Ar. 147. Abomumkitts-Kedingungen: Hbonnement«-Prei» pränumeranbo; vierteljährl. 3,30 SRI., monatl. J.iom, ivöchsxllich 28 Psg. frei in» Hau». «liuelne Nun»»»r 5 Pfg. Sonittag». Siummer n>i! iiiuBiutuf SoübJqjJi Beilage.Die Neue Well" lO Pfg. Post- «bonnemeni: l.lv Marl pro Monai. Singelragen in der Post-ZeiiungS» Preisliste für l»0L unier vr. lüTJ. Unter«reuzband für Deulfchlanb und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für ba» übrige Auslanb 3 Marl pro Mona«. Trsche!, il täglich aufjer Montag«. Berliner VolKsdintk. 19. Inlfrg. Fit Instrllons-GMy» beträgt für die fechsgefpaltene Kolonet- zeile ober beren Raum»0 Pfg., für politische unb gewerlf chaf iliche Vereins- und BerfammlungS- Anzeigen 20 Pfg. „Kleine Anieige»" jedes Wort 5 Pfg. (nur das erste Wort fett). Jnferale für die nächste Nummer müsfen bis i Uhr nachmittags in derExpedilion abgegeben werben. Die Expcbilion ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abend», an Sonn- unb ffestlaAen bis LUhr vormtUagS geöffnet. Telegramm-Abrestet „Lorlaldemostrat Verl!«» Clentvalorgan der soclaldemokratrMen Partei Deutschlands. Nedalikwu: 19. Ventli. Strafte 2. Krrusprecher: Amt I. Nr. Ilio«. Freitag, den 27. Jnni 190Ä. Expeditton: sw. 19, Voulft- Strafte 3. Fernsprecher: Zlmt I, Nr. 5121. Die Gewerbe-Aufsicht in Preußen uitd die Arbeiter. ii. Auch die durch die Arbeiterpresse niitsteteiften Beschwerde» stebc» einem AufsichtSbecunte», dem zu A r» s b e r q. Gefestcnhcit. sich über diese Konkurreiiz zu eutrüsteu. Er meint, das; die Besuche der Llrbeitcr«in einem auffallend«» Midvcrhaftuisse zu de» zahfreicheu Klage» stehe», die i» de» im Bezirk erscheinende», Don orgauisierte» Arbeiter» herausgegebene» Tageszeitungen veröffentlicht wurden". Nun, wen» die Arbeiter ihre Bejchiverdc» de» Zeitungen übermitteln, brauchen sie eben nicht znnt Gewerbe- Aufsichtsbeaintc» z» gehe» I Die Beamte» zu Erfurt, Schleswig, H i l d e s h e i m, Lüneburg konstatieren ohne Bitternis, dah sie durch die Arbeiter presse über zahlreiche Mißstände informiert wurde», i» Lüneburg sogar.über die m e i st e n Beschwerde» und Klage»". Keiner bcschivcrt sich über unrichtige Mitteilungen, nur derArnsbergerBcamte erhebt darüber ein groheS Wchgeschrei,.daß die Bcschivcrde» nach den angestelllc» Ermittelunge» de» zu Grunde liegenden Thntsachc» hänfig nicht entspreche», sondern oft Unrichtigkeiten und Ucbertreibungen ent hielten." Der Beamte wurde sich nichts vergeben, wen» er in jedem Einzelfalle derjenigen Zeitung, die unrichtige Mitteilungen brachte, davon Kenntnis gegeben hätte; cL würde dann gegenseitig eine bessere Kontrolle möglich sein als bei solch summarischem»nd spätem Urteil I Uebrigens fordert die sonderbare Räch ficht, welche die Arnsbergcr Inspektion gegen das U» t e r n e h»» e r t u»n zeigt. aufs allerschärsste die Kritik heraus und zivar nach de» eignen Mitteilungen des Beamten. Im Bericht heißt es nämlich: .Als sehr gesnndheitsschädigend muß die S a n d- a u f b e r e i t u n g in manche» Messiiiggiehcrcien an- gesehe» werden. Der heiße Formsand wird nämlich, nachdem er aus den Formkäste» anSgeschiiltet ist. vielfach mit Wasser beschüttet. damit er behufs Wiederbenutzung schnell abkühlt. Die hierbei auf steigenden Dämpfe reiße» heiße Sandtheile mit enlpor und verbreite» sie durch den ganze» Arbeitsraum, wo sie die Arbeiter ständig einatnien müssen. Vermieden wird dieser Ucbclstand dadurch, daß der heiße Sand nicht mit Wasser begossen, sondern mit kaltem, feuchte» Formsand abgedeckt wird, worauf er bis zur Erkaltung liegen bleibt. Leider mangelt e S in den Gießereien a n Z e i t und Na um, um diese Vorschläge durchzuführen. Bei Neu anlagen für Gießereien sollte für die Sandaufbereitnng ein besonderer Naurn hergerichtet werden." Also erst bei Neuanlagen?! Nein. Herr Geiverberat, bei solchen von Ihnen selbst als„sehr gesnndheitsschädigend" erkannten Miß- ständen find Sie verpflichtet, für sofortige Abhilfe zu sorgen; § 120a der Gewcrbc-Ordnnng bietet Ihnen dazu genügend Macht. „Mangel an Zeit und Raum' ist keine Entschnldiguiig, denn nirgends sagt die Gewerbe-Ordnung, daß auf des Unternehmers Geld- b c u t e l Rücksicht zu nehmen ist, der durch Vergrößerung der Werk- statte und Verlängerung der zur Produktion erforderlichen Arbeits- daucr getroffen werden könnte, sonder» nur auf.die Natur dcS Betriebes". Da Sie aber selbst wisse», daß die Natur jener Betriebe ein für die Arbeiter gcsnndhcitS u n schädliches Verfahren! er- möglicht, so ist eS Aufgabe der Ge'.vcrbc-Aufstcht, sofort und überall diese bisherige Verelendung der Arbeiter zu verhindern I— Man sieht, cS gicbt noch recht sonderbare Anschauungen in der preußischen Getverbc-Anfsicht, und mau braucht sich durchaus nicht zu wundern, wenn die Arbeiter noch immer zögern, ihre Beschwerden bei ihr vorzubringen— müssen sie doch besorgen, daß selbst solche schreienden Mißstände wie die in den Messinggießereien erst bei N e u a n! a g c n als unzulässig erklärt werden I Nun— nicht alle preußischen Anfsichtsbeaniten sind so schroff in ihren Ur- teilen über die Arbeiter und so milde gegen die Unternehmer wie der Arnsbergcr. In erfreulicher Weise ist vielmehr, wie tvir schon erwähnten, der Eifer der Beamten zu Gunsten der Arbeiter und damit deren Vertrauen zu der Gewerbe-Aufsicht gestiegen. Auch die zwei A s s i st e n t i n n e n und die eine A s p i- r a n t i n, die in B e r l i n(Frl. Reichert, Frl. v. Bennigseu-Fördcr) und in M.- G I a d b a ch(Frl. Schlösser) im Jahre 1891 angestellt waren, verstanden es, sich das Vertrauen der Arbeiterinnen zu erwerbe». Der Berliner Bericht teilt darüber zwar nur mit. daß die Assistentin häufig von Arbeiterinnen aufgesucht wurde, auch von weiblichen Verlraueuspersonen. Der Bericht auS M.-Glad- dach aber hebt ausdrücklich hervor, daß.die Bemühungen der Assistentin, den Arbeiterinnen ihreS Dienstbereichs näher zu treten, bereits den Erfolg erzielte, daß die anfängliche Zurückhaltung ihrer Schutzbefohlenen allmählich schwindet. Der Besuch ihrer Sprechstunden hat gegen das Vorjahr zugenommen, und die Assistentin glaubt auch bei ander» Gelegenheiten, die sie mit den Arbciieriiiucn zu- smnineuführt, wahrzunehmen, daß man ihr in zmiehmeudem Maße Vertraue» entgegenbringt. Einen durchschlagende» Erfolg ihrer Thätigkeit meint sie aber erst dann erwarten z» könne», wenn es gelänge, bei den Arbeiterinnen ein besseres Ver- st ä n d n i S für die Zwecke und Aufgabe» der weiblichen Fabrikaufsicht zu wecken,.als es zur Zeit noch im großen Durchschnitt vorhanden ist". Eine sehr zutreffende Bemerkung! Dieses bessere Verständnis wird aber bei den Arbeiterinnen wie bei de» Arbeiter» nur erreicht, wenn sie sich einer gewerkschaftlichen Organisation an- s ch l i e ß e n und daher müssen alle Gcwerbc-AufsichSbeaiiitcn. denen es mit Erfüllung ihrer Aufgaben ernst ist, mit diesen Organisationen der Arbeiter in enger Fühlung stehen und deren Bestrebungen, den papierenen Arbeiterschutz der Gewerbe-Ordnung zur That werben zu lassen, in jeder Weise fördern, nicht aber sie zu diskreditieren suchen und eine Art patriarchalisches Wohlwollen anstelle der wirklich ob- jektiven Abwägung von Rechten und Pflichte» setze» zu wollen; das gelingt ihnen ja doch nicht I_ Englisches Königtum. London, 24. Juni. Am Donnerstag sollte die festlich- pomphafte Krönung Eduard VII. stattfinden, doch ein jähes Schicksal ist hereingebrochen über den zn Krönenden. Gerade da das Britenreich nach den Bedrängnissen des südafrikanischen Krieges seine Macht und Herrlichkeit vor aller Welt in den Symbolen des Krönungsaktes offenbaren ivill, wird der König von schwerer, lebensgefährlicher Krankheit ereilt. Die Schatten des Todes senken sich auf die zahllosen Massen der Festberciten. So tragisch jedoch des erkrankten Königs Schicksal erscheint, darüber war der König selbst sich nicht im Unklaren, daß das Fest nicht ihm gehört hätte, sondern dem Gedanken des„großen Britannien", dem Empire! Eduard VII. kennt die UnWirklichkeit seiner Lage. Seinen Geschichtsunterricht erhielt er nicht in den altersgrauen Hallen von Oxford. Prinzen lernen nicht ans der Schulbank. Ihr Erzieher ist einzig und allein die Nation, die herrschende Klasse oder die sich zur Herrschaft cmporringcnde Klaffe der Nation. Und das aussteigende englische Bürgertum hat seiner Nientorenpslicht so gründlich Genüge gcthau, daß es noch im Niedergänge solvohl das Königtum wie das Proletariat in Schranken hält. Nicht die Auferstehung des Noyalismus kann in England gefeiert werden. Die absolute Monarchie sank mit Hein- rich VIII. ins Grab und mit der Enthauptung Karls I. im Jahre 1649 in Whitehall wurde die englische Krone in Stücke geschlagen. Die Klasse, die ihren König richtete, wurde souverän. Die Machtvollkommenheit der Monarchie ging auf das Parlament über. Seit 1689 ist das Parlament die Quelle aller Macht. In jenem Jahre wurde der Grund- stein zur englischen Demokratie gelegt. Denn nicht in der Erzwingung von Verfassungen, nicht in der Ein- sührung des allgemeinen Wahlrechts, sondern in der lieber- tragnng der Souveränität von der Monarchie auf das Parlament ist der Beginn der Volksherrschast zu suchen. Erst dann bedeutet die Ausdehnung des Wahlrechts eine Entwickclung der Demokratie. So lange das Parlament nicht souverän ist, so lange die Minister nicht von den Ver- tretern des Volkes, sondern von der Krone berufen tverdcn, sind alle politischen Reformen ini Grunde nur Scheinreformen, auch wenn sie hundertmal gesetzlich festgelegt wären. England hat keine geschriebene Konstitution im kontineutal-europäischcn Sinne. Die Vertreter des Volkes sind die Konstitution. So weit das geschriebene Gesetz in Betracht kommt, ist die englische Krone beinahe unbeschränkt. Es giebt kein Gesetz, das den König zwingen könnte, auS der parlamentarischen Mehrheit die Minister zu berufen und sie zu entlassen, sobald sie das Vertrauen der parlamentarischen Mehrheit nicht mehr haben. Die Minister sind Minister des Königs. Der König ist Oberbefehlshaber der Armee und der Flotte. Er ist das Haupt der anglikanischen Kirche. Er ist der oberste Richter. Er kann Gesctzesvorlagcn annehmen oder verwerfen. All das in der Theorie. In Wirklichkeit ist der König machtlos. Die englische Krone ist eine altersgraue Dekoration, hinter der sich ein solides, modernes Gebäude befindet. Die englische Monarchie ist eine Fiktion; das englische Parlament eine Realität. Das königliche Vetorecht wurde seit dem Beginn des achtzehnten Jahrhunderts nicht niehr ausgeübt. Armee und Flotte sind vollständig vom Parlament abhängig. Tie Regierung ist nur die Exekutive, der Ausschuß der Paria- mentarischen Mehrheit. Findet eine lvichtige Vorlage der Regierung keine Mehrheit, so tritt die Regierung zurück. In Deutschland ist das Parlament eine Fiktion und die Krone eine Realität. Findet eine wichtige Regierungsvorlage keine Mehrheit, so wird das Parlament nach Hause geschickt. Mit dem Sturze der Stuarts(1688) verschwand aus der englischen Geschichte das Königtum v o'ik� Gottes n a d e n und au seine Stelle trat das Königtum von Parlaments Gnaden. Wilhelm von Orauien regierte auf Grund eines Vertrages(Doolaraliou of Hights), der die errungenen religiösen und bürgerlichen Freiheiten garantierte. In der Zeit der ersten zwei George, die aus Hannover ans den englischen Thron berufen wurden, war die Krone ganz unter Vonnundschaft. Georg I. verstand kein Wort Englisch und verbrachte sein Leben in der Gesell- 'chaft von geldgierigen Frauen und Höflingen. Georg II. blieb, gleich seinem Vater, sein Leben lang ein Fremdling auf englischem Boden. Georg III., ein beschränkter Despot. der es in Deutschland wohl zu einer starken Regierung ge- bracht hätte, verschuldete zum großen Teil den Absall der nordamerikanischen Kolonien von England. Die Neu- Engländer kämpften auf amerikanischem Boden noch einmal den Kampf, den ihre Vorfahren gegen die Stuarts ausgefochteu hatten. Auch in England führte das despotische'Gcbahren Georgs des- Dritten, der es mit Hilfe von Korruption geltend machen wollte, zu einer parla- mentarischen Debatte über die Stellung des Königtums. Am 6. April 1780 stellte der Abgeordnete Dunniug seine historisch berühmten Antröge:„1. daß der Einfluß der 5lrolie zugenommen hat und noch zunimmt und deshalb beschränkt werden müßte, 2. daß das HauS das Recht hat, die Ausgaben des Königs zu prüfen und die vorgefundenen Mißbräuche abzustellen." Der erste Antrag wurde mit 233 gegen 213 Stimmen und der andre ohne Abstimmimg angenommen. Später gelang es dem jüngeren Pitt, die königlichen Jntriguen und Forderungen in Schranken zu halten, bis endlich Georg der Dritte dem Wahnsinn verfiel und die Krone wieder ganz unter die Kontrolle des Par- laments gelangte. Georg der Vierte hatte sich schon als Kronprinz durch ein zügelloses lüderliches Leben ganz unmöglich gemacht. Sein Nachfolger, Wilhelm der Vierte, war zu einfältig, um der dem Höhepunkt der Macht zustrebenden Bourgeoisie irgend welche Achtung einzuflößen. Fadenscheinig und schmutzig war der Purpur- mantel, der auf die Schultern der jungen Königin Victoria fiel, der es an jedem Talente fehlte, ihm neuen Glanz zu geben. Und es ist sicherlich nicht das Verdienst ihrer legendären Tugend, daß die königliche Würde in den letzten Jahren des neunzehnten Jahrhunderts zu Ansehen gc- laugte. In der Regierungszeit Victorias sind zweijßcrioden zu unterscheiden. Die erste reicht bis ungefähr 1885, die andre bis zu ihrem Tode im Jahre 1900. In der ersten Periode erreichte der Radikalismus seinen Höhepunkt. Die Ve- de u tu n g der Krone sank bis auf Null. Die Peel, Palmcrston, Russell und Gladstone haben als Premier- minister ihre Geringschätzung der Hannoveraneriii gegenüber nie verhohlen. Erst mit dem A u f st e i g e n des Imperialismus entdeckte die Presse die Tugend der Königin und brachte dem Volte den Respekt von der Krone wieder bei. Hielten die liberalen Minister es für nötig, die Königin zu demütigen, so unternahmen weitsichtige internationale Finanzleute die Mentorenrolle über Albert Eduard, dem Prinzen von Wales, indem sie seine zerrütteten Finanzen regulierten und für die Vefriedigung seiner Gelüste sorgten. Mit Hilfe von kosmopolitischen Hetären deuteten ihm die Rhodos, Rothschild, Hirsch, Wilsons. Morgans die Bedeutung des niodischen Absolutismus: die Krone des Empires gegen die Demokratie! Imperialismus gegen Volks- sreihcit l In der Westminsterabtei, inmitten der Marmorstatucn von Englands Helden, sollte nun das Empire und nicht Eduard VII. gekrönt werden. Das heilige Oel, daß der Erzbischof von Canterbury auf die Stirn des Königs streichen sollte, könnte in ihm keine royalistischen Illusionen wecken. Die englische Krone ist seit zwei Jahr- Hunderten in Scherben geschlagen. Von ihr haben Freiheit und Fortschritt nichts zu fürchten und auch nichts zu envarten. Allein hinter dem König steht die Großfinanz und eine unmündige Proletarierniasse. Eine halbe Million der Londoner Armen sollten am King's dinner, am Mittagsessen des Königs,� speisen, das von den Börsenlcuten bezahlt lvird, und die Massen loben die HerzenSgüte und Menschenfreundlichkeit Eduards VII. Als zwanzigjähriger Prinz meinte zu Anfang der sechziger Jahre der jetzige König, er werde noch vor Schluß dcS Jahr- Hunderts einem Präsidenten der britischen Republik Platz machen müssen. Er hat nur zu Gunsten des Groß- kapitals abgedankt. Er weiß, daß seine Krönung nichts bedeutet außer der seierlichcn Einleitung der imperia- listischen Aera. Die Ereignisse in England vollziehen sich gegenwärtig niit einer solchen Schnelligkeit, daß die historischen Unterschiede augeusällig werden. Waö man mit dem vagen Ausdruck Im- perialismus bezeichnet, erweist sich als Ncomerkautilismus, als die Wiederaufnahme des Merkantilsystems auf einer höhereu Stufe. Die neue Aera wird eingeleitet durch Korn- zoll, imperialer Zollverin, NavigntionSakte, Zurückdrängung der Volksbildung und Erstarkung des Staatsgedankcns. Das Merkantilsystem mar die Politik der cutstcheiiden Bourgeoisie lind der ciitsteheuden absoluten Monarchie im Gegen- satze zum Feudalismus. Es bedeutete jenes System von Gesetzen, durch welches der nationale, centralisierte Staat sich auf den Ruinen des mittelalterlichen Lebens begründete. Der nationale Staat konnte nur ent- stehen, indem die gutsherrlichen, municipalcn und kirchlichen Sonderrechte hinweggeräumt wurden. Absolutes Königtum und Bourgeoisie unterstützten sich gegenseitig in diesem Werke. Beide hielten das Proletariat durch zahlreiche Ausnahme- gesetze nieder. Beide bereicherten sich mit Hilfe des Schutzzoll- systems. DaS Merkautilsystem brachte den nationalen Staat hervor. Der Neomerkantilismus will nationale Staaten in ein Empire, in ein Weltreich zusammenschweißen und ccntrali- sieren. Das Merkantilsystcm zerbrach Korporationen; der Neomerkantilismus zerbricht nationale Existenzen, zertritt die freie Individualität und beseitigt die Errungenschaften der Demokratie. Das Merkantilsystem brachte Schutzzölle für die entstehende Industrie. Der Neomerkantilismus verlangt Schutz- zölle für die Absatzmärkte; er verlaugt imperiale Zollvereine. ES scheint, als rüstete sich das Kapitat zu seiner letzen Welt- historischen That. Marx sagt irgendwo, die Bourgeoisie begann mit dem Staat und wird mit dem Imperialismus endigen. Er sagte dies, lvenn wir nicht irren, im Jahre 1870. Es waren prophetische Worte. Nur nmß die Bourgeoisie in einem organisierten, ziel- bewußten Proletariat ihren Gegner finden. Diesen hat sie in England noch nicht. Die bürgerliche Demokratie tröstet sich mit John Morley, den größten Teil ihres Lebens im 19. Jahrhundert verbracht zu haben. Die Arbeiterklasse! Zum wenigsten aber müßten sie, wenn sie nicht so weit gehen hat sich von der Bourgeoisie noch nicht geschieden und das' Großkapital feiert ungestört seine Triumphe. Die hervor- ragendsten Gestalten in der Westminsterabtei sind heute Chaniberlain. Beit und Picrpont Morgan... Nolikische Mebevfichk. Berlin, de» 26. Juni. Kiudergeschret. Seitdem der Freiherr v. Zedlitz infolge der durch Honorar- rcchnnngen nachgewiesenen Kanalintrignen seines hohen Amtes ver lustig gegangen ist, arbeitet er offen für die journalistische Fronde und ist bemüht, durch möglichst naturalistische Portraitiernng der Person Wilhelms II. die Leute des neuen Kurses einzuschüchtern, um sie für die Zwecke der Scharfmacher und Junker gefügig zu machen. Die kaiserlichen Charakterschilderungen dieses fabelhaft echte» Monarchisten sind innner nach dem Rezept gearbeitet, daß zwischen den Zeilen die Drohung zu lesen ist: Wenn ihr Euch nicht unser» Wünschen fügt, dann werde ich»ml die ganze Wahrheit geigen und dann-- 1 In den„Hamburger Nachrichten" veröffentlicht der genannte freikonservative Abgeordnete Betrachtungen über„da persönliche Regiment", denen folgende Stelleu entnommen ieien: „Die Krcfelder Husarengeschichtr wird an sich ivohl keine praktischen Folgen haben, sondern im Saude verlaufe». Wenn nicht die Stadtverwaltung selbst schon so verständig ist. de» Plan an den dieserhalb an die Stadt zu stellenden Anforderungen scheitern zu lassen, so wird die Sache zwar dem Kriegöministcr einige alodaun nicht unverdient nnangeuehme Stunde» bc reiten, aber mit der Ablehnung der bezüglichen Forderung im Reichstage endigen. Eigentlichlich mühte schon das Reichs Schatzamt ein entscheidendes Veto einlegen, allein das ist bei der Schiväche der Position dieser Ccntralstelle selbst bei so schlechter Finanzlage nicht zu erwarten, ebenso wenig eine Ab setzimg im Bundesrate. Ungleich größer ist die syniptomatische Bedeutung des Vorganges.