Ar. 146. I>bom»nttnts■ Kkdingungen; «bonnementZ-Pr«i» pränumerando: vierteljährl. 3,30 TOt, monatt. wöchentlich 28 Plg. frei tnä Hau», «iiuelne Numm-r 5 Ptg. Sonntag«» Nummer mli iiiufttiettct Sonntag«» Beilage„Die Neue Welt" lO Plg. Post» Abonnement: 1,10 Marl pro Monat, eingetragen ln der Post- Zeitung«» PreiZliste für l»OL unter Er. 7878. Unter streuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da» übrige Autland 3 Marl pro Monat. «rschelnk täglich culier Zvonlag», Berliner VolKsMntt. 19. Jahrs. Die Iilftrtlons-Aevllyl beträgt für die fechtgefpaltene Kolonst» teile oder deren Raum«0 Pfg., für politische und gewerlschaftliche BereinS» und Versammlung«-Anzeigen 20 Pfg. „Kleine Knieigeit" jede« Wort S Pjg. (nur da« erste Wort fett). Inserate sür die nächste Nummer müssen bi« 1 Uhr nachmittag« in derexpedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bi« 7 Uhr abend«, an Tonn- und Festtagen biSSUhr vormittag« geöfsnet. Telegramm- Adreste: „Sortaldrmokrat Berlin" Cjetttralorgcm der locirtldemokratischen Uartei Deutschlands. Kedalttion: sw. 19. Veuth-Skratze 2. Fernsprecher: Amt 1. Nr. 1508. Die Gewerbe-Aufsicht in Preußen und die Arbeiter. i. Auch in Preuhen seht es etwas vorwärts! Die unermüdliche Thätigkeit der Arbeiter-Organisatioiien, die eiugehende Kritik ihrer Vertreter und schließlich die Unmöglichkeit, ohne die Arbeiter die Aufgaben des Amtes zu erfüllen, haben auch einige preußische Gciverbe- Auffichtsbeanite endlich dahin gebracht, wohin die mittel- und süd- deutschen freilich schon seit Jahren gekomnien sind: sie traten mit den Arbeiter-Organisationen in Verbindung und verhalsen dadurch den Arbeiterschntz-Gcsetzen etlvas mehr zum Leben als es bisher der Fall war. Wir betrachten es als einen der wichtigsten Punkte der Berichterstattung, die für das Jahr 1301 von den preußischen Regiernngs- und Gewerberäten gegeben wird, daß ihr vor kurzem erschienener Jahresbericht mehr als früher von einem Verkehr mit Arbeiter-Organisationen zu sprechen in der Lage ist. Alle Beamten sind sich darin einig, daß der direkte persönliche Verkehr mit den Arbeitern viel zu gering ist, um wirksam sein zu können, daß aber andrerseits ohne Fühlung mit den Arbeitern die Gewerbe- Anfsichtsbeamten nicht in der Lage find, all die Schönheiten der kapitalistischen Mißlvirtschaft zu entdecken— viel weniger noch sie zu beseitigen. Ob die Beamten Sprechstunden abhalten oder sich jederzeit für Besuche der Arbeiter zur Verfügung stellen, die Berichte müssen aus allen Teilen Preußens melden, daß sich der Verkehr«in engen Grenzen" oder in„be- scheidenen Grenzen" vollzog. Dagegen sind es 9 Anfsichtsbczirke, ein Viertel der vorhandenen, die mit Arbeitersekretariaten, Beschiverdekomnnsfionen oder Gewerkschaften in Verbindung traten und lobend hervorheben, daß sie hierdurch wescnt- lich unterstützt winden. So heißt es im Bericht aus Frankfurt a. Q.:.Mehrere Arbeiter-Organisationen machten Mitteilungen über Ausstände in einzelnen Anlagen, die sich durch- Iveg als richtig herausstellten, so daß es den Anschein erweckt, als ob von den Organisationen die Beschwerden der Arbeiter sorg- fältig geprüft und nur die berechtigten iveitcrgegeben Ivcrden." Der Magdeburger Bericht teilt mit, daß einige geWerk- vereinliche und gewerkschaftliche Organisationen mit den In- spekiionen in schriftlichen und niündlichen Verkehr traten.„Besonders verdient das Vorgehen des deutschen Buchdruckerverbandes Aberkennung. der durch seine Mitglieder eine statistische Aufstellung für die Geiverhe- Inspektoren anfertigen ließ, ivoraus zu ersehen war, imvieweit in den Druckereien des Bezirks den Vorschriften des Bundesrats vom 31. Juli 1837 über die Einrichtung und den Betrieb der Buch- druckereicn und Schriftgießereien genügt war. Wenn auch die mit- geteilten Verstöße bezüglich der Einrichtnngcn meist nur geringfügiger Natur ivaren, so nnitz doch anerkannt ivcrden, daß diese Hilfe der A r b e i t e r s ch a f t bei der Durchführung der für den Betrieb gegebenen Vorschriften recht iv e r t v o l I ist. CS iväre sehr er- sprießlich, ivenn andre Geiverkschasten in gleicher Weise die Kontrolle der Bundcsratsbestinimnngen in die Hand nähmen I Der Bericht über den Regicrungsbezirt Düsseldorf sagt: .Die Vorstände und Vertreter von Vereinen und Fach« Organisationen der Arbeiter gehen immer mehr dazu über, ihnen bekannt gewordene Gesctzividrigkeiten und Unzuträglichkeiten anS Gewerbebetrieben schriftlich oder niündlich den Anfsichtsbeamten mitzuteilen. Ueber derartige Vorkommnisse berichten die Gelverbc- Inspektoren zu M.-Gladbach. Barmen, Essen, Düsseldorf, Solingen und Krefeld. Den Mitteilnugen wurde von den Beamten stets Be- achtung geschenkt, und in nicht wenigen Fällen war die Mög- lichkeit rascher Beseitigung unzulässiger Zustände in gelverblichen Anlagen auf solche Anzeigen zurückzuführen." Ferner berichten Potsdam, Breslau, Oppeln, Hannover, Köln und Kassel über ihren Verkehr mit Ar- beiter-Orgaiiisationeti resp. Arbeitersekretariaten, ivobei der B r e s- lauer Bericht hervorhebt,„daß das Arbeitersekretariat, ivelches unter einer e n e rg i s ch e n Leitung in das zweite Jahr seiner Wirksamkeit eingetreten ist, eine, wie aus Grund seiner regelmäßigen Veröffentlichungen anzuerkennen ist, rührige, allseitige Thätigkeit entwickelt hat." Notabene— das Register zu den preußischen Berichten nimmt von dieser Mitteilnng unter folgendem Stichwort Notiz:„Nrbeitersekretariate— beeinträchtigen den Verkehr zwischen Gewerbe-Aufsichtsbeamten und Arbeitern"! Nun bemerkt dies zwar auch der Aufsichtsbeamte, ober keineswegs als Hauptsache und in so abfälligem Sinne. Er sagt nur, daß der.wünschenswerte persönliche Verkehr" durch das Arbeitersekretariat verringert wurde, weil dieses selbst viele Be- fchwerden erledigte— hatte es doch einen Zuspruch von 7000 Personen I In gleicher Weise konstatiert der Kölner Bericht. daß der persönliche Verkehr mit Arbeitern sehr gering war:„Zum Teil wird das darauf zurückzuführen sein, daß die Arbeiter in den von den hiesigen Organisationen unterhaltene» Auskunftsbureans und Arbeitersekretariaten beraten werden. In einzelneu Fällen haben die letzteren Beschwerden, die bei ihnen vorgebracht worden waren, den Gewerbe-Juspektoren unterbreitet." Ganz unzufrieden mit der Vermittelung der Geiverkschafts- kommission ist allein der Berliner Gewerberat Hart- man n. Nur 75 Besucher kamen, unter ihnen überwogen die wcib- kicken, welche die Assistentin aufsuchten mehrfach erschienen auch weibliche Bertrauenspersonen.„Im allgemeinen bevorzugt man den schriftlichen Verkehr, insbesondere die V e r- Mittelung der Gewerkschaftskoni Mission. Die Zahl der cingegangeiien Beschwerden ist wesentlich gestiegen und belief sich auf etwa 190. wovon etwa 00 die Gewcrkschaftskommisston ver- mittelte. Der indirekte Verkehr hat mancherlei Mängel; abgesehen davon, daß er zu U e b e r t r e i b u n g e n reizt, ist die Möglichkeit genommen. sofort Berichtigungen vorzunehmen und Belehrungen oder Aufklärungen z» geben, durch welche sich die Sache oft ohne weiteres erledigen würde, weil viele Klagen un begründet und auf Unkenntnis der bestehenden Be- st i m m un g e n zurückzuführen sind. Die sogenannten Ver- t r a u e n s p e r s o n e n und Vermittler der Beschwerden sind vielfach gar nicht in der Lgge, zu beurteilen, wie weit die vorgetragenen Klagen begründet sind. Im Interesse der Arbeiter und Arbeiterinnen liegt es daher, wenn sie sich mit den Gewerbe-Aufsichtsbeamten in persönliches Einvernehmen setzen." Der Herr Gewerberat hätte bester gethan, wenn er statt solch allgemein gehaltener Anklagen genau augegeben hätte, wie viele von den 60 durch die Gewerkschaftskommissioii übermittelten Beschwerden unbegründet waren. Offenbar war die Zahl der letzteren ver- hältnismäßig gering, sonst hätte er gewiß nicht gezögert, die Ziffer mitzuteilen. Die Arbeiter und Arbeiterinnen Berlins wird er aber durch sein absprechendes Urteil über die„sogenannten Vertrauenspersonen" nicht davon abbringen, in diesen von ihnen selbst gewählten Ver- tretern die best geeignete Vermittelung für ihre Beschwerden zu sehen und nach wie vor ditrd� sie sich an die Gcwerbc-Jnspcktion zu wenden. Mißgriffe sind ja möglich; der Gcwerbcrat weiß doch aber selbst recht gut, wie schwierig es ist, sich in dem Wnst von Eiuzeb Verordnungen und Vorschriften zurecht zu finden. Und je entgegew kommeiider er sich der Gewerkschaftskommission zeigt, um so eher wird auch er zu einer„sogenannten Vertrauensperson" der Arbeiter avancieren! Augriffe aber, wie der oben erwähnte, werden das Ver- trauen der Arbeiter zu seiner Thätigkeit keineswegs steigern— denn sie merken die Absicht und werden mit Recht dadurch verstimmt I Vor allem sollte er doch nicht vergessen, daß die Gewerlschaftskoiimiission, ehe sie ihm 60 Beschwerden übermittelte, viele Hund erte geprüft und teils selbst erledigt, teils als unbegründet, respektive im Nahmen der bestehenden Geseke nicht zu beseitigen erklärt hat. Dadurch ist also der Berliner Gcwerbe-Aufsicht schon eine große Arbeitslast ab- genonimen worden und dafür sollte sie der Gcwcrkschaftskvnimission nur dankbar sein, denn ohne deren Hilfe würden.die Berliner Gewerbc-Aufsichtsbeamten, die von den 10 740 rcvisionspflichtigen Betrieben nur 4483, also nur 44 Prozent revidieren konnten, noch weniger als dies ohnehin der Fall war, ihrer Aufgabe gerecht ge- worden sein! Ucbrigens raten tvir dem Berliner Gcwcrberat auch die Be- merkuug des S ch l e s w i g e r Berichtes zu bemessen:„Die Arbeiter scheuen noch innner einen Verkehr mit den Gewerbc-Jnspektoren, weil sie N a ch t e i l e für ihre Stellung befürchten". Ferner die ebenso richtige Mitteilung des Oppelner Berichts, daß„die daniederliegende Arbeitsgelegenheit den Arbeiter- häufig davon abhält, Klagen und Beschwerden vorzubringen". Der Komps der Spinner nnd Weber. 70. Sitzung der Z o I l t a ri f-K o m m i s s i o n. Berlin, 25. Juni. Obgleich die Regierung den Zollwünschen der Industriellen weit entgegen gekomnien ist und hohe Zollsätze im Tarifentivnrf festlegte, konnte sie doch damit die gegenseitige Mißgunst der Interessenten nicht dämpfen. Das bestätigt der heute fortgesetzte Kampf zwischen Spinncr» und Webern. Von den Webern wird der Regierung der Vorwurf gemacht, sie habe nur Spiunerlnft geatmet, als sie sich durch Sachverständige informieren ließ. Zwar bestritt das der sächsische BundesratS-Bevollmächtigte Geheim rat Rüger, aber er machte damit, sowie niit seiner Wariiuiig vor so tief einschneidenden Aendernngen, wie sie die verschiedenen Anträge auf Herabsetzung der Garnzölle herbeiführen wollten, keinen Eindruck auf die erbosten und auf die Spinner neidischen Weber. Hochinteressant war das Geständnis des sächsischen Weberei besitzers, des Abg. Förster-Löbau, der im Zorn über die Garnzölle ausrief:„Wir Konsertintive» wolle» höhere Gctrcidczölle, da könne» wir doch durch so hohe Jndustriezölle, wie die Garnzölle, den arme» Arbeiter», den Webern, nicht noch den Verdienst schmälern und die Kleidung verteuern, wen» die Gctrridezölle schon die Nahrungsmittel verteuern." Gegen- Über dem Vorhalt der Regierung, daß die beantragte Herabsetzung der Garnzölle ein Stoß ins Herz der Spinnerei sei, entgegnet der- selbe Redner, daß die bisherigen hohen Garnzölle unmotiviert seien und versumpfend auf die Spinnerei wirkten und deren Entwicklung hemmten. » Der Abg. Spahn suchte wie gewöhnlich sänftigend aus die gegenseitig sich bekämpfenden Unternehmer- Elemente zu wirken, kann aber nicht umhin, wenn auch mit schwerem Herzen, für eine Eruiedrigung der Garnzölle einzutreten und hat darum ein Koni- promiß mit Mnuch-Ferber geschlossen, nach dem die Garnzölle nicht ganz so tief herabgesetzt werden sollen. Man möge sich in der Kom« Mission verständigen, damit der Bundesrat nicht in die Lage komme, im Plenum die Beschlüsse der Kommission bekämpfen zu müssen. DaS Centrum sucht durch derartige Kompromisse die Fühning der Zollparteien zu behalten und läßt seine Gunst abwechselnd den einzelnen Jnteressenteugruppen angedeihen. allein es kann bei dem Widerstand gegen die Garnzölle nur verschämt für die Spinner ein- treten. Natürlich haben die Försterschen Geständnisse die Agrarier und ihre Gönner gerade nicht in freudige Stimmung versetzt, und es blieb dem Abgeordneten Arendt vorbehalten, ebenso plump dem Bedauern über diese Art der Argumentation gegen die Garnzölle Ausdruck zn geben, sie sei eine freihä udlerische und liefere Wasser auf die Mühlen der Opposition. Auch im Privatgespräch mag man dem Abgeordneten Förster daS Undiplomatische seiner Ausführungen begreiflich gemacht haben, denn er schaute schließlich ganz zerknirscht darein. Gxpeditivn: s�v. 19. Veulll- Strafte 3. Fernsprecher: Amt I, Nr. MSI. Selbstverständlich ließen es sich die Socialdemokraten nicht ent- gehen, die Försterschen Zugeständnisse festzunageln. ReißhnnS, Bandert und Griinberg zerstörten auch die Ärgnmente für die herabgesetzten Zölle vom fachlichen und volksivirtschaftlichen Stand- Punkt aus. Sie konstatierten im Anschluß an die Aenßcrungen Försters, daß die ganzen Kosten des Zolltarifs auf die Arbeiter ge- wälzt werden. Grünberg kritisierte besonders die Art, die feinen Garne an einer Herabsetzinig der Zölle nicht so participiercn zu lassen, wie die gröberen. Das zeuge von Eigeninteressen, die Beutemacherei drücke sich auch darin aus. Aus die Anregung GriinbergS beantragt Müller- Sagau eine Herabsetzung der Zölle auf feinere Garne niid zwar von den Nrn. 63 bis über 102 von 30 auf 24, von 36 auf 30 und von 42 auf 36 M. Die weitere Verhandlung ist nur mehr ein Feilschen um die ver- schiedenen Anträge, nur die Socialdemokraten halten konsequent an ihrem Antrag auf Zollfreiheit. Da der sächsische Bundesrats- Bevollmächtigte auf die Aus- fiihrungen Grünbergs über die sächsischen Lohnverhältnisse hin sich einige telegraphische Mitteilungen sächsischer Spinnereibesitzer bestellt hat und diese zur Verlesung bringt, nach denen die Lohnverhältniste der sächsischen Spinnerei-Arbeiter als sehr günstige hingestellt werden, widerlegt Griinberg an der Hand statistischer Nachweise diese An- gaben und beweist, daß der Lohn zwischen Sachsen und England stark differiert und in England circa doppelt so hoch als in Sachsen ist. In der Abstimmung wird die gegen die Vorlage vorgenommene Aciiderung der Nummerierung der Garne angenonimen. In bezng auf die Zollsätze zur Position 438 werden die Sätze des Kompromiß- antrages S p a h n- M ü n ch- F e r b e r bis zu Nr. 63 angenommen, von Nr. 63 bis über Nr. 102 werden die Sätze des Antrags Müller- Sagau augcnommen. Zu Position 439 wird der Antrag B r ö m e l, der den Zoll von 10 auf 9 M. herabsetzt, angenomme n. Position 440 wird im ersten Abschnitt nach der Vorlage— zwei- oder mehrdrähtig roh: 3 M.— angenommen; der zweite Absatz— gebleicht, gefärbt, bedruckt— wird von 10 auf 9 M. herabgesetzt. Position 441 fällt aus, da vorstehende Sätze auch für drei- oder mehrdrähtige Garne nach einem Antrag Müller- Fulda beschlossen sind. In Position 442 werden die Zölle von 50 auf 36, und von 60 auf 42 M. für wiederholt gezwtnite Garne herabgesetzt. Die Aninerkerung wird nach der Vorlage aiigeiioinnien. Demnach sind die Zollsätze unter die des Geueraltarifes und des Vertragestarifes herabgesetzt. Für die niedrigen Sätze stimmen— da ihr Antrag auf Zollfreiheit abgelehnt wurde— auch die Socialdemokraten. Vor der Pos. 443 kommt folgende Resolution Brömel zur Beratung: „Den Herrn Reichskanzler zn ersuchen, dahin zu wirken, daß die einheitliche Handhabniig der Erlnubniserteiliing für den zoll- freien Veredelungsverkehr durch entsprechende Vor- schriften gesichert wird, dagegen die Anträge auf Einführung der Vergütung der Garnzölle bei der Ausfuhr solcher Waren, welche im Jnlande ans zollpflichtigen Baumwollgarnen ohne amtliche Festhaltnng der Identität hergestellt worden sind, abgelehnt werden." Uuterstaatssekretär v. Fischer führt dazu aus, daß diese Frage erst entschieden werden könne, wenn der ganze Zolltarif dnrchberaten sei. Wo gegenwärtig Ansfuhrvergütung gewährt wird, geschieht es in der Regel nur nach Nachweis der Identität. Ausnahmen finden nur statt bei Kakaoprodukten, aber hier wird nur 80 Proz.s vergütet, und bei Getreide undMllhlcuprodnkten. In derAbweichung von dem bis- herigen System entstehen Schwierigkeiten, wenn die Produkte teilweise aus inländischen Rohprodukten und Halbfabrikaten hergestellt werden. oder wenn Halbfabrikate verwendet sind, die verschiedenen Zollsätzen unterliegen. Die Rückvergütung ist schwer durchzuführen, da eine zu niedrige Vergütung zu allerlei Streitigkeiten und Prozessen Anlaß giebt. Eine reichliche Vergütung führte leicht zu Prämien, die im Auslände Repressalien hervorrufen. Die Kontrolle der Identität ist schwer, weil Importeur und Fabrikant nicht dieselben Personen sind. Die Rückvergütung reizt zur Verwendung nnr ausländischer Halbfabrikate, wodurch die inländische Produktion der Halbfabrikate geschädigt wird. Die Re- gicrungen haben eine große Reihe von Sachverständigen gehört, die alle verschiedene Ansichten geäußert haben; aber die Regierungen sind noch zu keinem Entschluß gekonmien, weil noch keine Vorschläge gemacht sind, die keine unangreifbare» Seiten haben. Jedoch wird die Frage nicht außer Betracht gelassen und geforscht werden, ob ein gerechtes System der Zollvergütung gefuudc» werden kann. Es wird wohlwollend geprüft werden. Bis dahin muß man sich mit den Vor- schriften über den Veredelungsverkehr begnügen. Nachdem Graf Kunitz darauf hingewiesen, daß die Rück- vergiitnug vielfach die beabsichtigte Wirkung des Zolles aufhebe, zieht Brömel mit Rücksicht auf die Erklärung des RegiernngS- Vertreters seine Resolution zurück. Zu Position 443. Baum wollen zwirn aller Art für den Einzelverkauf— 70 M., beantragen die Socialdemokraten Zollfreiheit; Bandert und Griinberg treten energisch für diesen Antrag ein, da durch den Zoll das Nähgarn ver« t e n e r t wird. In der Abstimmung wird die Position nach der Vorlage an- genommen. Schluß Uhr. Nächste Sitzung: Donnerstag 9 Uhr. polikische Mebevstchk. Berlin, den 25. Juni. Reich, Konimnne und Arbeitslosigkeit. Am 18. November v. I. fanden in Berlin 8 große Arbeits- l o s e n- V e r s a m m l u n g e n statt, die in einer Resolution die Reichs- und Staatsregieriing und den Magistrat aufforderten, .chleunigste Maßregeln zur Linderung der Arbeitslosigkeit zu er- greifen. Am 17. Januar 1902 wurde von der Socialdemokratie im Reichstag über die Arbeitslosigkeit interpelliert. Auf die Rede Zubeils antivorlete Graf Posadowsky, daß ein außergewöhnlicher Notstand nicht vorliege; die Berliner Polizei, diese authentische Quelle, habe in Berlin nur 7500 Arbeitslose ermittelt. Daß diese Zahl geradezu «nfimilfl wnr, ging schon anS der Umfrage der Berliner Gelver?