Nr. 153. Aboimtmcn's-Kedingungen: SlbonuementS=!pteis prömimerantio: Bierteljährl. 3,30 Mr., monatL l.lOSJit., wöchcxllich 28 PIg. frei Ins Hau«. Einzelne Nu»i»>»r 5 PIg. EoaulagZ» ZIim»»«r!><>, iu»ar>cr>»r Sonmagt» BeUage„Tie Neue Well" 10 PIg. Post» Abonnement! l.lv Marl pro Monat. Eingelragen in der Post- Z-iliing»- Preisliste für 1008 unter Nr. J878. Unter strenzbanv snr Deullchlaud und Oesterreich-Ungarn 2 Mark, für da» übrige Autland 3 Mark pro Monat. 19. Jahrg. Die Jnsertlons-Gelllyr t« trügt sür die sechsgespaltene Kolonet» zetle oder deren Raum SO Pfg., sür polittsche und gewerllchallltchs Vereins- und BersammlungS- Anzeigen 20 PIg. „Kleine Knkeigeu" jedes Wort S Psg. (nur das erste Wort fett). Inserate für die nächst« Nummer inüsten biS i Uhr nachmittags in der Expeditton abgegeben Iverdcn. Tie Expedition ist an Wochen- tagen biS 7 Uhr abends, an Sonn- und gesttagen bis s Uhr vormtltagS geöffnet. Erjcheink täglich niifjer Wonkag». Vevlinev Volksbl�kk. Telegramm- Adresse! »Porialdemollrat verlin» Centvalorgan der socialdemokratischen Partei Deutschlands. Kedalilivil: 19. Vcilill- Straße 2. Fernsprecher: Zimt I. Sir. 1508. Dottnerstag, den B. Juli 1Ö0Ä. Expedition: sw. 19. Beuch-Straße 9. Fernsprechert Zlmt I, Sir. 51A1. Jndtlstrieller Zollkrieg. i. Air die Stelle der fröhlichen Piiuschol-Befvilliguustkstimmuiiji mit der»och vor kurze,» iu der Zolltnrifkomnlissio» die schlitz- zölluerische Mehrheit,»»beliluimert»in alle sachlichen Darlcjsuiiqen der Absteordncten Vandert. Neihhans und Vrötnel, eine ZollforderuNjs der Ncisieruiilssvorlaise nach der andern accepticrtc, sind seit einigen Tagen heftige Wortgefechte getreten, die nicht nur. ivic sonst, zivischen der zollsnchtigcu Mehrheit und der Minderheit stfltlfiiideii. sondern in denen sich die Mitglieder der Schntzzollparteicn gegenseitig der Vertretung der selbstsüchtigsten Sondcrintcrcsscn beschuldigen. So lange es sich um solche industrielle» Zölle handelte, die nur die Masse der Köusnmeilten oder solche klcingeivcrblichen Produzentengruppen belasteten, die kein politisches Gclvicht in die Wagschale zu iverfeu haben, hielt der Bcwillignngseifcr der Mehrheit selbst den sonder- barsten ZunmtUngen stand; aber inzwischen ist allmählich die Be- ratung in der Zlonuuission bis zn Zollpositionen vorgcschriltcn, bei denen sich die Interessen annähernd gleich einfliihreichcr Industrie- kreise gegeuilbcrstchcn. Hiergilt cS für die nationalen Wirtschastspolitikcr, im edlen Wettstreit der einen Jndustricbranche ans Kosten der andern Vorteile zu verschaffen; und dieses Bemühen um die wirtschaftliche Wohlfahrt ihrer Schutzbefohlenen hat die Gciniiter derrnaszeu in Wallung gebracht, daß selbst zivei so tvahlvcrivandte, gleichgestimmte Seelen wie Herr Schlunibcrger und Herr Miinch-Ferbcr in elsäjsrsch-bajnvnri- scher Grobheit aneinander gerieten. Den Anlaß zil diesen Scharmützeln bot die Beratung der Baum- IvoNgarn-Zölle, bei der wieder der alte Interessengegensatz zivischen Spinneret- lind Webereibesitzern hervortrat. Die Baunuvollgarn- Spinner möchte» natürlich die Garnzölle möglichst hoch an- gesetzt sehen, nur die cnglisch-schlvcizcrische Konkurrenz vom deutschen Garmnarkt anSznschließcn und sich nicht ihre Profite verringern zn lassen. Die Wcbcrcibcsitzcr dagegen möchte» das Garn, das sie weiter verarbeiten lassen, recht billig kaufen, besonders soweit sie für den Export produzieren. Dein, wen» auch auf dem Jnlandsntarkt die Mehrprodliktionskosten, die ihnen aus den künstlich hochgehaltenen Garnprcisen erwachscir, durch hohe Gewcbczöllc wieder aiisgcglichen werden, so bleiben sie doch auf dem Auslands- markt gegen jene Staaten im Nachteil, die niedrige Garnprcisc haben; mid die deutsche Banrnwolllveberci arbeitet in anSgedchiitem Maße für den Export. Wurden doch, z. B. in 1900, allein für 79,7 Millionen Mark dichte, gefärbte oder bedruckte Baumivoll- gcwebe aller Art, für 11 Millionen Mark andre Gewebe, für 71 Millionen Mark Strumpfwaren, für 44 Millionen Mark Spitzen, Stickereien zc., für 22 Millionen Mark Posamcntierwarcn, für 0 Millionen Mark Tüll, für b Millionen Mark baumwollcner Sannnet zc. ausgeführt. Die Webercibcfitzcr verlangen also niedrige Garnzölle, besonders für die besseren, fast ausschließlich ans England und der Schweiz eingeführten Sorten, wenigstens aber für jene Banmwollgelvebe, die sie exportieren nnd bei deren Herstellung fremdes Garn zur Benvendung gelangt, eine Rückvergütung des Garnzolls und zwar«ine Rückvergütung, bei der auf den Jdentitäts- Nachweis verzichtet wird. Damit sind jedoch wieder die Spinnereibesitzcr nicht zufrieden. Ihr Zweck ist, die fremde Konkurrenz fernzuhalten, um hohe Preise zu erzielen; sie sagen sich aber, daß, wenn der Zoll für verarbeitete frenide Garne bei der Ausfuhr der Webivnrcn zuriickvcrgiitet wird, die Webereien für ihre Exportartikel natürlich die besseren und billigeren Garne den deutschen vorziehen werden; und ferner be- fürchten sie, daß die Rückvergütung allgemein auf den deutschen Garnmarkt einen Preisdruck ausüben werde. Wie weit die durch diesen Kampf berührten Interessen reiche», erhellt daraus, daß nach der Zusammenstellung des„Deutschen HaudclstageS" ans dem Kreise seiner Mitglieder allein zu den die Bamntvollgarn- Zölle betreficndcn Rmnmern 438—443 de? neuen Zolltarif-Entwurfs nicht weniger als 39 Anträge von Handels- nnd Gciverbekammer», sowie von industriellen nnd kaufmännischen Kor- porationcn eingegangen sind: ein bnntcS Gemisch der kuriosesten Widersprüche, dessen Lektüre vornehmlich denen empfohlen werden kann, die meine», wenn sogenannte sachverständige Korporationen sich für irgend eine Maßregel anssprechcn, müßten sie von fach- lichen Gründen geleitet sein. Nicht nur sind die Urteile der Handelskammern, die Spinner- oder Webcrintcresscir vertreten, verschieden, auch die Argumentationen derselben Gruppe heben sich gegenseitig auf. Da behauptet die eine Handelskammer, die Fein- gnrnspinnerei hätte sich bisher in Deutschland nicht zu entwickeln vermocht. weil die Zölle für bessere Garne zu niedrig seien, folglich müßten sie erhöht iverdcn. Eine andre erklärt, schon unter den» bis- hcrigcn Zoll hätte sich die Fcingarnspinrerei günstig entwickelt, damit diese Entwicklung aber noch günstiger werde, sei ivcitcre Zollerhöhung nötig. Eine dritte»nciut, die Grobspinncrci bedürfe keines Schutzes, sie sei konkurrenzfähig, aber die Feinspinnerei sei schutzbedürftig. Eine vierte ist der Ansicht, die feineren Garne müßten ja doch auS England bezogen»Verden, also müßte gerade die Grobspinnerei ge- schützt»verde». Fast nirgends ein allgcnieincr, die Lage der Gesamtindnstrie oder auch nur die Interessen der ga>izen Branche berücksichtigender Standpunkt; überall das Voriviegcn der c'igsten Lokal- und Eigen- interessen. Wer ans diesen» Ragout kuriosester Widersprüche Auskunft über die wirkliche Sachlage sucht,»vird stiun» ctivaS Brauchbares heinitragen. Auch in diesen» Fall läßt sich ein Urteil nur a»S der Zollgeschichte selbst und der Entwicklung vcr betreffenden Branche uilter de» verschiedenen Zollverhältnissen ge viunei». BiS zum Jahre 1846 betrug im Gebiet des Zollvereins der Satz für roheS geivöhnlicheS Garn aller N immern 6 M., für gefärbtes sowie für drei- und mehrdrähtigen 24 M. pro Centner. Unter diesem Zollsatz stellte sich nach der offiziellen Statistik die durchschnittliche deutsche Jahresproduktion»vährcnd dcS Jahrfünfts 1841/4S auf 102 970 Doppelcentner. In 1346»vurde der Zoll für rohes Garn auf 9 M. erhöht— um die Garnspinnerei zu fördern. Der Erfolg»var ein recht»näßiger, die Produktion stieg im nächsten Jahrfünft auf 126 260 Doppelcenlncr und erreichte in 1861/65 374 650 Doppelcentner: in 20 Jahren eine Steigerung um 268 680 Doppelcentner. 1865 brachte eine Herabsetzung dcS Zollsatzes für rohes Garn um 33>/z Proz., sür gefärbtes ein- und ziveidrähtigcS um 60 Proz., also ailf die Hälfte. Die Klage der Spinncrci-Jntercsscntcn, sie lvürdc» den» Ruin cntgegcn- gctrieben, erwics sich als absolut»rnstichhaltig. Schon im nächsten Jahrfünft stieg die Prodilktion um 171 600 Doppelcentner nnd in 1371/75 stellte sie sich auf 931 120 Doppelcentner. Selbst»venu man hierbei den Bcvölkcnmgszmvachs mit in Rechnung stellt, ergiebt sich in der FreihandelSära eine weit raschere Zunahme als unter den» früheren Zollsystem; dem» in den zlvmizig Jahren des höheren ZollschntzcS flieg der Bannnvollkonfmn nur uin 0,86 Kilogramm pro Kopf der Bevölkerung, in den folgeiidcn zehn Jahren des»uäßigcn Schutzes um 1,51 Kilogramm. n»d lvährend i» 1856/65 der Anlcil der iuläildischci» Produktion an den» deutschen Bauiinvollganr-Koiisnin mir 69 Proz. betragen hatte, stellte er sich in» nächsten Jahrzehnt schon ans 81 Proz. und doch fallen in dieses Jahrzehnt die beiden großen Kriege. Die schntzzöllncrifcho Flutwelle gegen Ende der siebziger Jahre brachte auch für Bannnvollgarue Erhöhungen; für rohes cindrähtigeS je nach Feinheit bis zn 200 Proz., für ziveidrähiigcS bis zu 225 Proz. Als Ziveck»vurde nngcgebeti, die deutsche Feingarnspinnerci müsse in den Stand gesetzt»verde», de» einheimische» Markt z>» erobern. Auch imter diesen» System nahm die Banniivollspinncrei cinculvcitcrenAnfschwnilg, aber keincsivegs in gleich raschen» Tempo,»vir»n der sogenannten FreihandelSära. Bor allein aber lvnrde nicht die Znriickdrängnng der fremden Konkurrenz in Feingarn erreicht; der hohe Zollschlitz, der zugleich auch den gröberen Sorten zugebilligt tvordcii»var, hatte viclinchr gerade die Wirkung, daß die Spiimcrcibcsitzcr bei der Produktion der groben Nummern verblieben, nnd nachdem sie hierin den einheimischen Markt getvonnen hatten, sich auf die Ausfuhr grober Garne verlegten. Betrachtet»na» die Jahre von der BiSmarckschc» Zoll- gcsctzgcbnng bis 1900, ergiebt sich folgende Ausfuhr der wichtigeren Garnsortcn: 1380 ISO« Eindrnhlig, roh, biS Nr. 17... 6 909 25 908 D.-C. „"„ von Nr. 17-45... 21844 16 440„ „„ von Nr. 45—60... 2 383 794„ Die Ausfuhr, der ordinären Sorten nah»» zn, der besseren ab; und genau dasselbe Resultat zeigt sich bei den gebleichten nnd ge» färbten Garnen. Uingekehrt nah»» zivar die Einfuhr der groben Sorte» ab, der besseren aber zn: 1880 wurden in Deutschland von den Nnmnicrn über 45 nur erst 13 430 Doppelcentner eingeführt, 1900— 45 121 Doppelcentner. Die Zölle enviefen sich gcradcz» als Prämie auf die Produktion grober Garnsortcn nnd als ein HenlNltingS- mittel dcS ttcbcrgangcS zur Feinspinnerei. Trotz dieser entgegengesetzten Wirkung der Zollgesetzgebung von 1879 hat nach nnd nach die Garnprodnktion stetig an Terrain ge- »voinie», nnd in den letzten Jahren lieferte die Einfuhr»iir»och 7— 8 Prozent deS Verbrauchs. Die Aufhebung oder doch zm» mindeste» eine starke Reduktion der Zöge für die Nummern biS 45 würde deshalb im Interesse nicht nur der Weberei, sondern auch des Fortschritts zur Feinspinnerei liegen. Sie»vürde zur Abschaffung der vielfach»och benutzten veralteten maschinellen Einrichtungen zlvingen. Und daß trotz aller Schlmn- bergerscher LanicntoS die Spinnereien in der Lage siird, die Kosten hierfür zu tragen, zeigt folgende von Miinch-Ferber der Zolltarif- Koinmission zugestellte Ucbersicht über die Divideildenvcrteilnng größerer Spinnereien: 1396 1896 1397 1898 1399 1900 1901 Stadtbach AngSbnrg... 14 17>/e 17stP 17Va HVe 15»/«?' Nene Spinnerei Bayrculh. 10 10 8 7 5 4? Vogtl. Bailnuvollspinn. Hof. 15 15 15 15 15 8 12Vs Leipziger Baninivollspinnerei 12'/z 12,/2 12V2 12'/' 12Va 121/a 12V, Baiiinwollspinnerei Mitweida 16 22 24 26 24 20 20 Bamniv.-Feinspin. Augsburg 7 3V2 8l/j SVe 8Va SVa? Neue Bauniivollspiimcrei und Weberei Hof..... 20 17Va 16 17 15 12 6 Allerdings habe» nicht alle Spimicreiei» gleich hohe Gelvimie abgeivorfeu; die obigen Unternehnrnngen gehören zn den größeren»nd leistinigsfähigsten; aber bei den ntedrigeren Erträgen ist zu berücksichtigen, daß gerade in der Spinnereibranche vielfach noch mik veralteten, »nzlilängkiche» Maschinen— ivenigstens im Vergleich zu englischen nnd amerikanischen Betrieben— gearbeitet wird, begünstigt durch die Zollgesetzgebung, die den Besitz-n» auch bei Beibehaltung ver- altctcr ArbeitSmetbodep. einen gewissen Profit sicherte. 7S. Sitzung dev Zolltarif-Kommission. Mittwoch. 2. Juli. Die Positionen 486/67 belegen Fnßbodcn-Teppiche init höheren Zöllen und zwar sind die geknüpften Teppiche in eine ncue Position 486 rnbriciert nnd»nit 60 M. Zoll belastet. Baudcrt, der den Antrag ans Zollfreiheit begründet, betont, daß neuerdings Maschinen crfiniden sind, die durch sie geknüpfte Teppiche so herstellen, daß sie kann» von solche» Teppichen zu unter- scheiden sind, die»»it Handarbeit geknüpft ivurden. Diese Ent- »vicklmig der Industrie sichere ihnen ein gute? Absatzgebiet, der Zoll sei also überflüssig. Nach einigen»mwesentliche» Beinerklingei» zivischen Gehcimrat Henke nnd Baud ert wurde» die Positionen nach der Vorlage angenonrmen. Zn den Positionen 488/89 Taschentücher, 488, roh. in Kette nnd Schuß auf 2 Centimetcr in» Geviert: bis 120 Fäden— 80 M., mit mehr als 120 Fäden— 105 M.; 489, gebleicht, gefärbt, bedruckt. bunt geivebt— 120 M. resp. 145 M. Die Socialdeinok raten beantragen Zollfreihert. Schräder beantragt für 483— 86 resp. 60 M., für 489— 60 resp. 120 M.; Miillcr-Meiningen beantragt eine Anmerkung, die den Hohlsnnn» als iiilivcseutlich für die Behandlung nach diese» Positioncn bezeichnet. Griinberg begründet den Antrag auf Zollsreiheit niit dem Hin- »vcis auf die böhmische Industrie, die infolge niedrigere» Zolles aiif die feinen englischen Garne auch billiger zu arbeiten im stände sei. Dagegen helfe der Zoll nnf Taschentücher nicht, es»nnsse der hohe dcnlsche Zoll auf englische Garne beseitigt»Verden. Redner bespricht dann die Fabrikation, besonders die Sänninng von Taschentücher»». Schräder tritt auS gleichen Gründen für seinen Anirag ein. Gehcimrat LuscnSky vertritt die Regierungsvorlage»md nieint, der böhmischen Konkurrenz gegenüber sei der Zoll nötig. Mllllcr-Meiningei» zeigt an verschiedenen Exeniplaren vor Taschentüchern, daß sein Antrag begründet sei. Griinberg betont in einer kurzen Erividernng, daß er Rech. behalten habe, als er bei Position 472 den Zoll ans Garn herab- gesetzt resp. aufgehoben haben»vollte. Nun müsse bei der 2. Les»ing der Schaden repariert werden. Ans Antrag Herold»vird die Debatte geschlossen, die Positionen werden nach der Vorlage angenommen. Zur gctncinsanicn Beratung werden die Positioneir 490/91 Jute- Gelvebe für Möbel- nnd Ziiilincr-AuSstaltung, Sarnrnet nnd Plüsch znsainmcngcfaßt. Der Zoll beträgt für Position 490— 80 M., für 481— roh 80 M., gebleicht, gefärbt zc. 110 M. Nach einer A»»- »nrrknng»vird ein Zuschlag von 20 M. für gemusterte Plüsche auf- gelegt.' Müller- Sagau beantragt. die Anmerkung zn streichen. Gegen die Streichung spricht Gehcimrat v. Heule, dafür Müller- Sagau»nid Müller- Fulda. Baudert begründet den A n t r a g a n f Z o l l f r c i h e i t. Die Positionen»verde»» nach der Vorlage angcnommci». Die Anmerkung»vird gestrichen. Dam»»verden die Positionen 492/97 zusammengefaßt, dichte G c iv e r b e aus Flachs, Ramie, Hanf, I» t e zc. Die Socialdemokraten beantragen Zollfrei he it. Schräder bcniiiragt eine geringfügige Herabsctzmig der Zölle für. die Positionen 492/93..... Griinberg tritt für Zollsreiheit mit deni HinIveis auf die Wäsche- fabrikation ein, die Sclnnidlöhiie zahle. Die Zollkonimisston trage zur Hcrabdrückung der Löhne bei. indcin sie Gespinnste und Gelvebe durch de» Zoll verteuere. Die Petitionen solvie das Gutachten der Aeltesten der Berliner Kanfniainischaft sollten berücksichtigt werden. Schräder begründet seinen Antrag; er habe damit nur den alten Zustand aufrecht erhalten»vollen. Es sc» richtig, daß die Wäschefabrikatio» Hilter hohen Zöllen leide nnd daß sie sehr niedrige Löhne zahle,>mr konkurrenzfähig zn bleiben. Geheimrat Lnseuöky empfiehlt die Vorlage ans handeis- politischen Gründen. Ein großer Wäschefabrikaiit ans Vielefeld habe sich bei einer Besprechung in» HandclS>ninisteritl>n mit diesen Zoll- sätzeu einverstanden erklärt. Baudert meist aus den» vorliegenden statistischen Material nach, daß die Ausfuhr von Gelvcbcn in» Steigen, der Zoll also nicht nötig sei. Schädlich»virke er voriviegend nnf die Lohnverhältnisse; es sei kein Wunder, Ivenn die Arbeiter die Phrase von»„Schutz der nationalen Arbeit" verhöhnen. Die sog. Schutzzölle steigern nur die Dividenden der Kapitalisten, drucken aber die Löhne. Reiffhanö tritt den» RegiernngSvertreter entgegen und meint, ohne Zölle»vürde sich die angeblich zn ichiitzeude Industrie noch besser cntivickelt haben. Die eine Industrie gebe»»a>i vor zu schützen, indes man eine andre belaste. Und so schreite dieses Spiel von Branche zn Branche. Redner Iveist dann noch auf die Entivicklung der amerikanischen Wäschc-Jndustrie hin. Gehcimrat Wermuth erklärt, daß bezüglich der Jiitegelvebe besonders die Sackeinfnhr in Betracht komme. Bei Beratung des Tarifgcsetzcs habe diese Frage eine Rolle gespielt, sie werde sich hoffentlich günstig regeln lassen. Ein S ch l n ß a n t r a g von Herold schneidet wieder nichrcren Rednern das Wort ab. Die Positionen 492/495 werden nach der Borlage angenommen; bei Pos. 496 werden die Zollsätze nach de»» Antrag Müller-Sagai» von 12, 24, 36 M. auf 10,'20 nnd 30 M. herabgesetzt. 