Mr. 144. Abomiiments Kedingungcn: Abonnements-PreiZ pränumerando! vierteljährl. S.S0 Mb, monatl. 1,10 Mb, wöchentlich W PIg. sret in; Haus. Siiuelne Numm«r& Psg. Sonntags» Nummer mir tiiuniicu« SonntazS- Betlage„Die Neue Welt" 10 PI«. Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Mona», Singelragen in der Post- ZeitungS- Preisliste für lSOL unter Nr. 7878. Unter lireuzband sür Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, sür das übrig« Ausland S Marl pro Monat. 19. Jahrg. Die Jnsertions-GMy» beträgt für die sechSgespallsne Kolonel» »eile oder deren Raum 40 Psg., für politische und gewerkschaftliche VeretnS- und VersammlungS- An, eigen 20 Psg. »Kleine Knfeigeu" jedes Wort 6 Psg. (nur daS erste Wort fett). Inserats sür die nächste Nummer müssen btS 4 Uhr nachmittags in derSrpedilion abgegeben werden. Die Expcdttton ist an Wochen- tagen btS 7 Uhr abends, an Sonn- und Lestla�sn bis s Uhr vormittags geössntt. Srjcheiul täglich«uster»oiilag». Vevltnev Volksvlatt. Telegramm- Adresse> »«orialdemostrat Serlin" C�ntralorgan der socictldemokratischen Partei Deutschtands. Redakliou: SW. 19, Beulh-SlrMe 2. Fernsstrccher: Amt 1, Nr. 1508. Dienstag, den 554 Jnm 10055. Expedition: sw. 19, Ventil-Slrasje 3. Fernsprecher: Amt I, Nr. 5121. Die interessante Presse. Ein nationalliberales Blatt brachte dieser Tage folgende Betrachtung: Die Blätter übergehen alles, tvaS in ihrer nächsten Um gebting passiert, mit tiefstem Stillschweigen. Wie in Zeiten tiefsten ungestörtesten Friedens und allgeincincu Be Hägens wird über Hoffrste, Vorgänge des Theater- und Gesellschastslebens, sowie über geringrügigc Uebelständc und Vorkommnisse des Verkehrswesens, Wctterbcob achtungcn usw. berichtet, gelegentlich auch wohl über die Vorzüge höherer Bildung— bon dem, was die Gemüter eigentlich in Anspruch nimint, wird aber nicht ein Sterbenswörtchen gesagt. Unwillkürlich wird man dabei an das Lied Hossmami v. Fallerslebens eriimert, das am Vorabende der Ereignisse do» 1848 die Inhaltslosigkeit und Ocde der deutschen Presse persiflierte und mit dein ironischen Refrain schloß: Wie interessant, wie interessant I Gott segne das liebe Vaterland. Das nationallibcrale Blatt hat damit die russische Presse charakterisieren wollen, hat aber unbewußt auch eine ebenso zutreffende wie scharfe Kenuzeichiiuiig der bürgerlichen Blätter Deutschlands, besonders der üppig wuchernden färb- und parteilosen Klatschpresse gegeben. In der Epoche einer gewaltigen, das Volk aufwühlenden politischen und socialen Bewegung füttert diese Presse ihre um den Verstand zu bringenden Leser mit Hoffesten, Vor ganzen des Theater- und Gesellschaftslebens, klagt in der „öffentlichen Meinung" über allerlei kleine Beschwerden, be geistert für Wettrennen und untersucht die tiefsinnigsten Fragen, wie die. ob es fein sei, daß ein Onkel mit seiner Nichte in ein Gasthaus geht. Die lebende Zeit mit ihren brennenden Interessen wird totgeschwiegen. Dadurch aber w— den diese Organe zu dem gefügigsten und gefährlichsten Werkzeug der herrschenden Klassen. Kein Feind ist gefährlicher als die versimpelte stumpfe Gleichgültigkeit, die abgestorben ist für alle großen Menschheitsaufgaben, die jede Schändung der Kultur erträgt und jeden Fortschritt hemmt. Zu dieser geistigen und moralischen Verkrüppelnng erzieht diese Presse shstematisch und erwirbt sich daniit den Dank und die Unterstützung der kapitalistischen Ausbeuter und ihrer regierenden Agenten. Aber auch die noch politisch gefärbte Presse paßt sich immer mehr den Gepflogenheiten der parteilosen Konkurrenz an. Wie die Socialdemokratie die verratenen Ideale der Bourgeoisie übernommen hat, so ist auch der socialdemo kratischen Presse die Aufgabe zugefallen, die Vertretung der öffentlichen Meinung in ihrem hohen Sinn zu sein: als ein Organ der Aufklärung, der geistigen Befreiung, des Kampfes wider alles Schlechte und Verrottete, der unerschrockenen und niibestechlichen Wahrheit. Inmitten von Zuständen, die den Spott des Auslandes und den Ekel aller wirklichen Patrioten er regen, gefällt sich die bürgerliche Presse, als Vertreterin dieser oder jener kapitalistischen Juteressenclique, in einer feig ver schleiernden UnWahrhaftigkeit, und die Lakaiengier, durch Wohlverhalten möglichst hohe Trinkgelder zu erhaschen, wird nachgerade das Lebenselement bürgerlicher Zeitungspolitik. Mehr wie je hat heute die socialdemokratische Presse, die von allen verlassene Aufgabe, zu sagen, was ist, und zu zeigen, was sein soll. ». Mit dem 1. Juli 1902 eröffnen wir ein neues Abonnement auf den„Vorwärts" mit seinem wöchentlich sünfmal erscheinenden llnterhaltungsblatt und der Sonntags-Beilage„Die Nene Welt". Für Berlin nehmen sämtliche Z e i t u n g s s p e d i t e u r e sowie iiiisre Expedition, Venthstr. 3, Bestellungen cntgegeit zum monatlichen Preise von l Mark I« Pfennig frei ins Hans. Für das übrige Deutschland nehmen sämtliche Post- a n st a l t e ii Bestellungen zum Preise von 1 Mark 10 Pfennig pro Monat lauSschließlich Bestellgeld, 14 Pfennig pro Monat) entgegen.(Ein- getragen ist der„Vortvärts" in der Post-Zeittingsliste nnter Nr. 7878.) Die Einziehung des Zeitungsgeldes von den bisherigen Postiiboiinenten erfolgt gegen Quittung durch die Briefträger, die zur vollgiilligeii Quittungsleistuiig berechtigt sind. Neu hinzutretende Postaboinienten können die Z»- stellnng der Zeitung und die Einzahlnng des Zeitungsgeldes auch schriftlich bei derzufländigen Po st an st alt beantragen Für derartige Bcstellschreiben ic. wird eine Gebühr nicht erhoben. Im A il s l a ii d e kau» der„Vorwärts" gleichfalls bei der P o st bestellt tvcrden; der Abonnementspreis beträgt vierteljährlich 6 Fr. 1 Cts. in Belgien, 3 Fl. in Holland, 3 Kr. 59 Oerc in D ä n e in a r k, 5 Fr. 7l CtS. in Italien, 5 Fr. 15 Eis. in L u x e m b ii r g, 4 Kr. 63 Heller in O e st r e i ch- ll n g ci r n, 6 Fr. 10 Cts. in R iiiit ä iiien, 4 Kr. 17 Oere in Schweden, 5 Fr. in der Schweiz; 9 M. in Frankreich, England, Spanien und Portugal, den Vereinigten Staaten von Nord a m e r i k a und andren zum Weltpostverein gehörenden außer- europäischen Ländern. Unter Kreuzband direkt von der Expedition bezogen kostet der „Vorwärts" pro Monat 2 Mark innerhalb Deutschlands und seiner Kolonien und in Oestrcich« Ungarn, im Ausland 3 Mark pränumerando. Redaktion und Expedition des„Vorwärts". Der 4. deutsche Gewerkschaftskongreß. Trotz der Wirtschaftskrise, unter der die deutsche Arbeiterklasse heute schwer leidet, bedeutet die eben abgeschlossene Tagung der Vertreter der deulschen Geivcrlschaften den Höhepunkt der nun bald 34 Jahre alten deutschen GetvcrlschaftSbewcgung. Nach so manchen Rückschlägen, die wirtschaftliche, politische, polizeiliche und organisatorische Gründe ver anlaßt haben, ist die deutsche Gewerkschaftsbewegung mm seit einerReihe von Jahren im ständigen Vormärsche begriffen, selbst die gegen lvärtige Krise konnte ihrem sich immer mehr festigenden Gcfnge wenig anhaben. Der vierte deutsche Geiverkschaftskongreß war für den Beobachter erhebend, weil er den Beweis eines hohen geistigen Niveaus der deutschen Gewerkschaftsbewegung darbot. Ruhig und sachlich wurde diskutiert, die lhatsächlichen Verhältnisse iiud die wirtschaftliche Entivicklmig stets im Auge behalten. Fast kein Beschluß wurde gefaßt, dessen Realisierbarkeit nicht vorher nüchtern und kühl erwogen und geprüft wurde. Das Erstrebensiverto und das im Augenblicke Erreichbare wurden besonnen gegen einander gestellt und von einander abgeivvgen. Aber dabei wurde doch niemals der Zusammenhang a l l e r B e st r e b n u g e» der modernen Arbeiterbewegung ans dem Auge verloren. Mögen die sieben mal weisen Ratgeber der Arbeiterklasse aus andern Lagern die Arbeiter auf die Verfolgung rein gewerkschaftlicher Aufgaben be schränken wollen, so haben die Verhandlungen in Stuttgart so klar, wie man cS nur irgendwie ivüuschen kann. bewiesen daß diese Hoffnungen zu begraben sind. Gerade diejenigen, die innerhalb der Gcivcrkschastslvclt diesen Gedanken der Berlepsch und Sombart nachjagen, sind klar belehrt worden, daß sie keinen Boden für ihre Propaganda haben. Mit der Größe der Belvegung steigt von Jahr zu Jahr daS geistige Niveau des Gewerkschaftskongresses. Die Reden waren kurz, präcise, klar, eine weitgehende Toleranz andern An schauungen gegenüber war die Regel, von kleinlicher Recht haberei war fast niemals etwas zu bemerken. Wohl giebt es Differenzen verschiedenster Art ztvischen den Gewerkschaften. Differenzen, die naturgemäße Folgen der raschen ivirtschaftlichen Entlvickelinig sind, der sich ein Teil unsrer Organisationen rascher, ein andrer nur langsanier aiiznbequcincn vermag. Diese Differenzen durch Mehrheitsbeschlüsse zwangsweise auszugleichen, wurde mit klugem und feinem Takle stets glücklich vermieden. Es bleibt noch vieles zu erörtern imd zu entscheiden, was in diesen Junitagen nicht erledigt werden konnte. Die Erledigung blieb aus nicht etiva des« tvegen, weil eS an Fleiß und an dem Wunsche, alles zu entscheiden gefehlt hätte, sonder» iveil der Kongreß abwarten wollte, bis die Fragen zu voller Reife gediehen sind, bis allgemein befriedigende, jedermann verständliche Lösungen gefunden werden konnteii. Neben dem guten und verständigen Geiste nnter den Delegierten ist dies Ergebnis vor allem zu danken der vorzüglichen Borbereitung des Kongresses und der ausgezeichneten Leitimg feiner Verhandlungen. Auch rein äußerlich bedeutet der Kongreß einen großen mora- tischen Erfolg unsrer gewerlschaftlichen Beivegung, Fast ans allen Kulturstaateu entsandten die Gewerkschaftsorganisationen ihre Ver« treter � nach Stuttgart. Aus Frankreich und England, aus Holland und Dänemark, aus Deutsch- Oestreich, wie ans Böhmen, aus der Schweiz und Italien, ja selbst aus Spanien waren offizielle Vertreter entsandt worden, nicht bloß um uns zu begrüßen, sondern um auch au unsren Methoden, Erfolgen und Debatten zu lernen. Dieser Meinung gab vor allem der Ver> treter eines Teiles der englischen Trades- Umons Ausdruck. Er betonte, daß auch der englische Arbeiter immer klarer zur Erkenntnis komme, daß eine alles andre ausschließende gewerkschaftliche Be thätignng sür die Arbeiterklasse nicht ausreiche, daß auch in England eine von den bürgerlichen Parteien unabhängige selbständige politische Arbeiterbewegung nnentbehrlich sei und daß diese von dem Geist unsrer Vorkämpfer Marx und Lassalle erfüllt sein müsse. Wohl haben wir Vertreter unsrer früheren Lehrmeister auf geiverkschaftlichem Ge< biete, auf den Kongreffen der Bergarbeiter, Glasarbeiter usw. ge- ehe», noch nie aber waren Delegierte der englischen Gewerkschafts- ivelt auf einem allgemeinen deutschen Geiverkschaftskongresse er» chienen, noch niemals hat ein Vertreter englischer Arbeiter auf deutschem Boden Worte dieser Art gesprochen, Worte, die stürinischen Beifall unter den Delegierten auslösten. Die große Macht der deutschen Gewerkschaftsbewegung äußerte äch auch darin, daß die deutsche Reichsregierung mit einem von dem Vertreter des Zuchthauskurses, dem Grafen v. PosadoivSky gezeichneten chreiben, einen offiziellen Abgesandten zu der Tagung der deutschen Geiverkschaften entsandt hat. Lediglich die Thatsache ist bemerkensivert; denn der Vertreter des Grafen v. Posadoivsky hat nicht, tvie seine Kollegen, die ans Unternehmerkongresse und Jnnungstage gesandt tverden, Begrüßungsivorte gesprochen und an den Debatten teilgeiioinnien, er hat sich mit der Thatsache seiner Amvesenheit begnügt. Und auch diese Anivesenheit ivar bloß beschränkter Art, er fehlte nicht nur, als die inneren Angelegenheiten der Gewerkschaften erörtert wurden, ondern auch dann als über das Koalitionsrecht gesprochen wurde, und zivar fehlte er da entsprechend den Aufträgen, die ihm erteilt wurden. Neben der Reichsregierung ließ sich auch die württem- bergische Regierung und die Verwaltung der Stadt Stuttgart ans dem Kongreß vertreten. Es kann nicht Aufgabe sein, in dem engen Räume eines Zeitiings« Artikels neben den allgemeinen Beobachtinigen auch eine Würdigung aller Kongreßbeschlüsse eintreten zu lasse». Dies verbietet schon die außerordentlich umfangreiche Tagesordnung und die Fülle von An- trägen, die außerdem erledigt wurden. Wir können uns um so mehr begnügen, bloß einzelne Ergebnisse aus den Verhandlungen hervor- zuheben, als wir überzeugt sind, daß alle unsre Leser mit lebhaftem Interesse die ausführlichen Berichte unsres Blattes über den Kongreß zur Kenntnis genommen haben. Von mehr als formeller Bedeutung erscheint unS der inisren Lesern be« sonders sympathische Beschluß, den Sitz der Generalkom- Mission von Hamburg nach Berlin zu verlegen. Nachdem das Verbinduiigsverbot endlich gefallen Ivar, lag kein Grund mehr vor. den Sitz der Generalkommission in der alten Hansastadt zu belassen. So wie fast alle das ganze Deutsche Reich umfassenden Verbände ihren Sitz nach Berlin zu verlegen bestrebt sind, so lag dieses Bedürfnis in hohem Maße auch für die Generalkommissiou vor. An dem Sitze der obersten Behörde des Reiches, des Reichstags, des Rcichsstatistischen, wie des Reichs-VersichernngSamtS, im Brennpunkt des geistigen und politischen Lebens, in der größten Jndiistriesladt des Reiches, dort wo die' litterarischcn Hilfsmittel am leichtesten zugänglich sind, wo auch die Leitung der soeialdemokratischen Partei ihren Sitz hat, dorthin mußte über lurz oder lang auch der Sitz der Generaltonnnission der Gewerkschaften Deutschlands verlegt werden. Heute schon haben mehr Centralvorstände der Gewerkschaften ihren Sitz in Berlin als in Hamburg, eine Entwickeliing, die unzweifelhaft iveitergehen wird. Nicht die Thatsache der Verlegung ist erstaunlich, sondern die Leichtigkeit, mit der dieser Beschluß durchgesetzt wurde; erfreulich ist es auch, daß er auch in Hamburg keine bitteren Ge- fühle hervorrufen dürfte, stimmten doch auch eine ganze Reihe Hamburger Delegierter für diesen Antrag. Neben den praktischen Vorteilen für die Generalkonimission selbst, dürfte dieser Beschluß auch den weiteren Nutzen haben, daß auf Miß- veiständnisse beruhende Differenzen zwischen der politischen und gewerkschaftlichen Arbeiterbewegung unschwer ausgeglichen iverden können, wenn Reichstagsfraktion, Partcivorstand und Gcneralkonnnisston der Geiverkschaften Deutschlands am gleichen Orte wirken. Auch sonst kam der Gedanke der Einheit der Arbeiterbewegung in einem an sich nur das innere Leben der Gewerkschaften betreffenden Beschlüsse zum Ausdruck, in der Ilmfassung aller U»ter-> st ü tz ii n g s« E i n r i ch t u n g e n-, für G e>v e r k s ch a f t S- b e a m t e und P a r t e i- A n g e st e I l t e durch die Nnterstiitzungs- kassen des Vereins Arbeiterpresse. Von großer Bedeutung für die Zukunft ist der nach einem trefflichen Referate K ä m i n g S gefaßte Beschluß, in kurzer Frist einen speciellen Kongreß nach Berlin einziiberiifen, der sich auS« schließlich mit den Aufgaben der Gesetzgebung und der gewerkschaft- lichen Politik auf dem Gebiete der H a u S i n d u st r i e beschäftigen soll. Verwandt mit diesem Beschlüsse ist auch der, für die Agitation unter den A r b e i t e r i n n e n mit den geistigen und finanziellen Mittel» der Gewerkschaften künftig kräftiger zu wirken als bisher. Viele» Tausenden Opfern unsrer Judustrie wird die Schaffniig des Reichs- Arbeitersekretariats erheblichen Vorteil schaffe». Es werden künftig die Interessen der verletzten Arbeiter auch regelmäßig vor dem Reichs-Versichcrungsamte von Sach- kundigen Baanftragten der Arbeiterklasse vertreten werden. Aiißerordentlich interessant waren die Debatten über die Ar- beitslosen- Versicherung, wenn sie auch kein direktes praktisches Resultat erzielen konnten. Wir sind aber überzeugt, daß vor allem die Ausführungen von Elms dahin wirken werden, daß in nicht zu ferner Frist die Arbeitslosen-lliiterstiitziing in fast allen Gewerkschaften eingeführt sein wird. Eine Regelung der inter« nationalen Verbindungen der Geiverkschaften wurde auf einer besonderen Konferenz angebahnt. Wohl gäbe es»och viele? über die Ergebnisse des Kongresses zu berichten, wir müssen uns aber damit begnügen, alle unsre Leser auf das Protokoll hüiziiweisen. Der Kongreß der deulschen Gewerkschaften in Stuttgart ist ein Betveis des Fortschrittes der Arbeiterbewegung, ist ein Beweis ihrer Einheit, ihrer Kraft, ihrer Unabhängigkeit auch gegenüber jedem Schmeichler und jedem Verführer. So kann jedermann in der großen Klassenbewegung des Proletariats mit dem, was die letzte Woche ergeben hat. vollauf zufrieden sein: Ebenso derjenige, der eine Thätigkeit konzentriert auf den Boden der Gewerkschaft, tvie der andre, der sich vvrnehmlich den politischen Kämpfen der Arbeiterklasse widmet._ polikische Mvbevstchk. Berlin, den 23. Juni. Nach der Aushebung des Diktaturparagraphen. Die erste politische Kundgebung der reichsländischen Bevölkerung nach der Aufhebmig des Diktatiirparagraphe», die Gemeinde- Wahlen, bedeuten einen großartigen Erfolg der— Social- demokratie. In S t r a tz b u r g wurden, wie unS ein Privattelegrannn meldet, bei der GemeinderatS-Nachlvahl von der Socialdemokratie 12 Mandate erobert, so daß sie mit dem Ergebnis der Hauptivahl zusaminen 13 Mandate besitzt. Ei» socialdeinokratischer Kandidat wurde doppeltgeivählt. Außerdem wurden zivei von den Socialdemokiatcn nnter- tiitzte Kandidaten, ein Mittelstandsparteilcr und ein Liberaler, geivählt. Die soeialistische» Stimmen haben eine starke Zunahme zu verzeichnen. Der neue Gemeinderat wird ans 13 Socialdemokraten, 14 Liberalen, 4 Demvkraten, 4 Klerikalen und einem Mittelstandsparteilcr bestehe» 1896 siegten nur 8 Soclnldemokraten, dcizu kamen 17 Liberale, 16 Klerikale, 6 Demokraten. Die Socialdcmokraten haben demnach in Straßburg seit 1896 auf Kosten aller bürgerlichen Nichtimgen 10 Sitze neu erobert. Auch in Mülhausen ist die Wahl glänzend berlaufen. Unser dortiger Korrespondent telegraphiert uns: Beim zlveiten Wahlgang siegte das socialistisch-demokratische Kompromiß auf der ganzen Linie. Der neue Genieinderat zählt 13 Socialdemokraten, 13 Demokraten und zehn Parteilose. Bisher herrschten in Mülhausen die Klerikalen. So übt also jetzt in der Hauptstadt und in der größten Industriestadt des NeichslaiideS in den Gemeinden die Social- demokratie einen entscheidenden Einfluß. Wir sehen jetzt, daß eS nicht ganz richtig war, alS wir behaupteten, es habe sich in der Stimmung der Bevölkerung nichts geändert, ivas die plötzliche Aufhebung des Diktaturparagraphen erklären könnte. Die Stimmung hat sich thatsächlich gebessert— die Bevölkerung ist socialdemokratisch geworden. Die guten Zeichen, die die Regierung sah, beruhten auf einer richtigen, aber miß- verstandenen Beobachtung der Verhältnifle: es ist im Reichsland in Wirklichkeit besser geworden: die socialistische Aufklärung ist fort- geschritten. Bei der Beratung über die Aufhebung des Diktaturparagraphen im Reichstag rühmte Graf B ü I o w die reichsländische Bevölkerung, die immer ruhiger, sachlicher und loyaler gelvorden. In dieser Weise hat sich der Reichskanzler die Thatsache ausgelegt, daß das Volk immer— socialdemokratischer gelvorden ist I Welche Anerkennung der heilsamen Wirkungen socialdemokratischer Erziehung I An demselben Tage äußerte Herr v. K ö l l e r: .WaS hat der Herr Abgeordnete Bebel für ein Jnteresie daran, in unsrem guten Einvernehmen, tvelches von Jahr zu Jahr ge- wachsen ist und welches heute einen freudigen Abschluß hier in diesem hohen Hause erreicht, als Störenfried aufzutreten? Nun, ich erinnere Sie daran: der Herr Abgeordnete Bebel lvar seiner Zeit Abgeordneter für Straßburg im Reichstag, und den gemein- samcn Bemühungen aller Parteien gelang es, diese ins Reichsland aus Deutschland her importierte Politik der Socialdemokraten wieder zu beseitigen. Straßburg wurde wieder zunickerobert, Herr Bebel wurde geschlagen. Herr Bebel ist nickt mehr Ab- geordneter für Straßbnrg, sein Nachfolger lvar nickt ivicder ein Socialdemokrat. Ebenso war eS in dem zweiten Wahlkreise in Mülhausen; auch da hatte sich die Socialdemokratie eingesetzt. Die Parteien in den Reichslanden sahen schließlich doch ein, daß sie besser thäten, sich zu einigen, um die Social- demokratie auch dort heransznscklagen. Das ist gelungen. Meine Herren, das kann ich Sie versichern: Herr Abgeordneter Bebel und die Socialdemokraten. sie werde» niemals Boden in de» Neichölandcn finden! Die Bevölkerung des Reichslandes hat viel zu viel Grundsätze, die mit den Ihrigen nickt zusammenstimmen, und ich glaube, darin nicht zu irren, dal Ihre Aussichten in den Reichslauden ganz schlechter Art sind. Daher erkläre ich es mir, daß der Herr Abgeordnetes Bebel heute als Störenfried in unfre friedlichen Verhältnisse in Elsaß- Lothringen den Unfrieden hereintragen will.*, Als Herr v. Koller die Ergebnisse der Gemeindewahlen erfuhr, wird er wohl eingesehen haben, wie mivorsichtig eS ist, gegen die Socialdemokratie zu prophezeien.— Deutsches Weich. Der neue General-Eisenbahnminister. Der preußische Eisen- minister, Herr v. Thiele», ist nunmehr unter Zubilligung des Schwarzen Adlerordens seines Amtes enthoben tvorden. Nachfolger wurde, wie man allgemein annahm, ein General, Herr Budde, der, nachdem er 1897 ans dem aktiven Heer ans- geschieden, Direktor der deutschen Waffen» und Munitionsfabrik in Berlin wurde. Politisch ist er bekannt geworden durch eine schwere Nieder- läge, die er sich im Kampf mit de» Agrariern geholt. Er war es, der eifrig aber vergeblich den Junkern die strategische Wichtigkeit des Kanals erörterte. Daß der Verkehr fortan im Zeichen des Generals steht, dürfte weder für die Arbeiter und Beamten der Eisenbahn,»och für das Publikum vorteilhaft sein.