Ar. 149. Aboimemtnls-Krdwgungen: tlbonnenients-PrelZ pränumerando: vierleljährl. Z,Z0 Ml., monall. l.ioMk.. wvchcnllich 28 Psg. frei tnS HauZ. Ciiuelne Numm'r 5 Psg. Sonntags» !>!»»»» er mit niunnttuf Sonntags» Beilage„Die Neue Welt" 10 Psg. Post» itboiinemcnt: t,It> Marl pro Mona«. Eingetragen in der Post-Zeitnngs» Preisliste für 1006 unter Bc. 7878. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, sür das übrige Ausland S Marl pro Monat. IS. Jahrg. Die Instrtitms.GeMy» beträgt für die sechsgespallene Kolonek seile oder deren Raum so Psg., sür politische und gewerlschaftliche Vereins- und Versammlungs- Anzeigen 20 Pfg. „Kleine Anscigcn" jedes Wort 5 Psg. (nur das erste Wort selt). Inserate sür die nächst« Nummer müssen biS 4 Uhr nachmittags in derExpedition abgegeben werden. Tie Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Kesttagen bis 3 Uhr vormittags geöffnet. Ersilzeltik täglich ausser SBoukug». Vevlinev Volksblatk. Centvalorgan der socialdemokratisthen Parter Deutschtmrds. Telegramm- Adresse>. »Sorialdentoltral Berlin" Nrdaklwn: sw. 19, Bcullz-Skrahe 2. Kerttfprccheri Amt I, Nr. 1508. Sonntag, den 29. Inn» 1902. Gxpcdilivn: sw. 19, Venth-Strage 3. Kerusprecher! Amt I, Nr. 5181. Zehn Jahre Sonntagsruhe im Handelsgewcrbe. Am 1. Juli sind die Vestimmungen der Gewerbe Ordnung über die Sonntagsruhe im Handels g e w e r b e, die am 1. Juli Jahre in praktischer 25 schaft und Gehilfenschaft des an diesem Tage in allen lands Massenversanimlllngcn, vollständiger t a g ru h e 18V2 in Kraft traten, zehn i r k s a m k e i t. Die Arbeiter Handelsgewcrbcs veranstaltet größeren Städten Deutsch in denen sie die Forderung sechsunddreißigstündiger Sonn erhebt. Diese Thatsache charakterisiert am besten, was von den reichsgcsetzlichcn Bestimmungen über die Sonntags ruhe zu halten ist; es sind in Wahrheit nur Be stimmuiigen über die Länge der Sonntags arbeit. Tie Sonntagsarbeit kurzweg zu verbieten und dergestalt dem Ar beiter einen uneingeschränkten Ruhetag in der Woche zu verschaffen, dazu hat die offizielle Svcialpolitik des Reiches der Gottesfurcht und fromnien Sitte bisher noch nicht die Courage gefunden. WDW Der Kampf, den die Arbeiterklasse des Handelsgewcrbcs für die Sonntagsruhe führt, ist bezeichnend sür den Stand der gesetzlichen Sonntagsruhe überhaupt. Die Industrie Arbeiter haben zwar nach dem§ 10ob ihre völlige Sonntags ruhe. Aller es ist bekannt, wie es in der Praxis damit steht. Die Klagen über die Durchlöcherung der Scnntags ruhe durch Bundesrats- Verordnungen sind alt und all jährlich kann man sich ans den Gelverbe-Jnspektionsbcrichten überzeugen, wie freigebig die Behörden mit der Erlaubnis erteilung für Sonntngsarbcit sind und wie niedrig die Strafen allsfallen. wenn ein Unternehmer seine Arbeiter ohne Ea lanbnis Sonntags ausgebeutet hat. In der kläglichen Halb heit der Sonntagsruhe kennzeichnet sich der ganze Jammer der Socialpolitik der deutschen herrschenden Klassen, und so gewftipt her Kampf um die Sonntagsruhe im Handelsgewerbe Bedeutung für die Arbeiterklasse überhaupt. Im Handelsgewerbe war aus alter, übler Gewohnheit die Ausbeutung der Arbeitskraft den ganzen Sonntag über, mit Ansnahnle der Stunden der Äirchzcit, üblich. Schanihaft verhing der Ausbeuter seinen Laden, wenn die Kirchcnglocke schlug, heuchelte im Kirchenstuhl Christentum, um hernach den Arbeiter desto schlnnmer auszuplündern. Der Arbeiterklasse kostete es einen langen Kampf bis sie endlich die Gesetzgebung zwang, dieser Ausbeutung entgegenzutreten. Und der aller christlichste Staat that diesen Schritt höchst widerwillig Neck) WideiWilliger thaten ihn die herrstljenden Parteien Ten rechtsstehenden Parteien kam es bei ihrer„Rc geluiig" der Sonntagsruhe überhaupt nur darauf an, auch die Gehilfen und Arbeiter, die hinter den herabgelassenen Vorhängen ausgebeutet wurden, in die Kirchen zu treiben Durch die Sonntagsruhe wollten sie schwindende„Zucht, Sittlichkeit und Rcligiösität" aufs neue festigen, int übrigen aber sich sorgfältig hüten, den Zlusbeutern das Versügiings recht über die Arbeitskraft ihrer Lohnsklaven in fühlbarer Weise zu beschränken. Vollends die ftcisinnigen Manchesterleute lvaren ob der Anmaßung, nach achttägiger Zlrbeit dem Arbeiter einen Ruhetag zu gönnen, völlig aus dem Häuschen, und als Dr. Max Hirsch gar„so weit" ging, für geschlossene Geschäfte eine dreistündige, für offene Geschäfte eine fünfstündige Sountagsarbeit festzulegen, wurde dieser Umstürzler von den Mannen Richters einfach im Stich gelassen. Einzig die Social dcmokratie trat mit Energie sür die Arbeiterschaft ein. Ihr war eben die ganze Frage eine solche des Arbeiterschutzes und der Verkürzung der Arbeitszeit, nicht eine solche der„Zucht und Religion". Schließlich wurde die Sonntags„nihe" im Handelsgewerbe in der Weise eingeführt, daß eine fünfstündige Maximal nrbcitSzeit festgelegt wurde— mit zahlreichen Ausnahmen, um dieses bißchen Arbeiterschutz für die Ausbeuter nicht gar so„drückend" zu gestalten. Die Regierung sah wohl ein, daß eine flilisstündige Sonntags arbeit ein Hohn auf die ver langte Sonntagsruhe sei; sie setzte deshalb die allmähliche Verkürzung bis zur gänzlichen Untersagung der Sonntags arbeit als Ziel. Aber sie wagte es nicht, dieses Ziel selbst zu erstreben, sie schob es vielmehr den Gemeinden zu, wie sie es diesen auch überließ, die Stunden für die Sonntagsarbeit festzusetzen. Damit ist der ganze gegenwärtige Jammer der Sonntags- ruhe verursacht worden. Anstatt durch gletchlautcndo Be- ftinimnng die Ausbeuter und die Kousumeuteninasse zu wingen, sich dem Arbeiterschutze anzupassen, paßte man den rbeiterschutz der Bequemlichkeit, dem Schlendrian und der Ausbeutung an. Die praktische Ausführung der Sonntags- ruhe wurde in die Hände des reaktionären Kleinbürger- tunis gelegt, welches überall in den Stadtvertretungen die Mehrheit hat. So haben denn die Gehilfen und?lrbeiter im Handelsgcwerbe auch heute, nach zehnjähriger praktischer Wirk- samkeit des Gesetzes, noch nicht einmal einen Halb feiertag geschweige denn eine wirkliche Sonntagsruhe. Auch ist die Sonntagsruhe nicht verkürzt worden, allüberall lvird slrainm das Maximum der Sonntagsarbeit vom Ausbeuter- tum auch heute noch ausgenutzt. Gemeinhin dauert die Sonntagsarbeit in den Ladengeschäften von 7—10, dann be- ginnt der„Gottesdienst" und von 12 Uhr bis nachmittags um L Uhr dauert alsdann wieder die Arbeit. In einzelnen Landes- teilen ist sogar die Sonntagsarbeit auf 7— 9Ve Uhr morgens »ind auf nachmittags l'/e— 4 Uhr verlegt worden. Wieder anderwärts, und zwar m Süddeutschland, müssen die Gehilfen sogar abends nochmals ins Geschäft. Die jüngst voin Reiche veranstaltete Erhebung über die Llrbcitszeit in den Comptoirbetrieben ergab, daß diese Be triebe, die die Sonntagsarbeit gar nicht nötig haben, zu einem Drittel die Sonntagsarbeit üben. Gerade die Thatsache, daß sie bei 70 Proz. nicht über 2 Stunden hinausgeht und nur bei 4 Proz. mehr als 4 Stunden dauert, zeigt, daß es sich in diesen geschlossenen Betrieben des Handelsgewerbes meist um ein Minimum von wirklicher Arbeitsleistung handelt, die ohne irgend eine Einbuße für die Unternehmer entbehrt werden kann. Es ist lediglich der Schlendrian und die brutale Aus' beuteranmaßung, die gekaufte Arbeitskraft unter allen Um ständen zur Verfügung zu haben, welche kein Verbot der Sountagsarbeit duldet. Und wie das Ausbeutertum nicht daran denkt, im ge schloffenen Betriebe auf die Sonntagsarbeit zu verzichten, so denkt es noch viel weniger daran, die Sonntagsarbcit in den Ladengeschäften herabzusetzen oder zu verbieten. Jede neue Debatte, die in irgend einem Stadtverordneten-Kollcgium um die Sonntagsruhe geführt wird, zeigt aufs neue, welch ein fundamentaler Fehler es war, den städtischen Vertretungen des Klcinbürgertnnis solchen Einfluß auf die Regelung der Sonntagsruhe zuzuschanzen. Typisch bleibt in dieser Beziehung der Kampf der Socialdentokratie für die Sonntagsruhe in Berlin und wenn sich selbst die„fortgeschrittenen" Ausbeuter' Vertreter im Berliner roten Hause gegen die einfachste Maßregel der Socialpolitik so stemmen und sträuben, was kann da füglich von den Gemeinden der Provinz erwartet werden. In Berlin fand die freisinnige Mehrheit tausend Gründe gegen den socialdemokratischen Antrag. der die Sountagsarbeit in den Engros-, Fabrik- und Bankgeschäften gänzlich verbieten und die Sonntagsarbeit in den Detail geschästen auf 3 Stunden beschränkt sehen wollte. Und wie in Berlin die Herabsetzung der Sountagsarbeit, die die Gelverbo Ordnung den Gemeinden oxtsstatittarisch überläßt, um keinen Schritt vorwärts gekommen ist, so auch nicht in der Provinz. In Dresden rief ein EhoruS von Stadtverordneten, als s. Z. bei der Besprechung einer Petition die Sonntagsruhe betreffend, die lange Arbeitszeit der Gehilfen zur Sprache kam:„Was ist das denn wieder? Haben wir das nicht auch gemußt?" Und der Stadtverordnete Hartwig, ein ehemaliger Reichs- böte, sah im Verbot der Sontagsarbcit nur den Vorschub zum Müssiggang und bewies, daß auch der liebe Gott die Sonntagsarbcit wolle, denn in der Bibel sei aus- drücklich erlaubt, am Sabbath daS in den Brunnen gefallene Vieh zu retten, folglich war Sountagsarbeit jederzeit„eine sittliche That". Wenn somit eine zehnjährige praktische Wirksamkeit der Bestimmungen über die Sonntagsruhe im HandclSgewerbe den Beweis erbracht, daß der 1892 von der Gesetzgebung be- trctene Weg der falsche war. und die Gemeinden ihre Un- sähigkeit, einer großen Arbeiterschaft den socialen Schutz eines wöchentlichen Rnhetages zu schaffen, bewiesen haben, so ist es ein dringendes Gebot: die Bestimmungen der Gewerbe- Ordnung über die Sonntagsruhe zu revidieren und das völlige, uneingeschränkte Verbot der Sonntagsarbeit auch sür das Handelsgcwerbe eintreten zu lassen. Dieses Verlangen erheben heute Hunderttausende von Arbeitern und Angestellte des gesamten HandelsgcwcrbeS. Ihnen gegen- über steht eine verhältnismäßig kleine Klasse von Ausbeutern, die aus eigensüchtigem Geldsacksinteresse sich gegen den social- politischen Fortschritt sträubt. Und ihr Anwalt ist die reaktionäre RcichstagS-Majorität, die hier wie überall, jede durchgreifende Maßnahme des Arbeitcrschiitzes bekämpft. Um so energischer muß die Arbeiterschaft des Handels- gewerbes fordern und die Socialdemokratie wird der Forde- rung Nachdruck verleihen, damit der Arbeiter„im Lande der Socialpolitik" wenigstens am Sonntag frei sei von den Fesseln der kapitalistischen Ausbeutung. Der Begriff der foeialen Nevoltttio»*) Es giebt wenige Begriffe, die so viel umstritie» sind, ivie der der Nevolittion. Dies kam« man zum Teil dem Unistaiide ziischrctbcn. fenst keiner vestehcnden Interessen lind Vorurteilen so zitwider ist, wie dieser, zum Teil aber auch den« Umstände, dag wenige so viel- deutig sind wie er. Borgänge lassen sich in der Regel nicht so scharf begrenzen. wie Dinge, namentlich nicht gesellschaftliche Vorgänge, die ungeheuer verlvickelt sind und immer verwickelter ivcrdcn, je weiter die Gesell- chaft fortschreitet, das heißt je maimigfaltiger die Formen deS ZnsammenwirlenS der Mensche» werden. Und zn den bcrivickeltstcn Vorgängen gehört der einer socialen Nevolution, daS heißt einer völligen Umwälzung der überkommenen Formen deS Zusammen- Wirkens der Menschen. Kein Wmider, daß dieses Wort, daS jeder gebrannt, fast von jedem in einem andern Sinne, von demselben zu ver- chiedcnen Zeiten tu verschiedenem Sinne gebraucht wird. Die einen verstehen darunter Barriladcn, Niedsrbreiuien von Schlössern, •) Wir cninehmen diesen Artikel einer in den nächsten Tagen imVerlagdcrBnchhandlung Vorwärts erscheinendenneuenSchrift Karl KautSkyS über die.Sociale Revolution". Die Schrift gelangt in zwei gesonderten Broschüren zur Ausgabe: I:„ S o c i a l- r e f o r m und sociale Nevolution".— II.„ A m T a g c nach der socialen Revolutivli.— Ned. deS.Vorwärts". Gnillotinc», Septcmbermorde. die Vereinignug aller denkbaren Scheußlichkeiten. Andre möchten dem Wort jeden Stachel nehmen und es mir im Sinne großer, aber unmerkbarer, friedlicher Um- gestaltnnge» der Gesellschaft betrachten, wie«tlva jene, welche durch die Entdeckung Amerikas oder durch die Erfindung der Dampfmaschine erzeugt wurden. Zlvische» diesen beiden Extreme» giebt es noch mannigfache Zwischenstufen. Marx bezeichnet iu seiner Borrede zur„Kritik der politische» Oekonomie" als sociale Nevolution die langsamere oder raschere Um- Ivälznng des ganzen ungeheueren juristischen und politischen Uebcr- bancS der Gesellschaft, die aus der Veränderung ihrer ökonomischen Grundlagen hervorgeht. Halten wir an dieser Definition fest, so scheidet aus dem Begriff der socialen Revolution von vornherein die„Veränderung der öko- nomischcn Grundlagen" aus, wie sie etwa die Dampfmaschine oder die Entdeckung Amerikas hervorbrachte. Diese Veränderung ist die Ursache der Nevolution. nicht die Nevolution selbst. Aber bei dieser Definition der socialen Nevolution möchte ich nicht stehen bleiben. Man kann sie auch in einem engeren Sinne fassen. Dann bedeutet nicht jede Umwälzung des juristischen und polilischen Ueberbaues der Gesellschaft eine Nevolution, sondern eS ist eine besondere Form oder eine besondere Methode der Umivälznng. die mait darunter versteht. Jeder Socialist strebt die sociale Revolution in weiterem Sinne an, und doch giebt es Socialistcn, welche die Nevolution verwerfen und die sociale Umwälzung nur durch die Reform er- reichen lvollcn. Man setzt der socialen Nevolution die sociale Nc- form entgegen. Dieser Gegensatz ist es, der heute in unsren Reihen diskutiert ivird. Nur von der socialen Revolution in diesem engeren Sinne, als besondere Methode der socialen Umwälzung, will ich hier handeln. Der Gegensatz zwischen' Reform unh Revolution liegt nicht darin, daß in dem einen Falle Gewalt angewendet wird, in dem andern nicht. Jede juristische und politische Maßregel ist eine Gilvaltmnßrcgel. die durch die Gewalt deS Staates durchgesetzt wird. Auch bejoudere Arten der Gewaltanwendung— Straßenkämpfe oder Hinrichtungen— bilde» nicht das Wesentliche einer Nevolution im Gegensatz zur Neform. Sie entspringen besonderen Umständen, sind nicht notwendig mit einer Ncpolntion perbunden und können Reformbewcgungen begleiten. Die Konstituierung der Abgeordneten des dritten Standes als Nationalversammlung Frank« reichS am 17. Jiini 1789 war eine eminent revolutionäre That ohne jede äußerliche Gcwaltthätigkeit. Dasselbe Fralikreich hatte dagegen 1774 und 177S große Jnsurrcltioncn gesehen, zu dem einzigen, keineswegs revolutionären Zweck, eine Brottaxe zu erreichen, die der Vrottcnerung ein Ende machen sollte! Der Hinweis auf die Straßenkänipfe und Hinrichtungen als Merkmale der Revolution ist aber zugleich ein Hinweis auf die Quelle, a»s der wir uns Belehrung über das Wesen der Revolution holen können. Die große Umwälztmg, die in Frankreich 1789 begann, ist der klassische Typus jeder Revolution geworden. Sie hat vor allem im Auge, tu.im man von Revolution spricht. An ihr kölmcn wir das Wesen der Nevolution und auch ihren Gegensatz zur Reform am besten studiercn. Der�Nevolnlion war eine Reihe von Reformversuchm vorhergmtgcn, darunter am bckalmscsten die Turgots, Bersnchen, die in vieler Beziehung dasselbe anstreben, wnS dann die Revolution durchführt. Was uuterschied die Reformen Turgots von den entsprecheiiden Maßregeln der Revoliltion? Zwischen beiden lag die Eroberung der politischen Macht durch eine neue Klasse. Darin liegt der Iveseutliche Unterschied zlvischcn Nevolution und Neform. Maßregeln, die dahin streben, den juristischen und politischen Neberbau Gesellschaft den Per- änderten ökonomischen Bedingungen anzupassen, sind Reformen, wenn sie von den Klassen ausgehen, die bis dahin die Gesellschaft politisch und ökonomisch beherrscht