497»vird nach der Vorlage angenommen. Z» Position 498, dichte Gelvebe, nicht unter 486—491 fallend— 150 M., beantragen die S o c i a l d e n» o k r a t e n Zollsreiheit. Außerdem haben dieselben folgende Nejoluiioli eingebracht: Der Reichstag»volle beschließen: den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, zum Schutze der Gesund» hcit der in Jutespinncreicn nnd Webereien beschäftigten jugcnd- lichen Arbeiter und Arbeiterinnen, nach den in den§§ 120a bis 120c der Gewcrbe-Ordnnng enthaltenen Grundsätzen, ent- sprechende Vorschriften zn erlassen. Baudert begründet den Antrag auf Zollsreiheit. Die Position wird nach der Vorlage augenomincg. Dann»vird die Resolntion beraten, die Baudert ebenfalls begründet. Die Jillcvernrbeitimg erzeuge schwere gesundheitsschädliche Wirkmigen. daß Abhilfe geschehen müsse. ES seien ja bisher schon mehrere iiotivciidige bniidcSrätliche Verordnungen zun» Schutz der Gefnndheit der Arbeiter erlassen worden, aber in Bezug anf die in Betracht konnncnde Industrie noch nicht. Der Bundesrat ivcrde die Geffmdheitsgefahr kaum keimen, deshalb müsse er darauf hiinvcisen, dann»vürde hoffentlich cllvnS dagegen ge- than. Nach der Statistik kommt eine beträchliche Anzahl Kinder in dieser Industrie in Frage; aber die betreffenden Zahlen seien nicht richtig, sondern zn niedrig. In den Berichten der Fabrilinspektoren seien scho»» höhere Zahlen angegeben. Ohne Debatte ivird die Resolntion gegen die S t i nun e n der Socialdemokraten, Freisinnige», nnd des Abg. Hahn abgelehnt. Zn Position 499, Tüll, Gaze zc., 300 M., beantragen die Socialdemokraten Zollsreiheit. die ReiffhnnS be- gründet. Es dürfe nicht der Wunsch einiger Jntcresscntcn maßgeblich. sein. Hahn beantragt 100 M. Zoll. Gehcimrat v. Hcnle bchallptct, durch diesen hohen Zoll werde niemand geschädigt,„»an möge ihn annehmen. Der Antraq Hahn lvird nnt 11 gegen 11 Stimmen abgelehnt, da Abg. K o p s cb bei der Abstimmimg fehlt; darauf wird die Position nach der Vorlage angenommen. Zu Position 500, Wirb lksivirtcn kein Zivcifcl mehr herrschen. Aber das ist eine Auf- gab»?, die nicht von heute auf morgen zu lösen ist und für deren Jnaiigriffnahme bessere, ruhigere Zeilen abgelvnrtet»verde»» müssen. Die �Denkschrift macht somit alles in allen» den Eindruck, daß derSchein, als ob etivas geschehe, geschaffen»verde»» soll." Kapiert, Excellenz?—___ I» der Zolltarif Kommission hofft man. so schreibt eine parlamentarische Korrespondenz, die e r st e Lesung des Tarifs bis z»» m 8. A u g»» st fertigstellen zu können. Soda»»» soll eine zlveiluöckjentliche Panse eintreten und die ziveite Lesung gegen den 22. Angust beginnen. Nachdem gestern die Hälfte des Tarifs in erster Lesung durchberaten war,»vill man täglich durchschnittlich 25 bis 30 Positionen zur Erledigung bringen. Schlvierigkeiten dürften nur noch- für die erste Lesung die Eisen-, Blei-, Zink- und Kupferzölle biete»», vielleicht auch noch der Abschnitt Maschinen. Die Durchpeitschuugs-Hosfnungen der Zollbegeistcrten haben sich bisher stets als trügerische erivie'sen. So wird es jedenfalls auch »veiterhin bleiben._ „Socialdemokratischc Arbeitgeber." Ein blödes Geschlvätz der kapilolistischen Presse knüpft an eine Acußcrung ai», die unser Parteigenosse Abg. Grün b e rg kürzlich in der Z o l l k o m Mission that. Das Geschlvätz hat seinen Aus gang von der freisinnigen„Königsb. Hartnngschen Zeitung" und tönt i» der„Post* in dem jubelnden Ausruf»vieder, daß Grünberg zugegeben habe,„auch in der Socialdemokratie stnndeu geschäfiliche Grundsätze über alle Ideale", und daß derselbe einen Standpunkt eiiigenoiiime» habe,„den sonst als profilhungrig, ausbeuterisch,»vucherisch, blut> saugerisch und»vie sonst dergleichen gcschinackvollc Epitheta lauten zu zeichnen die Socialdemolratie nicht geniig entrüstete Worte finden kau»". Es genügt das,»vas unser Genosse gesagt hat, nochmals zu citicrcn, um die Lächerlichkeit dieses freisiuiiig- jcharfuiacherischen Geschivntzcs zu erlveisen. lliifcr Bericht über die betreffende Aeuße riuig besagt: „Grünberg crlvidert dem Vorredner(Schlumberger), derselbe könne solche Aussührnngen nur Leuten gegenüber niachen, die nichts von» Geschäft verstönden; ei» so geriebener Geschäftsmann� »vie Schlumberger,»visse sehr gut, daß die Zölle die Waren verteuern und d e n L o h n drücken. Die Vcrhimgernngs- und Raubtheorie liege in» Zollsystem. Wem» an Rohpröduitei» nichts am Preis herabzndrücken ist, um Gclvinn zu erzielen, dann wird am Lohn abgebrochen. Das thnt jeder Unter- nehm er, das liege im hentigen Wirtschaftssystem." Nach der„Königsb. Hart. Ztg." hat Grünberg den Hinlveis auf„jeder Unternehiner"»och näher ausgeführt, inde»» er gesagt habe:„In dieser Beziehung handelten socialdemokratische Arbeit geber»vie konservative und nationalliberale. Denn jeder Geschäfts mann känipfe un» seine Existenz." Wenn Abg. Grünbcrg sich so ausgesprochen hat—»vas wir nicht im Augenblick feststellen können—, so sind seine Worte, im Zusammenhang verstanden, kcineslvegs anstößig. So sehr die Thatsnchc besteht, daß Arbeit- geber, die socialdemokratische Anschniiungcn haben, sich bemühen, die bei ihnen thätigeu Arbeiter möglichst günstig zu stellen, so ist doch sclbverständlich, daß auch sie die Schranken des kapitalistischen Systems nicht überspringen können. Inden» nnser Vertreter in der Zollkommission darauf hmlvics, daß die Erhöhung der Garnzölle die industriellen Garnverbrauchcr zur Herabdrückung der Arbeiterlöhne drängen müsse, so hat er damit die Gcmeingcfährlichkeit der Zoll erhöhnngs-Politik zutreffend gekennzeichnet. Die Verleumder in der K. H. Z." und in der„Post" kennen noch liicht den elementaren Grundsatz der Socialdemokrntie, daß nicht dem einzclnci» Unternehmer, der von den Gesetzen des kapitalistischen Systcnis abhängig ist, sonder» diese»» System selbst die Anklagen und die Kämpfe der Socialdeniokratie gilt. Der Urheber'des GeschlvätzeS in den» Königsberger Blatt ist übrigens offenbar derselbe Berliner P a r l a>,» e n t a r i e r, der jüngst die socialdemokratische»» Zollkonnnissiousmitglicdcr bösartig beschimpfte,»veil sie pflichtgetrcu gegen die Durchpeitschnng des Tarifs»virktcn. Sein neuester Versuch, ein berechtigtes Bclveismittel gegen die Zollcrhöhung zu einem linbercchtigten Anivurf gegen die Socialdemolratie auszubeuten, ist ein»euer BeiveiS freisinniger Gewisseiihaftigkeit im Zollkainpf.— Normann-Schnmau» und Baron von Nichthofc». Ueber die„Säuberung der S ch Iv e i z" schreibt uns in Ergänzung unsrcr Mitteilung über die Ausiveisung Normann- Schumanns unser Züricher Korrespondent: Endlich ist die Koinödie mit den„Herren" N orm ann-S chu- m a n i» und Baron von Richthofen aus, sie haben uufreilvillig die ihnen offenbar sehr liebgeivesenei» schönci» Gestade des Vier- ivaldstätter und des Genfer Sees verlassen und befinden sich»inu jenseits der Grenze,»vohin ihnen ihr„Berufskollege" H e i l in a n n als Quartierniachcr vorausgeeilt ivar. Es hat ungemein lange gedauert und viel Kritik in der Presse und in Parlamenten gekostet, bis endlich die Bundesanwaltschaft (die Allsweisungen sind offenbar von ihr veranlaßt) energisch zugegriffen hat. Die Forderung der Aiislvcisinig soicher Elemente seitens der Socialdemokraten hat seiner Zeit in der deutschen Partcipresse Kritik erfahren. Demgegenüber ist aber doch daran zu erinnern, daß in solchen Fällen auch die deutschen Genossen S ü h n e heischen. Nun könnten die Genossen in der Schiveiz, insofern es sich um Handlungei» dreht, die hier begangen »vurden, die Bestrafung der Schuldigen verlangen. Allein ein solches Verfahren lehnt der Bundesrat in Rücksicht auf die betreffende auslvärtige Macht ab. Will inan also nicht ruhig zusehen,»vie in der Oeffcntlichkeit bekannte Spitzel ungestört ihr schmutziges Handwerk treiben, so bleibt in der That nichts andres übrig, als die Ausweisung derselben zu fordern. Im einzelnen ist noch zu bemerken, daß der Rormann-Schuiiiann noch eine Reihe von Prozessen gegen schiveizerische Zeitungen, so aiich gegen unser Lnzerner Parteiblatt,»vegen„Beleidigung" anhängig gemacht hat und daß der Baron v. Richthofen ohne die AilsiveisnngSorder nach Berti»»— verreist sei, wo seiner vielleicht noch große Dinge harren. Ein so geivandtcr und energischer Mann, der das unerschütterliche Vertrauen des Sultans genoß, dürfte bei den fre»l>idschaftlichen Beziehungen zivische» Berlin und Konstantiiiopel bald in der deutschen Reichshauptstadt„geeignete" Ver- »vendnng finden. Es empfiehlt sich daher angelegentlichst, den ferneren Lcbensschicksalen der beiden vielgenannten„Herren" einige Aufmerk- anileit zu widme».—__ Rcgiernngsinformator Lcvy. Die„N. P. C." bringt folgende reizvolle Mitteilung: „Die königliche Staatsregiernng hat den Professor Dr. von Halle nach Posen entsandt zum Slndiinn der»virtschafilichen Verhältnisse in der Provinz Posen. Die königliche Staatsregiernng erhofft von dieser Informationsreise leitende Gesichtspunkte für die Verwendung des AnsiedelniigSfondS. Professor Dr. von Halle ist Nalioualökonon», ein Schüler Schmollers; sei» Aufenthalt in Posen ist auf drei Monate in Aussicht ge- nominen." Professor v. Halle hat reißende Carriere gemacht. Als Levy bc- gm»» er in Halle staatserhaltcude Wissenschaft zu betreiben; seit- dein»vandelte er sich in Herrn Halle und rückte auf zum o n Halle. Als solcher belvährte er sich vorzüglich gelegentlich der großen Marinevorlage, zu deren eifrigsten Professoren er zählte. Nun ist seine Autorität hoch genug gestiegen, daß die preußische Regierung von seinem dreinivnatliche» Aufenthalt in» Posenschen die ihr bisher mangeluden leitenden Gesichtspunkte für die Verwendung des antipoliiischeii Ansiedelungsfonds erivartct. Die preußische Regierung legt den Steuerzahlern neue 250 Millioiieu zur Bekämpfung des Polentums auf. un» sich nachträglich durch Herr» Halle über die Verwendung dieser Summe informiere» zu lassen. Der Vorgang beiveist ebenso viel für den Tiefsim» der Regierungspolitik gegen die Polen wie für die erfolgreiche Strebsam- keit des Herr» Levy v. Halle.— Von der Kanalvorlagc. Trotzdem die Düsseldorfer Reden der Regierungsvertreter gezeigt haben, daß die baldige Wieder- eiiibringung der Kanalvorlagc nicht zu erlvarten ist, behauptet jetzt die„Schles. Ztg." das Gegenteil als sicher;„die in Betracht kommenden Dienststellen seien beauftragt, die»vünschensivcrt er- chcinendcn Ergänzungen in beschleunigter Weise zu belvirken". Die Staatsbürger Zeitung* erklärt, diese Mitteilung decke sich»nit ihren Informationen� Der Widerspruch zlvischen den unzweideutigen Aeußerungen des Ministerialdirektors Schultz in Düsseldorf und derartigen Kanal- ankündigungeil der genannten Blätter läßt sich dadurch lösen, daß möglicherlveise eine Vorlage zum Bau des Berlin-Stettiner Schiff- fahrtskanals dem Landtag in seiner nächsten Session zugehen soll. Dies geringe Stückiverk getraut sich vielleicht die Regierung von ihren Jnnkern zu fordern;■ mehr aber nicht.— Die prensnschc Schulpolitik läßt die Verhältnisse inWreschcn noch immer nicht in Ordnnug gelange». Es sind insgesamt vierzig Schüler,»vclche im katholischen Religionsunterricht dem Lehrer auf in deutscher Sprache gestellte Fragen nicht antivorten zu können erklären. Infolge der früheren Schulkralvalle sind in Wrcschen sieben, in Miloslaiv sechs Lehrer mehr angestellt worden. Die Klassen sind geteilt»vorden, so. daß in de» einzelnen Abteilungen fast nur noch ein Drittel der früheren Schülerzahl sitzt.— Heber eine Schnlrevolte in Westprenßen»vird dem„Ges." berichtet: I» einer Entfernung von etiva l3/4 Meilen von Bereut liegt das armselige Dorf Jnschkcn, beivohnt ausschließlich von polnisch- kassubischer Bevölkerung. Dort anitiert seit etiva drei Jahren an der katholischen Schule der Lehrer B. Bis dahin ging alles friedlich. Aber am Sonnabend früh kam es zu eiuem Aufruhr. Als der Lehrer des Morgens in geivohnter Weise den Schulunterricht begann und dasMorgengebetgesprochen war, erhob sichplötzlich einer der ältesten Schüler mit den Worten:„So, nun kann es losgehen", brach airs der Schulbank vor und stürzte sich mit einem Stock auf de» Lehrer Borchert. Diesem Schüler folgten die übrigen nach, die gleich- falls mit Stöcken bclvaffnct, nin» auf den Lehrer ein hieben. Dieser»vehrle sich mit seinen» Stock, so gut es ging, und errang dann auch schließlich das Uebcrgelvicht, so daß die Schuljungen ihre Stöcke fortivarfen und sämtlich aus der Schnlstnbe nach Hause flüchteten,»vo sie von ihren Eltern in Empfang gcnonlnien»vurden. Der Lehrer hat den Vorfall sofort bei den» Krcisschulinspektor ge- meldet. Ob dies seltsame Gefecht auch einen Erfolg der pädagogischen Granitbeißerpolitik darstellt?— Eine Binnenlaudflotte? Ein Berliner Korrespondent ver- breitet folgende seltsame Meldung. Während der A n»v e s e n h e i t des Kaisers in R n h r o r t ist auch darüber entschieden»vorden, daß zivei Torpedoboote dauernd am N i e d e r r h e i n stationiert»verde»» sollen. Eines derselben»vürde in R» h r o r t seinen festen Standplatz erhalten, während das andre zlvischen Einnierich n n d Bonn einen fliegenden Wachtdicnst ausüben »vürde. Ob diese Vinnenlandflotte gegen den„inneren Feind* verlvendet »verde»» soll?— Die hessische Wahlreform. Aus Darnistadt meldet uns ein r i v a t t e l e g r a i» n»: Die Kammer lehnte die Vermehrung der städtischen Mandate ab. Dadurch ist das Zustandekommen der ganzen Vorlage fast aussichtslos gelvorden.— Fahnenflucht eines Soldaten wegen Mißhandlungen. Vor dem B r e s l a u c r O b e r- K r i e g s g e r i ch t des VI. Armcccorps unter Vorsitz des O b c r st l i e u t e n a n t s v. P a n n e lv i tz war der Husar Karl R e ch a vom Hnsaren-Regimcnt Nr. 6 in Lcobschütz angeklagt der Fahnenflucht»md Preisgabe von Dienstsachen. An» 19. März 1901 defertierte er von den Preußen, da ihm der Dienst zu schivcr geivesen sei. Er sei vom Gefreiten und Unteroffizier geschlagen»vorden, u. a. mit der R e i t p e i t s ch e, und hätte exerzieren müffen, bis er ohnmächtig wurde, auch sei ihin mit weiteren Mißhandlungen gedroht»vorden. Das Kriegsgericht der 12. Division zu Neisse verurteilte an» 21. Februar 1902 den Deserteur zu ueui» Monaten und vierzehn Tagen Gefängnis und Versetzung in die ziveite Klasse des Soldatcnstandes. Gegen dieses' Urteil legte der Angeklagte Berufung ein. Die Verhandlung ergab auch. daß Mißhandlungen auch gegen andre Husaren»iorgekomnien waren. Der Vertreter der Anklage, Obcr-Kricgsgerichtsrat Laub beantragte sieben Monate und einen Tag Gefängnis»nd ziveite Klasse.' Das Ober-Kriegsgericht ver- »irteilte den Deserteur zu s e ch s Monate» und e i u e W o ch e e f ä n g u i s und sprach die Versetzung in die z»v e i t e Klasse aiiS, rechnete ihm aber auf die Strafe drei Monate dlirch die Untersuchungshaft an. Das Eingeständnis eines polizeilichen Mißgriffs. Ein nicht geivöhnlicheS Ereignis ist dieser Tage in Hannover passiert. Ei» Dienstmädchen wurde ohne irgend ein begründetes Verdachts- moment als Prostituierte festgenommen und erst am nächsten Tage »vieder entlassen, obgleich es sofort angab, wo es in Stellung sei. Ein Kriininalbcamter hatte das Mädchen auf der Straßenbahu gefragt, ob es unter Kontrolle stehe. Da die Befragte neu zugezogen »var und diesen Ausdruck nicht kannte, so bejahte sie die Frage, in der Meinung, es handle sich»in» die polizeiliche Anmeldung. Dieser Mißgriff»var von nnsermPartei-Organ in Hannover, den»„Voiksivillen", aufgedeckt»vorden. DerdortigePolizeipräsidentrichtete»un einSchreiben an den„Voiksivillen", in dem er anerkannte, daß ein Mißgriff der Polizei vorliege. Der Beamte habe keinerlei Recht gehabt, die obige Frage zu stellen. Unter allen Umständen aber»väre er verpflichtet geivesen, zunächst durch Nachfrage in dem von dein Mädchen angegebenen Hause festzilstellen, ob es dort in der That»vohne. Das Schreiben schließt niit folgender Mitteilung: „Der Beamte, der seit dem 1. Oktober 1879 bei der Sittenpolizei besihäftigt ist. ohne bisher z» Klagen Anlaß gegeben zu haben, ist von der Ausübung des Außendienstes abberufen und bestraft »vorden."— Ein Huiversitätsskandal in Bayern. Das Entlassungsgesuch des Senates der Würzburger Universität, von dein»vir gestcru bereits Mitteilung machten, bedeutet eine Episode in den bayrifcheu Kämpfen zlvischen Klerikalismus und Liberalismus. Der Liberalismus, den» fast sämtliche Hochschullehrer huldigen, ist in Bayern durch das Centrmn stets mehr zurückgedrängt »vorden und der Kultusminister Dr. v. L a n d n» a n» hat sich mit dieser Verschiebung der politischen Machtverhältnisse mehr und mehr auf die klerikale Seite gestellt, so daß er erst jüngst bei der Debatte über die Schulgesetzgebiing in der Abgeordneten- kaminer heftige Zusaminenstöße mit den liberalen Partei- ührern hatte. Auch der Anlaß zun» Konflikt mit den Würzburger Professoren liegt in einer Ansfühnnig des Kultus- Ministers im Abgeordnctenhause. Die Würzburger philosophische Fakultät hatte sich gegen die Besetzung einer ordentlichen Profesinr für Geschichte durch den bisher außerordentlichen Professor Chranst, eineil» klerikal gesinnten Manne, erklärt. Der Senat schloß sich diesem Gutachten an,»veil das Verhalte»» des Prof. Chronsl ihn als nicht geeignet erscheinen lasse. Minister v. Landma»»»»varf nun dem Senat Mangel an Objektivität vor»nid dieser Vorlvurf ist die Ursache des Gesuchs des Senats, daß die Regierung ihn. den Senat, des AmtcS entheben möge. Mittlerweile hat nnn auch,»vie ails München gemeldet»vird, der Kultusminister v. L a n d n» a n n beim Prinzregenten sein Eni- lassnngsgesuch eingereicht, das jedoch nicht angenommen»vorden ist.