Jlv. 143. Abonmmeilt»-Kcdwgiliigen: Abonnements-Preis pränumeranb»! vterleljährl. Z,SV Ml., nlonatl. UOMI., »vöchenlltch 28 Pfg. fiel tni Hau». «iiiMtne Slumm't 5 Pfg. Sonntag»« Plummer mir lUuhtWtittr Sonntag»« «ctlage.Dte Neue Well" w Plg. Post- Abonnement: I.lv Marl pro Mona«. Eingetragen in ver Post-Zettung»- Vre i»ltste für 1902 unter Nr. 7878. Unter lhenjtmnb für Teullchland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da« übrige Autland 3 Marl pro Monat. Arfchelnt lügllch»uster Zvonlag», Devlinev Volksblerlk. IS. Jahrg. Ii« Instrtlons-Gelillyk betrügt für die fechSgefpaltens Kolons!« »eile oder deren Raum»o Pfg.. für politische und gewerlschaflltche VersinS- und Versammlung»-Anzeigen 20 Pfg. „Nlelnr Zlnfeigrii" jede» Wort 5 Pfg. größere Laste» zu tragen als mit der Versicherung. E« fragt sich weiter. ob in den„vor- zeitigen und unreifen Forderungen" etwas Unnötiges gefordert wird. Aber der Ausdruck„vorzeitige Forderung" beweist, daß die Forderung an sich begründet ist, sie kommt nach Ansicht deS Staatssekretärs nur zu früh. Diese Ansicht ist mir eine rein silb- jektive und ivird von dem, der«uter einem bestehende« Ucbcl z» leiden hat, auf jeden Fall ganz auderS beurteilt. Würde der Teil der Versicherung, den Ivir jetzt haben, nicht bestehen. bann würde der Staatssekretär wohl den größten Teil des jetzt Bestehenden auch in daS Gebiet der vorzeitigen und unreifen Forde- ruugen einreichen. Weiterhin wurden verschiedene iiileressante und lehrreiche Vor- träge auf dem Kongreß gehalten und uianche beachtenswerte An- reginig wurde gegeben. Einen sehr bemerkensiverten Vortrag hielt der ehciiialige Präsident deSÄIeichS-VersicherungSamtS Dr. B ö d i k e r, welcher jetzt Leiter ciues großindustriellen Unternehmens ist. Er rühmte zunächst die großen finanziellen Leistungen der Versicherung und hob hervor, daß seit 1885 schon 1340 Millionen Mark für Krankenversicherung und 705 Millionen Mark für Unfall- Versicherung und seit 18S1 schon SV3 Millionen Mark für JnvalidilätS- und Altersversicherung ausgegeben seien, also in 17 Jahren für Kranken- und Unfall- und in 11 Jahren für In- validilätS- und Altcrs-Verficheruug insgesamt 3143 Millionen Mark verausgabt und außerdem Reservefonds in Höhe von 1400 Millio- neu Mark angesammelt sind. Diese Zahlen haben in ihrer Nacktheit eine fast schlvindelnde Höhe und manches Kapitalistengemüt wird sagen, daß hiermit die Grenze der Leistungsfähigkeit erreicht ist. Hätte Dr. Bödiker daneben die Summe genannt, ivclche in derselben Zeit für Hccr und Marine verausgabt ist, dann wäre die Summe für Arbeiterversichernng l ä ch e r li ch k l e i n erschiene», und jeder Konnnerzieiimt behauptet doch, die Lasle» für die Armee und Marine könne» leicht getragen werden. 189S, dem letzten Jahr, für welches genaue Abrechnungen vorliegen, wurden an Krankheitskosten, Unfallentschädigiuig, Invaliden- und Allcrsrcnte. für Heilverfahren und au BeitragScrstnttnng 274 Millionen Marl ausbezahlt, außerdem wurden die Reservefonds um je 86 Millionen Mark verstärkt. Hierzu zahlten die Arbeiter an Beiträgen 167 613 052 Mark. In demselben Jahre wurden aber für Hccr, Marine und Pensionen 893 Millionen verausgabt. Die Eni- schädigungSbelräge der Arbeilerversicherung erreichten kaum 30 Proz. der Militärlastcn. Besonders iutereffant an den Ausführungen Dr. BödikerS ist, wie er die Frage vom Standpunkt des Kapitalisten beurteilt. Er meinte:„Eine Iveise StnatSkunst Ivird dahin streben unter Schonung der Besitzenden den Besitzlosen io viel zuzu- wende», ivie mir irgend möglich ist... Die Schonung der Be- sitzende» ist nötig von Rechts ivcgcn und im Interesse der Erhaltung des Kapitals und der Bildung dieser Hauplfaktoren des Fortschritts." Er führte dann weiter ans, daß eS im Interesse des Staates und der Kapitalisten liegt, die Wehrkraft, die Schaffens- und Widerstands, fähigkeit des Volkes zu erhalten und räumt dann unbarmherzig mit einigen verlegenen Phrasen auf, die in Kapitalislenversannnlnngcn und in der Kapitalistenprcsse eine große Rolle spielen. Gewöhnlich wird in diesen Kreisen behauptet, daß die Konkurrenz« fähigkeit der Industrie durch die Versicherungsbeiträge leide und daß die von Unternehmern geleistete» Beiträge den Arbeitern erwiesene Wohlthatcn sind. Dr. Bödiker aber sagt: «Gewiß darf der Ast nicht abgesägt werden, ans dem man sitzt. Allein fällt die Zeit des größten Aufschwungs der deulschcn Industrie nicht genau mit der durchgreifenden Besserung der Lage der Arbeiter zusammen? Sind erträglich gestellte Arbeiter nicht l e i st u n g S f ä h i g c r als die andren? Und wie viel macht die ganze Arbeiterversichernng pro Kopf der Arbeiter im Jahresdurchschnitt aus? Mit dem ReichSznschuß zur Invaliden- Versicherung noch nicht 34 M." Er weist auf die Lohusteigerrmgeu hin und fährt dann fort:„Der Gesunde kann sich zehnmal eher helfen als der Erwerbsunfähige. Darum werden die Arbeiter- VersicheruugSlasten höchstens die steigende Tendenz der Löhne aufhalten, niemals aber die Industrie u n d Landwirtschaft ni e h r s chä d i g e n können als die Löhne selbst. Die internationale Konkurrenz- fähigkeit reguliert uiisre Löhne mit. Die VerstcherungS- lasten findet sie a l S feststehende ll n k o st e n vor; eS bleibt danach als variabler Teil der Varloh»." ES ist also auch nach der Ansicht dieses KenuerS der BersichcruiigSbeitrng mir ein Teil deö Lohnes, welchen der Arbeiter durch seine Arbeit erwirbt. Wenn misre Genossen im Reichstag die wahre Natur der„Wohl- thaten" vielleicht mit andren Worten, aber dem Sinne nach genau so darstellten wie Herr Bödiker, dann brachen dje Vertreter der Regierung in helle Entrüstung aus über die undankbare und hetzerische Socialdemokratie. Die richtige Erkenntnis der wahren Natur der Arbeiter Versicherung muß aber dahin führen, daß den Arbeitern größerer Einfluß auf die Verwaltung einzuräumen ist. Denn es ist kein vernünftiger Grund denkbar, weshalb dem Arbeiter die Ver wallmig dieses Teiles seines Lohnes weiter beschränkt werden soll als in der Natur der Versicherung liegt. Sobald aber den Arbeitern größere Bewegungsfreiheit gegeben ist, würden sie die Versichernng Wetter ausbauen und manche Frage lösen, die Posadowsky noch in das Gebiet der vorzeitigen und unreifen Forderungen verweist. polikifche Aebevstcht. Berlin, den 21. Jims. DaS Recht auf Niizufriedeuheit. Die socialdcmokratische und übrigen» auch faustische Anschauung, daß die Unzufriedenheit die Quelle aller Kultur sei, gilt bei den bürgerlichen Parteien, namentlich aber bei dem Eenlrnm, als eine der verrnchlesten Irrlehren des Umsturzes. Nicht nur Gehorsam, sondern auch Zufriedenheit soll deS CeiitrmnSchristcn schönster Schmuck sein. Nun aber ergiebt sich das ergötzliche Schauspiel, daß eben dicS selbe Centrum mit Händen und Füßen für sich das Recht auf Uli« Zufriedenheit beansprucht, obwohl ihm seine höchste Autorität, der heilige Vater selbst, durch den Mund deö deutscheu Kaisers hat ver- sichern lassen, in keinem Lande Europas habe der Katholizismus mehr Grund zur völligen Zufriedenheit als in Deutschland. Die klerikale Verlegenheit ist dnrch dieses auch mit den Thai- fachen durchaus übereinstimmende Urteil deS Papstes in tödlichste Verlegenheit gestürzt worden. Wie, wir Katholiken, die wir bisher davon gelebt haben, daß wir bewiesen, wie schlecht eS uns in Deutschland geht, solle» auf einmal, der Wahrheit gemäß, unsre innigste Zufriedenheit öffentlich bekennen müssen— so denkt die katholische Führerschaft und fleht zum Himmel um eine Erleuchtung in solcher Peinvolken Lage. lieber daS Centraiorgan deS CcntrumS, der„Germania", ist bis zur Stunde die rettende Erleuchtung nicht gekommen. Sie schweigt beklommen, um sp mehr als der Papst doch unfehlbar ist. Die listigere und geschicktere„Kölnische Volkszeitmig" aber wagt eS dreist, unfehlbarer als Papst und Kaiser zusammen- genommen zu sein. DaS Blatt weift zunächst auf die verschiedenen Lesarten der Aachener Kaiser-Rede hin. Allerdings geben diesmal die verschiedenen LeSarten hinsichtlich der Papst« botschaft den gleichen Sinn und die„Kölnische Volkszeitmig" muß ungenan citicren, um einen anderslautenden Sinn feststellen zn können. Nach dem„Wolsf'schen Bureau"— so behauptet das Rhci- nischc Centrumsorgan— habe der Papst das Deutsche Reich als dasjenige der europäischen Länder bezeichnet,„Ivo»och Achtung vor der Kirche herrsche, wo jeder Katholik ungestört frei seinem Glauben leben könne, und das danke er dem oemschen Kaiser." In der Fassung der„Kölnischen Zeitung' da- gegen lautet der Satz:„Das Land in Europa, wo Achtung vor der Kirche herrsche und wo jeder Katholik ungestört und frei seincin Glauben dieiicu und seinen Glaubensvorschriften nach- kommen könne, das sei allein im Deutschen Reiche". DaS auf- fallendste, so behauptet die.Köln. VolkSztg.", sei, daß in der„Köln. Ztg." das Lob dem Deutschen Reich„allein" zugeschrieben wird, während dieses Wort in der zweifellos amtlich gebilligten Version deS„Wölfischen VureauS" fehlt. Die DeutungSkünste der„Köln. Volksztg." sind vergeblich. Aller- dingS fehlt in dem anitlichen Text das Wort„allein", dem Sinne nach aber steht das„allein" auch in der Wölfischen LcSart. DaS katholische Organ hätte nur den offiziellen Wortlaut richtig citiercn sollen, der besagt:„das Land in Europa, wo noch Zucht, Ordnung und Disciplin herrsche, Respekt vor der Obrigkeit, Achtung vor der Kirche, und wo jeder Katholik ungestört und frei feinem Glaube» leben könne, daS sei daS Deutsche Reich, und das danke er dem deutschen Kaiser." Der Papst hat mithin auch nach Wolff das Deutsche Reich als d a S Land, d. h. als das einzige Land Europas bezeichnet, wo jeder Katholik usw. Die„Kölnische Volkszeitmig" wird sich doch darein finden müssen, was ihr jetzt noch schwer fällt, aiiznnehmcn. daß der heilige Vater in der That das Deutsche Reich„allein" als europäischen Hort der Religionsfreiheit genannt hat. Es ist eine Auflehnung gegen die päpstliche Autorität, wenn die„Köln. VolSztg." behauptet, „beispielsweise ist ja in Holland die Religionsfreiheit für die Katholiken bei weitem unbeschränkter als selbst in denjenigen deulschcn Staaten, wo die Kirche verhältnismäßig das größte Maß von Freiheit genießt; und dann gicbt eS bekanntlich innerhalb des Deutschen Reiches eine Reihe von Staaten, deren Gesetzgebung die freie RcliaionSübung schmerzlich vermissen läßt. Wir erinnern an die Behandlung deS OrdenS- wcscus in Baden und Württemberg, und vollends an die fabel- haften Zustände in Sachsen, Mecklenburg und Braunschweig, welche de» Anlaß z» dem kürzlich vom Reichstag angenommcuen Toleranz- antrag des EcutruinS boten." Wie kann ein CentrnmSblatt es wagen, derart den Papst eincS gröblichen Irrtums zu zeihe» I Freilich, Ivir begreifen sehr gut, warum die katholische Presse durchaus nicht zufrieden fein will. Ihre Macht in den Mafien beruht ja wesentlich auf der hartnäckigen Fiktion der Unterdrückung der katholischen Bevölkerung in Deutsch- land. Deshalb darf man niemals sagen, wie sehr zufxicden man in Wirklichkeit ist. ES ist ein Verdienst deS Papstes, daß er diesen TentrumSschwindel einmal entlarvt und offen die Wahrheit aus- gesprochen hat: daS überwiegend protestantische Deutsche Reich ist in der That das Land, wo die katholische Kirche und ihre politische Organisation regiert, und zwar weniger angefochten herrscht als in katholischen Ländern. Durch den päpstlichen Ausspruch Ivird nun auch der jüngst er- lassene Hirtenbrief der bayrischen R i s ch ö f e als im- begründet gekennzeichnet, in dem es hieß: „Wir Katholiken sind in unserm bisherigen ruhigen Besitz« tnme widerrechtlich dnrch zahllose und f r e ch e A»- griffe gestört und können nicht mehr wie bisher nur für den AnSban und die Ausschmückung nnsreS Hauses Sorge tragen, sondern sehen uns, da wir von keiner Seite den genügenden Schutz erhalten, gezlvungen, d a S Schwert aus der Scheide zu ziehen, um unser Heiligtum gegen die an- stürmenden Feinde zu verteidigen." Der unfehlbare Papst weiß es befier! Die SynditatS- Diplomatie. Die von dem ReichSamt des Inner» herausgegebenen„Amt- l i ch e n Nachrichten für Handel und Industrie" bringen bis jetzt hauptsächlich mir Mitteilungen über ausländische Produktions- Verhältnisse. Graf Posadowsky hat sich nun an die Industriellen gewandt, daß sie ihm für daS Unternehmen auch Informationen Über den inländischen Markt übermitteln möchten. Diese Bitte hat der Centraiverband der Industriellen schroff ab- gelehnt. Sehr ungnädig und hochmütig teilt der Ccntralverbaud dem Staatssekretär mit, daß ein Jntcrefie an einer solchen AnS« dehnimg dieser„Amtlichen Nachrichten" in den durch ihn vertretenen Kreisen der Industrie nicht bestehe und daß der Ccntralverbaiid nicht in der Lage sein würde, Daten aus seinem Interessengebiete fortlaufend zur Verfügung zu stellen. „Eure Excellenz", so heißt es in der Antwort des Central- Verbandes n. a.,„verweisen zunächst auf statistische Angaben über Ergebnisse der Produktion und des Absatzes in eiuzcluen Erwerbszweigen und in bestimmten Zeiträumen. Das hierauf bezügliche Material hat die deutsche Industrie bei der vom Reichsamt des Jmicru durch den«Wirtschaftlichen Ausschuß" veranstalteten Produktionsstatistik im große» und ganzen willig und voll- ständig geliefert. Dabei ist jedoch nicht zu übersehen, daß es sich um eine einmalige Angabe und um einen großen, die Interesse-, der Industrie in engster Weise berührenden Ztvcck handelte. Vvr allem aber hat sich unsres Erachtens die Industrie entschlossen, jenes Material zn liefern, weil für die absolute Geheim- Haltung der einzelnen Angaben vollkommen ausreichende Garantien gegeben Ivaren. Denn es darf nicht übersehe» werden, daß die Pro- dnktions- und Absatzvcrhältnisse zmn mindesten von den privaten Geivcrbetreibenden meistens als Geschäftsgeheimnis behandelt werden. Unter diese» Verhältnissen glauben wir kanm, daß die Industriellen bereit sein werden, Mitteilungen über Produktion und Absatz zur Veröffentlichung mit der Ne'gclmößig- keit und Vollständigkeit zu geben, die solchen Nachrichten allein Wert und Bedeutung geben könnten t denn wenn diese Vcr- öffentlichungen auch nur für einzelne Ertverbsztveige ins Auge gefaßt sein sollten, so würde die Besorgnis doch ivohl naheliegen, daß sie der Konkurrenz, und besonders der Konkurrenz im Aus- lande zum Vorteil gereichen könnten." Schließlich erklärt sich der Centralverband bereit,„g e l e g e n t- lich" Mitteilungen zu liefern, so Iveit sie„mit den Interessen seiner Mitglieder vereinbar erscheinen". Die Großindustrie will sich also nicht in die Karten sehen laffen. Das ränkevolle Spiel der Kartelle soll durch den Ausschluß der Ocffentlichkeit geschützt werden. Niemand soll erfahren,„wie's ge- macht wird". Um so zwingender wird freilich die Nottvendigkeit, die Kartelle unter strengste Staatsaufsicht und Staatsregelnng zu stellen. Die Ausbeutung des inländischen Marktes durch die Syndikate und die hochschutzzöllnerische Handelspolitik würde mit dem Augenblick im- möglich werden, Ivo die Jndustriediplomatie unter die Kontrolle der Oeffentlichkeit gestellt wird und ihre Gcheininisse wenigstens teilweise preisgeben muß.— »» » Deutsches Weich. Saalburg und Nachen. Auf einen unvereinbaren Gegensatz in der Beurteilung der römischen Weltpolilik seitens Wilhelms II. macht die„Freisinnige Zeitung" aufmerksam. In Aachen schilderte der Kaiser, von heimatpolitischer Stimmung erfüllt, wie „das römische Scepter der Cäsaren den Händen ihrer Nachfolger entsunken Ivar, zerbröckelt und m o r s ch wankte der römische Bau und erst das Erscheinen der sicgesf rohen G ermanen Mit ihrem reinen Gemüte war im stände, der Welt- gcschichte den neuen Lauf zu weisen, den sie bisher genommen hat." Umgekehrt hatte der Kaiser, weltpolitisch begeistert, in seiner Rede am 11. Oktober IlKX) auf der S a a I b u r g das alte Römerkastcll gepriese» als„einen Zeugen römischer Macht, ein Glied in der gewaltigen ehernen Kette, die Roms Legionen um das gewaltige Reich legten und die auf das Geheiß des einen rönrische» Imperators, des Cäsar Augustns, der Welt den Willen a u f z>v a n g e n und die gesamte Welt der römischen Kultur eröffneten, die befruchtend vor allem auf Germanien fiel. So möge man aus dem neu er- standenen Museum lernen, was ein Weltreich bedeutet. Es möge dem Vaterloude beschieden sein, so fest geeint und so nr a ß- gebend zu werden, wie es einst das römische Welt- reich war."— AuS der Gegenwart. Folgende kleine Züge von'den letzten Kaiserreisen verdienen aufbelvahrt zu werden: In Aachen versicherte der Prälat Dr. Bellesheim: „Für Kaiser und Reich beten wir hier Tag für Tag im Kreis- lauf des Jahres. Diese Gebete werden begonnen, wenn das Morgenrot dem Schöße der Frühe entsteigt, sie setzen sich fort, lvenn die Sonne ihre Höhe erreicht, und, Majestät, sie ersterben erst dann anf unseren Lippe», wenn die Schatten des Abends empordämniern." Zu dem Bildhauer, der das, Denkmal Friedrichs I. in MörS hergestellt, äußerte Wilhelm II.: „Das Denkmal ist das einzige, das in letzter Zeit in Barock angefertigt worden ist, was mir ausnehmend gefällt. Es ist in allen Teilen wieder gelungen. Manche Bildhauer verstehen sehr St, in Rokoko und andren Stilen zu arbeiten. Sie haben sich r gut im Barock eingelebt. Man muß nicht in o d e r» denken; man muß sich ganz in die Zeiten zurückversetzen und in ihr denken können. Ich will sehen, daß ich Ihnen noch weitere Aufträge geben kann. Während Sie an solch einem Werke arbeiten, müssen Sie immer in alte Schlösser gehen, den Barockstil studieren und sich ganz in ihn hineinleben. Das i st f a m o s. So muß es sein! So leicht, man kann sagen, französisch!" Zu den K r e f e I d e r n sprach der Kaiser: „Sollten Sie einmal Schlvierigkeitcn beim Hafenbau bc- kommen, dann telegraphieren Sie nur an mich".— Der Dreschgraf als Erzieher. Je heroischer und schneidiger unsere preußischen Gerichte mit Angeklagten und Zeugen zu ver- fahren Pflegen, namentlich auch lvenn es sich um politische„Ver- brechen" handelt, um so angenehmer fällt die außerordentliche Geduld und höfliche Rücksicht auf, mit der die Glogauer Richter den Toll- heiten des Grafen Pücklcr begegneten. Was wäre Ivohl einem andern Sterblichen passiert, wenn er im öffentlichen Gerichtssaal als Angeklagter einen Sachverständigen gefordert hätte! Hoffentlich werden künftig preußische Richter einen Teil der rück- sichtSvollcn Behandlung, die dem Grafen Pückler gegenüber beliebt wurde, auch solchen Personen zubilligen, die weder verrückt»och gräflich sind. Der Dreschgraf hat übrigens seinem Leiborgan, der«Staats- bürger-Zeitung", nach geschehener Verurteilung folgenden llkas ge- sendet:„Gleich nach der Sitzung habe ich dem SanitätSrat Dr. N e U m a n n eine P i st o I e n f o r d e r n n g über« sandt, welche derselbe jedoch ausgeschlagen hat. Der Mann kann wohl anständige Leute beleidigen, hat jedoch nachher nicht den Mut, für diese seine Worte einzutreten. Ich erkläre daher den Dr. Neumann in Glogau öffentlich für einen......." Das Blatt bemerkt dazu:„Die auspunktierten Schlußfolgerungen haben«vir ans preßgesetzlichen Gründen nicht gebracht." Was für eine unarische Feigheit, den Willen des Grafen Pückler unter das Strafgesetz zu beugen!— Wer hat mehr getrunken? Im preußischen Herrenhaus hat jüngst der Graf v. K o S p o t h versichert, daß in den Offiziercorps jetzt bedeutend weniger getrunken werde als früher. Gegen diese Aeußernng liegt eine Zuschrift Verwahrung ei», die ein„alter Soldat und Offizier" uns aus Wiesbaden sendet. Er schreibt: Darin liegt eine gröbliche Beleidigung aller älteren Offiziere. Denn es tvird dadurch die Behauptung aufgestellt, daß lvir älteren Offiziere,»vir, die die siegreichen Feldzüge von 18ö4, 1866, 1870—71 bestanden, G e d e u t e n d>n e h r g e- trunken haben, als die jetzige jüngere Generation. Was letztere in dieser Beziehnng treibt, darüber dringt hin und tvieder durch blutige Vorgänge bei„Liebesmahlen" ettvas in die Oeffentlichkeit. Wenn behauptet tvird, lvir älteren hätten bedeutend mehr getrunken, so liegt darin ein Vorivurf, den wir nicht auf uns sitzen lassen können und gegen den ich mir im Namen vieler Kameraden zu protestieren erlaube. Nachdem sich der alte Ossizier in den„Vorwärts" geflüchtet hat, um Klage zn erhebe», werden lvir nun wohl auch der jüngeren Generation das Wort geben, um die Frage zu entscheiden, wer mehr getrunken habe, die Alten oder die Jungen.— Partci-Königtnm. Vernichtende Anklagen gegen den verstorbenen sächsischen König erheben die„Dresd. Nachr.", das konservative„Ordnungs- blatt" in der sächsischen tllcsidenzstadt: „Wenn Sachsen wegen seiner �gediegenen Znslände auf alle» Gebieten des staatlichen, socialen und wirtschaftlichen Lebens iveit über die grün-tveißen Grenzpfähle hinaus in den Ruf eines Muster- staates gelangt ist, so verdankt es das in erster Linie den aus- gezeichneten Hcrrschertugcndcn König Alberts, der seine Zeit richtig zn erfassen verstand und ans dieser Er- ienntnis heraus sein Land jedes wahrhaften weisen Fort- schritts teilhaftig machte, während er anf der andren Seite in it zielbetvnßter II n e r b i t t I i ch k e i t die anmaßlichc Nivellierungssncht und den krankhafte» Zersetzungs- trieb der socialen Revolutionäre bekämpfte und niederhielt. Gerade die konsequente Gegnerschaft gegen den Umsturz i n j e d e r Form seiner B e t h ä t i g u n g ist eines der Hauptverdienste des hriingegangenrn Königs. Die st a a t s e r h a l t e n d e Kraft, die von dieser charaktervollen Haltung des Königs im Kampfe wider idie Feinde der gesellschaftlichen Ordnung ausging, hat»»endlich belebend und befruchtend ans die Arbeit der Ordnungsparteic» in» ganzen Lande gewirkt und sie verdient daher in erster Linie gerühmt und gewürdigt zu»Verden, lvenn wir Lebenden in ruhigem Genießen uns des Segens erfreuen, den König Alberls Regierung über sei» Land ausgeschüttet hat und den' zu ver- kleiner» das heiße Bemühe»» der Umsturzparlei bis jetzt nicht vermocht hat und hoffentlich auch in Zukunft niemals vermögen wird." Es gehört zur hergebrachten Auffassung vom monarchischen Staatsoberhaupt, daß es über den Parteien stehe und dem ganzen Volke gehöre. Das Dresdener Blatt zerstört diese Legende mit einer Griindlichkcit, mit der kein überzeugter Auti- Monarchist zu ivetteifcrn vennag. Das byzantinische Blatt erklärt den verstorbenen König offen als König der„Ordnungs"- Parteien, d. h. als König nur der eine»« Hälfte der sächsischen Bcvölkc- rung. Denn fast genau die eine Hälfte der sächsischen Bevölterung ist socialdemokratisch, bei den Reichstagswahlen von 1898 fiel ungefähr die Hälfte aller abgegebenen Stimmen auf socialislifche Kandidaten. Die„Dresdener Nachrichten" hätten sich hüten sollen, gerade im Augenblick der Todesfeicr für den König die Erinnerung an die socialdemokratischen Erfolge in Sachsen zu wecken. Der verstorbene König pflegte alljährlich einmal die sächsischen Reichstags-Abgeordneten zn empfaugen und sich»nit ihnen zu unterhalten. Er mußte es erleben, daß die Zahl derer, die vor ihm erschienen, vo» Wahl zn Wahl sich verringerte, so sehr verringerte, daß jetzt nur noch d i c M i n d e r h e i t der Abgeordneten bereit ist, bei diesen Audienzen zu erscheine». Wenn dies die Erfolge der „zielbewußten Unerbittlichkeit", der„konsequenten Gegnerschaft gegen den Umsturz",»venu dies die„unendlich belebenden und befruchtenden" Wirkungen auf die Ordnungsparteien sind— die„socialen Revollitionäre" dürfen deß im höchsten Maße zufrieden sein! Ob auch das Königtum?—_ Die hessische WahlrechtS-Debatte. Aus Hessen, 20. Juni, tvird uns geschrieben: Die heutigen Verhandlungen der Kammer drehten sich zunächst um den»vichtigen Artikel 6 der Wahlrechts-Vorlage, lvorin die BorauSsetzungen zur Stimmberechtigung festgelegt wird. Abg. David begründete unsren principiellen Standpunkt, der für alle 21 jährig ansässige Reichs- angehörige das Wahlrecht fordert. Wolle man nicht so weit gehen, so solle man wenigstens die von den Kantelen der dreijährigen Ansäsig- keit. der dreijährigen Staatsangehörigkeit und der Steuerherauziehnng aufräumen, so daß jeder 2S jährige Hesse wahlberechtigt sei. Alle dieseKautelen charakterisierten sich als Au S n ah m e besti m>»» u n gen gegen die minderbemittelte BolkSmnsse. Staaatsminister Rothe bestritt das mit der weisen Bemerkung, daß die Kautelen nicht gegen die Armeen gerichtet seien,»venn sie sie auch träfen. Die Abstiinnuig ergab die Annahme der Ausschuß- niiträge, wonach wenigstens die Ansässigkeitsklansel anf eine ein- jährige Frist beschränkt tvürde. Abg. Ulrich legte eine Lanze ein für die Beseitigung der Bestimmung, ivonach disciplinarisch gemaßregelte Beamte nach fünf Jahren nach der Entlassung nicht tvählbar sein sollen. Natürlich vergebens I— Eine lange Debatte knüpfte sich an den Antrag Reinhard siwtl.) auf Einführung der Wahlpflicht. Man hofft durch diese Maßregel den bequemen Spießbürger gegen die wahlfrendige socialdemokratische Partei an die Urne zu bringen. Abg. David erklärte demgegenüber, daß wir die Wahlpflicht nicht fürchten und bereit seien, dafür zu stimuien, unter der Voraussetzung, 1. daß die Steuerrückstands-Klausel»veg- fällt, 2. daß die Wahlzeit miiidesteiis bis abends 8 Uhr ausgedehnt tvird, falls»nan die Sonntagswahl»richt einführen lvill. Das Centrlim machte seine Zustimmung von der gleichzeitigen Einführung der Proportio nalivahl abhängig. Das Haus nahm schließlich den Antrag auf Wahlpflicht mit 28 gegen 13 Stimmen an. Seine Annahme a»>ch in zivciter Lesung scheint jedoch bei den mannig- fachen Vorbehalten höchst unwahrscheinlich. Die Regierung verhält sich ablehnend gegen die Wahlpflicht wie auch gegen die vom Hause beschlossene Verlängerung der Wahlzeit bis abends 8 Uhr. Der Rest der Vorlage, der die Artikel betreffend Wahlcouverte und Jsolierränme enthält,' wurde nach kurzer Debatte eu bloc angenommen. Die zweite Lesung findet voraussichtlich nächste Wo»he statt.