Ar. 138. Adomitment«-Kedingungen: iilbonnemenIS-PreiZ pränumerando! vierleljährb Z,Z0 MI., monatl. l,10MI., wöchenlltch 28 Pfg. frei ins Hau». Stiuelne Numw'r 5 Pfg. Sonntag»« Nummer ml» tiliinneritr Sonntag!« Beilage„Tie Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: l.iv Marl pro Monat. Singetragen in der Post- Zeitung»- Preisliste für XÖOB unter Er. 7878. Unter Kreuzband für Teutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da» übrige Ausland 3 Marl pro Monat. tS. Jahrs. Die Jnfertions-Aelllsyd deträgt für die fechsgespaltene Kolonel« »eile oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewerts chastliche Verein»- und BersammlungS- Anzeigen 20 Pfg. „Kleine Knseigen" jedes Wort S Pfg. (nur da» erste Wort fett). Inserate für die nächste Nummer müssen bi» 4 Uhr nachmittag» in derErpsdition abgegeben werden. Tie Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtazen bi» 8 Uhr vormittag» gevssn«. Erich, ini täglich«nftet»oiilsg« Devlinev Volksblakk. ÄOntralorgan der socialdemokratiMen Uartei Deutschlands. Telegramm-Adreffs- .«orialdemolirat L erlin» Kedalttwu: SW. 19, Beuth-Slrahe 2. Fernsprecher: Amt I. Nr. 1508. Expedition: SW. 19, Beuth-Sttasze 3. Fernsprecher: Amt I, Nr. 5121. Die Gewerbe-Aufsicht in Berlin und feinen Vororten. Der von dem Gewerberat Hartmann erstattete Bericht über die Gewerbe-Jnspektion in Berlin. Charlottenburg, Schöneberg und Rixdorf enthält manche interessante Einzel- heilen, die in ihrer Gesamtheit einen Beweis dafür liefern, wieviel selbst in der„Stadt der Intelligenz" auf dem Ge- biete der Arbeiterfiirsorge noch zu thun übrig bleibt. Die Zahl der Gewerbe-Aufsichtsbeamten ist sim Berichts- jähre von 11 auf 14 erhöht worden. Im Gegensatz zu den Unternehmern traten die Arbeiter nur in sehr geringer Zahl mit den Beamten direkt in Verbindung, sie bevorzugen int allgemeinen den schriftlichen Verkehr, insbesondere die Ver- Mittelung der Gewerkschafts-Kommissionen. Auch die weiblichen Vertrauenspersonen erschienen mehrfach, um der Assistentin Be- schwerden zu übermitteln. Von den 190 Beschwerden sind etwa 60 durch �die Gewerkschafts-Konimissionen vorgebracht worden. Was die einzelnen Arbeiterkategorien anbetrifft, so hat die Zahl der jugendlichen Arbeiter gegen das Vorjahr um 401, d. h. 2,8 Prozent zugenonimen. Die Zahl der Kinder ist um 2, nämlich auf 47, gestiegen. Die Arbeitsbücher wurden in den Fabriken im allgemeinen in Ordnung gefunden; da gegen fanden sich bei den Kontrollen der Konfektionswerkstätten häufig Mängel. Bei 270 Revisionen einer Inspektion waren die Arbeitsbücher in 26 Betrieben nicht in Ordnung, sie fehlten für einzelne Arbeiterinnen ganz oder waren mangelhast geführt. Die für Fabriken vorgeschriebene Arbeitszeit und die Pausen werden im allgemeinen innegehalten. Schlechter sind die Verhältnisse in vielen Werkstätten, welche nicht unter die§Z 134— 139 a der Gewerbe- Ordnung fallen, z. B. in Maßschneidereien und Putzmachereien, wo die jungen Ar beiterinnen oft in wenig günsfigen Arbeitsräumen ohne Ein schränkung der Zeit mit den älteren Arbeiterinnen zn sammen arbeiten. Gegenstand erneuter Erhebungen sind die Zustände in den Dütenklebereien gewesen. Abgesehen von den in der Hausindustrie beschäftigten Kindern, deren Zahl naturgemäß schwer zu ermitteln ist, wurden in den Dütenklebereien 61 Kinder aufgefunden, eine Zahl, die der Bericht als niäßig bezeichnet, die im übrigen nicht mit der Angabe in Einklang zu bringen ist, daß die Zahl aller beschäftigten Kinder nur 47 beträgt. Die Arbeitsverhältnisse für die Kinder in den Dütenklebereien sind schlecht, die Arbeitszeit dauert meist von 2 bis 7 Uhr, im Durchschnitt 4 bis 5 Stunden; während der Ferien wird jedoch von 7 Uhr morgens bis 7 Uhr abends mit entsprechenden Pausen gearbeitet; es kommt auch vor, daß die Arbeitszeit noch mehr verlängert wird. Kein Wunder,- daß diese Kinder, den Beobachtungen ihrer Lehrer zufolge, durch die lange Arbeitszeit sehr angestrengt und in ihrer geistigen Entwicklung gestört werden! Und dabei beträgt der Durchschnittsverdienst der Kinder ganze 36 Pf. pro Tag, In einem Falle mußte sogar gegen einen Unter» nehmer eingeschritten werden, weil er trotz Verwarnung noch über die durch Ne Polizeiverordnung betreffend die gewerb- liche Arbeit oon Kindern für zulässig erachtete Arbeitszeit hinausging. Wie sehr die Kinder ausgebeutet, wie sie geistig, körperlich und sittlich zu Grunde gerichtet werden, dafür nur wenige Beispiele: Jugendliche Arbeiter mußten von gefährlichen Maschinen entfernt werden; andre wurde» zum Tragen schwerer Lasten oder in galvanischen Anstalten benutzt, in denen mit sehr giftigen Stoffen(Chan- kali) gearbeitet wurde. Ein 14jähriger Bursche war bei aus- gedehnter Arbeitszeit als Hilfsarbeiter und Vertreter des Kesselwärters thätig, trotzdem durch die Kesselgenehmigung Arbeiter unter 18 Jahren ausdrücklich ausgeschlossen waren. Auf Grund des§ 120 c der Gewerbe-Ordnung mußte zwei Bandagen-Fabriken verboten lverdcn, Arbeiterinnen unter 18 Jahren mit dem Nähen von Suspensorien zu beschäftigen. Tie Fabrikanten hatten den traurigen Mut, dagegen Beschwerde zu erheben. Die Eltern der Mädchen klagten außerdem bei der Gewerbe-Jnspektion über den in diesen Werkstätten herrschenden unangemessenen Ton in der Unterhaltung. Auch die Lehrlingszüchterei wird immer noch in großem Umfange betrieben. In sieben Fällen mußte gegen Unternehmer eingeschritten werden, welche aus der"Aus- Nutzung der Lehrlinge, zum Teil unter dem Vorgeben, eine Schule zu unterhalten, ein Geschäft machten. Die Schlaf- stätten der Lehrlinge wurden oft in schlechtem Zustande be- funden. Ziemlich kurz geht der Bericht über die Schilderung der Verhältnisse der Arbeiterinnen hinweg, deren Zahl gegen das Vorjahr um 10,1 Proz. zugenommen hat und sich auf 66440 beläuft. Es wurde beobachtet, daß die Frauen einzelne, für sie nicht geeignete Arbeiten übernahmen, die bisher von den Männern geleistet wurden. Das gilt namentlich von der Schraub enfabrikation, obwohl die Bedienung der Schrauben-Drehbänke eine für den weiblichen Körper zu große Anstrengung erfordert. Von andren Arbeiten, bei welchen die Frauen gefunden wurden, sind zu nennen die an Metall- und Papierpressen und-Stanzen, an den Schmelzkesseln für Blei- komposition, Ivo Bilderrahmen u. dergl. gegossen werden, und die einer Poliererin in einer Tischlerei. Ini Steinmetzgewerbe wurden Frauen beim Polieren von Marmor, Granit und andren Gesteinen angetroffen. Die Zahl der männlichen erwachsenen Arbeiter hat um 1977 abgenommen; insbesondere hat diese Abnahme in der Maschinen- und in der Holzindustrie stattgefunden, während das Nahrungsmittel- Gewerbe und die Industrie der Seifen Oele und Fette wesentlich zugenommen haben. Die Arbeits� zeit ist, wie von allen Inspektionen gleichmäßig berichtet wird infolge des geschäftlichen Rückganges in vielen Betneben stark verkürzt worden. Zu lange Arbeitszeit und Ueberstunden fielen infolgedessen in diesem Jahre fast ganz weg. Nur in den Schlächtereien unv Wurstfabriken dauert die Arbeitszeit vielfach noch 14, selbst 18 Stunden, ohne daß regelmäßige Pausen gewährt werden. Auch in Bäckereien sind eine Anzahl Ueberschreitpngen der Arbeits zeit durch die Polizeireviere zur Anzeige und Bestrafung gebracht worden. Die Arbeitszeit betrug dabei 14 und 15 Stunden, zuweilen ohne Pausen, und oft auch für die Lehrlinge. Die Arbeitsordnungen geben fortgesetzt zu vielen Er innerungen Veranlassung. Insbesondre wurde gegen Be stimmungcn in Arbeitsordnungen der Konfektionsindustrie vor gegangen, wonach für fehlerhafte oder nicht nach Vorschrift angefertigte Waren Abzüge vom Lohn gemacht werden konnten, deren Höhe meist in das Ermessen des Betriebsinhabers oder d es Werkmeisters gestellt war. Als bedauerlich bezeichnet es der Bericht, daß es immer mehr Sitte wird, jede Kündigungs frist auszuschließen. lieber den Umfang der Arbeislofigkeit haben die Ge werbe-Anfsichtsbeamten im Oktober und November Er- Hebungen veranstaltet. Durch persönliche Umfrage wurde fest gestellt, daß in Eisengießereien. Werkzeugmaschinen-Fabriken, Maschinenfabriken, elektrotechnischen Betrieben, im Baugewerbe und in Tischlereien im Oktober 1901 etwa 15000 bis 18000 Arbeiter, fast ausschließlich männliche, weniger be schäftigt wurden als im Oktober 1900. Sehr empfindlich betroffen wurden besonders die Eisengießereien, in denen etwa 39 Proz. der Arbeiter entlassen waren. Neben der verniinderten Arbeitsgelegenheit wurde auch der verringerte Arbeits- Verdienst schmerzhaft empfunden. Zahlreiche Fabriken haben nicht nur Arbeiter entlassen, sondern auch für die ver bleibenden die Arbeitszeit gekürzt. Den dadurch hervor gerufenen Minderverdienst für die Arbeiter in Maschinen- fabriken und in verwandten Betrieben berechnet der Bericht erstatter durchschnittlich auf 15 Proz., für manche Arbeiter fannlien ist er noch höher. Daß die Gewerbe-Jnspektoren den Unternehmern möglichst weit entgegenkamen, geht aus einerZ Stelle des Berichts hervor, in der ausdrücklich konstatiert wird, daß zum Schutz vor Unfällen bei dem schlechten Geschäftsgange nur das Not- wendigste oder ohne große Kosten Erreichbare durchgeführt werden konnte. Besonders große Mängel scheinen in den Arbeitsstätten der Konfektionsindustrie zu herrschen. Wenn auch die dortigen Verhältnisse als„im allgemeinen ziemlich befriedigend" bezeichnet werden, so wird doch andrerseits über mangelhafte Luftverhältnisse, zu große Hitze im Sommer, ungenügende Heizung im Winter in sehr vielen Werkstätten geklagt. Auch der nachteilige Einfluß, den das oft festgestellte Entbehren eines warmen Getränkes und warmen Essens während der Arbeitszeit auf das körperliche Befinden der Konfektions- arbeiterinnen, namentlich auf die Entwicklung der jugendlichen, ausübt, wird tadelnd hervorgehoben. Schließlich noch ein Wort über die Wohnungen der Arbeiter. Nach Ansicht des Berichterstatters war in Berlin am Schluß des Jahres ein Mangel an Arbeiterwohnungen nicht mehr besonders bemerkbar. Anders in Charlotten bürg. Hier hat die Wohnungsnot einen solchen Umfang angenomnien, daß nur ein Drittel der Arbeiter in Charlotten bürg wohnt; 691 Arbeiter wohnen eine halbe, 130 über eine ganze Stunde von der Fabrik entfernt. Wohl das am wenigsten erfreuliche Bild zeigen die Er- Mittelungen über das Schlafstcllenwesen der unverheirateten Arbeiterinnen. Die wohnungsuchenden Mädchen begegnen sehr oft Mißtrauen, man verhält sich ihnen gegenüber ab- lehnend und sie sind gezwungen, das erste beste Quartier zu nehmen. Sie erhalten gegen Zahlung von 3 bis 6 Mark monatlich zur Benutzung ein Bett, das sie oft noch mit einem andern Mädchen teilen müssen, und Waschgelegenhcit. Ein Platz im Kleiderschrank oder Kommode zur Aufbewahrung der Sachen wird nur ausnahmsweise zur Verfügung gestellt, der Aufenthalt in der Wohnung des Vermieters während der Tagesstunden wird meist nicht gestattet. Wir sehen also, daß selbst in der Hauptstadt des Deutschen Reiches noch Zustände herrschen, die die größte Gefahr für die Sittlichkeit bedeuten. Die Moralfexe, die bei jeder Ge- legenheit über die Sittenverderbnis der Jugend wettern, könnten aus der Lektüre des Berichtes lernen, wo der Hebel anzusetzen ist. Und auch die bürgerlichen Socialpolitiker, die sich von der Institution des Fabrikinspektorats so übermäßig viel versprechen, werden hoffentlich zu der Einsicht gelangen, daß selbst der eifrigste Fabrikinspektor innerhalb der heutigen Gesellschaftsordnung nur wenig auszurichten vermag. Die Mißstände, die der Bericht schildert, sind eine unausbleibliche Folge des Kapitalismus; sie werden erst verschwinden, wenn sich die Arbeiterschaft die politische Macht erobert und die kapitalistische Wirtschaftsordnung beseitigt hat. Volttifche Aebcefichk. Berlin, den 16. Juni. Preußischer Landtag. Im Abgeordnetenhause wurde am Montag das Aus- führungsgesetz zum Fleischbeschau-Gesetz in dritter Lesung angenommen, und zwar durchweg in der agrarischen und städtefeindlichen Fassung, die ihm die aus den Konservativen, dem Centrum und einem Teile der National- liberalen bestehende Mehrheit gegeben hat. Es wird dadurch einmal die obligatorische Trichinenschau für Hausschlachtungen aufgehoben und andrerseits wird bestimmt, daß eine erneute Untersuchung bereits tierärztlich untersuchten Fleisches auch in Städten mit Schlachthauszwang nur dann gestattet sein soll, wenn Verdacht auf Verdorbenheit des Fleisches vor- liegt. Diese zweite Untersuchung soll kostenfrei sein. Abg. Ehlers wies darauf hin, daß diese Bestimmung dem Kommunalabgaben-Gesetz widerspreche und daß viele Städte, falls ihnen die Gebühren für die Untersuchungen in den Schlachthäusern entzogen würden, an eine Er- höhung der kommunalen Steuerzuschläge würden denken müssen. In denselben Gedankengängen bewegte sich der Minister des Innern Frhr. v. Hammerstein, derben Agrariern mit ungewönlichem Ernste ins Gewissen redete und sie bat, doch nicht die Städte, von denen viele die Anleihen zur Errichtung von Schlachthäusern auf die aus derselben zu erwartenden Gebühren fundiert haben, durch den teilweisen Wegfall dieser Einnahme in die größte Verlegenheit zu bringen. Schließlich gab sich jedoch Herr v. Hammerstein resigniert mit dieser Aenderung zufrieden und bat, sie doch entsprechend einem Antrage von Mendel-Steinfels-Herold erst am 1. Oktober 1904 in Kraft treten zu lassen. Mit dieser geringfügigen Konzession wurde denn auch das Gesetz schließlich gegen die Freisinnigen und die Mehrheit der Nationalliberalen angenommen. Im übrigen wurde über Petitionen beraten, die auch den einzigen Gegenstand der Tagesordnung vom Dienstag bilden.— Das Herrenhaus nahm zunächst das Gesetz betr. die Umlegung vonGrundstücken inFranksurta. M. („lex Adickes") mit dem auf Frankfurt beschränkten Geltungsbereich, den ihm das Abgeordnetenhaus gegeben hat, an. Auch der Vater des Gesetzes, Oberbürgermeister Adickes- Frankfurt a. M. erklärte sich mit der Fassung, die es nach langen Irrungen und Wirrungen erhalten hat, einverstanden, wenn auch nicht ohne einige Ueberwindung. Weiter beschäftigte man sich nnt dem Antrag von L e v e tz o w, betreffend die Bekämpfung des über- mästige» Alkoholgennsses. Der Antrag ist identisch mit der vom Abgeordnetenhause angenommenen Fassung der Antrages Graf Douglas und offenbar eingebracht worden, um die Anti- Alkohol-Demonstration aus der Prinz Albrechtstraße durch die geistige Bedeutung des Dönhoffsplatz-Parlaments um so imposanter zu gestalten. Leider fiel nur in Wirklichkeit diese Kundgebung recht kläglich aus. Es machte schon einen eigen- tümlichen Eindruck, daß der Antragsteller selbst, Herr v. Levetzow, während der Sitzung nicht anwesend war und daß auch der bestellte Berichterstatter sich durch einen andern, den frommen Eiferer Freiherr» v. D u r a n t, vertreten ließ. Schlimmer noch war das Schlußrcsultat: nur die zu nichts verpflichtende Forderung, die Regierung niöge ein Gesetz gegen den Schaden des Alkoholismus vorlegen, fand eine große Majorität; der ganze übrige Teil des An- träges aber, der mit seinen zahlreichen Specialforderungen die eigentliche Tendenz der Aktion enthält, wurde nur mit einer so knappen und zweifelhaften Majorität angenommen, daß diese„Mehrheit"— Vicepräsident Frhr. v. Manteuffel erklärte:„das ist die Mehrheit"— manchem wie eine Minorität erscheinen wollte. Die Debatte war herzlich unbedeutend. Ueber die Trink- sitten der C o r p s st u d e n t e n waren die edlen Herren ver- schiedener Meinung. Der Graf K o s p o t h bekannte sich als Feind des Trinkzwangs in den Corps; es verdirbt den Magen. Darin ist wieder Graf G o r d o n andrer Meinung: Trinkzwang und Comment sind für ihn der Inbegriff der — selbstverständlich der corpsstudentischen— Burschenherrlichkeit, und die mag er nicht missen. Graf Mirbach aber spricht einige diplomatische Sätze von„veränderten An- 'chauungen", denen sich die„jungen Herren" der Corps anpassen müßten. Die eigentliche sociale Bedeutung des Alkohol-Konsums und-Mißbrauchs wurde kaum gestreift. Nur Graf Schliebcn warnte in merkwürdig verständigen Worten davor, durch die Be- 'chränkung der Polizeistunden ein Ausnahmegesetz gegen die Arbeiter zu schaffen. Er rief seinen Bundesgenossen zu: Wollen Sie die Destille chikanieren und das Hotel freilassen? Wollen Sie den Rotspohntrinker ungeschoren lassen und den Schnapstrinker bestrafen? Aber niemand nahm diesen Fehde- Handschuh aus gräflicher Haud auf. Am Dienstag soll eine Kommission das Fleischbeschau- Ausführungsgesetz für das Plenum vorbereiten, das sich am Mittwoch damit beschäftigen wird. An demselben Tage dürfte der Schluß des Landtages erfolgen.-- Hans Don Anffcs?' Ende. Man schreibt niis: In der deutschen Presse wird in diesen Tagen der Name des Gründers des Germanischen Museums in Nürnberg viel genannt. Nur der.Vorwärts" aber hat der Wahrheit gemäd dargesteüt, wie dieser heule viel gefeierte Mann Zeit seines Lebens unter der Treulosigkeit der Fürsten, der Interesselosigkeit seiner Zeitgenossen gelitten, und wie er alle«— seine Kraft und sein Vermögen— seiner Idee gewidmet hat. Nber sein tragisches Schicksal kennzeichnet sich nicht dadurch allein; über seinen Tod, der eS gleichsam besiegelte, schweigt man heute, darum wollen wir von ihm reden. Die Aufrichtung des Deutschen Reiche» erfüllte HanS Aufsesi, der so lange einsam gelvesen war in seiner Liebe zu Deutschland, mit heller Begeisterung. Es trieb ihn, teilzunehmen an allem, was damit zusammenhing, und so eilte er nach Strasburg. um die Gründung der Universität dort mitzumachen. Von dein Fenster seines Hotels ans sah er dem Festzug entgegen. Plötzlich. während er sich noch des Jubels, den er mit erleben durfte, freute, stürzte ein junger Student in sein Zimmer und hieb mit Stock und Hand ivütcnd auf ihn ein. HanS Aufscsi brach zusammen. Man versuchte noch, ihn zu Verwandten aufs Land zu bringen. aber schon wenige Tage später war er tot. Erst viele Jahre später trieben Gewissensbisse den bis dahin unbekannt gebliebenen Totschläger der Familie Anfsesi gegenüber zum Geständnis: Er hatte, von Wein und Vaterlandsliebe berauscht, in Anfsesi einen Mann vermutet, der angesichts des Festznges aus dem Hotel ge» pfiffen hatte, und fühlte sich getrieben, ihn zu züchtige». So wurde der Gründer des Germanischen Museums, der selbstlose Vorkämpfer des deutschen Freiheitsgedankcns. ein Opfer weinseligc» Chanvi- niSinuS.— «* Die Leidenstragödie des Gründers und Opfer» des Germanischen Museums, die wir am Sonntag erzählten, hat keine Schatten au die prunkvollen Nürnberger Jubilarfeierlichkeiten geworfen, welche die offizielle Welt unternommen hat. Jeder irgendwie mögliche Gedenktag ivird ja jetzt zu einem Kostümfest benutzt. Die Könige von Preußen und Württemberg, der Prinzregent von Bayern, zahlreiche Minister, darunter auch Graf Bälow, Ivaren erschienen. In der Stiftungslirkunde wird zwar auch des Freiherr» von Anfsesi gedacht, in erster Linie werden aber die Verdienste der Fürsten um das Unternehmen gefeiert: Ludwigs I. von Bayern, Johanns von Sachsen, Wilhelms des„Grosien", Friedrichs III. Der Kaiser hat dem Museum alS»erneuten Beweis unsrer kaiserlichen Huld und Fürsorge" sein Sigel geschenkt, außerdem das seines Vaters und GrosivaterS.— Katholische Arbeiter gegen die Zollvorlage. Aus Düsseldorf wird uns geschrieben: Die Gegner der Zollvorlage im Düsseldorfer Centrum arbeiten nun von Woche zu Woche in P r o t e st- V e rs a m m- l u n g e». die zum Teil einen recht stürmischen Verlauf nehmen. Woche um Woche findet eine dieser Versammlungen statt, nicht nur im Stadtkreis, sondern vor allen Dingen auch in dem mit Dörfern übersäten Landkreis Düsseldorf. Die ländlichen Bewohner er« scheinen in diesen Versammlungen in recht großer Zahl, und da ist es interessant zu beobachten, wie die oft äußerst radikalen Angriffe auf die Centrumspartei und den Abgeordneten Kirsch gerade von diesen bäuerlichen Zuhörern auf das lebhafteste applaudiert werden. Ei» Herr Julius S tapper aus dem Dorfe Styrum bekannte sich z. B. in einer kürzlich dort abgehaltenen Versammlung als Mit- glied des christlichen Holzarbeiter-Verbandes und führte». a. das Folgende ans: .Für die hohen Zölle liege durchaus keine Noiwendigkeit vor. Wenn der Grosigrnudbesitz nicht mehr existieren kann, so ist er eben nicht mehr existenzbercchtigt. Wir würden uns also am besten stehe», wenn wir dem Großgrundbesitzer seine Güter ab- kanftc» und dieselbe» zerschüge» und fleißige kleine Bancr» hinsetzten: dann brauchten wir keineswegs die Steuern und Zölle zu erhöhen, s.'s Generalsekretär Dr. Piesier sagt. dieZollcrhöhung diene der ausgleichenden Gerechtigkeit. Referent aber müsse sie als eine Politik der ausweichenden Gerechtigkeit bezeichnen. Er achte und liebe das Centrum als Mitglied, aber mau denkt oft, w e n n man seine Abgeordneten gewählt hat, habe man sich d i e H ä n d e gebunden. Ich betrachte die CentrumS- partei als eine Posaune, und die Abgeordneten des Reichs- und Landtags sind das Mund st ii ck; die treibende Kraft aber, welche aufspielt, ist daS deutsche Volk und besonders die deutschen Arbeiter; und ivenn bei dem Konzert in Berlin unsre Centrninsposaune nicht mehr recht klingt, so thun wir ein neues Mund st Ü ck darauf und schicke» einen neuen Mann hin nach Perlin!(Bravo und Händeklatschen.) Man hat in den Arbeitervereinen vielfach den Schnitzer ge- macht und Resolutionen für die Zollerhöhung gefaßt, ehe das Material vorlag, um sich ein richtiges Urteil zu bilden. Wenn man die Sachlage näher untersucht, kann ein g« i st l i ch e r Präses nicht die Verantwortung auf sich nehmen, die Lage des armen Mannes durch Nahrungsmittel- Ver- teuerung noch zu verschlechtern. Aber da der Scb nitzer gemacht ist, will man an b e st i m m t e r S t e l l e v o n keinem Zurück etwas wissen: es ist daher Sache des Volkes, seine Sache s e l b st in die Hand zu nehmen. Gegner haben den Katholiken Tummheit vorgeworfen; wir würde» diesen Vorwurf verdicue», wenn wir diese Zollvorlage gut- heiße». Diese Stellungnahme darf natürlich unter keiner Bc- diiigung misre Zugehörigkeit zum Centrum erschüttern." Die Diskussioiisrediicr bestätigten und verschärften diese Aus- führiingen noch zu einem guten Teil. Ein Redner sagte z. B. unter denionstrativen Zurufen: .Wir müssen leider konstatieren,»usre Abgeordnete» wollen unsrc Interesse» verraten. WaS hat Herr Kirsch bei Strucks- berg versprochen:.Ich werde stets in jeder Weise für das arbeitende Volk eintreten"—(und was hat er gethan?! Das werden wir uns merken, wenn es sich im nächsten Jahre darum handelt, eine neue Kandidatur aufzustellen." Es wurde schließlich, wie in alle» diesen Protestversammlungcn, die schon neulich im.Vorwärts" mitgeteilte Resolution gegen den Zolliviicher und das MißtranenSvotni» gegen den Abgeordneten Kirsch unter demonstrativem Beifall aiigenoininen.— Die Rufscnverfolgnng, die in hingebender Verehrung Väterchens feit geraumer Zeit auch in Deutschland von Universitäten, technischen Hochschulen und Polizeibehörden betrieben wird, hat in Holle zu eineni Mißerfolg geführt. Kürzlich hatte die Hallenser Polizei die Bibliothek in deni VersammlimgSzimmer der russischen Studenten und Sluden« tinnen beschlagnahmt. Jetzt teilt die Polizeiverwaltung ge- knickt mit, daß die Bibliothek wieder freigegeben werden wird, weil»es sich nur nni Werke wissenschaftlichen Inhalts handelt. Unter den deutschen Schriften befinden sich keine anarchistischen. Die Wiederfreigabe der beschlagnahmten Bücher wird deshalb demnächst erfolgen, zumal festgestellt ist, daß die Vereinigung russischer Studenten und Studentinnen in keinem Zusammenhange mit der ini vorigen Jahre aufgelösten Verbindung mit grobpolnischen Tendenzen steht." Das Traurige ist, daß imsre Universitäten, statt mit aller Energie die Gastfreiheit der deutschen Wissenschaft zu verteidigen, selbst sich an den polizeilichen Maßnahmen beteiligen. Namentlich in Berlin bereitet man den russischen Studierenden alle möglichen Schwierigkeiten.