haben— sie sind Reformen, auch wenn sie nicht freilvillig gegeben, sondern durch das Andrängen der beherrschten Klassen oder durch die Macht der Umstände abgerungen wurden—; dagegen sind derartige Maßregeln Ausflüsse einer Revolution, ivcnn sie von einer Klasse ausgehen, die bisher ökonomisch und politisch unterdrückt gewesen und die mm die politische Macht erobert hat, welche sie in ihrem eignen Interesse »otwendigerlveise dazu benutzen muß. den ganzen politischen und juristischen Uebcrban langsamer oder schneller umzuwälzen und neue Formen deS gesellschaftlichen ZusammenwirkeuS zu schaffen. Die Eroberung der Staatsgewalt durch eine bis dahin unter- drückte Klasse, also die politische Revolution, ist demnach ein wesentliches Merkmal der socialen Nevolution in« engeren Sinne, im Gegensatz zur socialen Nefoni». Wer die politische Revolution als Mittel der socialen Umlvälzung priucipicll abweist, aber diese auf solche Maßregeln beschränke« ivill, die von den herrschenden Klassen zu erlangen sind, der ist ein Social- re form er, wie sehr auch sein gesellschaftliches Ideal der be- stcheuden Gesellschaftsform entgegengesetzt sein mag. Dagegen ist jeder ein Revolutionär, der dahin strebt, daß eine bisher unterdrückte Klaffe die StaatSgeivalt erobert. Er verliert diesen Charakter nicht, wenn er diese Eroberung durch sociale Reformen, die er den herrschenden Klaffen abzuringeil sucht, vorbereiten und be- schleimigen will. Nicht daS Streben nach socialen Reformen, sondern die ausgesprochene Beschränkung auf sie, unterscheidet den Socialreformer vom Socialrevolutionär. Andrerseits wird nur jene politische Repolution zu einer socialen Re« v o l n t i o n, die von einer bisher ges ellschaftlich unter« drückten Klasse ausgeht, welche gezivungcn ist, ihre politische Emanzipation durch ihre sociale zu vollenden, da ihre bisherige ge- ellschafiliche Stellnng im unvereinbaren Gegensatz steht zu ihrer politischen Herrschaft. Ein Zwist iiinerhalb der herrschenden Klassen, er mag noch so sehr die gcwaitthätigcn Formen eines BürgrrknegeS annehmen, ist keine sociale Revoliltion. politische Mvbevlichk. Berlin, de» 28. Juni. Ei» socinlpoliiischer Fortschritt? Es wird gemeldet, daß der Reichskanzler die Gewerbe- Jirspektioiien um Bericht über folgende Fragen ersucht hat: „Erscheint eS zweckmäßig und durchführbar, die»ach Z 137, Absatz 2 der Gewerbe-Ordnung zulässige tägliche Arbeits- zeit vo» elf auf zehn Stunden herabzusetzen; die nach Z 137, Absatz 3 zu gewährende Mittagspause von einer Stunde auf IVa zu verlängern und den Arbeitsschluß am Sonnabend früher als öVa Uhr z» legen oder st ehen Bedenken ent- gegen?" Die Bcstimnningen des Z 137 der Gewerbe- Ordnnng bezichen sich auf die Arbeiterinnen über 16 Jahre. Es ist le»»- zeichnend, daß die Reichsregiernng über eine für jeden ernsthasten Socialpolitiker längst entschiedene Frage erst noch Berichte ein- fordert. Immerhin wäre es angesichts der in den herrschenden Sphären vorwaltenden focialpolitischen Unlust als ein Fortschritt zu begrüßen, wenn endlich den Arbeiterinnen eine gesetzliche Verkürzung der Arbeitszeit gewährt würde. Wie wenig einschneidend in die wirtschaftliche» Verhältnisse die geringe Herabsetzung der Arbeitszeit erwachsener Arbeiterinnen auf zehn Stunden sein ivürde, das zeigt die Erinnerung an die Motive der Regierung bei Einbringung der Gewerbenovelle von 18VOS1, in denen hinsichtlich der Einführung des 11- Stnndentages erklärt wurde:„Für die Mehrzahl der gewerblichen Arbeiterinnen bedeutet diese Einschränkung keine wesentliche Vermin derun der bisherigen regelmäßigen Arbeitszeit." Die Gestaltung der Arbeitsverhältnisse während der seitdem verflossenen Jahre gestattet der Regierung die gleiche Begründung für die Herabsetzung auf zehir Stunden. Eine lebensvolle Socialpolitik würde keinerlei Bedenken tragen, die socialdem akratisch Forderung der Herabsetzung ans 8 Stunden zu erfülle». Freilich würde eine stärkere Verkürzung der weiblichen Arbeitszeit dringend die gesetzliche Kürzung auch der männlichen Arbeitszeit heraus fordern. Wir möchten hoffen, daß die Berichte der Fabrikinspcktoren so erdrückend für den durch die Rcgierungsnmfrage bezeichneten geringen, socialpiolitischen Fortschritt und gegen die„entgegenstehenden Bedenken" spreche», daß es weder für die verbündeten Regierungen noch für den Reichstag ein Ausweichen giebt. Wir wollen auch ferner wünschen, daß die Beantwortung der von dem Reichskanzler gestellten Fragen ohne Verzug erfolgt, so daß der Reickistag im letzten Abschnitt dieser laufenden Legislaturperiode eine so dringend nötige Reform wirklich durchzuführen im stände sein wird.— Die Eriieucrniig deS Dreibundes. Es wird offiziös gemeldet: „Das Vertragsinstrunicnt über die Verlängerung deS Bund nisscs mit Oestreich-Ungarn und Italien wurde heute vormittag hier durch den Reichskanzler Grafeir v. Biilow und die Botschafter v. Szögyenh und Graf Lanza unterzeichnet. Der Dreibund ist in unveränderter Form erneuert Ivorden." Die Nachricht wird allenthalben ohne jede Erregung auf genommen werden. Man weiß seit langen, und mit völliger Sicheo heit seit der jüngsten Zufammenknnft des Grafen Bülow mit dem italienischen Minister des Auswärtigen Herrn Prinetti in Venedig und mit dem Leiter der auswärtigen Politik Oestrcich-llngarus in Wien, daß das Bündnis vor seinem Ablauf von neuem abgeschlossen werden würde. Die„Extratour", die Italien mit Frankrcich tanzte und die antideutschen Strömungen in Oestreich konnten die Erneuerung des Bundes nicht hindern. Am wenigsten aber verniag diese Bundesemeucrung denjenigen als ein„hochpolitisches Ereignis" gelten, welche diesen„Fricdensbund gleich den andren Friedensbünden des heutigen Militär-Zeitalters stets in ihrer wirklichen Bedeutung erkannt haben. Europa hat den Dreibund, es hat den Zweibund und beide Bunde werden von ihren Kontraheuten als Horte des europäischen Friedens gefeiert. Und doch ist dieses Fnedens-Enropa das Europa des ungeheuerlichsten Militarismus, der kolossalsten Kriegsrüstungen, der wahnwitzigsten Kulturwidrigkcit!— König und Kronprinz. London. 26. Juni. Von den vielen Rätseln, die das zeitgenössische England bietet. ist das royalistische nicht das geringste. Auch in der Beziehung ist der Umschtvung ein augenfälliger. Noch in der letzten Generation gab es in jeder große» englische» Stadt Gruppen von enthusiastischen Republikanern, die jede Gelegenheit ergriffen, ihrer Uebcrzeugung cutschiedeuen Ausdruck zu geben. Jede erhöhte Geldfordcrnng der königlichen Familie führte zu aufgeregten Massenmeetings in Trafalgar Square oder Hyde Park. Auch im Unter- hause gab es eine �republikanische Opposition, die zwar gering an Zahl, aber mutig in, Angriffe war. I» den letzten zwanzig Jahren hat sich dies alles geändert. Mit einer Raffiniert- heit, die staunenswert ist, bemächtigte sich das Großkapital der Presse und eine neue öffentliche Meinung wurde geschaffen. In langsamer, aber stetiger und zielbewußter Arbeit wurde der Radikalismus der hundert Jahre von 1770 bis 1870 abgetötet und dem neuen social- demokratischen Gedanken jede Bahn abgesperrt. Nicht durch offene, mannhafte Gewaltstreiche, sondern durch den weichen Hand- druck der Korruption. Seit 1370 ist die Bourgeoisie ungemein vorsichtig geworden. Der Gedanke der Toleranz, der die freie Ent- Wicklung des wissenschaftlichen Denkens fördern sollte, wurde nun- mehr von den Trügern abgelebter Interessen und Ideen in Anspruch genommen und jedes scharfe Wort, jede kühne Kritik wurde als in- tolerant oerurteilt. Es ist merkwürdig, daß sich diese neueste Phase auch in die Formeln der Umgangssprache wiederspiegelt. Der moderne Engländer sagt nie:„Ich behaiiptc", sondern:„Ich wage es anzudeuten" (! venture to i-uZgest). Er spricht nie kategorisch, sondern hypothetisch. Das gilt natürlich mir in der inneren Politik. Zu Asiaten und Afrikanern spricht er als der allmächtige Uebermcnsch. Der radikale Zeitabschnitt wurde in England nicht vom socialistischen, sondern vom imperialistischen abgelöst. Damit kam auch das Königtum wieder zu Ehren. Die Königin Victoria, die in den ersten vier oder fünf Jahrzehnten mit Geringschätzung be- handelt worden war, wurde i» den letzten Jahren ihres Lebens zun, Ausbund aller Tugend. König Eduard VII., der als Prinz von Wales Taschengeld von den Rothschild, Hirsch, Rhodes, Wilson zc. kriegte, wurde nach seiner Thronbesteigung zum Liebling der englischen Nation. Nach der denkwürdigen parlamentarischen Kommission, die den Jameson-Raid untersuchte und gegen ihren Willen die Schuld Rhodes enthüllte, war es der Kronprinz Albert Eduard, der dem Schuldigen osten. tativ die Hand reichte, um ihn in der öffentlichen Meinung zu rehabilitieren. Nach Schluß des südafrikanischen Krieges fand die englische Presse, daß es der König war, der den Frieden herbeigeführt hatte. Die Vorbereitungen zur Krönung nahmen denn auch einen beispiellosen Umfang an. Ebenso allgemein ist der Schmerz Englands über die Erkrankung des Königs. Kein Zweifel, der Schmerz ist aufrichtig. Der südafrikanische Krieg gewöhnte das Volk an öffentliche Demonstrationen. an Karnevale und an den ganzen entwürdigenden Rummel des imperialistischen Patriotismus, dessen Gipfelpunkt an den Krönungs- tagen erreicht werden sollte. Für Brot und Cirkusspiele war reichlich gesorgt. Die Erkrankung de» König» hat alledem ein Ende gemacht. Was Wunder, daß das loyale Volk trauert. Und England ist loyal bis auf die Knochen. Es giebt keine einzige Biographie, die den Lebensgang des Königs wahrheitsgetreu schildert. Und wenn eine geschrieben wäre, kein Verleger würde sie nehmen. Die späteren Generationen werden Eduard VII. als den Siegreichen oder den Populären kenne». England bedarf keiner Regicriliigscensur. Die Klaffe von Besitz »nd Bildung fabriziert die öffentliche Meinung. Sie ist auf die Verewigung des Kapitalismus berechnet. Von London aus be- trachtet, scheint es eine der leichtesten Aufgaben z» sein, ein Volk zu regieren. Der Jnslinkt der herrschenden Klaffe Englands hat die Regierungsprincipien entdeckt und in Praxis fübersetzt: 1. störe nicht die'Uuterhnltungsfreihcit des Volkes; 2. lasse die energischeren Elenieute nicht ganz hungern; 3. beschränke die Volksbildung; 4. er- zeuge keine proletarische Intelligenz. Wie dumm und verbrecherisch nehme» sich dieser Regierungs- iveise gegenüber der Zarismus und die Polizeiherrschnft aus! Das einzige Kulturland, das keine Revolution zu fürchten hat, ist England. Trauernd stehen jetzt die Massen um Buckingham Palacc und erlvnrten mit ängstlicher Spaunnug das nächste Bulletin über den Zustand König Eduards VII. In keinem einzigen Ge Hirn dieser Leute steigt der Gedanke an eine Republik auf. Sie denken vielniehr an den Kronprinzen, der während der Krankheit seines Vaters die Regentschaft über- nehmen ivird. Der Kronprinz ist infolge seiner Reise durch das britische Weltreich bereits populär. Die längere Rede, die er vor den versammelten Vertretern des Großkapitals im Mansion House am 5. Dezember gehalten, war eine lebhafte Schilderung der auf der Reise gesammelten imperialistischen Eindrücke. Der Kronprinz ist des neuen Geistes voll.— Deutsches Zieich. Schwarze Listen. Die„Kölnische Zeitung" macht auf eine bedeutsame Entscheidung austuerkstun, die däs Reichsgericht am 29. Mai d. I. gefällt hat. Dem Urteil lag folgender Thatbestand zu Grunde: In einer Fabrik waren Streitigkeiten über die Einführung eines nencu Lohutariss entstanden, in deren Folge ein Teil der Arbeiter die Arbeit ohne Kündigung niederlegte. Der Unternehmer versandte darauf an eine große' Anzahl von Firmen seines Geschäftszweiges ein Rundschreiben, in welchem er von seinem Standpunkte ans die Streitigkeiten darstellte und bat. von den benannten 88 Arbeitern keinen aufzunehmen. Mehrere Arbeiter erhoben Schadcnsersatzklage mit der Vchanptnng, die Behauptungen seien miwahr, beleidigend und geeignet, den Erwerb und das Fortkommen der Kläger z» schädigen. Das Ersuchen, die Kläger nicht in den Dienst zu nehme». verstoße gegen die guten Sitten,' sei rechtswidrig und verpflichtet zum Schadensersatz. Land- und Oberlandesgericht hatten die Klage abgelviescn; zu demselben Ergebnis kommt nun das Urteil des Reichsgerichts. In der Begründung wird die Frage, ob das System der schtvarzen Listen in das Gebiet des Z 826 des Bürgerlichen Gesetzbuchs falle weder principicll bejaht noch verneint, sondern zu einer Frage der besonderen Umstände gemacht. Der Paragraph besagt:„Wer in einer gegen die gute» Sitten verstoßende» Weise einem andren vorsätzlich Schaden zufügt, ist dem andern zum Ersatz des Schadens verpflichtet." Das Reichsgericht betrachtet die Vcrrufserklärung, die jemand als des Verkehrs in einem bestimmreu Kreise persönlich unwürdig kennzeichnet, als unter den Z 826 fallend. Aber das Aufstellen einer chlvarze» Liste enthalte nicht notwendig eine solche Verrufserklärung. Allgcnicin sei eine Handlung, die zum Zweck oder Erfolg habe, die gewerbliche Existenz des Gegners im Lohulmnpfc völlig zu nntergraben, ihn dauernd erwerbS- und brotlos zu machen, fei anders zu beurteile», als eine Maßregel, die nur darauf abziele, dem Gegner vorübergehend, für die Dauer des Lohnkampfes, die Erwerbsmöglichkcit in dem Geschäftszweig abzuschneiden, ihn hierdurch zum Nachgeben, zur Unterwerfung unter die gc- stellten Bedingungen zu«ötigen. Ein Fall der letzteren, nicht�der ersterwähnten Art, liege aber hier nach der Annahme des BerufungS- gerichtS vor. Die Entscheidung ist zwar sehr entgegenkommend gegen das Unternehmertum, denen man eine große Beivegungsfrciheit einräumt, während man den schwächereu Arbeitern den Kampf um bessere Arveitsbedingungen durch alle mögliche» juristischen Fallstricke zu erschwere» sucht— man denke an die Anwendung des Erprcssungs- Paragraphen auf Lohnkämpfe und Koalition. Immerhin ist das Urteil iusofer» bedeutsam, als es das Recht der chlvarze» Listen auf b e s ojn d e r e Lohukämpfe und vorüber- gehende Zeit einschränkt. Damit ist das System der dauern- den Aechtung mißliebiger Arbeiter, wie eS beispicISiveise die Metallindnstriellen handhaben, als wider die guten Sitten verstoßend vom Reichsgericht auerkanut und es können hinfort die betreffenden Arbeiter auf Schadensersatz klagen.—, DaS badische Budget und die Socialdemokratie. In der b a d i s ch e u K a m m e r stimmte am Sonnabend bei der Entscheidung über das Finanzgesetz die socialdemokratische Fraktion gegen das Budget.' Wie uns ein Privattelegramm aus Karlsruhe berichtet, be- gründete Genosse Dreesbach die„Stelluiig der Fraktion ini Hinblick auf die veränderte politische Loge. Im Budget habe sich das Vcr- hältnis der Ausgaben, die kulturellen Ausgaben überwiesen worden. zu dem übrigen seit Antritt des neuen Ministeriums bcdentend vcr- chlechtert. Im besonderen gelte dies von den Aufwendungen des kleri- kalen Kultus. Die Wahlrechtsfrage harre noch ihrer Erledigung, trotzdem sich sogar! die natioualliberale Partei für eine Reform zu Gunsten der direkten Wahl ausgesprochen habe. Desgleichen habe man vergeblich auf die Erfüllung des Versprechens gewartet, den Bauarbeitern einen besseren Schutz gegen Unfälle zu gewähren. Den Eisciibahneru kann angeblich keine Äufvcsserung ihrer Lage gelvährt werden, weil der Finanzabschluß nach den Darlegungen des Fiuanzmiliisters ein so ungünstiger sei. Demgegenüber habe man dem Klerus bereitwilligst höhere Ansprüche zugestanden. Ueberhanpt sei in der ganzen Gesetzgcbungsperiode kein etz zu stände gekommen, daß socialpolitisch einen Fortschritt bedeute. Die Fraktion habe mithin keinen Anlaß dem Budget zu- zustimmen. Minister Buchen berger entgegnete, daß er die Stellung der Socialdemokraten bedauere, es scheine ihm, als ob man dem terroristischen Beschlüsse» des letzten Parteitages folge. Dreesbach wies diese Unterstellung sehr energisch zurück. Er würde kein Mandat annehmen, für das ihm die Direktive von außen gegeben würde, noch könne er eine Vertretung ausüben, die seiner persönlichen Ueberzeugung entgegenstände. In dieser Auf- assung stimmen seine sämtlichen Frnktionskollegen überein. Nur ans den dargelegten rein sachlichen Gründen motiviere sich die ab- lehnende Stellung der Fraktion.