- fchaftskoinmüsion vom Oktober v. I. hervor, die sich nur auf einen Teil der Metaklindnstrie erstreckte und dort schon 10 000 völlig arbeitslose und ebenso viele in ihrem Erlverb beschränkte Personen festliestellt hatte. Die von der Berliner Getverlschaftskommission am 1. Februar 1S02 vorgenommenen Arbcitslosenzählung brachte eine geradezu nn- heimlich hohe Ziffer der Arbeitslosen, wie der ertverbsbeschränkten Personen zu Tage. Daraufhin richtete die Berliner Gewerkschafts- kommission im Einverständnis mit den Gewerkschaften unter Bei- fiigung der Arbeitsloseustatistik eine Eingabe an die Reichsregierung und auch an den Magistrat, in der es nach Darlegung der vorstehend skizzierten Verhältnisse hiesz: »Als unerlästlichste Maßiiahme, die gröbste Begleiterscheinung der gegenwärtigen Krise— die Arbeitslosigkeit— zu mildern, ist die gesehliche Verkürzung der Arbeitszeit vorznnehmen. Des lveitcreu ist es notwendig, daß den Arbeitern das Koalitionsrecht uneingeschränkt gewährt wird, und daß die gesetzlichen Bestimmungen auch auf die Arbeitcr-Organisationen in lohaler Weise angeiva'ndt werden. Wir verweisen hier auf den Gehcim-Erlafe des Herrn Justizministers, den derselbe an die unteren behördlichen Organe gerichtet hat. In demselben iverden die Staatsanwälte auf- gefordert, den§ 153 der Reichs-Gewerbe-Ordming im Verein mit dem Erpressnngsparngraphen des Strafgesetzbuchs ganz besonders an- zuivenden. Bericht über die Verhandlungen der Sitzung des Ab- geordnetcnhanscs vom 17. Februar d. I. Nur dadurch,' das; den Arbeiterorganisationen die volle Anerkennung der wirtschaftlichen Gleichberechtigung gewährt wird, können die Härten in den socialen Gegensätzen gemildert werden. Ferner wünschen wir, daß den Gewerkschaften seitens der Re- gierung Subventionen in der gegenwärtigen Krise— da die Arbeitslosigkeit eine besonders hohe ist— gewährt werden. Die Gewerkschaften sind gegenlvärtig durch die Arbeitslosen- Unter- stützung stark belastet. Die Subventionen werden in andren Ländern, Frankreich und Dänemark, schon seit Jahren gewährt. Die Gewährung von Sub- ventionen an die Geiverkschaften ist umsomehr gerechtfertigt, als die hohe Staatsregiernng einem großen Teil der Unternehmer solche Subventionen schon seit langem gewährt. Wir vertveisen auf die Frachitarifcrmäßigung, Ansfnhrvergiitungen u. a. m. Indem wir nun nochmals E>v. Excellenz um besondere B e s ch l e u n i g n n g der Inangriffnahme aller staatlichen Arbeiten ersuchen, zeichnet usw. Die Reichsregierung löste die ihr gestellte ernste Aufgabe in einer so sinnigen Weise, wie man sie kaum für möglich halten sollte. Nachdem die Forderungen der Arbeiterschaft der Regierung wie dem Magistrat unterm 30. November 1901 mitgeteilt. unterm 14. März 1902 ergänzt unterbreitet wurden, und am 14. April 1902 um Antwort ersucht wurde, erfolgte dann endlich unterm 19. Juni die Antlvort. Wir lassen dies Dokument der mehr als ein halbes Jahr lang überlegten„socialreformerischen" reichsdeutschen Regierungskunst wörtlich folgen: Der Reichskanzler. Reichsamt des Innern. II. 2943. Für die gefällige Mitteilung der auf die Arbeitslosen-Statistik bezüglichen Tabellen danke ich verbindlichst. Wegen des in der Eingabe voni 14. März erwähnten angeblichen Geheim- e r l a s s e s dcS königlichen preußischenfHerrn Jnstizministcrs. dessen Existenz dieser übrigens in der Sitzung des Hauses der Ab- geordneten vom 17. Februar d. I. ausdrücklich verneint hat, stelle ich anheim, etwaige Vorstellungen an den genante» Herrn Minister zu richten. Zur Gewährung von Geldbeihilfen an die Gewerkschaften stehen mir Mittel nicht zur Verfügung. Im Auftrage: Klotze. An das Bureau der Berliner Gewerkschafts- Kommission zu Händen des Herrn G. Link. Zu dieser die Arbeitslosigkeit verhöhnenden Mitteilung brauchte die Reichsregierung fast sieben Monate Zeit. Mit keinem Worte wird auf die furchtbare Frage der Arbeitslosigkeit und die vorgeschlagenen Mildernngsmittel eingegangen. Was geht es den Reichskanzler an, ob Hunderttausende fleißiger Arbeiter zum Hungern verurteilt werden— laß sie betteln gehen, wenn sie hungrig sind, hat sie wahrscheinlich geistreich in Gedanken citiert. Nur die Auskunft wird erteilt, daß Geldmittel nicht zur Verfügung stehen— als ob in unsrer Milliardenwirtschaft niemals die Einrichtlmg von Nachtrags-Etats bekannt geworden wäre. Freilich, es handelt sich ja nur um Arbeiter— um die notleidenden Junker standesgemäß zu erhalten, muß die ganze Staatsmaschine unter Hochdruck arbeiten, und selbst für den Ausbau einer gleichgültigen Burgruine wird ein Milliönchen und mehr bewilligt. Zur Agitation für die Zuchthans- Vorlage waren immer noch 12 000 M. aufzutreiben. Nur für arbeits- lose Proletarier ist kein Pfennig flüssig zu machen. Dafür aber hat man in den paar Zeilen deS Antwortschreibens es glücklich fertig ge- bracht, noch eine Unwahrheit anzubringen. Der Jnstizministcr hat seinen Erpressungserlaß niemals abgeleugnet, sondern ihn im Gegen- teil ausdrücklich zugestanden; er ist ja auch im Wortlaut bekannt. Das Schriftstück ist gerade ein historisches Dokument, das zeigt, ans welcher geistigen Höhe die„Regicrimg der Socialreform" sieht, wenn ihr die Aufgabe gestellt wird, sich zu einer ebenso schweren und wichtigen, wie dringenden Aufgabe zu äußern. Die Arbeits- losigkeit ist anscheinend immer noch nicht amtlich bekannt. Freilich hat die Socialpolitik des konservativ regierten Reiches einen lvürdigen Nebenbuhler in der freisinnig verwalteten Berliner Kommune und ihrem Magistrat. Nachdem fast sieben Monate verstrichen und eine Antwort des Berliner Magistrats nicht eingegangen, wurde dem Oberbürgermeister mitgeteilt, daß die Vertreter der Gewerkschaften sich die Antwort persönlich holen würden. Darauf teilte der Oberbürgermeister u m- gehend mit, daß ein persönliches Erscheinen nicht notwendig sei. Antwort werde in nächster Zeit erfolgen! Bis zur Stunde ist eine solche noch nicht eingetroffen. Es ist ein Skandal, wie die Arbeiter von dem Berliner Magistrat behandelt werden. Und da mutet man den Arbeitern noch zu, sie sollen zu den Behörden Vertrauen haben I Die Arbeiter geben sich keiner Illusion hin, der Magistrat wird getreulich den Fußstapfen des Reiches folgen. Berlin, das auf Kosten der Steuerzahler Unsummen vergeudet für Flittertand bei höfischen Besuchen, hat für den bedürftigsten der bedürftigen Arbeiter nicht einmal eine Antwort, geschweige denn eine offene Hand. Und nicht nur das: dort, wo man Arbeitsgelegenheit durch Erteilung von Aufträgen gewähren könnte, geht man den Aufträgen, die Jahre lang in Berlin ausgeführt wurden, nach andren Städten, weil der Fabrikant etwa tausend Mark billiger ist. Wahrlich, wir haben eS herrlich weit gebracht in der socialen Erkenntnis. Und da erzählen die Freund n. Francke den Arbeitern vor, wie überströmend reich die sociale Praxis der herrschenden Klassen sei; und wie viel reicher sie noch werden wüde, wenn die Arbeiter nur so vernünftig wären, die Socialdemokratie zu ver- lassen.—_ Die Kündigung der Handelsverträge. -st- Wien, 24. Juni. Die östreichische Regierung läßt heute mitteilen, sie habe das migarische Ministenum amtlich davon verständigt, daß sie die Absicht s habe, von dem für den 31. Dezember in den internationalen Handelsverträgen vorgesehenen Kündigungs- rechte Gebrauch zu machen. Die ungarische Regierung dürfte durch diese Mitteilung jedenfalls nicht wenig überrascht sein, denn in der Rede, die er am 17. Juni im ungarischen Abgeordneten- hause gehalten, hat Herr v. S z e l l durchblicken lassen, daß Ungarn gesonnen sei, in die stillschweigende Verlängerung der Handels- vertrüge— mit Ausnahme der italienischen Weinzoll-Klausel— zu willigen. Man würde aber sehr fehlgehen, wenn man den Schritt der östreichischen Regierung als den Entschluß auf- fassen wollte, die Handelsverträge Ende des Jahres wirklich zu kündigen; er ist und will nichts mehr sein als ein Schachzug gegen die Verschleppungstaktik, die sich bei den Verhandlungen über den Ausgleich Herr v. Szell zugelegt hat. Die Kundgebung der Kündigungsabsicht bewirkt nämlich, daß die Handelsverträge gekündigt werden müssen, wenn auch nur ein Teil— also Oestreich allein— die Kündigung verlangt. Um daß sie wirksam werde, muß eben diese.Absicht" sechs Monate vor dem Kündigiingsteriiiin, also längstens bis Ende Juni, kundgegeben werden. Der weitere Vorgang ist der, daß nun die beiden Regierungen über die Knndignngsfrage in Verhandlung treten. Sie können sich einigen, was gekündigt werde, aber auch, daß die Kündigung unterbleibe; worauf sie sich einigen, was erfolgt. Aber eS kann auch sein, daß sie sich nicht einigen, daß zum Beispiel Oestreich auf seinem Verlangen, die Kün- digungung vorzunehmen, beharrt, Ungarn ihr aber nicht zustimmt. Dann muß die Kündigung dennoch erfolgen; der Vertrag, der das Einverständnis beider Staaten dcS Dualismus voraussetzt, kann nicht mehr aufrecht bleiben, wenn ihm die Zustimmung auch nur eines Teiles entzogen wird. Dieses Vorrecht hat aber jede Staatenhälfte nur dann, wenn sie sechs Monate vor dem Kündigungs- terinine„dem andren Teile, von der Absicht zu kündigen, Mitteilung macht". Die„Mitteilung" der östreichischen Regierung bezweckt, sich in der Frage der Kündigung von dem Willen der ungarischen Re- gierung frei zu machen. Ob die Handelsverträge am 31. Dezember wirklich gekündigt werden sollen, hängt nun nicht von Oestreich und Ungarn, sondern von Oestreich allein ab. Allerdings hat es Ungarn sehr leicht, die Aktion der Oestreicher zu durchkreuzen. Die ungarische Regierung braucht nur— und sie Ivird es wohl thun— der östreichischen die gleiche„Mitteilung" zu machen und wenn dann auch der Vollzug der Kündigung von jedem Staate allein niedergesetzt werden kann, so hängt deren Unterlassung noch wieder— wie eben jetzt— von der Einigung der beiden Regiernngen ab. Die östreichische Regierung hat sich zu dem Entschlüsse genötigt gesehen, um die weitere Verschleppung der Verhandlungen über den Ausgleich unmöglich zu machen. Sie meint natürlich, Herr v. Szell müsse jetzt Farbe bekennen: ob er de« Abschluß der Verhandlungen will, oder ob er auf ihr Scheitern rechnet. Aber es ist schwer ein- zusehen, auf welche Weise Herr v. Koerber zu dem angestrebten Ziele zu gelangen hofft. Es ist nämlich ivohl ein Recht Oeslreichs, die Kündigiiug der internationalen Handelsverträge zu begehren und die östreichische Negierimg ist nun auch formell in der Lage, diese Küiidignng Ende des Jahres durchzuführen. Aber praktisch kommt Oestreich ohne die Ziistiinmung Ungarns dennoch keinen Schritt weiter. Die Voraussetzung der Kündigung der Handelsverträge ist doch die Feststellung eines autonomen Zolltarifes; aber den kann Oestreich ohne Ungarn nicht fertigbringen. Schon deshalb nicht, weil, entgegen den früheren Vereinbarungen, der autonome Tarif, der jetzt Oestreich und Ungarn gemeinsam ist, nicht weiter gilt, wenn ihn ein neuer nicht ersetzt, sondern nach dem Badcni-Banffy- scheu Ausgleich vor Beginn der internationalen Verhandlungen ein neuer antoiioiner Zolltarif festgestellt sein muß: und diese Fest- stcllung setzt natürlich die Zustimninng Ungarns voraus. Oestreich kann also erklären, daß eS kündigen„ivolle", aber eS kann nicht kündigen: schon deshalb nicht, weil die Verwirrung, die sich mangels iiitcrnationalcr Verträge und mangels eines gültigen Zolltarifes einstellen würde, Oestreich doch nicht minder träfe wie Ungarn. Der Beschluß deS östreichischen Ministerrates hätte nur dann einen Sinn, und dann freilich auch eine große Bedeutnng, wenn sich in ihm der Entschluß ankündigte, der Zoll- g e in e i n s a ni k e i t m i t U n g a r n e i n E n d e z u in a ch e n— aber daran ist in Oestreich und ist insbesondere bei einem Hof- Ministerium wie dem Koerberschen nicht zu denken. So kriegerisch sich also der Schritt der östreichischen Regierung anläßt: es ist dennoch sicher, daß es zu der Kündigung nicht kommen wird. Aber nicht ausgeschlossen ist es, daß die Ungarn, die an der Erhaltung der internationalen Verträge in so hohem Matze interessiert sind, von der Möglichkeit eines Vertrags- losen Ziistandes betroffen werden und sich geneigter zeigen, bei der Herbeiführung eines Zoll« und HandelSbündiiisscS und der Aufstellung des neuen Tarifes die Forderniigen der Oestreicher zu bewilligen. Dann hätte Herr v. Koerber erreicht, was er erreichen wollte. *# Die obige Auffassung unsres KorrespoiideiitenT wird bestätigt durch folgendes Telegramm: München, 25. Juni. Die„Allgemeine Zeitung" bringt ein Telegramm ihres Wiener Korrespondenten, demzufolge das öst- reichische Ministerium nicht schon bestimmt erklärte, es werde den Handelsvertrag mit Dentschland am 31. Dezember 1902 kündigen, sondern vielniehr das östreichische Kabinett sich nur das Recht zur Kündigung gewahrt habe. Es soll dadurch auf Ungarn ein Druck ausgeübt werden, endlich das Hinziehen aufzugeben und ernstlich in die Ausgleichsverhandlung einzugehen.— »• » Deutsches Weich. DnS Gesetz über die ZoNdiäten ist in der letzten Nummer deS„ReichS-Gesetzblattes" und zugleich im„Reichs-Anzeiger" ver- öffentlicht worden. Die Vorlage ist— merkwürdig spät— erst in Krefeld unter- zeichnet worden.— Präsident des OberverwaltnngögertchtS ist der Ministerial- direktor Peters geworden. Er ist 61 Jahr alt. Von 1886— 93 war er nationalliberales Mitglied des preußischen Abgeordneten- hauseS.— GernianisatorlscheS in der Ostmark. Ans Posen wird vom 24. Juni berichtet: Der hier zu einer Uebung eingezogene Lieutenant der Reserve, Regierungsreferendar Freiherr von Massenbach, kehrte heute früh nach 5 Uhr, aus einer Gesellschaft kommend, nach seiner Wohnung zurück. Vor der Hausthür an- gekomnien. schimpfte er über das schlechte Wetter, zog hierauf Plötz- lich eine» Revolver und schoß kurz hintereinander dreimal nach der gegenüberliegenden Mauer. Der dritte Schuß traf den an der dort stehenden Litfaßsäule mit Zcttelankleben beschäftigten Arbeiter, welcher laut aufschrie und die Straße entlang lief. Trotz der frühen Morgenstiinde hatte sich durch das Geschrei des Verletzten bald eine zrößere Menschenmenge eingefunden. Als v. M. die Volksmenge iah, begab er sich nach seiner Wohnung und schoß sich in der Nähe des Fensters in den Mund. Der Tod trat sofort ein. Der verletzte Arbeiter befindet sich außer Lebensgefahr.— Der Thronwechsel in Sachsen hat die sächsische, namentlich die Dresdener Ordnungspresse in einen beängstigenden Zustand der Extase versetzt. Die.gut'gesinnten Blätter-- so wird uns aus Dresden geschrieben— reizen und überbieten sich gegenseitig zu immer überschwenglicheren Lobpreisungen des verstorbenen Königs und seines Nachfolgers. Wollte man Isich aber nur auf Grund der Lektüre der sächsischen Bourgeoisiepresse ein Bild von der Stimmung im Lande macheu, so würde ein richtiges Vexierbild herauskommen. Auf die Anschauung, die die sächsische socialdemokratische Arbeiterschaft über den Trauertrnbel hegt, wollen wir nicht näher eingehen. Sie ist ohnehin bekannt. Weniger bekannt dürfte aber die Stimmung in den Kreisen des sächsischen Adels und der Hofgesellschaft sein. Hier hat es Befremdung erregt, daß Prinz Georg die Königswürde für sich in Anspruch nahm. Man wird sich erinnern, daß Prinz Georg vor mehreren Jahren infolge seines hohen Alters und seiner zunehmenden Schwerhörigkeit auf die Thronfolge zu Gunsten seines Sohnes Friedrich August verzichtete. Der Verzicht wurde bei Bemessung der Apanage berücksichtigt. Die unerwartete Sinnesändernng des Prinzen Georg wird auf den Einfluß des ver- storbenen Königs zurückgeführt. König Albert soll auf dem Sterbebette seinen Bruder Georg durch Handschlag verpflichtet haben, die Thronfolge anzunehmen, weil Friedrich August zu jung für das Herrscheramt sei. In Zusammenhang mit dieser Regelung der Thronfolge wird die plötzliche Abreise des Prinzen und der Prinzessin Friedrich August aus Sibhllcnort am 9. Juni gebracht. Der Erbprinz von Sachsen-Meiningeu und seine Gemahlin sollen vergeblich zu vermitteln versucht haben. Friedrich August steht jetzt im 33. Lebensjahre. Etwas Authentisches über diese Vorgänge dürfte sobald nicht in die Oeffentlichkcit dringen. ES sei denn, daß der am 3. Juli zusammentretende Landtag bei der Bewilligung und Festsetzung der Apanagen die zurückgezogene Ver- zichtleistnng erwähnen sollte. Es verlautet, daß infolge des Todes König AlbertS die Tage des Herrn v. M e tz s ch gezählt seien. Als seinen Nachfolger bc- zeichnet man den Dresdener Oberbürgermeister Geheimen Finmizrat Dr. B e u t l e r. Daß dieser Herr sich der ausgesprochenen Gunst König Georgs erfreut, ist bekannt. In der ersten Kammer war der Dresdener Oberbürgermeister die rechte Hand des Prinzen, der den Vorsitz in der zweiten Deputation des sächsischen Herrenhauses inne hatte. Herr B c u t l e r fungierte als fein Stellvertreter. Thatsächlich machte er die ganze Arbeit und informierte den Prinzen in sehr ge- schickter Weise, so daß sich dieser an ihn gewöhnt hat und großes Vertrauen zu ihm hegt.