Nr. 131,\// 19. Jahrg. Kd-m-»«,. mtm.«u larntMn-eiMi» Rbonnemtnn-Pr-t, pränum.tanbo; W W �ilZUl W 7/» W VA W Wl ,, VG d«KSg. sür die sechZg-spal-en- Kolon». vierteliahrl. ZL0 Mi., monatl. l,l0Mk., WA I I WZ W« M«(J\ Hfl BS WM WW DM f{ DD WH seile oder deren Raum«o Psg., lür wöchentlich LS Plg. frei int Hauz.[rjaSl I BD WM WM WW WD DW DW HWi WW Kjjjfl Jy politische und gewerkschaftliche Vereins- Simelne Numw»r b Plg. Sonntag»- WWW �WW l WD WW D» Dl« DW �W WW DW WD �' WI und BersammlungS- Anseigen Lll Pjg. Nummer mit>Uui»r>er>»c Sonntag?«>M«W WW I pH DW WD WW DW WD MS WD DW WD �WWuWDWV„Kleine Ansrigen" jedes Wort s Psg. Beilage„Die Neu« Welt" lo Psg. Pos». l/HW 1311 B DW D&V WDv WD �W�WD(nur dag erst- Wort seit). Znserate sür «bonnementt...v Marl pro Mona, W W W WX J�> GWD M W die nächste Nummer müssen bis« Uhr *T',ZZ.nn.rmoei sTih.l«. H Hl JKÜV // WD nachmittags in derExpeditton abgegeben «tngetrag-n in der Post- ZeitungS.»l MX. � � � � Z/ �M> Z' H werden. Die«rpcdition ist an Wochen- Preisliste sur ISO« unter»r. 7V7S. S�WP � tagen bi» 7 Uhr abendS, an Sonn- und Unter Kreuzband(ür Deutschland und------- � V--- S-stlaKen bis SUHr vormittags geöffnet. Oesterreich-Ungarn 2 Marl, slir da» � J— �•' adrige Ausland S Marl pro Monat. � � A � � � � � � Stelearamm-Adren-- chrscheliil Ugllch»ulier»onteg«. � V T � � J � X � ♦-«oiialdenivlirat»ttlt«" Csntralorgan der socialdemokratifthen Partei Deutschtands. Redalttion: L>iV. 19. Veutlj-Strstte 2. Kernsprecher: Amt I, Nr. H>08. Hohkomgsburg ttttb Marienbnrg. Ein dramatischer Zufall hat eS gewollt, daß an dein gleichen Tage, an dem im preußischen Abgeordneten Hause die Polenvorlage in der Schlutzlesung beraten Ivnrde, im Reichs- tag die Beseitigung des Diktaturparagraphen be- schlössen wurde. Hie Marienburg— hie Hohköuigsburg. Von der westlichen Burg leuchtet die Gnade, von der östlichen blitzt der Unmut. Dort läutet der Friede, hier wird der Krieg verkündet. Im Reichslande feiert man das Vertrauen und die Loyalität der wiedergewonneiieu Brüder, in Westpreußen und Pose» erhebt man Klage wider den Uebermut des seit einem Jahrhundert.zugeteilten" Volkes. da? finstere Pläne brütet und ans Lostrcunung vom Reiche drängt. Graf Bülow aber streichelt mit der andren Hand innig die plötzlich in Gnaden aufgenommenen Elsässer, und ballt die kühne Mannesfaust wider den östlichen Feind. Es ist nur ei» Zufall, daß Westen und Osten in solcher Weise gegensätzlich behandelt wird. Es könnte auch nmgekchrt sein. Graf Bülow lväre bereit, mit derselben Ueberzeugung das gute Prenßen- tnin der Polen zu feiern und den innner noch nach Frankreich schielenden ReichSIäudern die harte Hand zu künden. Denn diese Um- kehrnng der Verhältnifie hat es auch schon gegeben. Es ist ein Jahrzehnt her, nach dem Sturze BiSinarcks, da wurden zwar die Reichsländer unvermindert als Reichsfcinde erachtet, die mit dein Diktaturparagraphen und sonstigen AnSnahniegesetzcn nieder- gehalten iverden miißten. Dagegen waren die Polen zu den trencsten Stützen der Regierung geworden. Koscielsli-Adniiralski wurde mit Anszeichnnugen überschüttet. Der preußische Kultusminister Graf Zedlitz erließ— am 11. April 18!)1— jenen Ministerialerlaß, in dem mit allem Nachdruck auf das Recht der Pale» auf polnischen Unterricht hingewiesen wurde. ES war die Zeit, da von(Xhiidziii'ki in einer Flugschrift über.Die polnische Frage in Preußen" seine Landsleute aufforderte, in Volksversammlungen ihre Anhänglichkeit an Preußen zu verkünden. Es war die Zeit, da Herr v. Stable in Ski auf dem Thorner Katholikentag erklärte:.Ver- gesscn und Vergeben können ist in der Politik oft geboten. Die unselige Zeit des Fürsten Bismarck ist zu Ende, wir wollen nicht mehr darauf zurückkomnie». Den Thron hat ei» Monarch bestiegen, der auf der Höhe seiner Zeit und seiner Auf- gäbe steht." Dann kam jäh der Umschwung, niemand weiß warum, die .polnische Gefahr" war auf einmal wieder da. Die Sonne wechselte ihren Lauf, sie ging im Osten unter, um im Westen aufzugehen. Die Hofpolen verschwanden, die Hofprotestler erschienen. Die rcichs- ländischen Klerikalen, einst die schlimmsten der Reichsfeinde, wurde» zu den Edlen Herren der Kirche. Die Hohköuigsburg entstand und kündete die Aufhebung des Diktatnrparagraphen, während von der Marienburg dem Polentnm Fehde dräute, und 250 Millionen zur Ueberwindung der übermütigen Kaninchcnfruchtbarkeil gefordert und bewilligt wurden. An dem gleichen Sonnabend, dem 7. Juni 1902, wurde der Friede mit dem Westen geschlossen, und der Krieg mit dem Osten besiegelt. Die Verhältnisse sind zwar dort wie hier gleich gc- blieben, aber die Beurteilung hat sich geändert... Niemand weiß, warum. • �« Ucber die Sonnabend-Sitzung wird uns ans dem Reichstag geschrieben: Die Aufhebung des Diktaturparagraphen ist am Sonnabend vom Reichstag einstimmig beschlossen worden. Anders war es nicht zu erwarten. Auch die Rechte sträubte sich nicht länger gegen die Beseitigung des Ausnahmezustandes, nachdem die Krone ihre Einwilligung dazu gegeben hatte. .Alles schwamm in Wonne ganz." Der Reihe nach marschierten die Vertreter der elsaß-lothringischen Wahlkreise auf, welche Partei- färben auch die einzelnen haben mochten, um ihren Dank, ihre Genugthuung, ihre Befriedigung, ihre Freude über das Geschenk, wie es Herr Bachem in einem unbewachten Augenblick nannte, auszudrücken und die Gerechtigkeit und den Großmut der Regierung zn preisen. Selbst die einst so grimmen klerikalen Protestier, wie der Abbs Wetterle, waren tief gerührt: diese AbböS befolgen offenbar die taktische» Traditionen der Glanzzeit hofgeistlichen Einflusses in den Zeiten des XIV.»„id XV. Ludwig. Der einzige Elsässer. der etwa« Haltung an den Tag legte, war Herr P r e i tz. Er verwahrte sich gegen den Ausdruck.Geschenk" und meinte, daß den Elsaflern hier nur gegeben würde, waS ihnen von RechtSlvegen nicht hätte vorenthalten werden sollen. Graf Bülow strahlte. Er wechselte niit dem Vertreter von Slraßburg, dem freisinnigen BereiiiigungSmanii Riff, die Höf- lichsten Komplimente und fettete dann mit dem Oel seiner Beredsamkeit die trockenen Motive. In seiner Nähe saß Herr v. Kölker, dieser geborene Polizeiminisier. den die Ironie der Weltgeschichte zur Verteidigung der Beseitigung eines Ausnahme- znstandes berufen hat. In den allgenieinc» Jubel mischte fich nur B e b e l als Stören- fried, wie ihn Herr v. Köller nannte, ein. In einer wuchtigen Rede ging er die Geschichte der elsatz- lothringischen Ausnahme- bestimmnngcn durch, deren verhängnisvolle Schädlichkeit er nachwies. Dabei zog er einen treffenden Vergleich zwischen dieser Politik in Elsaß-Lothringen und der letzten Phase der preußischen Polenpolitik, deren schließliches Fiasko unzweifelhaft ist. Unser Redner protestierte gegen die persönliche Politik der Stimmungen und Verstimmungen, die bald droht, bald Beweise des Wohlwollens erteilt. Mit vollem Recht nannte unser Redner die DankeSbezengungen der Elsaß-Loth- ringer übertrieben. Er erinnerte daran, wie viel Ausnahme- bektimmnngen auf dem Gebiete des Wahlrechts für den Landes- Sontttag, de» 8. Juni tZMZÄ. auSschnß, des Vereins- und Versammlungsrechts und des Preßwesens in Elsaß-Lothringen noch bestünden, und schloß mit der Aufsordcrnng an die Regierung, auS der Aufhebung deS Diktatnrparagraghen nun auch die notwendigen Konsequenzen zu ziehen und die elsaß- lothringische Bevölkerung in joder Beziehung der Bevölkerung der übrigen Bundesstaaten gleichzustellen. In seiner Erwiderung bestritt Graf B ü l o w sehr entschieden, daß irgend ein Zusammenhang zwischen der Wiedererichtung der Hohköuigsburg und der Beseitigung deS Diktatnrparagraphen be- stünde. Die Vermutimge» der Presse in dieser Hinsicht haben ja immer nur dem.psychologischen Moment" gegolten und solche inneren Borgänge unterstchen keinem Beweise. Dann bereitete Herr v. Köller der Linken eine heitere Stunde. Er that sich etwas besonders darauf zu gute, daß die Reichslaude ausdrücklich keinen socialdemokratischen Vertreter entsandt haben, und lobte dann seinen getreuen Landesausschnß, den er selbst über das preußische Herrenhaus stellte. Die Erörterungen des elsaß-lothringi- scheu Vereinsrechts suchte er in beknuntcr Manier durch die Be- hauptungcn abzuwehren, daß es sich hier um eine LandeSsachc handle. Durch diese Landcssache aber wird den reichsländischen Arbeitern das KoalilionSrccht genommen. Auch das rcichsländische Prcßgcsctz suchte der Staatssekretär als sehr harmlos hinzustellen. Es unterscheidet sich nur in drei Punkten vom Reichs-Preßgesctz, aber gerade gegen diese drei Punkte richtet sich ja die Kritik. Zu den danksagenden Elsaflern gesellte sich auch neben Herrn Schlnmbergcr der neu ernannte Rittincister Baron de S ch m i d. Er las seine Rede ab. Bebel rügte diesen Verstoß gegen die Geschäftsordnung, um a»f die Erwiderimg des Präsidenten, der Baron beherrsche die deutsche Sprache nicht genügend, scststeNe» zu könne», daß dieses mangelhafte Deutsch kein Grund gewesen sei, ihm eine Osfizierstelle in der deutschen Arniec nicht zu geben. Graf B ü l o w wußte sich nicht anders zn helfen, als das schtvcre Geschütz der Kommandogctvalt des obersten Kriegsherr» ins Feld zn führen. Hell» v. Köller erinnerte unser Redner an den bekannten Grillen- bcrgerschcn Vers: „Herr von Köller Es tvird immer döller." Gleichsam zur Bestätigung dieser Worte verfocht der burschikose Kenner der deutschen Litteratnr den Satz, daß das rcichsländische Preßgesetz deshalb kein Ausnahinegesetz wäre, weil in seineu Bann auch Deutsche gerieten, sobald sie in den Rcichslandc» ihren Wohnsitz nehmen. Zum Schluß der Debatte gab es einen Zusanuncitstoß zwischen dein polnischen Redner v. G l e b o ck i und dem Grafen Büloiv wegen der letzten Marienburgcr Rede. Vorher hatte das Hans den, V o g e I s ch n tz-G e s e tz seine Zn- stimmung erteilt, nachher wurden 7 Mitglieder in de» Beirat sür die Abteilung des RcichsamlS für Arbeitelstalistik gewählt, darunter unser Molkenbnhr, und einige uuwichtige Petitionen erledigt. Die wichtigste», so eine betreffend die Börsensleucr und das Vereins- und Versammlungsrecht, hatte man der vorgeschriltciicn Zeit wegen abgesetzt. Am Montag konlmt das Zucker st cuer-Gesetz zur ztveilen Lesüng._ S�olikifisze Mebevfich?» Berit», den 7. Jiltii. Ter Bund der Landwirte gegen die Landwirtschaft. Im Schlitßleil der Freitagssitzmig der Zolltarif-Kommission ereignete sich eine bemerkenswerte Episode. Die Kom- missio» tvandte sich zur Beratung der in der Regierungsvorlage zollfrei bleibende» Düngemittel sGuano. Knochenmehl, Thomas-PhoSphatmchl, Superphosphat). Die Snperphosphat-Jn- dustriellen— 121 zum größten Teil kartellierte Fabriken— hatte» den Bundesrat und Reichstag mit lange» Eingabe» bombardiert, in denen ein Supcrphosphatzoll in Höhe von nicht unter 0,60 Mark für den Doppelccntucr erbeten wird. Der Bundesrat hatte mit Rücksicht ans die schlechte Lage der Laudtvirtschaft diesem Antrage gegenüber sich ablehnend verhalten und die Fortdauer der Zollfreiheit sür dies im Juteresse eines intensiveren Betriebes der Landivirtschaft unentbehrliche phosphorsaure Düngentittel vorgeschlagen. Diesen Antrag nahmen nun die vier national- liberalen Kommissionsinitglieder, ferner Abgeordneter Göbel(Antis.), Abgeordneter Letocha(C.) und Abgeordneter Dr. Arendt sfreik.) wieder auf. Begründet ivnrde der Antrag mit der geringen Dividende der Phosphat- Gesellschaften. Die Dividende betrug im Jahre 1899 nur 7,48, im Jahre 1900 6,37 Proz. Auch Graf V. Kanitz trat für diesen Zoll ein. Der Direitor deS Bundes der Landwirte. Abg. Hahn, erklärte sich grundsätzlich für diesen die Landwirtschaft schivcr belastende» Zoll. Nur wolle er j» e r st e r Lesung gegen den Zoll stimme» und erst in zweiter Lesung nach den: Grundsatz„Kleine Geschenke erhalten die Frenudschaft" eine entgegengesetzte Stellung einnehme», wenn die Mehrheit der Konunissio» die Getreide- und Viehzölle dem Verlangen des Bundes der Landwirte entsprechend gestaltet haben werde. Auf wiederholtes Drängen gestand Abg. Hahn zu, daß der Bund der Landwirte für die Vermittelung des Verkaufs k ü n st l i ch e r Düngemittel Entgelt bezieht. Wie hoch diese Provision ist, wollte er nicht angeben. Auch die Andentung. ob der Bund für das Eintreten für einen die Landivirtschaft schwer schädigende» Zoll etwa ein Trinkgeld erhalte, ließ er uubeantivortet. Bei der Abstimmung wurde der A n t r a g auf Einführung des SuperphoSphat-ZolleS gegen elf Stimmen jNationalliberale, Konservative, Freikonservative, Gäbet Antis.) und Letocha(C.) abgelehnt. Damit ist eine vom Bund der Landwirte befürwortete Zollmaßiiahme vorläufig abgelehnt, die Expedition: 8�.19, Veukh- Sklave 3. Fernsprecher: Amt I, Nr. NISI. zur künstliche» Verteuerung der Produktionskosten der Land» Wirte und zur Hintanhaltnng eines intensiven Betriebes mit Not- wendigkeit führen möchte. Die Gegnerschaft der Interessen des „Bundes der Landwirte" gegen die Juleressen der Land» Wirte und der Landwirtschaft ist durch diese Debatte wieder einmal köstlich beleuchtet worden.— Abgeordnetenhans. Das Jälbgeordnetenhans nahm am Sonnabend zunächst die Polenvorlage in dritter Lesung debattelos an. Die schwächliche Haltung, die das Ccntrum, die angeblich für Wahrheit und Recht kämpfende Partei, diesem Ausnahnie« gesetze gegenüber in allen Stadien der Verhandlungen an den Tag gelegt hatte, erreichte ihren Höhepunkt bei der Gesamt- abstimniuiig. Der polnische Abg. Dr. v. I a z d z e w s k i beantragte, namentlich abzustininren. Ein solcher Antrag bedarf der Unterstützung von 50 Mitgliedern des Hauses, und siehe da, als der Präsident v. Kröcher die Nnterstützungs- frage stellte, da erhoben sich außer den Polen und Frei- sinnigen nur etwa ein halbes Dutzend Herren vom Centrum. Die übrigen Mitglieder dieser etwa hundert Mann starken Fraktion glänzten durch Abwesenheit. Die Unterstützung reichte nicht aus, und die Abstimmung erfolgte daher nicht namentlich. Eine namentliche Abstinimung hätte den Beweis geliefert, daß das Haus beschlußunfähig war, und die„nationalen" Parteien hätten sich schon noch einmal ins Hans bemühen niüssen. Eine Anzweifelung der Beschlußfähigkeit vor der Abstininiung, wie ini Reichstage, ist im Abgeordncteiihause geschäftsordiiungsmäßig nicht zu- lässig. Erst nach Erledigung der Polenvorlage erschienen die Eeutnmismannen, an ihrer Spitze Herr Fritzen, der sofort auf den Führer der Polen zuging, um sich bei ihm an- scheineiid wegen des„Mißverständnisses" zu cnt- schuldigen. Des iveiteren liahm das Haus in zweiter Lesung den Gesetzentwurf betreffend die Abänderung einzelner Be- stimnillngen des allgemeinen Berggesetzes au und er- klärte die Denkschrift über die zur Errichtung landwirtschaftlicher Getreide-Lagerhäuser bis Ende Dezember 1901 betvilligten und verivendeten Beträge nach kurzer Debatte sür erledigt. Den Rest der Tagesordnung bildeten Petitionen. Der Regierung zur Berücksichtigung überwiesen wurden die Petitionen des Grundbesitzervereins Frankfurter Thor-Bezirk und des Preußischen Landesverbandes städtischer Haus- und Grnndbesitzervereine uni Abänderung des§ 9 des Einkomme>l st euer-Gesetzes dahin, daß auch die von dein Grundeigentum, dem Bergbau und Gewerbebetrieb zu eutrichtenden Kommiinalsteiiern von den: steuerpflichtigen Einkommen in Abzug zu bringen sind. Die übrigen Petitionen sind ohne allgemeines Interesse. Die Geschäftslage des Hauses ist, wie der Präsident zu Begintl der Sitzung mitteilte, folgende: Die Regierung beabsichtigt, am 14. d. M. die Session zu schließen; sie legt Wert auf die Polenvorlage und das AnsführungSgesetz zum Fleischbeschau- und Schlachtvieh-Gesetz und hält für Wünschens- tvert die Verabschiedung der lex Adickes und der Novelle zum Berggesetz. Alle andren noch nicht erledigten Vorlagen sind ihr gleichgültig. Am Montag stehen kleinere Vorlagen, Nechnungssachen und Petitionen ans der Tagesordnung.— ** « Deutsches Itelch. Der wilde Manu. Am Freitag sprach in einer Berliner Antisemiten- Versammlung der wieder aufgetauchte Dreschgraf P ü ck l e r über das„deutsche Volk am Rande des GrnbeS". lieber seine Flucht bemerkte er,„es sei ihm unmöglich gewesen, sich wie ein Verbrecher ins Gefängnis schleppen zn lassen. Furcht kenne er nicht, es sei aber nicht ausgeschlossen, daß er.»in neuen Anklagen zn entgehe», wieder einmal werde verschivinden müssen. Nach der Schweiz gehe er aber nicht Ivieder. Denn: „Die Schweizer sind ei» lwilloseS Gesindel von Giftmischern, Lügnern, Hallnnken, Gannern, Halsabschneidern, Strolche» und Dieben, und es koinite mir Ordnung dort gebe». wenn einmal eine preußische Division einmarschierte und alles kurz und klein schlüge." Die Sensation des Ab e.» d§ bildete die Erzählung Graf PiicklerS von einem G i f t in o r d v e r I» ch e, zu dessen Opfer er auSersehcii war. Er erzählte allen Ernstes, die Inden hätten Mörder tvidcr ihn gedungen, die ihn auf Schritt und Tritt verfolgten. In der Schiveiz sei ihm stets ein Kerl nachgegangen, den er in Gtognu gesehen zn habe» glaube. Dem Mordversuch sei er mir ivie durch ein Wunder entgangen. Ehe er einen seiner Verfolger an sich heran- kommen lasse, schlage er einem halben Dutzend die Schädel ein.(Lebhafter Beifall). Die Sociatisten forderte der ötedner auf, die rote Fahne in die Ecke zn tverfen, ihren Singer zum Teufel zu jagen und mit ihm eine frische fröhliche Jndenhatz zu unternehmen. Pückler fand stürmische» Beifall. Verleger Bruhn von der„Staatsbürger« Zeitung" stellte dem Berliner Publikmn für die nächste Zeit ein öfteres Auftreten des Grasen Pückler in Aussicht. Wenn der Dreschgraf den tvilden Mann spielen wollte, um sich der ihm drohende» strafrechtlichen Berantivortnug zu entziehen, er könnte es nicht besser machen. Für den Fall, daß den Leuten des Herrn Bruhn der Dreschgraf doch ivieder entivischt. so iverden sie ja ivohl in Dalldorf irgend eine zahlungsfähige Persönlichkeit entdecken, die ihn zu ersetzen vermag. Der neue Paradegriff. Zu dem Paradegriff aus der Fridericianischen Zeit, nüt welchem das 1. Garde-Regimcnt zu Fuß fici her Ic()1cii FrilhjahrSp.ncide im Pvtsdmner Lilst�arie» vor dcm Kaiser defilierte, wird der„Rheiiiisch-Westfälische» Zeitimg" ge- schrieben: Allen Respekt vor der ffridericianische» Zeit, aber dieses Wieder- avSgraben eines alten, glücklich nberstandencn Paradegriffes ans der Zeit des groben Königs bedeutet bei näherer Betrachtung doch einen sehr bedenklichen Rückfall, der hoffentlich keine weiteren Folgen nach sich ziehen wird. Es handelt sicki hier nm einen in der Bewegung ausgeführten Griff, der eine gewiffe Aehnlichkeit hat mit dcm früheren, im Jahre 1883 als»milltigcn Ballast tvohltveiSlich über Bord geworfenen Griff:.Faßt das Gcivehr— an I" Für letztere» besteht i» der Armee noch heute, namentlich bei älteren Militärs, eine getvisse Schtvärmerei; getviff, es war ein schöner und„strammer" Griff, aber es tvar doch nur ei»„Parade- griff", dessen Einübung unendlich viel Zeit und Mühe kostete und der deshalb mit vollen» Recht im Jahre 1888 endgültig beseitigt worden ist. Die Zeiten sind eben andre geworden! Das Gewehr ist zum Schieben da und nicht zum„Griffe lloppc»!" Mit strammen Paradcgriffen, und mögen sie noch so„brillant" aussehen, werden keine Siege errungen.— Das könnte ja nett werden. In der neuesten Nummer des „Berg. Knappen" bespricht der Leiter deS christlichen Gewerkuereins die Verhandlungen des internationalen Kongresses der Bergarbeiter, der Pfingsten in Düsseldorf tagte. Aug. Brnst kommt dabei zu folgendem Resultat:„Dnfi wir einem Teile der Beschlüffe ohne weiteres beistimmen, braucht eigentlich nicht gesagt zu werden.., Unter bestimmtem Vorbehalte können wir auch de» übrige» Beschlüsse» zustimmen." Am Schluß des Artikels heißt eS dann noch:«Nun, nochmals besten und baldigen Erfolg damit." Unter den Beschlüssen des Kongresses lautet einer dahin: da bei Wahlen zn gesetzgebenden Körperschaften nur solche Kandidaten gewählt werden dürfen, Ivelche die Forderunge» der Bergarbeiter an- erkenne» nnd dafür einzutreten sich bereit erklären. Bei der vorigen Rcichstagsivahl hat die CcntnnnSleitnng in Dort- mnnd den katholischen Arbeitern die Wahl des Berglverksdircktors Hilbck befohlen nnd Hilbck wurde gewählt. Bei der nächsten Wahl dürfte eS Wieden»» zu einer Stichwahl zwischen dem natioiiallibcralcn nnd dem svcioldcmokratischen Kandidaten komnien. Die CentrumSleitnng wird dann zweifellos wieder die Wahl des BergwcrkSdircktors Hilbck empfehlen. Daß dieser die Forderungen der Bergarbeiter nicht anerkennt, ist genügend bekannt. Nach seiner jetzigen Erklnnmg niüßte Brnst dann gegen die CeiitruinSlcitnng Stellnng nehmen nnd zur Wahl des socialdemokralischen Kandidaten, der die Fordcnmge» der Bergarbeiter sicher vertreten wird, auf- fordern. Man darf gespannt darauf sein, ob das Interesse für die Bergarbeiter beim Vorstand des Geiverkvcreins stärker ist als die parteipolitische Rücksicht ans das Centrum.— DaS geheime ReichStagS-Wahlrccht. Man schreibt uns aus Hesse» vom 4. Juni: Vorige Woche spielte sich vor dein Schöffengericht zn F r i e d b c r g ein Beleidignngs» Prozeß ab. der einen recht interessanten politischen Beigeschmack hatte. Ein auf der Station Erbstadt- Kaichen thätiger Angestellter, der aber leine Beamtenqnalifikativn besitzt, hatte auf Veranlassung seiner Vorgesetzten gegen einen Landwirt eine Klage angestrengt, weil ihn dieser stark beschinipft nnd nebenbei noch mit dem Ausspruch, er sei Socialdemokrat, bedacht hatte. Der Vcr- teidiger des Landwirts, Rechtsanwalt Jöckel in Friedberg, ein Sohn deS nationalliberalcn hessischen Landtags-Abgeordneten Jöckel, unter- nahm es nun, für die Stempelung des Beleidigten zum Social- demokraten den WahrhcitSbelveis anzutreten, Und ztvar schob er dem Beleidigten den Eid darüber zn, daß er 18S0 bei der Reichstags Iva hl den im Kreise Hanau ans- gestellten socioldem akratische n Kandidaten Geck- Offen- bnrg gewählt habe. Man wird sich fragen, wie konnte dies der nnt so vornehmen Mitteln arbeitende Rechtsanwalt wissen? Sehr einfach: Da man den Bahnangestelltcn im Verdacht„socialdcmokrati- scher Umtriebe" hatte, so»nternahm ein Wahlbcisitzcr die„Ent- larvnng", indem er seine Finger mit Tinte versah, die sich beim Abnehme» dcö Stimmzettels verräterisch anf den Stimm- zettel abdrückte. Der auf diese einfache Weise gekenn- zeichnete Zettel war dann sehr leicht festzustellen. Dieses höchst unsaubere und gesetzwidrige Manöver, das der Herr Verteidiger zarter Weise selbst als„nicht schön" bezeichnete, hatte aber seinen Zweck erfüllt, den» jetzt, nach zivölf Jahren noch, mußte der so Kontrollierte eidlich zugeben, daß er locialdemokratisch gewählt, wenngleich er nicht Socialdemokrat sei. Dem Landwirt half ja das nicht von seiner Bestrafung, denn er mußte 60 M. wegen der Beleidigungen zahle», aber seiner Rache an einem angeblichen politischen Gegner halte er doch in einer ganz erbärmliche» Weise genommen. Daß auch die Handlungsweise des Rechtsanwalts einen in einer solch abhängigen Stellung Befindlichen besonders schön gewesen wäre, wird wohl auch niemand behaupten wollen. Dies einfache Beispiel zeigt aber, wie es mit dem Schutz des geheimen Wahlrechts bestellt ist und daß daher alle Anstiengnngen geniacht werden müssen, derartigen„Controlenren" ein für allemal das Handwerk zu legen.— TaS bayrische SchnIdotationSgcsetz wurde, wie unS ans München geschrieben wird, am Mittwoch im AuSschliß der unteren Kammer in der von den Reichsräte» beschlossenen Form genehmigt. Gegen den Entwurf stinimten auch diesmal wieder die Liberalen geschlossen nnt den Socialdemokratcn. Zn dem sogen. Simultanschul- artikel hatte der Kiiltusminister im Reichsrate eine„authentische" Erklärung abgegeben, es sei nicht die Intention der Regierung, daß durch den Artikel die Erhaltung bestehender nnd die Errichtung »euer Siniultanschnle» gefährdet werden solle. Diese Erktärung ist natürlich ganz bedeutungslos nnd nur darauf berechnet, die Simnllnn- schnlfrennde zn beruhigen; denn der Verwaltnngsgerichtshof wird sich bei seinen Entscheidungen einfach l»ir an de» klaren Wortlaut des Gesetzes halten. Damit nun aber jeder Zweifel ausgeschieden werde, erklärte in der Ausschußsitznng der unteren Kammer der Centrnms- jurist Geiger:„Meine Freunde wollen von der Simultanschule nichts wissen nnd ihr den Weg verschließen". Ihm schloß sich der Lteferent, Pfarrer K o h l, an mit der Bemerkung:«Der künstlichen Züchtung der Simultanschulcn i» München muß entgegengetreten werden." In der Piaxis wird sich ja wohl bald zeigen, daß die llltramontanen für die Auslegung des Gesetzes nach ihren Intentionen schon sorgen werden trotz aller anthentischeu Interpretationen der dehnbaren Kullnscxellenz..