— Die Tanzhnsarcn der Krefelder Ehrenjungfrauen. llntcr den Telegraminen der Soillitagsiiililimer berichteten ivir, daß der Kaiser die Verlegung eines Husaren-Regiments nach Krefeld an- geordnet habe, nachdem er de» Krefeldcr Ehrenjungfrauen, die inili- tärische Tänzer schmerzlich verinißtcn, versprochen hatte, ihnen einige Lieutenants hinzuschicken. Es hat gewiß etwas menschlich Versöhnliches, daß dieser rauhe Militarismus, der auf die organisierte Tötung von Mensche» abzielt. gelegentlich dazu benutzt wird, um tanzlustigen jungen Dame» Tänzer zu beschaffen, daß die Wahl von Garnisonen nicht durch die Rücksicht auf den äußeren oder innere» Feind bestimnit wird, daß das Eiserne Kreuz zum Cottilonorden gemildert wird— indessen das Vorkommnis bat doch auch seine politischen und staatsrechtlichen Bedenken. Das Leben ist eben nicht ein Tanz, auch kein Lustspiel Gustav v. Mosers. nnd die Militärvorlagen sind bisher durch die Erziehung der Nation zu Eisen» nicht zu Veilchenfressern begründet worden. Die hübsche» Einfälle menschlicher Galanterie unterliegen leider— dem Etatsrecht nnd es geht»ich: nur die ausertvählten glücklichen Husaren an, daß sie zun: Tanzen»ach Krefeld versetzt werden. So fährt denn die.Freisinnige Zeitung*, unpoetisch wie sie ist, gegen diese Versetzung eines Hnsaren-RegimentS nach Krefeld das grobe Geschütz eines Leitartikels auf. Sie weist darauf bin. daß die Verordnung verfassungsmäßig der Gegenzeichnung des Reichskanzlers oder des Kriegsininisters bedarf. Auch der Reichstag sei bei der Frage interessiert, iveil er die Gelder für die neue Garnisoueinrichtung zu bewilligen habe, wozu er nicht geneigt sein werde. Dazu känie das Problem, was mit den bisherige» Kasernemcnts anzufangen fei. Die Krefelder Jungfrauen werden gewiß sehr ungehalten sein, daß man ihnen solche Schwierigkeiten dereitet, um zu ihren Lieutenants zu kommen. Der Oberbürgermeister hat bereits tele- graphiert, daß der erneute.Beweis allerhöchster Hnld und Gnade* in der Stadt.Jubel und Freude* hervorgerufen habe. Wenn die.Freisinnige Zeitung" besorgt meint. 16 Obcrlientcnants und Lieutenants— so viel zählt ein Hnsarenregiment— würden doch nicht genügen, um die Tanzlust der jungen Damen bei einer Einwohnerschaft von mehr als 100 000 zu befriedigen, so würde das nichts andres beweisen, als daß eben noch ein paar weitere Regi- menter hingeschickt iverden müssen. Wenn die tanzbedürftige» Ehrenjungfrauen dann noch ihre Taschengelder nnd Vermögen zusammen- legen, um die Unkosten der in ihrem Interesse erfolgten Verlegung zu decken, so wäre damit zugleich ein Weg gezeigt, um die Reichs- lasse zu entlasten.— Aus Reisen befinde» sich in diesen Tagen ungefähr sämtlich« F il r st e n Europas samt höfischem und militärischem Gefolge. Der Reisezweck ist ein sehr verschiedener; in D r e S d e n wird ein König in die Gruft gesenkt, in London hat die KrönungSwoche be- gönnen. In Dresden ist man dabei bald mit der Traner fertig, denn man hat einen neuen König, der wieder fröhliche Gesichter sehen soll, und in London ist man nicht allzu fröhlich, denn über daS ge- fundheitliche Befinden des zu Krönenden gehen peinliche Gerüchte. Alle Einzelheiten dieser Fiirstenreisen, dieser Traner« und Freudenfcierlichkeiten werden in der wohlgesinnte» Presse spaltenlang geschildert. Ernstliche geschichtliche Bedeutung kommt all diesen Vor- gäiige» natürlich nicht zu.— Graf Waldrrsec feiert die englische KriegSfllhrnng. Zur Krönungsfeier in London ist auch Graf Waldersee gereist. Kaum war er am Sonntag angelangt, als er seinen früher sich bewährten Rede-Eifer von neuem bethätigte und zwar auf einem Festmahl, das Feldmarschall Roberts ihm und de» ihn be- gleitenden Offizieren zu Ehren veranstaltete. Es mag in Deutsch- land interessieren, welche Meinung Graf Waldersee bei dieser Gelegenheit über die fast allenthalben in der deutschen Bevölkerung schwer verurteiltef Kriegsführung Englands in Südafrika, sowie über den Oberstkommandiereuden dieser KciegSführung geäußert hat. Er sagte: „ES ist eine hohe Ehre für mich, an den gegenwärtigen Fest- lichkeite» zur Krönung Seiner Majestät Ihres allergnädigsten Königs teilzunehnien. Die Thatsache, daß ich letztes Jahr die Ehre' gehabt habe, britische Truppen zu befehligen und deren Schulung und Tapferkeit selbst zu beobachten, erhöht meine Freude und meine Gcnugthuung, heute Abend Gast eines so aus- gezeichneten Oberbefehlshabers der britischen Armee, des stets sieg- reichen Feldmarsckalls, meines Wirtes, zu sein. Wir deutschen Soldaten wissen alle sehr ivohl, wie schwer und mühsam die Auf- gäbe lvar, welche die britische Armee in Südafrika zu bewältigen hatte; wir wissen auch, daß Offiziere und Mannschaften ihres Heeres diese Aufgabe mit der äußersten Hingabe an ihr Land, mit mit Tapferkeit nnd Menschlichkeit erfüllt haben.* Feldmarschall Roberts erwiderte einige verbindliche Worte für das deutsche Heer und toastete auf de» deutschen Kaiser. Die Verherrlichung der britischen Menschlichkeit in Südafrika mag alldeutschen und bürgerlichen Boerenfreunden Grund zu neuer Entrüstung sein. Wir finden es nicht wunderbar, daß der Genera- lissimus des chinesischen Nachczngrö die Menschlichkeit der süd- afrikanischen Konzentrationslager feiert.— Konservative Zolldiplouiatie. Die.Kreuz-Zeitung* schreibt: „Die Regierung Iveiß ganz genau, daß die konservative Partei als solche jedeö Interesse an dem Zolltarif-Entwurf in dem Augenblick verlor, da er von einen, Regierungsvertretcr in allen wesentlichen Punkten als unabänderlich bezeichnet wurde. Bleibt die Regierung, insonderheit die preußische Regierung, auf diesem Standpunkt, so ist das Schicksal des Zolltarifs besiegelt, einerlei, ob der Reichstag geschlossen wird oder nicht.* Ein reizendes Bild: Die Regierung erklärt jedes Hinansgehen über ihre Zollvorlage für ausgeschlossen, die Konservativen erklären die Regierungsvorlage für unannehmbar— und dennoch mühen sich beide aufs eifrigste um Fortführung der Beratungen!— Auch eine Polcnpolitik. Zu ihrer Polenpolitik empfängt die Regierung eine Reihe guter Ratschläge irf den„Preußischen Jahrbüchern" des Herrn Prof. Delbrück, der redaktionell in dieser Frage eine verständige Hallung eiimimmt. Ein Urtcntscher, der sick de» Namen Tentonicns beilegt, verlangt dort zur Beseitigung der schreck- lichc» Polengefahr nur ein klein bißchen Verfassungsänderung. Der kluge Herr liefert den BefäbignngSnachweis für den Posten des Neichslanzlers in folgender Weise: Die Gesetze des Deutschen Reiches sollen von Deutschen gemacht iverden. Polen sind aber keine Deutsche. Folglich: Alle Polen v e r I i e r e n d a s aktive und passive Wahlrecht f ü r den Reichstag nnd Landtag. Weil die Gefahr gar so dringend ist, hat Tentonicns sich nicht Zeit genommen, seinen Vorschlag gründlicher durchzuarbeiten, sonst hätte er den Polen Beteiligung an kommunale» Wahlen doch kaum gelassen. Hoffentlich holt er daS Versäumte noch nach. Als Ersatz will er den Polen ihre Sprache lassen und ihnen besondere polnische Volksschulen einrichten, auf denen Deutsch als Unterrichtsgegenstand sogar ausgeschlossen ist. Ebenso soll für die Polen der Schulzwang aufgehoben werden. So bleiben sie ungebildet, unwissend nnd dumm nnd können den Deutschen nur geringe Konkurrenz machen. Damit sie sich aber über die ihnen erwiesenen Wohllhaten nicht aufregen, muß»och etwas hinzukommen: Aufhebung der Preß- frcihcit und des VcrcinsrechteS. Wörtlich schreibt der edle Teutone: Jede polnische Frechheit, die sich in Presse und Vereinen in Widersetzlichkeit oder Verhöhnung des deutschen Staates oderdeutschen Volkes ans Tageslicht wagt, ist mit mitleidloser Härte zu»nter- drücken. Steht der Begriff dcr polnisckeu Nation innerhalb des Deutschen Reiches staatsrechtlich fest, so macht es keine Scknnerigkcit, für die Polen die Preß- und Vereinsfreihei't außer Kraft zu setzen, in dem Sinne, daß jede nationale Ans- schreitung von den Verwaltungsbehörden auf Grund besonderer Vollmachten ohne weitere richterliche Entscheidung rasch und streng zu ahnden ist. Wenn eine Zeitung für einen frechen Aufsatz sofort unterdrückt oder ein Verein aufgelöst und seine Leiter hinter Schloß nnd Riegel gesetzt nnd darauf hin- geiviescn werden, so wird solche Strenge auf das heiße polnische Blut sehr beruhigend wirke».* Es könnte Vcrivnndernng errege», daß in einer vornehmen cmf Wisscnschaftlichkcit Anspruch machenden Zeilschrist derartige Pücklereien Aufnahme finden, wenn man nicht vielleicht in dem teutonischen Gciväsch mir eine gelungene Parodie auf die Polcnpolitil der Regierung zu erblicken hat.— Ter Führer der Natlon. Graf Pückler hat min mich dem Vorsitzenden des Gloganer Gcrichlshofes eine Pistolenfordermig über- sandt. Seitens des Gloganer Landratsauites ist die Unterbringung des Grafen Pückler zm Bcobachtnng in eine I r r e n a n st a l t bei der Landesregierung bereits am Soimabend beantragt tvorden. Die.Staatsbürger-Zeitiing* wird nun wohl denmächst feststellen, daß an ihrem Grafen ein Stitnalmord verübt worden ist.— Die Kartelle rüsten. Der Ccntralverband der Judustrielleii hat an die Kartelle und Syndikate ein Schreiben gerichtet, in dem es heißt: Das Direttorilim des Centralverbaiides hat wahrgenommc», daß im Reichstage nnd in Landtagen einzelner Bundesstaaten gegen das Kartellivesen Anklagen erhoben ivnrden, die auch in einen, Teil der Tagespreise und in der öffentlichen Meinung Widerhall fanden. Es war nicht zu verkennen, daß diese Bewegung in dein Streben ausläuft, die Reicks regierung zu Eingriffen gesetzlicher oder sonstiger Art in das Kartellivesen zu bestimme». Bei dieser Sachlage konnte das Direktorium die in neuerer Zeit auf andren Gebieten gemachten Erfahrungen nicht uiibcachtet lasien, nach denen solche in der öffentlichen Meinung hervortretenden Bestrebungen mehrfach zu thatsächlicheii Erfolgen geführt haben, Der Verband erbittet daher zu Zivecken der Verteidigung seiner unschuldsvolle» Kartellklienten um finanzielle Beiträge, und, da es sich um keine unbemittelle» Leute handelt, erklärt er von vornherein, es dürfe„nicht unter hundert Mark* gespendet iverden. Die Herren werden gern in die Tasche greife», clivas gesteigerte Ansbeutliiig des Koiifumenteiipttblikunis bringt die Unkosicil schnell wieder herein.— Der sächsische Landtag soll, wie die„Chemn. Allg. Ztg.* meldet, am 3. Juli zu einer kurzen außerordentlicken Sitzung zusammentrete», um die Apanagen für de» König, den Kronprinzen und die Königin-Witive zn bewilligen. A-lßer- dem wird die Stäildevcrsammlmig die Urkunde annehmen, welche die eidesstattliche Versicherung deS Königs auf die Verfassung enthält.— Ausland. Oestreich-Ungarn. Lemberg. 23. Juni. Der Landtag versagte mit allen gegen drei Stimmen dem Antrage Stapinsli, ivelcher eine Protcstkimdgebnng gegen das Vorgehen gegenüber den preußischen Polen bilden sollte, die Unterstützung. Der Antrag gelangt daher nicht zur Verhandlung.— Frankreich. Republikanische Gastfrenndlichkrit.— SäubernngSabstchtcn. Paris, LI. Juni. sEig. Ber.) Die Interpellation der socialistischen Abgeordneten S e m b a t und P r e s s e n s ö über die Liebedienerei deS Kabinetts Waldeck- Rouffeau gegenüber der spanischen Monarchie konnte erst von dem Kabinett Combcs beantwortet werden. Es handelte sich um die Verhinderimg einer öffentlichen Versammlung, die unter Beteiligung von spanischen republikanischen Deputterten abgehalten iverden sollte, und um das Verbot der republilanische» Zeitung„El Pais*. Und zwar wurde die Versainmliing offiziös verhindert durch die Drohung, widrigenfalls die spanischen Republikaner auszuweisen. DieS der Thatbestand. den die Interpellanten feststellten gegen- über den Befchönigmigsverfuchen des Ministerpräsidenten. Letzterer übernahm nämlich die Verantwortlichkeit für jene Handlimgen leineS Vorgängers, tvie er den früheren Minister des Auswärtigen, Delcassö, übernommen hat. Sonst gab er»och zum besten nichtssagende Redensarten über die Wahrung des gastfreundlichen Riffes Frankreichs, die aber vom schwerwiegenden Himveis aus die„intcniatio- nalen Pflichten,* die jenen Ruf praktisch durchlöchern, begleitet waren. Sem bat behandelte die Frage mehr unter dem Gesichtspunli der französisch-spanischen Solidarität im allgemeinen und dann im Kampfe gegen Klerikalisniiis und Prätoricinertum im besondern. P r esse iis s geißelte in feiner vorzüglichen Erstliiigsrede die für eine Demokralie deniütigende Liebedienerei gegenüber ausivärtigen Reaklionsinächteii überhcilipt. Dabei berührte er auch mutig den Unfug der sich in Frankreich herum- treibenden„mehr oder minder geheimen Polizei im Dienste despotischer Regierungen, die ihre Opfer bis zn den äußersten Grenzen der bewohnbaren Erde verfolgen..." Dieser Andeutung auf das zarische Spitzeltum ließ der Redner das erfreuliche Versprechen folgen,„diese Schleier zn zerreißen" gelegentlich der kommenden Interpellation über die ausivärtige Politik. Zur Eilt- rüstung der patriotischen Englandshasser hielt Presiensö ferner der französischen Republik das stolze M i> st e r des b r i t i s ch e» A s y l r e ch t« vor. Die Debatte endete mit einer ebenso platonischen Resollition, wie eS die Antwort des Ministerpräsidenten war: Die Kammer„nahm zur KeiliittliS die Erklärungen der Regicrimg hinsichtlich der Aufiecht- erhaltung der GastfreundlichkeitS-Traditione» Frankreichs*. Eine desto nichtssagendere Resolution, als sie mit gegen 19 Stimmen votiert wurde, d. h. auch von allen früheren und künftigen Ver- letzern besagter„Traditionen". Unter der Minderheit befinden sich 11 antiministcrielle Socialislen. Die Säubern n g desVeamtenpersonals von reaktio- nären Elcincnten bildet bekanntlich die einzige Neuheit des Programms des Kabinetts Eombes. Der letzte Ministerrat that den ersten Schritt zur Durchführung dieses Programnipunktes. Er packte aber die Sache ebenso gescheidt aii. wie Münchhausen, der sich beim eignenZopfe ans dem Sitinpfe z» ziehen suchte. Fortan soll»änilich kein Beamter ernannt oder befördert werden, ohne vorheriges politisches Leumundszengnis. welches vom betreffenden— Prä fetten anSziistellen ist. Wer und ivas bürgt aber für die reptiblikanische Gesinnung des Präfekten? Und haben die Präfeiten überhaupt Gesinnung? Ist es doch eine bckamile und vergebens bekämpfte Thatsache, daß das Präfektenpersonal sich seit M e l i n e S Zeiten oder noch seit früheren Zeiten tvenig geändert hat. Die Pinselten richten sich vorsichtig nach dem jeweiligen Ministerium, insoweit das ihrer Lauf« bahn bei etwaigen kommenden Ministerkrisen nicht schaden kann... Die vom Ministerrat beschlosseneu LenmundSzeugniffe dürften meist dazu dienen, Beamte, die im demokratischen oder gar erst im socialistischen Geruch stehen, zurückzusetzen. Um so mehr, als die Berichte der Präfekten natürlich geheim bleiben werden, was die zweckwidrige Maßnahme auch noch gehässig macht. Denkt die Regierung ernstlich an die BeamtensSnberimg, dann muß sie mit den Präfekten anfangen. Ihr erster Prüfe ktenfchub, der für den Beginn des nächsten Monats angekündigt ist, kann erst den Wert ihrer guten Säuberungsarbeiten offenbaren.— Loubct der Beschwichtiger. Herr Loubet hat in Le ManS vor den Turnvereinen und den örtlichen Behörden, die ihm huldigten, eine politische Ansprache gehalten, in der er von neuem die Rolle des Beschwichtigers gegenüber seinem Ministerium, das ihm offenbar allzu radikal ist, zu spielen gedachte. Er erwiderte einen Trinkipruch des Bürgermeisters mit einer Ansprache, in der er an die Worte desselben anknüpfte, daß der Präsident daS ganze Frank- reich vertrete. Namentlich, fuhr Lonbet fort, wenn es sich um Frankreichs auswärtige Interessen handle, wenn der gute Riff und die Würde des Landes auf dem Spiele stehen, müßten die politischen Parteien den Präsidenten außerhalb ihrer Zwistig- leite» lassen. Er bemühe sich, die Angriffe, zu deren Gegenstand er gemacht worden sei, zu vergessen, aber er wolle darauf hin- weisen, ivelchcn Nutzen die Republik davon ziehe, wenn der Präsident nicht maßlosen Angriffen ausgesetzt sei, die seine Autorität antasten, deren er, wenn er im Namen Frankreichs spreche. bedürfe. Der Präsident betonte sodann die Unterstützung, die Zu- neigmig und Hingabe, die sich von feiten der Republikaner in sckwierigen Augenblicke» gezeigt habe und fuhr fort: Die Republikaner wissen, daß ich in der Erfüllung meiner Pflicht gegen die Republik nichts unterlassen werde; aber ich empfehle Ihnen daS Programm der Duldung, der Einigung nnd der Beruhigung. Ich fordere die Republikaner auf, diesem Programm all ihren guten Willen zu- zuwenden und einig zn bleiben, um daS Ideal der Gerechtigkeit und Güte zu verwirklichen, welches daS Ziel der Politik der republikanischen Regierimg ist.— Zaurös gegen„das eisige BllndniS". In Saint-Mands fand am Sonntag ein fraiijiisisch-italicnischcö Bolksbaukett zur Feier des Abschlusses des fraiizösisch-italienischen Handelsvertrages statt. Unter den Rednern befand sich JauröS, der die Hoffnung aussprach, ldnß dieses Fnedcnsfest bald den Zu» sammenschliiß aller Völker einweihen möge. Jaurös sagte u. a.: „Das zwischen Frankreich und Italien wieder geschlungene Band beginnt unö von den Fesseln cincS nnSschliesffichcn Bündnisses zn befreien, da» für die Trmokratlc verhängnisvoll war. Ich begrüße diesen Strahl italienischer Freundschaft, der uns hilft, den Reis eines e i s i g e n B ü n d n i s s c s zu schmelzen, wo der Genius Frankreichs z n v e r k o ni m e n drohte.* Diese und die andern Reden wurden mit Hochrnfcn ans die Jnter- naiionale und den Socialismiis aufgenommen.— Belgien. DaS Drama von Löwen. Löwen, 21. Jnni.(Eig. Ber.) Das Nachspiel des Dramas vom 18. April dieses Jahres hat hier begonnen. Bekanntlich wurden am vergangenen 13. April von den hiesigen Arbeiter» gleichwie an den vorhergehenden Tagen eine Manifestation zu Gunsten des allgcnieinen Wahlrechts insceniert. Die Maiiifestaiiten hatten sich in zwei Gruppen geteilt; die eine marschierte nach der Rue Firlemont, die andre durch die Rne de Marais. Die erste wurde in jener Straße durch die Civilgarde am Weitermnrsch ge- hindert und es wurden Scknsi« auf die Manifestanten abgegeben. Die andre Gruppe wurde gleichfalls in der knstcnähiilichen Rne de MaraiS ebenfalls mit Gewehrsalven von feiten dcr Sivilgardc empfangen. 6 Tote waren das Resultat des Werkes der Civilgarde, sowie zahlreiche Verwundete, von denen einige zeitlebens Krüppel bleiben werden. Kurz nach der Fnsilade wurden Verhaftungen unter den M a n i f e st a n t e n vorgenommen, und die Blessierten im Kraulen« Hanse wurden wie Gefangene bewacht. Der Untersuchungsrichter lvar unansgesetzt thätig; mit welcher Unparteilichkeit er seines Amtes waltete, habe ich bereits in Nr. 107 des„Vorwärts* geschildert. Die Angeklagten, 14 an der Zahl, stehen im Alter von 17—27 Jahren. 4 davon wurden aus der Haft vorgeführt. Ein Angeklagter erscheint, den Kopf verbunden, gestützt auf eine Verwandle, im GcrichtSsaale. Einer der An- geklagten lvar auS dem Krankenhaus entflohen nnd konnte nicht aiffgefunden werden, trotzdem er die Stadt Löwen niemals der- lasse» hat. Er stellte sich nm Dienstag früh dem Gerichte. Den Angeklagten stehen 5 Rechtsanwälte, darunter der Ab- geordnete Genosse Destree, zur Seite. 120 Zeugen, darunter 66 für die Belastung, sind geladen. Unter den Zeugen befindet sich der liberale Bürgermeister von Löwen, sowie der socialistische Abgeordnete van Langendonck. Die Anklage lautet auf Vergehen Wider die Artikel 269 (Rebellion) und 272 des Strafgesetzbuches. Als Rebellion wird nach Artikel 269 angesehen: Jede Attacke, jeder Widerstand, sei es durch Gewalt oder Drohung gegen die ministeriellen Offiziere, Flur- schützen ec. oder Agenten der öffentlichen Macht. Artikel 272 lautet: Wenn die Rebellion durch mehrere Personen begangen ist und eine vorherige Verständigung stattgefunden hat. so wird für die Rebellen, die Waffen bei sich trage», auf Zuchthausstrafe(Recluskm) und für andre auf Gefängnisstrafen von ein bis fünf Jahren erkannt. War die Rebellion nicht das Resultat einer vorherigen Verständigung, so werden die mit Waffen versehenen Schuldigen mit einer Gefängnis- strafe von ein bis fünf Jahren und die andern mit drei Monaten bis zwei Jahren bestrast. Die Berhandlungen begannen Dienstag früh 10 Uhr. Schon um 8Vs Uhr stand eine dichte Menge, meistens Arbeiter, vor dem Justiz- gebäude. Nur die Hälfte des Publikums fand Platz. Vor dein Gerichtstisch liegen Dolche Säbel, Pflastersteine, Trommel usiv., alle mit Etiketten versehen. Diese Dinge wurden »ach dem 18. April in den Orten der Füsiliade» gefunden. Nach Aufrufung der Angeklagten mid Erledigung der sonstigen For- malitäten beginnt der Staatsanwalt mit einer Anklage-Erklärung. Er spricht von dem Drama des 18. April,„das eine widerwärtige Presse' gegen die Ordnungsparteien ausgebeutet habe.' Auf den Offizier zu spreche» kommend, der.Feuer' kommandierte, sagte er: „Der Lieutenant Coen hat den heroische» Mut g e- habt,„Feuer' zu kommandieren." Nach dieser Rede begriffen wir erst die Bedeutung der Worte eines Löivener Bürgers, dem wir unsre Ueberzeugung mitgeteilt hatten, dah die Angeklagten. da jeder Schuldbeweis fehle, freigesprochen werden würden:„Gy kent dus niet de Justice in Leuven'(da kennen Sie nicht die Gerechtigkeit in Löwen). Nachdem der Staatsanwalt geendet, beginnt die Zeugen- Vernehmung. Die Zeugen wissen fast durchgehends nur zu bekunden, daß die Manifestanten die bei derlei Manifestationen stets üblichen Ausrufe gethan haben, wie„k bas Schollaert"(Kammerpräsident) jc. Einstin, mig bekunden die Zeugen, dafi die Manifestanten in dem Augenblick der Füstlade gerufen haben:„ES lebe die Civil- garde l" Der einzige Angeklagte in andrer Richtung, der belastet scheint, ist Triau. Er that an jenem Abend Dienst in der Civilgardc als Tambour. Bei der Ankunft der Manifestanten in der Rue Firlemont hat er seine Waffen weggeworfen und gerufen: „Kommt nur hier vorbei, wir(Civilgardiste») schieben nicht." Der Lieutenant Coen, der das verhängnisvolle Kommando„Feuer" in der Rue de MaraiS gab, wird— als Zeuge vernommen. Er will dazu gezwungen worden sein, weil er beim Halse gepackt worden sei. Nur weiß er keinen Angreifer zu nennen. Ein Teil der andern als Zeugen vernommenen und an der Blutarbeit beteiligt gewesenen Civilgardisten— lauter blutjung«, 19jährige, wohlgenährte Bourgeois- söhne— wollen Steine haben fliegen sehen. Der andre Teil hat weder Angreifer noch fliegende Steine gesehen. Aber alle— ab- gesehen von zwei Ausnahmen— können nicht aussagen, daß ein Civilgardist verwundet oder nur an seiner Uniform beschädigt worden wäre. Auf eins legte das Gericht besonderen Wert: zu wissen, ob der socialistische Abgeordnete van Langendonck die Manifestanten aufgereizt habe. Diesbezüglich wurde von den Zeugen, Polizisten, Privatpersonen zc. einstimmig bekundet� daß vav Langendonck un- ablässig die Manifestanten zur Ruhe und Heimkehr gemahnt hat. Betrachtet man nun die bisherige Zeugenvernehmnng— und bis jetzt wurden durchgehends nur Belastungszeugen vernommen— so sucht man vergebens nach Gründen, die eine solche Blntthat irgendwie rechtfertigen könnten. Das aber haben diese zwei Tage schon unwiderleglich bewiesen,— und das Urteil deS Gerichts, wie es auch immer ausfallen möge, wird daran nichts ändern können— daß die Verantwortung für die Vorgänge denjenigen zufällt, dafi diejenigen die wahren Schuldigen sind, die diesen mitleiderregenden jungen Bourgeoissöhnchen, die sich der Größe ihres Verbrechens gar nicht beivutzt sind, die� Waffen in die Hände gaben. Die Verhandlungen werden Montag, den 23. Juni, fortgesetzt und dürften bis Mittwoch, den 25. Juni, dauern.