— Ausland. Die Erkrankung des Königs Ednard. Die Krömmgsfeicrlichkeiten in London sind jäh unterbrochen worden durch die schwere Erkrankung des zu Krönenden. Was seit Jahresfrist vorbereilet war und was zu einer ungeheuren De- monstration für die Macht und den Glanz des britische» Imperiums werden sollte, ist plötzlich in sich zusanmiengebrochen. Die Krankheit des Königs ist überaus ernst. Am DienStag- abend 11 Uhr wurde in London folgendes Bulletin ausgegeben: „Der Zustand des Königs ist so gut. als man nach einer so ernsten Operation erwarten konnte. Seine Kräfte erhalten sich. Es ist weniger Schmerz vorhanden. Seine Majestät hat einige Nahrung genonimen. Es werden noch einige Tage vergehen, ehe man sagen kann, ob der König außer Gefahr ist. Der Krankheitsbericht der Aerzte vom Mittwochvonnittag 10 Uhr 30 lautet: „Majestät war sehr unruhig und schlaflos im ersten Teil der Nacht, hatte aber etwas Schlaf nach 1 Uhr morgens. Der König ist frei von Schmerz, kein ungünstiges Symptom ist auf- getreten und wenn alle Umstände erwogen werden, kann man sagen, daß Se. Majestät befriedigende Forlschritte macht." Auch ein am Miltiuochiiachiiiittag 2 Uhr veröffentlichter Krank- heiisbericht lautet: Der König hat den Vormittag gut verbracht, sein Befinden ist bis jetzt befriedigend. Es ist sehr zu bezweifeln, ob diese offiziellen Mitteilungen nicht zu g Ü n st i g berichten. Der„Preß- Association" wird über die Operation des Königs berichtet: Der Einschnitt, der eine Länge von von fast vier Zoll besitzt, wurde in der Leistengegend gemacht, und zlvar nach aufwärts in schräger Richtung nach außen. Nachdem der Teil, welcher die Verstopfung verursacht hatte, herausgeschnitten war, wurde ein System von Röhren angewendet, um die Eingeweide der Lanzette zugänglich zu machen. Die Operation wurde ohne Komplikationen vollzogen. Der„Morning Leader" erklärt unter Berufung auf einen der hervorrageudsten Londoner Krnnkeiihans. Chirurgen, die Aerzte des Königs hätten eine falsche Diagnose angestellt, als sie Blinddarm- Entzündung aimahmeii. Als Dr. Treeves einen Einschnitt in die rechte Seite des Kranken machte, fand er im Unterleib eine große Ansammlung sanligen Eiters, der entfernt wurde. Die Operation wird als nichtvollendet betrachtet. Es besteht die Frage, ob vielleicht Eiter in das Bauchfell eingedrungen ist.— Berlin, 25. Juni.(K. P. V.) Die Krankheit des Königs ist keineswegs n e u e st e n Datums. Aber die Aerzte haben es stets für ihre Pflicht gehalten, den an sich schon nervösen König nicht durch Aufklärung über seinen eigentlichen Zustand unnötig zu erregen, und so lernte dieser erst die Schwere seines Leidens nach dem letzten Anfalle in Windsor genauer kennen. Als der König sich kürzlich im Lager von Aldershot erkältete, trat eine heftige Diarrhöe ein, welche er entgegen dem Rate seines Leibarztes durch Gewaltmittel beseitigte. Das rief jene Entzündung hervor, die dauu die Darmwaiidungen durchbrach, die umgebeiiden Gewebe afficierte und starke Eiterungen zur Folge hatte. Nach einer Version bestanden diese schon früher, hatten sich aber eingekapselt und gelangten min zum Durchbrach. Der König befand sich im Empsangsalon des Buckiiigham-Palastes, um seine Gäste zu begrüßen, als er plötzlich bewußtlos zusammenbrach und die Operation sofort vorgenommen werden mußte. Der Leibarzt wartete nicht einmal, daß' der Kranke in sein Schlafzimmer gebracht wurde.— lleber die geschäftlichen Folgen der Krönnngsabsage Ivird dem„B. T." aus London geschrieben:„Diese Verichiebung der Krönung, diese Verschiebung auf ungewisse Zeit bedeutet für London eine Katastrophe, deren Folgen für viele gar nicht ab- zusehen find. Die detailliertesten Schilderungen könnten von der Großartigkeit der Vorkehrungen, die getroffen waren, um zahlungsfähigen Leuten den Genuß des Schauspiels zu er- leichtern, kein Bild geben. Ich habe in den letzten Tagen die mehrere Kilometer lange Feststraße wiederholt durchwandert und konstatiert, daß nicht ein Hans existiert, das nicht von oben bis unten umgebaut und umgekrempelt wäre. In jedem Laden, in jedem Geschäftshause sind die Waren in den Hinterzimmern auf- gestapelt, und in den Vorderräumen sind Tribünen gebaut oder mit Hilfe von Bretterwänden kleine Logen oder Voxes eingerichtet, deren jede zu einem Fenster gehört. Ich war in verfaNencn alten Buden, wo man für ein Fenster tausend Mark verlangte, und in großen Häusern, wo jedes Fenster bereits für achthundert Mark ver- mietet war. Jeder Londoner und jeder Fremde, der irgend die nötige» Mittel besitzt, hatte ein Zimmer gemietet und schon seinen Lunch bestellt. Der bekannteste Restaurateur der City konnte seit mehreren Tagen keine Aufträge mehr annehmen. Die Erwartung. daß die Platzprcise sinken würden, hatte sich bis gestern nicht erfüllt, denn noch inimittelbar, bevor die Nachricht von der Verschiebung der Krönung kam, mußte man selbst für den schlechtesten Tribüneiiplatz 40 M. zahlen. London, 25. Juni. Die Londoner Hotels leeren sich mit großer Schnelligkeit. Viele zur Krönung hergekommene Amerikaner haben bereits nach dem Kontinent begeben. Oestreich-Nngarn. Ii» Wiener Genicinderat hat es wieder einen Krawall gegeben. In der Gemeinderatssitzung widmete Bürgermeister Doktor L u« g e r dem KönigAlbert einen warmen Nachruf. Während sich der Gemeinderat erhob, verließen die Socialistcn die Bänke und zogen sich zum Eingange des Saales zurück. Darob erhoben die Christlichsocialen lebhafte Pfuirufe, die von den Socialisten erwidert wurden, und es kam zu minutenlangen Lärmscenen. Das Verhalten der Socialistcn ist geboten gewesen durch die W a h l e n t r e ch t u n g, di.e unter der Ncgierung des verstorbene» sächsischen Königs durchgeführt wurde.— Innsbruck, 25. Juni. Der tirolische Landtag wurde heute vom Statthalter Grafen von Merveldt eröffnet. Dieser drückte in deutscher und italienischer Sprache die Hoffnung ans, daß die Zlntononiicfrage eine Lösung finden möge, die den Frieden im Lande gewährleiste unter Aufrechterhaltnng des Grundsatzes der Unteilbarkeit des Landes und ohne Schädigung wirtschaftlicher Interessen. Brngnara erklärte namens der Italiener, daß diese an den Verhandlungen teilnehmen werden unter dem Vorbehalt, daß vorerst die Beratung der Autonomiefrage erfolge.— Cirkular ganz geheim England. London, 25. Juni. Unterhaus. Campbell Bannerman fragt, ob ei» Brief Milners, in welchem dieser die zeitweilige An Hebung der Verfassung in der Kapkolonie empfiehlt,'mit Ge nehmigung der Regierung geschrieben oder veröffentlicht worden sei Kolonialminister C h a m b e r l a i n antwortet verneinend und fügt Hinz», der Brief bringe die persönlichen Anschauungen Milners zum Ausdruck und sei vor dem Friedensschluß geschrieben worden.— Schweden. Eine Konfiskation hat der Justizminister Hammarskjöld vor nehmen lassen und zwar wurde eine Nummer von„Hallandsposten", einem in Halmstad erscheinenden radikal freisinnigen Blatt konfisziert. Grund dazu gab eine Kritik der Haltung der Regierung und der Ersten Kammer zur Wahlrechtsfrage. Die Zeitung' wird von Viktor Barsen redigiert, der bei der Ergänzungswahl im vorigen Jahre von Radikalen und Socialdemokraten in die Ziveite Kammer gewählt wurde. Anläßlich dieses Eingriffs in die Preßfreiheit erinnert ..Socialdeniokrateu" daran, daß der König im Jahre 1897 de» Vcr tretern der Presse der ganzen Welt gegenüber erklärte:„Di Preßfreiheit ist bei uns praktisch unbegrenzt. Dem Justizministcr Hanimarskjöld blieb es vorbehalten, hierzu den Kommentar zu liefern.— Rnhland. Ein Gcheint-Cirkular WittcS. Die StaatSdrnckerei scheint gegenwärtig mit geheimen Cirkularen des Finanzministers allein alle Hände voll zu' haben. Kein Tag vergeht, an dem der eifrige Socinlistentöter Witte nicht gegen die Arbeiter neue furchtbare Waffen schmiedet. Daß es nur bedruckte Papierwische sind, das scheint ihm nicht zum Bewußtsein gekommen zu sein, denn er wird schwerlich glauben können, daß derartige offizielle Fetzen, Ivie das untenfolgende, die Bewegung auch nur einen Augenblick aufzuhalten im stände sein werden. Das Ding sieht folgendermaßen aus: Das Finanzministerium Einrichtungen für Handel und Industrie usw. usw. Nr. 209. An die Herren Fabrikinspektoren. Die diesjährigen Fabrikunruhen und Vefürchtuiigen, daß sich solche wiederholen könnten, bewegen mich, den Herren Fabrikinspektoren die Hinweise zu bekräftigen, die von mir anläßlich dieser traurige» Erscheinungen, die das ruhige Fließen der Industrie zum Schaden für die Fabrikhcrren und zu»och größeren, Schaden der Arbeiter verhindern, schon mehrmals gemacht worden sind. Die Uu> ruhen in der letzten Zeit werden, wie das schon früher beob achtet worden ist, entiveder von jenen Arbeitern veranlaßt. die von Fabrik zu Fabrik wandern und die infolge ihrer nioralischcn Eigenschaften nirgends eine» festen Sitz erlangen können, oder von Leuten, von denen die Interessen der Arbeiter falsch verstanden weibeti, und die bestrebt sind, künstlich jene Kluft zu schaffen, die zwischen Fabrikant und Arbeiter im Auslände cntstaudcn ist. Die Fabrikiiispektoren, die nahe dem Fabrikleben stehen und die wissen, Ivie� leicht die Masse den Aufreizungen einzelner Individuen zugänglich ist, sie müffen besondere Aufmerksamkeit dem zuwenden. daß den Arbeitern die ganze Ungesetzlichkeit ihrer Unternehmungen erklärt ivird. Als Leute,' die klar die Wichtigkeit der ihnen anserlegten Pflicht erkennen, als gebildete Leute, die mit der Fabrikstruktur so uahe bekannt sind, müssen die Fabrikinspektoren jeden geeigneten Fall ausnützen, um den Arbeitern zum Bewußtsein zu bringen, daß nicht nur die Ungesetzlichkeit der Forderungen sondern sogar das Streben nach Erlangung gesetz licher Rechte, aber auf ungesetzlichem, gewaltthätigen Wege, unumgänglich nicht zur Verbesserung wohl aber zur Ver« schlechtcrnng ihrer Lage � führen wird, weil die Regierung unter solchen Umständen nicht die Verwirklichung der Wünsche der Arbeiter zulasse» kann, selbst in dem Fall, wenn die Fabrikanten unter dem Einfluß von Drohungen oder ans Gutherzigkeit sich ein- verstanden erklären, eiitgcgenzukomme», und daß das Gesetz dazu da sei, wie die Rechte und Jiitercssen der Fabrikanten so auch die der Arbeiter zu schützen. Ich halte es für notwendig, die Fabrik Inspektoren auf die Stimmung der Arbeiter in ihren Rayons auf- merksam zu inachen und schlage ihnen vor, alle Mittel zur Be seitigung derjenigen Verhältnisse des Fabriklebcns i» den einzelnen Unternehmungen, die zu Streiks führen könnten, zn ergreifen. lieber alle Maßregeln, die zur Niederwerfung von Aiifslnndsbewegungen oder Unruhen von den Fabrikiiispektoren uiiternomme» werden, müssen sie unverzüglich dem Gouverneur oder dem Stadthanpt oder dem Ober-Polizeimeister Mitteilung macken. Zu gleicher Zeit damit wird de» älteren Fabrikinspektoren' die Pflicht auferlegt, rechtzeitig dem Gonvernenr nnd dem Departement für Industrie über jede Er« fcheiming in dem örtlichen Fabrikleben, die in dieser oder jener Be- ziehung mit der Stimmung der Arbeiter in Zusammenhang steht, Bericht zu erstatten. Der Fiiianzminister: Staatssekretär Witte. Der Chef der Abteilung: N. L a» g o w o i. rcvieren Gelegenheit genommen, sich aus den zuverlässigsten Quellen über die jetzige Lage der wichtigsten Zweige der rheinischen Industrie zu unterrichten. Man wird in derAnnahme nicht fehlgehen, daß Seine Majestät dabei von der gegenwärtigen Lage wichtiger Industrie« zweige folgendes Bild gewonnen hat: Die Textilindustrie ist von der Absatz- und Verkehrsstockung nicht entfernt so betroffen Ivorden, wie andre Zweige der Industrie. Sie hat die rückläufige Konjunktur längst überwunden und befindet sich zur Zeit in einer durchaus befriedi genden, zum Teil selbst guten Lage. Die Eisenindustrie hat um- gekehrt allerdings am schwersten unter dem Rückgange der Aufnahme fähigkcit des heimischen Marktes gelitten. Sie hat sich aber durch energische Förderung des Absatzes'in das Ausland vor allzu großen Produktionseinschränkungen zu bewahren gewußt und ist, wenn auch vorläufig noch keine günstige Konjunktur zu verzeichnen ist, sehr wohl im stände, in der bisherigen Ausdehnung ihren Betrieb in wirb schnftlicher Weise aufrecht zu halten. Von Arbeitcrentlassungen ist nicht die Rede. Die Werke erfreuen sich ausreichender Beschäftigung wenn auch die Erträge natürlich sehr mäßig sind. Zu irgend ivelche'n pessimistischen Anschnnungen in Bezug auf die Zukunft' liegt mithin nicht der mindeste Anlaß vor." Es mag schon richtig sein, daß die„znverlSssigstc» Quellen" die wirtschaftliche Lage der rheinische» Industrie in der angegebenen Weise dargestellt haben! und wenn das geschehen ist, haben sie gewiß nicht unrichtig geschildert, mir ist gerade nichts Neues, was Herr Schwein bürg als Ergebnis der kaiserlichen Informationen zu berichte» weiß. Daß die Textilindustrie weniger unter der Krise gelitten als die Eisen- Industrie, daß letztere durch Abstoßungcn ihrer Vorräte nach dem Auslände einigermaßen den Betrieb aufrecht zu erhalten vermochte. und daß ferner, wenn es ihr auch jetzt noch kcinesivegs wohl geht. doch später auf Besserung ihrer Lage zu rechnen ist, dürfte auch bisher schon jeder gewußt haben, der mit einiger Aufmerksamkeit eine Zeitung liest. Der SpirituSring bereitet, wie die„Frankst Zeitg." erfährt. eine neue Preissteigerung vor. Er will, falls sich 85—90 Proz. der Brenner zu einer f'reiivilligen ProdnktionseinschrSnkuna von 15 bis 20 Proz. erklären, den Brennern statt des jetzigen Preises von 30 M. künftig 35 bis 36 M. geivährcn. Der Ring hat anscheinend zu der Produktionsvermindcrung durch die letzte Brauntweinstener-Novelle iveuig Vertrauen, und möchte auch seine großen Bestände, die au eine Million Hektoliter geschätzt werden, am 1. Oktober möglichst hoch ausbringen. Monopol- Bestrebungen der„Deutsch- Nmerikmiische» Petroleum- Gesellschaft". Der deutsche Ableger der Nockefeller- scheu Standard Oil Co., die Deutsch- Amerikanische Petroleum Gesellschaft zu Bremen hatte an das sächsische Staatsministerium das Gesuch gerichtet, ihr auf bestimmten Eisenbahnstationen, namentlich im Osten Sachsens, Plätze zur Anlegung kleiner Petrolennitanks von etwa 25 000 Kilogr. Inhalt zu überlassen.' Aus den Tanks soll das Petroleum in Fässer oder Straßenkesselwagen geleitet werden, in denen die Gesellschaft das Petroleum ihren Abnehmern zuführen will; jedoch sollten nur Mengen von 20 Liter aufwärts abgegeben werden, und zwar im allgemeinen an Wiederverkäufer. Die Ausnutzung der Tank anlage will die Deutsch- Amerikanische Petroleum-Gesellschaft gegen Provision au Privatunternehmer übertragen. Die Gencraldirektio» der Staatseiscnbahnen hat hierzu die Ansichten der Handelskammer zu Dresden eingeholt. Sie ist nach genauer Erörterung zu der Ansicht gekommen. daß die Petroleum- Gesellschaft das' Monopol im Petroleumhaudel an den betreffende» Orten z» schaffen geeignet iei und dadurch der am Petroleum beteiligte Groß- und Kleinhandel er- heblich geschädigt werde. Die Kammer glaubt auch, daß»ach Er- reichnng des Monopols viel eher eine Verteuerung als eine Ver> billignng des Petroleums zu erwarten sei. Die Kammer hält es aber nicht für richtig, daß durch behördliche Maßnahme» daS Vordringe» der mit ausländischem Kapital arbeitende», ihren Nutzen zum größten Teil an das Ausland abgebende» Gesellschaft zum Nachteil des heimischen Handels und Gewerbes. und schließlich auch zum pätcre» Nachteil der Verbraucher gefördert werde. Die Dresdener Handelskammer hat deshalb beschlossen, der Staatseisenbahn zu empfehle», dem Gesuch der Dcutsch-Amerikanischen Petroleun,- Gesellschaft u»r Ueberlassung von Plätzen auf sächsischen Eisenbahnen zur Anlage von Tanks nicht stattzugeben. ES ist mit Sicherheit anzunehmen, daß die Generaldircktion die Meinung der Handels kammer zu der ihrigen mache» wird und die Bittsteller mit ihrem Gesuch abweist. Ucber die Lage auf dem iuteruatioulae» Arbeitsmarkt chreibt die„Arbeitsmarkt-Korrespondenz": Die lebhaften Züge, die im März und April das Gepräge des internationalen Arbeitsmarktes aufwies, sind im Mai wieder ge schwunden und haben einer Stille Platz gemacht, die in andren Jahren nur im Hochsommer zu herrsche» pflegt. Ganz charakteristisch kommt diese unerfreuliche Abweichung in der Lage des Arbeits Marktes in England zum Ausdruck. Im vorigen Jahre sank der Prozentsatz der Arbeitslosen von 3,8 im April auf 3,6 im Mai; in diesem Jahre stieg er von 3.9 auf 4.0. Die Zunahme der Arbeitslosigkeit ist namentlich auf eine Verschlechterung de« Geschäftsganges im Maschinengetverbe und im Schiffsbau zurückzuführen, die durch eine leichte Besserung im Textih gewerbe nicht ausgeglichen werden konnte. Mit der Ver> ringerung der Arbeit wirkte aber gleichzeitig eine Hcrab> 'etzung der Löhne nachteilig auf den Geschäftsmarkt ein. Nicht weniger als 250 000 Bergarbeiter mußten Lohnherabsetzungen in der Höhe von 5—10 Proz. über sich ergehen lassen. In Frankreich ist zivar der Prozentsatz der Beschäftigungslosen von 11 auf 10,5 zurück- gegangen. Aber diese Mchrbeschäftigung ist mit Lohnminderungen erkauft: in den nördlichen Bergwerken zogen die Bergleute den Verzicht auf die bisherigen„Prämien" sin Höhe von 10 bis 15 Prozent des Lohnes) der Ablegnug vor. Günstig bleibt in Frankreich nach wie vor im Gegensatz H» Deutschland der Beschäftigungsgrad in der Wollbranche. Spinnereien und Kämmereien sind' im Bezirk Roubaix recht gut beschäftigt; auch die Textilarbeiter in der Seide» industrie Lyons haben gegenüber den Arbeitern andrer Gewerbe über Beschäftigungsinangel nicht zu klagen. In Oestreich arbeiten Zechen, Eisenwerke, Zuckerfabriken, Mälzereien, auch Textilbetriebe noch immer verkürzt, während in Ungarn die Belebung des ge werblichen Geschäftsganges auch den Stand des ArbeitSmarktö günstig beinflußte. SIfrlka. AuS Pretoria wird gemeldet: Gestern wurde eine Anzahl Verfügungen, betreffend die Verwaltung und die Gerichtsbarkeit von Transvaal veröffentlicht.