— Die Wittelsbacher und die Zähringer. In Ludwigshafen hat der Prinz Ludwig von Bayern, nachdem er am Vorniittag im b a d i s ch e n Mannheim gewesen, eine Rede geredet, in der er eriniierungSvoll klagte: .Ich komme heute von einem schönen Fleckchen Erde, daS man uns vor hundert Jahren gewaltsam entrissen hat." Die jetzt zu Baden gehörige rechtsrheinische Pfalz war früher „Besitz" der Wittelsbacher'und wurde in der Franzosenzeit von Bayern losgetrenut. Seitdem trauert Bayern vergeblich um das verlorene Stück Landes. Der Zähringer Bruder hat' das Gut nicht wieder heranSgegeben. Aber vielleicht genügt die jetzige schmerzliche Erinnerung des Prinzen Ludwig, um Baden zur Rückerstattung zu veranlassen.—_ Tic„Deutsche Tageszeitung" sticht ihre herrliche Wncherzoll- fache durch kleine Schwindeleien zu verbessern, die hiermit fest- gestellt seien. Das Blatt weiß heute aus der«Agrar-Korrespondenz" folgende „Entrüstiiug" abzudrucken: „In der Zolltarifkommission hat der Herr Professor Paasch? den Antrag auf Einführung eines Superphosphatzolles gestellt! Angesichts eines Tarifentwurfes, der die b e r e ch- t i g t e n landwirtschaftlichen Forderungen an keinem Punkte, übertriebene i n d n stri e l l e Forderungen aber sowie so schon in vielen Punkten aufweist: angesichts eines solckien Tarifcntivurfs hat der genannte Herr Abgeordnete cö für angezeigt erachtet, eine Zollverteuernng für ein so wichtiges Tiingemittcl zu verlangen! Es genügt wohl zur Jllustrieruug der laudwirtschnftsfreundlichen Haltung dieses wesentlich durch Unterstützung der Bauern gewählten Abgeordneten, daß man diese Thatsache feststellt." Diese höchst unagrarische Entrüstung Über eine Zollerhöhung ist um so frecher geheuchelt, als bekanntlich niemand anders wie der Direktor des Bundes der Landwirte, Dicderich Hahn, gleichfalls seine Geneigtheit bekundete, bei der zweiten Lesung für die Erhöhung des SupcrphosphatzolleS zustimmen, und zwar deshalb, weil der Bund der Landwirte von den Phosphat- Gesell- schaften Vermittelungsgebühren bezieht. Gegen diese die Landwirtschaft geradezu vcrratendeHaltiingdesBimdeShäuptliiigStratam entschiedensten die Socialdemokratie ein. Um die vernichtende Bloßstellung des Bundes vergessen zu machen, erfolgt jetzt die empörte Notiz, nicht wider Hahn, sondern wider Paasche. Nicht minder verlogen ist ein zweiter Versuch der„Deutschen Tageszeitung", die Interessen des Wucherzolls zu fördern. Die Agrar- konservativen arbeiten neuerdings stark darin, durch den focialistischen Wauwau die Regierung inS Junkerjoch zu schrecken. Sie thun das in der Weise, daß sie auf den Beifall hinweisen, den die Regierung bei den Socialdemokraten finde. So hat die.Deutsche Tageszeitung" entdeckt, daß„die scheinbare Energie", die Graf Biilow bei den Zollanträgen im Abgeordnetenhaus entfaltet, ihm „nur den Beifall des Freisinns und der S o c i a l d e m o k r a ti e zugezogen" habe. Bewußter Schwindel; denn die„Deutsche Tages- zeitung" hat selbst erst vor kurzer Zeit aiierkannt, daß die Social- dernokratie das staatsrechtlich und staatsmäniiisch gleich thvrichte Ber- halten des Reichskanzlers mißbilligt hat. Nach der Aufhebung de« Diktatnrparagraphen. Mülhausen i. Elf., 16. Juni.(Privatdepesche.) Die Liste der vereinigten„Ordniuigsparteien"(liberale, klerikale und Bürger- meister- Partei) ist total unterlegen bei einem Stimmcudurchschnitt von 5700 Stimmen. Die demokratisch-socialistische Kartcll-Liste siegte mit durchschnittlich 6600 Stimmen; gewählt sind neun Demo- kraten und ein Socialdemokrat. Bneb ist unterlegen mit 4300, Hickel mit 2600 Stimmen. Am nächsten Sonntag findet ein zweiter Wahl- gang statt behufs Entscheidung Über 26 Sitze. Straßbnrg i. Elf., 16. Juni.(„Franks. Zeitung.) Bei den Gemeinderatswahlen wurden 14 Kandidaten der vereinigten bürger- lichen Parteien, darunter ReichstagS-Abgeordneter Riff gewählt. 3 der Gewählten sind Liberale, 4 Demokraten und 2 Klerikale. Die Socialdemokraten brachten einen Kandidaten durch, und zwar das BczirkStags-Mitglied B ö h l e. In allen Bezirken ist eine erhebliche Zunahme der soeialistischen Stimmen zu ver- zeichnen; im 2., 5. und 6. Bezirk fehlen einem Teil der socio- listischen Kandidaten nur wenige Stimmen zur absoluten Mehr- heit. Die ErivcrbS- und Mittelstandspartei erlitt ein vollständiges Fiasko. Ihre Kandidaten vereinigten nur verschwindende Minder- heilen auf sich. Es haben noch 21 Nachwahlen stattzufinden.— Zunahme der Soldatenmißhandlnngen. „Die Mißhandlungen Untergebener haben in letzter Zeit stark zugenommen, so daß nur von strenger Bestrafung Abhilfe er- wartet werden kann"— mit diesen Worten begründete der Ge- ri ch ts herr der n a s s a u i s ch e n Truppenteile die Be- rufung gegen ein Urteil dcS Kriegsgerichts zu Frankfurt am Main, nach dem der Unteroffizier Heinrich Müller von der 10. Compagnie des 87. Infanterie- Regiments wegen Mißhandlung eines Nntergebenen zu fünf Wochen Mittelarrest verurteilt worden war. Müller hatte sich darüber geärgert, daß der hinter ihm marschierende Flügelmann auf das Kommando„Tritt gefaßt links I" den Tritt wechselte, obgleich das Kommando von dem die Abteilung ührenden Sergeanten abgegeben war. Er versetzte dem Manne deshalb einen Fußtritt und zwei Schläge ins Ge- s i ch t als Lohn dafür, daß er ganz vorschriftsmäßig gehandelt hatte. Der Vertreter der Anklage vor dem Ober-Kriegsgericht zu Frankfurt a. M. betonte ebenfalls, daß die Mißhandlungen gerade bei den beiden nassaiiischen Jnfantcrie-Regimcntern Nr. 37 und 88 in erschreckendem Maße zugenomnien haben. Er bean- tragle, um ein abschreckendes Beispiel zu schaffen, die Strafe des Müller auf sieben Wochen zu erhöhen. Das Ober- Kriegsgericht sah jedoch hiervon ab, da der Mißhandelte keine» dauerndeu Schaden genommen habe und der Miltelarrest schon eine empfindliche Strafe sei. Indessen wurde auch die Berufung des An- geklagteii. die eine mildere Bestrafung bezweckte, zunickgewiesen, so ?aß es bei der Strafe von fünf Wochen Miltelarrest sein Bewenden hatte. Chronik der MajestiitSbeletdigungs- Prozesse. Ans Mannheim wird uns geschrieben: Als am 26. April dieses Jahiies der deutsche Kaiser nach Karlsruhe fuhr, um an den Jubiläumsfestlichkeiten deS GrotzherzogS teilzunehmen, passierte der Hofzng auch die nahe Station Neckarau. Kurz vorher hatten ksich einige an einer Barriere stehende Leute über die Reise des Kaisers unterhalten, und der 25jährige Schreiner L o t t e r meinte dabei: „Auf welcher Seite wird er wohl herausgucken, der......?* Dabei machte er ein« thörichte Beiiierkung. Der Ausdruck war ihm offenbar ganz unversehens entfahren, und Lolter machte ein ver- dutztes Gesicht, als ein Arbeiter ihn darauf aufmerksam machte, dasi man so etwas nicht sagen dürfe. Der Arbeiter war aber selbst nicht gerade einer der Gescheidtesten; denn er erzählte die Geschichte im Wirtshaus weiter, sie kam unter die Leute, und schließlich hörte auch ein Kriminalschutzmann davon. So kam Lotter auf die Anklage- bank, die er mit einer Gefängnisstrafe von zwei Monaten wieder verließ.—_ Die Wahlreform in Bayern. Wir geben an andrer Stelle dieses Blattes den Bericht über die Verhandlungen des Parteitages der bayrische» Socialdemokratie in LudwigShafeu. Daselbst hat Genosse Ad. Müller in seinem Referat Über die Wahlreform die kritischen Bemerkungen dcS„Vorwärts" gegen die Zustimmung der iocialdeiiiokratischen Abgeordneten zur bekannten Wahlreform- Resolution der bayrischen Abgeorduetenkanliiier mit dem Bemerken abgewiesen, daß sie auf migeniigeuder Kenntnis der bayrischen Per- hältniffe beruhten. Die aiisführlichen Darlegungen, die jetzt Genoffe Müller über die Beweggründe jener höchst aufsälligen«bstimmimg gegeben hat. haben uns nicht von der Unrichtigkeit unsrer früheren Aiischailimg über- zeugt. Unsre Kritik richtete sich ausschließlich gegen die Zu- st i m m ii n g z n r R e s o l ii t i o n. die der Regierung die Einbringung eines Wahlgesetzes empfiehlt, das nicht nur wichtigste grundsätzliche Forderungen unsrer Partei nicht enthält, sondern neben Verbefferiiiigeii des jetzigen Znstaiides auch entschiedene Verschlechiermigen, insbesondere die Heraufsctzuug des Wahlalters von 21 ans 25 Jahre. Die Ausführungen Müllers können aber bestenfalls nur beweisen, daß die bayrische LaiidtagSfraktiou sich möglicherweise bei der künftigen Eiideiilscheidniig über die zu erwartende Regierungsvorlage in die Zivangslage versetzt sehen könnte, der Reform zuzustimmen, um nicht die Verbesserungen zu verlieren, welche die Verschlechterungen immerhin übertreffen. Ein Zwang aber der Zustimmung zur jetzigen Resolution ist durchaus nicht nachgewiesen worden. Indem Genosse Müller die Verwunderung unsrer Fraktion Über die einmütige Zustimmung der bürgerlichen Parteien der Abgeordneten- kanimer, der Negierung. der Kaiiiincr der ReichSräte mitteilt, giebt er zu, daß unsre dortige Fraktion sich in einer irrigen Beurteilung dessen beflinden habe, was die Gegner thim würden und vom Stand- Punkt ihrer Interessen thun niüßten. Da? Zugeständnis dieses Irrtums beweist die Richtigkeit unsrer Aiiffassnng, daß die Nicht- zustimmung zur Resolution keineswegs dazu hätte führen können, daß überhaupt keine Wahlreform zu stände gekommeii wäre. Viel- mehr wäre durch diese Richtziistimmmig die Möglichkeit einer principiellen Agitation in der Bevölkerung gegen eine ungenügende Wahlreform offen gehalten worden, die jetzt erheblich miterbiindeii ist. Wir begrüßen lebhaft, daß in dem V e rt r a u e n s V o t u in, welches die große Mehrheit der Delegierten in LndwigShafen der bayrischen Landtagsfraktion erleilt hat, dieses Vertrauen der Genossen sich grade auch nach der Richtung bekundet hat,„daß die Fraktion alles aufbieten werde, um von uusreii Forderungen an ein gerechtes Wahlrecht so viel durchzusetzen, als unter den gegebenen Machtverhältnissen nur immer erreichbar ist". Die bayrischen Ge- noffen bekiiiiden damit, daß die Zilstiniiiuiiig zur Resolution nicht etwa den satten Abschluß der Bemühungen um ein besseres Wahlrecht bedeuten darf, sondern daß der Kampf um Beseitigung der Ver- schlechterimgeii und um Herbeiführung weiterer Verbesserungen nach- drncklichst weiter zu führen ist. Wir begrüßen aber— nach Aiifrechterhaltimg unsrer berechtigten und nicht widerlegten Kritik— auch sonst das Vertrauens« v o t ii m dcS Parteitages in LudwigShafcii. Noch in den letzten Tagen vor dem bayrischen Parteitag sind insbesondere in einem Leitartikel der„Leipziger Volkszeit iing" Angriffe gegen die bayrische Landtagsfraktion gerichtet worden, die geeignet sind, die Mitglieder der bayrischen Landtagsfraktion schmählich in ihrer Parteiehre zu kränken. Als Resultat des Verhaltens der bayrischen Landtags- Abgeordneten Ivird da erklärt: „eine Reihe praktischer Niederlagen und eine politische De- moralisation obendrein". Weiter werden dieselben beschuldigt der Zustimmung zur Wahlrechtsverschlechterung, der Schaffung des Wahlimrechts, es wird von ihren„Machenschaften" und ihrer.rettungslosen politischen Zerfahrenheit" gesprochen u. s. f. Der Artikel schließt mit den Worten:„Hoffentlich verhütet der Parteitag noch den letzten Schritt, wodurch der Kompromiß perfekt und zu einem Denkmal des politischen Verfalls der Socialdemokratie wird." Das ist eine Behandlung von Streitfragen in nusrer Partei, gegen die wir unser s ch ä r f st e ö V e t o einlegen. Anstatt zu belehren und zu überzeugen, anstatt sachlich zu kritisieren, Ivird dort eine Polemik persönlicher Herabsetzungeil beliebt, die jede parteigenössische Zusammeuarbeit zerrütte» müßte, wenn sie in nnsren Zeiluiigen heimisch würde; erfreulicherweise hält sich die gesamte übrige Parteipresse von derartigen Excesse» durchaus frei. Wohin solche Polemikeii führen müssen, zeigt eine Notiz der„Volksstimme" in Karlsruhe gegen die„Leipziger VolkSzeituug". in der die uuglaub- liche Behauptung aufgestellt wird, daß der Rcdactciir der„Leipziger Bolkszeitung", der jetzt aufs heftigste gegen.Revisionisten" und „Opportunisten" eifert, vor nur kurzer Zeit in Stuttgart nicht mir die Nolle des„Opportunisten", sondern deS U e b e r opportmiisten gespielt habe. Anderseits aber ist die Folge einer derartigen Polemik, daß den also Angegriffenen, selbst wenn sie in der Snche geirrt haben, reichliche Vertraueiiskiuidgebungen ihrer Genossen zu teil werden. Der Parteitag in Lübeck sollte, so war daselbst der Wunsch der gesamten Pariei,' den persönlichen Verdächtigungen und Herab- Würdigungen ein Ende setzen. Wir bedauern, so bald wieder diese überaus parteischädigende Entartung der polemischen Sitte zu erleben. Wir würden vielleicht verzichtet haben, diese widrige Angelegen- heit anzufassen, Ivenn nicht in derselben Nummer der„Leipziger VolkSzcitmig" ein skandalöser Artikel gegen den„GroßmachtSdusel" der G e n e r a I k o in m i s s i o n der Gewerkschaften ent- halten gewesen wäre, der weiteres Schweigen unerträglich macht.— Ausland. Auö der schweizerische» BundeSdersamnilung. Bern, 12. Juni.(Eig. Ber.) Die Zolldebatten im Ständcrai zeigen wieder cinnial recht siniicnfällig, wie völlig überflüssig das Zwcikammer-Systcm ist. Die Ziisammeiisctziing des Sländerätes in parteipolitischer Be- ziehung ist in der Hauptsache, bei seinen 44 Mitglicdeni nur in etwas verkleinerteiii Verhältnis, die gleiche wie die des 147 Mitglieder zählenden Nationalrates. In dem einen wie in dem andern Hause haben die Freisinnigen oder Radikalen die Mehrheit, der iiltraniontane und louservalive, im Nationalrat außer- dem socialistische und dcmokralischc Minderheiten gegenüberstehen. Soweit es sich nm grundsätzliche Entscheide handelt, stimmen in der Regel beide Häuser, d. h. wenigstcus ihre Mehrheiten Überein, so daß es sich bei vorkomiiieiidcn Differenzen mir um mehr oder weniger gleichgültige Nebendinge handelt. So hat also die Mehrheit dcS Ständerats, die sich ebenso wie im Nationalrat nicht nur ans den Freisinnigen, sondern auch ans den Minderheiten bildete, dem nn- gehcuerlichen Ochsenzoll von 50 Fr. ziigesliiiimt, trotz der ernsten Warnung mehrerer Städtevertreter und der Bnndcsräthe Dencher und Hauser, und dadurch den Bogen so straff gespannt, daß ihn die Volksabsttimnuiig brechen wird. Selbst agrardemagogischc bürger« liche Blätter sehen diesen Excesien mit Schrecken zu angesichts der Rührigkeit, ivelche die Zollgcgner bereiis zur Borbercitiing der Rcfereiidumödclvegung entfalten. Man ist sich denn doch allmählich in allen Kreisen darüber klar geworden, daß hohe Kainpfzölle hohe Gebranchszölle zur Folge haben werden und daß man mit dem demagogischen Schlagwort von den„bloßen Kanipfzöllcn" niemand mehr zu veschwichtigeu und einziilullen vermag. Herabgesetzt wurden vom Ständerat allerdings auch mehrere Zollansätze, so derjenige für Hering von 50 ans 35 Fr., für Zeitmigspapier von 10 ans 8 Fr., dafür hat er aber ivicder andre erhöht und so für einen„gerechten Ausgleich" gesorgt, um namentlich mit der Landwirtschaft in gutem FreundschastSvcrhältnis zu bleiben. Die Ennäßigmig dcs Zolles auf Zeitmigspapier erfolgte aus ausgesprochen politischen Gründen, nni die Presse in etwas besserer Laune z» erhalten. Das Mittelchen wird aber wenig helfen, denn die Bekäinpfiing dieses ganzen ungeheuerlichen ZolltarisS hängt nicht allein von der Höhe de» Papierzolls ab. Im Nationalrat brachte der Lausaniicr Abg. Secretan, Oberst und Ehefredacteur der„Gazette de Laiisanne", den Skandal der türkischen S p i tz e l w i r t s ch a f t, ins- besondere daS jkandalöfe Treiben des B a r o n S v. R i ch t h o f e n in Genf zur Sprache. Bundesrat Zemp gab eine durchaus im- befriedigende Antwort. Der Bundesrat habe bereits vor einem Jahre dem Spitzelbaroii die Ausweisung„androhen"- hisse», aber seither seien keine nencrei! Thatsache» bekannt geworden, welche die harte Mahreciel der Ausweisung reibtfertigtcn. DaS ist eine ebenso ,»stallende lvie unbegreifliche zarte Nüctsichtnahnie auf den Spitzel- baron, die derselbe Bundesrat in hundert andren Fällen, namentlich gegenüber bespitzelten s Jmigtürkcn. nm bei der türkischen Wirtschaft zu bleiben, hat vollständig uerinissen lassen. So ist der Jungtürke Ali Fari, der Nedäcteur eines in Genf erscheinenden jnngtürkischen Blattes war, ohne weiteres infolge einer der nicht seltenen falschen Uebersetzungen aus der Schweiz ausgewiesen worden und der falsche Uebersetzer war nach der Feststellung des Abgeordneten Gobat« Bern der Spitzelbaron selbst, der so als Gewährsmann des schweizerischen Bundesrates erscheint. Auch der Abgeordnete Vincent, Mitglied der Genfer !tantonsrcgierung, äusterte seine Vertvunderung und Unzufrieden- heit über die ganz ungerechtfertigte Langmut des Bundesrates. Wird der Baron nun endlich aus republikanische» Neinlichkeitsgriindcn fliegen? Ein.gewaltiges Stück Socialreform" hat der Nationalrat be- schlössen, nämlich die Reduktion der Arbeitszeit an den Vorabenden von S o n n- u n d F e st t a g e» von zehn auf nenn Stunden für alle unter deni Fabrik- gesetz st ehe n den Arbeiter und zwar in dem Sinne, das; der Feierabend spätestens um S Uhr nachmittags erfolgt. Ursprünglich sollte die Erleichterung nur für die verheirateten Fabrikarbeiterinnen geschaffen werden. Der Beschluß geht aber nicht Ivieder an den Stäudcrat. Ob und wann er endlich einmal Gesetzeskraft erlangt, ist noch nicht zu sagen.— Frankreich. A»S der socialistischc» Bewegung. Paris, 14. Juni.(Eig. Bcr.) Der erste Kongreß der Revolutionär-Socialistischen Einigkeit wird auf Beschluß des Centralratcs zu C o m m e n t r y(Ällier) vom 26. bis 23. September l. I. stattfinden. Die provisorische Tagesordnung enthält folgende Punkte: 1. Bericht des Centralratcs. 2. Bericht der revoluiionZr-socialistischen Kammerfraktion über die parla- mentnrische Thätigkeit der Partei. 3. Die Wahlcampagne von 1902 und ihre Folgen. 4. Das Funktionieren und die Aktion der revolutionär- socinlistischcn Einigkeit.— Weitere Anträge zur Tagesordnung können von den einzelnen Gruppen durch Vermitlelung der Departements- Föderationen gemacht werden. Die.Föderation d e'r s oc i a I i st i s ch e n Arbeiter Frankreichs"(Possibilisten oder Bronssistcn) hat sich, gemäß ihrer Erklärung ans dein Tonrs-Kongreß, a n f g c l ö st. Ihre einzelnen Gruppen werden sich den entsprechenden autonomen Föderationen der P. S. F.(Jaurösisten) anschließen. Damit verschwindet der letzte Rest einer vor 26 Jahren entstandenen Sonderorganisation. Das Jnterföderale Komitee der P. S. F. begrüßte den Äuslösunqsbeschlnß mit einem Dankesvotnm. Das gewerkschaftliche„General st reikkomitee" richtet an die jauräsistische Kammerfrnktion eine Anfrage über die neuliche Erklärung Millerands sbei seinem Beitritt zu jener Fraktion) gegen den Generalstreik. Das Koniitee ver- langt zu wissen, ob die gesamte Fraktion Millerands Ansicht teile. DaS wäre.desto überraschender als einer der wärmsten An- Hänger des Generalstreiks(Briand) Mitglied derselben Fraktion ist und als alle Gewerkschaftskongresse seit Marseille 1892... einstimmig den Generalstreik als das wirksamste Kampfmittel an- erkannt habe»..."— Nebenbei bemerkt, wurde Milletands ministerialistisch-Iegalistische Erklärung im veröffentlichten Protokoll- anSzng der Fraktionssitzuiig nicht wiedergegeben, sie wurde aber durch eine Agenturmitteilung vollinhaltlich bekannt.— Afrika. Urbergabe der Boere». Pretoria. 14. Juni. Bis jetzt haben sich IS 50V Bocren ergebe», darunter 833 Kaprebellen. Die unter dem Namen„National Seouls" von den Generalen Vilonel und Celliers gebildete, etiva 6000 Mann starke Boercntruppe wird am 17. Juni aufgelöst werden. Asien. Hungersnot in Indien. London» 16. Juni. Mehrere Blätter stellen fest, daß die Meldungen aus Indien sehr ernst sind. Die amtlichen Berichte kündigen eine Rcgcnperiode an, wodurch die Not unter der Bcvölke- rung noch wachsen wird. Die Hnngersnot fordert bereits jetzt zahlreiche Opfer unter den Eingeborenen.— Amerika. New Dork. 16, Juni. Dem.New Dork Herald" wird ans Havanna gemeldet, daß die wirtschaftliche Lage auf Euba von Woche zu Woche ungünstiger iverde. Es seien Tausende un- beschäftigter Pflanzer vorhanden, die weder über Kapital noch Kredit verfügten. Einheimische Blätter sprächen die Befürchtnngeu ans, daß es zu einer Hungersnot und Ruhestörunge« komnien könne.— NÄvkei-NAtlzvichten« Sine Parteikonferenz für den S. weimarischen Wahlkreis, die am 13. Juni in S a l z n n g e n tagte und aus elf Orten beschickt war. nahm zu den im nächsten Jahre stattfindenden Landtags- Wahlen durch Aiiiiahme folgender Resolution Stellung: Die Konferenz des 2. weimarischen Wahlkreises erblickt in einem Zusammengehen mit den Freisinnigen bei den Landtagsivahlen keinen Borteil für nnsre Partei, ivie sich dies an der Bethätignng der freisinnigen Partei an den Vorbcrcitnngen zur Wahl, und ganz besonders an dem Verhalten der freisinnigen Abacordneten im Landtage gezeigt hat. Die Landes- Versammlung, welche Weihnachten 1902 stattfindet, wird beauftragt, dies bei der einznschlagciide» Taktik zur nächsten Landtagsivahl zu berücksichtigen.— Aus dem Bericht ging hervor, daß von 24 arrangierten öffentlichen Versammlungen nur 11 stattfinden tonnten, während 13 verboten wurden. Als Delegierter zum Parteitage in München wurde der anwesende Kandidat des Kreises, Gen. Leber- Jena, gewählt. Der Parteitag der deutschen Socialiste» Ocstrrichs wurde für den 15. August nach Aussig a. E. einberufen. AbgeovdnekenhÄUS. 91. Sitzung vom Montag, 16. Inn i, 11 Uhr. Am Ministertisch: Frhr. v. Rheinbaben, v. PodbielSki Frhr. v. H a ni m e r st e i n, Möller. Auf der Tagesordnung stehen Petitionen. Eine Petition der Ortsgruppe Magdeburg des Handels- vcrtragö-VereinS nm Zlblrhnnng der Erhöhung der Einfuhr- zöllc anf Lebensmittel und Rohprodukte wird nach den Verhaiidlungen vom 2. Jimi(Antrag Limbnrg-Stirum betr. Getreidezöllc) für er- l e d i g t erklärt. ES folgt die dritte Beratung des Gesctzentwnrfs betr. die AnSführnng deS Schlachtvieh- und Flcischbcschau-Gcsctzeö. Abg. Ehlers(frs. Vg.): Die Bestimmungen dieses Gesetzes brechen mit den Grundlagen des Kommunalabgaben- Gesetzes, das Sie hier mit großer Mehrheit 1892 beschlossen haben. Auf Griiiid des Kommunalabgabcn-Gesetzes haben eine ganze Reihe von Städten Schlachthäuser etabliert. Wenn Sie glauben, mit Ihren(nach rechts) Bestimmungen der Stadt Berlin besonders zu schaden, so irren Sie sich. Wenn Ihre Anträge Gesetz werden. so ivird nicht etiva das Fleisch von den kleinen Städte»»ach Berlin kommen, sondern Berlin ivird mit seinem Fleisch eine Konkurrenz in Potsdam machen. Wird de» Städten die Einnahme aus den Schlachthäusern entzogen, so werden die ohnehin schon hohe» Einkonnnenstrueru noch erhöht wrrdcn müssen.(Sehr richtig! links.> Herr Gamp hat i» der zweiten Lesung sich besonders für billige Lebensmittelpreise begeistert. Als wenn er gerade der Vertreter solcher Ailschaunngen wäre l Ich bitte Sie, mindestens den§ 4 abzulehnen.