— München, 7. Inns. sEig. Ber.) In der A b g e o rd n e te n- k a ni m e r wurde mit der Beratung des BergctatS begonnen, wozu die focialdemokratische Fraktion beantragt, es seien künftighin dem Landtage genaue, specialisierte Nachweise über die Höhe der Arbeitslöhne, die Daner der Arbeitszeit nnd die Menge der ge- förderten Produkte zu geben. In der Generaldebatte wurden besonders die Verhältnisse der Knappschaftskaffcn behandelt. Der M i» i st e r erklärte. die Regiennig sei bestrebt. eine Vereinigung der zahlreichen, in Bayern bestehenden Pensionskassen' anzubahnen, miiffe dafür aber zunächst noch die notwendigen positiven Grundlagen schaffen. Von socialdemokratischer Seite wurde angeftagt, wie es mit der Zuziehung von Arbeiter» bei der Grubeninspektio» in den Staatswerken stehe. Der M i n i st e r erwiderte, die fiskalischen Gruben seien vollkommen bereit, den Jnspcklionsbcamten Arbeiter zur Verfügnnfs zu stellen, denn der Staat müsse für das Leben nnd die Gesundheit seiner Arbeiter ebenso besorgt sein, wie die Privatwerke, von denen er sich nicht dürfe übertreffen lassen. Später meinte der Minister noch, die Regierung sorge mit ebenso großer Begeisterung für daS Wohl nnd Interesse ihrer Arbeiter, wie die Socialdcinokrntcn, So anerkennenswert diese offizielle Haltung der Regierung ist, so sehr steht sie im Widerspruch mit der Praxis der Gruben- Verwaltungen, worüber im weiteren Verlauf derk Debatten der Regierung wohl noch einiges erzählt werden wird. Aber immer- hin sind auch diese Erklärungen als ein, wenn auch geringer Fort- schritt zn bezeichnen, denn in früheren Jahren wurde der Minister immer sehr bissig, wen» seine ausgezeichnete Verwaltung etivas be- leuchtet wurde. Inzwischen sind allerdings in de» staatlichen Gruben so haarsträubende Dinge passiert, daß dein hohen Herrn wohl die Lust vergangen sein dürfte, sich ans- hohe Roß zu setzen.— Taö Brsindcn des Königs von Sachsen giebt den Aerzten, die den Patienten dauernd umgeben, Anlaß zn ernsthaften Besorgnissen für daS Lebe» des Königs. Die Mitglieder der könig« lichcn Familie sind an das Krankenbett nach Schloß Sybilleuort geeilt.—_ Chronik der MajestätsbeleidignngS- Prozesse. Ein MajestätsbeleidigungS-Prozeß wurde bor dcm Landgericht in Nürnberg verhandelt. Der Spezereihändler Engelhardt sollte den Kaiser und den bayrische» Pnnzregeitten beleidigt haben, indem er anonyme Postkarten mit Todes- androhmige» und einfältigen Beschimpfungen an sie richtete. Man hielt ihn für den Thäier, weil er vor kurzem als Schreiber ähnlicher Karten an den Bürgermeister von Niiriivcrg. an Gerichts- beantte ec. ermittelt und dafür zu 1 Jahr 3 Monaten Gefängnis verurteilt wurde. Da die Schriftexperten in ihrem Gutachten weit auseinander ginge», erfolgte Freisprechung. Ob das Auschen der Majestät dadurch gewinnt, daß man wegen solcher Narretheien eines offenbar nicht zurechnungsfähigen Mensche» einen so großen Apparat in Bewegniig setzt, ist sehr zweifelhaft. Die„Frcisiiiukge Zeitung" bringt in Nr. 131 unter ihre» Parteinachrichten eine hämische Notiz gegen den Abgeordneten Knnert, deren Mangel an sachlichen Argninenten durch massive Grobheit verdeckt werden soll. Der wesentliche Teil dieser Ausführniigen ist folgender: Damals bei der zweiten Lesung des Toleranzantrages war Herr Knnert lhätig, durch lange Reden über anssichts- lose Anträge die Durchberatmig des Antrags zu erschweren. Diese Wirkung seines Auftretens hat Herr Knnert auch jetzt noch nicht begriffen. Er bramarbasierte am Donnerstag, der Antrag des Centn»»? wäre nie gekommen,»venu der socialdemokratijche An- trag nicht gekommen wäre. Die Socialdemokratie habe den T o l e r a n z a» t r a g erst ins Leben genife».— Das ist eine Neuigkeit, die am meisten die Cenlrumspartci selbst über« raschen muß. Nebenher spitzte Abg. Knnert, daß Abg. Richter durch sein Verhalten die eigene Partei schädige. Sehe jeder selbst, wie er es treibe und wer steht, daß er nicht falle. Das gilt auch von Herr» Kimcrt im Wahlkreis Halle. Es ist»nS angenehm, zunächst feststellen zn können, daß diese Angaben Satz für Satz der Wahrheit nicht entsprechen.— Knnert war für die 2. Plenarberatnng des Entwurfs zum Hauptredner be- stimmt. Zn den sechs vorliegenden Paragraphen sprach er in der 129. Sitzung in sehr kurzer Rede, in der 179. nnd 181. Sitzung in zwei knapp gefaßten E r kl ä r n n g e n namens der Fraktion, in der 131. ferner in zivci persönlichen Bemerkungen, die nur wenige Minuten beanspruchten, in der 182. Sitzung in halbslnndiger, in der 181. Sitzung endlich noch zu dem Antrag auf Weltlichkeit der Schule in einftündiger Rede. Das war die Erschwerung der Durchberatnna durch lange Reden. In der That ein ga»z haltloser Vorwurf, wenn man erwägt, daß der Fraktionsredner für sechs(0) wichtige Paragraphen cincs Gesetzes sich iiiitzivciStundenRcdezcit insgesamt be- gnügtc. Das magisterlicheDreinreden Enge» Richters in die Maßnahmen der socialdemokratischen Fraktion ist von nnsren Rednern in zweiter nnd dritter Lesung genügend gebrandmarkt worden; allein trotzdem hat die„Frcis. Ztg." die Sache noch immer nicht begriffen. Nicht der Tolernuznntrag ist vo» den Socialdemokratcn ins Leben gerufen worden, sondern der Z 2b de- CentrnniS, der den Schul- Religionszwang etwas mildert. Das ist keine Neuigkeit für das Centn»», denn das Centrum hat die Thnlsache als solche zugegeben, es ist auch keine Neuigkeit snr parlamentarisch Unterrichtete; e» ist das nur eine Neuigkeit für die„Frcis. Ztg." und ihren unfehlbarett Chef. Das Nähere hierüber findet die„Frcis. Ztg." in der Rede des Herrn Bachem ans der 131. Sitzung,»nd eine»och deutlichere Be- jtätignng giebt das amtliche Protokoll der Tolcranzkommissioii anf Seite 41. dort heißt es: „Das Centnim ist durch den Verlauf der Debatte nnd die von zwei andern Seiten gestellten, weitergehenden Anträge sKimert, Schräder, Vollmar) zur Einbringung seines Antrags ver- anlaßt worden." DaS ist neu nnd niederschmetternd für die„Freisinnige Zeitimg", Tie jeden andern nur amüsant.— Sehr richtig jagt die„Freisinmg« Zeitmig", daß jeder Abgeordnete sich vorsehen möge, in seinem Wahlkreis nicht zu fallen. Das trifft besonders für den Herrn Richter-Hagcn zn, da er sehr, sehr wacklig dasteht, nnd zivar gestützt auf zwei niiznverlässige Krücken des CeittnnnS nnd des Rational- liberalismns. Anders sieht es doch i» Halle-Saaltreis ans, wo der Socialdemokrat fest nnd unerschütterlich auf den eignen Füßen steht.— A,»stand. Das neue französische Ministcrinm. AnS Paris wird vom Sonnabend gemeldet, daß Ronvier das Finanzportefenille angenvmnicn hat. nachdem CombeS anf die progressive Eittkommensteuer vorläufig verzichtet hat. Das Ministcrinm ist mmmehr endgültig konstituiert: Vorsitz, Inneres und Kultus CombeS, Justiz Vallö, AenßercS Delcaffs, Krieg Andrö, Marine Pelletan, Finanzen Ronvier, Unterricht Chanmis, Handel Tronillot, Arbeiten Marnsjonls, Ackerbau Mongeot, Kolonie» Donmergne, Uittcrstaatssekrelär der Posten Bsrard. Als Programm deS nciicn Ministeriums wird angegeben: Aufhebung des die Kongregationen begünstigenden Gesetzes Fallonx, Dnrchführimg des VercinSgesctzcS, zweijähriger Militärdienst, Verstaatlichung gelvisser Bahnen und Gtenerreform. Mehrere Blätter widmen dcm neuen Ministerium bereits längere Besprechungen. „Figaro" meint, daS neue Kabinett habe alle Merkmale eines K a m p f m i n i st e r i u m s. während doch das Land ein Ministcrinm der Beruhigung erwartet habe. „Petite Ropublique" erklärt, die Socialistcu sihrer Richtung) seien enischlosscn, das Ministerinin CombeS noch kräftiger zj» unterstützen, als daS Ministerium Waldeck-Ronffeau, vor- ausgesetzt, daß eS das radikale Programm auch wirklich durchs ü h r e. Die offiziöse„Agence HavaS' meldet: Die neue Regierung beabsichtigt die vom vorigen Kabinett befolgte Politik der Ver- teidigung der Republik fortzusetzen, und, wenn nöiig, die Machen- schaflen jener Koalition zu vercileln, die es anläßlich bekannter Ereignisse versucht hat, die Armee ihrer Pflicht abwendig zu machen und' die bei ihrem gegen die Republik gerichteten Unternehmen sich mit einein Teil der Geistlichkeit, der seine Pflicht vergaß, ver- bündele. Die Uebergabe der Boeren. General Kitchencr telegraphiert ans Pretoria: Die Ucbergabe der Boeren nahm durchaus befriedigenden Fortgang. In Middel- bnrg(Transvaal) legten 44V Mann die Waffen nieder, lieferten ein Pompon-Geschütz mit der Munition aus»nd gaben auch das Versteck einer Hanbitze nnd eines Maxim-GeschützcS an. In Standertvn legten 289, in der Kapkolonie 2S5 Mann, unter letzteren 219 Auf- ständische, die Waffe» nieder. Schalk Burger, der vom Gonverneur von Natal zun» Früh- stück geladen war. besuchte das Konzenlratioiislagcr nnd ermahnte die BurghcrS, sich in die Lage zuschicken, daS Vergangene zu vergessen und zu vergeben, den Uebergnbebedingnngen geniäß zu handeln und zum Wohle Südafrikas zu tvirke». London, 7. Juni. Wie„Daily Mail" erfährt, trifft die Re- giernug energische Verkehrunge», um eine pünktliche und gründliche Einführung der C i v i l v e r tv a l t u n g in den neuen Kolonien möglichst bald sicher zn stellen. Eine der ersten Thaten der englischen Regiennig solle die Revision der Zollgesetzgebung für Südafrika sein. Für jetzt bleibe der bisher bei den Boeren gellende Tarif in Transvaal in Gültigkeit. London, 7. Juni. Die Freilassung der Boercilgefangeneu hat bereits begonnen. Ans de» B a r m n d a s- I n s c l» find fäml- liche Boerenofsiziere anf Ehrenwort nnt der Erlaubnis freigelassen tvorden, die Inseln zu durchstreifen. Die Gefangenen, ivelche den Treueid ablegen, werden auf schnellstem Wege ans Staatskosten nach ihrer Heimat befördert tverden. Präsident Krüger. Haag, 7. Juni. Es kann als sicher gemeldet tverden, daß Präsident Krüger in Holland bleibe» wird. Wolinarans und die andren Boerendelegierten begeben sich sobald als möglich nach Südafrika zurück. Oestreich-Ungnr». Lemberg, 7. Juni. Ein früherer öslreichischer Gendarm, deffen Name von den Behörde» streng geheim gehalten wird, wurde tvegen Spionage im Dienste Rußlands verhaftet. Beim Generalstiib in Triest soll eine große Anzahl öslreichischer Offiziere und Ilntcrosfiziere als besondere Abteilung für den Spionagedienst in Ver- wenduna stehen.— Italien. Rom, 7. Juni. Die Marineverivaltung besteht darauf, daß die Slnsgcsialtung der Kriegsflotte in grösserem Stil erfolgt, da 16 ältere Kriegsschiffe vollständig dienstunlanglich geworden sind nnd die Herstellung der lliiterscebote großer Sorgfalt bedarf.— vf ei-'XTadiviiTjf e«. Voliiriliches,(Sevichklickies usw. — Tie Tanzvcrgiiiigungcn politischer Bcreine. Trotz der Entscheidung des KammergerichlS, daß zn Tanzvergnügnngen politischer Vereine die Frauen nngehindert ziiziilassen sind, hat der Polizeipräsident von D a n z i g ahermals ein solche- Verbot erlassen. Durch Verfügung vom 31, Mai. also eüva eine Woche nach den« KammergerichtS-llrtcil, hat der genannte Beamte der dortigen Zahlstelle deS Deutsche» Metallarbeitcr-VerbmideS, den er noch dazu ganz mit Unrecht für einen politischen Verein erklärt, die Znlasiung von Frauen zu einem Vergnüge» und gleich- zeitig ausdrücklich die Abhaltung eines Tanzvergnügens ver- boten. Obioohl im» infolgedessen in dem Vereinslokal keinerlei Veranstaltungen gemacht ivnrden. sondern nur eine Anzahl Männer und Franen sich als Gäste in den WiitschaflSränmcn aufhielte», erschien ei» starkes Schntzmami-anfgebot und verlangte die Entfernimg der Frauen. Als dem nicht Folge geleistet tvnrde, erklärte der Pölizeikvmmissar daS Lokal für gefchlossen und forderte sämtliche Amvcscnde anf, sich zu entferne». Da sich nach dem Urteil des Kammergcrichts die Polizei hier gar nicht in ßlnsübung gesetzlicher Befugnisse befmiden hat, hätten die Enste die polizeilichen Anfforderungen einfach ignorieren sollen. — Die photographicrten Maisiiudcr. Anläßlich eines am 1. Mai veranstalteten gemeinsamen Spazierganges erhielten circa 4V Genossen und Genossinnen in S olliigen Strafmandate in Höhe von L— IS Mark. Die davon Bctroffciicn legten Benifiina ein nnd beantragten richterlichen Entscheid. Trotzdem in der Schöffen- gcrichts-Verhandlimg am Freilag alle vier Zeugen(Polizisten und Gendanne») anSsagteit, in dcm„Umznge" nichts OrdmnigSividriges be»ierkt zn haben, beantragte der Staatsanwalt Bcstrasuiig; zur Bekräftigung hielt er eine in Großoklav gehaltene Ainoteurphotographie empor, mit stolzer Stimme vclküiideiid, daß dieser Belveis so kräftig sei, daß er nicht ningestoßen tverden könnte. Die Photographie ist vom Dache eines Hanfes ans anfgenonunen worden, denn lief unten auf der Straße sieht man eine Menschenmaffe stehen. Die Sünder wurden denn auch zu S Mark Geldstrafe venirteilt. — Wege» Beleidigung eines LchrerS tvnrde der vcrant- Ivortliche Liedadenr des„Sächsischen Volk-blattes", Genosse Rob. Müller in Ztvickan, vom Schöffengericht in Reichcnbach mit ilfe des fliegenden Gerichtsstandes zu 180 M. Geldstrafe venirteilt. r hatte de» Lehrer einen Prügelpädagogen geiiaimt und außerdem behauptet, daß ans Veranlassung de- Lehrers der Vater des Knaben, für dessen Mißhcuidluug er bestraft tvorden tvar, in der Steuer erhöht worden sei. Festgestellt lvurde in der Verhandlrnig durch das eigne Zugeständnis des als Zeugen anwesenden Beleidigten, daß er wegen fahrlässiger Körperverletzung, begangen an dem Sohne des Handelsttianiics Zierold zn 20 M. Geldstrafe ver- urteilt tvorden ist. Bei dieser Gelegenheit hat Zierold als Zeuge für einen halben Tag 3 M. Entschädigung bereckmet»nd das hat der Lehrer der Stencreinschätzungs-Kommissio» mitgeteilt. Infolge dessen mußte Zierold. der bis dahin imnier nur 6 M. Jahresstcuer bezahlt hatte, da»» 43 M. bezahle». Trotz dieser Zllgeständnijse des Zeugen nahm der Gerichtshof Beleidigung in zivei Fällen an und erkannte wie angegeben. Wirtschaftlicher Wochenbericht. Berlin, den 7. Juni 1902. Das fröhliche Hcisasa, niit dein am vergangenen Soiinabend ans die Knude hin. /am Montag stände die offizielle Bestätigung des Friedensschlusses bevor, die Ste'eplechase ans Miilenwerle im Londoner Kaffeni-Cirkns crösfiict lvurde, hat recht bald wieder der alten Zag- hafligkeit Platz gemacht. Die ältere» Minenwerte. die eine gewisse Bürgschaft für Solidität bieten, sind schon seit Beginn deS Jahres, als zuerst glaubhafte Friedensgerüchte aus dem Veldt herüber» drangen, dermaßen in die Höhe getrieben, daß sie meist heute doppelt so hoch im RnrS stehen, als zur Zeit der Depression im porigen Jahre und vielfach sogar über den böchstcii Kursstand emporgeschnellt sind, den sie zur Zeit des wildesten SpeknlationSfiebcrs im Jahre 1899, vor dem Kriegsschrecken, erreicht hatten. In ihrem Kurs sind also alle haldivegS berechtigten Hoff- innigen anf zukünftige Erträge der Goldminen schon überreichlich eskomptiert, um so mehr, als während der Zeit des ganzen oder halben Brachliegens der Mine» i» den beiden letzte» Jahre» die An- lagen vielfach gelitten haben und sich alsbald die weitere Anschaffung neuer Maschinen als nötig herausstellen dürfte. Was aber seit Herbst vorige» Jahres an neuen Minenwerten auf dem Kaffiermarkt erschienen ist, das ist größtenteils so ziveifcl- hafter Art, daß endlich, da»! der viele» Warnungen der Presse, doch dem Publikum getvisse Bedenken aufgestiegen zu'sein scheinen, die es von einem allzu frischen Wagen zurückhalten trotz der Barinun- Reklame, die teiliveise für solche Minenwerte betriebe» tvird und trotz des zur Spckulaiion lockenden geringen Nominalbetrages der Aktien, der ja meist»ur 1 Pfd. Slerl. beträgt. Allerdings gar zu fest darf man ans diese bessere Einsichl der kleineren Spekulanten nicht bauen, kommen ans Südafrika neue Nachrichten, die sich mit einiger Geschick- lichkeit zur Stiiiunuiigsmache benutzen lassen, ivird es ivohl ancb bald mit der Zurückhaltnng ivieder vorbei sein; hat doch die Abschivmliiing der Minenkurse, die der gestrige Stand gegenüber dem vom Ende voriger Woche zeigt, nicht mir in dem abwartenden Verhalten der kleiiieii Spekulation, sondern mehr noch in der Geiviim-gteatisations- lust seinen Gnmd, die am Londoner Minenmartt hervortrat. Im ganzen ist jedenfalls die Frage, ivie sich die Rentabilität der südafrikaiiischen Goldniinen im Verhältnis zn den hochgetriebeiien Kurswerten gestallen wird, jetzt noch kaum zu beantlvorten. Was darüber in der Presse zu finden ist, besteht nur ai>S Vcr- mntnngen. Außer de» Kosten der NeninstallicrUiig»»ancher Anlagen komnit i» Betracht, wie hoch sich die Beisteuern belaufen werden, zn ivelche» die englische Regiernng die Mine»- gescllschaften zur Deckung der Bcrzinsnng der beabsichtigten Ausgaben für Wiederherstellung der Farmen-c. heranziehen ivill, wie hoch sich unter englischem Regime die Explosivstoffe und die Bahnfrachtcn stellen tverden, besonders aber, welche Richtung die Arbeiterfrage unter den nencu Verhältnisse» nehmen wird. Be- wnuUich Iv.ir cS einer der Houpivorlvürfe, lvclche die Minen- dcuvnIinnAen ftcfltii die TrnnSvaalreftiernng tvlioben hnlicn, daß iicje da» yu[lvüincii schwarzer Arbeiter»ach den Minendistrikten vcr- diuderte» und dadurch die Löhne fnr die Schwarzen tvie für die laeiven Arbeiter hochhielt— zum Leidwesen der über solche Freiheits- beidmmhnia klagenden Minenbesitzer. Nimmt jetzt unter englischer Herr- schaft der Schwarzcu-Transport grötzere Dimensionen an. und gelingt es dadurch, die Löhne beträchtlich herabzudrücken, dann werden selbst- verständlich die Erträge steigen. Auf die Haltung der deutschen Börsen blieb die Abflanung des Londoner Minenmarktes natürlich nicht ohne Rückwirkung. Im An- schlus; an die Sonnabends-Hausse in London setzte auch hier am Montag zunächst eine Aufwärtsbewcgung ein. Die leitenden Epckutalionslverte der Montanindustrie zogen um 3—5 Prozent an. Bankaktien um 1—2 Prozent. Doch schon im iveiteren Verlauf wurde die Spekulationstust durch die Londoner Meldung von einem Nachgeben der dortigen Kurse merklich gedämpft, und bereits am Dienstag folgte eine regelrechte Reaktion. Die schon an, Montag in London beginnenden, am Dienstag sich fortsetzenden Gelviunrealisationcn der Haussespekulation erregten Verstimmung und animierten auch hier zu Rcalisierimgen in Molila»- und Bankwerten. die nicht m, beträchtlichen Kursabstriche belvirkten. Später vermochten sich zlvar verschiedene dieser Werte ziemlich zu erholen, doch war es mit der fröhlichen Spckulationstimnnmg vorbei. Und dieselbe ab- wartende Haltung zeigten die letzten Tage. Solveit sich zeitweilig ans ciuzelnen Gebieten, z. B. in Kohlen- und Bahnakrien, eine rttoaS gröbere Nachfrage bemerkbar machte, waren es mit dem fl'riedensschlnd in keinerlei Verbindung stehende Motive, die zum Kauf stimulierten. Heute stiegen zwar, da die Realisationen in London abgenommen haben, die Kurse wieder, doch ohne die Ab- jchlvächungcn der voraufgegangenen Tage einzuholen. So endet die, F r i e d e n s w o ch e", die mit einem Auftrieb begonnen hatte, mit einer fast allgemeinen Abflauung und mit einem Kursstand, der bei den leitenden Montanaktien meist um 2—4 Proz., bei den Bankaktien um 2—3 Proz. niedriger ist, als der, niit dem an, Montag die Hausse einsetzte: ein Resultat, das selbst die pcisuuistischen Borhersagungen übertrifft. Erwähnt»MB allerdings werden, dast nicht nur die schwache Tendenz der Londoner Fondsbörse, sondern auch die reservierte Haltung Wallstreets zu diese», Ergebnis ein gutes Stück bei getragen hat. Die New Dorker Börse antwortete schon am Montag, während noch in Berlin und Paris die Kurse stiegen, niit kühler �nrilckhalwng aus,'den Friedensschlus;; sie ist wieder mal recht nervös geworden. Wird auch von der amerikanischen Presse, speciell von der New Dorker Handelszeitung, die bei manchen unsrer deutschen Handctsblätter»och immer als verläßlichste Bcurteilerin der cnnerikanischen Wirtschaftslage gilt, die dortige geschäftliche Situation als andauernd günstig geschildert und zuin Beweis auf erneute Eisern, nkäufe, die relativ guten Erntestandsbcrichte für Ge- treibe und Baumwolle sowie auf die Steigerung der Eiscnbahn-Einn ahmen aus dem Frachtverkehr Hingelviesen, so treten doch in Wallstreet inimer mehr die Symptome einer sich ans- breitenden Besorgnis über den Fortbestand der jetzigen Geschäftslage hervor, wozu daS Andauern des Streiks im pcnnsylvmiischeu Anthracitkohlen-Revier und die Möglichkeit seiner weitere» Aus- dehunug über die angrenzenden Weichkvhlcngebietc»ich, wenig bei- trägt. Die Umsätze waren in de» letzten Tage» im Vergleich z» normalen Feiten zienilich gering, und die»leisten wichtigeren Bahn-, Kohlen», Eisen- und Kupferwerte erlitten Abschläge. Wie in gestriger Nummer mitgeteilt wurde, scheint nun doch, trotzdem dies in den letzten Tage» mehrfach bestritten worden ist. eine yegen den Morganschen Schiffahrtstrust gerichtete Konkurrenz- koalitwn englischer Reedereien zu stände zu komme». Es war das zu erwarten, da sowohl die außerhalb des Trnsts gebliebenen gröberen englischen transatlantischen Linien, wie auch die kanadische Pacific- bahn-Gesellschaft da? größte Interesse daran haben, den ihnen dnrch die Mnrgansche Schiffs-»nd Bahnkombination drohenden Ertrags- ouSfällen durch eine Gcgenvereiiiigimg entgegcnz,»virken. Sollte deshalb auch diesmal»och in letzter Stunde das Projekt scheitern, werden sicherlich früher oder später erneute KoalitioiiSbcstrebnngen der außer- halb des Trusts stehenden Gesellschaften hervortreten. Recht sonderbar ist eS, wen» die Konkurrenzfähigkeit des neuen Trusts mit den, Hinweis bezweifelt wird, daß die Schisse der angeblich in ihn, ver- einigle» Cunnrd-, Allan« und Beaver-Linie geriiigwcrlig i», Vergleich zu den Schiffen des Morganschen Trnsts seien und einer baldige» Erweiterung des Schiffsbestandes der neuen Koalition dadurch vor- gebeugt sei,' daß Morgan sich die große Schiffslverft von Harlaud Wölls in Belfast(Irland) verpflichtet habe. Das ist wirklich an- gesichts der Leistung« einer Reihe andrer englischer Werften, der neueren amerikanische», Schiffsban-Anstaltcn am Delaware und der Chesapeale- Bai sotvie des Stcttiner„Vulkan"»rnd der Hamburger Kommandit- Gesellschaft„Bkohm u. Voß" eine mehr als naive Ansicht. Sind doch thatsächlich verschiedene der modernsten und schnellsten Dampfer des Norddeutsche» Lloyd und der Hnniburg-Amcrika-Liuie, auf welche die deutsche Hnndelsniarinc nicht lvenig stolz ist, von den letztgenanntei, beiden Wersten gebaut, darunter auch die„Deutschland", das größte und schnellste Schiff in, deulsch-amerikanischen Verlehr. Auch daß die dem Morgniiichei, Navigationssyndikat angeschlossene Atlantic-Transport-Linie die großen Dampfer, die sie erbauen läßt, sämtlich amerikanische» Wersten in Auftrag gegeben hat, scheint dem Artikelschreiber der„National-Ztg." unbekannt zu sein. Wie bedeutend gerade der amerikanische Schiffsbau sich ent- wickelt hat, zeigt der erst vor lveuigcn Wochen veröffeuilichtc amerikanische Ceususbericht für 1900. Danach betrug die Zahl der Schiffsbau-Anstalten 1116, die Summe des darin augeleglcu Kapitals 77 362 701 Dollar, der Wert der Jahresproduktion an Neu- bauten und Reparaturen 74 578158 Dollar. An Löhnen hatten die Werke 24 839 163 Dollar, an Gehältern 2 008 537 Dollar in, Jahr zu zahlen. A», Prodttklionsivert der Schiffbau-Jndustrie waren niit Beträgen von mehr als 1 Million Dollar die Werfte» der Staaten Californie», Eomiectilnt, Delaware, Illinois. Maine. Maryland, MaffachnsetS, Michigan, New Jersey, New Uork, Ohio, Oregon, Pennsylvanie», Rhode Island, Birgimen, Washington und Wisconsin beteiligt. Von 1890 bis 1900 ist das i», Durchschnitt in einer Schiffs- werft investierte Kapital u», 129 Proz., die Zahl der Arbeiter um 55 Proz. und der durchschnittliche JahrcSproduktionswert jedes Ctavlisscinents um 58 Proz. gestiegen. Dem Jahre 1850 gegenüber zeigte sich 1900 eine Sleigeriuig der Zahl der Anlagen um uur 17 Proz.. dagegen eine solche des investierte» Kapitals um 1340 Proz., der beschäftigte» Arbeiter um 261 Proz. und des Produktiouswertes vo», Schiffbau um 340 Proz. Alsö auch hier tvieder die in den letzten CciisuSberichten fast überall hervortretende Erscheiming, daß das investierte Kapital und der Prodnktionsertrag stärker gewachsen sind, als die Arbeiterzahl und der Arbeitslohn. lkat. Ans IndnNvio nnd LZnndel. Tcntfchla.ndö Anstenhandel mit Nordamerika. Das kaiser« liibe statistische Amt hat soeben als erstes der 24 Hefte