— Zluö dellt Wahlkampfe im Wahlkreise Bayreuth.(Eigener Bericht.) Der Kandidat des Bundes der Landlvirte, Herr Guts- befitzer F e u st e l. scheint ein sehr spaßhafter Herr' zu sein. Im gegenivärtigei» Wahlkampfe leistet er sich manches Stückchen unfrei- williger Komik, und er hat es sogar fertig gebracht, eine Zeitung unter Berufung auf den preßgesetzlichen Zivangs- Paragraphen zivingen zu»vollen, daß sie einen Bericht berichtige, der überhaupt noch nicht erschienen >v a r. Herr Faistcl jsijt an» Sonntag in Bayreuth eine Bündler- vcrsamnilung ab, in de»; er hauptsächlich gegen die Socialdemokraten vom Lcder zog und ihm» die„sieben Todsünden" vorhielt, die sie, nach Herrn Fenstel, gege» das arbeit endeVolk verbrochen haben. In der Diskussion»vnrde e' von dem Genossen K ö l I e- Nürnberg mit seinem„Programm* delart in die Enge getrieben, daß eres vorzog, leise zu verschlvinden. Zknu scheint er den Bericht über diese Nieder- läge in der socialdeinizratischen Presse sehr gefürchtet zu haben. denn er ging schniustrac-S i» sein Hotel»nid verfaßte eine Zuschrift an die„Oberfränkische' Volkszeitinig", worin er anf Grund des § 11 des Prehgesetzes aufforderte, den„jedenfalls" eintreffenden Lersammlnng-Zbericht in verschiedenen näher bezeichneten Punkten richtig zu stellen!— Ein ahnungsvoller Engel!— Maßregelung im Elsaß. D'.e Erfolge der Demokratie und Socialdeinolratie bei den Koinnn�nalwahlen in Elsast-Lolhringcn haben bei der rcichsländischen Neg7eru»g des Herrn b. Koller den- jcnigcn Nacheakt ausgelöst, welche die erleuchtete Politik dieses hervorragenden Staatsmanns Würdig ist. Nach einer Meldung ans M ü l h a n s e n wurde der dorti ge Staatsanwalt Dr. Schultz»ach Metz versetzt, ebenso soll tzcr Mülhausener Gymnasiallehrer Dr. Kaufmann versetzt lui�deu sein. Die Versetzungen werden darauf zurückgeführt, daß beide Tlcamte bei der Gemciudcrats-Nachwahl in Mülhausen auf der deniokratijich-sgxj�ljstjschc» Liste kandidierten und »nit demokratisch-socinlistischer Hi ife gewählt wurden. Die Versetzungen errege» in der Bevölkerung großes'Aussehen. Die„Germania" bckm�et vortrefflich die freiheitlichen Ge- sinnnngc» ihrer Partei, indem sie die Maszregelnng freudig billigt und de» Staatsanwalt Schultz her Obhut seines neuen Vorgesetzten in Metz empfiehlt.— Mslaud. Die Versilbern«« der 6)ii,csischrn KriegScntfchädignng. Die Ableistung der chinesische,, Kriegsentschädigung droht bereits ernstlich ins Stocken zu gerate». Bekanntlich hat China schon wieder- holt darum angesucht, die weiteren Raten der Kriegsentschädigung vorläufig in Silber bezahlen zu dürfen. Dieses Ansuche», das nichts andres als einen ganz besondere,, Abstrich der Entschädigungssumme bedeuten tviirde, wird jetzt von Amerika und England b c. günsti gt. Das„Ncutersche Pwrean" meldet darüber: Peking, 30. Juni. Die chinesische Negiernng hat sich geweigert, die Julirate der Entschädig, l»gss„n,me anders als zum Wechselkurse vom 1. April 1901 zu bezahlet,. Diese Weigerung wird von de» Gesandten als eine Folge dxx Mitteilung' Congers an die chinesische Regierung betrachtet, daß Amerika die Stcilnng nahine Chinas u n t e r st ü tz e ui,d willens sei, die Zahlung auf der erwähnten Grundlage anzunehmg,,. Die Gesandte» bringen indessen die Zuversicht zum Ausdruck, daß China, sobald es die llebcrzcngnng gewonnen hat, daß cS allein von Amerika unterstützt wird, die Eni scheidung der Mehrheit der Gcst,„dtcn annehmen werde. Die Ge sandte» sind der Ansicht, daß de-, Standpunkt Amerikas den Bcstim n'ungcn des Pekinger Protokolls zuwider ist. England schlägt jetzt bor, China die Zahlung de Kriegsentschädigung b s Z 1910 in Silber zu ge statten, wegen der großen Berluste, die China infolge der Eni Wertung des Silbers zu ertrag«,, habe. Die übrigen Gesandten sind der Meinung, daß die Erlaubnis mit der Anerkennung der Be hauptungen Chinas gleichbedeutend sein und die Angelegenheit daher noch weiter v e r>v i ck e l n>v ü r d e.— Schllveiz. Rnö der schweizerischer, BnndcSvcrsamniluug. Bern, 1. Juli.(Eig. Ber.) Mach vierwöchiger Tagnng ist am Sonnabend die Bnndcsversaminlung wieder geschlossen worden. Der Ständerat hat den Zolltarif z,, Ende beraten und in der Schlußabstimmung mit 32 gegen g Stiinmen bei 4 Enthaltungen angeiionunc». Nun geht der Tarif Wieder an den Nationalrat wegen der vom Ständerat getroffene» AbA„dcr»»gen. Voraussichtlich ivird er in der Septemberscssion definitih erledigt werden, worauf tvohl gleich die Ncfcrcndnmsbcwcgung diggege,, einsetzen wird. Dem Beschlüsse des Nationali, ntcs bezüglich der Freigab des S o n n a b e» d n a ch m i t t a"g z non spätestens von ö llhr ab hat der Ständerat zugestimmt. Dabei handelt es sich aber vorläufig nur um eine EinladlMg an den BiNideSrat, der BnndcSversaninilnng eine bezügliche Vorlage zu macha ,, Bundesrat Denchcr, der Chef des Jndnstriedepnrtements, hat Einbringung einer solchen zu- gesagt..'' Der Nationnlrat behandelte Revision des Eisenbahn- H aftpflichtgesctzes von bei» seiner Zeit das bezügliche deutsche Reichsgcsetz als Worbis> gedient hatte. Das revidierte Gesetz, das noch an den Ständer''t z» gehen hat, schaltet den Bau Unternehmer als Haft- und Entschädig,», gspflichtigen ans und erklärt einzig verantwortlich den Jnhabcr/j der konzessionierten Untcrnchinnng wodurch.Schiebungen" zum � Schaden der Verletzten an«- geschlossen werden. Antzerdcmh, galt bisher bei Belangnng des BannntcrnehmerS ein riZntschndigiings- Maximnm von 3000 Frank, während die Eiscnc?-nhmlnternchmnng zur Vergütung des vollen Schadens verpflichtet'ff»,»r. Es bestand also zweierlei Recht. Nim gilt ansschließlich Vergnlnng des vollen Schadens. Das revidierte Gesetz erstreckt �ch ans die Anfälle beim Bau Betrieb und bei Hilfsarbeiten, tvCfghe mit dem Betrieb in Znsammcn- hang stehen. Ein Antrag, die Ha�, flicht auch ans den Motorbetrieb anszudehnen, wurde an die Avig�iüssion gelviesen, die ihn noch zu erledigen hat.' Für Trsinpfschiffnhrts- Unternehmungen sowie für die verschiedenen er Unternehmungen des Bundes sPost-, Eisenbahn- und Dc�,pffchiffahrts- Unternchmungens gilt das revidierte Gesetz cl.ffufalls. Die Verjährungsfrist beträgt zwei Jahre. Reglements,'.Verträge ec., welche die Haftbar kcit der Transportanstalt ans schließen, sind rechtsungültig. Geradezu widerlich war die Bcki impfung der Vorlage durch den Winterthiirer Abgeordneten S u l iß« r- Zicgler. der Hauptaktionär der Winterthiirer Unfallversicherniic, der Simploiilunnel- Unter- iiehmung ist und der jede Gelegenheit benutzt, um in ungeniertester Weise die Klinke der Gesetzgebung- für seine persönlichen Geldsacks- intcressen zu mißbrauchen. Und Mann ist mit Arbeiterstimnien gewählt!—" �rnnkr�eich. Gegen 127 Niederlassnngcig,, xon OrdenSgesellschaften sind am 27. Juni Dekrete erlassen, auf tlZ,«,,! deren dieselben z w a n g s- weise geschlossen werden, t �eü sie gegen das Vereinsgesetz verstoße».— ,, Am iiächsten Freitag beginnt i i? der K a m m e r die große Debatte über die Schließung der �kovgicgaiiischrn Schulen. Der Äabinettschef soll beabsichiigen, bei, di ser Gelegenheit eine wichtige Erklärung über die religiöse Politik s> de' Regierung abzugeben. Auch Henry Brisson ivird das Wort er�reien.' Man befürchtet ernste Zivischenfälle.— tz. Budget und Eiukouimensteuei �r. In der Korn m i s s i o n der Kammer für die Kredite;«' lärtcn heute M i n i st e r- Präsident Com des uiid F'i» is,, z ni i n i ste r Ron vier, daß das Budget zu Begit jMt der nächste» Session eingebracht tverdeu ivürde. Gtz.ol>>!d als möglich, werde darauf die Vorlage belreffend il�. di Einkonimenstener dem Hause nnterbreitet werden. Lock o', sprach den Wunsch ans, daß die Einkommenstener-Vorlage szfort eingebracht werden möchte! die beiden Minister lehnten, dis jedoch i» aller Form niit dem Bemerken ab, daß eine dertnprtze Steuerreform in diesem Augenblick einer a»f die Herabmiiiderisk„igder Staatsschuld hinzielenden Maßregel hinderlich sein könnte, in Kürze in Aussicht genommen sei."lg Sp«ti,l�n. Rrgicrnng und KlcrikaliS»n°!is.� Die Klerikalen setzen dem Anfsichtsrat des Staates über den S,„ chuk.nterricht einen hartnäckigen Widerstand entgegen: auch die DeknJ'ge, Welche die staatliche Aufsicht Über die Ordcnsgesellschafteii anordr teil, versuchen sie auf ein Jahr z. B. weigern, dem Schriftsteller GaldoS den Orden Alfons Xll., den das' Ministerium diesem zugedacht hatte, zu verleihen, und zwar, weil Galdos gegen die Klerikalen geschrieben habe. Der„Corres", das Hanptorgaii der Liberalen, ver- langte energisch Aufklärung über diese Gerüchte und fordert das Ministcriniii ans, zu demissionieren, falls die konstitutionellen Rechte dazu geeigneten Kräfte verfügt das Blatt zweifellos.— Für Leser, die die„Hütte" noch nicht kennen, sei bemerkt, daß daS Blatt am 1. und lö. jeden Monats erscheint und pro Heft 2S Pf. kostet. Alö RcichstagS-Kandidatcn wurden in Parteiversammlungen aufgestellt: für Köln- Stadt Arbeitersekretär Hofrichter, für Köln-Land Redactenr Dr. E r d m a n n, für Mülheim- Wipperfürth seitens des Königs nicht geachtet würden. Diesen Stein des An-> Berleaer Gilsbach.— Für den 9. württemberaischen Wahlkreis fi.'d..;-.........- r.~ �r, �______ v-» 1... �....... �,...... hinauszuschieben, angeblich, um sick.,,, bV Neuordnung gemäß znri chten, in Wirklichkeit in der stil �len �offnung, daß nach Ablaut eine s Jahres die Konservative» wiede�r ai der Negiernng sind, welche dann die Dekrete nicht zur Ausführut, ,,g t ngen würden. Dei soll sehr stark unter dem Einfluß der� ftir,': stehen. So sollte ein- Der König er sich stoßcs hat der König miiiiiiehr durch die thatsächliche Verleihung des Ordens an Gnldos ans dem Wege geiäunit. Auch der ehemalige Arbeitsniinistcr Canalejas setzt seine Agitation gegen den Klerikali's- mns fort, wobei er auch Angriffe gegen seine ehemaligen Kollegen richtet. In einer Rede, die er kürzlich in Bnoii Retiro vor 2ö00 Per- sonen hielt, griff er das Ministerium heftig an, es umschnicichle den König, anstatt ans seinem Rechte zu bestehen. Er forderte Republikaner und Socialistcn ans, im Kampfe gegen die Klerikalen zlisaiiimcnziistehcn.— England. Die RcichSkvnfercnz. London, 30. Juni.(Eig. Ber.) Unter dem Vorsitz von Mr. Chaniberlaiu findet heute die erste Sitzung der Reichskonfercnz statt, an der folgende Premierminister der Kolonien teilnehmen: Sir Wilfrid Lanrier(Kanada), Sir Edmund Barton(Australien), Mr. Richard Scddon(Neuseeland) und Sir Gordon Sprigg(Kapkolonie).— Parlamentarische Ersatzwahlen. London, 30, Juni. (Eig. Ber.) Da die Abgeordneten W. L. Jackson und U. I. Kay- Schuttleworth zu Peers(zu Mitgliedern des Hauses der Lords) er- hoben wurden, sind zwei parlamentarische Ersatzwahlen nötig ge- worden. Eine in Clilheron(Lancashire), die andre in Leeds. Das Komitee für Arbritervertretnng beschloß in Uebereinstimmnng mit den Gewerkschaften, den Genossen Philip Snowden in Clilheron kandidieren zu lassen. Snowden ist Mitglied der Uuab- hängigen Arbeiterpartei.— Eine religiöse Krönnngsfeicr. Das„Reutersche Bureau" erfährt, daß, wenn die Zeit für die Krömmq herannaht, die Cercmonie in viel ruhigerer Weise vor sich gehen werde: es werde mehr Nachdruck auf den religiösen Charakter ge- legt werden. Die Zahl der Vertreter der freniden Länder werde beschränkt werden auf die Verwandten des Königs und die Persönlichkeiten, welche zu der königlichen Familie in engeren Be- zichimgcn stehen. Eduard VlI. hat seine Jugend, die bei ihm ein gutes halbes Jahrhundert währte, so reichlich ausgekostet, daß der Eintritt in eine Periode der Frömmigkeit psychologisch nur zu erklärlich ist. Die letzten Nachrichten über das Befinde» Eduards VII. lauten abermals äußerst günstig. Man betrachte ihn bereits als völlig außer Gefahr. Die Aerzte hätte» ihm in Anbetracht seiner ueunstündigeii natürlichen Nachtruhe sogar den Genuß einer Cigarre gestattet.— Unterhaus. Dilke fragt an, ob die englische oder japanische Negiernng gegen die Einziehung der Likin-Zöllc auf die Ein- fuhr und Ausfuhr in Nintschwang durch die russische Re- giernng protestiert habe, tlmerstaatssekretär des Aenßerii Cranborne erwidert, daß die englische Regierung keinen Protest gegen die Er- Hebung der Likin- nnd andrer Zölle durch die rnssischen Behörden erhoben habe; denn als die Angelegenheit zur Kenntins der Sie- gicrimg gebracht wurde, seien Uiitcrhaiidlimgen zwischen der russischen und chinesischen Rcgicrnng über die Räumung der Mandschurei durch Rußland im Gange gewesen und man habe erwartet, daß diese bald durchgeführt nnd Nintschwang wieder den chinesischen Behörden miterstevt werden werde. Die englische Regierung wisse nicht, ob die japanische Regierung einen Protest eingelegt habe.— Holland. Ncligiou statt Brot.(Eig. Ber.) In der Thronrede, die seiner Zeit das neue christliche NegiernilgSshstem einleitete, wurden 11. a. Maßregel» gegen den unter den Europäern und Jiidisch-Enropäern(der! holländische» Kolonien) herrschenden Pauperisiiius angekündigt. Mai: hat null damit begonnen, diesen schönen Plan zu verwirklichen Aber die Art nnd Weise, wie das gemacht wird, veranlaßt eine angesehene liberale Zeitmig Batabias zu der llliehrerbietige» Frage: ob denn der Vorrat' von gesundem Menschenverstand, über den die Negiernng zu verstigen hat, ganz und gar erschöpft sei? Die niederländische Regierung hat nämlich der VerwnltnngSbchördc der protestanlischcn Kirchen inil geteilt, daß sie beabsichtige, um dem P a u p e r i s m u s in Indien entgegen zu wirken, die Anzahl der Religionslehrer zu erhöhen, und die Kircheiibchördei über ihre Meinung zu diesem Plan befragt. Die Kirchenbehörde aber erklärte: sie sehe kein Heil darin, daß man den Panperismus durch die Vcrmchrnng der RcligionSlehrer zu bekämpfen suche und die Bibel dorthin bringe, wo in erster Linie Nahrung, Kleidung nnd Arbeit nötig sei.— Der Religionseifer der Staatsregiernng geht also sogar den obersten Leiter» der protcstan tischen Kirche zu weit. Das oben erwähnte indische Blatt bemerkt hierzu:„Die inländische Bevölkenuig ist geduldig, aber wenn sie Religiouslchrer und Bibeltexte kriegt, statt verständiger Berwaltungs beamlen, die sie aus dem Elend, worin sie jetzt versinkt, retten wollen und die ihr de» Weg, ihren früheren Wohlstand wieder- ziigewinncil. weisen lollcn, dann— man mag predigen so viel man will, daß Geduld der Weg zum Himmel ist— kann ihre Geduld ciiim.il ein Ende nehme»."— Slmerika. Präsident Roosevelt hat de» Attorney Knox beansiragt, fesl zustellen, ob die Rechte der Panama-Gesellschaft unantastbar seien In diesem Falle soll der Gesellschaft sofort eine Summe von 40Mill. Dollar für die Aufgabe ihrer Rechte ausbezahlt werden.— Die diesjährige Budget- Einnahme beträgt'A Milliarde Dollar mehr als im Vorjahr: dies ist der höchste Ueberschuß, der bisher zu verzeichnen gewesen ist.— Daö NcichötagSpräsidialgebände ist im Außen- uiid Innen bau vollständig bis auf die architektonische Schmuckausführung fertig gestellt. Die Außensassade erhält jetzt architektonischen Schmück durch Figuren, Wappen, Embleme, die ans den Sandsteinqnodern, die schon längere Zeit eingemauert sind, geschaffen werde». Im Innern ist der Rohbyu ebenfalls beendet, es sind»och Tapeten und Dielen an- zubringen. Nach der Spree zu erhält der Bau eine größere Schmuck- anlöge. Verbunden mit der Wohnung für den Präsidenten ist noch ein Aiiban für die Wohnung des Direktors des Reichstags, der jetzt provisorisch im Reichstagsgebände wohnt, nnd ein größerer Fcstsaal. Das Präsidialgebändc soll mit Beginn der neuen Legislaturperiode bezogen werden,_ -MKchvilkzken. „Die Hiitte", die im Verlage von H. Wallfisch zu Dresden erscheinende Zeilschrift für das Volk und seine Jugend, liegt nimmehr in sieben Heften vor. Es ist ein eigenartiges Unternehmen, mit dem der Dresdener Verlag da an die Oeffcntlichkeit getreten ist, ein Unternehmen, das himmeliveit verschieden ist von jener seichten und leichten Litteratur, die sonst in der Form von Familienzeitschriften angeboten wird; vergleicht man litterarisch die„Hütte" mit diesen, so wird sie eigentlich zum Palast. Die Erzählmigen sind mit Sorgfalt ausgewählt. Unter dem übrigen Stoff st namentlich der Natiirwissenschaft ein großer Ranni ge- währt, mit Recht; man weiß ja, wie sehr die heran- wachsende Jugend gerade naturwissenschaftliche Schildernngen zu schätzen pflegt, wenn es dem Verfasser gelingt, eine populäre Form zu wahren. Auch der übrige Inhalt der Zeitschrift ist durch- ans geeignet, anzuregen und emporzuheben und die Jllnstrations- beilagen sind ohne Ausnahme Kunstwerke. Es wäre zu wünschen, daß die„Hütte" im Proletariat einen Anhängerkreis gewinnt, der nicht nur gestattet, das Unternehmen in der bisherigen Weise fort- zuftihren, solidem es womöglich noch weiter auszubauen. Ueber die (Balingen-Tuttlingen) wnrdc Arbciterselretär M a t t u t a t- Stuttgart aufgestellt. Partciprcffc. Im Wahlkreise Altena- Iserlohn ist seit dem 1. Juli an Stelle der„Bolkstribüne" die Elberfcldcr„Freie Presse" als offizielles Partci-Organ eingeführt. Nachahmrnstvcrtcr Eifer. Die erste Probenummer der „Volkszcitung für das Muldenthal" wurde am Sonntag in 27 000 Exemplaren verbreitet. An der Verbreitung beteiligten sich nicht weniger als 800 Genossen, darunter 400 ans Leipzig. Schweizerische Parteiprcffe. In die Redaktion des social- demokratischen„Vasler Vorwärts" ist von der dortigen Preßunion der Genosse Hans Frey, Schriftsetzer, als zweiter Rcdacteur gelvählt worden. Polizeiliches. Gerichkltches nfU'. — Genosse Dr. Q.narck in Fcan.kfn.rt y. M..hat dieser Tage eine 2'/smonatliche Gefängnisstrafe wegen Preßbeleidigung angetreten; 14 Tage davon zog er sich zu durch den Abdruck eines Chinabriefes ans dem„Vorwärts", der u u s r e m damaligen Verantwortlichen nach Znrückiveisung aller Belveisanträge 7 Monate einbrachte. Protestieren müssen wir an dieser Stelle gegen das eigentümliche Verhalten der Staatsanwaltschaft imsrcm Kollegen gegenüber. Demselben lvnrden zwar diercglenientmäßig zulässigen Vergünstigungen, wie Sclbstbeschäfiigung, das Tragen eigner Kleider usw. gewährt, aber mit der ausdrücklichen Bemerkung, daß es das letzte Mal sei, wo dies geschehen werde! Wir meinen, auch die Staatsanwaltschaft sollte sich bei Ge- Währung oder Versagimg dieser soaenamiten„Vergünstigungen" keine andre Nichtichnnr stecken, als wie sie die Gefängnisordnmig vorsieht. Diese spricht zwar mir davon, daß diese Vergünstigungen dem Ge- faugenen gewährt werden können und macht ihre Gewährung von einer Reihe von dem Gefangenen zu erfüllender Vorbedingungen abhängig, als A n s s ch I i e ß u n g s g r u n d für die Vergünstigungen kennt die Gefängnisordnung aber mir Ehrlosigkeit; davon kann bei einem gefangenen Redactenr natürlich nicht die Rede sein.