Ur. 163 Aboimemenls-Kedinziingen: «bonnemintZ-Prei» pränumerando: Vierlellährl. 3,30 Mr., monatl. 1,10®!(., wöchentlich LS Pfg. frei tni Vau«. Sinwlne Numm«� 5 Pfg. Tonnlag«- Nummer mir>n»nr>cri«r Kanntagz- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- 'Abonnement: 1,10 Marl pro Mona», Eingetragen in der Post- Zeitung«, Preisliste für IVOS unter Nr. 7V7S. Unter ftreuzban» für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da« übrig««u»land S Marl pro Monat. IS. Jahrg. A«e Jnserttong-Mebliyr serrägt für dt« fechSgetpaliene Koloner» »eile oder deren Raum so Big., für politttche und gewerllchaltltche BereinS- und BerfammlungS- Anzeigen 20 Big. „Kleine Aiiieige»" jedes Wort S Big. fnur das erste Wort feuj. Inserate iür die nächste Nummer müssen MS t Uhr nachmittags tn derSxpedilion abgegeben werden. Die Srpcdliton ist an Wochen- tagen bt« 7 Uhr abend», an Sonn- und ftestla�en btSSUHr vormmagS geöfsnel- Erscheini taglich außer Zvonlag». Devlinev Volksblatt. Telegramm, Adresse- „Sorialdrmokrat Berlin- C�entralorgan der so ein! demokratischen Partei Deutschlands. Kedsktion: SXV. 19. Beittlj-Skrsche 2. Fernsprecher: Amt I Nr. ISS«. Das Scheitern der Wahlrechts-Reform in Hessen. Die hessische Wohlrechts-Compogiie ist ausgegongen wie das Horn berger Schieben. Die edlen Herren der Ersten Kammer haben keine Zeit mehr gefunden, sich mit der Vorlage zn beschäftige». Sie hätten ihre Badereisen um einige Tage verschieben müssen, und das wäre denn doch zu viel von ihnen verlangt gewesen angesichts der er- schöpfenden gesehgeberischen Thätigkeit, der sie sich zwei Tage lang hingegeben hatten, um rund 70„wichtigere" Gegenstände zu er ledigen. Die Regierung hat sich mit diesem stillen Begräbnis ihrer Vorlage einverstanden erklärt. Thränen hat sie darüber nicht ver- gössen. Sie hat die Vorlage so lendenlahm in der Ziveiten Kammer verteidigt und sie hat es dort an jedem Versuch fehlen lassen, eine Verständigung über die strittigen Punkte zu erleichtern. Sie trägt vor dem Lande die Mitschuld an dein Scheitern des R c f o r ni>v e r k s. Was die Schuldigen in der Z tv e i t e n K a m in e r selbst an- langt, so sind hier die Namen der N n t i o n a l l i b e r a I e n Fraktion an erster Stelle zu nennen. Der hessische National- liberalismus, der Jahrzehnte laug das Land beherrscht hat, hat eine innere Zersetzung an den Tag treten lasse», wie sie selbst Kenner der Verhältnisse kaum für möglich gehalten hoben. Dieselbe Partei, die früher das gleiche, direkte und geheime Wahlrecht für die Zweite Kamnier als P r o g r a ni m z i e l verkündet. ja. die darüber hinaus seiner Zeit sogar die Abschaffung der Ersten Kannncr deantragt hatte, hat nunmehr mit allen Mitteln vor und hinter den parlamentarischen Conlissen daran gearbeitet, die Verwirklichung ihrer ehemaligen Pro gram mfordernng zu vereiteln. Vier Parteiveteranen, die Abgg. Heidcnrcich, Jöckel, Koch und Molliuger, und ein Mitläufer(Abg. Leun) haben sich offen als Feinde des gleichen direkten und geheimen Wahlrechts bekannt und mit fanatischer Verbissenheit versucht, die Vorlage schon im Schob der Zweiten Kammer zu Grunde zu richten. Das geistige Haupt dieser Gruppe ist der Justizrat Dr. Jöckel. ciustmals ein oppositioneller Draufgänger erster Nummer, dem, wie er selbst sagte,„das direkte Wahlrecht als das Ideal vorschivebte.»achdcm jeder ehrliche, patriotische Deutsche strebe» irnife." Und wie sieht es jetzt in dieser schönen national. liberalen Fiihrerseele aus? Heute versichert er, daß die ganze Materie „noch nicht spruchreif sei", dab weder das Volk noch die Kammer „reif" sei für das Wahlrecht, das er vor 30 Jahren schon eingeführt wissen wollte. Jedenfalls dürfe, wenn schon einmal direkt gewählt tverden soll, nicht g e h e i ni gewählt werden. Denn, sagt Herr Jöckel:„Diese Heimlichkeit hat die allcrschlimnisten Nachteile zur Folge; sie prämiiert die Unehrlichkeit, Untreue und Feigheit." Damit aber bei der offene» Stimmabgabe Leute, die wirtschaftlich abhängig sind und eventuell für ihre Existenz fürchten müssen, nicht in Versuchung geraten, sich an ihrer inneren Ucberzeugung zu versündigen, so erklärt dieser für das moralische Wohl seiner Mitbürger so sehr besorgte liberale Manu wörtlich: „Einem Mann, der nach der Richtung von änfjcrcn Einflüssen und wirtschaftlichen Verhältnissen abhängig ist, dem gebührt überhaupt kein Wahlrecht. TaS ist kein selb ständiger Mann, kein freier Mann, der hat kein Wahl recht." Hört, hörtl verzeichnet das Protokoll hinter diesem dankcns- Iverten Bekenntnis. Die Millionen der wirtschaftlich Abhängigen iverden es hören, und ivenn es noch einen unter ihnen giebt, der der nationalliberalen Fahne nachläuft, so wird er in Zukunft wissen, wessen er sich eventuell von seinen„Freunden" zu gewärtigen hat, ivenn sie wieder ans Ruder kämen. Die nationalliberale Partei möchte freilich gern die Ver- antwortimg für diese Erklärungen des Herrn Jöckel abschütteln. Allein das kann sie nicht, so lange sie nicht Herrn Jöckel und seine Mitgänger selbst abschüttelt. Dazu hat sie bis jetzt noch keinen Ver- such gemacht und so trägt sie die Verantwortung für die Aeuberimgen ihres Veteranen und Führers vor aller Welt. Sie trägt auch die Verantwortung für diejenigen nationalliberalen Fraktionsmitglieder. die— wie ein nationalliberales Organ selbst(das„Mainzer Tagblatt") gesagt hat— dem Lande eine„u n>u ü r d i g e Komödie" vorzuspielen für gut fanden, indem sie öffentlich für das direkte Wahlrecht stimmten, dabei aber„auf S ch l e i ch>v e g e n" die Vor- itoge zu Fall zu bringen bestrebt waren. Es ivar dies der agrarische Flügel der Partei. der so ziemlich zivei Drittel der ganzen Fraktion aus- macht. Diese Herren bestanden darauf, daß den Städten die ihrer Bevölkerungszahl entsprechende Zahl von Mandaten vorenthalten iverde. Sie bekannten sich somit als Gegner des gleichen Wahlrechts. Ihnen muff das Hnnptverdienst daran zu- gesprochen werden, daß der Gegensatz zwischen Stadt und Land in die Verhandlungen hineingetragen wurde und infolgedessen auS der ersten Lesung nur ein unbrquchbarer Torso hervorging. Das Resultat der ziveiten Lesung iväic nach dem Wunsche dieser„Frennde" des direkten Wahlrechts das gleiche geworden, die Wahlreform wäre bereits in der Ziveiten Kammer gescheitert und damit zum St. Nimmer- mehrstag vertagt gewesen, ivenn nicht die socialdeniokratische Fraktion in letzter Stunde dieses Manöver noch vercitell hälte, um wenigstens das direkte Wahlverfahren und die Sicherung des Wahlgeheimnisses durch Wahlcouverts und Jsolierräunie ans dem Schiffbruch zu retten. Schließlich gab es auch noch einige Mitglieder der national- liberalen Fraktion, die die Einführung der Wahlpflicht, von der sie wußten, daß die Regierung nicht darauf eingehen werde, als Bor« bediilgung für ihre endgültige Zustimmung zu der Vorlage be- zeichneten. Angesichts dieses völligen Auscinanderfahrens der eignen Partei in einer Frage von so principieller Bedeutung, gegenüber einer Forderung des eignen Programms aus früherer, besserer Zeit, war es in der That eine Gipfelleistung advokatorischer Rede- kunst, als der Abgeordnete Jöckel dem Volke und der Kannner den Vorwurf der Zerfahrenheit und mangelnder Reife in Sachen der Wahlreform machte. Unser Genosse, Abg. David, gab ihm das mit folgenden Worten zurück, indem er auf die national- liberale Partei als den eigentlichen Herd der Unreife und Zerfahren hcit himvics: „Fünf Feinde des direkten Wahlrechts, ein Dutzend Feinde des gleichen Wahlrechts, einige Feinde des geheimen Wahlrechts. Kann man sich ettvaS Zerfahreneres vorstellen, giebt eS etivns Unreiferes als eine Partei, die seit 30 bis 4l> Jahren im politischen Kampfe steht und noch nicht über eine so ivichtige VorInge sich in ihrem Schöße geeinigt hat?"— Es war„das Totenlicd der National liberalen", das Herr Jockel gesungen hat. sagte der Abg. U l r i ch. Möge eS hinausklingen in die Lande I Hand in Hand mit den nationalliberalen Agrariern und Wahlrechtsfeinden ging natürlich auch der größte Teil der antisemitischen B a u e r n b ü n d l e r. Nur unter der Be- dingung der Ansrechlerhallnng der bestehenden Ungleich hcit des Wahlrechts zwischen Stadt und Land ivolltc» sie sich zu dem in ihrem Programm prangenden direkten Wahlrecht verstehen. Wie es im Herzen dieser Herren aussah. ver- riet der ihnen nahestehende Abg. Wolf, der angesichts der Ab stimmnng über das Princip der direkten Wahl erklärte:„Wir unter halten uns am Biertisch, im Foyer über dieses und jenes,... ich habe eS nicht für möglich gehalten. daß bei der Abstimmung über Artikel 4 40 Mann dafür stimmen würden; nach den intimen Acußerungen, die ich gehört habe, habe ich nicht für möglich ge- halten, ivenn Leute hier niit Ja auf der einen Seite stimmen, und mit Nein auf der andren Seite und sich grinsend die Hände reichen. Das ist ein Mangel an Volks- freundlichkeit. Da hat man Angst, daß man sein Mandat verliert. daS einem die Kasinocliqne verschafft hat." DaS trifft den Nagel auf den Kopf. Die indirekten Mahlen sind in den bäucr- liche« Gegenden lediglich Absprechnngen zwischen den Honorationen und Ortsgewaltigcn. Viele der zehn„gewählten" Abgeordneten fürchten die direkte Wahl, die sie au» der Kammer hinkniSfegen würde und ihnen damit die Möglichkeit nehmen würde, die große Masse der Bevölkerung im Interesse einer kleiner Clique zu bevor- munden. Auch die Volksfrenndlichkeit der hessischen C e n t r u m S- m ä n n c r hat sich bei diesen Verhandlungen in einem eigentümlichen Licht gezeigt. Die Herren haben zu Beginn der LandtagSperiode einen Antrag eingebracht, tvorin sie eine Wahlreformvorlage forderten, in der„alle Beschränkungen des Wahlrechts wegen Nichlhernnziehnng zur Steuerzahlung" wegfallen sollten. Bereits ini Ausschuß ver leugnete das Ccntrum diesen Standpunkt, indem sein Vertreter, der Abg. v. Brentano, die Nützlichkeit und Notwendigkeit der S t e u e r l e i st u n g s-. S t e» c r r ü ck st a n d S- K a n t e l e n warm befürwortete und als guter Christ auch für recht und billig erachtete, daß den öffentlich unterstützten Sl r in e n das Wahlrecht vorenthalten werde. Im Plenum erklärte derselbe Herr dann sogar, daß daS gleiche Wahlrecht keineswegs sein Ideal sei:„Nach meiner Ansicht wäre daS sogenannte P l u r a l s y st e m noch lange nicht das schlechtere, das Plnraksystein, welches darin besteht, daß einem gewissen Alter, Besitz, Bildung eine zweite Stimme eingeräumt werden kann." Und nach einem Ausfall auf die„skrupellosen Agitatoren", die das gutgläubige Volk verführen, gab er dem Antrag der Ccntrmnsfraktion, der seine eigne Nnmensunterschrift trägt, vollends den Abschied, indem er erklärte:„Meine Herren, deshalb ist auch für mich— das gestehe ich Ihne» ganz offen ein— ein sogenanntes kantelcnfreieS, direktes Wahlrecht zur Zeit völlig unannehmbar. Ich fürchte, daß durch daS kantrlenfrcie Wahlrecht die schlimmste Herrschaft, nämlich die einer irregeleiteten Masse sich dokumentieren würde. Deshalb hat meiner Meinung nach die Rcgicrnng recht, wenn sie daran festhält, daß sie zur Zeit unter keinen Umständen ein kautelen- loses direktes Wahlrecht geben wird." Die„skrupellosen Agitatoren", die die Sache des werkthätigen Volkes vertreten, werden nicht versäumen, diese Worte eines slrupel- behafteten katholischen VoIlSfrcnndcs ihrer Agitationsmappe ein- znvcrleibcn. Das Volk wird dann zu entscheiden haben. Schließlich gab der letzte VerhandlnngStag den Herren vom Ccntrum nochmals Gelegenheit, ihr wahres Herz zu entdecken. Die Regierung wollte nach dem Scheitern der Vorlage ein Notgesetz durchdrücken, wonach die nach dein früheren Steuersystem an ein Steuerkapital von 80 M.(— 11,20 Staatsstenerleistnng) geknüpfte Wählbarkeit zum Wahlmann nnnmehr derart geregelt werden soll, daß„mehr als 11 M. Staatssteuern" gefordert werden. Danach würde die vierte Einkomniensteuerstufc 1900-1100 M.j, die gerade ll M. zahlt. von der Wählbarkeit ausgeschlossen worden sein; erst die Ccnsite» mit einem Einkommen von 1100—1300 M. und 13,50 Stenerleislnng würden als Wahlmänner fungiere» können. Die Regierung behauptete, die Vorlage bedeute nur eine Uebersetznng der alten Bestimmungen in die Formen der neuen Steuergesetzgebung. Abg. David wies dagegen mit guten Gründen nach, daß die Vorlage im Zusammenhang mit der inzwischen eingetretenen Steuer- erinäßigung eine Wahlrechts- Verschlechterung bedeute. ES gelang auch, zunächst in der Zweiten Kammer die Bildung einer Zweidrittel-Mehrheit für die Regierungsvorlage zu verhindern und dann den jocialdem olratischcn Antrag, statt„mehr als 11 M." zu setzen„ m i n d e st e n s 11 M.", zur Annahme zu bringen. Expedition: S'W 19. Ventil-Ktvaije 3. Fernspiecher: Stint I. Nr. 5121. Natürlich lehnte die Erste Kammer die Berbessernng ab. Nun wäre es Pflicht der Zweiten Kammer gewesen, auf ihrem Beschluß zu be- harren und dadurch die Verbesserung eventuell doch noch zu er» zwingen, was nicht aussichtslos war, da der Negierung viel an dem Ziistandekoinmen dieses Gesetzes lag, ohne daß die Wählbarkeit nach dem komplizierten alte» Veraiilagnngs-Paragraphen festgestellt werden muß. Was thaten aber dieHerren vom Centrnm? Sie fielen Mann für Mann um und dokumentierten so im Verein mit den Herren O r i o l a und Genossen ihre Bereitschaft, zu guterletzt auch noch das indirekte Wahlsystem auf K o st e n d e r M i n d e r b e in i t t e l t e n zu verschlechtern!— Glücklichertveise gelang den wackeren Herren, zu denen auch der freisinnige Abgeordnete Gutfleisch gehörte, doch nicht, diese Vorlage unter Dach zu bringen. Die Aussiihrnngcn unsrcr FraktionS» redner hatten eine Anzahl ländlicher Vertreter zur Ueber- zengung gebracht, daß die kleinbäuerliche Bevölkerung am empfind- lichsten durch die Verschlechterung getroffen würde. Die Zwcidrittel- Mehrheit wurde verhindert, das Notgesetz fiel ins Wasser und die Herren von der Regierung zogen mit betrübten Gesichtern ab. Und iinii wird da« Volk selbst in der Wahlrechtsfrage zu reden haben. Die kommende Halberiienerung der Kammer tvird Gelegen- hcit dazu geben. Hinaus mit den Feinden des direkten, geheimen, gleichen lind kautelen losen Wahlrechts — muß die Parole des Wahlkampfcs sein. Ist es auch bei dem derzeitigen Wahlsystem nicht möglich, den Willen der ganzen werk- thätigcn Bolksmasse zum klaren Ausdruck zu bringen, so wird doch daS durch die Wahlrechts-Verhandlungen verbreitete Licht über die wahre Gesinnung getviffer„Volksvertreter" seine Wirkung nicht ver- sehlen. Die Socialdemokratie zieht mit froher Zuversicht in diesen Kampf. Sie darf sich sagen, alles daran gesetzt zu haben, eine einigerinaßoi! fortschrittliche Wahlreform zu erreichen. Man kann ihr auch nicht vorwerfen, durch zu weit gehende Forderungen ihrerseits zum Scheitern der Reform beigetragen zu haben. Sie hat ihre weitergehenden Fordcrnngeii freilich scharf vertreten und den Kantclcii und Schikanen der Vorlage die verdiente Kritik widerfahren lasicn. Angesichts der Unmöglichkeit, zur Zeit mehr zu erreichen, hat sie aber dann ihr Bestes gethnn,»in wenigstens das Zustandekommen des direkten Wahlsystems zn ermöglichen, in der Ileberzengung, daß auf dem Boden des»cuen Systems der weitere fortschrittliche Ausbau leichter zu erreichen sei, als auf der gegebenen Rechtsgrundlage. Das Vc- mühen unsrer Fraktion Ivar vergeblich. Nichtsdestoweniger wird es Früchte tragen. Die Wahlreform ist gefallen— es lebe die W a h l r e f o r in I Volikifiche MvbevKM» Berlin, de» 13. Juli. Der Steckbrief der Präger Polizei. Aus Prag wird uns unterm 14, Juli geschrieben: Die Prager Polizei, geistig verwandt mit der sicilianischen Cärnorra— sie rekrutiert ihre Spitzel aus Dieben und Gnunern und vergiebt nur an solche die Konzessionen zum Halten von Bordellen — berühmt durch ihre grenzenlose Wut gegen die Socialdemokraten, ist von den Jungczechen in letzter Zeit auch in das Bereich ihrer nationalen Forderungen einbezogen worden. Dies be- deutet nämlich so viel, daß bei Besetzung irgend eines höheren Beamtenpostens unter unsren nationalen Bourgeoisien immer Streit ausbricht, welche von ihnen den Posten mit ihrem Protegs besetzen soll. Unsre fürsorgliche Regiernng nützt solche Gelegenheiten immer für ihre Zwecke ichr gut aus, sie fordert und erhält auch für die Vergebung solcher Posten irgend cincii Liebesdienst. Dies nennt man hierzulande: nationale Politik. So tonnte es auch geschehen, daß der von der jnngczechische» Partei protegierte Polizeistrcbcr Krikava, trotzdem er kaum die Altersgrenze erreichte, wo es die findigsten Polizeilente kaum hoher als zum Polizeirat bringen, Polizeidirektor von Prag wurde. Krikava hat nämlich als ganz junger Polizcibeamtcr„Gründe" für die Verhängung des Ausnahmezustandes über Prag und Umgebung im Jahre 1893 erfunden, und dies wurde ihm von der damaligen ratlosen Regierung Windischgrätz hoch angerechnet, er wurde dafür auch äußertourlich befördert. Die Jungczechen. Ivelche den Aus- nahmcznstand als blutige Schmach bezeichneten, sind heute ganz entgegengesetzter Meinung, indem sie den Begründer deL Ausnahmezustandes auf ihren Schild erhoben. Besagter Krikava wird also als Kostgänger der Jungczechen z» dem kleinbürgerlichen politischen Radikalismus gerechnet. Und da Ivollte irgend ein strebsamer Beamter, der eben jetzt herrschenden Strömung unter den Jungczechen Rechnung tragend, den Kostgebcrn seines Chefs eine Gefälligkeit erweisen und veröffentlichte in Nr, 27 dcS Amtsblattes vom 5, Juli l. I,, das in der Statthalterei-Drnckerei hergestellt wird, auf Seile 46 den Steckbrief gegen Wilhelm ll. Die Veröffentlichung dieses amtlichen Steckbriefes machte natllr- lich großes Aufsehen; man will jetzt die ganze Sache auf eine Mystifikation schieben. Je länger aber die Sache untersucht tvird. desto klarer wird es, daß eS sich hier kaum um eine Mystifikation handelte. Obzwar die Intelligenz der Prager Polizei, welche nur vom Nadercrtum sAchtgroschenjungen) lebt und anonyme Anzeigen als genügenden VerhaftungSgrnnd ansieht, sehr tief ist. läßt sich doch keinesfalls annehmen, daß ein Polizeibeamter— und weiin's auch nur ein Präger ist— nicht auf den ersten Blick erkennen müßte, woruni es sich handelte. Und wenn schon der betreffende Polizeibeamte die Tragweile des ominösen Steckbriefes nicht erfaßte, wie soll man sich dann den Umstand erklären, daß seinen überdeutlich cmfnclrnflcncn Sinn auch die andren bei der Herstellung des«Nnits blattes' beteiligten Personen nicht sofort begriffen? Die heutige Mittagsausgabe der.Bohemia" teilt noch folgende sehr charakteristische