— Die Kammer nahm hierauf das Budget gegen die Stimmen der socialdemokratischen Fraktion an. •*»' Ueber die LandtagSarbeiten Ivird uns noch berichtet: Zuletzt fielen im Nachtrags- Etat noch einige schwere Brosamen flr die katholische Klerisei ab, für Priesterseniinare und andre Zwecke, deren Finanzierung nicht als eine Pflicht deS Staates, aber als ein Höslichkeitsakt gegen den Klerus von der gesamten Bourgeoisie anerkannt wurde; dann bekam die Krone die erste Rate von 400 000 M. gegen die Stimmen der Socialdemokraten und eines einzigen bürgerlichen Demokraten bewilligt, um das Groß- herzogliche Schloß innerlich besser im Comfort und sicherer gegen Brandschaden auszurichten. Eine Debatte großen Stils knüpfte sich an die Forderung der ersten Rate jOOOOOO M.) für die Regulierung bezw. Schiffbar- machung des O b e r r h e i n s bis Straßburg- Kehl, wofür unter den drei angrenzenden Ländern durch eine Konvention die Banbedingungen so stipnlicrt sind, daß Baden 40 Proz. der Baukosten zu übernehmen hat. Die Bndgetkommission der Zweiten Kammer beschloß mit allen gegen die socialdemokratischen Stiminen, die geforderte Summe zu bewilligen mit der Bedingung, daß die Verausgabung nur dann z» erfolgen habe, wenn es der Regierung gelänge, den Äoslenanteil auf 30 Proz. zu redqcicren, die Eisenbahntarife der Bahnen auf beiden Seiten des Rheins gleichmäßig zu gestalten und die Weitercrhebnng von Oktroi auf Einfiihrmaterialien seitens der Stadt Straßburg nach Ablauf des Ortsstatuts zu verhindern. Die Regierung hätte zwar lieber eine Blanlo- Vollmacht gehabt, sie ging jedoch auf die Intentionen der Koinmission ein. Dagegen wurde ein Antrag Drcesbach und Genossen eingebracht, welcher der Regierung die Mittel verwcigert, bis die gewünschten Vorbedingungen erfüllt sind. Der Antrag fand lebhafte Bekämpfung seitens der Regierung und Parteien und wurde schließlich mit allen gegen 10 Stimmen ab- gelehnt, dafür stimmten die Socialdemokraten(außer dem Abg. Geck). der Demokrat Edcr, der Konservative v. Stockhorn, der Vertreter des Bundes der Landwirte Burkhard und die Centrums-Abgg. Köhler und Neuhans. Mit demselben Stimmenverhältnis wurde der Antrag der Kommission angenommen.— Normaim-Tchumau« ans der Schweiz ausgewiesen! Wir halten seiner Zeit gemeldet, daß dem Allerweltsspitzel Normann- Schnmaun die Aufenthaltserlaubnis in der Schweiz entzogen worden sei. Normann klagte dicserhalb gegen ein Berliner Blatt, das denn auch vom Schöffengericht verurteilt wurde, weil es fälschlich diese beleidigende Behauptung aufgestellt. Auch der„Vorwärts" wurde von dem Menschen verklagt, und es hat sich abermals ein Berliner Gericht gefunden, das der Meinung war. der Spitzel dürfe sich durch den Vorwurf staatsrctterischer Teufeleien(in Sachen der versuchten Hnnnenbrief-Fabrikation) beleidigt fühlen; der Vorwärts" wurde, ohne daß ein Beweis zugelassen wurde, zu einer Geldstrafe verurteilt. Jetzt meldet nun eine Korrespondenz, daß Normanu-Schnmann aus der Schweiz ausgewiesen worden sei. Die Ausweisungsorder lautete ursprünglich nur auf den Kanton Lnzern, in dessen Haupt- ladt NormailU-Schumann zuletzt wohnte, ist jedoch alsbald auf die übrigen Kantone ausgedehnt worden, und wurde damit begründet, daß der Gemaßrcgelte nicht die für die schweizerischen Gesetze er- forderlichen Pcrsonalpapiere besäße. Norniann-Schnmann hatte gegen die Ausweisungsorder Protest erhoben, der jedoch zurück- gewiesen wurde. Normauu-Schnmann wird sich nunmehr, so meldet die Kor« respondenz, in Frankrcich niederlassen und zwar in einer Stadt der Bretagne, woselbst Verwandte von ihm leben. Das glückliche Frankreich! Aber warum nimmt sich die preußische Polizei nicht ihres alten Freundes und Helfers an und ermöglicht ihm die Zlückkehr nach Deutschland, das er übrigens trotz deS Steck-, bricfs wiederholt ungefcheut besucht haben soll.— DaS Land deS PapstcS. Wie eine Berliner Korrespondenz meldet, schweben zwischen Rom und Berlin Verhandlungen wegen Errichtung einer päpstlichen Nuntiatur in B e r l i n. Damit würde die durch die Aachener Kniserrede bekanntgewordene Aeußernng des Papstes seine Besiegclung finden.— „Kommaudierende Generale". Ans Krefeld, 27. Jnni, wird uns geschrieben: Ein interessantes Vorkommnis, das jetzt erst bekannt ivird, hat sich bei dem Kaiserbesuch in Krefeld zugetragen. Den Vertretern der bürgerlichen Presse war der Zutritt zu dem Museum, in dem die Festlichkeiten stattfanden, nicht gestattet ivorden. Anstatt nun diese Nichtachtung durch die Presse bekannt zu geben, bettelten sie so lange, bis es ihnen erlaubt wurde, hinter c i n e r Portiere versteckt, de» Reden lausche» zu dürfen. In ihre» Berichten überboten sich diese SchmockS mm in Bauchrnlschercien und es ist ihnen sehr fatal, daß die Geschichte in die Ocsfentlichkeit ge- kommen ist. Billiger Patriotismus. Die Krefeld er Stadtverordneten haben mit Hussa und Hurra die 4 Millionen der Tanzhusaren- Kaserne und deren Tanz- tvill sagen: Exercierplatz bewilligt. Es iind dieselben Leute, wie uns von dort berichtet wird, welche den Arbeitern für den aufgezwungenen Feiertag keine Entschädigung zahlten. Ein billiger Patriotismus, der sich stets nur da zeigt, wo es nichts kostet und wo es etwas zu verdienen giebt. Sogar der Eisenbahufiskus hatte beim Kaiscrbcsnch die sämtlichen Arbeiter zur Spalierbildniig gestellt, ihnen aber auch keinen Pfennig für den Lohn- ansfall gezahlt.' Ein Beitrag zur Toleranz.(Eig. Ber.) Bei einem kalholischen Unternehmer in Camp bei Mörs trat ein protestantischer Kupfer- 'chmiedegehilfe aus Krefeld in Arbeit. Doch währte die Freude deS Gehilfen, welcher längere Zeit arbeitslos gewesen war. nicht lange, denn schon am zweiten Tage erklärte der Unternehmer, einen Arbeiter, welcher nicht bete, könne er nicht brauchen, und wenn er noch so tüchtig in seinem Fach sei. Der Gehilfe hatte nämlich das„Vcr- brechen" begangen, vor Beginn der Mahlzeiten das Beten zu unter- lassen. Auf die Erwiderung des Gehilfen, daß ihm aber unter allen Ilmständen eine Entschädigimg für die entgangene Kündigungsfrist gezahlt werden müsse, meinte der Untcriichmer, davon stehe nichts im Gesetz. Die Abkehr, welche der Gehilfe erhielt, lautete: „Inhaber dieses ist von mir wegen Religionszlvisligkeiten ent- lassen worden. Gottfried Pente», Camp bei Mörs." DaS Gewerbegericht in Mörs wird sich nun mit dem neuen Eutlasinngsgrund" zu beschäftigen haben, der die lgtholische Toleranz hübsch beleuchtet I Zl» dcu Fall Krosigk erinnert eine Anklage, die vor dem Kriegs- gerickit in Dresden gegen den V i c e w a ch l m e i st e r Roth von der 2. Compagnie des 1. Trainbataillous Nr. 12 wegen Beleidigung eines Vorgesetzten verhandelt wurde. Bei der Ernennung des Vice- Wachtmeisters Klotzschef vom genannten Truppenteil zum etats- mäßigen Wachtmeister waren vier im Dienst ältere Unter- offiziere übergangen worden, was im ganze» Untcroffiziercorps große Erregung hervorrief. Am 31. Mai er. erhielt nun der Bataillonskommandeur Oberst Ehrcnberg einen anonynien Brief, in dem es mit Bezug auf die Besetzung' der Wachtmeistcrstclle hieß: s die Unteroffiziere und Mannschaften darüber thnn und denken, das wird sich ja finden. Es giebt ja noch cineii Reichstag und nocki etwas andres. Stolz köunen Sie sein auf Ihr Unteroffizier- corps, aber Sie sind es nicht wert. Vielleicht ist auch noch iir Sie ein Banm im Prießnitzgrunde geivachsen, wo Sie Ihrem Gewissen nicht mehr Rechenschaft zu geben brauchen, wie es schon manchem andern erging. Der Herrgott läßt seine Sonne scheinen über gute und böse Menschen, aber Sie sind sie nicht wert. Ein aller gedienter Train-Uuteroffizier." Der Angeklagte, der zu den Ueber- gangenen gehörte, kam ans verschiedeneu Ursachen in den Verdacht, den Brief geschrieben zu haben. Roth leugnete zwar heftig, doch kam das Gericht zu einer Verurteilung des Angeklagten. Dieser wurde wegen sich als Drohung darstellender Achtungsverletzung in Jdealkonknrrenz mit Beleidigung' eines Vorgesetzten mit vier Monaten Gefängnis und Degradation bestraft._ Krieg im Frieden. Aus Th o rn wird der„V. Z." ein militärisches Vorkommnis gemeldet, durch welches beinahe furchtbares Unglück hervorgerufen worden ist. Der Bericht sagt: Bei dem Schießen auf dem Artillerie- Schießplatze find mehrere Granate»„ach dem Dorfe Stewken verirrt. Gegen S Uhr vormittags, grade als die Schulkinder zur Pause herausgetreten waren, schlug uu- weit der Schule die erste Granate ein und krepierte auf der Stelle- Lehrer Maaß, die große Gefahr erkennend, begab sich, so schnell es ihm nur irgend möglich war, zur Telegrapheustaiion, um die Einstellung des Feuers zu veranlassen. Bald nachdem der erste Schreck über- wunden war und'man sich ans einiger Entfernung das Geschehene ansehen ivollte, machte sich auch schon durch ihr unheimliches Rauschen in der Luft die zweite Granate bemerkbar, die kaum zwanzig Schritt entfernt ebenfalls einschlug und krepierte. Die Anwesenden, die beiden Lehrer, Besitzer Schmidt und ein junger Mann, warfen sich platt auf die Erde und wurden so »nr mit Sand beschüttet, die Spreugstücke flogen über sie hinweg, Jetzt wurden die Kinder aus der Schule geschickt, damit nicht beim Einschlagen einer Granate, welche alle die Richtung auf die Schule hatte», ein größeres Unglück geschehe. Auch die erwachsenen Anwesenden flüchteten in ihre Häuser, auf dem Wege dahin winde jedoch der Besitzer Sch, nochmals gezwungen', sich nieder- zuwerfen, um das Krepieren einer dritte» Granate ab- zuwarten. Auch hierbei passierte nichts, nur das Pferd vor einem herannahenden Fuhrwerk sank vor Schreck in die Knie. Im ganzen kamen nach Steivkcn sieben Granaten, von denen einige nicht krepierten. Diese ivurdcn später von Fencriverkern gesprengt. Das Vorkommnis soll darauf zurückzuführen sein, daß man, um es beim Prüfnngsschicßen nicht mit bekannte» Zielen und Entfernungen zu thnn zu haben, die Plätze wechselte, und zwar so, daß ungefähr da, Ivo sonst die Ziele stehen, jetzt die Batterien aufgestellt wurden. Man schoß anßerdeni ans neuen Geschützen und mit besonderer Ladung. Diese scheint allein Schuld an dem Znweitgehen der Ge- schösse gehabt zu haben, denn ein Schätzungsfehler in der Distanz kann wohl kaum eine Differenz von einigen tausend Metern herbei- führen. Die Löcher, welche von den Granaten auf der Chaussee aus- gerissen wurden, haben einen mächtigen Umfang.— Ausland. NonvierS Debüt. Pariö, 27. Juni. sEig. Bcr.) Das radikal sein sollende oder wollende Kabinelt Combcs hat den panamistisch-opportnnistischen Finanzmann N o n V i e r politisch rehabilitiert. Dieser hat sich dafür bedankt in seiner gestrigen ministeriellen Erstlingsrede, die den triumphierenden Beifall der M el i n i st e n, der Klerikal» Monarchisten und Nationalisten entfesseln mußte. Ein melinistisch- ualionalistischer Minister hätte gar nicht anders sprechen können. Es handelte sich um die Bewilligung von einigen 20 Millionen NachtragSkrcditen. Diese Kredite selbst wurden, wie üblich, gar nicht diskutiert; es ist hier eine liebe Gewohnheit, daß die diversen Per- waltnngen ruhig die vom Parlament bewilligten Summen über- schreiten, um dann nachträglich ihre Rechnungen zu präsentieren, die vom Parlament ohne Debatte der Forni halber ratifiziert werden. Dafür aber kam es diesmal zu einer allgemeinen Debatte ü b c r das Deficit. Rouvier benutzte nun die Gelegenheit, um fein eignes Rcgierungsprogramm zu entwickeln. Und siehe da! Er schlug mit brutaler Klarheit dem vagen Reformprogramm des Gesamt- Ministeriums ins Gesicht. Er saug das Lob des guten alten Steuer- shstems, das die Regierung zu reformieren versprochen hatte; e r warnte vor R ef o r m e n, die die Finanzlage weiter verschlimmern müßten. Man könnte nicht eine starke Armee, eine starke Flotte, kostspielige Kolonien unterhalten und zugleich„philanthropisch" Reformen machen. Man müsse die Ausgaben, wie die Reformen in allmählicher Zeitfolge machen... Diese weise ANinählichleit ließ aber Rouvier für die Militär- und Kolonialausgabcii natürlich nicht gelten. Vielmehr hielt er zum Gaudium der Nationalisten eine Strafpredigt gegen die„großmütigsten" und„hirnverbranntesten" Köpfe von der äußersten Linken, die der Notwendigkeit einer mächtigen Armee vergäßen. Letzteres nebst einer Anspielung auf die Revanche l„nnsre Hoff- nungen") richtete sich namentlich gegen Jaurös' neulichc Ans- führnngen über die Zlbrüftiing und Elsaß-Lothringe». Ja»res erwiderte nun dem Finanzminister unter dem Beifall der Svcialisteu und teilweise der Linksradikalen. Er wies die Zweideutigkeit zurück, wo- durch die Abrüstung bczw. die Milizforderung mit der Wehrlosmachung des Landes identificicrt wird; er betonte den Umstand, daß das Wachstum der Mililärausgaben in den letzten 4 Jahren allein das Deficit um IVO Millionen vergrößert hat, d. h. um dessen größere Hälfte, wohin- gegen die Steuerreform gerade auch zur Sicherung des finanziellen Gleichgewichts führen würde. Seine Rede klang ans in einer Warnung an das M i n i st e r i u in:„Die Demokratie mag vielleicht vertrauensvoll seilt, sie wird sich aber nie prellen lassen." Bleibt abzuwarten, ob das zlv ei köpfige Kabinett Combes- Rouvier nicht doch das Mißtrauen der„Demokratie" gegen das Ver- trauen der Bourgeoisie wird austauschen wollen.— Oestreich-Nugar». Wien, 28. Juni. Nach aus Budapest eingetroffenen In- formationen trifft Ministerpräsident v. S z e I l Montag oder Dienstag hier ein, um dem Kaiser vor seiner Abreise nach Ischl Bericht zu erstdttcn. Bei dieser Gelegenheit würden die beiden M i n i st e r p r ä s i d e n t e n ihre Besprechung über den Ausgleich wieder aufnehmen. Lemberg, 28. Juni. Wie verlautet, wurde die Gemeinde- vertreiung von Stauislau infolge ihrer gegen die Marien- b u r g e r R e d e des deutschen Kaisers beschlossene Protest- kuudgebnng wegen lleberschreitnng ihres statutarischen Wirkungskreises behördlich aufgelöst. Frankreich. PariS, 28. Juni. Der Snnator Provost de Launah hat dem Ministerpräsidenten wissen lassen, daß er an ihn die Anfrage richten werde, ob es wahr sei, daß von der Familie Humbert zurück- gelassene Photographien und Elichss, welche gewisse Persönlichkeiten bloßstellen, auf höhere» Befehl vernichtet worden seien, und welche Behörde einen derartigen Auftrag erteilt habe.— Paris, 28. Juni. Die Gerichisbehörden von Douai befassen sich augenblicklich mit einer Spionage- Angelegenheit, in welcher ein deutscher Offizier kompromittiert sein soll. Der Be- treffende soll sich längere Zeit unter dem Namen Leroy daselbst auf- gehalten haben, mit der Absicht, eine Anzahl neuer Geschütze, die augenblicklich in den französischen Werkstätten fabriziert werden, zu besichtigen und deren Munition in die Hände zu bekommen. Er sei von dem Besitzer des Hotels, in tvelchcm er wohnte, und durch dessen Vermittlung er die Geschosse zu erhalten hoffte, angezeigt worden.— England. Krankheitsbcricht. Der Sonuabendvormittag veröffentlichte Krankheitsbericht lautet:„Der König hatte eine gute Nacht, die Besserung hält an. Wir freuen uns, erklären zu können, daß wir ihn jetzt als außer nnmittclbarcr Gefahr erachten. Das Allgemein- befinden ist befriedigend, doch verlangt die Operationslvnnde noch beständige Aufmerksamkeit und wenn bezüglich des Gesnndheits- zustände's des Königs einige B e s o r g n i s z u h e g e n i st, so betrifft sie die Wunde selbst. Die Wiederherstellung des' Königs wird auch unter den günstigsten Bedingungen notwendigerweise Zeit er- fordern." Schweden. KabinettskrifiS. Stockholm, 23. Juni. Nachdem sämtliche Mitglieder des Ministeriums Otter ihre Portefeuilles zur Verfügung gestellt hatten. ersuchte der König den ehemaligen Premierminister Boström, den Posten als Premierminister zu übernehmen. Boström willigte ein. Die jetzigen Minister bleiben im Amte, bis die Ernenimng eines neuen Ministeriums erfolgt.