Nr. 136. Abmmements-Kedtngungen: «bonnem-nis-Preit pränumerando: vierteljährl. ZL0 Ml., monall. 1,10 Ml., wöchentlich 2S Psg. frei in! Hau«. Simelne Numm'r S PIg. Sonntag«- Nummer mir ittunnmer konntag:- Beilage„Sie Neue Welt" 10 Psg. Post- Abonnement: 140 Marl pro Mona». Eingetragen in der Post- Zettung»» Preisliste sür 1003 unter Dr. 7878. Unter«reu, band sür Teutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, sür da« übrige Autland S Marl pro Monat. Arsch, Inl Uglich«uk»r Moutng«. �&(2. Vevlinev Volksblatk. 19. Jahrg. Ate Insertlons-Gebllyr beträgt sür die sechigespaltene Kolonet« zetle oder deren Raum 40 Psg., sür politische und gewerls chaslliche Verein«- und Versammlung«-Anieigen 20 Psg. „Kleine Allseigen" jede« Wort 5 Psg. (nur Sa« erste Wort fett). Inserate sür die nächste Nummer müssen di«« Uhr nachmittag« in serErpeditton abgegeben werden. Tie ExpcSttion ist an Wochen- tagen bi« 7 Uhr abend«, an Sonn- und Festtagen dt» 8 Uhr vormittag« geöffnet. Telegramm-Adrester „Poriuldemostrut Berlin" C�ntrawrgan der sorialdemokratischen Partei Deutschtands. Kedatttion: L�V. 19, Veutlz- Strafe 2. Fernsprechert Zlmt I, Nr. 1508. Sonnabend, den 14. Juni]$)0£. Expedition: SW. 19, Veutlz- Strafe 3. Fernsprecher: Slin« 1. Nr. 5IL1. Das Recht auf Recht. Die Koalitionsfreiheit ist da? ivirtschaftliche Grundrecht der Arbeiter. Die deutsche Geiverbc-Ordnung hat dies Recht auSdrück- lich anerkannt, indem sie die Verbote und Strafbestimmlnigen ansi hob. Zwar haben wir in Deutschland noch keinen besonderen gesetzt lichen Schutz für die Ausübung dieses Grundrechts, der es sicher stellt gegen alle willkürlichen Eingriffe des privaten Egoismus sowie gegen juristische Tüfteleien. Immerhin ist dieses Grundrecht afr gemein anerkannt, und wer die wirtschaftliche Notlage eines nur ou, seine Arbeitskraft angewiesenen Proletariers mißbraucht, um ihn zu einem Arbeitsvertrag zu zivingen, in dem sein Recht ans Koalitions freiheit aufgehoben ivird. der handelt tausendmal verdammenSiverter als ein Geldlciher, der die finanzielle Verlegenheit einer Person zur Erlangung hoher Vermögensvorteile benutzt. Es ist also klar. daß jeder das Koalitionsrecht beseitigende Arbeitsvertrag null und nichtig ist, tveil er gegen Z 133 des Bürgerlichen GesctzblichS ver- stößt, der besagt:„Ein Rechtgeschäft, das gegen die guten Sitten verstößt, ist nichtig." In den» leider inißglückten Ausstand der Stuttgarter Straßenbahner war das Äoalitionsverbot der Haiiptpliukt des Streites. ES ist anzuerkennen, daß die Regierung sowohl tvie die Stadtverwaltung durchaus das Koalitiousrecht der Angestellten an- erkannten. Bei den Ansgleichsverhandlnngen erklärte der Vertreter d e S M ini st e r i li in s— wie offiziell im„Rcichs-Anzeiger" be� kannt gegeben wurde,„daß nach seiner auch von dem Herrn Staats- minister geteilten Anschannng der Ausschluß deö gesetzlich bc- stehenden KonlitioitörechtS der Angestellren durch Dicustvertrng von Jndnstriellen des Landes nicht mehr geübt iverde und nicht haltbar sei und daß die Direktion durch eine Festhaltling an diesem Standpunkt sich ins Unrecht setze»»vllrde*. Es ist bekannt. daß im Verlauf des Streiks der Stuttgarter Geineiiiderat beim Amtsgericht beantragte. daß die Stadt Stuttgart die Straßenbahn in eigene Regie zu übernehmen habe, nachdem die Direktion der Straßenbahn- Gesellschaft den mit der Stadt ge schlosscnen Vertrag nicht zu hakten im stände geivesen sei. AIS Vertragsbruch wurde die unberechtigte Einstellung des Betriebes geltend gemacht. Das Stuttgarter Amtsgericht aber hat die Klage der Stadt abgeiviese» und in der Begründung ein Ucbriges gethan, indem es ein Urteil über die Anschauungen dcS Ministeriums vom Koalitions recht fällte, nämlich so: „Inwiefern ein solches privatrechtliches Verbot, das durch einen Dienstbefehl ausgesprochene Koalitionsverbot, das nicht nur de» Gedanken, der eigne Herr im Hause zu fei», zum be- rechtigteu Ausdruck bringt, sondern häufig auch dem richtig derstandeuen Jnterrffc der Angestellten dient, gegen die guten Sitte» verstoße» soll, ist uiiverstäudlich, und wie es um den behaupteten Fundamentalgrundsatz der Koalitionsfreiheit steht, zeigt der Absatz 2 des Z 1S2 der Gcwrrbe-Ordiiung, wonach das Gesetz die Vereinigungen zum Behufe der Erlangung günstiger Lohn- und Arbeitsbedingungen keineswegs begünstigt. Ferner verkennt die Antragstellerin(die Stadt) vollständig, daß, wenn sie vielleicht zu andrer Zeit ein Entgegenkommen der Direktion in der Frage der Koalitionsfreiheit in Aussicht nehmen durfte, ein s>cr- artiges Zugeständnis an die Angestellten im jetzigen Zeitpunkte zugleich einen Erfolg des Verbandes bedeutele, in dessen Thätigkcit die Direktion mit Recht den Ursprung der mißlichen Lage, in die sie versetzt»vorden ivar, erblickt." Die durch die ministeriellen Anschauungen in große Erregung geratenen Scharfmacher haben durch diese Urteilsbegründung das Gleichgewicht ihrer Seelen lviedergefundcn! Es gicbt noch Amtsrichter in Slutigart. Diese Urteilsbegründung wird mit goldenen Lettern in der Geschichte der Herren im Hause fortleben. Mit geradezu erstaunlicher Entschiedenheit findet das Amtsgericht die Meinung einfach„unverständlich", daß solch ein Koalitionsverbot gegen die guten Sitten verstößt. Genau das Gegenteil ist der Fall Es verstößt gegen die guten Sitten, daß die Arbeiter so unverschämt sind, durch Zusammenschluß ihre Interessen zu fördern. Die Ge- werbe-Ordnung erachtet— so meinen die Stuttgarter Herren— die Koaltionsfreiheit eigentlich als eine unanständige Sache, die man nur nicht gerade verbieten will. Die Weisheit und das Wollivollen der Direktion ist sür die Arbeiter viel segensreicher als das schänd- liche Koalieren. Fürwahr, der patriarchalische Geist Ostelbiens schwebt über diesen' Urteil. In diesen Tagen ist der erste Band eines umfangreichen Werkes von Philipp Lotmar» Professor in Bern, über den Arbeitsvertrag erschienen.") Lotmar spricht von einer K o a l i t i o n S m o r a l, in dem er Beispiele„moralividriger Arbeit" anführt:„Ein besonders bemerkenS- iverter Fall ivider ein Moralgebot verstoßender Arbeit ist diejenige, durch welche eine Koalitionspflicht übertreten wird. Für die Koalitionen der unter die Geiverbe- Ordnung fallenden Arbeitgeber und Arbeit- uehmer ist die Erfüllung der hier obivaltenden Moral pflichten um so dringender, als diese Koalitionen nicht rechtlich zusammengehalten iverden___ Das formale Gebot der Erfüllung der Koalitionspflichten ist ein allgemein anerkanntes, nicht einer partikularen Moral angehöriges. Es haben daher koalierte Arbeitgeber gegen einander und koalierte Arbeitnehmer gegen einander die moralische Pflicht, zur Erreichung deS KoalitionsziveckeS— Erlangung günstiger Lohn» und ArbeitSdedingungeu beizutragen." *)Der Arbeitsvertrag. Nach dem Privatrecht des Deutschen Reiches. Von Philipp Lotniar. In zwei Bänden. Erster Band. Leipzig 1902(Duncker n. Humblot). In Konsequenz dieser Anschauungen nennt Lotmar auch Ver« träge moralwidrig, die das Koalitionsrecht ausschließen. Er sagt: „Eine beim getverblichen Arbeitsvertrag nicht selten getroffene, hierher gehörige Bestimmung besteht in der Ausbedingung, daß der Arbeit- nehmer den Berufsvereinen seines Faches fernbleibe, oder die Berufs- interessen seiner Fachgenoffen nicht unterstütze...„Wenn das Gesetz den Koalitionen, d. h. den Vereinigungen, von Geivcrbetreibenden oder gelverblichen Arbeitern zur Erlangung günstiger Lohn- und Arbeitsbedingungen insofern die Bahn frei gemacht hat, als es alle daividcr laufenden Verbote und Strafbcdingnngen aus- drucklich aufgehoben hat, so muß ctnc diese Freiheit eiueugcndc Bestimmung eines Arbeitsvertrages wenigstens«IS gegen die gute» Sitten verstoßend angesehen werde». Dies scheinen sogar Fabrikanten zu Gunsten der Arbeiter anznnehmen." Was solch einen Verstoß gegen die guten Sitten bedeutet, darf auch nicht Inhalt eines Tarifvertrags werden. Der Vorbehalt, ivelchcn die Gelvcrbe-Ordnnng für die Rechtsverbindlichkeit des Inhalts einer Arbeitsordnung»»acht—„soweit er den Gesetzen nicht zuividcrläiift"— bcivcist der Verstoß wider die guten Sitten. Infolgedessen verstoßen auch KniidiguiigSgruiide, die auf der Thatsache der Koalition beruhen, gegen die guten Sitten.„So kann nicht zum KündigungSgruno gemacht werden der Ein- tritt deö Arbeitnehmers in einein die Arbeiterinteressen fördernden Perein, auch nicht, ivenn zugleich des Arbeitgebers Eintritt in einen die Untcrnchmcr-Jntercssen vertretenden Verein als KündigungSgrund aufgenommen würde." Die Anschannng, die das Stuttgarter Amtsgericht unverständlich findet, ist also für den juristischen Fachmann selbstverständlich, die KoalitionsvcrbotSklausel macht jede» Arbeitsvertrag hinfällig. Ein Streik, der ans diesem Grunde erfolgt, ist stets auch im strengsten Sinne legitim. Ein Kontraktbrnch ivird in dem Falle niemals bc gangen, da gar kein rechtsgültiger Vertrag besteht. Das Urteil des Stuttgarter Amtsgerichts zeigt aber, daß der Geist reaktionärster Scharfmacherei noch längst nicht überlvniide» ist. Um so dringender wird es, daß daS elementarste Recht des Arbeiters die Koalitionsfreiheit, in seiner Ausübung in jeder Hinsicht geschützt werde.—_ polikifchv AebevNcht. Berlin, den 13. Juni. Preußischer Landtag. Während daS Herrenhaus am Freitag kleinere Vor lagen und Petitionen in einer kurzen Sitzung ohne jede Debatte erledigte, führte im Abgeordnctcnhausc die ztveite Lesung des Gesetzentwurfes betreffend die Aiisführuiig des Schlachtvieh- und Fleischbeschau-Gesetzes zu einer lebhaften Erörterung. Nach§ 1 dieses Gesetzes unter liegen Schweine und Wildschweine, deren Fleisch zum Genüsse von Menschen verwendet werden soll, in allen Fällen einer amtlichen Untersuchung auf Trichinen. Diese Bestimmung ist nicht nach dem Herzen der Agrarier; sie wollen von einer allgemeinen gesetzlichen Regelung der Trichinenschau nichts wissen; ihrer Meinung nach muß, wie der Ccutrumsagrarier Fritzen ausführte, alles vermieden werden, was die in der .'andwirtschaft über den Zolltarif herrschende Erbitterung noch steigern könnte. Von diesen Erwägungen ausgehend, setzten die Herren in ihrem bekannten Streben, deni Volke nur„gesundes" Fleisch zu verschaffen, die Streichung der Worte„in allen Fällen" durch und gaben dem§ 1, einem Antrage Herold(C.) und R e w o l d(sk.) folgend, einen Zusatz, wonach bei Schweinen, deren Fleisch ausschließlich im eignen Hanshalt des Besitzers verwendet werden soll, sofern nicht durch Polizeiverordnungen etwas andres bestimmt ist, die Untersuchung unter- bleiben darf. Dagegen soll eine gewerbliche Verwendung von Fleisch, bei welchem die Untersuchung unterbleibt, ver> boten werden. Durch diese Abänderung hat das Gesetz, das im übrigen in der Kommissionsfassung angenommen wurde, �ede Bedeutung verloren. Zur Annahme gelangten ferner folgende beiden, von der Kommission vorgeschlagenen Resolutionen: Die Regierung wird ersucht, 1. dahin zu wirken, daß die Ausführnngsbestimmungen zum Fleischbeschau-Gesetz, ähnlich wie es im Königreich Sachsen schon geschehen ist, insofern abgeändert werden, daß als minder trichinös befundenes Schweinefleisch nicht vernichtet werden soll, sondern nach erfolgter Abkochung zum mensch- lichen Genuß zugelassen werden kann; 2. in der nächsten Tagung einen Gesetzentwurf zur Regelung der Schlachtvieh- Versicherung vorzulegen. Dem Vorschlage des Präsidenten, bereits am Sonnabend das Ausführungsgesetz zum Schlachtvieh- und Fleischbeschau- Gesetz in dritter Lesung zu beraten, widersprach Abg. Ehlers. Am Sonnabend stehen daher nur Petitionen und das Aus- uhrungsgesetz zum Unfallsürsorge- Gesetz für Gefangene auf der Tagesordnung. Das Herrenhaus wird am Sonnabend die Schluß- beratung der Polenvorlage vornehmen. Ob die Session bereits am Sonnabend geschlossen wird, hängt, wie der Vice- Präsident Frhr. v. Manteuffel erklärte, davon ab, ob die Regierung auf die Erledigung des Ausführungsgesetzes zum Schlachtvieh- und Fleischbeschau-Gesetz besteht.— Herr v. Thiele». ES ist eine feststehende Thntsciche. daß Herr v. Thielen mit LmidtagSschltlß in den Ruhestand tritt. Bald wird der.Reichs-Anzeiger" seine Entlassmig in Gnaden melden. Länger als ein Jahrzehnt hat Herr v. Thielen an der Spitze deS preußischen StaatSeisenbahnwesenS gestanden, und er hätte in dieser Zeit, begünstigt durch die glänzende Finanzlage, reichlich Ge- legenheit gehabt, weitgehende Refonnen diirchzuführen. Er hat auf den Rlihin eines Reformators verzichtet und lieber,' seinen Ehr- geiz darin erblickt, möglichst hohe Ueberschüsse zu erzielen. Sein Vorgänger, Herr v. Maybach, wollte 1891 eine Reform der Personentarife in der Weise durchführen, daß unter Aufhebung der 4. Wagenllasse und der ermäßigten Rückfahtlkarten die Fahrpreise erheblich herabgesetzt werden sollten. Die Reform scheiterte an dein Widerstand der Junker, die ja von jeher für möglichst teure und unbequeme Verkehrsverbindungen schivnrniten, uni die Landarbeiter in der Weltabgcschlosicnheit OstelbienS zu halten. Herr v. Thielen hat den Maybachfchen Plan nicht wieder aufgenommen, er hat sich, wenn man von der Perlängerinig der Dauer der Rückfahrtkarten auf 46 Tage absieht, jedem Fortschritt entschieden wider- setzt, und er fand in diesen feinen rückschrittlichen Anschanunge» eine kräftige Stütze an der Jnnkermehrheit des preußischen Land« tagcS. Zwar machte er sich bei den Junkern wegen seines entschiedenen Eintretens für den Mittellandkanal vorübergehend verhaßt, aber tief ivar die Feindschaft der Befrenndeten nicht. Erfüllte Herr v. Thielen den Agrariern dvch jede» ihrer Wünsche, und mochten sie. noch so unberechtigt sein! Ansnahmetarise für Dünger und Futter- inittel wurden unter Thielen die Regel; die Landwirtschaft wurde auf Kosten der Industrie in unerhörter Weise bevorzugt. Einer der größten Fehler des Ministers war sein Mangel an. Energie. Dem Name» nach war er Eisenbahnminister, in Wirk- lichkeit war nicht er. sondern Herr von M i q u e l Ressortchef. Thielen stand ganz unter dem Einfluß seines Kollegen von der Fiiianzverivnltlnig. Die Miquelfche Thesaurieriingspolitik herrschte in der Eiseilbahuverivaltuug vor— nicht zum Vorteil des Staates. Wie Miguel so hielt auch Thielen die V e a m t e n b e s o l d u n g e n für abgeschlossen, obivohl zahllose Kategorien von mittleren und Unterbeamten auch heute noch ein Gehalt beziehen, das zum Leben zu ivenig, zum Sterben zu viel ist. Die Arbeitszeit vieler im Außendienst lhätige» Veamten und Staatsacbeiter ist eine so überniäßig lange, daß hierin mit ein Grund zu suche» ist für>d i e z a h l r e i ch e n Unglücksfälle, die im Reiche des Herrn v. Thielen regelmäßig wiederkehrt«». Herr v. Thielen erwies sich wiederholt als blinder Verehrer der socialpolitischen Ansichten eines Stumm. Entgegen den klaren Vor- schristen der Verfassuiig hat er sich mehr als einmal in scharfein Tone von der Tribüne des Landtags herab die Beamten, die von dem ihnen zustehenden Petitionsrecht Gebrauch machten, gescholten. Das freie Wahlrecht, das Koalitions recht bestand sür die Unterbeamten und Staatsarbeiter der Eiscnbahnverivaltnng nur auf dem Papier. Wir erinnern an die bekannten Erlasse, ivodurch bestimint ist, daß den Arbeitern für die durch Beteiligung au den Wahlen zum Abgeordiiclcnhauje versäumte Arveitszcit ohne weiteres eine Lohn- Vergütung zu gewähren ist. während den Arbeilern die Ausübung der Wahl zum Reichstage je»ach den Umständen während der Arbeitszeit ohne Lohnkürzung nur gestattet iverden darf. Der Minister war sich ivohl bewußt, daß die Arbeiter bei der geheimen Reichstags- ivahl nicht im Sinne der Regierung stimmen; sein Erlaß hat im Grunde geiiommen nur den Zweck, die Arbeiter durch Lohnausfall sür die Ausübmig ihres Wahlrechts im regiermigöseiudlicheu Siime zu bestrafen. Wir erinnern ferner an die vielen Fälle direlter Wahl- beeiuflilssunge» durch die Herrn Thielen untergeordnete» Behörden, z. B. an den bekannten Erlaß der Eisenbahudirektion Hannover, der die Dienststellenleitcr anweist,„die nachgeordneten Beamten und Arbeiter mit Bezug auf die bevorstcheudeu Wahlen mündlich in geeigneter Weise darauf hinzuiveisen, daß von ihnen die Ausübung des jedem Staatsbürger verfassungsmäßig zllftehcnden Wahlrechts in patriotischer Pflichterfüllung erivartet wird". Ein weiteres Beispiel Thielenscher Arbeiterfreundlichkeit ist daS Verbot der Koalition von StaalSarbcitern behufs Erlauguug besserer Arbeitslöhne oder kürzerer Arbeitszeit oder des An» schluffcs an Vereine, die die Regierung nur gezwungen duldet. Mußten doch die Angestellten des DirektionsbczirkS Altona im Jahre 1897 bei drohender Disciplinarstrafe enien Revers unterzeichnen, durch welchen sie sich verpflichteten, dem Verband der Eisenbahner Deutschlands nicht anzugehören, einem Verein, der die Erlangung möglichst günstiger Lohn- und Arbeits- bedingitngen, Pflege der Berussstatislik, Hebung des StandeS- beivtißrieiils. Förderung geistiger Interessen, Geivährung uneiitgelt- lichen Rechtsschutzes und IlnterstützungSehirichtuugen als Programm aufgestellt hat. Auch das S y st e»» der s ch>v a r z e u Listen hat die Eisenbahnverwaltuug gepflegt und Arm in Arm mit den Kühiiemäiinem hat es die Arbeiter, die den Weltfeiertag begingen, auf eine Woche auszusperre» gewagt. Ja, sogar ans Konsumvereinen hat Herr v. Thielen in seiner väterliche» Sorge für das Wohl seiner Angestellten die Arbeiter ailszutrete» gezivungen, wenn in dem Vorstände Socialdemokraten saßen. So eifrig behütete der Minister„seine" Arbeiter vor der Be- rührnng mit der Socialdemolratie. In guter Erinnermig ist»och, wie v. Thielen sich den Jutereffen der Aktionäre der Großen Berliner Straßen- bahn beiin Streik des Fahrpersonals und bei der Verlängerung der Konzession über den Kopf der Berliner Gemeindeverwaltlliig hinweg angenommen hat. In Herrn v. Thielen fand der Kapitalis- mus jeder Zeit einen getreuen Helfer. Und doch I Wieviel hätte dieser Mann in seiner einflußreichen Stellung als Chef des größten Unternehmens leisten, welche Förderung hätte er der Socialpolitik in Preußen zu teil iverden lassen können, wenn er nicht stets ängstlich darauf bedacht geivesen wäre, beileibe nicht den Profit der Privat- kapitalisten zu schmälern, indem er ihnen mit gutem Beispiel vorangegangen wäre und sie vcranlaszt hätte, diesem Beispiel zu folgen! Doch im Preußen der Juiiker, im Preuße» des Dreiklasscn- tvahl-llnrcchtes ist eine solche verständige Politik unmöglich. Als Nachfolger v. Thielens wird in erster Reihe Generalmajor a. D. v. Budde genannt, der längere Zeit in der Militär-Eisen- dahn-Verwaltung gearbeitet hat und in weiteren Kreisen durch die Vertretung deS Mittellandkanals auS militärischen Gesichtspunkten bekannt geworden ist.— Deutsches Meich. SpäteS Geständnis. Im Sommer 188g deckte der.Vorwärts" die K a n a I i n t r i g u e des Freiherr» v. Zedlitz- Neukirch auf. Während die preußische Regierung die Kanalvorlage im Abgeordneten- Hause durchzufiihreu sich miihte, stellte sich die„Post" an die Spitze deS konservativen Widerstandes gegen das verhaßte Gesetz, dessen Einbringung auf einem Lieblings- Wunsch des Königs beruhte. Wir wiesen nach, daß der Verfasser der„Post"-Artikcl kein andrer war als Herr v. Z e d l i tz, vortragender Rat im Miiiistcrium der öffentlichen Arbeiten, dann, durch Miguels Gunst, Präsident der Scchandluug. Jetzt gesteht Herr v. Zedlitz zu, waS schon stets sicher vermutet wurde, daß sein Verhalten im Kailalkamps durch Herrn v. Miguel selbst inspiriert und unterstützt worden ist; Herr von Miguel habe„in den NufangSstadien des Knnalstreits den Wunsch zu erkennen gegeben, es möchten die sachlichen Gründe, von denen die Gegner der Kaualvorlage sich bestimmen ließen, in der Presse sachgemäßen Ausdruck finden". Diesem Wunsche des Vicepräsidcnten deS StaatSniinisteriums, daS die Vorlage eingebracht hatte, folgte Herr v. Zedlitz mit solchem Eifer und Geschick, daß darüber die Vorlage der Regierung zum kläglichen Scheitern gelangte. Leider brachte der„Vorwärts" eincu Mißton in das reizvolle Spiel und vernnlaßte, daß selbst Miguel den Obersten der Kanalrebcllcn nicht mehr gegen die Entlassung aus dem Amte zu schützen vermochte.— Klerikale Weltanschauung. Die Aachener Heiligtumsfahrt, die jetzt ihren Anfang nimmt, soll mit einer großen Ausstellung religiöser Ncliquicu verbunden werden. In den vom Kollegiats-Stiflskapitek zur Auf- rcchterhaltimg der Ordnung getroffenen Bestimmiiiigen heißt es: Mittwoch, den 9. Jiili, nachmittags um 8 Uhr, wird die Er- öffnung und erste Vorzeigung, Donnerstag, den 24. Juli, nach- mittags um 4 Uhr, die Wiedcrverschließimg der großen, nur jedes siebente Jahr öffentlich vorzuzeigenden Heiligtümer in der herkömmlichen feierlichen Weise vorgenommen werden. Diese Heiligtümer sind: a) Das Kleid der allerscligste» Jung- frau Maria, b) Die Windel» deS Herrn, c) Das Lender- tuch des Herr». ä)Das Tuch, worin der Leib des heiligen Täufers Johannes nach feiner Enthanp- tung gelegen.