Nr. 145. Adomttment«- Sedingungen: Abonnements- Preis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 Mb, monatl. 1,10 Sil., wöchentlich 28 Psg. frei ins Haus. Simelne Numm-r S Psg. Sonntags- Nummer Mi» iBuntienef Sonntags- Beilage»Die Neu« Welt- 10 Psg. Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monai. Eingetragen in der Post- Zettung»- Pr-tslist- für IVOS unter Nr. 7«7S. Unter«reuzband für Teutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da» übrige Ausland S Mark pro Monat. IS. Jahrg. Ate Jnftrtwns-Gelilryr beträgt für die sechsgespaltene Kolonet» zetle oder deren Raum 10 Psg., sür poltttscheund gewerkschaftliche Bereins- und Versammlung»- Anzeigen 20 Psg. „Kleine Knieigen" jedes Wort B Psg. (nur das erste Wort seit). Inserate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittags in derSrveditton abgegeben werden. Die Srpcdttton ist an Wochen- tagen btS 7 Uhr abend», an Sonn- und Sesttagen bis ö Uhr vormittag» geössnet. Erscheint täglich nußer»onkng«. Verliner Volksblstt. Telegramm-Adresse» »Enrtnldsmokrat Serlin" Centrawrgan der socialdemokratisthen Partei Deutschlands. Redaktion: 19, Veuth-Strahe 2. Fernsprecher: Amt I, Nr. 1508. Spinner und Weber. Berlin, 24. Juni. Die Baumwollgarne spielen in der Textilindustrie Deutschlands eine so bedeutende Rolle, daß ihre Zollfreiheit als ein Gebot vollst wirtschaftlicher Notwendigkeit und— um einmal diesen Ausdruck zu gebrauchen— nationaler Selbsterhaltung erscheinen muß. Der in der Zolltarif-Kommifston auf Zollfreiheit gerichtete Antrag der Socialdemokraten stellt sich darum als das beste Mittel zilr Förderung der Baumwollbranche dar, obwohl es einzelne verbohrte, mir an augenblickliche Geivinnmacherei denkende Unter nehmer giebt, die von einer Zollauflage sich gröberen Profit ver- sprechen und darum für die Beibehaltung hoher Zölle sind. Aber die gesamte Weberei wünscht starke Herabsetzung res p. Beseitigung der Garnzölle. Der Kampf zwischen Spinnerei- und Weberci-Nnternchmern tobte heute in der Kommission. Münch- Ferber vertrat die Weberei, sei» Fraktionskollege Schlumberger die Spinnerei. Erstcrer gab hübsche Beweise von der Profitmacherei der Spinnereiunternehmer, die im Golde schwämmen. Ucbcrhaupt wurde der Jnteressenkampf zwischen den Unternehmern in heutiger Sitzung scharf gekenuzeichuet. Bei der Abstimmung dokumentierten sich sowohl die Interessen gegensätze der einzelnen Gruppen, als auch die Differenzen in den handelspolitischen Anschauungen, die natürlich auch wieder auf Sonder interessen der einzelnen Gruppen zugespitzt sind. Die Agrarier Kanitz und Hahn stimmten z. B. ans Haß gegen England für die Resolution Bandert, die die englische Garn-Numericrung durch die metrische ersetzt haben will. Ehe man in die Beratung der Garnzölle eintritt, findet ein Vorschlag Ba Uderts Annahme, zunächst über scineu Antrag,„die metrische Garnnumerierung nach den Bcschliisscn der internationalen Garnnuinerierungs- Kongresse in Wien, Brüssel, Turin und Paris einzuführen-, zu beraten. Schlumberger, der den gleichen An- trag gestellt hat. tritt für die Annahme desselben ein.' Geheinirat Wermuth bittet, die Angelegenheit nicht mit dem Zolltarif zu ver quicken und den interuationaten Unterhandlungen zivischen de» Re gierungen nicht vorzugreifen. Die deutsche Regieriiug stehe der Frage wohlwollend gegenüber, aber es dürfe nicht den'Anschein gc Winnen, als ob der Zollschutz davon berührt iverden solle. Bandert ist andrer Ansicht und tritt dem Vorredner entgegen. Auf allen seit 1873 stattgefundenen Garn-Nuinerierungs-Kongressen sei die metrische Numerierung als nötig erkannt und beschlossen worden. Redner erklärt die zolltechuische und fachliche Notwendig- keit ihrer Einführung, die viele Nachteile für die Weberei. aber auch für die Klein- Konsumenten aufhebe. Handels- politische Differenzen entstünde» dabei nicht. Es handle sich darum, den letzten Schritt zu einer lange vorbereiteten nötigen Aendcrung zu thun. Die bisherige Berechnung der Garnnummern wirkt ver- wirrend und schädigt das laufende Publikum; es giebt 64 ver- schiedene Bcrechnungsarten— Redner erklärt einen Teil derselben. Die Einrichtungen der englischen Spinnerei gestatten sehr wohl die Aenderung. England sollte darum dringend angegangen werden. den Schritt mit zu thun. Die Arbeiter der Branche, die sich beruflich ausbilden wollen, wünschen schon aus diesen Gründen die Aenderung z aber es kommt ihre Lohuberechnung ebenfalls in Betracht, deshalb beschloß der Internationale Textil- arbciter-Kongreß, dem Beschluß der Industriellen beizutreten. Beweis, welche Wichtigkeit die Aenderung hat I Graf Kanitz stellt sich als priucipiellen Anhänger der metrischen Garn» Numerierung vor, es müsse der alte Zopf der englischen Numerierung beseitigt iverden, das werde sogar die Einführung englischer Garne fördern. Staatssekretär v. Fischer erklärt de» Antrag Schlumberger, die metrische neben der englischen Garu-Numerierung einzuführen, für undurchführbar. Mimch-Ferber meint, für die deutsche Weberei werde die sofortige Einführung der metrischen Numerierung eine heillose Verwirrung bringen. Müller-Fulda schließt sich den Ausführungen des Geheimrats Wermuth an. Lebhafter Widerspruch wird ihm zu teil, als Redner erklärt, die Weber finden sich sehr schnell und gut in die Um- rechnung der englischen zur metrische» Numerierung.(Grüuberg ruft: Der Weber kümmert sich gar nicht darum I) Geheimrat Lcydecker bezeichnet die Ausführungen des Vorre! uers als unrichtige und weist dies nach. Brömrl warnt die Socialdemokraten vor der Bundesgcnossenschast Schlumbergers. Bandert hat keine Besorgnis vor dem Zusammengehen mit Schlumberger und den Groß- industriellen in dieser Frage, wenn auch beide Gruppen aus ander» Gründen oder Interessen zum gleichen Be- schluß gekommen seien. Redner polemisiert dann eingehend gegen die gemachten Einwendungen und meint, es sei eine Redensart wenn jemand sage: ohne England ist nichts z» machen. sWider- sprnch.) Wie die Einführung des Decimalsystems auf ander» Gebieten möglich war, so ist es auch hier möglich. Geheinirat Wermuth ersucht um Ablehnung des Antrags Bandert, da dieser die Einführung des metrischen Systems wünsche, noch bevor eine iuter- nationale Vereinbarung getroffen sei. Schlninberger besteht auf seinem Antrag und meint, die Engländer würde» sicy schnell fügen. Spahn hat zwar keine großen Bedenken bezüglich der Möglichkeit der Einführung im internationalen Wege, aber da Fachleute sich dagegen ausgesprocheu hätten, sei er gegen die sofortige Einführung in Deutschland. Förstcr-Sachse» schließt sich dem Vorredner an. Als Fachmann halte er die Schwierigkeiten der einseitige» Einführung für zu groß. Müllcr-Sagan ist für internationale Vereinbarung. Die Anträge Baude rt und Schlumberger werden ab- gelehnt. Den Antrag auf Zollfreiheit sür Baumwollgarne begründet Griiubcrg(Soc.), der eine Darstellung der Entivicklung der Baum- Wollspinnerei und die mit dieser Entivicklung ivechselnden Zölle giebt. Bei den Textilzöllen trete ein Kampf zwischen Spinnerei- und Weberei-Unternehmern in Erscheinung, obgleich beide Gruppen auf einander angewiesen seien. Die Spinnerci-Unteruehmer be- fänden sich in keiner ungünstigen Lage. Die englischen Spinnerei- Arbeiter erhalten 50 Prozent mehr Lohn als die deutschen, eine Konkurrenz wegen billiger Löhne habe also die Expedition: sw: 19. Ventlt- Striche 8. Fernsprecher: Amt I, Nr. 6121. deutsche von der englischen Spinnerei nicht zu erivarten. habe die Regierung für Ursache, unter solchen Umständen den Spinnern höhere Zölle zu gewähren? Die weit überwiegende Aus- fuhr rechtfertige den Zoll auch nicht. Aber die gesamte Baumwoll- Weberei werde geschädigt, besonders aber die sächsische Gardinen- Weberei im Vogtlande und die Strumpf- und Handschuh- Wirkerei in Chemnitz. Limbach und dem ganzen Erzgebirge, wo die Arbeiter so ivie so gedrückte Löhne habe». Bon einem Schutz der Arbeiter ist also nicht die Rede, vielmehr schädigt sie der Zoll. Der inländische Konsum von Webivaren nimmt kaum die Hälfte der Produktion auf, der übrige Teil wird exportiert. Da müßte die Regierung die Spinnerei besitzer mit ihren Zollforderungen abweisen. Wenn die amerikanische Industrie sich weiter entwickelt, werden sich die Zölle als ein Hemmnis der Entivicklung und Konklirrenzfähigkeit der deutschen Industrie erlveisen, dann wird man früher oder später die Zölle beiseite werfen müffen. Deshalb sollte man jetzt bei der Prosperität der deutschen Spinnerei die Zölle aufheben. sBravo I) MLnch-Ferber erklärt, in Kreisen der heimischen Weberei habe die Tarifvorlage einen lähmenden und heillosen Schrecken hervor- gernfeii; die Webereis werde durch die Begünstigung der Spinnerei be nachteiligt. Die Spinnerei sei ein großkapitalistisches Unternehmen, während die Weberei aus Kleinem hervorgehe. Und die grofr kapitalistischen Spinnner wüßten ihre Vorteile zu wahren. Falsche Zeitungsnachrichten über den angeblich schlechten Stand der Spinnerei und die angebliche Prosperität der Weberei hielten Großkapitalistcn ab, sich der Spinnerei zuzuwenden, aber sie wendete» sich der Weberei zn und vermehrten die Konkurrenz. Hundert Prozent Ga winn bedeute der Zollschutz für den Spinnerei-Ertrag, während die Weberei niedergehe. Zahlen über die Lage in Hof in Bayern be- weisen das. Die Neue Spinnerei in Hof zahlte im letzten Jahrzehnt Dividenden von 12. 15. 12. 12. 20, 17. 16. 17, 15 und 12 Prozent. Nachdem im Jahre 1900 die Neue Spinnerei sich mit der Aktien- Weberei fusioniert hatte, fiel die Dividende 1901 auf 6 Proz., iveil eben die Weberei nicht prosperiert. Im Wirtschaftlichen Ausschuß seien vier Spinner, kein Vertreter der Baumlvollwcbcrci gehört worden. Vogel-Chcinnitz interessiere sich nicht für die Bammvoll iveberei.(B r ö m e l ruft: So wird's gemacht! fHciterkeit.j) Ferner hat man der Regierung falsche Angaben über die Spinnerei ge- macht, ich habe darum diese Mätzchen hier aufgedeckt. Redner wendet sich weiter scharf gegen die Garnzölle. In Hof hat ei» Spinnerei- Unternehmen große Grundstücke gekauft, nur um den Gewinn nicht verteilen zu müssen, die Spinner schwimmen im Golde. Redner empfiehlt die Anträge Brömel, die lauten: Nr. 433 eiudrähtig, roh: bis Nr. 22 englisch über Nr. 22 bis Nr. 32 englisch über Nr. 32 bis Nr. 47 englisch über Nr. 47 bis Nr. 63 englisch über Nr. 63 bis Nr. 83 englisch über Nr. 83 englisch 439 eiudrähtig, gebleicht, gefärbt, bedruckt Nr. 440 zweidrähtig, einmal gezwirnt: roh gebleicht, gefärbt, bedruckt Nr. 3.- M. 6,- M. 9,— M. 12,— M. 15,— M. 18,- M. Zoll des eindrähtigen rohen Garns-1- 9 M. Zoll des eindrähtigen rohen Garns 3 M. Zoll des eindrähiigeit rohen Garns 4- 9 M Nr. 441 drei- oder mehrdrähtig, einmal gezivirnt �roh 30,— M. gebleicht, gefärbt, bedruckt 36.— M. Nr. 442 zwei- oder mehrdrähtig, wiederholt gezwirnt roh 36.— M. gebleicht, gefärbt, bedruckt 42,— M. Geheinirat Wermuth erklärt, es sei der Regierung unangenehm, in den Streit zivischen Spinnerei und Weberei eingreife» zu müsse», aber er betone, daß die Weberei gegenüber der Spinnerei nicht benachteiligt sei.(Widerspruch.) Im Wirtschaftlichen Ausschuß sei die Vertretung eine gleichmäßige gewesen, er weise es zurück, daß die Weberei nicht vertrete» gewesen sei. Er sei erstaunt, daß die Weberei durch den Tarif in lähmenden Schrecken versetzt ivorden sei, denn die Zollergebnisse des Tarifs lassen keine Belastung der Weberei erkennen. Redner hat eine genügende Erklärung Münch- Ferbers über seine Anträge vermißt und sucht deren Bedeutung zu erklären. Abg. Grün ver g habe mit Recht auf die Entivicklung der amerikanische» Industrie hin- geiviese». Aber wenn die Garnzölle aufgehoben würden, sei eine übermächtige Konkurrenz durch englische Garne zu befürchten. Bayrischer Bundesratsbevollmächtigter v. Gcygcr betont, daß Bayern stark interessiert ist an dieser Frage j er wünscht, daß die Kommission der Vorlage zustimmen möge. Die Brömelschcn An- träge ic. bedeuteten eine unzulässige Begünstigung der Weberei. In Bayern läge» die Arbeiterverhältnisse insofern ungünstig, als Arbeiter 'chivcr zu erhalte» seien.(Zurufe: Man nimmt italienische Arbeiter vcgen der Schundlöhne!) So günstig, wie es geschildert worden. siehe die Spinnerei nicht. Brömel wendet sich gegen den Geheimrat Mermuth, der ich appellierend an die Agrarier gewandt und ihnen gedroht habe, wenn die Jndustriezölle herabgesetzt würden, da»» habe man keine KoinpcnsationSobjekte für agrarische Zölle.„Wäre der Gedanke nicht so verflucht gescheidt, man Ivär' versucht, ihn nicht ganz klug zu nennen- I(Große Heiterkeit.) Das Ausspielen von Jutcresscnten gegeneinander bringt keine» Nutzen. Seine, Redners. Anträge richteten sich gegen ein gesetzlich sanktioniertes Raubsystem, er freue sich, daß sie die Zustimmung der Fachmänner finde. Spahn stellt darauf einen neuen Münch-Ferber seinen Aiitrag zurückzieht. Nr. 438 eiudrähtig, roh: bis Nr. 22 englisch über Nr. 22 bis Nr. 32 englisch über Nr. 32 bis Nr. 47 englisch über Nr. 47 bis Nr. 63 englisch über Nr. 63 bis Nr. 83 englisch über Nr. 83 bis Nr. 102 englisch über Nr. 102 englisch Nr. 439 eiudrähtig, gebleicht, gefärbt, bedruckt Nr. 440 für zwei« und mehrdrähtig, einmal gezwirnt, roh, erhöht sich der Zollsatz um 25 Proz. Nr. 441 zwei« und mehrdrähtig, einmal färbt, bedruckt gezwirnt, gebleicht, ge« Zoll des zwei- und mehrdrähtigen einmal gezwirnten rohen Garns + 10 M. Schlumberger begründet in heftigster Rede seine Anträge, die der Spinnerei hohe Zölle geivähren wollen. Redner behauptet, seine Anträge dienten den Arbeitern. Diese Behauptling findet starken Widerspruch bei den Socialdemokraten. Redner wendet sich scharf gegen Münch-Ferber, der zu viel habe beiveisen wollen, damit aber nichts bewiesen habe; er ironisiert die Klagen der„armen Webcreibesitzer-. Geheimrat Leycnderker, Regiernngsvcrtreter für Elsaß« Lothringen, wendet sich gegen einige Bemerkungen Schlumbergers über die elsaß-lothriugischen Verhältnisse. Die weitgehenden Er- Mäßigungen in den Anträgen Münch-Ferber könne er nicht empfehlen, nachdem die Regierung die Zölle schon herabgesetzt habe. Spahn wünscht, daß die Erklärmige» der Regierungsvertreter Protokoll gegeben werden. DaS wird zugesagt. Die Debatte wird vertagt. Schluß 2 Uhr. Nächste Sitzung: Mittwoch 9 Uhr. zu Antrag, zu dessen Gimsten Der Antrag lautet; 4.