(Beifall links.) Abg. Schnitt»- Düsseldorf(C.): Die Untersuchnng für die HauSschlachtungen ist für die Hans- schlächter mit großen Schwierigkeiten verknüpft. Die Untersuchung hat aber gar keinen Zweck, da das Fleisch meistens gekocht ge- nossen wird. Ich möchte den Herrn Minister um Auskunft bitten, ob durch den Zusatz in Z 1, daß die Untersuchung in den Haus- schlachtungen unterbleiben darf, sofern nicht durch Polizeivcrordnung etwas andres bestimmt ist oder wird, die jetzt geltenden Polizei- Verordnungen Gesetzeskraft erhalten sollen. Minister des Innern Frhr. v. Hammersteiu verneint die Frage des Vorredners. Von großer Bedeutung sind die Zusätze, die das hohe Haus bei den KZ 4 und 13 beschlossen hat, worin bestimmt wird, daß frisches Fleisch, welches bereits einmal von approbierten Tierärzten untersucht ist, einer erneuten Untersuchung auch in Gemeinden mit Schlacht- haus-Zivang nur unterworfen werden darf, um festzustellen, ob es verdorben ist. Diese Bestimmung, gleichzeitig mit der Be- stimmung in K 13, die die Gebühreufreiheit der zweiten Untersuchung festsetzt, halte ich für bedenklich. Die Untersuchnng, ob das Fleisch verdorben ist, hat doch einen bestimmten Zweck. Für eine solche Untersuchung entstehen Kosten, die auch gedeckt werden müssen. (Sehr richtig! links.) Das Kommunalabgaben- Gesetz gestattet den Städten ausdrücklich, einen bestimmten Zuschlag zu den Kosten der Untersuchung zu erheben. Diese Bestimmung hat es einer großen Zahl von Gemeinden erst ermöglicht, Schlachthäuser zu errichten imd die Regierung hat seit einer Reihe von Jahren darauf hin- gewirkt, daß in allen großen Gemeinden Schlachthäuser erbaut werde». Diese Schlachthäuser kosten weit über 101 Millionen, welche größtenteils aus Anleihen bestritten sind. Diese Anleihe» find fundiert anf de» nach dem Gesetz zu erwartenden Gebühren. (Lebhafte Zustimmung links.) Nehmen Sie durch Annahme des K 13 den Städten diese Gebühren, so bringen Sie sie dadurch in eine sehr große Verlegenheit.(Sehr richtig f links.) Wie schon Herr Ehlers sagte, würde die Folge eine Erhöhung der StaatS-Einkommen- stcncr sein.(Znstimmung links.) Die königliche Staatsrcgierung hält es nicht für richtig, diese Frage hier zur Erledigung zu bringen. Ich kann dein hohen Hause mitteilen, daß ein neues Gesetz, betreffend Abänderung des GchlachthanS-Gcsetzcö von 1881, Ihnen in der nächsten Session zugehen wird. Dann ist der geeignetste Zeitpunkt, un> eine Frage von solcher Tragweite zur Eiitschcidnng zu bringen. Sollten Sie sich nicht dazu verstehen, den K 4 ganz fallen zu lassen, so bitte ich Sie, den mir soeben vorgelegten Antrag v. Mendel anznnehinen, der bestimmt. daß der§ 4 erst am 1. Oktober 1904 in Kraft treten soll. Inzwischen können sich die Städte nach einer anderiveitigen Deckung des Ausfalles der Schlacht- hausgebührcn umsehen.(Beifall.) Abg. Dr. LangerhanS(frs. Vp.) bekämpft die Ausnahmebestimmung für die Hansschlnchtnngen, die den ganzen sanitären Charakter des Gesetzes in Frage' stellten. Seine Freunde würde» gegen das Gesetz stimmen. Redner ist auf der Tribüne fast unverständlich. Abg. Ring(kons.): Die Herren der Linken haben das Lied von den armen Groß- städtcn gesungen. Die armen Städte haben 7,70 Proz. Ver- ziusnng an den Schlachthäusern.(Zuruf des Abg. Eoldschmidt: Ist widerlegt!> Sie haben gar nichts Ividerlcgt, Ihre Ans- führungen waren von Anfang bis zu Ende unrichtig, stlnrnhe und Widerspruch links.) Vor kurzem haben eine große Anzahl von Oberbürgermeistern gegen jede Verteuerung der Lebens- mittel protestiert. Heute verlangen sie ein Ansnahniegesctz, denn weiter ist das Schlachtshaus-Gcsctz nichts, nach ivelchem eine Fleischvertcncrnng durch die doppelte Untersuchung herbei- geführt ivird.(Unruhe links.) Uin den Städten Gelegenheit zu geben, ihre Steuern anderweitig festzusetzen, hat Herr' v. Mendel seinen Antrag eingebracht, de» Zeitpunkt des Inkrafttretens bis zum 1. Oktober 1904 hinauszuschieben. Ich persönlich stimme für diesen Autrag nur mit schworen Herzen.(Beifall rechts.) Abg. Dr. Martens(natl.): Die Beschlüsse zweiter Lesung sind für das Gesetz nach unsrer Ansicht bedcntende Verschlechternngen. Wenn die Trichinenschau einmal eingeführt ist, muß sie auch ausnahmslos gelten. Abg. v. Mendel-SteinfelS(kons.): Die Ausführungen der Abgg. Ehlers und Langerhans haben uns nicht zu der Ueberzeugung bringen können, daß eine doppelte Untersuchung notwendig ist. Die doppelte Untersuchung bedeutet eine Verteuerung des Fleisches, die weder im Interesse der Produzenten noch der Konsnmenten liegt.(Sehr richtig I rechts.) Ich möchte die Herren auf der Linken bitten, denjenigen Mittelweg zu beschreiten, der beiden Teilen gerecht wird. Dieser Mittelweg ist durch meinen Antrag gegebe». Hierauf wird ein S chlu ß a n tr a g gegen die Stimmen der Linken angenommen. Persönlich bemerkt Abg. Goldschmidt(frs. Vp.), daß die Angaben des Herrn Ring von einer Verzinsung von 7,79 Proz. unrichtig seien. Ihm sei auf dem Rathanse mitgeteilt worden, daß die höchste bisher erreichte Zahl 0 Proz. gewesen sei. Abg. Ringnchuug(ob das Fleisch verdorben ist) bleibt aufrecht erhalten. Der Rest des Gesetzes wird unverändert angenommen. Nach K 20 tritt das Gesetz, soweit es sich um die zu seiner Durchführung erforderlichen Maßnahme» handelt, sofort, im übrigen zugleich mit Z 1 des Neichsgesetzcs in Kraft. Die Bestimmung ivird angenommen mit der Aenderung(Antrag Herold, v. Mendel), daß K 4 auch erst am 1. Oktober 1004 in Kraft tritt. Der sofortigen Vornahme der Gesamtabstimmuiig wider- spricht Abg. Dr. LangerhanS(Entrüstung rechts und im Centrum). Sie soll noch in heutiger Sitzung erfolgen, sobald die Zusammen- stellung der in dritter Lesmig beschlossenen Aenderungen gedruckt vorliegt. In der Beratung von Petitionen wird fortgefahren. Hierauf wird die Gesamtabstimmimg über den Gesetzentwurf betr. die Ausführung des Schlachtviehhof und Fleischbeschau-Gesetzes vorgeiiommeii. Der Gesetzentwurf ivird gegen die Stimmen der Freisinnigen und der Nationalliberalen(mit Ausnahme des Abg. Engels- mann) nngenommen. Nächste Sitzung: Dienstag 2 Uhr.(P e t i t i o n e n.) Schluß 3'/« Uhr. Vierter deutscher Gewerkschaftskongreß. (Privatdepeschen des„Vorwärts".) Stuttgart, 16. Juni 1902. Die Räume des GewerkschaftShanses, iii denen der Kongreß tagt, sind festlich geschmückt. Rote Fahnen wehen vom Hause herab, die nach der Straße gelegenen Fenster und Balkons sind mit rotem Tuch dekoriert, von Blinnengewinden umrahmt schauen die Bilder von Marx und Lassalle von der HauSfront hernieder. Nach der Eröffnung deS Kongresses hielt L e g i e n die Begrüßinigsrcde. Die Situation— so führte er ans— sei heut eine andre, als zur Zeit des dritten, in Frankfurt a. M. abgehalienen Gewerkschaftskongresses. Damals hatte die deutsche Arbeiterschaft den Kampf gegen die Zuchthansvorlage zu führen. Der Kraft der Arbeiterschaft gelang cS, jene Gesetzesvorlage zu Falle zu bringe». Heute stehen wir unter dem Zeichen der wirtschaftlichen Krise, die aber die Gcwerlschafte» nicht geschwächt hat, und einen Rückschlag auf die Gclveckschaftsbewegung nicht befürchten läßt. Legien teilt mit, das R e i ch s a m t des Inner»(Staats- sekretär Graf Posadvivsky) habe anf eine Einladung zum Kongreß gcantivortet, es iverde sich durch Geheim rat Hölzer ver- treten lassen. Die w ü r t t e m b e r g i s ch e Regierung lind die Stadt Stuttgart sind durch drei Geiverbe- Jnspektoreii und eine Assistentin vertreten. Anwesend sind 155 Delegierte. AIS Uebersetzer fuilgieren: v. Elm, Klara Zetkin, Altmann, Valaer. Sehr stark ist auf diesem Kongreß das Ausland vertreten. Die ö st r e i ch i s ch e Gewerlschnftslominissioii entsandte den Genossen Hübe r- Wien, die böhmische Geiverkschaflskonnnission Ruschar- Prag. Dänemark ist durch Jensen, England durch Pete C u r r a n und O' G r a d y vom allgemeinen Geiverschaftsbnild ver- treten. Ans Frankreich ist G r i f f n e I l e s- Paris, ans Italien C a b r i im- Mailand(für die italienischen Arbeits- kammern) erschienen. Die Niederlande sind vertreten durch den Ainsterdamcr Arbeitersekretär van Erkel, Nor- wegen durch P c d e r s e n, Schweden durch L i n d g n i st, die Schweiz durch C a l a m e- Zürich vom Gcwerlschaftsbnnd und den Arbeitersckrctär Greulich- Zürich, Spanien durch den Sekretär des ArbeiterbundcS Garzin Quejedo. Die Vormittags- Sitzniig des Kongresses ivird ausgefüllt durch die Begrüßungsreden. Nach L e g i e» svlgte H o h e i s e n, der in» Namen des Stuttgarter GewerkschnftskartellS sprach. Auch die ans- läiidisckjeil Delegierten ergreifen fast alle daS Wort. Die beiden Engländer bekenne» sich als Socialistcn, sie weisen anf die neue Bcwegniig hin, ivelche eine Vertretung der Arbeiter- interessen im englischen Parlamente durch Arbeitervcrtretcr selbst anstrebt und betonen als die letzte endgültige Lösung der socialen Fcage die Unterstellung der Produktion und Distribution unter die demokratische Kontrolle des Volkes. sie sprechen die Hoffnnng aus, daß die Lehren von Marx»nd Lassalle unter den englischen Arbeitern mehr und mehr Boden gewiimen. (Lehhafles Bravo.) H u e b e r- Wien dankt den denlschen Arbeitern für die Uilterstützling, die den Brünner Textilarbeitern geworden; dasselbe thut Jensen im Namen der dänischen Arbeiter. Alle Redner betonen den Gedanken der internationalen Verbriidernng. Als Vorsitzende werden gcivählt Legien und B ö m o l b n r g. Die NachmittagSsitzung ivird vollkommeil ausgefüllt mit der Dis- knsston über den Rechenschaftsbericht der Gcneralkonimission, den größten Raun» der Debatte beansprucht die Angelegenheit des Leipziger Kartells bezw. der Buchdrucker. Aus Juduptvio und Mündel. Neue Mineusteuer i» TrauSviml. Zu der von der englischen Regierung den Goldminen Transvaals anferlegten Abgaben von 10 Prozent des Reingetvinns äußert sich die„Südafrik. Wochenschrift" in ihrer letzten Nummer: „Im November 1898 hatte die alte Transvaal- Negieniiig ein Gesetz erlassen, demzufolge alle Milien- Gesellschaften, die Claims bearbeiteten, eine Steuer von 5 Prozent vom Reingewinn zu zahlen hatten, während die sogenannten Mijn- Pacht- Gesellschaften, die bis dahin nur 10 Shilling pro Jahr und pro Morgen bezahlt hatten. eine Steuer von 2�s Prozent der Ausbeute entrichten sollten. Es ist nnn einer der ersten Akte der nciien Rc- gierung gewesen, an Stelle der alten Steuer eine neue zu setze», welcher alle Gesellschaften, gleichgültig, ob sie Mijiipachten oder Claims bearbeiten, unterworfen sein sollen. Die Höhe dicfcr Steuer beziffert sich anf 10 Prozent vom Rcingewiiui. Wir glauben nicht Iveit von den Thatsache» entferiit zu sein, wenn wir annehmen, daß die neue Steuer einer lOprozentigcn Dividendensteuer zicmlich gleich- kommt. Das Tempo der Enlivicklung des Randes ist bisher ein überaus rasches gewesen und allem Anschein»ach wird cS in Zukunft ein»och schnelleres sein. Die Randniinen zahlten an Dividende» im Jahre 1897... 2 792 317 Pfd. Sterl. . 1898... 4 322 358. Man kann sagen, daß die neue Steuer der Regierung volle 500 000 Pfd. Sterl. pro Jahr einbringen dürfte, sobald erst der Grubenbetrieb wieder denselben Umfang hat wie im Jahre 1899. Es ist aber anzunehmen, daß die znlünftige» Bctriebsrcsnltate der Nandgrubeii die vergangenen weit überflügeln iverde».... Es mag daher der Ertrag der neuen Steuer, welche auf Basis der Betriebs- Ziffern von 1809 600 000 Pfd. Sterl. pro Johr erdrocht hätte, sich i», Laufe der nächsten 12 bis 10 Jahre, falls die' Steuer so lauge in Kraft bleibt, auf 2 bis 2>/s lvüllionen belaufen. Für die Re- gieruug wird mithin die Steuer von auherordentlichenr Vorteil sein Wie stellt sie sich aber für die Gruben? Sie ivird den ärmeren Grube» und denen, welche Erz mit geringem Goldgehalt bearbeiten leichter werden, und sie verhindert nicht, indem sie etwa die Betriebs kosten erhöht, die Slusdehuung der Industrie. Der durchschnittliche Reingewinn pro verpochte Tonne Erz betrug am Räude im Jahre 1898 und 1899 zlvischen 12 und IS Shilling, eine Durchschnitts zisier, die aller Wahrscheinlichkeit nach in Zukunft weiter- bestehen wird. Die lOprozentige Steuer wird daher pro verpochte Tonne Erz 1 Shilling 3 Peiice bis 1 Shilling 6 Pence ausmachen. Hiergegen hat man aber die Vorteile einzusetzen, welche die britische Gesetzgebung dem Lande bringen Ivird. Die Ersparnisse sind von einigen Autoritäten bis auf S Shilling pro verpochte Tonne Erz berechnet worden, d. h. etwa drei- bis viermal so hoch, als die 10 prozentige Steuer ausmacht." Das Urteil der„Südafrikanischen Wochenschrist" kann im Ganze» als zutreffend gelten. Die neue englische Minensteuer ist zwar höher als die frühere der Boerenrcgierung, dafür aber fallen eine Reihe indirekter Abgaben fort, die früher die Betriebskosten beträchtlich erhöhten. Zum Beispiel stellt sich schon jetzt, nachdem das Spreng stosf- Monopol gefallen ist. die von der Modderfonlein« Fabrik gelieferte Sprengstoff- Gelatine nur noch auf circa 135 M. pro Centuer, während vor dem Krieg der Preis über 190 M. betrug. I» ungefähr gleichem Verhältnis, d. h. beinahe um ein Drittel ist der Preis des Dynamits gesunken, und die allein hierdurch er- zielte Verminderung der Produktionskosten wird auf etwa 9 Penc (77 Pfenniges pro verpochte Tonne Erz geschätzt. Dazu kommt die in Aussicht stehende Verbilliguug der Bahnfrachten und der pro- jeklierte Vau neuer Bahnlinien, der eine wesentliche Reduktion der Transportkosten nicht nur aller zum Mienenbetrieb erforderlichen Hilfsmittel und Utensilien, sondern auch vieler eingeführter Industrie Ware» und Lebensmittel zur Folge haben wird. Als Hauptsache aber gilt den Minengesellschaften die weitere Herabsetzung der Arbeitslöhne. Eine der schwersten An klagen, die immer wieder von den Minenbesitzern gegen die Boercuregierung erhoben wurde, bestand darin, dafe diese durch ihre Erschwerung der Ausnutzung schwarzer Arbeiter, die Löhne der„Kaffern" und damit zugleich auch der wcijjeii Arbeiter über das«natürliche Niveau" erhalte. Von der fmmanen englischen Regierung sind derartige den Interessen der Miiiengescllschafte» entgegenstehende Maßnahmen nicht zu befürchten Thatsächlich sind denn auch seit deni Bestehen des englischen Regimes im Witwatcrsranddistrikt die dortigen Löhne der Minenarbeiter beträchtlich gefalle», und auf ein weiteres Sinke» wird nüt Sicherheit gerechnet. Auch die„Südafrik. Wochenschrift" meint am Schlnfz des obigen Artikels: „Die Löhne der eingeborene» Arbeiter sind neuerdings bedeutend niedriger als früher, und unter den neuen Verhältnissen werden die Kaffer» auf den Gruben viel länger aushalte» müssen, als es bisher der Fall war. Dies wird zur Folge haben, dnsz die Lcistungs fähigkeit der Eingeborenen sich bedeutend steigern wird. Zur Zeit des Boeren- Regimes betrugen die Kosten für Löhnung und Er- nahrung der schwarzen Arbeiter etlva 30 Prozent der gesamten Betriebskosten." Eitttvirrung der Krise ans den englische» Eiscnhandcl. In England nimmt»och immer der Import von Eisen- und Eisen- waren, namentlich aus Deutschland, zu, während gleichzeitig der Export zurückgeht. So betrug der Eisenimport in den ersten fünf Monate» des' Jahres 1900 39 000 Tons. 1901 54 000 Tons. 1902 99 000 Tons; die Exportziffcrn stellten sich hingegen in demselben Zeitraum wie folgt: 1900 674 031 Tons. 1901 362 506 Tons, 1902 303 915 Tons. Demnach war der Export 1900 17 mal gröszer als der Import, während er 1902 nur dreimal so groß ivar. In der gleichen Zeit stieg der Import von unbearbeitetem Stahl von 13 000 Tons auf 124000 Tons, wogegen der Import von 156000 Tons auf 104 000 Tons siel. Ter amerikanische Schiffsbau- Trust. Di- Londoner «Morning- Post" meldet aus New Jork vom 16. Juni: Der neue Schiffsbau- Trust hat die gesamten Anlagen der Bethlehem Stcel Company für 15 Millionen Dollars angekauft und sich dadurch Völlig unabhängig vom Stahitrust gemacht. Die Gesellschaft unterhandelt, um eine noch sicherere Slellnng zu gewinnen, auch wegen deS Ankaufs ausgedehnter Eisen-Berg- werke. Sie gedenkt auch dem Schiffsbau in Europa Konkurrenz zu machen._ GrmevllfrszstfNirszezs. Pcrlin und klmgegcnd. Achtung, Klavierarbeiter! I» der Pianofortefabrik von E. Schopf, M a r l u s st r. 18(Markushof) sind sämtliche Arbeiter wegen Lohndifferenzen i n d e n A u s st a n d getreten. Nun hat der Unternehmer in der Sonntagsnummer der„Volk-Zeitung" ein Inserat einrücken lassen, in welchem er erklärt, dag seine Leute nur wegen Entlassnug zweier Kollegen in den Streik getreten seien. Das entspricht nicht den Thatsachen. Es sind bei den Frontenputzern Abzüge vorgenommen worden, und auch bei dc» Umbauniachcr» sollten die Löhne rednciert werden. Selbst den Vertretern der beteiligten Organisationen(Holz- nrbeiter-Verband und Fachverein der Klavierarbeiter) hat der Unternehmer Schopf unter andcrin erklärt, er wolle die Arbeit so teilen, daß er grötztenleils nur»ocki ungelernte Arbeiter beschäftigen brauche, wie sie heute für 18 und 20 M. pro Woche überall zu haben sind. Bezüglich der vorgelegten Accordtarife liest er sich auf keinerlei Unterhandlungen ein. Es ist leicht möglich, dast, da er ohne gelernte Kräfte nicht auskommen kann, er von austerhalb Ersatz heranzuziehen versucht. Wir möchten deshalb die Kollegen in allen Orlen Deutschlands bitten, den Zuzug fernzuhalten. Werkstatt-Kontrollkommifsion des Holzarbeiter-VerbnudeS. Tie von der Stadt Berlin beschäftigten Monteure und Arbeiter für das Bclcnchtnngslvcsett beschlossen am Sonntag. »ach einem Vortrag des Genossen H. Schubert über„Zweck und Nutzen der Gewerkschaftsbewegung", den Eintritt in den „Verband st ä d t i s ch e r Arbeite r". Diese Kategorie von städtische» Arbeitern wird bei einer bis in die Nacht hinein dauernde» Arbeitszeit ziemlich schlecht entlohnt, sie hat durch den Beitritt zur Organisation nnnmehr den ersten Schritt zu der Besserung ihrer Lage gethnn. AlS Crntralvorfitzcnder des Deutschen Lederarbeiter- Verbandes fungiert von jetzt an Heinrich M a h l e r. Das Bureau des Verbandes befindet sich Berlin L., Annen- st raste 16, I. Alle für den Verbandsvorstand bestimmten Briefe und Geldsendungen sind zu richten an die Adresse: H. M a h l e r, Annenstr. 16, I.' D-ntscheö Strich. Die Lohnbewegung im Hamburger Bangewerbe. Auch in der„freien" Stadt Haniburg hält es die Polizei für ihre Aufgabe, während des Lohnkampfes nach besten Kräften die Interesse» der Unternehmer zu schützen. Auf den Bahnhöfen sind Kriminalbeamte postiert, die es jedem Ausständigen untersagen, mit ankominenden Arbeitswilligen auch nur ein Wort zu reden. Eine Mastnahme, die gar keine gesetzliche Begründung hat. Die Haniburger Polizei lästt den zu- und durchreisenden Arbeits- willigen eine Fürsorge zu teil werden, die einer besseren Sache würdig iväre.' Hierfür nur ein Beispiel: Als am Sonnabend elf für Kiel bcstinmite italienische Maurer auf dem Hannoverschen Bahnhof eintrafen, wurden sie sofort von vier Kriminalbeamten nach der Gepäckabfertigung auf dem Berliner Bahnhof geführt und dort 2 Stunden untergebracht. Als- dann ging es wieder unter polizeilicher Eskorte nach dem Kloster- thor-Bahnhof, wo die Beamte» so lange verblieben, bis der Zug nach dem Norden abdampfte. Kein Ausgesperrter bezw. Streikender durfte mit den Südländer» Rücksprache nehmen. Ueber die Situation der Bewegung in Hamburg war bis zum Sonnabend folgendes bekannt: 1257 Maurer arbeiten zu den neuen Bedingungen. Aussperrungen sind auf 48 Bauten vorgenommen, trotzdem arbeiten aus diesen Bauten noch 73 Maurer, davon aller- dings 71 zu den alten Bedingungen. Auf Accordbauten arbeiten 339 Maurer. Der Neunstundentag ist auf diesen Bauten durchgeführt. 612 Maurer sind ausgesperrt bezw. im Streik. Bon den Zimmerern arbeiten 638 zu den neuen, 231 zu den alten Bedingungen. 624 sind ausständig. Von den Bauarbeitern sind 662 zu den neuen, 603 zu den alten Bedingungen beschäftigt, 603 sind ausständig. Tie Aussperrung der Hamburger Klempner erstreckt sich sich auf 281 Personen. Etwa 13—1400 Klempner sind in Hamburg beschäftigt. Von diesen gehören etwa 1200 dem Metallarbeiter Verbände an. Die Hamburger Klempner haben beschlossen, die Aussperrung damit zu beantworten, daß in den Werkstcllen, wo Aussperrungen vorgenommen werden, auch die übrigen Kollegen die Arbeit niederlegen' und den Arbeitsnachweis der Innung streng zu meiden. Ter Textilarbeiter-Auöstand in Sprcmberg(bei Lehmann u. Müller) ist durch eine vor dem Gewerbegericht abgeschlossene Einigung beigelegt. Die Firma nimmt sämtliche Mastregelungen zurück. Der Ausstand hat also den Arbeitern einen vollen Erfolg gebracht. Tie ausständigen Maurer der Firma Pötzold i n K o tt- b u s hatten sich mit den, Arbeilgeber geeinigt. Als am Freitag die Arbeit wieder aufgenommen werden sollte, wollte der Unternehmer von den 40 Ausständigen nur 11 wieder einstellen, infolgedessen wird der Streik weiter geführt. Revolverhelden iu Kiel. Ein Bauführer, der an der Arbeits- stelle einige streikende Zimmerer vorübergehe» sah, nahm demonstrativ einen Revolver aus der Tasche und lud ihn vor aller Augen mit scharfen Patronen. Auf einem Neubau waren die arbeitswilligen Zimmerer mit scharf geladenen Revolvern bewaffnet. Auf Ver langen der auf dem Bau arbeitenden Maler und Tischler muhten die Streikbrecher ihre Mordwaffen niederlegen, und wurde ihnen so die Möglichkeit, Unheil mit dem gesährlicben Spielzeug an- zurichten, genommen.— Gründe, welche die Bewaffnung von Streik- brechcrn und Bauführern nötig machen, giebt es natürlich nicht. Wenn ein Streikender einen geladenen Revolver bei sich führte, so würde man ihm daraus sicher eine» Strick drehen. Die lieben Arbeitswilligen aber dürfen sich solche Provokationen erlauben. Polizei und Soldaten beim Ziinmcrcrstrcik in Braun- schweig. De» Streikbrechern wird, wie der„Braunschweiger Volks- frcnnd" mitteilt, ein weitgehender polizeilicher Schutz gewahrt. Am Sonnabend standen rn» Hauptbahnhof znm Empfang von drei an- kommenden Arbeitswillige» nicht weniger wie 23 Polizisten, für die es jedenfalls an einer nützlichen Beschäftigung fehlte. Sieben Polizeibeamte begleiteten die drei Arbeitswilligen nach der Arbeits- stelle. Einem derselben, der zurückblieb, weil ihm die polizeiliche Be- ecknng nicht behagte, wurde diese in barschem To» aufgedrängt, er inustte sich seinen beiden Mit-Strcikbrechcr» anschliestcn. Militärische Hilfe zu Gunsten der Unternehmer ist bei dem Streik insofern in Anspruch genommen worden, als ein Zaun am Wasserwerk von vier Husaren aufgestellt wurde. Die Lage des Streiks wird als günstig bezeichnet. 196 Zimmerer befinden sich im Streik, 77 sind abgereist. Vom Stuttgarter Strasjcubahnerstreik waren— wie wir der„Schwäbischen Tagwacht" entnehme»— am Sonnabend»och 76 Ausgesperrte vorhanden, das heistt solche Personen, die die Stratzenbahn-Dircktion nicht wieder einstellt. Eine Anzahl der Aus- tändigen hat in andren Betriebe» als denen der Strastenbahn Be- chäftigung gefunden. Hiernach ist also die vom„W. T. B." ver- breitete Nachricht, dast die Direktion alle Ausständigen bis auf etwa 40 Man» wieder einstelle» werde, nicht zutreffend. Die Direktion hat, wie gleich nach Beendigung des Streiks gesagt wurde, die Ge- legenheit benutzt, um eine groste Zahl«mistliebiger Elemente" dauernd auszusperren. Ausland. Ter„Separator"-Konflikt in Stockholm ist nun beendet, uachdei» die Fabrikleitung ausdrücklich das Koalitionsrccht der Arbeiter anerkannt hat.— Die zehn Fabrikanten, die zwecks Beendigung des Konflikts eine allgeineinc Aussperrung ihrer Arbeiter vornehmen wolllcn, habe» ihren Bejchlnst nun rückgängig gemacht.