— Vom 10. bis zum 24. Juli einschließlich werden täglich, jedoch bloß morgens ztvischcn 9 bis 10 Uhr, im Oktogen diejenige» Kranken mit den Heiligt üni er n be« rührt, welche am vorhergehenden Nachmittag mir zivischen 4 bis 6 Uhr in dem Lokal des Reiidanten Mocken tDrachenlvch), Klostergasse 13, unter Vorlegung einer schriftlichen, mit dem Pfarr- siege! versehenen Empfehlung ihrer Seelsorger die erforderlichen Einlaßkarten in Empfang genommen haben. Von 10 bis 12 Uhr morgens werden die Heiligtümer auf der Turin- galerie salso von der Stadt ans sichtbar) und an de» übrigen in der Nähe befindlichen bekannten Stellen öffentlich zur frommen Verehrung vorgezeigt. Von 1 bis 8 Uhr nach- mittags find die Heiligtümer im Chor zur Anschauung und Ver- ehrung der prozessionsiveise durch das Münster ziehenden Gläubigen ausgestellt. Die Gläubigen köiiuen, während sie an den Heilig- tiimern vorbeiziehen, den dienstthuendeii Geistlichen geeignete Gegenstände übergeben, damit diese daran angerührt werden; ein störender Aufenthalt darf indes hierdurch nicht verursacht werden.— Die pünktliche Be- obachtung der vorgeschriebenen Ordnung, mithin auch willige Folgsamkeit gegen die mit der Handhabung derselben betrauten Geistlichen und Polizeibeninten, wird von allen mit Zuversicht erivartet, auf daß die religiöse Feier zur höchsten Verherrlichung Gottes und zur all- g e ni e i ii e ii Erbauung in würdigster Weise begangen Iverde. Seine Heiligkeit Papst Leo XUI. haben allen Gläubigen, welche während der Heiligtumsfahrt nach würdigem Empfange der heilige» Sakramente die gewöhnlichen Ablaßgebete in der Münsterkirche verrichten, einen vollkommenen Ablast bewilligt." Freilich, Menschen, die in derartigem Roliqnienwahn dunkelsten Mittelalters noch befangen sind, find in der geeignetsten Geistes- Verfassung auch zur stummen Duldung jeglicher socialen Unter- drückung.—_ Polnische Absage au de» Kaiser. Der Schlachtenmaler Adalbert v. Kossak wurde von den polnischen Blättern heftig angegriffen, weil er angeblich der Festlichkeit auf der Marienburg beigewohnt und die Rede des Kaisers gegen den „polnischen Uebermnt" ruhig angehört habe. Kossak erklärt nun, wie das„Berk. Tagebl." mitteilt, daß diese Angriffe ungerecht seien; er habe sich trotz der Einladung des Kaisers nicht uach der Marieuburg begeben und sei an jenem Abend in Berlin in Gesellschaft polnischer Mitglieder des Abgeordnetenhauses und Reichs- tages gewesen. Er werde aber bald Berlin ganz verlassen, da die Situation in der deutschen Reichshanptstadt' für ihn unmöglich geworden sei.— CentrumSblätiern wird aus Posen gemeldet: Dieser Tage hätten dort eine größere Anzahl Vertreter des polni- s ch en Adels aus den verschiedensten Teilen der Provinz eine Besprechung gehabt, um sich darüber schlüssig zu werden, wie sich der polnische Adel bei der Anwesenheit des Kaisers zu verhalten habe. Die Vertreter einigten sich schließlich dahin, daß diejenigen polnischen Adligen, welche Würden und Aemter bekleiden, sich bei den Kaisertagen in Posen einzufinden haben, beispielsweise der Bicemarsckiall des Provinzial- landtages und ähnliche Würdenträger, ferner diejenigen Polen, welche den Kanimerherrentitel haben usio. Der übrige Teil des polnischen Adels aber würde während der Kaisertage in der Provinzialhauptstadt nicht erscheinen.— Wegen Misthandlnug hatten sich am Freitag die Unteroffiziere Beth und Raddatz von der 9. Conipagnie deS 2. Garde-Jnfanterie- Regiments vor dem Kriegsgericht der 1. Garde-Jnfanterie- Division zu verantworten. Unteroffizier Belh ließ, sobald ein Mann feiner Korporalschaft sich irgend einen kleinen Fehler im Dienst hatte zu Schulden kommen lassen, seine Wut an dem Betreffenden dadurch ans, daß er ihn in der Stube ohrfeigte. Es wurden gestern nicht weniger als 26 derartiger Mißhaiidlimgeii nachgewiesen, während sein Kollege Ltaddatz die Untergebenen damit peinigte, daß er sie„Gelvehr strecken" Netz. Der letzt- geuainite Unteroffizier entschuldigte sich damit vor dem Kriegsgericht, daß er angab, er habe diese Strafe verfügt, damit'er nicht nötig habe, die Leute dem Hauptmann zu melden, welcher sie dann gewiß strenger bestraft habe» würde. Das Gericht schenkte jedoch„Herrn Raddatz als Erzieher" keinen Glauben, ver- urteilte ihn vielmehr zu fünf Tagen Mittelarreft. Schlimmer kam der Unteroffizier Beth davon, welcher mit drei Wochen Mittelarrest bestraft wurde. Als strafmildernd wurde angenommen, daß Beth bisher unbestraft und von recht guter Führung ist, strafschärfend sei jedoch die große Anzahl der Mißhandlungen, die sich B. habe zu Schulden kommen lassen, und daher hätte von gelindem Arrest ab» gesehen werden müssen. „StnatSwerkc." München, 11. Juni.(Eig. Ber.) In der Abgeordneten- k a m in e r kam es bei der Beratung des Etats der Berglverke zu ziemlich heftigen Auseinandersetzungen zwischen den Socialdeinokratcn und der Regierung. Abg. Dr. v. H a l l e r(Soc.) interpellierte zunächst den Finanzminister über das Verhältnis der bayerischen Staatsgruben zu der glänzend prosperierenden Oberbaycrischen Kohleiibergwerks-Akticiige�ellschaft. Der Minister gab zu, duß mit dieser Aktiengesellschaft, die in Südbayern ein förmliches Monopol besitzt, eine Rayoneiiiteiliiiig des Absatzgebietes vereinbart ist. Er komite ferner nicht in Abrede stellen, daß die Staatswcrke in der Zeit der akuten Kohleuuot die Preisbewegung mitgemacht haben und zwar z« einer Zeit, da im Gefamtministcrium über Mast- regeln znr Bcrhiudcrnng der Kohlcnnot beraten wurde. Zur Eiitschnldtgmig wurde angeführt. Bayerns staatliche Kohlcn- produktion sei zu klein, akS daß«in Festhalten an dem niedrigen Preise die Preisdildmig ans dent Kohlemnaril» irgendwie beeinflussen könne. Bei der Besprechung der Arbeiterangelegenheiten ber StaatSgruben besprach Abg. Ad. M ül l e r(Soc.) die Entlassung der beiden Vorsitzenden des ÄrbcitcrausschusseS in der Stnatsgrnbe Peissenberg und das Verhalten des dortigen Betriebs- leiters, des Bergmeisters Stnchlik. Dieser Beamte, ein Piotektioiiskiud, faßte die zum Schutze der Arbeiter erlassenen Bestimniuiigen deS neuen Berggesetzes offenbar als persönliche Kränkung auf und versuchte, den erst nach lleberwindimg vieler Schwierigkeiten gewählten Arbeiternnsschiiß an der Ersiillnng seiner gesetzlichen Funktionen zu hindern. Da sich aber die Arbeiter absolut nicht einschüchtern ließen, so wurden die beiden Vorsitzenden des Ausschusses einfach auf die Siraßc geworfen. Diese Geschehnisse, die auch in büraerlichen Kreisen die heftigste Eni- rüstung erregten, kritisierte Genosse Müller niit solcher Schärfe, daß die als Negicnmgskoiiimissäre anwesenden alten Herren von der Bergverwaltimg fichtlich vor Wut bebten. Der Minister aber vergaß sich ganz und gar und redete von„gemeinen Denunziationen". Das gab dann Müller Veraiilaffimg, alle Rücksichteii aus dem Spiel zu lassen und mm auch die persönlichen Qualitäten des talentvollen Bergmeisters vor der Oesfeutlichkeit in seiner sarkastischen Art zu be- sprechen. Das Vorgehen der Iiegicriiiig fand auch bei den bürger- lichen Parteien keinen Fürsprecher. Angesichts dieser Situation zog es der Minister vor, andere Seiten aufzilziehen. Er gab zunächst die Erklärimg ab, es habe ihm vollständig fern gelegen, einen Abgeordneten beleidigen zu ivollcn und gestand dann zu. daß Dinge passiert seien, die er in gar keiner Weise sachlich entschuldigen oder verteidigen könne, docb habe er als Minister die Pflichten, das zu Guusten seiner Beaiiilcn an- zuführen, was diese persönlich einigermaßen entschuldigen könne. Er habe im übrigen bereits Auordiiimgeii getrosten. daß die Kompetenz der Äibciter-Aiisschüssc, soivie auch das KvalitionSrecht der Arbeiter in gar keiner Weife mehr angetastet werden dürfe. Den schuldigen Beamten seien für den Wiederholungs- fall die ernstesten Folge» angedroht lvorden. So endete also diese Affaire mit einer voll- ständigeen Blamage der bayerischen Berg-Ver« w a l t u n g. Eine Petition der Bergarbeiter um gesetzliche Einführung des Achtstundentages wurde der Regierung zur Keiiiitiiisiiahme übergeben. Der Minister des Innern meinte dazu, er könne dieser Petition eine Folge nicht geben, denn Bayerns Bergbau sei viel zu gering, als daß' ein„so bahnbrechendes Vorgehen" gerechtfertigt erscheine.—_ München, 13. Juni. Die Abgeordnetenkammer nahm »ach lebhaficr Debatte de» besonders nnistritteiicn klerikali- s i e r t e ii Simultaiischul-Paragraphcii des Schulbcdarfs-Gesetzcs in der Fassung des Beschlusses der Kammer der NeichSrätc an. Für denselben stimmten das Ccntrum und die meisten Mitglieder der freien Bereinigung, dagegen stimmten die Liberalen und die Social- demokraten.— Ausland. Dnmpferfnbvcutioncn. London, 10. Juni. Die lebhaften Diskussionen, die der Gründling des internationalen Schiffahrtstrustes folgten, jührten bekanntlich zur Einsetzung einer parlamentarischen Spccialkoimiiissioii, um besonders die Frage der Dampfersilbveutioiicii zu untersuche». Letzten Freitag und heule nach- mittag wurde der bekannte eiiglische Statistiker Sir Robert Gissen von der Kommission venwnmien. Sie wollte seine Meinnng hören: 1. über die Wirkimgeii der ausländischen Dampfersubveiitioneii auf die englische Schiffahrt; 2. über die geeignetsten Maßregeln, die England zur Aufrechterhaltmig seiner Handelsmarine zu ergreifen hätte. Nach den sehr intereffaiiten Ausführungen Giffens ist die englische Schiffahrt aufs ernsteste gefährdet. Sie ist gefährdet durch den utilautern simfair) Wettbewerb, dem England mit den gewöhnlichen Mitteln der Selbsthilfe nicht beikommen könnte. Im Zeitraum von 1895 bis 1900 ist der Schiffs- verkehr in englischen Häfen um 20 Millionen Toiiiien gestiegen; davon gehörten drei Viertel dem Auslände. Im selben Zeitraum stieg der ganze ausländische Schiffsverkehr um 100 Proz., der englische nur um 10 Proz.— Die Schiffserwerbungen der Amerikaner werden zur Ableiiknng des Handels von britischen Hnfeii führen. Obwohl diese Schiffe noch unter 'reiilder Flagge verkehren, so hat doch die Regierung der Bereinigten Staaten erklärt. sie sei bereit, die Interessen der amerikanischen Schiffsbesitzer zu verteidigen. Die von Morgan erworbenen englischen Dainpferlinien sind thatsächlich als' amerikanische z» betrachten.— Der Nord- d e u t s ch e L l o y d hat im selben Zeiträume seinen Schiffsverkehr mehr als verdoppelt. Sein« Flotte hält beinahe 600 000 Tonnen. Diese Zunahme ist ohne Zweifel den Subventioneii zuzuschreiben. Die deutsche Handelsmarine steht praktisch unter Leitung der deutschen Regierung und bildet einen Teil der deutschen Flotte. Diese -nbventionicrten Dampfer machen sich die englische Handelsfreiheit zu nutze und verkehren zwischen England und seinen Kolonien: zwischen Southampton und Singapore, Melbourne, Sydney; zwischen Singapore und Hongkong, Brisbane mid Adelaide. DaS heißt, subventionierte Dampfer, die einen Teil der deutschen Flotte bilden, leben vom britischen Handel. Die Frage ist also nicht nur eine ökonomische, sondern eine politische. Es sind gerade die schiff- ■ahrenden Nationen, die unS mit Krieg beziehen werden. GiffenS Vorschläge laufen darauf hinaus, England möge auch zu Subventionen greifen nnd den subventionierten Dampfern des Auslandes den Verkehr in englischen Häfen möglichst erschweren. » Vom 18. Jrnii wird ans London gemeldet: Das anglo- kanadische Dampfer- Abkommen gilt als ge- !rt auf Grund von Beratungen zwischen den Vertretern der Regierung und Kanadas einerseits und den beteiligten Reedern andrerseits. Die zu zahlende Subvention soll 30— 40 Millionen Mark jährlich betragen, deren genaue Feststellung noch von der Quote abhängt, welche England endgültig übernimmt. Die kanadische Regiermig erbot sich, nach derselben Quelle, ihrerseits 15 Millionen Mark jährlich beizusteuern, falls die britische Regierung ihrerseits 25 Millionen übernehme, während diese angeblich nur die Hälfte der Gesamtsumme zuschießen will.— Oestreich-Nngarn. Ein neues Preftgesetz. Uusre gestrigen Mitteilungen über das neue östreichische Preß« gesetz werden durch folgende Wiener Korrespondenz ergänzt: Inmitten einer förmlichen Obstruktionssitzung' hat Herr v. Koerber dem östreichischen Abgeordnetenhause und noch mehr— denn die stumpfsinnige Abgeordnetenherde interessiert sich nur für den Schacher hinter den Couliffen— der politischen Oesfeutlichkeit eine große Ueberraschimg bereitet: Die Regierung legte den En t- Wurf eines neuen Preßgesetzes vor. Herr v. Koerber hat diese Reform schon in der Thronrede, mit der der Reichsrat vor fünfviertel Jahren eröffnet wurde, versprochen und dieses Versprechen seither wiederholt erneuert: dennoch wirkte die Einlösung wie eine echte Sensation. Die Ueberraschimg war um so angenehmer, als der Entwurf durchaus freisinnigen, modernen Geist zeigt. Allerdings ivar das nichr schwer, denn das östreichische Preßgesetz, das aus' dem Jahre 1863 stammt, ist eine Sammlung der größten Uusinnigkeiten, und es konnte nur reformiert werden, indem es von Grund aus neugeschaffen wurde. Der Entwurf trägt vor allem der große» Beschwerde der östreichische» Journalistik Rechmmg: das sogeiiaimte objektive Ver sah reu, das Verbot' der Weiterverbreitung eines Inhalts ohne persönliche Verfolgung des Thäters. wird gänzlich abgeschafft. Die polizeiliche Beschlagnahme wird auf einige schwere Delikte begrenzt iMajestätsbeleidiginig, Hochverrat, Gotteslästerung, Verletzung der öffentlichen Sittlichkeit, das Verbrechen gegen das Sprengstoffgesetz. Spio- nage und Aufforderung zu einem Verbrechen, wenn die Gefahr dessen Begehung vorliegt), sie unterliegt der gerichtlichen Bestätigung, bei derem Versagen die Pflicht des Staates eintritt, den Schaden zu er- setzen. Die Judikatur über strafbare Handlimgen durch die Presse verbleibt den Geschworenen; nur die Ehrenbeleidigimgen werden den Bezirksgerichten überwiesen. Doch wird die Strafe für sie wesentlich gemildert; anstatt, wie bisher. Vergehen werden sie jetzt Uebertretimgen, und die Strafe wird mit sechs Monaten Arrest begrenzt. Die Colportage, bis jetzt in Oestreich in jeder Art nnd streng verboten, tvird freigegeben. Der verantivortkiche Redacteur wird nicht als Thäter präsumiert, sondern haftet nur für die Vernachlässigung der pflichtgemäßen Sorgfalt. Das B e- richtig ungsverfahren, in Oestreich eine wahre Landplage für die Zeitimge», wird zu Gunsten der Presse ein- geschränkt. Neil' ist auch die Bestimmung, daß aus- l ä n d i s ch e Zeitungen in Oestreich verboten werden können; bisher komite nur ein Verbot gegen die einzelne Nummer erlassen werden, doch ersetzte man freilich den Mangel des all- gemeinen Verbots mit der bekannten Entziehung des Postdebils, die im Effekt auf dasselbe hinauslief. Der Entwurf macht durchaus den Eindruck der Aufrichtigkeit: was er geben will, giebt er, was er verweigern zu müssen glaubt, verweigert er. Fallstricke oder Ikiideutlichkeiteii. ans denen sich in der Praxis Chikancn entwickeln könnten, sind ihm ganz fremd. Er ist, trotz vieler Mängel und Zaghaftigkeiten, ein modernes, geradezu europäisches Preßgesetz, das Herr v. Koerber Oestreich geben will. Der Entwurf hat auch politische Absicht und er hat sie rasch erreicht. Gestern wurde das Haus von rechts und links obstruiert— die Jmigczechen gegen die Fahrkartensteuer, die Altdeutschen gegen einen Vertrag, den der Staat mit der Donandainpfschisfahrts-Gesell- schaft abschließen soll— aber heute hat sich das politische Wetter vollständig geklärt. Nach zwei ObstruktionSredeii sind die Dringlichkeits« auträge zurückgezogen worden und die Verhandlung der Tages- ordniiiig geht unbeirrt weiter. Gegen den Minister, der ernste Reformen vorschlägt, kommen die hin- und hertrottenden Parteien nicht auf.— Frankreich. Tie Urteile der Presse über daS neue Ministerium. PariS, 13. Juni. Nach Richtigstellimg deS AbstimmniigS« ergebnisses ist die Vertrauensfrage gestern in der Deputierten- kammer mit 309 gegen 117 Stimmen angenommen worden. 149 Ab- geordnete enthielten sich der Abstimmung, darunter fast alle gemäßigten Republikaner und alle Socialtsteu.(?) Die radikalen Blätter weisen mit Befriedigung auf die Mehrheit hin, die das Kabinett gefunden hat, und erblicken darin ein Anzeichen, daß die neue Teputierteukammer entschlossen sei, für den Fortschritt und die Durchführung von Reformen em« zutreten. Die socialistisch-radikalen und socialistischen Blätter finden, daß der Ministerpiäsideiit sich zu sehr ans den ge- mästtgtcn Flügel der republikanischen Mehrheit stützen wolle. Die Radikalen und Socialistcn hätten der Regierung gleichwohl ihr Vertrauen votiert; aber der Kredit, den sie ihr gewähren, werde nicht imbegreiizt sein. Der Ministerpräsident möge bedenken, daß sein Amt nicht eine philosophische Lehrkanzel sei, sondern daß regieren gleichbedeutend sei mit Handeln. Die nationalistischen und kon- servaiiven Organe greifen Janrös wegen der Elsaß-Lothringen betreffenden Stelle seiner Rede sehr scharf an. Spanien. Die Ursache der Zerrüttung. Aus Madrid wird der „V. Z." berichtet: Die von der Regierung vorgenommene Zählung der religiösen Genossenschaften, Bruderschaften usw. führte zu sehr bemerkeiisiverten Ergebiiiffen. Danach beläuft sich die Zahl der geistliche» Gcnosicuschaften in der Provinz Balearen auf 84. in Sevilla auf 103, Granada 153, Valencia 156, Madrid 163, Valladolid 170,Giiipiizcoa280, Barcelona 420.Castelloii 459, Navarra 600, zusammen 2690 für zehn Provinzen. Die Daten von sieben der 49 Provinzen Spaniens fehlen gänzlich. Für die übrigen 42 Pro- viuzeii wird die Zahl der Geiiosienschaften auf rund 6000 mit 60 000 Mönchen und Nonnen veranschlagt. Die Gesamtzahl für Spanien dürfte 100 000 erreichen, da drei Orden, die durch das Konkordat besonders geschützt sind, nicht eingeschrieben sind und viele Klöster zudem unrichtige Zahlen angegeben haben.— Italien. Kommunalpolitik. Rom, 10. Jimi. Die wirtichaftspolilische und sociale Beihätigmig der iralienischen Städtcverwaltungen hat neuerer Zeit einen be- merkenswerten Aufschwung genommen, und zwar hauptsächlich auf Anregung der Volksparteien(Socialisten, Republikaner und Radikalen). So dabcn viele Gemeinden den uiieiitgcltlichen Imbiß in den Schulen eingeführt, die GaSbelenchtun» niuii'icipalisiert, die Hospitäler in weilliche Hände übergeführt, den Octroi in Konimiinalverwaltmig über- nommen, die elektrische Straßenbahn von den Privaten abgelöst usw. Mailand hat sich speciell dem Gesundheitsschutz der Arbeiter zu- gewendet; es wurde ein Regleinent erlassen, das allen Jndilftriellen vorschreibt, ihre Etablissenients mit Speiseraum, Waschgelegeuheit und Garderobe für die Arbeiter zu versehen, ferner eine kleine Apotheke für Unglücksfälle einzurichten; die Kominune erteilt außerdem dem Bürgermeister den Auftrag, vennittelst der Saiiitälsbcamtcn die Dauer und Verteilung der regelmäßigen Arbeitszeit in den industriellen Etablissements nnd Werkstätten zu überwachen. Schließ- lich hat die Stadt Mailand die Gründung eines Instituts in Angriff genommen, welches dem Studium der Arbeiterkrankheiten gewidmet ist. Aber die Thätigkeit der italienischen Gemeinden wird nicht mir im Süden durch die C a m o r r a, sondern auch durch legislative Maßregeln gehindert, welche unter dem Borwande des Schutzes öffentlicher Gelder getrosten worden sind. Um» nun die Kommimal- Politik freier und unabhängiger zu gestalten, hat der Minister des Innern. G i o l i t t i, einen Gesetzentwurf betreffend die Mnnicipali- lation der öffentlichen Dienste eingebracht. Obgleich dieser Gesetz- cntwurf eine sehr beschwerliche staatliche Kontrolle vorsieht, ö bedeutet er doch einen tüchtigen Schritt vorwärts; er räumt den Gemeinden die Municipalisation ein von Wasser- leitimgen, privater lind öffentlicher Beleuchtung. Kanalisation und Venvendung der Duugstoffe, Stiaßeiibahnen mit Tier- oder mechanischem Betrieb, Telephonen, Apothelen, Straßenreuiigimg, LeichentraiiSport, Normalbäckereien, Fleischbänken, Märkten, Bädern und Waschanstalten, Asylen für Obdachlose, Oninibnflc» und Auto- mobilen. Trieb- und Wasserkräften, Plakatwesen, Trocken- Ans- bewahrungsanstalten von Mais ec. je. Die betreffende Kommission der Kammer, der dieses Gesetz vorliegt, macht den Vorschlag, auch die Triebkraft zu inunicipalisieren, die aus der elektrischen Energie oder aus der Wasserkraft gewonnen wird, ans jener weißen Kohle, auf die nun so viele Hoffnungen Italiens gesetzt sind. Um ferner die Teiliiahine der Bürger am kommimaleu Leben lebhafter zu gestalten, hat der Abg. S a c ch i einen Gesetzentwurf bezüglich des kommunalen Referendums eingebracht für da? schon Expirnnente seitens ewiger demokratisch- socialdemo» kratischer Magistrate vorliegen, so in Crema. Mantua, Parma, Mai- land. Oneglia, Castel-Bolognese-c. Dieses Referendum soll unter andre» Angelegenheiten den städtischen Zuschuß für das Theater, den Stundenplan der Schulen,.die Ablösung des Octrois u. a. m. betreffen.