— Man darf sich nicht wundern, daß, wenn die vorgesetzten Behörden sich für berechtigt hallen, einen Redactenr in Gefängniskleidung zu stecken und als für ihn geeignete Beschäftigiuig etwa das Wergzupfen an- sehen, untergeordnete Beamte den so Behandelten dann gefesselt über die SIraße führen. Die parlamentarischen Erörterungen des Falles Bredenbeck scheinen spurlos vorübergegangen zu sein, nnd eS wird nichts andres übrig bleiben, als daß diese Materie einmal gesetzlich von Reichs wegen geordnet wird. — Beschlagnahmt wurde die Sonnabendnummer der„Königs- berger Volkszeitimg" wegen eines Artikels, der das Verhalten der Reichsregierung gegenüber der Arbeitslosigkeit kritisierte.— — Freisinn nnd Justizpflegc. Am 13. Februar d. I. hatte die «Görlitzcr Volksztg." behauptet, daß die Entlassung eines Bauarbeiters bei den sogenannten Notstandsarbeitcn auf den Kolonnenführer Strohfcld zurückzuführen sei. Dieser habe den Bauarbeiter F. bei seinem Arbeitgeber als Auflvicgler bezeichnet, nachdem die Bau- arbeiter gemeinsam gegen eine Lohnherabsetzimg bei diesen Notstands- arbeite» protestiert hatten. Strohfcld, der Vorsitzender des Aus- breitlnigsberbaudcs der Gelverkverciiie und Vorstandsmitglied im „Freisinnige» Verein" ist, strengte gegen den entlassenen Bauarbeiter F. und gegen Genossen Müller, als mnt- niaßlichcn Verfasser der Notiz, die Privatklage an. Die Klageschrift ließ er von dem Rechtsanwalt Sommer anfertigen, der gleichfalls Vorstandsmitglied im Wnhlvcrciu der freisinnigen Volkspartci ist. Herr Sommer beantragte Ladung des Verlegers Schütz nnd der Redacteure Bruhns nnd Löbe für den Fall, daß Genosse Müller die Verfasserschaft abstritt, obwohl im Reichstag die freisinnigen Abgeordneten das ZciigniS-Zwa.ngSperfahren gegen Verleger und Redacteure als unmoralisch verurteilen. Der Antrag erübrigte sich, da Genosse Miillcr sich in der Erklärung an das Amtsgericht zur Verfasserschaft bekannte, den Wahrheits- beweis anzutreten bereit war und im übrigen die Klage als eine überflüssige Belästigung der Richter bezeichnete. Es kam zu zwei Terminen, in denen festgestellt wurde, daß der Bauarbeiter F. nicht der„Aufwiegler" war, daß aber sein damaliger Arbeitgeber be- haiiptct halte, daß St. den F. als Aufwiegler denunziert habe. Der betreffende Arbeitgeber beschwor ferner, daß Strohfeld auf seine An- frage, ob F. der Aufwiegler sei, sich in z u st i m m e n d e m Sinne geäußert habe, während F. mit dem Protest der Leute gar nichts zu thnn hatte. Da Genosse Müller ans einen Vergleich nur einging unter bedingilnaSloser Zurücknahme der Klage und Uebernahme samt- lichcr Kosten durch Strohfcld, so blieb letztere»! nichts andres übrig als dies zu thnn. Der Führer der hiesigen Gewerk- vemnler ä la Düsseldorf dürfte mit diesem Prozeß seinem Ansbreituiigs- verband 120—150 M. locker gemacht haben. Die Klage endigte mit einem Triumph misrer Genossen, trotzdem der freisinnige Rechts- anwcflt Sommer in seiner Anklageschrift dem Gericht mitgeteilt hatte: „Privatklägcr ist selbst Arbeiter und zugleich Vorsitzender einer Arbeiterorganisation, die eine Verbesserung ec. auf dem Boden der heutigen Staats- und Gesellschafts-Ordnnng erstrebt im Gegensatz zu den beiden Privatbeklagten, die auf dem Boden der Social- demokratie stehe»." Ob die Stellung Strohfclds als Staats- nnd Gesellschaftsstütze durch den Ausgang des Prozesses gefestigt wurde? — Ein echt sächsisches Versamiulnngsverbot wird wieder einmal, diesmal ans O e l S n i tz i. E., bekannt. Dort wurde eine Versammlung, in der Frau Kahler sprechen sollte, mit Rücksicht auf die— Landestrauer verboten. Es ist gewiß ein Akt schmeichel- haften Kompliments der sächsischen Behörde gegen nnsre Genossin Köhler, daß man es als ein Vergnügen' betrachtet, ihr zu- zuhören; wir befürchten mir, daß die Veranstalter der Versammlung diese Galanterie nicht zu schätzen wissen nnd gegen das nngcsetzlich'c Verbot Beschwerde fuhren werden. Aus Judustriv und Huudvl. Auflösung dcS Diiffeldorfcr Rohcisen-StindikatS. Während von einem Teil der Preffe noch immer Nachrichten über eine angeb- liche lveitere Besserung des rheinisch- westfälischen Eisenniarkts gebracht werden, kommt ans Köln die Meldung von der Kündigimg deS Düsseldorfer Roheisen- Syndikats. Zwar wird von der„Kölnischen Zeitung" zur Motivierung dieses Schritts erklärt, es sei beabsichtigt, das Syndikat in andrer Form wieder aufleben zu lassen, nämlich als Gesellschaft mit beschränkter Haftpflicht, doch ist dieser Mitteilimg kaum Gewicht beizumessen. Wie schon verschiedentlich betont wurde, hat der Absatz der Hochofciiwerke sich in letzter Zeit sehr unbefriedigend gestaltet, und dazu kommt, daß die Frage der Ausfuhrprämien stetig steigende Verlegenheiten verursachte. ' Der Anstoß zu dem Auflösiiiigsbeschlnß dürfte vom Siegerländer Roheisen-Syildikat ausgegangen sein, das unter noch migiinstigereii Verhältnissen stand, wie das Düsseldorfer Syndikat und sich deshalb ebenfalls auflöst. Die„Rheiuisch-Wcstsälische Zeitung" schreibt dazu:„Wie wir aus gelegentlicher Quelle erfahren, ist heute der Verein für den Verlans von Siegerländer Roheisen(Siegerländer Roheisen-Shndikat) gekündigt worden. Der Vertrag der im Düffel- dorfer Roheisen-Syndikat vereinigten Werte läuft bekanntlich ebenfalls mit Ende dieses Jahres ab. Wenn das Syndikat daher über den 31. De- zember hinaus fortbestehen soll, muß eine neue Verständigung unter den Mitgliedern der beiden Vereiingiingen erfolgen, da kein Mitglied beim Austritt eines midreu mehr gebuiiben ist. Auf uusre bereits vor einigen Tagen in dieser Angelegenheit an das Syndikat in Siegen gerichtete Anfrage erhalten mir soeben die Nachrichl, daß über interne s!?) Angelegenheiten des Vereins keine Ansknnst gegeben werden könne. Dieser Umstand labt an der Richtigkeit der obigen Nachricht keinen Zweifel aufkomnien. Die Förderung des rheintsch-westsälischcn KohleustindikatS überschritt nach vorläufiger Eriniltelnng trotz der Ausfälle infolge der Jnventnr-Anfnahmen der Eisen- ec. Werke seit Ende vorigen Jahres zum erstenmal mieder 4 000 000 Tonne», mar aber nu- geachtet der größeren Zahl von Arbeitstagen(25 gegen 233/8 im Juni 1901) immerhin noch ca. 50000 Tonnen niedriger als im Juni vorigen Jahres. Ter Vorteil der aktive» Handelsbilanz. Anknüpfend an de» Ansfnhr-Ueberschnh, den die Handelsbilanz des russischen Staates mährend der drei letzten Jahre aufgeluiesen hat, schreibt„Der inter- nationale Bolkslvirt': Nach den amtliche» russischen Veröffent- lichnngen hat sich der russische Außenhandel in den letzten drei Jahren folgendermaßen gestaltet: 1899 1900 1901 in Millionen Rubel Ausfuhr. i... 601,6 688,4 729,6 Einfuhr..... 694,4 672,1 523,3 Ueberschuß der Ausfuhr 7.2 116,3 206,3" / Wachsen der Ausfuhr, Sinken der Einsuhr, gewaltige Zunahme ' der„aktiven" Handelsbilanz, folglich— wirtschaftliche Blnle ohne gleichen! Das ist c-Z, was jeder Agrarier aus dieser Statistik folgern wird, folgern muß. Denn die Agrarier behaupten ja stets und ständig, eine passive Handelsbilanz bedeute Verarmung des Volkes, nnd Deutschland, dessen passive Handelsbilanz unter den Handels- Verträgen bedeutend gestiegen ist, sei durch die Caprivische Politik jährlich um über eine' Milliarde„ärmer" geworden. Nun weiß freilich jedcnnaim, daß Rußland in den letzten Jahren nicht vorwärts gekommen, sondern zurückgegangen ist. Die Ab- nähme der Einfuhr ist auf die akute ivirtschaftliche Krisis zurück- zuführen, die es durchmacht. Diese Krisis hat eine Verminderung der Rachfrage nach Maschinen und sonstigen Produkten zur Folge, die von der russischen Industrie angewandt oder verarbeitet werde». Die Einfuhr stockt, nicht als ob die inländische Produktion hinreichend ' gestiegen wäre, unr sie überflüssig zu machen, sondern weil die in- ländische Produktion so daniederliegt, daß sie die Einfuhr nicht mehr verwenden oder nicht mehr bezahlen kann. Die wachsende aktive Handelsbilanz Rußlands ist einfach die Wiederspiegelung seiner wachsenden wirtschaftlichen Notlage. Stahltrnst. Der veröffentlichte Semestralabschluß deS Stahl- trustS weist eine Reineinnahme von 64 407 1S3 Dollar auf. Davon iverde» dein Tilgungsfonds 6 796 4S6 Dollar überwiesen nnd ferner für verschiedene' Lasten 9 120 000 Dollar abgeschrieben. Außerdem gelangen zur Abschreibung 20 433 620 Dollar auf vorhandene Maschinen und Anlagen und zur Dotierung deS Erueuernngsfouds. Die Quartal-Dividende beträgt l3/i Proz. auf die Vorzugsaktien und 1 Proz. auf die Stammaktien. Die Abschreibungen sind in Anbetracht des investierten Kapitals recht gering, zumal sie auch im voranfgegangenen Halbjahr sehr niedrig gehalten worden sind. Zugleich nieldet der„S t a n d a r d" aus New Dork, daß zwischen dem Stahltrust und einigen Roheisenproduzentcn, die bisher an den Trust lieferten, Zwistigkeitcn entstanden sind. Da infolge des SteigenS der Roheiscnpreise auch diese Lieferanten höhere' Preis- fordcrnugen stellten,»ahm nämlich der Trust den Bau weiterer Hochöfen in Angriff, um seinen ganzen Roheiseubedarf selbst her- stellen zil können. Als Airtivort darauf lassen die Roheisen- Produzenten jetzt Stahlwerke errichten, um mit dem Trust in Kon- kurrenz zu treten._ GemeeksrhSlftliFzes. Amtliche Streikstatistik im Jahre 1»01. Das neueste Vierteljahresheft der Statistik des Deutschen Reiches bringt eine gedrängte tabellarische Uebersicht über die Streiks im Jahre 1901. Eine ausführliche Arbeit über diesen Gegenstand soll— wie gleichzeitig angekündigt wird— in nächster Zeit erscheinen. Es ist schwer, die amtliche Streikstatistik mit der gewerkschaftlichen zu vergleichen, da beide nach verschiedenen Methoden aufgenommen sind. Da die amtliche Statistik des Streiks nach Verwaltungsbezirken zählt, so würde sie beispielsweise den gegenwärtigen Ausstand in Hamburg, Altona, Wandsbek und Harburg wahrscheinlich als 4 einzelne Ausstände aufführen, während ihn die getverkschaftliche Statistik, ihrem bis- herigen Gebrauch gemäß, nur als einen einzigen Ausstand zählen würde. Aus diesem Umstände erklärt es sich, daß die Anzahl der Streiks in der amtlichen Statistik stets eine größere ist, als in der gewerkschaftlichen Statistik. So werden denn auch amtlich' für daS Jahr 1901 1056 beendete Streiks aufgeführt, während die getverkschaftliche Statistik nur 795 aufiveist. Die Höchstzahl der gleichzeitig an den Streiks Beteiligten beträgt nach der amtlichen Statistik 55 262, in der ge- Iverkschaftlichen Statistik ist die Zahl der Streikenden auf 48 966 an- gegeben. Ungefähr übereinstimmend sind die Angaben beider Statistiken über die Zahl dervomStreik betroffenen Betriebe. Die General- kommission giebt diese Zahl auf 4000 an, fügt aber hinzu, daß diese Angaben nicht vollständig find. Nach der amtlichen Statistik waren 4561 Betriebe voin Streik betroffen, von denen 1173 völlig zum Stillstand kamen, während sich in 1036 Betrieben der Streik nur auf einzelne Abteilungen derselben beschränkte. Nachstehend teilen wir noch einige Angaben der amtlichen Statistik mit: In de» vom Streik betroffenen Betrieben wurden beim Ausbruch des Streiks 141 220 Arbeiter beschäftigt. Tic Höchstzahl der am Streik nicht beteiligten, aber infolge desselben Feiernden beträgt 7420. Vollen Erfolg hatten 200, keinen Erfolg 571, teilweisen Erfolg 285 Streiks. Durch Verhandlungen vor dem Gelverbegericht sind 30, durch Verhaudlnngen zwischen den Parteien 384, durch Vermittelung von Berufsorganisationen oder dritter Personen 166 Streiks beendet ivorden. Der Antrag auf Verhandlung ging in 434 Fällen von den Arbeitern, in 173 Fällen von den Arbeitgebern aus. Zu polizeilichen Maß- »ahmen gaben 239, zum Einschreite» der Staatsanwaltschaft 159 Streiks Beranlassnng. Die Aussperrungen führt die amtliche Stasislik gesondert auf. Es sind deren 35 in 238 Betrieben mit 7980 Arbeitern. Die Zahl der ausgesperrten Arbeiter beträgt 5414. Die Aussperrung hatte in 16 Fällen vollen, in 8 Fällen teiliveisen, in 11 Fällen keinen Erfolg.__ Berlin nnd Nmgogenb. Die Tischler-Junnug hat beschlosscn, nunmehr die nach den JimmigS-Statuten h ö ch stz n l ä s s i g e n Ordnungsstrafen für jeden einzelnen Fall des Verstoßes gegen Z 48 ohne jede AnSuahme zu verhängen. ES handelt sich um die Benutzung des Arbeitsnachweises der Innung und um die Benachrichtigung der Jmning. falls ein Arbeiter nicht durch den JnnuugSnachlvciS eingestellt worden ist. Die Junehaltung dieser Strafbestimmung steht ohne Zweifel im Widerspruch mit dem Gesetz und werden die von der Strafe Be- troffenen gut thnn, den Beschwerdeweg einzuschlagen. Die Aufsichtsbehörde hat seiner Zeit gerade iin Hinblick darauf, daß vom Vorstand der Innung behauptet wurde, es iverde kein Zwang zur Benutzung deS Arbeitsnachweises auf die Mit- gliedcr der Innung ausgeübt, die Beschwerde des GesellenanSschuffeZ betreffend die Errichtung und Leitung des Arbeitsnachweises der Tischlerinnnng znrückgeiviesen. Wird'dieser Zwang entgegen der Behauptung des Borstandes»im in der offenkundigsten Form aus- geübt, so wird die Aufsichtsbehörde in Verfolg ihrer Entscheidung diesem Nebergriff der kleinen Scharfmacher- Sippe Einhalt thun müssen. Die Vergolder nahmen am 1. Juli zu den Differenzen mit den Kleinmeistern(Zwischcnmeistern) in einer außerordentlichen Ver- sammlung ihrer Verbaudsfiliale Stellung. Wie mitgeteilt wurde, suchen jetzt die Großfabrikanten das Bestreben des Verbandes der Vcrgokder, zunächst bei den Kleinmeistern die Lohnarbeit durchzu führen, mit allen Mitteln zu hintertreiben. Herrn Günter, wo noch gestreikt wird, unterstützen sie durch Zahlung seiner Miete, und ein Gleiches haben sie andern Zwischcnmeistern für den Fall zugesichert, daß es auch bei ihnen wegen der Lohnarbeit zu Differenzen kommen sollte. Und der Kleinmeister Gummersbach, der die Lohnarbeit infolge Streiks kürzlich bewilligt hatte, hat jetzt auf Betreiben der Fabrikanten wieder Accordarbeit verlangt, so daß die Arbeiter am Montag in den Streik getreten sind und der Filialvorstand die Sperre verhängt hat. Die Versammlung billigte einstimmig nach lebhafter Debatte dies Vorgehen und be- schloß, daß au der Lohnarbeit, wo sie eingeführt sei, unbedingt fest zuhalte» ist. Weiter wurde der Filialvorstand beauftragt, möglichst auf die Einführung des Lohnsystcms bei allen Zwischcnmeistern hin zuwirken. Tie Lohnbewegung der Bauarbeiter macht stetige Fort schritte. Zu den neuen Bedingungen sind jetzt schon über 1000 Ar bciter auf rund 90 Baute» beschäftigt, während 321 Arbeiter auf 69 Bauten im Streik liegen. In voriger Woche wurden 257 Streikende mit 311 Kindern unterstützt.— Das Organ des Arbeitgeberbundes, die„Bangeiverks-Zeitung", schreibt in seiner letzten Nummer, daß die etiva erfolgten Arbeitseinstellungen leicht nnd schnell abgewehrt werden konnte» und daß ferner das Angebot a» Arbeitskräften den Bedarf Iveit übersteigt. Diese Darstellung ist falsch, sie erscheint um so unverständlicher, als es dem Blatte doch bekannt sein müßte, daß gerade die namhaftesten der dem Arbeilgebcrbunde angehörigen Firmen bereits die neuen Lohnsätze zahlen.