— Holland. Christliche Arbeiter gegen die christliche Regierung.(Eig. Ber.) Der von der vorigen Regierung hintcrlassene Gesetzentwurf zur Regelung der Arbeits- und Ruhezeit, durch den der Anfang ge- macht werden sollte mit dem Schutz der erwachsenen männlichen Arbeiter gegen die Profitwut des Kapitalismus, lvnrde von der neuen„christlichen" Regierung eingezogen, nachdem er bereits in den Abteilungen geprüft und in einzelnen Punkten verbessert worden ivar. Als Genosse S ch a p c r bei der Beratung über das Staatsbudget die Regierung interpellierte, tvnrden vom Minister- Präsidenten, sowie vor» Minister des Innern Erklärungen abgegeben, die erkennen lieben, daß von dieser Regierung in jener Hinsicht nichts zu envarten ist. und biß christlichen Abgeordneten standen der Frage ebenso teilnahmlos gegenüber. Nun hat aber der„Römisch-katholische Bäckerverband' daS nachgeholt, Ivos die christlichen Abgeordneten ver- sänmt haben, und eine treffend motivierte Petition abgefaßt, worin sie ans die Rotivendigkeit der gesetzlichen Regelung der Arbeits- zeit, besonders für das Bäckergewerbe hinweisen und es beklagen, daß jener Entwurf„zum Schaden für die Zchntausende der hieran Interessierten nicht auf das Regierungsprogramm gesetzt wurde, ob- ivohl unsrer bescheidenen Meinung nach diese Sache aus dem Gc- sichlspunkl der Religion und des Familienlebens doch sehr dringend genannt werden muß."— Ob die christliche Regierung der be- scheidenen Meinung ihrer getreuen Schäflein die gebührende Beachtung schenkt, ist sehr zweifelhaft. Das voraussichtliche Schicksal der Petition wird wohl dazu beitragen, die Arbeiter darüber aufzuklären, daß von den bürgerlichen Parteien ihre Jutcr- essen nicht vertreten werden und wenn jene Herren auch ein noch so frommes Gesicht machen.„Die Erfahrung ivird sie lehren", schreibt „Het Volk",„ob das politische Christentum der Bürgerparteien etwas andres ist als maskierter Kapitalismus, und ob der sociale Inhalt von Jesu Evangeliinn nicht sicherer bei den Social» dcmokralen ist, als bei den Pharisäern und Schriftgelehrten, die jetzt alle Kraft mit Hilfe der ungläubigen Konservativen anspannen, um den Fortschritt der Arbeiterschntzgesetzgebung so viel tvie möglich zu hemmen.'— England. Die Radikalen«nd die entstehende Arbeiterpartei. London, 21. Juni. Noch hat die Arbeiterpartei keine feste Gestalt angenommen mid wir hören schon von Versuchen einer Alliauce zivischeu Führern der Raditaleu und der Arbeiter. Ein derartiger Versuch wurde nach einem Bericht der„Daily NeivS" in einer Zusammeukunft gemacht, die vor drei Wochen im KommissiouSzimmcr Nr. 13 des Unterhauses viiter dem Vorsitz des radikalen Abgeordneten Sir Charles Dille stattfand. Genaue Nachrichten über diese Versammlung liegen nicht vor. Nur so viel ist bekannt, daß der erste Versuch an dem Wider- spruche Keir Hardies gescheitert sei. Keir Hardie begrüßte zwar den Gedanken einer Scheidung der Radikalen von der liberalen Partei, hielt aber an seinem Programm fest, daß die Arbeiterpartei unab- hängig bleiben müsse. Dagegen könne sie von Fall zu Fall mit den Radikalen und den Iren zusammenarbeiten.— Nustland. Polizeibrutalitäte». Man schreibt uns aus Warschau: Täglich neue blutige Grausamkeiten, täglich neue Opfer, ein ununterbrochenes Hinmorden auf offener Straße... das ist das Leben im Zarenlande I Vor unsren Augen geschehen täglich die fürchterlichsten Vergewaltigungen. jedes einzelne von diesen, in einem civilisierten Lande geschehen, würde einen Sturm der Entrüstung hervorrufen, Volksversamm- hingen, Protestmeetings usw. nach sich ziehen. Bei uns aber wird alles totgeschwiegen, die Zeitungen dürfen nichts schreiben, öffentliche Versammlungen giebt cs nicht im Zaren- lande. Was wir hier mitzuteilen haben, ist keineswegs sensationell, c§ ist ein sehr einfacher Vorgang, aber desto erschütternder: Am 3. Juni wurden die Passanten der D z i ka st r a ß e, in einem der ärmsten Stadtviertel, durch das ungewöhnliche Er- scheinen einer Anzahl Gorodowvjs(Schutzmänner) nicht gerade angenehm überrascht. Ganz unbegreiflich weshalb stürzte sich Plötz- lich ein Gorodowoj auf einen Arbeiter, rief einige Hausknechte heran und fing an, zusammen mit de» letzteren, den Arbeiter un- barmherzig zu schlagen. Die Straßenpassauten, höchst empört über diese fürchterliche Scene, wollten den Arbeiter den Händen des Schutzmanns ent- reißen, aber der Gorodowoj zog sein Schwert aus der Scheide, schlug links und rechts damit los, so daß niemand herankommen konnte. Der Arbeiter wurde ins Polizeirevier geschleppt und unterwegs u n n n t e r- brochen blutig geschlagen. Nach einiger Zeit geschah das- selbe nfit einem zweiten Arbeiter. Diesem folgte ein dritter.... Im IV. Polizeirevier kamen Kosaken den Gorodoivojs zu Hilfe und begannen die Verhafteten systematisch mit bestialischer Grausamkeit zu schlagen. Ans dem Revier ertönten herz- zerreißende Weh rufe.... Als dann der Nevierlientenant in die Folterzellc hineinkam, flehten ihn die Gefangenen um Wasser an. Als Antwort darauf befahl er, weiter zu schlagen. Nachts wurde ins Revier ein Rettungswagen der„schnellen medizinischen Hilfe"(xoxotenvio ratunkowe) herbeigeholt und den Ge- fangcncu ivurde einige ärztliche Hilfe zu teil. Als aber der Arzt dem Nevierlientenant meldete, daß den Arbeitern solche gefährliche Ver- letznngcn beigebracht worden seien, daß sie sofort in ein Hospital gebracht werden müßten, machte sich der xristaw(Lieutenant) lustig darüber. Am andren Morgen wurden die drei Arbeiter Spionen vorgezeigt, und eS erwies sich, daß kein Spion dieselben gekannt hat, d. h. daß sie völlig unschuldige, den Spionen unbekannte Menschen waren.— Um„unnützes Gerede" in der Stadt über die Schlägerei zu oermeiden, veröffent- lichte die Polizei in den Lokalzeitungen eine kleine Notiz, in welcher es lakonisch heißt, daß am 3. d. M. drei„berüchtigte Diebe" auf der Dzikast verhaftet worden seien. Die Arbeiter wurden nach zwei Tagen entlassen, aber... ein Schander ergreift einen jeden beim Anblick dieser unschuldigen Opfer der wilden polizeilichen Willkür: sie sind kaum lebendig, verstümmelt. verkrüppelt, einem ist das Nasenbein krumm geschlagen� einem andern eine Hand gebrochen...._ HclfingforS, 22. Juni.(K. P. V.) Der Gouverneur von Finnland befahl die Einstellung deS Verfahrens gegen die a«S- gebliebenen Stellmigöpflichtigen, weil die Gerichtshöfe bisher die dieserhalb Angeklagten wiederholt freigesprochen.— Asien. Russland vcrlässt Tientsi». In dem russisch-englischen Weit- streit in China vollzieht Rußland soeben einen neuen plötzlichen Schachzug, um die chinesische Regierung aus seine Seite zu ziehen. Die„Times" meldet ans Peking vom 20. Juni: Der ruisische General Wogack hat am 14. Juni Tientsin verlassen und kehrt nach Russländ zurück; sei» Posten ist nicht wieder besetzt worden. Rußland zieht sich ans den Vereinbarimgen der Mächte be- züglich der Bcsetzthaltnng von Tientsin zurück. Damit ist die Frage. ob Tientsin überhaupt noch wieder besetzt gehalten werden soll. brennend geworden. Im Untcrhanse erklärte nm Montag Unter- staatssckretar Cranborne, daß über die Bedingungen, unter denen die provisorische Regierung in Tientsin ihr Ende erreiche» solle, noch keine endgültige Vereinbarung getroffen sei. Afrika. Pretoria, 21. Juni. Lord Milncr hat heute den Amtscid als Gouverneur und Höchstkommandiercnder der Kolonie geleistet. Ebenso sind ein Gesetzgebender und ein Ansführeudcr Nateln- gesetzt worden.—_ Warnung vor Einwanderung. Kapstadt, 22. Juni.(K. P. V.) Sämtliche Generalkonsul» warnen dringend vor der täglich wachsenden Einwanderung nach Südafrika, besonders Deutscher, da jede Aussicht auf Tie- fchäftigung oder Gründung einer dankbaren Lebensstellung fehle, sclvst für Bemittelte. Gegenwärtig befinden sich selbst in Kapstadt noch an zehntausend früher in Johannesburg und andren Städten der neuen Kolonien angeseffcnen Ouitländer, welche ihre Rückkehr noch abwarten müssen.—_ Deutsche RechnnngSträgerei. „Reuters Bureau" meldet auS Johannesburg: Die hiesige» Deutschen haben ein Komitee gewählt, das an den hiesigen Feierlichkeiten anläßlich der Krönung teil- n e h m e n soll. In einer an daS Blatt„The Leader" gerichteten Zuschrift erklärt die deutsche K o I o n i e, sie wünsche durch die Feier dK Krömmgstage die etwaigen ungünstigen Eindrücke zu zer- streuen, die ihre englischen Mitbürger durch die lieber- treib unge» einer schlecht unterrichteten Presse erhalten haben könnten, und sie wünsche ferner das neue Regiment mit dem Bewußtsein zu begrüßen, daff die englische Flagge, ob man sie liebe oder nicht, persönliche und individuelle Freiheit für jeder- man» bedeute. In dem Komitee find alle Deutschen„von Ansehen und Einfluß" vertreten.—_ Pattfvi Gemeindcwahlsteg. Bei der Stadtverordnetcn-Ersatzwahl in Neustadt n. O. wurde unser Kandidat, der Geschäftsführer der Orts- Krankenkasse Paul Pillin g, mit absoluter Stimmenmehrheit gewählt. Damit hält der ziveite Genosse seinen Einzug in daS Neustädter Stadtparlament. Zur Gründling der„BolkS- Zeitung für den Wahlkreis LandetfHut« BolfcnHnin- Zlancr" schreidt ims mm auch Genosse Krätzig- LandeShut, der»n Gegensatz zu Genossen F e l d in a»» feststellt, daß das Gcwerkschaftskartell sich nicht mit der Gründung des Blattes, sonder» lediglich mit der Frage der Agitation für das neu zu gründende Blatt beschäftigt hat. Die materielle Unter- läge für dos Blatt sei dadurch gegeben, daß es bereits gelungen sei, die notwendige Abonnentenzahl zusammen zu bringen; das bedeute eine Verdreifachung der Zahl der jetzt im Kreise vorhandenen Abonnenten. „Gazeta lndowa." Die Posener Genossen geben von Anfang Juli im Verlage von Josef G o g o w S k i, Breitestr. 21, ein polnisches Organ heraus, welches vorderhand wöchentlich einmal erscheint. Probe-Nummern stehen den Vertrauensleuten in beliebiger Anzahl zur Verfügung und bittet der Verlag um allseitige Unter- stützung. „Socialdemokraten" ans der Prefse-Ausstellnng in Koprn- Hage». In Kopenhagen ist dieser Tage anläßlich des nordischen Preflekongreffes eine interessante Ausstellung eröffnet worden, die ein umfassendes Bild der Entwicklung und des gegenwärtigen Standes des dänischen Zeitungswesrns bietet. Einen' nicht geringen Raum nimmt die socialdemokratische Presse ein. In dieser Abteilung der 'Ausstellung befindet sich auch eine bildliche Darstellung, die das Wachstum der Presse unsrer dänische» Bruderpartei treffend illustriert.„Socialdemokraten" wird durch einen mächtigen Baum symbolisiert, dessen 22 starke Aeste die Provinzblätter darstellen. Auf dem Stamm steht die Zahl 73000, die Abonnenten- zahl der socialdeinokratischen Presse Dänemarks; bei einer Ein- Wohnerzahl von ca. 2 Millionen gewiß eine respektable Anzahl; aber mindestens viermal so groß ist die Aahl der Leser. An einer Seitenwand ist„SociaIdeinokraieus"Jiibilainsnuiiimer vom Jahre 1896, als da§ hauptstädtische Organ sein 26. Lebensjahr erreicht hatte, ausgestellt.— Insgesamt werden in Dänemark 210 Tageszeitungen herausgegeben, davon 18 in Kopenhagen. Die Gesamtzahl der Exempiare, in der die dänischen Tageszeitungen erscheinen, beträgt 600 000.— Voltjeillches, Gertchlltches usw. Flngblnttverbrcitnng am Sonntag. Die bekannte Be- stlmmung aller Verfrommnngsverordnungen, wonach an Sonn- und Feiertagen alle öffentlich bemerkbaren Arbeiten verboten sind, sollten sechs'Parteigenossen aus Jauer(Rösner und Genossen) durch Verbreitung socialdemolratischer Flugblätter und Kalender übertreten haben. Sie halten eines Sonntags früh in den Häusern der um Jauer herumliegenden ländlichen Ortschaften die Druckschriften abgegeben, die sie bei ihrer Wanderung teils in den Rocktaschen, teils in Ledertaschen unter dem Jackett, oder in Papier eingewickelt unter dem Arme getragen hatten. Das Schöffengericht sprach die An- geklagten frei, weil es sich nicht um eine Arbeit im Sinne der Ber- ordnung des schlesischen Oberpräsidenten handele, das Landgericht Liegnitz als Berufinigsinstanz hob jedoch das Urteil wieder ans und verurteilte die Angeklagten zu Geldstrafen, indem eS ausführte: Das Thun der Angeklagten stelle sich als eine öffentlich bemerkbare Arbeit dar. Es sei mit einer gewissen Anstrengung verbunden gewesen, da die Angeklagten in früher Morgenstunde von Jauer ans einen iveiten Weg gemacht hätten, dann in den Dörfern von Haus zu Haus gegangen seien und die Drucksachen nicht nur im Parterre, sondern auch im ersten Stock abgegeben hätten. Die Thätigkeit sei auch öffentlich bemerkbar gewesen, wozu nicht erforderlich sei, daß sie von der gesamten Einwohnerschaft oder von einem größeren Teil derselben bemerkt wurde; cs genüge, daß sie öffentlich bemerkt werden konnte. Die Angeklagten legten Revision ein und erzielten, daß der Strafsenat deS Kammergerichts das Urteil des Landgerichts aufhob und die Sache zu nachmaliger Verhandlung und Eiitscheidung pn das Landgericht zurückverwies. Begründend lvnrde ausgeführt: Der Begriff der öffentlichen Arbeit im Sinne der Oberpräsidial-Ver- ordnungen zum Schutze der äußeren Heilighaltimg der Sonn- und Feiertage sei vom Landgericht verkannt worden. Hierunter sei nicht jede Thätigkeit, auch nicht jede Thätigkeit zum Zwecke der Verteilung von Druckschriften zu verstehen. Eine öffentlich bemerkbare Arbeit im Sinne jener Verordnungen sei vielmehr eine Thätigfeit oder Beschäftigung, die mit einer gewissen Anstrengimg verbunden und nicht nur des Vergnügens ivcgeii unternommen sei, sowie ferner als solche öffentlich in die Erscheinimg trete und geeignet wäre, die äußere Heilighaltung der Sonn- und Feiertage z» stören. Die Darlegungen des Landgerichts und seine bisherigen Feststellungen rechtfertigten mm in keiner Be- ziehung die Annahme einer öffentlich bemerkbaren Arbeit in diesem Sinne. Der Vorderrichter hätte vor allem feststellen müssen die Schwere, den Umfang und das Aussehen der von den Angeklagten am fraglichen Sonntag mit sich geführten Taschen und Pakete. Das Landgericht habe sich darum noch einmal mit der Sache zu beschäftigen, die erforderlichen Nachprüfungen vorzunehmen und je nach dem Ergebnis neu zu entscheiden. Ans Itudttpfviv und Handel. Saatcnstaiio in Prcnsscn. Nach der Mitteilung des königlichen Statischen Bureaus stellte sich nm Mitte Juni der Saatenstand in Preußen(wobei 1' sehr gut, 2 gut, 3 mittel und 4 gering bedeutet): Winterweizen 2.3, Sominerwcizcn 2,6, Wiuterspelz 1,9, Winter- roggen 2,6, Sommerroggen 2,8, Sommergerste 2,6, Hafer 2,6, Kar- toffeln 2.8, Klee 2,6, Luzerne 2,7, Wiesenheu 2,7. Die enisprechenden Ziffern Rtitte Juni 1901 waren 3,7, 2,8, 2.7, 3,1, 3,0, 2.7, 2,6, 2,5, 3.5, 3,1, 3,0, Es stehen demnach in diesem Jahr nicht nur die Ge- trcidesortcn, sondern auch Klee und WiejengraS weit günstiger, ais im vorigen Jahr. In der amilichen Erläuterung zu diesem Saatenstands-Dericht heißt eS: Die hochsommerliche Hitze der letzten Tage des vorigen Monats hatte dem durch die starken Nachtfröste im Mai zum Slill- stand gekoininenen Wachstum der Saaten neues Leben gebracht; die danach eintretenden erfrischenden, zunächst warmen Niederschläge hatten den wohlthuenden Einfluß der Wärme auf den Stand der Feldfrüchte noch verstärkt. Diese überaus fruchtbare Witterung hatte aber einer bedeutenden Abkühlung Iveichen müssen, die am stärksten im Regierungsbezirk Trier sich fühlbar machte und hier in der Nacht zum 11. Juni das Thermometer etwas unter Null sinken ließ. In de» übrigen Gebietsteilen des Rheinlandcs, sowie in Hessen-Nassau soll es in dieser und der folgenden Nacht gefroren habe». Aus dem Osten liegen dagegen nur vereinzelte Met- dünge» über Frost in den beiden Nächten vor, je eine aus den Negierungs- bezirken Gumbiimen, Danzig und Stettin. Winlertveizen hat der rauhen Witterung des Mai von allen Saaten am besten lviderstanden und seinen Stand im Berichtsmonat noch gebessert, nur englischer Weizen hat dies nicht vermocht. Die Befürchtung von Nostbildung ist erfreulicheriveise nicht zur. Thatsache geworden. Auch Winterroggeii berechtigt zu guten Hoffnungen. Die Sommersaaten haben bielfach unter der iiiizcitgenuißen Witterung gelitten, werden aber nach Au- ficht der Vertrauensmänner eine deutliche Besserung erfahren, wenn bald günstige Witterung eintritt. Uebcr die Kartoffeln läßt fich zur Zeit noch kein sicheres Urteil fällen. Klee, Luzerne und Wiesenheu haben sich seit vorigem Monat sehr gebessert. Nübenanban in IVOS, Nach soeben veröffentlichter amtlicher Erhebung beträgt die Gesamtfläche, die in Deutschland mit Rüben bestellt wurde, 429 341 Hektar(gegen 476 873 Hektar im Vorjahre). Die Umfrage der Internationalen Vereinigung für Zuckerstaiistik vom 30. April/10, Mai er. hatte 423 471 Hektar resp. eine Ver- Minderung von 11,2 Proz. gegenüber dem Vorjahr festgestellt. Nach der amtlichen Feststellung beträgt das Minus 9,9 Proz. Kohlen- und Coaköyrcise. Wie die„Nh.-W. Ztg." erklärt, haben die für Fettfeinkohlen und Cooks festgesetzten Verrechnung»- preise(d. h. die Preise, die bei den Abrechimnge» zwischen den Syndikaten und den Zechen bezw. Coakswerken zu Grunde gelegt werden) von 7,60 und 9.60 M, pro Tonne mir noch bis zum 30. d. M. Gültigkeit. Nachdem aber das CoakSsyndikat bereits beschlossen hat, die bisherigen Verrechnungspreise auch für das zweite Halbjahr 1002 beizuhalten, sei anziinehincn, daß auch das Kohlensyudikat eine Acnderung der Preise nicht eintreten lassen werde. DcntschkandS Zknssenhandcl vom Fniinnr bis Mni 1903. Nach dem vom Kaiserlichen Siatistischen Amt soeben herausgegebenen Maiheft ber monatlichen Nachweise über den miSwärtigen Handel betrug in den fünf Monaten Januar bis Mni d. IS.: A. Die Einfuhr in Tonnen zu 1000 Kilogramm: 16 980 416 gegen 16 703 727 und 16 159 736 in den beiden Vorjahren, daher weniger 773 311 und 229 320. Von 43 Zolltarifmimmcrn ergaben 22 gegen das Vorjahr, 20 gegen 1900 eine Zunahme Große Ausfälle brachten gegen das Vorjahr Holz<— 293 692), Erden. Erze je.<— 260 360), Kohlen<— 149 726), Eisen(86 880), Abfälle(— 67 870). Eine erhebliche Steigerung der Zufuhr fand statt bei Material- zc. Waren(4- 88 225), Bier', Schweinefleisch, ngen, Reis, Südfrüchten, Salz ic., ferner bei Wolle und -eide. L. Die Ausfuhr in Tonnen zu 1000 Kilogramm: 12 936 830, 12 336 015 und 13 266 474 in den beiden Vorjahren, daher gegen 1901 mehr B99 815, gegen 1900 weniger SSO 644. 28 Zolltarif- nummer» ergaben eine höhere Ausfuhr als 1901, 19 eine höhere Ausfuhr als 1900. An der Zunahme gegen 1901 sind hervorragend beteiligt: Eisen und Eisenwaren<->- 431 276= mehr als Vs der ganzen Zunahme), Steine<92 820), Materialwaren<-<- 64 971). Gröhere Ausfälle gegen das Vorjahr brachten Kohlen(—68 800), Getreide(— 27 629), eine» geringeren Ausfall Jnstruniente und Maschinen(— 11 523).