— Nutzland. Geheim, ganz geheim! Finanzminister Witte ist in tausend Nöten. Er würde so gerne von seinen Rnhmesthaten in der Oeffentlichkeit nichts verlauten lassen. Die engelsreine Bescheidenheit hüllt sich in den Mantel des tiefsten Geheimnisses, die böse Welt zerrt aber auch alles an das Tageslicht. Der Leser wird ihm gewiß eine Thräne weihen, wen» er das folgende Dokument liest. Das Finanzministenum' ffi. T: Dep. für Handel und Manufaktur. unmar geheim. An die Herren Fabrikinspektoren. In verschiedenen russischen und ausländischen Blättern werden Mitteilungen über die Thätigkeit der Fabrikinspektion gemacht. Ungeachtet dessen, daß diese einen vollständig geheimen Charakter tragen. Da das Departement für Handel und Manufaktur Anlaß bat zu denken, daß solche Mitteilungen in der Presse Eingang finden dank der Unsittsamkeit etlicher Fabrikinspcktorcn, findet das Departement es für notwendig, den Fabrikinspcktorcn die Forde- rung zu stellen, alle Papiere und Vorschriften, die geheimen Charakter tragen, als strenges Geheimnis zu bewahren. Gegen solche Personen, di« als schuldig befunden werden, nicht diese Forderung erfüllt zu habe», wird Se. Hochwohlgeborcn der Finanz- minister mit besonderer Strenge vorgehen. Der Direktor: W. Kowalewski. Der Chef der Abteilung: W. Warsar. Amerika. Washington, 27. Juni. Das Kabinett beschloß, eine Proklamation zn erlassen, durch welche alle» politische» Gc- fangcne» von den Philippine», einschließlich A g u i u a l d o s, Amnestie gewährt wird.— Totcnliste der Partei. Das Opfer eines tragischen Geschickes ist unser Parteigenosse Wilhelm Frenze! in Königsbrück geworden. Der schon in hohem Alter stehende Mann hatte mit seinem Sohne eine Anseinandersctzung, in deren Verlauf sich der Sohn zu der Roheit hinreißen ließ, nach seinem Vater mit dem Fuße zu stoßen. Das hatte eine lebensgefährliche Verletzung zur Folge, die den Tod nnsres Genossen herbeiführte. Der so traurig ans dem Leben ge- schiedeue war Töpfer und hat sich um die Arbeiterbewegung und die Parteiprcsse besonders durch seine Thätigkeit als Colporteur des sächsischen„Volksfreund" verdient gemacht. In den Gcmeindcrat zn Lemberg sind zum erstenmal nach einem harte» Wahlkampfe, der wiederholte Stichwahlen nötig machte, zwei socialdcinokratische Vertreter, die Genossen Hudec und Ingenieur Schleyer, gewählt. Pvlileiliches, Gcrichtlickles uslv. Schtveinegliick haben zwei socialistische Redactenre gehabt, die sich dieser Tage, der eine vor einem Gericht in Breslau, der andre in M ü n ch e n zu verantlvorten hatten. In Breslau war es Genosse Franz K I ü h s, der ans seiner Zelle im Kletschkauer Gefängnis dem Gericht vorgeführt wurde. Das llteichsgericht hat ein Urteil aufgehoben, welches ihn wegen Beleidigung Posencr Richter mit sechs Wochen Gefängnis belegte. Die erneute Verhandlung in dieser Sache fand am Donnerstagüdrmittag statt und endete mit der Herabsetzung der Strafe auf 4 Wochen Gefängnis.— Genosse Gr ii 6 er in München hatte eine auf Grund des§ 11 des Preß- gesctzes verlangte Berichtigung nicht aufgenommen, weil sie den An- fordernngen dieses Paragraphen nicht entsprach. Er erhielt ei» Strafmandat über 80 M. Das Schöffengericht setzte die Strafe auf 15 M. herab, die Strafkammer sprach auf Antrag des Staats- a n w a l t§ den Sünder frei. Das Gericht ließ sich dabei ganz von den Grundsätzen leiten, die Grnbcr zur Ablehnung der Berichtigung veranlaßt hatten. Wege» Bclcidignng cincS Baumeisters wurde Genosse Albert aus Zwickau vom Schöffengericht in Plauen nach gVzstmidiger Verhandlung zu 14 Tagen Gefängnis verurteilt. Ans Indnlkvie nnd MAndel. Die Bayrische Beamten-Kreditbanke der Gewerlschaft hier gestreift worden. Dem «orstand ist es natürlich nicht erfreulich, daß die Gewerkschaft, die 'ckz als HauSkaffe der„Leipziger VolkSzeitniig" bezeichnen nwchte. '»nißcrhallz nnfrer Reihen steht. Aber ich mache darauf aufmerksam. daß die Leute heute noch erklären, sie würden auch im Verbände ihre Prhicipien vertreten. Die Leipziger Versammlungen würden bei Zulassung dieser Leute ein sehr unerfreuliches Bild bieten, an eine geordnete Gewerkschaftsarbeit wäre nicht zn denken. sSehr richtig Wenn die Leute erklären, dah sie Unrecht gethan habe» und Frieden halten wollen, dann steht der Aufnahme nichts entgegen. So wird es vorläufig bleiben müssen wie bisher. Man Ivird sie, wie das ja schon hier und da geschieht, stückiveise an, nehmen müsse». Ich habe hier ein objektives Referat gegeben, ich mochte Ihnen aber ans taktischen Gründen die Annahme der Resolution Demnth empfehlen.(Beifall.) Bei der Abstimmung wird die Resolution gegen 16 Stimmen angenommen. Die Berliner enthalten fich der Abstimmung. mit Ausnahme von Faber, der für die Resolution stimmt. Dagegen stimmen die Leipziger Delegierten. Döblin verliest eine Erklärung des Abg. Metzger, in der er bestreitet, dag er seinen Widerspruch gegen die Tendenz der Erhöhung der GewcrkschaftSbciträge mit den Interessen der Parteikasse be� gründet habe. Es sei auch unwahr, daß er gesagt habe, die ganze Fraktion stehe auf seinem Standpunkt. Das Protokoll erlveise das. Döblin will nicht aufrechterhalten, daß Metzger direkt auf die Partcikasse hingewiesen habe, Metzger habe aber ausdrücklich erklärt. die ganze Fraktion sei gegen die erhöhte» GcwerkschaftSbeiträge Ob das im Protokoll stehe oder nicht, gesagt habe es Metzger an einen Einwurf, daß er hoffentlich in der Fraktion mit seiner Meinung allein stehe. S ch o r c ck- Essen prrtestiert gegen eine aus Essen erfolgte Ein sendlnig deS„Vorwärts", der ihn„in infamer Weise" angegriffen habe. Eine Berichtigung von ihm sei vom„Vorwärts" i» den Papierkorb geworfen toorden. Eine lebhafte Diskussion entspinnt sich um die Frage der Ver lcgung des„Corrcspondent" von Leipzig nach Berlin. Gegen diese Verlegung wenden sich vornehmlich die Leipziger, die eine solche Maßnahme als Verbeugung vor der politischen Partei bezeichnen. Für die Verlegung sprechen besonders Massini-Berlin und Hilden- brandt-Stuttgart. Rcxhäuser müsse aus dem Leipziger Krakeel entfernt »verde». Die Redaktion müsse n den Centralapnnkt des geiverk- schaftlichenundpolitischenLebcns. Rexhäuser»viderspricht der Verlegung. Auch Döblin ist nanienS des Vorstandes gegen die Verlegung nach Berlin. Man dürfe hier nicht alte historische Recht» durch einen Geivaltakt verkümmern. Er sehe nicht so große Vorteile in der Ver> legung. Er befürchte eine Verletzung der Leipziger Kollegen, die sich in der Bewegung einnial vielleicht rächen könne. Er bitte also die Versammlung, zu bedenken, daß gegen die Verlegung des „Correspondent" der Verbandsvorstand und die Redaktion sei. Die Versammlmig habe diesmal der VerbandSIeitung so viel Vertrauen entgegengebracht, sie solle auch in diesem Punkte daS Vertrauen be künden.(Beifall.) Bei der Abstimmung»vird die Verlegung deS.Correspondent' von Leipzig mit 47 gegen 38 Stimmen abgelehnt. Ein Antrag, eine eigne Dnickerei zu gründen, wird gegen drei Stimmen abgelehnt. Ein Antrag, den„Correspondent" für jedes Mitglied obligatorisch von Verbandsivegen zu machen,»vird durch Uebergang zur Tages- ordnung erledigtl ES»vird erklärt, daß dieser Bezug von den Gau- und Bezirksvereineu geregelt werden könne. In Bezug auf die Diäten»vird beschloffen, den Delegierte» Ersatz des faktischen LohuausfallcS außerdem 10 M. Diäten und freie Fahrt dritter Klaffe �u gelvährcn. Nach kurzer Pause tritt die Generalversammlung in die„Be sprechnng über die allae meine und tarifliche Lage" ein. Ein ausführliches Referat dazu hält der Sekretär des Tarifamts der deutschen Buchdrucker S ch I i e b§- Berlin. Er gicbt ein im allgemeinen recht günstiges Bild von der Einführung deS im vorigen Jahre beschlossenen Tarifs. Zum Schluß kam der Redner auf die Einführung des Tarifs in Rheine land-Westfalen �n sprechen. Bekanntlich hat man, um die rhew ländischen Prinzipale von ihrem Sondertarif abzubringen und für den allgemeinen Tarif zu geivinnen, den Staffeltarif für jlttige Kollegen in ganz Deutschland eingeführt. Schliebs»veist den Vorlvurf zurück, daß sich dadurch die rheinländischen Kollegen schlechter ständen, als unter dein So»der> tarif und giebt der Freude Ausdruck, daß auch im Rhein- lande die Anerkennung des Tarifs einige Forlschritte gemacht hat. beklagt aber gleichzeitig lebhaft, daß noch fast zivei Drittel der rheinisch-westfälischen Buchdrucker unorganisiert sind. In der Diskussion»verde» hauptsächlich die rheinisch-lvestfälischen Fragen erörtert. Die Delegierten aus dem Rheinland führen über die Sonderbestimmungen Klage und beschiveren sich über die einseitigen Abmachungen mit dein Tarifamt. Döblin»veist die auch gegen den Vorstand gerichteten Vorivürfe zurück. In Rheinland Westfalen»vürden erst gesunde Zustände einkehre»»,»venu die noch relativ schivach« Organisation j sich bedeutend gekräftigt Hab«. Diese Kräftigung herbeizuführen, sei aber in erster Linie Sache der dortigen Kollegen. Statt die dortigen Kollegen mißmutig zn machen, sollten sie auf den Fortschritt hinweisen, der durch den Anschluß des Rheinlandcs an die allgemeine Tarifgemeinschaft herbeigeführt »vorden ist. Nach S Uhr nachinittagS war dieser Tagesordnungspunkt er- ledigt._ GewevksAzerfkliches. Deutsches Reich. Ein Gelverkschaftökartcll in den Tchlingcn deS Vereins- gesrtzeö. Nach der neueren Rechtsprechung des KannnergerichtS sind Geiverkschaftskartclle, die aus Delegierten von Geiverk- s ch a f t e n bestehen, keine Vereine,'■ da sie nicht eine Vereinigung physischer Personen darstellen. Sie unterstehen danach nicht den beschränkenden Bestimmungen deS Vercinsgcsetzcs. Wehe aber,»venu sich in einer Kartcllsitzung Personen einfinden, die nicht Karlelldclegierte sind. Alsdann»vird die Kartellsitznng sofort eine öffentliche Versammlung,»velche der Polizei angemeldet»Verden »uuß. Diese Erfahrung hat das G e»v e r k s ch a f t S k a r t e l l für Hagen und Umgegend gemacht. In einer Sitzung desselben »varen außer 16 Delegierten 16 Nichtdclegierte anivescnd. Dieser Umstand hat. nach dein kürzlich vom Kammergericht als Revisionsinstanz gefällten Urteil die Kartellsitzling zu einer öffentlichen Versammlung gemacht, und der»veitere Umstand, daß in jener Sitzung die Frage erörtert»vurde, ob die streikenden Gerresheimer Glasarbeiter aus den Mittel» der dein Kartell angeschlossenen Geiverlschaften unterstützt»Verden sollten,»vird vom Gericht als die Erörterung einer öffentlichen Angelegenheit an- gesehen. L"» Vertrauen auf die durch daS zuerst erlvähnte Kammer- gerichtSurteil geschaffene Rechtslage»var die genannte Sitzung nicht angemeldet»vorden, und die Teilnehmer,»velche daselbst gesprochen hatten,»vurde» mit Geldstrafen belegt. Wie schon gesagt, bestätigte das Kammergericht durch Zurückivcisung der von den Angeklagten eingelegten Revision die Entscheidung der Vor- insianz. Die Fleischergesellcn TreSdcuS haben der Innung folgende Forderungen unterbreitet: 1. Anerkennung des Centralverbandes der Fleischer und Berufsgenossen Deutschlands. 2. Einhaltung der gesctz- lichen Vorschriften über die Sonntagsruhe. 3. Bekanntmachung des Statuts der JniiungS-Krankenkasse. 4. Abgabe eines Hausschlüssels an jeden Gesellen.(Die Gesellen fiitd durchgängig beim Meister in Kost und Logis). Die Stuttgarter Maurermeister haben aus Anlaß des Streiks im ganzen Lande sckivarze Listen versandt. Verzeichnet sind darin 1142 Maurer mit Namen, Geburtsort, Geburtsdatum. Beachtung findet die Liste aber nur bei einigen Großineistem in Heilbronn und Ulm. in alle», andren Orten werden die Streikenden gem in Arbeit �eiiomnien._____ Drohungen gegen Streikbrecher erblickte das Schöffengericht in'Solingen in den Aeußcrungcn:„Wenn»vir geivinnen, müßt Ihr Arbeitsivilligen doch nnfhörcii"—„ivenn Du Former spielst nimm Dich in Acht"—.ivenn Du in der Fabrik bleibst geht eS schief Arbeiter,»velche sich dieser Aeiißerunge» bedient hatten,»vurde» von dem genannten Gericht mit 6 und 7 Tage»» Gefängnis bestraft.— DaS»st kennzeichnend für die Auffassung, die hinsichtlich der Arbeiter belveguug unter deutschen Richtern herrscht. Ausland. Der dänische Schlachtcrciarbeiter-Verbmid hat vor kurzen, seinen Verbandstag in Kopenhagen abgehalten. Vertreten waren rund 766 Mitglieder durch 48 Delegierte ans 36 Ortschaften soivie zivei Vertreter des Centralverbandes der Fleischer und Berufsgenossen Deutschlands. Einen Hauptpunkt bei den Verhandlungen bildete der Esbjerger Streik, der noch immer nicht beendigt ist, zur Zeit aber günstig für die Gesellen steht. Außerden»»vurde»och ein GcgenseiligkeitS-Vertrag mit der deutschen Bruder- Organisation angenomnie» und eingehend über ciueu Antrag diskutiert. der die Lossagung von den übrigen Fachvereiuen und der Allgemeinheit der organisierten Arbeiterschaft bczivcckte, zuletzt aber doch mit 36 gegen 13 Stiinmen abgelehnt»vurde. Auch die Heraus gäbe eines eignen Organs»vnrde beschlossen. Der Sitz de« Haupt Vorstandes wurde in Silkeborg belassen. Der„Norlveqische Eisen- nnd Metallarbelter-Verbnnd", der vom 21.— 23. Juni seine II. LandcSversammlung in Christiania abhielt, zählte Anfang 1S62 2879 Mitglieder. Der Verband hat eine»nlfasscnde Statistik über die Lohn- und Arbeitsverhältnisse der BcrufSangchörigcn veranstaltet. Es»vurde ein durchschnittlicher Stundenlohn für gelernte Arbeiter von 34,4 Oer«, für Hilfsarbeiter von 26,7, für Lehrlinge von 14.4 Oer« ermittelt. I» Christiania be trägt der Durchschnittslohn 36,2 Oer«, in einigen kleineren Städten und Jndustrie-Orten 29,7—41,4 Oere. AuS Lemberg»vird gemeldet: Die Situation in den Bezirke»,. Ivo Fcldarbciter streiken, hat sich etlvaS gebessert. I», Bezirke Kuroivice»vurde die Arbeit infolge Gelvähruug von Lohnerhöhungen »vicdcr anfgenonuncn. Der Streik der Flcischcrgescllcn in Trieft ist nach kurzer Dauer zn Gunsten der Ausständigen beendet. Die Meister haben 'ast sämtliche Forderungen der Gesellen beivilligt. Streiks in Spanien. Aus Madrid»vird gemeldet: Der Gouverneur von Cadix verfügte sich ivegen des Streiks der Land arbcitcr nach Jerez. Die Gendannerie wurde bedeutend verstärkt auch solle» Truppen hingesandt»verde». In Malaga streiken die Faßbinder. Auch die Fcldarbciter sind erregt. Im nahen Villanneva ivurdcn die Erntefeldcr in Brand gesteckt. 