— Fürstlicher Grundbesitz. Eine Korrespondenz teilt mit: König Albert von Sachsen ivar von den deutschen Fürsten der f ü n f t r e i ch st e Grundbesitzer, denn er besaß insgesamt 31 Güter mit einen» Wald- und Fcldareal von 31 000 Hektar. Kaiser Wilhelm besitzt nach der neuesten amtlich beglaubigten Zusamnienstellung der fürstlichen Besitzungen in Preuße» als reichster Grundbesitzer nicht weniger als 8? Güter im Gesamtunifang von N8 74V Hektaren und 631 631 M. Grundstener-Rcinertrag. Es folgen dann der Fürst vo» Pleß mit 73 Gütern(50112 Hektar und 324 042 M. Grnndstcncr-Reiuertrag), der Herzog von Ujest mit 32 Gütern(39 742 Hektar und 233 701 M. Grundstener-Reiuertrag), der Herzog von Ratibor mit 31 Gütern(33 096 Hektar und 274 627 M. Grundsteuer-Reinertrag). Die übrigen fürstlichen Fidei- komniißbesitzer begnügen sich mit einer weit geringeren Anzahl von Besitztümern. Gerade dieser fürstliche Grundbesitz würde aus der geplanten Z o l I e r h v h u» g den gewaltigsten Gewinn ziehen l— Die Herren Gefreiten als Erzieher. Man berichtet uns aus der Pfalz: Das Kriegsgericht der bayrischen Division in Landau war am Mittlvoch mit der Erledigung einer Affaire beschäftigt, die ohne das Dazlvischentreten unsres pfälzischen Partci-Organs„Pfälzische Post"»vohl heute noch nicht bekannt Iväre, trotzdem alle Spatzen auf! de» Kascniendächer» davon pfiffen. Es handelt sich nn» die in weiten Kreisen der Armee de- kannten nächtlichen Heinislichnnge» der jungen Mannschaft durch die „Alten" zivecks Erziehung zur Furcht vor den Herren. In der Landauer Garnison hat dieser grobe Unsiig, nachdem er Jahrzehnte hindurch durch die Vorgesetzten stillschtveigend gedrildet wurde, gemeingefährliche Forme» angenoiinnen. Die Garnison Landau ist geradezu verrufen»vegen der zahlreichen nächtlichen Heinisuchuugeu. Besonders schlimm scheint es aber im 18. Jnfanterie-Regiuient hergegangen zu sei». Die Enthüllungen der„Pfälzischen Post" er- regteii»vegen ihrer ganz bestimmten Angaben, großes Anfsehcn und das Kriegsministerium ließ die Weisung nach Landau gelangen, die Angaben der.Pfälzische» Post" genau zu prüfen. Die Hauptbrutstätte der nächtlichen Quälereien scheint die dritte Compagnie des 18. Jnfanterie-Regiments getvesen zu sein. Im Verlauf der Untersuchung Unirde fast gegen den ganzen hoffnnngS- vollen Unteroffiziers-Nachwuchs der 3. Compagnie Anklage erhoben und fünf Mann hoch saßen an» Mittwoch auf den» Bänkel. Die Anklage lautete anf gemeinschaftliche, vorsätzliche, aiif Verabredung beruhende Körperverletzung mit hinterlistigem nächtlichen Ueberfall. Der Hauptschinder ist Gefreiter Störtz getvesen, dessen Vater erster Adjnnlt(Stellvertreter) des Bürgermeisters der alte» Reichsstadt S p e i e r ist. Die Art der Hcimsuchnngen war immer dieselbe. Hatte sich ein Rekrut durch irgend eine Aeußernng mißliebig gemacht, dann ivnrde er, wenn alles fchlics, überfallen; die Decke wurde weggezogen»ud dann drauf loS gedroschen. Halten die Heide» ihre That vollbracht, dann gingen ffe wieder durch und das Opfer hielt den Mund,»veil es befürchten mußte, daß andernfalls eine zweite Auflage der ersten folgen»vürde. Da die Unteroffiziere»nit den Gefreiten unter einer Decke steckten, stand d a s praktische Ergebnis einer Beschwerde von vorn- herein fest. Bezeichnend hierfür ist die Aussage eines der Ge- prügelten, daß er offenbar seine Hiebe nur deshalb bekam,»veil er es laut ausgesprochen, daß es e» u e S ch a»» d e sei, die Leute im Schlafe zu überfallen. Als er dann seine Hiebe»veg hatte und seinem Verdacht über die Thätcr lauten Altsdruck lieh, da»vurde er bei»»« Exzerziercn so lange„gezwickt", bis er feierlich erklärt halte, daß er sich geirrt. Oftmals»viirden von den Gefreileu, die immer zu dritt ausrückten, ztvei Prozeduren In einer Nacht vollzogen. Um einer Entdeckung vorzubeugen, drehten sie vorsorglich die Ganglichtcr ans. In der Dunkelheit schlugen sie natürlich blindlings drein, nn- bekümmert darum, wo die Hiebe hinfielen. In Anbetracht der Genieiiigefährlichkeit der Burschen beantragte der Vertreter der Anklage gegen den Anführer der Bande, den Gefreiten Störtz 5 Monate, gegen die übrigen vier Gefreiten 4 Monate 13 Tage, 8 Monate 3 Tage, 25 und 28 Tage. Der Vertreter der Anklage betonte, daß die Leute keinestvegs die löbliche Absicht hatten, die Disziplin zu stützen, sondern nur einer ganz gciiidnen Nachsucht z» fröhnen. Das Gericht verurteilte zivei der Herren Gefreiten zu 43 Tage»», den dritten zu 30 Tagen, den vierten zu 10 Tagen und den fünften zu 14 Tagen Gefängnis. Die„Pfälzische'Post" entwickelt übrigens in letzter Zeit eine für die Mililnrveriualtung geradezu mcheimliche Thätigkeit in der Aiif- deckinig und Besprechung von Mißständen in der Landauer Ganiisoi». Es vergeht kaum eine Woche, daß sie nicht irgend eine»eue Ge- schichte aus dieser Garnison zu erzählen tveiß. Und dabei sind ihre Angaben so bestimmt, daß sich ihr nicht beikommen läßt. Das bayrische Genieiudewahl-Program»»». Aus M ü n ch e n»vird uns geschrieben: Die Berhaiidliuigen des bayrischen Parteitage? zun» Gemeinde« wahl-Programi» führten nicht zu scharfen AliSeinaiidersetznngen,»vie dies bei der Reform des Landtags-Wahlrechtes der Fall lvar. DaS Referat dazu»var einem„Fachmann" übertragen worden, den» Genossen Eduard Schmid, der in der Münchener Gemeindeveilvaltlmg die Stellung eines bürgerlichen MagistratSrats bekleidet. Seine gründliche und wirksame Begründung des vom Laiidcsvorstand ausgearbeiteten Entwurfs ivar deshalb auch von eingehendster Sachkenntnis getragen. Er führte u. a. aus, die zu lösende Aufgabe sei schon deshalb eine schivierige gewesen,»veil man es in Bayern mit drei verschiedenen Gemeinde-Ocdniiiigen zn thun hat. Da auch die Interessen von Stadt- und Lnndgenieinden zum Teil gänzlich verschieden sind, so mußte man sich darauf beschränken, in dem Entwurf nur ein Gerippe zu geben, Grundsätze, die jedoch für Wähler und Gewählte absolut bindend sind. Der Programm- enltvurf stellt zivei Gruppen von Forderungen auf: Forderiingen ai» den Staat und Forderiingen an die Gemeinden. Man soll nicht sagen können: Ihr fordert von der Gemeinde,»vas zu gewähren diesen die Verfassinig und die Genieinde-Ordming verbietet. Die Diskussion hierüber drehte sich in der Haupff'ache um zwei Punkte. In erster Linie ivar es der Antrag des Vereins Nürnberg:„Den Gemeindevertretern ist die Teilnahme an städtischen Arbeiten nicht gestattet und ein ähnlicher Antrag des Genoffen Jährig- Augsburg:„Mit- glicder des Magistratskollegiums und der Gemeinde-AuSschüffe dürfen nicht Lieferanten der Gemeinde sein." Es ivaren namentlich die zahlreiche» pfälzischen Delegierten, die sich aus praktischen Gründen gegen diese Anträge wandten. Sie betonten besonders, in kleinen Gemeinden müsse man froh sein, wenn man tüchtige Geschäftsleute bereit finde, in der Gemeindeverwaltung thätig zu sein. Verbiete man ihnen die Lieferungen an die Genicinden, so würden sie lieber darauf verzichten, sich tvählen zu laffen. Auch müsse man bedenken, daß sehr oft gemaßregelte Arbeiter sich selbständig machen müssen, um für die Partei thätig sein zn können. Verbiete»nan ihnen nun die Lieferung, so würden sich nur die gegnerische» Geschäftsleute freuen. Gegen die An- träge sprach auch Genosse Franz Jos. Ehrhart solvie Segitz. Bei der Abstimmung»vurde der Antrag Nürnberg zurückgezogen und der Antrag Jährig abgelehnt. Zu lebhaften Erörterungen gab auch die Frage Anlaß, ob man anf der in» Entivurf vorgesehenen Forderung des E i n I a m m e r- ' y st e m s beharren solle. Hier ivar es besonders, oder eigentlich allein, Genosse E h r h a r t, der, von seinen praktischen Er- fahnlngcn in LudtvigShafen ausgehend, die Einführung des Zivei- kamnier-Shsteins verlangte. Nach der jetzt noch gültigen pfälzischen Gemeindc-Ordnung besteht in der Pfalz das Einkamnier-Systcm. den» Ehrhart die Schuld giebt, wem» in den pfälzischen Gemeinden die Gemeindebcamten einen zu großen Einfluß haben. Da ei» den Anschauungen Ehrharts entsprechender Antrag nicht einmal so viel Stimmen erhielt, daß er zur Diskiission gestellt werde» konnte, so»vurde schließlich auch der Vorschlag des Landesvorstandes genehmigt. Von de»» sonstigen Beschlüssen sind hervorzuheben: Der Eni- lvnrf fordert: Beseitigung der Stenern auf notwendig« Lebens»Nittel; dafür wurde eingesetzt: Aufhebung aller indirekten Steuern. Segitz erklärte hierzu, in Fürth»verde man daraus, so schwierig es auch bei den dortigen eigenartigen Ver- Hältnissen sei, bei erster bester Gelegenheit die Konsequenzen ziehen und entsprechende Anträge stellen. Abgelehnt ivurde ein Antrag des Vereins N ü r n b e r g. Beaufsichtigung de» städtischen Betriebe durch einen dem staatlichen Gewerbe-Jnspektor unterstellten lokalen Getverbe-Aufsi chtsi i» spektor. Zur Ablehnung dieses Vorschlages kan» man,»veil die Meinung vorherrschte, daß ein sicher von der' Gemeinde angestellter und bezahlter Beamter kaum »vagen»verde, energisch auf die Abstellmig von Mißständen zu dringen, besonders»venn diese Beseitigung mit größeren Kosten verknüpft sei. Genosse Ed. Schmid bemerkte hierzi» auch, in seiner Eigenschaft als Verivalluiigsrat eines sehr großen Betriebes habe er schon iviederholt»nit großen» Vergnügen gesehen, wie rücksichtslos die staat- lichen Aufsichtsbeamten vorgehen könnten, ivozu ihnen wohl die Lust vergehen»vürde,»venn sie von der Stadt angestellt ivären. Angenommen ivurde der Antrag. eS sei unter die socialpolitischen Forderungen für die Gcineinde-Arbeiter einzureihen: Achtstündiger Arbeitstag; Festsetzung eines Minimallohnes nicht unter dem ortS« üblichen Tagelohn.... Bei Vergebung gemeindlicher Arbeiten»»»d Lieferungen,' Festsetzung der Arbeitsbediligungen nach den von den Arbeiterorganisationen inid den Unternehinern vereinbarte» Tarifen; Ivo diese'fehlen, soll der in der Branche am Orte übliche Lohn maßgebend sein. Die Forderiingen an den Staat hinsichtlich der AuSgestalffing deS Volksschulivcsens wurden auf Antrag ergänzt durch die Sätze: „Obligatorische Einführung von Fortbildungsschulen und Ausnahnie von Unterrichtsstunde» über Socialgesetzgebung in den Sehrplan" und„Ersetzung der geistlichen Schulanfsicht durch die von Fachleuten geübte Alissich't." Endlich»vurde statt:„dreijährige Mandatsdauer und Gesamt- ernenerung" eingesetzt:„vierjährige Mandatsdauer mit Ausscheidmig der Hälfte der Gemeindevertretung von zivei zn zivei Jahren". Der Landesvorstand ist beauftragt, für Heransgabe eines Kommentars zum Gemcindeprograinm Sorge zu tragen.— Iluftc ZluSeittaudersetzuug mit der„Leipziger Volks- Zeituilg" beschließen wir, indem wir dem Nedacteur der»Leipziger WolkSzcitiing" selbst das Schlntzwort erteilen. Er schreibt: »Der„Vorwärts" fährt fort, uns Vorlesungen über guten Ton zn halten, indem er die schlechten Manieren der bürger- lichen Presse nachahmt. Darin, daß wir auf seine unhöfliche Anrcmpelei höflich geantwortet haben, spürt er eine günstige ZVirknng seiner Polemik auf uns. Was sich der„Vorwärts" nicht alles einbildet! Aber das sind so die Mätzchen der bürgerlichen Presse. Mit dem wiederholten Veto, das der„Vorwärts" gegen unsre Methode der Polemik einlegt, wird er auch jetzt nichts bei uns ausrichten. Ein Vetorecht hat der„Vorlvärts" gegen uns so wenig, wie wir es gegen ihn haben. Wenn es ihm beliebt, sich in ohn- mächtigen Proteste» gegen unsre Redaktionsfiihrung zu ergchen, so haben lvir schon bemerkt, daß wir ihn in diesem harmlosen Vergnügen nicht weiter stören wollen. Dagegen müssen wir noch ein Wort darüber verlieren, daß der „Vorwärts" fortfährt, ein Mitglied nnsrer Redaktion in seiner Parteiehre anzutasten. Er hält es nicht mehr für unglaublich, daß dies Mitglied„kurz zuvor noch, ehe es galt, Leipziger Neigungen �zn schmeicheln, dem denkbar niildestcn Socialismns gehuldigt habe, der sich jetzt in wildesten Radikalismus gewandelt habe". Die Thatsache, auf die der„Vorwärts" damit anspielt, besteht darin, daß ein Mitglied nnsrer Redaktion ehedem revisionistischen Ansichten gehuldigt, aber sich inzwischen, und allerdings Ivohl auch durch den nahen Verkehr mit den Leipziger Genossen, zn richtigeren Auf- fassnngen des Partciprincips„gemausert" hat. Weder die Leipziger Genossen, noch die Gesamtredaktion der„Leipziger Volkszcitung" erblicken darin die entfernteste Schädigung seiner Pnrtcichre, und daran mag sich auch der„Vorwärts" genügen lassen. Aber freilich. wenn man durchaus den unbernfcnen Censor spielen will, steckt man schließlich seine Nase in alle möglichen Dinge, die einen nichts angehen. Bis jetzt ist es herkömmlich gewesen, bei den Mauseninge» innerhalb des Parteiprogramms stets zu berücksichtigen, daß auf jeden von imS mehr oder minder das sociale Milien abfärbt, ivoriii er lebt. Wenigstens hat sich noch kein Blatt nnsrer spcciellen Richtung bei aller priucipiellen Polemik gegen den Genossen Voll- mar der Nampfiveife schuldig gemacht, ihm nachzusagon, daß Voll- mar„kurz zuvor noch, ehe'cs galt, den bayrischen Neigungen z» schmeicheln, dem wildesten Radikalismus gehuldigt habe, der sich jetzt in den denkbar mildesten Socialismns gclvandelt" habe. Es ist das Privilegium der Siltenivächtcr im„Vorwärts", in dieser Kampfweise eine Veredelung der Paitcisitten zu erblicken und gleich ein Beispiel von verblüffender Beiveislraft zu liefern." Es ist nur noch erforderlich, die„revisionistischen Ansichten" des Leipziger Redacteurs von„ehedem" an einein Beispiel zu kenn- zeichne». In der Nummer des Stuttgarter„Schwabenspiegel" vom 5. Januar 1901 zeigte sich dieser Revisionismus in einem Leitartikel unter der Aufschrift„Jin Jahrhundert des Socialisnms" also: „Das Jahrhundert ist angebrochen, ivclchcs angeblich dem Socialismns gehören soll. Die socialdemokratische Presse hat nicht verfehlt, in Leitartikeln zur Jahrhrnidertweude das neue Jahrhundert für ihre Bestrebungen zu reklaniieren und als dasjenige der Erfüllung zn bezeichnen. Doch mußte der Kenner der socialistischeu Liiteratur in jenen Kundgebungen jene sicgessrohe Verve vcr- missen, mit der vor zehn Jahren noch ein einfacher Jahreswechsel begrüßt wurde. Auch die nichtsocialistische Presse hat sich dies- mal— trotz des jüngsten großartigen Wnhlerfolgcs der Social- demokratie in Württemberg— durch das parteiübliche Triumph« gcschrci der Socialdemokratie ansuahmslveisc nicht ins Bocks- Horn jagen lassen lind ihre Leitartikel blieben frei von jenem specifischcn Tust unheimlicher Seclenangst, mit dcni die bürgerliche Presse in früheren Tagen auf jeden Fort- schritt der„revolutionären, internationalen" Socialdemokratie reagierte. Man ist in beiden Lagern ruhiger geworden; das letzte Jahrzehnt, socialdemokratischcr Parteigeschichte hat beiden Teile» die Augen darüber geöffnet, daß die socialdemokratischen Bäume nicht iii den Himmel wachsen und daß auch die beispiellosesten Wahlcrfolge allein die Partei ihrem„Endziel" nicht erheblich näher bringen. Ja noch mehr: in der Partei selbst ist seit mehrere» Jahre» eine fortschreitende Selbstbestimmung zn beobachten gewesen, ivelche seltsam kontrastierte gegen das ungestüme Vorwärts-Stürmen und Drängen der früheren Tage. Die erhabene Selbstsicherhcit, mit Ivelcher die Parteilitteratur früher jeden Zweifel daran, ob die Partei auch auf dem richtigen Wege sei, a limine(von vornherein) ablehnte und selbstgefällig und siegessicher mit dem Strome der tvirtschaftlichen Entwicklung zu schwimmen vorgab, ist einer Selbstkritik geivichen, welche die Grundlagen des traditionellen Parteidenkens in den eignen Reihen in Frage stellt... Je mehr die Partei thatsächlichen Einfluß auf das Staats- lebeit bekommt, um so mehr ivird ihre demonstrative Staatsfeind- lichkeit zur Phrase,»m so mehr ist sie genötigt, den traditionellen Revolutionarismus in der Praxis zn verleugnen und in der Theorie zu korrigieren... Der Socialismus als Produktions- und Gesellschaftsforn, liegt nach alledem noch in lveiter Ferne und insbesondere werden die Doktrinäre der revolutionären Socialdemokratie »och viel Wasser in ihren Wein gießen müsse, wenn das zwanzigste Jahrhundert wirklich das Jahrhundert des Socialismus werden soll. Gleichwohl glauben wir, daß Bernstein Recht hat mit seiner Anschauung, daß die jetzige Generation noch sehr viel Socialismns erleben ivird, in dem Sinne, daß der Staat in der Richtung einer Einschränkung des Privateigentums an den Pro- duktionsmitteln überall da vorgehen wird, wo immer dies im Interesse der Allgemeinheit erforderlich scheinen wird.... Der Socialismus Ivird in der That nur als Staats- socialismus zn verwirklichen sei». Dadurch wird die Socialdemokratie nicht überflüssig: ohne die Socialdemokratie iverden ivir auch keinen Staatssocialismus haben. Und je mehr die Socialdemokratie ihre theoretische Staatsfeindlichkeit anfgiebt, um so mehr Socialismus wird es geben. Es wird also in erster Linie von der künftigen Haltung der Socialdemokratie selbst abhängen, ob und inivieweit das zwanzigste Jahrhundert in Wirklichkeit das Jahrhundert des Socialismus sein wird." Also der„Revisionismus" von„ehedem". Aber:„Mein Leipzig lob' ich mir! Es ist ein klein Paris, und bildet seine Leute."— Ausland. Die neue Nero. London. 19. Juni.(Eig. Ber) Das Budget 1902/3 hat bereits zu mehreren parlamentarischen Redeschlachten Anlaß gegeben, aber keine kam der gestrigen an Kraft und historischer Bedeutung gleich. Besonders gilt dies von dem An- griffe John M o r I e y s ans den Llornzoll und auf die neue Aera. In diesem letzten großen Radikalen des 19. Jahrhunderts fanden die wirtschaftliche und politischen Lehren der Bentham und Mill, der Cobden und Gladstone einen ivürdigen Verteidiger. Das gestrige Parlament hinterließ den Eindruck, als ob die Vertreter der britischen Nation vor den immer konkreter hervor- tretenden neuen Tendenzen zurückschreckten. Dies ist leicht begreiflich. Eine große Periode stirbt nicht ohne Zuckungen ab. Der Kornzoll, der imperiale Zollverein, die Empfehlung von Dampfersubstdien und der Wiederaufnahme der Navigationsakte haben den Briten mit dramatischer Plötzlichkeit die Thatsache zum Beivnßtsein gebracht, daß die radikale, nur vom unbeschränkten Wettbewerb regulierte Wirtschaftsperiode zn Ende sei. In der That, die tvirtschaftlichen Anschauungen, die sich in der letzten Zeit geltend machen, deuten darauf hin. daß wir einer neomerlantilistischen Periode entgegengehen. Bislang war ihre Hcrausarbeitung eine un- beivußte. Jetzt wird sie bewußt. Die Opposition wird deshalb kräftiger, weil klarer. Morleys anderthalbstllndige Rede war nicht nur gegen den Kornzoll gerichtet, sondern auch gegen eine Rede, die Mr. Seddon, der neuseeländische Premierminister, letzten Dienstag auf einem ihm zu Ehren veranstalteten Bankett gehalten hat. Seddon sprach natür- lich für einen Vorzugstarif auf Grundlage des britischen Zollvereins und begründete sein Projekt mit der Erschütterung der englischen Handclsvorhcrrschaft. Dagegen erklärte Morleh:„... Es ist nicht meine Absicht, die Projekte des Zollvereins und der Vorzugstarife zn prüfen. Aber mit diesem Projekte sind Gedanken verknüpft. die von hervorragender Bedeutung zu sein scheinen und die das Hans prüfen und zergliedern müßte. Was ereignete sich, als der Schatz- kanzler den Kornzoll vorgeschlagen hatte? Der kanadische Premier- minister erklärte sofort:„England ist für das Schntzzoll-Systcm." Der Kornzoll ist thatsächlich eine Absage an die ganze Politik, die uns zu dem gemacht hat'was wir sind," Morley bestritt sodann, daß Englands Vorherrschaft ans dem Weltmarkt erschüttert wäre, und operierte mit einer Statistik, die auf Durchschnittszahlen von 1860 bis 1900 beruhte— eine gewiß untvissenschaftliche Methode. Er sagte ferner:„Erst diesen Morgen wurden von einem wichtige» Blatte gewisse Vorschläge verteidigt, die Vorzugstarife gegen fremde Nationen und die Wiederaufnahme der Navigationsakte in sich schließen. Wir ver- stehen uns nicht mehr. Man erklärt, das 20. Jahrhundert sei seinem Vorgänger nicht gleich und müsse in einem eigenen Boote segeln. Wenn das 20. Jahrhundert in solchem Gewässer segeln will, dann fühle ich mich glücklich, den größten Teil meines Lebens im 19. Jahr- hundert verbracht zu haben." Bezeichnend fist die inkonsequente Haltung des sonst so logischen Schatzkanzlers Sir Michael Hicks B e a ch, des Musters des britischen gesunde» Menschenverstandes. Sir Michael schlägt einen Kornzoll vor und verteidigt ihn eifrig. Darauf kommt der kanadische Premier- minister und enthüllt die imperialistische Bedeutung d-S Kornzolls. Der Schatzkanzler wird stutzig und giebt auf alle Anfragen unbestimmte Antivorten. Einige Wochen später, im Rausche des südafrikanischen Sieges, erklärt er. es würde sich ivohl lohne», der imperiale» Föderation wegen einige Opfer zu bringen. Gestern aber machte er eine Schwenkung nach der n n t i- i m p e r i a l i st i s ch e n Seite, ohne indes den Kornzoll fallen zn lassen. Morleys Rede hatte ihm imponiert. Natürlich Ivird er heute wegen seiner In- konseqnenz von der Presse getadelt. Allein sie sieht nicht, daß seine schwankende Haltung eine tiefere Bedeutung hat. Er ist von den Ereignissen überrascht worden, trotzdem er in ihnen die erste Figur war. Die meisten dieser Debatten haben sich bis jetzt in der Koni- missions-Bcratung abgespielt, die bekanntlich beim Budget und bei publio bills(bei Vorlagen, die von der Regierung im nationalen Interesse eingebracht werden) vom ganzen jHanse,'vorgenommen wird, wobei nur der Lxeslcer(Präsident) abtritt und einem ge- wählten Vorsitzenden Platz macht. Nächsten Montag erfolgt die dritte Lesung.— Oestreich-ttugarn. Budapest, 20. Juni. Vor Schluß der Sitzung des Abgeordneten- Hauses beantwortete Ministerpräsident v. Szell eine Interpellation des Abg, Bnzath(Klerikale Volkspartci) bezüglich der Maßregeln gegen die Eiinvaiiderung rumänischer Juden, Der Minister führt aus, es sei mit Rmnänieu vereinbart, daß jenen Juden, welchen der Uebertritt nach Ungarn versagt wird, in Rumänien wieder Aufnahme finden. Den Einwanderern seien Be- dingnngen gestellt, die eine Niederlassung dieses Proletariats verhindern sollen, dessen Einströmen die ungarischen Juden auch iiicht für wünschenswert erachten. Die Angelegenheit könne nicht vom antisemitischen Standpunkt behandelt werden. Die Regierung sei aus socialpolitisÄen Gründen genötigt, unter Aufrecht- crhaltnng ihrer liberale» Anschauung das Land gegen eine lieber- flutung durch ausländische Einwanderer, ob Juden oder Nichtjudcn, zu unterstützen.(Allgemeine Zustimmung) Die Antwort wird ein- stimmig zur Kenntnis genommen.— Frankreich. Briand und Millerand.—„Aruiee-Ehre". Pariö» 19. Juni.(Eig, Bei.) In der letzten Sitzung der janrösistischen KamiNcrfrakiion hat Briand seinerseits zur Millerand- scheu Verwerfung des Generalstreiks Stellung genoinmcu. Das ist offenbar eine Folge der bereits mitgeteilten bezüglichen Anfrage des gewerkschaftlichen Gcneralstrcik-Komitccs an die gesamte Fraktion. Briand machte, wie es im Protokoll der Fraktionssitzimg heißt, die„nachdrücklichsten Vorbehalte" gegenüber dem Millerand- scheu Standtpunkt:„Wie auch jeder einzelne der Abgeordneten über die Wirksamkeit dieser Taktik denken mag, die sociali'stische Kammer- fraktion hat nicht das Recht, den Generalstreik mit den gewaltsamen Mittel auf die gleiche Linie zn stellen. Er ist im Gegenteil ein legales Mittel, dessen eventueller Gebrauch ein unbedingtes und unantastbares Recht zum Vorteil des Proletariats bildet, und die Fraktion hat die gebieterische Pflicht, dieses Recht mit der größten Energie zn verteidigen gegen jeden Versuch, der es zu schmälern bezweckt," Die Fraktion aber hat sich damit begnügt, Briands Erklärung„zur Kenntnis zu nehmen", ohne sich selbst über die Frage auszusprechen.— Der Fall deS e r b s ch l e i ch e n d e n Generals Bonnal zeigt wieder einmal, wie die höchste» Armee-Spitzen über die„Armee- Ehre" denken. Die Veruntrenung einer Erbschaft von 240 000 Franken zum Nachteil eines minderjährigen Sohnes des Erblassers— das ist in den Augen des militärischen IlntersuchungsrateS, der über den Fall zu urteilen hatte, kein„Vergehen gegen die Ehre"! Dabei ist der Thatbcstand so klar wie nur' möglich. Schon vor einigen Jahren wurde der General c i v i I g e r i ch t I i ch zur Rückzahlung des ver- »ntreuten Kapitals nebst Zinsen verurteilt, und in Ansfiihrnng dieses Urteils mußte er von seinem Gehalt alljährlich die gesetzlich zulässige Quote an den geprellten Erben abtreten, d, h. diese Quote wurde ihm einfach von der Staatskasse zn Gunsten des Erben vorenthalten, Indes reichte sie nicht einmal zur Deckung der Zinsen des znrückzn« zahlenden Kapitals. Daher die Beschwerde des volljährig geivordenen Erben beim Kriegsministers und das diSciplinarische Vorgehen gegen den General. Kricgsminister A n d r ö hat aber etlvas andre Ehrbegriffe als die Mitglieder bezw. die Mehrheit des militärischen Untersiichungs- rntes. Er hat nun mit den„ ll e b e r I i e f e r n n g e n" gebrochen, die eine Aendernng der disciplinarrätlichcn Entscheidung mir z u G u n st e n deS Offiziers gestatten, und auf das Gesetz zurück- gegriffen, welches ihm allerdings nur erlaubte, de» General Bonnal durch die Amtsentziehnng in den Znstand der„Nichtaklivität" zu vcr- setzen. Diese Strafe kann höchstens drei Jahre dauern, worauf der Offizier entweder vor einen neuen Disciplinarrat verwiesen oder wieder zum aktiven Dienst zugelassen werden muß. Die Nationalisten mußten die„kühne" Maßregel des Kriegs- Ministers wohl oder über herunterwürgen, trotz der angeblich hohen militärischen Verdienste des Erbschleichers. Zn einer patriotischen Interpellation eignet sich der Fall ja verteufelt wenig.— Pariö» 20. Juni, D e p u t i e r t e n k a m m e r. S e m b a t (Socialdemokrat) interpelliert über die Haltung der Regierung gegen- über den spanischen republikanischen Deputierten und wirst ihr vor, daß sie eine Versammlung dieser Deputierten verboten habe, Ministerpräsident C o m b e s erwidert, die Versammlung sei von der vorigen Regiernng mit Recht verboten worden, Frankreich müsse, wenn es Beciprocität erlangen wolle, seine internationalen Pflichten erfüllen. P r e s s e n s e(Soz.) wirft der Regierung vor. daß sie sich zum Gendarmen Spaniens gemacht habe und bedauert, daß das republikanische Frankreich weniger Gastfreundschaft gezeigt habe, als das monarchische England. Schließlich nimmt das Hans mit 4S5 gegen 21 Stimmen eine von Combes gebilligte Tages« ordnnng Bourrot an, welche, von den Erklärungen der Regierung die Taditionen der Gastfreundschaft Frankreichs aufrecht zu halten» Akt nimmt.— PariS» 20, Juni. Die Bureaus der Depntiertenkammer haben heute eine besondere Kommission von 33 Mitgliedern gewählt, welche die Vorlage betreffend die direkten Steuer» prüfen soll. Von den 33 Mitgliedern gehören 27 der ministeriellen Mehrheit an. Finnnzminister R o u v i e r erklärte dem Bureau der Kammer, er werde sein Budget e r st im H e r b st einbringen, da er sich zu- vor über die allgemeine finanzielle Lage orientieren müsse. Was die Frage einer Anleihe angehe, so könne er sich darüber noch nicht äußern, auch werde er eine solche erst dann beantragen, wenn er von der Notwendigkeit hierfür fest überzeugt sei, was gegenwärtig noch nicht der Fall sei.— England. London, 21. Juni. Lord Kitchenev reist Montag von Kapstadt nach England ab. Lord M e t h u e n hat in einem Telegramm an das zn seinem Empfange zusammengetretene Komitee ersucht, mit Rücksicht auf seiucii Mißerfolg in Südafrika von jeder Festlichkeit abzusehen; er wolle ebenso unbemerkt, wie er in den Krieg gezogen, auch zurück- kehren.— a London, 18. Juni. Die irische Fraktion war gestern in einem der Komnnssionsziinmer des Unterhauses versammelt und be- schloß, sich von der K r ö n u n g s f e i e r fernzuhalten. Gleichzeitig erhob sie Einspruch gegen die Mißwirtschaft der Re- gierung in Inland, Am Krönnngstage(26. Juni) wird sie ein Massenmeeting in Dublin abhalten, um die Lage Irlands zu be- sprechen.—_ Verrottete Marine. London, 20. Juni. U n t e r h a n s. Bei der Veratimg des Budgetspostens von 294 000 Pfund für die Admiralität bekämpft Lord Beresford in scharfer Weise das bestehende System der Marine-Verwaltung, das er als morsch und der Schlagfertigkeit der Flotte hinderlich bezeichnet. Verbesserungen bei der Flotte seien nur durch öffentliche Agitation zu Stande gekommen, dies beweise, wie verrottet das jetzige System sei! Campbell Banner« man verteidigt die gegenwärtige Verwaltung. Unterstaats- sekretär der Admiralität Arnold F o r st e r erwidert, Beresfords Ausführungen mit der Frage, in welcher Hinsicht er behaupte, daß die Flotte'unschlagfertig sei'. Die Verbesserungen seien nicht infolge öffentlicher Agitation, sondern auf dem regelmäßigen Wege des Vorschlages durch die Osfiziere der Admiralität zu Stande ge- kommen. Die Admiralität sei mit den Mängeln, soweit solche bestehen, bekannt und eifrig beschäftigt, denselben abzuhelfen.— Schweden. Strafbestimmnnge» für Arbeitseinstellniige», die mit Ge- fahren für die Allgemeinheit verbunden sind, verlangt die Gemeinde- Vertretung Stockholms. Mit 41 gegen 34 Stimmen wurde am 18, Juni ein Antrag angenommen, die Regierung aufzufordern, dem nächsten Reichstag einen Gesetzentwurf ziir Einführung von Straf- bestimmnngen zum Schutze von Arbeitsverträgen vorzulegen,— Die Veranlassung zn diesem Verlangen war selbstverständlich der groß- artige Wahlrechtsstreik der Arbeiter, der jeden unparteiisch Denkenden mit Bewunderung erfüllt hat, in den Köpfen reaktionärer Fanatiker aber Angst und Rachedurst erzeugt hat.— Zlinerika. Der Kampf«m den Jsthmns- Kanal. N e w A o r k, 21. Juni.(„K. P. V.") Im Senat entschieb der Uebertritt der Senatoren von Utah, Nevada und Kolorado zur Panama-Partei unter Senator Hannahs Führung den Sieg für den Paiiaina-Kanal, aber auch nur in der Form des Kompromißantrags Spooner, welcher lediglich die juristische Prüfung der Besitztitel anordnet, welche die jetzigen Inhaber derselben der Regierung anbieten. Werden diese als durchaus gut befunden,— was die Gegner für anSgeschlosscn erklären, so' soll nach dem Senats- beschlnsse der Ankauf dieser Titel für 40 Millionen Dollar erfolgen, wenn nicht aber die Nicarngnn-Ronte gewählt werden. Das Repräsentantenhaus hat sich mit allen gegen nur zwei Stimmen— auch die Demokraten stimmten mit Senator Platt — bedingungslos für die Nicaragua-Ronte festgelegt, und Platt erklärt jetzt, er iverde unter keinen Umständen dem Senate und Hannah weichen. Dieser antwortet seinerseits, wenn das Re- präsentantcnhans die Panania-Bill nicht annehme, werde er jeden Kanalbau überhaupt unmöglich machen, bis die Gegner nach- gegeben hätten, und da sie nicht wagen würden, vor dem Lande die Verantwortlichkeit für das Scheitern des Kanalbans zu über- nehmen, so iverde Platt und das Haus der Gemeinen gezwungen sein, dem Senate und ihm. Hannah, zu weichen.— Die Knbafrage. Wie dem„Daily Telegr," aus New Jork telegraphiert wird, dauert der Konflikt zwischen dem Präsidenten und der repnblikanischen Partei fort, Rooscvelt besteht auf seiner Haltung, aber in politischen Kreisen glaubt man, daß der Kongreß die wirtschaftlichen Konzcssionen für Kuba nicht genehmigen wird. Der Z n ck e r t r u st scheint in den Beratungen der republikanischen Partei allmächtig zu sein. Die öffentliche Meimiiig steht indessen auf der Seite Roosevelts.