— Deutscher Bankiertag lit Frankfurt a. M Der Vorstand nnd Allsschuh des Centralverbandes des deutfiben Bank- und Bankier- gemerbes haben beschlossen, ini Herbst dieses Jahres(Ende September) eine»«Allgenieinen deutschen Bankiertag" zur Erörterung der schwebenden Fragen des Bank- und Börsenwesens, insbesondere der Frage der Revision des Börsengesetzes einzuberufen. OberverwaltnngSgerichtS- Entscheidung. Der„Kölnischen Zeitung" ivird aus Berlin vom 22. Juni gemeldet: Das Plenum des Oberverwaltungsgerichts entschied gestern übereinstinmlend mit dem Reichsgericht, doh der durch Ausgabe neuer Aktien erzielte Agio- gewinn nicht steuerpflichtig ist. Bekanntlich hatte das Ober- verwaltungsgericht gegensätzlich entschieden, weshalb der Finanz- »ninister v. Rheinbaben im Abgeordneteuhause erklärte, wenn eine Harmonie zwischen Reichsgericht und Oberverwaltungsgericht nicht eintrete, müsse die Sache gesetzlich geregelt werden. Zu de« englischen Gcgcntruft-Projektcn schreiben die„Hamb. Nachrichten": Von bestuuterrichteter Seite ivird uns bestätigt, daß Sir Christopher Turneh in Gemeinschaft niit dem Direktor der Eider Dempster Linie Sir Alfred Jonas den Versuch macht, einen Teil der Lasten, welche diese beiden grohcn Reedereien infolge der gegen- wältigen schlechten Frachtanlage jedenfalls recht schwer empfinden. auf die Schulter» der englischen Nation abzuwälzen. Ein englisches Sprichwort sagt:„Man muh das Heu machen, während die'Sonne scheint." Nach diesem Worte will nun jene Reederei, indem sie die nationale Erregung, welche in ganz England über den Verlust der besten und gröhtcn nordatlantischen Linien herrscht, benutzen, um eine nach bisher genannten Summen geradezu ungeheuerliche Sub- vention einzuheimsen. Bagdndbahti-Phautastcn. In agrarischen Abhandlungen und Broschüren ist seit dem vorigen Jahre wiederholt auf die drohende Gefahr der kleinasiatischcn Weizcnkonkurrenz" hin- gewiesen worden, die durch den Bau der Bagdadbahn heraufbeschworen wird. Besonders die wisseuschaftliche' Leuchte des Agrarismus. Herr Professor G. Ruhland, wuhte gar Grauenhaftes von der ungeheuren Ausdehnung des babylonischen und synschcn Weizenbodens zu erzählen, der nach seiner Angabe 40 Millionen Hektar umsaht. Wie weit diese Berechnung der Wirk- lichkeit entspricht, lehrt folgende Notiz der„Frankfurter Zeitring": „In allen neueren Schriften, in denen in Deutschland fär das Projekt der Bagdadbahn agitiert wird, findet sich die Bemerkung, dah der schwarze, anbaufähige Alluvialboden Babyloniens, für den jetzt die Bezeichnung„SawÄb" gebräuchlich ist, etiva 24 Millionen Hektar umfasse, so dah die Ausgabe, daS einst von 120 000KanälenbcwässertcalteKult>ir- land wieder ertragfähig zu machen, für das deutsche Kapital und den deutschen Unternemergeist auherordentlich lockend und lohnend sein mühte. Ein Schriftsteller überuimt diese Angabe vertrauensvoll von dem andern, ohne sich der Mühe zu unterziehen, auf einer Karte einmal nachzusehen, ob sie auch stimmt. Das hat nun endlich der Göttinger Geograph Prof. Dr. Hermann Wagner gcthan, der schon immer bemüht war, geographischen„Seeschla'ngcn" den Garaus zu machen, und das Ergebnis in einer gründlichen Abhandlung „Die Ueberschätzung der Anbaufläche Babylouiens und ihr Ursprung"(in den Nachrichten der Gesellschaft der Wissenschaften zu Göttingen; philologisch-historische Klasse 1902, Heft 2) niedergelegt hat. Wagner veriveist zunächst darauf, dah Babylonien. soweil man aucb den Begriff fassen möge, überhaupt nur 10 Millionen Hektar groh ist, dah in diesem Areal»och dazu geivaltige niemals zum SawS.d gehörende Wüsten und Gebirgsdörfer enthalten sind, dah also das anbaufähige Land nicht 24 Millionen Hektar betragen haben kann. Wagner hat dann der Geburtsstäite jener nicht ganz ungefährlichen wirtschnftsgeographische» Seeschlange nachgespürt und begegnete ihr zuerst in der 1880 in Frommel und Pfaffs Vortragssammlung erschienenen Schrift„Babylonien, das reichste Land in der Vorzeit und das lohnendste ÄolonisationSfeld für die Zukunft" des verstorbenen Orientalisten A. Sprenger. Dieser gab das Alluvialland Babyloniens auf 24,5 Millionen Hektar an, schätzte die wiedergewinnbare Fläche auf 12 Millionen Hektar und den er- reichbaren Brutto-Ertrag auf 2 Milliarden Mark. Im letzte» Griinde jedoch ist der Urheber des Jrrtunis der arabische Schrift- steller Kodktma(gest. 922). Dieser hatte nämlich das Areal Babyloniens einfach durch Mulliplikntioii der gröhten Länge mit der gröhtcn Breite des Landes auf 33 Millionen Hektar berechnet, ein Drittel als nicht kulturfähig in Abzug gebracht und danach für den Saiv�d im 6. Jahrhundert n. Chr. eine Fläche von 22 Millionen Hektar herausbekommen. Sprenger, der diese sonderbare Berechnungsmcthode acceptierte,„verbesserte" die MaheiiiheiteilKodämas nnd gelangte zu den berüchtigten 24,6 Millionen Hektar. Wie umfangreich das kulturfähige Land heute ist. läht sich nicht genau sagen, da es an Aufnahmen fehlt; doch Iväre es, meint Wagner, sicher nicht gröher als 2— 21/2 Millionen Hektar." Daraus, dah der schwarze Alluvialboden Babyloniens nur 2— 2V2 Millionen Hektar»nifaht, darf übrigens nicht geschlossen werden, dah das durch die Bagdadbahn zu crschliehende Gebiet als Weizen-Ausfuhrland nicht in Betracht kommt. Auch in Argentinien umsaht die Weizenaubaufläche nur wenig über drei Millionen Hektar und doch spielt dessen Konkurrenz auf dem euro- päische» Weizenmnrkt eine bedeutende Rolle. Dazu aber kommt, dah nach Angabe der Sachverständigen der babylonische, zum Weizenbau geeignete Boden eine ganz ungcwöhntich hohe Ertragfähigkeit besitzt, und auherdem enthält auch die syrische Ebene vielfach vortrefflichen Boden. Die Rein- Einnahme dcS Stahltrnsts wird für das am 30. Juni beendete Quartal auf über 38 Millionen Dollar geschätzt gegen 26 363 340 Dollar im Vorjahr, in welchem die Shelby-Tnbe Company noch nicht dem Trust angeschlossen ivar. GeMevkMzrtstliifzezs» Berlin nnd Umgegend. Lohnbewegung der Bauarbeiter. In einer gestern abend in Cohns Festsälen stattgefundenen Vcrsaninilmig der Bauarbeiter wurde berichlet, dah bereits auf ca. 16 Bauten die neuen Forderungen b e iv i l l i g t sind. Es wurde e i n st i m m i g d e r B e s cb l u h gefaht, heute, Dienstag, den 24. Juni, auf samt- lichen Bauten diese Forderung zu st eilen und im Falle der Ablehnung die Arbeit niederzulegen. Gefordert werden: Für gewöhnliche Bauarbeiter ein Minimal-Stnndcn- lohn von 45 Pf., für die beim Wassertragen, Rüsten, Kaltschlagen und bei Hebevorrichtungen beschäftigten Arbeiter 60 Pf. und für Stein- und Kalkträger 60 Pf. nebst den dazu gehörigen Nebenforderungen. Deutsches Reich. Achtung, Lederarbeiter! In den„Berliner Berichten" sucht die Firma Axt«.Kühn, K ö n i g s e e, 20 Weihgerber-Gesellen. Es befinden sich dort 34 Kollegen im Streik und werden alle Lederarbeiter ersucht, Arbeitsangebote dorthin nicht an- zunehmen. D e r C e n t r a l v o r st a n d des Lebe rarbeiter-Verban des. Die Maurer i» Guben haben, nachdem die wegen der gestellten Forderungen mit den Unternehmern geführten llnterhand- lungen keinen Erfolg hatten, am Montag die Kündigung ein- gereicht. Tie Situattou der Aussperrung in Hamburg ist im all- gemeinen unverändert. Den Arbeitswilligen, welche die Unternehmer heranzuziehen sich bemühen, werden Verträge zur Unter- schrift vorgelegt, in denen der Arbeitswillige sich verpflichten muh, zu den alten Bedingung«» wenigstens drei Monate zu arbeite». Hört er vor Ablauf dieser Frist auf oder beträgt er sich derartig, dah seine Entlassung erfolgen muh, so hat er das Reisegeld und die sonstigen Spesen, welche der Meister auslegte, um den Arbeitswilligen in seinen Dienst zu bringen, zurück zu erstatten. Also selbst den so inbrünstig umworbenen Arbeitsivilligen gegen- über wissen die Baumeister ihren Vorteil zu wahren. Sie werden es schon so einzurichten ivissen, dah sie in keinem Falle Reisegeld und Spesen aus ihrer Tasche berappen müssen. Ein für Gewerkschaften beachtenswertes Urteil hat kürzlich das Landgericht Magdeburg gefällt. Die in der Provinz Sachsen und dem Herzogtum Anhalt bestehenden Zahlstellen des deutschen Holzarbeitcrverbandes bilden einen Gau mit einem Vorstand von fünf Personen. Der Gauvorsitzende, Tischler Vahle in Magdeburg, wurde von der Polizei aufgefordert, die Statuten des Gaues ein- zureichen, und die Namen der Vorstandsnntglieder desselben an- zugeben. Vahle antwortete, ein Statut habe der Gau nicht, und zur Erteilung der Auskunft halte er sich nicht für verpflichtet. DaS Schöffengericht hatte deshalb auf eine Geldstrafe von 30 Mark erkannt, das Landgericht dagegen sprach Vahle frei. Es trat der Anficht des Verteidigers bei, ivelcher ausführte, dah ein Verein, der kein Statut habe, nicht verpflichtet sei, ein solches zu errichten, um es der Polizei einreichen zu können. UebrigenS sei der Gau kein Verein, da er nicht aus physischen Personen bestehe, sonder» aus einzelnen Vereinen, nämlich den Zahlstellen des Verbandes. Physische Personen können nur dem Verband, aber nicht dem Gau beitrete». Der Streik der Fensterputzer in Brannschweig ist infolge von Unterhandlungen mit den Unternchmeru beigelegt und soll am 24. Juni die Arbeit wieder aufgenommen Iverdcn. Lohnbewegungen in Pose». Der Streik der Maurer nimmt einen günstigen Verlauf. Bis Sonnabend hatte» 24 Bau- geschäfte die Forderungen anerkannt, so dah 260 Maurer zu den neuen Bedingungen arbeiten, ein groher Teil der Streikenden ist abgereist und anderweit in Arbeit getreten. Die Bauarbeiter, die durch den Streik der Maurer arbeitslos Ivurdcn, beschlossen, die Arbeit nicht eher aufzunehmen, als bis auch der von ihnen aufgestellte Lohntarif von den Arbeit- gebern bezahlt wird. Die Zimmerer beschlossen, die Arbeit am Sonnabend, den 21. Juni, niederzulegen, da die Arbeitgeber de» geforderten Einheits- lohn von 46 Pf. nicht bewilligen wollen. Die Konfektionsschneider stehen mit den Kon- fektionären in Uuterhandluug wegen Einführung eines höheren und einheitlichen Lohntarifs. Wenn'die Verhandlungen nicht zu einem annehmbaren Resultat für die Schneider führen, wird am Montag, den 23. Juni, einmütig die Arbeit eingestellt werden. Der Stuttgarter Manrcrstreik wurde in der letzten Sitzung des dortigen Gemeinderats bei Gelegenheit einer Interpellation bc- sprachen. Von der arbcitcrfreundlichen Haltung, die der Genieinderat beim Strahenbahnerstrcik eingenommen hat, war jedoch nichts mehr zu merken. Es fanden sich im Gemeinderat eifrige Verteidiger der Bauunternehmer, die den Kerupnnkl und die eigentliche Ursache des gegenwärtigen Streiks: den schnöden Wortbrnch der Unternehmer, sorgsam verschwiegen. Ihn zu verteidigen würde auch dein ausgesprochensten Vertreter der Unternehnicrinteressen schlver fallen.— Der Streit wird mit seltener Einmüligkeit geführt, auch die Mit- glieder des christlichen Bauhandlverker-Verbandes haben sich demselben angeschlossen. Ausland. AnS Wien, von, 23. Juni, meldet das Depeschenburcan „Herold": Eine gestern hier abgehaltene Versammlung von social- demokratischen Angestellten im Handelsgerverbe»ahn, eine Resolution an, in welcher erklärt wird, dah die organisierte Gehilfenschaft eventuell nicht vor dem nuhersten Mittel, dem Streik, zurückschrecken werde, »m die Behörden zur v o l l st ä n d i g e n Einführung der Sonntagsruhe im Handelsgewerbe zu veranlassen. Nach der Versammlung versuchten die Teiluehiner einen Ströhen- Umzug, wurde» aber von einem starken Polizei-Aufgcbot zerstreut. Tie AnSständigeu der Strafieubay»- Gesellschaft in Neapel haben eingewilligt, sich einem Schiedsgericht zu unterwerfen. Man versucht, die Direktion zu dem gleichen Zugeständnis zn bc- wegen. Bcrgarbciter-Auöstand in Frankreich. Wie der„Matin" meldet, ist ein Teil der Bergleute des Kohlenbeckens in den De- partemcnts Nord und Pas de Calais in eine Ansstandsbcwegung eingetreten, weil die Vergwerksgesellschaften erklärt haben, dah sie in- folge des Rückganges der Kohlenpreise und der Vermehrung der Betriebskosten die für einige Jahre bewilligte Lohnerhöhung nicht aufrechterhalten können._ Socinles. Die KindcrauSbcntung zu Gunsten der notleidende» Land- Wirtschaft ivird nach der„KöuigSbcrger Volkszeitnug" in Ostpreuhc» jetzt wieder in besonders hohem Mahe betrieben. Die Kinder der Stadtschule in der Provinz, sowie der Landschulen, werden von den Besitzern mit Leiterwagen von der Schule abgeholt und auf das Feld gebracht, Ivo sie zum Verziehen und Behacken der Zuckerrüben verwendet werden. Der Verdienst für diese durchaus nicht leichte Arbeit beträgt 20 bis 30 Pf. pro halbe» Tag. In den meisten Schulen ist der Nachmittagsunterricht aufgehoben und die Kinder werden nur in den Vormittagsstunden unterrichtet. Von einen, erfolgreichen Unterricht kann aber nicht die Rede sein. Die Kinder kommen erst bei Eintritt der Dunkelheit müde und ab- gespannt nach Hanse und sind natürlich nicht in der Lage, Schul- arbeiten zu machen. Auch i» den Schnlstunden selbst herrscht keine qrohe Lerubegierdc. In den Ortschaften rings im, Barten im Kreise Rastenburg, sollen an manchen Tagen bis z» 76 Proz. aller Schüler auf den Zuckerrübeufeldern arbeiten. Die Behörden sehen dieser Ausbeutung der Kinder ruhig zu. Der Landwirtschaft z» Liebe können die Kinder ruhig im Lernen zurückbleiben. Der Schul« vorstand hat aber nach einer neueren Evtscheidung des�Kammer- gerichts, die wir vor kurzem mitteilten, das Recht, ein Kind, wenn es im Unterricht zurückgeblieben ist, auch nach den, 14. Lebensjahr in der Schule festzuhalrcn. Die gewerbSniähige pripate Stellvermtttclnng wurde i» M ii n ch e n, wie mau uns von dort schreibt, durch zwei Beamte des städtische» Arbeitsamtes»,it Unterstützung der Polizei zum zweiten Male eingehend untersucht. Die erste derartige Erhebung ä»d im Jahre 1896 statt. Für die zweite wurde der Februar und März dieses Jahres gewählt. Ans dem darüber veröffentlichten Bericht ist zu entuehmen, daß trotz des städtischen Arbeitsamtes leider noch immer die Hyänen des Arbcitsmarktcs ein üppigeS Dasei» führen. De» besten Aufschluß darüber giebt nachstehende kleine Tabelle: 1896 1900 1901 angebotene Stellen 33 669 41 064 34 943 gesuchte„ 60 862 44 612 37 349 besetzte. 17 602 20 733 17 936 Die Vermittelnugsgebiihrcn schwanken angeblich zwischen 1 M. und 60 M. bezw. 25 Proz. des ersten Monatslohucs bei männlichen und 1 M. und 30 M. bezw 25 Proz. des ersten Monatslohnes bei weibliche» Personen; in Wirklichkeit werden jedoch in Forin von Gratifikationen usw. noch weit höhere Vermittelungsgebühren bezahlt. In den meisten Bureaus wird außerdem noch eine Einschreibegebühr verlangt, die bis zu 5 Mark beträgt; in einigen Fällen verlangt man diese Gebühr von Arbeitsuchenden und Arbeitgebern. Der Bericht rechnet aus, daß im Jahre 1901 von den Arbeitsuchenden für die ca. 18 000 Slcllen- vermittelungen 108 000 Mark aufgewendet werden mußten. Das st ä d t i s ch e Arbeitsamt in München verursachte dagegen z. B. im Jahre 1899(»euere Ziffern haben wir momentan nicht zur Hand) einen Gesamtaufwand von nur 21 490 Mark, wofür aber 40 296 Stellen vermittelt wurden. Die Zahl der VermittelungSbureaus hat sich von 99 im Jahre 1896 vermindert auf 74 im Jahre 1901. Davon haben 30 weniger als 100 Stellen besetzt, 26 hatten weniger als 100 Stellenangebote Elf der Bureau-Jnhaber treiben nebenbei noch das Geschäft eines Kommissionärs. Der Ehemann einer Vermittlerin— für 63 Bureaus besitzen die Frauen die Konzession— ist wegen Betruges unb Diehstahls bereits zweimal mit je sechs Monaten Gefängnis bestraft. Der Ehemann einer andern Vermittlerin ist in drei Fällen zu einer Gesamtgefängnisstrafe von 1 Jahr SVe Monaten, sowie 15 Jahren Ehrverlust verurteilt, der noch fortbesteht. Angesichts dieses Ergebnisses einer amtlichen Erhebung kann nur immer wieder die Frage erhoben werden, wie lange man es wohl noch dulden wird, daß die Arbeitslosen durch solche Vampyre ausgesaugt werden._ DaS Ivv jährige Jnbilänm des ersten FabrikgefetzeS. London, 21. Juni.(Eig. Ber.) Es ist nun genau ein Jahrhundert verstrichen, seitdem das erste Arbciterschutz-Gesetz vom englischen Parlament erlassen worden ist. Es war die Peelsche Aktie vom Monat Juni 1802„für den Schutz der Gesundheit und der Moral von Lehrlingen und andren Arbeitern, die in den Baumwollfabriken und andren Fabriken beschäftigt sind". Dieses Gesetz, das die unifangreiche Arbeiterschutz'- Gesetz- gebung des 19. Jahrhunderts einleitete, enthielt nur ganz elementare Vorschriften über Reinlichkeit und Lüftung der Arbeitsräume und bezog sich auf Baum- und Schas- wollfabrikcn und auf männliche und weibliche Lehrlinge. Diese Lehrlinge waren Arinenkinder, die von den Gemeinde» an die Fabrikherren für einen längeren Zeitraum, gewöhnlich bis zum 21. Lebensjahre, als Sklaven verkauft wurden. Die Kinder arbeiteten in der Regel 12 Stunden, zuweilen 16 Stunden täglich. Es gab Tag- und Nachtschichten, so daß die Kinder von der Fabrik ins Bett und vom Bett in die Fabrik geführt wurden. Flucht- verdächtige» wurden Ketten angelegt. Die Hauptursache der Ein- führung der Peelschen Akte war die Furcht der besitzenden Klassen vor der Seuche, die durch die uiisagbarc» Mißstände in den Textil- distrikten erzeugt wurde und die Kinder inaffcnweise wegraffte. Berliner Partei-Angelegenheiten. Die nächste Lokal- Liste erscheint am Sonntag, de» 6. Juli 1902. Wir ersuchen daher die Mitglieder der Lokal- k o m m i s s i o n v o n B e r l i n und Umgegend, Aenderungen und Neuaufnahmen bis spätestens Freitag, den 27. Juni 1902, eittsendcn zu wollen: für„Teltow-Bceokow" an den Genossen Hermann Schliebitz in Britz, Jahustr. 2; für„Nieder- Barnim" an den Genossen Otto Riebe in Friedrtchöfelde, Victoriastr. 4; für„Pote-dam-Ost-Havelland" an den Genossen Albert Neue in Spandau, Jagowstraße 9; für„Diverse Orte" an den Genossen Gustav Stein in Wriezen a.O., Frank- furterstr. 32. sowie für Berlin an den Genossen Wilhelm Hinz. Prinzenstr. 66. 3. 14. Die Genossen werden ersucht, hiervon Kenntnis zu nehmen und die Einsenduiigen umgehend zu besorgen, da spätere Einsendungen nicht mehr berücksichtigt werden können. Nachträge können in der Folge nicht mehr veröffentlicht werden. Vielfach ist es in den letzten Wochen vorgekonnuen. daß Zuschriften in„Lokalaugelegcnheiten" an die Redaktion des„Vorwärts" gesandt worden sind; wir teilen daher den Ge- Nossen noch mit, daß alle Anfragen und Zusendungen nur an den Genossen Wilhelm Hinz, B e r l i n L. 14, P r i n z e n st r. 66, zu richien sind und nicht an die Redaktion des„Vor- wärt s". Die Partciblätter der genannten Kreise werden um Abdruck ersucht. Die Lokal-Kommissioii. Wie brtciltgc» wir«nö an der Laudtagöwahl? lieber diese Frage wird Genosse Dr. A r o n s in einer am heutigen Dienstag in den Arminhallen stattfindenden Versammlung des Wahlvcrcins für den ersten Kreis sprechen. Groff-Lichterfclde. Mittwochabend 3 Uhr findet im Saale dcS Herrn Ernst Richter, Chanssecstraße 104, eine öffentliche V e r» s a m in I u n g statt. Tagesordnung: Die Einführung eines G c- w e rbegerichtes in Groß-Lichterfelde. Referent: Reichstags- Abgeordneter Fritz Z n b e i l. Schmargendorf. Dienstagabend 3�/s Uhr hält der W a h l v e r e i u im Wirtshaus Schmargendorf, Warnemüuderstr. 6, eine Versammlung ab, zu der Gäste Zutritt haben. Tagesordnung: Gemeinde-Angelegenheiten. Nicdcr-Schvnhanscn. Wahlverein Bezirk Pankow. Heute abend 3Vs Uhr Mitgliederversammlung bei Seite- körn, Lindcnstraße. Tagesordnung: Wie organisieren wir Nieder-Schönhausen? Goviitzks-ZZeikunA. Wegen Vergehens gegen daö Gesetz iiber den nnlantrre» Wettbewerb war der verantwortliche Redacteur des Inseratenteils des„Berliner Lokalanzeiger". Herr Pinink, angeklagt worden, weil er das Inserat einer Frau aufgenommen hatte, die angeblich mit beispielslosem Erfolge Frauenleiden heilt. Er sollte sich dadurch der Beihilfe zur Uebertretung der folgenden Bc- stimmung des§ 4 des genannten Gesetzes schuldig gemacht haben:„Mit Geldstrafe bis zu 1500 M. ivird bestrast, wer in der Absicht, den Anschein eines besonders günstigen Angebots hervor- zurnfe», in öffentlichen Bekauntmachnngen, die für einen größeren Kreis von Personen bestimmt sind, über gewerbliche Leistungen wissentlich unwahre und zur Irreführung geeignete Angaben thatsächlicher Art macht." Das Landgericht 1 als Berufungsinstanz verurteilte Piniak auf Grund der§Z 4 und 12 des Gesetzes über den unlauteren Weit- bewerb in Verbindung mit§ 20 des Reichs-Preßgesetzes.— P. legte Revision ein, das Kammergericht verwarf aber das Rechtsmittel mit der Begründung, daß P. mit Recht auf Grund der angezogenen Ge- setze verurteilt worden sei. Jndeffen wäre er nicht als Gehilfe, sondcn, als Thäter anzusehen. Das Inserat sei zur Irreführung des Publikums geeignet gewesen. T'etzke LlKifziziilzkett und DepeMeu. Hamburg, 23. Juni.(W. T. B.) Bei Löscharbciten auf dem englischen Kohlendampfer„Congreß" brach die Ladespiere nnd stürzte mit dem Ladegeschirr nnter'die ans Deck arbeitenden Leute herab. Einer wurde getötet, zwei wurden schwer verletzt. Lemberg, 23. Juni.(W. T. B.) Die.hiesige Polizeidirektion hat auf Anordnung der Staatsanwaltschaft eine Anzahl p o I n i- scher Blätter, darunter„Slowo polskie" und„PrzedSivit" wegen un ehrerbietig er Aeußerungen gegen de» d e'u t s ch e n Kaiser beschlagnahmt. Pariö, 23. Juni.(W. T. B.) Der Ausschuß der parlan, entarische» Gruppe der an der Zuckerindustrie interessierten Departements wurde heute vom Finanzniiiiister Rouvier empfangen und trat bei ihm entschieden dafür ein, daß die Bcslinnnungen über die Brüsseler Zuckcrkonvention von einer Vorlage betreffend Ermäßigung der Zuckerstcuer begleitet werden, durch welche diese Steuer bis zu dem soeben von Deutschland und Belgien angenoinmencn Satze herabgesetzt werde. Der Finanzminister versprach, die Frage, deren Wichtigkeit für die französische Zuckerindustrie er vollständig an- erkenne, mit größten, Wohlivollen zu prüfen. Neapel, 23. Juni. reits in einer Anmerkung des Tarifs Rechnung getragen sei und definiert jene Anmerkung. Baudert zieht, da diese Erklärung zu Protokoll gegeben wird, seine Anmerkung zurück. Darauf werden die Anmerkungen nach der Vorlage angenommen. Unterabschnitt C: Baumwolle. Position 436: Baumwolle, gefärbt, gekrempelt, gekämmt, auch gemahlen— frei; gebleicht, auch gebleichte Abfälle von der Baum Wollspinnerei— 4M. Die Socialdemokraten beantracien Zollfreiheit. Müller- Fulda beantragt, die gebleichten Abfälle frei zu lasten Stadthagen begründet den Antrag ans Zollfreiheit. Regierungs rat Martin ist gegen Zollfreiheit, befürwortet aber eine Herab- setzung des Zolles auf 2 M. G r ü n b e r g tritt für Freilassung der Position ein im Interesse der sächsischen Gardinenweberei in Plauen, Oelsnitz ec. Brömel tritt dem Regierungsvertreter entgegen; habe mau Schießbaumwolle freigelnsten, könne man den Rohstoff dazu nicht belasten. Spahn beantragt, den Zoll von 4 auf 1 M. herab- zusetzen. Zu Position 436 wird der socialdem akratische Antrag auf Zollfreiheit angenommen. Gespinnste aus Baumwolle, Position 437, Vor gespinnst, ein- oder zweifach 10 M., drei- oder mehrfach, auch Dochte, nicht gewebt, nicht geflochten 20 M. Münch- Fcrber be- antraft Herabsetzung auf fünf respektive zehn Mark. Regierungsrat Martin erklärt, die Regierung könne sich zu einer etwaigen Herabsetzung des Zolles jetzt' nicht' definitiv ent- scheiden. Baudert und Grünberg treten dem Vorredner entgegen. In der Abstimmung wird der Antrag Münch-Ferber angenommen. Zu den Nummern 438—442 stellt Brömel folgenden Antrag: „den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, dahin zu wirken, daß die einheitliche Handhabung der Erlaubniserteilung für den zoll freien Veredlungsverkehr durch entsprechende Vorschriflen gesichert wird, dagegen die Anträge auf Einführung der Vergütung der Garnzölle bei der Ausfuhr solcher Waren, welche im In lande aus zollpflichtigen Baumwollgarnen ohne amtliche Fest- Haltung der Identität hergestellt worden sind, abgelehnt werden.' Brömel begründet den Antrag; Müller- Fulda beantragt die Zurückstellung dieses Antrages bis nach der Beratung der Pos. 443. Der letztere Antrag wird angenommen. Schluß 2 Uhr. Nächste Sitzung: Dienstag 9 Uhr. Vierter deutscher Gewerkschaftskougreß. Stuttgart, 20. Juni 1902. Fünfter Verhandlungstag. Abendsitz nng. Es werden diejenigen Anträge verhandelt, die die Abgrcnznng der einzelnen Organisationen behandeln. Es handelt sich in der Hauptsache um die Frage der Aufhebung oder Beibehaltung der auf dem Frankfurt'er Kongreß beschlossenen Resolution Busse. Die Resolution Busse ermöglichte neben den großen Jndustrieverbänden Branchen- organisationen gegenüber einem Beschluß des Halberstädter Kongreffes, der den Organisationen die Zusammenschließung zu Industrie- verbänden empfahl. Der Metallarbeiterverbaud beantragt die Aufhebung der Reso lution Busse, wenigstens eine präzisere Fassung, während der Verband der Graveure beantragt, die Gcwerkschqfts-Organisationen zu ver- pflichten, diejenigen sich zunr Eintritt Meldenden, fiir welche eine Ceutral-Bcrufsorgauisatio» besteht, abzulehnen und der zuständigen Ccntrnlorgnnisation zu überweisen. Das gleiche soll auch für'die bisherigen Mitglieder gelten. Im Laufe der Debatte werden noch verschiedene Anträge zu diesem Punkt gestellt. Legte» teilt mit, daß 30 Delegierte sich zuni Wort gemeldet haben, ohne daß eine Verständigung durch die Debatte überhaupt möglich sei. Er könne nur sagen, was er bei jeder Erörterung der Frage gesagt habe, es müsse mehr Toleranz geübt werde n. Nach der jahrelangen Erfahrung sage er, daß die Dis- kussion nicht zum Ziele führen könne. Die Nacht hindurch könne nicht getagt werden. Er meine, die beste Toleranz tverde geübt, wenn nicht mehr länger diskutiert werde, sondern durch Abstimmung ein Resultat zu ermitteln versucht werde. Brey- Hannover wendet sich gegen sofortigen Schluß der Dis- kussion, ebenso Eichhorn-Karlsruhe. Brückner- Berlin beantragt, über alle die betreffenden Anträge zur Tagesordnung überzugehen. Dieser Antrag wird mit großer Mehrheit a n g e n o m m e n. Nachdem Bömclburg noch einmal. um'jede Mißstimmung zu vermeiden, erklärt hat, daß die R e s o l u t i o n B u s s e nur de» unlauteren Wettbewerb treffen wollte, aber nicht sagen wollte. daß jede Branchcnorganisation gegenüber den Industrie- verbänden verwerflich sei(Beifall), kommt noch der Streitfall zwischen den Glasarbeiter» und der „Holzarbeiter-Zeitung" zur Besprechnng. Nach Anhörung von Mrbig-Stralau und Rööke erklärte der Kongreß die Angelegenheit fiir erledigt. Erst gegen halb elf Uhr Ivar die Abeudsitznng zu Ende. Stuttgart. 