— Vor allem aber leben wir tri cht m ehr im absoluten Staate und das per sönlichc Regiment des Herrschers ist nicht nur durch die ver- fassungsmäßigen Rechte der Volksvertretung beschränkt, sondern auch an die Mitlvirkimg selbständig verantwortlicher Minister ge bnuden. Es ist ein planmässtgcö Bestreben unverkennbar, jene Schranke des persönlichen Regiments zn beseitigen Kaiser Wilhelm II. sieht m seinen verantivortlichen Räten im Reiche und in Preußen anscheinend allein ausführende Organe seines Willens. Das Wort vom„Handlanger" spiegelt wohl durchaus richtig seine Auffassung von der Stellung des Monarchen zu seinen Ministern wieder. Wie sehr dies in den zunächst beteiligten Kreisen empfunden wird, geht ans einer Aenßerung hervor, welche ein unlängst verstorbener hoher Staatsbeamter gelegentlich einer der parlamentarischen Abende dieses Jahres gcthan hat. Er meinte. daß Herrn v. M i q n e I s Rücklriit nicht soivohl wegen der Kanal frage, sonder» deshalb herbeigeführt worden sei, weil er ver sucht habe, im Sinne seiner politischen Verantwortlichkeit die Entscheidungen des Kaisers zu beeinflussen. Die Richtigkeit der Version kann dahingestellt bleiben, sie ist aber jedenfalls für die Stimmung in obersten Kreisen der Beamtenschaft bezeichnend. Unter dem hier in Rede stehenden Gesichtspunkte gewinnt auch die zunehmende Militarisierung dcS preußischen Staat» uiinistcriiims eine besondere, aber keineswegs unbedenkliche Bedeutung. Früher repräsentierte allein der Kriegsminister das militärische Element im Stnatsministerium. Seit der Staats sckretär im Reichs-Marineamt Mitglied des Staatsniinisteriums und das Landivirtschafts- und Arbeilsministeriunr mit Generalen außer Dienst besetzt sind, gehören dem Stantsministerium nach gerade vier Mänucr auf ivelche erzogen und geivohut sind, Wittensänstcrunge» des oberste» Kriegsherrn gegenüber mit de» Sporen zusammenzuschlagen und zn sagen: „Zn befehlen. Euer Majestät!" Die letzte Minister eruennung. bei der es sich um ein Ressort von der aller größten Bedeutung handelt, verdient daher auch unter diesem Gesichtspunkte besondere Beachtung. In einem wesentlichen Punkte aber unterscheidet sich der Krefelder Vorgang und nicht zu seinem Vorteil von der preußischen Königsherrlichkeit des achtzehnten Jahrhunderts. Der charakterische Unterschied zwischen dem Könige, welcher den Junkern gegenüber seine Autorität lvie einen roeksr de bronce stabilisierie, und seinem großen Sohne einerseits und dem Absolutismus des roi soleil und seiner Nachfolger andrerseits>var bekanntlich der. daß jene Prcußenkönige sich allein von der Staats raison und der salus publica leiten ließen und persönliche» Neigungen, Liebhabereien und Impressionen keinen Einstust auf ihr Regiment gestatteten. Sic waren als Regenten die Verkörperung des Kantschen Jinperativs der Pflicht, und darauf beruht zum großen Teil ihre Größe und ihr Verdienst um Preuße» und Deutschland. In den Nahmen ihrer strengen Auffassung ihres Herrscherberufs paßt der Krefelder Vorgang doch nicht ganz hinein. Das ist an sich nicht eben erfreulich.' aber außerdem politisch so uiierwiinscht als möglich. Denn es führt der ohnehin schon Iveit- verbreiteten Ansicht neue Nahrung zu. daß Liebhabereien, Stim- mungcu und sonstige Momente subjektiver Art sich jetzt sehr diel stärker geltend machen, als dies sachlich gerechtfertigt ist. Wie stark gerade Auffassnugcn dieser Art dazu beigetragen haben, den Kanalstreit zu verschärfen und die Verständigung' zu erschweren, ist noch in frischer Erinnerung. Auch vom Standpunkt der monarchischen Autorität ist es natürlich zu beklagen, wenn der Befürchtung. daß Liebhabereien und Tagescindrücken ein größerer Einfluß eingeräumt wird, als gut ist, neue Nahruniz zu- geführt und iveirere Verbreitung gegeben wird, genau so, ivie es derselben keineswegs förderlich sein wird, wenn demnächst der Reichstag seine Zustiiwnung zu der Verlegung eines Husaren- ' Regiments au den Hauptsitz unsrer Sammet- und Seideuindustrie versagt und so die den Krefcldcr Ehrcnjnngfranen gegebene Znsage unerfüllt bleibt. Die Zusage selbst ist natürlich nichts als das Produkt einer durchaus harinlosen Augenblicksstimmuug, und muß an sich unter diesem Gesichtspunkte beurteilt iverde». Das, was berechtigtes Aufsehen erregt, ist der schlver abzuweisende Eindruck, den man ans dem Vorgang betreffs gewisser Grund- anschauungen Kaiser Wilhelms II. erhält. In diesen Mannesmut grimassierenden Ausführungen ist ja gewiß vieles richtig. Aber diefe Auflehnung und Empörung ist doch nichts andres Ivie das Verfahren eines Kindes, das seine Puppe durchaus auf den Kopf stelle» will, und wenn sie dennoch umfällt, jämmerlich schreit, als ob das Geschrei die Naturgesetze der Schwere aufheben könnte. Die Anklage gegen die Person deS Monarchen sind im Munde eines konservativen Royalisteu zwar pikant, aber sie gleiten ivesenlos an der Sache vorüber. Nicht der Monarch ist schuldig, sondern die Monarchie, die preußisch-deutsche insbesondre. Wilhelm II. ist mm einmal so wie er ist. Der Erbmonarchismus gestattet nicht, daß das Volk sich die Form des Temperaments, des Charakters und der Intelligenz aussucht, die es für nützlich zur Ausübung der höchsteil Regierungsgelvalt hält. Mau muß sich vielmehr in die zufällige Wesenheit finden, die gerade zur Regierung gekommen ist. Es ist kindisch, ungerecht und niedrigster Fetischismus, wenn man der Person anrechnet, was die Institution notwendig gewirkt. Herr v. Zedlitz hat das Verdienst, reiches Material gegen den Monarchismus, nicht gegen den Monarchen herbei zu schleppen. Wollen die Konservativen die Konsequenzen ziehen und nach Beseitigung ihres ebenso heftigen ivie wahrhaftigen monarchischen Gefühls, um den beklagten Uebeln abzuheljen. für die republikanische Staatsform agitieren i wollen, diese dreiviertelabsolutistische Verfassung des Reichs und Preußens ändern, die auch ein minder aktives Temperament als das Wilhelms II. mit Naturgewalt zum persönlichen Regiment führen muß. Die Individualität des Monarchen läßt sich nicht korrigieren. wohl aber die Verfassung so ändern, daß sie der Energie des Per sönlichcn Willens staatsrechtliche Schranken setzt. Neben der Verfassung tragen aber in erster Linie die bürgerlichen Parteien und die Parlamente die Schuld an der Entwicklung des persönlichen Regiments. Treibt man nicht unablässig den ckelhaftesien Byzantinismus? Wetteifert man nicht darin, auf alle Wünsche der Krone, und seien sie noch so„individuell", einzugehen? Ist nicht gerade seit der Regierung Wilhelms II. die bürgerliche Opposition so gut wie ausgestorben? Man trägt der Krone die Erfüllung jeden Wunsches entgegen— und dann beklagt man sich über das persöy liche Regiinent. Welch' eine Sclbstverhöhnung! Ja, es hat sich ja sogar neuerdings ein radikal gespreiztes Parteichen aufgethan, das allen Ernstes die famose Lehre aufstellt, kluge Politiker müßten, an statt ihre Grundsätze durchzukämpfen, durch lakaieuschlaue Anpassung an die zufällige Art des Monarchen Vorteile erschleichen! Die bürgerlichen Parteien, der Reichstag und das preußische Ab geordnctenhouS find auch mit viel größerem Rechte anzuklagen als die Minister und der Bundesrat. So lauge es mit absoluter Macht Vollkommenheit ausgestattete Monarchen gicbt, werden sich stets auch Leute finden, die ihnen ministerielle Aufwartungsdienste leisten. Auch Bismarck wollte ja— in der Theorie!— nur ein treuer Diener seines Herrn sein. Warum sollte da Herr v. Thielen sich nicht glückselig preisen, wenn ihm sein König in einem Abschiedsschreiben„für die mannhafte Art" dankt.„mit der Sie jederzeit m einen Intentionen gefolgt und die großen Aufgaben auf dem Gebiete des Verkehrswesens vertreten haben". So ist die Zedlitziade in jedem Betracht schief und unlogisch Freilich ist sie auch nicht so ernstlich gemeint. Die Konservativen revidieren lediglich deshalb ein wenig ihre monarchischen Gefühle. weil es sie ärgert, daß der Monarch nicht ganz ihre» Intentionen folgt. Sie wollen ihn durch solche revoltierende» Ketzereien wieder an die Scholle des Junkertums fesseln. Ist das geschehen, dann werden sie wieder überzeugte Monarchisten sein und das Regiment für das beste erklären, das so persönlich wie möglich ist! Das Geschrei ist— an der Logik gemessen— zlvar kindisch aber eS ist dem Zweck der Schreier nach ebenso boshaft wie— ziel- bewußt!— Deutsches Weich. Zolluiahnnng. Die„Köln. Ztg." bringt einen Auszug von demnächst in„Konrads Jahrbüchern" erscheinenden Ausführungen über die Folgen des Nichtzustandekommens des Zolltarifs. Der Autor, der in höheren Beamtenkrcisen zu finden sein dürfte, will durch düstere Ausmalung der handelspolitischen Lage Deutschlands im Falle des Scheiterns des neuen Tarifs alle Mittel Parteien zur Einigung auf die Negiernugsvorlage und zur einigen Abwehr der s o c i a I d e m o k r a l i s ch e u Verzösterungs- a b s i ch t vornehmen. Die Socialdemokratie beabsichtige die Brot- Wucherparole für die Neuwahlen zum Reichstag' zu benutzen; „gelingt ihr das, dann wird der neue Reichstag eine Znsammcu setzung haben, die dem socialistischcn Elemente einen gefähr liehen Einfluß verschafft." Damit erkennt d e r B e r f a s s e r a n, daß der jetzige Reichstag bei seinen Zollivucherplänen nicht die Wählerschaft hinter sich hat und daß die Durchführung jener Pläne dem Verrat an den Wühlern gleich kommt. Die„Kreuz-Zcitung" ergreift bereits zu den Einigkeitsmahnungcn das Wort, sie erklärt, eine Einigung sei nur dadurch möglich, daß d i e Regierung den Wünschen der Agrarier noch weiter emgegen- kommt, und sie schließt ihre Betrachtung mit den Worten:„So wie die Regierung es sich vorzustellen scheint, werden in konsti tutionellen Staaten keine Gesetze gemacht". Die„Kreuz- Zeitung" erhebt sich also wieder als Hüterin des Konstitutionalisnius, da die Monarchie und ihre Regierung nicht genug Brotzoll be willigen will!— Eine pessimistische Stimmung— so schreibt eine parla mentarische Korrespondenz— greift bezüglich der Verhandlungen der Zolltaris-Kommissiou des Reichstags immer mehr um sich. Es wird die Besorgnis gehegt, daß, wenn das jetzige Tempo bei behalten werden sollte,'frühestens im Aug u st die erste Lesung beendigt werden könnte. Man macht sich auch darauf ge- aßt, daß die zweite Lesung sehr oft noch größere Schwierigkeilen als die erste Lesung bieten wird.— Konservative Gcwiffcnhaftigkelt. Die„Kons. Korrespondenz" stricht sich also zu den letzten Beratungen in der Zolltnrif-Kom- Mission aus: „Die Zolltarif-Kommission hat sich in ihren letzte» Sitzungen bei der Beratung der Positionen über Banmwollengespinste ein- gehend Sachver st ä n d i g e n- P r ü f u n g e n gewidmet. Das Ergebnis derselben war eine starke Herabsetzung der meisten G a r n z ö l l e. Hoffentlich wird nicht auch im weiteren Verlauf der Tarifberatungen i» gleich ausfuhr- I i ch e r Weise den Sachverständigen ein so zeitraubendes Ein- greifen ermöglicht, sonst würde an dem Zustandekommen der Bor- läge, ja auch nur an der Beendigung der ersten Kommissionslesung vor dem Herbst gezweifelt werde» müssen." Die„Konservative Korrespondenz" gesteht zu, daß die Anhörung der Sachverständigen in der Kommission zu höchst wichtigen Aende- ruugen der Vorlage geführt hat. Und dennoch fordert sie die Besciti.quug der Sachverstäudigkcit bei den weiteren Beratungen. Bei der Beratung der Textilzölle hatte die Zollkommission in ihren eignen Kreisen Sachkenner. die aus langer Lebeuspraxis die wirklichen Verhältnisse der betreffenden Gewerbszweige kennen. Ihr Urteil brachte die Regiernngsvorschläge alSbald zu Falle. Würde die Kommission in die Lage versetzt werden, auch beispielsivcise kleinere Bauern und Viehzüchter als Sachverständige zu hören, so würden auch die hohe» Getreide- und Viehzölle unhaltbar werden.— Der Mustergcistliche. Der Kaiser hat jüngst zu dem Aachener Stiftsprälate» Bellesheim gesagt:„Wenn alle Geistlichen Ihrer Konfession im deutschen Lande so denken ivie Sie. dann ist es um die Zukunfl nnsres Vaterlandes wohl bestellt." Die„Tägliche Rundschau" teilt nun mit, daß dieser StislS- Prälat in seinem Papst-Artikel im katholischen„Staatslexikon" dem heiligen Vater das Absctznngsrecht über alle Fürsten zuschreibt, sobald die ihm(dem Papst) anvertraute Beschützuug des christlichen Glaubens und der skatholischcn) Kirche diesen Schritt erfordert". Der Papst darf ferner„so oft es das Seelenheil erfordert", st a a t l i ch e " esetze aufheben und„in gewissen Fällen" die Unter- hauen vom Eide der Treue entbinde». Der Kaiser wird sich eben über solche bloß„g e d a ch t e»" Rechte keine Sorge» machen, zumal ja Deutschland das Land ist, ' i dem die katholische Kirche die größte Freiheit genießt; die Kölnische Volkszeitung" will das allerdings nicht wahr haben und erklärt,„daß die angebliche Aenßerung des Papstes unrichtig ist". D i e Behauptung mäg das rheinische Centrumsorgan mit ihrem monarchischen Gewissen ausmache». Immerhin entspricht das angebliche Papstwort mehr den Thatsachen als die durch die Aachener Rede vernnlaßte trotzige Klage eines vatikanischen Organs, daß selbst in der Türkei die Katholiken nicht so unfrei seien wie in Deutschland. Warum schämt sich das Centrum, seine Macht zu bekennen?— Der wunde Punkt. Den Freisimiigen ist es natürlich sehr unangenehm, wenn man sie daran erinnert, daß sie der Regierung— bei der Znckersteuer— mehr Mittel zugeschanzt haben, als nach Lage der parlamentarischen Situation nötig war; daß sie geradezu die weitere Herabsetzung der Znckersteuer verhindert haben. Damit haben die Freisinnigen tüchtig der neuen großen Marine- Vorlage vorgearbeitet, deren Kommen nunmehr auch die Berliner „Neuesten Nachrichten" bestätigen. Wie empfindlich die freisinnige Volkspartei für diese Erinnerung ist, das zeigt eine hübsche Aus- lassuiig der«Breslauer Zeitung", die auf unfern Vorschlag, eines der künftigen Schlachtschiffe Eugen Nichter zu taufen, liebenswürdig bemerkt:„ ,, „Das geistige Niveau des„Vorwärts" sinkt seit geraumer Zeit in auffällig' schnellem Tempo von Stufe zn Stufe nnd erhebt sich jetzt kaum noch über den Tiefstand, auf dem sicki die politische Argunientation etwa der„Staatsbürger-Zeitung" oder des„Bahr. Vaterlandes" zn halten pflegt." Das Breslauer Blatt möge die Praxis des Drefchgraken vollends nachahmen und das Pflicht- nnd ivahrheitsgemäße Gut- achten des„Vorwärts" statt bloß durch Beschimpfung durch eine Pisiolcnfordernug widerlegen!— Gustav Freytag als preußischer Offiziosns. Ein übler Dienst ivird dein Andenken Gustav Frchtags durch die jüngst er- folgte Veröffentlichung der Denkwürdigkeiten des Generals v. S tosch crlviesen. Es wird durch einen Brief, den Stosch am S. März 1869 an Gustav Freytag schrieb, festgestellt, daß aiich dieser bedeutende Schriftsteller sich zn Neplilicndiciisteii miß- brauchen ließ. Es galt damals, den Grafen Usedom mischädlich zu machen. Usedom war preußischer Gesandter am italienischen Hofe und von Bismarck gestürzt worden, iveil er in ihm, gleich wie im Grafen Arnim seineii— Nachfolger fürchtete. Usedom aber war bei dein Krouprinzenpaar sehr beliebt, nnd der von Bismarck eigenmächtig erzivlmgeue Abschied des Grafen Usedom ärgerte auch den alten Wilhelm. Man wollte nun den Grafen dadurch beruhigen, daß man ihm, der künstlerische Neigungen hatte, in der preußischen Kunst- Verwaltung kalt stellte. Aber Usedom widerstrebte und nun wandte sich Stosch an Gicstav Freytag. indem er ihm schrieb: „Bor acht Wochen schrieb Bismarck an Usedom, seine Schritte und Tbätigkeit schädigten die preußische Politik; er möge seinen Abschied einreichen. Usedom schreibt darauf an den König: S. M. habe ihn bei seiner letzten Anwesenheit in Berlin so gnädig empfangen, daß er, Usedom, nicht a» den Allerhöchsten Willen seiner Abberufung glauben könne. Der König, entrüstet, daß Bisniarck, ohne'ihn zu fragen, Gesandte verabschieden will, schreibt an Usedom, er solle bleiben, und Bismarck bekommt einen Zopf. Natürlich dreht sich Bismarck diesen hübsch zurccht und haut Usedom damit. Neue Entrüstung, nnd Bismarck stellt die K a b i u e t t s f r a g e. Darauf fiel den» Usedom ohne weiteres, aber der König gab ihm, ohne Bismarck davon zu sagen, einen Orden und berief ihn in die Stelle von Olfers. Nun wird gewünscht, daß Sie an Usedom schreiben, um ihm den Entschluß zu erleichtern, und daß Sie ihn in einer Zeitung so verherrlichen, daß er hinschmilzt. Die„Grenzboten" dürften Sie aber nicht benutzen, weil die Zusammenhänge klar sind, und dies den Herrschaften(dem Krouprinzenpaar) Unannehm- lichkeiteii bereiten könnte." Der Ton des Briefes beweist, daß Frehlag sich offenbar deS Oefteren zu solchen Diensten hat benützen lassen; denn sonst würde Stosch ein solches beleidigendes Ansinnen nicht an ihn gestellt haben. Vermutlich hat denn auch Freytag den Grafen Usedom in die Kunst weggelobü Er tvurde nach dem Kriege Generaldirektor der Museen. Und Gustav Freytag gilt noch für einen der charaktervollsten bürgerlichen Publizisten!— Wohnungsreform in Hessen. AuS D a r m st a d t wird vom Donnerstag telegraphiert: Die Zweite Kammer nahm heute einstimmig den Gesetzentwurf betreffend die W o h n u n ß s f ü r s o r g e für M i n d e r dem ittelte an. dessen Geltungsbereich sich hinab bis auf Gemeinden von 5000 Einwohnern erstrecken soll. Das Gesetz siebt ferner die Schaffung einer Wohnungsinspektion, die nicht als Organ der Polizei- Aufsicht, sondern der Wohlfahrtspflege gedacht ist, owie die Förderung der Erbauung von Wohnungen für Minder- bemittelte vor. Wie von feiten der Regierung hervorgehoben wurde. oll es ein Versuch sein, die Schädigungen durch Alkohol, Tubcr- kulose ec. im Interesse des Volkswohls zu verhüten und so der All- gemeinheit zu dienen.—_ I» Südwcstafrika ist der Eisenbahnbau Swnkopmund- Wind- hoek jetzt beendigt worden. Die offiziöse Presse feiert hierin ein koloniales Ereignis ersten Ranges. Die Größe des Ereignisses ist an wenigen Zahlen leicht zu ermessen: Der Bahnban kostete dem Reiche über kiWs Millionen Mark, außerdem erhält Deutsch- Südwestafrika ans der Reichskasse eine» jährlichen Zuschuß von 6 Millionen Mark; dabei giebt es dort ganze 2223 Deutsche, von denen 82S auf die Schutztruppe entfallen, die Jahres- ausfuhr aber beträgt noch nicht eine Million Mark und nimmt 'tändig ab!— Ausland. Die Statistik als Feind der Reaktion. Aus Rußland wird uns geschrieben: Die agrarstatistischen Arbeiten der russischen SemstwoS(SelbstverwaltuugS-Körperschaften) haben einen guten Ruf weit über die Grenzen des Zarenreichs hinaus. Die gesamte neuere theoretische Litteratur dernissischenNationnlökonomie ußt in ihrem agrarpolitischen Teil auf diesen Arbeiten, die als eine? der unvergänglichsten Denkmäler der S cinstwos betrachtet werden müssen. Die Vorzüge der Semstivo-Statistik sind eS aber auch von jeher gewesen, die diese der Reaktion verhaßt gemacht hat. Was halfen die Wittefchcn Schönfärbereien, wenn die Semstwo-Statistik ihnen immer wieder den Stempel der Schwindelei aufdrückte, was der irenengesang der zarentreuen Hofknechte über die Wohlthaten des Absolutismus, wenn jahraus, jahrein die Semstwo-Statistik ziffern- mäßigeBelcge über den wirtschaftlichen Niedergang desLandcS unter der autokratischcn Last darbot? Hieraus ist zu erklären, daß die Regierung schon stets die statistische Thätigkcit der SemstwoS argwöhnisch verfolgte. Die Frage bekam eine aktuelle Bedeutung, als in den südlichen Gouvernements die lvauernbcwcgnng aifftrat. Der neue Minister des Innen: von P I e h tv e wendete nach seiner Ankunst in dem Aufrnhrgebiet ihr seine besondere Aufmerksamkeit zu. Und siehe, die staatsmännische Nase deckte im Handumdrehen die Kardinal- Ursache der Hungerbcwcgmig auf: Schuld an allem seien i e st a t i st i s ch e n Erhebungen der S e m st Iv o S. weil te ,,in den Bauern falsche Vorstellungen erweckten". Plehwe beschloß, das Uebcl mit den Wurzeln auszurotten. Der Semstivo-Statistik ist nunmehr der Garaus gemacht. Der Kaiser hat bereits ein Reskript unterzeichnet, das von nun au tatistische Erhebungen in den 12 Gouvernements Bessarabien. JekaterinoSlaw, Kadan, Kursk, Orel, Pensa, Poltaiva, Samara, SimbirSk, Tula, Charkow, Tschernigotv ganz untersagt, in den übrigen 22 Gouvernements, in denen die Semstivo-Vcrwaltiing ein« geführt ist, ist eS den Gouverneuren überlassen, nach ihrem Gut- ü n k e n zn handeln, ob sie das Verbot auchaufihre ebiete ausdehnen wollten. Indem durch diesen neuen Gewaltakt auch die wissenschaftliche Bethätigung schwerste Beeinträchtigungen erleidet, werden neue Streiter in die Arena deS unnachsichtlichen politischen Kampfes ge- drängt werden, durch den allein die Bahn auch für die freie wissen- 'chastliche Forschung freigelegt werden kann. Frankreich. Pari», 26. Juni.„Libre Parole" will erfahren haben, daß die amilie Humbert sich in drei Gruppen geteilt und anf verschiedenen Legen nach Korfu begeben hat. Frau Humbert sei nach England gereist, Louis d'Anrignac nach Spanien geflüchtet, Frederic dÄurignac l nnd Fräulein Eva Humbett hätten sich nach Bari und von dott nach Storfu begebe». Hier seien sie am 11. Juni zusammengetroffen, wo sie sich noch aufhalten sollen, weil sie sich dort sicher glauben.— England. Die Krankheit deS Königs. Ein DonnerStagvormittag 10>/s Uhr in London ausgegebencs Bulletin besagt:„Der König hatte heute eine bessere Nacht und etivas kräftigenden Schlaf; das Bcfisiden besserte sich in jeder Beziehung; der Znstand der Organe ist vollkommen günstig, der der Wunde ist ebenfalls befriedigend." Nach einem um 2 Uhr nachmittags vcruffent- lichten Krankheitsbericht bleibt das Befinden des Königs zufrieden- stellend. Diesen offiziellen Nachrichten stehen andre weit ungünstigere gegenüber. Es heifir, dag die Censur die Telegramme über das Befinden des Königs sorgfältig prüfe. In der Londoner Bevölkerung nimmt man an, der Znstand des Königs sei hoffnungslos. � Feldmarschall Graf Waldersee, der zur Krönungsfeier delegiert war, hat die Rückreise nach Deutschland angetreten.— Dänemark. Ter Ministerpräsident und die WahlrechtöMcform. Der Ministerpräsident Deuntzer hat dieser Tage auf der Insel Minen in einigen Wählcrversammlnnge» erklärt: Der Entwurf würde vor- gelegt werde», wenn die Möglichkeit der Durchführung der Wahlreform vorhanden wäre. Man solle nur Ver- trauen zur Regierung haben und dann müsse man auch mit kleineren Fortschritten vorlieb nehmen, wenn man nicht alles erreichen könne. Das Haupthindernis der Durchführung demokratischer Reformen und namentlich auch der Einführung des allgenieinen Wahlrechts in die Komniunalverwaltung, ist das L a n d s t h i n g, die dänische erste Kammer, und durch eine Auflösung dieses Things würde man am ehesten den demokratischen Reformen die Wege bahne». Die wichtigste staatsrechtliche Frage, die gegenwärtig in Dänemark viel erörtert wird, ist die: ob von einer eventuellen Auflösung des Landsrhings auch die 12 vom König ernanntc» unter den 6g Abgeordneten betroffen würde», oder ob diese Edlen auf Lebenszeit de», Thing zur Zierde gereichen sollen? Der Jnstizminister A l b e r t i bat hierzu kürzlich erklärt: wenn das Landsthing aufgelöst würde, so würden nicht allein die vom Volke, sondern auch die vom König Gewählten davon betroffen werden. In einer Wähler-Versammlung in Faabory gab Ministerpräsident Deuntzer eine sehr ausweichende Antwort.— Asien. Der russische Abzug ans Ticntsin. Im en'gli scheu llulerhans erklärte am Donnerstag Lord Cranborne, die abgeänderten Bedingungen für die Zurückziehung der provisorischen Regierung aus Ticntsin werde vor einer Vollversammlung der fremden Vertreter gebracht werden, an der auch der amerikanische und der japanische Gesandte teilnehmen würden. Ter britische Gesandte in Peking berichte, dag d a s r u s s i s ch c Mitglied der provisorischen Regierung, der Tientsin verlassen habe, nicht ersetzt werden wird, und dasi der russische Gesandte in Peking erklärt habe, er sei nicht ermächtigt, sich daran z» beteiligen, datz der chinesischen Regierung Bedingungen auferlegt werden, die e r nicht billigen könne. Der englische Gesandte sei in Kenntnis gesetzt worden, dag er sich bemühen solle, eine Ab- äiidcrmig einiger der vorgeschlagene» Bedingungen durchzusetzen.