— Mit der Hei m- st ä t t e n- A k t i e n g e s e l l s ch a f t, die ständig über 300 Bau- arbeitcr beschäftigt, ist am Dienstag ein Arbeitsvertrag auf Grund- läge der neuen Forderuiigen, gültig bis zum 1. Juli 1904, ab- geschloffen worden. Tcntsche» Ncich. Achtung» Steinsetzer! In C h e m n i tz sind bei der Finna Müller Differenzen ausgebrochen, da der Inhaber derselben sich plötzlich weigert, den durch Tarifvertrag mit der Innung ver- cinbartcn Lohn zu zahlen. Als die Steinsetzer auf ihrem Recht be- standen, wurde» sie ausgesperrt. Dasselbe Schicksal widerfuhr den Steinsetzern der Firma Walter in Leipzig, als die crsteren darauf bestanden, daß die vor dem Einigungsamt festgelegten Ruhe- ssogenauute Fünfzehn«) Pausen auch eingehalten werden. Zuzug ist fenizuhalten. Zum Stuttgarter Manrerstrcik schreibt die„Schwäbische Tagwacht", daß auch jetzt»och, 2Vs Wochen nach Beginn des Streiks, so gut wie keine Streikbrecher zu verzeichnen sind. Der Geist der Ausständigen ist ein vortrefflicher. Da der Ccntralvcrbaud der Maurer über achtunggebietende niaterielle Hilfsmittel verfügt, sso dürfte eine baldige Beendigung des Ansstandes bei dem Starrsinn der führende» Geister im Baugewerbe, denen es die Stuttgarter Straßenbahudirektion angethan zu haben scheint, nicht in Aussicht zu nehmen sein. Ob es die kleinen Unternehmer an, Platze so lange aushalten können, wie es im Wunsch ihrer kapitalkräftigen Führer liegt, ist eine andre Frage. Dio Lohnbewegung der M a u r e r, Z i m m e r e r und Dach- decker in Stralsund ist zu Gunsten der Arbeiter verlaufen. Die Arbeitgeber bewilligten für die Zeit vom 15. Angnst rcsp. 15. September ab einen Stundenlohn von 40 Pf. Vorher bekamen die Gesellen 38 Pf. Die Schmiede NcgcuSbnrgS sind in eine Bewegung eingetreten; es wird ersucht, de» Zuzug nach dorthin fernzuhalten. AnSland. AnSfperrnng nnd Streik im Baugewerbe zu Haarlcm. 300 Maurer und Bauarbeiter in Haarlein sind ausgesperrt ivorden, weil sie für ihre Organisation das Recht beanspruchten, über die Verhältnisse auf den Arbeitsstätten mitzubestimmen. Aus Solidarität mit den Ausgesperrten haben 80 Stnccateure die Arbeit eingestellt. Die Marmorarbeiter in Goldach bei St. Gallen sind wegen Nichtiunchallung des Tarifs und schlechter Behandlung in den Streik eingetreten. Der Ausstand der Angestellten der Straßenbahn in Trieft ist beendet. Die Bergleute vou Plymvnth nnd Ctzscrthfa beschlosscn — so wird i'ms aus London geschrieben—, die sechsmonatliche Kündigung der Glcitskala am 1. Juli einzureichen und gleichzeitig den Achlsl'undentag ciuschließlich Ein- und Ausfahrt zu fordern. Die Bäckergeselle» von Borkshirc sind in eine Lohnbewegung eingetreten. Sic fordern für Vorarbeiter 36 Sb. die Woche, für die übrigen 32 bez. 30 Sh. Die Arbeitszeit soll nicht niehr als 9 Stunden betragen. Ueberstunden sind mit einem Aufschlag von 50 Proz. zu bezahle»: die Sountagsarbeit soll gänzlich abgeschafft iverde», wenn sie in Ausnahmefällen zugelassen ist, muß doppelter Lohn bezahlt werden. Die Unternehmer haben eine Antlvort auf diese Forderung noch nicht erteilt. Die Eiscnbahn-Angestellteii in Spanien wollen in einen Generalstreik eintreten, falls ihnen die geforderten Lohnerhöhungen nicht bewilligt werden. Die Lage in der Provinz Polcsina sJtalien) spitzt sich von neuem zu. Die Grundbesitzer haben alle diejenigen Arbeiter, welche sich an den Streiks beteiligt hatten oder die organisiert sind, von den Erntc-Arbeiten ausgeschlossen; man ist an einzelnen Orten sogar soweit gegangen, alle diejenigen auszusperren, deren Namen auf den Wahllisten stehen. Die Gärung ist eine große und man befürchtet den Ausbruch von Nevoste»._ NeiMnttttlttttgen. Sonntagsruhe im Handelsgewerbe forderte auch eine von der Ortsgruppe Berlin der Allgemeinen Vereinigung Deutscher Buch- handlung's- Gehilfen am Dienstagabend abgehaltene stark besuchte öffentliche Versanmilung. Nach einem Referat des Nedactcurs Hildebraiid beauftragte' die Versanmilung den Einberufcr, keinen Schritt unversucht zu lassen, um auf ortsstatutarischem Wege die völlige Beseitigung der Sountagsarbeit im Handelsgewerbe zu er- zielen. Sie beschloß weiter, in derselben Weise wie der Central« verband der Handlungsgehilfen und-Gehilfinnen Deutschlands, die reickisqesctzliche Einführung der 36stündigen Sonntagsruhe im Handelsgewerbe durch fortgesetzte Agitation, sowie durch Eingaben NN den Bundesrat und den Reichstag unermüdlich zu erstreben. Die Versammlung gestaltete sich zu einer entschiedenen Kundgebung für die Sonntagsruhe. Oeffcutlichc Bcrsammlniig der Musikinstrumcntcn-Arbcitcr. Bekanntlich waren die Arbeiter der Piauofortefabrik von Schopf, MarkuShof, gezwungen, am 11. Juni in den Streik zu treten. Ob- schon der Streik und seine lirjachen in kürzester Zeit bei allen Fach- kollegen bekannt war, fanden sich doch Arbeitswillige, darunter auch Mitglieder des Hirsch- Duuckerschcn Gewerkvereins, besonders ein gewisser Merkel. der bis vor kurzem noch eine Vor- traneuSstellung im Gewerkverein inne hatte. Dieser zog auch noch andre Mitglieder seiner Organisation in die ge- sperrte Fabrik, und betrieb dann unter den Arbeitswilligen eine rege Agitation für den Hirsch- Dunckerschen Gewerkverein. Nut dem durch Merkel und Genossen geschaffenen Zustande in der Schopffchen Fabrik ein Ende zu machen, ivandten sich die Vertreter der slreikeuden Jnstrunieuteimiacher a» die Leitung der� Hirsch- Dunckerscheu Zweigorgamsatiou. ES fand auch eine Besprechung statt, deren Resultat war, daß daS Vorgehe» Merkels von den meisten seiner Orgauisationskvllcgcn a u S d r ji ck l i ch g e b i l l i g t wurde. Die Herreu ivaren nämlich der Meinung, dem Geiverkverein müsse vou jedem Streik offizielle Meldung gemacht werden, damitgeprüftwerden könne, ob solch Streit auch berechtigt sei oder nicht! Private Mitteilungen über den Ausbruch eines Streiks genügten nicht, um die Gewerkvereiuler von gesperrten Arbeitsstellen fernzuhalten. UebrigenS läge es auch in der Absicht der Gewerkvereiuler, Arbeitsplätze zu schaffen, wo sie selbst und nicht die Mitglieder der freie» Gewerkschaften ausschlaggebend seien.— Die Vertreter der Streikenden wandten sich in dieser Sache an den Neramwortliew'' lactcur:«ort Leid m Berlin. Für dm Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Boving m Berlin. Generalrat der Hirsch- Dunckerschen Gewerkvereine. In dessen Antwortschreiben wurde denn' nuch anerkannt, daß der Streik ein berechtigter sei und daß die Mitglieder des Gewerkvereins anf- gefordeirt wären, am Wochcnffhliiß, die gesperrte Arbeitsstelle zu räumen. Gleichzeitig erfolgte d Mitteilmig, daß Merkel nebst zwei andren Mitgliedern aus dem V�ewerkverein ansgeschlossen seien. DaS Gebahren des Geiverkvereinlö�s wurde von der Versammlung gebührend gewürdigt. Unter den verschiedenen Rednern ivar es besonders der Vorsitzende S i ck§ f e l d, der in scharfer, aber sachlicher Weise das unsolidarischc Verhalten und die kapistalisteiifremidliche Tendenz jener Organisation geißelte. Nur schwach �polemisierte der Gewerkvereiuler Rose gegen die von alle» Seiten erhobenen allgemeinen Vorwürfe, er gab jedoch zu, daß seine Kollege lleradezu unverantwortlich ge- handelt hatten. Zum Schlüsse fand eine Resolution Annahme, worin das Verhalten der Hirsch- Duuckerjcmer auf das cutsckiiedcnstc ver- urteilt wurde und des ferneren beschaffen ist. den Streik bei der Firma Schopf w e i t c r z ri f ü h r e n. Eine öffentliche Bäckerverscnflmlung tagte am Dienstag bei Vrochnoiv. Weberstraße. Sie befiijste sich mit dem Verhalten der Meister gegenüber den im Jahrs 1900 festgelegten Eiuiguugs- bedingnugen. Der Referent Schneider führte unter auderm aus: Zwei Jahre sind verflossen, seitder» die von den Junuugtmeistcrn vor dem Einigungsamt des Gewerbe Gerichts anerkannten Bedingungen in Kraft treten' jollien. Alle Versuche und Anstrengungen, die im Verlauf dieser zwei Jahre von deck Vertretern der Gehilfen gemacht wurden, um die Meister zur strikten Durchführung ihrer Ver- sprechungen zu veranlassen, sind l"s jetzt erfolglos geblieben. Der Redner ist der Ansicht, daß die Jnnungsmeister überhanpl nie die Absicht gehabt haben, die Einig»"gsbedingnngen zu erfüllen und damals mir zum Schein ihre' Zustimmung gegeben haben. In diesem Frühjahr versuchten d-e Gesellen, die Unterhandlungen wieder aufzunehmen, die auf di.e Durchführung der Einiguu'gs- bedingungen von 1900 gerichtetem Anträge wurden aber von den Meistern schroff abgelehnt.„Streikt»ur! Streikt nur!" wurde den Gesellenvertrclern zugerufen.„W'm werden Euch schon zu Paaren treiben!" Der Referent ist der A"ficht, daß die Organisation bald stark genug ist, um bei gelegener Zeit einmal ernstlich vorzugehen: heute schon lönue mau in Dentsdftt""t> auf Tausende rechnen, die einen solchen Kanipf unterstützen � würden. Des weiteren wies der Redner auf die höchst mangelhafte Kontrolle der Bäckereien hin. Die «onutagSruhe sei von der'Polizei»ocki nicht ein cinzigcsmal richtig konirolliert worden. Tie Zuständig hinsichtlich der Reinlichkeit seien ihaisächlich noch erbärmlicher, als ,sic jciuer Zeit im„Vorwärts" und in der Broschüre geschildert ivurtwn.— Nach lebhafter Diskussiau wurde eine im Sinne des Referats gehaltene Resolutiou einstimmig aiigcnommcil. In derselben ivird gesagt: Die Versammlung steht heule, genau wie vor zwei Jahren, als auch im Jahre 1889, auf dem Standprnikte: das erste Erfordernis zur durchgreifenden Besserung dser Zustände im Bäckergcwcrbe ist die B e s e i t i g u n g des Kost- n» d L o g i s w c s c n s beim Meister. Obwohl die Versa, mstlimg durch das provokatorische Vor- halten der streillnstigeii Meister stch nicht zu imbesoiiiieiieu Schritten hinreißen läßt, wird sie nicht ruhi'ü, bis diese Forderung erfüllt ist.— Sodann referierte M o st über he» Erlaß einer Haus- und Back- stubcn-Ordiiling. Die Backstuben- Ord»,»ig. die von beiden Jnniingär eingeführt wurde, ohne daß die(ZleseNciiaiisschüssc über ihre Meinung befragt worden wäre», zeichnet stich dadurch aus, daß sie anscheineuo bei dein Publikum den Eindruck erwecken will, als ob die Geselle« die Schmiitzfinken sind, die an aylcn Uiircinlichkcitcn in den Bäckereien die Schuld tragen. Der Refefleut erklärt, daß in den meisten Bäckereien die Vorbediiigiingcu t?"r Jimchaltiuig eines Teils der Vorschriften für die Gesellen süberhanpt nicht vorhanden sind.— Zu diesem Punkt wurde folgende Resolution einstimmig angenommen: „Die Bersaimiilimg erklärt die, herausgegebene Backstubeii-Ordimug ihrerseits nicht für bindend, da d ste ohne Znstinimiiiig der Geselleu- ausschüsse aiigciioiiimeu wurde. Außerdem erklärt die Veriammlung: die Meisterschaft möchte erst ihrers«r*t« dafür sorgen, daß die Verhältnisse und Einrichtungen gegeben sind,» m eine derartige Verordnung inne zu halten. Vis heute iiiüsscsiezugcbci.is— uiidwirstcNciicsaiiheiiii. jederzeit den Beweis aiizutretcu— daß gcht die Gesellen diejenigen sind, die die Schuld daran tragen, daß Bepte noch erhebliche Mißstände in Bezug auf Reinlichkeit existiere».'a Klempner. Am 25. Juni tagte im GelvcrkschaftShause eine Versammlung der Klempner, Ivel che sich mit den Ursachen der letzte» schweren B a n- U ff,? ä l l e beschäftigte. Der Referent führte auS, daß die Ursache der.Jele» Bau-Uiifälle auf die schlechte Beschaffenheit der Schiitzgerüste ,'urückznführen sei. Er wies nach» daß mich die letzten Unfälle a derselben Ursache e,itsta»deu sind. In der DiSknisioii, in ivelckcr cj>von allen Rednern die Mißstände kritisiert wurden, gedachte die-rsammluiig der Opfer der Unfälle im Monat April, in ivelchei fünf Klempner abgestürzt sind. von denen drei starben. DeS».l- leren wurde ausgeführt, daß allein im Bereich der Orts-Kranke»'�,5° der Klempner Berlins in den letzten 5 Jahren 20 Kollegen storch Unfall auf Baute» ihr Leben verloren. I», Bereich der' nor'� tlichcn Baiigewerks-VenifSgcnosseii- schafl gab es in den letzten zekti,,.Jahren 1408 Tote. Groß ist auch die Zahl der durch Unfall Vcrstn,, c». Die Versaninilung nahm eine Resolution a». welche von deiw» ehördeil die Anstellung fachniännisch gebildeter Baucontroleure ve. ffgt, imd die Kollege» auffordert, alle auf Bauten bestehendcr Mißstände der Bauarbcitcrschutz- Konnnissioii zu melde». Arbeiter-Bongenosseuschonft„ParadleS". Zu dem vom Schriftführer dieser Gciioffenscbafdt eiiigesandtcu Bericht in Nr. 151 des„Vorivärts" sendet uns der ikassterer folgende Berichtigung: Es muß heißen: Eiiinahme 1869,30 M., Ausgabe 487,58 M., Bestand 1381,72 M. Central Krauken. imb Bearä!biiiskasse für Frauen m,d Mädchen Deutschlands. Donnerstag, den n Juli, abends«>/» Uhr. im Geweri- schastshaufe, Engeluser 15, Saal 7:"Hauptversamiiiluiig. Verband deutscher Barbier' r, Friseure und Perrückenmacher (Zweigverein Berlin). Donnerstag., den 4. d. M.: Generalversal», iilunz. _ Zr- Uetztv NAchvirtzfr/m und Vepeschen. lieber die hessisch,� Wahlrechtö-Refor», wird in Ergänzung unsres Privg-at-T-legran»,>S noch folgendes ge- meldet: Torinstodt, 2. Juli.(». H) Die Zweite Kammer begann heute die zlveite Lesung der Äab.„lrechtS-vorIage. I», Artikel III, der von der Zilsammensetziliig der Z»'1«iten Kammer handelt, erreichte keiner der gestellten Anträge die vc fasÄungsmäßig erforderliche Ziveidrittel« Mehrheit. Für die Regier ing.,, Svorlagc. ivelche eine Vermehrniig der städtischen Vertreterzahl voi", 10 auf 15 vorsieht, stinimten 27. dagegen 19 Abgeordnete. D, d)ie Regier,»ig erklärt hat. von dieser Bestiinmiing nicht abgehen m-'könne», ist das Ziistandekoinmen der WahlrcchtS-Vorlage sehr fro eich geworden. Anck der Eintritt von drei Bürgermeister,, von Slä ter-> mit Städke-Ordmmgen in die Erste Kammer wurde abgelehnt. � n_ Stuttgart, 2. Juli.<».°�H.) Gesten, brach in Böhmenkirch (Amt Geißlingeu) eine Frnersb Srnnst aus. durch welche 12 Häuser eingeäschert wurde». Das-«„mur. welches sehr rasch um sich griff, soll durch spielende Kinder intstchailden sein. Lulea, 2. Ii, Ii.(W. T Bt.) Der Hamburger Dampfer „Wilhelm Oelffner", von ÄitSlschäunäs„ach Munssesund unterwegs: stieß bei Marakallen aus ß ru, r id„„d erlitt ein starkes Leck. Ein Teil der Ladung»mßte iiter wrBord geworfen werden. Bergmigs- dampfer sind von hier abpega», Pge». Lemberg, 2. Juli.(V. Ho».) Nach Abhaltung einer Protest- Versammlung g e g e � diSiä Marieuburger Rede des deutschen Kaiser» versuchte,, Stüde» ei, im» der vergangene» Nacht Straßen- demoiistratione». wurden j:dochl'e von der Polizei zersprengt. Arad, 2, Juli.(B. H.) m Hier sind die Maurergehilfen in den Streit getreten. e> Sofia, 2. Juli.(W. T. ldt Z.) Die bulgarische Regicriing hat Konstantiuopel von gesterr. ab Plls pcstperseucht erklärt und biS auf weiteres Quaraiitäneniaßregelii H angeordnet._ 4lii«4/lurr«eilo9e u. Unterholtnngsblatt. Hr. 152. 19. Mmt. ffildp Tittttr Koiigrtd dtr lirißlilsic» CcivtrWllsttn DttitsisilandS. München, 1. Jnli 1902. In der hentiftc» Sitzniiji referierte M. Schiffer- Krefeld über den Schntz der gciverblich thätigcn Franc». Der Redner schlaft eine Resolution vor, die fordert: Hcrabsctznng des MaxiinalnrbeitStajics für Arbeiterinnen von 11 auf 9 Stunden; die Mittagspause soll für alle Arbeiterinnen auf niindestenS 1'2 Stunden festgesetzt werden; Verbot der Beschäftigunri von Arvcitcriunen in Hütten- und Bergwerken, im Baugeiverbe, sowie in Betrieben, die in sanitärer und sittlicher Hinsicht Gefahren bieten; die Bestimmungen der Geiverbc-Ordnung und der gesamte geschliche «rbeitcriiuienschntz sind nach Möglichkeit auf die HanZindustrie zu übertragen; den Arbeitgebern ist zu verbieten, ihre» Fabrikarbeitern nach beendigter� Arbeitszeit Beschäftigung mit nach Hause zn geben; Einschränkung der Fabrikarbeit verheirateter Frauen und zivar zunächst Einführung dcS Achtstundentages, der all« nuchlich durch Halbtagsbeschäftigung erseht werden soll; den Gclvcrbe-Jnspektorc» solle» möglichst überall Assistenten und Assistcnliunen aus dem Arbcitcrstande an die Seite gestellt werden; ferner sei z» erklären, daß die gewerkschaftliche Or- gainsation der gcivcrblich thätigcn Frauen eine zwingende Not- wcndigkeit sei; innerhalb der Organisation soll baldigst einehin- reichende Zahl von weiblichen Vertrauenspcrsoncn ernannt iverdcn, du", de» Vorständen zur Seite stehen- für jugendliche Arbeiter ist das.gesetzliche Schiitznlter von 16 auf 18 Jahre hernufziisetzen und die gesetzlich zulässige tägliche Maximal- Arbeitszeit auf 9 Stunden (für Arbeiter im Alter von 14 bis 16 Jahren auf 8 Stunden) zn rcducteren. Nach einer langen Debatte wird die Resolution mit einigen Modisikationen angenommen, deren wesentlichste darin besteht, dast der Maximalarbcilstng für Arbeiterinnen nicht auf 9, sondern auf 8 Stunde» herabgesetzt iverden soll. Der Dienstagnachmittag ist reserviert für die Gencralversamm- l»ng des GesamtverbandeS der christlichen Getverkschaftcn Deutsch- lauds. Zunächst wird über den Vorschlag verhandelt, einen General- sekrctär deS GesamtverbandeS»nd einen Sekretär für Mittel-»nd Stiddeiitschlaiid anzustellen. Brust empfiehlt als Generalsekretär Herrn S t e g e r!v a l d- München, der 2400 Mark Gehalt bekomme» soll. Als Sekretär für Mittel- und Süddentschland ivird G i e st l c r- Freiburg vorgeschlagen. Die Austellnng des Generalsekretärs und des Sekretärs wird nach längerer Debatte gcnchmigt. Der NecheiifchnftSbericht liegt gedruckt vor»nd weist bei einer E'mwknne von 10137 M. eine Ausgabe von 8777 M. auf. 83 111 st fügt noch bei, der Ausschust sei zu der Ucbcrzengnng gekommen, dast cS unmöglich sei, nnt Wieber weiter zusanimen zn arbeiten.