pakelfahrt-Gescll- schaft eine flammende Rede gehalten. In cineur inalichesterlichen Preislied auf die„Selbsthilfe" äußerte er: „Die Herren haben es bald erkannt, daß man eine Industrie, wie de» Schiffsbau, nicht mit Zuckerbrot und Wärmflaschen künstlich auspäppeln kau», sondern daß er nur im freien Weit- vewerbe der Kräfte emporwachsen konnte, groß und stark und well- erobernd, wie er heute zur Freude der deutschen Nation dasteht. Unter der weisen Fürsorge des kaiserlichen Herrn, der den Stempel seiner geivnltigcn Persönlichkeit imsrein Zeitalter aufdrückt, hat es der dcuischc Schiffsbau zu dieser hohen Bliile gebracht. Möge unser Kaiser seinen Schiitzling auch weiter bewahren vor jenen Doktoren. die ihn ängstlich vor Sturm und Wetter schütze» und au seinem Körper hmmikiwieren wollen! Es ist über- Haupt in solchen Fällen ein eigenartiges Ding mit der staat- lichcn Fürsorge. Wenn mir heute gemeldet würde, daß über Nacht die Schiffahrt-Tnbsidic» geraubt seien, ich würde aufatmend sagen: die hätte» mir schon längst gc- stöhlen werden könne»?" Nun, ivenn die Herren selbst nicht mehr die Danipfeisnbvciilionen wollen, so kann ihnen geholfen werden. Angesichts der verzweifelten Finanzlage sollten Reichstag und Bundesrat so fori diese Liebes- gaben aufheben. Das Reich kann die ersparten Millionen sehr gut gebrauchen.— CcutrumSarbriter gegen den Zolltarif. In Natingen im Kreise Düsseldorf uahni eine Centruiiisversamnilung folgende Resolution an: „Die... gut besuchte VersammliNig der Ceutrumspartei protestiert gegen jede Erhöhung der LebeiiSinittelzölle. indem sie sich dnich jede Erhöhung materiell schwer geschädigt sieht. Auch bedauert sie lebhaft, daß nnscr Vertreter, Herr Kirsch, sein gegebenes Wort: Allzeit für die arbeitende» Stände eiuzntectc», nicht gehalten hat. Die Verfanimlung ersucht die Auwesciiden, sich auf die nächsten Wahlen vorzubereiten, und nur eine Kandidatur einer solchen Person aus dem C e» t r u m glltzliheißcn, von der Ivir überzeugt sind, daß s i e im st a u d e i st, und die sicb auch bindet, eine dem Arbeiter st an de günstige Politik und die demselben so notwendige Socialreforui auch mit aller Eut- schicdeuhcit zu vertreten." Da alle Cciitrunisleute dem Brotwuchcr huldigen, ist die Forderung einer zollfeindlichen Eentrumskaudidatur ein Widerspruch in sich selbst.— Dresden, 3. Juni. lPrivat- Telegramm.) Die GesctzgebuugS- Deputation der Zlvcitcii Kammer beantragt, die Regierung möge dem nächsten Landtage eine Vorlage machen, durch welche die G e- m ei ii de u zur Einführung einer Warenhaus- und Konsum- vereinS-Stener verpflichtet werde».— Leipzig, 3. Juni. Die auf iiiorgeu anberaumte Berbaiidliiiig gegen den' Ueberjetzcr der T o l st o j scheu Schrift„Der Sinn des Lebens", Direktor Loelvenfcld vom Schiller- Theater in Berlin, und den Verlagsbuchhändler Engen Diederichs ans Leipzig, gegen welche wegen Gotteslästerung und Beschimpf u n g k i r ch- l i ch e r E i n r i ch t u n g c n Anklage erhoben wiirdc, ist auf u n- b e st i in m t e Zeit vertagt. Liegt nur ei» zufälliger Anlaß der Vertagung vor? Oder sollte die Leipziger Staatsauwalischnft gar zu der Erkemitnis gelangt sein, daß durch die Erhebung der Anklage die Achtung vor den deutschen Justizziiständei! nicht gesteigert wird? Schwere Mißhandlungen kamen in einer Verhandliiiig vordem Ober- Kriegsgericht in Stettin zur Sprache, die gegen den Haiiptiiiann Lenthaus, bisher beim Feldartillerie- Regiment Nr. 17, wegen unterlassener Weitergabe dienstlicher Meldungen w. geführt wurde. Leuthaus war vom Kriegsgericht in B r o m b e r g zu acht Monaten Gefängnis und dem Verlust des Ofsizicrslitcls verurteilt worden, sein ehemaliger Wacht- meister Glasa zu 13 Tagen Arrest. Der Haupt- inaiiii hatte bei einer Besichtigniig drei ältere Leute als„Ersatziiiaiinschaften" unter falschem' Rainen eingestellt. Bezüglich der von ihm bienstlich nicbt weiter gegebenen Meldungen über Miß- Handlungen handelte es sich um Strafthaten des in seiner Batterie dienenden Sergeanteii Frank. Dieser mißhandelte seine Leute in kaum glaublicher Weise. Kamen sie dann mit eincr Veschwcrdc zum Hauptiiiann, so gab er ihnen zur Antwort, es werde wohl so schlimm nicht gewesen sein, und ließ die Sache auf sich be- ruhen. Unter den viele» Mißhandlimgen. die Frank sich zu Schulden kommen ließ, sei nur eine besonders erwähnt: Ein Mann der Batterie wurde im Keller an einem Strick aufgehängt und hing so lange, bis er das Bewußtsein verlor. Als er Ivieder zu sich kam. wurden zwei Artilleristen kommandiert, d i e i h m den Kopf ins Wasser steckten und ihm Wasser in die Hosen gössen, worauf der Acrmstc auf zwei umgestülpte Wasscrcimer klettern mußte. Frank hat s i rfi seiner Bestrafung d n rcrigen Lohne um tS Proz.. Zuschlag für Ueberstuuden 50 Proz,. Mindestlohn von 21 M. für Geselle» unter 20 Jahre. Die seit herigcn Verhandlungen mit der Innung hatten keinen Erfolg. Am Sonntag beschloß eine Versammlung der Banschlosser, die Jnnungs- meister zu einem Einigungsverfahren vor dem Gelverbegcricht ein- zuladcn und, falls dasselbe abgelehnt wird, in den Streik ein- zutreten. Der Maurerstrcik in Quedlinburg hat nach sechswöchcnt- licher Dauer sein Ende erreich!. Die Arbeitnehmer haben die Ver- mtttluug des Vorsitzenden des Gelverbegerichls, des Bürgermeisters Severin, angerufen i die daraufhin zwischen Meistern mid Gesellen gepflogenen Verhandlungen habe» zu einer Einigung geführt. Der geforderte Stundenlohn von 33—35 Pf. ist von den'Meistern be- willigt worden. De» Ausgesperrten in Kiel konnte zum 1. Juni eine Extra- Unterstützung zur Miete von 25 M. pro Mann gewährt werden. Verschiedene Ausgesperrte Ware» in der Lage, aus'dieie Extraunterstützung verzichten zu können. Ausland. französischcu Tabakarbeltcr wird bc- Zum Streik der richtet: Die in den staatlichen Tabak- und Streichholz-Fabriken der Provinz beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinncn'haben sich fast alle dem von den Pariser Fabrikarbeitern beschlossenen Gencralansstand angeschlossen. Zum Bcrgarbeitcrstrcik in Amerika. Nach einer Depesche der„Franks. Ztg." ans New Uork beträgt die Gesamtzahl der ausständigen Pumpenleute in Harlkohlengrnben annähernd 70 Proz. was mehr ist als erwartet wurde. Manche Gruben sind unter Wasser, andre Iverden durch Ersatzleute freigehalten. Gewerkschaftliche und Landarbciterbetveguug in Italien. In Mailand streiken zur Zeit gegen 8000 Arbeiter; außer den Webern und Färbern streiken auch die Tramwah-Angestellten.— Die Kellner und Köche haben ihren Principalcn folgende Forderungen unterbreitet: Einführung eines Ruhetags pro Woche für alle An- gestellten; Abschaffung jeder Besteuerung des Trinkgeldes seitens der Wirte; Einführung eines Gehaltminimums und Festsetzung einer Maxinialarbeitszeit. Bis zum 6. Juni ist den Unternehmern Zeit zur Antlvort gelassen.— In Alessandria streiken 500 Maurer. Ein Kongreß der Landarbeiter für die Provinz Mailand, der kürzlich in Mailand stattfand, war von 37 Delegierten beschickt. Es wurde beschlossen, von eiiieni Generalstreik abzusehen und nur dort zu streiken, wo die Unternehmer jedes Entgegenkommen ver- lvcigern. Die Landarbeiter von Taranto, Ivelche seit dem 25. Mai im Ausstand sich befinden, haben neue Kontrakte durchgesetzt, in ivelchen ihnen ein Tagelohn von 2,30 Fr. bei einer durchschnittlich 8 stündigen Arbeitszeit zugesichert ist._ Kongresse skandinavischer Gewerkschaften. Der dänische Typographen ver band hielt am 24. und 25. Mai seinen dritten Kongreß zu Kopenhagen ab. Es waren 89 Delegierte anlvesend, darunter 0 Vertreterinnen des„Fachvereins der iveiblichen Buchdruckereiarbeitcr". Die dänischen Buchdrucker haben in den letzten Jahren viel unter der schlechten Konjunktur zu leiden gehabt. Trotzdem sind die Lohnkonflikle des Verbandes günstig verlaufen. An ArbeitSlosen-Unterftützung wurden 1899 bis 1901: 61 285 Kronen ausbezahlt, außerdem aus einem freiwilligen Fonds noch über 12 000 Kronen.— Das Hauptergebnis des Kongresses ist die Znsammenfügung der bisher nur lose mit einander in Verbindung stehenden Fachorganisationen zu einer festen C e n t r a l i s a t i o n. Die Einzelvereine iverden dadurch zu Ab- teilungen des Verbandes. Die„Druckerei-Arbeiter-Fachvcrcinigung" (Hilfsarbeiter) wurde auf ihr Ansuchen als Branchenabteilnng in den Verband aufgenommen. Der dänische Typographenverband ist damit hinsichtlich der Centralisicrung weiter vorgeschritten als irgend eine andre dänische Gewerkschaft. Der Norwegische ArbeitsmannS-Verband, der in den Pfingfttagen in Bergen seine Landesversammlung abhielt, hat während der letzten zwei Jahre große Fortschritte gemacht. Die Zahl der Abteilungen des Verbandes ist von 34 auf 80 an- gelvachscn, die Mitgliederzahl von 2400 auf 4000. Das Verbands- organ„Arbeidsmnnden" erscheint 14tägig in 5000 Exemplaren. Unter den Lohnkänipfcn der letzten Jahre ist besonders der Streik auf dem Kupferwerk in RöroS zu erwähnen, für den 80 000 Kronen aufgeivandt wurden. Es ist hauptsächlich den Bruderorganisationen in Schweden und Dänemark zu danken, daß so hohe Mittel aufgebracht wurden. Der Norwegische Klempner verband hielt seine Landesversammlung am 18. und 19. Mai in Christiania ab. Ein Antrag des Verbandsvorstandes, der Verband solle sich der von der„Laudesorgauisation der Gewerkschaften" eingeführten gemeinsamen Agitation für die Gelvcrkschaflsbeivegung anschließen, ivurde einstimmig angenomnien. Dagegen wurde der Eintritt in die „Landesorganisaliou" gegen eine starke Minorität abgelehnt. Der Norwegische S ch u h a r b e i t e r- V e r b a n d, der seine Landcsversamnilnng in den Pfingsttagen abhielt, hat beschlossen, der„Landesorganisation der Geiverkschafteu" beizutreten. „Schwedens Telegraph- und Reichs-Telephon- arbeiter-Verbaud" hielt seinen zweiten Kongreß am 18. Mai zu Stockholm ab. Der Verband hat 5 Abteilungen. Die Mit- glicdcrzahl ist im letzten Jahr um ca. 200 gestiegen. Ein Antrag auf Anschluß an die socialdemokratische Partei soll durch Mitglieder- abslimniung entschieden werden. Der„Verband des Wagen- und Stallpersonals der Staatseisenbahne n" hielt seine Jahresversammlung zu Stockholm am 20. und 21. Mai ab. Es ivami dort 27 Delegierte anwesend. Es wurde u. a. beschlossen, energisch für eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen zu wirken.— Zilterillltionilltr Textilarbtiter-Kongreß. Zürich, 2. Juni. � Die Sitzung wird um 10 Uhr vormittags eröffnet. Die englische Delegation bestimmte zum Präsidenten Holmes, die deutsche zum Vicepräsidcnten B a« d e r t. Sekretär ist T h u r o w- Zürich, fraii- zösischer Uebcrsetzcr Ca l a m e- Zürich, englischer A s k e>v und M u g g l i- Zürich. Eine lauge Debatte entsteht um den Uebersctzcr W e g e n e r aus Berlin, den sich die englische Delegation von Berlin kommen ließ, der schon vor zivci Jahren auf dein inter- nationalen Tcxlilarbeiter-Kongreß als Dolnretsch fungierte, dabei aber das Mißtrauen der deutschen Delegierten gegen sich lveckte, weil er die Ucbersctzung zn Ungunsten der deutschen Delegierten be- sorgte. Die deutschen Delegierten wünschen als Uebcrsetzer den Genossen Askew, den das Organisntionskomitee in Zürich engagierte. Als eö endlich zur Abstimmung kommen soll, verlangt der inter- nationale Textilarbciterselrctär Wilkinson, daß jene nationalen Ver- bände, welche mit ihren Beiträgen an das internationale Tcxlil- arbeiter-Sekretariat im Rückstände find, an diesem Kongreß nicht stimmberechtigt sein sollen. Nach längerer Debatte wurde beschlossen, den Berliner Ueber- setz« Wegen« zuzulassen, daneben aber auch die vom Organisations« komitee engagierten Ucbersetzer Muggli und Askew. In Sachen der Stimmberechtigung wurde nach gegebenen Aufklärungen be- .schlössen, dieselbe den Vertretern aller Verbände zu geivähreii. ' Im Anschluß an diese Diskussionen erklärt B a u d e r t, jetzt schon ankündigen zu wollen, daß am Schlüsse dieses Kongresses die Bedingungen festgesetzt iverden müssen, unter denen zum nächsten ; Kongreß die Organisationen zugelassen und die Stinimberechtigung > erhalten sollen.' Ferner ivird von der deutschen Organisation folgender Antrag gestellt:„Nur diejenigen Organisationen. Ivelche auf dem Boden des Klassenkampfes stehen und dem internationalen Sekretariat angeschlossen sind sowie die festgesetzte» Beiträge an dasselbe gezahlt haben, haben auf dem nächsten Kongreß Sitz und Stimme." Der Präsident fragt an, ob Organisationen hier vertreten seien gegen die der Antrag gerichtet sei. worauf N e i ch e l t- Chemnitz die Frage des Präsidenten bejaht unter Hinweis auf die Anwesenheit eines Vertreters des Hirsch-Dnuckerschen Gewerkvereins und zweier Ver tret« des christlichen Gewerkvereins der Textilarbeiter, welche Organ! sationen nicht auf dem Boden der modernen Arbeiterbewegung stehen Der Zweck ihrer heutigen Beteiligung fei der. die Engländer für sich zu gewinnen niid so eine Entzweiung derselben mit den andern Gewerkschaften herbeizuführen. Namens der Eng länder erklärte Fräulein Fiord, daß sie damit einverstanden seien, jede Banditenpolitik von der Gcwerkschaftsbelvegung sernzu' halten, aber im übrigen sollte solche Verhältnisse jede nationale Organisation selbst zu regeln suchen. In der Nachmittags- Sitzung nahm zunächst der Vertreter deS Hirsch-Dnuckerschen Gewerkvereins der Textilarbeiter. E l b e l von Sulz in Thüringen, das Wort, um zu erklären, daß er hierher gekommen fei. um zu lernen, und daß man bestrebt sein sollte, den zu finden, der es möglich macht, bei getrenntem Marschieren vereint zu schlagen. Sein Gewerkvercin sei vom Organisations komitee eingeladen worden und darum fei er hier. Er gebe die Erklärung ab, daß sein Gewerkverein die Pflichten gegenüber dem internationalen Sekretariat zu erfüllen bereit sei. wenn der Antrag der deutschen Delegation abgelehnt werde. Der französische Delegierte Bailleul betont die principielle Seite der Frage und verweist auf die gelben Gewerk- schaften m Frankreich, die für Verlängerimg der Arbeitszeit kämpfen. Die Engländer stellen nnn folgenden Antrag: Es wird koiu statiert, daß dieser Kongreß ein Arbeitcrkongreß ist. jedoch muß es jeder Nation überlassen bleiben, zn entscheiden, ob ihre Gewerk. schaften Arbeiterorganisationen sind. Der Vertreter des christlichen Gewerkvereins der Textilarbeiter, S chi f f e r- Krefeld, erklärt, daß demselben keine Unternehmer an- gehören. Was die christliche» Geiverkvereine von den socialdemokratischen Gewerkschaften trennt, ist der Klassenkampf Sie trieben keine Parteipolilik und ständen auf dem Boden der englischen Gewerk- vereine. Der Klassenkampf müßte so lange dauern, bis die Social- d emokratie siegte.(Sehr richtig!) Sie wären bereit, dem inter- nationalen Arbeitcrsekretariat sich anzuschließen. Baudert wendet sich gegen Elbcl. Gewiß sollen Politik und Religion aus den Geiverkschafteu ferngehalten werden, aber gerade die Hirsch-Dnnckersche» Geiverkvereine pflegen die Politik, insbesondere in Gestalt des berüchtigten Reverses, nach dem sie keine Socialdemokraten aufnehmen und den gerade die Textilarbeiter auf ihrer letzten Versammlung neu bestätigt haben. Und die Christ- lichen haben ja ihre besondren konfessionellen Geiverkvereine gegründet. Das, was Klassenkampf ist, verstehen die Gegner nicht er ist ihnen immer identisch mit Socialdcmvkratie und mit Politik die die christlichen Geiverkvereine als die Gründungen der Pfaffen und Anhängsel der Ccntrumspartei treiben. Mit solchen Leuten, die die Geschäfte der Unternehmer besorgen und die ganze Arbeiter- schaft schivcr schädigen, kann man nicht zusammenarbeiten.