— M. 10,— M. 14,— M. 20,— M. 30,— M. 86,— M. 42— M. Zoll des eindrähtigen rohen Garns 4- 10 M. Poimm* Mebevfichk. Berlin, de» 24. Juni. Die neue Marinevorlage. Seitdem der„Vorwärts" den Geheim-Erlaß des Herrn v. Tirpitz veröffentlicht hat, weiß man, daß die Regierung abermals eine Durchbrechung des Flottenplans beabsichtigt. Man weiß, daß eine neue große Marinevorlage bevorsteht, in der zum mindesten die seiner Zeit abgelehnten Auslandskreuzer nachgefordert, und in der auch die bei der Durchbugsierung des Flottengesetzes vorsichtig ver« schwiegenen Kosten der gesteigerten Jndiensthaltungen in ihrer wirklichen Größe erscheinen werden. Der Umstand nun, daß der Kaiser letzthin wieder eine Flottenrede gehalten, und daß die Mitglieder der Budget- kommission, die Abgg. Graf v. Arnim, Dr. Bachem, Basser- manu, Eickhoff(freis.), Müller-Fulda, Graf v. Oriola, Dr. Paasche, Speck, Graf zu Stolberg-Wernigerode und v. Tiede- mann von Herrn v. Tirpitz zu einer Flotten schau geladen worden sind, die in diesen Tagen stattfindet— hat die„Vossische Zeitung" veranlaßt, den bereits be- kannten Plan als eine Neuigkeit zu vermelden. Allerdings behauptet die„Voss. Ztg.", daß nicht die Auslandskreuzer, sondern ein Auslandsgcschwader von Linien- ch i f f e n gefordert werden würde. Die„Norddeutsche All- gemeine Zeitung" beeilt sich ihrerseits, die Nachricht durch ein Scheindementi zu bestätigen, indem sie schreibt: „Es ist allgemein bekannt und bei de» Verhandlungen gelegentlich des Flotiengcsetzes 1900 ausdrücklich betont, daß vom Jahre 1906 ab eine Vermehrung der Auslandsflotte beabsichtigt sei. Die ge- setzlichc Festlegung dieser Berinehrung ist damals unter Eiuver« ftäudnis der verbündete» Regierungen vertagt worden und wird nach der Erklärung des Staatssekretärs des Reichs-Marine-Amts gelegentlich der Reichstags-Sitznng vom 7. Februar 1902 voraus- sichtlich in der Session 1904/05 erneut beantragt werden. Ucber die Art ciuer solche» Borlage schon jetzt Mntmassnnge» anzustellen, ist»ach uilsrer Ansicht recht überflüssig, da selbstverständlich nach dieser Richtung hin noch keinerlei Entschlüsse an den niaßgebcndcn Stellen gefaßt sein können." Auch die katholische„Germania"— das Centrum ist natürlich wieder führend in der Flottenmogelei— bestätigt ganz nach Art der Offiziösen, indem sie scheinbar berichtigt. Sie ist in der Lage, „aus gut informierter Quelle mitteilen zu können, daß im Reichs- Marine- Amt an eine neue Flottenvorlage nicht gedacht wird, am allerlvenigste» au die Forderung eines Linienschiff- Geschwaders. Es ist allerdings nicht ausgeschlossen, daß in etwa drei Jahren noch eine Ergänzung der AnölandSflotte angefordert wird, deren Ausführung sich jedoch auf die Jahre 1906—1911 erstrecken würde, also auf noch sehr fernliegende Zeiten. Ob mau künftig statt großer Kreuzer auch für den Auslandsdieust Schlachtschiffe einführe» wird. ist ziemlich belanglos, da die Kosten beider Schiffsthpen sich mit der Zeit immer mehr genühert haben." Das Ceutrum, das noch bei den Beratungen über den Tirpitz-Erlaß so that, als denke es nicht daran, die Neu- orderungen zu bewilligen, ist bereits so weit vorgeschritten, laß es schon für gleichgültig erklärt, ob man ein Geschwader von Kreuzern oder von Schlachtschiffen bewilligt. Neue große Marine- Ausgaben stehen also bevor. Der Zollwucher, der die Notdurft der Massen besteuert, soll die ausgepumpte Neichskasse füllen, damit Krupp weitere Liefe- rungen erhalten kann. Kein Zweifel, daß das Ceutrum für alles zu haben sein wird. Diesmal aber hat auch Herr Eugen Richter das Anrecht, daß eines der neuen Schlacht- schiffe seinen Namen erhält. Denn durch das freisinnige Zuckersteuer-Manöver hat er der Regierung die Mittel für ihren Marinismus entgegen getragen.— Die socialdcmokratischcn Siege in Elsaß-Lothringen. Aus S t r a ß b u r g ivird uns in Ergänzung uusrer gestrigen Mitteilungen vom 23. Juni geschrieben: Eine» Wohlsieg, wie er gleich glänzend in unsrer Partei nur selten zu verzeichnen ist, haben unsere hiesige» Parteigenossen bei de» gestrigen Gemeinde« r a t s w a h l e n(Nachwahlen) erfochten. Es gelaug ihnen, zu dem Sitze, den sie bereits vor acht Tagen beim erste» Wahlgang ge« nonnnen, 12 iveitere zu erobern, so daß sie in der zukünftigen Ver- tretuug der Reichslaudes-Hnuptstadt statt der bisherigen zwei 13 Köpfe stark sei» werden. Zwei von den 7 Bezirken der Stadt wurden von uns gestern mit sämtlichen 10 Sitzen glatt genommen. der eine mit 1625 gegen 800, der andere mit 1650 gegen 1400 bürgerliche Stimmen, und auch in zlvei weiteren Bezirken gelang eS UNS, den vereinigten Bürgerlichen je ein Mandat abzunehmen. Bon den 36 Sitzen des Stadtrats gehört also nunmehr mehr als ein Drittel der Socialdemokratie. Für die vereinigten bürgerlichen Parteien bedeutet dieses Ergebnis eine geradezu vernichtende Niederlage. In holder Eintracht war vor einigen Wochen der klerikal-liberal- freisinnig-demokratische Kuddelmuddel ausgezogen, um die numerisch stärkste Partei der Stadt, die Socialdemokratie, vom Rathaus zu verdrängen, und aufs Haupt geschlagen, blamiert bis auf die Knochen, mußten sie nach der gestrigen Wahlschlacht sich nach Hause trollen. Die Führer in diesem Kampfe waren auf bürgerlicher Seite die Keichslagsvertreter von Straßburg-Stadt und Straßburg-Land, der „liberale" Justizrat Riff und Herr H a u ß, der Ne» dacteur des clsässisch- klerikalen.Volksboten", der im Reichs- tage bei der jüngste» Diktaturdebatte eine so klägliche Rolle spielte. Den Herren war der. Kamm geschwollen, seil es ihnen bei der Rcichstagswahl vor vier Jahren gelungen war, mittels eines Bündnisses der gesamten bürgerlichen Parteien der Socialdemokratie das Straßburger Mandat abzunehmen. Auch im diesmaligen Wahlkanipf traten sie gegen uusre Partei in der brutalsten Weise auf, ließen in ihren Bersammlungen den Gegner kaum zu Worte kommen, und leisteten in der Presse das Menschen- mögliche an Verleumdung der Socialdemokratie, nach Kräften unter- stützt von der„freisimiigen"„Bürgerzeitung". Diese Ver- gewaltigungstaktik brachte an den beiden Wahltagen die Proletarier- massen Straßburgs zu Tausenden auf die Beine, und der Erfolg war, wie gezeigt, glänzend. Den größten Verlust haben bei der Wahl die Klerikalen zu verzeichnen, die von zehn Sitzen sechs verloren, während die Liberalen von ihren 17 Mandaten drei, die Demokraten von 6 zwei einbüßte»- Die Antwort der Bevölkerung StraßbnrgS auf Herrn b. Kölkers Prophezeiung im Reichstage über die Zukunft der Socialdemokratie im ReichSland ist deutlich. Der Name Mathias v. Koller Ivar für unsre elsässtschen Parteigenossen von jeher von guter Vorbedeutung(man vergleiche unfern Wahlsieg von 13S3!) Möge der Mann dem Lande recht lange erhalte» bleiben I Auch in Mülhausen hat unsre Partei vorzüglich abgeschnitten. Statt bisher 2 hat sie jetzt 12 Vertreter auf dem Stadthause. Unter den gestern Gewählten befindet sich auch ihr Reichstags- Kandidat E m m e l, auf den 6383 Stinrmen entfielen. Bneb ist auch gestern wieder unterlegen. Der Mülhauser Stadtrat zählt künftig 15 Demo- kraten, 12 Socialisten, 9 Altliberale; die Klerikale» sind auch dort völlig unterlegen. Kein einziger ihrer früheren zahlreichen Ver- treter kehrt aufs Rathaus zurück. Zu den Orten, die zum erstenmal eine socialistische Stadt- Vertretung haben, gehört in erster Linie Geb lv eiler, eine Industriestadt mit etwa 16000 Einwohnern. Mit den gestern er- oberten zwei verfügen wir dort jetzt über vier von 27 Sitzen. Auf unsren Genossen SpieS entfiel gestern mit 1128 die h ö ch st e Etimmenzahl aller Geivählten.— In Colmar wurde unser Genosse Schreiner Hindelang gewählt; die klerikale Mehrheit ist durch die Vereinigung der Liberalen mit den Socialisten dort gestürzt worden. Eine nicht üble Ironie des Zufalls hat eS gewollt, daß von der ganzen Liste der Klerikalen, die zwölf der ihrigen und je einen Protestanten und Israeliten enthielt, gestern nur die beiden letzteren gewählt wurde». Weitere Vertretungen siud uns schon am vorletzten Sonntag zu- gefallen in S ch i I t i g h e i m bei Straßburg, wo uuser Genosse Bildhauer Schott siegreich blieb, sowie in D e t t w e i I e r. Die hervorstechendste Signatur des gestrigen Wahlresultates ist der energische Vormarsch der Socialdemokratie und die Niederlage des Klerikalismus.— OestreichS Borberritung zur Kündigung der Handelsvertrage. Nach der„Neuen Freien Presse' wurde der ungarische Ministerpräsident amtlich davon in Kenntnis gesetzt, daß Oestreich die Handels- Verträge kündigen wolle. Nach den Bestimmungen deSZoll- undHandels- bünduifies haben die beiden Regierungen über de» weiteren Vorgang sich ins Einvernehmen zu setze». Diese Verständigung muß binnen 6 Monaten erfolgen. Andernfalls muß die gemeinsame Regierung, wenn Oestreich einen solchen Schritt verlangt, die Verträge kündigen. Nach Ansicht deS Blattes hängt der weitere Vorgang davon ab, ob die beiden Regierungen die Schwierigkeit des Ausgleichs überwinde» oder nicht. Die„Neue Fr. Pr." sagt: Nach dem von Oestreich unter- nonimenen Schritt wird Ungarn nunmehr mit voller Ostenheit zu erklären haben, ob es die Zollgemeinschaft oder die Zolltremiung von Oestreich wünscht. ES bleibt abzuwarten, ob der ungarische Großgrundbesitz, wen» ihm eine Einschränkung seines Absatzes nach der westlichen Reichshälfte und nach Deutschland droht, sich nicht doch zur Aufgabe seines bisherigen Widerspruches gegen die östreichischeu ZollauSgleichsversuche bequemt, so daß eine Verständigung der östreichischen und ungarischen Regierung über ein beiderseitiges Zollbünduis erfolgt. Die aintliche Ankündigung von feiten OestreichS, daß es die Handelsverträge zu kündigen beabsichtige, hat jedenfalls in erster Reihe den Zweck, der ungarischen Regierung eine baldige Entscheidung nahe zu legen und zugleich der östreichischen Regierung die Freiheit zu sichern, wenn ein an- »ehmbarer Zollausgleich zwischen beiden Reichshälften nicht zu stände kommt, ihrerseits den Handelsvertrag mit Deutschland zur richtigen Zeit kündigen und unabhängig von Ungarn vor« gehen zu köuuen; denn nach den bestehenden AnSgleichSbestimnumgen ist solvohl die östreichische als die ungarische Regierung verpflichtet, falls sie am 1. Januar nächsten Jahres die am 1. Januar 1904 ab- laufenden Handelsverträge kündigen will, dies der Regierung der andern Reichshälfte mindestens sechs Monate vorher, also spätestens bis zum 1. Juli d. I., anzuzeigen. Vielleicht besteht daneben die Absicht, Deutschland zu zeigen, welche Schwierigkeiten die östreichische Regierung zu über- winden hat, und die deutsche Regierung dadurch einer eventuellen vorläufigen Verlängerung des bestehenden Handelsvertrages geneigt zu machen.— � � Deutsches Weich. Der nene Eisenbahnministcr Budde wird seine Thätigkcit damit beginnen, daß er die Kapitulation der Regierung �vor dem Junkertum in der Kanalfrage vollenden wird. Es wird nämlich auf den Mittelland-Kanal verzichtet werden und lediglich— trotz der viel beschworenen„Unteilbarkeit" des großen Werkes— der B erlin- Stottiner Kanal gefordert werden. Wenn noch ein Zweifel an diesem schmählichen Rückzug bestehen würde, so wird er durch Schweinburg beseitigt, der bereits mit Feuereifer diese Niederlage der Regierung zn einem heldenhaften Siege umzuwandeln bemüht ist. Schweinburg erklärt, daß die Kanal- rcbellen ja auch gegen das Berlin- Stettiner Projekt gewesen seien. die Vorlegung des GroßschiffahrtSivegeS Berlin-Stettin würde daher keineswegs einen Rückzug vor de» agrarischen Kanalgcgnern bedeuten. Gewiß, die Schlacht ist zwar verloren, aber einen Gefangenen hat man doch erwischt! UcbrigeuZ soll die Bauabteilung vom Eisenbahnministerium loZ- getrennt und dem Haudelsressort zugeteilt werden.