—_ Zum Bericht über de» bayrischen Parteitag ersucht uns Genosse H e r r m a n n- Wllrzburg zn berichtigen, daß er nicht die Resolution Schmidt, sondern die Resolution Rollwagen- Braun begründet habe. Totenliste der Partei. In Taucha starb am Mittwoch ein braver Parteigenosse, der Heizer und Maschinist Friedrich Angel- st e i n, A. war nicht nur eifrig für die Partei thätig, sondern widmete seine Kräfte auch mit Eifer der gewerkschaftlichen Organi- satio».— In D u r l a ch starb an demselben Tage einer von der alten Garde, Genosse Daniel M e tz n er, der nanientlich während des SocialistengesetzcS sich viele Verdienste um die Partei er- worden hat. Polizriliches, Äerichkliches usw. — Immer noch Maifeier- Nachklänge. Eine Anzahl Mit« gliedcr des Bauarbeiter- Verbandes in Groß- Flotibcck begaben sich am Morgen des 1, Mai in zwanglosen Gruppen von zwei und drei Personen nach Niestedten zur Teilnahme, an der Versammlung. Die Behörde sah darin einen nicht genehmigten öffentlichen Aufzug und 'andte 14 Teilnehmern Strafmandate über je 4 M. zu. Alle bean- tragten gerichtliche Entscheidung; aber das Schöffengericht in Blankenese bestätigte die Strafmandate. — Auch eine öffentliche Bersammlnng unter freiem Himmel! Die Lanrahütte bei Kattowitz hatte im verflossenen Jahre für ihre Arbeiter ein großes Bergsest veranstaltet, das im sogenannten Bicnenhof stattfand. Ans Einladung des Berginvalidcn, S ch i w i ck war auch Dr. Winter aus B e u i h c n erschienen. Dieser ließ es sich im Kreise von etwa 30 bis 60 Festteilnehmern wohl 'ein, die sich mit ihm etwas abseits vom großen Trubel im Walde niederließen. Man unterhielt sich über alles Mögliche. Ein Gendarm, der aufmerksam geworden war und dem einzelne Brocken ans der Unterhaltung zugetragen wurden, machte aus diesem Anlaß Anzeige wegen Abhaltung einer nicht angemeldeten Versaminliuig unter freiem Himmel und veranlaßte ein Strafverfahren gegen Winter. Das Gericht ver? mochte nur festzustellen, daß die Worte man müsse zusammen- halten, gefallen seien, und daß man vom Lesen polnischer und denlscher Zeitungen gesprochen habe, Winter soll beobachtet worden sein, wie er redete, während die andren zuhörten. Ein Zeuge des Angeklagten sagte dagegen ans, daß man sich nur nnterhalten habe; hintereinander hätte Winter höchstens Va Minute lang allein gesprochen.— Trotzdem verurteilte das Land- gericht zu Beuthen als Berufungsinstanz den Angeklagten wegen Uebertretung der ß8 1 und 9 des Vcreinsgesetzes zu einer Geldstrafe von 46 M. Begründend wurde u. a. ausgeführt: Auf Grund der Beweiserhebung sei das Gericht z» der Ueberzeugnng gekommen, daß tS sich hier um eine öffentliche Versammlung unter freiem Himmel handele, zu der es einer polizeilichen Genehmigung bedürfe. Der Angeklagte habe auf dem Feste an sich gar nichts zu thu» ge- habt. Er fei auf Einlandnng eines als Socialdemokrat bekannten Mannes gekommen und die Gesellschaft habe sich abgesondert und zurückgezogen. Hierauf und»ach den übrigen Feststellungen sei als ertviesen zu erachten, dast von Winter und seine» socialdenioiratischen Gesinnungsgenossen geplant gewesen sei, bei Gelegenheit des Festes zulanlmenzukonmlen, um focialdemokratische Part'ciangelegen- heiten, d. h. um öffentliche Angelegenheiten zu erörtern. Somit komine nicht nur§ 9, sondern auch§ 1 des VercinSgesctzes in Bc- tracht, da nach dem letzten Absatz des§ 9 neben dem 8 9 auch Z 1 auf öffentliche Versaininlnngen unter freiem Himmel aiizuivendcn sei, Ivenu die Versammlung einer Erörterung öffentlicher Angelegenheiten dienen sollte. Winter sei auch als Redner im Sinne der 8§ 9 und 1 des BcremSgesetzes anzusehen. Ganz unerheblich sei dabei, dah er nur wenige Worte gesprochen habe. Der Angeklagte legte Revision ein und sein Vertreter, Rechts- onlvalt Dr. Heinemann, machte vor dem Strafsenat des Kammcrgerichts geltend, daff die ganz belanglosen Einzelfeststellungen absolut ungeeignet seien, die vom Landgericht daraus gezogenen Schlüsse, die Schlufffeststellung, zu rcchifcrtigcn. Festgestellt seien ja nur einige Redcbrocken ohne irgendwelchen Zusammenhang, lind wen» jemand zusamnienhängend nur eine halbe Minute spreche, dann sei daS doch keine Rede. Der Strafsenat des Revision, weil sie an den die die(58 1 und 9 des Kammcrgerichts verwarf indessen die thatsächlichen Feststellungen scheitere, ans VereinSgesctzes ohne Rechtsirrtum an- gelvcndet worden seien. Ob die„Feststellung" des Landgerichts dem Ergebnis der Beweiserhebung entspreche, habe die Revistonsinstanz nicht nachzuprüfen. � Klage mir zu, mit einer„nicht eriveisltch wahren That fache" bleibt der Redactenr doch hängen I— Der frühere Landrichter Schubert in Altenburg hat im August 1899 einer Frau L. in Schmölln, wo er Amtsrichter war, in nichtamtlicher Eigenschaft, an geblich ans deren Bitte ein Testament aufgesetzt, ivorin er. wie es sich bei der Eröffnung nach deren Tode herausstellte. ,nit einer Summe von 20 000 M. bedacht war. Die Erben der L. fochten das Testament an, weil die L. schon vorher ein solches hatte aufstellen lassen und machten weiter geltend, dast die L. zur Aufstellung eines Testaments nicht mehr die erforderliche Geistes klarheit besessen habe, und brachten als Beweis eine Anzahl ärztlicher Gutachten bei, sowie dast die L., als sie vor Gericht in andern Prozessen zeugeneidlich vernommen werden sollte, wegen ihrer Geistesschwäche unbeeidigt blieb. Die Handlungsweise Sch.s wurde in Altenburg,' Ivohin Sch. mittlerweile als Land richter versetzt worden war, Tagesgespräch und kam schliestlich in_ die Zeitungen und auch zur Kenntnis des Altenburger Ministeriums. Dieses forderte von Schubert Aufklärung; aber sein Antwortschreiben enthielt Unrichtigkeiten, die er dann nach einigen Tagen berichtigte. Das Militär-Ehrengcricht hat Sch. vernommen und darauf erfolgte seine Entlassung niit schlichtem Abschied. Auch aus dem Staatsdienst wurde er auf sein Ansuchen ohne Pension entlassen. Sch. ivollte sich in Ronneberg als Rechtsanwalt nieder lassen; sein Gesuch ivurde aber sowohl von der Aiiwaltskammer als auch vom Ehrengcrichtshof des Oberlandesgerichts in Jena wegen seines Verhaltens in der L. scheu Erbschaftsangelegenhcit ab gelehnt, in der Hauptsache desivegen, iveil er daS Ver trauen und die Achtung, die gerade die RechtsanwaltspraxiS er- fordern, nicht mehr besähe. Die Beschwerde Sch.s an den Ehren gerichtShof des Reichsgerichts wurde für begründet erachtet und die erstinstanzlichen Urteile aufgehoben. Von diesen Thatsachen hatte die«Altenburger Volkszeitung" und nach ihr auch die„Leipziger Volkszeitnng" Notiz genommen, wobei sie irrtiinilichertveise berichteten, dah auch das Reichsgericht demUrteil derAnwaltSkanimerunddeS Ehren- gerichtshofeS beigetreten sei. Ans diesen für die Kritik an dem Gebahren deS Herrn Sch. recht nebensächlichen Punkt fujzend, erhob derselbe gegen den Genoffen P o l l e n d e r von der„Leipz. Volksztg. Beleidigungsklage. Vor Gericht wurde der Beweis der Wahr heit für alle Thatsachen. bis auf die oben als irrtiinilich gekennzeichnete, erbracht, und das Gericht muhte leider Herrn Sch. den Gefallen thun, Polle»der wegen dieses Versehens zu einer Geld strafe von 2ö M. zu verurteilen. Gerechtfertigt ist der eisenstirnige Klaacsteller dadurch allerdings nicht; das Urteil gegen i h» ist um so schlverwiegender, als P o I l e n d e r das Schicksal der nicistcn andren socialistischen Redacteure teilt, sehr viel Vorstrafen hat und erst jüngst nach einer ziveimonatlichen Gefängnisstrafe die deutsche Freiheit wieder sah. An der Hand dieser Thatsachc kann man er- messen, wie hoch daS Leipziger Gericht die Ehre deS Herrn Schubert «inschätzte. — Wege» Beleidigung deS alldeutschcu Professors Hasse wurde Genosse Fleihner von der„Sächsischen Arbeiter-Zeitung in Dresden zu einer Gefängnisstrafe von zivei Monate» verurteilt. Die fragliche Notiz war aus der„Leipziger Bolkszeitung" abgedruckt und hatte seiner Zeit auch dem Genossen Polle»der schon zwei Monate eingebracht.— Klus Fndupfcie nnd Hnndel. Zur Lage der Cciucutiudustrie enthält der jüngst erschienene Jahresbericht der Handelskammer in Oppeln eine im ganzen die Verhältnisse treffend schildernde Auslassung, bei deren Be- Wertung jedoch in Betracht gezogen»verde» mnh, dah die Oppelner Handelskammer, was die Frage des Schutzzolles anbetrifft,»m wesentlichen auf dem vom Centralverband denlscher Industrieller eingenommenen Standpunkt steht. Es heiht in diesem Bericht: „Die Ueberprodnktion, Ivelche aus der in vielen Fällen plan- losen und unter ungünstigen Vorbedingungen erfolgten Errichtung zahlreicher neuer Cementfabrilen hervorging, erivics sich als so getvaltig, dah alle Beninhungen, den Zusammenbruch durch Syndikate und VerkaufSvereinignngen aufzuhalten, erfolglos blieben. DaS Jahr begann in der Portland-Cement-Jndnstrie mit einem Konkurrenzkampf der zu einem Syndikat gccinigtcn Westdeutschen Cementfabriken gegen diejenigen Cementfabriken, Ivelche die Erfolglosigkeit der Shndikatsbestrebnngcn voraussahen und sich den letzteren fernhielten. Es stellte sich bald heraus, dah das Syndikat und die zu ihm gehörigen ähnlichen Vcrkanfsvercinignngen der Ueberprodnktion nicht Herr zu werden vermochten. Die nn- geheuren Mengen von Portland-Ccmcnt, welche da? Syndikat unterbringen sollte, Ivaren umsoweniger verkäuflich, als der Bedarf an Portländ-Cement nicht mir im Jnlande, infolge der schlechteren »virtschaftlichen Verhältnisse, keine weitere Ausdehnung gewann, sondern auch der Export eine sehr erhebliche Abnahme erfuhr. Die letztere Erscheinung ist für die deutsche Portland-Cemeiitindnstrie, ivelche den Weltmarkt bisher in erster Reihe beherrschte und hieraus nicht zum Ivenigsten ihre grohe Entwicklung zurückführte, von ein- schneidender Bedentnng und findet ihre Erklärung mir zum kleinsten Teile in einer vorübergehenden Minderansnahmefähigkeit der Importländer für deutschen Portland-Cement.'z, In der Hauptsache ist die schwierige Lage des deutschen Cement« Exsiortgeschäfts in dem Umstände zu suchen,' dah Lander, die bisher deutsche Ware importierten, dazu übergegangen sind, Portland-Cement im eignen Lande in grohen Mengen herzustellen. Insbesondere ist in Nordamerika innerhalb ganz kurzer Zeit eine grohartige Portland- Cementindustrie entstanden, die heute schon den dortigen Markt so ausgiebig versorgt, dah der deutsche Export nach Nordamerika in einem raschen Rückgange begriffen ist. In Europa sind eS namentlich Belgien, Oestreich, die Schweiz und Ruhland, welche der deutschen Cementindustrie scharfe Konkurrenz machen. Würde letzteres nur auf dein Exportmarkte geschehen, so brauchte die deutsche Port« land-Cementindustrie unter gleichen Zollverhältnissen diese Konkurrenz nicht zu scheuen. Die Benachteiligung, welche die deutscke Cement- industrie durch die Cementindustrie der genannten Länder er- fährt, beruht vielmehr darauf, dah diese Länder ihre Ueber- Produktion nach Deutschland selbst unter den günstigsten Vorbedingungen abschieben, die darin bestehen, dah die ausländische Cementindnstrie ans ihrem Heimatsmarkte durch hohe Zölle anf deutschen Cement vor der deutschen Konkurrenz ge- schützt ist, daher hohe Inlandspreise erzielen kann und dadurch desto eher in der Lage ist. ihre Neberproduktion zu den billigsten Preisen nach Deutschland zu verkaufen." Die auswärtige Konkurrenz auf dem deutschen Ccmentmarkt ist von ziemlich nebensächlicher Bedentnng; die Hanplschwierigkeiten mit denen die deutsche Cementindustrie zu känipfen hat, sind dadurch entstanden, dah während der Prospcritätsjahre von 1895/1900 eine lange Reihe neuer Anlagen und Betriebscrwcilcrungen entstanden sind, zum Teil in der Hoffnung ans die Aunahnre des Mittelandkanal- Projekts durch das prenhische Abgeordnetenhaus, und dah gleichzeitig in den Bereinigten Staaten von Amerika und verschiedenen europäischen Staaten sich eine ei» heimische Cementindustrie entwickelt hat, die den dortigen Mark dem deutschen Export entzieht. Der Spiritnöring hat ans der Annahme der Branntivein stcucr-Novclle durch den Bundesrat alsbald Kapital geschlagen. indem er nach dem„B. T." die Spritpreise effektiver und per Juli Lieferung auf 40,40 M., August 40,90, Septcniber 41,40 M. erhöhte Harpeucr Bergbau Gesellschaft. In seiner gestrigen Sitzung bcschloh der Anfsichtsrat, in einer anf den 29. Juli einzubernsenden Generalvcrsannnlung den Aktionären die Erhöhung des Aktienkapitals von 62 Millionen auf 60 Millionen und weiter die Ausgabe der früher bereits genehmigten Obligations- Anleihe. welche bei eintretendem Bedarf erfolgen soll, vorzulegen. Die Geldmittel sollen zur Fort sührung der im Bau begriffenen Anlagen und zum Ersatz der Be triebsniitel dienen, welche durch die Ucbernahme der Zeche. Schar» Horst" und Ausführung von Ncnanlagen in Anspruch genommen sind. Die- neuen Schachtanlagen werden eine Erhöhung der BeteilignngSziffer am Kohlensyndikat um 1030 000 Tonnen herbeiführen. Die neuen Aktien sollen ab 1. Juli d. I. an der Dividende teilnehmen; die Aktien sollen den Aktionären angeboten werden, wobei 140 Prozent als Bezugspreis tu Aussicht genommen ist. Der Ueberschuh des mit dem 20. Juni zu Ende gehenden Geschäftsjahres wird 14 Millionen (gegen beinahe 18 Millionen Mark Ueberschuh im Vorjahr) betragen. wovon eine Dividendenzahlung von 10 Proz. in Aussicht genommen ist. Ter Ueberschuh des Monats Mai belauft sich auf 1044 000 M. bei 24 Arbeitstagen. Zur Zlngelcgcuhcit der Hannoberschcu Ttrastcnbahn schreibt unser Hannoversches Partei-Organ: Der Kralchl geht weiter. Der Vorsitzende der„Schntzverciniguug" der Aktionäre, Rentier Schcller hat rechtzeitig Protcstklage gegen die Genehinignng der Bilanz pro 1901 erhoben, und zwar unter ansführlichcr Begründung. Nunmehr ist Termin zur mündlichen Verhandlung vor dem Landgericht anf den 9. Juli anberaumt worden. Die Negrchklage gegen den früheren Vorstand und den Aufsichtsrat anzustrengen, hat der zu diesem Zwecke gegründete RechtSschntzverein übernommen. Die Klage soll eiiigereichl»Verden, sobald die genügende Zahl Aktien dafür vor- Händen ist. Ausländische Anleihen. Nach Pariser Meldung ist dort nun doch ein Abkommen über die seit langem von Bulgarien erstrebte Anleihe zu Stande gekommen. Ihre Höhe beläuft sich anf 106 Millionen Franks, verzinslich mit 6 Prozent. Die Anleihe ist in 60 Jahren rückzahlbar und wird durch die Einnahmen ans der bulgarischen Tabaksteuer garantiert.— Auch Dänemark beabsichtigt. wie die„Frkf. Ztg." meldet, eine Anleihe von 1 Million Pfd. Stcrl. in London und New Aork aufzunehmen. Aulerikauischcr Fletschvcrsaudtrust.„Chicago Chronicle meldet: Vier grohe Flcischvcrsandhänser haben beschlossen, sich zu vereinigen. Andre Firmen sollen zu der Vereinigung zugelassen werden, die mit einem Kapital von einer Milliarde Dollar zu arbeiten beabsichtigt und den Namen„American Mcat Company" führen dürfte.__ GemeeltslsrAftliiszes. Deutsches Reich. Lohubeweg»»ugeu der Maurer. Die Beteiligung am Streik in S t u t t g a r t ist eine allgemeine. Die Zahl der Ausständigen beträgt über 1200. Streikbrecher sind fast gar nicht vorhanden. Der Streik in S ch ö n e b e ck- S a lz a, der länger als acht Wochen dauerte, hat kein Erfolg gehabt und ist jetzt als beendet er- klärt worden. Die Streik-KommissionSmitglieder sollen nicht wieder eingestellt werden. Der Streik in Jena ist ebenfalls als verloren zu betrachten. die Fortsetzung deS Kampfes ist,»veil völlig aussichtslos, eingestellt worden. Auf Ersuchen der Streikenden in Nenmünster, den Streik auf gütlichem Wege beizulegen, hat die Innung geantwortet, dah sie zu Unterhandlungen bereit sei, jedoch nicht vor dem 26. Juni. Die Schadeuöcrsayklagc der ausgesperrten Werftarbeiter gegen die Firma B l o h m u. V o h in Hamburg ist vom Hanseatischen Oberlandesgcricht abgelviesen. ES handelt sich um den bekannten Prozctz, Ivo die Kläger sich anf ß 826 deS Bürger lichen Gesetzbuches stützten, weil es ihnen durch den AnSspcrrn»gs> beschluh der Unternehmer unmöglich gemacht»vilrde, Arbeit zu finden. Ausland. In Trieft traten 460 Arbeiterinnen zlvölf verschiedener Handels- firmen und 40 Arbeiterinnen einer Seilerei»vegen Lohudifferenzen in den Ansstand. Zinn Ausstand der Straßeubahuer in Neapel wird be- richtet, dah Unterhandlungen wegen Beilegung des Streiks im Gange sind, und die Droschkenkutscher, die sich mit den Strahenbahn- Angestellten solidarisch erklärt hatten, die Arbeit gröhtentcilS wieder aufgenommen haben. Ettva 40 000 Bergleute vou Dorkshire waren letzten Mon- tag bei ihrer Jahresdemonstration in Rotherham anwesend. Der Hauptredner war Mr. Pickard, Parlamentsmitglied und Präsident der Bergarbeiter- Föderation. Es»rnirdeu Resolutionen angenommen gegen den Kornzoll, gegen die Schulvorlage und für Amcndierung des Gesetzes, betr. Unfallentschädigung und für Alterspensioncii.— GcvirszkS-�vituttg. Ei» ungetreuer Kassierer. Wegen Unterschlagung von Vereins- geldern hatte sich der ehemalige Kassierer des Ecntralvcrbandcs der Zimmerer, Karl Lange in Charlotten bürg, vor der Strafkammer am Landgericht II zu verantworten. Lange verwaltete in Charlottcnburg seit drei Jahren die Zahlstelle des Verbandes. Nachdem er schon längere Zeit hindurch die Beiträge unregclmähig abgeführt hatte, machte er am 14. Oktober v. I. dem OrtS- Vorsitzenden die Mitteilung, dah er um 796 M. b e st o h l e n worden sei. Einen Betrag von etwa 600 M.. den er ablieferte, hätten die Diebe unberührt liegen lassen. Lange erstattete auch der Polizeibehörde Anzeige. Die' amtlichen Nachforschungen führte» jedoch zu der Vermutung, dast der Diebstahl fingiert sei und so »vurde denn gegen Lange Anklage erhoben. In der Verhandlung beteuerte der Angeklagte, daß er unschuldig sei. Der Staatsanwalt beantragte gegen ihn 1 Jahr 1 Monat Gefängnis, 3 Jahre Ehrverlust und sofortige Verhaftung. Der Gerichtshof erkannte auf 9 Monate Ge- 'ängnis und drei Jahre Ehrverlust, nahm jedoch in Rücksicht auf die Familie des Verurteilten von der sofortigen Verhaftung Abstand. Versammlungen. Der foeirtldeiuokrattsche Wahlbercin für Schöneberg hielt Dienstag seine- Mitgliederversammlung bei Obst ab. Zuerst wurde das Resultat der slattgefniidenen Stadtverordneten-Wahl bekannt gegeben, welches für uns günstig ausfiel. Darauf hielt Genosse Kaliski einen Vortrag über„Bourgeoisie und Klasseukainpf". Unter BereinSangelegenheiten»vurde auf daS Stiftungsfest am 22. Juni aufmerksam gemacht. Lichtenberg. Der Socialdemokratische Wahlverci» nahm seiner Versammlung vom 17. d. M. einen mit lebhaftem Beifall auf- genommenen Vortrag des Genosse» Paul John über die Thnligkeit des Reichstags entgegen. Eine Diskussion wurde nicht beliebt. Unter Vereinsaugelegenheiten wurde ans Vorschlag der Abteiluugs- führer die Genossen Linke für de» 6. Bezirk und Genosse W. Schulz für den 9. Bezirk als Bezirkslciter bestätigt. Die llngültigkcits- Erklärung der Mandate der Genossen Kette und Weitzfluck sowie der Einvcrleibnngsvcrtrag der Gemeinde Lichtenberg mit Berlin sollen Gegenstand der Verhandlung einer Vollsversammlnug sein. Die Einleitung deS Vcrwaltungs-Streitvcrfahrens gegen den Beschlug der Gemeindevertretung resp. die vorbereitenden Schritte der, durch das Verhalten der„Freisinnigen" zu einer stehenden Einrichtung ge« wordenen Ersatzwahl»vurden dem Vorstände und den Genossen in der Gemeindevertretung übertragen. Slllgemeinc Familien. Stcrbc-Kaise. Heule Zahltag: Ackerstr. 123 bei Diele und Mariannenstr. 48 bei Liebehenschel von 3—6 Uhr. Uchte LlachviMen und Depeschen. Ehreujnngsrancu und Garnison. Krefeld, 21. Juni.(W. T. B.) Der Oberbürgermeister erhielt gestern abend solgendeS Telegramm: Villa Hügel. Auf Befehl Sr. Majestät deS Kaisers und Königs soll Krefeld Garuisou erhalten. Ich bitte, baldige Vorschläge über Unterbringung eines Husaren-Rcgiments in der Stadt und Schaffung eines Exerzierplatzes in der Umgegend anzugeben. v. Bisfing. Diese Verlegung eines Husaren-Regiments bedeutet die un»- gehende Einlösung eines Versprechens, das der Kaiser nach der „Nhein.-Westf. Ztg." den dortigen Ehrenjungfrauen gegeben: Bei seiner Abfahrt fragte der Kaiser die Ehrenjnngfranen, ob sie auch tüchtig mit jungen Lieutenants tanzten. Als ihm gesagt»vurde:„Wir besitzen hier leider wenig Lieutenants." erklärte der Kaiser:„Dann mutz i ch I h n e n e i n i g e h e r« schicke n". und zum Schlntz rief er noch huldvoll:„I ch>v e r d e mein Wort einlöse n." Nun haben die Ehrenjnngfranen ihre LienteiiantSl Skandal in cincin öftreichischcn Probinzial Landtag. Laibach, 21. Juni.(W. T. B.) Bei der heutigen Verhandlung dcS Landtages über die Dringlichkeitsanträge der Slolvenischen Klerikalen anf Abänderung der Landtags- Wahlordnung erhob H r i b a r den Vorwurf, daß die Bevölkerung vor den Wahlen von der Kanzel und dem Beichtstuhl aus beeinflutzt worden sei. S n st e r s i t s ch verlangte, datz Hribar zur Ordnung gerufen werde. Der Stellvertreter dcS LaiideShanpmannS entsprach aber diesem An- suchen nicht. Alsdann begannen vier slowenische radikale Abgeordnete einen ohrenbetäubenden Lärm durch chlagen mit Büchern und Stühlen und Benutzung von Kinder- trompeten und lietzen keine» Redner, auch nicht die ihrer eignen Partei, zu Worte kommen. Nach mehrstündiger Obstruktion wurde die Sitzung unter ständigem Trommeln und Pfeifen geschlossen. Polcnpolitik in Galizien. Lemberg, 21. Juni. sW. T. B.) Landtag. Landmarschall Graf P o t o ck i kündigt eine Reihe von Vorlagen, darunter cnt- sprechende socialöko nomische Gesetze und Vorkehrungen an, damit so traurige Ereignisse wie anlätzlich der letzten Arbeits« losigkeit in Lemberg verhütet werden. Sowohl in socialen»vie nationalen Verhältnissen sei der Hätz eine destruktive Kraft, welche mit ihren Folgen gerade anf der gegnerischen Seite Widerstands- »virkungen hervorrufe. Hierfür seien Beweise auch in andern Fällen als den in Rede stehenden vorhanden. Schon durch die Geschichte der polnischen Nation werde dargethan, datz ei» lebensfähiges Volk, Ivelchcs seine Vergangenheit hochhalte und die Kraft zu künftiger Thätigkert besitze,>v e d c r durch beeinträchtigende Ausnahme- Ge- setze, noch durch andre nationale oder Wirtschaft- liche Verfolgungen ausgerottet»verde» könne. Die Antlvort darauf und eine Abwehr der Bedrückungen und der Ungerechtigkeit sollten nicht unnütze Dcnionstrationen und noch so schön klingende Reden sein, sondern um so intensivere Arbeit behufs Steigerung und Sammlung der nationalen Kraft solvie Aufopferung und würdevolle Ersüllnng der schwierigen Pflichten. Ans diesem Grunde müsse auch hier zu Lande jede Aeutzerung, ei eS socialen, sei es nationalen Hasses als in ihren Folgen für das ganze Land schädlich und nicht einmal für die eigene Nationalität nützlich verurteilt»verden. Möge jede Nationalität zu Gunsten der eignen Entwickclung und für den eigenen Fort- 'chritt ohne Vorurteil gegenüber der' andern Nationalität nachdrück- lich wirken und sie werde sicherlich günstige Resultate erzielen. Beifall.) Weiter»vird ans Lemberg gemeldet: Eine vertrauliche Ver- ämmlnng von Abgeordneten sämtlicher LandtagSklnbs und Mit- gliedern dcS PolcnklnbS des RcichsratS hat mit grotzcr Stimmen- i'nehrheit folgende» Beschlutzantrag angenommen: Da die im Landlag am 30. Dezember 1901 abgegebene Deklaration bc- treffend die arge Bedrückung unserer Cornationalicn unter prcntzischer Regierung und das vom Laudinarschall in seiner heutigen Ansprache Gesagte unsren Gefühlen und nnsrer lieber- zcngung entsprechenden Ausdruck gegeben haben, erklären»vir uns gegen alle Anträge, welche etiva im Landtage in dieser Richtung ein- gebracht»verden sollten, und»vir fordern die Mitglieder des polnischen Lnndtagsllubs auf, sich diesem Beschlüsse zu fügen. Senat. Rom, 21. Juni. sW. T. B.) Bei der Beratung des Budgets deS Innern erklärt der Minister Giolitli: Bei den A n s st ä n d e n müsse die Regiernng ihr Augenmerk darauf richleu, datz dieselbe» nicht zu Tumulten auSartcn; er habe darum angesichts der Ausstände in Neapel sehr strenge Matznahmen getroffen, damit die Ruhe dort nicht gestört werde; er»verde überhaupt gegen jedermann streng die Gesetze in Anwendung bringen.(Beifall.) Hierauf wird das Budget deS Inner» mit 93 gegen 16 Stimnicn genehmigt und die Sitzimg geschlossen._ Berlin, 21. Juni.(W. T. B.) Nach einer telegraphischc» Mcl« dnng deS kaiserliche» Gouverneurs Deutsch- Südwest- Afrika ist zu» »leich mit einer laudwirtschaftlichcn Ausstellung in Wiudhock der Verkehr auf der ganze» Bahnlinie S Iv a k o P»> u u d- W i n d h o e k am gestrigen Tage eröffnet worden. Glcitvitz, 21. Juni.(W. T. B.) Wie der„Oberschlesische Wandrer" meldet, lösten sich in den» benachbarten Orte Raufen, als die Schleuse deS RudafluffeS»vegen UebcrschwemmuugSgefahr ge- öffnet»verde» nintzte, während der Arbeit niehrere Balken los und risse» die zunächst stehenden Personen in die Fluten. Der Brand» mcister Niklas»vurde getötet, zivei Personen wurden schlver, mehrere andre leicht verletzt. Haag, 21. Juni.(B. H.) Im hiesigen Gefängnis»iciiterten IL Gefangene während eines Spazierganges auf dem Gefängnis- Hofe. Sie überfielen zwei Aufseher, fesselten diese, bemächtigte» sich der Schlüssel und entkaineu unbemerkt. Bisher sind zwei der Flücht- linge wieder ergrissen»vorden. ' Loudon, 21. Juni.(B. H.) Nachdem die Pforte sich als ohn- mächtig erwiesen hat, dem umsichgreifeuden P i r a t e n w e s e u im persischen Golf zn stenern, hat die englische Regierung bc- chlossen, nunmehr selbständig vorzugehen. Rom, 20. Juni.(W. T. B.) Bei den Ausgrabungen auf dem Forum R o», a n u m wurde in der Nähe des Teni'pclS der Fanstina die erste der alten RekropoliS von Rom augchörige Grabstätte einer nicht.'durch Feuer bestatteten Leiche anfgefilndeii. In dem Grabe fand man Teile eines Skeletts, von»velchem man annimmt, datz es a u S den Zeiten der Gründung R o ms st a in m t. Verantwortlich» Redactenr: Carl Leid in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max lvading in Berlin. Hierzu 3 Beilagen u. llutcrhaltiiugsblatt. Nr. M. 19. 1. Ktikze>ks Joriüiirts" Wim JotoHatt. i.»� a in Vierter deutscher Gewerkschaftskongreß Stuttgart, 20. Juni 1902. Fünfter Verhandlungstag. Vor mittagssitzung. Lcgicn eröffnet die heutige Sitzung und teilt im Auftrage des inegierungSvertreters Dr. Hölter init, daß dieser vom Reichsamt des Inner» zu rein informatorischen Zwecken zum Kongreß geschickt sei Er hätlc auf die gestern von Müller-Hamburg an ihn gerichtete Frage auch gar nicht anlivorten können, sda ihm das Material nicht zur Hand sei. Er werde aber seiner vorgesetzten Behörde Mit- teiluug machen und eine Klarstellung, eventuell auch eine Rcmcdur in der Angelegenheit herbeizuführen suchen. Miillcr-Hainburg ist mit dieser Erklärung zufrieden gestellt. Käniing-Stuttgart referiert über das Thema „Hausindustrie". Er giebt ein Bild des Umfangs der Hausindustrie den verschiedenen Branchen. Der Redner weist darauf hin, daß die wirrschaftliche Notlage der Heimarbeiter sie geistig so abgestnnipfr habe, daß sie dem Organisationsgedanken Völlig verständnislos gegenüber stehen. Vorderhand sei es gänzlich ausgeschlossen, die Heimarbeiter den Organisationen zuzuführen' man müsse sich auf die Gesetzgebung verlassen. Diese habe aber bisher so gut wie gar nichts gclha», obtvohl den Regierungen die traurigen Zustände seit Jahrzehnten bekannt seien. Von Heim- arbeiter-Schutz sei in Deutschland so gut ivie keine Rede. Zivei arm- selige Bundesrats-Verordnungen für die Tabakindustrie und die Konfeklionsindnstrie, die aber fast ganz tvirlungslos geblieben sind, seien erlassen worden. Deutschland stehe hinter andren Ländern weit zurück. I» der Schivciz besiehe ein viel wirksamerer Schutz für die Heimarbeiter. In England, der»ordanierikanischen Union, bestehe die Anzeigepflicht für Heiniarbeitcr-Betriebe. In den australischen Kolonien Victoria, Neuseeland, Ncusüdlvales seien einschränkende Bc- siimniimgen für die Heimarbeit in Kraft, in Belgien und anderswo sei man ebcnfalls weiter als in dem Kulturland Deutschland Tie Arbeiterschaft Deutschlands müsse einmütig die Forderung aufstellen, daß den Heiniarbeiter» endlich ein gesetzlicher Schutz zu teil werde.(Lebhafter Beifall.) Redner schlägt die folgende Nrsolutio» vor: In Anbetracht dessen', daß die Hausindustrie mit ihrer un begrenzten Arbeitszeit, ihren niedrigen Löhnen und ungesunden Arbeitsstätten nur dazu angethan ist, die darin beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen wirlschastlich nnd geistig zu verelenden, dem Unternehmertum die Möglichkeit bietet, jegliche» Arbeitcrschutz zu ignorieren und somit die ständige Gefahr in sich birgt, die sociale Lage der in Fabriken, Werkstätten usw. beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen auf das niedrigste Niveau hcrabzudrnckeu; erklärt der Kongreß, daß einzig rind allein durch ein vollständiges gesetzlich e s Verbot der H a u s i n d u st r i e die Schäden derselben zu beseitigen sind. Als U c b e r g a n g s st a d i n in fordert der Kongreß: 1. Ausdebunug der Arbeiterschutz- und Vcrsicheruiigsgesetzc au die gesamten Heimarbeiter. 