Ar. 165. Adomttinents• ZtVIngungen: «bonnemcnt«=?rtie pränumtranbo: vlerteljährl. 3,30 Mb, moniul. 1,10 Mb. wöchtPllich 23 PIg, frei in« Hau«. E>»»«lne Numw'r 3 Psg. Sonnlag». SIummn mit illuNricrlsb Henning«. Beilage»Die Neue Well" 10 PIg, Poll- iNbonnemeni: 1.10 Mark pro Monal. Sn�tr-igen in der Post-Zeiiung!- PrettiU'i>ür IVOS unler Dr. 7«7». linier sriÄiband für Zeuischland und Oesterreich-l7e«arn 2 Marl, liir da» übrig« Nutland? Marl ,'r» Mona!. IS. Jahrg. Ate Jttftrtisns-Elcbnyt betrSgi für die sechzgelpallene Kolonet« teile oder deren Raum«0 Pfg., für politische und gewerlschafiltche VersinZ. und Versammlungt- Anzeigen 20 Pfg. „Kleine Anfeigen" fede» Wort 3 Pfg. (nur da« erste Wort fetif. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittag« in derErpeditton abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- lagen bt« 7 Uhr abend«, an Sonn- und gesuaKen bi« S Uhr dormlltag« gsössnet. Lrlcheinl täglich ausser Zvonlag». Devlinev Volksblertk. Telegramm-Adresse! „«»rtaldemostrat verlin" Centraiovgan der socialdemokratischen Nartei Deutschlands. Ledaltkion: SW. 19. Veuch-Stralle 2. Fernsprecher: Amt I, Sir. 1508. Freitag, den 18. Juli lt)0Ä. Expedition: L�v. 19. Vench-Stvasie 9. Fernsprecher: Am« I. Nr. 5121. Zum Mimsterwechsel. iMin London, 14. Juli. MarquiS von SaliSbin-y legte sein hohes Amt nieder, ohne die geringste Erschiiltcrung In englischen Politik hervorgerufen zu haben. Ueber sein Lebest mid Dirken herrscht nicht jener MeinnngS- streit, der sich au graste historische Namen zu knüpfen pflegt Er ist iveder gehöht wie Disraeli, noch geliebt tote Gladstone, trohdem er seinen beiden politischen Zeitgenossen an Geist und Wissen mindestens gleichkommt. SaliSbnry ge hört zweifellos zu den gebildetsten Politikern des neunzehnten Jahrhunderts, lind doch tritt er von einer lange gehaltenen macht vollen Stellung zurück, ohne irgend welche Spur einer grosten Thal zu hinterlassen. Er verurteilte sich zur Unfruchtbarkeil, indem er die Aufgabe seines Lebens darin erblickte, den socialen Fortschritt zu hemmen. Sein philosophischer Konservatismus schlug seineu reichen und feingebildeten Geist in Bande. Seine Thätigkcit war eine negative. Man könnte die englische Socialgeschichte der lehten fünfzig Jahre schreiben, ohne Salisbury zn erlvähneu. Nur für eine einzige negative That wird ihm die angelsächsische Rasse dankbar sein: für seine ruhige Antwort auf die kriegerische Botschaft, die vom Präsidenten Cleveland in der Benezuela-Frage an den Kongrest der Vereinigten Staaten zu Ende des Jahres 1805 gerichtet ivurde. Im übrigen stand er seiner grosten Zeit mit stoischer Gleichgültigkeit gegenüber Er hatte keinen Sinn für die Arbeiterbewegung oder für die Demo krati«, keine Sympathie mit Irland oder irgend einer ander» Reformbeivegung. Nicht einmal der Imperialismus hatte seine Billigung. Er widersetzte sich der Disraclischen Wahl reform vom Jahre 1887. Er that nichts für Indien dessen Sekretär er in den Jahren 1888—87 und 1874—78 war, obwohl er die indische Notlage ebenso gut kannte wie der eifrigste indische Reformer. Er glaubte überhaupt nicht an dir Möglichkeit deS Fortschritts durch menschliche Bemühungen. Er glaubte nicht an die Macht des Gesetzes oder des Staates. Agi tationen waren Gegenstände seines Hohnes. Der Strom der Zeit bringt alles. Warten und tvachen auf den Fuud ist die ganze Kunst des Staatsmannes. Seine letzte groste Rede im Monat Mai in der Versammlung der Primrose-Liga ivar eine Warnung vor politischer Hast. Im Guten und im Schlechten Ivar das quista aon movere sein Grundsatz,, den er mit viel Beredsamkeit und Scharf sinn verteidigte. Er ivar die Verkörperung eines sehr grosten Teiles des zeitgenössischen Englands, der nicht« sehnlicher wünscht als den SllÜitstich�der Weltgeschichte.»Sonne, stehe stille zu Gibeon, und >ljalon— um das Errungene bewahren und ge »Itsten �.fkusten.. Salisbury ivar nie so scharfsinnig, witzig, beistend vdcr elfstisch. al» in Momenten, wo e« galt, socialpolitische und ivelt- politische Heistsporne zu verhöhnen. DiSraeli nannte ihn einst den Meister de« WitzelnS und SpottenS. Ealisburys schriftstellerische Arbeiten in der»Quarterly Review" und in der»Saturday Revieiv" sind reich an Witzeleien, seine politische Laufbahn ist bestreut mit den Pfeilen seines' Spottes, aber feinen besten Witz behielt er für das Ende, in- dem er seinen Nesten Arthur I. Balfour dem König empfahl. Mr. Joseph Chamberlain, der von Salisbury einst Jack Cade genannt wurde, tvird seinen Witz zn würdigen wissen. In seinem 54. Lebensjahre übernimmt Mr. Arthur I. Balsonr die Premierschaft de« britischen Reiche«. Er steht dem Geiste der ge< bildetsten und obersten Schicht Englands noch näher als sein Onlcl. Vornehm und gewandt in der Rede, subtil i» seiner Logik, ohne Jllusioncil in der Politik, leidenschaftslos im Handeln und allem Lärmen!und aller gemeinen Streberet abgeneigt. Balfour ist der Typus des sich herausarbeitenden neuesten englischen Gentleman dem das Hasten und Jagen der Amerikaner und die weltpolitischen Extasen der Teutonen bis in die Seele zuwider sind. Politik. Handel. Krieg und Zeitnnglesen sind ihm notwendige Hebel, die man mit Würde ertragen»nist. Dafür hält er sich schadlos an einem guten Spiele Golf in der freien Natur oder an einer religionSphilosophischen Meditation. Mit diesen Eigenschaften und Anschauungen geivan» er die Achtung des Unterhauses. Er hat dort iveder Feinde noch intime Freunde, obwohl er feit dem Jahre 1874 parlamentarisch thätig ist. Der neue Premierminister entstammt väterlicherseits einer schottischen bürgerlichen Familie. Seine Mutter war eine Schwester Lord Ealisburys. Gleich den meisten englischen Politikern absolvierte er die aristokratische Mittelschule zu Eton und verbrachte seine Universitätsjahre in Cambridge. Kaum 28 Jahre alt trat er ins Parlament als Abgeordneter für Hertford und seit 1885 vertritt er den industriellen Wahlkreis Ost-Manchester. Anfangs etwas stürmisch, fchfoß er sich der Torydcmokratie des Lords Ran- dolph Churchill an, die sowohl den Konservativen ivie den Liberalen viel zu schaffen machte. Die Rebellion nahm jedoch bald ein Ende. Um jene Zeit erhielt er den Ehrendoktor der Rechte von der Universität in Edinbnrg: ähnliche Titel erhielt er später von den Universitäten in Dublin,'Glasgow, Cambridge und Oxford. In jene Sturin- und Drangpcriode gehört auch sein Buch:»Eine Verteidigung des Philo- sophischen Ziveifels", das als irreligiös angegriffen ivurde. Seine diplomatische Lehrzeit begann er als Mitglied der jpeciellen Ge- sandlschaft. die unter Führung Disraelis beim Abschlust des türkisch- russischen Kriege« nach Berlin ging. um den Vertrag von St. Stefano inr englischen Sinne umzuformen. Im selben Jahre wurde er Privatsekretär seines Onkels Lord Salisbury. der daipals das Auswärtige Amt leitete. Sein erstes öffentliches Amt eihjKlt er im Jahre 1885, als er zum Präsideuten der Lokalregierung clnKilnt wurde. Von da an stieg er zu immer wichtigeren und ver» qnnvortungsvollere» Stellungen empor. Das Jahr 1887 brachte ihm die Würde des Generalsekretärs von Irland, die er von seinem Tory- Standpunkt ans mit grostcm Geschick bekleidete. An seinen Namen knüpfen sich einige der wichtigsten irischen Reformen. Zur selben Zeit ivar er Mitglied der Kommission über die Währungssrage. in der er als parlamentarischer Vertreter eines TextildistriktS sich auf die Seite der Bimetallisteu schlug. Seine Reden über ökonomische Fragen zeigen, dast er sich mit der ökonomischen Theorie bielfach be schäfligt hat. Ueberhaupt spricht er selten über Fragen, die er nicht vorher studiert hätte. Nur über Socialismus hat er ganz kuriose Ansichten. Ebenfalls über die moderne gewerkschaftliche Bewegung. Als erfolgreicher Generalsekretär für Irland Ivurde er in den Senat der Londoner Universität gewählt, ferner zum Mitglied der königlichen Gesellschaft, zum Lord Rektor der Glasgow« Universität und zum Kanzler der Edinbnrger Universität. Im Jahre