— In Bloemfontcin traf gestern Lord Milner ein, um die neue Verfassung für den Oranjestaat feierlich einzusetzen. De Wet wohnte der Ceremouie bei.— Dsvler-MAchvittzken. NuS der Partciprcsse. Der Chefrcdacteur unsreS Erfurter Parteiblattes. Max Grunwald, ist von der Redaktion dcS Blattes zurückgetreten; an seiner Stelle übernimmt Bruno Sommer die Leitung des Blattes. Aus«ttd Auch eine Prest-Lcistung. Die Schweinburgschen„Potitischen Nachrichten" bringe» in ihrer letzten Nummer folgende kuriose Notiz: „Daß Se. Maj. der Kaiser das lebhafteste Interesse an dem Gedeihen der deutschen Industrie nimmt, ist ebenso bekannt, wie daß er mit größter Sorgsamkcit deren Gang und Entwicklung in der jetzigen schivierige'n Zeit verfolgt. So hat er auch bei dem füngsteil Aufenthalt in den rheinisch- westfälischen Industrie» Vierte GeiterMrsamlW des Verbaudes der dcutsljeil LuGnilker. München, 24. Juni 1902. In der heutigen Sitzung wird der ziveite Gegenstand der Tage? ordmmg„Beratung der Abänderungsanträge zum Statut" in Angriff genommen. In der Generaldiskusfion wird die Frage erörtert, ob es zweck- mäßig sei, von VcrbandSwege» eine Witwen- und Waifen-Unter- 'tiitzungskasse z» gründen. Die Meinungen sind sehr geteilt. Ein chroffer Gegner deS ganzen Plaues ist G i e s e ck e- Berlin, wie überhaupt die Berliner Mitgliedschaft. Gicsecke wünscht, daß man sich gründlich über die Frage ausspreche, aber nur um sie endgültig zu begraben. Damaschke- Hamburg. Betten Worth- Mecklenburg und Schlag- Breslau propagieren den Gedanken der Witwenkasse. E i f l e r- Berlin wendet sich nameuS der VerbaiidSleitung energisch gegen die Gründung. Ohne erhebliche Erhöhung der Beiträge sei es nicht möglich, die Kasse zu gründen. Das Priucip hoher Beiträge dürfe aber auch nicht übertrieben werde», sonst stoße man die Mitglieder ab. Principiell müsse man den Standpunkt vertreten, daß die Gewerk- chaft über den Tod des Mitgliedes hinaus nicht zu sorgen habe. 1 n i e- Stuttgart ist der Ansicht, daß der Plan nicht von der Hand zu weisen ist.' Man brauche nicht den Witwen ein sorgenfreies Dasei» zu schaffen, eS genüge ein Rotgroschen von monatlich 10—12 M. Nach längerer weiterer Diskussion wird beschlossen, den o r st a n d zu b e a u f t r a g e u, in den nächsten drei Jahren bis zur nächste» Generalversammlung rechnerische Grund- lagen für die Möglichkeit der Errichtung einer Witwenkasse zu beschaffen. Eine längere Diskussion entsteht über den Antrag des Korrektore n vereins-Berli n, den Korrektoren, die nicht gelernte Buchdrucker find. die Möglichkeit der Mitgliedschaft beim Verbände zu gewähren. Bon verschiedenen Seiten wird gesagt, daß die Abweisung der Korrektoren z ü u f t l e r i s ch erscheinen müffe. Vom Vorstande wird empfohlen, im Statut zu sagen:„Korrektoren können in den Verband mit Eiuverstäudnis des Gau- und� Centraivorstandes aufgenommen werden." Man könne dann in jedem einzelnen Falle prüfen. Wenn man neue Wege beschreiten wolle, so solle man zunächst mit einiger Vorsicht vorgehen. Die Generalversammlung macht dem Vorschlag Döblins entsprechend de» Eintritt von Korrektoren in den Verband vom Einverständnis des Gau- und Central- vorstandesabhängig. Ein Antrag der Mitgliedschaft Elberfeld wendet� sich gegen den letzten Passus des§ 5:„In außergewöhnlichen Fällen erfolgt die Ausschließung durch den Verbandsvorstand mit Zu- stiminung der Mehrheit der Gauvorstände." Graßmann- Solingen nennt diese Bestimmung eine» Diktatnrparagraphen, der vielleicht in bewegter Zeit einmal notwendig war, jetzt aber ebenso wie der elsaß« lothringische Diktaturparagraph überflüssig geworden sei und nur böses Blut mache. Hilde nbrand- Stuttgart spricht für Aufrechterhaltnng des Satzes. Durch das Erfordernis der Zustimmung der Mehrheit der Gauvorstände seien weitgehende Garantien geschaffen. D ö b I i n meint, der Verband gewährleiste jede Freiheit; nur die Freiheit, den Verband zu schädigen, sei zu beschränken. Der Antrag Elberfeld wird hierauf gegen wenige Stimmen abgelehnt.— Der folgende Antrag des Verbandsvorstandes wird e i n st i m m i g angenommen: Als neue Absätze sind am Schlüsse dem Statut anzufügen: „Durch das Erlöschen der Mitgliedschaft deS einzelnen Mitgliedes wird der Fortbestand des Vereins nicht berührt. Weder während der Mitgliedschaft, noch nach dem Erlöschen derselben steht den einzelnen Mitgliedern oder ihren Rechtsnachfolgern ei» Anspruch auf Teilung deS Vereinsvermögens oder auf Ausantwortung eineS Anteiles an demselben zn und zwar weder während des Bestehens noch nach der Auflösimg des Vereins. Die'Anwendung der 88 738—740 des Bürgerlichen Gesetzbuchs wird ausdrücklich ausgeschlossen; der Fall des§ 725 des Bürger- lichen Gesetzbuchs steht dem freiwilligen Ausscheiden gleich. Beiträge oder sonstige Leistungen, die während der Dauer der Mitgliedschaft fällig wurden, sind trotz Beendigung derselben zu zahlen." Die geuaunten Paragraphen des Bürgerlichen Gesetzbuches geben einzelueu Mitgliedern das Recht, eine Teilung des Vereuisvermögeus und eine Auflösung des Verbandes herbeizuführen. Um das zu vcr- hüten und zu verhindern, daß. nachdem darauf hingewiesen worden ist. ansgeschlosiene Mitglieder noch m letzter Stunde diese Handhabe des Bürgerlichen Gesetzbuchs benutzen, beschließt die Geueralversamm- lung, die i» dem Autrage niedergelegten Bestimmungen sofort nr i t d c m 24. I n u i 1902 in Kraft treten zu lassen. Eine Anzahl Anträge bezweckt eine Verminderung der Delegierte n zahl auf der Generalversammlung. Bisher haben Gaue bis zu 300 Mitgliedern einen Delegierten zu entsenden und für je weitere 300 Mitglieder einen weiteren Delegierten. Seitens des Vorstandes wird der Antrag unterstützt, für je 500 Mitglieder einen Delegierten zu entsenden. Lebhaften Widerspruch erregt ein Antrag, den Ganvorstehern das passive Wahlrecht zur Generalversammlnug zu nehmen. Es wird hervorgehoben, daß man nicht Mitglieder zweiter Klasse schaffen dürfe, daß im übrigen da« Mißtrauen gegen die Ganvorstehcr wenig hübsch sei. G i e s e ck e- Berlin nennt diesen Aulrag einen AnSflnß von großer Undankbarkeit gegen die Verbands- "nnktionäre. Es wird schließlich der Antrag angenommen, auf je 400 Mitglieder in Zukunft einen Delegierten zur General- Versammlung zn wählen. Entsprechend dem vorhin angenommenem Antrag, betreffend die Teilung des VcreiuSvcriuögeus lvird auf Antrag des Voxsjagb� 8 37 wie folgt gefaßt:„Bei einer Auflösung deS Verbandes be- 'chließt die Gcuerälvcrsaiumluug über die Verwendung deS Verbands- Vermögens. Letzteres geschieht auch, wenn der Verband geschlossen wird. An die Debatten über die Statntcnändeningen schließt sich eine GeneraldiSkussion über Reise- und Arbeitslosen- Unter- 't ü tz u n g. ES liegen mehrere Anträge auf Erhöhung der Reise- und Ar- beitSlosen-Uiitcrstützuug vor, obwohl im letzten Jahre ein Deficit vorhanden war. Das VerbaiidSvermögen hat sich zwar nicht ver- mindert, aber die Zinsen deS Kapitals mußten zur Deckung des DeficitS verwendet werden. Für die nächste Zeit besteht sogar die Wahrscheinlichkeit, daß daS Vermögen selbst angegriffen lverden muß. E i f l e r sBerbaudSkassierer) bittet alle auf Erhöhung der Unter- tiitzuugsgelder abzielenden Anträge im Hinblick auf die ungünstige Finanzlage abzulehnen. Allzu hohe Arbeitslosen« Unterstütziing ei eine falsche Maxime, sie dürfe nur so bemessen werden, daß die Arbeitslosen vor bitterster Not geschützt werden. Die Politik der Zuschußkasseu sei eine falsche; sie führe dahin, daß gewiffen Elementen an der Arbeit nichts mehr liegt. In Berlin hat sich eine Gesellschaft angesammelt, die es direkt als Beleidigung ausfaßt, wenn man ihr Arbeit nachweist. Bei allen uusren humanitären Bestrebiingen bilden ich E i t e r b e n I e n, die ausgeschnitten werden müssen, wenn der moralische Wert der Organisation aufrecht erhalten werden soll. In der sehr lebhaften Diskussion wird vielfach verlangt, daß wenigste»« eine Erhöhung des Sterbegeldes festgesetzt werde» soll. Von verschiedenen Seiten wird diese Fordernug aber bekämpft mit dem Hinweis, daß die Gewerkschaft nicht über den Tod des Mit- gliedcs hinaus sorgen brauche. Lebhaften Widerspruch finden An« träge, welche vom Verband eine Uiiterstiitzung der zum Militär Ein- gezogeneu verlangen. Es wird betont, daß der Verband doch nicht »direkt den Militarismus unterstützen könne, die Unterstützung in olchcn Fällen müsse Sache des Staates bleiben.� Eine längere Er- örterung wird der Frage der internationalen Reise-Unterstützung ge- widmet, lieber die Mangelhaftigkeit der internationalen Regelung wird dabei sehr geklagt. Die Diskussion über alle Anträge, die auf eine Belastung des Vereinsvermögens hinausgehen, wird geschlossen. Alle diese Anträge werden durch Uebergang zur Tagesordnung erledigt. Eine längere Erörterung knüpft sich an den Autrag, die Karenzzeit "ür ausgetretene und wieder eintretende Mitglieder zu verlängern. Der Antrag soll die Fluktuation der Mitglieder einschränken. Der Antrag gelaugt zur A n n a h m e. Mit der Verlesung einer Anzahl Begrüßnngstelegramme wird die heutige Sitzung geschlossen. Prozetz Sauden irnd Genossen. E i n u u d z w a n z i g st e r Tag. Landgerichtsdircktor H e i d r i ch eröffnet die Sitzung um 9 Uhr. In der heutigen Sitzung beschließt der Gerichtshof zunächst, den Antrag auf Verlesung des vom Regierungs- Baumeister May über Skutari erstatteten Bericht« ans prozessualen Gründen abziilebnen. Alsdann wird der frühere Prokurist der Firma Anhalt u. Wagner, Max Gädr. vernommen, der seit 1899 dort lhätig war. Nach seinen Bclundmigeii betrug der Jahresumsatz 1899, obgleich er sehr solide Gnindsätze in der Verwaltung hochhielt, etwa 300 Millionen Mark. Er habe eine sehr gute alte Kundschaft vorgefunden und die Firma stand mit den ersten Häusern Rußlands, Englands, Fraukreichs, Amerikas und der Schweiz in Verbindung. Er habe die feste Ueberzeuguug gehabt, daß da« Geschäft auf sehr lukrativer Basis beruhte und nach jeder Richtnng hin lebensfähig war, daß aber die Betriebsmittel vermehrt werden mußten. Generalkonsul Schmidt sei in jeder Be- ziehung ein lieber und guter Chef gewesen, der de» beste» Willen hatte, alles z» übersehen. Dies war ihm aber nicht immer möglich, da er mit den börsentechnischen Verhältnissen»icht mehr recht Bescheid tvlchte und oftmals auch durch anderweite Verpflichtungen Krank- heit ec. Tage lang vom Geschäft ferngehalten wurde. Nach seiner Anficht befand sich Generalkonsul Schmidt nicht ganz auf der Höhe. um ein so grohes Geschäft zu leiten. Der Zeuge selbst hat die feste Ansicht gehabt, daß das Geschäft sich mit eignen Mitteln durchaus halten könne, und daß er, wenn 2 bis 3 Millionen Kapital hineingesteckt wurden, im stände sei» würde, die Firma Anhalt u. Wagner wieder auf die Höhe dcS alten Glanzes zu bringen. Richtig ist eS, wie der Zeuge auf eine Frage Otto Sandcns bekundet, daß Anhalt u. Wagner oft infolge plötzlicher Dispositionen ihrer Kundschaft des Vormittags schnell Summen in Höhe von 2—300 000 M. brauchten, die am Nachmittag zurück- gegeben wurden. V e r t.: Kommt es nicht in jedem großen Bankgeschäft mal vor, daß es in einem gegebenen Augenblick knapp an' Mitteln ist?— Zeuge: Gciviß. Dazu hat man ja dann'die Neichsbank, bei der man in solchen Fällen lombardiert.— Bert.: Ist es dem Zeugen bekannt, daß auch andre große Bankinstitute mit ciiiem großen Optimismus an industrielle Unternehmungen herangegangen find, der sich nachher nicht als zutreffend erwiesen hat?— Zeuge: DaS steht ■ ifi. Man weiß immer den Anfang eines Geschäfts, aber nie das Ende.— Justizrat Stern: Es ist doch allgemein bekannt, daß ein so großes, hochangesehenes Bankinstitut wie die Diökontogefellschaft beispielsweise an der Dortmunder Union mehr verloren hat, als bei allen hier in Frage stehenden Instituten in Frage steht.— Zeuge: DaS läßt sich nur beantivortcn, wenn man den Salinq zur Hand hat. Auf Befragen des Rechtsanwalts Bernstein äußert sich Kommerzienrat Lucas dahin, daß der Verlust der Eigentümer der Dortmunder Union- Aktien im Laufe der Jahre auf 50 Millionen Mark angenonimen werden könne, soivie, daß Institute vom Range der Diskontogesellschast den von ihnen patronisierten Instituten ihr Interesse so lauge bewahren, als sie in betreff der Lebensfähigkeit derselben bona fide sind. Jnstizrat Dr. Sello: Die Verteidigung hält die Konstatierung für ivertvoll, daß es eine Anftandspflicht der Bankinstitute ist, ein industrielles Kind, welches sie in die Welt gesetzt, so lange zu halten, bis sie an seiner Lebensfähigkeit verzweifeln. Ebenso wird davon Akt zu nehmen sein, daß die von der Diskonto-Gesellschaft an der Dortmunder Union erlittenen Verluste ans den Geschäftsberichte» und der Bilanz der Gesellschaft nicht ersichtlich sind. Als besonders kennzeichnend für die Beziehungen deS Angeklagten Eduard Schmidt zur Preußischen Hypothekenbank verweist die Anklage auf die im Januar 1397 erfolgte Beleihimg deS Grundstücks Brüdcrstraste 5/6 mit einer Hypothek von 400 000 M., deren Valuta nach der Be- Häuptling der Anklage im Interesse des Angeklagten Ed. Schmidt verivandt sein soll. Zir jener Zeit hafteten auf dem Grundstücke bereits 1050 000 M. Hypotheken, so daß die Preußische Hypotheken- Aktienbank mit 1450 000 M. auslief. Die Anklagebehörde verweist deni gegenüber darauf, daß die Mietscrtrnge pro 1897 39 953 M. betrugen, und diese Summe um fast 20 000 M. hinter den jährlich zu zahlenden Hypolhckcnzinscn zurückblicb. Das allein ergebe schon die Widcrsinuigkeit der Belcihnng. Eine im Dezember 1899 im Auftrage der Deutsche» Grundschuldbank angefertigte Taxe hat das Grundstück zivar aus 2 024 800 M. bewertet, Staatsanwalt Beeck verweist aber auf eine Taxe des vereideten Kreistaxators Zoche vom 10. Juli 1901, tvelcher nur einen Wert von 733 065 M. herausgercchnet habe. Ueberdies sei der Angckl. Ed. Schmidt schon im Oktober 1897 mit den an die Preußeiibank im voraus zu zahlenden und fälligen Ouartalszinscn in Höhe von 38 000 M. rückständig geblieben. Staatsanivalt Beeck läßt zum Beweise hierfür mehrere Mahnungen verlesen, durch die der Angckl. Ed. Schmidt zur Zahlung der Hypolhckenzinsen aufgefordert ivnrde. Angeklagter Ed. Schmidt erklärt, daß er daS Grundstück seinerseits stets für zivci Millionen Mark Ivcrt gehalten habe und daß eS bei der augenblickliche» Nichtzahlung von 38 000 M. Zinsen sich nur um ganz harmlose Zufälligkeiten handeln konnte; enie Verlegenheit, die Zinsen nicht zahlen zu können, habe' jedenfalls nie vorgelegen. Bei der Hypothek von 400 000 M. handle es sich doch nur um eine Transaktion, die den Zweck hatte, daß er sich bezüglich seiner Ein- läge in das Kommanditgeschäft über seine Verpflichtung hinaus noch persönlich der Prentzenbank gegenüber binden ivollte.' Die Summe von 400 000 M. hatte er sich jederzeit von andrer Seite oder aus den Mitteln seiner Frau beschaffen können.