— Ter Ausstand der Kellner in Mailand, dessen Beendigung wir bereits initgeteilt habe», ist unter folgenden Bedingungen bei- gelegt: Es wird eine einzige ArbeitSvermittelung anerkannt, die von Arbeitern und Unternehmern geleitet wird i alle privaten Ver- Mittelungsagenturen dürfen von beiden Seiten nicht mehr in Anspruch genommen werden. Das Reglement des Arbcitsvermittelungsamtes wird von einer Kommission ausgearbeitet werden, in die die Besitzer und das Personal je drei Vertreter wählen. Das Arbeits-Ber- initteluugsamt wird von einem Aufsichtsrat überwacht, der eben- falls drei Vertreter der Beisitzer und drei der Arbeiter umsaht, mit eineni von der Handelskammer gewählten Borsitzenden, der aber der Bestätigung durch die Arbeits'kammer bedarf. Die Kosten des Arbeitsnachweises werden zu gleiche» Teilen von dem Personal und de» Besitzern getragen. Den Besitzern bleibt das Recht, auch unorganisierte Arbeiter durch Vcrniittluug des Arbeitsnachweises anzustellen. Die Einigung ist also durch gegenseitige Zugeständnisse erzielt worden. Die Arbeiter haben auf die Konzentrierung des Arbeitsnachweises in Händen der Gewerkschaften verzichtet; die Unternehmer haben die privaten Vermittlungsagenturen fallen lassen. Dagegen fand folgender Antrag des Stadtv. Cassel— für den nach Ablehnung des socialdemokratischen Antrages auch uns« Genossen stimmten, einstimmige Annahme: Die Stadtverordneten- Versammlung ersucht den Magistrat, baldmöglichst eine Vorlage zur Beschlustfassung über die Einrichtung von obligatorische» Fortbildungsschulen, unter möglichster Beibehaltung und Fortentwickelung der bestehenden fakultativen Fortbildungs- und Fachschulen einzubringen. Durch diesen Beschlutz beantragt der Ausschuß den Antrag Augustin u. Gen. als erledigt zu betrachten. Zum Berichterstatter ist der Stadtv. Reimann gewählt. Die Verhandlung im Plenum soll noch vor Beginn der Ferien erfolgen. VevfÄmmlungen. Nns dev Lsvnuettbeivcgttttg. Frauen werde» in Berlin nicht immatrikuliert! Vor einiger Zeit hatten die au der Berliner Universität studierenden Frauen den akademischen Behörden der'Berliner Universität de» Antrag unter- breitet, den Frauen, welche das Reifezeugnis eines Mädchen- gymuasiums besitzen, ebenso wie die Männer zu immatrilnliereu. Der akademische Senat bat sich mit diesem Antrag beschäftigt und beschlossen, das Recht der Immatrikulation den Frauen nicht zu- zugestehen._ Mommunerles. Der zur Vorbcratung des socialdemokratischen Antrages auf Erlast eines Ortsstatuts zur Einführung des obligatorischen Fortbildungsschnl-UnterrichtS für männliche Arbeiter unter 18 Jahren von der Stadtverordneten-Versammlnng eingesetzte Ausschuß hat gestern seine Beratungen beendet. Die durch mehrere Sitzungen fortgesetzte Diskussion hat ergeben, dast die bestehenden fakultativen Fortbildungs- und Fachschule», deren Leistungen allseitig anerkannt wurden, durch die Einführung des Obligatoriums nicht be- seitigt werden sollen. Von socialdemokratischer Seite war auch hervorgehoben worden, daß der Besuch der kaufmännischen Fortbildungsschulen ebenfalls, und zwar auch für weibliche Angestellte, obligatorisch gemacht werden müsse. Für Arbeiterinnen unter 18 Jahren bietet die Gewerbe- Ordnung keine Handhabe zur Einführung des obligatorischen Fortbildungsschul-Uuterrichts. Infolge dieser Erörterungen sah sich Genosse Singer veranlaßt, den ursprünglichen Antrag durch folgende Fassung zu erweitern: Den Magistrat um eine Vorlage zum Erlaß eines Ortsstatnts zu ersuchen, durch welches entsprechend dem 8 120 der Gewerbe- Ordnung, unter Weiterführung der bestehenden Fortbildungs- und Fachschulen, der obligatorische Besuch der Fortbildungs- schulen für männliche Arbeiter unter 18 Jahren, sowie für An- gestellte unter 18 Jahren(männlich und weiblich) im Handels- gcwcrbe eingeführt wird. Dieser Antrag wurde nach längerer Diskussion vom Ausschuß gegen 2 Stimmen abgelehnt. Der Verband der Bau-, Erd- uud gewerblichen HilfS- arbciter hielt am Sonntag in Buggenhagens Etablissement eine stark besuchte Versammlung aller zum Streikgebiet Berlin gehörigen Zahlstellen ab. Hauptgegenstand der Besprechung war: Die gegen- wärtige Konjunktur im Baugewerbe und Stellungnahme zu dem ablehnenden Bescheid der Arbeitgeber. Das einleitende Referat hielt Heidemann. Er führte aus: Seit etwa drei Jahren erstreben die Bauarbeiter eine» Minimalloh» von 45 Pf. pro Stunde, jedoch sei es bisher nicht möglich gewesen, denselben z» erringen. Im vorigen Jahre habe bei der allgemeinen Krise wohl die Hälfte der Bauarbeiter arbeitslos das Pflaster treten müssen, deshalb konnte man damals dieser so überaus berechtigte» Forderung nicht den nötige» Nachdruck verleihen. Heute liege die Sache aber wesentlich anders, im Baugewerbe herrsche gegenwärtig eine rege Thätigkeit. Nach den kürzlich erfolgten Feststellunge» der Maurer werde auf 947 Baustellen gearbeitet, teils Neu- teils Reparatnrbaulen. Diese günstige Konjunktur dürfe man nicht unausgenutzt vorübergehen lassen und zwar um so weniger, als die Unternehmer die Berechtigung der Forderung an uud für sich selbst längst anerkannt haben. Natürlich hätten sie keine Veranlassung, den Arbeitern eine» höheren Lohn auf dem Präsentierteller enlgegenzubriiigeil. Solange sie genügend Arbeitskräfte für 40 Pf. Stundenlohn bekonime» könnten, gäbe» sie aus sich selbst auch nicht 45 Pf. aus. Deshalb müsse man in günstiger Zeit energisch fordern und dürfe sich dann auch nicht scheuen, zur Durchsetzung der Forderung nötigenfalls in einen Streik einzutreten. Seit 18 Jahren sei der Lohn der Maurer um das doppelte in die Höhe gegangen, während der Loh» der Bauarbeiter nur ui» 60 Proz. gestiegen ist. Auf 609 kontrollierten Bauten erhalten nur ein Bruchteil der Kollegen über 40 Pf., die groste Mehrheit bckonimt 40 Pf.. ja es wird sogar noch ein Teil mit 35 und 30 Pf. entlohnt. Angesichts der teuren Lebensmittelpreise und der kolossal in die Höhe geschraubten Wohnungsmieten müsse auch in Berlin ein Lohn erreicht werden, wie er z. B. schon längst in Hamburg gezahlt wird. Auch die Lokalorganisation der Bauarbeiter ventiliere jetzt sehr eifrig die Lohnsrage, ebenfalls ständen die Maurer und Zimmerer der Forderung der Bauarbeiter sympathisch gegenüber. Unter solchen Umständen sei es sehr wohl möglich, endlich zu erreichen, was man seil drei Jahren erstrebt habe. Schnelles, energisches Handeln werde aller Voraussicht nach de» gewünschte» Erfolg haben.(Lebhafter Beifall.) An der äußerst lebhaften Diskussion beteiligten sich neun Redner. Alle gaben ihrer Genugthuung darüber Ausdruck, daß die Orts- Verwaltung jetzt die Initiative zu einer Lohnbewegung ergriffen habe. Es sei endlich einmal Zeit, dast sich auch die am schlcchtest gestellten Arbeiter im Baugewerbe ermannen, um eine Verbesserung ihrer Lage durchzuführen. Nachdem man sich allgemein dafür aus- gesprochen hatte, in möglichst bald einzuberufenden Bezirksvcrsamm- lunge» und auf den Bauten eine intensive Propaganda für die Forderung zu entfalten, gelangte einstimmig eine Resolution zur Annahme, laut deren sich die Anwesenden verpflichten, mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln für die Erringung eines M i n i m a l l o h n c s von 45 Pf. pro Stirnde einzutreten. Der Wnhlvcrcin für Britz hielt am Freitag, den 13. d. M., in der Roscnsee-Terrasse eine Mitgliederversammlung ab. Genosse Händel hielt einen von den Anwesenden init Beifall aufgenommenen Vortrag über„Vulkanismus und Erdbeben". Unter Verschiedenes wurde das Verhallen zweier socialdemokratischer Gemeindevertreter kritisiert, und zwar der Herren Dorn und Jenner. Der erstere hält es nicht der Mühe wert, die wenigen Sitzungen der Gemeindevertreter zu besuchen und entschuldigt sich mit der Inanspruchnahme seines Geschäfts und will auch infolgedessen sein Mandat niederlegen. Der andre Herr, der es'für überflüssig hält, in den Generalversammlungen des Vereins über die Thätigkeit der Gemeindevertreter Bericht zu erstatten. hält es aber für seine Pflicht, in der Versammlung des hiesigen Bürger« Vereins das Versäumte nachzuholen. Auch in den Gemeindevertreter- Sitzungen selbst ist das Verhalten dieses Herrn eines Social- deniokraten unwürdig. So schlug dieser Herr bei der Wahl eines Kaffenrevisions- Mitgliedes einen Gegner vor, wäy- rend er seinen anwesenden Genossen vollständig ignorierte. Es wurde mit Recht von den Anwesenden gerügt, dast es wohl einzig sei, daß socialdemokratische Vertreter in der Umgebung Berlins nicht einmal den„Vorwärts" lesen. Bezeichnend für das Verhalten dieser Herren ist es noch, daß sie es nicht der Mühe wert hielten, in dieser Versammlung, zu der sie schriftlich eingeladen waren, zu erscheinen. Die Versammlung nah», infolge dieser Vorgänge einen Antrag dahingehend an, Herrn Jenner zu benachrichtigen, sein Mandat niederzulege». Zum Schluß wurde noch auf die am 23. Juni statlsindende Francnversammlung, sowie auf das am 13. Juli bei Bethke staltsindende Sommcrfest aufmerksam gemacht. Uehte MazszvMzken und DepeMeNs Das cuglischc Finanzgesetz. London, 16, Juni.(W. T. B.) Unterhaus. Bei der Beratung deS Finanz-Gesetzentwurfs erklärte sich Hicks-Beach mit eincni Abänderungsvorschlage einverstanden, nach ivelchem der Zoll auf Getreidc-Abfälle, ivelche als Viehfutter verwendet werden, von drei Pence auf eineinhalb Pence herabgesetzt werden soll. Der Abänderungsvorschlag wird vom Hause angenommen. Lndwigöhafe», 16. Juni.(Privatdepesche.) In der heutigen Sitzung des Parteitages der bayrische» Svcialdcinokratie wurde das G e m e i» d e p r o g r a m nr berate». Nach längerer Diskussion wurde der vorgelegte Entwurf angenommen und der Parteitag geschlossen. Grimma, 16. Juni.(28. T. 83.) J» Pragewitz bei Mutzschc» branntet« gestern nachmittag der Förderschachl und der massive Fördert»«» des Schippanschen Kohlen-Bergwerks aus. Heute früh gegen 4 Uhr gerieten 1 Obersteiger und 3 Bergleute, als sie in das Werk eindrangen, durch Brandgase in Erstickungsgefahr. Die drei Arbeiter vermochten sich zu retten. Der Obersteiger wurde im Laufe des Vormittags als Leiche zu Tage gefördert. Ein andrer Arbeiter, der heute vormittag einstieg, fand gleichfalls seinen Tod. Trirst, 16. Juni.(B. H.) Der M a u r e r st r e i k ist beendet und die Arbeit überall wieder aufgenommen. Budapest, 16. Juni.(B. H.) Infolge Austritts des Szamos- fluffes sind die Stadt Dees uud die Ortschaften Bethlen und Magyar- Lapos überschwemmt. Zahlreiche Häuser sind eingestürzt und der Eisenbahndnmm zerstört. Der gesamte Saatenstand ist vernichtet und der telegraphische Verkehr unterbrochen. Paris, 16. Juni.(W. T. B.) Der Ministerpräsident hat über zehn Geistliche des Departements der oberen Garonne wegen Wahlagitation die Gebalts sperre verhängt. Ora», 16. Juni.(W. T. B.) Einein Telegramm aus Duveyrier zufolge ist in der Nacht zum Freitag bei Haci el Begri, an derselben Stelle, wo vor einem Monat fünf Personen ermordet wurden, eine aus acht Eingeborenen bestehende Karawane niedergemetzelt worden. Im Bezirk von Figig halten sich gegenwärtig zahlreiche Räuberbanden auf. Hierzu 3 Vcilage» u. ltuterhattiingsblatt. Verantwortlicher Redacteur: Carl Leid in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Wlax Babing in Berlin. jlr. 138. 19. ZahrMg. 1. KilM des„jlatiaiirle" jieilim WsIiIÄ. DiellStllg.\l Inni 1902. Hervenhsus. 16. Sitzung vom Montag, den 16. Juni, nachmittags 2 Uhr. Am Ministertisch: v. T h i e l e n, Dr. S ch ö n st e d t. Freiherr o. H a m>n e r st e i n. Auf der Tagesordnung steht zunächst die einmalige Schlufe- beratuug über den vom Abgeordneteuhause in abgeänder-ter Fassung an das Herrenhaus zurückgelangten Gesetzentwurf betreffend die U m l e g u n g von Grundstücken in Frankfurt a. M (l.» Adickes.) Der Gesetzentwurf wird en bloc angenommen. Es folgt die einmalige Schlußberatung über den Antra. Dr. von L e v e tz o w, betreffend die Bekämpfung des über tricbeuen AlkoholgeuufleS. Der Autrag ist identisch mit dem Antrage des Abg. Gräfe Douglas im Abgeordnetenhause in der vom Abgeordnetenhau angenommenen Fassung. Vicepräsident Bcckcr-Köln teilt mit, daß der Antragsteller nicht anwesend sei. Berichterstatter Freiherr V. Durant beantragt die Annahm des Antrages. Minister Freiherr v. Hammerstein: Ich wiederhole gern die von der Staatsregierung bereits im Abgeordnetenhause abgegebene Erklärung, daß die Regierung den Grundgedanken des Antrages v. Levetzow bezw. Graf Douglas durchaus sympathisch gegenübersteht und gewillt ist, in eine sorg� fältige Prüfung der Frage einzutreten, ob und wie es möglich ist, au dem Wege der Reichsgesetzgebuug Schäden der bisherigen Gesetzgebung in Bezug auf das Konzessionswesen zn beseitigen. Ferner wird die Regierung prüfen, ob es möglich ist. im Wege der Landes gesetzgebung irgendwie in diese Matcne einzugreifen. Aber au allen diesen Wegen hat man doch immer nur ein weit gestecktes Ziel vor sich. Die Regierung wird weiter gemäß den Anregungen dieses Antrages sorgfältig prüfen, inwieweit durch Verwaltuugs niaßnahmen und Polizeiverordnungen dem Uebermaß des Alkohol genusse« entgegengetreten werden kann. Ich betone besonders das Uebermaß. weil ich das Ki»d nicht mit de», Bade anSschlitten will.(Sehr richtig I Bravo I) Man sollte nicht jeden Alkoholgenuß versagen; die menschliche Natur ist einmal so geartet, da' ihr hier und da ein Glas Alkohol nicht schaden kann.(Heiterkeit Die Uebelstäude sind aber so schwer, daß es Pflicht jeder Regierung ist. dem Uebennaß des Alkoholgenusses entgegenzutreten.(Beifall.) O b e r» B ü r g e r m e i st e r Struckmach,- Hildesheim begrüßt den Antrag mid hält besonders Maßnahmen des Unterrichts Ministeriums gegen den übertriebenen Alkoholgenuß für erforderlich Redner verlangt allgemeine Bestimmungen über das Konzessionswesen. Die Zahl der Schankstätten müsse nach der Zahl der Bevölkerung oder einem andren objektiven Maßstab beschränkt werden. Auf jede Kon zesfionSertcilung müsse eine einmalige Abgabe von mehreren 100« Mark gelegt werden. Die Polizeistunde müsse schärfer geregelt werden; vor 8 Uhr morgenö dürfe in der Regel keine Wirtschaft geöffnet sei». Höchstens dürften nur unschuldig Getränke zu dieser frühen Stunde verabreicht werden. Trinkcrasy'le mußten in größerer Zahl als bisher gegründet werden. Auch die Gelangnisverwalhmgen könnten von Einfluß sein auf die Bekämpfung des Alkoholismns. Der Justizminister sollte im Reiche dafür wirken daß im Strafgesetz die Betrunkenheit, falls sie nicht durch einen unnberwindlichen Zwang acqniriert ist. nicht mehr als strafmildernd in Betracht kommt. Der Kriegsminister könnte den Soldaten de» Schnapö verbieten. Im Ministerium des Aenßcrn müßte dahin gewirkt werden, daß uns« in die Kolonien gesandten Schiffe keinen Alkohol dort einführen. Graf v. Koöpoth: Die Vereine und die Privatpersonen, die gegen den Alkohol auftreten, lchießen meist Über das Ziel hinaus. Das hat der Antrag. steller klng vermieden. Alkohol sollte eigentlich nur auf ärztliche Verordnung genoffen werden, wobei allerdings nicht jeder ver- dorbene Magen als Vorivand dieneu darf.(Heiterkeit!) Ans der meiner Aufsicht unterstellten Riltcrakademie zn Liegnitz ivissen die Tertianer und Eekundmier, daß sie auf ihren Soiintagsspaziergnngen nur ein bestimmtes Quant»», Bier zu sich nehmen dürfen. Danach handeln sie auch. Alle vierzehn Tage aber mache ich ihnen selber ein Fest in der Akademie.(Heiterkeit.) Dabei wird auch nicht über den Durst getrimken. Ich bin selbst alter Corpöstndcut und kann nur sagen, daß nia» dort sehr unter den, Trinkzwaug leidet. Die Aufhebung des Triukzivangcs wäre ein ivahrer Segen. Manche freilich feigen:„Es ist mir ganz egal, ob der Trinkzwang aufgehoben wird oder nicht; ich saufe freiwillig weiter".'(Heiterkeit. Auch ich meine, daß Trunkenheit in, SIrafgcietz kein mildernder Unistand sein darf; im Gegenteil, wer vor dem Lerbrechen durch übermäßigen Alkoholgenuß noch ein Verbrechen �Gczundheit begangen hat, sollte doppelt streng bestraft Graf Schlieben: o'pchr ich mit der Idee des Antrages sympathisiere, so kann h nicht allen Einzelheiten desselben zustimme». Wenn es ein« >ur allemal verboten sei» soll, Branntivein an Personen unter 16 Jahren zu verkaufen, so müßte schließlich jeder jüngere Mensch eme» Ertaubnisscheii, oder Taufschein bei sich tragen. Was bedeutet weiterhin daL Wort.Schenke" im Sinne des Antrages? Sollen etiva nur die Destillen darunter verstanden werden oder ivollcn Sie alle Gasthäuser linter diesen Begriff begreife»? Wollen Sie sagen: „Wir könne» saufe», wenn wir Lnst haben, aber der ztrme ZIrbeitcr soll cö nicht dürfen?" Sie können doch uicht i» Anönahmcgesetz beschließe,, gegen diejenigen, denen es hre sociale Stellung verbietet, Rotspohu zn trinke», und die »ifolgedeste» auf Schnaps angewiesen sind! Eine strenge Bestrasiing derer, die sich betrunken auf der Straße herumtreiben und dadurch Aergernis erregen, halte ich dagegen ftir sehr notwendig. Ich bin nicht im stände, alle Punkte des Antrages anzunchnien. Mögen Sie Verordnungen treffen, welche Sie wollen: der 8 11 wird doch fort- bestehen bleiben!(Heiterkeit.) Geheimer Kommerzierat Schlutor-Stettin bittet, den Antrag en bloc anzunehmen. V. Gordon erklärt, man könnte den Trinkzwang aber nur ab- schaffen, wenn man zugleich den ganzen Commeut beseitige. Dadurch aber würde das ganze studentische Wesen untergrabe» werden. Graf Mirbach hebt die Vorzüge der Corps hervor und wünscht, daß die jungen Herren sich auch veränderten Anschauunge» anpassen würden. Der erste Satz deS Antrages, wonach die Regierung um Vor- legung eines Gesetzentwurfs zur Verhütung und Einschränkung des schädlichen Alkoholgenusses ersucht wird, wird fast emstimniig, der ganze übrige Teil, der die specielle» Forderungen enthält, mit eiucr sehr knappe» Mehrheit angenommen. Das vom Abgeordnctenhause eingegangene Ausfnhrungsgesetz giim Fleischbeschau-Gesetz wird einer Kommission überwiesen, pie am DienStag darüber beraten wird. Nächste Sitzung: Mittwoch 11 Uhr.(A u s f ü h r u„ g S g e s e tz zum F l e i s ch b e s ch a u- G c s e tz.) Schluß öVe Uhr._ CeWer Parttitag der bayrischen Socialdmokratie. k. L u d Iv i g s h a f e n, IS. Inni. Der bayrische Parteitag, der zum erstenmale in der Pfalz stattfindet, ist mit 93 Delegierten beschickt, die 101 Orte vertreten. In der Vormittagssitzung erstattete V o l l ni a r den Bericht deS Landesvorstaiides und Ehrhart de» parlanieiitarische» Bericht. In der Nachmittagssitzung referierte über die WahlrechtSfrage LandtagS-Abgeordneter Ad. Müller: Am 16. Mai dieses Jahres ist nach neunjährigem Kampfe der bayerischen Socialdcmokratie um die Reform des Landiagswahlrechts eine vorläufige Eutscheidung gefallen. Die socialdemokratische Fraktion hat in der Abgeordnetenkammer einer Resolution zugestimmt, die»ach lange» Verhandlungen im Wahlgesetz- Ausschusse angenommen worden ivar und auf Grund der die Regierung sich bereit erklärt hat, dem Landtag zum Beginn seiner nächsten Session, also noch in der gegenwärtigen Wahlperiode, den Entwurf eines neuen LandtagSwahl-GesetzeS vorzulegen. Meine Aufgabe, Ihnen über diese Vorgänge im Zusammenhange zu berichten, sollte»un eigentlich sehr einfach sein. Ueber den Gang der Entwickelung nnsrer Wahlrechtskämpfe sind Sie ans der Preffe aus Versainmlungen, aus den ausführlichen Berichten auf den Partei tagen in München, Nürnberg, Würzburg und Fürth hinreichend unter richtet. Die Wohllhaten des noch geltenden Gesetzes kennen Sie ans eigener Erfahrung zur Genüge, um ohne Weiteres einen Vergleich ziehen zu können zivischen dem, was werden wird, wenn das nene Gesetz auf der Grundlage der Resolution des Wahlgesetz-Aiisschnsses wirklich zu stände kommt, und zwischen dem, was wir jetzt als Wahl- recht besitzen. Ich bin auch überzeugt, daß alle, die den Ereignisse» bisher anfnierksam gefolgt sind und schon eine oder nichrcrcmale eine Wahl unter dem gegenwärtigen Gesetz miterlebt haben, an erkennen werden, daß ein Erfolg erzielt wurde, den wir vor zwei Jahren, als wir in Fürth beifannnen waren, nicht erwarte hätten. Allein einige P r i» c i p i e n w ä ch t e r in unsrer Partei haben wieder einmal das nnabweisliche Bedürfnis verspürt, über die rückständigen bayrischen Genossen zn Gericht zu sitzen. Die Gefahr wäre vielleicht vorhanden getvesen, daß sie vielleicht auch einmal einen Erfolg der bayrischen Landtagsarbeit hätten prüfe» müssen, und das wäre ja gegen alle heiligen Ueberliefermige». Anstatt das bestehende Gesetz und dessen Wirknngen geiian zu studieren, die be sondere» Umstände gerecht und billig abzuwägen, haben sie einen Teil der Parteiprcsse gegen uns mobil gemacht»md Vorwürfe tvie Wettbewerb um den Ruin der Partei. Wahlcntrechtnng»ach sächsi schein Muster usw. gegen uns erhoben. In der„N e u e n Z e i t' ivar es Genosse Bebel, der diese ivissenschafttiche Revue mit einem kcincsivegs wissenschaftlichen Artikel gegen uns versah. Dieser Aufsatz ist i» Anbetracht der Bedentnng seines Autors in nnsrer gesamten bayrischen Parteipresse reproduziert worden und so zweifellos zur Kenntnis der meisten Delegierten gelangt. Daß auch der„Vorwärts" ein ivenig niitihat, ist selbstverständlich, lmsrem Centralorgane sind die bayrischen Verhältnisse leider nicht hinreichend bekannt. Doch mnß niierkannt iverde», daß er seine Polemik in anständiger Fornr führt«. Ferner ist vorhanden eine Resolution der Augsburger G c Nossen. Alle diese Vorgänge nnn geben Veranlassung, etwas iveiter auszuholen und einige Feststellungen zn machen,(die nötig sind den außcrbayrischc» Genossen gegenüber, die sich durch un unterrichtete Kritiker z» falschen Anffassnngc» verleiten ließen. Zn dicscn Feststellungen gehört zunächst eine kurze R e ka p i t n l a ti o n d e r Eutwicklnng von 1893 bis 1992 Bevor die Socialdcmokratie in den Landtag eintrat, war hinsichtlich der Wahlreform völlige Ruhe über den Wassern. Die bürgerlichen Parteien hatten sich anscheinend mit der Acndernng des Gesetzes vom Jahre 1848 beruhigt, die im Jahre 1881 zu stände gekonnnen war Die einzige Klage blieb die Wahlkreisgeometrie, bezüglich der die Cenlrnmsprcssc bei jeder Wahlperiode jainmerte, sie sei von der Regierung zu Ginisten der Liberale» besorgt worden. Sofort nach dem Eintritt der socinldeniokratischcn Fraktion(damals fünf Mitglieder) in die Abgeordnetenkammer wurde der erste Antrag auf Einführung eines gerechten Wahlrechtes eingebracht, dem ein völlig ausgearbeiteter Gesetz entwurf beigefügt ivar. Dieser Antrag wurde' mit allen gegen 17 Stinimcn abgelehnt. Dabei wurde' namentlich vom Centrinn mit der Behauptung operiert, nach der Verfassung sei eine Aende- rung von Verfassungsgesctzen. zn denen auch das Wahlgesetz gehört, unter der Regentschast unmöglich. In der zweite» Session ivicdeo holte die socialdemokratische Fraktion die Anträge, sie, nutzte ihnen aber nach den Bestimmungen der Geschäftsordnung eine andre Form geben, weil ei» einmal abgelehnter Antrag in jeder nur „vertagten" Session nicht ivicderholt ivcrdcn darf. Jetzt beantragte das Centrnm Uebergang zur Tagcsorduung, gegen den sich aber bereits 53 Stimmen erhoben. In der dritten Session kam unser An trag, ans erwähntem Grunde wieder in andrer Form, noch eiinual. Die Gegner und die Regierung hatten zwar die Behmiptimg eines BerfassungShindernisses inzwischen fallen gelassen, aNein beim Centrnm wie bei den Liberalen ivar die Lust gering, sich auf eine Reform einzulassen. Das Centrnm wollte die Verweisung an eine Konnnission, in der auch bei der totalen Abneigung der Regieriing gegen eine Aeuderimg und bei der vorgeichrilteuen Zeit ver Kammer- taguug der Antrag zweifellos sein seliges Ende gefnnde» hätte. Schließlich aber ivurdc nach den damaligen Debatten, nach einer glänzenden Rede Grillenbergcrs mid ivohl auch unter dem Eindrucke des plötzlichen Todes unseres unvergeßlichen Freundes, der nach der Rede eine» Schlaganfall erlitten hatte, folgender Autrag mit einer geringen Majorität angenominen:„Es sei die Stantsregiernng um einen Entwurf zu ersuchen, durch ivelchen das Landtags- wähl- Gesetz dahin abgeändert Ivird, daß bei voller Sicherung einer unabhängigen Wahl allgcnieines. direktes Wahlrecht gc- währt, de» Städten wie dem Laude die ihnen nach der BevölkernngSziffcr gebührende Abgeordiietenzahl eingeräumt und eine geeignete Vertretung der Minoritäten nach dein Priucip der Proportionalwahl in Aussicht genonnnen werde." Unser Antrag ist dann an die RcichsratSkammer gegangen, dort aber nacki Verhältnis mäßig kurzer Debatte mit der famosen Begründimg) daß es bei der unbestiniinten Form des Antrages und insbesoudre nach deni Vcr� taufe der Verhandluiigen in der Abgeordnrtenkannuer nicht möglich ei, zu dem Antrage Stellung zu nehmen, c i n st i ni m i g abgelehnt worden. So ivar die Wahlreform noch einmal verhindert. Ilusre ! iremide