— Amerika. In der JsthmuSkanalfrage ist es nach Meldung des„K. P. V." zwischen Präsident R o o s e v c l t und dem Senator Hanna zu einem K o m p r o m i si gekommen, um einen vollständigen Bruch zwischen dem Präsidenten und dein Senat zu vermeiden. Danach er- hält Präsident Roosevclt Vollniacht, sofort die nötigen Arbeiten für den Jsthinuskanal in Angriff zu nehmen, nur soll der Panamaroute der Vorrang eingeräumt werden, falls die jetzige» Besitztitelinhabcr der amerikanischen Regierung unantastbare Besitztitel aushändige» und volle Souveränität Amerikas bei dem Kanal garantieren können. Werden die Garantien nicht zu Rooscvelts Zufriedenheit geliefert, so kann der Präsident ohne weiteres alles nötige veranlasse», um den Nicaragua-Kannl in Angriff zu nehmen. Ein Beschlutz des Aus- schusses des Repräsentantenhauses hat dieses Kompromitz be- siegelt.— Vom venezolanischen Zlnfstand. Ueber New Jork wird aus Willemslad gemeldet, datz am 11. Juni bei Coro ein fünf- ständiger Kampf' stattfand, nach welchem sich der venezolanische Vicepräsident Avala mit 1744 Offiziere» und Mannschaften den Zlufständische» ergebet» habe. Diesen seien auch fünf Ge- schütze in die Hände gefallen. Nommunslles. Stadtvcrordncten-Vcrsammlung. 24. Sitzung vom Donnerstag, den 26. Juni 1902, nachmittags S Uhr. In den Ausschutz zur Vorberatung der Vorlage, betreffend die Aufbesserung von Beamtcngchälter» sind die socialdemokratische» Stadlvv. Singer. H e i m a n u und P s a nn k u ch gewählt. Ii, das Kuratorium der H a n d iv e r k e r s ch u l e n Ivird der Stadtv. B e r g e r sA. L.). in die K u n st d e p u t a t i o n der Stadt- verordnete Nathan IN. L.), und in die Depntatio» für die innere A n s s ch m ü ck u n g des Rathauses der Stadtv. R ö h l i ch(A. L.) gewählt. Dem Vertrags e n t w n r.f zwischen der Stadt und der Aktien- gesellschaft für die Verbrssernng der kleinen Wohnungen zu Berlin, durch welchen der Gesellschaft ö00 000 M. überwiesen werden sollen, die als Darlehen von der Sparlasse zn S'/a Proz. onfzniichmcu und mit l/a Proz. zu tilgen sind, hat derAusschutz mit einigen Modifikationen zugestimmt. Nach der Vorlage sollte mit 1 Proz. getilgt werden. DasKüiidignngs-undZiirückzahliingsrechtdes Schuldners soll erst nach 15(nicht 5) Jahren beginnen. I» 8 3 ist hinzugefügt, datz die Etagen eine lichrc Höhe von 3,20 Meter haben sollen und datz Seitenflügel oder Qnergcbnude zu Wohnzwecken nicht errichtet iverden dürfen. In 8 4 sind für die Bemessung der Mieten ganz genaue Vorschriften gegeben. Nach ß 6 der Aiisschutzfassmig sollen Familien mit zahlreichen Kindern bevorzugt werden. Zu den Fällen. welche nach 8 3 die Stadt zum Rücktritt vom Vertrage berechtigen, soll auch noch der treten, datz die Gebäude und Wohnungen nicht in bauliche» Würden erhalten werden. DaS Mict-vcrtragsformular soll der Genehmigung des Magistrats unter- liegen; die Ästervcnnictung und die Aufnahme von Schlafburschen soll' nur statthaben, wenn davon weder hygienisch noch sittlich ein Schaden zu befürchten steht. Referent ist der Stadtv. Stadtälteste Kämpf(A. L.). Stadtv. Heimann(Soc.): Wir geben gern zu. datz die Arbeit des Ausschusses ersprietzlich tvar. insofern der Vertrag sich in wesent- lichen Punkten gegenüber der Magistratsvorlage verbessert zu haben scheint. Nichtsdestoweniger sind meine Freunde vollkommen einig in der Berlverfung der Vorlage. Die Lokalbesichtigung hat ergeben, datz die Grötze und»nsstattung der Wohnungen in den Häusern der „Aktiengesellschaft zur Verbesserung kleiner Wohnungen" gar nicht besser ist im Verhältnis zu den andren Wohnungen dortiger Gegend. Der einzige Vorteil besteht darin, datz die Höfe der aneinander stoßenden Häuser zu grotzc» Spielplätzen mit Turngeräten ec. verbunden sind. Eine Gesellschaft.� die sich solche Ziele steckt, mützte aber billige Wohnungen schaffen; denn darin besteht ja die Wohnungsnot, datz die Mietspreise unerschwinglich hoch sind im Verhältnis zum Einkommen. (Sehr richtig I) Eine Aktiengesellschaft ist auch gesetzlich gezwungen. einen Reservefonds zu schaffen, und das mutz steigernd auf die Mieten wirken. Wir beklagen es überhaupt, datz der Magistrat nicht statt dessen eine leistungsfähige Baugenosseuschast unterstützt hat. Die Aktiengesellschaft hat in ihrem Bericht mitgeteilt, datz sie neu eingezogene Mieter um ö Prozent gesteigert hat (Hört! hört!) in der Regel will sie nur bei sctzhaften Leuten von einer Mietserhöhung absehen. Schroffere und rücksichtslosere Kontrakt- bestimmungen wie die Gesellschaft hat auch der ärgste Hauspascha nicht; z. B. soll das Umherstehen vor der HauSthür bei Nicht- befolguug deS Verbots zur sofortigen Räumung der Wohnung führen dürfen. Ächnliche schroffe Bestimmungen stehen Dutzende im Ver- trag. Wir haben gegen die Personen der Gesellschaft durchaus nichts einzuwenden; eine vierprozeutige Verzinsung des Kapitals ist aber immerhin ganz ansehnlich.' Bezeichnend ist auch, datz nach Festsetzung der Ausschutzbeschlüfsc, die die Mictspreise genau regeln, die Gesellschaft trotzdem noch das Recht erlangen wollte, die Mieten in der ortsüblichen Höhe festzuhalten. Dadurch würden die Beschlüsse des Ausschusses doch über den Hansen geworse» werden. Ich iveitz genau, datz viele dieser Ausstellungen durch den Ausschutz beseitigt sind, aber ich wollte doch zeigen, wie die Gesellschaft kon- trollicrt Iverden mutz. Niemand kennt auch die Männer, die nach 15 Jahren an der Spitze des Unternehmens stehen werden; deshalb wollte» wir ja die Gesellschaft auf mindestens ein Mcnschenalter, also auf 30 Jahre, an den Vertrag binden, was leider im Ausschutz aus 15 Jahre reduziert wurde. So kann der mögliche Effekt der sein, datz die Gesellschaft mit städtischem Gelde Häuser baut und später ein»nein- geschränktes Bestimmungsrecht über diese Häuser erhält. Alle den Mietern zugedachten Vorteile fallen dann der Gesellschaft zu. Es ist auch unmöglich, einer andern Gesellschaft später härtere Bedingungen aufzuerlegen. Meine Freunde lehnen es ab, einem Vertrag zuzustimmen, der in den zwei wesentlichen Punkten, der Höhe der Mieten und der Länge der Vertragsdaucr so beschaffen ist. Die Wohnungsnot kann einzig und allein dadurch gemildert iverden, datz die Stadt s e l b st Häuser baut, wie es andre Gemeinden schon thnn: hat doch der Magistrat selbst anerkannt, datz die Massen nicht das Existenzmiiiiinilm haben, um eine Wohnung von 300—400 bc- zahlen zu können. Wir werden wegen nnsrerHaltung vielfach angegriffen iverden, aber deshalb iverden wir von nnsren gewomienen Ansichten nicht abgehen. Wir sind unverbesserliche Optimisten und iverden Ihnen stets neue Vorschläge unterbreiten und Anrcgnnge» in nnsrein Sinne geben, aber Vorlagen wie dieser, die den Stempel der Unzu- länglichkeit an der Stirn tragen, könuen wir nicht zustimmen. (Beifall bei den Socialdemokraten.) Stadtv. Nathan(N. L.): Auch ich stehe auf dem Standpunkt, daß der Wohiinngsnot nicht allein durch die Niitcrstützung von Aktien- gesellschaften wie dieser gesteuert werden kann. Warum soll aber auch nicht dieses Mittel benutzt werden? Der Herr Kollege Hei- mann hat ja auch aiicrkannt, datz der Ausschutz wesentlich verbessernd im Jntercste der Mieter eingegriffen hat. Der Umstand, datz alle bisher von der Gesellschaft' erbauten Häuser stets besetzt waren, ist doch ein Beweis, datz diese Wohnungen Verhältnis- mätzig besser sind.(Oho! bei den Socialdemokraten.) Herr Heimann hat das Mietskontrnkt- Formular einen reinen Pascha- vertrag genannt. Nun,»vir haben das Vertrauen zum Magistrat, datz er keinen derartigen Kontrakt zuläßt, wozu ihm ja nach dem mit der Gesellschaft zu schlietzcndem Vertrage das Recht zusteht. Wir stimmen dem Vertrage auch deshalb zn, weil hier der erste Schritt gethan wird, um durch private Thätigkeit humane Zwecke zu verfolgen. Stadtv. Rast(A. L.): Auch ich stimme der Vorlage nicht zn. wenn auch andern Gründen als Herr Heiinann. Von einer Wohnungsnot ka n n j e tzt k ei n e R e d e mehr sein.(Wider- spruch.) Ich würde zustimmen, wenn hier wirklich mustergültige kleine Wohnungen zu billigeren Mictspreisen hergestellt würden, aber die private Bauthätigkeit leistet bereits das Verlangte. Stadtv. Momniscu(Fr. Fr.) spricht sich namens seiner Freunde für die Annahme des Vertrages aus. Die Bedenken des Kollegen Heiinann, daß nach Auflösung des Vertrages der Privatspekulation der Gesellschaft keine Schranke gesetzt sei, iverden doch durch die Bestimmung des Statuts der Gesellschaft selbst zerstreut, da die Dividende von 4 Proz. nicht überschritten werden dürfe und im Falle der Auflösung der Gesellschaft die Aktienbesitzer nur ihr Kapital zurückerhielten', der eventuelle Neberschutz aber für gemeinnützige Zwecke verwandt werden solle. Stadtv. Cassel(A. L.) spricht sich für die Vorlage im Gegensatz zn seinem FraklionSfrenndc Rast aus. Die Herren von der Social- demokratie hätten sich im Ausschutz trotz ihres Widerspruchs sehr an der Aufstellung des Statuts beteiligt; um so mehr überrasche ihn die Erklärung Herrn Heimanns, datz die Gesellschaft recht lange an den Vertrag gebunden werden müsse. Fünfzehn Jahre seien reichlich bemessen, denn wer könne die Lage deS Hypothekenmarktes nach fünfzehn Jahren übersehen. Vor allem müsie man dnS Vertrauen zuni Magistrat haben, datz er rein kapitalistische Interessen der Gesellschaft nie befördern werde. Die Socialdemokraten sehen darin. daß die Stadt selbst Häuser baut, das einzige Heilmittel gegen die Wohnungsnot. Aber die private Bauthätigkeit habe doch genügt, die Wohnungsnot aus der Welt zu schaffen.(Lachen bei den Social- demokratcn.) Redner bittet zum Schluß, man möchte doch nicht den Socialdemokraten einen Gefallen thnn, indem die Vorlage ab- gelehnt wird. Oberbürgermeister Kirschner: Seit 2 Jahren beschäftigen wir uns mit dieser die ganze civilisierte Welt interessierenden Frage. Auf der einen Seite wird jetzt aber die Forderung anfgestellt, datz die Koinnnine selbst Häuser banen soll, während die andre Seite ver- langt, datz die Kommune sich damit überhaupt nicht zu befassen hat. Der AuSschntz ist zu dem Resultat gekommen, daß ein inittlerer Weg cinznschlagcn ist. Der Magistrat ist legal an die Lösung dieser Aufgabe herangegangen und hat sich in keiner Weise aiißerordent- lich engagiert.' Wir leisten so gut wie nichts, denn wir geben ein Kapital' zu einem Zinsfuß', der an andrer Stelle in gleicher Höhe gedeckt ist. Wir sind also sehr schüchtern. Nun sagen die einen, das ist zn wenig, und die andren. das ist zn viel. Wenn aber in einer so durchgearbeiteten Sache eine Vorlage kommt, die den uns von Jhncn gegebenen Direktiven völlig entspricht, und Sie lehnen sie ab, dann muß man doch sagen, Sie können nicht erwarten, daß die Stadt auf ihre Vor- schlüge besonderes Gewicht legt.(Unruhe.) Welchen Eindruck innß' es machen, wenn Sie nach gcthancr Arbeit nein sagen. Ich würde die Ablehnung kaum verstehen, mützte dann aber der Versammlung die Verantwortung dafür überlassen. Stadtv. Haberland(A. L.) wird den» Vertrage zustimmen, um zu zeigen, daß es der Vcrsannnlnng mit ihrem früher gefaßten Be- schlusse hinsichtlich der Wohnungsfrage ernst sei. Stadtrat Fischbeck teilt mit, datz ein vom Stadtv. Nathan eingebrachter Antrag, das Darlehn erst am 1. Oktober d. I. aus- zuzahlen, die Zustimmung des Magistrats finde. Ein eingebrachter Schlntzantrag wird abgelehnt. Stadtv. Sanitätsrat Neiiina«» schließt sich der Ausschutz- fassn'ig nn. c � wird ein neuer Schlußantrag eingebracht, über den auf Antra, Singer namentliche A b st i m in u n g stattfindet. Die- selbe ergiebt die Ablehnung ans Schluß der Debatte mit 60 gegen 33 Stimmen. Stadtv. Singer(Soc.): Ich bedauere lebhaft, daß die Vorlage ein so winziges Resultat gehabt hat. Sie ist ja erst diskutabel geworden durch die Beschlüsse � deS Ausschusses. Der Oberbürgermeister wirft unS vor, wir ließen den Magistrat im Stich und seine Worte liefen in eine versteckte Drohung ans, der Magistrat thäte nun überhaupt nichts mehr. Ich will doch hoffen, datz der Magistrat sich durch einen Beschlntz der Versammlung nicht stören läßt. Aber es ist nicht richtig, daß der frühere Beschluß der Versammlung durch diese Vorlage zur AnSfiihruiig kommt. Uns wird der Vor- wurf gemacht, es sei uns nicht ernst mit der Regelung der WohninigS- frage.' Sie könneii das uns überlassen, zn entscheiden, was uns nützt oder schadet. Wir sollten auch nicht Hand inHand mitdeiiHausngrarieru gehen, ist uns geraten worden. Wir inüffen uns ja manchmal auch Ihre Gesellschaft gefallen laffen.(Stadtv. Kyllmanu: DaS geht zu weit!) Der Herr Vorsteher mag entscheiden, ob hierin etwas Beleidigendes liegt. Ich gehe sogar so weit zu sagen, daß Herr Kyllmanu auch einmal eine» vernünftigen Gedanken haben kann. (Stadtv. K y I l m a n n wendet sich heftig um und wiederholt seine Bemerkung.) Vorsteher Dr. Laugerhauö: Ich bitte, sich nicht gegenseitig zu reizen.(Heiterkeit.) Stadtv. Singer: Wir wollen nicht die Personen der Ge- sellschaft angreifen, aber wir wisse» ja nicht, ob nach 15 Jahren in ihr noch die heutigen Grundsätze gelten. Dafür giebt es Beispiele, wie humane Bestrebungen später ausgebeutet worden sind. (Stadtv. Haberland: Welche denn?) Wir wollen dem vorbeugen, daß man später einen Jrrtnni eingestehen muß. Die Wohnungsnot besteht nicht nur darin, datz es keine gesunden Wohnungen giebt, sondern datz die Quote, die der Arbeiter für Miete zu zahlen hat, im Verhältnis zum Einkommen zu groß ist. Man kann von einer Aktiengesellschaft nicht verlangen, daß sie auf einen Gewinn verzichtet, wohl aber von der Stadt, iven» sie selbst Häuser baut. Der Magistrat sollte doch seine Schüchternheit ablegen und cinc» kräftigen Schritt thnn. Dann wird er uns auf seiner Seite sehen. Mit diesen Halb- und Viertels- maßregeln, die nur zu Lobeserhebungen verwendet werden, sind wir. nach wie vor nicht ciiiverstnndcu. Vorsteher Dr. Langrrhanö: Herr Singer hat gesagt, daß Herr Khllniann auch einmal einen vernünftigen Gedanken haben kann. Ich rufe ihn dafür zur Ordnung. Nach einigen Worten des Stadtv. N a st wird die Vorlage in namentlicher Abstimmung en bloc mit 62 gegen 41 Stimmen angenommen. Die obligatorische FortbildmigSschiilc. Zum Antrage August in, betr. die Verpflichtung der männlichen A r v e i t e r unter 18 Jahren zum Besuch einer F o r b i l d u n g s s ch u l e hat der niedergesetzte Ausschuß folgende Beschlußfassung vorgeschlagen: Die Versammlung ersucht den Magistrat, baldmöglichst eine Vorlage zur Bcschlntzfassung über die Einrichtung von obligatorischen Fortbild un gs-Schulen unter möglichster Beibehaltung und Fortentwickelung der bestehenden Fortbildungs- und Fachschulen einzubringen. Nach dem ausführlichen Referat des Stadtv. R e i in a n n(A. L.) stimmt die Versammliing dem Ausschußantrage ohne Debatte zu. Ueber eine Reihe von Nechniingen berichtet namens de? Rechnungsansschusscs Stadtv. M c tz n e r(Soc.) Die Versammlung erteilt die Entlastung. Die Vorlagen wegen Versorgung der Gemeinde Friedrichs- Hägen mit Wasser aus den städtischen Wasserwerk am Müggelsee und wegen des Ausbaues der zweiten Hälfte des Wasserwerkes Tegel für Grund Wasserversorgung und Erwerbung eine's forstfiskalischen Grundstücks für diesen Zweck werden von dem eingesetzten Ausschuß zur Annahme empfohlen. Stadtv. Wehl(Soc.): Wir sind mit der Vorlage in Bezug auf FricdrichShagen völlig einverstanden, abgesehen bis auf die Dauer des Vertrages uiid stellen den Antrag, denselben auf 30 Jahre statt 50 zu beschranken. Wir haben auch mit der Straßenbahngesellschaft wegen der langen Vertragsdaner schlechte Erfahrungen gemacht. Wir geben zu be- denken, daß in solchen technischen Fragen wie der Wasserversorgung nichts vorauszusehen ist, denken wir an die Versorgung durch Tiefbrunnen, von der man sich vor 16 Jahren»och nichts ver- sprach. ES ist ja auch möglich, daß die Gewinnungskosten erheblich vermindert werden können, und dann wäre es wenig loyal gegen- über Friedrichshagen gehandelt, es auf 50 Jahre ans einen Preis festzulegen. Stadtrat Hirsekorn weist darauf hin, daß die Verhältnisse hier besondere seien, weil die städtischen Wasserwerke selbst in Friedrichs- Hägen lägen. Es wäre nicht ausgeschlossen, datz in Fricdrichshagcn der Stadt eine unliebsame Konkurrenz entstände, und deshalb sei die Festlegung auf 50 Jahre wünschenswert. Das Amendement der Socialdemokraten wird abgelehnt, der Bertrag im übrigen angcnoinmcii. Zinn AnSbim des Wasserwerkes in Tegel bemerkt Stadtv. Wehl(Soc.): Wir stimmen auch dieser Vorlage zu, die Zustände in Tegel spotten aller Beschreibung. Wir halten es aber für unsre Pflicht, öffentlich Zeugnis ab- zulegen, daß die Hauptschuld für die Notlage dem Fiskus zuzuschreiben ist. Es sind ihm schon vor Wochen Proben des schlechten WasserS zugesandt und bisher ist keine Antwort erfolgt. Die Gemeinde Reinickendorf darf ihre Abwässer in den Tegeler See leiten, wodurch dieser verpestet wird! Es ist auch eine ungeheuerliche Bestimmung, daß der Fiskus berechtigt sein soll, 5 M. pro Quadratmeter zurückzuzahlen wo die Stadt heute 6,50 M. zahle» muß. Wir sind in einer Not- läge und müssen znstinnncn. Es trifft sich gut, datz wir nachher eine Vorlage zn beschließen haben, nach der der Marinefiskus von mis Räume in der Linkstratze mieten will. Ich glaube, wir müssen dem Magistrat das Rückgrat steifen, datz er diese Gelegenheit benutzt, um sich nicht vom Fiskus immer diese Behandlung bieten zu lassen. Die Vorlage wird ebenfalls angenommen. Zur Kenntnisnahme betreffend die Frequenz in den Gemeindcschnleu am 15. Mai d..J. bemängelt Stadtv. Borgmann(Soc.) die darüber beigebrachte Nach- Weisung des Magistrats, weil sie kein wahres Bild der Verhältnisse giebt. Durch die überhohe Frequenz der Klassen, in die die Schüler eingeschult Iverden, können die Anforderungen nicht erfüllt werden. Ferner giebt eS noch 14 fliegende Klassen, die in Aulen untergebracht, in dieser Nachwcisung aber nicht als fliegende Klaffen bezeichnet sind. Ter Magistrat selbst hat aber früher sie als solche bestätigt! Es ist auch gesagt worden, datz am 1. Mai und 1. November die Eiiischiilmigen noch nicht geregelt sind, daher in einzelnen Klassen die zulässige Zahl der Schüler über- schritten sei. Deshalb ist die Fcslstcllnng der Frequenz auf den 15. Mai verschoben worden. Allerdings ist dadurch die Zahl der Schüler, die keinen Platz in der Klasse haben, von 770 im vorigen Jahre auf 460 in diesem Jahre gesunken, aber das bleibt immer noch betrübend genug. In 103 Klassen sind Kinder vorhanden, die nicht alle einen Platz haben. Nun sollen die Klassen eine weit höhere Fassungskraft habe», aber ich mutz demgegenüber feststellen, datz in circa 40 verschiedenen Klassen die Kinder nicht einmal eine Sitzgelegenheit vorfinden. Es ist mir von Lehrern selbst gesagt worden, daß diese Kinder am Fensterbrett stehen und dort ihre Schnlarbeitcn verrichten müssen. Das ist kein glänzendes Zeugnis für Berlin. Für Sie aber ist die Volksschule ein Aschenbrödel. Sie würden mehr für sie sorgen, wenn Sie gezwungen wären, Ihre Kinder selbst in die Volksschule zn schicken. Ich bitte den Magistrat dringend, seine Aufmerksamkeit darauf zn richten, daß dieser Zustand beseitigt wird. Stadtschulrat Gerstenberg: Ich habe schon früher darauf hin- gewiesen, daß die Einführung des nenen LehrplancS allmählich eine Verminderung der bei der Einschulung überfüllten Klassen herbei- führen wird. Es finden sich in der Nachweisung auch viele Druck- sehler(Lachen), wodurch scheinbar mehrere Klassen zu viel Schüler fassen, so zum Beispiel, wenn bei einer Klasse die Fassungskraft ans 45 und die Frequenz ans 49 angegeben wird. Es ist doch auch ein Fortschritt, wenn jetzt nur 400 statt früher 700 Kinder überschüssig sind. Stadtv. Borgmann weist an der Hand seines statistischen Materials nach, daß z. B. an der 56. Schule es an Sitzplätzen fehlt(Stadtschulrat G e r st e n b e r g: DaS ist ein Druckfehler!(Heiterkeit.) Der Herr Stadtschnlrat ist garnicht darauf eingegangen, datz an mehreren Schulen mehr Kinder vor- Händen sind, als nach der Bauordnung überhaupt zulässig und möglich ist. Mit Druckfehlern können Sie doch nicht alles ent- schuldigen. Stadtschulrat Gcrstenberg bemerkt, datz den Druck dieser Nach- Weisung das Bureau der Versammlung, nicht der Magistrat be- wirkt habe. Stadtv. Borgmann hält seine Behauptungen aufrecht und ver- liest zum Beweise eine Mitteilung des Magistrats. Die Vorlage wird durch Kenntnisnahme für erledigt erklärt. Der Urlaub städtischer Arbeiter. Von den Stadtvv. A u g u st i n u. Gen. ist sfolgender Antrag eingegangen: Die Versammlung ersucht den Magistrat zu erwägen, ob die am 20. April dieses Jahres an die Deputationen und Kuratorien ergangene Bersügung über den Urlaub der städtischen Arbeiter nicht nach folgender Richtung zu ändern ist: Den Arbeitern, welche länger nls ein Jechr im Dienste der Stadt beschäftigt sind, ist alljährlich ein Urlaub von einer Woche(7 Tage) unter Fortzahlung deS Lohnes zu gc ivährcn. Stadtv, Hi»t?e(©oc.): Der Gegenstand des Antrages hat die Versammlung schon tgvo beschäftigt, damals erklärte der Magistrats Vertreter, dafz Erwägungen darüber stattfinden sollen. Bisher haben Ivir aber keine Mitteilimge» erhalten. Die einzelnen Deputationen haben sich im allgemeinen zustinimend für die Erteilung eincL Urlaubs ausgesprochen, so will die KanalisationSdepntation von drei Jahren Dienstzeit an dieselbe Zahl von Tagen Urlaub gewähren, nach 7 Jahren also 7 Tage, ähnlich'die Markthallen- Deputation. Man bätte annehme» sollen und müssen der Magistrat würde nun die nötige» Mittel dafür bereit gestellt haben. DaS ist aber nicht der Fall. Im Gegenteil besagt eine Ver- fügung deS Magistrats � vom 20. April dieses Jahres, dafi die von verschiedene» Zweigen der Vcrlvaltung angeregte Urlaubs gewährung eine generelle Negelung wegen der grofien Verschieden heitcn nicht gestatte, auf jeden Fall sei aber Vorbcdingnng, dafi eine mindestens zehnjährige Dienstzeit bei der Stadt vorausgegangeii sein müsse, um einen siebentägigen Urlaub gewähren zu können.