Nr.»37. Abomumtivs- Kedingungen: AbonnsmenlZ-Prilt pränumerando! vierleljährl. 3,30 SPlt, monatl. 1,10®!., wöchenllich 23 Psg. frei inä Hau». Siiuelne Numm-r 5 Psg. Sonnlag«. Nummer ml« iQu(itiet,«f Sonntags« Aeilage„Die Neue Welt" 10 Psg. Post- Abonnement: 1,10 War! pro Monat. Eingetragen in der Post-Zeitung»- Preisliste für 1002 unter Nr. 7878. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, sür da« übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Erscheinl kiigllch nußic«oiilig». Devltnev Volksblstt. 19. Jahrg. Fi« Inserttons-GMyt beträgt für die sechsgespaltene Kolonel» zetle oder deren Itaum«0 Psg., sür politische und gewerlschaftlicho Vereins- und VersammlungS- Anzeigen 20 Psg. «Kleine Anseigen" jede« Wort 5 Psg. (nur das erste Wort fett). Inserate sür die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittags in derExpedition abgegeben werden. Dte Expedition ist an Wochen- lagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 3 Uhr vormittags geöffnet. Telegramm-Adresse« »Sorinldrmokrat Berlin» Csntvalorgan der socialdemokratisclien Partei Deutschlands. Redalttion: sw. 19, Veullz-Slrafze 2. Fernsprecher: Stint 1, Nr. 1508. Sonntag, den 15. Juni 190& Exprdikion: SW. 19, Brnth Skrasze 3. Fernsprecher: Zlint I. Nr. 6121. Der 4. deutsche Gewerkschaftskongreß In Zeiten der Krise tritt am Montag in Stuttgart die deutsche Gewerkschaft zusammen, nachdem der vorangegangene Kongreß in Frankfurt am Main in der Periode der voklsten Prosperität der Industrie getagt hat. Gclvaltig haben sich die Verhältnisse in den letzten drei Jahren im deutsche» Reiche geändert. Nicht nur im Hinblick auf die wirtschaftlichen Verhältnisse ist die Lage beim Znsammentritt des Kongresses eine andre geworden, auch in politischer Beziehung hat sich vieles geändert. Unter dem Zeichen des Zucht Hanskurses tagten in Frankfurt am Main die Vertreter der deutschen Gelverkschaften, heute sind, wenn auch nicht für immer, die Pläne des Freiherr» von Stumm mit ihm begraben. Heute hat die Regierung andre Sorgen, welche die Arbeiter auch in hohem Maße bedrücken, die aber auf einem andern Gebiete liegen, heute konzentriert sich das ganze Streben der Regierung au die Durchbringung des Zolltarif-Gesetzeittuiurfs, der den Agrariern noch nicht genug bieten soll, aber den Arbeiter aufs schiverste bc lastet und die Aussicht auf Gesundung der deutschen Industrie Verhältnisse auf ein Minimum reduziert. So ist der politische Himmel für die Arbeiter auch zur Zeit des vierten deutschen Gewerkschaftskongresses düster umwölkt. Keine Ursache zum Optimismus ist für die Arbeiter vorhanden, nicht in Zeiten des Friedens, sondern in denen des Kampfes treten die deutschen Arbeiter zusammen,- um die gemeinsamen Interessen aller Gewerk schaften zu beraten. So umdüstert auch der Horizont ist, er weist doch auch helle Punkte auf! Jedermann hätte erwartet, daß der deutsche Geiverkschaftskongretz mit dem Geständnis seine Sitzungen iverde eröffne» müssen, daß die Zeit der Krise eine bedeutende Schwächung für die Gewerkschaften bedeute, daß schwere Mitgltcderverlnfte und Rückgänge der Kassenbestände als Folgen der Krise konstatiert werden müßten. Mit Stolz kann die deutsche Gewerkschnftsbelveguitg der Arbeiterwelt künden, daß ihre eignen trüben Erwartungen nicht eingetroffen sind daß die Gelverkschaften heute fast ebenso stark dastehen, als zur Zeit. da die Prosperitätsperiode auf ihrem Höhepunkt angelangt war. Die deutschen Gelverkschaften haben eine schlvere Probe in der gläuzendstcn Weise bestanden. Nichts kann den Fortschritt der ge ivcrkschaftlichen Arbciterbelvcgtnig im Deiitschcu Reiche klarer zeigen, als der Vergleich der Kriseitlvirknng anfangs der neunziger Jahre des vorigen Jahrhunderts und zu Beginn unsrcs Jahrhunderts. Die Mitgliederzahl der deutschen Gelverkschaften, die auf centralem Boden und auf moderner Grundlage stehen, hat sich seit 18V2 ver dreifacht, und seit dem Jahre 1896 mehr als verdoppelt. Eine ganze Reihe von gciverkschaftlichen Organisationen, darunter vor allem die an Mitgliedern und Finanzen inächligstcn, die der Metallarbeiter und die der Buchdrucker, haben in den Zeiten der Krise an Mitgliedern zugenommen. Unter 62 Gewerkschafts- Verbänden haben bloß nenn Mitgliedcr-Rückgänge anfzulveisen und diese neun sind meistens kleine Organisationen, wenn wir von den Textil- und Tabakarbeitern absehen. Aber alle Organisationen haben mit einziger Ausnahme der Gärtner seit 1892 gewaltig an Mitgiiederzahl zugenommen. Es ist sicherlich eine der intercffantcsten Fragen für den gewerk- schaftlichen Politiker und für den, der die Arbeiterbewegung studiert, warum in der Krise zu Beginn der 90er Jahre die Gelverkschaften so ungeheuer schwer um ihren Bestand zu kämpfen hatten, während die gegcnivärtige Krise, obgleich es ihr sicherlich nicht an Schärfe fehlt, ihre Kraft und Leistiingsfähigkeit kaum berührt hat. Die Geiverk schaften hatten unter der Herrschaft des Svcialistengcsetzcs nicht daran denken können, ihr Uuterstiitziwgsivesen auszubauen. Sie mußten sich darauf beschränken, nichts als Kampforganisationen zu sein, sie konnten sich nicht große Mittel aufspeichern; es fehlte daS Vertrauen der Mitglieder, iveil man ständig das Damoklesschwert der Polizei über sich fühlte. So waren die Gelverkschaften in jenen Jahren thatsächlich reine Organisationelt zur Dnrchführttng von Lohn- belvegungen; Organisationen dieser Art könne» aber in Krisenzeitcn, in denen Lohnbelvegungen aussichtslos sind, eine agitatorische Wirkung nicht entfalten. Ganz anders stehen heute die Geiverkschaftsorganisationen da, heute haben sie das Unterftützungswesen vielfach ausgebaut, und wo dieses noch nicht geschehen ist, geht die ganze Entlvicklung des Denkens und Strebens der Gelverkschaften dahin, dasselbe zn schaffen, in allererster Linie die Arbeitslosen-Uuterstiitzung ein- zurichten. Neben dieser Arbeitsloscn-Untcrstütznng giebt es Kranken- Unterstützungen, Gemaßregelten-Unterstützungen. Untcrsttitzungen in Notfällen uslv. usw., während zur Zeit der früheren Krise bei den allermeisten Gewerkschaften lediglich die Reise-Untcrstütznng bestand. Heute können die deutschen Gelverkschaften auch in den Zeiten der Krise ihren Mitgliedern erhebliche Vorteile bielen, heute sind sie für sie mehr als die Organisatoren des Lohnkampfes, heute sind sie die Netter in der Not, die letzte Stütze des Arbeiters. Heute können die deutschen Gewerkschaften ruhig den Vergleich ntit den englischen Arbeiterorganisationen gleicher Art aushalten. Ja. es spricht so manches dafür, daß die deutsche Gewerkschafts- belvegnng ihre Lehrmeisterin, die englischen Trades Unions, über- flügelt haben. Die englische GelverkschaftZbelvegnng mit ihren hohen Beiträgen und ungeheuren Kassenbeständen, mit ihrer Unterstützung der Arbeiter im Krankheitsfalle und bei Unfällen, vielfach auch im Fall der Invalidität und des hohen Alters, ist zum Teil für den organisierten Arbeiter das, was die deutsche Arbeiter-Versicherung der deutschen Arbeiterklasse geworden ist. ES ist selbstverständlich, daß die deutschen Gewerkschaften in dem ihnen durch die Arbeiter- Versicherung gesetzten engen Rahmen und bei der Belastung der Arbeiter durch die Beiträge für die Arbeiterversicherung nicht mit gleich hohen Kassenbeständen und Jahreseinkünften rechnen kann wie die englische Arbeiterbewegung. Zieht man aber von den Leistungen der englischen Gewerkschaften das ab, was sie für diese Zwecke an sammeln, stellt man die englischen Arbeiter, die aus reinen Ge* werkschaftsgriinde» ihren Verbänden beitreten, neben die in Deutsch- land gelverkschaftlich organisierten Arbeiter, so wird der Vergleich kaum zu unsren Ungunsten ausfallen. DaS ständige Wachstum der deutschen Gelverkschaftsorganisationen gegenüber dem Stagnieren ili der englischen Gewerkschaftswelt läßt die Erwartung berechtigt erscheinen, daß wir noch in diesem Jahrzehnt, wenn die Verhältnisse wieder günstiger liegen, auch die Gesamtzahl der englischen Arbeiter mit den Zahlen der in den deutschen Gelverkschaften organisierten gewaltig überflügeln werden. Es lväre übrigens falsch, lediglich an den Mitgliederzahlen inid an den Kassenbeständcn die gewerkschaftliche Arbeiterbewegung zweier Länder miteinander zu vergleichen, es giebt dagegen noch andre Unterschiede, für die ja freilich die festen Maßstäbe nicht immer vor- handen sind. Wir denken dabei an daS geistige Leben innerhalb der deutschen Gelverkschaften und an den von Zunftideen nicht freien Geist der englischen Verbände. Sicherlich pulsiert in unsren Gelverkschaften ein frischeres, zuknuftfreudigeres Leben als in den englischen Organisationen. Sicherlich ist auch der Opfermut der englischen Gelverkschaften für die außerhalb des engen Rahmens ihrer eignen Organisationen liegenden Aufgaben bedeutend geringer, als dieses in Deutschland der Fall ist. Wir wollen nicht vorwegnehmen, was auf dem Gelverkschafts- kongresse von sachkundigen Leitern und Vertretern der deutschen Ge- werkschaften vorgebracht werden wird, wir wollen lediglich kurz hin- weisen auf die ebenso reichhaltige als wie verständnisvoll zusammen- gestellte Tagesordnung. Die Zeit der Krise spiegelt sich im wichiigstcn Punkte der Tages- ordnung:„Arbeitslosen-Statistik und Arbeitslosen- Versicherung" wieder. Hier sind große und wichtige Fragen für die deutschen Ge- werkschaften zur Diskussion gestellt, hier handelt es sich darum, eine Stellungnahme zu den vielen Projekten der bürgerlichen Social- Politiker zu nehmen, welche vorschlagen, die allgemeine Arbeitslosen- Versicherung auf dem Wege der Reichsversichernng durchzuführen. Vom Standpunkte der Gewerkschaften scheint uns eine Shmpathie ür dieses Projekt nicht vorzuliegen, denn unzlveifclhaft lvürden die Gelverkschaften an Anziehungskraft verlieren, ivenn die heute so sehr gcschätzte gewerkschaftliche Arbeitslosen- Versicherung künftig den Arbeiterorganisationen ebenso entzogen würde, wie dieses mit der Kranken-, Unfall- und Invalidenversicherung geschah. Die Gelverk- schaften müssen neben ihrer eigentliche» Aufgabe der Verbesserungen der Arbeitsbedingungen, der Erhöhung der Löhne, der Verkürzung der Arbeitszeit, ders socialen und gesellschaftlichen Gleichstellung des Unternehmers und des Arbeiters auch Zivccke berfolgen, die den in- differenten Arbeiter zur Gewerkschaft ziehen und die den organisierten an sie auch dann fesseln, wen» die Möglichkeit, dem eigentlichen Zlvcck der Gelverlschaft die volle Kraft' zn widmen, nicht vorhanden ist. Desivegen müssen die Gelverkschaften danach streben, daß ihnen vorläufig wenigstens die Arbeitslosen- Versicherung erhalten bleibe, ic müssen jedem Arbeiter klar machen, daß er nur dann gegen die Arbeitslosigkeit einigerntaßen gesichert ist, wenn er den Gelverkschaften angehört. Jede staatliche Arbeitslosen-Versichernng, die lvir sicherlich nicht im Priitcip verwerfen, wird in den heutigen Verhältnissen un- angenehme Folgen für den Arbeitslosen haben. Peinliche Kontrollen werden den Beschäftigungslosen zu Arbeiten, die der Vorbildung und der eigenartigen Handfertigkeit vieler Arbeitslosen nicht entsprechen, weitere Steigerung der Macht der Burcaukratie wird eintreten, alles Gründe, die unter den heutigen Verhältnissen gegen eine staatliche Arbeitsversicheruiig und für den Ausbau des Gewerkschaftlichen prechen. Große Debatten werden wie auf unsren Parteitagen auch ans dem Gewerkschaftskongreß die ersten Punkte der Tagesordnung her vorrufen: Allgemeine Agitation»nd Agitation unter den Arbeiterinnen. Nicht geringe Mittel sind von der Geiieralkommissio» aufgcivendet worden, um in ostclbischen Gebieten den Geist der Organisation unter die Arbeiter zu tragen. Bei der Agitation der Generalkommission wurden nicht bloß unsre heimischen Arbeiter, sondern auch die zu uns kommenden Wanderarbeiter des Auslands, vor allem die italienischen und polnischen berücksichtigt. Der Generalkommission der Gewerk- chafte» ist es zu danken, daß die in Deutschland lebenden und zeit- weise weileitdeit italienischen wie polnischen Aebeiter ein Gelverkschafts- blatt in ihrer Muttersprache besitzen. Die Frage des Reichs-Arbeitssekretariats dürfte hoffentlich auf dem Gewerkschaftskongreß geregelt werden. In allen Teile» des Deutschen Reiches haben lvir heute Sekretariate, die in erster Linie für diejenigen Arbeiter sorgen, die Forderungen auf Grund der Arbeiter- versicherungs-Gesetze zu stellen haben. In den ersten Instanzen lvirken diese Sekretariate außerordentlich nützlich. aber es fehlt die Ergänzung dieser Wirksamkeit bei der letzten Instanz, beint Rcichs-VersicherungSamt. Dort sind die Bernfsgenosseitschaflen stets durch ihre Beamten vertreten, während die Arbeiter in der Regel ohne jede oder ohne sachkundige Vcptretuug ihre Beschwerden ent- cheiden lassen müssen. Diese Ergänzung der Thätigkeit der Arbeiter- Sekretariate ist unbedingt erforderlich durch ein in Bälde in Wirk- amkeit tretendes Rcichs-Arbeitersekrctariat. Der lveitcre Punkt der Tagesordnung, Submissionslvesen, dürfte chnell erledigt werden, da hier vortreffliche Vorarbeiten des 1. Bau- arbeiterschntz-Kongresses vorliegen. Erfreulich ist, daß die Hausindustrie zum Gegenstand der Be- ratungen gemacht werden wird, es ist unzweifelhaft für die Gelverk- lchaften eine Lebensfrage, die weitere Entwickelung der Hausindustrie abschneiden zu helfe». Die Hausindustrie und die Nach-Feierabend- Arbeit sind Formen der Thätigkeit, die die Gewerkschaftsorganisation hemmen und ihre Wirksamkeit unterbinden. Stand im Jahre 1899 die Frage des Koalitionsrechts im Mittel- punkte der Beratungen unsrer Gelverkschaften, so wird diesmal nur über das in Norddeutschland nicht einmal theoretisch existierende Koalitionsrecht der von den Eisenbahn-Verwaltungen beschäftigten Arbeiter zur Verhandlung gelangen. Weitere Punkte der Tagesordnung wie die Thätigkeit und die recht- liche Stellung der Arbeitersekretariate, Stellung der gelverkschaftlichen Kartelle in der Gewerkschaftsorganisation werden kaum zu besonderer Debatte führen. Was darüber zn sagen ist, ist längst in der Arbeiter« presse gründlich erörtert, es kann sich lediglich darum handeln, die Meinung des Gewerkschaftskongresses hierüber zu formulieren. Der, wie viele Fälle beweisen, dringliche, notwendige Unterstützungsfonds für Gewerkschaftsbeamte dürfte dagegen zn lebhaften Diskussionen Veranlassung geben, Ivenn auch erfreulicherweise das Verständnis für diese Forderungen innerhalb der deutschen Gewerkschastswclt heute bedeutend größer ist, als eS vor wenigen Jahren lvar. Damit haben wir im ivesentlichen die Punkte der provisorischen Tagesordnung, welche die Generalkommission dem Kongresse vor- geschlagen hat, erörtert. Eine Fülle von Anträgen, die zum Teil ein erfreulicher Belveis für die geistige Regsamkeit der Arbeiter in ihren Gewerkschaften ist, liegt ferner dem Gewerkschaftskongreß vor. Wir miissen uns versagen, heute schon auf diese Anträge ein- zugehen. Mit berechtigtem Stolz können die Vertreter deutscher Gelverk- schaften in den Tagen der Krise zusammentreten, Umschau und Rück- schau halten über das, was sie für die Arbeiterklasse geschaffen und geleistet haben und über Grundlagen, die sie festgefügt haben für eine große Wirksamkeit der Berufsorganisationen der deutschen Arbeiter in künftigen Zeiten. So können wir mit den besten Wünschen für eine gedeihliche Wirksamkeit der Delegierten schließen und unsrer Erwartung Aus- druck geben, daß der vierte deutsche Gelverkschaftskongreß aus einer Reihe von Ehrentagen für die deutsche Arbeiterbewegung bestehen wird.—_ Berlin, de» 14. Juni. Zollwuchcr gegen Dreibund. Am FrciAtg hat im ungarischen Abgeordnetenhaus, lvie wir gestern ntittcilten, Ministerpräsident v. S z e l l höchst eindring- liche Aeußerungen über die Beeinflussung der Dreibunds-Politik durch den neuen deutschen Zolltarif gemacht. Die- jenige Stelle seiner Rede, welche von der Unvereinbarkeit eines dauernde» wirtschaftlichen Krieges mit der Dreibunds- Alliance sprach, ist mittlerweile von der„Norddeutsche Allgemeine Zeitung- als„nicht ganz klar" bezeichnet worden.„Jeden- falls", erklärt der Bülow-Offiziosus weiter,„hat Herr v. Szcll nicht ausdrücken wollen, daß die eventuelle Erneuerung des Dreibundes von wirtschaftlichen Konzessionen abhängig sei." Thatsächlich waren die Worte v. Szells durchaus klar, und die Ausrede auf Unklarheit beweist nur, wie peinlich unsre Bernhardiner durch dieselben erregt»worden sind. Die Aeußerungen bedeuten thatsächlich die schärfste Drohung gegen die Wirtschafts» Politik des Grafen Bülotv und der deutschen Zollwttcher-Parteicn. Zur Aufklärung der begriffssttttzigen„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" hat nun das Wölfische Telegraphenbnreau sein gestriges Telegramm durch ein neues ergänzt, das die betreffenden Aus- -ührungen des ungarischen Ministerpräsidenten im Wortlaut also mitteilt: „Ich glaube, daß wir uns weder mit Deutschland, noch mit Italien in einen vertragslosen Zustand begeben können, nicht nur wegen des politischen Bündnisses, welches schon an und für sich Grund genug ist, damit wir einen Vertrag ab- schließen, sondern auch wegen unsrer eignen Interessen lvie auch wegen der politischen und wirtschaftlichen Jnter- essen Deutschlands und Italiens. Die Beziehungen zwischen ihren Interessen und den unsren gestatte» keinen B r u ch. Ich denke, wir müssen einen solchen vertragslosen Zustand vermeiden; wenn er aber auch eintreten wird, was ich nicht glaube, auch dann werden lvir die Nebel- stände dieses ZnstnndcS leichter überwinden, wenn wir mit den betreffenden Staaten in einem politischen Bündnis stehen, als wenn wir kein Bündnis hätten. Gerade so werden wir, wenn dieser Znstand nicht eintreten wird, was ich hoffe und zu erreichen trachten lvcrde, die Schwierigkeiten des Vcrtrngsschlnsses besser überwinden können, wenn wir das politische Bündnis haben. Das innige politische Verhältnis ist nicht immer stark genug, u ni Ü b e r g a» g s>v e i s e wirtschaftliche Unannehmlichkeiten im Keime z u e r- sticken: einen ständigen ökonomische» Krieg erträgt es nicht. Die großen Ziele und großen Interessen des politische» Bündnisses müssen genug stark sein, daß das Viindnis auch Differenzen in den wirtschaftlichen Fragen erträgt und ihretwegen nicht in die Brüche geht: sein Einfluß muß aber a u cki g e n u g st n r k sein, um z u h e l f e n. diese wirtschaftliche» Abweichungen u n d G e g e n s ä tz e auszugleichen und zu lindern. I» diesen Ausführungen erklärt Herr v. Szell zunächst den Bruch der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen dem Staat, den er vertritt, und dem Deutschen Reich als eine drohende Möglichkeit. Er spricht weiter, die Hoffnung aus, daß das politische Bündnis stark genug sei, um diese wirtschaftliche Gefahr zu mildern. Aber— und das ist der entscheidende Satz— er erklärt: Ein noch so inniger politischer Bund— ist er schon nicht immer stark genug, um geringere wirt- schaftliche Unannehmlichkeiten nicht aufkonimen z» lassen— vor der Thatsache eines st ä n d i g e n ökonomische» Krieges bricht eö zusammen! Der Sinn dieser Worte ist vollends zweifellos, wenn er iin Zn- sammenhniig mit den vorhergehenden Ausführungen v. Szells. deren Wortlaut, so wichtig er tst, das Dcpeschenburcau leider nicht mitteilt, betrachtet wird. Herr v. Szell hatte zunächst schon das bisherige Verfahren Deutschlands gegenüber Ungarn als„nicht so beschaffen" bezeichnet,„wie es wünschenswert wäre". Er hatte„das Eutgegenkonnnen, auf das Iivir aus Grund des jetzigen Vertrages Anspruch haben, vermißt" und er hatte erklärt,»es bleibe bezüglich der Vieheinfuhr und des Veterinär» wescnS viel zu wünschen übrig". Sodann Ivandte sich der lingarische Ministerpräsident gegen den neuen Zolltarif, der „gegen unser Interesse gerichtet" sei; und in diesem Zusammenhang folgten die weiteren obigen Schlußfolgerungen. Herr v. Szell erklärt also unumwunden: Der neue deutsche Zolltarif birgt in sich die Gefahr dauernden ökonomischen Krieges zwischen Deutschland und Ocstreich-Ungarn, dieser ökonomische Krieg aber müßte zur Zerrüttung des politischen Dreibundes führen. Von trostloser Hilflosigkeit zeugt gegenüber solcher Ankündigung die Bemerkung der„Nordd. Allgem. Ztg.", daß Herr v. Szell jeden- falls nicht den Stcnerabschknß des politischen Bündnisses an Wirt- schnftliche lKonzcssionen knüpfen wolle. Ein solches Handelsgeschäft, das den Knhhändler-Gesichtspunkten des deutsche» Zolltarifs ent- sprechen mag, deutet allerdings v. Szell nicht an. Er sagt nichts Geringeres als daß durch eine Fortsetzung der deutschen Trntzzoll- Politik das politische Bündnis nicht.ig und wertlos werden müsse. Daniit ist gegen die deutsche Regierung und gegen diejenigen Parteien in Deutschland, welche das Bündnis mit Oestreich-Ungarn und Italien stets als Grundlage des Weltfriedens verkünden, die feierliche Anklage erhoben, durch ihren Zolltarif nicht nur das deutsche Volk wucherisch zu belasten, sondern zugleich die Grund- bedingnngen des europäischen Friedens zu untergraben.— Preußischer Landtag. Das Herrenhans hat am Sonnabend die Polenvorlage Unverändert angenommen. Die voranfgegangene Debatte bot wenig Bemerkenswertes. Sowohl seitens der Gegner, als auch seitens der Freunde der Vorlage wurden nochmals alle die Argumente angeführt, die man schon seit Monaten im Parlament gehört. Eine Abwechslung in die eintönige Debatte brachte nur der feudale Graf Mirbach durch eine„hochpolitische" Rede. Dieser „Edelste der Nation" bildet ein PendantzudemOberbürgcnneister von Posen. Herr Witting will den Osten mit Hilfe der Regierung industriell heben, in der Erwartung, daß damit die Polen- frage von selbst gelöst wird. Graf Mirbach will im Gegensatze dazu eine vernünftige Wirtschaftspolitik, d. h. hohe Zölle, damit die Landwirtschaft wieder floriert. Bildet doch die Polenfrage für ihn nur eine Agrarfrage! Dabei verschmäht er es nicht, selbst bei dieser Gelegenheit, wo es sich doch nach den hochtönenden Phrasen seiner Parteifreunde unr ein nationales Werk handelt, die Regierung in der un- würdigsten Weise anzubetteln. Seine Freunde hätten stets die Regierung in„nationalen" Fragen zu Wasser und zu Lande unterstützt, also müßte auch die Regierung ihnen ent- gegenkommen und sich nicht so undankbar erweisen, wie in der letzten Zeit durch die Maßregelung der Kanalrebellen und durch ihre schroffe Haltung gegenüber dem Antrag deS Grafen Limburg.— Eine Erwiderung wurde dem Grafen Mirbach nicht zu teil. Die ostpreußischen und pommerschen Junker beneiden übrigens offenbar die Posen- schen und westpreußischen Standesgenossen um die schöne Viertclniilliarden-Liebesgabe. Sie wollen auch„germanisiert" werden, d. h. man soll ihnen auch ihre Güter zu erhöhten Preisen abnehmen. Zu diesem Zwecke beantragten sie. daß auch für Pommern und Westpreußen der An- sicdelungsfonds nutzbar gemacht würde. I» Laufe der Sitzung zogen sie allerdings die allzu verräterischen Anträge zurück. Wie sehr aber der Ansiedelungsfonds als agrarische Subvention gedacht ist, das geht aus der einen Thatsache hervor, daß man auch die Verbesserung der Wegebauten aus diesen Mitteln bestreiten will. Giebt es„germanische" Landstraßen? Am Montag stehen kleinere Vorlagen, die llwx Adickes und der Antrag Dr. v. L e v e tz o w betreffend Maßnahmen gegen den übertriebenen A l k o h o l g e n u ß. der sich mit den Anträgen des Abgeordnetenhauses deckt, auf die Tages- ordnung.— Das Abgeordnetenhaus nahm in dritter Lesung das Ausführungsgesetz zum Unfallfürsorge-Gesetz für Gefangene an und beriet im übrigen Petitionen. Montag: Dritte Lesung des Ausführungsgesetzes zum Schlachtvieh- und Fleischbeschau- Gesetz. Der Schluß der Landtagssession findet kaum vor Mittwoch statt.—_ Schutz des KoalitionSrcchtS. Nachdem fich der Reichstag in den letzlen Jahren seine Zeit stehlen lassen mußte, um die scharfmacherischen Angriffe auf das Koalitionsrecht abzuwehren, wird es Zeit, daß die Reichsgesetzgebung endlich daran geht, das Koalilionsrecht auszubauen und wirksam zu schützen. Unsere Württemberg« Parteigenossen haben ans den Vor- (längen beim Straßenbahiierstreik die Konsequenzen gezogen und im Landtage eine Interpellation eingebracht, in welcher angefragt wird, ob die StaatSregiernug im Bundesrate auf strafrecht- liche» Schutz des KoalitionSrechts hinwirken wolle. Nach den vernünftigen Ansichten, die der württembergische Minister bei den letzten Vermittlungsverhandlnngen geäußert hat, sollte man annehmen, daß die Regierung sich bereit erklärt, niit aller Energie für ein solches Gesetz einzutreten. Man wird sehen, ob sie diese Erwartungen rechtfertigt. Es giebt kaum eine andre für das Proletariat so erbitternde Erfahrung wie die, daß einerseits das Koalitionsrccht einschließlich das Versammlungs- und Bereinsgesetz, durch landesgesctzliche. Polizei- liche und gerichtliche Eingriffe fortwährend gestört und ein- geengt wird, während andrerseits jeder brutale Unternehmer die Möglichkeit hat, für„seine" Arbeiter das Koalitionsrecht zu rauben. Ein Recht, das nur auf dem Papier steht, ist schlimmer als gar kein Recht, Dieser kapitalistische Terrorismus gegenüber der persöii- liehen Freiheit der Arbeiter und seinen ihm gesetzlich gewährleisteten Rechten muß schlechterdings beseitigt werden. Ausbau und Siche- rung des Koalitionsrechts in ollen seinen Formen und für alle Personen ist die nächste und dringendste Kulturaufgabe.— Das Ministerium Combes vor der Kammer. Paris. 13. Juni.