21. Juni 1902. Sechster Verhandluugötag. V o r m i t t a g s s i tz u n g. In der heutigen von Böiuclburg-Hamburg eröffneten und geleiteten Sitzung wird zunächst das von der Ned'aktiottskommission ausgearbeitete Regulativ über die Zusammensetzung der allgemeinen Ge- werkschafts-Kongresse, die Zusanimen setzung der G e n e r a l k o ni m i s s i o n. ihre Aufgaben und d e ii zur Unterstützung der G e n e r a l k o m m i s s i o n bestehenden Gewerkschaftsausschuß von Bringmann-Hamburg erläutert.— Die hauptsächlichsten Be- timmnngen seien hier wiedergegeben: „Die allgemeinen deutschen Gewerkschaftskongresse treten nach Bedürfnis, mindestens jedoch alle drei Jahre einmal zusanimen. Zu der Teilnahme an den allgemeinen deutschen Gewerkschafts- kongressen sind sämtliche Centralorganisationen und solche Lokalorgani- ationen berechtigt, welche verhindert sind, sich central zn organisieren. Unter„sämtliche Centralorganisationen" sind alle central organisierten Gewerkschaften zu verstehen, welche an dem voraufgcgaiigcnen Gewerkschaftskongreß teilgenommen oder sich später der Generalkom- Mission angeschlossen haben. Berechtigte Lokalorganisationen sind ölche gewerkschaftliche Vereiiiigimgen, für welche ein Centralverband nicht besteht. Entstehen Zweifel, ob eine sich zum Anschluß meldende Gewerkschaft zum Beitritt berechtigt ist, so entscheidet der Gewerkschaftsausschuß. Dieser hat bei seinen Entscheidungen jedoch zn berücksichtigen, daß sich nur solche gewerkschaftliche Vereinigungen der Gcneralkommission anschließen können, die keine Konkurrenz- organisation einer schon angeschlosseiien Gewerkschaft bilden. Jede Gewerkschaft hat vierteljährlich an die Generalkommission einen Beitrag von 4 Pf. pro Kopf ihrer Mitglieder zu zahlen. Der Gewerkschaftskongreß wählt die ans sieben Mitgliedern be- stehende Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlai'ids. Die Aufgaben der Generalkommission sind: Die gewerkschaftliche Agitation zu fördern und den Zusammen- schluß kleiner, existenzunfähiger Verbände und Lokalorganisationen zu leistungsfähigen Centralverbänden anzustreben, die gewerkschaftliche Statistik zu pflegen, ein Blatt herauszugeben, welches die Verbindung sämtlicher Gewerkschaften mit zu unterhalten, die nötigen Bekannt- machnngen zu veröffentlichen und eine regelmäßige Uebersicht über alle Vorgänge in den deutschen wie auch ausländischen Gewerkschaften zu geben hat usw. Zur Unterstützung der. Generalkommission wird von den Central- vorständen der Gewerkschaften, welche regelmäßig Beiträge an die Generalkommission zahlen, und den dazu berechtigten Lokalorgani- sationcn je ein Vertreter ernannt. Diese Körperschaft führt den Namen Gewerkschaftsausschuß. Das Regulativ wird ohne Debatte gegen 3 Stimmen an« g e n o m ni e n. Ueber den nächsten Punkt: Die Stellung der Gewerkschaftskavtelle in der Gewerkschaftsorganisation referiert Legte«: Die Frage der Gewerkschaftskartelle ist gegen die Meinung der Mehrheit der Generalkommission auf Wunsch des Gewerkschaftsausschilsses auf die Tagesordnung gekommen. Ich em- pfehle Ihnen, die Frage der Kartelle bis zum nächsten Kongreß ruhen zu lassen. Es sind eine Menge Anträge zur Kartellfrage ge- stellt worden. Rundweg abzuweisen sind die Anträge, welche den Kartellen eine besondere Organisation geben wollen, um ihnen eine Vertretung auf dem Kongreß einzuräumen. Unter den hier an- weseuden Delegierten find 37 Proz. Mitglieder der örtlichen Kartelle. Am besten ist es, bei den 1839 gefaßten Beschlüssen stehen zn bleiben und vorläufig die Frage zu vertagen. Aus der' lebhaften' Diskussion ist hervorzuheben, daß Rex- Häuser-Leipzig den Antrag vertritt, daß in den Kartellen nur diejenigen Organisationen zugelassen werden sollet?, welche von der Generalkomniisston anerkannt werden. Er verweist auf die Verhält- nisse im Leipziger Kartell, das die 192 Mann starke Centralorgani- sation der Gewerkschaft der Buchdrucker anerkennt, aber den Verband ausgeschlossen habe� So lange die„Gewerkschaft" im Leipziger Kartell zugelassen sei, lehnten die Buchdrucker jede Beteiligung ab. Das schlimme sei, daß das Leipziger Kartell Schule mache.' Ein paar ebenso komplett verrückte Kartelle(Der Vorsitzende rügt diesen Ausdruck) schlössen sich den Beschlüssen des Leipziger Kartells an. Es wird schließlich beschlossen, die Frage der Kartelle auf die Tagesordnung des nächsten Kongresses zu setzen. Außerdem stimmt die Mehrheit dem Antrage der Buchdrucker zu, daß in den Gewerkschaftskartellen nur Organisationen vertreten sein können, die von der Generalkommission anerkannt sind. Hierauf wurden die Mitglieder der Generalkommission gewählt. Das Resultat haben wir bereits in der Sonntag- nummer mitgeteilt. Fiir die Kommission, welche die Frage der Schaffung eine? NnterstiitzungSfondS für die GcwerkschaftSbeamtc» vorznberaten hatte, schlägt Päplow- Hamburg eine Resolution des Inhalts vor, daß die Frage einer Versichernngskasse für die Beamten der Gewerkschaften für Witwen und Waisen zu gründen, principiell bejaht Iverde. Die Kommission empfiehlt aber dem Kongreß, keine besondere Versicherungskasse zn schaffen, sondern die Gcneralkommission zu beauftragen, mit dem Verein„Arbeiter- presse" nach der Richtung in Verbindung zu treten, daß ein Anschluß der Gcwerkschaftsbcamten an die Unterstützungskasse des Vereins „Arbeiterpresse" gefunden tvird. Vöräiissetzung ist, daß die Leitung der Gewerkschaften einen der Zahl der versicherten Mitglieder ent- sprechenden Anteil an der Verwaltung erhält und daß die Unter- stütznngSkasse völlig getrennt von den übrigen Zielen des Vereins „Arbeiterpresse" verwaltet wird. Die in der Kommission an- wcsenden Vorstandsniitglieder des Vereins„Arbeiterpresse" haben die Erklärung abgegeben, daß eine Erfüllung dieser Voraus- setzuilgeu sicher in Aussicht genommen werden könne. Der Anschluß empfehle sich schon ans finanziellen Gründen. Wenn zu den 320 Mitgliedern des Vereins„Arbeiterpresse" über 450 Gcwerkschaftsbcamle hinzutreten, so würden für die etwa 800 Mitglieder der neuen Kaste gute finanzielle Grundlagen geschaffen. Eine Bedingung empfehle die Kominission noch zn stellen. Die Ver- Handlungen mit dein Verein„Arbeiterpresse" sollen bis spätestens 1. September abgeschlvsten sein. Sollte das nicht gelingen, so sei die Gcneralkommission ohne weiteres zn beauftragen, eine selbständige Unterstütziingskasse zu schaffen. Den Vorständen der Centralverbände soll es zur Pflicht gemacht werden, die Hälfte der noiwendigen Bei- träge für ihre Veaiiitcn zn bezahlen. Was die Höhe der Beiträge und der Unterstützungen anlangt, so hat nian sich an das Statut des Vereins„Arbeiterpresse" angeschlossen. N a ch m i t t n g s s i tz n n g. Referent Unibrcit- Hamburg verbreitet sich in längeren Aus- führnngeil über die Nolivendigkeit und sociale Bedeutung einer Untersiützungskasse. Von der Möglichkeit einer Verschmelzung mit der Unterstützungskaste des Vereins„Arbeiterpresse" ist er nicht so überzeugt wie der Referent der Kvnunission. Jedenfalls müssen sich die Gewerkschaften auf die selbständige Schaffung einer Kasse vor- bereiten. Bömelbnrg fügt erklärend Hinz», daß es sich um eine durchaus freiwillige Versicherung handle. Der Beitritt stehe jeder Gewerkschaft und jedem einzelnen Geivcrkschaftsbeamten frei. Die Vorschläge der Kommission werden mit großer Majorität g e n e h»i i g t. Rcxhäuscv-Loipzig nennt nachträglich den Entwurf unannehmbar; würden die Gruudlageii nicht verändert, so werde die Sache im Saude verlaufen. Verhandelt ivird hierauf über einen Antrag deS Bcrg- arbeiter-VcrbandcS, die Generalkoiuniissiou zu beauftragen, eine Ilmfrage über staatliche oder private Fabrikpensionskassen zu ver- nnstalten, die Leistungen und Gegenleistungen zu prüfen und das Material zu veröffentliche». Dem deutschen Reichstage soll das Material mit dem Ersuchen übermittelt iverden, die bei den Pensions- lassen Vorhände»«« Uebelstände durch gesetzliche Maßnähmen z» be- 'eitigen. Insbesondere sollen solche Kasten durch GesetzeSbestinunung ge- halten sein, allen ans dem betreffenden Arbeitsverhältnis ausscheidenden Mitgliedern ihre eingezahlte» Kassenbeiträge auf ihren Wunsch zurück- zucrstatten. Verzichte» diese Mitglieder auf die Rückzahlung ihrer Beiträge, so behalten sie die bis zum Anstritt erworbenen Rechte an die Kasse, so daß sie bei später eintretender Eriverbsunfähigkeit Penston oder, im Falle des Ablebens, die Hinterbliebenen die ihnen zustehende Rente erhalten. Ferner soll es auch allen ans dem die Kasteinnitgliedschaft be-. dingenden Arbeitsverhältnis ausscheidenden Peustonskasscu-Mitgliedern reislehen, Mitglieder der betreffenden Peusionskassc zn bleiben, unter Fortzahlung der Beiträge einschließlich der Arbeitgeberbeiträge. Im letzteren Falle ist dann auch die zu gewährende Pension den Beitrags» jähre» entsprechend zu steigern. Schließlich soll auch bei solchen Kasten zu den Wahlen aller Kassenvertretcr das geheime, direkte, gleiche Wahlrecht für alle er- wachse»«» Kassenmitglieder, einschließlich der freiwillig fortstcncrnde» Mitglieder, gesetzlich eingeführt werden. Der Kongreß ü b e r w e i st diesen Antrag ohne Diskussion der Generalkomuiission zur Berücksichtigung. Ebenso wird ohne Diskussion einstimmig der Antrag deS Vorstandes deö Bnchbiudcrvcrbandeö angenommen: „Der Kongreß soll erklären, daß er, abgesehen von andren dringend erforderlichen Aenderinigen der Gcwerbe-Ordnung, eine Revision des Z 134b für notivendig hält, und zwar ist in diesen Paragraphen: 1. die Bestimmung ailfzunehmen, daß in Berufe», wo beiderseitig ausgearbeitete Lohntarife bestehen� bei der Art der Lohn- berechung dieselben zu Grunde zu legen sind: 2. daß bei Verwendung der Strafgelder den Arbeitern das Mitbestimmungsrecht zusteht/' Der Verband der GnstwirtSgehtlfeu beantragt: „Der Getverlschaftskougrcß wolle die folgende, von der General- Versammlung des Verbandes der Gastivirtsgehilfen angenomnrene Resolution als richtig und die gestellten Forderungen als berechtigt aiierkcnuen: Da in letzter Zeit die Klagen der A n g e st e l l t e n, welche in den Gc Werkschaftshäuser n beschäftigt sind, soweit sie dem Gastwirtsgcwerbe angehören, sich ständig wieder- Holen, so erachtet es der Verband für seine Pflicht, sich insbesondere dieser organisierten Gehilfen nnzuiiehmen. Der Verband sieht sich deshalb veranlaßt, eine Enquete über die Arbeits- und Lohnverhält- nisse dieser Angestellten vorzunehmen, um auf Grund derselben diese Verhältnisse zu verbessern. Da die ans dein Boden der modernen Arbeiterbewegung errich- tetcn Gcwcrkschaftshäuser den Forderungen unsrer Organisation bisher fast gar keine Rechnung getragen haben, so sieht sich der Verbandstng des Verbandes deutscher Gastivirtsgehilfen nochmals veranlaßt, die mininialcii Forderungen dcS Ersten Ällgcmcinen Fach kongresscs der Gastivirtsgehilfen Deutschlands geltend zu inachen."— Diese»» Antrag zufolge ivird die Generalko m in i s s i o beauftragt, zu n n t e r s u ch e n, wie die A n st e l l n n g s b e d i n g n n g e n für Kellner in den G e Iv e r k s ch a f t s h ä u s e r u sin d. Legicii-Hamburg berichtet noch über die Vcitragsrürkstände einiger Oi'ganisationen und beantragt, diesen die rüikstäudigcn Bei trage bezlv. die erhaltenen Darlehen zu erlasse», mit Rücksicht an die ungünstigen Verhältnisse der fraglichen Gewerkschaften. Der Kongreß beschließt demgemäß. Zu den GchaltSverhältnissen der GewerkschaftSbenniten einhfiehlt namens der Gcnerallommission Legicn-Hamburg dem Kongreß folgende Anregung: «Der GewerkschaftSkoiigrcß empfiehlt den Gewerkschaften, als Norm für die Entschädigung der Gcwerkschaftsbeamtcn und Ncdactenrc festzusetzen:„DaS Aufaugsgehalt bcträgi 2000 M. pro Jahr und steigt in den cbstcn siinf Jahren inn 100 M. jährlich, in den folgenden Jahren um SO M. jährlich bis zum Höchstbctragc von 3000 M." Damit ist die Tagesordinmg erledigt. Das Schlußwort nimmt Böinelburg-Hamburg: Er spricht dem Stuttgarter Lokalkomitee den Dank des Kongresses ans: die De- legierten werden Stuttgart nicht so bald vergessen. Die Erledigung der Geschäfte des Kongresses habe gezeigt, daß der Arbeiter immer mehr fähig iverde, seine Jntcrcssen selbst zu vertreten. Auch haben wir dieses Mal nicht Gelegenheit gehabt, herbe Worte über Posadowsky zu sprechen. Er hat cincii Vertreter geschickt; ihn zu begrüßen, war die schiverstc Aufgabe. Die Herren sind uns auch künftig ivillkoinincn. nur mögen sie von Anfang bis zu Ende da sein, damit sie alles hören. Auch sonst könnten sie uns mehr höre»; so würde es au" dem Gebiet der Socialpolitik anders werden. UnS hat es nicht gc schadet, daß die RcgicruiigSvertrctcr hier waren. Wir sind dieselbe» geblieben. Die deutsche Gcivcrkschaslsbeivegnng und die Social demolratic sind eins. Gegen den Zolltarif haben wir eine Ncsolnlion beschlossen. Abrechnen werden wir das nächste Jahr. Die deutschen Gewerkschaften werden der Negiernng gegenüber sich nach wie vor auf den Standpunkt stellen: Nieder mit dieser Vorlage! Wir gehen jetzt nuscinaiidcr in dem feste» Bewiißtscin, Tüchtiges und Gutes für die deutsche Arbeiterbewegung geleistet zu haben Wen» wir in drei Jahren wieder zusammenkonimen, muß unsre Position noch stärker geworden sei». Für uns giebt es keinen Frieden n»r Kampf. Ein dreifaches Hoch der Arbeiterbewegung und der interuatioualen Solidarität! Der Kongreß ist geschlossen. Genosse Mattutat-Stuttgart ersucht uns u>n Aufnahme der folgenden Richtigstellung: In dem Bericht über den 4. deutschen Gewerkschaftskongreß in Nr. 141 des„Vorwärts" lassen Sie mich anSfiihrcn:„Zum Beispiel das Nürnberger Sekretariat hat sich zu große Aufgaben gestellt, wie Erhebungen Über Arbeitslosigkeit in den cinzelncn Berufen jc." Das ist nicht ganz richtig und kann zu Mißvcrständnisseii führen. Ich sagte lediglich,' daß die'von dem Arbcitersekretarint Nürnberg als Programm aufgestellten Aufgaben, welche auch von andren Sekretariaten überiioinmcil wurden, nieist nicht durchgeführt werden koimlcn nud nian gezwungen gewesen sei, die Sekretariats thätigkcit im wesentlichen auf die NuSkunftSerteilung und Rechts Vertretung der Arbeiter zu beschränken. Im Gegensatz hierzu hat daS Arbeitersekretariat Nürnberg— unterstützt durch günstige fiuaiiziellc Verhältnisse— an seinem Programm festgehalten. Die Streiks in» Jahre 1901. In Nr. 24 des„Korrespondciizblatt" veröffentlicht die Generah Kommission der Gciverkschaften Dentschlauds die Ergebnisse ihrer Strcikstatistik für 1S01. Einige Wochen früher wie im vorige» Jahre, und noch vor der Bekanntgabe der amttichcn Strcikstatistik konnte die Geueralkoininission in diesem Jahre ihre nach den ver- schiedenslen Richtungen hin gründlich durchgearbeitete Statistik der Oeffeiitlichkeit übergeben. Die Ergebnisse der Erhebungen sind znsninmengcstcllt in zwölf Tabellen, deren Studiinn allen Jntcresscnten aiigelegenllichst empfohlen werden kann. Wir müssen uns auf die Wiedergabe einiger der wesentlichsten Punkte be schränken. ES sind ini Jahre 1001 insgesamt 727 Streiks mit 48S22 Bc tciligtcn, 3283 Wochen Daner und 2 SIS 888 M. Streiktostcn zu verzeichnen. Rechnen wir die 68 Streiks nüt 444 Beteiligten hinzu, über die nur sumninrische, für die Statistik nicht verwendbare An gaben vorliegen, so sind nach den Angaben der Gewerkschaften im letzten Jahre 705 Streiks mit 48 066 Beteiligten geführt worden. Im Jahre 1000 waren unter Hinzurechnung der Streiks, für welche die näheren Angaben fehlten, 034 Streiks mit 116 214 Beteiligten zu verzeichnen.'Demgegenüber blieb im letzten Jahre die Zahl der Streiks um 130, die Zahl der Beteiligten uni 67 248 zurück. Von den Streiks waren 267 36,3 Proz. erfolgreich, 171— 23,6 Proz. teilweise erfolgreich und 237— 32,6 Proz. erfolglos, während bei 30 Streiks der Ausgang nicht be» kaniit war und 13 Streiks am 1. Januar 1002 nicht beendet waren. Das Jahr 1000 wies 44,1 Proz. erfolgreiche, 25,3 Proz. teilweise erfolgreiche und 25.S Proz. erfolglose Streiks auf. Der Ausgang der Streiks hat sich mithin wesentlich zu Nu- gunsteii der Arbeiter verschoben, eine Erscheinung, die als Folge der ungünstigen Wirtschaftskonj»nkt»r anzusehen ist. Aber auch in der Art der Slreiks kommt die ungünstige Geschäftslage klar zur Er- scheiinnig. Von den Streiks waren 201--- 40 Proz. Angriffsstreiks und 436— 60 Proz. Abwchrstrciks. Im Jahre 1000 war das 'Prozentverhältnis genau umgekehrt, obgleich auch schon in diesem Jahre der wirtschaftliche Niedergang sich deutlich fühlbar machte. Die höchste Zahl der Angriffsslreiks fällt also nicht mit dem Höhe- Punkt der Geschästskonjnnktur zusammen. Den größten Anteil an der Streikbewegung im Jahre 1901 halten die Maurer mit 158 Streiks und 0273 Beteiligten. Der Zahl der Streiks nach folgen dann die Holzarbeiter mit 34. die Metall- arbeiter mit 70 und die Zimnierer mit 36; der Zahl der Beteiligten nach aber die Glasarbeiter mit 4177, Textilarbeiter mit 3845, Fabrikarbeiter mit 2030, Metallarbeiter mit 2006, Schneider nnt 2400, Holzarbeiter mit 2300 und Maler mit 2210. In den übrigen Ge- werben betrug die Zahl der Streikenden unter 2000. Der Verl n st a n A r b e i t s z e i t ist mithin bei 661 Streiks mit 44 302 Beteiligten insgesamt mit 1 276 122 Tagen festgestellt worden. Hiervon'entsallen 605 221 Tage auf Angriffsstreils und 670 001 Tage auf Abwchrstrciks. Ter Verlust an Arbeii-wekdimst bclrnz bei den Angriffsstreiks für 10 521 Streikende 2 Oi.l 802 M. und bei den Abwchrstrciks für 10 380 Stieilende 1 007 280 M. Die Mehrzahl der Streiks im Jahre 1901 wurde zur Abwehr von L o h n r e d u c i e r n n g c n geführt und zwar in 26 Berufen 213 Streiks mit 8533 Beteiligten. Erfolgreich waren von diesen Streiks 80=- 37,6 Proz. Es hatten vollen Erfolg 2220, teilweisen Erfolg 2283 der Beteiligten. Um Lohnerhöhung wurden in 28 Berufen 127 Streiks mit 11 323 Beteiligten, wovon 4127 vollen und 3705 teilweisen Erfolg erzielten, durchgeführt. Von diesen Streiks waren 55— 43,3 Proz. erfolgreich. In 25 Berufen wurde in 108 Fällen mit 6316 Beteiligten um Verkürzung der Arbeitszeit und L o hoi e r h ö h u n g gestreikt. Hierbei hatten 1315 Beteiligte vollen und 3130 teilweisen Erfolg, 37 dieser Streiks — 34,3 Proz. waren erfolgreich. 05 Streiks mit 6001 Beteiligten cntstaudcn infolge verschiedener Forderungen und Ursachen und 60 Streiks mit 2813 Beteiligten wegen Maßregelung. Bei den erstcrcn hatten 305 Beteiligte vollen und 566 teilweisen Erfolg. 35 Aussperrungen mit 8460 Beteiligten waren zu ver- zeichnen, von denen 25,7 Proz. zu Gunsten der Arbeiter endeten. 2056 der dabei Beteiligten hatten vollen, 4135 teilweisen Erfolg. Ferner wurde in 21 Fällen mit 764 Be- teiligtcn wegen N i ch t i n n e h a l t u n g der allgemein üblichen Arbeitsbedingungen, in 10 Fällen von 1235 Personen zur Abwehr einer Verlängerung der Arbeitszeit, in 15 Fällen von 230 Beteiligten um Beseitignug mißliebiger Personen, in 15 Fällen von 1230 Personen Ivcgcn Austritts aus der Organi- sation, in 7 Fällen von 163 Personen wegen schlechter Behandlung, in 6 Fällen mit 275 Beteiligten wegen der Fabrikordnung und in 5 Fällen von 183 Personen um Verkürzung der Arbeitszeit gestreikt. I» einem Falle streikten 27 Personen imi Durchführung der A r b e i t e r s ch u tz- B c st i m m u n g c n sSonntagsruhe). Die wegen Maßregelung und Austritt ans der Organisation ge- führten Streiks weisen in den letzten beiden Jahren eiiien geringeren Erfolg auf, als die meisten aus andren Gründen erfolgte!, Arbeits- cinstcllnngcn. Rehmen lvir die verschiedenen Arten der Streiks nach dem Prozentsatz des Erfolges, so crgiebt sich nachstehende Reihenfolge: Erfolgreich UrsachedesStrcikS in Prozente» Einführung einer Fabrikordnimg Verküizung der Arbeitszeit 1001 83,3 60,0 Schlechte Behandlung der Arbeiter...... 57,1 Beseitigimg mißliebiger Personen...... 53,3 Nichtimmchaltung der allgemein üblichen Lohn« und Arbcitsbcdingnngcn........ 47,7 Verlängerung der Arbeitszeit........ 47,3 Lohnerhöhung............. 43,3 Lohnredneiernng............ 37,6 34.3 1000 68,7 16.6 40,0 44,4 63,6 46.6 46.0 43.3 37.2 34,8 20,0 Berlürzung der Arbeitszeit und Lohnerhöhung Maßregelung............. 33.3 Aussperrnngen............. 25.7 Austritt aus der Organisation....... 