Einzelheiten niit:„Entgegen de» Behauptungen einzelner Blätter, datz der Steckbrief, der im hiesigen Polizei-Anzeiger abgedruckt Ivorden ist. in p o l n i s ch e r Sprache eingeschickt Ivurde, er- fahren lvir von maßgebender Seite, daß der Text in deutscher Sprache abgefaßt war. Die betreffende Korrespondenzkarte trug die Adresse„An den Magistrat der Stadt Prag'. Die Karte ist auch von derPost demMagistratzu- g e st e l l t worden, der sie, da die Sicherheitspolizei nicht in sein Ressort gehört, der Polizeidirektion abtrat'. Dies in kurzen Zügen die Geschichte deS Steckbriefes der Prager Polizeidirektion gegen Kaiser Wilhelm II. Wittes Gegenschachzug. Schon in ihrer Note, die vor kurzem die russische Ne gierung an die Vertragsmächte richtete,»velche an der Brüsseler Zuckerkonvention beteiligt sind, wies sie darauf hin (Siehe Nr. 159 des„Vorwärts"), daß sie bereit sei, sich an einer Prüfung der Verhältnisse der russischen Zuckerindustrie zu beteiligen, wenn diese Untersuchung auf die Preispolitik der Syndikate und Kartelle im allgemeinen ausgedehnt werde, besonders was ihre künstliche Einwirkung auf den internationalen Markt anbettäfe. Da dieser Hinweis auf die Syndikatswirtschaft die Vertragsmächte nicht zur Einnahme einer andern Stellung gegenüber der russischen Zuckerprämien-Politik zu bestimnien der mocht hat, unternimmt die russische Regierung oder genauer Herr - Witte jetzt einen zweiten Gegenschachzug. Die vom Finanz Ministerium inspirierte Presse, voran der„Wjestnik Finanzolv", veröffentlichen einen längeren Artikel mit der Ueberschrift„Die internationale Bedeutung der Syndikate und die Note des Finanzministerium s", in dem es nach einer Erörterung der Syndikatspolitik und der künst lichen Härabdrückung der Preise auf den Auslandsmärkten zum Schlüsse nach einem Wolffschen Bericht heißt: Es liegt gegenwärtig der Schiverpunkl der Frage der Präniiieriing von Ausfuhrwaren und der durch sie hervorgerufenen Herabdrückung der internationale» Preise ausschließlich in der AuSfnhrthätigkcit der Syndikale, Trusts und Kartelle. Es scheint, daß es gerade jetzt zeitgemäß ist, sich mit der Frage dieser vom internationalen Gesichtspunkte aus schädliche» Thätig keit zu beschäftigen, umsomchr als der Zeitpunkt des Ab- laufö der Handelsverträge herannaht und die außerordentlich ernste Frage ihrer Erneuerung ersteht. Wird es klug sein, »venu man diese der vaterländische» Industrie schädliche Seite der Thätigkcit der Syndikate vor Zlngeu hat und tveist. dast infolge ihrer Macht schon jetzt die Frage ihrer Gefährlichkeit als eines„Staates im Staate" auf- geworfen wird, ivird es unter solchen Bedingungen klug sein, auf lange Zeit hinaus Zollsätze festzulegen, sich dadurch in Bezug auf die Auwendung des einzigen ivirksamen Vcr- teidignngsmittels gegen den gewissenlose» Konkurrenz kämpf der Syndikate die Hände zu binden und die Vater« ländische Industrie den Schlägen derselbe» preiszugeben? Die Handelsverträge vom Anfang und die vom' Ende des Iii. Jahrhunderts sind ihrem Geiste nach sehr verschieden. Letztere enthalten eine ganze Reihe von Paragraphen, ivclche ersteren unbekannt waren und den gegenseitigen Schutz der Industrie zum Zweck haben. Selbst Zugeständnisse bei den Tarifsätzen, die auf dem Princip des»äo ut äs»" beruhen, erscheinen, wenn man genauer auf sie eingeht, als gegenseitige Abgrenzung auf dem Gebiet der Warenproduktion, denn sie gründen sich auf ein sehr aufmerksames Studium der Bedingungen der Produktion und des Handels.... D a S Fi» a U z m l n i sie r i ti m bewegt sich, indem e S s i ch mit sein erNote an die Signatar- mächte der Brüsseler Konvention wendet, ans dem Wege der Solidarität der Völker, welche eine der l> e st e n Errungenschaften u» s r e r Kultur bildet. Wesentliche Jntercssenfragen, ivclche viele Staaten berühren, müssen durch internationale Vereinbarungen gelöst werde». In dieser Beziehung ist die Note des FinaiizministeriiimS aus ökonomischem Ge biete die Auweudung derjenigen Principien, ans ivclche sich die Beschlüsse der Haager Konferenz gründen, die auf Initiative des Kaisers berufen wurde." Ein Hinweis auf die Haager Konferenz ist durchaus an gebracht, denn wie dort von den Friedensinterefsen und der Solidarität der Kulturvölker geredet wurde, wird auch hier von der„Solidarität der Völker" gesprochen, die eine der besten Errungenschaften unsrer Kultur bilde, und wie die Einberufung der Haager Konferenz nur ein Mittel war, militärische Maß nahmen Rußlands zu verdecken. hat auch das jetzige Schriftstück nicht den Zweck, der Syndikats- und Kartell� Politik entgegenzuwirken, sondern die ntssische Prämien- und BegünstigungSpolitik aufrecht zu erhalten. Das hindert nicht, daß die Gründe gegen das Syndikatstreiben mit Geschick wirksam und zutreffend herausgesucht sind, wenn auch die Folgerung, daß zum Schutz gegen dieses Treiben eine Erhöhung der Zollsätze angebracht sei. bewußt falsch ist. denn gerade die neuere Schutzzollpolitik mit ihrer Auslieferung des Inlandsmarktes an die Willkür der Unternehmer Koalitionen ermöglicht den künstlichen Druck solcher Verbände auf die Preise des Auslandsmarktes. Indes die Erörterung der Frage von den Wirkungen der Syndikats-Politik geschieht nicht, um diese Politik wirklich zu bekämpfen, sondern um damit den Vcrtragsmächten Verlegenheiten zu bereiten, besonders Deutschland, unter dem zur Zeit unter dem Schutze deS Centralvcrbandes deutscher Industrieller und der Gunst seiner ministeriellen Freunde daS SyndikatSwcsen in Europa am üppigsten blüht. Thatsächlich Achtet sich der auS dem russischen Finanzministerium stammende Artikel denn auch direkt gegen Deutsch Wolffsche Bureau in seiner Mitteilung Gründen zu unterschlagen de obigen Auszug voraufgehenden Ans führungen wenden sich nämlich direkt gegen das deutsche Schicncnsyndikat, den Trahtsttst- Verband und das rheinisch- westfälische Kohlcnsyndikat und kennzeichnen deren saubere Wirtschaft mit folgenden Worten: „Das Schieneiisyndikat verkauft die Schienen in Deutschland zu Il3 M. pro Tonne il»d im Auslände zu 83 M, Stangeneisen kostet 125 M. pro Tonne und im Auslände IVO M.; der Verband der Fabrikanten von Drahtstifte» verkauft dieselben iii Deutschland zn 250 M. und im Auslände zu 140 M. pro Tonne. Die ganze Widersinnigkcit dieser Lage trat lvährend des sogenannten Kohlen- Hungers deutlich zu Tage, indem aus dem inneren Markte ein solcher Kohlenmaiigel herrschte, daß die Preise bis zu 18 M. 50 Pf. pro Tonne stiegen, lvährend gleichzeitig der Export nach Oestreich bei einem Preise von 8 M. 80 Pf. vor sich ging.'— Vcreinsgesetz gegründet, seither diesem Gesetz zuwider keine Gc nehmignng nachgesucht haben. Diese Kategorie uinfaßt nicht weniger als 2500 Schule». Diese zlveite Maßregel ist, wie die erste, lediglich in strikter Durchführung deS Gesetzes erfolgt. DaS frühere Ministerium hatte die dreimonatliche Frist für die Einreichung eines Geuehinigungs gesuches langniütig um weitere drei Monate verlängert. Die Kongregationen kehrten sich aber nicht daran. Jetzt zetern ihre Poll tischen Vertreter und Frennde über„religiöse Verfolgimg'— die straflose Mißachtung des Gesetzes erscheint ihnen als ein unveräußer liches Menschenrecht der Mönchsorden. Der Klerikal-Monarchist DenyS Cochin und die Melinlsten Aynard und Ribot brachten auf der Stelle Interpellationen ein und verlangten deren sofortige Beratung. Die berufsmäßigen bour geoisen Gcsetzcslvächter konnten keinen Augenblick an sich halte» mit ihrem'Protest gegen eine Regierung, die so kühn war, das Gesetz gegenüber den Mönchsorden zur Geltung zu bringen. Der solide, maßvolle Lhoner Bankier Aynard redete sich in die nationalistische Schniähsprach« hinein. Er donnerte gegen daS vom Ministerium begangene„Verbrechen gegen die— Freiheit und die Menschlich keit und forderte in einem wahren- Anfall von Berserkcrwut die— .Beschivichtigniig'!. 1. Diese Forderung wurde in angemessener Weise auf der Stelle erfüllt: es kain in der Kammer zu einer solennen Schlägerei, als die klerikalen Veschwichtigungsfrennde den Mmisterprästdentc» am Spreche» verhinderten, lvährend der»nelinistische Vicepräsident Guillain, der zufällig den Vorsitz führte, keinen Finger rührte, um den Ministerpräsidenten gegen die nationalistischen Beschimpfungen in Schutz zu nehmen. Unter anderm haben einige sodalistifche und radikale Abgeordnete de» Vorfitzenden mehr oder minder sanft von der Tribüne verjagt. Im Belvnßtsein seiner Schuld hat eS aber Guillain nicht gelvagt, nach Wiederaufnahme der Sitzung jene Ab- geordneten zur Vcraiillvortimg zu ziehen. So viel Lärm, Geschimpfe und Pllffe«m die Anwendung eincS rechtskräftigen Gesetzes gegen die schwarzen GesetzcSverachter! Dabei hat die Regierung noch immer nicht da§ ganze Gesetz zur Anwendung gebracht. Sie hat erstens die ohne GcnchiNignngsgcsuche fortbestehenden mönchischen Versorgnngsanstaltcn und Spitäler nicht angetastet: sie reserviert jeden dahingehenden Schritt, so lauge die dort gepflegten Personen nicht in ivcltlichcn Anstalten untergebracht werden können. Und zweitens toleriert sie nach wie vor mönchische Lehranstalten, die dem Gesetze zuwider eröffnet wurden, ehe ihr Gcnchmigilngsgcsllch erledigt worden, was bisher noch in keinem einzigen Falle geschehen ist. Der seit zlvei Jahren fortdauernde Konflikt zwischen dem P'a r i s e r nationalistischen G c m e i» d e r a t n n t> der Arbeitsbörse ist nun beigelegt. Die Nationalisten haben bekanntlich das Millcrandsche Dekret über die Sclbslverlvallung der Arbeitsbörse mißachtet. Während das Dekret n. a. die Verteilung der städtischen Subvention unter die einzelnen Gelverkschaften der gc- wählte» Kommission derArbeitSbörse überläßt, beschloß dicnationalistische Mehrheit, diese Verteilung selbst. durch eine gcineiiiderätliche Kommission vorzunehmen Und außerdem von jeder einzelnen Gewerkschaft ein SnbveiitlonSgesuch zu verlangen. Die klassenbewußten Gclverk- schnften verschmähten die nationalistischen Angebote. Nur einige gelbe' Organksntionen, deren Existenz mehr oder minder ziveisel Haft, streckten die Hand auS. Andrerseits legte der Seineprnfckt sein Veto ein gegen die Verwendung der Subvenlionkgclder nntcr Ver lctznng des ministeriellen Dekrets. DaS Geld, 110 000 Franken, blieb also in der Gemeindekasse. Schließlich mußten die Nationalisten nachgeben. Sie deckten ihren Rückzug dadurch, daß sie der Arbeits börse nur 80 000 Fr. bewilligten. Die übrigen 80 000 Fr. bleibe» den„gelben" Gcwcrkschafle» vorbehalten. Sie habe» also selbst dafür gesorgt, daß die feindselige Stimmung der Arbeilsbörse gegen ihre Partei durch das Zngeständins in keiner Weise geschwächt wird.— Aentsches Mch. l a n d, wie das aus erklärlichen liebt. Die dem Vom antiklerikale» Krieg.— Pariser Arbeltöbörse und Nationalisten. Paris, 12. Juli.ncht mid eine große Menge von Gegenständen mitgebracht hat, die er anscheinend i» China nicht rechtmäßig erworben hat. Die Polizei beschlagnahmte die Sachen nnd führte den frühere» Soldaten ins Schwelmer Untersuchungsgefängms ab. Es heißt, daß mehrere andre Personen gleichfalls an den Dieb« stähle» beteiligt seien. Es soll eine ganze AnSsteNnng chiue- sischer Sehenswürdigkeiten dort ausgeführt worden sein. Trotzdem steht es bekanntlich fest, daß in China die Deutschen nmstergültig sich aufgeführt haben, und nur socialdemokratische Ver- Icuniduiigssucht wagt daran zu zweifeln.— Wenn Minister reisen! Herr v. Podbielski unternimmt dem- nächst eine Ferienreise zur„Information". Er will sich über Ost- preußen unterrichten. Dazu bemerkt die konservative„Elbinger Zeitung": „Man ivird gut thun, die Bedeutung der Reise des Land- wirtschafts-Ministers nicht zu überschätzen. Was>v irklich reformbedürftig ist, bekommen die Herren M i n i st e r selten o d e r u i e z u s e h e n. Man giebt große Tiners und Soupers, besichtigt sogenannte Mnsterwirtschaften, bciviindert das fetteste Schwein und den stattlichsten Zuchtbulle»— und damit ist die Geschichte erledigt. Es bleibt alles beim alten." Das konservative Blatt fürchtet, daß der Minister nicht genügend don dem Nolstand der Grotzgriindbesitzer zu sehen kriegt. Soll aber vielleicht Herr v. Podbielski sich als Landarbeiter im Osten verdingen? lieber solche Wißbegier würde die Junkerschaft nett schimpfen!— Die„Freifrau von Droste-Vischering" wieder einmal angeklagt. In»nsreni Erfurter Bruderorgan, der„Tribüne", waren Mitte Jmii unter der Spitzmarke„Eiiie Portion Mittelalter" die Bestimmungen abgedruckt worden, die das Aachener KollegiatsstiftS- kapitel über die Ausstellung der Reliquien erlassen hatte. An diesen Erlaß knüpfte das Blatt ein paar Verse aus dem bekannte» Bnrschcnliede von der„Freifrau von Droste-Vischering, die zum heiligen Rock nach Trier ging," und die Bemerkung, daß das Reichsgericht die Rcliqiiieuverehrung zu einem durch das Privilegium des§ 166 des Rcichs-Strafgcsetzbnchs geschützten Gebrauch der katholischen Kirche erklärt habe. Daraufhin ist von der StnatSanivaltschaft gegen den verantwort- lichen Rcdacteur der„Tribüne" das Strafverfahren ans Z 166 des Strafgesetzbuchs(Beschimpfung einer nsit Korporationsrechtcn iuucrhalb des Bundesgebietes bestehende» Religionsgesell- s ch a s t und ihrer Einrichtungen und Gebräuche) eingeleitet ivordcn! Die Verhandlung verspricht um so interessanter zu werden, als die»ltramontane Presse die Aachener Reliquienverehrunq wiederholt für k e inen„religiösen Gebrauch" erklärt und der'Weihbischof, der die Aachener Feier eröffnete, die Un ech t h eit der ansgestcllteu Reliquien zugestanden hat. Das Liebe von der Freifrau von Droste- Vischering, dessen Abdruck in einer Zeitung jetzt unter Anklage gestellt ist, befindet sich seit jeher unbeaustandet indem Kommers- buch, und es wäre keineswegs ausgeschlossen, daß der Staats- aiuvnlt, der jetzt daran so schweren Anstoß nimmt, es als Studio selbst fidel mitgesungen hat. Freilich: se duo faciunt idern.... Der Dortmunder AmtSanwalt v. Dewitz, der, ohne den Schatten eines Beiveiscs, aus gedeckter Stellung, den wehrlosen Genossen Erdnram« als verkommeneu Menschen bezeichnete und die That krönte, durch die allgemeine Beleidigung socialdemo- krntischer Führer, hat durch die Beschimpfung nach dem Urteil des Obcr-Vcrwaltungsgerichts nicht den Menschen, sondern den Partei- uiann treffen wollen. Wir möchten an einen Fall erinnern, der zeigt, daß Herr v. Dewitz nicht nur schuldlose Personen beschimpfen kann,»im die Partei oder den Parteiman» zu treffen, sondern daß er auch, um die Partei zu treffen, schuldige Personen zu retten versuche» kann. Es war_ in der ersten Verhandlung der bekannten Lütgenau- Affaire. In dieser Verhandlung amtierte auch Herr von Dewitz. Nach der Bcivcisaufnahme stand die Schuld des Dr. Lütgenau fest, nur nicht bei dem Amtsanwalt, er beantragte Freisprechung. Er stellte den Angeklagten als einen der Nachsucht der Socialdcmokratie zum Opfer gefallenen ehemaligen Anhänger hin, der vernichtet werde» sollte. Die Aussage» der Zeugen machte» dem Herrn Amtsanwalt weiter keine Sorgen, eS ivären das religions- lose Menschen, deren Zeugnis keine Bedeutung briziilrge» fei! Irgend welche Thatsachcn, welche geeignet sei» konnten, das Zeugnis der Angegriffenen minderwertig erscheinen zu lassen, konnte der Hüter von Recht nnd Gerechtigkeit nicht anführen; er machte auch gar keinen Versuch dazu. Zum Ueberfluß hatte der AmtSanwalt noch die Bezeichnung: religionslos frei konstruiert; denn zwei der Zeugen gehörten nach den gerichtlich aufgenommenen Personalien der evangelischen und katholische» Kirche an. Das Gericht schloß sich der Deduktion des AmtSanwalts nicht au. I» der Urteilsbegründung bemerkte der Vorsitzende ansdrück- lich, es sei doch nicht zulässig, dem eidlichen Zeugnis unbescholtener Personen lediglich wegen der Zugehörigkeit zu einer Partei keinem Glauben beizumessen. So schlug der Rettungsversuch des Herrn Dewitz fehl, da? hindert diesen aber nicht, noch weiter Recht und Gerechtigkeit zu vertreten— nach seinen Begriffen. Uebrigens ivar dieser Herr V.Dewitz früher am Charlotten- bürg er Schöffengericht thätig und erregte während seiner Amts- thäligkeit durch seine schneidigen Strafauträge allgemeine« Aufsehen. Daß er dann nach Dortnmnd versetzt wurde, bcweißt, daß man seine Charlottenburger Thätigkeil niclit für besonders ziveckmäßig hielt. Die neneste Entscheidung des Ober- Verwaltungsgerichts ist leider nicht geeignet, die Ausbrüche seines Temperaments zu hemmen.