(Eig. Ber.) Potenzierte Verschwommenheit— dies ist der Eindruck und das Ergebnis der ersten Jnterpellationsdebatte über die Politik des neuen Ministeriums. Anstatt in die verschwommene ministerielle Deklaration etwas Klarheit zu bringen, haben die Ausführungen des Ministerpräsidenten jene in noch dichteren Nebel gehüllt. Combes hat eigentlich als Anhänger oder Stellvertreter des Kabinetts Waldeck- Rousseau gesprochen, welches er wieder einmal, wie schon in seiner Deklaration. niit Lob überhäufte, nicht aber als selbständiger Regierungs- chef, Leiter einer eignen klaren Politik. Auf alle entscheidenden Fragen der freundlichen wie der feindlichen Interpellanten blieb er die Antwort schuldig. Er flüchtete sich in die All- gemcinheiten einer neuen Kriegserklärung an den Klerikalismus und Nationalismus. Und doch hatte ihm die Jnterpellationsrede von I a u r d s seine Aufgabe ungemein erleichtert, wenn er den geringsten Wunsch oder die geringste Möglichkeit gehabt hätte, eine klare Antwort zu geben. Jaurös zeigte sich namens seiner Fraktion ministerfreundlich genug, um das Rcgierungsprogramm in dessen klar aufgezählten Punkten„ungefähr hinlänglich" zu finden, wenigstens für das erste Jahr der neuen Legislatur. Das weitere. die eigentlich radikalen Forderungen der Trennung zwischen Kirche und Staat und der Steuer- reform sowie die Altersversicherung verschob Jaurös auf die folgenden Jahre. Dabei suchte er die vage Steuer- forme! des Regierungsprogramms im Sinne einer progressiven Einkommensteuer auszulegen. Der Ministerpräsident ging aber auf diese freundlichen Auslegungen nicht ein. Im durchbohrenden Gefühl seiner Bescheidenheit verwahrte er sich dagegen, an einen Arbeitsplan für die ganze Legislatur ge- dacht haben zu wollen. Die Ausfüllung der nächsten Session genüge ihm vollkommen. Die Steuerreform werde das sein, was aus der Zusammenarbeit der Regierung und des Parlaments herauskommen werde. Keine Reforni komme aus einmal zu stände, es sei denn während einer gewaltsamen Revolution, sonst werde alles„Stück um Stück",„nach und nach" reformiert. Man dürfe nicht„die Interessen alarmieren"— will sagen: die Interessen der Bourgeoisie... Mit einem Wort, der radikale Ministerpräsident blieb bei der alten opportunistischen Litanei der Bourgeoisrepublikancr, die seit niehr als 20 Jahren zur Verschleppung und Ver- huuzung aller Reformen gedient und so den fruchtbarsten Boden für die penodischen Krisen, die die Republik gefährden. vorbereitet hat. Der Ausgang der Debatte stand freilich von vornherein fest. Die vier Linksgruppen einschließlich der Jaurösisten votierten geschlossen eine im voraus gemeinsam redigierte Vertrauensforniel, dierückhaltslos nurvon dem rechten Flügel der Radikalen und ganz besonders von der halb- radikalen„dcmokrattschen Union" vottert werden konnte. Die linksradikale Fraktion gab vor dem Vottim eine Erklärung ab behufs Wahrung ihrer principiellen Stellung. Die Vorbehalte der ministerfreundlichen Socialisten waren in Jaurös Rede angedeutet, wenn auch nicht eigentlich deni Ministerium gegenüber, sondern gegenüber der„Zusammen- arbeit mit der ganzen Linken" überhaupt. Jaurös markierte nämlich den principiellen Gegensatz zwischen der socialisttschen und der bürgerlich-demokrattschen Aktion, ungeachtet der gemeinsamen Reforniarbeit. Im übrigen skizzierte Jaurös die socialistische Aktion ebenso, wie auf dem neulichen Partei- bankett. Indes ist jene Zusammenarbeit bisher noch nie so planmäßig und so drastisch zum Ausdruck gekommen, wie in der gemeinsamen Abfassung eines Vertrauensvotums. Die blanquistisch-guesdistische Fraktion präcisierte ihre Stellung in einer von Dsjeante verlesenen Erklärung, sowie in folgendem Rcsolutionsantrag:„Die Kammer ladet die Regierung ein zu einer energischen Aktion gegen den Militarismus, den Klerikalismus, den Kapitalismus und die Reaktton, insbesondere aber zur Siche- rung unsrer republikanischen Einrichtungen durch sociale und proletarische Refonnen, die vom organisierten Proletariat gefordert werden," Demgemäß wird die Fraktion. wie Dejeante erklärte, für alle jene Refonnen stimmen und entsprechende Regicrungshandlungen billigen, aber allgemeine Vertrauensformeln könne sie nicht votieren; sie werde in der kapitalistischen Gesellschaft niemals ministeriell sein:„Wir sind und wir bleiben die socialistische Partei, die Partei der Revolution. Einzig das Interesse der Republik und das der Arbeiterklasse diktieren unsre Handlungen, unsre Worte, sowie unsre socialisttschen und republikanischen Abstimmungen." Die Fraktion hat aber auch vorläufig nicht gegen das Ministerium stimmen wollen, um „ihre Sttmmzettcl nicht mit denen der Nationalisten und der Reaktionäre zu vermengen". Sie hat sich also dies- mal der Abstimmung enthalten. Mit den antt- ministeriellen Socialisten haben sich übrigens auch 5 Jaurösisten der Abstimmung enthalten. Andrerseits übten Enthaltung die Melinisten, trotz der ein- ladenden Handbewegung des Ministerpräsidenten.... Warten wir ab, welche der beiden gegensätzlichen Stimmenthaltungen durch die Regierungs Handlungen gerechtfertigt werden wird. Die Regierungs w o r t e haben steilich die socialistische Stimmenthaltung bereits gerechtfertigt, ja notwendig gemacht.— ## * Deutsches Weich. Früher Landtag. DnS preußische Abgeordnetenhaus soll diesmal ganz ungewöhnlich früh, nämlich zum 4. November wieder einberufen werden. Der Grund dieser Maßnahme liegt darin, daß man durch die diäten gesegnete» LandtagS-Abgeordneten, so weil sie Doppelmandate besitzen, den Reichstag für die Zollverhand- lungen beschlußfähig erhalten will. Es giebt wohl keinen schlagenderen Grund für die Notwendigkeit von RcichstagSdiäten, als daß man auf diese indirekte Meise, init Hilfe des Landtags, den Reichstag arbeitsfähig zu machen sucht. Um aber den Landtag zu so früher Zeit ausreichend zu be- ichäfligen, wird man ivohl die— Kanalvorlage wieder einbringen müffen. Die Gelegenheit ist günstig I— Tie Maricndurger Rede im Ausland. Das regierende C e» t r u m hat parlamentarisch. um die Einpfindlichleit der maßgebenden Person zu schonen, die Polen völlig im Stich gelassen. Es hat zivar gegen die Polenvorlage gestimmt, aber eS hat nichts gethan, nm sie zu verhindern. Ja, es hat sogar den Polen seine Unterstützung entzogen, als e« galt, durch namentliche Abstimmung die Beschlußunfähigkcit des Hauses festzustelle». Als Itärkste parlamentarische Macht hatte das Ccntrum natürlich die Möglichkeit, ihm unbequeme Gesetze zu vereiteln. Aber man wollte eben nicht, weil man wußte, wer hinter der Vorlage stand. Es hilft nichts, daß die klerikale Presse jetzt'n a ch t r ä g l i ch Bedenken gegen die preußische Polenpolitik äußert. Die„Germania" iveist heute ans einige Betrachtungen östrcichischer Blätter über die Maricnbnrgcr Kaiserrede hin. So hat z. B. das„Neue Wiener Journal" gemeint, die Rede über den„polnischen Uebermut" sei „eine Uebersetzung der Hnunenrede ans dem Chinesischen ins Zoluische". Und daS Organ deS klerikalen Adels, das Wiener „Vaterland", veröffentlicht die Zuschrift eines reichsdeutschen Adligen, in der es heißt: „Laut vor der ganzen Welt nist der Herrscher deS großen mächtigen Deutschen Reiches sein BoN auf. es möge seine nationalen Güter wahren vor polnischem Uebennut l Sind denn die polnisch redenden Landesteile in Aufruhr? Trotzen sie den Gesetze»? Zahlen sie nicht willig ihre Steuern? Haben die polnisch redende» Soldaten dem obersten Kriegsherrn den Gehorsam verweigert? Visher hat fich, so viel verlautet hat, im großen und ganzen die Widerspenstigkeit der Polen dadurch gezeigt, daß die polnische Miitter ihren Kindern die p o l n i s ch e Sprache lehrte, da sie deutsch nicht konnte: daß die Kinder in der Schule Lehrer nicht verstanden, die ihre Sprache nicht erleritt hatten. Ein lvciteres Vorgehen, das den Polen vorgeworfen ivird, hat, nm die Aktion der Regierung zu rechtfertigen, der Reichs- kanzler Graf B ü I o w neulich bekannt gegeben, indem er sich eines ebensowenig geistreichen als staatSinännischen Beispiels vom Hasen und Kaninchen bediente. Es ist also die große Fruchtbarkeit der Polen, die dem Kauzler Anlaß giebt, die Polen zu drangsalieren. Welche Wirkung werden denn die kaiserlichen Worte in erster Linie haben, auch wenn nicht noch iveitere Maßregeln gegen die Polen nngeweiidet werden, woran nicht zu zweifeln? Man denke sich einen ganzen N e g i e r u n g s a p p a r a t bis hinunter zu den niedersten Beamten, die in fieberhaftcin Eifer beflissen sein iverden, dein kaiserlichen Aufrufe Folge zu leisten und die Polen fühlen zu lasten, daß ihnen gegen- über die nationalen Güter gewahrt iverden müssen! Mit Begeisterung wird jeder S ch u tz m a n n, jeder Schul- lehr er, jeder Gendarm dem kaiserlichen Winke Folge leiste»; Jeder fühlt sich gedeckt durch die staatlickie Autorität imd jeder ivird sich als patriotischer Held fühlen, der ein un- schuldiges polnisch sprechendes Knäblein vor den Richterstuhl des Kadi zerrt. Das sind in kurzen Worten die Zustände, die wir in nächster Zukunft sich entivickeln sehen werden." Der Verein„Vaterland" wittert dann in der neuesten Polen- politil eine Wiederanfiiahine des KulturkainpfeS, was sicher falsch ist: denn Centrum ist Trumpf. Sicher aber ist diese Politik, da in Oestrcich der Polenklub eine ausschlaggebende Stellung hat, geeignet, den Dreibund noch loser zu gestalten, als er ohnehin ist.— Klerikale Weltanschauung. Das Berliner Centrinnsblatt „Märkische Volkszeitiing" unleriiimmt den höchst unklugen Versuch, uns ob unsrer gestrigen Kennzeichnimg der Aachener„Heiligtums- fahrt" anzugreifen. Sie sagt: „Religion ist Privatsache"— so lügen bekanntlich die Führer der Socia'ldeniokratie und ihre Presse den leichtgläubigen Arbeitern vor. Der„Vorwärts" liefert in seiner heutigen Nummer ivieder eine» drastischen Beweis dafür, wie er selbst diesen angeblichen Grundsatz der Socialdemokratie praktisch befolgt. Er teilt die Be- stinnnunge» des Aachener lrollegiatsstiftskapitels anläßlich der so- genannten Aachener Heiiigtumsfahrt unter dem Titel„klerikale Weltanschanung" mit und knüpft daran die ebenso schnoddrige als unsäglich dumme Bemerkung: Freilich, Menschen, die in derartigem Rcliqniemvahn dunkelsten Mittelalters noch befangen sind, sind in der geeignetsten Geistesverfassung, auch zur stummen Duldung jeg- ticher socialen Uuterdrückimg. Jeder Kommentar unsrerseits würde die Wirkung dieser neuesten Bethätignng des„socialdemokratischen" Grundsatzes: „Religion ist Privatsache" nur abschivächcn." Es ist schade, daß die„Märkische Volkszeitiing"� sich die Be- mühnng»IN einen Kommentar gespart hat. Es wäre nicht Ml- interessant gewesen, wenn sie sich bemüht hätte, den NachiveiS des Zusammeiihnnges zwischen Religion und dem Aachener Reliquie n- A b e r g l a» b e n zu erbringen. Die Ausstellung „des Kleides der Jmigfra» Maria, der Windeln des Herrn, des Lendeuluches des Herr»" und— Religion! Man denke über religiöse Fragen, ivic man mag, aber das ist feststehend, daß eine schwerere Verletzung e r n st e n religiösen Sinnes nicht denkbar i st als d n r cb den v o m C e n t r u m b e- tricbenen R e l i q u i e n d i e n st. Dieser Reliquieiidicnst ist ebenso fern von Religion als die CeiitrumSpolitik des ZollwucherS von Nächstenliebe. Es bedarf übrigens kaum besonderer Erwähnung, daß das Ceiitrumsblatt den. socialdeinokratischen Grundsatz„Religion ist Privat- sache"so sehr mißversteht, daß nicht ans Uiikcniitiiiß allein gcichlosscn iverden kann. Die Socialdcmvkratie fordert vom Staat, daß er die Religion nnd ihre Bethntigmig als Privatsache anerkenne, daß er religiöse Ueberzenguiige» weder durch Zwangsmittel bedrücke noch anderseits gewisse Bekcnntnisse durch seine Finanzmittel küllstlich fördere. Der Programmsatz ist aber dazu entfernt nicht bestimmt, daß jeder Aberglaube, der sich fälschlich Religion nennt, gegen alle lvissenschaftliche Kritik unantastbar geschützt bleibe.— Tic socialdeniokratischc Taktik und die preußischen Landtags- Wahlen. In einigen Veriamniliinge», die sich neuerdings mit der Art der socialdemokratischen Beteiligung an den nächstjährigen Laiidtagswahlen befaßten, sind verschiedene Auffassungen von»nsre» PartcigeuossSn mit inniger Lebhaftigkeit verfochten lvorden. Wir möchten mir darauf verweisen, daß sich in dieser Frage aller Meinungsstreit erübrigt, da der P a r t e i t a g i n M a i n z hierüber bindende Beschlüsse gefaßt hat. Es sei an die dort beschlossene Resolution erinnert: „Der Parteitag wolle beschließen: In denjenigen deutschen Staaten, in welchen daS Dreiklaffen- Wahlsystem besteht, sind die Parteigenossen verpflichtet, bei den nächste» Wahlen mit eignen W a h l m ä n n e r n in die Wahlagitation einzutreten.— Für die Landtagswahlc» in Preußen bittet der Parteivorstand das Central- Wahlkomitee. Ohne dessen Zustimmung dürfen die Parteigenossen in den einzelnen Wahlkreisen keine Ab- m a ch u ii g e n mit bürgerlichen Parteien treffen." Die Flcischcrnicistcr gegen Boraxvcrbot niid gegen Verbot der Einführung fertiger Schiveineprodukte und Speffefette. Man schreibt uns aus E s s e n: Schon seit längerer Zeit wütet das rheinische Wiicherzollorgan„Rheinische Vollsstimnie" gegen den Vorstand des deutschen FlcischerverbaiidcS, weil dieser nicht in das agrarische Horn bläst, sondern gegen die agrarische Wucherpolitik arbeitet. In diesem Kampfe fand das agrarische Cenirnmsorgan einen Helfer in dem Rnhrortcr FleischerilmuiigS-Obenneister Stachelhans. der für alles zu haben war, was den Agrarier» dienlich erscheint. Mit Hilfe dieses Kollegen sollte der Fleischerverband in das agrarische Fahr- waffer bugsiert werden. Zuerst galt es, den Vorstand des rheinisch- westfälischen Verbandes zu stürzen; dann sollte der Vorstand des Gesamtverbandes fallen und dami, so hoffte man, wirft man den Fleischern die Kalbsstricke nm de» Hals. Auf dem am 11. Jimi in Gelsenkirchen versammelten rbeimsch-westfälischeii Fleischertage sollte der Tanz vegiune»— aber die Musilanleii sanden de» richtigen Ton nicht. Mit Hilfe einer kleineren Zahl Kleinkrauter hatte der Jimungs- Obermeister und Wurst- und Koiiservenfabrikant mit Dampsvctrieb den Antrag eingebracht: Verbot der Einfuhr fertiger Schiveinefleisch.Pcodukte n»d Speisefette; man merkt, Herr Stachelhaus ist doch Geschäfts»««»». Und dieser Antrag wurde, obwohl der Fabrikant „fertiger Schweiiieprodukte" sich müde redete,— nntcr Kopfschiittcl» abgelehnt, so bemerkt ingrimmig die agrarische Bolksstinnne. Auch der Aiitrag auf Zustimmung zum Boraxvcrbot fiel unter de» Tisch, mit dem Stürzen des Vorstandes war es nichts. Die„Rheinische Volksstimme" quittiert über de» Hercinfall mit der Bemerkung: Vor Beginn der Verhandlmigen habe man einen„ausgiebigen Früh- schoppen mit Musik eingenommen!... Gllddentsche Eisenbahntarif-Rcform. In der Tarifkommission des württc», bergischen Landtags wurde, wie der„Schwäbische Merkur" meldet, bekannt gegeben, bei Einführung der 4. W a g e n k l a s s e auf der Eisenbahn würde der Anssall für Württemberg unter Anrechnung aller in Betracht kommenden Ver« hältniffe jährlich 800 000 M. betragen. Die Kommission nahm de» Antrag a». die Regiermig zu ersuchen, sobald die Finanzlage eine» borübcrgchendei: Ausfall lvährend der UebergangSzeit gestatte, die Grundtaxe für die dritte Klaffe ans 2 Pfennig für den Kilometer festzusetzen. Der B erk e h r S m i» i st e r erklärte, die Regierung Bnnc nur unter Vereinbarung mit den übrigen ü d d c n t s ch c n Verwaltungen an eine so eingreifende Reform des württembergischen Eiscubohnbetriebcs hernntreten.— AuS der Kaserne. AuS Frankfurt a. M. wird unZ ge- fchrieven: Eine Anklage ivegcn Soldateumißhaiidlung richtete sich gegen zwei Musketiere Konrad Bester und Ernst Kummerhoff von der 7. Compagnie des 88. Jnfantcrie-Regimeiits. Sie haben die Gewohnheit, ihre Kameraden bisweilen in das Gesäsi zu treten. Be- sonders hatten sie es auf den Gemeinen Koch abgesehen. Als dieser sich eines Tages weigerte, für Kummerhoff in die Küche zu gehen, wurde er ganz brutal getreten. Diese fortwährenden Quälereien nahm sich der arme Mensch so zu Herzen, daß er sich im Rhein ertränkte. Durch einen Abschiedsbrief an seinen Vater kam die Sache ans Tageslicht. Bester wurde wegen dreier Misihandlungen zu drei Wochen und Kummerhoff wegen einer Mißhandlung z u einer Woche s!!) Gefängnis verurteilt. Zu seiner Entschuldigung führte Kummerhoff an. daß auch noch„andere Leute" Koch mißhandelt hätten. Bei solchen gelinden Strafen braucht man sich frei- lich nicht zu wundern, wenn die üble» Zustände in der Kaserne nicht aufhören.— Systcinatische Soldatenschindcrei. Wie ein Pascha herrschte der Uiueroffizier Beyer vom 22. Pionierbataillon zu Riesa in seiner Korporalschaft. Er maßte sich eigne Befehlsbefugnis an, be leidigte und mißhandelte seine Leute, ja er ist sogar mit schuldig an dem S e l b st m o r d e eines Untergebenen. Er war von Vorgesetzten wegen schlechter Leistungen seiner Korporalschaft getadelt worden und ivollle nun bessere erzwingen. Fünfzehn- bis zwanzigmal ließ er die Korporalschaft nach Beendigung des Dienstes eigenmächtig eine bis zwei Stunden weiterexerzieren. Ferner ließ er den Stubeudienst von demselben Soldaten acht und vierzehn Tage hintereinander verrichten, obgleich zu solcher Anordnung nur der Hauptmann ein Recht hatte. Besonders hatte er es auf den Soldaten Stemmlcr abgesehen, der zlvar korpulent und ungeschickt, aber sehr dienstwillig war. Schon am 3. November, acht Tage nach dem Eintritt, schrieb Stcmmler an seine Braut, er müßte sich das Lebe» nehmer, wenn er so weiter chikaniert würde Am 8. Januar 1902 entfernte er sich dann von der Truppe und machte seinem Leben ein Ende. Der Angeklagte hatte dem Stemmler u. a. einmal gedroht:„H n n d,'i ch'e r st e ch e Dich!" Zur Uebung von Klimmzügen ließ Beyer einmal seine Korporalschaft in feldmarschmäßigen« An zrige auf die Schränke klettern. Ein andres Mal mußten die Leute, um Sachen zu putzen, da sie am Abend vorher noch spät hatten Ucbungen machen müssen, um zwei Uhr nachts auf stehen. Der Unteroffizier kontrollierte dies und legte sich dann wieder zu Bett. Stcmmler mußte einmal ohne Abendbrot zu Bett gehen; überhaupt durften die Soldaten öfter nicht früher das Essen anrühren, bis Beyer es gestattete. Stcmmler nahm wiederholt das Essen unter den Rock und verzehrte eS heimlich im Korridor, weil er nicht früher essen sollte. bis er Klimmzüge machen könne. Hierzu kamen schwere Miß Handlungen. Der Unteroffizier ohrfeigte, sticff und kniff seine Leute, stieß sie gegen die Schränke und versetzte Fußtritte. Stcmmler mußte einmal Kniebeuge und Gewehrstrecken üben, bis er vor Er- schöpfung nicht mehr weiter konnte. Dies war der letzte Antrieb für ihn zum Selbstmord. Für diese schweren Vergehen wurde der Unteroffizier vom Kriegsgericht in Chemnitz zu einem Jahre und sechs Monaten Gefängnis sowie zur Degradation ver- urteilt. Seine Berufung gegen dieses Urteil wurde vom Ober- Kriegsgericht in Leipzig verivorfe». WahlrechtS-Dcbatten in Hesse». Im Großherzogtum Hessen beschäftigt sich die Zweite Kammer seit mehreren Tagen mit Wahlrechts-Debatteu großen Stils. Die Regierung hat eine Wahlrechts-Novelle vorgelegt/ deren wesentliche Bestimmung ist, daß an Stelle des indirekten das direkte Wahlrecht gesetzt wird. Staatsminister Rothe erklärte in der einleitenden Rede, die Regierung habe sich für das direkte Wahlrecht entschieden, obivohl die Erste Rammer sich stets ablehnend verhalten habe. Da aber die Zweite Kannner das direkte Wahlrecht wünsche, so sei diese Forderung für die Negierung maßgebend gewesen. Ein vollkommenes Wahlsystem sei auch das direkte Wahlrecht nicht, aber ein unbeschränktes direktes Wahlrecht zu geben, sei die Regierung nicht gewillt. Der Staats- minister verteidigt dann die allgemeinen Kautelen, die der Entlvurf enthalte, spricht sich gegen die Wahlpflicht aus und gegen das Proportional-Wahlsyste m. Im Verlauf der Debatte hielt Genosse Dr. David eine groß- zügige Rede, in der er die Einführung eines allgemeine», gleichen, geheime» Wahlrechts ohne jede Verklansulierung und Llantelen, ohne Hintergedanken und Chikanrn forderte. Das erste Drittel der gesetzgebenden Gewalt, nämlich die Regierung, sei ganz in den Händen der Besitzenden, ebenso das zweite Drittel, nämlich die Erste Kammer. Die ganze Verfassung sei also der Bourgeoisie auf den Leib geschnitten. Es sei doch nicht zuviel ver- langt, daß das letzte Drittel der gesetzgebenden Gclvalt, nämlich die Ziveite Kammer, dem gesamten' Volke nicht auch noch entzogen würde. Dennoch gebe es noch Leute, die sich vor dem Arbeitskittel fürchteten. Dem Rechte des legitimen Besitzes, das betont ivorde» sei, stelle er gegenüber das l e g i t i in e R e ch t d e r A r b e i t. David wandte sich schroff gegen die Bestimmung dreijähriger Ansässigkeit und außerdem dreijähriger Staatszugehörigkeit. Die Steuerrückstandsklansel sei eine der'häßlichste» Chikancn gegen die arbeitenden Massen. Der freisinnige Abgeordnete G u t f l e i s ch erklärte sich mit der Vorlage einverstanden, gegen die„Kautelen" hatte er charakteristischer- weise keine entscheidenden Bedenken. Von de» National- liberalen wandten sich die einen gegen die Einführung der direkten Wahl, die andern sprachen dafür. Ein»ationallibcraler Herr Namens I ö ck e l sprach die denkwürdigen Worte: Durch direkte Wahl würde ein Teil des Volkes, nämlich die Arbeiter und der kleine Mann, berücksichtigt, nicht Bildung und Besitz. Bei diesem Entlvurf habe der Aermste dasselbe zu sagen wie der Reichste, der Ungebildetste dasselbe wie der Gebildetste. D a s' s e i Unvernunft. Man lebe in einem kultivierten Staat. Die geheime Wahl führe zu den größten Mißständen; denn ein Mann. der irgendwie abhängig sei in wirtschaftlicher Beziehung und deshalb geheim wählen möchte, dein gebühre kein Wahlrecht. Die geheime Wahl habe Untreue, Unehrlichkeit»n,d Feigheit im Gefolge. Ein Cent rumSred n er, Brentano, der im übrigen für den Entlvurf ist, erklärte, daß ihm vieles des von Jöckel Gesagten sympathisch sei. Ein kautelenfreieS, direktes Wahlrecht sei auch ihm zur Zeit völlig unannehmbar. Dieser Redner tritt auch für die Heranziehung zu einer gelvissen Staats- und Gemeindesteuer ein. Aus den Debatten geht das eine hervor, lvie feindselig im Grunde alle bürgerlichen Parteien den Grundsätzen des Reichs- tags-Wahlrechts gesinnt sind.— Ausland. Tic Wicdercrwclknilg des russischen TerroriSinnS. Auch bei den russischen Revolutionären ist fortdauernd mehr die kleberzeugung durchgedrungen, datznicht'dic individuelle Berzweiflungs- that, sondern nur eine organisierte Masscnbewegnng, wie sie durch die Fortschritte der kapitalistischen Entwicklung gefördert ivird, das Ende deS Absolutismus bringen kann. Doch die Entsetzlichkeiten der Unterdrückung, die grausame Ausrottung jeder Möglichkeit fried- licher Propaganda haben unter den russischen Svcialisten einen Teil zu dem Entschluß getrieben, die furchtbare Waffe des Terror, der Gewalt, des politischen Attentats von neuem an- zuwenden. Die Attcnlatc gegen Ssipjagi» und v. Wahl haben gezeigt, lvie das Ueberniaß der Gewaltsamkeit stets geeignet ist, auch die geivaltsam Niedergedrückten zur Gewalt- samkeit herauszufordern. Charakteristisch für diesen Zustand inner- balb der russischen revolutionären Bewegung ist eine Proklamation, die kurz nach der Ermordung SsipjaginS von der„Partei der revolutionären Socialisten" in Rußland veröffentlicht f Wahlen herrührte, endlich auch die Polemike», welche in den letzten worden ist und uns jetzt aus ausländischen Veröffentlichungen dieser � �---- Parteirichtung bekannt wird. Diese Kundgebung der ,, Kampforganisation der Partei der revolutionären Socialisten" Rußlands schildert zunächst in düsteren Farben die Zustände des Landes, die sociale Not, die politische Rechtlosigkeit, die Brutalitäten des behördlichen Vorgehens gegen jede noch so berechtigte, noch so milde Volksbewegung. Dann wird erklärt: „Wir erblicken keine Kraft, welche diese blutdürstige Willkür im Zaum halten könnte, die ohne jede Kontrolle und' ungestraft über das Leben und Vermögen von 130 Millionen Menschen ver- fügt... Wir revolutionären Socialisten anerkennen, daß jeder, der diese von der Negierung geübten Unthaten nicht hindert, nicht nur eine Zulassnngssünde begeht, sondern auch zum Helfershelfer der Regierung wird. Wir. eine bewußte Minderheit, jeder Möglich- kcit beraubt aus irgend tvclchc friedliche Weise diesen Un- thaten entgegenzusteuern, erachten es nicht nur als unser Recht, sondern auch als unsre h e i l i g st e P f I i ch t, trotz desAb- schcucö, mit dem uns diese Kaurpfesweise erfüllt, die Gewalt- thaien mitGewaltthaten zu beantworten, das verflösse neBlut desVolkes mitdemBlute seiner Bedrücker zu sühnen. Wir wälzen jede Verantwortlichkeit für die Schrecken dieses Kampfes von uns auf die Regie- rung ab. die uns das Betreten dieses Weges aufnötigte. Nach der Demonstration vom 4. März 1901 erklärte S s i p j a g in, daß er „nach dem ersten Versuche einer neuen Demonstration Petersburg mit Blut überschwemmen wird" und die Protesterklärung der Schriftsteller gegen die enchörende Abschlachtung auf dem Kasanskiplatz beantivortete er mit der Drohung, daß er diesen Scriblern schon abgewöhnen werde, nicht nur zu sprechen, sondern auch zu denken auf eigne Weise. In einem Lande, wo die Minister wegen einer friedlichen Protestation die Hauptstadt mit Blut zu überschlvemmen drohten und die Möglichkeit besitzen, diese Drohung zur That zu machen, in einem Lände, wo sie sich den Vorsatz stellen, den einen das Schweigen aufzunötigen, müssen in den« Momente, wo dies gelingt, die a n d r e'n desto lauter sprechen, eine andre Sprache führen." Die Proklamation schließt nut der Versicherung, daß der terroristische Kanipf nur dann aufhöre, wenn dem Volke die Möglich keit geboten sein wird,„auf eine friedliche und kulturelle Weise die Willkür der Vertreter der Staatsmacht im Zaum zu halten. Wir fordern die sofortige Aufhebung aller gerichtlichen Verfahren in politischen Angelegenheiten und die Befreiung aller politischen In- hafticrten. Wir fordern die sofortige Aufhebung aller exklusiven Ge- setze und Verordnungen, aller nationalen und ständlichen Rechts- bcgrenzungen und Ausnahmen, die Freiheit der Versammlungen, der Presse und des Wortes. Wir fordern die Einberufung des Semski Sobor(Vertreter des Landes)". Diese Proklamatien spiegelt Stimmung und Anschauungen des extremen Flügels der russischen Revolutionäre. Vielleicht wird ihr die Zuknuft die Bedeutung eines wichtigen historischen Dokumentes geben. Die„Kampforgnnisation"(„Bojewaja Organisacia") stellt sich dieselbe Aufgabe, die seiner Zeit das„Exekutivkomitee"(der„Js- polnitelny Konntet"! der Partei des„Volkswillens"(„Narodnaja Wolja") sich gestellt hatte: den unmittelbaren, aggressiven Kampf mit der russischen Regierung zu führen. Jedoch besteht ein gewaltiger Unterschied zwischen der Rolle des„Exekutivkomitees" und der der „Kampforganisation". Zur Zeit der„Narodnaja Wolja" konnte von einer Massenbewegung der städtischen Bevölkerung und der Bauern nicht ernstlich die Reste sein. Daher mußte sich die Thätigkcit der Partei nur auf den sogenannten„terroristv schen" Kampf konzentrieren, wenn sie auch dabei das nienschen mögliche nicht unterließ, um die Propaganda iiilter den Proletariern und Geistesarbeitern zu betreiben. Daher konnte das Exekutiv komitee die Rolle des C e n t r a l o r g a n s der gesamten Partei übernehmen. Jetzt stehen die Dinge anders. Die Massenbewegung des Proletariats, der Bauern und der Kopfarbeiter steht im Vordem gründe deS Interesses und bildet den eigentlichen Inhalt der Parteithätigkeir. Der aggressive Kampf ist nur wegen dieser Thätigkeit da.— Frankreich. Paris, 14. Juni. Zu der Meldung, ein hochgestellter e n e r a l sei wegen einer nicht militärischen Angelegenheit vor das Disciplinargcricht gestellt worden, berichtet heute die„Lmitrrne", eS handle sich um General Bonual, früheren Kriegsschulrat-Direklor und Mitglied des technischen Komitees des Generalstabes der Jnfaiitcrie, gegen den Anzeige wegen Erbschleicherei er- stattet sei. Das Urteil des Disciplinargerichts sei bereits dem Kriegsniinister unterbreitet, welcher die' endgültige Entscheidung zu treffen habe. Das Blatt verlangt, daß diese möglichst rasch be kannt gegeben iverde, damit auf Bonnal, falls er unschuldig sei, nicht länger Verdacht falle.— Der„Matin" behauptet, die Polizei halte es nicht für unwahr chcinlich, daß die Fainilic Humbert oder mindestens einzelne ihrer Mitglieder Paris nicht verlassen, sondern in verschiedenen Klöstern Zuflucht gefunden haben. Die Polizei habe infolgedessen in mehreren Klöstern Durchsuchungen abgehallen.