6,7 Es sind dann noch bei den Angriffstreiks von 1001 17,2 Proz. wegen verschiedener Ursachen cntstandcncr Arbeitseinstellungen erfolg reich gewesen, wogegen es 1000 deren 51,4 Proz. waren. Das iingüiistige Ergebnis iin Jahre 1001 liegt an dem Verlorengehen des Generalstreiks der Glasarbeiter, der in der Statistik nicht als c i» trcik, sondern in 21 Einzclstrciks angeführt ist. Die Angaben über die Zahl der Betriebe, auf welche die Streiks sich erstreckten, sowie über die Zahl der darin beschäftigten Arbeiter sind zwar noch nicht vollständig, jedoch für 1001 schon wesentlich vollständiger, als sie es für 1000 ivareii. Insgesamt wurden nach den vorliegenden Angaben 4000 Betriebe mit 53 701 männlichen und 4046 weiblichen Arbeitern betroffen. Von den 45 106 mäunlichen Streikenden waren 36 008 organi sicrt und waren davon 25 233 seit mindestens sechs Monaten vor Beginn dcS Streiks Mitglieder der Organisation. Von den 3326 weiblichen Streikenden waren 1151, davon 542 seit mindestens sechs Moiialcn vor Beginn dcS Streiks organisiert. Daß die Uulcrnehmcr keinesfalls außer stände sind, die Forderungen der Arbeiter zu bewilligen, dürfte daraus hervorgehen daß vielfach schon Arbeiter des gleichen Berufs am Streik- orte die Nrbcitsbcdiiignngcn haben, ivelche ibre Berufs kollegcn eist durch einen Streik erkämpfen müssen, ander seilS aber auch daraus, daß oft von einzelnen Unternehnierii die gestellten Forderungen bewilligt werden, ohne daß die EinstcNnng der Arbeit erforderlich wird. Die von den Gewerkschaften für die AugriffslrcikS im Jahre 1001 gemachten FeststeNuiigen ergeben, daß von den au den Streikorten befindlichen in Frage kominende» 6482 Betrieben mit 20 307 Arbeitern für 603 Betriebe mit 4115 Ar beitern die gestellten Forderungen ohne Streik bewilligt wurden, während 1304 Arbeiter die geforderten Lohn- und Arbcitöbcdiugimgcn schon halten, ehe sie von ihren Bcrnfsgenossen gefordert wurden. Vor immöglich zu bewilligende Fordermigcii dürften die Untcrnchmcr wohl niemals von den Arbeitern gestellt werden. Aber daß diese überhaupt mit Forderungen kommen, das ist es, was die Mehrheit der Unternehmer nicht gelten lassen will. Die Arbeiter haben im letzten Jahre in 670 Fällen versucht, eine E i n i g n n g zu erzielen, ehe sie zum Streik griffen, und 841inal ist bei den verschiedenen Streiks versucht worden, den Kampf durch eine Verständignng beizulegen. Diese Versuche wurden aber 32Sinal rundweg von den Unternehnierii abgewiesen. Von den Streiks, welche schließlich durch einen Vergleich bei gelegt wurden, endeten 303 durch Verständigung zwischen den direkt Beteiligten. In 126 Fälle» erfolgte der Vergleich durch Vcrmittcluiig des Vorstandes oder der Lokal verwaltniig der Organisation am Strcikorte, in 33 Fällen vor dem Gewcrbcgericht und in 15 Fällen durch Verinitteluug dritter Personen. Ans den Ergebnissen der Strcikstatistik ist sodann noch von Jnter- esse die Aufbringung der finanziellen Mittel für die Streiks. Von der Gesamtausgabe von 2 515 838 M. wurden den Kassen der an den Streiks beteiligten Organisationen 1734 401 M. eiitnomnieii. 370 088 M. kamen aus freiwilligen Beiträgen der Mit- glieder, 35 568 M. durch Laminlungen und 238 779 M. durch Beiträge andrer Gewerkschaften ein. Aus dem Auslände wurden zur Unterstütziing der Streiks 103 306 M. gesandt. Hiervon entfallen 00 020 M. auf die I Glasarbeiter, 2038 M. auf die Kupferschmiede und 1403 M. auf die Tabakarbeitcr. In den andren Gewerben war die Jiianspriichnahme der Hilfe des Auslandes nicht erforderlich. Das Ergebnis des Kampfes im Jahre 1001— so schließt der Bearbeiter der Statistik Genosse L e g i e n seine Betrachtung der- selben— ist, soweit der Erfolg der Streiks in Frage konmit, kein ür die Arbeiter besonders günstiges gewesen. Bei der Mehrzahl der geführten Kämpfe in der Abwehr handelnd, mußten die Arbeiter wiedcrinn erkennen, daß in der Periode ungünstiger Wirtschafts- koiijnnktnr der Unternehmer sich oft als stärkerer Teil erlveist. So wenig aber ein Rückgang in den Gewerkschaften während der Zeit der Krise den Beweis liefert, daß die Organisationen in solchen Perioden an Widerstandskraft einbüßen, so wenig ist daS Unter« liegen der Arbeiter bei einer größeren Zahl Streiks während der migünstigcn Konjunktur ein Beweis dafür, daß in olchen Perioden die Arbeiter nicht widerstandsfähig sind. Gewiß, s soll in der Zeit der KrisiS genau erwogen werden, ob es ratsam um gestellte Fordenmgen zu streiken oder den Versuch der Unter- nehnier, eine Verschlechterung der Lohn- und ArbeitSbediiigungen herbeizuführen, durch einen Streik abzuwehren. Aber willenlos alles himichmen, was die Unternehmer in solchen Zeiten den Arbeitern bieten, dazu kann niemand, der die Rechte der Arbeiter gewahrt wissen will, raten. Starke Organisationen werden auch während der KrisiS die Angriffe erfolgreich abzuwehren vermögen. Ans dev Arbeiterinnen Schönebergs! Am 25. Juni findet bei Obst. Meiiniigerstr. 8, eine öffentliche Versainmluiig für Männer und Frauen tatt, in welcher Sicichötags-Abg. Ledebour einen Vortrag halten wird über das Thema:„Was für ein Interesse hat eine Arbeiter- familie am Zuckergesetz?" Diese Frage interessiert namentlich die Frauen des Proletariats; eS ist deSlvegen nicht nur notwendig. daß die Genossinnen selbst in der Versammlung möglichst vollzählig erscheinen, sondern es ist auch ihre Aufgabe, eifrig für den Besuch der Versammlung zu agitieren und die Säumigen heranzuholen. Die Vertrauensperson. Vevsaimnlmrgrn. Eine sehr stark besuchte Stcinarbciter- und Bildhauer- Vcrsauiuilnng tagte am 18. d. M. im Englischen Garten. lieber die Vergebung der Stcinmetzarbeiten am Rathansbau berichtete die Konmiission, die beim Stadtbaurat vorstellig geworden ist. Der Vertreter des Baurats Hoffmann habe erklärt, die Steinmctzarbeiten zum Rathausneubau würden aus Muschelkalk, der im bayrischen Maiugebict gewonnen wird, ausgeführt und größtenteils auch dort fertiggestellt. Die Arbeitcrvertreter wiesen auf die große Arbeitslosigkeit hin, die bei den Steinarbeitern und Steinbildhaucrn herrscht', es sei doch deshalb Pflicht der Kommune, dafür Sorge zu tragen, daß ein gewisser Teil dieser Arbeiten hier ausgeführt werde. Der Stadtbauratvertreter habe erklärt, wenn festgesetzt würde, daß ein Teil der Arbeiten in Berlin angefertigt werden müsse, so würden sich schwerlich Snb- mittenten finden', denn die Löhne seien in Berlin sehr hoch. Der Kommission war es nicht schwer, diese Ansfnhrungen sachlich zu widerlegen. Die Versammlung war von diesem Bescheide nicht be- friedigt. Eine Petition, die über fragliche Angelegenheit am 13. Dezember 1001 an den Magistrat abging, ist bis heute noch nicht beantwortet. Sämtliche Disknssionsredner geißelten es scharf, daß die Berliner Steinarbeiter nicht berücksichtigt werden. Folgende Resolution fand einstimmige Annahme: Die Bersanmtlung der Sleinarbeiter und Stcinbildhancr hält die im Dezeniber vorigen Jahres an den Magistrat von Berlin abgesandte Petition ausrecht »nd beauftragt die Vertrauensleute der Steinarbeiter und Stein- bildhauer, sich nochmals an den Magistrat von Berlin zu lvendcn, um eine Antlvort zu erhalten. Eine Versammlung von städtischen Arbeitern der Stein- Plätze fand am Somitagvormittag statt. Schubert verwies bc- sonders auf die in der nächste» Stadtverordneten-Versammlung zur Tagesordnung steheiiden Anträge der socialdemokratischen Fraktion in Bezug des S o»i in e r n r l a u b s der Arbeiter. Lebhaften Uli- willen rief die Mitteilung einiger Kollegen hervor, daß den erkrankten Arbeitern bisher ein Zuschuß in Krankheitsfällen nicht gewährt worden sei. Nachdem also durch Magistratsbeschlnß, lebhaften De- bntten und Bcschlußfaffung im Stadivcrordnetcn-Kollegium, Kritik der Berliner Presse, Verfügungen und Erklärungen an die zuständigen Verwaltungsstellen die Berechtigung für die Gewährung der Differenz zwischen Loh» und Krankengeld anerkannt ivurde, hält es die Verwaltung nicht für nötig, den Arbeitern diese Unterstützung anSzu- zahlen. Noch befremdlicher war die Mitteilung, daß Arbeitern, die über fünf Wochen krank sind, das Arbeitsverhältnis einfach g e- kündigt wird. In einer an die Deputation zu sendenden Petition wollen die bctrcffendcu Arbeiter um Abhilfe dieser Mißstände ersuchen. Reinilkendorf. Die Vereiiisvcrvcrsaiimiluug fand am Mitt- woch, den 18. d. M., im Vercinslokal„Zur Tanne" statt. Genosse FcNdel referierte über„Kultur und die Frauen". Die Versammlnng, die gut besucht war, nahm den Vortrag mit lebhaftem Beifall auf. An' der DiSknsfiou beteiligten sich die Genossen Leonhardt I und Ohl. Der soclaldcinokrattschc Wahlvcrein für Tegel und Um- gegcnd hielt am 16. Juni bei Klippenstcin(Seeschlößcheist seine erste Monatsversanimlung ab. Referent Genosse Waldeck Ma nasse referierte über daS Thema:„Wie Kirche und Kaserne der Freiheit schaden." Der Vortrag wurde mit großem Beifall anfgeuommen. An der Diskussion beteiligten sich die Genossen Liebelt, Seider und H o f f m a u». 26 Personen meldeten sich zur Aufnahme in den Wahlvcrcin. Friedrich"felde. In der am Montag im Lokal von Haberland tagenden Versainnilung des socialdemokratischen Wahlvereiiis, ander sich auch Frauen als Znhvreriimen beteiligten, sprach Genosse Dr. Wey! über: Vernunftgemäße oder hygienische Lebensweise der Arbeiter.— Nachdem in der Diskussion die Genossen P i n s e l e r »nd Gronwald über Mißstände der öffentlichen Gesnndhcits- pflege seitens der Geiucinde gesprochen, schloß die ziemlich gut bc- suchte Versainmlmig. Köpenick. Am 17. Juni hielt der hiesige socialdemokratische Wahlverei» seine regelmäßige Versammlung im„Kaiserhof" ab, in welcher auch zahlreiche Froucii als Gäste anwesend waren. Genosse K o tz k c- Berlin hielt einen Vortrag über„Junker und Bauer", wofür ihm die Versainmlnng reichen Beifall zollte. Sodann gab Genosse G ü h n e die Abrechnnng von der Maifeier, nach welcher ei» Ucberschuß von 76,40 M. zu verzeichnen ist. Ferner beschloß die Vcrsainmlinig, das diesjährige Stiftungsfest am 0. August bei Reichelt, Lindcnstraße, abzuhalten._ WittcrungSüberslchi vom 23. Juni 1002. morgens 8 II Hr. Stalioiien CE I s£ ZS Scj Swineiiide. Haniburg Berlin Fiaiilf.M. Minichen Wien. 762 NW 766 WNW 764 NW 768 SW 776 W 76ö W Wetter IS 3! �ll in 4 bedeckt j Zhlb.bed. 3 wolkig 3 wollig 4 heiter 1 1 Regen Stationen= Haparauda 769 NNO Pclcrsbiirg—!— Co et. 765 SW Abcrdee»|—|— Paris! 769 S 6wolkelil 12 4D»l>st 13 Ihciter 18 Boctter-Prognosc für Dienstag, den 24. Juni 1002. Ziemlich heiter, mn Tage etwas wärmer bei mäßigen nordwestlichen Winden; keine erheblichen Niederschläge. Berliner W e t t e r b n r e au. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß mein lieber Mann, der Schankwirt 422b We-rne,' am Herzschlag plötzlich verschieden ist. Die Beerdigung findet am DienStag, nachniitlagS 4 Uhr, vom Trauerhanse, Schliemannstr. 48, aus nach den» Belhsenianc- Kirchhof, Nlcder-Gchön- Haufen-Nordeud, statt. Die trauernde Witwe. Für die Teilnahme bei der Becrdi- ning meines lieben Mannes, des MaurerS Hcrnmnn mobins sage ich alle» Verwandten, Freunden und Bekaniiteii meinen herzlichsten Danks 414b Witwe knobli,» und Kinder Taiirsaguug. s416b Allen Freuiideii und Verwandten, die ineinciii verstorbenen Manne die letzte Ehre erwiesen, insbesondere dem Metallarbciter-Verband sowie den Kol- legen der Firnia O. Falbe für den erhebenden Gesang, auch für die reiche Kranzlpcnde unlern herzlichsten Dank. Witwe Greklmann und Kinder. Für die vielen Beweise der Teil- nähme bei dein Begräbnis meiner lieben Frau Wnlbarga Hnlil. geb. Paepke sage alle» Freunden und Bekannten, sowie den Gesangvereinen Frohsinn, Hoffming, Lirdcssreundschaft, Liedertafel, Süd-Ost II, Tonblüte und Wacht auf I und dem Pahlscheu Dvppelqnartctt für den Gesang herz- lichen Dank. lürii�t i/alil. Bcklttmtmnchttng. Ortö-Krankenkasse Voxhagrn-Rnmmeiöbnrg. Wir bringen hiermit zur allgemeinen KeimtniS. daß das in der Generai- veriammliing vom 28. Dezember 1901 und 29. Aprtl 1992 beschlossene revi- dierte Statut am 24. Mai 1992 vorn Bezirksausschuß zu Potsdam gc- nehinlgt ist nud am 1. Juli 1992 in Kraft tritt. 273/18 Ter Vorstand der OrtS-Krankenkasse Boxhagc» Otnuniielsbiirg. _____ Budde._' 100 Proz. Verdienst. Ueberau sofort lohnende einfache Fabrikation tägl. Massenartikel, wozu wenig Kapital und keine Fachkennt- »isse erforderlich sind. Viele An- eikeuuungen. 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Geschlossen. «tVesten. Der Freischütz. Ansang 7l/z llbr. S)tetr»p»l.(Morwitz-Oper.) Tra- ■viata. Anfang 8 llhr. SiencS. Ledige Leute. Anfang l'/2 Uhr. Ncsidenz. Einquarlicrnng. Ansang 7'/, Uhr. Ventral. Coralie n. Cie. Anfang 8 Uhr. Thalia. Geschlossen. tvcllc-Nllianrr. Er.— Der Tisch- gast.— Zehn Mädchen und lein Mann. Ansang 8 Uhr. Varl Weih. Gefallene Mädchen. Ansang 8 Uhr. Friedrich-Wilhelmslädtisches. Der lustige Ehemann. Anfang Uhr. E. v. Wolzogens BnnteS Theater (Ucberbrettl). Anfang 8 Uhr. Schall»nd Ranch. Serenifssnins- Zwischenspiele n. a. Anfang 8'/, Uhr. Ilpollo. Lhsistrata. Specialitäten- Vorstestnng. Ansang 7r/z llhr. Rrichshallc». Stettiner Sänger. Ansang 8 Uhr. Passage- Theater. Specialitäten- Vorstellung. Anfang»achinittags 3 Uhr. Passage> Panoptiknni. Specialis täten-Vorstellung. Orpheus. Specialitäten-Vorstellung Anfang 8 Uhr. Charivari. Täglich ZZorstestnng Anfang 8 Uhr. ilrania. Tnnbenftr. 48/4!».(Im Theatersaal.) Abends 8 Uhr: Die deutsche Ostseeküste. Jndalidenstrasse S7/tiL. Täglich: Sternwarte._ Centtal-TWer. Heute, den 24. Juni, Anfang 8 Uhr. Zum vorlctztenmal:'TBE oralie& Cie. Schwank in 3 Akt. v. Albin Balabreque und Maurice Hennequin. Morgen: Dieselbe Vorstellung. % Apollo- Theater Um 7 Uhr: Garten-Konaert. Um 8 Uhr: Die seneatlonellen Speclalitttten I. Ranges. Um 9 Uhr: Mit kolossalem Erfolg Paul Llnckes Ausstattungs- Operette Lysistrata mit dem Luftballett„Grlgolatlsi' Kasseneröffnung 6 Uhr. c arl Weiss-Theater. Grosse Krankfnrterstr. 133. Abends 8 Uhr: Gefallene Mädchen. Berliner Sittenbild in 4 Akten. Morgen: Die Viper. Im Garten: Specialitäten-Bor- fieklnng. Anfang b>/, Uhr. Mittwoch: Kinderfest. Müol-Ms Anfang 8 Uhr. Morwltas-Opef. Franceschina Prevosü: Tauben-Strasse 48/49. Im Theater um 8 Uhr: Die deutsche Ostseekuste. CASTANS Panoptikum Frledrlch-Strasse 165. Photographische Aufnahmen von der Insel Martinique und von den Sohlachtfeldern Transvaals. Im Konzertsaal: Schwedische Künstlerkapelle 4 Damen, 2 Herren. IPassap-Panopticuin. ! Oer weibl. Affenmensch. Die Secjaugfei". Der Tigerknabe. |Von nachm. 4 Uhr VjStündlich Damen-Ringkampf. lAlles olmcKxtra-Entrco Passage-Theater. . Anfang Sonntags 3 Uhr, 1 Wochentags 5, Ende 11 Uhr. | Willy Präg er 16 Elite-Nummern. JJQT" Traviata._ Mittwoch: Vorletztes Gastspiel des Kammersängers Alfrad Oberländer; Die Rugenotten. Donnerstag: Ein IHa»>kcnbulI. Ereitag: Franceschina Prevostl: Carmen. Belle-Alliance-Theater. Ansaug 8 Uhr: ,,CEv". Pariser Lebensbild.»Der Tischgast" von Henry Pagat. Deutsch von E. Nema. Hierauf: ZehilMöiilsitilifiiiiktjilMiiil. .Simnlschc Operette von Franz Supps. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Heute Dienstag, ah 5 Uhr nachm: Militär- Doppel-Konzert. Abschieds-Gastspiel der Kapelle des Leib-Grenadier-Regts. No. 8 Dirigent: W. Lebede Jun. SßT" Entree 1 Mark von abends 6 Uhr ab SO l'f., Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. W. Noacks Theater. Briiimeiisttnfie 16. Täglich Theater- u. Sveeia- lifäfeil-Porsielluug. Rosen nnd Dornen. Burleske mit Gesang u. Tanz in 2 Akten. Im Saal: TanaEkrUnzseken. Eriibols-MG Allerlei Theater DM- früher Puhlmann-MU Schönhauser Allee No. 148. Heute Dienstag, den 24. Juni: kr. Konzert, Theater, Specialitäten nnd Ball. SSF" Nur noch kurze Zeit:-DW Das so erfolgreiche aktuelle grosse Volksstüik: Der Dillmaiitenraub. Dazu die urkomische Seusations- Pantoiuilne: Bttbenstreiche. Ansang Konzert 5 Uhr. Entree 30 Pf. Vrater-Theater Kastanien-Allee?-». Täglich:<9® Dutilj fremde Schuld. Bolksstück mit Gesang in 3 Akte». Dallettges. Latrlnl. Iz-rollenne älarv Hllys. Grotesqne-Kom. Paul Coradlnl. Brothers Fred, mustk. Excentrtcs. Mr. Barlllng, leb. Photogr. Fred Marzahnl Troupe, Paittoiu Muelkantenstreiche. Bartlings elektrische Feerle.(3000 Glühkörper.) Konzerl it. Ball, Anfang 4 Uhr. Eintritt 30 Pf., immmcrler Platz 50 Pf. Kalk». Reichshalle n. TUgllch: Stettiner Sänger. Anfang: Wochentags 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. Tageskasse 11— IVjUht Sanssonei Kottbnscrstr. 4 a, Station der Hochbahn, Täglich im Garten, bei ungünstig. Witterung iuiSaal: ISoirinann* Naihheiltsche Sällger nnd Konzert. Sonntag, Montag und Donnerstag nach der Soiree: Tanzkranzchr», Tanz frei! Anfang Sonntags 5 Uhr, EntrceSOPf., ab 9 Uhr 20 Pf. Anfang Wochentags 6 Uhr, Entrcc 30 Pf., ab 9 Uhr 20 Pf. UM Am Künigstlior 4202C* Am Frlcdrlclishaln Täglich:"9® Koiizttt, Thetiter, Speciali- tätc»-Vorsttlluilg uilifBak. Freier Damentanz bis 7 Uhr. io%: Blinhiteilstreiche. Operette in 1 Akt von Snppä. Vl/iiitccgsptcn. Ans dem interessanten �uoi-kroMmm: „Das Mädchen mit dem geld. Haar" und 16 eretklass. Specialitäten. Iruch-Pollmann empfiehlt fehl Lager tu Bruchban- dagen, Leibbinden, Geradehaltern, Spritzen, Suspensors, sowie»Sinti. Artikel zur Krankenpflege. S Eigne Werkstatt. f.OrtS-u.Hilfs-Kraiikcukassen Berlin C.,[3762«* 30. Zinieu-Äraße 30. Dr. Simmel, Prinzenstr. 41. Specialarzt für 25/17* Haut- und Hurnlcidea. 10-2, 5-7. Sonntags 10-12, 4-2. Mtuiifl! V. Wahlkreis. Allitimg! Donnerstag, 26. Juni, abends 8 Uhr, in den„Germania-Sälen", Chausseestrasse 103: ühUA suf tfn IN m fn mj Tages-Ordnung: 1.„Die Leiden des armenischen Volkes und die Pflichten Europas." Referent: Reichstags-Abgeordneter Ldnard Bsrnstsin. 2. Diskussion. SW Um die Versammlung zu einem wuchtigen Protest gegen die Unterdrückung der Armenier zu ge- stalten, ersuchen um zahlreichen Besuch 2I9/1S» Dio Vevkvttnonslenke. Prima Zahrriider, auch aus Teil- zahlnng ohne Preiserhöhung zu coulauten Bedingungen unter Ga- rautie. Wenig gebrauchte Räder auch aus Thcilz. unter Garant. Preise de- deutend ermässigt. Reparatur- anstalt aller Systeme schnell nnd billig. Adamelt& Eaudain,* Lothringcrstr. 48 I, am Roscnth. Th. W>lgtl»tkr«me»t« n. Keila, aller Art» iltfctt HITiälJ untttKawnttr MegobrU 1 ««»NM«! A HOa.nor,' l ■jBertnrultritcn t S. Ealaloge stelz 57- Pslllld Ali 5« Ps. Dnekware Mss-« Stück für I« Pf. Albreebt. 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Iklltglled»blieb legltimlert. 245/11* Zahlrcidics Erscheinen erwartet Der Verstand. -jiimiU und Arbeiterinnen Dcnt»clilnnd».(Zahlstelle Berlin.) Mittwoch, den 25. Juni, abends SVs Uhr: IWitglieciei*allersammBung. Tages-Ordnung: 1. Bortrag des Genossen Schulz über„Moses oder Darwin". 2. Dis- klissivii. 3. Verbandsaugclcgenhctten und Verschiedenes. Gäste haben Zutritt. Zahlreiche» Besuch erwartet 64/13 I>Ze Ortuvorwnltiing. Zahlstelle Berlin. Morgen, Mittwoch, den 25. Juni, abends 8� Uhr, im„Gewerkschaitshaus", Engel-Ufer 15: Vkrtriluensmiimier- Vn saminliing ssmtlichsn LvZeii'kS und Bpanciien. TageS-Ordnniig: 1. Sitnatiousbericht. 2 Antrag der Bautischler. WerkstattstreikS und Diffenizen. Die Kollege» werden ersucht, ans Jctl£U Werkstatt Delegierte zu entsende». M?" Mitgliedsbuch nebst Karte legitimiert."MS Tie jvrtsvrrwaltnng. Donnerstag, de» 26. Juni. abendS 8>/z Uhr: klSDDllDD-WWIDillDZ t StDllDiacIlDr im Lokale des Herrn Dauer, Rosciithalerstr. 57. TageS-Ordnnng: 1. Bericht vom VerbandStag. Berichterstatter: Kollege Klittgner» 2. Dtskiissioii. 3. Berbaudsangelegeiiheitc». 4. Verschiedenes. Mittwoch, 25, Jnnt, abcudö 81'2 Uhr, im GcwcrkschaftShanS, Eugel-Ufer IS lSaal V): Lcliilll\n\A Rauch (Kleines Theater) Unter den Linden 44. Dienstag, 24. Juni, abends SVjÜhr: �ereuissimus- Zwischenspiele«» Sommertheater G�aHes-aEbad Badstr. 35/36, Gesundbrunnen. jl Novitiit! Novität' ii BttliiuiiitS lebt md liebt. ! Original-Posse vom HanSdichter Paul Henning. vä» nkue Lpeciäl.-rrcgritmm. Fntree 20 Ft. Antang 5 Ohr. Passcpartonls haben Gültigkeit. Mi Kliems Sommer- Theater. HnHcnhelde IS— 15. Artistischer Leiter; Gust. Bock.j Täglich; Gp. Konzert, Theater- u. S|!ecialjtäteii-Vorsteliung{ Jeden 1. und 15. d. Monats: Wechselndes Programm! Donnerstag: Elite-TTag. Ostbahn-Park. Am Kllstrlnerplatz. RUdertdorferttr.71. Hermann Imbs. Täglich: Gr. fxmtxt, Theater und Speltalitaten- WrtMmig. TageS-Ordnung: 1. Die Arbeiterschutz-Gesetzgebnng nnd ihre internationale Regelung. Referent Genosse Koüke. 2. Disknssio». 3. Der Streik bei der Firma Schopf. Markushof, und das Verhalten der Kollegen vom„Hirsch-Dunckcr- Gcwerkocrein". 4, Verbandsangelcgeuheiten und Verschiedenes. Nichtmitglicder sind ivillkommen. Zahlreiche» Besuch erwartet Die �H'erk»tatt-Kautrollkemml«»l»n. bei Bauten, Orts-Krnnkenkaffe siir bl!s kwecbt der Tislhltr Uilb Piliilssortt-Arbcittt xn Berlin. Den Herren Arbeitgebern, sowie den Milgliedern zur gefälligen Kenntnis- nähme, dass die von der Gcneral-Versammluiig am 20. Marz 1902 beschlossene Statutenänderung vom Bezirlsausschuss genehmigt ist und mit dem 30. Jnnt 1902 in Kraft tritt. Die Aenderung betrifft§ 29 1—4. Derselbe erhält jetzt folgende Fassniig: Die wöchentlichen Kassenbeiirngc betragen: 1. für erwachsene mäniilidie Kassemnitglieder, ausschliesslich der Lehr- linge, 54 Pf.■, 2. für erwachsene weibliche Kassenniitglieder 33 Pf.; 3. für männliche Kassenniitglieder n»ter 16 Jahren und für Lehrlinge 24Pf.-, 4. für weibliche Kassemnitglieder unter 16 Jahren 18 Pf. Der VorMtund. 4086 _ F. Monlen, Vorsitzender. C. Arndt, Schriftführer._ Konsum- und Produktiv- Gennssenschaft B erlin-Rixdorf(E. 6. m. b. H.). Periclitlgiiiig�. In uiisrem Inserat in Nr. 143 des„Vorwärts", betreffend General- Versammlung am 30. Juni, muss es Heike»: „Zlnträge seitens der Mitglieder müsse» 5 Tage vor Stattstnden der Gcncral-Ncrsamnilnng dem Vorstände eingereicht sein"(statt; Bciirägc:c,). Golirnnokwila Gaslliaus zur Palme ww>i>»wui,«Si,b(End,tallon der„stern"-Dampfer) zilhabcr: Dermaiin jttter.©*«««»%: s». Empschlc mein allbekanntes, herrlich an Wald und Wasser belegenes Lokal den geehrten Vereinen und GeseNsdiafien zu Ausflügen. Ausspannung und Dampscrstcgc, Kegelbahnen, grosse Kasscckiiche. Gute Küche nnd bestgcpflegte Viere zu soliden Preisen. s4312L* DonnerStag, den 26. Jnui er., abends SV, Uhr, Frankfurter Allee 174: Mitglioderversammlunii f. FrledricbsDerg. Tages-Ordnung: 1. Wie stellen wir uns in Znlunft zu uuserni Bezirk und die Agitation in demselben? 2. Diskussion. Kollegen, die in Berlin arbeiten und in FriedrichSberg wohnen, machen mir es zur Pflicht, in dieser Versammlung zu erscheinen. 85/6*_ Die Ortgverwnltnng. I Mittwoch, den 25. Juni, abends 8l|j Uhr: General-fersamiiiliing in Stecherts Restaurant, Andreasstr. 31. Tages-Ordnung: 1. Bericht der Gesamtverwaltnng. 2. Bericht über die Aenderung einzelner Paragraphen des Statuts durch den Vorstand und tzlufsichtsrat. 3. Verschiedenes. Nur Mitglieder haben Zutritt.— Mitgliedskarte legitimiert. Der VorNtand. „Wanzenfeind in der Flasche" Frei» 50 Pf., 1,00, 1,50. Unfehlbar sicher „MoKenfeind im Beuiel", nur 5 Pf, „Schwabenfeind im Slreu-Turm" 25 Pf., 50 Pf., 1,00 Ceeetzllch geechützt I AUein-Verkauf Fabrikant Fern spr, Von 1 Mark an frei Haus. T(i. Schmiedel bleue Ksnigetr. 53, 1. Amt 7 a, 6331.