(Sehr richtig I und Bravo I) Hier beantragen die Belgier und Franzosen gemeinschaftlich folgende Resolution: Indem der Kongreß konstatiert, daß in geivissen Ländern Geiverkschafteu, die sich christliche oder gemischte nennen, einzig zu dem Zivecke gegründet wurden. die rein arbeitergewerkschafiliche Propaganda zu bekämpfen, beschließt er, solche Vereinigungen nicht aufzunehmen, an denen Unternehmer teilnehme» oder die sich von der Unternehmerklasse unterstützen lassen. Um in der Sache endlich zu einem Beschlüsse zu kommen, einigt man sich dahin, alle Anträge einer Kommission zu überweisen, in die jede Delegation einen Vertreter entsendet und die einen definitiven Entscheid fassen soll. Vom 3. Juni wird telegraphiert: Zürich, 3. Juni./4 Millionen. Der Gesckäftsuinsatz, der im Jahre 1894 1 Milliarde Mark betrug, ist jetzt auf l'/t Milliarden gestiegen. Aus dev �vauvnbenieAttng. Die Frau und daö VereinSrccht. In Essen waren mehrere- mals Frauen aus öffentlichen und gewerkschaftlichen Versammlungen j dcinokraten zurück und erklärt. ausgewiesen worden, oder bei Weigerung, solcher Anweisung Folge durck derartiae Auarisfe octrone zu leisten, erfolgte Auflösung der Versammlung. Auf erhobene Bc- schwcrdc hat der Regierungspräsident von Düsseldorf nunmehr folgende Mitivort erteilt: „Auf Ihre Beschwerde vom 19. März 1902 eröffne ich Ihnen, daß der Herr Oberbürgermeister fortan Frauen auch zu Versamm- lunge» von Vereinen, in denen politische Gegenstände erörtert werden, zulassen wird, sofern und solange nach den äußeren Um- ständen eine aktive Beteiligung derselben an den Verhandlungen ausgeschlossen erscheint." Es scheint, daß eine große Anzahl Polizeibehörden erst im Be- schwcrdeivege veranlaßt werden können, den Anordnungen ihrcS hohen Chefs, des Herrn. Ministers des Innern, nachzukommen. Der Berein für Franc» und Mädchen der Arbeiterklasse in Leipzig veranstaltete im letzten Jahre zwölf Vcrsanuulungeu, m denen politische, historische, hygienische und litterarische Themen be- handelt wurden. Der Verein veranstaltete serner ein Somnierfest,' zwei Familicnnbeudc, einen gemeinsamen Spaziergang, eine Be- sichtiaung des Konsumvereins Leipzig-Plagwitz und einen Besuch deS städtischen Museums. Der Verein zählt 250 regelmäßig zahlende Mitglieder. Dieses Resultat Ivurde erreicht durch Austragen der „Gleichheit" und damit verbundenes Einkassieren der Beiträge. Die „Gleichheit" wird jetzt den Mitgliedern bei einem Monatsbcitrage von 30 Ps. gratis geliefert. Der Kasseubestaud betrug beim letzten Abschluß 137,96 M., die Einnahmen im letzten Jahre 594,42 M.. die Ausgaben stellten sich auf 564 M.. darunter für die„Gleichheit" 253,80 M., an das AgitationSkomitee 40 M., für die Glasarbeiter 15 M. und für die Tabakarbeiter und Weber je 10 M. Als Kassen- bestand verblieb 168,38 M. Vevpawnrtiingen. Sommernrlanb für städtische Arbeiter. In einer ani Montagabend im Gewerkschaftshause abgehaltenen zahlreich besuchten Versammlung nahmen die städtischen Arbeiter Stellung gegen die von dem Berliner Magistrat am 20. April erlassene Ver- Uetzke Machvichken und Depeschen. RbgcordnctcnhauS. Wie». 3. Juni.(W.T.B.) Ministerpräsident v. Koerber giebt auf Grund amtlicher Berichte eine Darstellung der gestrigen Borfälle in Lemberg. Der Minister erklärt, er könne nun an- nehmen, daß der erste von so verhängnisvolle» Folgen begleitete Angriff auf das Militär die F o I g e eines Irrtums war. in- dem die erregten ausständigen Arbeiter glaubten, daß die heran- nahende Infanterie- Compagnic ihretwegen komme, während diese in Wirklichkeit von der liebung heimkehrte und keineswegs den Auftrag hatte, silb gegen die Arbeiter zu wenden. Die Truppen", fährt der Minister fort,„mußten von der Feuer- waffc Gebrauch machen, da sie mit Steinwürfeu und Rcvolverschüsscn empfangen wurden. Trotz gütlicher Zurede und wiederholter Auf- orderungcn der Polizeiorgane wich die Menge nicht von der Stelle, öndcrn setzte die Steinivürfe fort. Jnsgesnint sind von den 14, »em Krankenhaus übergebcnen Personen bis heute Mittag drei ge- korben» darunter 2 infolge von Schußwunden und 1 Mann, welcher niedergetreten worden war. Ein Verletzter befindet sich in Leben«- zefahr, die andren dürften aufkommen. Zehn Husaren sind verletzt, larnnter einer lebensgefährlich, die übrigen leicht verwundet. Die eingeleitete strenge Untersuchung Ivird volle Klarheit schaffen, ob die von der Sicherheitsbehörde getroffenen Anordnungen aus- reichen. Der Ministerpräsident' erklärt ferner, die Regierung 'ei bestrebt, durch Schaffung von Arbeitsgelegenheit die Lage der Lemberg« Arbeiterschaft zu sbessenr, kobertzstrotz der In- angriffuahme öffentlicher Arbeiten gähre es fort. Redner weist sodann die gegen die Armee gerichteten Aeußerungen der Social- ______________ urück und erklärt, die Armee stehe zn hoch, als daß sie durch derartige Angriffe getroffen Iverden könnte, sie habe überall und jederzeit ibre Pflicht glänzend erfüllt.(Beifall, Lärm und Zwischen- rufe der Socialdemokraten.) Der Ministerpräsident erklärt weiter. die Regierung werde mit allem Nachdruck zur Beilegung der Streitig- leiten hinwirken und nichts unversucht lassen, bannt die Ordnung und die Sicherheit in Lemberg wiederkehren. Nachdem der Ministerpräsident geendet hat, beantragt der Ab- geordnete P e r n e r st o r f f e r. die sofortige Debatte über die Erklärung des Ministeiff'räsidentcn zn eröffnen. Der Antrag Ivird mit 115 gegen 80 Stimme» abgelehnt. RnSstand vou Arbeiterinnen. Mährisch- Ostran, 3. Juni.(B. H.) Auf den Kohlen- gruben der Rordbahn„Alcxandcrichacht",„Johainicsschacht" und „Zarnbcck-Schacht" streiken die Oberiagarbeiterinnenz sie verlangen die n e u n st ü» d i g e Arbeitszeit. Die Cholera. Nom, 3. Juni.(B. H.) Auf dem Dampfer„Montenegro". der die italienischen Chinairnvpen heimbefördert, ist die Cholera aus- gebrochen. Mehrere Todesfälle sind bereits vorgekommen. Broinberg. 3. Juni.(W. T. B.) Wie die„Ostdeutsche Rund- schan" meldet, versuchte der 70jährige Besitzer Linser in Luischinin gestern nacht, anscheinend in einem Anfall von Geistesstörung, feine Frau zu töten, und schoß sich darauf eine Kugel in den Unterleib. Sei» Zustand ist hoffnungslos, die Frau erlitt nur eine leichte Verletzung. Gränoble, 2. Jimi.(W. T. B.) Bier deutsche Studierende der llniversität von Grsnoble machten am Freitagabend einen AnSflng »ach dem Kloster Grande Chartreuse. Zwei von ihnen, Strözcl und Wasuen»iiternahmen eine Besteigung eines B e r g g i P f e l s und verirrten sich dabei. Strözcl kam heute früh allein ins Kloster zurück. Nach seinem Gefährten wurden unverzüglich Rachforschnugen angestellt. Man fand ihn tot und schlver verstnmnielt. Er ivar 100 Meter abgestürzt. Der Verunglückte war der Sohn eines Ingenieurs aus Bochum in Westfalen. TSerantwortlicher Redacteur: Carl Leid in Berlin. Für den Jnseratttiteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlia. Hierzu£ Beilagen u. Unterhaltungsblatt. St. 127. 19. Iiltuu. I. Jf jldp VsirhskQg. 185, Sitzung v o in Dienstag, den 3. Juni 1902, nachmittags 2 Uhr. ?lm Bundesratstisch: Graf Posadomskh, Frhr. v. Thiel- mau n. Präsident Graf Ballcstrem: Indem ich die Herren Kollegen nach der Pfiugsipause aufs herz- lichsle begrühe, erkläre ich die Sitzung für eröffttet. Meine Herren! Während wir nach anstrengender Arbeit Erholung in der Heimat suchten, ist nuscr Nachbarland Frankreich von einem schweren Unglück heimgesucht worden.(Die Abgeordneten erheben sich von den Plätzen.) Durch ein gewaltiges, fast beispielloses Naturereignis ist die französische Insel Martinique auf das allcrschwerste geschädigt worden. Eine blühende Stadt mit vielen tatisend Einwohnern ist mit denselben vollständig vcr- nichtct, fruchtbare Felder und Plantagen von großer Aus- dehnuug sind in Wüsteneien verwandelt und»och immer droht dem bisher verschonten Teile der Insel ein gleiches Schicksal, da die Naturerscheinungen, welche dieses Unheil herbei- geführt haben,»och nicht aufgehört haben. Innige Teilnahme und tiefes Mitgefühl hat das deutsche Voll empfunden bei diesem Uli- glück, ivelches die edle französische Nation betroffen Hai. Diesen Gefühlen irameus der Vertreter des deutschen Volkes von dieser Stelle Ausdruck zu geben, ist der Zweck dieser Worte.(Leb- Haftes Bravo!) Sie haben sich von ihren Plätzen erhoben und da- mit ausgedrückt, daß Sie meinen Worten zustimmen. Ich stelle dies hiermit fest.(Bravo!) Auf der Tagesordnung steht zunächst die ziveite Beratung des Entwurfs eines SiisistoffgcsctzeS(Saccharinsteucr- Gesetz). Zu 8 1 ergreift das Wort Abg. Dr. Becker(C.): Es erscheint zweckmäßig und notwendig, das Süßstoffgesetz an die Zuckerstener?Kommission zur erneuten Prüfung zn überweisen. Abg. HermcS(frs. Vp.) schließt sich namens seiner Freunde dem Autrage an. Das Gesetz wird hierauf der Zuckcrstener- Kommission über- wiesen. Es folgt hierauf die Fortsetzling der dritten Beratung des in> Januar ds. Js. an die Konimission zurückverwiesenen Gesetzes, bc- treffend die Abänderung des Branntweinsteuer- Gesetzes. Die Beratung wird fortgesetzt bei Art. II 1 8 1 Absatz 4, worin Bestim- »inugcn getroffen werden über diejenigen Arten von Branntwein, die von der VerbranchSabgabc befreit bleiben sollen. Es soll danach der Bundesrat ermächtigt werden, auck> solchen Branntwein von der Vcrbrauchsabgabe freizulassen, der in Kranken-, Eutbindnngs- und ähnlichen Anstalten oder in öffentlich ivisseuschaftlichen Anstalten verwendet wird. Dazu liegt ein Autrag Dr. Pachnicke(frs. Vg.) vor, der die letztere Bestimmung wie folgt fassen ivill: Der Bundesrat ist er- mächligt, auch solchen Braun tiv ein von dcrVcrbrauchs- abgäbe frei zu lassen, der zu wissenschaftlichen oder Heilzwecken verwendet wird. Abg. Dr. Pachnicke(frs. Vg.) befürlvortet diesen Antrag. Es handelt sich dabei um die Wieder- herstcllimg der geltende» Steuerfreiheit des in Apotheken und chemischen Auslalten zu medizinischen Zwecken hergestellten Spiritus. Die Kommission hat, indem sie die Steuerfreiheit der Apotheken zu beseitigen beantragt, den Nahmen der ihr überwicscncn Bcratuugsniatcrie überschritten. Bei der eigentümlichen parla- mentarischen Lage in Bezug auf diese Novelle muß- für die Beschlüsse des Plennms die größte Vorsicht obivalten. Es passieren ja alle Vorschläge der Kommission nur eine einzige dritte Lesung im Plenum. Iveil sie in der dritten Lesung erst eingebracht sind. Ich bitte den Vertreter der verbündeten Rc- gierilngeii lim Auskunft darüber, ob nach den KommissionSbeschlüfsen auch derjenige Spiritus von der Befreiung ausgeschlossen ivcrdcu soll, der in Apotheken zur Hcrstellimg medizinischer Präparate vcr- wendet wird. Redner verbreitet sich sodann ini allgemeinen über die Lage der Brnuntwciusleuer- Gesetzgebung und be- zeichnet als llrinche» der verhängnisvollen Ucberproduktion die in der Brauntiveinsteuer- Gesetzgebung vorgejebene Kontin- genticrung und die Begründung des Spiritnskartclls. I» den Kominissionsberatnngcn konnte mau sehe», wie die Brcnncreie» sich geradezu rissen um jeden Hektoliler, den sie für die nächste Kontingentierniig mehr zugewiesen bekomme» wollten. Ans der Mitte des Hauses heraus fiel in der Kommission das Wort,„die Kontingentieriiug habe 20000»»zufriedene Brenner erzeugt". Gerade die inittleren und kleineren Kartoffelbtennereien des Ostens haben infolge der Begünstigung, die für sie in der Brenusteucr liegt, sich veranlaßt gesehen, aus Mord zu brennen und sich damit den Naincii„Mold"brc»iicr zugezogen. Dadurch wurde cS für sie rentabel, möglichst viel zu brennen. Auch die Begründung des Spiritiiskartollö hat produklionssteigcrud gcivirkt. Jetzt ist die Krisis da, und wieder wird der Ruf laut, daß die Gesetzgebung einsetzen möge. Der Niederschlag dieser Bestrebungen is! in dem vorliegenden Gesetz enthalten, das schon deshalb mit Mißtrauen aufgenommen werden muß, iveil es die Wege nicht verläßt, auf denen der Industrie so großer Schaden zugefügt ist. ES ist ein Kompromiß und trägt alle Schäden eines solchen an sich. Das ganze Vorgehen bei dieser Gesetzgebung erinnert an das Wort jenes Lehrlings:„Meister, die Arbeit ist gethau, nun fange» die Reparaturen an." Etwas Kuifflichercs, Unübersichtlicheres, Äom- plizicrtercs als dieses Gesetz hat es nie gegeben.(Sehr richtig! links.) Das erkleckliche Geschenk von 4—6 Millionen soll der Spirituscentrale zugefiigt lverden. Die Preissteigerung würde vor allem den Trinkbranntwein treffen. Dies liegt auch nicht einmal im Interesse der Landlvirtschast, denn es besteht heute noch vielfach der Gebrauch, daß die Gutsbesitzer ihren Arbeitern eine bc- stimmte Menge Schnaps wöchentlich liefern. Das Ende dieser ganzen Gesetzgebung lväre das Monopol. Ich bitte Sie, unser» Antrag an- ziluehnicii.(Beifall links.) Neichsschatzsckrctär Freiherr v. Thiclmanu: Die verbündeten Regierungen sind überhaupt nicht in der Lage, irgend eine Stellung zudemhellte zurBe- r a t u n g st e h e n d c n Gegenstände e i n z u n e h m e n. Die Regierungsvorlage ist in allen Teilen abgelehnt und die heutige Vorlage ist kein Beschluß des Hauses. Wenn der Vorredner aber meine persönliche Stellung zn seiner Anfrage zu erfahren wünscht, so bin ich der Ansicht, daß Spiritus, der in chemischen Fabriken zn gewerblichen Zwecken verivandt wird, st e u e r f r e i bleibt. Abg. Wurm(Soe.): Wir halten es für notlvcudig, daß das Volk wieder einmal auf alle die Schönheiten der deutschen Spiritnsgcsetzgebung aufmerksam gemacht werde. Man muß immer wieder darauf hinweisen, wie schon 8 1 eine ungeheure Belastung gerade der ärmsten Bevölkernugs- klaffen in sich birgt. Die an das Reich zu zahlende Verbrauchsabgäbe beträgt etwa 120 Millionen Mark jährlich. Dazu kommt die große Liebesgabe, die von den Konsumenten des Trinkbranutweins an die Brenner gezahlt wird, mit 48 Millionen Mark. Die Brennstcuer bringt eine Belastung der Konsumenten von etwa 12 Millionen Mark mit sich, bei der Mai'schraumstcncr wird den Brennern eine ungerechte Prämie von ca. 5 Millionen Mark gewährt, so daß im ganzen an 190 Mill. Mark im Jahre aus den Taschen der ärmsten Bevölkerung zum Teil in die Kasse des Reiches, zum Teil in den Säckel der Brenner wandert. Deswegen werden meine Freunde stets verlangen, in Jumiitß" Iteliiift| daß diese hohe Besteuerung des Spiritus abgeschafft wird. Es wird ja versucht, diese hohen Steuern ethisch zu motivieren, und ein Ab- geordneter der freikonservalivcn Landtagsfraklion war sogar so freundlich, zu behaupten, daß speciell meine Freunde nicht so ungern sehen, daß im Lande recht viel Branntwein getrunken würde. Ich möchte zunächst das Wahngcbilde zci stören, als ob eine Vcr" teuerung des Rranntiveius die Verbreitung der Trunksucht ein- schränkt. Die hohen Preise des Spiritus halten die Trinker absolut nicht ab. ihrem Bedürfnis nachzugehen. In Rußland ist der Spirituspreis dreimal so hoch wie bei uns. auch in England be- deutend höher wie bei uns, und dennoch lassen auch dort diejenigen Schichten, die infolge ihrer socialen Notlage, ihrer häuslichen oder wirtschaftlichen Verhältnisse zur Trunksucht getrieben werden, sich nie- nials abhalten, sich zu betrinken. Freilich giebt es auch in den Kreisen der Aristokratie und der Wissenschaft, besonders der studierenden Jugend, � zahlreiche Elemente, die dem Spiritusgennß huldigen. Bei diesen ist nicht ein sociales, sondern ein geistiges Elend vorhanden, das sie auf eine Stufe stellt mit den Proletariern, die durch geistiges und sociales Elend zur Trunksucht gedrängt werden. Wir können deswegen mit gutem Recht verlange», daß die Brannt- weiustcner abgeschafft wird, ohne fürchten zu müssen, daß die Arbeiter deshalb mehr als bisher dem Alkohol verfallen. Es ist völlig unwahr, was der frcikonservativc Abg. Borster im preußischen Landtag behauptet hat, daß seitens meiner Freunde irgendwie die Gnthaltsamkeitsbcwegnng bekämpft würde. Gerade die Socialdcmokratie hat dort, wo sie es vermochte, stets dafür gewirkt, daß der Schnaps- und Bierkvnsuni gewaltig ein- geschränkt wurde. Wir haben uns selber Versammlungslokale ge- baut mit Gastwirtschaften, in denen den Arbeitern ein anständiges Heim geboten wird. Die Pächter dieser Restaurants erklären nun, daß die bei ihnen verkehrenden gewerkschaftlich organisierten Ar- beitcr viel zu wenig tränken, so daß sie nicht auf ihre Kosten kämen. Im Berliner Geiverkschaftshans ist zum Beispiel der Bicrkonsnm auch verhältnismäßig gering, vom Schnaps- konsum ganz zu schweigen. Es ist kein Wunder, Iveim der Staat der Trunksucht nicht abzuhelfen vermag, wenn derselbe Staat sich nicht geniert, gleichzeitig die Lebensmittel zn verteuern. Die Herren vom Ccntrnm mögen doch bedenken, daß alle ihre Worte gegen die Trunksucht vergeblich und eitel sind, wenn sie die brotverteuernde Zollgesetzgebung mitmachen. Wenn es nicht wahr iväre, daß die Brennereien, die adeligen Groffgrnndbefitzer, die 48 Millionen Mark aus den Taschen des Rcnnsten erhalten, so sollten sie doch für die Aufhebung der Verbrauchsabgaben eintreten. Wenn es aber einmal soweit kommen wird, daß die Linke sin Parlament der Rechten die Wage halten kann, so lverden die Vertreter jener Brennerei-Jnteresscn wie die Löwen um die Anfrechterhaltuug der Verbrnnchsabgabc kämpfen. Ihre(nach rechts) Wünsche gehen ja schließlich dahin, daß Ihnen von Staats wegen die Produktion ab- genommen und Ihnen dafür nicht Weltmarkpreise, sondern Zuschuß- preise gezahlt werden. DaS ist Ihr Endziel! Die Spirilnsiudustrie besitzt an und für sich durchaus nicht die Existenzberechtigung, die man ihr jetzt von den Reihen der äußersten Rechten bis zu den Nationallibcralc» zusprechen möchte. Man bc- bauptet, daß ohne SpirituSindustrie unsre Landwirtschaft schweren Schaden leiden müßte. Es ist aber von uns ziffernmäßig dargelegt worden, daß nur 6�3 Pro;, der Kartoffelproduktion zur Spiritus- iudnslrie verwendet werden, und daß es keineswegs ganze Provinzen