deS Bandes 142 der Statistik des Deutschen Reiches„Auswärtiger Handel des deutschen Zollgebietes im Jahre 1901" das Heft XlX hrnnisgegcbe»; es enthält den Verkehr init Britisch-Nordamerika und den Vereinigten Staaten von Amerika im letzten Jahrfünft. Die Einsnhr aus Britisch-Nordamerika betrug im letzte» Jahre 7.4. die Ausfuhr 26.5 Millionen Mark. Gegen 1900 hat die Einfuhr um 1 Million Mark, die Ausfuhr um 6.5 Millionen Mark zu- gcnoimnen, also erstcre um 15.6 Proz.. letztere um 32,5 Proz. Eiu- und Ausfuhr iveisen 1901 die höchsten Werte deS letzten Jahrzehntes auf. Die starke Zunahme der Ausfuhr ist besonders durch die hohe Rohzucker- und Eisenwaren-Ausfuhr veranlaßt. Die Vereinigte» Staaten stehen seit 1898 im deutschen Handel an der Spitze der Einfuhrländer, während sie in der Ausfuhr jetzt an dritter Stelle»nd im ganzen Außenhandel an ziveiter Stelle stehen. Der Specialhandel mit den Vereinigten Staaten betrug 1901 in der Einfuhr 1042.1, in der Ausfuhr 385.8 Millionen Mark. Jene hat«», 2,1 Proz. zu, diese um 12.2, ohne Edel- »retalle um 12,5 Proz., abgenommen. An der Eiufnhrsteigerung nahmen hauptsächlich Weizen, Gold und Schmalz teil mit 104,5, 39,4 und 11,8 Millionen Mark mehr. Die Weizeneinfuhr war bedeutender als je und stärker als die Eiiifiihrmcnge zweier nnf- einander folgenden früheren Jahre. Der starke Rückgang der Aus- fuhr ist hauptsächlich durch den hohen Ausfall bei' Rohzucker (50,5 Millionen Mark weniger), Strumpfwaren. Kautschuk. Cement, Lederhaudschnhen und Haibseidenwarei, veranlaßt worden. Dem Tabelleniverk, welches über jede Warengrnppe und Ware für daS letzte Jahrfünft Auskunft giebt, gehen Erläuterungen über die Ent- Wickelung des deutschen Außenhandels mit den beiden Ländern im letzten Jahrzehnt voraus. N»S der chemischen Judnstrie. Nachdem vor kurzen, die Badische Anilin- und Sodafabrik und die Farbfabrikeu vou Friedrich Bayer u. Cie. aus de», Centraiverband deutscher Industrieller aus- geschieden sind, habe» jetzt auch die Farbwerke Meister, Lucius u. Brüning ihren Anstritt erklärt. Der Grund liegt in den Be- schlllffe», die der Ausschuß des Centralverbaiidcs zu de» die chemische Industrie betreffenden Posttione» des Zolltarifs gefaßt hat. Orstreichisch-nngarisches Giscnkartell. Wie aus Wien ge- meldet wird, sind die gemeiusamen Veratuiigen des östreichischen und ungarischen Exekutivkoinitees der Eisenknrtclle zum Abschluß ge- diehe»; in allen Punkten sei ein Einvernehmen erzielt worden. Im Laufe der nächsten Woche werde» die bereits eingeleiteten VerHand- lungen über Bildung der Sonderverbände und Angliedermig der bosnischen Werke an das Kartell abgeschlossen werden, so daß es möglich sein wird, mit dem 1. Juli das neue Kartell in Kraft trete» zu lassen. Ter VertvnltuugSrat der Iura- Simplon- Buhn beschloß, der Generalvevsaminlimg die Verteilimg einer Dividende vo» 4>/» Proz. für die Prioritäten und von 4 Proz. für die Stammaktien vorzuschlagen. Saatcnstnnd tu Frankreich. Nach dem amtlichen Bericht be- trägt die mit Winterweizen bestellte Fläche 6 663 235 Hektar gegen 6 952 607 im Vorjahre, die mit Sonunerivcizcn bestellte Ftciche 134 446 gegen 146 969. Winterweizen steht sehr gut in 4. gut m 55, ziemlich gut in 24, leidlich in 3 und, nittelmäßig in einem Depar- tement. Der Stand des Sommerweizens ist sehr gut i» 3. gut in 32, ziemlich gut i» 10 und leidlich in 3 Departements. Der Durch- schuittsstaud für ganz Frankreich ist, wenn 100 der Note„sehr gut" entspricht, für Winterweizen 77,2 gegen 72,3 im Vorjahre, Sonnncr- wcizen 45,9 gegen 41,8. Die Erntcanssichte» für Weizen waren also am 15. Mai besser als zu dem gleichen Zeitpunkte des Jahres 1901, aber schlechter als 1900._ Gewevk i ches. Die große» gerichtlichen Aktiv»?» an? Anlaß des S t e i n a r b e i t e r- S t r e> l s in Gommern haben»»nin ehr ihren Abschluß gefunden. Der dritte Landfriedens- brnchprozeß, der während der letzten Tage in Magdeburg gegen 49 Angeklagte geführt wurde, endete an, Freitag damit, daß 14 der Angeklagten freigesprochen, die anderen aber mit Gefängnisstrafe» von 3 Wochen Ins zu 6 Monaten belegt wurden. Somit ist den, Rechlsempfinden der bürgerlichen Gesellschaft Genüge geschehen. Das Nechtsbewußtscin der Arbeiterklasse aber wird sich schwer getroffen fühlen. Wenn auch die Ausschreitungen, die den Verurteilten nnchgewicsen worden sind, keineswegs beschönigt werben sollen, so erscheine» die Strafe» doch ungewöhnlich hart. Handelt es sich in der Hauptsache doch u», nichts andres, als im, thönchte Handlungen— Schreien, Schimpfen, drohende Gebärde»— wobei sicher keiner der Verurteilten eine Vorstellung davon hatte, daß er sein unüberlegtes Thun mit»lonatelangeii GesäilgmSstrascu werde büßen müssen. Wie spielte sich dein, der Hergang ab, der vo» den Gerichten als Landfriedciisbnich verurteilt ivordcn ist? Unter den Streikenden geht eines TagcS das Gerücht, es seien Streikbrecher in großer Zahl angekommen. Man geht hinaus nach den Steinbrüchen— oh»« Plan, ohne Verabredung— und ans der Menge, die sich nach und nach ansninmelt. ertöne» Rufe des Unwillens gegen die Streikbrecher, übermütige junge Bursche tanzen mit geschwungenen Knüppeln, es'fliegen auch einige Steine. von denen aber nnr ein Schippensticl getroffen,— sonst aber kein Schaden angerichtet wurde. ElwaS lärmend mag es ja hergegangen sein, aber die Slcinbrncharbcilcr sind eben nicht an feine Umgangsformc» gewöhnt. Sie sollen— wenigstens ei» großer Teil von ihnen— früher sogar recht nmnanicrlich gewesen sein, der Einfluß des Leiters ihrer Organisation hat aber— wie vor Gericht festgestellt wurde— die Steinbrucharbeiter sittlich und knllnrcll ans ein höheres Niveau geHobe». Ter Leiter der Orgainsation und des Streiks hat auch die n» de» Steinbrüchen angesammelte Menge beruhigt»nd wie nnmer, so auch diesinal ganz energisch vor AnSschreitlnigc» gewarnt. Am folgende» Tage fanden wieder Ansammlungen»»d thönchte Handlungen der vorerwähnten Art statt, durch die jedoch niemand Sckmdeii zugefügt wurde. DaS ist in den wesentlichste» Zügen die Situation, welche für eine große Zahl von Arbeitern so verhängnisvoll geworden ist und ihnen schlverc Gefängnisstrafen ein- brachte. Nach Maßgabe ihrer Teilnahme am Streik Müssen die Angeklagten bestraft>v e r d e n. So sagte der Staatsanwalt im zweiten Landsricdciisbrnch-Prozeß. Er hat sich allerdings nur versprochen, wie er später bemerkte, als der Ver- teidiger diese Aeußermig festnagelte, aber doch liegt in diese», unbeabsichtigt gesprochenen Satze die Erklärung dafür, weshalb Aus- schrcitnngen bei Gelegenheit eines Streiks stets uugewöhnlich hart bestraft werden. Nach Anffassnng der herrschenden Gesellschaft ist es schon ein strafwürdiges Verbrechen, wen» Arbeiter streike». Da aber das Streiken an sich nicht strafbar ist, so müssen lvenigstens die Handlungen, welche mit Strafe bedroht sind, ganz besonders streng geahndet werden, wenn sie niit eincin Streik in Verbindung stehe». Berlin«nd Ningegend. Mit der Vcrnntreunng und Flucht BcißtvcngerS befaßi sich ei» au die Mitglieder des Verbandes der Lederarbeiter Deutschlands gerichtetes, voin Centraivorstand und Ausschuß hcrausgegcbencs Flugblatt. Dasselbe bestätigt in, wcientlichc» die bereit? von iins gebrachte Darstellung der Angelegenheit. Die unter- schlage»? Summe wird ans etwa 26 500 M. angegeben. Weiter wird ein Beschluß mitgeteilt, wonach der in der letzten' Geiierallzersaiumlung gewählte Beanite sofort sein Amt anzutreten hat und weiter, daß die beiden Filiale» Berlins die Ergänzungswahl deS zweiten Beamte» so bald wie möglich vorzunehm'e» haben. Mit der vorläufige» Geschäftsführimg wurden die Kollegen Busse und Speer-Berlin betraut. Zum Schluß wenden sich Centraivorstand und Ausschuß mit den Worten n» die Mitglieder: Kollegen! Ei» schwerer Schlag ist unsrer Organisation zugefügt. ein Schlag, wie man ihn wohl von keiner Seite erlvartet hat. Der Berlnst des bare» Geldes ist es nicht allein, er wäre»och z» verschmerzen, der nioralische Verlust ist für uns viel bedeutungsvoller. lind doch, Kollegen, dürfen wir den Mut nicht sinken lnffen. Wir können aus diesem Fall mir die Lehre ziehen, daß wir niemals wieder zu vertrauensselig werden dürfen und wäre eS gegenüber den, Besten miter uns. Der Beamte, der es ehrlich ineiiit.'wird eine scharfe Kontrolle nicht als Beleidigung empfinde». Die Schuld trifft weder die Revisoren, noch den Centralvorstand. Beißwenger wußte mir einer Raffiniertheit z» betrügen, daß es jedem Kollegen ebenso gegangen, daß auch er getäuscht wäre. Also, Kollegen, den Kopf hoch, lnffen Ivir den Mut nicht sinken, stehen ivir fest zu unsrer Organisation! Deutsches Reich. Zur Aussperrung im Baugewerbe Hamburgs teilt das „Hamburger Echo" mit, daß sich die Situation bisher lvenig ge- ändert hak, und damit erwiesen ist, daß dl» FttMüg ihren Beschluß, eine allgemeine Aussperrrnng borznuehmeu, nicht zur Durchführung bringen kann. Zu de» neuen Be- dingungei, arbeiten noch über 1500 Maurer, zu den alten eiwa 200, so daß also noch 1700 Maurer in Arbeit stehen, während die Zahl der Ausgesperrten nur etwa 900 be- trägt.— In Altona arbeiten 120 Maurer zu den alte». 29 zu den neuen Bedingungen; ausgesperrt sind 200 Maurer.— In Wandsbek sind 50 Maurer ausgesperrt, während 15 bei nicht der Innung an- gehörenden Meistern arbeiten. Vo» 1616 Mitgliedern der Zimmerer, Zahlstelle Hamburg, be- finden sich 207 i», Streik und 619 in der Aussperrung, die andren Mitglieder sind sämtlichZz» de»»eucii oder den alten Bediugimgei, in Arbeit; dazu komme» noch ettva 120 auS den umliegenden Zahl- stellen und ctlva 150 Nichtorganisierte.— Drei Ilnternchmer haben neu bewilligt, eine Zurückziehung von Vewilliguiigen hat nicht statt- gefiiüde».— Zuzug ivar nicht' zu verzeichnen und ist wohl auch schlverlich in größerer Anzahl zu erivarten.' Der Straßcnbahncrstreik in Stuttgart. Die Situation ist im wesentlichen unverändert. Die Direktion beharrt auf ihre», schroff ablehnenden Standpunkt. Das Publikum und auch die Presse— mit wenig Ausnahmen— tritt entschieden für die Streikenden ein. Bei den Ansamiwungen auf den Straße» geht die Polizei mit einer durch nichts begründeten Schneidigleit gegen daS Publikum vor. Wie wir schon am Freitag mitteilten, hat der Gemeinderat beim Amtsgericht beantragt, daß es auf liebe, nähme der Straßenbahn in städtische Regie erkenne, weil die Direktion durch Einstellung des Be- triebes vertragSbriichig geworden ist. lieber die Rechtslage dieses Verfahrens schreibt die„Schwäbische Tagwacht": Das Amtsgericht prüft den Antrag auf Anerkennung der Be- triebSeiiistelluiig und Auslieferung des gesamten Materials an die Stadt oder es verweigert sie, was bis jetzt nicht geschehen ist. In, letzteren Fall giebt es zwei Wege. Entweder erhebt die Stadt gegen einen solchen Beschluß beim Landgericht Beschwerde auf Grund des K 942 in Verbindung mit Z 567 der Eivilprozeß-Ordiinng oder sie macht die Hauptsache durch eine Klage direkt beim Landgericht selbst auhiiiigig auf Grund des§ 937 der Civilprozeß-Ordnung. Die Lohnbewegniig der Maurer in Halle a. S. nimmt in- sofern einen größeren Ilinfang an, als auch die Zimmerer»nd Bau- arbciter sich iieuerdiiigs daran beteiligen. Die letzteren haben be- schloffen, diejenige» Unternehmer zt, sperren, welche den tarifmäßigen Lohn nicht zahlen. Die Zimmerer haben eine Sperre verhängt, tveil der betreffende Unternehmer statt 50 uur 48 Pf. Lohn zahlen Ivollte. Auf einige» Bauten ruht die Arbeit vollständig. I», Baugewerbe in Nrnmünstrr ist die Lohnbewegung eine allgemeine geworden. Die Zimmerer st r e i k e„ bekanntlich schon seit einiger Zeit. Run haben auch die Maurer und die Bauarbeiter den Streik deschlossen. Ter vierte Kongreß der christlichen Gewerkschaften Deutschlands wird vom 29. Jimi bis 2. Juli in München ab- gehalten. Dem Kongreß schließt sich ein Delegiertentag des christ- lichen Gelvcrlscbaftskartells für Bayern und der VerbandStag des christlichsocialci, Verbandes der nicht gewerblichen Arbeiter und Ar- bciterinneii Deutschlands an. Ausland. Die Reorganisation deS schweizerischen GewerkschaftS- bnndcs, wie sie vom Ostcrkougretz i» Bern beschlossen worden, ist in der Urabstimmung mit 6122 gegen 4046 Stimme,, verworfen worden, so daß es(vorläufig) beim bisherigen Zustande bleibt. Eine Ililtmiclinierschntz-Pctltion. Ter vorbereitende Ausschuß des Stadtverordneten-Kollegiums in Stockholm beantragt, daß die Negier, mg aufgefordert werde, dem uächsteu Reichstag einen Gesetzentwurf vorzulegen, wonach diejenigen Arbeiter, die ihr Arbeitsverhältnis ohne gesetzlichen Grund lösen, wem, Gefahr für Leben und Gesundheit vo» Persoiicii oder grobe Schädigung von Eigentum damit verbunden ist. init Geldstrafen bedroht werden, wenn aber thatsächlich Personen an Leben, Gesundheit oder in grober Weise am Eigentum geschädigt werden, auf Geld- strafen oder Gefängnis bis'zu 6 Monaten erkannt werden soll.— „Die Forderung des schwedischen Volkes nach Recht i», eignen Vaterland", schreibt Hj. B r n„ t i n g hierzu,„wird sich nicht durch neue Zwangsgesetze unterdrücken lasse». Soweit man will, daß daS allgcineiue Nechtsbewußtscin auch i» Zeiten des Generalstreiks nicht gekränkt werde, sind jene Bestiminniige» überflüssig; wirkliches Recht respektieren Ivir selbst. Aber will man solche Ausnahmen als Waffen im Kamps gegen die Arbeiter niißbranckien, so antworten ivir ganz kalt: ma» versuche eS nur I Der nächste Generalstreik, wenn ein solcher iiolivendig sein sollte, wird nicht an solchen Hindernissen scheitern. Eure Gefängnisse reichen nicht auS für ein ganzes Voll. das sein guteS Recht fordert".— Svvv Kellner in Mailand sind an, 7. Juni in den Ausstand getreten. Die Ursache sind Lohnfordermigcn. Sämtliche Cafös und Restaurants in Mailand sind infolgedessen geschlossen. Der Ausstand der Fuhrleute in Barcelona nimmt eine große Ausdehnung a». Die Russtmidigc» mache» Propaganda unter den andern Gewertschnftcir zu Guustei, eines GeneralauSsiandes. Mehrere Verhaftungen und Untcrsuchmige» sind vorgenommen. Fast stündlich konnnt es zu Zusammenstößen zwischen den Ausständigen und der Polizei. Ter Grubenarbeitcr-Ansstaud in Pennsylbanien hat nn» geheure Ausdehnung angeiioiiime». Augenblicklich streiken 150 000 Ar- bester, die Hälfte der ganzen Arbeiterschaft. Handel und Industrie sind loh», gelegt. Die Eisenbahn-Angcslelltc» sind ohne Arbeit.. Einer Meldung der Londoner„Daily Mail" zufolge sollen 300 000 Grnbeuarbcitcr»nd 20000 Eisenbahn-Angeslcllicn vo», Ausstand betroffen sein. Weiter heißt es. die Streikenden würden sich eine», Schiedsspruch des Präsidenten Roosevclt miterwcrsen, falls dieser das SchiedSamt aiiuimmt. Kongreß der spauifch- socialistische« Gewerkschaften.(Eig. Ber.) Während das offizielle Spanien mit prunkenden Festen die Boll« jährigkeitserklärniig Alfons XXII. feiert, hielt in Madrid die„All- gemeine Arbester- Union(Union general de Trabajadore s), die sämtliche sich zu den Grundsätzen der jocialistischen Partei bekeimenden spanischen Getverkschastcn umfaßt, ihren siebeiiten Kongreß ab, an dessen Beratungen sich 96 Delegierte, die 32 000 gewerlschastlich or» ganisiert« Arbeiter vertraten, beteiligten. Der wichtigste Punkt der Pcrhaiidlungen betraf die. S t r e i k f r a g e". Bon. etwa zlvei Dritteln der Gewerkschasisvertreter wurde die Ansicht geteilt, daß, so angebracht es sei, wenn die Arbeiter die gegenwärtige relativ günstige Situation zur Verbesserung ihrer Lage ailszuiiLtzcn trachteten, doch andrerseits leicht- fertigen Streikerllärungen der Lokalvereiiie, die ohne Rücksicht auf vorhaiidciie Fonds und ohne voraufgegaiigene Verständigung mit den größeren Fachve, bänden(Proviiizialverbänden und den, Ausschuß des Allgemcinci, ArbeiterverbandeS) vorgeuoninieu würden, entgegen- gewirkt werde» müsse. Die Verhandlungen hierüber endeten mit Annahme einiger Borschläge, die als Vorbedingung für die Erllärung eines AngriffsstreikS die vorherige Ansaiiimlung bestimmter, sich nach der Größe der betreffende» Vereine richtender Geldmittel sonne eine gcwisie Vorbereitung, die eine eiuheistiche Akston sichert, fordern. Weiter tvnrde beschlosjen, den Kampf für die Hebung der Lebenslage der Landarbeiter nicht nnr auf jene Kategorie der ländlichen Arbeiter zu beschränken, die flir Gcldlohn arbeite, sondern auch für jene Ansgcbentete» einzutreten, die in anderer Weise entlohnt lviirden(kleine Teilpächter:c.) Sodann wurde beschlossen, einen Delegierten zun, Kongreß der deutschen G e>v e rl s ch a ft en»ach Stuttgart zu schicke» und gegen das Verhalten asturischer Behörden gegenüber streikenden «rb eitern— es handelt sich um die Ber�arlieiter von MiercS und die Arbeiter eines Explosivstoffe fabrizierenden Werkes bei CaheS— zu protestieren. Mit Hochrufen auf den allgemeinen Arbeiterverband und die Solidarität der Arbeiter aller Länder schloß der Kongreß, der durch seinen Verlauf den Gelverkschafteu neue Anhänger werben wird._ zlitttnatimltt TtxMMtr-KWrei. Zürich, 6. Juni. Der heutige Präsident ist der Belgier Vanovertveld Renaix, der Vicepräsident der Italiener Negri. Zur Behandlung gelangt Punkt 12 der Tagesordnung: Einführung der einheitlichen metrischen Garnnumerierung. Hierzu wird eine von den Deutschen eingebrachte Resolution angenommen. Sie lautet: .Der internationale Textilarbeiter-Kongreß 1902 in Zürich hält die Vereinheitlichung der Garnnnmeriernng für einen handeis technischen Fortschritt, der in seinen Wirkungen mich den an Gleichstellung der Arbeitslöhne gerichteten Bestrebungen der Arbeiter zu gute, kommt; deshalb stellt sich der Kongreß auf' den Boden der Beschlüsse des im Jahre 1896 in Paris abgehaltenen Garn »umerierungs- Kongresses und erlvartet, daß die Regierungen der verschiedenen Länder diesen Beschlüssen baldigst nachkommen werden Es folgt die Beratung des Punktes 13: KräftigePropaganda in allen Ländern gegen den Mißbrauch des Alkohols. B a u d e r t äußert seine Sympathien mit diesen Bestrebungen Er beantragt schließlich Uebergang zur Tagesordnung, in'der Meinung, daß in den einzelnen Ländern der Sache Anfnierksamkeit zugewendet werden solle. In einem energischen Votum tritt Rössel- Bremen für eine Kundgebung gegen den Alkoholnnßbranch ein. Er beantragt eine Resolution, die einstimmig angenommen wird. Sie lautet: .Der internationale Textilarbeiter-Kongreß beschließt: Die Organisationen und die Fachpresse der Textilarbeiter aller Länder haben die Pflicht, der Alkoholfrage mehr Aufmerksamkeit als bisher entgegenzubringen. Es ist durch Vorträge und belehrende Artikel dahin zu wirken, daß der Alkoholgenuß immer mehr eingedämmt werde." Nach längerer Diskussion wird beschlossen, den Höchsten Kongreß erst in drei Jahren abzuhalten und zivar in M a i l a» d. Bauche« Lille wünscht, daß in allen Ländern von den Arbeitern ans die Errichtnng von gewerblichen Schiedsgerichten hingewirkt werde. Ferner beantragen die Franzosen und Belgier eine Resolution, Ivonach in allen Ländern die Textilarbeiter in die Parlamente nur solche Männer wählen sollen, ivelche für ihre Forderungen eintreten. Von italienischer Seite wird dagegen bemerkt, das' sei Politik, während wir hier auf ökonomischem Boden stehen; man solle die Politik den Politikern überlassen. In der Abstimmung wird die Re solution mit 6 gegen 1 Stimme angenommen. In Sachen der Beiträge der nationalen Verbände an das intcr- nationale Sekretariat wirv beschlossen, es im wesentlichen bei dem bisherigen Verhätnis zu belassen. Ohne Widerspruch wird W i l k i n s o n- Lancashire als inter nationaler Sekretär auf eine weitere Amtsdaner bestätigt. Damit ist die Tagesordnung erschöpft und B a n d e r t nimmt das Wort, um einen kurzen Rückblick auf die Thätigkeit des Kon- gresses zu werfe». Der Präsident schließt hierauf den Kongreß mit dem Wnnsche daß die gefaßten Beschlüsse auch durchgeführt werden und der inter- nationalen Textilarbeiter-Bewegung zum Nutzen gereichen mögen. einen.Accord" von die erste Abschlags halte, arbeitete' er Kranlheit zu Hause Sorrnles. Mistbrauch deS Alkohols. Im„Kölnischen Stadt- Anzeiger' berichtet ein Lehrer: „Durch nnffallcnde Schläfrigkeit und geistige Trägheit meiner Schuliienlinge veranlaßt, stellte ich kürzlich Montags Nachforschungen über den Alkohol- und Tabakgennß der sechsjährigen Knaben an, welche zu folgendem überraschenden, zugleich erschreckenden Er- gebnis führte: Von den öl Schülern des ersten Schuljahres waren 19 am Sonntag vorher im Gasthause gewesen, 20 hatten Wein, 24 Bier, 19 Schnaps, 17 Wein und Bier, 14 Wein, Bier und Schnaps getrunken. Zehn gaben an. betnmken geiuesen zu sein, neun so, daß sie zu Boden fielen, acht hatten Er- brechen infolge des Alkoholgcnusses, 19 hatten geraucht, und zwar 12 auf Veranlassung des Vaters, 4 auf Veranlassung von Brüdern >md 3 auf Veranlassung von Soldaten, einer hätte sich selbst Cigaretten gekauft. Wenn auch manches Schlückchen und mancher Zug an des Vaters Cigarre harmlos gewesen sei» mag, so ist doch die Traurigkeit der Thatsache nicht zu verkennen. Man bedenke nur: 14 Kinder haben an einem Tage Wein, Bier und Schnaps getrunken und 9 waren nachweislich sinnlos betrunken. Was sollen wir Lehrer mit solchen Kindern anfangen und waS wird aus ihnen Ivcrden? I" Die Schule schon sollte eS sich angelegen sein lassen, über die schädlichen Wirkungen des Alkohols namentlich auf Kinder auf- zuklären. Nur Aufklärung vermag solchen bedauerlichen Unverstand der Eltern zu bekämpfen. Man kann nur immer wiederholen: Gebt Kindern keinen Alkohol I Der Jahresbericht des englische» Gcneralinspektors der Fabriken und Werkstätten für daS Jahr 1901 ist soeben erschienen. Die Zahl der registrierten Fabriken belief sich auf 97 843, die der Werlstätten auf 143 063. Es ereigneten sich 83 760 U n« fälle, davon 1033 mit tödlichem Ausgange; im Vorjahre 79 020, davon 1043 mit tödlichem Ausgange. Der Bericht beklagt es. daß die Arbeiter es oft unterlassen, von den ihnen gebotenen Schutz- maßregeln Gebrauch zu machen. Aus dev JTvmii.'ulu'iuröiiu«. Rixdorf. Dienstag, den 10. Juni, abends 8 Uhr, findet eine Versammlnug des Frauen- und Mädcheu-Bildungsvcrcins Rixdorf bei Gleyer, Pannierstr. 9a., statt. Herr Grempe wird einen Vortrag über Belenchtungsivesen halten. Gäste willkommen. Weibliche Fabrikanfsicht. Bei Besprechung des Berichts der Gewerbe-Juspektivu für B r e m e n stellie Genosse Rhein in der Bürgerschaft den Antrag, eine Kommission einzusetzen zur Prüfung der Frage, ob nicht die Anstellung eine« weiblichen Beamten der Gelverbe-Jnspektion nötig sei. Nach eingehender Begründung durch den Antragsteller und lebhafter Debatte wurde der Antrag an- genommen, obivohl der Vertreter des Senats um Ablehnung er- sucht hatte._ Berliner Partei-Angelegeuheiteu. Der Wahlvercin für de» 4. berliner Wahlkreis(Osten) hält am Dienstagabend 8 Uhr. Gr. Frauksnrtcrstr. 117, eine Ber- saminlnng mit folgender Tagesordnung ab: Vortrag des Reichstags- Abgeordneten Ed. B e r n st e i n über: Die sociale Bedeutung des Wahlrechts und das preußische Landtags-Wahlsystem. Ein Sommerfest veranstalten die Parteigenossen des 5. Wahlkreises am nächsten Sonnabend im Schweizer-Garten am Königsthor. Da durch Konzert, Theater- und specialitätcn- Vor- stellung reiche Abwechselung geboten wird, darf wohl auf zahlreichen Besuch gerechnet werden. Die Eintrittskarte kostet im Vorverkauf 23 Pfennig. Achtung, 6. Wahlkreis! Am Dienstag, den 10. Juni, abends SVe Uhr, findet im Kösliner Hof, Köslinerstr. 8, eine Volks- Versammlung statt, in welcher Genosse Arthur Stadthagen sprechen wird über: Was wollen die Frauen von der Polizei? Die Vertrauensperson._ Steglitz-Lichterfelde-Frsedena». Die Parteigenossen werden auf die am Dienstag. 10. Juni, abends 8 Uhr, im Birken- Wäldchen sin der letzten Lokalliste irrtümlich als gesperrt auf- geführt) stattfindende öffentliche Versammlung aufmerksam gemacht. Genosse Ledebour spricht über»Reaktionäre Heimats- und Welt- Politik." Grost-Lichterfelde. Die nächste Versammlung des Wahlvereins findet am Mittwochabend 8 Uhr im Saale des Herrn E. Richter, Chansscestr. 104, statt. Tagesordnung: Vortrag des Reichstags- Abgeordneten R oseno w über:»Arbciterkämpfe im Mittelalter". Diskussion. Schmargendorf. Der Wahlverein hält am Dienstag im Wirtshaus Schmargendorf. Warnemünderstr. 6. seine Versammlung mit Vortrag des Genossen Kirsch« er ab. Wahlverein Bezirk Pankow. Dienstag, den 10. Juni, abends 8Vs Uhr, Mitgliederversammlung bei Großknrt, Berlinerstr. 