— G 1 e s b e r t s berichtet über die m i t W i e b e r b e st e h c n d e n Differenzen. Letzterer habe im AuSschust friedlich mit de» andren znsammengetagt, Ivnhrcnd er schon einen heftigen Angriffsartikcl ivegen der Zollfrage in die Presse gegeben hatte. Wegen dieses Benehmens, nicht wegen der Zollfrage,' über die man recht gut andrer Meinung sein könne, seien die heftigen AnSeinandersetznnge» entstanden, die nicht aufhörten, zumal Wieder niit persönlichen Verdächtigungen geantwortet habe. Er rate nicht zum Bruch: aber zum weiteren Znsaninienarbcitcn fehle doch daS nötige gegenseitige Vertrauen.— Gegenüber diese» Auschnldignngen, die auch von Schiffer- Krefeld und W i e d c b e r g- Berlin unter- stützt iverdcn, hält Wieb er daran fest, dast die Slreiligkcile» von dcni Momente datieren, da er in seinem Blatte gegen den Zolltarif Stellung nahm. Dieser Artikel ging auch die Mitglieder des Metallarbeiter- Verbandes etivas an. Aber Giesbcrts. Bnist usw., die sich eben schau festgelegt hatten, masttcn sich an, diesen Artikel zu krilifieren.' Hätte» die Herren geschwiegen, dann wäre der ganze Streit nicht entstanden. Es wurde damals behauptet, dast die christlichen Arbeiter für die Zollerhöhnngcn seien. Als Arbeiterführer habe er es für seine Pflicht gehalten, m seinem bekaimtcn Aitikel gegen diese Anffnsiung zn protestieren. Es seien nur Kleinigkeiten, die das ganze Auklagematerial gegen ihn bilden. Wenn er geschrieben habe, die Arbeiter solle» sich in Znknnft ihre Vertreter besser aussuchen, so beziehe sich das auf die politische Vertretung, nicht, wie willkürlich behauptet werde, auf die gcwerk- schastliche Vertretung.v e r d e r. Inhaber H e n g e I, für die Arbeiterschaft gesperrt ist. Trotz alledem wollen die A r b e i t e r der E l e k t r i c i t ä t S- g e s e I l s ch a f t„Union" in dem Lokal ein Fest abhalten. DieS Verhalten ist um so mehr zu verurteilen als Herr H e n g e I in schroffster Form alle Bemühungen der Lokalkominission, das Lokal freizubekommen, zurückgewiesen hat. Wer in Lokalangclegcn- heilen dcS Ortes unterrichtet sein will, wird ersucht, sich bei Eh. Hofmann, Hasselwcrderstraste 4, Nieder-Schöneweide zu melden. Die Arbeiter der Fabrik von Pfeiffer u. Drnckenmüller in Schöneberg unternehmen am Sonnabend, den 12. Jnli, eine DsillltlMg, 3. lull 1902. Landpartie nach dem Restaurant„Schloß Tegel". Wir machen darauf aufmerksam, dast der Wirt des Lokals seinen Saal der Arbeiterschaft zn Versa in m l n 11 g e n verweigert. Die Lokalkominission. Partelgcnossinne» und Genossen zur Nachricht, dast am Freitag, den 4. Jnli, abends 8 Uhr, auf dem Bock, Fidicinstraste 2, eine Versammlung stattfindet, in welcher Genosse H. Ströbel einen Vortrag halten wird. Zweiter NcichStagS-WahIkreis. Die Parteigenossen werden ersucht, sich Sonntag früh 7 Uhr recht rege an der Flugblatt-Ver- breitung zu beteiligen. Die Genossen Huben sich in folgenden Lokalen einzufinden: Werner, Hagelsbergcrstr. 2; Borgfeld, Arndtstr. 35; T h 0 m s e n, Mittenwalder« und Gneiseuanstrastcu- Ecke; L i n d e m a n n, Moritzstr. 9; Fischer, Bocckhstr. 7. Weistcnsce. Parteigenossen, die sich SonntaganderKontrolle beim VollSfest im Schloß Weistensee beteiligen wollen, werden er- sucht, heute abend bei Gartz, Lehderstr. 5, zu erscheinen. _ Der Verlraucnsmann. Lostnles. Die Verteuerung der Extrazngöfahrtcn. Die Extrazugsfahrtcu sind Jahrzehnte hindurch in Berlin ganz außerordentlich beliebt gewesen. Nach Biesenthal und Ebcrswalde, Frciciiwalde und Chorin, nach Stettin, nach Slvineinünde und der sächsischen Schweiz, nach dem Ricsengebirge und weiter hinaus nach Süddentschland ergoß sich in jedem Sommer ein Strom von A11S- flüglern und Reisenden, die die ihnen gebotene verhältiiismästig billige Fahrgelegenheit gern benutzten und dafür die mancher'' flu- bequemlichkciten, die mit solchen Extrazugsfahrtcu verbunt... sind, geduldig in den Kauf nahmen. Inzwischen ist das anders geworden. Die Verlängerung der Gültigkeitsdauer der Rückfahrtkarten hat die unerwünschte Neben« Wirkung gehabt, dast gleichzeitig die Extrazngsfahrten, soweit sie bisher noch beibehalten worden sind, in recht fühlbarer Weise vor- tencrt worden. Bei manchen Extrazügen ist der Fahrpreis ja schon früher erhöht worden, bei denen nach der sächsischen Schweiz schon vor mehreren Jahren; andre ExtrazugSfahrlen aber sind erst in neuester Zeit verteuert ivordcn. Die Folgen dieser Tarifpolilik haben sich denn auch rasch gezeigt: Die Benntznng der Extrazüge ist sofort bedeutend zurückgegangen. Die Züge nach Stettin z. B. sind jetzt so schwach besetzt, wie noch nie, und die Züge nach Eberswalde, Freienwalde usw. zeigen gleichfalls eine merkliche Abnahme des Verkehrs. Wir halten diese Wirkung der ExtrazngSverteuerung für sehr bedauerlich. Die„Reform", die man sich da wieder einmal geleistet hat, wäre zur Not begreiflich bei längeren Extrazngsfahrten, für die die Billcts auf viele Tage oder auf Wochen hinaus Gültigkeit habe». Hier kommt es in der That nicht so sehr darauf an, ob das Billet ein paar Mark mehr oder weniger kostet; denn hier bilden die Kosten der Fahrt nicht die Hanplansgabe. Aber bei kürzeren Aus- flügcn von wenigen Tagen oder gar nur von einem Tage innst sich eine Verteuerung der Fahrt recht unangenehm fühlbar machen. Nach Stettin, daS wir als Beispiel herausgreifen wollen, knhr man früher hin nnd zurück für 3 Mark, heute kostet i[: cinlcigige Extrazugsfahrt 5,40 Mark. DaS ist selbst für den, der außerdem noch denselben Betrag für Zchrnng ustv. ausgeben kann und will, ein recht erheblicher Unterschied. Den vielen andren aber, die sich den Tag über aus ihrem„Frcstkober" beköstigen, wird durch die Erhöhung deS Fahrpreises von 3 M. auf 5,40 M. die Be- Nutzung dieser Extrazüge zumeist unmöglich gemacht. Die Extrazngsfahrten waren bei den früheren Preisen erfreulicher« weise auch für manchen weniger Bemittelten, für manchen Arbeiter ein nicht völlig unerreichbarer Gcnnst. Gewissen Kreisen, die bei jeder über einen blosten Spaziergang hinausgehenden Erholung der Arbeiter- bevölkernng sofort von Vergnügungssucht reden, mag die Verteuerung der ExlrazugSfahrteu insofern ganz erwünscht sein, als sie die weniger Beiuitlelten„von unniitzcn Geldauögaben abhält." Mit solchen Leuten ist natürlich nicht zn streiten. Wer aber gerecht urteilt, der wird zugeben müssen, dast diesen Extrazngsfahrten ein VildungSwcrt iiznewohnt, den man nicht hoch genug anschlagen kann. Durch die Vcrtcucrnng der Fahrpreis, wird, vielen Berlinern entweder überhaupt die Möglichkeit genommen, von Deutschland noch etwas mehr als die Oberspree nnd die Havelgcgend kennen zn lernen, oder aber sie werden genötigt, sich den kostspieligen Genuß eines über die nächste Umgebung Berlins hinanSrcicheudcn Ausfluges für ei» Lebensalter aufzusparen, in welchem sein bildender Einfluß bei weitem nicht mehr in derselben Weise wie in den jüngereu Jahren zur Geltung kommt. Die erste Kostenrechnung der Milchccntrale wird jetzt von Herrn Ring-Düppel präsentiert. Unmittelbar nach der letzten Gcncralversammliittg ist den verschiedenen in Liquidation befind- lichcn bäuerlichen MilchverwertiingS-Geuoffenschaften eine formular- '"ästige ZahInngSausfordening zugegangen, worin in jedem einzelnen Falle mehrere Tausend Mark für die Milch- centrale verlangt Iverden. Wenn die Rtilchcentrale auS ver- ständlichen Gründen der großen Meilge ihrer Genossenschafter noch nicht knnd gicbt, was das große Unternehmen des MilchkricgcS und Milchriiiges bisher dar gekostet hat, so war sie durch die strikten Be- slimimnigen des Genossenschaftsgesctzcs gezwungen, de» liquidierenden Genossenschaften gegenüber aus ibrcr Reserve hernnSznlrclen. Die Aniiieldnng ihrer Forderungen innst nämlich hier nach gesetzlicher Vorschrift vor Beendigung der laufenden Liquidation nnd vor Ablauf de« Spcrrjahres ersolqcn, auch wen» eine ziffernmäßige Festsetzung der Höhe des definitiven Schuldcnauteils seilens der Centrale noch nicht angängig ist. Die Summen, die Herr Ring-Düppel beispielsweise in zwei Mahnschreibe» von verschiedene» liquidierenden Genossenschaften beaufprucht. beziffern sich jedesmal auf 9265 M. Diese Summen geben den übrigen noch im Milchring verbleibenden Genossenschaftern einen leichten Vorgeschmack dessen, was ihnen selbst inZukunft bevorsteht. Nebenbei sei bemerkt, das; die bäuerlichen Genossen- schaften, von denen Herr Ring je 9265 M. bar verlangt, im Durch- schnitt ans 12 bis 15 kleinen Büdnern nnd 1 bis 2 Bauern- gutsbcsitzern bestehen. Das Vorgehen der Milcheentrnle dürfte das Signal dazu sein, dast sich auch die übrigen bäuerlichen MilchverwertungS- Genossenschaften beeilen, ihre Liquidation zu be» schließen. Die Milchccntrale innst die Anflösnng dieser Genossen- schaften ruhig hinnehmen. Nach den Bestimmungen des Gesetzes hat sie keinerlei Recht, den Liquidalionsbcschlüsscn der ihr gehörigen Genossenschaflen zu widersprechen. Die Großgrundbesitzer, die an der Idee des MilchkricgcS noch immer eifrig festhalten, haben sich in einzelnen Fällen vergebens bemüht, den bäuerlichen Genosfenschaften die unrichtige Meinung beizubringen. diese dürften ihre Liquidation erst beschließen, nachdem sie die Centrale wegen deren Forderungen befriedigt oder sichergestellt hätten. Bei den nunmehr bevorstehenden Prozessen zwischen der Centrale nnd ihren ebcmaligcn Genossenschastcrn wird aber noch eine zweite in der letzte» Generalversammlung gestreifte Frage akut werden, nämlich: ob die Centrale ihre Forderungen den liquidierenden Genossenschaften gegen» über auch beitreiben kann. Die bäuerlichen Genosjenschasten haben es zumeist absichtlich unterlassen, ehe sie in Liquidation traten, eine Erhöhung der Haftsumme ihrer eignen Mitglieder zn beschließen. Jnfolnedesse» haben diese Genossenschaften nicht die geringste Mödlich teil, selbst wenn liegen sie Urteile ergehen sollten, ihre eignen Mit glieder zur vollen Befriedigung der Centrale heranzuziehen. Die bäuerlichen Mitglieder haben ihre sehr niedrigen Anteilsuinmen längst eingezahlt, und diese Sumnien sind auch längst ausgegeben. Zu Iveiteren Zahlungen iiberdieganz niedrigen Haflsunnneuhiiians sind aber die bäuerlichen Mitglieder der Genossenschafte» statutenmäßig absolut nicht verpflichtet und sie können deshalb, nachdem die Liquidation einmal beschlossen, allen weiteren Schritten der Milchccntrale in ziemlicher Gemütsruhe entgegensehe». Das ist der Grund, weshalb die verschiedenen Mahnschreiben der Milchcentrale wieder einmal eine recht bedenkliche Stelle in dem wirtschaftlichen Aufbau des Milch ringes bloslegen. Kinderspiele. Der in der Arbeiterschaft in gutem Ruf stehende Turnverein„Fichte" hat es unternommen, Ivähreud der Schulferien Kinderspiele zu veranstalten. Der Verein macht daran aufmerksam, tvie wenig der Proletarierjugcnd in Berlin Gelegenheit zum Spielen gegeben ist, wie selbst die Rektoren sehr vieler Gc mcindeschulen sich weigern, die Schnlhvfe der Jugend frei zu geben Au die Eltern und Vormünder ergeht daher die Bitte, das Vor haben des Vereins dadurch zu unterstützen, daß sie soweit als mög lich mit ihren Kindern zu den vom Verein veranstaltete» Spielen konrmen. Die Spiele finden statt an den Sonntagen dieses Moilats also am 6., 13., 20. und 27. Jnli, vormittags von 9 bis 11 Uhr. Es können daran Knaben und Mädchen teilnehmen. Die Spielplätze des Vereins befinden sich inr Nordost Bezirk ans dem Sportplatz„F r i c d r i ch s h a i n". Treff Punkt: LandSbergerplatz am Kriegerdenkmal. Im Südost-Bczir auf dem Spielplatz im Treptow er Park. Treffpunkt Ober-Freiarchenbrücke am Schlcsischen Busch. Im N o r d- B e z i r auf dem Spielplatz„Jungfer»Heide" beinr Förste Schulz. Treffpunkt: Bahnhof Beusselstraße. Trcffzeit fü alle Bezirke vormittags 8 Uhr. Maßregelungen do» Arbeiter» der Englischen Gasanstalt Ans deni Verbandsbureau der städtischen Arbeiter erhalten tvir folgende Zuschrift: Die Imperial Continental Gas-Association, deren Vorgehen erst neulich gekennzeichnet ivnrdc, fährt fort, bei ihren Entlassungen die organisierten Arbeiter zu„bevorzugen". Am vergangenen Sonnabend sind iviedcrum gegen 15 Rkniiii auf dem Werke in Marieudorf für ihre Zugehörigkeit zur„Verbesierungs kolonne"— wie sich der auszahlende Beamte recht geschniacklioll auszudrücken beliebte— mit der Entlassung bestraft ivorden. Ihr ganzes Verbreche» bestand darin, daß sie sich im Verband aufnehmen ließen; dies wurde demHerrn„Obermeister", der früher auch als Arbeiter zu den unzufriedenen Elementen gehörte, von seinen Zuträgern übcrbracht und die Folge dieser Verräterei ergab sich von selbst. I» welcher Weise diese Maßregel betrieben wurde, geht daraus hervor. daß mau einem entlassenen Arbeiter, der bereits l'/s Jahre aus dem Betriebe thätig ivar, auf seine Frage nach dem Grund der Entlassung die Antlvort gab:„Weil Sie der jüngst angefangene Arbeiter sind!" lind das, trotzdem schon Dutzende nach ihm eingestellt tvorden sind. Auch auf dem G a S tu e r k in S ch ö n e b e r g vor- langte der leitende Ingenieur die Entlassung der„Hetzer". worauf ihm von dem Inspektor die lakonische Antlvort wurde, daß man dann alle Leute entlassen müßte Diese Antlvort schien der Herr denn doch nicht crivartet zu haben und resigniert meinte er,„daß ja dann nichts zu machen sei". Die Arbeiter der Englischen Gasanstalten iverdcn sich natürlich trotz alledem nicht beirren lassen. nach tvie vor versuchen, sich zu organisieren und für die Besserung ihrer Existenz eintreten. Eigelitümlich ist es aber, wie bei dem vom Generalbevollmächtigten dieser Gesellschaft, Bankier Delbrück, dem Verbände schriftlich gegebenen Zilgeständuis, daß sich die Gcschäftsleitung um das Thmi und Lassen ihrer Angestellten durchaus nicht kümmere, die Beamte» es wagen dürfen, im entgegengesetzten Sinne dieser in sehr bcstiininter Forin abgegebenen Zusicherung zu handeln- ftlci dem Gewitter am Dienstagvormittag schlug der Blitz mehrfach in Fernsprcchleitungen ein und beschädigte sie. Im Schau- haus in der Hannoverschenstraße und im Jnstitiit für Staatsarzuei- künde, das mit diesem unter einem Dache liegt, schoß unter einem kurzen Knall, wie von einem Revolverschutz eine Stichflamme aus dem Gehäuse heraus. Die Sicherungen Ivurden zerstört, die Apparate unbrauchbar gemacht. Ei» cigrntiimlichcs Versteck hatte für seine Beute ein Ein- brecher gewählt, der dieser Tage von der Kriminalpolizei fest- genommen tvnrde. Auf die Frage, wo er gestohlene Wertpapiere im Betrage von 4500 M. gelassen habe, wollte er zunächst keine Aus knnft geben. Schließlich bekannte er aber doch, daß er sie in der Charlotteustraße hinter dem Schaukasten des Buchhändlers Docholv versteckt habe. Hier fand die Kriminalpolizei in der That die in einen Briefumschlag gesteckten Papiere. Vom polnisch-prenßischc» Kriegsschauplatz. Eine polizeiliche Haussuchung fand gestern in der Druckerei des hiesigen Polenblattes, des„ D zZi e n ii i k B e r l i n s k i", sowie in der Privatwohnung deS Herausgebers W r o b e l statt. Sämtliche aufgefundenen Excniplare eines im Verlage des„Dziennik" erschienenen Sokol-Lieder- b n ch e s sind auf Andordmmg der Staatsanwaltschaft b e s ch l a g« nahmt. Die Polizei forschte auch nach einem zweiten polnischen Liederbuche, das in Posen, im Verlage der dortigen Zeitung„Praca", herausgekommen ist. Am Herzschlag verschied gestern vormittag der Schlosser Joseph Zwictowskh, der bei der Firma Siemens n. Halske in Char- lottenburg beschäftigt war. Zwietowsky klagte, nachdem er auf seiner Arbeitsstätte angekommen war, über heftiges Unwohlsein, sein Zustand verschlimmerte sich so, daß schnell ein Arzt herbeigeholt werden mußte. Noch ehe Hilfe zur Stelle war, hatte ein Herz- schlag dem Leben des 62 Jahre alten Arbeiters ein Ende bereitet. Ein Opfer deS Sonnenstichs ist der 36 Jahre alte Arbeiter Johann Kierock geworden, der auf dem Bahnhof Beusselstraße seit zwei Jahren als Verlader beschäftigt war. Als er am Montag- nachmittag um 5�/s Uhr von einem Eisenbahnwagen Kalk auf einen Mörtelwagen umlud, brach er plötzlich zusammen und starb in einem Rettungswagen auf dem Wege nach dem Krankenhause. Verloren. Verbandsbnch, Streikkarte, Krankenblich und Invaliden- karte ist dem Bauarbeiter Schoom, Chorinerstr, 23 ivohnhaft, vcr- lorcn gegangen. Der Finder Ivird gebeten, die Bücher dort ab- zugeben.' Einem indischen Zauberer war gestern ein Berliner Hoch- stapler„über". Draußen im Malabaren-Dorf auf der Radrennbahn Kurfürstendäniin produzierte sich einer der Jndier in seinen Zauber- kunststücken, die ihm in den ersten Tagen seines Auftretens etwas über 10 M.„Trinkgeld" einbrachten. Als er freudestrahlend seine Nickel zählte, trat ein feingekleideter Herr, der auf einem reservierten Platz gesessen hatte, zu ihm hin und fragte ihn auf englisch, ob er nicht lieber ein Goldstück dafür haben wolle. Der Zauberer bejahte diese Frage und schüttete dem Fremden das. ganze Kleingeld in die Hand. Letzterer entfernte sich mit dem Bemerken, er werde sofort ein Goldstück aus seiner Wohnung holen— aber vergeblich wartete der leichtgläubige Zauberer auf die Wiederkehr des betrügerischen Geldtvechslers, der ein sehr gewiegter Hochstapler zu sein scheint. Fenerbericht. Auch in den letzten 24 Stunden hatte die Wehr wieder zahlreiche Alarmierungen zu verzeichnen. Mittwoch früh kurz nach 5 Uhr wurde sie nach der Prinzenstr. 