— Hollaud. Postiinion mit Deutschland. In einer zu Utrecht abgehaltenen Versammlung von Vertretern von 10 deutschen und 9 niederländischen Handelskammern wurde eine Resolution für die Schaffung einer Postunion zwischen Deutschland und Holland»ach dem Muster der dentsch-östreichischcn angenommen. Namentlich wurde die Herab setzung des Portos für Postkarten, Briefe, Drucksachen, Handels Papiere und Warenproben auf die JnlandStaxe für wünschenswert erklärt, und weiter müßte nach Ermäßigung der Tarife für Post pnkcte, Geldsendungen, für Telegramme solvic für die Benutzung der Telephone gestrebt iverdcn. Eine Anregung, die Einführnug der In- landstarife für den Verkehr zwischen den Kolonien jbeidcr Länder zu verlangen, fand nicht genügende Unterstützung.— Italien. Die Kominunalwahlcn. 91 oi«, 11. Juni.(Eig. Ber.) Da die Kommuualivahlen nicht sämtlich an demselben Tage stattfinden, sondern über alle Sonntage des Juni sich ausdehnen, so kann man erst am Ende dieses Monats die Bilanz ziehen. Aber zwei Wahlen, die am vorigen Sonnlag vor sich gegangen sind, müssen schon jetzt verzeichnet werden. I» Turin, der Wiege des Hauses Savoyen, waren in der Gemcindevertretiing schon bisher IS Socialisten, jetzt sind weitere 9 hinzugekommen; unsre Stimmen« zahl hat sich um 1299 seit der letzten Wahl vor drei Jahren vermehrt. In die Provinzialvcrtrctnng ist ein Socialist ein- getreten. I» Neapel haben wir dagegen traurigeriveise eine vollständige Niederlage zu verzeichnen. Es ist bekannt, wie die Enquete des Senators Saredo die Ge- meindevertretung Neapels sowie die Mitglieder der Provinzial- Vertretimg gebrandmarkt hatte. Die Enquete hat für jene Individuen so belastende Thatsachcn festgestellt, daß dieselben au jedem anderen Orte für immer politisch tot zeivescn wären. Während nun die früheren Kommuiialwahlen die hauptsächlichsten Camorristen fort- gefegt haben, haben die jetzigen Wahlen zu der Provinzialvcrtretung der Camorra einen Ersatz geboten. So sind der berüchtigte Aliberti, der Stellvertreter Ca sales Vecchioni und der ganze übrige Abschaum dieser Bande von Gaunern und Schwindleni wieder erwählt worden. Von den socialistischcn Kandidaten ist mir ein einziger, Enrico Leone gewählt worden. Die neapolitanischen Genosse» schreiben diese Niederlage oder besser gesagt, diese Wiedereinsetzung der Camorra dem Umstände zu, daß die Regierung gewissermaßen eine Politik mit doppeltem Boden betreibt, indem sie einerseits Enqueten anstellt, die die Camorristen brandmarke», auf der anderen Seite hingegen diese sauberen Herren bei den Wahlen durch den Präfekten unterstützen läßt. Dazu kommen die Müdigkeit, welche aus de» wiederholten Zeiten die demokratischen Parteien, ja sogar die socialistische Partei selbst zerrissen haben. Infolge des Siege? der Camorra hat der socialistische Abgeordnete des 8. Wahlkreises. C i c c o t t i, der dort vor einigen Monaten an Stelle Alibertis gewählt worden war, beschlossen, sein Mandat in die Hände seiner Wähler zurückzulegen. Enrico Leone, der einzige zur Provinzialvertretung gewählte Socialist, hat seinen Widerwillen, Seite an Seite mit den Camorristen zu tagen, gleichfalls nicht über- winden können, und hat das Urieil über Annahme oder Nichtannahme des Mandats der socialistischen Sektion übertrage».— England. London, 12. Juni.(Eig. Ber.) Ueber die Verhaftung deS irischen Abgeordneten Arthur Lynch haben die Telegraphen- bureauS bereits Mitteilung geniacht. Uns bleibt nur übrig, die Vorgeschichte dieses Ereignisses zu erzählen. Lynch ist irischer Ab- stanmmug und wurde in Australien geboren und erzogen. Gleich mehreren seiner Verwandten lvidmete er sich der Journalistik und korrespondierte aus Paris für amerikanische Blätter. Beim Ausbruch des südafrikanischen Krieges ging er als Be- richterstatter nach Natal, wo er indes bald die Feder nut dem Schwert vertauschte und sich an die Spitze der irisch-amerikanischen Brigade stellte. Diese kämpfte gegen England und hatte besonders den Rückzug der Boeren aus den Biggarsbergen zu decken. Nach der Besetzung Pretorias durch die Briten(Juni 1900) kehrte Lynch auf seineu Posten nach Paris zurück. Im Herbst 1901 wurde in Galwah(Irland! eine parlamentarische Nachwahl nötig. Da Lynch irischer Grundbesitzer und durch seine Teilnahme am Krieg den irische» Wählern bekannt geworden ist, wurde er von der' Vereinigten Irische» Liga, der Centralorgauisation des irischen Volkes, als Kandidat aufgestellt. Sein Gegenkandidat war Mr. Pliinkctt, Unterstaatssekretär des Ackerbauamtes, der von der Regierung unter- stützt wurde. Nichtsdestoweniger siegte Lynch. Die Regierung be- schloß nun. den neuen Abgeordneten wegen Hochverrats an- zuklagen und erließ einen Steckbrief gegen ihn. Lynch blieb ruhig in Paris und glaubte, es werde ihm gestattet sein, nach dem Friedensschluß seine parlamentarischen Pflichten aufzunehmen. Letzten Montag verließ er Paris, wurde aber gleich beim Betreten des englischen Bodens verhaftet. Es ist kein Zweifel, daß Lynch aus den edelsten Motiven ge- handelt hat, indem er sich den Boeren anschloß. Die englische 9te- gierung würde sich höchstwahrscheinlich um ihn wenig gekümmert haben, wenn er nicht nachher in der Wahl von Galway den Re- giernngSkandidaten besiegt hätte. Wie die Sachen jetzt liegen, kann das Gericht nur zu einem der folgenden Schlüsse gelangen: ist Lynch britischer Bürger, so wird er wegen Hochverrats verurteilt; ist er aber Ausländer, indem er als Transvaaler Bürger betrachtet wird, so verliert er seinen parlamentarischen Sitz. Auf jeden Fall wird die Regierung im stände sein, sich für die Niederlage von Galway zu rächen.— London, 14. Juni. Heute begann die Verhandlung gegen Oberst Lynch wegen Hochverrats. Der Ankläger erklärte. Lynch sei britischer, in Australien geborener Unterthan. Nachdem er als Jonr- nalist in Paris gelebt hatte, ging er im Januar 1900 nach Pretoria, wo er den Unterthnneneid für Transvaal leistete, einZFeldcornet-Attest zeichnete und die irische Brigade formierte, als deren Kommandeur er aktiv an den Operationen gegen General Buller in Natal teil- nahm. Er sei des Hochverrats schuldig.— Amerika. Washington, 13. Juni. Präsident Noosevelt hat an den Kongreß eine Botschaft gerichtet, in welcher er darum er- sucht, daß der Kubanische» Republik als Gegenleistung für die besonderen Verpflichtungen, welche sie hinsichtlich ihrer inter- nationalen Stellung auf Ersuchen der Vereinigte» Staaten über- nommen habe, gewisse besondere wirtschaftliche Zu- g e st ä n d n i s s e' gewährt werden. Es solle eine Hcrabsetznng von Zöllen auf die Einfuhr aus Kuba erfolgen. Bekanntlich sträuben sich gegen diese Forderung der Kubaner die Zucker- interesscutcu in den Vetciuigtcn Staaten.— Ein ncucö Organ der rnssischen Socialdemokratie wird vom 1. Juli monatlich zweimal erscheinen. An der Spitze des Blattes, das den Titel„Oswoboschdenije"(Befreiung) führt und bei Dictz in Stuttgart gedruckt wird, steht der bekannte russische National- ökonom Peter Strnwc. Viele der bewährtesten litterarischen Kräfte Rußlands haben bereits ihre Mitwirkung zugesagt und so darf man hoffen, daß das neue Blatt ein tüchtiger Kämpfer gegen den Despotismus werden wird. Polizriliilirs, Grrichklichrs nsw. — Maisiindcr. Der ziveite Schub der wegen Veranstaltung eines nicht genehmigten Demonstrationszuges in Solingen an- geklagten Geiioffen stand am Freitag vor den Schranken des Schöffen- zcrichts. Die Anklage behauptet, daß die Parteileitung die social- zemokratischen Vereine und der Ausschuß des Centralkomitees der Solinger Gewerkschaften durch diverse Annoncen zu einem verbotenen Zuge aufgefordert hatten. Das Urteil lautet: Genosse Kunkel 30 M. Geldstrafe eventuell 10 Tage Haft. Die übrigen Angeklagten wurden -rcigesprochen._ Aus Indttpkvio und Die Slllgeincine deutsche Kleinbahn- Gesellschaft giebt in ihrem Geschäftsbericht für das Jahr 1901 nunmehr den Stand des UiitemehmcnS nach der Reorganisation bekannt. Das Aktienkapital beträgt jetzt 9 000 000 M., vorher 7 500 000 M. Die 40 Millionen Obligationen sind auf 22 039 700 M. gekürzt, davon behalten 594200 Mari ihren nominelleii Wert mit einem 12jähiigeii ZiuSverlust. Auf Bahuen-Conto stehen 0 382 922 M., Effekten(Vcteilignng an Kleinbahnen) 85 094117 M.. Abschreibungen 12 800119 M.' Für Zinsen und Ausfälle sind 1 802 495 M. zurückgestellt, Debitoren werden 7 404 920 M. und Kreditoren 2 089 144 M. verzeichnet. Dem Aufsichts- rat war von der Generalvcrsamnilimg der Auftrag erteilt, die Regreßpflicht der früheren Verwaltung zu prüfen. Der Bericht hält die Geltciidmachuug solcher Ansprüche für aus- Üchtslos. AuS der Textilindustrie. Die thüringischen Wollfabriken haben die Wollcnwarciipreise generell um 7>/s bis 10 Proz. erhöht, infolge der fortgesetzten Preisstciaeriingen der Rohmaterinlicn. Die sächsischen und schlcsischen Leiiienspiunereicn künden eine Erhöhung der Garnpreise von 4—0 Proz. an. Die auatolischc Eisenbahngesellschaft steigerte ihre Brutto- Einnahmen von 7 451401 Fr. im Jahre 1900 auf 10 011353 Fr. im Jahre 1901. Die Dividende beträgt 5 Proz. Die Verlängerung der Bahn, die Bagdadbahn, für die sich bekanntlich der verstorbene Direktor Siemens von der Deutschen Bank interessierte, soll rnanziell als gesondertes Unternehmen gehalten iverdcn. Für die Aktionäre der Anatolischen Bahn gewiß eine sehr vorteilhafte Geschäftsteilung, denn diese können von der Bagdadbahn nur geivinnen und überlassen der türkischen Regierung eine größere Garantie. Mit dieser Garantie scheint es nun nicht be- 'anders gut zu stehen, der Bericht besagt, daß noch keine befriedigende Lösung gefunden ist. Die Auffindung ausreichend erachteter Unter- Pfänder, die das türkische Budget nicht übermäßig belasten, sei eine Aufgabe, welche durch die Anatolische Bahngesellschaft allein nicht gelöst werden könne, es sei dazu das Zusammen- wirken einer Reihe andrer mächtiger Faktoren nötig.— Bei den ungeregelten finanziellen Verhältnissen der Türkei werden sich andere Fattoren" die Sache wohl sehr eingehend überlegen müssen. Amerikanischer Blei-Trust. Die seit einiger Zeit geführte» Verhandlungen bezüglich Konsolidierung aller größerer amerikanischer Blei-Gesellschaften lassen ein Zustandekommen des Projekts als ge- sichert erscheinen. Den Plänen zufolge soll zunächst eine mit IS Mill. Dollar inkorporierte neue Gescllscliaft gegründet werden, welche die bedeutendsten unabhängigen Gesellschasten in sich aufnchnren wird. und diese Gesellschasl soll sodann mit den beiden bestehenden, grosten Gesellschasten der Branche, der Union Lead». Oil(Kapital 15 Millionen) und der National Lead Co.(Kapital 30 Millionen) zu einer Holding-Company nach Art des Stnhl-Trnsts verschmolzen werden. Die bervorragcnden unabhängigen Gesellschasten haben die Option auf ihre Besitztümer bereits eingeräumt, so daß die neue Kombine innerhalb einiger Wochen unter Dach sein dürfte. Das Kapital des Blei-Trnsts soll 80 Mill. Dollar betragen. Der französische Zlustenhandel. Nach amtlicher Feststellung betrug in den ersten fünf Monaten dieses Jahres der Wert der Ein fuhr 1 898 955 000 Fr. gegen 1 874 667 000 Fr. im Jahre 1901. Der Wert der Ausfuhr betrug 1 749 912 000 Fr. gegen 1680051000 Fr. im Vorjahre._ GewvrkMstfkliches. Berlin und Nnigcgend. Der Gtreik der Steinsetzer in Ebcrswalde ist mit einem teilweisen Erfolge für die Arbeiter beendet. Insbesondere soll für die hauptsächlich in Betracht koninicnden Ucberlandarbeiter eine Erhöhung des Stundenlohnes um 2>/s Pf. eintreten. Auch für Arbeit am Orte ist eine Lohnerhöhung in Aussicht gestellt. DentfchcS Strich. Zum Lohnkampf im Hamburger Bangewerbe. Nachdem sich herausgestellt hat, dah die Unternehmer nicht im stände sind, den Aussperrungsbeschlnst des Vierstädtebnndes durch- zuführen. bemühen sie sich, durch Veröffentlichungen in der ihnen zugänglichen Presse das Publikum glauben zu machen, daß sie den Arbeitern kein bindendes Versprechen. in diesem Jahre die iiennstündige Arbeitszeit und 70 Pf. Stundenlohn zu ge- ivähren, gegeben hätten. Wir haben bereits mitgeteilt, dast jenes „nicht bindende" Versprechen ein in aller Form bei den Einigungs-- Verhandlungen im Jahre 1900 gefastter und ini Protokoll festgelegter Beschluß ist. Die Arbeiter, die von Treu und Glauben eine höhere Meinung haben, als dies anscheinend bei den Vierstädte-Bündlern der Fall ist, mußten ein solches Versprechen allerdings als bindend ansehen und demgemäß handeln. Die Bewegung steht für die Arbeiter durchaus günstig. Von den Ausgesperrten werden täglich mehr und mehr eingestellt. Die Unternehmer suchen zwar auswärts Arbeitswillige für die von den Arbeitern gesperrten Bauten, jedoch ist der Erfolg dieser Bemühungen kein nennens iverler. Am Freitag trafen glücklich 14 Arbcüswillige in Hain bürg ein, von denen jedoch 12 sogleich wieder abreisten Also nur zwei Getreue sind den Untcrnehnier» verblieben. Auf dem Jnnungsbiireau sollen sich nach Angabe der Scharfmacher Hunderte von Maurern zu den alten Bedingungen gemeldet haben. In Wirf lichkeit waren es ganze sechs Mann. Die Situation liegt demnach für die kämpfenden Arbeiter durch ans günstig. Die Hanibul'gcr Klrmpner-Jnnnng hat am Freitagabend mit der angekündigten Aussperrung begonnen. Eine all> g e m e i» e Anssperrnng ist bis dahin nicht durchgeführt tvorden und diejenigen Meister, welche sich dem Jnnnngsbeschluß fügten thatc» dies widerwillig, sie bemühten sich meistens, mit de» dem Beschluß geuniß Ausgesperrte» auf gutem Fuß zu bleiben. Bis Freitagabend tvare» etwa 100 Klempner ausgesperrt. Zur Anssperrnng im Kieler Baugewerbe hat der dortige S o c i a l w i s s e n s ch a f t l i ch e Verein Stellung genommen durch einen Beschluß, welcher de» M a g i st r a t ersu cht, d e u Versuch einer Einigung zu machen.— Die Lage ist »och innner die, daß die Arbeitgeber auf ihrem Kontrakt mit 60 Pf. Stundenlohn bei b'/sstündiger Arbeitszeit auf fünf Jahre bestehe», während die Arbeitnehmer bereit sind, diesen Kontrakt auf drei Jahre einzugehen, einen fünfjährige» Kontrakt aber abznschlicßcn, falls ihnen für das fünfte Jahr 65 Pf. bei 9 stündiger Arbeitszeit zugesichert werden. Um Material zu gewinnen, hat der Social- wissenschaftliche Verein Gntachten' ans Unternehmer- kreisen in Berlin. Bremen und Leipzig. Ivo die neunstündige Arbeitszeit eingeführt ist, eingezogen. Bezüglich der Dauer des Kontraktes warnt das Berliner Gutachten vor dem Abschluß eines Kontrakts auf länger als drei Jahre; auch das Bremer Gutachten hält diese Frist im allgemeinen für die richtigste. In Ncnmiinster befinden sich die Tischler in einer Lohn bewegung. Die Tischlerinniing hat es abgelehnt, mit der Lohn- koinmission des Holzarbeiter-Verbandes zu verhandeln, sie will mir mit dem Gesellenansschuß verhandeln. Den Bautischlern ivird nichts andres übrig bleiben, als gegen die Zimmerincister, ivelche Tischler beschäftigen, vorzugehe». Die Maurer in Stuttgart haben bekanntlich vor kurzem eine Vereinbarung mit den Unternehmer» abgeschlossen, wonach de» Maurern ein Miiidestloh» von 43 Pf. gezahlt werden sollte. Die Unternehmer haben dann, als die Auszahlung des zugesagten Lohnes verlangt wurde, den vor dem Einigungsamt abgcschlvsscncn Vertrag für null und nichtig erklärt. Daß dieser Wortbriich Erbitterung unter den Arbeitern erregte, kann»inn sich denken, und jetzt ist nun zum Streik gekommen. Ein„Herold"-Telcgrani»i ans Stillt- gart vom 14. Juni besagt: In einer gestern abend abgehaltenen, von 1000 Maurern besuchten Vcrsammlnnq wurde der allgemeine Maurerstreik beschlossen. Achtung, Textilarbeiter und Arbeiterinueu k Sämtliche Weber und Weberinnen der Firma Gebrüder Fürst in Neu k i r ch c n reichten infolge von Lohudifferenzen am Freitag die Kiindignug ein. Alle Versuche, die Differenzen beizulegen, scheiterten. Es ivird deshalb dringend ersucht, Zuzug von Webern und Webcriimc» streng fernzuhalten. Freie Arbeiter durch Zuchthäusler verdrängt. Eine Cigarrenfabrik in Waldheim hat ihre sämtlichen Heimarbeiter eut- lassen und durch Insassen des Zuchthauses ersetzt, von denen die Fiinia 300 bcschäsligt.— Was werden mm die solchergestalt brotlos gemachten Arbeiter anfangen? Vielleicht— es ist traurig zu denken, aber leider nicht ausgeschlossen— ivird mancher von ihnen, durch Not getrieben, auf die Bahn des Verbrechens gedrängi und kann dann als Zuchthäusler den Arbeitsplatz wieder einnehmen, von dem ihn kapitalistische Profitsncht gepaart mit socialer Einsichtslosigkcit verdrängte. Ziini Ausstand der Maurer in Pose» wird uns von dort geschrieben: Etwa 1200 Maurer sind am Freitag in den Ausstand ge- treten. Außerdem sind bei diesem Streik circa 400 Bauarbeiter in Mitleidenschaft gezogen. Die Streikenden fordern einen Minimal- stundeulohii von 45 Pf., wahrend früher ein Stundenlohn von 41—43 Pf. bestand. Die Verhandliingen zogen sich schon seit Februar hin und haben die II u t e r n e h m e r es strikte abgelehnt, mit den Arbeitnehmern auf dieser Basis zu u n t e r h a n d e l n. Ausland. Zum Streik der Maurer, Handlanger zc. i» Biel. Der Gemcinderat hat beschlossen, den betreffenden Unternehmern die Gemeindearleitcn zu entziehen und die Arbeiten in Regie ausführen zu lassen und zwar zu folgenden niiuimalen Stundenlöhnen: Cenicnter 52. Maurer 48, Miucure 43. Handlanger 36. jüngere Handlanger 30 Cts.. Zuschlag für Ueberstimden 25 und für Nachtarbeit 50 Proz. Zu diesen Lohnbcdiuguugcn arbeiten bereits 250 Arbeiter. Derselbe Genieinderat hatte vorher in seiner Kopf- und Hilflosigkeit von der Berner Kantousrcaierung Mlitär verlangt, aber statt dessen kam ein Mitglied der Regierung, um die Situation zu untersuchen und zu vermitteln. Der Berniittelungsversuch scheiterte an der Profilwut der Unternehmer.— Verschiedene Hundert Arbeiter streiken weiler, da die Unternehmer bei ihrer Reduktion des Lohnes auf nur 32 Cts. pro Stunde beharren. Ter Stcinhauerstrel? i« Basel hat mit dem Erfolge der Arbeiter geendet. Bor dem Vermittelungsamt kam eine Vereinbanmg mit der Baugesellschaft zustande, nach der den Arbeitern ein täglicher Minimallohn von 6.50 Fr. garantiert wird. Die Beendigung der WeberanSsperrung in Euschede wurde schon gestern berichtet. Mit 697 gegen 422 Stimmen haben die Ausgesperrten und Streikenden am Freitagmittag beschlossen, die Arbeit zu den zuletzt von der Firma gestellten Bedingungen wieder aufzunehmen. Der Kamps ist als verloren anzusehen. Es ist nicht gelungen, die Lohnreduktionen für die Deckenweber ab znwehren. Die Örganisation ist gerettet. Drei Arbeiter, welche die Firma nicht wiedei annehmen wollte. haben ihrerseits ans die Wiedereinstellung verzichtet. Die Ausständigen haben bis zuletzt eine musterhafte Solidarität belviesen. Ein intcrnationaler Kongreß der TranSport-Arbeiter wird vom 4. bis 7. Juli in Stockholm abgehalten. Auf Antrag der holländischen und der englischen Transport-Arbeiter und Seeleute soll der Kongreß die Festsetzung eines allgemeinen Standardlohnes für alle ans Schiffen, an Häfen, auf Docks usw. thätigen Arbeiter in ernste Erwägung ziehen. Von deutscher Seite liegt u. a. ein Antrag vor, der sich auf die Organisationsfrage der Seeleute bezieht. Von Schweden und England wird die Gründung internationaler Fachorgane beantragt. Vom dänische» Hafenarbeiter- Streik sind gegenwärtig in Kopenhagen noch ca. 400 Arbeiter arbeitslos. Die Arbeitgeber suchen das Ueberangebot von Arbeitskräften zu Lohnreduktionen auszunutzen. Beim Kohletmrbeiterstreik in Pcnnsylvanien finden— wenn man den Zeituiigsiiachrichten glauben darf— ernste Kämpfe zwischen Streikenden und den Schutztruppen der Uiiternehmer statt. lieber einen solchen Znsanimenstoß wird der„Franks. Ztg." unter dem 13. Juni telegraphiert: Nach einer Meldung des„Morning Leader' auS New Dork wird der Streik der Kohlengruben- Arbeiter immer ernster. Gestern früh eilte eine Schar das Lehigh Thal hinab. An der barre leitete der Aufseher Thomas Schießen begann. Dann sprang er auf fuhr ab unter einem Hagel von Kugeln. Verschiedene Personen wurden verwundet, ein Knabe tödlich. Der Staatslommissar Wright, den Präsident Roosevelt abgesandt hatte, um die Lage zu unter suchen, kehrt mit statistischen Daten nach Washington zurück. Die Bergarbeiter teilten ihm mit, daß die Grubenbesitzer im vorigen Jahr zwei Millionen Pfund Sterling mehr an Löhnen ausgabeii, aber durch die Erhöhung der Kohlcnpreise einen um drei Millionen Pfund höheren Gewinn hatten. Es heißt, Präsident Roosevelt wolle gegen die Kohlengriibenbesitzer wegen Verletzung des Shermanschen Anti-Trnst-Gesetzes vorgehen. Ein Telegramm aus New Jork besagt: Der Ausstand der Kohleiigrubcii-Arbeiter droht die Flottenmanöver ernstlich z u gefährden. Bereits ist die in Norfolk sich gcgemvärtig versammeliide Torpedoflottille nicht in der Lage, ihre Uebuiigen vorzunehmen, weil die Kohlenvorräte ungenügend sind, und die zur Lieferung der Kohlen kontraktlich verpflichteten Gesellschaften nicht zu liefern vcr- mögen. Auch die Kriegsschiffe verfügen nicht über genügende Kohtenvorräte, um zu den Manövern abzugehen. bewaffneter Streikenden Kohlengrube bei den Widerstand bis das einen gepanzerten Zug und Socio lv VcisitspPlcge. Ein Maifcicr-Nachspicl. Die Firma Eichstädt n. Bovert hatte beim Gelverbegericht eine ganze Anzahl Mctollarbciter wegen K o n t r a k t b r u ch s um eine Geldbuße von 2.90 M. vcr- klagt. Weil sie am 1. Mai gefeiert hatten. Während mit den meisten Beklagten Vergleiche geschloffen lviuden, bestand der Monteur L. auf eine Eiitscheidiing, indem er das Vorliegen eines Kontraktbriiches bestritt. Die Firineninhaber beriefe» sich ihrerseits darauf, daß sie einer Koinmiisioii ihrer Arbeiter erklärt hätten, tvcr am 1. Mai Wegbleibe,»verde entlassen. Diese Erklärung hätten sie durch Anschlag am Markcnkasten wiederholt.— Der Vertreter des Bc� klagte» L, Genosse Cohen, hob hervor, daß die Frage der Ent lossmig mit der nach dem Vorliegen eines KoutraklbrnchS hier gar nichts zu thmi habe. Im Falle des Beklagten L. ivmie schon dcS halb ein Koiilraktbrnch nicht angenommen Werden, Weil ihm der Meister am Tage vor dein 1. Mai ciiicn neue» A c c o r d über- geben habe, obwohl L. vorher auf eine Frage des Meisters erklärt hätte, er koimne m» 1. Mai nicht.— Festgestellt wurde noch, daß die Kündigungsfrist im Betriebe der Kläger ausgeschlossen ist, an- gefangene Accvrde aber fertig gemacht werden uiüsse».— Die Kammer V dcS Gcwcrbcgcrichts unter dem Vorsitz des Gewerbe- richters Dr. L angerhans verurteilte L. zur Zahlung von 2,90 M Begründend wurde ansgesührt: Da der Beklagte am Tage vor dem 1. Mai den iienen Accord übernomme» habe, so hätte er nicht am 1. Mai gegen den Willen der Arbeitgeber, den diese der Kommission und durch Anschlag kundgegeben hatten, von der Arbeitsstätte fortbleiben dürfen. Unter den obwaltenden Ilniständen sei ein Kontraktbruch anzunehmen. Wollte sich Bc- klagter nicht kontraktbrüchig machen, da»» hätte er die Uebmiahnie des andern Aceords verweigern müssen. Wie die Dinge lägen, sei nicht mir die Entlassung berechtigt, sonder» auch die Forderung der Firineninhaber nach einer Buße wegen KontraktbruchS. Gsvidiks-Jeikunh. Wie Hauswirte zuweilen mit ihren Mietern umgehen, zeigt recht drastisch folgender Vorfall, der am Sonnabend vor der ersten Strafkammer dcS Landgerichts II zur Verhandliiiig stand. Der Thatbcstniid, über den zur Zeit bereits im„Vorwärts" berichtet wurde, ist folgender: Der Arbeiter H i tz k e in H o h e n- N e u e n d o r f ivohnte bei dein Hausbesitzer M e l l i n daselbst. Er bezahlte zwar pünktlich die Miete, wurde aber trotzdem zum 1. Januar d. I. ge- kündigt. Seine Bemiiblnigcn, rechtzeitig eine andre Wohnung zu bekommen, blieben erfolglos, weil niemand die Familie mit sechs Kinder» haben wollte. Vor Kunimer und Aiifregimg hierüber wurde eine Frau krank, so daß sie am UmziigStermin das Bett hüten mußte. Da die Wohnung min nicht vermietet war und der Umzug »ach einer eventuell von der Geineindc zu liefernden Uiiterkimst sich infolge der Krankheit seiner Frau nicht bewertstelligen ließ, so ging Hitzke am 2. und 3. Januar seiner gewohnten Arbeit nach. Am 3. Januar kam nun der Hauswirt M e l l i n nebst Frau und Sohn an die Thür der Hitzkeschen Wohnung, klopfte mehrmals sehr heftig und verlangte ungestüm Einlaß. Als ihm die 14 jährige Tochter öffnete, forderte er die krank daniederliegende Frau unter beleidigende» Ausdrücken zur sofortigen Räummig der Wohnung auf. Da die Frau dieser Aiiffordcrimg beim besten Willen nicht nachkommen konnte, sozerrteMellinsieeinsach aus dem Bette. Von ihrer Tochter wurde sie dann notdürftig angekleidet. Empört über eine derartige Handlungsweise forderte jetzt die Frau ihrerseits den Hauswirt zum Verlassen der Wohiimig auf. Der Hauswirt ging jedoch nicht, sondern schob im Gegenteil die Frau und deren Kinder recht unsanft zur Thür hinaus. Hierauf begann er im Verein mit seiner Frau nnd seinem erwachsenen Sohne den ärmlichen Hans- rat der Familie auf die Straße zu setzen, tvobci auf die Sachen nicht die geringste Riicksicht genommen wurde; einige Stücke wurden sogar ans dem Fenster geworfen. Dabei goß der Regen in Strömen. Um seiner Heldenthat noch die Krone aufzusetzen, pflanzte der Hauswirt bei« Weihnachtsbaum der exmitiertcn Familie oben auf dem Hausrat auf und befestigte ein altes Laken als Flagge daran. So fand der heimkehrende Arbeiter Hitzke seine Angehörigen Wieder. Infolge des ausgestandenen Schreckens mutzte die Frau noch am 'elben Tage nach der Charits gebracht werden. Nachdem Hitzke wegen Nötigung und Hausfriedensbruchs Straf- autrag gestellt hatte, imißten die Hausbesitzer Mellin nebst Frau nnd Sohn auf der Anklagebank Platz nehmen. Auf Be- fragen dcS Vorsitzenden, Geheimen Justizrats G a r tz, bestritten die Angeklagten jede Schuld. Sie sind der Meinung, nur ihr gutes Recht ausgeübt zu haben, indem sie die Familie auf die Straße setzten. Frau Mellin hatte sich vorher noch bei den als Zeugen geladenen Gendarm Schwert und Gemeindevorsteher Willbcrg erkundigt, wie sie sich der Hitzkeschen Familie gegenüber verhalten solle. Der Gemeiudcuorstehcr hatte sie vor jeder«gemnächligen Handlung gewarnt und sie an das Gericht gewiesen. Wohingegen ihr der Gendarm laut eigner Bekimdiing sagte: Er könne sich in die Sache zwar nicht einmischen und müsse ihr und ihrem Manne die Vcrniitivortuiig für ihr Thun überlassen, doch würde er an ihrer Stelle die Leute einfach herausschmeißen. Dieser eigenartige Rat des Gendarm hatte zur Folge, daß sich auch der Oberstlieutenaiit der 3. Gendarnieriebrigade im Zuhörerraum eingefunden hatte, der nach der Verhandliiiig noch eine kleine Unter» redmig unter vier Augen mit seinem Untergebenen pflog. Einen bemitleidenswerten Eindruck niachte die Zeugin Frau Hitzke. Von schmächtigem, kränklichen Aussehen konnte sie sich äugen- scheinlich kaum auf den Beinen halten. Sie sotvohl wie ihre Tochter bekunden übereinstimmend den oben geschilderten Sachverhalt. Doch ivird sie wie mich die Angeklagte Frau Mellin vom Vorsitzende» in ziem- lich erregten Worten der Uebertreibung geziehen. Der Vorsitzende ging unverständlicherweise einmal sogar so weit, der Zeugin mit Einsperren zu drohe».