— England. London, 13. Juni. In politischen Kreisen herrscht die Ansicht vor, daß das jetzige Parlament, welches über die Frage des Krieges gewählt worden ist. den Friedensschluß nicht überdauern könne. Man sieht auch bereits Anzeichen, daß die Regierung sich mit dem Gedanken von Neuwahlen trägt. Die liberalen und konservativen Vereine in der Provinz sind angewiesen worden, von den neu eingeschriebenen Wählern Kenntnis zu nehmen. Wie verlautet, werden Louis Botha rmd D e W e t nach den Äronungsfeierlichkcitcn London besuchen. Für die Heimführung der aus der Insel St. Helena internierten Boeren ist von der Regierung bereits ein Dampfer nach St. Helena beordert worden. Aus Pretoria wird vom 11. Juni gemeldet: Bis heute haben sich 11 022 Boeren ergeben. Slfien. Aus Armenien gelangen fortdauernd Mitteilungen an die i» West-Europa lebenden Ärmenier, die beweisen, daß die furchtbaren Bedrückungen, denen das armenische Volk ausgesetzt ist, ohne Unterlaß fortdauern. Aus Müsch, einem der Hauptschanplätze türkischer Gräuel, wird geschrieben: .Die hiesige Regierung plant wiederum, mit großem Militär- aufgebot gegen die armenische Bevölkerung vorzugehen. Die Ursache ist wie so oft, daß die Bevölkerung die maßlosen Steuern, die man ihr auferlegt, nicht bezahlen kann. Nu» sollen sie mit Gewalt und Willkür eingetrieben werden. Mülasem sKommandierende von 80 Soldaten) Hadji Allahwerdl-Effendi ist persönlich in den Dörfern und in jedem Dorfe bleibt er 1 bis 2 Tage und verlangt 5- bis 10 000 Piaster. Sobald er in ei» Dorf kommt, läßt er durch die Soldaten sämtliche Männer und Frauen auf einen Haufen treiben und zwingt sie, sich vollständig zu entkleiden, läßt sie mit kaltem Wasser begießen, darauf mit Gerten jedem 30 bis 50 Hiebe schlage», bis sie alle beivußtlos zu Boden fallen. Nachher beginnt das Steuersamnieln; die Unglücklichen müssen, in einem Tage,' alles waS sie noch besitzen, schleunigst ver- kaufen. Die Stencrsainmler, in Ivelchem Dorfe sie auch sind, haben in ihrer Begleitung Fleischer, und wenn ei» Bauer noch eine Kuh oder ein Schaf besitzt, so wird er gezwungen, sie um jeden Preis zu verkaufen, der Ertrag wird als Steuer mit- genominen. Man nimmt dem Landarbeiter das unentbehrliche Vieh, womit sollen diese min ihr Land und Boden bearbeiten? In der Stadt kann man das Priigclsystem nicht so leicht betreiben; aber denijcnigen, der kein Geld hat, werden sämtliche Möbel, Betten, das Getreide für die tägliche Nahnlng und alles mit Gewalt verkauft und wenn in dieser Weise die Steuerrechnung noch nicht erledigt wird, so wirft man die Annseligen in das Gefängnis. Ivo augenblicklich nichr wie 100 Leute wegen der Steuern sitzen.— Im Dorfe HardoSke wurde ein mit dem Namen Karo�belamiter wohlhabender Armenier durch den Bedienten von Kurd Hadji-bey erschossen; der Grund lag nur darin, daß der Betreffende wohl- habend war; wie oft, wenn dieser Hadji-bey von ihm etwa? gewünscht hatte, sei eS Getreide. Geld oder Vieh, hatte er es gegeben; aber in diesen letzte» Tagen antwortete er auf daS Verlangen von Hadji-bey, daß er augenblicklich nichts geben könne, später würde er gebe»; so wurde er einfach auf den Befehl von Hadji-bey totgeschossen; die im Dorfe anwesenden Soldaten haben den Mörder nihig davon laufen lassen� Im vergangenen Herbst wurden von der türkischen Bevölkerung unter dem Namen D j a n- B a s a r Räuberbanden gebildet, die in den bei Müsch gelegenen Dörfern 30—40 Mordthaten begingen und viele Häuser plünderten; jetzt ist die Zahl ähnlicher Banden in unsrer Stadt noch vergrößert. Auch die Kurden drohen, daß sie die Feindseligkeiten und Ileberfälle ivieder beginnen werden. That- sächlich ist die ganze armenische Bevölkerung iviederum in der größten Angst. Die türkische Regierung schützt die Unglück- licheu nicht nur nicht, sie verübt selbst die schlimmsten llngerechtig- leiten. Wegen des Knlil-Aga ans Sasfun, der in der Gegend von Audog getötet wurde, sind 40— 50 Armenier im Gefängnis, von denen manche bereits seit 1>/s Jahren auf daS Verhör warten; erst jetzt wurde daS Verhör begonnen. Es ist offenbar, daß alle unschuldig jkud, aber sehr wahrscheinlich werden diejenigen, die arm sind und kein Geld haben, um die Richter zu bestechen, zun» Tode verurteilt, nnd diejenigen, die etwas besitzen, mit leichten Strafen davon- kommen.' Russisch-englischer Konflikt in China. Den.Times' wird aus Peking vom 12. Juni gemeldet: Rußland verharrt b e i seinem Einspruch gegen das Eiscnbahnabkommen mit Eng- land und verweigert die Ratifikation de» Mandschurei- BertrageS, wenn das Abkommen nicht geändert wird. Das chinesische Auswärtige Amt will sich mit Zustimmung des englischen Gesandten bemühen, den russischen Einwänden zu begegnen. Rußlands Vordringen nach Perfien. e r k t haben>v i l I.— Die Zeugin Kretzschmar bleibt an Befragen dabei, daß sie niemand gesehen.— Rechtsanwalt Dr. Werthauer: Zeugin Kretzschmar. hat außer Ihne» und Löffler noch jemand einen Korridorschliissel zn der Lösflerschen Wohnung?— Zeugin: Nein.— Ein Geschworner richtet an den Angeklagten die Frage, ob Löffler ihm denn nicht erzählt habe, als er am Abend des 30. September zu ihm gekommen sei, daß der oder der bei ihm gewesen sei?— Angekl.': Nein.— Präs.: Bei dem intimen Verkehr, den Sie mit Löffler unterhielten, ist dies doch auffällig,— Angekl.: Fräulein Kretzschmar, ist es vorgekommen. daß Sie Briefe, die von Löffler geschrieben, couvertiert und geschlossen waren, wieder geöffnet habe», angeblich weil der llmschlag beschmutzt war?— Zeugin: Das kann wohl vor- gekommen sein.— Verteidiger Dr. Werthauer: Bevor ich die Vernehmung mit der Zeugin abschließe, möchte ich noch einmal die Frage an sie richten, ob sie dabei bleibt, daß sie mit Löffler keinen intimen Verkehr unterhalten hat.— Zeugin: Dabei bleibe ich. Die Beiveisanfnahme ist somit beendet bis ans die Vernehmung der Zeugin Henke und des Herrn v. Rheinbabc». Es soll telephonisch angefragt werden, ob er in de» Besitz der Ladung gelangt und vielleicht unterwegs ist. Der Angeklagte Thomaschke wendet sich»och in längeren Ausführungen gegen die Annahme, daß die Cigarren- osche, die auf dem einen Bein der Leiche gesunden wurde, von dem- jenigen herrühre, der die Leiche auf das Sofa gelegt habe» svlle. Es tritt dann eine Pause von einer Viertelstunde ein. Nach Wiederaufnahme der Sitzung stellt sich heraus. daß keiner der beiden erwarteten Zeugen zur Stelle ist. Herr v. Nheinbaben entschuldigt sich mit Krankheit. Es wird von allen Seiten auf die Vernehmung dieser Zeugen verzichtet und die Beweisaufnahme ge- schlössen. Die Schuldfragen gegen den Angeklagten lauten auf Mord und Unterschlagung. Staatsanwalt Randolph ist der Ueberzeugung, daß der Angeklagte derjenige gewesen ist, welcher dem verstorbenen Löffler Gift beigebracht und ihn dadurch ermordet hat. Selbstmord scheint auch schon um deshalb aus- geschlossen zn sein, weil Löffler nicht eine Zeile einer lctztwilligen Verfügung hinterließ, was ein Mann wie Löfflcr sicher gethan haben würde. Sehen wir uns mm die Persönlichkeit dcö Verstorbenen etwas näher an. Er ivar keine sympathische Persönlichkeit, er hatte insgesamt 13 Jahre im Gefängnisse und im Zuchthaus zugebracht. Aber nach der letzten Bestrafung hat er sich redlich bemüht, auf dem rechten Weg zu bleiben. Das belveist die Thntsachc, daßerzwei- mal wegen Betrugs und Wuchers auf Antrag der Staatsanwaltschaft freigesprochen wurde. Löffler niachte Geldgeschäfte, und es mögen nicht immer die saubersten geivesen sein. Der Umstand,' daß er seine» Geld- gebern gegenüber für die pünktliche Einlösung der Wechsel vcr- pflichtet war, hatte ihn Ende September in Verlegenheit gebracht, »ud er sollte am 2. Oktober den OffcnbarungSeid leisten. Aber wenn ihm dies Sorge bereitet haben sollte, so sei doch erwiesen, daß ihm die Sorge bereits am 30. September, vor seinem Tode, abgenommen ivorden war. Das konnte also nicht der Grund zu einem Selbstmord sein. Es ist auch die Version angedeutet worden, daß vielleicht ein politischer Mord vorliegen könne. Dem Kriminalkommissar Schöne i st es nicht gestattet worden, hierüber Zeugnis ab- zulegen, und ich kann mich deshalb nicht darüber äußern, aber ich kann versichern, daß diese Möglichkeit gänzlich ausgeschlossen ist. Thomaschke hat, wie erwiesen ist, Löffler um 10 Uhr verlassen, der letztere hat ihn um 3 Uhr bis zur Thür begleitet und als vorsichtiger Mann die Thür wieder verschlossen Wann sollte dann der fremde Mörder gekommen sein? In betreff des Fräulein Kretzschmar, die ebenfalls verdächtigt wurde, ist hervorzuheben, daß sie ihr Alibi nach- gewiesen hat. Prüfen wir nun das BeweiSmnterial, welches aus thatsächlichen, logischen und psychologischen Gesichlspunkten gegen Thomaschke spricht. Die erste Frage:„Wie ist er zu dem Gift ge- kommen?" ist nicht mit Bestimmtheit zu beantworten. Aber wer kennt alle Verbindungen, über die ein alter gewiegter Verbrecher ver- fügt? Bei der ersten Vernehmung Thomaschkes wurde mehr Geld bei ihm gefunden, als er auf einen reellen Erwerb nachzuweisen bernwchte. lieber die Zeitangaben, wann er zu Löfflcr gekommen, wann er wieder gegangen sei usw., war er sich wohl klar und veränderte sie bei seinen späteren Vernehmungen, lieber die Art, wie Thomaschke zu den Wertsachen gekommen sein will, die früher Eigen- tuni Löfflers waren, hat er Angaben gemacht, die teils nnglaub- würdig, teils widerlegt sind. Es'ist meine tiesinnerste Ueberzeugung, daß der Mann, der vor Ihnen sitzt, der Mörder LöfflcrS ist. Ans tiefster, innerster Ueberzeugung bitte ich Sie, meine Herren Seschworeuen, sprechen Sie den Angeklagten schuldig. Es tritt eine Stunde Pause ein. Nach Beendigung der Pause nimmt der erste Verteidiger NechtSauwalt Dr. Wcrthanrr das Wort. Er hält es für zweifellos, daß der verstorbene Löffler an Gift verstorben ist, aber keineswegs für erivicsen, daß der Augeklagte der Thäter gewesen sei. Er werde deshalb auf Freisprechung plnidicrcn. Der Verteidiger sucht nachzuweisen, daß Löffler sich im September in einer argen Klemme befand. Nachbar» hatten nicht nur in der Nacht zum 1. Oktober, sondern weit früher häufig in derLöfflerschen Wohnung häufig Stöhnen gehört, ein Beweis, daß er mit einem Leiden behaftet ivar. Damals habe Löffler sich wiederholt dahin geäußert, es sei am besten, er mache ein Ende. Es könne gar nicht die Aufgabe der Verteidigung sein, den Nachweis z» liefern, daß Löffler Selbst- mord verübt habe, oder von anderer Seite ermordet worden sei, aber ein Beweis dafür, daß Thomaschke der Thäter sei, könne sicher nicht als erbracht angesehen werden und deshalb beantrage er bei den Geschworenen, die Schuldfrage zu verneinen. Justizrat Dr. Sello: Die Staatsanwaltschaft hat bewiesen, daß Thomaschke ein vielfach vorbestrafter Mann ist, dem man sich unter Umständen einer schweren That versehen kann. Aber sie hat nicht bewiesen, daß Thomaschke der Mann war, von dessen Hand Löffler starb. Es sind drei vcr- schiedene Annahmen vorhanden: 1. ist Löfflcr durch ein Versehen gestorben? 2. hat er Selbstmord verübt? und 3. ist ihm das Gift vorsätzlich von fremder Hand eingeflößt worden? Was nun die erste Annahme betrifft, so halte ich sie für wenig wahrscheinlich, aber sie muß doch in den Bereich Ihrer Erwägungen gezogen werden. Weit niehr sprechen die Umstände dafür, daß ein Selbstmord vorliegt, und wenn auch nur ein einziger Umstand vor- läge, so müßte dies dem Augeklagten zu gute koinmen. Sei es nicht wahrscheinlich, daß Löffler in der Stille der Nacht von den auf ihn einstürmenden Gedanken aus der dunklen Vergangenheit über- mannt, zu dem Entschlüsse kam„Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Scheccken ohne Ende?" Wer könne wisse», was es mit dem Besuch auf sich hatte, den Löffler am Abend des 30. September nach dem einwandsfreien Zeugnis der Frau Göring erhielt? Er be- Haupte, daß Fräulein Krctzschniar den Namen des Besuchers verschweige, wie man ihr auch andre Unwahrheiten nach- weisen könne. Alle Leute, welche die still und friedlich daliegende Leiche sahen, waren der Ansicht, daß Löfflcr eines natürlichen Todes gestorben sei, nur die Kretzschmar rief:„das hat kein andrer gethan als Thomaschke!* Ob das mit dem Besucher vom vorigen Tage verabredet war?— Der Verteidiger erörtert sodann die Frage der Aneignung derLöfflerschen Wertsachen und kommt ebenso wie der Verteidiger Dr. Wcrthnner zn dem Schlüsse, daß Thomaschkes An- gaben nicht jeder Wahrscheinlichkeit entbehrten. Auch Justizrat Dr. Sello sprach die Erwartung aus, daß die Geschworenen auf Nicht- schuldig erkennen würden._ Vevlcrmntlnngen. Der socialdeiiiokratische Wnhlvercin für den Z. Berliner Reichstags- Wahlkreis hatte am 10. Juni bei Franke, Sebastian- straße 39, eine Versammlung, in der Reichstags- Abgeordneter Wolfgang Heine über„Die Grundlagen und die Organisierung des Kampfes der Arbeiterklasse" sprach. Genosse Heine erörterte nacheinander die idealistischen, die wissenschaftlich theoretischen und die praktisch politische» Elemente des Kampfes der Arbeiterklasse. Marx und Engels hätten es unternommen, den Socialismus aus der Utopie zur Wissenschaft zu entwickeln, zur Lehre von dem g c- ch i ch t l i ch Notwendigen und Zukünftige n. Freilich sei bei solchen wissenschaftlichcu Konslrnltioucn der Zukunft auch Irrtum nicht ausgeschlossen und bedenklicher noch sei die namentlich in den lrtzte» Jahren unter den Gelehrten der Partei hervor- getretene Neigung zu leidenschaftlichen theoretischen Streitereien über völlig abstrakte oder wer weiß wie weit in der Zukunft liegende Probleme. Demgegenüber sei erfreulich die thntkräftige Einigkeit der Partei in der Praxis, und man könne wohl sagen, daß sich der Socialismus wie einst von der Utopie zur Wissen- Haft, so später von der Wissenschaft zur praktischen Politik entwickelt habe. Dennoch lasse er, Redner, sich nicht die großen umfassenden Ge- danken der socialistischcn Wissenschaft verleiden. Gerade die Marxistische Theorie enthalte die Himvcise auf eine wirkliche Real- Politik. Sic lehre, daß man thun solle, was Macht bringe, und daß man nur unternehmen könne, wozu man die wirkliche Kraft habe. Man treibe Politik nicht Theorien oder ästhetischen Eindrücken zuliebe, sondern um des Erfolges willen. Unsrc Politik habe sich zu stützen ans die Mächte und Kräfte, die ivir besitzen und kennen. Zn den realen Machtfaktoren, die die kämpfende Arbeiterklasse in die Wagschale zn werfen habe, gehören auch der Glaube an unser Ziel, die sittliche Ueberzeugung von der Pflicht, ihm nachzustreben; aber auch die Selbstzucht, die uns nicht mehr unternehmen lasse, als was wir vollbringen könnten. Hätte zum Beispiel die Arbeiterklasse bei Verhängung des Socialisten- gcsetzes zur gewaltsamen Revolution gegriffen, dann hätte sie sich eines ungeeigneten Mittels bedient, das für sie keine Kraft, sondern eine Schwäche bedeutet hätte. Redner geht dann auf die Machtfaktorcn des wirtschaftlichen Lebens ein und legt näher dar. daß ein so komplizierter Mechanismus wie die moderne Produktionsweise sich nur langsam umgestalten lasse. Wollte man sie mit plumper Faust zusammen- ichlagen, und bilde man sich ein. mit Hilfe der politischen Macht durch Dekret an ihre Stelle in drei Monaten eine socialistische Ge- ellschaft setzen zn können, so würde daraus höchstens eine Wirrnis entstehen, die den socialistischcn Gedanken in Miß- kredit bringen müßte, und die eine Nation völlig ans dem Gebiete der Kultur ausschalten könnte. Seit Marx gelehrt habe, daß die politischen Formen abhängig seien von den wirtschaftlichen Kräften, müsse man jede Politik des plötzlichen Ein- reißens unwissenschaftlich»enneii, und wer solche Theorie vertrete, der sollte sie nicht mit den Namen von Marx und Engels schmücken. — Den Gewerkschaften und den neuanfgekommcnen Genossenschaften mißt der Referent Bedeutung bei nicht nur für die Bessernng der wirtschaftlichen Lage der Arbeiterschaft, sondern auch für die Ent- Wicklung politischer Fähigkeiten, namentlich der Uebuug im Abmessen von Kräften und Wirkungen. Im übrigen dürfe man plötzliche Wundcrthaten von der gewerkschaftlichen und genossenschaftlichen Agitation so wenig verlangen, wie man auf dem Gebiete der eigent- lichcn Politik daran glauben solle. Die nächste politische Aufgabe sei. in den preußischen Landtag zn komme», möge es gehen, wie es wolle. Ohne Bündnis werde es nicht gehen; das Bündnis sei ein notwendiges Kampf- und Machtmittel, im Kriege wie in der Politik. Entscheidend sei, ob ein Bündnis»nsre Macht stärke. Es sei keine Ehe, sondern werde für einen bestimmten Zweck geschlossen, und hindere deshalb nicht die Fortführung des Kampfes zwischen den Vertragschließenden ans anderen Gebieten. Redner äußert sich über da? M i n i st e r e x p e r i m e n t in ikreich und sagt, daß dergleichen unter Umständen nützlich sein könne, aber nur wenn die Partei sähig sei, sich bewußt auf bestimmte praktische Ziele zu beschränken und sonstige Wünsche diesen einstweilen unterzuordnen. So lange es an solcher politischen Reife und Selbstzucht fehle, müßte man sich gegen derartige Versuche erklären. lieber die Vorkommnisse in Belgien bemerkt Redner, ihm schiene, als ob die dortigen Genossen zu viel von revolutionären Maßregeln geredet hatte», die durchzuführen sie nicht stark genug gewesen wären. Die Politik der Redensart und der Demonstration ei dort der Politik thatsächlichcr Machtmittel unterlegen, woraus sich interessante Lehren ziehen lassen. Den von-Porvus, Rosa Lnxcmberg und Bernstein empfohlenen politischen Massenstreik bekämpft Redner als ein am Schreibtische ausgedachtcS, mit den thatsächlichen Verhältnissen im heutigen Deutschland uuvereinbares Kampfmittel. Zwar sei er nur als friedliche Demonstration gedacht, aber man könne unmöglich eine Menge von Millionen ans die Straße schicken, ohne daß es binnen kurzem zum Straßenkampfe käme. Wolle man die gewaltsame Revolution nicht, worüber wir ja alle einig seien, so könne nian auch den politischen Massenstreik nicht anwenden. Redner schließt mit einem Aufrufe zur Fortsetzung nnsrer bis- herigcn Arbeit, die zwar nicht großartig anösche, aber doch ständig mitivirke an der Hebung der Kultur. An dem endlichen Siege zweifle er nicht.(Lebhafter Beifall.) Da sich zur Diskussion niemand meldete, wurde die Versammlung nach dem Vortrage geschlossen. S Zn einem wuchtigen Protest gegen die prenffische Polen- Politik gestaltete sich die am Mittwoch im„Moabiter Gesellschafts- Haus" abgehaltene V o l I s v e r s a m m l n n g. Reichstags- Ab- geordneter L e d e b o n r unterzog daselbst in andcrthnlbstüiidigcr Rede die in den Ostmarken, geübte Zwangsgermanisiernng im all- gemeinen, sowie die jüngsten Regternngsmaßnahnien gegen die Polen im besonderen einer scharfen Kritik. Selbst wenn man, so führte Redner ans, sich mit dem anfrichtigsten Bemühen in das Denken und Empfinde» eines preußischen Staatsministers hinein- versetzen wolle, so frage man sich dennoch vergeblich: Was ist ge- schehen, um den neuesten Polenfeldziig derRegieruug zu rechtfertigen? Wir wissen es nicht und die Regierimg auch nicht. Die Angst vor den Polen sei nur begründet, wenn die Deutschen allesamt„Hasen- herzen" in der Brust hätten. Nach einem historischen Rückblick auf den Verfall des ehemaligen Polenreiches durch die verlotterte Schachzizen- Wirtschaft und die Teilung Polens durch die benachbarten Militärstaaten legte der Vortragende die Gründe klar, die den Antagonismus der Polen gegen ihre Unterdrücker zur Folge haben mußten. Jedoch die ewigen' Polizeichikanen sowohl, als auch die Germanifiernngsversuche durch die wirtschaftliche Expropriation mittels des Geldes der preußischen Steuerzahler, zu denen auch die Polen gehöre», hätten zu einem kläglichen Fiasko der Regierung geführt. Eine verständige Regierung würde daraus die richtigen Lehren gezogen habe»; von preußischen StantSniännern könne man soviel Einsicht indessen nicht verlangen. Es gehöre wirklich schon Ministerverstand dazu, trotz aller Mißerfolge des bisher beliebten GermanisiernngSsyslems weitere 250 Millionen Mark den Steuerzahlern abzuknöpfen und durch deren Verwendung zuni Auskauf polnischer Grundbesitzer ein Vor- dringen des deutschen Elementes zn erwarten. Gebührende Würdigung fand ebenfalls die Thätigkeit des Hakatistenvereins, sowie die Kaninchenrede des Grafen Bülow. Die Sucht, in mög- lichst bilder- und blumenreicher Sprache zn reden, habe den Reichskanzler dazu bewogen, das deutsche Volk mit Hasen zu vergleichen; einen Vergleich, den wenigstens die Arbeiterschaft dankend ablehnen müsse. Durch die unglaublich kurzsichtige ZwangS- Politik der Regierung sei die Kluft zwischen Polen und Deutschen nur noch größer geworden: Auch hier zeige es sich wieder, daß nur die Socialdcmokratie den Gedanken der nationalen Toleranz vertrete. Durch unsre Thätigkeit würden wir auch die Gefahren abwenden, welche durch die verkehrte Haltung der Regierung und der thörichten Hakalisten heranfbeschivorc» werden.