l8Sl ivurde er zum Führer deS Unterhauses und Lord deS Schatzes und behielt diese» schwierigen Posten voni Jahre!3S5 bis jetzt. Im laufendeu Jahre zeichnete er sich be- sonders ans bei de» Deballeu über die Beschränkung der parla meutnrischcu Freiheit, über de» Kornzoll und über die Schul Vorlage, drei reaktionäre Mastregel», mit denen'ei sich identifizierte. Sein letztes philosophisches Werk:»Die Grundlagen deS Glaubens" ist eine Rückkehr zur Theologie. Diesem ungefährliche» Manne ivurde Chamberlain geopfert. oblvohl es gar nicht aiisgeschlosseu ist, dast Balfour in nicht allzu ferner Zeit die PairSivürde erhalten und in das Haus der Lords eintreten ivird, um Chamberlain die Führerschaft im Unterhanje zn überlassen. Der neue Premierminister ivird so zur Bremse deS enttäuschten KolonialsekrelärS werden. Wie es scheint, dürfte ChainbcrlaiuS Laufbahn als abgeschlossen zu betrachten sei». Er ist 68 Jahre alt und sorgt jetzt mehr für das Fortkounneu seiner Brüder als für di Befriedigung seines eignen Ehrgeizes. Die Regiernug ivird sich seine Loyalität zu erhalten suche» durch Beförderung seines Sohnes Austen Cyainbrrlain, der bei der bevorstehenden Rckonstrullion des Kabinett« einen wichtigen Posten erhalte» dürfte. In der Anfopscriliig Joseph Chamberlain« liegt die Bedeutung des Minist erwechsels. Demi der Ersatz Ealisburys durch seinen Neffe» wird nicht die geringste Wirkung aus die bisherige Politik ausüben. Ebensowenig wird der Rücktritt des Finanzsekrelärs Sir Michael Hicks Beach irgend welche ernste Folgen nach sich ziehen. Der altfränkische und gut konservative Sir Michael ivar fioh, eine Gelegenheit zu feinen« Rückzug zu haben. Da« Budget 1002/03, das er zn verteidigen hatte, entspricht nicht seiner Ucberzeiigimg. Ans die Widersprüche in seinen EtatSreden und auf deren geschichtliche Bedeutnng wurde an dieser Stelle vor einigen Wochen aufmerksam gemacht. Aehuliche Meinungen kau» nian jetzt in allen politischen Kreisen hören. Der abtretende Finanzsekretär steht den neuen Tendenzen des socialen Lebens von England fremd gegenüber. ANein in England vollziehen sich social- politische Acnderinigen nur langsam und stückweise. Snstatt durchgreifender Neformen giebt eS unmerkliche Rekonstruktionen. Da« Parlament geht am 8. August in die Ferien. Bis dahin werden wohl noch einige KnbiuetlSmitglieder ausgeschieden und durch neue ersetzt sein._ Dolttifche Mebevficht» Berlin, de» 17. Juli. Von den Bnndeöapostcl». Die»Deiilsche Tageszcitimg" hatte kürzlich die Betrachtungen jenes Voigtländer Exsocialdemokraten wiedergegeben, der allerdings starken Grund hat,.ernüchtert' zu sei». U. a. teilte daS agrarische Blatt auch die Erzählung des.Ernüchterten' mit, loie ein ehedem Ihätiger Parteigenosse, als er erkrankt war, nicht ausreichend von der Partei unterstützt worden sein soll. Ueber so viel Pharisäertum entrüstet, schreibt unS nun ein»er- nüchlcrter" Wanderredner vom Bunde der Landwirte erbauliche Einzelheiten über den agitatorischen Geschäfts- betrieb der 7'/a Mark-Zöllner: Die Herren Grostgrundbcsttzer geben ja den Namen allergnädigst al« Firma her, aber die eigentliche anstrengende, sogar aufreibende agitatorische Thätigkcit überlassen diese Herren natürlich andren Leuten. die wir als die Proletarier des Bundes bezelchuen möchten, während die bequemen und gut bezahlten Vurcanstellen Ruheposten für bankrotte Grundbesitzer bilden. Wie verfährt derBundabergegenseine Proletarier? Bei der schlechten Lage von Industrie, Handel und Gewerbe werden eine groste Menge körperlich und geistig tüchtiger Leute brotlos, und diesen Umstand machen sich die hochedlen satten Agrarier zn nutze. Sie treiben also nicht nicht nur Fleisch- und Brot-, sondern auch Lohnivucher, n»d zwar in folgender Weise: Im Spätsommer erscheint eine verlockende Annonce in dem sonst verachteten»Lokal- Anzeiger', der für den Gimpelfang die nieisten Ehaucen bietet. Da für jede sich nur irgend bietende Aussicht ans eine anscheinend anständige Beschäftigimg sich sofortHnnderte von Bewerbern finden, so hat derBuud e« leicht, sich die ihm passenden Leute heranSzusiichen. Diese werden dann im Herbst 5—8 Tage zurechtgestutzt, indem ihnen die bekannten Phrasen von der«Not der Bauern und deS Mittelstandes', die beide von den bösen Soclaldemokraten zu Grunde gerichtet Iverden sollen, vorgebetet iverden so lange, bis sich die Neulinge zu der Höhe der agrarischen Auffaffung ausgeschivnngen haben, oder doch wenigstens so lhun'. Und»un sind die Herren:.Wanderredner des Bundes der Landwirte' und werden auf die armen im- chnldigen und wehrlosen Bauern als moderne Bauenifänger en gros losgelassen und iverden von der Polizei nicht eiiva estgenommen, sondern noch imtcrstützt. Damit die Herren aber nicht zu üppig iverden, erhalten sie kein feste« Gehalt, sondern»ur einen Tagelohn von 8 M., wovon sie also mit Ausnahme der Fahr» gelber, ihre ganzen Reisekosten und Lebensunterhalt, sowie den Unterhalt ihrer Familien, die sie für Monate in Berlin oder ihrer sonstigen Heimat zurücklassen iniissen, zu bestreiten haben. Mit welcher Uebcrzeugung diese bedaneruSwertcu Wanderapostel, die bei schlechlcfte» Wegen und schlechtestem Wetter zu Frist, teilweise sogar in unzureichender Kleidung. von einem Dorfe zum andern wandern(daher der Renne) mit der Not und dem Hunger in der eignen Familie für Vertenennig von Brot nnd Fleisch ein- treten, das lästt sich denken. Haben sich die Neulinge vier Wochen dnrchgehungert und haben sie nicht das„Unglück" gehabt, inzivischen schon rausgeschmissen zu sein, weil sie mit ihrem Hunger nicht den richtigen Bruftion der Ueberzeugmig zn treffen wustten, dann erhalten die Herren sogar 8 Mark nnd davon können sie, Ivie ihnen gejagt Ivird. in den drei bis vier Monnten ihrer Thätigkeit 500—800 Mark spare». Haben die edlen Herrn v. Wangenheim und Genosse» sich ivohl schon einmal klar gemacht, wieviel sie selbst zum Leben brauche»? Aber es kommt noch besser: Die Agrarier stellen diese Leute, welche ihnen die Kastanien ans dem Feuer holen, den ganze» Bund anfrcchthnlten nnd ihre Gesundheit dabei zu Markte tragen müssen, nicht etiva fest an, sonder» sie können jeden Tag ohne irgend ivelche Kündigung sofort entlassen worden. Am schlimmste» aber ergeht eS diesen beinitlcidcnswertcn„papiernen Tagelöhnern' sobald sie erkranken, dann können die Herren die ersten drei Tage ihrer Krankheit, Ivo die Krankenkasse nichts zahlt und der Bund auch nicht, von der Luft leben mit Frau und Kindern. Für die übrige Zeit der Krankheit können sie niit einem Krankengeld von 1,80 Mark zu Hause mit abgerissener Kleidung, hungrigem Magen nnd zerrütteter Gesundheit über die edlen Bestrebungen der Herren Agrarier zur Hebung des Miltelstandes und das teure Brot nachdenken. DaS Fleisch kommt nicht für sie in Be- tracht, denn das können sie sich bei 1.80 M. täglichem Einkommen nicht leisten. Zum Schluß giebt unser Geivährsrnann den Bauern und den Miltelstandlern, die von diesen armseligen Wanderrednern„bekehrt" werden, den Rat. sie aufs Gewissen zu tragen, wie sie selbst von den»Edelsten der Nation" nnd deren erkorenen Vertretern behandelt iverden und ob sie selbst an die Phrasen glauben, mit denen sie ihr Pnblikiim füttern. Ei» ganz vorlrefslicher Rat!— Vom„Nationalfest". Paris, l5. Juli.