— DaS Urteil lautete für Mellin und dessen Frau auf je 80 M. und für deren Sohn auf 20 M. Geldstrafe oder entsprechender Haft wegen Vergehens gegen Z 240 des Strafgesetzbuchs. In der Begründung wurde hervorgehoben, daß die Angeklagten bei der Ex- mittiernng doch mit großer Roheit vorgegangen seien. Ein McineidSprozeß. Sechs Sliiiidcn»ach Veendi'gimg des Meineidsprozcsscs Thomaschke mußten die Geschworneii schon wieder eine neue anstrengende Arbeit in dem lanni gereinigten und ausgelüfteten Schwurgerichtssaale aufnehmen. Gestern begann ein umfäiigreicher Meineidsprozeß, der sich gegen den Vergoldcr Wilhelm Beck, den Kürschner Gustav Meirich, den Kanfmaim Emil eck mann und dessen Ehefrau Franziska geb. Dnbinski richtet. Beck und Weirich sollen am 5. März 1901 vor dem Kannncrgericht in einem gegen Beckmann gerichteten Civilprozcß einen Meineid geleistet haben. Die Beckmannscheii Eheleute, gegen die gleichzeitig der Vorwurf der Urkinideiifälschmig erhoben wird, sollen sie dazu angestiftet haben. Die Ehefrau wird niißerdem angeklagt, es unternommen zu haben, noch zwei andre Personen zum Meineid zu verleiten. Den Vorsitz im Gerichtshofe führt wiederum Landgerichtsdirektor Pohle, die Anklage vertritt Staatsanwalt Engel, die Verteidigung führen die Rechtsanwälte Margoninski, Dr. Staub II, Dr. Reiche und B laschkau er. Die Beckmaniischen Eheleute besaßen in den Jahren 1900 und 1901 ein auf den Namen der Frau gehendes Vnttergeschäft und standen mit dem viitterlieferanten Briechle in ständiger Geschäftsverbindung. Dieser lieferte ihnen tvöchent- lich einmal Butter und rechnete wöchentlich einmal mit ihnen ab, tvobci er Zahlungen in Höhe einiger hundert Mark bis zu 2000 M. erhielt. Schließlich haperte es mit den Zahlungen und Herr Briechle sah sich gezwimgen, am 10. April wegen eines Betrages von 1000 M. klagbar zu werden. Er wurde aber ab- gctvicsen, denn die Beckmaniischen Eheleute konnten sich aus die beiden ersten Angeklagten dafür berufen, daß sie zugegen lvaren, als die Summe voii 1000 M. bezahlt worden war, sie konnten aber mich gleichzeitig die Quittung über die Zahlung vorlegen. Herr Briechle mußte zu seinem eignen Erstaunen anerkennen, daß die Quittung seine Unterschrift trug, nnd doch wußte er, daß die angeblich' an seinen Sohn geleistete Zahlung nicht erfolgt war. Seine Vermiitiiiig. daß hier eine Fälschung vorläge� ist dann auch durch das nbereinstimineiide Gutachten der Schreibsachverständigen Schnlrat Grabow und Rechiunigsrat Jung bestätigt worden. Dieselben sind ganz unabhängig voneinander zn der Ueberzengnng gekommen, daß hier eine Fälschung durch Beckmann begangen worden sei. die aber ihren Effekt nur dadurch er- reichen konnte, daß man, um die richtige Zahlungs- Reihenfolge herzustellen, auf einer andren Önittnng ans der Datumszahl„2" eine„12" machte. Der Gerichts- chelnikcr Dr. I e s c r i ch hat dies durch chemische, mikroskopische und mikrophotographische Untersuchungen festgestellt. Liegt aber eine Fälschung vor, so haben, wie die Anklage folgert, die beiden ersten Aiigcklag'leii einen Meineid geleistet, zu Welchem sie von den Beck« inminscheii Eheleuten angestislet worden seien. Frau Beckmann soll dau» noch versucht haben, zwei andre Personen zu dem falschen Zeugnis zu bestimmen, daß auch sie Keimtnis von der erfolglc» Zahlung hätten.— Die Angeklagten, von denen Beck uiid Beckmann eine Zeit laug im Auslaiide iveittcii und von dort, mehr der Rot als' dem eignen Triebe ge« horchend, zurückgekehrt sind, leugnen ihre Schuld. Z» ihrer lieber- 'ühning hat der' Staatsanwalt 25 Zeugen aufgeboten und außerdem die Schrcibsachvcrständigen Grabow und Jung vorgeladen. Da die Beweisaufnahme wieder eine sehr umfangreiche werden dürste, wird die Verhandliiiig vormissichtlich drei Sitzungen in Anspruch nehmen. Wir werden nnsren Lesern das Urteil mitteilen. Zlctzto MttilZLichkctt und DcpeNtzeu. Peking, t4. Juni.(W.T.B.) Die Vertreter der II Signatar- mächte des Tchlnfjprototollö uiiterzeichneteii in heutiger Sitzung ein Protokoll, duich welches sie sich im Namen ihrer Regierungen mit der ciidgültigen Vcrlcilmig der chinesischen Kriegsentschädigung ans der Basis der Liste 5 cinverstnildeii erklären. Wien, 14. Jmii.(B. H.) Nach einer B e l g r a d er Meidimg der hiesigen„Mittngszciliing" hat die serbische Kriegs- v e r lv a l t u n g entgegeii de» Bcstinmningcii des Berliner Vertrages die F e st n n g v o n B e l g r a d wiederhergestellt. BrcSla«, 14. Juni.(B. H.) Wie ber„Brest. Gen.-Anz." meldet, hat die Gattin des in der Theresienstraße 6 Wohn- hafte» BahnhofswächterS Gayda aus Verzweiflung über die wegen fortgesetzten Diebstahls erfolgte Berhnftimg ihres Gatten hre bcidc» jüngsten Kinder im Alter vo» 2 und 4 Jahren nnd ich selbst mit Kalilauge vergiftet. Trotz aller Wiederbelebiings- versuche war es nicht»ivglich, die Frau ins Leben zurückzurufen. Alle' drei wurden nach dein Allerheiligeiihospilal gebracht, woselbst daS jüngste Kind iiiztvischcn gestorben ist. Durch ärztliche Be- ichtiguiig wurde bei dem Kinde außerdem ein Schädelbruch fest- gestellt. Mannheim, 14. Juni.(W. T. 83.) Wie die„Nene Badische Landeszeitung" aus Lndwigshafen meldet, stürzte gestern am Renba» dcS Gntenberg-TchnlhanseS bei dem Anfwinden einer Schiene ein Gerüst znsaimnen; fünf Arbeiter stürzten in die Tiefe und erlitten mehr oder weniger schwere Verletzungen; einer derselben starb auf dem Transport nach dem Krankenhaus. Heute morgen, als man mit dem Befestigen des schadhaften Gerüstes beschäftigt war, brach dasselbe abermals in sich zusanniieii und riß vier Arbeiter mit sich in die Tiefe; zwei wurden schwer und zwei leicht verletzt. Die Uiitersnchung ist eingeleitet und der Van polizeilich eingestellt tvorden. Man führt die Ursache dcS Unfalls auf die niangelhafte Ansführimg des Gerüstes zurück. Köln, 14. Juni.(W. T. 83.) Der morgens 8 Uhr 7 Mi», von hier nach Trier abgehende Schnellzug überfuhr heute am West- bahnhvf zwei beim dortigen Stellwerk beschäftigte Arbeiter, die ofort tot waren. Wegen einer Kurve konnten weder der Lokomotive »ihrer noch die beide» Arbeiter die drohende Gefahr rechtzeitig bc- merken. Warscha», 14. Juni.(W. T. B.) Prozeß gegen den Oberst- lientenant Grimm. Nachdem gestern das Zengenverhör von vor- mittags lO Uhr bis iiachmittagS 5 Uhr gedauert und um 7 Uhr abends die PlaidoherS begonnen hatten, wurde«in 11 Uhr abends das Urteil gefällt. Grimm wurde zum Verlust aller Rechte und zn zwölfjähriger Zwangsarbeit verurteilt. Rrw Bork, 14. Juni.(„Fraulf. Ztg.") Der Vulkan Kelamea auf Hawaii stößt Rauch und Flammen ans. Bcrantwortticher Redacteur: Carl Leid in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Th. tslocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. Hierzu 3 Beilage» n. Uuterhaltnngsblatt. i Ktilllge öes„Mmärls" Kerlim WksM. s-»»,«,..� Z,.«! Herrenhaus. 15. Sitzung v o in S o n n a b e n d. d e n 14. I u n i, nachmittags 1 Uhr. Am Ministertisch: Frhr. v. H a m m e r st e i n, Frhr. V. Rhein- baben, Stadt, S ch o n it c d t. Auf der Tagesordnung steht zunächst der mündliche Bericht der elften Kommission über die Polenvorlage. l>. Steiu-GraSnitz beantragt, den VcrwaltnngSbereich des Hundertmillioiienfoirds zum Ankauf von Gütern zum Domanialbesitz und von Grundstücken zu den Forsten anyer auf die Provinzen West- streichen und Posen auch auf die ostpreusjischen Kreise Neidenbnrg. Osterode, Ortclsbnrg und Lyck auszudehnen. Graf v. d. IC st eu stellt den Zusatzantrag, zu diesen oststrenfstsche» Kreisen noch die pommerscheu Kreise Lauenburg und Bütow hinzu zufügen. In der Generaldisknsston nimmt dag Wort Graf Kwilecki: Der Ministerpräsident hat bei der ersten BeratilNst dieser Vor- tage mir Sachen vorgebracht, die bereits bekannt ivaren. Die Gefährdung des DeutschtnmS, von der er sprach, beruht mehr auf Einbildnug. Es dürfte schwer sein, einen Deutschen zu finden, der sich wirklich gefährdet glaubte. Ich habe sogar einen früher bei der Regierung in Posen an- gestellten Herrn gefragt, ob er sich gefährdet fühle! auch dieser ver- neiute die Frage. Auf die weitere Frage, ob er mir nicht jemand ueuiien könnte, der sich in seinem Deutschtum gefährdet glaube, er- hielt ich keine Antwort— aber der Herr lächelte verschmitzt (Heiterkeit.) Auf die letzten Worte aus der Rede des Minister- sträsidenlen kann ich nur erwidern, das; wir unsre Nationalität nicht wechseln wie einen Ucberzichcr. Was seine Befürchtungen in Bezug ans die polnische Agitation anlangt, so frage ich: wo sollten ivir n»s denn anschließe», etwa nach dem Osten? Die gegen die polnische Geistlichkeit erhobenen Vorwürfe innß ich zurückweisen. Ich habe° nur einen einzigen Fall erlebt, in dem ein Deutscher durch das Polcntum geschädigt worden ist: das war bei einem deutschen Arzt uns dem Westen, der erst als Schisfsarzt beschäftigt war. sich dann in der Provinz Posen niederließ, dort aber keine Existenz finden konnte. Er kam zu mir und klagte mir sein Leid; ich gab ihm 20 M.(Bravo I), und eben so viel erhielt er vom Ostmarkenverei», deren Mitglied er war. Früher wußte man die Polen loS zu werden, indem man sie im Kriege in erster Linie inS Feuer schickte. Heute ist das wohl nicht mehr möglich (Große Unruhe.), heute sucht man der sarniatischcit Anmafjung ans andre Weise Herr zn werden. Finanzminister Frhr. p. Rheinbaben: Graf Kwilecki deutete an, daß seitens der preußischen Militär berwaltung die Polen in erster Linie inS Feuer geschickt worden seien. Gegen eine solche Unterstellung muß ich entschieden Einspruch erheben.(Lebhaftes Bravo!) Eine solche Jnfinnation hätte ich wirklich aus dem Munde des Grafen Kwilecki nicht erwartet. Die polnische Presse beschimpft die Deutschen jeden Tag in einer Weise, daß wirklich eine Lammsgeduld wie die deutsche dazu gc hört, um diese Angriffe so lange zu ertragen. Ich kann'eS nur bedauern, daß das Ttras-Gcsctzbnch keine Handhabe bietet,»in dieser Presse endlich das Genick zu breche». Jeden Tag wird den Deutschen das Unglaublichste ins Gesicht gejagt, jeden Tag wird offener Hochverrat gepredigt. Freilich sind' die meiste» Stedactcnre klug genug, nm gerade noch beim Staatsanwalt vorbei- znschlüpfen; aber ihre Tendenz spricht Bände. Graf Kwilecki sagte, er habe noch keinen Deutschen gefunden, der sich durch das Polentnin bedrängt gefühlt hätte; auch ein Negierungsrat in Posen habe eine solche Frage verneint. Nun, soweit sind wir allerdings noch nicht. daß selbst die Mitglieder der Negierung in Posen' sich bedrückt fühlten. Wenn es so weiter geht, würden wir allerdings auch dahin noch kommen.(Heiterkeit.) Ader solchen Möglichkeiten wollen ivir gerade einen Riegel vor- schieben.(Sehr gut!> Graf Kwilecki fragte, an wen denn das Polentinn sich anschließen solle. Es ist allerdings selbstverständlich. daß es sich nicht an Rußland anschließen wird, aber der Gedanke einer Wiedererrichtung des polnischen Reiches ans den ehemals polnischen Gebietsteilen Preußens, Rußlands und Oestrcichs, wozu noch einige Teile Ostpreußens und Pommerns hinzukommen sollen wird jeden Tag in der polnischen Presse prophezeit. Man hat freilich jetzt eingesehen, daß es mit dem bloßen Kopf durch- die- Wand- gehen nicht geht, man hat gemerkt, daß dir prenffischeu Bajonette ein einigermaßen sicheres Schutzmittel gegen solche Bestrebungen darstellen, nrid so hat man statt der gewaltsamen Entwickelimg eine allmähliche Entwickelung ans wirtschaftlichem Gc biete gesetzt, gegen die an sich nichts einzuwenden wäre, wenn sie sich nicht feindlich gegen alles Deutsche verhalte. Graf Kwilecki be schwerte sich darüber, daß deutsche Beamte seines Bezirkes nach dem Westen versetzt worden seien aus angeblichem„Interesse des Dienstes". Wir müssen allerdings dafür sorgen, daß wir stets politisch zu- verlässige und taktvolle Beamte dort haben. Wenn wir glanben, daß ein Beamter die Aufgaben des Deutschtums nicht genügend erfüllt, so muß er natürlich fort. Friedrich der Große sagte nach der Einteilung der polnischen Gebietsteile:„Man hat mir eine Anarchie gegeben, mit der ich mich befassen muß." Auö dieser Anarchie haben wir ein Stück blühenden Lebens gemacht; es ist dort ein Kultnriverk allerersten Ranges geleistet worden. In der Fort- führnna dieser Knlturaufgabe dürfen wir nicht verzagen. Der große Kurfürst mahnte in der Zeit der Not:„Am Valertandc nicht verzweifeln, sondern der Verzweiflung den Mut entgegensetzen!" Diesen Mut wollen auch wir bewähren I(Lebhafter Beifall.) Dr. v. DziembowSkl: Es dürfen nicht bloß die Großgrundbesitzer bei dem PolensondS berücksichtigt werden, er muß vor allem zur Ansiedelung kleiner Landwirte dienen. Nur so kann man die Landwirtschaft von dem Zwang emancipieren, polnische Arbeiter zn beschäftigen. Deutsche Landarbeiter niüsscn zur Ansiedelung gebracht werden. Redner spricht sich für eine konsequente Anfrcchterhaltnng der Schnlzucht gegenüber de» polnische» Kinder» ans. Weiter sei eine Per- besseruiig dcS WrgewcsciiS niit den Mitteln dcS PolensondS durchzuführen und eine Bcfferstellimg der im Osten angestellten Be- amten, namentlich der Lehrer, anzustreben. Kiiltiisininistcr Stndt erklärt, daß die KultilSverwaltung sich der hohen Knlturalifgaben, die ihr gerade in den östlichen Provinzen oblägen, Ivohl bewußt sei. Sic lasse es an keinen Anstrengungen sehlen, um trotz dcS passive» und aktiven Widerstandes der Bevölkerung das Bolksschulwesen in Posen und Westprenßen ans daS Niveau der Volksschulen in den übrigen Provinzen zu heben. v. Stein erklärt, daß sein Antrag ebenso Ivie der dcS Grafen v. d. Osten zurückgezogen seien. Graf V. Mirbach: Die Unterbrechung der zielbewußten Pokcnpolitik des Fürsten Bismarck ivar geradezu verhängnisvoll. Die konservative Partei steht in allen naiionalen Fragen, wo es sich um die Wehrkraft des Volles, um militärische, koloniale Fragen usw. handelt, unbedingt hinter der Regierung, auch wenn es ihr manchnial schwer fällt, wie z. B. bei der Einführung der zweijährigen Dienstzeit. Oft ernten wir für diese Uiiterstiitzung keinen Dank; ich erinnere nur an die Maßregelung der konservative» Abgeordneten und Beamten bei Gelegenheit der Kanalvorlage. Eine gewisse Schärfe ist auch in der letzten Zeit hervorgetreten, doch möchte ich darauf nicht eingehen. Ich habe die Einbringung des Antrages deö Grafel, Limbnrg-Stirum im Abgeordnetenhaus für ver- fafsnngsmässtg berechtigt gehalten: ich nehme aber davon Abstynd, über diese Frage eine Entscheidung herbeizuführen, weil wir nicht ivinffchen, eine Schärfe in die Situation hiiieinzutragen. wie sie von andrer Seite hineingebracht worden ist, nämlich seitens der Staats- regierung. Was den Artikel 2 der Borlage anlangt, so möchte ich bitten, Forstgrimdstücke weniger im Anschlich an schon vorhandene Reviere änznlazifen, als vielmehr neue Forstgehiete zu schaffen. Ich würde es auch für verfehlt halten, wen» man nur die Seßhast- machung kleiner Leute anstreben wollt«: man darf nicht vergessen, daß dcx Großgrundbesitzer der Pionier und Träger der Kultur ist. Die polnische Frage ist nichts wie eine Agrarfrage. Der Landwirt- schaft, die hentzntag« vielfach desorganisiert ist, muß das Vertrauen, das sie lange entbehrt hat, wiedergegeben werden; dann wird es besser werden auch im Osten unsres Vaterlandes.(Beifast.) Graf v. Hoensbroech verwahrt sich gegen die Behauptung des Grafel' Kwilecki, daß seine erste Rede zur Polenvorlage in diesem Hause bestellte Arbeit gewesen sei. Solche Vorwürfe sollten doch unter Mitgliedern dicseö Hauses sticht möglich seilt.(Bravo I) Frhr. v. Dnraul weist darauf hin, daß sich auch in Oberschlesien eine«nerfrenliche und gefahrdrohende polnische Agitation entwickelt habe. Immerhin möge die Regierung ju Oberschlesteii etwas schonender perfahren. als iu Posen und Westprenßen. Oberbürgernieisler Bender-Breslau: Die Dentschen haben sich auf allen Gebieten von den Polen verdrängen lassen. Ich bestreite nicht, daß die gegenlvärlige Vorlage ein Kampfgcsetz ist. Die einzige Folge des Kampfes darf aber nicht die sein, daß wir das Polentnin zn nm so stärkerem Widerstand reizen, sondern wir müssen die Deutschen wirtschaftlich stärken, das deutsche wirtschastliche und kulturelle Leben so ausgestalten, daß es eine steigende Anziehnngskraft auf die Dentschen andrer Ge- biete ausübt. Die Heranziehung der Kanalvorlage und des Antrages Graf Limburg- Stirnin seitens des Grafen v. Mirbach erscheint mir wenig angemessen. Was hat das mit der Polenvorlage zu thun? Es ist wohl nicht gerade angezeigt, in einem Augenblick, wo wir ein solches Kainpfgesctz' gegen einen gcineiiisamen politischen Gegner beschließen, uns dasjenige vorzuhalten, was uns gegenseitig von einander trennt. Darauf wird ein Antrag auf Schluß der Debatte an- genommen. Persönlich erklärt Graf v. Mirbach, er habe keine Gegensätze zwischen den ver- schiedenen Parteien hervorrufen wollen. Seine Bemerkungen hätten sich vielmehr gegen die Staatsrcgiernng gerichtet. In der S p e c i a l d i s k u s s i o n zu Art. I begrüßt Oberbürgermeister Dr. Kersteu-Thorn die Borlage speciell für Westprenßen mit Freuden und spricht die Hoffnnng ans, daß der Ministerpräsident diesem Wechsel noch weitere folgen lassen werde. Das Deutschtum müsse in den Städten ebenso gestärkt werden wie auf dem platten Laude. Fürst Anton Radziwill: Ueberall, wo die politischen Grenzen mit den nationalen nicht übereinstimmen, sollte die Regierung ihr Angcinncrk auf eine Ver- söhnnng der iintionalcii Gegensätze richten. Ich fürchte, daß die Vorlage dieses Ziel nicht befördert, vielmehr zn einer Verschärfung der vorhandenen Gegensätze führt. Deshalb sehe ich mich von ineineni Gewissen gezwungen, mein Votum gegen die Vorlage in die Wag- schale zu Iverfcn. Artikel I wird mit großer Mehrheit angeuonimc», ebenso debattelos Artikel II und das ganze Gesetz. Damit ist dieser Gegenstand der Tagesordnung erledigt. Nächste Sitzung Montag:(I-sx Adickes, Unfallfürsorge-Gesetz für Gefangene: Antrag v. Lcvetzow betreffend die Bekänipfnng deö AlkoholismuS. Schluß 6 Uhr._ VevsÄmmlungen. Mißsicinde in einer OrtS-Krnnkenkasse. Eine öffentliche Ver- sanimluug der Mitglieder der Orts-Krankenkasse für den Geiiieindc« bezirk Lichtenberg, die sick eines guten Besuches erfreute, nahm am Dienstag Stellung zu der folgenden Angelegenheit. Schon seit Jahren„kriselt" es im Vorstände der Kasse. Die Ursache dieses zum Nachteil der Kasse bestehenden ZnstandeS ist wohl in der eigenartigen Stellung des Nendanten zum Vorstände zu suchen. Der Rendant Kauffmann, Ober- iörster a. D.. ist vor 10 Jahren gegen Tantieme angestellt lvorde». In der Zwischenzeit ist sein Anstcllnngsvertrag auf Lebenszeit ausgedehnt und ihm neben seiner Pension von 3000 M. als Oberförster ein Gehalt von 5000 M., außerdem eine Pension mit 2000 beginnend, zn beziehen ohne Nachweis der Invalidität, zugesichert. Beim etwaigen Ableben des Nendanten oder Pensionärs bezieht dessen Wittwe eine Pension von 1250 M. jährlich 1 1 Nevon- bei ist dem Nendanten. iviedermn auf Lebenszeit, vertraglich Generalvollmacht erteilt und dieser als Geschäftsführer in Generalvollmacht angestellt 1 1 Der da- ninlige vertragsabschließende Vorsitzende ist inzwischen als Kassierer seinerseits, wie behauptet wird, durch den Generalbcvoll- mächtigten mit Znstinimuiig der Generalversammlung lebenslänglich angestellt. Die übrigen Kasseiibcnmtc»: ein Assistent und ein Conlrolciir erfreuen sich ähnlicher Verträge. Demnach ist es auch zu verstehen, daß sich die Vcrwaltuiigsunkosten bei etwa 4000 Mit- gliedern im Jahre 1300 ans 3,34 M. pro Mitglied belaufen und in« zwischen sich erhöht haben dürften! Der Referent Mielicki besprach die Vorkommnisse, die den Vor- stand zu einem Vorgehen gegen den Nendanten gezwungen haben sollen. Er führte aus, daß die Aufsichtsbehörde merkwürdigerweise in dem Augenblick eingriff, als der Vorstand Unregelmäßigkeiten im Kassenlokal und der Krankeulontrolle, sowie die Nevisioilsbcfnnde in einer außerordentlichen Generalversammluiig zur KenntiiiS der Mit- gliedcr bringen wollte. Noch bedenklicher aber erscheine die Be- stiinmnng der AnssichtSbehörde, daß mit der Wahrnehmnug der Vorstandsgcschäfte an Stelle des ausgeschalteten Vorstandes der Generalbevollmächtigte R e n d a n t K a u f f m a n n mit der Wahrnehmung der Geschäfte als Kommissar betraut wurde!! Derselbe Herr, gegen den sich die Maß- nahmen des Vorstandes richten! I Der dann auch sofort als erste Verfügung in seiner Eigenschaft als Kommissar die General- versa mm l n n g aufhob! In der Diskussion stellte Genosse Grauer die Vchanptimg auf, daß Zustände wie die hier vorgetragenen sich in einer von organi- sicrtcn Arbeltern geleiteten Kasse nicht einbürgern könnten, tadelte heftig die Indolenz der Mitglieder. Mitschuldige an diesem Zustande seien aber auch die Behörden, unter deren Augen solche gegen Gesetz sowie gegen Treu und Glauben verstoßende Verträge abgeschlossen werden konnten. Redner fordert auf, alles zu versuchen, diejenigen regreßpflichtig zu machen, die so unberantwortlich mit den Beiträgen der Mitglieder gewirtschastet haben. Auf seinen Vorschlag werden fünf Mitglieder gewählt, die als De- legation den Gcmeindcvorstand. den Oberpräsidenten und den Minister von den Zuständen persönlich informieren sollen, da in der Versammlnng ausgedrückt wurde: Jede schriftliche Be- schwerde sei der Rendant in der Lage, zum Teil ehe diese zur Vor- läge komme, zu paralysieren!! Am Schlüsse wurde folgende Resolution gegen eine Stimme angenommen: Die heutige Versamnilnng der Mitglieder hiesiger OrtS-Kranken- lasse nimmt mit Entrüstung Kenntnis von den Maßnahmen der Auf- sichiSbehörde, die, ans einseitiger Information bernhend, in keiner Weise geeignet, geordnete Verhältnisse in der Kasse herbeizuführen. Sie ist der Meinung, daß kein Grund vorlag, die Selbstverwaltung der Kasse aufzuheben in einem Augenblick, wo der Vorstand versuchte, vorhandene Mißstände im inneren Kassenlveseu zn ordne». Die Versamnilnng hält den jetzigen Kommissar für die ungeeignetste Perion zn diesem Posten. Sie spricht im Gegenteil denjenigen Vorstandsmitgliedern, welche gewillt waren, bessere Zustände herbei- zuführen, ihr vollstes Vertrauen ans. Inzwischen sind zum Freitag, den 20. Juni, Ersatzwahlen zur Generalversaininlniig ausgeschrieben. Werden nun endlich die Mit- gliedcr Delegierte wählen und dieselben nicht mehr wie bisher er- neimen lassen? Die Differenzen im Berliner Schlächtcrgctverbc, die ivegcn der beabsichtigten Verlegung des Stellenwechsels ausgebrochen sind. beschäftigten eine am Mittwoch in den„Arininhallen" abgehaltene öffentliche Gesellenversaminlnng. Der Referent verwies darauf, daß seitens der Gesellen die Abschaffung der Sonntagslündignng und -Entlassiiiig schon vor nichreren Jahren verlangt wurde. Die Meister seien dieser Frage jedoch erst im Januar d. I. nähergeirete». Da habe die Jnimiig zivar der Verlegung des StellcmvechselS auf einen Wochentag zugestimmt, dafür aber dann die Einführung des 24stkndigen Arbeitsverhältnisses beschlossen. Nach dem Jnmmgsbeschlnß sollte vom 1. Juli d. I. ab jeder Wochentag, außer den Sonnabenden und Lonn- und Festtagen als Kündigungs- und Entlassnngstng gelten. Während nun die„Freie Vereinigung selbständiger Fleischermeister Berlins" die Ansichten der Gesellen teilte und für das achttägige Arbeitsverhältnis eintrat, blieben die Jniiniigsmeister, trotz mehr- facher Protestvcrsammlniigen der verschiedensten Ge>ellenkorporntioiien, bei ihrem Beschluß. Zur enticheidenden Jnnuugsvcrsammlung hatte innn„ganz zufällig" den GcsellenauSschnß nicht ein- geladen. und dieser Umstand führte dann zur Annullierniig dieses JnnnngsbcschlnsseS durch die AnssichtSbehörde, so daß also dem JnnnngSbeschluß die Rechtskraft fehlte. Dessemmgeachtet haben jetzt die JiinmigSnieister beschlossen, ihren alten odenangefnhrten Beschluß mit dein 1. Juli d. I. doch in Kraft treten zn lassen, weil ihnen das offizielle Schreiben der Gewerbedepntation nicht rechtzeitig zugegangen sein soll. Infolge dieser«wachlage empfahl der Redner, daß' sich jeder Geselle beim Arbeitsantritt das achttägige Arbeits- Verhältnis ansbedingen müsse. Die Diskussionsredner sprachen im gleichen Sinne und wurde hierauf folgende Resolution einstimmig angenommen: „Die heutige Versammlnng der Fleischergesellen beschließt, daß in der Frage des Stellenwechsels unbedingt an der Verlegung auf einen Wochentag sowie am achttägigen Arbeitsverhältnis festgehalten wird. Der Gcsellcnausschnß sowohl ivie alle übrigen Gesellen» Vertreter werden beauftragt, hierfür energisch einzutreten und gegen die seitens der Innung beabsichtigte Einführung des 24stündigen Arbeitsverhältnisses zu proteslicrcii." Zu dem Punkt„Die zwangsweise Neuwahl des GesellenauSschuffcS und Kandidntcnvorschläge hierzu" wurde angeführt, daß ans Grund einer Beschwerde an die AnssichtSbehörde über die im Februar d. I. stattgehabte GcsellenanSschnßwahl für die Berliner Schlächterinmmg eine Nenivahl angeordnet worden sei. Die Motive hierfür lagen in dem Mangel jeglicher Kontrolle beim Wahlakt. Die Versammlnng erklärte sich für Beteiligung an dieser Wahl und empfahl, nur solche Vertreter zu wählen, die auch wirklich die Interessen der Kollegen wahrnehmen. Nachdem dann die Kandidaten aufgestellt waren, wurden noch einige Mißstände im Gciverbe gerügt. Nrbeiter-Samariter-Kolonne. Montag, dcirlG.Jnni, avend? 3 Uhr, in der Filiale Bruiiuenftr. 41, bei Litzke: Vortrag über Knochenbrnch, Ver- rentinigeii, Verstauchungen. Nachdem praktische Hebungen. Neue Mitglieder werden noch aufgenommen. Sonntag, den Ib. Juni, Ausflug mit Familie nach Rciinclendorf, Restaurant Kluge, Berlinerstr. IIS/114, nicht wie an- gegeben 141. Treffpunkt 2 Uhr nachmittags im Lolal. Berliner Theater. Alle Tage: Alt-Heldelberg.— ResidenzDhcater. Alle Abende: Einquartierung.— Neues Theater. Sonntag> Die Großstadtluft. Von Montag an: Ledige Leute.— Schiller-Theater. Sonntag und Frettag: Unter blonden Bestien. Der Thor und der Tod. Paracelsus. Post festum. Montag bis Tonnerstag: Die Mottenburgcr. Bon Sonnabend an: Geschloffen.— Liedceipielhaiis.(NencS königliches OpernDhcater.) Alle Abende: Friycheii und LteSchen. Negiincntözaiiberer. Mädchen von Elizoudo.— Kleines Theater(Schall und Siauch». Alle Abende: ÄerentsstmuS- Zwischenspiele. Ferner: Maieiniacht. Schöne Seelen. Ltcbcslräume.— Belle-Nltianee-Thcater.(Im Garten.) Au« Abende: Die Dame aus Trouvillc.— Friedrich Wilhelnistädtischrs Theater. Diesen Sonntagnachmittag: Die Waise von Lowood. Alle Abend«: Einen Jux will er sich machen.— Central-Theater. Alle Abend«: Coralie u. Sie. j— Apollo-Theater. Alle Abend«! Lyflsttata.— BSinter- garten. Alle Abende: Specialitäten.— Urania. Die deutsche Oftseekttste. Jfitt de» Julialt der Iiiserate übcriihmut die Nedakii»» dem Piiblltnm gegenüber keinerlei _ lPerniitiimetiiiig._ Cljcnfcf. Tönning, de» 15. n n(. isreie Volksbühne. Metropol- Theater. Operii-Vorstellmig. (Gelbe Marken.) Carmen. An- fang Ä3/« Uhr. Oeriibnii«. Geschlossen. Montag: Der fliegende Hofländer. TchanspielhnnS. Geschlossen. Montag: Doktor KlanS. Slene«> Opern- Theater(Zkroll). Geschlossen. Montag: Gastspiel der königlichen Hofoper ans Stuttgart. Die klctven MichnS. Im Liederspielhans: Offenvach- CyNilS. Friychen und Lieschen.— Die Zaubergeigc.— Das Mädchen von Eligonda. Ansang 8 Uhr. Schiller. Unter blonden Bestien.— Der Thor und der Tod.— Paracelsus.— I'ost ksstum. Anfang 8 Uhr. Montag; Die Mottenburger. Deutsches. Es lebe das Leben. Anfang 7>/z Uhr. Nachmittags 2'/- Uhr: Rosen- montag. l Montag: Die Weber. Vrrliner. Alt-Heidelberg. Anfang 7-/. Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. C&cficn. Wiener Blut. Anfang 7'/, Uhr. Nachmittags zu halben Preisen: Zar und Zinimermanil. Montag: Der Zigcuncrbaron. wtetrapol.