giebt, deren Aodeubcschaffenheit nur den Anbau von zur Spiritus- sabrikation geeigneten Kartoffel» gestattete. ES mag ja einzelne Gutsbezirke geben, in denen die Aufhebung der jetzigen Liebesgaben- Gesetzgebung dazu führen müßte, daß sie wirtschaftlich nicht iveiter arbeiten könnten. Daß aber diese Gesetzgebung immer weiter getrieben lverden muß, auf Kosten der ärmsten Bevölkerung, das ist es, Ivas' das Gesetz thatsächlich häßlich macht. Die Spiritusindustrie hat die Karioffelartcn enorm gesteigert, und die Centrale für Spiritusverwertnng hat wenigstens mit dem Preis- ausschreiben für eine Einrichtung um Kartoffeln zu trockne» und auf- bcivahrungsfähig zn machen, einen vernünftigen Weg beschritten. Gleichzeitig aber schädigt die Centrale ihre eignest Bestrebungen, indem sie mit Hilfe der Ringbildung den Preis des Spiritus in die Höhe treibt nnd'dadnrch immer mehr zur Produktion anreizt. Dadurch wird die Aussicht ans den Krach, der doch einmal konnncn muß. in immer größere Nähe gerückt, ivenu man die Steuerschraube nicht noch lveitcr anziehen will. Der Weg zn einer rationellen Ge- sniidung des Kartoffelbnnes ist nur dadurch gegeben, daß nicht jene ertragsreichcn, aber minderwertigen Kartoffeln, mittels deren man sich mit Hilfe der Liebesgaben- Gesetzgebung rasch Einnahmen ver- schaffen kann, anbaut, sondern bessere Kartoffclartcn, die nicht so große Erträge liefern, dafür aber der großen Masse der Bevölkerung »Upen. Ferner müssen die Kartoffeln mehr als bisher kou- serviert werden. Die Statistik beweist, daß die Licbeögesetz- gcbung nur die Interessen der größeren Brennereien Deutschlands und nicht eimnal den mittleren und kleineren Brennereien zu gute kommt. Es sind nur einzelne große Brennereien, denen die Liebesgabe zu gute kommt, tvähreud die große Masse der Breunercie» nur ganz verschwindenden Vorteil haben. Desivcgen ist es berechtigt, wenn wir sagen, das Gesetz ist! zugeschnitten ans die große» Brennereien, die sich stets in de» Händen von Groffgrnnd- befitzcr» befinden. Diesen Ivohlhabcndcii Leuten werden auf Kosten der Aermste» der Bevölkerung riesige Vorteile zugeführt. Herr Pachnicke hat bereits auf die Schrift des Dr. Lange verwiesen. In der Broschüre dieses Agrariers ist mit naiver Dreistigkeit hervorgehoben, wie diese ganze Spiritnsgesetzgcbnug von ein- flustrrichc» Stellen innerhalb»nd anfferhalb drs Hanfes gemacht tvird, usit der ailSgesprocheueu Absicht, gewissen Jutcr- essenteiikreiscii große Vorteile zuzuführen. Dort heißt es:„Die Vertreter der SpirituSindustrie benutzen die Steuergesctzgcbnitg bewnßterweise als Mittel, die Produktion imd Konsumtion m die Bahnen zu leiten, die ihren Wimscheu entsprechen." So schreibt in cincin agrarischen Verlage ein Agrarier. Weiter heißt es in der Broschüre:„Will man sich eine„iikiebsamc Konkurrenz, nämlich die Melassebrcnner, vom Halse schaffen. so wird sie flugs durch Steuern erdrückt. Dazu bedarf es nur des gehörigen Einflusses auf die gesetzgebenden Faktoren.(Hört! hört! Isiits.) Dazu brauchen ivir intelligente Leute und Lcnte, die Einfluß haben. Nun haben ivir ja in der Kommission gescheit, tvie die Arbeit dieser intelligenten Lcnte ist»»d wie besonders Herr Gamp es verstanden hat, Vorschriften zu machen, die diesen Interessenten zu gute kommen und wie sie auch die Macht hatten, sie d»rchz»bri»ge». Herr Dr. Lange sagt, weiter:„Wie i» der Geschichte über- haiipt, so geschieht auch in der Wirtschaftsgeschichte nichts von selbst, viclnichr alles Bedeutsame durch einzelne Persönlichkeiten. Als eine solche Persönlichkeit nennt er den Professor Dr. Delbrück und sagt, daß dieser ans seine Familie»- bezieh nngen gestützt ans die Behörden und die Gesetzgebung ein- wirke» könne". Ich schätze Herrn Professor Delbrück als Fachmann und als Leiter der SpiritiiScentrale. soweit er sie wirtschaftlich technisch wirken läßt. Daß er aber seine Familicnbcziehnnge» benutzt, um auf die Geletzgebung und die Behörden einzuwirken, das dürfte er sich nicht»achsagen lassen. Er hätte seine» Freund schon längst wegen Beleidigung verklagen müssen. Freilich hätte wohl Herr Dr. Lange den Wahrheitsbeweis erbringe» können. Wir lverden noch öfter Gelegenheit habe», hier im Hause Sie an dies Geständnis zu erinnern und auch dann zn erzählen, wie man in Ihren eignen Reihen zngicbt, wie Sie die Gesetze zn Ihre» eigne» Zwecken zurecht schneide» und Ihre» Ein- flnff auf die hohe» Kreise«uSuutzen. Gewiß, wer Einfluß hat, läßt demnächst auch noch die Kriegsschiffe mit Spiritus heize» und wenn es auch noch zn teuer ist. Wenn man nur de» Agrariern einen Gefallen thnt. Die Aermsten der Armen aber müssen dafür büßen und im Namen dieser ärmsten Bevölkerung protestieren Ivir gegen dieses Vorgehen und verlangen, daß die Be- Mitwoch, 4. Im 1902. steuerung des Branntweins aufgehoben wird. Wenn in der Schiveiz der Branntwein mit Zustimmung meiner Freunde besienert ivnrdc, so geschah es, weil dort die Erträge benutzt werden, um die arme Bevolke- rung aufzuklären und sie ans der Sklaverei des Alkohols zn befreien. Bei' uns aber dient die Besteuexung des Branntweins dazu, die arme Bevölkerung noch mehr zu versklaven, indem man den kon- servativen Herren Hilfsmittel zuführt, die ihre Macht benutzen, um das Äoalitionsrccht der Arbeiter zu beseitigen, den Kontraktbruch zn bestrafe» und die Lebensmittel zu verteuern. Gegen eine derartige Gesetzgebung legen ivir energischen Protest ein.(Lebhafter Beifall bei den Socialdemokraten.) Preußischer Finanznnnisier Frhr. V. Nhcinbabcn: Ich»mß es dem Urteil des Hauses überlassen, wenn der Herr Vorredner es für richtig gehalten hat, einen so hervorragenden Mann ivie Herrn Professor Delbrück in dieser Weise auf Grund seiner Broschüre anzugreifen; ich muß es Ihrem Urteil überlassen/ ob ein solches Vorgehen den Gepflogenheiten dieses Hauses ent- spricht.(Unruhe links.) Herr Wnrm hat behauptet, daß die Ver- tenernng des Branntweins»och niemals den Branntlveingcmiß ein- geschränkt habe. Demgegenüber verweise ich darauf, daß in Nor- wegen in der That die erhöhte Steuer den vorher übertrieben hohen Braimtwesiigennß ganz wesentlich eingeschränkt hat. Die Anfhebung der Braniitweinstener würde jedenfalls den gegenteiligen Effekt haben, der Preis würde sinken und der Konsum sich erheblich steigern. Es ist ja außerordentlich leicht, sich hier hinzustellen»nd zn sagen: Die Branntweinstencr, die Zuckcrstcucr soll aufgehoben werden, die verbündeten Rcgiernngen mögen freundlichst zusehen, wo sie die Mittel herbekommen.(Zuruf bei de» Socialdemokraten: Vermögenssteuer!)— Bei jeder Steuer muß doch vor allem darauf Rücksicht genommen werden, daß die großen erwerbenden Industrien erhalten werde». Als die Spiritus- stencr um das Vierfache erhöbt wurde, innßtc» die landwirtschaftlichen Brennereien, um existenzfähig erhalten zn werden, eine staatliche Unterstützung erhalten. Da katm doch von einer Liebesgabe keine Rede sein.' Das kommt mir so vor. als ivcnn Herr Wnrm sich hier den Rock auszieht, ihn»>ir nbergiebt und es dann als Liebesgabe hinstellt, daß er mir die Hose nicht auch noch giebt.(Heiterkeit rechts, große Unruhe und Rufe: Au! an! links.) Wir geben doch jährlich enorme Summen für socialpolitische Zwecke, und geben sie gerne trotz der schlechten Finanzlage. (Lachen bei de» Socialdemokraten.) Die Vcrlverluug des Spiritus zu Beleuchtungs- und Motorzwecken liegt durchaus im nationalen Jntcreffe, er müßte so billig werden,»m dem amerikanische» Petroleum Konkurrenz machen zn können. Wenn die Herren der Linken uns einen Ersatz für die Kartoffel vorschlagen könnten,' dann ii la bonheur! Aber ohne Kartoffel ist keine Kultur im Osten mehr möglich, und daher auch nicht ohne Spiritusbesteuernitg. Ich bitte, daß das Haus die Hand dazu biclet, daß endlich in dieser Gesetz- gebung im allgemeinen Interesse der Nation und besonders im Interesse der Landwirtschaft ein Abschluß zu stände kommt. Wenn das nicht geschieht,'sind die größten Gefahren für die Landwirtschaft unvermeidlich.(Lebhafter Beifall rechts.) Abg. Dr. Seniler(natl.): Ich frene mich, daß die Brenner sich jetzt wieder mehr ziisammeiifinden, und hoffe, daß sie dazu kommen werden, gegen, die Beschlüsse der Kommission zn protestieren. Die Wirkung der Brenn- st euer, von der ma» eine Prodnktionseiuschräukung erhoffte, ist nicht eingetroffen. Die Äoniingents- Gesetzgebung hat vielmehr zur Ileberproduktion geführt. Der Herr Finanzniinister meinte, wir sollten uns nicht auf die Kritik beschränken, sondern positive Vorschläge machen. Nun, ich habe in der Kommission eine» solche» Versuch gemacht. Der Kernpunkt meines Antrages war: Der Trink« brnnntlvciii und der technische Spiritus müssen vollständig von ein- ander losgelöst lverden.' Die jetzige Vorlage ist für mich persönlich .jedctzfpll-?. pnannehinbar. Abg. Dr. Müller-Sagan(frs. Vp.): Der Herr RcichSschatzsckretär hatte dnrchnns recht, wenn er her- borhob, daß»vir es bei dieser Vorlage mit einem gesetzgeberischen Nvvnm zn thun haben. Wenn wir auch heute mit Rücksicht auf die gesamte GeschäftslagS keinen Widerspruch erheben ivollcn gegen die Weiterführung der Verhandinngen, so habe ich doch namens meiner Freunde zn erklären, daß ivir dringend tvnnschen müssen, daß dieser Fall kein Präzedenzfall werde. Es ist in zweierlei Hinsicht gegen die Geschäftsordnung verstoßen. Erstens ist die Be- stinnnnng umgangen, daß jede Vorlage drei Lesungen durchmachen muß, inid weiter darf sich die Kommission geschäftsordinnigsinäßig nur mit den ihr überwiesene» Teilen von in Beratimg befindlichen Vorlagen beschäftigen, während hier die Kommission ganz neue Sachen in die Vorlage gebracht hat. Das Wort„Liebesgabe" für die' Prämien ist nicht ans nnfrer Seite zuerst gebraucht worden, sondern von dem Herrn v. Wedell- Malchow. Die Brcimstener ist nicht eine Steuer, die das Gewerbe sich selbst auferlegt, sondern die i» letzter Linie doch. nur die Konsn- Meuten zu tragen haben. Auf die Rede des Freiherrn von Rhein- baden paßte in Hinsicht auf die gestrige Abgeordnetenhaus- Sitzung das Wort: Gestcr» Hiebe, heute Liebe!(Heiter- keil links.) Den Antrag deS Abg. Pachnicke bitte ich an- zunehmen. Es ist nur recht und billig, daß der zur Hilfeleistung für Kranke und Schwache verwandte Spiriins von der Steuer- leistnng befreit bleibe. Machen Sie durch solche Maßnahmen die an sich schon odiöse Licbesgabenpolitik nicht noch odiöser.(Beifall links.) Abg. Dietrich(k.): Wenn hervorgehoben wird, daß die fori ald ein olrati(che Partei eine gewisse latente Sympathie für den Ltoiisiim des Spiritus hege, so wird von socialdcMokratischcr Seite darauf hiiigeiviescii ,' daß bei dem Geiverkschaftshans Geld zugesetzt werde. Wir haben auch nicht behauptet, daß die socialdemokratische Partei außer dem„Vörlvärts" und einigen andren Ilnternchniunäeii noch andre gewinnbringende Geschäfte betreibe. So viel ich weiß, tvird ja auch Ihr Geiverkschaftshans nicht auf Kosten der Partei erhallen.(Zuruf bei de» Socialdemokraten.) Was bc- hauptet lvordcn ist, ist vielmehr, daß Sie(zu den Socialdemokraten) die.Interessen der Gastwirte, auf die Sic angewiesen find, in schonender Weise behandeln und aus diesem Grunde nicht energisch gegen die Trunksucht Stellung nehmen. Eine der ivichligiten Funktionen der»cnen Brcnnstcner-Gesetzgcbnng ist, den gewerbliche» Spiritus zu verbilligen. Lasse» Sie die Arbeiter ans dem Lande, anstatt sie in die Stadt zu treiben und durch ihre Konkurrenz die Lage der städtischen Industriearbeiter zu verschlechtern. Abg. Wnrm(Soc.): So lange meine Partei existiert, tvird sie nicht aufhören, von einer Politik der Liebesgaben zn sprechen. Gelvisse Dinge knn» man nicht oft genug wiederholen.(Unruhe rechts.) Der Vorredner hat nicht den geringsten Beweis dafür erbracht, daß meine Partei sich genierte, gegen die Gnstlvirte eine scharfe Stellung einzunehmen. Meint er etwa, daß die Brennereien gegen die Gastwirte, die ihren Vrnnntwcin verkanfen, nicht besonders freundlich gesinnt wären? Ich mutz mit einigen Worte» ans die Rede des prcnßischen Finanzministers eingehen. Von seinen Worten Ivnr mir das eine richtig, daß er unsre Stellung nicht begriffe» hat. Er bcivegte sich in einem inneren Widerspruch, indem er einmal erklärte, ivir seien gegen die Interessen der Landarbeiter, Iveil wir die Znckersleuer abschaffen wollten, und andrerseits sagte, ohne die Spiritus- stencr steige der Verbrauch. Damit ivären wir docli»ach Ihrer Dar- stellimg für die Interessen der Landarbeiter. Herr v. Rhein- haben hat weiter bewiesen, das) er die Materie gar nicht kennt, durch die Behauptung, die Rede von den Liebesgaben scheine von den Socialdemokraten erfunden zu sein. In Wirklichkeit m ein lojvfcvßnffoet gcrc dieses Wort erfunden. Ebensolvcnifl liiutreffeiid wnr das qeschmackvollc Gleichnis von dem Nock und der Hose, das Herr v. Rheinbaben andeutete. In Wirklichkeit sind es "doch die Finanzminister, die dem Volke den Rock ausziehen.(Sehr Hut! und Heiterkeit links.) Auf die weiteren Fragen des Finanzministers haben wir ihm die Autwort von vor»- cherein gegeben mit unsrer fortwährend wiederholten Forde 'rung der Aufhebung der indirekten Steuern und der Schaffnug einer Vcrmögcnsstcncr. Dann werden Sie so viel Geld bekommen, als Ihnen die Herren von der Rechte» bewilligen werden. Herr v. Rheinbaben sprach weiter von dem nationalen Interesse an der Vermehrung des Absatzes des Spiritus. Der Spiritus ist gegenüber dcnr Petroleum aber nur konkurrenzfähig wenn entweder das Petroleum teurer oder der Spiritus billiger tvird. Man will also dem armen Manne und bc sonders dem Bauer auf dem Lande— in der Grohstadt giebt es ja Gaslicht— das Licht auch noch verteuern. Dabei bc- haupten Sie Freunde der Bauern zu sein. Diese werden vielmehr bald sage» müssen:„Gott schütze»uS vor den Junkern". Au keinen Fall darf der ärmsten Bevölkerung die Last dafür auferlegt werden, dag ei» Gut dem Großgrundbesitzer nicht genügend Ertrag liefert.(Beifall bei den Socialdemokraten.) Abg. Dr. Paafche(natl.): Die gaiize parlamentarische Situation. in der die Novelle hergestellt werden mußte, bedingt, daß es gewisse Schwächen enthält. Auf jeden Fall aber ist diese Novelle weniger agrarisch als die früheren Branntweinstener-Gesetze. Ich begreife daher die heftige Opposition der äußersten Linken gerade gegen diese Novelle nicht. Es handelt sich nur um eine neue Verteilung der Lasten, wobei die landtvirtschnftlichcn Brenner direkt Opfer bringen. Der DenaturierungSzwaug hätte ein wirksames Mittel zur Bekämpfung der Konkurrenz des ausländischen Petroleums geboten. Wir haben uns aber schließlich auch in die Beseitigung dieser Maßnahme ge- fnnden. Abg. Dr. v. Dziembowski-Pomian(Pole): Angesichts dieser Vorlage muß ich einige allgemeine Bemerkungen über die Stellung meiner politischen Freunde solchen Vorlagen gegenüber machen. Der polnische Großgrundbesitz wird von der preußischen Regierung bedrängt. Das zeigt die Pole»vorläge im Abgeordnetenhanse--— Präsident Graf Ballest«!»