— DaS ist die neueste That auf dem Wege der Socialreform, welche der Magistrat eingeschlagen hat und stellt sich würdig der Verhandlung über den Z 616 des Bürgerlichen Gesetzbuchs zur Seite. Wenn wir betrachten, wie sich unsre Arbeiter in den ftanali- sationSanlagcn und bei der Reinigung der Markthallen in ungesunder Luft abrackern müssen, so weist man nicht, ivas man zu dieser Verfügung sagen soll. Unter andren Preststimmen hat auch die„Sociale Praxis" darauf hingewiesen, dast Charlottenbnrg schon nach 2 Jahren einen Urlaub geivährt, es sei nicht abzusehen, warum ein Arbeiter weniger Erholung als ein Beamter bedarf und das Blatt schliestt mit der Bemerkung:«Wir haben aus die social politischer Rückstäudigkeit mancher norddeutschen Städte schon lso oft hingewiesen, dast wir nichts hinzuzufüge» haben." Glaubt man auf diesem Wege zufriedene Arbeiter zu schaffen? ES werden betriebs technische Bedenken geltend gemacht. Aber es braucht nicht zu gleicher Zeit die Hälfte der Arbeiterschaft in den Urlaub geschickt zu iverdeu. Selbst wenn der Kostenpiuikt 100 OOO M. betragen sollte, wie behauptet wird, so kann daS nicht geltend gemacht werden, wo es die Gesund heit der Arbeiter gilt. Deshalb sollte mau zu der Erteilung deS kleinen Urlaubs kommen.(Beifall bei den Socialdemokraten.) Stadtv. Cassel: ES ist doch die Frage, ob eine generelle Regelung dieser wichtigen Sache jetzt erfolgen soll. Nach der Ge schäftsordnung must der Antrag an einen Äusschnst gehen und ich beantrage einen solchen von 16 Mitgliedern. Stadtv. Nosenow/4l1 Uhr. NÄVkei-Msthvichken. Cenofsc Victor Adler beging am Dienstag, wie wir leider verspätet erfahren, den 50. Geburtstag. Die Wiener und vstreichischen Parteigenossen ehrten den Freund, dem sie unendliches verdanken, durch mannigfaltigste Zeichen ihrer Dankbarkeit und Liebe. Auch uns deutschen Socialdemokraten ist eS freudige Pflicht, dem Manne, in dem wir seit langen Jahren die tapfere Geschichte der vstreichischen Bruderpartei verkörpert sehen und in dem die internationale Social- demokratie sowohl den politischen Meister als den austcrordcntlichen Mcnschen bewundert, unsre Verehrung und unsre treuesten Glück- wünsche auszusprechen. Eine Reihe von partekgeschichtlichen Doknineiiten ist durch Zufall in den Buchhandel gelangt. Die Firnia M. u. H. Schaper in Hannover hat aus dem Nachlast des verstorbenen Genossen Dr. Kugelmann in Hannover, der mit Marx eng befreundet ivar, eine Anzahl Bücher und Dokumente erworben, die über die Kreise des SanunlertumS hinaus Interesse erregen dürften. ES findet sich darunter die seltene erste Ausgabe des„Kapital" von Karl Marx mit eigenhändiger Widmung des Verfassers, ebenso die Original- Französische Ausgabe, die von London auS in Lieferungen versandt ivurde, selbst die Streifbandadressen, die von Marx und Engels selbst geschrieben wurden, sind erhalten und den Bänden bei- gebunden. Auch die Originalansgaben der Schriften von Engels„Die Lage der arbeitenden Klaffe in England' und„Dürings Umwälzung der Wiffenschaft", ebenfalls mit Autogrammen deS Verfassers, sind in der Kollektion enthalten. Von der„Neuen Zeit" ist eine ganz komplette Serie vorhanden, sogar das berühmte.Schwarze Buch" vom Jahre 1853(Die Kommunisten- Verschivömmgen von Wermuth und Stieber), das vertraulich für die Polizeibehörden ge- druckt wurde, ist vertreten. Falls das eine oder andre der im Katalog der Firma enthaltenen Werke im Partei-Archiv noch nicht vertreten sein sollte, würde sich vielleicht deren Anschaffung empfehlen. Die Anuoncenbcilage der„Neuen Welt" hat unser Kieler Parteiblatt aus Anlast eines besonderen Falles zu einer abfälligen Kritik veranlastt, deren Berechtigung sich leider nicht abstreiten läßt. Eine Anzahl unsrer Parteiblätter bat sich dieser Kritik durch Abdruck angeschlossen. ES sei aus diesem Anlast darauf hingelvicsen, daß sich sofort nach dem Erscheinen der ersten Jnscratenbeilage die zu- ständigen Partei-Jnstanze» mit der Sache beschäftigt haben. Ihre Einlvirkung hat denn auch gegen die ersten Nummern eine unver- kennbare Besserung zur Folge gehabt; außerdem ist durch einen Vermerk am Kopf der Jnseratenbeilage für Ne- daktion tlnd Verlag der«Neuen Welt" ausdrücklich die Verantwortlichkeit für de» Inhalt der Annoncenbeilage ausgeschlossen worden. Mehr liest sich nickt erreichen, da der Verlag durch einen Vertrag mit der Annoncenfirina gebunden ist. Dieser Vertrag ent- hält natürlich auch Klauseln über den Inhalt der Annoncen, aber bei der Auslegung derselbe» hat sich eben der Unterschied zwischen der socialistischen und bürgerlichen Weltanschauung gezeigt. Tie Ergebnisse de» batirischen Parteitages beschäftigten nach einem Bericht unsres Nürnberger Korrespondenten eine Versammlung der dortigen Parteigcuoffen, in der die Delegierten Bericht erstalteten. In seinem Bericht über die Thätig- keit der LandtagS-Fraktion behandelte Genosse Dr. Braun Haupt« sächlich die W a h l r e ch t S f r a g e. Er beklagte«S, dast der Thätigkeit der Fraktion die agitatorisch« Wirkung nach außen mangele und daß z. B. niemals eine Bewegung gegen die reaktionäre Reichs- ratSkammer ins Werk gesetzt worden, wodurch diese �Körperschaft zu einer großen Macht gelangt sei, waS nicht geschehen wäre. tveim die parlamentarischen Vertreter mehr das Agitatorische berücksichtigten. DaS sei auch in Bezug auf die Frage der Wahl« reform zutreffend. Redner hielt die Vor- und Nachteile der durch die bekaunte Resolution skizzierten Wahlgesetzändcrung gegen ein« ander und bemerkte, daß die Vorteile durch die Nachteile bedeutend überwogen werden. Die Resolution, der auch unsre Vertreter zu- gestimmt haben, entferne sich weit von den im Erfurter Programm, das ja vorläufig auch noch in Bayern' gelte, festgelegten Wahlrcchtsforderungcn. Die Erklärung der Fraktion, dast sie zustimmen hätte müssen, wenn' sie daS Znstandekommen einer Wahlreform überhaupt nicht vereiteln wollte, läßt Redner nicht gelten. Unsre Vertreter im Reichstage hätten dort eine große Reihe von Vorteilen für das arbeitende Volk erzielt, ohne dast sie deshalb ans der Opposition herausgetreten seien. Auch die andern Parteien hätten ein Jnteresie au einer Aendcrung des Wahlrechts, ivie von den Agrariern im Landtage, auch von den Centrumsagrariern offen zugestanden ivorden sei. Es sei ein Irrtum, dast, ivie unsre Abgeordneten meinen, das Zustande- kommen eines Beschlusses von der Zustimmung der kleinsten Parte! in der Kammer abhängen soll. Die Frage, ob es notivcndig sei. gegen die Haltung der Fraktion Opposition zu machen, beantlvorlete Redner folgendermaßen: Wir sind eine demokratische Partei und betrachten unsre Vertreter nicht als eine Art höhere Wesen, sondern als Gleiche unter uns, die wir an eine höhere Stelle gestellt haben, die wir aber auck jeder Zeit auf Grund der Principien unsrer Partei zur Rechen- schaft zu ziehen das Recht haben, und dazu sind die Parteitage der Ort. Genoffe Rudolph berichtete über die Verhandlungen in Bezug auf das G e m e i n d e w a h l- P r o g r a m»l. AIS erfreulich bc- zeichnete er am Schlüsse seines Berichts den Beschlust, in Zukunft zu den bayrischen Parteitagen einen Vertreter des PnrteivorstandeS in Berlin einzuladen, der in principiellcn Fragen mitreden könne. Vielleicht ivcrde cS dann auch nicht iviedcr vorkommen, dast am Schlust des Parteitages ein Hoch auf die bayrische, deutsche und internationale Socialdemokratie ausgebracht werde. In der Diskussion, die sich sehr lebhaft gestaltete, nahmen bis auf den Genossen Joseph alle Redner Stellung gegen die Fraktion. Genosse Simon bemängelte außerdem den aus Anlast der Nürnberger Partciwirren gefaßten Beschlust, dast ans einer ört- lichen Organisation ausgeschlossene Mitglieder in andren Vereinen nicht aufgenommen werde» dürfen. Er hätte erivartet, dast man mindestens den Standpunkt eingenommen hätte, in Berlin den Antrag auf AuS- schlust der betreffenden Personen aus der Partei zu stellen. Der gc- faßte Beschinst führe zu Mistlickkeiten. Schliestlich wurde eine Resolution angenommen, worin sich die Versammlung mit der Thätigkeit ihrer Deiegicrten auf dem Partei- tage einverstanden erklärt und ihnen den Dank ausspricht. Vci den Koinmnnalwahlcn in Italic» siegte in Florenz die socialistische Liste und 11 Gcnoffen treten in den Gemeinderat. In Verona dagegen wurde die Liste der vereinigten Klerikalen und Liberalen geivählt. poliieiliches, Gorichkliches usw. — Uiiniitzc Kosten für den Staat werden wieder ans einem Strafmandat entstehen, das dem Genoffen MertinS in Tilsit zugegangen ist. Derselbe soll am 22. Mai trotz der Aufforderung des Beamten es unterlassen haben, die Frauen aus einer Vcrsamm- lung deS socialdemokratischen Vereins hinauszuweisen. Nun ist daS au und für sich nicht strafbar, auck wenn das Verlangen des Be- amten nicht gegen den Erlast des Ministers verstosten hätte; MertinS hatte aber auch mit der ganzen Versammlung nichts zu thun und der Ueberwachende hatte sich auch init keinem Wort an ihn gewandt! Trotzdem soll er 15 M. Strafe zahlen. Natürlich hat er richterliche Eutscheiduilg beantragt._ VevsÄnnnsungrn. Ncbcr die Frage: Wie beteiligen wir uns an der Sand- tagswahl, sprach am Dienstag Genosse Dr. A r o n s in der Ver- sammlung des Wahlvercins für den ersten Wahlkreis, die in den Anninhallen" tagte. Der Rednerf führte den NachiveiS, dast bei starker Beteiligung der Arbeiterschaft und unter Jnnehaltung der gesetzlichen Vorschriften die preußischen LandtagSivahlen überhaupt nicht zu stände kommen können. Nimmt man an, dast von den durchschnittlich 363 Wählern dritter Abteilung in einenl Urivahlbezirk sich 240 beteiligen und vorschriflSmästig ihre Stimmen abgeben, so lvürde das. nur eine Minute auf die Stimm- abgäbe des Einzelnen gerechnet, 4 Stunden dauern. Ist Stichwahl erforderlich, ivas oft vorkommen kann, 8 Stunden. Doch nur unter sehr günstigen Umständen wird die Urwahl von der dritten Abteilung in diesem Zeitraum vollzogen iverden können. Erwägt man, daß jeder Urwähler das Recht hat, die Namen seiner Wahlmänner selbst in die AbtcilungSliste cinzntragen, und, daß in Berliit die hier zur Urwabl erforderlichen 1300—1400 Säle, ivovon jeder mindcstcus 240 Personen fassen muß, nicht vorhanden sind und man deshalb 2—3 Stuben als Wahllokal in vielen Fällen benutzen muß, so ergiebr sich, dast die Urivahl unter Umständen Tag und Nacht dauern kann. Noch zeitraubender ivird die Wahl der Abgeordneten. Rechnet man auf die Stimm- abgäbe jedes der ca. 1200 Wahlmänner eines WablkreiscS nur eine Minute, so würde ein Wahlgang 20 Stunden dauern, mit Stichlvahl 40 Stunden. Das würde. Ivo 3 Abgeordnete zu ivählcn sind, ivie B. im 1. Berliner Landtags-WahlkreiS, 120 Stunden ausmachen. Hierbei ist das Auszählen der Stimmen, find andre Nebenarbeiten und Störungen der Wahlhandlung nicht mitgerechnet. Man kann also annehme», dast es thatsächlich uoch� länger dauern wird, ja, daß die Wahlen ü b e rh a u p t n i ch t z u st a n d e kommen können, wenn die Socialdemokraten dafür sorgen, dast die g e s e tz l i ch e» B e st i m m» n g e>i streng innegehalten werden. DaS iväre, meint der Redner, eine Blamage, vor oec vielleicht sogar die preustische Regierung zurückschrecke und die sie veranlassen könnte, nock vor der nächste» Wahl eine Aendernug herbeizuführen.— Der Vortrag fand lebhafte Zustimmung. Die Vorführung der Konsequenzen deS unsinnigen WahlsystentS gab wicö.'.holt Anlast zu Heiterkeit.— Vierter Wahlkreis(Siid-Ost). In der„Urania", Wrangel- traste, sprach am Diensiagavend in öffentlicher Versammlung ReickStags-Abgeordneter W o i f g u u g Heine über:„Die Social- deniokratie und die Wissenschaft." Der Vortrag wurde mit großem Beifall aufgenommen, eine Dislussion fand nicht statt. Da andre Angelegenheiten nicht zu erledigen waren, schloß der Vorsitzende Hackebusch die gut besuchte Versammlung. In Grost-Lichterfclde nahm am Mittwoch eine anherordentlich 'iarkbesuchte Versanmilung dortiger Arbeiter Stellung zur Frage der Errichtung eines Gelverbegerichts am Ort. Zu den- enigen Gemeinden, die sich trotz gesetzlicher Borschrift beharrlich iveigern, ein Gcwcrbegcricht zu errichten, gehört auch Grost« Lichterfelde, das sich den Vorrang, an der Spitze aller 'ocialvoliiisch rückständigen Gemeinden zu marschiere«, so leicht nicht ablaufen läßt. Schon die.Vertretung', die der zur Versammlung eingeladene Gen>ci»devo> stand entsandte, verriet viel Geschmack und nock mehr sociales Verständuis. Die Repräsentanten der Gemeinde- verivallniig bestanden ans einem höheren Schutzmann, in Eivil natürlich, da schon zwei uniformierte vorbanden ivare» und einen, angehenden Ranzlistcnl Von der Gemeindevertretnug liest 'ich— wie üblich— nieinand blicken. DaS Referat lag in den Händen des Genossen Fritz Z u b e i I. der in anderthalbstüiidigem Vortrage die Bedeutung der Gewerbcgerichte beleuchtete und die daS Rcichsgesetz so wenig respeltierenden Gemcindcvertvaltnngc», speciell diejenige von Groß-Lichter- e l d e einer scharfen Kritik unterzog. Dem mit lebhaftem Beifall aufgenonunenen Vortrag folgte keine Diskuffion nnd fand eine geharnischte Resolution, die der Gemeinde- Vertretung unterbreitet werde» soll, ein st im ni ige An- nähme.— Nachdem noch Genoffe K e r st e n der merk- würdigen Delegation deS GemeindevorftandeS einige zutreffende Worte gewidmet, Platz auf die schlechten Lohn- und Arbeit«- Verhältnisse der bei der örtlichen Kanalisation beschäftigten Arbeiter hingeiviesen und Marquardt der Anmastnug einiger Lehrer, die den Kindern den Besuch der Lokale von Richter und zum„Birkenwäldchen' zu verbieten sich erküftntcil, entgegengetreten, erfolgte Schluß der imposanten Versaminlling. Zehlendorf. Nach einen: Referat des Genoffen P e u S über den Nutzen der Kollsumgenoffenschaften, wurde in einer Volks- bei der Veraitmg gestellt, damit auch könnten, daraufhin 'Verantwortlicher Redacteur: Carl Leid m Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke m Berlin. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin. versammlnng ein„Vorbercitmigsvercin zur Koiffumgenoffeiischaft" gegründet. Man hofft, daß die Arveiterschaft ain Orte sich stark daran beteiligen lvird; hat sie doch hier zu sehr hohen Preisen ihre Waren zu kaufen. Bei reger Beteiligung soll dann eine Verkauss- stelle der Berliner Genoffenschaft eröffnet iverden. Für den Winter will man schon für die Mitglieder Prctzkohlen licfeni. Beiträge nnd Nufnahmeineldnngen nehmen die Genossen Ernst Mitzner, Machnower- straste 2, Otto Jäkel. Spandanerstr. 26. August Wirth. Augnststr. 6 und Richard Josse, Königstr. 15, entgegen. Zehlcudorf. Am Soniiabeiid tagte hier eine öffeniliche Holz- arbciter-Versamnilllng, welche auch von andren Gelvcrkschafte» stark besucht war. Unter anderm führte Kollege Köster ans: Die Re- giernng halte das Ortsstaint für die Fortbildungsschule zilrnckgcsaildt, daniit sich die Arbeitgeber sowie die Arbeilnehiner deS Orts dazu änstern sollten. Man halte sich aber die Sache �'ehr leicht gemacht, indem einfach den K r a n k e n k a s s c n- Vorständen die Frage vorgelegt wurde, ob sie mit der Einführung der obligatorischen Forlbildungsschnlc einverstanden wären. Vier Arbeiter aus dem Vorstände halte» denn auch mit unterschrieben. I» der letzten GcmcindcratS- Sitzung wurde deS Statuts der Antrag auf Vertagung die Arbeitnehmer ihre' Wünsche änstern wurden dann die Unterschriften der Arbeiter präsentiert, als hätten dieselben keine iveilercn Wünsche mehr. Der Vorstand der Kranken- lasse hat nun Protest dagegen eingelegt beim Gemeindevorsteher. Eine Nesollitio» in demselben Sinne und in der der Wunsch ans- gesprochen lvird, daß der Gcmeindcvorstand in Znlnnft sich an die Vorstände der Gewerkschaften ivenden soll, fanden euistliiunigc An- iiahine._ Uehke Llttchvichke« und DrpeMein Französische Tcpilticrtenkaininer. PariS, 26. Juni.(W.T.B.) Bei der Beratung der ErgänzungS- kredite kritisiert Baro» Reille die Finanzpolitik deS bisherigen FinanzniinisterS Caillanx. Finanznlinistcr Rouvier führt ans, die sinanzielle Lage müsse, oblvoht sie nicht bcdenllich sei. im Auge behalten iverden. Der Fiuanzmiiiister ersucht sodann die Kammer»m ihre Mitwirknng bei Einschränkung der nicht unansichiebbarc» Ausgaben. JanröS führt ans, Frankreich müsse, lvenn eS stark sei» wolle, ein Land des Foitschritts sein. Die Vernlehrung der Ausgaben für militärische Zlvccke sei eine Folge des Fanatismus und der Furcht. Sodann Ivird der Gesetzentwurf betreffend die Er- gäuzungskreditc mit 456 gegen 25 Stimmen angenolninen. Zweijährige Militär-DiciistzcU im französische» Senat. Paris, 26. Juni.(W. T. B.) Die Beratung dcS Antrags Rolland betreffend die Einführung der zweijährigen Dienstzeit lvird fortgesetzt. General Mercicr wendet sich gegen die Ein- stellmlg der Soldaten aus den Hilfslruppen. die physisch und niorallsch minderlveriig seien; man dürfe sie nur außerhalb des Front- diensleS verwende». Die gegenwärtige Ausdehnung der Wcltpolitik fordere, zuerst die milltäriicheil Angelegenheiten in Erwägung zu ziehen, danach erst die socialen. Redner beklagt sich darüber. dast inan den obersten Kricgsrnt nicht zu Rate gezogen habe. Die zweijährige Dienstzeit iverde das Heer nicht verstärken.� Mercier geht ans die Frage der Kapitulanten ein und fährt fort, daS französische Heer würde wohl in der Lage sein, dcm deutschen Heere die Spitze zu bieten, aber nur unter der Bedingung, dast die Cadres noch mehr verstärkt Iverden. Redner glaubt, daß schliestlich durch die Einführung der zivcijährigcn Dienstzeit die HcercSstärke um 35 000 Mann vermindert und die Kosten»och vermehrt iverden würden. Fiel, einet meint, die zweijährige Dienstzeit werde bessere Resultate geben; das Manko von 50000 Mann iverde leicht gedeckt iverden. Der Militärdienst sei die heiligste der Pflichten und»ilisse von allen in absoluter Gleichheit geleistet werden.(Lebhafter Beifall.) Wenn alle Franzosen zwei Jahre dienen iverden, werde die Aus- bildnng eine bessere sein und Disciplin und Corpsgeist iverden gc- Winnen. Die Reserven Iverden einheitlicher sein, ivcil alle Reservisten zwei Jahre gedient haben werden. Die Mehrausgaben werden 25 Milliollen nicht überschreiten. Frcycinct sagt schliestlich. daS Gesetz von 1889 sei ein Gesetz der Ungleichheit und müsse deshalb abgeändert werden. Die Sitzung ivird hiernach anfgehobcn. Zluflehnunz der Finnen gegen de» russischen Militarismus. Frankfurt a. M., 26. Juni.(B. H.) Der„Frankf. Zeitung" wird auS HelsingforS depeschiert: In den Gouvcrilenients Tatvastchns und St. Michel sind die Rekrntenmnstcrungen, die am 15. Slpril be- ganncn,»niimehr beendet. Im Souveniement TaivastehnS fanden sich von 2573 auSgeboteiien Wehrpflichtigen 1310, also 50,9 Proz. ein, im Golivcriiemcnt St. Michel erschienen 746 zur Aushebung oder 44>/z Proz. der Wehrpflichtigen._ Leipzig, 26. Juni.(W. T. B.) Das Reichsgericht verwarf bente die Rcvifion deö ZngfiihrerS PctcrS- Berlin, welcher am 22. März vom Landgericht Paderborn wegen Vcrnrsachling deS EiseilbahiillNglnckZ bei Altenbeken, fahrlässiger Tötung und Körperletznnq zu 6 Wochen Gefängnis vernrleilt worden war. Niort,'26. In»»(W. T. B.) In der Näh- von Melle ent- gleiste infolge von Schienrnbnich ein Personenzug. Etwa 30 Personen erlitten Berletznnge», darnntcr 10 schwere. Mehrere Eisenbahnwaaen wnrden völlig zertrümmert. PariS, 26. Jnui.(W. T. B.) Die Abfahrt der Teilnehmer an der Alitomobil-Wettfayrt PariS— Wien erfolgte heute früh von Chainpigliy ans. Unter den Staiteudc» befandeil sich Fournier. Girardot und Stsnö de Knyff. Die einzellien Wagen wurden in Zlvischenrönmen von 2 Minuten abqelaiien. Gleich am Anfang stürzte ein Wagen; Fahrer und Chauffeur erlitten Verletzungen. Genichlivcise verlautet. Girardot habe zivei Personen überfahre»; eine soll schlver verletzt sein. LangreS, 26. Jmü(W. T. B.) Ein A u t o m o b i l, welches den Rennwagen der Wettfahrt Paris- Wien voransflihr, wurde in der Nähe von Chandcnny, als es einem Bauermvagen ausweichen wollte, gegen einen Baum geschleudert. Der Maschinist wurde' getötet, der Fahrer verletzt. Bei Bronconrt tviirde ein an der Wettfahrt teiliiehmcndcS Autoniobil durch An- prallen gegen einen Stein ningetvorfe». Der Gehilfe des Maschinisten wurde schwer, der Maschinist leicht verletzt. Der Wagen wurde zer« kümmert. Madrid, 26. Jnui.(v. H.) Heute früh fand im Zeltlager Caravanchel bei Madrid eine schreckliche Pulvcrexplosion statt. DaS Lager>var eine Zeitlang in dichte RanchlvoUe» gehüllt. Die Detonation war furchtbar und wurde in ganz Madrid gehört. Drei Mann ivurden getötet, lienn schwer und vierzehn leicht verwundet. Viele Häuser stürzten ein oder wurde» beschädigt. Die königliche Familie nnd der Kriegsmiiiister begaben sich an die UnglückSslälte. Madrid, 26. Juni.(W. T. B.) Bei der Explosion im Militärlager von Carabanckel sollen 17 Mcuschc» verletzt jmd in daS KranlenhanS gebracht worden fein. Die Vertetzten find Soldaten bis auf einen Feldarbeiter, tvelcher in einer Entfeniung von 400 Metern verwundet ivurde. Nack den letzten Meld», ige» ivurde die Katastrophe durch explodierende Grauate» verursacht. Der König begab sich an die Stelle, wo die Explosion ftatlfand. London, 26. Juni. tW. T. B.) NrankheitSbericht von ß'/i Uhr abends: Der König verbrachte den Tag gut. Die NahnmgSaufnahme ivar gut. Der Schwächezustmid läßt»ach; die Temperatur ist jetzt normal. Charbin(Mandschurei). 26. Jniti.(W. T. B.) Unter de» in Jnkou vor zivei Wochen eingetroffenen chiiiesilchen Arbeiter» sind Cholerafälle vorgekommen. Die erkrankten KnliS wnrden isoliert. Von 169 Erkrankleli sind 31 gestorben. Valparaiso, 25. Juni.