—_ Württembergische LandtagSarbcitcn. AuS Stuttgart, 13. Juli, lvird uns geschrieben: Der Iv ü r t t e m b e r g i s ch e L a» d t a g ist gestern bis' zum Winter ver- tagt ivordcn, nachdem er in de» letzten Wochen die ganze Steuer- r c f o r m durchberatc» und angenommen bat, auf ivelche das Land und die Gcniciude» schon seit Jahren hofften. Die Reform bringt an Stelle der seitherigen Dienst- und Beruss-Einkommenstener eine ziemlich moderierte, allgemeine, progressive Ein- kommenstener, die ein Existenzminimum von bOll M. steuerfrei zuläßt, dann eine Degrcssion vom allgemeinen Steuersatz von 4 Proz. laßt und erst bei mittlerem Einkommen mit dcrProgreisio» beginnt, die bei solche» von 100 000 M. mit 6 Proz. endet. Daneben soll eine Kapitalsteuer in cttvaS. verschärfter Form gegen seither eingeführt werde», während die seitherigen Ertragsteuern a«S Grund-, Gebäude und Ge- werbe in ermäßigter Weise als ErgänznugSsteucr» beibehalten werden sollen. Diese Reform bringt eine allgemeine Mchrbelastimg. von der die Arbeiter in hohem Grade mitbelroffen werden. Unser Genosse Keil, welcher der vorberatcndc» Kommission an- gehörte und im Plenum die socinldemokratische Fraktion vertrat, war eifrigst bestrebt, in allen Punkten die Interessen der Arbeiter zu schütze» und zu fördern, leider ohne günstige» Erfolg, weil Ceutrum, Privilegierte und deutsche Partei und vielfach sogar die Volkspartci für gerechte Verteilung der Stenern nach der Leistungs- fähigkeit nicht z» haben waren. Die heißeste» Kämpfe entspanne» sich um das Gemeindrsteuee-Rcfornigcsrtz, als der dringendsten der Vorlagen. Danach sollen die Gemeinde» berechtigt sein, jetzt auch Zuschläge zu der staatlichen Einlommcnsteuer zu erheben, während die Zuschläge zu der seither erhobenen Gemeinde- ertragstener ans Grund, Gebäude und Geiverbe herabgesetzt winde». Dadurch wird die Ausbringung des Gemeinde- schadens teilweise von diese» weg und auf die Arbeiter übergewälzt. Hauptangriffspuukte gegen diesen Entwurf bildete die Bcibchaltuug der Berechtigung der Gemeinden zur Er- Hebung der indirekten Steuer» auf Bier, Gjr s und Fleisch und die Neuzulassmig der Erhebung einer Steuer auf Elektricität und ans den Umsatz der Warenhäuser. Dazu sollte die allgemein verurteilte, als ungerechte Kopfsteuer wirkende Wohnstener beibehalten werden. Die socialdcmokratischcn Anträge aus Ablehnung dieser Steuern und auf Einführung der Vermögens- steuer wurden von allen Parteien abgelehnt nnd sämtliche Gesetze im Sinne der Mehrheit angenommen. Die Gesetze gehen jetzt an die Erste Kammer nnd diese Ivird wohl bei der Einkonrmensstcuer die Progresstonssätze herabsetzen und das Mittvirkuugsrecht beim Etat reklamieren wollen, das sie seither nicht hat. Da»» erst kommt es auch für die bürgerlichen Parteien darauf au, Rückgrat zu zeigen. Interessant war die Haltung des CeutrumS, das erst eine Fahrradsteuer und als diese keine Gegenliebe fand, eine Steuer auf Luxus einführen wollte. Nachdem Genosse H i l d en b ra n d auf die gefährlichen Wirkungen dieser�Steueru auf Industrie, Handel und Wandel hingewiesen hatte, erfolgte die Ablehnung aller dieser echt demagogischen Anträge. Den Schluß der Landtogstagnng bildete eine zweitägige Debatte über eine von der Regierung vorgelegte Novelle zu dem seit 1836 bestehenden Bolköschnkgesetz. Dieser Entwurf hat de» Zweck, die ein- gereichten nnifangreicheu Petitionen der evangelischen und katholische» Volksschullehrer, in welchen diese ihre nur zu berechtigten Resonn- Vorschläge in Bezug auf Organisation und Aufsicht der Schule und Be- zahlung und Vorbildung derLehrer formuliert haben, beiseite zu schieben. Württemberg hat neben Mecklenburg noch die Aussicht der Volksschule und ihrer Lehrer durch Geistliche im Nebenamt; die Novelle will nun Ivcnigstens für die Aufsicht in größeren Bezirken zur Fachaussicht auch Schulmänner zulassen, während die Ortsschul-Anfsicht nach wie vor den Geistlichen verbleiben soll. Schon dieser kleine Fortschritt genügt, um das Ceutrum in Kampfcsstellung zn rücken, sund da auch der Vertreter der Volkspartei für weitergehende Forderungen keine Lanze einlegte, blieb es unsrer Fraktion vorbehalten, die Sache der Volksschule nnd ihrer Lehrer mit Energie zu führen. Gen. Hilden- brand deckte den Klassencharakter unsrer Schulgesetzgebung schonungslos in der Gegenüberstellung der höheren Schulen zu der Volksschule auf, geißelte die Energielosigkeit der Regierung dem Ceutrum gegen- über und die Sparpolitik und Knauserei der Regierung, wenn es sich um die Volksschule handelt, die nie zu beobachten ist, wenn Millionen hinausgeworfen werden, um„Kultur" nach China zc. z« tragen. Auf eine anmaßend drohende Rede des katholischen Domkäpitulars Stiegels antwortete Kultusminister v. W a i z s ä ck e r in ziemlich scharfer Weise. Er wies das Recht der Kirche auf die Schule zurück, ohne jedoch soust Iveitere Konzessionen an den Fort- schritt der Schule zu machen. Die reaktionäre katholische Mehrheit der Ersten Kammer ist wohl der Grund seiner Zurückhaltung. Die Novelle wurde der Volksschulkommission überwiesen. Wie versprochen, wurde prompt am Tage der Annahme der Steucrgesctze der Gesetzentwurf zur Reforni der Geineiiide- und BezirkSverwaltung de» Sränden vorgelegt, die schon seit langen Jahren vom Volk gefordert wird. Der Entwurf umfaßt 206 Artikel. Er teilt die Gemeinden des Landes in 3 Klassen, die erste mit 5000 bis 10 000, die zweite mit über 1000 und die dritte nsit unter 1000 Einwohnern. In de» beiden letzten Klassen wurde der seitherige Vürgeransschiiß aufgehoben und die Verivaltnng dem Gcmeindcrat überlassen. Die Gemeinden der 1. Klasse haben 12—24, die der zweiten 9—18 und die der dritten 6—12 Gcnieinderätc zn wählen. Die Städte über 10 000 Einivohuer sollen die M a g i st r a t s- V e r- f a s s u n g erhalten. Die Verwaltung wird Stadtverordneten- Versammlungen übertragen, nnd sind zu wählen für Gemeinde» von 10—25 000 Einwohner 36, von 25—50 000 42, von 50—100 000 48 und von über 100000 Einwohnern 54 Stadtverordnete, Dieselben sind mittels des Proportional- Wohls ystenrs mit amtlich auszugebenden L i st e n zu wählen. Der Stadtrat soll aus bürgerlichen und besoldete» Mitglieder» bestehen, die von der Stadtverordneten-Versnminlung gewählt werden. Es sind zu wählen für Gemeinden mit 10—50 000 Einwohnern 6, »ut 50—100 000 9 und mit über 100 000 12 Stadträte, doch muß die Zahl der bürgerlichen Mitglieder immer größer sei» als die der besoldeten(Bürgermeister). Die Lebenslänglichkeit der OrtSvorsteher wird aufgehoben. Die Ortsvorstchcr und Oberbürgermeister sollen durch' direkte geheime Wahl aller Bürger auf zehn Jahre gewählt werden. Nach Nichtlviedcrwahl»ach einer Periode folgt zweijährige Pension, nach zwei Perioden(20 Jahre») lebenslängliche Pension. Die seitherigen Ortsborstchcr bleiben lebenslänglich. Der Entwurf wurde an eine Kommission verwiese» und wird im Spätjahr nach dem Volksschnl-Gcsetz zur Verhandlung komnien.— Berichttgnng. In der gestrigen Notiz über die preußische Ein- komniensteucr-Statistik muß es richtig heißen:„Von dem kapitalisti- scheu Segen der Einkomme»- Vermehrung enlfalleii mithin auf die die über 3 Millionen„niederer" Einkomnien 378 Millionen weniger (statt mehr) als ans die kaum Million„höherer" Cenfiten."— Ausrand. Frankreich. Die Hitzschlagkatastrophe au» Nationalfest. Bei der herkömmlichen Trnppcnrevue, die am 14. Juli, als am Tage de? NationalfcsteS abgehalten zu werden Pflegt, haben diesmal die Truppen unter der tropischen Hitze unsäglich gelitten. Nicht weniger alS 650 Mann sqllen am Hitzschlag erkrankt sein. Ei» Sergeant des Pompiers-CorpS starb an, Abend im Hospital. Von de» Kürassieren, die den Wagen deS Präsidenten Loubet geleiteten, tllrzten achtzehn in der Avenue Marigntz und zwei im Hofe des E l y sö e vom Pferde. Verschiedene Truppeukörper sollen durch die Hitzerkrankunge» ■örmlich dezimiert worden seien. Auch die Offiziere bliebe» von den Unfällen nicht verschont. Der Gouverneur von Paris, der alte General Fanre Biguet, hatte, als er zu Pferde das Paradcfeld verließ, einen Schwächeanfall nnd mußte vom Pferde gehoben und in einem Ambulanzwagen zur Unfallstation gc- bracht werden, wo er sich indessen bald wieder erholte. Der Brigadegeneral Percin, der Kabinettschcf des K r i e g S»i i n i st e r», erkrankte gleichfalls nnd mußte fortgeführt werden. Er befindet sich aber auch auf dem Wege der Besserniig. Zehn andre Offiziere teilten sei» Schicksal.— Auch nnter den Zuschauern deS militärischen Schauspiels sollen zahlreiche Personen erkrankt sein. Der socialistische Deputierte Görault-Richard kündigte dem Krlegsniinister in einem Schreiben an, daß er ihn beim Wieder- zusammentritt der Kannner über die Notwendigkeit der Ab- chaffung der Parade vom 14. Juli interpellieren werde. Die Nationalisten mokieren sich darüber, daß gerade einem radikalen Ministeriinn ein solches Pech passieren mußte, mährend die Radikalen und Socialisien wiederholt die Abschaffung der Revue ver« langt hätte». Ihr Spott ist nicht nnverdieut, hätte doch ein radi- kales Ministerium alle Ursache, mit der deplacierten Truppenschau ain 14. Juli— dein Tag der Erstürmung d e r B a st i l l e— endlich einmal anfzurännien.—_ Die Kainmer-Gesfion hat nnnmehr, nach einer Daner von 40 Tagen, ihr Ende erreicht. Die Herbstsejfio» ivird jedenfalls sehr erregte Debatten zum französischen„Kultnrkampf" bringen; die tiimultuösc» Auftritte in der vorletzte» Sitzung köline» in dieser Beziehung als ei» Vorgepläukei aufgefaßt werden. Der Rationalist Lasies brachte den Antrag ein, daß die par- lamentarische Unverletzlichkeit auch während der ParlanientS- ferie» aufrecht erhalten werden solle. Dieses Eintreten für die Rechte der Parlamentsmitglieder seitens der Reaktionäre ist sehr dnrchfichtig; es lvird seitens derselben beabsichtigt, demonstrativ gegen die Schließniig der Kongregalionsschuten zu opponiemi und dazu wünschten die Herren die Unverletziichkeit ihrer Person. Der Antrag wurde mit 3ö3 gegen 97«limine» abgelehnt.— Die Behörden sind überall im Lande dabei, gemäß dem Cirkular des Ministerpräsidenten die»ichtautorisierten Kongrcgationsschnlen zu schließen. In einzeliie» Orten ist es allerdings auch vorgekoinnie», daß sich die Lokalbehörden dem Erlaß widersetzten. So mußte z,»n Beispiel der Bürgermeister von St. Julian Molin Motette vom Loirc-Prafekteii seines Amtes enthoben iverden, weil er sich weigerte, die nicht autorisierte Niederlassung zu schtießen.— Tie Unausfindbarkeit der Hnniberts. Das Bureau Herold meldet ans Paris: Wie verlnutet ist keine Möglichkeit Vorhände», die Mitglieder der Familie Humbert ausfindig zn machen, da die Betresienden ihren Fluchtpla» schon seit längerer Zeit entivorfeu und zu diesem Zivccke jedes Mitglied seine Jnstruktiou über Abfahrt, Bcstimuiuugsort und Führung eineS falschen Nameus erhalten hatte. Außerdem hatte» sämtliche Familienmitglieder ihren zukünftigen Aufenthaltsort in jedem Jahre auf kürzere Zeitsuuter falschem Namen besucht, so daß es nnumchr nach dem Krach nicht auffallend erschien, als dieselben sich dort einfanden. Die Sache wäre ja nicht minder genial eingefädelt, wie der ganze Millioiieuschwindel; allein woher will man den» diesen Flucht- plan kennen?— Enstfand. Zur Uingestaltiing des Kabinetts. Schatzkanzler H i cks- B e a ch bleibt, wie man annimmt, bis Ende der gcgciilvärligcn Parlamentstagung im Amte. Es werden noch weitere Demissionen von Ministe ru erwartet, darunter die des Lord-Großkauzlers und Lord-Groß-Siegelbewahrers Earl of Halsbury und die deS Lord- kauzlers von Irland, Lord Ashboimie. In politischen Kreisen cirkulieren vielfache Vermutungen über die zn erwartende Rekonstruktion des Kabinetts. Als Nachfolger des Schatzkanzlers, Sir Michael Hicks- Beach, iverden u. a. geiiaunt: Kolonialsekretär Chainberlain, dessen S o h n, F i n a n z s e k r e t ä r A n st e n E h a in b e r l a i n. Kricgssckretär B r o d r i ck, Staatssekretär für Indien, Lord George Hamilton, LandwirtschaftSininister Hanbnry und Minister des Innern R i t ch i e. Die Kombinationen, die sonst noch auf- tauchen, sind so zahlreich, daß es unmöglich ist, die Verdienste und Aussichten der verschiedenen Kandidaten abzuschätzen oder Überhaupt nur sie alle aufzuzählen. Ministerpräsident Valfour übernimmt neben dem Vorsitze im Kabinett die Aemter des Ersten Lord des Schatzes, des Lord-Geheim-Siegelbeivahrers und des Führers des Unterhauses._ 83. Sitzung der Zolltarif-Kommisswu. Berlin, 15. Juli. Wieder werden eine Reihe von Positionen znsaminengefaßt, 608— 613, die von der Kommission als Kleinigkeiten betrachtet werden »nd über die zu reden sie jedenfalls überflüssig hält. Und so müssen denn die Redner, die die in Frage stehenden Positionc» nicht für Lappalien halte», über die verschiedensten Maren ihre Kcimtiiisse verbreiten. So hat der socialdcmokratische Redner über Fischbein, über Ho ruft übe aus Büfsel- oder andren Tierhvrnern, über gepreßte Knöpfe ans Horn oder Horn in asse, über Federkiele zu Schreibfedcr», Zahnstochern, Pinsclstielcn, Cigarrcilspitzen zc., über Horn platten, Hornmehl uno über allerhand Waren ans tierischen Schnitzstofscn in einer Rede zn sprechen, da die Socialdemokraten Zollfreihcit für alle diese Positionen beantragt haben. Stadthagen ist diese Aufgabe zngcfallen, der sie in sachlicher Weise löst. Früher hätten auch die Schutzzollparteien eine andre Stellung zu den Jndusiriezöllen eingenommen, nicht Zölle verlangt für Industrien, die erstarkt sind nnd ans dem Weltmarkt eine hervor- ragende Stellung einnehmen. Nenetdings verfahre man unterschied«- los und treibe volkslvulschaftlichen Raubbau. Redner geht aiif die Fabrikation, die Lage der einzelnen Judnstrieziveige, ihre Export- fähigkeit, auf die Arbeitsverhältnisse usw. näher ein und kritisiert scharf, daß z. B. in der Kuopfmncherei die Gefängnisarbcit ruinierend wirke, gegen diese Wirkung helfe kein Zoll. Spahn beantragt für Position 609, Horustäbe, vorgerichtet, eine Zollerhöhlmg von 40 auf 60 M., und zu 610 eine Erweiterung des Textes. Gothel» iveudet sich gegen den Antrag Spahn und beantragt für Position 610, Knöpfe, statt 100 M. 50 M. Zoll. Gchcimrat La» vertritt die Regierungsvorlage. Staatssekretär Graf Posadotvskti macht ebenfalls Elnlvkiiide gegen den Autrag Spahn. Position 603, Fischbeinstäbe, 10 M., Fischbelugeflechte 30 M., ivird nach der Vorlage angenommen. Position 609 lvird nach den, An trag Spahn gestaltet, Horustäbe rauh 10 M., vorgerichtet 60 M. Position 610 ivird mit der Spahnschc» Textänderuiig nach der Vorlage angenommen; ferner unverändert 611, 612 und 613. Nninnchr erstreckt sich die Beratung ans den wichtigeren Unter- a b s cb n i t t L. Holzivarc». Zu Position 614, Bau- und Nutzholz, roh 6 M., bearbeitet 10 M.. beantragen die S o c i a l d e m o k r a t e n Zollfreiheit. Gothel n beantragt für Bau- und Nutzholz roh 3 M. und dezcichuct den Satz von 6 M. in der Vorlage als schädlich für die Industrie. Pfaiinkuch begründet den Antrag ans Zollfreiheit im Interesse der Arbeiter imd Kleinmeister. Die HolzbearbeitnngS-Jiidnstrie im allgemeinen wäre leistnngsfäbiger. wenn das Rohmaterial zollfrei gelassen würde, dann könnte sie es noch leichter mit der Konknrreiiz des Auslandes anfliehmen. Unter solchen Umständen könne sich auch die Lage der Arbeiter eher verbessern lassen. Verteuerung der Arbeitsmaterialicn verhindern dies. Dagegen werde die Konkurrenz des Auslandes durch den Zoll geradezu verstärkt. Auch die Wohinnigs- frage werde durch diese» Zoll berührt; zum billigen Bau von Häusern gehöre auch billiges, nicht klmsllich verteuertes Holz. Graf Posndoivsky äußert, i» Deutschland gäbe es noch große Flächen, die mit Wald belegt iverden konnten, aber damit dies gc- schehen könne, müsse auch für augcnicssenc Preise gesorgt werden; die ausländische Äoukurrcuz drücke zn sehr auf die deutsche Wald- ivirtschaft. Man dürfe keinen Zoll auflegen, der prohibitiv ivirke, aber der die Konkurrenz des Auslandes nicht überwuchern lasse, sondern sie auf gleiche Grundlage mit der inländischen stelle. Beekh- Kobnrg wendet sich gegen die Höhe deS Zolles nnd moniert die ungenügende Gruppierung der Zollpositiouen. Gvthei» erwidert dem Staatssekretär, daß mit dem Zoll>1» alte» Tarif, den er. Redner, ivicder einsetzen wolle, ei» genügeud hoher Schutz gcivnhrt worden sei. Ma» sei 1885 zu dseiec Erhöhung gekonuueu, die immer als genügend gegolten habe, besonders da die Holzpreise bis zum vorige» Jahre anßervrdeiitlich'gcstiegen seien. Mit der Fülle leiner Gründe habe aber der Staatssekretär den Grund, daß der Zoll auch als KouipensationLobjekt dicuen solle, erdrückt. Gehciinrat La» bedeutet dem Abg. Beckh, daß Holzschachtelu unter Position 627 gehörte». Handelsminister Möller giebt z», daß die Holzpreise gestiegen seien, aber das handelspolitische Interesse dieser Zölle sei doch von größerer Bedeutung verschiedeiicii Ländern gegenüber, als Abg. Gothel» auuehiue. Psanukuch ist wohl für eine Hebung der Kultur deS Waldes, aber dazu bedürfe es andrer Förderungsinittel als eines Zolles. Wenn die Soeialdemokratie in den preußische» Landtag eindringen werde, werde sie auch dort der preußischen Forstwirtschaft näher treten. Der Zoll schädige eher die Forstivirtschast. Die Position 614 wird nach der Borlage an- g e n o m m e». Position 615, Fo n r niere, roh 10 M.; bearbeitet 30 M.; Socialdemokratc» beantragen Z o l l f r e i h e i t. G o t h e i» beantragt eine Deklaration für Fouruiere und die Belassiing der alten Zollsätze und begründet den Antrag. Zubeil betont, die Möbeltischlerei benötige die Fourniere wie das liebe Brot. Man mache ihr das Leben sauer, ivcnn das so nötige Fourniermaterial verteuert werde; sie sei auf das Ausland angeiviesen, denn das ausländische Material habe eine andre Maser und sei viel- ach elastischer, wie g. B. das spanische Nußbaumholz. Polisander, Mahagoni zc. kömien nicht ersetzt iverden durch inländische Hölzer. Je mehr der Möbelindustrie das Material verteuert werde, mn so mehr enge nia» ihr Absatzgebiet ein und die Arbeiter würden in erster Linie und am schwerste»' diesen Schaden ver spüren. (Dcljeimrnt La» erwidert Zubeil, amerikanisches Pappelholz gehe NM in geringen Mengen ein. Zolltechnisch lasse sich der Begriff Tourniere nicht im Gotheinschcn Sinne sicherstellen. Die Zoll- rrhvhung sei gemacht worden, weil sie im Jnlercsse der Model industrio liege. Gothcin dctont demgegenüber, es seien Wünsche der Möbel- industriellen, die Dellaratio» des Begriffes Fourniere so zu gestalten, wie er es beantrage. Zubeil macht darauf aufmerksam, daß Fourniere nach dem Ge wicht gekauft Ivürden. Es sei völlig unmöglich, fouruierte Brcttchen als Fourniere zu bezeichnen. Die Einfuhr von Pappelholz-Fouriiieren sei stark und das könne doch unnivglich mit den hohen Zollsätzen belegt iverden. Die Po sitio» wird nach der Vorlage angenommen Dann werden die Positionen 616, 617 und 618 zur Beratung znsainniengefaßt, Stab« und Täfelboden(Parkettboden) Teile: 616 roh, nnverleinit, unsourniert 6 M.: v e r l e i ni t, fourniert 10 M.; 617, bearbeitet, auch verleimt ze. 12 M.: 618, eingelegt 18 M. Die S o c i a l d e m o k r a t e n beantragen Zoll- s r e i h e i t. G o t h e i n beantragt zu 617 statt 12 M. 10 M. einzustellen. Pfannkuch weist darauf hin, daß diese Artikel nach den Motive» der Vorlage bei der Einstihr nicht ins Gelvicht fallen, sie könnten demnach auch keinen handelspolitischen Wert haben; Zollfteiheit sei also begründet. Gothein: Für die Erhöhung der Zölle sei auch nicht der Schatten eines triftigen Grundes von der Regierung angegeben. Geheimrat Mermuth verteidigt die Vorlage mit einem Hinweis auf die rumänischen Zölle. Die Positionen werden sämtlich nach der Vorlage a n g e n o in ni c n. Zu Position 619. Holzspunde— 3M., beantragen die Socialdeniokraten Zollfreiheit. B e ck h beantragt: Zu Nr. 619 unter Nr. 619a beiziifiigen:„Gelvöhnliche Holz- schachteln, Holzfonnen für Nachtlichte frei"; eventuell Nr. 619 zu ergänzen dahin: Holzspundc, anch gepreßt; Holzschachtel», gewöhn- liche; Holzformen für Nachtlichtc 3 M. Diese Anträge iverden bis zu Position 627 zurückgestellt, dann wird die Position nach der Vorlage angenommen. Position 620, Holzdraht, H o l z st i f t e, roh 4 M., be- arbeitet 6 M. Gothein beantragt, statt 4M. 3 M. zu setzen, Schiffer und Schuhmacher bedürften zu ihrem Gewerbe der Holzstifte, jede Er- höhung des Zolls sei abzuivciscn. Molkcubnhr empfiehlt Zollfreiheit aus denselben Gründen. Die amerikanische Konkurrenz komme hinsichtlich der Qualität der Waren, nicht aber der Billigkeit wegen in Betracht. Geheimrat Weriunth erklärt, die Erhöhung des Zolles sei von der Regierung nur aus handelspolitischen Gründen vorgenommen worden. Die Position ivird nach der Vorlage an- g e u o ni m e n. Position 621, H o l z st ö ck c. lvird nnt 646, Rohrstöcke, per- bnndcn. 