(Stürmischer Beifall.) In der Diskussion sprachen Genosse B o g s und ein polnischer Arbeiter im Sinne des Referenten. Während des Schlußwortes empfahl Ledebour folgende Resolution: „Die am Mittwoch, den 11. Juni 1902, in Moabit tagende Volksverfammlung protestiert gegen die von der preußischen Rc- gierung inscenierte Unterdrückungspolitik gegenüber der polnisch sprechenden Bevölkerung im preußischen Staatsgebiet. Sie hält es für grundverkehrt, aus den Mitteln der Gesamtsteuerzahler des preußischen Staates einen Kampffonds zu schaffe», um durch dessen Anwendung einen Teil der Bevölkerung in seinem nationalen Empfinden tief zn verletzen. Die Versammlung hält diese Maß- »ahme um so mehr für verkehrt, als dadurch nur eine maßlose Verhetzung der einzelnen Volksstämme im preußischen Staate untereinander herbeigeführt wird. Getreu den Traditionen der socialdemokratischen Partei verlangt die Versammlung die Anerkennung der Gleichberechtigung der Staatsangehörigen jeder Sprachgemeinschaft und erwartet von der preußische» Regierung, daß sie auch auf die polnische Bevölkerung des preußischen Staates die gebührende Rücksicht nimmt." Diese Resolution fand einstimmige Annahme. Nachdem noch der Vorsitzende Fischer zum Eintritt in den Wahlvercin und zum Abonuenicnt des„Vorwärts" aufgefordert hatte, wurde die imposante Versammlung mit einem Hoch auf die Socialdemokratie geschlossen. ßfctzke Nttlszvirszken und Depepchen. Drcibnnd und Zolltarif. Budapest, 13.Jnni.(W.T.B.)Abgeordnetenhaus. Ministerpräsident v. Szell beantwortet die vom Abg.Visontari am 19. April eingebrachte Interpellation, betreffend den Dreibund und verweist den Frage- steller auf die von ihm, dem Ministerpräsidenten, in der ungarischen Delegation abgegebenen Erklärungen. Auf die Frage des Interpellanten, ob der defensive Charakter des Bündnisses in dem neuen Vertrag erhalten geblieben sei, erwidert der Ministerpräsident: Der In- halt des neuen Vertrages ist ganz gleichwertig mit dem alten. In feinem Wesen und in seinen großen Motiven ist der neue Vertrag identisch mit dem alten Vertrag. Im übrigen verweise ich auf die Aeußcrungen des Grafen v. Bülow, wie die der Minister Painctls und Graf' Goluchowski. Mit Bezug auf eine Frage Visontaris nach der Unterredung von Szells und des Grasen Bülow erklärt Redner, dies gehöre nicht hierher. Er könne nur so- viel sagen, daß diese Unternehmungen sich ganz mit den~ großen Zwecken des Dreibunds und nut jenen Gefühlen decken, welche er, Redner, für die verbündeten Staaten empfinde. Hinsichtlich des wirtschaftlichen Verhältnisses zu Deutschland erklärt v. Szell: Ich kann zn meinem große» Bedauern nicht leugnen, daß dieses Verhältnis nicht so beschaffen ist. wie es wünschenswert wäre, und daß wir das Entgegenkommen ver- missen, auf das wir auf Grund des jetzigen Vertrages Anspruch haben. Es bleibt uns bezüglich der Viehcinfuhr und des Veterinär- Wesens viel zu wünschen übrig. Der Zolltarif, den Deutschland aufgestellt hat, ist, eS läßt sich nicht leugnen. gegen unser Interesse gerichtet. Allerdings ist dies ein autonomer Zolltarif, und noch nicht ein Handelsvertrag. Der Ministerpräsident drückt trotz dieser Schwierig- leiten die Hoffnung aus, daß der Abschluß eines Handelsvertrages möglich sein werde und fährt fort: Ich hoffe, daß wir weder mit Deutschland noch mit Italien in einen Vertrags- losen Zustand geraten werden. Das BiindnisvcrhältniS ist»ichl stark genug, um vorübergehende wirtschaftliche Differenzen im Keime zu ersticken; allein einen dauernden wirtschaftlichen Krieg duldet die Allianz nicht. Das Haus kann überzeugt sein, daß unsre Wirtschaft- liche» Interessen niemals aufgeopfert oder verletzt werden.(Allgemeiner lebhafter Beifall.) Die Antwort des Ministerpräsidenten wurde vom Hauss'zur Kenntnis genommen. Dresden, 13. Juni. Der Zustand des Kölligs hat sich erheblich verschlechtert. Bochnm, 13. Juni. lB. H.) In einem Stadtteil von Witten ist der Typhnö ausgebrochen; bisher wurden 7 Fälle festgestellt. Ein Brunnen wurde behördlich geschlossen, ferner wird vor Benutzung des Wassers eines Baches gewarnt. Wien, 13. Juni.(W. T. B.) Das Herrenhaus nahm heute die Gesctzcsvorlagen an betreffend die Aufhebung der Mauten, den Schutz des Zeichens und Namens des Noten Kreuzes und Er- Icichtcrung der Beschaffung gesunder und billiger Arbeilcrivohnungcn. Das Abgeordnetenhaus nahm die Vorlage betreffend Regelung des Arbeitsverhältnisses der bei den Eiscnbahr.regicbauteu vcr- weiideten Arbeiter soivie einen Dringlichkeitsantrag Eisenkolb an, der für den Herbst eine Vorlage betreffend Herabsetzung der Hauszins» und Gebändesteuer fordert. Budapest, 13. Juni.(W. T. B.) Infolge Hochtvaffers der Theiß und des JzaflnsscS ist ein Teil der Stadt Marmaros Szigct unter Wasser gesetzt. Das Militär ist eifrig bemüht, die Stadt vor völliger Ileberschwcnmmng zn schützen. Trieft, 13. Jmii.(B. H.) Die Insel Lissa wurde von einem fürchterlichen Orkan und Hagelfchlag heimgesucht. Sämtliche Wein- gärten sind vernichtet und viele Fiscberbarken gesunken. Brüssel, 13. Juni.(. Franks. Ztg.") Dte Stadt Brüffel wurde in letzter BemfinigSinstanz verurteilt, alle während der Straßen- unrulien von 1899 zerbrochenen Fensterscheiben zn bezahlen. Warschau, 13. Juni.dann könne man eher vom Schutz der nationalen Arbeit reden. Aber durch die Verteuerung der Halbfabrikate schädige man die nationale In- dnstrie.(Beifall.) Man müsse umkehren und die verfehlte Zollmelhode aufgeben.(Beifall.) Das größte Interesse erheischen Ganzfabrikate. Das als lünstlichc Seide aus Baumwolle vorgelegte Prodult sei mace- r i s i c r t e Baumwolle. Er frage die Regierung, unter ivclche Position diese falle.(Macerisierte Baumwolle— nach dem Erfinder des Verfahrens, Macer, 1844 benannt— nennt man die Bai»»- wolle, deren Fasern durch konzentrierte Natronlauge behandelt ist und durch deren doppelte Einwirkung auf das Fabrikat diesem Seiden- glänz verliehen wird.) Gehcimrat Heule giebt an, daß dieses Produkt nicht besonders rubriziert sei. In der weiteren Debatte iverden von Müller« Sagan die Nachteile der BiSinarckschcn Zollpolitik besprochen, die eine große Auswanderung zur Folge gehabt habe. Während Handelsminister Möller die Verzollung der Rohstoffe oder Halbfabrikate verteidigt, wendet sich Molkcnbuhr gegen die- selbe aus Rücksicht auf die gesamte Industrie, aber in diesem Falle speciell der Posamenten-Jndnstrie. Bröincl konstatiert gegenüber den Ermahnungen des Vor- sitzenden ani Beginn der' Sitzung, daß die Opposition sich streng sachlich und knapp in ihren Ausführungen gehalten habe, aber die Gegenseite habe allgemeine Fragen über Freihandel und Schutzzoll aufgeivorfcn. Die Ausführungen des Handelsministers seien ver- fehlt.— Die Polemik spinnt sich dann noch zwischen Müller- Sagan. Reißhanö und Schlumberger und dem Handels- ni i n i st c r fort. In der Abstimmung wird zu Pos. 392 der Antrag Bachem angenommen, ebenso zu 393 der Antrag Bachem. 394/96 Florettscide(Abfallseide): 894, ungekämmt— frei; 396, gekämmt: ungefärbt— frei; gefärbt 12 M.; 896: Florett- Seidengespinste, ungefärbt— frei; gefärbt 36 M.; in Verbindung mit andern Spinnstoffen oder Gespinsten, gefärbt oder ungefärbt 36 Mark. Die Socialdemokraten beantrage» Zoll- freiheit. Bandcrt begründet den Antrag. Zum Ansputz von Wirk- und Posamentenwarcn sei das Produkt unentbehrlich; durch dessen Ver- Wendung gewinne die Aiisfiihrindustrie. Die Pracht der Farben werde erhöht. Aber gerade die gefärbte Seide solle durch den Zoll verteuert werden. Durch technische Verbesserungen am Selfactor für die Spinnerei so verändert, daß man auch auf den Unterschied, einmal oder zweimal gezwirnt, nicht das Gewicht legen dürfe, wie der Entwurf das thue. Förderlich für die Industrie sei nur Zollfreiheit. Die Pos. 394/96 werden nach der Vorlage angenommen; ebenso Pos. 396. Schluß der Sitzung 12 Uhr. Nächste Sitzung Mittwoch 9 Uhr. Zur bayrischen Wahlrekorm. In der.Mannheimer Volks- stimme" beschäftigt sich Genosse E r h a rst- Ludwigshafen inZ zwei Artikeln mit der Kritik, die Genosse Bebel an dem Verhalten der Sovnllbend. iL liini 1902. bayrischen Landtagsfraktion geübti hat. sErhart verteidigt die Haltung der Fraktion; er geht die Angriffe Bebels der Reihe nach durch und findet sie durchweg unberechtigt. ReichstagSkandidaturen. Für den Wahlkieis Elberfeld- Barmen ist Genosse Molken buhr wieder als Kandidat anf- gestellt worden. Im 6. schleswig-holsteinischen Kreise wird voraussichtlich Genosse Paul Müller in Hamburg, Vor- sitzender des Seemannsverbandes, aufgestellt werden. Die Wahl- kreisleitung hat einstimmig beschlossen, ihn der Kreiskonferenz vor- zuschlagen. Bei der letzten Wahl kandidierte in diesem Kreise Ge- nosse Martikke, der mit dem Nationalliberalen in Stichwahl kam. Gewählt wurde der Nationalliberale mit Hilfe der National- socialen. Ei» gerichtsnotorischer Spitzel in Zürich. Die Mitglied- schast östreichischer Socialisten in Zürich schloß im vorigen Jahre ihr Mitglied Stefan H e i l m a n n ans Oestreich wegen Spitzelei, schmutziger Handelsgeschäfte und unmoralischem Lebenswandel aus und veröffentlichte ihren Beschluß im.Volksrecht". Daraufhin ver- klagte Heilmann den Genossen Katz wegen Ehrverletzung. In der dieser Tage vor dem Bezirksgericht Zürich stattgefundenen Vcrhand« lung wurde Heilmann mit seiner Klage aber abgewiesen und außer- dem zur Tragnng der Kosten, zu einer Staatsbuße von 30 Fr. und zu einer Entschädigung von 70 Fr. an den freigesprochenen Katz ver« urteilt. Heilmann hat gegen dieses Urteil an das Obergericht rekurriert, das aber voraussichtlich das bezirksgerichtliche Urleil bc« stätigen wird. Verschwindet er dann nicht selbst, so wird er wohl aus der Schweiz ausgewiesen werden. Unser Genosse RcgierungSrat Wnflfchleger in Bafel, dem das Departement des Innern übertragen wurde, ist nun von AmteS wegen auch Präsident der Börien kommissio» geworden. Sociales. Schutz der Cigarrenarbeiter. Der Minister für Handel und Gewerbe hat die RegiernngSpräsidenten angewiesen, für die bevor- stehende Erneuerung der Bekanntmachung vom 8. Juli 1893 über die Beschäftigung von Arbeiterinnen und jugendlichen Arbeitern in den zur Anfertigung von Cigarren bestimmten Anlagen(deren Gültig- keit am 1. Mai n. I. erlischt) unter Zuziehung der Gewerbe-Anfsichls- beamtcn zu prüfen, ob etwa noch weitere Beschränknngen der Beschäftigung von Arbeiterinnen und jugendlichen Arbeitern in Bc- trieben der erwähnten Art oder sonstige Abänderungen der Bekannt- machung vom 8. Juli 1893 angezeigt erscheinen. Insbesondere ist zu erwägen, ob der Luftraum für jeden Arbeiter anf mindestens zehn Kubikmeter zu erhöhen ist. Vielleicht sind die Cigarrciiarbeitcr selber in der Lage, niit geeignetem Material aufzuwarten, um eine Verbesserung der Ver- ordnniig herbeizuführen. Die Beschäftigung jugendlicher Arbeiter in Hcchclränmc» ist Gegenstand des Entwurfs einer bnndesrätlichcn Bekanntmachung, die am Donnerstag im Bundesrate nach den Anträgen der Aus- schüsse erledigt wurde, lieber ihren Inhalt ist noch nichts bekannt. Die Prostitution und die Acrzte in Stockholm. Nachdem sich am 28. Februar die schwedische Abteilung der Internationalen Föderation an das Oberstatthaltcranit iu Stockholm um Aufhebung des dort bestchendcn Systems der Reglementierung der Prostitution gewandt hatte, ersuchte das Oberstatthalteramt die„Schwedische Aerztegcsellschast" lim ein Gutachten z» dieser Frage. Mit 72 gegen 60 Stimmen hat nun die Stockholmer Abteilung der Acrztcgesellschaft erklärt, daß die Prostitution in der Hauptstadt sö geordnet sei, wie es sich gehöre und daß nichts vorliege, was diese Auffassung erschüttern könne. Die Minderheit ist jedoch der Ansicht, daß das System in vielen Punkten verbessert werde» könnte, eine Aufhebung der Kon- trolle jedoch aus allgemeinen gesundheitlichen Rücksichten nicht zu empfehlen sei. Für das Recht der Ucberwachung der Prostituierten müsse eine ausreichende gesetzliche Grundlage geschaffen werden. Weil die Ucberwachung hauptsächlich eine sanitäre Maßregel sei, müßten die Prostituierten dem Gesundheitsamt statt den Polizeibehörden unterstellt sein. Die Einregistriernng dürfe auf keinen Fall der Polizei überlassen bleiben, sondern müßte durch Aerzte erfolgen. Niemals sollten Mädchen unter 17 Jahren oder solche, die körperlich nicht voll entwickelt sind, cinregistriert werden. Aus vre Isvnnrnbcmrgung. Die Genossinnen Schöncbcrgö werden hierdurch aufgefordert, Sonntag, den 16. Juni, möglichst zahlreich bei der FIugblatt-Ver« teilung für die Stndtverordneteiiwahl zu helfen und sich zu diesem Zwecke Merseburgerstrnße 7 bei Klitsch ciiiznfindcn. Auch am Wahltage selber, am 17. Juni ist die lhätige Mithilfe der Genossinnen, namentlich nachmittags, erwünscht, damit es nicht an Arbeitskräften fehlt. Die Gegner werden diesmal alle Kräfte einsetzen. Seien deshalb auch die Genossinnen am Platze. Es gilt ihre eignen Jnter- essen. Die Vertrauensperson. Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. Montag, den 16. Juni, Ausflug nach Treptow. Treffpunkt von 4 Uhr ab in Ludwigs Park-Restaurant, Köpenicker Landstraße.(Nicht, wie irrtümlich bekannt gegeben, bei Joel.) Um recht zahlreiche Bc« tciligimg der Mitglieder und Gäste bittet Der Vorstand. Ucber die Beschäftigung mit de» Naturwissenschaften sprach am Montag, den 9 Juni, Dr. Leo A r o n s im Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. Er führte etwa folgendes ans: Als im vorigen Jahrhundert die Naturwisscnschafte» einen ganz nngeahnten Ansschwung nahmen, da glaubte man. daß ihre Forschungsresultate bald Gemeingut des ganzen Volkes werden müßten. DicseHosfmmg hat sich nichterfüllt. Trotz der in neuester Zeit glänzenden Fortschritte der Naturforschung, die heute die entwickeltste unsrer Wissen- schnftcn darstelle, sind natniwissenschaftlichc Kenntnisse durchaus nicht allgemein verbreitet; selbst der nioderne Arbeiter, trotz seines starken BildungstricbeS, verhalte sich oft ablehnend gerade gegen die Be« schäftigung mit den Raturwisseiischaften, weil er fürchte, daß sie ihn von dem ihm einzig wichtig scheinenden Studium, der National- ökonomie, abziehen könnte. Dennoch wäre gerade das Studium der Naturwissenschaft auch für den inlelligentenArbeiter vonhervorragendem Wert. Während die Sociologie mit ihren praktisch politischen Tendenzen den Arbeiter leicht zu einer gewissen Dogmengläubigkeit hinneige» lasse, schütze naturwissenschaftliches Denken am ehesten vor dieser Gefahr. Wie in der altgriechischen Fabel der Riese Antäus so lange unbesieglich blieb, als er die Erde berührte, so verleiht jedem Menschen die innige Berührung niit der Natur immer neue, reiche Kräfte. Der städtische Proletarier, den sein Leben der Natur so gänzlich entfremdet, sollte deshalb umsomehr wieder Fühlung mit ihr durch das Studium ihrer Formen und Gesetze zu gewinnen suchen. Und noch viel notwendiger werde ein solches Studium im Hinblick auf die Erziehung der Kinder. Das Proletarierkind der großen Städte wachse so gänzlich ohne Berührung und ohne Kennt- ins freien Naturlebens auf, daß selbst die alltäglichen Erscheinungen des Sternenhimmels, der Tier- und Pflanzenwell ihm oft un- bekannte Dinge bleiben. Und die Volksschule— anstatt zu einer regeren Entwicklimg des Natursinns und der Beobachtung im Kinde beizutragen— stumpft seinen Geist vielmehr nach wie vor ab, in- dem sie ihn mit toten Formeln erfüllt. Gegen diesen Formalismus wie gegen die traditionelle, dem Proletarier unsympathische Auffassung der Schule in vielen geistigen Fragen wehrt sich der Arbeiter und die Arbeiterfrau vielfach, indem sie den Kindern gegen- über dieser Schnlanffassung ihre ganz gegensätzliche predigen, ohne daß doch der kindliche Geist ini stände wäre, von innen heraus hier eine selbständige Wahl zu treffen. So bleibt eins wie das andre sik das Kind nnr unfnichtbare Redensart. Eine sehr viel bessere G-genwirlnng»egen den ertötenden Geist der Schulfonneln wäre die Einführung des Kindes in die Fragen der Naturwissenschaft an der Hand der Eliern. Zu diesem Zweck existieren einige sehr Wertnolle Hilfsmittel, wie zum Beispiel eine kleine Sammlung natnrwisscnschastlichcr Büchlein für einen Zweig der Nawrforschung. die bei einem änderst billigen Preise von den vorzüglichsten Gelehrten ausgearbeitet sind und besondre Anleitung für den Jngcndunterricht bieten. Neben diesen Büchern empfahl Dr. Arons für ein eingehenderes Studium der Naturwissenschaften die Lektüre des vorzüglichen Werkes von Wilhelm Bölsche:„Eni- wicklungsgeschichte der Natur", das in der eigenartigen dichterisch- phantasicvollcn Art dieses Schriftstellers ein Gesamtbild des modernen Standpunktes der Naturforschung entwirft. Eine solche Gesamt« auschaunng, wie sie Bölsche hier bietet, sei nächst der Beschäftigung mit den einzelneu Forschungszwcigen ebenso notwendig wie erhebend. Der Theologd allerdings werde es gewiß unbegreiflich finden, wie nian die Anschauungen der modernen Naturwissenschaft erhebend nennen könne für den Menschen, dem sie z. B. im Darwinismus eine tierische Ahnenreihe zuschreibe, während die Astronomie längst die ganze Erde zu einem belanglos kleinen Wcltkörpcr im unend- lich weiten Räume herabgesetzt habe. Aber gerade die ge« waltigen Znsammenhänge und Ausblicke i» das Gesamt- gebiet der Natur, wie sie sich in einem für die Menschheitsgeschichte verschwindend kleinen Zeitraum, inner- halb weniger Jahrhunderte. auf Grund der genialen Forschungs- rcsultate der Naturwissenschaft eröffnet habe», gerade diese gewaltigen Ausblicke seien herrlicher und erhebender für den Mcuschcngcist als die naiv-religiösen Vorstellungen früherer Zeiten. An der Hand des Bölschesche» Buches entwickelte nun der Redner in markanten Beispielen die Fortschritte und Ergebnisse einzelner Zweige der Nahmvissenschaft und die modernen Anschauungen der -Forschung über den Zusammenhang und die Beziehungen dieser Zlveige untereinander. Die stark besuchte Versammlung folgte den höchst interessanten Ausführungen bis zum Schluß mit lebhaftestem Interesse. An den Vortrag knüpfte sich eine kurze Diskussion, vorwiegend um das Problem des naturwissenschaftlichen Materialismus. Die nächste Versammlung des Vereins findet Montag, den 23. Juni, in den ArminhaNen, Kommaiidantenstr. 20, statt. Eduard Bernstein wird über„die Arbeiterin in England und den Kampf um ihre sociale Befreiung" sprechen. Prozeß Sonden und Genossen. Vierzehnter Tag. Räch Eröffnung der Sitzung durch Landgerichtsdirektor Heidrich finde» Zeugenvernehmungen über die Terraiuspekulalionen statt, die der Angeklagte Ed. Sauden zusammen mit dem Angeklagten Heinrich Schmidt bezw. Puchmüller in Grundstücken am Savignyplatz bezw. am Kurfürstendanrm gemacht hat. Die Verteidiger bemühen sich, durch Befragen der Zeugen festzustellen, daß Heinrich Schmidt bei dem Terrain am Savignyplatz völlig im Hintergründe gestanden nnd alle geschäftlichen Maßnahme» von Ed. Sanden getrofien worden seien und daß es sich am Kurfürstendamm. Ivo das Terrain für 6,S Millionen Mark gekauft und für 9 Millionen Mark an die Aktiengesellschaft für Grundbesitz und Hypothekenverkehr verkauft worden ist, um Grund und Boden handelte, welcher 9 Millionen wert gewesen sei. Es folgen längere Erörterungen zwischen den Rechtsanwälten Thurm, Bernstein und Dr. Bollert nnd den Sach- verständigen Geh. Rat Hecht und Kommerzienrnt Lucas über dasselbe Thema. Das Ergebnis ist, daß Feststellungen über eine Gewinnbeteiligung des Angeklagten Ed. Sanden an dem Terrain- gefchäft Savigny-Platz nicht gemacht werden können. Justizrat W r o n k e r überreicht eine Anzahl schriftlich formulierter Anträge, die am Montag erledigt werden sollen. Die von jhni be- nannte» Zeugen sollen n. a. bekunden, daß Puchmüller stets bestrebt gewesen sei, gegen jedermann gerecht zu verfahren und daß es nicht seine Schuld war, wenn unangenehme Zwischenfälle bei den Bau- Unternehmungen vorkamen, sondcnr Schuld der Bauunternehmer und Handwerker. Dieselben hätten unter der Behauptung, daß ein andrer Unternehmer eine Parzelle billiger als sie habe kaufen können, eine förmliche Koalition geschlossen. Sande» und Puchmüller hätten alles aufgeboten, damit die Bauten aufs solideste ausgeführt wurden. Andre Zeugen sollen bekunden, daß Puchmüller die Lage der Aktiengesellschaft ivohl für gut halten konnte und mit ihm über die geschäftlichen Beziehungen' der Firma Anhalt u. Wagner zur Prenßenbank und Aktiengesellschaft nie gesprochen wurde. Nach kurzer Pause werden von den Rechtsanwälten B e r n st e i n und Dr. Bollert noch mehrere Anträge auf Zeugenvernehmung gestellt, denen vom Gericht entsprochen tverden soll. Auf Ersuchen des Staatsamvalls Beeck bekundet Bücherrevisor H u s ch k e, daß in den in der Anklageschrift gemachten Angaben betreffend das Gesamteinkommen und Gesamtvermöge» des An- geklagten Eduard Sanden folgende Beträge enthalten sind, die ans dem Einkommen der Frau Sanden herrühren: 1892: 48 7b0 M., 1893: 69 409 M., 1894: 45 623 M., 1895: 72 978 M.. 1896: 63 545 M.. 1897; 65 957 M., 1898: 73 845 M.. ferner folgendes Vermögen der Frau: 1895: 969 940 M.. 1896: 1 117 193 M. Auf Befragen erklärt Angeklagter Ed. Sanden, daß sein Wirtschaftsbedarf jährlich 40 000 bis 50 000 M. betragen habe, wobei zu berücksichtigen sei, daß er eine zahlreiche Familie habe.