11 Arbeiter»vnrdcn ver- haftet. In Lalinea streiken die Bäcker. In Bilbao sind 4000 Gruben arbeiter ausständig._ Der Leipziger Baukprozeß. Aus Leipzig»vird von» Sonnabend berichtet: Es komme» zlvci BctrugSfälle zurVerhandlniig. die die Angeklagten Exncr und Gentzsch allein betreffen. Beide Angeklagten haben eine von der Firma v. d. Heydt u. Co. an die Leipziger Bank »«richtete briefliche Anfrage, ob die Lage der Aktiengesellschaft ur Trebertrocknung in Kassel derart sei, daß ihr ein un- gedeckter Kredit von 200 066 bis 300 000 M. gewährt»verde» könne an» 16. Januar 1901 mittels eines gemeinsam unterschriebenen Briefes dahin bcantivortct, daß sie erklärten, sie selbst hegten auch etzt keinerlei Bedenken, der Aktiengesellschaft für Trebertrocknung niien varkredit zu belassen, so daß die Finna v. d. Heydt durch den .Zusammenbruch der Trebergeiellschaft in Mitleidenschaft gezogen vorden ist. Ferner hat Exner den» Bankier und Generalkonsul Paul S ch>v a b a ch in Berlin, Mitinhaber der Firma S. B l e i ch r ö d e r daselbst, ans seine Anfrage betreffend die Engagements der Leipziger Bank bei der Trebergesellschaft durch einen Brief vom 9. März 1901 diese Engagements als so unbedeutend, übrigens auch durch Sicherheiten gedeckt, dargestellt, daß Schlvabach fich täuschen ließ, und der Absicht Exners entsprechend lvcder die Beteiligung der Firma Bleichröder an einen» Berliner JnterventionSsyildilat für Leipziger Bankaktien, die sich anfangs März 1901 auf nominal 600 000 Stück bcliefen, ablöste, noch auch ver Leipziger Bailk den Kredit, den diese durch den Bezug von nmd 4 Millionen Ultimo gelber für März 1901 in Anspruch genommen hatte, kündigte. Es»verde» in diesen Sachen die Herren Karl v. d. Heydt und der Direktor der Frankfurter Filiale der Deutschen Bank, W. Seefried, vernommen. Exner sagt, seine Antivort an von der Heydt u. Co. sei mir eine höfliche Ausiunftserteilung geivescn. die Firma sei besser als die Leipziger Bank informiert gewesen, und man habe gar keinen Grund gefunden, eine andre Form der Antwort zu ivählen. Dr. Gentzsch»var auch mit der Fassung� der Auskunst ein« verstanden. Der Aufsichtsrat hat von dieser Sache keine Kenntnis gehabt Sachverständiger Plauth-Cassel meint, die Bank habe diese Auskunft gcgebci»,»veil sie sie geben mußte. Sie»var aber eine 'alsche. Ueber das Verhältnis zn Bleichröder erklärt Exner, ivenn diese Firma von den Verhältnissen der Bank in andrer Form Auskunft von ihm empfangen hätte, so»vürde sie mit 4 Millionen bei einem eventuellen früheren Zusammenbruch der Leipziger Bank in Verlust gekommen sein. So aber habe sie ai»s dem regulären Geschäft erst Millionen, dann aber 1 Million zurückerhalten, so daß Bleichrödcr nur noch mit einer Fordening von 1 Million als Gläubiger ver- bleibe. Exner sagt aus, daß der in seinen Briefen angezogene Konto- stand ein richtiger sei. Der Vorsitzende entgegnet, daß Exncr sich nrit seinen Angaben immer hinter die Centrale in Kassel zurückziehe. Es kommt dann daS Expose der Direktion zur Besprechung. »velche daS Verhältnis der Bank zur Trebergesellschaft in der General- Versammlung der Bank klar legt. In der Fassung des ExpossS liegt nach GentzschS Eingeständnis eine gewisse Verschleierung. So- dann wird die Verhandlung auf Montag, den 30. Juni, morgens 9 Uhr vertagt._ Gevichks Ei» Erzgauner und gefährlicher Dieb stand gestern in der Person des Buchbinders Otto A I b r e ch t vor der 2. Strafkammer des Landgerichts I. Gegen ihn hatten 30 Personen, zumeist Zimmer- Vermieterinnen aus Moabit und andren Teilen von Berlin eugnis abzulegen, und ihre Bekundungen zeigte», daß der An- geklagte ein Mann von ungemein reger(Phantasie und edler Dreistigkeit ist. Er gehört zu der Kategorie der .verlorene» Söhne"; sein Pater, der ein biederer Lotse von der Wasserkante ist, hat schon nianche Thräne um den Verlvorfenen in den grauen Bart rinnen lasse», er hat aber eingesehen, daß der Junge vor dem Verderben nicht mehr zu retten»st und sich deshalb gänzlich von ihm losgesagt. Im De- cmber vorigen Jahres hatte der Angeklagte eine einjährige GesäugniS- rafe in Plötzcnsce abgebüßt und kam»vicdcr auf freien Fuß. um Arbeiten hatte er keine Lust, und so entwickelte er denn eine umfangreiche verbrecherische Thätigkeit zun» Schaden solcher Personen, die Zimmer zu vermieten hatten. Er mietete solche und trat überall niit einer srappiercudcn Sicherheit auf. Seme Schwindelmcthode »var immer dieselbe. Unter Ueberreichung einer Visitenkarte stellte er sich als„stuck, zur.«t med." v. Bredow oder als„vr.zor. Werner" vor und erzählte, daß er der Sohn eines sehr reichen VaterS sei, den er bald als Negienmgspräsident, bald als Landrat bei Freien- »valde a./O., bald als Rittergutsbesitzer und Landtagsabgeordneten bezeichnete. lJn einigen Fällen nannte er sich auch Kurt ' v e r s und erzählte, daß er aus Slvinemünde stamme und sein Vater dort eine große Reederei betreibe. Er trug geivöhulich Lockstiesel, hält sich recht gut und machte eine» Vertrauen erivcckenden Eindruck. Nach seiner Behauptung»vor er zu einer achttvöchigen Uebung eingezogen, in andren Fällen erzählte er, er komme aus Stettin, sei im Begriff, seine Militär- zeit als Einjährig-Freilvilligcr abzudienen und müsse in der Nähe der Kaserne in der Kruppstraße»vohnen. Sondcrbnreriveise hat nur in einem einzigen Fall jemand daran gedacht, daß im Dezember Freiivillige nicht eingestellt»verde»» und da»'a»S Verdacht gegen den Angeklagten geschöpft. Der Verlauf der Dinge in den einzelnen Fällen»var dann ziemlich übereinstimmend folgender: Der Angeklagte gab an, daß seine Sachen von der Eisenbahn ans durch die Paketfahrt expediert»verde»»vürden und verließ daun bald »vieder die Wohnung, angeblich um seine Adresse bei der Palelfahrt abzugeben. In einigen Fällen, in denen er sich als Angestellter der Nalionalbank für Deutschland bezeichnet hatte, wollte er mit diesem Wege auch gleich einen Besuch in der Filiale der Nationalbank in Altmoabit verbinden. Wenn er dann zurückkam, ließ er sich mit Kaffee bedienen und»vurde im Kreise seiner neuen Wirtslcnte ge- sprächig. Er erzählte viel von seinen» reichen Vater und von seinem Stndentenlcben, in»velche»»» er»vcgen seiner Tncllgcgnerschaft viel Verdruß gehabt habe sc. Dann kam ein böses Geständnis: er habe nämlich augenblicklich garkeinGeld. Er sei ans der Fahrt von Stcttinnach Berlin offenbar einen» Falschspieler in die Hände gefallen und dieser habe ihm seine Barschast in Höhe von 80 M. abgcnomuici». Das sei ja sehr fatal, doch habe erj seinem Vater telegraphiert und dieser»verde ihm ohne Zivcifel sofort Geld anweise». Bald darauf klingelte eS denn mich, ein Telcgraphenbcamter überbrachte eine Depesche nnd der Angeklagte las freudestrahlend die Worte vor: „Bringe morgen persönlich Geld. Dein Vater." Natürlich hatte er die Depesche hier in Berlin selbst an sich gerichtet, sie diente aber als vortreffliches Mittel zum Zweck. Nun»vnrde es ihm nicht schiver, die Wirtin oder einen Hausgenossen zu bcivegen, ihm etwas Geld vorzustrecken,„da er auf alle Fälle an einer Antrittskneiperei seiner Kameraden" teilnehmen müsse. Er hatte auch überall Erfolg uud erhielt Summen von 3—16 M., über die er zun» Teil mit dem angenommenen falschen Namen quittierte. Er kan» dann gewöhnlich spät nachts Hein». frühstückte am nächsten Morgen und ließ beim Verlasjen der Wohnung die Order zurück, daß bei Ankunft semes Koffers die Anzüge sofort zum Schneider zrnn Aufbügeln gebracht»verde» sollten. Von da an blieb er verschwunden; in einzelnen Fällen»varen mit ihm auch KlcidungS- stücke aus der Wohnung verschivunden. Als er endlich von der Polizei gefaßt»vurde, versuchte er i>n Gefängnis den»vilden Mann zn spielen. Der Staatsanwalt be« antrngte eine Gesamtstrafe von 10 Jahren Zuchthaus, 6 Jahre» Ehrverlust und Polizeiaufsicht. Das Urteil lautete aus 6 Jahre Zuchthaus. 3 Jahre Ehrverlust uud 2400 M. Geldstrafe ev. noch 106 Tage Znchthaus. In dem Vetrugöprozess in Sachen der Reederei vereinigter Schiffer beantragte,»vie ans Breslau berichtet»vird. der Staatsamvalt gegen Direktor Paul BreSlancr ivegen Betruges und Untreue in zehn Fälle», schlverer Urkundenfälschung in zwei Fällen sowie Bilanzverschleierung nnd einfachen Bankrotts sechs Jahre Znchthans»md 3300 Mark Geldstrafe, gegen de» Kanfniann Moritz Schnffer aus Hamburg drei, gegen de» Rcedereibcamten Ernst Breslauer aus Hamburg zivei und gegen den Kaufmann Leon Goldstücker aus Breslau vier Monate Gefängnis. Am nachmittag»vurde das Urteil gefällt. Der frühere Direktor Paul BreSlancr»vurde zu Ivier Jahre» Znchthaus, 3300 M. Geld- strafe eventuell 200 Tagen Zusatzstrafe und sünf Jahre» Ehrverlust verurteilt Die übrige» Angeklagteu wurden freigesprochen. NcvsÄMmtttngen. Schmargendorf. DerWnhIvcrcii» nahm in seiner Versaminknng eine» Bericht über die drei letzten Gcniciiidcvcrtreter-Sitziuigci» nnd die in unsrcin Sinne günstig verlaufene Wahlverhandlnng beim KreiSanSschuß entgegen. Genosse Gntbier berichtet znstiminend Über die Einigiuigsverhaiidlimgei» in Sachen des OrganisationS- strciteS. Aufgenommen wurden 3 Mitglieder. Die Bersanimkimg an» 8. Int» c. soll sich mit der Beteiligung an den Landtags- Wahlen beschäftigen. Bernau. Der socialdemokratische Wahlverein hielt an» 21. Juni im Elysinm eine vcrsammlmig ab. in Ivclchcr daS Thema:„Die gewerlschaftliche nnd polifische Organisation" erörtert wurde. Ii» der Diskussion wurde lebhafte Klage geführt, daß eine große Anzahl Ar- beiter. die iu Berlin arbeiten und gewerkschaftlich organisiert sind, eS nicht »r nötig halten, sich der politische» Organisation anzuschließei». Es öll»nnmehr unter diesen eine rege Agitalion entfallet»verde» und »vurde der Wunsch ausgesprochen, daß Berliner Arbcitulvllcgc» diese Agitation für uusern Wahlvcrein unterstützen mögen. Vitfzke NttchLichkett und VepeMen. TaS neue Eiukouiiuenstcucr-Gesctz iu Württemberg. Stuttgart, 28. Juni.(B. H.) Nach viertägiger Debatte hat heute die Abgeordnetenkammer das neue Einkoninienstener-Gesetz niit 70 gegen 2 Stimme» aiigciiommey. Gestern nnd heute entstand noch eine längere, zum Teil sehr erregte Debatte über die Be« timmnng,»ach»vclchcr der Kammer der Standesherren bei»vetteren Erhöhungen der Einkommcustcuer ein MitivirkmigSrecht eingeräumt werdcu sollte, daS diese bisher nicht besaß. Diese Bcstiuiinnng deS Gesctzeutwurfcs wurde mit 47 gegen 34 Stimme» abgelehnt.' Die Progression bei der Eiukomnieiistciicr geht jetzt bis aus 6 Proz.; das teuerfreie Existenzminimum ist auf 600 M. normiert. Rustlandö Räuninng der Mandschurei. AuS Petersburg meldet die„Frankfurter Zeitung": Die in Madiivostok erscheinende Zeitung„Dalniivostak" meldet, daß mit der Räumung der Mandschiirei begonnen sei. Die russischen Truppen- teile»värei» aus Mulde» zurückgezogen»vorden nnd Ende des Jahres wäre Giri» geräumt»vorden. Die Eisenbahnlinie»ach Schanhaikiva» »verde China nicht vor Ollobcr zurückgegeben»verde»». Die Schutz- »vachc» der mandschurischen Eisenbahn»vurde» verstärkt und bis auf 30 000 Mann gebracht._ Der drohende Kouflikt ztvische» Amerika uud Italien ist beigelegt. Washinflto», 28. Juni.(B. H.) Der Marine», inistcr hat sich bei der unliciiischen Regierung wegen der Hallmig der amerikani» scheu Matrosen in Venedig e» t s ch» l d i g t. Diese Eiitscknildigiing ist von der italienischen Regierung angeiioimnen worden, sodaß der drohende Konflikt beigelegt ist. Lemberg, 23. Juni.(B. H.) Der„Przedowtt" behauptet, ,'n den Besitz eines geheimen DoknmeiiteS gelangt zu sei», in»velche», die rnsfische Ccntralregternng in Petersburg dem General- gouvenienr von Polen verschiedene vertrauliche I»- t r u k t i o u e u hinsichtlich seiner Amtslhätigkeit erteilt hat und denselben insbesondere anlvcist, das Polenlnm nnd de» Kalho- lizimuS in gleichen, Maße als staatsfeindliche Elemente in»nöglichst unauffälliger Weise zu bekämpfen. Rom, 28. Juni.(W. T. B.) Die D e p n t i e r t e n k a in>» e r »enehmigte mit 163 gegen 73 Stimmen den Gcsetzentivurf betreffend rie Abänderung des Z n ck e r r e g i m e s. Gegen Schluß der Sitzung»vurde durch Aufstehe», beziehnugs- »veise Sitzenbleibe» ein Antrag Pantauo angenomnieu. die Alkohol- Vorlage ans die Tagesordnung zu setzen. Die Regierung hatte dem Antrage nicht zugestimmt. Wladiivostok, 28. Juni.(W. T. B.) Da in de» uordchincsischen Häfen Cholera herrscht, so ist die Eiuivauderuug von chinesischen Arbeiter» aus diesen Orte» nach Wladitvostok verboten. AlgcciraS 28. Juni.(W.?. B.) In eine»»» Lokoniottvschuppcn explodierte heute der Kessel einer Lokomotive. Der Maschinist, der Heizer und drei Arbeiter wurde» getötet, 7 Arbeiter verletzt Der Lokomotivschuppen wurde zerstört. iLerfljittmtlichtt Rcdacteur: Carl Leid in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Badtng in Berlin. Hierzu S Beilagen u. Iliitrrhaltangsblatt. Nr. 1*9 19- I-hWi». 1§tl\m Berliner Partei-Angelegenheiten. Chnvlottcnburg. Heute abend findet im„V o I k s h a u s", Nosinenstr. 3, eine öffentliche Versammlung statt, in welcher Neichstagsabgeordncter Emil R o s e n o w über»Zehn Jahre Kampf um die Sonntagsrnhe" sprechen wird. Wilmersdorf. Am Mittwochabend 8Vs Uhr wird RcichstagS- abgcordnetcr Antrick in der bei W i t t e, Berlinerstr. 40, stattfindenden Versammlung des Wahlvereins über Fragen der inneren Politik einen beachtenswerten Vortrag halten. Johannisthal. Am Dienstag, den 15. Juli, abends S�/s Uhr, findet in Raus Parkrestaurant, Parkstr. 12—13, eine Versammlung des socinldemokratischcn Wahlvcreins statt. Um recht zahlreiches Erscheinen ersucht_ Der Vorstand. Uolterles. Auf. der Wohnungsuche. Die Briefträger haben in dieser Woche viel zu thnn. Der Juli steht wieder einmal vo. ber Thür— da sind Wohnungs- kiindigunge» in Masse z» bestellen. Schon von Montag an hatten sich auf den Postämtern die eingeschriebenen Briefe merklich ge- niehrt. Ihre Zahl ivurde dann, je näher der eigentliche Termin für die Aufkündigung der Wohnungen heranrückte, desto beträcht- licher. ES solle» tvieder sehr wenig an Hauswirte gerichtete Briefe darunter geivcscn sein. Das ist Ivohl glaubhaft; denn die Verhält- nisjc liegen auf dem Berliner Wohnungsniarkt— trotz aller Ab- leuguungen vo» seilen der Hausagrarier und ihres Anhanges— »och immer so, dajj jeder Mieter, wenigstens jeder kleine, froh ist, wenn er seine Wohnung behalten kann. In einer Zeit des Wohnnngs- mangels und der WohnnngStencrnng, ivie wir sie gegenwärtig leider immer»och haben, kommt bei einem Wohnungswechsel für de» Mieter selten etivas Gutes heraus. Die neue Wohnung, die er für die alte eintauscht, ist gewöhnlich nicht besser als die alte, aber in der Siegel»och teuerer. Da bleibt man lieber noch einmal wohnen und wartet auf eine Gestaltung des Wohnungsmarktcs, die für die Mieter weniger ungünstig ist. Auch Steigerungen der Miete werden unter den gegenwärtigen, für die Hausbesitzer noch immer sehr günstigen Zeitumstände» geduldig ertragen, so lange es irgend geht. Wo aber die MiclSstcigcrung, die der Vriefbote dem Mieter überbringt, gar zu amverschämt ist und allzu weil über die Kräfte des Mieters hinaus- geht, da hilft nichts— da muß nuigezogen werden. Da giebt es dann eine Reihe sehr böser Tage oder Wochen, in denen nach einer neuen Wohnung gesucht iverden mutz. Für den Wohnungsuchcr hat daS Wort«Wer die Wahl hat, hat die Qual" keine Geltung. Zur Qual wird das Wohnungsuchen gerade dann, wenn man keine große Wahl hat. Je iveiter das WohunngSangebot hinter der Nachfrage zurückbleibt, desto höher steigen nicht nur die Mieten— nein, desto dreister werden auch die Anforderungen, die getvisse Hauswirte selbst an die Person der Mieter stellen. Wehe dem, der das scharfe Examen, das sie mit dem Wohnungsucher anstellen, nicht zur Zufriedenheit besteht I Es genügt nicht, daß er zahlungsfähig erscheint, daß er nicht in der schwarze» Liste verzeichnet ist— auch sonst wird in jeder Weise an ihm herumgemäkelt. Hier paßt dem gestrengen Herrn Hauspascha dies nicht, und da gefällt ihm jenes nicht, und wenn der anklopseude Wohunngsucher gar gestehen muß, daß er ein halbes Dutzend Kinder mitbringen will— schwapp, fliegt ihm die Thür vor der Nase zu. Da das Hänservermicte» ein Geschäft ist, wie jedes andre, so kann man den Hausbesitzern keinen persönlichen Borivurf daraus machen, daß sie lieber nach solchen Mietern greifen, bei denen sie besser zu fahren glauben. Aber der Ilebernmt, der in Zeilen des WohnniigSmangelS in den Kreisen der Hausbesitzer einzureißen pflegt, kann nicht scharf genug verurteilt werde». Das Wohnnngsuchen ivird in solchen Zeiten für manchen der kleinen und kleinsten Mieter zu eineni wahren Leidensiveg. Wie viele werden ihn in diesen Tagen und Wochen tvieder z» gehen haben 1 Eine Znrechtwcisnng. Ein ganz bertrackter Schtverenvtcr liest uns wie folgt die Leviten: Sehr geehrte Redaktion! I» Ihrer AbomiementS-Anfforderung in Nr. 144 des„Voriväns" erdreisten Sie sich, so vorzügliche Blätter Ivie den«Berliner L o k a l- A n z e i g e r", den ich täglich mit Genuß lese, als färb- und parteilos zu kennzeichne». Nein, gottlob ivciß mein Lcibblatt, was es seiner Würde schuldig ist! Der „Lokal-Auzcigcr" ivill durchaus nicht parteilos sein, sondern er nimmt stets nnd grundsätzlich Partei für den König und für die jeweilige Regierung! Es ist also ein RcgicruügSblatt im edelsten Sinne des Wortes, das Sic vielleicht bezahltes Reptil nennen mögen. So Ivos läßt uns durchaus kalt. Lese» Sie bei- spielsweise den Stinininngsbericht aus dem Reichstage vom 8. d. M., Ivo es wundervoll zutreffend heißt: «Die Reden des Reichskanzlers atmeten durchaus den ideale» Geist reiner Vaterlandsliebe und Versöhnung, der ruhig und ohne Uebcrschivänglichkeit zum Ausdruck kam." Ilud vorher wird von Bebel gesagt: «Anders Herr Bebel, der, wie der Reichskanzler nachher sagte. protestlerischer ivar als die Protestler. Er spielte die Rolle des Störenfrieds, aber er spielte sie mit wenig Glück. Gegen den Reichskanzler erhob er Vorwürfe, deren Hinfälligkeit für jeden, der die Debatte verfolgt hatte, klar zu Tage lag." Der«Lokal-Änzeiger" ergreift also mannhaft und jederzeit Partei, Ivie Sie sich ans jeder Nummer überzeugen können. Er scheute sich sogar nicht, dieselbe Rede Bebels abfallig zu kritisieren, die sogar vo» nutisocialistischen Blättern wie «Berliner Zeitung" und«Volks-Zeitnng" beifällig anfgenommen wurde. Also den Vorlvnrf der Partcilosigkeit können Sie nie tvieder in gutem Glanben gegen den ,Lok.