(Eig. Ber.) Die dritte Repnblik hat nach ihrem eiidgiiltigcii Siege, 1880, den Tag des LastillenstnrmS zum Nationalsest proklamiert. Aber der Charakter, den dieses Fest an« genommen, imtcrschcidet es ebenso gründlich von seinem weit- geschichtlichen Anlast, wie die Herrschaft der niedergehenden Bourgeoisie sich vom Ansturm deS revolutionären Bürgertums von 1789 nnterscheidet. In den ersten Jahren ning noch daS Nationalfest durch seine Neuheit einen volkstümlichen Schwung besessen haben. Dann aber ist es rasch zu einer grosten Kirmes herabgesunken. Die Schankwirte, die Restaurateure und die Wnrstwarenhändler, die Strastcnverkäufer von.nationalen" dreifarbigen Bouquetts, von dreifarbig beflaggten Kinderballons u. dgl., die Verkäufer von Fahnen, Papierlaternen und Kindcrpetarden, alle kleinbürgerlich-proletarischen Existenzen, die ans den kleinste» Exlra-Gcwin» lauern, finden am 14. Juli ihre Rechnung. Die Arbeiter»nd Arbeiterinnen benutzen die unentgeltliche Tanz- gelegcnheit an den Strastenecken unter den ohrenzcrreistenden Klängen wandernder Mnsik-Kapelleu. Das ist alles, was das Nationalsest an .VolkStümlichleit" aufiveist. Am schlimmsten aber ist der ofstzielle Höhe« und Mittelpunkt der Feier. Die Niederwerfung deS Feudalismus ivird durch die Verherrlichung des MilitariSnius gefeiert, durch eine Truppen- Parade auf dem LongchampS- Felde. Die wiederholten socia- listischen Anträge auf Abschaffung der Parade tveuigsteus aus Rücksicht auf die Soldaten, die mmützerlveise der Juli- Sonne ausgesetzt werden, wurden regelmästig abgelehnt. Dieses Jahr bc- antragte der socialistische Abgeordnete Sem bat, die Parade wenigstens auf die kühleren Morgenstunden zu verlege». Auch das wurde vom Kriegsminister und der Knmmer verweigert. Was Genosse Sembat auf Grund früherer Erfahrungen befürchtete, ist nun in erschreck- lichei», noch nie dagewesenem Umfange eingetroffen. Offiziell werde» über 200 militärische und 300 civile Opfer deS Sonnenstichs zugestanden. Ein Unteroffizier ist bereits dem Somienstich erlegen. Der socialistische Abgeordnete Gerault-Richard wird den Kriegsminister interpellieren über die»Notwendigkeit der Abschaffung der Truppenschau am 14. Juli". I» der Jnterpcllationsbegriindnng heißt es:»Da es für die erbannungSlosen Maiilasse» und die Liebhaber von militärischen Paraden, die sich dabei anhoche» lassen, dieser neucn und schmerzlichen Lehre bedurft hat, so haben die Bürger, Civile ivie Soldaten, denen Menschenleben teuer sind, das Recht, sich die Frage vorzulege», ob die traurigen llnfälle von gestern sich in, nächsten Jahre wiederholen werden...." Einige Pariser ministeriell- socialistische Gruppen haben im Verein mit radikalen diesmal den Versuch gemacht, das politisch verdorrte Nationalfest aiifznfrischcn. Sie begaben sich im Zuge zum »Standbild der Republik" mit einem Blumenstrauß, dessen rote Bänder die Inschriften tiuge»:»Den Opfern der Tyrannen".»Krieg dem Kriege",»Friede durch Recht",»Alles, durch die Brüderlichkeit der Völker".„Hoch die universelle Republik!" Aber am»Platz der Ne- buplik" angelangt, sticsten sie ans ein— starkes polizeiliches Aufgebot. Es erfolgten die üblichen bnitale» Provokationen der»republikanischen" Polizei gegen die Eindringlinge. die sich herausgenommen haben, die militärisch-patriotische Nationalkirmes z» republikanisieren. Zwei Teilnehmer wurden am Arme verletzt. Die friedfertigen Mauisestantcu richten nun einen minister» freundlichen Protest a» den Ministerpräsidenten gegen die polizeilichen Brutalitäten. Sie.entheben" ausdrücklich den Regierungschef, der aiifilcidj der direkte Chef des Polizcipräfekte» ist, jeder Veriiiitlvort- lichkeit für die„willkürlichen Maßnahmen" seiner Uilter�ebcnen und „versichern die Regierung ihrer vollen Hingebung an die sociale Republik..." Die Nationalisten hingegen durften, wie alljährlich, unbehelligt sich auf dem Concordienplatz breitmachen, um dort wieder einmal»ach einem bekannte» französischen Spottivort.Elsaß-Lothrnigen zurückzuerobern". Letzteres geschieht alljährlich am 14. Juli durch die Vekränzung des Standbildes der Sladt Strasburg und eut- sprechende Hochrufe. Die Revauche-Kundgebung ist übrigens auch diesmal mißlungen, trotz der aubcrgcwvhnlichcn Vorbereitungen, trotz des Beschlusses der nationalistischen Gemeindcrats-Mehrheit, in corxoro an der chauvinistischen Kundgebung teilzunehmen, um so gegen die neuliche Antirevanche-Rede von I a u r e S zu protestieren.—__ Der Nnncnierkougrcst in Brüssel. Man schreibt uns: Der Kongreß der Freunde der armenischen Volkssache, der gestern und heute in Brüssel tagt, ist ein sogenannter außer- parteilicher Kongreß. Es nehmen an ihm Angehörige von Parteien teil, die sich sonst ziemlich scharf gegenüberstehen. Es handelt sich da um ein Mindestmaß v o n R e ch t s s ch u tz und L e b e n s m ö g I i ch k e i t für ein Volk, gegen das ein unerhört gransamer Ausrottungskrieg geführt wird, und das nicht in der Lage ist. sich selbst zu helfen. Die Lage der Armenier hat sich seit 18Sö/96, wo die unerhört blutigen, mehr als hundert- tausend Opfer dahinraffende» Metzeleien die ganze civilisierte Welt in Aufregung versetzten, womöglich noch verschlimmert. Nicht das geringste ist geschehen, um die ungeheuerliche Willkür- Herrschaft und Ausbeutung zu mildem, denen das armenische Volk erliegt! der Widerstand des Sultans und seiner reaktionären Uni- gebmig gegen diese Reform Ivird vielmehr durch die Freundschaften au verschiedenen europäischen Höfen, denen sich der„Beherrscher aller Gläubigen" rühmen kann, noch v e r st ä r k t. Rußland, das ehedem den wohlwollenden Freund der Armenier spielte, führt heute in den ihm gehörenden armcuischeir Landestcilen die Russifizicruug oder vielmehr Entnatioiinlisierung der Armenier mit derselben rücksichtslosen Brutalität sUnterdrücknng von Schulen zc.) durch, wie die Russisiziernng der Ostseeprovinzcn, und Deutschland hält ans bekannten Gründen dem Sultan im internationalen„Konzert" die Stange. Die Gleichgültigkeit der europäischen Kuliurwclt gegenüber der armenischen Frage wird verstärkt durch die Vorurteile, ivclchc hinsichtlich der Armenier in Europa verbreitet sind. Weil eine Au- zahl Armenier in der Türkei Kaufleute und Geldhändler sind,>vird die ganze Nation als eine Nation von Wucherern und Blutsauger» hingestellt. Thatfächlub handelt es sich in Türkisch-Armenien iiicht um die paar Emporkömmlinge in den Städten, sondern um die große Masse schwerarbeitender Bauern, Handwerker, Tagelöhner, die sieben Achtel des armenischen Volkes bilden. Waö die Armenier verlangen, ist als Mindest m a ß die Durchführung derjenigen Reformen, welche die Großmächte selbst 1836 der Türkei gegenüber als unerläßliches Erfordernis bezeichnet haben, sollen in den verwüsteten Landcsteilen überhaupt erträgliche Zustände eintreten. Diese Reformen betreffen vor allem eine Vertretung des armenischen Elements in den Vcrwaltnngs- behörden. Die armenische Reform Partei(„Droschakiftcn") verlangt außerdem die Einsetzung eines einer neutralen europäischen Nationalität angehörenden General- gouverneurs, der nur mit Zustimmung der Großmächte ab- gesetzt werden darf, sowie die Schaffung einer allgemeinen L a n d e s v e r t r e t u n g der in F«>ge kommenden Distrilte. Außerdem wünscht diese Partei die Einsetzung einer ständigen euro- päischen Neberwachungskonuuission. Das sind gewiß gemäßigte Forderungen. Sie bedeuten keine „Veränderung der Landkarte", keinen Umsturz, keine Bevorzugung einer Religion oder eines Volksstammes, sondern nur den ersten Schritt, menschenwürdige Zustände in jenen unglücklichen Provinzen herbeizuführen. Die deutsche Socialdeniokratie ist in Brüssel offiziell nicht ver- treten— die Meldung einiger Blätter, daß Bebel und Bernstein als Delegierte der Partei nach Brüssel gehen, beruhte auf einem Irr- tum.— Aber was die Konferenz im Sinne der vorstehenden Aus- sühruugen beschließt, ist der Sympathie der Socialdcmokratie aller Länder' sicher.— «» « Aeutsches Weich. Papierzölle. Der Kampf um die Papierzölle beschäftigte Donnerstag die ollkommission. Die Rücksichtslosigkeit und Riicksländigkeit der grarier und Hochzöllner offenbarte sich in den, über die Tarifsätze bis zu 160 Proz. hinaus beantragten Zöllen. Daß dadurch die ge- sanite Bnchdruckerei, speciell die Presse, schwer geschädigt wird, ist vielleicht von den Dunkelmännern im klerikalen Lager mit den An- trägen beabsichtigt. Die Agrarier ivollen natürlich mit diesen Zöllen die Holzpreise — im Jutcrcsse der größten Grundbesitzer und des Fiskus— künstlich steigern. Das muß um so nnverfrorcncr erscheinen, als thatsächlich die Holzpreise in den letzten Jahre» so gestiegen waren, daß sie, wie Abg. Gothein sagte, zu einer öffentlichen Kalamität geworden sind. Sehr unliebsam sind auch der Regierung die Anträge auf höhere Zölle als im Tarif angesetzt sind, den» sie bereiten ihr jeden- falls Schwierigkeiten bei handelspolitischen Verhandlungen. Vom Centrum sprach lein Abgeordneter zu den von ihm unterstützlen Anträgen.