— Staatsanwalt Beeck hält die Schätzung für viel zu niedrig und meint, daß wohl mehr als das Doppelte herauskommen dürfte. Die Verhandlung tvird hierauf auf zwei Stunden vertagt. In der Nachmittagssitznng, die um 3 Uhr eröffnet wird, tvird ein Fall erörtert, bei dem der Angeklagte Warsinski wegen Un- treue zur Verantwortinig gezogen wird. Die thalsächlicheu Verhältnisse, um die eS sich hier handelt, sind im wesentlichen folgende: Im Jahre 1897 erhielten die Gebrüder Emil und Ferdinand Berg von der Deutschen Grundschuldbauk durch Verniittelnng des Gutsbesitzers Hans v. Wcsternhagcn auf ihr Ber- liner Grundstück Schiffbauerdamm 33 eine erstklassige Hypothek von 1 650 000 M. Auf diese Hypothek wurden in Anrechnung gebracht: 1. bereits eingetragene und von der Bank übernommene Hypotheken 1 330 000 Mark, 2. Provision für die Bank 18 150 M., 3. Provision für v. Western- Hägen 31,850 M., 4. ein Betrag von 14V 000 M., welche als An- zahlung auf vier an die Gebrüder Berg bei dieser Gelegenheit ver- kaufte Charlottenburger Grundstücke zurückbehalten wurde, 6, Kosten für die Uebertragnng der Charlottenburger Grundstücke und die ge- währte Hypothek 23 636 M., 6. rückständige Zinsen der Mccklenbnrgi- scheu Sparbant 3830 M. DaS sind zusammen 1 597 465 M. Nach dieser Berechnung würden die Gebr. Berg, obwohl sich die hypothe- karische Belastung ihres Grundstücks um fast 300 000 M. steigerte, nur 52 534 M. in bar erhalten haben. Dem Angeklagten W a rs i ns ki wird nun vom Staatsanwalt Vorgeivorfen, daß er bei der Beleihung des Grundstücks Schiffbauer- dainm Nr. 33 aus eigennützigen Gründen die im Statut vor- geschriebene Bclcihnngsgrenze überschritten habe. Er soll sich ferner dadurch der Untreue schuldig gemacht haben, daß er auf die von den Gebr. Berg erstandenen Charlottenburger Grundstücke Nestkaufgeld- Hypotheken eintragen ließ und drei davon an die Deutsche Grund- schuldbank abtrat,' obwohl, wie die Anklogebehörde behauptet, die Beträge der Hypotheken die Werte der Grundstücke überstiege». Schließlich soll er der Deutschen Grundschuldbauk bei der Abtretung dieser Hypotheken die üblichen Provisionen vorenthalten haben. Der Angeklagte Warsinski bestreitet entschieden, sich der Un- treue schuldig gemacht zu haben. Ueber die technischen Einzelheiten des Geschäfts, feine Zulässig- keit und den Wert der Charlottenburger Grundstücke sowie der betreffenden Hypotheken erheben sich ivieder sehr eingehende Special« Erörterungen, an denen Staatsanwalt Beeck, die Justizräte M o d l e r und Stern und die Sachverständigen Kommerzienrat Lucas und Geheimrat Hecht— letztere unter Bekämpfung einiger Ausführungen des Angeklagten— teil nehmen. Zu diesem Punkte werden noch die Zeugen Ferd. Berg, Baumeister Sonnenburg und Zeuge Paul vernommen und die Sitzung auf Montag, 9 Uhr, vertagt. Berliner Partei-Angelegenheiten. Vierter Wahlkreis(Südost). Da das Wetter an den Pfingst- feiertagen das Frühkonzert sehr beeinträchtigte, veranstaltet der vierte Berliner Reichstags-Wahlkreis(Südost) ein nochmaliges Frühkonzert am nächsten Sonntag, den 15. d. M., und zwar ebenfalls in den Lokalen von Joel und Ludwig i» Treptow. Die Parteigenossen werden ersucht, sich recht zahlreich daran zu beteiligen, zuinal der Eintrittspreis nur 15 Pf. beträgt. Das Komitee. Die Parteigcnoflen des V. Berliner Wahlkreises ver- anftalte» heute, am Sonnabend, im S ch>v e i z e r- G a r t e n am Königsthor ein Sommerfest. Der schöne Garten des Etablissements bietet den Teilnehmern einen angenehmen Auf- enthalt und für Nnterhaltnng wird ein recht vielseitiges Programm sorgen. Billets sind au der Kasse sowie bei den bekannten Partei- genossen zu haben. Schönebcrg. Sonntag früh von Vz8 Uhr ab Flugblatt- Verbreitung. Treffpunkt bei Klitsch. Mcrseburgcrstraße 7. Die Mitgliedsbücher find zur Abstempelung mitzubringen. FriedrichShagc». Die Mitglieder des Arbeiter-Bil- d u n g s v e r e i u s werden ersucht. sich an der am Sonntag, den 15. Juni, nachmittags 2 Uhr, in Schön ei che im Saale des Herrn Karl Clasen(Waldschloß) staltsiiidcndeu Bersamm- luug. in ivelcher Genosse Stadthagen sprechen wird, recht zahl- reich zu beteiligen. Nieder- Schöuelvcide. Der Wahlvcrcin hält heute. Sonn- abend, abends 3 Uhr bei Franz, Grünauerstraße 5, seine Wer- sammlung ab._ Uoketles. Die„Flucht" anS den höheren Schulen. In der letzten S t a d t v e r o r d u e t« n- S i tz u u g ist bei der Erörterung der Frage, ob an den städtischenhöherenSchulen nach dem Vorschlag des Magistrats das Schulgeld um jähr- lich 10 Mark erhöht werden soll, von einigen Rednern des Freisinns die Befürchtung ausgesprochen worden,«ine solche Maß- regel tvcrde eine Flucht ans den höhere» Schulen zur Folge habe». Schon die Schulgelderhöh n ng von 1895 habe einen bedeutende»Rückgang derFrequenz der städtischen höheren Schul e n b e tv i r k t. Herr Kreitling, der diesen Eintvand vorbrachte, hat sich den Nachweis der Nichtigkeit seiner Behauptung ebenso erspart wie Herr Cassel, der ihm eifrig zustiinmte. Es wäre deu Herren auch recht schwer geworden, diesen Nachweis zu führen. Zutreffend ist nnr, daß die Frequenz der höheren Schule» zurückgegangen ist. Daß die Ursache dieser Erscheinung in jener Schnkgelderhöhung von 1395 zu suchen sei, daß ist eine ganz willkürliche Annahme, die durch die Thatsachen ohne weiteres wider- legt wird. Wer die Berhältnisse nicht kennt, der mußte ans den Dar- legungen der freisiimigen Redner den Eindruck geioinne», daß die „Flucht" ans den höheren Schulen genau in dem Jahre begonnen habe, von dem ab das höhere Schulgeld gezahlt werden niußte— im Jahre 1895. Die Herren kaiuiten die Verhältnisse anscheineiid selber nicht. Sie hätten sonst hinzufügen müssen, daß der Rück- gang schon viel früher, gegen En de der 8ver Jahre, angefangen hat, und sie hätten daraus den Schluß ziehe» müssen, d a ß d i e S ch u l g e l d e r h ö h u u g z n m m i» d e st e u nicht von iveselitliche m Einfluß auf die Frequenz gewesen sein kau». Die Erhöhung des Schulgeldes trat in den städtischen höheren Lehranstalten am 1. April 1395 in Kraft. Um ihren Einfluß ans die Frequenz zn prüfen, tvird man nicht, wie der freisinnige Redner eS that, lediglich die Veränderungen eines einzige» Jahres, sondern die Frequeiizbewegung etwa je eines ganzen Jahrfünfts vor beziv. nach der Erhöhung betrachten müssen. Die jahrcsdurchsckmittliche Frequenz der 2V städtischen höheren Schulen ging zurück: vom Schuljahre 1889/90 bis zum Schuljahre 1894/95 von 13 799 um 901 auf 12 898, dagegen vom Schuljahre 1894/95 bis zum Schul- jabre 1899/1900 von 12 893 um nur 599 auf 12 299. Hiernach wäre nicht einmal d i e Annahme gerechtfertigt, daß der Rückgang der Frequenz durch die Erhöhung des Schulgeldes beschleunigt ivorden sei. Der Frcqueuzrückgaug hat im Gegenteil trotz der Schulgelderhöhung in dem Jahrfünft nach 1395 eine Verlaug- s a ni u u g erfahren. Etwas anders sieht die Sache a»S, wenn man die Vorschnl- klaffen und die Klassen Sexta bis Prima gesondert betrachtet. ES verininderten sich die Vorschülcr vor der Schnlgelderhöhmig von 3007 ans 2821, d. h. nm 186, nachher von 2821 auf 2016, d. h. nm 205; dagegen die Schüler von Sexta bis Prima vorher von 10 792 ans 10 077, d. h. um 715, nachher von 10077 auf 9683, d. h. um 394. Wer lvill, der kau» hieraus de» Schluß ziehen, daß tv e n i g st e n s die Frequenz der Vorschulen durch die Erhöhung des Schulgeldes gelitten hat. Auch diesem Schluß möchten»vir nicht so ohne weiteres znstiinnien, aber loeiin er zn- treffend sein sollte, so würde» tu i r eine solche Wirlnng in Anbetracht der lleberflüssigkeit und Schädlichkeit der Vorjchulcn erfreulich Auf die vermutliche Haupt Ursache des Frequenz- r ü ck g a u g e s, der iu den höheren Schulen eiugetretc» ist, wurde in der erwähnten Stadtverordnetcn-Sitznug von Singer hingewiesen. Es ist augenscheinlich vor allem das Auflomme» der R e a l s ch u l e n in Berlin, toaS den Gymnasien, Realgymnasien n s tv. eine» Teil ihrer Schüler entzogen hat. Die erste Realschule wurde im Oktober 1884 eröffnet, die zweite ini Oktober 1886, die dritte und vierte im Oktober 1837. Die„Flucht" aus den höheren Schulen, die damals begann, tvar von 1387 an zunächst nur an der Frequenz der unteren Klassen, seit 1889 bereits auch an der Gesamtsrequeuz zn erkeuiien. Ende 1889 bestanden 6 Real- ichulen mit 1907 Schülern, bis Ende 1894 vermehrten sie sich auf 11 Schulen mit 4495 Schülern. Der Zuwachs an Realschülern bclief 'ich also in den 5 Jahren vor 1895 ans 2583. In derselben Zeit ging die Frequenz der höheren Schulen söhne die Vorschulen) um 715 zurück. Die 12. Realschule wurde April 1395 eröffnet— zu demselben Zeitpunkt, an dem die höheren Schule» das Schulgeld er- höhten. Eine iveitere Vermehrung der Realschulen erfolgte dan» zmiächst nicht(die 13. wurde erst April 1902 eröffnet). Dem- entsprechend vennehrten sich auch die Realschiiler von Ende 1894 bis Ende 1899 nur noch von 4495 auf 5171, d. h. in 5 Jahren nur um 676. In derselben Zeit hatten die höheren Schulen trotz der Schul- gelderhöhung ein« Verlangsamung der bisherigen Frequenzabnahme, die nun(tuen» die Vorschulen wegbleiben) in 5 Jahren nur noch 394 betrug. Das sind die T h atsa ch e n I Möge jeder aus ihuen seine Schlüsse ziehen; aber den Schluß, daß die Schulgelderhöhung von nennenswertem Einfluß auf die Frequenz der höheren Schule» gewesen sei, wird niemand aus ihnen ziehe» können. Vereinzelt wird es ganz gewiß vorgekommen sein, daß die Schulgelderhöhung einen Vater, eine Mutter abgehalten hat, ihren Jungen eine höhere Schule besuchen zu lassen. Aber wer rechnen kann, der wird wissen, daß bei dem Besuch einer solchen Schule wirklich nicht das Schul- geld, sondern die Kosten deS Lebensunterhaltes das wichtigste sind. In den besser sitnierten Kreisen läßt sich vollends kein Mensch durch die Rücksicht auf die Höhe des Schulgeldes bestiuunen, welche Bildung er seinem Jungen geben lassen will. Was hierüber von Herrn Cassel unter dem Beifall seiner Freunde vorgebracht tvurde, das ist— rund herausgesagt— lächerlich. Dieselben Herren haben übrigens bei andern Gelegenheiten die An- ficht zum Ausdruck gebracht, daß es für einen Manu mit 660—900 M. Jahreseinkommen wenig ausmacht, tvenn er jährlich 4 Mark Steuer zu entrichte» hat, oder für einen Fainilienvater mit ähnlich geringem Verdienst keine drückende Belastung bilden kann, wenn er bei Er- krankung seines Kindes an KrankenhauSkosten täglich 50 Pfennig mehr, also schon bei einer nur 20 tägigen Krankheit 10 M. mehr zahlen muß. Warum sind sie denn damals nicht für„eine gewisse Freigebigkeit" eingetreten, wie sie sie jetzt gegenüber den meist nicht unbemittelten Eltern der die höheren Schulen besuchenden Kinder empfehlen? AuS der Mngistratssitzung vom Freitag. Der Maler Friedrich Theodor Rabe in Friedrichshagen hat die Stadt Berlin für das Große Fricdrichs-Waisenhaus in Rummclsburg zum Erben eingesetzt. Die Höhe des Nachlasses sieht noch nicht fest. Der Stadtverordneten-Versammlung soll eine Vorlage zugehen, in der sie um ihre Zustimmung ersucht ivird, die Erbschaft anzuilchmen. Der Magistrat hat die Anstellung des Gerichtsasseffors Dr. Schocken als M a g i st r a ts a s s e s s o r auf sechs Jahre genehmigt. Vom fraiizösischcn Geschäftsträger der Botschaft in Berlin ist ein Dankschreiben für die von der Stadt Berlin den auf den Antillen sMartiiiique) durch Erdbeben in Not geratenen Personen bewilligte Beihilfe eingegangen, das zur Kenntnis der Stadt- verordueten-Versammliing' gebracht werden ivird. Zum Direktor des Sophien-Realgymnasiums wurde der Direktor der 9. Realschule, Dr. R o s e n o lv, gewählt. Stadtbaurat Krause legte dem Kollegium die Pläne und Kostenanschläge für die beiden Museums- brücken zur Verbindung des Kaiser Friedrich-Musemns mit Mon- bijou und dem Knpfcrgrabe» vor. die vom Magistrat genehmigt wurden. Die Baukosten sind für die Brücke nach dem Kupfergraben auf 238 000 M. und für die Sprcebrücko ans 455 000 M. festgesetzt. Billige Arbeitskräfte finden gegenwärtig bei den PflasterungS- arbeiten am Königs dämm vor dem Plötzenseer Gefängnis Ver- Wendung. Mit dem Aufreißen des Pflasters daselbst sind nämlich Strafgefangene beschäftigt. Wie uns mitgeteilt tvird, soll den Untcrnchmer, Hof-Steinsetzmeister S ch u f f e i h a u e r, keine Schuld hieran treffen, weil bei der Vergebmig dieser Arbeiten die Verivendmig von Gefangenen zur billigeren Herstellung der Straße gleich mit ansbedniigen ist. Sei dem nun/ wie ihm wolle, jedenfalls inilß es ans einen Arbeiter einen»nangenehmen Eindruck machen, wen» er sieht, wie ihm in dieser Zeit der wirtschaftliche» Krise durch die Beschäftigung von Gesangenen das Brot geradezu vor dem Munde weggenommen wird. Ueber de« Unfall des Herrn v. Blcichröder erfährt die „Kölnische Volksztg." folgende nähere Umstände. Das Automobil, das Herr v. Bleichrödcr selbst lenkte, begegnete ans gerader Chaussee einem schwere» zweirädrigen Karren mit einem Pferde. Der Fuhr- innini gab Zeichen zum Langsam fahren, da er Schculverden des Pferdes befürchtete, und blieb schließlich stehen, wobei er sein Pferd festhielt. Im Augenblick, als das Automobil in gleicher Höhe mit dem Wagen ivar, that das Pferd einen Satz, nnglücklicheriveise ans das Gefährt zu, welches anstieß, so daß das Pferd ans die Knie fiel und ein Schercnbanm deS Karrens abbrach. Das Automobil drehte sich»ach der entgegengesetzten Seite und schlug um, so daß das Vorderteil nach Düren zurückzeigte. Herr v. Bleichröder geriet mit dem Kopfe unter eine eiserne Sitzlehue, das Gesicht zur Erde. Die Verletzungen wurden noch dadurch verstärkt, daß der Motor iveiter arbeitete, während das rüttelnde Gefährt auf dem Kopfe des Veruiigliicktcu lag. Die ärztliche Untersuchung ergab an mehreren Stellen Schädelbrüche, und bei Eltlfernung der Knochensplittcr zeigte sich, daß das Gehirn verletzt war. Herr v. Bleichröder ist anS seiner Betvnßtlosigkeit nicht wieder erwacht. Die beiden mitfahrenden Diener sind mit dem Schreck davongekommen.— Bon andrer Seite ivird dem genannten Blatt noch geschrieben: Es darf nicht verschwiegen werden, daß der bedauernswerte Unfall des Baron v. Bleichröder auf dessen eignes V e r s ch u l d e n zurückzuführen ist. Stundenweit in der Umgegend war das in der Regel rasend dahin sau sende' Antoniobil gefürchtet. Dutzende von Fälle» sind bekannt, in denen Pferde scheuten, Menschen in Gefahr gerieten oder eine Viehherde in gefährliche Uliordiinng gehetzt wurde. Baron v. Bleichröder nahm aber keinerlei Rücksicht auf Straßen- verlehr oder spielende Kinder, und etwaige Beschwerden pflegte er mit Drohungen zu beantworten. Dazu kam eine mir mittelmäßige Fahrfertigkeit, die er auf geraden Strecken im EilzngSteuipo zu bethütigen suchte. Beim Anfahren an einen be- ladeneu Wagen ist mmmehr das schwere Tonneau-Automobil um- geschlagen. Gegen den NclchSglöckiier Gchlsen hatte der Magisttat von C h a r l'o t t e n b ii r g eine» Beleidigungsprozeß eingeleitet, weil Gchlsen de» städtische» Behörde» Korruption vorgeivorfen hatte. Die Sache schwebte lange Zeit; nach Verlauf von 22 Monaten zog der Magistrat kürzlich seinen Strafamrag zurück. Nunmehr wurde das Verfahren ohne weiteres eingestellt. Damit war Gchlsen nicht zn- frieden, sein Verteidiger Dr. Werthauer legte Beschwerde ein und das Kammergericht hat nachfolgenden Beschlutz gefaßt: In Erwägung, daß die Frage, ob der Strafantrag rechts wirksam zurück- genommen ist, nach Eröffnung des HanptverfahrenS der Prüfling des erkennenden Richters nicht entzogen werden darf, daß somit die Einstellmig des Verfahrens wegen Zurücknahme des Strafantrags nach Ervffmuig des Hauptverfahrens nur durch Urteil aufgehoben werden darf, wird bcichlosscii, der angefochtene Beschluß wird auf- gehoben."— Es muß nun also doch eine neue öffentliche VerHand- luug stattfinden, die dem Vernehmen nach bereits auf den 18. d. M. angesetzt sein soll. Für die Ferieu-Sonderziige nach Süd- Deutschland ist so- eben der nachfolgende Fahrplan herausgegeben worden: Nach München, Lindau, Kuffstein, Salzburg und Reichen- hall gehen die Züge am 4. und 5. Juli nachmittags 2�, am 15. Juli und 15. August, nachmittags 245, sämtlich vom Anhalter Bahnhofe ab; die Züge nach München dienen auS- schließlich dem Berliner Verkehr, unterwegs findet eine Aufnahme von Reisenden nicht statt, da hierfür besondere Züge eingelegt sind. Nach Frankfurt a. M., S t r a ß b u r g i. E., Freiburg i. B., Triberg, Konstanz, Colniar und Basel fahren die Züge am 4., 5. u n d 15. Juli vom Potsdamer Bahnhofe um 7� abends ab, die letzten beiden Züge gehen über Weißenburg, der am 4. Juli über Heidelberg, am 15. August geht dann noch ein Sonderzna über Heidelberg um 8� abends vom hiesigen Anhalter Bahnhofe ab. Nach Stuttgart, Ulm und F r i e d r i ch s h a f e n am 19. Juli, 2� nachm. vom Anhalter Bahnhofe. Ausgegeben werden 45tägige Rückfahrkarten zu ermäßigten Preisen und zwar auf dem Potsdamer imd Anhalter Bahnhofe, auf dem Stettiner, Alexander- platz. Friedrichstraße und Zoologischer Garten, im Amtlichen Reise- bnrenu nnd im Jnvalidendank, Unter den Linden 24. Der Verkauf beginnt 14 Tage vor Abgang eines jeden ZugeS und wird eine Woche vor Zugabgang geschloffen. Eine LicbcStragödie? Ein sonderbarer Fund, den ein Schutz� mann von der Tiergattenwache am Dienstag in früher Morgen- sttmde inachte, ist noch inimer nicht aufgeklart. Der SicherheitS- beamte sah auf einem Rundgang gegen 3 Uhr morgens in der Nähe des Zoologischen Gartens einen großen jungen Mann, der einen langen schwarzen Uebcrzicher trug, Arm in Arm mit einem kleineren. etwas beleibten jungen Mädchen, das einen weißen Hut trug. Er war dem Pärchen, daS am Zoologischen Garten entlang ging, nicht nahe genug, um eS genauer sehen zu können. Da er hörte, dah die Leute sich heftig zankten, so nahm er sich vor. ihnen unbemerkt zu folgen. Als er sich aber eimnal kurz nach etwas andrem umsehen tnufele, verlor er plötzlich das Pärchen auS den Augen und sah es nicht wieder. Auch hörte er nun nichts mehr. Zu seiner Ueberraschung aber fand er bald darauf am Gartenufer unter einem Stadtbahnbögen einen Schirm, ein Paar Handschuhe nnd einen Hut liegen. Es ist ein schwarzer Damenschirm, dessen Stock eine kleine gebogene, tigerartig gefärbte und geschlitzte Krücke trägt. Die Hand- schuhe sind aus hellgrauem Zwirn, der Hut ist ein Damen-Strohhut und weiß, wie ihn jenes Mädchen trug. Er hat ein schwarzes Sammetband. Bei ihm lagen zwei Nadeln nnt schwarzem Knopf. Von männliche» Kleidungsstücken fand sich keine Spur. Ob zwischen dem Fund und dem Streit, den der Schutzmann vernahm, ein Zu- sammenhang besteht, läßt sich nicht sagen, bevor die Eigentümerin der Sachen'festgestellt ist. Nahm der Zivist das schlimmste Ende im Landivehrkanal,' so müssen die jungen Leute, wenigstens das Mädchen, doch schon irgendwo vermißt werden. Da» Haupt einer Einbrecherbande ist in einem 8S Jahre alten Kaufmann Emil Schmidt festgenommen worden. Ein Kaufmann, der einen Augenblick in einem Hause der Ritlerstraße zu thnn hatte, ließ sein Zweirad mit dem aufgeschnallten Ueberzicher vor der Thür stehen; als er es bei seiner Rückkehr nicht mehr fand, ging er sofort nach der Revierivache, um den Diebstahl anzuzeigen. Kaum hatte er die Wache verlassen, da begegnete ihm ein Mann mit seinem Rade, daß er, des Fahrens unkundig! neben sich herschob. Der Bestoblcne ließ den Mann festnehmen nnd nun stellte sich heraus, daß man den»Saffian-Schmidt* gefangen hatte. Der Verhaftete stand an der Spitze einer Bande von Einbrechern, die Wohnungen und Ge- schäfte heimsucht. Eine Besonderheit dieser Leute ist, vom Keller aus durch eine Thür, die Decke oder auch durch eine Mauer einzubrechen. Wenn er bei einem Einbruch gestört oder gesehen worden war, so bemühte sich Saffian-Schmidt stets, sich so viel als möglich unkenntlich zu machen. So ließ er seinen großen Vollbart spitz zuschneiden, bei der nächsten Gelegenheit den Spitzbart und zuletzt auch den Schnurr- bart verschneiden. Zwölf Einbrüche, deren er ohnehin überführt war, räumt er ein, andre bestreitet er noch. Ei» Ehcdrama hat sich Donnerstag in der Neuen Hochstraße abgespielt. Der 23 Jahre alte Schlosser Paul Lippke hat seine Frau, mit der er in unglücklicher Ehe lebte, durch Revolverschüsse getötet. Lippke. der in der Hussitenstraße 3S wohnt, hatte vor vier Jahren die Pflegetochter der in der Neuen Hochstraße 2 wähnenden Witwe Lange, Anna Niemetz, geheiratet. Dieser Ehe ivareu zwei Kinder entsprossen, von denen das ältere drei Jahre, das jüngere drei Wochen alt ist. Die Ehe war wenig glücklich, und zwar, wie es heißt, durch die Schuld des Mannes, welcher häufig arbeitslos war und sich nicht energisch genug um Beschäftigung bemühte. Es kam infolge dessen häufig zu Zivistigkeiten, und nachdem L. nicht inehr' in der Lage war, für den notwendigsten Lebensunterhalt Sorge zu tragen,' verließ ihn die Frau vor acht Wochen und zog mit den beiden Kinder» zu der