621, Stöcke, roh 3 M.; bearbeitet 15 M.: feine 30 M. 646, roh 12 M.: gebeizt, gefirnißt ze. 20 M.; in Verbindung mit andren Stoffen 36 M. Gothein beantragt, in Position 621 statt 15 M. 10 M. zu setzen; die S o c i a l d e m o k r a t e n beantragen Z o l l f r e i h e i t. Molkcnbuhr niacht darauf aufmerksam, daß die rohen Stöcke für die Schirnifabrikation in Betracht kämen. Zolltechnisch werde sich die Unterscheidung nach dem Tarif sehr schwer machen lassen. Aus diesen Gründen sei Zollfreihcit geboten. Miillcr-Sagnn tritt für den Gothcinschen Antrag ei»; Unter staatssckrctär v. Fischer gicbt sein Enivcrstäiidins zum Antrage Gothein. Die Position wird nach dem Antrage Gothein unverändert an genommen. Zu Position 622. Fässer und andre Böttcher waren, roh 3 M., bearbeitet 10 M. Die Socialdeniokraten beantragen Z o l l f r e i h e i t. Pfannkuch tritt für Zollfreihcit zu Gunsten der Konsumenten, hauplsächlich der Landbevölkerung ein. Aber auch die Brauerei ec. müsse berücksichtigt werden. Die Position wird nach der Vorlage angenommen. Die Position 623, Spulen, Spindeln, Webcrblätter und Weberzähne wird mit 645, Spulen ic. aus Rohr, verbunden. Die S o c i a l d e m o k r a t e n beantragen Zollfreiheit, die Molkcnbuhr begründet. Die Handweberei werde durch den Zoll geschädigt; man verteuere ihr Handiverkszeng. Positionen 623 roh 6 M., bearbeitet 10 M.; 645 roh 6 M., bearbeitet 10 M. Die Positionen iverden nach der Vorlage angenommen. Schluß 2 Uhr. Nächste Sitzung Mittlvoch 9 Uhr. Toteuliste der Partei. In Königsberg starb nach langem schweren Leiden der Buchdrucker Johann Q u e s s e l. Derselbe war besonders den älteren Parteimitgliedern als Genosse bekannt, der unsre Partei- Interessen stets vertreten und gewahrt hat.— Ein andrer Buchdrucker, der für unsre Partei t'hätig war, starb in Nürnberg; Bruno L a u n e r war sein Name. Er gehörte, wie auch sein obeugenaunter Kollege, nicht zn denen, die an die breite Ocffentlichkeit drangen, er Ivar kein großer Redner, sondern einer jener stillen Genossen, die um so intensiver die Agitation von Mund zu Mund, in der Werkstätte, von Hans zn Haus betrieben. Zur Zeit des Socialistengcsetzes, wo die Verbreitung der Flug schriften, wo die Agitation oft sehr gefahrvoll ivar, da ivär Bruno Launer einer der eifrigsten. Im Verein mit dem schon längere Zeit in der Erde ruhenden Genossen Kolk u. a. besorgte er die Landagitation. Wenn andre an schönen Sonntagen einen Spaziergang oder gemütlichen Ausflug machten, da war es Launtr mit seinen Freunden die, nüt Flugschristen beladen, die Land bevölkerung aufsuchten, um sie mit dem Socialismus vertraut zu machen. Keine Gendarmen, keine brutal auf friedliche Menschen gc hetzten Köter konnten die wackere Schar abhalten, in jeder Hütte ja, oft auch in den Schlössern der Gutsherren ihre Schriften zu verteilen. Politriliches, Gerichkliches usw. � Der Rcdacteur der„Norddeutschen PolkSstimme Genosse D i t t m a n n in Bremerhaven, wurde vom Landgericht in Bremen ivegen Beleidigung eines Bauunternehmers zu 200 M. Geld strafe verurteilt. Das Schöffengericht in Bremerhaven hatte ihn freigesprochen, weil es nicht als erwiesen ansah, daß der Kläger niit der fraglichen Notiz gemeint sei. Der Privatklägcr legte jedoch Be rufung ein und erzielte in zweiter Instanz das oben mitgeteilte Urteil — Die anhaltische Polizei kommt in Uebung. Nachdem den Dessaucr Arbeitern bei einem Unizng gelegentlich eines Gewert schaftsfestes die Musik verboten war, ging die Köthener Behörde noch einen Schritt weiter und verbot deii ganzen Umzug. Auch einen eventuellen Maff'enspaziergang verbot die Behörde.— Solche kleinen Nadelstiche sind immer ein sicheres Zeichen dafür, daß es an dem fraglichen Orte mit der Arbeiterbewegmig vorivärts geht. NÄikkei-MÄiszvichten. Eine Kreiskonfercuz für den Wahlkreis Erfurt- Echlcnsingeu- Ziegenrück fand am Sonntag in Steuth bei Suhl statt. Es waren 15 Tele- gierte ans 12 Orten anwesend. Krcisvorstand und Kontrollkommission waren durch 9 Personen vertreten. Die Kreiscinnahmen in der Zeit vom 1. April 1901 bis 1. Juli 1902 belaufen sich auf 864.53 M. Unter den Ausgaben sind die beiden größten Posten 633,89 M. für Agitation und 350 M. an den Parteivorstand. Bei dem Punkt G c m c i n d e w a h l e n wurde besonders vor Kompromissen gewarnt. AuS Goldlantcr wurde die bemerkenswerte Thatsache festgestellt, daß dort die beiden Arbeiter-Ko»si»iivereinc die erste Wählerableilnng wählen. Znni deutscheu Parteitag wird Genosse Schulz, der Reichstagö-Kandidat des Kreises, entsandt. Bezüglich des Thüringer Parteitages wurde folgende Resolution nngenonnneii: „Die heutige Krciskonferenz bedauert, daß der in Erfurt seinen Sitz habende geschäflsführende Ausschuß der Ägitationskoniinisfiou bei der Festsetzung des Tagungsortes des nächsten Thüringischen Parteitages so ivenig die Interessen des größten Teils der Aboinicnten der„Tribüne" gewahrt hat. Die Krciskonferenz erklärt sich mit der Preßkommissivn solidarisch und tritt den Beschlüssen dersclbcii bei. Die Konferenz wünscht ferner, daß trotz alledem die Orte unsrcs Wahlkreises sich reckit zahlreich an der nächsten Preß- konferenz bezw. dem Thüringer Parteitag vertreten lassen." Znr Kalenderverbreitung wurde beschlossen, mit Rück- ficht auf die kommenden Meichstags-Wahlcn die Auflagehöhe auf 11000 festzusetzen.— Als Kreisvorort Ivurde lvicder Erfurt getvählt._ Mit der bayrische» WahlrechtSfrago beschäftigte sich der Socialdemokratische Verein in Hof. Genosse Goß! er hielt ein Referat über die Geschickte der Landtagsmahl-Rcform und erkärte die Zustimmung der Fraktion zur bekannten Wahlrechts-Resolnlion für gerechtfertigt, da angesichts der obivaltenden Umstäiidc nicht mehr habe erreicht werden können. Nicht so ganz einverstanden erklärten sich die Genossen G e i tz l e r und Schneider, die gelvünscht hätten, daß die Fraktion der Resolution nicht zugestimmt hätten. Mit allen gegen 5 Stimmen gelangte folgende Resolution znr Annahme: Der socialdemokratische Verein Hof ist angesichts der gegebenen Verhältnisse mit der Thätigkcit der social- demokratischen Fraktion in der Landtagswahl-Reforni einverstanden, insbesondere wird anerkannt, daß der vorliegende Entlvurf gegenüber dem seitherigen Gesetz Verbesserungen aufweist, die die vermeintlichen Verschlechterungen bei weitem überwiegen. Aus Fttdupkeie und AZundvl. Rheinifch-westfälischcs Kohlensyndikat. Wie die„Frank furter Zeitung" aus Essen berichtet, mußten im Juni über 25 Proz. der Coakskohlen-Fördcrnng der Syndikatszechen als Feinkohlen zu einem um 2 M. pro Tonne niedrigeren Preise ins Ausland usw. ab- gesetzt werden. Tynamitzoll in Transvaal. Nach einer Meldung des „Neuterschen Bureaus" empfiehlt der ausführende Ausschuß der Minenkaniiner, daß die Verwaltung von Transvaal einen Küstenzoll von 5 bis 71/2 Schilling für die Kiste Dynamit erhebe. Dadurch soll die in Transvaal befindliche Fabrik des Dynamit-Trust geschützt und die Schaffung neuer industrieller Etablissements in Südafrika gefördert werden. George Albu ist entschieden gegen diesen Vorschlag, der seiner Ansicht nach dazu führen würde, den Wettbewerb des Auslandes aus- zuschließen und den ganzen Handel in die Hände der Debeers-Gesell- schaft zu legen, lleberdies würde die Maßnahme keine Erhöhung der Einnahmen nach sich ziehen, während noch die Gefahr dazu komme, daß der Nobcl-Trust und die Debeers-Gesellschaft sich bei Gelegenheit vereinigten. Firma Siller u. Jamert einzustellen. Der Kampf dürfte ernst iverden. Ausland. Die Aussperrung im Bangcivcrbe zu Haarlem ist durch einen Vergleich, der unter Mitwirkung des Bürgermeisters zu stände gekommen ist, beendigt worden. Holzhaner-Kongrcff. In Bonrges fand kürzlich der erste französische Holzhauer-Kongreß statt; es wurde ein Verband der Holzhauer begründet. Derselbe zählt bereits 6000 Mitglieder. Auf dem Kongreß waren u. a. anch 40 Syndikate vertreten. Diese Syndikate, die namentlich in der Provinz Eher sehr zahlreich sind, übernahmen Holzfäller- und Holzhauer-Arbeiten, welche in genossen- schaftlichcr Weise ausgeführt wurden; der Verdienst wurde unter die Genossenschaftler verteilt. Die jetzige Bewegung aber ist eine gewerk- schastliche und wird sich der Verband den Gewerkschaften der Jndustric-Arbciter anschließen. Zum Ausstand der Eisenbahn-Arbciter iu Chicago meldet „W. T. B.": Nachdem auch weitere Konferenzen zwischen den Eisenbahn-Arbeitern und den Unternehmern ergebnislos verlaufen sind, befinden sich noch immer 20 000 Mann im Ausstand. Der Verlust an Löhnen, der den Frachtverladern und den Fuhrleuten bei den Eisenbahnen und andren Betrieben erwächst, wird auf erhcblick nichr als eine Million Dollar täglich veranschlagt. Die Lage ist ziigegebenermaßen ernst. Gcmevkschttftliches. Deutsches Reich. Tic Hamburger Klcmvucrinnnng teilt ihren Mitgliedern mit, daß bezüglich der Aussperrung der Klempner eine Acndernng vor- läufig nicht zu erwarten sei und der JnnungSvorstand sich um Zuzug arbeitswilliger Gesellen von außerhalb bemüht habe. In den nächsten Tagen, heißt es. sollen eine große Zahl Arbeitswilliger eintreffen, und die Meister, welche nach einen Anteil an diesen„nützlichen Elementen Verlangen tragen, sollten nur sichere Quartiere für dieselben besorgen, damit die hohen Kosten für die Heranschaffnng der heißerschnten Arbeiiswilligen nicht vergeblich aufgewendet würden. Also in sicheren Quartieren, abgeschlossen von der Außenwelt. müssen die Importierten verwahrt werden, wenn ihre, schätzbare Kraft den aussperrungswütigen JnnungSmeistern erhalten bleiben soll. Natürlich ist es nicht die Furcht vor etwaigen gewaltsamen Eni- führungcn. sondern die Angst vor einer aufklärenden Unterredung mit den Ausgesperrten, die solche Vorsichtsmaßregeln hervorruft. UebrigcnS sind die Ausgesperrten der Meinung, daß der Jnnungs- vorstand nur blauen Dunst macht, wenn er seinen Mitgliedern eine große Zahl" an Arbeitswilligen in Aussicht stellt. Visher haben sich nur wenige Arbeitsivillige gefunden, und die besseren Elemente derselben sind bald wieder abgezogen. Die Maurer iu Königsberg i. Pr. haben bekanntlich seit längerer Zeit eine Lohnbewegung geführt. 48 Ilnternehmcr hatten die Forderung— 50 Pf. Stundenlohn— bereits bewilligt und zwar bis zum 31. März 1904. Die Innung hat dagegen beschlossen, für dieses Jahr nur 47 Pf. lmd erst für 1904 5V Pf. zu zahlen. Auf Grund dieses Beschlusses und der bereits erfolgten Beivilligungc» sollte nun zwischen Arbeitern und Arbeitgebern ein Vertrag ab- geschlossen werden. Es fanden Verhandlmigen statt, dieselben sind aber jetzt gescheitert, und zivar deshalb, weil die Ilnternchmcr die Ausnahme einer Vertragsklausel verlangen, welcke besagt: Wenn auf einem Bau innerhalb des Vertragsgebiets unter dem vertragsmäßigen Lohn gearbeitet wird und es binnen 8 Tagen nicht gelingt, de» Arbeitgeber znr Zahlung des Vertrags- lohncS anzuhalten, die Maurer auf dem betreffenden Bau aber trotz- dem weiterarbeiten, dann sollen sämtliche Arbeitgeber verpflichtet sein, den Lohn um 5 Pf. pro Stunde herabzusetzen.— Diese Klausel lehnten die Vertreter der Maurer ab. Darauf erklärten die Unter- nehmer, sie würden vom Montag, den 14. d. M. den Lohn wieder kürzen, und wenn die Maurer sich das nicht gefallen ließen, dann würden sie ausgesperrt werde n.— Die Maurer warteten die Ausführung dieser Drohung nicht erst ab. sondern legten die Arbeit nieder auf allen Bauten, wo die Unternehmer ihre frühere Zusage nicht gehalten haben. Zum Manrcrstreik in Stuttgart. In einer am Sonntag ab- gehaltene» Manrerversanimlung empfahl der Ganvorsitzende aus taktischen Gründen und um den znr Zeit anssichtsloien Kampf nicht bis zur Erschöpfung zn führen, die Beendigung des Streiks und gc- 'chloffene Wiederaufnahme der Arbeit. Auch der Mannheimer Gau- Vorsteher sowie Päplow-Hamburg und der Arbciterjelretär Nnthcr befürworteten diesen Vorschlag, den die Versanimliing jedoch in ge- heinier Abstimmung mit 141 gegen 97 Stimmen verwarf. Es wurde beschlossen, die endgültige Entscheidung in einer am Montag ab- zuhaltenden Versammlung der Streikenden zu treffen. Steinsetser. In L a u e n b u r g in Pommern haben die Stein- etzer die Arbeit niedergelegt, weil ein dortiger Unternehmer der Gründung einer Verbandsfiliale dadurch eiitgegeiizutreten suchte, daß er Maßregelimgen vornahm. Zuzug ist fernzuhalten. Ei» Streik der Keffelschmiede bei der Finna Siller n. Jamert in Barmen steht bevor. Nachdem die Kündigungsfrist eines Teiles der Arbeiter bereits am Montag abgelaufen war, endet sie für die übrigen am heutigen Mittwoch, so daß von da an samt- liche Arbeiter des Betriebes in den Streik treten. Die Unternehmer- Vereinigung hat in bekannter Manier an sämtliche Betriebe der Branche die Aufforderung gerichtet, keinen der Arbeiter, von der Sociales. Socinlgeseygcbung und der prcustischc Landtag. Man schreibt uns: Am Schluß der Session des preußischen Landtags erklärte der Präsident Herr v. Äröcher, daß in dieser Session alle Petitionen im Plenum znr Beratung gekommen seien und ihre Erledigung gesunden hätten. Hier scheint dem Herrn Präsidenten ein Irrtum unterlaufen zu sein. Bekanntlich hatten die baugewerblichen Arbeiter des Königreichs Preußen schon im Jahre 1901 eine Petition betreffend die F ü r- sorge für die auf Baute» beschäftigten Arbeiter dem hohen Hause der Abgeordneten eingereicht. Dieselbe kam jedoch wegen des frühzeitigen Sessionsschlusses(infolge der Ablehnung der Kanalvorlage) nicht mehr zur Beratung. Unterm 27. Februar d. I. wurde die Petition, mit einigen Ab- änderungcn und mit Vorschlägen zur Reform der Unfallverhütung bei Bauausführungen versehen, von den Vertrauenspersonen der bau« gewerblichen Arbeiter von neuem eingereicht. Ebenso hatte vordem die Staatsregiermig ein Exemplar erhalten in der sicheren Er« Wartung, daß die Regierung bezw. das Abgeordnetenhaus iu dieser Session Stellung zu der Petition nehmen würden, so mehr, als gleichzeitig in allen Teilen des Königreichs Preußen Versanimlungen stattfanden, die ihre Zustimmung zu der Petition durch Annahme von Resolutionen erklärten. Etwa 400 Resolutionen, die ca. 41 000 Unterschristen repräsentierten, wurden dem Präsidium zugesandt. Doch die baugewcrblichen Ar- beiter hatten nicht mit dcni preußischen Bureaukratismus gerechnet. Alle möglichen und nnmöglichen Petitionen— und es mögen deren nicht' wenige gewesen sein— sind zur Beratung ge- kommen, jedoch die Petition für Bauarbeiterschutz, an dem in Preußen über 800 000 Arbeiter interessiert find, ist nicht zur Beratung gekonimen. Nach der Erklärung des Herrn Präsidenten, daß alle Petitionen ihre Erledigung gefunden haben, begannen wir nochmals ein eifriges Nachsuchen in der Presse, konnten aber auch hier nichts an- treffen, Ivas die Aeußerung des Herrn Präsidenten gerechtfertigt hätte. Warum ist nun die Petition, die doch zweifellos von allen Petitionen an er st er Stelle zur Beratung hätte stehen müssen, überhaupt nicht zur Beratung gekommen? Da den interessierten Personen eine Nachricht seitens des BureanS des Abgeordnetenhanses nicht zugegangen ist, zog man Erkundigungen über das Schicksal der Petition ein. Die Gründe, die man erfuhr, waren so eigentümlicher Natur, daß, obwohl wir in Preußen schon so ziemlich alles' gewöhnt sind, dieses denn doch einzig dasteht. Obwohl die Formeln, die bei Einreichung einer Petition verlangt werden, in der Hauptsache erfüllt waren, d. h. ein Exemplar mittels eines An'hrcibens dem Präsidium überreicht wurde, war doch ein Tüpfelchen über dem„i" vergessen. Die Namen der Vertrauenspersonen der baugewerblichcn Arbeiter Berlins waren in diesem Exeniplar Ivie in den andren gedruckt. Die mußten aber von den betreffenden Unterzeicknern eigenhändig geschrieben werden. Dann i st den B e st i m m u n g e n erst in gehöriger Weise Rechnung getragen. O du heiliger preußischer Bureau- kratismuS I Weil die Namen der Unterzeichner nickt geschrieben, sondern gedruckt dastehen, deshalb wird eine Petition, an deren Inhalt — wo es sich allerdings um Maßnahmen zuni Schutz von Leben und Gesundheit von Menschen handelt— circa 800 000 Bauarbeiter interessiert sind, nicht znr Beratung gestellt. WirddagegenanSPosemuckel oder sonst irgendwo'von Schulze oder Müller petitioniert, so wird die Petition beachtet.— Da sage aber noch einer, daß die Regierung «nd Präsidium des Abgeordnetenhanses nicht auf der Höhe der Social- reforni stehen I Die bangewerblichen Arbeiter aber werden dieseThat in genügender Weise einznschntzen wissen. Das Präsidium des Ab« geordnetenhauses hat sich durch diese Behandlung der Petition für den Banarbeiterschutz einen unsterblichen Ruhm erworben. Die Arbeiter aber werden bei geeigneter Gelegenheit für das so bewiesene Verständnis für den Baüarbeiterschutz die geeignete Antwort geben. Uetzke MÄchveLzken And Depeschen. Gegen die Kartelle. Prag, 15. Juli.(W. T. B.) Der Landtag hat einen Antrag Wüst angenommen, betreffend Aufhebung der Zucker- und R ü b e n k a r l e l l e. Im Laufe der Verhandlung verwies Antrag- stell« auf die Schädigung des Bauernstandes durch die Kartelle, welche er„Volksbelrug" nannte, und forderte die Regierung auf, mit thunlickster Beschleunigung im Landtage eine Gcsetzesvorlngc zur Verhinderung der schädlichen Wirkungen der Zucker- und Rüben- kartellc einzubringen._ Hamburg. 15. Juli.»«« Berliner Partei-Angelegenheiten. Zur Lokullistc! Das Personal der Firma Albert Müller, früher Blackbor», in Nieder- Schvncivcidc, veranstaltet am Sonnabend, den 26, Juli, ein Sonnnervcr�nügen im Restaurant Hassel- Werder. Inhaber Hcmpel. Man versucht in Arbeiterkrcisen Billets abzusetzen; wir weisen darauf hin, daß das Lokal der Arbeiterschaft zu Vcrsammlnnczen nicht zur Berfügnng steht.