(Meldung des„Renterscheu Bureau«'.) Heute früh stürzte die Brücke über den Rio Claro bei Talen ein. al« ein Personenzug über dieselbe fuhr. Eine große Anzahl von Personen wurde getötet, andre, denen eS gelang, auf das Verdeck der in den Fluß gestürzten Wagen zu gelange», Ivurde» gerettet. Hierzu 1 Beilage u. Unterhaltuligsblatt.' Dr. 147. 19. MrMg. Kcilqc Ks Jnaräte" Dttliutt öolfeliiatt. Fttilsg. 27. iBtti 1902. Die Beute- Zank. 71. Sitzung der Zolltarif-Kommission. Berlin, 26. Juni. Hochschutzzöllner Graf K anitz und Schluniberger Der der Graf er- wird zogen heute geraume Zeit die Kommission von der Sache ab. ersiere durch die Aufrollung der Doppeltariffrage. Zu sich darüber eutspiimmdeu Debatte wurde schleunigst P o s a d o iv s k y herbcitelcpboniert, der auch alsbald schien. Gründlich wurde die Frage nicht erörtert, sie wohl später»och mehrfach berührt werden. Schlum berger erging sich in den heftigsten Aullagcn gegen die Abgg. Förster Sachse», Müller-Fulda und Münch-Ferber',' die Anträge auf Herabsetzung der Zölle gestellt hatten. Redner verstieg sich zu beleidigenden Schimpf- und Schmähworten, die dann zu einer Geschäftsorduungs- Debatte und heftigen Proteste» führten. B r ö»r e l konstatierte dabei, daß diese Hiuausschleppung der Be ratung nicht durch die Linke, sondern durch Graf Kunitz und Schlum- berger veranlaßt sei. »• • Nachdem die Zölle auf Bauniwollgarn herabgesetzt worden sind beantragen die Webcrcivertrcter M Aller- Fulda, Förster- Sachsen und Münch-Ferber eine entsprechende Herabsetzung der Zölle auf dichte Gelvebe. während die Socialdemolralen Zillsrciheit beantragen. Tie Ncgierung läßt durch Gcheimrnt Luscnökh die Erklärung abgeben, daß sie sich die Entschließung über die Herabsetzung der Garnzöllc bis zur 2. Lesung vorbehalte und darum auch zu den vorliegenden Anträgen sich nicht endgültig äußern werde: Redner ersuchte, die Vorlage anzunehmen. Graf Kairitz, der für die Vorlage eintritt, macht hierbei die Bc- mcrkung. daß im Wirtschaftlichen Ausschuß bei Befragung der Such- verständigen die Frage des Doppeltarifs angeregt und von der Regierung bejaht ivorden sei. Die Differenz des Doppeltarifs habe ca. 25 Proz. betragen. Da hiergegen der Gcheiinrat Mermuth Verwahrung einlegt und betont, daß ein Doppeltarif nie beabsichtigt sei und nicht bc stehe, entspinnt sich eine lange Debatte darüber, ob die Frage des Doppeltarifs unter Zurückstellung der Pos. 444 jetzt besonders beraten werden soll. Jnzivischen ist Graf Posadotvskh erschienen der sofort in die Debatte eingreift und erklärt, im Wirtschaftlichen Ausschuß seien die Sachverständigen befragt Ivorden, welche Zölle zun, Schutz und zur Hebung der heimischen Industrie für nötig'gehalten würden und wie viel bei Handels politischen Verhandlungen nachgelassen werden könne. Daraus seien Differenzen entstanden. Die Regierung sei eben nach diesen Sach- vcrstäudigen-Aeußerungen dann selbständig zu den Sätzen deS E»t Wurfs gekommen. Das sei kein Doppeltarif. Graf Kanih erividcrt, es komme eben darauf an. was mau unter Doppeltarif verstehe, er behaupte, die Differenz zwischen den Sätzen des Tarifcnlwurfs und dem, was man bei handelspolitische» Verhandlungen nachgeben wolle, kennzeichne nach seiner Ansicht den Doppeltarif. Damit schließt die Debatte. Förstcr-Snchscn verteidigt die beantragte Herabsetzung der Zölle zu Position 444 und will durch sie Vcrbrauchsartikel des gemeinen Mannes billig mache». Schlnmbergcr erklärt in großer Erregung, er, nicht die Ver treter der Anträge auf Herabsetzung der Zölle, sei der Vertreter der Gesamtwcberei i die Antragsteller verträten nur ihre Ansichten und Interessen. Es wären Versammlungen, z. B. in Dresden cinbcrnfen worden, in der man den Interessenten vorgeschwindelt habe, man verfechte die Jntercssc» der Weberei. Hetzer seien diejenige», die den dort gegebene» Anregungen gefolgt seien. Der Vorsitzende unterbricht den Redner und meint, er nähme nicht au, daß der Aus- druck.Hetzer" sich auf Mitglieder der Kommission beziehe. sGroßc Heiterkeit.) Schlmnberger behauptet weiter, die Zölle herabznsctzc» oder zus beseitigen, heiße die Arbeiter bestehlen. Darauf erwidert ihm Baudcrt, Scklumbergcr habe als Ver- tretcr des großiudustriellc» AusbeutertumS nicht die geringste Ursache, sich als Freund der Arbeiter aufzuspielen. Er, Redner, habe voriges Jahr Elsaß-Lothriiigc» bereist, dabei hätten ihm in den Haupt- industricorten die Arbeiter Lohuzettcl vorgelegt, die Schaud- und Schnndlöhue konstatierten. So stehe es um die beftohleneu Arbeiter in Elsaß-Lothringe», denen man erst bessere Löhne zahlen möge. Die Anträge der Socialdcmokratcn liegen im Interesse der Arbeiter. Auch Grünbcrg ivendct sich gegen Schlumbergcr. Redner freut sich, daß man die Herren Förster, Münch-Ferber. die über die hohen Dividenden, überhaupt die Praktiken in der Spinnerei Aufklärung gaben, jetzt mit als Hetzer hingestellt habe. Dann liest Prvmcl dem Schlmnberger gehörig den Text über sein für Specialiutercsse» eintretendes Gebahreu und wirft ihm direkt vor, seine eigne» Jntereflen hier zu vertreten. Der Vorsitzende rügt diese Ausdrücke. Auch Münch-Ferber protestiert gegen' das Austreten Schlumbergers, der nicht allein der Vertreter der Weberei sei und kein Recht habe, die in Dresden versammelt gewesenen Herrn Vertreter der Weberei Schwindler und Hetzer zu uenneu. Das seien Ehrenmänner.»Wir, die Antragsteller, vertreten keinen Ver- band und kein Syndikat, wir stehe» hier als Abgeordnete, die das Allgcmeiuintereffe wahrzunehmen haben." Förster und Müller- Fulda schließen sich dem Piotest an. In der Absliinmuug iverden olle Anträge sowie auch die Posiiiou 444 der Vorlage abgelehnt.«Große Bewegung und Heiterkeit.) Ter Vorsitzende erklärt, es sei dadurch eine Lücke im Enltvurf entstanden, die in der zweiten Lesung hoffentlich(Brömcl ruft: Mit Gottes Hilfe! Heiterkeit) ausgefüllt werde. Zu den Positioucu 445—447 Samnict und Plüsch sind Zollsätze ausgeworfen: 445— öo und 110 M.; 446— 90 und 120 M.,' 447— 150 und 190 M. Eine Anmerkung setzt eine» Zuschlag von 20 M. fest für solche Plüsche zc., die anders als durch Pressen gc° mustert sind. Die Soctaldemokraten beantragen Zollfreiheit. Müller-Fulda. Förster und Münch-Ferber beantragen folgende Sätze: 445— 60 resp. 30 M.? 447— 120 resp. 1ö9 M. Bröincl beantragt zu 447— 90 reip. 120 M. Zu 445 wird Antrag Förster ze., zu 446 die Vorlage, zu 447 der Antrag Förster augenoiiunen. Die Anmerkung ivird abgelehnt. Positionen 448, 449 und 450. Vaumwolleu-Filzc, roh 65. gebleicht, gefärbt, bedruckt 100 M.. im Stück als Meterware eingehend, roh 200. zugerichtet 240, mit Band eingefaßt 280 M., 450, ab- gepaßt 280 M. Zu 449 beantragen F ö r st e r zc. 180, 220, und 260 M., zu 450— 260 M.: die Soctaldemokraten beantragen Zoll- f r e i h e i t. Pos. 448 wird nach der Vorlage angenommen. Vaudert begründet den Antrag auf Zollfreiheit. Zu Pos. 449 und 450 werden die Anträge Förster angenommen; die Anmerkung wird abgelehnt. Pos. 451 Tüll, roh, ungcmustert 80 M., roh. gemustert 180 M., zugerichtet 250 M. Rcisthaus begründete den socialdemokratischen Antrag auf Zollfreiheit. Nach längerer Debatte, in der besonders auf die sächsische Tüll- '»dustrie Bezug genommen wird, wird folgender Antrag Förster an« genommen: Tüll: roh, auch zugerichtet(appretiert), ungemustert roh, auch zugerichtet(appretiert), gemustert gebleicht, gefärbt, bedruckt Anmerkung zu streichen. Schluß 2 Uhr. Nächste Sitzung Freitag 3 Uhr. M. 60.— 120.— 250,— Vierte MerallittsaMlm des Verbnildes der dnitscheil BnOrucker. München, 25. Juni 1902. Die Generalversammlung fährt heute in der Beratung der au eine Aenderung des U n t e r st ü tz u n g S- R e g u l a t i v s ab zielenden.Anträge fort. Eine Anzahl Anträge verlangt die Auf Hebung der Gau'zuschüsse und Zahlung erhöhter Unterstützunge» aus der Verbandskasse. Nach längerer Debatte werden alle diese Anträge durch Uebcrgaug zur Tagesordunng erledigt. Weitere Erörterungen betreffen Anträge, die sich auf die Zahlung von Orts-Unterstützung beziehen in Fällen, wo der Betreffende im Auslande gearbeitet hat, dort aber konditionSloS geworden ist. ohne im Auslände unterslützuugsbcrcchtigt geworden zu sein. EinAutrag München, daß in den eben dargelegten Fällen sofort die Orts Unterstützung eintreten soll, wird a u g e n o m m e n. Ein Antrag des Verbandsvorstan'des. eine präcisere Fassung für den die G e m a ß r e g e I t c n- U n t e r st ü tz u n g festsetzenden§ 2 zu beschließen, um Mißbräuche», die bei der Vcrlnngnng von Ge- maßregelten- Unterstützung in mehrere» Fällen zu konstatieren waren, vorzubeuge», ruft eine lebhaste Debatte hervor. Die Mehrzahl der Redner erklären sich gegen den Antrag, eine Einschränkung der Gemaßregcllcn-Unterstützung würde die Bewegung gefährden und die Organisation benachteiligen. Die Fälle, in denen Mißbrauch mit der Gcmnßregelten-Untcrstütz'ung getrieben werde, seien nicht so zahlreich, daß sich eine Aenderung des bisherigen Zustandcs rechtfertigen ließe. Von andrer Seite wird dem gegenüber bctönt, daß das Eintreten sür den Tarif selbst verständliche Pflicht sei und keine besondere Prämie verdiene, die Gemaßregelteii-Unterstütznug könne überhaupt fortfallen. Nach längerer Aussprache zieht der Vorstand seinen Antrag zurück. Döbli'n spricht dabei die Hoffnung aus, daß die Aussprache gute Folgen zeitigen und die Mißbräuche in bczug auf das Ver- langen von Gcmaßregelten-Uuterstütznng beseitigen werde. Ein Antrag desVcrbands Vorstandes will denjenigen Mitgliedern, die gezwungen aussetzen, um Eutlassungen zu ver- hüten und das Aussetzen die Tancr von mindestens einer Woche er- reicht, ArbcilSloscn-Unterstützuug gewähren. Der Anttag wird augenommcn. ein weitergehender Antrag Berlins, auch bei freiwilligem Ltussetzcn Arbcitslosen-Uutcrstützuug zu gewähren, Ivird abgelehnt. Mehrere Anträge bezwecken die Erhöhung der gewährten Um zugsgcldcr. Angenommen wird ein Antrag deS Vorstandes:„Als Unterstützungen werden gewährt bei Entfernungen von einem Orte zum andern bis zu 20 Kilometer Entfernung 20 M., sür jeden weiteren Kilometer bei bis zu 200 geleistete» Wochcnbciträgen 1 Pf. mehr bis zum Höchstbetrage von 100 M. Freiwillig Umziehende und solche Mitglieder, Ivclchc weniger als 100 Wochen, beitrage geleistet haben, erhalten von vorstehenden Sätzen die Hälfte. Nach Leistung von 800 Wochenbeiträgen wird außerdem für jedes zur Zahlung des Fahrgeldes verpflichtete Familienmitglied 1 Pf. pro Kilometer gewährt." Vom Vorstand wird folgende Bestimmung beantragt:„Mit glicder. welche innerhalb drei Jahren zusammen 90 Wochen lang Unterstützung sür Arbeitsunfähige bezogen haben, gelten ebenfalls als a n s g c st e n e r t." Von einzelnen Rednern Iverden Beispiele angeführt, die beweisen sollen, daß es sehr viele Kollegen in der VcrechnungSkunst ihrer Arbeitsfähigkeit sehr weit gebracht haben. Von andrer Seite, namentlich von D c m n t h- Hamburg, ivird die neue Fassung lebhast bekämpft. Der Verband sei dazu da, sür die Kranken und Elenden zu sorgen, nicht dazu, sie abzuschieben. Döblin verwahrt den Voistaud gegen den Vorwurf der Inhumanität. Der Antrag richte sich nicht gegen brave Kollegen, sondern nur gegen die Parasiten. Der Antrag des Vorstandes wird abgelehnt. In einer mehr allgemeinen Debatte über die Jnvalidcn-Uuter ftiitzung wird vom Vorstand betont, daß bisher die Auerkennnug der vollen Invalidität sehr leicht zu erreichen sei. es müsse hier strenger verfahren werden, denn jetzt werde manch grober Uusug verübt. Nachdem noch einige Anträge verivaltungStechnischer Natur an genommen worden sind, schließt die heutige Sitzung um 1/i2 Uhr. Nachmittags nuteruahmcn die Delegierten einen Ausflug»ach dem Starnberger See. Morgen, Donnerstag, stehen die Berichterstattung über den letzten GeivcrkschnftSkongrcß und die Hallung des„Kor- respoudeut" zur Verhandlung._ Prozes; Sande» lind Genossen. Z>v e i n n d z w a n z i g st e r Tag. Nach Eröffnung der Sitzung durch Landgerichtsdircktor Hcidrich sprechen sich zunächst die Bnusachvcrsiändigcn RegierimgS-Vanmeistcr M a l a ch o w s k i und vereideter Kreistaxator M. Z o ch e über den Wert des Grundstückes Brüdcrstr. 5/6 au?. Erstercr hat inr Dezember 1899 im Auftrage der Deutschen Gniudichuldbank eine Taxe angefertigt, ivclche das Grundstück auf 2 024 800 Mark belvertete. Es erläutert dies dahin, daß er bei seiner Taxe nicht mir den zificriimäßigcn Wert, sondern auch den SpetulalionS wert des Grundstücks in Betracht gezogen habe. Damals habe man sich noch ans der Höhe der ivirtichafilichen Entwickelniig befunden und die Umgestaltimg deS Schloßplatzes durch Niederreißimg von Häusern hatte damals als Projekt eine gewisse Konstistenz an- geuomincii und ein solches Projekt mußte ans den Wert des für die Bebaiuing sehr günstig gelegenen Grundstücks einwirken. Es habe eine bebaiiimgsfähigc Fläche von 974 Quadratmeter, den Grund- und Bodcnwcrt habe er mit ca. 1.5 Vlillionen Mark berechnet. That- lache sei doch auch, daß die Häuser in der Brüdcrstraße fast durchtveg in festen Händen sich befinde» und nicht vcrkansr iverden. �iind daß infolge der Niedcrlegnng zahlreicher Häuser in der Scharren- und Gertraudtenslraße und in der dortigen Gegend Überhaupt ein zu GeschästSzivccken zu errichtendes Gebäude eine außerordentlich hohe Rentabilität gewährleiste. Das jetzt vorhandene Gebäude habe eigentlich nur einen Abbrnchswert. bei icincr Wertschätzung habe er alle die angegebenen Momente in Berücksichiignng genoinmcn.— Staatsamvalt Beeck: Sie haben also eigentlich ctivaS geschätzt, was gar nicht real vorhanden war, sondern in der Zukunft lag.— Sachverständiger M a l a ch o Iv s k i: In.— Rechtsanwalt Bern- tein: Wenn Sie die Frage des Staatsanwalts bejahen, dann muß ich bitten, die Momente ganz genau anzugeben, die zur Fest- stellnng deS wirkliche» reale» Wertes führen können.— Der Sach- verständige gicbt diese Momente an und kommt zu der Schlnßzahl 1859 300' M. Der vereidete KrciStaxator Z o ch e hat am 10. Juli 1901 eine Taxe anfgenoinmen. Er erklärt, daß seine Aufgabe nicht gewesen sei. eine Zickimststaxe anfziiiiehiiien, sondern eine Taxe deS Wertes, welchen da« Grundstück an jenem Tage i» Wirklichkeit hatte. Er hat mir einen Wert von 733 065 M. hcranSgercchnet. Er berechnet den Grundwert mit 712 000 M.. den Banwert mit 225 000 M., d. i. zusammen 937 000 M. Der bierzn in keinem BerhällniS stehende Er- tragswert betrage 528 000 M., das Mittel zwischen diesen beide» Zahlen betrage 733000 M. Die Taxe des KreislaxatorS wird von den Verteidigern Rechts- anwalt B e r n st e i n nnd Jnstizrat Stern energisch bekämpft. Geh. Rat H e ch t: Die Hypothekenbanken müssen de» SpcknlationS- wert völlig ausschließen: eS ist dies ein sehr zweifelhafter Maßstab, der für eine Beleihung durch eine Hypolhckenbant imbcdingt nicht berücksichtigt werden darf. Für sie konimt mir der sofort erzielbare Verkanfsw'ert in Betracht, und ein solcher ist in der Brüderftratze nach effektiven Verhältnissen nicht festzustellen, da HanSvcrkänfe dort so gut wie nicht stattfinden. Ein als Zeuge vernommener ehemaliger Bankbote der Preußen- bank bekimder, daß er in einem Falle vergeblich versucht habe, bei Herrn Geucralloiisul Schmidt fällige Hypothekeiizinsen einzukassieren. 1 Als Leumundszeuge für den Angekl. Heinr. Schmidt wird auf Antrag der Verteidigung der Hofrat Linde aus Neustrelitz vernommen. Er kennt den Angeklagten seit 1884, ist auch mit ihm zusammen bei der Nevifion der M-cklenblirgischcn Bank thätig gewesen und gicbt ihm das Zeugnis eines sorgsamen, rechlschaffeneu und ehrlichen Menschen, mit dem zu verkehren ihm eine große Freude gewesen sei. -Es folgt sodann eine längere Darlegung deS Zeugen I ä ii i ck e, Prokurist der Firma Anhalt u. Wagner Nachf., über die Art, wie die Firma ans ihren Vcrpflichliiiigcn durch Verträge mit den Banken zc. herausgekommen ist. Unter Vorführung eines un- gehenercii Zahlenmaterials sucht der Zeuge darzulegen, Ivelche Schwierigkeiten der Firma von de» in VertragSverhaiidluiigeu eingetretenen Banken gemacht worden sind und daß Anhalt u. Wagner im stände gewesen wären, ihre Gläubiger— falls die Katastrophe nicht eingetreten wäre— voll zu befriedigen. Die Nene Boden- gesellschaft. Ivelche sich eine sogenannte„Allsfallsforderung" von 600 000 M. konstriiirt und darauf auch 35 Proz. erhalten, habe Ihat- sächlich mehr erhalten, als sie laut Bücher zu beanspruchen hatte; auf ihre Bedingungen habe eingegangen werden müssen, weil sie fortwährend mit KoiikurScröffmmg drohte. Staatsanwalt Beeck: Die volle Befriedigung der Gläubiger habe darin bestanden, daß 40 oder 85 Proz. gezahlt Ivorden find und die AkliengeseNschaft in dem Vertrage mit fanlen Werten be- friedigt ivorden ist. Jnslizrat Stern hält dies für mizntreffend. Schließlich giebt Bücherrevisor H u s ch k e eine Darstellung des von ihm in Verbindimg mit Bücherrevisor Kruse ans den Büchern gemachten Feststellungen bezüglich des Luil'en-Theaters. Sie gipfeln darin, daß 1898 ein effektiver Betriebsverlust von 127 000 M. e»t- standen ist. Für 1899 fehlte es an den Unterlagen. Nachdem der Gerichtshof beschlossen, den Antrag auf Ver- »ehnning des Sachverständigen Arons über den Wert des HrniscS Brüdei-str. B/6 abznlchuen, vertagt der Vorsitzende die Verhandlung auf Freitag 9 Uhr._ Der Leipziger Bankprozeß. AnsLei pz i g wird vom Donnerstag berichtet: In der heutigen Verhaiidlung kamen einige seltsame Umbuchungen zur Sprache. Eine solche betrifft den Verkauf von 400 000 6 prozcntiger Obligationen der Holzdeslillalions- Aktiengesellschaft in Kasza an die Firma Vorwerk Gebr. u. Co. in Hamburg, unter der Garantie der Bank für Amortisation nnd Verzinsung. Das Geschäft wurde im Mai abgeschlossen, aber ebenfalls auf den 3t. Mai 1899 zurückdatiert. Bis zum 7. Juni 1699 wurde zurückdatiert: Am 1. April 310000 Mark. 18. April 350 Mark, 10. April 5000 Mark. 13. April 41 740 Mark. 22. April 12 634 Mark. 6. Juni 238100 Mark, 7. Jiyn 312 000 Mark und zwar sämtliche Posten auf den 1. März 1899. Slaatsanwalt Dr. Weber führt aus, wie kaufmäimisch unkorrekt von der Bank verfahren worden sei. Nach Ansicht des Sachverständigen KommerzienratS SicSkind hatte diese unerhörte Buchführung den Zweck, einen Einfluß auf die Bilanzen von Kassel auszuüben. Cxner giebt zu, daß er den Auftrag hierzu gegeben habe. Sachverständiger Schlicpcr weist auf die enorme Höhe der geforderte» Garnntieprovision von l'/üProz. hin; das zeige, daß das Geschäft nicht ein reines Depositen- gcschäft. sondern vicliiichr ein Vorschutzgeschäft gewesen sei. ES erfolgt sodann die Vercidigimg der Herren Konnnerzienrat SieSkiud, Planth, Schliepcr und Daltrop als Zeugen. Nach der An- ficht Planths waren drei Viertel der Treberaklicu in den Händen der Verwaltung, nur ein Viertel in den Händen des Publikums. Sachverständiger Baukdirektor Herrmann verwahrt sich dagegen, daß derartige Geschäfte, Wieste von der Leizigcr Bank gemacht wurden, ans b ö r s c n m K ß i g e n Usancen basieren. Es handelt sicti weiter nni eine Gutschrift von 4 672 751 M. Wechsel vom 27.—30. März 1899, deren Einlösung von den Accepiantcn eigentlich nicht zu erwarten lvar, und die thatsächlich nicht eingelöst wurden. Wie Exncr ausführt, stand es fest, daß die Tr e b e rg es c ll- s ch n f t durch die Transaktion mit der„Caisso cornrnerciale" in Brüssel einen großen Betrag flüssig erhielt, der der Leipziger Bank zufließen konnte. Es wird dann die Genehmigung des AnfsichtS- rateS vom 25. Februar 1899 zu den Geschäften mit Belgien mit- geteilt; auch Exncr hatte sich mit 150 000 Frank an der belgischen Gesellschaft beteiligt. Der Vorsitzende drückt sein Erstaunen darüber anS, daß sich Dr. Gentzsch und alle Angeklagten so � von der Persönlichkeit ExnerS faScinieren ließen. Alle sagen, daß sie das feste Vertrauen gehabt haben, daß die Sache für die Trebcrgesellschaft zu einem guten Ende geführt werde. Man habe nach besten: Wissen und Gewissen zu Handel'» geglaubt. Exncr bemerkt, die drei belgischen Fiiianzgejellschaftcn hätten doch auch Vertrauen zu der Trcber- gesellschaft gehabt. Hieraus wird die Verhandlung ans morgen vormittag 9 Uhr vertagt._ GeinevkMznftlirszes. Pcrli» und Umgegend. Der Kninpf gegen de» Arbeitsnachweis der Berliner Holzindustriellen, oder richtiger gesagt, gegen das Konlroll- und MaßregeluiigSburcau der Herren Bry, Rahard und Geuosscii. wird von den organisierten Holzarbeitern mit niigeschivächten Kräften fortgesetzt. lieber die Situation dieses für die Interessen der beteiligten Arbeiter bitter »otiveiidigci! Kampfes erstattete Glocke am Mittlvoch in einer Vertraueusmäiiiier- Versammlung deS Holzarbeiter- Verbandes Bericht. Infolge des früher gefaßten BeschlnsicS. wonach jeder Holzarbeiter den genannten Arbeitsnachweis zu meiden hat, find ivöchcnllich ca. 600 Kollegen zu nnterftützen. Der Zu« und Abgang au Arbeitslosen beträgt pro Woche diirchsckniitllich 230, so daß im Laufe der letzten vier Monate rund 3500 Kollegen vorhanden waren, die teils von den Meister» unter der Hand ein- gestellt, teils durch den Arbeitsnachweis deS Verbandes in Arbeit gebracht würden. Nach dem Bericht des JnninigSvorstandeS will dieser in dem gleichen Zeitraum 6000 Gesellen bei mir 4800 ein« geschriebenen Arbeitern Arbeit vermittelt haben, ein Kunst- stück, welches er nur dadurch fertig bringt, daß er die von den Meistern nach dem JunungSuachweiS überhaupt alS besetzt gemeldeten Stellen sämtlich mitzähle. Die Ausgabe au ArbcilSlojen-Uitterstützmig beläuft sich auf 74 000 M. In letzter Zeit haben sich die Einnahmen aus den Extrabeiträgcn etwas vermindert. Solle der Kamps in der bisherigen Weise weilcrgesührt werden, so empfehle sich die Abreise der ledigen Arbeitslosen und eine R e d u c i e r u u g der gegenwärtigen Gesamt- beitrage von 85 auf 50 Pf. Letzterer Satz sei' obligatorisch ein- zuführen, eventuell sei auch die vom Verbandstag beschlossene Arbcitslosen-IInterstntznng für Berlin schon jetzt festzulegen.