Ar. 143. Abointtment«• Hedlnglingea: Abi nnemenl»-Preli ptänumeranb«: vlicteliährl. 3,30 Mt., monotl. l.lOMk., wöchiolltch 28 PIg. frei Int hau». ftimelne Numm'r 5 PIg. Sonnlagt- Slmmn« nUt tiiuntutnc Sonnlagt» iU-ilag«„Tle Neue Will' 10 PIg. Post- 'Äbonnemenl: l.lv Marl uro Mona». Singelragen In der Post- Zellungs- PmsUsle für 1002 unter Br. 7878. Unter streuzbanv für Dcullchland und Oesterrelch- Ungarn 2 Marl, für da« übrige Autland 3 Marl pro Monat. 19. Jahrg. Die Knser«ons-GMyr belrggt für vte sechsgespaltene Kolonel« zelte oder deren Raum to Psg., für pottlische und gewerkschaslliche Vereint- und Versammlungs- Anzeigen 20 Psg. „Kleine Anseigen" s-dcs Wort 5 Psg. (nur das erste Wort fetil. Inserate sur die nächste Nummer müsten bis t Uhr nachmittags in derTrpedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und FesttaKen bis S Uhr vormittags geöfsnel. Erscheiiil täglich außer Monlag». Vevlinev Volksblskk. Telegramm-Abreise! „Lorialdrmokral Berlin" Centralorgan der socialdemokratischen Partei Deutschlands. Kedaltlivn: SW. 19, Beutlz- Strafte 2, afcrufstrtchtr: Zlnil 1. Str. 1508. So», labend, den 21. Juni 1902. Expedition: sw. 19, Beuch-Strafte 3. Fernsprecher! Zlmt I, Nr. 5131. Das Land des Papstes. Nachdem die parlamentarische Beredsamkeit verstummt, Volks- Vertreter und Minister i» die Ferien gegatigen stiid, nimmt inmitten dieser Stille Wilhelm II. das Wort, um im Gegensah zu der stc- schäftlich- nüchternen Behandlung politischer Spccialfragcn, die den deulschen Parlamenten eigentümlich ist. in pathetisch hallettdett Monologen auf Festen und Gastmälern seine Wcltausichtcn zu künden. Es liegt ein Element des alle Grenzen und Bcstiminthciten sprengenden historischen und politischen Mtisticisinns in diesen An- sprachen und Trinksprüchcn, die jede präcise Kritik vereiteln: Es sind groß entworfene Fresken, die aber ohne Konturen nur ein seltsames Jiteutattder von Lichtgarben und Dämmerungen verweben. Räch der Nürnberger und Bonner Rede hat der Kaiser am letzten Donnerstag im Krönnngssaal des Rathauses zu Aachen, diesem Schwefelbad für die elegante Welt der Sportlcute und Clubman, eilte Ansprache gehalten, die zu den eigentümlichsten und auf- fälligsten Kundgebungen der Denkart Wilhelms II. gehört. Der Kaiser vermag trotz der grosten Zahl seiner Kundgebungen immer noch ungeioöhnlich zu wirken. Beinahe hätte diese Aachener Rede nicht gchaltcu werden können, da der Tod des sächsischen Königs den iveitcrcn Festlichkeiten vorläufig ein Ziel gesetzt hat. Man hatte aber in Aachen Vorsorge getroffen, daß wenigstens dieses Fest ohne Störung prograunngemäß verlaufen konnte. Darum wurde— wie ein Telegramm dorther meldet— .die Nachricht vom Tode des Königs von Sachsen, um die Stimmung des Volkes nicht nicderzndrütken, von den Blättern nicht bekannt gc- macht, während die Extrablätter, welche die Rede des Kaisers im Rathause enthielten, reibenden Absatz fanden'. Die offizielle Feststellung des Textes hat anscheinend Schwierig leiten bereitet. Die Redaktion hat so lange Zeit gebraucht, daß sie erst am Frcitaginittag vom Wölfischen Bureau verbreitet wurde Ein Ohrcnzeuge der.Kölnischen Zeitung' schiebt eS auf die schlechte Akusttk de» SaalcS und die von auben kommenden störenden Gc räusche, daff die Rede.sehr vielen Hörern in vielen Teilen nicht ganz verständlich' ivar. Wir lassen nun daS Hauptstück der Rede nach dem offiziellen Wortlaut folgen. •» • Wer sollte auf so historischem Boden, wie es Aachen ist, nicht mächtig erfaßt werden von dem Wehen und Rauschen der Vergangen hcit und der Gegenivart! Wer sollte nicht an die Fiignng dcS HlmmelS denken, wenn er die Geschichte der Jahrhunderte über- blickt, die unser Vaterland durchgemacht hat in Verbindung mit Aachen I Aachen ist die Wiege des deutschen Kaisertums, deuu hier hat der Große Karl seinen Stuhl ausgerichtet, und von seinem Glänze hat auch die Stadt Aachen einen Wicderschein gewonnen. So bedeutend und so groß war die Figur dieses gewaltigen germanischen Fürsten, daß von Rom ihm die Würde der alten römischen Cäsaren angetragen wurde und er auscrsehen ward, die Erbschaft imxerii Eornani anzutreten, gewiß dittc großartige An erkennung für die Leistungsfähigkeit unfres eben erst in der Geschichte auftretenden germanischen Stammes, denn entsunkeii war das römische Szepter der Cäsaren den Händen ihrer Nachfolger; zer bröckelt und morsch Ivanktc der römische Bau, und erst das Er- scheinen der siegesfrohen Germanen mit ihrem reinen Gemüt war im stände, der Weltgeschichte den neuen Lauf zu weisen, den sie bisher g e II 0 m m e n hat. Da verstand es sich von selbst, daß der g e iv a l t i g e Karl, der große Frankenkönig, die Blicke Roms auf sich lenkte, ivelches in ihm seinen Schutz und Hort erblickte. Allein die Aufgabe, das Amt des römischen Kaisers mit der Würde und Bürde eines germanischen König« zu verbinden, war zu schlver. Was er mit seiner gewaltigen Persönlichkeit vermochte, das versagte das Geschick seinen Nachfolgern, und unter der Sorge um daS Weltimpertui» verloren die späteren Katfergeschlechter das germanische Boll und Land ans dem Auge. Sie zogen gen Süden, um daö Weltimperium anfrechtznerhaltc», und vergaffe» Germanienö darob. So muffte allmählich«nser deutsches Land und Volk verkomme». Gleich wie bei der Aloe, wenn sie ihre Blüte treibt, die ganze Kraft der Pfanze sich zu dieser einen Aufgabe aufrafft und noch empor st redend Blüte auf Blüte entwickelt und das Auge des stann enden Be schauerS fesselt, derweilen nun die Pflanze selber zusammenbricht und ihre Wurzel verdorrt: so er- ging es auch dem römischen Kaisertum deutscher Nation. Nunmehr ist ein andres Kaisertum entstanden, dem deutschen Volke ist sein Kaiser wieder geworden, den es sich selbst geholt hat: mit dem Schwert in der Faust auf dem Schlachtfeld ist die Krone erworben inid das Reichspanier flattert wieder hoch in den Lüften. AnS derselben Begeisterung und Liebe, mit der das deutsche Volk an seiner alten Kaiseridce gehangen hat, ist das neue Kaiser- reich ins Leben getreten, allein die Aufgaben sind andre: nach außen beschränkt auf die Grenzen«ttsreS Landes, um un« von neuem innerlich stählend auf die Aufgaben vorzubereiten, die unsrem Volke jetzt werden, und die im Mittelalter nicht erfüllt werden konnten. Und so sehe» wir denn, daß daS Reich, obwohl noch jung, sich in sich selbst von Jahr zu Jahr kräftigt, während daS Vertrauen zu ihm von allen Seiten imnter stärker sich befestigt. Das mächtige deutsche Heer aber gewährt Rückhalt dem Frieden Europa». Dem Charakter der Germanc» entsprechend, beschränke» wir n»S nach Aiiffe», um»ach Innen unbeschränkt zu sein. Weithin zieht unsre Sprache ihre Kreise auch über die� Meere; weithin geht der Flug unfrei Wissenschaft und Forschung kein Werk anS dem Gebiete neuerer Forschung, welches nicht in unsrer Sprache abgcfafft würde,»nd kein Gedanke cnt- springt der Wissenschast, der nicht von uns zuerst verwertet würde, um nachher von andren Nationen angenommen zu werde». Und dies ist das Weltimperinm, welches der ger manische Geist anstrebt. Wollen wir nun nach jeder Richtung uusren großen Aufgaben gerecht werden, dann dürfen wir nicht vergessen, daß der Urgrund auf dem dieses Reich erstanden ist, wurzelt in der Einfachheit, Gottesfurcht und den hohen sittlichen Anschauungen unsrer Vorfahren. Wie hat die prüfende Hand unsres Gottes zu Anfang des vorigen Jahrhunderts auf unsrem Lande gelegen und mächtig hat d c r A r m d e r V o r s e h tt n g das Eisen geschmiedet und geschweißt am Ofen des Elends, bis die Waffe fertig wurde. So erwarte ich auch von Ihnen allen, daß Sie mir helfen werden, ob Geistliche oder Laien, die Nrligion im Volke auf recht zn erhalte». Zusammen müssen>oir arbeiten, um dein gcrnmnischen Stamme seine gesunde Kraft, seine sittliche Grund läge zn erhalten. Das geht aber nur, wenn man ihm die Religio» erhält, und das gilt in gleicher Weise für beide Konfessionen. Um so größer ist heute meiue Freude, den Herren der Kirche, die hier vertrete» sind, eine Nachricht zu bringe», die Jhucu mitlcilcu zu könneit ich stolz bin. Hier steht der General von Los, ein treuer Diener seiner Könige. Er toard"on mir gesandt nach Rom zum Jubiläum des heiligen Vaters, und als er ihm meine Glückioiiusche und meine Jubclgabe überbrachte mtd ihm in intimem Gespräch Aufschluß gab, ivie es aussieht in u»steu deutschen Landen, da hat der hriligo Vater ihm geantwortet, er freue sich, ihm sage» zu können» daff er stets hoch gedacht habe von der Fröniuiigkeit der Deutschen, zumal deS deutschen Heeres. Cr könne ihm aber noch mehr sagen, nnd das solle er seinem Kaiser bestrllcn, das Land in Europa, tvo»och Zucht, Ordnnng nnd Diöciplin herrsche, Respekt vor der Obrigkeit,'Achtung vor der Kirche, und wo jeder Katholik ungestört und frei sciucm Glaube» leben könne» daö sei daS Deutsche Reich, nnd daö danke er dem dentschrn Kaiser. Dies, meine Herren, berechtigt mich zu dem Ausspruch, daß unsre beiden Konfessioucii ucbeueiuaudcr das große Ziel im Auge behalten müsse», die Gottesfurcht und die Ehrfurcht vor der Ncligiou zu erhalten und zu stärken. Ob wir moderne Menschen sind, ob ivir auf diesem oder jenem Gebiete wirken, das ist einerlei. Wer sein Leben nicht ans die Vasis der Religio» stellt, der ist vcr- loreu. So will auch ich, da au diesem Tage und au diesem Orte es sich nicht zienit, nicht nur zn reden, sondern auch zn geloben, mein Gelöbnis hiermit aussprechen, daß ich daö ganze Reich daö ganze Volk, mein Heer, symbolisch durch diesen Kounuaudostab vertreten, mich selbst nnd mein HauS unter daö Kreuz stelle und unter den Schutz deficit, von dein der große Apostel Petrus gesagt hat: Es ist i» keinem andern Heil, eS ist auch keilt andrer Name den Menschen gegeben toorden, darin sie sollen selig iverdcn, und der von sich selbst gesagt hat: Himmel nnd Erde werden vergehen, aber meine Worte vergehen nicht I X« ES ist eine der markantesten Eigenheiten der rednerischen Thätigkeit des Kaisers, daß die Stimmungen jäh zlvischcn schranken- losem Optimismus und düsterer Klage, zwischen freudiger Zu- friedeuheit und zornigem Unmut ivechseln. Man denke an jene Rede, die der Kaiser zu seiiieu Märkern sprach:«Es schleicht der Geist des Ungehorsäms durch das Land; gehüllt in schillernd verführerisches Gctoand, versucht er die Gemüter meines Volks und die mir ergebeucu Männer zu verwirren.' Man erinnere sich an die Rede, da er die Soicaldemokralie als eine«hochverräterischeSchar' bezeichnete, als„eine Rotte von Menschen, nicht wert, den Namen Deutscher zu tragen', da er von den Tieren sprach, die an der Wurzel der deutschen Eiche nagen, bis er dann eines Tages ruhig und hoffnungsvoll den Um- stürz als eine«vorübergehende Erscheinung' empfand. Mau ver- gegciiloärtige sich die Zeit der China- und Alexandriner-Rede». Wenig mehr als ein Jahr ist es her, da klagte er zu dem Präsidium des Abgeordnetenhauses, daß die Achtung vor Krone und Regierimg mehr und mehr im Schiviudcn sei. In dieser Hinsicht seien die Verhältnisse in den letzten Dezeiniicn schlechter geworden. Der Respekt vor der Autorität fehle. Die Schuld daran läge an allen Klaffen der Bevölkernng. Statt den allgemeinen Juteresse» deS Volkes zu dienen, würden Souderiiitercsse» verfolgt. Die Kritik an Maßnahmen der Regiermig erfolge in der schroffsten und verletzendsten Form. Hieraus erloachse die Unklarheit und Demoralisation in der Jugend.— Und zum Präsidenten Ballestrem sprach er vom Rückgang der monarchischen Gesimiuitg. Das war im März 1901 1— Ja, noch eben hat Wilhelm II. zn Marienbnrg harte, drohende Worte über den«polnischen Uebermnt' gesprochen. Und jetzt sind alle Wolken geschwunden, Deutschland ist ein Reich des Lichte?, daS Sonnenland, die Deutschen sind das ausertoählte Volk. Dabei ge- chcheu alle diese jähen Wandlungeu des kaiserlichen Urteils uud der Stimmung, ohne daß in den Verhältnissen selbst eine wesentliche Aenderung bemerkt werden kann... Im ersten Teil seiner Aachener Rede trägt Wilhelm II. seine Meimmgen über den Aufstieg und den Verfall des mittelalterlichen römischen Kaisertums deutscher Nation vor. In taziteischer An- chammg redet er von dem reiiien Gemüt der siegesfrohen Germanen. Er läßt das alte Kaiserreich uiitergeheu an der— W e l t p o l i t i I, die in die Ferne schioeifte und Germamens darob vergaß. Den Wert deS neuen Kaiserreichs sieht Wilhelm II. in der dem Charakter der Germanen entsprechenden Beschränkung nach außen. Es ist nicht klar, ob damit die nenestdcutsche Weltpolitik bekämpft imden soll, die mit dem Dreizack an alle» Punkten der Erde Nägel einschlagen will, um die deutschen Schilde aufzuhängen. Ja, der Kaiser präcisiert dami die wahre deutsche Weltpolilik in einer Weise, wie sie bisher nur von uns S o c i a l d e m o k r a t c n im Gegensatz zu der mariuistisch- kapitalistischen Weltpolitik der herrschenden Klasse» gefordert wurde: als Propaganda friedlicher Kulturarbeit. Auch das ist focialdemokratische An- schauuug. daß der echte Nationalisnms darin besteht, von den geistigen Gütern der nationalen Kultur allen Völkern zu spenden. Solchen Sicgeszug deS deutschen Gedankens würden auch ivir vaterlandsloseii Gesellen mit Freuden fördern, ja, gerade loir haben ja eiuigeu Anlaß zu iiatioualem Stolz, da der Socialismns, also die wertvollste und fruchtbarste Kulturerscheinung der Welt- gcschichte, in seiner modernen Prägung im weseutlichrn deutscher Gedankenarbeit entstammt. Freilich, der Anschauung huldigen wir nicht, daß die Deuischcu das auserwühlte Volk sei, daß die Deutschen mir die Gebenden seien, da sie doch mindestens ebenso sehr die Empfangenden sind. Es widerspricht den Thatsachen, daß alle neuen wissenschaftlichen Gedanlcit deutscher Hcrluuft seien, nur im gleichen Wettbewerb aller Kulturvölker wächst Kunst und Wissenschaft. Die Ausführungen des Kaisers über die Notwendigkeit der Religion verstärken uud steigern seine von der Palästiunreise her vekauntcu Stimmnugeii. Sie verraten schärfer noch als schon früher eine Versöhining mit dem Katholizismus tittd sie gipfeln in der seltsamen Botschaft des Papstes, die der Kaiser jetzt der Welt enthüllt. Wir erfahren jetzt, daß der Papst das Deutsche Reich als das Land seines Herzens betrachtet, in dem alle Ideale des heiligen Vaters und der klerikalen Weltanschauung am herrlichsten erfüllt sind. Der Papst, der im Vatikan sich nur als.Gefangener' fühlt, dein der verschärfte Kulturtampf in den katholischen Ländern wie Frankreich schwerste Sorgen und bitterste Klagen verursacht, feiert Deutschland als das Land, wo dank dem Kaiser, noch Zucht, Ordiumg und Diseiplin herrsche, Respekt vor der Obrigkeit, Achtung vor der Kirche, und wo jeder Katholik ungestört u n d frei seinem Glauben leben könne. Damit hat der Papst auch alle jene Beschwerden des deutschen CcntrumS entkräftet, daß die Katholiken keine Parität geuießcn, daß die Jesuiten durch ein schmähliches Ausnahmegesetz geächtet und gegen die allein selig machende Kirche keine Toleranz geübt werde. Der deutsche Bundesrat darf jetzt mit gutem Gewissen sowohl den Jesuiten- wie den Toleraiizantrag ablehnen; denn der Papst selbst hat anerkannt, daß auch ohne diese Reformen im Deutschen Reiche die katholische Kirche eine bessere Stellung habe als in irgend einem andren Lande Europas. In Deutschland wird diese Botschaft des Papstes nicht überraschen. Wir wissen es ja längst, daß Ceutrum Trumpf ist— und es fehlt nur noch, daß zum sichtbaren Beioeise unsrer inneren Zustände der Papst seine römische Gefangenschaft aufgiebt mid in die Freiheit seines Liebliiigslaudes übersiedelt. Warum sollte Verlin nicht hinfort die Residenz der P ä p st e werden I... In einer Ansprache an die Geistlichkeit im Münster zu Aachen hat der Kaiser u.a. gesagt:«Wenn alle Geistlichen Ihrer Konfession im deutschen Laude so denken, loie sie, dann ist eS um die Zukunft unsres Baterlandes wohl bestellt.' polikische MebevNchk. Berlin, de» 20. Juni. Der Thronwechsel in Sachsen. Nach der Verfassung hat der Bruder des verstorbenen Königs, Prinz Georg die Regierung an» getreten. Die offizielle Proklamation durch das StaatSministerium erfolgte am Freitngvormittag, das Ministerium leistete dem neuen König den Eid. König Georg, der nur 2 Jahre jünger ist als sein verstorbener Bruder, ist bisher hauptsächlich militärisch thätig gewesen. Er war seit dem RegierüitgSantritt König AlbertS im Jahre 1873 Comman« denr des 12. sächsischen Armcccorps und leitete in neuerer Zeit eine der Armec-Juspcktioneii. In weiterer Ocffentlichkeit hat ihn d i e ocialdemokratie bekannt gemacht, indem der.Vorwärts' im Jahre 1891 seinen Geheim er laß gegen die Soldaten- Mißhandlungen veröffentlichte. Der Erlaß bekundete eine humane Gesiuntiiig, die freilich keineswegs genügt hat, um die Soldateitmißhandlungen in der sächsischen Armee zu beseitigen oder auch nur zu vermindern, wie die fortdauernden zahlreichen KriegSgerichts-Verhandlmigeit wegen Soldotcnmißhattdlungeii in Sachsen beweisen. An polittschen Angelegenheiten des Landes hatte der jetzige König Auteil in seiner Stellung als Mitglied der Ersten Kammer des Landtages; soweit er dort hervortrat, verfolgte er eine Politik, wie sie dem Musterstaat konservativer Reaktion üblich ist. Eine Aenderimg des politischen Kurses ist von dem Regieruiigs- Wechsel nicht zu erwarten. Ueber die Traiterfeierlichkeiteu für den verstorbenen König wird aus Dresden berichtet: Ani Soniiabenditachmittag 2 llhr, vor der Ueberführnng von Shbillenort»ach Dresden, findet eine große Trauerfeierlichkeit. welche Fürstbischof Kopp abhält, und darauf die Ueberführnng der Leiche nach dem Bahnhofe statt. I» Dresden werden außerordeulliche Feierlichkeiten für die Bei« setznug in der katholischen Hofkirche vorbereitet. Der deutsche Kaiser und Kaiser Franz Josef haben ihr Erscheinen angemeldet.— Fest-Absage. Infolge des Ablebens des Königs von Sachsen sind die mmmigfaltigen Festlichkeiten, die am Niederrheiu noch ge- plant waren, vom Kaiser abgesagt worden. Die Diisseldorfer Ansstellnitg solvic Wesel, Ruhrort mtd andre Städte müsscu auf den erwarteten Besuch verzichten. Das Wolffstbe Dcpcscheuburentt aber gelaugt in die angenehme Lage, zu Gunsten seiner Aktionäre den umfassenden Apparat zurückzuziehen, den es zur Bcrichterstattniig Bcr diese Festlichkeiten mit ihren Toaste» und Festreden aufgeboten hatte. Um so trostloser wird die byzantinische Presse geeigneten patriotischen Stoff bermissen.— Gegen den Lohndritck durch Gesängnisarbeit ist seitens der socialdeniokratischen Mitglieder der Z o I l t a r i f- K o in in i s j i o n folgender Antrag eingebracht worden: Die Koinmissioil wolle beschließen: zu Nr. 431 bis 433 des Tarifs lWirk- und Netzstoffe und Ware») folgender Resolution die Zllstiinnnmg zu erteilen: den Herrn Reichskanzler z» ersuchen, einen Gesetzentivurf noch im Laufe der gegenwärtigen Session Vorzulegen, durch den untersagt wird, iii Straf-, Versorgungs- »nd BeschäftiguugZanstalte», ivelche aus öffentlichen Mitteln'unter- halten oder unterstützt werden, andre gewerbliche Arbeiten als solche für den eigenen Bedarf, für den Bedarf des Reiches, eines deutschen Staats oder Gemeiiideverbaudes auszuführen und den Verkauf gewerblicher Erzeugnisse für eigene Rechnung, für Rechnung des Reiches, eines deutschen Staats oder eiiies Ge- ineiudeverbandes zu niedrigeren als den marktmäßiqen Preisen stattstuden zu lassen. Durch die Arbeit in Gefängnissen wird insbesondere auf dem Gebiete der Wirk- und Netzware», aber auch auf andren Gebieten, so in der Tischlerei und der ftorbniacherei die Exportindustrie und der Arbeitslohn schwer geschädigt. Ferner ist in der Zolltarif-Kommission zu Nr. 413 und Slö des Tarifs von socialdemokratischcr Seite beantragt, Tierhaare nur dann einführen zu lassen, wenn nachgewiesen ist, daß diese Haare dem Desinfektionsversahrcn uuterlvorfen sind, dem Tierhnare nach der Bundesrnts-Verordnung vom 23. Januar 1839 unterworfen sind. Der Nachweis, daß durch vom Ausland eingeführte Haare Krank- heiten eingeschleppt sind, zeitigte diesen Antrag'.— Die hessische Wahlrechts-Rcform. Ans Darmstadt wird uns vom Donnerstag, in Ergänzung nnsres gestrigen Telegramms, noch berichtet: Der Kampf für oder gegen die Vermehrung der städtischen Mandate nahm auch den Heuligen Berhandlungs- tag noch ganz in Anspruch und führte zeitweise zu sehr heftigen Explosionen. Unser Standpunkt wurde nochmals durch Abg. Cr am er präcisiert. Die Abstimmung ergab weder für die Vorlage noch für den Antrag auf Belasjnng deS seitherigen Verhältnisses die not- wendige Zweidrittel-Mnjorität. Auch ein Vermittelungsantrag, der eine Vermehrung der städtischen Mandate um 3 concedicren will, blieb in der Minderheit.— Eine beleidigende Gerichtsverhandlung. Die Gerichtsverhandlung gegen den Grafen P ü ck I e r- Klein-Tschirne, über deren Ausgang wir bereits berichtet haben, bot einige ungewöhnliche Z'w ischcn fälle, die von dem Gericht mit einer sonst nicht üblichen Geduld ertragen wurden. Der Graf hat nach seine» Angaben die Feldbahn zerstören lassen, weil er sich über den Pächter der ihm gehörige» Parzelle geärgert hatte. Der Edle faßte die Sache mit äußerster Harm- losigkeit auf: Graf Pnckler: Jck> habe überhaupt nicht geglaubt, daß das ein Objekt im Sinne des Z 395 sei. Ich dachte, das ist eine kleine Sachbeschädigung, da kann er mich verllagen. Vors.: Es hätte doch leicht ein Unglück geschehen können, und das ist doch hier nur durch einen Zufall verhindert Ivorden. Sie haben sich berechtigt gehalten, die Feldbahn zu zerstören? Graf Pückler: Ja.— Vors.: Wenn Sie Pächter wären, würden Sie sich das gefallen lassen?— Graf Pückler(lachend): Daun würde ich sagen: Gott, bauen wir die Geschichte wieder. Und dann wäre die Sache ausgestanden. Ich hätte aber keine Anzeige gemacht; ich hätte das als Scherz aufgefaßt. Ich wollte dem Manne einen kleinen Schabernack spielen.(Zum Pächter): Nicht wahr, außerdem kennen wir uns sehr gut; nicht wahr? Ich hätte nicht geglaubt, daß er das anzeigt. Vors.: Das konnte doch auch ein andrer zur Anzeige bringe». Sie sind doch selber Jurist gewesen. Sie waren Referendar? Graf Pnckler: Ja, Gott, ich bin eine Zeitlang Referendar ge- Wesen. Ich habe es als Scherz, als Spaß aufgefaßt. Außerdem war ich in der Politik thätig; ich habe gar nicht an die juristische Seite gedacht. Das war vielleicht unüberlegt(lachend), ich glaube, es liegt in meinem Charakter etivas Geivaltsanies, ich hätte es nicht für möglich gehalten, daß eine Strafanzeige erfolgt. Die vier Arbeiter sagen aus, sie hätten den Befehl befolgt, weil der Graf ihr Brotherr sei und sie ihre» Brotes nicht verlustig gehen wollten. Graf Piicklcr: Die Leute sind eben gewöhnt zu thun, was ich befehle. Ich bin der einzige verantwortliche Redactenr.