hatten, der Not der besondren Umstände gehorchend, ihren Fordenuigcii schon damals ei» g'e>v i s s e s E» t g e g e n k o in in e u gezeigt. Und gerade Genosse Grillen- berger, dessen Verhalten, dessen Vollgiiltigkeit die heutigen Tadler unsrer Fraktion ihr gegenüber so rühmend hervorheben, ivar«S, der, um. nur die direkte Wahl zn retten, dieses Entgegenkommen für nötig gehalten hatte. Schon 1893 führte er ans: Die socialdcmo- kralische Partei habe nicht voll und ganz das gefordert, ivas das ocialdemokratiiche Programm verlange. Man habe verzichtet auf das Proportional> Wahlrecht, nia» habe verzichtet auf das Frauen- Stimmrecht und habe das Alter der Wählbarkeit auf ü n f u n d z>v a n z i g Jahre festgesetzt; die Partei sei ogar so weit gegangen, die erstmalige Einteilimg der Wahlkreise dem Staatsniinisterium zu überlassen. Man solle den Antrag an einen Ausschuß veriveise»; dort könne man eine V e r st ä n d i g u n g herbeiführen. Er kapriziere sich nicht auf alle vorgeschlagenen Bestimmungen de« damals vorgelegten Gesetz- cntwurseS. Die erstmalige Ueberlajsuna der Wahlkreiseinteilmig an die Rcgiermig sei nichts Reaktionäres, sondern etwas in Anbetracht der gegebene» Umstände Nolwciidiges, weil man sonst zu keinem Ziele gelaugeu würde. Einer Vermehrung der Ab- geordnete n zahl sei vorgebeugt durch die Er- HLHling der Verhältniszahl von 31 600 auf 35 000 usw. Am 19. Oktober 1897 verleidigtc Grille»berger de» Antrag, die Regierung sei zu ersuchen a) ein Wahlgesetz vorzulegen, nach dem 1. das direkte Wahlrecht eingeführt, 2. für München weitere sechs. für Nürnberg weitere 2 Abgeordnete, und zwar in Wahlbezirken mit nur je eiucin Abgeordneten, bcstinimt werden; während in den übrigen Landesteilen die bisherige WahIkreiSeinteilung beibehalten ivird; b) dem künftigen Landtage eine Vorlage zu machen mit Fest- stellnng einer gesetzlichen Wahlkreiscintcilung, wonach auf je 40 000 Einwohner ein Abgeordiietcr trifft, auf' der principieNen Grundlage deS allgemeinen Wahlrechts. In der Begründung dieses so muß man sagen, daß jedes Gesetz, daß daS Licht der Welt erblickt, eigentlich ein Kompromiß sei zivischen den verschiedenen Faktoren, die dabei mitznwirke» haben, und nicht bloß in dem heutigen Staat, sonder» auch i» dem idealen Staate, wie wir ihn uns vorstellen. ivird jedes Gesetz erst recht aus einem Kompromiß zilsnmniengestellt sein. Die einen, die möglich st weit gehen iv ollen, werden e t iv a s nachlassen, die andern, die gar nichts oder nur sehr wenig thnn wollen, werden vorwärts geschoben, und schließlich werden sie sich auf einem bestimmten Punkte treffen, den man eine Zeitlang als die wahre Meinungsäußernng der betr. Faktoren ansehen kann. Und ich glanbe, daß dies auch bei dem bayrischen LandtagSwahl-Gesetz der Fall sei» sollte." Ich erwähne das iiiir, um denen, die da behaupten, nach Grillenbergers Tod sei eine andre, eine sogenannte„staatSinännische Taktik" geübt ivorden, den Beweis zu liefern, daß dies nicht der Fall ist. Der Antrag, der 1899 eingebracht wurde, lautete:„Es sei an die Staats- regieriing das Ersuchen zu richten, dieselbe ivolle dem gegenwärtig versammelten Landtag den Entwurf eines Gesetzes vorlegen, durch welchen das Wahlgesetz dahin abgeändert wird, daß bei voller Sicheruiig einer unabhängigen Wahl allgemeines. gleiches, direktes und geheimes Wahlrecht gewährt, den Städten wie dem Lande die ihnen nach der Bevölkernngsziffer gebührende Abgeordnctenzahl eingeräiiint und eine genügende Vertretung der Minoritäten nach dem Priucip der Proportioiialwahlei, in Aussicht genommen iverde." Die Vegründling dieses Antrags erfolgte seitens Segitz und Vollmar mit aller Energie iind iiiiter entschiedener Aufiechterhaltnng aller unsrer prin- c i p i e l I c n Forderungen. Die Debatte schloß mit der ein- stimmigen Verweisniig des Antrags an einen Ausschiiß von 21 Mitglieder», in den von liiis die Genossen Segitz und Franz Schmitt delegiert wurden. Der Ausschuß ist in der da- nialigen Session nicht mehr zu eigentliche» Verhandlungen gelangt. Mit dem Beginn der neuen Session 1901/1902, als es den Anschein hatte, als ob die M e h r h e i t s p a r t e i e n die Reform wieder verschleppen wollten. griff die Fraktion durch eine energische Zuschrift ein, ivoranf dami die langwierigen Ver- handlnnge» begannen, die allerdings durch die Beratungen des Schulgesetz-AuSschusses wieder eine Zeitlang unterbrochen wurden. Auch im AnSschilß erhoben unsre Mitglieder wieder mit aller Entschiedenheit die principiellen Forde- r n n g e n, wie Proportionalwahl, Festhalten am Alter von 21 Jahren für aktives mid passives Wahlrecht, Gleichberechtigung der Städte in Bezug auf die Wahlkreiseinteilmig, Wegfall jeder Veschränkling des allgcnlciiieii Wahlrechts. Ihnen gegenüber wollten die agrarischen Elemente des C e ii l r» m s' u u d die V a u e r n b ü n d t e r von einer Verbesserung nichts wissen. Statt einer Verminderung der bestehenden' Uiigerechtigkeit in den städtischen Wahlkreisen znznstimmen, entblödete» sie sich uicht, iveiteren Ver- schlechtcrmigcn das Wort zu reden und schlüge» sogar eine Wahl- kreiS-Einteilmig auf Grund der Volkszählung von 1865(statt wie zur Zeit 1875) vor. Die Regierung ivar zivar bereit, das direkte Wahlrecht einzuführen, verlangte dafür aber die Bindung des aktiven Wahlrechts an ein Alter von 23 und des passiven an ein solches von 30 Jahren. Ferner bestand der Minister v. Feilitzsch auf eine Daner von mindestens drei Jahren für die Staatsangehörigkeit. Gegen die Vermehrung der Abgeordnctenzahl wandten sich aber nicht nur die Bancrnbündler und die Centrninsleutc um Söldner, auch die Liberalen machten einen Vorschlag, der die Ziffer der Ab- geordneten von 169 auf 148 herabgemindert hätte. Daß eS unter solchen Unistäiideii des nachdrücklichsten Eingreifens unsrer Freunde im Ausschusie bedurfte, um überhaupt etwas zu stände z» bringen, braucht nicht iveiter betont zu werden und schließlich einigle sich der Ausschuß auf die bekannte Nesolntio». Die Resolution ivurde nach den Verhaiidlnnge» am 16. und 16. Mai auch i m P l e n u m e i» st i ni in i g a n g e n o m n, e n. Den Standpunkt»nkrer Fraktion nnd unsre principielle Anfsassung wahrte dabei unser Redner Genosse Segitz völlig korrekt und mit allein Nachdruck, indem er u. a. ausführte:„Wir halte» an den Grundsätze», die wir in unsrem ursprünglichen Wahlrechts- antrog aufgestellt haben, selbstverständlich fest, ivas ich niit allem Nachdruck hervorhebe» niöchte.... Ich bin weit davon entfernt, die Bedenlung des direkten Wahlrechts irgendwie abzuschwächen. Wir erblicken die Vorzüge des direkten Wahlrechts vor allen Dinge» darin, daß die Bevormundung, welcher der Urwähler bei der indirekten Wahl untersteht, aufhört. Wir erwarten von der direkte» Wahl, daß das Interesse an den LandcSangelegeiihcite» in allen Kreisen der Bevölkerung ei» reges ivird. daß insbesondere auch die ländliche Bevölkerung an den LandtagSwahlen einen größeren Anteil nimmt als bisher... Wir haben im Ausschuß Veranlassung genommen, bei dieser Gelegenheit festznstclle», daß wir es durchaus für kein Unglück halten ivürdeu, ivemi nia» den Frauen das Wahlrecht einräumen würde. daß daS eine principielle Forderung von uns ist, für die Ivir mit großem Vergnügen eintrete« würden, wenn nur die geringste Aussicht auf Annahme eines derartigen Antrages bestünde.... Wenn wir e i n e V c r b e s s e r n n g s a ii t r a g c in diesem Stadium der Verhandlungen stellen, so gehen meine politischen Freunde von der llekerzeiigling aus, daß sich in der jetzigen Situation, bei dieser Parteikonstellation nicht mehr erreichen läßt.� als ivas der Ansschnß beantragt. Wir haben uns bei den eingehenden Verhandlnngen des Zlnsschnsscs davon überzeugen inüffen, daß alle iv eitergehen den Vorschläge in Bezug auf die Reform des Wahlrechts Aussicht auf eine Mehrheit ini Hanfe nicht haben, um so weniger, weil eine Zivcidrittel-Mnjorität zum Zustandetommen der Wahlreform not-. ivendig ist. Der Regierung und den Mebrheitsparteien ist es nicht darum zn thnn, ein gerechtes Wahlsystem zu schaffen." Segitz schloß eine Anssührnugeii mit den Worten:„Meine politischen Freunde iverde» deshalb für die A n s s ch u ß b e s ch I ü s s e st i m m e n. um wenigstens das direkte Wahlrecht z» erlangen, um den größeren Städten gegenüber das Maß von Gerechtigkeit zu üben, daS ihnen durch die Äiisschnßbeschliisse eingeräiiint ivird. Leicht ist »n§ bei der Lage der Verhältnisse die Ziistiimnnng zu de» AnSschiißbeschlüfse» nicht geworden. Aber wir treten ihnen bei in der Ucberzengung, daß auch dem bayrischen Volk sein volles, ganzes und»»beschränktes Wahlrecht zn teil iverde» muß." Die R e g i c r n n g ivar über die einstimmige Annahme der Resolution e b e» s o v e r iv u n d e r t w i e wir, s i e s a g t e d i e o r l a g e eines Gesetzentwurfes am Beginn der nächsten Session z u. dabei nahm der Minister v. Feilitzsch sogar das Wort„Fortschritt" in den Mund, ohne daß die bayrische RegicrinigL- ivelt unteraing. lind iiizivischcn hat auch der Ausschuß er R e i ch s r a t S- K a ni»> e r dem Beschlüsse e i u st i m in i g ii 0 e st i in in t. Die Verwiuiderung aber über die Ein- timmigkeit der Abgeordnetenkammer ivar sehr berechtigt. Noch vor der Plenarberatung ivar es äußerst ziveifelhaft, ob berhaupt eine Zweidrittel-Mehrheit zn st an de äm e. Die Bauenibündler, die früher in den Versammlinigen für Verbesserung des Wahlrechts eingetreten waren, hatte» sich im Ans- 'chnß durchaus reaktionär benomme». Das Centrum war seiner ländlichen Elemente keineslvegs sicher und die Liberalen iv a r t e t e n nur daraus, daß wir dagegen st i m m e n würden, damit sie eine Eiitschuldignng für sich hätten, die R e- o rm z n vereiteln. Deswegen haben nachher die liberale» Organe die Angriffe Bebels auch mit großem Vergnügen abgedruckt, und warum? Ein Centrumsblatt fällt ein ganz richtiges Urteil, indem es sagt:»Die liberale Presse will die Socialdemokraten offenbar scharf mache», damit sie die Wahlrcsorm durch überspannte uiid extreme Forderungen zu», Schluß doch z» Fall bringen, was die Liberalen zivar s e h n l i ch st W ü n s ch e n, aber selber nicht a g e n— von wegen der Verantlvortnng bei den Wählern. Die Augsburger Abendzeitung" drückt das auch am Ende eines laiigen Anttages sagte Grillenberger:.Wenn man so recht zusieht.> Artikels wunderbar schön'ans. Sie sagt:„ES scheint dcin»ach in „Siefomucdjl" in die zu ihrem Ausschuß- ivaude wird es ja Socialdemokraten.>vns Li>dwij,shafeii wieder eine jener scharfen Auseinander« s e tz u n g e n b e v o r z u st e h e n. wie sie seit geraumer Zeit auf socialdemolratischen Parteitagen üblich sind und— iver weiß?— vielleicht ttjnt die socialdcmokratische Lnudtagsfraktio», was die »Münchner Post" de» Liberale» imputierte, vielleicht geht ihr Bruche, vielleicht steht sie im Plein»» Buh»». 81» einem passende» Vor- »icht fehlen." So, jcht wissen die sie zu thun haben, wenigstens was die l> b e r a l e P r e s s e von i h n e» w»» s ch t. Die Socialdemokraten werde» anch hoffentlich s o barmherzig sc!» und sich der arme» Liberale» an- li»d für sie die Berantivortuiig übernehme», daß die Wahlreform scheiterte. Darauf geht die ganze Spekulation hinaus." In der That, darauf geht die Spekulation auch hinaus. Kein �mziges liberales Blatt hat die Wahlreform überhaupt befürlvortet, i» keiner liberale» Versaiiinilnng wurde vorher ei» Wort davon ll��det. Dagegen hatte ei» pfalzisch- liberales Organ in der tchnrfste» Slrt gegen die AnSschnßanträge Stellung gcuonuneu und m Ä � liberale Partei von dieser Nesorm großen .cachteil haben tvcrde, und die„Augsburgcr Jlbeudzcitung" �0I: Tagen: Die Hiiiaussetzuug des altivcii Wahlrechts wird die Socialdemokratie nur lveuig. das Cculrnm gar...cht beengen. � Die liberale Partei hat vielleicht noch»!c ciiic» iu>"-"c» BcivciS ihrer Selbstlosigkeit gegeben, als indem sie dieser Wahlreform zustimnit. Mit der Selbstlosigkeit ist es natürlich nicht weit her, ivohl aber ist die Hossinnig stark unter den Liberalen, daß enic Ilneiiugkeit unter uns zur Bcrcilclnng der Reformen führen koimte. damit ihnen das direkte Wahlrecht erspart bliebe. Dem, MS sherrichendc Wahlrecht, das indirekte Verfahren, die Wahlkreis- Geometrie bei de» llrlvahlkrcisen ist de» Liberalen auf den Leib gcichnitteii. lind sehr viele von ihnen denke» heute noch im stillen, was der Apotheker von Nördlinge», der liberale EhrengrciS dcS Land- on�''n"' b.gtc, als der erste socialdemokratische Aiitrag kam: ' hüten, den Ast abzusägen, auf dem ivir fihen." Die Parteigenossen in Bayer» haben denn auch verstanden, daß e-> ciiie grobe Pslichlverletzmig von uns gewesen iväre, tveun wir �> J 1"' 1 c � f* 111 1,1 u n g das Signal gegeben hätten zum ?fall der Reform; außer in Augsburg ist iil keiner einzigen Vcrsammlnng im Lande ein Widerspruch laut gelvorden, und auch me AngSbnrger Genosse» werde» sich, nachdem ihnen die Thntsachen richtig dargelegt sind, wohl eines andren besinnen. Es erübrigt nun noch der Vergleich mit dem, was erreicht ist, wenn ein Gesey ans dem Boden der Resolution zu Iwnve kommt und dem, was wir seht an Wahlrecht besitzen. eiiinachit die Verfchlrchternugcn. Diese bestehen: 1. in der Hinansictznng des wahlfähigen Alters vom 21. auf das 25. Jahr. •• Bestimmung, daß der Wahlberechtigte in Ziikiuist»liiideslcns es» Jahr lang direkte Stenern bezahlt haben soll. während bisher cm halbes Jahr festgesetzt ivar, 3. in der Vorschrift, daß man seit cincnr Jahr die Staatsangehörigkeit besitzen muß, während bisher keine Ziarrcnzzcit bestand. Demgegenüber stehen die Ncrbcfscriiiigen: i. truisiihrniig des direkten Wahlrechts, 2. Hcrabmindcrmig des pnjiivcii Wahlrechts ans 23 Jahre(früher 30), 3. Verlängernng der Mahlzeit bis nachmittags l> Uhr»nd bessere Sicherinig der geheime» Wahl, 4. Wegfall der Plural-Wahlkreise, d. h. Schäffimg voii enimäniiigen Wahlkreisen, 5. Vermehrung der Slbgeordneten- z.sier von lüg auf 163, eine Vennehnnig, die den Städten zu gute kommt: so erhält München statt 6 II; Nürnberg statt 4 6; Würz- ontii statt 1 2; Ludwigshafc» und KaiserSIantern statt 1 2 Ab- geordnete. 6. WahlkreiS-Einteilung„ach de», Ergebnis der Volkszählung Dezember ISlXI, 7. Festsetzung einer Maxiinalgrenze für die Wahlkreis« EliiteikNilg, 8. Wegfall der permaiientcn Wählerliste». Was „l,'c Verfchlechlcrimgen anbetrifft, gegen die niisrerscils in scharsster Weise protestiert wurde, so sind sie zni» Teil vor. geringerer Praktischer Vcdcntnng, als die Kritiker sich einbilden. Die Chikane der evijahnge» Staatsangehörigkeit trifft zivar die Arbeiterschaft. zum Teil aber auch die Besitzenden. Denn wie im Ausschuß hervor- gehoben wurde, waren es i» den Universilätsstädteii anch viele Studenten, die sich vor den Wahle» die Staatsangehörigkeit ver- schaffte», daß diese aber in der Mehrzahl den OrdnnngSparteien zuliefe», ist Ivohl unzweifelhaft. Ebenso ist es mit der Stenerlcistung. Unter der Arbeiterschaft wird es iveiiige geben, die keine Stenern zahlen oder die nicht wenigstens mit der geringsten Stencrlcistnng von 50 Pf. belastet waren. Befreit von dieser geringsten Steuer sind nach Art. 15 des StcuergcsetzeS lediglich Personen, die im Dienst ihres Brotherrn oder Fninilieuhnuptcs stehen und keine eigne Wohnung haben. Hicrimter fallen also vornehmlich die HaiiSsöhncheu und die Knechte, soweit sie keine Giiindstener zahle». Diese beiden Kategorien stelle» nur geringe Ziffer» für uns, der Hanptverlnst trifft die Gegner. Schlimmer erscheint auf de» ersten Augenblick die Hiiiaufschiebnng der Altersgrenze von 21 ans 25 Jahre, eine rückständige Maßregel, deren Verwerflichkeit unsererseits schon zur Genüge gekennzeichnet worden ist. Diese Verschlechterung auch hat namentlich Bebel so sehr entrüstet, daß er»»s Wahlentrechtnng nach sächsischem Muster vorgeworfen hat. Dieser Vorwurf ist einfach lächerlich. •vzch habe Ihnen gezeigt, wie während des ganze» Kampfes nin die Wahlreform gerade die Ausdehnung des allgemeinen Wahlrechts das Hauptbesirebcn der socialdemokratischen Landtags Fraktion Ivar, wie bis zur letzte» Minute im Ausschüsse gegen die Hinaufsetzung des Wahlalters gekämpft wurde. Schließlich aber standen 11 gegen 148 und die Regierung, und die Gelvalt der reaktionären Mehrheit geht vor Recht. Nachdem die Entscheidung im Llnsschnsse gefallen ivar, stand die Fraktion einfach vor der Frage, sollen ivir dieser Verschlechterung wegen die Reform überhaupt vereiteln oder sollen wir durch Ermöglichung des direktenWahlverfahrens tvenigstens der Mehrheit der Wahlberechtigte» dazu verhelfen, ein Recht auszuüben, das sie auf dem Papier zivar besitzt, das aber für das Proletariat in Wirklichkeit gar nicht vorhanden ist. Schon 1893 führte Grillenberger aus:„Die ganz neu entstandenen Vorstädte um die Großstädte herum sind durch diese Bestimmung um ihr Wahlrecht vollständig betrogen. Ich verweise Sie dafür auf solgenden Umstand; Nürnberg hatte im Jahre 1875 circa 90 000 Einwohner und hat»ach dem neuen Wahlgesetz von 1881 bei der erstmaligen Wahl genau so viel Wahlmänner, nämlich 259 im ganzen Kreis, zu wählen gehabt wie jetzt diese 156 000, oder sagen wir rund 160 000 Einwohner waren bei der jüngsten Wahl vor- Hände» und diese 150 000 dürfen mm nicht mehr Wahl- mäimer wählen, als die 90 000, welche im Jahre 1875 vorhanden waren, lind dazu kommt»och die weitere Unziiträglichkeit, daß anch die Distriktseinteilnng damit in Zusammenhang gebracht wird. Die alten Distrikte behalten ihre frühere Wahlmännerzahl, die neuen Distrikte aber, die hinzugekommen sind, haben so gut wie kein Wahlrecht; wählen dürfen sie, aber nicht die ihrer Einwohner- zahl entsprechenden Zahl von Wahlmännern. Ich will das durch ein ziffernmäßiges Beispiel klarstelle». Die Stadtdistrikte Nr. 53, 53a, 54 und 55 bilde» de» XVIII. Wahlbezirk in Nürnberg, dort waren 1875 2017 Einwohner und diese wählten vier Wahlmänner; die Bevölkerung dieser vier Distrikte betrug bei der 1890 er Volkszählung 7123 Einwohner, hätte also 14 Wahlmänner zu Ivählcn gehabt, aber sie wählte auch wieder nur vier Wahlmänner. Noch krasser wird das Verhältnis, wenn man die Distrikte Nr. 53 und 53» allein betrachet; diese beiden waren 1875 noch ein einziger Bezirk, dieser Bezirk wurde aber durch Teilung in zwei Bezirke eingeteilt. 1875 war die Bevölkerung dieses im- geteilten Bezirkes 432 Seelen und es kam infolgedessen ei» Wahlman» auf diese Bevölkerungszahl; 1390 zählte man 4338 Seelen, so daß von Rechlsivegen 9 Wahlmänner darauf gekommen wären; allein diese ganze Sccleiizahl kam nicht als selbständige in Betracht, sondern wurde in den Gesamtbezirk hineiugezählt, so daß die große Mehrzahl der Urwähler ein wirkliches Wahlrecht nicht gehabt hat." In München, in LndwigShafeu waren die Verhältnisse noch schlimmer; in den ländlichen Bezirken und in den inneren Stadt- bezirken trafen infolgedessen auf einen Wahlman» oft nur ein Siebentel der abgegebenen Stimmen gegenüber den Bezirken, in denen das wirkliche Volk wohnt; die Bauern, die Besitzenden hatten daher das siebenfache Wahlrecht gegenüber dem Proletariat. I Die Wirkung zeigte sich in der Wahlbeteiligung; 1898 bei den Reichstagswahlen war die Wahlbeteiligung 60,3 Proz., 1899 bei den Landlagswahlen(trotz unsrer und der Bancrnbündlcr energischer Agitation) nur 31 Proz. In den ländlichen Bezirken, wo wir infolge des indirekten Verfahrens, das jedes Wahlgeheimnis ausschließt, überhaupt nicht in die Wahl eintreten konnten, war die Beteilignug sogar ans 15 Proz. heruntergegangen. Von den 10 054 Wahl- niänner» im Jabre 1899 trafen auf uns nur 747 gleich 7,4 Proz., trotz- dem von je 100 abgegebenen Wählerstimmcn 26,6 uns gehörten! Infolge der Schwierigkeit, Wahlmänner für uns zu bekommen, konnten wir in weiten Bezirken des Landes überhaupt nicht in die Wahl eintrete». So in München II, in Micsbach(mit den Bergarbeitern usw.), in Traunstein. in Ingolstadt, in Landshnt, Landau a. I. In ganz Niederbayern hatte» wir keinen einzigen Wahlmami; im III. und V. pfälzische» Wahl- kreis leinen, i» der ganze» Oberpfalz keinen, in Kulmbach ganze 2, im IV., V. und VI. nüttdfränkiichen Wahlkreis keine», in Aicha ffeu- burg 1, im II., V., VI., VII., VIII., IX. unterfränlischcu Wahlkreis keinen; in ganz llutcrfranke» ganze 31 1 In 8l n g s b» r g ganze 8 und allen übrigen schwäbische» Wahlkreisen keine» einzigen. In alle» den genannten Bezirken war also das Wahlrecht unsrer Genossen völlig illusorisch und so sieht das Wahlrecht aus, das ivir durch Zustimmung zu der Nesolulion verschlechtert haben sollen. Dazu kam die Notwendigkeit bei den W a h I m ä» n e r- W a h l e u. Zlbgeordnetenwahle» und ohne solche priucipiell doch sicher verwerfe lichc Knhhändel ist bei dem gegenwärtigen Gesetze für uns überhaupt nichts weiter zu erreiche». Von de» sonstige» Schönheiten des gegenwärtigen Gesetzes, von den endlosen Nachwahlen(siehe Bayreuth!), der völligen.Preisgabe der Urwähler an oft»uzu- verlässsge Wahlmänner wäre noch viel zu reden, allein ich kann im Rahmen dieses Referats auf weitere Einzelheiten nicht mehr ein- gehen. Ich habe mich trotz der heftigen und meiner innersten lieber- zeuguug nach ungerechten Angriffe, die wir erfahren haben, bemüht, der Kompromisse der Kuhhandel bei den so sachlich als möglich zu bleiben. Ich habe jedes unnötige Palhos und jeden rednerischen Aufputz zu vermeiden gesucht. 8lber eins darf ich doch Ivohl noch sagen, an Mühen und Kämpfen, um dem bayrischen Volke ei» besseres Wahlrecht zu verschaffen' hat es die socialdemokratische Landtagsfraktion nicht fehlen lasieu. Wir sind nur 11 unter 159, eine winzige Minorität gegenüber zwei große» Parteien, die bei keiner Wahlreform viel zugenommen haben. Trotzdem haben wir, gestützt auf dem Willen des Volkes, die Sache in Fluß gebracht. Im hochindustriellen Sachsen habe» die Orduungsparteien auf die Wahlrechtssorderungen imsrer stark organisiertcu Freunde mit völliger brutaler Wahl- entrcchtulig geantwortet. I» Preußen mit seinen besseren social- demokratischen Organisationeir, mit seiner Hauptstadt der Intelligenz ist es»och nicht gelungen, das schändliche Dreiklaffen-Wahlrecht ins Wanken zu brnigen— in Bayern haben Ivir gegenüber dem jetzigen Zu- stand der Wahlrechtsbeschränkung durch das indirekte Wahlverfahren, der völligen Wahlentrechtuug in weiten Bezirken des Landes, die ich Ihnen ziffernmäßig vorgeführt habe, immerhin einen w e s e» t- lichen Fortschritt angebahnt. Sie haben u»S in die Ab- gcordnetenkammer gesandt, nicht um Reden znm Fenster hinaus zu halten, sondern um praktisch zu erreichen, was zu erreichen ist, damit die Sache des werkthätigen Volkes gefördert, damit zur weiteren Ausbreitung unsrer Principien freie Bahn geschaffen werde, damit anch auf dem Gebietendes Wahlrechts, von dem jetzt Erreichten aus, unser volles Princip mit der Zeit ganz zum Siege gelangen kann. Nach längerer, sehr bewegter Debatte, über die wir noch be- richten, und in der namentlich N o l l w a g e n- AusgSbnrg und Dr. Ad. B r a u n- Nürnberg die Landtagsslaktion scharf angriffe», wurde schließlich in später Stunde nach einem glänzenden Schluß- wort Vollmars mit 74 gegen 1 Stimme, bei 11 Eut- Haltungen, eine Resolution angenommen, die der Fraktion das volle Vertrauen ausspricht und besonders ihre unermüdliche Thätigkeit anerkennt, die wesentlich die Reform des Landtags- Wahlrechts gefördert habe. Es wird das Vertrauen ausgesprochen, daß die Fraktion alles aufbieten tvcrde, um von nnsren Fordernngen an ein gerechtes Wahlrecht so viel durchzusetzen, als unter den gegebenen Wahlverhältnissen nur immer zu erreichen ist. Briefkasten der Redaktion. Die jnt'lslilchc Sprcchlmude findet täglich mit Ausnahme de? Sonnabends von 71/i bis O'/j Uhr abends statt. F. St. i» Berlin. Sie haben den Satz des Artikels mißverstanden; iveim Sie ihn im Zusammenhang lesen, werden Sie finden, daß er nicht den Sinn hak, den Sie in ihm vermutet haben. M. S. 309. Centralverbaud der Handluugsgehilsen und-Gehilfinnen Deutschlands. Sitz Hamburg. Versammlungen jeden MitNvochabend in den „Arunnhallen", Kommandavtenstr. 