(Morwih-Oper.) Der Troubadonr. Anfang 8 Uhr. Montag: Die Hugenotten. Slenes. Die Grohstadtlust. Anfang 7el»!slad>iiches. Einen Jnx will er sich machen Ansang T/2 Uhr. Nachmittags 3 Uhr zu halben Preisen: Die Waise von Lowood. Montag: Einen Jux will er sich mache». E. p. WolzogenS Buntes Theater (Ueberbrettl). Ansang 8 Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Schall»ud Rauch. SerenissiniuS- Zwischenspiele u. a. Anfang 8>/z Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Orpheus. Speeialitäteu-VorsleNnug Anfang 8 Uhr. Charivart. Täglich Vorstellung Anfang 7>/, Uhr. � glpollo. Lhsislrata. Spccialitätcn Vorstellung. Ansang 71/, Uhr. Montag: Dieselbe Borslellnng. öteichshalleu. Steltiner Sänger. Ansang 7 Uhr. Passage- Theater. Specialitäten- Vorslellnng. Ansang nachmittags 3 Uhr. Passage> Pauoplikui». Spcciali- läten-Vorstellung. 'Ilrauia. Taubeustr.(Im Theatersaal.) Abends 8 Uhr: Die deutsche Ostseelüste. Montag: Frühlingstage an der Riviera. Jubatidenslraste 57/02. Täglich; Sternwarte._ Urania. Tauben-Strasse 48/49. Im Theater um 8 Uhr: Die deutsche Morgen Montag: Frühlingstage an der Riviera. CASTANS Panoptikum Frledrlch-Strasse 165. Photographische Aufnahme von der Insel Martinique und von den Schlachtfeldern TraiB�vaals. Im Konzertsaal: Schwedische Rüustlerkapelle 4 Damen, 2 Herren. Passap-Panopticoiii. |Von nachm. 4 Uhr V, stündlich Damenringkanipr. |l>cr wcibl. Aneimicnscli Die Seejnnefer. Der- TIscrknnbc Passage-Theater. Anfang Sonntags 3 Uhr, 1 Wochentags 5, Ende 11 Uhr. | Willy 16 Elite-Nnnimevii. grfjillfl'lljffltfl' (Walluer-THealer). Sonntagabend 8 Uhr: Unter blonden Reaticn Komödie In 1 Akt von Max Dreyer. Der Thor nnd der Tod. Von Hugo v. Hofmannsthal. Dnrneetang. Bersfpiel in 1 Akt von ArthurSchnihlcr. Doeit feiitnni. Lustspiel in 1 Akt von Ernst Wichert. Montagabend 8 Uhr: Die Zlottenbnrger. Dienstagabend 8 U h r: Die IHottenbnreer. Central TIMM. Sonntag, den 15. Juni, Anfang 8 Uhr. Zum 155. Male: Coralie& Cie. Schwank in 3 Akt. v. Albtn Balabreque und Maurice Henneauin. Morgen u. folgende Tage: Oornlie & Cie. AM- Frtfbcis Allerlei Theater MM- früher Pnhlniann Schönhauaer-Allee No. 148. Durchweg glanzvoll erneuert! Täglich: Vr. Carten-lionrert, Iheater, Specialitäten-Vorstellung stammen! Sehen! Stauneu k Allabendlich stürmischer Beifall des erstklassigen Niesen- Programms! Im Prachtsaal:£ir. Ball. Ansang Konzert 5 Uhr, Vorst, ti Uhr. Entree 30 Ps., Sperrsitz 50 Pf. MM- Vorzriger dieser Auuonce zahlen auf all. Platzen d. Halste. Bei ungünstiger Witterung sinden die Borstellungen im Saale statt. Heute eof M k. S rr» a• �Entree F Ft., Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Ab 4 Uhr nachmittags: Hilitär-Konzert ausgeführt von 3 IWnsikcorpsi. Ülfitropol-Ilieater Anfang 8 Ulir. Morwltz-Oper. caiupIeV Heinrich Botel. Der Troubadour. Montag: Die Hiigcnottcn. Dienstag: Abschieds- Gastspiel lleinrlcli BUtel: ülarthn. Belle-Älüance-Theater. Bei günstiger Witterung auf der Sommerbühnc: Die Dliliie litis Tfoiiliisle Schwank mit Gesang u. Tanz i»3Akten. Hierauf:„Er". Lebensbild in 1 Akt. Montag: Käierert-I/z Uhr: Darten-Konseert. Um?:/, Uhr; Die sensationellen 8 neuen 8peeiali täten! Um S'/j Uhr: Paul Linckes Ausstattungs-Operette Lysiistrata mit dem Luftballett„Grlgolatls!1 Kasseneröffnung 6 Uhr. W. Noacks Theater. Brunnenstrabe 16. Täglich im Garten: Koitzert, Theater- u. Lpecia- titilttil-Porstelltiiig. Bollel Bon dusn. Posie mit Gesang».Tanz v.E Braune. Watergarteii. Aus dem interessanten �uni'Brogrsmni: „Das Mädchen mit dem gold. Haar" und 16 erstklass. Specialitäten. Vlater-Tiiklttkr Kastanien- Zlllee 7—9. DM- Täglich:-Mg Durch fremde Schuld. Bolksstück mit Gesang in 3 Akten. Ballettges. Catrlnl. Tyrollenne Mary Hllys. Grotesquc-Kom. Paul Coradlnl. Brothers Fred, musik. Excentrics. Mr. Zärtling, leb. Photogr. Fred Marzahn! Troupe, Pantom. Musikantenstreiche. Bartlinge elektrische Feerle.(3000 Glühkörper.) Konzert u. Ball. Anfang 4 Uhr. Eintritt 30 Pf., numerierter Platz 50 Pf. Kalbo. Concordia-Oarten. Lichtenberg, aÄ'." Jeden Sonntag: Nx 3 verdeckte Kegelbahnen. Kaffeeküche von 2 Uhr an geöffnet. H. Panizow, Gastwirt. Max Kliems Sommer- Theater. Ilasenholdc 13—15. Artistischer Leiter: Gust. Bock Täglich: Gr. Konzert, Theater- u. Specialitäten-Vorstellung Jeden 1. und 15. d. Monats; Wechselndes Programm! Donnerstag: F.iitc- Tag. Sanssouci Kotibnscrstr. 4a, Station der Hochbahn. Täglich im Garten, bei NN- günstig.Witterung imSaal: Hoilfma nriM NMeiitsche Säitger und Konzert. Sonntag, Montag und Donnerstag nach der Soiree: Tauzkränzchc», Tanz frei l Ansang des Konzerts 5 Uhr, der 7 Uhr. Entree 30 Pf., ab 0 Uhr 20 Pf. roirce keichshsillvn. Täglich: Slelliner Säuger. Ansang: Wochentag? 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. Tageskasse 11— D/zUhr 5iommertIieÄter Badstr. 35/36, Gesundbrunnen. Täglich: Gr. Giieoiitlitat.-Vorstellij. Berliiter Waslsjttiiiädel. Mittwochs und Sonntags: Dali. og»'an>ni. Der kleine Gohn Ist da! Sonntags im Saal: Gr. Ball. Kaffeeküche v. 2—6 Uhr. Mehrere gute Kegelbahnen. Carl Hellmann. Gesellschaftshatts Swiuemüuderstr. 4?. Tägl. Theater- u. Speeialiiäien- Borstelliing. Jeden Sonntag: Ball. Säle für Gesellschaften, Vereine eoulant zu vergeben. s3l89L' tzV»IIncctIic»tcc-8ti'a>i».c 15 Jeden Sonntag und Dienstag: Grosser Extra> Ball bei doppelt besetztem großen Orchester. Ansang 5 Uhr. Entree 50 Pf. inkl. Tanz. A. KnnicUat. Urania IVrangelstcasse lO/ll. Jeden Sonntag: Grosser Ball. Auf. 4 Uhr. Siehe Anschlagsäulen. I Empfehle mein Lokal zu Fest- 1 lichkeiten und Versammlungen. i 3840g« C. F. Walter. Johannisthal. Raus Park-Restaurant. Jeden Sonntag: Dali unter Leitung des Tanzlehrers Hern: Otto Wildauer.— Hatkee- k liehe.— Kegelbahn.— Ausspannung.— Saal für Vereine und Versammlungen. 3836L lUier-Scliöliemille Wilhelminenhofstr. 18. Arbcitcr-Tcrkehrsi-I.okal. Parteigenossen empehle bei Aus- flügen mein Weist- nnd Bairisch- Bierlokal. Schöner schattiger Garten mit Kegelbahn. Direkter Ausgang nach herrlichem Walde.— Familieu können Kaffee kochen, a Liter 50 Pf. 60b* Ernst Kaufholt. 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Gegen anzen hilft ustsehlbar�tlHikttZiilliltthiTIlfg „l'nredol"(geictzl.gesch,) radikale Vernichtung der ganzen Brut, Fl, 0,80, 1,00, 1,80, 3,00, 8,00 M,, Zerstäuber 0,28—1,00 M, nur allein bei Piuii 8ks„öoraütls" Sftlintr DcksblÄ Sonntag. 15. Juni 1902. Polizeigehilfe Löffler. Als am Sonnabend die erhitzte Menge aus der drückenden Schlvnle des Gerichtssaalcs in die erfrischende Kühle des grauenden Morgens strömte, wurde der Angeklagte Arthur T h o in a s ch k e in seinen Kerker zurückgeführt: von der furchtbaren Anklage des Mordes freigesprochen, darum doch nicht frei! Wegen Betruges ist er in einem früheren Verfahren mit sechs Jahren Zucht- Haus rechtskräftig bestraft ivorden, und noch schwerer schleppt er an der Kette des lebenslänglichen Verbrechertums, zu dem ihn die Gesell- schaft und seine Erziehung verurteilt hat. Selbst um die letzte armseligste Freiheit, die des Todes, hat er vergebens gekämpft. Und d o ch s ch i e ii er in d i e s e in A u g e n b l i ck in gewissem Sinne der Freieste von allen zu sein; denn er ist der Einzige ge- wescn, für den die Löfflersche Mordsache durch den Wahrspruch der Geschwornen erledigt war. Die anderen aber erfüllte das drückende Gefühl, daß sie hier vor einem Rätsel ständen, dessen Lösung möglicherweise die einfachste und unscheinbarste sein könnte, dessen halbvertvischte Spuren aber in ein dunkles Gebiet der sonderbarsten, ja abentenerlichsten Vermutmigen führten. Daß die lange Reihe der mianfgcklärten Morde oder Selbstmorde um einen neuen Fall bereichert sei, und die Berliner Kriminal- Polizei in leidenschaftlicher Verfolgung einer vorgefaßten Meinmig inanches zu thun unterlassen hat, was zur Klärung der Sachlage dienen könnte, möchte weniger schwer ins Gelvicht fallen, lvenn nicht das Milieu, in dem sich dieser geheinmisvolle Fall abgespielt hat, . ihm ein geradezu brennendes öffentliches Interesse verliehe. Denn was dieser Prozeß aiifüuglich zu sein schien und als lvas er danials in bestem Glauben von uns bezeichnet ivurde: eine„interne Angelegenheit der Verbrecherwelt", ist er ganz gewiß nicht gewesen. Siclicii Gestalten aus den tiefsten Tiefen rauschten Erscheinungen von glänzendem Namen an uns vorüber— der hochstapelnde Freiherr v. R o t h k i r ch und der zinscnfreudige Hauptmann v. Rhein b a b e n— geldbedürftige Herren mit Schleppsäbel und Sporen tauchten auf und nebenan und mittendurch bewegte sich durch den Nebel— die Berliner Polizei, die Berliner p o l i t i s ch e Polizei! Es ist festgestellt, daß die übel belemnundete Klara K r e tz s ch m a ikji'eii geheimnisvollen Zwecken diente, und es ist zum lleberflnß von der Verteidigung die ungeheuerlich klingende Behauptung aufgestellt Ivorden, daß auch der Wucher-Agent Löffler, der an die nenn zehn Jahre seines Lebens im Zuchthause und im Gefängnis gesessen hat, im Dienste des bekannten Kriniiiialkommissars Schöne ge- standen habe. Man sollte glauben, daß die Behörde die Gelegenheit, die ihr von der Verteidigung geboten wurde, gegen die Zmimtmig einer solchen Kameradschaft entrüstet zu protestieren, mit offenen Armen auf- genommen hätte. Aber über Weisung seines Chefs verweigert der intcressaiite Kriminalkommissar jede Auskunft und macht dadurch, was bisher einseitige, kaum glaubwürdige Behauptung gewesen ist nahezu zur unumstößlichen Gewißheit. Die Polizeigchilfin und Hanptbelastungszeugin Kretzschniar, die von der Verteidigung für dringend verdächtig gehalten wird, s c l b st den Mord vollführt zu haben, schreibt im Sommer an den geheimnisvollen Herrn v. Rheinbaben ebenso geheimnisvolle Briefe. Sie erklärt die Unniöglichkeit, die Geheimnisse dieser Korrespondenz entschleiern zu können, mit ihrem schlechte» Gedächtnis. Der dunkle Edelmann v. Rheinbaben weiß sich von der Vernchmimg fcrnzn halten. Der vermutliche Polizeigchilfe und Zuchthäusler Löffler erzählt von„feinen, kavaliermäßigen Verbindungen", die er ncner dings angeknüpft hätte, und niemand weiß anzugeben wer diese neu gefundenen feinen Kavaliere gewesen sind. Eine einwandfreie Zeugin erklärt, daß der Verstorbene am Nachmittage vor der Todesnacht von einem unbekannten Mann bc sucht worden sei und sich mit diesem sehr aufgeregt unterredet habe. Die Polizeigehilfin Kretzschniar, die zur fraglichen Zeit in Löfflcrs Wohnung gewesen sein muß, behauptet, von diesem Besuche nichts �zu wissen. Und damit im Kreise dieser dunklen Tragödie auch das tragikomische Zwischenspiel nicht fehle, stellt sich heraus, daß der ewig pfänduiigsflüchtige Wucheragent Eduard Löffler mit einem— Gerichtsvollzieher frenndnachbarschaftliche Beziehungen unterhalten hat. In Sachen des Gerichtsvollziehers Richter II wird, so.hat der Staatsanwalt mit unerschütterlichem Ernst versichert, das aini liche Verfahren seinen Lauf nehmen. Die viel weiteren, viel wichtigeren, viel dunkleren Verbindungen, die der Tote mit seinen Kavalieren und Kriminalkommissarien unterhielt, werden durch das amtliche Verfahren der Zeugnisvcrwcigcrnng geflissentlich im Schatte» Die Gründung des Germanischen Mnsenms und die deutschen Fürsten. Man kann sich heute im offiziellen Deutschland keinen Wohl- thätigkeitsverein, kein Pferderennen, keine Grundsteinlegung, kein Denkmal denken, ohne eine fürstliche Protektion, das gehört mni heute zum Stil. Wenn auch die Fürsten dabei nicht mehr hergebe» wie ihren Namen oder gelegentlich einmal ihre Anwesenheit, so glaubt man doch ein großes Zugmittel gefunden zu haben, wenn man eine fürstliche Person an die Spitze eines Unternehmens stellt. Die vielen Nebenzwecke, die bei Wohlthätigkeitsanstalten und bei sonstigen öffentlichen Thätigkeiten ins Auge gefaßt werden, stehen im engen Zusammenhange mit diesen Protektoraten. Es wäre einmal nützlich, zu untersuchen, worin die Thätigkeit der Protektoren besteht und wie weit sie wirklich die Unternehmungen, als deren Schützer sie ausgegeben werden, gefördert haben. Einen kleinen Bei- trag zu dieser Frage möge» die folgenden Zeilen bieten. Nun feiert das Germanische Natioiialmnseum sein SOjähriges Jiibiläuni. eine Feier, die im Geiste alle Freunde der Geschichtsforschung und Geschichtsschreibung mit begehen. Auch diese Feier hat einen wesent- lich höfischen Charakter. Der deutsche Kaiser, die deutsche Kaiserin, der König von Württemberg, der Regent von Bayern, der Groß- Herzog von Baden werden mit großem Gepränge in die Mauern der alten Stadt Nürnberg einziehen, sie werden militärische Revuen abnehmen und außerdem durch ihre Amvcscnheit dem Feste seinen Stempel aufdrücken. Wenn man dies weiß, sollte- man auch annehmen, daß die deutschen Fürsten, deren oberste Vertreter in Nürnberg das Fest begehen, an der Schaffung der großen Nationalanstalt hoch verdient gewesen sind; in Wirklich- kcit aber ist davon gar keine Rede. Die Hohenzollern, die als Burggrafen von Nürnberg in die Geschichte eingetreten sind, haben dem Germanischen Natiönnlmnscinn während der sibweren Vor- bereitinigSzeit und auch lauge Jahre, nachdem es geschaffen war, gar kein Interesse> nicht die mindeste Förderung zu teil werden lassen. Das gleiche gilt von dem schwäbischen Königshause, wie von dem Zähringerhanse. Die Wettiner haben sich auch auf eine rein äußer- liche Protegierung beschränkt. von einer finanziellen Seite aber, die das Museum' in der ersten Zeit noch weit notwendiger als heute bedurfte, vollständig abgesehen. Die Thätigkeit der Wettiner in der Vorgeschichte und in der Gründungszeit des Museums beschränkte sich daraus, daß der politisch mit Recht verrufene, als Uebersetzer und Kommentator Dantes aber hervorragende Prinz Johann von Sachsen, gehalten....„Heiß' mich nicht reden, heiß' mich schweigen, denn mein Geheimnis ist mir Pflicht." Es ist sehr wohl möglich, daß das, was die Geheimniskrämerei des amtlichen Verfahrens so ängstlich verbirgt, eine Lappalie ist, die mit dem rätselhaften Tode Löfflers in keinem Znsammenhange steht. Wo bleibt aber die Oeffentlichkeit der Rechtspflege, wenn man den abenteuerlichsten Vermutungen freien Spielraum läßt, vielleicht bloß darum, weil ein paar Leute ihre unreine Wäsche nicht sehen lassen wollen? Wenn wir uns mit der einseitigen Versicherung der Behörde begnügen müssen, daß diese dunklen Geschichten mit dem Tode Löfflers in keinen Zusammenhang zu bringen seien? Daß die Behörde auch bei voller Unparteilichkeit irren kann, beweist ja dieser mühevolle verfehlte Prozeß, der den Staat riesige Summen gekostet hat und nun zu dem Beweise geführt hat, daß Thomaschke aller Wahrscheinlichkeit nach der Mörder LöfflerS nicht ist I Gerade die einzige Lösung des Rätsels, die den ungeklärten Teil des That bestandes mit Bestimmtheit als unerheblich erscheinen ließe, und die herbeizuführen die Kriminalpolizei so eifrig bemüht war, scheidet damit aus der Reihe der Wahrscheinlichkeiten aus. Es sollen Staats- oder Reichsintercsscn sein, die der Polizei behörde ihr beharrliches Schweigen zur Pflicht machen. Ob aber diese Behörde nicht ihr eignes, sozusagen persönliches Interesse in diesem Falle mit dem öffentlichen Interesse identificiert hat, wird so lange dahingestellt bleiben müssen, als eine Aufklärung dieser dunklen Geschichte von ihr selbst verhindert wird. Es heißt, Löffler sei im Spionagedien st thätig gewesen. Aber auch das ist bloß eine ungewisse Vermutung, und eS wäre mehr als merkwürdig, lvenn sich die Polizei zu einem so verantwortlichen Dienste eines Mannes bedient hätte, dessen Vertrauensunwürdigkeit niemand bester be kannt war, als ihr. Auf alle Fälle klafft hier eine bedenkliche Lücke. Gelviß ist in der harten Welt der Thatsachen— zumal in imsrem Znstande ewiger Kriegsbereitschaft— der Fall nicht völlig undenkbar, daß ein ge hcimnisvolles Verbrechen deshalb nicht erklärt werden kann, weil seine Aufdeckung möglicherweise zu auswärtigen Verwickelungen führen könnte. Aber die Entscheidung in einem solchen tragischen Konflikt zwischen Politik und Gerechtigkeit dürfte nun und nimmer ausschließlich und ohne Möglichkeit der Kontrolle in die Hand einer einzelnen ausführenden Behörde gelegt sein. Es ist aber wiederum auch d i e Möglichkeit nicht ausgeschlossen. daß das edle Paar Löffler-Kretzschmar von dem sehr unternehmungs lustigen Herrn Schöne im Kampfe gegen den—„inneren Feind" verwendet worden wäre. Für diesen Fall wäre die Schweigsamkeit dieses aus Socialistenprozessen als sehr gesprächig bekannten Zeugen nur allzu begreiflich. Die Beweisaufnahme im Giftmordprozeß Thomaschke hat nichts bewiesen— nichts gegen Thomaschke, nichts gegen die Kretzschniar, nichts gegen Löffler, nichts gegen seine geheimnisvollen Hintermänner. Das aber sollte die Polizei selbst am besten wissen daß, wo am wenigsten belviesen ist, am meisten geglaubt, vermutet. ja selbst ungerecht verdächtigt wird. Es wird darum dahingestellt bleiben müssen, ob es wirklich dem Staatsinteresse entsprach, die Personalakten des mutmaßlichen Polizcigchilfcn Löffler vor dem andringenden Lichte der Oeffentlichkeit so geschäftig zu bewahren. Berliner Partei-Ztugelegenheiten. Die nächste Lokal- Liste erscheint am Sonntag, den 6. Jnli 1003. Wir ersuchen daher die Mitglieder der Lokal- k o m m i s s i o n v o n B e r l i n und Umgegend, Aenderungen und Neuaufnahmen bis spätestens Freitag, den 37. Juni 1003, einsenden zu wollen: für„Teltow-Vceskow" an den Genossen Hermann S ch l i e b i tz in Britz, Jnhnstr. 2; für„Nieder- Barnim" an den Genossen Otto Riebe in Friedrichsfclde, Bictoriastr. 4; für„Potödain-Ost-Havclland" an den Genossen Albert Neue in Spandau, Jagowstraße ll; für„Diverse Orte" an den Genossen Gustav Stein in Wriezcn a.O., Frank- furterstr. 32, sowie für Berlin an de» Genossen Wilhelm Hinz, Prinzenstr. 66, S. 14. Die Genossen iverden ersucht, hiervon Kenntnis zu nehmen und die Einsendungen umgehend zu besorgen, da spätere Einsendungen nicht mehr berücksichtigt lverden können. Nachträge können in der Folge nicht mehr veröffentlicht werden. Vielfach ist cS in den letzten Wochen vorgekommen, daß Zuschriften in„ L o k a l a n g c l e g e n h c i t e n" an' die Redaktion des„Vorwärts" gesandt worden sind; wir teilen daher den Ge- Nossen noch mit, daß alle Anfragen und Zusendungen mir an der Vater und Vörgänger des nun im Sterben liegenden Sachsen- köuigs zwei Versammlungen präsidierte, die nicht ohne formelle Bc- deutuug waren für die Eiitstehuiig des Germanischen Museums, hierauf beschränkt auch er sich. Auch König Ludwig I. von Bayern hat zivar in späteren Lebensjahren, als er seine Krone längst niedergelegt hatte, als das Museum schon lange bestanden, finanziell dem Institut aus der größten Not geholfen, aber er hatte sich, als er sich»och der Regierung seines Königreiches und des Verkehrs niit Lola Montez erfreute, für die Schaffung eines Musemkls bloß sympathisch geäußert, aber nichts zur Verwirklichung dieser Idee beigetragen. 33 Jahre bedurfte es, bevor der Gedanke des Freiherr» v. Stein, eine Centralanstalt für die Wissenschaft deutscher Ge 'chichte zu gründen, in bescheidenster Weise verivirklicht wurde. In diese 33 Jahre fällt die aufopferungsvolle, niemals rastende Thätigkeit des Freiherr» v. Aufscß, die endlich zur Vcr- wirklichung dieser Jedee geführt hat, aber die deutschen Fürsten haben, außerdem lvas wir von dem Prinz Johann schon erzählten iind außer einem Handschreiben des Königs Ludwig von Bayern, 'ür die Schaffung dieses Museums nichts geleistet. Am 15. Sep« tember 1830, also 18 Jahre vor seinem Rücktritt vom Throne, 22 Jahre vor der thatsächlichc» Schaffung des Germanischen Museums, hat König Ludivig I. von Bayern in einem Handschreiben an den Freiherr» von Anfseß seinen Wunsch ausgesprochen, in Bayern ein vaterländisches Museum nach dem Muster des böhmischen in Prag gegründet zu sehen. Diese Sympathiekundgebung an den späteren Gründer des Museums, ist aber das einzige, was der bayrische König für die Verwirklichung dieser Idee that, er hat nachher 500 Gulden für die Einrichtung zu beivilligen versprochen, aber dann war es lange Zeit still von irgend einer Leistung des bayrischen Königshauses für diese großartige Anstalt. Nicht, daß etwa die deutschen Fürsten �von diesen Beftre- bniigcn nichts erfahren hätten, beschäftigten sich doch die deutschen Geschichts- und AltertumSvereine vielfach mit den Plänen des Frei- Herrn v. Aufseß und hat er sich doch unausgesetzt bemüht, immer wieder die Aufmerksamkeit der Fürsten auf seine Lebensaufgabe zu lenken! Aber die deutschen Fürsten blieben dem heutigen o großartig erscheinenden Institute gegenüber gleichgültig, auch dünn noch, als die deutsche BmideSversnmmlung ani 28. Juli 1853 den Beschluß faßte,„das Germanische Museum zu Nürnberg als ein für die vaterländische Geschichte wichtiges National- unternehmen der schützenden Teilnahnie und wohlwollender Unter- tützuug der hohen und höchsten Regierung zu empfehlen." Das Germanische Museum blieb„ungeschützt" und ohne Unterstützung! Ja es fehlte so sehr an Räumlichleiten für die Sammlungen, daß als die Frankfurter Parlamentsakten in 23 Kisten anlangten, sie sich's den Genossen Wilhelm Hinz, Berlin L. 14. Prinzenstr. 66. zu richten sind und nicht an die Redaktion des„Vor- wärt s". Die Parteiblätter der genannten Kreise werden um Abdruck ersucht. Die Lokal-Kommissiön. Zweiter Wahlkreis. Dienstag ist bei Schnegelsbcrg, Hasen- Heide 21, eine Versammlung, in der Genosse Z u b e i l über Zeit- und Streitfragen spricht. Der Wahlvcrein des 0. Berliner ReichstagS-Wahlkreises (Schönhauser Vorstadt) hält am Dienstagabend 8Vs Uhr im Lokale Schönhauser Allee 101/2(früher Miede) eine außerordentliche Generalvcrsammlnng ab. Tagesordnung: 1. Bekanntgabe der Au- träge der Mitglieder von den Zahlnbenden. 2. Diskussion. 3. Be- schlußfassmig über die Auflösung des Vereins, eventuell Wahl einer Kommission' zu weiteren Maßnahmen. 4. Verschiedenes. Das Mit- glicd Meeske wird zu dieser Versammlung besonders eingeladen wegen seiner Ausführungen auf dem letzten Zahlabend des Bezirks 484. Mitgliedsbuch legitimiert. Schöncberg. Parteigenossen! Am Dienstag, den 17. Juni, findet im 4. Bezirk die Neuwahl eines Stadlverordneten statt.- Von unsrer Seite ist der Genosse Restanrateur Ernst Obst aufgestellt ivorden. Es gilt nun, alles daran zu setzen, damit das Mandat in »nsren Händen bleibt. Die Gegner mit ihrem Kandidaten, dem Bäckermeister Polenz, versuchen diesmal alles nrögliche, um, wie sie sagen, den Ansturm der Socialdemokratie abzuschlagen. Auch der sogenannte Micterverein hat den Gegnern seine vollste Unterstützung zugesagt. Wollen wir nun, daß uns der Bezirk diesmal nicht ver- loren geht, so haben wir alle auf dem Posten zu sein und nnsre Kräfte zur Verfügung zu stellen. Die Wahl findet statt von 11 bis 7 Uhr im Restaurant„Zum Prinzen Heinrich", G r n n e-- >v a l d st r a ß e 27. Wem es ani Tage der Wahl möglich ist. in den Nachmittags- und Abendstunden mitzuhelfen, der finde sich bei Klitsch, Merseburgerstr. 7 ein. Es ist unbedingt notwendig, daß die Genossen sich zahlreich zur Verfügung stellen. Dienstagabend 8Vs Uhr Versammlung des Wahlvereins bei Obst, Meiningerstr. 8. Zu derselben haben auch die Frauen als Gäste Zutritt.(Näheres siehe Inserat.) Wilmersdorf. Mittwochabend 8>/s Uhr findet in Wittes Volksgarten, Berlinerstr. 40, eine außerordentliche Vereins« Versammlung statt, in der Genosse Dr. Steiner über: „Erdbeben und Vulkanausbrüche" sprechen wird. Gäste willkommen. Trcptow-Baumschnlcnwcg. Mittwochabend 8�/2 Uhr findet in Ackermanns Festsälen eine Volksversammlung statt. Referent Reichstags- Abgeordneter Genosse Ledebour.— Montagabend Fliigblattverbreitung. Treffpunkt bei Staffeid. Die regelmäßige Mitgliederversammlung des Wahlvereins fällt aus. NummclSbnrg. Die für Dienstag, den 17. d. M., angekündigte Volksversammlung kann umständehalber nicht statlfinden; dieselbe findet aber am M o n t a g, d e n 30. I n n i, abends SVa Uhr, in„Bellevue", Hanplstr. 2. b e st i in m t statt, und wird in derselben Rcichstags-Abgeordiicter Ed. Bernstein über:„Die sociale Be- dentnng'dcs Wahlrechts und das preußische Landtags- Wahlsystem" referieren. Fricdrichöfdde- Karlshorst. Die BereinSversamm« l u n g bei Haberland, Wilhclmstraße 38, ist bereits am Montag. Genosse Dr. Wcyl spricht über:„Vernunftgemäße und hygienische Lebensweise der Arbeiter". Frauen haben Zutritt. Itöpcmck. Dienstagabend 8 Uhr: Versammlung des Wahlverems im„Kaiserhof", Griinstraße. Referent: Genosse K o tz k e. Johannisthal. Der Wahlvcrein hält seine Versammlung am Dienstagabend 3>/s Uhr in Scnftlebcns Lokal ab. Bericht von der kombiinerten Vorstaudssitznng. Vereinsangelegenheiten. Lichtcnberg-Fricdrichöbcrg-WilhclmSbcrg. Der Wahlverein Lichtenberg bält am Dienstagabend 8>/2 Uhr eine Versammlinig in Höflichs großem Saale, Frankfurter Chaussee 120, ab. Genosse P. John- Pankow spricht über die Thätigkeit des Reichstags.- Frauen haben Zutritt. Der Wahlverein für Reinickendorf und Umgegend hält am Mittwochabend 8 Uhr im Lokale des Herrn Gericke, Nordbahn- traße 11,„Zur Tanne", seine Monatsversammlung ab. Genosse R. Fendel referiert über:„Die Kultur und die Frauen." Dtftmles. Arbeiter-Radfahrer. Als das Fahrrad aufkam, stand es in der Arbeiterschaft durch« � aus nicht in hohem Ansehen. Man ahnte nicht, daß es für alle Bevölkerungsschichten ein wichtiges Verkehrsmittel werde und be» trachtete das Radfahren als Sportfexerei. Und in der Erinnerung � an die harte Kampfzeit des SocialistengesetzeS, die sich damals noch geltend machte, wurden Leibesübungen, vom Turnen am Ende ab- gefallen lassen mußten, durch förmlichen Beschluß des Nürnberger Lokalaiiöschusses in die Küche dcS Kupferstechers Petersens verwiesen zu werden. Selbst zusammenhängende Siäumlich leiten, um die damals nicht umfangreiche Sammlung unterzubringen, standen nicht zur Ver- iigmig. Endlos währten die Verhandlungen darüber, ob einHeumagazin, das für die königlich bayrischen Militärpferde diente und dessen bau- sicher Zustand fast an eine Ruine erinnerte, für die Zwecke des GerNianifchen Museums abgetreten werden sollte. So tauchte be- grciflicherweise der Gedanke auf, das Museum von Nürnberg weg zu verlegen, da die bayrische Regierung es zwar an Reskripten und hier und da an einer Sympathickundgebniig nicht fehlen ließ, aber an jeder wirkungsvollen Unterstützung. Von Äoburg und Weimar bewarb man sich um die Beherbergung des Museums. Die Verhnndlnngen mit dem Kobnrger hatten etwas Tragi- komisches an sich, Gustav Freytag schieb an den Freiherrn v. Anfseß nnteri» 29. August 1853:„Der Herzog von Sachsen-Kobürg hat auf meine Schilderung der Großartigkeit und Vortrefflichkeit Ihres Unternehmens den Entschluß gefaßt, Ihnen eine freie Stätte anzu- bieten. Der hochherzige Fürst ist jetzt ganz Feuer für diese Idee, er hat sich entschlossen. 