-Anz." erheben. Haben Sie doch den Mut, dies einmal klipp und klar f e st z u st e I l e n. Sie sollten, wenn Sie ehrlich wären, sogar eine Rubrik einrichte», i» tvclcher Sie täglich die iogenanule» Parteilichleiten und Byzantinismen, die nichts sind als Produkte rein st er Vater- I a n d s l i e b e, festnageln nnd Ihrem Leserkreise zugänglich niochen. Aber freilich, dann iväre es in vier Wochen mit Ihrem Abonnenten- stände zu Ende, nnd daher nennen Sie uns mit Vorliebe«parteilos". Ich bitte jedenfalls in» gefl. Veröffentlichung meiner Zeilen; als ä'l t e st e r Leser des«Lot.-Anz." könnte ich die Wiedergabe sogar auf Grund des Z 11 des Preßgesetzes verlangen, das habe ich einmal im Briefkasten des„Lok.-Anz." gelesen, will aber zunächst den gütlichen Weg versuchen! Wir müssen gestehen, daß uns diese Epistel zerschmettert hat. Von dem Gefühl schnöden Unrechts, das wir an dem„Lokal-Anzeigcr" verübt haben, sind ivir so geknickt, daß wir in unscrin Schuldbewußtsein diesem Blatte recht viele Leser von der Art des leider anonym gebliebenen Einsenders wünschen. Was sollen wir mehr? Den FSnfnhr-GcschästSschlust am Sonnabend wollen jetzt in Berlin die B n ch h n n d l n n g s- G e h i l f e n für die Sommer- nionate durchsetzen. Der Vorstand der Ortsgruppe Berlin der Allgemeinen Vereinigung Deutscher Buchhandlnngsgchilfen hat sich an jänNliche Berliner Verlagsgeschäfte mit der Bitte geivandt. daß sie während des SommerS an den Sonnabenden um 5 Uhr das Geschäft schließen. In dem Rundschreiben wird hervorgehoben, daß ies Jotmärts" Kerlim die meisten Bankhäuser lind Rechtsanwälte ihre Bureaus Sonnabend- nachmittag ganz schließen. In den gewerblichen Betrieben erfolge, zum Teil laut Gesetz, ein früherer Geschäftsschlnß. In Leipzig sei der Versuch im vorigen Jahre mit gutem Erfolge gemacht worden, so daß er dort jetzt iviederholt werde. Vom Wirken der Berliner Polizei. Das Jubiläum seiner 200. Bestrafung kann jetzt der Zeitungshäudler Berger feiern, der sein Geschäft seit zwanzig Jahren unter den Königskolonnaden am Alexanderplatz betreibt. Es handelt sich in allen Fällen um Per- gehen gegen die Gewerbe-Ordnung. Vcrger steht mit seinen Zeitungen nnd Zeitschriften mit Genehmigung des Hauswirts i» der Thürnische des Grundstücks Köiiigstrajje 33. Dabei benutzt er aber zur Auslage auch den Sockel der Säule, die vor der Nische steht. Hierauf gründet sich der Konflikt, der im Verlauf von ettva zehn Jahren den Mann an Strafbefehlen, Verurteilungen nnd Anwalts- gebühren schon gegen 1500 Mark gekostet hat. Ist Berger ein „fliegender Händler", dann darf er nach den Vorschriften der Polizei nicht länger, als diese erlaubt, mit seinen Waren an einer Stelle stehen bleibe». Hat er aber eine feste, offene Verkaufsstelle, so sollte er nicht zugleich einen Teil der öffentlichen Straße— in diesem Falle den Sockel der Säule— für seinen Handel benutzen dürfen. Nachdem er sein Geschäft zehn Jahre lang unbehelligt betriebe» hatte, ivnrde Berger im Anfang der neunziger Jahre mit den ersten Strafbefchlen bedacht. Vor einigen Jahren rief er gegen eine Ver- nrteiluiig das Kammergericht an. Dieses sprach ihn frei. Die 6. Strafkammer, die sich daraufhin»och einmal mit der Angelegen- heit zu befassen hatte, sah»nn in der Benutzung der Thürnische mit Erlaubnis des Hauseigentümers eine feste Verkaufsstelle und sprach den Händler ebenfalls frei. Nach dieser Entscheidung erhielt Borger neuerdings wieder Strafbcfehle. In einem Falle cutschied das Schöffengericht bereits zu seinen Gunsten, indem es sich auf den Standpunkt des Kaimncrgcrichts stellte nnd die Kosten der Staats- kassc auferlegte. Auch in dem Jubiläninsfalle hofft er auf seine Freisprechung. Die Frage, ob die Autorität der Polizei durch der- artige Strafmandate gewinnt, mögen unsre Leser entscheiden. Infolge der drückenden Hitze am gestrige» Sonnabend er- kränkle» 32 Zughunde, welche den Anstalten des Deutschen Tierschutz- Vereins zugeführt tvurdcn. Außerdem wurde die Hilfe des Vereins in elf Fällen für von Hitzkoller befallenen Pferden in Anspruch genommen. Fünf Pferde, welche dem Hitzschlag erlagen, wurden bis nachmittags 4 Uhr der Abdeckerei überwiesen. Bei der großen Hitze kommen auch die Pferde-Strohhüte, die sich bisher außer- ordentlich bewährt haben, immer mehr in Aufnahme. Im Lauf der des gestrigen Vormittags wurden in dem Depot des Deutschen Tier- schutzvcreins resp. in dem Bureau desselben nickit tveniger als 300 derartige Strohhüte verkauft. Der Einführung der Strohhüte stellten sich bisher insofern Schivicrigkcite» entgegen, als bei Doppel- gespanuen die Pferde häufig den Zweck der Kopfbedeckung ver- lanntcn nnd sie auffraßen. Dieser Uebelstand kann dadurch ver- mieden Iverden, daß der Rand der Hüte mit Terpentinöl ein- gerieben ivird. Jener in der Irrenanstalt Dalldorf. Ein schweres Brand- Unglück, den ein Wärter zum Opfer fiel, verursachte in der Nacht zu gestern in der Irrenanstalt Dalldorf große Aufregung. Im Garten des Pavillons 3 befindet sich ein langes, zweistöckiges Gebäude, dessen linke Hälfte zu Werkstätten für Tischler, Tapezierer niid Maler eingerichtet ist, während der rechte Flügel als Wohnung für den Werkmeister dient. Kurz nach Mitternacht beobachtete einer der ständige» Fenertvächtcr der Anstalt, daß dicker Rauch ans dem Dache dieses Gebäude drang und machte hiervon schleunigst im Maschinen- hause Meldung. Hier wurde die Alarmpfeife in Bewegung gesetzt. worauf von allen Seiten die diensthabenden Wärter herbeieilte». Während verschiedene von ihnen hie Wasserjchläuche der Anstalt anschraubten, eilte der 25jährige Wächter Hcnkes die Treppe empor und öffnete die Thür zu der Malcriverkttatt, in welcher das Feuer wütete. Dabei schlug ihm eine Stichflamme entgegen, die ihm jedenfalls sofort die Besinnung nahm, so daß er init einem Ausschrei zusannnenbrach. In der allgemeinen Verwirrung hatte wohl niemand auf den Ver- nnglücktcn geachtet, so daß dieser später mit v o l l st ä n d i g ver- k o h l t e m K ö r p e r t o t a n f g e f n n d e n>v n r d e. Er ivar seit Jahren in der Anstalt angestellt nnd stand vor seiner Verheiratung. Die Ortsfenerivchrcn von Reinickendorf nnd Dalldorf waren zwar bald zur Stelle, vermochten aber das Feuer nicht zu bekämpfen, zumal auch»och die Wasserleitung der Anstalt insofern versagte, als ein Hanptrohr platzte nnd seinen Inhalt anstatt in die Spritzen, sich auf den Hof ergoß. Die Zuschauer, die schon besürckitcten, daß das Feuer möglichcrtveise die im Keller lagernden explosiven Stoffe sBenzin, Petroleum, Lysol zc.) erfassen könne, atmeten erleichtert auf. als die Berliner Wehr mit Dampfspritzen heranrassclte nnd am Karpfenteiche hinter der Anstalt anlegte. Nun Ivurde das Feuer bald zum Stehen gebracht. Der rechte Flügel mit der Wohnung des Werkmeisters konnte gedeckt nnd der Brand auf die Maler- werkstätte nnd einen Lagerraum für Särge samt dem Dachstuhle bc- schränkt werden. Die internierten Kranken tvaren nicht in Gefahr und haben von dem Vorfall tveiiig bemerkt. Das Lager- nnd Wirtschaftsgebäude ist bis auf die Grundmauern niedergebrannt nnd bietet einen Anblick der größten Vcrtvnstung. In den, Lager befanden sich hauptsächlich Särge, Farbstoffe nnd Tischleriverkzeuge, die natürlich sämtlich verbrannt sind. Der Schade» ist ein sehr beträchtlicher. Ueber die Ursache des Feuers ist noch iminer nichts bekannt geworden. Fest steht jcdcusalls, daß nn der EutstchungSnrsachc niemand nuS der Anstalt selbst schnld ist. Man ist geneigt, Selbstentzündung anznnehnie». Die Opfer der„Großen" im Monat Juni. Die Unfall- statistik der Großen Berliner Straßenbahn im Monat Juni iveist bis heute ztvei tödlich verlaufene Unglücksfälle auf, während 6 Personen schwere Verletzungen davontrugen. Die tödlichen Unfälle betrafen den Bäckergesellen Gröger, der mit einem Schiebekarrcn gegen den Anhänger eines StraßcnbahnzugcS lief, über die Deichsel stürzte und eine Nicrenverletzung erlitt und das 4 jährige Mädchen Schrebkowsli, welches gegen die Pcrronecke eines Straßenbahnwageiis lief nnd seitlich unter den Radkasten geriet. Außerdem wurden noch drei Personen von Wagen umgestoßen nnd kamen unter die Vorderplatt- form, während die drei übrigen schtveren Verletzungen von Personen beim Auf- resp. Absteigen verursacht wurden. Nach amtlichen Fest- stellungen trifft in allen diese» Fällen die Wagenführer keine Schuld. Immer hübsch bei der Wahrheit bleiben! Zu der Absicht des Berliner Magistrats, daS Schulgeld der städtischen G y m» a s i e ii, Realgymnasien, Ober- Realschulen und Realschulen zu erhöhen, veröffentlicht die«Berliner Zeitung" einen Artikel, der sich auch mit der von der social- de ni akratische n Fraktion der Stadtverordneten- Versammlung hierzu eingenommenen Stellung beschäftigt. Die Behauptung, daß„man auf seilen der Social- dcmokratie jede Verteuerung der Bildung mit Hurra bc- grüßt", ist zu albern, als daß man sie eines Wortes der Widerlegung zu würdigen brauchte. Zu dem in Rede stehenden Einzelfall wollen wir, um einer Legendenbildung vorzu- beugen, nur das eine konstatieren, daß in dem Artikel die Sache, der Wahrheit zuwider, so dargestellt wird, als seien unsre Genossen ini Roten Hause auch für eine Erhöhung des Schulgeldes der Real- schulen zu haben. Man iiinß in der Redaktion der«Berl. Ztg." wissen, daß das Gegenteil der Fall ist. In der Stadtverordneten- Versammlung hat der Redner der socialdemokratischen Fraktion, Genosse Singer, am 12. Juni bei der ersten Beratung der Angelegenheit wiederholt und mit starker Betonung erklärt, daß man auf social- demokratischer Seite zwar der beabsichtigten Erhöhung des Schul- SrntG, 29. Ini 1902. gelbes der VoNanstalten(Gymnasien usw.) nicht widersprechen, aber der vom Magistrat gleichfalls geforderten Erhöhung des Schulgeldes der Realschulen, da diese im wesentlichen als eine Ergänzung der G e m ei n d e s ch u l en anzuschen seien, nicht zustimmen werde. Das ist der Sachverhalt, wie es sich ans dem amtlichen Steiiogramm der Sitzung vom 12. Juni ergiebt. Niedriger hängen möchten wir bei dieser Gelegenheit den Eifer, mit dem in dem erwähnten Artikel darauf hingewiesen wird, daß die Eltern der Schüler höherer Lehranstalten doch diejenigen seien, „aus deren Stcueraufbringen immer größere A u f- w e n d u n g e n zu G u n st e n der minder b e m i t t e l t e n Klassen gemacht werden". Das erinnert bedenklich an die An- schaunngen und Aeußcrungen, die im vorigen Herbst vor den Stadt- verordneten- Wahlen der Stadtverordnete Jacobi über das Ver- hältnis der Stadtgemeinde zu den weniger bemittelten Bevölkerungs- schichten zum besten gab. Explosion eines GranatzttnderS.Anf dem Lagerplatz des Kaufmanns Inst in der Quitzowstr. 68 explodierte ein Granatzünder, der sich unter einer großen Menge von Granatsplittern befand, die Inst vor einigen Wochen von der Artillerie- Piüfnngskomniission in Kummcrsdorf als altes Eisen gekauft hatte. Zwei mit dem Sorticreii der Eisenstücke bcanftragte Arbeiter erlitten durch die Explosion schwere Verletzungen nnd mußten in ein Krankenhaus ge- bracht werden. Unbegreiflich ist es, wie die Militärverwallnng das gefährliche Geschoß als altes Eisen verkaufen konnte. Eine Arbeiter- Tragödie. In dem Hause Bernanerstr. 13« wohnte seit zwei, Jahren im eisten Stock des Qncrgebändes der 30 Jahre alte, ans Labes im Kreise Regenwalde gebürtige Former Otto L L d t k e mit seiner 32jährigcii Ehefrau Bertha geb. Neu- mann nnd einem Sohne Erich, der jetzt 3 Jahre zählt. Am 21. März d. I. zog sich der Mann in der Eisengießerei von Schöning in Reinickendorf eine Blntvergiftniig am rechten Zeigefinger zu. Bis zum 4. April war er in ärztlicher Behandlnng zu Hause und dann im Lazarus- Krankenhause. Da ihm die rechte Körperseite und das rechte Bein angeschwollen ivaren, so fürchtete er, operiert zu werden. Um dem zu entgehen, bat er seine Frau wiederholt, ihn ans dem Krankcnhrnise hcranszunehmen. Die Frau /that ihm den Gesallen. obwohl die Aerzte dringend abrieten. Freitag» achmittag um 1-/- Uhr brachten zwei Wärter den Kranken auf einer Bahre nach Hause und legten ihn ins Bett. Um 5 Uhr bat Lüdtkc seine Frau, ans dem Kraiikenhause einen Entlassungsschein zu holen, ihm vorher aber ein Messer zu geben, damit er sich die Fingernägel beschneiden könne.. Die Frau fürchtete Unheil und verweigerte ihm das Messer. Während sie aber schon auf dem Korridor war, nm wegzugehen, reichte der Kleine, der ihr folgte, ohne ihr Wissen dem Vater argloS ein Taschenmesser, das er in der Stube hatte liegen gesehen. Als Frau Liidtke mit ihrem Söhuchen um b'/2 Uhr' vom LazarnS-Krankenhanse in ihre Wohnung zurückkehrte, fand sie ihren Mann blutüberströmt in seinem Bette liegen. Ihr gellendes Hilsegcschrei rief die Nachbarn herbei, gerade noch zur rechten Zeit, um ein ivcileres Unglück zu verhüten.' Die verzweifelte Frau stand auf dem Fensterbrett, um sich mit ihrem Sohne auf den Hof hinabzustürzen, als drei Nachbarfrauen sie faßten und unter Aufbietung ihrer ganzen Kraft mit dem Kleinen in die Stube zurück- zogen. Nur mit Mühe war die Frau zu beruhigen. Ein Arzt, der gleich darauf mit der Polizei kam. verband dem Kranken mehrere Schnittwunden am Halse, an den Armen und den Handgelenken. die er sich mit dem ziemlich stumpfen Messer beigebracht hatte, und ordnete dann seine Ueberführnng nach dem St. Hedwigs-Kranken- hause an. Da jedoch die Schlagader am Halse durchschnitten war, so hatte der Verwundete schon so viel Blut verloren, daß er unter- Wegs im Koppschen Rettungswagen starb. Uiitcrschllignng. Der ehemalige Kaufmann B r n n o P i e sch e l, Berlin, welcher im Bureau der«Centralkoinmisfio» der Kranken- lassen Berlins" beschäftigt war, ist nach Unterschlagung von mehreren hundert Mark flüchtig geworden. Der Kriminalpolizei ist sofort Anzeige gemacht worden. Der Defekt wurde von privater Seite gedeckt. Ein gefährlicher Kindcrfrennd ist in der Person des 33 Jahre alten Schankwirts Hermann N. ans der Kolbergerstraße verhaftet worden. N., der verheiratet nnd Vater von zwei Kindern im Alter von 8 und 6 Jahren ist, betrieb bis zum 1. März d. I. in der Antonstr. 34 eine Konfeklionsschnciderci. In dieser beschäftigte er auch eine Frau R. ans der Prinz Engenstr. 