(beim Alexanderpl.) auswärts gegen Nachnahme! Landschinke» a Pfd. 95 vi. Sp-ck.: Rottvurft...... Thüringer Fleischwnrst. Rotwurst.. Zwiebelwnrst..... Hallesch« Zwiebelwurst 75 70 a Psd. 50 Pf., bei 5 Pfd. 45. ....... a Psd. 65„ ....... a Pfd. 55„ a Pfd. 50 Pf., bei 5 Pfd. 45„ .».»».» a Psd. 55„ Braunschweiger Leberwurst........„ 65 ff. Kalbsleberwurst...........„ 75„ «rfjlrtcfUMIVft, halbpart" 105" Schlack- und Salaini, hart.........„ 125„ ETäriülaw« OranlenstrasBC 154. • Elndonstrasete ID. Fordern Sie in den Tabakhandlungen Dänischen Anker-Kautabak Feinste Marke 5 nnd 10 Pf.-Schleifen. Nur echt, wenn sich im Tabak der Firineiijettel mit Anker befindet. Generalvertreter: v. 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Zuzug streng fernzuhalten. 18620» Der Fachvcrein der Tischler. 4 Willig! hchllrhcittt! Gesperrt sind folgende Werlstättcni Wegner, Wilmersdorf. i' A. Schulz, Krautstr. 18/19. Schesfler, Petcrsbnrgcrslr. 77. Eunueluth, Dieffenbachstr. 33. Stellmaczis, Warfchauerur. 12. 33/3* Tic Ortsverwaltnug. Verantwortlicher Rcdacteur: Carl Leid m Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Badtug i» Berlin, i«. 1». w.« 2. leilnp des Jormirts" Srtlinft JotoWiilt.»«Kl. z» s« Pzozetz Sauden und Genossen. Neunzehnter T.a g. Bücherrevisor Huschle hat aus den Privatbüchern des An- jicklairten Ed. Sauden, die mehr den Charakter von Notizbüchern haben, die Privatentuahme» desselben festgestellt. Danach betrugen diese im Jahre 1835 186 000 M. Darin liege» allerdings 43 000 M. Steuern und ungefähr 24 000 M. für Wohllhätigkeits- und kirchliche Zlvccke. Im Jahre 1836 stellten sich die Privateiitiiahincn auf 203 000 M., darunter 36 000 M. für Steuern, ungefähr 3000 M. für Wohlthätigkeits-- und kirchliche Zwecke. Für dieJahre 1837—1300 sind genaue Feststellungen noch nicht getroffen worden. Es ist möglich, daß sich die Zahlen noch etivas verringern, da es möglich ist, sdasi sich darin noch Kosten befinden, die durch einen von Ed. Sauden unternommenen Umbau verursacht wurden. Angeklagter Ed. Sauden hat seinerseits Privntanfstellungen gemacht, die etivas von diesen Daten abweichen. Nach seineu Ermittelungen haben diese Gesamtentnahnien betragen: 1835: 165 000 M.. 1836: 162 000 M.. 1897: 174 000 M., 1838: 173 000 M. und sie stiegen 1883 auf ca. 200 000 M., wobei der Augeklagte her- vorhebt, daß er in den Jahren 1835—1300 sehr große Ausgabe» für schwere Krankheiten in seiner Familie gehabt habe. Die Verhandlung kehrt hierauf wieder zur Erörterung des Ver- hältnifseS der Aktiengesellschaft zur Firnia Anhalt».Wagner Nachfolger zurück. Der Angeklagte Generalkonsul Ewald Schmidt gicbt ans Be- fragen des Vorsitzenden an: Er sei seiner Zeit, nachdem er aus der Sekunda des Grauen Klosters abgegangen, bei Anhalt u. Wagner als Lehrling eingetreten und sei 1875 Chef des uralten Bankhauses geworden. Sein Vorgänger sei Herr Brook, der Schwiegersohn des verstorbenen Konsuls Wagner gewesen und da diese Familie ausstarb, ist ihm durch Vennächtnis die Firma zugegangen. Im Jahre 1875 habe die Firma nnt der Berliner Handelsgesellschaft ein 5i'om>na»ditverhältuiS abgeschlossen, auf der Grundlage, daß sie drei Millionen Mark einlegte. 1831 oder 1882 sei die Handels- geselljchaft wieder ausgetreten und es sei das Kommanditverhältnis mit der Allgenieincn Kreditanstalt abgeschlossen ivordcn. Dies habe bis zum Tode des Direktors Wachsmnth gedauert. Ein solches Komnianditverhältnis sei notivendig gewesen, da seine eignen Mittel zu den sehr ausgedehnt gewordene» Geschäften nicht ausreichten. Mit dem Angekl. Sauden sei er ans folgende Weise bekannt geworden. Graf Solms-Barulh sei eines Tages zu ihm gekommen und habe zu ihm gesagt: der danialige Liquidator der Hciickelschcn Bank brandschatze den Anfstchtörat sehr, ohne Rechnung zu legen. Da habe denn der damalige Bank- Präsident Herr v. Dcchcnd zu ihm gesagt, c r sAngcklagter) müsse die Liquidation übernehmen und er habe sich dem nicht entziehe» können. Da habe er Otto Sande» kennen gelernt, der die Liquidation mit großen, Eifer und großer Sachkcnntniß schon in die Hand gcnonnnen hatte. Im Jahre 1884/85 sei er dann Aufsichtsrat der Grundschuld- Bank geworden. . Präsident Landgcrichts-Dir. H e i d r i ch: Wenn Sie von der Pike auf gedient haben, müssen Sie doch eigentlich mit allen geschäftlichen, buchtechnischen und Bilanz-Verhältnisscn vertraut gewesen sein. Man müßte sich ja doch sonst auch wundern, wie Sic Chef des Bankhauses werden konnte». Angekl. Ed. Schmidt: Er habe sich in den letzten Jahren um die Buchfiihrnng natürlich nicht mehr viel bekümmern können. Präsident: Ist es richtig, daß Sie sich in, Jahre 1863 ver- heiratet haben und Ihnen Ihre Frau ein erhebliches Vermögen mitgebracht hat?— A n g e k l.: Ja.—Präs.: Wie hoch bezifferte sich das Vermögen Ihrer Frau?— Angekl.: Auf 4—5 Millionen Mark. Der Angeklagte weist darauf hin. daß er große Verluste bei der Bayrischen Landesbank erlitten und daraus sehr große persönliche Verpflichtungen zu erfüllen hatte. Präs.: Wie kam es denn, das, Ihnen, als die Aktiengesellschaft als Kommanditistin emtrat, Ihre Befugnisse so bedeutend eingeschränkt wurden?— Angel.: Ich bin viel krank gewesen, leide au der Zuckerkrankheit, habe mich einer schweren Operation bei Professor v. Bergniann unterwerfen müssen und war noch sehr krank, als ich seiner Zeit verhaftet wurde. Präs.: Welches Einkommen hatten Sie? Angekl.: Ich bezog ein Gehalt von 36 000 M. und 10 000 M. Repräsentationsgclder.— Präs.: Dazu kamen aber doch noch Tautiemen und der etivaige Reingewinn?— Angekl.: Ich hatte aus verschiedenen Aufsichtsratsstellen noch ein Einkonnnen von etwa 50 000 M.— Präs.: Das macht also insgesamt etwa 100 000 M. Hat dieses Jahreseinkommen denn gereicht für Ihre Lebens- Haltung?— Angekl.: Ich habe nicht mehr als 50 000 M. ver- braucht. Auf weiteres Befragen erklärt der Angeklagte Ed. Schmidt, daß er selbst in das Komnianditgeschäft 400 000 M. eingelegt und nach dem Abgänge von Fritze 400 000 M. zugelegt habe. Präs.: Angeklagter Otto Sauden, wie erklären Sie die ge- harnischten Vorstellungen, die Sie wiederholt Herrn Generalkonsul Schmidt gemacht haben? Angeklagter Otto S a n d e n: Nach meiner Auffassung ließ Herr Generalkonsul Schmidt seinem Prokuristen viel zu viel freie» Willen. Ich stand unter den, Eindruck, daß bei den großen Gunslbezcugunge», die ihm von oben und von vielen Seiten' als dem Chef des alten Bankhauses Anhalt und Wagner zu teil wurden, er sich gewissen,, aßen gefeit fühlte gegen alle Mißerfolge, während doch th'ntsächlich recht schwierige Unternehmungen in Frage stauden. Deshalb habe ich mich immer bemüht, ihn einzudämmen und anderseits darauf hinzuwirken, daß er selbstmehrmitdenDinge» sichvertrautmache» und seinen Beamten nicht so viel freien Willen lassen müßte. Bis zum Jahre 1836 er- forderten die Objekte noch sehr viel Geld, Herr Generalkonsul Schmidt habe sich aber um die Dinge gar nicht gckttminert, während ich Tag und Nacht darüber zu arbeiten hatte und meine Gesundheit dafür opferte. Angeklagter S ch n, I d t: Ich habe doch wahrhaftig von früh bis spät ehrlich gearbeitet! Ich mache auch darauf aufmerksam, daß durch mich keine einzige Kreditverbindung eingegangen ist, die Verluste gebracht hat. Als die Aktiengesellschaft als Kominanditistin eintrat, habe ich die Firma Anhalt u. Wagner für durchaus gut gehalten. Angeklagter Eduard Sauden: Wie gut die Firma auch von andrer Seite gehalten wurde, geht wohl daraus hervor, daß am 21. Oktober 1300 der Präsident der Seehandlung sich bereit erklärte. der Preußcnbank ein Lombarddarlehn von zwei Millionen zu gewähren gegen Pfandbriefuuterlage, aber gleichzeitig nur gegen Accept der Firma Anhalt u. Wagner. Den schließlichcu Verlust, welchen die Aktiengesellschaft aus ihrer Geschäftsverbindung mit Anhalt u. Wagner Nachf. seil dem 26. März 1896 erlitten hat. wird in der Anklage auf 12 300 250 M. berechnet. Da der Verlust der Aktiengesellschaft ans ihrer Geschäftsverbiiidnug mit Anhalt u. Wagner vor den, 26. März 1836 auch noch 10405 093 M. betrage» habe, so beziffere sich ihr Gesamtschade» ans 22 703 344 M. Dabei ist die Herrschaft Driesen-Steinbusch, die mit 1 748 476 M. eingestellt war, als völlig wertlos eingestellt worden, ebenso als wertlos die Skutari-Wasserwerk-Effekten, die mit 6 544 828 M. eingestellt waren. Als„Pfandobjekte aus de», Rechuungsverhältnis 1391 bis 1900" waren 14 203 554 M. eingestellt ivorde», die die Anklage auf voraussichtlich höchstens 1500 000 M. bewertet. Bei Auflösung des Verhältnisses erklärte sich Eduard Schmidt persönlich zum Schuldner von 1 708 165 M. Die Anklage hebt hervor, daß er nur einen Gutschein gegeben, daß er in, Fall seiner finanziellen Un- fähigkeit später zahlen werde. Da er zur Zeit zur Zahlung völlig außer stände sei, sei das Recht aus dem Gutschein wertlos. Die Angeklagten bestreiten die thntsächlichen Angaben und die Berechnungen der Anklage zu diesem Kapitel in vielen Punkten. Zum Schluß der heutigen Sitzung wird noch einmal auf die Verhältnisse des Luisen- Theaters zurückbekommen. Volle Aufklärung wird auch jetzt noch nicht erzielt, die Bücherrevisoren H u s ch k e und Kru, e sollen vielmehr„och weitere Feststellniige» aus den Büchern treffen. Die Verhandlung wird Dienstag 9 Uhr fortgesetzt. IToftatles. Barfuß. „Ach Pfui, die Kinder laufen hier ja alle barfuß I Nicht Ivahr, Mamache», das schickt sich doch nicht?"„„Nein, mein Kiud, barfuß laufen ist unanständig. Nun, es sind Straßcnkinder, komm, mein Engelchcn.--"" Eine elegant gekleidete Dame war's, die jenes Gespräch mit ihrem reizende», blondlockigen Töchterchen führte. Beide promenierten die Schönhauser Allee hinab, und an der Ecke einer von zahlreichen Arbeiterfamilien bewohnten Seitenstraße mochte ihnen der Anblick der vielen, in ärmlichen Röckchen barfuß umher- spielenden Proletarierkinder wohl etivas auf die Nerven gefallen sei», „Komm, mein Engelchcn--". Die Dame streichelte mit über- quellender Zärtlichkeit die Wange ihres Lieblings und zog diesen nnt sich fort— fort aus den, Bereiche der Armut, als könne durch ei» ferneres Verweilen in deren Nähe ein Hauch des Elends an ihr haften bleiben. Nur wenige Tage noch, dann rüstet sich jene Dame bielleicht zu einer Reise ins Bad. Es geht»ach Norderney, Sylt oder auch nach Hcringsdorf. Hier an den herrlichen Gestaden der Nord- und Ostsee gielit sich die vornchinc Welt alljährlich ihr Stelldichein. Merkwürdig aber: So„inianständig" diesen Kreisen das Barfuß- laufen der Arbeiterkinder in der Stadt auch erscheine» mag— sie selbst entledigen sich dort sehr gerne ihrer Fußbekleidung. Stnndcn- lang wandeln Danien und Herren jede» Alters, dick und dünn, gerade und schief an, Strande auf und ab, und lasse» sehr ungeniert ihre bloßen Füße, Waden und noch manches andre bewundern. Nie aber hört man da von ihnen sagen:„Das schickt sich nicht". Aller- dings die Herrschaften sind dort unter sich: das Barfußlanfe» gc- hört da zum guten Ton. zur Mode. Und— falls es ihnen beliebt, könne» sie auch jederzeit wieder in das eleganteste Schuhwerk hineii, schlüpfen, sie Habens ja dazu. Bei», Proletarier handelt es sich indessci, nicht um eine Marotte oder Mode. Hier ist es meistens daS eherne Muß, die Not, die manchen zwingt, seine Kinder in den Soinmcrnionatcn wochentags barfuß gehen zu lassen. Wohl strebt jeder Arbeiter danach, seine» lieben Kleine» ebenfalls das nötige Fußzeug anzuschaffen, denn der allgemeine Kulturfortschritt bringt es mit sich, daß in den Städten die Abneigung gegen das Barfußlaufen auch in den unteren Volts- schichten ständig wächst. Doch leider nnr zu häufig reicht der Verdienst nicht ans, um die beträchtlichen Ausgaben für das erforderliche Schuhwerk bestreiten zu können, und so kommt es, daß auch heute noch i» den Außenvicrtel» der Großstädte zahlreiche Proletarier- linder in der warme» Jahreszeit barfuß laufen niüssen. Diejenigen aber, die durch ihren Egoismus und ihre Hart- Herzigkeit schuld an der Mittellosigkeit des Arbeiters sind, rümpfe» beim Anblick barfüßiger Prolelarierkinder hochmütig die Nase, indem sie zu ihren Sprößlingen sagen:„Barfuß laufen ist un- anständig, komm mein Engclche»——" Das ist der Fluch der Annut. 60000 Mark verlangt der Magistrat von der Stadtverordneten- Versammlung zu den Kosten, die durch die Teilnahme der Stadt Berlin an der Deutschen S t ä d t e- A u s st e l l» n g 1903 i„ Dresden entstehen werden. Berlin wird sich mit folgenden Gegen- ständen an der Ausstellung beteiligen: Photographien, Pläne» und Modelle» von Brücken, Generalstabsplan von Berlin mit Einteilung der Radialsysteme und den Rieselfeldern, Modellen der Kanalisation, des Märkischen Museums, vom Fcuerivehr- Denkmal, der Volks- badcanstalten, Straßcnreinigungs-Depols, der Feuerwache Fischer- straße, vom Kinderasyl, vom Krankenhause Moabit, Plänen der Irrenanstalt Buch, des Rudolf Virchow-Kraiilcnhanses, von Schul- baute», von GasanstaltHi, Markthallen, des Ccntral-Vich- und Schlacht- Hofes ec. 2c. Ei» Tag in cinrr Privatklinik. Neben den öffentlichen Krankenhäusern existieren in Berlin bekanntlich auch eine ganze An- zahl sogenannter P r i v a t k l i» i k e n, von denen ein Teil zweifcl- los unter durchaus mustergülliger Leitung steht. Ob jedoch alle Anstaltci, dieser Art ihren eigentlichen Aufgaben völlig gerecht werden, dürfte, nach folgende», zu urteilen, jedenfalls wohl stark bezweifelt werden. Das Kind eines Ehepaares im Westen der Stadt verunglückte kürzlich durch einen Sturz a»S dem Fenster; schwerverletzt wurde es den Eiter» ins Haus gebracht. Der schnell herbeigerufene Arzt er- klärte die sofortige Ueberführung in einc Krankenanstalt für im- bedingt notwendig, wenn nicht das Leben des Kindes gefährdet werden solle. Wen» auch ungern, so gab die Mutter dennoch ihre Einwilligung hierzu unter der ausdrücklichen Bedingung, daß sie in der Klinik bei ihrem Liebling bleibe» und ihn dort pflegen dürfe. Diesen gewiß begreifliche» Wunsch hielt auch der Arzt für ganz selbst- verständlich und sagte dessen Erfüllung ohne weiteres zu. I» der Klinik angelangt, wurde das Kind dann in das Operationszimmer getragen,' indessen die Mutter in dem Warteraum blieb. Während nun das Wehegeschrci des Kindes der Mutter inS Herz schnitt, gingen Dienstmädchen und Pflegerinnen lachend und schwatzend an ihr vorüber und suchten nach Verbandzeug, Watte und der benötigte» Beinschiene. In jeder vernünftig geleiteten Anstalt liegen diese Dinge gewiß an bestimmten Plätzen, so daß sie bei Bedarf gleich zur Hand sind. Anders jedoch hier. Mau suchte eine Zeitlang und fand nichts. Als sich endlich eines der Mädchen daran erinnerte, daß die gesuchte» Gegenstände vielleicht in Zimmer so und so liege» müßte», begann in Gegenwarr der Mutter ein regelrechter Zank darüber auszubrechen, wer wohl verpflichtet sei, die Sachen von dort zu holen I— Nach beendeter Operation brachte man das bewußtlose Kind in ein schmales Zimmcrchen,, das sich schon wegen der daselbst außerordentlich stark wahrnehmbaren, fortwährenden Außengeräusche wohl zu allem ander,» nur nicht zu», Krankenzinimer eignete, von den, merkbaren Mangel an Licht und Luft gar nicht zu reden. Als nun die Mutter den, ihr gegebenen Versprechen geniäß am Bette ihres Kindes bleiben wollte, wurde ihr sowohl von den Aerzten als auch von der Oberin in wenig höflicher Weise bedeutet, daß ihre Aniveseuheit sehr überflüssig sei, worauf sie sich wohl oder übel entfernen mußte. Doch schon nach drei Stunden wurde sie wieder gerufen; ihr Kind lag bereits im Sterben. Aber welcher Au- blick bot sich ihr I Das mit' dem Tode ringende kleine Wesen lvar nur mit einem losen Bettbezüge bedeckt, aus dem die Einlage wohl nur aus Besorgnis vor Beschmutzung durch das aus den Wunden sickernde Blut entfernt sein mochte. Sein Köpfchen hing über das Keilkissen hinweg, so daß daS ans dem Munde rinnende Blut teil- weise hinuntergeschluckt sein mußte. Kurz, der ganze Zustand des Kindes machte den Eindruck, als ob man sich»äch der Operation nur sehr mangelhaft um das unglückliche Wesen bekünimert Hab«. Nach kurzer Zeit hauchte es dann in den Armen der Mutter sein Leben aus. Anstatt»un den, Seelenschnierz der verzweifelten Mutter einigermaßen Rechnung zu tragen, e»t- blödete man sich nicht, diese sofort n,it den Handelsgeschäften der Anstalt in aufdringlichster Weise �u belästigen. Im Auftrage der Oberin wurde ihr'nämlich die Mitteilung gemacht, das„Haus- gesetz" schreibe vor, daß die Angehörigen der in dieser Privat- klinik verstorbenen Personen die Särge nur in einem be- stimmten Geschäfte zu kaufe» hatten. Infolgedessen erwarte die Oberin auch in diesem Falle die„Respektierung" des Haus- gesetzes!— Es scheint, als ob das oberste HauSgesetz dieser Prlvatkliuik eine möglichst weitgehende Plusniacherci ist, dagegen scheint man einer den' heutigen Ansprüchen genügende» Krankenpflege dort nur unter- geordnete Bedeutung beizumessen. Jnnnerhin sollten die Aussichts- behörden derartigen' Anstalten eine erhöhte Ausmerksainkeit widmen. Der Ehrenbürgerdrtef der Stadt Berlin wurde gestern dem Geh. Regierungsrat Prof. Dr. H. Bertram, dem ehemaligen Stadtschulrat, von Deputationen des Magistrats und der Stadt- verordneteii-Versammlung durch de» Ober-Bürgermeister K i r s ch n e r überreicht. Die städtische Blindenanstalt ist nach dem Schulgrundstück O r a n i e» st r a ß e 2 6 v e r l e g t worden. Der Magistrat hat be- schlössen, auch die Blindenschule, Fortbildungsschule und die Be- schäftignngsanstalt nach demselben Gruiidstllck zu verlegen. „Geschäftsmäßige" Arbciterhllfe. In früherer Zeit waren manche Vorsitzende von Ge Werbegerichten nnt Eifer dabei, nachzuspüren, ob solchen Leitern von Arbeiterorganisationen, welche unentgeltlich die Rechte mindergewandter Kollegen vor dem Gelverbe- gericht wahrnahmen, nicht dadurch diese Hilfeleistung verleidet werden könnte, daß man bei ihnen Gewerbsmnßigkeit voraussetzte und ihnen so durch eine falsche Handhabung des§ 31 der Gewerbe-Ordnung die Ausübung der Vertreterpflicht untersagte. Während die Vorsitzenden der meisten Gcwerbegerichte von dieser unschönen Anivendung des Gesetzes abgekommen sind, scheint der Vorsitzende des Gelverbe- gerichts in' S ch ö n c b c r g die eigentümliche Praxis weiter kultiviere» zu wollen. Wie uns der Vorsitzende der Lohnkommission der Bauarbeiter, unser Parteigenosse Georg He ine mau n in Nixdoif, mitteilt, hatte er dieser Tage einen Kollegen vor dem Gewcrbegericht in Schöneberg z» vertreten. Der Vorsitzende fragte Heinemann, ob er öfter die Rechte andrer Personen wahrnehme und untersagte ihm ohne weiteres die Erfüllung seiner Pflicht, als er die Frage, was ja selbstverständlich war, bejaht hatte. Hoffentlich sieht man, wie anderswo, so auch in Schöneberg ein, daß die heran- gezogene Vestinimung wohl bei Winkelkonsulenten angebracht sein mag. daß ihre Anwendung aber Gewerkschaftsbeamten gegenüber völlig verfehlt ist. Ei» Geständnis abgelegt hat»nnmehr der verhaftete Direktor S ch n ck e l von der Landwirtschaftlichen Spar- und Dar- lchnskasse in Lichtenberg. Er hat verschiedene Fälle von Betrug und Urkundenfälschung zugegeben, will jedoch das Opfer einer Jntrigue geworden sein. Nachdem er der Kasse 5000 M. auf sein Conto ent- nommei, hatte, weigerte sich die Centralkasse des Bundes der Landivirte deö Zweigstelle Lichtenberg vor deren Riick- zahlung Zuschüsse zu geben. In dieser Verlegenheit sollen, wie er behauptet, zwei Mitglieder des AufsichtsratcS an ihn herangetreten sein und ihn zu einer falschen Buchung veranlaßt haben. Der Direktor sollte eine fingierte Einzahl, mg von 5000 M. in die Bücher eintrage», um dann der Kasse nach Belieben Geld ent- nehmen zu können.' Inwieweit diese Angaben auf Wahrheit beruhen. wird die eingeleitete Untersuchung ergebe». Es soll übrigens bei Gericht der Antrag gestellt werden, Schuckel als nicht fluchtverdächtig ans der Haft zu entlassen. Seine Frau bemüht sich bei Bekannten, eine erhebliche Kautionssumme für diese» Zweck zusanimenzubringe,,. Dftö Blninenmedium. Frau Anna Rothe» das Blumen- niedium, ist am.Sonnabend vom llntersuchungsgefängnis nach der Charitö gebracht ivordcn, um auf ihren Geisteszustand bcob- achtet zu werden. Die Untersuchungshaft hat der fast 62 Jahre alten- Frau, die ein ruhiges, grübelndes Wesen zeigt, an ihrer körperlichen Gesundheit anscheinend nicht geschadet. Restaurateur Wedel, der frühere Inhaber der M a i s o„ d' or Unter den Linden, wurde vor etwa 14 Tagen wegen Kuppelei zu einer Gefängnissträfe von 6 Monaten verurteilt und sofort in Haft genommen. Jetzt habe» die Verteidiger Wedels, Rechtsanwälte Dr. Löwcnstein und Oskar Neumami, erwirkt, daß derselbe gegen Hinterlegung einer Sicherheit von 6000 M. auf freie» Fuß gesetzt worden ist. AuS cfuem scltcuc» Grniide erfolgte gestern von der 139. Ab- teilung des Schöffengerichts die Freisprechung zweier Angeklagten. Es zeigte sich nämlich, daß im ganzen Strafgesetzbuch kein Paragraph vorhanden war, der auf die Handlungsweise der Angeklagten an- zuwenden lvar. Seitens der Staatsamvaltschaft war Diebstahl an- genommen worden. Der Schlosser Uthke und der Arbeiter Bergens hatten sich a», 6. April init einem Handwagen nach einem Kohlen- platz begeben, um Kohlen zu hole». Da viel zu thun war, so gc- stattete ihnen der Anwciser Briefen, eister, das Beladen ihres Wagens selbst z» besorgen. Sie sichren dann mit dem beladcnen Wagen davon, ohne den verabredeten Preis von 2 M. 40 Pf. z» zahlen. Die Angeklagten behaupteten zwar das Gegenteil, wurden aber durch die Beweisaufnahme überführt. Ihre Verurteilung konnte gleich- wohl nicht erfolge», weil, wie der Vorsitzende im Anschluß an die Rcchtsansführnngen des Verteidigers, Rechtsanwalt Dr. Schwindt, verkündete, kein Paragraph des Gesetzbuches auf sie und ihr Thun passe. Diebstahl läge nicht vor, weil die Kohlen mit Genehmigung des Anweiscrs aufgeladen wurden, Unterschlagung nicht, weil sie durch das Kaufgeschäft Eigentümer der Kohle» geworden und endlich auch Betrug nicht, weil nicht»achgewiesen sei, daß sie schon mit der Absicht, die Kohlen schuldig zu bleiben, auf den Kohlenplatz ge- kommen seien. Vorsicht beim Fortwerfe» von zerbrochenen Flasche». Durch einen Tritt auf eine Scherbe hat sich der Schulknabe Stediewski, welcher mit einige» Altersgciioffcn in der Schönholzer Heide spielte, die Fußsohle abgeschnitten. Die Verletzung war der- artig