(Heiterkeit.) Ich nehme alles auf mich. Der Staatsanwalt beantragt aus formal- rechtliche» Gründen Freisprechung und behält sich für den Fall, daß das Gericht andrer Meinung sei, die Untersuchung des Augeklagten auf seinen Geisteszustand vor. Vors.: Haben Sie noch etwas zu beincrken, Herr Graf? Graf Piicklcr: Ich bitte Rücksicht z» nehuien anf meine sociale Stellung und anf meine Thätigkcit als politischer Führer, als Führer der nationale» Parteien. Nach halbstündiger Beratung des Gerichtshofes erklärt der Vor- sitzende, daß das Gericht beschlossen habe, nochmals in die Beweis- aufnähme einzutreten. Geh. Sanitätsrat Dr. Ncninanu(ein 70jähriger Herr) leistet den Zeugeneid. Vors.: Was ist Ihre Meinung? Sachv. Dr. Nenmanu: Es ist eine etwas schtvierige Frage, die an mich herantritt, weil ich noch niemals mit dein Grafen Pückler gesprochen habe, wir haben uns zuweilen wohl gesehen. Ich habe eine ganze Reihe von Zeitungsberichten erhalten, Gespräche gehört ze., nach denen allerdings Graf Pückler sich in früherer Zeit etwas e i g e n t ü ni l i ch... Graf Piicklcr(unterbrechend): Verzeihen Sie, soll der Herr mich auf meine geistige Znrechnungsfähigkeit untersuchen? Ich fasse das als persönliche Beleidigung auf, ich weiß ganz genau. was ich zu thuu»nd zu lassen habe. Vors.: Ich bitte, sich ruhig zu verhalten. Graf Pückler: Ich erkläre also, daß ich das als persönliche Beleidigung auffasse, ich bitte, sich danach zu richten. Vors.: Ich ersuche Sie, sich zu mäßigen, Sie haben den Herrn Sachverständigen nicht zu unterbrechen. Graf Pückler: Als persönliche Beleidigung! Ich erkläre da? hiermit, wenn jemand mich auf meinen Geisteszustand untersuchen will, denn ich gehöre mit zu den Führern derpoliti- s ch e n Parteien. Vors.: Es ist der Antrag gestellt worden, den Gutachter zu vernehmen. Also bitte, nun unterbrechen Sie uns nicht iveiter. Graf Pnckler: Ich bitte die Herren, die Konsequenzen sich zu überlegen. Vors.: Ich bitte den Herrn Gutachter, fortzufahre». Geh. Sanitätsrat Neumann: Ich weiß nicht, ob Graf Pückler an Krankheiten früher gelitten hat oder ob in seiner Familie irgend- ivelche geistige» Störungen vorgekommen sind.(Graf Pückler ruft: Niemals, niemals!) Ob er erblich belastet ist.(Graf Pückler: Auch nicht.) Der Vorsitzende fordert den Grafen Pückler wiederholt auf, den Gutachter nicht zu unterbrechen. Sanitätsrat Dr. Ncnmann: Ich kann nur sagen, daß er mit einem Größenbewußlsein, ich will nicht sagen, mit Größenwahn behaftet ist. Seine Rede am 6. Juni d. I. in Berlin war derartig. daß man sich wundern muß, daß ein Herr, der Offizier gewesen, der Jura studiert hat, der den höchsten Kreisen angehört, sich in einer solchen maßlosen Weise ausdrücken kann. Graf Pückler(nuterbrechend): Das Ivar eben notwendig. Vors.: Seien Sie doch still. Sachverständiger:... sich solche Schimpfereien erlaubt. Wenn er auf die Juden schimpft, wie kommen die Glogauer Juden dazu, daß diese ganz besonders beschimpft werden. Graf Pückler(unterbrechend): Gehört gar nicht hierher. Vorsitzender weist diese Unterbrechungen scharf zurück. Graf Pückler: Aber das ist doch für mich beschimpfend, daß der Mann über meine geistigen Eigenschaften schimpft. Das ist doch ein Skandal, man wird immer wie ein Schuft bc- handelt. Sachverständiger: Verfolgungsideen kommen zum Vorschein in jener Rede, wo er behauptete, daß man ihn in der Schlveiz habe vergiften wollen. ' Graf Pückler(schreiend): So ist es auch gewesen. Wenn ich sage, so ist es gewesen, dann ist es so. Ich möchte mal sehen, wenn Sie Gift schlucke» müssen. Der Vorsitzende macht den Angeklagten, der in immer größerer Erregung schreit, auf die Folgen aufmerksam und droht ihn sofortige Abführung in dreitägigen Arrest a n. Sachverständiger: Er sagt dann weiter in der Versammlung. daß er die Bau kurz und klein geschlagen habe, und daß er von den Gerichten unauständig behandelt werde. Graf Pückler: Unwürdig, habe ich gesagt. Ich bitte das zu konstatieren. Der Sachverständige kommt nun nochmals auf die Ver- giftungsgeschichte zurück und erklärt, da kann man den Mann nicht mehr für normal halten. Graf Pückler: Tann sind Sie es auch nicht, verehrter Herr, ich werde Ihnen meinen Kartellträger schicke». Vors.: Jetzt sind Sie endlich einmal still; setzen Sie mich nicht in die Lage, Sie abführen zu lasse». Sachverständiger: Es würde sich empfehlen, den Angeklagten auf sechs Wochen in eineLandcs-Jrrenanstall zu bringen. Ich beantrage dieses. Der Staatsanwalt hält eine solche Prüfung für nicht not- tvendig. Vors.: Haben Sie noch etwas zu sagen? Graf Pückler: Nein, ich finde es unerhört. Vors.: Werden Sie still sein. Angeklagter! Während der hierauf folgenden Beratung des Gerichtshofes führt Graf Pückler laute Selbstgespräche: Das ist unerhört! Ich, der ich seit drei Jahre» für Dcntschland fechte; das ist eine Beleidigung. Das Urteil lautet: Das Gericht steht auf dem Standpunkt, daß Graf Pückler im Besitz seiner Geisteskräfte i st. Der Pächter war zur Errichtung der Feldbahn berechtigt, die Zerstörung hätte ein Unglück zur Folge haben können, wenn nicht zufällig ein Vorarbeiter vorausgegangen wäre und den Schaden bemerkt hätte. Graf Pückler wird zu sechs Wochen und Inspektor Kirchner zu vier Wochen Gefängnis verurteilt und ihnen die Kosten des Verfahrens auferlegt. Die vier Arbeiter werden freigesprochen. Was wird der Graf jetzt scherzweise kurz und klein schlagen?— Ausland. Reichsratsschluf». -st- Wien, 19. Juni. Endlich, nach mehr als achtmonatiger, ununterbrochener Tagung, ist das östreichische Abgeordnetenhaus in Feric» gegangen. Morgen hält noch das Herrenhaus eine Sitzung, und dann wird der Reichsrat vertagt werden; ein förmlicher Schluß der Session findet nicht statt. Es war nicht nur eine lauge. sondern auch eine sehr merkwürdige Tagung, und wenn Herr v. Koerber das Ende überschaut, so mag er finden, daß es gut ist. Der Erfolg der Regierung— eigentlich ein persönlicher Erfolg des Ministerpräsidenten— ist unbestreitbar. Die Session begann mit der Obstruktion und zwei Monate nach der Er- öffnung des Reichsrates schien das Parlament verloren. Herr v. Koerber drohte bereits mit„Griff au die Verfassung". Und der Schluß der Parlamentsthätigkeit bildete die Bewilligung einer neuen, unpopulären Steuer; die Regierung erlangte von dem Hause, in dem sie augeblich keine Majorität besitzt und dessen Parteien ihre Unabhängigkeit und Freiheit jeden Tag neu betonen, alles, was sie nur wünschte. Wohl schritt die Arbeit nur unter Aechzcn und Seufzen fort, und die Zahl der„Krisen" ist nicht zu zählen. Aber sie schritt fort; zum erstenmale»ach fünf Jahren erledigte das Haus das Budget und schaffte ernsthaft an neuen Gesetzen. Die Gefahr der Obstruktion scheint von dem gequälten Hause genommen, und Herr v. Koerber kann sich in Budapest als der Vertreter eines einigen und arbeitsfähigen Parlaments präsentieren. Diese Wandlung in den östreichischcn Verhältnissen schaut zwar sehr auffällig aus, aber sie kommt gar nicht überraschend. Die Obstruktion war in Oestreich nicht mehr das Mittel, einen schädlichen Gesetzentwurf aufzuhalten oder eine schlechte Regierung zu stürzen; sie war immer, die deutsche so gut wie die czechische, eine Kriegserklärung an den Staat. Die Deutschen erreichten das Kampfziel, die Sprachenverordnuugen wurden aufgehoben. Aber damit fetzten sie auch den Grundsatz fest, daß nationale Fragen in Oestreich fiirdcr nicht mehr durch die �liegierungen vergewaltigt werden dürfen, sondern nur im Einvernehmen der beteiligten Teile auszutragen sind. Im Objekt war also die czechische Obstruktion vorweg verfehlt; der Plan, mittels Gewalt nationale Konzessionen herauszupressen, mußte scheitern. Aber um mit dem ganzen Oestreich Krieg zu führen, sind die Czechen viel zu schwach; und deshalb kouute ihre Obstruktion leichthin beschwichtigt werden und deshalb auch sind die Drohungen wegen der Zukunft nicht sehr tragisch zu nehmen. Wohl haben die Jungczcchcn angekündigt, daß sie beim Ausgleich die Schlacht schlagen werden, gegen den Aus- gleich ihre Obstruktion fetzen werden, wenn ihnen nicht vorher ihr sprachliches Recht— die berühmte czechische Amtssprache im inneren Dienst in Czechisch- Böhmen— gegeben wird, aber eine Partei, die mit der Rache drei Jahre wartet, erregt keine Furcht mehr. Herr v. Koerber wird den Czechen ihre Wut mit irgend einer platonischen Verstäudigungs-Konferenz abhandeln, aber allgemein herrscht die Ueberzeugung, daß der Ausgleich— vorausgesetzt, Herr v. Koerber bringt ans den Verhandlungen mit Ungarn irgend ein brauchbares Ergebnis heim— im Parlament weder die Obstruktion, noch auch nur eine gefährliche Oppostlion zu fürchten hat. Herr v. Koerber kann nur in Budapest scheitern; in Wien hat er das Spiel gewonnen. Die Arbeitsfähigkeit des Parlaments ist nichts andres als der Ausdruck der Thatsache, daß die wirtschaftlichen Not- w e n d i g k e i t e n stärker s i n d a l s die n a t i o u n l e n W ii n s ch e. Die Obstruktion entspringt, was immer auch ihre zufällige Ursache sei» mag, dem Gefühle der Unzufriedenheit der Nationen mit diesem Oestreich, das nur leben kann, indem es den Völkern nationale Opfer auferlegt. Aber die nationalen Ideologien können wohl sehr heftig aufschäumen und auch für kurze Zeit alle realen Bedürfnisse zurückdrängen; dauernd als politische Praxis können sie sich aber nicht behaupten. Dann erlangt wieder der Staat, der in Zeiten der Obstruktion verachtete uiid mißhandelte Staat das Uebergewicht; die Völker er- kennen, daß die bloße Verneinung nichts nützt, wenn die Kraft mangelt, sie in That umzusetzen; sie nehmen den Staat an, rechnen mit ihm und bauen auf ihn, und das staatliche Gefühl, das man in Oestreich Patriotismus nennt, das aber nichts andres als Wirtschaft- liches Bedürfnis ist, siegt über den nationalen lieberschwang. Oestreich sieht jetzt ganz unerwartet eine Flut des Patriotismus. aber die konnte wirklich nur kommen, weil so lange Ebbe geherrscht hat. Man kann Hern« v. Koerber nicht bestreiten, daß er mit klugem Sinn die Situation erkannt hat und mit wirklich staunenswerter Ausdauer daran arbeitete, die Wendung in den Ansichten der Parteien herbeizuführen. Aber im Grunde genommen lebt er doch nur von den Fehlern, die vor ihm Regierungen und Parteien so reichlich gemacht haben.—_ Oestreich-Ungarn. Budapest, 18. Juni. In Mako, der Hauptstadt des Csanader Comitats, wurden heute 14 socialistische Kandidatc» in die Stadvertretung gewählt: es ist dies ein Drittel der gesamten Ge- meindevertretung. Schlveiz. Der Polizeispitzel Heilman« wurde jetzt durch die Züricher Polizeidirektion für die Dauer von fünf Jahren aus dem Kanton Zürich ausgewiesen. Beachtenswert ist die Feststellung, daß Heil- mann im Dienste deS östreichischcn Konsulats in Zürich stand und monatlich 199 bis 129 Fr. Gehalt beknn«. Denninch stände das östreichische Konsulat in Zürich ungefähr aus derselben Höhe wie das türkische und wohl auch das russische in Genf. Es sind sonderbare „Handelsinteressen", welche manche Konsulate in der Schweiz wahr- nehmen und vertreten. Die Republik sollte da entschieden auf Reinlichkeit bei den betreffenden ausländischen Regierungen dringen. Im„Giiitlianer" wird berichtet, es bestehe der Verdacht, daß in Biel ein italienischer Lockspitzel die Streikenden zu Gewaltthätigkeiten zu verleiten suche, um der Schweiz Verlegenheiten zu bereiten.— Jtalie». Die Socialisten Neapels ersuchten den Genossen Leone, das ihm bei den jüngsten Proviuzialwahlen zugefallene Mandat zn behalren, und die wegen der Wahl der Camorristen beabsichtigte Demission nicht zu geben. Im 8. Bezirk(Vicaria) wurde der demissionierende Cicot'ti wiederum als Kandidat für die Kammer aufgestellt. Keine Koalitionsfreiheit für Postbeamte. In der Kamincr hielt der Postmeister Galimberti bei Beratung seines Etats eiiie Rede nach preußischem Muster, Ivorin er den Postangestellten die Ausübung des Koalitionsrechts versagte. Er wird, wie er schneidig hinzufügte, nienials erlauben, daß man in seinem Ressort Streiks organisiere. Hoffentlich sorgt der Herr Minister dafür, daß die Angestellten keine Ursachen zum streiken haben. England. London, 20. Juni. Die Ernennung MilnerS zum Gonvcr- neue von Transvaal wird morgen in Südafrika publiziert werden. Nach einer Aufstellung des Kriegsamts beträgt der Gesamt- Verlust der britische» Armee im südafrikanischen Kriege S84Z4. Es starben 1972 Offiziere und 29 879 Mann in Südafrika, sowie sowie 8 Offiziere und 599 Mann nach der Rückkehr nach England, 195 Mann werden noch vermißt und 5879 Mann sind invalide geworden. Asien. Ans Peking meldet die„Times", China beabsichtige, an die fremden Mächte die Bitte zu richten, ihm zu gestatten, drei bis vier Jahre lang seine Zahlungen in Silber zu leisten. Später soll dann in Gold gezahlt werden. Der Unterschied zwischen dem zu zahlenden und dem wirklich gezahlten Gelde solle durch erhöhte Nachzahlungen ausgeglichen werden. Dieses Ersuchen der chinesischen Negierung giebt nichl ein Zeichen der Zahluugs- fähigkeit, auf welche die europäischen Gläubiger zwecks Deckung ihrer abenteuerlichen Expeditionsauslagen rechnen.— Afrika. Die Lage der Boeren. Aus dem Haag wird der„Fr. Ztg." geschrieben: Die laut Friedensvertrag zugesagte Wiedereinsetzung der Boeren in ihren Besitz wird eine recht m i ß l i ch e S a ch e fein, wie sich überhaupt die Lage der Boeren äußerst traurig gestaltet, die mit der Verwüstung ihres Besitzes alles verloren haben, zumal von 3 Millionen Pfd. Sierl. Entschädigung nur wenig auf den einzelnen Borr fallen kann. Dabei sind die Preise für Vieh anf ca. 39 Pfd. Sterl. pro Stück gestiegen, gegen den früheren Preis von 5 bis 9 Pfd. Sterl. für gutes Schlachtvieh. Ueberhanpt ist die Sorge, Vieh zn erhalten, sehr groß, da die Eng- länder in den Repnbkiken viel Rindvieh, Schafe, Schweine für den eignen Bedarf verbraucht und den Rest weggeschossen haben. Zudem ist eS jetzt nach dem Friedensschluß in der Jahreszeit zn spät, um noch Getreide oder Korn säen zu können. Für die Aussaat von Mais wird man bis zum August oder Septeniber warten müssen, uud dann kann die Ernte erst im April nächsten Jahres eingebracht werden. Sorgt also auch die englische Militärverwaltung auf 12 bis 14 Tage für Milderung der ersten Not, so bleibt die ernste Frage, was nach dieser Zeit geschieht. Die Frauen und Kinder benutzen natürlich de» ersten möglichen Augenblick, um aus den Konzentrationslagern heraus- zukommen. Dann macht ihre Not und die der zurückkehrenden Ge- fangenen das allgemeine Elend nur größer. Es sind das alles Gründe dafür, um die Hilfsaktion für die nächste Zeit recht lebhaft einsetzen zu lassen!— Amerika. SeusationSiiachrichte». Aus Paterson(New Jersey) wurde gemeldet, daß mehrere Färbereifabriken durch eine Volks- menge angegriffen wurden, Streikbrecher hinausgetrieben und Ge- bände zerstört worden seien; 9 Personen solle» ums Leben gekommen sein. Der Krawall sei durch Anarchisten angezettelt worden. Eine neuere Meldung vom 19. Juni sagt: Weil es der Polizei nicht gelaug, eine Versammlung der Ausständigen zu verhindern, wodurch die Ruhestörungen hervorgerufen wurden, enthob der Mayor den Chef der Polizei zeitweise seines Amtes, übernahm selbst das Komniando und sprengte einen Trupp von 499 italienischen Ausständigen, welcher durch die Straßen zog. auseinander. Seitdem herrscht Ruhe. Ferner wird aus New U o r k am Freitag telegraphiert: Ein bewaffneter Haufe drang in eine Kohlengrube in der Nähe von Williamstown(W e st v i r g i n i a) ein, um die 25 Arbeiter zn veranlassen, die Arbeit einzustellen. Als die Arbeiter sich diesem Gebote nicht fügen wollten, schlenderte der Hanfe D y n a m i t i n die Grube, wodurch eine Explosion entstand. Fünf M a n n wurden getötet. Als die lleberlcbendcn aus der Grube heraus- kamen, gaben die Ausständigen Schüsse auf sie ab und verletzten viele.— Die Jsthiittis-Bill. Aus Washington wird vom 29. Juni gemeldet: Der Senat nahm mit 67 gegen 6 Stinnnen den von Spooner beantragten Ersatz für die von Hepburn beantragte Nicaragua-Kanal-Bill an, welche vor kurzem vom Repräsentanten- hause angenommen wurde. Die Ersatzbill bestimmt. daß der Präsident durch richterliche Beamte entscheiden lassen soll, ob ein klarer Besitztitel über das Grundeigentum der Panama-Gesellschaft, ihre Rechte und die ihr gehörigen Konzessionen zu beschaffen sei. Wenn sich in befriedigender Weise nachweisen läßt, daß ein solcher Besitztitel beschafft werden kann, soll der Präsident diesen für 49 M i l I i o n e n Dollar erwerben. Wenn man aber der Ansicht ist, daß ein klarer Besitztitel nicht zu beschaffen ist, soll der Präsident zum Bau des Nicaragua-Kanals schreiten. Um das für die Kanal- bauten erforderliche Geld aufzubringen, sollen zweiprozentige Gold- bonds im Betrage von 139 Millionen Dollar ausgegeben werden.— PavHi-MArhviitzken. Ein Denkmal für Peter Lalvroff. Bald nach dem in Paris erfolgten Tode Peter LawroffS beschlossen die in Paris lebenden russischen Genossen, Freunde und Bewunderer des Verstorbenen Mittel zu sammeln zur Errichtung eines Denkmals auf seinem Grabe und zur Herausgabe seiner Werke und einer Biographie ihres Meisters. Das zur Durchführung dieser Aufgaben eingesetzte Komitee teilt uns mit, daß der eine Teil seines Programms jetzt verwirklicht werden kann; am 22. Juni wird auf dem Friedhofe Montparnaffe die Einweihung des Denkmals für Peter Lalvroff statthaben. Wir deutschen Socialisten nehmen im Geiste Teil an dieser Feier zum Gedächtnis des großen socialistische» Gelehrten. Poltieilickles, Gerichtliches usw. — Schlechte Verbindung scheint zwischen den Polizeibehörden in der Provinz uud dem Ministerium des Innern zu bestechen. Obgleich der Minister des Innern schon seit Monaten verfügt hat, daß Frauen, die Versammlungen politischer Vereine in einen« be- sonderen Segment ohne Anteilnahme an den Verhandlungen bei- wohnen, nicht polizeilich belästigt werden sollen, hat man in der Provinz noch Instig solche Versammlnngen aufgelöst. Es ist aber Aussicht vorhanden, dah die ministerielle Verfügung, die offenbar als Cirknlar von Behörde zu Behörde weitergegeben wird, allmählich durch ganz Preußen bekannt wird. Auf eine Beschwerde, die sich nnt einer ans obigem Anlaß am 5. März in Kiel vorgenommenen VersainnilnugSauflösimg besaßt, ist wenigstens schon jetzt dem Beschwerdeführer die AnWort zugegangen, daß in Kiel solche Auf- lösungen nicht mehr vorkommen sollen.— Bis das»nnisterielle Cirknlar nach Zielenzig, Zinnowitz, Zoppot usw. gelangt sein wird, hat der Bund der Landwirte den Frauen vermutlich schon lange eine neue Thür zur völligen Gleichberechtigung mit den Männern auf- gestoßen. Es lebe das Zeitalter der elektrischen Schnellbahnen und der drahtlosen Telegraphie! — Vertauschte Nolle». Daß Socialdemokraten wegen Bc- leidignng von Polizeibcamte» verurteilt werden, ist nichts Seltenes. Daß ein Polizeikvinmissar wegen Beleidigung eines Socialdemokraten verurteilt wird, kommt seltener vor. Dem Polizeikommissar S a ch ß e in Danzig ist es nun schon zum zweitenmal passiert. Einmal mußte er schon 80 M. bezahlen, weil er in Bezug auf Be- sucher einer socialdemokratischen Versammlung den Ausdruck«Bande" gebraucht hatte. Dieser Tage verurteilte ihn das Danzigcr Schöffen- geeicht wegen öffentlicher Beleidigung des Genossen Barte l-Danzig zu 20 M. Geldstrafe. Gen. Barte! hatte in einer konservativen Versammlung in der Diskussion sich scharf gegen die Zollpläue der Agrarier gc- Ivandt. Kommissar Sachße, der in der Versammlung anwesend war, rief in Bezug auf die Ausführungen unseres Genössen laut in den Saal hinein:„Das ist gelogen!"— Herr Sachße ist ein un- gemein eifriger Beamter, der iver weiß wie viele Versaminlungen aufgelöst hat und in Bezug auf die eigne Ehre ungemein empfind- lich ist, wie Strafanträge beweisen, die gestellt wurden, weil er beleidigt sei» sollte. Während der Gerichtsverhandlung erging er sich abermals in Ausfällen gegen den Genossen Bartcl, die ihm einen weiteren Beleidigungsprozeß einbringen werden. Aus Fuduflviv und AZuudrl. Das Stabcifc»- Ucbcreinkoiiinic» der Berliner Eise»- Händler wurde auf iveitcre zwei Jahre verlängert, doch entgegen den Wünschen eines Teils der Händler eine Preiserhöhung nicht be- schlösse». �J»r Zusammenhang damit dürfte auch das Trägersyndikat auf zwei Jahre verlängert werden; eine Versammlung, die darüber Beschluß fasse» soll, ist bereits zum 24. d. M. einberufen. Kasseler Trebertrocknungs- Gesellschaft. Bekanntlich hatte die Konkursverwaltung der Trebertrocknmigs-GeseNjchnft gegen den Staat und die Stadt Kassel einen Prozeß Wege» Zurückzahlung zuviel bezahlter Steuern eingeleitet. Wie die„Frankfurter Zeitung" aus Kassel meldet, ist der Prozeß durch einen Vergleich erlediöt, wonach der Staat und die Stadt je 300 000 Mark zurückzahlen. Teutschlands KohlenproduktionvoniJannarbiSJnni kSYS. Nach dem Bericht der„Industrie" wurden vom t. Januar ab bis Ende Mai dieses Jahres in Teutschland geivonnen 42 381 844 Tonnen Steinkohlen sgege» 44 594 417 Tonnen in der gleichen Zeit des Jahres 1901), 16 643115 Tonnen Vramikohlen(i. V. 17 798 972), 3 564 548 Tonnen Cooks(4 038 408), 3 420 023 Tonnen Brignetts und Naßpreßsteine(3 625141). Es war also bei Steinkohlen wie bei Brannkohlen und Cooks die Produktion wesentlich geringer als im vorigen Jahre. Auch im Mai ist die Produktion wiederum im Vergleich zum vorigen Jahre zurückgeblieben: sie betrug im Mai 1902 8 550119 Tonnen Steinkohlen(gegen 8 900 345 im Mai 1901), 3 115 073 Tonne» Brnunlohleii(3 405 523), 735 848 Tonnen Cooks (770 095) und 675 521 Tonnen Brignetts und Naßpreßsteine(731 893). Lokomotive»- Bestellnuge« auS dem Auslände. In den letzten Tagen sind nach der„B. B.-Z." vom Auslände größere Be- stellnngcu auf Lokomotiven bei deutsche» Fabriken eingegangen. Es handelt sich insgesamt um mehr als 100 Maschinen und zwar für Indien, Slam, Italien und Dänemark. Die bedungenen Preise sollen zwar ziemlich niedrig, aber immer noch gewinnlaffend sein. Im ganzen repräsentieren diese Aufträge circa 6 Millionen Mark. Die Lieferung hat bis zum Frühjahr 1903 zu geschehen. DcntschlandS Rtiftenhandel mit Grofibritannie». Von dem bereits angekündigten Band 142 der Statistik des Deutsche» Reiches „Auswärtiger Handel des deutschen Zollgebiets im Jahre 1901" hat das Kaiserliche Statistische Amt soeben das Heft Xl Groß- britannien herausgegeben. Es enthält eine Uebersicht über die Eni- Wicklung des deutschen Außenhandels init diesen Ländern im letzten Jahrzehnt und das dazu gehörige Tabellenwerk für die letzte» fünf Jahre. Der deutsche Specialhandel mit Großbritannien machte 1901 in der Einfuhr mit Edelmetallen 857,3 Millionen Mark, ohne dieselben 552,7 Millionen Mark, i» der Ausfuhr 916,4 und 906,7 Millionen Mark auS. Großbritannien steht im dcntsckien Außenhandel, Ein- und Ausfuhr zusammenfaßt, auch ohne die Schutzgebiete an der Spitze der fremden Länder. Sein Anteil an der deutschen Einfuhr beträgt 11,5 gegen 13,9 Proz. im Vorjahr, an der deltlschen Ausfuhr dagegen 20,3 gegen 19,2 Proz. Mit den Kolonien, Schutzgebieten zc. brachte es Großbritannien auf 1 049 426 000 M. gegen 1 253 350 000 M. im Vor- jähr in der Einfuhr und auf 1 107 506 000 M. gegen 1074 659 000 M. im Vorjahr in der Ausfuhr. Der Anteil dieser britischen Gebiete macht in der Einfuhr 18,38 Proz. ans, das ist weniger als in den vier Vorjahren, in der Ausfuhr 24,54 Proz., d. i. inehr als zuvor. Die Ausfuhr nahm ständig zu und war 1901 um 288 Millionen Mark höher als 1897. Grnteschätzungcn in den Vereinigte» Staaten. Nach dem kürzlich verösfeittlichte» � Monatsbericht des Ackerbau-Departements zu Washington war der Stand des Winterwcizens am 1. Jnni d. I. durchschnittlich mit 76,1(bei Annahme von 100 als Normalziffer) zu bezeichnen gegen 76,4 ain 1. Mai d. I.. 87.8 am 1. Jnni 1901»ud 82,7 am gleichen Tage des Jahres 1900. Der Stand des Sonnner- Weizens betrug dagegen am 1. Juni 1902 durchschnittlich 95,4 gegen 92 am gleiche» Tage des Vorjahres und 87,3 zu dem gleichen Zeit- punkte im Jahre 1900. Aus der nachstehenden Tabelle ist ersichtlich, in Ivelcher Weise sich der Umfang der bebauten Fläche sowie der Ertrag des Sommer- und Winteriveizens in den letzten fünf Jahren gestaltet hat. W i n t e r lv e i z e n Sommerweizen Jahr Bebaute Fläche Ertrag Bebaute Fläche Ertrag Acker bl Acker Irl 1902(1. Juni) 27 103 000 122 370 150 18 635 600 110 225 850 1901.... 28 267 000 160160 000 21 629 000 101 801000 1900.... 26 236 000 122 508 893 16 250 000 60 271257 1899.... 25 820 000 103 835 900 18 772 079 87 720 150 1898.... 