27. Vortrag des Genossen K o tz k e- Berlin über: D i e Frechheit des Junkertums. Zahlreiches Erscheinen aller Mitglieder ist notwendig. Gäste willkommen. Sociale Mcchlspllcgc. KündignngSauSschlnst durch Arbeitsordnung. Eine Lohn- entschädigung wegen unberechtigter plötzlicher Entlassung beanspruchte die Spulerin W. von der Firma Meyer u. Co., Spiritnsgesellschaft. Der Vertreter der Beklagten bchanplete, die Kündigung sei durch die Arbeitsordnung ausgcschloffen, worauf die Klägerin vor der Kammer VI des Gewerbegerichts erwiderte, sie habe die Arbeitsordnung nicht aus hängen sehen und sei ihr auch kein Exemplar ausgehändigt worden. Letzteres konnte nicht bestritten werden, dagegen wurde durch Zeugen- aussagen erwiesen, daß in verschiedenen Räumen des Betriebes und auch an der Stallthür Exemplare der Arbeitsordnung aushingen. E« wurde ferner festgestellt, daß es sich hier um einen Betrieb mit mehr als 20 Arbeitern, also um einen solchen handelt, wo eine Arbeitsordnung aushängen muß. Der Gerichtshof veranlnßte Frau W. zur Klngerücknahme, indem er davon ausging, daß in solchen Betrieben der bloße Aushang der Arbeits ordnnng genüge, um sie für die Arbeiter und Arbeiterinnen rechts verbindlich zu machen, obwohl die Aushändigung eines Exemplars gesetzlich vorgeschriebe» sei. Die letztere Bestimmimg der Gewerbeordnung hätte nur den Charakter einer Ordnungsvorschrift, durch deren Nichtbeachtung sich allerdings der Arbeitgeber strafbar mache. Ei» Nccord-Strcit. Der Dreher K. hatte in der Maschinen- fabrik C y c l o p, Finna Behrens, 27 Marl übernommen. Nachdem er zahlnng von 12,70 Mark erhalten noch iVe Tage, um dann wegen zu bleibe». Wahrend der Krankheit wurde er entlassen, weil er sein Fernbleiben nichts alsbald entschuldigt hätte. K.� verlangte dann im Klagclvege noch 4,20 M. für die' letzten l'/s Arbeitstage, indem er silh auf die Bestimmung der Arbeitsordnung berief', ivonach jeder Arbeiter, der ohne sein Verschulden einen Accord nicht fertig machen könne, Anspruch habe auf eine Entschädigung für die ge« leistete Arbeit, die bemessen werde»ach seinem durchschnittlichen Arbeitsverdienst.— Der Vertreter der Firma betonte dem- gegenüber, daß Kläger seine Entlassung selber verschuldet habe dadurch, daß er sich nicht rechtzeitig cntschnldigte, sondern damit mehr als einen Tag wartete, bevor er seine Tochter in die Fabrik 'chickte. Wenn aber ein Arbeiter der Firma infolge eignen Ver- chnldenS feinen Accord nicht beenden könne, dann habe er nach der Fabrikordnung nur Anspruch auf den durchschnittlichen Tagelohn, wie solcher durch daS Krankcnkassen-Statnt festgesetzt sei. Danach hatte Kläger aber überhaupt nichts mehr zu fordern.— Nach längerer Verhandlung verurteilte die Kammer V deS Gc- werbegerichts die Firma, an K. 80 Pfennig zu zahlen. Mit der Mehifordernng wurde Kläger abgewiesen. Direktor von Schulz führte ans, das Gericht sei der Meinung, daß der Kläger an der Entlassung selbst die Schuld trage. Er hätte sich rechtzeitig entschuldige» müssen. Der durchschnitt- liche Tngelvhn sei durch Kaffenstatut auf drei Mark cstgcsetzt. Da er 4Vz Tage an dem Accord beschäftigt gewesen sei, könne er höchstens 13,30 M. verlangen. 12,70 M. habe er erhalten, 'omit ständen ihm auf Grund der Arbeitsordnung noch 80 Pf. zu. Gevichlts-'Vcikuug. Ei» gerichtliche» Nachspiel zu den Kommnnalwahlen in Grost-Lichterfelde bildete die gestern vor dem Schöffengericht II 'tallgchabte Verhandlung wider den Redactcnr Avers der in Lichterfelde erscheinenden Zeitung„Der G e i» e i n n ü tz i g e". Es handelt sich um Nichtaufnahme oder verspätete Aufnahme einer Berichtigung. Die dortige» Parteigenossen wollten am 12. März eine öffentliche K o m>» u n a l tu ä h I e r- V e r s a m m l»» g ini östlichen Bezirk abhalte» und hatten zu diesem Zwecke den Saal des „KaiserhofS" vom damaligen Inhaber zugesagt erhalten. Infolge polizeilicher und andrer Einflüsse zog der Wirt jedoch seine Zusage zurück, lvorauf die Genossen M a r au a r d t und W e n z e l noch- malS mit dem Wirt, jedoch vergeblich,»uterhandelten. lieber diese Verhandlungen brachte der„Gemeinnützige", ein Blättchen jener Richtung, die im Prozeß Hiller- Klein so kläglich abschnitt, eine» ebenso gehässigen wie falschen und beleidigenden Artikel gegen die beiden Beauftragten der Partei. Vom Wahlverein wurde beschlossen, die Aufnahme der Berichtigung, die von der Re- daktion ignoriert wurde, zu erzwingen und zu diesem Ztveck wurde vom Genossen Wenzel Strafantrag gestellt. Der„Gemein- nützige" ließ sich offenbar belehren und»ahm, allerdings erst nach 4 Wochen, die Berichtigung vollständig auf. Vor dem Schöffengericht gab der Redacteur AderS Erklärungen ab, die ein merkwürdiges Licht auf seine Redactenr-Eigenschaft und daS Verhältnis zu dem Verleger des Blattes, Dr. Voigt, werten. Er führte zu seiner Verteidigung an, daß er ja„nur" Redactcnr sei und doch den Verleger zur Aufnahme der Berichtigung gar nicht zwingen könne; auch sei diese zu lang und den Thatsachcn nicht entsprechend gewesen. Nach einer Belehrung durch den Vorsitzenden des Gerichts wurde der An- geklagte, durch dessen Zugeständnis sich die Vernehmung von Zeugen erübrigte, zu der Strafe von 3 M. und in die Kosten verurteilt, wo- bei die Erklärung des Antragstellers, daß er nach erfolgter Auf- nähme der Berichtigung kein Interesse an der Bestrafung des An- geklagten habe, ihren mildernden Einfluß übte. VerraimttUmäcu. Ter Verband deutscher GastwirtSgehilfe»(Ortsverivaltung Berlin) hielt am Freitag bei Grundmann, Nauiiynstraße, eine General- versaminlnng ab, in der man sich endgültig mit dem Antrage: „Ausschluß des ehemalige» Redacteur«, Mitglied F c r d. W e g e n c r, wegen Herausgabe seiner Denkschrift' beschäftigte. Neben diesem Antrage lagen noch andre zu diesem Pnnkle vor. Nachdem die in der Schrift Angegriffenen erklärt, daß sie keineswegs auf den Aus- schluß W.'s pochen, wird folgende Resolution angenommen: „Nachdem die Debatten der letzte» fünf Generalversammlungen die vollständige Haltlosigkeit aller in der sogenannten Denkschrift Wegeners ausgeführten Angriffe gegen die frühere Hauptverwaltung und besonders gegen die Verbandsbcamten ergeben haben; nachdem die eingehendste Untersuchung aller Punkte der Denk- schrift zu dem Ergebnis geführt hat, daß die ungeheuerlichsten Vor- würfe gegen die Kollegen Slröhlinger und Poetzsch jeder Grundlage entbehren; nachdem endlich Wegener selbst sich zur Rücknahme der meisten, vor allem der schwerste» Anschuldigungen gezwungen sah. erklärt die heutige Generalversammlung des Verbandes deutscher Gastwirts- gehilfen, Ortsverwal luiig Berlin: Die in der Denkschrift gegen die Verbandsbeamten geschleuderte» Anschuldigungen, die leichtfertig und ivider besseres Wissen erhoben sind, kennzeichnen sich als Verleumdungen der schwersten Art. Die Versammlung verurteilt daher die Denkschrift und ihre» Verfasser auf das entschiedenste und spricht ihre Ileberzengnng dahin ans, daß die Beschuldigte» sich in jeder Beziehung von den gegen sie erhobenen Vorwürfen gereinigt haben. Die Versammlung hofft, daß nach dieser Erklärung, die von de» Betroffenen jede» Makel ninimt, der Kollege Ströhlinger seine Demission zurückzieht und dem Verbände auch ferner seine Dienste widmet." Der Antrag auf Ausschluß wurde alsdann abgelehnt. Die Sektion der Putzer des Centralverbandes der Maurer hielt am Mittwoch eine Mitgliederversammlung in den Arminhalle» ab. Neumann berichtete über die Bau-Aufnahine, die kürzlich staltgefunden hat. ES wurden 206 Bauten, an denen insgesamt 1843 Putzer arbeiten, kontrolliert. Von diesen gehören 1331 dein Centraiverband an, 212 dem„Unterstütznngsverein", 63 der„Freien Vereinigung", 27 sind lokal organisiert und 202 unorganisiert. Etwa 10 Bauten mit 100 Putzern wurden bei der Aufnahme wegen Zeitmangel unberücksichtigt gelassen. An den meiste» Bauieu hat die Pntzarbcit erst begonnen. Der Redner kam zu dem Schluß, daß sehr viel Arbeitsgelegenheit im Pntzerge'.verbe vorhanden ist.— Anknüpfend an de» Bericht wurden die Annäherungsversuche zwischen den Putzern vom Unterstützungsverein und der Lokalorganisalion der Maurer erwähnt, die an der principiellen Abneigung' der letzteren gegen die Accordarbcit scheiterten. Kürschner. In der am 2. Juni abgehaltenen öffentlichen Versammlung der in der Kürschnerbranche beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen erstattete Peters Bericht über die Verhandlungen des 2. Internationalen KürschnerkongreffeS. Dem ausführlichen Referat folgte' eine rege Diskussion, in welcher sich sämtliche Redner mit der Haltung des Berliner Delegierten auf dem Kongreß einverstanden er- klärten. Man war mit mehreren Beschlüssen nicht einverstanden. Es sei bedauerlich, daß der deutsche Centralvcrband zn stark die Oberhand gehabt habe. Nur dadurch sei es möglich gewesen, daß ein Beschluß, das UnterstützungSwesen betreffend, gefaßt werden konnte, trotzdem der- selbe von den Vertretern Frankreichs, Oestreichs, Brüssels und Berlins bekämpft wurde. Eine in diesem Sinne gefaßte Resolution fand einstimmige Annahme. Unter Verschiedenem wurde ersucht, nicht in Cannstadt bei der Firma Wagemann in Arbeit zu treten, da von feiten der dortigen Kollegen dringend vor Zuzug gewarnt lvird. Die Sektion der Kleber im Verbände der Tapezierer hielt am 4. Juni eine gut besuchte Mitgliederversammlung ab. Es konnte konstatiert werden, daß die aufgenommene Kontrolle der für uns in Betracht kommenden Juli- Baute» sich vollständig mit der im Früh- jähr aufgenommenen deckt. Leider hat die Kontrolle ergebe», daß auf vielen Bauten hauptsächlich von der Organisation fernstehenden Kollegen bereits wieder unter dem Tarif gearbeitet wird. Als Neuheit wurde die Einführung einer Tapezier m aschine an- geführt, Ivelche die Tapete zu- und beschneidet, streicht und zu- samnienlegt. Schönrberg. Eine öfffentliche Kommunal Wähler- Versammlung befaßte sich am Donnerstag mit der am Dienstag, den 17. Juni c r., stattfindenden Smi dt- verordnete n-Ergä n zu» gstvahl im vierte» Bezirk. Stadt- verordneter Genosse K ü t e r wies in seinem einleitenden Referat darauf hin, in welcher Weise die bürgerlichen Vertreter, pochend auf ihre Mehrheit, stets den Forderungen der Arbeiter gegenüber sich ablehnend oder nur dem zustimmend verhalten, wenn zu gleicher Zeit auch ihren persönlichen Interessen dadurch nichts in de» Weg lommt; er wies ferner darauf hin, daß es uns infolge unsrer ge- ringen Zahl in den meisten Fällen nicht möglich sei, selbständige Anträge zu stellen, daß sogar die vor ihrer Wahl am radikalsten sich geberdenden sogenannten„bemokratischen" Vertreter mit ihren früheren feindlichen Brüdern stets auf einer Seite zu finden sind. Zwar werden an die Opferwilligkeit der Parteigenossen des vierten Bezirks, die nun schon zum viertenmal innerhalb eines halben Jahres an die Wahlurne treten mÄssen, wiederum große Anforderungen gestellt, wir hoffen jedoch zuversichtlich, daß auch diesmal die Arbeiter ihre Pflicht thnn und ihrem Vertreter zum Siege verhelfen. Sodann wurde Genosse E r n st Obst, unser bisheriger langjähriger Vertreter im Stadtparlament, einstimmig als Kandidat im vierten Bezirk ausgestellt.— Die Wahl selbst' findet von 11 Uhr vormittags bis 7 Uhr abends im Restaurant«Zum Prinzen Heinrich", Grunewaldstr. 26, statt. Sämtliche in die Wählerliste eingetragenen, aber in einen andren Bezirk verzogenen Personen haben die Berechtigung, ihr Wahlrecht auszu- üben. Rixdorf. DaS hiesige Gewerkschaftskartell hörte in feiner letzten Sitzung einen Vortrag des Herrn Goge Über„Alkoholisnins und Arbeiterfrage". In der regen Diskussion traten fast sämtliche Redner den Ansführuiigen des Referenten entgegen und waren der Ansicht, daß niit fortschreitender Aufklärung der Volksniassen der Alkoholmißbrauch immer mehr schwinden wird. Aus Antrag der Bäckerci-Arbeiter wird in nächster Zeit eine Kontrolle der Bäckereien vorgenommen werden; ein definitiver Beschluß soll in der nächste» Sitzung gefaßt werden. Nicht vertreten waren: Barbiere, Kellner, städtische Arbeiter, Steinsetzer, Tabakarbeiter, Töpfer. SUlgcmeine Fomtlien-Sterbe-Kasse. Heute Zahltag: Ackerstr. 123 bei Dicke von 3—6 Uhr. Arbeitcr-Samiiriter-Koloniie. Montag, den 9. Juni, abendS S Uhr, in der Centrale,„Dresdener Garten", Drcsdenerstr. 4a: Vortrag über: Knochenbrüche, Verrentimgeii. Verstauchmigen. Nach dein Portrage prak- tische Uebuiigen. Neue Mitglieder werden noch Verband deutscher Ntühlenarbeiter, Sonntagnachmittag SV, Uhr, Versammlung im, ansgeiiommen. Zahlstelle Berlin. Heute, „Gewerlschaftshaus", Saal 7. Netzte Llaitzeiitzten und Depeprtzen. Der Stratze»bah«er-Strcik beendet. Stuttgart, 7. Juni.(W. T. B.) DaS Amts g- r i ch t hat den Antrag der Stadtverwaltung, es möge ihr die Befugnis zugesprochen werden, wegen N i ch t e i n h a l t n n g d e s Vertrages die Straßenbahn in eigene Verwaltung zu übernehmen, kvstenfällig abgewiesen. Stuttgart, 7. Juni.(Privat- Telegramm des„Vorwärts".) Heute ist die Aushebung des Streik» einstimmig beschlossen worden. Von den 370 miSstäudigen Straßenbahnern werden 240 Mann sofort eingestellt; später sollen mehr berücksichtigt werden. Dieselbon ivll-n aber einzeln vorspreche». Morgen wird der Straßenbahnbetrieb wieder aufgenolnmeii. Demnach wären die Straßenbahner der brutalen Ueberinacht der Direktion unterlegen. Chronik der MajestätsbeleidsgiingS-Prozeffe. Pose», 7. Juni.var immer mir als eine außerordentliche Maßnahme, als eine Waffe für eine geivisse lieber- gangSzeit gedacht. In der Presse sind uns jedoch, wie getvöhnlich in solche» Fällen, von beiden Seiten Vorwürfe gemacht, einerseits, tllim pIMUt. Sfliiiitng, 8. Itttti 1992. warum wir diesen Stein nicht schon früher weggeräumt hätten. anderseits, weil wir damit eine wirksame Waffe miS der Hand gegeben hätten. Ich glaube, daß man bei der Wahl des psychologischen ÄiigenRicks, des richtigen Moments, eö wohl den Orgauen über- lasten konnte, die fjir die Verwaltung Elsaß-Lothringens ver- antwortllch sind, also in erster Linie den Behörden Elsaß-Lothtingens selbst, ob sie den Bedürfnissen der Verwaltung auch ohne Anfrecht- erhaltnng des Diktatiitparagraphen genügen könnten. Durch die Aufhebung dieses Gesetzes wird anirkanitt. daß dank der Macht- stellnng des Reiches, dank auch der alten Stammesgemeinschaft zwischen uns und den Alemannen, ztvischen Rhein und Wogesen gelungen ist. die Bevölkerung der Reiwslmide immer mehr mit der neuen Ordiinng der Dinge zu versöhnen und ihnen volles Verirnttett einzuflößen in den Bestand der Zugehörigkeit Elsaß- Lothringens zum Reiche. Die AnswandentUg nach Frankreich hat in den letzten Jahr-"' nach gelassen. Die Haltung des LmidcsatisschttsteS ist eine immer ruhigere, sachlichere und loyalere geworden. Wenn hier und da bei der älteren Gencratio» vielleicht noch Sympathien siir � ankrcich anzutreffen sind, so kviineit tvir deich die Erwartung hegen, daß die Bestrebimgen. welclic abzielen ans LoStrennung der Rei�slunde, bei der Masie der friedlichen nnd fleißigen Bevölkerung von Elsaß Lothringen keinen Anklang finden und keinen Erfolg haben werden In dein Gefühle der Stärkung, welches darin für uns liegt. haben tvir Vertrauen mit Vertraue» erwidern wollen in der Erivartiing, daß die bestehenden Gesetze auch ohne die außer- ordcntlichci, Machtmittel des Diktaturparagraphen ansretchen werden. um das Reichslattd ganz deutsch zu machen und zu erhalten. Es mar keine dviiastischc Willkür, sondern es waren unveränßcr- liche Forderungen des deutschen Volkstums, welche die Zugehörigkeit Elsaß-LothringeuS zum Reich zu einer Bürgschaft für den Bestand des Sleiches gemacht haben. Wir können jetzt sagen, daß daS Band ztvischen den Reichslande» und dem Reich seit einem Menschenaller nicht lockerer, sondern immer stärker geivorden ist. Wir können unsre eksüffischcn und nnsr- loihringische» Landsleute nicht wieder ans der Aeichsgeiiteinschafi enikassen, ohne den Bestand nnsres schwer erkämpften EiuheitsstaatcS scl> st zu gefährden. Ein erfolgreicher Zwang in dieser Richtung erscheint nach Lage der Dinge ttttd im Hinblick auf unsre heutige Stärke ansgeschkoffen und frei- willig werden wir in eine neue Trennung der alte» Reichs gebiete niemals eimvilligcn« Auch in weiteren Kreisen der elsaß lothringischen Bevölkernng ist mehr nnd mehr die Ansicht zur Geltung gekonnnei,, daß die historische Nolivcndigkeit das Schicksal der Reichslande nnauflöSlich verknüpft hat mit dem Z Schicksal des dentschen Volkes. Vertraue» spricht a«S der hochherzige» Kundgebung Sr. Majestät deS Kaiserö und ein Akt des Vertrauens tvird es sein, wenn Sie ans dieser Kundgebung die gesetzgeberische Schlnßfokgerung ziehen, welche ich im Namen der Verbündetott Regierungen von Ihnen erbitte. Ich bin überzeugt, daß i» diesem hohen Hause niemand sein ivird, der nicht die Erlvartung hegte, daß unsre elsaß-Ioihringischen Landsleute die Aufhebung des Diktaturparagraphen mit derselben Gesinnung aufnehmen iverden, in der wir sie gewähren, nämlich mit deutscher Treue. sBeifall.) Abg. Röllingrr(Elf.): Die Bevölkerung der Reichslande hat vom ersten Tage an, wo eS ihr möglich ivar, eiticil Abgeordneten in den dentschen Reichstag zu senden, das Verlangen ans Aufhebung deS Diktatnrparagraphen erhoben. Heute soll nun dieser Wunsch endlich erfüllt werden und ich hoffe, der Reichstag Ivird die Vorlage einstimmig geitehitttgeti Das Verhalten der elsässischen Bevölkerung wird nach wie vor ein korrektes und loyales sein. sBravo I) Abg. Dr. Höffe!(Rp.s: Auch meine Freunde hat die endliche Anfhebnng des Diktatur- Paragraphen mit großer Freude erfüllt. Ein bedentsomer Faktor der Berftimmuiig wird dadurch ans dem politische» Getriebe entfernt. (Sehr wahr!) Ich hoffe, der Asstuiilalioiisprozcß ivird zum Segen des Deutschen Reiches und der elsässischen Bevölkerung stetig fort- schreiten.(Bravo!) Abg. Dr. Bachem(C.): Auch meine Freunde iverden dem Entwurf zustimmen. Wie sehr dieses Geschenk von der elsäßisch- lolhringischen Bevölkernng begrüßt wird, haben ja dem Herrn Reichskanzler die Ansprachen der ver- schiedcnen reichsländischen Abgeordneten bewiesen. Ans dem netten Wege wird man. jedenfalls den Amalgamierungsprozeß besser fördern als auf durch die bisherige Politik. Freilich hätte es nicht gr schadet, wen» dieser Schritt früher erfolgt wäre.(Sehr richtig I) Hoffentlich wird tvenigstens von mm an jedes Mißtrauen zwischen den Brüdern diesseits und jenseits des Rheins schwinden. Abg. Preist(Eis.): Die Vorlage bringt den Elsaß-Lothringern lediglich waS ihnen gebührt nnd was ihnen dreißig Jahre laug vorenthalten ist. (Sehr richtig! links.) Herr Bachem halte daher keine Veranlafftutg, von einem„Geschenk" zu sprechen(Sehr richtig! links.) Von einer besonderen Liebenstvürdigkcit gegenüber den Elsäffern, die in dieser Vorlage liegen soll, kann keinesfalls die Rede sein. Der Diktatur- Paragraph war den ausländischen Manifestationen gegenüber voll- kommen machtlos, inländischen Maiiifcstatione» gegenüber aber ganz überflüssig, da solche niemals vorgekommen sind. Die Aufrecht- erhaltung der Diktatur konnte nur in einem Mißtrauen beruhen, das seiner Zeit wieder ans völliger NiikeitntitiS des Charakters der rcichsläudischen Bevölkernng fußte. Die Erkeimtiiis von der Verkehrtheit des bisherigen Urteils ist nun ja endlich, freilich spät— sehr spät- über die Regierung gekommen. Man hat die edle Entschließung des Kaisers mit getvissc» Bor- gänge» im Elsast-Lothringischcu AnSschnst in Verbindung ge- bracht. Ich halte eine solche Anffassung für deS Ernstes der Sache miwürdig nnd bin überzeugt, daß Se. Majestät der Kaiser und die verbündeten Regiermtgett sich zu diesem Schritte entschlossen haben, iveil sie nach ernster, sachlicher Prüfung diese alte Forderung als be- reckitigt aiierkannte». Ich begrüße eS auch, daß gerade Herr v. Köller, dessen Wiedcrerscheinen in miserin Lande nicht mit den allerbester Hoffnungen begrüßt ivurde(Große Heiterkeit), sitb eriveist als der- enige Faktor, welcher durch Erfüllung gerechter Wünsche linnmehr normale und gesunde Verhältnisse anbahnt. Ich hoffe, daß er anf diesem Wege bleiben und ans ihm fortschreiten wird.(Heiterkeit und Beifall.) In dem Gesetz selbst ist mir mir eine Bestimmung aufgefallen. Im Absatz 2 des§ 10, dessen erster Absatz aufgehoben' wird, heißt eS:„Zu polizeilichen Zwecken, insbesondere auch zur AnSführnng vorbezeichneter Maßnahmen ist der», Oberpräsident berechtigt, die im Elsaß stehenden Truppe» zu reqmricren." Hier wird also direkt auf die diktatorische Gewalt Bezug genommen. Ich darf wohl eine Er- klärttng vom Regienmgstijche erwarten, daß dies nicht der Absicht der Regierung entspricht. Abg. Bebel(Soc.): In seinen einleitenden Worten bemerkte der Reichskanzler: er hoffe im Namen der verbündeten Regierniigen, daß bei uns im Reichstage diese Vorlage eine ebenso willige Aufnahme finden möge, alS sie bei den verbündeten Regiernngen gefunden habe. Der Herr Reichskanzler hat damit doch einen Satz ausgesprochen, der die Situation unrichtig kennzeichnet. Die verbündeten Regie- rungen thun nicht etwas, ivaS wir bisher verweigert haben, sondern sie thnn etwas, was wir schon längst gefordert haben. Wir haben wiederholt mit großer Mehrheit an den Bundesrat das Verlangen gestellt, endlich den Diktaturparagraphen aufzuheben, nnd erst heute, nach Jahrzehnten, ist er unsrem Ver- langen nachgekommen. Der Umstand, daß der Reichskanzler nicht zu ivissen scheint, daß wir wiederholt diesen Autrag gestellt, ver- chuldet wohl auch, daß wir neben dem elsaß-lothringischen Landes- auSschuß in den Motiven zu dieser Vorlage nicht genannt find. Ich halte dies allerdings. entgegen der Ansicht des Abg. Riff, für eine gewollte Unterlassnngssnude. Nach den VerHand- lnngen. die zum lctztenmale über die Aushebung deS Diktatur- Paragraphen in diesem Hause, stattfattden am 21. und 23. Februar 1900, konnte man nicht erwarten, daß die Aushebung so bald erfolgen werde, nach den Erkläntnge» von offizieller Seite mußte man glauben, daß noch eine geraume Zeit vergehen würde, ehe sich die verbündeten Regierungen zu ciucnt solchen Schritt entschließen würden. Allerdings batte bereits 1374, als zum erstenmal der Antrag gestellt ivurde, Herr v. Puttkamer erklärt: Wir erkennen an, daß der Z 10 ein schweres Ansiiahmegesetz ist nnd wünschen alle lebhaft, daß der Zeitpunkt zu seiner Aufhebung recht bald eintreten wird. Mittlerweile sind volle 28 Jabre ins Land gegangen. Besonders Fürst Hohenlohe hat sich mit einer an ihm ganz un« gewohitten Entschiedenheit gegen das Verlangen des Reichstages, den Diktatnrparagraphen'anfznheben. gewandt. Die Auffassung des Reichskanzlers ging damals dahin, daß der Antrag auf Aufhebung des Diktatnrparagraphen nur gestellt iverde, um Erregung nnd Un- zusriedenheit in der elsaß-lothringischen Bevölkerung hervorzurnfen, und der kouservaiive Redner erklärte, er könne nur unter der Be« dingnng für den Antrag stimmen, wenn zugleich der elsaß- lothringischen Regierung Machimittel andrer Art in die Hand gegeben würden, l?atnit sie in ausreichender Weise gegen etivaige revolutionäre Strömungen gesichert sei. Es ist sehr charakteristisch, daß die Regierung heute, um die Konservativen, die vielleicht bei dieser Vorlage ein geivisses Unhehagen empfinden, zu beruhigen, in den Motiven zu verstehen giebt, daß gegen gemeingefährliche Bestrebungen daö geinrine Recht mit aller Energie au- gewendet werden würde. Meine Partei hat steis darauf hin« gewiesen, daß die deutsche Reichsregiernng und die elsaß-lothringische Landesregierung I"�chtiilittel die Hülle n»d Fülle haben, um revolutioitären und landesverräterischen Tendenzen entgegenzutreten, und zwar in de» Bestimninngen, die das genteine deutsche Recht und insbesondere das Strafgesetzbuch bietet. Es liegt in Elsaß» Lothringen eine so ungewöhnlich starke Earnitott. wie in keinem andern Teile des Deutschen Reiches, höchstens in einigen Distrikten deS Ostens. Es wird weiter in den Motiven ausgeführt, daß die verfaffttngS- mäßige BcfnguiS des Kaisers zur Erklärung des Kriegsznstandes nnd die Bestimmntigen des Reichsgesetzes über die Vorbereitung des Kriegszustandes in Elsaß-Lothringen vom 30. Mai 1892 durch die Aufhebung des Diktatnrparagraphen nicht berührt iverden. Ferner bleibt die Befttgitis des Stalthalters, zu polizeilichen Zwecken die in Elsaß- Lothringen stehenden Truppen zu«qttieriere». unberührt bestehen. Es verstand sich ganz von selbst, daß die elsaß- lothringische Bevölkernng nach der Annexion mit bittersten Gefühleti gegen Deutsch- land erfüllt tvar. Genau dieselbe Stimninng ivürde ja auch etwa die Bewohner der Rheinproviiiz ergriffen haben, � falls damals Frankreich gesiegt und Deutschland das linke Rheiitttfer abgenommen hätte. Wir würden das Verhalten als eine elende Charakter- losigkeit gebrandmarkt haben, Ivenn sie sich damals von vornherein mit der Ncttordiutng der Dinge einvet standen erklärt hätten. Sie waren mit ihren ganzen Lebeiisintercsseii an Frankreich geknüpft und sahen alle diese Dinge mit einem Schlage zerschnitten. Um so schlimmer Ivar der Fehler, den die Regierung beging, indem sie Ge- waltmittcl aller Art anwendete, ja die Elsaß-Lothriitger von Anfang an als Deutsche zweiter Klaffe behandelte. Es ist derselbe Fehler, den man auch gegen die Polen begangen hat, auch diesen gegenüber ivird man entweder umkehren und die fremd- sprachliche Bevölkerung als gleichberechtigte Staatsbürger behandeln müssen, ivie es in der Schweiz und Amerika überall für selbsiver- jtändlich erachtet wird, oder man wird stets neue Erbitterung und neue Revoluliotiszucknngen hervorrufen, die das Gegenteil von dem erreichen, ivas man erreichen Ivill. Wir iverden selbstverständlich für diese Vorlage stimmen, darüber ist kein Wort z» verlieren. Aber überrascht hat«nö doch, daß die Borlage kam. Das konnte niemand erwarten und ich habe auch heule ans dem Munde des Reichskanzlers keine Gründe gehört, die uns den raschen Umschivnng der Stimmung vom Februar 1900 bis heute hätten erklären können. Was ist dettti in Elsaß-Lothringen mittlerweile vorgegangen? Hat sich die dortige Bevölkerung in de» letzten zwei Jahren etiva artiger benommen? Nein, die Haltung der Bevölkerung ist in allen Dingen die gleiche geblieben. Gerade die Stelle in den Motiven, in der ans die seltene Anwendung deS Diltatiirparagraphen in den letzten Jahren hingewiesen wird, belveist, ivie ungerecht die Anfrechterhaltung deS Paragraphen war. Seit 1897 ist der Paragraph überhaupt nicht mehr angewendet worden. Die beiden Fälle seiner Anwendung im Jahre 1897 aber waren so skandalöser Art, daß man allerdings sagen mußte, die Regierung thäte am besten— Präsident Graf Ballcstrem(unterbrechend): Herr Abg. Bebek, Sie dürfen die Anwendung eines Gesetzes- Paragraphen durch eine deutsche Regierung nicht als skandalös be- zeichnen. Ich ersuche Sie. sich in Ihren Aeußernngen zu mäßigen. Abg. Bebel(fortfahrend): In Bezug auf die Behandlung der Presse bestanden noch die rückständigen Bestmtntungen des französischen Rechtes, da? der Re- gierttng eine ungeheure Gewalt über die Presse giebt. Trotz- dem war die Regierung nickit int stände, die Blätter auf eine andre Weise als durch die Anwendniig des Diktatnrparagraphen zu bestrafen. Daraus werden Sie am besten erkennen, was in der That das Unrecht war, das diese Blätter begangen haben. Und nun mit einemmal diese totale Aeitderimg, die durch jenen Erlaß de? Kaisers vom 9. Mai 1902, datiert von der HohkönigS- bürg, der statmendeii Welt verkündigt wurde. Es heißt in dem Erlaß, daß der Kaiser„den Elsaß-Lothringern einen besonderen Beweis seines Wohlwollens geben wolle". ES ist eilte traurige Thatfache, daß bei uns die persönliche Anschauung nnd daS persönliche Wohlwolle» in den wichtigsten StaatSfrage» eine viel entscheidendere Rolle spielen, alS die Grundsätze deS Rechtes!