2 Vollständiges Verbot der Kinderarbeit. 3. Unterstellung der gesamten Heimarbeit unter die Kontrolle durch die Gewerbe-Jnspcktion. 4. Erlas; strenger Vorschriften über Einrichtung der Arbeits slätten in der Heimarbeit. 5. Berpflichtnng der Arbeitgeber und der sogenannten Zwilchen meister, eine genaue Liste der von ihnen beschäftigten Personen mil WohnungSangnbe zu führen und diese jederzeit den Bcainten der Gewerbe-Jnspeklion zur Einsicht vorzulegen. 6. Verbot der Heimarbeit an Sonntagen nnd gesetzlicher Feiertagen und der Nachtarbeit. 7. Verbot der Heimarbeit in Häusern und Arbeitsstätten, ,n denen eine ansteckende Krankheit ausgebrochen ist. 8. Untcrstellimg der Heimarbeiter unter die gewerblichen Schiedsgerichte bei Streitigkeiten zwischen ihnen und den Arbeit- gebern resp. Zwischenmeistcr», die aus dein Arbeitsverhältnis ent sprnugen sind. 9j Erlaß von Schutzbestiiumnugen nnd Spcclalvorschriftcn nach der Natur der einzelnen Zweige der Heimarbeit. 10) Verhangung strenger Slrafen für Ucberlretung der gcsctz- kichen Vorschriften, für deren Eiuhnltuug Arbeitgeber und Zwischci meister in erster Linie vernutiuortlich find. Um diesen Forderungen den nötige» Nachdruck zu verleihen und die Gesaiutbevölkciung auf die Gefahre» der Hausinduslrie aufmerksam zu machen, beauslrngt der Kongreß die General kviumissivn, während der nächsten Rcichstngssession einen all gemeinen H e i m a r b e i t e r s ch u tz- K o n g r e h nach Berlin einzuberufen und die Rcicbsregieruiig und cinzeliicn Parteien des Reichstags dazu einzuladen. Ferner erklärt der Kongreß es als eine Pflicht aller geWerk- schaftlich nnd politisch organisierten Arbeiter und Arbeiterinnen, thalkräftig an der Organisierung der Heimarbeiter und-Arbeite rinnen mitznarbeileii. Ritter-Berlin ersucht die anwesenden Regierungsverlreter, beim Vundcsrat dafür einzutreten, daß die Heimarbeiter in die Kranken- Versicherung einbezogen werden. Die Resolution wird e i n st i m in i g a n g e n o m m e n. Es folgt»un der Punkt Zlrl>eiislose»-Statisttk nnd ArbeitSlosen-Versichernng. Vom Referenten v. Elm- Haniburg liegt die folgende Rcso- lnlion vor: 1. Der Geiverkschaftsllongreß erachtet es als Pflicht von Reich, Staat und Gemeinde, Arbeitern Unterstützung zu gewähren bei Arbeitslosigkeit, welche weder durch Streiks oder eignes grobes Per- schulden hervorgerufen ist; die Arbeitslojcn-Unterstütznug darf nicht den Charakter eines Almosens oder einer Armeniiiiierstützung tragen und keinerlei Kürzung der staatsbürgerlichen Rechte der Arbeiter nach sich ziehen. 2. Als Voraussetzung einer allgemeinen Arbeitslosen« Ver- sicherung fordert der Kongreß das«»eingeschränkte K o n l i t i o» s r e ch t für alle Arbeiter beiderlei Geschlechts in Gewerbe. Hausiiidlistrie, Schiffahrt, Landwirtschaft, Staatsbetrieben und in häuslichen Diensten; die Gewährung der Rechtsfähigkeit an die berufliche» Organisationen, die Vornahme regelmäßiger Arbeits- losen-Zähliingen und die reichsgesetzliche Regelung der Arbeits- vermitielung durch Organisation von Arbeilsbörse», zu deren Erbauung und Uutcrhnlluiig die Einzelstanten und die Gemeinden zu verpflichten sind. 3. Der Kongreß verwirft jedes System einer Arbeitslosen« Versicherung auf andrer Grundlage als der f r e i e>i S e l b st« Verwaltung der Arbeiter und der Geivährung eines Reichszuschnsses an Arbeitslosen-Unterstützung am Orte oder auf der Reiie zahlende centrale oder lokale Benifsverbände. 4. Die Deckung der Koste» des Neichs-Arbeitslosenversicherungs- Zuschusses geschieht zur Hälfte ans llleichsmitteln, die andre Hälfte der Kosten ist durch die Berufsgcnossenschnfleii zu decken. Je nach den Anforderungeii für die einzelnen Berufe hat das Reichs« Versicherungsnmt die durch die Berufsgcnossenschaflen zu zahlenden Beiträge festzusetzen, die von diesen auf dein Wege des Umlage- verfnbiens von den Arbeitgebern zu erheben sind. Tischendörfrr-Berlin beantragt: An Stelle von Nr. 3 und 4 der Resolution v. Elm sind folgende Sätze einzufügen: 3. Im Juteresse einer baldigen Einführuiig der Arbeitslosen- Versicherung empsiehlt der Gewerkschaftskongreß die Zusammen- Wirkung der Krankentasseii, Octsbehördcn und Gewerkschaften, und zwar dergestalt, daß 1. durch Beitragszuschläge der Krankenkassen die notwendigen Einnahmen erzielt werden, 2. durch eine Koni Mission, bestehend aus Vertretern der Ortsbehörden, Arbeitgebern und Arbeitnehmern, der Arbeitslosenfonds verwaltet wird, und 3. die Auszahlung der Arbeitloseii-Nnterstützung in den Geschäfts� stellen der Gewerkschaften erfolgt. 4. Der Gewerkschaftskongreß behält sich ivcitergehende Vor schlüge für dieZuknnft vor, ersucht jedoch die Arbeiterschaft Deutsche lands und deren Vertretung in den Genieinden und den Parlainentcu fortgesetzt dahin zu wirken, daß für derartige Unlerstützuligszweckc aus öffentlichen Kassen erhebliche Zuschüffe geleistet werden und eine Cenlrnlisation der Arbeitslose»- Versicherung auf dein Boden weitgehendster Selbstverlvaltung der Arbeiterschaft in die Wege geleitet wird. v. Elm-Hamburg führt aus: Die Arbeitsloscn-Versicherniig fft auch vom Standpunkt der heutigen Gesellschaft wünschenswert. ist grundsätzlich notwendig, daß die Arbeitgeber zur Versichcrniig herangezogen werden, sie müssen ein Interesse an der mehr oder weniger großen Arbeitslosigkeit haben. Daß die Arbeiter an der llnteistütznng der arbeitslosen Kollegen ein Jnlercssc haben, ist längst praktisch entschieden. Ich halte es für falsch, principiell für eine Gemeiudeversichernng einzutreten. Das Reich ist dafür geeigneter, denn Gemeinden mit einer einzigen großen Industrie würden bei einer Krists gar nicht im stände sein, die Versicherung der Arbeits losen finanziell durchzuführen. Uni die Frage der Kosten festzustellen, sind Zählungen der Arbeitslosen notwendig. Wollte die Reichs- regierung diese Zählungen voniehmen, die deutschen Gewerkschaften würden ihr gern dabei helfen. Sollen die Zählungen branchbares Material ergeben, so ist die Mithilfe der Gewerkschaften gar nicht zu entbchrcn. Man wird im tvescntlichen die Gewerlschaften heran ziehen müssen, die jetzt schon Arbeitslosen- Unterstützung zahlen. Die großen Schwierigkeiten, die Frage zu lösen, ergeben sich bei der praktischen Inangriffnahme. Es ist der Vorschlag gemacht worden, die ArbeitSlosen-Versicherung an die bestehende Versichernngs-Gesctz gebnng anzugliedern. Sicher ist, daß es sich bei Arbeitslosigkeit um andre Dinge als bei Invalidität, Unfall oder Krankheit handelt. Schlvierigkeit bereitet die Frage, in welchen Fällen der Arbeitslose unterstützt werden soll. Tie streikenden Arbeitslosen scheiden natür- lich aus. Den Gedanken einer ArbeitSlosen-Reichssparkasse weisen wohl alle orgnuisierten Arbeiter iveit ab. Wir können uns eine Arbeits loscn-Vcrsicherung überhaupt nur denken, die aufgebaut ist auf der Solidarität der gesamten Arbeiterschaft.-(Sehr richtig.) Tischen dörfer macht den Vorschlag, die Arbeitslosen- der Kranken Versicherung anzugliedern. Ich halte den Weg für ungaugbar. Die deutschen Arbeiter haben daö Recht, diese Selbstverwaltung zu ver- langen auf Grund dessen, was sie bisher auf diesem Gebiete geleistet haben. Die Reichseegierung sollte endlicli einmal aufhören, die Gewerkschaflskassen lediglich als Streikkassen zu betrachten. Sie sollte endlich einmal den Aberglauben lassen, daß hinter jedem Streik die Hydra der Revolution lauert. Starke Organisationen verhindern wilde Streiks. Gut gefüllte Kassen steigern das Verantivortlichkcits gefühl der organisierten Arbeiter. Die Regierung sollte sich endlich entschließen, die Organisaiionen der Arbeiter von allen noch be stehenden Fesseln zu befreien. Dazu gehört vor allem die Geivährung des RoalitionSrcchls an alle Arbeiter, auch die Land- arbciter.-Es wäre falsch, erst eine Arbeitslosigkeits- Versicherung einzuführen und vielleicht später einmal Koalitionsfreiheit zu ge- währen. Nein, umgekehrt: erst muß die Freiheit gegeben iverdcn, Koalitionen zu gründen, dann kann man erst an die Arbeitslosen- Versicherung denken. Nur die frei organisierten Geiverkschaften könne» die Träger der Arbeitsloscn-Versicherung sein.(Sehr richtig!) Die Rrgieriingcn müssen endlich ancrkeiincn ivaS ist: daß nämlich die Arbeitcrorgauisationcn in der heutigen Gesellschaft eine nnbediiuftc Nolwendigkcit sind. Also die Gewerkschaftsbewegung nicht hemmen, sondern särdern, und ich bin nicht geneigt, irgend welche Kompromisse einzugehen, von denen ich glaube, daß sie das Bestehende, uusre Gewerkschaften, hemmen könnten.(Lebhafter Beifall.) Tischendörser begründet seinen Abäiiderungsvorschlag. Einigkeit herrsche über die Schwierigkeit der Lösung des Problems. ES gebe viele Geiverkschaften, die von einem Eingreife» dcS Staates gar nichts wissen wollen. Ohne dieses Eingreifen werde es aber nicht gehen. Die verschicdcustcn Vorschläge seien gemacht worden. Molkenbuhr habe einer Rcichs-Arbeitslosen-Versicherung das Wort geredet, bei deren Ein» richtung die Arbeiter fast ausgeschaltet seien. Sympathischer sei der heutige Vorschlag Elms, er führe aber nach Wolkcnkiickncksheun. (Lachen.) Er könne im wesentlichen die Elnischeu Sätze unterschreiben, obwohl er nicht glaube, daß die vollständige Koalitionsfreiheit ic. die notwendige Voraussetzniig einer Arbcitsloscn-Versichcrung sein muß. Nach seiner Meinung könne die Arbeitsloseii-Versicheiiing praktisch in der Gegenwart mir in Aiiglicdcrung an die Kranlenversichernng durchgeführt werden. Die Selbstverwaltung der Arveiter sei selbst- verständlich. Bei einer 20 prozcntigen Erhöhung der Krankenkassen- Beiträge würde ein Fonds von 30 Millionen zufoinmettkommeii. 10 Millionen würden davon die Arbeitgeber zu tragen haben, einen ivcitercn Teil die Leute in festen Stellungen, die sich nicht um die Organisation kümmern, nicht mitkämpfen, aber die Vorteile unsrer Kämpfe mitgenieße». Der Elinsche Vorschlag sei nicht durch- Tchrbar. er ist auch inibillig. Man könne von andren Faktoren nicht Geld verlangen nnd ihnen das Dreinreden verbieten. ein Vorschlag habe für die nächste Zeit Aussicht auf Erfüllung, was beim Elnischeu Vorschlag nicht der Fall sei. Wenn der Kongreß praktische Arbeil machen tvolle, müsse er seinen Vorschlag annehmen. (Vereinzelter Beifall.) Frl. Jmlc-Berlin befürwortet einen Antrag, in der Rc- solution im zweiten Absatz hinter die Worte„in häuslichen Diensten" die Worte cinzuschallc»:„die Auerkciinung der zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern des Gewerbes vereinbarten Tarife" und am Schluß hinzuzusügen:„Der Kongreß enipfiehlt de» Gewerkschaften als Vorbedingung eines solchen Reichszuschnsses die Einführung respektive den Ausbau der Arbeitslosen-Uiitcrstütznng, um auf diese Weise die einzig annehmbare versicherungstcchnischc nnd organisatorische Grundlage der Staatssubvention zu schaffen." Die Rcdnerin erläutert in längeren Ausführungen den Zu- aniiuenhaiig zwischen der Frage der ArbeitSlosen-Veisichcrung und der Frage der Anerkennung und Dnichsührung der Tarife in den inzelnen Berufen. Sic erklärt den Vorschlag Tischcndörfers für ein Kompromiß, dem zuzustimmen ihr unmöglich sei. Sic plädiert dafür, daß vorerst in den Gewerkschaften der Gesetzgebung durch Schaffung von Arbcitsloscn-Unterstützung vorgearbeitet werde. Rcichel-Stutlgart erklärt, daß er weder mit der Resolution Elm, noch der Resolution Tischendörser völlig einverstanden sei. Di« Lösung der Frage sei sehr schwierig und er beantrage, eine Kommission zu wählen, die sich mit der Frage weiter beschäftigen soll. Gehe die Regierung an die Ausarbeitung eines Gesetzes, so werde sie hoffent- lich die Gewerlschaften zur Mitarbeit heranziehen. Grimm-Hamburg ist der Meinung des Vorredners, daß die frage noch nickt spnichreif sei, und verlangt die Einsetzung einer tandigeu Kommission zum Studium des Problems. Rexhiiuscr- Leipzig ist der Meinung. daß dieser Kongreß die Frage»icht zu lösen im Stande sei, dazu sei die Frage eben noch nicht reif. Er halte die Lösung nur in der Richtung des v. Elnischeu Vorschlages für möglich. Er'töniie keiner Lösung zustimmen, mit der eine Verhinderung der freien Bethätignng der Gewerlschaften verbunden seien könnte. Frau Zieh-Hamburg giebt zu, daß der Elmsche Vorschlag nicht von beute auf morgen durchführbar sei und polemisiert dann gegen die Tischendörferschc Auffassung, daß es unbillig sei, Beiträge vom Reiche und den Unternehmern zu fordern, sie aber nicht' drein- reden zu lassen. Sie empfiehlt die unveränderte Annahme der Resolution v. Elm. Tischendörser spricht noch einmal für seine» Vorschlag. Ver- sicheruiigstechnijche Schwierigkeiten gäbe»S überall, bei seinem wie dem v. Elinschen Vorschlag. Der seinige sei der praktische, in der Gegenwart durchführbare. Die Erfüllung des v. Elinschen Vor- schlage? würde weder er, noch seine Nachkommen erleben. Man dürfe nicht überschwängliche, sondern erreichbare Forderungen auf- stellen. Robert Schmidt- Berlin: Ich finde nichts Uebcrschtvöngkiches in den Forderungen der Resolntioi» Elm. Um dies Gefühl zu haben, muß man sehr bescheiden sein in socialpolitischcn Dingen. Freilich, in der nächsten Zukunft werden sich die Elinschen Forderungen nicht erfüllen lassen. Das gleiche ist aber bei Tischendörfers Resolution der Fast.(Sehr richtig.) Auf den Gnindgedankcn aber können wir uns cinigen, daß die Gewerkschaften der wesentlichste Träger der Arbeitslo'sen-Versichernng sein, daß Reich und Unternchiner zu den Kosten herangezogen werden müssen. Göllcr-Frankfurt a. M.: Die Voraussetzung für eine Arbeits- losen-Versichernng ist eine vollständige Reorganisation unsres Kranken- kassenwesens. Der Elmsche Vorschlag hat in den nächsten zehn Jahren keiue'Anssicht auf Nealisicriing. Die herrschenden Klassen würden uns Selbstverwaltung nur in dem Umfang zngestehen, als wir zu den Kosten beitragen. Die Frage erscheint mir noch keineswegs spruchreif. Wichtiger erscheint nur' vorerst ein Ausbau unsrer Kranken- versicherinig. Soll hier überhaupt ein Beschluß gefaßt werden, so kann es nur der sein, daß wir allen Gewerkschaften die Einführung der Aibeitslosen-Unterstützinig zur Pflicht machen. Ich denke mir die Lösung der Frage durch ein Gesetz, in Ivelchem Kranken-Unter- stiitzung, Ärbeitslosen-Unterstützung und Arbeitsnachweis zusammen behandelt werden. Hierauf tritt die Mittagspause ein. N a ch in i t t a g s s i tz u n g. Legten eröffnet die Sitzung und teilt mit, daß den Verhand- lungen der zweite Bürgermeister Stock mayer von Stutt- gart beiwohnt. Es wird in der Diskussion über den Punkt„Arbeitslosen- Versicherung" fortgefahren. Ritter-Berlin befürwortet einen Znsatz zur Resolution Elm, wodurch ausdrücklich ausgesprochen wird, daß die Gewerkschaften die Träger der Arbeitslosenversicherung sein sollen, ohne daß die Be- wegungsfreiheit der Geiverkschaften irgendwie eingeschränkt werden dürfe, Grculich-Zürich bittet, ihm das Wort zu gestatten, da er sich mit der Arbeitslosenversicherung sehr intensiv beschäftigt habe. Es sei von versichcrungstechuischen Grundlagen gesprochen worden. Diese seien für die Arbeilslosenversicherniig gar nicht oder sehr schwer zu finden. Der Grad der Arbeitslosigkeit in einem gegebenen Moment sei zweimal in Deutschland festgestellt worden. Zii einer Grundlage für die Versicherung lange das aber nicht aus. Die rapide Entwickclung der Technik nnd der gesamten Industrie lasse solche Grundlagen sehr schwer gewinnen. Es lasse sich nicht leicht etwas festnageln, gesetzlich festlegen, noch weniger lassen sich Ausprnchsrcchte festsetzen. Das gelte von der obligatorischen Ver- sichernng. Ganz anders stehe eS mit der fakultativen. Die GeWerk- ichaftcn' könnten für ihre Mitglieder, die sie kontrollieren, Versiche- rungen einführen. Der Staat werde sich kaum dazu verstehen, Garantien zu übernchnien für die volle Befriedigung der Ansprüche wegen Arbeitslosigkeit. Deshalb erscheine ihm der Antrag Tischen- dörfer gar nicht gangbar. Es sei merkwürdig, daß der Social- demokrat Elm zur Reichsregierung mehr Vertrauen habe als der Nationalsociale Tischendörser. Aber bas Vertrauen Elms sei in der That»icht von der Hand zu weisen. Es sei doch gar nicht ausgeschlossen, daß der Staat sich bereit erklärt, gegenüber dem schweren socialen Ucbel der Arbeitslosigkeit mit Uiitcrsttttzmigen einzugreifen. Der Staat kann die Würdigkeit des Einzelnen, der Uuterstützling erhalten soll, nicht prüfe», er braucht dazu sachverständige Organe, und hier kommen in der That in erster Linie die GeWerk« schastcn in Betracht. Ich finde aber zwischen dem Vorschlag Tiichcu- dörfcrs, soweit er die Orlsbehörden und die Krankenkassen in Anspruch »chincn will, nicht den kontradiktorischen Gegensatz, den tvohl beide Herren als vorhanden annehmen. Mau könnte vielleicht beide Vor» schlägc verbinden, vielleicht könnte man auch an die Einzelstaatcn denken, v. Elm thäte vielleicht auch Recht, die Bernfsgenossenschaften hier aus dem Spiel zu lasse». Man könne der Regierung hier eine gewisse Initiative einräumen. Es sei ihm hier eine gewisse Ver- zaglhcit aufgefallen, die gar nicht am Platze sei. Der Kongreß solle nur Forderungen an die Regierung stellen, freilich diese Forderungen genau überlegen und formulieren. Dazu sei eine Kommisstoii erforderlich. Leipart- Stuttgart: Ich habe das Gefühl, daß wir etwas verfrüht au die Arbeitslosen- Versicherung herangegangen sind. Würde die Resolution v. Elm augcnommeii, so würde das für die Äewcrk- schaftcn ein Grund sein, die Arbeilslosenversichcrungs-Frage beiseite liegen zu lassen. Das ist für mich die gefährliche Seite der Sache. Tie Gewerkschaften müssen vorerst alle die Arbeitsloscn-Versicherung einführen und anSbanen. Das muß ausdrücklich ausgesprochen werden. Deshalb muß der Antrag Jmle angeiiomme» werden, nin besten muß der Aufforderung an die Gewerkschaften selbst, Arbeits- losen-Versichcruiig einzuführen, der Resolution vorangestellt werde». Ich halte im übrige» die Resolution Tischendörfer für praktischer als diejenige von Elm. Ich rate Ihnen, nicht übereilt vorzugehen und nicht Beschlüsse zu fassen, die nach kurzer Zeit schon lviedcr geändert lvcrden müßten. Wortmeldungen liegen nicht mehr vor. v. Elm hält sein Schlußwort. Er wendet sich gegen die Ein- setzung einer Komniission. Man könne doch nur allgemeine Grund- sätzc ausstellen. Mit dem Antrag Jmle sei er einverstanden. Er habe die Forderung des AuSbauS der Arbeitslosen-Versicherung intler- halb der Gewerkschaft für selbstverständlich gehalten und sie deshalb nicht in die Resolution aufgenommen. Er sei früher gegen eine Ncichs-Arbeitslosenuutetstütznng gewesen, er halte sie auch heute nur unter der Voraussetzung für gut, daß die gewerkschaftlich orgaiii- si crten Arbeiter den Wert der Arbeitslosen-Versichcruiig erkannt haben. Das sei heute der Fall. Ihm sei die Hauptsache, daß heute schon der Regierung der Weg gezeigt wird, auf dem die organi- sicrten Arbciter sie haben tvollen.(Sehr richtig!) Die Gs- weilschaften haben die Arbeitsloscii-Versichernng eingeführt, nicht nin dem Staat eine Pflicht abzunehmen, sondern weil sie ihren Wert für uns erkannt habe», iveil sie eine Rückenstärkung für nnsre Leute bc» deutet. Man hat auf die Unorganisierten hingewiesen. Zunächst kommt für mich die Organisation, darin ist auch das Interesse der Unorganisiertcu niitbegründet. Wir sind bis jetzt sehr gut ohne ge- trennte Fonds gefahren. Würde der Vorschlag Tischcndörfers an- gciiomnicn, so würden wir gesetzlich verpflichtet werden, die Fonds getrennt zn halten und den Fonds für Versicherungszwecke völlig unangetastet lasse» müssen. Ich meine, für die lliiorganisierte» können andre Leute als die Orgaiiisationeii sorgen. Man hat ,das Schlagwort von der praktischen Gegenivarlsarbeit gebraucht. Ich bin gewiß sehr für praktische Gegeuivartsarbeit, man treibt aber oft damit Nnfug. Ich war gegen Anträge betr. die Rechtsfähigkeit der Bernfsvereinc, weil in diesen Bedingungen enthalten waren, die das Koalitionsrecht der Arbciter tangierten. Ohne völlige Koalitionsfreiheit keine Rechts- sähigkeit der Berufsvereine.(Sehr richtig I) Tischendörfer sagt, Posadowsky sei nicht für Koalitionsfreiheit, aber für Arbeitslosen- Unterstützung zu haben. Jawohl, aber die Koalitionsfreiheit ist für mich die conditio sine qua non. Ohne Koalitionsfreiheit können die Arbciter leine für sie brauchbare ArbeitSloseii-Bersichernng er» langen. In der Frage des KoalitionSrcchts giebt es für mich nicht die Möglichkeit eines Kompromisses. Frl. Jmle hat schon auf die Schwierigkeiten hingewiesen, die die Angliederung au. die Kranken« vcrsichcruug mit sich bringt. Leipart ist trotzdem dafür. Der kluge Leipart sollte doch bedenken, geschieht schon die Angliederung an die Kraukciilasscn, dann wird man die Gewerkschaften völlig ausschalte». deshalb schon ist für mich dieser Weg ungaiigbar. Leipart ist gegen die Heranziehung der DeruiSgenossenschaften, weil dainit der Widerstand des Unternehmertums gegen die ganze Vcr- sicherung niir gereizt wird. Das Unternehmertum ist so und so gegen de» Gedanken einer Arbeitsloftn-Versicherung. Fiir mich ist die Heranziehung der Arbeitgeber eine grundsätzliche Frage. Werden sie aber herangezogen, so können sie nur jeder nach seinem Teil zu den Lasten herangezogen werden. Dies aber ist wieder nur durch Heranziehung der Berussgenossenschaften möglich. Weit eher als für die Tischendörferschen Vorschläge wäre ich für Zwangsversicherimg auf gewerkschaftlicher Grundlage. Ich vertraue nur auf unsre eigne Kraft, nicht auf das gute Herz der Unternehmer, nicht au Resolutionen von unsrer Seite, sondern nur auf unsre wirtschaftliche Macht. Mag noch lange Zeit bis zur Erfüllung unsres Ziels ver- gehen, es ist von grostem Wert, heute schon die Richtung anzuzeigen, in der wir uns die Verwirklichung einer Arbcitslosen-Versichernng denken.(Beifall.) Der Antrag auf Kommissionsberatung wird ab- gelehnt. Die Resolution v. Elm mit den AbänderungS- antragen des Frl. L m l e wird gegen acht Stimmen au- genommen. Ueber den Punkt „Das Koalitionsrecht der Eisenbahner" referiert Wirth-Dresden. Von ihm liegt die folgende Resolution vor: „In Erwägung, dast die wirtschaftlichen und socialen Jnter essen der deutschen Eisenbahner konform sind den wirtschaftliche» Interessen aller in Handel, Industrie und Landwirtschaft crwcrbs thätigen Personen, in fernerer Erwägung, daß die wirtschaftliche Lage der Eisen bahner, ihre Ernährung und die Daner ihrer Arbeitszeit, von Ein flrch sind auf die Betriebssicherheit der Eisenbahnen und die Sicherheit weiter Kreise der Bevölkerung, datz ferner das nach§ 152 der Gewerbe-Ordnung alle» Gewerbetreibenden, gewerblichen Gehilfen, Gesellen und Fabrik arbeitern gewährleistete Koalitionsrecht den Eisenbahn-Angestellten und Arbeitern abseiten der Eisenbahn-Verwaltnngen streitig ge- macht wird, in der Vorenthaltung des Koalitionsrechtes aber offen» kundig das Bestreben und Festhalten der Eisenbahnverwaltungen an rücksichtsloser uneingeschränkter Ausbeutung des Personals zum Ausdruck kommt, beschließt der Vierte deutsche Gewerlschafs kongreß: Es ist energisch dahin zu wirken, daß von gesetzgeberischer Seite baldigst Maßnahmen ergriffen werde», welche geeignet sind, den Eisenbahnern das Koalitionsrecht unter allen Umständen zu sichern. Der Kongreß hält die Schaffung von Eisenbahn-Schicds gcrichtcn nach Art der bestehenden Gewcrbegerichte mit Zuständig keit für alle Eisenbahnbcamten und Arbeiter für notwendig. Ferner verlangt der Kongreß, ausgehend von dem Gesichtspunkt, daß jeder Mensch das Recht haben ninß, seiner politischen Anschaumig freien Ausdruck geben zu dürfen, daß ans den„Gemeinsamen Be- siimmungen" alle Vorschriften und Verpflichtungen, welche sich auf Gesinnung und politische Bethätigung der Eisenbahnbedicnsteten außerhalb des Dienstes beziehen, entfernt ivcrdc».* Gleichzeitig mit zur Verhandlung wird die folgende Resolntio» deS Vorstandes der Dcntschc» Gärtnerveretnigimg betreffend die Regelung des Rechtsverhältnisses der Gärtner gestellt: «In Erwägung, daß der Gärtnerbernf in Denlschland im letzten Jahrhundert seinen früheren landwirtschaftlichen Charakter ab- gestreift und sich zu einem bedeutenden Gelverbe entwickelt hat welches bei der Getverbezähliing des Jahres 1895 nicht tveniger als 61 335 beschäftigte Personen mit technischer Ausbildung neben nur 22 248 nicht vorgebildeten Hilfspersonen mifwieS; daß weiter dieses Gewerbe hinsichtlich der Regelung seiner Rechtsverhältnisse weder der Reichs-Gewerbe-Ordnung, noch sonst einer für den Abschluß von Arbeitsverträgen maßgebenden Reichs Specialgcsetzgebnng unterstellt ist, nnd daher unter einer für alle darin thätigen Personen höchst nachteiligen Rechtsuusichcrheit leidet; daß infolge dieser Rcchtsverivirrung die Gärtnergehilfen nicht nur zumeist der Vorteile deS Gewerbegerichts-Gesctzes verlustig gehe», sondern auch außerhalb des Wirkungsbereiches der Arbeiter schntz-Gesetzgebung, der Sonntagsruhe-Vorschriften, der Gewerbe- Inspektion und des Krankenversichernngs-Zwnngcs gestellt werden, und daß selbst ihr Koalitionsrecht bedenklich gefährdet erscheint, fordert der Vierte deutsche Geiverkschastskongreß die gesetzt gebenden Körperschaften auf, durch unzweideutige Gesetzes Vorschriften die gewerbliche Gärtnerei der Reichs-Gelverbe-Ordnnng zu unterstellen." Der Referent weist auf die Schtvicrigkeiten hin, denen die Eisenbahner bei Gründung ihrer Organisation gegenüberstanden. Trotz all dep Hindernisse habe sich aber der Verband der Eisenbahner konstituiert. Es sei jetzt Sache der übrigen Gewerkschaften, ihn zu schützen und zu fördern. Der Redner giebt ein anschauliches Bild der Maßregelungen und Verfolgungen denen die Eisenbahner ans- gesetzt waren. Die Behörden arbeiteten mit Hochdruck, drohten jedem Eisenbahnarbeiter, der dem Verband beitrete» würde, mit sofortiger Entlassung. Namentlich in Sachsen fanden Maß- regelungen über Maßregelungen statt. Er selbst sei mit einigen Arbeitskollegen kurz vor dem Weihnachtsfest entlassen ivorden. Ihm wurde erklärt, dienstlich habe er sich musterhaft geführt, aber man vermute, daß er s o c i a l i st i s ch e n Anschau ri» gen huldige. Auf den Hinweis, daß ihm doch da« Koalitionsrecht zustehe und er doch Versamnilungen abhalten dürfe, erividerte man rhm, eS seien in den VersamiNInngen aufhetzende Reden gehalten worden, was der Wahrheit keineswegs entsprach. Die sächsische Verwaltung habe Maßregelnngen verfügt auf Grund von Spitzeleien. In einem Fall sei daS Kind eines Eisenbahners in der Schule vom Lehrer gefragt worden, welche Zeitung der Vater lese. Auf das Kind sei so lange eingeivirkt worden, bis das Kind gesagt habe, der Vater lese die„Arbeiter-Zeitung". Darauf sei die Ent- lassnng erfolgt. In längeren Ansführnngen legt der Referent dar, wie nottvendig gerade für die Eisenbahner das Koalitionsrecht ist. Er teilt mit, datz in der sächsischen Kammer die Löhne der Eisenbahner als zu hoch bemängelt worden. Die Eisenbahner selbst hielten ihre Löhne nicht für zu' hoch, im Gegenteil für zu niedrig. Löhne, die schon aufgebessert lvaren, seien in letzter Zeit wieder reduziert ivorden. Er habe im wesentlichen die Verhältnisse in Sachsen beleuchtet, in Preußen seien sie aber ganz ähnlich. Ans alledem gehe hervor, daß die Ausübung des Koalitionsrechts eine Lebensnotwendigkeit für die Eisenbahner ist, und er bitte um Annahme der Resolution. Auch die Eisenbahner müßten ein würdiges Glied in der Kette der deutschen Getverkschaften werden.