25 736 000 132 932 450 18 318 589 103 369 350 Die Hnferernte wird mit 90,6 gegen 85,3 am 1. Juni 1901, 91,7 im Jahre 1900 und 88,7 im Jahre 1899 bezeichnet. Ihr Ertrag wird in diesem Jahre auf 314 929 300 Hektoliter geschätzt(im Jahre 1901: 257 883 500 Hektoliter, im Jahre 1900:'283 193 750 Hekto- liter). Den Stand der Roggenernte schätzt man auf 88,1 gegen 83,4 am 1. Mai d. I., 93,9 im Jahre 1901 und 87,6 ini Jahre 1900. Vierter deutscher Gewerkschaftskongreß. Stuttgart, 19. Juni 1902. Vierter Verhandlungstag. V o r m i t t a g s s i tz u li g. Bömelburg eröffnet die Sitzung. Die Diskussion über die gestern gehörten drei Referate wird berbniiden. Außer dem schon initgetcilteu Antrag der Geueral- kommissto» auf Gründling eines Reichs-Arbeiterlekre- t o r i a t s steht die folgende Resolution Mattutat zur Etörterung: „Der Gewerkschaftskongreß erkennt die Thätigkeit der Arbeiter- sekretariate als eine im allgemeinen Interesse notwendige an. Um so mehr bedauert er die von ciiizelneii Behörden diesen Jiistitiltionen gegenüber eingeiiomnieue feindselige Haltung und die Versuche, sie als gewerbsmäßige Allskiiiiftsstellen auf Grund des§ 35 der Gewerbe-Ordiiimg unter, Polizei-Aufsicht zu stellen. Der Kongreß protestiert gegen diese Maßnahmen und erwartet von der Reichsregicrimg, daß sie durch eine den Erkläriingeii ihres Vertreters im Reichstag entsprechende Information der Behörden weitere Beläsiigimgeii der Arbcitcrsekretariate verhindert. Der Kongreß empfiehlt den organisierten Arbeitern, ihre Sekretariate in ausgiebiger Weise z» linterstützen und dadurch deren Leistungsfähigkeit zii erhöhen; warnt aber wiederholt und eindringlich davor, an die Gründling von neuen Arbeitersekrctariaten herniiziitreteil, so lange nicht dafür die erforderliche finanzielle Grundlage vorhanden ist. Der Kongreß legt den Arbeitersclretariaten nahe, ihre Geschäfts- sührimg und Berichterfiatliing in Anlehnung an das von der Gciieralkommission aufgestellte Schema möglichst einheitlich zu ge- stalten, nm so eine leichtere nnd bessere Verlvertmig der ge- wonneneii Erfahriiiigen zu ermöglichen. Die Frage, ob die Aiiskiinfterteiluilg iinentgeltlich oder gegen eine Gebühr respektive nur an Organisierte zu erfolgen hat, bleibt den Sekretariaten bezw. ihren znsiäiidigen Organisationen zur eignen Entscheidiiiig überlassen; jedoch erscheint es nicht zweckmäßig und mit dem Charakter cincS Arbeitersckretariats unvereinbar, die Sekretäre statt des Gehalts ans die für die Auskuiiftcrleilung zu erhebenden Gebühren anzuweisen. Die Gründniig eines eigenen Fachorgans für die Arbeiter- sekretäre ist nicht als iiotwendig zu erachten, sondern es steht ihnen für ihre Pliblikalioneii däs„Korrespondenzblatt" der General- kommisfioil zur Verfügung." Weiter wird der ebenfalls iiiitgctcille Siinanolvskische Vorschlag des A r b e i t e r v e r t r e t c r- V c r b a n d e s, ein Antrag des Ver- bandeS der Bergarbeiter, ans den Mitteln der Gencraikominissioli ein Arbeitersekretariat ans gleicher Grundlage wie in Beuthen in S n a r b r ii ck c n zu errichten, und ein Antrag Sassen- dach, de» Sitz der G e» e r a l k o in m i s s i v n nach B e r I i n zu verlege»,'zur Debatte gestellt. Meis-Gclscnkircheii begründet den Antrag, in Saarbrücken ein Arbeitersekretariat zu errichten, mit den eigenartigen Verhältnissen im Königreich Stiiliim. die es bisher verhindert haben, das Saar- revier für die freien Gewerkschaften zu erschließen. Sassciibach-Berlin begründet den Antrag, den Sitz der General- kommisfion von Hmiibiirg nach Berlin zu verlegen. Berlin sei die politische Centrale Deutschlands. Es sei wmischeuSlvert, daß die oberste Leitung der Gewerkschaften Denlfchlands mit derLeituiig der politisckicn Partei in engere Fühliing als bisher komme. Manches Mißverständnis zwischen beiden Stellen würde vermieden worden sein, wenn eine häufigere persönliche Aussprache»tögljch gewesen wäre. Komme die Gcncralkommissioil nach Berlin, müsse das„Korrespon- dcnzblalt" mit. Der Redactenr würde davon mir Voricil haben, denn es stünden ihm in Berlin die größten Bibliotheken sowie das größte Zeitschriften- und Zcitiingsniaterial zu Gebote. Ein neuer Grund für die Verlegung nach Berlin sei durch die Gründung des Reichs-Arbcitersckretariats gegeben. Seitens des städtischcii Arbeitsamtes in Stuttgart ist an den Kongreß eine Eiiiladniig zur Bcsichligung des Amtes gelangt. Der Kongreß wird der Einladiing heute Nachmittag zlvischen 3 und 4 Uhr Folge geben. Vömclbnrg teilt mit, daß sich mit dem Sinianolvskischen Vor- schlag, einen Arbeitcrvertreter-Vcrbaiid zu gründen, die General- konmiissiou befaßt hat, von derselben aber wie vom Gewcrkschafts- ausschliß abgelehnt worden sei. Legion teilt dem Kongreß die Gründe für die übrigens ein- stinnnige Ablehnuiig mit. Man habe es nicht für angezeigt gehalten, eine neue Organisation zu gründen. Die Arbeitervcrtretcr sollte» sich als Mitglieder der Organisation fühle», aus der sie hervor- gegangen sind, als Mitglieder der Gewerkschasten, und diesen ihre besseren Kenntnisse nnd reichen Erfahrungen zu gute kommen lassen. Eine Gewininliig der Hirsch- Dlinckerscheii und christlichen Gewerkschaften, wie Sinianowski das ausgesprochen, erhoffe er von einer solchen neuen Organisation nicht. So anerkeiiiicswcrt die Thätigkeit des Berliner Arbeitervertcr-Vereins sei, so empfehle sich doch nicht die Ausdehnung der Organisation auf ganz Deutschland. Die Gründniig des Reichs-Arbcitersekretariats mäche zudem diese Organisation überflüssig. Er bitte, den Siniaiiowskischen Vorschlag abzulehnen lind die Gründling des Reichs-Arbeitersekretarints zu be- schließen.(Beifall.) Feuerstcin-Stntlgart spricht sich bezüglich der Grünbimg eine? Rcichs-Arbeitersetretariats dahin aus, daß man ivohl grundsätzlich die Notivcndigkeit eines solchen alierkeimen könne, daß er aber durch die fiiiaiizielle Jnanspriichiiahme der Geiieralkommisfion mit 15 000 bis 20 000 M., ivelche ciiicii zu hohen Prozentsatz der Bilanzierung bilden würde, eine Schwächling der Kommission ans dem rein gc- Iverkschaftlichen Thätigkeitsgcbicte befürchte nnd deshalb die Ab- lehnung des Sekretariats für notwendig halte. Er empfiehlt, bei einer etwaigen Verlegung der Generalkonimission von Hamburg nach Verlin, die Kommisston durch ein Mitglied zu verstärken und diesem die Bearbeitung der versicherungsgesetzlichen Materie ausschließlich »u überlassen. Diihlle-Berlin verbreitet sich über die Sprnchpraxis des Reichs- Versicheliiilgsnnits. Die Errichtung eines Reichs-Albeitersekretoriats sei durchaus notivendig»nd die Kostenfrage könne keine Rolle spielen. Das Reichssekretariat müsse die Urteile sammeln inid für den weiteren Ausbau der Gesetzgebung nutzbar macheli. Was die Aibeitersekretanate anlangt, so verkenne er den Nutzen dieser Jn- stitutionen nicht, müsse aber sagen, es ivcrde» von ciiizeliieii Sekretäre» Beiträge erhoben, die die Thätigkeit der Geiverlschafteii lahliizulegeii geeignet sind. Mit dem Verband der Arbeitcrvertreter 'ollte keine Söiiderorgaiiisation geschaffen werde». Jedenfalls müsse» die Gewerkschaften sich mehr als bisher mit socialpolitischen Dingen beschäftigen. AhrenS-Berlin: lieber die Notwendigkeit des Reichs-Arbeiter- ekretariats herrscht wohl kein Ziveifel. Der näheren Erwägung bedürfe der Kostenpunkt. Die Kosten dürfen nicht z» hoch werden. Es dürfe nicht on alle, die Rat haben wollen, Rat erteilt werden. Die neue Einrichtung dürfe nnr von Organisierten in Anspruch genonuneil werde». Oeffne nian die Institution alle», so könne die Folge sein, daß die Leute den Eintritt in die Organisation für überflüssig halten. In Fällen großen Elends können natürlich Ailsnahmeii slattfinden. Eine bessere Or- ganisation der Arbeitervertreter lasse sich herbeiführen, ivenn man der Vertretniig der Gewerkschaften in den Orts- Kraiikenkassen größeres Gelvicht beilege. Vriickncr- Berlin spricht sich gegen die Gründung eines Arbeiter- Vertreter- Verbandes ans, da dieser nur zu einer Zersplittermig der Kräfte führen würde. Dagegen sei die Gründniig eines Reichs- Arbeitersekrctariats notivendig. Döbli»- Berlin: Die Vertreter der Behörde» haben ans den Referate» gestern kennen gelernt, ivie viel Not nnd Elend von den Arbeiterorgniiisationeii gelindert wird. Sie sollten die Schluß- folgerung ziehen, daß eine derartige Bewegung von den Behörden begünstigt, nicht in Fesseln geschlagen werde»»niß. Wenn die Ver- handlnnge» diesen Erfolg haben sollten, würden wir sehr znfriede» sei». Das Referat Körstens appellierte mehr an unser Gefühl, als daß es durch reale Thalsachen die Notivendigkcit erivieS, das Reichs- Arbeilersekrelanat zu begriinden. Man belvegt sich hier in Extreme». Einnial lvill man alles dem Staat überlassen, da»» tritt man überall für Selbsthilfe ein. Um solche Institutionell zu gründen. müßte ein ganz andrer Unterbau vorhanden sein. Ich halte das Reichs-Arbeitersekretariat mit einem Sekretär praktisch gar nicht für durchführbar. Es tagen fünf Senate iiebeneiliaiider. Wie kann da ei» Vertreter genügen? Man wird zwei oder drei Sekretäre brauche». Man nillß auch damit rechnen, daß dem einen Vertreter eimnal das Vertretungsrecht entzogen werden kann. Ich halte dafür, daß heute noch von eineni Beschlüsse in dieser Frage abgesehen werden»uiß. Vertagen wir die Angelegeiihsit bis zum nächsten Kongreß. Uns leiten für unsre ablehnende Stellung nur sachliche Grunde. Urteilen Sie. bitte, auch sachlich, und thun Sie nicht deshalb das Gegenteil von dem, was wir wollen, lveil ivir Buchdrucker uns Ihrer un- geteilten Sympathie nicht zu erfreuen haben.(Heiterkeit.) Gegen die Verleginig der Generalkonnnission hat Redner nichts einzllwenden, da die Berliner Gewerkschaftskommission schon jetzt»fit Anfragen von außerhalb überlastet sei. RöSke-Hamburg(Kassierer der Generalkoninlission) erklart, von der Notwendigkeit eines Neichs-Arbeitersekretariats persönlich nicht überzeugt zu sein, sich aber denen anschließen zu wollen, die mehr Erfahrung ans diesem Gebiete habe» als er. Er verbreitet sich aus- sührlich über die Kostenfrage nnd vertritt die Ansicht, daß die Kosten- steigerinig eine sehr erhebliche sein lverde. ' Cohen-Berli»: Es ist ausschlaggebend, daß alle die Genossen, die beim Reichs-Versichernngsaint viel zu thun haben, für das Reichs-Arbeitersekretariat sich ausgesprochen haben. Die Delegierten der Metallarbeiter ivcrdcn geschloffen für die Errichtung des Reichs- Arbeitersekretariats ivie für die Verlegung der Generalkommission nach Berlin stimmen. Müllcr-Hamburg befürwortet die Griindnng bcS Reichs-Arbeiter- fekretariats, lehnt aber den Antrag Simanowsti entschieden ab, weil man sonst ans der Organisationslnacherei nicht mehr heranskomme. Redner ergriff die Gelegenheit, in Anwesenheit der Regiernngs- Vertreter eine offene Anfrage an das Reichsaint des Innern bezw. Reichs-Vcrslcherinigsanit zu richten. Anlaß hierzu bietet ihm die im Jahre 1901 slättgcfiindene Wahl zlim Reichs- Versicherinigsalnt, bei der die Liste der seemäiiiiischeii Arbeiter unterlag. Der Redner stellt fest, daß man gelegentlich dieser Wahl de» im Jahre 1900 in Deiltschland versicherten 52 655 Seeleuten ein bitteres Unrecht zu- gefügt habe. Ein Unrecht sei es, daß der Bndesrat in seiner Sitzung vom 15. Jnni 1901 beschlossen habe, bei der Feststellmig der Zahl der Wahl- berechtigten die Zahl der 1395 bei der Berusszählimg festgestellten Seeleute zu Gr»»de zu legen. 1895 wurden rund 22 000 Seeleute gezählt, während 40 984 iin Betrieb thätig waren, und 44 065 als versichernngs- pflichtig aufgeführt wurden. 1900 stieg diese Zahl sogar auf 52 655. Nim giebt das Reichs- Versichernngsaint in seinen amtlichen Nach- richten zlvar bekannt, daß 17 Beisitzer die Wahl vollzogen hätten, nicht aber giebt es bekannt, lvie viel Stimmen auf jeden lvühlendeii Beisitzer entfalle». Die Hamburger und Lübecker Beisitzer stimmtei» für je 828 Versicherte. Es ist wohl aiiznnehm'e», daß ans die Bremer Beisitzer nicht mehr Stimmen entfallen seien. Nehmen wir an, daß auf sänitliche Beisitzer dieselbe Stimmenzahl ciltfolleii ist, so ist iviedernm den hanseatischen Seclenteli ein bitteres Unrecht zugefügt lvorden. Denn im Bezirk der hanseatischen Versicherungsanstattswaren 1900 vcrsichcrinigspflichtig 42 162 Seeleute, während sich im übrigen Deutschland die Zahl der Versicherten nur auf 10 493 belief. Aber angenoninie», auf jeden Beisitzer lvären in der That 328 Stimmen entfallen, so beläuft sich die Zahl der durch die Beisitzer zu wählenden Versicherten innneihin nnr auf 14 076, während doch zur Zeit der Wahl 52 655 im Betriebe versichert ivaren. Der Unterschied ist ein zu großer.(Sehr richtig!) Aber iveiter giebt auch die Bekanntgabe des Wahlresultats zu kritische» Bemerkungen Anlaß. Es ist mit Bestinimtheit anzunehmen, daß 4126(stimmen auf unsre Liste ent- fallen sind, es konilten also auf imsre Gegner nur 9951 Stimmen fallen. Aber»ach mir geivordenen Mitteilliiige» sind 4954 Stimmen auf nnsre Liste entfallen, konnte» also die Gegner nur 9123 Stimmen auf sich vereinige». Die amtlicheil Nachrichten des Neichs-Versicherungsamts geben aber bekannt, daß 11 382 Stimme» auf imsre Gegner ent- fallen seien.(Hört! hört!) Dieses Stimmeiiverhältnis ist es, was den seeinännischen Arbeitern rätselhaft erscheint. Hier verlangen sie von den niaßgcbenden Behörden Anskuiift und Rechenschaft. DaS Wahlrätsel ninß gelöst lverde», und da die Behörden ans alle bis- herigen offenen Anfragen eine Antivort nicht gegeben haben, nehme ich an, daß sie nilnniehr sich moralisch verpflichtet fühlen. Rede und Antivort zu stehen. Klarheit muß geschaffen werden, das erfordert die Gerechtigkeit.(Bravo I) Döring- Hainbnrg befürwortet die Schaffung eines Reichs- Arbeitersekretariats, die Bertretung dürfe aber nur für Orgamfierte übernommen werden De» Arbeitm Vertreter- Verband bekämpft er. Die Verlcguug der Gelicralkoiunlissivn halte er nicht für notweudig. Brey- Halniover' giebt gegenüber einer Aeußerung Legieus folgende Erklärung ab: Legten hat der Meinung Ausdruck gegeben, eine Organisation der Landarbeiter bestehe nicht. Die preußische Regieriiiig und Polizei ist andrer Meimiiig. Für die Landarbeiter ist unsre Orgaliisation zuständig. Alles was von Legien einer Landarbeiter-Organisation als Aufgabe zugewiesen wird: Rechts- schütz, ein Organ,-daneben auch Umzugsgeld, wird von uns, dein Verbände der Fabrikarbeiter, gewährt. Es ist uns auch geluiigeii, eine ganze Anzahl von Landarbeitern nnd-Arbeiterinnen zu orgmilsiercil und untcr de» vorgeschlagenen Personen zur Wahl der Vertretung der Arbeiter in der Landwirtschaft befinden sich Mit- gliedcr von uns. Sollte Genosse Legien die Gründung einer Land- arbeiter-Organisation plaiien, dann müßte er, trotzdem wir sonst seinem Thatendrang keine Zügel anlegen lvollen, dieser Gründniig aufs schärfste ividersprechen. Ein Schluß« n trag Ivird a n g e n o»> m e n. Körstcn-Berlin ividerlegt in seinem Neferenten-Schlußwort die Eililvendniigen der Buchdrucker und des Genossen Feuerstein gegen das Reichs-Arbeitersekretariat. Nach kurzen Schlußbemerkungen vo» Mattntat-Stuttgart wendet sich Simanowöki'» sei»«» Schlußwort dagegen, daß die Arbeiten des Reichs-Arbeitersekretariats der Berliner Gewerkschaftskommission übertragen werden. Was den Verband der Arbeitervertrcter anlange, so wolle er mitteilen, daß der Berliner Arbeitervertreterverei» 91 Re- knrsr beim Rcichs-Verstcherniigsaillt von außerhalb vertreten habe. Der Vorschlag, de» Verband der Arbeilervcrtrelcr zu gründen, gehe nicht vo» ihm persönlich ans, sondern vom Berliner Verein der Arbeitervertrcter. Die Ablehlinng des Antrages sei ja sicher, jeden- falls ivar die Diskussion nützlich. Sie lverde hoffentlich dazu bei« tragen, daß sich die Gewerkschaften künftig mehr als jetzt mit der socialpolitischen Gesetzgcbniig befassen werden.(Bravo.) Der Kongreß erklärt seine Z u stinlin u n g zur Nesolnti o n Mattutat(Arbeitersekretariate). Die Abstiliniiung über den Antrag der Generalkommission (Gründung eines Reichs-Arbeitersekretariats, Bereit- stellinig von 15 000 M. jährlich nnd Erhöhung der Beiträge von 3 Pf. auf 4 Pf. pro Mitglied) ist eine naiiieiitliche. Der Antrag wird init 119 Stimmen gegen 31 Stimmen an« g e» o m in e ii. Der Stimme enthalten hat sich ein Delegierter. Dagegen stimmen die Buchdrucker nnd die Tabakarbeiter geschlossen, ein Teil der Holzarbeiter, Schuhmacher und Schneider und einzelne Vertreter kleinerer Organisationc», wie der Werftarbeiter und Eigarrensortierer. Die Verleginig der Generalkommission nach Berlin wird mit 105 gegen 47 Stiiinnen beschlossen. Der Antrag,' in Saarbrücken ein Arbeitersekretariat nnf Kosten der Geiieralkominission zu errichten, wird der General- konlniission zur E r w ä g« n g überwiesen. Der Vorschlag, eincli Verband der Arbeiter Vertreter- Vereine zu gründen, wird gegen die Stiniiiie Silliaiiowskis abgelehnt. Da Simanoivski ivohl Referent lvar aber nicht De- legierter, so ist der Vorschlag einstinnnig abgelehnt. Auf Antrag Massini wird das neu beschlossene Institut nicht Reichs- Arbeitersekretariat, sonderil Central- Arbeitersekretariat geuamit. Den Verhandlungeil wohnen heule noch der Gewerbe-In- p e k t o r Hochstetter und die G e lv e r b e- I n s p e k t i o n s- A s s i st e n t i n Fräulein Gr ii n a n bei. lieber das SnbniissionSweseii und die Streikklausel referiert nach einer kurzen Pause Päplow-Hambnrg. Er verbreitet sich über die Schädlichkeit der Streikklansel, die nur den nnlauteren Elcmeilte» in der llnlernehmcrschaft den Anreiz giebt, sich ihrer iiberiiommeiien Verpflichtmigeii in einer Weise zu eutledigeii. die als korrekt und reell nicht bezeichnet werden kann, dabei aber keineswegs Streiks verhindert, sondern das Ende derselben nur hinausschiebt. Der bayrische Landtag hat in der Frage Beschlüsse gefaßt, die ganz in »nsrein Siiiue sind; die Regierung hat die Erklärung abgegeben, sich da- in nach richten zu wollen, die erste Kammer soll aber dem Beschluß der Abgeordnetenkammer nicht beigetreten sein. Auch im wnrttenr bergischen Landtage sind die Bedingungen bei behördlichen Aufträgen beraten lvordeu. In der Kommission wurden den Arbeitern günstige Bedingungen formuliert, die Regierung schwächte aber diese Bc stimmungen wesentlich ab und diese abgeschwächten Regierungsanträge fanden dann im Plenum die Mehrheit. Der bayrische Be schluß geht weiter, einen Fortschritt bedeutet aber auch der lvürttem berger Beschluß. Auch die Stadt Mainz wird ivahrscheinlich eine Lohnllansel einfi" cn. Die Ausführungen des Redners gipfeln einer Resolution, deren Hauptpunkte tvie folgt lauleii: „Unbeschadet der grundsätzlichen Forderung: Beseitigung des Snbmissionswesens und Ausführung der vstentlichen Arbeite» in Regie! der staatlichen und kommunalen Körperschaften, erklärt der vierte Kongreß der Geiverkschafrcn Deutschlands sich verpflichtet. von den Behörden die strikte Ablehnung der Streikklausel zu ver langen. Dagegen vertveist der Gewerkschaftskongreß anf die sog. Lohn klansel, mittels tvelcher schwer empfundene Mißstände, die sich aus dem Submissionsverfahren ergeben, zu beseitigen sind. Die Arbeits- und Lieferungsverträge sollen Klauseln enthalten, durch ivelche die Uebernehmer von Arbeiten und Lieferungen verpflichtet werden, etwaige durch Tarifverträge festgelegte Lohn- und Arbeitsbedingungen genau innezuhalten, oder wenn Verträge dieser Art nicht bestehen, die von den in Betracht kommenden Arbeitern geforderten und allgemein durchgeführten Arbeitsbedingungen als rechtsverbindlich für sich anzuerkennen. Der Gewerkschaftskongreß erachtet es als eine der hervorragendsten socialpolitischeu Auf gaben der staatlichen und kommunale» Verwaltungsbehörden, nut guten, Beispiel voranzugehen, und ihren Arbeits- und Liefernngs vertrügen eine diesbezügliche Klausel einzufügen und die Jnne Haltung derselben zu iiberivachen." Sasscnbach-Berlin befürwortet den Antrag: „Der Gewerkschaftskongreß ersucht die Behörden, bei Aus schreibnngen die Bedingungen z» stellen, daß die Unternehmer verpflichtet sind, die Aufträge in eignen Werkstätten auszuführen." Knoll-Berlin: Das von mir vertretene Steinsetzer-Gewerbe ist am»leisten von der Streikklausel betroffen. Gerade bei uns hat sich die Erfahrung gezeigt, daß die Streikklausel eine Menge Streiks hervorruft. Unsre Streiks haben sich sehr lange hinausgezögert, sind aber schließlich von den Arbeitern gewonnen worden. Während der Streikdauer lagen natürlich die aufgerissenen Straßen offen. I» vielen Fällen wurden sie mit Schotter zugeschüttet, der dann ivieder herausgenommen iverden mußte, ivas natürlich doppelte Kosten ver- ursacht.' Das Geld der Kommunen wird dadurch buchstäblich auf die Straße geworfen. Briickner-Berlin befürwortet, der Resolution Päplow ein Amendement anzufügen, wonach den Unternehmern verboten wird die Aufträge in Zuchthausarbeit zu vergeben. Schmitz-Maimheini teilt mit, daß das in Mannheim probelveise eingeführte Mittelpreisverfahren wieder aufgehoben worden sei, obwohl sich ein Vertreter der Stadtverwaltung äußerte, daß Unterbietungsverfahren ruinös wirke. Ritter-Berlin tritt für den Antrag Snssenbach ein. Bei Vergebung der Litewken für den Chinafeldzug wurden von Militärverivaltung 4, SO M. gezahlt. Durch die Vergebung an einen oder mehrere Zlvischenmeisler brachte sie es dahin, daß der die Litelvka anfertigende Schneider nur 1,75 M. Lohn erhalten hat Oldenthal-Hambnrg teilt mit, daß bei einer Submission in Bamberg bei einem Stückanftrag das Höchstgebot 56 006 M., das niedrigste Gebot 10 000 M. betrug. Eine Rcmedur des ganzen Sub misfionsivesenS ist unabweislich. Röske-Hambnrg weist auf die schweren Schädigungen des Korb macher- und Bürstenmnchergewerbes durch das Submissionswesen und die Gefängnisarbeit hin. Nachdem Starke-Wechselburg für die Nesolulion Päplow ein- getreten ist, wird die Diskussion g e s ch l o s s e n. Die Resolution wird e i n st i n, m i g angenommen außerdem der folgende Antrag der Buchbinder(Zahlstelle Hamburg): „Der Gewerkschaftskongreß erteilt der Generalkommisfion den Auftrag, eine Eingabe an die deutschen Bundesregierungen zu richten,' in welcher die Abstellung aller Mißstände des Submissions Wesens von feiten des Staates gesetzlich geregelt und insbesondre die Zuchthausarbeit im Interesse der deutschen Industrie auf die minimalste Grenze des freien Wettbeiverbs eingeschränkt resp. ver boten wird." Damit ist der A n t r a g S a s s e n b a ch erledigt. Der Antrag, betreffend ein Verbot der Zuchthausarbeit in die Resolution aufzunehmen, wird abgelehnt. Bömelbnrg schließt»ach 2 Uhr die heutigen Verhandlungen. Nachnütlags findet der Ausflug nach dem Hasenberg statt. das der der GeweekMAftliches. Berlin und Umgegend. Streikbrecher- Arbeit. Schlechte Erfahrnngen machen die Maurermeister in Brandenburg a. H. mit ihren italienische» Arbeitslvilligen. Auf einem Bau st ü r z t e am Freitag ein von italienischen' Arbeitern hergestellter Treppenlauf wieder ein. Die betreffenden Arbeiter sind deshalb von dem Bau entfernt worden; sie sollen es nunmehr mit Pntzarbeite» versuchen.— Ob die Brandenburger Maurermeister wohl durch diesen Schaden klug werden und sich mit den Streikenden einigen? Deutsches Reich. Die Situation der Hamburger Lohukämpfe hat sich in de» letzten Tagen im allgemeinen nicht geändert. De» Bauunternehmern find tvohl einige Streikbrecher mehr zugelaufen tvie vordem, aber m der Regel halten die herangezogenen Arbeitstvilligen nicht lange aus, sondern, nachdem ihnen die Situation klar gemacht ist, verlassen sie Hamburg Ivieder, so daß also sür die Ausständigen und Ans- gesperrten bei weiten, kein hinreichender Ersatz vorhanden ist.— Es feiern in Hamburg 517 Maurer, 560 Zimmerer, 536 Bauarbeiter.