(Lebhafte Zttstmtimtiig bei den Socialdemokrnten.) Die Bevölkerung soll nicht abhängig sein von dem Wohlwollen eines Einzelnen nnd sei er noch so hoch gestellt: sie hat nicht Wohl- wolle», fonder» Recht z» Ncrlangen!(Bravo I bei den Social« demokraten.) Das Recht gebot, den Elsässern ihre Gleichstellung mit den übrigen Deutschen zu gewähren. Der Kaiser sprach weiter von seinem Vertrauen ans die reichsfrcundliche und loyale Gefimumg der Elsaß-Lothringer. Wiederholl ist hier von elsaß-lothringischen Rednern daranf hingewiesen worden, es sei nicht iinchzuivciseu, daß die ctsässische Bevölkerimg in Bezug anf Sinn für Gesetzlichkeit zurückstünde hinter irgend welcheit aitdren Bevölkermigsteilen Deutschlands. Obgleich es erklärlich gewesen wäre, ivciin die Elsässer von der ärgsten Mißstiiiiiniing ergriffen worden wären. Daß der Erlaß von der Hohköuigsbnrg datiert ist. hat zu aller- Hand merkwürdigen Kommentaren in der Presse geführt,(v. Köller: Ja, im„Vorwärts"! Heiterkeit.) Der„Vorlvärts" hat die Preß- stimmen nur wiedergegeben. In der Presse hat es geheißen, der Erlaß sei der Dank deS Kaisers dafür, daß das Honoratioren- Parlament, der Landcsattsschnß. auf den Lieblingswunsch des Kaisers eingegangen ist und die Mittel zttm Aufbau der Hohköuigsbnrg bewilligt habe. Ich wage das nicht meinerseits zu be- hanpten, ich weiß es nicht, ich konstatiere nur die That» ach e, daß in der Presse diese Behauptung aufgestellt ivorden ist, besonders auch in der. S a a r g e m ü n d e r Zeitung", dein Organ des einflußreichen Landesausjchitß» Mitgliedes Jamiez. Wenn diese Aimahine der Presse ivahr sein sollte, dann möchte ich de» Vertretern nnsres Kaninchcnvolkes dringend raten, einmal Umschau zu halten, ob nicht auch dort Burg- rnine» vorhanden sind, die nuf Kosten der Provinz ausgebaut werden können.(Große Heiterkeit.) In der«Köln. Z e i t u n g" fliiiib»och om 10. W?c,i e!» Artikel, tvoriit oiiSfleffchrt wird, daß die Nrgierung die Waffe des Diktaturparagraphcn nicht auS der Hand VU'I'cn könne. I» der Presse wird behanptet, daß die Anschauungen dieser Artikel vom offiziöse» Preßburean, also durch das Reichskänzleramt oder das Auswärtige Amt, inspiriert Ivorden seien. An jenem Tage ninfflc man offenbar im RrichSkanzleramt und im Auswärtigen Amt noch nichts davon, daß der Diktatnrparagraph ans- gehoben werde» sollte.(Hört! hört! links.) Sollte die Annahme der Presse über den offiziösen Charakter falsch sein, dann bitte ich, dies öffentlich zu konstatieren. Ei» ganz ähnlicher Artikel ist noch zwei Tage später in den gleichfalls offiziösen„Mnnchener Neuesten Nachrichten" erschienen. Die offiziöse Presse und Regierung scheint also andrer Meinung gewesen zu sein als die allerhöchste Stelle. Weiter möchte ich auf die sehr bedenkliche Methode hin- weisen, die sich in geradezu verhängnisvoller Weise breit macht, daß nämlich alle wichtigen StaatShandlnngen, ob im guten, ob im bösen Sinne die großen Festlichkeiten,' bei denen ein besonderer Glanz entfaltet wird, erfolgen. Ich möchte vor der Oeffentlichkeit hiergegen entschieden Bcrwahrung einlege», daö Ausland muß ja den Eindrnck gewinnen, als ob das Drntschc Reich in Glück und Wohlergehen schwämme, wenn eS fortwährend die Berichte über die großen Festivitäten liest, bei denen die Welt dann durch Erlasse der obenerwähnten Art überrascht wird. Die Elsässcr haben ja allerdings keinen Anlaß, danach zu fragen, aus welchen Motive» die Aufhebung des Diktatnrparagraphen erfolgt ist, sie haben ein Recht, die Maßregel mit Gcnngthiiung zu begrüßen, wenn auch die Dankbezeignngen der elsässischen Abgeordneten hier mir etwas zu übertrieben»nd deplaciert erschienen sind. Wenn Herr Riff vom Fortschritt der Entwiefluiig für Elsaß-Lothringen sprach, so wolle» wir doch in dieser Stunde nicht vergessen, daß dazu noch viel mehr gehört als die Aufhebung dcö Diktatur- Paragraphen, iiu» die Elsaß-Lothringer zn gleichberechtigten Deutschen zu machen. Vor allen Dingen müßte das Wahlrecht zum Landesausschuß geändert lverdcn. Es giebt keine Volks- Vertretung, die so wenig den Willen" des Volkes zum Ausdruck bringt, wie diese sechs- bis zehnmal gesiebte Notabelnvcrsammlung. Eine wirkliche Volksvertretung müßte an Stelle dieser Schcinvertretniig treten. sZuruf des Herrn P. Köster.) Herr v. Köster ruft mir zu, ein besseres Parlainenr als das clsaß-lothringische giebt's ja gar nicht. lGroße Heiterkeit.) Ich schähe die burschikose Offenheit des Herrn v. Köster noch ans der Zeit, als er Kollege Ivar.(Große Heiterkeit.) Ich glaub» ihm schon von feinem Standpunkt ans.(Große Heiterkeit.) Ein gefügigeres Parlament kann er sich in der That nicht wünschen! Gehl man nach den Verhandlungen des Landesansschusses, dann kann es über- Haupt kein zufriedeneres Völkchen geben, als die Elsässcr. Ilm so unbegreiflicher ist es, daß der Diktaturparagraph so lange in Kraft geblieben ist. Im weiteren bestehen in den Rcichslandc» noch ans der fran- zöfischc» Reaktionszeit ein Vereins- und Versammlungsrecht, das von der Regierung Napoleons III. stammt und das ganze Ver- sammliingstvesen der Polizeiivillkür preisgicbt. Selbstverständlich haben die Arbeiterorganisationen am meisten über die rücksichtslose Handhabung dieses Gesetzes zu klagen. Für die politische Entivick- hing eines Landes aber ist ein freies Vereins- und Versammlung�- leben die Grundbedingung. Die freie Meinungsäußerung ist jetzt durch das Gesetz ans das schärfste unterbunden und dieser Zustand kann für ein Kulturvolk nicht geduldet lverden. Endlich aber besteht seit 18S3 für Elsaß-Lothringen ein besonderes Preßgrsey. Man hat die alte französische preßgesetzliche Vestimmung aufgehoben, aber man hat nicht, wie sich das, man sollte meinen, von selbst verstände, das deutsche Reichs-Preßgesetz i» Elsaß-Lothringen eingeführt. Auch nach dieser Richtung konnte man dem reaktionären Geist und den reaktionären Gelüsten nicht widerstehen. Man briet den Elsässern eine Extrawurst, aber eine solche, die ihnen unter Umständen sehr schlecht bekommt. Nach dem elsnß-lothringischen Preßgesctz sind den Landes- Polizeibehörden eine ganze Reihe von Machtbefugnissen eingeräumt, die ihnen auf Grund des Neichs-Preßgesetzes nicht zustehen würden. Das ist ein unwürdiger Zustand, auf dessen Beseitigung der Reichstag dringen muß. Es ist ja seltsam, daß die Elsaß-Lothringer sich förmlich nach dem Reichs-Preßgesetz fehnen müssen, obgleich dies Gesetz, als es 1874 im Reichstag beraten wurde, um ein Haar abgelehnt worden wäre, weil es in seiner heutigen Gestalt so reaktionär ist, daß damals ein großer Teil der Äbgeordnctc» aus den Kleinstaaten nicht glaubten für ein solches Gesetz stimmen zu dürfen, das den Zustand, wie er bisher in ihrem Lande geherrscht hatte, so bedeutend verschlechterte. Erst in letzter Stunde fand sich eine Majorität, die wenigstens endlich einmal ein all- gemeines gleiches Deutsches Recht auf diesem Gebiete schaffen ivollte. Aber>vie immer man von nnsrein und dem Staudpunkt der da- nialigen Minorität das Reichs-Preßgesetz beurteilt, gegenüber den Zuständen, die in Elsaß bestehe», ist es ein Fortschritt. Wenn die Elsässcr als Deutsche anerkannt(verde» sollen, dann inuß ihnen auch dieses allgeineine deutsche Preßgesetz eingeräumt(verde». Sie sehe» also, Herr v. Köster, Sie haben noch viel im Elsaß zu thun l(Leb- hafter Beifall bei den Socialdcmokratcn.) Reichskanzler Graf Bülow: Ich darf es dem Herrn Staatssekretär von Elsaß-Lothringen überlassen, im Namen der reichsländischen Regierung auf die Aus- führungen des Herrn Vorredners zn antlvortcn. Die beiden Herren scheinen ein solches Vergnügen zu enipfindcn, sich nach langer Trennung wiederzusehen, daß ich einer parlamentarischen Aussprache zivischen ihnen gewiß nicht vorgreifen möchte.(Heiterkeit.) Ich selbst (vill nur in aller Kürze auf einige Bemerkungen des Herrn Abg. Bebel erividern. Ich muß zunächst— ivenn ich auch nicht gerade überrascht davon war— koustaticreii, daß, wie der Herr Abg. Bebel während tinsrer ganzen Aktion in China chinesischer war als die Chinesen (Lachen bei den Socinldcinokratcu, Sehr richtig I rechts) er jetzt mehr Protestler ist als der enragiertcste Protestler von Elsaß-Lothringen. (Lachen links. Sehr richtig! rechts.) Mit um so größerer Genugthunng habe ich und gewiß die große Mehrheit dieses Hauses soeben gehört, in welcher Weise sich die Ab- geordneten des Elsaß ausgesprochen haben. Der einzige Mißklang, welcher in diese Debatte getragen ivurde, kam nicht von den Ver- tretern des Elsaß, und ich glaube, daß diese doch die Stiinmung der Bevölkerung im Elsaß, ihre Ansichten und Absichten besser(vieder- geben, als wie es der Abg. Bebel thut und gethan hat. Wenn Herr Bebel zu»(einem Bedauern die Art und Weise(vie die Herren Riff, Höffe! und Röllinger sich ausgesprochen haben, übertrieben und deplaciert nannte, so antworte ich, daß die Worte jener Herren ebenso würdig Ivie patriotisch ivnren.(Bravo!)— Nun hat Herr Bebel weiter gemeint, mir sei unbekannt,(velche Stellungnahme der Reichstag zu den wiederholten Anträgen auf Aufhebung des Diktatnrparagraphen eingenommen hat. Es ist mir wirtlich unbegreiflich, wie Herr Bebel das sagen kann, da ich ausdrücklich in meiner Rede die verschiedenen Jahre angeführt habe, in denen sich der Reichstag mit dieser Materie beschäftigt hat. Ich(viederhole, daß, wenn in der Begründung darauf nicht Bezug genommen ist, es eine Lücke ist. Herr Bebel ist doch auch ein vielbeschäftigter Mann und ivird mir zugeben niüssen, daß einem so etivas niit unterlaufen kann. Ich habe die Begründung durchgelesen, in dem Moment aber nicht daran gedacht und es deshalb in meiner Rede nachgeholt. Ein großer Teil der Rede des Herrn Bebel galt dem Versuch, einen Widerspruch au konstruieren zwischen der jetzigen Aufhebung und der dreißigjährigen Anfrechterhaltnng des Diktatnrparagraphen. Ich habe mich vorher ebenfalls bemüht nachzuweisen, daß die Haltung der deutschen Regierung der Stimmung der Elsaß- Lothringer ent- sprachen hatte. Diese Stimmung war zu unsrer großen Freude immer ruhiger, sachlicher und loyaler geworden und daraus haben wir das Facit gezogen. Wenn Herr Bebel ferner angedeutet hat, der Reichskanzler(väre ausgeschaltet bei dieser Gelegenheit, so habe ich schon gesagt, jdaß die Aufhebung erfolgt ist nach gründlicher Prüfung der Verhältnisse von feiten der elsaß-lothringischen Behörden und von meiner Seite. Ich kann hinzufügen, daß ich seit meinem Amtsantritt soivohl mit dem Staatssekretär wie mit einer Reihe von Notabilitäten und Beamten in Elsaß-Lothringen über diese Frage mich ausgesprochen habe, und nachdem ich auf diesem Wege die Ueberzengung von der Entbehrlichkeit des Diktatur Paragraphen erhalten hatte, habe ich diese Ueberzengung Seiner Majestät Ausdruck gegeben. Herr Bebel hat gefragt, ob irgend tvelchcr Zusammenhang bestehe zwischen dieser Aufhebung und dem Bau der Hohkönigsburg. Ich säume keinen Augen blick, darauf zu erwidern, daß zivischen diesen beiden Angelegenheiten nicht der mindeste Kansalnexns be steht.(Lachen links.) Ihr Lachen ändert das nicht im mindesten. Wenn die Aufhebung des Diktaturparagraphen im Jiiter esse der Sicherheit des Reiches nicht möglich gewesen(väre, so wäre derselbe nicht beseitigt ivorden und ivenn auch der Laudesausschuß für Elsaß-Lothringen die Mittel für die Herstellung von 100 Burgen bewilligt hätte. Wenn aber die Aufhebung nötig'war, so mußte er aufgehoben werden, ivenn auch auf der Hohkönigsburg kein Stein umgedreht wurde. Der Erlaß vom 9. Mai ist datiert von der Hohkönigsburg, um hinzuweisen auf die deutsche Vergangenheit der Reichslande. Das ist im Rcichsland überall verstanden ivorden. Endlich hat Herr Bebel auch die staatsrechtliche Stellung der Rcichslandc gestreift. Ich glaube, die Mehrheit dieses hohen Hauses wird es verstehen, ivenn ich von dieser Stelle heute auf diese Frage nicht eingehe. Das sind sehr komplizierte, weitgreifende, schwer- wiegende Fragen, die nicht von hcntc ans morgen gelöst lverden können. Ich will deshalb nur so viel sagen, daß für mich in dieser Beziehung zwei Gesichtspunkte maßgebend sind: die Sorge für die Sicherheit, die Integrität des Reiches, die Rücksicht auf die europäische Gesamtlage, den europäischen Frieden einerseits und andrerseits die Haltung der elsaß-lothringischen Bevölkerung gegenüber dem Reich, das Tempo der Verschinelzung mit dem Deutfchen Reich. Unter diesen beiden Gesichtspunkten werde ich auch ferner diese Frage be handeln.(Beifall.) Staatssekretär v. Köster: Die von Herrn Preitz erwähnten Worte haben keine Bedeutung mehr. Daß der Reichstag in den Motiven nicht erivähnt ist, beruht lediglich auf einem Versehen. Herr Bebel sprach von einer un- erhörten Unterdrückung der elsaß-lothringischen Bevölkening, die das Gegenteil von dem erreicht habe, was man erreichen ivollte. Die heutige Haltung der elsaß-lothringischen Abgeordneten aber beweist doch, daß sie mit der Regierung nicht so unzufrieden sind, wie es Herr Bebel darzustellen sucht. Der einzige, der eine besondere Unzufriedenheit zur Schau trägt, ist ein Nicht-Elsäffer, Herr Bebel. Was hat Herr Bebel für ein Interesse daran, hier den Störenfried zn spielen. Er war ja früher Abgeordneter für Straß bürg. Daun ist es den gemeinsamen Bemühungen der andren Parteien gelungen, die aus dein Reiche importierte soeialdenio kratische Politik aus den Neichslande» wieder zn beseitigen. Bebels Nachfolger ivurde nicht wieder gewählt. Achnlich ging es den Socialdcniokrnten in Mülhausen. Die Parteien in den Sicichslandcn sahen eben ein, daß sie besser thaten, sich zu einigen und die Socinldcmokratie herauszuschlagen Das ist gelungen. Das kann ich Ihnen versichern, Herr Bebel, die Socialdrmokratie»vird nirmals Bode» in de» Rcichslandc« finden.(Na, na! bei den Socialdemokraten.) Die reichsländische Vevölkeruiig hat viel zn viel Grundsätze, die mit den Ihrigen nicht znsannnenstinuncn. Daher erkläre ick hier, daß Herr Bebel heute als Störenfried in uusre friedlichen elsaß-lothriiigische» Verhältnisse Unzufriedenheit hineintragen will.(Lachen bei den Socialdemokraten.) Herr Bebel brachte auch die bekannten, meiner Auffassung nack unwürdige» Behauptungen einzelner Blätter aus das Tapet. Auf meinen Zwischenruf„Vorwärts" schien Herr Bebel ernstlich bedrückt zu sein;(Lachen bei den Socialdcmokratcn.) er behauptete, der„Vorwärts" habe diese Anschauungen nur aus andern Blättern übernommen. Nein, der erste Artikel über diese ganze Frage, betitelt„Gcschcnkpolitik", stammt von ihm,»nd wir wollen ihm den Ruhm dieses Artikels nicht streitig machen. Die Presse in Elsaß-Lothringen hat sich stellenweise ganz anders gezeigt. Herr Bebel meinte weiter, der Dank, den die Herren bringen, sei voll- tändig deplaciert. Hier von einem deplacierten Dank zu spreche», kann doch eigentlich nur Gründe haben, die mit der Vorlage nur in einem losen' Zusammenhange stehen.(Gelächter bei den Social- demokratcn.) DicS Gelächter erinnert mich an frühere schöne Zeiten, ich kenne es!(Stürmische Heiterkeit.) Was die Volksvertretung von Elsaß-Lothringen anlangt, so will ich mich gar nicht über die Art»nd Weise äußern, wie der Landcsausschnß gewählt wird.(Gelächter bei den Socialdeniokraten.) Aber gegen die Bezeichnung als„Honoratiorengcscllschaft" muß ich doch deii Landesausschuß in Schutz nehmen. Ich habe eine Reihe von Parlamenten kennen gelernt, ich kenne dies hohe Haus, das preußische Abgeordnetenhaus und da? preußische Herrenhaus, aber ich kann Sie versichern, kein Parlament von alle» dicsc» arbeitet besser und zuverlässiger als das elsast-lothriugische. (Stürmisches Gelächter bei den Socialdemokraten). Die Ab- geordneten des Landesansschusses sind so geivisjcuhast, daß ?ort selten jemand in den Sitzniigen fehlt, und es kommt dort nicht vor, daß so und so oft die Be- .chlußunfähigkeit des Hauses eintritt.(Unruhe und Gelächter links). Herr Bebel beschivert sich iveiter über das Vereins- und Ver- ammlungsrccht in den Reichslanden. Nehmen Sie es mir nicht übel: Waö geht Sic denn daö Vereins- und Vcrsammlungs- recht i» den Reichölaudc» an?(Stürmische Heiterkeit bei de» Socialdemokraten.) Ich verstehe das gar nicht. In allen Ländern ist dock das Vereinsgesctz der Laudesgesetzgebung unterivorfen. Zuruf bei den Socialdemokraten: Leider I) Des Pudels Kern war a der Schluß der Bebeischen Rede, in dem er von der rücksichts- losen Handhabung der Bestimmungen des Koalitionsrechtes sprach. Diese„rücksichtslose" Behandlung des Vereinsrcchts zu Ungunsten der Koalitionen basiert auf einem Urteile dcö Reichsgerichts. Das Reichsgericht hat entschieden, daß K 132 der Getvcrbc- Ordnung nicht in der Weise für Elsaß-Lothringen maßgebend ist, daß man ohne polizeiliche Genehmigung zu jcdcr Ver- eittignug zusammentreten könnte, sondern Vereine von mehr als 20 Personell bedürfen der polizeilicken Erlaubnis. Weiß dennHerr Bebel nicht, daß für Elsaß-Lothringen mit Ausnahme von drei Bestimmungen (Zurufe bei den Socialdemokraten.)»'örtlich Paragraph für Para- graph dasselbe Gesetz gilt ivie das Reichs- Strafgesetz?(Hört I hört! rechts.) Nur in das EiuführungSgesetz sind für Elsaß- Loth- ringen drei andersartige Bestinimungen aufgenommen worden. Erstens besteht bei uns noch die Bestimmung, daß jeder, der ein Preßunternehinen begründet, eine Kaution hinterlegen muß. Zweitens wird bestimmt, daß die Auslandspresse unter Umständen verboten lverden kann, und drittens sind geivisse Preßcrzeugnisse � in der Kolportage verboten, die für das andre deutsche Reich nicht ver- boten sind. Ich will schließen.(Ironische Zurufe: Ach! bei den Social- demokraten.) Aus der Rede des Abg. Bebel habe ich»nr die eine Bemerkung mit Freuden begrüßt, in der er sagte:„Mögen die Elsaß- Lothringer nun auch das Vergnügen empfinden lernen, Deutsche zu ein l" Also scheint Herr Bebel inzwischen— wir haben uns lange nicht gesehen— mehr Vergnügen daran gefunden zu haben, ein Deutscher zu sei». Das freut mich I(Große Heiterkeit bei den Socialdemokraten.) Abg. Schlnmberger(Hospitant der NatiouaUiberalen) erklärt, seine Freunde würden der Vorlage zustimmen. Der clsaß« lothringische Bolksstamm sei für Gerechtigkeit und Großmut sehr empfänglich und wisse Vertrauen niit Vertrauen zu vergelten. Beifall.) Abg. Haußmann-Böblingen(südd. Vp.): Meine politischen Freunde werden der Vorlage ziistiminen. Ich konstatiere, daß die Politik der Versöhnung, die aus der Vorlage spricht, früher im Reichstage vorhanden ivar als im Bundesrat. Je freier Sie die elsnß-lothringische Bevölkerung regieren, desto deutscher wird Elsaß- Lothringen sein. Abg. Gamp(Rp.): Die große Mehrzahl meiner politischen Freunde stand, als sie gegen die Aufhebung des Diktaturparagraphen stimmte, auf dein Standpunkte, daß in dieser Frage allein die Regierung entscheiden könne. Damals hielt ein so ruhiger Mann, wie Fürst Hohenlohe, die Aufhebung des Diktaturparagraphcn für unmöglich. Der jetzige Reichskanzler sagt, daß die Verhältnisse sich iiizwischen geändert hätte». Wir werden ihm folgen, müssen ihm aber die Verantwortung überlassen. Abg. Baron de Schmid(Elf.) verliest eine kurze Erklärung, in der er seiner Befriedigung über die Aufhebung des Diktaturparagraphen ausspricht. Abg. Bebel(zur Geschäftsordnung): Ich mache den Herrn Präsidenten darauf aufmerksam, daß der Herr Vorredner seine Rede abgelesen hat. Dies ist nach der Ge« schäftsordnung nicht zulässig.(Heiterkeit bei den Socialdemokraten.) Vicepräsident Biising: Es ist mir nicht entgangen, daß der Herr Abgeordnete seine Rede abgelesen hat. Es war niir aber auck nicht unbekannt, daß er vorher bei dem Herrn Präsidenten geivescn ist und um die Erlaubnis gebeten hat, seine Rede verlesen zu dürfen, da er der deutschen Sprache nicht in genügendem Maße mächtig sei. Abg. Bebel(zur Geschäftsordnung): Wenn ich die Sache überhaupt hier zur Sprache gebracht habe, so hat mich nur der Umstand dazil veranlaßt, daß der Abg. Baron de Schmid jüngst zu einer hohen Stellung in der deutschen Armee befördert worden ist, während er nicht in der Lage ist, eine Rede in deutscher Sprache zu halten.(Große Heiterkeit.) Vicepräsident BÜfing: WaS der Herr Abgeordnete im Privatleben ist, geht uns hier nichts an. Hier ist er nur Abgeordneter.(Rufe linkS: Nur? Unruhe.) Abg. v. Levetzow(k.): Ich hoffe, daß sich der Reichstag den Freudenbecher, den ihm der Reichskanzler heute kredenzt hat, nicht durch den Bebelschen Wermutstropfen verderben läßt.(Lachen bei den Socialdemokraten.) Die Verantivortung für die Aushebung des Diktaturparagraphens müssen wir der Stelle überlasien, die allein die Verantivortung tragen kann, der Regierung. Mit aufrichtiger Freude werden wir der Vorlage zustimmen. Abg. Bebel(Soc.): So wie der Reichskanzler s. Z. meinte, ich sei chinesischer, als die Chinesen, so hat er mich heute protestlerischer, als die Protestler genannt. Ich hätte gedacht, er ivürde sich inzivischen mit unsrer pri»- cipieNen Auffassung bester vertraut gemacht haben. Uusre Stellung erklärt sich nuS nnsrem Programm, wonach wir jedes Unrecht- geben und jede Unterdrückung einer Rasse, einer Klasse, einer Nationalität zu bekämpfen haben.