— Ueber konservative Zweideutigkeit klagt die„Germania": „Die konservative und bündlerische Presse spricht sich mit inimer größerer Entschiedenheit dahin aus, daß im neuen Zolltarif von Erhöhungen der Jndustriezölle umsomehr Abstand genommen werden müsse, als die berechtigten Wünsche der Land- Wirtschaft auf Erhöhung deS Schutzes ihrer Erzeugnisse ja doch nicht in hinreichendem Maße erfüllt würden. Man sollte nun glauben, daß die Mitglieder dieser Parteien in der Zolltarif- Kommission auch dementsprechend Stellnng nehmen und die im Entwurf vorgeschlagenen oder aus der Mitte der Kommission be- antragten Zollcrhöhungen für Jndnstrie-Erzeugnisie ablehnen würden. Allein gerade daö Gegenteil ist der Fall. Die Kouser- vativeu haben einen ihrer vier Sitze in der Kommission ständig dem Bund der Landwirte abgetreten, weil dieser infolge seiner numerischen Schwäche sonst gar keine Vertretung in der Kommission haben würde. Dieses eine Mitglied(zur Zeit Abg. Dr. Hahn' stimmte dann mit den Socialdemokrate» für völlige Zoll/reibeit, die andren konservativen Herren dagegen traten zum Teil für die höchste» Jndustriezölle ei», welche überhaupt in Vor- schlag gebracht wurden. Auch für den Zoll auf SuperPhosphat haben dieselben gestimmt, im Nebrigen traten sie in der Regel für die Zollsätze ein, welch« nach den Vorschlägen des„Centralverbandes deutscher Judustriellcr" von einzelnen uatioualliberalen Mitgliedern gestellt werden." Das Centrumsblatt seinerseits begeistert sich für „die mittlere Linie der gemäßigten Regierungsvorlage."— Z« der Krcfclder Husaren�ragc macht ein Leser der„Frei- finnigen Zeitnng" einen Vorschlag zur Güte. Er meint, daß, um das Bedürfnis der Krefclder Jungfrauen nach 16 Hnsarcnlientenants zn befriedige», es doch einfacher sei» Iviirde, statt deshalb ein ganzes Husarenregiment von Düsseldorf nach Krefeld zu verlegen, die 16 HusarenlieutenantS von Düsseldorf zn jedem geeigneten Tanzvergnügen einzuladen, a u f k o m m lt ii a l e K o st e n nach Krefeld z n kommen. Krefeld ist ja von Düsseldorf nicht viel weiter entfernt als Potsdam von Berlin.— WittelSbach und Zähringen. Ans der Pfalz schreibt man uns: Anfangs Juni fand, fast zur gleichen Zeit wie in Mannheim auch in der pfälzischen Stadt Kaisers- läutern eine Wanderausstellung statt. In der badischcn Stadt ver- sammelte sich und stellte sich aus: die Deutsche landwirtschaftliche Gesellschaft; in der pfälzischen thatcn die bayrischen Landwirte daö Gleiche. In Mannheim war der Großherzog von Baden zur Feier herbeigeeilt, in Kaiserslautern that der künftige Thronfolger Bayerns, Prinz Ludwig, ebenso. Beide Fürsten lieben es sich von ihren„ge- treuen Unterthanen" huldigen zu lassen und beide reden gern und viel. Bekannt ist auch vom Prinzen Ludwig, daß er es keines- Wegs versteht ans seinem Herzen eine Mördergrube zu machen. Er giebt gerne in öffentlicher Rede alles preis was ihm das Herz be- drückt. So Ivar es einst in Moskau und so war eS auch in L u d w i g S h a f e n, der jüngsten Stadt am Rhein und Hochburg der pfälzischen Socialdemokratie. Prinz Ludwig hatte sich schon eine ganze Woche in der Hinter- Pfalz aufgehalten, als er, zum Abschluß seiner VergnügungStour, Hochfeinen Tag der Stadt zu widmen beschloß, die den Namen seines Großvaters trägt. Da sich zur selven Zeit die badische Fürsten- familie noch in Mannheim aufhielt, so konnte der Prinz nicht gut anders bandeln als ihr einen Besuch abzustatten. Er ging also»ach Mannheim hinüber, stieg im alten Wittelsbacher Residenzschlosse ab und hatte hinreichend Zeit und Muße, geschichtliche Studien zu machen, alte Erinnerungen auf sich wirken zn lassen. Nach Er- ledignng seines Besuches ging er spät abends wieder nach Ludwigs- Hafen herüber und stieg als Gast bei dem Herrn aller pfälzischen Eisenbahnen, Direktor v. Lavale ab. Nach eingenommenem Souper ging er auf den Balkon des Hauses und hielt an die unten ver- sannnclte neugierige und gaffende Menge— es mögen hoch gc- griffen 300— 400 Männlein und Weiblein gewesen sein-k-seiiie der gewohnten Reden. Soweit wäre mm alles gut und nett gewesen. nichts schien vorhanden, was das europäische Gleichgewicht hätte ins Wanken bringen können. Da auf einmal, als der Prinz schon ein paar Tage ruhig und Ivohlgemnt wieder bei seinen heimischen Penaten in Münckien saß, fing daS Karnickel unter den pfälzischen Zeitungen, die„Pfälzische Post" an, Zuschriften auS b ü r g e r- Ii che» Kreisen zu vcröffenllichen, die sich mit der zurechtgestutzten Berichterstattung der bürgerlichen Presse anläßlich des Prinzeiibesuchs befaßte. Schließlich platzte unsre Parteizeitung mit der Befürchtung heraus, die bürgerlichen Blätter hätlen uns der Lndwigshafener Rede des Prinzen einen ganz wesentlichen Satz ausgelassen, hätten ihn unterschlage». Nach den ihr zur Verfügung stehenden Zeugen hatte sich der Prinz u. a. geäußert: „Ich komme heute von einem schönen Fleckchen Erde, das man nnS vor hnndrrt Jahren gewaltsam entrissen hat." Die Geschichte schlug ein. Der Bürgermeister von Lndwigshafen, ein Herr K r a f f t, beeilte sich, in einer am selben Tage statt- gefundenen Stadtratssitzung die Nachricht der„Pfälzischen Post" zn dementieren. Die lokale Presse suchte sich auf die ergötzlichste Art herauszuschwindeln. So beteuerte z. B. die„Pfälz. Rundschau", deren Berichterstatter die Prinzenrede stenographisch aufnahm: „Da Bürgermeister Krafft während der Rede des Prinzen ans dem Balkon der v. Lavaleschen Wohnung neben dem Redner stand, kann die von ihm gegebene Faffnng zweifellos als richtig angeschen werden, um so mehr, als sie auch teilweise mit unserm Steno- aramm übereinstimmt. Wir mutzten den Satz leider fortlassen, da uns in dem herrschenden Wind einige etivas leise gesprochenen Worte enr- g t n g e n...." Der böse Wind! Bezeichnenderweise sekmidierte aber die Karlsruher national- liberale, Badische LandeSzeitimg", die sich mitunter offiziöser Beziehungen rühmen kann, unserm pfälzischen Organ. Das Karls- ruher Blatt b c st ä t i g t e die Fassung der Prinzenrede, stvie sie die „Pfälzische Post" gebrächt. Nunmehr mußte schweres Geschütz aufgefahren werden. Die „Müncheiier Neuesten Nachrichten" wurden zum dementieren aufgeboten. Auch eine.Hofbericht"-Korrespondenz trat in Thäligkeit und dementierte. Trotz aller AblengnuNgsversnche der Osficiösen st e h t es aber u n u m st ö ß I i ch f e st, daß der Prinz sich so auS- gedrückt hat, wie eS in der„Pfälzischen Post" zu lesen war und nicht anders. Und das kann bewiesen w e r d e n in erster Linie durch die Berichterstatter der bürgerlichen Presse LndwigShafcnS, deren einer sich e h r e n>v ö r t l i ch verpflichtet hat über den fehlenden Satz i» der Prinzenrede Stillschweigen zu bewahren. Die„nackten" Kinder. Wie mitgeteilt, hat ein Heinzepriester in Karlsruhe über die„Nacktheit" der Kinder sich entrüstet, die mit kurzen Aermeln in die Schule kommen. Der Karlsruher Stadtrat hat sich in seiner letzten Sitzung mit dem Fall des Kaplans mit der reizbaren Phantasie beschäftigt. Wie der Vorsitzende der Schulkommission mitteilte, haben die an- gestellten Erhebungen ergeben, daß der Kaplan Kromer in einzelnen Klassen der Mädchen-Volksschule sich darüber ausgesprochen hat, daß er als Religionslehrer„zu weit ausgeschnittene" Kleider der Schülerinnen nicht dulde. Der Stadtrat erachtet derartige Aeußernngen Schulkindern gegenüber nicht für passend und ersucht die Schnllommission, die erforderlichen Schritte zu thun, derartige Vorfälle künftig zu vermeiden. So ein Kaplan fühlt sich schon als heiliger— Antonius, wenn er nackte Kinderarme steht!—_ Marine-Unfall. Cuxhaven, 24. Juni. Das Torpedoboot ,3. 42" ist bei Elb- fenerschiff 4 durch eine« englischen Dampfer Aberrannt. Das Torpedoboot ist gesunken. Der Kommandant KapitSnlieutcnant Rosenstock von Rhöneck. Obermaschinistemnaat März, Maschinistenmaat Keilwagen und Matrose Reimers werden vermißt. * Geheimrat BuSleh hat nach einem Telegramm deS„L.-N." die Katastrophe wie folgt geschildert: Die Kollision deS Kohlen- dampferS„Firsby" mit dem Torpedoboot L 42 erfolgte um 12Ve Uhr nachts. Der ausgehende Dampfer„FirSby" raunte direkt vor Cux- Häven das Torpedoboot an der Backbordseite an. Das Torpedo sank sofort. An Bord befanden sich 24 Mann Besatzung, vier englische Herren mit einem Diener und Geheimrat Busley, die von der Dover— Helgoland-Regatta kanien. Gerettet wurden nenn Mann vo» dem Bremer Leichter„Mcrcnr", die übrigen vermochten sich an Bord deS englischen Dampfers zu retten. Geheinirat Busley sprang mit dem Rettungsgürtel ins Wasser und wurde so schwimmend aufgenommen. Umgekommen sind: der Kommandant Rosenstock v. Rhöneck, der mit dem Torpedoboot untergegangen ist, ferner der Obermaschinistenmaat, ein Maschinislenmaat, ein Heizer und der Steward— also fünf Personen. Von den Geretteten sind ldrci verbrüht worden; sie sind sofort ins Lazarett ge- kommen. Der Führer des LkoydschleppdampferS.21", der Dienstag- mittag in Bremerhaven eingetroffen ist, berichtet folgendes: Wir gingen gestern nachmittag von Hamburg ab im Schlepptau des Dampfers„Merkur" und mußten abends 10 llhr wegen dichten Nebels unterhalb Cuxhaven ankern. Zwischen 12 und 1 Uhr hörten wir den lang andauernden Sirenenton eines Torpedobootes, das wie ein Notsignal erklang. Um 1 Uhr ertönten in der Nähe Hilferufe und es trieb da? kleine schwarze Rettungsboot eines Torpedobootes bei uns längsseits. Der Besl- mann unsres Kahnes erfaßt das Rettungsboot mittels Hakens, das halb mit Wasser angefüllt war. ES saßen drei Personen darin, weitere sechs Personen hingen an ihm im Wasser; sie wurden sämt- lich so schnell wie möglich an Bord gezogen. Es waren drei englische Lords mit eineni Diener, drei Heizer und zlvei Matrosen, samt- lich durchnäßt und vor Aufregung stark erschöpft.— Zur„Leipziger VolkSzcitung" müssen wir nochmals zurück- kehren. Wohl im richtigen Empfinden des Scheiterns ihres früheren Verteidigungsversnchcs will sie„nunmehr um so gründlicher nach- weisen", daß ihre Behandlung parteigenössischcr Diskussionen von Anbeginn richtig gewesen sei. Hierauf nochmals zurück- zukommen, besteht für uns kein Anlaß, wie haben das Erforderliche gesagt. Wir siud nur genötigt, wider unsre Absicht, noch ei» Wort zu dieser Angelegenheir zn sagen, weil die„Leipz. VolkSztg." jetzt dazu übergeht, auch gegen unsre Redaktion jene bedauerliche Methode der Polemik anzuwenden, deren Zurückweisung den Anlaß zu der Auseinandersetzung gegeben hat. Das Leipziger Organ erhebt die schwersten Beschuldigungen gegen uns, indem es auf Grund er- dichtcter Umstände die Motive unsreS Vorgehens verdächtigt. Wir müssen zunächst zugestehen, daß Ivir in einer Hinsicht geirrt haben. Wir haben die Verfasserschaft solvohl des Artikels, der uns Anlaß zn unsren ersten Bemerkungen gab, als auch der jüngsten Notiz, in welcher der schnell revolutionierende Einfluß der Leipziger Lust auf den extremen Opportunismus des Leipziger politischen NedacteurS gefeiert wurde, auf die Schuld dieses letzteren gebucht. Die„Leipz. Volkszlg." teilt jetzt— seltsam verspätet, denn wir hatten bereits am 17. Juni unsre An- ficht über die Verfasserschaft ausgesprochen— mit, daß Artikel wie Notiz von den Berliner Nedacteuren des Blattes verfaßt seien, und sie meint:„so feine Slilkünstler, wie sie die Redaktion des„Vor- ivärtS" besitzt, hätten doch wissen können, daß der Artikel: Von LudwigShafen ans der Berliner, und nicht aus der Leipziger Schmiede kam." Wir müssen bekennen, daß unser Stilgefühl durch unsre Schätzung der Berliner Redaktion der„Leipz. Volksztg." dermaßen beeinträchtigt worden lvar, daß wir es als ausgeschlossen ansahen, jenes Meisterstück könnte in der„Berliner Schmiede" gehämmert sein. Hatte uns doch gerade unsre Meinung über die Berliner Redaktion zu der Rücksicht veranlaßt, angesichts der eigenartigen Redaktions- Verhältnisse der„L. V." nicht u. E. Unbeteiligte in unsre Kritik ein- zuschließen. Wir bedanern überzeugt worden zu sein, daß eS nicht mehr erlaubt ist, zwischen den beiderlei Werkstätten für Berlin vor- leilhafte Unterscheidungen anzunehmen. Nun aber will die„L. V beweisen,„wer in diesem Streit die persönlichste Krakehlerei und den unnützesten Parteizank getrieben hat". Den Beweis will die„L. V." erbringe», indem sie unser Citat aus dem„Schlvabenspiegek" behandelt und erklärt:„DieS Citat ist also des Pudels Kern I Um dieses Eitats willen das ganze Trara... Der ganze Spektakel war bloß zu dem Zweck w Seen« gesetzt. damit der„Vorwärts" der Redaktion der„Leipziger Bolkszeitung" einen kleinen Knüttel zwischen die Beine werfen könne." Und weiter erklärt die„L. V.". es sei uns„bloß darauf angekommen, irgend eine persönliche Ranküne" ansznlaffen. Der Leipziger Redactcur der„Leipz. Volksztg.", Genosse G. I a e ck h, ergreist dann persönlich das Wort, um auch seinerseits von den Verfehlungen der Leipziger Polemik durch die Ausflucht abzulenken, daß die Kritik deS„Vorwärts" von persönlichen Motiven geleitet gewesen sei. Er widerlegt dabei freilich selbst die von feiner Gesamtredakiion aus« gesprochene Verdächtigung unsrer Motive und Zwecke, indem er zugesteht, daß nicht unsre Redaktion ans persönlichen Motiven vorgegangen sei, sondern daß sie sich unbewußt den persön- lichen Bestrebungen eines Andern dienstbar gemacht habe. Jaeckh zielt damit ans einen früheren Redacteur der ,L. V." Wir erklären, daß dieser Genosse unsrer Polemik mit der„Leipz. Volksztg." vollständig fem steht, daß er sie lv e d e r direkt noch indirekt irgendwie angeregt, beeinflußt, unterstützt hat, daß er nicht früher von ihr erfahren hat, als irgend ein andrer Leser de? „Vorwärts". Wir erklären weiter, daß uns der Artikel deS „Schwabenspiegel", wie überhaupt die siaatSsocialistische Mitarbeit JaeckhS an diesem bürgerlichen Blatte beim Beginn und im Verlauf unsrer Polemik unbekannt tvar und daß wir daS Citat erst kurz vor feiner Veröffentlichimg kennen gelernt haben. ES ist notwendig, dieses Selbstverständliche festzustellen, da es keinen 'chkimmeren Vorwurf geben kann. als daß man nnS ans eine geradezu staatsaiiwaltSmäßige Einbildung hin beschuldigt, daß wir eine im sachlichen Partci-Jnteresse begonnene Diskussion