— Die Zahl der ausgesperrten Klempner beträgt 600, davon sind 84 abgereist. Achtung, Metallarbeiter! Bei der Firma A. Schöne in Pößneck i. Thür, sind die Gelbgießer wegen Zugehörigkeit zum Deutschen Metallarbciter-Verband ausgesperrt. Es wird ersucht, den Zuzug fernzuhalten. Der Maurerstrcik tu Jena dauert jetzt bereits die dritte Woche unverändert fort. Trotzdem die Innung erklärte, sich in Ver- Handlungen mit den Streikenden überhaupt nicht einlassen zu wollen, ist die Situation günstig. Von 201 Maurern, welche am 24. Mai die Arbeit niedergelegt haben, sind cttva 100 abgereist, ungefähr 70 arbeiten zu den neuen Bedingungen. Die Zahl der Streikbrecher ist gering. Die Töpfer haben in B r o m b e r g einen Streik geführt, der jetzt mit dem Abschluß eines Tarifs geendet hat. Die Ausständigen haben ihre ursprünglichen Forderungen um ungefähr 5 Proz. nach- gelassen, aber doch gegenüber dem alten Jnnungstarif eine Lohn- erhöhung von 10— 20 Proz. erreicht. Der neue Tarif gilt bis 1. April 1003.— In Forst ist durch Unterhandlungen ein einheit- sicher Tarif für die Werkstnbcnarbeiter mit einer Lohnerhöhung von ungefähr 5 Proz. erzielt. Die Bremer Banfchlosser haben mit den Meistern eine Ver- einbarung anf folgender Grundlage abgeschlossen: Die Arbeitszeit wird von 10 auf O�/s Stunden herabgesetzt. Gesellen im erste» Jahre nach der Lehrzeit erhalten eine» Stundenlohn von 32 Pf. Aeltere Geiellen werden nach freier Vereinbarung entlohnt. Die bisherigen Wochenlöhne dürfen trotz Verkürzung der Arbeitszeit nicht herabgesetzt werden. Ueberstunden werde» mit 83'/s, Nacht- und SonntagSarbeit mit 50 Proz. Aufschlag bezahlt. Ausland. Der Ausstand der Strastenbahu-Rugestellten in Neapel wird von der italienischen Negierung— wer weiß, aus welchen Gründen— mit Besorgnis betrachtet. Wie aus Rani depeschiert wird, soll die Garnison' in Neapel um 10000 Mann verstärkt werden. Von den Kutschern, die sich mit den Straßenbahnern solidarisch er- klärt haben, wurden 300, die die Polizei als„gefährliche Elemente" betrachtet, verhaftet. Das Wachstum der spanischen Gcwerkschafte«. Die im Jahre 1888 unter socialistischer Flagge gegründeten spanischen Arbeiterorganisationen zählten 1880 27 Sektionen mit nur 3355 Mit- gliedern und stiegen bis Februar 1002 auf 227 Sektionen mit einem Mitgliederbestände von 32 773 Personen, also beinahe um das zehn- fache. Unter den ungeheuren Schwierigkeiten, die sich den spanischen Socialisten, besonders in der Bekämpfung der Anarchisten, bietet, eine immerhin bemerkenswerte Steigerung. Internationale Strcikstatistik. Die„Arbeitsmarkt-Korresp." schreibt: Der überraschend starken Lebhaftigkeit der internationalen Streikbewegung ini April ist im Mai eine merkliche Abschwächung ge- folgt. I» Deutschland, Frankreich und England zusammen begännen 116 Ausstände, gegen 175 im April. Die Zahl der Beteiligten, so- weit sie festzustellen oder zu schätzen ist, stellt sich zwar in den verschiedenen Ländern verschieden, deutet aber im ganzen eben- falls auf einen Rückgang hin. In Frankreich weist die anrt- liche Statistik an streikenden Arbeitern nach: in, April 26 041, im Mai mir 17 074. Dieser Rückgang um 0000 Mann wiegt die englische Steigerung von 3635 auf 7385 reichlich auf; denn wenn die letztere auch für England bedeutend ist, so sind die Ziffern der Streikende» in England doch an sich so gering, daß sie international nicht viel austragen. Riesenstreiks sind ans Schwede» und den Vereinigten Staaten zu verzeichnen. In Schweden traten vom 15.— 17. Mai an 100 000 Arbeiter in den Ausstand, um anf die Kammern in der Behandlung der Wahlrechtsfrage einen Druck aus- zuüben. In den Vereinigten Staaten dauert der Niesenstreik der 160 000 Bergarbeiter bis in den Juni hinein noch immer fort. Eine große Anzahl Streiks haben in Italien begonnen. Auch in Spanien gärt es unter den Landarbeitern. In Katalonien ist auch die Haltung der gewerblichen Arbeiter so gespannt, daß ein Wieder» ausbrnch des Generalausstandes. wie er im Januar stattgefunden hat, befürchtet wird. In der Gegend von Cuervas traten 2000 Grubenarbeiter, in Tarrasa 8000 Weber, in Bajadoz die Straßen bahner in den Ausstand._ SociAtes. In Düsseldorf hat der l.6. ordentliche BerufSgenossen- schaftStag der deutschen Berufsgenoffenschaften getagt. Ca. 150 Ver- treter der angeschlossenen Verbände usw. ivaren erschienen und den Vorsitz der Verhandlungen führte Herr C. Gerhardt- Elberfeld Begrüßungsansprachen hielten der Ministerialdirektor im Reichsamt des Innern, Caspar- Berlin. Präsident des Reichs-Bersicherungs anits, G ö b e l, und der Landeshauptmann der Rheinprovinz. Dr. Klei n. Es gelangte zunächst mit großer Majorität ein An trag zur Annahme, die verbündeten Regierungen zu bitten, unverziig- sich auf eine Aufhebung des§ 34 des Unfallversicherungs " e s e tz e s vom 5. Juli 1000 und Wiederherstellung der früheren Bestiinmnngen Bedacht zu nehmen. Durch die geplante Erhöhung des vorhandenen Reservefonds würde die Industrie, insbesondere das Kleingewerbe, schtver belastet und durch Festlegung der hier für erforderlichen Summe von 400 Millionen Mark ein ein gewaltiges Kapital der produktiven Verwertung inner» halb' der Industrie, noch dazu in einer Zeit wirtschaftlicher Bedrängnis entzogen. Auch könne befürchtet werden, daß durch eine derartige Mehrbelastung der deutschen Industrie deren Konkurrenz fähigkeit auf dem Weltmarkte besonders gegenüber dem amerikanische» Wettbelverbe leiden könne. Von andrer Seite wurde dem gegenüber darauf hingewiesen, daß die Kapilalbedecknng einer vorhandenen Schuld unter allen Umständen, wenn auch event. unter Verlang samuug des Tempos, durchgeführt werden müsse. Die Beschlußfassung über einen weiteren Antrag, der sich auf die Stellung der Vertrauensärzte in den Bernfsgenossenschaften bezieht. mußte infolge Nichterscheinens des Referenten vertagt werden. Dem Kassenbericht zufolge beläuft sich das Verbandsvermögen auf rund 20 000 M. Die aus dem Ausschusse ausscheidenden drei Berufs� genossenschaften wurden wiedergewählt. Ort der nächsten Verbands- tagung ist Dessau. I» der badische» Fnbrikluspektio« bereiten sich P e r s o n a I Veränderungen vor, die eventuell von tief einschneidender Be deutniig für dieses Institut sein können. Herr Geh. Ober-Regierungsrat Dr. W ö r r i S h o f e r, der verdiente Leiter der badischen Fabrik inspektion, der schon seit geraumer Zeit schwer leidend ist, beabsichtigt, in den R u h e st a n d zn treten. Auch Fräulein Dr. v. R i ch t- Hofen, welche sich mit einem Heidelberger Privatdozenten verlobt hat, wird aus der Fabrikinspektion austreten.— Dieser doppelte Verlust für die badische Fabrikinspeklion wird nur schwer wieder auszugleichen sein, einmal der Persönlichkeit des Herrn Wörrishofer wegen, dann aber auch, weil— was die weibliche Fabrikinspektion anbelangt— das Fabrikantentnm Himmel und Hölle in Bewegung setzen wird, mit Fräulein v. Nicht- hosen auch die von ihr vertretene verhaßte Jnstitnlion von der Bildfläche verschwinden zu lassen. Freie Flußbäder für Krankeukassen-Mitglieder gewähren in Gera die Textilbetriebs- Krankenkasse, die allgemeine Orts- Krankenkasse und neuerdings auch die gemeinsame OrtS-Krankentasse der Landgemeinden Gera. Bon der Vergünstigung, die eine» große» sanitären Fortschritt darstellt, wird sehr eifrig Gebrauch gemacht._ VevsÄnrnrluttsgen. Fünfter Wahlkreis. Eine Volksversammlung wurde am Mittwochabend im Alten Schützenhanse, Linieustraße, abgehalten. Reichstags-Abgeordneter Rosen ow sprach daselbst über„Die ver- lossene Reichstngs-Sesston und der Kampf des Proletariats". DaS Referat fand beifällige Aufnahme, eine Diskussion wurde nicht be- siebt.— Bei der hierauf folgenden Wahl von zwei Ver- t r a n e n s l e n t e n entspann sich eine längere Debatte darüber, ob es zweckmäßig und zulässig sei, diese Posten von Vorstnudsmitgliedern des Wahlvereins zu besetze», oder wie bisher die Vertrauensleute ans der Mitte der Versammlung zu wählen. Die letztere Ansicht vertraten Z i tz e w i tz und L i e r, die erstere dagegen K o tz k e, Gärtner, L i e p m a n n, H e r z e r, D a v i d s o h n, Zucht und der bisherige Vertrauensmann B a b i e l. Gewählt wurden die Vorstandsmitglieder Zucht und Liepmanu. Es wurde noch dem Wunsche Ausdruck gegeben, der fünfte Kreis und dessen Vertreter möchten innerhalb der VertrauenSmänner-Körperschaft zukünftig nicht mehr über die Achsel angesehen werden. Die deutsche Metallarbeiter-Geweekschaft(Verwaltung Berlin) hielt am 16. Juni eine Mitglieder- Versammlung ab. WieSner childerte den Verlauf der am 18. Mai abgehaltenen Konferenz und empfahl eine Beitragserhöhung. Es erklärten sich sämtliche Redner ür die wöchentliche Erhöhung des Beitrages auf 20 Pf. Eine Resolution in diesem Sinne wurde aiigenommen. Es wurden ge- wählt als Beisitzer: F. Maschke und A. Nagel, zum Revisor A d. M n l l e r, zum 2. Bevollmächtigten R. H e s v e r. Fachderei» der Tischler. Eine außerordentliche Mitglieder- Versammlung tagte am 11. Juni. ES wurden gewählt: als Ausschußmitglied Weber, als Kassierer Becker. Für den am 1. Juli zn cröffnenden Arbeitsnachweis wurde eine ArbeitsoermittcliingS- Kommission ernannt, bestehend aus den Kollegen Nierösel, Aminde, Eberts, Strauß, Ramp, Steffin, Härtung und Hermann Schulz.— -eruer wurde beschloffen:„Die Vertrauensmännerversammlniigen iid nur nach Bedarf einzuberufen. Dem Vertrauensmann wird zur Aufgabe gemacht, in größerer Zahl wie bisher öffentliche Ver- fammlungen einzuberufen."' Uetztv Nschvichkett und Depeschen« Weitere Kaiserrede». MörS, 20. Juni.(W. T. B.) Bei der Entgegennahme des Ehrentrunkes hielt der K a i s e r eine Ansprache, in der u. a. sagte: „Die Grafschaft Mörs hat ihrer altbewährten und langen Treue ein sichtbares äußeres Zeichen gegeben dadurch, daß sie meinem Vor- fahren König Friedrich 1. ein Standbild gesetzt hat. Der hohe Herr, der in Erz gebildet vor uns steht, halte damals eben erst der Stellung Brandenburgs den äußeren Glanz und die neue Würde verliehen. Nunmehr ist ans der Königskrone eine Kaiserkrone geworden, durch Gottes gnädige Fügung, eine Kaiserkrone, deren Wurzeln im märkischen Sande ruhen. Krefeld, 20. Juni.(SB. T. 23.) Die Ansprache, ivelche der Kaiser heute im hiesigen Museum gehalten hat, lautet in den Haupt- sätzen: Ich glaube wohl, daß die Stadt Krefeld das Gefühl haben kann und Recht thut, dem Ausdruck zu geben, daß die Regenten des Hauses Preuße» ihr Wohl sich stets haben angelegen sein lassen, und daß sogar ein so großer Fürst und Kriegsherr wie Friedrich der Große, nicht verschmäht hat, auch im Detail einzu- greifen und dafür zu sorgen, daß ihr die richtigen Wege gewiesen wurden, auf denen ihre Industrie sich ent- ivickeln sollte. Nim, unter dem Scepter meiner Vorfahren hat sich die Stadt zu einer ungeahnten Höhe entwickelt. Sie wissen aber auch, daß der Fleiß, den Sie in Ihre Erzeugnisse stecken, nur dann gedeihen kann, wenn ein kräftiges Scepter der Welt den Frieden erhält, linser deutsches Heer steht schirmend um unser Land und Achtung und Vertrauen begrüßt uns von allen Seiten. Sie aber, die Sie doch eine Handelsstadt sich nennen, begreifen, daß außer dem Heer noch ein andres Ding notwendig ist. und das ist unsre Flotte. Sie haben empfunden im Laufe Ihrer Entwicklung, ivas es heißen will, wenn mit einem Male an fremden Gestaden die deutsche Flagge entfaltet wird und Respekt vor den deutschen Kriegs- schiffen bei der Bevölkerung der berührten Länder erwacht. Für Sie ist es eine Notwendigkeit, daß eine starke mächtige Flotte die Handelsflagge beschirmt, damit Sie in Ruhe Ihre Erzeugnisse überall absetzen könne». Damit glaube ich in der That für alle die Städte, welche Industrie und Handel pflegen, das Sicherste und das Beste geleistet zu haben, was ich könnte, indem ich meine ganze Kraft' einsetzte, um unsre Macht auf dem Wasser zu entwickeln. Ich bin der festen Ueberzeugung, daß mit jedem Kriegsschiff, welches den Stapel verläßt, die Sicherheit und Ungestörtheit des Friedens zunehmen wird und damit auch die Sicherheit für Ihre Arbeit._ Wlirttembcvgische Eisenbghu-Rcform. Stuttgart, 20. Juni.(B. H.) Nach dreitägiger Debatte hat die Kammer der Abgeordneten heute mit 41 gegen 31 Stimmen beschlossen, die Regierung zu ersuchen, die Grundtaxe von 2 Pfennig für die dritte Wageuklasse einzuführen. soweit die Finanzlage dies gestattet. Ferner wurde mit 55 gegen 24 Stimmen ein Antrag angenommen, wonach Lokalzüge mit 2 Pfennigen für die dritte Wagenklaffe, unter Berücksichtigung der wirtschaftlichen Verhältnisse für einzelne Gegenden des Landes ein- zuführen sind und endlich wurde noch mit 43 gegen 16 Stimme» beschlossen, die erste Wagenklasse in allen Zügen, mit Ansnahine der dem Fürstenverkehr dienenden Schnellzüge, fallen zn lassen. Die WittclSbacher und die Zähringer. München, 20. Juni.(SB. T. B.) Die„Münchener Neuesten Nachricht«»" schreiben: Gegenüber den in letzter Zeit in süd- deutschen Blättern verbreiteten Mitteilungen über eine Rede des Prinzen Ludwig von Bayern gelegentlich dessen An- Wesenheit in Ludwigshafcii, welche durch ihre falsche Wieder- gäbe zu Mißdeutungen v e r s ch i e d e u st e r Art Anlaß gegeben haben, sind wir zu folgender Aufklärung von authentischer Seite ermächtigt: Prinz fLndwig habe nur gesagt: daß gegenüber Mannheim, einer alten Wittelsbachcr Schöpfung, welche ohne Schuld deS Hauses Wittelsbach infolge der Revolmionskriege verloren gegangen ist, König Ludwig I. i» Erkennung der günstigen Lage eine neue Wittelsbacher Schöpfung, die Stadt Ludwigshafen gegründet hat. welch' letztere, dank der Rührigkeit ihrer Einwohner, zu seltenem Aufschwung gelangt ist. In der ganzen Rede ist über das Großherzogtum Baden nicht gesprochen worden. Sessionsschlus) des ungarische» Reichstages. Budapest, 20. Juni.(W. T. B.) Die erste Tagung des Reichs- tageS ist heute durch königlichen Erlaß geschlossen worden, diezweile Tagung wird am 6. Oktober beginnen. Im SIbgeordnetenhause erklärte bei der Verlesung des königlichen Erlasses Bela 23arabas(Kossnthpartei), er müsse da? Vorgehen der Regierung bemängeln, welche die Vertagung des Reichs- tages durch königlichen Erlaß offenbar ans dein Grunde angeraten habe, damit es auf diese Weise unmöglich gemacht werde, daß 20 Abgeordnete im stände sein könnten, im Notfalle während der Verhandlungen mit Oestrcich das Zusammentreten des Steichslages zu fordern. Ministerpräsident v. S z e l l erklärt hierauf, die Vorbereitung wichtiger Vorlagen für die Herbsttagnng erfordere, daß die Regierung, ohne durch Verhandlungen des Reichstages in Anspruch genommen zu sein, sich diesen mit voller Kraft widmen könne. Was die Verhandlungen mit Oestreich betreffe, so würde diese in dem gewohnten Rahmen fortgesetzt iverden, die Vertagung habe auf diese Verhandlungen keinen Einfluß. Uebcrdies werde aller Voraussicht nach in den Sommerserien nichts geschehen, was die Opposition veranlassen könnte, die Wiedereröffnung der Sitzungen deS Reichstages vor dem bestimmten Termine zu fordern.(Lebhafter Beifall rechts, Unruhe links.) Hierauf wurde die Tagung ge- schlössen. Daö schweizerische Zolltarifgcsetz. Bern, 20. Juni.(W. T. B.) Der Ständerat hat das Zolltarif- gesetz zn Ende beraten, die Schlußabstiinmung aber aus Dienstag verschoben. Zum Ausgleich der Verschiedenheiten in den Beschlüssen des Ständerats und des Nationalrats wird am 30. September eine außerordeutlichc Session der Bundesversammlung zusammentreten. Hochwasser. Troppa», 20. Juni.(W. T. B.) Infolge anhaltender Regen- güsse ist auf der Weichsel, Oder und Ostrawitza Hochwasser ein- getreten. Die Ortschaften Schwarzwasser, Zarubek und Ostrawitz stehen unter Wasser. Der Eisenbahnverkehr zwischen Tesche» und Jablunkan, Ostrau und Friede! wnrde e i n g e st e l l t. Die Brücke der Reichsstraße über die Glnkhowa bei Bistritz wurde weggerissen. Anf mehreren Äohlenschächten der Kaiser.Ferdinand- Nordbahn wurde wegen Wassergefahr der Betrieb eingestellt. Zwischen den Nordbahnstatioiien Seifersdorf und Pruchna fanden Dammrutschungen statt._ Metz, 20. Juni. Der kommandierende General des 16. Armee- corps, Generaloberst Graf Häseler ist heute morgen auf dem Exerzierplatze von Frescaty mit dem Pferde g e st ü r z t und hat hierbei einen einfachen Bruch deS linken Unterschenkels erlitten. London, 20. Juni.(B. H.) Ei» in Kalkutta eingelaufenes Telegramm berichtet, daß ein Erdbeben die ganze Kette des Himalaya von Simla bis Chitral erschüttert hat. Das Erdbeben war zwar nicht sehr heftig, aber es ist dnS erstemal, daß sich ein 'olches dort ereignet hat. Petersburg, 20. Juni.(B. H.) Nach Meldungen aus O r e k ist die Erregung der dortige» Landbevölkerung in offene» Aufruhr übergegangen. Der Gouverneur ist nach dem Kreise Lieven, wo die Bewegung ihren Anfang genonunen, abgereist. Bombay, 20. Juni. Nach einer Meldung des„Neuterschen Bureaus" beträgt der Schaden, den der letzte Cyklon in Tydelwave und Harachi angerichtet hat, gegen 8 Millionen Rupien. Verluste von Menschenleben werden nicht berichtet. Verantwortlicher Redacteur: Carl Leid in Berlin. Für den Jnseratentetl verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Berlag von Max Babing in Berlin. Hierzu 4 Beilagen. i9. mmi. i Ktlllige des„Ugmillts" Kttlim Wldsbllltt. 21. Mi 1W2. 66. Sitzung der Zolltarif-Kommissiou. Berlin, 20. Juni. de» wichtigen Positionen: Kammgarne, Streichgarne liegen Petitionen aus de» Niederlansitzer Textiliiidustne-Be�ulen vor, die sich gegen jede Zollerböhung erklären, da die englischen Gespinste unentbehrlich für die Webindustrie seien. Die Vorlage erhöht den Zoll auf alle in den Positionen 4l8— 423 gegliederten Garne. Schlum- berger— selbst Spinnereibcsitzer— beantragt eine über die Vorlage hinausgehende Erhöhung des Zolles,' so für hartes Kam m gar», 418, eindrähtig von 4 auf 10 M.; zweidrähtig, von 4,50 auf 12 M.; 419, gebleicht, gefärbt, eindrähtig, von 6 auf 14 M.; zweidrähtig von 18 auf 21 M., drei- oder mehrdrähtig von 24 auf 27 M. Miiuch-Fcrbcr beantragt, die Zollsätze für ein- drähtigeS Streichgarn in Position 422 von 10 auf 9 M., in 423� von 14 auf 13 M. herabzusetzen. Müller- Fulda beantragt, dreidrähligc Garne mit de» zweidrähtigen gleichzustellen. Eickhoff beantragt für die Position 418 eine Herabsetzung der Zölle auf 3, 3 und 20 M., für Position 419 eine solche auf'3, 12 und 20 M. Bandert: Wenn man vorgiebt, durch den Zoll den Arbeitern zu helfen, so sei festgestellt, daß z. B. die Spinnerei-Arbciter in Elsaß-Lothringen ihres Koalitionsrechtes beraubt wurden, als sie in eine Lohnbewegung eintraten. Da stand die Rcgiernng den Spinnereibcsitzern bei, anstatt den Arbeitern zu helfen. Die englischen Arbeiter haben Freiheit der Belveanng, konnten darum bessere Löhne erringen, und trotzdem ist die englische Industrie konkurrenzfähig. Arbeitcrschntz bewirkt das sogenannte Schutzzollsystem nicht. Ferner mag man die nnterlvertigo und billige Zuchlhausarbcit aufheben. Redner bekämpft dann unter fachtechnische» Darlegungen die beabsichtigte Erhöhung des Zolles auf Streichgarn. Die Verteuerung der Garne durch den Zoll könne nicht ohne Einfluß auf den PreiS�der Webwaren bleiben, die daraus hergestellt werden Jind wieder müsse dann der Arbeiter leiden, der höhere Preise zahlen müsse. England braucht gewisse Kammgarne von uns, wir brauchen aber ebenso gelvisse englische Kammgarne. Bei solchen, Wechselvcrkehr wirken Zölle äußerst schädlich. England ist dominierend auf dem Weltmarkt nüt seinen Kammgarnen, die deutsche Industrie benötigt sie zu de» Webstoffen. Wenn Sie jetzt einen Zoll auf diese Garne lege», ist das genau so, als wenn Sie den deutsche» Arbeitern bares Geld aus der Tasche nehmen. Hier ist im Interesse der Arbeiter Zollfreiheit geboten. Schlninberger begründet seine Anträge anf Zoslerhöhmig, indem er alle Gründe dafür einer Petition des Vereins deutscher Wollkämmer und kam n, gar»spinn er entlehnt. Das Wohl von 50 000 deutschen Arbeitern hängt von diesen Zöllen ab. Müller-Fulda wendet sich gegen Schliiinberger. dessen fextrcme Zollforderungcn unmöglich durchgehen könnte». Die deutsche Kamm- garnspinnerei befinde sich in keiner Notlage, in, Gegenteil könne sie kaum alle Aufträge ausführe», der hohe Zoll sei also nicht gerecht- fertigt s er sei für die mäßige Erhöhung, wie sie die Vorlage bringt. Vrönicl erklärt, daß in der Spinnerei lvicder einmal die Großen ihren Einfluß spielen lassen. Ihren Zollforderungen nachgeben, hieße sich unter die Macht der hochschntzzöllnerischc» Vereinigung der Kämmer und Spinner beugen. Redner hebt ebenfalls hervor, daß mindestens auf ein Jahr hinaus die KannngaNispinnerei reich versorgt sei mit Aufträge». Die verlangte Erchvhnng der Zölle sei ein Schlag ins Gesicht der dentschcn Weberei. Schlninberger möge für seine Wünsche nicht die Arbeitcrinteressen ins Feld fuhren, denn sie verlangten entgegengesetzte Maßunhinen. Eickhoff hält Schlnmberger die Zahlen der Ans- und Einfuhr zur Widerlegung entgegen und weist auf die sachgemäßen Ans filhrittige» B a u d e r t s hin. Redner tritt besonders im Interesse der Lasting-Fabrikatioii gegen die Zollerhöhuug ein; er wird in erster Linie für Zollfreiheit stimmen. Mnnch-Ferber ersucht, die Anträge seines Fraktionsgenosse» Schlnmberger abzulehnen. Solange deutsche Schafe keine englischen würden sHeiterkeit), könne mau ans englische Wolle und Garn nicht verzichten. Die Web-Jndustrie müsse einfach die Preise zahlen, die die Spinnereibcsitzer diktieren. Geheimrat Wermuth gicbt eine Darstellung über die End Wicklung der Garnzölle. Die Zollerhöhuug des Entwurfs sei eine sehr mäßige, der Einfluß der Erhöhung auf den Konsumenten ein überaus geringer. Geheimrat Niigrn, sächsischer BnndeSratS-Bcvollmächtigter, be- merkt, daß der Kanipf zwischen Spinnern und Weber» ein lang- hergebrachter sei. In Sachsen seien beide Gruppen stark vertreten es falle darum der Regierung schwer, Stellung zu nehmen; aber sie habe sich für eine mäßige Zollerhöhuug auf Garne entschieden, wie sie die Borlage biete. Rciffhaus tritt für Zollfreiheit ein und führt die Ziffern der Aus- und Einfuhrzölle an. Die Arbeiter haben von den Zöllen keinen Nutzen; als die Zölle sehr hoch standen, stiegen die Löhne nicht, sondern blieben sehr niedrig. Der deutsche Markt sei noch sehr anfuahmefähig für die m Frage stehenden Produkte, denn die beteiligten Industrien entwickeln sich schnell und stark. ES liege in deren Interesse, daß die Halbfabrikate nicht verteuert werden; fpeciell die Flnnellindustrie in Thüringen, deren Hauptsitz Pößneck ist, und die eine Jahresproduktion von 15 Millionen Mark aufzuweisen hat, würde diese Verteuerung schwer enipfinden. Bayrischer Bundcsbevollmächtigter v. G e y g e r erklärt, die bayrische Regierung stehe auf demselben Standpunkt wie die sächsische. In der Abstiniiiiung wird der Antrag Müller- Fulda bczüg- lich der Textänderung angenommen. Zu 418 werden die Zollsätze im Antrag Müller-Fulda 3,50, 4 und 24 M. angenoniine». Dasselbe wiederholt sich für Position 419, die Zollsätze betragen 6, 14 und 24 Mark. Position 420 wird nach dem Antrag Müller-Fulda in, Text geändert, die Zollsätze bleiben die in der Vorlage, ebenso in Position 421. In Position 422 wird der Zollsatz von 10 auf 9 M. herabgesetzt, im übrigen die Vorlage angenommen mit der Text- änderung Müller-Fulda; in Position 423 wird der erste Satz von 14 auf 13 M. herabgesetzt, im übrigen die Vorlage nnt gleicher Textänderung ongenommeu. Position 424, Garn aller Art aus Wolle, gemischt, i» Anfmachnngen für den Einzelverkauf: 36 M. Die Socialdemokraten beantragen Zollfreiheit. Bandert begründet diesen Antrag. Die Motive des Entwurfs entsprechen den Thatsacheu nicht. Kleinindustrie. Hausarbeit. Zwischen- meister geben nicht nur drei- und mehrdrähtige Garne ab. Die Musterweberei in der Hausarbeit würde benachteiligt. J3il der Wirk- und Webwaren» Industrie giebt eS Ergänzungs- arbeiten, für die sich die Arbeitenden Garn in Auf- machung zuni Einzelverkauf kaufen müssen; sie werden also hart durch den Zoll betroffen. Die Preiserhöhung käme vielfach nur Zwischenhändlern zu gute. In England kommt bei der Bereitung gewisser Garne, die hier in Frage stehen, sogar daS Klima, die Feuchtigkeit der Luft zc. mit in Betracht; die Garne erhalten dadurch die besondere Beschaffenheit, die sie für uns unentbehrlich machen. Bröinel beantragt. Position 424 zu streichen. Der Antrag ivolle nur die Erhaltung des bisherigen ZustandeS, die Gründe des Vorredners bitte er zu beherzigen. Geheimrat v. Henle erklärt, daß nach den Informationen der Regierung in der Weberei Garn in Eiuzelaufniachnngen fast gar nicht benötigt Iverde; auch in der Hausarbeit werde der Bedarf gering sein. Grilnberg hebt hervor, daß, wenn die Saison m einzelnen Branchen niedergeht, Arbeiter nach jeder Richtung Hilfe suchen und kleine Arbeiten selbständig machen; sie werden dann schwer betroffen. Der Verbrauch zu häuslichem Bedarf werde ebenfalls ge- troffen. 