— Tic Versammlung beschloß mit ihren Wcrkftattkollcgeii Rück- prache zu nehmen und i» einer zum nächsten Mittwoch einzuberufende« BertraiienSmäinier- und Generalversammlung über die weiteren Mnßnnhiiien endgültig Beschluß zu fassen. Zu derselben Zeit, wo die VertraueiiSmäniier des Holzarbeiter« Verbandes die weiteren Maßnahmen im Kampfe gegen die Unter« drückiingSgelüste der Unternehmer berielen. hatte» diese selbst ans Ein- ladnng ihrer Führer sich im Concordiasaal eingefnuden. Die seit Wochen in der„Fachzeitnng" erscheinenden Artikel, welche bestimmt sind, die Tischlermeister gegen den Holzarbeiter-Verband scharf zu machen und ihnen die Beuutznug deS Arbeitsnachweises zu empfehlen, haben die gewünschte Wirkung nicht gehabt. Dem toten Buchstaben der Zeilmigsnrtilel sollte durch das lebendige Wort Nachdruck gegeben werdeii. Die Herren vom Stabe der Berliner Holzindustriellen gaben sich denn auch die größte Mühe,»ach dieser Richtung zu wirke». Diese Herren, die mit ihren» Arbeitsnachweis die Absicht verfolgen. die Arbeiter jeder Bewegungsfreiheit zu berauben, und sie zu willen- losen Geschöpfen der Unternehmer zu macheu. diese Herren redeten den von ihnen„geführten" Tischlermeistern ein langes und breites vom TerrorisniuS der Arbeiter vor, die sich nicht ohne weiteres unter die Aufsicht des Kontrorfbüreaus stelle» wollen. Das Resultat der Uuternehiner-Versammluug waren folgende gegen zahlreiche Stimmenthaltungen gefaßte Beschlüsse: 1. Arbeitnehmer, Ivelche bisher in Berlin oder den Vororten gearbeitet haben, dürfen unter keinen Umständen ohne Entlassungs- schein eingestellt werden. 2. Arbeitnehmer, welche nach ihrer Angabe von auswärts zugereist sind, dürfen ohne Entlassungsschein' nur eingestellt werden, wenn sie glaubhaft»achweisen, daß sie bisher außerhalb Berlins und der Vororte thätig ivaren. 3. Sollen Arbeiter ohne Vcrmittelnng des Arbeitsnachweises durch den Arbeitgeber direkt eingestellt werden, so ist zuvor in allen Fällen unter genauer Angabe des Vor- und Zunamens, Geburts tag es und Geburtsorts des Einzustellenden soivie Art seiner Bc- schäftigung und unter Beifügung des Entlassungs- sch eines dem Arbeitsnachweis Mitteilung zu machen. Es ist jedoch mit allem Nachdruck auch dahin zu wirken, daß auch diese Arbeiter den Arbeitsnachweis persönlich aufsuchen. 4. Befreiungen einzelner Mitglieder von den unter Nr. 1 bis ihnen auferlegten Verpflichtungen finden nicht statt. Um aber dem 8 3 nicht etwa eine mißverständliche Deutung zu geben, wurde ausdrücklich betont, daß der Grundgedanke, der die Gewähr des Erfolges verbürgen soll, immer der bleibt. Gesellen n u r d u r ch den Arbeitsnachweis der Innung und niemals ohne Entlassungsschein e i n z n st e l l e n. Des weiteren wurde bei gleicher Stimmbeteiligung beschloScn, den Holzarbeiter- Verband aufzufordern, die verhängten Sperren aufzuheben, widrigenfalls eine allgemeine Aussperrung erfolgen solle. Auch mit der allgemeinen Aussperrung ivnrde gedroht. sDa eine solche sehr vielen Meistern aber mindestens ebenso wehe thnt, wie den Gesellen, so fand dieser Gedanke nur wenig Anklang. Man einigte sich schließlich dahin, einer demnächst einzn- berufenden Versammlung den Antrag vorzulegen: Alle Lohnarbeiter sofort und die Accordarbeitcr nach Fertigstellung des AccordS zu entlassen, dieselben aber sofort wieder einzustellen, wenn sie einen Schein vom Arbeitsnachweis bringen. Dieser Plan, wenn er wirklich zum Beschluß erhoben werden sollte, wird wohl kaum in nennenswerter Weise ausgeführt werden. Er soll wohl auch nur eine Drohung darstellen, durch die sich jedoch die organisierten Arbeiter nicht einschüchtern lassen iverden. Die Beschlüsse der letzteren zeigen vielmehr, daß sie willens sind, die Ab- sichten, welche durch den Arbeitsnachiveis verwirklicht werden sollen, mit aller Energie zu vereiteln. Die Lohnbewegung der Bauarbeiter macht günstige Fort- schritte. Am Donnerstag haben wieder 6 Firmen bewilligt, so daß jetzt 620 Mann auf 66 Bauten zu den neuen Bedingungen arbeiten. Auf 63 Bauten ruht die Arbeit, u. a. sind auf dem Erweiterungsbau der Elektrischen Centrale in Ober- Schöneweide 45 Mann iii den Streik getreten. � Nach der Gasanstalt in Rixdorf wurden gestern 18 Arbeits- willige unter polizeilicher Vcdccknng gebracht.— Ist es das böse Gelvissen der Streikbrecher, welches Schutz hinter Pickelhanbcn sucht, oder glaubt die Polizei aus freien Stücken und ohne jede Bcr- anlassung— denn eine solche liegt doch nicht vor— die Arbeits- wigMn.hsd ecken" zu müssen. Deutsches Rc!i<». Bon der Aussperrung im Hamburger Baugewerbe. Wie Polizei und Untcrnehmer nliteinander wetteifern, um die eifrig gc- suchten, sich aber nur in kleiner Zahl fiiidcuden Streikbrecher mit derjenigen Zuvorkommenheit zu empfangen, die diesen Elemente» nach herrschender Auffassung gebührt, das zeigt folgendes Beispiel. � welches übrigens nur eins von vielen ist: Am Mittivockniachmittag kurz nach 4 Uhr kamen circa 36 Mann arbeitslvillige Maurer auf dem Berliner Bahnhof an. Die Arbeitgebcrschaft war mit 3 B r e a k s ans dem Plan erschienen. Die Polizei war zu Fuß und hoch zu Roß vertreten. Keiner durfte in der Nähe der Arbeitswilligen komme». Jeder wurde mit sofortiger Verhaftung bedroht, wenn er dem Transport lebendiger Ware etwas näher kam, als es die Beamten für gut hielten; selbst harmlose Spaziergänger wurden an- gehalten. Am schlimmsten ging die berittene Schntzmannschaft zu Werke; sobald auch»ur ein Spaziergänger neugierig sich näherte. setzte er sich der Gefahr aus, niedergeritten zu werden. Eine des Weges kommende Familie, bestehend ans Man», Frau und einem Kinde, waren durch diese seltsame Attacke der Gefahr ans- gesetzt, von den Hnfeu des Pferdes getreten zu werde». Der Bahnhof ivnrde den Streikenden vollständig verboten; selbst auf der Abfahrtstclle behelligte man die Streikenden, ivollte denselben auch hier den Aufenthalt verbieten»nd sie am Abfahren hindern. Auf der Suche nach Streikbrechern gehen die Hamburger Unter- uehmer schon über die Grenzen Deutschlands hinaus.' Wie die Wiener„Arbeiterzeitung" berichtet, ist dort im Gasthof zum weißen Wolf ein Werbeburean für Streikbrecher nach Hamburg eingerichtet. Ein Transport soll bereits von Wien abgegangen sein. Die Aussperrung der Bauarbeiter in Kiel ist dieser Tage in drei großen Volksversammlungen erörtert worden, die von etwa 7060 Personen, Angehörigen aller Stände, besucht war. Eine Re- solutio» Ivnrde angenommen, welche besagt, daß die Kieler Bürger ohne Unterschied des Standes und der Partei das Verhalten der Bauunternehmer verurteilen, weil diese den Arbeitern den Kampf anfgezwimgen haben, um ihnen unter der Maske eines Vertrages das Äoalitionsrecht zu entreißen, damit sie(die Unternehmer)»in- gehindert Boden- und Wohnungswncher treiben können. Ferner verurteilt die Resolution, daß der Magistrat von Kiel durch Begünstigung der Unternehmer in den Kampf eingegriffen hat und daß die Stadtverordneten mit keinem Worte diesem Uebergriff ent gegentreten.— Weiter heißt es: Abhilfe gegen die verhängnisvollen Folgen des verkehrte» kvmmunalpolitischen Verhaltens, das L »ungselend, Auspowernng der Arbeiter und Verpestung der Stadt in Anssicbt stellt, gewährt nur eine social gerichtete eigne WohuungS banpolitik der Stadt. Als den Ansang einer solchen fordert die Vcr sammlung die sofortige Errichtung von 50 dreistöckigen Häusern mit Zweistubeiiwohnniigen auf städtischem Terrain und in städtischer Regie. Eine in den Versammlnngelt gewählte Deputation hatte am Dienstag eine Unterredung mit den« Oberbürgerineister, um ihm die Forderungen der Resolution vorzutragen.— Zu dem Verlangen, daß städtischerseits Wohnungen gebaut lverden sollen, erklärte der Oberbürgermeister als seine persönliche Meinung, daß diese Angelegenheit in, Magistrat„geprüft" werden solle.— Das Resultat dieser Prüsniig bleibt abzuwarten. Die Maurer und Ziuimercr i»l Dortmund befinden sich in einer Lohnbewegung, sie ersuchen deshalb»mi Feruhaltung des Zuzugs. Ausland. Ter„Dänische Arbeitsmannö-Berband" hielt vom 13. bis 22. Juni seinen Verbandstag in Kopenhagen ab. Es waren 133 Delegierte von 37 Abteilungen erschienen, die 22 723 Mit- g l i e d e r repräsentierten. Der Verband hat in den letzten zwei Jahren trotz der allgemeine» Geschäftsflaue um 1422 Mitglieder zugenommen. Die überaus günstige Eutwickelnng dieser Organisation hat selbst bei Kennern der dänische» Gcwerkschaftsbelvegung Erstaunen erregt. Wie der Verbandsvorsitzeilde Fo lkethings abgeordnet er Lyngsie ausfiihrte, ist für ca. 200(X> der Mitglieder bereits eine Erhöhung der Löhne und Verkürzung der Arbeitszeit erzielt worden. Auch in den letzten beiden Jahren wurden in verschiedeneu Fächern nennenswerte Erfolge errungen; 4343 Mitglieder mußten dafür in den Streit treten.— Als Verbandsvorsitzcnder wurde Folkethings- abgeordneter Lyngsie einstimmig wiedergewählt. Der Straßenbahnerstrelk i» Neapel ist, wie wir bereits mit- geteilt haben, beendet. Der Wiener„Arbeiterzeitung" wird aus Neapel gemeldet, daß die Ausständigen einen vollen Sieg errnugen haben. Tie Kchrer der Rbfuhrgcfellschaft Ferri in Bologna haben der konzessionierten Gesellschaft Forderungen überreicht, sie vcr- langen gleiche Arbeitszeit wie die städtischen Kehrer, Erhöhung des Tagelohns auf 2 Lire, wöcheutliche Lohnzahlung und 25 Centcsimi für jede llebcrstmide. Die Dienstkleidung soll von der Gefellschaft geliefert werden und der Abzug von wöchentlich 25 Centesimi für die llufallversichernng soll aufhören. Atbeitcrausstand in Bulgarien. In Baroa sind, wie ans Sofia gemeldet wird, 500 Arbeiter des größten(englischen) in- dnstriellcn Etablissements in Bulgarien, der dortigen' Banmwoll- spinnerei, in den Ausstand getreten, angeblich weil sich die Arbeiter iveigern, der an sie gestellten Anforderung, auf eine bestimmte Uli- fallSversichcniilg zu verzichten, Folge zu leisten. Aus Fnduflvie und Huttdel. Aktiengesellschaft für Mvnta»iud»strie in Berlin. In dem jetzt veröffentlichten Geschäftsbericht dieser Gesellschaft, deren beabsichtigte Rekonstruktion wir schon kürzlich meldeten, heißt eS: „Die in unscrm vorjährigen Geschäftsbericht erwähnten im- günstigen Umstände— starker Rückgang der Konjunktur auf allen Gebieten der Industrie, insbesondere der Montanindustrie und die nackiteilige» Wirkungen der verkehrsfeindlichen Bcstimmnngen der Börsengesetzgebnng— übten auch im abgelaufenen Geschäftsjahr in besonders verschärftem Maße ihren nachteiligen Einfluß auf unser Unternehmen aus. Die Ueberprodnktion auf dem Eisen- und Stahl- markte infolge der vielen neu entstandenen Werke veraulaßtcn einen Rückgang der Preise, der so bedeutend war, daß die Werke nicht ihre Selbstkosten durch die Verkaufspreise deckten. Der Rückgang des Verbrauches im Jnilande zivang die großen Werke, Absatz ihrer Produkte im Auslände zn suchen, der nur zu nicht lohnenden Preisen möglich ivar. Infolge der Schwierigkeiten des Absatzes ging die Produktion der Eisen- und Stahlwerke bedeutend zurück Und vcranlaßte, daß in denjenigen Kohlensorten, die spcciell von der Eisenindustrie verwendet werden, der Absatz sich entsprechend ver- minderte." Nachdem dann über die Lage der einzelnen Untcniehnilnige», an denen die Gesellschaft beteiligt ist, nähere Auskunft gegeben worden ist, wird über die Verluste im vergangenen Jahre berichtet: „Der bilanzmäßige Verlust beträgt 1009 618,44 M., hierzu Ab- schreibungen: auf Effekten-Conto 2 364 310,57 M.. auf Konsortial Conto 1 181513,15 M.,auf Debitoren inkl. Rcservestellung 383 701,50 M.. auf Gruben und Grundbesitz 104 000 M.. zusammen 5 043 143,66 M., es resultiert daher nach Juanspruchnahme des Reservefonds in Höhe von 295 705,34 M. ein Fehlbetrag von 4 747 438,32 M. Zur Deckung dieses Fehlbetrages beantragen ivir. das Grundkapital von 12 Mill. Mark derart auf den Betrag von 6 300 000 M. herabzusetzen, daß bis zu IVe Millionen Mark' eigne Aktien zum Kurse von 60 Proz. zurückgekauft werden und das Nestkapital im Verhältnis von 5:3 zllsammeilgelegt wird." Zur Lage auf dem Coakömarkt. Die„Rheinisch-Westfälische Zeitung" erhält Kenntnis von einem Rundschreiben des Cooks- lyndikats, nack welchem bei der Unsicherheit der Lage des Roheisen markteS eine Reihe von Werken, insbesondere die reinen Hochofen lverke mit ihren Coaksabschlüssen für das 2. Semester noch zurückhalten. Ebenso zieht eS eine Anzahl von Gießereien vor,»nit der Deckung ihres Coaksbedarfcs zu warten. Unter diesen Umständen müsse für Juli mit einer Einschränkung von etwa 35 Prozent gerechnet iverden. Schlefische Klcinbahn-Kcsellschaft. In der heutige» General Versammlung beantragte zunächst RegiernngSrat Magnus als Vor sitzender, die Generalversammlung möge sich dafür erklären, daß die Tochtergesellschaften, die Oberschlesische Dampf-Straßenbahu-Ge sellschaft und die Oberschlesische» Kleinbahnen und Elektricitätswerke A.-G., aufgelöst werden»nd in die Schlefische Kleinbahn A.-G übergehen, und daß der Sitz der Gesellschaft nach Ober schlesicu verlegt werde. Die für diese Eingliederung er- forderlichen Statutenänderungen würden dann einer außer ordentlichen Generalversammlung vorgelegt werden. Nach vcr- schiedenen Anklagen eines Aktionärs und einer Replik des Direktors Baurat Griebel stimmte darauf die Versammlung dem Antrage des Vorsitzenden zu, genehmigte den Jahresabschluß und die beantragte Dividende von Proz. und erteilte gegen eine Minorität von 50 Stimmen der Verwaltung Entlastung. Sociales. Ter Internationale Kongreß für Arbcitcrpcrsichcrniig in Düsseldorf brachte u. a. auch ein Referat des Geheimen RegiernngSrat Prof. Kourad Hartniann über:„Die Ent- Wicklung der U n f a l lv e r h ü t un g S t e ch n ik in Deutsch- land". Redner empfahl, um de» Erfindcrtrieb anzuregen, den Weg des Preisausschreibens. Eine bedeutende Förderung hat nach seinen Ansführnngcn die Unfallverhütimgstechnik durch eingehende Unter suchuugcu erfahren, die von staatlichen und privaten Kommissionen, 'owie von einzelnen Sachverstäiidigen zur Feststellung besonderer Gefahrenverhältnisse ausgcsührt worden sind. Von großem Werte für die Entwicklung der Uufallverhütuugstechnik sei auch die Wirksamkeit der staatlichen und berufsgenossenschaftlichen Ans- sichtsbcamten. Von den viel weitergehenden Forderungen der in diesem Fache doch gewiß sachverstäiidigen Arbeiterschaft und von den Hemmnissen, die daS Unternehmertum allen Bestrebungen zur Förderung der Unfallverhütung entgegensetzt, scheint der Herr nicht gesprochen zn haben. Jntcrcssaiit' war der Vorschlag des Ingenieurs V i l I a u i- Mailand, der zur Unfallverhütung farbige Gefahnnarken empfahl. Alle gefährlichen Stellen au Maschinen:c. sollen»nit einer bestimmte», allen Arbeitern als Gefahr kenn- zeichnenden Farbe deutlich sichtbar niarkierl werden. Der Vorschlag ist gewiß beherzigenswert; er verhütet leider nicht, daß Ar- beiter über die Gebühr angestrengt oder in»mmäßig langer Arbeitszeit ausgebeutet werden. Bekainitlich arbeitet auch die Eisenbahn und der' Schiffahrlsbetricb»nit farbigen Signalen; in beinahe allen Fällen, tvo diese nicht beachtet iverden, so daß ein großes Unglück die Folge war, konnte mau als Ursache U e b e rui ü d nn g infolge üb er langer Arbeitszeit konstatieren. Es ist charakteristisch, daß die Forderung zur Verkürzung der Arbeitszeit von keiner Seite als bestes Mittel zur Unfallverhlllnug cnipfohle» ivnrde. Man kann vielleicht sage», keiner der Herren habe sich in seinem Referate eine Aufgabe gesteckt gehabt, die ihm ein Eingehen auf diese Frage er- »nöglichte; das ist richtig, aber nocb viel bezeichnender für den Geist, der' diesen Kongreß für Ärbeitervcrsicherung beherrschte. Ueber aiist'ralische Arbeiterfürsorge sprach noch Mr. C o k b u r». der so boshaft war, erst die„vortrefflichen" Arbeiterversichcrungs- Gesetze in Deutschland zu loben und dann die diesbezügliche australische Gesetzgebung zn schildern. In Australien haben drei Staaten Jnvalidiläts- und Altersversicherung, nämlich Neu-Sccland, Ne»-Südwales und Victoria. Die Rente wird ausgezahlt im 65. Lebensjahre. Die Maximalrente beträgt in Neu- Seeland 18 Pfund Sterling, in Neu-Südwales 26 Pfund Sterling und in Victoria 8 M. wöchentlich. Man vergleiche damit, ohne daß wir das in Australien Erreichte als Ideal ansehe», was man den deutschen Arbeiter» als die Krönung der socialen Gesetzgebung gc- boten hat! Der letzte Tag des Kongresses war der Frage der W i t t w e n- u» d Waisenversorgung geividmet. Herr Dr. B o e d i ck e r hielt die Angliederung derselben an die in Deutschland bestehenden Ver- sichennigs-Organisatiouen für verhällnis»näßig leicht. Damit ist allerdings»och nichts gethau. Die Hauptfrage wäre sicher die ' rage der K o st e n d e ck»> n g. die»veil schwieriger ist. als bei der »validitäts- und Altersversicherung. Die Arbeitgeber iverdei» sich gegei» Beiträge zu einem solchen Unterneh»»»«»» mit Händen und Füßen sträuben und die Arbeiter allein lönnei» dieselben nicht aufbringen; eS bliebe nur die Aufbringung del Mittel aus allgemeinen Stcnennitleln, wie»vir sie ja im Princip auch für die übrige Socialgesetzgebmig fordern. Das Kopfzerbreche» darüber aber kann sich Herr Dr. Bö dicker noch ersparen, dein», führte er aus:„Es ist klar, daß ei» Land wie Deutschland, welches zwei Jahrzehnte die Riesengebäude der Kranken-, Unfall- und Altersversicherimg aufgeführt hat, zunächst einer auSgiebigen Ruhe bedarf, ehe eS an den Anfbau eines vierten Gebäudes, ivelches das teuerste von allen lverden würde, herangehen kann."— Vorläufig ist die Frage also tisch keine akute; daß daS Projekt aber das teuerste zu werde» verspricht von allen, die die moderne Gesellschaft zur Lösung der socialen Frage in ihrem Sinne ausgeheckt hat, ist nach zwei Seilen hiir ein allerdings»in- freiwilliges Geständnis. Es beweist einerseits, wie verhältnismäßig geringfügig die Suinmen sind, welche für unsre Arbeiterversichernng bisher aufgebracht Iverden. und zeigt auch, ivie gering der Schutz des Arbeiters durch die Socialgesetzgebmig bisher ist,� sonst»mißte lange die entsetzliche Thatsache ans der Welt geschafft sein, daß die Mehrzahl der Arbeiter ihrer Familie vorzeitig entrissen werden. Der nächste Kongreß soll 1905 in Wien tagen. Berliner Partei-Angelegenheiteu. Dritter Wahlkreis. Heute Freitagabend 8 Uhr findet im Saal IdeSGewerkschaftshauses eine P a r t e i v e r f a m m- lu n g statt. Auf der Tagesordnung steht ein Vortrag deS Genossen Dr. Bruno Borchardt über„Arbeitslosen- Versicherung" sowib die Errichtung einer Parteispedition für den 3. Wahlkreis. Nicdrr-Schöncwcide. Der Wahlverein hält am Sonnabend seine regelmäßige Versannnlnng um 8'/, Uhr bei Franz. Grünancr- straße 5, ab. Tagesordnung: Vortiug über Rcichstags-Fragen. Die Genosse» werden ersucht, pünktlich zu erscheinen. Frauen können an der Versainmlung teilnehmen. Alt- Glienicke. S o n n a b e n d findet die Ersatzwahl der dritten Wählerklasse in der Zeit von 6—8 Uhr abends im Lokal von Haberccht statt. Ilnser Kandidat ist VäckcrmcisterHermaim Staddell- Hof. Da die Gegner zu dieser Wahl geschlossen antreten iverden, so ist eS Pflicht eines jeden Genossen, zu agitieren»md sein Wahlrecht auszuüben, damit der Sieg«unser wird. Abends 9 Uhr findet die regelmäßige Mitglieder-Verfammlung bei Saß statt. Tijlmlus» Die Stadtvcrordneten-Versammluug hatte gestern ihre letzteSitzung vor den Sommerferien, aber die Tagesordnung ivar noch so reichhaltig, daß man bequem zwei Sitzungen damit hätte ausfüllen können. Die öffentlichen Ver- Handlungen endeteir erst gegen'/•»Ii. Zn einer langen Erörterung führte noch einmal die bekannte W o h n n n g s v o r l a g e. der vom Magistrat empfohlene Abschluß eines Vertrages mit der Aktiengesellschaft„Verein zur Verbessern'ng der kleinen Wohnungen in Berlin". Der AUS» schuß, der sich in den letzten Wochen mit dieser Angelegenheit zu beschäftigen hatte, hat an dem Eutivurf deS Magistrats Aendernngen»nid Wer- besserungri» vorgenommen, die zwar erheblich sind, aber doch nicht so bedeutend, daß der Ansschnß-Berichterstatter Stadtv. Kämpf mit Recht hätte behaupten dürfen, durch dieses Unternehmen werde„etwas Außergewöhnliches geleistet". Unser Genosse H e i m a n n beleuchtete die Unzulänglichkeit der bisherigen Leistnilgen der Gesellschaft und zeigte, daß das Unternehmen keineswegs geeignet i st, wesentlich zu einer Befserung der Wohnungs« Verhältnisse der>v eiliger bemittelten Be- Völker nng beizutragen. Die Wohinnigeil sind iveder billig noch in hygienischer Hinsicht ganz einwandfrei. H e i», a n n zog scharf die Grenzlinien, durch die die Social- demokratie in der Wohnnngsfrage von den bürgerlichen Fraktionen der Stadtverordiicten-Bersammlimg getrennt ivird. Die F r e i s i ii i» i g e n traten größtenteils für Unterstntznng des Vereins und Abschluß' des Vertrages ein, nur eine Gruppe anS der„Alten Linken", vertreten durch den Stadtverordneten Rast, erklärte sich dagegen, ivcil ihnc» selbst dieser winzige Versuch des Magistrats, auf seine Art an der Linderung der Wohnungsnot mitzuarbeiten, schon zu weit geht. Herr Cassel, der für den größeren Teil der„Alten Linken" sprach, erwartet von der Thätigkeit des Vereins eine„vorbildliche" Wirkung. Auch Herr Nathan(„Nene Linke") ist mit dem bisher Geleisteten zufrieden. Die Wohnungen des Vereins würden ja flott vermietet, daraus folge doch, daß auch die Mieter zufrieden seien. In die sich laiigivcilig hinschleppende Debatte kam ivicdcr ein lebhafterer Ton, als Oberbürgermeister K> r s ch n e r sich bitter darüber beklagte, daß die Versaiiimlimg in einer Frage, die die beiden städtischen Körperschaften so lange beschäftigt habe, den Magistrat jetzt im Stich lassen tvolle. Nachdem ein Schluß der Debatte ivieder- holt, einmal in namentlicher Abstimmung, abgelehnt ivorden ivar, kam zuletzt noch Genoffe Singer znni Worte. � Seine Kritik der Ichwächlichen Wohmnigspolitik, die der Magistrat und die frei- sinnige Mehrheit der Versannnlnng hier treiben tvollen, erregte den Zorn deS Herrn K y I l m a n n und veranlaßte den übereifrigen Vorsteher, Singer mit eine»» Orb nun gö.