(unterbrechend): Herr Abgeordneter, das gehört durchaus nicht zur Brennsteuer. (Heiterkeit.) Wir sind beim Brcunsteuer-Gcsctz. Abg. Dr. v. Dziembowöki-Ponnan(fortfahrend): Ich wollte lediglich die allgemeine Haltung meiner Freunde bc- gründen. Wir haben angesichts der Politik der preußische» Negierung um so mehr die Verpflichtung, den Groß- gruudbefitz zu schützen und zu schirmen. Wir müssen eine Politik der Selbsterhaltnug treiben und deshalb die Hand dazu bieten, daß der Großgrundbesitz durch gesetzgeberische Maßnahmen geschützt wird:(Hört, hört! bei den Socialdemokraten.) Wir stehen deshalb im eignen Juteresse der Selbsterhaltnug der Vorlage s y nr p a t h i s ch gegenüber. Danüt schließt die Diskussion über§ t. Der Antrag Wurm(Soc.), der die ersten drei Absätze dieses Paragraphen streichen und damit die Verdrauchsabgabe überhaupt aufheben will, tvird abgelehnt; ebenso gegen die beiden freisinnigen Parteien und einige Naliouallibcrale der Antrag Pachnitke(srs. Vg.). Der ge- samtc 8 1 wird in der Fassung der Kommission angenouuiien. K Ä behandelt die Frage der Kontinaentiernng. Die Bemessung des Kontingents erfolgt nach Anhörung ziveier Sach verständiger. Nach dcnr geltenden Gesetz müssen diese beiden Sachverständigen der Brennerei-Berufsgenossenschaft augehören. Nach den Kommissivusbeschlüssen sollen sie aus den Kreisen der Besitzer landwirtschaftlicher Brennereien entnommen werden. Abg. Wnrm(Soc.) und Dr. Müller-Sagan(fr. Vp.) beantragen in etwas verschiedener Formulierung, daß die beiden Sachverständigen der Brennerei- und der landwiAschaftlichen Berufs- genossenschaft entnommen werden sollen. Abg. Wnrm(Soc.): Auch bei diesem Paragraphen tritt Iviedcr der agrarische Charakter der Novelle hervor. Das ganze Gesetz ist ans den Großgrundbesitz zugeschnitten. Herr v. Dzicmboivski-Pomian hat heute endlich einmal gewagt, der Wahrheit die Ehre zu geben und offen zu erklären, daß das Gesetz nur die Interessen des Großgrundbesitzes vertrete. Wir sind ihm für dies Zugeständnis dankbar. Ich bitte, zu§ 2 den von mir gestellten Antrag anzunehmen. Abg. Dr. Müller-Sagan(frs. Vp.) begründet seinen Antrag. Unter Ablehnung der Anträge Wurm(Soc.) und Müller- Sagau(frs. Vp.) ivird die Kommissionsfassung angenommen. Ein Vertagungöantrag Müller- Sagan(frs. Vp.) wird gegen die Stimmen der Freisinnigen und Socialdeniokratcn abgelehnt. Das Gesetz von 1887 führte den ReinignngSzwang für T r i» k b r a n n t w e i n ein. Das Gesetz von 1889 hob ihn wieder auf. Die Socialdemokraten beantragen, im Z 4 des bestehenden Ge- sctzcs den Reinigungszwang wieder einzuführen. Abg. Wnrm(Soc.): Unser Antrag betrifft den Reinigungszwang für den Spiritus, für den schon Herr v. Miguel als Abgeordneter eintrat. Er wurde dem Volke als Belohnung dafür versprochen, daß man ihm den Branntwein in so hohem Maße verteuerte. Man sagte, wenn auch der Branntwein teurer werde, so werde doch der Spiritus fuselfrei. gesünder werden. Bald darauf aber hat man den beschlossenen Reinigiingszwang wieder aufgehoben, man sagte, es ginge wohl, aber cs geht nicht, und schützte technische Schwierigkeiten vor. Ob dieser oder jener Brenner noch bestehen kann, wenn erwiesen tvird, daß sein Produkt gcsnndheitS- schädlich ist, ist uns ganz gleichgültig. Was die Not- wendigkeit deS Neinigiingszwanges belrifft) die bestritten wird, so sind wir ja allein auf das Reichs- Gesundheitsamt angeiviesen. Wie das Reichs- Gesundheitsamt vorgeht, haben wir ja beim Bor- säureverbot gesehen. Auf Grund von Versuchen an Tieren hat man behauptet) Borsäureznsätze an amerikanischem Fleisch seien für die Gesundheit der Menschen schädlich. Beim Schnaps hat man in Bezug auf die Schädlichkeit des Fusels auch Tierversuche gemacht, aber hier hielt man auf die Ergebnisse nichts. Es ist sehr interessant: Weiin es sich im agrarischen Jnlcresse um Verbot der Einfuhr ausländischer, agrarischer Produkte handelt, dann sind die Versuche an Tieren maßgebend, beim Schnaps aber nicht. Wir halten das Vorsäurevcrbot für falsch, aber wir verlangen, daß �nan wenigstens konsequent ist und auch die Versuche an Tieren gelten läßt, wenn cs sich um die Fuselfreiheit des Schnapses handelt. Wir halten den Reiiiigmigszwang des Spiritus für dringend notlvendig. Vor allem die kleinen Brennereien auf dem Lande produzieren oft ein ganz nichtswürdiges Zeug, einen stark fuselhaltigen Spiritus. Geradein demDorado derAgrarierinOstelbien finden sich solche Brennereien, und ihre Produkte inüssen vor allem untersucht werden; nicht nur ans den größten Spiritusfabriken, wie das bisher geschehen ist, müssen Proben gemacht werden. Weiter müssen wir eine Auskunft von dem Reichs-Gesundheitsamt verlangen: sollen Tierversuche maß- gebend sein oder nicht.(Sehr richtig! beiden Soc.) Der Kartoffel- spiritus, der den Masseiikonsum bildet, muß vom Fusel gereinigt werden wenn einige kleine Brennereien dabei drauf gehen, so ist das doch besser, als wenn einige Trinker zu Grunde gehen. Wir niüssen den Agrariern klar machen: H a u st D n meine Bor- säure, so hau ich Deinen Fusell(Heiterkeit und Beifall bei den Socialdeinolraten.) Abg. Dr. Müller-Sagan(frs. Vp.) schließt sich den Ausführungen des Vorredners an. Im preußischen Rbgeordnetenhause bringt Graf Douglas einen Antrag zur Ve- Dämpfung des Alkoholmißbrauchs ein und hier im Reichstage hält es das Reichs-GesmidhcitSamt für nötig, die Gründe klarzulegni, auS denen es sich gegen die Schädlichkeit des Fusels und für die Schäd lichkeit der Borsäure erklärt hat. Damit schließt die Diskussion. In seinem Schlußwort weist der Berichterstatter Abg. Gamp den Vorwurf deS Abg. Müller-Sagan gegen das Reichs-GesniidheitS amt zurück. Wohl noch nie sei eine Angelegenheit in der Koni Mission unter Beteiligung der Regiernngsvertretcr so ausführlich bc handelt worden, wie gerade das Borsäure-Verbot. Abg. Dr. Müller-Sagan(frs. Vp.)(persönlich): Ich muß meinen Vorwurf voll aufrecht erhalten; gerade bei dem Borsäure-Verbot, das so stark die öffentliche Meinung beschäftigt hat, hätte das Reichs Gesundheitsamt nicht in der Kommission hinter verschlossenen THÜren, sondern in voller Oeffeutlichkeit hier vor dem Reichstag seine Gründe darlegen müssen. Hierauf vertagt das Hau? die Weiterberatung auf Mittwoch 1 Uhr. Schluß 6-/2 Uhr._ VÄvlninenkÄvtschos. Die Zuckerstelter-Kommissio» des Reichstags nahm am Dienstag zunächst die Abstimmung über die Anträge vor, die sich auf die Höhe der Z u ck e r st e u e r be ziehen. Der Antrag der Socialdemokraten auf Aufhebung der Zuckerstcuer wurde gegen 3 Slimmcn abgelehnt und mit 12 gegen 10 Stimmen der Antrag Paasche augeuomme», der die Znckersteuer vom 1, September 1993 ab auf 12 M., vom 1. Scp- tembcr 1905 ab auf 10 M. festsetzt. Die Beratung wendet sich nun der Frage deS Steilerkredits zu. Hierzu liegt folgender Antrag Müll er- Fulda(C.) vor: „Die Zuckersteuer ist zu entrichten, sobald der Zucker aus der Steuerkontrolle in den freien Verkehr trilt. Zur Entrichtung ist der Inhaber der Zuckerfabrik verpflichtet. Der Zucker haftet für den Betrag der Steuer ohne Rücksicht auf die Rechte dritter. In gleicher Weise haftet die zuckerhaltige'Ware(im Falle der Aus fuhr) für die Steuer oder die gezahlte Vergütung. Die Zuckerstcuer ist dem Inhaber der Zuckerfabrik gegen Sicherheitsbestellung für die Frist von 6 Monaten zu stunden. Die Sicherheit kann durch Hinterlegung von mündelsichercii Wertpapieren zum Kurswerte. oder durch er st st eilige Hypothek auf die Zuckerfabrik bis zur Hälfte ihres durch Sachverständige zu ermittelnden Wertes, oder durch Verpfändung des unter Steuerkontrolle (amtlichen Mitverschluß) befindlichen Zuckers zu 3/t des Markt wertes geleistet werden." Dr. Paasche(uatl.) beantragt, den Schlußsatz dieses An träges abzuändern, daß auch Wechsel, deren Sicherheit die oberste Landes-Finanzbchörde zu prüfen hat, als genügende Sicherheit gelten. Schmidt- Wanzlebcn beantragt außer Wechsel auch sonstige B ü r g s ch a f t e n als Bürgschaft gelten zu lassen. Schatzsekrctär Frhr. p. Thielma»» erklärt sich gern bereit, niit den Bundesstaaten über die gleichmäßige Behandlung der Steuer- kredite im Sinne des Antrages Müllcr-Fulda zu verhandeln. Es cmpiehle sich aber nicht, solche Bestimmungen gesetzlich festzulegen. Müllee-Fuldc(®.) legt den entscheidenden Wert gerade auf die gesetzliche Festlegung. Fiiiauzmiuister Frhr. v. Nheiubabe» stellt fest, daß die Bundes staaten für das Auflonimeu der Verbrauchssteuern haften. Der Tcudcuz nach könne man mit Müllers Antrag einverstanden sein. obwohl auch jetzt kein engherziges Verfahren bei der Kreditierung eingeschlagen werde. Tie Vcrpfänduug des Zuckers zu 3/4 des Markt wertes sei zu hoch gegriffen. Bisher seien nur'Ja üblich gewesen Den Wünschen des Abgeordneten Müller könne auf diesem Wege ohne reichsgesetzliche Regelung entgegengekommen werden. Der Minister erklärt sich bereit, mit den andern Bundesstaate» zu verhandeln, um eine einheitliche Regelung der Stencrkreditfrage zu erzielen. Barth(frs, Vg.) freut sich, daß den Zuckerfabriken ein Steuer- kredit von 6 Monaten vom Abg. Müller- Fulda eingeräumt tvird. Bei den Zollkrediten seien die Herren immer andrer Meinung ge- Ivcsen. Müller- Fulda(C.) ändert seine» Antrag so ab, daß er 1. den amtlichen Charakter der Schchvcrständigeii einsetzt, 2. statt 3U. 2/3 des Marktwertes fixiert. 3. statt„Kurswert"„Nominalbetrag" setzt, und 4. die Hinterlegung sicherer Wechsel im Sinne des Antrags Paasche einfügt. Der so veränderte Antrag Müller» Fulda wird einstimmtg aligenoinmen. Die Beratung wendet sich der Frage der Zollsähe und des Urspruugszengtiisseö zu. Unter Zurückziehung eines früheren Antrags M ü I l e r- Fulda beantragen die Vertreter des Ccntrums dem§ 80 des geltenden Zuckcrsteuer-Gesetzes als dritten Absatz hin- zuzufügen: „Der EingangSzoll für Zucker, für welchen im ErzengniigS- lande keine Prämie gewährt worden ist, beträgt für raffinierten und diesem gleichzustellenden Zucker 4,80 M., für andren Zucker 4.40 M. mehr, als die jeweilige Verbrauchsabgabe für in- ländischen Rübenzucker(Znckersteuer). Unter den im Schluß- Protokoll des am 5. März 1902 in Brüssel abgeschlossenen Vertrags fcstgeftclllcn Voraussetzungen köuncii diese Zollsätze bis zu 80 Pf. erhöht werden. Der Ursprung des Zuckers ist bei der Einfuhr nachzuweisen." Dr. Barth(fr. Vg.) beantragt die Herabsetzung der Surtaxe auf 2,80 M. bezw. 2,40 M. Die Soeialdemokrate» beantragen die gänzliche Aufhebung des Ucbcrzotls. Speck(C.) hält es für nötig, die Snrtaxe mit in das Gesetz anfzunehnie», da die Brüsseler Konvention nur bestimme, daß sie höchstens 6 Fr. betragen soll. Der Antrag Barth auf Herabsetzung der Surtaxe auf 2 M. sei nicht angängig. Die Gefahr einer Kartellierung sei auch bei der Ermäßigung auf 4,80 M. beseitigt und das sei doch des Pudels Kern. Direktor v. Körner: Vertragsmäßige Verpflichtungen pflegt man nicht in das Gesetz anfzunehnien. Wenn wir nichts über die Zollsätze hineinschreiben, so gilt ein Zoll von 40 M. dcn Nichtvcrtrags 'taatcu gegenüber. Darunter können wir nicht gehen. Barth(frs. Vg.) hält es doch für gut, die Höhe der Surtaxe gesetzlich feftzulegeu. Sein Antrag habe nur den Zweck, das Kartell unmöglich zu machen. Bernstein(Soc.) begründet den Antrag scincr Parteifreunde. Deutschland solle andren Längern mit gutem Beispiel vorangehen. Die Tendenz des Antrages sei, den freien Verkehr von Land zu Land zu erleichtern. Eventuell würden die Socialdemokraten für den Barthschcn Antrag stimmen. Graf z» Limburg-Stirum(k.) tritt für die Kartelle ein, die man doch nicht so unbedingt verdammen solle. Das Kohlenshndikat habe unstreitig günstig gewirkt. Ledebour(Soc.): Die Kartellbildung müsse unter allen Um- ,'täiiden verhütet werden. Limburgs Verteidigung der Kartelle stehe im Widerspruch zu den Ausführungen des Grafen Kanitz über das Kohlensyndikat. Dr. Becker(C.) erklärt sich unbedingt gegen die Kartelle, die nur den einen Zweck hätten, die Inlandspreise zu steigern und dem Auslände um so billiger zu liefern. Nach weiterer Debatte wird der Antrag der Social- demokraten auf Fortfall der Surtaxe mit 17 gegen 8 Stimmen abgelehnt, ebenso niit demselben Stinimciivcihältnis der An- trag Barth. Angenommen wird der Antrag des Gentrums mit 18 Stimmen. Nächste Sitzung Mittwoch 16 Uhr. Prozeß Sonden iiiid Genossen. Sechster Tag. Nan,?röffiiung der Sitzung durch Landgcrichtsdirektor Heidrich tvird die Erörterung über die Verhältnisse der Grunderivcrbs-Gescll- schaft fortgesetzt. Es wird darüber der frühere Bankbeamte Göritz vernommen, der sich ausführlich über das Verhältnis der Gesellschaft zur Aktiengesellschaft, über die von Puchmüller und Ed. Sauden ge- machten Einzahlungen auf das Gnindkapital, über den Wert der von der Gesellschaft erworbenen Grundstücke zc/ausläßt Auch dieser Zeuge ist dex Ansicht, daß der Konkurs der Gesellschaft hätte vermieden werden können. Hierauf wird Zenge Siegfried Liebert über die Ver- hältnisse des Märkischen Jmmobilienvereius und der Neuen Berliner Baugesellschaft vernommen. Der Märkische Jmmobilienverein, der zunächst Akliengcsellschaft war, ist aus der im Jahre 1880 mit 100 000 M. Kapital gegründeten Aktiengesellschaft für Verwaltung von Grundeigeutum hervor- gegangen und verfolgte den Zweck, notleidende Grundstücke, an denen die Spielhagen-Gesellschaften interessiert waren, zu über- nehmen. Als sich die Aktiengesellschaft in den Märkischen Immobilien- verein umwandelte, hatte sie ihren Betrieb eingestellt und sich länger als 10 Jahre hindurch lediglich auf die Verwaltung eines Schulhnuses in der Weißenburgerstraße, des einzigen ihr gebliebene» Objekts, beschränkt. Am 17. November 1898 wurde der Verein in eine Genossenschaft mit beschränkter Haftung mit einem Kapital von 300 000 M. iimgelvandelt und auf letzteres die 100 000 M. Aktien der alten Gesellschaft angerechnet. 200 000 M. sind banr eingezahlt worden. Direktoren ivnrdcn Dr. Siegfried Liebert und Ernst Wilms, der Mann einer Cousine der Frau Ed. Sonden. Gesellschafter waren Ed. Sauden, Carl Schmidt, Siegfried Liebert und Ernst Wilnis. Deren Anteile vereinigten sich schließlich bei der Preußische» Hypothekcn-Aktienbank und gelangten im Januar 1899 für deren Rechnung an die Kreditgesellschaft für Industrie und Grundbesitz. Die Neue Berliner B a n g e s e l l s ch a f t ist im Jahre 1393 errichtet worden. Von dem eine Million Mark betragenden Grund- kapital waren 772 000 M. im Besitze der Aktiengesellschaft für Grund- besitz und Hypothekcnvcrkebr und 228 000 M. im Besitze des An- geklagten Otto Sauden. Die Direktion bestand ans Ernst Wilnis und Dr. Liebert. der Aufsichtsrat wurde gebildet von Major L. Kretzschmer, NechmingSrat Herre und die Angeklagten Otto Sauden und Häufchke. Die Verhandlung Ivcndet sich hierauf dem Anklagcpimkte zu, welcher Eduard Sauden, dem Angeklagten Heinr. Schmidt als früheren zweiten Direktor, Eduard Schmidt als früheren Vor- fitzenden des Aufsichtsrats der Preußenbank unwahre Tarstellunge» in den Uebersichten über den Vermögensstand der Gesellschaft in idealer Konkurrenz niit Untreue vorwirft. Angeklagter Puchmüller ist der Beihilfe dazu beschuldigt. Die Preußenbank hat zwei Abteilungen: die Bankabteilung und die Hypothckeuabteiluug. Vorsteher der crstcren war der Angeklagte Heinrich Schmidt, Vorsteher der letzteren der Angeklagte Ed. Sauden. Von den Bnchhaltercivorstehern dieser Abteilungen wurde am An- fang jedes Jahres das Material für die Bilanzen des Borjahres vorbereitet und demnächst dem Angeklagten Pnchmüller übergeben, der cs zusammenstellte und niit Ed. Sauden durchging. Nachdem die Bilanz fertiggestellt war.j wurde sie niit ihren Anlagen, die die Bcstaiidsnufuahnicn und die Auszüge ans den Büchern enthielten, dem Angeklagten Heinrich Schmidt und 1 bis 2 Tage später deni Bilanzrevisoren des Kuratoriums zur Prüfung vorgelegt. Die letzteren iiahmen diese Prüfung in der Weise vor, daß einzelne Mitglieder einzelne Teile der Bilanz mit deren Anlagen verglichen. Auf die Bücher selbst wurde im allgemeinen nicht zurückgegangen. Sämtliche beteiligte Angeklagte bestreiten, sich der Bilanz« Verschleierung schuldig gemacht zu haben. Sie behaupten, daß sie die ihnen obliegenden Verpflichtungen bei der Prüfung bezw. Aufstellung der Bilanzen nach ihrem besten Wissen erfüllt haben. Dies erklärt insbesondre auch der Angeklagte Eduard Schmidt. Aus dem Kuratorium sei eine Kommission von drei Mitgliedern gewählt, die die Prüfung der Bilanzen vomehmen mußten. Den einzelnen Mitgliedern dieser Kommission wurde die Revision besonderer Teile der Bilanz zur Prüfung über- wiesen. Ihm als Bankier war die Revision der Kassenverhältnisse übertragen und er habe stets alles in Ordnung gefunden.