428 100 Förster- Sachsen wendet sich gegen den Antrag auf Zoll freiheit. Die Position wird nach der Vorlage an g e n o m m e n. Tie Positionen 425—429 werden zur Beratung verbunden 425: Fußboden-Teppiche aus gefärbten oder ungefärbten Garnen, auch ans Tnchenden geflochten, 24 M.; 426: andre, g e knüpft, 200 M., gewebt� 100 M. 427: dichte G e w e b für Möbel- und Z i m m e r a u s st a t t u n g, im Stück als Meterware eingehend, von niehr als 200 Gramm auf einen Quadrat meter Gewebefläche, 175 M., von 200 Gramm oder weniger zc. 250 M. Position 428, abgepaßt(als Vorhänge, Bilder, Decken zc, im gleichen Gelvicht wie in 427— 250 resp. 350 M.: 429, S a in m e und Plüsch, migeninstert oder nur durch Pressen gemustert 150 M, in andrer Weise als durch Pressen gemustert 200 M. Die Socialdemokraten beantragen Zollfreiheit. Müller-Fulda beantragt zu Nr. 427— 135 resp. 220 M.; zu — 165 resp. 250 M.; zu 429- 150 M. Stadthagc» begründet de» Antrag ans Zollfreiheit. Hahn beantragt zu 426 den Zoll auf gewebte Teppiche von auf 24 M. herabzusetzen. Die Ausfuhr gewebter Teppiche erfordere diese Herabsetzung. Die Positionen 425 und 426 werde» nach der Vorlage an genommen. Zu Position 427, 423 und 429 Iverde» die Anträge Müller-Fulda nngenomnicii. Schluß der Sitzung 2 Uhr. Nächste Sitzung Montag 9 Uhr. Prozeß Jaeobi-Beruhard. Zum drittenmale begann heute vor dem hiesigen Schöffengericht die Verhandlung in dem bekannten Prozeß des Stadtverordnete» LeopoldJacobi wider den Schriftsteller Georg Bernhard und den Stadtreisenden Hermann L e w i n s k i wegen Beleidigung aus ß 186 Slr.-G.-B. Den Vorsitz führt diesmal Gcrichtsaffessor G e i s e I e r. Dem Privntllägcr stehen Jnstizrat Cassel sau Stelle des durch den Leipziger Bankprozcß verhinderten Justizrats Dr. v. Gordon) und Rechtsanwalt S e n f f zur Seile. Ter Angeklagte Georg Bernhard ivird von den Rechtsanwälten Wolfgang Heine und Hugo C a r o, der Angeklagte L e w i n s k i vom Rechtsanwalts Morris verteidigt. Es sind wieder etwa 50 Zeugen geladen, unter ihnen Ober- bürgernteister Kirsch»er. Stadtbaurat Krause, Magistrats. assessor Alberti, Ober-Verwaltnugsgerichts-Nat M c ck b r i n k Stadtverordneten- Vorsteher Dr. L ä n g e r h a n s, die Stadt- verordneten Hugo Sachs, Dr. P r e u ß, H e i I m a n n Wittkowski, N o s e u o w, Bamberg, Barth n. a. Als achverständige sind zur Stelle: Die Herren Joseph Fried- I ä» d e r, G u st a v B e u d i x und Hermann Nagel. Es fehlt der Koiiimcrzicnrat B l a n ck- Elberfeld, der von den Verteidigern der Angeklagten als Zeuge darüber benannt war, daß dem Privatkläger Jacobi nach Verabredung in den für die Filialen bcsliiiiintci! Fakturen höhere Preise berechnet worden seien, als er selbst zu zahlen halte. Koiinncrzienrat Blank, der vor kurzeni auf Antrag der Verteidigung geladen worden ist, hat brieflich ersucht, von seiner Bcruehiming Abstand zu nehnieu. da es ihm bei der Kürze der Zeit nicht möglich gewesen sei, die Feststellnngcii, die sich auf 7—8 Jahre zurückliegende Dinge beziehen, zu treffen. Die Verteidiger erklären, daß sie auf Herrn Blanck unter keine» Uinstäildeli verzichte» könucn, die Vertreter des Privatklägers erwidern, daß sie dasselbe Interesse an der Vernehmung des Zeugen habe» und der Gerichtshof beschließt, den Zeugen Blanck sofort telcgraphisch zn laden. Jnstizrat C a s s e l betont, daß es der dringende Wunsch des Privatklagers sei, die Sache nicht etiva zmn driltenmale zur Vcr- tagnng gebracht z» sehe». Rcchtsamvalt Heine erwidert, daß der- selbe Wunsch auch bei den Angeklagten obwalte. Der Vorsitzende ersucht vor Eintritt, in die Verhandlung beide Parteien, möglichst jede Gereiztheit zn vermeiden. Ans der Feststellung der Personalien crgicbt sich, daß der An geklagte L e w i n s k i einmal wegen Beleidigung mit 50 M. Geld strafe, ein zweites Mal vor etwa 7 Jahren wegen Veleidignug sunt antiseniitischem Hintergründe) zn 4 Woche» Gefängnis verurteilt worden ist. Der Angeklagte Bernhard ist unbestraft; ein ihm von dem Börsen- Ehrengericht zuerkannter Verweis ist noch nicht rechtskräftig; der Angeklagte bereitet ein Wiederaufnahme- Ver fahren vor. Die Dinge,, in» die es sich handelt, sind im allgemeinen ans früheren Verhandlungen bekannt. Bernhard hat am 7. Oktober v. I. in der„Welt am Montag" einen Artikel unter der Spitzmarke„Der Genieindcsunipf" veröffentlicht. Darin wurden angebliche Mißstände in der städtischen Verwaltung recht scharf besprochen und angesichts der bevorstehenden Sladlverordnetenwahlen niitgcteilt, daß über den zur Wiederwahl stehenden Stadtverordneten Jacobi schon seit längerer Zeit so bedenkliche Gerüchte umher- schwirrten, daß einige Stadtverordnete infolge dessen den Verkehr mit ihm meiden. Die Gerüchte bezögen sich auf unfaire Art. durch welche Jacobi seine Filialisten pekuniär geschädigt habe, a»f die Behanptnng, daß er mit Wucherern in Verbindung stehe zc. Jacobi sei gerade der Mann, der den Kapitalismus und dessen Einfluß auf die Stadtverordneten- Versammlnng repräsentiere, der großen persönlichen Einfluß habe, der Großen Berliner Straßenbahn stets die Stange gehalten, dann infolge ganz eigentümlicher verivandt- schaftlicher Verbältnisse plötzlich für die Uebeniahnie der Siemens u. Halskescheu Buhn eingetreten sei zc. Angekl. Bernhard bekennt sich zur Verfasserschaft des Ar- tikels, giebt auch auf Befragen des Nechtsanlvalts S e n f f zu, daß er auch noch einen andern Artikel unter der Neberschrift „Herr Jacobi und seine Leute" geschrieben nnd daß er zu der gleichen Zeit seiner Thätigkcit bei der �,W. a. M." Handelsredacteur bei der„Verl. Ztg." nnd der„Verl. Morgenpost' ivar und Artikel für andre Zeitschriften, wie„Socialist. Monatshefte', die„Zukunft" zc. liefere. Angeklagter L e w i u s k i bestreitet, etlvaS andres gethan zu habe», als daß er die betreffende Nummer der„W. a. M." einigen Kunden gezeigt habe. Auf die von LelvinSki erhobene Widerklage erklärt Herr Jacobi, er bestreite die Behauptung, daß er gesagt habe: der Artikel rühre wahrscheinlich von einem Manne her,' der' seinerZeit wegen Unehrlich- keit ans seinem Geschäfte entlassen ivorden sei. Die hierauf beginnende BeweiSanfnahine erstreckt sich zunächst auf die in dem Artikel behaupteten Gerüchte. Der frühere Stadtverordnete Dr. G i n s b e r g bekundet: Er eut- simic sich, daß seiner Zeit solche Gerüchte über Herrn Jacobi umher- schwirrten, deren Sinn war, daß Jacobi sich einer unanstäudigen Handlungsweise gegen Filialisten schuldig gemacht habe. Es ei dabei der Fall I a ck st genannt worden. Die -krage. ob noch andre Name» in Verbindung mit den Gerüchten genannt worden, verneint der Zeuge.— Aus Befragen des Rechtsanwalts Caro erklärt der Zeuge: Er habe den Verkehr mit Jacobi eingeschränkt, einerseits dieser Gerüchte wegen, andrerseits weil ihm Jacobi persönlich nicht sympathisch war. Sein (des Zeugen) Schwiegervater Wolff habe ihm gesagt, daß er mit ihm eine geschäftliche Differenz gehabt habe.— Privatkläger Leopold Jacobi: Ein Verlehr zwischen ihm und dem Zeugen habe über- Haupt nicht stattgefunden, er konnte also auch nicht eingeschränkt werden. Nach dem Tode des Schwiegervaters des Zeugen fei der Zeuge Ginsberg zu ihm gekommen und die angeregte Differenz sei in einer Minute erledigt gewesen. 1 Der nächste Zeuge Stadtverordneter Roscnow: Er wisse, daß wiederholt Gerüchte hernnischwirrte», nach denen Jacobi sich in Bezug auf seine Geschäftsführung und in sciiiem Verkehr mit seinen Filialisten habe Unregelmäßigkeiten zu Schulden kommen lassen. Es sei namentlich der Fall Jackst be- sprochen und behauptet worden, daß Jackst schließlich ein großes Schweigegeld erhalten habe. Solche Gerüchte seien auch schon früher als 1901 aufgetaucht, er habe solches beispielsweise auch vom Stadtv. Kalisch geHort. Diese Dinge seien auch in der Fraktion des Zeugen wiederholt besprochen ivorden.— Vors.: Sind diese Ge- rüchte im Jahre 1901 etwa deshalb mit besonderer Jutensität wieder aufgetaucht und kolportiert worden, um den Stadtv. Jacobi politisch tot zu machen?— Zeuge: Das kann ich nicht sagen. Wahr- scheinlich wird darüber anaesichts der bevorstehenden Wahlen mehr gesprochen worden sein, als früher. Bczirkövorstchcr Leop. Bauinann: Er sei Deputierter der Einkommensteuer und als solcher mit einem Schneider Lnbaczek beschäftigt gewesen. Bei der Durchsicht von dessen Büchern habe er den Namen Jackst vorgefunden und dabei erinnerte er sich, daß der Name Jackst den Mittelpunkt von Gerüchten über Jacobi bildete, die auch ihm schon bekannt waren. Da er bestätigt fand, daß es sich um denselben Jackst handelte und er ferner hörte, daß cs dem Manne schlecht gehe, so habe er erwogen, ob man für ihn nicht irgend etwas thnu könne. Jackst sei eines Tages bei ihm erschienen und habe ihm dann im Gespräch seine Beschwerden über Jacobi mitgeteilt. Er erzählte im allgemeinen, daß er als Filialist von Jacobi zn hoch fakturiert worden' sei und schließlich von ihm eine A b f i n d u n g s s u m ni e erhalten habe. Er habe ihm gesagt, daß, Ivenn dies der Fall sei, es Leute gebe, die sich für ihn interessieren, cS würde ja schließlich doch noch vielleicht etwas für ihn gethan werden können. Dies sei etwa vor 2 bis 3 Jahren gewesen, Jackst habe auf ihn dabei einen körperlich zwar kranken, aber geistig ganz frischen Eindruck gemacht. Er habe ihm erzählt, daß Jacobi ihn übervorteilt. Auf Befragen des Jnstizrats Cassel bestätigt der Zeuge, daß, als er Vorladung zu dem Termin erhalten habe, er einmal zn Herrn Jackst gegangen sei. Der Grund dafür sei geivescn, daß er ein 63jähriger Mann sei und sich überzeugen ivollte, ob es derselbe Jackst sei, der ihn seiner Zeit aufgesucht habe.— Jnstizrat Cassel: Es ist doch merkwürdig, daß der Zeuge vor dem Termin zu Jackst gegangen ist. Er konnte sich doch im Termin selbst über die Persönlichkeit informieren. Ist der Zeuge nicht ein erbitterter Gegner des Herrn Jacobi? Hat er nicht ein gegen Jacobi gerichtetes Flugblatt bei der Wahl unterschrieben, in welchem ganz energisch gegen Jacobi Stellung genommen ivird?— Zeuge Baum an n: Er habe sich seit zehn Jahren nicht an den Wahlagitationen irgendwie beteiligt. Bei der letzten Wahl habe er als Bezirksvorsteher ein Wahl-Flugblatt mit unterschreiben zu müssen gemeint.— Jnstizrat Cassel: Das Wahl- Flugblatt war unterschrieben:„Die unbesoldeten Kommunalbeamten des Wahlbezirks Nr. 1". Ist es dem Zeugen nicht bekannt, daß es über 500 unbesoldete Kommunalbeamte dieses Wahlbezirkes giebt? — Zeuge: Das weiß ich nicht.— Justizrat Cassel: Obgleich Sie Bcziiksvorstchcr sind? Halten Sie cs für recht loyns, das Wahlflugblatt mit„die unbesoldeten Konimnnalbeamten' zu unterzeichuen? Rechtsanwalt Senfs: Hat der Zeuge Herrn Bernhard das Material z n seinem Artikel gegeben?— Präs.: Sie können die Antwort auf diese Frage verweigern.— Zeuge B a u- in a ii ii: Dann lehne ich die Antwort a b.— Rechtsanwalt S e n f f: Der Privatkläger giebt zu, daß ihni schon länger als seit Monaten bekannt ist, daß der Zeuge der Zwischenträger war, die Sache ist bezüglich seines also verjährt, er kann daher die Be- autwortung der Frage nicht ablehnen.— Zeuge Bau m a n n: Er habe mit dem Angekl. Bernhard eine einzige Unterredung gehabt, in welcher über einen Fall des Schneiders Zinimermnnn gesprochen wurde. Bis dahin habe er den Angeklagten B. nicht lekannt.— Rechtsanwalt Senfs behauptet, daß in einer Wahlver- ammliing der Rechtsanwalt Sachs den Zeugen Banmann auf- zefordert habe, am VorstandStisch Platz zu nehmen, Zeuge Banmann habe dies aber abgelehnt niit den Worten„Nein, da nehme ich nicht Platz I Heute beginnt der Tag der Rache!"— Zeuge Banmann bestreitet dicS. Auf Befragen des Rechtsanwalt Caro soll sich der Zeuge Baumaim noch näher über den Fall des Schneiders Ziinmermann äußern. Er bekundet: Er sei auch mit dem Schneider Zimmermann in seiner Eigenschaft als Deputierter der Einkommensteuer in Berührung gekoinnicii. Dieser habe ihni gesagt, daß es ihm traurig gehe, und daß er durch Jacobi geschädigt worden sei. Er habe ihm dann eine lange Geschichte erzählt, wonach Jacobi ihm in wucherischer Weise Wechsel diskontiert habe, daß er ihm verlegte Ware und oft statt ein Stück zwei Stücken geliefert habe. Er, Zeuge, habe ihm dann gesagt, er solle ihm das alles schriftlich mitteile». Darauf habe ihm Ziinmermann eine» Brief geschrieben, der von ihm an einen ge- wissen Cohn und von diesem an den Stadtverordneten Rechtsanwalt Marggraff gegeben worden sei. Rechtsanwalt Senff: Hat der Zeuge von diesem Briefe dem Angeklagten Lewinski gegenüber Gebrauch gemacht?— Zeuge Bau m a n n: Lewinski kam öfter in geschäftlichen Angelegeuheitcn zu mir, ich weiß nicht, ob ich mit ihm über Jacobi und Zimmer- mann gesprochen habe.— Privatkläger Jacobi: Der Zeuge sagt. er sei einmal bei Jackst gewesen. Sollte es nicht mehreremale gewesen sein?— Zeuge: Nein.— Jacobi: Die Aeußerung des Zeugen von dem „Tag der Rache" zeige, wie feindlich ihm der Zeuge gesinut sei. Er habe dem Zeugen Banmann seiner Zeit einmal einen Dienst geleistet, der demselbe» so wertvoll gewesen sei, daß er ihm gesagt habe, er werde ihm diesen dankenswerten Dienst zeitlebens nicht vergesse». Zwei Jahre später habe der Zeuge Banmann versucht, für die Stadtverordiicten-Versamm- Inng zu kandidieren, cs sei aber Herr Lcincke ihm vorgezogen worden nnd von da an datiere Herrn Baumanus Gehässigkeit gegen ihn.— enge Bau m a n n: Er habe keine persönlichen Rachegesühle gegen -acobi. Der nächste Zeuge ist der Stadtv. Rechtsanwalt Marggraff. Dieser erklärt auf Befrage», daß fortgesetzt auch in Stadtverordneten- kreisen allerlei böse Gerüchte über Herrn Jacobi innhcrschlvirrten, die die Fälle Jackst nnd Zimmerniann betrafen, unfaire Geschäftsmanipu» lationen des Stadtv. Jacobi im Auge hatten und auch dessen Stellung- nähme zu vcrschiedencu Fragen der städtischen Verwaltung, zu der Straßeiivahn, der Siemens n.Halskescheu Bahn zc. berührten. Solche Ge- lichte seien nicht erst zur Wahlzeit im Jahre 1901 aufgetaucht, sondern chon im Jahre 1896 durch einen in der„Berliner Ztg." nnd dem ,Kl. Journ." erschienenen Artikel. Er habe einen Beleidignugsprozeß mit Jacobi gehabt und in dem Termin habe ein anwesender Ver- lvandter JacobiS, Naineus Stcrnbcrg, ihm bei dieser Gelegenheit eine Geschichte bestätigt, die ihm schon früher zu Ohren gekommen Danach soll Herr Jacobi, als er noch Angestellter bei Gebr. Simon gewesen, sich einer Unregelmäßigkeit schuldig gemacht haben.— Justizrat Cassel und Rechtsanwalt Senff protestieren entschieden gegen Hereiuziehung unkontrollierbarer Geschichten, die sich auf eine etwa reißigjährige Vergangenheit beziehen. Es sei nicht abzusehen, wohin dies führen solle. Hier werde wieder etwas ganz willkürlich behauptet und cs bestehe die einfache Thatsache, daß Herr Jacobi einen Verwandten Namens Steruberg gar nicht kenne. Die Verteidiger erkläre», daß er bald zur Stelle sein werde. Sie nenneii einen in Moabit wohnenden Mann Namens Sternberg oder Sternhelm, der nun gelade» werden soll. Die Aussage des Zeugen M a r g g r a f f giebt'zu zahlreiche» Zivischenfragen und Ein- wänden des Justizrats Cassel und Rechtsanwalts Senfs Anlaß nnd es folgen lebhafte Erwiderungen der Rechtsanwälte Heine, G a r o und Morris sowie des Augeklagte» Bernhard Auf weiteres Befragen bekundet Zeuge Marggraff: Er sei allerdings ein komniuualpolitischer Gegner Ve s Privat- k l ä g e r s. Er habe über die umherschwirrenden Gerüchte Recherchen anzustellen für seine Pflicht gehalten, da er der Meinung ivar, daß. wenn ettvas daran sei, Jncobi nicht eine so einflußreiche Stellung in der städtischen Verwaltung einnehmen dürfe. Persönlich habe er auch den Eindruck gehabt, daß er in»»wahrhafter Weise vorgehe. beim er habe einmal etwas„auf sei» Ehrenwort" versichert und er (der Zeuge) glaube, ihm uachgeiviesen zu haben, daß er sein Ehrenwort gebrochen. Er habe dann auch verschiedentlich erklärt, daß er mit einem Manne, der sein Ehremvort gebrochen und über den solche schlechten Gerüchte »mherschwirren, nicht mehr verkehren könne. Privatklägcr I a c o b i protestiert gegen diese Bemerkungen. Was der Zeuge von der E h r e u w o r t s a f f a i r e gesagt, sei' natürlich nicht tvahr. Ebenso unwahr sei die angebliche' Geschichte, die aus der Zeit datierte, als er noch erster Angestellter der Firma Gebrüder Simon gewesen sei. das heißt, im Jahre 1871. Mit den Inhabern der Firma sei er noch heute befreundet. Was den„Verkehr" mit Herrn Marggraff betrifft, so könne er nur sagen: er habe nie mit demselben„verkehrt", denn Herr Marggraff nehme eine ganz isolierte Stellung ein; er nenne sich liberal und stimme immer nnt den Socinldcmokraten. Zahlreiche Fragen der Sachwalter des Privatklägers, die wieder zu lebhaften Anseinandersetzimgen mit den Verteidigern führen, be- treffen die Frage, ob der Zeuge Marggraff dem Angeklagten Bern- hard den Stoff zu dem Artikel geliefert habe. Er erklärt, daß Bernhard zwei Tage vor dem Er- scheinen des Artikels sich telephouisch mit ihm in Verbindung gesetzt, ihn besucht, und ihn gefragt habe, ob und was er von de» Gerüchten über Jacobi wisse, Herr Bernhard habe sich dabei nicht etwa von ihm unterrichten lassen, sondern habe ihm den Inhalt der Gerüchte vorerzählt und ihn einfach gefragt, ob ihm etwas davon zu Ohren gekommen sei. Privatkläger Jacobi behauptet: Gegen den Zeugen Marg- graff habe ein Vorverfahren tvegen Anstiftung zur Beleidigung g'e- schlvcbt und da habe er ausgesagt, daß er Herrn Bernhard kein Material gegeben und von diesem erst nach dein Erscheinen des Artikels aufgeklärt Ivorden sei.— Zeuge Marggraff: Er habe bei seiner Aussage, die er auf eine plötzliche Vorladung gemacht habe, es im Ungewissen gelassen, ob es zwei Tage vor oder nach Erslbciucn des Artikels gewesen sei. Er habe sich damals auf eine Andeutung seines Bureauvorstchcrs gestützt, jetzt aber habe er die Sache in- zwischen näher überdacht. Rechtsanwalt Seuff behauptet: der Zeuge habe im Vor- verfahren überhaupt abgeleugnet, dem Angekl. Bernhard irgend welche Mitteilung gemacht zu haben. Die sofort herbeigeholten Akten ergeben, daß der Zeuge in dem Vorverfahren gesagt hat: er b e st r e i t e t, Herrn B e r u h a r d a n g e st i f t e t oder ihm Material gegebe» zu haben. Wen» ich nicht irre, habe ich Herr» Bernhard erst nach Erscheinen des Artikels kennen gelernt. Vors.: Es ist doch etwas auffallend, daß wenn jemand ani Sonnabend zu mir kommt und am Montag einen Artikel über die mit mir besprochenen Dinge bespricht, ich mich nicht genau besinnen sollte, ivann es gewesen ist, ob vor oder nach dem Erscheinen des Artikels. Zeuge Marggraff verlveist ans seine vorherige Erklärung hierüber. Zeuge Dr. Langerhnns bekundet auf Befragen: Die Ge- rächte, die kurz vor der Wahl im Jahre 1901 über Herrn Jacobi umliefen, habe er für verleumderische gehalten und ihnen persönlich keine Bedeutung beigelegt. Vorher seien ihm solche Gerüchte nicht bekannt gelvorden, er entsinne sich auch nicht, den vor mehreren Jahren erschienenen Artikel der„Berl. Ztg." oder des„1U. Journal" gelesen zu haben. Angell. Bernhard: Der Stadtverordneten-Vorsteher habe seiner Zeit Gelegenheit genommen, in einer öffentlichen Versammlung energisch gegen ihn Stellung zu nehmen und dabei von„V c r l e n m- dünge n" zu sprechen. Er inöckite wissen, ob er etwas gethan habe, um die den Gerüchten zu Grunde liegenden Thatsachen festzn- stellen. Justizrat Cassel protestiert gegen solche Fragestellung, die mit der Anklage selbst nichts zu thun habe. Zeuge Dr. LangerhanS entsinnt sich nicht, in jener Ver- sammlung von Verleumdung gesprochen zu haben. Er sei persönlich von der Integrität des Privatklägers stets überzeugt geivesen und sei cS noch. Für ihn seien alle derartigen schleichenden Gerüchte, die sich an einen Menschen heranmachen, ohne bewiesen zu werden, Verleumdungen. Rechtsanlvalt Morris: Es handle sich doch nicht um herum- schleichende Gerüchte, sondern um Artikel, die in zlvei Zeitungen er- schienen seien. Rechtsanwalt C a r o: In welchen Beziehungen steht Dr. LangerhanS zu dem Privatkläger? In freundlichen oder geschäftlichen?— Dr. L a n g e r h a n s: In freundliche», aber nicht geschäftlichen.— Rechtsanwalt Coro: Dann möchte ich doch fragen, ob nicht der Sohn des Zeugen ein Gut hat und nicht auf diesem Gut eine Hypothek des Privatklägers Jacobi steht? Justizrat Cassel und Rechtsauivalt S e n f f protestieren cut- schieden gegen eine solche Fragestellung, die doch mit der Frage, ob Herr Jacobi von Herrn Bernhard beleidigt worden ist, gar nichts zu thun habe. Es erhebt sich über diese Frage eine lebhafte Debatte zwischen beiden Parteien, in welcher die Verteidiger Rechts- anwalte Morris, Heine nnd C a r o den Standpunkt ver- treten, daß von der Gegenseite persönliche Feindschaft bei einzelnen Zeugen besonders hervorgehoben worden sei, und daß es nu» doch erlaubt sein müsse, auch auf die freundschaftlichen Beziehungen dieses Zeugen zu dem Privalkläger hinzuweisen. Der Gerichtshof beschließt die Ablehnung der Frage- st e I l u n g. Selbst wenn nähere Beziehungen zwischen dem Zeugen und dem Privatkläger bestehen sollten, so glaube das Gericht doch nicht, daß der Zeuge aus diesem Grunde etivaS Unrichtiges bekunden Würde. Dr. Langerhans wird hierauf entlassen. Der folgende Zeuge, Bankier Daniel, wird zunächst vom Vorsitzenden darüber befragt, ob er von irgend welchen Gerüchten Wiste, welche über den Pri'vatkläger Jacobi umherliefen. Der Zeuge erklärt, daß er davon nichts wisse. Auf Befragen des Rechtsanwalts Sen ff erklärt der Zeuge, daß er einmal nach einer Versammlung betreffs der Stadtverordnetenwahlen den Beklagten darüber befragt habe, ob er denn für seine in dem Artikel in der„Welt am Montag" über Jacobi aufgestellten Behauptungen den Wahrheitsbeweis antreten könne. Bernhard habe ihm er- lindert:„Ich habe ja meine Vorderleute und Ihnen kann ich sie ja nennen, es sind der Stadlverordnete Marggraff und der Bezirksvorsteher Bauinann. Der Beklagte habe noch hinzu- gesetzt:„Wenn meine Vordermänner alles a b s ch w ö r e n, kommt es natürlich anders." Der Beklagte Bernhard behauptet, daß der Zeuge einmal zu ihm gesagt habe:„Hören Sie mal, die Sache mit Siemens u. Halske ist doch unerhört, die müßte doch mal zur Er- örtcrung gebracht werden."— Der Zeuge bestreitet, eine solche Aeußerung' gethan zu haben, er habe im Gegenteil seiner Empörung darüber Ausdruck gegeben, daß ein solcher Artikel in der„Welt am Montag" veröffentlicht würde und zwar wenige Wochen vor der Stadtverordnetenwahl.— Rechtsanwalt Heine: Haben Sie nicht den Beklagten Bernhard auf die Geschäftsverbindung zwischen Jacobi und dem Bankier Mosner aufmerksam gemacht?— Zeuge: Nein.— Beklagter Bernhard: Hatte der Zeuge nicht den Eindruck, daß meine Mitteilungen Ihnen gegenüber vertraulicher Natur waren? Ich konnte doch unmöglich. annehmen, daß der Zeuge, nachdem er mich ausgespitzelt hat, nach- her zur Gegenpartei laufen würde.