9—10 000 Gulden auf die schnelle und würdige Ausstattung der Gebäulichkeiten des Museums zu verwenden, er hat 'einen Agnaten, den Prinz Albert"), von dem Plan benachrichtigt und derselbe hat in der königlichen Familie von England, wo man an allen nationalen Unternehmungen ein warmes Interesse hat, die leb« haftestc Billigung gefunden." Man versprach ausreichendeNäiimsichkeileu auf der Beste Koburg für ewige Zeiten zur unentgeltlichen Benutzung, besondere Protektion des Herzogs und aller feiner Angehöiigen, die Herstellung von Beamtenwohnungen und Gastzimmern für Künstler und Gelehrte, Ucbcmahnie von Uebersiedlungslosten. Das Museum ästen nun in seinem Bestände gesichert, wenn auch Freiherr v. Anfseß das geliebte Nürnberg verlassen sollte. Der Großherzog von Weimar erklärte sich unter ebenso günstigen Bedingungen bereit, das Museum auf der Wartburg oder in dem großen St. Gcorgenkloster am Fuße des Burgberges zn Eisenach unterzubringen. Man benachrichtigte die bayrische Regierung von diesen beiden Anerbieten, man erklärte ihr, daß das Miisenm in Bayern bleiben würde, wenn man ihm die dringlichsten Existenzbedingungen schaffen wolle, aber all diese Bitten blieben unberücksichtigt und so entschied man sich für die Ueberführung des Miisenm nach Koburg. Freiherr von Aufseß reiste vorhin, um die Lokalitäten zu besichtigen und die letzten Abmachungen zu treffen. Merkwürdigerweise traf er aber den Herzog nicht an. alle möglichen Ausflüchte wurden gemacht, man zauderte und zögerte. stellte Anfragen, machte Reisen, erhielt ') Der englische Prinzgemahl, der Großvater Wilhelms II. aeschc», in der socialdemokratisckien Arbeiterschaft meist sehr miß- iranisch als Mittel betrachtet, die den Parteigenossen vom politischen Kampf ablenken könnten. Als im Jahre 1893 eine Anzahl prolc- tarischer Nadfahrer in Leipzig zu einer Konferenz zusammenkamen. glaubten sie sich unter dem Gestchlsivinkel der Politik vereinigen zu müssen und hofften, durch Hervorheben der agitatorischen Bedeutung einer solchen Organisation sich bei ihren Klaffengenossen einbürgern zu können. Die Folge war. daß die sächsische Polizei die Gelegenheit beiin Schöpfe ergriff und als Ausdruck ihrer Arbeiterfreundlichkeit die Organisation auflöste. Ei» Kongreß socialdemokratischer Rad- fahrer. der am 13. und 14. Mai 1894 in Berlin tagte, hatte eben- falls kaum eine Nachwirkung, wenn er auch die Förderung der Arbeiteriuteressen. speciell bei Wahlen, besonders proklamierte. Jedoch wurde eine kleine, socialdemokratisch gehaltene Monatsschrift «Der Tourist" als Vcreinsorgan anerkannt. Bedeutungslos war auch ein Kongreß, der Pfingsten 189S in F ü r t h zusammentrat; fünf Orte waren durch 11 Delegierte vertreten. Immerhin wurde im Oktober desselben Jahres das heute kräftig gediehene Sport- blatt„Der Arbeiter- Radfahrer" gegründet. Auf einem Pfingsten 1896 zu O f f e n b a ch abgehaltenen Kongreß wurden 500 Mitglieder als in Arbeiter- Nadfahrervereine» organifiert festgestellt. Vertreten waren hier 12 Städte durch 15 Dele- gierte. Dieser Kongreß faßte jedoch einen für die Entwicklung des Nadfahrens unter der Arbeiterschaft bedeutsame» Beschluß: es wurde der Arbciter-Radfahrerbund„Solidarität" gegründet und die Politik gescheidterweise aus dem Programm des Vereins verbannt. Daß die organisierten Arbeiter-Radfahrer trotz- dem bei politischen Agitationsarbeiten wacker ihren fMann stehen und in bestimmten Fällen geradezu unentbehrlich geworden sind. lehrt jede Wahl, jede größere Unternehmung der Parteigenossen. Nunmehr entivickelte sich die Organisation der Radfahrer rasch. Auf dem 1897 in Altenburg abgehaltenen Bundestag wurden 1386 Mitglieder gezählt; erschienen waren 23 Delegierte, welche 40 Vereine vertraten. Als 1898 der Bundestag in Braun- schweig zusammentrat. zählte der Bund 2330 Mitglieder. Mitte 1899 betrug die Mitgliederzahl rund 3000, 1900 auf dem Bundestag in Mannheim 4186 und heute zählt der Bund gegen 10 000 Mitglieder. Auf dem Pfingsten dieses Jahres in Hamburg abgehaltenen Bundestag waren 9027 Mitglieder durch 45 Delegiere vertrete»; das Bundes- vermögen bclief sich auf 17 312 Mark. Das nützliche Wirken des Bundes wird u. a. durch die Thatsache beleuchtet, daß er für 177 Uu- fälle 3331 M. 50 Pf. an Unterstützung zahlte. In Hamburg wurde beschlossen, bei Unfällen den Mitgliedern ein Vierteljahr lang wöchentlich 6 Mark Unterstützung zu gewähren. Das anregend redigierte Buudesorgan„Der Arbeiter-Radfahrer" ist obligatorisch eingeführt. Anch ist es dem Bunde gelungen, seinen Mitgliedern bei den östreichischen und belgischen Behörden freie lleberschreitnng der LaiidcSgrcuzen auszuwirken. Einen wichtigen Schritt hat der Bund durch den Anschluß an das Kartell deutscher und östreichischer Radfahrer- und Motorwagen-Vcreine gelhan. Der Zweck des Kartells ist u. a. Hinwirkung auf eine einheitliche Nadfahrordnung für ganz Deutschland, auf Vereinfachung des Transports der Räder auf der Eisenbahn, auf Ncuanlagen und Verbesserung von Verkehrswegen usw. Alles in allem lehrt die Entivicklung der Ar- bciter- Radfahrer- Organisation, daß der kräftigende und den Sinn für Naturschönheiten hebende Nadsport in der Arbeiterschaft iinmcr mehr Freunde findet. Ja. man darf wohl sagen, daß das Radfahren zur Zeit gerade in proletarischen Kreisen am lebhaftesten geübt wird, während seine Pflege in der bürgerlichen Welt. wo es mehr Diode- sport war. anscheinend sogar abzunehmen droht. Ist doch, tvie ein beliebiger Besuch der Herberge im Gciverkschaflshanse lehrt, selbst der auf dem Stahlroß reisende Haudwcrlsbursche keine Seltenheit mehr. Eine Tcntschc Gesellschaft znr Bckämpfimg der Geschlechts- krankhrite» ist in der Bildung begriffen. Die Gesellschaft erläßt einen Aufruf, worin es heißt: Nicht mit Unrecht hat man Tuberkulose, Alkoholis- mus und Syphilis die drei Geißeln der moderne» Kultur- Menschheit genannt, und die menschliche Gesellschaft verfolgt nur ihre ureigensten Lcbensinteressen, wenn sie auf jede Weise diesen verderbenbringenden Feinden entgegenzutreten sucht. Der Kamps gegen die Tuberkulose und den Alkohol ist auf der ganzen Linie aufgenommen; nur die Gefahr, welche der Volksgesnndheit von feiten der Geschlechtskrankheiten droht, wird noch immer nicht in ihrer ganzen Größe ermessen. Und doch hat die rapide Zunahme der Großstädte mit ihren Riesenansammlungen von Menschen diese Gefahr seit einem Mcuschenalter ins Ungeheure über die Zeit der Uebersiedeluirg keine bestimmte Auskunft; mau hatte vergessen, daß man den Beamten freie Wohnungen versprochen halte; endlich lief ein Vcrtragsenltvurf aus Kobnrg ein, der aber die größte Enttäuschung brachte. Nur mit Mühe konnte man zum Teil ettvas von dem vorher Versprochenen in dem Vertragsentwurf. entdecken, andere und beschranktere Lokalitäten als die anfangs versprochenen waren angeboten, eine verkürzte Vergütung der Ucbersiedlungskosten war»im vorgesehen, die Vcr- bindung der herzoglichen Sauuulung mit dem Museum tvarcn auf ein Minimum reduciert, von der Protektion der Agnaten war kein Wort mehr zu finden, dafür kamen Bestimmungen, die nicht herein gehörten oder von ivclchen früher keine Rede geivcscn und andre die auf eine unmöglich zu duldende staatliche Bevormundung der Nationalansialt hindeuteten. So ivar der Vertragscntlvurf im offen- barsten Widerspruch mit den so liberalen Bestimmungen des ersten Anerbietens in dem Briefe von Gustav Frcytag. Lange, ivcitere Verhandlungen führten dazu, daß von Koburg als Sitz des Germani- schcn Museums vollständig abgesehen tverdcu mußte, ebenso wenig konnte von Weimar die Rede sein, wo man auch viel versprach aber wenig zu halten beabsichtigte, so blieb nur noch Nürnberg übrig. König Max von Bayern schrieb am 4. Februar 1854 an' de» Freiherrn v. Aufseß:„Sehr ivünsche ich, daß Fragliches, vornehmlich durch ihre Bemühung hervorgerufene Sammlung sc. Bayern erhalten bleibt." Ganze 1000 Gulden jährlicher Staatsunterftützung wurden »iln dem Institut belvilligt. Jnrmer wieder mußte man a» den König sich um Nnterstützung wenden; für die Räunilichkeitcu des Museums wurden 60 000 Gulden verlangt, aber man ivollte sich zu nichts entschließen. Die Kosten des Ausbaues der Karthäuse er- schienen zu hoch, ja der Kriegsminister erklärte, daß das Mililärärar auf die als Heumngazine verwendete Karthäuse zu Gunsten des Nationalmusenms ohne bestimmte Entschädigungen nicht verzichten könne. Freiherr v. Aufseß ivandte sich nun an den König, daß Ivenn schon die Baukosten nicht getragen würden, man wenigstens vom Landtage die Erhöhung des jährlichen Staats- beitragcs von 1000 auf 6000 Gulden verlangen solle und daß diese 5000 Gulden zur Bildung eines Baufonds verwendet Iverden sollten, da weder aus der königlichen noch aus der Staatskasse etwas zu er- warten sei. Auch diese Eingabe blieb einfach uubeautivortet. Zuletzt entschloß sich Freiherr v. Aufseß, die Karthäuse aus eignen Mitteln für das Museum als Eigentum zu erwerben. Eine ganze Reihe von Audienzen hätte der Schöpfer des Museums beim König, bis endlich nach zahlreichen Vorträgen und Eingaben Aufseß den Bescheid erhjelt, daß der König das verfallene Hcumagazin für das Germanische Museum bewilligt hat, dabei wurde aber das Staatseigentum vorbehalten und aus den so beschränkten Museums- Nutteln mußten 5000 Gulden bar erlegt werden und 10 000 Gulden sollten nach und nach abbezahlt werden. Nachher verzichtete man auf diese 10 000 Gulden, doch war diese Forderung unzweifelhaft charakteristisch, ebenso charakteristisch war es zu fordern, daß das gesteigert, und jeder Fortschritt der Wissenschaft läßt uns neue schwere Kraukheitsformen als Folge der Geschlechtskrankheiten er- kennen. Gewiß liegt es nicht in unsrer Macht, die gewaltigen ethischen und socialen Kräfte auszulösen, die zu einer radikalen Beseitigung dieser Seuche» führen könnten: aber innerhalb der bescheidenen Grenzen, die unsrem Wirken gesteckt sind, ist noch vieles, zu thun und, wie wir glauben, auch zu erreichen. Noch leben weite Kreise unsres Volkes, und nicht nur die iveniger Gebildeten, in krassester Unwissenheit über die Häufigkeit und die Ge- fahren der Geschlechtskrankheiten, über die Wege ihrer Verbreitung und die Mittel, wie ihnen vorzubeugen sei— ja, diese Verbreitung wird gefördert durch die falsche Scham, welche eine Er- örterung dieser Dinge in der Ocffentlichkcit und somit eine Auf- kläruug des Volles verhindert, durch die Verheimlichung, zu der die Träger dieser Krankheiten gezwungen werden, sowie durch die Vor- urteile, welche ihnen alle Schichte» der Bevölkerung entgegenbringen, Vorurteile, die sich auch in der Gesetzgebung, der Verivaltung,' der Armenpflege, der KrankeuhauSpflege, dem Krankeiikaffenwesen usw. in unheilvollster Weise geltend machen. Und wenn anch an eine Ausrottung der Prostitution, der nie versiegenden Quelle dieses Uebels, nicht zu denken ist, so glauben wir doch, daß auch hier durch zwcckniäßige Maßnahmen manches gebessert, � daß vor allem die gesundheitlichen Schäden— an deren Folgen die ganze Nation zu tragen hat. Herabgemiudert werde» konnten. In diesem Sinne zu wirken, hat sich die„Lociötö internationale de propbylaxie sanitaire et morale" zur Aufgabe gestellt, eine Ge- sellschaft, welche im Jahre 1898 im Anschluß an die Internationale Konferenz znr Bekänipfnng der Geschlechtskrankheiten in Brüssel gegründet wurde. Der unterzeichnete Ausschuß, mit der Geschäfts- führnng der Gesellschaft für Deutschland beauftragt, hat geglaubt, den Kampf gegen die Geschlechtskrankheiten in unsrem Vatcrlaude am wirksamsten durch die Gründung einer eigne» Gesellschaft, der „Deutscheu Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten", aufjuinehmen, um so einen Mittelpunkt für alle Bestrebungen zu schaffen, welche zu.einer Einschränkung der Geschlechtskrankheiten führen können. Geplant ist die Gewinnung einer möglichst großen Zahl von Mitgliedern ans allen Gesell schafts schichten, Bildung von Zweigvereine» an Orten mit größerer Mitglicderzahl, Ab- Haltung von Versammlungen. Veraustalluug von öffentlichen be- lehrenden Vorträgen aus dem Gebiete der Scxualhygiene, Vcr- breitung von aufklärenden populären Schriften und Flugblättern ec., direkte sund indirekte Beeinflussung von gesetzgebenden und Vcr- waltungskörpern zur Abhilfe von Nchelstnndcii und zur Anbahnung von Reformen auf dem Gebiete der öffentlichen Fürsorge für Geschlechtskranke und der Ueberwachung der Prostitution. Der Jahresbeitrag soll 3 M. betragen; eine konstituierende Ver- sammlung ivird im Herbst»ach Berlin einberufen werde». Dem vorbereitenden Ausschuß gehören an: Dr. A. Blaschko, Berlin IV. 9, Potsdamerstr. 20, provisorischer Schriftführer, Dr. E. G a I e>v s k y, Dresden, Prof. Dr. E. L e s s e r, Berlin, Professor Dr. A. Reißer, Geh. Medizinalrnt. Breslau, Professor Dr. A Wolff, Straßbnrg i. Elf., Prof. Dr. M. Kirchner, Geh. Ober-Medizinalrat, Berlin, Ehrenmitglied. Im Komitee sind n. a. vertreten Professor Dr. v. Berg- m an». Oberbürgermeister K i r s ch u e r, Stadtverordneten- Vor- stehcr Dr. Langerhans, Dr. E. v. Lehden. Stadtrat M L n st e r b e r g ,' sowie unsre Parteigenossen Dr. Heinrich Braun, Redactcur E i s n e r. Stadtverordneter Dr. Friedet' erg. Schrift- stcllcr Paul G ö h r e, der Vorsitzende der Ceutralkommission der Krankenkasse E. Siinauowski, Dr. Zadel und Frau Wally Zepler. Wegen Auskunft wolle man sich an de» Schriftführer Dr. A. Blaschko, Potsdamerstr. 20, wenden. Es ist wohl zu erwarten, daß die Vereinigung auch in der A r b e i t e r s ch a ft die gebührende Beachtung und Unterstützung findet. Ei» Wurm, der nicht sterbe» kann. Die Stiftung der Stadt Berlin aus Anlaß der„Zweihunderljahr-Feier", die unter dem Namen„König Friedrich- Stiftung" mit dem Zweck, minder bemittelten Einwohnern der Stadl Berlin bei Erlangung billiger und gesunder Wohnungen behilflich zu sein, ins Leben treten sollte, ist auf unvorhergesehene Schwierigkeiten gestoßen. Der Magistrat hat, nach Genehmigung der Statuten durch die Stadtverordneten- Vcrsaninilung, bei dem Oberpräsidcnten die staatliche Genehmigung für die Errichtung der Stiftung nachgesucht. Der Obcrpräsidcut hatte jedoch auf Amvcisnug des Ministers des Jnuerii dem Magistrat aus- gegeben, das Statut durch eine entsprechende Bcstinmutng des Inhalts zu ergänzen, daß zu Abänderungen des Statuts, insoweit sie sich auf den Zweck der Stiftung beziehen, die landesherrliche, zu sonstigen Aendcrungen die Genehmigung der staatlichen Anfsichts- behördcn erforderltch ist. Als diese" wlirde in einem Erlaß vom 6. Dezcniber 1901 nicht der Obcrpräsidcnt. sondern, da es sich um eine Privnt-Sliftung handle, der Polizeipräsident bezeichnet. Gegen diese Auffassung wandte sich der Magistrat, inden, er zunächst bestritt, daß es sich um eine Privat-Stiflnng handle und ausführte, daß es bc- Germanische Nationalmusem», dem jedes Geld fehlte, 5000 Gulden sofort bar erlegen sollte. Es war einfach die Zumutung, daß der Freiherr v. Aufseß, der Zeit, Mühe und Vermögen der Schaffung des Nationalmusenms in uneigennützigster Weise grividinet hatte, diese 5000 Gnldeu aus seiner eignen Tasche dem bayrischen Mililärärar bezahle. Der Exkönig Ludwig von Bayern scheint aber darüber doch ein Gefühl der Scham gehabt zu haben, er hat aus eignen Mitteln der Regierung seines Sohnes diese 5000 Gulden bezahlt. Auch in der folgenden Zeit blieb jede Unterstützung aus, Frei- Herr von Aufseß mußte immer Ivieder aus seinen Mitteln beitragen, um das Institut nicht untergehen zu lassen. Ja er stürzte sich i» Schulden, die zuletzt seine Verhältnisse arg zerrütteten. Den Grund« stock der Sannnluug bildeten die Schätze des Freiherrn von Aufseß. die von ihm in einer langen Reihe von Jahren zusammengebrachten reichen Saiumluiigen, die durch Verträge auf 10 Jahre nach Bc- stätignng der Satzungen des Museunrs durch die bayrische Regierung dem Museum zur Verfügung gestellt wurden. Als im Jahre 1862 Freiherr von Aufseß. verbittert durch die mannigfaltigen Ent- täuschungen, die er erlebt hatte, verstört durch die ständigen Zwistig- leiten mit den übrigen Leitern des Instituts, von demselben zurück- zutreten beabsichtigte, wollte er die mit großen Opfern zusammen- gebrachte eigne Sammlung dem von ihm geschaffenen Institute gegen eine außerordentlich mäßige Entschädigung von 120 000 Gulden über- lassen. Aber das Museuni besaß gar keine Mitiel, um diese sehr be- schcideiic Summe für die wertvolle Sauimlung aufzubringen. Freiherr von Ausseß loinite aber bei seinen von uns schon angedeuteten Vcrmögensverhältnissen hierauf nicht verzichte». Da erbot sich König Ludwig I. von Bayern, 50000 Gulde» für diesen Zweck zu spende», falls die übrigen deutschen Fürsten bereit ivären, für die nationale Anstalt zusammen den Rest der n ö t i g e n S u m m e z u g e lv ä h r e n. Doch der patriotische Ruf des Königs erweckte bei den übrigen Kroncnträgern des Deutschen Reiches nickt die erwartete Begeisterung. Freiherr v. Anffcß niußte sich mit 60 000 Gulden Entschädigung begnügen, das Uebrige hatte er dem Museum weiter zu kreditieren. Das ist die Geschichte der fürstlichen Förderung der National- anstalt, die wir im Deutschen Reiche besitze». Ziehen tvir das Fazit. Bon den mehrere» Dutzend Fürstenhäusern hat bei der Schöpfung des Museums und bei den schweren Zeiten ivährend seiner Leitung durch den Freiherrn von Aufseß ein königlicher Prinz zwei Versammlungen (iräsidiert, die mit der Gründung des Museums in Zusammenhang tehcn. Köuig Ludwig I. von Bayern hat 55 000 Gulden hergegeben, die Koburger und Weimarer haben viele» versprochen, aber nichts gehalten. Die übrigen Fürsten hatten nicht einmal etwas versprochen und kamen dadurch auch nicht in die Verlegenheit, etwas zu halten. So stellt sich die Fiirstengunst für das Germanische Nationalmuseum dar; es hindert aber nicht, daß das 50jährige Stiftungsfest des Nationalmuseuws den ausgesprochenen dynastischen Charakter trägt. denklich sei, die von derStadt aus städtischen Mitteln begründete Stiftung einer gleichgeordneten Behörde, dem Polizeipräsidenten zu unter- stellen. Der Oberpräsidcnt hat das Schreiben dahin bcauiwortet, daß der Minister des Innern sich der Ansicht des Magistrats nicht angeschlossen habe und daß es bei den Forderuugeu bleiben nuiije. Dieser Schriftwechsel wird der Stadtverordneten-Versammlung zu- gehen. Gleichzeitig Ivird der Versammlung mitgeteilt, daß der Magistrat beschlossen hat, von der Begründung einer selbständigen rechtsfähigen Stiftung Ab st and zu nehmen. Der Magistrat schlägt vor, mit der für den genannte» Zlveck bestimmte Million Mark ein im Vermögen der Stadt ver- bleibendes und nur als besonderer Fonds zu verlverteudcs Zlveck- vermögen unter dem Namen«König Friedrich-Stiftung" zu schaffen. Auf diese Weise lassen sich die von den Gemeindebehörde» festgelegten Zweck ebenso verwirklichen, wie durch eine rechtsfähige Stiftung. Zudem hat der Minister des Innern in Sachen der Fischbach- Stiftung ausdrücklich darauf hingewiesen, daß es im staatlichen Interesse liege, die Entstehung neuer j n r i st i s ch e r P e r s o n e n m ö g l i ch st' zu vermeiden! Der Mirnster geht offenbar von der Ansicht aus, daß es schwer möglich ist, juristische Personen zur Mitgliedschaft in Kriegervereinen und ähnlichen gegen das Ilmsturzgift ivirlenden Organisationen zu bewegen. Was das Schicksal der unglückseligen Stiftung selbst bc- trifft, so werde» unsre Hausagrarier nicht schlecht froh sein, daß dem armen Wesen selbst in seiner von der Stadtvcrordncteu-Versamnilnng beliebten Form kein Lcbensrecht beschieden ist. Der Bericht über die Freisprechung ThomaschkeS hat in einen Teil der gestrigen Auflage nicht gebracht werden können. Wir vertveisen im übrigen unsre Leser auf den Artikel Polizcigchilfe Löfflcr. Wie GeschäftSjubiläe« gefeiert werden und wie distveilen Angestellte und Beamte die»öligen Vorbereitungen dazu� treffen, zeigt folgender Fall: Eine Wasch efab rik in der Schönhauser Vorstadt begeht am 1. Juli ihr 25 jähriges Geschäftsjubilämn. Jeden- falls als Beiveis der Harmouie zwischen Kapital und Arbeit soll dieser Tog durch eine Festlichkeit und durch Arbeitsnihe— natürlich ohne Bezahlung— gefeiert iverden. Nu» Ivurd'e» die Arbeiterinnen bei der letzten Lohuzahluug darauf aufmerksam gemacht, daß zum Jubiläum eine Sammlung miter ihnen veranstaltet werden muffe; gleichzeitig er- folgte der zarte Hiiiwcis, daß man unter einer Mark nicht annehmen könne. Fürsorglich>var der Name einer jeden Arbeiterin in ein Buch eingetragen ivorden, und mm begann die Direktrice die Sarnm- lUug. Als die Kollekte beendigt war. erhielten die Arbeiterinnen noch den Wink, daß sie auch ja in austäudiger Garderobe zum Fest erscheinen möchten. Man ivird leicht den richtigen Namen für solche JubiläumSvorbercitinigen finden, lvenn man erivägt, daß die 150 Arbeiterimien des Geschäfts zumeist nur 6 bis 8 M. in der Woche verdicuen. Die sogenannte Hirteiitvicsc in Treptow, angrenzend an dem Plänterwald, beabsichtigt der Magistrat zur Vergrößerimg dieses Parkes anzukaufen. Die Wiese hat eine Größe von ctiva 14 Morgen und gehört den Schön eberger Bauern. Diese verlangen für das an der Spree belegene, vom städtischen Besitz unischloffcne Wieseugrundsiiick 20 000 M. pro Morgen oder rund 266 000 M. Die Stadtverordneten iverden vom Magistrat ersucht, sich mit dem Kauf, nachdem der Prozeß wegen der Zulassuiig eines Fahrtvcgcs zu Gunsten der Schöncberger Ackerbürger entschieden ivorden ist, zur Fernhaltung der Privastpekulation cinverstaiiden zu erklären. Die Hirtcnwiese ist den meisten Berlinern unbekannt, sie liegt ztoischen dem„Neuen Eicrhäuschcn" und dem„Kiehnwärder", dort wo die Spree einen scharfen Bogen macht und der„Schcrbelberg" sich er- heben soll. Friedrich Goldschmidi, der in weiteste» Kreisen bekannte Generaldirektor der Patzenhofer Brauerei, ist in Marienbad plötzlich am Herzschlag g e st o r b e n. Nach dem französischen Krieg, den er mitniächle. trat er an die Spitze der soeben in eine Aktien-Gescllschaft umgetvandelten Brauerei von Patzenhofer, deren Bier bis in die 80cr Jahre das beliebteste in Berlin war. Goldschmidt war lange Jahre Vorsitzender des Berliner Handlvcrkerbereins. Dem Reichs- wge gehörte er von 1331 bis 1893, dein Abgeordnetenhaiise von 1882 bis 1893 an, 1390 wurde er in die Kommission für die Bc- ratiing des Entwurfs des Bürgerlichen Gesetzbuches berufen. Der vielseitige Mann war n. a. auch Mitglied der Aeltesten der Kauf- Mannschaft und der Stadtverordneten von Berlin. Die Postbehörde ersucht uns, folgendes bekannt zu geben: Die Einziehung d e r Z c i t u n g s g e l d e r von den bisherigen P o st a b o n n e» t e n erfolgt gegen Quittung durch die Briefträger. die zur vollgültige» Ouittiingsleistung berechtigt sind. Neu hinzu- tretende Poslaboniicntcu können die Zustellung der Zeitung mid die Einziehung des Zeitungsgeldes anch schriftlich bei der zuständigen Postanstalt beantragen. Für derartige Vestcllschreiben tc. wird eine Gxbiihr nicht erhoben. Verhafteter Direktor. Unter dem bringenden Verdacht de Betruges und der Urlimdenfälschnng ist der Direktor der landwirt- schaftlichen Spar- und Darlehnskasse, F. S ch ü ck e l in L i ch t e n- b e r g, durch die dortige Kriminalpolizei verhaftet und nach Moabit gebracht worden. Die Spar- und Darlehnskasse ist in Lichtenberg als Ziveiginstitut der Ceniralkasse des Bundes der Landwirte ge- gründet ivorden. Bei einer iinverinuteten Revision hat der Vorstand durch cincn gerichtlichen Bücherrevisor feststellen lassen, daß die Buch- führnng des Herrn Schiickcl überaus liederlich war; es Ivar im- möglich, über den Stand der Kasse ins Klare zu kommen. Jedoch wnrdeii mannigfache Schwindeleien und Fälschnngen entdeckt. Ein schwerer NuglnrkSfall, der den TodeinesArbciterS herbeiführte, ereignete sich gestern mittag in Reinickendorf. Der bei der Maschineiibnunnstnlt von Hein, Lehmann n. Co. beschäftigte 42jährige Arbeiter Anton Klein war um die geiiamitc Zeit mit einigen andern Arbeitern dabei, eine 10 Ceiitncr schwere Eisenklappe ab- zuladcn. Unglücklicherweise entglitt die schwere Klappe den Händen der Arbeiter und schlug auf den Oberkörper des Klein ans, ihn förmlich zermalmend. Als ein rasch herbeigerufener Rettnngsivage» auf dem Schauplätze des Unglücksfalls anlangte, Ivar Klein bereits eine Leiche. Mit Bezug auf die Gültigkeit der SouutagS- Rüchfnhr- karte» für andre Personenzüge, als die Somitags-Sonderzüge, erläßt die königliche Eisenbahn-Direklion soeben die nachfolgende Be- kaimtinachmig: Die Sonntags-Nückfahrkarten von Berlin, S t e t t i n e r Bahnhof,»ach Biesenthal, Ebcrsivalde, Nicdcr-Finoiv, Falken- berg i. M., Freieiuvalde a. O. und Chorin, und vom Bahnhof Ge« s» n d b r u n n e n nach Biesenlhal, Eberswalde und Freicmvalde a. O., die bis auf weiteres an jedem Sonntag zur Ausgabe gelangen, haben von Sonntag, den 22. Juni d. I., ab, außer zu den be- sonders bekannt gegebenen Sonderzügen, z u sämtlichen Personenzügen Gültigkeit. Die Benutzung von Sckrncll- zügen und V-Zügen ist ausgeschlossen. Das Nähere sotvie die Fahrpreise sind aus den Säuleuanschlägen zu ersehen. Im Zeichen deS Verkehrs. Die„Berl. Ztg." schreibt: Wie nns von zuverlässiger Seite mitgeteilt Ivird, dürfen die Hochbahn- züge nicht verkehren, wen» der Kaiser einen unter der Hochbahn hindnrchführenden Viadukt passiert. Besonders häufig benutzt der Kaiser bekauutlich ivegcn der auf dem Tcmpelhofer Felde stattfindenden Truppeiillbungeu die Bellcalliance» Brücke. Die unmittelbar neben dieser gelegene Hochbahnstation„Halleschcs Thor" hat deshalb einen besonderen Dienst eingerichtet, um die Züge zum Stehen zu bringen, sobald die A n k n n f t des Kaisers zu erwarten ist. Ein Schutzmann eilt jedesmal mit der Meldung auf den Bahnhof, daß der Kaiser in Kürze den Hochbahnviadukt passieren iverde, und hierauf bringt man dann die ankommenden Züge durch das übliche Notsignal, Schwenken einer roten Fahne, zum Stehen. Die Züge dürfen ihre Fahrt auch nicht eher fortsetzen, bis der Kaiser den Viadukt passiert hat. Durch einen Sturz von der Treppe tödlich venmglückt ist q e st e r n, Ficitnqnachmilt.ic, um 5�/4 Uhr der 38 Jcihre alte Stein- träger Otto Schöbe! ans der Granseerstr. 1. Schöbel>var bei eiucin Dackdeckermeisier in der Jnvalidenstraße beschäftigt und arbeitete gestern auf dem Gnmdstücl Brunnenstr. 181, wo das Dach ausgebessert wird. Kurz vor Feierabend wollte er die letzte Last Steine hinauftragen. Infolge eines Schwindelanfalles oder eines Fehltritts stürzte er auf der Treppe zwischen dem 3. und 4. Stock acht Stufen herab und blieb auf dem Absatz regungslos liegen. Eine Frau aus dem Hanse, die das Gepolter hörte, fand ihn, benachrichtigte seinen Mitarbeiter und sorgte für einen Arzt. Dieser konnte aber nicht mehr helfen. Der Verunglückte hatte das Genick gebrochen»nd war bereits tot. Er hinterläßt seine Frau mit drei Kindern im Alter von 1—6 Jahren in dürftigen Verhältnissen. DaS Dpfer clneS Unfalles ist der 7 Jahre alte Sohn Erich des Cafe-Besitzers E i ch l e r aus der Köuigstr. 