— Der„B e r e i n der Berliner H o t c l h a» s d i e n e r" arrangiert am Sonntag, den 10, August, ei» Sommerfest im WaldhauS. Hubertus-Allee 7—9 (Kolonie Grunewald). Da man versucht, auch au NichtMitglieder Billets abzusetzen, so bitten Ivir, die angebotenen Billets znrnckzu- weste», indem das Lokal der Arbeiterschaft zu Versammlungen nicht zur Verfügung steht. Die Lokalkommission. Treptow- Baumschulenweg. Heute, Mittwochabend 8�/2 Uhr, hält der socialdemokratische Wahlverein im Restaurant Michler, Ernst- und Marienthalerstrabe-Ecke, seine Generalversammlung ab. Auf der Tagesordnung steht unter anderm: Die nicht öffentlichen Gemeinde- vertreter-Sitzungen. AdlerShof. Morgen, Donnerstag, den 16. d, M., abends 8'/? Uhr, findet im Lokale von Becker, Oppenstraffe, eine Mitglieder- versammliilig des socialdemokratischen Wahlvcreins statt. Genosse Grempe wird einen Vortrag halten über: Die neuesten Errungen- schaften auf dem Gebiete der Beleuchtungstechnik(mit Experimenten an der SpirituS-Glühlampe). Uoknles. Ausstellung für Unfallverhütung. Seitdem im Jahre 1889 die„Deutsche Allgemeine Ausstellung für Unfallverhütung" die bis dahin bekannten Arbeitcrschntz- Vorrichtungen zum erstenmal in umfassender Weise vorgeführt hat. ist der Wunsch hervorgetreten, den Interessenten fortlaufend Neue und Nachahmensivertes auf diesem Gebiete durch Schaustellung all gemein zugänglich zu machen. Diesem Wunsche soll nunmehr von feiten des Reichs durch Schaffung einer stäudigeu Ausstellung Rechnung getragen werden, welche sämtliche Zweige der Arbeiter fiirsorge, insbesondere die Vorkehrungen zur Unfallverhütung und die Einrichtungen auf dem Gebiete der Gelverbchhgicne umfasse» soll. Das Ausstellungsgebäude ist in der leicht zu erreichenden, nniveit der technischen Hochschnle gelegenen Frnimhofcrstraffe 11/12 in Chor lottenburg erbaut worden und wird i» kurzer Zeit auch iu seiner inneren Einrichtung zur Aufnahme der Schaustücke fertiggestellt sein Die Beschaffung der Ausstellungsgegenstände soll vornehmlich in der Weise erfolgen, daß einzelnen Arbeitgebern, soivie Erfindern und Fabrikanten neuer Uiifallverhütungs-Borrichtungcn unentgeltlich der Raum zur Verfügung gestellt wird, auf dein sie die von ihnen ein- geführten oder hergestellten Einrichtungen dieser Art zur öffentlichen Kenntnis bringen können. In gleicher Weise soll auch den Berufs genosfenschaften Gelegenheit zur Ausstellung mustergültiger und bc währter Unfallverhütungs-Vvrrichtuiigeii geboten werden. Die Ansstellungsgegenstände sollen in Modellen oder in bc� tricbsfertiger Ausführung, und die Maschinen, sofern sie mit Elektroniotoren versehen sind, im Betriebe gezeigt werde». Die hierzu erforderliche elektrische Kraft wird kostenlos vom llieichc zur Ver- fiigung gestellt werden. Ferner wird die vom Rcichsamt des Innern reffortiercnde Verwaltung der„ständigen Ansstellung für Arbeiter ivohlfahrl" für eine der Belehrung der Besucher Rechimilg tragende Vorführung der Maschinen soivie für die Betvachung und die Jit standhaltung der Ausstellungsgegenstände sorgen. Ueber die Zulassung der auszustellenden Gegenstände entscheidet die Verivaltung nach Anhörung eines vom Reichskanzler zu berufenden Beirats von Sachverständigen. Sofern sich ergiebt, daß die in der Ansstellung zur Schau gc stellten Apparate und Einrichtungen durch neuer« Erfindungen über holt sind, oder daß sie in der praktischen Amvendnng sich als nicht branchbar oder als nicht zweckmäßig crivciscn, oder sonst Gründe vorliegen, welche die Entfernung gewisser Schaustücke von der Aus- stellnng als ivünschenswert erscheinen lassen, iverdcn die Eigentümer zur Zurücknahme und Abholung der Gegenstände nnfgefordcrl iverden Die freilverdenden Plätze sollen sodann alsbald mit andren, die neuesten Erfindungen auf den einschlagendenGebietc» veranschaulichenden Schaustücken besetzt iverden. Uni zunächst einen Ueberblick über die Zahl der zu erwartenden Schaustücke und über das Bedürfnis an Raum zu gewinnen, sollen vorerst nur die BernfSgenosseiischaftc», ferner Gewerbe-Unternehmer die sich auf dem Gebiete der Unfallverhütung, der Gcwerbehhgiene und der Arbeiterivohlfahrt hervorgctha» haben, soivie auch die Er- finder und Fabrikanten beivährter. dein Schutze der Arbeiter dienender Vorrichtungen ersucht werden, sich ivegen Beschickung der ständigen Ansstellung für Arbeiterwohlfahrt mit der Verivaltiing in Berbindinig zu setzen. Mit der Ausstellungshalle ist ein Verwaltungsgebäude verbunden, in welchem sich ein größerer Saal befindet, welcher zn öffentlichen Vorträgen über Unfallverhütung. Wohnungsfürsorge, Gewerbehygiene und verivandte Gebiete benutzt werden soll. Die Verteidigung dcS HofbanktcrS. In Erich Schlaikjers Drama„Pastors Ricke" komnit bc kanntlich eine Stelle vor, in der es heißt:„Also Vetter Erik ist Kammerherr geworden? Gerade der Dümniste von der ganzen Familie!" Die Censur hat diese Stelle beanstandet und ans dem Kammerherrn einen Abgeordneten gemacht. Das tvirkliche Leben aber kann kein Censor umdichten. So kam es, daß nach den Dar- stellungen seiner Verteidiger der Hofbankier und Generalkonsul Eduard Schmidt, der Mann also, der es vom ganze» Sandenklüngel zu den höchste» äußeren Ehre» gebracht hatte, wirklich und unbestritten als der„Dümmste von der ganzen Familie" erschien. Es liegt etivas Ungeheuerliches, wen» auch nichts Unwahrscheinliches in der Behauptung, daß dieser Mann. der mit einem Fedcrzuge Millionen— und nicht bloß eigne— ins Rollen bringen konnte, seit fünf Jahren schwachsinnig gewesen sei und von der Größe seiner Verantwortung keinerlei Vorstellung besessen hätte. Ganz so unglaublich scheint diese Annahme nicht, wen» man den alten Mann betrachtet, wie er unbeweglich und ohne jedes Zeichen der Auteiluahnie die Ausführungen seiner Ver- leidiger an sich vorbeigehen läßt. Man kann hinter diesen ausdrucks- losen Augen wahrhaftig kein Gehirn vermuten, das jenen verivickelten Gedankengängen des Anwalts folgen könnte, in denen sich die ganze Kompliziertheit seines Geschäfts und seines Verschuldens wider- spiegelt. Diesem Manne nun hat die Gesellschaft nicht nur die höchsten Ehren erwiesen und die größten Gewinne zugeschanzt, sie hat ihm auch die schtversten Pflichten aufgeladen: Eduard Schmidt war— Vorsitzender des Aufsichtsrats der Preußische» Hypotheken-Aklieubank I Die Ausführungen seiner Verteidiger entbehren sicherlich nicht der Logik. Denn wem, Schmidt wirklich schivachsinnig ist, und Justizrat Stern mit seiner geistreichen Theorie, die Aufsichtsräte seien vor strafrechtlicher Verfolgung desto sicherer, je weniger sie sich um ihre Obliegenheit kümmerten(tveil dann keine„böse Absicht" erweisbar sei!j, recht behält, dann ist der Hofbaukicr sicherlich der Unschuldigste von allen. Desto größer aber würde unter solche» Umständen die Schuld jener, die de» Geisteszustand Schmidts zu ihren Zivecken auszunutzen verstanden haben. Auch sonst entbehrte der Vortrag des Zustizrats Stern nicht der allgemeinen Gesichtspunkte. Den, Staatsainvalt, der an dem „exotischen" Unternehmen von Skutari Anstoß genommen hatte, hielt er entgegen, daß es einem Vertreter des Staates übel anstünde, heute, wo wir im Zeichen der Weltpolitit ständen, über exotische Unternehmungen Klage zu führen. Eine„Zerstörung von National vermögen", deren der Staatsanlvalt die Angeklagten beschuldigt. ivill er nicht anerkennen. Allerdings hat es sich ja nur unr den Zu sammenbrnch fiktiver Werte gehandelt, und der bedeutet keine„ ftörnng' von Nationalvermögen, sondern nur seine Verschiel aus den Taschen einer Kapitalistengrnppe in die der andern, w die kleineren natürlich ausgiebig geschröpft iverden. Schwer verständlich aber ist es, wieso die Verteidigung Schuld an den, Znsammenbruche der Presse, beson der„Frankfurter Zeitung" zuschieben kann. Daß in dem Falle Sanden-Banken zum Vorteile einzelner Kapitalistengrnppen best Totengräberarbeit verrichtet worden ist, erscheint ganz ausgeschlo Wenn aber wirklich der Leiter der Gruppe. Eduard Sauden,„ mütig bis zur Schiväche", Pnchmüller ein„Direktor mit dem Re n i ch't dreinzureden", Eduard Schmidt ein Aufsichtsrat. der n des Kapitalismus in das volle Licht der Rampen rückte und Wirtschaft von Lahmen, Tauben und Blinden durch ihre Enthüll Einhalt gebot. Am Mittwoch gelangen die Justizräte Seiko und Muncke zum Wort. Man kann den Ausführungen des letzteren mit e größerer Spannung entgegensehen, tveil er ja nach Berichten Aufsichtsbehörde als hervorragender Fachmann auf dem Gc des Hypothekenbank-llnlvesens gelten muß I Da erst dann Rep und Dupliken, vielleicht auch noch längere Ausführungen der Au geklagten folgen, wird das Redcturnicr voraussichtlich nicht so zu Ende sein. Ein alter Parteigenosse, G u st a v K w a S n i e w k i. ist am Sonnabend zur letzten Ruhe bestattet ivordcn. Der Verstorbene war mit einer der ersten, die in Berlin der socialdemokratischen Partei beitraten und für sie wirkte. Kwnsnicwki hatte sich erst dem Studium der Theologie geividmct, sattelte aber bald um und versuchte als Lehrer mühsam sein Fortkommen. Zn Beginn der 60cr Jahre ge hörte er dem Nationalvcrein an und ließ sich ganz von der liberalen Partciströmimg fortreißen. Zn jener Zeit versuchte er eine An stellnng als Vollsschullehrer zu gcivinncn. die ihm auch nicht ab geschlagen wurde, nur lallte er aller politischen Thäligkeit entsagen Das ivar dem gerade» Charakter des Verstorbene» zuwider, er lehnte die Zninntung ab und damit auch die Aussicht aus Anstellung Später kam er z» uns und versah eine Zeitlang im social demokratischen Verein das Amt eines Schriftführers. Im Jahre 1871 übernahm er sodann die Redaktion des„Crimitschauer Bürger« und BanernfrenndeS", die er bis 1874 inne hatte. Sorgen uni den Unterhalt seiner Familie trieben ihn dann, um eine Staats austellung nachzusuchen, die ihm im Preußischen Statistische» Amt, das dainnls unter Leitung des Herrn Engel stand, gewährt ivurde. Hier ist er bis zuletzt thätig gewesen, ohne die Zugehörigkeit zur Partei aufzugeben. AIS 69 jähriger Greis hat er seinen Lebensabend bc schlössen. Gewerbe-Inspektion. Der Polizeipräsident hat eine Bekannt machnng herausgegeben, in der auf die Anfordenmgen, die inner- halb der Betriebe nach§ 120 a der Gewerbe-Ordnung erfüllt werden müssen, hingewiesen tvird. Die Bekanntmachung lautet: Gemäß§8 120a ff. der Gewcrdc-Ordnnug sind die Gewerbe Unternehmer verpflichtet, die Arbeitsränme, BetriebSciiirichlnngcn Maschinen und Gerätschaften so einzurichten und zu unterhalten. daß die Arbeiter gegen Gefahren für Leben und Gesundheit soweit geschlitzt sind, wie cS die Natur des Betriebes gestattet. Insbesondere ist für genügendes Licht, ausreichenden Luftraum und Lufttvechsel, Beseitigung des bei dem Betriebe enlstchcnden StnnbeS, der dabei entwickelten Dünste und Gase soivie der dabei entstehenden Abfälle Sorge zn«ragen. Ebenso sind diejenigen Vorrichtinigen herzustellen, welche zum Schutze der Arbeiter gegen gefährliche Berührungen mit Maschine» oder Maschinenteilen oder gegen andre in der Natur der Betriebs stätte oder des Betriebes liegende Gefahre», namentlich auch gegen die Gefahren, welche aus Fabrikbrändcn erwachsen können, erforder lich sind. In Anlagen, deren Betrieb cS mit sich bringt, daß die Arbeiter sich umkleiden und nach der Arbeit sich reinigen, müssen ausreichende, nach Geschlechtern getrennte Ankleide-»nd Waschräume vorhanden sein. Die Bedürfnisanstalten müssen so eingerichtet sein, daß sie für die Zahl der Arbeiter ausreichen, daß den Anforderungen der Gesundheitspflege entsprochen tvird und daß ihre Benutzung ohne Verletzung von Sitte und Anstand erfolgen kann. Diesen Forderungen des Gesetzes ist in vielen, namentlich älteren, getvcrblichen Anlagen noch nicht hinreichend Rechnung ge tragen. Das Polizeipräsidium, ivelchcm die Pflicht obliegt, auf die Durchführung der gesetzlichen Beslimmunge» hinzuarbeiten und namentlich dafür zu sorgen, daß die oben angeführten Forderungen in neu zu errichtenden Anlagen berücksichtigt werden, bringr deshalb die bezüglichen Bestinimungen auf diesem Wege in Erinnerung. Da nachträgliche bauliche Aendernngen in schon im Betrieb bc- findlichen gewerblichen Anlagen in der Regel unliebsame Betriebs stürungcii und einen größeren Kostenanfivand verursachen, so liegt eS im Interesse der Gewcrbe-Untcruchincr. den gesetzlichen Forderungen von vornherein Rechnung zu tragen. Diejenigen Gciverbe-Unter nehmer, Ivelche iiber das Maß dieser nirtit genügend unterrichtet sind, seien darauf hingeiviesen, daß die zuständigen Geiverbc-Aufsichts beamten bereittvillig eingehende Auskunft geben. Zu diesem Zivcck sowie zur Auskunftcrteilung über alle andren die Geiverbe-Aufsicht betreffenden Angelegenheiten sind die Getverbe� Aufsichtsbeaniten in den unten bezeichneten Dienstlokalen und zn den nachbenainiten Zeiten zu sprechen. Die offiziellen Sprechstunden rnden statt: A. Für Arbeiter und Arbeitgeber: DienStag und Freitags von 1 bis 2 Uhr mittags. B. Für Arbeiter allein: Donnerstag von 7 bis 8 Uhr abends und am 1. Sonntage des Monats von 9 bis 10 Uhr vormittags. C. Für Arbeiterinnen allein halte» die Geiverbe-Jnspektions Assistentinnen Fräulein Reichert. Fräulein v. Bcnuigsen-FLrder und Fräulein Kümmert z» den unter B angegebenen Zeiten Spreiiistnnden in den Räumen der Gcwerbe-Jnspektion Berlin 0. beziehungsweise N, und C. ab. Außerdem sind zur Auskunftserteilung über alle die Gewerbe- Aufsicht betreffenden Angelegenheiten täglich von 1 bis 3 Uhr Gewcrbe-Aufsichlsbeamte in den Dicnstlokalen der Gewerbe- Inspektionen anwesend. Die Bezirke der Gewerbe-Jnspektionen für Berlin, Charlotten- bnrg, Schönebcrg und Rixdorf sind, wie folgt, bgegrenzt: 1. Gewerbe-Jnspektion Berlin 0., unifassend die Bezirke der Polizeireviere 1. 2. 6. 12 bis 16. 19 bis 22. 27, 29. 38. 40. öS und 93. 2. Gewerbe-Jnspektion Berlin O., umfassend die Bezirke der Polizeireviere 23 bis 26, 43 bis 45. 48, 49, 52 bis 54, 65. 66, 70. 79, 86, 87, 94 bis 96 und 102, sowie den Stadtkreis Rixdorf. 3. Gewerbe-Jnspektion Berlin 8., umfassend die Bezirke der Polizeireviere 28. 30. 31, 34 bis 36. 39. 41. 42. 47. 56, 63. 67. 71 bis 73, 78 und 85. sowie den Stadtkreis Schöneberg. 4. Gewerbe-Jnspektion Berlin W., umfassend die Bezirke der Polizeireviere 3 bis 5. 8. 32. 33. 37. 57. 58. 64. 74 bis 77. 83. 84. 91 und 100, soivie den Stadtkreis Charlottenburg. 5. Gewerbe-Jnspektion Berlin dl., umfassend die Bezirke der Polizeireviere 7, 9. 10. 11. 17. 18. 46. 5V. 51, 59 bis 62, 68. 69. 80 bis 82. 83 bis 90, 92. 97 bis 99 und 101. der Getverbe-Aufsichtsbcamten Ncbcrsicht der Gctverbe-Jnspcktionr» und der Gewerbe- Aufsichtöbeaultcn von Berlin, Charlottcnburg, Schönebcrg und Rixdorf. Vorstehendes bringe ich hiermit für die in Frage kommenden Gewerbetreibenden soivie für Arbeitgeber und Arbeitnehmer zur öffentlichen Kenntnis. Zufammenstöffc auf der Straßenbahn ereigneten sich Montag« nachmittag und gestern mittag. An der Ecke der Linien- und Schön- hanserstrnße scheute Montagnachinittäg uni 5 Uhr ein junges Pferd, das der Fuhrherr Hermann Günther aus der Kastanien-Allee 24 vor seine Droschke gespannt hatte, vor einem Straßenbahntvagen. Während die Fahegüste laut aufschrien, bremste der Wngensührer nach Kräften. Trotzdem tvar der Znsammenstoß unvermeidlich. Günther ivurde von, Bock geschleudert und zog sich eine Kopfverletzung »nd eine schtvere Gehirnerschütterung zu.— Gestern mittag um 12 Uhr fuhr die Wegcmessordroschke Nr. 3635 au der Ecke der Friedrich- und Ornnienburgcrstraßc vor dem Straßenbahntvagen Nr. 1253 der Linie. Reinickendorf— Charlottenstraße auf den Schienen. Keine Warnung des Wagenführers konnte den Kutscher veranlassen, ihm die Bahn frei- zumachen. Als er endlich etivas auSbog, faßte der Straßenbahn- ivage» die Droschke und tvarf sie auf die Seite. Eine Dame, die sich iu der gefährlichen Lage schon erhoben hatte, um auszusteigen, wurde durch den Ruck auf den Fahrdamm geschleudert und blieb betvußtlos liegen. Als sie sich nach fünf Minuten erholte, stellte sich den Befürchtungen entgegen heraus, daß sie unversehrt geblieben tvar. Der Droschkenkutscher verlor unr seinen Hut. Ein Zusammenstoß eines Feuerwehr- Wagens mit einem Straßenbayu-Waggon fand Montagmittag in der Chnussecstraße an der Ecke der Schlegelstraße statt. Ein Lciterivagen der Feuerivchr fuhr die Chanssecstraße entlang, ivährend auf Grund des WarnungS» siguals der Slraßenbahuwagen 1569 der Linie Kreuzberg— Gesund- bruuncn der Vorschrift gemäß anhielt. Kurz vor demselben bog der � Löschwagen plötzlich ab, und daS schwere Gefährt schleuderte mit solcher Geivalt gegen die Hinterplattform des MotorwaggonS, daß die Plattform eingebogen und der Kontroller zerstört wurde. Per- soncn wurden nicht verletzt.— Ein zweiter Zusammenstoß fand zu derselben Zeit in der Holzmarktstraße statt. Dortsclbst fuhr � der 26 Jahre alte Arbeiter Albert Kaiser, Brnnnenstraße 123, einen Handivagcn sckiiebend gegen den Straßenbahntvagen 1772 der Linie Amtsgericht— Schlefischrr Bahnhof. K. ivurde niedergestoßen, geriet iiiiter seinen eigenen Wagen und erlitt eine Lungen- und Magen- quctschung, die seine Ueberführnng nach dem Krankenhanse erforder- lich machte. Die mangelhafte Bcanfsichtignng kleiner Kinder hat Montag« nachmittag wiederum zu einem schiveren Straßenbahu-Iltisall Ver- anlassuug gegeben. Die dreijährige Tochter des Ackcrstraße 132 ivohiicudcn MaschiueubauerS Roth spielte auf der Straße und ver- uchle unmittelbar vor dem heransauscnden Motortvage» 1911 der Linie Schlesischer Bahnhof— Müllcrstraße das Geleise zu überschreiten. Die Kleine ivurde von dem Wage» erfaßt, umgestoßen und kam unter die Schutzvorrichtmig zu liege». Die Befreiuugsarbeitcu waren außerordentlich schwierig, so daß die Feuerivchr zu Hilfe, zerufen werden niußte. ES gelang jedoch noch vor dem Eintreffen icrselben, die Kleine ans ihrer Lage zu befreien. Sic hatte eincil linksseitigen Obcrarmbruch soivie Brüche an den beiden Oberschenkeln und Quelschungen erlitten und wurde nach dem Lazarus-Kraukenhause überführt. Ticnstbotcn-Eleud. Verhängnisvoll wurde dem 24 Jahre alten Dienstmädchen Auguste Schmidt, das bei dem Knufniann Spierscheu Ehepaar in der Walluertheatcrstraße in Stellung ivar, ein Unfall. Während die Herrschaft sich auf einer Reise in Köln befindet, hatte das Mädchen Wäsche zu besorgen. Aus Beguemlichkeil hängte sie diese nicht auf dem Trockenboden, sondern in der Wohnung auf. Dabei bcuutzle sie als Stütze für die Leine auch das Büffett. Die Last ivurde aber zu schtver, das Büffett fiel um und sein Inhalt wurde zuni Teil schwer beschädigt, uanientlich ein Tafelnussatz. Allem in allem mag der Schade» ivohl300M. betragen. Verständige Hausfrauen redeten dem Mädchen, das»i», verzweifelte, gut zu, da ja ihre Herrschaft menschlich sei; andre Mädchen aber machten ihr um so mehr bange,. daß sie den Kopf verlor. Als man sie am Montagmorgen ver- mißte, ließ die Pförlnersfrau die Wohnung öffnen und fand sie als Leiche an einem Haken hängen. Auf einen Zettel, der auf dem Tische lag, hatte sie die Worte geschrieben:„Der Verlust ist für mich zn schwer, daher habe ich mir heute inorgen um 5 Uhr daS Leben geuonimen." Zli» Biertisch vergiftet hat sich am Montagabend der 49 Jahre alte Goldarbciter Otto Buchert ai>S der Sebasliaustr. 