— Im übrigen geht aus den Aussagen der Angeklagten hervor, baß sie sich auf Eduard Sauden verlassen haben. Angekl. Ed. Sande n erklärt, daß er sich niemals als erster Direktor ausgespielt habe, sondern alle Dinge, und namentlich auch die Bilanzen mit seinem Diildirekior Heinr. Schmidt besprochen habe. — Angekl. Heinr. Schmidt: Herr Kommerzienrat Sandeii hat mit mir niemals über Bilanzen gesprochen. Hätte ich von einer einzigen Inkorrektheit oder von einer einzigen Schiebung die geringste Kenntnis gehabt, so würde ich»iiumermehr die s Bilanzen unterschrieben haben. Ich weiß nicht, wie Herr Sauden zu seiner Behauptung koninit. Wer die Snppe eingebrockt, ißt sie doch auch ans I— Ed. Sauden bestreitet auch objektiv, daß in den in Frage stehenden Bilanzen von 1896—1899 Unrichtigkeiten enthalten sind., Angekl. P u ch m ü l l e r: Er habe Herrn Kommerzienrat Sauden immer große Hochachtung entgegengebracht und in geschäftlichen Dingen als Autorität betrachtet. Dieser Autorität folgend, habe er' gehandelt, in dem Glauben, daß es dem Kommcrzieurat gelingen' werde, die Bank zu einer gedeihlichen Eutwickluiig zu bringe». Dicfcn Glaube» habe er während 30 Jahre bis zuletzt gehabt. Im einzelueii wird die Bilanz per 31.' D e c e m b e r 1896 erörtert. Am 31. Dezember 1896 war die Akticiigcscllschaft f. G. u. H. der Preußenbaiil 10 302 645 M. schuldig, während die letztere ihrer- eits der Deutschen Grundschuldbanl 10 651513 M. schuldig war. Statt nun niit diesen Beträgen die Aktiengesellschaft unter dem Aktiv- Posten„Guthaben in laufender Rechnung" und die Deutsche Grund- schuldbank unter dem Passivposten„Diverse Kreditoren" aufzuführen, ist unter den Aktiven die Schuld der Aktiengesellschaft f. G. u. H. ganz weggelassen und unter den Passiven der gleiche Betrag abgesetzt, indem die Deutsche Grundschuldbank statt mit 10 651 513 M. mit nur 348 867 M. berücksichtigt wurde. Die Folge war, daß in der Bilanz die Debitoren mit nur 5 903 292 M. stall mit 16 205 938 M. und die Kreditoren mit nur 14027 599 M. statt mit 24 330 245 M. er- cheinen. Die Anklage vertritt die Ansicht, daß diese Art Buchung tattgefunden habe, um die Gesamtbeträge der Debitoren und Kredi- oren wesentlich herabzumindern und die Aufmerksamkeit von den 'atzungswidrig vorgenonimenen umfangreichen Coiitocorreutgeschäf»* abzulenken. Nachdem einige Angestellte der Bank über die Art und Weise, tvie die Bilanzen angefertigt wurden, vernommen worden, sucht Konimerzienrat Eduard Sauden auseinander zu setzen, daß er zu dieser Art Buchung völlig berechtigt gewesen sei und diese keines- wcgs den Zweck verfolgt habe, den Coiltocorreut-Vcrlehr zu vcr- 'chleiern. Das Verfahren sei durchaus zulässig, ja notwendig ge- wesen. Auf denselben Standpunkt stellt sich mit Nachdruck der An- geklagte Otto Sauden, der die entgegengesetzte Ansicht des Konimerzien- rats Lucas für falsch erklärt. Angeklagter Heinr. Schmidt bestreitet, daß er im allgemeinen von Bilanzen etwas verstanden habe. Er habe sich im allgemeinen und bei dem hier in Frage stehenden Punkt im besonderen auf die Erfahrung deS kaiifniämiijch gebildeten Direktors Ed. Sauden verlassen. Er selbst sei von Hanse ans Jurist, habe in seinem Leben nie eine Bilanz gemacht. Hier seien die Bilanzen von den Buchhaltern gemacht, Ed. Sauden habe sie diirchgcschc» und er habe sie in wenigen Abend- stunden geprüft, soweit es ihm möglich war. Sachverständiger Kommerzienrat L» c a s setzt des ängeren auseinander, weshalb die bemängelte Bilanzbuchnng entschieden»n- zulässig sei. Seinen Ausführungen wird seitens der Angeklaglm� ferner durK den Justltzrcit Kleinholz und die NcchtZonwnlte Thurm und Bernstein widersprochen. Scichverstandiqer Geheimrat Dr. Hecht: Die Biliuizc» von Hypothekcnbnukcn seien in erster Reihe zur Orienlierimfl der Pfnnddrief- Inhaber be- stimmt und für diese von änszerster Wichtigkeit. Der linier ollen Umständen berechtigten Forderung einer klaren durchsichtigen Bilanz entsprechen die Bilanzen der Prenstenbanl von 1896 an und rückwärts nicht. Sie sind nicht nur in dem hier zur Anklage stehenden Punkt, sondern auch in anderen Punkten, die nicht zur Anklage stehen, unklar. Das Verhältnis der Bank zu anderen Gesellschaften hätte doch klargestellt werden müssen; es war aber aus den Bilanzen nicht zu erkenne». Der Sachverständige setzt dies in längerem Vortrage auseinander und schließt sich bezüglich der Nu- znlässigkeit der Bnchnng ganz dem Gutachten des Kommerzienrats L u e a s an. Die vorliegende Bilanz gebe von den Verhältnissen ein total falsches Bild. Die persönliche Befähigung des Angeklagten Heinrich Schmidt zur Prüfung von Bilanzen könne er nicht ermessen. nieine aber: Wenn mau Vorsteher der Abteilung einer solchen Bank ist. sollte man dock in der Lage sein, eine Bilanz lesen zn können. Der Art, wie die Bilanzen geprüft worden, habe es an den aller- ersten primitivsten Grundlagen gefehlt. Es sei eine ganz schablonen- hafte Prüfung gewesen, die jeder Lehrling machen konnte. Sachverstätidige und Verteidigung. Nach kurzer Pause erbittet sich der Sachverständige Geh. Rat Dr. Hecht das Wort zn einer persönlichen Bemerkung: Ich habe niich darüber zn beklagen, daß mich die Verteidigung während der Begründung meines Gutachtens wiederholt zu unterbreche» pflegt. Es gehört doch zum guten Ton, jemand aussprechen zn lassen. Ich muß dringend bitten, das; die Verteidiger mich nicht unterbrechen, sondern meine Ansführnngen bis zu Ende entgegennehmen und dann erst versuchen, mich zil widerlegen. Ich habe meinen Eid geleistet, mein Gutachten nach bestem Wissen abzugeben, einerlei, ob es für oder gegen die Angeklagten ausfällt. Prä s.: Ich habe die lleberzeiignng, daß es keineswegs die Ab- ficht der Verteidigung ist, irgendwie den Ton zu verletzen, richte nun aber an diese die Bitte, anäi nicht im Eifer des Gefechts solche Unter- brechnngen stattfinden zu lassen. Rechtsanw. SBcr»stein: Die gesamte Verteidigung ist der An- ficht, daß der Sachverständige Dr. Hecht seine Stellung in diesem Prozeß verkennt. Er ist als Sachverständiger berufen, über bestimmte Thatsachen, die zur Anklage gehören. Auskunft zu geben. Darüber hinaus ist er aber immer bemüht, Sachen, die überhaupt gar nicht zur Anklage stehen, zu längeren Vorträgen zn benutzen und zu Ungunsten der Angeklagten zn verwenden. Das geht weit über die Aufgaben eines Sachverständigen hinaus. Vorsitzender Landgerichtsdireklor H e i d r i ch: Es muß doch den Sachverständigen anHeim gestellt bleiben, zur Begründung eines Gutachtens so viel vorzubringen, als sie siir angemessen halten. Gehen sie darin zu weit, so würde der Gerichtshof schon unterbrechen, er habe aber dazu noch keine Veranlassung gehabt. Rechtsanwalt Thurm: Er schließe sich den Ansführnngen deS Rechtsanwalts Bernstein an und beantrage, den Direktor Gerschel voir der Rheinisch-Westfälischen Bank als Sachverständigen zu laden. Den Geh. Rat Dr. Hecht möchte er darauf aufmerksam machen, daß er kein Rügerecht habe, die Wahrung der Diseiplin vielmehr lediglich dein Vorsitzenden zustehe. Der Gerichtshof beschließt, ans seinen gestrigen Beschluß zu be- harren und die Ladung weiterer Sachverständiger abzulehnen. Die Erörterung einzelner Posten der Bilanz für das Jahr 1896 nimmt noch einen großen Umfang an und giebt zu eingehendem Darlegungen der Sachverständigen sowie der Angeklagten und deren Verteidiger Anlaß. Es bandelt sich dabei nii weientlichin um Posten, durch welche verschiedene Verluste ans älterer Ze>. gedeckt werden sollten... r... Bei einigen andren Punkten der Bilanz, die gleichfmlS bean standet worden sind, können die Sachverständigen die bona ncrss nicht ohne weiteres absprechen._. � Die Verhandlnng wird hierauf ans DienStag 9 Uhr vertagt. Ceiiiralverbaud der Konditore»»nd verwandten Berufsgenossen. Heute Mittwoch, den 4. Jnnt, abends 8'/- Uhr, bei-dauer, Roienthaler sirahe 57: Mitglieder-Versaiinnlimg. Gäste wilttinnnien., Berband deutscher Barbiere. Friseure imd Bervurfeu,..nchce (Zweigveiciil Berlin). Donnerstag, abends 10 Uhr, bei Bauer. Rown- thalerstr. 87: Auberordcnrliche Generalversammlnng. Tagesordnung. tu. abstiurnningS-Antrag des Verbandsvorstandes. Gtatimieu 3 if Gwincnide. 769 NO Hamburg Berlin straiiks./M. Aiiincheir Wien 768 O 767 NO 769?!O 768 SO 768 Siill Wetter 3 Nebel gwollcnl Zivollenl 2 heiter 2wolke»l — heiter Stationen Petersburg Cork Aberdeen Paris isÄ i U 12 12 18 warin Wetter- Prognose für Mittwoch, den 4. Jnni INVÄ. Trocken nnd vonviegend heiter, nachts ziemlich Irlich, am Tage whx nu bei mäßige» östlichen Winde». Berliner Wetterburea � Für den Inhalt der Inserate übernimuit dte Nedaktiou de», Publikniil gegenüber keinerlei Beranttiiortiiiig Tlirntrv. Mittwoch, d e n 4. I u n i. Opernhaus. Die Meistersinger von Nürnberg. Ansaiig 7 Uhr. Schauipielbans. Das große Licht. Ansang?>/. Nhr. NcueS Opern- Theater lKrollt. Im LiederwielHans: Offenbach- CykliiS. Die Zaubergeige.— Paimpol imd Perinette.— Apotheker imd Friseur. Anfang 8 Nhr. Schiller. Die schöne Melusine. An- sang 8 11 Hr. TcuticheS. Rosemnontag. Anfang 7Vi Nhr. Berliner. Alt-Heidelberg. Anfang 7V, Nhr. Lessing. Geschlossen. Westen. Hoffiiianns Erzähllingen. Aiilang 7'/, Nbr. NeneS. Die Grobstadtlnft. Anfang 7>/z Nhr. vkesideiiz. Eiiiquartlennig. Atifang 7'/, Nhr. Central. Coralie u. Cie. Anfang 7>/, Nhr. Thalia. Gastspiel der Schlierscer. Der Protzeiibauer von Tegenisee. Alifaug 8 Nhr. Vebr-Zllllance. Die Dame ans Trouvisse. Hierauf: Er. Anfang 7i/z Uhr. Lnksen. Geschlossen. Carl Welst. Die Viper. Anfaiia 8 Nhr. FrirdrickiWilheln, städtisches. Der lustige Ehemann. Anfang � 71/, Uhr. E. v. WolzogenS Buntes Theater (Neberbrettl), Ansang 8 Nhr. Schall»nd Nanch. Serenissiinus- Zwlichenlpiele. Der Fall Moncel. Schöne Seelen. Kollegen. An- sang 8>/z Uhr. OrphenS. Spectalitäten-Vorstcllmig. Anfang 8 Nhr. Charivari. Täglich Vorstellung. Anfang 8 Nhr. Metropol.(Monvitz-Oper.) Aleffan- dro Stravella. Aniaiig 8»Hr. Zlpolto. Lhsistrata. Specialttäten- ZwrflcNnng. Ansang 8 Nhr. Palast. Ben-Ali-Bep imd sein orientalisches Zauber- Ensemble. Ansang 8 Uhr. Cnsino-Theater. Geschlossen. »Irichshallen. Sleuuier Säuger Ausaug 8 Uhr. Passage- Theater. Specialiläle»- Vorßellutig. Ausaug»achmittags 8 Nhr. Passage- Panoptikl'.t». Special!- lälcn-BorßelltUig. Urania. Tanbenstr. 48/49.(Im Theatersaal.) Abends 8 Uhr: Die deuliche Ostieekuste. Jnvalidensl raste S7/««. TSglich: Sternwarte._ Ifrania. Tauben-Strasse 48/49. Im Theater um 8 Uhr; Die deutsche Ostseskusfe. Grosse Fänge. Seefische billig! in allen Grössen grosse ohne ICopf und im Anschnitt /zum Kochen nnd Braten sehr empfehlenswert) ohne Oabiiau ISrntflniKler SO- hecht S5 I'O SS Kopfu. im Anselm. 15, 18-20 hnitt... Ls 20-22 p< Pf. pro Pfd. 25 Pf..„ 35 Pf.(3 Pfäin«! 55 Pf.)- Sec- Knurritulin 35 Pf. pro Pfand. Panoptikum Frledrlcli-Strasse!65. Photographische Aufnahme von der Insel Martinique und von den Schlachtfeldern Trseiksvaal«. 3 m Konzertsaal: Schwedische KUnsUerkapeüe 4 Barnen, 2 Herren. „Nordsee" Wltt'THMtt (Wattner-Theater). Mittwochabend 8 Uhr: DI««eliiin« Zlola>-l»e. Märchen- Drama in vier Aufzügen von Georg Rcicke. Donnerstagabend 8 U h r: König Harlekin. Freitagabend 8 Uhr: Zum erstenmal: »le 41«ilten karger. iletropol-liieater Anfang 8 Uhr. Morv» ItK-Oper. Mittwoch: Heinrich ßölel. Alesaandro Stradella. Donnerstag: Die Instigen Weiber von Wlndsor. feta�GlmpielHeinpich Botel Sonnabend; Klassisch-populäre Vorstellung bei halben Preisen: Don Juan ven Mozart. Belle-Älliance-Theater. Im Garte» ans der Sommerbühne um 8 Uhr-Die DlimeallöTmiville Schwant mit Gesang u. Tanz in 3 Akte«. Vor und»ach der Vorstellung: Grosse» Konzert. Bei ungünstiger Wilteriiiig im Theater:— Garten-Eilt ree inkl. Vorstellung itv Ps.— Saison- jarten 3 M.— Dutzendlarten 3 M. tisKmßxv&sis&ffZ' r-vlmm Passage-Panoplicuiii. Der weibliche Affeiunciiseb. Die Seejunjjfcr. Der Tigerknabe. Damen- Hinykaiiipf! Alles ohne Extra-Entree. Passags-Theatep. Anfang Sonntags 3 Ulli-, Wocheniags 5, Ende 11 Uhr. \ W1 11 y Prsa§;er| 16 Llite-Mnjwciü. imtrabSftffltrT Mittwoch, de» 4. Juni, abends 8 Uhr- Zum 143. Male: Coralie& Cie. '( Schwank i» 3 Att. v. Albin Valabrequc nnd Maurice Heimeonin. Morgen u. folgende Tage: Coralie A. Cie. c Deute die Dampfflselierci-Gescllscliaft Hauptfiliale Perlin C. 23, Balmliof Btlrse. Bogen 9—10. 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KpM-flieAlei' nad Konecrt- Garten. _ Um 8 Uhr: UMSr Mensa« ioiteli sind die neuen Junt-HpccJalililteu! Um 9 Uhr: Koloasaler Daclterfulg! Die Ausstattungs-Operette von Paul Lincke Ijjrsistrafsi mit dem Luftballett„Grigolatisf Um 7 Uhr: Gnrtcn-Konaert. W. Nucks Theater. Briimiettstraßc 16. Täglich: Konzert, Thentkr- n. Specill- lilöleil-Borsttslnilg. Operette in 1 Alt von Rob. Linderer. Miisil von Richard Thiele. Im Saal: Van»krUn»cI»en. 1 1111 1 llilllll I——— I— 1 Schall und Rauch (Kleines Theater) Unter den Linden 44. Mittwoch, 4. Juni, abends 8V2 Ulir: Serenissinins-Zwiscliensiiiele Gastspiel von Emaunel Reicher. Der Fall Moncel.— Kollegen. Schöne Seelen. Reichshalle n. TUslich: Stettiner Säuger Anfang: Wochentags 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. Tageskasse U— D/jUlst •e■*« ® S? Reiclishallen-Garten u»d KoHtaurnnt. Täglich: Grossee Militär-Konzert. Max Kilems Sommer- Thealer. Hnfscnlicidc 13—15. |Artistischor Leiter: Gust. Bock, Täglich: Gr. Konzert, Theater- u. jSpecialitäten-Vorstellung Jeden 1. und 15. d. Monats: g Wechselndes Programm t IDonnerstag: Klltc-Tag. NaiB�soiiei KotibiiMcrMtr. 4a, Station der Hochbahn. Täglich im Garten, bei ungünstig Witterung imSaal: Ilakf,»»»,,«, Norl>l>eiltsche Tiinger und Konzert. Sonntag, Montag nnd Donnerstag nach der Soiree: Tanztränzchen. Tanz frei k Anfang des Konzerls 5 Uhr, der Soiree 7 Uhr. Entree 30 Ps., ab 0 Uhr 20 Pf, Gchlocc Weilding-Park, MUllar-Strasse>78, gegenüber der Daukeskirche, Inhaber: Oarl Hellmann. rttglkrb allster Freitags: Elite-Konzert, Theater-, Sflccialität.-Vorstellung. Sonntags 11. Dienstags: Ball. Dienstags und Sonnabends: Original Horddeutsche Sänger. Heute Mittwoch: iLludtt-xreudenfest mit Verloinugen. | Kaffeeküche, verdeckte Kegelbahnen, Vergnügungspark stehen täglich bbhibhimbwJI SISgr Fi-ObcU HS Allerlei Theater Danksagung. Alien Freunden, Genosien und Ver- wandte», insbeiandere dein Social- demokratlichen Wahlvereiii für den 6. Berliner Reichstags- Wahlkreis, dem Centtalvcrbaud der Zimmerer Deutschlands, der Central-«ranken- lasse der Zimiiierleitte sowie dem Meister und den gesamteu Arbeitern des Neubaues Liudenstr. 60 für die Teilnahme und die reichen Kranz- spenden bei der Beerdigung uicincI lieben Mannes Dttn kaoblvndc-K- meinen herzlichsten Dank. 48b Witwe hicbkvndsr' und Kinder. Danks, igung. losb Für die vielen Beweise der Teil- nähme bei der Beerdigung meines Mannes, deS Zimmerers llotiirloll IKKtzik« sage ich dem Berein der Zimmerer nicuipu herzlichsten Dank. Wwe. Alwine JIKtzkc. früher Pnlilmann"WVI Schdnhaueer-AIIee No. HS. Durchweg glanzvoll erneuert! Täglich: Or. Oerten-Konzert, Theater, Speclalltdten-Vorstellung. Komnirii! Sehen! Staune» k Allabendlich stürmischer Beifall des erstklassigen Riesen- ProarammS Im Prachtsaal:<>!»-. Dali. Ansang Konzert 5 Uhr, Barst,/, Uhr, von der Letchenhalle des neuen Luisenkirchhoss anS statt. Treffpunkt bei Wernicke, Bismarck- straße 33, ö'/j Uhr. Um rege Beteiligiing ersticht 250/8 De>> Vorstand. Verband der lian-, Erd- u. gewerbliclien Hilfsarbeiter Deiitsclilands, (Zahlstelle Berlin I.) Todes" Anzeige. Den Mitgliedern zur Ziachricht, daß liiiicrlangjährigcslviitglied, derKollege Mvust Böhlke am Sonntag, den 1. Juni, ver- stoiben ist. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 4. Juni, nachmittags 8 Uhr, von der Leichenhalle des St. Markus- Kirchhofs in Wilhelmsberg ans statt. Um rege Beteiligung ersucht 42/8 Die OrtSverioaltnng. Hiermit die traurige Nachricht, daß uns am 1. Juni unier lieber Sohn und herzensguter Bruder der Schlosser- lehrling 46h Carl Dietrich im 19. Lebensjahre plötzlich durch den Tod entrissen wurde. Dies zeigt tiesi betrübt an Familie Dietrich, Schliemanustr. 14. Die Beerdigung findet am Mitt- woch, den 4. Inns 1002, nachmittags 4Vj Uhr, von der Leichenhalle des, Freireligiösen Friedhofs in der Pappel-Allee ans statt. Socialdemokratischer Wahlverein fiir den i». Berliner Reichstags-Wahlkreis. Am Donnerstag, den S Juni, abend« 8V- Uhr, Im Colbergerstrahe 23: »Colberger Salon", Außerordentliche General-Versammlung. Tages-Ordnung: BcnchierstattAng über stattgehabte Verhandlungen bezüglich der Berliner Organisationsverhälwisse- 2. Dislussion und eventuelle Beschlubsassung über die für unseren Kreis sich hieraus ergebenden Mahnahmen- 3. Mitteilungen über den augenblicklichen Stand der Neueinrichtung der„Vorwärts"-Druckerei und deren Ver- waltung, soivie Wahl eines Mitgliedes zu einer hierfür zu bildenden Kvntrollkomniisston. 248/3 Miigliedsbucki legitimiert-— Zahlreichen Besuch erwartet Der Vorstand. ZV" Die Mitglieder werden gleichzeitig darauf aufmerksam gemacht, daß Eude dieses Monats die ordentliche-sieucraloerfammlung stattfindet-_ D. O. Acht»»«,:-rm. IW Achtung! Bauarbeiter Berlins und Umgegend. Uerbllud der Bau-, Crd- und gewerdljchen Djlfsarbetter Deutschlands. �eablstellen Derlkn« und Ilmgegend. Freitag, de» S. Juni, abends 8 Uhr, im Gewcrkschafshauö, Engcl-Ufer 13miii,�?.s::i'?i, <1- Etage) Ecke Dresdenerstrahe- Nnttid f Unversälscht- Deutscher Kltllltst» Bienenhonig, best, Qnalit- vers-die lOPfunddofe zu 6,50M-, 5Pfd- 4 M- franko, Garant- Rsicknahme- E Uoil dlurdlub, Bahnhof . rtcll, Augustfehn, Oldenbg- Dr. Simmel, Prinzenstr. 41. Specialarzt für 25/17* Haut- und Harnleiden. 10-2, 5-7. Sonntags 10-12, 2-4. Movel-Favrik„Nord-Ost" (Eingetragene Genossenschast mit beschräuster Hastpsiicht), Ttlsitcrstr. 70. Hllau�-O«ut«» zier St. Dezember 1001. Aetlva. Passiva. Materialien, divers! 4272,33 do. fertige Arbeite r 488,— do. halbfertige 1000,- 5 769,33 Utciifllien....... 2 447,- Eassa...... 814,73 Wechsel........ 167,— Debitoren....... 7 652,05 Ereditoren..... 2 254,43 Darlchne....... 13 974,31 Geschästsanteile der Mitglieder....... 300,— Reservefonds..... 143,38 Reingewinn...... 168,99 16 841,71 16 841,11 Mitglicderzahl am 31. Dezember 1901: 9. Reu eingetreten: keine. Ausgetreten: einer. Betrag der Haftsumme: 30 Mark. Gcfchästsguthaben 30 Mark. Das Gcschäftsguthaben sowie die Haftsumme der Genossen hat sich nicht vermehrt und nicht vermindert. 51b____ Schröder. RUhl. TJrt Itltö) 311 10 Jahre Garantie. Volltomme» schmerzlos. Fahn- UZllllllt& III. ziehe» 1 M. Plomben 1,50 M. Teilzahl, wöchentl. 