- r u f zu bedenken. Die iinmeutliche Abstimmung ergab mit 62 gegen 41 Stnmiien die Annahme der Vorschläge des Ausschusses. Bei zwei die städtischen Wasserwerke betresfendeii Vorlagen nahm Genosse W e y l Anlaß, auf die üblen Erfahrinigcn hin- zuweise», die der Magistrat mit langfristigen Verträgen oft gemachr hat und beleuchtete die merkwürdig'e Aich in der der FisknS mit der Stadt Geschäfte machen will. Zn der neuesten Uebersicht über die G e m e i n d e s ch n l- F r e q u e ii z gab Genosse B o r g m a>r n ein paar notwendige Erläuterungen, gegen die sich Stadtschulrat G e r st e ii b e r g mit der erheiternden Antwort zn wehren suchte, die in der Nebersicht aufgeführten hohen Frequenzen seien„Druckfehler." Der socialdemokratifche Antrag z» dcrMagistrats- Verfügung über den Urlaub der städtischen A r- breiter, wurde begründet von»liisreii, Genossen Hintze. der an dieser iicucsten Thor kommunaler Socialpolitik scharfe Kritik übt?. Die Sache mußte einem Ausschuß überwiesen werden, der nun erst nach den Soinmerferiei» zusammentreten kann. Mit seinen Stiftungen hat der Magistrat Pech. Nachdem soeben die„König F r i c d r i ch- S t i f t u n g" gescheitert ift, macht sich schon wieder gegen die Angliederung der Stiftung eines niigciianntcii bekaiiiiten Stadtverordnete» an die. v. F o r ck e n b« ck- Zelle-Stiftung" eine starke Opposition bcnierklich. Diese letztere Stiftung ist bekanntlich„zum ehrenden Aiigedciiken an die Oberbürgermeister von Berlin, Dr. v. Forcken deck und Zelle". mit einem Kapital von ciiicr halben M i l l i o n Mark begründet ivorden; sie bezweckt, a»S den Zinsen bedürftigen ehemaligen städtische» Beamten(besoldeten wie un- besoldeten), A n g e st e l l t e n und Hilfsarbeitern, sowie deren Hiiiterbliebeiicn Unterstützuiigeii zu gewähren. Die von dem imgeiiaiuiten bekannten Stadtverordneten angebotene„Kirsch ne r'- Stiftung", die vorläufig mir Über einen Fonds von 10000 Mark verfügt, soll mi» aber auch Stadträten, Stadt« verordneten zc. und deren Hinterbliebenen zu gute koimnen. Da die Forckeiibeck-Zellc-Stiftnng bisher unter den subalternen Beamten, besonders den Hilfsarbeitern zc.. manches Gute gestiftet hat. so befürchtet nian. daß durch die„Angliederinig" der„Kirschncr. Stiftung" die Interessen der kleinen Beamten geschädigt werden. Mau protestiert daher dagegen, die 10000 M. mit der halben Million zu verniengen. inid will höheren Orts dagegen vorstellig werde», daß die beiden so ungleichen und unter so verschiedenartigen Umständen inid Zwecken gestifteten Fonds„in einen Topf" geworfen iverden. Zn den Prachtstrnsten-Projekteu» die namentlich in den westlichen Vororten der Ansführung harren, hat sich jetzt ein neues gesellt. Das südlich des Ringbahiigeleifcs zwischen den Bahnhöfen Frieden au- Wilmersdorf und S ch m a r g e n- d o r f auf Wik in ersdorfer Gebiet gelegene Terrain befindet sich im Besitz der Terraingesellschaft Südwest. Diese Gesellschaft will den Bebauungsplan des heute noch unbebauten Gebietes derart abgeändert haben, daß die rechtwinkelig von Norden nach Süden und von Osten nach Westen verlaufenden Straßen in der Diagonale von einer 36 Meter breiten Querstraße durchzogen werden, die an der Bahnunterführung an der Augustastraße in Wilmersdorf beginnt und am neuen Botanischen Garten bei Dahlem endigt.' In der Mitte dieser Straße ist ein größerer freier Platz vorgesehen. Bedingung der Gesellschaft ist, daß das Terrain, das gcgenivärtig für landhansmäßige Bebauung reserviert ist, für Hochbauten frei- gegeben wird. Die T i e f b a n d e p u t a t i o» der Gemeinde Wilmersdorf, Ivelche sich gestern mit dein Gesuch zu befassen hatte, zeigte sich grundsätzlich geneigt, dem Verlangen der Gesellschaft statt- zugeben. Die Gesellschaft soll jedoch verpflichtet Ivcrden erstens den im Bebauungsplan vorgesehenen Schmuckplatz aus 10 Meter in der Länge zu vergrößern, ferner soll sie einen Platz von entsprechender Größe der Genicinde kostenlos zu deren eigner Verfügung über- lassen. Endlich soll die Kanalisation ihres Terrains sowie die ent- sprechende Verbreiterung der Ningbahn-Uebersührung völlig auf eigne Koste» ausführen. Das Projekt des Hohen zollern-Dammes geht feiner Verwirklichung entgegen. In dem Hohenzolleru- Damm soll ein durchgebender Straßenzng von der Kaiser- Allee über den Hohen- zollern-Platz hinweg durch die Gemeinde Wilmersdorf und Schmargen- darf nach dem Grunewald geschaffen werden. Die Nachodstraße welche, von der Kaiscr-Allee beginnend, den Anfang des Hohen- zollern-Dammes bildet, ivird zu diesem Zweck jetzt erheblich um- gestaltet und dabei erheblich verbreitert. Die Herstellung des Reit- lveges, der diese Straße zieren sollte, stößt jedoch auf große Schlvierigkeitcn und die Gemeindevertretung von Wilmersdorf, welche die Herstellung eines solchen Weges mit sehr knapper Mehrheit be schloffen hatte, wird ivohl oder übel genötigt sein, zu der Um ivandlnng des Reitweges in eine» Promcnadcnweg ihre Zustimmung zu geben. Was nach Lage der Dinge auch kein großes Unglück wäre. Zur Führung cincö„TrödclbnchcS" sind neuerdings eine Anzahl I» Iv e I i e r e von verschiedenen Polizeibehörden angehalten worden. Der Lorstand des Verbandes deutscher Juweliere, Gold- und Silberschmiede aber bestreitet, daß alle Juweliere zur Führung dieses Buches verpflichtet seien, vielmehr seien dazu nach einem Urteil des Kammcrgcrichts nur die gehalten, die gewerbsmäßig, ständig derartige Sachen aufkaufen, nicht auch diejenigen Juweliere, die nur gelegentlich einmal etwas kaufen. Der Vorstand fordert daher alle Verbandsmitglieder auf, gegen etwaige Slrafbcfehle die richterliche Entscheidung anzurufen. Tie Errichtung deS MagrrbichhofcS in Fricdrichöfclde ist nunmehr endgültig gesichert. Die zwischen der Gemcindcver- trctung des Ortes und der Genossenschaft für Viehverwertung, wegen der Straßenanlngen und der von den Häusern zu entrichtenden Abgaben entstandenen Differenzen sind, bis auf einige unwesentliche Punkte, als beigelegt anzusehen. Die Gemeindevertretung von Friedrichsfelde wird in den nächsten Tagen über die Genehmigung des obgeändertcu Bauplanes Beschluß fassen. Damit erreichen die Verhandlungen mit der Genossenschaft ihren Abschluß und die bereits begonnenen Vorarbeiten für die Errichtung des Magcrviehhofs können dann unbehindert ihren Fortgang nehmen. Von den Jntcr- csscntcn soll au die Eisenbahnverivaltung das Ersuchen gerichtet werden, bei der geplanten Ausdehnung des Stadtbahnvcrkehrs auch die veränderten Verkchrsverhältnisse in Fricdrichsfclde zu berück- sichtigen und in der Nähe des neuen Magcrviehhofs eine Station anzulegen. Da die Rentabilität cincr Station au dieser Stelle ivegcn des zu erwartenden Masscnverkehrs außer Zweifel steht, dürfte die Eiseiibahnverwaltmig diesem Wunsche näher treten. Ein Mordversuch mit folgendem Selbstmord-rief Donnerstag vormittag in der P o s e n e r st r a ß e eine große Aufregung hervor. Hier ivohnt in dxm Hanse Nr. 18 seit acht Monaten die am 22. No- vember 1876 zu Dirschau geborene Kellnerin Emma Kienast, die in einer Wirtschast in der Lebuserstraße beschäftigt war. Das Mädchen hatte seit einem Jahre ein Verhältnis mit einem am 12. Januar 1879 zu Berlin geborenen Schlächter Friedrich Schitter, einem arbeitsscheuen Menschen, der bei seinen Stiefeltern in der Ebelingstraße wohnte und auf Kosten andrer Leute zu leben pflegte. Schitter verlangte von seiner Geliebten immer wieder Geld und war dabei sehr eifersüchtig. Am Dienstag voriger Woche wollte er endlich wieder einmal arbeiten und fuhr nach Hain- dnrg. um sich eine Stellung zu suchen. Ans dem Arbeiten wurde jedoch nichts. Der FauIIcnzer schrieb nun au seine Mutter um Geld, erhielt aber nichts. Daher kehrte er gestern nach Berlin zurück. Sofort suchte er seine Mutier auf, um sein schriftliches Verlangen, das jie unbeantwortet gelassen hatte, mündlich zu wiederholen. Die Mutler, die gerade auf dem Bode» mit der Wäsche beschäftigt ivar, wies ihn auch jetzt ab und ließ sich durch seine Drohungen mit dem Revolver nicht einschüchtern. Schitter ging schließlich weg, ohng seine Drohungen tvyhr gemacht zu haben und begab sich in die Wohnung seiner Geliebten, zu der er einen Schlüssel besaß. Hier blieb er bis gestern vorniittag. Ilm 10 Uhr gab es dann in dem kleinen einfenstrigen Nebenzimmer einen heftigen Streit. Der Taugenichts, der einem Meister schon einmal 1060 Mark unterschlagen' hatte und dafür mit GesäiigniS bestraft worden war, bedrohte seine Geliebte mit einem Revolver und einem Schlächtermesser und feuerte schließlich drei Schüsse auf sie ab, von denen zwei trafen, einer in die Brust und ein zweiter in einen Arm. Die Verwundcle kam Hilfe rufend ans dem Zimmer gestürzt. Ihre Wirtsleute holte» die Polizei und einen Arzt. Bevor diese anlamcn, schloß sich Schitter ein und jagte sich vor dem Spiegel eine Kugel in den Kopf. Die Polizei erbrach die Thür und fand den Mann nur mit dem Hemde bekleidet auf dem Fußboden liegen. Er war bereits tot. Die Leiche wurde nach Aufnahme des Thatbestandes nach dem Schauhause gebracht, während der Arzt das nicht gefährlich ver- wundete Mädchen nach dem Krankenhaufe am Friedrichshain bringen ließ, nachdeni er ihr einen Verband angelegt hatte. Die Eltern des Selbstmörders sind achtbare Leute, seine Geliebte wird als ein fleißiges und ruhiges Mädchen geschildert. Die beiden ktollcge». Daß zwei Schanklokale in einem und demselben Hanse selten ein ersprießliches Verhältnis herbeiführen, be- wies eine Verhandlung, ivelche gestern vor dem Schöffengericht statt- fand. Der Scbankivirt Friedrich Holz und seine Wirtschafterin Witwe Luise Lehmann, hallen sich ivegcn Beleidigung und groben Uu- sugs zu verantworten. Holz hatte in der eiiieii, der Schankwirt Gerhardt in der andern Hülste des Hauses Slralancr-Brückc 5 ei» Schanllolal inne. Die Konkurrenz zeitigte bald ein trübes Ver- hällnis, es kam so weit, daß Gerhardt die' Wirtschafterin seines Nach« bar» beleidigte, so daß diese den Klagcweg gegen ihn beschritt. Sie erzielte auch, das Gerhardt zu einer Geldstrafe verurteilt wurde. Es zeüste sich aber, daß sie nur einen Phrrhus-Sieg geivomieii, denn als sie die Koste» von öt.ov M. emforderu ivolltc. erklärte Gerhardt, er besitze nichts. Die von der Lehmann erwirkte Psändung fiel frncht- kos ans. Die gegenseitige Erbitterimg hatte den Höhepunkt erreicht. Eines Abends bemerkte Gerhardt, daß sich vor dem Schaufenster des Neben- lokals eine Menschenmenge ansammelte. Er trat hinaus und sah, daß im Schaufenster ein' rot und schwarz umrandetes Plakat ausgestellt war, worauf in großer Schrift zu lesen war:«Eine ausgeklagte und fruchtlos gepfändete Forderung bon 61 M. 60 Pf. gegen den Nachbarn. Schankwirt Gerhardt, ist hier billig zn verkaufen." TaS Plakat war durch Lichte illuminiert. Nach'einigen Abenden niachte die Polizei den Menschenansanmilungen durch' Entfernnng des Plakats ei» Ende. Im Termine behaupteten die Angeklagteii. daß nicht sie, sondern ihr Büffetier das Plakat ausgestellt habe. Hierauf stützte der Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Meherstein, seinen Antrag, daß die Angeklagten nur der Aiististung zur Beleidigung und zuni groben Unfug überführt und deshalb milder zu bestrafen seien, als der Staaisanwalt beantragt habe(je 100 M.). Der Gerichtshof hielt es für zweifellos, daß Mitthäterswaft vorliege und verurteilte die Angeklagten zu je 60 M. Geldstrafe.— Jetzt triumphiert Gerhardt wieder. Eine«nglüekselige Revolver-Affaire hat sich am Mittwoch- mittag auf dem Laubenterrain südlich der Frankfurier Allee, am Mühlenweg in der Nähe der Ringbahnstation Frankfurter Allee zugetragen. Der in Boxhagen wohnhafte Töpfer G. Mein Hardt besitzt am Mühlenweg Pachtland. Spielende Kinder betraten Mittwoch sein bestelltes Ackergrnndstück. Meinhardt, der sonst als gutmütiger Freund der Kleinen'bekannt war, verbat sich den unerwünschten Besuch und drohte den Kindern mit dem Rolver, den er in der Tasche trug. Das Geschoß krachte ohne Meinhardts Willen plötzlich los»nd ein Schrotkoni traf den 7jährigen Knaben Höcker, den Sohn eines in der Mainzcrstraße wohnenden Laiibennachbars in den Rücken. Meinhardt brachte den Verletzten sofort zu einem Arzt und dann nach dem Krankciihails Am Friedrichshain. Die Erregung gegen den Unvor- sichtigen führte gestern abend zu unliebsamen Äuftritten, obivohl Meiiihardt alles that, um die Folgen seines Leichtsinns zu mildern. Die Meldung einiger Blätter, daß der unglückliche Knabe seinen Verletzungen erlegen sei, trifft nicht zu; Domierstagmittag lebte, wie der verzweifelte Schutze ini KraiikeuhauS erfahren komite, das Kind noch. Die Uiitersiichung ist eingeleitet. Der vom Schutzmann Jost durch Säbelhiebe schwer verletzte Hausdiener Wilhclni Schüler inußte gestern auf Aiiordnimg seines Arztes nach der Charilö gebracht werden. Die Verletzmigen sind derartig ernster Natur, daß lauge Zeit verstreichen wird,' bis der Mann seiner Arbeit wieder nachgehen kann. Wie arg der Schutz- mann Jost gehaust hat, beweist noch der Umstand, daß er eine Glasscheibe von einem Centimeter Dicke mit seinem Säbel zertrümmerte. Von einem Wächter überrascht wurde in der vorletzten Nacht in K ö p> nick ein Einbrecher, der mit seiner Beute einen Zug nach Verlin l. steigen wollte. Der Wächter Dumdei sah aus dem Bahnhof einen Mann, der sich mit zwei schweren Säcken abquälte. Da ihm dieser nächtliche Transport verdächtig vorkam, so wollte er sich den Mann etwas genauer ansehen. Sobald aber dieser das merkte, ließ er die Beute im Stich und verschwand im Dunkel der Nacht. Die Säcke waren mit allerhand Posaineiitierwaren gefüllt, die irgendwo gestohlen worden sind. Festgenommen wurden gestern zwei Fahrraddiebe, die längere Zeit ihr Sonderfach in Berlin und Charlottenbnrg betrieben und zuletzt dein Schlossenneister Schwencke am Spittelniartt ein Rad und mehrere Vlciröhrcii stahlen. Beim.Verschärfen" dieser Sachen wurden sie in Charlottenbnrg ertappt und als ein ehemaliger Gc- schäftsreisender Max Kröbel aus Lissa und ein Möbelpolicrer Wilh. Kilbach ans Berlin festgestellt. Beide wurden dem Uiitersnchnngs richtcr zugeführt. In einem Hotel vergiftete sich in der vorletzten Nacht der 40 Jahre alte, ans Bmizlau gebürtige Kaufmann Kurt Säuberlich, der seit einem Jahre in der Dresdcneistraße 87 eine Schniicröl-Handluiig betrieb. Säuberlich, der für seine Person sehr viel Geld brauchte, lebte noch ausschweifender, nachdeni ihn seine Frau vor einigen Monaten verlassen hatte. Vor cincin Monat ließ er sein Geschäft im Stich und ging, nachdem er sich mit seinem Vor Mieter auseinandergesetzt hatte, mit dem Bemerken weg, daß er eine Jnspcktorstelle aiigcnonimeil habe. Zuletzt wohnle er in einem Hotel der Fricdrichstadt. Hier fand ihn gestern mittag ein HaiiSdicuer tot auf dem Fußboden liegen. Er hatte sich mit Cyankali vergiftet, weil nun wohl auch seine letzten Mittel erschöpft waren. Eine indische Karlttvanc läßt sich zur Zeit auf der Nadrenn- bahn am Kurfüistendanmi sehen. Die fremden Gäste sind von dem bekannte« Herrn Hngcnbcck in Hamburg nach Europa gebracht worden; sie gehören zum größeren Teil dem Stamme der Mala- baren an der Weslküste Südindicns an, zum Teil einem Typ, der D s ch ii n g e l- G n y a r a t i genannt wird. Letztere führen eine Art Nomadeiidascin und werden als indische Zigeuner bezeichnet. Minder zahlreich sind einige andre indische Völkerschaften wie die Naitn aus Haiderabad und die Hindostani aus dem Hochlande Indiens vertreten. Eine Anzahl Frauen und kleiner Kinder befinden sich bei der Truppe; etliche der Damen werden stolz als Bajaderen im Programm aufgeführt. Aber Ivcr bei diesem Wort an Goethes Gedicht von Mahadöh dein Herrn der Erde denkt, wird sich ans eine kleine Eiittäuschiing gefaßt machen müssen. Es muß nach nuscren Begriffen ein Gott von Übermensch sicher Anspruchslosigkeit sein, der bereits durch die Reize dieser Weiblichkeit Feuer und Flamme wird. Aber die Geschmäcker sind nun einmal verschieden und so ein an Ascese gewöhnter Jndier mag vielleicht vom Anblick abendländischer Schönheiten wenig erbaut sein. Etliche Akrobaten üben schlecht»nd recht ihre halsbrcchend scheinenden Künste auS, ebenso suchen Degenschlucker und Seiltänzer durch Arbeiten zu imponieren, die nnsre heimischen Artisten aller- dingS vielfach gewandter zum Besten geben. Recht interessant ist ein Vogeltanz, dessen Teilnehmer, in ein Fedcrkleid gehüllt, sich geberden als ob sie Hühner wären. Rälselhaft erscheint uns ein Kunststück. das ein Jndier mit seiner Gefährtin vornimmt. Die Frau drängt sich in einen Korb hinein, der so klein und unbequem ist, daß sie darin kaum Platz haben kann. Dann durchsticht der Mann den Korb mit einem Degen nach allen Richiungen. Der Schlußcffelt ist naiürsich, daß die Frau völlig unversehrt den Korb verläßt. Den Schluß der Vorstellung'bildet ein Ringkanipf zwischen einein Maiin und ciiiciu Kragenbären. Fcnerbcricht. Ein großer Dachstuhlbrand kam in der Nacht zuni Donnerstag in der WiNdeiioivstraße 25, Ecke der Burgsdorf- slraße, auf noch nicht ermittelte Weise zum Ausbruch. Obgleich die Wehr sofort aus zwei Schlauchleitungen Wasser gab, dauerte eS doch über eine Stunde, bevor die Flaimiien, die au dem Inhalt der Bodenkammern reiche Nahrung gcfmidcii hatten, erstickt werde» kounteu. Ein erheblicher Teil des Dachstuhles wurde zer- stört. Aucki am Grüne» Weg 113 hatte die Wehr längere Zeit zu thim. Hier war aus nicht ermitteltcr Ursache in einem Keller Feuer aiisgekomnien, das größere Vor- räte von dort untergebrachten Hölzern, Spähncii nstv. ergriffen hatte. Die Wehr mußte längere Zeit mit einem Rohre Wasser geben, um die Gefahr zu beseitige». Mittivochabend gegen 8 Uhr war am CirktiS 3 in einer Tischlerei ein Brand ciitstaiidcn, der iudeß in kurzer Zeit beseitigt werden konnte. Kurz darauf halte in der Aorkstraße 34 Verpackungsmaterial Feuer gefangen, doch ge- lang es auch hier, die Flammen bald zu unterdrücken. Außerdem wurde die Wehr noch nach der Ackcrstraße 27 gerufen, wo in einer Wohnung Kleidungsstücke und Möbel in Brand geraten lvaren. Aus den Nachbarorte». Teuer zu stehen kommt, wie berichtet wird, dem Schuhmacher Stelle n bcrg in Spandau eine in der Truickcnheit verübte Unbesonnenheit. Bor einigen Wochen wurde St. von einem Nachtwächter unter der Bezichtigung zur Wache siftiert, daß er einen fremden Schaukasten und einen Stiefel(Rcklainegegenstände) wieder- rechtlich sich angeeignet habe. St. wurde bei den beiden Gegen- ständen, vor seinem Wohnhause stehend, von dem Beamten betroffen, bestritt aber mit aller Entschiedenheit die Beschuldigung und behauptete, die Sachen schon vor der Hniisthiir' vor- gefunden zu haben, als er im Begriff gewesen sei, die Thür zu öffnen. Verschiedene Umstände, vor allem auch der unzurechnungsfähige Zustand des St., ließe» diese Erklärung durchaus glaubhaft erscheinen. DaS Schöffengericht zu Spandau verurteilte ihn aber am Mittwoch zu einer Woche Ge- sängnis, indem cS Diebstahl und nicht«groben Unfug" annahm. Die ganze Angelegenheit ist nnsre» Spandaner Parteigenossen des- halb höchst fatal, iveil St. seit dem 1. Januar dieses Jahres social- demokratischer Stadtverordneter ist. In der Eharlottrnbnrgcr Ttadtvcrordnetcn-Pcrsaninilnng führte am Mittwoch die Wahl von 7»»besoldeten Stadträten zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen den Vertretern der ver- chiedcnen bürgerlichen Parteien. Der Ausschuß hatte die Stadträte Gartz und Cassircr, deren Thätigkeit abgelaufen ivar, nicht wieder empfohlen. Gründe dafür hatte er nicht angegeben. Von liberaler Seile wurde min der»Freien Vereinigniig", die bekanntlich über die Mehrheit der Sitze verfügt, der Vorwurf gemacht, daß sie mir des- halb für die Genannten nicht eintrete, weil sie nicht Order parieren. sondern ab und zu auch, gegen den Strom zu schwnnmen wagen. Uns läßt dieser häusliche Streit ziemlich kalt; er zeigt lediglich, daß in Charlottenbnrg eine verderbliche Cliquenwirtschaft herrscht, und das ist längst kein Geheimnis mehr. Im Nanirn unsrer Fraktion be- kämpfte Genosse Hirsch die Borschläge des Ansschusses. Gegen die Wiederwahl des Herrn Gartz stimmten die Socialdcinokraten wegen der geschäftlichen Beziehungen. die er zur Stadt unterhält; er ist Pächter des öffentlichen Änschlagwesens und führt Druckaufträge für die Stadt ans. Gegen Herrn Cassirer stimmten die Social- demokraten wegen seines Verhaltens im Gasarbeitcrstrcik, wo er als Decernent sich gegen die Einsetzung von Arbeitcrausschüffen gewandt und die Hcrrcnmöral gepredigt hat. Ebenso stiminteii die Social- demokrateil gegen die' weiter vorgeschlagenen Herren Bcringer und Wipkelmmm, beides Fabrikbesitzer von niibekannter Gcsiniimig, die im letzten Augenblick präsentiert wurden. Das Ergebnis war, daß die Herren Horn, Meyer, Jebcns n»d Schsiemann wieder- und die Herren Bcringer, Winkeliuami und Börner ncngcwählt wurden. Von den' Vorlagen, mit denen sich die Versanimliing weiter beschäftigte, seien erwähnt die betreffend N a ch b e w i I l i g u n g e n für den Armen etat und die betreffend die Aus- l e g n n g der G e m e i u d c- W ä h l e r l i st e n. Der Antrag des Magistrats ging dahin, auf Grund des§ 21 der Städte-Ordmmg folgendes Ortsstatut zu erlassen:„Z 1. Die Liste der stimmfähigen Bürger, welche die erforderlichen Eigenschaften derselben nachweist, wird von dem Magistrat alljährlich in der Zeit vom 1. bis 15. August berichtigt. Vom 15. bis 30. August wird die Liste in der Stadt- gemciiide offen gelegt, lieber die gegen die Nichtigkeit der Liste bei dem Magistrat erhobenen Einsprüche hat die Stadtverordneteii-Ber- sammlmig bis zum 15. September zu beschließen, ß 2. Dieses Orts- statut tritt mit dem Tage seiner Verkündigung in Kraft." Ent- sprechend dem Antrage des Referenten, Stadtv. B a a k e, Ivnrde der Antrag angeuommc». Die Listen sind also in Zukunft vom 15. bis 30. August einzusehen. Die nächste Sitzimg der Stadibcrordncten findet erst am 3. September statt. Ist das Trompete» auf der Straße„grober Unfug?" Im benachbarten Friedrichsberg machten sich eines Tages zwei halbwüchsige Burschen Namens Heinrich und Neldner den Spaß, auf einer Trompete einen solchen Lärm zu vollführen, daß die Orts- feuerwehr alarmiert wurde. Die beiden Ruhestörer erhielten ein polizeiliches Strafmandat. Sie beantragten richterliche Entscheidung. Das königliche Amtsgericht sprach sie unter Aufhebung der polizeilichen Strafniandate von Strafe und Kosten frei mit der Begründung, daß noch so lautes Trompetenblascn nicht als grober Unfug im Sinne des Strafgesetzbuches anzusehen sei.