10. Frau R. kam am Freitag voriger Woche zu N. in die Wirtschaft und beschuldigte ihn hier und im Hanse in großer Aufregung, daß er, während sie die Gräber zweier Kinder besuchte, ihrer elfjährigen Tochter in der Wohnung Gewalt angcthan habe. Die Kriminalpolizei forschte darauf»ach dem Lenmund des Manncs nnd erfuhr, daß er vor zwei Monaten schon einmal das fünfjährige Töchterchen eines Drvschlcnknlschcrs mit Pfeffermünz-Plätzchen an sich lockte und auf den Schoß nahm, als er allein in seinem Laden war. Als daS Kind laut weinte, ließ er cS laufen. Auf Grund der Ermiltelungen wurde N. festgenommen und in Untersuchungshaft gesetzt. Straßensperrung. Der nördliche im Zuge dcS Friedrich Karl-UferS belegene Teil der Alsenbrücke wird behnss Asphaltiernng vom 30. d. Mts. ab bis ans weiteres für Fuhrwerke und Steiter gesperrt. Das zehnjährige Bestehen der Sonntagsruhe im Handels- gewcrbe wird selbstverständlich von den Handlungsgehilfen am meisten gewürdigt. Um der Ocffentlichkeit daS Wenige vor Augen zu führen, was auf diesem Gebiete des Arbeiter- und An- gcstclltcnschntzes erreicht ist und gleichzeitig auf das weite Feld hiii» zuweisen, das noch erobert werden muß, veranstaltet der Central- verband der Handlnngsgchilfcn morgen, Montagabend 8Vs Uhr bei Bnggeuhagen am Moritzplatz eine öffentliche V e r s a m m l n n g. Es wird hier eine Resolution vorgelegt werden, in der die Reichs- rcgiernng um weitere Ausdehnung der Sonntagsruhe nnd des An- gestelltenschutzcS ersucht werden soll. Auf die Wichtigkeit dieser Bersanimluug hinzuweisen, ist wohl überflüssig. Der neue Gcmsenberg dcS Zoologische» GartenS wird jetzt von einer Anzahl sehr bemerkenswerter Huftiere bewohnt. Im Gehege der T h a r z i e g e n. welche durch zwei vorderindische Arten, eine aus dem Himalaya« und eine zweite ans dem Nilghcrri-Gebirge an der Malabarküste vertreten sind, tummelt sich ein munteres Lamm, welches durch seine kräftigen Beine ausfällt und mit großer Geschicklichkeit klettert nnd springt. Die Tharziegen sind die tropischen Vertreter der Steinböcke; sie komnicu außer in Vorderindien auch in Arabien vor. Dicht neben ihnen sind die beiden ramsnasigeii S a i g a- A n t'i l o p e n untergebracht; häßliche, aber in ihre» Bc- wegungen sehr merkwürdige Huftiere, die heute mir noch im mittleren Asien und am Kaspischcn Meere leben, früher aber, zur Eiszeit, auch in Deutschland vorhanden gewesen sind. Ein andres Dilnviallicr Europas, der M o s ch n s o ch s e, wird hier auf demselben Gemsen- berg seit längerer Zeit ebenfalls gepflegt. Außer diesen Sehens- Würdigkeiten ersten Ranges, welche die auswärtigen, den Garten bc« suchenden Zoologe» in Erstaunen versetzen, weist diese Musteranlage des Berliner Gartens unter anderin noch eine mongolische Kropfgazelle auf. Fcuerbericht. Soiinabendmittag erfolgte ein Alarm von der Handelsslätte Bellc-Alliance, Lindenstr. 101. Hier war in der Auch- druckerei von W. Wagner eine Flasche mit Benzol umgefallen, nnd die explosive Flüssigkeit hatte verschiedene in der Nähe stehende Gegen- stände ergriffen, doch konnte das Feuer noch gedämpft werden, bevor es größeren Schaden anrichtete. Freitagabend gegen 10 Uhr ivurde die Wehr nach der Schönhauser Allee 1 gerufen. Hier war auf noch nicht ermittelte Weise in einem Bodenverschlage Feuer ausgekommen, das an dem Inhalt der Bodenkammern reiche Nahrung gefunden und bei Ankunft der Wehr auch schon die Dachkonstruklion ergriffe» hatte. Es gelang indes dem energischen Vorgehen der Wehr, die Flammen bald zu ersticken. Kurz vorhergingen inderKöniggrätzerstr.111 Gardinen und Kleidungsstücke in einer Wohnung in Flammen auf. Abends 11 Uhr hatten in der Katzlerstr. 6 Wanddelorationen, Portieren>c. Feuer gefangen, das jedoch in kurzer Zeit abgelöscht werden konnte. In der Waldstr. 46 muhte ein Brand beseitigt werden, der den Fuh» boden und die Balkenlage ergriffen hatte. Dnrch die Explosion von Feuerwerkskörpern war in der Rostockcrstr. 25 ein Feuer entstanden, dessen Ablöschung aber bald erfolgen konnte. Möbel, Kleidungs- stücke k. wurden gegen Mitternacht in der Tilsiterstr. 45 durch Feuer beschädigt. Durch Selbstentzündung von Preßkohlen war in der Fennstr. 22—26 auf dem Güterbahnhof ein Brand entstanden, der die Wehr Sonnabend früh längere Zeit beschäftigte. Auch auf dem Hamburger Güterbahnhof, in der Chorincrstr. 7' und in der PotS- damerstratze 129 mußten Brände beseitigt Iverden, die auf Selbst- «ntziindung von Kohlen zurückzuführen waren. Sicgmundshof 11 war in einem Maleratelier dnrch Umfallen einer Lampe ein kleines Feuer entstanden. Anßerdem liefen in den letzten 24 Stunde» noch Alarmicrungen von der Andreasstr. 33 und der Greisswalderslr. 96 ein, die indes nur kleinere Brände betrafen. Aus den Nachbarorten. Steglitz. In der Sitzung der Gemeindevertretung am Freitag wurde der B a u g e w e r k s- I» n u n g auf ihren Antrag der Anschluß i h r e r F a ch s ch u l e an die hiesige gewerb- liche Fortbildungsschule genehmigt. Die Baugewerks- Innung hat sich verpflichtet, für jeden auswärtige» Schüler einen Jahresbeitrag von 10 M. und für jede» einheimische» einen solchen von 6 M. nebst den Koste» der erste» Einrichtung zu leisten.— Ferner wurde ein Antrag angenommen, an zivci hiesige HandiverkS- meister und zwei Arbeiter der Metallbranche zum Besuch der Düsseldorfer Jiidustrie-Ausstellung eine Reise- beihilfe von je 50 M. zu geivähren. Ein lveitcrgehender Antrag, je 100 M. zu belvilligen, wurde abgelehnt. Die Auswahl der geeigneten Reflektanten geschieht durch den Gemeindevorstand, an welchen die Meldungen zu richten sind. Bedingung ist, daß die Beiverber mindestens zwei Jahre am Ort ansässig und beschäftigt sind. Auch wird die Erstattung eines Berichts über die auf der Ausstellung ge- sammelten Erfahrungen geivünscht. AuS Fricdrtchöfclde wird uns berichtet: Die Gemeinde- Vertretung verhandelte iu ihrer letzten Sitzung über die Angelegen- heit des M a g e r v i e h h o f c s. Es kam zu ziemlich erregten Debatten. Bemerkenswert ist zunächst, daß der Beschluß, ivonach von jedem Bauherrn vor Erteilung der Bauerlaubuis 200 M. zu Schulzwecken einzufordern sind, mit knapper Majorität wieder um- gestoßen wurde. Auch der sogenannte Mietervertretcr Danz stinunte für die Aufhebung, obgleich er sich vorher für den Beschluß ins Zeug gelegt hatte. Auf de» Wunsch des Interessenten Obcramtmann Ring- Düppel ivurde auch der Beschluß betreffend die Straßen- Pflasterung vor dem Haupteingang zum Viehhof in einem der Viehhoss-Verwaltung günstigen Sinne abgeändert. Die katholischen Kinder in Biesdorf sollen auf Wunsch der dortigen Gemeinde in Friedricksselde am Religionsunterricht teil- nehmen dürfen: selbstverständlich hat die Gemeinde Biesdorf dafür den entsprechenden Kvstcnanteil zu zahlen.— Die Gemeinde Friedrichsfelde hatte iin verflossenen G e s ch ä ft S j a h r eine Ein- nähme von 186 415,86 M. und eine Ausgabe von 176 989,86 M.; der Voranschlag belief sich auf 165 900 M. Als die Rechnungskommission aufgefordert wurde, Bericht zu erstatten, stellte sich heraus, daß von ihre» sieben Mitgliedern nur eins zur Stelle war. Die Berichterstattung mußte unterbleiben. Unter den Kossäten rief eine Mitteilung des Gemeinde- Vorstehers Entrüstung hervor, wonach Herr v. TreSckow der Gemeinde 7l/z Morgen Land, den Morgen zu 4000 M.. als Müll-Ablade- p l a tz zur Verfügung stellen ivill. Dies Terrain ist schon im Bebauungsplan verzeichnet. VevmiMzkes« Von der Aiitoinobil-Wettfahrt Paris-Wien. Ans Salzburg wird vom Sonnabend berichtet: Bei der Automobil-Wettfahrt Paris-Wien kam hier inittagS als erster Baron de F o r r e st an. Er hat die Strecke Bregenz-Salzburg in 9Vs Stunden zurückgelegt. Der Teilnehmer an der Wettfahrt Bellamy stürzte, ivie die Blätter melden, auf dem Arlbcrg und verletzte sich leicht. Ein andrer Teil- nchnier stürzte in der Nähe der Trisan abrücke 150 M et c r t l e f a b. Er erlitt leichte Verletzungen, der Wagen wurde zertrümmert. Wissenschaftliche Luftfahrten. Am Donnerstag, den 10. Juli, findet in de» Morgenstunden eine internationale ivissenschastliche Ballonfahrt statt. Es steigen bemannte und unbemannte Ballons auf in Trappcs, Paris, Sträßburg, München, Wien, Krakau, Berlin, Petersburg, Moskau und Blue Hill Observatory bei Boston U. S. A. Der Finder eines jeden unbemannten Ballons erhält eine Belohnung, wenn er der jedem Ballon beigegebenen Instruktion� gemäß, den Ballon und die Instrumente sorgfältig birgt und an die angegebene Adresse sofort telegraphisch Nachricht sendet. Auf eine vorsichtige Behandlung der Ballons und Jnstrumeute ivird besonders ausmerk- sam gemacht. Um Irrtümer zu vermeide», wird darauf anflnerksain gemacht, daß für Hilfeleistungen beim Landen eines bemannten Ballons besondere Vergütungen bezahlt werden, deren Höhe jedesmal von dem Ballonführer festgestellt wird. Die Pest auf Madagaskar. Den letzten Meldnngcn aus Madagaskar zufolge macht' die P e st auf d e r I» s e l große Fortschritte. Bis jetzt sind zwar Europäer noch nicht crkrcrnkt, aber unter den Eingeborenen sind bereits zahlreiche Todesfälle vor- gekoimneiu_ Briefkasten der Redaktion. O.<8. Zur Kindergärtnerin werden Sie ausgebildet im Pestalozzi-Frübelhaus, Barbarossastr. 74 zu Schöncbcrg. Dauer des Kursus je nach Vorbildung 1—2 Jahre, Honorar 25 M. vierteljährlich. Aufnahmegebühr 3 M. Ebenfalls unterhält die Berliner FröbeUchule, Berlin SW., Wtlhelinstr. 105, einen Lehrkursus für Kinderfräulein und Kindcrpflegcrinnen, die Kosten betragen vierteljährlich 30 M. Desgleichen wäre das Kinder- gärttierinncn- Seminar des Berliner Fröbclvcrcins, Johanniterstr. 9, zu nennen, wo der einjährige Kursus vierteljährlich 27 M. kostet und die Auf- nahmegcbühr 5 M. beträgt. <£. R. 26. Das man„sich an die Charits verlaufen", d. h. schon bei Lebzeiten der Charits gegen Entschädigung seinen Körper zur Secieruug nach dem Tode überlaffcn rönne, ist ein Märchen. Heirat 999. Ihre Braut hat mir die Urkunde über ihre Geburt nötig. Sie miissen das Gebintsattcst und oo» Ihrer üstreichischeu Behörde das Attest beibringen, dah Ihrer Heirat»ichls im Wege steht. Wenden Sie sich zu diesem Bchuse zunächst persönlich au die diesige östreichische Gefandlschast.— 148. Nicht Erbpacht, sondern Erbbaurecht heißt das von Jtnien gemeinte Recht. Es besteht in der Belastung eines Grundstücks in der Weise, daß dem. zu defien Gunsten die- Belastung erfolgt, das veräußerliche und vererbliche Recht zusteht, auf oder unter der Oberfläche des Grundstücks ein Bauwerk zu hebe».(K 1012 des Bürgerlichen Gesetzbuchs.) - Fr. R. Schöneberg, B. S. S., L. Rixdorf. New.- Albert 193. Gegen einen Gastwirt kann mit Aussicht aus Erfolg seitens der Polizei- behärde das Verfahre» auf Entziehung der Konzesfloi! wegen Duldens von Glückslpteleu eingeleitet werde».— R. Sch. 22. 1. Nein: nur die Vor- steher von Vereinen, welche eine Einwirkung aus össcntliche Aiigelegeuheitcir bezwecken, sind verpflichtet. Statuten des Vereins und das Verzeichnis der Mitglieder einzureichen. 2. Selbstverständlich kann auch ein Vergnügungs- verein sich Statuten schaffen und VereinSzeiche» vereinbare».— llngliicklich. Die Weigerung, den Bater seines Kindes zu heiraten, zieht keinesivegs irgendwelche Nachteile»ach sich: der Vater bleibt zur Alimenteuzahlung für das Kind und zur Tragung der Eutbiudungs- und Sechswocheulofleu verpflichtet. - N. H., Weistensce 119. l. uud 2. Ja.- O. B. T. 21. Leider wären s-chrttte nach der von Ihne» augrfübrten Richtung völlig erfolglos. — Dresdrnerstr. 39. 1. Ja. Der Anspruch kann nur durch das Gericht zur Entscheidung gelangen. Es wäre aus Gewährung des Unterhalts zu klagen. 2. Es ist ew Gemisch.— Sl. O. 199. 1. Der unschuldige Ehe- gälte erhält iu der Regel die Erziehung der Kinder auf Koste» des andern. 2. Wenden St« sich au das Amtsgericht(Gruncrftraßc) zwecks Vornahme eines Sühneversuchs und stellen Sie nach fruchtlosem Ablauf der Sühne die Ehescheidungsklage an. Was Sie behaupten, müssen Sic aber durch Zeugen beweisen können.— E. H. 3952. l. Ein Hiiidernis für eine Heirat liegt in dem von Ihnen dargelegten Umstände nicht. 2. Die Gesuche sind an die Ersatzlommisston bis zum Februar zu richten.— M. W. 5. Sie müssen sich zunächst vom Gericht eine neue vollstreckbare Erkenntnis- Ausfertigung erteilen lassen. Allen Verwandten und Freunden die traurige Nachricht, daß mein lieber 1 Mann, unser guter Bater. derFuhrherr HVIIll Krohnc. Kreutzigerstr. 2, am 27. d. Mts. saust entschlafen ist. b86b Die Beerdigung findet am Sonntag- vormittag 11 Uhr von der Halle deS Centtal-Friedhofes in Frledrichsseldc aus statt. Frau Slugnste Krahne nebst Kindern. Orts- Krankettkaffe der Sattler «. verwandte» Gewerbe zu Berlin. Donnerstag verstarb unser Mitglied �osepv petrseieic. (Werkstatt von R o b. R e i ch e l t.) Die Beerdigung findet Sonntag, den 29. d. Mls.,»achmsttags 4 Uhr, von der Leichenhalle des neuen Michael- Kirchhofes in Mariendorf aus statt. 273/19 I. A.! 0. A»»mann. Verband der Sattler. Ortsverwaltung Berlin. Am 27. d. M. verstarb unser Mitglied elv86pk ketrsrnL Werkstatt 31. Reichelt. Ehre seineni Andenken. Die Beerdigung findet am Sonn- tag, den 29. d M., nachm. 4 Uhr, von der Leichenhalle des neuen Michaels- Kirchhof, Marieudors, aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht Lbkb Die Ortöverwaltnng. Deutscher Metallarbeiter- Verband VerwaUnngsatcIle Itcrlln. Todes-Anzeige. De» Kollegen zur Nachricht, daß unser Kollege, der Former Adoli Köck am 25. Juni gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet statt am Sonntag, den 28. Juni, nachmitlagS 3 Uhr, von der Leickieuhalle des Johannts-KirchhoseS in Plötzensee aus. Rege Beteiligung erwartet 116/20 Die Ortsverwaltung Veidanä der Ban-, Erd- n. gewcrMiclien Hilfsarbeiter Deutsclilands. (Zahlstelle Berlin I.) Modes �Anzeige Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege Ernst Kunscbke am 26. d. Mts. verstorben ist. Die Beerdigung findet am Sonn- tag, den 29. d Mts., nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle deS EmmauS-KirchhofeS in Britz aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 42/16 Die Ortsverwaltnng. Deutsclier Holzarbeiter-Verband. Zuhlatelle Berlin. Montag, den 30. Jnni 1902, abend»«'/, Uhr, S R' z» i»« I»« i»- V s r 8» in int vi»g der Jalöußt-Arheiter 1111b Arbeittmiien im Grwerkschastshause, Eugel-Ufcr Nr. 13, Saal 7. Tages-Ordnung: 1. Vortrag. 2. Brancheu-Augelegeuheiten. 3. Wahl von Kommisstoiis- »tstglledern. Es ist Pflicht eines jeden in der Branche delchästigten Arbeiter?, sowie jeder Arbeiterin, in dieser Versammlung zu erscheinen. Montag, den 30. Juni, abends Uhr, bei Raabe, Kolbet gerstraffe Nr. 23: Uertt ituetismSmikr- Versammlutig für Wedding uud Gesundbrunnen. Tages- Ordnung: 1. Bericht der Kommission 2. Diskussion. 3. Verband- und Werkstatt- Angelegenheiten. 35/9 Die KommissionSmttglieder werden ersticht, eine Stunde früher zu er- .scheinen. MI Achtung! Parkettbodenleger! aDev ramin Inn g sänitliclierVertrauensleiiteii.Komissionsmitglieder Dienstag, den 1. Juli, abends Punkt 7 Uhr, im Gewerkschaftöhaufe, Engel-Ufer Nr. IS, Zimmer 10». Das Mitgliedsbuch ist mitzubringen. Der Kollege ZenS von Euuert u. Kühne, sowie die Kollegen von C. Johannes, Schlefinger u. Breslauer, Schmidt werden ersucht, in der Versammlung zu erscheinen. ' Der Obmann. SociOtmkr. Wlihlmm für de« Bezirk RmmMnrg. Dedeii-.liizelKe. Den Mitgliedern hierdurch zur Nachricht, daß uuser Mitglied Sermann Heime om 18. Juni an den Folgen eineS Unfalls gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, 29. Juni, nachmittags 2 Uhr, von der Leichenhalle des hiesigen Friedhofs aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 8/6 Ter Borstand. iiiitj! Morden. Willig! Norden. Volksversammlung LV" nm AMonkng. den 30. Inni» abends 8- Mhr,"»i in bot Germania-Sälen, Ghaiasseestr. 