73. Der Mann, ivar seit vierzehn Tagen schivcr nervenkrank. Am Montag- abend ging er noch aus, um ettvas frische Luft zu schöpfen, tvie er einer Frau sagte. Um 10 Uhr kam er in die Gastwirtschaft von Lehmami in der Prinzcnstr. 44 und bestellte ein GlaS Bier. Ohne daß jemand es bemerkte, mischte er Blausäure hinein, trank, nachdem er kaum zehn Minnten gesessen hatte, einen starken Schluck und brach tot zusainnien. Die Leiche wurde von der Revicrpolizei beschlag- nahmt und nach dem Schauhause gebracht. Iu selbstmörderischer Absicht sprang die von ihrem Manne eit einiger Zeil getrennt lebende Frau des Restaurateurs Natusch aus der Bocckhslr. 12 am Montagabend gegen �9 Uhr an der AdniiralS- brücke ins Wasser. Auf ihr Hilsegejchrei eilten ztvei Schiffer mit ihrem Haudkahn herbei und retteten die von Selbstniordgedankeii sehr chnell geheilte Frau, ivelche unninehr mittels Droschke nach dem Krankeuhaus A», Urban aebrackit»inrde Eine polizeiliche Absuchuug des Weißeufec nach der Leiche des 17jährigen Straßenkehrers Gehricke, der gelegentlich einer Boots- 'ahrt am Sonntag ertriuiken ist, hat am gestrigen Tage statt- gcfunde», war jedoch trotz der Anivcndung von Schleppankern er- vlgloS. Ueber den traurigen Unfall, durch welchen das Sonimer- est der Angestellten der Berliner Straßenreiiiigung in jäher Weise unterbrochen ivurde, erfahren ivir noch folgendes: Vier jugendliche Straßeureiniger hatten eine kleine Gondel gemietet und uuteniahnien in dieser eine Wettfahrt mit den Jusriffen eines andren Ruderbootes. Hinter der Bade-Anstalt wollten die Wettfahrer tuenden, hierbei ver- t lor der das Steuer führende Straßenreiniger das Gleichgeivicht und si ürzte kopfüber in bie Fluten. Infolge der dadurch verursachten heftine» Schwmilung schlug das Boot um und nun stürzten auch die drei übrigen Insassen ins Wasser. Von den vier jungen Leuten konnte nur einer schwimme», und diesem gelang es, einen seiner Kollegen festzuhalten und sich an das Boot anzuklammern, während sich der dritte am Steuer festhielt bis Hilfe herbeikam. Der vierte Verunglückte, Gchricke, ist vermutlich von einem Schlaganfall getroffen worden und ging sofort unter. Die Konnnunalwähler-Listen liegen in der Zeit vom IS. bis einschließlich 30. Juli d. I. an de» Wochentagen von vormittags g bis nachmittags 3 Uhr, an den Sonntagen von 11 Uhr vonnittags bis 1 Uhr nachmittags im städtischen Wahlburean, Poststraße 16, 2 Treppen, Zinnner 67 zur Einsicht öffentlich auS. Während dieser Zeit kann jedes Mitglied der Stadtgemeinde gegen die Nichtigkeit der Liste» Einwendungen erheben. Später eingehende Einsprüche werden nicht berücksichtigt. Ist die häusliche Pflege Lungenkranker gefährlich für die Angehörigen der Kranken? Es ist ohne weiteres begreiflich, daß viele Lungenkranke eine große Abneigung haben, sich, abgesehen von andren Uniständen. die dagegen spreche», aus der ihnen lieb gewordenen Umgebung heraus und in eine Heilanstalt zu begeben Wenn letzteres natürlich vom praktischen Standpunkt ans zunächst als empfehlenswerter bezeichnet»verde» muß, so ist es andrerseits durch aus nicht gefährlich, iveirn die Angehörigen eines a» Tuberkulose Erkrankten diesen in ihrer Mitte behalten und ihn und sich die Trennung ersparen, vorausgesetzt, daß die erforderliche» VorsichtS Maßregel» im Verkehr mit dem Kranken eingehalten Iverden. Was in dieser Hinsicht und ohne besondere Schivicrigkcit zu erlernen und zu befolgen ist, führt Dr. med. Richard Rose» in Berlin in seinem Aufsatz„Ucber die häusliche Pflege Lungenkranker fTuberkuloser) in leicht verständlicher und allgemein interessierender, fesselnder Weise in Nummer 13 der.Deutschen Krankenpflege� Zeitung-(Elwin Staude, Berlin W. 35) ans. Diese Arbeit ivirkt im besten Sinne aufklärend, sie lvarnt vor allzu großer Aengstlichkeit und gicbt jedem die Mittel an, durch die einer Verbreitung der Krankheit durch Uebertragung auf andre Personen»virksam vorgebeugt wird. Nicht nur jeder Angehörige des Krankcnpflege-BcrnfeS, sondern auch jeder, in dessen Familie resp. näherer Umgebung sich Tuberkulöse befinden, und besonders die Kranken selbst sollten sich aus diesem Aufsatz informieren. Der Verlag versendet das Heft auf Wunsch gern gratis und franko. Auf dem Bau beruuglückt ist Montagabend kurz bor Feier- abend der Arbeiter Waldemar Kuhnert aus der Pallasftraße 9. der an der neuen Schule in der Hohenstanfenstraße arbeitete. Als hier Träger eingezogen»verde», sollten. trat er fehl, stürzte vom ersten Stock herab und zog sich Verletzungen am Gesicht und an der linken Körperseite zu. Der Verunglückte mußte die Hilfe eiiies Kranke» Hauses in Anspruch nehmen. Ein reicher Armer, der 64 Jahre alte Maurer Karl Simon ans der Fciedrichsfelderstraße 26. ist ein Opfer des Sanden-KrachS geivorden. Simon, der feit vier Jahren als Junggeselle für sich allein eine Stube im ersten Stock des Seitenflügels beivohnte und niemand zu sich einließ, stellte sich immer sehr leidend und klagte. daß er nicht arbeiten könne. Jedermann glaubte auch an seine Not, und die Armendirektion gab ihm schon seit vier Jahren eine monatliche Unterstützung von 20 M. Seit Sonnabend»var der Mann nicht mehr zum Vorschein gekommen. Montagnachmittag ließ der Hansivirt seine Stube öffnen und fand ihn tot auf den, Fuß- bode» liegen. Simon hatte sich mit einem Messer zlveimal i» den Hals geschnitten und dann an einem Kleiderhaken erhängt. Der Strick»var gerissen, nachdem der Lebensmüde den Tod bereits gc- funden hatte. Alis dem Tische lagen 50 Postgnittnngcn. Die Er- Mittelungen ergaben, daß der.arme Mann- Geldgcschäste gemacht und trotz seiner Klagen auch noch gearbeitet hatte. In den Tod ge- trieben aber wurde er durch den Verlust von 4000 Mark, den er durch den Sanden-Krach erlitten hatte. Seit diesem Verluste bildete er sich ein, daß er verhungern müsse. Unfall auf dem Güterbahnhofe. Der Arbeiter Michael B.. der auf dem Güterbahnhofe Waldstraßc damit beschäftigt»var,'von einer daselbst haltenden Lolvry Heu auf einen Fonrngeivage» abzuladen. glitt hierbei aus und stürzte so unglücklich aus den gepflasterten Boden, daß er besinnungslos liege» blieb. Da sich seine Wer- letznngen als sehr schlver eriviesen. mußte er sofort nach dem Moabiter Krankenhaus gebracht»verde»,. Er trug eine schivere Ge- hirnerschütterung davon und scheint sich auch innerlich verletzt zu haben, so daß an seinem Aufkoinmen geziveifelt»vird. Ei» Einbruch wurde an, Montag bei dem Arbeiter Meyer i» der Stargarderstr. 3 verijbt. Die Diebe habe» mittels Nachschlüssels Einlaß in die Wohnung gesunde» und nahmen eine große Anzahl Wirtschaftsgegenstnnde, Wäsche, zivei Trauringe sgez. F. SJt., A.«.), eine Taschenuhr und einen Anzug mit. Von den Dieben fehlt jede Spur. Der Bcstohlene ist durch den Verlust recht schlver betroffen. er schätzt seinen Schaden ans 200 M. Fcuerbericht. Dienstag früh zwischen 1 und 3 Uhr wurde die vierte Compagnie zlveimal böslvilligeriveise alanniert und zivar nach dem Arkonaplatz und der Chorinerstraße. Jedenfalls kommt in beiden Fällen derselbe Thätcr in Betracht, der leider nicht ergriffen »Verden konnte. Kurz darauf»vurde die Wehr nach Trebbincrstr. 16 gerufen,>vo Fußboden und Balkenlage brannten. Köthenerstr. 2 er- folgte ein Zimmerbrand, bei ivclchen, sich die Wohnnngsinhaberin erhebliche Brandwunden zuzog. Kleinere Brände Ivurden außer- dein noch von Hussitenstr. 8 und Oudenarderstr. 24 gemeldet. Aus den Nachbarorten. Ans Rixdorf. Weil er seinen Urlaub n»n einen Tag Über- schritten hatte, machte der Füsilier Otto Lindner von der 2. Com- pagnie des 36. Füsilier-Regiments in Brandenburg, Sohn eines Hierselbst Nichardplatz 13»vohnhaften Steinsetzers, einen Selbstmord- versuch. Ans einem Platze an der Lohniühlenstraße trank der junge Mann eine Quantität Oleum und brach zusammen. Der Vorfall war beobachtet»vorden und so war ärztliche Hilfe schnell zur Stelle. Nach erfolgter Auspnmpnng des Magens»vurde L. nach de», Tempel- hofer Lazarett geschafft. Er»vird voraussichtlich mit dem Leben davonkommen. Einen nnerlvarteten, plötzlichen Tod fand gestern früh der hier- selbst Ringbahnstr. 31»vohnhafte Putzer Bischoff. Derselbe»var auf einen, Bau in Baumschlllemveg beschäftigt und brach gestern morgen kurz nach 8 Uhr plötzlich tot zusammen. Ein hinzngcholter Arzt konstatierte Herzschlag. Zu bedauern ist die aus Frau und drei kleinen Kindern bestehende Familie des Dahingeschiedenen, tvelche so jäh ihres Ernährers beraubt»vorden ist. Die Liste der stimmfähigen Bürger Charlottenbnrgö»vird in der Zeit vom 15. bis einschließlich 30. Juli d. I.»vochentags von 8 Uhr vormittags bis 3 Uhr nachmittags, Sonntags von 9 bis 12 Uhr vorniittags, in, statistischen Amt, Rosinenstr. 12, Hofgebäude, öffentlich ansliegen. Während dieser Zeit kann jedes Mitglied der Stadt» gc, neinde gegen die Nichtigkeit der Liste beim Magistrat Eimvendnnge» erheben, und es ist im Interesse der Vollständigkeit und Richtigkeit der Liste erivünscht, daß von dem Recht der Einsichtnahme»vährend dieser Zeit möglichst viel Gebrauch gemacht»vird, da spätere Ein- spräche unberiicksichtigt bleiben müssen. Die I. Abteilung der Wähler schließt ab mit einen. Steuerbetrage von 2228.28 M., die II. Ab- teilung beginnt mit dem Stcuerbetrage von 2227,80 M. und endigt mit 253,36 M.,»vährend die III. Abteilung mit 262,92 M. beginiit, Der Stenerdurchschnitt beträgt 263,17 M. Die Sterblichkeit in Charlottenburg. Trotz der Z,»nähme der Bevölkerung sind in Charlottenburg im Jahre 1901 nur 2640 Stcrbefälle lohne Totgeburten) vorqekominen, d. h. 141 Fälle weniger als in, Jahre vorher. Damit ist die relative Sterbliwkeit ans 13,78°/« der Einivohner gesunken, bezw. wenn man die Tot- gebnrten einrechnet, ans 14.50�/oo. und hat einen ganz ungeivöhnlich niedrigen Stand erreicht. Noch in den Jahren 1890 bis 1893 war eine Sterblichkeitsziffer von 21°/flo das Miitinrnm, Wie anderwärts, insbesondere auch in Berlin beobachtet, ist die Sterblichkeit des ersten Lebensjahres eine außerordentlich hohe,»venu man den Durchschnitt der andern Lebensjahre dagegen hält. Noch größer ist dabei die Sterblichkeit der»„ehelich geborenen Kinder. Korrektere Rechnungen über dieselben sind zur Zeit nicht gut an gänglich. Um indessen einen Anhalt für die vorliegenden Unter schiede zu gelvinnen, sind die im ersten Lebensjahre gestorbenen ehelich und unehelich geborenen Kinder mit den Geborene» verglichen »vorden. Dabei zeigt sich, daß im Jahre 1901 die Sterblichkeit der ehelich geborenen Kinder 161 ans 1000 beträgt, die der nncheliche» aber mehr als doppelt so hoch ist. nämlich 363. Derartige Unter schiede zeigen sich auch in den früheren Jahre». Interessant ist«in Vergleich der einzelnen Stadtviertel und Stadt bezirke hinsichtlich der Sterblichkeit. Es zeigt sich hierbei wieder die Erscheinung, daß in den von der Arbeiterbevölkernng belvohnten Vierteln die Sterblichkeit eine»veit größere ist als in den reichen Vierteln. Der Osten und Süden von Charlottenburg hat die günstigste Sterblichkeit; es starben hier im Durchschnitt der Jahre 1900 und 1901 nur 8,6—10,8 0/oo der Lebenden, und auch von den kleinen Kindern»ur 101—140 0/oo. Am ungünstigsten ist die Sterblichkeit ans Kalolvslvcrder und im Schloßviertel n»it 18,1 bezlv. 20,4%o der Gesamtheit und 279 bezlv. 294 bei den kleinen Kindern Allerdings steht für die Kinder die Sterblichkeit an, Königs- und Nonncndamm mit 341%o sgcgen 215 in, Durchschnitt) scheinbar noch ungünstiger, indessen handelt es sich thatsächlich nur um 16 Fälle. eine Ziffer, bei deren Kleinheit der Zufall nicht ohne Einfluß ist Umgekehrt steht Westend niit den, Spandanerberg für die All geineinheit ungünstig, für die Kindersterblichkeit günstig. De» Bodcntvert der Stadt Charlottenburg behandelt die jüngste Veröffentlichung des Statistischen Aiuts. Der Gesamtivert der bebauten Fläche von fast 6 Millionen Quadratmetern belicf sich aus fast 800 Millionen Mark, der Gesamtlvert dcS unbebauten Grund und Bodens von ettva 8 Millionen Quadratmetern auf über 100 Millionen Mark. Der durchschnittliche Wert des unbebauten Bodens ist in den letzten Jahren ettvas zurückgegangen, von 14,33 M. pro Quadrat,,, etcr in, Jahre 1899 ans 12,72 M. iin Jahre 1901 Dagegen ist die bebaute Fläche»vesentlich in, Werte gestiegen, von 118,12 M. in, Jahre 1899 auf 126,46 M. im Jahre 1901. Der Wert des Grund und Bodens ist in den einzelnen Stadt teilen sehr verschieden, er schrvankt für bebaute Grund stücke zlvischen 371,86 und 8,69 M., für unbebaute Grund' stücke zlvischen 177,73 und 4,67 M. pro Quadratmeter. Solvcit bebaute Grundstücke in Frage konune»,, ist der Osten weitaus ain teuersten im Preise. Obenan steht das Ostviertel, Bezirk 4, mit 371,86 M. pro Quadratmeter; es ist dies der an der Berliner Grenze am Tiergarten und Zoologischen Garten liegende Stadtteil östlich von der Kaiser Wilhelm Gedächtniskicche bis zur Mitte der Bayreiltherstcaße, niit der Tanenzienstraße als südliche Grenzen. Die anliegenden Bezirke sind nicht viel niedriger in, Preise. lieber 300 M. pro Qnadraiincter zeigen noch einige Bezirke an, Knrfiirstendannn und an, Savignyplatz; die Bezirke au, Nollendorf platz und südlich von der Kleiststraße bis Schöncberg haben einen Wert von 237—239 M. In der inneren Stadt gehen die Preise bis zu 264 M. in der Gegend des Charlottenburger Bahnhofs und bis zu 189 M. am Bahnhof Westend. Ungewöhnlich niedrig sind die Preise ür die bebaute» Grundstücke am Nonnciidainn, um 8,69 M.. an, KönigSdamn, mit 10— 11 M.. an, Spandanerberg mit 23,53 M., in, Bezirk Kaloiosiverder niit 39,63, i» Westend mit 42,63 und in Martiniaen 'elde mit 46,04 pro Quadratmeter. Die unbebaute» G r n» d st ü ck c(Bauplätze) standen init 177,78 M. pro Quadratmeter an, höchste» im vierten Bezirk der inneren Stadt, zlvischen Spandanor«, Potsdamer-, Nehring- n»d Schloßstraße. Dann folgen Bezirke des Ostens mit 126—140 M an» niedrigsten stehen Königsdnnnn nördlich init 4,67 M., Spaudaner Berg niit 5,66, KönigSdannn südlich niit 6,56. Westend mit 6.26 M. ZlveifelloS»vird der Wert des Grund und Bodens»ainentlich im ikordivesten, Ivo die Preise jetzt an» niedrigsten sind, rapide steigen obald erst dieser Stadtteil der Bebauung erschlossen ist. ein Beioeis, »vie durch die Anstveiiduiigen der Stadtgeineiiide in erster Linie die Grundbesitzer bereichert»Verden, ohne daß sie auch nur einen Finger zu rühren brauchen. Interessant sind ferner die stalislischen Tabellen über die Zahl der G r u n d st ü ck e. die sich in einer Hand befinden. Faßt man»»r die bebauten Grundstücke ins Auge, so»varen von je 100 Eigentümern 88,73 im Besitze je eines Grundstückes. 8,77 in» Besitze von je zivei, 1.54 von je drei, 0,66 von je vier, 0,26 von je 'uns, 0,04 von je sechs Grundstücken. Bei den nnbebanten Grund- tiicken betragen die Ziffern 85,32, 10.14, 1.40, 2.09, 0.70, Es muß indessci, beachtet iverden, daß der Begriff eines Grundstücks ln?i den unbebauten Terrains nicht schaff zu fasse» ist und mehr aus den» unsicheren Begriff der Parzellen beruht. Macht»nän keinen Unterschied zlvischen bebauten und nnbebanten Grundstücken, so kommt man bis zu 72 in einer Hand vereinigte Grundstücke. Der größte Griliidbesitzer ist die Stadtgemeind«, der zlveitgrößte der Fiskus. Waidtnailiiölnst. Unter einein üblen Geschivätz hat der Schrift- setzet Otto Ehlcrt. in der Waidmannstraße»vohnhafr, viel zn leiden. Ein Genieindcbeamter hat ans Unwissenheit oder sei es ans Uebcl- »vollcn im Ort das Gerücht verbreitet, daß Ehlcrt der bekannte Zeuge aus dem Sternberg-Prozcß sei. Auf erhobene Vcschlvcrdc ist de»» Beamten diese Schivätzerei streng untersagt und die Grundlosigkeit der Behauptung nachgeiviesen. Auf dem RniuinelSbiirger tLänscmarkt beginnt jetzt die Hauptsaison e i>, z u, r e, e n. An, Montag sind bereits gegen 10 000 der beliebten Bratvögel dort eingetroffen, alles sogenmnlte Magergänse bis zu 9 Pfd., die guten Absatz sanden. Die Tiere langen in' den bekannten, eigen» für den Gänsetransport konstruierten Wagen an, von denen jeder über 1000 Stück faßt. Hauptabnehmer sind die großen Mästereien in der Umgegend, namentlich in Friedrichsseide,»vo sich die größte Mästerei von ganz Deutschland mit einem jährliche» Unisatze vo» nngesähr 120 000 Gänsen befindet. Die Zufuhr von Gäulen nach Ruminclsvnrg steigert sich von jetzt ab von Woche zu Woche und erreicht an manchen Markttagen die Höhe von 30—40000 Stück. Bcvlin-Lichtcrfcldc— elektrisch! Die Einrichtung der elck« trischen Zuafördcruiig ans der Boro»»strecke Berlin(PotSdrnncr Ri»igbahnhof)-Groß-L ichterfelde-Lst ist.»vie die.Reichshanpt- städt. Corrcsp." meldet, nunmehr beschlossen»vorden. Die Strom- zuführungsaiilage soll hinsichtlich der allgeineinen Anordnung»vie bei den, elektrischen Versuchsbetriebe auf der Wannseebahii aus- geführt iverden. „Der Widerspänstigcu Zähmnng!" AuS Spandau schreibt man i»,S: Noch immer habe» sich bis jetzt die Herren vo» der ehr- samen Zunft der G r n n d b e s i tz e r als vorzügliche Nechenknnstler belvährt, die es meisterlich verstehen, sich selbst jede Ein- richtung der Gemeinde, jede Berbessening und jeden Fort. schritt nn BerkehrSlvefen zu Nutze zu machen und dafür jede passende Gelegenheit zu benutzen, um die eignen Lasten ans die Schultern der gesamten Steuerzahler abzulvälzen. Jeder Regulierung. Umpflasterniig oder Ver- breiterung einer Straße stellte sich bisher als Haupthindernis immer die schrankenlose Begehrlichkeit der betreffenden Gnmdbcsitzcr entgegen,»oelchc ihre vcrlehrsheinmcnden Vorgärten oder a, ich nur schmale Streifen Ackerlandes für solche Zivecke hergebe»! sollten. Da ivnrden von dcr Kommunedann oftEiitschädiguiigssnmrnen von solch»mverschämlerHöhe gefordert, daß dies zinveilen selbst den Uunnllen der gelviß.Hans- besitzcrfrommen' Stadtverordnetcn-Mehrhcit erregte, und oft hatten miste Genossen bereits Beranlnsiung, das selbstsüchtige, jeden Ge- meinsiilncs entbehrende Verhalten solcher Eigentün'er gehörig zu geißeln! Bei der P i ch e ls d o r f e r st r a ß e. die sich, obgleich Hauptverkehrsstraße, in geradezu vorsündflutlichem Zustande bc- findet und die darum schleunigst umgepflastert werden soll, »var es nach äußerst laiiglvierigen Verhandlungen zlvischen Magistrat und den interessierte» Gnnidbesitzern endlich gel»», gen, alle Eigentümer bis auf einen zu dem Zugeständiiis zu belvege»», die zur Verbreiterung der Straße nötigen Teile ihrer Vorgärten unentgeltlich herzugeben. Nur dereine, der Stadtverordnete WoltcrSdorf(ein Liberaler)»vidersetzte sich dem bis zuletzt und verlangte eine anständige Entschädigung. Seiuelivegen »vurde bereits der Plan erlvogen, der Sliaße an jener Stelle eine andre Lage zn geben. Endlich verfiel man a»if den AnSlveg, die volle Heranziehung der Grund- besitzet, welche sich»veigerte», ihre Vorgärten für die Straßen- bauzlvecke unentgeltlich herzugeben, zn den P s l a sie r k o st e n, Ivclche der Stadi für den entsprechenden Teil der Straße erlvachsc», in Erlvägnng z» ziehen. Das half denn auch, der Herr Hausbesitzer gab jetzt endlich seinen Widerstand auf. Hoffentlich»vird dieses Mittel auch in späteren Fälle» nicht ungenützt bleiben. Sobald es den Herren Grundbesitzern einmal ernstlich an den Kragen geht, kommen sie auch sofort zur Besinnung. GevitTzkS Im Prozeß Sanden«ud Genossen kamen auch gestern die Plaidoyers der Vertcidigiiiig noch nicht zum Abschluß, die Fortsetzung der Verhandlung»vurde auf Mittlvoch vertagt. Ter Konitzer Mordprozcß»vird eine nochmalige, Ivenn auch kleinere Auflage erleben in einer Verhandlung, die a», 30. Sep- ternber, 1. und 2. Oktober er. vor der zweite», Sirafkainmer des hiesigen Landgerichts I stattfinden soll. Wegen Beleidigung des Staatsanlvaltes Scttegast, des Bürgermeisters Deditins zn Könitz. dcS Kriminalinspektors Braun-Berlin sowie einer Anzahl jüdischer Perjonen. »velche mit de», Konitzer Morde in Verbindung gebracht wurden,»verden sich der Verleger der.Staatsbürger Ztg.