— Die Taxatoren des Grundstücks sollen morgen über den Wert desselben vernommen werde». Zur Besprechung gelangt dann ein Fall der Untreue, bei tvelchem Otto Sande», Alexander Hänschke und Eduard Sauden interessiert sind. Der Fall betrifft die Regulierung des Nachlasses des im Jahre 1893 verstorbene» Direktors der Aktiengesellschaft für Grund- besitz- und Hypotheken-Vcrkehr, Heinrich Sauden. Die Anklage be- hanplet, daß als der Nachlast Heinrich SandenS an die Erben verteilt»verde» sollte, sich in den Büchern der Aktien- gesellschaft ein Conto„H. Sauden Nachlaß" befunden und einen Schuldsaldo von 464 568 M. anfgelvicsen habe. Um diese» Schuld- saldo anS der Welt zu schaffen und den Erben noch Vermögen ziizn- wenden, habe eine Transaktion zu Ungunsten der Aktiengesellschaft stattgefunden. Dreizehn Hänser, welche zimi Nachlaß gehörten, seien au die Nene BerlinerBangescllschaft verkauft tnd zlvar zu übermäßig hohem Preise. Die hieraus entstandene Forderung der H. Sandenschen Erben an die Neue Berliner Ballgesellschaft habe die Aktiengesellschaft zur iveiteren eigenen Verfügung übernommen, habe die H. Sandenschen Erben für ihre Schulden auf dein Abtvickelungsconto entlastet und der Schlnßeffekt sei gctvcscn, daß die Erbe» ihre Schulden von 464 568 M. losgeworden seien und noch 239 083 M. bar aus den .Mittel» der Aktiengesellschaft erhalten haben. Angeklagter O t t o Sauden erklärt, daß ihm gerade in diesen, Punkte in der Presse infame Vorwürfe gemacht seien und giebt eine ulnfangreiche Snchdarstelllliig, um zu zeigen, das; der Thatbestand falsch dargestellt sei und ihn keinerlei Vorwurf treffe. Von einer Bcnachteilignng der Neuen Berliner Ballgesellschaft könne gar keine Rede sein. Die Aktiei, gesellschaft habe bei der Transaktion kein schlechtes Geschäft gemacht und er habe bona üäo gehandelt. Die Angeklagten Hänschke und Ed. Sauden schließen sich diesen Aussi'ihnlngen an. Das Thema soll iveiter verhandelt»Verden,»venu die Bau- sachverständigen mit ihren Taxen fertig sei»»verde». Eduard Schmidt schwachfinnig. Hierauf»vird Erich Schmidt, der Sohn des Angeklagten Eduard Schmidt, vernommen. Er bestätigt, daß die Spannkraft seines VaterL schon in den Jahren 1896— 97 nachließ nnd die geistige Auffassnngsfähigkeit desselben insolge schlvercr Krankheit abnahm. Er habe sich für verpflichtet gehalten, mir Rücksicht auf sejne Beob- achtnngcn, die er über den Gesilndheitsznstand»lud die Gedächtnis- schwäche seines BaterS gemacht, dein väterlichen Geschäft seine Kraft zu weihen. Otto Sailden habe sich sehr darüber gefreut und ihm die Versicherung abgegeben, daß er in ein sehr schönes Geschäft, in ein gut gemachtes Bett hineinkomnie. RechtSnmvalt Dr. R o f e u st o ck, der Jahre hindurch der An- »valt deS Generalkonsuls Schmidt»var, bekundet, daß er sich im stillen inauchmal darüber geivundcrt habe,»vie dieser ein solches Geschäft habe führen können. Er habe den Eindruck gehab», daß Generalkonsul Schmidt sich einfach auf daS Schalten nnd Walte» fremder Leute verließ. Auch der praktische Arzt Dr. Jausen, der seit 1895 mit der Familie Schmidt in beruflicher Verbindung steht, bestätigt, daß nach seinen Wahruehninugen der Angeklagte Eduard Schmidt in seiner Denk- und Ansfassungskraft nicht auf besonderer Höhe stand. Aehnliche Wahrnehiniliigen habe übrigens auch Excellenz v. Bergmann geinacht, als er eine jchwere Operation an dem Angeklagten vornahm. Der Zeuge hat auf Grund dieser seiner Wahrnchninngen dem Sohne Herrn Erich Schmidt angedeutet, daß er sehr wohl daran thäte� Verantivortlicher Redacteur: Carl Leid in Berlin. Lür de» Jnserateule seine militärische Karriere aufzugeben und seinen Vater im Geschäft zu unterstützen. Auf Befragen des Vorsitzenden erklärt Angeklagter Heinrich Schmidt, daß auch er der Ansicht sei, daß Gencralkonsnl Schmidt schon seit mehrereil Jahren in geistiger Beziehung sich nicht»nehr auf der Höhe befunden habe. Angekl. Ed. Sauden: Er sei darüber nie recht zu einer Klar- heit gekommen. Präsident� Wie reimt sich das aber mit der Thatsache zu- sammen, daß Ek. Schmidt fortgesetzt Delegierter des Aufsichls- rats war. Zum Schluß der gestrigen Sitzung erklärte Staatsanwalt Beeck im Anschluß an frühere Andeutungen der Verteidigung, daß er in der Lage sein werde, die sämtliche» Herren der staatlichen Rcbifionökoininission als Zeugen vorladen zu müssen. Die Herren seien gewiß durchlveg Sach- verständige, die doch zivcifelloS die Wertabsetzungen in den Liqnidationsbilanzen bona ticke gemacht haben. Da' diese Taxen nicht als richtig von der Verteidigung anerkannt»verde», so halte" er es im Interesse der Herren liegend, daß sie vor Gericht ihre Ab- schätzungen vertreten»md erklären, ans»velchen Gründen sie die Werte herabgesetzt haben. Er möchte die Herren vor versteckten Vor- »vürfen schützen. Die Verteidiger erwidern, daß irgend ein Vorlvnrf noch gar nicht erhoben»vorden sei. Die Vernehinung der Herren, mit der ja dann die Prüfung jeder einzelnen hypothekarischen Beleihung verbunden fein müßte, Ivürde sich erübrigen, da die Verteidigung zugebe, daß in den Liguidatiöns- bilanzen die Zahlen enthalten seien, die der Anklage zu Grunde liegen. Die Verteidigung stehe aber auf dem Standpunkt, daß manche Werte nicht richtig erkannt seien,»vie sich in vielen Fällen aus den später stattgefnndenen eignen Verkäufen der sanierten Gesellschaften erlveiscn lasse. Die Verteidiger machen den Vorschlag, vorläufig einmal eine ganze Reihe von solchen Fällen, in denen eine Nachprüfung stattgefunden, vorzuführen und bis dahin die Frage, ob die Herren der Revisionskommission als Zeugen vorzuladen seien oder nicht, zu vertagen. Der StaatsaMvalt erklärt sich hiermit einverstandei». Nachdem noch Rechtsamvalt Thurm seinen Schriftlvechsel mit dem Untersuchungsrichter Dr. Müller über die Frage, ob es ihm zu gestatten war, einen AktcnauSzng seinem Klienten zuzustellen, ferner seine Beschlverde über die ablehnende Haltung des UntersuchungS- richters und den zurückiveisenden Bescheid der Beschiverdekammer vor- getragen, vertagt der Vorsitzende die weitere Verhandlung auf Donnerstag 9 Uhr._ GeioeeltsAMfllitszes. Berlin nnd Umgegend. Zur Lohnbewegung der Bauarbeiter»vird mitgeteilt, daß an» Milttvoch noch auf 14»v c i t e r e» B a u t e n die neuen For- derungen b e»v i l l i g t sind. Im ganzen»vird jetzt also auf circa 60 Bauten zu den neuen Bedingungen gearbeitet. Der Ausstand erstreckt sich auf 60 Bauten, 17 mehr als am Dienstag. Auf der Gasanstalt zu Nixdorf haben 20 Maurer die Arbeit niedergelegt, weil sie nicht mit arbcitslvilligcn Bauarbeitern zusammen arbeiten»vollen»vegen der durch letztere hervorgerufene Lebensgefahr. Bei dem Unternehmer M L b n S in der Pankstrafe haben 100 Tiefbau- Arbeiter die Arbeit eingestellt; sämtliche Ausständige haben sich der Organisation angeschlossen. Die Polizei ist auf dem Posten. DaS»vnrde den zur Zeit streikenden Bauarbeitern recht deutlich vor Augen geführt. Kaum »var der Streikbeschluß bekannt geivordeu. so erschienen in Schöne- berg und in Charlottenburg Polizcibeamte auf den Baute», um zu frage», ob daselbst gestreikt werde. Ob die Polizei durch derartige Nachfragen das Material für die amtliche Streikstatistik zusammen- tragen»vill, oder welcher Ursache ihr Wissensdrang entspringt. mag dahin gestellt bleiben. Ein andrer Fall dagegen, wo ein Schutzmann ans der Bildfläche erschien, ist ziveifellos der Polizei- lichen Fürsorge für et»ua zu schützende Arbeitsivillige zuzuschreiben. Als nämlich die Bauarbeiter auf mehrere» Bauten in der Schlüter- nnd der Mommsenstraße die Arbeit niedergelegt hatten nnd infolge- dessen auch die Handtverker«icht iveiter arbeiten konnten, rückte sofort ein Schutzmann hoch zu Roß heran und nahm vor den be- treffende» Bauten Aiifstellnng. Nach ganz kurzer Zeit ivnrdcn die Forderungen der Streikenden beivilligt, die Arbeit konnte»vieder aufgenommen»verde» ui»d der Schutzmannsposte» zog ab. Wenn auch der Beamte an jener Stelle nichts zu thun hatte, so konnten die streikenden Arbeiter doch sehen, daß die Polizei auf dem Posten ist. Der Verband der Stock- und Schirmarbeiter hat durch Urabstimmung mit 110 gegen 46 Stimmen sdcr Verband zählt 224 stinimberechtigtc Mitglieder) den U ebertritt in den beut i che» Holzarbeiter-Verband beschlossen. Die Stock- und Schirm- arbeiter bilden nunmehr eine Branche i» diesem Verbände, die gleich den andren durch eine Branchenkonnuisfion vertreten ist. Händler und Händlerinnen! Ihr»vißt ja, daß der Handels- stand durch das Borgehen der Polizei und durch die große Arbeits- losigkeit sehr zu leide» hat. Der jetzigen Koinniisfion ist es durch eifrige Agitation gelunge»», die Feinde unsres Geiverbcs,»velchc glaubten, u»S unsre Existenz rauben zu können, zum Stillschweigen zu bringen. Kollegen und Kolleginnen! Hier besteht ein Verein unter dem Namen„Verein der z i e l b e»v n ß t e n H ä» d l e r u n d G e- s ch ä f t s i» h a b e r Berlins und U in g e g e n d", der Eure Interesse» ivahrnimmt. Habt Ihr etlvaige Beschwerden übet'ungerccht- fertigte Schädigung in Eurem Berufe, so teilt sie dem Verein, oder der unterzeichneten Agitations-Koimnission mit, damit bei gc- eigneter Gelegenheit Material zur Verfügung steht. Mann und Frau, alle»vetche gezwungen sind, deni'HandelSgclverbe nachzugehen, tretet dem Verein bei, denn durch eine starke Organisation können wir unsre Lage verbessern. Die Sitzungen finden am Freitag »ach dem 15. eines jeden Monats, abends 9 Uhr, im„Englischen Garten", Alexanderstr. 27 e, statt. Außerdem besitzt der Verein fünf Zahlstellen, im Centrum: Hirtenstr. 10 bei Knötsch, Norden: Stvinc- münderslr. 51 bei Schilling, Osten: Fruchtstr. 52 bei Borngräber, Wedding: Wiesenstr. 29a bei Tanschel, Moabit: Pntlitzstr. 10 bei Pfarr, wo Ihr aufgenommen lverdet und die Beiträge entrichte» könnt. In einer der demnächst stattfindenden öffentlichen Versammlung wllen die Zivecke und Ziele dieser Organisation näher erörtert werden. Agitiert schon heut für diese Versammlung I Dieselbe»vird später durch Flugblätter bekannt gemacht. Die Agitationskommission der Händler und Händlerinnen Berlins nnd Umgegend. TcntscheS Reich. Ein Rachtwiichterstreik. In Hamburg sind die Angestellte» der Wach- und Schließgcscllschaft— 28 Mann— durch eine Kommission»vegen Verbesserung ihrer Lohn- und Arbeitsverhältnisse vor- stellig gelvördcn. Die Angestellten müssen abends 9'/« Uhr zur Stelle sein und ihr Dienst erstreckt sich auf die Zeit von 10 Uhr abends bis 5 Uhr morgens, beträgt also insgesamt fast acht Stunden. Da- 'ür erhalten sie' pro Monat nur 70 M. Ihre Forderung ging dahin, das Monatsgehalt auf 90 M. zu erhöhen, d. h. pro Nacht 3 M. zu zahlen, alle 14 Tage einen freien Sonntag zu gewähren und die wöchentliche Lohnzahlung einzuführen. Diese Forderung wurde ab- gelehnt und die Konnnission»vnrde entlassen. Darauf haben 19 An- gestellte die Arbeit eingestellt. Arbeitswillige gegen Arbeitswillige. Auf einem Kasernen- bau in Kiel sind eine Anzahl auswärtiger ArbeitSlvilliger beschäftigt zu 55 Pf. Stundenlohn. Als ihnen dann ein Kieler Kumpan zu- gesellt ivnrde, der 60 Pf. erhielt,»vnrden die Arbeitswilligen von anslvärlS aufsässig. Sie drohten mit Arbcitsincderlegung und ver- t veraniwoittich: Th. Glocke in Berlin. Tiuct und Verlag von Max Bot langten, daß der bester bezahlte Streikbrecher entlassen, oder daß sie denselben Lohn erhielten»vie dieser. Der Unternehmer bekannte sich zur Erfüllung der Forderung, die für ihn die billigste»var und entließ den„teuren" Arbcitslvilligen, um sich die geschätzte Kraft der übrigen Streikbrecher zu erhalten.— So ist also den» drohende» Streik der Arbeitswilligen vorgebeugt. Die Hirsch-Dnnckerscheu Gcwerkvereinc des Königreichs und der Provinz Sachsen sowie Thüringens haben auf einer Konferenz iii Leipzig beschlossen, eine eigne, täglich erscheinende Zeitung heraus- zugeben, die mehr»vie es der„Geiverkverein" thut, die Politik pflegen, und wegen des täglichen Erscheinens auch besser im stände sein soll, Angriffe auf die Geivcrkvereine zu»vidcrlcgen.— Die neue Zeitung»vird den langsam dahinsiechenden Getverkvereinen auch lein neues Leben einhauchen. Ausland. In Trieft streiken die Fleischergehilfen und Lehrlinge soivie die Arbeiter des städtischen Schlachthofes. Die Fleischerineister mußten deshalb selber das Fleisch zurichten. Die Angestellten der Straßenbahn in Trieft sind am Mittivoch in den Ausstand getreten. Der Verkehr der Straßen- bahn ist gänzlich eingestellt. Kellncrstreik in Forli. Dem Beispiele der Mailander Kollegen folgend sind die Kellner und Köche in Forli in eine Belvegung ein« getreten. Sie unterbreiteten den Besitzern ihre Forderungen, ivelche von drei größeren Cafös kurz vor Ablauf der gestellten Frist an- genommen wurden. Den Zögernden»vnrde eine ivcitere kurze Frist vor Proklamierung des Streiks gebilligt. Beendete Streiks in der Schtveiz. Die streikenden Metall- arbeiter bei Escher. Wyst u. Co. in Zürich haben die Arbeit am Sonnabend»vieder aufgenommen, nachdem eine Einigung durch Vor- Mittelung des von den Streikenden angerufenen Regierungs- Präsidenten Bleubcr stattgefunden hatte. Erreicht haben die Arbeiter fast gar nichts. Von den 1200 Streikenden»varcn nur 100 orga- irisiert. Der Maurer- n n d Bau arbeiter st reik in Biel ist ebenfalls beendet. Die Aufstellung eines Lohntnrifs lehnten die Unternehmer ab, dagegen wurde eine Lohnerhöhung zugestandcir. Gevilfzks-Beil mtfl« Zw einem Jahr Gefängnis ivnrde gestern ein armer Krüppel, der Handelsmann Angnst L ö iv e, von der dritten Strafkammer am Landgericht I verurteilt. Der Angeklagte,»velcher an zlvei Krücken geht, ist schon oft niit den bekannten Polizeiverordnungen zur Regelung des Straßenhandels in Konflikt gekommen, und da er an- scheinend sehr erregten Charakters ist, geriet er jedesmal dabei aiich mit den Beamten in Streit, die ihn zur Jnnehaltnng dieser Vor- schriften anhielten. Die Folgen»varen jedesmal Verurteilungen wegen Bcledigimg und Widerstandes gegen die Staatsgelvalt, Ivas den armen Menschen noch mehr erregte und in ihm jene unter dem Namen„Blaukollcr" bekannte Stimmnng erzeugte. In dem vorlicgendeii, dem 14. Falle, in dem er sich ans diesem Anlaß zu verantworten hatte, lvar er von einem Polizcilientenant darauf aufmerksam gemacht worden, daß er keine fe st e Handels- st e l l e einnehmen dürfe; ein Wutanfall, in dem er den Beamten mit de» heftigsten Schmähungen überschüttete, war die Folge.— Der hilflose und verkrüppelte Mann, der zweifellos m eine Ver- s o r g u n g s- A n st a l t gehört, muß nun dafür auf ein Jahr ins Gefängnis! In Brcöla» begann gestern unter großem Andrang dcS Publikums vor der Strafkanuncr die Verhandlung gegen den zweiten Direktor der Reederei vereinigter Schiffer Paul V r e S l a u e r wegen Untreue» Betruges, schwerer Urkundenfälichnng und einfachen Bankrotts sowie gegen den Kaufmann Moritz S ch ä f f e r aus Hamburg, den Rcedereibcamten Ernst B r e s l a u c r ans Hamburg, den Kanfmanu Leon Goldstückcr ans Breslau nnd den Werftinspektor Emil P e t r o>v S k y ans Breslau Ivcgcn Beihilfe. Gegen 70 Zeugen und mehrere Sachverständige sind erschienen. Der Vorsitzende teilte mit, daß der Neichsbank- Direktor Mannoivsky von seiner vorgesetzten Behörde»icht die Erlaubnis er- halten habe, als Sachverständiger zu fungieren. Der Angeklagte Paul Breslauer erltärtc auf Befragen, daß er des Betruges und der Untreue teilweise schuldig sei, die übrigen Slrafthatcn bestreite er. Er will mir unter dem Druck des tyrannischen Willens des Mit- direktors S ch o st a g gehandelt haben. Schostags Unterschlagungen habe er bereits 1893 entdeckt, aber verschtviegen. weil dieser mit Selbstmord drohte. Urtzte LlÄtchvichkett nnd VrpesÄxen. Ei» großer Spcichcrbrand kam gestern abend 3Ve Uhr T e g l e r st r a ß e 40/41 auf dem Norddeutschen Lagerhof, Aktiengesellschaft, ans. In einem fast 100 Meter lange» Speicher lagert die Firma S. Metze r über 100 000 Centner Lumpen und Papier. Hier lvar das Feuer anscheinend durch Selbstentzündung entstanden. Als Brandmeister Hammer mit seinem Löschzuge zuerst an der Brandstelle erschien, war der ganze Lagcrhos in dicken Qualm eingehüllt. Er gab sofort die Meldung„Mittel- fener", worauf verschiedene Dampfspritzen herbeieilten. Als beim Ocffncn der großen Speicherlhore das Feuer Luft bekam, loderte es in hellen Flammen hoch. Fünf Dampfspritzcn- röhre sandten große Wassermassen in die Glut und beseitigten inner- halb einer Stunde die Hanptgcfahr für das Gebäude. Dann aber begann erst die schwierigste Arbeit. Hand in Hand mit dem Ablöschen ging das Aiifräilincn. Ballen und Säcke mnßlcn auseinander- gerissen und teilweise auf den Hof geschafft werden. Dabei standen die Fenerwehrmänner fortwährend in dichtem Ranch, so daß sie schiver zu leiden hatten und öfter abgelöst werden mußten. Brand- inspcktor Reinhardt leitete eine Zeit lang an Stelle des Brand- direktors die Löscharbeiten. Die Wehr hatte die ganze Nacht hin« durch mit dem Ablöschen und Aufräumen zu thun. Um Mitternacht rückten neue Löschzüge zur Ablösung heran. Die Zollpolitik Englands. London, 25. Juni. Unterhaus. Bei der Beratung der dritten Lesung der Finanzbill macht James Hope nachdrück- lich geltend, daß Zölle auf alle im Auslände angefertigten Waren erhoben werden sollten. Hicks Beach erklärt, England dürfe nicht ein« derartige Politik einschlagen, die A n n» a h m e des Schutzzolles würde der Anfang einer der größten socialen Gefahren sein. Hierauf wird die dritte Lesung der Finanzbill mit 236 gegen 181 Stimmen angcnoinmcn. Wiirzbwrg, 25. Juni.(W. T. B.) Bei Ochsenfnrt schlug ein mit 11 Personen besetzter Kahn beim Uebergneren des Main um; drei Personen sind ertrunken, die übrigen ach: gerettet. Lemberg, 25. Juni.v i r d. Kann man sich eine Wide, sinnigere und ungerechlcre Gesetzesfordernng denken, wie diese, der unsre bayrischen Landtagsgenossen ihre Zu- stimmung gaben? Oder soll das ein Mittel zur Baucrnagitation sein, die man uns einst von München aus empfahl? Auch hier muß auf die Konscqueuzcii für die WahlkreiSeinteilung im Reich und den Einzclstaaten hingewiesen iverden. Auch im Reich und in den meisten Einzelstaaten schreit die Ungleichheit der Seelen zahl in den einzelnen Wahlkreisen nach einem gesetzlichen Ans- gleich. Es ist Hundert gegen Eins zu Ivetten, daß, wenn in einer der nächsten Sessionen des Reichstags die social den, akratische Fraktion, ivie ich annehme,»nit den Unterschriften von Ehrhart, Scgitz und Vollmar— ivieder einen Antrag auf gleiche Einteilung der Wahlkreise einbringt, die Gegner alsdann mit der Forderung kommen, daß diese Abänderung auf einer ähn- lichen Basis stattfinden miiffe, ivie jene, iv eiche der bayrische Landtag unter Z u st i», m u» g seiner s o c i a I d c n, o- k r a t i s ch e n Mitglieder für die Landtagswahlkreise gefordert habe. So werden wir auch hier in unsren Fordernngen mit dem Ver- halten unsrer bayrischen Genossen bekämpft werden. Es sind zivei böse Prügel— um im Jargon des Genossen Ehrhart in der„Mannheimer'Volksstimme" zu sprechen—. die nnS die bayrischen Landtagsgenossen zivischen die Beine geivorfen haben. Und es sivar nicht ihr„goldiges Temperament", das diese Prügel schuf, sondern die nüchterne StaatSmännischkeit, der Uebereifer für sogenannte praktische Politik, der sie veranlatzte, den Teufel mit Beelzebub auszutreiben. Wie stellte sich aber Genosse v. Wollmar an, 30. Oktober 1399 bei Beratung des socialdemokratischen Antrags zu den von einigen Rednern erwähnten und jetzt in der Resvlntion geforderten Wahl- rechtS-Verschlcchteriingen? Nach dem vorliegenden offiziellen Bericht äußerte Vollinar folgendes: „Was weiter das Wahlalter betrifft, so kam, ich die Bemerkung machen, daß manche vergessen haben, daß ivir es hier zu thun haben mit einer Verbesserung des Wahlgesetzes, nicht mit einer Verschlechterung, und i» f o l g e d e s s ei, muß n, e i n e r Auffassung nach jede Entziehung bisheriger Rechte untcrlasie» werden. ES ist auch keinerlei ver- n ü n f t i g e r, plausibler Grund angeführt iv o r d e n. iv a r u in' d a s W a h l a l t e r h i n a u f g e s e tz t werde», soll." Auf die Forderung des Abg. Lutz und Genossen, bei dem neuen Wahlrecht den ländlichen Wahlkreisen ein Vorrecht vor de» städtischen einzuräumen, antwortete Vollmar: „Da ist es doch unerhört zu sagen und an- zu deuten, daß ein derartiges ungeheures Vorrecht auf die Dauer erhalten bleiben soll." Und nachdem er auf die durch die BevölkerungSvermehning in den Städten thatsächlich