11 gerufen. Hier war auf dem Boden ein Brand ansgekonimen. der auf Braiidstiftuug zurückgeführt Ivird. Es branutcir Thüren, der Fußboden ec. Glück- licherweise wurde das Feuer rechtzeitig bemerkt, so daß die Webr es in kurzer Zeit ablöschen konnte. Es wurde indes festgestellt, daß der Brand mit Petroleum durchtränktem Papier böswillig angelegt war. Der Thäter konnte jedoch noch nicht erniittelt werden. Dienstag- abend 10 Uhr halten in der Landsbergerstraße Gardinen und Kleidungsstücke in einer Wohnung Feuer gefangen. das bald abgelöscht werden konnte. Kurz vorher hatte die Wehr in der Kastanien-Allee 22 einen Kellerbrand zu beseitigen, der in der Hauptsache Kisten und Verpackungsniaterial einäscherte. Nach mittags wurde der öffentliche Feuermelder auf dem Landsberger Platz böswillig gezogen, es gelang indes, des Thäters habhaft zu werden und ihn zur Bestrafung der Polizei zu übergeben. Preß kohlenbrände, die durch Selbstentzündung entstanden, beschäftigte die Wehr auf dem Schlcsischen Güterbahnhof und in der Pankstr. 21 Außerdem hatte die Wehr in der Zwischenzeit noch Alarinicrungen von der Spandauerstr. 56 und dem Friedrichshain 11 zu verzeichnen, die nur kleinere Brände betrafen. Aus den Nachbarorte». Die Rixdorfer Bandepntatiou stellte in ihrer letzten Sitzung die Durchfahrtshöhe unter den Brücken des Stichkanals, an dem jetzt weiter gearbeitet werden soll, endgültig fest. In den nächsten Tagen werden die Bedingungen für die Vergebung der Erdarbeiten ausgeschrieben werden. Ein Stück älteres Nixdorf wird demnächst mit dem Straßen bahndepot in der Erkstraße verschwinden. Das ziemlich ausgedehnte Terrain ist von einer Baugesellscbaft erworben worden. Es sollen dort moderne Wohngebäude erstehen. Mit dem Abbrechen der Schuppen, Ställe und sonstige» Baulichkeiten wird bereits begonnen und an einer Stelle— Kaiser Friedrichstraßc- und Schöustedtstraße Ecke— werden schon Ausschachtungsarbeiten für einen Neubau vor genommen. Die Zusammenlegung der Grundstücke auf den Juden tviese». der R ü st e r l a a k e usw., mit der sich kürzlich die Stadt verordneteu-Versaminlung beschäftigte, wird kräftig gefördert. Die Vcrhandliiiigeii schreiten vorwärts, und der erste Vcriucssnngsbcamte der Gcncralkoinmission zu Frankfurt a. O. war auch bereits in Rix� dorf, um die Vcrnicssnngsarbeiten vorzubereiteii. Man nimmt an, daß ini kommenden Frühjahr die Znsammenlegniig und Neu- Verteilung der Grundstücke auf jenen Flächen beendet sein wird, wo mit dann die Vorbedingungen für einen nciicii Stadtteil Nixdorf ge geben' sind. In Alt-Glieuicke haben unsrc Parteigenossen bei- der Nachwahl zur Gemeindevertretung einen bedeutsamen Sieg erfochten. Von den 180 abgegebenen Stimmen fiele» auf unsren Kandidaten Bäcker- mcister S t a d e l h o f 151; der Kandidat der Bürgerlichen erhielt 28 Stimmen. Bemerkt sei, daß uns bei der Wahl alle möglichen Schivierigkeiten in den Weg gelegt wurden, so verweigerte man uns konsequent eine Abschrift der Wählerlisten. Das überraschend günstige Resultat hat im gegnerischen Lager arg verschnupft. Der Kreistag dcö Kreises Teltow beschäftigte sich in seiner letzten Sitzung mit einigen Vorlagen, Ivelche auch für weitere Kreise von Interesse sind. Zunächst wurde der B a u eines schiff- baren V e r b i n d u n g s k a n a l s zwischen dem Teltowkanal jGricbnitzscc) und dem großen Wannsee beschlossen. Die Kosten sind auf 650 000 M. veranschlagt und sollen durch die Interessenten auf gebracht werden. Ferner stand ein Antrag zur Beratung über die Beteiligung des Kreises Teltow au dem Weiterbau der Rix- dorf- M i t t e n w a l d e r Kleinbahn nach dem Schöneicher Plan. Es wird beabsichtigt, diese Bahn, an welcher der Kreis bereits mit einem Aktienkapital von 200 000 M. beteiligt ist, weiter auszubauen, um chr neue Einnahmequellen zu erschließen. Der Kreistag beschloß, noch für 150 000 M. Aktien zu übernehmen. Die Firma Bering u. Wächter, Ivelchcr der Bau und Betrieb übertragen werden soll, leistet für dieses Kapital von 350 000 M. eine drciprozentigc Zinsgarantic. Es liegt auf der Hand, daß durch diese beiden Projekte zahlreiche Ortschaften nusrcs Kreises eiueii bedeiitenden Vorteil haben. Schließ- lich wurde noch der Bau einer Anstalt zur Erziehung von K r a n k e ii p f l e g c r i n ii e n für die Krankenhäuser des Kreises beschlossen. Als Domizil wurde Groß-Lichterfelde bestiinnit. Auch eine sociale That. Man schreibt uns aus Z e h l c n- dorf: Der Märkische Forstverein hat sich auf seiner 28. Jahres vcrsnmiiilimg auch mit der Lage der Waldarbeiter be 'chäfiigt. Wie allbekannt, gehören die Holzhauer mit zu den am schlechtesten bezahlten Arbeitern. Diese Thatsnche gab der Referent 'elbcr zu; mau müsse daran denken, die Löhne dieser Arbeiter zu erhöhen, so führte er aus; auch bessere Fürsorge in Krankheits oder llnglücksfällcn sei am Platze. Eine Entlohnung von 1,80 M. ür den Winter, sowie 2,20 M. für den Sommer finde er deshalb licht zu hoch. Der Korreferent Oberförster D i t t m a r- H o ch z e i t and diese Sätze ebenfalls„nicht zu hoch"; er betonte noch, man müsse gut bezahlen, damit man die Landflucht hemme. Eine änderbare Sache, diese Löhne als landfluchthinderiid zu bezeichnen! Hoffentlich suchen auch die Waldarbeiter sich mit Hilfe einer tüchtigen Gewerkschafts-Organisation ein besseres Dasein' zu erringen. Zur Charakteristik der kommunalen„Socialpolitik". In Spandau hatten, wie uns von dort geschrieben wird, bekanntlich die bürgerlichen Stadtverordneten jede Bethätigung zur Linderung der Wohnungsnot und zur Steuerung der Arbeitslosigkeit von sich gc- wiesen, iiidcm sie die entsprechenden socialdeniokratischeit Anträge rundweg ablehnten. Zur größten Verwiinderung unsrcr Genossen begründete nun der Stadtverordnete Fisch e r in der letzten Stadtverordneten-Sitzniig die stattgefundene U e b e r s ch r e i t u u g des vorjährigen Armen- Etats uni etwa 6760 M. damit, daß durch die„Arbeitslosig- e i t"(!) und durch den„W o h n u n g s m n n g c l" eine erhöhte n a n s p r u ch u a h m c der A r m e n m i t t e l bewirkt worden ei. Einer nnsrer Genossen machte sich das boshafte Vergiiügen, den errn zu fragen, woher er denn jetzt plötzlich wisse, daß in Spandau Wohiiuiigsnot" und„Arbeitslosigkeit" existiert babe. Das Vorliegen derselben sei doch seiner Zeit von allen Seiten b e st r i t t e n worden, und man habe doch damals die socialdemo- r a t i s ch e Ii Anträge in verständnisloser Weise abgelehnt. Durch den allgmieiiien Vorwurf der„Vcrstäiidiüslosigkeit" fühlte sich das Mitglied des Vorstandes, Stadtv. Fahren kru g, ge- troffen, denn er protestierte heftig dagegen, indem er unsren Genossen ivicderholt unterbrach, ohne daß' der Borstchcr diese Ungehörig- keit gerügt hätte. Das Maß des socialen Verständnisses in bürger- lichcn Kreisen verriet aber Herr Fischer, indem er unsrem nase- veisen Genossen erwiderte:„Die Stadt habe sich um i ch t s weiter z u b e k ü m m e r n. als die Leute vor em V er h un gern(durch magere Armenbrocken! D. B.) zu ch ü tz c n"!_ Aus dvv FvAtteubrtur�ttttg. Ueber„die Arbeiterin in England nnd der Kampf um ihre sociale Vcfreinng" sprach Eduard Bernstein am Montag, den 23. Juni, im„Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse", worüber uns folgender Bericht zugeht: Auch in England, dem Mutterlande der Gewerkschaftsbewegung. so führte der Vortragende aus, ist im Verhältnis zu der Stärke und Macht der Männerorganisationen die' Arbeiterinnenbewegung noch eine äußerst schwache. Nach der neuesten Gewerkschastsstatisrik stieg die Zahl der organisierten männlichen Arbeiter von 1 502 000 iiii Jahre 1892 auf 1 905 000 im Jahre 1900; die Zunahme betrug 27 Proz. Die Zahl der organisierten weiblichen Arbeiter stieg von 99 650 im Jahre 1892 ans 122 047 im Jahre 1900; hier betrug die Zunahme 22,5 Proz. Das heißt also, auch in Engtand ivächst die Teilnahme an der Gewerkschaftsorganisatio» unter den Frauen in geringerem Maße als unter den' Mäimern. Wo liegen die Ursachen dieser Erscheinung? Ordnet mau die einzelnen Gewerbe nach solchen, in denen die weibliche Arbeiterschaft über 1 Proz. der niänukichen. und solchen, in deuen sie unlcr 1 Proz. beträgt, und legt man ziim Vergleich die englischen Volkszählungen von 1881 und 1891 zu Grunde, so ergicbt sich, daß für diesen Zeitraum in den erstgenannten Gewerben die Zahl der Arbeiterinnen ab— in den letztgenannten zugenommen hat, d. h. bei genauerer Betrachtung, daß in den centralisierten, großen Gewerben die Frauenarbeit nachläßt, während sie in den verschiedenen getrennten Berufsarteii wächst. Miß Clara Collclt weist in ihrem Bericht an das Arbeitsamt im Jahre 1894 nach, daß die Francnarbeit relativ steige in Gewerben wie der Schneiderei, Pntzmacherei und verwandten Berufen, sowie auch in der Genußmittelfabrikation, daß sie dm gegen abgenommen habe in der Baumwoll-, Wall- und Seidenindustrie wie in der Landwirtschaft und im Dienstboteuberuf. Die eigentliche Grobindustrie ist im Norden Englands konzentriert; hier herrschen die mächtigen, maschnell betriebenen Fabriken vor, die infolge des starken Gebrauchs ivou Arbeitskräften auch die Frauen zur Fabrikarbeit heranzogen. Die hohen Löhne, die diese Industrien bieten konnten, bildeten auch für viele verheiratete Frauen ein erhöhtes Anziehnngsmomcnt. So ist im Norden Englands die Arbeiterschaft beider Geschleckter Verhältnis- mäßig gut gestellt, infolgedessen auch strebsam und relativ stark organisiert. Im Süden des Landes sind dagegen die kleinen, zersplitterten Industrien verbreitet mit starkem llcberwiegcn junger, unverheirateter Arbeiterinnen. Diese sind bekanntlich schon deshalb immer schwer zur Organisation zu bestiiuiuen. weil sie ihre berufliche Thätigleit mehr oder weniger nur als Uebcrgaiigsstadium zur Ehe zu be- trachten pflegen.' Thalsächlich ist jedenfalls auch heute noch— obgleich sich gerade in England nicht nur die Arbeiter- schaft, sondern Männer und Frauen aller Gescllsckafts- klaffen seit längerer Zeit bemüht haben, die Arbeiterinncir zu organisieren— thatsächlich ist auch heute noch der Prozentsatz der organisierten Arbeiterinnen einzig und allein in der Textkl- indiisirie bedeutend; auch rekrutiert sich die Znnahnie der weiblichen Gewerkschaftsmitglieder ganz vorwiegend aus diesem Beruf, und zwar zwingt hier der Druck der mit den Frauen gcinciilsani arbeitenden Männer jene zur Organisation. Die Lage der Texli'i- arbcitcrinneii ist demzufolge eine recht günstige. Wie erklärt sich trotzdem der erwähnte Rückgang der Arbciteriniicuzahl in der Textilindustrie? Es scheint, daß die Abiiahme der Zahl der verheirateten Arbeiterinnen hier hauptsächlich in Betracht kommt. Vermutlich wirken verschiedene Ursachen zu- sainine», um diese Abnahme herbeizuführen. Vor allem stiegen die Löhne der inänillichen Arbeiter, so daß es ihnen möglich war, von ihrem Verdienst allein die Familie zu erhalten. Durch die neue Schulgesetzgebung hob sich ferner das Bildungsniveau, das Selbslbewn'ßtsein der gesamten Arbeiterschaft: es wuchs damit zugleich der Sinn für geordnete Hausfnhkiing und ein besseres Familienleben. Gleichzeitig wurde die Aufsicht der Mutter im Hause notwendiger, sobald die Kiuderschutz- Gesetzgebung die Kinder unter einer bestimmteii Altersgrenze von der Fabrik ausschloß. Uebcrhaupt kann man sich kaum darüber täuschen, daß das gänzliche Verbot der Kinderarbeit, ans das wir ja alle hinstreben müssen, der Tendenz zur Auflösung unsrcr heutigen Faniilienforin wieder entgegenwirkt, einer Teiwenz. die noch Marx und Engels als eine der Folge- Erschei- Hungen nioderner industrieller Entwicklung ansehen mußten Mag indessen iliimerhin die Zahl der verheirateten Fabrikarbeiterinnen zurückgehen, die Organisierung der Frauen wird da, wo sie einmal kräftig eingesetzt hat. auch immer weiter erstarken. Auch dürfen wir von dem Einfluß verschiedener andrer Momente eine weitere Hebung der weiblichen Arbeiterschaft erwarten. So wirken dahin die Eni- Wicklung eines regen Genossciischaftslcbcn, der weitere Ansban der Arbeiteriniienschntz-Gesetze und endlich auch die allgemeine Hebung der staatsbürgerlichen Stellung des Weibes. Wo, wie in England, die Frauen bereits zahlreich als Veamtinneii in die Armen- bchörden, in die Sanitätskommissionen(die dort die Haus- industrie zu überwachen haben), in die Verwaltung der Genossen- chaftcn usw. eindringen, da gewinnen sie nicht nur selbständige Ein- Wirkung auf die wirtschaftliche Entwicklung nach ganz bestimmten Richtungen hin, sondern es verstärkt sich auch die gesamte Schätzung und der Einfluß des weiblichen Geschlechts im öffentlichen Leben überhaupt. Dagegen müssen wir uns zu hüten trachten vor den 'chädlichen Folgen des SpccialiSnmS, an dem die englische Arbeiter- bewegung fraglos krankt. Sämtliche Faktoren, die zu einer 'ociaten Hebung der weiblichen Arbeiterschaft führen können, sollten gleich hoch gewertet und gleichziitig in Betracht gezogen werden. Nachdem der Referent die anwesenden Frauen nochmals lebhaft auf den Wert der Organisation hingewicsen hatte, schloß er seine interessanten Ausführungen. An den Vortrag, der ja die verschiedciistcii tiesgehenden Probleme in Bezug auf die Frauenarbeit aufrollte, schloß sich eine Diskussion, in welcher die Ausführungen des Redners teilweise angegriffen wurden. Judessen muß es einer späteren, gründlicheren Diskussion vor- behalten bleiben, ans die von Bernstein aufgelvorfenen Fragen noch- nials eingehend zurückzukommen. Der Hallenbau ini Zoologischen Garten mußte gcstcni vor der 18. Kammer für Handelssachen des Landgerichts I eine Nach- Prüfung bestehen. Professor M a r k w a l d hatte den Beschluß der Generalversammlung der Aktionäre angefochten und erzielt« ein obsiegendes Urteil.' Somit wird sich die Generalvcrsaminlnng noch einmal mit der Angelegenheit beschäftigen müssen. Leipziger Bankprozcst. In der heutigen Verhandlung kommt ein Brief Schmidts au Exner vom 8. April 1900 zur Verlesling. wo- nach in Bezug auf die italienische Gesellschaft sich die Trebcr- gcscllschaft verpflichte» null, innerhalb Jahresfrist einen solventen Käufer anzugeben. Exner bemerkt, daß das Geschäft ab- gelehnt wurde. Der" Vorsitzende fügt hinzu, man werde das hören, wenn Schmidt hierher komme. Die Sachverständigen Plnnth, SieSkiud imd Lambert äußern sich ausführlich über die Ilnzulässigkeit zahlreicher von der Leipziger Bank vorgenommener Reportgeschäfte. Die weitere Verhandlung betrifft die Geschäfte der Bank mit der russischen Arebcrgescllschnst in St. Petersburg, der Casszaer Tochtergesellschaft, mit den in Weißwasser und Vossowska und der Stellung einer Hypothek in Krappitz. Man hat. wie der Vorsitzende zu diesen Geschäften bemerkt. immer nur Sicherheit haben wollen. Was das für Sicherheiten waren, das war ganz gleich. Es kommt das Geschäft mit der Bnnkabteilung der„Berliner Finanz- und Handels- e i t ii ii g" zur Sprache. Es ivird nächgcwicsen, daß die Finanz- zeituug eine Provision von 392 500 M., die ihr gut- geschrieben wurde, crbal.en und auf eine Transaktion von 2 000 000 M. nur 267 500 M. bezahlt hat. Im weiteren Verlaufe der Verhandlungen wird' eine Reihe von Briefen aus dem April 1900 verlesen. Die ü'auk beklagt sich bei der Trebergescllschaft wegen der fortwährenden Dispositionen über größere Betrage, ohne daß Kassel Anschaffungen n ache. Schmßdt schreibt, er sei ängstlich bemüht, eine Steigerung des Conlos bei der Bank zu veriu'eidcii. Gentzsch wird befragt, ob er cS rechtlich für zulässig gehalten hnEe. daß die Gutschrift von Ernuieriingswechseln schon erfolgte, bevor die ursprünglichen Wechsel der' Trcbergesellschaft fällig waren, daß also die Erncueruugswechsel euen neuen Kreditpostcn bildeten. Er er- klärt, daß er dabei nichts zefundcn habe. Ani 23. Mai 1900 sendet Schmidt an Exner eine Specialbilanz der Trebergescllschaft mw schreibt, daß die Trebergcsellschnst mindestens eine Dividende von 25 Proz. ausschütten ivill, eine weitere Rcdnciernng w,in>e die Fusion der Gesellschaft sehr!rr- chwercn. Wenn man den, Kopf noch ein halbes Jahr oben behalte, erreiche man alles. Wie Wr Vorsitzende ausspricht, sind Exner und Dr. Gentzsch in alle Pläir,' der Kasseler Gesellschaft eingeweiht gc« wesen. Eine Anklage, die� ursprünglich auf versuchte Tötung lautete, wurde gestern tjir der siebenten Strafkammer des Land- gerichts I zum Abschluß gebracht, nachdem der Beschuldigte, Kellner Hans Klaholz 14 Monate laug in Untcrsnchungshaft gewesen war. Der Angeklagte � hatte im Frühjahr 1891 mit der nu- verehelichten Bertha Tl'jchcwski ein Liebesverhältnis nnterhalten, welches nach der Aug. be des Angeklagten mit einer Heirat abschließen sollte. kam zwischen dem Paare aber 5» einem Zeewikfms, dc> der höchst leidenschnstüche und eifersüchtige Angeklagte seine Braut im Verdacht der Untreue hatte. Einige Tage, nachdem sie sich getrennt hatten, lauerte der Angeklagte seiner Braut aus und traf sie am Nachmittage des 26. Mai in der Biiloiv- stratze. Nach kurzem Worttvechsel und da die Trachelvski auf ihrer Weigerung beharrte, feuerte der Angeklagte aus einer Entfernung von' zwei Schritt einen Schub aus sie ab. Der Schlub verursachte nur einen leichten Knall und die Trachelvski blieb unversehrt. Es zeigte sich, dah der Revolver zwar geladen, die Kugel aber infolge einer mangelhaften Konstruktion der Schubwaffe im Laufe stecken geblieben ivar. Der