(Lebhafter Beifall.) Mit zur Verhandlung gestellt wird außerdem die folgende Resolution betreffend die Rechtsverhältnisse der Straßenbahn- angestellten. „Durch den Z 152 der Gewerbe-Ordnung ist allen in gewerb- lichcn Anlagen beschäftigten Gehilfen, Arbeitern sc. das Koalitionsrecht gewährleistet. Da auch die Straßenbahnen gewerbliche An« lagen'sind, steht den in diesen Betrieben beschäftigten Arbeitern nnd Angestellten— weil Gewcrbegehilfen— das Recht der Koalition ebenfalls zu. In Erwägung nun, daß anläßlich der Bewegungen der letzten Jahre seitens der Gerichte sowohl als auch von Mitgliedern der Regierungen einzelner Bundesstaaten der Auffassung Raum ge- geben worden ist. daß die Straßenbahner der Gewerbe- Ordnung nicht unterstehen, beschließt der Kongreß: Seitens der gesetzgebenden Körperschaften sind Bestimmungen zu treffen, in denen klar zum Ausdruck gebracht wird, daß(die Straßenbahn-Angestellten der Getverbe-Ordnnng unterstehen. Der Kongreß hält weiter die Einfühnmg von Bestimmungen, welche den Angestellten die Ausübung deS KoalitionsrcchtS in der Praxis garantieren, für unbedingt notwendig. Schumann-Berlin bittet um Annahme der Resolution. Er vcr- weist auf die Straßenbahner- Streiks in Berlin, Hannover und Stuttgart und die bei den erstgenannten beiden Streiks zu Tage getretene, den Arbeitern feindliche Haltung des preußischen Ministers v. Thielen. In Stuttgart habe die Haltung der Behörden ein er- frenliches Bild gezeigt. Es nillsse anerkannt werden, daß i» der württembcrgischen Hauptstadt die Gemeinde wie das Ministerium für die Arbeiter eingetreten seien. Leider sei in Stuttgart das Amts- gericht mit seinem bekannten Urteil gegen die Stadlgemeinde der Straßenbahngesellschast zu Hilfe gekonnn'en. Ämbreit- Hamburg beleuchtet eingehend die Rechtsprechung in der beregten Angelegenheit und befürwortet die Annahme der oben mitgeteilten Resolution. Eine weitere Resolutio«, die von Frau Zietz-Hambnrg be gründet wird, verlangt vom Kongreß energisches Eintreten dafür, daß den Landarbeitern das Koalitionsrecht gefetz lich gewährt werde. In der Diskussion wendet sich Rudolph-Nürnberg gegen den Passus in der Resolution Wirth, der die Schaffung von Eisenbahn Schiedsgerichten empfiehlt, er hält die Unterstellung der Eisenbahner unter die Gewerbegcrichte für besser. Nachdem noch Bürger-Hamburg lebhaft für die vier Reso lutionen eingetreten ist, schließt die Diskussion. Der Passus über die Schaffung von Eisenbahn Schiedsgerichten aus der Resolution Wirth iv i r d ge strichen. Im übrigen werden sämtliche vier Rrsollitione» ü n verändert angenommen. Massini-Verlstr referiert über die Anwendung deS ErprcssungS- Paragraph cn gegen die ihr Koalitionsrecht ausübende» Arbeiter. Er weist ans die bekannte Verurteilung von Arbeitern durch ein Berliner Gericht wegen Erpressung hin, die erklärt hatten, daß sie mit einem andern Arbeiter, der der Organisation nicht beitreten wollte, nicht zusammenarbeiten lvollte». Die Gelverbe- Ordnung bildet ein Sonderrecht für die gewerblichen Arbeiter, das ihnen genau vorschreibt, was sie thun oder lassen können. Die Gewerbe-Ordnung verbietet nur Drohung oder lörperlicheu Zwang. Beides liegt nicht vor, wenn ein Arbeiter erklärt, mit dem und dem arbeite ich nicht zusammen. Man könnte ja sonst eine Beleidigung konstnliereii. tvenn ein Arbeiter, weil ihm ein Arbeitskamerad nicht gefällt, das Arbeits- verhälims löst. Hervorzuheben ist, daß hier mir der Arbeiter getroffen tvird, nicht der Unlernehmer. Die Führung schwarzer Listen ist bisher noch nie als Erpressung bestraft ivorden. Die Unternehmer werden wieder einmal nicht mit gleiche» Maßen gemessen. Der Erprcssinigsparagraph darf nicht mit der Gewerbe Ordnung verquickt werden. Bleibt es bei dieser Auslegung, dann ist die Gewerbe-Ordiinng und mit ihr das ganze Koalitionsrecht für unS hinfällig. Das' ist hier ein kleines Znchthausgesetz, Nachdem das große Znchthausgesetz nicht gelungen ist, versucht man hinten herum seinen Zweck halbwegs anders zu erreichen. Ein energiicher Protest ist notwendig. Suchen wir unsre heiligsten Güter zu wahren mit allen uns zu Gebote stehenden Mitteln.(Beifall.) Ich bitte Sie. die folgende Resolution einmütig anzunehmen: „Der vierte deutsche Gewerkschaftskongreß erhebt energischen Protest gegen die von richterlicher Seite ergangene Auslegung, die Ausübung deS Koalitionsrechts seitens der Arbeiter als Erpressung zu bezeichnen. Der Kongreß erblickt in dieser Auslegung nicht nur eine der schwersten Schädigungen der Arbeiterinteresse», sondern er ist auch der Meimmg, daß das Koalitionsrechl der Arbeiter, welches ausdrücklich in dem§ 152 der Gewerbe-Ordnung de» deutschen Arbeitern gewährt wird, durch diese richterliche Ent schcidmig gänzlich vernichtet wird. Durch ein derartiges, nach unsrer Neberzengniig ganz uw gerechtfertigtes Urteil wird die deutsche Arbeiterschaft der Unter- »ehnierwillkür vollständig preisgegeben und die Vertreter der deutsche» Arbeiter haben daher alle Ursache, gegen richterliche Ent- scheidungen ibre Stimm« zu erheben, die die Arbeiter nicht allein in der Verbesserung ihrer Lebenslage schwer schädigen, sondern auch ihre gesetzlichen Freiheiten vollständig unterbinden. Der Vierte deutsche Gciverlschafiskongreß niuß aber umsomehr gegen diese richterliche Entscheidung Verwahrung einlege», als dem Unternehmertum gegenüber eine solche Proxis uicht beliebt wurde. So ist die Pressung in Unternehnierkassen, Führung schwarzer Listen usw.. noch' niemals als Erpressung geahndet worden. WaS aber um so schärfer den Protest deS Gewerkschaftskongresses gegen diese richterliche Entscheidung heranSfordeni muß, ist, daß die preußischen Minister der Justiz und des Innern die Staatsanwälte angewiesen haben, in dieser Richtung zu wirken. Diese Stellungnahme der beiden Minister ist einer vollständigen Knebelung der deutschen Arbeiterklasse gleich zu erachten. Der Vierte deutsche Gewerkschaftskongreß erwartet daher von der deutschen Reichsrcgierung auf das bestimmteste, daß sie diesen Urteilen gegenüber eine den Absichten des Gesetzgebers entsprechende Auslegung des Gesetzes bewirkt.* Legten fügt hinzu: Sollte die Anwendung des Erpressnngs- Paragraphen dauernd beliebt werden, so werden die Arbeitgeber de» größten Schaden haben. Die Arbeiter werde» künftig ohne jede Er- ikärnng die Arbeit einstellen. Jvhn-Verlin teilt mit, daß die Mitglieder der Gewerkschaft der Töpfer tinter der neuen Anwendung des Erpressungsparagraphen de- anders zu leide» haben. Verschiedene Verfahren schwebten in der Berufungsinstanz; er hoffe, daß die Gerichte nach den» hier zum Ausbruch gelangten Protest in der Berufungsinstanz anders urteilen werden. Holzhänser-Stuttgart teilt mit, daß die Anwendung des Erpressungsparagraphen Schule macht. I» Eberswalde ist gegen einen Arbeiter, der organisiert mar, aber seine Beiträge schuldig geblieben war, von den Arbeitsgenoffen vorgegangen worden, damit er die von ihm übernommenen Pflichten erfüllte. Als er das nicht that und zwei Arbeiter erklärten, sie legten die Arbeit nieder, wurde Anklage wegen Erpressung erhoben. Die Untersuchung ist bereits abgeschlossen. Die Diskussion schließt hiermit. Die Resolutio» Massini wird einstimmig angenommen. Ohne weitere Begründung und ohne Diskussion wird hierauf die folgende Protestresolntion gegen den Zolltarif angenommen. Die Belastung der»otivendigsten Lebensmittel niit Zölle» bildet das nngerechtfertigste System der Bestenernng, weil es die Arbeiter ungleich härter trifft als die übrigen Volksschichten. Die Lebensmittel- Zölle sind deshalb grnndsätzlich zu verwerfe». Noch verwerflicher ist das Begehre» nach erhöhten Zöllen,»msoniehr. als die Arbeiterschaft mit der ganzen Wucht der Kapitalsüber« macht und der staatlichen Antorität behindert tvird, ihr Arbeits- einkommen derart zu erhöhe», daß eS ausreicht zu einer menschenwürdigen Lebenshaltung. Die Arbeiterschaft Deutsch- lands tvird im Gegenteil so schlecht entlohnt, daß die geringste Vertenernng der Lebensmittel für sie glcichbcdetilend ist niit einer Einschränkmig des Konsums und danach auch mit einer weiteren Verschlechtermig der Lebenshaltung. Der Vierte Gewerkschaftskongreß, als Vertreter von annähernd 700 000 deutschen Arbeitern, protestiert daher mit aller Ent- schiedenheit gegen die von der ReichSregiermig geplante und von den Agrariern noch überforderte Bertencrung des Brotes, sowie überhaupt gegen jede» Zoll auf Lebensiniltel. Der Kongreß protestiert zngleich auch als die Vertreinng der Arbeiterschaft Deutschlands als Produzenten gegen die gesanite Zalltarifvorlage, da infolge der Beiniruhiguiig des gesamten Wirtschaftslebens, welche dieselbe im Gefolge gehabt, und durch die Erschwerung des Abschlusses von Handelsverträgen bei An- nähme des ZolltarifeS die Arbeiter auch als Produzenten am meisten geschädigt iverden. Es ist 6 Uhr. Da es aber wünschenswert ist, das Thema „Abgrenzung der einzelnen Organisationen gegen einander". zu dem eine Anzahl Anträge vorliege», noch heute zu erlediget!, tvird eine Pause von einer Viertelstulide gemacht und dann weiter getagt. t• (Privatdepeschen deS„Vorwärts".) Stuttgart, 21. Juni. > Am letzten Verhandlungstage erledigte der Kongreß noch ein reiches Arbeitspensum. Der Punkt:„Stellung der Kartelle in der Geiverkschaftsorganisation" wurde dem nächsten Kongreß über- iviesen.— I» die G e n e r a l l o m m i s s i o n wurden gewählt: Sabath mit 136, Legien mit 128, Silberschmidt mit 121, Roberl Schmidt mit il2. Knoll mit 107, Döblin mit 94, Cohen mit 83, Knbe mit 83, Sosseiibach mit 78 Stimmen. Die Uebersicdclniig deS Bureaus der Generalkomniission nach Berlin ist sür den 1. Januar 1903 in Aussicht genommen.— Es folgte die Beratung über Errichtung einer Pensioiiskasse für die Gewerkschasts- beamten, wozu Päplow das Referat hatte. Mit großer Mehrheit wurde beschlösse»!: DerKoiigreßerleniit dieNotivendigrcitderllnterstiitzuogskasse an, er beauftragt dieGeiieralkommission. niit dem Vorstand des Vereins „Arbeiterpresse" zwecks Angliedcrnng der geplanten Eliirichtnng an seine lliiterslützliiiflslnsse in Verbindung zu treten. Wenn die Ver- schmelzuiig beider Kassen nicht einstimmig beschlossen wird, dann soll die Generalkommission selbständig vorgehen. Den Getverkschaften wird empfohlen, ihre Angestellten zu versichern.—Die bezüglich der Maifeier ge- stellten Anträge wurden als erledigt betrachtet, nachdem der Vorsitzelide erklärt halte, daß keine Vernnlassiing zu Aeiiderimgen hinsichtlich der Maifeier vorliege. Nachdem noch verschiedene andre Anträge erledigt lvaren, schloß Bömelburg den Kongreß niit einer Rede, in der er sagte: Der Verlauf des Kongresses habe gezeigt, datz die Hoffnung der Gegner auf eine Spaltung der Arbeitcrbeivegnng vergeblich war. Darin liege die hohe Bedeutung dieses Kongresses, daß er klar nnd miziveidentig gezeigt habe: die deutschen Geiverkichaften und die deutsche Socialdemokratie gehören zusaiiimen. Wenn die Regicrnngs- Vertreter sich veranlaßt sahen, diesem Kongreß beizuwohnen, so sei das ein Betveis sür die Stärke der Geiverkschaftsbeivegmig, die man auch in behördlichen Kreisen beachten nnisse. Der Kongreß habe gegen den Zollivncher protestiert, die eigentliche Abrechnmig mit den Brotwucherern komme aber erst bei den nächsten Reichsiags- wählen.— Slürmischer Beifall folgte den Schlußworten. Mit einem Hoch ans die Arbeiterbeivegung wurde der Kongreß geschlosseil, darauf smigen die Delegierten den ersten Vers der Arbeiter« Marseillaise. »» ♦ Die Anwesenheit der zahlreichen ausländischen Delegierten wurde seitens des Kongreßblireaus dazu ausgenützt, eine internationale Konferenz zu arrangieren. Die Notivendigkeit, eine engere Fühlung nnd einen regeren Verkehr zwischen den gewerkschaftlichen Organisationen der verschiedcnen Länder herbeizuführen, ivurde allerseits anerkannt. Es svll desivege» eine„I» t e r n a t i o n a l e C e n t r a I st e l l e" ge- bildet Iverden, die ihren Sitz vorläufig in D e n t s ch l a» d hat. Von der Anstellung eines besondren Selrelärs wird jedow, wenigstens zunächst. Abstand genoinmen; vielmehr sind die Fnnktione» eines solchen der G e n e r a l k o ni m i s s i o n mit übertragen iverden. In jedem Lande soll nur eine Körperschaft als die Vertrelinig der geiverk- schafllich organisierten Arbeiter a» erkannt iverden; für England ist dies nicht das„Parlamentarische Koniitee", sondern die„General F ederation ofTrade Unions". Es wurde darnnf vcr« iviesen, daß das„Parlamentarische Komitee" gegenüber allen Einladnngen zu den kontineiitalen Gelverkschaftskongressen sich bisher ablehnend verhalten habe. Zu den Aufgaben der„Internationalen Centralstelle" gehört in erster Linie eine Siegelung der Streikunter st iitzung von einer Landesorgantsalio» zur andern. Es wird zu diesem Punkt beschlossen: Kommt eine im Streik befindliche Organisation so in Bedrängnis, daß sie die Hilfe der Arbeiterschaft eines andren Landes braucht, so lniiß sie sich an die Landescentrale wenden. Durch Vermittelung derselbe» werden Aufrufe zu Geldsammlimgen der Juternationalen Centrale überwiesen nnd von dieser in französischer, deutscher und englischer Sprache veröffentlicht. Die zlvischen den Bernss- organisationen der einzelnen Länder bestehenden internatioiialen Verbiiidiinge» werden davvn nicht berührt, zu allgeineinen Geld- aminlunge» aber kann mir auf obige Weise nnfgefordcrt werden. Ferner beschließt die Konferenz, eine für alle Länder gleichartige Aeiverlschaftsstatistik anzustreben. Als Muster iverden die bei der deutschen Generalkommission üblichen Fragebogen, Tabellierung usw. bezeichnet. Die englischen sowie alle übrigen Delegierten erklären, ihre Jahresstatistike» über Stärke, Kasseii- verhällnisse ttsw. der Geiverknbnften in der gleiche» Weise wie die Denlsche» durchführen zu wollen. Es tvird svdaim erörtert, ivelche Drucksachen ansgetanscht Iverden sollen. Von der Uebersetzmig und Vervffentlichinig von Gesetzen im Wortlaut soll Abstand genoinnic» werden. Dasür sollen aber Ans- ziige von solchen nnd Erliuiterungen dazu übersetzt nnd vclösientlicht iverden. Dabei sollen in erster Linie die Koalilionsgesetze und deren Hnndhadung beziv. Auslegung seitens der Gerichte in Betracht kommen. Ein internationaler Gewerkschaftskongreß wird nicht beschlossen, dagegen sollen internationale Konferenzen der Landessekretäre abgehalten Iverden. Die nächste uidct im Anschluß an den nächstjährige» Kongreß der englischen Federation statt. Die erwachsende» Kosten trägt für das nächste Jahr Deutsch- land allein._ Sociales. Ter Gewerbe- Inspektion im Herzogtum Sachsen- Alte»- bnrg ist eine weibliche Hilfskraft in Gestalt einer Assistentin bei« gegeben. Den Arbeiterinnen ist Gelegenheit gegeben, die Ajsistenlin außerhalb der Fabrikräume sprechen zu können. Ucver die Arbcitöbcdingnnge» der kommnnalcn Arbeiter in Holland hat der dortige„Vervand der Geineinde-Arbeiter" eine Statistik aufgenomme», die sich auf 20 Stadtgcnieinde» erstreckt. In den kommuiialen Gasanstalten vo» 8 Städten, darunter Amsterdam und Rotterdam, ist der Achtstundeiitag eingeführt. In de» Gas- anstallen der übrigen Städte herrscht eine tvöchentliche Arbeitszeit von 60— 72 Stunde»; Maastricht, das auch im übrigen die erbürm» lichsten Arbeilsbedingnngeii ansiveist, zeichnet sich durch eine 84stnndige Arbeiislvoche sür Heizer und Maschinisten ans. Die Löhne betrugen in den Gasanstalten Ainsterdaius 10,80 bis 16,80 Gulden, in den übrigen Städten 1b Gulden bis hiiuinler zu 6,48 Gulden(in Maastricht). Die Löhne der übrigen kommunalen Arbeiter belaufen 'ich in den verschiedenen Städten auf 9,12 bis 13,85 Gulden für gelernte Arbeiter und für ungelernte ans 7,50 bis 11 Gulden; in Rotterdam erhalte» die Straßenreinigcr jedoch im Durchschnitt 11 bis 13 Gulden per Woche. Pensionskaste» sind nur in wenige» Städten vorhanden, Invalide»- und Altersversicherung in den meisten. Ferien mit Weiterzahlung des Lohnes iverden in 8 Gemeinden gewährt, bis zu 7 Tagen._ Aus dev FvAueubemegung. Verein fiir Fronen und Mädchen der Arbeiterklasse. Montag, den 23. Jnni, abends 8'/s Uhr, in den Arminhallen, Koni- mandailtenstraße 20, Vortrag von Eduard B e r n st e i n über:„Die Arbeiterin in Englaud und der Kamps um ihre sociale Befreiung". Gäste ivillkomlnen. Der Vorstand. Britz und Umgegend. Morgen, Montag, abends 8�» Uhr, ludet in Püschels Geselischaftshaiis, Britz, Chaiisseestr. 97, eine große öffentliche Versammlung für Frauen»iid Männer statt. Frau Anna Mesch wird hier über:„Die Ansbentlnig der weiblichen Arbeits- kraft" referieren. DeS interessanten Vortrages wegen werden die grauen und Mädchen ganz besonders hierzu eingeladeu. Die Kreisvertrauens Person. Krau Marie Thiel. Hur den Julialt der Inscrnte übernimmt die Nedaktiu» dem Publik»»! fießelliiber keinerlei _ Pri niitüiortuilff. �lirnkev. Sonntag, den 22� Juni. Freie Volksbühne. Metropol- Thcater. Operu-Vorstellmig (Grüne Niarken.) Die Zauber� stöte. Antaug Uhr. Opcrulmus. Geschloffen. Schauspielhaus. Geschloffen. Neues Opern- Theater(Nrolls. Gastspiel der königlichen Hosopcr aus Stuttgart. Der polnische Jude. Ansang?>/, Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Im Licderspielhaus: Offenbach- Cuklus. Das Mädchen von Elizonda.— Der Regiments- zauberer.— Fritzchen und Lieschen Anfang 8 Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Schiller. Geschloffen. Truliches. Lebendige Stunden. Anfang 7l/, Uhr. Nachmittags 2V, Uhr: Die Weber. Montag: Die versunkene Glocke. Perliuer. Alt-Heidelberg. Ansang ?>/, Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Lcssiug. Geschloffen. Weste». Die Fledermaus. Anfang 7Vz Uhr. Nachmittags zu halben Preisen: Undme. Montag: Der Bettelstudent. Nietropol.(Marwitz-Oper.) Ein Maskenball. Ansang 8 Uhr. Montag.: Carmen. Neues. Ledige Leute. Anfang J1/, Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Nefidcuz. Einquartierung. Ansang 7'/, Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. »eutral. Coralie u. Cie. Anfang 8»hr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Thalia. Geschlossen. iVelle-ZlNiauce. Die Dame anS Tronville. Hierauf bei un- günstiger Witterung im Theater: Cr. Ansang 8 Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Varl Weih. Gefallene Mädchen Anfang 8 Uhr. Nachmittags 3 Uhr: Der Hütten- bcsitzer. Montag: Die Viper. Fried! ich WilheluistiidlischeS. Einen Jnx will er sich machen Ansang 7V2 Uhr. Nachmittags 3 Uhr zu halben Preisen: Der lustige Ehemann. Montag: Einen Jux will er sich machen. E. b. Wolzogeus BnnteS Theater (Ucberbrettl). Ansang 8 Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Schall und Ranch. Serenissimus Zwischenspiele u. a. Anfang 8i/, Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Stpullu. Ltzsistrata. Specialitäten- Vorstellung. Ansang?>/, Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. vlrichshallrii. Steltiner Sänger. Ansaug 8 Uhr. Passage- Theater. Specialitäten. Vorstcllnng. Anfang nachmittags 3 Uhr. Passage> Pauaptikitm. Speciali igten Vorstellung. Orpheus. Spccialitäten-Vorflellung Anfang 8 Uhr. Chariuari. Täglich Vorstellung Anfang 8 Uhr. Urania. Taiibcuslr.(Im Thealersani.) Abends 8 Uhr Frühlingstage an der Riviera. Montag: Die deutsche Ostseeküste. Jnualideustrahe S7/»»£. Täglich: Sternwarte. Cnitral-THklitkr. Heute, den 22. Juni, Anfang 8 Uhr. Nur noch 4 Aufführungen. Zum 163. Male: Coralie St Cie. Schwank in 3 Akt. v. Albi» Valabröque und Maurice Hennequin. Morgen und folgende Tage: Die- selbe Vorstellung. ipollo- TKester Um ö'/jühr; tiarten-Konxert. Um T'/jUhr: DI« sensationellen Specinlitiiten I. Itangeis. Um SVa Uhr: Mit kolossalem Erfolg Paul Llnckes Ausstattungs- Operette Lyslstrata. mit dem Lufiballett„Grlgolatls;' Kasseneröffnung 6 Uhr. fnrl Weiss-Theater. Grosse Frankfiirterstr. l!fZ. Nachm. 3 Uhr, ll. Preise. Parkett 60 Pf. .Ucr HUttenbefiiltzer. Abends 8 Uhr: Gefallene Mädchen. Berliner Sittenbild in 4 Akten. Morgen: IM« Viper. Im Garte»: Specialitäten-Vor- steNiina. Anfang 4 Uhr. Ui'snia. 'rauIivn-Stzrv3SS 43/49. Im Dlrsaber um g Uhr: fi'üIiIingLtiilZösnllLi'Wei'g. Montag: vis deutsche OstseekQste. Max Kliems Sommer-Theater. lluMcnlieide 13— 15. I Artistischer Leiter; Gast. Bock.j Täglich s Gr. Konzert, Theater- u. ISpecialitäten-Vorstellungj Jeden 1. und 15. d. Monats: Wechselndes Programm 1 lonnerstag: Kille- Tag. CASTANS, Panoptikum Frledrlch-Strasse ISS. Photographische Aufnahmen von der Insel Martinique und von den Sohlachtfeldern Transvaals. . Im.Konzerlsaal: Schwedische Künstlerkapelle 4 Damen, 2 Herren. IPassage-Panoptlcn. Oer mihi. Affenmensch. Die Secjnngfer. Der Tlgerltnabe Von nachm. 4 Uhr VjStündlich; Damen-Ringiampf. Alles olmeExtra-Kiitrce Passage-Theater. Anfang Sonntags 3 Uhr, J Wochentags 5, Ende 11 Uhr. | Willy Präger! IC Elite-Nummcru. g Heute m Sonntag Entree; J"-" 7 Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Ah 4 Uhr nachmittags: Grosses Militär-Konzert ausgeführt von 8 IWnslkcorp!!!. Unter den 1. in den OSn. Eingang Scliadowstr. 14. Heute Sonntag Eintrittspreis; USF 50 Pf.-�3 lieiclili altigste Ausstellung der Welt an lebenden Seetieren, Reptilien etc. Beile-Äliianee-Theater. Heute: Don Carlos Terrazas. Die Sfliitc intö Troiivilie Hieraus:„Gr". Lebensbild i» 1 Akt. Garteu-Entree inkl. Vorstellung 5U Pf. Montag: 2. Einakter-Abeud:„Er". „Der Tischgast".„Zehn rUlädche» »iid kein Manu. lilekert-lionzei-t. Schall und Rauch (Kleines Theater) Unter den Linden 44. Sonntag, 22. Juni, abends b'/aUhr: Serenissimus- Zwischenspieleaa. W. KoacIls Theater. Vriülienstrahe lü Tiiglilli Theater-«. Tsecili- litättil-Vorsielhiillt. Nosen tt»ld Dornen. BurlcSse mit Gesang n. Tanz in 2 Akten. Im Saal: Tanv.ltr&naicllva. Schweizer Garten Am HUnlgtitlior 4202L* Am Friedriclnslialn gjp- Täglich: Kviizert, Theater, Speciali- täMorstelltirtg mtö Ball. Freier Dnmentanz bis 7 Uhr. Ä: Baiiditeastreiltie. Operetie in 1 Alt van Suppe. Wintergarten. Aus dem interessanten Juni-Programm: „Das Mädchen mit dem gold. Haar" und 16 erstklass. Speclalltäten. Schioss Wedding-Park, MUUer-Strasse 178, gegenüber der Dalikeskirche. Sfajr Tagiicii Konzert u. Vorstellung. PST" Vollständig neues EUE � �?sj»cclr»lltii.t.-l'r»gi'umii>.' Der Kleine Golm Ist da! Sonntags im Saal: Gr. Ball. Kaffeeküche v. 2—6 Uhr. Mehrere � | gute Kegelbahnen. Carl Hellmann. Kl ietropol-Iheater Anfang 8 Uhr. Morwitz-Oper. Sonntag. Ein Maskenball. Grosse Oper in B Akten von Verdi Montag: Cll rillC II. Dienstag; Franceschtna Prevostl: Travlata. UM- Uröbels-93 Allerlei Tbeater gQT- früher Pulilmann Schönhauser Allee NO. 148. Heute Sonntag, Anfang 4 Uhr: Xonsert, Theater und Specialitäten. Im Parkett- Prachtsaat Lin. Lsll. Um 7'/- Uhr: Grosser Erfolg! ger Mamtuttenraltb. Nie dagewesener Lachcrsolg der urlomische» Pantomime Bttbenstreiche. Entree 3» Pf., Sperrsitz 50 Pf. Vrater-Tveater Kastanien- Allee 7—9. Durch fremde Schuld. Voltsstllck mit Gesang in 3 Akten. Sallettges. Catrinl. Tyrollenn« Mary Ellys. Grotcsque-Koin. Paul Coradlnl. Brother» Fred, mustk. Exccntrtcs. Mr. Zärtling, leb. Photogr. Fred Marzahnl Iroupe, Pautom. Muslkantenstreiche. Bartllngs elektrische Feerie.(3000 Glühkörper.) Konzert u. Ball. Anfang 4 Uhr. Eintrill 30 Pf., numerierter Platz SO Pf. Kalbo. 9®®®®«»®®®««®®®««®®«»©«®®®®«®©! SsiBissoiici Kotthnacrstr. 4n, Station der Hochbahn. Täglich im Garten, bei un- günstig. Witterung imSaal: II»ir>>>IS>!I!« Nsriititiltslhe Liiilger und Kauzcrt. Sonnlag, Montag und Donnerstag nach der Soiree: Tauzkränzche», Tanz frei! Anfang Sonntags 5 Uhr, Entree BO Pf., ab 9 Uhr 20 Pf. Anfang Wochentags 6 Uhr, Entrce 30 Pf., ab 9 Uhr 20 Pf. Osttia]ui-?iuTt. Am KUstrlnerplatz. RUdersdorferstr.71 Hermann Imbs. Tiiglich: Gr. Konzert, Theater und Specialitateu VorsteUuug. Ke ivlisksllv n. Tklgl lvl»: Stetliuer Säuger. Anfang: Wochentags 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr Tageslaffe 11— D/zUhr �ommertkesler Matnenbad Badstr. 35/36, Gesundbrunnen. Novität: Novität: Btttiilivies lebt llilii liebt. Original- Paffe vom Hausdichter Paul Henning. Da» neue Special.-Programm. Entree 20 Pf. Anfang 4 Uhr. Berliner lllk-Trio. Felix Scheuer Stralsnnderstr. 1. Gesellschaftshaus Swinemiinderstr. 12. Tägl. Theater- u. Sprcialilätc»- Borstelluiig. Jeden Sonntag: Ball. Säle für Gesellschaften, Vereine coulant zu vergeben._(31898* Urania Wrangelati-iistte 10/11. Jeden Sonutag: Grosser Ball. Ans. 4 Uhr. Siehe Aiischlagsäiile». Euipfehle mein Lokal zu Fest- lichkeiien und Versammlungen. 3840S* C. F. Waltet-. Johannisthal. Raus Park-Res(auran(. Jeden Sonntag:«a>o»i»ci. K»ll unter Lcituiig des Tanzlehrers Herrn Otto Wildauer.— Katte«. küche.— Kegelbahn.— Auaspannung.— Saal für Vereine und Versaminlungen. 3836L* % Odilos® W e i s s o n s e e. Sonntag» den ÄS. Juni 1SVS: §• Grosses Volks-Fest% veranstaltet vom A w Arbeiter-Raucherbund Berlins u. Umg.| 5 Großes Vokal- intb Jusirnuiental-Konzert G A ausgeführt von Mitgliedern des Centralverbandes der Eivil-Berufsmiisiker Deutschlands, Dir,: Hermann Loppe, sowie den Gesangvereinen„Freiheit-,»Klinkmüllerscher Männerchor",„«angerkreis, &„Weiße Rose-(M. d. A.-S.-B.). D In beiden Sälen: Großer Voll. 289/20* 5 Bei eintretender Dunkelheit: Gr. Vrillonk-'I'euermerlr. V Eröffnung morgens 8 Uhr. Anfang 12 Uhr. Programm im Borverkanf 25 Pf., an der Kasse 30 Pf. A Hierzu ladet die Genossen sowie Freunde und Gönner des Bundes ein Der Vorstand. ®00®®®0®®®®®®0®®®®9®®®®®®®®®®®t Achtung! Achtung! Freie VoIRsbühne. < I ß I I * f i I i mittwocli, den S. Juli, abend« 8 Uhr, Im Gewerkschaftshaase(grosser Saal), Engel-Ufer 15: General-T ersamminng. Tageg-Ordnung: 1. Tortrag. 2. Geschäfts- und Kassenbericht des Vorstandes. 3. Bericht der Revisoren. 4. Diskussion. 5. Anträge und Verschiedenes. 229/12 NM- Der Eintritt ist nur gegen Vorzeigung der alten Mitgliedskarten gestattet, die zur General-Versammlung aus den Zahlstellen geholt werden müssen. Sonntag, den 92. Juni, nachmittag« Z'U Uhr: Fünfte Opern-Vorstellung im Metropol-Theater: Die Zauberflöte. Urrinan Cifuifirr am Oonneratag, den 20. Jnnl, ül U11CI'OlUUUy abends BVj Uhr, Im Gewerkschaftshaus. Zahlstcllenverilnderaiig: Vom 22. Juni ab befindet sich die bisherige Zahlstelle 14 nicht mehr in der Blumenstr. 14, sondern im Cigarrengeschäft von Karkllnnl«, Holzmarktstr. 48a. Die Mitglieder der Zahlstelle 14 erhalten dort die Karten und Marken. Der Vorstund. I. A.: G. Winkler, Kisdorf, Kirohhofstr. 46. Socialdemokratischer Wahlverein für Schöneberg. Sonntag, de» SS. Juni IVOS, in ObstS Festsälen, Meiiiingerstr. 8: KZ. Stitinngsfcist. Vokal- u. Instrumental-Konzert. u. Kindel fackclzng, jedeS Kind erhält eine Stocklaterne gratis f Die Kasfeekuche ist von 2 Uhr ab geöffnet. Entree 20 Ps. Anfang nad)mittags 4 Uhr. Tanz 50 Ps. Zu zahlreichem Besuch ladet ein 15/11* vor Torstund. (11* h «I Sportpark Friedenau. . den 22. Juni, naclun. 4 Uhr: Velt-Meistersehaften Sonntag lOO Kilometer. Arnold Scholz ]\eue Welt Hasen liaide 108114 Heute Sonntag, sowie täglich: Plr. Itothe-Kon«ert. Aus ber Summerbiihne: Außerurbtiltlilsie Vurstelliiiig. Sliiftrete» der neu riigagiertc» erstklassige» Specialitäten. kastspiet des Hetdeutcnoristen Hans Hokkwann. Im Kul cliaiiipctpc-Saul: Gr. Rull. Kaffeekiichc. 3 Kegelbahnen. Ruff. Otnlschbahn. Anfang de« Konzerts 4 Uhr, der Vorstellung 3 Uhr. Eintritt 25 Pf. BiUets im Vorverkauf a 20 Pf. flnd an den auf den Anschlag- Plakaten ersichtlichen Gefchästen zu Haben. Morgen. Montag, SS. Juni: Benefiz fiir Rosa Cnlvavlnl u. Kapitän Bchrend«. jjy Letzter BaNon-Slnsstieg."�6 Diez' Specialitäten-Theater. Landsberger Allee 76/77, gegenüber der SiingbaHn-Station. Elektrische Bahnen von allen Gegenden der Stadt. Im herrlichen Soiiimergarten eveut. im groben Saal. AM- Heute, sowie täglich: Ohne Konkurrenz Konzert, Theater, Speeialitliten-Vurstetlnilg u.Ball. A«rtreten nur er«thln«Klger Kllnsitler. Neu! The Francanl, Krasl-Trapez. E. Reetz, der aktuelle Humorist. Hsnnl Games, einzig existier. Saltomortal-Tänzerin, it. Sprunkelly, das medizinische Rätsel, blita NossIIy mit threi» stramme» Grenadier. Anfang 1 Nhr. Gntrec Sonntags S5 Pf.. Wochentags 15 Pf., hierfür wird ein Glas Bier verabiolat."TSIQ Kaffeeküche.— Warme Küche.— 2 Kegelbahnen.— Bolksbelnstigungen aller Art.. 4447L» Jeden Mtttwod):«rostet Kinder-Freiiden-Fest DM- mit Gratts-Präsent-Berlosniig und grossen Uebcrraschungen. Jeden Montag und Donnerstag: KIlte-Tug. Aegldln« IHc». � Wo amüsiert man sich grossartlg? In Schnegeltbergs Festsälen Inhaber: Hax Sclilntller lla«enheIdo 31 uild Jaliinstraseio 8. Heute: MP" Ovolzov Soll verbunden mit Gigarren-, Boiibon-giegen und diversen| Ucberraschungen. Entree: Rlttsvoeh« frei, Sonntag« 15 Pf. Täglich: 8peclalltilten-Tor«teUung. Entree frei. I 37508» Max Schindler. Voran 11. Prob.». Einkanfs-Genossenschafl für Nadfahrer (Mitgl. v. Arb.-R.-B.„Solidarität"). Nicht verivechlcln init Marsilinsstr. 19. Mittwoch, 25. Juni, abends 8V2 Uhr. im Elysium, Landsberger Allee 40/41- �Fersannmlung. 1. Vortrag: Ueber die Vorteile des patentierten Doppelglockenlagers D. R.-P. Nr. 100 596, demontieren und montieren des Lagers. 2. Dislnsston. 3. Verschiedenes. Sonntag, den 29. Jnnl! Tour für geübte Fahrer nach Kloster Chorin. Start: früh 4 Uhr am Königsthor, Abfahrt 4>/. Uhr. Gäste willkommen. Fahrräder mit Doppelglockenlager D. N.-P. Nr. 100 596, 153 M. W. K. C. 143 M. Beste Excelstorbecken 9,50 M, 7 M. Schläuche 5 M., 4 M. Fuss- pumpe 1,25 M. Karbit, Kilo 45 Pf. Glocken, Laternen usw. sind in der Versammlung und in folgenden Gc- schästsflellen zuhaben: Hein, Bödikcr- strassc 31, III, Lambeck, Deiuminer- strasse 23, II. Seraphin, Nummels- bürg, Kantstr. 16, III. Ernickc, Adlers- hos, Roonstrasse. Stippekohl, Steglitz. Herdcrstr. 6, II. 108/18 Teilzahlung ohne Aufschlag gestattet. Mitglieder werden aufgenommen. Örts-Krankenkasse für das DarliitrgWtl'be. M o 11 1 n g, den 30. Juni ct., abends 9 Uhr, bei Bauer, Rosenthalerstr. 