1 M. Zahnarzt IVolk, Leipzigcrstr. 130. Spr. 9—7. � J FCIßinß AnzßioGn» Wort feit, Worts mit mehr als ff mOk ff ff ff ff �fffiff ff mU ff Iwff ff ff 9 Wf in de ja Buchstaben eählen doppelt, JB W b Anzeigen in den Annahmestellen für Berlin bis 2 Uhr, für die Vororte bis 1 Uhr* der Haupt expedition Beuthstr.3 bis 4- Uhr angenommen. iste A rden ff Im jM m Rechtskandidat mW als Volontär in der Hedalttisn eines snelal- demuhratlselieu Blattes z« arbeiten. Offert, nnt. �Volontär H. T. 1033" an Rudolf Mosse, Nürnberg. Adjtnnll! Holzarbtittr! Gesperrt sind folgende Werkstätten: Leibe u. Co., GroHbeerenstr. 54. Tischler und Maschinenarbeiter. Grün n. Hottwlg, Giieisenauftr.44/45. Wegncr, Wilmersdorf. 83/3* Tie Ortsv er waltung. Achtung! Holzardtiter! Zuzug von Tischlern und Drechslern Werkstatt Max Kirchstein, Spandau, ist fernzuhalten, Die Ortsverwaltung des deutschen Holzarbeiter- BcrbandeS, Spandau. Achtung. Korbmacher! Gesperrt stud die Werkstätten von Schlesinger, Stallschrciderftr. 18. Brückner, Bambus- u. Kougowaren- fabrtk, Alosterstr, 72. 84/4 Die OrtSverwalwng. Verantivortlicher Redacieur: Earl Leib m Berlin. Kür den Jnierateuteil veranttportlich: Tb.«lade iu Berlin. Druck uud Verlag von Max Badiiig m Berlm \ o Ii t Ii n g! Braacrei-Arbeiter! Die Differenzen in der Patzen hoser Brauerei sind noch nicht geregelt. Die Agitatious-Sominisst«». tr It. 127. 19. mmm. 2. MIM Der Mordprozeß Thomafchke. Unter gewaltigem Andränge des Publikums begaun gestcni bor dem Schwurgericht des Landgerichts I. der Giftiuordpro�eb gegen den Agenten Arthur Thomafchke. Die Verhandlung findet im kleinen Schivnrgerichlssaale statt, da der grosje vom Prozefi Sauden und Genossen in Anspruch genommen wird. TKomaschke»vurde schon um 8t/s llhr aus dein Untersttchnngsgefängnisse vorgeführt. Er trägt den linken Arm in der Binde. Vor ctiva acht Tagen hat er in seiner Zelle einen Selbstmordversuch gemacht. Er hatte sich eine Bierflasche zu verschaffen gewußt, die er zerschlug. Mit den Scherben zerschnitt er sich die Pulsader» der linken Hand. Er hatte schon viel Blnt verloren und ivürde seinen Zweck erreicht haben, wenn ihn nicht ein Beamter durch das Guckloch in der Zellenthür am Boden liegend gesehen hätte. In der Zelle, in welcher Thomafchke vis zum Beginn der Verhandlung ivarlct, ist er einer beständigen Beobachtung initerworfen, damit er nicht durch Einschlagen einer Fensterscheibe den Versuch an der rechten Hand erneuert. Wegen seines Verbandes hat von einer Fesselung Abstand genommen werden müssen. Als der mntmaszliche Gistmördcr in den Saal geführt wird, entsteht allgemeine Sensation. Thomafchke ist ei» hochgcbauter Mann von kräftigem Körperbau. Sein nicht im- schönes Gesicht zeigt die Blasse, welche die Kcrkerlnft und der begangene Selbstmordversuch mit sich bringen. Er trägt eine goldene Brille und macht überhaupt den Eindruck eines an- ständigen Mannes, dem man die ihm zur Last gelegte schreck- liche That nicht zutrauen solle. Ten Vorsitz sähet Land- gerichts-Tircklor Pohle, die Anklagcbchörde vertritt Staatsanwalt R a ii d o l p h. die Bertcidignng liegt in den Händen des Jnstizrats Dr. S c l l o und des Rechtsanlvalts Dr. W e r t h a u e r. Als Sach- verständige sind Prof. Dr. Straßmann und Medizinalrat Dr. Mitten- zweig sowie die Gerichtschcmiker Dr. Jcscrich und Dr. Bischosf ge- laden. Da 40 Zeugen zu vernehinen sind, lvird die Verhandlung voraussichtlich drei Tage in Anspruch nehmen. Thomaschke blickt auf eine böse Vergaugeiiheit zurück. Er ist am 4. Februar 1866 als unehelicher Sohn des Buch- Halters Woitschach und der unverehelichten Thomaschke zu Muskan im Kreise Rothenburg geboren. Er hat keine besonders gute Erziehung genießen können, sondern ist zumeist fremden Leuten anvertraut worden. Er widmete sich dem Kanfmannsstaude. Schon in seiner ersten Stellung als Buchhalter vergriff er sich an der Portokasse und zog sich eine erhebliche Gefängnisstrafe zu. Von jetzt ab ging es schnell mit ihm bergab, er begab sich auf das Gebiet der Kantions- schwindelei, beging einen Betrug, eine Unterschlagung, eine Urknnden- fälschnng nach der anderen und wurde viermal zn erheblichen Zucht- hansstrafcn verurteilt. Im März d. I. iraf ihn die letzte Bestrafnng wegen Betrugs und Urkundenfälschung— sechs Jahre Zuchthans nnd die üblichen Nebenstrafen. Aber auch der Mann, den der An- geklagte durch Strychnin ums Leben gebracht haben soll, halte eine dunkle Vergangenheit. Es war der 6Sjährige Geldvermittler Eduard Löfflcr. Er war siebenmal vorbestraft, darnntcr ebenfalls viermal mit Zuchthaus. Löffler hatte als Inhaber cincs GeldvermittelungS-Jnstilnts ebenfalls Leute angenommen und dieselben um die von ihnen hinterlegten Kontiouen betrogen. Sein ganzes geschäftliches Treiben war ein anrüchiges. Löffler ernährte sich dadurch, daß er Geldmännern, welche im Hintergründe bleiben wollten, Darlchnssucher nachwies, den Vermittler spielte und dafür seine Proviston bezog. Hauptsächlich gehörten Offiziere zu seinen Kunden, da diese die höchsten Wncherzinsen bezahlen konnten. Löffler muhte die Wechsel, welche ihm die Schuldner ausstellen muhten, mit unierschrcibeu und ging dadurch den Geldgebern gegenüber selbst Vcrpflichtimgen ein. wegen der er schliehltch selbst in Anspruch gc- nommen wurde. So soll er denn im September vor. I. ivicdcrholt fruchtlos gepfändet worden sein. Löfflcr und Thomaschle hatten sich im Zuchthausc in Brandeuburg kennen gelernt. Löffler wurde zuerst entlasien; er nahm sofort sein altes Gciverbe wieder auf. Als etwa sechs Monate später dann auch Thomaschke auf freien Fuß gesetzt wurde, suchte dieser seinen Freund auf. der ihn mit Rat und That, mit Darlehen und Empfehlungen unterstützte. Sie verkehrten täglich mit einander. Diesen seinen einzigen Freund soll Thomaschke am 30. September v. I. in dessen Wohnung. Greifslvalderstraße 11, vergiftet und dann bestohlen haben. Anfänglich wurde angenommen, dah Löffler sich selbst vergiftet habe, bald häuften sich die Verdachtsmomente gegen Thomaschke aber derart, dah er am 24. Oktober v. I. in Haft genommen wurde. Löfflcr hatte im ersten Stockwerk des Hauses Greifswalder« strahe 11 eine a»S drei Zimmern und Küche bestehende Wohnung inne. Als seine Buchhalterin, Frl. Klara Kretzschmar, die zugleich seine Geliebte war, am Vormittag des 1. Oktober, vor- mittags gegen SV» Uhr, ihren Dienst antreten wollte, fand sie zn ihrer Verwunderung die Korridorthüre nicht verschlossen. Als sie das Wohnzimmer betrat, sah sie ihren Chef angekleidet auf dem Sofa liegen. Sie sah sofort, dah er tot war. Vcrkchicdene Indizien, die wir am Sonntag dargelegt haben, deuten darauf hin, dah Löfflcr nicht, wie ursprünglich angenommen wurde, Selbstmord begangen hat, sondern von Thomaschke mit Strychnin vergiftet worden ist. Die Frage des Vorsitzenden, ob der Angeklagte sich schuldig be- kenne, wird entschiede» verneint. Es wird zur Feststellung der persönlichen Verhältnisse de? An- geklagten geschritten, welches längere Zeit in Anspruch nimmt, da alle früher gegen ihn ergangenen Urleile zur Verlesung gelange». Sodann beginnt die Vernehmung des Angeklagten zur Sache. Der Angeklagte erklärt, dah er mit Löffler im Znchthause in Brandenburg bekannt geworden sei. Als er ini August ISäO entlassen worden sei, habe er sich zu Löffler begeben, der damals bereits in der Prinzenstrahe ein Darlehns- Vcrmittlnngs- Bureau eröffnet hatte. Löfflcr habe ihm 2ö Mark geschuldet, die Thomaschke ihm vor seiner letzten Verhaftung geliehen haben will. Löffler habe ihm diesen Betrag bereitwillig zurückgezahlt. Der Augeklagte habe ein Wein« und Cigarren-Kommissionsgeschäft errichten wollen, ivie sie bereits in Bralldenburg verabredet hatten, und hierzu sei Löffler ihm behilflich gewesen. Löfflcr habe ihn aber nicht auf den Weg der Kantiousschivindclei verwiesen, sondern er sei ans eigenem An- triebe rückfällig gelvordcn. Nach seiner Entlassung anS dein Znchthause habe er' erst die Absicht gehabt, nach Ocslreich auszuwandern, dann sei er aber auf den Gedanken gekommen, erst seinen Freund Löffler in der Prinzenstrage zu besuchen. Auf dein Korridor sei ihm die Frau Wecker, die Wirtschafterin Löfflers. eutgegen- getreten. Auf seine Äeußernng. daß er Herrn Löffler sprechen möchte, habe ihm Frau Wecker gesagt, daß er für niemand zu sprechen sei.«Mit mir wird er wohl eine Aus- nähme machen" habe er erwidert und sei an der Frau vorüber ins Bureau getreten.„Willkommen, lieber Freund!" Mit diesen Worten sei Löffler ihm entgegengetreten. Er habe ihm von seiner Absicht, nach Oestreick auszinvandern, mitgeteilt. Löffler habe ihm erzählt, daß er mit seinen Geldmnnnern in die Brüche gekommen sei, es schwebe gegen ihn ein Verfahren wegen Wuchers. Löffler habe dann angedeutet, daß er einen Mann suche, der an seine Stelle bei den späteren Geschäften treten und ihn decke» könne. Der Angeklagte habe sich dadurch von seinem Entschluß, Berlin den Rücken zukehren, abbringen lassen und sich am 13. August eine möbliert Stube ge- mietet, um Ageniurgeschäste in Wein und Cigarrcn zu �betreiben. Der Angeklagte erzählt ferner, daß er sich wenige Tage nach dem Mieten des möblierten Zimmers bereits eine Wohnung in der Christ- burgerstraße gemietet und vollständig mit Möbeln versehen habe, te jonuitte" die ihm auf Löfflers Empfehlung hin vom Möbelhändler Schrammke auf Abzahlung geliefert worden seien. Löffler habe ihm versprochen, daß er ihm im September 900 und im Oktober 900 M. Darlehn geben wolle. Löfflcr habe ihm außerdem mehreren Herren empfohlen. Er habe die Absicht gehabt, zu heiraten. Er hatte sich mit der Köchin Anna Reiber verlobt, welche zur Heirat drängte, weshalb der Hochzeitstag bereits auf den 4. Oktober anberaumt wurde. Kurz vor diesem Termine habe die Reiber erfahren, daß er gleichzeitig mit der unverehelichten Modistin GrczybowSka ein Verhältnis unter- halte. Es sei zn einem argen Auftritt gekommen, als die beiden Bräute am Abende des 29. September zufällig in seiner Wohnung zusammengetroffen seien. Entgegen der Annahme der Anklage, daß Thomaschke in der Zeit vom 13. September bis zum 1. Oktober in einer dritten von ihm in Treptow ge- mieteten Stube geschlafe» habe, behauptet der Angeklagte, daß er stets in seiner Wohnung in der Christbiirgerstraße übernachtet habe. Alle diese Feststellnngcn dienen dazu, um dem Angeklagten den Nachweis zu liefern, daß er bei seinen Ausgaben nuniöglich»och so viel Geld haben konnte, wie nach dem Tode Löfflers bei ihm gefunden wurde. Der Angeklagte erklärt des weiteren, daß er beide Mädchen durch Heiratsannoncen kennen gelernt habe. Es sei ziemlich zn gleicher Zeit gewesen nnd so sei es gekommen, daß er sich nicht sofort für eine derselben definitiv habe entscheiden können und sich mit beiden verlobt hatte. Als die Geschichte von dem Sparkassenbuch über 1000 M. erörtert wird, welches vom Au- geklagten dem von ihm angenommenen Kassendicner Knoblauch als Knution abgenommen wurde, behauptet der Angeklagte. daß Löffler ihn hierzu angestiftet hat. Es werden dann die von Löffler abgewickelten Geldgeschäfte erörtert. Am 3. Oktober sollte Löfflcr den Offcnbarnngseid leisten. Dieses ivar ihm höchst unangenehm. Am 30. September soll er über Unwohlsein und Kopfschmerzen geklagt haben. Er ging zum Arzt und ließ sich Au'lipyrhin verschreiben, besorgte sich die Medizin aber nicht. Der An- geklagte ivill einmal von Löffler die Aenßerung gehört haben:„Na, nächste Woche ist es mit mir vorbei", und schließt hieraus, daß Löffler sich infolge der auf ihn einstürmenden Vcr- lcgcnheitcn mit Selbstmordgedanken getragen habe. Dagegen sollen Zeugen auftreten, welche bekunden sollen, daß Löffler auch zn damaliger Zeit stets viel Geld blicken ließ. Der Angeklagte behauptet, daß das freundschaftliche Verhältnis, welches früher zwischen Löffler nnd Holzapfel bestand, in letzterer Zeit vor dem Tode Löfflers einen Riß erhalten habe. Löffler habe auch Verpflichtungen gegen Holzapfel gehabt nnd auch der letztere habe wiederholt mit Pfändung gedroht. In weit- ichwcifendster Weise trägt der Angeklagte die verschiedenen Schiebungen nnd Vercinbarnngcn vor, die zwischen ihm, Löffler nnd Holzapfel vereinbart und abgeschlossen lmirdcn. In vielen Punkten werden ihm vom Staatsanwalt Widersprüche nachgewiesen, die der Angeklagte dann wieder in gewundener Weise anfznklären sucht. Ferner bleibt der Angeklagte dabei, daß Löfflcr ihm jcine in Aussicht stehende Erbschaft für 2000 M. abgekauft habe und zwar in erster Linie ans dem Grunde, daß er dann bei Leistung des OffenbariingScidcS mit gutem Gewissen beschwören könne, er besitze nichts. Ilm 6 llhr vertagt der Vorsitzende diS Verhandlung bis Mittwoch- vormittag 9'/e Uhr. Die Veiiiehinnng des Angeklagten wird sich dann um den Kernpunkt, den Giftmord, drehen. UoltKles. Mordprozrß Thomaschkc. Es ist im Grunde genommen eine recht elende und erbärmliche Sache, um die es sich i» der gestern eröffnete» Verhandlung gegen de» „Agenten" Arthur Thomaschke handelt. Der verstorbene ZnchthänSkcr und Wnchcragcnt Löffler ist ivnhrhaftig nicht das bißchen Strychnin ivcrt gewesen, das sei» Kollege Thomaschke an ihn berlvcndet haben soll, lind ebenso ist das menschliche Interesse �iir den des Mordes Angeklagten nur gering— sei es nun, daß er schuldig gesprochen wird, d. h. ob er sein Leben ein für allemal im Znchthause oder durch eine» abscheulichen Akt unsrer mittelalterlichen Gerechtigkeit noch rascher beschließt, sei es, daß er freigesprochen wird, d. h. weiter wie bisher sein Zuchthansleben ab nnd zu durch ein paar freic Jahre unterbricht. Es ist die alte schmutzige Tragödie des Gewohnheitsberbrechers. Unehelich geboren, schlecht erzogen, wenig unterrichtet, kommt Thomaschke im Alter von 18 Jahren zum erstenmal ins Gesängnis. Der Leichtsinnige verläßt cS als vollkommoncr Verbrecher. Seit jener Zeit ist sein Leben eine Kette von Znchlhaiisstrafc» ge- worden. Kaum entlasscn greift er, um sich Geld zu verschaffen, immer iviedcr zu seinem alten Geivohnhcitsvcrbrechen, dem Kantioiis- schwindel. Seine ganze nicht geringe Intelligenz nnd Schlagfertigkeit weiß er zu nichts Besserem mehr zu vertvende» als zum Kampfe gegen das Gesetz, zur rabiilistischen Ableiignung oder Beschönigniig seiner verbrecherischen Handlungen, Trotzdem wird dieser Mordprozeß, obwohl eS sich darin so- zusagen um„innere Nngelegenheitcn" der Verbrccherlvekt handelt, auf lebhaftes Interesse Anspruch erheben dürfen. Das schon einnial deshalb, ivcil die Beziehungen der beiden Verbrecher iveit in die Welt hineinreichten, die sich die gute nennt. Wenn elegante kapitalkräftige Herren, Ivie z. B. der Kanfinann v. Rhein baben, andre»,»och elegantere», aber minder kapital- kräftigen Herren Geld zu Wncherzinsen leihen, so bedienen sie sich als MittelSinäunern der sogenannten„Schlepper", Leuten ans der Hefe der Gesellschaft. Zu dieser Kategorie dunkler Ehrenmänner hat auch der verstorbene Agent Löffler gehört. Dan» ist aber der Prozeß auch darum interessant, weil es sich hier um einen jener Indizienbeweise handelt, die gerade in letzter Zeit so vielfach allgemeinen kritischen Erörterungen unterzogen worden sind. Man hat Löffler am 1. Oktober tot in seiner Wohnung anfgefnnden. Als Todesursache ivnrde eine Strychninvergiftuug festgestellt; es wurde eriinitelt, daß Thomaschke am Abend zuvor bei ihm gewesen sei und Wertgcgenstände besitze, die aus dem Besitze Löfflers herrührten. Die Lage des Leichnams und die Ordnung, die in dem Zimnier herrschte— obwohl Stiychiniivcigiflungcn bekanntlich furchtbare Krämpfe hervorrufe»— ließ Selbstmord so gut wie ansgeschlossen erscheinen. Ans diesen hauptsächlichen Gründe» richtete sich der Bcr» dacht der Behörde gegen Thomaschke. Erst der weitere Verlauf der Verhandlung wird zeigen, ob sich die Kette dieser Indizien lückenlos ießcn läßt. Tnö Polizeipräsidium erläßt folgende Warnung: Beim Beginn der heißen Jahreszeit pflegen durch Zeitimgsinseiaie und gedruckte Rimdschieibe» allerlei chemische Präparate, meist unter Phantnsicnamen und ohne Angabe der Znsaminensetznng, als Zu« ätze zur Milch, um deren Gerinnung z» verzögern, empfohlen zu werden, Vor dem Ankauf und der Verwendung dieser Mittel wird dringend gewarnt. Es ist keine chemische Substanz bekannt, die im stände iväre, die Milch frisch zu erhalten nnd vor dem Ge- »innen zu bewahren, ohne ihr gleichzeitig gesundheitsschädliche Eigen- ichafte» zu verleihe». Das einzig empfehlenswerte Verfahren, um im Haushalte die Milch vor dem Sauerwerden möglichst lange zu schützen, ist: die Milch so frisch wie möglich laufen, sofort nach dem Ankauf sie tüchtig ÜööiW. Mwllh, 4. Iiim 1992. aufkochen nnd sie alsdann schnell abgekühlt an kühlem Orte in einem Gesäße mit überfassendem Deckel, nnd zwar am besten ohne Um- gießen in dem Gefäße, das zum Abkochen dienle, auszubcwahren. Milch, die kleinere» Kindern gegeben wird, sollte vor Verabfolgung an sie jedesmal erst von einem Erwachsenen gekostet werden, um festzustellen, ob sie auch nicht sauer oder bitter schmeckt. Wer Milch, die mit chemischen Konscrbiernngsmitiekn versetzt ist, einführt, feilhält oder verkauft, hat Bestrafung ans Grund von§ 3 k der Polizeiverordnung vom 13. März 1902 und Ver- folgmig ans Grund des Nahrimgsmittcl-Gcsetzes zu gewärtigen. Das in Produzenten- und Hnndlerkreisen hier und da noch übliche Ver- fahren, Breniniesseln in die Milch zu legen, um sie zu konservieren, fördert die Gerinnung der Milch viel mehr, als es sie verhütet, ist schon anS einfachen Reinlickkeitsgrnnden durchaus zn verwerfen und ist außerdem geeignet, die Milch gesundheitsschädlich zu machen. Die Stadtverorductcu-Pcrsammlung hat sich in ihrer Sitzung am Donnerstag n. a. mit folgenden Gegenständen der Tagesordnung zu befassen: Die Akten betreffend die Wahl des Ncchisanwalts Galland, Alexanderstraße 50, nnd des Kaufmanns Modlcr, Fehr- bellinerstraße 93, zu Stadtverordneten.