103(Großer Saal). Thema:„Wie befreien Wir uns von den hohen Miels- Zahlungen?" Referent: Stramm. Dtskufsiou. Der Einberufe p. Mlllllg! Montag, den 30. Juni er.» abends 8� Uhr, tu den Llrminhallen, Kommandantenstr. SO, Oeffentliche Versammlung. Tages-Ordnung: Melckie Lehre haben wir aus der diesjährigen FrühfahrSbewegung zu -i-di-n? Referent: Kollege Ritter.- Der wichtigen Tagesordnung wegen if eS Pflicht sämtlicher Milttärfchueider. zahlreich und �»��uettchemM. C@iiti*ai¥@rl3eii£i der ifissiitr'er etc. Inlzlstellen Vevlins und Mingrgenv. Dienstag, den 1. Juli d. I., abends 81- Uhr: General Äersammtnug ltlitk ztirn Miigeitttte VnilnAWgkg. gkWgkil Vkrlisiids-Ilihliltlltu in IfelZens Fest-Sälen, Koppenstraße 29. Tagesordnung: 1. Ttcllnngnahme zum Bauarbciterstreik. 2. Die Stellung des Verbandes zu dem Antrag der hiesigen Lokalorganisation betreffs„Eiutritt in die Beweauiig zur Erringung eines Stundenlohues von 70 Pf." tJBgT* Mitgliedsbuch legitimiert.— Ohne Mitgliedsbuch kein(stiutritt."VfZ NM- Die dringende Erledigung dieser wichtigen Tagesordnung gebietet das Erscheinen aller Verbandottiitglieder."TESQ 140/4__ Die Berbandsleituiig. I. A.: 14»,-I t'u,,»ep._ (Zwelgvereln Berlin, Sektion der Butaer.) Am Mittwoch, de» 2. Juli, abends 7 Uhr, in den Armin- hallen, Komniandantcnstraffe SO, IK itgliierlen-�enssmmlungm Tages-Ordnung: 1. Situationsbericht. 2, Vcrbandsangelegenhciten. NB. Da in dieser Versammlung Beschlüsse von weittragender Bc- deutung gefaßt werden sollen, ersuche ich die Mitglieder, zahlreich und pünktlich zu erscheinen. Im Sluftrage der örtlichen Verwaltung: H. Nenmann. Achtung, Valiauschliiger! Dienstag, den 1. Juli 1992, abendS 8 Uhr, im Volkahenae z» Charlottenburg. Rofinenstrafte 3: Außerord. General- Persammlnng ' her Vereine kharllittenbnrg nnb Berlin Norben. Tagesordnung: 1. Aufnahme neuer Mitglieder. 2. Wahl deS VerdandSvorstandeS. 3. Berbandsangclegntheiten. 4. Verschiedenes. _— Mitgliedskarte legitimiert.— 5026 Verband der Möbelpolierer. Die Sitzung der Bertraneusmättuer fällt aus. General-Versammlung am Mittwoch den S. Juli, abdö. 8'/r Uhr, Koppenstraffe SS. Tages-Ordnung: 1. Fortsetzung der Dtstnsston vom 14. Juni: Ist eS nötig, de« «xtrabeitrag weiter zu entrichte»? träge 4. Verschiedenes. 146,10 Bericht des Vorstandes. 3. An- Der Vorstand. Achtung! Einsetzer! Di« zu heute anberaumte Bersammlung kanil nicht stattfinden, da die- selte ans Gnuid der Verordnung, betreffend die Sonntagsruhe, poltzeiltch verVoten ist. 85/10 Bor O tun»an. AMuns! Müsikinslrumenten-Ärlieiter. Montag» 30. Jnni, abeudS 8 Uhr, im GewrrkschaftShauS, Eugel-Ilfer 15(großer Saal): Oeffentliche Versammlung. Tages-Ordnung: Der Streik in der Pi>i»ofor«efabrit von«ehopr. MarknShvf, und daS Verhalten des Hirsch-Duuckerscheu Gewertveretus. Das Erscheinen sämllichcr Kollegen der Mustriilstrum-utcu-Branche er- warten 75/18 Die Kominisstonen des Deutschen Holzarbelter-Verbandeö, des Fach Vereins der Mustkinstrunienteii-Arbeiler. a i e p, Central-Krankenkaffe der Maler.(E. H. 71). Filiale I N. TerHainml uiitr, Cißttrtil- sot'licltr iiiili krtil gcivcrbt. 8. Abänderung des Statuts. Artilel 1. Im§ Ist letzten Absatz find die Warte 52 Wochen in 13 Wochen um- geändert, im§ 10 Zeile 3 sind die Worte von 12 Monate 62 Wochen in 13 Wochen umgeändert. Aritfel 2. Dieser Nachl ag Witt am Montag nach ersolgter Genehmigung in Krasl. Berlin, den 4. Mai 1002. Der VurMtaud. Alb. Köhler. Genehmigt durch Beschlub vom 17. Juni 1902. Berlin, de» 1». Juni 1902. Vezirts-ZluSschnst Abteilung ll. Aber, II. C. 71/1 02. 6446 H» 9943 Gew. 11 02._ Achtung! Achtung! Lackierer TtenStag. den 1. Juli, abends 8'/. Uhr, tm.GemertschaftShause�(Saal III), Engel-Ufer 15; CeBeral-Versammloiig. TageS-Ordnung: 1. Bortrag des Genossen F. Kotzke. 2. Distussio». 3. Filialaugelegeuheiten. Zahlreiche» Besuch erwartet 10-/9 Die Lrtsvertoaltnng. («rositier 8ual mit Garten und grober TheaterbÜhne bL4b Frankfurtcrftraße 74 an Vereine verschiedene Sonn- übende noch frei. Auch lönneu Somuier- feste abgehalten werden. Auf das Inserat tu. 3 find so viele Gesuche eingelaufen, dafi es unmöglich ist, alle zu beantworten. doch werden die Refleltanten für später vorgemerlt. y«cli, Polnisch-Keglerstrahc. Ihren, Ciioldwnrcn H. Gottschalk Adiulrulstraste 37.• Den Lesern des„Vorwärts- als reettc Bezugsquelle seit zehn Jahren vcfannt. Dellzahlung!!! Grosses Lager und Au?- wähl von Herren-, vamen- und Weckcr-Uhren, Regu- Uteure, Broschen, Ringe, Ketten, nur wöchentlich eine Mark,.luhre A Künig, 43131,* Warschauerstr. 72. 30 Mark hochfeine Sommerpalctots. HO Mark hochelegant« Herrenanzüge. IZ Mark hochelegante Veinkleider. Anfertigung nur nach Mast. Guter Stoff, tadelloser Sitz. 143101.« 14 Krausenftraße 14, � Dr.. Trl..Auit I Nr. 3708. 1 Tr g r- Anohiuin- ßr russwasseF"i® ist das wirksamste Mittel gegen Jnss- schweiss, macht denselben vollständig geruchlos, ohne die Schweißbtldung zu uiiterdrückcn. erhält eine normale Transpiration, erfrischt die Fusshaut »nd stärkt die Füße. 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Einleitend verwies Redner auf die bekannten, in Türtisch-Annenien vorgelomnienen blutigen Greuel nnd hob hervor, daft die armenische Frage für Europa nnd auch speciell für das deutsche Volk eine von vielen nicht recht erkannte Bedeutung schon insofern habe, als sie ein Teil der groftcn Frage sei, die man die oneiitalischc Frage nenne und die jeden Augenblick ein neuer Streitapfel für die Kulturvölker Europas werden und so kiiltnrhcmmcnd wirken könne. Dazu kämen die allgemein menschlichen Rücksichten, dann aber hätten wir auch eine direkte Pflicht gegenüber dem ausgebeuteten, unter« drückten und blulig-drangsaliertcn armenischen Volk zu erfüllen, denn Deutschland habe im Verein mit den andre» europäische» Mächten durch den Berliner Vertrag von 1878 es übernommen, den Armeniern in der Türkei Schutz zu bieten und ihnen geordnete Zu« stände zu sichern. Nnd für die Erfüllung solcher Verpflichtungen hafteten die Völkerl Dann ging Redner in längeren Ausführungen auf die Kultur- und VcnvaltnngSznstände der Türkei ein. Er schlaft mit einem Aufruf, energisch gegen die geschilderten Vorgänge nnd das lasche Verhalten der Regierungen zu protestier-«» nnd zu zeigen, daft das deutsche Volt nicht damit einverstanden sei. daft eine, wenn auch noch so kleine Nation zu Boden getreten werden.(Stürmischer, minutenlanger Beifall.) Eine Diskussion fand nicht statt. Folgende von Bernstein verfafttc Resolution wurde gegen eine Stimme angenommen: «Die heutige Volksversanunliing erklärt: Die Leiden des armenischen Volkes in der Türkei nnd sein Kampf für das Recht der Selbstverwaltung, für Schutz gegen Willkür- akte der Negierniigsagentcn und gegen barbarische Grausamkeiten von Seiten halbcivilisicrtcr Bergvölker hat durchaus Anspruch auf die volle Sympathie aller freiheitlich Gesinnten, insbesondere aber auf die moralische Unterstützung seitens der für ihre Emancipatio» kämpfenden Arbeiterschaft der Kulturwelt. Die Versammlung drückt ihren tiefsten Abscheu a»S über die blutigen Metzeleien, deren Schauplatz Armenien im. Laufe der letzten Jahre ivicdcrholt gelvescn ist und immer iviedcr von neuem ist. Sie macht für jede Wiederholung dieser schaudererregenden Greuel in erster Linie die Regierung des Sultans, nicht minder aber die Rc- gierungc» derjenigen Groftmächte Verantlvortlich. die laut Artikel 6 des Berliner Vertrages von 1878 das Mandat übernommen haben, für die Einführung geordneter Sicherheit des Lebens- und der Lebensbedingungen verbürgenderZustände inArmcnien Sorge zu tragen. Sie fordert dcmgemäft die deutsche Regierung auf, ihren Einflnft a»f die Regiernng des Sultans energisch im Sinne der vorstehenden Ausführungen geltend zu machen und drückt die Ueberzengnug ans. daft, wenn die Verlragsnrächte der türkischen Regierung gegenüber nur einen festen Willenin dieser Sachezeige», der Widerstand nnddieVer- schlcppungSpolitik des Sultans und seiner Satrapen sehr Ivohl gebrochen iverdcn kann. Die Versanunlung legt jchlicftlich Wert darauf, zu erklären, daft die Forderung von Recht und Sicherheit für Arincnien in keiner Weise von einer Voreiugcnoinincnheit gegen die türkische Nation diktiert ist. Die Versammlung ist vielmehr der festen lieber- zeiignng, daft die tvahren Interessen der groben Masse des türkischen Volkes die Schaffilng gerechter Zustande in Annenien er- heischen. daft das' türkische Volk mit den Armeniern das gleiche Interesse daran hat. der heutigen verrotteten Beamten- ivirtschaft im Lande ein Ende zu machen. In dieser lleberzcugnng verbindet sie mit der Bekundung ihrer innigen Teilnahme für die leidenden und knnrpfenden Armenier den Ausdruck ihrer vollen Sympathie für alle diejenigen ohne Unterschied der Nationalität, die in der Türkei,>vie anderwärts, für freiheitliche Ncforniei«, für politische Gleichheit und sociale Gcrcchtig- kcit kämpfen." Slrbeiter-Samaritcr-Kolonne. Montag, den 30. Juni, abends 9 Uhr, in der Filiale Briinncnstr. 41 bei Lictzkc; Vortrag über Vcrbrennnnge», Erfrierungen, Hitzschlag, Blitzschlag, Beschädigung durch Elektricität. Nach- dem praktische Uebungen. Neue Mitglieder«verde» noch aufgenommen. ZlvcckS Aufstellung der Nrbeitnelimer-Delegierte« zur neuen OrtS-Krankenkasse für Friedenau findet am Montag, den 30. Juni, abends S'/j Uhr, eine Versammlung im Gesellschaftshaus, Rheinstr. 14, statt. Für den InstaU der Jnscratr iibcrniinmt die sticdatti»» dein Pnblitnni gegenüber keinerlei _ Verantwortung. tCftenfci*. Sonntag, den 29. Juni. Freie Volksbühne. Metropol- Theater. Opern-Vorstellung. (Weihe Marken.) Die Zauber» flöte. Anfang 23/4 Uhr. Arnes Cperü- Theater«.«troll». Gastspiel der königlichen Hosopcr auö Stuttgart. Mignon. An- fang?>/, llbr. Montag: 1,» Boheme. Im liiederspielhans: Offenbach- Chklns. Der Hanni«veint— die Haust lacht.— Die Zauber- geige.— Der Regimeutszaubcrer. Ansang 8 Uhr. Montag« Dieselbe Vorstellung. Dentschrs. Es lebe das Lebe». Ansang?>/, Uhr. Nachmittags 2'/2 Uhr: Die versunkene Glocke. Montag: Rosenmontag. Berliner. Alt-Heidelberg. Anfang 7l/z Uhr. Montag: Dieselbe Borstellung. TVeste». Der anne Jonathan. Au- sang 7Vz Uhr. Nachmittags zu halben Preisen: Zar und Zlmmeriuaim. Montag: Der Bettelstudent. iptrtrvpol.(Mortvitz-Oper.) Die Jlidi». Anfang 8 Uhr. Montag: Carmen. »trnes. Ledige Leute.«»fang 7'/, Uhr. Montag: Dieselbe Borstellung. Residenz. Einquartierung. Anfang 7>/, Uhr Montag: Dieselbe Borslellung. Crntrat. Tolle Mitbürger. Ansang 8»Hr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Brlle-Slllianre. Der Tischgast.— Er.— Zehn Mädchen und kein Mann. Ansang 8 Uhr. Montag: Di« Dame anö Trouville. Hierauf: Er. Carl Weih. Die Biper. Ansang 8»hr. Nachmittags 3 Uhr: Kabale und Liebe. Montag: Gefallene Mädchen. Friedrich COtlHelnislttditschrS. Der Zerrissene. Anfang?>/, Uhr. Nachmittags 3 Uhr zn halben Preisen: Einen Jux«oilt er sich inachcu. Montag: Der Zerristcn«. Panoptiknni. Special!- tälru-Vv>stell««ng. Orpheus. Spcctaliläten-Vvrslellung. Ansang 8 Uhr. kkharivari. Täglich Vorstellung. Ansang 8 Uhr. Urania. Tnnbenstr.(Im Theatersaal.) Abends 8 Uhr: Die deutsche Ostseclüste. Montag: Dieselbe Vorstellung. Jnvalidenstrasse a7/0Z. Täglich: Sternwarte.__ Heute, den 29. Juni. Anfang 8 Uhr. £9" Zum 3. Male:"-WsZ ANtbüvttov GesangSposse in 4 Akt. v. A Schmasow. Musik von Kurt Gotdmann. Morgen und folgende Tage: Tolle Mitbürger._ fall Weiss-Theater. Graste Franksnrterslr. k.tS Nachmittags 3 Uhr(kleine Preise). Gastspiel von Clor» Butza: Kabale titib Liebe. Abends 8 Uhr: Viper. Kriminal- Schauspiel in 7 Bildern. Morgen: Gefallene Madcheu. In« Garten: Specialitätcn- Vor- pcNung. Ansang 4 Uhr. rama. Tauben-Straese 48/49. Im Theater um 8 Uhr: Die deutsche Ostseeküste. Montag: Dieselbe Vorstellung. CASTANS Panoptikum! Frledrich-Strasse 165. Photographische Aufnalimen von der Insel Martinique und von den Schlachtfeldern| TrajiSTiials. 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Mdtiitscht Tiillger nnd Konzert. Sonntag, Montag nnd Donnerstag nach der Soiree: Tanzkranzchen. Tanz frei! Anfang Sonntags 5 Uhr, Entree-0 Pf., ab 9 Uhr 20 Pf. Anfang Wochentags 6 Uhr, Entrec 30 Pf., ab 9»hr 20 Pf. Am KUnleathor 42028* Am FrlcdPlclislioln Täglich:"-VÄ Asiljert, Theuter, Spttiiili- tilttil-Vörsttitililg il»d Ball. Vom 1. Juli ab neue Speclalltäten. Ä: BaMMeiche. Operette tu 1 Akt von Suppe. �ommertfieÄker MaineBibadi Badstr. 35/86, Aefuitdbvtnnen. Täglich: Das erstklassige Spectalitäten- nnd Thcater-Prograinm. Gröstter Er- folg! Punks 10 Uhr: Schlager! Btttiilivies lebt nild liebt. S!C Eutrce 80 Pf. SonntagS: Dali. Oslbabn-Park. Am Kllstrlnerplatz. Rlldersdorferstr.TI. Hermann Imbs. Täglich: Gr. Konzert, Theater und Specialttaten- Dorkellnns. keichshsllsn. T'tlgllcli: Stelliuerisüiixer Ansang: Wochentags 8 Uhr, SonntagS 7 Uhr. Tageskasse 11-D/zUhr. S:»Ä Achtung, Bereine! Ztvei VereiuSzimmer zn 40 und 60 Personell zu vergeben. Ausschank von echt Schultheist. 4398L* F. 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Billets sind bei sämtlichen Borstands- Mitgliedern zu haben.> 140/5 Zahlreichen Besuch erwartet Die örtliche Verwaltung. Werte Kollegen! v.nsre am Dienstag, den 1. Juli, vorgesehene Ver- sammlung findet emcr nußerordentlich wichtigen Versammlung für sämtliche Zahlstellen des Strcikglsbiets balber nicht statt. Diese große Versammlung findet bei Keller statt und verweisen wir im übrigen auf die heutige Annonce. Die Berwaltnug. An» Königsthor Am Friedrichshain Schweizergarten Fahrgelegenheit nach allen Richtungen. Sonnabend» von 3. Juli 1902: Somim'fest» TsiiiiilttliulsBlill arrangiert vom Vertranciiöman» der Berliner Kürschner. Austretell sämtlicher Nuftler. Gesangs-Anfführnng des Gesangvereins Berliner Kürschner(M. d. A.-S.-B.) Billets 3« Pf.- Anfang 4 Uhr. Herren, welche am Tanz teilnehmen, zahlen 5» Pf.»ach. Den geehrte» Damen steht von 3 Uhr nachm. die Kaffeeküche zur Verfügung. 102/9 Der Vertrauensmann. Säle, 100 bis 300 Personen fassend, für Bereine»»entgeltlich zu verg. 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Der Antrag ist beim Magistrat, Abteilung für Invalidenversicherung, Breitestrahe 24a, einzureichen. — I F. I'OO. Nach der Gesinde- Ordnung ist die Herrschaft leider zum Ubzng des Mietsthalers berechtigt.— L.'iillion. Nein. — A. T. Ssi müsse» zahlen i auf eine Klage hin würden Sie zur Zahlung verurteilt werden.— B. 10». Der vor der Vernehmung zu leistende Zeuge»eich lautet:„Ich schwöre bei Gott dem Allmächtigen und Allwissenden, iiah ich nach bestem Wissen die reine Wahrheit sagen, nichts verschweigen und nichts Hinznsetzen werde. So wahr mir Gott helfe." Eil nach der Vernchmnng geleisteter Zengcneid enthält statt der zukünftigen dir vergangene Zeit. Der Eid wird mittels Nachiprechens oder Ablesens ge leistet.— Offenbarungseid. 1. Nein. 2. sechs Monate kann die Haft zwecks Erzwingung des OssenbarungSeides danern. Der Gläubiger hat monatlich 24 M. Verpflegnngsvorschnfi zu zahlen.— P. S. 1. Ihre au. 39. Mai ewgelanftiie Anfrage ist unter dem damals von Ihnen gcivählten Zeichen„Sch. 1" am 31. Mai im„Vorwärts" dahin beantwortet: 4. Nein doch stehen einzelne Behörden auf einem andern Standpunkte. 2. Der drei: jährige Durchschnitt des Lohnes— gleichviel, welche Form dieser hat- soll bei der Slciierveranlagnng maßgebend sein. 3. Ja, fünf Jahre.— A. B. Ja; gehen Sie mit dem Bormniid zum Standesbeamten und er klären Sie, daß Sic dem Kinde Ihrer verstorbenen Frau Ihren Namen beilegen. WittmingSübersicht vom 28. Juni 1902, morgens 8 Nhr. - i Stationen ejj Swinemde. Hamburg «erlin Frankf./M. München Wien Weiler 779 NW 771 O 779 Slill 769 O 779 O 769 Still 2 wölken! 1 wolkcnl -swoltcul 2 heiter 4 wolkcnl — wolkcnl SK ä'i gö HS, Wetter-Prognose für Sonntag, de» 29. Juni 1902. Borwiegend heiter, etwas Mhler bei ziemlich frischen nordwestlichen Winden, Gewitter nicht ausgeschlossen, sonst trocken. 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