-, W. Bnihn, sowie der Rc- dacteur Dr. Bölticher von derselben Zeitung zn verantlvorten habe». Brüh»,»vird vom RechlSaiNvalt Dr. Hahn-Charlvttenburg. Dr. Bölticher vom Rechtsanivalt Simons verteidigt»uerden. Es find 14 Zeuge» ge- laden, außerdem aber gegen 200 Personen konnniffarisch vernoinnien »vorden. Hotcldicbstähle, von den ei» n e n Angestellten b e- gangen, erfordern eine beso», ders ?' sonders strenge A h n' d u» g. Mit diese» Worten begründete gestern der Vorsitzende der 3. Sirafkainmer des Landgenchts I das auf 9 Monate Gefängnis bei sofortiger Verhaftung lautende Erleuntnis gegen das Zimmer- mädchen Hedlvig Kraft,»velche beichnldigt»var, einem Hotelgast eine», Hunderlmarkschein entlvendet z» haben. I», März dieses Jahres»var der Abgeordnete Stumpf in, Hotel Krebs in der Friedrichsiraße abgestiegen. Er beivahrte seine Barschaft, bestehend in einer Anzahl Hundertmarlscheinen, in einem Kästchen auf, das sich in dem veffchloffenei, Kleiderschrank befand. Eines Tages war dos Kästchen von unbefugter Hand n», einen der Scheine erleichtert»vorden. Den Umständen nach konnte nur die Angeklagte die Thäterin sein. Sie»vurde in, Besitze eines _chl>iffelS gesnnden, der zun, Schranke paßte. Außerdem halte sie zur fraglichen Zeit große Aasgaben für ihre Kleidung gcinacht. Iin Termin behauptete die Angeklagte, daß sie einen reichen„Schatz" habe, der ihr große Geldgeschenke gemacht. Seinen Name»»vollt« sie nicht nennen, um ihn nicht bloßzustellen. Der Gerichtshof hielt sie dennoch für die Diebin und verurteilte sie wie oben crivähnt. Tic häufig gerügte Nufftte, den der Post übergebenen Brief- cndnngen allerlei Wettgegcnstände oder Geldscheine bezlv. Brief- marken anznvcrtranen. hat sich der beim Postamt 2 zn Charlottenburg angestellt gewesene Briefträger Gries»nann zn nutze gemacht. Cr stand gestern»vegen Vergehens im Amte vor der vierten Straf- kannncr des Landgerichts I. Der Angeklagte hat längere Zeit hin- durch die ihm zur Bestellung übergebenen einfachen Bricfsendimgen von außen ans ihren Inhalt geprüft und,»venn er Beute vermutete, eine», solchen Brief geschickt geöffnet, um denselben nach Heraus- »ahme dcs Inhalts wieder z» verschließen. Einmal hat er in einen,- Brief sogar eine goldene Broche gefniiden. Der SlaatsaiNvalt be- antragte gegen den Angeklagten eine Gefängnisstrafe von zivei Jahren. Das Gericht crkanilte auf ein Jahr Gefängnis und zlveijährigen Ehrverlust. Leipziger Bankprozrff. Zeuge Sekretär Wnthe»var von de» ÄonkurSverwatiungcii der Leipziger Bank und der Trebergcscllschaft sowie dem sächsischen Fiiiaiiziiiinisteriu», deauftragt, Erhebungen über die Erhaltung und Berlocrtnng der Anlagen der Tochter- gescllschastcn anzustellen und darüber Bericht zn erstatten. Nach Auslage dcs Zeugen dürfte die mit 6 Millionen Rnbel gegründete russische Gesellschaft ihrem heutigen Werte nach einem Kapital bo» 1800 000 Rnbel entsprechen, wen» die entsprechende» Abschreibungen vorgenommen»verde». Das Geld bei der Gründung der russischen Gesellichast hat die Bank vorgeschossen. Im Jahre 1901 brachte die rnssische Gesellschaft nnr 8307 Rubel Gelvinn. Die Ural-Wolga-Gesellschast ist mit 2 Millionen Rubel gegründet. Man erstand Wald ohne Grund und Boden, der ursprünglich 30 000. dam» 60 000Slnbel»vert»var, für 1600 000 Rubel »nd gab 400 000 Slnbel bar gegen Anteilscheine au». Dm wirk- liche» Wert der Ural-Wolga-Gesellschast schätzt mal, ans 53000 Rnbel. Die Berhältuisie liegen»rostlos und die lanfenden Auslagen werde», von den Beteiligten bestritte». Die finnische Gesellschaft mit 1850000 finnischen Mark gegründet (von der Leipziger Bank mit 3 600 000 M. Fordernngen belastet), hat bei teuren Holzverlrägen gearbeitet und überflüssige große Holz- abichlüsse vorgeiioinme». Bei der Liquidation dürften bloß 100 bis 125 000 M. erzielt iverden. Die Gesellschaft in Fredeni- ladt, mit 300 000 Kronen gegründet, dürfte vielleicht einen Erlös von 30 000 Kronen bringen. Dabei ist„och ein Vorschuß von 10 000 Kronen einbegriffen, den die Konkursvcrivaltunq der Leipziger Bank gegeben hat, um den Betrieb aufrechtzuerhalten. Die ztvei galizischen Gesellschasten. mit 3 700 000 Kronen gegründet, repräl'cntiercll nach Wnthe einen Betriebsivert von 500 000 his 600 000 Kronen, wenn man eine Vtente von 6 Proz. kapitalisiert. Aus dcu Fra u ru b c w cg u u g« Gegen den Wissensdurst der Franc» richtet sich eine neue Verordnung, die jener preußische Minister erlaffc», hat, den»na», merkwürdigerweise den Unterrichts- Minister nennt. � Bor einigen Tagen erschien an, SchN'arze» Brett der Universiiät ein An- chlng, der sich gegen die russischen Studentinnen richtete; jetzt liest' nia» dort' solgendes:„Der Herr Unterrichtsminister hat an- geordnet, daß in den, ihn, halbjährlich einzureichenden Verzeichnis der ans der hiesigen Universität als Gastzuhörerinnc» zu- elassenen Frauen genau anzugeben ist, auf Grund»velcher engnisse die Zulassung erfolgt ist, sowie wann»nd»vo die engniffe ausgestellt find. Es ist daher erforderlich, daß diese �engnisse bei der Anmeldung im Original vorgelegt werden. Auch die bereits zugelassenen Frane» müssen die Zeugnisse bei der nächsten Anmeldung mitbringen. Frauen, die ei» Reife- oder Lehrerinnen- zcugnis nicht besitzen, sollen„ach den Bestimmungen dcs Herrn Rii'iisters nur beim Vorlegen anderiveitiger vollgültiger AnSiveise über die erforderliche Vorbildung und zwar in seltenen Ausnahme- allen die Erlaubnis zun, Hören der Universitätsvorlesnngen er- halten.'— Eine Frage an Hern, Kekulö von Stradonitz: Wer inag wohl den Herr» Minister zu diesen Erlaffe», angeregt habenZ'_____ Ein nordischer FraucnrechtS-Kongreß tagte vom 3. bis 6. Juli in Kristiania. Er befaßte sich unter andren, mit der Stellung der Frauen zu der Fabrikgesetzgebung mid zivar i» Anschluß an einen Vortrag vo» Fräulein E l i» c H n» s e n aus Kopenhagen über das dänische Fabrikgesetz von 1901. Fräulein Hansen schloß ihren Vortrag damit, daß sie erklärte, es sei eine Freude für die Vertreterinnen der Franensache in Dänemark, daß sie es zu einem Zusammenarbeiten niit den Fachvcreinen der Arbeiterinnen gebracht hätte».„Diese Arbeiterimien'. sagte sie,„sind in uusre Veffaimnlungen gekommen und haben sich dort ausgesprochen. Sie siisd Ifidjtifl»nd rcjjicifcutntib, obgleich sie ihre Erziehung in den Fabriken erhalten haben. Und das sage ich, daß Ivir eS in ri n s r e r Sache zu nichts bringen,>ve»n wir nicht Unter- stiitznng und Hilfe bei ihnen suchen." sStarker, anhaltender Beifall.) Es folgte hierauf eine lange Diskussion, die, obgleich keine direkte Vertreterin der proletarischen Frauenbewegung anwesend Ivar, ein interessantes Schlaglicht auf die Wirkung der Klassengegen- sähe innerhalb der Frauenbeloegung der nordischen Länder warf. Mehrere Redncrinnen halten es getadelt, daß die „Fraucnrcchts- Frauen" nicht mit den Arbeiterinnen in Verbindung zu treten suchten. Frau Staats niini st er Blehr (Norlvegen) erklärte hierauf:„Wir haben alles mögliche versucht, um eine solche Verbindung zu stände zu bringen. Aber diese Arbeiterinnen, die unter dein Einfluß der Socinliste» stehen, haben das abgeschlagen. Nichtig ist es ja, daß ivir uns aller Frauen, selbstverständlich auch der der Unterklasse annehmen sollen. Denen, die in wirtschaftlicher Unsicherheit leben, sollte ja an» ersten geholfen werden, und es ist besser, u n s r e ganze Bewegung von unten auf, st a t t von oben zu beginne». Aber als lvir mit den Arbeiterinnen zu diskutieren aiifingen, kriegten Ivir sogleich zu höre», daß ivir Frauen von der Obertlasse seien und daß wir sie nicht verständen."— Fräulein Anna Brun n aus Kopenhagen crlvidcrte darauf:„Zuerst müssen die Frauen der Oberklasse verstehen lernen, daß sie ebenso sehr der Mitarbeit der Frauen der U» l e r k l a s s e bedürfen, wie diese ihrer Mitarbeit. Es wird hier der Vorwurf erhoben, daß nicht genug geschehen sei, um ein Zusannneuarbeitcn möglich zu machen. Die Personen sind hier ohne Schuld. Diese liegt tiefer. Die Zeiten haben eine tiefe Kluft in der Bevölkerling geschaffen. Wir können nicht bestimmt sagen, ivie man diese Kluft überbrücken kann, doch lvir müssen entschieden danach streben."— Ein recht unerquicklicher Streit enlstand dann zwischen der Frau Staatsminister Blehr und Frau Nänig von Kristiania. Jene ivarf dieser vor, sie habe durch die Gründung von „Hjeminenes val"(„des Hauses Wohl") eine Gegcnorgnnisntion gegen den gerade gegründete» Dicustboten-Fachvercin geschaffen, zm» Schaden der Frauensache. Frau Närug sagte darauf:„Auf dem Frauenrechts- Kongreß iir» vorigen Jahre bin ich es gerade gewesen, die für die Sache der Dienstmädche» sprach. was ihre sociale und rechtliche Stellung anbelangt. Dafür ivnrde ich per Telephon ausgeschimpft und die Frauen- r e ch t s- F r a u e n behandelten mich s e i t d e n, mit tiefster Verachtung."— Den norwegischen Arbeiterinnen ist eS nicht zu verdenken, lvcnn sie den Frauenrechtlerinnen ans dem liberalen Bürgertum mit einem geivissen Mißtraue» begegne». Die liberale Partei hat in den letzten Jahren hinsichtlich' der socialen Fürsorge nichts geleistet, wodurch ein besonderes Vertrauen gerecht- fertigt würde. Auf dem Kongreß traten übrigens auch recht rückständige Ansichten zu Tage. So sagte z. B. nach„Social- dcniokratenS" Bericht ein Frl. Dr. M a i k k> F r i b e r g ans Finnland. das von der Präsidentin als„Socialistin" bezeichnet wurde, die Schutzgesetze für die Arbeiterinnen seien ein Ausdruck für Neigung der Allgemeinheit, die Handlungsfreiheit der Frauen zu grenzen und zu hemmen.— Andre Nednerinnen wendeten dagegen, daß das norwegische Fabrikgesctz das Schmieren Maschine» und das Bedienen der Niemciischeibe» durch Frauen bietet, und meinten, diese würden dadurch am Aufrücken in höhere Stellen � innerhalb der Fabrikbetriebe gehemmt.— Frau G j ö st e i u aus Stavanger aber erklärte, daß der Kongreß nicht kompetent sei, um über de» gesetzlichen Arbeiterinnen- schütz endgültig zu urteilen. weil kein Nepräseutant der Arbeiterinnen anlvesend sei. Die Frauenrechts- Frauen sollten vor allein den Arbeiterinnen bei Erriuguug besserer Löhne behiflich sein. Als in Stavanger die Arbeiterinnen der Koniervensabriken um eine Erhöhung ihres nur IGOere betragende» Stundenlohnes kämpften, hätten die F r a u e n r e ch t s- F r a u e» n l ch t d a» geringste g e t h a n. um ihnen zu h e l f e n. Das hatte viel geschadet. Einen recht guten Eindruck machte auf de» Kongreß ein Vor- trag von Fräulein Anna Brunn mis Kopenhagen über die sociale Arbeit der dänischen Frauen. Die Redneri« veriveilte besonders bei der Wahlrechts- Frage der Frauen»nd berichtete lveiter über die Organisation der Dienst- mädchen.„Als man", sagte sie,„1835 bo» Thür zu Thür ging, um von den steuerzahlendc» Francil Unterschriften zu einer Petilivii an den dänischen Reichstag für allgemeines Wahlrecht zu sauunclu, kam man auch zu den„kouponschneidenden Damen." Die sagte» „Nein, wahrhaftig, das machen wir nicht, die Gesellschaft ist gut gcnug, so wie sie ist, aber schafft uns n u r d i e s ch l e ch t'c n Dien st boten vom Halse I" Die Frauen verstmiben aber doch, daß sie eine andre Aufgabe hatten, als auf die Dienstboten zu schinipfen. Im Jahre 1885 fingen wir auch mit Dic»st»iädchcu-Vcrsa»i»>lil»gen uud Dis kussione» a». ES wurde viel gearbeitet damals. Aber auch das Resiiltat ist schön. Nim habe» die Dienstmädchen ihren eignen aus- gezeichneten Fachvcrci» in Kopenhagen. Sie haben dort ge- lernt, Forderungen an sich selbst und Forderungen a» andre z» stellen. Der Fachvcrein der Dienstniädchei! hat ein eignes Nachweiscomptoir errichtet»nd gedruckte Dienst- beitrage eingeführt, die von beiden Parteien unter- schrieben lverden. Die Dienstmädchen fühlen sich Ii»» nicht mehr � als Sklavendicnste verrichtende Unterklasse, sondern Selbständige, Gleichberechtigte in der Gesellschaft." Znin Schluß kam die Rcdnerin auf den Kampf gegen die Reglenientiernng der Pro- stitntion zu sprechen und meinte n. a., daß dies Ivohl nicht anders werden würde, so lange der Männer Gedanken allein regierten, darum»lüßte» sich diese mit den Gedanken der Frauen paaren.„In Dänemark sagte einmal eine Frau, daß die Frauen kein politisches Wahlrecht haben sollten, denn sollst würde» sie um die Volksgunst buhlen und das sei häßlich, ivie alleS andere Buhlen. Das ist ivahr. Aber so bicl weiß ich, an dem Tage, Ivo der dänische Reichstag die Prostitntionsfrage behandelt, da fehle ich dem dänischen Reichstag, ich eine Frau" fStürniischcr Beifall),„und könnte ich da in den Reichstag hineinkomme», um um die Volksgunst zu buhlen,— ich Ivürde das thnn." Im übrigen lvurde ans dem Kongreß die Bildnng eines norwegischen„Frauenrates" beschlossen.— die be- sich der vcr- Veitfammlunaem Der Verein Berliner Droschfenkutscher nahm in seiner Mit- gliederversammlung für das zweite Vierteljahr den Geschäftsbericht durch den Vorsitzenden Kniitter entgegen. Nach demselben wurden im Vereiusburcau im zweiten Vierteljahre 826 schriftliche Arbeite» erledigt. Der freie Rechtsschutz wurde in sieben Fällen vom Vor- stand beivilligt. Reu beigetreten sind dem Verein 82 Mittflieder, so daß derselbe ultimo Juni 1381 vollbercchtigteMitgliederzählte, Das Gesamt- verniögen des Vereins bcliefsich zu demselben Zeitpunkt auf IS 437,92 M,, einschließlich des Bestandes des WiderstandsfondS in Höhe von 6832 Marl 25 Pf, Der Vorstand wurde entlastet. Beschlossen lvurde eine Eingabe an die Polizeibehörde zwecks Verlängernilg des Halteplatzes am Lehrter Bahnhof nnd Erlaß eines Verbotes des Fahrens nu- besetzter Droschken vor dem Börsengebände in der Zeit von 1 bis 3�/8 Uhr mittags. Wie mitgeteilt wurde, zahlt der Fuhrhcrr Thicn den Führern von Antomobildroschke» nur 1 M.. feste» Lohn, während die Pferdckutscher ordnungsgemäß 1,50 M. erhalten. Bcrichtignng. Zu dem Bericht in Nr. 161 über die Steinsetzer- Versammlung teilt inffrem Berichterstatter der Arbeits führ« der Firma I, Hirsch mit, daß die Einstellung der geborgten Lehrlinge nicht crfolgl sei, um dafür Steinsetzer entlassen zu könne», sonder» wegen Mangels an Steinsetzern. Wenn sich solche melden, Ivürde» dieselben sofort eingestellt.— Entlassen worden ist nur ein Stein- sctzer ans andren Gründen. Ans der vorsichcndcn Berichtig»»g darf nicht etwa der Schluß gezogen werden, daß in Berlin Mangel an Steinsetzer» herrscht. Im Gegenteil, die Arbeitslosigkeit im Steinsetzergeiverbe ist noch immer sehr groß. Ccutralverbaud der HmidlnngSgehIlfen»nd Gchilsinne» Deutsch- lands.(Bezirk Berlin.) Heute abend S Uhr iu de»„Armmhalten", Köminrmdhnteiislr. 20: Mitglieder- Beisainiiilimg. 1. Bierteljahrcöbericht. 