29. Bevollmächtigter für Berlin: W. Fried- länder, Eisasierstr. 25, II. Erbteiluna K. Liegt kein Testament vor, so erbt die Witwe»/«, die Kinder'/« des Nachlasses. Anders verhält es sich, wenn die Ehe in der Mark Braudenbiirg, und zwar vor dem 1. Januar 1999 geschlossen war. Dann steht der Ehefrau das Recht zu, zu wählen, ob sie nach märkischem Recht oder nach dem Recht des Bürgerlichen Gesetzbuches erben will. Nach märkischem Recht kann sie die Hälfte der Masse beanspruchen, die durch Zusammenwerfen des Vermögens der Eheleute eutsieht.— Ullrich. 1. Solche Pflicht hat kein Arzt. 2. Nein. 3. Ehebruch, Nach- stellimg nach dem Leben, bösliche Berlassuug, Geisteskrankheit und fchuldhaftc Zerrüttung des ehelichen Lebens sind Scheidungsgründc. — G. K. 5. Ihnen stehen gesetzliche Ansprüche gegen den Betreffenden nicht zu.- P. T. 450. Zahlen müßten Sie, können aber mit Aussicht aus Ersolg Beschwerde einlegen.- G. S. Puttbnser. Die Anmeldung ist nicht ersorderlich— H. 47. Auskunft darüber, welche Artikel sich zum Handel von Deutschland nach Ocstrcich und umgekehrt eigne», läßt sich nicht erteile». Allnionatlich erscheiuen die amtlichen Nachrichten über Ein- und Ausfuhr von Waren. Diese Nachweise sind in den öffentlichen Bibliotheken und im Buchhandel zu haben. Schlagen Sie diele nach.— E. R. 90. Nein.— N. S. Ol. 1. Ja. 2. Ihr und Ihrer Braut Gebnrtsattest und Ihr Mititärpapier und falls Ihre Braut mlndeffährig ist, die Einwilligung des Schwiegervaters, polizeilich beglaubigt, ist zur Eheschliebung erforderlich. — M. R. Eine ausgeklagte Forderung verjährt erst in 39 Jahren. Die 39 Jabre beginnnen mit Rechtskraft des Urteils und laufen von neuem von jeder Pfändung ab.— H. W. Zu zahlen sind die Gebühren, zu deren Zahlung Sie sich verpstichtet haben. Hat solche Verpflichtung nicht schriftlich slattgesunden, so sind die tarifmäßigen Gebühren zu zahlen. Der lAnwolt hat Ihnen dann spccialisiette Rechnung unter Bezugnahme a»f die ent> spreckienden Paragraphen der Ncchtsanwalts-Gebührenordimng zu über- senden. Nur an der Hand dieser Rechnung läßt sich prüfen, ob die Be- rechmmg eine ziUrcssrnde ist.—<8. Ot., Eharlottenburg. 1. und 2. Ja. - Wette 71. In einem Gesetz ist eine Grußpflicht nicht festgelegt.— Pfetfscr. Sie tönnen das Urteil noch vollstrecken. Die Forderung ver- jährt, da sie ausgeklagt ist, srühcstcns im Jahre 1928.— ll. W. Ihnen ist angeinessene Zeit znm Aussuchen einer neue» Stellnug zu gewähren. Kommt eine Einigung darüber, was angemessen ist, nicht zu stände, so können Sie klage». Ei» Beispiel für solche Klage finde» Sie tu dem m de» öffentlichen Lesehallen ausliegenden„Arbeiterrecht" S. 447, 1998. — Alter Abonnent. 1. Schlasstelleuleute sind polizeiltch anzumelden. 2. Die Stenern zahlen Sie au Ihrem Wohnsitz in Wcst-Havelland. Die Höhe der Steuern ruhtet sich nach der Veranlagung zur Steuer. Die Ver- anlagimg erfolgt nach dem Durchschnitt des thatsächlichcn Lohnes der letzten drei Jahre.- Streitfrage 100. Klcidcrordnuiigen für verschiedene Stände giebt eS nicht mehr. Es kann jeder tragen, was tbm beliebt.— 199. 1. Ja. 2. Nein. 3. Ja, innerhalb zwei Jahre».— ivi. B6. Nein. Mr de» Inhalt der Inserate iitiernininit die Nedaktio» de», Pnbtiknni gegenüber keinerlei Berautwortiing. Thrntev. D i e u S t g g, de» 17. I» n i. Opernhaus. Die lustigen Weiber von Windsor. Ansang 7>/z Uhr. «chanspielhaiis. Das große Licht. Anfang?>/- Uhr. Rcnes Oper»- Theater(Rroll). Gastspiel der königliche» Hosoper aus Stuttgart. Orestes. An- fang 7>/z»Hr. Im LiederspielhauS: Offeubach- ChkluS. Das Mädchen von Etizonda.— Der RegimentS- zailberer.- Fritzchen und Lieschen. Anfang 8 Uhr. Schiller. Die Mottenburger. An- sang 8 Uhr. OeutscheS. Es lebe das Leben. Anfang 7>/, Uhr. Berliner. Att-Heideiberg. Anfang 7% Uhr. Mvesten. Der Bettelstudent. Anfang 7>/- Uhr wieiropol.(Morwitz-Oper.) Martha, ' Anfang 8 Uhr. BencS. Lcdige Leute. Anfang 7V- Uhr. Viefideiiz. Einquartierung. Anfang 7'/z Uhr Eciilrat. Coralie u. Cie. Ansang 8 Uhr. Thalia. Gastspiel der Schlierscer. Der Protzenbaner von Tegenisee. Ansang 8 Uhr. Brllc-ailtiance. Die Dame anö Trouvitle. Hierauf bei ungünstiger Witterung im Theater: Er. Anfang 8 Uhr. Barl Weif». Gefallene Mädchen. Sliisang 8 Uhr. gf riedrich-Withetni städtisches. Einen Jux will er sich machen. Ansang T/, Uhr. E. p. Wotzogeno Buntes Theater (Ueberbrettl). Ansang 8 Uhr. Schalt und Ranch. Serenissimus- Zwischenspiele u. a. Ansang 8'/, Uhr. Apollo. Lysistrata. Spectalitäte»- Vorstellung. Ansang 8 Uhr. Steichshalle». Stettiner Sänger. Ansang 8 Uhr. Passage- Theater. Specialitäte»- Vorstellmig. Anfang nachmittags 5 Uhr. Passage- Panoptikum. Specialis lälen-Vvrflclluiig. Urania. Tanbenstr. 48/19.(Im Theatersaal.) Ahends 8 Uhr: Die deutsche Ostseeiüste. Jnvalidrnstrastr 57/02. Täglich; Sternwarte. WltlMM (Wallner-Theater). Dienstagabend 8 Uhr: VI« lkl«ttvi>dn»'s«»'. Posse mit Gesang in sechs Bildern von D. Kalisch und A. Weirauch. Musik von R. Bial. Mittwochabend 8 Uhr: Die illottcnkurgcr. Donnerstagabend 8 U h r Die?Iettvi>l>iiez;ei-. Crnkiil-Thtllter. Heute, den 17. Juni, Anfang 8 Uhr. Zill» 157. Male: Coralie 8t Cie. Mchwank i» 3 Akt. v. Albin Valabrsque und Maurice Henneqmn. Morgen u. folgende Tage: Coealle A Cie. Apollo- Theater Um 7 Uhr; Gnrten-Konaeet. Um 8 Uhr: Die sensationellen Slicclulltiiten I. Itanget«. Um 9 Uhr: Hit kolossalem Erfolg Paul Unckes Ausstattungs- Opevette LysistraiD mit dem Lufthallett„Grigolatlsi' Kasse&eröllhung 6 Uhr. IJraiila. Tauben-Straoee 48/49. Im Theater um 8 Uhr: Die deutsche Ostseekiiste. castans, Pauoptikumj Prledrlch-Strasse 163. Photographische Aufnahme von der Insel Martini qne und von den Schlachtfeldern TrtiusTsials. Im Konzertsaal: Schwedische KUnstlerkapelle 4 Damen, 2 Herren. Passage-Panopticu. Von nachm. 4 Uhr Vjstündlich; Damenringkampr. Der welbl. Alfeiinieneicli Die Seejunjjfer. Der Tigerknabe. Passage-Theater. Anfang Sonntags 3 Uhr, Wochentags 5, Ende 11 Uhr. Willy Pfsiger 16 Elitü-Nunimern. Täglich nachmittags 5 Uhr: Grosses litär- Doppel-Konzert. Gastspiel dos Musikdir. Lebede Jim gBjf Entrec I Hark"tzRS von ahends 6 Uhr ab 50 l'f., Kinder unter 19 Jahren die Hftlfte. ÜGtropol-TliDatGr Anfang 8 Uhr. Morwitz-Oper. Marth ss. Mittwooh: Populäre Vorstellung bei halben Preisen: Don Jnan. Grosse Oper v. Mozart. Donnerstag: Die Zanbcrflflte. Freitag: Gastspiel Irene Abenroth, königl. sächsische Hof-Opernsängerin: Die Ilngenotten. Belle-Alüauce- Theater. Ansang U/z Uhr. Bei günstiger Witterung aus der Sonimerbühne: Die Dirne miö Trsuville Schwank mit Gesang u. Tanz in 3 Akten. Hierauf:„Er". Lebensbild in l Akt. Garten-Eutree inkl. Vorstellung 30 Pf. Freitag: Itutli-Kouzert. Sonnabend: Graf- Konzert. Am Kölligsthor 42929* Am Fried riclish»! n Täglich:"MG Koiljert, Theater, Svemli- tiiten-ÄrstellW MM. Freier Damcntnnz bis 7 Uhr. io%: SuMt im We. ScIüiH lind ünnch (Kleines Theater) Unter den Linden 44. Dienstag. 17. Juni, abends S'/jUhr: Serenissimus' Zwischenspielen c a. «irl Weiss-Theater. Große ftranrfm-lei'flr. 132. _ Abends 8 Uhr:_ M>s> Zum erstenmal: Gefallette Mädchen. Berliner Sittenbild in 4 Akten. Morgen: Die'Visier. Im Garten: Neues Z pect alitäten- Programm, Theater u. Konzert. Auf. öVzUhr. Mittwoch 2.Ki»dersicudensesI. SiBiissoiiei Kottliuserstr. 4 a, Station der Hochbahn. Täglich im Garten, bei un- günstig.Willernng imSaal: Hotkiixiniis MMutschc Tällger und Konzert. Sonnlag, Montag und Donnerstag»adi der Soiree: Tanzkränzchen, Tanz frei! Anfang des Konzerts 5 Uhr, der 7 Uhr. Entree 30 Pst, ab 9 Uhr Sommertheater Marienbad Badslr. 35/36, Gcsundbruuuen. THglieh: Gr. Siiecialität.-Vorstellg. Arliiitt WMtrMtl. Mittwochs und Sonntags: Ball. Entree 30 Pf. y _______/ Max Sommer- roS J iMtßfl Mascnheitlc 13—15. Artistischer Leiter: Gast. Book.jJ Täglich s Gr. Konzeil, Theater- u. Specialitäten-Vopstellun'jj Jeden I. und 15. d. Monats Wechselndes Programm! VMer- Kastanie»- Zlllee 7—9. Täglich:"TPS Durch fremde Schuld. Voltöslück mit Gesang in 3 Akten. Ballettges. Catrini. Tyrollenne Mary Ellys. ÄroteSque-Kom. Paul Coradlni. Brother» Fred, musik. ExcentricS. Mr. Bartllng, leb. Pholvgr. Fred Manahnl Troupe, Pantom Huslkanlenstrctche. Bartilngs elektrische Feerle.(3000 Glühkinper.) Konzert u. Ball. Ansang 4 Uhr Eintritt 39 Pf., numerierter Platz 59 Pf. Kniko. ßeiclisha Tili % Stettiner Anfang; Wochentags 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr Tageskasse 11— IV.NHr alle n. J cgi ich: 1 icr Sängerl Fröbels �90 Allerlei Theater früher Pnhlmann"MG Sclionhauser-Allee No. 148. Durchweg glanzvoll erneuert! Täglich: Vr. Vsrten-Iioneort,?kostsr> Spoclolitsten-Vorstellung. Koiuiuen! Sehen! Staunen! Allabendlich stiirmischer Beifall beZ erstklassigen Niesen- Programms! Im Prachtsaal:«nl»vi.»tv ll« 8/114. lieute Dienstag, soevio tLKlicIi: Direktion: Arn. Scholz. Gr. Bothe-Konzert. Specialitäten-Vorstellung. Der Heldentonorist Hans Hoffmann vom Hoftheater zu Braunschweig als..Postillon von lionjamcnn". Anfang d. Konzerts 4 Uhr." Der Vorstell. 5 Uhr. Eintritt 25 Pf, Im Vorverkauf in den bekannten Geschäften 20 Pf. Morgen Mittwoch: Grosses KiiulcrfeBt. Orts- Krankenkasse der Gastwirte und verw. Gewerbe zu Berlin. Kassenrcchnuiig pro 1901. Einnahme. 1. Kaffenbestand für den Anfang des Rechnungsjahres. L Zinsen..... 8. Eintrittsgelder.. 4. Beiträge.... 6. Ersatzleistungen Dritter für gewährte Krankenunlerstützg. 8. AuS verkauften Wert- papieren.... 7. Sonstige Einnahmen M. 30621,01 8 640,20 „ 20 207.06 413111,14 2 870,80 54 300,- 2 929,28 Ausgabe. 1. Arzt-Honorar.. M. 40 340,19 2. Arznei und sonstige Hcilmiliel.... 47217,59 3 Krankengeld: a) an Mitglieder„ 134 222,86 b) an Angehilrige„ 1 24>,18 4. Wöchnerinnen... 4 339,85 5. Sterbegeld.... 5 253,30 6. Knrkosten a» Krankenhäuser inkl. Fürsorge für Rekouvalesceuten„ 131 491,23 7. Ersayleistungeu an Dritte f. gciuährte Krankenunterstützung„ 10 301,75 8. Znrüdgezahlte Bei- träge...... 668,02 9. Für Kapitalanlage„ 74 470,— 10. Berwaltungskosten: a) persönliche..„ 36 970,21 b) sächliche...„ 14 566,34 11. Sonstige Ausgaben„ 1312,21 12. Kaffenbestand für den Schluh des Rechnungsjahres.„ 30 284,76 M. 532 679,49 Das Gefamtvermögen der Kasse beträgt...... Nach dem vorjährigen Abschluh beträgt das Gesamt- vermögen............. M. 532 879,49 M. 292 614,76 „ 263 901,01 Vermögenszunahme: M. 28 713,75 Berlin, den 31. Januar 1902. Der Vorstand. Poppe, Vorsitzeuder. Kraushaar, Schriftführer. Haering, Rcndant. Vorstehende Kaffenrechnung ist von uns geprüft und mit den Büchern Und Belegen übereinstimmend und richtig befunden worden. Berlin, den 18. März 1902. Die Rcvisiouskominission. 273/15 Gustav Peter ma n n. I u l ins K o l l m a n n. Fr. H e i l m a n n. Fordern Sie in den Tabakhandlungen Fctufle Marke s und 10 Pf.-Schleifen. Kur sobt, wenn sich inr Tabak der Firmenzettel mlt Anker befindet. s4245L» Generalvertreter: C. Bttcker, Berlin, Grüner Weg 8, Amt 7, 3861. Stettin: Magazinstrahe 2. Hohenzollernstraße 3. ) Filialen:{ Berlin: Chaiisseestrahe 54. Belle-Alliancestr. 98 Mass-Anzüge »4 nnb 30 Mark. Paletots nach Mass 22 Mark. ES liegt in jedem seinem Interesse, mein Angebot zu prüfen und sich von der Reellität zu überzerigeu. 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Jnni, abends SVz Uhr, im Alte» Schützenhause, Linienstr. 5: Uolks-Uevsammlung T a g e s- O r d n n n g: 1. Die verflossene ReichStags-Session und der Kamps des Proletariats. Referent Reichstags-Abgeordnetcr Bosenow. 2. Wahl von 2 31er trauinsleuten. 3. Parteiangelcgenheiten und Verschiedenes. Zahlreiche» Besuch erwarte» 245/10* lvie Ver tränen slonte. SolialdemokrMcher Wahlverein fm den 6. Berliner Reichstags-Wahlkreis Dienstag, den 17. Juni, abends 8V2 Uhr, bei Herrn Dasc, Bruuneustr. 154: 248/8* Verlnunnlung."MZ Tagcs-Orduung: 1. Vortrag des Stadtverordneten Koblenzer über: Die Thötigkcit der Socialdemolrateu auf kommuiialem Gebiet. 2. Diskufsiou. 3. 31crschicde»es. Damen haben Zutritt.»er Vorstand. fiis den sechsten Berliner Reielistags-Wahllireis (SchUnliniiscr Vorstadt). Dienstag, 17. Juni, abends«>/- Ilbr, Schönhauser Allee 101/L (früher M i e r k e): CIiAlottkiiblirg. f. ltnnslmsnn, Wallstr. I Uhren nni Coldwaren! Ciross artige Ansn alil! Billigste Preise! Heelle Garantie! Meiner werten Nachbarschaft, sowie allen Freunden und Bekannten zur Nachricht, dah ich Fricdrichsberger- straste 11 das Sdiaukgeschäft von Gustav Urban übernommen habe. Um gt neigten Znfpriich ersucht 273b kr. llaesler, Friedrichsbergcrstraste 11. Itlitslher Hvlzilrbeltel'-Bttkild. Mittwoch, 18. Juni, abends 8'/4 Uhr, im GewerkschaftShanS, Gngclufer 15: 84/17* Vertrauensmänner-Yersainnin;! der Bautischler. Tagesordnung wird in der Versainuilung bekannt gemacht. Es ist dringend notwendig, daß jede Werkstatt vertreten ist. Mitgliedsbuch und V e r t r a u e n s m ä 11 u e r- K a r t e legitiiuiert.— DSF- Die EentrnmS- Bertrai, enSmänner- Versammlung findet MitNooch, den 25. Juni statt. Mittwoch, den 25. Jnni, abends 8>/z Slnbreasstr. 21: Uhr, bei Sie (f icrt, General VorlAtttmlung Tages-Ordnnnn: 1. Bericht der Gesamtverwaltung. 2. Beschiubfaffnug des Vorstandes »nd des Slnfsichtsraies, einzelner Paragraphen des Statuts. 3. Verschiedenes. 108/13* Der Vorstand. Tages- Ordnung: l. Bekanntgabe der Zlniräge der Mitglieder von den Zaylabendcn 2. Diskussion. 3. Bcschlnhsaffnng Über die Aitflösung des Vereins event. Wahl einer Kommission zu weiteren Mastnahmen. 4. Verschiedenes Das Mitglied M c n s k e wird zu dieser Versammlung extra eingeladen� betreffs feiner Ausführungen auf dem letzten Zahlabend des Bezirks 484. ilM- Mitgliedsbuch legitimiert. 252b* Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. I. A.: C. Mars. Steinarbeiter. SkvinbildhÄuev". NLnvinovsivbeikov. Mitttvoch, 18. Juni, abends 8 Uhr, im Englischen Garte» Alexanderstr. 27e: Geffentliche Uersammlnug. TageS-Ordnuug: 1. Staat und Gemeinde als Arbeitgeber. Referent Stadtverordneter B. Bruns. 2. Diskussion. 5. Angelegenheit der Steinarbeiter über Er- höhung der Beiträge und Regelinig der Krmtkenunterstützung. Das Erscheinen aller Kollegen erwarten 172/16' Die Vertranenslente. Wrlottenburg. Tupezierer. Aiarluttenbiirg. Mittwoch, den 18. d. M., abcndS 8'/« Uhr, im Volköhanse, Nosinenstr. 3: öffentliche Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Kollegen Wels über:„Die Bedeutung der Gcwerk- schafisbewegung". 2. Dislnssion. 178/1 WM- Alle in Charlottenburg arbeitenden oder wohnenden Kollegen werde» gebeten, bestimmt zu erscheinen. I. A.: Panl Hirth, Charlottenburg, Schlüterstr. 71. Deutsch. Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Bureau: Engel-Ufer 15, Zimmer 1-5, Telephon Amt 7 Nr. 853 Dienstag, den 17. Jnni, abcndS 8'/s Uhr: Versammlany der Chirurgischen Branche bei Nümann, Brunncnstr. 188. Tages-Ordnuifg: 1. Vortrag des Kollegen Pnwlowltsel» über: system". 2. Diskussion. 3. Berbandsangelegenheilen. «Das Prämien 116/12 Mittwoch, de» 18. Jnni, abendS 8 Uhr, bei Koltor, Koppcnstr. 29: Bezirks- Versammlung fflr den Osten. Tages-Ordnung: 1. Vortrag fies Kollegen Pawlowltsch. über:..Unternehmertum und Proletarier". 2. Diskussion. 3. Verbandsangelegenheiten. Die Frauen sind zu dieser Versammlung besonders eingeladen. Mittwoch, den 18. Jnni, abends SVe Uhr: Konferenz der Vertrauensleute für Süden. Centrum. Süd-Ost und Rudorf. Sonnabend, den 21. Juni, im„Bernhard Rose-Theater" (früher Zimmermann), Badstr. 38: Grosses Sommerfesd: gM" bestehend in Konzert, Theater und Tanz"MS veranstaltet von den Vertranenslenten des Nordens. Herren, welche am Tanz teilnehmen, zahlen 50 Pf. nach. Um 9 Uhr: ÄK?" Grosse Fackel Polonaise."VA Kinder erhalten eine Stocklatcrnc gratis. llrBtfnung 2 Uhr. Anfang des Konzerts 4 Uhr. Blllet 20 Pf. M- Die Kaffeelüche steht den geehrten Damen zur Verfügung."AW Die Orts Verwaltung. Ktlitrill-Krailkell- tt. Sterbe- Kaße der Tischler «. andrer gewerblicher Arbeiter. (E. H. 3, Hamburg.) Orisverwaltiing Berlin<*. Dienstag, den 17. Juni, abends 8 Uhr, in„Wollfs Festsällen", Fruchtstr. 36a: Mtglickr-VersWMlUg. Tagesordnung: 1. Wahl der OrtSverwaltung und der Beitragsammler. 2. Wahl des Ausnahme- ArzteS. 3. Verschiedene Kaffenangelegenheiten. Die Sprechstunden des Bevollmäch- tigten und Kassierers fallen an diesem Abend aus.— Beiträge werde» in der Versammlung vom Kassierer entgegengenommen. Um recht zahlreiches und pünktliches Erscheinen der Mitglieder ersucht 184/14 Die Ortsverwaltung. Gewerbegericht zu Berlin. J.-Rr. 269 Gew.-Ger. 02. Berlin, den 12. Jilni 1902. In Sachen des AuSstandes der hei der Firma Erich Markcrt Nächst., Inhaber Hein- rich v. Mendel-Stcinfels hier, Wil- helnistrasje 124 beschäftigten Arbeiter ist in der Sitzung des sowohl von der Arheitgebcrin als auch von den Arheitnehmcrn als EinigungSamt angerufenen Gewerbcgerichts vom 12. Juni 1902, an welcher teil- genommen haben: A. Herr Gewerberichter Dr. Leo alS Vorsitzender, B. als Vertrauensmänner: a) der Arbeitgeberin: 1. Herr Schloffermeister Hermann Wolfs, 2. Herr Hntmachermeister Panl Lucht! b) der Arbeitnehmer: 1. Herr Metalldrücker Max Behrend, 2. Herr Gürtler Hermann Henning; C. als Vertreter der Arbeitgeberin 1. die Prokuristi» Frau Marie Sailer, 2. der Werkmeister Herr Hermann Hieke; D. als Vertreter der Arbeitnehmer 1. der Schnittarbeiter Herr Otto Flatau, 2. der Klempner Herr Otto Däckc folgender Vergleich geschtossen: Die in den Ausstand getreteneu Arbeiter nehmen die Arbeit am 13. Jnni 1902 wieder ans unter nachsotgcnden Bedingniigeu: „Der Arbeitgeber verpflichtet s«b für 10O Stück der streiiigc» Fahrrad- Laternen einen Accardlohn von 26 50 Mark zu zahlen, das Stanzen der Untcrkaste» z» übernehmen und die Schutzbleche einmal mehr ausschneiden zu lassen. Die�Vergabe�der Fahrrad-Laternen erfolgt zu 200 Stück. Mastregelnngen oder Belästigungen anläsjlich dieses Ausstandes finden von keiner Seite aus statt. g. w. 0. Gez.: Dr. Leo, Vorsitzender; Poul Lucht, H. Wolfs, Vertrauensmänner der Arbeitgeberin. Max Behrend, Hermann Henning, Vertrauensmänner der Arbeitnehmer. Beide Parteien erklären ihr Ein Verständnis hiermit durch Unterschrift ppa. Erich Markcrt Rochst. Gez.: M. Sailer. H. Hieke. Gez.: Otto Däcke. Otto Flatau. Wiiii Stot 50 w; Backware MT v Stück für 1« Pf.-tzW Albrcclits Biickorclon: Wruugelstrnsje!), Krniitstrnfse 1», Fatrcnsteinstr. 28, Lansitzerstr. 2 Dr. Siminei, Prinzenstr. 41 Specialarzt für 25/17' Bunt- und Harnleiden. 10—2, 5—7. Sonntags 10—12, 2—4 Brnch-Polirnann empfiehlt sein Lager in Brnclidaw dagon, Leibbinden, Geradehaltern Spritzen, Snspensors, sowie sänitl Artikel zur Krankenpflege. Eigne Werkstatt. Lieferant f.Lrts- u. Hilss-Krankenfaffe» Berlin C.,[37628* 30. liiilfii-StmUc 30. Socialdernokratlscber Wahlverein für den 6. Kerl. Reichstags- Wahlkreis. Den Parteigenossen zur Nachricht, dast unser Mitglied, der Schleifer Pau% Pietsch Schnlstrahe 56, am 14, d. M. verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mitt- woch, den 18. d. M., von der Leichen- halle des Augusta-Hospitals, Schorn- horststrahe, nachmittags 5 Uhr, aus nach dem Nazarethlirchhof, Dalldorfer Chaussee, statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 248/9 Der Borstand. Deutscher Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes-Anzeige. Am Sonnabend, den 14. Juni ct., verstarb unter Mitglied, der Schleifer kaul Fletsch. Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 18. Juni ct., nachmittags 5 Uhr, vom Augusta-Hospitak, Scharnhorst- straffe, aus. nach dem Reuen Rozareth- Kirchhof, Dalldorfer Chaussee, statt. Die Ortsverwaltung. Prima Tahrrüder. auch auf Teil- Zahlung ohne Preiserhöhung � zu coulauien Bedingungen »uier Ga- raniie. Wenig gebrauchte Räder auch auf Thetlz. unter Garant. Preise be- deute» d ermäftigt. Reparatur anstalt aller Svstcme schnell und billig Adonielt& I.andau,* Lothrt tigerst r. 48 I, am Rosenth. 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M. früh verstarb nach langem Leiden mein lieber Mann, und Baker, der Bretter- träger[258b I-untwieg Ramlow. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 17. d. M., nachmittag 5 Uhr von der Leichenhalle des EmmanZ-Kirch- Hofes in Britz statt. Wwe Henriette Ramlow. Am 16. Juni verstarb mein lieber Mann, unser gnterBatcr, der Vergoldet tlulius Fehlow. Die Beerdigung findet am Donners- tag, nachm. 3 Uhr, von der Leichenhalle des Gemeindc-Frtedhofs in Friedrichs- felde ans statt. 276b Witinc Fehlow nebst Kindern. Alle» Parteigenasseii, Freunden und Bekannten die Mitteilung, daff am 16. d.M., mein Mann, der Drechsler- meister 275b sanft entschlafen ist. Die Bccrdigiing findet am 19. Inns, nachmittags 4 Uhr, vom Trauerhause ans statt. Um rege Beteiligung bittet Die trauernde Witwe Anna Gllnzel. Alle» Genossen und Bekannten zur Nachricht, daff unser lieber Bater, Schwiegervater und Groffvatcr, der Tischler 274b Vitbelm Lcblenuntnger am 14. d. Mtö. an der Proletarier- krankheit verstorben ist. Um stille« Beileid bitten Uie Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 18. d. MtS., nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle dcS Wciffcuseer Kirchhofes in der Rölkestrabe auS statt. OksnIottseBdung. Am Sonnabend, den 14. Jnni, abcndS 9,20 Uhr, entschlief sauft nach kurzem Krankenlager im 58. Lebens- jähre an de» Falzen eines Darm- lcidcns meine treue Gattin, unire herzensgute Mutter, Schwiegermutter und Grobmutter 4415L Rmma Schmiedel geb. Hell, Um stille Teilnahme bitten Die Hinterbliebenen. Brnst Schmiedel, Stuccateur, nebst Familie. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 18. d. M., nachiiiittags 5 Uhr, voll der Traucrhalle des Charlotten- burger Krankenhauses, Kirchstr. 20, ans statt. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten Vaters agcn wir allen Freunden, Bekannten, owie den Kollege» des Bcreins der Zimmerer unser» herzlichsten Dank. Hie tiefbetrübte Witwe Emma Gierke nebst Tochter und _ Schwiegersohn. 257b Sage hiermit allen Freunden, Be- fannteu und Anverwandten sowie den» Gesangverein„Alpenglocke" für die zahlreiche Beteiligung bei der Be- erdigung meiner lieben Frau.Ida meinen herzlichsten Dank. 256b P. Niedergrsütz. Die Preise unserer Schnhwaaren Herren. Leder-Znc-Stlef«! mit Besata, bequemer, daner- UafterS«— m. Mädchen-, Knaben- und ♦ Kinderschuhe ♦ in allergrösster Auswahl, unerreicht billig. Herren• t.eder.aehnallen- Stiefel, bequemitera SA in kStiVtl dar Jetitielt'«vU illl> Ab unseren Fabriken findet [kein Versand statt, man wende sich daher stets an die nächstliegende Filiale. sind streng fest und auffallend billig Unsere Qualitäten slad von anerkannt nnflhertr offener Haltbarkeit' Unsere Passformen in Ihren verschiedenen Faxens sind nnerreleht Wir v erkaufen unsere Erzeugnisse ohne Irgend welchen Zwisc henhandel dlrect an das Publtkam in unseren eigenen 72 Filialen. 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Auf dem Bau, Bahnhof Lichte»- berg, Unternehmer liaha, August- straße 83, erhalten die Kollege» nicht de» tarifmäßigen Lohn. Der Bau ist deshalb für die orgaulsterten Kollegen gesperrt. 42/12 I. A.: Die Lohnkommission. IlQi-iiiaiiii Moi-xcl, Dunckerstr. 6. Achtung! Korbmacher. Wir machen hiermit belaiint, daß die Werkstatt St r c i ch, Bluinen- straffe 70 nach wie vor gesperrt ist. 84/16 Die«ouiinission. Uedartenr gesucht! Für die töglich erscheinende«Bex- gisd/e Arbeiterstimme" in Svlingm wird ein zweiter Redacteur gesucht. Derselbe muß die KommunalpolitU zu bearbeiten verstehe» und die Gx- werkschastsbeweguiig kennen. Offerte» mit Gehaltsansprüchen nnd Angabe persönlicher Verhältnisse smd baldigst an den Vorstand der Genvffenichasls- Buchdruckerei Solingen, z. H. des Herrn Aog. itzchrclncr, So- tiugen, Wegerftraße, zu richten. Verantwortlicher Liedacteur: Carl Leid in Berit«. Für den Jnieratenteil verantwortlich: Tb- Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Mnj Babing in Berlin. pt. 138. i9. MM«. 