(Sehr richtig l bei den Social- demokraten.) Auch hier haben ivir eS für notwendig gehalten, nach- zuweisen, daß noch eine ganze Menge von Unrecht in Elsaß-Lothringen auch nach der Anfhebung des Diktatnrparagraphen bestehen bleibt und haben verlangt, daß nnnmehr die Konsequenzen deS gethanenen Schrittes gezogen und auch das weitere Unrecht wieder gut gemacht werde. Wenn kein elsässischer Vertreter sich veranlaßt gesehen hat. dasselbe zu thun, so muß ich da? diesen Herren überlasien, so geht mich das nichts an. Als deutscher Volksvertreter nehme ich das Recht für mich in Anspruch, die Rechte der Elsaß- Lothringer als deutsche Reicksangehörige hier zu vertreten. Zudem haben mich meine elsaß-lothringischen Genossen ausdrücklich gebeten, auch ihre übrigen Schmerzen bei dieser Gelegenheit zur Sprache zu bringen. Das ist mein gnteS Recht, umsomehr, als eine Reihe drückender Bestimmungen nur auf dem Wege der Reichsgcsetzgebnng aufgehoben lverden kann. DerReichskanzlerhatsich dagegen verwahrt, daß er die Beschlüsse des Reichstags über den Diktaturparagraphen nicht kenne. Ich bedauere, die ersten Worte des Reichskanzlers nicht gehört zu haben; ich hätte dann meine Ausführungen nicht gemacht. Auch eine Erklärung über die unbeabsichtigte Lücke in den Motiven, die er im Drange der Geschäfte übersehen habe, hat mich zufrieden ge- stellt. Herr v. Koller nmß den Verhandlungen des Reichstages sehr ivenig Aufmerksamkeit schenken, sonst würde er Wiste», wie oft hier schon vom sächsischen oder vom preußischen Vereins- und Ver« fammlungSrecht die Rede gewesen ist. Die Bestimmungen deS elsässischen Vereinsrechtes tvirken ja auch auf die Handhabung deS Koalitionsrechtes dort ein, berühren alfo eine Reichssache. In Frankreich sind diese Gesetze längst beseitigt, mit denen im Elsaß die Bevölkerung noch immer mißhandelt wird. Herr v. Köller nennt mich einen Störenfried k tout prix. Ja, wir sind doch nicht ver- pflichtet, mit den Herren von der Regierung Brüderschaft zu trinken. (Große Heiterkeit.) Herr v. Köller empfindet große Befriedigung darüber, daß in den Rcichslanden kein Socialdemokrat gewählt worden ist. Ich gönne ihn» die Freude, es fragt sich nur, wie lange sie dauert.(Heiterkeit.) Die Socialdemokratie ist er noch lange nicht los. In verschiedenen Gemeindevertretungen sitzen Social- demokraten, die sich nachdrücklich der Rechte der Bevölkerung annehmen. 1893 habe ich auf ausdrückliches Verlangen meiner Hamburger Wähler in Straßburg nicht mehr kandidiert. Die Stimmenzahl, die ich auf meinen Nachfolger Böhle vereinigt, war über Erwarten groß. Zur Freude hat Herr v. Köller also wirklich keinen Anlaß. An» genehm ivar es mir vom Reichskanzler zn hören, daß zwischen dem Aufbau der Hohkönigsburg und der Anfhebung des Diktatur- Paragraphen kein Zusammenhang besteht. Den„Vorwärts" habe ich in gar keiner Weise desavouiert, sondern nur konstatiert, ivie die deutsche Presse, in erster Linie die„Saargemünder Ztg.", geurtcilt hat. Herrn v. Köller erinnerte unser Lachen an die alten schönen Zeiten; mick auch, besonders an jenen Tag, wo Grillenberger ihm zurief: Herr v. Köller, es wird immer doller!" (Große Heiterkeit.) Das Lob, das er dem LandesauSschuß gespendet hat, kann ja das preußische Abgeordnetenhaus und das Herrenhaus neidisch machen. Nur in drei Punkten unterscheidet sich nach Herrn v. Köller das elsässische Preßrecht vom deutschen: aber diese drei Punkte sind gerade die Hauptsache(Heiterkeit), vor allem die von allen Parteien verurteilte Kautionspflicht. Durch solche Be- timmungen werden die Elsasser als Deutsche zweiter Klasse behandelt, und ihre Beseitigung muß mit aller Energie gefordert werden. (Bravo l bei den Socialdemokraten.) Staatssekretär v. Köller: Herr Bebel hat zum zlveitenmale daS Preßgesetz als AuS- »ahmegesetz für die Elsaß-Lothringer bezeichnet. Das ist ganz falsch. Wenn Herr Bebel nach Straßburg kommt, so leidet er ebenso unter dem Kautioiisparagrapheu, wie jeder Elsässer.(Stürmisches Ge- lächter bei de» Socialdemokraten.) Bon einem Ausnahmegesetz 'peciell gegenüber den Elsaß-Lothringern kann also nicht die Rede ein.(Andauerndes Gelächter links.) Abg. Glcbocki(Pole): Meine Freunde werde» natürlich für die Vorlage stlmmcn. Es ist ja bekannt, daß noch eine andre Bevölkerung innerhalb des Deutschen Reiches unter ivcit schärferen Ausuoh'incmaßrcgcln zu leiden hat, wie die Eliaß-Lothringer. Herr Bebel gab uns Polen den Rat. wir sollten sehen, ob nicht auch bei uns eine Burg zu repa- ritten ist. Nun, Graf Büloiv hat ja jeden Causalnezus zivischen der HohkönigSbnrg und dieser Vorlage gelengnet und wir haben allen Grund ihm z» glauben, nachdem er erst vor kurzen über nnsre Zustände sich so unterrichtet gezeigt hat. Wen»«vir aber auch zwei Schlösser bauen würde»—«nö Pole» würde daS nichts helfe». In dem Augenblicke, wo hier Friedensivorte gesprochen werden, ist in einem Bundesstaate, Preußen, ein Ausnähmcgejctz Glocke deS Präsidenten.) Viccpräsidcnt Büsing: Herr Abgeordneter, ich muß Sie unterbrechen. WaS Sie eben agte», steht m keinerlei Vcrbiudnng mit dem vorliegenden Gesetz. (Unruhe links.) Abg. Glcbocki: Herr Bebel fand vorhin ebenfalls einen Znsammeuhang zwischen diesen beiden Gesetzen, ohne unterbrochen zu werden. Vicepräsident Biising: Herr Bebel hat lediglich eine Parallele gezogen zwischen den Verhältnisse,, im Osten und im Westen, er ist mit keinem Worte auf «•inen dem preußischen Mgeordnetcnhause vorliegenden Gesetzentwurf eingegangen. Abg. Glcbocki: Auch ich wollte nur eine Parallele ziehen zwischen dem. was hier und dort geschieht, muß aber nun darauf verzichten.— Hin- weisen muß ich aber darauf, daß der Augenblick der Einbringung dieses Gesetzes zusammenfällt mit einem Augenblick, wo wir gehört haben, wie man vom polnischen Ucbermnt spricht nnd daS deutsche Volk gegen diesen polnischen Ucbermnt zum Kampfe aufruft. Grösse 50/60 55'65 c m 2.15 2.25 Mk. Reise-Necessaire S Reisedecken 4.50, 8.10, lO.SOMk. Wagendecken 7.65, 11.25Mk. Triumphstuhl 3.25 Mk. Ein grosser Posten Gartendecken 1.25, 1.90, 2.40 Mk. Ferner empfehlen wir: Photograph. Artikel in grosser Auswahl. Preisliste kostenlos. Rindleder-Plaidriemen ca. i Mir. lang mit Griff 38 Pf. Reiserollen Ledertuch mit Gummistofffulter 35, 55, 70 Pf. Handkoffer Leinen mit Ledereinfassung Länge ca. 4-5 50 55 60 cm 2.35 2.60 2.75 3.25 Mk. 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Alljährlich, wenn der Frühling wiederkehrt und die wärmende Sonne leise die ersten Knospen erschließt, wenn Busch und Baum sich wieder mit einem ersten zarten Schimmer von Grün umgeben, dann ist für ihn die Zeit der stillen Freuden gekommen. Beglückt ruht dann sein Blick ans jedem Blatt, das sich zögernd aus der schützenden Hülle hervorwagt, mit zärtlicher Sorge beobachtet und überwacht er Entwickelnng und Wachstum, die seiner Ungeduld viel zu langsam fortzuschreiten scheinen. Die Vorgärten, die Schmuck- Plätze, die Parkanlagen in den Außervierteln, die Waldungen in der näheren oder ferneren Umgebung der Stadt werden ihm in dieser Zeit zu förmlichen Wallfahrtsorten, denen er sich fast mit einem Gc- fühl der Andacht naht, u>n sich dem Kultus des Grünen hin- zugeben. An diesem schönen Kultus ist immer Ivicder nur das eine zu bedauern, daß er bei manchen Leute» im Ueberschwang der Gefühle zuweilen Formen annimmt, die doch sehr bedenklich sind. Die Zeit des erste» Keimens und Sprießens in der Natur ist ja nun bereits wieder vorüber, und der Frühling, der vorher so lange auf sich warten ließ und dann so plötzlich über uns kam, hat wie mit einem Zauberschlag über Garten und Park, über Feld«vd Wald eine verschwenderische Fülle von Grün ausgestreut. Aber selbst all dieser Reichtum würde bei weitem nicht ausreichen und sehr rasch erschöpft sein, wenn ganz Berlin thun wollte, was leider so viele der für.ein bißchen Grünes" schwärmenden Berliner thun— wenn jeder von uns„ein bißchen Grünes", einen zusammengelesenen Strauß, einen abgebrocheucn Zlveig, von seinem Sonntagsansflug mit nach Hanse tiehmen wollte. Die Mahimng, auf Ausflügen Feld und Wald zu schonen ist von uns wiederholt ausgesprochen worden, aber sie kann nicht oft genug erneuert werden. Es ist wahr: was der Einzelne da niit- nimmt— oder häufig nicht einmal wirklich mitnimmt, sondern gedankenlos nur abpflückt oder abbricht, um es bald nachher wieder wegznwersen— das ist„nur ein bißchen Grünes" im eigentlichen Sinne des Wortes. Doch auch hier gilt der Satz, daß viele Wenig ein Viel machen. Im Vergleich zu der»ngcheurc» Zahl der Ausflügler, die an den Sonntagen die Waldungen um Berlin überschwemme», wäre» diese Waldungen alle zusammen selber «nur ein bißchen Grünes", das rasch aufgebraucht wäre, wenn stder„sein bißchen Grünes" beanspruche» wollte. Im Pläntenvald, der sich draußen hinter Treptow von Jahr zu Jahr herrlicher entwickelt, habe» einmal ein paar Aufsichtsbeamte die Probe auf das Exempel gemacht. Sie haben sich in der Nähe des Eierhauses auf der Spreepromenade aufgestellt und jedem Vor- übergehenden das„bißchen" Grüne, das er bei sich trug, abgenommen und vor sich niedergelegt. In kurzer Zeit hatten sie einen ansehn- lichen Hansen von abgebrochenen Zweigen usiv. zusammengebracht. ans dem die stumme Anklage sprach:„Seht, um soviel habt ihr den Wald beraubt I" Ein grüner Altar ivar es. den die für„ein bißchen GrüncS" schwärmenden Berliner da aufgeschichtet hatten, ei» Altar für den Kultus des Waldes. Das Opfer aber, das sie huldigend dcnr Walde dargebracht hatten, war der Wald selber gewescnl Der Bruch der GeschäftSordunng. durch den Stadtverordneten-Vorsteher Dr. L a n g e r h a n s in der letzten Stndtverordnetensitzuug ivird, wie man uns mitteilt, vor- aussichtlich zu Weiterungen in einer der nächsten Stadtverordneten- sitzungen führen. Bekanntlich hatte der Vorsteher— statt die Mitglieder der Mehrheit der Stadtverordneten, welche durch Toben versuchten, den Stadtverordneten Stadlhagen an» Reden zu hindern, zur Ordnung zu rufeu�— dem Redner das Wort entzogen. Hierzu gab ihm die Geschäftsorduung kein Recht. Die Geschäfts- ordnung gestattet dem Vorsteher nur, einen Redner auf den Gegen- stand der Verhandlung zurückzuweisen und zur Ordiinng zn rufen. „Ist das eine oder das andre in der nämlichen Rede zweimal ohne Erfolg geschehen", sagt die Geschäftsordnung,„nnd der Redner fort- fährt, sich vom Gegenstand oder von der Ordnung zu entfernen, so kann die Versammlung auf die Anfrage des Vorsitzenden ohne Verhandlung beschließen, daß ihm das Wort über den vorliegende» Gegenstand genommen werden soll, w e» n er zuvor auf die Folgen vom Vorsteher aufnlerksam geniacht ist." Keine dieser Voraus- setzungen lag vor. Stadlhageu war— ob mit Recht, lassen wir dahin gestellt— von Herrn'LangerhanS zur Ordnung gerufen, weil er in Bezug auf den Fraktio»sgei,ossfti> des Herr» Langerhaus, Herrn K a r l G o l d s ch m i d t behauptet hatte, dieser würde wohl, wenn er noch von der dritten Abteilung gewählt wäre, nicht seine jetzige Ansicht vertrete». Dan» hatte Stadthagen dargelegt, daß die Stadtverordneten auf die Ansicht der Wähler Rücksicht nehmen müßten. Bei diesen Worten tobten Herrn Langerhans' Freunde los. daraufhin entzog er Stadthagen das Wort. Es ist kein Zufall, daß diese beispiellose, gewaltsame Behandlung der Redefreiheit durch den freisinnigen Abgeordneten just bei der Debatte über§ 616 sich ereignete.'Die gewaltsame Wort. entziehung richtete sich gegen Änsführuugen, tvelche der durch die Versamnilung gebilligten Entrechtung der st ä d t i s ch e» Arbeiter entgegentreten wollten. Bei ganz ähnlicher Gelegenheit hat Langerhans einem andern socialdemokratischen Stadtverordneten, dem Genossen Zubeil, vor einigen Monaten in durchaus geschäfts- ordnungswidriger Weise mit Wortentziehung gedroht, als dieser über die Rechtlosigkeit der städtischen Arbeiter sprach, und weil er sachlich sprach, fortdauernd von der Mehrheit lärmend unter- brachen wurde. Offenbar fühlt sich der Stadtverordneten-Vorsteher Langerhans bei solchen Gelegenheiten als Vertreter der Mehrheit nnd daniit der Interessen der Unleriiehmerklasse gegen die Interessen der Arbeiterklasse. Es mag psychologisch entschuldbar für den greisen Stadt- verordneten-Vorsteher anzuführe» sein, daß er durch seine vor einige» Wochen gemachte eidliche Zeugenaussage, er halte es für möglich, daß Stadtverordnete ihr persönliches Interesse vertreten, böses Blut bei seinen Politischen Freunde» erregt hat. Alles das mildert aber nicht den schweren Bruch der Geschäftsordnung durch den freisinnigen Abgeordneten. Seine grobe Verletzung der Geschäftsordnung, zu deren Schutz der Vorsteher einer Versammlung berufen ist, findet kein Beispiel in dem Vorgehen eines»och so reaktionären Präsi- deuten. Eine neue Art von Ferien für Handelsaugestcllte hat die bekannte Firma Jordan eingeführt. Vom Verband der Handels- angestellten wird uns darüber geschrieben: Gerade in dem Augen- blick, da in den meisten größere» Handelshäusern die Urlaube für die abgerackerten Angestellten beginnen, damit sie sich für die kommenden Saisonstrapazen ini Interesse des Geschäfts einigermaßen stärken können, erläßt die durch ihren Patriotismus bekannte Hoflieferanten-Firma Heinrich Jordan, Berlin. Mark- grafenstr. Ivb, eine merkwürdige Mitteilung an ihre Angestellten. Es wird den Angestellten unter Hinweis auf die ungünstige geschäftliche Konjunktur zunächst eröffnet, daß in diesem Jahre nur !>».AmitlS" zwei Drittel Urlaubszeit, also z. B. statt 12 Tage 1301 nnr 8 Tage 1902, gewährt werden könne. Und nun kommt das für die Firma Kennzeichnende. Dem Personal wird empfohlen, längeren als zwei Drittel Urlaub nachzusuchen, der sehr gern auf Kosten der Ur- laubssucher eingeräumt werden dürfte, schon um weiteren Entlassungen vorzubeugen. Soweit der Erlaß, der in der Berliner Handelswelt und weit darüber hinaus so leicht nicht seinesgleichen finden dürfte. Die Gehälter, die die Firma Heinrich Jordan ihrem zahlreichen weiblichen Personal zahlt, sind äußerst knapp bemessen und gar bedenklich auf elterlichen Zuschuß berechnet. Nun sollen die also Entlohnten gar Urlaub au eigne Rechnung nehmen und zivar je länger— je lieber. Wer keinen längeren Urlaub nachsucht, dürste am ehesten auf die Kündigungsliste kommen; iver nun, um ganz besonders angenehm aufzufallen, statt zwei Wochen heuer vier Wockieu Urlaub nachsucht— o weh, der scheint die Thätigkeit bei der Firma Heinrich Jordan überhaupt nicht mehr nötig zu haben." So die Zuschrift, deren Inhalt die interessante Wahrheit bestätigt. daß man auch im Handelsgewerbe beginnt, sich immer mehr nach den für die Industrie schon längst gültigen Grundsätzen einzurichten, daß jedes persönliche Verhältnis im Beruf aufhört und der Unter- nehmer im Angestellten nichts sieht, als eine auf den Wert ihrer momentanen Brauchbarkeit hin zu prüfende Sache. Die Handels- angestellten, die im leidigen Dünkel befangen, sich heutigen Tages immer noch vielfach für etwas Besseres halten als den Arbeiter, sollten sich diese Sachlage vor Augen führen und gleich der Arbeiterschaft daraus die erforderlichen Schlußfolgerungen ziehe». Bon de» städtischen höhere» Schule». Der Magistrat hat beschlossen, den Oberlehrer» an den städtischen Gymnasien, Ober- Realschule», Realschulen und höheren Mädchenschulen vom 1. I u l i ab f o l g e n d e s D i e n st e i n k o m ni e n zu gewähren: 1. Anfangs- gchalt 2700 M., Höchstgehalt 5100 M., zu erreichen nach 21 Dienst- jähren in 7 Steigungen, und zwar niit 500 M. nach 3, mit 400 M. nach 6 Jahren und mit je 300 M. nach 9, 12, 15, 18 und 21 Dienst- jahren, bisher in 24 Dienstjahrcn. 2. W o h n u n g s g e l d z u s ch u ß 900 M. jährlich, der jedoch bei der Pensionierung nur mit 492 M. anzurechnen ist, soweit nicht für die vor Erlaß dieser Bestiniminigen angestellten Oberlehrer ein höherer Betrag zur Anrechnung kommt. 3. Eine feste Zulage von 900 Mark aller nach 9, 12 und 16 Dienstjahren niit je 300 M. Eine Vorlag« wird der Stadtverordneten-Versanimlung zugehen. Die Erhöhung des Schulgeldes ist beschlossene Sache. Ter Magistrat ersucht in einer Vorlage die Stadtverordneten- Versammlung, sich damit einverstanden zu erklären, daß vom 1. 1 u l i ab das Schulgeld für die a) Schüler der Hanptklassen der Gymnasien, Realgymnasien, Ober-Realschulen und Realschulen von 130 auf 140 M. jährlich, b) für Schüler der Vorschulen bei dem zn a> genannten Lehranstalten von 110 auf 120 M. jährlich, cj hiesigen Schüler der Realschulen von 80 auf 90 M. jährlich, cks Schüleriniicn der höheren Mädchen- schulen von 130 M. auf 140 M. jährlich erhöht wird. Wegen Ver- Wendung der Neberschüsse, die infolge dieser Schulgeld- erhöhnng nach Abzug der zur Aufbesserung der Lehrergehälter er- forderlichen Summe verbleiben und zur Erhöhung der Remuue- rationen für außerordentliche Lehrstundcn und Vertretungsstunde» soll der Stadlverordneten-Versaniiiilnng einer Magistratsvorlage noch zugehe».— Die bisher gebräuchliche Ge- Währung von Frcischule an die Kinder von Geistlichen an St. Nikolai nnd Petri, sowie von Direktoren und Lehrern höherer Lchranstalten und Mädchenschulen soll für die Kinder, die vom 1. Juli ab in diese Schule eintreten, fortfallen. Der Zuschuß der Stadt für einen Schüler, bez. Schülerin der höhreren Lehr- anstaltcn ist im ständigen Steigen begriffen. 1892 betrug der Zn- schuß für einen Scküler bei den Vollanstalien 114 M., iin vorigen Jahre schon 159 M., bei den Realschulen 92, bez. 141 M., bei den Mädchenschulen 25, bez. 45 M. Diese Zunahme ist auf die fort- schreitende Wirkung der Dienstaltcrsznlagcn zurückzuführen, die den Etat immer höher belasten. Tie Erhöhung des Schulgeldes um 10 Mark würde eine Mehreinnahme von rund 200 000 Mark er- geben. Der Stadtverordneien-AuSschuß zur Beratung der Magistrats- Vorlage über die Erneuerung des Ratskellers hat nach Ablehnung der Magistratsvorlage folgenden Antrag aiigcnonimen: „Die Versamnilung ersucht den Magistrat, in diesem Jahre nnr die folgenden Arbeiten ausführe» zu lassen: Verbesserung der Kiicheuvcutilalion; Verbesserung der Veutilation der Klosetts; Hcr- steNnug vorschriftsmäßiger Klosetts im reservierten Zimmer. Ferner ersucht die Versaunnlung den Magistrat, ihr eine neue Vorlage über folgende Arbeiten zu»lachen; Ventilierung des Restaurations- lokals; Vergrößerung der Fenster an der König-, Jüden- und Spandauerstraße, sötvie Herstellung größerer Lichtichächte nach den Straßen und Höfen: Einrichtung einer Aeciuuulatorenanlage; Vergrößerung des reservierten Zinnners und Beseitigung der Pfeiler in deniselben: Verlegung des Vierkellers; Verbesserung der Be- leuchtungskörper, der Zwischenwände, des Mobiliars usw.: An- bringung von Schmuckstreifc» vor dem Ralhanse in der König- straf;«: Anlage eines Speise-Aufzuges von dem Ratskeller nach dem Festsaale." Ein Veteran der Schule, der Gemeindeschullehrer a. D. und frühere Privatschul- Vorsteher Gustav L i st e n, a n n, dessen sich noch viele ältere Berliner—»ainentlich iui Königsviertcl— erinnern werden, ist in dieser Woche zu Grabe getragen worden, wenige Tage nach Vollendung seines 92. Geburtstages. In den Ruhestand ge- treten ivar er als ein fast Siebeilundsiebzigjähriger im Jahre 1887. Listemann, ein Zögling des Frankesche» Waisenhauses in Halle, hat der Schule mehr als ein ha lbes Jahrhundert gedient. In Berlin ist er von 1839 an thätig geivesen, zunächst nacheinander an der Hcnnigschen Schule, an der Schule der französischen Kolonie und an der Königstädtischen Stadtschule. 1851 übernahm er die Privatmittelschule für Knaben Neue Königstraße 41. die er 26 Jahre hindurch geleitet hat. Durch den Niedergang des Privatschulivesens in Berlin Ivurde er als ein schon Siebenundsechzigjähriger im Jahre 1877 genötigt,»och in den Gemeindeschnldienst überzutreten, doch konnte er in diesem Alter nicht mehr angestellt, sondern nur„kommissarisch" beschäftigt werden. Er unterrichtete an der neunten Gemeindeschule in der Hirteiistraße. Als er 1837 ohne Pensionsberechtigung aus dem Schuldienst aus- schied, wurde ihm von der Stadt als Ruhegeld eine dauernde Unter« stütznng geivährt, die es dem bei seinen Kollegen ivie bei seinen Schülern' überaus beliebt gewesenen alten Mann ermöglicht hat, »och 15 sorgenfreie Jahre zu genießen. Das Millioneu-Fälscherpärcheu, über dessen Verhaftung wir vor acht Tagen berichteten, wird den Behörden wohl noch etwas zu schaffen machen. Alessi sowohl ivie seine Geliebte Marie Laracine haben ihr Deutsch so gänzlich verlernt, daß der Untersuchungsrichter einen Dolmetsch hat zuziehe» müssen. Das Mädchen ist, wie jetzt feststeht, eine italienische Sängerin, die auf verschiedenen deutsche» Singspielbühnen auftrat, in der letzten Zeit aber keine Be- schäftigung hatte. Sie war früher mit ihrem Bruder zn- sanimen.' Auf dessen Namen bestellte Luigi Alessi bei dem hiesigen Drucker, der ihm die Bankiioten anfertigte, auch die Visitenkarten. Ob der Bruder mit der Fälschung auch zu thun hat. steht noch nicht fest. Die Stempel, mit denen Wasserzeichen, Namen und Rummern nachgetragen werden sollten, sind nach neueren Ermittelungen ebenfalls in Berlin gemacht worden. Wie ivir früher schon mitgeteilte», lebte Alessi zuletzt sehr zurück- gezogen, um nicht die 150 Mark, die er sich für die Reise zurückgelegt hatte, angreifen zu müssen. Den Hotelivirt hat er mit 500 Mark angesetzt. Er vertröstete ihn immer damit, daß er Geld von außer- halb erhalten, oder daß er mit seiner„Frau" ein Engagement an- nehmen werde. Da mau wußte, daß Alessi einen scharf geschliffene» Dolch und einen Revolver für sechs Patronen bei sich führte, so ging Sealilag, 8. Inn 1902. man ihm bei der Verhaftung zunächst mit einem Kniff zu Leibe. Die Beamten erklärten ihm, daß sie ihn verhaften müßten, weil er mit seiner Frau zn den vielgesuchteu Hnmberts gehöre. Da er sicher war, diese Annahme ividerl'cgen zn können, so hatte er keine Ver- anlassung, mit der Waffe das äußerste zn versuchen, nnd als er erfuhr, um was es sich wirklich handelte, war es zu spät. Mit der autoniatischen Anzündnng vo» Strasicnlatcrnc» ist jetzt hier der Anfang gemacht worden. Seit mehreren Tagen werden in der Schönhauser Allee zlvischen� Franseckistraße und Pappel-Allee die Straßenlaternen nicht mehr einzeln mit der Hand, sondern auf elektrischem Wege durch den Mnltiplex-Gassernzüiider gezündet und gelöscht. Die Humbert- Bilder. Der„Lokal- Anzeiger" verteidigt die „Woche" gegen den ihm von der Polizei gemachten Vorwurf, falsche Hnmbert-Porträts gebracht zu haben, ivie folgt: Nachdem Ziveisel über die Aehnlichkeit der in der„Woche" veröffentlichten Porträts der Familie Huinbcrt enlstanden ivaren, ließen Ivir durch uusren Pariser Korrespondenten die betreffende Nummer der„Woche" dem Chef der Pariser Polizei, Herr» Cochefert, vorlegen. Dieser be- stätigte auf de» ersten Blick die Aehnlichkeit der Bilder und gab hierauf niüudlich unsrem Korrespoudeuten die Erklärung ab, daß„die in der„Woche" stattgehabte Veröffentlichung der Bilder eine durchaus exakte Wiedergabe der Originale sei". Der Raub von acht Einschreibebriefen auf dem Postanttl in der Königstraße, über lvelchen wir vor einiger Zeit ausführlich berichteten, ist trotz der energischten Beniiihungen der Kriminalpolizei bisher nicht aufgeklärt worden. Bekanntlich ivar es einein Betrüger gelungen, mittels gefälschter Quittungen für eine Briefmarken- Handlung auf dem genannten Amte lagernde Einschreibebriefe sich anzueignen. Wie nunniehr festgestellt ist, hatten die Sendungen einen Gesamtwert von ca. 5000 M. Abgesehen von etwa 150 M. in barem Gelde besteht der dem Schwindler in die Hände gefallene Raub ausschließlich aus alten Postbriefmarken für Sammler und sogenaimten Ganzsachen, d.h. Briefumschlägen mit eingedruckten Marken. Unter andcrm befinden sich dabei zehn braunschweigische Marken zn drei Silbergroschen rosa vom Jahre 1853 auf Briefuinschlägcn, adressiert an Hofvpernsänger Himmer, soivie eine große Anzahl Marken aus deutschen Staaten, Helgoland, britischen Besitzungen, Vereinigten Staaten, fast sämtlich von hohem Wert. Die Kriminalpolizei sowie die hiesige Oberpostdirektion haben gestern sämtlichen Briefmarkenhändlern Berlins ein Verzeichnis der gestohlenen Marken zugehen lassen. Die Postverwaltnng ist nur zn einem Betrage von ca. 330 M. ersatzpflichtig, da die Sendimge» als gewöhnliche Einschreibe- und nicht als Wertbriefe aufgegeben sind. Durch eine» Absturz vom Gerüst verunglückte gestern, Sonnabendniiltag der 34 Jahre alte Maurer Wilhelm S t ö l l e aus der Köslinerstr. 