2. Vcrbandliches. Eentililverband der Konditorgehilfen»»d Veiivaudten Berufs- genossen. Mittwoch, abends 8l/, Uhr, bei Heine, Liniciistr. S6(am Koppenplatz): Miiglieder-Wersamullniig. Gäste willkommen. Wermifchtes. Der Einsturz des GlockenlunneS von Sa» Marco hat in Venedig»nd in ganz Italien eine nngeheur« Erregung hervorgerufen. Man hielt die Katastrophe nicht für so drohend.' Iii dem Augenblick als kurz vor dem Einsturz der Platz gcränmt Ivnrde, war derielbe von Neugierige» dicht besetzt, welche zum Teil Mühe halte», sich zu retten. Während deS ganzen TagcS strömte die Bebölkerrnig nach dem MarcnSplatz. Truppen sperrten die llnglücksstelle ab. Infolge der Beschädigung der Gasleitungen war der Marcnsvlatz nicht beleuchtet; das Trümmerfeld bot in dem Düster einen überaus traurigen An- blick dar. Der Stadtrat hat einen erste» Kredit von 509 609 Lire für de» Wiedcranfba» des Glockenturmes und der Loggia des Sansovino bewilligt. Die Sparkasse eröffnete eine öffentliche Snb- skriptio» für den gleichen Zweck und zeichnete dafür 169999 Lire, In der gestrige» Sitzung des Stadtrats verlas der Bürgermeister Telegramme der Königin Margheritn nnd des deutschen Reichkanzlers Grafen Viilviv, in dcneii diese ihrem Mitgefühl Ausdruck geben. *** Einer interessanten Beschreibung des Tnrines inib der Geschichte seines Baues in der„Frankfurter Zeitung" entiichinc» wir das Folgende: Keiner von den Unzähligen, die Venedig liebe», wird die»n- gchcuerliche Kunde, mit der die Laginienstadt heule die Welt überraschte, ohne Erschütterung, ohne Schmerz nnd Angst vernommen habe». Der Glockenturm von San Marco ist nicht mehr,— nnS ist z» Mute. als sei uns ein Freund gestorben. Denn mit ivenigen Orten ans der Erde fühlt man sich persönlich so verbünde» wie mit Venedig, und nur wenige gebe» eine so starke Enipfindnng des Besitzes, wie die unvergleichliche Stadt, die sich mit ihren Herrlichkeiten jedem schenkt, der ein Herz hat, das sich der Schönheit öffnet, Eine mehr als tausendjährige Vergangenheit liegt unter den Trümmern des Glockenturmes vo» San Marco begraben. Die Zeit seiner Grundsteinlegung reicht nahe an die Zeit der ersten Be- siedclung der Laguncii-Jnseln und damit an die unscheinbaren An- fänge hinan, ans denen die Republik Venedig, das glänzendste Staatsivesen des Mittelalters, hervorgehen sollte, dessen Machtftcllinig erst in einer uns selbst nicht allzu fernen Vergangenheit für immer dahiligesnnke» ist. Gleich de» meisten italienische» Glockentürmen romanischen n»d göthischcn Stils ist der Campanile von Sa» Marco in einigem Ab- stände von der Kirche selbst errichtet gewesen. Der 883 begonnene Bau blieb lange unvollendet; 1159 war er bis zum Glockensluhl gediehen, und erst 1178 vollendete mau den Pavillon. Tann brannte der Turm ab nnd lvurde wieder aufgebaut rinter dem Dogen Michel SIeno(gest. 1413), aber kaum hundert Jahre später drohte ihn, ein neues Baudunglück: 1489 schlug der Blitz ei», zerschmolz de» Kiipferknauf, zerstörte die Glocken und setzte dem Bauwerk derart z», daß man sich genötigt sah, die obere» beiden Pavillons samt dem Zeltdach abzutragen, Bartolommco Buon erhielt nnnmchr den Auf- trag, den oberen Aufbau des Turmes, der bis dahin ans Holz be- standen hatte, in Stein und höher als vorher wieder aufzuführen. Am 26. März 1511 ivar ma» so ziemlich fertig mit der Slcinspitze, da stürzte der ober« Teil infolge eines Erdbebens ans die eben im Bau begriffene Loggetta herab. Im Oktober war diese wieder anfaemauert;' 1512 bis 1516 wurde endlich mich die Turmspitze vollendet nnd 1517 wurde die ans Holz modellierte und mit Kupfer belegte Kolossalfigur eines Engels, die das Ganze krönte, aufgesetzt. Eine» besonderen Schmuck erhielt der Unterbau des Turmes durch die in drei Bogen sich öffnende Loggia, die Jacopo Tatti. ge- nannt Sansovino(geb. in Florenz 1479, gestorben in Venedig 1579) im Jahre 1649 hinzufügte, Sie war ursprünglich zu einem Ber- saminlungsraum des Patriziates bestimmt; 1569 aber wurde sie als Dienstlokal dem lvachthäbenden Prokurator von San Marco angewiesen, wo dieser sich als Kommandant der Palastivache während der Senatssitzungen aufzuhalten- hatte. Die Loggetta galt unter den Fachleuten nicht für die gelungenste Leistung chres Urhebers, dem Venedig in der nahegelegenen Bibliothek von S. Marco„das prächtige profane Werk des modernen Europa" (Bnrckhardt) verdankt. Doch war sie eine charakteristische Schöpfung des vo» eben jenem Sansovino inaugurierten venetianifchen RenaissanccstilZ und einen außergewöhnlichen Reiz verliehen ihr die von ihrem Erbauer selbst herrührenden plastischen Zntliaten, die Bronzestatuen des Friedens, des Apoll, Mercnr und der Pallas, sowie die RcliefdarsteNunge» am Sockel. Von prächtiger Wirkung ivar auch das ans spaterer Zeit herrührende Bronzegitter, das die Loggia schloß und das in seinen fürstlich prunkenden Schnmckformen fast wie eine Eingebung von Andreas Schlüter amnutete. Nicht vergessen soll eudlich die in Thon gebrannte und vergoldete Gruppe der Madonna mit Johannes und dem Jesusknabe» sei», die im Inner« der Loggia aufgestellt war, auch sie ein Werk des Sansovino, eine liebenswürdige Erfindung und zugleich von großem Wurf, wie alles, was unter den Händen dieses venetianitchen Michelangelo ent- standen ist, Wenn ans der einen Seite die Vernichtiing des Turmbaues den Verlust eines von reichen und stolzen Neimnisceuzen»nigebwen historische« Denkmals bedeutet, so ist aus der andren in der Zer- stönmg von SausovinoS Loggetta der Verlust eines Knnstwerks zil beklagen, das in gewissem Sinne unersetzlich ist. Vielleicht gelingt es später einmal, wenn Anhaltspunkte genug vorhanden sein sollten, eine Rekonstruktion deS Sansovinoschen Baues zu wagen. Möchte eine solche alsdann nicht nur ei» ä-xsu-xres des Gewesene» werden, sonder« wenigstens etlvas von dem ursprünglichen Reize jenes Kleinods wiedergeben, dessen Vernichtung wir heute zu beklagen haben I SchiffSnnfall. Ans Petersburg wird gemeldet: Auf dem Flusse Luga sank in der Nähe der Station Preobraschenskaja an der Warschauer Eisenbahn ein kleiner Personendampfer, welcher überfüllt war. Amtlichen Angaben zufolge sind 39 Personen ertrunken. Nur den ans Deck befindlichen Reisenden gelang es, sich zu retten. Ei« amerikanisches Geschwader, bestehend aus dem Linien- schiff„Illinois" und den Kreuzern„San Francisco",„Albmiy" lUld „Chicago" ist vorgestern abend in Kristiania angekonnnen. Bei der Einfahtt zerbrach der Dampf-Stenerapparat des Admiralschiffcs „Illinois" nnd die Manövrierung des Schiffes wurde unmöglich, sodaß das Schiffe beinah auf de» Strand gelaufen wäre. Die Maschine gab Gegendampf. Bei einem Aiikervermch zerriß das eiserne An'kertau und das Schiff geriet infolgedessen auf Grund. Hierbei ivnrde der Schiffsboden stark beschädigt. Das eindringende Wasser wurde jedoch mit Hilfe der Pumpen heranSbefördcrt und das Schiff wurde von selbst wieder flott. Die Pumpen sind ständig in Lhäligkeit, um das Schiff über Wasser zu halte». Eine Reparatur ist nur iu Göteborg und Kopenhagen möglich. Eine furchtbare Explosion des Geysers Waimanpu bei Roloma(Neuseeland) wird gemeldet. Die Wassersäule erreichte eine Höhe von 899 bis 999 Fuß,__ Eingegangene Drilchschriften. Vo» der„Hiitte", Zeitschrift für das Volk und seine Jugend(Dresden, Verla« H. Walisisch) ist suebcn das achte Heft erschienen. Aus dem Inhalt de« Heftes heben ivir hervor: Sein letztes Hochamt. Novelle von Wilhelm Solzamcr.- Harr aus! Gedicht von Wilhelm Hertz.- Ei» Geueralstrcle tii alter Zeit. Bon Rudolf Lebliis.- Aus der Apotheke der Phllosophie. Soli I. Stern.— Das ersehnte Gewitter. Gedicht von Friedrich Theodor Bischer.— Die Albigenser. Freie Dichtungen von Nikolaus Lenau.(Fort- setzmig.)— Die Kunst im öffentlichen Streit. Bon Erich Schlaikjer.— Der'Sieg des Schwachen. Erzählung von Melchior Mepr.(Fort- setzinig.)— Ach. wer versteht sein eigen Herz. Gedicht von Paul H-hfe.- Zweibein. Märchen von Karl Ewald.(Schluß.)— Die Frölche. Gedicht von Goethe.- Lunte Lese(Ein seltsamer Totenrtchter. Goethe und der Scharfrichter. AlteS Spielzeug).- Das Alter. Spruch voll Goethe. -Bücher.- Notizen.- itniistbeilage: Trauernde Maria. NNrnberger Holzschnttzwerk._ Briefkasten der Kedaktwn. Tie snilsllfche Sprechstunde findet tflglich mit Ausnahme de» Sonnabends vv» 7>/- bis«>/- Uhr abends statt, P. oi. Eilt auf dem Boden der modernen Arbeiterbewegung stehender Verein dieses Berufes ist uns uicht bekannt. Andre finden Sie tm Adreß- buch ll. T. S. 169. Ernst Noack. Die Karte entspricht nicht dem vorgeschriebenen Format und ist als nicht gemigeiid frankierter Brief behandelt worden. Die b-tteffende Bestimmung kommt allerdings tm allgemeine» wenig znr An- Wendung. C. D. 1. Iu allen Eisenbahll-Angelegenheiten erhalten Sie uncntgelt- llche Auskunft in de» amtliche» Anskunstsstellen am Alexanderplatz und am Anbalter Bahnhof. Die Borschriften über Kwderbillets sind in den ver- schiede»«» Staaten verschieden. 2. Ja.— A. W. u. I. B. Von den vielen Kömmentaren zum Biirgerliqen Gesetzbuch ist keiner für Laie» zu empfehlen. Wolle» Sic aber einen Kommentar sich zulege», so ist der Kommentar von Planck nnd der von Rofenthal»och am euipfehlens- wertesten. Ihren Zwecken dienlicher ist die Anschaffung des Textes(z. B. die Llliputausgabe aus dem Verlage von Liebmanil) und der Führer durch KaS Bürgerliche Gesetzbuch vo» Stadthagen(Dietzscher Verlag) oder Recht und Rechtsgang von Stmeo».— Onkel Otto. Den Cousin pflegt man Grobcvnst» der Kinder, seines Cousins zu nemieu, gebräuchlicher ist der Gattungsname Onkel.- Luise Hcindl. Sie und Ihr Halbbruder stnd die Erbe» Ihres BmderS.- BS. TV. 999. Nein,- E. B. Nein, - Otto P. Dem verunglückten Mädchen steht ein Anspruch ans Rente gegen die«erufsgenoffenschaft, nicht aber ein persönlicher Anspruch gegen den Bauern zu. Den Anspruch soll sie schleimigst beim Vorstand der land- ivirtschastlichen Bernfsgenoffenschaft geltend machen.— A. K. 199. Zu melden hätten Sie sich beim Polizeipräsidium. Dann kommt ein Examen vor dem Phnsikus, dann die Ausbildung. Die Ausbildung dauert sechs Monate. Die andre» Fornialitäte» nehme» insolge des groven Andranges wohl ein bis zwei Jahre in Anspruch. Es ist deshalb für Sie keine Ans- ficht, Hebamme zu werde», da Voraussetzung zur Anstellung als Hebamme ist, daß sie bei der Anstellung(nicht nur bei der Meldung) jünger ats 80 Jahre ist Erlnndigen Sie sich aus dem Polizeiprnsidüim, ob dennoch für Sie vielleicht eine Aussicht aus Anstellung besteht.— V. 19. Ihr MietSvertrag kann nur mit Ihrer EinwtMgnng geändert werden, cö fei denn, das Haus ist im Wege der Zwangsversteigerniig(Subhaftatiou) verkauft. Wetter-Prognose für Mitttvoch, den 19. Juli 199?. Ziemlich ivarm und schwill, vielfach heiter bei schwachen südlichen Winde»-und etwas Neigung zu Gewittern. Berl ii er Wetterb urca n. Sur de» Inhalt der Inserate «beruimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Berantlvortnng. TheAtor. Mittwoch, d e n 16, I u I i. Neues Oper»> Theater(Kroll). Die Geisha, oder: Eine japa- Nische Thechausgeschichte, Anfang 7'/, llhr. Im Liederspielhaus: Offenbach- CpNnS.(Paimpol und Pettnette. — Dorothea.— Der Regiincilts- zauberer Die Hnnni weint— der Haiist lacht.) Anfang 8 Uhr. Weste». Die Brautlotterie. Ansang 7'/- llhr. Dtetropol.(Morwltz-Oper.) Tra- viata. Anfang 8 Uhr. Neues. Ledige Leute. Ansang 8 llhr. Central. Coralie u. Cie. Ansang 8 llhr. Velle-Zllliance. Die Dame aus Trouville. Hierauf: Er. Aufang 8 llbr.. Carl Weift. Der Dämon. Hier- aus: Sie. Anfang 8 Uhr. Nrledrich-WilhelnisindtischeS. Der Zerrissene. Ansang 7'/» Uhr. I tttpollo. Lysistrata. Specialitäten- Vorstellung. Anfang 8 llhr. Wintergarten. Specialitäten-Vor- stcllung. Anfang T/3 llhr. Rcichshalle». Steltiner Sänger. Ansang 8 llhr. Passage- Theater. Specialitäten- BorsteNung. Anfang nachmittags S Uhr. Passage> Pmivpllknm. Speciali- läteii-Vorstelliliig. »rania. Tanbenste. 48/49.(Im Theatcrsaal.) Abends 8 Uhr: Die deutsche Ostsceküste. Jnvalidenstrafte S7/98. Täglich: Sternwarte. Max Kliems Sommer- Theater. Hm>cnhelL* fail Weiss-Tli enter. Wvoffc Fiankflirterstr. 132. Täglich: Der Dämon. Hierauf:§le. Nachtscene in 1 Akt». G. Schatzler- Pcrasini. Anfang 8 Uhr.— Im Garten: Gr. Kinderfest. Spccialitäten. 5 Uhr. velle-üllisuce-lliesler. Im Garten auf der Sommerbiihne. (Bei ungünstiger Witterung i. Theater.) Zum 202. Male: „Die Zinne nnä Trimille". Schwant mit Gesang und Tanz in » Akten. Hierauf:„Er". Pariser LeLensbild in l Akt. Anfang 8 Uhr. Vor und nach der Vorstellung im Garten:(Zrosss» Konzert. �anssonci KottlrnserNtr. 4 a, Station der Hochbahn. Täglich im Garten, bei un- günstig. Witterung imSaal: ilofTnutii ii» NoMeiltsihe Sänger » ud Konzert. Sonntag, Montag und Donnerstag nach der Soiree: Tnnzkriinzchen» Tanz frei! Ansang Sonntags S Uhr, Entree 30 Pf., ab!l Uhr 20 Pf. Anfang Wochentags 0 Uhr. Entree 30Pf., ab g Uhr 20 Pfg. keivksksll e n. Vtixllvk: Stettmer �änxei' Anfang: Wochentags 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. Tageskasse 11— 1>/,Uhr. Zs W. Naacks Theater. Brnnneiistrahe 16. Täglich Thenter- n. Svecin- litnten-Vorsteilnng. Gediegene Gesellschaft. 9tur keine Männer! Burleske mit Gesang und Tanz von Geritke. Im Saal: Van-lirtinTvken. Vrater-Theater Kastanien- Allee 7— i>. Täglich: Tmisenii imH eine Nacht. Phantastisches Märchen in 3 Abteilg. von Hugo Schulz. Hallettges. Catrlnl. Kostüm-Soubrette Paula Grigattl. Grotesgue- Komiker Senor u. Serad. Mlea Kltty, Sport- Alt. Barslkow- Truppe, Parterre- Akrobaten. Mr. Bartling, leb. Photographien. Bartlinge elektrleche Feerle. (3000 Glnhkörper.) Konzert. Anfang 4 Uhr. Eintritt 30 Pf., numerierter Plag 50 Pf. Kalbo. Bernhard Rose-Theater| Heute: Grosses Rosenfest. j Das nciic grostart. Programm und Berlin anf Stelzen. G rohes Doppel-Konzert. Anfang 4 Uhr. Entree 30 Ps. VorzngSkarten haben Gültigkeit. I Kasfeeküchc. Im Saale- Bali. W. Kaacks Theater Briinncnstr. 16. 46420» Sind noch einige Tonnabeilde tut Monat August n. Anfang September an Vereine, Gewerkschaften zu vergeben. Achtung!"MV iW Achtung: Central-Verband der Maurer Deutschlands Zweigverein Berlin. Donnerstag, den 17. Juli 1902, abends 9 Uhr, im großen Saale des Gewerkschaftshauses, Engel-User 13: 140/ll» (neneral-Versamiiilniag sämmtlicher Zahlstellen des Lohngebietes Berlin und Umgegend, sowie der Sektionen der Putzer, Nabitzputzer und Cementierer. Tages-Ordnung: l. Vortrag nnd Unterweisung in der soeialpolitischen Gesetzgebung. 2. Bericht und Kassenabrechnung vom ersten Halbjahr 1902. ___ Der Zweigvereinsvorstand Krankenkasse ha DutMlicher-Gesellen zu Berlin. (Eingeschriebene Hilsöknsse Nr. 67.) Geml- Vemliiiij; itlontng. den 21. Juli 1902, abends 8>/z Uhr, im Lokal d. Hrn. A. Feind, Weinstr. 11. Tagee-Ordnung: 1. Kassenbericht; 2. Wahl der Revisoren und der Krankcnkontrolleure; 3. Statutenänderung; 4. Verschiedenes. 833b Um zahlreiches Erscheine» ersucht Der Porstniid. 0. Tschoppe. Wo? Wie? Was? Wo ist jeden Montag, Mittwoch, Donnerstag, Sonnabend grober Ball'? Wo herrscht die größte Gemütlichkeit? Wo ist der schönste Damenflor? Wo finden wir die Gratis-Verlosung? Wo ist die schneidigste Tauzmunk? Wo kostet das Töpfchen 15 Pß? Und wo ist für Herren und Damen Entree und Tanz frei? 4577L» Nur im Bnxilsclieii Garten. Alexanderstr. 27c, bei Hoffmann. l'Xibeisi Allerlei Theater früher Pahlniaun"9� Schönhauser Allee No. 148. Heute Mittwoch: Ki». Litte- Abend. Jubiläums-Vorstellung. Zum 50. nnd letztenmal: Das er- solgrcichste Vollsstück Der Diamlülten-Rault. Dazu der unvergleichliche Juli- Spielplan mit Carl Braun und Hugo Schulz. Anfang 5 Uhr.- Elitree 30 Pf. Morgen Dniiiierstng: NeuerSplelplan. Ostbahn-Park. Am Küstrlnerplatz. RUdersdorferstr.71. Hermann Imbs. Täglich- Gr. Ronzert. Theater- und Speelalitliten- Borstellung. Englischer Garten. 27 c. Nlexanderslraffe 27 c. Jeden Montag, Mittwoch, Donners- tag und Sonnabend: 460L» 12•• I 3 f Butree und .»(IBA. Tanz frei! St ritt tri f Unverfälscht. Deutscher JJUUll}. Bienenhonig, best. Qualit. vers. dielOPfunddose zu 6,50 M., 5 Pfd. 4 M. franko. Garant. Rücknahme. EDnll Nordloh, Bahnhof • BCll, Aiignstsehn, Oldeubg. iifi Iru YUk. 2fm Sounabcnd, den 19. Juli, abends pünktlich 8 Uhr, im Mctropol-Theater(Morwitz-Oper): — W'iticlit»— Oper von Beethoven. Karten für Mitglieder und Gäste sind in nachstehenden Zahlstellen zu haben: 150/g Norden: Knapp, Rest., Griinthalcrstr. 5. Gradhandt, Prenzlauer Allee 215. Lohr, Ackerstrabe 38, II. Nord-West: Becker, Cigarrengeschäft, Gotzlowskvstrabe 0. Süd-West: Pech, Schuhgeschäft, Möckernstrabe 120. Süden: Bobsicn, Cigarrengcschäst, Kommandantenstrab« 62. Süd-Ost: Köh», Rest., Nannvnstr. 83. Kaufhold, Wrangclstr. 52 III. Osten: Hirich, Matternstrabe 3, Stfl. III. Centrum: Glaser, Weinmcisterstr. 18. Nord-Ost: Nest, Georgenkirchsir. 22, III. Blxdork: Stampchl, Schinkestr. 11 I. Schöne- berg: Arendt, Chcrnslerslr. 2. Friedenau: Danz, Kirchstr. 15, Stfl. III. Sonntag, den 3. Angnst, nachmittags äV2 llhr: Der WaßeiiseiBinietl. Komische Oper in 3 Akten von Lortztng. Deutsch. IUetallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Bnrean: Engel Ufer 15, Zimmer 1—3, Telephon Zkmt 7 Nr. 333 M.'i t t w o ch, den 16. tult, abendö S'/z Uhr, bei Keller, koppenstr, 29: 117/15 SeÄrha-VerzaiamIaag tlir lies Osten. Tages-Ordnnng: 1. Vortrag.(Referent wird in der Versammlung bekannt gemacht.) 2. Diskussion. 3. VerbandSaugelegenheiten. Die Frauen sind zu dieser Versammlung besonders eingeladen. Zahl reichen Besuch erwartet_ Ble Ortsverwnltnng Nihtungl UM Adztnng! löWUUÜöl�IllKs. Donnerstag, 17. Jnli, abdö. 8'/2Uhr, im GewerkschaftShanS, Saal ö i Nersammlnng obengenannter Mitglieder. Tagesordnung: Wie stellen wir uns zu der geplanten Errichtung eines Einigungsamtes für die Innungen? 300/7" Um rege Beteiligung der Mitglieder ersucht Der Ausschnft der Berliner Gelverkschaftskommission. kUMItsMMII Iiis yiniLUing. Freitag, den 18. Jnli, abendö pünktlich 8Vs Uhr: Delegierten-Versammlung liel C. Patt, Bragoncrstrassc 15. Tages- Ordnung: 1. Kassenbericht. 2. Sitnationsberichte der im Ausstand befindlichen Gewerkschaften. 3. Diskussion. 4. Antrag deS Ausschusses und Ver- schiedenes. 200/14 Die Vertretung sämtlicher Gewerlschafte» ist erforderlich. Bor.Anssclmss. Hasenheide 108/114. Neue Welt. Arnold Scholz. Heute Hlttwoch: Zweites groftes Ernte-Fest verbunden mit Gratisverlosuiig, Boiiboiiregeii und Fackelzug. Hauptgewinn für Knaben: Eine silberne Herrenichr. Hauptgewinn für Mädchen: Eine goldene Dainciiiihr.—«peelalltttteu- Vorstellung. Sensationellstes Sp ecialitätcn-Programm Berlins. Anfang des Konzerts J Uhr, der Vorstellung 5 Uhr. Eintritt 15 Pf. Kaffeekuche. 3 Kegelbahnen. Russ. Rutschbahn. Morgen: Elite-Tag. H. Saltziuaim, Tabakfabrik und-Handlung, Benin s., Luisen« Ufer 3, atgrÄS cmitflchlt nls Spccialitiit: 45668+ nnd Uordhäuser Kautabak sowie alle Sorten Bauch- nnd Schnnpftabake. Billigste Preise! Lieferung frei ins Haus! Fernsprecher Amt IV 8513. Otagllebiirger t» nianr-mUeuu. (Beiwaltuiigsstelle Berlin.) VevtNikiguttg. Da? Sommerfcst am 19. d. M. findet im ..Zrlhschlößchkit". MiilWnDje 142 statt, nicht im ,, Waldschlößchen�. Tie Berwaltniig. kMre&fi-Teste&le Andrcasstr. 21. Vom J. Juli er. ab übernchine ich obige Säle und stelle die- selben den Vereinen zc. zur Verfügung. Es wird mein Bestrebe» sein, die besten Speisen und Getränke zu den coulantesten Bedingungen zu liefern. Bestellungen werden schon jetzt täglich, auch Sontags, nachmittags von 1 bis 0 Uhr, im Bnrean, Andreasstr. 21, entgegen- genommen. Wilhelm Kussin. Dr. Simmel, Primenstr. 41.1 r�nm'i nr ' Iü" der Warichauerstr., sind vom 1. Ol- Specialarzt für.5/1 c I tobcr ab billige Hofwohnungeii von Haut- nad Harnleiden. I 2 Stuben zc. zu vermieten. Näheres 10—2, 5—7. SonntagS 10—12, 2—4.\ daselbst beim Verwalter. 4S26L* Socistdemokratlseher Wahlverein für den 6. Dcrl. Reichstags- Wahlkreis. (Schönhanser Vorstadt.) Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Arbeiter Joseph Stawicki am 9. Juli verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Bcerdigzing findet am MiiI- woch, den 16. Juli, nachmittags 5 Uhr, von der Halle des St. Hedwigs- kirchhoss, Reinickendorf, Berliuer- straßc 28, aus statt. Um zahlreiche Beteiligung bittet Die Fünfer-Köinmissioii. Berbanb der Sattler. OrtSverwaltnug Berlin. Am 13. Juli 1902 verstarb unser Mitglied 157 5 Wenzis!« Firowski. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am 16. Juli 1902 von der Leichenhalle des iieucn Michaels- Kirchhofes, Mariendorser Weg, auS statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht Die Ortsverwaltuiig. Central-Krilllktn-Niiter- stiitzuligSvercin der Sdjüiittie und verwandt. Gewerbe Deutschlands. Am 13. Juli verstarb unser Mit- glied 856b Carl Halbach. Die Beerdigung findet am Milt. woch, den 16. Juli, nachmittags 5 Uhr, vom alten Nazarcth-Kirchhose, Seestrabe, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Tie Ortsverwaltuiig Bcrllii 11. 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