57: Ausicrordeiitliehe Generalversammlung der Delegierte». Tagesordnung: Die nochmalige Beratung der§§ 12, 13, 19, 28, 29, 34, 41, 42 U. 51 usw. Um pünktliches Erscheinen ersucht Der Borstand. 273/17 I. A.: V. Kritschmann. Vorsitzender. Mershof. gOfoimiut Becher Oppcnstr. 56. Sonntag, den 22. b. M.: Grosses Fahrrad- Rnsschiebe» 328b» aus der Kegelbahn. Achtung, Vereine! Zwei Vereinszimmer zu 40 und 60 Personen zu vergeben. Ausschank von echt Schultheiß. 4S98L* F. IVegncr, Löwcstr. 21. Im Jim!, Juli, August habe iiietuen Saal und Garten zur Veranstaltung von Sommerfesten noch srei.(38372* Frau Ch. Theel. Allisimbra Wallncrtheater-Strasse 15 Jeden Sonntag und Dienstag: Grosser Extra-Ball bei doppelt besetztem grossen Orckiester. Ansang 5 Uhr. Entree 50 Ps. inkl. Tanz. A. Zamultut. Concordia-Uarten. Lichtenberg. Jeden Sonntag: ÄllN. 3 verdeckte Kegelbahnen. Kaffeeküche von 2 Uhr an geöffnet. B. Paalzow, Gastwirt. Hahns Volksgartea Rniniiicl«biirg, Hiiuptflt' rtste 1. Frei-Koilzert miti Ball. Bier a Glas 10 Ps. Weißbier 20 Pf. F Ano«iiiin- usswasser ist das wirksamste Mittel gegen Fuss» schweiß, macht denselben vollständig geruchlos, olme die Schweissbildmig zu unterbrücke», erhält eine normale Transpiration, erfrischt die Fusshaut und stärkt die Füße. Kann niemals schädlich wirlen, ist vielmehr van grossem Vorteil f. d. Gesundheit. Fl. M. 1,50. Anosiiiin-Steenpulver gegen Hand-». Ackiielschiveiss, feuchte Hände. Dose M. 1,00. 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Reisekörbe 3� 4� 5� 67m5 77vf Triumphstühle........ 2� 3� Feldstühle... 35 pf. 48 Pf. 60 pf. 95 pf. Luftkissen................ 65 pt Seif-Tücher. 8 pf. 6 pf. 10 pf. Badekappen... 13 pf. 15 pf. 30 pf. Bade-Hauben.. 35 pf. 38 pf. 88 pf. Badeschwämme 30 80 45 65 pf. Loofah-Handschuhe... 85pf.45pf. aä Reichels Fruclitsyriip-Essenzen — mit frischen Früchten bereitet— .... Selbst-Eink-che»,'•'"'tÄrSar'- _ und natürlichem Geschmack. Gicbt mit Wasser vermischt jMT' irtT" eine köstliche. erfrischende Limoiindc.-Mg Vorzüglich zu Selters. Weistbirr sowie Puddings. Crvnies und stiften Speisen, Fl. 75 Psg. für 5 Pfund Limoinaden-Tyrup. - Va FI. 40 Psg.- Ei,. Pf.,»d«""Ä'SS.r"»", 30 Pfg. Giösste Haltbarkeit.»» Bedeutende Ersparnis. Vorrätig in Himbecr, Kirsch. Johnnnisbeer, Erdbeer. Zlnanns. Pfirsich. Apfelsinen. Citrone». Ehninpagner. iEI>n,np.-Weifte), Lcmon Sqnnsh. 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Es handelte sich dabei um die Thntsachc, daff bei der Weitcrsiihrnng der Bahn über die Behrenstrahe der Ankauf eines Hauses nötig gewesen seien würde. das dem Bankier Josef Stern gehörte. Miteigentümer des Sternschcn Bankgeschäfts sei der Bankier Gustav Mosler, und dieser sei ivicder ein Verwandter des Privatllägcrs und daraus erkläre sich der Wechsel der Ansicht des Herrn Jacobi gegenüber der Ucberuahme von Strnhenbahnen in eigener Regie. Hierüber wird Oberbürgeriiicistcr KIrschiicr als Zeuge vernommen. Datz Herr Jacobi früher gegen den An kauf dieser Bahn gewesen ist, sei ihm bekannt, er halte cS aber nicht für richtig. Eines Tages habe der Privatkläger dem Magistrat mitgeteilt, dah der Bankier Mosler beauftragt ivordcn sei, Aktien der Siemens u. Hnlskeschen Bah» zu verkaufen, dah er dieserhalb mit Vcr- Handlungen an die G roh e Strahenbah» herangetreten sei, dah sich die Ver Handlungen zerschlagen haben und dah Herr Mosler nun an die Stadt herantrete» wolle. Herr Jacobi habe dabei sofort gesagt, dah Herr Mosler sein Schwager sei I An den Ankauf der Bah» sei im Magistrat schon längere Zeit vorher gedacht und auch darüber ge sprachen worden. Die erste Registratur darüber datiere schon vom 9. November 1900 und zeige, dah der damalige Stadtrat Meubriuk über diesen Punkt mit Stadlbaurat Krause konferiert habe. DaS war ehe Herr Jacobi die beregte Mitteilung machte. Am 18, Oktober 1900 habe die Stadlverordnetcn-Vcrsamm- Iiilig den Beschluh gcfaht, dah die Stadt Strahenbahnen selbst bauen wolle und da lag der Gedanke nahe, ob nicht bestehende Linien er- ivorben werden könnten.— Rechtsauwalt Heine: Dieser Beschluh ivar das Resultat schon früher staltgefundener Verhandlungen.— Zeuge: Jawohl, es war schon lange darüber verhandelt worden.— NechtSaiiwalt Heine: War nicht Herr Jacobi früher gegen die lleberiiahme von Strahenbahnen in eigne Regie?— Zeuge Ja, das ist richtig. Die Situation hatte sich aber durch den Bc schluh der Versammlung geändert. Die VerkchrSdcputation hat den Ankauf der Siemens u. Halskefchen Bahn, so weit er sich erinnere, einstimmig gefaht, da man diese» Ankan für eine auherordenllich glückliche Konjunktur hielt. Er erinnere sich nicht, dah jemand diesem Projekt ernstlich widersprochen hätte, auch diejenigen, die biS dahin grundsätzlich gegen die eigne Regie waren, seien für den Ankauf dieser Linie gewesen.— Rechtsanwalt Heine: Der Preis war doch ein anhero'rdcntlich hoher.— Zeuge Nichtig sei. dah der auherordcntlich hohe Preis bemängelt wurde und nur dadurch sich rechtfertigen lieh, dah eben die Hoffnung obwaltete, dah eine Ueberschreitnug der Strahe Unter den Linden hergestellt werden konnte.— Rechts muvalt Heine: Ist Ihnen nicht mitgeteilt worden dah, als Mosler die Aktien zum Verkauf anbot, diese bei MoSler lombardiert waren?— Zeuge: Nein, die Thatsache, dah Aktien im Lombard waren, ist erst später zur Sprache gekommen, soweit sein- Eriunernng reicht,— Rechtsanwalt Heine: Ist es nicht richtig, dah die Kurse sehr niedrig standen und»ach der Vorlage des Magistrats an die Vcrsannnlmig plötzlich in die Höhe gingen?— Zeuge: Das liege in der ganze» Situation, dah man unter den obwaltenden Umständen Preise zahle» muh, die über den uonnalc» Preis hinausgehen.— Rcchtsaiiwalt Heine: Sind Bermittelungsgebühren an Herrn Mosler gezahlt worden?— Zeuge: Nein. Erst war die Rede von Vcr- mittlergebühren, sie sind aber nicht gezahlt Ivordcn.— Rechtsanwalt Heine: Darüber war doch wohl kein Zweifel, dah, wenn die SiemenS-Bahn angekauft würde, auch die Verbindung über die Linden folge» würde?— Zeuge: Diese Verbindung war natürlich das treibende Motiv für den Ankauf der Bahn selbst, Justizrat Cassel: Dem schliehlichen Beschluh sind doch lauge Beratungen im Magistrat und in der Verkchrsdcpulativn vorher gegange»?— Oberbürgermeister K i r s ch» e r: Jawohl.— Rechts anwalt C a r o: War nicht schon 1896/97 irgendwie von autoritativer Stelle darauf hingewiesen, dah die Ueberqneruug der Linden in der Nähe des Lustgartens, bei der Charlottenstrahe nicht gestattet werde» würde, dah man vielmehr auf eine Fort- fühnmg durch die Kanonierstrahe denken solle?— Zeuge: Die Daten sind mir nicht in der Erinnerung. Richtig ist. dah eine solche Mitteilung gemacht worden ist.— RechtSanw. Coro: Hatte Jncobi, der Mitglied der Verkehrsdeputation und der Subkommission war, nicht Gelegenheit gehabt, von solche» Projekten früher Kunde zn er- halten, ehe sie in der Ocffentlichkeit bekannt wurden?— Zeuge: Eine solche Möglichkeit liegt natürlich vor.— Augekl. Bernhard Wie hat sich Herr Jacobi in der BerkehrSdeputation verhalten, als cS sich um de» Ankauf der SiemenS-Bahn handelte?— f e n g e: Meines Wissens hat er dafür gestimmt, wie auch alle beigen Mitglieder dafür stimmten.— Jnftizrat Cassel: Der Beschluh in der Stadtverordnetcn-Versammluug ist mit 113 gegen 9 Stimmen erfolgt; dafür haben auch die Socialdemokrate» gestimmt,— Rechtsanwalt S e n f f: Dem Zeugen ist wohl auch be- kannt, dah bei den Erörterungen über die Erbauung von Ströhen bahnen in eigner Regie, gegen die sich bis dahm Herr Jacobi prin cipiell erklärt hatte, vorher von der lleberiiahme von Slrahcnbahue», die in in fremdem Besitz waren, noch nicht die Rede war? Zeuge: Mir ist nicht erinnerlich, dah irgend ein Antrag aufUeber nähme andrer Strahenbahnen bis dahin gestellt ivordcn war. Aus weitere Fragen des Justizrats Cassel bestätigt der Ober bürgcnneislcr, dah der Zivischeiiiall der eiuscitige» Kvuzeisio»s Verlängerung für die Grohe Strahciibah» für viele Mitglieder der Stadtvcrorductcn-Vcrsammlniig ein Motiv war, für de» Ankauf der Siemens u, Halskcschc» Bahn zu stimmen. Auf Anfrage des Rechlsamvalts S e n f f erklärt Oberbürgermeister K i r s ch u e r: Ihm sei die Thätigkeit dcö Priuatklägers in der Versannnlung und insbesondere in der Verkehrsdeputation seit langer Zeit bekannt und könne bestätigen, dah er zu de» eifrigsten und lhäligstc» Mitgliedern gehört. ES liege für ihn nicht der m i n d e st c A n I a h zu dem leisesten Verdacht vor, dah Herr Jacobi andre Interessen mit seiner Wirksamkeit für die Allgemciu-Juteresscu vermischt hat, Aulählich der Gerüchte habe er in seinem Verkehr mit dem Privatkläger eine Acndcrung nicht stattfinden lassen.— Zeuge Bankier Joseph Stern erklärt, dah das Haus Behren- und Knuonierstrahen-Ecke etiva 30 Jahre in seinen» Besitz gcweseu sei und zwar in seinem allein. denn Mosler sei lediglich Socrns der Banlfirina gewesen. Im April 1900 habe er das HauS an die Versichcrungs-Gesellschaft , Friedrich Wilhelm" verkauft.— Rechtsanwalt Coro: Ist Ihnen bekannt gewesen, dah damals Aussicht vorhanden war, dah Siemens u. Halste das Grundstück ankaufen würde?— Zeuge: Nein, wenn ich daS gcivuht hätte, würde ich das Haus wohl nicht kurz vorher verkauft haben,— Rechtsamvalt Coro: Haben Sie Aktien der Gesellschaft v, Kocnen n. Co, gehabt?— Zeuge: Au» 1. Juli 1899 hatte» Ivir für 60000 M, Akiie», dieselben sind aber bis zun» L. September 1890 in kleinen Posten wieder verkauft worden. Ueber den Verkauf des HauseS gicbt der Zeuge noch an, dah zuerst der Kommerzienrat Frvmberg an ihn herangetreten fei mit der Frage, ob er das HauS verkaufen wolle. Der Zeuge habe zuerst abgelehnt, später sei das Geschäft aber durch Vermittelung Moslers zn stände gekonnnen und das Haus an die Vcrsichcrungs Gesellschaft«Friedrich Wilhelm" verkauft worden. Der folgende Zeuge, Bankier Mosler, bestätigt die Angaben deS Vorzeugen und erörtert, dah er im Auftrage der Firma v. Kvenc» u. Co, zwischen der Siemeus-Bahn und der Charlottenburger Straheiibahn vermittelt habe,— Justizrat Cassel: Haben Sie je bei einem Geschäfte das Haus in der Behrcnstrahe berücksichtigt?— Zeuge Niemals.— Rechtsanwalt C a r o: Wir erklären hierdurch, dah nach den Ergebnissen der Beiveisaufnahme»licht der Schatten eines Verdachts niehr auf die HandlungSlveise deS Herrn Jacobi fällt, Ivir möchten nur noch gern feststellen. ivie Herr Daniel dazu gekoinme» ist, derartige Mitteilungen an Herrn Bernhard zu machen. Der Vorsitzende erklärt, dah der Zeuge hierüber noch vernonunen werden wird. Hierauf wird der frühere Vorsitzende der Verkehrsdeputation jetziger Ober- Verwallungsgerichtsrat Meubriuk vernommen. Er macht ähnliche Bekundungen wie der Oberbürgermeister K i r s ch n e r, Er bejahe es ohne weiteres, dah Herr Jacobi für das Wohl der Stadt sehr fleihig arbeite, ohne je selbstsüchtige Absichten bekundet zu haben. Er selbst habe seinen gescllschastlichen Verkehr mit Herr» Jacobi bis in die neucste Zeit unbeirrt durch die Gerüchte fort- gesetzt. Der Privatkläger erklärt. dah er nun keine» Wert mehr au iveitcre Bciveisaufuahme in dieser Angelegenheit lege. Der Vorsitzende stellt»un die Frage der Vereidigung der Zeugen Marggraff und Banmaim zur Erörterung. Justizrat Cassel widerspricht dieser Vereidigung. Der Gerichtshof beschlieht, den Rechtsanwalt Marggraff und den Bezirksvorsteher Baumanii wegen Ver d a ch t S der M i t t h ä t e r s ch a f t nicht z»» vereidigen. Es wird sodaim die Anklage gegen den Angeklagten LcwinSkt verhandelt. Eine ganze Reihe von Zeugen bekundet, dah LewiuSki mit den Rununern der„Welt am Montag", in welcher der Artikel stand, geivisscrmahcn bausieren gegangen sei. Er hat die ZcitungS- »ummer in den verschiedensten Konfektionsgeschäften an die An gestellten verteilt, soll dabei hähliche Ausdrücke über Jacobi gebraucht haben. Ein Zeuge bekundet, dah Leivinski kurz vor der Stadt- vcrorduetcnivahl ihm gesagt habe: er arbeite schon zwei Tage lang nicht, sondcn» beschäftige sich damit, die ZeitimgStmminern gegen Jacobi zu verteilen. Rechtsanwalt Morris sucht in jedem einzelnen Falle nachz» weisen, dah LewiuSki die Bchauplunge» des Artikels gar nicht zu verbreiten brauchte, man vielmehr in den betreffenden Geschäften den Artikel schon kannte. Schliehlich wird die Widerklage des LewiuSki gegen Jacobi verhandelt. Sie stützt sich darauf, dah Jacobi gesagt haben soll: das Material zn den» Artikel rühre jedenfalls von einem Manne her, der ivegcn Unterschlagung von ihn» entlassen»vorden sei. Der Angeklagte berief sich für diese Widerklage auf den Rechts anwalt Marggraff, dieser aber lieh in völlig im Stich, indem er behauptete, das; er gelegentlich nur etivaS vom Hörensagen an gedeutet, aber keiuesivcgö behauptet habe, dah er selbst eine solche Mitteilung von Herrn Jacobi erhallen habe. Rechtsanwalt Morris: Nachdem Herr Marggraff in dem ivescntlichsten Punkte, der zur Grundlage der Widerklage diente, m unbegreiflicher Weise mihverstnildc» worden sein iiiuh, wird die iderklage zurückgezogen. Der Gerichtshof beschlieht die Einstellung deS Wider- klage-Vcrfahrens auf Koste» deS Au geklagten L e w i»i S k i. CS folgen die PlaidoyerS. Rechtsanwalt Senfs beginnt mit der Bcinerkung, dah die Sachlage durch die gestrige» Ehrenerklärungen der Gegenpartei wesentlich vereinfacht ivordcn sei. Die Verhandlung habe z» einen» vollständigen Fiasko der Angeklagten bezüglich ihre?„WahrhcitS bcwciscs" geführt. Zu den gröhten Seltenheiten in den dcuischen Gerichtshöfen gehöre wohl, dah ein Hauptbelastnngsfall, der Fall Jackst, so eklatant Schiffbruch erlitten habe, Von allen schweren Vorwürfen sei nichts, absolut nichts übrig geblieben, kein Titclche» sei als wahr erwiesen. DaS Verhältnis dcS Privat klägcrS zn seinen Filialisten sei in bengalischer Beleuchtung bis in de» fernsten Winkel untersucht worden und Herr Jacobi sei als durchaus makellos erkannt worden. Und uun der Glanz- Punkt der Verteidigung: die städtischen Fragen, in denen Herr Jacobi so furchtbar gesündigt haben sollte I Eine Geldstrafe geniige nicht, den» Angeklagten müsse vielmehr ein Denkzettel in Gestalt cincr Freiheitsstrafe gegeben werden. NechtSaiiwalt Heine: Die Ehre dcS PrivatklägerS sei gestern und heute in eklatantester Weise ivicder hergestellt worden und es hätte nicht noch groher PlaidoherL und so heftiger Angriffe dcS Rechtsanwalts Senff bedurft. Nach seincn» Geschmack hätte die Verhandlung dadurch beendet werde» köuuen, dah Angeklagter Bernhard offen und loyal erklärt: Ich habe mich geirrt, ich habe einen Ehrenmann i» cincr Weise angegriffen, die sich nicht rechtfertigen läht n»d muh die Folgen trage» 1 Statt dessen habe der Vorredner nochnials die ganze Geschichte vorgetragen und an allen Ecken und Enden Angriffspunkte gegen den Angeklagten zusammengesucht. Da müsse er denn doch darauf hinweisen, dah lhatsächlich solche Gc> dichte mnhcrschwirrtcn, dah schon 1896 Artikel erschienen waren, die sich offenbar ans Herrn Jacobi bezogen und aus die dieser gar nickt reagiert hatte und dah den» Angeklagten die von ihm besprochenen Dinge von Personen»uitgeteilt ivordcn waren, die für ihn doch ehrenwerte Leute waren. Die Verteidigung ninunt keinen Ausland zu erklären, dah auch i» Bezug auf seine Thätigkeit in den 'tädlischen Körperschaften der Privatklngcr glänzend gerecht- e r t i g t worden ist, eS sei auch zuzugeben, dah daS, was hier Herrn Jacobi vorgeivorsen, das schlimmste sei, ivaS man einem Politiker nachsagen kann. Geivih sei es tief bedauerlich,»vcnn ein Wahtkaiupf durch persönliche Vcrungliinpsnngcn geführt»verde, andrerseits müsse man doch sagen: die Korruption sei doch etwas, was nicht als»vesciiloseS Ding in der Luft schwebt, und wen» die politische Integrität daS Objekt des KaniPfeS ist. so dürfe man auch nicht davor zurückschrecken, einen in der Ocffcntlichlcit stehenden Mann persönlich anzugreifen. DieS sei hier geschehen. Der Angeklagt« Bernhard habe gegen eine Korruption, deren Vorhandensein er nach den ihm gelvordencn Mit- teilunge» aunchnieu muhte, Front machen zu müssen geglaubt. ES sei gar keine Rede davon, dah er sich durch den Artikel die politischen Sporen vcrdiencii»vollte. Das sei nicht mehr nötig gewesen, weil eS ■che» längst geschehen sei. Der Angeklagte Bernhard sei beispiclsivcise eit Jahren der Verfasser der allseitig anerkannten vollSivirtschaftlichcn Aufsätze, die in der„Zukunft" unter dem Pseudonym„Plutus" er- scheine». Er bedauere, dah der Angeklagte sich habe täuschen lassen durch Gerüchte, die zun» Teil auf Schwindel und Lügen beruhten. Er freue sich, dah einem Ehreumanne durch die Verhandlung die gewünschte Genngthnung gegeben ivordcn sei, bitte aber, an- zuerkennen, dah daS Motiv des Angeklagte» Bernhard kein un- lauteres und gehässiges geivesen sei uud danach die Strafe milde zn ermessen. Rechtsanwalt Morris plädiert für LewiuSki auf eine Geldstrahe und legt den» Privatkläger nahe, den Strafantrag zurück- zuziehen, Stadtv. Cassel erklärt das letztere nicht für möglich. Im übrtgen nehme er, trotz der i»ianchn»al heftigen Worte, die bei solcher Gelegenheit gewechselt zu»verde»» pflegen, keinen Anstand zu erklären, dah ihn als Anwalt die Haltung iciner Kollegen in dieser Ver- Handlung erfreut habe»nd ihnen für die loyale Erklärung danke, dah der Privatklägcr ans dieser Verhandlung als Ehrenmann hervor- gegangen sei. Das Urteil. Der Vorsitzende, Affeffor Geisler, verkündete das Urteil dahin, dah der Angeklagte Bernhard z» 600, der Angeklagte L c- »vinski zu 60 M. Geldstrafe, im Nichtzahlmigsfalle zu einem Tage Gefängnis für 15 M. zu berurtcilci» seien. Bernhard habe »eui» Zehntel, Leivinski ein Zehntel der Kosten zu tragen. Dem Be- leidigten sei die Publikationsbefugnis in der„Welt am Montag" zugesprochen worden. ES komme lediglich darauf an, ob der Artikel die ThatbcstandS- merkmale der Beleidigung erfülle, und ob nicht envcislich wahre Thatsache» verbreitet'ivordcn seien, in der Absicht, den Kläger in der öffentlichen Meinung herabzusetzen. DieS sei bejaht ivordcn. Erwiesen sei es, dah' nachteilige Gerüchte über Jacobi in einem kleinci» Kreise berbreitct waren. Die Verhandlung habe aber insofern ei» besonderes Interesse gewahrt, als nian dabei erfahren habe, wie mitunter Gerüchte entstehen. Er»volle dabei mir die Gerüchte über die angeblichen unreellen GcschäftSinanipttlatioiicn deS Pribatklägers hervorheben. Man habe gesehen, dah ein Mann, der an einer gewissen fixen Idee litt, später aber selbst nicht mehr behauptete, übervorteilt zu sein, einem andren Filialisten als leuchtendes Beispiel erschien und ihn zn dem Gedaulenflnge veranlahlci», dah er vielleicht auch etwas von dem Privatkläger herausschlagen köimte. Ma» habe gesehen, dah dieser Mann seine»» Verteidiger ganz genaue Informationen gegeben hatte »nid nun doch in» Termine zugebe» muhte, dah an der ganzen In« formation kein wahres Wort sei. Neberfliissig seien weitere Worte über den Wahrheitsbeweis; die sämtlichen Vorwürfe des Artikels seien in Nichts znsammengefalleii. Die Absicht der Beleidigung erhelle auS der Form des Artikels. Was das Strasmah bezüglich des Angeklagten Bernhard betrifft, so habe das Gericht mit Rücksicht auf dessen bisherige Unbcschollciihcit bon der Berhängung einer Freiheitsstrafe Absland gcnomincu. Wem» eS zweifellos eine bornehme Pflicht der Presse sei, moralische Schäden,»ainentlich ivenn cS sich um öffentliche Dinge handle, schonungslos aufzudecken; aber ebenso sei es, wem» derartige ehre»»- rührige Artikel veröffentlicht werde», Pflicht deS Verfassers, sich vorher nliss geuauestc zu erkundigen. Der Gerichtshof könne dem Angeklagte» Bernhard den Borivnrf nicht ersparen, dah er nicht mit der nötigen Gcwisscnhnsligkeit verfahren ist. Er könne sich auch nicht damit entschuldigen, dah er seine Mitteiliuigeu von einem Rechls- anwalt und Stadtverordneten habe. Wie»vcnig mitunter darauf zn geben ist, dah eine Milteilimg von einen» Rechtsanwalt n»b Stadtverordneten herrührt, habe gerade die gegcmvärtige Verhnndlmig ergeben.— Auch bei LewinLki habe die Absicht der Vcleidignng vor- gelegen, ihn habe aber das Gericht milder angesehen. Somit sei, wie geschehen, erkannt. Damit endeten die zweitägige» Verhandlungen, die, dank der ge- schickten Leitung des Vorsitzende», eine» ruhigen, sachlichen Verlauf nahmen, wenn es auch schien, als»vollte» die Geister niitunter sehr scharf aufeinander platzen. Der Vorsitzende verstand eS vortrefflich, im gegebenen Momente einzugreifen nnd dafür zu sorge», dah die Bahne» ruhiger Erörterung nicht verlassen wurde». Der Leipziger Bankprozeß. Vom Sonnabend»vird aiiS Leipzig berichtet: Der Vorsitzende giebt bekannt, dah der Zeuge Jnslizrat Fries» Kassel an» DonmierStag erscheinen tverde. ES gelangt ei» Brief ExnerS an Gcntzsch über eine zwischen Kassel nnd der bosnische» Gesellschaft bollsührte Transaktion zur Vcrlcsmig, wonach diese zurückdatiert werden soll. Gcntzsch erklärt, dah er vom juristische» Standpunkt ans die Rückbuchniig genehmigt habe. Es seien derartige Rück- biichnngc» öfter vorgekommen. In einem späteren Briefe an Schmidt erbietet sich Exncr angesichts des»noratischen Engagements der Bank zun» finanziellen Berater der Trebcrgesellschast, da seitens seines AussichtSrals seinem Eintritt in den Kasseler Anfsichtsrat Bedenken entgegeiigehallcii»viirden. In einem Schreiben vom 17. September 1898 lehnt Exncr gcgeiiüber Schmidt die Hereinnähme von A c c e p t e» der TreberirockNung nnd ihrer Tochlergcscllschaftcn ab.»vcil es Finanzwcchsel seien. Er gicbt aber persönlich z». dah die Bank ans auswärtige Tochternntcrnehmnngcn, die durch Kassel accredicrt seien, nnd niis die AussichtSratS-Mitglicder in Kassel trassiert habe. In einem vertraulichen Briefe der Leipziger Bank vom 27. Oktober 1898 an Schmidt, unterzeichnet bon Gcntzsch und Exncr,»vird Schmidt ersucht, daS Debet der Trcbcrgcsell» schaft, daS sich auf 6 Millionen in lanfender Rechnung, ivorunter über 3 Millionen in Blanco, belaufe und»uofür viele Tochtcraklic» deponiert seien, baldigst herabzumindern. Wie Exuer am 18. November 1898 a» Schmidt schreibt, liefen damals über sechs Millionen Acccpte der Trebergcscllschaft. Cxner befürchtete, dah die disloiitiercndc» Banken die Tredertralten ziiriickweiseii würden. Staatsanwalt Dr. Weber fragt, tvohi» die viele» Milllonc» der Trcbcrgescllschaft gekommen seien. Keine Million sei in Leipzig geblieben und»vcder die Trebcrccntrale noch ihre TochtergeseNschaften hätten Geld. Es»verde daher die Befürchtung laut, das; die Trcbcrgescllschaft mit deren Geldern der Leipziger Bank operiert habe. Txncr hatte 1898 eine Unterredung nrit dem damalige»» Borsttzenden seines AnffichtSrals, Sachsenrödcr. Wie er erklärt. hegte er zivar kein Mihtranen, sei aber wegen der all z» grohen Disposition i» Kassel ängstlich geworden. Rm» wollte er auch mit dem Hanse Bleichrödcr in Berlin wegen einer der Treder- gesellschast zu leistende» Hilfe Rücksprache nehincn,»m das Unter« nehmen weiter anszubanen und in Betrieb zu setze». Exncr dachte damals in keiner Weise daran, dah die Leipziger Bank zn Falle koimnen könne. Er sei für überncrvöS erklärt worden, und Sachsenrödcr habe ihn» aufs strengste nnlcrsagt, mit der Firma Bleich- rüder zu verhandeln. Exncr sagt alsdann über die Besichtigung der Ti'ebernnlcr- nchinungc» durch die Direktoren und die AnssichtSräte der Bank ans, desgleichen über die zahlreichen Gutachte» der Sachverständigen. Diese Besuche»v u r d e n vorher angesagt. Man hatte einen günstigen Eindruck von de» Ergeh» »issen der Gutachten und von den Revisionen der Bücher durch zuverlässige Revisoren enipfangcu. Das seien die Motive gctvese», mit der Trebergcscllschaft»vciter zn arbeiten. Alle Wahrnchmmigei» aus solchen Besuchen seien von der Direktion nnd dem Anssichtsratc ausgetauscht worden. Nach einem Briefe von Exncr nnd Dr. Gcntzsch au Schmidt von» 29. November 1898 liefen damals 4 912 250 M. Tratten der Trebergcscllschaft auf die Bank. ES wurde angeregt, de» Sekretär Wuthe von Leipzig zur Einsicht der Bücher nach Kassel als angeblichen Revisor in» Name» von Sumpf und Schnlze-Dcllwig, aber nicht als Bankbeamten, zu sende». Nack CxuerS Aussage ist diese beabsichtigte Revision durch Wuthe wiederholt mit dem Anfsichtsrat besprochen»vorden. Schmidt hat sich aber nicht darauf eingelassen. I» einem spätere» Briefe drückt Schmidt jedoch sei» Eiiiverständuis damit aus, dah Wuthe unter gewissen Be« dingimgci» nach Kaslel komme. Nach kurzer Mittagspause macht der Vorsitzende bekannt, dah am kommende» Montag, dem Tage der Beisetzung König AlbcrtS, die Sitzung aulfalle» wird. ES kommt ein langer Semestralbencht der Trebergesellschast von 1898 zur Verlesung mit eingehender Begründung der eine große Zukunft versprechenden Graphit- und Karbidproduktiov und mit ausführlichen Darlegungen der üdrigen technischen Zweige. Der Geldbedarf wird als ein ganz kolossaler bezeichnet. Die Be triebsmittel seien vollständig absorbiert; die finanzielle Lage weise 18 Millionen Schulde» und 6 Millionen Bankschulden ans. Alle diese Berichte wurden vom Aufsichtsrat der Bank gelesen. Nach einein Briefe Schmidts an die Bank vom 13. November 1893 will Schmidt mit einem französischen Konsortium zur Einführung der Treberaktien an der Brüsseler Bär' verhandeln und eine Bank für chemische Industrie in Brüfst mit 10 Millionen Frank gründen, wofür 8 Millionen in Tochter aktien gegeben werden sollen. Von diesem Briefe wurde seiner Zeit dem Anfsichtsrat der Bank Kenntnis gegeben. Es wurde beschlosten. den Blaneoeredit der Trebergesellschast' von 3 auf 10 Millionen zi erhöhen, ohne dies der Gesellschaft besonders mitzuteilen. Nach A»S sage der Aufsichtsräte war damit nur ein Coiitoeorrent-Credit, nicht ein Blaneoeredit gemeint. Aus den Erhebungen von damals ließe sich ein gesamtes Engagement der Bank von 2ö Millionen nach weisen. Hierauf wird die Verhandlung auf Dienstag vertagt. Berliner Pnrtei-Angelegenheitett. Die nächste Lokal- Liste erscheint am Sonntag, den 6. Juli 1902. Wir ersttchen daher die Mitglieder der Lokal- ko>» Mission von Berlin»nd U in g e g e n d. Aenderunge» und Neuaufnahmen bis spätestens Freitag, den 27. Juni 1902, einsenden zu ivollen: für„Teltom-Pccökow" an den Genossen Hermann Schliebitz in Britz. Jnhnstr. 2; für„Nieder- Barnim" an den Genossen Otto Riebe in Frirdrichsfelde� Vietoriaftr. 4; für„Potsdam-Ost-Habelland" an den Genossen Albert Nene in Spandau, Jagowstraße 9; für„Diverse Orte" an den Genossen Gustav Stein in Wriozeua.O., Frank- furterstr. 32, sowie für Berlin an den Genossen W i I h e l m H i n z Prinzenstr. 66, S. 14. Die Genossen werden ersucht, hiervon Kenntnis zu nehmen und die Einsendungen umgehend zu besorgen, da spätere Einsendungen nicht mehr berücksichtigt werden können. Die Leiden des armenischen Volks und die Pflichten Europas. Am nächsten Donnerstag wird in den Germania-Sälen. Chausseestr. 103, eine Volksversammlung stattfinden, in der Genosse B ernstein über dies aktuelle Thema sprechen wird. Die Ver trauenslente. Schönrberg. Heute Sonntagnachmittag feiert der Wahlverein im O b st schen Lokale. Meiningerstr. 8, sein Stiftungsfest, be stchend ans Vokal- und Jnstrumental-Konzert.