— Der„Irrtum" der Präger Polizei. Wir hatten in einer Zuschrift ans Prag bereits mitgeteilt, daß es sich bei der Veröffentlichung des Präger Steckbriefes um kein Versehen handelt. Wie nun das Prager socialdemokratische Blatt, das„Pravo Lidu" mitteilt, ist es jetzt schon sicher, daß die Veröffentlichung des „Steckbriefes" nicht eliva bloß einem„unliebsamen Zufall", wie man sich gern ausreden möchte, zuzuschreiben ist. Das„Pravo Lidu' nennt alle Beamten mit Namen, die an dieser Affaire ein Verschulden trifft. Es find gerade die Beamten, die sonst in politischer An- gelegenheit nicht genug an Schueidigkeit leisten können. Der Text des Steckbriefes ist derart gefaßt, daß es ganz und gar ausgeschlossen i st, es könne auch nur einem der Beamte», die die Steckbriefe vorher gelese n haben, unklar gelvesen sein, gegen Iven er gerichtet ist. Die Korrespondenzkarte, die ans Podwoloczyska in Prag anlangte war a n o n y m. sie war an den Prager Magistrat gerichtet und wurde von diesem der Polizeidirektion abgetreten. Die Karte war nicht, wie es ursprünglich hieß, in polnischer, sondern in d e u t s ch e r Sprache abgefaßt, und es stand auch nicht Dr. Buclolv darauf, sondern ganz deutlich Dr. B ü l o w, woraus erst durch einen Druckfehler des Setzers im„Polizei-Auzeiger"„Buckow" gemacht ivurde. Wenn man selbst das Unmögliche annehmen sollte, daß der Beamte, der die Karte zuerst erhielt, die Bedeutung der Karte nicht erkannt haben sollte, so muß doch darauf vcrlviesen Iverde», daß der„Steckbrief" durch die Hände einer ganzen Reihe von Beamten gehen mußte und von allen diesen Beamten gelesen wurde. Zuerst wurde der Brief im EiureichnugS- prototoll des Magistrats gelesen, von Ivo er dem Referenten zugeteilt wurde. Dieser erkannte, daß der Magistrat nicht kompetent sei, und trat das Schreiben der Polizeidirektion ab. Hier mutzte es auf dem üblichen Wege zuerst in das Präsidium. Dort wurde es revidiert und an das Expedit übergeben, wo man es in die Registratur eintrug und dann dem Chef des betreffenden Departe- ments abtrat, nämlich dem Leiter der Sicherheits- abteilung, Polizei rat Olic. Dieser übertrug es seinem Adjutanten, dem Leiter des Polizeigefangeuhauses Adjunkten Bejrik, der dann erst anf Grund des anonymen privaten Schreibens den„Steckbrief" verfaßte. Das Manuskript erhielt dann der Setzer, hierauf der Korrektor, worauf der Bürstenabzug wieder einem Polizei- be am te» übergeben wurde. Das fertige ZeitungSblatt mußte dann dem Staatsanwalt Mörstadt vorgelegt werden, der mit etwas Scharfsinn in Dr. Buclow den Dr. Biilolv hätte erkennen könueu. Und von allen diesen Personen, die das„Pravo Lidu" nennt, sollen keinem einzigen die Namen„Kaiser Wilhelm, Kaiser Friedrich, Büloiv" aufgefalle» sein! Von z�hn akademisch gebildeten Beamten sollte kein einziger die Anspielungen auf die Marieubnrger Rede des deutschen Kaisers bemerkt haben? Die Prager„Narodui Listy" melden: Der Berliner Hof hat sehr dringlich eine Aufklärung verlangt. Diese Auf- kläruugen mußten indes eine Verzögerung erleiden, da der deutsche Generalkonsul in Prag, Baron Seckendorf, auf Urlaub ist. Da aber das Verkangen nach Aufklärungen sehr kategorisch lautete, wurde ein Kurier mittels Extrazuges nach Berlin gesendet, der eine genaue Schilderung der ganzen Angelegenheit nach Berlin brachte.—_____ Eine Fälschung wirft die„Germania" entrüstet dem„Vor- wärtS" vor. Die„Fälschung" soll darin bestehen, daß der„Vorwärts" behauptet hatte, der Aachener Weihbischof habe die Uuechtheit der Aachener Reliquien zugegeben, während er nur die Möglich- k e i t dieser Uuechtheit konzediert habe. Die Silbenstecherci der „Germanin" ist ebenso erheiternd wie ihr sittlicher Zorn. Für jeden Mensche» von normalen Gehirnfuuklioueu hatte der Weihbischof damit die Echtheit der Reliquien preisgegeben, daß er die Möglichkeit ihrer Uuechtheit zugab. Der Weihbischof erklärte rund heraus, daß die Echtheit der Gegenstände nicht zu beweisen sei; freilich gestattete er sich dann noch den Scherz, zn erklären, daß diejenigen, die die Uuechtheit der Reliquien behaupteten, diese Uuechtheit beweisen müßten. Als ob nicht die einfachste Ucberlcgung tausend B e rnn u ftg r ü n d e gegen die Echtheit der Neltqnicn aufmarschieren ließe. Wenn jemand einen Backzahn Alexanders des Großen zu besitzen behauptet, hat nach der Logik des Weihbischofs nur derjenige ein Recht, die Echtheit dieses denkwürdigen Objektes anzuzweifeln, der diese Uuechtheit nachweist l Ferner erklärt die„Germania", daß die ultramontaue Prcffe niemals den kirchlich-religiöscn Charakter der Reliquienverehrung preisgegeben habe. Die„Germania" glaubt also nicht darauf ver- zichteu zu dürfen, daß die Vernunft und die gesunde Satirc bnrch Slrafgesctz-Paragrnphen ividerlegt werden.— Den Gutsherr als Schnlpatron. Für den kulturellen Segen der„ G u t S b e z i r k e" ist eine Berhandlnng charakteristisch, die kürzlich vor dem Oppelner Bezirksausschuß stattfand. Die Regierung hatte den Neubau einer Schule und die Nustellung eines zweiten Lehrers in Jakobsdorf, Kreis Falkenberg(Obcrschlesicns, beschlossen. Zur Deckung der Kosten war je zur Hälfte die Gemeinde und der Guts- Herr Kanimcrherr Freiherr v. Thielmann verpflichtet. Der Freiherr aber, einer der reichsten Magnaten der Gegend, erhob gegen den Beschluß Klage. Der Gutsbesitzer meinte, mau könne das alte SchulhauS durchAnkauf desNachbargrundstücks erweitern und dadurch dieKostcndes Neubaues sparen. Das Gutachten des Kreisarztes bezeichnete das Projekt des Gutsherrn für eine unglückliche Anlage, da es eingeengt werde von einer Dnngstätte und von Abortanlagcn. Das materielle Interesse des Klägers, der eine Ersparnis erzielen tvolle, könne nach Ansicht der Regierung gegenüber den die gesiindheit- lichen Verhältnisse würdigenden Anordnungen der Regierung nicht ausschlaggebend sein. Der Kläger bemerkte in einem Schriftsatze: Das Vorhandensein von Tnuggrnbcn und Schweineställen sei in Dörfern Heimisch. Der Kreisausschuß gab natürlich dem Kläger recht, der Bezirks- auSjchutz aber wies die Klage ab. So wird der reiche Gutsherr doch nicht sein S ch u l i d e a l erreiche»: daß die Kinder zwischen Duugstätten und Abort-Anlagen zu tüchtigen Arbeitern für den gnädigen Herrn herangebildet werden.— Eine Grnuwaldfeicr im Dom z» Gnesen. Nicht nur in östreichisch Polen, sondern auch in Deutsch-Polen ist die G r u u- w a I d- F e i e r, der Tag der Niederlage der Deutschordensritter, festlich begangen worden.' Und zivar waren es nicht nur private Veranstaliuugen, sondern»ach dem„Gnesen er General- Anzeiger" fand sogar im Gnesener Dome ein feicr- sicher Dankgottesdienst statt. Das Hochamt celebrierte ein Domherr. Eine Prozession schloß sich an den Gottes- dienst. Der„Lech" hatte die polnische Bevölkerung in einem längeren Artikel aufgefordert, sich an dieser Gedächtnisfeier recht zahlreich zu beteilige».