bestehende Ungleichheit der Seelenzahl in, Vergleich zu den ländlichen Wahlkreisen zu sprechen gekommen war, fuhr er fort: „Priucipiell ist aber wenigstens heute noch die Gleich- heit gesetzliche Voraussetzung. Wenn also daS geschieht, was Herr Abg. Lutz sagt und fordert, dann wäre der Effekt nichts andres als eine neue principirlle gesetzliche Ver- schlechtcrung des jetzigen Zustandes. Und wenn einmal von Herrn Kollegen Dr. Daller gesagt worden ist, daß unter der bisherigen Wahlkreiseinteilung und den ganzen Wahlverhältnissen, ivie sie sich jetzt finden— das Rechtsgefühl des Volkes gelitten habe— was eine unleugbare Thatsache ist— aber bei der Durchführung einer solchen Fordernng würde daS RcchtSgeftthl des Volkes erst recht leiden." Das ist eine so schroffe Verurteilung der Haltiln'g der bayrischen Fraktionsgenossen im Jahre 1902 durch den eignen Fraktion Sredner im Jahre 1899, daß jedes weitere Wort vonmeiner Seite nur eine A b s ch w ä ch u n g s est n tv ü r d e. Man ist nach kaum zweiundeinhalb Jahren glücklich dahin ge- kommen, als Nusfluß höchster politischer Einsicht zu preisen,»vaS man 1899 auf das schärfste als,,„gehe„res Vorrecht und eine schivere Verletzung des Rechtsgefühls des Volks brandmarkte. Die Nationalliberalen könnten es nicht schlimmer machen. Wäre der Standpunkt VollmarS vom Jahre 1839 sein Stand- Punkt und der Standpinikt der Fraktion im Jahre 1902 geblieben, diese Polemik wäre uns erspart lvorden. Ich könnte noch eine ganze Reihe von Vorwänden widerlegen, die man zu Gunsten der jetzt eingeschlagenen Taktik anführt. Aber ich glaube, das Gesagte genügt.' Auch ist es noch nicht aller Tage Abend und wenii'S notivendig Ivird, sehen wir uns bei Philipp, ivieder. Es wird die dringendste Pflicht der bayrischen Landtagsgenosscn sein, bei Vorlegung des künftigen Wahlgesetzes die Fehler nach Möglichkeit zu verbessern, die sie mit ihrer Abstimmung machten. Das sind sie sich, den bayrischen Parteigenossen und vor allem auch der Gesamtpartei schuldig, die dafür nicht büßen darf, was sie selbst nicht verschnldete. »» m Bemerkung der Redaktion. Wir habe» unsre Ansicht über die Zustimmung zur Wahlrechts- Resolution vor und nach dem bayrischen Parteitag in Ludwigs- Hafen unzweideutig ausgesprochen. Nachdem jetzt Genosse Bebel seine Polemik aus der„Neuen Zeit" in den„Vorivärts" übertrage» hat, sind wir veranlaßt, anch in die Beurteilung der bayrischen Wahlrechtsfrage selbst mit einige» Worten einzutreten, über die zu entscheiden der richtige Zeitpunkt unsres Erachtens erst ge- kommen sein würde»ach Vorlegung des neuen Wahlgesetzes durch die bayrische Regierung. So sehr ivir in unsren früheren Aeußernitgen dieselbe Auffassung ivie Bebel hinsichtlich der jetzigen Taktik der bayrischen Genosse» be- kündet haben, so können ivir seine Ansicht über die Wahlrechtöfrage selbst als einwandfrei nicht anerkennen. Auch erachten ivir das von Bebel gefällte Urteil über Beweggründe und Wirkungen des bayrischen Verfabrens für ungerecht. Die Citate Bebels zum Schluß des obigen Artikels zeigen, daß die Wahlrcchtsgrnudsätze, die er zuvor ausführlich dargelegt hat, anch den bayrischen Landtags- Abgeordneten schon stets gut bekannt gewesen sind. Auch Bebel kann aber nicht ernstlich annehmen, daß die Landtags-Abgeordneten diese Grundsätze, die sie kurz zuvor so zutreffend propagiert hatten, plötzlich vergessen oder in ihrer Bedeutsamkeit verkannt haben könnten. Es muß vielmehr de» bayrische» Genossen utibedingt zugegeben werde», daß sie in voller Kenntnis und Würdigung der schivere» Verschlechterungen, die das Wahlrecht erfahren soll, gehandelt haben. Es mutz weiter den bayrischen Genossen loyaleriveise zugestanden werde», daß andre Beweggründe für ihr Verfahren den An'sschlag gegebe» haben müssen, die Bebel nicht beachtet hat. Andernfalls würde man sie. da man ihnen nicht, gleich den, sächsischen Reaktionären, absichtliche Verschlechterung des bayrischen Wahlrechts vorwerfen kann, des Idiotismus bezichtigen, daß sie nicht mehr im stände seien, die Qualität der WahlrechtS-Systeme zu unterscheiden und Rechtsverminderungen, die sie vor kurzem selbst scharf bekämpft haben, zu würdigen. Wenn die Dinge so lägen, wie sie Genosse Bebel darstellt, dann wäre es gänzlich unverständlich, daß die gesamte bayrische Socialdemokratie den, jetzigen Wahlrecht ein andres vorzieht, das nach Bebel einer Entrechtung nach sächsischem Reaktionsmiister gleicht, dessen Einführung also politischen Selbstmord bedeuten würde. Dann»väre es auch unverständlich, daß Bebel den Beschluß von Ludwigshasen mit so außerordentlicher Milde, die von der er- bitterten Kritik der bayrischen Abgeordneten«rstannlich abweicht, beurteilt und die Delegierten nahezu entschuldigt, daß sie de» „Drohungen" der Abgeordneten nicht stand gehalten hätten. Läge die Wahlrechtsfrage so, ivie Bebel sie auffaßt, dann hätte der bayrische Parteitag überhaupt nicht schivanken können, den Ab- geordneten das denkbar schärfste Mißtrauen zu bezeugen, dann konnte der Parteitag sich anch nicht durch„Drohungen" beein- lusseii lassen, durch die sich überhaupt niemals ein Parteitag beeinflussen lassen soll und durch die sich u. E. der bayrische Partei- tag nicht hat beeinflnssei, lassen, da er genügend sachliche Gründe für 'eine Haltung zu haben glaubte. Die Frage steht aber anders als eS nach Bebels Ausführungen cheint. Neben den Wahlvcrschlechterunge», die Bebel in aller Schärfe betont, stehen Verbesserungen des jetzigen Wahlsystems. Bebel setzt die Verschlechterungen in brennenden Kontrast zu de» Forde- ruugen unsres Programms, aber die Verbesserungen, auf die die bayrische Partei großen Wert legt, st r e i f t er kaum mit einem Wort und die eigentlich zur Entscheidung tehende Frage übergeht er völlig, die Frage nämlich, ob die Verbesserungen die Verschlechterungen überwiegen und ob die bayrischen Genossen, um der offenbaren Verschlechterungen willen, wenn die Verbesserungen als Lberivicgend anerkannt werden müssen, dennoch eine Wahlrcchts-Vorlage ablehnen sollen. Unsres Erachtens ist i» Ludwigshasen der Nachweis geführt lvorden, daß thatsächlich ein Wahlrecht, wie es in der Resolution gefordert tvird, d e n V o r z u g vor dem jetzige» bayrischen Wahl- verfahren verdient, mag es auch so nnvollkommc» sein, daß die Socialdemokratie verpflichtet ist, eS weiter mit den schärfsten Waffen zu bekämpfen. Bebels Ansführnngen über den Abstand dieses neu geplanten Wahlrechts von unsren Forderungen können jenen Nach- iveis nicht erschüttern. Wir möchten hierzu»nr auf einige Momente hinweisen, die in der bisherigen Diskussion nicht vorgebracht worden sind. Bebels Kritik stützt sich voriviegend ans die geplante Herauf- ctzung des Wahlaltcrs. Es giebt keine Meimmgsverschiedenheit über, die Verwerflichkeit dieser Absicht, aber darauf sei doch nebenbei Hingewiese», daß so viele Wähler, ivie Bebel annimmt s150 000), nicht von dieser Maßnahme getroffen werden können. ES ist übersehen worden, daß ein sehr erheblicher Teil der jungen Leute von 21—25 Jahren auch jetzt schon sein Wahlrecht nicht ansüben kann, iveil dieselben sich im Heeresdienst be- Inden; es Handeltsich, wenn wir nicht irren, um ca. 45 000 Personen. Aber— hiervon abgesehen— kam, eS nicht angehen, die Eni- 'cheidung gänzlich von dieser geiviß überaus bedeutsamen Be- timmung abhängig zu machen, wie eS Bebel thut. Da Bebel mit Vorliebe den bayerischen Genosse» daS Beispiel der sächsischen Reaktion verhält, so sei daran erinnert, daß in Sachsen vor sechs Jahren die ahl der Wahlberechtigten durch Aufhebung des Census erheblich e r m e h r t worden ist. Damals rühmte die sächsische Reaktion in allen Tonarten diese„Erweiterung des Wahlrechts". Wie aber diese Erweiterung von uns mit Recht als elende Heuchelei bezeichnet .iwirbe, da durch die übrigen Bestimmungen des neuen Klassen- Wahlgesetzes daS Wahlrecht aller in die dritte Wählerklasse ge lvorfenen Wähler, also auch das der»cu„Berechtigten", z»r Be denlungslosigkcit hcrabgedriickt wurde, so darf auch in andren Hallen die Frage der Wählerzahl nicht losgelöst von den andren Bestimmungen eines Wahlgesetze? betrachtet werden. Wenn eL uns gelingen wird, i» P r e u tz e n das direkte, gleiche und geheime Wahlrecht zu erkämpfen, aber die Bedingung einer Herauf sctzuug des Wahlalters oder eine andre reaktionäre Verschlechterung daran geknüpft bleiben sollte, so würde sicherlich auch Genosse Bebel, sofern socialdemokratischc Stimmen bei der Entscheidung ins Gelvicht fallen, bereit sein zu prüfen, ob nicht dennoch die Ver schlcchterung ertragen werden müsse. In Bayem aber liegen nach dem glaubhaften und unwiderlegten Zeugnis»nsrer dortigen Genossen, die Dinge so, daß durch die jetzige indirekte Wahl und die öffentliche Wahlmännerwahl für iveiteste Wählerkreise das Wahlrecht überhaupt illusorisch macht. Es ist daher zuzugestehen, daß das neu geplante Wahlsystem trotz der zahlenmäßige» Verringerung der Wähler eine thatsächliche Eriveiterung des Wahlrechts bedeutet. Wci�i Bebel Iveiter die Berechnung aufstellt, daß die beab sichtigte Ncueinteilung der Wahlkreise zu einer argen Uebervorteilung 'der Stadt durch das Land führen muß, so ist auch hier wieder seine Kritik an sich berechtigt, ist aber ähnlich auch von den bayrischen Genossen selbst geübt worden. Andrerseits liegt auch hier Ivieder die Thalsnche vor, daß gegenüber dem setzigen Zustande eine erhebliche Verbesserung eintreten soll. Es wäre sehr wünschenswert, wenn lvir im Reiche', mangels einer Neueinteilung der Wahlkreise gemäß unsrer Forderung, wenigstens eine Beseitigung des jetzigen schreienden Unrechts in einem»nöglichst großen Maße erreichen könnten. Wenn in Bayern zu der Verbesserung in dieser Hinsicht noch daS Arbeiterivahlrecht durch gerechtere Ein- teilung der Wahlmännerbezirke hinzukommt, so kann man alles dies so ganz geringfügig nicht anschlagen, wie eS Bebel thut. Unter Abwägung aller dieser Umstände gelangen wir zu der Ueberzengung, daß Genosse Bebel die in Bayern in Aussicht gestellte Wahlrcchts-Vorlage nicht zutreffend beurteilt. Der Vorlvurf, de» die bayrischen Genosseil bisher nicht durch stichhaltige Gründe zu entkräften vermochten, ist vielmehr der, daß sie durch die j e tz i g e Zustimmung zu einer Resolution, welche die Vorlage einer solchen Wahlreform der Regierung e m p f i e h l t, sich von vornherein den notlvendigen weitere» Kampf für die Beseitigung der Verschlechterungen und die Herbeiführung erheblicher Verbesserungen überaus erschwert haben. Dieser Fehler der bayrischen LandtagSfraktion ist um so erstaunlicher, da gerade München als Hochschule unsrer parlamentarischen Parteidiplomatie gerühmt lvird. Eine berechtigte.praktische Politik"— die sich sicherlich niemals der Kontrolle der beherrschenden und richtung gebenden Priucipien entziehen darf— wird am schwersten disi kreditiert, wenn sie durch zu viel Praxis— unpraktisch wird.— Der Leipziger Bankprozetz. Aus Leipzig wird vom Mittivoch berichtet: Heute kam ein Brief Exners aus Kastel an Gentzsch in Leipzig vom 28. Januar 1839 zur Verlesung, in dein Exner mitteilt, daß die AufsichtsratS-Mitglieder der Trebergesellschaft der Leipziger Bank große Posten Aktien abnehmen werden. Des Iveiteren teilt Exner mit, daß in Belgien eine Tochtergesellschaft gegründet «verde, an deren Prosperität nicht zu ziveifeln ist. Ii« andren Briefen schildert Exner die vorzunehmenden eiuzelnen TranS aklionen innerhalb der Tochtergesellschaften Kassels und die auf deren Conten vorzunehmenden Buchungen. In Bezug auf die Geschäfte mit der russischen' Trebergesellschaft liegen weitere Briefe vor. Daraus geht hervor, daß eine Forderung an daS Kasseler Geschäft beseitigt»Verden sollte. An Sicherheit hatte die Leipziger Bank mit dem russischen Geschäfte nickts gewonnen. Die Tendenz ivar, die Kasseler Bilanz im März 1899 etivns zu vermindern. Die Sachverständigen sind dieser Ansicht. Eine ähnliche Transaktion Ivurde mit der Galizischen Akiiengesell schaft für Holzdestillation in Lemberg durch eine Ccsston Kassels an die Leipziger Bank betreffend die Forderung von einer Million Gulden am 1. April 1899 vorgeschlagen, ivas aus dem Briefivcchsel zwischen Kassel und Leipzig hervorgeht. Die Bank lehnte nach Aus- sage Exners das Geschäft niit Galizien nur deshalb ab. weil kein festes Niickzahlnngsdatnm angegeben war und die Amortisation nur auf Grund des bearbeiteten Holzes geschehen sollte. Es kommt sodann die Tantieme drS Aufsichtsratö zur Sprache. Es bezogen Dodel, Mayer, Schröder, Ficbiger und Wölker im Jahre 1896 je 8109 M.. 1896 je 12 410 M.. 1897 je 16 832 M.. 1898 je 20 691 M.. 1899 je 23 167 M.. 1900 je 16 398 M.. Voerster im Jahre 1900 12 299 M. und Willens für 8 Monate 10 932 M. Schröder führt aus, daß die Thätigkeit des AufsichtSrats eine enorme gewesen sei. Der Aufsichtsrat habe übrigens an die Direktion die Aufforderung, aber erfolglos, iviederholt ergehen lassen, eine Aufstellung über die Engagements der Trebergesellschaft zu geben. Die Direktion habe immer Ausflüchte gehabt. Dem wurde entgegnet, daß dem AufsichtSrat doch in den Sitzungen genügende Kenntnis von dem Obligo bei der Trebergesell- schaft verschafft wurde. Der Vorsitzende kommt dann auf daS Februar-Protokoll vom Jahre 1399 in dem Geschäftsbericht für 1898 zurück,«vobei auch der Bau des ueuen Bankgebäudes zur Sprache kommt, daS sich jetzt im Besitze der Deutschen Bank befindet. Demnach sind 1898 14 Millionen Mark Reserve, 1 Million Mark Special-Reserve, 800 000 M. Neubau- Reserve und 100 000 M. Mobiliar-Nescrve vorhanden. Im Bericht »vird der Verbindung mit der Trebergesellschaft eingehend Erivähnung gethaii. Exner sagt aus: Wir sahen in dem Stande der Treber- gesellschnft keine Gefährdung und konnten daher Tantieme ver- teilen. Dodel sagt ans, der Aussichtsrar>var von der guten Durchführung der Trebernnternehmung überzeugt, und auch die übrigen Mitglieder desselben hätten kein Bedenken ge habt, Dividenden und Tantiemen zu verleilen. Sachverständiger Bankdircktor Herrmann ineint, man habe die Beteiligung mit größeren Geschäften,«venu auch ohne Namensnennung, erwähnen müssen; für den Aufsichtsrat mußte aber die ganze Aufstellung des Berichts ganz beruhigend Ivirken._ Berliner Partei Angelegenheiten. Dritter Wahlkreis. Freitagabend 8 llhr, findet im Saal I des Gewerkschaftshauses eine Parteiversammlnng statt. Auf der Tagesordiinng steht ein Vortrag deS Genossen Dr. Bruno Borchardt über„Arbeitslosen« Versicherung" sowie die Errichtung einer Parteispedition für den 3. Wahlkreis. Heute Donnerstagabend Uhr, hält der socialdemokratische Verein im fiiustc» Wahlkreise seine Gen e r a l Versammlung bei Schulz, G r e n a d i e r st r. 33, ab. Auf der Tagesordnung steht neben einem Vortrage des Genossen Dr. Leo A r o n S: „Wie beteiligen w i r u n S an den Landtags lvahlen' noch die Bestätigung von zwei Abteilungsführern und not>v endige Statuten-Aenderung. Die Mit- gliedcr iverden um pünltliches Erscheinen ersucht. Mitglieds- buch legitimiert._ Lokales. Der MagistratSrat. Ein Konflikt zwischen der Staatsbehörde und dem Berliner Magistrat hat vorläufig seine Erledigung gefunden. Der Magistrat hatte bekanntlich beschlossen, den lebenslänglich angestellten Magistrats- Assessoren die Bezeichnung„ M a g i st r a t S r a t" zu verleihen. Außerdem sollten die Vorstandsbeamten der Landcsverstcheru.igs« Anstalt Berlin, die Herren Dr. Freund und Dr. S t r ä t e r, sowie Herr Gewerberichter v. Schulz für die Dauer ihrer Amtierung in ihren jetzigen Stellen„Direktor" genannt«Verden. Auf ministerielle Anweisung beanstandete der Oberbürger- m e i st e r jene Beschlüsse auf Grund des§ 16 des ZuständigkeitS- gesetzeS, weil sie die Befugnisse des Magistrats überschritten und die Gesetze verletzten. Die' Entscheidung des Ober-Verivaltuugs- gerichts, die seiner Zeit in der mündlichen Verhandlung ausgesetzt wurde, ist auf Abweisung der Klage des Magistrats. Ivelche sich gegen die Beanstandung richtete, ergangen. Der Senat ging n« ch t auf die Frage ein, ob es sich um Titel im eugern Sinne handele, deren Verleihung ein Vor- recht der Kröne sei. oder ob man eS hier mir mit Amts- bezeichnnngen zu thun habe. Wolle man anch, so meinte der Senat. den.Magistratsrat" als eine Aintsbezeichmmg ansehen und sich au' einen insoweit dem Magistrat günstigen Standpunkt stellen, so Ivürd doch der Magistrat seine Befugnisse' mit dein fraglichen Beschlüsse überschritten haben. Denn nach§ 36 der Städte- Ordnung habe die Stadtverordneten- Versammlung über alle Gemeinde- Angelegenheiten zu beschließen, soweit sie nicht ausschließlich dem Magistrat vorbehalten seien. Hiernach hätte hier die Stadtverordneten-Versanimlung au' jeden Fall bei der Verleihung der Amts bezeichnungen mit ivirken müssen. Somit sei die Be anstandung zu Recht erfolgt, weil die Stadtverordneten nicht mit geivirkt hätten. Die Bestimmung des§ 66 Nr. 6, wonach der M a g i st r a t die Beamten anzustellen habe, stehe dieser Auf fassung nicht entgegen. Auch bei den iveiteren Beschlüssen habe der Magistrat seine Befugnisse überschritten. Aus dem Invaliden vcrsicherungsgesctz sei zu folgern, daß den Kommunalverbäuden. in Berlin dem Magistrat nicht gestaltet sei. den beamteten Vor- stands-Mitgliedcrn der Landes-Versichcrmigsanstalt als solchen Amts bezeichnnngen zu verleihen.