7 auf einem Neubau an der Ecke der Berliner- und Babelsbergerstraße zu Wilmersdorf. Der Netzriegel des Gerüstes, auf dem er stand, löste sich, das Gerüst gab nach, und Stölle stürzte ans dem vierten Stock in die Tiefe, durchschlug das Schutzdach unten und blieb mit niehreren Rippenbrüchen und schiveren inneren Verletzungen bewußtlos liegen. Ein Swadescher Rcttuugs- wagen brachte den Verunglückten nach dem Kreis-Krankenhailse zu Groß-Lichterfelde. Zeugen gesucht. Die Personen, welche am zweiten Pfingst- fcicrtag, abends 7Vs Uhr. auf dem Bahnhof Karlshorst gesehen haben, wie einem Passagier beim Zuschlagen einer Coupsthür in einem Wagen dritter Klasse ein Finger abgequetscht wurde, tverden gebeten, sich bei R. Wittiug, Berlin O., Friedrichsbergerstraße 23. vor» IV., zu melden. Namentlich wird die Dame, welche im Coups de» Eckplatz iime hatte, um Abgabe ihrer Adresse gebeten. Strasteniperrnng. Die Wrangelstraße von der Oppelner- bis zur Cnvrystratze einschließlich des KrcnzdanimeS der Falckenstcin- straße ivird lvegen Asphaltierung vom 9. d. Mts. ab bis ans weiteres für Fnhriverkc und Reiter gesperrt; der Kreuzdainm mit der Friedrich- straße ans der Nordseite der Straße Unter den Lindeuvom 9. bis 15 d. M.; ebenso die Rügenerstraße von der Brunnen- bis zur Swinemünder- straße ohne Kreuzdnninie wird behufs Unipflasterung vom 12. d. Mts. ab bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Der Bcamteu-WohnniigSvercin, Berlin, zählt zur Zeit schon über 5500 Mitglieder. Die Bilanz für 1901 schließt mit 1 418 209 M. ab. Der rege Anteil, den die Mitglieder an den Bestrcbimgcn des Vereins nebine», wird am besten durch den Besuch der Versamm- lungen illustriert. Die letzte Gcneralversammlniig war von etwa 2000 Personen besucht, die eine Verteilung von 4 Proz. als Dividende genehmigten. In Sache» der Erhaltung dcS Botanischen Gartens als Park ist ans Freitag, den 13. Juni, abends 8Vs Uhr, nach dem großen Saale des Königshofs, Biilowstr. 37, von dem in Betracht kommenden Ausschuß eine Volksversammlung einberufe» worden. Die Tagesordmuig lautet: 1. Rückblick ans die Thätigkeit des Ausschusses. Berichterstatter: Stadtverordneten-Vorsteher Gustav Müller- Schöneberg. 2. Stellungnahme der Bürgerschaft. Bericht- erstatter: Bezirksvorsteher Kollokowsky. Arbeiter- BildniigSschulc. Heute mittag i/zl Uhr: B e- sichtigung der National-Galerie. Treffpunkt pünktlich Vil Uhr an de» Kolonnaden an der Fricdrichsbrücke. Zahlreichen Besuch erwartet der Vorstand. Die Singer Co. hält ihre Ausstellung moderner Kunst- sticker e ien, Leipzigerstr. 92, noch bis zum 14. Juni geöffnet. Der„Verein Berliner Dienstherrschaften und Dienst- angestellten" hat vor kurzen, niit Frl. Dr. Maria Raschle eine» Vertrag abgeschlossen, nach de», seine Mitglieder bei dieser A e r z t i» jederzeit kostenlose Behandlung genießen. Damit ist keine Erhöhnng des Vercinsbeitrags verbunden, der nach ivie vor 25 Pf. pro Monat beträgt. Der Verein macht zugleich ans die ö f f e n t- lichc Versa niinlung des Vereins aufmerksam, die Dienstag, den 10. Juni. 3Vs Uhr, in den Arminhallen, Kommandantenstr. 20. stattfinden wird. Herr Edwin Vab spricht über:„Volkskrank« Herten und D, e n st b o t e n b e r u f." I» der„Neuen Welt", Hasenheide, findet heute nnd folgende Tage das Gastspiel des Heldcntenors Herrn H a n s Hoffmann vom Hofthcater zu Braunschweig statt. Unter ander», bringt er leine Glanzrolle„Der Postillon von Lonjumeau" de», Publikum zu Gehör._ AnS den Nachbtirorten Die Schmargendorfer Gemeindevertretung hat den Gemeinde- Vorsteher beauftragt, die Westliche Vorortbahn wegen Erstattung der Pflasterkosten in der Breitcnstraße, die über 950 M. betrageiii von denen die Gesellschaft aber nur 53 M. zahlen will, erforderlichenfalls zu verklagen. Die Beschlußfassung über unentgeltliche Hergabe von Räumen für ein vom Hauspflegerverein projektiertes Kinderheim wird nochmals zwecks Prüfung der finanziellen Sicherheit des Unter- nehmens ausgesetzt. Einem' dringenden Bedürfnis entsprach die Gcineiiidevertretung durch den Beschluß, das Schulbrausebad endlich zu eröffnen und Bäder auch an Erwachsene gegen Zahlung vo» 10 Pf. zu verabfolgen. Ilnbemittelte erhalte» Freikarten. Näheres wird noch später bekannt gegeben. Der neugewählte Vertreter der dritten Klasse Herr Jung ist eigentümlicherweise noch nicht ein- geführt. Steglitz. In der Sitzung der Gemeindevertretung' am Freitag ivurde zunächst ein Schreiben des Gemeindeverordneten Tapezierer Hugo S e y d e I, der sich bekanntlich wegen einer dunkeln Testamentsgeschichte in Uiitcrsuchungshaft befindet, verlese», tu Ivclchcm er beantragt, von seinem Amt als Ge >n e i n d e v e o r d n e t e r entbunden zn werden, da er. g e schäftlich verhindert" sei. seinen Pflichten Nflch/»»lom»teir Der Antrag lvlirde a n g e n o in in e n und beschlossen, die E r s a tz>v a h l im Oktober vorznmchnirn. ES ist ein Hans> besitzer lni 2. Bezirk der dritten Abteilnilg zit wähle» Den Schlich bildete eine Debatte, die für die Engherzigkeit nnsrer Koniinnnalfreisiiinigen recht bezeichnend ist. Nach der' Geschäfts ordming hat jeder Gcineindeverordnete das Recht, den Sitznnaen der Verlvaltlingskomniiisionen als Zuhörer beiznlvohnen•, zn diesem Zivcck ist Termin und Tagcsordnnng der KomntisfionSsitzungen im Nathans öffentlich angeschlagen. Um den ivibbcgierigc» Gcnicinde- Vätern den nmsländlichen Gang nach dem Nathans zu sparen, hatte der Mictervcrtreter Weinhansen beantragt, daß die hcktographierten Ein ladnngc» in Zukimst an alle Mitglieder versendet' iverden solle» Diese weltbewegende Frage, die andernorts durch die Anordnung eines Blircanbennitcn erledigt Ivorden iväre, entfesselte im Steglitzer Dorsparlainent eine stundenlange Debatte, in welcher wiederum, wie bei der Wohnungsstatistik, der Mietervercinler Böttcher dem Mietervertretcr Weinhausen in den Rücken fiel, indem er behauptete, durch dessen Antrag iverde der.intime vertrauliche Charakter" der KommissioitSfitzungeii gefährdet. Vom Vorstandstisch aus wurde behauptet, es bestehe die Gefahr, dag die internsten Gemeinde- und Pcrsonalangelegenhciten in die Oeffentlichkeit kämen. Die Furcht vor der Oeffeutiichkeit that denn auch ihre Wirkung, der Antrag wurde gegen die Stimme» der Linken abgelehnt. Pankow. Uns wird mitgeteilt, dafi die in der vorgestrige» Nummer gemeldete Nachricht von der Sperrung der Brücke im Schloßpark S ch ö» h o I z auf einem Irrtum beruht. Es handelt sich»im eine in den Anlagen des Schloßparkes Niede r-Schönhan s e n befindliche Brücke, welche seit der Unwetterkatastrophe im April gesperrt ist. Wenn auch der jetzige Zustand kein erfreulicher ist, so kann doch von einem Unttveg über den Borort Pankotv keine Rede sein, denn der Spaziergänger braucht mir einen andern Weg innerhalb des Parkes einzuschlagen. Ans dem Spandancr Stadtparlamcnt. Gleich zum Beginn der Sitzung mußte die Versammlung zwei reichlich bemessene Reden über sich ergehen lassen; diese galten der Einführung des neu- gewählten Stadtrats Weber. Die Bestellung eines Gerichtsassessors als Vertreter für den er- krankten Oberbürgermeister Költze ivnrde abgelehnt, da eine solche Vertretung nach Ansicht der Versammlung für so kurze Zeit ziemlich wertlos ist. Der vorjährige Fiualabschluß crgiebt bei der Wassertverkskasse ein Defizit von 4862.72 M.. bei der XI a» a l i s a t i o u s k a s s e ein solches von 21 229,14 M. I Bei der Wahl einer Kommission für die Revision der Grundsteuer- Ordnung bethätigte die Mehrheit gegenüber der socialdcmokratischc» Minderheit wiederum jenes rücksichtslose Verhalten, indem sie keinen Socialdcmokraten in die Komniission wählte, Iveil ihr der von nnsrer Seite präsentierte Genosse Rieger noch immer nicht behagt. Dafür aber ließ man auch den hansagrarischc» Herrn Reinccke dnrchplumpsen. lim ihn aber bald darauf in die Bandepntation, ans welcher er — wie wir kürzlich bereits berichteten— zum zweitenmal bereits »vcgen Ausführung städtischer Arbeiten hat a u L i ch e i d e n m ü s s e n, mit allen gegen 9 Stimmen wiederzu wähle nl— Das Hauptinteresse der Versammlung richtete sich aber ans den Punkt: Kenntnis« nähme von>dem Ergebnis der infolge einer Beschwerde einiger socialde m okratischen Stadtverordneten- Mitglieder an den königl. RcgicnmgS- Präsidenten vcranlnßlcn Untersuchung. Stadtv. I c n n e referierte über den natürlich im ganzen ablehnend gehaltenen Bescheid und versäumte cS selbstredend auch nicht, einen verstccktcnHieb nach dem andern, an nnsre Genossen auszuteilen. Gleich als er geendet, suchte auch schon der Stadt- verordnetcu-Vorsteher— jede Diskussion unmöglich zu »nachen, indem er»die Hitze»md die vorgerückte Zeit" und den Um- stand vorschützte,„daß es sich bei dieser Vorlage doch nur um eine „Kenntnisnahme", nicht aber um eine Beschlußfassung handele. Hiernach kam es zu einem der alltäglichen Zusammenstöße zwischen Mehrheit und Minderheit. Stadtv. R i e g e r(Soc.) protestierte heftig gegen eine solche BergctvaltigmigSpvliiik der Mehrheit, tvelche die Wahrheit nicht hören olle und die ihr unbegneine Opposition auf alle mögliche Art mundtot mache. Als unser Genosse den Bescheid deS RegiernngS- Präsidenten mit einem bekannten drastischen AnSdnick bezeichnete. rief ihn der Vorsteher zur Ordnung, um, wie er selbst sagte,.sich nicht nachher Vorwürfe machen lassen zu müssen". Auf Antrag des Herrn Jentie wurde dieser Ordnungsruf dann noch proto- l o l l i e r t. Vermifchkes, lieber ein neues Goldlaud mit fabelhaften Schätzen und über die Gefahren, es zn erreichen, wird ans New Dork folgendes be- richtet: 6090 Goldsucher befinden sich gegenwärtig auf dem gefahr- vollen Wege über dreißig Fuß tiefe Schneentassen nach dem nenen Goldlande am Thunder Mountain Idaho, das an Goldreichtuni Klondike in Schatten stellen soll. Die Fahrt dahin ist anberordent- lich mühselig und mit großen Gefahren verknüpft. Die Gold- sncher dürfen mir nachts wandern, bei Tage schmilzt näm- lich die obere Schneedecke unter den Strahlen der Sonne und wird nach dem Eintritt der Nacht wieder fest. Es sind bereits Fälle vorgekommen, in welchen die Schneedecke unter dem Tritte der Goldsucher eingebrochen und diese in die Schneenlasse ein- gesiinken sind auf Nimmerwiedersehen. Zurückgekehrte Goldsucher machen die erstaunlichsten Angaben über den unernteßlichen Reichtum der neuen Goldlager. Die Goldgegend umfaßt 40 Geviert« meilen. Der dortige Goldquarz hat einen Wert von 2000 bis zn 200 000 Mark die Tonne. und mehrfach ist schon Gold in Klumpen gefunden»vorden. Manche vom Glück begünstigte Goldsucher haben bei dein allergcwöhnlichsten Ver- fahren der Goldgewinnung in einem einzigen Tage 800 bis 2800 M. veidicnt. Die geringsten Anstrengniigen bringen reichen Lohn. DaS Erz wird in Thunder Mountain ansgcschmolzc». Der Andrang nach dem neuen Eldorado bat erst begonnen. Längs der alten Pfade, die nach dem Thunder Mountain führen, und die vor 100 Jahren von den Trappern der Hudson Bai benutzt wurden, wachsen kleine Ortschaften wie Pilze ans der Erde. Bis Mitte Juni, bevor der Schnee geschmolzen sein wird, erwartet man niindestens 20 000 Goldsucher.' Zur Zeit herrscht in der Goldgegend empfind- licher Mangel an Lebensmittel», und die neuen Anköiitmliiige »ndc» das Leben in der Thunder Monntain-Gegend sehr kostspielig. Weizenmehl kostet 160 M. der Sack, Maismehl 80 M., Speck 20 M. das Pfund, kleine Büchsen Backpulver 8 M. das Stück, Bohnen 20 M. das Pfund, Kartoffeln 4 M. das Pfund. Vom Mout Pett« auf Martinique meldet ein Neiv Dinker Telegramm, daß gestern ein neuer Ausbruch erfolgte. Eine dichte Wolke lagerte über dem Berge und dehnte sich bis über Fort de France hinaus atiS. Steine wurden nicht ausgeworfen. Die beiden Arbeiter, welche am Mittlvoch in Feldkirchen bei München infolge Einsturzes eines Brunnenschachtes ver- schüttet wurden, sind in der vergangenen Nacht durch Pioniere als Leichen geborgen worden. Aus WaldikawkaS. 6. Jutti, wird berichtet: Im Engpaß von Uruch wurde durch einen Erdrutsch der Aul Kambnlata völlig zerstört. Die Bewohner flüchteten sich rechtzeitig in ein benachbartes Dorf. An den Bergabhängen haben sich große Spalten gebildet, etwa 420 Desjätincn Äckerland und Wiesen sind unbrauch- bar geworden._ Briefkasten der Redaktion. Die Iiiilslllche Sprcchlinnde findet iäglich mit AiiSnahnie des Sonnabends von 7l/, dis 9'/- tthr abends Natt. O. E. 18. Vielleicht in der Bibliothek Alexandrinenstr. 26, sonst in der königl. Bibliothek(Eingang ani Aiigusta-Denkuial), wo sie auf vorherige Anmeldung die Sachen im Lesezimmer nachschlagen töunen. Vorhanden auch ui der ReichsiagS-Bibliothek; Vermitteluiig eines Reichstags-Abgeord- neten nötig. Wahrscheinlich auch Stadt-Bibliolhek. Für ganz Teutschland. V. tu S. Wenn in Ihrem Falle der Schneidermeister den Stoff gc- liefert hat, so steht auch ihm die Verfügung Über die Hose zu.— K. H. Der Wirt ist schadensersatzpflichtig. Selbst wenn im Vertrage steht, bauliche Aenderiingeir ziehen keine Schadensersatzpflicht nach sich, ändert das au der Tchadcnsersatzpflicht nichts. Sollte etwa im Bertrage stehen, daß auch die Entziehung des Gases eine Schadensersatzpflicht nicht begründen soll, dann wäre allerdings durch diese Vereinbarung der Anspruch des Mieters be- feitigt.— Zl. K. IOZ. Wenden Sie sich direkt an den Magistrat.— Braun. 1—i: Nach ständiger Rechtsprechung des ReichS-Verflchcrungsamts ja. — 9)1. B, Feiinstr. S. Ja.— B. H. Z8. 1. Die Ausnahme eines Knaben in einem Kinderhort, Kindergarten n. dgl. ist keine dem Vater gewährte Unterstützung ans öffentlichen Mitteln. Der Vater behält also sein Wabirecht. 2. Em ähnliches Institut ist uns nicht bekannt.— C.®. 10. Die Väter beider Knaben, deren Schlägerei das Zerbrechen des Schauieiisters herbeigesührt hat, sind dem Geschädigten in voller Höhe ersatzpflichtig, wenngleich sie gegeneinander aus Ersatz der Halste Nage» können. Wetter- Prognose fiir Sonntag, den 8. Juni 1902. Ziemlich kühl, vorwiegend trübe mit Regensällen und mäßigen bi! frischen westlichen Winden. Berliner Wetterdurean. Berliner Theater. Alle Tage: Alt- Heidelberg. Nur Sonnabend: lieber unsre Kraft l.- Residcnz Thenter. Alle Abende: Ei»- quartiernng.- Neues Theater. Alle Abende: Die Grobstadtliist.- Thalia-Theater. Sonntag: Der Protzenbauer von Tegernsee. Montag: Der Menieidbauer. Von Dienstag biS Sonntag: Jägerblut.- Central- Theater. Alle Abende: Cvralie u. Co.— Npollo-Theatcr. Alle Abende: Lhsistrata.— Wintergarten. Alle Abend«: Spcciatitäten.__ Soejilläemokialiselier Walilvcrein für den 6. Herl, Reiclistags-Walilkreis. (Sclitfiihancier Voi-stndt.) Todcs-Anzcljtze. Den Genossen zur Nachricht, daß das Mitglied, der Zimmerer Heinrich Walter Stnrgarderstr. 13 rnu Freitag, den 6. d. MtS., verstorben ist. Ehre seinem Andenken. Die Beerdigung flndet am Montag, nachiniitags 4 Uhr, von der Leichen- halle derGelhseiiiane-Bcmeinde, Nieder- SchSnhausen, ans statt. Um rege Beteiligung ersucht Her Vorslnnd. Cenlral-Yerband kt ZiiWem DenWMö. Zahlstelle Berlin. Den ivlilgsiedern zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Zinniierer Keinnch Malter am Freitag, den v. d. M., gestorben ist, Chre seinem Sliidenteu! Die Beerdigung sindet am Montag, de» v. d. M.,»achmittags 4 Uhr, von der Leicheuhallr des Gethscmauc- Kirchhofes tu Niederschöiihausei» statt. Um zahlreiche Belciligiuig ersucht 224/13 Der Borstand. Lheialdemokrallzdiei' Wnlilverein fiir den 6. BerJ Heidista�s-Walilkreis. Den Parteigenosse» zur Nachricht, daß imfer Mitglied, der Böttcher Hcrnittn» liulefst, Lortzingstraße 2, am 5. b. Mts. verstorben ist. Ehre seinem Zlndenke». Die Beerdigung findet heute, Soniitngnnchniittag, 3 Uhr, vom Traiielhanse nach dem Kirchhof der Friedensgemeiiide, NIedcrschönhaiise», statt. Um zahlrelchc Beteiligung ersucht 219/14 Der Borstand. ötiltralokrein heatslhkr Böttcher. (Filiale Berlin.) Todrs- Nttzeigv- Am 5. d. M., abends 8 Uhr, ver- schied plötzlich uiistt Kollege 39/3 Ctiittlll-Aiklkell- h. Stttbc- kajst her Ziminerer Vertllcli« Vorwaltiuig Berlin VI. Todes-Anzeige. Am 6. d. M. verstarb unser Mit- hlted, der Zimmerer 229/8 Ueiiirlcli Walter. Ehre seinem Andenlen I Die Beerdigung findet am Montag, den 9. d. M, nachm. 4 Uhr, von der Leichenhalle deS Gethsemane-Kirch- hoses a»S statt. Um rege Betetligimg bittet Der Borstand. Todes-Slnzeifle. Allen Freunden und Bekannten zur Nachricht, daß meine liebe Frau lMartiin UrecliMlcr nach langem schweren Leiden nm 6, Juni verstorben ist. Die Beerdi- giing findet am 9. Juni, nachmittags B Uqr, von der Halle des Rixdorfer Friidhoseö(Rudowerstraße) aus statt. Um stilles Beileid bitten 12öb Die Hinterbliebenen. I, A.: Karl Drechsler. Klempner a» Herzlähmimg im 48. Lebensjahre. Die Beerdigung findet Sonntag, den 8. d. M.. nachm. 3 Uhr, vom Traiierhause. Lortzingstr. 2, ans nach dem Kirchhof der Friedensgemeiiide statt. Die Ortsvcrwaltniig. bei Ctntral-Klllilktn- n. Sterbe- „'t berTlscliIerjf. Örtsvcrwaltiing Berlin A. Montag, den 9. Juni 1902, abends 8Vj Uhr, .. Wollschläger, Adalbertstraße 21: Millllikder-Vtrsamülliing. Tagesordnung: 1. Kassenbericht vom 1. Quattal 1902. 2. Festsetzung der Gehälter. 3. Neuwahl der OrtSverwalwng und BeitragSsanmiler. 4. Verschiedene Kassenangelegenhetten. Mitgliedsbuch legitimiert. Um zahlreiches und pünktliches Er- scheinen ersucht I8l/S Die Ortsverwaltniig. b'eiitlal-Kllliiktil- ii. Sterbe� [f der Tischler zc. andrer gewerblicher Zlrbeiter. Berwaltniig Berlin F. Montag, den 9. Jnnt, abends 8 Uhr, bei F. VI ein ort, Schnlstr. 29: MMer-Nchmilliilg. Tages-Ordnung: 1. Wahl der Orts-Vcrwaltiing und BeitragSsamuiler. I83/S 2. Innere Sassen- Angelegenheiten. 3. Verschiedenes. Sprechsnnid« findet an diesem Abend nicht statt. Mitgliedsbuch legitimiert. Gegen Wanzen Verlwnd der Kdrschner. Montag, den 9. Juni, abends 8c/, Uhr, im Lokale Feind, Weinstr. Ii: Berfammlnng. Tagesordnung; 1. Wie stellen sich die Kollegen und Kolleginnen zu den Beschlüssen deS zweiten internationalen Kürschner- Kongresses in Hamburg? 2. Rege- lung nnsrer Zeitung. 3. Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen ersucht 102/8 Der Vorntand. hilft unfehlbar Ehemiker Stinder- banfM Wanzcn-BernichtinigS-Ssseiiz „Furedol"(ges. gesch.), Erfolg gawnt. Ausrottung mit der ganzen Brut; verhindert insolge ihren starken deS- inficicrendcn Kraft jeder Wiederkehr, durchdringt Tapete»». Stoffe, hinter- läßt nirgends Flecke, ist von a»ge- nehme»! Geruch und nicht seuergesähr- lich. Fl. a 0,20, l.OO, 1,50, 3,00 und 5,00 M., Zerstäuber 0,25, 0,50, 0,75, 1,00, tiiir allein bei Faul SUnderliauf u. Co., Berlin üt,(»roffc Frank- f»rterstraffe8i>. Ebenda die stchersteii Mittel gegen Motten. Schwabe». Flöhe. Slincisen a 0.20-1,00 M. Glänzende Anerkemnmgen, hier frei Ha»S, nach auswärts p. Post. __ Um unjre echten Mittel zu erhalten, hüte mau stch vor markt- schreierischen Anpreisungen und achte genau ans uiisre Firma und Haus- iinminer. Von der Reise zurück. 'vr. meii. Latingrö, 110b Rene Roßstr. 1. 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Ausaug 7Vz Nhr. Montag; Jugend von heute. SleneS Oper»- Theater<5IrolI>. Gastspiel der königlicheu Hofoper aus Stuttgart. Der polnische Ande.— Die Hand. Anfang TVa Uhr. Montag: Die kleinen Michus Im Liederspielhaus: Offenbach- Ctiklns. Die Zaubergeige.— Paiuipol und Permette.— Apotheker und Friseur. Anfang 8 Nhr. Schiller. Der Probekandidat. An- fang 8 Uhr. Nachmiltags Z Uhr: Zwei Wappen. Montag: Unter blonden Bestien.— Der Thor und der Tod.— Paracelsus.—?ozt t'osturo. Deutsches. Es lebe das Leben. Anfang 7>/, Uhr. Nachmittags 2'/, Uhr: Die Weber. Montag: Roscnmontag. Berliner. Alt-Heidelberg. Anfang 7V, Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Bieste». Die Fledermaus. Anfang 7'/. Uhr. Nachmittags ,u halben Preisen: Der FreischiitJ. Montag: Fra Diavolo. Neues. Die Grobfiadtluft. Anfang ?'/, Uhr. Montag: Dieselbe VorfleNmtg. Ncsidriiz. Einquartierung. Anfang 7V, Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Central. Coralte n. Cie. Anfang 8 Uhr. Nachmittags 3 Uhr und Montag: Dieselbe Vorstellung. Thalia. Gastspiel der Echllerseer Der Protzeubauer von Tegemsee. Allfang 8 Uhr. Montag: Der Meineibbauer. Brl>r,»Illiailce. Die Dame ans Trouville. Hierauf bei um Viliiftiger Witterung: Er. An- fang 7»/. Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Carl Weiss. Die Viper. Anfang 8 Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellimg. Friedrich Wilhellilstiidtischc». Der lustige Ehemanu. Anfang 7V, Mr. Nachmittags 3 Uhr zu halben Preisen: Lumpacivagabundns oder: DaS liederliche Kleeblatt. Montag: Der lustige Ehemann. C. v. Wolzogrus Buntes Theater (Ueberbrcttl). Anfang 8 Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Schall und Ranch. SerenisstmuS- t wischenspiele. DerFall Moncel.— chbne Seelen.-- Kollegen. An- fang 8V, Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Lrpheu». Specialitäten-Vorstellnng. Anfang 8 Nhr. Charidari. Täglich Vorstellung. Anfang 7V,Uhr. Mrtropol.(Morwitz-Oper.) Der Poftillon von Lonjumeau. An- fang 3 Uhr. Montag: Der Barbier von Sevilla »lpollo. Lyfistrata. Specialitäten- Vorstellung. Aniang 7'/, Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. RrichShallen. Steltiuer Sänger. Ansaug 7 Uhr. Passage- Theater. Specialitäten Vorstellung. Ansang nachmittags 3 Uhr. Passage< Panoptttnm. Speciali- täteu-Borpeliung. Urania. Taubenstr. iH/VJ.(Im Thealersaal.) Abend» 8 Uhr: Die deutsche Ostseeltiste. Montag: Dieselbe Vorstellung. Jupaltdenstrafse 57/(12. Täglich: Sternwarte._ Schill ttMuttt (Wallner-Thcater). Sonntagnachmittag 3 Uhr: Zwei Wappen. Schwank in 4 Alten v. O. Blumenihal und G. Kadelburg. Sonntagabend 8 Uhr: !>«»' I'i'otdelrnnilNIat. Schauspiel In 4 Aufzllgcn von Max Dreyer. Montagabend 8 Uhr: lintvi' Irloacken Bestien. t»cr Thor nntl der Tod.— Paracelon«.— Post fcstuiu. Dienstagabend 8 Uhr: DI« zlott«aI>arx«r. �1!'!>V(;!88-IIieilt6r. Grofie Fraukfnrterstr. IZK. Täglich: Vtv Kriminalschauspiel in? Bilder». Ansang 8 Uhr. ««arte»! Ködert. Theater und Specialitäteu-Borst. 4 Uhr. W. Noacks Theater. Brunnenstraht 18- »«glich im Garten- Koiljtrt, Theater- u. Spttia- Unanla. 'raudsu-StrssAS 43/4V. Ira Idsater uru S Ilttr: � llie lletitseltö llstsekItiiLtk. Passege-ranopticom. Der weibliche Affenmenscli. Die tSecjnnjjfcr. Der Tigerknabe. Damen-Ringkampf! Passage-Theater. Anfang Sonntags 3 Uhr, 1 Wochentags 5, Ende 11 Uhr. j Willy Prager j 16 Elite-Nummern. Onkel Don Juan. Pofse mit Gesang«.Tanz p.EsBraune. M\\m Apsnum llnter den Dindeu(i8a. Eingang Schadowstr. 14. Heute Sonntag Eintrittspreis: IHT 50 Pf. �31 Keichhaltigste Ausstellung der Welt an lebenden Seetieren, ■Reptilien etc. SoiMltftg Sik Pf' Entree;? Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Ab 4 Uhr nachmittags: Grosses Mililär-Konzert 3 Bnalhcorps. CASTANS Panoptikum Frledrlcli-Slrasse 165. Photographisohe Aufnahme von der Insel Martinique und von den Schlachtfeldern Tram sra als. Im Konzertsaal: Schwedische Künstlerkapelle 4 Damen, 2 Henen. lpollo- Theater und Konzert- Clarten. _ Um T'/a Uhr: 5W" Sensationell sind die nenen Spcclalitfiten! Um 8V, Uhr: Kolossaler Dacherfolg! Die Ausstnttungs-Oporette von Paul Llnoke Lysistratn mit dem Luftballett„Grigolatis!1 Im 2. Akt: Amors Fing durch den Zuschauerraum. Um gy, Uhr: Parten Konzert. FrObcls Allerlei Theater ZW?- früher l'nlilniann Schönhauser-Allee No. 148. Durchweg glanzvoll evncuert! Täglich: Gr. Carton-Konzert, Theater, Specialitäten-Vorstellung. Koiiimeu! Sehen l Staunen i Allabendlidi stürmischer Beifall de? rrstllassigen Rtese»- Programms! Ken I Der Dinniantriiranb.. Fm Prachtsaal:/, Uhr, zum 148. Male: Coralie& Cie. Schwank in 3 Akt. v. Albin Valabreque und Maurice Henneauin. Morgen u. folgende Tage: Coraiie & Cie. Belle-Älllanee-Tlieater. 5 Uhr: Doppel-Konzert. Ital. Siinger Colucci. 8 Uhr: Auf der Sommcrbtihiie: Die Dante ans Trottville bei ungünst. Witternug t. Theater, dann zum Schlug„Er". Morgen; Dieselbe Vorstellung. LelinN unä Kaueli (Hlelnss Theater) Unter den Linden 44, Sonntag, 8. Juni, Anfang 8'/, Uhr: Serenissimns-Zwisciiensjtiele Gastspiel von Emannel Reicher. Der Fall Moncel. Kollegen. SchSne Seelen. ÜGtropol-Tlifiattir Anfaiig 8 Uhr. IHorwltr-Oper. Heinrich Botel. Der Postillon von Lonjumeau. Montag: Irene Abendroth, königl. sächs. Hofopernsängerin: Der Barbier von(Sevilla. Dienstag: Vorletztes Gastspiel Heinrich KOtel: Aiessandro 8tradella. BMF- Kühl ventiliertes Haus. Wintergarten. Das am Juai-Propiaia Besser und interessanter wie Je! Am Kiinigsthor 42021'* Am Fricdrlchshaln SQT Täglich:-TjBQ Ronjert, Theater, Zpeciali- tatett-BaMtliiß tutli Ball. BolkSbeliifligiing. Freier Damciitanz. Um~'--- 10 Uhr r , Siijfiintt im t'iiJt. Max Kliems Sommer- Theater. Hasenheide 18-15. Artistische!- Leiter; Gust. Bock.