in Wirklichkeit um eines persönlichen Endzweckes geführt hätten, und daß unsre sachliche Tendenz nur eine heuchlerische Maske gewesen sei. Es ist nicht unsre Art. eine solche perfide, hinterhaltige Polemik zu treiben, und wir iveisen diese empörende UntersteNimg mit allem Nachdruck zurück. Ja, wir möchten glauben, daß auch die „Leipziger VolkSzeitung", so sehr wir ihre polemische Methode verwerfen, eine solche unehrliche Strategie, deren Ivir von ihr, als lväre eS gar nichts, beschuldigt werden, nicht unter dem Gesichtspunkte „schlechter Manieren" beurteilen und verteidigen würde. Genosse Jaeckh erhebt schließlich noch den Vorwurf, daß ivir 'einen Schwabenarlikel nur in Bruchstücken veröffentlicht und ihn so „zu einem kindischen Machwerk zurechtgestutzt" hätten. Mag er den Beweis führen und seinen Artikel im ganzen seinen Leipziger Lesern mitteilen, denen er jetzt nicht einmal Bruchstücke vorzusetzen lvagt. Nicht durch unsre Schuld hat diese Anseinandersetzung uns in persönliche Zuspitzungen geführt und die Enimerung an die politischen Wandlungsfähigkeiten in der Leipziger Redastion hervor- gerufen. Ausland. Die Polenpolitik und der galizifche Landtag. —et— Wien, 22. Juni. ES scheint, daß die Regierung Koerber, gewitzigt durch die üblen Erfahrungen deS vorigen Jahres, dafür gesorgt hat, daß ihr der galizifche Landtag diesmal keine Ungelegenheiten bereite. Im vorigen Jahre beschloß der Landtag bekanntlich eine geharnischte Resolution wegen des Wreschener KriminalfalleS; sie wurde von dem Fürsten Czartoryski in sehr heftiger Weise begründet, ohne daß der Vertreter der Regierung, der Statthalter Gra PininSki, ein Wort des Widerspruches für notwendig befunden hätte Die.Einmischung" des galizischen Landtags in die.innere»- An gelegenheiten eines fremden Landes führte dann zu lebhaften Preß Polemiken, und der östrcichisch-ungarische Botschafter mußte sich schließ lich bequemen, in Berlin„Erklärungen- abzugeben. Den Ausflug in das Gebiet der internationalen Politik wird der Landtag Heuer unterlassen, obwohl der Vorwand, die M a r i e n b U r g e r Red deS deutschen Kaisers, auch Heuer gegeben wäre. Daß die Stancyken die Lust verloren haben, sich noch einmal die Finger zu verbrennen, mit wirkungslosen Demonstrationen die Gunst der Krone aufs Spiel zu setzen, hat man an ihrer Zurückhaltung schon in der Delegation gesehen, wo sich Herr v. Jaworski nur ein paar An spielungen gestattete, und insbesondere im Abgeordnetenhause bei den plumpen Ausfällendes reklamesüchtigen Herrn Klofac, von denen sich das offizielle Polentum mit unverkennbarer Aengstlichkeit fernhielt. Noch deutlicher wird die Scheu, an die Verhältnisse zu tasten, die in der Wiener Hofburg die größte Empfindlichkeit wecken im Landtage selbst: die Mitglieder des polnischen Landtagsklubs haben gestern ausdrücklich beschlossen, alle Anträge und Ausfälle wegen der preußischen Polenpolitik zu unterlassen. In seiner Eröffnungsrede hat Landmarschall Graf Potock oie Meinung der»maßgebenden- Kreise folgendermaßen geschildert »Schon durch die Geschichte der polnischen Nation tvar dargetha» daß ein lebensfähiges Volk, welches die Vergangen heit hochhält und auch die Kraft zu künftige Thätigkeit besitzt, weder durch beeinträchtigend Ausnahmegesetze, noch durch andre nationale oder Wirt schaftliche Verfolgungen ausgerottet werden könne. Die Antwort darauf und eine Abwehr der Bedrückung und Un g e r ch t i g ke i t sollten nicht unnütze Demonstr ationen und »och so schön klingende Re den sein, sondern eine um so intensivere Arbeit zur Stärkung und Sammlung der nationalen Kräfte, sowie die Aufopferung und würdevolle Erfüllung der schivrerigen Pflichten. Ans diesem Grunde müsse auch hierzulande jede Aeußerung sei es deS socialen, sei es des nationalen Hasses als in ihren Konsequenzen für daS ganze Land schädlich und nicht einmal für die eigne Nationalität nützlich, verurteilt werden." Wohl wurde von dem vollsparteilichen Abgeordneten S t a p i n S k i ein Driuglichkeitsantrag eingebracht, gegen die.Kampfparole" Wilhelms II .feierlich Protest zu erhebe»- und von der Regierung zu fordern, sie möge ihre.Stellung" gegenüber dieser Rede.unzweidentig präcisieren aber der thörichte Antrag hat noch keine einzige Unterschrift gefunden. ES ist nicht ausgeschlossen, daß die kleinen, oppositionellen Gruppen irgend eine Aktion unternehmen werden, aber zu einer Demonstration deS Landtages wie im vorigen Jahre wird es Heuer sicherlich nicht kommen. Wenn die Regierung nicht will, so wagt die Schlachta nichts— was freilich auch darthut, daß die vorjährigen Demonftv» tionen von Wien aus nicht gerade ungern gesehen worden sind. Man ist in Wien sehr bundestreu-, aber man hat nichts dagegen. dem Verbündeten von Zeit zu Zeit gründlich zu ärgern. Schweiz. Bern, 24. Juni. Der Ständerat hat heute den«enen Zolltarif in der Schlußabstimmung niit 32 gegen 6 Stimmen bei 4 Stimmenthaltungen angenomme». Wie bekannt, wird gegen den Tarif daS Referendum des Volkes angerufen werden.— Frankreich. PariS, 24. Juni. Die verschiedenen republikanischen Kammer gruppen haben.sich dahin verständigt, den socialistischc» Führer Jauräö als Nachfolger für den scheidenden Virepräsideuten Maurice Faure vorzuschlagen. Seine Wahl gilt als gesichert. Der Pariser Gemeinderat beschloß, als P r o t e st- K u n d- g eb u ng gegen die Rede Jaurös über Elsaß Lothringen am 14. Juli, dem Nationalfeste in corxors sich zu der Statue SiraßburgS zu begeben und dort einen Kranz niederzu- legen. Der Zorn des nationalistischen Gcmeinderats ist für dem Betroffenen eine Ehrung. Von nationalistischer Seite wird der Kammer noch im Laufe dieser Woche ein Gesetzentwurf zugehen, welcher bezweckt, d i e fremden Arbeiter mit einer Steuer zu belegen. Ein ähnlicher Vorschlag war bereits früher gemacht, von der radikal- socialistischen Mehrheit jedoch abgelehnt worden. der H n m b e r t- welche heute oder Dem.Jntransigeant" zufolge steht in Affair e eine sensationelle Verhaftung bevor, morgen erfolgen soll. England. Erkrankung deS Königs. Aus London wird gemeldet: Das Krönnngsfest ist ivegen Unpäßlichkeit des Königs auf Unbestimmte Zeit verschoben worden. Die Krankheit des Königs wird als Blinddärme nt» zündung angegeben. Am Dienstagvormittag ist eine Operation vorgenommen worden, die nach Angabe der Aerzte gut über- standen ist. Die zahlreich versamnielten fremden Fürstlichkeiten sowie die schaulustige Volksmenge werden sich also in Geduld fassen müssen.— London, 24. Juni. Das.Rcutersche Bureau" erfährt: Ueber die Abreise der ausländische» Gäste ist noch nichts entschieden, es heißt indessen, die Rückreise werde erfolgen, sobald bestimmte Mitteilungen über die Operation vorliegen. In amtlichen Kreisen ist man der Ansicht, daß der Zustand des Königs ziemlich ernst sein muß, sonst würde die Operation nicht jetzt vorgenommen werden. Die TradeS UnionS und die politische Aktion. London. 21. Juni.(Eig. Ber.) Abgesehen von den politischen Beschlüssen der einzelnen Trades Uuions ist das vor zwei Jahren entstaudene Labour Representation Committee bemüht, die TradeS Uuions in eine politische Arbeiterpartei zu organisieren. Dieses Komitee für parlamentarische Arbeitervertretung zählt»ach einem vor wenigen Tage» erlassenen Rnndschreibe» 6S0 OOO gewerkschaftlich organisierte Arbeiter. Für den Beobachter des englischen Lebens bedarf es keiner langen Auseinandersetzuiigen, daß eine Organisation von Arbeitern, die so rasch wächst, keine neuen Grund- sätze bieten kann. In England revolutioniert man die Köpfe der Arbeiter nicht mit dieser Fixigkeit. Noch mehr: gerade das schnelle Wachsen dieser Organisation stimmt unsre Erwartungen sehr herab. Die Führer dieses Komiiees sind Mr. und Mrs. I. R. Macdo- »ald, deren Verdienst um den socialpolitischen Fortschritt Englands darin besteht, daß sie Böhm- Baiverks Schrift gegen die Marxsche Werttheorie ins Englische übersetzten, um das englische Proletariat vor den Irrlehren der deutschen Soclaldemo- Iratie zu schützen. Selbstredend leugnet Mr. Macdonald den Klaffen- charakter der kapitalistischen Gesellschaft. DaS Labour Representation Eommitee ist das Bindeglied zwischen der Unabhängigen Arbeiter- parte! und der entstehendengewerkschaftlichen Aroeiterpartei. Macdonald ist der leitende Geist dieser Bewegung. Man kann sich also einen Begriff machen von der wirklichen Bedeutung der politischen Vorgänge innerhalb der Trades UnionS. Man sieht nicht ein, daß schon die Notwendigkeit der Gründung einer besonderen Arbeiter- Partei einen Beweis für die Klassenkampf-Thcorie bildet. Aber in England gilt bekanntlich das»IckuäcklmA througb"(sich htndurch- irren). In seinen früher genannten Rundschreiben schlägt Macdonald den 630 000 Mitgliedern vor, einen EcntralfondS für Parlaments- Wahlen dadurch zu bilden, daß jedes Mitglied einen Penny(3 Pf.) jährlich bezahlt. DaS würde pro Jahr 3000 Pfd. Sterl.(ca. 60 000 M.) machen. Das Koinitee soll bei de» nächsten Wahlen z e h»Kandidaten aufstellen. Die parlamentarischen Vertreter sollen je 200 Pfd. Sterl. an Diäten erhalten. Die Gewerkschaft der Keffelschmiede beschloß, ihrem parla- mentarischen Vertreter 350 Pfd. Sterl.(7000 M.) jährlich an Diäten zu zahlen.— Rustlnnd. Schulcrlast. Der Petersburger.RegiernngSbote' veröffentlicht einen Erlaß d e S K a t s e r S an den Minister für Volksaufklärung, Senger, welcher verschiedene Aiiordnnngen über die U m g e st a l t u n g der Mittel- und Hochschulen enthält. Unter andern: sollen in den Residenzen und Goubernementsstädten bei den Mittelschulen allmählich Internate errichtet werden. Eine nähere Kenntnis des Erlaffes wird zeigen, was dieser neueste russische„Volksaufllärnng§--Erlaß bedeutet.— Die Gärung unter den Bauern ist in fortwährendem Wachsen. Aus verschiedenen Teilen des Reiches laufen Nachrichten ein, daß die Bauern für die Ereignisse in den Gouvernements Poltaiva und Charkow großes Interesse zeigen. Ueberall mache sich gegen die Gutsbesitzer und Polizei ei» scharfer Unmut bemerkbar und die Bauern seien überzeugt, daß binnen kurz oder lang die Gutsländereien an die Bauern übergehen. Die Regierung kann sich daS alles nicht anders erklären, als durch die revolutionäre Propaganda. Noch nie ist ihr Mißtrauen gegenüber allen intelligenten Leuten auf den: platten Lande so stark gewesen wie gegentvärtig. Besonders unangenehm sind ihr d: e S t a t i st i k e r d e r S e m st Iv o s. In einigen Gouvernements ist es den SemstwoS verboten Ivorden, in diesen: Frühjahr statistische Erhebungen zu veranstalten, m:d der neueMinister des Innern v. P l« h w e arbeitet dahin, die statistischen Aemter der SemsttvoS aufzuheben, an ihre Stelle solle» die verlotterte» statistischen Komitees der Gouvernementsbureaukratie trete«:. Eine andre Kate gorie höchst verdächtiger und unliebsamer Elemente scheinen der Regierung die Volksschullehrer zu sein. In der letzten Zeit sind an verschiedenen Orten in de» Volksschulen Hausdurch snchungen vorgenommen worden, so z. B. in: Gouvernement Tainbow? im Kreise KoSlotvSk wurde der Lehrer der SemstwoS- Schule. Silotow, arretiert, im Kreise Tmnbow die Lehrer Andrejeiv und Tschernischew. Kürzlich ivnrde die Wohnung des geiveseneu Volksschullehrers A. Dobronrawolv in der Stadt Tnmbotv gehaus- sucht. Die Polizei fand ihn selbst schon nicht inehr vor und war darüber aus dem Häuschen. Dobronraivow wird die A n st i f t u n g zum Aufruhr unter den Bauern zur Last gelegt. Aus dem Gouvernement O r e l wird mitgeteilt, daß die Erregung unter den Bauern auch hier in offenen Aufruhr übergehe. Afrika. Die iverfafsungSfrage in Kapland. Ein Telegramm aus Kapstadt bringt Einzelheiten über die Frage der Abschaffung der Verfassung. Wie es scheint, hat diese Frage eine Spaltung in der Lohalitätspartei hervorgerufen. Die südafrikanische Liga, welche den Jamesonschen Einfall seiner Zeit inscenierte, hat diese Gegenagitation ins Werk gesetzt. Die Gegner der Liga erklären, daß die ganze Angelegenheit von der Umgebung Cecil Rhodes ins Werk gesetzt ivorden sei, Ivelche eine specielle Gesetzgebung für die Debcers-Company und die Aktionäre der Chartcred-Company verlangte. M i l n e r ist Anhänger der Abschaffung der Kapverfassnng, obgleich er bei Beginn des Krieges den Kapholländern versprochen hat, daß am Ende des Krieges ihre verfassungsmäßigen Rechte nicht verringert würden. Asien. Peking, 23. Juni. Der amerikanische Missionar Canright tele- graphiert aus Tschengtu(Provinz Sz'tschlvan), daß die Methodisten- Kapelle zerstört und 10 Christen getötet seien; die Boxerbewegnug breite sich in der Gegend auö.