schwer, daß der Knochen freilag und die etwa 15 Centin, eter lange Wunde vernäht werden mußte. Durch einc» Sturz vom Heuboden verunglückte gestern, Montag, der 31 Jahre alte Kutscher B e h n k e, der bei dem Fuhr- Herrn Kurz in der Ringbahnstraße zu Wilmersdorf in Stellung ist. Er zog sich lebensgefährliche Schädelivnnden und innere Ver- letzunge» zu und wurde mit eine», Swadejche» Rettungswagen nach dem Groß-Lichterfelder Kreiskrankenhause gebracht. DaS Opfer eines Unfalles ist der 53 Jahre alte Bauarbeiter Ferdinand Ratsch ans der Holzniarktstraße Nr. 33 geworden. Der Mann war auf einem Neubau in der Frciligrathstraße mit Staaken beschäftigt, rutschte bei der Arbeit von einen, Balken ab und stürzte vom dritten in den zweiten Stock hinunter, wo er auf ein Kantholz aufschlug. Mit mehreren Nippcnbrüchen und inneren Verletzungen wurde er nach de», Krankenhaus a», Urban gebracht. Hier starb er »ach achttägigem Krankenlager. Eine Diebcsjagd gab eS gestern, Montagvormittag un, 11 Uhr in der L e i p z i g c r st r a ß e. Eine junge Dame, die vor einem Schaufenster des HauscS Nr. 99, zwischen der Friedrich- und Charlotteiistraße stand, wurde von einem Herrn darauf aufmerksam gemacht, daß sich ein feingckleideter junger Mann perdächtig an ihrer Kleidertasche zu schaffen gemacht habe. Die Dame faßte in die Tasche und vermißte ihr Portemonnaie. Während sie nun einem Schutzmann an der Ecke der Leipziger- und Friedrichstraße ihr Leid klagte, drängte sich das Herrchen, das man ihr als den mutmaßlichen Dieb bezeichnet hatte, sehr eilig gerade an ihr und dem Bcaniten vorbei durch die Menge»ach der Mauerstrobe zu. Der wiederholte Ruf: Halt ihn I Halt ihn I machte viele Leute auf den Verdächtigen aufmerksam. Ein Schutzmann und ein Passant stellten ihn an der Mauerstraße und brachten ihn, von einigen Hundert Menschen be- gleitet, nach der Wache des 33. Reviers in der Charlotlenstraste, Ivo man das Portemonnaie bei ihm fand. Der Dieb tvurde der Kriminalpolizei zugeführt. Eiire» graste» Auflauf erregte gestern nachmittag um IVe Uhr der- S e I b st m 0 r d eines unbekannten Mannes an der Weiden» da in in er Brücke. Der Mann ging kurze Zeit ans der Brücke auf und ab, schwang sich dann an der Oberkante über das Geländer und stürzte sich in die Spree. Droschkenkutscher uud andre Leute suchten noch mit dem Ncttnngskahn nach ihm, er ivar aber gleich untergegangen und tauchte nicht mehr auf. Ganz in der Nähe, am Schlütersteg, war erst den Abend vorher um 9 Uhr die Leiche eines unbekannten Mannes am Rcichstags-Ufcr gelandet worden. Dieser ist etwa öl) Jahre alt, nnttelgrosz und kräftig gebaut, hat blondes Haar, einen blonden, schon etwas ergrauten Vollbart und blane Augen und trug eine grüngraue Weste,' dunkelblaue Beinkleider, ein weißes Hemd mit schwarzem Schlips, grauwollene Strumpfe und keine Fußbekleidung. In den Taschen befand sich u. a. ein Kneifer. Die Leiche hat vielleicht 3— 10 Tage im Wasser gelegen. Strastensperrnng. Der südliche Fahrdamm ssolvohl Asphalt r>ls auch Steinbahn) der Straße Unter den Linden von der Neu- städtischen Kirchstraße bis zum Pariser Platz einschließlich des Krenz- dammcs mit der Kleine» Maucrstraße, ist wegen Umgestaltung der Straße Unter den Linden, von heute ab für Fuhrwerk und Reiter gesperrt. Ebenso die Lachmannstraße von der Schvnleinstraße bis zum Kottbuser Damm wegen Umpflasterung. Falsche Gendarmen treiben gegenwärtig im Grunewald sowie auch in andren Forsten der Umgebung Berlins ihr Unlvesen. Be- kanntlich ist das Rauchen in den königlichen Waldungen in Rücksicht ans die Fcuersgefahr verboten, cine Bestimmung, welche von Berliner Ausflügler» vielfach übertreten wird. In letzter Zeit ist es, lvie uns gemeldet wird, wiederholentlich vorgekommen, daß Personen, welche brennende Eigarren bei sich führten, von einem„Beamten" überrascht wurden. Der Mann bezeichnet sich als Gendarm in Civil, stellt die Personalien der Gcsctzes-Uebertreter fest und erhebt auch gleichzeitig die Strafen, deren Höhe er in der Regel auf fünf Mark festsetzt. Doch nimmt der falsche Gendarm auch einen geringeren Betrag, wenn der Raucher nicht genügend Geld bei sich hat.' Selbstverständlich ist der angebliche Beamte ein Schwindler. Ein Mordversuch ist schon wieder von einem nicht gemein- gefährlichen Geisteskranken verübt worden. Der 26 Jahre ' alte Arbeiter Alexander B a r n t h ans der Jnvnlidenstraße knüpfte im vergangenen Jahre mit einem 2öjährigeu Mädchen Anna Strauß ans der Völkcrstraße ein Verhältnis an. Einige Monate später wurde er nach der Irrenanstalt zu Dalldorf gebracht, wie er sich einbildete, auf Veranlassung des Mädchens. Als er nun nach acht Monaten am 13. Mai als gebessert und nicht gemeingefährlich aus der Anstalt entlassen wurde, besuchte er Anna Strauß sofort wieder in ihrer Wohnung und verlangte Geld von ihr. Sie wies ihn jedoch ab, weil er auch früher nur auf ihre Kosten gelebt und nie gearbeitet hatte. Die Abweisung in Verbindung mit seiner Einbildung brachte ihn auf den Gedanken, sich an dem Mädchen zu rächen und sie um- zubringen. Wiederholt drohte er ihr,»venu er sie auf der Straße traf, daß er sie„kalt machen"«verde, wenn sie ihm nicht wenigstens Geld gebe. Am Sonnabendabend erfuhr er nun von einem andern Mädchen, daß Anna Strauß durch die Vadstraße kommen werde. Darauf versteckte er sich in der Thürnische des Hauses Nr. 42, um ihr aufzulauern. Als die Erwartete endlich um l�/e Uhr kam, sprang er ihr an den Hals, versetzte ihr einen Faustschlag ins Gesicht uud würgte sie nnt den Worten:„Du Aas. jetzt wirst Du kalt ge- macht." Zum Glück kam gerade eine Schntzmannspatrouillc vom 101. Revier daher. Die beiden Beamten befreiten die lieber- fallene, die mit einer Verletzung von dem Faustschlag und Würge- malen am Halse davonkam, und brachten Baruth nach der Revier- wache in der Exerzicrstraße. Von hier wurde er später mit einem Lückschen Wagen wieder nach Dalldorf gebracht. Bon einem Dampfer iibcrrannt wurde am Sonntagnach- mittag gegen 5 Uhr auf der Havel bei der Heilige n g'e i st- kirche in Potsdam ein großer Handkahn, wodurch die Insassin aufs äußerste gefährdet wurde. Die Ehefrau des bei der Garnison-Bau- Verwaltung in Spandan angestellten Sekretärs Philipp, die mit ihren drei Kindern bei ihrem Vater, dem Bctriebsinspektor der Stern- gesellschaft, Bauer, in Potsdam zum Besuch war, ist sozusagen auf dem Wasser groß geworden, so daß es weiter nicht auffiel, als sie auf der an der Nnthemündung belegenen Werft der Sterngesellschaft einen großen Handkahn nahm, um damit nach dem Ufer an der Heiligen- geisltirche zu rudern, iveil sie von dort eine Freundin abholen wollte. Zum Glück nahm sie ihre Kinder nicht mit, sonst iväre das Unglück»och größer geworden. Als Frau Philipp nnt ihrem Kahn den Havelarm bei der Bnrgstraße kreuzte, kam in voller Fahrt der Dampfer„Klein- Glienike" von der Jnnfernsee- Linie daher. Wie später die Polizei feststellte, hat der Schisföführer die vorschriftsmäßigen Warnsignale beim Passieren dieses gefährlichen Krenznngspnnktes nicht gegeben, auch nicht ge- stoppt, als der Handkahn seinen Kurs kreuzte; er fuhr vielmehr mit voller Gewalt dagegen und brachte ihn vollständig zum Kentern. Frau Philipp geriet dabei unter den Kahn und konnte nur nnt vieler Mühe erst nach geraumer, Zeit gerettet werden. Sie hatte sehr viel Wasser geschluckt und tvurde ohnmächtig nach der elterliche» Wohnung gebracht, Ivo sofort Wiederbelebungsversuche an- gestellt tvurdcn, die glücklichcrlveise von Erfolg gekrönt waren. Der leichtfertige Schiffsführer ivar unbekümmert nach der Glienicker Brücke zi! weiter gedampft. Nun dürfte dem Mann das Handwerk gelegt werden. Nicht bestätigt hat sich der Verdacht, unter welchem die Maler Julius Förster und Max Schulz« verhaftet worden sind. Beide tvaren beschuldigt ivorden, mit dem in Haft befindlichen Räuber Tritter den Ranbmordversnch an der greisen Witwe A l t m a 11 11 in der Sellerstraße verübt zu haben und ivaren deswegen in Untersuchungshaft gebracht ivorden. Die Untersuchung hat jedoch ergeben, daß die beiden Verhafteten in keinerlei Znsammenhang mit der Mordthat stehen und daher sind sie anr Sonnabend aus der Haft entlassen worden. Ilcber cine Rauferei in einem Jttnglingsverein haben wir bor einigen Tagen eine Mitteilung aus einem andern Blatte über- nommen. Wie uns nun mitgeteilt wird, sind jene bedauerlichen Ausschreitungen nicht in einem der evangelischen Jünglingsvercine geschehen, sondern in einem Vergnügnngsverein. Um Miß- Verständnissen vorzubeugen, bringen wir unfern Lesern diese Mit- tcilnng. Urberfahren wurde gestern nachmittag in der Königstraße ein Arbeiter. Er trug einen Beinbruch, Hautabschürfungen und auch anscheinend schwere innere Verletzungen davon. Auf der Unfallstation, nach Ivelcher er mit einer Droschke in Begleitung eines Schutzmanns gebracht wurde, war er noch nicht wieder zum Bewußtsein gekommen und mußte sofort nach der Charitö überführt werden. Die Firma Nelke» teilt uns zu dem Fall dcS Fensterputzers Conrad, über welchen wir am Sonntag eine Zuschrift des Ver- bandes der Handels- und Transportarbeiter veröffentlichten, das folgende mit: Die Meldung, daß Conrad nur 17 M. verdiente, be- ruht auf einen Irrtum; er hatte einen Wochenlohn von 18 M. Der niedrigste von der Firma gezahlte Wochcnlohn beträgt nicht 15 sondern 17 M. Der Unfall ist, nach Mitteilung der Firma, dadurch entstanden, daß Conrad sich des vorhandene» RettnngsgürtelS nickt bediente; der Gürtel an sich war völlig in Ordnung. Im nrnen Bogclhanse dcö Zoologischen GartenS ist ein Papagei angekommen, ivelcher in Deutsch-Ostafrika als gefürchteter Schädling der Mais- und Mtama-Pflanzungen den Eingebornen sehr unwillkommen ist. Der Goldbugpapagei hat ein bräunliches Gefieder, einen goldgelben Flügelbng und hellblaugrünen Unter- kärper und Unterriicken; sein hoher Schnabel ist schwärzlich. Er ist Verantwortlicher Nedacteur: Carl Leid in L ein Bewohner der Akaziensteppe, hält sich während der heißesten Tagesstunden still in den Kronen dichtbelaubter Bäume auf, besucht morgens und abends die an den Ufern der Bäche wachsenden, saftige Früchte tragenden Bananen und zieht gelegentlich in starken Banden, reißenden Fluges in die Getreidefelder, wo er, trotz des von den dazu aufgestellten Wächtern erhobenen Lännes in kürzester Zeit die Ernte vernichtet. Aus Südasten ist ein andrer interessanter Vogel eingetroffen, ein Weibchen des hier schon längere Zeit aus- gestellten Kosl-Kuckucks. Während das hier lebende Männchen ein einfarbiges, schtvarz glänzendes Gefieder trägt, ist das Weibchen auf dem Rücken schwarz und weiß gefleckt, ans der Unterseite und dem Schwanz in denselben Farben quer gebändert. Diese Kuckucks sind ebenso wie unser Kuckuck in ihrer Brutpflege Parasiten; sie lege» die Eier in Nester andrer Vögel und überlassen diesen die Aufzucht der Jungen. Während unser Kuckuck bei kleineren Singvögeln schmarotzt, bevorzugen die G n ck e I- K u ck u ck s, zu welchen der Koel gehört, die Nester von Rabenvögeln. Die iuicrne Regatta des RudertiereinS„Vorwärts", Stralau, Tuimelstr. 17, die am Soimtagvonnittag auf der Spree abgehalten wurde, nahm, begünstigt durch das schöne Wetter, einen guten Verlans. Wie in jedem Jahre, so hatte sich auch diesmal eine große Anzahl Gäste eingefunden, welche die Veranstaltung teils vom Dampfer, teils vom Bootshause aus mit regem Interesse verfolgten. Besonders interessant gestaltete sich das E i n e r f a h r e n, in welchem sich die besten Kräfte des Vereins bis zum letzten Augenblick im harte» Kampfe gegenüberstanden, sowie das Damenrenne», Ivo die Dame» auch diesmal gezeigt habe», daß sie im Rudern dem männlichen Geschlecht nicht nachstehen. Bei der Preisverteilimg, die nachmittags im Bootshause stattfand, erreichte die fröhliche Stimmung ihren Höhepunkt; Gäste sotvie Mitglieder blieben noch bis zum späten Abend beisammen. Alles in allem hat der Rnderverein„Vorwärts" ivieder gezeigt, wie sehr es ihm gelungen ist, die Freude an dem schönen Rudersport i» den Kreisen der Arbeiter zu wecken; es wäre zu wünschen, daß ihm dies in Zukunft noch mehr gelingen würde. Auf der Nadronubah» Friedenau sind am Sonntag die S t e h e r- W e l t m c i st e r s ch a f t e n ansgefochten lvorden.' Robl ivar, wie vorweg bemerkt sei, hier im Hundertkilonieter- Rennen wiederum der überlegene Sieger; sein Schrittmacher- Apparat funktionierte tadellos und er selber war, lvie der Fachansdruck lautet ganz vorzüglich in Form. Er durchfuhr die hundert Kilometer i» 1 Stunde 24 Minuten 23�/s Seknnden und verbesserte damit vom 80. Kilometer an die Weltrekords, während er vom 20. bis 70. Kilo- mcter die deutschen Rekords einholte. Ohne ein Malheur ging es allerdings auch diesmal nicht ab; der Schweizer Rhser stürzte beim 60. Kilometer, verletzte sich nicht unerheblich am Oberschenkel und mußte das Rennen, das er nochmals versuchte, beim 90. Kilometer aufgeben. Von den übrigen Fahrern führte Bouhours bis zur 10. Runde, wo ihn Robl überholte. Vis zum 80. Kilometer blieb Bonhours Zweiter, dann verlor er seine Schrittmacher und ivurde von Linton überholt. Dickuutmanu gab wegen Unwohlseins beim 50. Kilometer auf und so hatte Robl ernsthaft zuletzt nur mit Bonhours zu kämpfen, den er glänzend besiegte. Durchschnittlich legte Robl in der Stunde 71 760 Meter zurück. Interessant Ivar auch das 100 Kilometer-Reimen für Herren- f a h r c r, daß zu Beginn stattfand. Alfred Görneinann siegte hier in 1 Stunde 42 Minuten lOVs Sekunden. Im ciiizeliien verliefen die Nennen wie folgt: 1. Meisterschaft der Welt über 100 Kilometer für Herrenfahrer. 1. Alfred Görne- nimin 1: 42: 19'/«. 2. Fritz Keller, 7 Runden. 3. John Diehle, 20V3 Rliuden. 2. Meisterschaft der Welt über 100 Kilometer für Berufsfahrer. 1000. 600. 400, 200 M. 1. Robl 1: 24: 23%. 2. Bouhours, 5900 Meter zurück. 3. Linton. 11 500 Meter zurück. 4. Taylor. 19 600 Meter zurück. 5. Ryser, 22 700 Meter zurück sge- stürzt). Dickentmann anfgegeben. Robl schuf deutsche Rekords: 20 Kilometer 16: 54'. 30 Kilometer 25; 082, 40 Kilometer 33: 23', 50 Kilometer 41: 41, CO Kilometer 50: 06', 70 Kilometer 58: 30, in 1 Stunde 71 Kilometer 760 Meter; Weltrekords: 80 Kilometer 1: 07: 15, 90 Kilometer 1: 16: 01, 100 Kilometer wie oben.— 3. Motor- Nennen. 10 Kilometer. 1. Marius The(Linton) 6: 272. 2. Brettschneider- Stege(Robl), l'/s Runde zurück. 3. Hoffmann- Hake(Ryser), 2 Runden zurück. Die Poliklinik für kranke Kinder von Dr. Hansen, Kronprinzen- Ufer 25, ist während dcS Monats Jnli geschlossen. Feuerbcricht. Drei größere Brände hatte die Wehr in der Nacht zum Sonntag abzulöschen. I» der Griebcnowstraße 13 stand um 2 Uhr der Dachstuhl des Vorderhauses in Flammen, die bei Ankunft der Wehr bereits eine solche Ausdehniing erlangt hatte», daß die Nachbargebände gefährdet ivaren. Unter Anivendling mehrerer Schlauchlcitnngen gelang es indes, das Feuer einzudäunnen und ans den Dachstuhl zu beschränken, der allerdings total zerstört ivnrde. Kurz vorher kam in der Königgrätzerstraße 74 in dein Drogilculadeii von F.W. Borchardt ei» gefährlicher Brand ans, der allerhand Oele, Chemikalien sowie Regale erfaßte. Der Ladcn�rannte zum größten Teil ans. Zur selben Zeit mußte in der Chaiisscestrnße 67 ein Feiler abgelöscht werden, das in dein Lagerraum der Porzellanmalerei von A. Heim ausgekommen ivar und hauptsächlich Regale, Kisten und Verpackniigsmalerial einäscherte. Avends gegen 10 Uhr ivar in der Ackerstraße 49 in einer»Küche ausgelaufenes Petroleum in Brand geraten. Sonntagvonnittag 7 Uhr gingen in der Kl. Frankfurter- straße 15 Gardinen und Kleidungsstücke in einer Wohnung in Flammen ans. Nachmittags gegen 5 Uhr mußte in der Admiral- straße 20 ein Schornstciiibrand beobachtet iverden. Kurz vorher hatte in der Georgenkirchstraße 52 ein Posten Preßkohlen Feuer gefangen. Abends 8 Uhr ivar in der Alexandriiienstraße 95/96 in einer Metallivarenfabrik Feuer ausgekommen, das leere Kisten, Säge- spähne tc. erfaßt hatte. Es gelang jedoch der Wehr, die Flnnunen bald zu ersticken, so daß größerer Schaden nicht entstanden ist. Gegen 10 Uhr hatte sich ans dem Anhalter Güterbahnhof ein Waggon mit Preßkohlen von selbst entzündet. In der Breslauerstraße 9 mußte in einer Küche ein Brand abgelöscht iverden, der den Fußboden und die Balkenlage ergriffen hatte. Sonnabendabend ivnrde in der Weberstraße 4 allerlei Gerünipel ans einem Boden durch Feuer zerstört. Außerdem ivnrde noch ein kleiner Wohnungsbrand von der Koppenstraße 56 gemeldet. Montagiiachmittag brannte Alte Schön- Hauserstraße 6 i» einer Cichorienfabrik die Dachkonstrnktion. Um 3 Uhr hatten Ackerstr. 85 sich Ccllnloidwarcii in einem Schaufenster entzündet, doch ivurde erheblicher Schaden noch rechtzeitig verhütet. Schriften-Eingang. Von der„Neuen Zeit"(Stuttgart, Dielf Verlag) Ist soeben das 38. Heft des 29. Jahrgangs erschienen. Aus dem Inhalt des Heftes heben wir hervor: Etwas über Prineiptenpolitik.— Drei Schweizer Wohnnngs- eiiqneten. Von C Hugo.— Das neuseeländische Ideal. Bon M. Beer. (Schlub.)— Die„Alldeutschen". Von K. Tschuppik(Prag).— Ueber dt« ökonomische Lage der Provinzschauspieler. Bon B. B.— Litterarifche Rundschau: Oestreichische Arbelter-Sangerzeitung.— Feuilleton: Briefe von Karl Marx an Dr. L. Kugelmann.(Fortsetzung.) Die„Neue Zelt" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch- handlimgen, Postanstalten und Kolporteure zum Preise von 3,2ö M. pro Quartal zu beziehen. In der Zeituugspreisliste der Postanstalten ist die „Neue Zeit" unter Nr. 5389 eingetragen, jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. Das einzelne Heft kostet 2S Pf. Probeuumuiern stehen jederzeit zur Verfügung. Das Bombardement von Blagowjestscheuk(in jüdischer Schrift) von St. Nathanson; Ausgabe des Allgemeinen Jüdischen Arbeiterbundes in Littauen, Polen und Ruhla, id. London. I/Actlon da Favll Socialtate dana le Paya et an Parlament. Propagandabroschüre, 48 Seiten, enthaltend die Reden von Vwiani, Milhaud, Briand und Jaures. Preis 19 Cts. Vevmiprfzkrs« Hochwasser. Nach Meldungen aus Pleß brachen die Deiche zwischen L 0 n k a u und Goczalkowitz an mehreren Stellen; es entstanden Breschen von teilweise über hundert Meter Länge. Auch »lm. Für den Juierateuteil verantwortlich: Tb. Glocke in Berlin. Diu in G u h r a u und Wohlan brachen die Deiche an mehreren Stelleu. In Wohlan sind 21 Gehöfte unter Wasser, Menschen und Vieh konnten nur mit Mühe gerettet iverden. Das Land bis an die russische Grenze gleicht einem See, ans dem die Giebel der Häuser und die Baumkronen hervorragen. Die Ernte ist ans Hunderten von Hektaren vernichtet.— In Rati b or stehen alle Fabriken am linken und rechten Ufer unter Wasser; die Zuckerfabrik rief nachts Militär zu Hilfe und ließ den Zucker aus den Lager- räume»(24 000 Centner) bergen. Auch in die Ställe der im Guts- bezirk Bosatz gelegenen Husar'enkaserne ist das Wasier eiiigedrnngeii. In Pudlau fischte man aus den Wellen des Hochwassers eine Frau, in der Linken hielt sie einen Säugling, die Rechte hielt einen Strick uinklanimert, an dem eine Kuh festgebunden ivar. Bei Bad Darkau durchbrach die Olsa den Dämm und setzte das ganze Bad unter Wasser. Die Badegäste mußten mühsam ans dem Meter- hohen Wasser herausgetragen iverden. Kopitau und Schömchel sind durch die Olsa gänzlich unter Wasser gesetzt. Ein Kind und eine Menge Vieh kamen in den Fluten um. Die ganze Niederung im Oder'thal gleicht einem See. Der Verkehr ivird durch Kähne auf- recht erhalten. Viele Gehöfte sind vollständig geräumt, die Beivohuer müssen im Freien Unterkommen suchen. BergavbeiterloS. Wie uns cine aus Zwickau zugehende Privat- depesche meldet, sind gestern auf dem Forstschacht die Bergarbeiter Döhler und Seltner durch hereinbrechendes Gestein tödlich ver- unglückt; während ein dritter Arbeiter leicht verletzt wurde. A»s Gnefen wird gemeldet: Die Strafkammer verurteilte die Schuhmacherfrau Elisabeth Kantorzcik wegen Aufruhrs, Land- friede nsbruches und Beleidigung der Lehrer in Wreschen zu 10 Monaten Gefängnis, den Tischlergesellen Leo Kalischewsky, ivegen Aufruhrs und Landfriedensbrnchcs zu I Jahr S Monate» Gefängnis, den Schnhmacherlchrling Alexander Wisniewski wegen groben Unfugs zu drei Wochen Haft. Frau Kantorzcik und Kalischewsky wurden sofort verhaftet. Ei» chinesischer Kreuzer in die Lust geflogen. Wie ans Shanghai vom 22. Juni gekabelt ivird, flog dort der chinesische Kreuzer„ K a i- C h i" infolge einer Explosion ans dem Jangtse in die Luft. Das Schiff brach sofort auseinander, das ganze Mittelteil hob sich, die Maschinenteile flogen weithin, und das Schiff war ver- simken,»och ehe der durch die Explosion verursachte Pnlverqnalm verflogen ivar. Von der einige hnndertundfünfzig Mann betragenden Besatzung wurden nur drei Mann gerettet, die sich schwimmend einigen Dschunken zuivenden konnten. Zwei sind verwundet. Sie geben an, die Explosion habe in der Geschoßkammer stattgefunden. Wie aus Mailand gemeldet wird, erfolgte Sonnabenbabend ein Zusannnensloß ziueier' elektrischer Bahnen bei Porto- Ccresio, wobei 15 Personen verletzt wurden, darunter 7 schwer. Im Tatareuviertel iu Kasan brach Sonnabend eine große Feuers brun st aus, die sich über zwölf Stadtviertel ausbreitete und erst Sonntag gelöscht ivurde. Der Schaden wird auf mehrere Millionen Rubel' geschätzt. Am Sonntag brach bei starkem Winde im Tatarenviertel ivieder Feuer aus. das sich über acht Stadtviertel verbreitete. Eine Frau kam in den Flammen um. Briefkasten der Redaktion. Wir bitte» bei jeder Anfrage eine Chiffre(zwei Buchstaben oder ein« Zahl) anzugeben, unter der die Antwort erteilt werden soll, und die letzte Aboimementsauittmig beizulegen. Fragen ohne solche werden nicht beant- wartet und schriftliche Antwort wird nicht efteilt. Tie ju> tstlsche Sprechstunde findet tiiglich mit Ausnahme des Sonnabends von?'/- bis t»'/, tthr abends statt. Th. Kl. 57. Sie können sich an das hiesige Generalkonsulat der Vereiiiigteu Staaten von Amerika wenden; bester ist aber, Sie richten Ihre Anfrage direkt an den deutschen Konsul Dr. Rieloff in St. Louis, Missouri, zu besten Ressort auch Colorado gehöft. D. D. 41. Tumor: Geschwulst. Bestimmte Aerzte empfehlen wir nicht. Sie findc» im Adrehbuch 11. Teil, die Specialärzte verzeichnet. H. N. 100. Die Fahrt mit den Sonderzügen kostete früher 3 M., jetzt aber, nach der neuen„Reform" 5,49 M. hin und zurück. M.