„Ein polnisches Bauernweib, während des Gottesdienstes über den Zweck desselben befragt, antwortete, wie erzählt wird: Die Messe wird heute zur Ehre und Verherrlichung des polnisch-kathosischen Glaubens abgehalten, weil ein polnischer König die Deutschen besiegt hatte." llnsre Hakatisten und Granitbeißer sind natürlich völlig ans dem Häuschen über diese kirchliche Feier, und verlangen, daß„energische Schritte" gegen die„schuldigen Geistlichen" unternommen werden. Warum sollte man nach den Volksschülcru, Gymnasiasten und Töchter- schülerinnen nicht auch ein wenig mit dem Klerus anbinde»? Freilich würde dies Vergnügen iveniger harmlos sein und erst recht den national-polnischcu Fanatismus sotvohl der polnischen Eeistlichkeit wie der kalholischen Bevölkerung entfesseln. Was man auch beginnen möge, der polnischen Bewegung wird jeder Schritt der Regierung nur zum Vorteil ausschlagen. Ein gelindes Urteil gegen eine» Soldatcupriniger. Ullstein Halleschen Bruderorgan entnehmen wir folgende Einzelheiten über eine KriegsgcrichtSverhandluugder 3. Division, wider den Unteroffizier Fclgentreff, bei der man, wie das Blatt bemerkt, interessante Studien über daS Abhängigkeitsverhältnis der „Gemeinen" von den Unteroffizieren habe machen können. Der Angeklagte wurde der vorschriftswidrigen Behandlung seiner Untergebenen und der versuchte» Abhaltung von einer Beschwerde beschuldigt. Als der Musketier Möbes im Sommer v. I. in der Friedrichs-Kaserne wegen eines Ohrenleidens im Lazarett lag, äußerte er dem Arzte gegenüber, daß er von seinem Korpöralschaftsführer, dem Angeklagten, einmal mit einer schwarzen Tuchhose um den Kopf geschlagen worden sei, wodurch er glaubte, sich das Ohreuleidcn zugezogen zu haben. Darauf an- gestellte Ermittelungen in der Norporalschaft des Angeklagten er- gaben, daß der Unteroffizier nicht bloß Möbes, sondern auch den Musketier Rolle mit den Hosen um die Ohren geschlagen und daß Rolle am Kopfe eine Wunde davongetragen hatte, die ihm mit der Hoseuschualle zugefügt war. Die Verletzung mit der Schnalle wurde dem Angeklagten aber nicht zur La st gelegt, da diese eine nicht beabsichtigte Folge- Er- schcinung dcS Schlages gewesen sei. Daß das Ohren- jeiden von dem Schlage herrühre, wurde von dem Arzt als nicht erwiesen angesehen, da Möbes schon vorher ohren- leidend gewesen sein könne. Möbes hatte aber in Abrede ge- stellt, vor dem Schlag ein derartiges Leide» verspürt zu haben. Bei der Voruntersuchung stellten sich aber eine ganze Menge andrer Dinge heraus, die darauf hindeuteten, daß der Unteroffizier mit seinen Untergebene» nicht nach„Knigges Umgang mit Menschen" verfahren war. So hatte er eine» Soldaten auf die Zehe» getreten, den andern in den Schenkel gekniffen, daß ein blauer Fleck entstand, einem den Helm auf den Kopf ge st an cht, einen, wie man sich auszudrücken beliebte, gegen das Spind«gerammelt", mehrere geschubbt, einem eine Ohrfeige gegeben 2C. Die Zeugen hatten in der Voruntersuchung ganz bestimmte Angaben gemacht, schränkten diese aber heute, wo sie dem Unteroffizier Auge in Auge gegenüber- standen, ganz bedeutend ein. Der Anklagevertreter und der Vorsitzende hatte» schwere Not, nur einen Teil' dessen heraus- zubekommen, was früher gesagt worden war. Der Anklagevertreter beantragte eine Gesamtstrafe von drei Wochen mittlerem A r r e st. Das Gericht verurteilte den Augeklagten wegen vorschriftswidriger Behandlung Untergebener in zehn Fällen zn drei Wochen gelindem Arrest und sprach ihn von der versuchten Abhaltung von der Beschwerdeführung frei, da er den Möbes nur gebeten hatte, die Sacke nicht zn melden. Eine Bitte sei kein w iderrechtliches Mitte l.— Von den Pflichte» deS Polizeibeainten. Ei» Polizeisergcaut in Weitmar war von seinem Vorgesetzten aufgefordert worden, ein Kind nach dem Armcnhause zu tragen, das eine polnische Arbeiter- frau, die sich in hochgradig erregtem Zustande im Meldebureau über die Steuern beschwerte, dem Amtmann vor die Füße gelegt hatte. Die Mutter war schreiend davougerannt. Der Polizei- beanite weigerte sich, das Kind anf dem Arm durch den Ort zu tragen, da er kein Kindermädchen sei. Er wollte es durch sein Dienstmädchen hole» und forttragen lassen. Der Amtmann gestattete ihm darauf, das Kind nur bis zu seiner nahegelegenen Wohnung zn trag»» und es dort dem Dienstmädchen zu übergeben. Aber auch das verweigerte der Mann in der Annahme, daß sein Ansehen als Polizeibeamter darunter leiden würde, wenn er das hilflose halbnackte Kindchen durch die Menschemnasse auf der Straße trage.— Der Beamte erhielt wegen Gehorsams- Verweigerung eine DiScipIiliar-Ordnungsstrafe von 9 Mark. Nach vergeblichen Beschwerden hdflfÄaiLbiat und Negierungs- präsidentc» klagte er beim O b rrvVe r w a ltu n g s g e r i ch t, das die Geldstrafe in die Strafe einer V e r>v a r n n n g umwandelte und zur Begrüilduug aushihow�. Jeder Polizeibeaiute sei den, Vorgesetzten gegenüber zum GÄcksmn verpflichtet, soweit ihm nicht Aufträge erteilt würden, die g�ekOl' Mwtsgesctze verstießen. Da- von sei hier nicht die Rede. Atsch Whckd sonst Unberechtigtes sei von» Kläger nicht verlangt ivordein � Allerdings stehe in der Dieiistiiistrnklioii, den Beamten seien lk�me Arbeiten zuzumuten, die sein Ansehe» schädigen könnten. Dadurch werde aber nicht der Beamte selber zum Richter darüber ausgerufen, ivas sei» Ansehen schädige und was nicht. Er müsse, wenn mir die Schädigung des Auseheus in Frage komme, den Befehl ausführen und kvime sich dann bei der höherstehenden Behörde beschweren. Im übrigen habe sich die Forderung des Amtmanns offenbar im Pflichtcu- krcise des Polizeibeamten gehalten. Das Kind habe sich im hilflosen Zustande befunden und habe im Meldeamt nicht bleibe» können. Zu den Pflichten der Polizei gehöre es aber, hilflosen Personen die er- ordcrliche Hilfe niigedeihen zn lassen. Hätte der Kläger das Kind hilflos auf der Straße gefunden, dann halte er es ja ohne weheres mitnehmen müssen. Eine noch peinlichere Situation sei es, wenn sich ein Polizeibcauiter eines Betrunkenen annehmen müsse, der sich viel- leicht im Schmutze gewälzt habe.— Da Kläger noch nicht bestraft sei, sich nickt in der Form vergangen habe und sein Verhalten inir auf eine falsche Annahme zurückzuführen sei, so genüge eine Ver- Warnung._ Zur Lage in Bayer». München, 16. Juli. sEig. Ber.) Bei den heftigen Anslassuugen der Ceiitrmnspresse gegen die derzeitige Regierung ist es aufgefallen, daß sich einige besonders scharfe Bemerkungen gegen den Minister des Innern richteten. Ein ultramontanes Blatt meinte, im Vergleich zu Herrn v. Fcilitzsch sei. Dr. v. Landmann„eine lvahre Lichtgestalt". Wie man hört, besteht jetzt bei den Centrumsführern eine ganz besondere Erbitterung gegen Feilitzsch. Man will ihm anf die Spur gekommen sein, daß er an der Entwickelimg der Dinge gar nicht so nnschnldig sei, wie er sich immer stelle: er soll vielmehr gerade bei der Affaire Landmann eine ganz besondere Thätigkeit entwickelt haben, die dem Centrnni durchaus nicht gefällt. Auch ist es bekannt, daß er ein Gegner des Schnldotations- Gesetzes war. Da sich das Ceiitrmn nicht für berechtigt hält, das Budget abzulehnen, so will man der Regierung jetzt dadurch das Mißtralien ausdrücke», daß man bei dem einzigen noch zn erledigende» Etat, dem Kiiltns-Etat, größere Positionen abstreicht. Dieser Taktik ist gestern im Finanzausschiiß unter andrem ei» Posten von 100 000 Mark zum Opfer gefallen, wofür in den Münchencr Kunstausstelluiigen alljährlich Kunstwerke angekauft wurden, ,, Wt solchen Mitteln hoffe man in CentrumSkreiH«»« W ,H)p« n ä ch st e» Landtage, der im Jahre 1903 zusgWUx'UltC das Ministcrinm Crailsheim-Ricdel-Feilitzsch hinwegekeln. zii köniftn. Iii der Centnmisfraktion selbst giebt es aber Lente. Wim» glauben, daß diese geniale Taktik konsequent durchgeführt wird. Unser Münchener Partei- Organ erhält darüber eine authentische Mitteilung, die sie nnter der Spitzinmke:„D i e Politik der Wut" giebt: „Ein Jntcresseut eines medizinischen Instituts, für das in, Knltus-Etat eine Nenbanforderung vorgesehen ist, erkundigte sich gestern bei einem der akademisch gebildete» Mitglieder deS CentrnmS nach den Aussichten des Postulats. Ihn, wurde die Antwort: Das Centnlm ivird beini Kultus- Etat jetzt so lange alles ablehnen, bis ein ihm genehmer Minister da ist. Der Referent Dr. Schädler ist zur Zeit äußerst erregt und er will der Regiermig die Macht des Cenlrnms fühlen lasten. Kommen Sie über acht Tage wieder, dann hat sich vielleicht die Erregung Schädlers etlvas gelegt und es läßt sich vielleicht etwas mach?»