— Berichterstattung über den Antrag von Mitgliedern der Versammlung betreffend die Aufhebung der MagistratSvcrfiignng vom 29. Oktober 1901 bezüglich der Nicht» amvendnng des§ 616 des Bürgerlichen G e s e tz b u ch e S.~ Vorlagen betreffend: die Annahme der dem Kaiser und Kaiserin Friedrich- Kinder- Krankenhause zugefallenen Legate des � verstorbenen Rentiers Wilhelm B o t h e nnd Karl Theodor Wilhelm Roes icke,— die Bewilligung von 4000 M. zu Ehrenpreisen für das in der Zeit vom 6. bis 13. Juli d. I. abzuhaltende XX. Mittel- deutsche B n n d e s s ch i c ß e n.— die Herstellung von zwei ver- zinkten Eisenschäckiten bei den neuen UeberwachiingShäuser» der Anstalt für Epileptische„Wiihlgartcn" zur Beseitigung des Haus- mülls,— den erfolgten Druck der Berichte der zum Besuch der Pariser Welt- Ausstellung entsandten städtischen An- gestellten ec..— die Versorgung der Gcnicinde Friedrichs- Hägen mit Wasser ans dem' städtischen Wasserwerk am Müggelsee,— die Erwerbung der zur Rigaerstraße bestimmten Fläche des ehemals Koppel- jetzt Meycrschen Grundstücks,— die Er- stattnng von Kosten für Herstellung der Kopenhagenerstraße von Straße 16 bis Straße 9, Abteilung XI, an die Ballgesellschaft Belle vue— und den Erlaß zweier OrtSstatnte bezüglich der Hinter- bliebenen- Versorgung der K o m m u n a l b e a m t e n und sonstigen Angestellten der Stadt Berlin.— Beantwortung der Anfrage von Mitgliedern der Versammlung betreffend die Vermietung des ehe- maligcii Köllnischen Nathansgrundstückes. lieber eine bedauerliche Folgc-Erschcimuig der Hnndc- sperre berichtet die„Gefiederte Welt". Ans der vorletzten Sitzung des Vereins„Acginiha" sei einer Beobachtung Erwähnung gclhan, die Herr Franz Krüger machte und die auch von andern Mitgliedern bestätigt werden konnte. Die Gartenaulagen ans den öffentlichen Plätzen unsrer Stadt sind zwar stets nicht allzu sehr von Vögeln be- völkert gewesen; daß sie aber in diesem Jahre noch spärlicher von Vögel» bewohnt werden, daran sei die Hnndcspcrre schuld. Seitdem diese in Kraft getrclen, finden sich in der Nacht so viel Katzen in den Gartcnaulageii ein wie niemals zuvor, und diese gestatten auch nicht den geringsten Vogclbestand. Ei» ungetreuer Gcwcrkschaftöbeamtcr. Bürgerliche Blatter brachten gestern eine Nachricht des Inhalts, daß der Vorsitzende des Lederarbeitcr-Vcrbandcs, Heinrich B e i ß w c n g e r in Berlin, unter Mitnahme einer größeren Geldsumme verschwunden ist. Wir habe» daraufhin Erinittelinige» in dieser Angelegenheit angestellt und dabei erfahren, daß es sich thatsächlich so verhält, wie berichtet wird. Wenn auch die Darstellnngcii der bürgerlichen Presse in Einzelheiten unrichtig sind, so treffen sie doch in der Hauptsache zu. Beißwengcr hat die Vertrau ellsstelllmg. die er seit etwa nenn Jahren im Verbände der Lederarbeiter bekleidet, in der schmäh- lichsten Weise mißbraucht, er hat die Verbandskasse um eine erheb- liche Summe— soweit sich bis jetzt übersehen läßt, 20— 23 000 M.— bestohlen und nach einem wohl vorbereiteten Plane die Flucht er- griffen. Wir haben über die schändliche Handlungsweise Veißwengcrs folgendes erfahren: Veißwcngcr, der als Ceiitralborsitzender des Verbandes zugleich die Geschäfte eines Hauptkassierers versah und auch das Verbands- organ redigierte, war der einzige besoldete Beamte seiner Organi- satio». Er bezog bisher ein Jahresgchalt von 1800 M. Zu Pfingsten erbat nnd erhielt Beißwengcr einen Urlaub von einer Woche, um seinen schwer kranken Vater in Schlesien zu besuchen. Beißwengers Frau reiste gleichzeitig ans seine Veranlassung zu ihre» Angehörigen, und als sie am Mitlivoch der vorigen Woche zurückkehrte, fand sie einen Brief ihres Schlviegcr« Vaters vor, anS dem hervorging, daß ihr Mann gar nicht dort gewesen war. Frau Beißwenger machte nun dem zweiten Vor- sitzenden des Verbandes Mitteilung von ihrer Entdeckung und nun- mehr wurde festgestellt, daß Bcißwcngcr unter Mitnahme von zwanzig nnd einigen tausend Mark verschivimden ist. Die Gelder hat er wahrscheinlich schon seit längerer Zeit ans den laufenden Einnahmen zurückbehalten und die Unredlichkeit durch noch nicht aufgeklärte Manipulationen vor den Revisoren zu verbergen gewußt. Das ans der Deutschen Bank angelegte Verbandsvermögen im Betrage von 24 000 M. hat Beißwenger nicht angreifen können, da es derart angelegt ist, daß nur die beiden Vorsitzenden gemein« sani Gelder abheben können. Der zweite Vorsitzende Busse weilt zur Zeit in Hamburg, nm mit dem Verbandsausschnß, der dort seinen Sitz hat, über die weiter in dieser Angelegenheit zu nntcrnehmcnden Schritte zu beraten. Ein bösartiger llnfng beschäftigt jetzt die Kriminalpolizei. Vor kurzem erhielt die Frau eines Steiieraiiiis- Assistenten mehrere mit«Dr. Land" unterzeichnete Briefe, in denen ihr angekündigt wurde, daß ihr etwas andres passieren werde, wenn sie nicht bald komme und sich gesund machen lasse. Diese Briefe loaren um so gemeiner, als der Schreiber sie so gehalten hatte, daß der Mann der Empfängerin leicht an deren Treue zweifeln konnte. Nicht genug damit, daß der- Unhold so mit dem Glücke einer Familie spielte, behelligte er durch Fortsetzung dcS Unfug nach einer andren Richtung auch noch eine Reihe andrer Leute und verursachte einen höchst peinlichen öffentlichen Auftritt. Zu derselbe» Stunde bestellte er aus Briefbogen, die „Dr. Land" gestempelt und unterschrieben sind, je eine» RctlungS- wagen von Kopp. Liick, Rünzcl nnd Swade, drei Leichen- und zwei Vrautwagcii»ach dem Hanse an der Ecke der Schönhauser Allee und der Wörtherstraßc. Die Kriminalpolizei hat jetzt ein Ver- fahren zur Ermittelnng des Briefschreibeis eingeleitet, da der Steucraints-Assiftent und die Fnhiweseninhaber Slrnfanzeige gemacht nnd die Briefe eingereicht haben. Die Herren Kopp, Liick nnd Rünzel haben auf die Ermittelung des»Dr. Land" eine ansehnliche Belohnung ausgesetzt. Zu der Verhaftung cineö FälscherpärchenS wird noch folgendes mitgeteilt. Der Mann ist ein Mnsitcr Lnigi Alessi, ein nicht iinbedemcnder Geigen- und Cellospieler, der bielfach zu internen Veraiistaltniigen in hohen italienischeu Kreisen herangezogen wurde und von solchen Gelegenheiten mancherlei Widmungen besitzt, Krawattcniiadcln, Manschettenknöpfe usw. Seine Geliebte ist eine Marie Larccöine. Als Alcssi hierher kam, um für eine Million falsche 100-Lireiioteu anfertigen zn lassen, besaß er kaum noch das alleriiotivendigste. Bei der Bestellung der Noten konnte er keine Anzahlung leisten, ließ vielmehr seine wertvollen Manschetten- »öpfe zum Pfände. Dann fuhr er nach Leipzig, kehrte von dort nach vier Tagen zurück und hatte Geld, so daß er die Knöpfe nüt einem 50- Ntarkschci» auslösen konnte. Wahr- schcinlich hatte er in Leipzig Helfershelfer, die ihm in der Verlegenheit beisprangen. In der letzten Zeit war er sehr aufgeregt. Es ging ihm sehr schlecht und das nasse Wetter, daS der Farbentrocknung des Papiers sehr hinderlich war, verzögerte die Vollendung der Banknoten von einem Tage zum andern. Der seine Wiann begnügte sich mit einem kleinen Hötelzimmerchc» in der Liuk- straße und lebte inr wesentlichen von Wasicr und Brot. ES scheint, daß seinen Komplizen die Geschichte zu lange dauerte und daß sie sich deshalb von ihm abwandten. Für Alcssi, der au ein gutes Leben gewöhnt ivar und es in der ersten Zeit auch in Berlin noch geführt hatte, Ivar diese Lage doppelt unangenehm. Ilm so nrehr freute er sich, daß die Papiere nun endlich fertig waren, bis die Verhaftung eine noch größere Enttäuschung brachte. In der Druckerei sprach er zunächst so gnt deutsch, daß er sich mit dem Gc- schäftsmann recht gut verständigen konnte. Ein andres Mal aber hatte er die deutsche Sprache ganz verlernt. Das kam daher, weil noch ein Bekannter des Geschäftsinhabers zugegen war. Er scheute sich, in Gegenwart eines Dritten über seine Angelegenheit zu sprechen. Die beider« OrtSstatntc über die Hinterblicbcnen-Ncr- sorgniig der tSenicindebearntc» und sonstigen Angestellten der Stadt Berlin, der Direktoren, ötelloren, der angestellten Lehrer und Beamten sämtlicher städtischen Schulen, sowie aller pcnsionsfähig im Dienste der Stadt und der städtischen Betriebe angestellten Personen sind vom Obeipräsidcutcii mit einigen Aendernngen genchnrigt worden. Diese sind vom Magistrat schon angenommen worden und unterliegen nuiimehr noch der Zustimmiiug der Stadtverordneten- Versammlung. Verloren oder gestohlen? Am 10. Mai d. Js.. ist auf einen vor dem Hause Markgrafcustr. 52 ohne Aufsicht haltenden Nollwagen von einem Nnbckanuten ein Paket in gelbbraunem Pack- Papier gelegt worden.— Das Paket enthält 100 Stück gleiche Gläschen aus farblosem Glase. Dieselben sind von cylindrischer Form und je 8,5 Centimeter hoch. Der Durchmesser ist je 1,5 Ceutimeter. — Das Paket dürfte aus einem Diebstahle herrühren oder verloren gegangen sein.— Rekognosceuteir wollen sich in den Vormittags- stunden zwischen 9—1 Uhr im Polizeipräsidium, Zimmer 249, melden. Eine ungewöhnliche Liebeöiragödie. Der Schneidcrnicistcr Richard I u d en sch w a g e r, ein Mann von 34 Jahre» und Vater von vier Kindern im Alter von 4�/s bis 10 Jahren, hatte bei seiner Wohiumg in der Hnssitcustraße Nr. 39 eine Arbeitsstube für Damen- konfektion. Bei ihm arbeitete seit einem Jahre». a. auch die 35 Jahre alte Arbeiterfrau Martha Ran geb. Förster aus der Swincinüiidcrstraße Nr. 101, deren Mann in einer Lampcnfabrik in Tegel beschäftigt ist. Das Ranschc Ehepaar ist seit 13 Jahren verheiratet und besitzt ebenfalls vier Kinder von 12 bis herab zu 2Vs Jahren. Aus den« Arbeitsverhältnis in der Inden- schwagerschcn Schnciderstube entwickelte sich allmählich ein Liebesverhältnis, das für beide Familien verhängnisvoll rvcrde» sollte. Frau Jndciischrvager entdeckte vor vier Woche» die Beziehungen ihres Mannes zu der Frau Ran, verwies diese aus der Arbcitsstube und verbot ihr fernerhin den Zutritt, Damit waren aber die Bc- zichrnigen nicht gelöst, Jndcnschwagcr srubte vielmehr nun unter Vernachlässigung seiner Arbeit seine Geliebte anderswo zu treffen und wurde Ivicderholt auch in dem Wohuhause der Frau Ran gesehen. Jetzt war auch hier der Fnmilicnfrieden dahin. Am Sonnabend vor acht Tagen verließ Judenschwagcr seine Wohunng, um nicht mehr znrnckzukchrcu. Nachdem hielt auch Frau Ran sich von den Ihrigen fern. Wahrend aber ihr Geliebter auch nichts von sich hören ließ, schrieb sie alsbald ihrer» Manne, daß sie nicht länger mehr leben rvollc, ivcil sie die Verhältnisse, in denen sie sich befinde, nicht weiter ertragen könne. Nach einem Gruß an die Kinder erklärte sie, man werde sie im Plötzensee als Leiche wieder- firrden. Ihren Geliebten erwähnte sie mit keinem Wort, und doch nntcrliegt es keinem Ziveifcl, daß sie verabredet hatten, gc- nreinsam in den Tod zu gehen. Die Nachforschungen blieben erfolglos, bis man acht Tage später sin Plötzensce aus dem Spandauer Schiffahrtskanal zrvei Leichen landete, die nicht weit voneinander lagen, die eines Mannes und die einer Frau. Die weiteren Ermittelungen ergeben jetzt, daß der ertrunkene Mann Judcnschwager iind die Frau seine Geliebte Frau Ran ist. Die Abneigung gegen das Hospital hat den 69 Jahre alten Buchbinder Ferdinand B n d» i ck aus der Oranienstr. 39 in den Tod getrieben. Der Mann war seit einigen Jahren gebrechlich und sollte in ein Hospital gebracht werden. Davon rvollte er jedoch nichts wissen; lieber ging er in den Tod. Nachdem man ihm einige Tage nicht gescheu halte, fand man ihn gestern, Montag, in seiner Wohnung erhängt auf. Einen tötlichei« Ausgang hat ein Unfall genommen, der dem Grünkrainhändlcr Schrver aus der Gartenstr. 33 zustieß. Der Mann geriet in der Lnisenstraße zwischen seine» eignen Handwage» und einen Rollwagen, wurde von diesen überfahren und in hoffnirngs- losem Zustande nach der Charitö gebracht, Ein schweres Eisenbahii-Nnglii«k hat sich gestern nachniittag auf der Kleinbahustrccke Kyritz-Perleberg zugetragen. Der mittags 12,30 von K y r i tz nach P e r l e b e r g abgehende Zug entgleiste zivischen den Stationen Joppe nra de und V i e s c ck e. Die Lokomotive und ein Wagen ivnrde» umgeworfen. Der Heizer u ii d L o k o m o t i v f ü h r e r sind tot. Fahrgäste wurden nicht verletzt. Ans der Polizeigcfangcnschaft entwichen ist der 26 Jahre alte„Arbeiter" Ernst Thuuack ans der Marienbirrgerstr, 29. Thuuack gehört zu den Leuten, die den Sicherheitsbeamtcn im GesiindbrNniien- viertel in der letzten Zeit den Dienst nicht lcickit machten. Am Donnerstag voriger Woche rvollte», rvie wir mitteilten, ein Sitten- bcaniter spät abends vor dem Hause Brnnrieiistr. 5 ein Mädchen fest- nehmen, wurde aber von Thuuack, der aus der Thiiniische heraus- gesprungen kam, überfallen. Ein Schutzmann der Revierpolizei sprang seinem Amtsgenossen von der Sittenpolizei bei und machte den An- greiser durch Säbelhiebe über den Kopf und eine Hand unschädlich. Der Verwundete wurde als Polizeigefangcner nach der Charitö gebracht. Dort entsprang er am Montagabend aus dem Gewahrsam. Straßensperrung. Der gepflasterte Lastweg auf der Südseite der Straße Unter den Linden vom Denkmal Friedrichs des Großen bis Eharlotteustraße ausschließlich des Kreiizdammes der letzteren wird von heute ab bis auf rveitcres für Fuhrwerke und Reiter ge- sperrt. Ebenso die Lindowcrstraße von der Müller- bis zur Reinicken- dorferstraße. Ei» großer Dachstnhlbrand wütete Dienstagnachniittag in Schöncberg, Siegsriedstr. 7. Hier war auf nicht ermittelte Weise kurz vor 6 Uhr im Dachstuhle des linken Seitenflügels Feuer ans- gckoinnicn, das sich mit unheimlicher Schnelligkeit ausdehnte. Obgleich die Orts-Feuertvehr in wenigen Minuten zur Stelle rvar. hatten die Flammen doch bereits auch das Dach des Quer- gcbäudcs erfaßt. Um ihnen nach beiden Seiten hin den Weg abzuschneiden, ließ Brandinspektor Flötcr mit vier Dampf- spritzcnrohren angreifen. Obgleich durch die große Hitze der Ranch stark niedergedrückt wurde und so die Löscharbciten erschwerte, konnte doch nach»Mündiger Arbeit die Hauptgefahr für beseitigt gelten. Allerdings sind beide Dachstühle und zahlreiche Bodenkammern ein- geäschert. Die Feuertvehrleute hatten zlvar unter Rauch und Hitze schwer z» leiden, hielten aber tapfer aus. Die vollständige Ab- löschung, sowie die Aufränmungsarbeiten nahmen die Wehr noch mehrere Stunden in Anspruch. Fenerbcricht. Auch in den letzten 24 Stunden hatte die Wehr wieder zahlreiche Alarmieruiigen zu verzeichnen. In der Nacht zum Dienstag wurde sie nach der Preuzlauer-Allee 49 gerufen. Hier hatte sich ein großer Posten Preßkohlen entzündet. Die Wehr mußte längere Zeit'aus einer Schlauchleitung Wasser geben, um' die ...- Verantwortliter Redacteur: Carl Leid Flammen zu ersticken. Auch in der Matternstr. 9, WeinbcrgStveg 7 und dem Schlesischen Güter-Bahnhofe mußten Kohlenbrände ab- gelöscht werden. Unfug am öffentlichen Feuermelder lag einer Alariniernng zu Grunde, die Dienstag früh gegen 3 Uhr nach der Christianiastraße erfolgte. Der Thäter konnte leider nicht ermittelt werden. Montagabend 11 Uhr mußte in der Ackerstr. 25/26 ein Schornstcinbrand beobachtet werden. Kurz vorher hatten in der Kleinen Alcxandcrstratze 1b Gar- dinen und Kleidungsstücke in einer Wohnung Feuer gefangen, das indes in kurzer Zeit abgelöscht werden konnte. Dienstag früh 6 Uhr wurde die Wehr nach dem Urbanhafen gerufen. Hier waren zwei Pferde samt dem Wagen in den Hafen gestürzt nird drohten zn ertrinken. Es gelang indes der Wehr die beiden Pferde unversehrt wieder ans Land zn ziehen. Außerdem liefen in der Zivischciizeit noch Fenernreldungcn von der Köthencrstr. 