2. Seilage des, Jormörts" Serliael WlksblM» i»«« Prozeß Sauden und Genossen. Fünfzehnter Tag. Vorsitzender Landgerichtsdirektor Heidrich eröffnet die Sitzung nm 9 Uhr. Es werden zunächst noch einmal Erörterungen über die Schmidt- Ziegraschen Terraingeschäfte gepflogen. Bücherrevisor Simon hat sich der mühevollen Arbeit unterzogen, die Schicksale der in Frage kommenden 64 Parzellen rechnerisch festzustellen. Es ergiebt sich aus seinem längere» Vortrage, daß au diesem an sich ganz aussichtsreichen Geschäft im ganzen 466,614 M. verloren gegangen sind. Das ganze Geschäft wurde lediglich mit dem Gelde der Aktien- gesellschaft für Grundbesitz und Hypothekenverkehr gemacht. Dieses Geld war sehr theüer, denn es wurden 6 Proz. Zinsen und erhebliche Verzugs- zinsen berechnet. Die Aktiengesellschaft war allein an Zinsen mit 1 569 817 Vt. kreditiert. Der schlechte Abschluß dieses Geschäfts ist im wesentlichen darauf zurückzuführen, daß ganz unmotivierterweise das Haus Holzmarktstr. 33/34 mit hineingeworfen worden ist. Daran sind allein 567 326 M. verloren, da dieses Grundstück zum Hypothekemverte vom Märkischen Jniniobilicnverein übernommen worden ist.— Zu diesem Thema äußern sich auch noch die Sach- verständigen Bücherrevisor Kruse und Kommerzienrat Lucas. Justizrat W r o n k e r befragt noch mehrere Zeugen, die darüber vorgeladen sind, daß der Angeklagte Puchmüller über die geschäft- lichen Verhältnisse der Aklicngesellschnft und insbesondere auch über die geschäftliche Lage von Anhalt». Wagner nicht infornriert war. Die Zeugen bestätigen dies im allgemeinen, Otto und Ed. Sauden gleichfalls, unter der Betonung, daß Pnchmüller sicher die Verhält- »isse der Aktiengesellschaft und der Firma Anhalt u. Wagner für gut gehalten habe. Es werden hierauf noch einige rückständige Punkte durch Be- fragen der Sachberftändigen erledigt. Unter anderm trägt Bücher- revisor H u s ch k e seine Ermittelungen über die Gewinne und Verluste mit, die aus den Snnden-Puchnnillcrschen Terraingeschäften iil Charlottenburg und Deutsch-Wilmersdorf erzielt Ivorden sind. Die Anklage hatte ausgeführt, daß die Gewinne der beiden sehr groß, ihre Verluste sehr geringfügig gewesen seien. Nach dem Gut- achte» ist aus dem Terraingeschnft ein Gelvinn von 1 987 976 M. entstanden. Von diesem Gewinn sind— was nicht gleichbedeutend mit Verlusten ist— Kapitalsentnahmcn und Ueberweisungen zur Gutschrift a Conto Ed. Sauden, Petzold u. Co., an die Grund- erlverbs- Gesellschaft und ohne Angabe der Verlvendnng, ferner in Gestalt der Uebernahme von Grundstücken in eignen Besitz zc. zusammen 12 613 345 M. abzuziehen. Zu'dem oben angegebenen Getvinn von 1987 976 M. tritt das Anfangskapital von 966 514 M.. so daß sich znsninmen 2 954 491 M. ergeben. Zieht man davon die Entnahme und Ueberweisungen von Kapital in Höhe von 2 613 345 M. ab, so ergiebt sich ein Schluß- kapital von 341 136 M., Ivas mit den Büchern übereinstimmt. Es bleibt immer bestehen, daß aus dem Geschäft ein Gelvinn von 1 987 976 M. entstanden war. Eine Beteiligung Ed. Sandens an dem Schmidt-Ziegraschen Terraingeschäft hat Bücherrevisor Huschke aus den Steuerlisten nicht feststellen können. Staatsanwalt Beeck behauptet, daß der Angeklagte Ed. Sande» in fünf Jahren für seinen persönlichen nnd hausivirtschaftlichen Bedarf 863 666 M. ans der Bank entnommen nnd in dieser Zeit für rein kirchliche Zivecke 24 666 M., für Wohlthätigkeitszwecke 21 666 M. ausgegeben habe. Der StaatSanivalt wünscht darüber noch nähere Feststellungen. Was den Angeklagten Pnchmüller betrifft, so hat der Bücherrevisor Huschke festgestellt, daß dieser von 1896—1966 für seinen persönlichen Bedarf zusammen 367 666 Mark e»t- nonnnen hat. Staatsnnwalt Beeck erörtert sodann durch Befragen der An- geklagten Ed. Sauden und Puchniüller die Verbindling, die die Preußische Hypotheken- Aktienbank mit der Maschinenfabrik und Eisengießerei von Petzold u. Co. gehabt hat. Diese Verbindung war, wie der Staatsanwalt hervorhebt und Ed. Sauden anerkennt, nicht nur statntenlvidrig, sonder» hat der Bank auch schwere Verluste eingebracht. Statntenlvidrig waren sie deshalb, weil der Geschäftskreis der Prenßenbank durch die 8Z 13 nnd folgende ihres Statuts beschränkt lvar und solche Konto- torrentverhältnisse nicht zugelassen waren. Angekl. P u ch m ü l l e r erklärt auf Befragen: Der Ursprung der Verbtndung mit Petzold u. Co. sderen Mitinhaber ein Bruder Puchmüllers war) bestand in einem kleinen, der Firma gegebenen Darlehen. Später hat sich der Kredit erheblich erhöht und zlvar so hoch, daß die Preußische Hypothekenbank, um nicht mit ihrer Forderung auszufallen, neue Kredite gewähren mußte, immer i» der Hoffnung, das alte Geld retten zu können. Angeklagter Ed. Sauden erkennt. an, daß er und Puchmüller für den Schade»�— die Preußenbank hat an Petzold u. Co. allein 5 647 876 M. ver- loren— barhaft sind und ans diesem Grunde hat Puch- müller 376 666 Mark und 566 666 Mark ans dem Gelvinn der gemeinschaftlichen Terraingeschäste bei der Preußenbank zu Gunsten Petzold u. Co. ausgezahlt und dadurch das Obligo der Prenßenbank um diese Beträge verringert. Für jene 376 666 M. hat sich Puchmüller Aktien der Gesellschaft Petzold u. Ko. geben lassen und den Erlös dieser Aktien für seine Rechnung weiter veräußert. Angekl. Heinr. Schmidt erklärt auf Befragen des Vorsitzenden, daß er von der Angelegenheit Petzold gar nichts ivisse. Hierauf wird auf Antrag des Kommerzienrats Lucas die Ver- handnng unterbrochen, um den Sachverständigen Zeit zu lasse», ge- meinschaftlich noch einige notwendige Feststellungen aus den Büchern zu machen.) Nächste Sitzung Dienstag 9 Uhr. Der Prozeß gegen die Leipziger Bank. Ans Leipzig meldet der Telegraph: Vor dem Schlvurgericht des hiesigen Landgerichts begann heute unter gelvaltigem Andrang des Publikums der Prozeß gegen die vormaiigen Direktoren der ,. L e i p z i g e r B a ir k E x n e r nnd G e n tz s ch, und die Mitglieder des Anfstchtsrats dieser Bank, die Kauflente Dodel, Schröder, Wölker, Willens, Bankier Mayer, Buchhändler V ö r st e r nnd Privatmann F i e b i g e r. Den Vorsitz führt Landgerichtsdircktor Dr. Müller, die Ver- teidigung führen v. G o r d o n- Berlin und Rechtsanwalt Drucker- Leipzig für Exner, Jnstizrat B r o d a- Leipzig für Gentzsch, die Rechtsanivalte Z c h m e und R o s e n t h a l- Leipzig für die übrigen Angeklagten. Nach Verlesung des Eröffnungsbeschlusses begann die Vernehmung Exners. Exn e r'sagt. aus: Jni Sommer 1895 waren sechs Herren an die Leipziger Bank mit de», Ersuchen herangetreten. ihnen einen größeren Vorschuß auf mehrere Jahre fest zu gewähren, weil sie im Besitz von alten Treberaktien waren nnd, überzeugt von der Güte des Unternehrnens, noch junge Aktien zukaufen lvollten. Die Bank lvar vorläufig nicht darauf eingegangen, bewilligte aber doch weiterhin der Trebergesellschaft auf Contocorrent 266 666 M. Kredit, später 566 666 M. Kredit und führte später die Kapitalserhöhnng der Trebergesellschaft von l'/e Millionen auf 3 Millionen durch mit einer Provision von Ve Proz., ivas der Auffichtsrat genehmigt hatte. Es folgte später eine weitere Finanzierung von 3 auf 6 Millionen, mit einem geringen Prozentsatz als Provision; damals besaß die Trebergesellschaft ein größeres Guthaben bei der Leipziger Bank, etwa Ve— l Million Mark. Es kam dann die Transaktion in Bosnien, Ivo die Bank Garantie für IVs Million Gulden übernahm und) 175 666 Gulden bezog. Exner bezeichnet es als einen großen Fehler, daß der Aufsichtsrat der Bank ihm verlvehrte, in den Aufsichtsrat der Trebertrocknung ein- zutreten. denn die Engagements der Bank würden dann nicht so groß geworden sein. Er betont sodann, daß die Direktion nie einen Kredit bewilligt habe oder ein nennenswertes Engagement eingegangen sei ohne die Genehmigung des Aufsichtsrats. Außer- denr bestand in der Bank eine sehr eingehende Kontrolle der Obligos; alle zwei Monate fand eine Durchsicht sämtlicher En- gagementS sowie aller Conte» statt, so daß zn keiner Zeit der Auf- sichtsrat über ein bestehendes Engagement nicht unterrichtet ge- Wesen ist. Die Bank sei nicht blind in die einzelnen Engagements hineingegangen. In 4Vs Jahren habe der Aufsichtsrat und die Direktion 18 Etablissements besichtigt; später sei es ihm unbehaglich geivorden, daß das Engagement mit der Trebergesellschaft so ge- lvachsen sei. Als 1966 die Engagements in Kassel sehr bedeutend geivorden waren, habe der Aufsichtsrat der Leipziger Bank be- schlössen, eine größere Summe selbstschuldnerischer Garantie vom Aussichtsrat in Kassel zu fordern, die in Höhe von 4 Millionen gegen Verpfändung von cedierten, der Trebergesellschaft ab- gekauften Außenständen, gegeben wurden; die Form lvar von Gentzsch juristisch geprüft; daraus seien die sogenannten Separat- conten entstanden. Exner erläutert dann die Gründung weiterer Tochtergesellschaften, von deren Rentabilität die Bank und die Treber- gesellschaft überzeugt gewesen seien nnd fährt fort: Da die Ver- ivaltung der Trebergesellschaft außerordentlich kostspielig war. faßte man den Entschluß einer Fusion der Trebergesellschaft mit den Tochtergesellschaften, um die Trebergesellschaft vollständig zu sanieren und die Leipziger Bank zum großen Teil abzu stoßen. Durch de» Zusamnienbrnch der Dresdener Kredit anstatt lind so weiter seien Schlvierigkeiten eingetreten, und die Leipziger Bank suchte nun in Berlin um Unterstützung nach. Exner ineint, daß nian dabei zu ehrlich gewesen sei und zu viel enthüllt habe. Die bekannte, bei Einstellung der Zahlungen veröffentlichte Darlegung sei die Wiedergabe der festen Ueberzcugnng der Ver- ivaltung gewesen. Bei snchgeniäßer Abwicklung würden viele Millionen der Bank erhalten geblieben sein. Nach kurzer Pause wird die Verhandlung fortgesetzt. Der ehe malige Direktor Dr. Gentzsch sagt ans: Als er am 1. Januar 1896 zur Bank gekommen sei, habe die Verbindung zwischen dieser und der Trebertrocknnngs-Gesellschast bereits bestanden und sei von den Organen der Bank als vorzüglich und aussichts- reich geschildert worden. Wohl habe er anfänglich Bedenken gehabt, so bei dem bosnischen Unternehmen, und auch gegen die Form und Art der Gründung andrer Tochter gefellschaften. Doch sei er durch den Kollegen Exner und den ver storbene» früheren Vorsitzenden des Aufsichtsrats der Leipziger Bank Sachsenröder völlig beruhigt worden. Seine Aufgabe sei es nur gewesen, juristisch thälig zu sein und mit Rechts-Ralschläge» zu dienen. In der Angelegenheit der Trebertrocknungs-Gesellschaft habe er sich darauf beschränkt, das zn genehmigen, was mit derselben von Exner abgeschlossen wurde. Der frühere Vorsitzende des Anfsichtsrats Dodel setzt seine Stellung im Aufsichtsrat ans- einander, berichtet sodann über die Anstellung des ausgezeichnet empfohlenen Exner nnd das Wachstum der als konservativ bekannten Leipziger Bank, die ihr Kapital im Laufe der Jahre von 13 auf 24, 32 und 48 Millionen erhöht habe. Dodel weist darauf hin, daß es bei der Leipziger Bank Brauch gewesen sei. daß der Aufsichtsrat sich nicht so umfassend niit den Geschäften beschäftigt habe wie bei andren Banken und daß das Direktorium großes Vertrauen genossen habe. Von altersher habe der Aufsichlsrat der Leipziger Bank monatlich nur eine Sitzung abgehalten. Wohl sei beschlossen worden, den Kredit für die Trebertrocknungs-Gesellschaft nicht weiter auszudehnen. Indessen, als die Tre'bertrocknungs- Gesellschaft das Kapital erhöhte, sei dieser Beschluß wieder auf- gehoben und beschlossen worden, vorsichtig weiter Kredit zu gewähren; damit sei der Kredit auf 12 Millionen angewachsen. Der Reserve- fondS in Kassel habe dieses Kapital jedoch weit überstiegen. Die Erhöhung des Aktienkapitals der Leipziger Bank von 32 auf 43 Millionen Mark sei nicht mit Rücksicht auf die ausgedehnte Ver- bindung mit Kassel geschehe». Im Gegenteil, damals sei die Leipziger Bank ans den Kreisen der gesamten Industrie stark in Anspruch ge- nömmen worden. Auch seien Filialen der Bank gegründet worden. Als im Jahre 1399 die Angriffe der Presse nicht verstummten, kam es zu einer außerordentlichen Generalversammlung in Kassel, welcher Exner, Sachsenröder und Dodel beiwohnten, in welcher aber uubegreiflicherweise die von der Direktion der Trebertrocknungs-Gesellschaft beantragte Ernennung einer Kommission zur Prüfung des Unternehmens abgelehnt worden sei. Dodel giebt im allgemeinen zn, daß die Gründung der Tochtergesellschafte» nnd die Erhöhung des Blanko- Kredits des Anfsichtsrats der Leipziger Bank wohl mitgeteilt wurde, doch sei es ein Irrtum von Exner, daß die Gesämthöhe des Obligo dem Aufsichtsrat zur Kenntnis gebracht und von diesem genehmigt sei. Nach einem Protokoll vom 15. Juni 1966 habe ein Obligo bei der .Trebertrocknungs-Gesellschaft von 16 bis 18 Millionen seitens der Leipziger Bank bestanden. Dodel erwähnt alsdann, daß er seine Thätigkeit bei der Bank nach längerer Abtvesenheit am 4. März 1961 wieder aufgenommen habe, ohne an dem Geschäftsbericht und der Aufstellung der Bilanz beteiligt gewesen zn sein. Es sei wahr, daß man beschlossen habe, in dem der Generalversammlung vorzulegenden Exposö die Ziffern nicht zu nennen, besonders weil nian fürchtete, daß durch Bloßstellung einiger Beteiligten ein Mißtrauen gegen die Bank eintreten würde. Keinem Anwesenden, Dr. Gentzsch inbegriffen, sei der Gedanke gekomnien, daß das Schrift- stück rechtlich anfechtbar sei. Die' volle Höhe des Obligos von 46 Millionen habe der AufsichtSrat im März 1961 von der Direktion erfahren; es feie» aber dann von Kassel so beruhigende Auskünfte über die vorhandenen Abschlüsse und Aufträge eingegangen, daß er, Dodel, im August ohne Besorgnis ins Ausländ gereist sei. Weiter- beratnng morgen._ Berliner Partei-Angelegenheiten. Vierter Wahlkreis(Südost) k Des schlechten Wetters wegen Haidas zum letzten Sonntag angekündigte Frühkonzert nicht abgehalten werden können. Dys Konzert findet nunmehr am nächsten Sonntag statt und zwar in den beiden Lokalen von Ludwig und H o h l w e i n in Treptow, Köpenicker Landstraße. Die Parteigenossen werden ersucht, für zahlreiche Beteiligung zu agitieren; der Eintrittspreis beträgt nur 15 Pf. Die zum letzten Sonntag verausgabten Billets behalten ihre Gültigkeit. Schöneberg. Parteigenossen! Nochmals weisen wir auf die heute im vierten Bezirk stattfindende Wahl hin. Es ist unbedingt notwendig, daß genügend Kräfte zur Verfügung stehen. Wem es irgend möglich ist, in den Nachmittags- und Abendstunde», Haupt- sächlich von 5t/z Uhr ab zu helfen, der finde sich ein bei Klitsch, Merseburgerstr. 7.— Die Verkündigung des Wahlresultats erfolgt in der abends 8V, Uhr stattfindenden Versammlung des Wahl- Vereins. Auf der Tagesordnung steht ein Vortrag des Genossen Kaliski:„Bourgeoisie und Klassenkampf." Frauen haben Zutritt. Adlershof. Hiermit sei auf die am Donnerstag, den 19. Juni, abends 8Vs Uhr, im Lokale von Becker, Oppenstraße, stattfindende Versammlung des Wahlvereins aufmerksam gemacht. Genosse K a l i s k i wird das Thema„Giebt es eine bürgerliche Demokratie?" behandeln. �_ DokAles. Die Beratullge» wegen der Eingemelndnng von Lichtenberg, Treptow, Stralau, Rummelsburg und Friedrichsberg zwischen den Vertretern der Stadt Berlin und denen der genannten Vororte lassen ein günstiges Ergebnis erwarten. Bevor die Eingemeindung dieser Orte die Stadtverordneten- Versammlung beschäftigen wird, müssen noch Verhandlungen mit der Regierung und den Kreisen Nieder-Barnim und Teltow wegen des Ausscheidens dieser Orte ans den Kreisverbänden vorangehen. Diese Verhandlungen werden jeden- falls noch viel Zeit in Anspruch nehmen, weil die Kreise diese Vor- orte mit steuerkräftiger Bevölkerung nur ungern ausscheiden sehen. Ueber die Stellung der Stadtverordneten läßt sich heute noch wenig sagen, mehrere einflußreiche Mitglieder der Stadtverordneten- Versäminlung sind entschiedene Gegner dieser Teil-Eingemeidungcn, weil dadurch die Eingemeindung der westlichen Vororte und die Schaffung eines„Groß-Berlin" abermals nicht unwesentlich erschwert und in weite Ferne gerückt wird. Der Kaiser und die Hochbahn. Die originelle Mitteilung von dem Anhalten der Hochbahn beim Nahen des Kaisers wird von hochbahnoffiziöser Seite bestätigt. Es handelt sich jedoch nicht darum, daß die Direktion befürchtet, der Viadukt der Hochbahn könne eines schönen Tages unter der Last eines Zuges zusammenbrechen nnd da- bei durch einen unglücklichen Zufall das Leben des Kaisers gefährdet werden, sondern man soll angeblich fürchten, das Geräusch der Hoch- bahn könne die kaiserlichen Pferde zum Durchgehen bringen. Sonderbar l Die Hurraschreier, die den Weg des Kaisers rechts und links einnehmen, haben bisher noch keines der Pferde zum Durch- gehen, höchstens Menschen zum Davonlaufen gebracht, und auf den Paraden soll es nach Beschreibungen bürgerlicher Blätter auch nicht lautlos hergehen.— Hat man die Schießscharten in den Schloß- thoren und die festnngsähnlichen Verteidigungsmaßnahmen bei neueren Kasernenbauten auch aus Rücksicht auf die kaiserlichen Pferde für not- wendig gehalten? Polizcigehilfe Löffler. Das Polizeipräsidium teilt mit: In verschiedenen Organen der Tagespresse wird bei Be- ■ sprechung der Schwurgerichts- Verhandlung wider Thomaschke der Vermutung Ausdruck gegeben, der verstorbene Agent Löffler habe im Dienste der politischen Polizei gestanden. Demgegenüber sei festgestellt, daß der Verstorbene niemals von einem Beamten der politischen Polizei zu irgend einer Dienstleistung benutzt worden ist. Mithin entbehren alle aus dieser falschen Thatsache gezogenen Schlüsse der Begründung. Dann ist es aber ganz unverständlich, warum der Polizei- Präsident dem Kriminalkommissar Schöne die Erlaubnis verweigerte, über die Beziehungen zn Löffler eidliche Aussagen zu mächen. Socialdemokratische Kriegerverrinler. Wie häufig schon, so hatten wir auch vor einigen Tagen zu nielden, daß aus dem Krieger- verein zu F ri e d r i ch s f e l d e eine Anzahl Mitglieder ausgeschlossen ivorden sind, weil sie bei den Gemcindewahlen s o c i a l d e ni o- k r a t i s ch gestimmt haben. Ohne sich im allgemeinen auf den Standtpunkt der Krieqervereiue zu stellen� sagt„Die Well am Montag" in ihrer gestrigen Nummer bei Erörterung dieses Falles, daß Socialdemokraten in Kriegervereinen nichts zu suchen haben: „Wenn also ein Socialdemokrat einem derartigen Verein beitritt, begeht er einen Akt der Heuchelei und macht sich überdies einer Gesinnungslosigkeit schuldig. Den Kriegervereinc» aber ist eö nicht zu verargen, wenn sie zweideutige Charakteure dieser Art in ihren Reihen nicht dulden wollen." Diese Sentenz, die ungemein geschcidt klingt, hat nur den einen Fehler, daß sie in keiner Weise den Kern det' Sache trifft. Gewiß ist es richtig, daß ein Socialdemokrat einen Akt der Heuchelei begeht, wenn er eineiig Kriegerverein beitritt. Aber dieser wunderliche Fall dürfte auch' wohl kaum dagewesen sein, schon aus Gründen des guten Geschmacks hütet ein Socialdemokrat sich vor einen, solche.'. Schritt. Die Verfolgnngssucht der Kriegervereinker ist ans einem ganz andren Grunde zn verurteilen. Sie sucht ihre Opfer nämlich nicht in Leuten, die frischgebacken aus der Socialdemokratie herüber- kommen, sondern in alten Männern, die ihre zwanzig, dreißig Jahre zum Verein beigesteuert haben, die gerade in ihrem Alter auf die Krankheits- und Begräbnis-Uilterstiitzungen, welche der Verein auf Grund der jahrzehntelang gesteuerten Beiträge gewährt, als wie mit einem notwendigen Spargrösche» rechneu miisien. Diese alten Männer werden nun auf die empfindlichste Weise bestraft, indem nian ihnen durch den Ausschluß plötzlich das Anrecht auf ihre eigenen Spargroschen entzieht. Und zwar trifft sie diese harte Strafe einzig dafür, daß sie, wie so mancher andre Staatsbürger auch ihre anfänglich konservative und monarchische Gesinnung im Laufe der Jahre zu Gunsten der Social- demokratie geändert haben und zu charaktervoll waren, um nut der Bethätigung dieser Gesinmiilg hinter dem Berg zu halte». Ueber die beabsichtigte Reguliernng der Spree-Ufer wird aus dem Rathause geschrieben: Nach den von einen, Stadt- verordncteii-Ausschuß genehmigten Pläne» des Stadtbaurats Krause wird die Regulierung der Sprec-Ufer zwischen dem M ü h l e n- d a m», und der W a i s e n b r ü ck e wohl bald vor sich gehen und damit abermals ei» Stück Alt-Bcrlin von der Bildfläche verschwinden. Die Uferstraße zwischen den, Mtthlendanm, nnd der Waisenbrücke parallel der Stralauerstraße soll zun, Teil in die Spree hineingelegt werden, zun, Vorteil der Straße und der Schiffahrt. Die jetzt nn- regelniäßige Uferlinie wird günstiger gestaltet, was besonders für die durchzuschlensenden Schiffe von Wert ist. Als Ersatz für die e»t- zogene Wasserfläche soll das Jnselspeicher- Grundstück angekauft und das linke Spree- Ufer ebenfalls reguliert werden. Der Fiskus verlangt für seine am Molkenmarkt belegenen Grundstücke rund 666 M. für den Quadratmeter. Die Kosten für die Uferstraße zwischen Waisenbrücke und Mühlendan, in sind auf rund 3666 666 M. veranschlagt. Hiervon entfallen 2756 666 M. auf Grundcrwcrb von Land- und Wasserflächen, während eine Million Mark für die Her- stellnng der QnaiS und der Straße vorgesehen sind. Die Anlieger können mit der Hälfte zu den Kosten herangezogen werde», Die Stadt müsse also 1866 666 M. decken. Der Fiskus beabsichtigt, von der Stadt den Kröge! anzukaufen, und da der Wert der städtischen Grundstllcksflächcn, die zur Straße gebraucht werden, mit 1266 666 M. i» Anrechnung gebracht sind, würde nur ein barer Zuschuß von etwa 266 666 M. zu leisten sein. Bedeutend höher werden sich die Kosten für die Regulierung des linke» Spree-Ufers stellen.. Die Kosten werde» rund eine Million Mark betragen. Die Uferstraße soll eine Breite von 13 Meter erhalten, wovon 3 Meter auf den Bälger- steig, 16 Meter auf den Fahrdamm und 5 Meter auf eine dem Wasser entlang zu führende, mit B ä u n, e n zu bepflanzende r o m e n a d e komnien. Die beiden nionumentalen Mnsenmsbrücken vor dem Kaiser Friedrich-Musen», zur Verbindung des Kupfergrabens und der Oranienburgerstraße bez. Monbijou mit dem Museum und de», Kaiser Friedrich-Denkmal erhalten eine Breite von) 15 Meter zwischen den Stirnen mit 3 Meter breite» Bürgcrsteigen und 8 Meter breiten, Fahrdamm. Die Brücke über den Kvpfergrabe» erhält nur eine Oefsnung, deren Lichtweite 18 Meter messen wird, während die über den Spreearm zwei Gewölbe von 17,25 Meter normaler Weite erhalten wird. Der Baugrund ist sehr schlecht, auf dem rechten Spree- ufer ist man auf ein Moorlager gestoßen. Wegen der Aufbesserung von Bcauitcngchältern ist der Stadtverordneten-Versainmlung, nachdem die letzte Magistratsborlage über Gehaltszulagen für die Ober-Stadtsekretäre von der Ver- 'ammluug abgelehnt worden war, eine neue Vorlage zur Beschluß- äsiung zugegangen. Die Bureau-Direktoren, städtischen Revisoren, Hauptkasseii-Rendanten, Ober-Stadtsekretäre, sollen in Zukunft 366 M. mehr, d„ h: 7366 M. bezw. 6666 M. als letzte Gehaltsstufe erhalten. Das Gehalt der Magistrats-Sekretäre soll in Zukunft 2666 M., 2366 M., 2600 SR und 2900 SD?, in den vier»mtersten Stufen und das der Burcau-Assisteiiteu in den drei letzten Stufen 3700, 3900 und 4000 SV?. schon»ach 18. 20 bezlv. 22 Jahren erreicht werden. Die Ansseher der Stratzeu-Neinignnfl sollen in Znkuuft das Höchstgehalt schon in 15 bezlv. 