— Es ist ganz gut, daß die unteren Verwaltungsbehörden öfter daran erinnern, daß der 8 3 des preußischen Vereinsgcsetzes keines- ivegS aufgehört hat zu existieren, daß vielmehr.mir- eine ministerielle Verordnung seine Anwendung„regelt-, der ministerielle Erlaß könnte sonst leicht die Frauen vertrauensselig machen und die Agitation gegen die Schönheiten unsres Vereinsgesetzes einschläfern. — StaatSgefährliche und stnatöcrhaltcude Musik. Die Deffauer Arbeiter haben dies Jahr>vie auch sonst in andren Jahren ein Gewerkschaftsfest veranstaltet. Im Vorjahre fand zun: erstenmal aus diesem Anlaß auch ein Umzug der Geiverkschaften statt, der— es ließ sich kein Schutzmann während desselben blicken— ohne die geringste Störung verlief. Auch in diesem Jahre kam der Vor- sitzende des Kartells um die Erlaubnis zu dem Umzüge ein, die denn auch schriftlich erteilt wurde. Während das Kartell nun, dant- erfüllt gegen die entgegenkommende Polizei, alle Vorbereitungen zu der' Festlichkeit traf, erweckte das Heranrücken des .Umzugstermins bei der Behörde ganz andre Gefühle. Eine heil- lose Verivirrung mutz dieser Umzug in den Räumen der Polizei augerichtet haben, obgleich er diese gar nicht berühren sollte. Am Sonnabendabend, dem Tage vor dem Fest, ivnrde dem Kartell- Vorsitzenden plötzlich von einen: Beamten die Mitteilung gemacht, daß der U m z u a verboten sei: wenige Stunden darauf teilte man ihm offiziell mit. die Sache sei noch nicht definitiv ent- schieden! endlich— ztvei Stunden vor Abmarsch des Zuges— kam die definitive Entscheidung, die dahin lautete, daß der Umzug genehmigt, die Musik im Zuge jedoch verboten sei. Um wenigstens etlvas Stimmung in den Zug zu bringen, dirigierte das Komitee die Kapelle nach einer »g zu passieren hatte; örde dem Koinitee schneidig Anzahl von Lokalei:, die der durch diesen losen Streich macht« die Be einen festen Streich, indem sie auch in den Lokalen das Spiel«» ver bot. So zogen denn die Proletarier in Masse traurig ihre Straße dahin, unfähig dem anhaltischen Staate Schaden zuzufügen, weil ihnen die gefährliche staatSumstürzende Musik fehlte; deriveilen radelten eine Anzahl bürgerlicher Radfahrer in einein andren Teile der Stadt eine Korsofahrt ab, begleitet von den jubelnde» Klängen zweier staatserhaltendcr Musikchöre.— Die Dessauer fragen sich nun, was denn eigentlich das Verbot der Musik in aller Welt für einen Sinn gehabt haben soll I Muß man denn bei den Handlungen von Behörden solche unverschämte Fragen stellen Ii — Ein znriickgewicscner Jnscrateuanstrag hat dem ver- antwortlichen Redaeieur der„Oberfränkischen Volkszeitung". Genossen Gotzler in Hof, zu einer Strafe von 40 M. event. 8 Tagen Ge- fängnis verholfen. Einer Warenhansfirma fiel es eines TageS est:, das Blatt mit den: Auftrage zu beehren, ztvei Inserate zum Preiie von je 3 M. aufzunehmen, die nach dem Tarif zusammen 30 M. (also das Zehnfache) gekostet hätten. Der noble Auftrag wurde zurückgewiesen und Goßlcr nannte in einer NedaltionSnotiz das A>.- sinnen.unverschämt- und den Auftrag.erbärmlich". Dies kränkte die Firma so schiver, daß sie G. ivegen Beleidigung verllagte, und daS Gericht sprach die oben mitgeteilte Strafe aus.— Totenliste der Partei. In H i I d e s h e i m starb im Alter von 40 Jahren der Genofie Wilhelm Hnch an der Kehlkopfschwind- licht. Huch war seit den 80 er Jalste:: für die Partei thätig. DaS Nnternehniertmn quittierte ihn: dieS, indem es ihn zusammen mit dem Genossen Karl Stephan maßregelte. Beiden gelang es, eine ivenn auch bescheidene Existenz als Handwerksmeister zu finden, und sie widmeten sich der Partei, unabhängig geworden, mit erhöhtem Eifer. DaS Denkmal für Peter Lawroff wurde, wie uns unser Pariser Korrespondent schreibt, am 22. Juni auf dem Pariser Fried- hos Montparnasse unter zahlreicher russischer und französsischer Beteiligung eingeweiht. Der in seiner Schlichtheit wirkungsvolle Denk- siein, ein ungeschliffener rötlicher Granitblock, verschwand unter den Kränzen und Blumen, die von den russischen und polnischen socio- listischen Organisationen, von den russischen Studenten zu Paris und von einzelnen Personen gespendet waren. Außer den Vertretern der verschiedenen russischen socialistischen Organisationen hielten An> sprachen die französischen Genossen: V a i l l a n t namens der 8. cks R und der Blanquisten, Charles Longuet namens des Jnterföderalen Komitees der?. 8. B r a e q u e namens des gucsdistischen Parteivorstandes und Mah namens des Syndikats der socialistischen Journalisten. Die Feier zu Ehren des großen Denkers und Kämpfers gestaltete sich zugleich— dank insbesondere auch der Erklärungen der ftanzösischen Redner— zu einer Kund- gebung gegen den Zarismus und die offizielle Allianz zivischen Vourgeoisrepublik und Knute. Die Polizei hat die Feier nicht gestört, obwohl sie in ansehnlicher Zahl aufgeboten war. Polizeiliches, Gerichtliches usw. — Der§ 8 lebt noch! Die ministerielle Auslegung des F 8 des preußischen VereinsgesetzeS. wonach den Frauen die Teilnahme an Versammlungen politischer Vereine in einem besonderen Segment als Zuschauerinnen gestattet sein soll, scheint teilweise den unteren Verwaltungsbehörden noch unbekannt zu fein, teilweise findet sie eine Auslegung, durch welche die durch das mutvolle Vorgehen deS Bundes der Landwirte dem Ministerinm des Innern in Bezug cüif die Versammlungsfreiheit für die Frauen abgerungenen Borteile wieder aus der Welt eSeamottert werden. In Preetz(Schleswig- Holstein) war eine Mitgliederversammlung des socialdemokratischcn Wahlvereins, in der Frauen als Zuschauerinnen anwesend waren, aufgelöst worden. Selbstverständlich wurde dagegen Beschwerde eingelegt, die vom Landrat verivorfen wurde mit folgender Be> gründung: «Die Versammlung tagte in einem Lokale von 6.6 Meter Länge und 6,6 Meter Breite. In diesem war eine kleine Ecke durch lose siebende Tische für die Frauen abgeteilt. Bei diesen Raumverhältnissen sowohl als bei dieser Form der Abteilung konnten die Frauen nicht lediglich als Zuschauerinnen angesehen werden. Es lag demnach unzweifelhaft ein Verstoß gegen die auch in Schlesivig- Holstein«ingeführten Verordnungen vom 11. März 1860 vor." Sociales. Arbeitslohn und Warenwert. London, 22. Juni.(Eig. Ber.) Ein kürzlich veröffentlichter Bericht des Handelsministeriunis(Board of Trade) giebt folgende interessante Zahlen über das Verhältnis von Arbeitslohn zum er- zeugten Waremvcrt: Industrie � Lohn pro 100 Pfd. Sterl. Produkt Bergbau �..... 66„„ Schiffbau...... 37„„ Straßenbahn..... 31,„ Eisenbahn...... 30„„ Ackerbau...... 29,„ Textil....... 29„„ Eisen....... 23„„ Stahl....... 23,„ Brauerei...... 7„„ GewevkMslfAikszes« Berlin und Umgegend. Zur Lohnbewegung der Bauarbeiter ist zu melden, daß am Dienstag aus sänttlichen Bauten die neuen Forderungen eingereicht ivorden sind. Ein Teil der Unternehmer hat sofort a n st a:: d s l o s bewilligt, ein andrer Teil verhielt sich jedoch ablehnend. Zu den neuen B e d i n g n n g e n s i n d 360 Arbeiter auf 46 Bauten beschäftigt, während 428 Arbeiter auf 43 Bauten in den Ausstand ge- treten sind. Außerdem wird noch auf einer Anzahl Bauten zu den alten Bedingungen weitergearbeitet, weil daselbst Ver- Handlungen mit den Unternehmern schweben. Berichtigung. Nicht die Arbeiter der städtischen Stein- Plätze, sondern die des städtischen Kohlenplatzes haben die Versammlmig abgehalten, über welche in der gestrigen Nilmmer des „Vorwärts" berichtet wurde. Deutsche» Reich. Die Bamiuternehmer in Hainburg haben im Kampf gegen die berechtigten Forderungen der Arbeiter noch keinen Erfolg gehabt, und es ist auch keine Aussicht, daß sie zum Ziele kommen. Das eifrige Suchen nach Streikbrechern ist fast ganz ergebnislos, und selbst die bereitwillige Hilfe, ivelche die Polizei den Unternehmern im Kampfe gegen die Arbeiter leistet, kann die unterbrochenen Arbeiten nicht fördern. Welche Mittel die Jmnmgsmeister an- wenden, um aus allen Ecken und Enden des Reiches Arbeitswillige nach Hamburg zu locken, dafür wird uns ein Bei- spiel ans Bochum mitgeteilt. Dort wurden zuerst durch Zeitungsinserate Maurer und Zimmerer nach Hamburg, Altona, Wandsbek und Harburg gesucht. Darauf fiel jedoch niemand hinein. Dann erschienen jstvei Agenten des Vierstädtcbundes, die in einer Wirtschast ein förmliches Werbebureau für Arbeitswillige ein- richteten, auch durch riefige Plakate an den Anschlagsäulen Arbeits- kräfte„nach auswärts"(ohne Angabe des Ortes) suchten. Die organisierten Arbeiter Bochums waren aber auf dem Posten. Sie wußten auch die Absicht dieses Manövers zu vereiteln. Von 16 Arbeitern, die sich bei den Agenten gemeldet hatten, verzichteten 13 auf die endgültige Anwerbung und die Beauftragten des Bier- städtebundeS mußten, ärgerlich über ihren Mißerfolg, nnverrichtetcr Sache abziehen.— Derartige Versuche, Streikbrecher anzuivcrben, werden in den verschiedensten Orten gemacht. Die Arbeiter seien deshalb zur Vorficht gemahnt. Eine starke Zumutung stellt der ArbcitSnachiveiS der Holz- industriellen Leipzigs an einen Tischlergesellen, der ohne Benntzung dieses Nachweises in Arbeit getreten ist, nachdem er sich vorher auf dem Nachiveis hatte einschreiben lassen.—„Sie wollen mitteilen, wo Sie in Arbeit getreten sind und durch wen Ihnen diese Stelle bekannt gemacht wurde." So lautet ein Schreiben, welches der Arbeitsvermittler dem Gesellen zusandte. Dieser beachtete das Schreiben natürlich nicht. Aber der Verwalter des Kontrollbureaus der Holzindustriellen gab sich damit nicht zufrieden. Wieder erhielt der Tischler, der es nicht für nötig hielt, sich freiwillig unter die Kon- trolle der Holzindustriellen zu stellen, ein Schreiben dieses Inhalts: „Trotz der an Sie gerichteten Aufforderung haben Sie es bis heute unterlassen, mitzuteilen, bei welchem Meister Sie in Arbeit getreten sind. Ihrer nunmehrigen Nachricht im Laufe deS Soim« abend sehen wir dringend entgegen. Achtungsvoll (Stempel des ArbeitSnachweiseS.)" Auch diese erneute, ebenso dreiste tvie unberechtigte Aufforderung blieb natürlich ohne Antivort.— Ist also in diesem Falle das Ver- langen der Unternehmer in der Holzindustrie ohne Erfolg geblieben. so zeigt es doch, waS die Herren und zwar nicht nur in Leipzig wollen: Unumschränkte Kontrolle über die Arbeiter, damit jeder, jider nicht pariert, gemaßrcgelt werden kann, wenn eS den Unter 'nehmern beliebt. Die Arbeiter werden sich in jedem Falle solcher unberechtigten Eingriffe in ihre persönliche Freiheit zu envehren wissen. Die Schnhinacher in Rostock haben ihren bereits längere Zeit währende» Streik beendet. Sie haben von ihren Forderungen etwas nachgelassen, andrerseits sind ihnen die Arbeitgeber entgegen. gekonmien. Man einigte sich auf einen wöchentlichen Mindestlohn von 15 M. und lOstnndige Arbeitszeit. Für Stückarbeit ist ein Zu schlag von ungefähr 10 Proz. errungen. Vor dem Streik betrug der Wochenlohn 12 M., die Arbeitszeit 11 Stunden. Es sind noch nicht olle Streikenden wieder in Arbeit, deshalb ist der Zuzug sern zu halten. Ausland. Lohnbewegung der Bäcker in Amsterdam. Eine Ver sammlung der Bäcker Amsterdams hat am Sonntag einstimmig be. schlössen. mit folgenden Forderungen an die Meister heranzutreten: Wochenlöhne für die verschiedenen Kategorien von 15, 16 und 17 Gulden; tägliche Arbeitszeit 11 Stunden; in Großbetrieben, wenn 4 Stunden in die Nacht fallen, nur 10 Stunden. beides ein« schließlich einer cinstündigen Ruhepause. Ein doppelter Arbeitstag soll höchstens 15 Stunden einschließlich IVe Stunden Pause dauern. Außerdem wird die Einführung einer Lehrlingsskala verlangt.— Wenn die Meister— denen eine Frist von 10 Tagen zur Rück« äußernng gestellt ist— kein Entgegenkommen zeigen, soll gestreikt werden._ Nus Ittdnptviv und �nndvl. Roheisenerzeugung. Nach den statistischen Ermittelungen des Vereins deutscher Eisen- und Stahlindnstricllcr belief sich die Roh risenprodnktion des Deutschen Reichs(einschließlich Luxembnrgss im Monat Mai 1002 auf 710 420 Tonnen; darunter Pnddclroheifen und Spiegeleisen 94-622 Tonnen, Bessemer- Roheisen 33 471 Tonnen, Thoinas-Roheisen 446 037 Tonnen, Gießereiroheisen 135 300 Tonnen. Die Produktion im April 1902 betrug 672 912 Tonnen, im Mai 1901 676 774 Tonnen. Vom 1. Januar bis 31. Mai 1902 wurden pro- duzicrt 3 313 703 Tonnen gegen 3 320733 Tonnen im gleichen Zeit- räum deS Vorjahres. Anatolifche Eisenbahn. Die heutige Generalversammlung der Gesellschaft, in der 45 716 Aktien, d. h. ungefähr 38 Proz. des gesamten Aktienkapitals, mit 1519 Stimnten vertreten waren, ge- nchmigte den von der Verivaltung vorgelegten Geschäftsbericht für das Jahr 1901 nebst Bilanz und Gewinn- und Vcrlust-Couto und beschloß nach Dotierung der Reserven die Verteilung einer Dividende von 5 Prozent auf das eingezahlte Aktienkapital. Weiter wurde die Wahl der in» letzten Geschäftsjahre in den Vcr- waltungsrat kooptierten Mitglieder genehmigt und die Uebertragnng der Hafeukonzession Haidar- Pascha an die zu deren Ausführung er- richtete besondere Gesellschaft von der Generalversammlung'gut- geheißen sowie die Uebcruahige der Garantie seitens der Anatolischen Eiseubahugesellschaft für die von der Hafcngescllschnft zunächst in Höhe von 6 528 000 M. auszugebenden 5prozeutigen Obligationen bestätigt. Austeuhandel GrostbritaunicnS in de» ersten 5 Monatcu deS lansendc» Jahres. Im Monat Mai 1992 belief sich der Wert der Einsuhr»ach Großbritannien auf 43 353 705 Pfd. Sterl., d. i. 926 946 Pfd. Sierl. oder 2,2 Proz. mehr als i>n gleichen Monat des vergangenen Jahres. Der Wert der Ausfuhr britischer Erzeug- niste betrug 22 831974 Pfd. Sterl. und zeigt. im Vergleich zum Mai 1901 eine Abnahme um 504 683 Pfd. Sterl. oder 2,1 Proz. Voni 1. Januar bis Ende Mai betrug die Einfuhr 220 724 360 Pfd. Sterl. gegen 222 135 337 Pfd. Sterl. im gleichen Zeitraum des Vorjahres, die Ausfuhr 116 135 074 Pfd. Sterl. gegen 114 123191 Pfund Sterling... Zur Verschmelzung amevikankscher Schiffswerften erhalten die„Hamburger Nachrichten" von der Hamburger Schiffsbanfirma Blohm u. Voß eine längere Mitteilung, i» der es heißt:„Die jetzt durch die Zeitungen laufenden Nachrichten über de» amerikanischen Schiffswerften-Trust sind kaum geeignet, die deutsche Schiffsbau- Industrie bezüglich einer etwaigen Konkurrenz zu