— Aehnlich liege die Sacbe bezüglich der Verleihung der Bezeichnung„Direktor" an den Vorsitzenden' des Gcwerbegcrichts, Herrn v. Schulz. Im Geiverbegcrichls-Gesetz sei eine entsprechende Bestimmung nicht enthalten, und das sei ent« scheidend. In Betracht komme, daß es sich bei de» Stellen der beamteten Vorstandsmitglieder der Landes-Versicherungsanstalten und bei denen der Vorsitzenden der Gewerbegerichtc um Schöpfungen der Reichs-Gesetzgebung handle. Müssen die Herren v. Schulz, Dr. Freund und Dr. Sträter nun auch sich über den schmerzhaften Verlust des Direktortitels zu trösten suchen, so bleibt doch die schöne Hoffnung bestehen, daß der Magistratsrat von der Hauptstadt des europäischen Reiches der Mitte mutig erkämpft iverden kann. Allerdings: Schweiß verlangen die Götter, bevor wir die Tugend erreichen; Lang und steil ist der Pfad, der uns zum Gipfel hiuanführt. Haut die Stadtverordiieten-Versanimliing mit dem Magistrat mutig tu eine Kerbe und hängt dem MagistratSrats-Titel am Ende noch unentivegt eine Pfauenfeder an, so würde abermals die Regierung mit einem Einspruch kommen und von neuein müßte die lveilerschütternde Frage die Lerwaltungsgerichte beschäftige», ob das Recht der Krone etwa nunmehr durch Magistrat und Stadtvcrordneten-Versamnilung gemeinsam augetastet sei. Diese Frage ist ivie geschaffen, das Herz wackerer Freisinns- kämpen auf Monate hinaus voll und ganz gefangen zu nehmen und der tobende Streit über sie bietet von neuem willkommene Gelegenheit, die Erledigung der s o c i a l p o l i t i s ch e u Aufgaben, die der Reichshauptstadt harren, abermals auf die lauge Bank zu schiebe». Die Stadtverordneten-Bersammlung handelte somit sehr unklug, wenn sie das Recht auf de» MagistratSrat wider Erivarteu gering einschätzte._ Tic Studienreisen der Beamten»nsrer Verkehrspolizei, die, wie früher RegieriiiigSrat v. Glase napp und neuerdings Regierungsrat Dr. H a a s e l a u. das Verkehrswesen andrer Groß- städte, insbesondere von London und Paris, beobachteten, scheinen ihre Früchte zu tragen. Nachdem schon die Beamte» der Straßcnpolizei bezüglich der Regelung des Wagenverkehrs ander- iveite, den Londoner Einrichtungen entsprechende Instruktionen er- halten, soll bei uns jetzt ivieder eine Einrichtung vcrsuchsiveise ein- geführt werden, ivelche sich in de» genannten Großstädten bereits bewährt hat. Es ist dies die Anlage von schmalen Insel- Perrons an lebhaften Straßenkreuzungen, tvelche dem Wagenverkehr die Fahrtrichtnng deutlich vorzeichnen und dem Publilum das gefahrlose Ueberschreite» der Fahrdämme gestatten. An den Straßxnkreuzungen der Leipzigerstraße z. B. kann man es jede» Augenblick beobachten, wie ganze Wagenburgen sich neben einander auf- tünnen, anstatt die rechte Seite iinie zu- halten, so daß ein Ncberschreitcu des FahrdammeS, der den Bürgerfteig unterbricht, auf Mimiteiilänge nicht möglich ist. Dazu kommt das Kreuz« und Quer- fahren und Ueberhole» der Wagen, die, um ans einer Straße i» die andre zu gelange», anstatt rechts im weiten Bogen, häufig direkt auf die liuksbelegcne Ecke zusteuern und daniit den Gefährten der beiden eiitgegeukonmienden Richtungen den Weg abschneiden. Dem ivird durch die Anlage kleiner Juselperrous entgegengewirkt, die zimächst freilich mir in geleisfreieu Straßen möglich sind. Diese an de» Uebergäugen belegenen Perrons sind nur 4—5 Meter lang und ca. 1,30 Meter breit; sie zwingen die Kutscher, die rechte Seite imiezuhalteu und bieten dem Publikum beim Ueberschreite» deS Dammes Schutz. Einstiveilen soll ei» Versuch mit Holzpodien, und ztvar in der Friedrich- und in der Wilhelmstraße, au de» Kreuzuugs- punkten der Leipzigerstraße gemacht werden. Bewährt sich die Ei»- richtung, so sollen an alle» srequeutc» Straßeilkreuzuiigen derartige Schutzinseln definitiv angelegt iverden. DaS Ende der Hundcspcrre ist gestern in seiner Art festlich begangen worden. Ueberall sah man die der relative» Freiheit zurückgegebenen Köter mir Kränzen und bmitcu Schleifen um de» Hals herumlaufen. Hmidebesitzer, die ein übriges thun ivollten, schmückte» auch den Schwanz ihres Phylax mit Cigarrenbändern. Das Polizeipräsidium hat angeordnet, daß die am Dienstag wegen Uebertretungen der Sperrvorschriften in daS Ticrdcpot eingelieferten Hunde nur noch einen Tag einer polizeitierärztlichcn Untersuchung unterworfen und, falls sie als»»verdächtig bcfuude» sind, von der zivangsiveisen Tötung verschont bleiven und außer Absperrimg gesetzt iverden sollen. Diese Vergünstigung genieße» jedoch mir zivei Hunde, ein Betveis, daß die Sperre am letzte» Tage milde gehandhabt Ivurde. Es sind insgesamt 663 Hunde während der Sperre i» das Depot des deutsche» Tierschutzvereins eingeliefert ivordc». Getötet wurden von diesen 449 Tiere, während 109 die Absperrung überstanden. Die Kriselei im Milchring. Die Centrale für Mi Ich ver- Wertung hält an, heutigen Donnerstag eine außerordentliche Generalversammlung ab. Die Tagesordnung der' Versammlung lautet u. a.: Geschäftliches, Geschäftsbericht des Vorstandes, Antrag des Genossenschafters Carl Voigt-Neuholland: Der K 39 des Statuts der Milchcentrale ist im letzten Absatz lote folgt zu ändern: Der Anteil(der Haftpflicht) wird nach de» erworbene» Geschäftsanteilen der Mitglieder berechnet. Antrag des Genossenschafters Reuter-Lentzke: Die der Centrale angeschlossenen Molkereigenossenschaften haben für diejenige Milch, die sie»ach Berlin sende», gleich allen übrigen Ge- nossenschaftern ihre Abgabe an die Milchcentrale zu zahlen. Fest- setzuug des Milchpreises für das Geschäftsjahr 1902—1903. Die Ver- haiidlmigeu iverden unter Ausschluß der Oeffentlichkeit geführt. Von juristischer Seite wird uns geschrieben: Es verlohnt sich wohl, besonders auf den Wortlaut und Sinn des Abäuderungs- antrages zu§ 65 der Statuten der Centrale sür Milchverwertung oufmerksani zu machen; der Antrag lautet: Ausgeschloffcii werden kann ein Genossenschafter, der durch Lieferung von verfälschter, ent- rahmt« oder minderwertiger Milch dos Ansehen der Genossenschaft schädigt. DaS ist sehr bezeichnend. Es kann also nicht derjenige aus- geschloffen iverden. der solche schlechte Ware liefert, was doch bei einer sachgemäße» Leitung, die auf wirklich gute Ware hält, selbsb verständlich und notivendig ist. sonder» nur derjenige, Hauswirt geschlossen und deren gesamter Inhalt gepfändet ivurde, ist vorgestern begonnen worden. Die Einrichtung, deren Wert circa 70 000 M. betrug, wurde auf nicht weniger als 26 Möbelivagen nach der Pfandkammer geschafft, Ivo sie vorgestern und gestern zur ztvangStveisen Vcrauktionierung kam. Am Dienstag wurden nicht Iveniger als 65 Dutzend Stühle, die insgesamt nur einen Erlös von 1600'M. brachten, etwa 400 Tische, große Wandspiegel in Gold- rahmen, Kücheneinrichtungen usiv. verkauft. Gestern find Geschirre, Wäsche, Büffetis und andre Gegenstände unter den Hammer gekommen. Der Gesamterlös der Versteigerung dürfte, da die Zahl der anwesenden Bieter nicht sehr groß war, kaum 12 000 M. erreicht haben.— Der frühere Besitzer der Aegirsäle beabsichtigt übrigens, in der Chauffeestraße. seinem ehemaligen Etabliffement gegenüber, ein neues gleichartiges Lokal zu eröffnen. HanS ReimarnS, der Mitinhaber der alten Nicolaischen Buch- Handlung, ist, 59 Jahre alt, in Luzen, gestorben. In das Geschäft, das nach seinen heutigen Jnhabcn,'„Nicolaische Buchhandlung Borstell u. Reimarns" firmiert, ivar der numnehr Verstorbene im Jahre 1872 eingetreten, unmittelbar nach seiner Heimkehr aus dem französischen Feldzug. Eine Gasexplosion, bei der ein Arbeiter schwere Brand- wunden erlitt, ereignete sich Mittwochvormittag bei den Arbeiten zur Umgestaltung der„Linden". Auf der Südseite der Straße werden jetzt neue Gasrohre gelegt. Das geschieht stückweise von HauS zu Haus. Die alten Rohre lverden abgestopft,„totgemacht" und bleibe» dann liegen, während man die neuen gleich anschließt. Mit diesen Arbeiten tvaren heute vormittag mehrere Leute von der englischen Gasanstalt beschäftigt. An der Ecke der Charlottenstraße mm traf man beim Durchmeißeln eines alten Rohres ivahrscheinlich eine etlvas schwache Stelle. Der Meißel drang plötzlich durch und schlug Funken, die das Gas entzündeten. Unter einem starken Knall flog ein Stück aus dem Rohr heraus und eine Stichflamme schoß zwei Stock hoch empor. Einer der beiden Arbeiter, die in der Grube an dem Rohr zu thun hatten, sprang noch rasch zur Seite und blieb unversehrt, der andre, ein 21 Jahre alter Erich Schulz, der in der Tegelerstr. 7 bei seinen Eltern ivohnt, ivurde am Kopf, am Hals und an den Armen so schwer verbrannt, daß man ihn mit einer Droschke»ach der Charite bringen mußte. Weiteres Unheil verhüteten die Arbeiter dadurch, daß sie die Grube rasch zuschütteten. Bedenkliche Ausschreitungen verübte gestern abend um 7 Uhr der auf dem Polizeirevier III bedien st ete Schutzmann "oft. tvelcher in trunkenem Zustande widerrechtlich von seiner Waffe ebrauch machte. Der tvackere Beamte hatte mittags gegen 12 Uhr das in dem Hanse Dorotheenstraße 74 belegene Weinlokal von Anna Fürstenau besucht. Gegen 7 Uhr abends begab sich der Schutzmann nach dem Hof»ud benahm sich hier in einer unflätigen, hier nicht wiederzugebenden Weise. Von dem Hausportier Junghans zurecht- gewiesen, geriet der Beamte mit diesem in einen Worlstreit, folgte Zem»ach dem Hausflur sich zurückziehenden Manne und griff ihn dort thätlich an. Der Portier versetzte dem Schutzmann einen Stoß. infolgedessen Jost zurücklaimielte und über eine Stufe zu Boden 'türzte. Nunmehr geriet der Beamte in eine siinilose Wut. Er zog >eii Säbel, verfolgte den flüchtenden Portier bis nach der Straße, 'chloß dann die Hansthür und blieb mit der blanken Waffe in der Hand an derselbe» stehen. Auf die Hilferufe der Frau de? Be« drängten tvaren Hausbewohner hinzugekommen, bei deren Annähernng der Beamte blindlings mit dem Säbel um sich schlug. Er versetzte hierbei dem Hausdiener Schüler, der in der Stilkeschcn Buchhandlung gelvesen und im Begriff war, das HauS zu verlassen, einen wuchtigen Hieb mit der Waffe über de» Kopf, so daß der Unglückliche eine tark blutende Flcischwuude erlitt und sich auf der Unfallstation in der Kroneustraße einen Verband anlegen lassen mußte. Bei dem Umherfuchteln mit dein Säbel hatte Jost auch eine Thürscheibe soivie eine Scheibe des in der Thnrnische befindlichen AushängekastenS des ihotographen Hülsen zertrümmert. Auf der Straße hatte sich � atürlich eine ungeheure Menschenmenge angesammelt, unter denen ich auch zivei Kanoniere eines hiesigen Garde- Feldartillcrie- Regiments befanden. Diese zogen ihre Seitcngeivehre und parierten hiermit die Hiebe des Schutzmanns, den sie numnehr entwaffneten. Inzwischen tvaren von der benachrichtigten Revierwache eine Anzahl Schutzleute hinzugekommen, die den tapferen Zecher festnahmen. Es 'ei bemerkt, daß Jost nicht ettva irrsinnig, sondern finnlos betrunken ivar, und dürften die Ausschreitungen infolgedessen schwere Folgen ür ihn haben. Uutcr dem Verdacht des KindeSmordeS ist gestern, Mittwochmorgen ein Mädchen, das bei einein Kanfmann in der Oranien- burgerstraße diente, verhaftet worden. Eine Austvärterin. die der Kaufmann auch noch beschäftigt, fand im Mädcheiiziinmer, in dem ihr ein übler Geruch ausfiel, in einer Pappschachtel die Leiche eines neugeborene» Kindes, die in Papier und Wäschestücke eingetvickclt ivar. Ins Gebet genommen, gestand das Dienstmädchen, schon am Dienstag voriger Woche daS Kind geboren zu haben. Die Tötung ihres Kindes bestreitet dagegen die Mutter. Es habe nach der Ge- burt nur einigemal geatmet und sei dann ohne äußere Einwirkung gestorben. Ob diese Darstellung richtig ist, kann erst durch die gerichtsärztliche Leichenöffnung festgestellt worden. A» de» Stiefel» erkannt ivurde ein Einbrecher, der in der Mulackstraße Geld gestohlen und in der Wohnung des Bestohlenen gleich dessen Kleidung angezogen hatte. Der Dieb ivar gesehen worden und ivurde nach der Beschreibung ermittelt und festgenommen. Er beteuerte seine Unschuld und da man die entlvendetcn KleidungS- stücke. Ober- und Unterzeug, nicht mehr bei ihm fand, so zweifelte man schon, ob man den Richtigen erwischt habe. Jeder Zweifel aber wurde durch die Stiefel beseitigt. Während der Einbrecher alle andren Kleidungsstücke des Bestohlenen rasch ivieder verkauft oder ver- tauscht hatte, gefielen und paßten ihm die Stiefel so gut, daß er sie für sich behielt, zumal ihm gerade die Stiefel ganz ungefährlich zu sein schienen. Man hätte ihn ivohl anch kaum daran erkannt, wenn er nicht schon ohnehin verdächtig gelvesen iväre. Auö Furcht vor Strafe ist der ungefähr 12 Jahre alte Sohn Georg deS Schuhmachers Gutsche ans der Braiidenburgstraße 17 seinen Eltern entlaufen. Der Man» hat ivenig Arbeit, daher muß seine Frau, da fünf schulpflichtige Kinder zu ernähren sind, durch ZcitiiiiganStrageii mitverdienen, dabei helfen ihr ein 13jähriger Sohn und der 12jSh'rige Georg. Dieser verspätete sich hierbei, tveil er mit andren Kindern herumspieUe, zivei Tage hintereinander und ver- säumte dann ohne Wissen der Eltern die Schule. Als er nun am vergangenen Freitag durch einen andren Knaben erfuhr, daß der Lehrer sein Ausbleiben den Eltern mitgeteilt habe, lief er lveg und kam nicht wieder. Der Vermißte hat dunkelblondes Haar und trägt eine graue Radfahrerjacke mit Weste, blaue Beinkleider aus Sannnet und eine blaue Mütze. Feuerbcricht. In der Nacht zum Mittwoch wurde'ein größeres Löschanfgebot nach der Philippstr. 15 gerufen. Hier war ans noch nicht ermittelte Weise in einem Bodenverschlage Feuer ausgekommen. das an dem dort aufgestapelten Gerümpel reiche Nahrung gefunden hatte. Als die Wehr am Brandplatze erschien, hatten die Flammen anch schon die andren Verschlüge nnd den Dnchstnhl des Quer- gebäudeS erfaßt. Obgleich die Wehr sofort mehrere Schlauchleiluiigcn vornahm, dauerte eS doch über eine Stunde, bevor daS Feuer zum Stehen kam. Der Dachstuhl ist fast ganz zerstört, auch haben die Bewohner der oberen Stockwerke durch Wasser stark gelitten.— Mittwoch früh kurz nach 2 Uhr ging in der Jnvalidenstr. 28 in einer Wohnung ein Korb niit Kleidungsstücken in Flammen auf, die jedoch bald erstickt iverden konnten. Dienstagabend 10 Uhr wnrde die Webe nach dem Güterbahnhof Wedding gerufen, wo sich ein Waggon mit Preßkohlen entzündet hatte. Kurz darauf war in der Kl. Frankfurter- strahe 3/4 durch Umfallen einer Petroleumlampe in einer Wohmiiig ein Brand entstanden, der Möbel und Decken beschädigte, aber m kurzer Zeit abgelöscht werden konnte. ..... nur derjentge, der durch solche schlechte Lieferung das„Ansehen der Genossenschaft schädigt"; es findet also eine Ausschließung nur dann statt, wenn eine solche Alis den Nachbarorten� schlechte Lieferung nach außen hin bekannt geworden ist. Ter Rixdorfer Magistrat plant die Uedem ahme der staat Die verkrachten Aegirsäle. Mit der Versteigerung der I lichen Ei»kommen st euer-Veranlagung in die städtische Aegirsäle, die infolge eines sKonflikteS de? Besitzers mit seinem I Verwaltung. Mit Zustimmung der Stadtverordneten-Versammlimg, der eine diesbezügliche Vorlage unterbreitet wird, soll beimFinanz- minister der Antrag gestellt werden, die Geschäfte des Vor- sidenden der staatlichen' Eiiikommensteuer- Kommission, des Er- gänzungSsteuer- SchätzungsauSschusses sowie der Gewerbesteuer- klasje» III und IV für den Stadtkreis Nixdorf auf den Oberbürgermeister beziehungsweise ein andres besoldetes Magistrats- Mitglied zn übertragen. Als Entschädigung dafür wird vom Stcuerfiskus eine Summe von 1,60 M. für jeden Censiten mit über öOO M. Einkommen verlangt. Die Vorteile für die Stadtverlvaltung liegen dabei in einer Vereinfachung der Geschäfte durch Verbindung der Staats- und Gemeindestener-Veranlagung, sowie in einer wesentlichen Kostenersparnis. Die Gesamtcntschädignng dürfte für Nixdorf, falls der Fiskus die geforderte Vergütung von 1.50 für jeden Censiten, der bisher nur der Stadt Brandenburg a. H. aus- »ahmsweise zugestanden wurde, gewährt, 31323 M. betragen. Die Vorlage soll, im Hinblick auf die mir der Negierung zn führenden Verhandlungen von den Stadtverordneten in geheimer Sitzung be- raten werden. Tempelhof. Der Rohbau der hiesigen zweiten Gemeinde- schule ist der Firnia Eckardt u. Denneberg für 121 000 M. übertragen worden.— Die Gemeinde will für Straße nbesprengung, Straßcnrcinigung und Abfuhrwesen versuchsiveise eigne Gespanne einführen. Früher stellte die Große Berliner einen Kutscher und die »vtigcn Pferde und erhielt dafür 2200 M. jährlich; die Fuhrherren am Orte verlangten mindestens zwischen 4500 und 8000 M.— In der Angelegenheit der Einziehung des Grünen Weges und der Herstellung' einer Ersatzstraße beschloß die Gememdevertretung, de» Beschluß vom IS. Februar d. I. dahin zn ändern, daß von der vom Eisenbahn- und Militärfiskus zu zahlenden Summe Tempelhof 100 000 M. statt 110 000 M. und Rixdorf 10 000 M. statt 8000 M. erhält.