Pflegemutter nach der Neuen Hochstraße. L. machte wieder- holentlich Annäherungsversuche, die jedoch um so mehr von der Frau zurückgewiesen wurden, als sich Lippke öfter in heftigen Drohungen erging. Gester» abend gegen �/e? Uhr erschien Lippke i» der Langeschen Wohnung zu einer Zeit, als seine Frau allein in der Wohnung anwesend war. Der neunjährige Sohn der Witive Lange spielte mit den, Lippkeschen Kinde auf dein Hofe. Die beiden Kleinen begaben sich mit dem Schlosser nach der Langescheu Wohnung, woselbst Frau Lippke in der Küche mit Wäsche beschäftigt war. Ohne erst seine Frau zu begrüßen, drängte er die beiden Kinder in ein Nebenzimmer, dessen Thür er abschloß, nnd zog dann plötzlich einen Revolver hervor, ans dein er niehrere Schüsse auf seine Frau abgab. Daun verließ der Mörder ungehindert die Wohnung. Hausbewohner, die durch die Detonation der Schüsse alarmiert worden waren, fanden Frau L. in einer Blutlache am Boden liegen bereits tot vor; sie war von drei Kugel» getroffen tuorden. Zwei luaren in die Brust gegangen, während die dritte durch das«nge ins Gehirn gedrungen' war und den sofortigen Tod herbeigeführt hatte. Der Revolver, welcher an der Erde lag,' enthielt noch drei Schusse. Lippke hatte sich nach vollbrachter Blut that nach seiner Wohnung begeben und besuchte dann seine in dem selben Hanse wohnende Schwester. Er erzählte nichts von dem soeben verübten Verbrechen, war auch durchaus ruhig und forderte seinen Schivager auf. mit ihm ein Lokal zu besuchen. In dem Moment, als die Männer sich entfernen ivolltcn, erschienen Polizei beamte, die den Mörder verhafteten. Er wurde zunächst»ach der Polizeiwache gebracht und hier bei seiner ersten Vernehmung brach L. in Thränen aus. Er wurde gestern mittag in das Untersuchnugs- gefängnis nach Moabit eingeliefert. Die Leiche der Ermordeten wurde nach dem Schauhause geschafft. Der Raiibmordversiich in der Tellerstraste ist bereits aus geklärt und der T h ä t e r festgenommen. In der alten Kleidung, die der Räuber in der Wohnung der Witwe Altmann zurück- ließ, fand die Kriminalpolizei außer der schon erwähnten Mund Harmonika auch noch einen neuen Taschenspiegel mit der Aufschrift. .Theodor Trettin 30 Monate, ö. März 1902." Dieser Theodor Trcttiu ist, wie aus den Akten festgestellt wurde, ein am 8. Dezember 188t zu Naumburg geborener Arbeiter, der wegen Diebstahls schon acht Mal bestraft ist. Am 5. März tvar er nach Verbüßung seiner letzten Gefängnisstrafe von 2l/3 Jahren nach Berlin gekommen. Hier erinnerte er sich eines Vetters, des Schriftsetzers Trcttiu, der bei Frau Altman» in Schlgfstelle ivohnt. Da er voraussetzen mußte, daß sein Vetter nichts mehr werde von ihm wissen wollen, als seine andern Vertvandten. so beschloß er gleich, ihn zu bestehlen. Um eine Gelegenheit auszukundschaften, kam er nach der Sellerstraße, spielte vor dem Hause, in deni sein Vetter ivohnt, die Mund- Harmonika und fragte die Kinder nach den Verhältnissen im Hause aus. So erfuhr er auch, daß die greise Frau Altmann zwischen 10 und 12 Ilhr in der Regel allein in ihrer Wohnung sei. Diese Kenntnis benutzte er dann zur Ausführung seines räuberischen Planes. Nachdem die Kriminalpolizei die Persönlichkeit des mutmaßlichen Thäters festgestellt hatte, suchte sie sosort alle Kaschemmen ab nnd beobachtete alle Bahnhöfe. Ihre Vermutung. daß Treltin versuchen werde, sich nach einem Vorort in Sicherheit zu bringen, erwies sich als richtig. Gegen 11 Uhr abends tauchte er ans dem Schlesischeu Bahnhofe auf und wurde von den Kriminalbeamten sogleich in Empfang genommen. Bei seiner Ver- nchmung beqneinte er sich zu einem umfassenden Gc- ständnis. Er räumte ein, die alte Frau in der Absicht, sie zu berauben, mit Vorbedacht und Ueberlegung ermordet zu haben und war dann sehr erstaunt, als er hörte, daß die Frau ivieder zu sich gekonmien ist und lebt. Einen schrecklichen Selbstmord versuchte der zehnjährige Sohn des Schuhmachers G. in der Dunckerstraße, indem er sich aus der im 4. Stock gelegene Wohnung seiner Eltern auf den Hof hinab- stürzte. Er erlitt schwere innere Verletzungen. Der Knabe hatte sich, wie schon früher, tagelang umhergetrieben und fürchtete sich nun vor einer Züchtigung. Strastensperrung. Die Fricdrichstraße zwischen der Dorotheen- und Miltelstraße wird wegen Umpflastcrnng von heute ab auf etwa zwei Tage für Fuhriverke und Reiter gesperrt, ebenso der östliche Damm der Potsdamerstraße von der Potsdamer Brücke bis zur Lützotvstraße. Von einem herabfallenden Nestriegel ist gestern nachmittag 4 Uhr an dem in der Fruchtstraße, dem Schlesischeu Bahnhof gegen- Über gelegenen Hanse ein unbekannter Mann schwer verletzt worden. An dem Hause wird eine Rüstung errichtet, weil die Fayade ab- geputzt iverden soll. Infolge eines unglücklichen Zufalls löste, sich der Riegel und fiel dem auf der Straße gehenden Unbekannten auf den Kopf. Der Mann brach sofort zusammen nnd wurde in besinnungslosem Zustande nach der Unfallstation am Grünen Weg 17 gebracht. „Das ist unser Feuer, Ihr habt hier»ichtS zu löschen k" Ein großer Dachstuhlbrand kam gestern nachmittag in der Gleditsch- straße 18 auf Schöneberger Gebiet zum Ausbruch und zwar durch die Unvorfichtigkelt«ine» Dienstmädchens. Diese» hatte in einer dunklen Bodenkammer mit Streichhölzern hantiert, die noch glimmenden Zündhölzer achtlos beiseite geworfen und dadurch ver- schiedene Gegenstände in Brand gesetzt. Anstatt nun die Feuerwehr schnell herbeizuholen, versuchte da» Mädchen mit einigen ander» Haus bewohnern die Flammen allein zu ersticken, was indes nicht gelang. Da die gegenüberliegende Straßenseite zu Berlin gehört, so rückten auf die Feuermeldung hin vier Berliner Löschzüge an, deren Hilfe jedoch von der Ortsfeuerwehr abgelehnt wurde. Eine enorme Verqualmung, die sich bis ins Erdgeschoß erstreckte, erschwerte die Löscharbeiten sehr, denn es war nur unter Anwendung von Rauchhelmen zum Brandherde vorzudringen. Von drei verschiedenen Seiten aus traten vier Dampfspritzenrohre in Thätigkeit. Immerhin aber dauerte es l�/e Stunden, ehe das Feuer zum Stehen kam. Verschiedene Feuertvehrleute waren durch den Ranch so stark mitgenommen, daß ihnen Sauerstoff eingeflößt werden mußte. Der größte Teil des Dachstiihles samt den Bodenkammern wurde eingeäschert. Die vollständige Ablöschung zog sich bis in die Abendstunden hin. Feuerbcricht. Ein größerer Brand beschäftigte die Feuerwehr in der Nacht zun, Freitag zwei Stunden in der Rüdersdorferstr. 7. Hier ist das vierstöckige Quergebäude durchweg mit Tischlereien be setzt, so daß einem ausbrechenden Feuer reiche Nahrung zu Gebote steht. Früh kurz nach 1 Uhr wurde nun vom Grüne» Weg aus beobachtet, daß Flammen aus dem Dache des Quergebäudes schlugen Die schnell herbeigerufene Feuerwehr sorgte durch energisches Wasser- geben dafür, daß das Feuer von den stark bedrohten Tischlereien ferngehalten wurde, was ihr auch gelang. Mehrere Bodenkammern und ein erheblicher Teil deS Dachstuhlcs wurden jedoch eingeäschert. Vorher hatte die Wehr in der Weißenburgerstr. 59 zu thun, wo ein Küchenbrand abzulöschen war. AuS den Nachbarovien. Die Wahl deS Parteigenossen Fanstncr zum Stadt verordneten vou Rixdorf, die von der Stadtvcrordneten-Vcrsamun luug für ungültig, vom Bezirksausschuß aber für gültig erklärt worden war. beschäftigte gestern das O b e r- V e r w a I t u n g s- gericht als Berufmigsinftanz. Das Gericht beschloß eine Beweis erhebung. Die Rixdorfer Stadtverordneten- Versammlung halte in ihrer Sitzung von, 12. Juni über eine Magistratsvorlage zu be siudc», tvelche die Zusaminenlegung der Grundstücke in den Rüster' lnken, den Teinpelhoser Wiesen und den Jndenwiesen gemäß Z: des Gesetzes vom 2. April 1872 bezweckt. Außer der besseren Wirt schafllichen Verwertung jener Grundflächen durch die jetzige» Besitzer soll durch die Znsamnienlegnng und Neuverteilung die Schafsimg städtischer Straßen und Plätze ec. ermöglicht werden. Nach längerer Debatte Ivurde die Vorlage angenommen.— Eine Magistrats vorläge, betreffend de» Ankauf eines Grundstücks für städtische Zwecke, führte zu einer lebhafte» Diskussion über die Grund- u» d B o d e» p o l i t i k der Stadt Nixdvrf. Eine starke Minorität der bürgerlichen Stadtverordneten war gegen den Ankauf des Grund stiicks, und von ihren Vertretern wurde unter ander»»' auch geltend gemacht, daß es hier noch nicht nötig sei. zuzngreise» und die meinde durch die Verpflichtung zur Zahlung von Zinse» — einige Hypotheken sollen' auf dem Grundstücke ver- bleiben— zu belasten. Günstigere Kaufgelegenheiten ver- mochten die Herren nicht nachzuweisen. Stadtv. Conrad(Soc.) legte demgegenüber ausführlich»nd treffend dar, daß eine gesunde kommunale Grund- nnd Bodenpolitik beizeiten Vorsorge treffen müsse, in den Besitz von Gnindstuclen zu kommen. Ei» Grund, dem Magistrat und der Grnndeigentums-Dcputatiou Vor würfe zu machen, daß sie ohne Not ans Kaufe» gehen wollte», liege absolut nicht vor. Im Gegenteil müßten Redner und seine Freunde bedanern, daß der Magistrat und vordem die Gemeinde' Vertretung nicht schon früher dem Erwerb von Grundstücken eine größere Anfmerksamkeit gewidmet habe.— Vom Magistratstisch wurde die Nützlichleit rechtzeitige» Grnnderwerbes zugegeben.— Die Vorlage wurde schließlich mit 22 gegen etwa 18 Stimmen ge' uehmigt, Der Koiiimniialwahlkampf in Lichtenberg kommt nicht zu Ende. Die Mandate der Genossen Kette und W e i ß f l n ck sind dank de», Freisinn gestern von der Gemeindevertretung für ungültig erklärt worden. Entgegen der klaren Bestimmung der Land geiiieiiifce-Ordnrmg versuchte Herr Plvnz, der auch hier Ivie im ersten Falle für den„Einspnicherheber" die nominell hatte, nachzuweisen, daß nicht das Teiles des Grundstückes de» Begriff Sinne dcr�Laudgemeiude-Ordnung in sich fasse. gegen 10 Stinnnen wurden im„Interesse des Rechtes", wie Herr Plonz meinte, die beiden Mandate»nsrcr Parteigenossen für un gültig erklärt; der weitere Antrag, die bürgerlichen Kandidaten, die 6 Stimme» ans sich vereinten, als gewählt zu betrachten, wurde abgelehnt. Die Genossen Schulz und Grauer sowie der Kreis ausschuß-Selrelär Kühn<1. Abteilung) wurde» dann in die Ge meindevertretniig eingeführt und verpflichtet. Bei der Wahl eine» S ch u l k o m m i s s i o„ s m i t g l i e d e s wurde die Vertretung der Arbeiterpartei nicht gewünscht; Genosse Grauer unterlag mit 9 gegen 12 Stimmen. Ein StenerauSschuß zur Veranlagung der Grundwert- st e u e r mußte sich aber dam, die Delegation zweier Arbeiter gefallen lassen. C. Schulz und Grauer wnrden getvählt. Die Regulier, mg der E l d e n a e r st r a ß e»nt eine», Zuschuß von an- nähernd 80000 Mark wurde genehmigt, ebenso die Erbauung eines Dienstgebändes für den Kirchhofsiuspektor. Einer.der unanS- gefetzten Forderungen der„Arbeiterpartei" mußte»ia>, endlich Rech- irnng tragen; die Erbauung von zwei Turnhallen wurde zum Gegenstand der Verhandlung gemacht. Der Gcnieindeborstaiid wurde durch den Genossen Grauer lebhaft unterstützt; die Vorlage wurde angenommen und die Kosten mit 74 000 M. bewilligt.— Als Zuschuß zu einem Kirchen bau, dessen Projekt noch gar nicht bekannt ist, wurden nach einem ungeheuren Wortschwall des freisinnigen Redners, das eine», Scheingefecht sehr ähnlich sah, mit 12 gegen 11 Stimme» 80 000 M. bewilligt. Die Entfenumg der beiden Arbeitervcrtreter zeigte hier sofort seine Wirkung. Während für die Erbnunng eines Krankenhauses ein dringendes Bedürfnis nicht anerkannt wurde, stellte der Gemeinde- Vorsteher es als eine Pflicht der politischen Gemeinde hin, für das religiöse Bedürfnis einzutreten. Unsre Parteigenossen werden sich dies Agitationsmaterial nicht entgehen lassen. Auö Ncu- Weißensce schreibt man unS: Hierorts scheint zur Zeit die Siadtrechtssrage in den Hintergrund rücken, denn in Grundbesitzerkreisen interessiert man sich augenblicklich für die Ein- g e n, e i i, d'u ii g in Berlin. Der günstige Verlauf der Ver« Handlungen zwischen Berlin und Lichtenberg gab Beranlassnng, eine Kommission einzusetzen, welche mit dem Berliner Magistrat Ver- Handlungen aufnehmen soll. Die Arbeiterschaft unsres Ortes steht dieser Frage abwartend gegenüber; denn fürs erste würden nur die Haus- und Grundbesitzer von der Eingemeindung Borteil haben. Ein Borteil für alle würde es sein, wenn es gelänge, den Berliner Magistrat zu veranlassen, die miserablen Wegeverhältniffe in der GreifSwalder- straße von der Danzigerftraße bis zur Grenze zu regeln, damit diese Gegend der Bebauung erschlossen würde. Dasselbe trifft auf die Prenzlauer Allee zu. Auch könnten die Grundbesitzer- Vereine für bessere Wege nnd Bllrgersteige am Ort eintreten. Wir sind ge- spannt, wie sich die Herren in der am Montag stattfindenden Ge- nieindevertreter- Sitzung benehmen werden, wo die Eingemeindung auf der Tagesordnung steht. Die Feindschaft deö Unternehmertums gegen die den socialen Frieden dienende Einrichtung der Ge Werbegerichte kam recht drastisch in der letzten Sitzung der Gemeindevertretung von Ober- Schöneweide zum Ausdruck. Es wird uns darüber berichtet: Auf der Tagesordnung stand zunächst der seiner Zeit von der hiesigen Arbeiterschaft gestellte Antrag auf Errichtung eines Ge werbegerichtS, welcher schon mehrere Sitzungen be- schäftigt hat. Eine Umfrag« bei den hiesigen Kleingewerbetreibenden Begründung über Mileigentum eines „Angesessener" in, Mit 11 Stimmen hatte da» Ergebnis, daß sich nur zwei Unternehmer für und etwa zwanzig gegen ein Gewerbegericht erklärten, ebenso wollte eine Bcr- sammlung dieser Herren nichts von einem Gewerbegericht wissen. Recht charakteristisch Ivaren einige der Erklärungen dieser Herren. Einer dieser Weisen gab der Befürchtung Ausdruck, daß eine solche Institution den Parteiführern nur Stoff zu Aufwiegeleien geben würde. Ein andrer Ivieder meinte, das Gewerbegericht gebe den Arbeitern nur Gelegenheit, einige Wochen kostenloses Bummeln herauszuschlagen. Der Gemeindevorsteher E ck a r d t gab seiner Verivunderung über solche Anschauungen Ausdruck und bat, trotzdem der Errichtung eines Gewerbegerichts zuzustimmen. Unterstützt wurde er auch vom Ver- treter Baumeister Lehmann. Genosse Grunoiv. der in dieser Sitzung eingeführt worden war, umerzog die Erklärungen der Ge- werbctreibenden einer scharfen Kritik und ivies auf die Agitation dieser Herren hin, die mit verwerslichen Mitteln darauf hinarbeitet, den Antrag zu Fall zu bringen. Die Vertreter der ersten und zweiten Klasse, sämtlich Direktoren Hiesigerg roßer I n d u st r i e w e r k e, erklärten, daß sie mit dem Angcnbllck der Errich- tuiiq eines Gcwcrbcgerichts von dem ihnen gesetzlich zusteheildeii Rechte der Errichtung von Schiedsgerichten für ihre Betriebe Gebrauch machen würden, um so gewissermaßen das Ge- werbeaericht lahmznlegeir. Genosse G r u n o w fand es eigentümlich, daß die Herren mit solchen Drohungen eine segensreiche EinrichtlMg zu Fall zu bringen suchten und bei dieser Gelegenheit plötzlich ihr gutes Herz für die Arbeiter durch Schaffung von Schiedsgerichten offenbaren loollten.— Es wurde beschlossen, daß zu einer späteren Sitzung ein Kostenanschlag vorgelegt werden soll. An diesem Beispiel sieht die Regierung des Staates der Social- reform von neuem, daß es die Unternehmer sind, welche jede socialreforinatorische Handlung, die den Arbeiter zu seinem Recht kommen lassen könnte, bissig zu hintertreiben suchen. Was den Staat der Socialresorm nicht hindert, besagte Unternehmer mit allen Polizei- lichen Machtmitteln gegen die Arbeiter zu unterstützen. I» Schöneberg hat der Magistrat beschlossen, den durch daS Unwetter am 14. April d. I. betroffenen Personen eine Beihilfe von insgesamt 1025 M. zu bewilligen. Die zur Prüfung der Entschädigungsansprüche eingesetzte Kommission hat nach sorgfältigen Ermittclmigen dahin entschieden, daß von den 12 eiiigegangenen Gesuchen 11 zu berücksichtigen seien. Die Antragsteller sind meistens Geschäftsleute, denen durch Eindriiigeu des Wassers in die Keller ein nachlveisbarer Schaden durch Unbrauchbarniachung der dort vor- handen gewesenen Warenvorräte entstanden ist. Frieden«!«. Von wenig Rücksicht auf die Arbeiter zeugt eine Bekanntmachung des hiesigen GenieindevorsteherS. Aus Anlaß der zum 1. Juli d. I. neu zu errichtenden Orts-Kranken- lasse für Friedenau ladet er die beteiligten Bersicherungs- Pflichtigen zum Montag, den 16. d. M., a b e n d S 6 U h r, nach dem Restaurant„Kaiser Wilhelm-Garten" ein. damit sie sich über daS entworfene Kassenstatut erklären. Wenn der Gemeinde- Vorsteher nicht nur der gesetzlickicn Pflicht genügen, sondern wirklich den beteiligten Arbeitern auch Gelegenheit bieten wollte, zahlreich zu erscheinen, so wäre es richtiger geivesen, die Versammlung ans eine spätere Stunde anzuberaumen, wo ihnen ihr Beruf das Er- sckleinen gestattete. Doppelte Pflicht derjenigen Versicherungs- Pflichtigen, welche um 6 Uhr bereits erscheinen können, ist es daher, auf dem Posten zu sein. Die Rech n»i ng ohne den— Gemeindevorstand gemacht hatte unsre Gemeindevertretung, als sie beschloß, die be- lvnßte Rellainelaterne vor dem Gemeiudebnrean zu entfernen. Die Laterne ist von dem Straßenland entfernt und— einige Fuß weiter in dem Vorgarten des Hauses, in ivelchem sich das Geincindebureau benudct, aufgestellt worden, und zwar mit Genehmigung des Ge- ineindevorstandes. lieber diesen Standort hat die Gemeinde- Vertretung„nix to seggen". Die Lokalpatrioten sind rnni zwar die jährliche Einnahme von 3 M. los, die Laterne haben sie aber be- halten. Frirdrichöfclde. Eine praktische Neuerung ist an der hiesigen Schule eingeführt. Beim naturgeschichtlichen Unterricht führt der Lehrer die Kinder seiner Klasse in den nahen Schloßpark und erklärt dort das Wesen der Pflanzen zc.— Arbeiter fanden in Karlshorst in einer unregulierte« Straße die Leiche eines mehrere Tage alten Kindes weiblichen Geschlechts. Strangulationslnerlmale wiesen darauf hin, daß das Kind erdrosselt ist. Am Sonnabend soll die gerichtsärztliche Oeffnung statlfindeii. Die Recherchen nach der Mutter sind bisher ergebnislos verlaufen.— Seit Jahren besteht hier am Orte die von der Gcmeindevertrctnng gewählte sechs- glicdrige G e s u n d h e i t s k o m m i s s i o n. Bisher hat man noch nie von irgend einer Thätigkeit der Kommission etwas gehört oder gesehen. Verwunderlich ist dies nicht, wenn man bedenkt, daß nur Hausbesitzer Mitglieder sind. Pankow. Die Gemeindevertretung hat beschlossen, am Orte eine G e rn e i ii d e- S p a r l a s s e zu errichten, welche am 1. Jannar >903 in Funktion treten soll.— Der seiner Zeit so heftig bekämpfte RathanSbau nähert sich seiner Vollendung und soll am 1. Ok- tober d. I. so weit fertig gestellt sein, daß die Bureanräume be- zogen werden können, während die RepräsentationSräume erst später der Benutzung übergeben werden; ebenfalls wird der 120 Quadrat- meter große Sitzimgssaal später fertig. Das seiner Zeit auf 400 000 Marl veranschlagte Gebäude ivird 415 000 M. kosten, wozu noch die innere Einrichtung mit 55 000 M. hnizngerechnet werden muß, so daß die Gesamtsumme auf 470 000 2». zu stehen kommt. Freireligiöse Genieinbe. Sonntag, den 15. Juni, vonnittagS 8'/« Ilhr, in der Aula der VS. Gemeiudeschule, KI. Frankfurterstr. 6: Bersailiiiilung. tzreireligiöse Vorlesung. Uni 10>/« Uhr voruitttags ebendaselbst: Vortrag des Herrn Dr. Bruno Wille:„Die besreiende Wirkung des HumorS und der Tragik."— Vor- und Nachspiel auf dein Pariser Mustelharmonium.— Gäste, Damen und Herren, sehr willkommen. In der Hiliiianiftischr» Gemeinde, Niederwallstr. 12, in der Aula der Friedrich-Werdcrschen Ober- Realschule, hält am Sonutag, vormittags icn/i Uhr, He»»' Dr. Rudolf P e n z i g einen Vortrag über:„Bergeben". Damen und Herren haben freien Zutritt. SlUgemeiiie Kranke»- nnd Tterbekafle der Metallarbeiter H. 29), Filiale Rummelsburg. Sonntag, de» 15. Juni, vor- mittags 9'/, Uhr, bei Schumann, Kietz. Nene Prinz Alberlstrafee 70— 71: M i tgl iederversaul m luug. Bericht von der Generalversanmilung. Kasseubericht für April— Mai. Bericht der OrtSverwaltimg. Wahl der Ortsverio altung und Revisoren. Interne Kasseuangelegenheiten. WitternngSiibersicht vom IS. Jnut 1903, morgens 8 Uhr. vs; Stationen Swtnemde. Hamburg Berlin Frankf./M München Wien "- «K - Z S~ 8f 757 SSO 753 SO 756 SO 754 SW 757 m 756 iSlill Wetter 4wolkenl 4 bedeckt Zhlb.bed. 2 bedeckt bbrdeckt -bedeckt C-- » II i» «t, Stationen Haparanda HeterSbur Cork Aberdem Paris Wetter-Prognose für Sonnabend, den 14. Jnut 1993. Nachts etwas wärmer, um Mittag kühler, vorwiegend trübe regnerisch bei ziemlich stischen westlichen Windei,. Berliner Wetterbureau. und Briefkasten der Redaktion. I. W. Die«Berliner Morgenpost" ist im Mitbesitz der Firma August Scherl. Transvaal. Fragen Sie nach in Karl Riesels Reise-Bureau, Unter den Linden 57. Hirschfeld. Sitzung deS Vereins jeden Donnerstagabend 9 Uhr im Bootshause, Stralau, Tunnelstr. 