18 Jahren erreichen. Auch die Beamten'der städtischen Werke sind!o»sonu bedacht. Der finanzielle Effekt dieser Auf- besseruilgen belauft sich auf etwa 19 000 M. jährlich. Ter gute Magen der Kirche. Auf Grund der veralteten Konsisloriat- Ordnung vom Jahre 1573 hat die Stadthanptkasse an die Georgen-jlirchgemeiiide die Summe von 15 891 M., auch 99 Pf. für die g ä r t n e r i s ch e A n s s ch m ü ck n n g des Georgen- Kirch- Platzes zahlen nüissen. Auf eine bei Prüfung des Jahresabschlusses der Stadthanptkasie von den Stadtverordneten gestellten Anfrage hat der ivtagistrat jetzt erlvidert, daß die Zahlung jener Summe„zur Abwendung der uns angedrohten Zlvangsmaß- regeln erfolgen" mußte, daß sie aber«unter Vorbehalt der N!i ck f o r d e r u g" geleistet worden sei. Die Geltendmachung der letzteren wäre zum Teil abhängig von dem Ausfall der z. Z. in zweiter Instanz beim Kannnergericht schwebenden Prozesse über die K i r ch e n b a u l a st der Stadt Berlin, deren definitive Beendigung vorläufig noch nicht abzusehen sei! möglicherweise werde im Oktober d. I. eine Entscheidung des Kaminergerichts erfolgen. Die Einholung einer Bewilligung zur Zahlung der beim Vorschußcouto der Stadthauptlasse noch offen- stehenden Ausgabe» für K i r ch e n b a u t e n, die sich auf rund 130 530 SV?, beziffern, sei nicht erforderlich gewesen. Eine Rednertribüne soll auch der Stadtverordneten-SitzungS- faal erhalten. Unser Parteigenosse Stadthagen hatte bekanntlich in seinem Protest, in welchem er sich über die zu Unrecht erfolgte Wortentziehung beschwerte, auch darüber Klage geführt, daß seine Rede infolge des Lärnies im Saale am Stcnographentisch uiiver- ständlich geblieben ist. Der Stadtvcrordueten-Vorsteher Dr. Langer- Hans hat nun mit Zustiininung der Versaunnlung beim Magistrat beantragt, daß in der Nähe des Vorstandstisches ei» iltednerpult auf- gestellt iverde. Diesem berechtigten Verlangen dürfte der Magistrat alsbald ohne weiteres nachkommen. Mit der Htnznziehnng von Frone» zn den Armen- koiniiiissioncn, wie sie in der neuen„Geschäftsanweisung für die Verwaltung der offenen Arnrenpflege der Stadt Berlin" vorgesehen ist, wird jetzt begonnen. Die erste Arnienkommission, die von der Befugnis. FrauenIhinznzuziehen, Gebrauchs gemacht hat. ist die 115 g.- Kommission lGegend der Frankfurter Allee). Als erste Armenpflegerin ist Frau Marie Ladewig fFrankfnrter-Allee 143) vor- geschlagen und von der Stadtverordiictcn-Vcrsaninilnng in ihrer geheimen Sitzung gewählt worden. Es sind jetzt Monate vergangen, seit die neue Gcschäftsanlveisung in Kraft getreten ist. Die von verschiedenen Seiten ausgesprochene Vermutung, daß die Hinzuziehung von Frauen zu der städtischen Armenpflege nur ganz allmählich erfolgen werde, scheint sich als zutreffend zu erlveisen.' A4 neue Kirchen hält das Bureau der Berliner Stadtsynode für nötig, um in der Reichshauplstadt zu„einigermaßen sübcrsicht- lichcn kirchlichen Verhältnissen" zu gelangen.— Für die Synode scheinen die Kirchenverhältnisse Berlins allerdings recht unÜbersicht- lich zu sein, sonst würde dieselbe die„Kirchennot" nicht einmal in dem Mangel an Kirchenbesuchern und beinahe in dcinselbcn Atem in dein Mangel an Kirchen erblicken. Oder erhofft man von dem eifrig Herbeigesehnten Wirtshansschlnß am Sonntag schon ein solches Ueber- augebot von„Frommen"? Unter dem Einfluß der Hitze, die in den letzten Tagen des Mai ziemlich unvermittelt einsetzte und dann bis in die erste Woche des Juni anhielt, hat die Sterblichkeit an V c r d a im» g s- krankheiten, sofort eine merkliche Steigerung erfahren.' An Diarrhoe, an Brechdurchfall, an Magen- und Dnrmkatarrh starben in Berlin in der Woche vom 25.— 31. Sv?ai nach den jetzt vollständig vor- liegenden Meldungen 18, 13, 9 Personen, zusammen 40 Personen. Für die Woche vom 1.— 7. Juni dagegen haben die bisher eingegangenen Meldungen 39, 21, 32, zusammen 92 an den genannten Krankheiten Gestorbene ergeben. Auch die G e s a m t st e r b l i ch k e i t hat sich in der ersten Juni-Woche beträchtlich erhöht. Während sie sich in der Woche vom 25.— 31. Mai auf 676 belief, sind ans der Woche vom 1.— 7. Juni bisher bereits 770 Meldungen eingegangen. Ei» anfrcgcnder Borfall spielte sich gestern nachiniltag auf der Oberspree in der Nähe von Wilhelmsruh bei Ober-Schönciveide ab. Ein junger Mann, der in einem Boote stromaufwärts gefahren Ivar, sprang, als sein Fahrzeug aus der Nähe der übrigen auf den, Wasser befindlichen Ruderboote getrieben war, plötzlich von seinein Sitz und stürzte sich in die Fluten. Von den zahlreichen Ausflüglern, welche Zeugen des Vorfalles ivaren, wurden sofort Rettungsversuche unternommen, die jedoch vergeblich blieben. Der Lebensmüde kam nicht wieder znni Vorschein und auch die Leiche desselben konnte nicht gefunden iverden. Der Körper des etwa 20— 30jährigen Mannes ist vermutlich durch Schlinggeivächse auf dem Grund der' Spree fest- gehalten tvorden und so dürfte der Unglückliche eine» schnellen Tod gefunden haben. Einen Selbstmordversuch ans den Straßcnbahnschienen verübte vorgestern nachmittags an der Ecke der Müller- und Utrcchtcrstraße der 33jährige SRanrer Theodor Wicdecke. Der Mann hatte durch sein unruhiges Wesen die Anfmerksanikeit eines Polizei- beamten auf sich gelenkt, welcher, den W. beobachtend, sich diesem langsam näherte. I» demselben Augenblick sauste der Straßenbahn- zug der Linie Scharnweberstraße— Nixdorf heran und schnell, ehe der Schntznrann das Vorhaben des Maurers erkannte und es verhindern konnte, warf sich dieser vor dem Waggon auf das Straßenbahn- geleise. W. geriet unter die Plattform, blieb vor dem Schntzrahmen liegen und wurde eine Strecke mitgcschleift. Als es dem Wagenführer gelang, auf eine Entfernung von zwölf Metern das Gefährt zum Stehen zn bringen, und der Maurer aus seiner Lage befreit wurde, stellte es sich heraun, daß W. gänzlich u n v c r l c tz t gc- bleiben Ivar. Er gab an, daß er sterben müsse, unr sich seine» un- bekannten Verfolger» zu entziehen und wurde, da er unzweifelhaft geisteskrank ist, nach der Neuen Charit« überführt. Zn dem Ehcdrama in der Neuen Hochstraße wird uns von Verwandten der Familie Lippke mitgeteilt, daß die Eheleute keines- Wegs in einer sog.„unglücklichen Ehe" lebten. Beide Ivaren sich viel- mehr sehr zngcthan. Die That charakterisiert sich als eine solche der Verzweiflung.' Die Frau hat arlch keinesivegs ihren Mann fresivillig verlassen, sondern die Eheleute mußten sich trennen, um leichter Unterkunft zu finden, als es ihnen nicht gelang, die Miete aufzu- bringen und der Vermieter sie exmittierte. Lippke wollte offenbar erst seine Frau und dann sich selbst töten; hat aber dazu nicht mehr den Mut gefundeir. Beim Spiele» tötltch verunglückt ist der vier Jahre alte Sohn Karl des Arbeiters Hirschfeld aus der Cuvrystraße S>?r. 44. Während sich Frau Hirschfeld vorgestern mit zlvei Kindern in der Stube aufhielt, spielte das dritte, der vierjährige Karl, in der Küche mit ciiici» Reife». Bei dem Versuch, durch den Reifen zn springen, riß er mit ihm ei» Gefäß mit kochendem Wasser von der Maschine herunter. Verbrühungen, die er sich im Gesicht und am Halse zuzog, schienen nicht besonders schwer zu sein. Ein Arzt verband den Knaben, und seine Mutter brachte ihn dann mit dem Kinderwagen nach dein Krankenhause an> Urban. Hier starb er schon am Abend desselben Tages, wahrscheinlich nicht unmittelbar an den Per- brühungen, sondern an einer Herzlähniung, die der Unfall mit seinem Schreck und den Schmerzen zur Folge hatte. Die Revierpolizei beschlagnahmte die Leiche und ließ sie nach dem Schanhause bringen. Zum O.uartalSnmzng. Mit Bezug auf die Polizeiverordming vom 26. März 1870, betreffend die Umzngstermine beim Wvhnnngs- Wechsel(„Jntelligenzblntl" Nr. 74 vom Jahre 1870), tvird zur öffent- lichen Kenntnis gebracht, daß der am I. Juli d. I. beginnende Um- zug bei kleinen, höchstens aus zwei Zimmern mit Zubehör be- stehenden Wohnungen an demselben Tage, bei mittleren, aus drei oder vier Zimmern bestehenden Wohnungen am 2. Juli, mittags 12 Uhr, bei großen, mehr als vier Wohnzimmer umfassenden Wohnungen am 3. Juli, mittags 12 Uhr, beendigt sein muß. Verantwortlicher Redacteur: Carl Leid in Berl Der Ehreubürgerbrief der Stadt Berlin soll am nächsten Mittivoch dem langjährigen Leiter unsres städtischen Schulwesens, Stadtschnlrat Prof. Dr. Bertram von einer Deputation des Ma- gistrats und der Stadtverordnete» überreicht werden. Bei der Arbeit schwer verunglückt ist am Sonnabend- nachmittag der 34 Jahre alte Gcrberei-Arbeiter Otto Voigt aus der Kolonieftraße 120. Als er dannt beschäftigt ivar, in einer Gerberei in der Drontheiinerstraße Leder über«inen Stollpfahl zu ziehen, fiel er so unglücklich hin, daß er sich eine Kniescheibe brach«nd durch Aufschlagen auf de» scharfen Pfahl am Gesicht schwer verletzte. Der Verunglückte mußte mit einem Lücksche» Sliettuugslvagen nach dem St. Hedwigs-Krankeiihause gebracht Iverden. Zwei Berliner Einbrecher, der Arbeiter Johann Grnpka und der Former Reinhold Kube, sind nach einer Bekanntmachung des Erste» Staatsanwalts zu Neu- Nuppin dort dingfest gemacht tvorden. Beide scheinen Fuhrwerke geplündert zu habe», wie das reichhaltige Verzeichnis der bei ihnen vorgesinidenen Gegenstände beweist. Es befinden sich u. a. auch eine braune Stute mit kleinem weiße» Stern und ein Break wagen, offener kleiner Kremser mit drei Sitzen, in ihrem Besitze. Die gestohlenen Gegen- stände, welche allem Anschein nach aus Diebstählen in der Um- gebung von Berlin herrühren, können beim Amtsgericht zu G r a n s e e in Augenschein genommen werden. Ncber eine Rauferei i» einem JünglingSverei» meldet ein hiesiges Blatt: Der 2ljährige Kutscher Franz Rochlitz kam vor- gestern abends aus Zossen, Ivo er bei dem Thicrarzt Schmidt bedienstet ist, nach Berlin,»m seine Mutter zu besuchen. Er benützte die Gelegenheit, das Vereinslokal eines JünglingsvereinS, dem er früher selbst angehört hatte, aufzusuchen. Die Ankunft des Gastes wurde tüchtig begossen und so kam es, daß, als die Jünglinge mit dem Kartenspiel begannen, sich die»leisten schon in sehr gehobener Stimmung befanden. Eine Meinungsverschiedenheit führte schließlich zu einer Schlägerei, in deren Verlauf Rochlitz einem Gegner, dem achtzehnjährigen Schriftsetzer- Lehrling Paul B a u tz ein Bierglns mehrerenial so heftig an dcii Kopf schlug, daß der junge Mensch blutüberströmt mit drei tiefen Kopfwunden, die bis ans die Knochen reichten und in denen die Glasscherben stecken blieben, znsainmenstürzte. Dies bildete für die andern Jünglinge das Signal, sich auf ihren ehemaligen Vereins- genossen zn stürzen und ihn so heftig zn verhauen, daß ihm aus sechs Kopfwunden, aus Nase, Mund und Ohren das Blut rann. Als mich er bewußtlos niederfiel, warfen ihn die aufgeregten Jünglinge auf die Straße. Jetzt schritt Polizei ein und brachte die beide» schwer verletzten Kämpfer nach der Unfallstation in der Badstraße. Dort begann Rochlitz, nachdem es dem Arzt nach längerem Bemühen gelungen war, ihn ins Bewußtsein zu bringen, zu toben und er mußte gleich Bantz mittels Droschke nach dem Polizeirevier ge- bracht werden. Feuerbericht. Sonntagvormittag 9 Uhr wurde die Wehr nach der Grünauerstr. 16 gerufen, Ivo in einer Wohnung Gardinen und Kleidungsstücke in Flammen aufgingen. In der Schwedicrsir. 44 mußte nachmittags 5 Uhr ein Feuer abgelöscht werden, das den Fußboden und die Balkenlage in einer Küche ergriffen hatte. Auch von dem Rathanskcller ans wurde die Wehr in Anspruch genommen. Dort Ivar Wasser in den Keller eingedrungen, das ausgepumpt werden mußte. In der Dresdenerstr. 127 inußte abends 6 Uhr ein Schornsteinbrand beobachtet werden. Außordaui hatte die Wehr in der Zivischenzeit noch Alarmierunge» von der Möckernstr. 17. Drcsdencr- stratze 134 und der Hussitenstr. 41 zu verzeichnen, die indes alle drei auf unbedeutende Antäsfe zurückzuführen ivaren. Die„Steher" in Friedenau. Auf der Radrennbahn in Friedenau trafen sich am Sonntag die sogenannten„Steher". Wer mit der Sporisprache nicht bewandert ist. dem sei gesagt, daß ma» im Rennjnrgon unter Stehern Pferde, Menschen oder sonstige dem Rcnnbetriebe dienende Wesen versteht, die ihre besten Fähigkeiten über eine möglichst lange Strecke entwickeln; ihre Antipoden, die auf einer ganz kurzen Strecke dafür aber noch fabelhaftere Ge- schwindigkeit entivickclii, iieimt man„Flieger".— Die Steher i» Friedenau machten sich zuerst an lumpige 10 Kiloineter, die der Schweizer Ryser am schnellste» in 8 Minuten 45,4 Sekunden nahm. Ryser fuhr seinen Konkurrenten Robl und Kinton einfach davon. Robl versuchte ihn noch einmal durch einen«Endsport" zu holen, pumpte sich aber dabei vorzeitig ans. Die ziveitc Stecher- tour dauerte eine Stunde. Das Rennen spielte hier ivcscntlich zwischen dcni Münchener Robl und dem Engländer Linton. Linton hatte dabei viel Pech mit seinen Schrittmachern, kurz vor Ablauf der Stunde lief der Motor seiner Schrittmacher auf den Rasen»nd schlug um; der Führerlose wurde nun von Nobl leicht geschlagen. Ryser wurde in diesem Nennen nur fünfter und der mit so großer Reklame hier eingeführte Neger Taylor letzter. Der Sieger hatte in der Stunde 69 Kilometer 500 Meter zurückgelegt. Orgelkonzert. Der Orgelvortrag in der Marienkirche am Mittivoch, den 18. Juni, mittags 12 Uhr. wird ansgesührt von Herrn Mnilldireltor Otto Diciicl, Frl. Gertr. Mauksch, Frl. Lotte Dienel»nd den Herren Alex.. Cnrth, Karl Rnchs, Fritz Grobe(Cellist), David Ritter und Haus Schirmer. Es kommen Kompositionen von Nach, Hayd»(Schöpfungs-EnsembleS), Mozart(Ave verum), Brahnis, Dienel je. zur Ausführimg Der Eintritt ist frei._ Ans den Nachbarorten. Wozu»iaii in Schöneberg öffentliche Plätze verwendet. Man schreibt uns: Schöneberg soll nnn thatsächlich wieder mit einer neuen Kirche beglückt werden. Bekanntlich hatten niisre Genossen seiner Zeit im Stadtparlament beantragt, an Stelle einer Kirche auf dem Platze Y eine Badeanstalt zu errichten, die in Schöneberg überaus notwendig ist, wogegen über den schlechten Besuch der schon vorhandenen Kirchen auch ans der Kreissynode lebhaft geklagt wurde. Der zur Beratung der Platzfrage eingesetzte Ausschuß hat nnii das Badeanstalts-Projekt gegen die eine Stimme unsres Parteigenossc» abgelehnt imd beschlossen, die auf Hergäbe des Platzes für de» Kirchcnbau gerichtete Vorlage des Magistrats niit der Einschräiikiing aiiznnehmc», daß für die Hergabe ein Aeqnivalent gefordert werde. Man denkt offenbar an das Terrain für das Krankenhaus. Doch tvird nach den bisherigen Erfahrungen die Kirchenbehörde sich auf diesen Plan kaum einlassen. Charlottcnbnrg. Bei dem Stiftniigsfest der Fabrik-, Land- »nd Hilfsarbeiter und-Arbeiterinnen am Sonntag ist im Volks- haus in der Garderobe ei» Schirm, ein Hut und ein Stock vertauscht ivorde». Die Genosse» werden gebeten, sich die Sache» einzntauscheii bei Frau Bunge. Rosinenstr. 8, vorn 4 Tr. Durch einen Absturz schwer verunglückt ist am Montag- mittag ein 26 Jahre alter Zimmerniann Wilhelm Brose ans der Seestraße auf dem Grundstück Justusstr. Nr. 2 zu Reinickendorf. Hier ist ein Umbau bis auf das Dach fertig geworden. Als Brose vor den. Richten noch die letzte Latte anschlagen Ivollte, verlor er plötzlich das Gleichgewicht und fiel in das Innere des Hanfes aus dem vierten Stock hinab. Unten schlug er auf einen Netzriegel auf, der nach seiner Benutzung dalag. Der Bermiglückte zog sich Ann- und Beinbrüche und schwere innere Verletzungen zn. Ein Koppscher Nettungsivagen innßtc ihn»ach dem Lnznrns-Krankenhanse bringen. Brose ist seit einem Jahr verheiratet, seine junge Frau liegt zn Hause i» de» Wochen. „WilhelmShagen". Vom l. Oktober d. I. ab erhält, ivie die kgl. Eiscilbahiidirektu'ii bekannt giebt, die Station„Neu-Rahns- d o r f zivischen Friedrichshagcn und Erkner an der Eisenbahn- strecke Berlin— Frankfurt aVO. gelegen, den Namen„Wilhelms- Hagen". Die zngehönge Kolonie wird bekaniitlich schon seit einiger Zeit von AintSwegen so genannt. GerilZzks--IsikunZ. Versuchte Verleitung zum Meineide in mehreren Fällen führte gestern den Eigentümer Wilhelm W o l f f vor die achte Straf- kammer des Landgerichts I. Der etwa 60jährige Angeklagte war n Für den Inseratenteil verantwortlich: Xh. Glocke in Berlin. Druck ur früher Schutzmann»nd hat es nach seiner Pensioiiierling zum Hau«- besitzer gebracht. Er hat die Schattenseiten dieser Ergenschaft im vollste» Umfange keniieu lernen müssen. Sein Hans enthielt nur kleine Wohnungen. Mit den Mietern stand er forttvährend ans dem Kriegsfuße, Hnnsklatsch und gegenseitige Verleiimdiiiiae» waren an der Tagesordnung und die Beleidigiiiigsprozeste ivollten kein Ende nehmen. Es ging das Gerücht, daß der Haustvirt den Ehefrauen der Mieter in unerlaubter Weise nachstelle. Der An- geklagte suchte die Urheberinnen dieses Gerüchts ansfindig zu machen nnd strengte neue Beleidigiuigsprozesse an, die teils zn seinen Guiisten, teils zn seinen Ungunsten ausfielen. Hierbei stellte sich heraus, daß Wolff es in den letzten Jahren versucht hatte, unter seinen Mieterinnen solche zu suchen, die in seinen Prozessen wahrheitswidrig zn seinen Gunsten aussagen sollten, wogegen er ihnen Geschenke und sonstige Vermögeiisvortcile versprach. Die so beeinflußten Fronen thatcn sich schließlich zn- sammen und brachten den Angeklagten zur Anzeige. Im Termin bestritt der Angeklagte seine Schuld entschieden und' ließ eS auf die »»ifangreiche Beweisaufnahme aiikommen. Er wurde dadurch für vollständig überführt erackitct, zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt und sofort i» Haft genommen. Centralverei» der Bildhauer Teutschlands. Im GewerlschastS- hause abends 8Vz Uhr: Bortrag des Herrn Dr. Bruno Wille über„Die Menschheit als Organtsmus. Eingegangene Druckschriften. Won der„Neuen Zeit"(Stuttgart, Dietz' Verlag) ist soeben das 37, Heft deS 20. Jahrgangs erschienen. Aus dem Inhalt des Heftes heben wir hervor: Gewe hasten»nd Socialdeniokratie.— Das neuseeländische Ideal, Von M. Beer.— Koalitionsrecht und Erpressung. Bon Hugo Haase.— Die Arbeitgeberverbäude und die Gewerkschaften. Von Emil Fischer.— Ein Blick aus die christliche Gewerkschaftsbewegung. Von Otto Hus.— Tie Knust der Red«. Von Edmund Fischer.— Socialpolitische Umschau. Von Emauuel Wurm.— Litterarische Rundschau: Bonrhak, Conrad, Die deutsche Socialgesctzgebung. Die„Neue Zeit" erscheint wöchentlich eimnal und ist durch alle Buch- haiidluuge», Postaiistaltcu und Kolporteure zum Preise von 3,25 M. pro Quartal zu beziehen. In der Zeiwngspreisliste der Postanstalten ist die „Neue Zeit" unter Nr. 5389 eingetragen, jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. Das einzelne Heft kostet 25 Pf. Probenumuiern stehen jederzeit zur Verfügung. Bon der„Gleichheit", Zeitschrist für die Interessen der Arbeiieriinien (Stnttgart, Dietz' Verlag) ist uns soeben die Nr. 13 des 12. Jahrgangs zu- gegangen. Aus dem Inhalt dieser Nummer heben ivir hervor: Zum 4. Kongresj der Gewerkschaften Deutschlands.— Zur Agitation unter de» Arbeiterinnen. Von Louise Zietz.— Zur Frage der gewerkschast- lichen Agitation unter den Arbeiterinnen. Von Marie Wackwttz.— Gewerkschaitiiche Kleinarbeit der Weuossiimen in Leipzig. Bon Klara Weh- mann.— Aus der Bewegung.— Feuilleton: Auguste Eichhorn.— Notizen- teil: Gewerkschaftliche Arbeiieriuueuorgauisation.— Fraueustinimrecht.— Weibliche Fabrikinspekloren.— Frauenbewegung.— Liiteratur zur Frauen- frage. Die„Gleichheit" erscheint alle 14 Tage einmal. Preis der Nummer 10 Pf., durch die Post bezogen(eingetragen in der Reichsposl-Zeituugsliste siir 1902 unter Nr. 3061) beträgt der Abounenicutspreis vierteljährlich ohne Bestellgeld 55 Pf.; unter Kreuzband 85 Pf. Von der Hütte. Zeitschrist sür das Volk und sewe Jugend(Dresden, Verlag H. Wallstsch) ist soeben das sechste Heft erschienen. Aus dem Inhalt des Heftes heben wir hervor: Der Sieg des Schwachen. Erzählung von Melchior Meyr.(Fortsetzung.)— Die Jnfektiouskraiikheiteii. Von Dr. Popitz.(Schluss.)— Das Benuanische Natioimlumseum. Von Adolf. Brarni.— Wer weih wo. Gedicht von Dellev von LUicncron.— Vom Schivarzwald. Von A. Fendrich.— Die Cholera-Cigarre. Humoreske von Ernst v. Wolzogen.— Spruch. Von Goethe.— Socialismus und Kunst. Von Emil Vandcrvcldc.— Zn Georg Lührigs armen Lazarus. Von Waller Hosmauu.— Zweibein. Märchen von Karl Ewald.(Fortsetzung.)— Politik und Volkswirtschaft.— Kuuftbeilage: Melancholische Landschaft. Nach einer Steinzeichlinng von Georg Lnhrig. Der„Wahre Jacov« hat soeben die Nr. 13 seines 19. Jahrganges erscheinen lassen. Aus dem Inhalt heben wir die zwei sarbigen Bilder „Die Friedenstaube" nnd„ D a s neue f r a n z ö si s ch e P a r- I a m c n t" hervor. An weiteren Illustrationen enthält die Nummer noch das Vollbild„DaS Sparsystem" sowie die Zeichmuigen„Die feuchte Hose„Der Galgen im Hörsaal",„Der Herr der Welt",„Auf der Kandidaten suche" und„Der gute Hausbesitzer". Der textliche Teil der Niniimer bringt die Novelle „Der's ch:: e l l z i: g" von Hans H y an(illustriert), den Artikel„E i n Terrorist" mit dem dazu gehörigen Porträt Balmasch ews, sowie anher einer grohen Zahl kldnerer Prosa-Artikel noch die Gedichte „Friedensgeläute",„Sibirien— Galgen— Knute", „ B ü l o w s Rezept",„Martinique" und„ W i e' s g o in n: d" (in iächüfchem Dialekt). Ter Preis der 10 Seiten starken Nummer ist 10 Pfennige. v. Mayr. Tie gkeichs-Ftnanzreform, insbesondere vom staats- rechtlichen Gesichtspunkte. München u. Berlin, R, Olöenbourg. Preis M. 1,-._ VovmiMkes- Das Berliner Theater und die Arbeiterschaft in Budapest. Die„Boss. Ztg." meldet: Anläßlich des geslrige» letzten Gast- auftretenS des Berliner Deutschen Theater- Ensembles gelangte Heyermanns„Hoffnung" zur Vorstellung. Die Budapester social- demokratische Partei benutzte den Anlaß zu einer großen Demonstration. Tie Ausfälle gegen dieArbeitgeber wurden mit demonstrativem Applaus anfgeuommeri. und als auf der Bühne die Arbeitermarseillaise gesungen wurde, erhoben sich sänftliche Arbeiter, die auf den Galerien postiert waren, zu»ninutenlangein Beifall. Nach Schluß dieses Aktes lvnrde den Künstlern ein schöner Lorbeerkranz mit roten Schleifen und der Auf« chrift:„Den wahren und großen Künstlern die hauptstädtische sociakdcmokratische Partei" in Begleitung einer kurzen Rede über- reicht. Nach Beendigung der Vorstellung wiederholte sich die Demonstration. Die Arbeiter sangen die erste Strophe der Arbeiter- Marseillaise unter Bcifallskniidgebungcn des übrigen Publikums. Die ganze Demonstration nahm einen ruhigen, ordenttichen Verlauf. Die Polizei griff nicht ein. Auf Zeche Karolinenglück bei Bochum wurden zwei Berg- leute durch Gestciiisiiinssen verschüttet. Die Leichen wurden ge« borgen. Abgestürzte Bcrgtoiiristcn. Wie die Blätter melden, ist ein Wiener Namens Franz Gotiman», der gestern mit zlvei Freunden einen Ausflug auf die Raxalpe unternommen hatte, bei dem Reiß- thalcr Steig von einer 300SV!cter hohen Wand abgestürzt. Der Tod ist sofort eingetreten.— Zlvei Handlungsreisende, die einen Ausflug in die Hohe Tatra lmteriiomincn hatte», stürzten mit dem Führer, vom Sturm überrascht, auf nassem Gerölle ab. Der eine Reisende ist tot, der Znstand des andern und des Führers ist ernst. Erdbeben überall. Wie der„Popolo Romano" ans Syrakus meldet, wurde gestern nacht dort ein sehr starkes, von unterirdischem Getöse begleitetes Erdbeben verspürt; später folgte eine zweite Er- schütternng. Der Bevölkening bemächtigte sich ein großer Schrecken; mehrere Familien ließen ihre Häuser im Stich. Ein Schaden winde nicht angerichtet. Seit niehreren Tagen ist die Luft trübe nnd die Hitze erstickend. Auch ans andren Teilen des Landes werden Erd- erschütterungen gemeldet._ WitternngSüberstcht vom 16. Jnni 1902, niorgcnS 8 llhr. Wetter-Prognose siir Dienstag, den 17. Jnni 1962. Etwas wärmer, zeitweise heiter, aber noch veränderlich mit leichten Regensällen und schwache» südwestlichen Winden. Berliner Wetterburean. i Verlag von Max Babing in Berlin