— Au der ersten Gemeindeschule soll zum Oktober eine neue Lehrerstelle errichtet werden. NuS Cchöneberg schreibt man uns: Bekanntlich hatte bei der jüngst stattgehabten Stadtverordneten- Ergänzungswahl im vierten Bezirk unser Parteigenosse Obst gegenüber dem bürgerlichen Mischmaschkandidaten' den Sieg davongetragen. Wie ivir dem „Schöneb. Tagebl." entnehmen,' ist nun von der gegnerischen Seite gegen diese Wahl Einspruch erhoben Ivorden mit der Begründung. daß nicht mehr am Orte wohnhafte Personen daran teilgenommen haben sollen. Inwieweit diese Behauptung zutrifft, werden ja die Feststellungen ergeben, trotzdem aber dürften die Herren mit dem Protest jedenfalls kein Glück haben. Nach verschiedenen Eni- scheidungen ist ein solcher mit diesem Einwand nicht begründet, vielmehr hat die Praxis sich dahin entschieden, daß das Wahlrecht für die Dauer der Gültigkeit der Wählerlisten besteht. Es könnte ja sonst der Fall eintreteten,' daß mancher Wähler durch Wegzug seines Wahlrechts verlustig ginge. Der Schmerz über die Niederlage des bürgerlichen Kandidaten muß immerhin recht groß ge- Wesen sein, trotzdem sich Konservative und Demokraten, Liberale und National-Sociale, der Grund- und H a u s b e s i tz e r- Verein und der Mieterverein einmiitiglich zur Bekämpfung der Social- demokraten zusammengefunden hatten. Ein großes Kontingent»nsrer Gegner hatte sich auch wieder aus den Reihen der Straßenbahn- Angestellten gefunden, ja sogar Schaffner und Kutscher hatten sich init ihren Nameiisunterschriften in den Dienst der Bürgerliche» gestellt. Grünau. Nun soll am 27. Juni doch die G e m e i n d e w a h l stattfinden, nachdem Monate lang die Angelegenheit in der Schwebe gehalten wurde. Bei den regelmäßigen Wahlen am ö. März d. I. hatte der Makler S ch m i d t III Timmen erhalten, unser Partei- genoffe W u st r o w 97 und der Spediteur N e u e n d o r f. 93. Den Schildträgern des Herrn Neuendorf behagte dies Resultat nicht und sie versuchten, die Wahl anzufechten. Der Gemeindevorsteher gab das Wahlresultat mit dein Bemerken bekannt, daß engere Wahl stattzufinden habe, ließ jedoch eine ganze Weile verstreichen ohne an die Ausschreibung der Stichwahl zu denken. Aber etwas andres wurde zur allgemeinen Ueberraschung bekannt gegeben, daß ein Angesessener gewählt iverdeu müsse und weil dem so sein sollte,'erklärte der Wahlvorstand in seiner Mehrheit den bisher schon in der Gemeindevertretung gewesenen Herrn Neuendorf als Hausbesitzer für gewählt. Gegen diese rechts- widrige Auffassung legten soivohl unsre Parteigenossen als auch Herr Schmidt Protest ein. Herr Schmidt bewies, daß auch er Angesessener sei, unsre Parteigenossen legten jedoch dar, daß überhaupt kein An- gesessener gewählt zu werden brauche. Zur Abstimmung über den socialdemokratischen Protest kam es nicht, obwohl der Gemeindevorsteher beantragt hatte, de» �Protest abzulehnen; vielmehr wurde der Beschluß gefaßt, die Wahl, sowie sämtliche darauf bezug nehmende Publikationen für ungültig zu erklären. Fünf Wochen darauf wurde dann die Neuwahl zu- nächst auf den 80. Mai festgesetzt und zwar mit dem bei der Bekanntmachung im März weggelaffenen Vennerk, daß ein An- gesessener zu wählen sei. Doch abermals kam irgend etivas da- zwischen und nun ist die Wahl endlich auf den 27. d. M. angesetzt. Unsre Parteigenossen haben gegen das wunderliche Verfahren den Rechtsweg beschritten. Sie tverden, schon weil es ihnen nicht möglich war,' einen Hausbesitzer- Kandidaten zu finden, strenge Wahlenthaltung üben. Das Schauspiel einer öffentlichen Soldatc« mißhandln, ig wurde am Montag Straßenpassante» in Spandau geboten. Das „Spand. Tagebl."' schreibt hierüber:»Eine sonderbare' Veranlassung muß gestern nachmittag der eingezogene Einjährige Unteroffizier Achenbach von der 7. Compagnie des Garde-Fnß-Artillerie-Rc- gimentS gehabt haben, daß er' den K a n o n i e r K r ii g e r von derselben Compagnie auf offener Straße stramm stehen ließ und ihm dann einige weithin schallende Ohrfeigen ver- a b f o I g t e. Diese Scene erweckte den Unmut der Straßenpassanten. und eS rettete sich der schlagfertige Unteroffizier vor einer ordentlichen Tracht Prügel nur durch die eilige Flucht auf einem daherkommenden Straßenbahnwagen. Einige Spaziergänger forschten den Miß- handelten aus, was er eigentlich verbrochen hätte. Der Mann gab an, daß der Unteroffizier ihn deshalb geschlagen habe, weil er ihn nicht gegrüßt hätte, wovon das Gegenteil aber durch einige Personen bezeugt werden kann. Jedenfalls dürfte der Vorfall weiter gemeldet sein."_ Vermifchkes« In KottbuS hat sich Dienstagmittag ein sehr schweres Bau- Unglück zugetragen. Infolge der Leichtfertigkeit des erst zwanzig- jährigen Bauführers stürzte in der Lutherstraße die Gicbelwaud eines bis zur ersten Etage gediehenen Baues ein. Drei Arbeiter wurden schwer verletzt, einer tot unter den Trümmer» hervorgezogen. Der Leiter des Baues wurde verhaftet. Briefkasten der Redaklion. Die iuristtschr SPrechsiunde findet täglich mit SlnSuahilie deS Sonnabends von?»/- bis il'/z Uhr abends statt. O. D. II. Die Arniendirektion kann die Rückerstattung verlangen. Wenn die Witwe unter Darlegung der Verhältnisse schriftlich die Nieder- schlagung der Kosten beantragt, so wird solchem Antrage voraussichtlich stattgegeben. Musik. Können wir Ihnen nicht mitteilen. L. A. 71. Ja.— K. P. LS. Verlangen Sie schriftlich vom Wirt Beseitigung des Mihstandes. Eventuell klagen Sie beim Amtsgericht auf Beseitigung.— P. M.» Emde«. 1. Ja, an die Polizei- und die Militär- bchörden. 2. Ja.-«« M. S., P. G. 64. Nein.- C. S.. Tegel. Mit einem Schadcnsersatzanspruch würden Sie schwerlich durchdringen. Soweit sich Ihrer Schilderung entnehmen läht, sind baupolizeiliche Vor- schriften nicht verletzt.— H.®>. Die Beelitzer Anstalt ist längst eröffnet. Wegen Ausnahme in dieselbe wenden Sie sich an die Anstalt oder an die Invaliden- Versicherungsanstalt.— Th. H. Sie sind zur Zahlung der Alimente verpflichtet. Vorsichtsmaffregcln sür die Zulunst wären zwecklos. — H. L. Auskunst über Recllilät oder Zahlungsfähigkeit einzelner so- genannter Volks-Krankenkaffen können wir nicht geben. Ausführlich und eingehend habe» wir wiederholt vor Abschluß von Versicherungsverträgen mit nicht durchans cinwandsfrei dastehenden Gesellschaften und haben vor bestiimnteii, thatsächlich auch später verkrachten Kassen gewarnt. Zu diesen gehört die von Ihnen genannte nicht.— K. 3. Der Anspruch auf rück- ständige Beiträge zu den Bcrussgenossenschasten verjährt, soweit nicht«ine absichtliche Hinterziehung vorliegt, nach Z 103 des Unfallverstcheruiigs-Gesetzes in zwei Jahren nach Ablauf des Kalenderjahrs, in welchem sie hätten ge- zahlt werden müffen. Sind Sie erst im Jahre 1901 zur Zahlung auf- gefordert, so wäre also die Forderung für 1898 verjährt.— M. it. Ja. — litvL. 1.— 3. Die Kosten eincs Prozesses richten sich nicht nach der Anzahl der Termine, sondern nach dem Wert des Streitgegenstandes. Der Wert des Stteitgegenstandcs wird in EhescheidungS- und Alimentensachen vom Gericht festgesetzt, i. Ihnen liegt die Nnterhaltungspfücht ob, wenn Sie als schuldiger Teil erachtet sind. Die Höhe ist vom Gericht festzusetzen. b. Wegen der Unterhaltsfordcrung der geschiedenen Ehefrau und des ehe- lichen Kindes ist der gesamte Lohn pfändbar. 0. An die Polizeibehörde.— M. W. 47. 1. Das Aufgebot vor dem Standesbeamten an dem Wohnsitz Ihrer Braut genügt. Der Aushang findet dort statt. 2. Ein Jahr: es müffen vor der Hochzeit mindestens 200 Marken geklebt sei».— X. Nein. WitkerungSübersicht vom 86. Juni 1908. morgens 8 Uhr. SS S S S" 769 N 765 NNO 764 OSO 767 ONO Wetter swolkenl Scheltet 6hlb. bei. 2wolkenl äs e II ä 13 7 16 18 Wetter-Prognose für Donnerstag, den 8«. Juni 1908. Trocken und vorwiegend heiter, nachts noch kühl, am Tage wärmer bei ziemlich frischen nordwestlichen Winden. Berliner Wettervurean. Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Nedaktion dem Pnbliknm gegenüber keinerlei _ Bernntivortnng. Donnerstag, den 26. Juni. pteneS Opern> Theater«IroN). Gastspiel der königlichen Hofoper aus Stuttgart. Orestes. Anfang 7V, Ubr. Im Liederspielhaus: Offenbach- Ehklns. Paimpolund Permette.— Der Regimentszauberer.— Fritzchen und Lieschen. Ansang 8 Uhr. Deutsches. ES lebe das Leben. Ans. 7-/- Uhr. verltner. Alt-Heidelberg. Anfang 7i/. USr. Weste». Der arme Jonathan. An- fang 7V. Ubr. ivletropol.(Morwltz-Oper.) Ein Maskenball. Anfang 8 Uhr. Neues. Ledige Leute. Anfang 7V- Uhr. Residenz. Einquartierung. Ansang 7'/, Uhr. Central. Tolle Mitbürger. Anfang 8 uffr. lBrNe-Sllliance. Die Dame auS Trouvtlle. Hierauf: Er. Anfang « Uhr. Carl Weist. Gefallene Mädchen. Anfang 8 Uhr. Nnedrich-WilhelmstädHsches. Der lustige Ehemann. Anfang 7»/, Uhr. E. V. WolzogenS Buntes Theater (Ueberbrettl). Anfang 8 Uhr. Schall und Ranch. Serenissimus Zwischenspiele u. a. Anfang ' 8»/. Uhr. Slpollo. Lysistrata. Specialitäten Vorstellung. Anfang 7V, Uhr. Reichshallen. Steltiner Sänger. Ansang 8 Uhr. Passage- Theater. Specialitäten Vorstellimg. Anfang nachmittags 3 Uhr. Passage< Panopiiknm. Spedali- lälen-VorfleNiiiig. OrPhenS. Specialitäteli-Borstellmig. Anfang 8 Uhr. Charivari. Täglich Vorstellnng. Ansang 8 Uhr. llranta. Tanbenstr. 48/49.(Im Theatersaal.) Abends 8 Uhr Die deutsche Ostseeküste. Ittvnlidenftraste 67/08. Täglich: Sternwarte._ Tauben-Strasse 48/49. Im Theater um 8 Uhr: Die deutsche Eriitlül-Wattr. Heute, den 26. Juni, Anfang 8 Uhr. {PV Z»m erstenmal:"VB Tolle Wlitbürgee Gesanasposse in 4 Akt. v. A. Schmasow. Musik von Kurt Goldman». Morgen und solgende Tage: Tolle Mitbürger. Vraler-Theater Kastanien- RUee 7—9. WM- Täglich: Durch fremde Schuld. Bollostuct mit Gesang in 3 Akten. Zolls, ige». Cotrlni. Tyrolienne Mary Ellys. GroteSque-Kom Paul Coradini. Brothers Fred, uiusik. ExcentricS. Mr. Bartling, leb. Photogr. Fred Marzahnl Troupe, Pantoni. Musikantenstreiche. Bartlinge elektrische Feerie.(3000 Glühkdrper) Konzert u. Ball. Aniaug 4 Uhr. Eintritt 30 Pf, numerierter Pia, SO Pt-«»Ida. CASTANS Panoptikum Frledrlch-Strasse 165. Photographische Aufnahmen von der Insel Martinique und von den Schlachtfeldern Transvaals. Im Konzertsaal: Schv edische EUnstlerkapelle 4 Damen, 2 Herron. Passage-PanfiptiDii. Oer weibl. Affenmensch. Die Secjnngfep. Der Tigerkimbc. Von nachm. 4 Uhr l/,stündlioh; Damen-RinsliampF. Alles oiineExtra-Entrcc Passage-Theater. Anfang Sonntags 3 Uhr, Wochentags 5, Ende 11 Uhr. | Willy Prager 16 Elite-Nummei'u. Apollo-Theater Um 7 Uhr: Garten-Konzert. Um 8 Uhr: Die sensationellen Spcclalitttten I. Ranges. Um 9 Uhr; Mit kolossalem Erfolg Paul Llnckes Ausscattungs- Operette Lysistrata mit dem Luftballett„Grlgolatlsl' Kasseneröffnung 6 Uhr. CfL Weiss-Theater. Graste Fraiikfnrlerstr. 138. Abends 8 Uhr: Gefallene Mädchen. Berliner Sittenbild in 4 Alten. Morgen: Die Viper. Im Garten: Specialitäten-Bor- stellung. Anfang 5Vi Uhr. k Täglich ab 5 Uhr nachmittags: ■ar- Doppel-Karat. Sonntags und Donnerstags: _ 3 nnHikcorps. jpy* Entree 1 Slark-HW von abends 6 Uhr ab SO Df., Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Sanssouci Kottbnserstr. 4a, Station der Hochbahn. Täglich tiu Garten, bei ungünstig Witterung imSaal: Hofriiiuiinti Norhdciltsche Tanger und Konzert. Senntag, Montag und Donnerstag nach der Soiree: Tanzkrönzchen. Tanz frei! Anfang Sonntags 5 Uhr, EntreeövPs., ab 9 Uhr 20 Pf. Ansang Wochentags! 6 Uhr, Entree 30 Pf., ab g Uhr 20 Pf. 1 nflßtropol-llißatiir Anfang 8 Uhr. Morwltz-Oper. Ein Maskenball. Freitag: Franceschina Prevosti; Carmen. Sonnabend: bei halben Freisen: Die Zanber- llötc. Sonntag: Letztes Gastspiel des Kammersängers Alfred Oberländer: Die JUilln. Belle-Alliance-Theater. Anfang 8 Uhr: IW Zum 180. Mal: „Er"'. Pariser Lebensbild. Hierauf: „Die Dauie aas Troiiville". Bei günstiger Witterung auf der neuen Gartcnbühne. Morgen: Dieselbe Borstellung. __ ErUbela Allerlei Theater Arnold Scholz IVtMIC Welt Haienheide 108/114. Heute, sowie jeden Donnerstag: t471L Elitetag. Doppel-Konzert. Cala-VOrSlellUlljJ. Monztre-Fencrwcrk. Im Bal-champetre-Saal: Grosser 8ommcrnachts-ltall. Anfang des Konzerts ö Uhr, der Vor- stellung 6 Uhr. eintritt SO Pk. BiNets im Vorverkauf a 40 Ps. sind in den auf den Anschlagplakaten ersichtlichen Geschäften zu haben. Morgen Freitag, den 27. u. Sonuabeiid, den 28.: lionzert u. Vorstellung. Seiuitag, bell 29.; Gr. 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M., nach- mittags i3/, Uhr, entschlief saust nach kurzen schweren Leiden mein lieber Mann, der Drcchslermeister August Kulicke. Um stilles Beileid bittet 4S0b Angnste Kulicke. Die Beerdigung findet Freitag, den 27. d. M., nachm. 5 Uhr, von der Leichenhalle des städtischen Friedhofes in Friedrlchsfeide aus statt. Alien Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daff iiieiue liebe Frau Hedwig Pimpler am 23. Juni versterben ist. 4ö7b Die Beerdigung findet am Freitag, den 27. Juni, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle deS Freireligiösen Friedhofes, Pappei-Allee, aus statt. Der trauernde Gatte Oskar Pimpler nebst Kindem. ' Danksagung. Sage hiermit allen Bekannten uui» Genoffe» des 6. Berliner Reichstags- Wahlkreises, dem Centralverband der Maurer(Filiale Berlin) für die Teil- nähme bei der Beerdigung meines lieben Mainies ineinen iunigsteii Dank. 4ö1b Die trauernde Witwe _ Frau Wunders ec nebst Kind. W. Noacks Theater. Brunneiistrah« 16. Täglich Theater-«. Speeill- Rosen und Dornen. 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Bericht über den Gewerkschafts-Koiigreß. Referent Daiil Starire. 172/7 Um zahlreiches Erscheinen ersucht __ Der Tcrtranensmann. Achkunci! MchtunA! klXÄvl'?. Donnerstag, den 26. Jnili, abends 8�/- Uhr, inl Lokale des Herril Lröpler, Bergstr. 147: Uolks-Uersammlung\ T a g e S- O r l> n u» g: »Die prcuhischc Polcnpolitik und ihre Gefahren für das deutsche Volk". Referent: ReichStagS-Abgeordneter Genosse Georg Ledebour. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 232/8 Der Elabemrer. MMl 6- Wahlkreis- Alhtlliig! Donnerstag, 26. Juni, abends 8 Uhr, in den„Germania-Sälen", Chaussecstrahe 103: WokKsversaMMtung Tag es-Ordnung: 1.„Die Leiden des armenischen Volkes und die Pflichten Europas." Referent: Reichstags-Abgeordneter Edusrü Bernstein. 2. Diskussion. 0®?" Um die Versammlung zu einem wuchtigen Protest gegen die Unterdrückung der Armenier zu ge- stalten, ersuchen um zahlreichen Besuch 219/16» Die Deekenuenslenke. Prtk Uolksbühnt. <3 I BerBimi-Riicdorf (E. G. in. b. H.> Montag, dc» 30, Juni, abends 8 Uhr, in, GeiverkschaftöhauS, Engel-Ufer IS(großer Saal): Ovdentli�zv lznlbjÄlzeliÄze General- Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Geschäftsbericht des Vorstands und des Aussichtsrats. 2. Ersatzwahl Zum Vorstand und Aufsichtsrat. 3. Statiiteiiäiidcrung. 4. Antrag des Vorstandes: Beschlnbsaflung über Einziehung der Verkaufsstelle Emdcner- straße. S. Anträge. Der Voraiaad: E. Loske. L. Breslauer. Der Auralchtarat. J. A.: Dreher. Anträge seitens der Mitglieder müssen S Tage vor Stattfinden der Generalversammlung dem Vorstände eingereicht sein. 108/13» Mitgliedsbuch legitimiert.'913 i Töpfer Berlins lind Unippnd. An« Donnerstag, dc» 30. Jnni, abends 0 Uhr, bei Stcchcrt, AndreaSstr. 21: Große öfftillljijie üersliuimluiig. TageS-Ordnung: 1. Wie stellen sich die Töpfer zur Einführung des paritätischen Arbeits- Nachweises. 2. Diskussion. 19b/16 _____ Der Einbernfer: Em st Paul. Utwnl Zimmerei*. AAnitg I Central-RranKeu- u. SterbeKasse der Zimmerer (E. H. Sir. 2, Hamburg), örtliche Verwaltung Berlin. Freitag, 37. Juni, abends 8V2 Uhr, in» GewerkschafishanS, Engel-Ufer 15(großer Saal): Witgflleder-Versamuilniig:. TageS-Ordnung: 1. Wahl deS Vorstandes. 2. Berichterstattung von der XII. General- bersammlung. 3. Diskussion.- gö?- Mitgliedsbuch legitimiert. 259/10 Der Vorxtuad. I. A.: R. Scliröüer. Mittwoch, dea Jali, abcada(i Ulir, las Dewerkschuftslianse(grosser Saal), Eagel-Ufer 15: Oen eral-V ersaininlnng'. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Friedrich Staaipfer über: ..Das l'iilriikuiu", aus seiner Geschichte und von seiner Zukunft. 2. Geschäfts- und Kassenbericht des Vorstandes. 3. Bericht der Revisoren. 4. Diskussion. 5. Anträge und Verschiedenes. 229/13 NV" Der Eintritt ist nur gegen Vorzeigung der alten Mitgliedskarten gestattet, die zur öeneral-Versammlung aus den Zahlstellen geholt werden müssen. Soaatag, den 39. Juai, aachmittags 33/« Uhr: Sechste Opern-Vorstellungim Metropol-Theater: Die Zanherilöte. nrHnor.CifTlinrf am Donaeratag, den S«. Jnni, Ul UllCi OUIUliy abends S'/j Uhr, Im Gewerkschaftshaus. WeSäS""«»hl-tellen-Verandernns;-. Die bisherige fifSSg' Zahlstelle 141 befindet sich nicht mehr in der Blumenstr. 14, sondern im Cigarrengeschäft von Karklinnls, Holzmarktstr. 48a. Die Mitglieder der Zahlstelle 14 werden ersucht, dort ihre alten Karten abzuliefern und erhalten dort Karten und Marken. Dcv Vorstand. I.A.: C. Winkler, Rixdorf, Kirchhofstr, 46. iww® Andrea—tr. 31. Vom 1. Juli er. ab übernehme ich obige Säle und stelle die- selben den Vereinen ze. zur Verfügung. Es wird mein Bestreben sein, die besten Speisen und Getränke zu den eoulautesten Bedingungen zu liesern. Bestellungen werden schon jetzt täglich, auch Sontagö, nachmittags von 1 bis 3 Uhr, im Bureau, AndreaSstr. 21, entgegengenommen. 44� Wilhelm Kussin. Dr. med. Schaper homöop. Arzt«. Spcz.-Arzt f. Bant- u, Barnleiden, Frauenkrankheiten. Koniggrätzerstr. 27. Spr. 9-1. 4-7. HSIe Wanzen sterben sofort nebst Brut durch ineinen IVaa-catod. in Fl. 0,50, 1 M.— Schwaben, Russen. Franzosen:e. werden durch mein Pulver vollständig vernichtet. Schtl. 0,30, 0,60, 1 M. Zahlreiche Anerkennungen. s4254L» 1099 Mark Dclobanng zahle ich demjenigen, der mir einen Richterfolg nachweist. Nur allein echt bei Nugo Barth, Droguerle, Brunnen- strase 18, Ecke Veteranenstraße. iWIMlssMMWM köpfen» Innung»-- Außerordentliche Geiltral-Versammlnttg der Delegierten am Mittwoch, den 9. Juli 1302, abends 7 Uhr, im IiSnlgstadt-Iiaslno,HoIzmarktstr.72. Tagesordnung: l.Statutenändernngz 10des Statuts sowie Anträge des Vorstandes und Beschlußfassung. 2. Wahl von 3 Rc- visoren zur Prüfung der Jahres- äbrechnung pro 1901. 3. Verschiedenes. Delegiertenkarte berechtigt nur. zum Eintritt.. 415b Relnheld Rohkohl, Carl Holer, Vorsitzender, Schriftführer, Wasserthorstr. 26. Höchstestr. 31. Zitlilllideil-Ulitttsttziiiigsfiift der Sttilldrulktr u. Wopzilp Berlins. Am Freitag, de» 4. Juli, abends 8>/z Uhr, findet im gr. Saale des&t- werkschaftshauses, Engel-Ufer 15, die Gkneral-Gersamml« pro.1902 statt, zu welcher säintlid>e Herrn Vertreter ergebenst eingeluden werden. Tagesordnung: 1. Jahresbericht pro 1301 und Ab- nähme der Jahresrechnung. 2. Neil- Wahlen für den Vorstand. 3. Wahl des Ausschusses zur Prüfung der Rechnung des laufeiidsn Jahres. 4. Verschiedenes. 4S0b Berlin, detr 26. Juni 1302. A. Schütz, Vorsigender. Fruchtweine: Apfelwein> Fl. 0,25 M.». 0,30 m. süss und herb Mai Klierns Sommer-Theater, Hasentieide 14-15.1 Sonnabend, den 38. Jnni: Großes Sommerfest verbunden mit Spcclalltiltcn-Tov-tellang arrangiert vom Verein dee JJormee. Anfang der Vorstellung SV, Uhr.— Entree inklusive Tanz 39 Pfennig. Sperrfitz: Nachzahlung 20 Pfennig. In beiden Sälen: Vnossen Ball. 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