Angeklagte nannte sich bei seiner Verhaftung Hans v. Nenkirch und verweigerte sonst alle Angaben Über seine Persönlichkeit. Das ganze renommistische Verhalten des Angeklagte» vor Gericht erregte schliestlich den Ver- dacht, daß man es mit einem geistig nicht gesunden Menschen zu thuu habe und es wurde beschlossen, ihn»ach dieser Richtung hin »ntersuche» zu lassen. Wie die medizinischen Sachverständigen im gestrigen Termin begutachteten, ist der Angeklagte thatsächlich in geistiger Beziehung minderwertig, er leidet an einer Einbildungskraft, die an Grybenwah» grenzt. Indessen könne man ihm die ZnrechnungS- fähigkeit und die Verantwortlichkeit fLrseineHandlungennichtabsprech'en. Sodann konnte festgestellt werden, daß der Angeklagte Hans Klaholz heißt. Der Angeklagte hielt es jetzt für gut, dies ein- zugestehen. Zur Sache selbst bestritt er entschieden, dag er auf das Mädchen gezielt habe, er wollte ihr nur einen Schreck einjagen und der Schub würde sicher vorbeigegangen sein. Der Gerichtshof kam auf Grund der Beweisaufnahme zu der Ansicht, dag nur Bedrohung und versuchte Nötigung vorliege und verurteilte ihn hierfür zu einer Gefängnisstrafe von sechs Monaten. welche durch die erlittene Untersuchungshaft für verbübt erachtet wurden. Et» Unhold, der monatelang der Schrecke» der Arbeiterinnen ivar, welche in den königlichen Konservenfabriken in Haselhorst beschäftigt waren, erhielt gestern durch Urteil des Schwurgerichts des Landgerichts ll eine schwere Strafe. Der Angeklagte war dev Schmied Johann B o d e m a r, ein verbummelter Mensch. Schon im September v. I. stand Bodemar unter der Anklage der Notzucht vor Gericht, es wurde aber nur Beleidigung des von ihm über- fallenen Mädchens angenommen und kam der Angeklagte damals nlit einer Gefängnisstrafe von vier Wochen davon. Iii diesem Frühjahre wiederholten sich die Uebersälle gegen > Frauen und Mädchen, welche, von der ArbeitSställe kommend, durch den Wald ginge». Sie wurden von einem Manne, welcher der Beschreibung nach stets eine und dieselbe Person sein mnbte, ver» gewaltigt und einige auch ihrer Barschaft beraubt. Als es endlich dem z» Haselhorst stationierte» Gendarm gelaug, den Unhold ding- festzumachen, fühlten sich die Arbeiterinnen wie von einem Alp befreit. Bodemar stand gestern unter der Anklage der wiederholten Notzucht und des StrabenraubeS vor dem Schwurgericht. I» der Verhandlung, welche unter Ausschluh der Oefientlichkeit geführt wurde, traten zwölf weibliche Personen gegen Bodemar auf. Der Staatsanwalt beantragte gegen den rohen Burschen eine Gesamtstrafe von 1ö Jahre» Zuchthaus. Der Gerichtshof erkannte auf zehn Jahre Zucht- Haus und die üblichen Nebenstrafen. Tanzverguügunge» geschlossener Gesellschaften und Polizei- verordnnugsrccht. Die Regierungs- Polizeiverordnungen, welche für öffentliche Tanzvergnügungen eine polizeiliche Genehmigung er- fordern, enthalten durchweg eine Bestimmung, die von den Gast- Wirten verlangt, sie sollten der Polizei rechtzeitig von jedem Tanz- vergnügen geschlossener Gesellschaften, das bei ihnen statt- finde, Anzeige machen. Diese letztere Vorschrift ist jetzt vom Kammergericht in Sachen des Gastwirtes Jürgensen für rechtswidrig erklärt worden. Begründend wurde ausgeführt: Allerdings gehöre zu den Gegenständen polizeilicher Regelung nach§ 6 des Polizeiverwaltinigs- Gesetzes das öffentliche Interesse in Bezug auf die Aufnahme und Beherbergung von Fremden, sowie in Bezug auf die Wein-, Bier- und Kaffeewirtschafte» und sonstige Einrichtungen zur Verabreichung von Speisen und Getränken. Die Ueberlaffung eines Raumes eines öffentlichen Lokals an Private und geschlossene Gesell- schaften(Vereine ze.) zur Abhaltung eines Tanzvergnügens habe damit nichts zu thnn. Der einer solchen Gesellschaft überlassene Raum eines öffentlichen Lokals scheide für die Zeit, wo ihn die Gesellschaft für sich habe, aus dem öffentlichen Wirtschaftsbetriebe aus, wäre so lange ein privater Raum. Da nun die Polizei ihre Einwirkung auf den öffentlichen Verkehr, die öffentliche Sicherheit, die öffentliche Ordnung zu be- schränken habe, so seien polizeiliche Vorschriften rechtsungültig, die die Anzeige eines in einem öffentlichen Lokal statlfindenden nichtöffentlichen Tanzvergnügens verlangen. Eine nicht- öffentliche Tanzlnstbarkeit in einem sonst ösfentlnhen Lokal bedürfe weder einer polizeilichen Genehmigung noch einer Anzeige durch den Wirt. Der Hoflicferanten-PatriotiSmnS ist dieser Tage durch das Urteil eines bürgerliche» Gerichts sehr verständnisvoll gewürdigt worden. UnS wird darüber berichtet: Ein Werkzeug im Sinne des Gesetzes ist nach einer Entscheidung des Schöffengerichts Bamberg die Arbeits sch ü r z e. Ein dortiger Dampfwäscherei-Besitzer, der Hoslieferant ist, erwartete den Besuch seines Etablissements durch den Prinzen Rnpprecht, und für diese Gelegenheit wurde alles auf das feinste hergerichtet, damit das prinzliche Auge sich durch nichts beleidigt fühle. Tie Arbeiterinnen wurden mit funkel- neuen weißen Schürzen ausgestaltet und die schmucken Wäscherinnen sollen dem Prinzen sehr gefallen haben. Tie RepräsentationL- schürzen hatten aber Geld gekostet und es widerstrebte dem Herr» Hoflieferanten, die Kosten ans der eigne» Tasche zu bestreiten, deshalb zog er kurz entschlossen seinen Arbeiterinnen 3,50 Mark pro Schürze vom Lohne ab. Da nach der Gewerbe- Ordnung der Unternehmer nur Werkzeug zum Selbstkostenpreis an die Arbeiter abgeben darf, kam die Sache zur Anzeige. Das Gericht sprach jedoch den Mann frei, da die Schürze als ein»Werk- zeug im Sinne des Gesetzes' zu betrachten seil Vermipltzkes« Die Leiche des Kommaudauteu des untergegangenen Torpedobootes 8. 42. Kapitänlieutenants Rosenstock v. Rhöneck, ist am Dienstagabend bei Osterriff treibend gesehen worden. Das Stationsboot „Sirius" ist sogleich ausgegangen, um nach der Leiche, die außerhalb des Fahrwassers trieb, zu suchen. Eisenbahuunfall. Ans Bombay wird gemeldet: Am Montag wurde in der Nähe von Nampnr-Hat ein Eisenbähnzng durch einen Wirbelstnrm umgeworfen. 13 Personen wurden getötet, 15. darunter eine europäische Dame, erlitten Verletzungen. Ein Todesfall an Pest wird aus Konstantinopel berichtet. Die Sanitätsbehörde hat geeignete Vorkehrungen getroffen. Briefkasten der Redaktion. Herr Engel wird ersucht, in seiner Angelegenheit, Volks Krankenkasse betreffend, Freitagabend in die juristische Sprechstunde zu kommen. Nobl. Das Vierundzwanzigstunden-Nennen aus der Rennbahn Halen- lee war am Donnerstag. 8. September 1898, abends 8 Uhr zu Ende. Sieger war der Franzose Huret, der 829, Z Kilometer zurücklegte, ihm kam am nächste» Tbe-Marseille unt 783,4 Kilometer. G. R. Uns ist nicht bekannt, bah in Berlin ein Institut besteht, welches für Transvaal Schlosser und Schmiede einstellt. Witterungsübersicht vom S. Jnli IVOS, morgens 8 Uhr. -tatione» Swinemde. Hamburg Berlin Frankf./M. München Wien SE 52 SZ a- c= ef 755 W 758 W 758 WSW 760 W 762 W 758 W Wetter rs S M 1 wolkig 4 wolkig 3 bcbertl 2 wolkig 4 bedeckt •2 bedeckt Statione» a» C öS ö 3 N- Haparanda Petersburg Cork Aberdeen Paris 749� 750 SSO 7K&SO 764 NNO Wetter 4616. beb 3 bedeckt 2bedeckt 2.bedeckt 0« c'-. du 1» Wi 11 15 14 15 Wetter-Prognose für Tonnerstag. de» 3. Jnli 190S. Nachts sehr kühl, am Tage etwas wärmer, vielfach heiter, aber noch veränderlich mit leichten Regeiifällen und ziemlich srischen nordwestlichen Winden. Berliner Welterbureau. fcftr dc» Inhalt der Inserate ilbrrii l»i int die Nedaktimi dem Publikum gegenüber kcincrtei Verantwortniig. Tlu'ntre. Donnerstag, den 3. Jnli. Neues Oper»- Theater<5»r»ll>. Der Bettelstudeiit. Ans. 7V, llfir. Im Ltederspielhans: Offenbach.- Cvkbis.(RegimentSzauberer.— Dorothea.— Die Haniii weint— der Hansi lacht. Anfang 8 Uhr. Weste». Der arme Jonathan. A»- 'aitg 7'/, Uhr. Mrtropol.(Marwitz-Oper.) Ein Maskenball. Anfang 8 Uhr. Stc�rs. Ledige Leute. Anfang 7'/z Uhr. Eeiilral. Tolle Mitbürger. Anfang 8 Uhr. Belle-Zllliauee. Die Dame aus Tronville. Hierauf: Er. Ansang . 8 Uhr. Earl Weist. Die Viper. Anfang 8 Uhr. stzriedrirtiWilhelui städtisches. Der Zerrissene. Ansang 7Vz Uhr. tt. v. WolzogeuS"Vlinles Theater (lleherbretll). Anfang 8 Uhr. Bpotlo. Lyststrata. Speeialitäten- Vorstellinig. Anfang 8 Uhr. W iutergarten. Speeialitäten-Vor- stellung. Anfang 7>/z Uhr. Skcichshalte». Stettiner Sänger. Anfang 8 llhr. Passage- Theater. Epeelaliläte»- Vorstellung. Aiisaug nachmittags 5 llhr. Passage- Pauoptltui». Speeiali- täteii-Vorstelliliig. »rauia. Taubeustr. 48/40.(Im Theatersaal.) Abends 8 Uhr: Die deutsche Ostseeliiste. Jntinlidcnstrasto öT/ii'Z, Täglich; Sternwarte. Urama. Tauben-Strnsee 48/49. Im Tlieator um 8 Uhr; Die deutsche Ostseeküste. Passage-Theater. Das glänzende Juli-Programm. Willy Präger. (Prolongiert!) 116 nene erstkl. Nuninicrii.l CtNttlllMkllttt. Heute, den 3. Juli, Anfang 8 Uhr- M?" Zum 7. Male:"TSSQ Co!Ip UtiflniPflcu GesangSposse in 4 Akt. u. A. Schmasow Mitsil von Kurt Goldmann. Morgen und solgende Tage: Tolle Mitbürger. Weiss-Theater. Grosse Fraiiksnrterstr. 132. Abends 8 Uhr: Die Viper. Kriminal- Schauspiel in 7 Bildern. Morgen: GrfaUene Mädchen. Im Garten: Specialitäten- Vor- stelluila. Anfang SV, Uhr. In Vorbereitung: Ter Täino». Apollo- Theater imtl Konzert-Garten. Um 7 Uhr: Cnrtcn-Konzert. Um 8 Uhr:-xrossnetixo «pecIttHtitton. Um 9 Uhr: Der Schlager der Saison: Lysistfata Ausstattungsoperette Lincke. von Paul listropol-Tlieotor Anfang 8 Uhr. Jf orwitK-Oper. Verdi-Cyklus III: Ein Maskenball. Freitag: Franceschina Prevosti. Der Barbier von Sevilla. Sonnabend, zum vorletztenmale: Cai'"'®». Sonntag: Franceschina Prevoatl. Traviata. Passage-Panopticom.! Jlolc'K Pariser Marionetten-Tlieator. !)«« AfTeiisvcib. Seejungfer. Tigerknabe. GAST ANS" Panoptiknnil Frledrich-Slrasse 165. Photographische Aufnahmen von der Insel Martinique und von den Schlachtfeldern{ TraiBSYnals. Im Konzertsaal: Selm edische Künstlerkapelle j 4 Damen, 2 Herren. Verein zur Wahrung der Interessen der Maurer Berlins und Unicjcgcnd. Sonnnbrnd. drn 5. Juli 1903: 211. Stiftüiigs�Fest in beu©efamtveimueu des Sül. IK B i e en sehen HuseuHeide 13— 15. Bestehend in EtabBissements Konzert, Theater- u. Specialitäten-Vorstellung. ** In dco 3 Sälen: Tanz Ltbeudtö W:„Die Dtildiglmg der Ariiei!/ I7vllvpdo» gehulten vom Vorsitzendeil J. Gehl. Tie Kaffcckiiche ist von S llhr a» geöffnet.— Jeder Besucher erhält a» der Kontrolle ein Pro graniin und jedes Kind eine Stacilatrrnc und Müsse gratis. Ansang des Konzerts nachmittags 4 Uhr, der Vorstellung um 6 Uhr. 129/17 llcrrcn-Ilillct SO Pf. Oamcn-Killct 30 Pf. NB. Bei schlechtem Wetter verdeckten Garton. Was Komitee. laF" Da» Kassieren der Hilfökassicrer fällt am 5. Jnli auö. Fröbols Allerlei Theater gW- früher Pnlilmann ISaß Schönhauser Allee No. 148 Heute, Donnerstag, den 3 Jnli>902: Ilm SpeclMitteuU Der phänouienate BerwaiidliingS- Künstler und Koniponisten-DarfteNe Gort Brau» mit seiner Blitz-Komödie „Endlich allein" Berlins bester Komiker Hngo Schulz. Vulkaelrs Teufelsspuk.— Onras.— Orleans.— Ben Aranred. Gr.ZlünmmlMslmU. Ansang 5 Uhr. Entere 30 Pf. iglich ab 4 Uhr nachmittags: lilr- Doppel-Knit. Gastspiel der Kapellen des I. u. II. Leib- Husaren- Regiments (Totenkopf-Brigade). Entree 1 Hark"TVQ abends 6 Uhr ab 50 Pf., Kinder die Hälfte. Beile-Ailiance-Theater. Bei günstiger Witterung aus der Gartenbühne. Zum 185. Mal: „Die Doilie ans Tmiiiille". Hieraus:»Er-. Ansang 8 Uhr. Von 8 Uhr ab: Garten-Konzert. Illumination.— Freitag: Dieselbe Borstellung. Garten-Konzert. Voranzeige. Sonnabend: Italic »ische Otacht. Ostbahn-Park. Am Kilstrinerplatz. Rüdersdorferstr.71. Hermann imbs. Täglich: Gr. Konzert, Theater und Spetialttateu- Vorstellung. Urater-Thtliter Kastanien- SUlce 7—0. g*- Täglich:"mi Durch fremde Schuld. VollSstnck mit Gesang i» 3 Alten. Ballettges. Catrlnl. Costinue-Soubrette Paula Crlgattl. Grotesque- Komiker Sanor u. ßerad. Miss Kitty, Sport- Akt. Barslkow- Truppe, Parterre- Akrobaten Hr. Bartling, leb. Photo- graphirn. Bariiings elektrische Feerle. (3000 Gliihlürper.) Konzert. Ansang 4 Uhr. Eintritt 30 Pf., numerierter Platz 50 Pf. KaII»o. Reichshallen. TUgHch: Stcüiiicr Säuger Ansang; Wochentags 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. Tageskasse 11-1'/, Uhr. Hasenheide 108.114. Dir. Arnold Scholz. Schweizer Garten Am KUniguflior 42020* Am l'ricdrichslinln SPfF" Täglich;*98 Konzert, Thtoter, S?tti.ili- töttli-Vorstekilüg undBall. Bailditeilstreiche. 10 Uhr Operette in l Akt von Supps. „Itvnv Veit" Heute, Toncrstag, den 3. Juti 1002: Zur kriniltriliig 0» die CrWt bei KöniggtH: Gr. Sei vom Pyrotechiiifcr Herrn»ock. Grosses VilNr- Homert verbunden mit bsoklaelston-ZllsisIk unter Mitioirlnng eines Hornisten- und Tninbonr-Eorps unter persönlicher Leitung des Königl. Mnsikdirizeiitcn Hemr Börgtör. Ans der Tommcrbiihne: Nnftretcn der scnsationrUe» Juli- Spceialitäte»». Im Bal-ohampstre-Saal:<»n.!!z«inm«-l-i»l»eI>ti>t.I4nII. Anfang des Konzerts 5 Uhr, der Vorstellung 8 Uhr. Eintritt 50 Ps. BilletS im Vorverkans a 40 Pf. sind in den bekaintteu Hand- lunge» zu haben. «"Vw«»■ Max Xllems Sommer- Tliealer. llaMcnhcidc 13—15. Artistischer Leiter; Gust. Bock. Täglich: Gp. Konzert, Theatep- u. Specialitäten-Vopsteliung Jeden 1. und 15. d. Monats: Wechselndes Programm! Donnerstag: lilltc-Tag. t W. Hoacks Theater. Bniiiiiriiflriiht 16. Tiiglich Theater- n. Elleeia- litäteil-Vorßellinig. Rose» nud Dorne»». Burleske mit Gesang u, Tanz in 2 Akten. Im Saal: Van-ki-ttn-iol»«». Wintepgapten. Im äusserst amllsant. duil-Frogramm: Ott« ReiRttvr. „Das KZdchen mit dem gold. Haar" und IS andre brillante Speclallttlten. I4ntei»,>«ei->,ti-. 4 m, Station der Hochbahn. Täglich im Garte», bei im- güttslig Witterung iuiSaal: ii..«r, Norddeiitsiht Täilger »nd Konzert. Sonntag, Montag und DoinierStag»ad> der Soiree: Tanzkränzchrn. Tanz frei! Anfang Sonntags 5 Uhr, Entree 50Pf., vb 9 Uhr 20 Ps. Anfang Wochentags 6 Uhr. Entrer 30 Ps., ab 9 Uhr 20 Pf. 5,ornrnertlieater Marienbad Badstr. 35/36, Gesundbrunnen. Täglich: DaS erstklassige Specialitäten- und Theatrr-Prograimn. Größter Erfolg! Punkt 10 Uhr: Schlager! Berlillwies lebt nild liebt. flV Entree 30 Pf.-WO � Sonntags: Ball. � yiax Scckelaohn ülnrie Mcckclsobn geb. Janner Vermählt e. Berlin C,, Stialauerstr. 3/6. Berliner KraM-MersttzWö- uiih Begräbnis-Äerem ffii' ßrane» nnd Mädlhen. Arn 29. Jnni starb das langjährigt Mitglied Knna Seidel geb. Gcrccke 60/4 im 35. Lebensjahre an Lungenleiden. Ehre ihrem Andenken i Idou I.?l.: It. dlilllar, Waldemarstr. 43. angopasstu.voravgt. srtzsna.üodet man in isdsr AnsfUhrung in dem Institut tllr PrUcisions-Optik ton Ernst Rick, Inh. G. Buttendorff, BERLIN N., Weinbergsweg 15b, zweilos Geschäft v.Eosonth. Thor. aeise-uTIieatergläser v. 4,B0 a. 4281L* CiclCKcnhcltiskaar: Bunte u. abgopasste Satteltascben, einfarbige Plüsche u. Möbel- stoffe selten billig! Muster bei näherer Angabe franco. Emil Lefevpe,oranIm,,st;.158. Dr. med. Schaper homöop. Arzt u. Spez.-Arzt f. Haut- u. Harnleiden, Frauenkrankheiten, Küniggrätzerstr. 27. Spr.Ö-1. 4-7. En groH E» detail RoHtnbak[42428 MfiT flftn Berlin KO., "1«A UHU, Reue Königstr. 6 Dr. Schünemann, Specialarzt für Haut-, Hnrn- ntib Franenlride». SeydeUtr. 9. Vaia-'/23,>/,«->/z8. Kraft-Rothwein FurBluturme• u Kranke/ ' ärztlich; eupfohlen. R.1S0 U.2M. überall zu haben empfiehlt A. Sommer, N, Koloniestr..3 II. Wahlkreis. Partei Uersammluttg Freitag, de» 4. Juli, abeudS 8 Uhr, im grosien Saale der Bock-Brauerei am Trmpelhofer Berg. Tages-Ordnung: 210/4 1. Vortrag des Genossen Strvdvl. 2. DiSkusston. 3. Die Er- richtnng einer Partci-Speditiou für den II. Wahlkreis. Zahlreichen Besuch erwarten Die Bertrauensleute. Acht««»! Bauarbeiter! A«»ng! Freitag, den 4. Juli, abends 8�/2 Uhr, in Dräsels Festsälen, Neue Friedrichstraße 35: Große Mitglikoer-VerMinig her Freml Bereilligililg der Baullrbeitel: Btrlillö u. Umg. Tages- Ordnung: 1. Bericht über die Verhandlungen mit dein Berdande der Bangeschäfte und unsre Stellungnahme dazu. 2. Diskussion. Jeder Streikende ist verpflichtet, seine Streikkarte am Eingange dcS Saales vorzuzeigen, widrigenfalls er sein Streikgeld verlustig geht. 31/2 Die Lohnkommissioil. I. A. H. Norgel. Deutsch. Metallarbeiter-Verband "Vcrwaltnngsstcllo Berlin. Bureau: Eugel.llfer IS, Zimmer 1-S. Telephon Amt 7 Nr. 353. Freitag, den 4. Juli, abends 8V, Uhr. im Gewerkschaftshause, t Engel-Ufer 15, Saal I: Sitzung der erweiterten Ortsverwaltnng mit sämtlichen Bezirksleitungen und Branchen- 3lgitationskouimissionen. Den Mitgliedern der Ortsverwaltung ist eine Vorlage zum statistischen Fragebogen zugegangen. Die Kollegen wollen die Fragen durchsehen und Freitag etwaige Monitaö vortragen. am � 117/2 Die Ortsverwaltung. Achtung! Parkettbodenleger! In der letzten Vertrauensmäniier-Vcrsanimlung wurde die Kommissson um drei Kollegen verstärkt: Vogel, vlol und WaHher Die Kollegen werden ersucht, ein Kommissionsmitglied bei Werkstcllensitzuiigen zu Rate zu ziehe». Sollte ein Kommtsslonsmitglied gebraucht werden, da»» bitte mich sofort in Kenntnis zu setzen. Der Obmauu Karl Kram, PotSdamcrstr 82d „Wanzenfeind in der Ftasche" Prell 50 Pf., 1,00, 1,50. Unfehlbar sicher „Mottenfeind im Beutel", nur 5 Pf. Alloin-Yerkauf: Fabrikant Tl. 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