26o. geworden. Mit einem Kinderfräulein vom Bahnhof Börse nach Hause, dem„Cafö KömgSkrone* gehend, verließ der Knabe an der Ecke der Kaiser Wilhelm- und Burgstraße den Bürgerstcig, als gerade eine Droschke langsam gefahren kam, geriet unter die Räder und zog sich einen Schädelbruch zu. An den Folgen dieser Verletzung starb er in der königlichen Klinik. Die Grundfielnlegimg zum ersten Genosienschaftshause der Vangcnosscnschaft des Vereins der Angestellten der Großen Berliner Straßenbahn hat gestern Sonuabcndnachmittag in Wilmersdorf auf dem Terrain des von der Genossenschaft gekauften Grundstücks Berlinerstraße 49 stattgefunden. Von der Nevierpolizei beschlagnahmt wurde die Leiche des 41 Jahre alten Bäckers Reinhold Vötzke aus der Poppel-Allee 22, der zuletzt als Arbeiter in einer Fabrik in der Pappel-Allee be- schäftigt war. Vötzke, der seit Jahren am Magen litt, hörte am Donnerstagmittng zu arbeiten auf und ging nach Hanse. Nach wiederholtem, heftigem Erbreche» starb er am Frcitagnachmittag. Da nach ärztlichem Gutachten Anzeichen von Vergiftung vorliegen, so ließ die Nevierpolizei die Leiche zur Feststellung der Todesursache nach dem Schauhause bringen. Die Witwe des Verstorbenen, eine Frau von 89 Jahren, ist schon seit zlvci Jahren leidend und liegt schwer darnieder. Bannnfall. Wie uns erst jetzt mitgeteilt wird, ereignete sich am Mittwochabend gegen 6 Uhr auf dem Bari Taucntzienstraße, Parzelle 18 (Unternehmer Dabbcrt und Hütten) ein schwerer Unglücksfall. Der beim Rüsten beschäftigte Arbeiter Wiczorek brach mit einem Brett in der zweiten Etage durch und fiel bis ins Parterre, Ivo er bc- sinnungslos liegen blieb. Von Kollegen wurde er sofort aufgehoben und nach einem Krankeuhause gebracht. Die Verletzungen sind an- scheinend lebensgefährliche. Strnstensperrmtg. Der südliche Fahrdamm der Straße Unter den Linden einschließlich des Lastweges von der Nenstädtischen Kirch- straße bis zum Denkmal Friedrichs des Großen wird wegen Asphaltiernng vom 16. d. Mts. ab bis aus weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Arbeiter-BildnngSschnle Berlin. Sonntag, den 22. Juni, F a m i l i e n- A u s f I u g nach Tegel-Hermsdorf. Abfahrt: Stertiner Vorort-Bahuhof 8,V5, Gesundbrunnen 8,11 Uhr. Für Teilnehmer, welche die Straßenbahn benutzen, Treffpunkt bis IG/s Uhr Rcstanrnnt „Waldschänke", vis-a-vis Schloß Tegel. Für Nachzügler von 12 Uhr mittags ab Restaurant Schulz, Berlinerstraße 21, in Hermsdorf. Um rege Beteiligung wird ersucht.— Die Bibliothek wird am 29. Juni geschlossen. Die Mitglieder werden dringend gebeten, die entliehenen Bücher bis dahin spätestens abzuliefern. Der Vorstand. Im Berliner Prater-Theater wird das Schauspiel«Durch fremde Schuld" zur Zeit erfolgreich aufgeführt. Unter den Spccialitüten ragen Paul Corndiuc, Mary Ellhs und Miß Kitlh mit ihrem dressierten Pferdchen und Hunden hervor. Im Berliner Zoologischen Garten ist ein Brüllaffe, dl oet.e s niger, eingetroffen. Dieser Bewohner der süd- amerikanischen Urwälder erinnert in gewisser Beziehung an die afrikanischen Seidenaffen; wie jene zeichnet er sich durch ein dichtes Pelziverk, durch bärtiges Gesicht und durch bedächtige Bewegungen aus. Er besitzt aber einige Eigentümlichkeiten, die ihn von jeher für den Naturforscher besonders merkwürdig erscheinen ließen. Sein Schlvanz ist sehr beweglich, hat an der Unterseite der Spitze eine schwielenförmige, kahle Stelle und dient dem Affen als fünfte Hand, wenn er sieb durch die Kronen der Urwaldsbäume von Ast zu Ast schwingt. Wie die altweltlichen Seidcnaffcn sind auch die Brüll- äffen gute Musikanten, sie übertreffen aber ihre äthiopischen Verwandten dadurch, daß sie über ein besonderes Musik- instruinent. eine Art von Dudelsack, in ihrem Zungenbein und Kehlkopf verfügen. Der bei vielen Tieren sehr kleine' am Grunde der Zunge gelegene Knochen, das Zimgenbein, ist zu einer sonder- baren hohlen Trommel umgewandelt, welche die Stimmlaute auf- fängt und in Gemeinschaft mit mehreren am Kehlkopfe ausgebildeten Hauttaschen so verstärkt, daß die Töne weithin durch den Wald schallen. Der Reisende Schomburgk schildert das unheimliche Konzert dieser Affen, indem er sagt, es klänge als ob alle Tiere des Waldes in tödlichem Kampfe gegeneinander entbrannt seien. Ein Vorsänger beginnt leise knurrende Laute von sich zu geben, bald schwillt der schauerliche Klang zu grunzendem Löiveiigcbrüll an und plötzlich fallen alle Mitglieder der Rotte mit heulendem, in schnellen Wiederholungen ertönenden Chorgcsaug ein. Hoffentlich gelingt es, diesen merkwürdigen Assen hier recht lange am Leben zn erhalten. Im Museum für Nalurknndc, Jnvalidenstraße, sind die sonderbaren Schallblasen des Brüllaffen»eben dem ausgestopften Tiere aus- gestellt. Im Sportpark Fried cnau treten am heutigen Sonntag(dem ersten Tage des zweitägige u Meetings) außer R o b l und Tom L i n t o n noch Dickentmaun, Bouhours, Ed. Taylor und Ryscr in Konkurrenz, und zwar zuerst über 19 Kilometer mit Motorführung. Das Rennen wird sich zu einem interessanten Kampfe gestalten, bei dem mSgltcherwetse der von Linton kürzlich geschaffene Weltrekord(8: 25) in Gefahr geraten kann. Wenn der Start glatt vor sich geht und die Fahrer guten Anschluh an ihre Führungs- Maschinen finden, wird die Frage, wer gegenwärtig der schnellste Dauer- fahrer ist, heute beaubvortet werden können. Die Rennen beginnen pünkt- lich nachmittags 4 Uhr. Aus den Nachbarorken. NummelSburg. Die letzte Gememdevertreter-Sitzung hatte sich mit eiiischneidenden Veräudernngen in den Verhältnissen imsrer Volksschule zu� beschäftigen. Beschlossen wurde, die bisherige Ortsschulinspektion, welche bis jetzt in denHäudeu des Ortspfarrers lag, aufzuheben, und die Leitung der Schule einem Rektor zu übertragen, ebenso soll an Stelle des bisherigen SchulvorstandeS eine Gememde-Schuldeputation mit dem Wirkungskreis der städtischen Schuldeputationen, bestehend ans dem Gemeindevorsteher, zwei Schöffen, drei Gemeindevertretern, den zwei Ortsgeistlichen beider Konfessionen und dem Rektor gebildet werden. Alis Antrag unsrer Genossen wurde nach lebhafter Debatte beschlossen, ebenfalls noch einen L e h r c r in die Deputation zu wählen. Der Bau der Schule in Boxhagen soll September in Angriff genommen werden, sie wird für 52 Klassen eingerichtet und soll allen Anforderungen der Neuzeit entsprechen. Unsre Genossen beantragten, dann auch gleich die Errichtung von Brausebädern zur freien Benutzung für die Kinder zu beschließen. Die Angelegenheit toll in einer späteren Sitzung erledigt werden, gegen den Antrag wandte sich der Vertreter Direktor Frey mit sehr rückständigen Argumenten. Es wurde noch beschlossen, die geplante Anleihe von 2 Millionen Mark auf 1 256 999 M. herabzusetzen, da der Bau deS Viehhofes unterbleibt und die Aufsichtsbehörde angeraten hat, nicht mehr Mittel aufzunehmen als gebraucht»Verden. Ober-Schöneweide. Vom Verein Bismarck warte wird die Errichtimg einer Warte geplant; Baumeister Lehmann wollte hierfür in der letzten Sitzung der Gemeindevcrtrewng aus Gemeinde- Mitteln 2999 M. bewilligt haben. Er meinte, daß die Arbeiter in einer Volksversammlung sich nicht gegen die Errichtung eines solchen Denkmals ausgesprochen Hütten, wenn sie bedacht hätten, daß dadurch Arbeitsgelegenheit geschaffen werde. Eine Ansicht, die unser Partei- genösse G ru n o w mit Leichtigkeit auf ihren Unwert zurückführte. Man bewilligte 399 M. für den Zweck.— Die vom Gutsbezirk K ö p e n i ck- Forst beantragte Ausscheidung ans der hiesigen Orts- Krankenkasse wurde vom Genossen Grunow bekämpft und auch abgelehnt.— Für die Errichtimg einer privaten höheren Knaben- und Mädchenschule wurden jährlich 2999 M. subventioniert und Klassenräume zur Verfügimg gestellt. In vertraulicher Sitzung wurde ein Rcchtsgutachten gehört. Das Ergebnis war, daß gegen die Gründerin des Ortes, die Grundrenten-Gesellschaft, wegen Bei steuer zu den Gemeinde-Unlosten im Klagewcge vorgegangen tverden soll. Nen-Weiftensee. Wir müssen berichtigen, daß nicht die Ein gemeidungsfrage ans der Tagesordnung der nächsten Gemeinde vertreter-Sitzmig steht, sondern:„Erlaß eines Ortsstatuts betreffend die Anlegiuig und Unterhaltung der Bürgersteige", und sind begierig, wie sich die Herren Grundbesitzer hierzu benehmen werden. Die Rixdorfer OrtS-Krankenkaffe gab gewiffe Heilmittel, deren Feilhalten und Verkauf nach der Biindesrats-Verordnnng vom 27. Januar 1899, betreffend den Verkehr mit Arzneimitteln, nur den Apothekern gestattet ist, selber direkt an ihre Mitglieder ab. Der Magistrat, der als Aufsichtsbehörde die Ortslaffe mit zärtlicher Liebe beobachtet, verbot ihr dies Verfahren als nicht ordnungS- und gesetzmäßig und drohte den Vorstandsmitgliedern für den Fall der Zuwiderhandlung Strafe an. Der Vorstand hat mm jetzt gegen das Verbot Einspruch eingelegt und betont, daß er die Heilmittel that- sächlich von einem Apotheker bezieht und sie in Originalpackung an die Mitglieder abliefert.— Unsres Erachtcns muß dem Einspruch ohne weiteres stattgegeben werden, da das Kammergericht in einem ganz ähnlichen Fall solch Vennitteln zivischen Apothekern und Patienten nicht als„Verkauf" gelten ließ.— Damals handelte es sich um die Abgabe von Heilmitteln durch den Vorsitzenden eines homöopathischen Vereins an seine Mitglieder, wobei, ganz Ivie im Fall der Krankenkasse, ein Gewinn nicht' erzielt wurde. Die Rixdorfer Gewerbedeputation beschätiigte sich in ihrer letzten Sitzung wieder mit der geplanten, durch Ortsstatut zu be- wirkenden Zwangsversicherung der in Rixdorfer Kommunal- betrieben und im Kommunaldienste beschäftigten Personen gemäß § 2 Nummer 2 des Kranken-Versicherungsgesctzes. Es wurde das Resultat der Umfrage mitgeteilt, die unter den Beteiligten wegen Errichtung einer eignen Betriebs-Krankenkasse stattgefimdcn. 145 haben sich für, 36 gegen eine eigne Betricbsknsse erklärt. Die Gegner waren für die Angliederung an die Allgemeine Rixdorfer Orts- Krankenkasse, gegen die bekannttich wegen ihres socialdemokrntischen Vorstandes jetzt wieder einmal Sturm gelaufen ivird. Auch in dieser Sitzung der Gewerbedeputation kam die Abneigung gegen die Orts- lasse zum Ausdruck. Die Deputation beschloß, beim' Negierimgs- Präsidenten die Genehmigung zu einem Ortsstatut nach§ 2 deS Kraiiken-Versicherimgsgesctzes nachzusiicheu, Ivie auch die Genehmigung für eine städtische Betriebs-Krankenkasse. Gegen letztere stimmte nur der anwesende Vertreter der Arbeiterschaft. Vevfammlungen. Eine von den Angestellten deö Vieh-»nd Schlachthofes zum Dienstagabend einberufene und sehr gut besuchte Versammlimg beschäftigte sich mit de» Lohn- und Arbeitsverhältnissen der dort beschäftigten Arbeiter und Handwerker. H e r m a n n Schubert gab einen Ueberblick über die vorhandenen Mißstände und kritisierte die mizulängliche Bezahlung der dort Beschäftigten. Löhne von 3,25 bis 3,59 M. seien als hoch zu bezeichnen. Auch die Vchaudlimg müsse als eine nicht gute bezeichnet werden. So"geschieht eS beispielsweise häufig, daß man den Wagenwäschern bei dem geringsten Fehler ihrer' Accordarbcit zur Strafe auf 8 Tage in die Lohnarbeit steckt. Die Beseitigung dieser Accordarbeit selbst, die von den Arbeitern iviederholt gefordert wurde, ist nicht nach dem Geschmack der Direktion. Lebhaften Ilmvillen rief in der Diskussion die Mitteilung hervor, daß die ans dem Betriebe thätigen Preßgas-Arbeiter eine wöchentliche.Dienstzeit von vv Stunden habe». Einstimmig wurde beschlossen, dem Magistrat um die Er- richtung eines Arbeiterausschnsses zu ersuchen. Der socialdemokratische Wnhlverein Rixdorf hielt am 11. Juni bei Münzer, Knescbeckstr. 113, seine regelmäßige Mitglieder- Versammlung ab. Genosse B ö s k e berichtete zunächst über die EinigungSverhandlnngen der sechs Berliner und der beiden Vororts- Wahlkreise, welche sich durch die Organisationsstreitigleiten, speciell des sechsten Berliner Wahlkreises, nötig gemacht haben. Die Rixdorfer Delegierten haben bei dieser Verhandlung den Standpunkt vertreten, daß es nicht nötig sei, nachdem die neugeschaffene Central- Organisation des Kreises erst ll/s Jahre besteht," schon wieder mit der Organisationsform zu ivechseln. Im Interesse des Friedens habe sich jedoch auch unser Kreis dem Einigimgsvorschlage gefügt, da an der Organisation innerhalb des Kreises nichts geändert wird. Die Versammlung erklärte sich mit dem Standpunkt der Delegierten einverstanden.—' Neu aufgeuomnien wurden 25 Mitglieder.— Den Parteigenossen zur Kenntnis, daß unser diesjähriges Sommerfest am 3. August in Britz bei Bethge stattfindet, da uns in Rixdorf ein geeignetes Lokal nicht zur Verfügung steht. Eingegangene Drnckschriften. Hohe Politik. Kritische Randbemerkungen zum tnteniationalen Leben der Gegenwart. Bon B. O. C. Schalter. Berlin, Hermann Walther. Telius Dr. Di« Rechtsverhöltniffe der geschlossenen Vesellschasten und Vereine. Berlin. I. I. Heines Verlag. 1,69 M. Vevmiftszkess Begnadigung für„qualifizierte auffereheliche Zeugung". Das bis jetzt geltende norwegische Strafgesetzbuch setzt GefangmS- strafen fest für Männer und Frauen, die außerhalb der Ehe mit vcr- schiedenen Personen drei oder mehrere Kinder erzeugen. Diese Be- stimmung ist inzwischen bei einer kürzlich vorgenommenen Revision des Strafgesetzbuches aufgehoben worden. Nachdem„Socialdemo- kraten" vor einiger Zeit auf die bisherige Wirkung und auf die Lächerlichkeit jener Strafbestimmungen hingewiesen hatte, hat jetzt die Regierung bekannt gemacht, daß allen, die ans Grund jener Para- graphcn verurteilt sind, die Strafe erlassen werden soll, sofern sie darum nachsuchen. Die Strafe für„qualifizierte außereheliche Zeugung" hat ganz überwiegend arme Landmädchen getroffen. In den Jahren 1895 bis 1897 wurden 377 weibliche Personen dafür bestraft, davon waren 11 von Christ iania, 53 kamen auf die übrigen Städte und 313 auf die Landdistrikte. Außerdem wurden fast ausschließlich weibliche Personen von den Strafen betroffen. 1889 ivurden auf Grund jener Paragraphen 19 Männer und 128 Frauen verurteilt, 1884: 23 Männer, 152 Frauen, 1895— 1897: 21 Männer und 337 Frauen.— Noch im Jahre 1894 hat das Jnstizdepartement ein Rundschreiben an die Geistlichen erlassen, worin sie diese ans ihre Pflicht, solche Vergehen zur Anzeige zu bringen, aufmerksam machte.—_ Briefkasten- der Redakkwn. Die iuilstilche Sprechsliiiide findet täglich mit AnSnahme dc8 Sonnabends von?>/- bis»>/- tthr abends statt. H. L. 77. Wir können Ihne» dazu nicht raten, weil wir die Ver- antwortung dafür nicht tragen möchten. Hoffentlich öffnen sich Ihnen andre Wege, damit Sie vorwärts kommen. Immer Kopf hoch! I>,'. i»c,k. O. R. Daß die schädliche Wirkung bestritten wird, ist aus den politischen Debatten über den Reiniguiigszwang allgemein be- kanut. Ebenso bekannt aber ist es, daß diese Ansicht auch heute nicht„ver- altet" ist. So heißt es z. B. in der neuesten Auflage(Ivgt/9S) des Brock- haus, unter Alkoholismus:„Der Branntwein wirkt um so schädlicher..., je mehr er fuselhaltige Vernnreiiiiguiigen enthält." Zwei Wettende. Der„Spuk" von Resau wurde verübt von dem Bauernburfchcn Karl Wolter im Dors Resau hinter Werder im Jahre 1888. W.Rotterdam. Als die ersten elektrischen Straßen- bahnen in Berlin wurden in Betrieb gesetzt: von„Siemens und Halske" im Herbst 1835 Linie Gesmidbrminen— Pankow, im Frühjahr 1896 Linie Bchreustmßc— Treptow, von der„Großen Berliner Straßenbahn-Ge- sellschaft" im Frühjahr 1896 Linie Zoologischer Garten— Treptow und Lüste Dönhoffplatz— Treptow. Von der„Großen" wurde außerdem schon im Sommer 1895 die Linie Moabit— Schäneberg vorübergehend elektrisch be- trieben. Länger kennt man den elektrischen Betrieb der Straßenbahnen in den Bororten.„Sieniens u. Halske" eröffneten 188t die erste elektrische Bahn der Erde, die Linie Lichterfelde-Ost— KadetteulmiiS, die 1890 bis Lichterfclde-West und 1894 bis Steglitz geführt wurde; semer 1883 die Linie Cdarlottenburg— Spandancr Bock, die später wieder Pferdcbetrtcb bekam. Die erste öffentlich benutzte Versuchsbahn war die elektrische Riuidbah» auf dem Gelände der Berliner Gewerbc-Ausstellung von 1879. Witterungsiibersicht vom 14. Juni 1S«S, morgens 8 Uhr. Stationen Swinemde. Hamburg Berlin Frauts/M. München Wien 2.2 c 5 § Wetter 754 SO 755 WR W 755 NW 757.SW 759 W 754133 2hetter 2 bedeckt stbedeckt 4 bedeckt 6 Regen 3 bedeckt Wekter-Progiwse für Sonntag, den 18. Juni 1998. Zeitweise aufklarend, um mittag etwas wärmer, aber sehr veiänber» lich mit einzelnen Regenschauem und mäßigen westlichen Winden. Berliner Wetterb u reo». i 1 1 e i I ii n g. Sparsame Hausfrauen sollen die Vorteile beim Einkaufe wahrnehmen, wo sie sich ihnen gerade bieten. Momentan bietet sich unseren Kunden eine ganz besondere Gelegenheit, ihren Bedarf a» DM- Wäsche und Bekleidungsgegenständen"WS zu außergewöhnlich billigen Preisen bei uns zu decken. Dnrcli«Ins Unwetter am 14. April ist fast unser ganzes Lager überschwemmt worden und waren wir genötigt, den Verkauf ca. 4 Wochen ganz einzustellen, um die Räume und Waren zu trocknen. Da in nächster Zeit eine vollständige Umgestaltung der Räume vorgenommen werden muß, sollen die ans» gewordenen und andre mnrttcftgesetiBte Waren jetzt zu Spottpreisen verkauft werden. Unsere Firma erfreut sich seit 18 Jahren deS besten Rufes, weShalb wir bitten, unseren Ausverkauf nicht mit ähnlicher ReName zu vergleichen. Verkaufszeit von 8—8 Uhr, Sonntags 7—19 und 12—2 Uhr Zum lü ÜF k U f gelungen! Wollen® i8 bis! seidene BCIeidei*stoffey Waschkleidenstoffey Leinen� fertige Wäsche, Trikotagen, Gardinen, Teppiche etc. etc. GebrOder Wolff, ,"a,,d?™±2re ZotillldemokraMer Wahlverein fnrden4.Btrl.Rejchstags-MahlkreiglSüdlistell). DienStag, den R?. Juni, abends 8'/- Uhr: Mir VevfAltttnlung im Saal des Herrn Brttder, Waldemarstrahe 7S. Tages-Ordnung: 1. Bortrag des Gcnosicn über: Kirche und Kaserne, als Feinde der Freiheit. 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegenh eiten. Gaste haben Zutritt. 243/1ö Der Vorstand. Achtung! v. Vsdlkreis. AAung! Mittwoch, 18. Juni, abends S'/e Uhr, im Alten Schützenhause, Linieustr. 3: Uolks-Uersammlimg TageS-Ordnung: 1. Die verflossene Reichstags-Session und der Kampf des Proletariats. Reserent Reichstags-Abgeordneter lto«ciiorv. 2. Wahl von 2 Ber trauensleuten. 3. Parteiangelegenheiten und Verschiedeues. Zahlreichen Besuch erwarten Die Tertranenslente. Nthkung!"WE IM" Achtung: Am Dienstag, den 17, Juni, abends 8� Uhr, im Lokale des Herrn 8teedert, Andreasstraße 21: VokKsverfammrung Tages-Ordnung: 1. Die Erklärung LtewLodllöiäers in Nr. 134 des„Vorwärts" über die Baugenossenschaft„Paradies". 2. Diskussion. 289/13 Bei» Elnbcrnfer. SocialdemolsraUer Walilvereiii für den sechsten Berliner Reiclistags-Walireis (SchUnhanser Vorstadt). Dienstag. 17. Juni, abeiids«>/, Uhr. Schönhauser Allee 101/S (früher M i e r l e): � a ge s- ill r.onun g: l. Bekanntgabe der Antrüge der Mitglieder von den Zahlabenden. 2. Diskussion. S. Befchluizfafliing über die Auflösung des Vereins event. Wahl einer Komniission zu weiteren Maßnahmen. 4. Verschiedenes. Das Mitglied M eiis ke wird zu dieser Versaininlung extra eingeladen. betregs seiner Ausführungen auf dem letzten Zahlabcnd des Bezirks 484. IW Mitgliedsbuch legitimiert."WM 252b* Um rege Beteiligung ersucht vor Vorstaad, l. A.: C. Mars. .. SocialdkmoKratischer Wahlverein fnr den 6. Berliner Reichstags-Wahlkreis. Dienstag, den 17. Jnni, abends 8�2 Uhr, bei Herr» Dase, Nriiiineiistr. 151; 248/8* fW J�cvreimmtuufl. Tages-Ordnii ng: 1. Vortrag des Sladtvcrordneten Koblenzer über: Die Thätigkeit der Socialdeuiokraten auf kommunalem Bebtet. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Damen habe» Zutritt. I>er Vorstand. �chönebei'gf. Soeialdemokrat. Wahlverein. Dienstag, den 17. Juni, abends 8V2 Uhr, Im Obstschcn Eokale, itlclningerstrasse Xo. 8: Me�eirss-llersammlung. TageS-Ordnung: 1. Bekanntgabe des Wahlresullats im 4. Bezirk. 2. Bourgeoisie und Klassenkampf. Referent Genosse Julius KaliSke. 3. Diskussion. 4. Vereins- angelegenheiten. � 15/10 Frauen als Gäste haben Zutritt. Eine recht rege Beteiligung erwartet. vor Vorstaad. IcuAr WrliM-DMI Zahlstelle Berlin. Montag, den IS. Jnni, abends 8>/z Uhr, i»> Lokal des Herr» Raabe, Uolbcrgerstraftc 23: Bezirks-Bersammlnng für Wedding und Gesundbrunnen. Tages-Ordnung: 1. Vortag des Herrn Baal Pawlowitscli über:„Die zu- sriedenen Unternehmer und die begehrlichen Arbeiter." 2. Diskussion. 84/13 3. Verbands- und Werkflattangelegenheiten. Die Kollegen werden ersucht, zahlreich und pünktlich mit ihren Frauen zu erscheinen. Alütmig! BUilMhdenleZer. Artung! DicnStag, den 17. Jnni, abends S Uhr, bei Herrn Prill in Charlottcnburg, Grollnianiistrastc: Vertrauensmänner-Nersammlnng. . Die Vertrauensleute werden ersucht, am Montag, den 16. Juni, eine Werkstellen- Sitzung abzuhalten.— Am Mittwoch, den 18. Juni, findet eine Versammlung im Gewerkschaftshaus«aal 7 statt. Der Obmann. Achtung! Korbmacher. Achtung! Sonntag, de» 15. Juni, vormittags 10 Uhr, tut „Gewerkschaftshans", Engel-Ufer 15: Aussarordentl. Mitglieder- Versamminng. Tages-Ordnung:. 84/12 1. Vortrag des Kollegen Kuuisch aus Düsseldorf. 2. Verschiedenes. Pflicht eines jeden Kollegen ist es, in dieser Versammlung zu erscheinen. Achtung, Schöneberg! Dienstag, de» 17. Jnni, abends 8'/., Uhr, im Klubhaus, Haiiptstrasse 5/S: Oeffeililiche Doliardriter- Verfamiliimio. Tages-Ordnung: Vortrag des Kollegen Kunisch aus Düsseldorf über:„Die Waffen t>er Arbeiter im Kampf ums Dasein." �Diskussion. 84/15 Zahlreiches Erscheinen erwartet Der Elnberafer. Deutsch. Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Bureau: Engel-Ufer 16, Zimmer 1-6, Telephon Amt 7 Nr. 363. DicnStag, den 17. Juni, abends 8'/2 Uhr: Versammliing der Clrirurgischen Branche bei Nümau», Bruiiucustrahc 188. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Kollegen Pawlowltsch über:„Das Prämiensystem." 2. Diskussion. 3. Verbandsangelegenheiten. 116/9 Die Kollegen werden ersucht, zahlreich und pünktlich zu erscheinen. Die Ortsverwaltunx. Musikinstrumenten-Arveiter. (Factzvrevrin.) Montag, den 16. Jnni, abends 8'/2 Uhr, bei Granmann, Naunynstr. 27: Mitglieder- Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Kollegen Klelnleln über:„Neuerungen in der Ber- liner Pianoforte-Jndustrie und deren Einfluß auf die Lage der Arbeiter." 2. Diskussion. 3. Der Streik bei der Firma Schopf, Markusftraße 18. 4. Vereinsangelegenheiten. 141/14 DM- Kollegen! Ermannt Euch und erscheint zahlreich in der Ver- saurnlliing, und ersuchen wir jedes einzelne Mitglied, in den auch unsrer Sache bisher fernstehenden Kreisen für den Besuch der Versammlung zu agitieren. Der Vorstand. Ceutralverbaud d. Maurer tc. 8elttlon Rabitzpntzer. Mittwoch, den 18. Juni er., abends 81/. Uhr, in den„�.rmln- Hallen'*, Kommandantenstrafte 20: Mitglieder-Versammlung. Tagesordnung: 1. Stellungnahme zu de» Geschäfte», welche den Bertrag nicht halte». 2. Vcrbandsangelegenheiten. 3. Verschiedenes. 252/6 P. S. Das vollzählige Erscheinen der. Kollegen von den Firmen Günther u. Sollwedel, Stüwe und Lngino u. Co. ist in dieser Ver sammlung dringend notwendig. Der Vorstand. Verband der Sattler. Ortsverwaltung Berlin. Bureau: Gcwerkschaftshaus, Engel-Ufer 15. Zimmer 36. Fernsprecher: Amt 7 Nr. 1959. Dienstag, den 17. Jnni, abends 8V2 Uhr, in de«„Armin» Hallen", Komniandantenstr. 20(grofeer Saals: IVSitglieder-Versammlung. Tages- Ordnung: 1. Vortrag des Reichstags-Abgcordnclen Genossen Volkgang Heyne: „Gewerkschaftsbewegung und Arbeiterbewegung". 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. ES ist Pflicht aller Kollegen, in dieser Versammlung zu erscheinan. 157/1 Die Ortsverwaltunx. Achtung! Achtung! Sonntag:, den 20. Jnll er.: Grosse Dampfer-Tagespartie mit Musik nach dem herrlich am Wald und Wasser gelegenen Wirtshaus„Zur Römer- schanze" in Nedlitz bei Potsdam. Abfahrt präc. 7 Uhr vom Schlüterstcg am Bahnhof Friedrichstrabe. Villets für Hin- und Nüikfahrt inkl. Tanz 1,6V M.; Kinder 0,50 M.; unter 10 Jahren, sobald sie keinen besonderen Sitzplatz einnehmen, sind frei. Um recht rege Betetligung ersucht Das Komitee. I. A.: Willy Tuschke, Langestr. 103. IMlibea-llllterMlUlgsW der StMrMu.MWWht». Am Dienstag, den 24. Juni, abends fp/j Uhr, findet im großen Saal des Grwerkschaftshauses, Engelufer 15, die Wahl von 330 Vertretern nach K 17 des Statuts für oben genannte Kasse statt und werden die Mitglieder hierzu ergebenst eingeladen. Qujttungsbuch der Orts-Kranlenkasse von Nr. 1—3666 legitimiert. 251b Der Vorstand. I. A.: A. Schütz. Verband der im Vergoldergewerbe besch. Arbeiter u. Arbeiterinnen Dentsclil ands. (Filiale Berlin.) Todes- Anzeige. Am Freitag verstarb nach langem Krankenlager' das Mitglied der Kollege ßlax Kehrt an der Proletarierkrankhcit 225/15 Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet Montag, den 16. d. M, nachm. 23/i Uhr, 00 in Angusta-Krankenhaus aus nach dem Friedhof der Zions- Gemeinde in Nieder-Schönhauscn statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet Der Vorstand. Orts-Krankenkasse der Graveure, Ciseleure u audrer ktiustlerischer Gewerbebetriebe zu Berlin. Vom 36. Juni 1962 betragen die wöchentlichen Kassenbeiträge 3 Proz. des im s 12 festgesetzten durchschnitt- lichen Tagelohneö und zwar: 1. für die Mitgl. der 1. Klasse 72 Pf. 2-»„„2.„ 54„ 3*„„„„3.„ 45„ 4-„„„„4.. 27 ,. 5.„„„„ 5.„ 24„ Der Vorstand. 2456 H. Jeretzky, A. Mösch, Vorsitzender._ Schriftführer. Dienstag, den 17. Juni, abends 8V2 Uhr, in Berlin V.. Badstr. 38 (bei Ziose, sriiher Zimmermann): Großer Vortrag v. FrauKreiselmayer, Neubabelsberg. 1. Ererbte und erworbene Krank- Helte». 2. Disposition(Veranlagung) z» Krankheiten, besondere Berücksich- tigung von Lungen-, Herz- und Nervenkrankheiten. 3. Frühjahrs-Knre». 4. Freie Aussprache und Beant- Wartung von Anfragen. Eintritt für Mitgl. frei, für Gäste 26 Ps. Anmeldungen werden an der Kasse enigcgciigenommen. 234b Der Vorstand des Natnrheil- Vereins Charlottenburg- Berlin. Mergolder. Verband der im Vergoldergewerbe beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen Dentschlands. Mlialc Berlin. Montag, den 10. Juni 1002, abendS präcise 7 llhr, in den Arminhallen, Kommandentenstr. 20(gr. Saal): Mitglieder- Versammlung und Recitatioasabend. Tages-Ordnung: 1. Abrechnung vom Stistungsfest. 2. Verschiedenes. 3. Nccitation des Herrn E. W alkotte. Zum Vortrag gelangt:„ B a r t e l T u r a s e r". Die Versammlung wird pünktlich um 7 llhr eröffnet, da um 8 Uhr die Recitation beginnt, und erwartet einen zahlreichen Besuch auch der Frauen 225/27 Der Vorstand. Efenlinen Konsum- Verein. Sonntag, den 22. Juni, vormittags 10 Uhr, im großen Saale des Gewcrkschaftshauses, Engel-Ufer 15: General-Versammlung der Delegierten. Tages-Ordnung: 1. Geschäftsbericht des Berwaltungsrats. 2. Vorlegung und Genehmigung der Bilanz. 3. Bericht der Geschäftsordnungs- Kommission. 4. Wahl ver- schiedener Komurissionen. 5. Verschiedenes. 168/13 Die Mitglieder haben ohne Sprech- und Stimmrecht Zutritt zu der Versammlung. Der Vorstand. SteinbUdhaueru. MnvmorKvbeiter. Mittwoch» 18. Jnni, abendS 8 Uhr, im Englischen Garten, Alexanderstr. 27c: Oeffentliche Versammlung. T a g e s- O r d n un g: 1. Staat und Gemeinde als Arbeitgeber. Referent Stadtverordneter B. Bruns. 2. Diskussion. 5. Angelegenheit der Steinarbeiter über Er- höhung der Beiträge und Regelung der Krankcnunterstützung. Das Erscheinen aller Kollegen erwarten 172/16* Die Vertranenslente. Lnttdpaizelleu am Bahnhof Biesdorf, erste Station hinter Lichtenberg, neu erschlossen, Qu.-R. 12 Mark an, cou- laute Bedingungen. 156/4 NiesehalKe, Rieger&Co. Gontardstraste 5. Verkäufer auf dem Terrain. Achtung, Vereine! Zwei Vereinszimmer zu 46 und 66 Personen zu vergeben. Ausschank von echt Schultheiß. 4338L* E. Wegner, Löwestr. 21. Deutscher Metallarbeiter- Verhanfi Verwaltungsstelle Berlin. Xodes-Anzeigc. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Klempner tünstav Bnchniann am 11. d. M. gestorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet statt am Sonntag, den 15. Jnni,»achiuitwgs bV- Uhr, von der Leichenhalle des Bartholomänskirchhofs in Weißensee ans. Rege Beteiligung ertvarlet 116/16 Die Ortsverwaltung. ceutrai-Verbaul! d. Maurer Deutschlands Zweigverein Berlin. Die Beerdigung unsres Kollegen .Anlast Wundersee findet nicht, wie gestern in der TodeS- anzeige angegeben, von der Leichen- Halle des Elisabethkirchhofcs, Prinzen- Allee, sondern nachmittags 3 Uhr vom TraucrhauseStralsuuderstr.26aus statt. Um rege Beteiligung der Kollegen bittet Die Berbaudsleitnng. Allen Kollegen und Bekannten zur Nachricht, daß unser Kollege, der Drechsler Karl SdMltka. langjähriges Kommissionsmitglied und Branchenverireter 1 am 14. d. M.'nach schwerem Leiden verstorben ist. Die Beerdigung wird in der Diens- taas-Nummcr bekannt gemacht. Die Kontroll- Kommission der Drechsler. Danksagung. Für die Beweise herzlicher Teil« nähme bei der Beerdigung meiner lieben Frau Auguste Schmidt sage ich hiermit allen Freunden und Bekannten für die reichliche Kranz- spende meinen herzlichsten Dank. Der trauernde Gatte Former Belnrleh(Scbmldt. Danksagung. Allen denjcntgein die bei der Be- erdigung unsres Sohnes Hermann »nd unsrer Tochter Ida teilgenommen haben, sowie dem Gesangverein Alpenglocke unsren innigsten Dank. Die Familie 8chimebec!t. AMu,! Bauanschläger! Bezugnehmend auf die Flugblätter laden wir die Kollegen zu der am Dienstag, den 17. Juni 1902, abends H Uhr, Im Kol- berger Salon, Kolbergerstrasse 23 stattfindenden öffentlichen Versammlung ein. Tages-Ordnung: 1. Zweck undZZiele des Verbandes. Reserent Kollege F. Neubauer. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 216b Die.Agitationskommission. Von der Matinee des Männer- Gesangvereins Liederlust II.(M. d. A.-S-B.) zum Besten der ausge- sperrten Modelltischler 359,— Mark Ueberschuß erhalten zu haben be- scheinigt Das Streikkomitee. kreis Scholle. Die Mitglieder dieser Baugenosse»- schaft in Waidmannslust veranstalten dort heute, Sonntag, den 15. Juni, ein Sommcrsest, wozu Freunde und Gesinnungsgenossen hiermit einge- lade» sind. Verdaad der Stock- und Sciiiraarlieiter. Montau, den 16. Jnni ct., abends 8 Uhr: GeneraH-UersammBung in C. Stechcrts Fcstsälen. AndrcaSstr. 21(oberer Saal). TageS-Ordnung: 1. Bekanntgabe des Resultats der Urabstinunung und Diskusston. 2. Wahl einer Liqnidationö-Kommission. 3. Bericht des Obmannes der Branchenkommisston u. Neuwahl derselben. 4. Verschiedenes. Um recht pünktliches und zahlreiches Erscheinen ersucht 84/14__ Der Vorstand. lflhl1PI*9linPI1 Hornhaut entfernt schmerzlos und gründlich binnen drei nilIlllCl«UIJjCll, Tagen nur mein berühmter ln,'ist»ppo,,g«ntgi» Nachdem Sie alles Mögliche angewandt, machen Sie �itljltllllllljlrUlüü, diesen letzten Versuch. Der Erfolg ist sicher. Dose 7b Pf., franco Mk. 1,66. L-l»,» li-i°il-l,mf''?s Vereine u. Gesellschaften für halbe und ganze Tage. Zu er- frage» bei Budolf Bartellel, Mühlenstraße 67 a. 3751L* Dr. Schiinemann, Specialarzt für Haut-, Harn- und Frauenleiden. ISc.vdelstr. 9. V-1S-V.3. Viö-VnS. Dr. Simmel, Prinzenstr. 41. Specialarzt für 25/17* Haut- und Barnleldcn. 10-2, 5-7. Sonntags 10-12, 2-4. Zaiin-Klilt. Preise* beliebige Teilzahlung. Olga Jaoobson, Ä« Annahme-Stellen für„Kleine Anzeige»". Osten: Wengeks, Gr. Frankfurterstr 133, H Gustav Vogel, Kypp.enstr. 83. Chr. Schultz. Blumenstr. 14. Nordosten: I. Renl, Barnimstr. 42. Xorden: •6. Raschke. Brliuthalerflr. 65. Karl A!ars, Kastanien-Allee 95/96. E. Stoltzeuburg, Wiesenstr. 4l/42. L. Dechand. Ruheplatzstr. 24. H. Bogel, Demuiiuerstr. 32. A. Tietz, Jnvalidcnstr. 124. Xordtvesten: Karl Anders. Salzwedelerstr. 8. Südncstcn: F. Ohnesorge. Bcrguiannstr.23, H. II. H. Schröder, Kreuzbergstr. 15. biiiden: F. Gutschmidt, Kottbufer Dann» 3 Südosten: Paul Böhm. Laufitzcr Platz 14—15. W. Gefche. Wrmlgclstr.-58. Marlin Mescha, Adalberlstr. 24. P. Horsch. Engel-Ufer 15. Centruia: A. Tietz. Brcitestr. 23. Oharlottenbnrg: G. Scharnberg. Sesenheiinesstr. 1. l-'rledenan: H. Bernsee, Kirchstr. 15. Vrledrlehsberg: O. Grauer. Franksurter Allee 197 Dankotv: Kuniiuert, Florastr. 48. Kixdorf: G. Ostcriuau», Erckstr. 6. E. Rctzera». Hermannstr. 56. iüehöneberg: Wilh. Bäumler. Martin Lutherstr 51 D'elssensee: Heinrich Bachmann, Lchdcrstr. 1. Julius Schillert, Känigchaussee 39a Verantivortlicher Redactenr: Carl Leid in Berlin Für den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin ». m Ii»w 3. Mm te Jotniitlö" Kerlma MslllM Ii WI 1« Die deutschen Gewerkschaftskartelle im Jahre 1901. Zum erstenmal veröffentlicht die Generalkommission der Gc tnerlschaften Deutschlands eine durch besondere Fragebogen-Erhebuiij; aufgenommene Statistik der deutschen Gewerkschaftskartelle für das Jahr 1901, die nahezu die gesamten bestehenden Kartelle umfaßt Aus der umfangreichen Arbeit— sie umfaßt im„Korrespondenzblatt" Nr. 22 18 Seiten, davon 8 Seiten Tabellen— geben wir einige der wichtigsten Angaben wieder. Von 365 im Vorjahre nachweisbar bestandenen Kartellen, von denen jedoch 12 am Schlüsse des Berichtsjahres teils eingegangen, teils verschollen waren, sind 319 an der Statistik beteiligt,' so'daß diese von den 353 verbleibenden Kartellen rund 39 Proz. umfaßt. lieber das Jahr der Gründung liegen Angaben von 395 Kar tellen vor. Danach entstanden von diesen Kartellen im Jahre: 1887 1888 1889 1899 1891 3 19 29 1892 1893 1894 1895 1896 22 33 17 23 28 1897 1893 1899 1999 1991 22 26 38 29 32 Die ältesten der jetzt bestehenden Kartelle sind die zu Heilbronn und Mainz(1887) sowie zu Berlin, Schwerin und Weimar(1389), während im letzten Jahre des Ausnahmegesetzes noch die Kartelle zu Brandenburg, Braunschtveig, Bremen, Cannstatt, Kottbus, Elb er seid, Göppingen, Mannheim, Offenbach und Tuttlingen entstanden. Daß die Kartelle in der Hauptsache Vertretungen der Zweige vereine centralisiertcr Verbände sind, ergiebt sich daraus, daß 233 Kartelle überhaupt nur solche zur Vertretung zulassen, während 82 zwar lokale Fachvereine aufnehmen, aber nur 28 Vereine dieser Art umfassen. In vier Kartellen sind auch fremde Gewerkschaften, teils Hirsch-Dunckersche Gewerkvereine, teils sogenannte unabhängige Gewerkschaften, vertreten. Die Gesamtzahl der in den 319 Kartellen vertretenen Organ! sationen beträgt 3995. Dabei sind mehrere Vertretungen' des gleichen Verbandes(Sektionen und Vororts-Zahlstellen) stets als eine Vertretung gerechnet. Die Kartelle weisen folgende Größen grnppen auf: 61 Kartelle zählen 11«, M„ 33. 28. 10. 5 ,, M 5„ 1— 5 Organisationen 6-19„ 11—15, 16—29. 21-39 31—40 41-59 über 59„ Die meisten vertretenen Gewerkschaften zählen die Berliner Gclvcrkschaftskommission(79) sowie die Kartelle zu München(69). Dresden(58), Nürnberg(57), Hamburg(53), Breslau(45) Bremen(45), Stuttgart(42), Halle(41), Solingen(41) und Frank fürt o. M.(49). Bon lokalen Fachvereinen wurden nur 58 in 28 Kartellen gezählt, davon allein 23 in Solingen. Eine Zunahme an Organisationen weisen 116, eine Abnahme 36(meist kleine) Kartelle auf, ivährcnd 78 den alten Stand behaupteten, 32 erst im Berichtsjahre entstanden und von den übrigen keine Angaben vorliegen. Die Gesamtzahl der vertretenen Mitglieder betnig bei 319 Kar tellen 481 718. Vergleichbare Zahlen für das Vorjahr liegen für 234 Kartelle mit 432 734 vertretenen Mitgliedern vor, deren Mit- gliedcrzahl im Jahre 1999 nur 429 979 betrug. Es ist also eine geringe Zunahme im ganzen zu verzeichnen; im einzelnen weisen 117 Kartelle einen Zugang, 198 eine Vcrniindernng an vertretenen Mitgliedern auf, während sllnf stabile Verhältnisse angeben. Die Mitgliederzahl der lokale» Fachvcreine betrug nur 19 572, wovon 5676 auf das Solinger Kartell entfallen. Nach Mitgliederzahlen gruppieren sich die Kartelle in folgender Weise. Es zählen: Ö 12 Kartelle bis zu 199 Mitgliedern 59, von 191— 299 Mitgliedern 42„„ 291— 399'„ 69„. 391— 599 66„„ 591— 1999 55„„ 1991— 2599„ 15„„ 2591— 5999 12,, 5099-19909 5„„ 19090—25000 2, über 25900 Mitglieder. Die meisten Mitglieder umfassen die Berliner Gctvcrkschafts koinmisfion(71 327) sowie die Kartelle zu Hainburg<31 499), München (17 275), Dresden(15 549), Nürnberg(12161), Breslau(19 693) und Bremen(19262). In den 169 Kartellorten stehen 328 Gewerkschaften außerhalb der Kartelle. Die Hauptaufgabe» der Kartelle liegen auf den Gebieten der ört lichcn Agitation, Vertretung der Arbciterintcressen gegenüber Gewerbe Inspektion und Behörden, Leitung von Wahlen zu Arbeitcrvcrtrctuuge» und Schaffung solcher gemeinnützigen Einrichtungen für die orgaui- sicrtcn Arbeiter, zu denen die Kräfte der einzelnen Gewerkschaften nicht ausreichen. Die Statistik läßt erkennen, daß bei aller Wertschätzung der bis- Serigen Leistungen auf manchen Gebieten doch noch sehr viel zu thn» übrig bleibt, ivährcnd auf andren Gebieten eine sprunghaft rasche Entivirkkimg zu verzeichnen ist, die mit den verfügbaren Mitteln nicht immer gleichen Schritt hält. Auch die Agitation unter den Arbeiterinnen läßt noch viel zu wünschen übrig. Dem Beispiele Berlins, dessen Gewerkschafts- kominission schon seit Jahren eine iveibliche Agitationskommissiou eingesetzt hat, sind bis jetzt im ganzen Reiche erst fünf Kartelle ge- folgt(Köln, Fürth, Gießen. Mylau und Ncichenbach i. V). Daß die Arbeiterinuenpropaganda durch die Kartelle ganz ivescutlich gefördert werden kau», das lehren die bcachtcustverten Erfolge der Berliner GewerkschaslKkoiniuission, deren Wirken die Gründung mehrerer vor- zngsweise aus Arbeiterinnen bestehender Verbände zu danken ist. Von den 319 Kartellen haben nur 194 Beschwcrdekommissioiie» für den Verkehr mit der Gciverbc-Jnspektion eingesetzt, während bei 24 diese Aufgaben durch örtliche Sekretariate nbernominen iverden. In 191 Kartellen fehlt es also au solchen Beschiverdcvermittelungs- stelle», soweit nicht die Knrtcllvorsiäudc selbst sich dieser Aufgaben unterziehen. Dagegen sind weibliche Vcrtrauensversonen überhaupt nur bei 15 Kartellen bestellt, von denen sieben ans Württemberg entfallen. Bauarbeiterschntz- Kommissioiien bestehen in 180 Kartell- ortcn. Von den 319 Kartellen haben 117 Fürsorge für Ausknnfts- ertcilnng und Rechtshilfe getroffen, und zwar besitzen 7 Kartelle (Berlin, Frankfurt a. M., Hamburg, Magdeburg. München, Posen und Stuttgart) eigne Gciverkschastsbnrenns und 22 haben eigne Arbeiter- sckretnriate, ivährcnd für 6 andre örtliche Arbcitersckretariate zur Benutzung stehen und 19 an benachbarten Sekretariaten Anteil haben. 69 Kartelle haben Anskuufts- oder Ncchlsschntzbnrenus. In 292 Kartellen fehlt es an gewerkschastkichen Einrichtungen für Auskunft- crteiluug und Rechtshilfe. Gemeinsame GewerkschnftSbibliotheke» sind in 117 Kartellen vorhanden, von denen 11 neben dem belehrenden Stoff auch für eine Stätte der Bildung sorgen, indem sie Lesezinuner eingerichtet haben. Im Besitz von CcntralarbeitSiiachweiscn sind 12 Kartelle. Ferner haben ans dem Gebiete der Herbergsfrage 115 Kartelle für die lliiterbringung der reisenden Arbeiter in Ccntralherbergcn bei Gastwirten Sorge' getragen, welche Fürsorge sich auch auf de» Verkehr der Arbeitslosen mit organisierten Arbeitern, nnd au, gewerkschaftliche und bildende Lektüre erstreckt, ivährend 6 Kartelle eigene Centralherbergcn(Selbstregie) haben, die zum Teil mustergültige Einrichtungen sind und dem Wirken der Gewerkschaften zur Ehre g'e reichen. Endlich sind zahlreiche(55) Kartelle noch teils finanziell, teils durch ihre Initiative und thätige Mitwirkung an gemelnnützigen Ei» richtungen beteiligt. Ueber die Einnahmen und Ausgaben liegen Angaben nur von 311 bezw. 319 Kartellen vor. Leider macht sich gerade hier der Mangel völliger Einheitlichkeit der Berichtsperiode geltend. Tie Gesamteinnahme der 311 Kartelle belänst sich auf 294 189 Mark, davon 194 989 M. aus Beiträgen. Von der Gesamteinnahme ist das Ergebnis besonderer Streiksammlnngen stets ausgeschieden, dasselbe betrug bei 199 Kartellen 214194 M., so daß insgesamt 598 293 M. durch die Kartelle vereinnahmt wurden. Hierbei ist zu beachten, daß diese Gesamteinnahmen nicht in allen Fällen die für die Erhaltung der Arbeitersekretariate Aufgebrachten Mittel umfassen� diese sind nur dort eingerechnet, wo ein einheitlicheer Beitrag für Kartell und Sekretariat erhoben wird. Außerdem sind in einer Reihe von Städten durch Vermittelung der Kartelle ziemlich bedeutende Fonds für die Errichtung von Saal- bauten und Gclverkschaftshäusern gesammelt worden, die ebenfalls in diesen Einnahmen nicht verzeichnet sind. Immerhin gewährt unsre Zusammenstellung schon ein deutliches Bild des finanziellen Standes der Kartelle. Die Gesamtausgaben stellen fich für 319 Kartelle(ausschließlich der Streikunterstützung aus Sammlungen) auf 298 319 M. Die wichtigsten Ausgaben zeigt folgende Zusammenstellung: Für Agitation(236 Kartelle).......... 35 956 M „ Vertreterwahle»(124 Kartelle)........ 8 552 „ Gewerkschaftsbibliotheken(125 Kartelle)..... 9 168 „ gemeinnützige Einrichtungen(192 Kartelle).... 49 745 Davon für Rechtsschutz und Auskunfterteil.(76 Kartelle) 21396 Für Miete und sonst. VerwaltnngSkosten(252 Kartelle). 41 931 persönliche Entschädigung u.' Gehälter(159 Kartelle) 24 349 � Besonders dürften im Hinblick ans die Erörtcrnugen über die Streikimterstiitzung durch Kartelle die diesbezüglichen Ausgaben interessieren, die bei 253 Kartellen 241 459 M. erreiche». 54 Kartelle hatten überhaupt keine Strcikausgaben nnd nur für zehn fehlten die Angaben, so daß obige Summe annähernd die Gesamtleistung der Kartelle darstellt. Davon flössen 214 194 M. aus besonderen Streiksammlnngen und 27 346 M. ans de» Kartcllkasscn. Leider ist das Bild dieser Wirksamkeit in etwas durch die Abweichungen in der Berichtsperiode vom Kalenderjahr bei 95 Kartellen getrübt, so daß ein Vergleich mit den Streikausgaben der Verbände nicht ohne weiteres möglich ist. Immerhin läßt sich ohne umständliche Untersuchung erkennen, was bereits ans der Streikstatistik der Centralverbände ersichtlich war, daß durch die Gewerkschaftskartelle nur der kleinste Teil der Streikunter stütznng aufgebracht wird. Trotzdem kann die Hilfe der Kartelle bei einzelnen Streiks ganz wesentlich ins Gewicht fallen, wie denn auch bei den vorjährigen Glasarbeiter-Kämpfcn 18 Prozent der gesamten Unterstütznng durch ihre Vermittlung aufgebracht wurde». Bei kleineren und örtlicher Kämpfen ist ihre Hilfe oft noch wirksamer. Endlich giebt die Statistik auch Auskunft über die an Kartell- orten bestehenden Kartellverbände fremder Gewerkschaftsgruppen der Hirsch-Dnnckcrschen und der christlichen Richtung. In beider Hinsicht sind die Ergebnisse sehr interessant; sie beweisen, daß auch in diesen abseits siebenden Gewerkschaftsgruppen ein Znsammenwirken ver- wandter Gewerkschaften viel häufiger vorhanden ist, als bisher be kanut war. Nach unsren Ermittelungen bestehen Ortsverbände deutscher Gewcrkvereine an 164 von 316 Kartellorten. Die Zahl der in ihnen vertretenen Ortsvereine Ivird indes nur für 137 Ortsverbände auf 457 angegeben. Weniger verbreitet sind die christlichen Gewerkschaftskartelle, die ür 29 Orte angegeben werden, Ivohingegen in 27 Kartellorten katholische Volksbnreaus und in zehn Kartellorten katholische Rechts- 'chutzbureaus bestehen. Die Gewerkschaftskartelle werden auch in Zukunft notwendige und nützliche Glieder der Gewerkschaftsbewegung sein. Sie werden ich um so kraftvoller entwickeln, je mehr sie sich dem Charakter dieser Bewegung anpassen und im Einverständnis mit den Central-Organi Nationen ihre Aufgaben zu erfüllen suchen. Sorrnles. Die gewerbliche Rechtsprechung in Elsaff-Lothriuge» wird noch ansnahmerechtlich nach Landcsgesctz geübt. Der Gemcinderat der Stadt Straßburg hat jetzt seinen Oberbürgermeister aufgefordert, bei der Landesverwnltnng vorstellig zu werden, daß das Rcichsgesetz über die Gcwcrbegerichte auch in Elsaß-Lothringcn eingeführt werde. Nene Bernfskrankheit. In den Konservenfabriken des Re giernngSbczirks Magdeburg wurde bei de» Spargel schäle rinnen das Auftreten eines Hautausschlages auf dem Unterarm, soweit er von Spargelsaft benetzt wird, bemerkt. Dieser Ausschlag erregte Jucken und bei stärkerer Ausdehnung solche Schmerzen, daß die Arbeiterinnen die Arbeit bis zur Heilnug aussetzen mußten. Die Arbeiterinnen haben versucht,' sich durch leinene Binden zu schützen, edoch ohne Erfolg, da diese leicht durchnäßt werden. Den Fabrist leitern ist vorgeschlagen worden, den Arbeiterinnen beim Beginn der Beschäftigung dicht anschließende Ledermanschettcn zu liefern. Aus der Fvmieubcniegung. „Die Fabrikarbeit verheirateter Frauen" von Henriette Fürth. Verlag von Dr. Ed. Schnapper, Frankfurt a. M. Die (leine, aber sehr iuhaltrciche Broschüre schildert zunächst in kurzen Worten die allniähliche Entwickluug der weiblichen Arbeit von der häuslichen Produktion zu der gewerblichen Lohnarbeit, die zunehmende Sterblichkeit unter den Kindern und Schwächlichkeit der Ueber- lebenden bei der grenzenlosen Ausbeutung der gesetzlich ungeschützten Frauen- und Kinderarbeit. Die Sorge um die künftigen Geschlechter gesunder Rekruten und arbeitsfähiger„Hände" führte, wie der englische Ausdruck treffend lautet, zu mancherlei ungenügenden Maß- regeln, als deren letzte in Preußen die Enquete über die Fabrikarbeit der verheiratete» Frau erscheint. An der and der darin niedergelegten Untersuchungen der deutschen „abrikiiispektioii bekämpft die Autorin die Gegner der Fabrikarbeit der Frau. Die haltlosen Behauptungen einiger derselbe», z. B. Dr. Pohle, werden mit leichter Mühe widerlegt, da jene erfahrenen Beamten, trotz verschiedenster Auffassung, doch alle die Ueberzeugung aussprechen, daß die Fabriknrbeit der Ehefrau nicht zu entbehren sei. Bedeutsamer noch erscheint das einstimmige Urteil, daß Heimarbeit, welche zum Erwerb betrieben wird, die Familie noch mehr chädigt als die Arbeit in der Fabrik. Den 229 334 Ehefrauen, welche in Fabriken beschäftigt sind, reihen sich die unverehelichten Mütter an, die um so schwerer an der Sorge für ihre Kinder tragen, da kein Ehemann ihnen die Last zur Hälfte abnimmt. Im Textilgewerbe mit seinen niedrigen Löhnen arbeiten III 194 Frauen; im Bergbau, in den sie überhaupt nicht gehören, fanden sich immer noch 1333, zumeist in Schlesien. Da die Berichte der Gewerbebeamten an dieser Stelle schon ausführlich besprochen wurden, übergehen wir die Besprechung darüber, welche den zweiten Teil des Buches füllt, um näher auf die Mittel einzugehen, welche Frau Fürth vorschlägt, um die bestehenden Uebclstände zu beseitigen und der Frau bessere Lebensverhältnisse zu schaffen. Die Einführung der HalbtagSzeit für Mütter hat etwas sehr Bestechendes. S. 18:„Es müßte eine Doppelschicht gebildet werden, so daß ein Teil der Frauen regelmäßig am Vormittag, der andre am Nachmittag zur Arbeit ginge. Das Schwergewicht der häuS- lichen Thätigkeit könnte entsprechend der Arbeitseinteilung entweder auf den Vor- oder den Nachmittag gelegt werden, die Ueberwachung und Pflege der Kinder könnte durch gegenseitige Hilfeleistung der Schichten' in bester Weise geordnet werden." In der Praxis dürfte der Vorschlag daran scheitern, daß der halbe Verdienst die Be- dürfnisse nicht decken könnte, für halbe Zeit aber kaum mehr als halber Lohn gegeben würde. Die beste Abhilfe ist und bleibt vorlänfi.g der achtstündige Arbeitstag, jedoch nicht bloß für die Ehefrauen Schon in der Kinderzeit wird durch Ucberanstreiiaung des unansgebildeten jugend« lichen Körpers der Grund gelegt für die vielen Frauenleiden. Des- halb verlaugt die Autorin mit' vollem Recht, die Mädchen erst vom vollendeten 16. Jahre ab zur Fabrikarbeit zuzulassen, und bis zum 18. Jahre in der Regel nur 6 Stunden Arbeitszeit zn gewähre». Der Einwendung, bei solchen Bedingungen würde Frauenarbeit nicht niehr verlangt werden, begegnet Frau Fürth, indem sie hervorhebt, daß bisher noch jede Verkürzung der Arbeitszeit die Intensität der Arbeit steigerte und sich stets als vorteilhaft erwies. Freilich muß die Frau auch das Ihrige thun, um sich zu kräftigen. Die verkehrte Art, die Mädchen dürftiger zn nähren als die Knaben, wird gebührend ver- urteilt und daran die Frage geknüpft, wie weit die Frauen entlastet werden können, ohne ihnen die Fabrikarbeit zu verbieten. Würden die Frauen trotz allen Abratens aus der Fabrik ans- geschlossen, so würden sie natürlich zu andrer Arbeit greifen, da sie vom Zuhansebleiben nicht satt werden. Die überwiegende Anzahl der Frauen muß mitarbeiten, um leben zu können. Und jene, welche einen Sparpfennig, bessere Erziehung der Kinder, die eigne Selb- ständigkeit oder ähnliches durch ihre Arbeit erstreben, werden ebenso wie die andern sich zumeist der Heimarbeit zuwenden. Da diese allgemein als die schädlichste Form der Arbeit erkannt ist, so gilt es, wenn man die Frau entlasten will, ihr die häuslichen Pflichten zn erleichtern. Die Autorin prüft die beiden hierauf bezüglichen, in letzter Zeit gemachten Vorschläge auf ihre Ausführbarkeit— zuerst die in einem Artikel der„Gleich- heit" von Frau Zetkin erhobenen Forderungen:„Kommunale Volks- küchen nnd Spcisehallen; kommunale Wasch- und Trockenhäuscr, kommunale Vorschriften für die Anlage von Ccnlralheiznng und Beleuchtung der Häuser, für praktische und hygieinische Ausgestaltung der Wohnungen bezw. Uebernahme der BeleuchtnngL- und Hcizungs- anlagen durch die Gemeinde; Schulkautinen, Spielplätze und Spiel-. säle.'wo die Kinder sich innerhalb der Schulstunden unter geeigneter Aufsicht tummeln können, Ferienkurse, Ferienhorte und Ferien- kolonien; Krippen, Kleinkindcr-Bewahranslalten und Kindergärten; Entbindungsanstalten, Wöchnerinnenhcime, Wöchnerinnen- Haus- pflege usw." Der zweite Vorschlag besteht in der Gründung von Wirtschafis» � genosscuschaften, wie Lily Braun sie gefordert hat. Hier sieht Frau Fürth das Haupthindernis in der Thatsache, daß der Ausbau nach dem Plan von Frau Braun— 60 bis 65 Wohnungen mit Garten, Speisesaal, Centralheizung nnd Beleuchtung, centrales Kinderzimmer mit Wärterin usw.— nur für sehr gut gestellte Arbeiter in Frage käme und dies zn einem Klassenunterschied führe» würde. Dieser Einwand ist aber um so weniger stichhaltig, da dieser Unterschied jetzt schon auffallend genug hervortritt. Die Frau des gut gezahlten Arbeiters bleibt zu Hanse, die andre geht nach Arbeit. Auch die kommunalen Einrichtungen, von denen eben die Rede war, müßten diese Unterschiede verschärfen, da sie nur für die bedürftigsten eingerichtet würden, wir kein sociales Stadtrcgimcnt besitzen. Sehen den Vorzug der kommunalen kostenlosen Verpflegung darin, daß dadurch die Acrmsten versorgt iverden, wir einen Fingerzeig, wie beide Systeme nebeneinander bestehen können. Während man eifrig agitiert, daß Krippen. Kindergärten zc., die jetzt nur durch freiwillige Mildthätigkcit bestehen, überall nach dcni Maße des Bedürfnisses auf Kosten der Gemeinde eingerichtet iverden, kann man zugleich die Gründung von Wirtschafts-Gcnossen- chaften betreiben, nach jeder Art und jeder Methode, die Erfolg zu versprechen scheint. Man muß nur nicht glauben, daß immer nnd überall gleich mit großem Kapitalaufwand eine ganz ideale Häuslich- keit geschaffen iverden muß. Der fruchtbare Gedanke der gemein- amen Hauswirtschaft kann mancherlei Form annehmen. So könnte B. eine geschickte und tüchtige Hausfrau für die Arbeiterinnen in demselben und den benachbarten Häusern das Essen kochen. Alle Beteiligten werden für weniger Geld besser und nahrhafter essen als zuvor, weil die Herstellung im ganzen nach jeder Richtung vorteil- haftcr ist. Oder man könnte einen Garkoch veranlassen, bei ge- Icherter Abnahme von einer bestimmten Zahl von Portionen Küche und Speisesaal für eine bestimmte Straße einzurichten. Es gilt nur die Ilcbcrzeugnng zu verbreiten, daß damit zunächst die ganze Familie besser ernährt wird für geringen Preis— und das ist leicht zn beweisen, dann aber auch die Einficht zu wecken, welch hohen Wert die größere Freiheit und Muße der Frau für die Einzelne und für die Gesamtheit besitzt. So meinen wir, man könne von beiden Vorschlägen zur häuslichen Entlastung der Frau in gleicher Weise wünschen, daß sie mit Ernst und guteni Willen in Angriff genommen werden, um ihre baldige Erfüllung herbeizuführen. Im Schlußwort faßt Frau Fürth die Forderung zum Schutz der Frauenarbeit nochmals zusammen:„Verkürzung der Arbeitszeit auf i Stunden für erwachsene, und mehr als 18 Jahre alte Arbeiterinnen, nach Art des Gewerbes eine weitere Herabsetzung der Arbeitszeit, Erhöhung des zn verlangenden Minimalalters auf 16 Jahre und von da bis zum vollendeten 18. Jahre eine Arbeitszeit von höchstens 6 Stunde». Verbesserung der Beschaffenheit der Arbeits- räume und aller sonstigen Arbeitsbedingungen, Ausbau der weiblichen Fabrikanfsicht nnd Einbeziehung der Hausindustrie und Heimarbeit in Kranken- und Jnvaliditätsversichenmg. Fenier Erhöhung der Löhne, ein ausgedehnter, mit Hilfe von Mnttcrschafts- knsse» auszubauender Wöchnerinnen- und Säuglingsschutz, obli- gatorische HanShaltschnlen, kommunale und staatliche Fürsorge zur Erleichterung der Hauswirtschaft. Im ganzen ein ganz annehmbarer Wunschzettel, von dem einige Hauptpunkte sicher in nicht allzu kurzer Zeit zur Durchführung kommen werden. Nur ein Wunsch fehlt noch— socialdcmokratische Mehrheiten in Konmmne und Staat, um die vorgeschlagenen Ein- richtungen durchzuführen.' �l. H. ,Die Franenfragc." Das unter diesen, Titel vor einigen Monaten erschienene Buch unsrer Genossin Lily Braun wird gegenwärtig in einer, von dem Genossen Ankersmit, dem Redactenr nnsreS Amsterdamer Partei-Organs veranstalteten holländischen Uebersetznng veröffentlicht. Sieben Lieferungen sind bereits er- 'chienen. Eine französische, russische und c z c ch i s ib e Uebersetznng desselben Buches sind in Vorbereitung und sollen im Herbst erscheinen._ jedenfalls so lange wir aber der Kinder! so haben Schriften-Eittgang. Pmily. Wahres und Falsches aus DarwtnS Lehre. Verlag voy E. Reinhardt, Minichen. Preis 80 Pf. Pharnsplau von Düsseldorf, mit besonderem Plane der Ausstellung Pharuö'-Verlag, Berlin\V., Königin Augustastraste 3. Preis 1 M. Bismurct und seine Welt. Grundlegung einer psychologische» Biographie von Oskar Klein-Hattingen. Erster Band 1615—1871. Berlin 1992(Ferd. Dümmler).— Preis 6 M. GewerbrgrriciitS- Gesetz nebst vier Beilagen. Erläutert von v. Schulz. Berlin. Verlag von O. Höring. 5 M. Gerechter Arbeitslohn! Bon Hermann Beck. Dresden. Verlag von O. U. Bvhmert. 3 M. Bon Zur Frage des Arbetterschntzes bei ösfentliche» Submissionen. Dr. phil. JuliuS Reicheöberg. Bern. C. Sturzenegger. WARENHAUS A. WERTHEIM Extra-Preise Leipzigerstr. 132—135(Versand-Abteilung). Rosenthalerstr. 27— 29.— Oranienstr. 52—55. Montag:, Dienstag:, Mittwoch: Porzellan weiss Speiseteller flach 13 rfl. Dessertteller Kompottteller Terrinen 95 Pf. u. Kartoffelschüsseln 60 Salati&ren 10 Bratenschüssel rund 50, Kannen für ca. i Ltt. bunt Grosse Kaffeetassen Kinder-Kaffeetassen Dessertteller Satztöpfe 6 stück Ausserdem: tief IG Pf. 11 Pf. 7 Pf. 1.25 Mk. u. 80 Pf. bis 45 Pf. oval 15 b. 70 Pf- 12 pc 20 Pf. 12 pc 18 pc 1.35«k. Tafelgeschirr m. Goldrand u. Qoldllnlen Speiseteller tief u. flach 30 pc Dessertteller 24 Pf Kompottteller 18 pc Terrinen 2.50, 3.15, 4.30 Mk. Sauciören 1.15 u. 1.35«k. Salatieren 35 pc bis 1.35«k. 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