— Rechtsanwalt S c n f f: Durch diese Unterstellung hat der Beklagte seine Befugnisse weit überschritten: ich beantrage, ihn deshalb in eine Ordnungs- strafe zu nehmen.— Rechtsanwalt Heine: Ich muß gestehen. es ist mir neu, daß ein Rechtsanwalt im Gerichtssaale gegen eine der Parteien eine Ordnungsstrafe beantragt, aber in diesem Prozesse ist ja schon so mancherlei Wunderbares vor- gekommen. Ich möchte den Zeugen aber fragen,' ob er nicht bei feiner Unterhaltung mit Bernhard etwas aus ihm heraushören wollte.— Zeuge': Nein. Nach einer Pause wird über die Angelegenheit I a ck st ver- handelt. Dieser ist wegen seines kranken Zu'stan'des kommissarisch in seiner Wohnung vernommen worden, doch hatten seine Aussagen ein wesentlich negatives Resultat. Die Rechtsanwälte C a r o und Heine geben anheim, ob es noch weiterer Behandlung des Falles I a ck st bedürfe. Rechtsanwalt Heine erklärt, rückhaltlos anzuerkennen, daß die Vernehmung des Jackst ein wesentlich negatives Ergebnis gehabt habe.— Den Vertretern des Privatklägers genügt dies nicht: sie erklären, daß sie eine volle Aufklärung des gänzen Falles zu Guusten des Privatklägers haben wollen und auf eine weitere Beweis- aufnähme nicht verzichten können, so lange die Gegenpartei nicht klipp und klar erklärt: sie lasse die Behciuptung, daß Herr Jackst von Herrn Jacobi übervorteilt sei, fallen. Auch über diesen Punkt kommt es zu äußerst lebhaften Aus- cinandersetzungen zwischen den Parteien, die damit enden, daß die Vcivcisaufnahme über den Fall Jackst fortgesetzt wird. Der Kaufmann Benjamin Löwenberg, Schwager des Herrn Jackst, hat seiner Zeit von letzterem wiederholt Beschwerden darüber gehört, daß er sich durch Jacobi übervorteilt wähnte. Er hat deshalb für seinen Schwager Vcrmitielungsverhandlnngeii mit Herrn Jacobi ge- führt, damit der Schwager für die behaupteten Verluste schadlos ge- halten werde. Schließlich ist es dazu gekomnien, daß Herr Jacobi dem Jackst cincii Nachlaß von 40 000 M. gewährt hat. Die Einzel- hcitcn der Vermitteluiigsverhandlungeii sind, da der Zeuge nnt sehr leiser Stimme spricht,' absolut nicht zu verstehen. Es geht aus den Aussagen des Zeugen hervor, daß sein Schwager bei seinen Jnveiitureu die Lagerbest'ände im Werte zu hoch aufgenommen habe, dafür aber allein die Schuld trage. Er habe aber Herrn Jacobi moralisch für verpflichtet gehalten, ihm die daraus entstandenen Ver- luste zu ersetzen und schließlich sei dann der Nachlaß von 40 000 M. zugebilligt ivorden. Später habe Herr Jackst accordiert und es hat dann nochmals ein Schnldennachlaß stattgefunden, außerdem hat Herr Jacobi nochmals bar 10000 M. an Jackst gegeben. Der Zeuge erklärt, daß er nicht wissen könne, ob die Verdächtigungen, die sein Schwager gegen Jacobi vorgebracht, auch thatsächlich be- rechtigt waren. Der Gnindgednule der Verdächtigungen sei immer der gewesen, daß ihm Jacobi die Waren zu höheren Faktureupreiseu angerechnet habe, als die tvirklichen Origiual-Faktnrenpreise be- trugen.— Privatklägcr Jacobi bestreitet nachdrücklichst, daß es sich bei den 40 000 M. um irgend welches Schweigegeld gehandelt habe. Es werden noch eine Anzahl Zeugen über die Behauptung der Nebervorteilung des Herrn Jackst vernommen, Zeuge Bernhard L e v y ans der Michaclkirchstraße ist früher Filialist des Privatklägers gewesen und dann mit seinem Bruder elbständig geworden. Er hat einmal eine» Prozeß gegen Herrn Jacobi anfRcchnu ugslegnng angestrengt, da crsich damals für übervorteilt hielt. Er habe dainais erfahren, daß— was damals allgeuiein gesagt wurde— Jackst ein sehr hohes Schweigegeld erhalten habe, und da habe er gedacht, daß er wahrscheinlich in ähnlicher Weise über- vorteilt worden sei. Er müsse aber erklären, daß es ihm nachher leid gethan habe, die Klage angestrengt zu haben, denn thatsächlich habe er gar keinen realen Untergrund für solchen Verdacht gehabt. Er habe dies gethan zu einer Zeit, als er mit Jacobi wegen der Rctonrwarcn in Differenz geraten Ivar.— Rechtsanwalt Heine: Hat der Zeuge nie erlebt, daß Herr Jacobi sich hinten herum Bonifikalioncn aus- bedungen habe, die über das hinausgingen, was er den Filialistcn anrechnen durste.— Rechtsanwalt Coro: In den Informationen, die der Zeuge dem Rechtsanwalt Hahn zu seiner Klage- schrift gegeben, stehen doch so viele Spccialien, die sich der Zeuge doch unmöglich aus den Fingern gesogen haben könne. In der Klage werde beispielsweise direkt behauptet, daß der Kläger Kammgarn von der Firma Erminghaus bezogen habe und in der Faktura 15 Pfg. pro Meter zu hoch augerechnet worden sei. Auf seine Aufrage habe er, wenn er sich nicht irre, den Bescheid erhalten. daß der Inhaber der Firma M. Stiller n. Co. bestimmt habe, daß 15 Pf. niehr auf der Faktura abcrechnet werden, dies Abkommen aber ge- heim gehalten werden sollte. Außerdem sind in der Klage etiva 15 Fabrikanten bei Namen genannt worden mit der Behaiiptmig, daß bei diesen ähnliche Dinge vorgekommen seien. Wie sei es denn ivohl möglich, daß sich jemand so etivas aus den Fingern saugen könne, ohne thatsächlichen Hintergrund.— Der Zeuge erklärt, nach- dem ihm dies auch vom Vorsitzenden als unbegreiflich vorgehalten worden, daß er in der That keine realen Unterlagen habe. Rechtsanwalt Heine: Nach dem Gange der Beweisführung glauben wir, auf weitere Beweisaufnahmen über diesen verzichten zu können. Ich trage kein Bedenken, hier zu erklären, daß aus der Beweis- aufnähme mir die volle Ueberzcugung gelvorden, daß alles, was in Bezug aufdiesenFalldurchGerüchteweilerverbreitetworden.aufeiner allerdings unverantwortlichen Handlungsweise des Herrn Beruh. Levy beruht. Ich bedauere auch, daß ich in voriger Sitzung den Verdacht aus- gesprochen habe, daß dieser Zeuge wohl aus Schonung für Herrn Jacobi Herrn Rechtsanwalt Hahn nicht von der Amtsverschwiegenheit entbinden wollte. Justizrat Cassel: Die Erklärung des Rechtsauwalts Heine sei gewiß sehr loyal nud er danke dafür, wenn aber von der Gegen- seite nicht dieser Fall für vollständig aufgeklärt erachtet werde, könne auf weitere Beweiserhebung nicht verzichtet werden. Die Verteidiger ziehen sich mit.dem Angeklagten zu kurzer Be- ratung zurück. Nach ihrer Rückkehr erklärt Rechtsanwalt Heine: Die Verteidiger und die Angeklagten haben sich überzeugt, daß die Gerüchte, die in den Kreisen der Geschäftswelt, der Stadtverordneten- Versammlung und der Presse über geschäftliche Uureellitäte» des Privatklägers verbreitet worden, auf Erzählungen des kranken Jackst und deren Ausbeutung durch Bernhard Levy beruhten. Der Angeklagte Beruhard bedauert, daß er im Ver- trauen auf die Richtigkeit dieser Mitteilungen den Dingen näher getreten ist, er habe sich aber für verpflichtet gehalten, die Sache öffentlich zu erörtern. Er habe sicher in gutem Glauben ge« handelt. Justizrat Cassel: In Bezug auf den guten Glauben des einen oder andren Angeklagten können wir bindende Erklärungen noch nicht abgeben. Auf die Ladung der Zeugen Zimmermann wird verzichtet. Angekl. Bernhard erklärt: Er habe im allerbesten Glauben die Beschiildigimgen erhoben und stehe nicht an, sie zurückzunehmen, sobald er sich überzeugt habe, daß er nicht richtig informiert sei. Hierauf wird die weitere Verhandlung auf Sonnabend vertagt. Es bleiben noch die städtischen Angelegeuheiten, die der inkriminierte Artikel berührte, zu erledigen. Der Prozeß gegen die Leipziger Bank. 5. V e r h a n d l u n g s t a g. Aus Leipzig wird vom 20. Juni berichtet: Als Zeuge wird heute zunächst Albert Wnthe vernommen, vormals Prokurist der Leipziger Bank. In der Korrespondenz habe das Sekretariat nicht die Selbständigkeit gehabt, die allgemein an- genommen w o r d e n. Des weiteren wird Adolf Brcmsler, Buchhalter im Sekretariat der Leipziger Bank, vernommen. Er sagt aus, daß wichtige Trebel- conten vierteljährlich abgeschlossen wurden, und daß er für seine Ab- schlußbuchungen von Exner Instruktionen über Zinsen und Pro- Visionen empfangen habe. In der Hauptsache habe er mit Erner verkehrt, aber nie mit Gcntzsch über die Trebertrocknung gesprochen. Man kommt zum Protokoll vom 31. August 1898, in dem Mit- teilungen über den Stand des Obligos der Trebertrocknung durch die Direktion der Trebertrocknung und über den Semesterbericht der Leipziger Bank durch die Direktion gegeben werden. Nach Ausweis der Revisiousprotokolle vom 29. Augüst' find vorher sämtliche Obligos, Konsortialcouten und Dcbitorenauszüge nachgesehen und ohne Be- anstandung von der Obligokommission gelassen worden. Dann lvird ein Brief von Schmidt an Exner verlesen, daß ihm vor der bosnischen Gründung graue. Er wolle am liebsten weitere Betriebsergebnisse abwarten. Ein andrer Brief Schmidts ergänzt diese Ausführungen über B o s n i e n. In seiner Antwort sagt Exner, die Trebergesellschaft brauche wieder enorm viel Geld. Sie lasse täglich große Summen trassieren und erhebe, nachdem sie erneut um Eiilstellimg der Trassierung ge- beten ivorden sei, große Barbeträge. Angesichts der gewaltigen Engagements in Aktieuvorschüssen und z. Z. unrealisierbaren Werten und der direkten und indirekten Conten sei es ganz ausgeschlossen, weitere große Summen zu gewähren, einerlei ob garantiert oder nngaran'tiert. Man k ö n n e'e i n f a ch nicht weiter, und mau sei' sehr erstaunt darüber, daß die Trebergesellschaft ohne Wissen der Bank an das bosnische Ministerium eine Million Gulden bezahlthabe. Exner fragt, Ivie die Trebergesellschaft eine Dividende bezahlen und wie der Aufsichtsrat eine Verbindlichkeit aus der zweiten Emission regulieren wolle. Der Vorsitzende stellt fest, daß die Trebergesellschaft in fünf Monaten 13 Millionen verbraucht habe. Geutzsch will von den verlesenen Briefen zwischen Schmidt und Exner keine Kenntnis gehabt haben. Ein weiterer Brief Schmidts motiviert die Ansprüche der Trebcr- qesellschaft damit, daß die hohen Summen erst zurückfließen könnten, iveun die Werke laufen, und schlägt einen neuen Feldzugsplan vor. Er bedauere die Nervosität Exners und verspreche die ver« trauliche Uebermittelung des Entwurfs der Treberbilanz. Aus einer Reihe von Briefen von Schmidt und Exner weist der Vorsitzende die fortlaufenden Beziehungen beider nach und deutet auf ihr Zu- fanimengehen in allen Trebertransaktionen hin. Nach einer kurzen Mittagspause verliest der Vorsitzende auf An- regung des Staatsanwalts Dr. Weber eine Reihe von Briefen, unter- zeichnet von Exner und Geutzsch, in chronologischer Reihenfolge über die Fortentwicklung des Trebergeschäfts sowie eine Anzahl Bilanzen. Alsdann gelangt ein Bilanzentwurf zur Sprache, der der Bank von der Trebergesellschaft unterbreitet worden ist. Nach Anficht des Sachverständigen Direktors Hermann hat sich die Bank darauf beschränkt, einfach die Zahlciigruppierungen von Kassel entgegenzmiehmen und sie mit verschönender Hand über- sichtlich darzustellen, zu einer Zeit, als eine junge Aktienemission von 6 Millionen gemacht werden sollte. Hermann steht auf dem Stand- punkte, daß der vorbereitete Bilanzentwurf schon in Anbetracht des ungeheuer hohen Obligos einer eingehenden Prüfung unterworfen werden sollen. Darauf wird die Verhandlung auf morgen vormittag 9 Uhr vertagt._ Berliner Partei-Attgelegettheiten. Wie beteiligen wir uns an der Landtagswahl? lieber diese Frage wird Genosse Dr. A r o» s in einer am Dienstag nächster Woche in den Arminhallen stattfindenden V c r s a in in 1 u u g des Wahlvercins für den ersten Kreis sprechen. Vierter Wahlkreis(Südost) k Des schlechten Wetters wegen Haidas zum letzten Sonntag angekündigte F rü h k o n z e r t nicht abgehalten werden können. Das Konzert findet nunmehr am nach st c n Sonntag statt und ztvar in den beiden Lokalen von Ludwig und H o h 1 w e i n in Treptow, Köpcnicker Landstraße. Die Part'eigcnosicu werden ersucht, für zahlreiche Beteiligung zu agitieren; der Eintrittspreis beträgt nur 15 Pf. Die zum letzten, Sonntag verausgabten Billets behalten ihre Gültigkeit. Ter socialdeuiokratische Wahlvcrein für Grünau hält heute abend 9 Ubr bei G e r k e, Köpnickerstr. 88. seine Mitglicdcrversamm- lung ab. Gegenstand der Verhandlung wird auch die bevorstehende G e in e i» d e'v e r t r e t e r w a h l sein. ES ist deshalb notwendig, daß die Mitglieder pünktlich und zahlreich erscheinen. Die Wahl findet Freitag, den 27. d. M., von 6>/s— 8 Uhr abends im Lokal von B u ch h o l z. Fricdrichstr. 27, statt. lokales. Einen Einblick i» die GeschäftSgebahrnng der Milch- centrale gewährt folgender Antrag, der von einer erheblichen Anzahl von Mitgliedern der Centrale zu der bevorstehenden General- Versammlung gestellt worden ist und noch immer neue Unterschriften findet:„ES wird beantragt: I. Der Vorstand wolle sofort eine Bilanz für die Zeit vom 1. Oktober 1901 in i n d e st e n s bis zum I.Mai 1902 anfertigen lassen und diese Bilanz im Druck den Genossen der Centrale noch vor der Generalversammlung znsenden eventuell diese gedruckte Bilanz in der Gcneralveifammluiig vom 26. Juni 1902 an die Genossen verteilen und die Beschliißfassiing über alle Anträge vertagen. II. Den Genossen der Centrale für Milchverwertimg noch vor der Beschlutzfassung über alle Anträge schriftliche Auskunft über folgende Punkte erteilen: 1. Wie viel Genossen haben der Centrale bereits gekündigt? Wie viel Milchverwertuiigs- Genosse»- schaftcn haben ihre Liquidation beschlossen? Wie viele die Anteile und Haftsummen ihrer eignen Genofscn nicht, den Beschlüssen gemäß, auf das Zehnfache erhöht? Welche Sicherheit ist vorhanden, daß in diefem Falle die erhöhten Auteile und Haftsummen von der Centrale erlangt werden können? 2. Weshalb ist die st a tu te n« mäßige Abgabe von 2Ve Pfennig pro Liter V o l l lii i ch bei einer ganzen Anzahl v o n G e n o s s e n seitens des Bor st an des nicht eingefordert worden? Ist vom Vorstand verschiedenen Genossen der Centrale als B c« dingiing ihres Eintritts in die Centrale Vertrags» mäßig die Befreiung von den statutenmäßigen Abgaben(2�/, Pf. pro Liter) zugesichert worden? Warum hat der Vorstand diese befreiten Genossen nicht von der A b st i m m u n g in den G e n e r a l v e r s a m m I u n g e u ausgeschlossen, und so zugelassen, daß sie der großen Masse der Ge- Genossen Lasten auferlegten, zu denen sie selbst nichts beitrugen? 3. Fragen betreffend die maschinelle Einrichtung der Molkerei in der Schillingstraße. 4. Welches Quantum Milch ist von Genossen der Milchcentrale zum Preise von 13�/« Pf. an M i l ch h ä.n d l e r vertragsmäßig vergeben ivorden? Ist bei allen Verträgen dieser Preis' innegehalten oder hat die Centrale einzelnen Genossen, besonders gewissen Molkereien, erlaubt, Milch auch unter dein Centralpreise von 13>/s Pf. zu vergeben? Hat die Meierei Bolle jemals von ihrem Liefeningsquantum 2�/2 Pf. selbst oder für Rechnung ihrer Lieferanten gezahlt? Ist diese Zahlung etwa infolge einer besonderen Vereinbarung zwischen dem Vorstande und der Meierei Bolle unterblieben, die dahin geht, daß in Wahrheit Bolle die 2'/, Pst ganz oder teilweise niemals zu cnt- richten hat? 5. Wie g r o ß' s i n d die Erträgnisse des Milchverkanfes in Berlin? Wie viel betragen die täg- lichen Durchfchnittsausgaben und Durchschnittseiimahmen der Milch- lüden bezw. der Milchwagen? Wie hoch sind die allgemein e n Unkosten der Verwaltung, insbesondere die Gehälter? Man darf darauf gespannt sein, welche Erwidenmg der Vorstand der Milchcentrale den unbequemen Fragern geben wird. Mit dem Bau der Brücke über die Ringbahn im Zuge der S Iv i n e m ü n d e r- und B e l l e r m a n n ft r a ß e zur Vcr« lnudimg des©efuubBntmiöiS mit dem Norden und Nordosten von Berlin soll in nächster Zeit begonnen werden. Der Bon dieser III Meter langen Brücke lvird über eine Million Mark kosten und mehrere Jahre in Anspruch nehmen, bis sie ihren Zlvcck ganz er- füllt. Auf der Seile des Gesundbrunnens sind noch die Znfahrts- strajzen zu regulieren. Nene Schlaftvagen sind, einer Zeitungsnachricht zufolge, von der Internationalen Schlaf wagen- Gesellschaft hergestellt rvorden. Sie bieten an Bequemlichkeit den zahlungsfähigen Eisen- bahnpassagieren alles, was billigcrweise zu verlangen ist. Nur an eines scheint die Gesellschaft auch bei der Herstellung der neuen Wagen nicht gedacht zu haben, nämlich an die Schlafgelegenheit für das in dem Wagen angestellte Personal. Die Schlafwagen- iiiondukteure haben in dem Wagen kein Dienstabteil; übermannt sie der Schlaf, so miissen sie, gleichviel ob in Sonnenhitze oder Winter- kälte die Nacht auf dein Korridor zubringen. Matratzen, Kissen oder Decken der Gesellschaft dürfen sie bei Strafe der Entlassung nicht benutzen, ebenso ist ihnen das Schlafen in den Conpos, selbst tveim diese leer sind, untersagt. Dieser Zustand ist für die Angestellten wie für die Reisenden gleich unangenehm. Die Angestellten sind des Nachts auf dem Korridor der Wagen einer lebensgefährliche» Zugluft ausgesetzt; reisenden Damen aber passiert es nicht selten, dnh sie, wenn sie im Negligec die Toilette aufsuchen, auf dem Korridor über einen schlafenden Beamten stolpern. Auch die Schlafränme für das übrige Personal sind durchaus ungenügend. In dein Packwagen, der die Esivorräte und Getränke birgt, ist ein enger Raum, worin vier Klappbettstcllen sind, welche zu ziveien übereinander liegen. Hier schlafen Oberkellner, Küchenchef, Kttchengchilfen mid noch ein Angestellter in stickiger Atmosphäre sechs Stunden lang; irgendwelcher Luftwechsel ist ausgeschlossen. Bei einem Eisenbahnunglück ist das derart ein- gepferchte Personal rettungslos verloren, da ein Entkommen durch die Fenster unmöglich ist. Sollte es znr Sichernng der Angestellten nicht möglich sein, die Gitterfenster dieser Wagen durch Schiebefenster zu ersetze»? Zum Schluh sei noch bemerkt, das; die Angestellten der Schlafwagen-Gcsellschafr gespannt sind, ob die Wohlthaten der Bundcsratsverordnung betreffend die Ruhepause für das Personal im G a st w i r t s- G e w e r b e auch auf sie Anwendung finde» tverdcn. Umtausch der alte« Postwertzeichen. Die Frist für de» Umtausch der bis Ende März d. I. im Rcichs-Postgebiet und in Württemberg gültig gewesenen Postivcrtzeichen gegen neue Postwert- zeiche» mit der Inschrift„Deutsches Reich" sollte mit Ende Juni ab- laufe». Jetzt ist diese Frist, der„Dtsch. Bcrk.-Ztg." zufolge, bis Ende Dezember d. I. verlängert und es ist gleichzeitig bestimmt worden, daß die noch mit allen Postwertzeichen vorkommenden Sctldimge» von de» Postanstalteu nicht in der Beförderung auf- gehalten und auch nicht mit Nachtaxe belegt werden sollen. Besonders erheblich wird die den Postanstalten dadurch auferlegte Mühewaltung aber nicht sein, da der Ilmtausch der alten Frei- marken usw. in der Hauptsache doch bis Ende Juni beendet sein dürfte. Eine»c»c Art der Weichcnstellnug hat die Straszenbahn- Berivaltung auf der llntcrleitnngsstrecke von der Molike-Brücke bis zum Potsdamer Thor eingeführt. Während sonst der Wagenführer mit einer Eiseustauge von seinem Platze aus die Weichen stellt, ist jetzt einen halben Meter vom Geleise entfernt ein Rasten eingebaut, a» dem ein Mann mit einer Hcbelvorrichtung die Weichen bedient. Die Führer andren Fnhrlverks haben sich an diese Neuerung noch nicht gewöhnt und verlangen vielfach noch, datz der Weichensteller, der mitten auf dem Fahrdamm steht, ihnen ausweiche. Das kann der Man» natürlich nicht, wenn er seinen Dienst versehen soll, de» Kutschern dagegen ist es ein leichtes, ihm anszniveichcn, Ivenn sie nur ivollen. Ein schweres Hochbah«- Unglück ereignete sich gestern abend gegen 8 Uhr am Schlesischen Thor. Einem kaum ans dem Bahnhof hinausgefahrenen Zuge folgte der iiächste fällige Zug derart schnell, dast derselbe in den ersten hineinfuhr. Eine Anzahk Personen— uns lvird berichtet fünf— haben mehr oder minder schlvere Verletzungen an den Händen lind im Gesicht erlitten. Der Materialschaden ist er- heblich. Der Bahnhof anr Schlesischen Thor wurde abgesperrt und der Billetvcrkans eingestellt. Eine Korrespondenz bringt über das Unglück folgende Mit- eillmgcn: Ein Zusammenstoß zlveicr Züge der Hochbahn hat am gestrigen Freitagabend Uhr auf Bahnhof„Schlcsisches Thor" stattgefunden. Dort hielt um diese Zeit ein von» Potsdamer Bahnhof nach Stralaner Thor bestimmter Zug, dem»»- »littelbar darauf ein vom Zoologischen Garten koninieuder Train folgte. Obwohl letztcrem kein Einfahrtssignal gegeben lvar, fuhr derselbe»nit voller Gewalt auf den haltende» Zug auf, an- gcblich infolge Versagens der Bremse. Bei dem Anprall, durch ivelchen sämtliche Scheiben der Waggons beider Züge zertrümmert ivnrden, cnlstand Kurzschluß, der eine L'/rstnndige Störung des Betriebes verursachte. Durch umherfliegende Glassplilter Ivnrden mehrere Passagiere der sehr schwach besetzten Waggons glücklicherweise nur leicht verletzt, im ganzen drei Personen, während ein vierter Passagier, Kaufmann Kroll, der mehrere Schnittlvnnden. darunter eine Verletzung der linken Puls- oder davongetragen, niittels Droschke nach der Rettungsivache an» Görlitzer Bahnhof überführt wurde, Ivo er Notverband erhielt und dann in ein in der Nähe befindliches Krankenhaus geschafft wurde. Der Bahnhof war bis � 1V Uhr, wo der Betrieb wieder aufgenommen wurde, polizeilich abgesperrt. Tic ersten Wcrderschcn Kirschen und Erdbeeren sind hier gestern früh in der Dorothccn-Hnlle eingetroffen, aber in so geringer Anzahl, nie dies noch niemals der Fall gewesen ist, so lange das Dampfschiff der Werderschcu Obstzüchter-Genossenschaft nach Berlin sährt. Denn während sonst der erste Dampfer stets 1500 bis 2000 Tinen Kirschen hierher brachte, war er diesmal nur mit 150 Tinen Kirschen und noch weniger Erdbeeren beladen. Die Ernte in Werder ist in diesem Jahre infolge der kalten Witterung sehr schlecht, denn der viele Regen hat den Blütenstaub ausgewaschen und so die Befruchtung verhindert. Der Ertrag der einzelnen Obstarten ist folgender: Süßkirschen und saure Kirschen giebt es wenig. Aprikosen und Birnen gar nicht, und auch die Pflaumen fehlen fast ganz, Johaunesbecren zeigen leine vollen Trauben, sondern nur Körner, Himbeeren, Stachelbeeren und Aepfcl sind etwas besser. Einzig und allein gut steht es»nit den Erdbeeren, die denn auch in kurzer Zeit in größeren Posten auf den Berliner Markt kommen werden. Die gestern hier eingetroffenen Kirschen und Erdbeeren wurden schnell geräumt und gut bezahlt. Hauptabnehmer waren die Hoteliers und Besitzer der großen Restaurants Unter den Linden und deren Umgebinig. Gegen die Charlottenburger Wasserwerke hat durch Er- kenntniS der sechsten Civilkammer des Landgerichts II der Kanzleirat Meene zu Groß» Lichter selbe die Herabsetzung der Wasser- »nesser-Micte auf ein Drittel des vyn den Wasseriverken geforderten Betrages in einem neuen Prozeß erstritten, nachdein er in dem lirsprünglichen Rechtsstreit dein» Kammergericht, als der letzten Instanz, ans formalen Gründen linterlegen war. Eine Falschniünzerwerkstatt wurde in der Nacht zu gestern von der Kriminalpolizei in der Kastanien-Allec aufgehoben. In der letzten Zeit tauchten immer zahlreicher falsche Zweimarkstücke mit der Jahreszahl 1900 und dem Miinzzcichen A in verschiedenen Gegenden der Stadt auf. Als einer der Vcrausgeber wurde ein Handlungs- gehilfc Wolff ermittelt. Um auch die Werkstatt ausfindig zu machen, beobachteten Kriminalbeamte Wolff auf Schritt und Tritt und sahen, daß er sich von einen» Grundstück der Rastanien-Allee inimcr von neuem Geld holte. Die Beamten stellten weiter fest, daß sich Wolff auf dem Grundstück mit zwei ebenfalls noch jungen Männern, einem Former O e h in e und einem Gürtler R e b e l, in der Fahr- rad-AnSbesserungsanstalt von Schmidt zutreffen Pflegte. Die jungen Leute hatten alle Stellung und kamen erst nach Schluß der Geschäfte zu Schmidt. Was sie dort in der Werkstatt trieben, war nicht zu sehen, da sie stets die Fenster verhängten. In der vergangenen Nacht, als alle vier versammelt waren, drangen Kriminalbeamte ein und überraschten sie bei der Falschmünzerei. Außer falschem Gelde, das sehr gut gemacht ist, beschlagnahmten die Beamten auch Formen, Platten und Werkzeuge aller Art. Die jungen Männer wurden ver- haftet und den» Untersuchungsrichter zugeführt. Sie sind geständig und gebe» an, daß sie sich hätten Geld verschaffe» Ivollen, um Erfindungen auszunutzen. Nur die Eifindcrleidenschaft habe sie auf den Abweg gebracht. Alle vier sind noch nnbestrast. Eine Licbcötragödie endete in der Nacht zu gestern mit dem Selbstmord eines blühenden jungen Mädchens/ Die 21 Jahre alte Modistin Gertrud Sch., die Tochter eines Schriftsetzers ans der Lehrterstraße, die in einem der ersten Geschäfte in der Leipziger» straße angestellt lvar, hatte ohne Wisse» ihrer Eltern ein Liebes- Verhältnis mit einem Kmifmani» ans der Kantstraße zu Charlottenburg. Die Eltern erfuhren es erst vor einigen Wochen und waren entschieden dagegen. Die Tochter aber folgte ihrem Rate nicht, zog vielmehr von ihnen weg zu den Großeltern in der Schwedter- straße. Es dauerte nicht lange mehr, da löste der Geliebte die Bezichnngen. Das junge Mädchen lvar seitdem«ntröstlich. Donnerstagabend»in 7 Uhr verließ es die Wohnung und kehrte nicht lvicdcr zurück. Wahrscheinlich irrte es bis in die späte Nacht planlos nlnhcr. Gegen Mitternacht fand ein Polizeilientenant, der Vorsteher des 76. Reviers, der die Schntzmannspostcn kontrollierte, die Unglückliche in der Bachstratze, Ivo sie ans dem Biirgcrsleige be- sinnnngslos zusammenbrach. Er ließ sie nach der Rettungswache in der Altonacrslraße bringen, sie starb aber schon auf den» Wege dort- hin. Die Acrzte stellten fest, daß sie G i f t g e n o m»» e n hatte. Gestern morgen erhielten ihre Eltern einen Brief, in dem die Tochter sie»in» Verzeihung bat nnd erklärte, daß sie nicht anders gekonnt habe. Bei der Arbeit vom Tode überrascht wurde vorgestern, Donnerstagnachmittag, der 37 Jahre alte, bei der Bahnmeisterei Lehrter Bahnhof beschäftigte Streckenarbeiter Georg Basfeld ans der Kolbcrgerstr. 