... I" NcichSläudischc Fabririnspektionö-Bcrichte. Aus Straß- bürg wird uns geschrieben: Nach den dieser Tage erschienenen Berichten der reichsländischcn Fabrikinspcftion für das Jahr IStV besteht das Personal der Gewerveanfstcht aus vier Beamten, davon zwei für den Bezirk Oberelsaß(Sitz in Colmar und Mülhanscns und je einer für Uuterelsaß sStraßbnrg) und Lothringen(Metz), ferner ans drei Assistenten, von denen einer dein Aufsichtsbeamten für Lothringen, die übrigen zwei dem für Unterelsaß beigegeben find. Außerdem sind in der Stadt Straßburg vier, i» den Städte» Hagenau, Colmar, Gebweiler, Markirch, Dtülhausen, Metz und Saar- gemünd je ein technischer Beamter des städtischen Bau- a m t s zn Assistenten der Geiverbeanffichts- Behörden in Bezug auf de» Arbeiterschlitz bei der Ausführung von Baute» bestellt. Die Gesamtzahl der in Fabriken mid diese» gleichgestellten Anlagen einschließ- sich Bergbau und unterirdischen Brüchen Beschäftigten beläuft sich im Reichsland auf 187 433. Rechnet man zn diesen Erwcrbsthätigen die nicht beschäftigte» Frauen und Kinder hinzu, so crgiebt sich bei einer Bevölkerung von rund 1700000 Seelen ein Prozentsatz von industrieller Arbeiterschaft,»ach dem Elsaß-Lothringen in erster Linie als In- dustrieland anziisehei: ist. Die Stellung desselben gegenüber den Getreidezöllen ergiebt fich daraus von selbst. Die wirtschaftliche Depression hat sich nach den Berichten in erster Linie im Bangeiverbe, dann aber auch in der obereisässischen Textilindustrie und in den Hüttenwerken Lothringens bemerkbar gemacht. Die erstere suchte sich durch Einlegung von einem oder mehreren Feiertagen über die schlimmste Situation hinwegzuhelfen, war aber trotzdem auch zu erheblichen Arbeiter- ciitlaffmigen genötigt. In den lothringische» Hüttenwerken nahmen diese zm» Teil einen sehr großen llmfang a». Von allgemeinem Interesse sind auch die Mitteilungen des unterelsässtschen Aufsichts- beaniten über dieHandhabung der ini§122derNeich?-Gc>verbe-Ord»uiig cnthalteiicn K ü n d i g n n g s b e st i m m n n g e n. Unter dem Eindruck' der üblen Erfahrungen, die mit demselben gemacht wurden, gehen groß»» und kleinere Geivcrbctreidende immer mehr zum fristlos ezy Küiidignngsrechte über. Die Bestiinmungen über das Strasrccht de�> Arbeitgebers, wie sie der Z 134 b der Gewerbeordnung vorsieht" werden nach den Mitteiliingeu des Berichtes in Orten, wo Ersatz fül� entlassene Arbeiter leicht zu beschaffe» ist, nicht gen, in die Arbeirtp ordnnng aufgenomnie»; knndiginigslose Entlassung sei das(if'i genehme n»d daher lieber angewandte Mittel, um die Orduunff, miprccht zu erhalten. Ans diese Weise, meint der Bericht, werde die erzieherische Absicht des Gesetzgebers allerdings vereitelt, zumeist wohl, weil man sich derselben nicht bewutzt sei. Die Zahl der B e t r i e b s u n s ä I l e hat auch im Berichtsjahr gegenüber 1901 wieder nicht unbeträchtlich zugenommen. Es gelangten insgesamt 4560 Unfälle zur Anzeige, darunter 53 mit un- mittelbar tödlichem Ausgange. Als gefährlichste Betriebe haben sich auch diesmal wieder die Eisenhütten Lothringens erloiese», denen 1707 von den gesamten 2017 Unfällen und 17 von den 29 Todes- fällen des ganzen Bezirks zur Last liegen.— Oestreich-Nngarn. Neue Ansglcichsvcrhnndlunge». — st.— Wien, 14. Juli. Der so arg verfahrene Ausgleichs- karren biegt nun plötzlich ins Geleise ein.»Der König hat-s gesagt"— das sich nämlich die Regierungen verständigen müssen, und sofort stumpfen sich die Gegensätze ab; der Konflikt, der unvcrnieidlich schien, ist sogleich beigelegt. Herr v. S z e 1 1 ist mit den Ministcrn Lang und Daranyi nach Wien gekommen, und diese Reise hat einen voll- ständigen Umschwung der Situation herbeigeführt. Die Besprechung der Ministerpräsidenten ebnete nämlich den Weg zu sachlichen Aus- einandersetzungen, wo es sich doch nur mehr um Onantitätsunterschiede handelt. Die Beratung sämtlicher an der AiiSgleichsmatcrie inter- essierten Minister hatte das Ergebnis, daß der Termin für die dritte Lesung des Zolltarif-Entivurfes— die dritte Lesung natürlich in der Beratung der Referenten— festgestellt wurde; sie wird am 23. Juli beginnen. Nachdem werden die andren Ansglcichspunkte gcmätz der Instruktion der Referenten im Detail beraten und einer nächsten Ministerbesprechnng ist die endgültige Beschlußfassung vor- behalten. Einer der wichtigsten Streitpunkte ist die Veterinär- Konvention; Oestrcich erhob den Anspruch, das ungarische Vieh an der Grenze durch eigne Organe beaufsichtigen zu lassen. Ob und inwieiveit die Ungarn anf ihre Forderung nach Rohstoffzölle» verzichtet haben nnd in welcher Forin sie Herrn v. Koerber die geforderte„Garantie" gebe» wollen. daß sie die Ausgleichsverträge„loyal" halten Iverden. ist natürlich nicht bekannt; es scheint nur soviel erreicht worden zu sein, daß Ungarn die Forderungen nicht als eine absolute Bedingung erachtet. Die Wahrscheinlichkeit, daß es zwischen den Regierungen zu einer Vereinbarung kommen werde, ist nunmehr unzweifelhaft ge- stiegen; die Wahrscheinlichkeit, daß der Ausgleich: Zoll- und Handels- bündms und Zolltarif-Entwurf, bis Ende des Jahres in beiden Parlamenten fertig sein wird, ist aber trotzdem recht gering.— Frankreich. Vom klerikalen Krieg. Der Gaulois" veröffentlicht eine» an den Ministerpräsidenten Combes gerichteten, von C o ch i n, Baron de Mockau. Graf de Mun, Gayraud nnd andren Deputierten der Opposition unterzeichneten Brief, in welchem sehr heftig gegen die S ch l i c ß n» g der privaten Unterrichts- a n st a l t e n protestiert wird.— Italien. Blutige Tcencn gab es vor kurzem in Orte, einen, Land- slädtchen von etwa 6000 Einwohnern in der Nähe Roms, gelegentlich der Gemeinderatswahlen. Dort ist cS den Socialdemokraten unter der Leitung des Dr. Fabi gelungen, eine Konsunigenosscnschast zu gründen nnd in hohe Blüte zi» bringen. Mit derselben sind ver- bnndcn eine Müllerei, Bäckerei, Schuhfabrik nnd Apotheke. Die Kleinkrämcr und Kleingewerbetreibenden der Stadt sowie die Reaktionäre aller Art sind wütend auf die Socialisten und suchten längst gegen dieselben vorzugehen. Die Gelegeilheit bot sich ani Tage der Wahlen. 50 jugendliche Manifestanten zogen bor das Rathaus und warfen etliche Steine nach den Fenstern. Das ivar das Signal für die 65 Gendarmen, die hier im Hause postiert waren, sofort zum Angriff überzugehen und zu schießen. Die Hälfte der Manifestanten wurde zu Bode» gestreckt. die andern verhaftet. Fabi. der sich unter den Manifestanten nicht befunden hatte, wurde ebenfalls verhaftet. Der Deputierte Bissolati, Chefrcdncleur deS „Avanti", begab sich nach Orte, um Untersuchungen über die Vorgänge anzustellen; jedenfalls wird die Angelegenheit noch Gegenstand einer Interpellation in der Kammer sein.— Ciccoti wiedergewählt. Der socialistische Abgeordnete für Neapel, Professor Ciccoti, hatte, Ivie wir seiner Zeit mitgeteilt haben, infolge des Ausgangs der Kommnnalwählen in Neapel, die be- kaimtlich mit einem vollständige» Siege der Caniorra endeten, sein Mandat niedergelegt. Bei der Neuivahl, die am Sonntag stattfand, ivnrde Ciccoti mit 1076 Stimme» gegen Magliani, der 395 Stinimen erhielt, wiedergewählt.— Amerika. Ausweisung der MönchSordcu auf de» Philippinen. Präsident Roosevelt notifizierte, nach einer Neiv Dorker Meldung der Exchange Telegram Company, am Sonnabend dem P a p st ,' die- jcnige» Mönchsorden, gegen welche Amerika Einwendungen erhebe, müßte» von den Philippinen- Inseln abberufen werden. Am Dienstag traf eine ablehnende Antivort des Papstes auf diese Forderung ein. Präsident Roosevelt ließ hieraus am Mittlvoch dem Vatikan die Mitteilung zugehen, falls nicht die Abberufung der Mönche erfolge, würden sie als' lästig von der Insel- grnppe ausgewiesen tverden. 