beunruhigen, abgesehen davon, daß auch die leistungsfähigsten Werften Nord- anierikas als diesem Trust ungehörig nicht genannt werden. Bisher sind die Preise für in Amerika fertiggestellte Schiffs- Neubauten noch wesentlich höher als in Deutschland, und zivar sowohl für Bauten für die Handels- wie auch für die Kriegsmarine. .... Das Gedeihen der deutschen Schiffsbau- Industrie hängt lediglich davon ab, ob es der deutschen Reederei gelingt, der auswärtigen Konkurrenz auf die Daner erfolgreich zu be- gegcgncn; ist dieselbe im stände, der deutschen Schiffbau- Jndüstrie regelmäßig Aufträge zuzuführen, so wird auch der deutsche Schiffbau, der ja bis vor nicht allzu langer Zeit daran gekrankt hat, daß die Aufträge unregelmäßig erfolgten. zeitweilig gänzlich ausblieben und dann in zu großer Menge ein- trafen, erfolgreich konkurrieren können, um so mehr, als er gelernt hat, sich sparsam einzurichten, mit geringem Verdienst sich zu be- gnügc» und preiswürdig zu sein bei Frachtschiffen sowohl als bei besser ansgeführten Passagierdampfern. Natürlich würde sich die deutsche Stahl« industrie darauf einzurichten haben, daß sie, um den Markt für das deutsche Schiffsbanmaterial nicht z» verlieren, sich den vielleicht niedrig gestellten amerikanischen Preisen anzupassen hatte. Nicht zu leugnen ist, daß der amerikanische Arbeiter, ivenn er auch höhere Löhne bezieht, sehr leistungsfähig ist bei durchschnittlich zehnstündiger Arbeitszeit. Es ist also vor allem darauf zu achten, daß die Konkurrenzfähigkeit Deutschlands nicht durch eine voreilige Verkürzung der Arbeitszeiten und Bewilligung zu hoher Löhne beeinträchtigt und dadurch die Gefahr einer amerikauischen Konkurrenz in Wirklichkeit heranfbeschlvoren ivird." Das Schreiben der Hamburger Firma. die sich schon recht häufig mit ihren Arbeitern in Differenzen befunden hat, scheint nur den Ztveck zu haben, andre Werften vor irgendwelchen Zugeständnissen an ihre Arbeiter zu warnen. Zivar haben, ivie die Firma sich zuzugestehen genötigt sieht, die höheren Löhne und die kürzere Arbeitszeit auf den amerikanischen Werften deren Konkurrenzfähigkeit nicht geschädigt, da die bessere Lebenshaltung die Leistungsfähigkeit der amerikanischen Werftarbeiter gesteigert hat; aber nach der kuriosen Logik der Herren Blohin u. Voß folgt daraus nicht, daß auch in Deutschland durch Lohnerhöhungen ee. die Leistungsfähigkeit erhöht werde» muß, sondern inngekehrt, daß in Deutschland nicht die Arbeitsbedingungen der amcrikanischen Werften eingeführt werdeil dürfen._ Der Leipziger Bankprozeß. Ans der Verhandlung vom Dienstag ist folgendes bcachtenS- wert: Sachverständiger B a n k d i r e k t o r H« r r ni a» n steht auf dem Standpunkt, daß die Bank Ende 1898 die Grenze» des erlaubten Geschäftes überschritten habe. Die Bank, die in die Hände großer Schwindler geraten war, hätte aber ivohl»och ihren guten Name» retten können. Wie Exner ausgesagt habe, sei freilich der frühere Vorsitzende des AnfsichtsrotS l�achseuröder dagegen gewesen, daß die Bank zum Zivccke der Sanierung ihres Obligos bei der Trebergescllschaft mit der Firma S. Bleichröder in Berlin in Verbindung trete. Trotz des Bestehens einer Obligo-Konnnission und einer RevisionS- Kommission sei nicht mit der nötige» Sorgfalt verfahren worden. Als Zeuge wird dann der Kaufniann Dr. E ni i l I o f e p h Anspitzer, kaiserl. Rat aus Wien, befragt. Er ivar im Jahre 1388 Sekretär des»iederöstreichischen GewerbevcreinS, wurde Generalsekretär der bosuischeu HolzverwertnngS-Gesellschaft, kam im November 1398 mit Schmidt zusammen und ivurde nach Kassel berufen, um zu organisieren. Er fungierte vom November 1900 bis zum Februar 1901 als Syndikus, um Borschläge zu der geplanten Fusion sämt- sicher Tochtergesellschaften der Trebertrocknnng auszuarbeiten. Diese Verschmelzung, sagt Redner, sei eine kommerzielle und aduiinistrative Notwendigkeit gewesen, und es wäre mit ihrer Hilfe ohne den Zusammenbruch der Leipziger Bank vieles zu erhalten gewesen. Schmidt habe viel verschleiert, aber felsenfest vertraut, daß ihm die Sanierung gelingen werde. Zeuge, der der außerordentlichen Generalversammlnng vom 7. November 1899 in Kassel beigewohnt hat. erklärt, es sei ein großer Fehler gewesen, hier und anderweitig immer zu sagen, daß man das Bergmannsche Patent noch nicht verivandt habe, während es thatsächlich überall versagt habe. Schmidt habe als Kaufmann und Mensch einen besonders vertranenerweckcnden Eindruck gemacht, sei aber technisch seiner Aufgabe nicht entfernt gewachse» gewesen. Die Ursache, daß die an sich gesunde Idee der Trebertrocknnng so un- geheure Summen verschlungen habe, wäre die kostspielige Verwaltung und umfangreiche technische Umgestaltung?c. gewesen. Prozeß Sauden und Genossen. Zwanzigster Tag. Nach Eröffnung der Sitzung erklärt Justizrat Stern! Er müsse einen in die Presse übergegangenen Irrtum im Interesse der jetzigen Firma Anhalt u. Wagner Nachfl. berichtigen. Es sei absolut nicht richtig, daß sich die Firma in Liquidation befinde; er niüsse dies hervorheben, damit nicht falsche Vorstellungen über diese jetzt völlig intakte und im Betriebe befindliche Firma im Publikum Platz greifen. Thatsächlich sei der ursprüngliche Plan, zu liquidieren, nicht zur Ausführung gekommen, da die Neue Boden-Aktiengesellschaft widersprach, die Firma ist in andre Hände übergegangen, es ist durch Vergleich mit den Gläubigern alles geregelt, so daß der neue In« haber der Firma die Geschäfte ohne jede Schuldenlast begonnen hat. Auf eine Frage des Vorsitzenden erklärte Angeklagter Ed. Schmidt, daß das Vermögen seiner Fran. welches Haupt- sächlich in Grundstücken bestand, auf 4—5 Millionen zu schätzen war und daß er das jetzige Vermögen der Frau noch auf etwa zwei Millionen schätzt. Staatsanwalt Beeck weist darauf hin, daß der Angeklagte Ed. Schmidt feine gestern erwähnte Einlage von 400 000 M. in die Kommanditgesellschaft nicht in bar geleistet habe, sondern sie durch Bankübertrag in dieser Höhe inseriert worden ist. während auf der andern Seite der Generalkonsul Schmidt noch 240 000 Mark persönliche Schulden bei seiner eignen Finna hatte, die also von den 400 000 M. abzurechnen wären.— Bücherrevisor Kruse bestätigt dies aus den Büchern. Eine Attacke der Verteidigung. Im weiteren kommt es zu lebhafte» Auseinandersetzungen zivischen den Verteidigern und dem Staatsanwalt, die sich auf die V o r u» t e r s n ch u n g beziehen. Rechtsanwalt Dr. Bollert fragt an, ob der Staatsanwalt daran festhalten wolle, daß durch die Schuld der Angeklagten die in der Anklage summarisch aufgeführten Verluste von vielen Millionen entstanden seien. Die Anklage stütze sich dabei ohne weiteres auf die Wertreduktionen, welche die Revisionskommission oft ohne irgendwie ersichtlichen Grund vorgenommen habe. Die Verteidigung könne sich dabei natürlich nicht beruhigen und müßte, wenn diese Verluste gegen die Angeklagten verwertet werden sollten, darauf bestehen, daß in eine sehr umfangreiche Prüfung eines jeden einzelnen Wertobjekts eingetreten werden müßte. Staatsanwalt Beeck halt diesen umfangreichen Beweis nicht für notwendig. Er»volle gern zugeben, daß auch die Revisivns- konimission nicht unfehlbar sei, es bandle sich doch hier um Verlnste von über 50 Millionen und er wolle sich gar nicht so sehr auf die Schätzung jeder einzelnen Hypothek und dergl. durch die Revisivns- konimission steifen, sondern gebe anHeim, seinetwegen 10 Millionen von den Verlusten abzusetzen. Rechtsanwalt Dr. Bollert: Eine derartige Procedur würde der Verteidigung nicht genügen. Schon die einfache Entwicklung, welche die Nene Boden-Aktiengesellschaft genommen, zeige, daß die sogenannten bilanzmäßigen Verluste auf ein Minimum zusammen- schrumpfen müssen. Rechtsanwalt B e r n st e i n: Man stehe doch vor der auf- fallenden Thatsachc, daß die Hypothckenwerte einfach auf ein Mnininn» zurückgeführt und die Aktien der Preußischen Hypothekenbank und der Gruiidschnldbank mit 0 beziffert worden seien. Sobald man dazu komme, daß die Vermögensmasse durchaus nicht so minderwertig war, so werde man auch dazu konimen müssen, daß die Verlnste als minimale anzusehen seien. Es komme doch darauf an, festzustellen, wer an den in der Anklage figurierenden großen Verlusten die Schuld trage. Die Verteidigung' behaupte, daß die Angeklagten nicht schuld daran seien. Justizrat Munckel: Die Angeklagten Otto Sonden und Hänschke erkennen nicht an, daß sie' irgendwie für den Verlust der 50 Millionen oder auch nur eines Teiles von Millionen auch nur die geringste Verantwortung tragen. Sache des Staatsanlvalts sei es, die vorgenommene Entwertung der VermögenSobjekle als richtig und notwendig nachzuweisen. Es ist doch eine höchst merkwürdige That- fache, daß nach l�/ijähriger Vorunterftichnng und fast ebenso langer Haft der Angeklagten wir hier jetzt beispielsweise vor einem Punkte stehen, wo ein Vermögensobjekt von 14 Millionen einfach siunniarisch auf IVe Millionen hcruntergcschricbcn worden sei. Daß die An- geklagten dies nicht ohne weiteres anerkennen, fei doch selbstverständ- sich; sie müßten andernfalls geradezu verdreht sein. Es ist doch wirklich ein eigenartiger Zustand, daß solche Dinge jetzt erst bewiesen werden inüsscu und daß der Herr Staatsanwalt den Sachverständigen Äommcrzicnrat Lucas befragt, wie das am besten bewiesen werden kann. Da? beweist doch, daß durch die Vor« Untersuchung nicht Licht, sondern Schatten über die ganze Angelegen- hcit verbreitet worden ist. Meine Klienten erkennen auch nicht eine Mark Verlust an und behaupten, daß, wenn Verluste entstanden sind, sie auf andre Momente zurückzuführen sind. Nach längeren Einwendinigeii der Verteidigung meint Staatsanwalt Beeck: Die Schuld oder Unschuld der Angeklagten Otto Sauden und Hänschke zu eiuscheiden, ist Sache des Gerichts. Ich protestiere aber gegen die Behauptung, daß die Anklage gegen sie so wenig belastendes Material enthalte, daß sich eine Widerlegung erübrigte. Rechtsanwalt B e r nst e i n: Die Verteidigung nmß doch noch- mals darauf aufmerksam machen, daß sie sich das Recht der Bücher« einsicht bei der Neuen Vodcngesellschaft erst erkämpfen mußte. Justizrat Dr. S e l I o: Ferner muß sie nochmals betonen, daß ihr durch Gerichtsbeschlns; das Recht abgesprochen worden war, den Angeklagten in der Vorimtersuchung die Aktenauszüge z» überniitteln. Rechtsanwalt T h u r in: Der Untcrsuchnngsrichter hat extra er« klärt, daß er der Verteidigung über das Recht der Einsicht der Pro- tokvlle hinaus eine Einsicht der Akten nicht zugestehe und die Ver- leidiger haben fortgesetzt zum Staatsanwalt laufen inüsseii, um sich zu orientieren. Es war ihnen also absolut unmöglich, vorher objektive Sachdarstellungen zu geben. Die Verhältnisse der Bankfirma Anhalt u. Wagner Nachf. werde» in der Nachmittagsitziing nach den verschiedensten Richtungen hin an der Hand einer umfangreichen von den Verteidigern des Angeklagten Ed. Schniidl überreichten Schntzschrist eingehend erörtert. Ueber den Wert des Scntari- Unternehmens läßt sich der als Zeuge und Sachverständiger geladene RegierungS- baniiieister Beruh. May aus. Er ist s. Z. im Auftrage der Aktien« qesellschaft für Grundbesitz« und Hypotheken« Verkehr nach Kon- tautinopel gereist, um sich an Ort und Stelle über die Verhältnisse und den Wert des Wasserwerks Scutari zu informieren. Er hat unmittelbar nach seiner Reise im September 1803 der Direktion der Aktiengesellschaft einen umfangreichen Bericht erstattet, dessen Inhalt er auch jetzt noch voll aufrecht erhält. DaS Werk Ivar chon jahrelang in der Ausführung begriffen, aber noch nicht zur Eröffnung gelangt und seine Aufgabe sei eS gewesen, den Wert deS Bauwerks zu prüfen und eine Nentabililäts-Berechnung anzustellen. Er habe feststellen können, daß das Werk an und für sich für Skutari von einer erheblichen Bedeutung und die Bauanssührung in allen Teilen luitndelhaft durchgeführt war. Das Werk war schon vollendet und auch probeweise einmal in Betrieb gesetzt und im Oktober 1393 offiziell eröffnet worden. Die ganze Anlage sei im Projekt vom Ingenieur H. Gruner auf 4,7 Millionen Mark veranschlagt worden, gekostet babe sie 8 Millionen Frank, das ist 6�Z Millionen Mark. Darin befinden sich die Kosten für den Grundertverb und die Entschädigung der Adjacenten, Er sei bei seinen Reutabilitätsberechniingeii von den allerungünstigste» und nüchternsten Voraussetzungen ausgegangen und schließlich dahin ge- koninien, daß innerhalb der ersten' dreißig Jahre auf eine Verziiisung von 5—6 Prozent zu rechnen sei. Jnstizrat Dr. S e l l o beantragt, den ganzen Bericht des Zeugen, der noch viele wesentliche Gesichtspunkte enthalte. zur Verlesung zu bringen. Der Staatsanwalt widerspricht aus prozessualen Gründen, der Gerichtshof behält sich die Beschlußfassung vor. Auf eine Frage des Staatsanwalts Beeck erklärt Angeklagter Hänschke, daß vor dem Eintritt des Zeugen Fritze in die Firma Anhalt u. Wagner die Aktiengesellschaft mit dieser Firma— ab« gesehen von einem Grnndstücksgeschäst— in keinem geschäftlichen Verkehr gestanden habe. Die Verteidiger kommen darauf zurück, daß es nötig sein werde, die 25 Herren der Revisionskommission, welche die kolossale Re« duktion der Werte vorgenommen, als Zeugen zu laden und ihnen aufzugeben, die Unterlagen mitzubringen, auf denen sie zu ihren Schätzungen gekommen. Diese Zeugen sollen zum Donnerstag geladen werden. Nächste Sitzung Mittwoch 9 Uhr. Govirhks-Leitung« In OffizierSkreisen bewegte sich eine ettvas romantische Ge- schichte, welche gestern die vierte Strafkammer des Landgerichts I in längerer Sitzung beschäftigte. Unter der Beschuldigung der U n« treue befand sich der H a u p t m a n n a. D. jetzige Agent Richard K i r st auf der Anklagebank.