6 und der Zionskirchstr. 3 ein, die jedoch ans unbedeutende Anlässe zurückzuführen waren. Ein schtvcrcS Nngliilk, verursacht durch daS leichtfertige Um- gehen mit P e t r o l c ü r» beim Feueraumacheu, hat sich gestern abend gegen 1l2lO Uhr irr der Markgrafcustraße ereignet. Irr dem Hause Nr. 6 Ivohut in der 1. Etage des Qnergebäudes der Schneider M e r t s ch mit seiner Frau und zwei Kindern, einem 12jährigen Mädchen Lucic n»d einem 10jährigen Knaben. Der Knabe ist trank und bettlägerig und auch Herr Mertsch ist leidend, weshalb ihm vom Arzt Spaziergange verordnet worden sind. So hatte er sich auch gester» abend aus der Wohnimg ciilfcnrt und auch Frau Mertsch ivar ausgegangen und hatte es, wie schon häufig, der zwölfjährigen Tochter überlassen, das Abendbrot fertig- zilstellcii. Die Kleine hatte die Kochmaschine angeheizt und>»» das Feuer fchiteller irr Glut zu bringen, goß sie aus einer Flasche Petroleum auf die glimmende» Kohlen. Im riäckistcn Augenblick schoß eine Fericrsänle empor und setzte die leichte Kleidung des Kindes in Brand. Das Mädchen rannte die Treppe herunter über den Hof nach der Straße. Hier gelang es den Passanten, dem Mädchen die brenncnde» Kleider vom Leibe zu reißen, doch hatte es bereits am ganzen Körper schwere Braiidwlindeii erlitten. Der Markgrafenstr. 6 wohiicrrde Arzt Dr. Brach leistete der Berunalückteir die erste Hilfe; daiur wurde das Kind nach dem Krankenhause gebracht. Eine Ausstellung moderner Kimststickereien und kuustboller, auf der Maschine hergestellter Näharbeiten findet gegenwärtig in den Berkanfsräurncn der Singcr-Nähmaschincii-Allicngesellschaft bei freiem Entree statt._ AnS de» Nachbar vrlen. Schöncberg. Heute Mittwochabend bon 7 Uhr ab findet für den vierten Bezirk eine FIngblntt-Verteilung statt. Treff- plinkt bei Klitsch, Mersebnrgerstr. 7. Eine zahlreiche Beteiligung wird crivartet. Schöucbcrg. I» der letzte» Stadtverordnetcnsitzung wurde zunächst eine Petition von Grundstücksiiihaberii»in Alisdehiiung der Lstseile der Straße auf Banklaffe I dem Magistrat zur Berück- sichtignilg iipcrwicse». Bekanntlich unterliegt dos westlich des Wamisce- bnhngelciscs gelegene Gelände der Bauklasse II, woiiach mir sogenannte Landhäuser, also keine vier Stock hohen Wohnhäuser errichtet werden dürfen. Stimmt Magistrat und Zlegicrung diesem Wunsche zu, so würden natürlich die augenblicklichen Besitzer ein kolossales Geschäft machen.— Sodaini gab die Vcrianiinlnng ihre Zustimmung zur Errichtung von Wechselcöten an der Realschule und zur Anstellung dreier Oberlehrer»ud eines Voiscknillchrers.— Iii den A u S s ch n ß für llelierlassinig des Platzes Y an die Kircheiigeincirrde ivnrde auch Genosse P a u s e r und in den Ausschuß für den Ausbau der beide» Fküg'el in der Rribciisstraße Genosse Hossmairir gewählt.— Zn Mitgliedern der Deputation des städtischen Arbeitsnachweises wurden an Stelle Michaelis»ud Schubert die Parteigenossen Buchdrucker W o l l c r in a n» und Schuhmacher G r u» o w ernannt. AuS Fricdenan schreibt man uns: In eigenartiger Be- leuchtuiig erschien die Gemeinde- und Polizeivcrwaltung unseres Villeriortcs in der letzte» Gemeindebertretersitzriiig. Wurde schon vor geraumer Zeit durch den„Fall Krafft" offenbar, daß innerhalb der Genieiiidcvcrwaltirng Mängel vorhanden sein müßten, welche schließlich auch von der Airsfichlsbehörde gelegentlich einer Knssenrevisio» festgestellt wurde», so lieferte die erwähnte Sitzung den Acrveis, daß auch in aiidcrri Ressorts nicht alles ist, wie es fein sollte. Punkt 5 der Tagesordnung lautete:„Antrag des Herr» Apotheker Döring, Dt.-Wilnierödorf. um Gcriehiniginig zur Aiifslellrmg einer Laterne". Ist nun die Ausstellung einer Reklamelateiiie auch kein bedeutendes Ereignis für einen Berliner Vorort, so sind doch die begleitenden Urnstäüde eigenartig genug. Diese Laterne paradiert nämlich schon eine gcraiime Weile, ohne daß die GeNehiniginig der Gemeinde- Vertretung eingeholt wurde, ans öffentlicher Straße, nnd zwar direkt vor d c in G e in e i n d e b n r e a n. Aus der» Referate des Schöffe» Draeger ging nun hervor, daß der Gemeindc- Vorsteher die Erlaubnis zur Äufstellnng erteilt habe(wozu er gesetzlich nicht berechtigt rvar), daß die Airfstel l u n g vor dem Gemeindcbnrenu jedoch ans einem„Versehen" beruhe. Die Geinciiidevcrtretung beschloß gegen fünf Sliinnre», daß die Laterne zu entfernen sei. In der Diskussion kam auch»och zur Sprache, daß es dem„Sportpark" Möglich gewesen ist, sich an die Kam a li sa ti o» a n- zuschließen, ohne die Genehmig»! ng der Gemeinde hierzu zu haben. Es ist einfach ein Loch in den nächstbesten Gully geschlagen und ein Rohr eingeführt rvorden; diese Arbeiten wurden am hellen T a g e ausgeführt, ohne daß die Polizei etwas davon sah!(?) Daß wir indessen nicht zu wenig Polizcibeaintcn haben, werden alle Radfahrer bezeugen, welche ein- mal«»«sre„Pracklstraße" befahren haben.— Einige socialdemokra- tische Hechte im Karpfenteiche dürften auch für iinsren Ort am Platze sein; die Kritik anläßlich solcher Vorkoinniiiisse tvird sich dann in andrer Richtung bewegen als das zur Zeit geschieht. Ein Todesurarsch. Das Opfer einer überaus an- st r e n g e ii d e n Marschübiing ist der„Potsd. Corr." zufolge am Montag der Gefreite Paul Zenker von der 4. Compagnie des Garde-Jägcr-BataillonS geworden. Das Bataillon rückte am Moiitagniorgen zu einer sechstägigen Schießübung»ach Döberitz aus. Trotz der großen Hitze erfolgte der Abmarsch erst um 71/a Uhr. und so inuhten die Gardc-Jäger' im glühend heißen SomiciibraNd eine sich bis gegen Mittag ausdehnende Gefechtsübung nach Döberitz durchmachen. Nach Mitteilung eines Berichterstatters wurden dabei etwa 60 Jäger unterwegs marode. Mehrere fielen infolge der Hitze um und kamen ins Lazarett, während der Gefreite Zenker, etwa 10 Minuten von Döberitz entfernt, einen Hitzschlag bekam, an dem er abends 7l/2 Uhr im Döberitzer Lazarett verstarb. Sein Hauptmann, Freiherr von HnmboldS- Dachröden, bemühte sich schon um den hyffinmgsvolleii jungen Mann, den man durch Ocffnung der Pulsader zu rette» hoffte. Er ließ auch durch einen radfahreuden Jäger die Berwaudten Zenkers in Potsdam beuachnchtigcn. während die Eltern, die in Storkow wohnen, telegraphisch von dem Unfall verständigt wurden. Sie reisten sofort nach Döbcritz ab. sahen dort aber ihren Sohn nur»och als Leiche wieder. Angesichts dieser traurigen Sachlage mag mancher wohl die Frage auftverfen, ob es notwendig war, eine derartig anstrengende Uebinig bei voller TageL- Hitze abzuhalten? Fluchtiger Defraudant. Ans Spandau ist der dortige Konkursverwalter Heger nach Beriintrennngen in Höhe von etwa 60 000 M. spurlos verschwunden. Durch richterliche Verfügung wurde Heger seines Amtes enthoben. Die Angelegenheit erregt in Spandau das größte Aufsehen. Gevuizks-iSeitmtS» Ei» LaiidfricdeiiSbrnch Prozeß nnö Anlaß dcö Streiks der Steinbrucharbeiter in Gommern, der zweite dieser Art, ivnrde vom 26. Mai bis 2. Juni vor dem Schwurgericht in Magde- bürg verhandelt. Die Anklage stützt sich ans Vorgänge, die sich am a Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Th.«locke in Berlin. Z 8. und 9. März borigen Jahre? bei den Steinbrüchen in der Umgegend von Gommern zugetragen haben. Während in de»' Brüchen Streikbrecher an der Arbeit rvaren, hatten sich in der Nähe eine große Zahl von Streikenden angefunden, ans deren Mitte Verwünschungen gegen die Arbeits- lvilligen laut wurden. Es sollen auch Steine gegen dieselben ge- worfeir und mit Knüppeln gedroht tvorden sein. Ursprünglich waren mehr als 100 Personen angeschuldigt. Die Voniirtersrichniig ergab aber so wenig Belastnngsmätcrial, daß nur gegen 8 Personen An- klage erhoben Ivnrde. Der Hariptairgeklagte ist Voigt, der Vor- sitzende der Filiale des Manrerberbandes in Gommern, der die Steinbrucharbeiter angehören. Voigt soll als Rädelsführer fungiert haben, ebenso die Angeklagten Lahne und A ö h»r e. Der Teilnahme am Landfriedensbrnch Ivaren beschuldigt Ließ, K r ä n z k e. v. K u t s ch k o w s k i, Fritze und G r ü n i» g. Während Voigt von der Anklage beschnkdigt rvird, die Borgärrge am 8. und 9.' März planmäßig vorbereitet und geleitet zu haben, stellen ihm mehrere Zeuge», darunter auch einige Polizeibearnte, das Zeugnis ans. daß er während des Streiks stets zur Ruhe und Besonnenheit gemahnt habe,»ud daß überhaupt die Steiribruch-Arbeiter viel gesittelcr geworden sind, seitdem sie unter dem Einfluß Voigts stehen. Voigt war auch, soweit wir es aus den Verhandluiigsberichten sehe» können, gar nicht an den Znsaiuinenläufen und den vorgekommenen Aus- schrcitnngen beteiligt, es scheint vielmehr, daß seine Rädelsführer- schaft ans dein Uiiistande geschlossen wird, daß er nicht zur Stelle war, um Ausschreitungen zu. verhindern, von denen er seiner Angabe nach gar nichts wußte. Als hauptsächlichste Belli stinigszeugen gegen Voigt trat eine Streikbrecherfamilic, Vater nnd zwei Söhne.� ans, die während des AnSstniides in den Steinbrüchen arbeiteten. Es wurde festgestellt, daß dieser Streikbrecher-Vater selber bei einem früheren Streik Brandreden gehalten nnd gejagt hat, die Arbeitswilligen müßte man mit dem Hammer vor den Kops ichlagen. Der Vor- sitzende des Gerichts nicinte dazu, das wäre nicht so schlimm, denn zwischen sagen und thiin sei noch ein großer Unterschied. Diese Ans- iassiing ist gewiß richtig. Man könnte mir tviiiischcn, daß alle Krakecle- reicn, die ans Anlaß von Streiks vor die Gerichte kommen, ans diesem Gesichtspunkt beurteilt werden. Die Gerichtsverhandluirg endete, tvie uns ans Magdeburg telephonisch mitgeteilt wird, mit schweren Ber« urteilimgen von 7 der Angeklagten, während der achte, Grüning, freigesprochen wurde. Die Schuldfrage auf Rädelsführerschaft wurde verneint, und teils Ivegen schweren, teils wegen einfachen Land- friedeusbruchs verurteilt: Voigt zu 8 Monaten, Lahne und Böhme zu je ii Monaten. Fritze zu 4, Ließ zu 3. Kräuzke zu 8 und von Kutschkowski zu S Monaten Gefängnis. Allen Angeklagten wurden mildernde Umstände zuerkannt._ Eingegangene Druekschriften. Von der„Neuen Zeit"(Stuttgart, Dietz' Verlag) ist soeben das 35. Heft dcö 29. Jahrgangs erschienen. Aus dem Inhalt des Heftes heben wir hervor: Bonissische Germanisieruiig.— Kritisches. Bon August Bebel. l. Die Wahlreforin in Bauer». 2. Das socialdemolratische Reichstags Handbuch.— Und zum drittenmal das belgische Experiiueut. Von Rosa Luxemburg.(Schlug.)— Wirtschaftliche Umschau. Wo» Heinrich Cmrow. Litterarische Rundschau: Karl Jciitsch. Friedrich List. Berthold Otto, Lehr- gang der Zukruiftsschnle. Von Heinrich L-chutz. Max Kaufmann, Hernes Charakter und die nioderne Seele. Die„Neue Zeit" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch- haiidliingen, Postanstalteir und Kolporteure zum Preise von 3,25 M. pro Quartal zu beziehen. In der Zcitungspreisliste der Postansialten ist die „Neue Zeit" uiiter Nr. 53t9 eingetragen, jedoch kann dieselbe bsi der Post nur vro Quartal abonniert werden. Das einzelne Hest lostet 25 Ps. Probcnnmmern stehen jederzeit zur Versilgnng. Von der„Gleichheit", Zeitschrist für die Jnieresscn der Arbeiterinnen (Siritigart, Dietz' Verlag) ist uns soeben die Nr. 12 des 12. Jahrgangs zu- gegangen. Aus dem Inhalt dieser Nummer heben wir hervor: Schutz uusrcu Kinder»! II.— Zum Halleschen Lchrerinnentag. Von dl. Xb.— Zur Frage der gewerkschaftlichen Slgitation unter den Arbeite- rinnen. III. IV.— Aus der Bewcgiiug.— Feuilleton: Frühlingsnif. Von Andreas Scheu.— Gesang der Jungen. Bon Otto Krille.(Gedichte.) — Natizeuteil: Arbeitsbedingungen der Arbeiterinnen.— Weibliche Fabrik- iiispclioren.— Sociale Gesetzgebung.— Frauenstimmrecht.— Frauen-' beweguug. Die„Gleichheit" erscheint alle 14 Tage einmal. Preis der Nummer 19 Pf., durch die Post bezogen(cingetragm i» der Reichspost-Zeituiigslisie für 1992 unter Nr. 3951) beträgt der Abonnementspreis vierteljährlich ohne Bestellgeld 55 Pf.; unter Kreuzband 85 Pf. Tie Tokiiinciite de» Socialismus, herausgegeben von Ed. Ber»° stein, biiugcu im I u n i h e f« des I. Jahrganges an erster Stelle a ch t Briefe von Karl Marx an Arnold Rüge aus den Jahren 1.842 bis 1843. Mitteilungeu über schwere Kämpfe im Familienleben, über die Rcdaltivnsiührung der„Rheinischen Zeitung", über geptante gröbere Arbeiten siir die von Rüge herausgegebenen Zeitschriften, Urteile über lillerarische Erscheinungen des Tages, über die Berliner„Freien" und ihren Reiioimiiier-Athcismus, über die Händel der prcubischen Regierung mit dem rheinischen Klerus, Vorschläge hinsichtlich neuer Kampszeitschriften. und ve- gcistertcS Eingehen auf Ruges Idee der Herausgabe einer Kampfzeitschrift im Auslände— dies und andres bildet den Inhalt der Briefe, die von der Zeii an, wo Marx sich nach seiner Promovicrimg in Bonn niedergelassen hatte, bis zu seiner Uebersiedelung nach Paris und der Gründung der Deutsch-FraiizSsische» Jahrbücher(1843—1844) hinübcrleiteu, welche Zeit- schrist die vorerwähnte Idee zur Ausführung brachte. Den zum Teil sehr ausführlichen Briefen sind eine ganze Reihe erläuternder Bc- ul e r k u n g e n über die i» ihnen behandelten Personen, Schriften und E r e i g n l s s c beigegeben, die große Mehrheit davon aus der Feder von Franz Mehring.— Ais zweiten Beitrag zur Geschichte des Socialismus bringt das Heft einen Aufsatz über Robert Owens K o m m u n i S m u s. Owen ist viel mehr als Philanthrop und Social- resormer, denn als Kommunist bekannt geworden; ja, von verschiedeneu Geschichtsschreibern des Socialismus ist sogar bestritten worden, daß Owen überhaupt den vollständigen KommuniSmilS gepredigt bade; an der Hand von verschiedenen Schriften Owens wird mm gezeigt, wie es sich mit diesem Punkt in Wirklichkeit verhält.— Als Urkunden des S o c t a l i S m n s bringt das Heft eine Anzahl Alten stücke aus der Buch d rucke r- beweguug des Jahres 1848., Der„Wahre Jacob" hat soeben die Nr. 12 seines 19. Jahrganges crscheineil lassen AuS dem Inhalt heben wir die zweifarbigen Biider .. S i n d e r s ch u tz auf den« Lande" und„Die Toleranten bei der Arbeit" hervor. An weiteren- Jllustratioiicii enthält die Nummer noch das Vollbild„Der Weg in den Himmel" sowie die Zeichuungen „Redacteur F ü r st e n t r e u",„Auf der Walze",„Ans Ruß- l a n d" und„Unter A e r z t e n".- Der textliche Teil der Nnmmer bringt die Gedichte„Hamburger G r o g- E l e g i e„ Alte Burgen„Der M i I l i o n« n s ch w i n d e l i n P a r i s",„Frage", „Des Grafen Heimkehr",„Italische Nacht"(Von Klara Müller)»md außer einer Anzahl kleinerer Scherze noch die größereu Feiiilletoiis„Zur sächsischen F i n a ri zno t„Aus einem Rat- g e b c r für g e s i n n u n g s t ü ch t i g e R e d a c t e u r c",„ Z u r A u f- klär» n g" und„Eine Festrede". Der Preis der Nummer ist 19 Pf. „Das Gewerbegericht". Monatsschrift des Verbandes Deutscher Gc- werbegerichte. Herausgeber: Dr. Jastrow, Charlottendurg-Berliii, Dr. Jlesch- Frankfurt a. M.(Verlag von Georg Reimer in Berlin.) Die Zeitschrist enthält in Nr. 9 des 7. Jahrganges außer der Rechtsprechung in deutschen Gewerbegenchten und Bcrusungsgenchte»(Hamburg, Würzburg, Stettin), andren deutsche» Gerichten(Berlin, Amtsgericht II) u. a.: Zweiter Bericht der ArchivverwaltuNg an den Ausschuß des Verbandes deutscher Gc Werbegerichte.— Die ministeriellen Vorschläge zur V e r h ä l t>i l s w a h l Von Stadtrat Dr. Fl e sch.— Ein igungSäm ter: Das Gewerbegericht Posen als EmigungSamt.— Recht des Arbeitsvertrages: Die Lehre von der A u f r e ch n u n g. Von Gewcrberichter Sigel. „Ter Arbeitsmarkt«, Halbuionatsschrist der CeiitralstcNe für ArbeitS- markt-Bcrichic(Hcransgcber Dr. I. Jastrow), Berlin, Verlag von Georg Reimer. Die als Organ des„Verbandes deutscher Arbeitsnachweise" erscheinende Zeitschrift enthält in Nr. 17 des 5. Jahrganges unter andcrin: Die Wirkungen der Krise auf die S t c i n a r b e i t e r.— Sit Nationsberichte aus einzelnen Gewerben: Bergbau (Rückgang der Belegschaft im Ruhrrevier. Herabsetzung der Löhne in Ober- schleflen. Koiilin-renz ausländischer Arbeiter. Internationaler Bergarbeiter- Kongreß); Tcrtilgcwerbc(Ausschwnng der Maschinenstickerei. Pretsbewegung in Baumwolle. Betricbseinschränlmig der Kamnigarnspiniiereien); Holz- imd Schnitzstosse(Geschäftsgang«n der Bau- und Möbeltischlerei); Bau- gcwerde(Mattigkeit der privaten Banthätigkeit in Großstädten. Lebhafter Geschäftsgang in niitilcren und kleine» Städten); Verkehr(Ueberstundeii- arbeit und Arbeitslosigkeit in den deutichen Hafenplätze»).— Statisti schcs Monats Material: Jnteriiatioiiale Streitstatistik. Unser Bniidesgeiiosse im Süden. Von Arnold Blanken- selb. Berlin. Verlag Fussingers Buchhandlung. Steglitzerstr. 26, Berlin IV. (Preis 1 M.) ruck und Verlag von Mar vading in Beriin.~