17. Hagel. Von einem Leser wird uns mitgeteilt, daß am 12. Juni 1877 nachmittag« zwischen 2 und 3 Uhr ein Gewitter mit tUtgewöhnlich starkem Hagelschlag über Berlin niederging. Der Hagel zerstörte viele Fenster- scheiden. H. Sl. 1903. Centralverband der Handlungsgehilfen. Steiler. Die BundeSratSverorbnung ist nachträglich dahin dellariert worden, daß Weiterversichercr gelbe Karten anzuwenden haben— F. E. S8. Ohne schriftliche ausdrückliche Entbindung vom Vertrage lausen Sie Gefahr, doppelt zu zahlen.— G. Ivv. 1. 13 bis 2b M. monatlich werden als angemessen erachtet. 2. Unverständlich.— Douche. Das auch nur fahr- lässige Ausgicsten von Flüssigkeiten aus die Straße ist durch§ 104 der Berliner Straßenordnung untersagt. Lag in Ihrem Fall dies nicht vor, so können Sie einem Strafmandat in Ruhe entgegensehen.— T. F. Ja. � I. H. Sie könnten noch jetzt den Zahlungsbefehl mit dem Antrag ein- reichen, ihn für vorläuftg vollstreckbar zu erklären.— P. B. Haben Sie einen Betrieb— ob das der Fall ist, ergiebt Ihre Anfrage nicht— so ist der Arbeiter krankenversicherungs-, Sie eventuell ersatzpflichtig.— P. M. Nein.— N. S. Sie könnten Ihr Gewerbe einfach anmelden: eine Genehmigung ist nicht erforderlich. Ein Feilbieten von Arzenei- und Geheim- Mitteln lm Umherziehen ist ausgeschlossen.— E. 98. 1—5. TaS Amtsgericht kann jeuiand entmündige», der infolge von Trunksucht seine An- gelegenheiten nicht zu besorgen vermag oder sich oder seine Faruilie der Gefahr deS Notstandes aussetzt oder dle Sicherheit andrer gefährdet. 4. Ja. — I. B. Köln. Ihnen steht ein Anspruch auf 14 Tage Lohn zu. — I. K., Lultentvalde. 1. Ja. Die Steuerforderung verjährt erst in 4 Jahren. 2. Die Versicherungsgelder können vom Einkommen in Abzug gebracht werden.— K. M. Die Frau haftet für Lasten ihres Mannes nicht. Werden ihr gehörige Sachen gepfändet, so kann sie beim Amtsgericht des Pfändungsorts JntervcntionSklage erhebe». Ein Beispiel für eine Jnterventionsklag« und einen EinstclliingSantrag finden Sie in dem in den öffentlichen Lesehallen ausliegenden„Ardeiterrecht", S. 432, Nr. 63 und 64. — P. D. SV. Sie brauchen die Räume nur so zu übergeben, wie Sie sie thatsächlich übergeben erhalten haben, und wie sie infolge des gewöhnlichen Gebrauchs geworden sind.— IS9. 9t. Sie können Strafaii trag stellen und Schadensersatzklage erheben.— K. Nein. — A. P. II. Nicht Sie, sondern derjenige, der die Scheibe im Hausflur zerbrochen hat, hat deren Wert dem Wirt zu ersetzen.— T. 2.-!i. 1. und 2. Das ist möglich, aber unwahrscheinlich. Eventuell Geldstrafe. 3. Ja. Geld- oder Gefängnisstrafe.— H. in B. Eine civilrechtliche Haftbarkeit des Verfassers kann aus dem Inhalt des Artikels folgen. Die Veröffentlichung ist zulälsig, aber gilt als unanständig.— O. Mikron. Aus solchem Schreiben könnte man eine strafbare Handlung deduzieren. Es ist besser, den direkten Klageweg zu beschreiten.— Sl. M., Wieners, raste. Zu einem solchen Abzug vom Lohn ist der Meister nicht berechtigt.— Zl. 8. 1. Nein. 2. Ja. 3. Nein. 4. Die Klage müßten Sie zurück- nehmen, die Zurücknahme dem Gegner zustellen und unter Ueberweisunz der Rücknahme Abbestellung der Zeugen beim Gericht beantragen.— Für de» Juhnlt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei _ Berantmortiing. Sonnabend, den 14. Juni. Opernhans. Figaros Hochzeit. An- fang 7Vj Uhr. Schauspielhaus. Johannisnacht.— Der eingebildete Kranke. Anfang 7'/, Uhr. Neues Opern- Theater tKroll). Gastspiel der königlichen Hofoper aus Stuttgart. Orestes. An- fang 7'/, Uhr. Jlu Liederspielhaus: Offenbach- Cyklns. Fritzchcn und Lieschen.— Der Regimcntszauberer.— Das . Mädchen von Elizonda. Anfang 8 Uhr. Schiller. Die Mottenburger. Anfang 8 Uhr. Deutsches. ES lebe baS Leben. Anfang?>/, Uhr. Berliner. Üebcr unfre Kraft. (1. Teil.) Anfang 7-/- Uhr. Westen. Die Fledermaus. Anfang ?>/, Uhr. Metropol.(Morwitz-Oper.) Undine. Anfang 8 llhr. Neues. Die Großstadtluft. Anfang 7'/- Uhr. Ncsidenz. Einquartierung. Anfang 7'/- Uhr. Central. Coralte u. Cte. Anfang 8 llhr. Thalia. Gastspiel der Schlierseer. Der Amerika- Scppl. Anfang 8 Uhr. Belle-Sllliance. Die Dame aus Trouville. Hierauf bei ungünstiger Witterung im Theater Er. Anfang 8 Uhr. Carl Weist. Die Viper. Anfang 8 Uhr. Friedrich-Wilhelmstädlisches. Einen Jux will er sich machen Aufaug 7r/z Uhr. (5. b. Wolzogens Buntes Theater (Ueberbrettl). Anfang 8 Uhr. Schall und Ranch. Serenissimus- Zwischenspiele. Maienmarkt. Schöne Seelen.— Herbstzauber. Anfang 8r/z Uhr. OrpheuS. Spectalitäten-Vorslellung. Anfang 8 Uhr. Charivari. Täglich Vorstellung. Anfang 8 Uhr. Slpollo. Lhsistrata. Specinlitäten- Vorstelluug. Anfang 8 Uhr. ReichShnlle». Stettiuer Säuger. Anfang 8 Uhr. Passage- Theater. Specialitätc»- Vorstellung. Ansang nachmittags 5 Uhr. Passage- Panoptikum. Speciali- läten-Vorstcllung. Urania. Tanbenstr. 18/19.(Im Thcatersaal.) Abends 8 Uhr: Die deutsche Oslseeküste. Invalide»» raste 57/08. Täglich: Sternwarte. Urania Tauben-Strasse 48/49. Im Theater um 8 Uhr: Die deutsche Ostseeküste. (Walluer-Theaterj Sonnabendabend 8 Uhr: l>le Mottenburger. . Posse mit Gesaug in sechs Bildem von D. Kalisch und A. Weirauch. Musik von R. Bial. Sonntagabend 8 Uhr: Tlnter blonden llciüticn. Her Thor und der Tod.— Tarucelttus.— Post fcBtniu. M ontagabend 8 Uhr: nie Mottenburger. MMWalcrl Sonnabend, de» 14. Juni, Anfang 8 Uhr. Zum 1b4. Male: Coralie& Cie. Schwank in 3 Akt. v. Albiu Valabröque und Maurice Hennequin. Morgen», solgende Tage: OoriUle A Cie. CASTANS Panoptikum Frtedrlch-Strasse 165. Photographisohe Aufnahme von der Insel Martinique und von den Schlachtfeldern Transvaals. Im Konzertsaal: Schwedisch e Künstlerkapelle 4 Damen, 2 Herren. Passap-PaDopticu. Der weiMiclie Affenmenscli. nie Seejnngfer. ner Tigcrknabc. Passage-Theater. Anfang Sonntags 8 Uhr, Wochentags 5, Ende 11 Uhr. Willy Prager 16 Elite-Nunimeru. farl Weiss-Theater. Graste Franksurterstr. litü. ©BT* Nur noch kurze Zeit.-WE ÜMe Viper. Kriminalschauspiel in 7 Bilder». Ansang 8 Uhr. Sonntagnachm. 3 Uhr: Die Rituber. Im(harten: Gr. Sommernachts- fest, Theater- und Specialitäten- Vorstellung. Anfang 5'/; Uhr. Vrater-Tliklitei Kastanie»- Allee 7—9. UHF" Täglich:"9(3 Durch fremde Schuld. Volksstück mit Gesang in 3 Akten. RallettB«». Catrlni. Tyrolienne Mary Ellys. Grotesque-Kom. Paul Coradlnl. Brothers Fred, musik. Excentrics. Mr. Bartling, leb. Photogr. Fred Marzahn! Troupe, Pantom. Muelkantenstrelche. Bartlinge elektrische Feerle.(3000 Glühkörper.) Konzert«. Ball. Ausaug 4 Uhr. Eintritt 30 Pf., uumeriertcr Platz 50 Pf. Kalbo. USetropol-Mfir Anfang 8 Uhr. Jforwltü-Oper. Sonnabend: Populäre Vorstellung bei halben Preisen: lud lue. Sonntag: Vorletztes Gastspiel Heinrich llötel: Der Troubadour. Montag; Die Hugenotten. Dienstag: Abschieds- Gastspiel Heinrich Bdtel: Hartha. Belle-Alliance-Theater. Heute: Klcfert-Konzcrt. Bei günstiger Witterung aus der Sommerbühne: Die Dume mls Tmuille Schwank mit Gesang u. Tanz in 3 Akten. Hieraus:»Cr". Lebensbild in 1 Akt. Garten-Entree inkl. Vorstellung 80 Ps. Schall und Rauch (Kleines Theater) Unter den Linden 44. Sonnabend, 14. Juni, abds. tP/jUhr: Serenissimus Zwischenspielen a. B Max Kliems Sommer- Theater. HaMcnhelde 18—15. Artistischer Leiter: Gust. Bock. Täglich: Gp. Konzept, Theatep- u. Specialitäten-Vopsteliung Jeden 1. und 15. d. Monats: Wechselndes Programm! [Donnerstag: Elite-Tog. FrObeist Allerlei Theater MM- früher Puhlniaun Schönhauser-AIIee No. 148. Durchweg glanzvoll erneuert! Täglich: Gr. Garten-Konzert, Theater, Specialitäten-Vorstellung. Kommen 1 Sehen! Staunen! Allabendlich stürmischer Beifall des erstklassigen Riesen- Programms! Im Prackitsaal: Dr. Hall. Anfang Konzert 5 Uhr, Vorst. 6 Uhr. Entree 3« Pf., Sperrsitz 50 Pf. Borzeiaer dieser Annonce zahlen auf all. Pläste» d. Hälfte. Bei ungünstiger Witterung finden die Borstellungen im Saale statt. R c i c K s k s 1 1 s n. T liglich: Stettiner Sänger. Ansang: Wochentags 8 Uhr, Sonntags>7 Uhr. Tageskasse 11— 1>/zUhr. Soeialdemoliratiselier Walilverein für den 6. Herl. Reichstags- Wahlkreis. Den Parteigenossen zur Nackiricht, daß unser Mitglied, der Maurer August Wundersee Stralsunderstr. 20, am 11. d. MtZ verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Souutag- nachmittag 4 Uhr, von der Leichen- Halle des Elisabeth-Kirchhoss, Prinzen- Allee, aus statt. Zahlreiche Beteiligung erwünscht. 248/7 Der Vorstand. central-Verdand d. Maurer Deutschlands (Zweigverein Berlin). Am Donnerstag, den 12. Juni früh, verstarb infolge eines Herz- und Lnngenleidens unser langjähriges und treues Mitglied, der Maurer August Wundem im Alter von 29 Jahren. Unsre Organisation verliert in ihm eines ihrer besten Mitglieder. Rastlos im Eifer für die Größe und den Aus- bau des Verbandes arbeitend, war er einer derjenigen, die alle persönlichen Interessen hintansetzten und für die Durchführung der Arbeiterforderungen in Wort und in der That große Opfer für die Maurerschaft Berlins und der Umgegend brachte, bis ihn die tückische Krankheit uns entriß. Die Kollegen werden sein Andenken in Ehre» halten. Die Beerdigung findet am Sonntag- nachmittag 4 Uhr von der Leichen- Halle des Elisabeth- Kirchhofs in der Prinzen-Allee aus statt. Um zahlreiche Beteiligung der Kollegen bittet 139/16 Die Berbandsleitnng. Täglich nachmittags Ö Uhr: Dronses Militär- Ooppel-Konzert. Entree 1 9ik., ab 6 Uhr abends 50 Pf., Kinder unter 10 Jahren die Hälfte.— Sonntag und Donnerstag 3 Kapellen. Saiisssoiiei Kottbiuserdtr. 4 a, Station der Hochbahn. Täglich im Garten, bei un- günstig. Witterung imSaal: H»n'ii,a„»M NMentsche Siiltger und Konzert. Sonntag, Montag und Donnerstag nach der Soiree: Tanzkränzchen. Tanz frei! Anfang des Konzerts 5 Uhr, der Soiree 7 Uhr. Entree 30 Pf., ab 9 Uhr 20 Pf. Apollo- Theater Um 7 Uhr: Garten-Konzert. Um 8 Uhr: Die neuen sensationellen SpccialitUteu! Um 9 Uhr; Kolossaler Lacherfolg. Paul Linckes Ausstattungs- Operette Lysistrata mit dem Luftballett„Giigolatls!1 Kasseneröffnung 7 Uhr. W. Noachs Theater. Brunneuslrabr 16. Täglich int Garten: flonjert, Theater- u. Speck- Sctmizer Garten Am KUnlgsthor 4202S?* Am FrledrlchBbain UM- Täglich:"9® Konzert, Theater, Speeiali- tätea-VorstellW MLall. Freier Damentanz bis 7 Uhr. A-. Susantte im Bade. hj �Sussep KraFr-Rolhwem /ürBlularme u.Kranke ärzMIch eupFohlen FLLSO tum lübiPiti zo 1 hoben empfiehlt Dr. von Walck. Santalucie Onkel Don Juan. Posse mit Gesang u. Tanz v. E. Braune. �ommertlieater Badstr. 35/36, Gesundbrunnen. Tttgllch: Gp. S|]eGialilät.-VoP8tellg. Berliner Wascherinädel. Mittwochs und Sonntags: Hall. Entree 20 Pf. Osthahn-Park. Am KUstrtnerpIatz. RUdersdorferstr.71. Hermann Imbs. Täglich: Gr. Kornett. Theater und Spetialitäten Vorstellung. Wintepgaplen. Aus dem interessanten Juni-Programm: „Das Mädchen mit dem gold. Haar" und 16 erstklass. Specialitäten. Ober-Schüneweide Wilhelminenhofstr. 18. Arbeiter- Verkehra-Lokal. Parteigenossen empehle bei Auö- flügen mein Weist- und Bairifch- Bierlokal. Schöner schattiger Garten mit Kegelbahn. Diretter Ausgang nach herrlichem Walde.— Familien können Kaffee kochen, a Liter b0 Pf. 60b' Lrost Kaufholt. Clgarren- u. Clgaretten-Fabrlk Schlllingstr. 7. BenuS. Schillingstr. 7. En groS u. Endetail empfiehlt nur feinste Qualitätm. 4357L' H. Kyrst. Franz üngerberg früher TrettmMe KutscheWnke empsiehlt allen Freunden und Be- kannten sein neu renoviertes Nestau- rant„Marienthal-. Baumschulen- weg, Baumschuleustr. 64, Ecke Cauner Chaussee. Schattiger Garten, zwei Kegelbahnen, Familien können Kaffee kochen; vis-a-vis Wald._ 4392L* Die schönsten Herren- Anzüge. Herreugarderobe in neu, sowie speeiell 4274L* Monatsgarderobe von Kavalieren zurückgelegte Sachen, fast neu, für jede Figur paffend, sind in größter Auswahl zu staunend billigen Preisen stets zu haben. J. Wand, Pmzeilstr. 17, Ecke Wasserthorstrafte. Heute früh starb nach kurzem schweren Leiden unser lieber Kollege, der Korrektor Herr Gusla?8clunledelien im Alter von 45 Jahren. Ein ehrendes Andenken wird ihm immer bewahren Berlin, den 12. Juni 1902. Das personal der Buchdruckerei H. vi. Hermann. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 15. Junt,»ach- mittags 2 Vz Uhr, aus d. Georgen- kirchhof, Landsberger Allee, statt. 214b „Wahren Jaktib" liefert elegante Lefentappen für 20 Pf. Wiederverkäufer gesucht. 189b* Glohigs Buchh., Berlin, Friedrichstr. 31. Central-Kranken- n. Sterbe- Kasse iierTÄ8vlAl«K'!t. Ortsverwaltnng Berlin H. Mitglieder- VersanmlW am Montag, den 16. Juni 1902, abends 8 Uhr, im Lokale des Herrn TolkSdorf. Görlitzerstr. 58. Tagesordnung: 1. Abrechnung vom 1. Quartal 1902. 2. Festsetzung der Gehälter. 3. Wahl der Ottsverwaltung inkl. Beitragssammler. 4. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiett. Um zahlreiches und pünktliches Er- scheinen ersucht 184/13 Die Ortsverwaltung. Freanden und Bekannten die Mit- teilung, daß ich 9, Nauilynstr. 9 ein Wd«»- u. Bayrlschhier' Liokal mit Billard und Vereins- zimmer eröffnet habe. 4348L* Ersuche um geneigten Zuspruch. Paul Läer. Fritz Koppe, Rixdorf, Berlinerst». 14, Nähe Hermannplatz, empfiehlt sein 207b Wck-u.Bayrislh-Bier-Lokal Billard. Vereinszimmer mit Pianiuo für 70 Personen. Hr. Llmmel, Prluroustr. 11. Speetalarzt für 25/17* Haut-»ii«i Hariileide». 10-2, 5-7. Sonntags 10-12, 2-4. Kinderwag., Sport-, Kasten- Leiter- u. Ziegenbockwagen, Eiserne Bettstellen u. Kran» kenwagen für Er- wachsen« u. Kin- der. Preise bill. Auch Teilzahlg.� A.W. Schulz N. Brunnenst. 95 a.Bhf.Gesundbr. Fernsp. III, 1767 �Nocliniesolilllig� somit Jetzt Vorrat kaufen. 100 St.Senftenb. BriquettsöZoll 0,50 100„ Rieseukohle..... 7„ 0,60 ungepackte Preßkohlen, Centner. O.fiiT 1 Scheffel Nuß II Königshütte. 0,85 1 Hekt. kl. gemahlener Gaseoaks 1,10 Zum Abholen borge 25 Handwagen. Ins Haus bei 3000 Stück a 1,25 M. mehr. Josef Fischer, Mitte Brombergerstrafte IL.* Berlin. Verantwortlicher R-daet-ur: Carl Leid in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Tb. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in !>.». Ii. mw 2. Kkilm ilts Jmärt«" finliirr VÄstlM*-».»»-»« Wirtschaftlicher Wochenbericht. Berlin, den 13. Juni 1902. Dor Beginn der Börse.) Als am Freitag und Sonnabend voriger Woche sich ein Nach- lassen in der Realisation der vor dem Friedensschluß eingegangenen Hausse- Engagements an der Londoner Börse zeigte, und daraufhin auch hier am Sonnabend die Kurse erneut anzogen, wurde von einigen Blättern prophezeit, daß die anregende Wirkung des Friedens- schlusies auf das Börsengetriebe nur vorläufig durch die entfachte Rcalisationslust gehemmt worden sei und sich nun, nach der Eni- lastung der Börse von diesen Engagements, um so kräftiger geltend machen werde. Von diesen schönen Vorhersagungen hat sich, wie schon so oft, wenig oder nichts erfüllt. Machte sich auch im Laufe der letzten Woche, durch allerlei Gerüchte über die Situation der Kohlen- und Eisenindustrie und über bevorstehende Fusionen stimuliert, hin und wieder eine leichte Nachfrage bemerkbar, die zeitweilig kleine Kurssteigerungen der Hauptspekulationswerte der Montanindustrie zur Fdlle hatte, so behielt doch im ganzen die Geschäftsunlust die Oberhand, und fast durchweg zeigte sich Ab- Neigung gegen das Eingehen neuer Operationen. ' Der Verkehr war denn auch im ganzen recht gering. Die Reaktion gegen die frühere Ueberschätzung gewinnt mehr und mehr die Auf-. fasiung an Boden, daß, wenn auch die Wirkung des Friedensschlusses auf Handel und Industrie nicht ausbleiben kann, doch dieser Einfluß erst ganz allmählich zum Durchbruch kommen wird. Zudem beginnt sich die Eiuficht einzustellen, daß, soweit überhaupt auf baldige Zu- nahnie der Exporte nach Südafrika zu rechnen ist, England, m dem die glückliche Beendigung des Krieges die imperialistische Strömung nicht wenig gestärkt hat, alles ausbieten wird, sich den Löwenanteil an dem Geschäft nach den neugeivonnenen Kolonialgebieten zu sichern. Die industrielle Lage in Deutschland selbst aber bietet keinen Gnmd zu spekulativen Operationen. Fehlte es auch in letzter Woche wieder nicht an einzelnen Nachrichten, die zeitweilig preissteigernd wirkte», z. B. am Dienstag die Meldung, das rheinisch-westfalische Kohlenshndikat werde seine Fürderungseinschränkung ermäßigen, so wurden derartige anregende Gerüchte doch alsbald wieder von andren, weniger' zuversichtlicheren überholt. Das Gesamtresultat der Woche zeigt denn auch nur ganz geringe Kursverschiebungen. Bahnaktien haben meist ihren Stand behauptet. Dagegen erlitten die Aktien der großen Banken durchweg kleine Abschläge, während Montanpapiere teilweise geringe Kurserhöhungen aufzuweisen haben. Auf das in voriger Woche erschienene Heft XIX der Statistik des deutschen Außenhandels im Jahre 1901, das über den deutschen Handelsverkehr mit Britisch-Nordamerika und den Vereinigten Staaten im vergangenen Jahre unterrichtet, ist zwar schon kurz im„Vorw." hingewiesen worden; in Anbetracht der Bedeutung des deutschen Handels mit der nordamerikanischen Union, die seit 1898 von allen Ländern den größten Anteil an der deutschen Einfuhr hat, lohnt sich aber eine nähere Betrachtung der Richtung, welche die beiderseitigen Handelsbeziehungen genommen haben. Die schon seit langem vorhandene Differenz zwischen der deutschen. Einfuhr und Ausfuhr im Handel mit den Vereinigten Staaten hat im letzten Jahre wieder eine Steigerung erfahren. Während im Specialhandcl die Einfuhr aus der Union von 1020,8 auf 1042,1 Millionen Mark gestiegen ist, also um 21,3 Millionen Mark zugenommen hat, ist die Ausfuhr nach drüben von 439,6 auf 385,8 Millionen Mark, d. h. um 53,3 Millionen Mark, zurück- gegangen. Nun hat allerdings im vorigen Jahre ein besonders starker Export von Edelmetallen aus der Union nach Deutschland stattgefunden— er bclief sich auf 56,3 Millionen Mark gegen 17,2 im Vorjahre mrd 13,4 Millionen Mark in 1900— aber auch wenn man die Edelmctall-Einfnhr jganz unberücksichtigt läßt und nur de» eigentlichen Warenhandel betrachtet, ergiebt sich noch immer eine Abnahme der Einfuhr um nur 1,8 Proz. gegenüber einer Abnahme der Ausfuhr um 12,5 Proz. Der Ueberschuß des Wertes der Wareneinfuhr über den der Ausfuhr hat sich dadurch im Vergleich zum Vorjahr weiter um 37 Millionen Mark erhöht. Im reinen Warenhandel(ohne Edel- metall-Versand) stellte sich diese„Unterbilanz" des deutschen Handels im letzten Jahr auf rund 601 Millionen Mark, in 1900 auf 564 und in 1895 auf 114 Millionen Mark. Entwickelt sich der. deutsch« amerikanische Handel in dieser Richtung weiter, wie mehr als wahr- scheinlich ist, so wird schon im nächsten Jahr(1903) der Wert der deutschen Ausfuhr nach den Vereinigten Staate» nur noch ein Drittel deS Wertes der Waren ausmachen, die Deutschland von dorther erhält. DaS deutsch-amerikanische Handclsverhältnis nähert sich damit mehr und mehr dem englisch-amerikanischcn; denn nach der Statistik des Handelsbureaus der Vereinigten Staaten bezogen Groß- britannien und Irland in 1901 aus der Union für 599 Millionen Dollar Waren, lieferte aber nur für 155 Millionen Dollar dorthin. Unter den Artikeln, die Deutschland im votigen Jahr von drüben erhielt, stehen Baumwolle, Getreide, Schmalz, Petroleum, Roh- metalle, Oclkuche», Oel, Nutzhölzer und Fleisch obenan. Im Ver- gleich zu 1900 hat die Einfuhr von Rohbaumwolle abgenommen um 25,5 Millionen Mark(1900---- 258,3— 1901— 233,3 Millionen Mark), von Rohkupfer uni 39,4 Millionen Mark, Mais um 22 Millionen Mark, raffiniertes Petroleum uni 11,4 Millionen Mark; dagegen hat die Einfuhr von Weizen zugenommen um 104,5 Millionen Mark(1900--- 60.7— 1901-- 165,2 Millionen Mark), von Schweineschmalz um 11,8, von Olcomargarin um 4.4, von Baumsamenöl um 4,5 Millionen Mark. Deutlich kommt in diesen Zahlen die wirtschaftliche Veränderung zum Ausdruck, die in Deutschland im Jahre 1900 eingetreten ist. Der Rückgang des Einfuhrwertes der Rohbaumwolle erklärt sich z. B. nicht, wie vielleicht angenommen werden könnte, aus der quantitativen Abnahme der Einfuhr, sondern aus dem Prcisfall, den im vorigen Jahr Roh- bauniwolle gegenüber den enormen Preissteigerungen in der zweiten Hälfte des Jahres 1900 erlitten hat; dem Gewicht nach sind sogar in 1901 877 Doppelcentner Rohbaumwolle mehr in Deutschland aus den Vereinigten Staaten eingeführt Wörden, als in 1900. Die Minder- einfuhr von Rohkupfer ist in der Hauptsache eine Folge des Danieder- liegens der Elcktricitätsindnstric, während der Stückgang des Mais- in, Ports aus der Union durch den ungünstigen Ausfall der amerika- nischen Maisernte veranlaßt wurde. Andererseits bewirkte die gc- ringe Wcizencrnte Deutschlands und der bedeutende Ueberschuß der amerikanischen Weizcnernte einen starken Abfluß dieses Getrejdes nach den, deutschen Zollgebiet. Auch der Wert der Einfuhr verschiedener amcrikanischcr Industrie- Artikel hat abgenommen, so z. B. der Import von Maschinen aller Art(auch Näh-, Schreib-, Rechenmaschinen) um 14,1 Millionen Mark, Eisen und Eisenwaren um 4 Millionen Mark. Gründlich verkehrt wäre es aber, daraus ein Nachlassen der amerikanischen Konkurrenz folgern zu wollen. Teils erklärt sich diese Wertabnahme ans verminderter Zufuhr infolge der Ucbcr- süllung des� einheinnschen deutschen Marktes