— Der frühere Oberlieutenant v. L. hatte eine Jugendliebe gehabt. Er traf sie nach Jahren in einer Gesellschaft wieder; sie war die Gattin des Kanfnianns Wr. geworden. Es entwickelte sich zwischen den Jngendbekanuten ein Verhältnis, tvelcheS die Grenzen des Znlnssigen überschritt. Der betrogene Ehe- mann erhielt davon Kenntnis und strengte gegen seine Ehefrau die Scheidungsklage an. Oberlieutenant v. L. war entschlossen, die Fran Wr. nach erfolgter Scheidung zu heiraten. Er mußte für die noch minderjährige Frau einen Vor- niund besorgen. Nach vieiein Bemühen fand er einen solchen in der Person deS Angeklaglen, den er oberflächlich kennen gelernt hatte. Kirst trat mit dem Ehemann Wr. in Unterhandlung, um ein güt- liches Auseinandergehen zu erwirken. Wr. erklärte, daß er die Scheidungsklage bereits angestrengt habe und nur die Erstattimg der ihm entstandenen Kosten in Höhe von 2050 M. aus dem Vermögen seiner Ehefrau verlange. Kirst Ivar damit einverstanden. Er bot dem Herrn Wr. außerdem noch 2000 Mark, zahlbar drei Monate nach erfolgter Rechtskraft der Ehescheidung, wenn Wr. davon Abstand nehme, gegen seine Ehefrau oder deren Liebhaber Strafamrag wegen Ehebruchs zu stellen. Wr. gab dies Versprechen ab. Kirst teilte darauf seinem Auftraggeber, dem Herrn v. L. mit, daß Wr. eine A b st n n d s s u m m e von 10 000 M. ver- lange. Dies wurde ihm, dem ehemaligen Offizier geglaubt und da Herr v. L. keine Mittel besaß, nahm er unter Klarlegimg der Verhältnisse Verwandte und Freunde in Anspruch. Ein Onkel, ein Gencrallienteiiant opferte über 4000 M., andre Freunde je 2000 M.. bis insgesamt 15 900 M. zusammen gekommen waren, welche dem Angeklagten ausgehändigt wurden. Er versprach die Gelder bei einer Bank zu hinterlegen, bis sie Veriveudung finden sollten. Im Febniar 1901 wurde die Ehe des Herrn Wr. geschieden, seine Frau wurde als der allein schuldige Teil erklärt. Herr v. L. hatte inzwischen seinen Abschied genommen und Stellung bei einer Elektrieitäts-Gesellschaft gefunden. Er hat dann die geschiedene Frau Wr. geheiratet. Wr. hatte nach erfolgter Ehe- scheidimg seine Ansprüche bei Kirst geltend gemacht, wurde aber stets durch allerlei nichtige Vortvände hingehalten, bis sich schließlich herausstellte, daß er die einpfangeneii Geldbeträge nicht hinterlegt, sondern nach und nach für sich verbraucht hatte. Gegen Kirst, welcher sich von seinem Auftraggeber Herrn v. L. wie von der dmualigen Ehefrau Wr. Generalvollmacht hatte ausstellen lassen, wurde Anklage wegen Untreue erhoben. Er behauptete im Termine, daß der Zeuge Wr. thatsächlich den vierten Teil des Vermögens seiner Ehe- fran, das er auf 100 000 M. geschätzt habe, verlangte. Der Zeuge Wr. bestritt dies unter seinem Eide. Ferner behauptete der An- geklagte, daß v. L. ihm die Genehmigung erteilt habe, nach eignem Ermesse» über das Geld-zu verfügen, ivenn er nur dafür Sorge tryge, daß es zu Bedarf zur Stelle sei. Zu damaliger Zeit habe er ein Geschäft in Aussicht gehabt, welches ihm reichen Gewinn ab« zuwerfen versprach. Zum Nachlaß des verstorbenen Herrn v. Kranistn gehörte ein großes auf Schöneberger Gebiet gelegenes Terrain. Er habe erfahren, daßderEiscnbnhnfiskns beabsichtige, es anzukaufen, de» Bankier Engel überredet, es für einen billigen Preis zu erwerben und sich von dem durch den Wiederverkauf erzielten Gewinn ein Drittel ausbedungen. Leider sei dies Projekt kurz vor dem Abschluß gescheitert, sonst würde er allen seinen Verpflichtniigeu haben nachkommen können. Auf An- trag deS Verteidigers, Rechtsanwalt Bahn, wurde beschlossen, den Bankier Engel lelephonisch zu laden. Da sich herausstellte, daß der Bankier Engel nicht zu haben war, beschloß der Gerichtshof, die Ber- Handlung bis Sonnabend, den 28. ds. Mts., mittags 1 Uhr, anS- ziisctzcn, den Angeklagten aber wegen der Höhe der zu erwartenden Strafe und wegen Fluchtverdachts sofort in Untersuchungshaft zu uehmen._ Urtzke LlsihLirhkett nnd Depesitzrn. Die zweijährige Dienstzeit. PariS, 24. Juni.(W. T. B.) Senat. Schluß. KriegSminister General A n d r s bemerkt: Die ziveijährige Dienstzeit werde ein Manko von 50 000 Mann zur Folge haben; diese Lücke werde unter andirm durch die Herabsetzung des Militnrmaßes und die Fest- setzmig der Zahl der jährlichen Kapitulationen auf 25 000 anö- gefüllt werden. Das Gesetz werde erst in vier Jahren völlig in Wirksamkeit treten, von keinem Gesichtspunkte aus werde ein Heer mit zweijähriger Dienstzeit minderwertiger sein, als ei» solches mit einer dreijährigen. Der Minister schließt mit der Bitte, der Vorlage znziislinniic». Nachdem sodann Admiral de Cuverville die Vorlage bekämpft, wird die Sitzung geschlossen. London, 25. Juni.(W. T. B.) Für heute Abend ist ein Kabinetsrat einberufen. London, den 24. Juni.(W. T. B.)„Renters Bnreaii" er- fährt: Nach Telegrammen aus Washington und New Aork von gestern ist der Friede in Kolnmbien wiederhergestellt. Die Friedensverträge wurden seitens der Regierung vom KriegSminister Concha, seitens der Aufständischen von Soto y Varzas Santos unterzeichnet. Die Regierung hat eine allgemeine Amnestie für politische Verbrechen erlassen. Lenkbares Luftschiff? London, 24. Juni.(B. H.) Die Versuche des LnftschifferS Mellin mit feinem lenkbaren Luftschiffe sind, wie berichtet wird, vollständig gelungen. Mellin wird in den nächsten Tagen einen neuen Aufstieg unternehmen lind hofft dann sämtliche bisher ge« machten Rekords, einschließlich derjenigen Sandos Dumonds, zu schlagen._ Schleswig, 24. Juni.(SB. T. B.) Amtliches Wahlergebnis. Bei der heutigen Landtags-Ersatzwahl im Wahlbezirke VI Schleswig wurde mit 114 von 212 abgegebenen Stimmen der Landrat v. Alten in Schleswig sk.) gewählt. Der Gegenkandidat, Amtsvorsteher Fintzen in Brekling(freik.j erhielt 93 Stinmien. Madrid, 24. Juni.(W. T. B.j In Pineiro(Provinz Orenso) schlug der Blitz in eine Kirche ein. in welcher eine Leichenfeier stattfand; 25 Personen wurden getötet, 35 schwer verletzt.. Verantwortlicher Redaeteur: Carl Leid in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich! Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. Hierzu 1 Beilage u. UnterhaltungSblntt. Nr. 145. 19. IilhtMg. Ktilllßt ßts Lmillts" Kttlmer NcksblM 25. ini 1902. Die bayrische Wahlrechtsfrage. Bon A. Bebel. I. Die Verhandlungen des bayrischen Parteitages zu Ludwigshafcn sind vorüber. Es war vorauszusehen, daß mein in Nr. 9 der„Neuen Zeit" veröffentlichter Artikel„Die Wahlreform in Bayern" Gcgciv stand heftiger Angriffe iverdcu und die Verhaudlungen des Partei tages bis zu einem gewissen Grade beeinflussen würde. Im Ganzen bin ich von dem Ausgang dieser Verhandlungen sehr befriedigt. Daß unter 86 Delegierten sich 11 finden würden. die bei der Abstimmung über die Resolution Ed. Schmid sich der Abstimmung enthielten, nachdeni es ihnen durch die eigentüm- liche Abstimmungsart des Vorsitzenden unmöglich gemacht worden war, für die Resolution Rollwagen-Braun zu stimme», aber dann für die Resolution von Schmid zu stimmen sich nur bereit erklärten, falls dieselbe eine redaktionelle Aenderung erhalten haben würde, war mehr, als ich erwartete. Es war auch nicht anzunehmen. daß die Mißtraueiisresolution Rollwagcn-Bi>aun eine stärkere Zw stimmung finden würde, nachdem sowohl Genosse Ehrhart wie in seinem Schlußivort Genoffe v. Bollmar sich, wie von ihrem Stand punkte erklärlich, in der cutschiedensten Weise dagegen ausgesprochen hatten und wiederholt Drohungen laut werden ließen, denen kein Parteitag gegenüber seinen Abgeordneten widerstehe» wird. Auch die Socialdemokraten sind keine Unmenschen. Vor die Frage gestellt, einen korrekten Beschluß zu fassen, dadurch aber die ganze parlamentarische Vertretung einzubüßen, oder einen weniger korrekten und selbst widerspruchsvollen Beschluß gutzuheißen, um ihre Vertretung zu behalten, wird auch ein socialdemokratischer Parteitag ein menschliches Rühren empfinden und den letzteren Weg dem erstercn vorziehen. Ich habe in dem vorliegenden Falle um so weniger dagegen einzuwenden, als durch die Verhandlungen des bayerischen Partei« tages gezeigt wurde, daß auch in Bayern die Parteigenossen nicht gewillt sind, sich von ihren Vertretern als eine zu vernachlässigende Größe behandeln zu laffcii und ohne weiteres dankbar annchinen zu müssen, was ihre parlainentarische Vorsehung über sie zu beschließen für gut erachtet. Was mich veranlaßt, nochmals in dieser Angelegenheit das Wort zu ergreifen, ist einmal der Umstand, daß ich eine Reihe persönlicher Angriffe und Unterstellungen, die teils in der„Münchener Post", teils von verschiedenen Rednern des Parteitages gegen mich gemacht wurden, entschieden zurückiveisen oder richtig stellen muß. Dänn um noch einmal an der Hand der im bayerischen Landtag durch unsre Parteigenossen angenommenen Resolution nachzuiveisen, wie verhängnisvoll ihre Taktik auch auf die Thätigkeit der Parteigenossen in den verschiedenen Landtagen und speciell auch im Reichstag ein wirken nuiß und daß die Rechtfertigung dieser Taktik eine unHall bare ist. Wahrscheinlich wird aber auch der deutsche Parteitag in dieser Angelegenheit noch ein Wort hineinreden wollen,' die ihn näher angeht, als die Mehrzahl der bayrischen Genossen au- zunehmen scheint. Es ist deshalb geboten, volle Nlarheit über die Tragweite jener Beschlüsse zu schaffen. Zunächst habe ich ein Hühnchen mit der„Münchner Post" zu pflücken. Dieselbe hat an den Abdruck nieines Artikels von»,ir aus der„Neuen Zeit" in ihrer Nummer vom ö. Juni eine Reihe Be- inerkungen geknüpft, die sich inehr durch Heftigkeit als durch Sachlich keit auszeichnen. Darin ivird von Parvus, auf den ich Bezug ge« uonnnen, von tollen Einfällen und unüberlegten Schmähungen nnsrer russischen Socialrevolutionäre gesprochen. Es gicbt eine Anzahl Parteigenossen in unsren Reihen, die, tvcnn sie den Namen Parvus oder Rosa Luxemburg hören, in die Stimmung jenes Tieres kommen, das vor� etilem roten Lappen in Wut gerät. Aber diese Stimmung rechtfertigt nicht, sich in Aenßerungeu zu ergehen, die unter den vorhandenen Umständen einer Denunziation ivic ein Ei dem andern gleichen. Auch ein russischer Genosse hat, so lange er Genosse ist, das Recht, ohne daß er mit Jsarwasscr getauft ist, seine Ansichten über deutsche und sogar bayrische Partei-An'gelegenhciten zu äußern, so gut wir uns vorbehalten, über ausländische Vorkommnisse unser Urteil zu fällen. Unwahr ist auch, daß ich auf Grund mangelhafter Information früher schon einmal Vorivürfe gegen die bayrischen Fraklionsgenossen habe zurücknehmen müssen. Ich hatte in Artikeln, die ich ini„Bor wärts" vom 2. und 3. November 1899 unter der Ueberschrift„Das Centrum und das allgemeine Stimmrecht" veröffentlichte, getadelt. daß unsre bayrischen Landtngsgenosse» in ihrem Antrag nicht das jetzt in Bayern geltende Wahlrcchlsaltcr<21 Jahre) forderte». Diese Thatsache war richtig. Die mir bei Abfassung jener Artikel vor- liegenden Berichte in der Presse enthielten aber kein Wort darüber, daß Vollmar erklärt hatte, am bestehenden Wahlrechtsalter werde man festhalten. Diese Thatsache kam erst durch den offiziellen Ve richt zu meiner Kenntnis, die mir aber erst nach Veröffentlichung jener Artikel bekannt wurde. Das ivar das Verbrechen, das ich nach Ansicht der„Münchener Post" begangen hatte. Wie man aber jenes Versprechen gehalten hat, dafür spricht die von unfern Fraktionsgenossen angenommene Resolution, nach der das Wahlrechtsalter vom 21. Jahre auf das 25. Jahr erhöht werden soll. Offenbar unterließ man in dem Wahlrechtsantrag von 1899 das Wahlrechtsalter von 21 Jahren aufzunehmen, damit man u in so leichter es preisgeben konnte. Weiter unten mehr hierüber. Eine Unwahrheit ist ferner die Behauptung der„Münchner Post", ich hätte in meinem Eifer— es ist mein Teniperament. wie sie an einer andern Stelle sagt— übersehen, daß die künftige Wahl- kreiSeinteilung nach der Volkszählung von I9'/- Ilhr abends statt. F. S. O. Berlin, Brückenstr. 10 a. Spiegel 99. Der 25. Dezember im Jahre 1863 war ein Freitag. Nr. 11 G. B. Darüber können wir Ihnen keine Auskunft geben. Spandau. 1. Es wird allgemein behauptet. 2. Frhr. v. Seckendorfs. 3. Unbekannt. Käthen. In Gotha werden selbstverständlich wohl auch die Leichen von Selbstmördern verbrannt.— Es ist uns nicht klar, was Sie über S. näheres wissen wollen. Abendroth. Vielleicht ist es Ihne» möglich, uns den Prospekt oder die Statuten der Kasse zu übersenden. Wir werde» Ihnen dann näheres mitteilen. Moabit. Ihre Frage lästt sich ohne Kenntnis, um welche Art Verein (Versicherungsverein? rechtsfähiger Verein? Genossenschaft?) es sich handelt, nicht beantworten. Das Rechtsverhältnis der Vorsitzenden rechtsfähiger und nicht rechtsfähiger Vereine stnden Sie S. 231—236 des dem„Arbeiter- recht" beigefügten Führers dargelegt.— F. L. 93. 1. Nein. 2. Das ist möglich.— P. 78. Nein.- H. L. 1993. 1. und 2. Nein.- Hediotg P. Auf die Berufung allein des Angeklagten hin kann eine Strafe nicht erhöht werden. Eine Erhöhung ist nur mögltch, wenn der Staats- airwalt Bernfimg einlegt.— 9. Den Verpflichtungen müssen Sie nachkommen. — R. 5k.