— Wenn man bedenkt. wie leicht die bürgerlichen Gerichte Soeialdemokraten gegenüber mit der Ausnutzung des groben Unfug- Paragraphen bei der Hand waren, so nmß diese Entscheidung eigentlich wundernehmen. Ruö Rixdorf. Durch die Schuld eines Radfahrers ist am Miitwochabcnd 10 Uhr in der Hermannsiraße die Arbeiterfrau Amia Müller aus der Chausseestr. 129 in Britz schwer verunglückt. Als Frau M. einen Straßenbahn-Wagen an der Haltestelle verließ, wurde sie von einem Radfahrer mitgefahren und erlitt außer einer Ellbogeitvcrlctznng einen Bruch des linke» Beines. Nach Anlegmig eines Notverbandes wurde die Verunglückte nach ihrer Wohnung transportiert.— In nnsrem Orte sind in letzter Zeit zahllose Bodendicbstähle verübt worden. Gestern wurde ein 20jähnger junger Mensch ans Berlin Namens Emil Cznja verhaftet, bei welchem zahlreiches Dicbes-Handivcrkszeug, nniuentlich viele Schlüssel von Vorhängeschlössern, gefunden Ivnrde. Man glaubt, in dem Verhafteten den Hanptlhätcr der Bodendicbstähle cr'.vischt zu haben. Ecntral-Kranken- und lZtcrbekassc der Tischler.(E. H. Nr. 3, Hamburg.) Die Mitglieder der Ortsverwaltinigen versammeln sich heute abend punkt 8l/2 Uhr im Gewerkschaftshause, Saal 7. Wetter-Prognose für Freitag, den 87. Juni 1908. Trocken und vorwiegend heiter, etwas wärmer bei inähigen östlichen Winden. Berliner W e t t e r b u r e a n. Briefkasten der Redaktion. Die Inrtstlsche Tprcchsiiindc finde« täglich mit ZluSnahme de» Sonnabends von bis 0'/, Ubv abends statt. I. A. 85. Sie haben damit zu rechnen, das;, wen» die Derwaltung ermittelt, die drei Bücher gehören einer Person, die Beträge über 1000 M. nicht verzinst werden. 91. W. 88. 1. Wie auch wir erst nachträglich bemerlt haben, ist dies Wert aus der Ausgabe vom Verleger fortgelassen worden. 2. An die Frau Lehrer. 3. Herr Obcrbürgcnneister Kirschner wohnt Alt-Moabit 90. K.(»., Biebcrich a. Rh. VertraiieiiSmaim fstr den Wahlkxcis Nieder- Barnim: Georg Frciwaldt, Pankow, Florastr. 3>i. Grunbach. Das Werk ist, soweit es sich bisher beurteilen laht, gut. Die(50 Mark— so viel kostet es vollständig— werden Sie aber wohl anderweitig besser verwenden können. ZriiWkl MmMtkr-Mlilllid. Den Mitgliedern zur Nachricht, da« der Kollege, Tischler Karl Kerle» am 25. Juni verstorben ist. Die Beerdigung findet am Sonutag- nachmittag um. 4 Uhr, von der Leichenhalle des Markuskirchhoses in Wilhelmsberg aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 75/>v Der Vorstand. Danksagung. Allen denen, ivelche meinem lieben Mann Fi'ltx Werner die letzte Ehre eriviescn haben, insbesondere dem Bercin«Frühlingsglaube" für feinen ergreifenden Gesang, auch den Vereinen „Palme",«Frisch gewagt!" und„Skat- Klub" für die rege Beteiligung und für die reichen Kranzspenden von nah und fem, meinen herzlichsten Dank. Di« trauernde Witwe. Dr. Simmel, pnuienstr. 41. Specialarzt für 25/17* llnnt- und Harnleiden. 10-2, 5-7. Sonntags 10-12. 2-4. Achtung! Allen Freunden und Bekannten empfehle ich mein Wel*«- and llayriHch- Hier- I.oknl nebst Garten. Für Speisen und Getraute ivird reichlich gesorgt. Die Kaffee- küche steht jederzeit zur Versügiing. Um Zuspruch bittet(4420L* Wilhelm Reichert (genannt Schaukel), früher NeiiiickendorslVSpaudauer Weg jetzt Müllerstr. 89(Weichbildgrcnzc). 8 Minuten vom Bahnhol Rahnsdorf und 10 Minuten vvm Müggelsee. Herrlich Im Walde und am Flless gelegen. Zu Aitsslügen für Vereine und Fabriken sowie Familien zu empfehlen. Grosser Tanzsaal u. Hallen, 1000 Personen fastend.<»r. Preiakegein TUr Herren und Hamen. jeden Sonntag, Dienstag � und Freitag� /«/lllljj» 74b Harl Hnhm. Herren-Kragen, rci» leine», garantiert 4 fach. sämtliche neue Fayons in allen Weiten 'Stlirti 1 � Itf f0 l""L° der sPlIllli tw Vm» Vorrat reicht. Geschlossene Krage» per Dutzend 3 M.n 3 M. 50 Pf. Manschetten, prima, garantiert 4 fach, '/- Slcheiid 2,25 MM. Oberhemden, Servlteurs, Krawatten in größter A uswahl. Trlcotagen, Strumpfe. Oetallverhauf zu Engrospreisen. 4315Ö* F. rnist Haren ne, Vtünzstr. 83. Keilte Gnade dem Tode llerfallen sind alle Wanzen nebst Brut durch das berühmte „�konzentrierte Wanze»- Fluid" (bedeutend verstärkt). Fl. 50 Pf., 1, 2. 3 M. ii. Liierst. 5 M. Sprüh- apparat 50 Pf. Radikalen Er- folg garantiert Ott» Helehel, Berlin SO., Gisciibahustraste 4. Lieferant für Armee und Marine, königliche und städtische Behörden. telunm Familien-Restaurant, Friedrichstr. 16.— Lindenstr. 101—108. Innerhalb der Handels statte B e I l e- A l l i a n c e. FrUhstttck-, Hlttazx und Abendtlsch zu kleinen Preisen. (Damen separat.)[4296S)« Jederzeit: Musikalische Unterhaltung.— 8 franz. Billards. Zimmer für Vereine und Versammlungen von 20 bis 200 Personen Kür den Ins, alt der Inserate übernimmt die Rcdattio» dem Publikum ncgeniiber keinerlei Berantworinng. Tljroitrv. Freitag, den 27. Juni. Neues Opern- Theater(KroNs Aastspiel der königlichen Hofoper aus Stuttgart. Der polnische Jude. Ansang 7>/,»kr. Im Liederspielhaus: Offenbach- Cyrills. Paimpol und Pennette.— Der Regimentszauberer.— Fritz- chen und Lieschen. Anfang 8 Uhr. Deutsches. Die Weber. Anfang 7'/, Uhr. verliner. Alt-Heidelberg. Anfang 7V-»kr. Westen. Der arme Jonathan. An- sang 7-/, Uhr. Victropol.(Morwitz-Oper.) Carmen Ansang 8 Uhr. Neues. Ledige Leute. Anfang 7-/- Uhr. Nesidenz. Einquartierung. Anfang 7-/, Uhr. Central. Tolle Mitbürger. Anfang 8 Uhr. Belle-ZIIliauce. Er. Hierauf: Die Dame ans Trouville. Anfang 8 Uhr. Carl Weih. Die Viper. Anfang 8 Uhr. yriedrich-WilhelnistädiischeS. Der Zerrissene. Anfang 7»/, Uhr. E. v. Wolzogens Buntes Theater (Ueberbrettl). Anfang 8 Uhr. Cchall und Rauch. Serenissimus- Zwischenspiele u. a. Anfang 8Vj Uhr. Npollo. Lysistrata. Spccialitäten- Vorssellung. Anfang 8 Uhr. Reichshallen. Stettiner Sänger. Anfang 8 Uhr. Posfage- Theater. Specialitäten- Vorstellnng. Ansang nachmittags 8 Uhr. Passage- Panoptikum. Special!- tnieu-Norstellnng. Orphens. Spccialitäten-Vorstellung Ul'SNIS Isudsu-Strssss 43/49. Im Theater nm 8 Uhr; Die deutsche Ostseeküste. CASTANS Fanoptiknm Frledrlcli-Strasse 163. Photographische Aufnahmen von der Insel Martinique und von den Schlachtfeldern Transvaals. Im Konzertsaal; Schwedische Künstlerkapelle 4 Damen, 2 Herren. i IPassage-PanopticDDi. Der weihl. Affenmensch.! Die Secjnngfer. Der Tigerknabe. [Von nachm. 4 Uhr'/istündlich Damen-Ringliainpf. I.llles oIincExtra-Entrcel Ansang 8 Uhr. ri. Borslellung. (Im Uhr: Charibari. Täglich Anfang 8 Uhr. Urania. Tanbenstr. 48/41». Thealersaal.) Abends 8 Die deutsche Ostfeeküste. Jnbalidenstrasse S7/iiS. Täglich: Sternwarte._ Crllttal-TiMttr. Heiitc, den 27. Juni, Anfang 8 Uhr. ütf" Zum zweitenmal: Tolle ZNitbürger EesangSposse in 4 Akt. v. A. Schmafow. Mustk von Kurt Goldmann. Morgen und folgende Tage: Tolle Mitbürger. Tssssge-Theetei'. Anfang Sonntags 8 Uhr, Wochentags 5, Ende 11 Uhr. | Willy Pra ger 16 EIUc-Niinimern. F» W. Uoacks Tlieater. Brunnenstrabe 16. Aich THtilter- 1. Svecia- Nose»t und Dornen. Burleske mit Gesang u. Tanz in 2 Akten. Im Saal: Taniekrlin�okvn. Fröbels Allerlei Theater früher Pnlilmann"T&Q Schönhauser Allee No. 148. Heute Freitag, den 27. Juni: Gr. Konzert, Theater, Specialitäten und Ball. SV Nur noch 4 Tage:"Wyz Das wunderbare erfolgreiche I£kn«ti«r-l*er«onaI: Molly Verch X Darnetts Theodor Lippart X Stoer Francetco X 4 Vollmers. SV Gnlcleiks 99 B«Ii en streiche Die Kasseeküche ist geöffnet. Ansang des Konzerts itar 5 Uhr. Entree 3« P». Täglich ab 5 Uhr nachmittags: Militär- Doppel-Konzert. Sonntags und Donnerstags: _ 3 Itlnstikcoriis. Entre© 1 Mark von abends O Uhr ab SO IT., Kinder unter 10 Jahron die Hälfte. Vrater-Töeattt Kastanien- Allee 7—9, SSf Täglich: Durch fremde Schuld. Vollsstück mit Gesang in 8 Akten. Ballettges. Catrlni. Tyrollenne Mary Ellys. Grotcsque-Kom. Paul Coradlnl. Brothers Fred, mustk. Excentrtcs. Mr. Bartling, leb. Photogr. Fred Marzahn! Troupe, Pantom. Musikantenstreiche. Bartllngs elektrische Feerle.(3000 Glühkörper.) Konzert«. Ball. Anfang 4 Uhr. Eintritt 30 Pf., numerierter Platz 50 Pf. Kalbo. Reichshallen. Tiigllch: Stettiner Siiiiser. Ansang: Wochentags 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. Tageskasse II— l>/,Uhr. RlDlropoI-ThiiatGr Anfang 8 Uhr. SIoFwitz-Oper. Koi Franceschina Prevosti: POP* Carmen.*98 Sonnabend; bei halben Preisen und znm letztenmal: Die ZanberHbtc. Sonntag: Letztes Gastspiel des Kammersängers Alfred Oberländer: Die JUdln. Apollo- Theater Um 7 Uhr: Gartcn-Konzcrt. Um 8 Uhr: Die sensationellen SpecialUUten I. Ranges. Um 9 Uhr: Mit kolossalem Erfolg Paul Llnckes Ausstattungs- Operette Lysistrata mit dem Luftballett„Grigolatis!1 Kasseneröffnung 6 Uhr. Belle-illiance-Tlieater. Anfang 8 Uhr: „Er". Pariser Lebensbild. Hieraus: W Zum 181. Mal:-MO „Die Dame ans Traiiville". Bei günstiger Witterung auf der neue» Gartenbühne. Sonnabend: Einakter- Abend. ffoi'I Weiss-Tlieater. Grosse Frankfnrterstr. 132. Abends 8 Uhr: Nie Tip er. Kriminal- Schauspiel in 7 Bildern. Morgen: Gefallene Mädchen. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Kabale und Liebe. Im Garten: Specialitäten-Bor- stellung. Anfang 6'/, Uhr._ Wintergarten. Aus dem interessanten Juni-Programm: „Das Mädchen mit dem gold. Haar" und 16 erstklass. Specialitäten. Koti bmucristr. 4 a, Station der Hochbahn. Täglich im Garten, bei nn- günstig. Wiliernng imSaal: HolTtiiantiH MMutschc Tliilgcr und Konzert. Sonntag, Montag upd Donnerstag nach der Soiree: Tanzkränzchen, Tanz frei k Ansang Sonntags 5 Uhr, Entree b0 Pf., ab 9 Uhr 20 Pf. Anfang Wochentags 6 Uhr, Enlree 30 Pf., ab 9 Uhr 20 Pf. Ostbahn-Fark. Am Küstrlnerplatz. RUdersdorferstr.71. Hermann Imbs. Täglich: Gr. Kontert, Theater uud Spetialttateu- Vorstellung. �ommertlieater Ntainsnkseß Bad st r. 35/36, Gesundbrunnen. Heute Freitag:-Mg 'Gastspiel der Ztettioer Zäiigtr" ans den Nelchshallen sowie das ganze übrige Programm. Mmincs lebt itad liebt. Entree 20 Pf. Anfang 5 Uhr. „MEÜE WEET" A. Scholz, Hasenhelde 108 114. Heute, sowie täglich: Bothe- Konzert. SpcclalUUtcn- VorsteUims. Der Heldentenorist Hans Holtmann. Auf. deS Konzerts 5 Uhr, der Borstellung 6 Uhr. Eintritt 15 Pf. Kasseeküche.— 3 Kegelbahn., russ. Rutschbahn.— Anis: Mr. Otanag u. Mad. Barczlnska kommen. Sensationellste Bühnenneuheit. Mai Kliems Sommer- Theater. Hiuscnheitle 13—15. I Artistischer Leiter: Lust. Bock.) Täglich: Gr. Konzert, Theater- u. fSpecialitäten-Vorstellungl Jeden 1. und 15. d. Monats: Wechselndes Programm I Aiu Künlgfctiior 4202L' Am Evicdrichshain Täglich:"9(1 flonjfrt, Theater, Speciali- tliteu-KöMnilg»ilbBall. Freier Damentanz bis 7 Uhr. lo'u'hr: Vanditcnstttilhe. Operette in I Alt von Snpps. Sonntag früh 6 Uhr: Preuzlanerlhor n.Liepnitz- see. Donnerstag, Andreas- straffe 26, Merkowsky: Generalverf. Neuwahl des Borstandes und der Fahr- warte.— KU. Resticrende Mitglieder I werden auf den§ 4 des Statuts hin- i gewiesen.— Gäste willkommen. Tischler-Berein zn Berlin. Sonnabend,' den S8. d. M.. abends 8T/, tthr, Mclchiorstr. 15: Versammlung."WG Tages-Ordnung: 198/19 Vereinsangelegenheiten. Bezahlung der Beiträge. Aufnahme neuer Mitglieder und Ausgabe der Billets zur gHT* Dampfeppai-tle am O. Juli. Der Voratand. III. Wahlkreis. Freitag, fl7. Juni, abends 8 Uhr, im GetverkschaftöhauS, Engel-Ufer 15, Saal I: Partei Uersamminng Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Gen. Dr. Deiiao itorcliardt über:„Zlrbeits- losenversichernng". 2. Diskusston. 3. Die Errichtung einer Partei- spedition im 111. Wahlkreise, eventuell Diskussion. Regen Besuch erwartet 212/3 Der Tertranenainann. AAms! Blumrbeiter. Achiuns! Sonntag, den 29. Juni, Pormittags 19 llhr. in„DrtlselB Fest-Sülen", Neue Fried richftr. 35: Mitglieder-Versammlung der freien Vereinigung der Bauarbeiter Berlins«. Umg. Tages- Ordnung: 1. Bericht über den Stand nnsrer Lohtibewegting und unsre weiteren Maffnahmcn. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 31/1 Dl© L.olink<>mml8Hion. I. A.: H. Norgel. Verbau«! der Sattler. Ortsverwaltnng Berlin. Bureau: Gewerkschaftshaus, Engel-Ufer 15. Zimmer 30. Fernsprecher: Amt 7 Nr. 1959. Branchen-Versammlnnge». Ceschirr-Brallche TttibritMtll-BrMlhe �llllhtlt' Illlh GewerfschaftShmis�En� im Montag, de» 39. Junior., abends 8>/, llhr, Englischen Hof. Nene Rossstr. 3. Sonnabend, den 28. Juni, abds. 81/, Uhr, bei R. Baske, Grenadierstr. 33. ab. 8'/: Uhr. im ....... 7 Sonnabend, den 28. Jnni, abds. 8'/- Uhr, im Gelvertschaftshans, Engel-User 15, Saal 7. Liule>«le>kr«. wlilliÄikt »«lstii-Bniiht B giffimittl.Sriinilt � SCfÜIIII 6(«tllltta6llt5 oo Die TageSordmuigen werden durch Handzettel bekannt gegeben. Um zahlreiches und pnullliches Erscheinen ersucht 157/2 Dl© Ortsvcrwaltang. Sonnabend, 5. Juli, abends G'/s Nhr, im GeiverkschaftöhauS» Engel-Ufer 15, Saal 3: Vertt'liUilSinaililer-Zihjiug ßnitlilher Braiilhes. Es ist Ehrenpflicht eines jeden Vertrauensmannes, in dieser Sitzung zu erscheincu. DI© Ortsvcnvaltane. Achkttngl Sonntag:, 4en 20. Juli er.: Grosse Dampfer-Tagespartie mit Musik nach dem herrlich am Wald und Waffer gelegenen Wirtshaus»Zur Römer» schanze" in Nedlitz bei Potsdam. Abfahrt präc. 7 Uhr vom Schlniersteg am Bahnhof Friedrichstraffe. Billets für Hin- und Rückfahrt inkl. Tanz 1.59 M.; Kinder 9.59 M.; unter 10 Jahren, sobald sie keinen besonderen Sitzplatz eiiinehmen, sind frei. Um recht rege Beteiligung ersucht Da» Komitee. I. A.: Willy Tuschke, Langestr. 103. Achtung! ItiiMer Hchttlielttr-MM. Heute, Freitag, abends 8»/, Uhr, im GiwerkfchaftShaus, Engel-Ufer 15: Sit�uuK der Orts-Verwaltung. MF' Drechsler«-WW Sonnabend, 28. Juni, abdS. 8'- Uhr, im GeWcrkschaftöhauS, E»gel-Uscr 15: 75/1? Kommissiotts-Sitzltng. Achtung! Achtung! Sonntag. 29. J»»t, vormittags 19 Uhr, im GclverkschaftShauC Engel-Ufer 15: »öllsiilüi:!!« tesmlliU der Einsetzer Berlins. Tages Schäden und Mängel nnsrer fettigen? Pflicht jedes Kollegen ist eS, zu erscheinen. Ordn nng: Branche, und wie sind dieselben zu be- 75/19 Der Elnbernfer. AM»«! MuslkinstrumefiteH-Arbeiter. Montag, 30. Juni, abcndö 8 tthr, im GewcrkschaftShanS, Engel-Ufer 15(grober Saal): Oeffentliche Versammlung. Tages-Ordnung: Ter Streik i» der Pianofortesabrik von SebopF, MarknShof. uud daS Verhalten des Hirsch-Duncherschen GcwcrkvcrciiiS. Das Erscheinen iänttlichcr Kollegen der Mnsikinstrmnentcn-Branche er- warte» 75/18 Die Kommissionen des Deutsche» Holzarbeiter-BerbaudeS. de« Fachvereins der Ntusikinstrumeuteii-Arbeiler. m W Wo> 3. Pfennig, Jedes WOI t. f,rur das eratt Wort fett. Worte mit tneAr als 15 Buchstaben zählen doppelt, fCIeine ßnzeigen. A ttrvinvtt /"r t"e etx fix er l t/fff l frutn tu er teer den in den Annahmestellen für Berlin bis 2 Uhr, für die Vororte bis 1 Uhr, in der Hauptexpedition Beuthstr.f bis 4- Uhr angenommen. Verkäufe. Damenrcstanrant kaufen Kaiserstraffe 6. billig zu ver- 443b 59 Hochwaldparzellen, nahe am See, verkauft bei lleiner Anzahlung Besitzer Pflaiiinbaum, Hermsdorf, Lindenstraffe 15. 387b Gardiueiihans GroffeFrankfnrier- straffe 9, parterre. ffb?» Vorjährige elegante Herren-Slnziigc ond Sommerpaletots aus feinsten Stoffen 25— 40 Mark. Verkauf Sonn- abend und Sonntag. Versandhaus Germania, Unter den Linden 21, II. Schwarze Anzüge von 12 bis SO Mark empstehllt Schlesinger, Turin- straffe 85. 1174K' Teppiche!(fehlerhafte) in allen Gröben für die Hälfte des Wertes im TepptchlagerVrünn.HackeschcrMarlt 4, Bahnhos Börse. 111/7» Spottbillig Teppiche, Betten, Steppdecken, Gardinen, Regulatoren, Repeticruhren Leihhaus Neander- straffe S. Teilzahlungen gestattet.» Pianino sojort verkäuflich Ritter- straffe 120, I.________ 22/7* Vorjährige elegante Herrenhosen auS feinsten Stoffen 9—12 Mark. Verkauf Sonnabend und Sonntag. Versandhaus Germania, Unter de» Linden 21, II._ ll77ft* " Krankheitshalber verkaufe billig Restauration, Dunckerstraffe 10. 2327b Tcppiche mit Karbens-hlern Fabritniederlag« Grobe Franksurler- straffe 9, parterre. 1-37» Verfallene Pfänder, goldene Uhten, Ringe und andre Goldsachen, Ketten jeder Art, sauber und schön, werden spoitbillig verkauft. Altes Gold und Silber wird gekauft und in Zahlung genommen in der Pfand- leihe Prinzenstraffe 28, I, Ecke Ritter- straffe._ 427b Verfallene Pfänder: Uhren, Ringe, Ketten, Regulatoren spott- billig Pfandleihe Alexandrinensttabe73. Nähmaschinen, verfallene, spott- billig,(Riefcnauswahl) Pfandleihe Alexandrinenftraffe 73. 26/16+ Papngriausivahl. sprechend, finger- zahm, junge Stare, anzulernen, Richter, Oranienftraffe 87. 446b Kanarienroller 4.00, Borschläger 10,00, Znchtweibchen, Hcckbaucr Neanderstraffe 7. 27/16 49 kleine Parzellen sVorortstation, hinter Buch, 10 Minuten vom Bahn- hos Zepernick), mit und ohne Wald- bestand, verkauft für 6 bis 8 Mark die Rute Jöcrs in Zepemick. 468b» Grundstück(Vorort). Sommer- häuöchcn. Laube, Klosett, Brunnen 1500 Mark, Halste Anzahlung(zehn Minuten vom Bahnhof), oerkaust Eritz, Sharlottcnburg, Wilmersdorser- schaffe 125._ 469* Gangbare Restauration(Nahe GewerkschastShans) umständehalber zu verkaufen. Zu erfragen Kraut- schaffe 39, im Restaurant. 465b* Steppdecken billigst Fabrik Grobe Fraiikiiirierslraffe 9. varterre. t37 Sportwage», verstellbarer Kinderstuhl, ist gegen Kinderwagen einzn- taufcheu oder zu verkaufen. Hildebrand, Landsberger Allee 43._+90 Herrenrad, Damenrad, hoch- elegant 35,00, Schönhauser Allee 177», Kauich. 118/16 Kastenwagen, zweirädrig und verickilieffbar, verkauft Ohnesorge, Bergmannstraffe 23._ 4706 J-itü neuen Kinderwagen verkauft Fausack, Putbuserstraffe 21.+109 sermisedle ivieigell. 75 Pfennige! Stcuerberuiung. Eingabengefuche, Raterteilung Aller- billigst Schanksachen. Milnärsachen, Kau'verträge, Zahlungsbefehle, Ge- richtSllagen. Wulkow, Skalitzer- schaffe 14L_ 466b Rcchtsbureau Fa bisch, Andreas- straffe dreiundsechzig. Rechtshilfe, Eingabengejuche, Raierteilung. 421 b llufalliacheu, Reklamationen. straffe 65. Klagen, Putzger, Eingabe», Steglitzer- 2542b* »ostoiifreie zahnärztliche Behand- lung, Zahnziehen. Zahnärztliche Poli- klwik, Chausseeslraffe la. 1155K* Kilnststopserci von Frau Kokostp, Stcinmeij straffe 48, Quergebände hoch- parterre. Leihhaus H. Graff, Benthstraße 5. Coulanz. Diskretion. Reellitär.* Vrockhanstexikon und alle andren Bücher kauft, beleiht Antiauariat Kockischaffe 56, 1. Amt VI, 3397.» Fahrradgesnch, hanser Allee 163 a. Ratzlaff, Schän- Goldfachen, Silber, Platin, Zahn- gcbisse kaust Schmelzerei Brunnen- straffe 137, Eingang Bernauer- straffe. 455b* Vivisektion! Wer sich über diese ruchloseste Granfamkeit nulrer Zeit nnterrichien will, verlange die Flug- blättcr des Weltbundes gegen Bivi- sektion, welche unentgeltlich versendet werden vom Berliner Tierschutz- verein, Käniggrätzerslrabe 108. Um gütigen Abdruck wird gebeten. I61h* Gass in>1»», Grünthalerstraffe 68, Ecke Badstraffe, Destillation und Bier- lokal, Vereinszimmer. Telephon III, 7815. 1881b Vereinsziiiimer für 40—50 Per- fönen noch einige Tage in der Woche frei. Senst, Prenzlauerstraffe 48. Ttercinszimnier. Lier, Alt« Jakob- schaffe Il9._ 1188K» Kleiderspind(kienene», gebraucht) kaust billig PanniaS, Michaelkirch- platz 8._+115 Korsetts werden billig gewaschen und repariert Fmu Thiele, BreSlauer- schaffe 25, IV. 474b Rechtsbureau. Prozeßbeistand, Eingabengefuche, Raterteilung. Falk, Brunneusaaffe vierzig. 464 b Buchbinderei Falkensteinstraffe 37, Hos IV, Bigotte.-rfOt Vermietungen. Zimmer. Freundliches leeres Zimmer sofort oder 1. Juli zu vermieten Taubel, Bärwaldstraffc 40, IV. 471b Sohiaf»teUeii. Freundliche Schlafstelle, Klamandt, Gräsestrab« 76._ 447b* Freundliche Schlafstelle an Mäd- chen(separat) 6 Mart, Thiele, Brcs- lauerstraffe 25, vorn IV. 473b Schlafstelle Rasche. Elisabeth Ufer 31, 463b Schlnfsielle KönigSbergerstraffe 17, Quergebäude parterre, WitweGonniock. Zliigcnehnie Schlafstelle veruiietet Trupe, Nauuhusch. 77. parterre.* �rbeitsmarkt. PteiiS«gS«nette. Bolkssäiiger-Aesellschast Lewa»- dowSky, Sickingenstraffe 4.+84» SteNenangebete. Zwei geeignete, organisierte Gc- Nossen als ProviffonSreifende. Ber- dienst gut und leicht. Cigarren- laden Zionslirchstraffe 54. 477b Im IlrveitSuiarkt durch beioiideren Druck hervorgevodeng 91 nzcigen tojicu 10 Pf. pro Zeile Tilchtige Kimstlormer für pfli'u'icl): Ai bellen sofort gesucht. Anerbieten mit Lohnansprüchcn an Erzgiess. rci Karlsruhe, P-tsr» k Back, Karlsruhe i. Bad. 44722* Mlltß! Holzilrbtiter! Gesperrt imd folgende Werkstätten: Wegner, Wilmersdorf. A. Schulz, Krauistr. 18/19. Scheffier, Pelersburgerstr. 77. Emmeluth, Dieffenbachstr. 33. 83/3* Tie Ortovcrwaliuug. Aeiitniig! Vergolder! Die Firma Gninher. Andreas- straffe 10, ist für sämtliche Branchen gesperrt. 225/19» Tue Ortsverwaliung. Verantwortlicher Redacieur: Carl Leid in Berlin. Für den Jnieraienteil verantwortlich: Tb. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Mar Vadin» in Berlin.