mit Maschinen und der Hochkonjunktur in- den Vereinigten Staaten, die dort den Maschinenfabriken eine leichte Unterbringung ihrer Erzeugnisse er- möglichte, teils aus de», durch die Krise in Deutschland hervor- gerufenen starken Preisfall mancher Maschine». Der Rückgang der deutschen Ausfuhr nach den Vereinigten Staaten betrifft außer Rohzucker, dessen Export nach drüben von 69,6 auf 19,1 Mill. Mark gesunken ist, vornehmlich Industrie- Erzeugnisse. z. B. hat der Wert der Ausfuhr abgenommen bei baumwollenen Wirk- und Strunipfwarcn um 8,3, bei Kautschuk- und Guttaperchawarcn um 3, bei Roman-Cement um 5,1, bei Glncö- Handschuhen'um 4,1, bei halbseidenen Tüchern, Shawls zc. um 2,6, bei feinen Lederwaren um 2.4 Millionen Mark. Die Statistik des deutsch-amerikanischen Handels während des letzten Jahres redet demnach eine deutliche Sprache. Sie zeigt, daß drüben der Absatzmarkt für deutsche Industriewaren sich allmählich mehr und mehr verengert. Nicht nur, weil der amerikanische Zoll- tarif die betreffenden Artikel mit hohen Zöllen belegt, sondern weil die amerikanische Industrie in steigendem Maße den' Bedarf deS amerikanischen Inlandsmarktes selbst deckt und sogar in manchen Artikeln, die noch vor zwei, drei Jahrzehnten fast ausschließlich auS Europa bezogen wurden, schon auf dem deutschen Markt als Kon- kurrentin auftritt. Der amerikanische Export von feinem lackierten, gefärbtem Leder nach Deutschland hat beispielsweise gegen 1900 um 1 Mill. Mark, der von feinen Schuhwaren um 0,4'Mill. Mark zugenommen. Diese guten Exporterfolge der amerikanischen Industrie trotz der dortigen Hochkonjunktur lassen ahnen, wie stark sich erst die amerikanische Konkurrenz auf dem europäischen Markt gestalten wird, wenn drüben ein Umschlag erfolgt. Der Vertrag der Hamburg-Amerika-Linie und des Norddeutschen Lloyd mit dem Morganschen' transatlantischen Schiffahrtstrust hat in den letzten Wochen vielfach zur Aufwerfung der Frage geführt, wie hoch sich zur Zeit der Bestand und der' Tonnen- gehalt der Danipferflotte beider deutscher Linien beläuft und wie sich die Qualität ihres Schiffsmaterials zu dem der großen englischen Reedereien verhält. Was die Hamburg« Amerika-Linie anbetrifft, so stellte sich im März d. I. ihre Gesamt- tonnage einschließlich der im Bau befindlichen Dampfer auf 661 355 Tonnen, während die Gesellschaft im Jahre 1836 nur 22 Dampfer mit 60 000 Tonnen besaß. Während dieses Zeitraums von sechzehn Jahren hat die Hamburg-Amerika-Linie 39 Dampfer mit 136 000 Tonnen durch Verkauf auS ihrer Flotte ausgeschieden. Da- gegen hat sie bis Anfang 1902 ausschließlich der jetzt im Vau befindlichen Schiffe neu gebaut oder käuflich erworben 137 Dampfer init 632 000 Tonnen. Durch die energische Ausschaltung ihres älteren, unmodern gewordenen Materials hat die Gesellschaft das Durchschnittsalter ihrer Tonnage so jung gehalten, wie kaum eine andre Reederei. Dieses Durchschnittsalter stellt sich jetzt auf wenig mehr als 5V� Jahre. Bei der hervorragendsten englischen Gesellschaft, der Peninsular and Oricntal Company, be- ziffert sich das Durchschnittsalter der Schiffe auf OVs Jahre, bei der größten italienischen Gesellschaft, der Navigazione Generale Jtaliana erreicht das Alter sogar im Durchschnitt eine Höhe von 21>/s Jahren. Die in letzter Zeit vielgenannte älteste Gesellschaft Englands, die Cunard- Linie, weist ein Durchschnittsalter von 10 Jahren auf. während die größte dänische Reederei. die Forenede Dampskibs Sclskab, nahezu auf 14 Jahre kommt. Die französische Gesellschaft Compagnie GsnSrale Transatlantique kommt im Durchschnitt auf 18Vz, die Messageries Maritimes im Durchschnitt auf 16 Jahre. Und auch beim Norddeutschen Lloyd stellt das Durchschnittsalter sich auf annähernd 8l/s Jahre. Man kann sich von dem Umfange des Betriebes der Hamburg-Amerika- Linie mit ihren etwa 630 000 Tonnen an transoceanischen Dampfern einen Begriff machen, wenn man hört, daß an solchen für den Uebersceverkchr bestimmten Dampfern(also Dampfer von über 2000 Tonnen) nach den letzten Festsiellimgcn Frankreich insgesamt nur 794 670 Tonnen, Oestreich-Ungarn 431553 Tonnen, Rußland 272193 Tonnen. Belgien 119 630 Tonnen, Holland 398 481 Tonne», Dänemark 167 722 Tonnen besaßen. Gegenwärtig befinden sich für die Hamburg-Amerika-Linie noch im Bau acht Dampfer mit 60000 Tonnen. Wie hoch sich zur Zeit die im Betriebe der Hamburg-Amerika- Linie beschäftigte Zahl der Arbeiter und Angestellten beläuft, ist nicht genau bekannt. Bor etwa zwei Jahren wurden indes schon über 14 000 Personen beschäftigt, und heute dürfte die Gesanitzahl über 16 000 betragen. Dat. Achtung! Achtung! Veitail t Bau-, Eni- und gawai. HilMaitar Dautsctil Zahlstellen Berlin and Viugegcnd. Sonntag, den 13. Jnni, vormittags 10 Uhr, in Buggenhagens Etabliffemcnt am Moriizplah: Kombinierte Mitglieder-Bersammluug. Tages-Ordnung: 1. Die gegenwärtige Konjunktur sim Baugewerbe, der ablehnende Bescheid der Arbeit- geber und unsre Stellungnahme dazu. 2. Diskussion. 3. Verbandsangeleaenheiten. kW Mitgliedsbuch legitimiert.-MW 42/11 Um pünktlichen und zahlreichen Besuch ersucht _ Ble liPhnkommUslon. I. A.: Karl Heidemann. Aclitmig! Freie Vereinigung der Bnteler Berlins und Bororte. Sonnabend, den 21. Juni 1902, I. Stirtangefest 299/17 Hermann's Hof, Beusselslratze 9. Deutscli MetallRrbeiter-Verband VerwnUnngsstelle Berlin. Bnreau:«ngel-Nfer IS, Zimmer 1— S. Fernsprecher: Amt VIR, 3S3. Sonntag, den 13. Juni, vormittags 10 Uhr: Versammlung der Feilen-Arbeiter bei Sachse, Lindowerstrafte 36. Zahlreichen Besuch erwartet 116/8 _ Die Ortsvcrwaltnng. StW-Restallmt Müggelsee zwisch. Mng'gelschloß u. AnSsichtsturni. Empfehle Fabriken, Vereinen und Korporationen snr.Sommervergiiügen lt.* Ausflüge' mein grobartig gelegenes Lokat. Saal für ca. 3000 Personen, Hallen, genügende Nebenräume. Be- lustignngen aller Art. Coulante Preise. 3ö13&*!» Degebrodt, „Strandschlotz". Köpenick Verband der Möbelpolierer. Heute abend SVz Uhr, Engel-Ufer 15(grostcr Saal): rordantliclia Ganaral-Veninlung. Tages-Ordnung: 1. Ausschluß ewiger Mitglieder. 2. Bericht über die Fragebogen und unfern Arbeitsnachweis. 3. Ist es nötig, den Extrabeitrag weiter zu ent- richten? 4. Berschtedenes und Ausgabe der Billets zu der am 29. Juni stattfindenden Dampferpartie. ÜW Pflicht eines jeden Mitgliedes ist es, in obiger Versammlung zu erscheinen und sein Buch an der Kontrolle vorzuzeigen. Daselbst werden Beiträge entgegengenommen.— Die Werkstcllen, welche noch keine Frage- bogen abgeliefert haben, müssen diese sofort an lt. Scliulr, Meinclerftr. OOn senden._ 146/8 Am Montag, de» 1«. Juni, abendS 8'A- Uhr, Andreasstr. 26: ÜP Wcrisammliing' Hi Tages-Ordnung: 1. Vortrag deS Genossen Wollhelm über:„Das Innere bor Erde und die vulkanischen Ausbrüche." 2. Diskussion. 3. Beilegung des Lokals der Vertraueusmänner-Sitzung. 4. Aufnahme neuer Mitglieder. K®ie Kollegen werden ersucht, zu dem Bortrag ihre Frauen mit- Der Vorstand. Achtung I Korbmacher. Mutig! Sonntag, den 15. Juni, vormittags 10 Uhr, im „Gewcrkschaftshans", Engel-Ufer 15: Oeffentliche Versammlung. Tages-Ordnung: 64/12 1. Bortrag deS Kollegen Kuuisch aus Düsseldors. 2. Verschiedenes. Pflicht eines jeden Kollegen ist eS, in dieser Versammlung zu erschewem-t Allgemeine Kranken- und Sterbekasse der Metallarbeiter, Filiale Berlin VII. Sonntag, den 15. Jnni, vormittags 10 Uhr: Mitglieder- Versammlung im Lokal von Hoffinann, Pasewalkerstr. 3. Tages-Ordnung: 1. Bericht der Delegierten von der Generalversammlung. 2. Diskussion. 3. Kassenbericht. 4. Neuwahl der OrtSverwaltung. 5. Verschiedenes. Um rege Beteiligung wird dringend ersucht. 116/7* Extra-Dantpserfahrten n-ch Schmölkwi�,'AgmÄklil Miil-See jeden Sonntag 9 und 2 Uhr(hin und zurück 75 Pf.), Montag u. Mittwoch 2 Uhr mit Musil(hin und zurück 50 Pf.). Während des Aufcuthalts im Garten grosses Konzert und in zwei Sälen Ball. Abfahrt zwischen Jannowitz- und Watscnbrücke(Dampfcrstation Khfshäuser). Das Lokal bietet einen herrlichen Aufenthalt. Zwei grobe Säle, Kegel- bahnen usw. Für Vereine und Gcfellschajtcn bestens zu empfehlen. Auch stelle ich die billigsten Dampser.* Gute Sommerwohnungen mit und ohne Pension. A. Xoack. Treptow Mls Victoria-Carlen, Ludwigs Park-Restaurant, Köpenicker Landstrasse. Sonntag, den 15. Juni 1902 Prüh-Konzert 4. Kreis Südost. Billets 15 Pf. Kassen-Eröffnung 4 Uhr morgens. Blllet» 15 Pf. Die Kaffoeküche ist geöffnet.(Liter 60 Pf.) Zu zahlreichem Besuch ladet ein Das Komitee. NW»- DWP" Erkner am Dllmerltz-Sce____ 3 Mi»»te» vom Bahnhof— herrlich am Wald nnd Wasser gelegen— empfiehlt sich den Genossen bei Ausflügen per Eisenbahn und Dampfer, den geehrten Familien, Vereinen und Fabriken zu angenehmem Aufenthalt., Zwei grobe schattige Gärten, zwei geräumige Hallen, grober neuer Saal, eine Kegelbahn, eigne Dampser-Anlegestelle. 3739L GebrUder Bell, Gräfrath 2- bei Solingen. Aeltestes Ladrikversandhaus am Platze, gegründet 1876. 14 Tage zur Probe mit 5 Jahren Garantie '''--■._'---■ 0ute mit Qualität übsrzcugen tan». Besteller verpflichtet sich,> -—-- Sollte aufgeführte Nummer Jh so verlange man neuesten H barer imitiitn Boldcialage und EiuiS, damit sich Jeder lohne Risiko) von der au« mit hall- in airaeaebener hren Wünschen WVV_________..................... paupicalalog fürS Jahr 1008 ganz umsonst und porlosrei ohne Kaufzwang. Derselbe enthält� grabe Autwahl in ~"----- n, Rasirutensiltcn, Haarmaschinen, Taschen Zeit das Messer relour oder Ithsrlr 9 Art einzusenden. den Beirag van n"! Iliain nicht entiprechen, Stastrmeflern, PscifcNl und Tasclmrssera und Gabeln, oder Gartenschecren, Ernscn, -" b Wiegemessern, ______________ P Portemonnaies, Spazierftöcken, Fernrohren, Feldstechern, Schuss, Stichwaffen, wlusilinftrumentcn. und ivnstigen Damen», Haar- und Schneidcrschceren, Reben» oder Gartens» Gärtncrmcsser», Brod-, Schlacht-, Gemüse-, Hack» und Uhren, Uhren- u. Halsketten, Broschen, Ringe»,- Schmuck- und HaushaltungSartikclu te. ic> Von aufgeführtem Raslrmesser wurden von uns circa 40,000 Stück In kurzer - Zelt ver- sandh Mehr wie ein Stück versenden nur gegen Nachnahme.— Bitten genau auf unsere Firma zu achten. Begpttniangr de« Cieschüft« 1878. chulmeister en gros Sohneldermelster Vrosdsnerpkv. 4 am Kottbuser Thor. Sommevpaletots von m 18, so an Rsck-AAziige... 28„ Jackett-Anziige... 18„ I MslUprpkvk»Hol4S Sohöneberg. Kommer-Jacketts. von m. 2 Junglings-Aaziige.„, 12 Knaben-Anznge* 3 an. ea ddtall an Masch-Anzüge«nd Kinsen für Knaben von Mk. 1, �.nkSi'ticsuncs nach Maass in elegantester Ausführung unier meiner persönlichen Leitung� S70ZL» Grosse Aosweiil in öeutscfieo, eDfliscben II. französisclieii Stoffen.! Stettin: Magazinstrabe 2. Hohenzollcrnstraße Z. }mmWt jon 1,50 uit mbenhöte„ ÖJa„ Grösttes Lager in Strohhüten j von den einfachsten bis zu den feinsten Genres Scbirme zu außergewöhnlich billigen Preisen Mühen. Krawatten. f3724& Dresdenerstr. 2, Ecke Skalitzerstraße Otto Gerholdt, Berlin: Chausieestrabe 54. Belle-Alliancestr. 98 '-vr�SS*'• � Streng feste Preise. Binsenhut 90 Pf. mit Ventilation 1,80 Mark. a Stück von»« Pf. an. von 8» Pf. an. Bessere Strohhüte werden jetzt zu bedentend herabgesetzten Preisen verkauft in»leinen beiden 4g&4S>* Sperwlgeschiiften für Hüte«nd Mützen. lEM-Zieszze SO.», Sckalt- Strasse 36, lT-', �„ Ecke Neanderstrabe. Hutmachermelster. ke5tAursN! SirseliMtell. Am Balmhof Hirscligarten. J»h. W. Keller, Gastwirt. Empfiehlt den Bereincn»nd Gesellschaften seinen schönen schattigen Garte», ca. 2000 Personen sassend, großen Saal, Kegelbahnen, Kaffeeküche. Gutgepflegte B i e r e u. S p e i f e n zu jeder Tageszeit. Volksbslustlgungen. Auch zu erreichen Köpenick von Vahnhofiiraßc, Kaiser Wilhelmstraße, Stubenrauchstrabe(neue Strabe nach Ariedrichsh.) Naötabrsr pumpetailon. Eime Wohlthat. Bei den heißen Tagen«inen feinen Sommer- Anzug zu haben, bietet sich dem geehrten Publikum eine nie wieder- kehrende Gelegenheit. 4268SJ» 200 Ztiilil reinwollene Stoffe in neuesten Mustern verarbeite nach Maß unter Garantie tadellosen Sitzes mit festen Futterstoffen, jeden Anzug znm Aussuchen für 2a Mark; früherer Preis 50 Mark. Ein Posten Herren-Hofen, guter Stoff, nach Matz für 3,30 Mark, so lange der Vorrat reicht. Eigne Schneiderei im Hause. Ä. Priesler, Gr. Frankfurtcrstr. 40. Unverfälscht. Deutscher Bienenhonig, best. Oualit. vcrs. die 10 Pfunddose zu k,b0M., b Pfd. 4 M. franko. Garant. Riicknahlne. EDnll Kordloh, Bahnhof * BPH, Angustfehn, Oldcnbg. } Filialen:{ Mass-Anzuge 24: mib BO Mark. Paletots nacli Mass 22 Mark. ES liegt in jedem seinem Jnterefle, mein Angebot zu prüfen und stch von der Reellität zu überzeugen. Ich liefere von prima Stoffresten die elegantesten haltbarsten Mab-Anzüge zu obigem Preise. Kein Zwang zur Abnahme, wenn der Anzug nicht sitzt. ööb Sonnenscfiein'sEnpS'Resterliaiiillnn; Belle-Allianrestratze 98, 1 Dr., und Ehausseestratze 34, 1 Dr. SciimOckVIfitZ CastOaus zur Palme 1(Endstation der„Stem"-Dampfer) zilhober: Hermann Itter.«n*Ä:39. Empfehle mein allbekanntes, herrlich an Wald und Wasier belegenes Lokal den geehrten Vereinen und Gesellschaften zu Ausflügen. Ausspannung und Dampserstege, Kegelbahnen, große Kaffeeküche. Gute Küche und bestgepffegte Bicre zu soliden Preisen. s4Z1ZL» JedeUhr zu reparieren und reinige» kostet bei mir unter Garantie des ÄutgehenS nur 1 Mb. 30 Jtf., außer Bruch, kleine Reparaturen billiger. Großes Lager in Uhren, Goldwaren, Ketten zu erstaunlich billigen Preisen. Dukaten-Trauring, 900 gest., 1'/, Dukaten 15,50, 2 Dukaten 20,50. Für sämtliche Waren schriftliche Garantie. Echt Rathenower Brillen Pincenez, Operngläser. Z813L* T. Slolz, Chausseestp. 78, p.»toi«, Badftr. 57. Wo? ist ein schöner Ausenthalt, schön zu Fuß, Rad und Kremser zu erreichen? Beim alten Prennd ans Plchclswcrdcr.— Für gute Küche nsw. ist immer bestens gesorgt!(37703* -• Idusik: Plektrisch.• Benötigen Sie Basier-, Taschen-, Brot-. Schlacht-, Tischmcsser u. Gabeln. Scheeren, Baushaltnngs• Artikel, Waffen,"-----'- � -ifea, eigneren- undClg e Stahlwarenfabrik Cetsr. Wolferts. Wald _ �---------,------, Waagen, liCdcrwaren. Albuins, Bürsten, Pfeifen, Clgarrcn- und Clgarcttenspitzcn. so wenden Sie sich direkt an die Stahlwarenfabrik bei Solingen No, 33. Katalog mit circa 3000 Ab- büdungen erhalten Sie gratis und franco, Gloichz. vers. obige Firma, um jedermann Gelegenheit 1 in geben, sich von ierGüte und Billig- teit ihrer Waren zu fiberidugen,«dn Silberstahl-KasiermeBser STo. 30, wie Zeichnung, mit SJUhr. Garantie, fein hohlgesoüliffen, mit Etats, fertig zum Gebrauch USy SO Tage znr Probe, zum Preise von 1,50 Mk. franco. Besteller verpflichtet sich, den Betrag binnen obiger Frist ein- oder das Messer retour zu senden. Also kein Risiko. MM Mehr wie ein Stock versenden wir nur unter Nachnahme I L Slippekohls Restaurant Köpenick, Schönerlinderstr.3. Arbeiter- Vcrkchrslotal. Für gute Speisen u. Getränke ist bestens gesorgt. S enorm billig wasserecht dekatiert i» bair. Loden, Covercoat und Homespun 12, 15, SO M. Pique-K9eider weiss und farbig 7,50 M., 10 M.. 15 M. Hochelegante Waschkleider! in Zephir, Batist n. P-qub 8 M., 10 M., 12 M. Organdy 18 M., SO M. Seldcn-PonlardZ5, 50M. s Elegant« csiümpVckek S in Tuch, Zibcline, Kammgarn und Cheviot, 0 M., 7 At.. 10 M., 12 M., 13 M., Seldendainast 35 M., Alpacca 4,50 M., 6 M., bis 30 M., weiss Cheviot und Pique 3, 5, 7-15 M. Jaketkleider elegante Facons Chediot,Covereoat,Homespun 15 M, 20 M., 23 M. Seidenblusen entzückende Streifen- u. Fantafie. muster, elegante FaconS, «,5V M., 8 M., 10 M.. 15 M. Blnsonhemden 1,35 äst., 2 M. Borgenröcke und Halindes 3 M., 3 M., 6 M. Golf-Capes Staubmäntel fetzt 3,75— 15 M. Schwarze, glatte». bestickte Capes und Kragen in Tüll mit; Application und feinem Rips 10 M., 15 M., 20 M. Sieliafln& Rosenberg Kommandanten Strafte, Ecke Lindenstrafte. Backffichklelder, Saccos und Paletots 10 M. , Pferdebucht', Restaurant b. Köpenick. Empfehle mein allbekanntes, in herrlichem Laubwalde geleg-n-S Lokal dm geehrtm Gesellschaften und Vereinen zu Ausflügen und Landpartien. Sommerwohnungen mit und ohne Penfion. Großartige Prommaden 100 Morgen Spielplätze. 5000 Sitzplätze. Ausspannung für 80 Pferde Gute und berühmte Küche.— Es ladet zum Besuch freundlichst ein 4036C* Wilhelm BrUsewrlts, Besitzer. seit 1838 bewährtes und altes Erfrischungs- u. Eeinigungs- mittel für Blut u. SäfteT Jede Flasche und Schachtel tragen den Namenszug des Prof. Girolamo Pagliano, Florenz, auf blauem Grunde. Zu haben in Apotheken. Generalversand für Deutschland: Carl Rannins, ZI tinchen. 25/20* PAGÜANO-SYRUP Mg« Achilles Früher 7 Jahre bei Baer Sohn thiltlg. lO Grosse Franklurter- Strasse 1© vls-a-Tls dem„Ostend-Theater". Moderne Herren- o. Knaben-Garderoben, Sport- n. Berufskleidung, verbunden mit eleganter, gutsitzender Mass-Änfertignng. Geschäflsprincip: Reelle) höfliche Bedienung» Billige streng feste Prelss« Jedes Wort: Kleine Anzeigen. 16 £6 Buchstaben zählen doppelt» dfll JM W Si /"r die näcAate XXJtK' c? r�r tlft jYummer werden in den Annahviestcllen für Berlin bis 2 Uhr, für die Vororte bis 1 Uhr, in der Ifaupiexpedition Beuthstr.3 bis 4 Uhr angenommen, rden JA lin Mm m Verkäufe. Cigarrengefchäff, verkehrsreiche Straße, Gesundbrunnen, wegen ander- weitigen Untemebmens sofort zu ver- kaufen. Umsatz jährlich 10- biS 14000 Mark. Näheres Spedition bei H. Raschle._ 1966 40 Parzellen, Vorort, Station hinter Buch, 10 Minuten vom Bahnhof Zepernick, prachtvolle Lage, Rute 6—8 Mark, verkauft Jöers in Zepemick._ 193b' Borjährige elegante Herrenhosen aus seinstm Stoffen 9—12 Mark. Verkauf Sonnabend und Sountag. Versandhaus Germania, Unter den Linden 21, II. 1177K» Weich« Herrenhüte, gute Qualität, Stück 95 Pfennig. Bessere Sachen enorm billig. Hutfabrik, Comptotr Kaiferstraße 25A, früher Barnim- firaße 4 und b. SonMagS ge- öffnet._[1088a* Teppiche!(fehlerhaste) in allen Größen für die Halste deS Wertes im TeppichlagerBrünn, HackescherMarktl, Bahnhof Börse.____ 111/7* Spottbillig! Teppiche, Betten, Steppdecken, Gardinen, Repetiemhrm, Regulatoren, Leihhaus Neanbet- ftraße 6. Teilzahlungen gestattet. Schwarze Anzüge von 12 bis 60 Mark empfiehllt Schlesinger, Turm- ftraße 85. 1174«* Wer Stoff hat, dem fertige Maß- anziige mit guten Zuihaten. Kon- fektionsarbeit 15 Mark, ff. Herren- schneiderarbeit 18, 21, 24 Mark. Hermann Schlesinger, Turmsiraße 85. Aitfertigung eleganter Herren- garderobe. Teilzahlung gestattet. Marcus, Holzmarktstraße zweiund- sechzig._ Fahrrad, auch defekt, kaust Ratzlaff, Franseckistraße 7._ 118/5* Vivisektion: Wer sich über diese ruchloseste Grausamkeit unsrer Zeit unterrichlen will, verlange die Flug- blätter des Weltbundes gegen Vivi- sektion, welche unentgeltlich versendet iverden vom Berliner Tierschutz- verein, Königgrätzerftraße 108. Um gütige» Abdruck wird gebeten. 161b* Meiner wertm Nachbarschaft, alle» Freunden und Kollegen zur 'Nachricht, daß ich mein Weiß- und Bayrisch Bier-Lokal Landsberger- ftraße 1/2 eröffnet habe. Grober Frühstücks- und Mittagstisch. Um geneigten Zuspruch bittet Heinrich Bachnicka. 174b* Hebamme M. Müller, Sttelitzer- straße 9, empfiehlt sich._ f74* Chescheidungs-, Unfallsachen, Eingabengesuche, Klagesachm, Rat- erteilungm, Gnadmgesuchel Linien- straße 36.. 150/3 RechtSbnrea«. Prozeßdcistand, Eingabengesuche, Raterteilung. Falk, Brnnnmstraße vierzig. 215b Vermietunxen. Schlafstollen. Zwei Schlafstellen, sauber, Käthner. Bärwaldstraße 42, Gartenhaus. s203b* Zwei Herren findm möblierte Schlafstelle. Witwe Lücke, Raunyn- straße 73, Hof III. ffllg �rbeitsmarkt. Stellengesuche. Blinder Sttlhlflechter bittet nm Arbeit. Stühle iverden zu dm billigsten Preisen geflochten, werden abgeholt und unentgeltlich zurück- geliefert. Adresse: Mulackstrahe 27, A. Gläser.* Stellenangebote. Arbeiter auf ff. weiche Arbett und ff. Porteträsors sofort in oder außer deui Hause verlangt Otto Matern, Luckauerstraße 11. 210b Arbeiterin sür Blusenhemden, Säumchenstepperin auch außen« Hause verlangt Bertha Tschipke, Reichen- bergerstraße 58, HI 20Lb Im ArbeltSinarkt durch besonderen Druck hervorgehobene Anzeige» kosten 40 Pf. pro Zelle Wüllß! Holzarbeiter! Gesperrt sind folgende Werkstätten: Leibe u. Co., Grvßbeerenstr. 54. Tischler und Mafchinenarbeiter. Grünu.Hettwig, Eneiimaustr.44/45. Wegner, Wilmersdorf. A. Schulz, Krautstr. 18/10. 83/3» Die Ortsverwaltung. Achtung! Holzarbeiter! Zuzug von Tischlern und Drechslem Werkstatt Max Kirchstein, Spandau, ist fernzuhalten. D,e Ortsverwaltung des deutschen Holzarbeiter- zZerbandes, Spandau. Achtung, Tischler! Gesperrt sind folgende Werkstätten? /zlbsrt Schultz, Krautstr. 18/19. A. Schätflar, Petersburg erstr. 77. Cernandt, Eisenbahnstr. 11. Zuzug streng fernzuhalten. 186/20« Der Fachverein der Tischler. Achtung I Brauerei-Zlrbeiter!! Die Differenzen in der PatzenHoser Brauerei sind noch nicht geregelt. Tie Agitations-Kouimissto«. Berantwottlicher Redaeteur- Carl Leid in Berlin. Für den Juseratmiril verantwortlich: Th.«locke in Berlin. Druck und Verlag von Map Babing in Berlin.