5. Er brach plötzlich zusammen und starb nach kurzer Zeit, wahrscheinlich an einen» Gehirnschlag. Cilie„merkwürdige Flucht" verursachte gestern abend gegen '/iS Uhr in der Großen Frankfnrtcrstraße großes Aufsehen. In der Nähe der Andreasstraße ivollte ein Herr, der auf den» Decksitz des Anhängctvagens 597 der Linie Friedrichsfelde— Spittelmarkt sich befand, diesen verlassen. Als er die Treppe des noch in voller Fahrt befindlichen Wagens betrat, verlor der Unbekannte das Glcichgeivicht nnd stürzte über das Geländer hinweg kopfüber auf das Straßen- Pflaster. Der bedienende Schaffner gab sofort Notsignal und begab sich zn dem Verunglückten, der aus einer Kopfwunde blutete, um seine Personalien festzustellen. Als der Beamte sich ihm näherte, durchbrach der Herr plötzlich die ihn umgebende Menge und rannte mit größter Schnelligkeit davon. Obivohl der Verletzte von einer größeren Menschenmenge verfolgt wurde, gelang es ihn» doch, zn entkommen und sich seiner NanienSfeslslcllnng zn entziehen. Ulli Diebeölvcrkzcug zu stehlen, brachen Spitzbuben in der Nacht zum Freitag in die Werkstatt des Schlossermeisters Otto Görlitz in der Kockstraße Nr. 31 ein. Sic zerschlugen eine Fensterscheibe, beseitigten durch die Oeffnung langend, den Riegel, öffneten einen Fensterflügel und stiegen dann ein. Die Einbrecher, denen es jeden- falls an Werkzeug znr Ausführung andrer Pläne fehlte, begnügten sich mit einen» Bund Dietriche. Verhafteter Wäschcdicb. Einen» in Haft befindlichen Diebe sind verschiedene Wäschegcgcnslände: Taschentücher gez. H. und H. F., Oberhemden gez. H. F., Haiidtiichcr gez. H. F., Wischtücher gez. H. F. nnd Strümpfe gez. H. F., init zum Teil darüber gestickter Freiherrnkroue, sowie ein Nachlherrenhemd mit blangcsticktem Einsatz, ohne Zeichen, abgenommen, die vcrmntlich Ende vorigen Jahres gestohlen Ivnrden nnd deren Eigentümer noch nicht bekannt ist. Die Wäschegegenstände können lvochentäglich»n der Zeit von vormittags 9—12 Uhr bei der Kriminalpolizei im kgl. Polizeipräsidium, Zinimer 324, besichtigt werden. Eventuell sind schriftliche Anzeigen zur J.-Nr. S3ö8 IV/29. 02 dahin einzureichen. Straffcnsperrnngc». Die Vircholvstraße von der Landsberger Allee bis zur Chanssiernngsgrenze lvird behufs Ncnpflasternng vom 23. d. M. ab bis auf lveiteres für Fuhrwerke und Reiler gesperrt. Die Feldstraße von der Garten- bis zur Ackerstraße wird behufs Asphallicrnng vom 26. d. M. ab gesperrt, ebenso die Schendelgasse von der Alten Schönhauser bis zur Dragoncrstraße voin 23. d. M. ab, desgleichen die Fehrbellinerstratze von der Kastanien- Allee bis znr Anklamestraße ohne Kreuzdämme von» 30. M. ab bis auf weiteres. Fcucrbcricht. Freitagmittag wurde die Wehr»ach der Pnt- bnscrstr. 17 gernsen. Hier hatte sich in einer Tischlerei Terpentin entzündet und dabei Nutzhölzer in Brand gesetzt. Glückliöherivcise gelang es der Wehr, die Flammen bald zu ersticken, so daß größerer Schaden nicht entstanden ist. Kurz vorher brannte in der Blnmen- straße 70 Packpapier ec. in einen» Lager. Früh gegen 7 Uhr erfolgte eine Alarmiernng nach der Kaiserin Augusta Allee 43. Hier lvar ein Pferdegespann niit einem Stcinwage» in die Spree gestürzt. Nach großer Anstrengung gelang es der Wehr, die Tiere lebendig lvieder herauszuholen nnd auch den Wagen zn bergen. Eine Stunde vor- her lvar in der Krautstr. 31 in einen» Keller durch Selbstentzündung von Preßkohlen ein Brand entstanden, dessen Ablöschnng indes bald erfolgen konnte. Donnerstagabend 11 Uhr nmßte in der Liegnitzer- straße 4 ein Feuer abgelöscht lvcrden, das den Fußboden und die Balkenlage ergriffen hatte. Außerdem liefen in der Zivischenzeit noch Alannierungen von der Gartenstr. 165 und der Prinzen Allee 71 ein, die jedoch nur kleinere Wohnnngsbrände betrafen. Arbciter-Bildnligsschnlo Verlin. Morgen, den 22. Juni, Faniilien-Ansfliig nach Tegel-Hermsdorf. Abfahrt: Stcttiuer Vorort- Bahnhof 8.05, Gesundbrnnnen 8.11 Uhr. Für Teilnehmer, welche die Straßenbahn benutzen, Treffpunkt bis lO�/z Uhr im Restaurant „Willdschänke", vis-a-vis Schloß Tegel. Für Nachzügler von 12 Uhr mittags ab Nestanrant Schulz, Bcrlinerstr. 21, in Herinsdorf. Uni rege Vetcilignng lvird ersucht.— Die Bibliothek ist au» 20. Juni geichlossen worden. Die Mitglieder lverdcn dringend gebeten, die noch ausstehenden Bücher umgehend abzuliefern»iid ist zu diesem Zlvcck der Bibliothekar nächsten Donnerstag in der Bibliothek von 8—9 Uhr anwesend. Der Vorstand. Die interne Regatta des Rndcrvereins Vorwärts, Stralau, Tnnnelstraße 17, findet morgen, Sonntagvonnittag 9 Uhr, von der Eisenbahnbrücke-Trcptoiv bis zum Bootshause statt. Für die Gäste ist ein Dampfer gemietet, lvelcher die einzelnen Rennen begleitet. Der Dampfer fährt pünktlich 9 Uhr von der„Alten Taverne", Alt- Stralall 25—27, ab. Auch vom Bootshans-Platze können die Rennen gut beobachtet lvcrden nnd ist das Betreten desselben nnentgeltlich gestattet. Aui Nachmittag findet im Bootshause die Preis-Ver- teiliing statt. Sportpark Friedenau. Für die beiden Weltmeisterschaften über 106 Kilometer,»velche morgen, Sonntag, den 22. Juni, in» Sportparl Friedenau zur Entscheidung kommen, sind folgende Fahrer eingeschrieben: Herre n fahre r: 1. John Diehle,'s Gravenhage; 2. Georg Geier, Breslau: 3. Alfred Görncmann, Berlin; 4. Fritz Keller, Breslau; 5. Ernst Petigk, Berlin; 6. Jos. Schmidt, Elmshorn; 7. Paul Wiudus, Altona. Berussfahrer: 1. Emile Bouhourö, Paris; 2. P. Dickenwianu, Amsterdam, 3. Tom Linton, London; 4. Thaddäus Robl, München; b. Fritz Ryser, Bern; 6. Ed. Taylor, Paris. Bon Kießlings Reisebücher«(Verlag von Alexius Kießling in Berlin 8äV.) erschienen soeben in zweiter Auslage Stettin nnd die Ostseebäder ans Wollin und Usedom mit 14 Karte»(I M.),— Stettin, Greifswald, Stralsimd und Rügen mit 17 Karten(I M.) Die von dem belamiten Berliner Oberlehrer Professor Dr. Br. Graupe gewissenhast be- arbeitete» und vornehm ausgestatteten Reisewerke berücksichtigen gleichmäßig die Bedürfnisse des Badegastes und Touristen. Der reichhaltige Text, der alles erwähnt, was für den Besucher irgend von Bedeutung ist, wird durch zuverlässige Karten ergänzt. Unter letzteren sind die Straßenpläne aller gröberen Bade-Orte hervorzuheben, die die beste Orientierung er- möglichen. Aus der Fvanenbewoguttg, Eine staatlich geprüfte Hebamme als Krankcnbesucheri» schlägt die Orts-Kroiikeulasse Mühlhansen-Stadt in ihrem Geschäfts- bericht vor. Sie führt aus: Die Einstellung einer weiblichen Kranken- besucherin, die sich bei den hiesigen Orts- Krankenkasscn anfs beste bewährt, würde auch für miste Kassen zum großen Vorteil gereichen. Die weiblichen Patienten würden derselben mit größerem Vertrauen begegnen. Deren Lebensweise, das Wesen der Krankheit, solveit ins- besondere Frauenkrankheiten in Frage kommen, lassen sich von einer Frau besser erforsche»; dieselben lviirde» der weiblichen Berufs- coiitroleuriu mit größerer Allsrichtigkeit und Ziiungmig ihr Leiden offeubareu köimeil. Die Coiitroleurl» käme durch ihre Fürsprache in die Lage, als Verbindungsglied zivischen Patientin und Arzt zu dienen. Zu diesem Behuf lviirde sich, nieiiien lvir, eine staatlich ge- prüfte Hebamme eignen. Wie viele Hunderte, ja Tansende von Mark lverdeu lvegen nicht richtiger Besorgimg von Fraiieuleiden von den Kraukeukasseii geopfert; der Hebamme könnte mau auch die Aufsicht über die Wöchileriniien, welche der Kasse als Mitglied angehören, Übertrag«». Ein schweizerischer abstinenter Francnbnnb soll demnächst ins Leben gerilfen lverdeu. Die Juitiantnmen richten an alle schivcizerischcii Frauen einen warmen Aufruf, in dem sie dicselbcu zum Kampfe gegen den Tyrannen und Erbfeind Alkohol aufrufen, dem jeder zehütc Mann in der Schweiz zum Opfer fällt, der im- sägliches Elend in tmiselide von Familien bringt, der die Zuchthäuser, Irrenhäuser, Krankenhäuser bevölkert, die Kraft und Tüchtigkeit des Volkes zerstört. Der Aufruf richtet sich an die Frauen aller Stände, da ja alle Stände unter dem Elend des Alkoholismus leiden. VevfstnnnUmgett. In Wilmersdorf hielt der W a h I v e r c i n Mittwochabend seine regelmäßige Mitgliederversammluug bei Witte ab. Unser Parteigenosse Dr. Steiner hielt einen interessanten und mit Beifall anfgeuonuueucu Vortrag über„Erdbeben und Vulkan- arisbrüche".' Hierauf wurden einige Vercillsaiigelegeuheitcu erledigt; n. a. wählte die Versammlung den Geuosscn Köppiug zum Vcreinskassierer. Das So mm erfest des Wahlvcreius soll am 20. Juli in den» herrlich am Grunewald gelegenen Lokal„ Z n m Sch iv a u" in Schmargendorf abgehalten werden; den Partei- genossen lvnrde znr Pflicht gemacht, mit Eifer für den Absatz der zum Preise von 20 Pf. erhältlichen Eintrittskarten zu agitieren. Zum Schluß befaßte die Versanimlimg sich mit der Lokalfrage. Alle Redner waren sich einig darin, daß der gegenwärtige Znsland, wonach mit" Ausnahme der der Partei zn Versammlungen zugänglichen Lokale von Witte, Strutz und Otto alle Säle am Ort für den persönlichen Verkehr gesperrt sind, auf die Dauer nicht auf- recht erhalten lvcrden kann. Die Versammlung beschloß daher, alle bisher in Wilmersdorf und H a l e u s e e gesperrt gewesenen Lokale mit alleiniger Ausnahine des L u> s e n p n r k s in der Wilhelm saue für den persönlichen Verkehr frei zu geben; einzig auf den Luisenpark bleibt mithin der bisherige Lokalboylott ausgedehnt. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den 22. Juni, vormitiags 83/{ Uhr, in der Aula der 69. Geineilidcschute, Kl. Franks urterstr. 6: Bersannillmig. Freireligiöse Vorlesung. Ilm 103/4 Uhr vormittags ebendaselbst: Vortrag des Herrn Professor Dr. Albert Gehrke:„Krieg und Friedensliebe".— Vor- und Nachspiel aus dein Pariser Milstelharmonium.— Gäste, Dmnen und Herren, sehr will- kommen. Rllgemeine Kranke»-»nid Sterbckasse der Metallarbeiter (E. H. 29, Hamburg), Filiale Berlin 4. Sonnabend, abends 9 Uhr: Mitgliederv ersann» lim g bei Merlowsli, Andreasstr. 26.— Filiale Berlin 5. Mitgliedcrvers ammlung am Somiabend. abends 8Va Uhr, im Nestanrant Falkrnberg, Nosenthalerstr.il/12.— Filiale Ripdorf. Somiabend, abends 9 Uhr: Versanimlimg Kirchhofftr. 41 bei Filicke.— Filiale C h a rl o t t cnb nr g. Somiabend, abends 8>/z Uhr, im Nestanrant Leder, Bismarckstr. 74: Mitgliederversammlung. Briefkasten der Redaktion. DI« jurisitschc Sprechstunde findet täglich mit AnSiiahllie des Sonnabends von?>/- bis t>'/z Uhr abends statt. L. G. Unsres Wissens ist M. noch lein Mandat angeboten worden; R. ist Ausländer.— Der Polizcibericht bringt durchweg nichts, was nicht in den Lokalberichten enthalten wäre.— Das Straßenverzeichnis soll bei Gelegenheit veröffentlicht werden. Spandau it. Ihre Mutter soll numdlich oder schristlich imter Dar- lcgrnig ihrer Lage bei dem Genicindevorstand Ihres Ortes einen Alltrag auf Unteistützung stelle». I. L. Sie haben nicht angegeben, welchen Inhalt Ihr Blies hatte. Vielleicht wiederholen Sie Ihr Anfrage. C. W. 25'Der Verpächter geht vor. Ihm liegt ein Beweis nicht ob. Der Erlös wird,' wenn Sie der Auszahlung an ihn widersprechen, hinter- legt und dann im Prozesse über den Anspruch des Verpächters entschieden. In dem Prozeß hätten Sie zu beweisen, daß die Pacht thatsächlich gezahlt sei.— Arthur M. Wenden Sie sich an den Stadtverordneten Hoffmann, der Mitglied des Kuratoriums ist.—(f. X. 100. Die Kasse hat recht. —<£. Sch. Ja: in einem Jahre nach Anfhebung der Verlobung verjährt die Forderung.— H. O. Nein.— Transvaal. Wenden Sie sich an das Auswärtige Amt.— P. L., Frankfurter Allee. Ja.— II. 02. Ja. — S. P. Eine ansdrückliche Kündigung ist nicht ersordcrlich aber zweck- mäßig.— H. B. 100. Nein.— Kienast. l. Ans Beleuchtung innerhalb der zur Benutzung des Hauses üblichen Zeit kann geklagt werden. 2. Gc- snndheitsschädlichleit wäre ersordcrlich. Solche liegt aber»ach Ihrer Dar- stellung vor.— Krosse». Die Bcaiitwortnng der gestellten Fragen hängt davon ab, od dort eine Zwailgsiiinung besteht und wie das Statut der Innung lautet, lieber die Frage, ob im Einzelsalle der Betreffende innungs- angehörig ist, entscheidet in erster Instanz die Aufsichtsbehörde(Magistrat beziehentlich Laudrat), bei der der Bcweffendc eine Entscheidung beantragen müßte.— A. S.. Darmstadt. Den Staatsangehörigkeits- Nachweis er- halte» Sie vom Rcglerungsprnsidcnten. In Ihrem Falle hätte ein Antrag a» das Amtsgericht, den Staiidesbcnmlen anzuweisen, von der Beibringung des Attestes abzusehen, nur vielleicht Erfolg.— ZI. 0. Sie müssen zahlen. — I. BS. 100. I. und 2. Die Frage» werden in der Praxis bejaht. Sie können Entscheidung bei der Gewerbedeputation, Stralauerstr.•!— 6, bc- ailtragen.— H. 20. 52. Der Bries hat denselben Wert als ob der Wirt persönlich unterschrieben hätte. Ob Sie eventuell zum 1. Oktober zu ziehen hätten, hängt von dem uns unbekannten Wortlaut Ihres Vertrages nnd des Brieses ab.- A. 500. Etwa 20 M.- Gtge». 1. Es ist ein vom Gericht zn genehmigender Adoptionsantrag ersordcrlich. Wenden Sie sich also an das Amtsgericht. Zllstimmung der Mutter und des Vonniindes ist erforderlich. Kostenpunkt sünszig Mark. 2. Ja. — Spiegel 00. 1. Wer alö Zeuge befragt wird, ob er eine Strafe erlitten hat, hat auch sogenannte Polizeistrasen anzugeben. In der Regel wird ein Zeuge nach etwaigen Strafen nicht befragt. Liegt dem Zengen daran, nicht befragt zu werden, so genügt ein Schreiden an daS Gericht(vor dem Termin) mit etwa folgendem Inhalt:„In Sachen(Aktenzciche») bin ich als Zeuge geladen. Ich bin dann nnd dann dcö und deswegen mit der und der Strafe bestraft. Ich bitte Fragen nach diesen Strasen nicht zu- lassen zu wollen. Wegen Meineides bin ich nicht bestraft." 2. Falls kein Testament vorliegt, erbt die Witlve»/«, die Kinder 3/t des Nachlasses. Ist die Ehe in Berlin vor"1900 geschlossen, so kann die Witwe innerhalb sechs Woche» nach dem Tode ihres Mannes erklären, daß sie nach märkischem Recht erben wolle, dann erbt sie die Hälfte der Masse, die ans dem Nachlaß unter Zulversung ihres eignen Vermögens gebildet wird. Diese Erklärung müßie in der gedachten Frist notariell oder gericht- lich beglaubigt beim Amtsgericht eiiigehen.— H. E, 20. L Nein. 2. Ja. Witte» nugsübersicht vom 20. Juni 1002, morgens 8 Ilhr. Wetter-Prognose für Sonnabend, de» 21. Juni 1002. Vorwiegend trübe, kühl und regnerisch bei ziemlich frischen Nordwest, lichen Winden. Berliner Wetterb»reau. Mr den Jnlialt der Jnscrate iilierniiiimt die Nednktio» dem Publikum gegenüber keinerlei _ Berantmurtung. EüeAtvv. Sonnabend, den 21.?iuni> Opernbaus. Robert der Teufel Anfang 7V- Uhr. Schauspielhaus. Macbeth. Anfang 7V- Uhr. Nencs Oper»- Theater(KroN) Gastspiel der königlichen Hofoper aus Stuttgart. Die kleinen Michus. Aniang 7»/, Uhr. In, Liederspielhaus: Offeubach Cöllns. Das Mädchen von Elizonda.— Der Regiments zauderer.— Frihchen und Lieschen. Anfang 8 Uhr. Schiller. Geschlossen. Deutsches. Es lebe das Leben. Anfang?>/, Uhr. Berliner. Alt-Heidelberg. Anfang 7l/z Uhr. Lessing. Geschlossen. Weste». Der Troubadour. Anfang 7-/- Uhr. Metropol.(Morwitz-Oper.) Martha oder: Der Markt zu Richmond Anfang 8 Uhr. Neues. Ledige Leute. Anfang 7'/- Uhr. Nesidenz. Einquartierung. Anfang 7»/- Uhr. Central. Coralie u. Cie. Ansang 8 Uhr. Thalia. Geschlossen. Belle-Alltance. Die Dame aus Trouville. Hierauf bei un- günstiger Witterung im Theater: Er. Anfang 8 Uhr. Carl Weift. Die Viper. Anfang 8 Uhr. griedrich-Wilhel», städtisches. Einen Jux will er sich machen. Anfang 7V2 Uhr. ®. b. WolzogeNS Buntes Theater (Ueberbrettl). Ansang 8 Uhr. Schall und Rauch. Serenissimus Zwischenspiele u. a. Ansang 8V, Uhr. «Polio. Lysistrata. Speclalitätem Vorflelluug. Ansang 3 Uhr. Nrichöhalleu. Stettiner Sänger. Ansang 8 Uhr. Passage- Theater. Specialitälen- VorsleNung. Anfang nachmittags 5 Uhr. Passage> Panoptikum. Speciali tüteiuVorstellimg. Urania. Tanbeusir. 48/tl».(Im Theatersaal.) Abends 8 Uhr Die deutsche Ostseeküste. Juvalideustraftr 57/(iS, Täglich: Sternwarte. Criitral Theatkr. Heute, den 21. Juni. Anfang 8 Uhr. Nur noch iveuige Aufführungen. Zum 161. Male: Coralie& Cie. Schwank in 3 Akt. v. Albin Valabreque und Maurice Henneqnin. In Vorbereitung: lToNr?Nikbüvgev Gesangsposse in 4 Akt. v. A. Schmafow. Musik von Kapeflnistr. Curt Goldman». Apollo- Theater Um 7 Uhr: Oarten-Konzert. Um 8 Uhr; Die sensationellen Mpecialitätcn I. Itangcs. Um 9 Uhr: Mit kolossalem Erfolg Paul Llnckes Ausstattungs- Operette Lysistrata mit dem Lufthallett„Grigolatlsl1 Kasseneröffnung 6 Uhr. ilgtropol-TliGatfir Anfang 8 Uhr. Pop. VorsteU. bei halben Preisen Morwltz-Oper. ei halben Preisen Martha. Sonntag: Ejü MZlleMIj. Grosse Oper in 5 Akten von Verdi. Montag: Carmen. Dienstag; Vranceschlnu PrcvoKtl. Belle-Alliance-Theater. Heute: Ornf- Konzert (2. Garde-Regiment). Die Dame itus Trottville Schwank mit Gesang u. Tanz in 3 Akte». Hieraus:.Gr-. Lebensbild in 1 Akt. Gartcn-Entree inkl. Vorstellung 30 Pf. Morgen: Don Darios Perraras spanisch Banduorla u. Lauten-Sextett. Sclutll und Rauch (Kleines Theater) Unter den Linden 44. Sonnabend, 21. Juni, abds. b'/sühr: Serenissimus- Achtung! WP- Achtung! 4. Wahlkreis(Südost). Tvohf Mlvmigs Z�nvlr �Neysurnnk» Mohlmeins Regler SMöHchen» Köpnicker Landstraße. ÜW" Sonntag, den ÄÄ. Jnni 190I: Irüy-Aa«zert. Billet IS�Pf. Die Zu zahlreichem Besuch ladet ein I Zill. Die au Sonntag, den IS, Junt, Kassen-Eröffnung morgens 4 Uhr. Btllet 15 Pf. KaiTeekiiche ist geOlfuet.(Liter 60 Pf.) Das Komitee. verausgabten Billets behalten Ihre Gültigkeit.| Urania. Tauben-StraBse 48/49. Im Theater um 8 Uhr; Die deutsche Ostseekiiste. CASTANS Panoptikum Frledrlch-Strasse 165. Photographische Aufnahmen von der Insel Martinique und von den Schlachtfeldern Transvaals. Im Konzertsaal: Schwedische Künstlerkapelle 4 Damen, 2 Herren. FXSSSS | Passap- Der weibl. Affenmensch. Die Seejnngfer. Der Tlgcrknabc. Von nachm. 4 Uhr VzStündlich Damen-Rinfkampf. Alles ohneExtra-Entree Passage-Theater. Anfang Sonntags 3 Uhr, Wochentags 5, Ende 11 Uhr. \V Uly Pra gei- 16 Elite-Nnnimeru. Vrottt-TIieotkr Kastanie»- Allee 7— S. Täglich:-9m Durch fremde Schuld. Volksstück mit Gesang in 3 Akten. Ballettgos. Catrlni. Tyrolienne Mary Ellyt. Grotcsque-Kom. Paul Coradlni. Brothers Fred, musik. Excenlrics. Mr. Bartllng, leb. Photogr. Fred Marzahn) Troupe, Pantom Muslkantenstrelche. Bartlinge elektrische Feerief(3000 Gliihkörpcr.) Konzert u. Ball. Anfang 4 Uhr. Eintritt 30 Ps., numerierter Platz 50 Pf. Kalbo. _ Eröbela Allerlei Theater früher Pnlilmann"Tp® Schönhauser Allee No. 148, Durchweg glanzvoll erneuert l Täglich: Gr. Garten-Konzert, Theater, Specialitälen-Vorstellung. Kommen! Sehen! Staune»! Allnhenhlich stürmischer Beifall des erstklassigen Riesen-ProgrammS! Im Prachtsaal: ' Sommertheater Marienbad Badstr. 35/36, Gesuiidbruiinen. Täglich: Gr. Specialität-Vorstellg. Berliiler Waschermhel. Mittwochs und Sonntags: Bali. Entree 20 Pf. vstbuliu-kark. Am Küstrlnerplatz. Büdersdorf erstr.7I. Sennaull Imbs. Täglich: Gr. Mml Theater uud Specialttäteu Uorstelluug. kMm Garten Am KOnigsthor 42021'* Am Ecicdrlchshain gnp' Täglich:"TPö flottiert Thtliter, Spttioli- tiitett-Vorsiellttttg ilttd M, Freier Dainentanz bis 7 ilhr. lo�uhr: Sttsilttile litt Bade. vr. Simmel, Prinssnstr. 41. Specialarzt für 25/17' Bant- nad Bacalcidc». 10—2, 5—7. Sonntags 10— 12,*4| 2 Franz Uugerberg früher Trtptott>,Alte fltttscherschtttke empffehll allen Freunde» und Be- kannte» sein neu renoviertes Nestau- rant„Marieuthal-, Baumschule»- weg. Baumschulenstr. 64, Ecke Eaniier Chaussee. Schattiger Garten, zwei Kegelbahne», Familien können Kaffee kochen; viS-a-vis Wald. 4392L» Clgarren- u. 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Allen Bekannten und Kollegen, die bei der Beerdigung meines lieben Mannes ihm die letzte Ehre erwiesen haben, sage ich hierdurch»leinen herz- lichsten Dank. 3326 Ottilie Stclter nebst Kinder». Adlershof. Restauruut Becker Oppenstr. 50. Sonntag, den 15. d M.: Grosses Fahrrad- Ausschieben 328b* auf der Kegelbahn. Freunden und Bekannten die Mit- teilung, daß ich 9, Nauuuustr. 9 ein Weiss- n. Bayrischbier- Eokal mit Billard und Vereinszimmer eröffnet habe. 4348Ö* Ersuche um geneigten Zuspruch. P«iil liier. IfDfr Arlikiter. Jeder Handwerker sollte zur Arbeit die Lcderhosc�Herkales tragen. Allein-Berkauf. Sehr starke Ware in praktischen graue» u. braunen Streifen, auch einfarbig. Am Bund aus einem Stück gearbeitet. Sehr feste Kapp- nähte. Haltbarste Pilot- Taschen. Große Flicken umsonst. Die Hos« bei Emnahiue von 6 Stück 26 Mk. 4 3)11. 50 Echlblaucs Monleur- Jackett i M. 90 Echlblaue Monteur-Hose.. 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Yolkshans(neuerbant), Nosinenstraße 3. — Am Sonntag, den 22, Jnni 1902:— Drittes Stifftungs-Fest des Arheittt-MWer-Ltttitts Chllelotteiibttrs (Mitgl. des A.-R.-B.„Solidarität-) Belustigimgen aller Art. Preiskegeln. Gefangövorträge, Reigensahrcn uni dergleichen mehr.— Mx- Allfang 4 Uhr. ___ Sportfreimde und Genoffen sind hiermit freundlichst eingeladen. 230/2 Das Komitee. Nllztung! Ncht»t»»g! Gau IX, Gross-Berlin. Arbcitcr-Nndfahrerbiiiid �Solidarität". Am'0. Juli, vormittags plinklich 10 Uhr, findet im..Elysinm", Landsberger Allee 40/41, eine Kornblutette Versammlung der Bundesvereine von Gross-Beriin zwecks Neuwahl des Gesamtvorstaudes statt. 3Z0b DaS unterzeichnete Komitee bittet daher, an diesem Tage von einer Tagestour Abstand zu nehme» und zahlreich die Versammlung zu be- suchen.— Alles nähere stehe Annonce in nächster BundeSzcituiig. Mit Brudergruß„Frisch auf!-: Das BJahlkoinitee. Amt iv. ms.■ubbsbsqbbkihi Trent ntn Bade s Volksgarten /V/AvIrlylU« Haltestelle der elekttischen PultstlllstL. Straßenbahn(Siemens). Schöner schattiger Garte». Qt Strosse gedeckte So»»,, erhalle. VnZ'tTm: SttttialiMtt-Msttllttttg. �"fang'äuhw' Im vergrößerten Parkett-Splcgclsaal: Ball.