> Rixdorf. Die. Frau ist durch ihre Heirat mit einem Ocstreichcr Ocstrcicherin geworden und hat ihre prenhische StaatSangebörtgkeit verloren. Auch ihre Kinder sind Oestreicher. Die Witwe und ihre Kinder können die preußische Staatsangehörigkeit durch Naturalisation gewinnen. Auf diese Naturalisation haben sie als nicht deutscher Ausländer kein Recht, sie hängt vielmehr von dem pflichtniäjjigen Ermessen, genannt Willkür, der Ter- waltungsbehürde» ab. Der Antrag ist an den Regierungspräsidenten(in Berlin an den Polizeipräsidenten) zu richten. Die Empfangnahme der Naturalisationsurkunde ist mit 50 M. Kosten verbunden.— G. S. Sie müsien die Schlüssel abgeben.— Zwei Streitende. Ehebruch ist mit Ge- fängniS von einem Tage bis zu 6 Monaten strafbar. Die Strafe tritt nur ein, wenn wegen dieses Ehebruchs die Ehe gelrennt ist und der unschuldige Ehegatte Bestrafung beantragt. Bestrast werden beide Ehebrecher: ob der Mann älter ist als die Frau ist völlig gleichgültig.— M. W. Jawohl. — F. M. 100. Die Möglichkeit, sich selbständig zu machen, ist als ein wichtiger Gnwd, der zur sofortigen Aushebung eines gewerblichen Arbeits- Verhältnisses berechtigt, das auf mindestens vier Wochen oder mit einer längeren als Htägigen Kündigungsfrist vereinbart ist, nur dann zu erachten, wenn ohne diese Aufhebung die Möglichkeit des Sichselbständigmachens ver- loren ginge.— Alma und Srna. 1. Ja, aber Sie haben als) Ehefrau das Recht, daS Spinde öffnen zu lassen oder gewaltsam zu öffnen. 2. Nein. 3. Etwa 10 M. monatlich. 4. Ihr Mann.— F. K. 47. Eine Klage hätte wenig Aussicht auf Erfolg. Zu klagen wäre beim Gewerbegericht.- K. 55, E. M. 100. Ja.— O. K. Eine innerhalb sechs Wochen nach Kenntnis von dem Vorfall angestrengte Nichtigkciisklage wäre nicht aussichtslos. Zuständig für die Klage ist das Landgericht.— 1000. Ja. — Gothenfir. 39. Ihre Frau reicht an das Gericht eine Eingabe etwa folgenden Inhalts ein: In der und der Sache bin ich am so und so viclten als Zeuge vernonunen. Als Zeugengebühr beantrage ich, mir so und so viel zu zahlen und begründe meine» Anspruch durch folgende Angaben und die anliegende Bescheinigung. Dann erhalten Ste in der Regel spätestens in 4 Wochen eine Antwort des Gerichts.— A. S. Ch. 39. l. Nein. Die Steuergesetze haben mit dem Arbcitervertrag nichts zu thun und sind in Deutschland sehr mannigfaltig. Sie reklamieren, indem Sie innerhalb der 28tägigen Frist etwa schreiben: Gegen die Veranlagung zur Steuer reklamiere ich und beantrage, die Steuer herabzusetzen. Mein JahreS- einkommen beträgt nur... usw. Dann folgt eine nähere Darlegung und Ihre Unterschrift. 2. Die Museen finden Sie im Adrehkalender, zweiter Teil, ausgeführt. 3. Keineswegs.— Karl Wichmaun. Wenden Sie sich an das Auswärtige Amt.— O. Das letztere ist richtig. — Karl Fischer. Im deutsch- französischen Kriege waren von deutscher Seite nach Frankreich eingerückt 33101 Offiziere und l 113 254 Mannschaften, in Deutschland standen noch S3lg Offiziere und 338 733 Mannschaften. Die Zahl der französischen Soldaten schätzt man aus 1400000 Mann, absolut genaue Zahlen fehlen. Von deutscher Seite fiele« 1871 Offiziere, 26 397 andre Mannschaften, verivundet wurden 4184 Offiziere und 84 309 andre Mannschaften. Die französische Verlustziffer wird ans 139 000 geschätzt.— G. M., Rixdorf. Nein.— A.E. Mit Ihren Geldstücken können Ste machen, was Sie wollen. Sie können also eL auch durchlvche», ohne sich strafbar zu niachen. Nur braucht daS Stück dann niemand mehr als Zahlungsmittel anzunehmen. Witterungsiibcrsicht Pom 34. Juni 1993, morgens 8 Uhr. Stationen Swinembe. Haniburg Berlin Frankf.M. Mülichen Wien ös « g ss i! if 763 RW 767 N 763 NW 768 NNW 768 W 763 W Wetter 5Regen 4chedcckt 4 heiter 2wolkig 4bedeckt 2 bedeckt d»S Stationen LS SS Haparanda 7K8NO Petersburg. 7b9NO Cork Aberdeen Paris 767,© 769 N Wetter de l u j» 4 wölken! 1 bedeckt 3Nebel Swolkenl 11 10 13 16 Weiter-Prognose für Mttttvoch. de» 35. Juni 1993. 'Ein wenig lvärmer, zeitweise heiter, aber noch veränderlich bei ziemlich frischen nordwestlichen Winden; leine erheblichen Niederschläge. Für de» Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Pnbliknm gegenüber keinerlei Bernntlvoriiing. CTientev. Mittwoch, den 25. Juni. Neues Opern- Theater(Kroll). Gastspiel der königlicheil Hofoper aus Stuttgart. Die kleinen Michus. Anfang ll/2 Uhr. Im LiederspielhauS: Offenbach- Cyklno. Paimpolund Perinette.— Der Reglmentszauberer.— Fritz- che» und Lieschen. Anfang 8 Uhr. Deutsches. Rosenmontag. Anfang ?'/- Uhr. Berliner. Alt°Heidelberg. Anfang 7V- Uhr. Westen. Der arme Jonathan. An- fang 7l/i Uhr. Metropol.(Morwitz-Oper.) Die Hugenotten. Anfang 8 Uhr. Neues. Ledige Leute. Anfang 7-/- Uhr. Residenz. Etuguartierung. Ailfmig 7-/- Uhr. Central. Coralie u. Cte. Anfang 8 Uhr. Brlle-Alliance. Er.— Der Tisch- gast.— Zehn Mädchen und kein Mann. Anfang 8 Uhr. Carl Weist. Gefallene Mädchen. Anfang 8 Uhr. Friedrich-Wil heinistädtisches. Der lustige Ehemann. Anfang 7V- Uhr. E. V. Wolzogens Buntes Theater (Ueberbretil). Anfang 8 Uhr. Schall und Ranch. SerenifsimuS- Zwischenspiele u. a. Anfang 8'/- Uhr. APollu. Lyststrata. SpeciaMätcn- Vorstellung. Ansang 7>/, Uhr. Meichshalle». Stettiner Sänger. Ansang 8 Uhr. Passage- Theater. Speclalitäten- Borstelluug. Anfang nachmittags 3 Uhr. Passage- Panoptikum. Spectalt- läleii-Vorstellnilg. Orpheus. Specialitäten-Vorstellung. Allsang 8 Uhr. Charivari. Täglich Vorstellung. Anfang 8 Uhr. llrania. Tanbcuftr. 48/49.(Im Theatersaal.) Abends 8 Uhr: Die deutsche Ostseeküste. Jnpalideustraste 57/03 Täglich: Sternwarte. Urania. Tauben-Straese 48/49. Im Theater um 8 Uhr: Die deutsche Ostseekuste. CASTANS Panoptikum! Frledrlch-Siratss 188. Photographisohe Aufnahmen von der Insel Martinique und von den Schlachtfeldern| Transvaals. Im Konzertsaal: Schwedische Künstlerkapelle j 4 Damen, 2 Herren. Passage- Der weihi. Affenmensch.) Die Seejnnjjfer. De«* Tl�ci-knabc. Von nachm. 4 Uhr ViStündliet Damen-Ringkaiiipf. Alles ohne£xtra-£iitrec9 Central-Verband der Maurer Deutschlands Zvelgvereln Berlin(Sektion der Fßtzer). Sonnabend, den 28. Juni, in der„Brauerei Friedrichshain"(fr. Lipps): XII. Stiftungsfest destehend in Monzevk. VovkvNgen itnfc Veill Das Konzert wird von Mitgliedern des Eentralverbands der Eivik-Bernfsmusiker unter Letwng des Musikdirektors Herrn Tietz ausgeführt.— Auftreten der beliebten Bolkssänger-Gesellschaft I-ervlUMlowsIty-. Billets sind bei den BezirlSlcitern und im Bureau Rosenthalerstratze 57 zu haben.— Die Mitglieder werden ersucht, sich vorher mit Billets zu versehen; offene Kasse findet nicht statt.— SfSf Die Kaffeeküche steht den geehrten Damen von 3 Uhr nachmittags an zur Verfügung.— Anfang des Konzerts 4 Uhr. DaS Bureau ist am Sonnabendnachmittag geschlossen."MZ 133/19 Die«i>tllelie Vei'waUnng. W. teils Theater. Brunneiistrab« 16. Täglich Thtliter- u. Svetill- Rofe»t m,d Dornen. BurleSke mit Gesang». Tanz in 2 Akten. Im Saal: Tsu�Itejlnzielleii. Fassage-Theater. Anfang Sonntags 3 Uhr, Wochentags 5, Ende 11 Uhr. W illy Fra ger) 16 Elite-Nummern. CkMal-TllkSttt. Heute, den 25. Jimi, Au fang 8 Uhr. grST" Zum letztenmal:-�5(2 (5oralie& Cie. Schwank in 3 Akt. v. Albiu Valabräque und Maurice Hennequin. Morgen: Tolle Mitbürger. C: arl Weiss-Theater. Grosse Frnntjnrtrrstr. 133. Abends 8 Uhr: Die Viper. Kriminal- Schauspiel in 7 Bildern. Morgen: Gefallene Madchen. Im Garten: Kinderfest. Fee Morgana. Anfang 5 Uhr._ Ißtropol-Ttieatfir Anfang 8 Uhr. Kovwltz-Oper. Vorletztes Gastspiel des Kammer- Alfred Die Hugenotten.-HKE Donnerstag:£ln Haskenball. Freitag: Franceschina Prevostl: gtJgT* Carmen. Belle-Älliance-Theater. Anfang 8 Uhr: „Cr". Pariser Lebensbild..Der Tischgast" von Henry Pagat. Deutsch von E. Rema. Hierauf: ZtliaMcheilllühkeillMml. Koniische Operette von Franz Suppe. Bei Dünstiger Witterung auf der neuen" Täglich ab 5 Uhr nachmittags: ilitär-Beppel-teert. Sonntags und Donnerstags: 3 itlUHikcorps. Entrce 1 Mark-9® von abends O Uhr ab 50 Di., Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Apollo- Theater Um 7 Uhr: 6!artcn-Konzert. Um 8 Uhr: Die sensationellen 8pocIuUtiltcn I. Hanges. Um 9 Uhr: Mit kolossalem Erfolg Paul Llnckes Ausstattungs- Operette fioyslstrata mit dem Luftballett„Grlgolatlsi1 Kassanerö tfnung 6 Uhr. Schall und Rauch (Kleines Theater) Unter den Linden 44. Mittwoch, 25. Juni, abends SVs Uhr: Letzte Vorstellung dieser Saison, Serenissimus- Zwischenspiele n a. Wintergarten. Aus dem interessanten Juni-Programm: „Das Mädchen mit dem geld. Haar" und 16 erstklass. Speclalitäten. Vrattr-Wattr Kastanie»- Allee 7—9. UM- Täglich: HS NM fremde Schuld. Vollsstück mit Gesang in 3 Akte». Ballettgcs. Catrlnl. Tyrolienne Hary Ellys. Grotesque-Kom. Paul Caradlnl. Brothers Fred, musik. Excentrics. Mr. Bartling, leb. Photogr. Fred Marzahn! Troupe, Pantom. Musikantenstreiche. Bartllngs elektrische Feerie.(3000 Glübkürper.) Konzert u. Ball. Anfang 1 Uhr. Eintritt 30 Pf., numerierter Platz 50 Pf. Unlbo. Mai Kliems Sommer- Thealer. Hnscnhehlc 13—15. I Artistischer Leiter: Dust. Bock.| Täglich: Gr. Konzert, Theater- u. jSpeciaiitäten-Vorstellung| Jeden 1. und 15. d. Monats: Wechselndes Programm 1 iDonnerstag: KHte-Tug. ScMzot Carten Am Künigsthof 42025* Am Ffludrlchshaln SSgr Täglich:-VE Koilzert, THeutfr, Spttiuli- Meil-BcrstellW MM. Freier Dtzmentailz bis 7 Uhr. Ä: BMittiistreicht. Operette tu 1 Akt von Snpps. Ostbabn-Park. Am Klistrlnerplatz. RUdersdorferstr.TI. Hermann Imbs. Täglich: Gr. Konzert, Theater und Zpettalltaten- Vorstellung. Jirokt-MIwein !ürBluiarmc u.Kpanke ärzMich keEpFohlen .n.150 ,uiM. lüberall zu hoben [empfiehlt A. Sommer, N., Koloniestr. 3. Sanerstoffwasser nach ärztlicher Verordnung grosse Flasche 10 Vf. exkl. Glas. Zu haben in unseren ca.SOO Niederlagen. Von 30 Flaschen an frei Haus. Selterswasser grosse Flasche u 5 Pf. exkl. Glas. Brauselimonaden. Hlmbeer-, Vitron ea, Waldmeister- Geschmack a lO Pf. exkl. Glas, nur aus frischen Früchten bereitet. Zu haben in unseren ca. 800 Niederlagen. Von 80 Flaschen ab frei Haus. Fruchtsäfte Hlmbeer-, Vitronen, Kirsch-. Frd- becr-, Johannisbeersaft, in feinster Kaffinade eingekocht, a Liitcriiasche 1,80 exkl. Glas. Citronensaft zur Kur aus frischer Fracht a Fl. 1,50, 1,00 und 0,55 H. Zu haben auch in unseren ca. SOO Niederlagen. Bestellungen frei Haus bitten direkt an uns Izu richten. Hemann Meyer& Co., wattstr. 11/12. 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Sonntag, Montag und Donnerstag nach der Soiree: Tanzkranzchen, Tanz freit Anfang Sonntags 5 Uhr, Entree 50 Pf., ab 9 Uhr 20 Pf. Anfang Wochentags 6 Uhr, ffintree 30 Pf., ab 9 Uhr 20 Pf. Zalm-iDik. Olga Jacobson, Preise* beliebige Teilzahlung. Invaliden- Strasse 145 Hierdurch die traurige Nachricht, dass mein innig geliebter Mann, unser trensornender Vater, Sohn, Bruder und Schwager, der Militärschneider £ r n s t H 9 h in o nach langem schweren Leiden am 24. Juni früh 1 Uhr verstorben ist. Die Beerdigung findet am Freitag, den 27. Juni, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des St. Elisabeth- Kirchhofes(Prtnzen-Allee) aus statt. Im Namen aller Hinterbliebenen Witwe£. Böhme liebst Kindern. Ininplirankenkasseiier �Töpfer-Innung. Außerordentliche Gellmtt-Derslmlullullg der Delegierten am Montag, den 9. Juli 1902, abends 9 Uhr, im KBnlgstadt-Kaslno, Holzmarktstr.72. Tagesordnung: I.StatutenänderungZ lOdes Statuts sowie Anträge des Vorstandes und Beschlussfassuiig. 2. Wahl von 3 Ne- visoreu zur Prüfung der Jahres- abrechnung pro 1901. 3. Verschiedenes. Delegiertenkarte berechtigt mir zum Eintritt. 415b Reinhold Rohkohl, Carl Holer, Vorsitzender, Schriftführer, Wasserthorstr. 26. Höchstestr. 31. Nachtrag zu der am 5. Juni im„Vorwärts" veröffentlichten Bilanz. Die Geschäktsguthaben haben sich um 30 M. nnd die Haftfumme um 30 M. vermindert. Die Gesamthaftsmume beträgt am 3l. Dezember 1901 360 M. Möbelfabrik Union, Eingetragene Genossenschaft mit be» schränktet Haftpflicht. Der Vorstand. 429b P. Schönwetter. Th. Scholz. Mi Elwut« unfehlbar müssen alle Schwaben mid Brut bis aus die letzte Spur zu Grunde gehen durch das absolut sicher tötende„Poadre Martini-'. Pck. 50 Pj.. 1, 2 n. Psd. 4 M. Fü« radikalen Erfolg garantiert Ott» Hclcbcl, Berlin SO., Eisenbahnstrasse 4, Lieferant für Armes und Marine, königl. u. städt. 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Wie stellen sich die Töpfer zur Einführung des paritätischen Arbeit-?. Nachweises. 2. Diskussion. t!lb/10 Der Einberufer: Ernst Paul. Nchkung! ArhkunZ! KnxeiioF?. Donnerstag, den 26. Juni, abends 8Vs Uhr, im Lokale des Herrn KröMr, Bergstr. 147: UolKs-Uersammluttg Tages-Ordnung: .Die preubische Polenpolitil und ihre Erfahrung für daS deutsche Voll". Referent: Reichstags-Abgeordneter Genosse Georg Ledebour. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 232/3 Der Einbevnfer. 5oliiildklii«krMschtt Uetti« im 5. IttUntt Urichsings- Wahlkreis. Donnerstag, den 26. Juni, abends 8Vs Uhr, bei Buske(Schulz), Grenadierstraße 33: Gsnsrni-VoflÄntntlttng. Tages-Ordnung: 1. Wie beteiligen wir uns an den preußischen LandtagSwahlen? Referent Genosse!>»>. l,eo Arons. 2. Disfussion. 3. Bestätigung von zwei Abteilungssührern. 4. Statuten-Aenderuiigen. 5. BereittL-Angelegenheiten und Verschiedenes. Bltxlledshneh lesitimict. 245/11» Zahlreiches Erscheinen erwartet Ben Vonstand. Achtung! Achtung! Ctiltrat-UranNen- u. 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