(Siehe Inserat.) Uebcr die GewerbegerichtS- Wahl in Tegel spricht Genosse S ch e f f I e r Montagabend 6Vs Uhr in einer bei Trapp statt- findenden V e r s a in m l u n g. Auch die in Tegel beschäftigten Berliner Arbeiter sind zur Teilnahme an der Wahl berechtigt und werde» daher zum Besuch der Versammlung eingeladen. Die Genossen des Nicdcrbarnimer Reichstags- Wahl- kreifeS halten ihr diesjähriges S v m m e r f e st in den neurenovierten Räumen von Schloß Weiße nsee am Sonntag, den 6. Juli ab. Da das Festkomitee die größten Anstrengungen gemacht hat, um den Gästen etwas zu bieten, so ersuchen wir die Genossen, auch der umliegenden Berliner Kreise, das Fest zahlreich zu besuchen. Ober- Schönewcide. Am Mittlvochabend 8>/s Uhr findet bei Kansholt die Versammlung des W a h l v e r e i n s statt. Reichstags- Abgeordneter Rosenow hält einen Vortrag über:„Die Arbeiter- familien und die Lebensmittelzölle". Die Genossen Iverden ersucht, ihre Frauen an der Versaimnlnng teilnehmen zu lassen. Uoknlvs. „Uebcr" Berlin. Wer noch nicht ans dem Turm des Berliner Rathauses war, der ahnt nicht, was ihm bisher entgangen ist. Es lohnt sich wirklich, einmal da hinaufzusteigen, um ein Viertelstiindchen hindurch„über" Berlin zu stehen und die Reichshanptstadt„von oben herab" anzn sehen. Wir machen uns dieses Vergnügen seit vielen Jahren all- jährlich ein paarmal. Die Sache kostet 20 Pf..Eintrittsgeld und einigen Schweiß. Unter Umständen, z, B. wenn eine Temperatur von 30 Grad im Schatten herrscht, kann sie sogar recht viel Schweiß kosten. Die Spitze der Fahnenstange liegt volle 300 Fuß über dem Pflaster der Königstraße, und bis zur Plattform des Turmes sind es. von der Straße an gerechnet, 380 Stufen. Das ist schon eine ganz an ständige Leistung, die einen rüstigen Steiger erfordert. Als wir einmal einen alten Berliner, einen von den„geborenen", der— wie viele seinesgleichen— den Rathausturm noch nie be- stiegen hatte, für eine Beteiligung an diesem Wagnis gewonnen und ihn glücklich mithinauf gebracht hatten, da rief der Mann, oben angelangt, überrascht ans:„Ich wußte gar nicht, daß Berlin so groß ist!" Er meinte das durchaus ernsthaft. In der That merken viele Berliner erst hier oben so recht, wie groß ihr Berlin ist. Und noch manche andre Beobachtung drängt sich ihnen in dieser luftigen Höhe von selber auf. Es sollte eigentlich niemand über Berlin sprechen, der noch nicht„über" Berlin gestanden hat. Das Bild, das sich dem Besucher des RathauSturmes bietet, ist gar nicht mit demjenigen zu vergleichen, das man vom Kreuzberg aus empfängt. Es ist viel packender. Auf dem Krenzberg sieht man Berlin nur von außen und kaum zur Hälfte. Auf dem Rathaustnnn steht man mitten in dem gewaltigen Hänsermeer und kann es in seiner ganzen Ausdehnung überschauen. Der Kreuzberg bietet für die Betrachtung Berlins einen Standpunkt, wie geschafsen für die kühle Objektivität eines Unbeteiligten. Für die Bewohner und Bürger der Stadt ist allein die Zinne des Nathanstnrmes der geeignetste Standpunkt, weil der Betrachter nur hier die persönliche Beziehung, in der er zu dem Gewirr der Straßen und Häuser und zu dem hastenden Gewimmel der Hunderttausende da unten steht, deutlich und kräftig enipfiiidet. Manche Erkenntnis, die man sich unten erst mehr oder weniger mühsam zusammensuchen muß und nur durch längere Beobachtung erivirbt, kann man sich ans der Plattform des Rathausturmes mit einem einzigen Blick zu eigen machen. Sehr anschaulich wirkt z. B. der Wald von Kirchturmspitzen und von Fabrikschornsteinen, der uns entgegenstarrt. Das ist ein Bild, bei dessen Betrachtung es jedermann sozusagen mit Händen greifen kann, daß Berlin eine Industriestadt ist, deren Arbeiter- bevölkernng in die Kirchen zurückgezwungen werden soll. Wer zu der Turmbesteignng einen Wochentag wählt, dem wird beim Anblick der Fabrikschornsteine noch etlvas andres sofort auffallen. Im Westen wird er nur sehr wenige von diesen qualmenden Schlotriesen bemerken. Der Gegensatz zwischen Berlin-West und Berlin-Ost ist ja an sich schon frappant genug. Er kommt schon in der Verschieden- heit der Bebanungsdichtigkeit, der Bauweise usw. zu so deutlichem Ausdruck, daß er auch hier oben niemand ganz entgehen kann. Selbst ein Fremder, der von dem besonderen Charakter der einzelnen Stadt- teile Berlins nichts weiß, würde beim U inschreiten der Zinne des Rathausturms schwerlich darüber in Zweifel sein können, wo er die Wohnviertel der Wohlhabenden und wo die Wohnviertel der Un- bemittelten zu suchen hat. Wenn er sich aber ein paar Minuten lang abgemüht haben wird, mit spähendem Auge die dicke, träge, selbst dem Sonnenstrahl den Weg versperrende Dunstmasse zu durchdringen, die über dem größeren Teil Berlins vom Süden und Südosten über den Osten herum bis zum Nordosten und Norden lagert, dann wird ihm»och energischer zum Bewußtsein kommen, daß man in den Fabrik- und Arbeiter vierteln anders wohnt und lebt als in dem vornehmen Westen. Einen vollen, ungeschmälerten Genuß hat man von der Be- steignng des Rathausturms nur an Sonntagen. Dann zerteilt sich die Dunstmasse, die die Woche hindurch über den Wohnvierteln der Arbeiterbevölkerung lag, dann vermag das Auge nach allen Seiten hin meilenweit über die Weichbildgrenze vorzudringen. Frei und ungehindert schweift dann auch im Osten der Blick über den Trep- totver Park und die Oberspree hinweg bis zu den Miiggelbergen— fre� und ungehindert,— wie im Westen über den Thiergarten und den Grunewald zu den Höhenzügen der Havel. DaS Andenken Friedrich FröbelS, des Vaters der Kinder gärten, wird ans Anlaß der 60. Wiederkehr seines Todestages(21. Jnni 18S2) von einer Reihe pädagogischer Ver� einignngen Berlins durch eine am heutigen Sonntag(mittags 12 Uhr) im Bürgersaale des lliathanses stattfindende Feier begangen. Die Verehrer Fröbels iverden bei dieser Gelegenheit kaum mit sehr großer Genugthunng auf das zurückblicken,' was Fröbel selber und nach ihm die Verbreiter seiner Ideen erreicht haben. Ist auch sein Lebenswerk nicht ganz vergeblich gewesen, so hat doch— das darf man sich nicht verhehlen—' nur weniges von dem, Ivos er wollte, vertvirklicht werden können. Man braucht mit der Erziehnngs- und Unterrichtsmethode Friedrich Fröbels nicht in allem und jedem einverstanden zu sein, aber das wird niemand leugnen können, daß der Grundgedanke, auf dem seine Methode ruht, mehr Beachtung verdient hätte, als er gefunden hat. Bei uns in Preußen wurden die Bestrebnngen Fröbels noch von einem besonderen Mißgeschick be troffen, das man komisch nennen könnte, wenn es nicht für ihn und seine Sache verhängnisvoll geworden wäre. Die Fröbelschen Ideen wurden von der preußischen Regierung als socialistische und den Atheisinns fördernde gebraudmarit und bekämpft. 18ö1, ein Jahr vor FröbelS Tod, wurden in Preußen die Kindergärten verboten. ES liegt der begründete Verdacht vor, daß die Regierung Fröbel mit einem seiner Neffen verwechselt hat, der damals in Hamburg für das weib- liche Geschlecht eine mit einem Kindergarten verbnndeue Hochschule begründet hatte. Friedrich Fröbel war ein durchaus gottgläubiger Mann, sein Neffe dagegen vertrat in religiöser wie in volitischer Hinsicht so fortgeschrittene Anschaunngen, daß er damit allerdings nicht den Beifall eines preußischen Ministers finden konnte. Das Verbot der Kindergärten wurde erst 1860 wieder aufgehaben. In Berlin wurde noch in demselben Jahre zur Errichtung Fröbelscher Kindergärten geschritten, aber zu einer rechten Blüte ist das Kindergarten- wesen in den 40 Jahren, die seildei» verflossen sind, bisher liei uns nicht gelangt. Was gut ist an Fröbels Ideen, das wird vielleicht erst von einem znlünftigen Geschlecht voll vertvirklicht werden können. Die Firma Borsig hat die 6000. Lokomotive vor einigen Tagen fertiggestellt und ans diesem Anlaß dem Personal und der Arbeiterschaft ein Fest gegeben. Herr Konrad Borsig verkündete dabei, daß er folgendes angeordnet habe: I. Die Erhöhung der Knpilalien der Luise Borsig-Stiftnng um 260 000 M. Diese Stiftung giebt den Arbeitern, ihren Invaliden und Hinterbliebenen Zuschüsse zu den gesetzlichen Reuten. 2. Die Erhöhung der Jnbiläumsgabe an die Arbeiter, die ihr 26 jähriges Jubiläum bei der Firma feiern. 3. Die Bestiminiliig, daß alle 60jährige» Jnbilare der Firma in Zukunft statt der bisherigen Pensionen das volle Einkommen ihres letzten Dienstjahres als Ruhegehalt bis an ihr Lebensende beziehen 'ollen. 4. Die Begriiiidnng einer Beamten-Pensionskasse, für welche nach Genehmiguiig des Statutes die Firineniuhaber ein Kapital von etwa IV» Millionen Mark zur Verfügung halten werden. Die erste Lokomotive ist von der Firma Borsig im Jahre 1841 ur die Berlin— Anhalter Bahn fertiggestellt worden, die flinf- hundertste im Jahre 1854, die tausendste 1858, die zweitansendste 1867. die dreitausendste 1873 und die viersansendste 1883. Hansdicnerfrcudcu. In einem Manufaktur- und Weißwaren- zeschäft einer der westlichen Vororte sind mehrere Hansdiener be- 'chäftigt.� Für wenig Lohn und noch weniger Trinkgeld buckeln sie ich tagsüber mit Traglasten aller Art ab oder strampeln auf schwer- beladeneni Dreirad in den Straßen umher, um dann nach beendeter Tagesarbeit noch bis zehn, zwölf, ja sogar bis zwei Uhr nachts bei Packarbeiten im Geschäft verwendet zu werden. Irgend eine Extra- Entschädigung für lleberstnnden erhalten sie nicht. Wohl aber werden sie von Zeit zu Zeit mit polizeilichen H a u§ s n ch n n g e n be- glückt, weil man in ihnen Diebe vermutet, die unter allen Uniständen die Firma bestohlen haben sollen. Zwei Hnnsdiener, von denen der eine seit rund einem Jahr, der andre seil nugefähr nenn Monaten bei der Firma thätig waren, mußten sich schon' zu wieder- holten Malen eine peinliche Durchsuchung ihrer Wohnung gefallen lassen, ohne daß jemals auch nur das geringste Stück gestohleneu Gutes bei ihnen vorgefunden wäre. Bei der letzten HanSsnchung ging man min mit einer ungewöhnlichen Rücksichtslosigkeit zu Werke.' Er- cheinen da zwei Kriminalbeamte in Begleilniig eines Interessenten der Firma. Die Beamten selbst verhielten sich passiv, desto gründ- sichere Arbeit aber ließen sie ihren Begleiter machen. Kisten und Kasten in Wohnung und Keller, Schränke, Spind und Kommode, ja 'ogar die Betten durchwühlte der Mann mit einem Eifer, als gelte es, sämtliche Schätze Indiens zu heben. Dabei warf und kramte er den ganzen Inhalt wüst und wirr, kunterbunt über- und durch- einander, ab und zu eine Kleinigkeit als„verdächtig" zurücklegend. Nach Beendigniig dieser Generaluisitation veranlaßten die Beamten den eifrigen Sucher nun nicht etwa, wieder Ordnung in dem an- gerichteten Wirrwarr zu schaffen— nein, sie ließen alles tehen und liegen wie es war, und beauftragten noch oben- drein den Gehaussuchten, die„verdächtigen" Sachen nach dem Polizeiburean zu tragen. Daselbst erfolgte ein ziem- sich schroffes Verhör und Verhaftung des Hansdieners. In ähnlicher Weise spielte sich die Haussuchung bei dem zweiten Hausdiener ab; auch dieser wurde verhaftet. Man denke sich nun den Schreck, den die von einem Ausgange zurückkehrenden Frauen der beiden Arrestanten bekamen, als sie ihre Männer abwesend und in der Wohnung sozusagen alles auf den Kopf gestellt fanden; erst nach Stunden erfuhren sie, Ivos sich zugetragen. Am andern Mittag wurden beide Männer dann ans der Haft entlassen, iveil sich auch diesmal nichts Belastendes gegen sie ergab. Doch jetzt hatten die Viel geplagten endlich genug von der ewigen Hanssncherei. Ihr erster Gang war zu dem Chef der Firma, um so schnell wie möglich ihre Entlassung zu fordern. Verargen wird ihnen das sicher'niemand, denn permanent im Verdachte der Unehrlichkeit stehen und für andre Schuldige büßen zu müssen, ist gerade kein beneidenswertes Los. Das höchste Gerüst in Berlin befindet sich gegenwärtig ans der Spitze des R a t h a n s t u r m e s, dessen Fahnenstange untersucht und neu gestrichen werden soll. Zu diesem Zweck ist auf der Glocken- gallerie ein Leitergerüst aufgestellt, tvelches bei einer Höhe von zwölf Metern die Fahiienstange noch um etwa einen Meter überragt. Zur Hochsührung der Leitern nach dem Turme ist ein Flaschenzug zur Aufstellung gekommen, dessen Seile zusammen über hundert Meter Länge haben. Die Spitze des Gerüstes erhebt sich 106 Meter über Berlin und bildet gegenwärtig den höchsten Punkt der gleichst Hauptstadt. Zu dem Zusammenstoß zweier Hochbahnzüge auf der Station Schlesisches Thor, über welchen wir bereits berichteten, wird uns noch folgendes mitgeteilt: Mit Rücksicht darauf, daß bei der Eigenart des Hochbahnbetriebes ein Zusammenstoß im allgemeinen chlimmere Folgen haben muß als bei der Eisenbahn, sind ganz besondere Sicherheitsmaßregeln getroffen, welche eine Kollision verhindern sollen. Von besonderer Wichtigkeit ist hierbei der selbstthätige Siemens- Sicherheitsabsteller,' welcher bei Einfahrt des ZugeS auf dem Bahnhof die Ausfahrt aus der dahinter liegenden Station sperrt, sie dagegen freigiebt, sobald der erste Zug die Vorstation verlassen hat. Dieser Sicherlings- Apparat funktionierte infolge eines Defektes nicht. Die zweite Sicherung wird durch telephonische Verständigung zwischen den nebeneinander liegenden Stationen gegeben. Ob diese ordnungsgemäß stattgefunden, oder ob die Verivaltung des Bahnhofs Stralauer Thor den Zug selbständig abgelassen hat, wird die eingeleitete Unter- suchnng'ergeben. Als dritte Sicherheit gegen Znsammenstöße ist die schnell wirkende Bremse zu betrachten. Bei der Zufahrt zum Schlesischen Thor bildet die Bahnstrecke eine scharfe Kurve. Nun ist es unter diese» Verhältnissen dem Zugführer unmöglich, zu erkennen, ob der von ihm auf dem Bahnhof gesehene Zug auf Geleis 1 oder 2 hält. Erst nachdem der Zug die Kurve passiert hatte und sich auf der Brücken-Ueberführung des' Schlesischen Thors befand, vermochte er das Hindernis zu erkennen, jedoch konnte er jetzt bei 60 Meter Entfernnng den Zug nicht mehr zum Stehen bringen.— Von den verletzten Passagieren haben sich übrigens nur lvenige in den Zügen befunden; die'meisten standen auf den Bahnsteigen und wurden dort von einem Glasregen überschütlet. Der Borstand der Milchcentrale teilt mit, daß das gestern von uns erwähnte Schreiben an die Generalversammlung nur fünf Unterschriften gefunden habe, bei 728 Genossenschaftern nur eine geringe Zahl. Es fragt sich nur. ob die Lage der Milchcentrale nicht'doch derart, daß Anfragen wie die mitgeteilten gerechtfertigt erscheinen. Das Ende der Hnndesperre. Das Posizei-Präsidinm teilt mit: Mit dem 24. Jnni d. I. erreicht die für Berlin und Um- gegend verhängte Hundesperre ihr Ende. Alle Hunde, ivelche auf polizeiliche Anordniina im Tierdepot des Deutschen Tierschutz-Vereins (Stadtbahnbogen 79/80) abgesperrt find, können, soweit sie unverdächtig sind, von den Eigentümern gegen Bezahlung der Futter- kosten aiii 25. d. M. daselbst zur Abholung in Empfang genommen werden. Von letztgedachtem Tage ab brauchen auch diejenigen Hunde, deren Absperrung in oder bei der Wohnung dcS betreffenden Eigen- thümerS polizcisicherseits angeordnet ist, nicht mehr abgesperrt ge- halten zu werden. Uebcr den tätliche» Unfall deS Fensterputzers Conrad de- richteten wir in Nr. 141 unsres Blattes. Aus Anlaß dieser An- gelcgenheit teilt uns der Centralverband der Handels-, Transport- uud Vcikehrsarbeitcr folgendes mit:„Die reguläre Arbeitszeit bei der Firma Nelken, Alte Jakobstr. 87, in deren Betriebe Conrad beschäftigt war. beträgt zum mindesten 10 Stunden. In dieser Zeit inuß ein Stück Arbeit geschafft iverden, das selbst gute Arbeiter außerordentlich schwer erledigen können. Die Löhne schwanken zwischen 15 und 20 Mark wöchentlich. wovon 1 M. 23 Pf. für Kaution ec. abgezogen werden. Es erhielt von den Etagcnarbeitern der verantwortliche Vorarbeiter 20 M., der zweite Arbeiter 19 M.. der dritte 17,50 M. und der vierte(Conrad) 17 M. Für Nachtarbeit erhalten die Arbeiter, deren Anzahl 16 beträgt und die von drei Kontrolleuren fortwährend angetrieben werden, fünfzig Pfennig die Stunde. Diese Nachtarbeit muß, wohl- gemerkt, geleistet werden, nachdem die Leute sich tagsüber schon abgehetzt haben. Was die Schutzeinrichtungen betrifft, so ist zwar ein llietlungsgürtel vorhanden, doch fehlten zur Zeit des Unfalls die Haken daran.' Nachträglich ließ der Geschäftsführer Schmidt neue Haken holen, so daß die kontrollierenden Beamten alles in Ordnung 'auden. GcsiingniSzustände in Tegel. Ein Notschrei aus dem Straf- gefängnis in Tegel beschästigte gestern die I. Strafkammer am Landgericht II. Wegen wisseullich falscher Anschnldignng war der Maskdinenbauer Ernst Oswald angeklagt. Derselbe hatte Ende vorigen und Ansang dieses Jahres eine Strafe in Tegel zu verbüßen. Am 10. Dezember ließ er sich vormelden niid machte vor dem Polizei- Inspektor Nagel folgende Anzeige: Tags zuvor habe der Aufseher M a r t i n die Ralefaktoren bei der Verteilung des Mittagessens be- nnfsichtigt. Er habe sich darüber beschlvert, daß das zuständige Maß nicht vollgefüllt sei. da sei der Auffeher in seine Zelle ge- treten, habe'die Thür hinter sich zugemacht und dann habe er ihn am Halse geivürgt, mehrfach an die Wand und dann an die Erde geworfen und fürchterlich verhauen. Da der Aufseher Martin bei seiner verantwortlichen Vernehmung die Mißhaudlungen bestritt, so wurde angenommen, daß di A-, eine wissentlich falsche sei und darauf wurde Anklage erhoben. der gestrigen Hauptverhandlung drückte sich einer der Ralefaktoren. die das Mittagessen gebracht hatten, sehr vorsichtig aus. Er habe nur gesehen, daß der Aussehcr in die Zelle des Angeklagten eingetreten sei und die Thür hinter sich geschlossen habe. Weiter wisse er nichts, denn er habe nicht Zeit gehabt, sich weiter um die Sache zu kümmern. Ein Zellennachbar des Augeklagten hat auch nichts gesehen, er hat aber gehört, daß der Aufseher in die Zelle trat, die Thür schloß, dann hörte er, wie ein schwerer Körper wieder- holt an die Wand flog und ivie der Angeklagte schrie. Der An- geklagte hat ihm auch noch an demselben Tage einen Riß am Halse gezeigt und dabei bemerkt, daß derselbe von den Fingernägeln dcS Aufsehers stamme. Auf Grund dieser Feststellung fällte der Gerichts- Hof ein freisprechendes Urteil. Der eigentliche Angeschuldigte sei der Aufseher. Auf dessen Zeugnis allein eine Verurteilung zu begründen, sei bedenklich. Es sei zwar nicht erwiesen, daß der Angeklagte miß- handelt worden sei, aber es sei auch nicht erwiesen, daß dicS nicht geschehen sei. Verschwundenes Kind. Das Polizei-Präsidium teilt mit: Am 19. d. M.. abends gegen 6 Uhr. hat das elfjährige Schusinädchen G. F. sich aus der elterlichen Wohnung Charlotteubnrg, Uhland- straße 28, entfernt und ist noch nicht wieder zurückgekehrt.� Ein Unglücksfall wird daher vermutet. Das Kind, welches schmächtig und blond ist, war bekleidet mit rotweißem Kattunkleid und blauer Matrosenmütze. Personen, welche über den Verbleib des KindeS Auskunft geben können, werden gebeten, sich in den Vormittags- stunden von 9—1 Uhr im Zimmer 128 des königl. Polizei-PräsidiumS am Alexander-Platz zu melden. Die Arbeiterfamilie im Gegenwartöstaat. Durch Spielen mit Streichhölzern entstand vorgestern, Freitag, in dem Hanse Neue Friedrichstr. 6/8 ein Brandungliick. Das Handelsmann Steinsche Ehepaar, das dort wohnt, besitzt zwei Kinder, eine sechsjährige Tochter Enia und einen vier Jahre alten Sohn Willy. Stein geht den Tag über seinem Handel nach, seine Frau arbeitet in einer Fabrik. Die beiden Kinder bleiben dann ohne Aufsicht zu Hause, nur daß eine Nachbarin sich hin und wieder einmal nach ihnen umsieht. Vorgestern vonnittag börte eine Frau Renbert die Kinder in der Wohnung jammern und schreien. Als sie eintrat, saßen beide hilf« und ratlos auf dem Fußboden mit ein kleines Feuer hemni. Der kleine Knabe hatte Streichhölzer gefunden und znsammengesnchtes Papier auf dem Fußboden angezündet. Die Flamme hatte das Kleid des Mädchens erfaßt, so daß es bald lichterloh brannte. Frau Neubert löschte das Feuer leicht, das Kind war aber an der linken Körperseite und am Rücken schon so schwer verbrannt, daß ein Schutzniann eS mit einer Droschke nach der Charit« bringen mutzte, nachdem es von ztvei Aerzten die erste Hilfe erhalten hatte. Beim Training gestürzt und erheblich verletzt ist gestern abend auf der Friedenauer Rennbahn igegeii 6 Uhr der als Flieger bekannte Berufsfahrer D. Gleichzeitig mit ihm sichren auf der Bahn verschiedene SchritNnacher und D. versuchte, an einen Motor Anschluß zu finden. Bei diesem Bemühen geriet er auf die innere Rasenfläche der Rennbahn und bei der plötzlichen Hemmung des Rades stürzte D. über das Vorderrad seiner Maschine zu Boden. Er erhielt hier- bei so erhebliche Verletzungen an Armen und Rücken, daß er nach Anlegung eines Notverbandes mittels Droschke nach seiner Wohnung gebracht werden mußte. Nach Verübung eines Verbrechens Gift genommen hat der 1878 in Berlin geborene Droguist Adolf A. Er verwaltete seit mehreren Jahren die Filiale einer Droguerie in der Ebertystraße, wo ihm vor einigen Tagen ein besonderes Zimmer eingerichtet worden ist. Dort soll er sich gegen, ein 13 Jahre altes Mädchen »ergangen �ben. weZweg?» er gestern nachmittag durch Beamte deZ 102. Polizeireviers sistierl Ivnrde. Auf dein Wege nach dein Revier nak»n A. Gift, das er schon vorher zu sich' gesteckt hatte. Die Flüssigkeit, welche er trank, ließ ihn alsbald in Beivusttlofigkeit ver- fasse» und in diesem Znstande wurde er nach dem �Uankeiihanfe Friedrichshain gebracht. Dort ist er heute vormittag den Wirkungen des Gistes erlegen. Ter Rohrleger August Hanugschke, der vor vierzehn Tagen wegen verschmähter Liebe die Witive Marie Becker in der Tilsiter- stratze 10 durch zwei Messerstiche in die Brust mit Vorbedacht tötete und sich dann selbst durch Oeffnen der Pulsadern und Abschneiden des Halses das Leben z» nehmen versuchte, ist jetzt wieder her- g e st c l l t und von der Charits, wo er in Polizeigcfangenschaft gehalten wurde, nach dem Unterslichungsgefänigiiis übergeführt worden. Wie wir schon mitteilten, wurde'er im Jahre 1880 nach einem Mordversuch gegen seine Frau als geisteskrank nach Dalldorf gebracht und von dort im Jahre 1802 als gebessert und nicht gemeingefährlich entlassen. Ob der jetzt 28 Jahre alte Mann noch einmal auf seinen Geisteszustand beobachtet wird, steht noch dahin. Ausgehoben wmde gestern früh von einem starken Schutz- mnnns-Aufgebot unter Leitung des Polizeilieutenants Lange, des Vorstehers vom 24. Revier, die Bäckerherberge„Concordia" in der Andreasstraße. Dort waren vielfach Diebstähle vorgekommen, die der Verwaltung die Ueberzengnng gaben, dah Spitzbuben die Herberge als Schlnpfivinkel benutzlen. 63 Personen wurdcn.nach der Revierwache gebracht, 7 von dort wieder entlassen, die übrigen dem Polizei- Präsidium zugeführt. Feuerbericht. In der Nacht zum Sonnabend wurde ein größeres Löschniifgebot nach der Wienerstr. 36s. gerufen. Hier war iii der im obersten Stockwerk belegenen Metallschleiserci und Eisengießerei von L. GchrS n. Co. auf noch nicht ermittelte Weise Feuer ausgekommen, das bereits bei Ankunft der Wehr auch den Dachstuhl ergriffen hatte. Es mußte daher längere Zeit aus zwei Schlauchleitungen Wasser gegeben werden, uni die Flannnen zu ersticken. Eine Betriebs- störung findet nicht statt. Freitagabend gegen 8 Uhr hatten außer- dein noch in der Tresckowstr. 36 Möbel und Kleidungsstücke in einer Wohnung Feuer gefangen, dessen Ablöschung jedoch in kurzer Zeit erfolgen konnte. Von de» beiden Weltmeisterschaften, welche am heutigen Sonntag im Sportparl Friedenau entschieden werden sollen, wird zuerst die- jcnige für Amateure über 100 Kilometer ausgefahren. Der Anfang der Rennen ist zwar auf nachmittags 4 Uhr festgesetzt, doch dürsten die Herren- fahrer schon eine Viertelstunde früher abgelassen werden, damit die Ab- Wickelung der Berufsfahrcr-Meisterschaft nicht zu weit hinausgeschoben wird, zumal für dw Schrittmacher, welche in beiden thätig sein werden, eine Pause zum Nachsehen der Führungsmaschinen unbedingt erforderlich ist. Für die Besucher des Stehplatzes ist, wie im Vorjahre bei den Weltmeisterschaften auf dem«attelplatz, ebenfalls, eine tenasienfvrmige Erhöhung geschaffen worden, wodurch auch von dort aus ein besserer Ueberblick über die Bahn und infolgedessen viel mehr Plätze gewonnen worden sind. Um dem bei gutem Wetter voraussichtlichen starken Andränge zu begegnen, halten sowohl die Stadtbahn als auch die Grobe Berliner Straßenbahn Extrazüge bereit. Der Kunstschule der Juweliere, Gold- und Silberschiniedc zu Berlin, in.dex städtischen Schule Mohrenstr. 41, ist von der Firnin Büudert N. Lettre sJnhaber Robert Schmidt und Wilh. Lettre zu Berlin) xige PxeiDstjstniig in Höhe von 600 M. gemacht worden. Die Stiftung geht dahin, daß alle zloci Jahre die genannte Summe in verschiedene» Preise» an die besten Schüler, in Form von kupfernen lind silbernen Medaillen solvie entsprechenden Geldpreisen zur Verteilung gelangt. Ans den Siachbarorte». Wer»initlit sich dcö braven Mannes a»? Ans Nixdorf berichtet man uns: Ein Opfer seiner Hilfsbereitschaft ist gestern der Arbeiter Gustav N ü st a u aus der Kopsstraße 16 Hierselbst geworden. In der Jägerstraße waren die Pferde eines Brauerivagens der Stixdorfer VereinSbraucrci durchgegangen und jagten mm die steile Jägerstraße hinunter. An der Falkstraße stellten sich ihnen die Gebrüder Gustav und Theodor Riistnii, die gerade des Weges kamen, entgegen, iveil sie befürchteten, daß die scheuen Tiere in eine weiter nuten auf dem Straßendamm ahnungslos spielende Kiiiderscharhincinraseil würden und schweres Unheil anrichten könnten. Die beiden mutige» Arbeiter vermochten zlvar die Zügel der Pferde zu erfassen, ivnrde» aber niitgeschleist, wobei Gustav R. leider z» Fall kam und von dini Rädern des BrnuerwagcnS überfahren wurde. Jetzt eilten auch andre Strnßeiipassaiiten herbei, welche die Pferde vollends zum Stehe» brachten und sich dann des Vermigkückten annahmen, der anscheinend leblos dalag und aus einer klaffenden Wunde am Hinterkopf heftig blutete. Sein Bruder Theodor dagegen war glücklicherweise mit leichten Hautabschürfungen davongekömmen. Der schwerverletzte R. wurde zunächst nach der Unfallstation XII gebracht, wo der dienst- habende Arzt feststellte, daß der Unglückliche außer der Kopfverletzung noch einen doppelten Knöchelbruch und einen Bruch des linlen Schlüsselbeins erlitten hatte. Nach Anlegung von Notverbänden Ivnrde R. daher nach dem Krankenhaus am Urban geschafft, wo er in höchst bedenklichem Znstande darniederliegt.' Der Ver- ungliickte welcher erst Tags zuvor von einer militärischen Uebimg zurückgekommen war, ist verheiratet und Vater von vier kleinen Kindern; erst vor Kurzem ist seine Ehefrau von einem Zwillings- Pärchen entbunden worden. Wie heute die Dinge im Staate der Sociakreform liegen, kann der brave Mann, der vielleicht unsägliches Unheil verhütet hat, von Glück sagen, wenn die Armenverlvaltung sich seiner darbenden Familie anninmrt und er dann seine wackere That nur mit dem Verlust der staatsbürgerlichen Rechte zu büßen hat. Ei» seltenes Schmispicl wird sich am heutigen Sonntag bei der Brieftnnben-Znchtstation der Militärverwaltung in Spandan darbieten. Es werden in den Morgenstunden von 4 bis 6 Uhr da- selbst 16 000 Brieftauben aufgelassen, die mit der Bahn ans Rhein- laiid-Wcstfalen von den dort bestehenden zahlreichen Vereinen für Militär-Bricstanben gesandt werden. Seit Mittwoch treffen die geflügelten Boten in Körben verpackt, in Spandau ein und werden in eigens dazu errichteten Schuppe» untergebracht, Ivo auch ihre Ver- Pflegimg bis Sonntag erfolgt. Eine so große Menge von Brief- tauben ans einer Stelle ist bisher»och nie' hochgelassen worden. Aus Spandau schreibt man uns: In der Sitzung der Stadt- verordneten- Versammlung, welche am 10. d. M. abgehalten Ivnrde, waren die Herren Hausbesitzer wieder drauf und dran, die Lasten, welche von Rechts ivcgen ihnen auferlegt werde» sollten, von sich ab- znwälzen. Vor Eintritt in die Tagesordinmg hatten nämlich die Hausbesitzer Stadtvv. Dr. Engelhardt, 3t n p k e und Grube folgenden Antrag eingebracht: „Der Magistrat wird ersucht, unverzüglich durch die Ein- schätzimgskommijsion zur G ru n d iv e r t st e n e r eine Schätzung des Wertes des unbebauten st ä d t i s ch e n Grundbesitzes zwecks Bestimmung der Höhe der hierfür zu entrichtende» G r n n d w e r t st e n e r herbeizuführen." Wie aus der Begrüiidnng des Antrages durch den Stadtv. Dr. Engelhardt hervorging, ist es den Herren darum zu thim, den nnbebauten städtischen Grundbesitz, z. B. die Stadtforst, zur Grund- wertstcuer mit hcrmizuziche». Der Herr meinte, daß z. V. ans der Stadtforst alle Bürger Spandaus einen Vorteil hätten und deshalb auch die Besteuerung zu erfolgen habe. Der Antrag wird in der nächsten Sitzung, am Donnerstag, den 26. d. M. verhandelt und auch sicher augciiommcn werden. Alsdann wird natürlich die Stadt den größten Teil der Grimdiverlstcuer aufbringen müssen und die Herren Hausbesitzer ivcrden flugs dabei sein, den Steuersatz, der jetzt 3.66 M. pro 1000 M. beträgt, bedeutend herabzusetzen, wie der Stadtv. R e i ii e ck e schon in einer vorigen Sitzimg angedeutet hat. — Der zweite Fall liegt noch krasser.' ES soll nämlich in diesem Jahre die P i ch e I s d o r s c r st r a ß e, eine der frcqiieiitcsten Straßen Spandaus, die aber ein spottschlcchtes Pflaster hat, neu ge- pflastert werden. Gleichzeitig ist eine Verbreitcruug des Straßen- dammes von 10 auf l2 Meter in Aussicht genommen, damit das Straßenbahugeleise in die Mitte des Dammes verlegt tverden kann, welches jetzt in wirklich lebensgefährlicher Weise au der Seite entlang führt. Zur Verbreiterung des Dammes war aber die Erwerbung von Vorgärten erforderlich, von denen die Pichcls- dorferstrnße noch eine ganze Anzahl hat. Die Eigentümer stellten aber so hohe Preise, daß die Stadt anf keinen Fall auf den Plan cingehcn konnte. In einer Jiiteressciiieii-Versammlnng, welche vor einiger Zeit im Wilhelmsgarten stattfand, hatten sich aber die Eigentünicr bis auf ciiien, der»och dazu Stadtverordneter ist, eines besseren besonnen und erklärt, ihr Vorland unentgeltlich abtreten zu wollen. Als sie aber hinterher erfuhren, daß sich ein Eigentümer und noch dazu ein Stadtverordneter nicht damit ei n ver st an de n erklärt hatte, zogen sie ihr An- erbieten auch wieder zurück mid verlangten ihr Land Ivieder bezahlt. Der Magistrat ist nun auf den Äuslvcg verfallen, einen Geiiieiiidebeschliiß herbeizusühren, wonach zur Deckung von Kosten für Verbreiterung und Verbefferung von Straßen, von den an solchen Straßen wohiieilden Gruiideigentümeru, deren Grundstücke sehr im Werte stiegen, Kostenbeiträge in Höhe von der Gcsaiiitkostcn ein- gezogen tverden isossten. Eine Beitragspflicht soll für die Eigen-. tümer ausgeschlossen sein, die das zur Verbreiterung der Straße er- forderliche'Land unentgeltlich au die Stadt abtreten. Diese Vorlage ging aber verschiedenen Hanseigentümern noch mehr gegen den Strich. Nach lebhafter Debatte wurde die Angelegenheit schließlich einer gemischten Kommission überwiesen. Es wurde denn noch der Pflaster plan für 1003 in Höhe von 239 000 M. sowie der Erweiteriuigsbcm der 7. Gemeindeschnle. der 69000 M. kosten soll, beschlossen. Theaterspielplan für die kommende Woche. Königliches Opernhaus. Geschlossen. Köntgltches Schauspielhans. Geschlossen. ZieueS königliches Operntheater.