— Kaifeekäehe. Beiehhaitige iSpeiseakarte.— Wrohlgepflegte Biere.— Vereinen zu Sommerfcstcn bestens empfohlen. Platz für 2000-3000 Personen. 4431L» Restaurant„Wilbelmshof", Hirsehgarten. Am Bahnhof lllrscbgartcn. Jnh. W. Keller, Gastwirt. Empfiehlt den Berciuc» und Gesellschaften seinen schönen schattigen Garten, ca. 2000 Personen saffend, groben Saal, Kegelbahnen, Kaffeeküche. Gntgcpflegte Biere u. SP eilen zu jeder Tageszeit. Volkshslustlgungsn. MF- Auch zu erreichen Köpenick von BaHnHofftrabe, Kaiser Wilhelmsttaße, «tnbeurauchstraße(neue Straße nach Friedrichsh.) Radfahrer Pumpstation. Jeden Sonntag: ?sul Hilports Röstaurantu. Garten Ifalensee, Ki»rfürste»»da,»»>»» 1Ü0. Erste Haltcstation für Kremser, Fiißpariien usw. am Bahnhof Halcnsee. 'liere. Neichhaltige Speisenkarte zu kseiuen Familie» können Käsfee kochen.-ME f Vorzüglich gepflegte Biere Preise». � 1 Zahlreichem Beluch sieht ciitgege» Paul Hilpert. In Folge grosser Abschlüsse in Teppiehen, Portieren, Gardinen, Stores, Divan-, Tisch- und Steppdecken, Läufern, Möbelstoffen und Plüschen sind wir in der Lage, solche für die HttlftB tlCS rCgil- lären Wertes 2um Verkällf SU stellen, und können wir Lagerbesuch nur dringend empfehlen. 43598 Teppichhaus Adler& Co.9 KöulgHtr. 20— Äl, dicht am Rathaus. Verantwortlicher Ned«4eur: Carl Leid ui Berlin Für den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin St. 142. 19. 2.{ifilnjt Ks.FsrM»" Strlintt öollisbtatl s™«">» Wirtschaftlicher Wochenbericht. D? r l i ii. den 20. Juni 1902. Die Stimmung der Börse zeigte auch in letzter Woche tviedcr allricureine Geichnftsuiilust. An irgend loclchcn kräftigere» Au- regniigeii febltc es gänzlich. Bon dem erwarteten stimulierende» Eiiifliisz des Friedensschlusses ivnr, da die Londoner Stock Exchange entgegen allen früheren Booin-Prophezeinngen in schwächlicher HciU tung verharrte, nichts zu spüren, und die kleinen klinstlichcn Auf« muntcrungen, die durch das Inumlaufsetzen unbestinnnter Gerüchte über die Lage des Ruhrkohlenmarkts und üdcr bevorstehende neue Fusionen hervorgebracht wurden, vermochten Mir zeitweilig ein leichtcS Anziehen der Kurse einzelner Speknlativnswcrte herbeizuführen, daS bald lvicder in der allgemeinen Mattigkeit unterging. An »nehrere» Tagen konnten selbst sür die wichtigste» leitenden Bank- und Jndustrieivertc keine Anfangsknrse festgestellt werden; und soweit ein Verkehr auf den verschiedenen Märkten stattfand, vollzog er sich schwerfällig und schleppend. Die ÄurSveränderinige» der Berichtswoche sind natürlich unter diese» Verhältnissen»nr minimale. Die allgemeine matte Haltung bewirkte zunächst ein zunehmendes leichtes Nachgeben der Kurse, das bis Mittwoch anhielt; die gestrige Mcidnug von einer besseren Disposition der Londoner Börse. rnr der die Minenwerte nicht nur ihre Kurse behaupteten, sondern teilweise sogar clivas zu erhöhen vermochten, während man vielfach noch auf größere Nenlisationen vor- der beginnenden Ultimo- Liquidation und ans daraus sich ergebende Kursabschläge gerechnet hatte, ferner das vorgestrige lebhaftere Geschäft in New Kork und günstigere Nachrichten vonr amerikanischen Eiscnmarkt führten jedoch gestern auf fast allen Gebieten zu einer Erholung. Specicll reagierte der Montanniarkt auf diese Nachrichten mit Kurs- steigcrungen von 1—2�/2 Proz. Lange vorgehalten hat indes diese Hausse en miniatnre nicht; auf die schwächere Haltung New Uorks und des Londoner Minenmarktcs trat bereits heute auch hier wieder eine Algchivächnng ein. Die Folge ist, dah ein Ver- gleich zum Stand am vorige» Sonnabend die wichtigeren Bank-, Eisen« und Kohlcnakticn durchweg geringe Abschläge aufweisen, während Bahnaklten sich im ganzen z» behaupten vermochten. Wie der Börsenverkehr sich immer schleppender gestaltet, so auch die Verhandlungen in Moabit gegen die Leiter der Spielhagcn- Vaiile». Wer auf die Nerven prickelnde, sensationelle Enthüllungen gerechnet oder geglaubt hat, der würdige Leiter der angeklagten Klique müsse, da er doch Millionen über Millionen zu.verdienen" verstanden hat, so etwas wie ein diabolisch- genialer Krastmcnsch sei», findet sich schmählich enttäuscht. Der seltsame Gedächtnisschwund, den Herr Eduard Sauden im GcrichtSsaal zeigt und der so weit geht, dag er sich selbst der wichtigsten Transaktionen und Buchungen, ja selbst nicht mal mehr der Namen der Mitglieder des .Konsortiums für Aktien der Aktiengesellschaft für Grundbesitz und Hypolhekenverkchr" zu erinnern weih, dürste allerdings nur so lange anhalten, als Herr Sauden vor Gericht' steht. Dieser merkwürdige GcdächtniSschwnnd, der dem früheren Leiter der Sande»- Bank- Gruppe über Nacht gekommen ist, gehört eben zum Jnventarbcstand seiner VcrteidigniigS- taktil, die darin besteht, von vornherein nichts zuzugeben, den Richten, oder vielmehr den Sachverständigen alle, auch die kleinsten Nachweise und Feststellungen zuzuschieben; lven» diese endlich seinen geschäftliche» dunklen Gängen auf die Spur sind, ihre Angaben zu bezweifeln und fchliehlich, wenn seine Tricks aufgeklärt sind, sich dieser absolut nicht cnlsinnen zu können, oder sie als all- gemein übliche GeschäflSbränche hinzustellen, die in der Bankwelt gang und gäbe sind. Elivas weniger bieder und einfältig, als Herr Eduard Sande» sich jetzt giebt,' muh er deshalb also schon eingeschätzt werden; aber von einem genialen Finanzkünstlcr hat er recht wenig an sich, ja, manche der enthüllten, von ihm vcranlahtcn Schiebungen zwischen den einzelnen Jnstilnten dir Bankgruppc müssen sogar als recht plump gellen. Herr Cduard Sauden ist lediglich ei» Geschäftsmann, wie hundert andre auch; vielleicht nicht dümmer, aber auch nicht schlauer. Seine Ueberlegenheit liegt in der Hauptsache in seinem Vertrauen auf sich selbst und in der Meinung, dah es der größte Fehler ist, bis zum Beweis de« Gegenteils die VcrstandcSkräfte seines liebe» Nebcmnensche» allzu hoch ein- zuschätzcn. vor allem dann, wenn dieser Ncbemncnsch in einer AnfstchtSbchörde sitzt oder den sogen. Negicrungs- oder Hof« kreisen angehört. Nnd daß seine Ansicht, Oxenstiernas bekannter Ausspruch hätte auch für die jetzige» prenhisch-neurcichsdcutschen Ver- Hältnisse noch seine Geltung, nicht so ganz unrichtig ist, beweist die Thatsackie, dah er jahrelang unbehelligt sein Spiel treiben konnte und zu den Hofkrcisen Beziehungen unterhielt. Selbst für den Finanz- Fachmunn haben die Verhandlungen in Moabit im ganzen nur ein untergeordnetes Interesse; den» im lvesentlichen waren die vorgekommenen Schiebungen bereits bekannt, oder es lieh sich wenigstens auS den verschiedene» in die Presse gedrungenen Angaben und Andeutungen auf ihre Natur schlichen. Was die jetzigen Gerichtsverhandlungen bieten, sind nur einzelne Ergänzungen und Details zu dem schon Bekannten. Immerhin be- finden sich unter den Feststellungen manche, die zn denke» geben, da sie nicht nur auf die Bankpraxis der Sanden-Gruppe, sondern der Hhpothckenbanken in» allgemeinen ei» recht seltsames Licht»verseil. Als eine der ivichtigsten dieser Feststellnnge», die in ihrer Gesamtheit zn erörtern hier zn iveit führen»vürde, kann die Aussage des Baurats Hcgemann über das Taxations- verfahren bei den Hypothekenbanken gelten. Bekanntlich hatte die Neue Berliner Baugesellschaft(jetzige Neue Bodengesellschaft) im Dezember ISSS auf ihre Grimdstncke M/t Millionen Mark Hypotheken zu Gunsten der Deutschen Grundschuldbank. ohne den Gegenwert in Valuta empfangen zu haben, eintragen lassen. Später ivnrde der Wert dieser Hypotheken von der Revisionskommission ans ca. 800 000 M. geschätzt; es hatte also eine dreihigfache lieber- beleihung stattgefunden. Sachverständiger Taxator für die Beleihnng ist der Baurat Hegemaiin gewesen, der in einem Schreibe» an das Gericht seine kuriose ütaxe damit entschuldigte, dah er seine Taxationen als blohe Formsache angeschen nnd sich»ach der Meinung des Direktors Sauden gerichtet habe. Da die Dirck- tionrn von Hypolhekeubanken einen Auftrag zur Taxation eines Grundstücks niemals erteilten, wenn sie sich nicht vorher selbst vergewissert hätten, so sei die Taxation durch einen Sach- verständigen in den meisten Fällen eine blohe Form. Wie er»vciler an GerichtSstclle erklärte, habe ihn, innner zugleich »nit dem Auftrag zur Tnxicrnng die Direktion mitgeteilt, wie hoch die Taxe laufen' müsse, und er habe bann einfach die Höhe seiner GrundstückSbeivertung danach eingerichtet. Das sei, sagte H e r r H e g e in a n n. s e i n e r E r f a h r u»i g nach l> e i a I l e n Hypothekenbanken Gebrauch; nnd darin hat er keines- wegs so ganz unrecht. Wird auch die Sache nicht immer so oberflächlich betrieben', wie beim Sanden-Conccrn. so ist doch die Taxation durch den Sachverständigen, der seine Jnslruklionen von der Direktion empfängt, von dieser bezahlt wird nnd sich nach deren ans- gesprochenen oder unausgesprochenen Intentionen richten muh, wenn er Taxator für sie bleiben will, innner mehr oder lvcniger eine blohe Fonnalität. Die eigentliche Taxe nincht die Direktion; die ja auch erst meist dann de» Auftrag ans Taxierung erteilt, nachdem sie bereits die Beleihung zugesagt hat. Noch seltsaincr als dieses TaxationSverfahren ist die BnchungS- incthode, die bei den Spielhagen-Banken befolgt ivurde. Besonders charakteristisch sind hierfür die Buchungen, die die Herren Sauden nnd Puchmüller zur Verdeckung ihrer privaten Terrain- spekulationcn vornehmen liehen. Wie die Sachverständigen erklärten, hat zum Beispiel nach zahlenmähiger Aufstcllinig die Deutsche Grundschuldbank von beiden S 697 745 Mark Hypotheken erhalten nnd ihnen 1 758 000 M. bare? Geld geliehen, so dah sie im Laufe der Jahre 7 939 745 M. mehr erhalten als sie zn fordern hätte. Wohin diese Summe vcrschiviinden sei, liehe sich nicht seftstcllcn. Auch wenn man die Conten der verschiedenen Gesell- schaftcn miteinander vergleiche, so ergäben sich sehr merkwürdige Dinge: So hatte beispielStveise im Jahre 1892 die Preuhenbank nach ihren Büchern der der Aktieiigesellschaft ein Gulhaben von LS Millionen, nach den Büchem der Aktiengesellschaft aber nur ein Gulhaben von 17 Millionen. Die Bücherrevisoren Kruse und Huschke bemerkten dazu. daß die Conten der einzelnen Gesellschaften nicht stimmten, sei eine ganz natnrgemähe Sache, denn die Angeklagten schoben die Salden, wie sie sie haben wollten; die in den Conten sich ergebenden Differenzen erklären sich dadurch, dah bei der Preuhenbank Buchungen vor- genoimnen wurden, von denen die Aktiengesellschaft nichts tvuhte. Dies« Buchlmge» wurden im folgenden Jahre einfach wieder storniert. Ein recht kurioses Verfahren: zuerst wurden demnach, um die gewünschten Salden(Ueberreslstiinmeu der Conten) zu erhalten, ab« sichtlich falsche Einiragimgcn vorgenommen und diese dann später „storniert", d. h, als irrtümlich gebucht behandelt und durch ent- sprechenden Vermerk auf der Gegenseite der betreffenden Conten aus- geglichen. Auch die Tauticmenbercchuuiig war sowohl bei der Preußischen Hypothekenbank als bei der Aktiengesellschaft für Grundbesitz und.Hypothekcnverkehr eine recht sonder- bare. Von den Gewinnen, welche die Aktiengesellschaft in einem Geschäftsjahre machte, wurden nämlich die Tmilicmen zwar alljährlich in voller Höhe berechnet und ausgezahlt, aber die Gewinne selbst nicht vollständig- zur Verteilung gebracht, sondern zum Teil aufgespart. Der aufgesparte Teil wurde dann in die Gewinllrcchniing des nächsten Jahres vorgetragen und, ob« Ivohl die Tantiemen von ihm schon gezahlt Ivaren, im nächsten Jahre bei der Tmitieinenberechnung nochmals berücksichtigt, daS heißt also von dem Vortrag die Tantieme zweimal bezahlt. Doch das ist noch nicht das schönste an der Sache. Wie Dr. Sello miter Berufung ans die Akten des Polizeipräsidiums versicherte, hat die AlifsichtSbehörde bei ihrer sorgfältigen Prüfung der Verhältnisse diese Art der T a n t i e m e b e r e ch it u i' g n i e m a l s m o n i e r t. Noch ist der Prozch gegen die Herren Sauden und seine Glinst« liuge nicht zn Ende, einen Beweis aber hat er zweifellos erbracht: dah gegenüber Praktiken, wie sie beim Saiideii-Concern üblich waren, Staatsaufsicht und Hhpothekengesetz- Bestimm, mgen gröhtenteils versagen, und daß der Wert der Bilanz-Ansivcise noch immer zu' hoch eingeschätzt wird. Etwas ist das Publikum durch die Erfahrungen der letzten beiden Jahre ja schon von seinem Aberglauben, dah sich ans den übliche» Bilanzen die finanzielle Lage eines Unternehmens erkennen lasse, zurückgekommen, doch stößt man noch immer ans sonst ivohl unterrichtete Menschen, die wirklich glauben, die heutigen Bilanzmisweise lieferten die Materialien für die Bildung eines genauen Urteils über den wirtschaftlichen. Stand eines Unternehmens. Dieser falschen Auffassung kann nicht oft genug entgegengehalten werden, dah Bilanzen höchstens einen Anhalt zur Beurteilung liefern, und zwar oft weniger durch das, was in ihnen sieht, als was nicht darin steht, aber der specicllcn Art des Unternehmens und seiner geschäftlichen Verbin« düngen nach darin stehen mühte. Damit soll nicht gesagt sein, bah die staatliche Aufsicht nnd ein weiterer Ausbau der Hypothcken-Gesetzgebiiiig überflüssig seien; eS giebt eine ganze Reihe gesetzlicher Vestiniinungeii, die einer griind« iichcn Revision bedürfen, darunter vornehmlich die Stellung des Treuhänders gegenüber den Direktionen der Hypothekenbanken' und das heutige private Taxwesen, das der Kontrolle staatlicher Tnxämter unterstellt Iverden mühte. Aber wo wirklich die Absicht besteht zu täuschen, werden bei der zunehmenden Kompliziertheit der betreffenden wirtschaftlichen Verhältnisse alle derartige» Mahnahmen doch mir wenig helfe». Weit sicherer_ würde — und das gilt mich von den Kreditbanken wie von' den Altiengesellschaftcii überhaupt— eine gesetzliche Regelung des Verhältnisses des Anfsichtsrats zu den Direktionen nützen, welche die Thätigkeit des Aussichtsrats imd sein BcaufsichtigungSrecht er« weitert nnd ihm die Pflicht häufiger Revisionen auferlegt, dafür aber andrerseits die Regrehpflicht des Aufsichtsrats be» deutend ausdehnt. Heute ist meist das Amt eines Aufsichts- ratsmitglicdes eine Sinekure, die oft mir das Anweseudsein bei einigen Sitzungen und das Unterschreiben von einigen Schriftstücken beansprucht, dafür aber oft' enorme Summe» abwirft. ES entspräche nur den allerbcschcidensten Anforderungen der Billigkeit, wenn daS Aufsichtsratsmitglied dafür etwas mehr an Arbeitsleistung und ein einigermaßen entsprechendes finanzielles Risiko übernähme. Dat. Qüutücti. Metallarbeiter-Verband Terwaltnngsstcllc Berlin. Bureau: Engel-Ufer IS, Zimmer 1— S, Telephon Bmt 7 S?r. 353. Sonnabend, 81. Juni, abends 8»/, Uhr, bei Karl Fischer, Waldstr. 8: Konferenz der Vertrauensleute für Moabit. Sonntag, SS. Juni, vorm. S'/r Uhr, im Englische» Garten, Nlexanderstr. ä7c: Versammlung der Metallschleifer. 1. Vortrag des Genossen Walderk Mauassc über:„Zertrümmerte Götter". 2. Diskulsto». 3. Bericht der Agitationskomiuission über die Thättgkcit im verflossenen Geschästsjahr. 4. Neuwahl der Agitationksonnnissioii und des Brancheiwertreters. In nnbeirncht der wichtigen Tagesordnung erwarten wir das Er- schetiien aller Kollegen. Besonders die Kollegen des Nordens dürften eS sich angelegen fein lassen, mehr als bisher sür den Besuch der Versammlung zu agitieren. Die Versammlung wird pünktlich eröffnet. Sonntag, den SS. Juni er.: Ulllttt Mi! latitfit nadj Wsdliiii. Treffpunkt: Nieder-Schöneweide(Bahnhof) 6,04 morgens. Schlesischer Bachnhos 6,33. Bahnhof Alexanderplatz 6.30.— Potsdamer(Waimsee-) Bahnhof 6,30. Potsdamer Hauptbahnhof 6, So. 116/13 Für Nachzügler bisSUHr: Potsdam, Glasers Restaurant, Branden- vurger Kommunikation 16; bis 1 S U h r: Victoriagarten. Alte Luisenstr. 32. Sonntag, de» SS. Jnni, vormittags Iv Uhr, bei Wetzet, Wrangelslr. 136 i Morgensprache der Schranbettdreher. DienStag, S4. Jnni, abends S'/e Uhr, im Dresdener Garten, Dresdenerstrabe 4S: VersÄlMlnluttg her Colh- ii. Silbembeittt niib BttUssgeuHil. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Dr. Wollheim über:„Das Erdinnere und die vulkanischen Ausbrüche." 2. Diskussion. 3. Vcrbaiidsangelcgenheiten. Zahlreiches und pünktliches Erscheinen erwartet 116/1S »ic Ortsvcrwaltnng. ItiiMer HcharbeitMerlmh. Zahlstolle Berlin.(Bezirk üloablt). Sonntag, den SS. Jnni IvvS, vormittags 10 Uhr: Bezirks-Bersammluiig in Ahrens Brancrci, Tnrmstraße SS— SS(kleiner Saal). Tages-Ordnung: 1. Die Bedeutung der Gewerkschaftsbewegung in der Arbeiterbewegung. Referent Reichstags- Abgeordneter Rechtsanwalt Wolfgang Heine. 2. Diskusston. 3. Wabl des Bezirksleiters, des Schriftführers und der Beitragssanniiler. 4. Verbandsangelcgenhetteu und Verschiedenes. DM- Die Versammlung wird pünktlich eröffnet."MG Um zahtrelches und pünktliches Erscheinen ersucht SS/2»_ IMe Ortwverwaltnng. Verband der Möbelpolierer. Versammlungen s Heute abend S1/, Uhr, Welsscnsce, RSItestrafte 80. Tages-Ordnung: 1, Vortrag deS Kollegen V-rmutli:„Aus der Entwicklungsgeschichte des Menschen". 2. BerbandSangelegenheite». 3. Verschiedenes. Montag, den 83. Jnni, abends 8»/- Uhr, Admtralftr. 18 e. Tages-Ordnung: 1. Vortrag von Frau Ate s«I über:„KapitalisniiiS und Armut". 2. DiS- kufsion. 3. BerschtedeneS. � Montag, den 83. Jnni. abends 8V,Nhr. Friedrich«arlstr. 11. Tages-Ordnung: 1. Vortrag. 2. Wahl eines Zahlslelleii-Kassierers. 3 Verschiedenes. - ♦- MW- Morgen, Sonntag, vormittags 10 Uhr, Pofenerstr. 10: Vorstands-Sitzung nnd Abrechnung der Billets zu der am 29. Juni statt- findenden Danipserpartte.— BiNets stnd heute abend von 8—10 Uhr in sämtlichen Zahlstellen zu haben. Daselbst Entgegennahme der Beiträge. 146/9 Iber Vorstand. Montag, de» 83 Jnni, abends 8'/, Uhr, im Bolkshans, Roflnenstr. 3: Otsseiltl. Doliarlikttkr-NeOmnilliilg Tages-Ordnung: Vortrag des Kollegen Belnlnxer aus München. ES ist Pflicht aller Holzarbeiter, in dieser Versainmliing zu erscheinen. Her Einberufer. Montag, den 83. Juni, abends 0 Uhr. in„Wernaus Slalon"- Schwedterftr. 83: CewerksiMI. inner- n. Frnuen-Ynninlnns. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Str»»>«r über:„Kampf ums Tafein". 2. Diskulsion. 3.„Die Zustände der in de» Reinigungs-Jnstituteii be- schSftigtcn Frauen und deren Löhne, ebenso der in den öffentlichen Bedürsnis- Anstalteu beschäftigten Frauen". 4.„Der entstellte Zeitungsbericht im „Vorwärts" der gewerkschaftlichen Frauen-Versauimlnug in Moabit vom 7. Jinii durch den Berichterstatter Ströhlinger". b. Verschiedenes. WM- Um zahlreiches Erscheinen der Zeitungs-Austrägerinnen, Auf- Wärterinnen, sowie der Frühstücks-Austrägerinnen und Waschfrauen bittet 290/4 Ber Vorstand. Wo? ist ein schöner Ausenthalt, schön zu Fiib, Rad und Kremser zu erreichen? Beim alten Freund auf Pichclswerder.— Für gute Küche usw. ist immer bestens gesorgt![37768* -O Musik: Elektrisch.> Einladung zur anfferordentlichen Gttitwl-VersMtiilililg der gewählten Vertreter der OrtS- Krankenkasse für den Gemeinde- Bezirk Lichtenberg zum Sonnabend, den 28. Juni d. I. abends 8>/z Uhr, im kleinen Saale de?„ S ch w a r z e n Adlers" Hierselbst, Frankfurter Chauffee 120(Haupt- eiNgang rechts). 273/16 Tagesordnung: 1. Antrag von 30 Delegierten: Begründung»nd Beschlustfassung einer Beschwerde an den Minister über die AusterfunktionSsetzung deS Kaffenvorstandcö. 2. Antrag v-on 18 Delegierten Entsetzung lämtltcher Vorstands- Mitglieder von ihrem Amte. Bemerkung: Den unterm 16. Juni gestellten Antrag zu Punkt 2 habe ich noch auf die Tagesordnung gebracht, obgleich»r. E. ein soWie'r Bcschluß ungesetzlich ist. Dick beantragte Neuwahl des Gesamt- Vor- standes sogleich mit auf die Tages- orduuiig derselben Gcnernlversamin- lung zu bringen, lehne ich ab. Lichtenberg, den 20. Juni 1902. Ter zur Wahrnchmuiig der Geschäfte des Borstandes der OrtS-Krankeukaffe für de» Ge< m eiiidcbezirk Lichtenoerg bestellte Kommiffnr. Kauf fm an«. Kinderwag., Sport-. Kasten- Leiter- u. Ziegeubockwagen, Eiserne Bettstellen u. Kran- kenwagen für Er- wachsen« u. Kiu- der. Preise dill. Auch Teilzahlg. A.W. Schulz 8. Brurnisiut. 95 a.Bhf.Gesunddr. Ferirsp.IIl. 1767 ?5WinMl)U?5 soinit Jetzt Vorrat kanten. 100 Sk.Scufteub.BriquettSOZoll 0,50 100„ Riesenkohle..... 7„ 0,60 ungepackte Prestkoblen. Ceutner. 0.65 1 Scheffel Nutz II Königshütte. 0,85 1 Hell. kl. gemahlener GascoakS 1,10 Zum Abholen borge 25 Handwagen. JliS Haus bei 3000 Stück a 1,25 M. mehr. Josef Fischer, Mitte Brombergerstrafie 19.* Ctiitrlll-Krgiikttt- u. Sterbe- Kasse der Tischler n. andrer gewerblicher Arbeite«. (E. H. 3, Haniburg.) (Filiale Berlin F.) Sonntag, den 22. Juni, vormittags 10 Uhr, bei Wernau. Schwcdterstr.23/24: MitglieberHersammlinig. Tagesordnung: 1. Festsetzung des Gehalts u. Ber- gütigung der Ortsverwaltung. 2. Wahl der gesamten Ortsver- waltuiia und der Beitragsammler 3. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. Regen Besuch erwartet 183/7 Tie OrtSverwaltnng. NB. Am Sonn abend, den 5. Juli, findet für die Invalide» ein groftes Gommerfeft in FröbelS A l l e r l e i- T h e a t e r(früher Puhl- man») statt. DaS Krankengeld wird am Sonn- abend, den 5. Juli, nachmittags 3'/, bis 4>/- Uhr, ausgezahlt. D. O. »In scliönstnn Herren- Aiizüge. Herrcngarderobe in neu, sowie speciell 4274L* Monatsgavderobe von Kavalieren zurückgelegte Sachen, fast neu, für jede Figur paffend, sind in gröstter Auswahl zu staunend billigen Preisen stets zu haben. J. Wand, Priiizcilssr. 17, Ecke Wafferthorstraste. kreis Scholle. Die Mitglieder dieser Baugenossen- schast in WaidmannSlust veranstalten dort am 22. Juni eine Nachfeier deS Sommerfestes, wozu Freunde und GesimiuiigSgenoffen eingeladen sind. Straild-Rcstiiilt'llilt Mügg'-lf-e zwisch. MiiggelschloiHl. Aussichtsturm. EmpfeHte Fabriken, Vereiueu und Korporationen für Sommervergiiügen u. Ausflüge mein großartig gelegenes Lokal. Saal für ca. 3000 Personen, Hallen, genügende Nebenräliuie. Be- lustigungen aller Art. Coulante Preise. 3öl3L* M. Begebrodt, „Strandschtosi", Köpenick. » JANDORP& Q= Spittelmarkt 16-17 Leipziger Strasse 64 Belle Alliance-Strasse 1-2 Grosse Frankfurter Strasse 113. Bade- und Reise-Artikel: iJ PAGLIAIMUr seit 1838 bewährtes und altes I Erfrischungs- u. Reinigungsmittel für Blut u. Säfte! Jede Flasche und Schachtel tragen den Namenszug des Prof. Girolamo Pagliano, Florenz, auf blauem Grunde. Zu haben in Apotheken. 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Gravenhorst, Wäschesabrik, Greiis- walderfhabe 13. 150/12* Phantastcfedern-Arbeiterin, auch lernen, verlangt Fänger, Sorauer- straße 11._ tl50 Belegeri» für Gold leisten sucht Erich Probst, Köpentckerstrabe 37.* Achtvllg! Gesperrt sind folgende Werkstätten: Leibe u. Co., Grobbecrenstr. 54. Tischler und Maschinenarbeiter. Grün n. Hettwig, Gneisenanstr.44/45. Wegner, Wilmersdorf. A. Schulz, Skrantstr. 18/19. Scheffl«, Pctersburgerstr. 77. Einmeluth, Dieffenbachstr. 33. 83/3* Tie OrtSverwaltniig. Alhtvllg! Hvlzarbeiter! Zuzug von Tischlern und Drechslern Werlstatt Max Kirchstein, Spanda», ist fernzuhalten. Die Ortsvertvaltnnß des deutsche» Holzarbeiter- Verbandes, Spandau. Achtung, Tischler! Gesperrt sind folgende Werkstätten Aldart Schultz, Krautstr. 18/19. A. Schätflor, Petcrsburgerstr. 77. Gernandt, Eisenbahnstr. 11.: Zuzug streng fernzuhalten. 186/20* Der Fachverein der Tischler. -d.chtanL l Brauerei-Arbeiters Die Differenzen in der PatzenHos« Brauerei sind noch nicht geregelt. Tie Zlgitations-Koinmi" Ott. Achtung! Vergolder! Die Firma Günther, Andreas» strabe 10, ist für sämtliche Branchen gesperrt. 225/18» Die Ortsverwaltttn�. Verantlvortlicher Redaclmr! Carl Leid iu Berlin. Für den Jnieralenteil vnantwortlich-«b-«locke in Berlin. Druck und Verla» von Max Badiug tu Berlin.