8o. Sitzung der Zolltarif-Kommission. Berlin, 17. Juli. Von den voni Abschnitt 0 noch zu erledigenden Positionen erregt nur 648, die Steinunftkuöpsc einschließt, lebhafteres Interesse, da der Zoll von 3.0 a u f 150 M. erhöht Iverden soll. Unterstaatssekretär v. Fischer begründet den Tarifsatz, da»die schriftliche Begründung in Verstoß gexateu" und in den ge- druckten Motiven darum nichts enthalten sei. Die amerikanische. östreichische und italienische Konkurrenz sei zu drückend geworden, die deutsche Fabrikation wünsche die Erhöhung. G o t h e i n beantragt sür Steinnnßknöpfe 36 M. statt 150 M.; die Socialdemokraten beantrage» Zollfreiheit. Pfanuknch tritt für Zollfreiheit, Müller-Sagan für den Gothcinschen Antrag ein. Arendt wünscht einen noch höheren Zoll. Die Positionen 643, anderweit nicht genannte pflanzliche Schnitz- stoffc— 3 M., die mit 648 zur Beralung verbunden war, wird wie letztere nach der Vorlage angenommen; der exorbitant hohe Zoll auf Steiniinßknöpse ist also beschlossen. Zu 644, Stahlrohr, zum unmittelbaren Gebrauch— 3 M.; gebeizt, gefärbt, gerissen— 6 M.; gefirnißt, lackiert, poliert— 10 M.. beantragt G o t h e i n Zollfreiheit sür erstere Position, während er für gehobelten Bast 3 M., für die letzten beiden Unterpositionen je 10 M. Zoll verlangt. Pfatinkuch tritt für Zollfreiheit ein, die Gründe Golhcins sprpcbevf ü r dieselbe; die Rohrflechtindnstrie wäre durch den Zoll anf Rohr arg geschädigt. Gcheimrät Blau erklärt, die jetzige Einteilung im Tarif sei auf Anraten im Wirtschaftlichen Ausschuß geschehen. Tie Position wird n a ch d e r V o c l a g e angenommen. Position 647— Perlen aus andren pflanzlichen Schnitzstoffen als Holz und Kork— 40 M. Zndcil vertritt den Antrag anf Z o I l f r e i h e i t. Die Position ivird nach der Vorlage angenommen. Positiv» 649, Bildhauer-, Bildschnitzer- nnd Formerarbeiten aus Stärke, Bassorin, Traganthgummi. Brot zc. 40 M., wird, nachdem Znbeil für Zollfreiheit eingetreten ist, nach der Vorlage ange- noinme». 650, Vulkanfiber und Gegenstände daraus 10 M. Itadthagcu tritt für Zollfreiheit ein. In neuerer Zeit werde Vulkanstber sur die Isolierung in elektrischen Aulagen gebraucht. Der Stoff sei schwer zu unterscheiden von künstlichem Leder und Pappe, bereite also zolltcchnische Schwierigkeiten. Als Rohstoff werde Vulkanfiber in Deutschland benötigt, die den Stoff verarbeitenden Industrien würden durch den Zoll geschädigt. Die Ausfuhr von Waren überwiege lveit die Einfuhr, Zollschutz sei also über- flüssig. Auf Antrag Stadthagen und G o t h e i n wird dieje Position an dieser Stelle gestrichen und soll bei Position 654 mit beraten werden. Position 651, Waren aus formbarer splastischer) Kohle oder aus Gas- kohle, von 3 Kilogramm und darüber 3 M., unter 3 Kilo— 30 M. Zubril tritt für Zollfreiheit, Geheimrat Blau für die Vor- läge ein. Die Position wird nach der Vorlage angenommen, ebenso die Anmerkung dazu. ** * Papierzölle. 11. Abschnitt. Nach längerer Geschäftsordnungs-Debaite wird gegen den Ein- sprnch Gotheins und Stadthagens beschlossen, die Positionen 652 bis 658 zur Beratung zu verbinden. Pos. 652, Halbzeug zur Papier- und Pappenbereitung, ans Ab- fällen von Gespinstwaren oder dergl.— frei; 653, aus Holz, Stroh, Espartogras: Holzmasse(Holzschliff) 1,25 M.; chemisch bereiteter Holzstoff— 1,25 M.; 654, Pappen: Glanzpappe, Kunstlederpappe zc.~6M.; grobe Pappen— 1,50 M.; Stroh«, Torf-, Steinpappe— 1,50 M.; 655, Pappen aller Art, weiß oder farbig gestrichen, beklebt, lackiert, bronziert zc., Malerpappe — 10 M.; 656, gelbes Strohpapier, ganz grobes graues Löschpapier — 1,50 M.; 657, gemeines Packpapier— 4 M.; 658, Papiere, nicht unter andre Nnnimern fallend— 10 M. Die Socialdemokraten beantragen für alle Positionen Zollfrei h e i t. G o t h e i n beantragt für 653/54 je 1 M.; 656— IM.; ferner für Nr. 657 andres einfaches weißes oder nur natnrfarbenes Papier jeder Art. welches bei Anwendung von Vi-Lösting eine dunkle Färbung giebt, 4 M., andres einfaches Papier jeder Art, auch liniicrt, pcrgamentiert oder gekörnt, welches bei Anwendung von Di-Lösung keine oder nur eine schwache Färbung giebt, 7,M.; im Falle der Ab- lchnung dieser Fassung der Nr. 657 folgende Fassung zu geben: Nr 1657 andres einfaches weißes oder nur in der Masse gefärbtes Papier in Rollen von mindestens 1 Meter Umfang, 4 M.. alles übrige weiße oder nur in Masse gefärbte einfache Papier 7 M., Nr. 658 Kartonpapier, a 100 Bogen mindestens 45 Millimeter hoch, auch mit Farbe überzogen 4 M, andres 7 M., Photographiekartcn aus Kartonpapier, 100 Karte» mindestens 45 Millimeter hoch, unbedruckt oder bedruckt oder geprägt, mit oder ohne Goldkante 15 M. Horn- Goslar. Arendt, Gäbet. Herold, Klose. L ii r z, Schmidt- Marburg, Speck, Wallenborn, Will beantragen: Nr. 653. Ans Holz, Stroh. Espartogras oder andre» Pflanzenfasern: Holzmasse(mechanisch bereiteter Holzstoff, Holzschliff) 3 M., chemisch bereiteter Holzstoff(Zellstoff, Cellnlosc), Stroh-, Esparto- und andrer Faserstoff 3 M. Nr. 654(zweiter Ab- satz): Pappen aus mechanisch oder chemisch bereitetem Holzstoff, auch ans solchem von gedämpsteni Holz, fest gewalzt(Braunholzpappe, sogenannte Lederpappe), Stroh-. Schrenz- und Torfpappe nnd ander- weit nicht genannte grobe Pappen, auch in der Masse gefärbt 4 M, Pappen mit Asphalt, Teer oder dergleichen überzogen. getränkt oder bestrichen, sowie Röhren aus solcher Pappe, Steiupappe 1,50 M. Nr. 656. Gelbes Strohpapicr; ganz grobes graues Lösch- papier 4 M. Dr. Müller- Sagan beantragt: Nr. 653 1 M., Nr. 654 6 M., 1,25 M. Nr. 657. Packpapier, nngeglättet frei, geglättet 1,50 M. Nr. 658. Papier, nicht unter andre Tarifnumnicrn fallend zc.: holz- schlifihaltig 3 M.. holzschlifffrei 6 M. Es liegen eine große Anzahl Petitionen zu diesen Posi- lionen vor. Miillcr-Sagan tritt für de» alten Zoll ein, der sowieso schon eine starke Belastung bedeute. Die Erhöhung deS Zolles auf 653 sei durch nichts gerechtfertigt. Die Emballage» verteuern, heiße den ganzen Handel und die ganze Industrie schädigen. Handelspolitische Erwägungen kämen sür die Erhöhungen nicht in Betracht. Gothein moniert, wie fehlerhaft es sei, diese Reihe Positionen zur Beratung znsammenznfassc». Es handle sich hier um eine der ivichtigsten Industrien. Sie benötige Holzstoff aus dem Auslande. (Widerspruch.) Die Regierung könne-die widersprechenden Ab- geordneten aufklären.(Graf Kanitz: Es handelt sich um de» Preis I) Redner erwidert darauf, die Holzprcise seien bis zum Vorjahre so hoch gestiegen, daß sie geradezu zur öffentlichen Kala- mität geworden ivarcn.(Horn- Goslar: Sie sind gesunken!) Redner bestreitet dies und verbreitet sich über die Papicrfabrikation und ihre Entwicklung. Der Zoll müsse zur lleberproduktion mit all' ihren unliebsamen Folgen führen. Schließlich ivürde» die Kartelle die Produktion wieder einengen und die Papierprcise wieder verein- baren müssen. DieEinfuhrvonPappwarenansAmerikasci verschwindend im Wert gegenüber unsrcr Ansfuhr an Papierware» nach Amerika. Der Zoll werde nur verstimmend wirken. Die Bnchdruckindustrie müsse insofern leiden, als man ihr das Rohmaterial verteuere und so geradezu die Industrie ins Ausland treibe, weil man ihr den Absatz dahier er- schwere. Wieder zeigt sich hier, wie im ganzen Tarif der Fehler, Halbfabrikate zu verteuern und dadurch werde die Industrie, die Ganzfabrikate schaffe, geschädigt, lind so lange Abg. Spahn seine Schublade nicht öffne und sein Allheilmittel gegen Kartelle nicht ausliefere, glaubt er nicht an dieses Heilmittel, sondern werde immer auf die Gefahr der Kartellbildung hinweisen, die durch die Zollpolitik erhöht werde. Horn-Goslar: Das Ausland könne Holzstoff und Cellulose billiger fabrizieren als Deutschland, darum seien höhere Zölle gerechtfertigt. Redner schildert die Konkurrenz des Auslandes als eine äußerst gefährliche. Für die Cellulose-Jndustrie könne der deutsche Wald de» Bedarf nicht decken, aber für die Holzstoff-Jndustrie. lim den Bedarf auf einheimische Produkte hinzulenken, habe er mit den übrigen Unterzeichner» seine» Antrag anf Erhöhung der Zölle gestellt. Graf Posadowöky sagt, er habe gestern schon erklärt, daß er die deutsche Waldkultur heben wolle. Aber die Holzsckiliff-Jndustrie habe 74 Prozent deutsches und nur 26 Prozent ausländisches Holz verarbeitet sür Holzstoff, für Cellulose 78,73 Prozent deutsches und 21.27 Prozent ausländisches Holz. Man wolle die Zölle auf 10 Jahre festlegen, müsse also vorsichtig verfahre». Die Einfnhrstatistik zeige große Schwankungen, die