| Täglich: Gr. Konzert, Theater- u. Specialitäten-VGrstGllungj Jeden 1. und 15. d. Monats: Wechselndes Programm! [Donnerstag: I-liite-Tag. Vrilter-Tiikatel ilastaiiien- Zlllec 7—9. SfW Täglich:-»Q Sürth fremde Schuld. Vollsstllck mit Oiesang i» 3 Akten. Saltettges. Gatrinl. Tyrollenne Marx F»>s. GwtoSqne-Ko«. Paul Coradinl. Brothers Fred, innsil. 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Juni, sowie täglich; Orosses Bothe-Konzert. AnsserordeHtliche SpecialHäten- Vorstellung. Gastspiel des Heldeutenoristen Herrn Hans Hoffmann vom Hoftheater zu Brannscbwetg. (Unter anderm in seiner Glanzrolle als Postillon von Lonjumeau), Phänomenale, bisher unerreichte Leistung auf dem Gebiete des Gesanges. Auftreten des Blonncy-Trlos als Turmsellkünstler. Im Bai champttre-Saal: Grosser Ball. KafTekttche. 8 Kegelbahnen. Anfang des Konzerts 4 Uhr, der Vorstellung 5 Uhr. Eintritt ,26 Pf. Billets a 20 Pf. im Vorverkauf sind bei den Herren 2 a p p e 1, Naunynstr. 71, Lehmann, Jahnstr. 8, und Kessler, Mariannenstr. 37, zu haben. Morgen, Montag, den S. Juni;Benefiz für das Luftschiffer- paar Rosa Calverinl und Kapitän Behrends. Detztcr Ballon-Aufstieg. Botho Konzert. SpeclaUlälen-Vorstellung und Gastspiel des Heldentenorlaten Hans lloffmann vom Hoflheater zu Braunschwelg. Max Kliems Festsäle Hasenheide 13—15. In allen Sälen: ZvUlllSgS gmser Ball. Montags«nd Donnerstags: FanslHen» KrSnMChvn. 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Jeden Mittwoch:«rosies Kindcr-Fre»dcu-Fest AM- mit| Wratis-Präsent-Verlosling und groben Uebcrraschnngen.' Jeden Montag und Donnerstag: Ellte-Tag. Tel.-Amt 7 a 6401.] Aegldlns Diez.| Wo amüsiert man sieh grossartiff? In Schnegelsbergs Festsälen Jnhtiber: Max KviiiiRÄtSK Hasenhelde 21 und Jnlinwtrasse 8. Heute: M?" Grolzev VAll verbunden mit Uigarre»-. Boiibon-Rcgcn und diversen s Ueberraschungen. Eutrec: Ulittuoclis frei, 8on»tags 15 Pf. Täglich: SJpeciaiitätea-Vorsteilnng. Eiitvce frei.| 37508« Max Schindler. Seeterrasse Lichtenberg. ItUder-Slr.«. Jnh.: C. Maschke».«. Walter. Heute Sonntag. 8..I»nl: Gr. lomri und Specialiläten-Yorstellung. Turmseilläufer. Gr. Feiierwerk. In btideil Eiiltil«all. Anfang 4 Uhr. Entree 1b Pf. Mittmoih 11. Juin: I. 61*08888 Kinderfreuden Fest. 'Verlosung. Bonbonregen. Kindertanz. Ansmig 4 Uhr. Eutree tO Pk. » Birkenwäldchen. SÄ Inhaber E. Fclsch, Gröbtes und schönstes VergiiügungS-Etabliffement von Berlin und Umgegend, 20 000 Personen saffend. 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Diskussion. 240/14 Gäste willkommen. Für Frauen ist die Galerie und Seitenraum refervicrt Um zahlreiches Erscheinen ersucht Her Vorstsnii. SocialdmokraMer Wahlverein für den L Derl. �eichstags-Wilhikreis(Sflfn). Dienstag, den 10. Juni er., abends 8 Uhr Drrlknninlung »Königsbanr«, Gr. Fraiikfurterstrasze 147. Tagesordnung: 1. Vortrag des Reichstags- Abgeordneten Dck. Hern.tein über. Die sociale Bedeutung des Wahlrechts und daS preußische LandtagS-Wahl- system. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 243/14 Um. zahlreichen Besuch ersucht_ Der Torstand. Ächtung! Ächtung! Kolks Uersammlnug am Dicnötag, den 10. Juni, abendS 8Vz Uhr, im, K ö s l i nerhof", Köslinerftraße 8. � Was wolleu die Zrauet! von der KMei? Referent: Reichstags Mbgeordueter �.rtiinr S»t«dtllas:«n. 2. Diskussion. Une zahlreichen Besuch bittet 1/si_ l>le Yertrancnsperwon. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Bezirks-Bersttlnmlnngen Montag, den i>. Jnni, abends 8 Uhr: Roseuthaler und Schönhauser Dorstadt: bei VTerna», Schtvedterstr. 23/21. Tages-Ordnung: Vortrag des Genossen Rackwitz über Savonarola und seine Zeit. Diskusston. Wahl eines BeitragsaniuilcrS und eines Schriftführers. Bcr- schiedenes. Die Kollegen werden ersucht, zahlreich zu erscheinen. Sude» uiiii Ziidolle»: Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Kollegen Franz K u n i s ch- Düsseldorf über:„Organi- satio» bedeutet Freiheit". 2. Diskussion. 3. Verbandsangelegenheiten. £«#" NichtMitglieder und Frauen haben freien Zutritt."WF Eö wird jedem elnzelnen Kollegen ans Herz gelegt, in der Versamm- lung pünktlich zu erscheinen. Wteyderg-Iriedrichsberg: �'"Ss im Lokale bo» Lutterbüse, Friedrich Karlstr. 11: UtttiittlkilsmÄiürr-Mrsgiiinlliliig. T a g c S-Ordnung: 1. Bericht der Kouimissio». 2. Berbandsangelegenheite» und Ver schiedenes. Dienstag, den 10. Jnni IN02, abends 8'/. Uhr, Braucheu-Versaittullttug der ulniii- ii. CeUuIolltezetaell-jli'IieUei' im GewerkschaftShniife,«»gel Ufer Nr. IS. Tages-Ordnung: I.Bericht vom VerbandStage. Referent: Kolleg« BSSke. 2. Dis- knssio». 3. Die Sperre bei Streich und Verschiedenes. UM- Kollegen! Wir erwarten von Euch, daß die Versamnilung recht zahlreich besucht wird, da sie sehr wichtig ist. _ I>le Konmiission. Soemldemokratischer Wahlverein für den 6. Berliner Reichstags-Wahlkreis. (Schönhauser Vorstadt.) Am Sonntag, den 8. Juni, vormittags 10 Uhr, im„Berliner Prciter", Kastanien-Allce 7— S: Außerordentliche General-Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Die Organisationsfrage im L. Kreise. Referent Reichstags-Abgeordneter A. Bebel. 2. Diskussion, eventuell Beschlußfassung über die für unsere Vorstadt sich hieraus ergebenden Maßnahmen. 3. Ver- schiedenes. 248/4 UM- Die Versammlung wird pünktlich eröffnet. Mitgliedsbuch legitimiert.— Zahlreiche Beteiligung wünscht Her Torstand. I A.: Carl dlars._ G. Wahlkreis. Mil! Mittwoch, den 11, Juni, abends S1/« Uhr, im„Moabiter Gesellschaftshans" (Peters), Alt-Moabit 80/81: Ovo ße Kolks Uersammlnug. i. Tages-Ordnung: Vortrag des ReichstagS-Abgeordneten G. Ledcbour über:„Hie prenssisebe Polenpolitlk and ihre SchHden für das deutsche Volk", 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Um recht rege Beteiligung ersucht 219/15 Her Tertraticnsmann. Möbelfabrik Stern E. Gen. m. 6. H. B 1 1 a n es per 31. Dezember 1901. Aktiva. M. Kassenbestand..,.. 1211,41 Warenbestände..... 22 359,— Jnventar-Conto.... 5124,18 Bank-Conto..... 3 497,35 Debitoren-Conto.... 19 843,05 52 338,49 Passiva. Mitglied.-Guthaben-Couto 750,— Darlehns-Conto.... 23 494,80 Reserve-Fonds..... 395,— Spccial-ReserveFonds. 782,30 Züisen-Conto..... 1 409,54 Unkosten-Conto.... 142,39 Lohtt-Coilto...... 12 148,38 Creditoren-Conto... 10 654,-IG Reingewinn..... 2 551,62 52 338,49 Die Mitgliederzahl betrug am■ 31. Dezember 1900... 28 Davon sind ausgeschieden. �_ 3 Mitgliederzahl am 31. 12. 1901 25 Das Milglieder-Gnlhaben beträgt 25X30— 750 M., die Mitglied ei- Haftsumme beträgt 25X30— 750 M. Berlin, 7. Juni 1902. 128b Der Vorstand. Kallsch. Kretzschmar. Verein Für Frauen ond Idclien der Arbeiterklasse. Montag, de» 9. Jnni, abends 81/, Uhr. in de» Zlrminhallen, Kolumandatttenstr. 29: Vortrag liea lierrn vk'. I�eo über: Die Eescliäfiigung mit den Nadirwlssenscliaften. Gäste willkommen. 55/11 Her Torstand. Sclidiielberos herein fiic greiicn n. Müdcht» Zlhönebttzs 11. llingegk»!». Am Slittwoch, den 11. Jnni, abds. 8V, Thr, „y Versammluiig: Im prassen Saale von£. Obst, Beliilngcrstrussa 8. TageS-Ordnung: 1. Vortrag über: Ernährung de? SängliiigS. Ref.: Dr Boeder. 2. Diskussion. 3. Verschiedene VereinSangelegenheiten. 202/17 Her Torstand. Dienstag, den 10. Jnni, abends SVi Uhr: Große Ditiißboitu Vttsauttnliing in de»„Slrmiiihallcn", Kominandaiitenstr. 29. Herr Edirin Hab spricht über: MeMotenkltnd und Uoikggtslllldheit Danach freie Aussprache. Gäste willkommen. Hausangestellte aller Branchen, kommt in Scharen; es gilt Euer eignes Jntcreffe zu wahren. Tretet dem Verein bei! Meldungen an die Geschäftsstelle: Schöneberg, Hohensricdbcrgstr. 11, I l. Tie Eiubernferi»: Frau N.»arquarät. Deutsch Jetallarbeiter-l/erbaDd TcrwnltanjpssteUe Berlin. B«re an: Engel-ilfer ll», Zimmer 1-k. Fernsprecher: Vnit VII, ZSS Dienstag, den 10. Jnni er., abends 8'- Uhr SHli'Imi'swluiig Für Riimnielsbürg _ im Lokale von IMT" 91(11 ler, Türrsebmidt-Strasse 37.-Mg: Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Kollegen Müller. 2. Diskussion. 3. Verbands angelegenheiten._ 116/3 Montag, de» S. Juni er., abends 8 Uhr ö'epsoiHmlHiizx der Kiittler, iiriiiiier, Diflift, sowie aller in der Itlenifjtnngoliraiidft brfiiiäftiöt. Ardelter und Arbeiterinnen bei Kran mann, Nannhilstraste 27. Tages-Ordnung: 1.„Vortrag deS Genossen Waldeck Manafse über:„Der Weg der Völker vom Glauben zum Denken." 2. Diskussion. 3. Verbands- angelegenheiten. Kollegen! Agitiert sür regen Besuch. Die Versammlung wird pünktlich eröffnet.___« Montag, den S. Juni er., abends 8 Uhr Metalllubciter- Bersammlnng für1 Chanloftenburg Im„Tolkshaas", Kosinen-Strasse 3. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Kollegen Pnwluwttsch über:„Die zufriedenen Unter- Nehmer und die begehrlichen Arbeiter. 2. Dislussion. 3. Verschiedenes. Zahlreichen Besuch erwartet Hie Ortsver�vaitanjr. 1 Marmorarbeiler. �tnnni Dienstag, den 10. Juni er., abends 8 Uhr: Oeffentliche Versammlung im Lokal Englischer Garten, Alexanderstr. 27 e. Tages-Ordnung: 1. Die Mißstände in den Werkstellen. 2. Ersatzwahl sür den verstorbenen Nollegen Gerstenberger in die Schiedskommisston. 2. Gewerkschaftliches. Unr zahlreiches Erscheinen ersucht 172/15 Her Tertraaeusiuimn. WreMM iier iuiirci' te, Zahlstelle Berlin. 6 BezirksversammUnngen Sonntag, eu 8. Juiii. abends 9 Uhr bei Hokfinann, Pasewa Ikerstr. 3: Bevsantttllltttg mit Frauen für Weddiug Referentiii: Frau Ziesel,. Montag, 9. Juni, abends 8'/, Uhr: UnTnniinlmig für©taiiifiilmtöfr Vorstadt bei KUhlcr, Tieckürasie 21. TieuStag, den 10. Jnni, abend» 8l/i Uhr, bei Wcrnan, Schwedterstrafie Nr. 23/24: Vevfalumlttttft mit Fvaueu für Norden« Referent: Genosse �Vaideek lianasse. Mittwoch, de» 11. Juni er., abends A'/, Uhr: für Nloskit im Lokale Scbössler, Stromstr. 28, für Osten bei Stechert, Audreasstr. 21 Referent: Genosse ITlesenthal für Süd-Ost bei Kröger, Nanilynstraße 6 Referent: Genosse Lankow. Um regen Besuch dieser Bersaminlimgen ersucht 139/45»__________ Hie T erb an dslc itnng. ®ffrutli«!je lürfaiiiMiluiiß der Mitglieder der Orts-Krankenkaffe k. V o k f e n t» S n g am Dienstag, den 10. Juiii, abends 81/, Uhr. in HöflichS grostem Saal, Fraiiliurter Ehanssee 120. Tages-Ordnung: 1. Die viisserfuiiktioiisehuiig des GesaiiilvorftandeS durch die Auf- sichtsbehörde. 2. Rendant Kaiiffiiiann alS»Kommissar" der OrtSkass« Lichtenberg. Wabiluris TMaw-Deesbaw- Ztackaw-CIinrlatttiiblitj!. Dieiistag, den 10. d. M.» abends 8»/- Uhr: Leffeutl. Parteiversammlung im»Charlottriibnrger Bolkshaus". Charlottenburg, Rosinenstr. 3. T a g e s- O r d n u n-g: 1. Vortrag deS Rcichstags-Abgeordneten Prlt« Zabeil: Zeit- und Streitfragen ans dem Reichstage. 2. Dislusstoii. 3. Die Organisation der Wahlkreise für Berlin und die Vororte. 4. Wahl eines Kreis-VertranenS- mannes und eines Siellvertreters. 5. Verschiedenes. 250/10 Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Einberiifer: Wilhelm Eberhardt. Verband der an Valzbearbettnngs-Maschjntn beschäftigten Arbeiter Berlins u. lim* Montag, 9. Juni, abends 8V2 Uhr. im GewerkschaftShauS, Engel-Ufer 15: Mitglieder-Versammluiig. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Reschstags-Abgeordneten Genossen Emil Bosenow über:„Aus der Urzeit des Christentums". 2. Diskussion. 75/15 Um zahlreiches Erscheinen, auch der Frauen der Kollegen bittet Her Torstand. IS. Juli 1908, im Schweizer Garten (am Königsthor): Am Sonnabend, den Kfinnz Snmnier- und StiftunysFest, bestehend in TorstcHnng, Tans usw.—_ Eintritt 25 Pf.— Einlaßkarten sind in der W'' Beteiligung erwartet karten sind in der Versammlung und in den Zahlstelle» zu haben. Rege Her Torstaad. Berliner Konsum-Verein. Uittwoch, den 18. Jiiui, abends 9 Uhr, in den„Schultheis BierhaNrii"(Preusi), Zllexanderstr. 23: VHlMVNltKailASK'NtS-SttjgrRIAAs. Berliner Konsum-Verein. Abteilung I. Donnerstag, den 12. Juni, avends 81/, Uhr, im»Dresdener Garten", DreSdenerstr. 43: �.tKtviItKIKKx8-V«K'8NIIAIHAlKRlHK. Tages-Ordnung: 1. Vortrag:„Die Vollswirtschast im Altertum". 2. Diskussion. l. Stellungnahme zur Delegicrtenversammlung. 4. AbteiliingSangelegenheiten Um zahlreichen Besuch bittet Hie Ahteilnnssieitnng:. 222/15 Referent wird in der Versammlung bekannt gemacht er Einhernfer. Vereinigung der ilaler, Lackierer, Anstreicber. DienStag» 10. Jnni, abends 8'.'2 Uhr, im GewerkschaftShauS, Engcl-Ufer 15, Saal I: Mitglieder-Versammlittig, Tages-Ordnnng: I. Vortrag deS ReichstagS-Abgeordneten Bosenow. 2. Diskussion. Vereinsaiigelegenheiten. Um pünktliches Erscheinen ersucht 107/8 _ Hie Verband der Tapezierer« Filiale Berlin. Bontax, den 9. Jnni, abends SVi Uhr, bei Feuerstein, Alte Jakobstrnsse 75: Mitglieder-Versammlung. TageS-Ordnung: Vortrag deö Herrn vr. Woiihein, über: Das Erdinnere und die vulkaiitschen Slusbrnche. 2. Diskussion. 3. Aussprache über den Arbeitsnachwets. 4. Verbandsangelegenheiten. Um zahlreiches Erscheinen der Mitglieder wird gebeten. Gäste will- kommen. 177/20 Die BerbandSlettung. Beriiner Konsum-Verein. ( V S K' 8 id ZI» NA I n Vi. Tages-Ordnung: 1. Besprechung betreffs Ziilassniig von Lieferanten-Geschästen. 2. Ab- teilungS-Angelegenheiteu. 106 14 AM- Da der erste Piinit der TggeS-Ordnun« von einschneidender Bedeutung ist, so ist zahlreiches Erscheinen der Mitglieder dringend geboten. _ Hie AbtclIni'Ssleltung. Restaurant„Neuer Krug" an der Obersprce zwischen Müggcl- und Tärneritisee. Bahiijiatioii Neu Siahnsdorf. in 10 Minuten z r erreichen, empsiehlt sein Lokal für grvstere Vereine u.id GeseUsrhafte» l'iö 3009 Personen. Telephon-Amt Erkner 51. 10I4L" _ Hochachtungsvoll Frlt* l>otnning, Gastwirt. _ i Köpenick, Schweizörgarten. e» Lindenstr. f.— 15 Min. vorn Bahnhof Sndowa oder Köpenick. »»Itostells ll.»leütrlscben Strassenbadii Nlvilsrsckönswelcks-Nöpenlclr. Reizender schattiger Garten für 3000 Perionen. Verdeckte Kegelbahnen. Kaffeeküche(Ltr. 80 Ps.» Ansspannnng sür 40 Pferde. VoikSbeiustignngen aller«rt. Sonutags: Gr. Tauzmusik. 3692L*] IHax Reichelt. Fernipreckier: Ami Köpenick Nr 132. A sktfV»! g-iundestes erquickendes Getränk, s4373L» 3 R-, I» Liter 3,23 R. «rt!?«. Zimdeer-«i> pitldifuft a Liter 1,20 R. l. Rllseiii, vresdeierstr. 61.""---u- Vororte frei Hans. Verantwortlicher Redactenr: tkarl Leid in Berlin Für den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Vadiug in Berlin 5t. 131. i9. mmt. 3. Keilage iles.Imvörts" Kerlilltt MlksltlM 8?»m ,992. Der Mordprozetz Thomaschke. Landgerichtsdirektor Pohle eröffnet die Sitzung um SM Uhr. Es gcllmgen zunächst die Geldgeschäfte zur Erörterung, welche bei Löfflers Tod noch nicht abgewickelt waren. Postschaffner N. bekundet, dajz er anfangs Juli von Löfflet 2bO Wi. geborgt habe, um einer augenblicklichen Geldverlegenheit abzuhelfen. Er habe sich darauf vorbereitet gehabt, die Schuld Ende September wieder zurück- zuzahlen. Am 23. September sei Löffler nach seiner Wohnung ge> kommen und habe an den Fälligkeitstermin erinnert. Der s�euge will sofort den ganzen Betrag an Löffler bezahlt haben, woraus dieser ihm einen kleinen Zettel mit der Ouittung übergeben habe. Dieser Zettel sei ihm leider abhanden gekomme» und er habe den Wechsel»och einmal bezahlen müssen. Nun befindet sich aber bei den Akren ein Brief Löfflers vom 29. September, worin er de» Zeugen erinnert, den Wechsel doch ja am S. Oktober einzulösen. und ivenn es angängig wäre, noch vor dem Ersten, da er am l. Oktober grohe Zahlungen habe. Der Zeuge bleibt bei seiner Aussage, nur giebt er zu. dast er sich in betreff des Datums, an dem er die Zahlung leistete, irren könne. Justizrat Dr. S e l l o richtet awden Zeugen die Frage, ivann er vom Tode LöfflerS zuerst erfahren habe. Zeuge: Am 2 Oktober durch die Zeitung.— Justizrat Sello: Und damals war Ihnen nicht sofort gegenwärtig, an »velchenr Tage Sie die Schuld entrichtet hatten?— Zeuge: Nein. — Ter Zeuge behauptet sodann, dast der Tapezierer Apel ihm die Löl) M. gellchen habe, um Löffler damit zu bezahlen.— Der Ge- richtshof beschlieht, den Zeugen sofort holen zu lassen.— Staats- anivalt R a n d o l p h an die Zeugin Kretzschmar: Halten Sie eS für möglich, dah Löffler. wenn er Zeit hatte, selbst Eriunerungsbriefe an seine Schuldner schrieb und sie mit einem späteren Datum ver- sah. um sie dann abzuschicken?— Ja. das ist tvohl möglich.— Justizrat Sello: Die Möglichkeit ist gar nicht abzustreiten, aber es fragt fich: Ist Ihnen ein solcher Fall bekannt?— Zeugin: Nein. Rechtsanwalt Morris, der folgende Zeuge, ist der Mandatar LöfflerS gewesen. Derselbe habe stets den Eindruck auf ihn gemacht. als sei er ein lebenslustiger Mann, der trotz seiner vorgerückten Jahre sich das Dasein so angenehm wie möglich zu machen suchte. Der Zeuge ist der Meinung, dast Löffler. der u. a. auch ein Giro« Conto bei der Reichsbank hatte, einen Nachlast von 10— 1S(XZ0 M. hätte hinterlassen muffen, und gerade aus dem Umstände, dast in der Wohnung so gut wie nichts vorgefunden wurde, hat der Zeuge geschlossen, dast etwas weggebracht und ein Verbrechen bc- gangen sein müffe. Hierauf tritt eine kurze P a u s e ein.- Es wird der Gerichtsvollzieher Richter II als Zenge aufgenifcn. Er wird zunächst unter Aussetzung der Ver« cidigung vernommen und bekundet: Er habe bei Löffler einigemal Zwangsvollstreckung vorgenommen, zuerst im Februar 1901, wobei es sich um eine Summe von über 3000 M. handelte. Er habe bei Löffler die Möbel gepfändet, sie seien aber infolge von Intervention tvieder freigegeben worden. Die Freigabe erfolgte am 20. Februar. Die zweite Beitreibung am 15. April betraf 6 M. Kosten, diese sind bezahlt worden. Am 10. Mai sind wiederum geringe Kosten beigetrieben worden. Dann folgte am 3. September auf eine Schuldforderung von 2200 M. die Pfändung sämtlicher Möbel. Das Geldspind habe er nicht mitgepfändet, weil Löffler sagte, dasselbe sei ihm notwendiger als ein Kleiderschrank. Das Geldspind sei offen gewesen und es waren Wertgegenstände nicht darin. Im Portemonnaie habe er 10 M. und in einem Schubkasten ca. 30 M. gehabt und diese Summe habe er ihm gestattet, als un- entbehrlich zu behalten. Am 11. September ging ein Schreiben von Fräulein Kleber ein. worin auf eine noch bei Löffler vorhanden» Uhr und Kette und einen Brillantring hingewiesen und deren Pfändung verlangt wurde. Tarauf sei dann Löffler bei ihm in seiner Wohnung erschienen, habe ihm eine Karte des Herrn o. Rheinbabe» vorgezeigt und auf Grund derselben dar- ans hingewiesen, dast die Sache mit Rheinbaben am nächsten Tage geregelt werden würde. Er habe dann Löffler gesagt, dast er ja noch goldene Uhr und Kette haben solle, deren Pfändung verlangt würde. Er habe geantwortet, dast er überhaupt keine goldene Uhr. sondern nur eine vergoldete besitze. Am 17. September sei dann abermals durch ein Schreiben auf Uhr Kette und Ringe hingewiesen worden, er habe sich in die Wohnung des Löffler begeben, diesen aber nicht zu Hause getroffen. I» Gegenwart des Frl. Kretzschmar habe er alles sorgsam durchsucht, aber' weder Uhr noch Kette, noch Ringe vorgeftmden. Justizrat Dr. Seiko richtet an den Zeugen Richter die Frage, ob er sich bei der ersten graste» Pfändung auch' nach andren Wertsachen umgesehen habe. Der Zeuge beiaht dies. Auch bei der späteren Pfändung, als auch der Geldschrank gepfändet wurde, habe er sich davon überzeugt, dast iveder Geld noch Sachen von GeldeStvert sich darin befanden.— Präs.: Haben Sie Löffler davon vorher Mit- tcilung gemacht, wenn ihm eine Pfändung bevorstand? Zeuge: Nein.— Präs.: Sie sollen den Geldschrank einmal ganz offen gefunden haben, nur einige Pfennige drin?— Zeuge: Nein.— Präs.: Habe» Sie mit Löffler verkehrt? Haben Sie mit ihm zusammen Bier getrunken?— Zeuge: Einmal im September ging ich am Lokale des Sckiankwirts Grob vorüber, Löffler, der drin lvar, rief mich hinein. Löffler gab zivei GlaS Bier. ich gab auch zivei Glas. Dann habe ich ihm noch etwa dreimal wci Kozink in der Wörtherstraste getroffen, aber nicht auf feine Ver- aulassnng. sondern durch Zufall.— Präs.: Hat Löffler Ihrer Frau Wein geschickt?— Zeuge: Ja, zwei Flaschen. Ich fragte ihn, wie er dazu komme. Er entsckmldigte sicki und sagte, er habe eine Wein« vertretnng und hoffe, mal eine» Auftrag z» erhalten. Vielleicht habe ich Bekannte, bei denen ich ihn empfehlen könne.— Präs.: Ist das wiederholt vorgekommen?— Zeuge: Löffler hat nur noch einmal zwei Flaschen Wein geschickt, ich habe es mir aber verbeten und gesagt, ich wollte ihn lieber bezahlen. Ich habe dann die Flasche mit einer Mark bezahlt, obgleich Löffler jagte, die Flasche koste ihn nur 50 Pf.— Präs.: Fräul. Kretzschmar hat nun aber gesagt, dast Löffler Ihr Kommen manchmal schon ge- Ivnstt hat und sich darauf einrichtete.— Zenge: Ich halte es für ganz ausgeschlossen, dast ich ihm in der behaupteten Weise vorher Mitteilungen gemacht habe. Möglich ist es, dast ich ihn mal auf der Straffe getroffen habe und er dabei aus dem Gespräch ent- nommen hat, dast ich nächstens zu ihm kommen würde.—- Präs.: In der Voruntersuchung haben Sie auf diese Frage Ihre Aussage verweigert.— Zeuge: Ja, ich war natürlich perplex, al» ich vernommen wurde und muhte mir sagen, dast ich am Ende doch nicht ganz korrekt vorgegangen sei und meine Vorgesetzten mir daraus einen Vorivurf machen könnten.— Justizrat Dr. Sello: Die Vor- gänge mit dem Wein spielten sich doch wohl später ab. als die erste fruchtlose Pfändung?— Zeuge: Jaivohl.— Justizrai Dr. Sello Seil wann ist der' Zeuge in seinem Amt?— Zeuge: Seit vier Jahren.— Der Zeuge wird vereidet. Es folgt die Vernehmung der Zeugin Weckerk. ivelche seit Jahr und Tag die Aufwartung de» Löffler desorgt hat. Am 30. September ivollie sie im Löfflerlchen Wohnzimmer Gar- dinen anmachen. Löffler hatte die alten schon abgenommen. Da habe eS geklingelt, und Thomaschke sei erschienen, Löffler sei damit unzufrieden gewesen und habe zu Thomaschke gesagt, er möge später wiederkommen. An diesem Tage sei sie nur dazu gekommen, das eine Fenster mit reinen Vorhängen und Gardinen zu versehen, das andre Fenster sei ganz frei geblieben. Löffler habe an diesem Tage darüber geklagt, dast ihm so„mies" sei. Früher dagegen habe er stets mit seiner Gesundheit geprahlt und gesagt:„Ich werde 100 Jahre alt I'— Am Morgen deS 1. Oktober habe sie vergebens dreimal'an der Löfflerschen Wohnung ge- klingelt, ohne dast ihr geöffnet wurde. Da es häufig vorkam, das; Löffler länger schlief und nicht öffnete, so sei sie wieder fortgegangen. Wiederholt habe sie gehört, dast Löffler auf Thomaschke ge- schimpft habe, ivenn dieser ihn besucht hatte. Die Zeugin Wickert bekundet ferner, dast Löffler sich häufig auf den Diva» gelegt haben müsse, denn ebenso häufig habe sie die darauf liegende Decke in Ordnung bringen müssen. Wiederholt hat die Zeugin für ihren Herrn Antipyrhinpulver holen müssen, von denen Löffler dann eins genommen habe. Die andren Pulver seien auf dem Tische liegen geblieben. Auf Befragen des Verteidigers Rechtsanwalt Werthauer bekundete die Zeugin, dast Frl. Kretzschmar sich häufig roh und lieblos über ihren Chef gcänstcrt habe. Sie habe u. a. zu ihr gesagt: Wenn Sie mal eines Morgens nicht trotz wiederholten Klingeins hineinkommen können, so machen Sie keinen Skandal im Hause, sondern kommen Sie erst zu mir." Ein andres Mal habe sie gesagt: Wenn er nur er st krepiert wäre! Löffler habe der Zeugin wiederholt gesagt, er würde die Kretzschmar heiraten, aber sie sei ihm nicht sym- pathisch und verbringe das Geld." Löffler habe der Kretzschmar auch viele Geschenke gemacht, sowohl an Geld als an Kleidungsstücken. Frl. Kretzschmar habe ihr auch erzählt, dast Löffler gesagt habe, er habe ein Vermögen von 10 000 M., die er ihr vermachen ivürde. Hieran habe die Kretzschmar die Redensart geknüpft: ES kommt mir hier so un- heimlich vor, ich fürchte immer, es Ivird einmal etivas passieren.— Die Zeugin Wecker! bekundet auf weiteres Befragen des Rechts- auwalts Dr. Werthauer Thatsachen, ans denen sie schliestt, dast' Löffler zu Frl. Kretzschmar in unlauteren Beziehungen gestanden. Da einer der Geschivorenen erklärt, der Verhandlung nicht weiter folgen zu lönneii, vertagt der Präsident die Verhandlung bis Montag« vormittag G'/a Uhr. IHentes lloiksgarten, Röderstr. SS/SV. (Zwischen Hohenzoller» und Teeterraffe. S. Eingang: Landsberger Chaussee.) Heute Sonntag: 222/1+ AoMS-AsE-üi arrangiert von den Parteigenoffen in Lidjteilberg. Smel-Konzert.- Gesangsvortriige.- DmitMe AuMrungen. ■ Hlndei'bclostigmincn. Fackclpolonaiiie(jedcS Kind erhält eine Stocklaterne gratis). Großes Preis Kegelschieben. Riesen- Brillant- Pracht- Feuerwerk. Kasseeküche. Kasseneröffnung g lthr. Ball. Entree 20 Pf. Vergnügungspark. Rufana 4 Uhr. ZöliMemM. 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