(Stuttgarter Hofoper.) Sonn- tag: Der polnische Jude. Montag: Der polnische Jude. Dienstag: ha, Boheme. Mittwoch: Die kleinen Michus. Donnerstag: Orestes. Frei- tag: Der polnische Jude. Sonnabend: Hoffmamis Erzählungen. Sonntag: Miguon. Deutsches Theater. Sonntaguachniittag: Weber. Abends: Lebendige SNinden. Montag: Die versiliilene Glocke. Dienstag und Donnerstag: Es lebe das Leben. Mittwoch: Rosenmontag. Freitag: Weber. Soimabend: Lebendige Stunden. Sonntag: Die versuntene Glocke. Berliner Theater. Alle Abende: Alt-Heidelberg. Resideiiz-Theater. Alle Abende: Einquarticriing. Neues Theater. Alle Abende: Ledige Leute. Schiller-Theater. Geschlossen. Theater des Westens. Sonntagnachmittag: Undine. Abends: Flederunnis. Montag: Bettelstudent. Dienstag: Freischiitz. Mittwoch bis Freitag: Der arme Jonathan. Somiabeiid: Zigeunerbaron. Sonntag: Der arme Jonathan. Metropol-Theater.(Morwitz-Oper.) Sonntag und Freitag: Der Maskenball. Montag: Carmen. Dienstag: Traviata. Mittwoch: Die Hiigenotten. Donnerstag: Barbier. Sonnabend: Uiibestiulmt. Sonntag: Die Jüdin. Thalia-Theater. Geschlossen. Eentral-Theater. Sonntag bis Mittwoch: Coralie u. Co. Bon Donnerstag an: Tolle Mitbürger. Ltederspielhans. Alle Abende: Offenbach-Cyklns. Kleines Theater.(Schall und Ranch.) Alle Abende: Serenissimus- Buntes Theater. Alle Abende: Gastspiel Celia Galley. Gemischtes Programm. Bellc-Alliance-Theater. Alle Abende: Dame aus Troiwille. Einakter. Friedrich Wilhelmstödtisches Theater. Sonntag: Einen Jux will er sich machen. Montag bis Freitag: Ein lnstiger Ehemann. Sonnabend und Sonntag: Der Zerrissene. Vrieskasten der Kedaltkimr. Die jüilsttschc Sprechstunde findet täglich mit Ansiiahnie deZ Sonnabends von 7>/z bis»>/, llhr abends statt. Riiitfahrtkarten. Für die vierte Wagenklasse werden keine Rückfahrt- karten ausgegeben. Die Rückfahrttarten haben 4ä Tage Gültigkeit und werden am Schalter ohne weiteres verabfolgt. Der Preis für die dritte Wagenklasse ist aber trotzdem um die Hälfte höher als für die vierte Klasse. Zl. E. G. 38. Die in dein betreffenden Kalender angegebenen Daten sind nicht richtig. S. T. 83. 1. Nach Ihrer Darlegung liegt ein Ehescheidinigsgrund erst dann vor, wen» Sie auf Herstellung der ehelichen Gemeinschaft geklagt und nach Rechtskraft und völliger Erfolglosigkeit des Urteils ein Jahr ver- strichen ist. Wollen Sie die eheliche Gemeinschaft nicht herstellen, so können Sie auf Scheidung nicht klagen. 2. So lange Ihre Frau gegen Ihren Willen die häusliche Gemeinschaft meidet, liegt Ihnen ihr gegenüber keine AlinicntatioiiSpfficht ob. Ihre Pflicht Ihrem Kinde gegenüber bleibt be- stehe».-(£. M. Das Gehalt beträgt 900—1500 M.- W.?). Zu spät. — 555. Nach Ihrer Darlegung sind Sie zur Zahlung verpflichtet. Sie verringern die Kosten erheblich, wenn Sie spätestens im Termin zahlen. Als Beklagtem kann Ihnen ein Eid zugeschoben werden. Ucber die An- »ahme oder Nichtannahme desselben haben Sie sich zu äußern. Verpflichtet ist ein Beklagter zur Eidesleistung, nicht.— C. S.. Gitschinerstraste. Berlin hat a» Polizeikosten alljährlich L,50 M. pro Kopf seiner Vevölkcruiig zu zahlen.— P. K. 33. 1. Ja. 2. bis 4. Schreiben Sie an die Armen- direktio»: Eine Verpflichtung zur Kosteiiznhlung habe ich nicht und lehne die Kostcnzahluiig ab.— IvOL, Kleeblatt.10. Ja. — K. M. 78. 1. Die Cwilliste des Königs von Preußen beträgt all- jährlich 15 719 216 M. Krupp war im letzten Jahre zu 21 Millionen Mark eingeschätzt. 2. Die Privat-Veriiiögensvcrhältuisse entziehen sich der Kennt- Iiis. 3. Nein.— C W» 70, Sie ist gemischt: über den Prozentsatz herrscht Streit.— Gräfe 10. 1. Nein. 2. Für Stenern ja, für Mieten nein. 3. Ja.— Kraftmensch 4». Sie können mit Aussicht auf Erfolg anf Ersatz des Anzugs beim Gcwerbegericht klagen, weil die Lieferung des Arbeitsanzuges versprochen war.— O. H. IL. Ja. Ä- Birkenwäldchen. � Inhaber E. Eclsch. Größles und schönstes Bcrgiingnngs-Etablissement von Berlin mid Umgegend. Mit der Mannseebahn für 10 Pf. bequem zu erreichen. SonmsZ-, den 22. Juni 1902: Großes Monstre-Konzert und �enewerk. S?$r Im Saale: Kall.-?»Q Zlnfang 4 tthr. Entree 15 Pf. Kinder frei. QßF" Montag: Große humoristische Soiree der altrenonuiiierten Norddeutschen Sänger. Fleutes Volks-Oarten, Tountäst, den'iü. Juni 1902: Großes Tattben-Schattfliegen(ca. 2000) zu dein groffcn Preis von Berlin. kirosses KoiimT und Ball. Brillaut-Pracht-Fenenverk. YolUHlijeln»ti£nng;cn aller Art' Wfp veranstaltet vom 301h Tauben-Bund Berlins n. Umgeg. nebst sämtlichen Vereinen. liifang L Uhr. Bntree SO Ff. Anfang 3 Uhr. Auslab der Tauben 5 Uhr Die Kafleeküche ist von 3 Uhr ab geöffnet. Bei ungünstiger Witterung Unterkiiiift für 5000 Personen. Hierzu ladet freundlichst ein Her Vorstand. Robert Jertz. Obsts Festsäle, Schöneberg jBeinüigerstr. 8. Martin Entlierstr. 51. Empfehle meinen iieuerbaulen Saal nebst Garten für Vereine zu Fest- lichkeiten.- Jeden Sonntag:«rosser Mall.— Mehrere Soiniabende im Sommer noch frei. 4450L* Achtungsvoll: E. Obst. Ernst Konzert- Garten Höflich Ball-Salon Erlcdrlchsbcrg:, Frank tsirter Chaussee 120. Im herrlichen Lindenpark: Jeden Sonntag: Croßes Aiiilstler-Koiizert uild Sjiccilllitiiteil-VorMilg. Im Königs-Saal: Grosser Ball. Anfang 4 Uhr. 42448» Entree 20 Pf. Jeden Mittwoch: Gr. Frci-Konzert. Im Königs-Saal: r»miiien>lr«nrclien. Ansang 4 Uhr. Ernst HOfiich. Max Kliems Festsäle Hascnhelde 13—15. In allen Sälen: 80llv!Ski5 gfOSSer Ball. MontagS und Donnerstags: Fsnrilien-Iiräit�vken. Jeden Mittwoch die beliebten Kinderfeste. BW Die Kasfeeknche ist täglich von 2 Uhr ab geöffnet. Empfehle meine Säle, auch den große» renovierten, zu Festlichkeiten an Vereine und Versammlungen. Mehrere Sonnabende »och frei. s4307L» Bflsx Kliem. jSMfflime Jägerhaus,»- 111:1. Großer schattiger Garten, 10 000 Personen fassend. Jeden Sonntag Freikoi'zert Kr Ml Riestilkegtlbchltil. Es ladet ganz ergebenst ein rVilbeln» Schmidt.[44118* Seeterrasse lieiitenberg RUdorstr. 6. Inh.: C. Maschke& Walter. Heilte«onntag, 22. Jnni: Gr. Konzert nnd Specialitäten- Vorstellung. Turmseilläufer The liepelts. 1£/» Uhr, im GetverkschaftShauö, Engel-Ilfer IS: Branclien-VersaniflilitRg der Korbmacher. Tages-Ordnung: 1. Branchenangelegenhciten. 2. Verschiedenes. _ Die Kommission. Mittwoch, 25. Juni, abends 8V2 Uhr, im GewerkschaftöhauS, Engel-Nfer IS(Taal V): KIoMiaMiiiealöaslbMs-Vemibbiliibz. Tages-Ordnung: 1. Die Arieiterschutz-Gcseygebung und ihre internationale Regelung. Referent Geuosie Kohke. 2. Diskussion. 3. Der Streik bei der Firma Schopf, Markushof, und das Verhalten der Kollege» vom„Hirsch-Duncker- Gewerkverein". 4. Verbandsangelcgenheiten und Verschiedenes. Nichtmitgliedcr sind willkomme». Zahlreichen Besuch envartet Die IV erkstatt-Kontrollkommlsslon. [tenbiirgs! Montag, dc» 23. Juni, abends S'/a Uhr. im Volkshaus, Rosinenstr. 3: Grsseutl. Dolzarbtiter Versiiiilnilling Tages-Ordnuirg: Bortrag des Kollegen Delnlntxer aus DUnchen. ES ist Pflicht aller Holzarbeiter, in dieser Versammlung zu erscheinen. Der Elnhernrer. Deutsch. Metallarbeiter-Verbaiid Verwaltungsstelle Berlin. Bureau: Engel-Ufer IS, Zimmer 1-S, Telephon Amt 7 Nr. SSg. Dienstag, 24. Jnni, abends 8'/- Uhr, im Dresdener Garten, Dresdenerstrabe 4b: VSVsKMtNlNNg in M- n. Tiibmrbkitcr unii BcnOzmii». Tages-Ordnung: 1. Vortrag deS Herrn Dr. Göllheim über:„DaS Erdinnere und die vulkanischen Ausbräche." 2. Diskussion. 3. Verbandsaugelegcnheiten. DienStag, de» 24. Juni, abends 8 Uhr: Uerfammlung der Silderpolierer tm GemerkschaftShanse, Engel-Ufer Nr. IS, Saal II. Tages-Ordnung: l. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Verbandöangelegcnheiten. Mittwoch, de» 25. Jnni, abends 8'/» Uhr: Kranchenoersammlnng her Klempner im Gewerkschaftshanse. Engel-Ufer IS, Saal I. Tages-Ordnung: 1.„Die wahren Ursache» der lehtcu Bau-Uiifälle.« 2. DiS- lussion. 3. Srgänzungswahlc» zur Agttationskoinuiisston und Verbands- °�S�Tas� Erscheinen aller Kollegen, besonders der Bauklempner, erwartet Die Drtsverwaltnng. BllNrbtiter Berlins n. Uingeg. Verbatld der Dan-, Erd- und gewerblichen Dllfgarbeller Deutschlands. Montag, den 23. Juni 1902, abends 8 Uhr. in Cohns � e st s ä l e n, Beuthstrafte Nr. 19/20: Kombinierte Mitglieder- Versammlung aller zum Strctkgebtet Berlin gehörige» Vcrbaiids-Zahlstclle«. Tages-Ordnung: 1. Unsre Forderung und ist dieselbe eine gerechte? 2. Beschluhfassung über den Eintritt in die Lohnbewegung. 3. Berbaiidsangelegenheiten. Kollegen! Da es sich um Beschltisse von weittragender Bedeutung handelt, ist es Pflicht eines jeden Bauarbeiters, in dieser Versammlung zu erscheinen. 42/14 Die Lohiikoiiiniission. I.A.: K. Hetdemann. Zlchtnng, Nabitzplttzer! Für die bei der Firma«linther& Sollwcdel arbeitenden Kollegen findet am Montag, den 23. Juni, abends 8'/, Uhr, bei laiUwIg »tue Besprechung statt. Alle Kollegen miisien pünktlich erscheinen. Zb2/? Der Vorsl stand. Minno! 6- Wahlkreis. Mihib! Donnerstag, 26. Juni, abends 8 Uhr, in den„Germania-Sälen", Chausseestrahe 103: WoMsversammkuttg Tages-Ordnung: 1.„Die Leiden des armenischen Volkes und die Pflichten Europas." Referent: Reichstags-Abgeordneter LSusrä Lerustelo. 2. Diskussion. SV Um die Versammlung zu einem wuchtigen Protest gegen die Unterdrückung der Armenier zu ge- stalten, ersuchen um zahlreichen Besuch 21L/1S» Die Vorkvsuenslettke. WV Schöneberg.'MW Mittwoch, de» 25. Juui, abends S'/a Uhr, im grohc» Saale von Obst, Melningerstr. 8: Große öffentliche Versammlung für Frauen und Männer. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Reichstags-Abgeordneten G. Ledebour über:„Was für ein Interesse hat eine Arbeiterfamilie am Zuckergesetz?" 2. Diskusston. 3. Verschiedenes. Recht rege Agitation und guten Besuch, besonders der Frauen, erwartet t/10 Die Vcrtranensperson. Allen Freunden und Bekannten di» traurig« Nachricht, daß mein lieber Mann, unser guter Vater, Schwieger- und Großvater, der Maurer �ogust Herinsnn Möbius Diessenbachstraße 33, nach schweren, langen Leiden sanft entschlafen ist. Die Beerdigung findet beute nach- mittag S Uhr von der Leichenhalle des Neuen Jakobikirchhofes, Hermann- straße, Ripdorf, aus statt. Um stilles Beileid bitten Die trauernden Hinterbliebenem cenlnri-Verbsnö d. Maurer Deutschlands Zahlstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, baß am 19. d. M. unser Mitglied Augiict Möbius, Dieffenbachstr. 33, nach langem schweren Leiden im Alter von SS Jahren gestorben ist. Ehre seiiiem Andenken. Die Beerdigung findet heute nach- mittag S Uhr von der Leichenhalle des neuen Jacobi-Kirchhofes in Rix- darf, Hermaiinstraße, aus statt. 133/18 Die Berbandsleitnng. «rosser Saal mit Garten und großer Theaterbühne 101b Fratttfnrterstrafte 74 an Bereine verschiedene Sonw abende noch frei. Auch können Sommer- feste abgehalten werden. Mo für Frauen und Illeben der Arbeiterklasse. Montag, den 83. Jnni. abends 8'/, Uhr, in den Arminhalleu. Koinmandantenstrahe 80: Vortrag von Eduard Dernstein über:„Die Arbeiterin in Eugianb imb her Kainos um ihre sociale Vesreinng." Gäste willkommen._ 55/12 Der Borstand. Verband der Tapezierer. (Filiale Berlin.) Montag, den 83. Juni, abends ll»/, Uhr, im GcwerkschaftShause, Engel-Ufer 15: MUglledei*- Versa iniiiliiiig. Tages-Ordnung: 1. Das Resultat der Statistik vom 1. Quartal 1902 in Bezug ans Ein- fllhrung der Arbeitslosen-Uiiterstiitziiiig. Neserent: Kollege Leo Schmidt. 2. Diskussion. 3. Berbaiidsaiigelegciiheilen. 173/2 Zahlreiches und pünktliches Erscheinen der Mitglieder erwünscht. _ Die Berbandsleitnng, Engel-Ufer IS. Achtung! Kistenmoker. Achtung! DienStag, 24. Jnni, abends SVa Nhr, im GcwerkschaftöhauS, Engelnfer 15(Saal 3): 103/20 Außerord. General Uersammlnng. Tages-Ordnung: 1. Anträge des Vorstandes. 2. Ergänzungswahl zur Lohnkommisston. 3. Verschiedenes. Das Erscheinen aller Mitglieder ist notwendig. SV Mitgliedsbuch legitimiert,_ Ter Borstand. Will tottt Schobmaciier. Montag, den 23. Juni, abends 8Va Nhr» Rosenthalerstr. 12 (großer Saal): Kombinierte Mitglieder-Yersammiung. Tages-Ordnung: 1. Berichterstattung vom Gewerkschaftskongreß in Stuttgart. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 100/15 Die OrtSverwallnug. Berliner Konsnm- Verein. (e) Central-Verwaltnng: Krantstr. 7._ E) Verkaufsstellen: Slbteilung I, Luifeustadt. Michaellirchplatz 4. Abteilung 11, O st e n. Srautstraße 7. Zoriidorferstraße SO. Liebtgstraße 7. Abtellung V, Lichtenberg. Frankfurter Chaussee 48/49. Mainzerstraße 4. Abteilung VI, Stralau. Stralauer Allee 17 k. Eintrittsgeld 20 Pf._ Geschäftsanteil 10 Mark. Abteilung III, Moadlt. Rostockerstraß« 21. Beussclstraßc 56. Emdenerstraße 45. Abteilung IV, Rummelsburg. Türrschmidtstraße 6. I Berlin-Raxdorf (E. ffl. m. b. H.) Montag, den 39. Jnni, abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshans, Engel-Ufer 15(großer Saal): Ordentliche lzalbjÄtzeliche General-Bersammlnng. Tages-Ordnung: 1. Geschäftsbericht des Vorstands und des AufstchtSratS. 2. Ersatzwahl zum Ausstchlsrat. 3. Gtatiitcuäiidernng. 4. Antrag des Vorstandes: Be- schlußsassung über Einziehung der VcrlaufSstelle Emdenerstraße. 5. Anträge. Der Vorstand: E. Loske. L. Breslauer. Der Anfslclitsrat. I. A; Dreher. Beiträge seitens der Mitglieder müssen 5 Tag« vor Stattfinden der Veneralversaminlimg dem Borstande«ingereicht sein. 108/19» Mitgliedsbuch legitimiert."WG_ Konsum-Verein Charlottenburg E.®. m. b. H. Durch gemeiiisameu Einkauf stud wir in der Lage, dieses Jahr billigere Kohlen verteilen zu können. 108/10 Wir liefern 3 Sorten 7 zölliges Format zu 8 M.. 7,40 M. und 7, 10 M. pro Taufend frei Keller. Nach dem Boden 50 Pf. Ausschlag. Muster der Kohle» liegen in den Berkaussstellen WilmerSdorferstraße 27, Tauroggener- straße 10 und Garde du Corpsstr. 15 auS. Auch werden daselbst jederzeit neue Mitglieder ausgenommen. Die Kohlen werden nur gegen bar geliefert. Um den Miigliedern die Anschassung zu erleichtem, ist eine Kohlen-Spartasse errichtet und können Einzahlungen in den Verkaussstellen gemacht werden. Umziehende Mitglieder bekommen die Kohlen nach dem 1. Oktober in die neue Wohnung geliefert......... «jp Mitglieder, agitiert lebhaft für Euren Berel», je höher der Um- satz, desto gröber der Nutzen, der in Eure Tasche» zurückfließt."MA Der Vorstand. .Aktiva. Abstin entciili eim. Eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht. Bilanz für daö erste Geschäftsjahr (11. Oktober 1901 bis 31. März 1902). Passiva, Per Reservefonds... „ Geichäftsguthaben der Miiglirdcr..». „ Darlehen..... „ Sächliche Berwal- tungs-Ansgaben.. Mk. 20 295 13 285 Pf. 50 33 018| 85 Mitgliederbelvegung. )ahr der Genossen am II.Oiiobcr 1901(Gründung der Genossenschaft) 22 Zm Laufe deS ersten Geschäftsjahres eingetreten......... 32 54 Im Laufe deS ersten Geschäftsjahres ausgetreten........— Zahl der Genossen am Schlüsse des ersten GeschästSjahrcS(31. 3. 1902) 54 Haftsumme.[los/nj Der Gcsamlbetrag der Haftsumme aller Genossen betrug am Jahresschlüsse............... Mark 1080,— Der Vorstand. Der Anfslchtsrat. Felix Fracnlcl. Oskar Koselowski. Dr. Keferstein. W. Miethke. Kndreas-kestsäie Andreasstr. Born 1. Jull er. ab ülemehme ich obige Säle und stelle die- selben den Bereine» ,c. zur Verfügung. Es wird mein Bestreben sein, die besten Speisen und Getränke zu den coulantcstcn Bedingungen zu liesenr. Bcstelliiiigeii werden schon jetzt täglich, auch Sontags, nacknniltags von 1 bis 0 Uhr, im Bnrcan, Andreasstr. 21, enlgegen- genommen. Wilhelm Kussin. i Graumann8 Festsäle(früher Renz] Naunyn»Strasse 27. sssts* Empfehle meine Säle. 900 Personen fassend(auch mit Bühne) und prächtigen Garte» zu allen Festlichkeiten und Versammlungen.— Sonn- abende und Soniitag« im duni, Juli und August noch frei und au Vereine zu Sommeruachts-Rällen zu vergeben. Gustav Graumauu. Tadherts Waldschlössciieu a. d. Oberspree. Von Bahnstation Nieder- Schöneweide in 15 Min., von Karlshorst in >8 Min. zu erreichen. Dampferstation der„Siteru"-GeseNschaft. {PS**1 Eiidpniikt des Biertelstiiiiden-Berkehrs a» Sonntagen. daher günstigste Fahrgelegenheit und bequeme Rücksahrt."Vg Jede» Sonntag in zwei Säle» Gr. schattiger Garten. »ch-W Je-- ÄS'., Schultlielss-liarzeii. Urquell l'ilsener..liiiiiclaenoc. Wcihbicr aus der Brauerei loule labbert. 4297L* Jeden Douuerstas:<1 a». l'rel kontert. Vorzügliche Speisen zu soliden Preisen. H. Gehrke. Wo treffe»»»vir»»»»s heilte So»»»ltng? 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Telephon-Aml Erkner 51. 401 4L* Hochachtungsvoll Prlt» Donaulnx, Oeetwlrt. "Verantwortlicher giedacleur: Carl Leid tu Berlin. Für deu Jnferateuteil veraulwortlich: Th.«locke tu Berliu. Druck m»d Verlag vou Max Bading tu Berltu. ür.U3. 19. 3, KcilU Ks Lswiirls" Krim Klksdlslt. Die Arbeiter der köiliglilhen Miiilze Hutten Ende Apeil eine Bittschrift an die Direktion um Aufbesserung ihrer Löhne eingereicht. Von 125 Arbeitern halten 117 das Schriftstück unterschrieben, gelviß ein sicheres Zeichen, daß die gezahlten Löhne ungenügend sind, um in dieser Zeit der teuren MietS- und Lebensmittel-Preise damit de» üebensnnterhalt einer Familie halbwegs anständig bestreiten zu können. In der königl. Münze wird bei zehnstündiger Arbeitszeit ein Anfaiigslohn von 3 M. gezahlt, der nach einem Jahre auf 3,25 M. erhöht wird. Nach 6 bis 10 Jahren tritt dann, je nach Gmist, eine weitere Lohnerhöhung ein bis zum Höchstbetrage von 3,50 M. Gelernte Arbeiter erhalle» zu diesen festen Lohnsätzen noch eine Handwerker- zulage, die jedoch auch keineswegs reichlich bemessen ist. In der stillen Hoffnung, daß ihr bescheidenes Gesuch Berück- sichtignng finden würde, wartete» die Petenten geduldig der Dinge. die da kommen sollten. Und sie kamen denn ailch, allerdings nicht in der erhofften Gestalt. Vor ungefähr acht Tagen nämlich ver- sammelte Herr Direktor K o n r a d die Arbeiter m dem Betriebs- comploir und hielt ihnen eine Gardinenpredigt, deren Sinn elwa folgender ist: Er habe die Leute hier versammelt, um ihnen seine Antwort auf ihr Bittschreibe» zu geben. Schon im Juni vorige» Jahres habe er mit Sr. Excellenz dem Herrn Finanzminister Rücksprache genommen wegen eines an letzteren gerichteten anonyuien Schreibens, in dem cbenfälls voii Lohnerhöhung die Rede war. Er müsse es als eine Frech- heit und Feigheit bezeichnen, wenn ein oder niehrere Arbeiter der königl. Münze den Herrn Minister niit anonymen Schreiben bc- lästigtcn. Was nun die jetzige Bittschrift anbelange, so sei dieselbe zu einem sehr ungünstigen Zeitpunkte eingereicht. Erst vor kurzem sei den Arbeitern eine Verminderung der Arbeitszeit gewährt worden, und zum Dank dafür kämen sie jetzt mit dieser F o r d e r n n g. Dabei sei das Schreiben durchaus nicht sachgemäß abgefaßt, weil der Wohlthaten, welche die Arbeiter genössen, keinerlei El wähnuiig gethan wäre I In vielen Betrieben habe man Aldcitcr ivegen Mangels an Arbeit entlassen; in der Münze aber seien die Arbeiter weiter beschäftigt worden, obgleich vier Monate lang etwa ein Drittel der Leute genügt hätten, um die Arbeit zu vre richten. Ferner hätten sich in letzter Zeit viele Arbeiter verheiratet; auch das sei ein Zeichen, daß es ihnen nicht schlecht gehen könne I Ferner gewähre der Staat den Münz- arbeiten, ein Gnadengeschenk von 3600 M. im Jahre, indem olle Feiertage, die in die Wcche fallen, bezahlt würden, ebenfalls werde in Lleankhcitsfällen bis zu 13 Wochen der volle Lohn gezahlt. Es siehe jetzt wieder reichliche Arbeit i» Aussicht. n»d dann würde den Leuten Gelegenheit gegeben, bei längerer Arbeitsdauer auch wieder mehr zu verdienen. Wer eine geistig anstrengende, kunstvolle und körperlich schwere Arbeit zu verrichten habe, die wolle er gelegentlich berück- sichtigen. Im übrigen aber sei das Gesuch einfach ab« gelehnt. Wem dieser Bescheid nicht gefalle, dem siehe es jederzeit frei, die Münze zu verlassen. Er schloß niit den Worten:«Dies ist meine Antwort auf Ihre Bittschrift; Sie könne» gehen I' Man kann sich denken, mit welchen Gefühlen die Arbeiter diese Ausführungen aufnähme», Ausführungen, wie die Arbeiter sie ähnlich schon vielleicht ein dutzendmal von dem Betricbsassistenten Ticke, der anscheinend rechten Hand dcS Direktors Konrad gehört hatten, Bescheiden, sehr bescheiden bitte» sie nm eine geringe Lohnerhöhung und herrisch werden sie abgewiesen. Nicht einmal eine mündliche Be- griindnttg ihres Gesuchs wird ihnen gestattet— nein, man behandelt sie ivie unartige Schulbuben und sagt dann einfach:„Sie können gehen!" — Was nun die vom Direktor angezogene anonyme Eingabe�an den Minister betrifft, so mag es ja wahr sein, daß ein Arbeiter ohne Mitwissen seiner Kollegen auf diesem Wege etwas erreichen zu können meinte. Doch ist in diesem Vorgehen— dank des in allen Staatsbetrieben beliebten Maßregelungssystenis— weder eine Feig- heit»och eine Frechheit zu erblicken. Scheut die Betriebsleitung sich doch auch jetzt nicht, nachdem der offene und gerade Weg' des Petitionierens geivählt wurde, eine hochnotpeinliche Untersuchung einzuleiten, um den Verfasser der Bittschrift herauszubekommen; zu welchem Zweck, ist jedem klar. Merkivürdig muß es auch berühren, wenn sich der Herr Direktor mit der angeblich verminderten Arbeitszeit brüstet. Wo in aller Welt hat diese denn stattgcsitndcn? Seit Jahren wird ii, der Münze täglich zehn Stunden gearbeitet und auch heute»och keine Minute weniger. Es ist zivar seit dem I.Februar auf Wunsch der Arbeiter eine Verschiebung der Arbeitszeit eingetreten, indem die l'/eslündige Mittagspause in eine halbstündige umgewandelt ivurde, wofür dann eine Stunde früher Feierabend ge- macht werden konnte. Da aber von dieser Acnderung die Münze noch mehr Vorteil haben dürfte wie die Arbeiter, so liegt gar kein Grund vor, auf dieses Entgegenkommen noch be- sonders stolz zu sein. Wo hier nun eine Venninöerung der Arbeits- zeit stecke» soll, wird wohl ein ewiges Geheimnis des Herr» Direktors bleiben. Ganz ähnlich ist es niit den übrigen vielgeriihmtcn„Wohlthaten" und dem famose»„Gnadengeschenk" be- stellt. Man giebt dem Arbeiter dabei mir ein geringen Teil dessen, lvas man ihm in den niedrigen Löhnen längst vorenthalten hat und schmückt sich hinterher noch obendrein mit dem Nimbus rührender Wohllhätigkeit. Geradezu bedenklich ist der Hinweis auf die Ehe- schließungen der Arbeiter trotz der tvirlschaftlichen Krise. Er zeigt recht drastisch, in wie rückständigen Anschauungen sich der Herr Direktor noch bewegt. Ebenso ist die Vertröstung änf gelegentliche Berück- sichligung einzelner Arbeiter im Lohn und der Wink auf die zu lnachcnden llebersinndcn keineswegs danach angethan, freudige Gc- sühle bei den Arbeitern wachzurufen. den» die Berücksichtigung pflegt gewöhnlich mehr von Gunst als von der Leistungsfähigkeit abzuhängen, und lleberstnnde» mache» die Vorteile einer geregellcn Arbeitszeit einfach wieder illnsorisch, Das beste Nüttel, der Betriebsleitung ihren Herrenstandpunki abzugewöhnen und zu erreichen, daß auch in den Slaatswerkstätten den Wünschen oder Forderungen der Arbeiter mit etwas mehr Respekt Rechnung getragen würde, wäre freilich der einmütige Anschluß an die G e!v e r k s ch a f t s- O r g a n i s a t i o» e n. Da dieser An- schluß aber infolge der den Stantsarbeitern anerzogenen Angst vor Maßregelungen vorläufig nur in beschränktem Maße zu bewirken ist, so muß wenigstens hin und wieder der Ocffentlichkcit gezeigt werden, wie nian nüt den Arbeitern in den staatlichen„Musterbetrieben" uuigchc._ VevmrMkes« Ein boshafter Mensch, lieber Freiherr» v, Münch erzählt die„Württ. Volksztg," folgende seltsame Geschichte: Be- kanntlich darf sich Herr v, Münch auf Verfügung des Ministeriums des Innern nur in Begleitung eines JrreittvärterS in Württemberg aufhalten. Nim hat bei der Anwesenheit des Freiherrn v. Münch auf seinem Schloß Mühringen ein ihn begleitender Jrrenwärtcr ein zärtliches Verhältnis mit der Köchin des Schloßherrn angefangen, Freiherr v. Münch hat daraufhin beim Staatsministerinin gegen den Minister v. Pischck Anzeige wegen Kuppelei erstattet I. Ein betrübendes Sittenbild. Kaplan Grcmer. Religionslehrer in einer Volksschule zu Karlsruhe, hat den Knaben verboten, in kurzen Hosen, den Mädchen, mit kurzen A e r m e l n in die Schule zu kommen. Acht Tage schwieg die ultrainontane Presse zu dieser Meldung eines Karlsruher Blattes. Jetzt erklärt das Fraktionsorgan des Centrnms, der„Bad. Beobachter", der Kaplan sei vollkommen im Recht. Wie muß es um die Sittlichkeit eines Mannes bestellt sein, wenn er den Anblick nackter Kinderarme schon für bedenklich hält? „Schweine. Schiesteise»«»d Leitartikel." Unter dieser Spitzmarle schreibt der„Arizona-Kicker": Es ist uns sehr un- angenehm, irgend welche Gebräuche und Gewohnheiten unsrer Stadt tadeln zu müssen, aber ivir bestehen darauf, daß unsre Mitbürger ihre Schweine vom Zeitnngsgebände fern halten. Während wir gestern gerade beschäftigt waren, einen Leitartikel über die Stabilität unsrer staatlichen Einrichtungen zu schreiben, hatte eines der Schweine des Senators Mr. Brides den Weg unter unser Bureau gefunden und kratzte und scheuerte den Rücken an dem Balken unter nnsrein Fußboden. Das ganze Gebäude zitterte so, daß wir gezwungen waren, mit einem Besenstiel bewaffnet, der Kreatur auf den Pelz zu rücken»nd sie hinweg zu bläuen. Kaum zurück, wurden wir wieder unterbrochen durch den Eintritt eines langen Lümmels von Cowboy. Er hatte seinen Revolver in der Hand und richtete an uns die Frage, ob wir der Editor des„Kicker" und Schreiber des Artikels über den Ball am Babcock- Kommers seien. Wir hatten nämlich nnser Mißfallen über die Behandlung des Wirtes bei Ge- legenheit dieses Balles ausgedrückt, den man einfach über den Haufen geschossen, weil er einem Cowboy, der ihm 80 Dollar schuldete, weitere» Trinkkredit verlveigerte. Auf unsre Bejahung fing dieses gemeine Individuum ebensalls auf uns zu feuern an; allein wir hatten uns vorgesehen. Wir bückten uns; da wir unser Schießeisen leider nicht zur Hand hatten, ergriffen wir unser» Wasserkrug, in dem wir für gewöhnlich das für unsre Zeitungs- schreibcrei nötige Lagerbier holen, und würfen ihn nnserm Widersacher so kräftig und glücklich an seinen Verstandskasten, daß er wie weiland Goliath zu Boden stürzte. Die in der Tasche des Ge- richteten befindlichen 7 Dollar 80 Cents behielten wir zur Anschaffung eines neuen Kruges und Reparatur der zerschossenen Wand. Durch alle diese Störungen waren wir so zerstreut, daß es uns nicht möglich erschien, den Leitartikel zu vollenden. Der „Kicker" erscheint also heute ohne ihn. Wir geben zu gleicher Zeit allen nnsren Feinden Nachricht, daß wir von jetzt an unser Schießeisen beständig bei uns tragen werden und uns durchaus keine Gewissensbisse machen, es sofort, wenn nötig, zu gebrauchen. Wir laden bei dieser Gelegenheit zur Abonnementserneuerung des„Kicker" ein, bemerken aber, daß wir bis auf weiteres keine Perlhühner-Eier a» ZahlungSstatt aimchinen, da diese im Preise sehr gesunken und wir noch einen großen Vorrat davon haben. Witteruugsüberslcht vom Sl. Juni 1902, morgeuS 8 Uhr. Statloneu Slvineuide.j Hamburg Berlin FraiilfM. München Wien Wetter- Prognose für Sonntag, de» 22. Juni 1902. Zunächst ziemlich kühl und trübe mit leichten Regensällen und schwache» westlichen Winden; später aufklarend und wärmer. Berliner Wetterburea». Roh-Tabak, sämtliche Iltensilten zur* Cigarren-MMation offeriert in der gröstte» Auswahl zu den diUigsten Preisen W.Dermaiin Müller, 22 Alexanderstrahe 22. -- UohVabak- Mb? Strelitzerstr, 52. Roljtabak: Prima Java-Einlage, meist Umblatt, pro Pfund nur Mark 0,95. 44148* Karl Roland, Kottbuserstr, 3 a. Genau auf Hausnumiuer achten! Roh-Tabak L.«Auen, TtWliilerstr. 3, nahe der Schwedterstrahe. 3SKZ8* Roh-Tabak. 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