i» den jeweiligen Verhältnissen, sogar in den Witterungsverhältniffen begründet seien. Aber es scheine, die Einfuhr sei gesunken. Redner ersucht, die über die Vorlage hinaus beantragten Zölle abzulehnen. Molkenduhr: Die Zahlen der Aussnhrstntistik reden einc>so deutliche Sprache, daß ninn von einem Zoll absehen müsse, wenn die so wichtige und aufblühende Papierindustrie Deutschlands»jchtgeschädigt iverden solle. Der deutschen Waldkultur nütze es nichts, wenn man durch künstliche Verteuerung des Holzes dazu dränge, minderwertiges Holz für Holzschleifereien anzubaue», statt wertvolleres zu höhereu Zwecken. Der Rohstofszoll wirke für alle beteiligten Industrien, die Papier- fabrikatio», die Buchdruckerei, die Buchbinderei, Cartonuagen- fabrikation zc. unheilvoll. Die Wasserkräfte, imsrcs Landes reichten kaum aus, der Holzstoffindustrie dienstbar gemacht werden zu können, wir müssen uns darum schon die ausländische Wasser- kraft durch Bezug von Holzstoff zc. zu nutze machen. Amerika zahle ja auch höhere Arbeitslöhne als Deutsch- land. Die Papierfabrikanten verstehen es. � auch ohne höheren Zoll hohe Papierprcise den Konsumenten anfzulegen, daS beweist die bekannte Preistreiberei des Papicrkartclls. Die Hilfs- stoffe für die Papierfabrikation— Soda. Chlorkalk— seien im Preise gesunken, der Zoll sei auch herabgesetzt worden, das bedeute große Vorteile, die jeden Zoll als übelflüssig erscheinen lassen. Treibe man den Preis des Papiers durch den Zoll in die Höhe, mache das bei einem Pfennig mehr für das Kilo für eine Zeituna. wie B. das„Hamburger Echo" eine Mehrausgabe von jährlich 24 000 M. ie Presse wird also ungeheuer geschädigt. Redner vergleicht dann die Ein- und Ausfuhrziffcrn sür'eine Reihe von Papierprodukten. DaS ganze Kapitel weift eine starke Uebcrlviegung der Ausfuhr auf. Auch der Kleinhandel, der Mittelstand, werde empfindlich geschädigt. Mit dem Zoll steigere man die Preise im Jnlande und erleichtere damit dein deutschen Fabrikanten die Schlcnderkonkurrenz im Ans- lande, wohin sie billiger als am einheimischen Markt verkaufen werden. Der Zoll bedeute eine Zerschlagung und Zerstörung der deutschen Papierindustrie. Handclsminister Möller: Diese Abteilung des Tarifs gehöre zu den bcstrittenslen; die Regierung sei darum sehr vorsichtig mit der Abmessung der Zölle vorgegangen. Gegenüber der Holzschliff- indnstrie kommen die Interessen andrer verwandter Industrien in Betracht. Für Papier- nnd Papierwaren sei Deutschland vorwiegend ein exportierendes Land. Die Industrie habe eine große Entwicklung aufzuweisen. Gegenüber de» in der Holzstoff- Fabrikation be- schäftigten 20 000' Arbeitern stehen Hunderttausende von Arbeitern der verwandten Industrien. Die Regierung könne nicht endgültig Stellung nehmen, bevor nicht das Plenum gesprochen habe. Einzelne Sätze dieses Abschnitts seien auch handelspolitisch zu ver- werten. Geheimrat Rodatz wendet sich gegen die Anträge auf Erhöhung der Tarifsätze. Hasse bedauert ebenfalls, daß eine so große Reihe von Posi- tionc» zur Beratung zusammengefaßt worden ist. Der Zoll wirke nicht mehr so schützend wie früher, der Satz von 1,25 M. komme dem frühere» von 1 M. gleich. Graf Kanitz spricht für höhere Zölle und meint, wenn immer gesagt werde, die Druckerei belästigen, heißt der Bildung Hemmnisse bereiten, so sage er, nicht immer wirke das bildend, was gedruckt werde, oft wirke eS verbildend.(Ironische Zustimmung.) Zu den Positionen 652 und 6 53 werden die Anträge Horn nnd Genossen angenommen, ebenso zu 654. 655 wird nach der Vorlage angenommen. Zu 656 wird der Antrag Horn nnd Genössen angenommen. 657 wird mit der Abänderung, daß da? Wort„Gemeines"(Packpapier) g c- st r i ch e n'wird. nach der Vorlage angenommen. 658 wird nach der Vorlage angenommen, ebenso die Anmerkung. Schluß 2''/e Uhr.' Nächste Sitzung: Freitag 9 Uhr. GeiuevKschrtftlidies. Berlin und Nmgcgend. Parkcttbodenlcger. Die Firma B a d m e h e r hat den Tarif anerkannt. Deutsches Reich. Zur Aussperrung im Baugewerbe Hamburgs. Die Unter- nehmer wollen von Frieden durchaus nichts wissen. Bekanntlich haben sowohl die Maurer wie die Bauarbeiter die von ihnen ver- hängten Sperren aufgehoben, um dadurch die- von den Unternehmern verlangte Vorbedingung zum Eintritt in Verhandlungen zn geben. Trotzdem also die Arbeiter bereits bis zuni äußersten nach- gegeben haben, lehnen cS die IKiternehmer auch jetzt noch ab, zn verhandeln. Nicht während der Bau- saison, sonder» n»r im Winter wollen sie sich zu Unterhandlungen herbeilassen, und dann auch nur auf Grund des bestehenden. das heißt derjenigen Arbeitsverhältnisse. die überhaupt nicht mehr bestehen würden, wenn die Innung ihr bekanntes Versprechen gehalten hätte. Als Vorwand zu ihrem feind- seligen Verhalten dient den Unternehmern der Umstand, daß die Zimmerer ihre Sperren noch nicht aufgehoben haben. Das ist natürlich nur eine leere Ausrede. Es kommt den Unternehmern nur darauf an, sich um die Erfüllung ihres Versprechens hcrumzu- drücken. Maurerstrcik in Guben. Von den 400 Streikenden sind 170 abgereist, und die in der Umgegend lvohncudcn Maurer werden zur Erntezeit ebenfalls abreisen, so das; dann nur die zur Kontrolle der Bauten erforderliche Anzahl von Streikenden am Ort bleibt. Es arbeiten jetzt nur 13 Poliere, 6 Gesellen und 36 Lehrlinge. Die Unternchmcr bemühe» sich. Arbeitswillige von außerhalb heranzu- ziehe», ivas bis jetzt allerdings nicht gelungen ist. nnd auch nicht ge- liiigcn wird, wenn die Maurer allerorts ein wachsames Auge haben. Zum Lohnkampfe im Baugewerbe Brauuschweigs beschloß am Dienstag eine Batthandwertervcrsnmmlnng, für jetzt von der Forderung, 53 Pf. für Dachdecker, Maurer nnd Zimmerer und 43 Pf. für Bauarbeiter. Abstand zu nehmen, wenn die Innung ihren Beschluß betreffs Lohnrednzierung anf die Anstellung durch ihre» Arbeits- Nachweis verzichtet. Der GcscNcnausschnß wird beauftragt, diescrhalb mit der Innung in Unterhandlung zn treten und über den Ausgang derselben in einer in den nächsten Tagen stattfindenden Versammlung Bericht zn erstatten. Bekanntlich hatten die Unternehmer beschlossen, eine allgemeine Lohnherabsetzung eintreten zn lassen, wenn bis zum 15. Juli die Arbeit nicht anf allen Bauten aufgenommen würde. Der vorstehende Beschluß der Arbeiter ist geeignet, die Differenzen beizulegen. Einst- weilen bestehen dieselben jedoch noch, und ist deshalb der Zuzug fernzuhalten. Die Sttcker iu Treuen haben wegen Lohndifferenzen die Arbeit eingestellt. Sie erkannten den von de» vereinigten Stickmaschincn- bcsitzcrn kürzlich veröffentlichte» Lohntarif nicht an. Sämtliche Ma- schincn stehe» still; nur in einem Geschäft wird weiter gearbeitet und nur nnlcr gewisse» Bedingungen. I» der Piauofortc-Fabrik von U r b a s u. R e i ß h a u e r in Cotta sind ernste Differenzen ausgebrochen. Die Beteiligten als auch die Organisation ersuchen bis anf weiteres Znzng nach jener Fabrik streng fernzuhalten. Achtung, Swccatenre, Gipser und Pliesterer! Die Firma Spieß in Chenmitz sucht für den Nenbnn des dortigen Central- Thealers in deutsche» und ausländischen Blättern Leute unter Zu- sicherung hoher Löhne. Zweck der Firma ist nur, eine Menge Stuccat'cnre nach Chemnitz zu ziehen, damit sie durch Ueberangebot von Arbeitskraft in die Lage komint, weniger bezahle» zu können, als durch Lohntarif festgelegt ist. Die Firma macht große Ver- sprechungen, läßt sich aber von jedem Ankommenden ihre berüchtigte Arbeitsordnung unterschreiben, so daß es fast unmöglich ist, die Firma selbst' durch Klage zur Erfüllung des Versprochenen zn zwingen. Zuzug von Angehörigen obiger Branchen muß also ver- mieden werden. Steinsetzer. Jni Betrieb des Steinsetzermeisters Müller in Chenmitz sind neuerdings Differenzen ausgebrochen, nachdem es den bei demselben beschäftigten Steinsetzern vor einigen Woche» durch einmütigen Widerstand gelungen war, die ihnen zugemutete Lohn- Herabsetzung abzuweisen. Es haben 12 Mann die Arbeit niedergelegt. Zuzug ist fernzuhalten. Der Lohnbewegung der Maurer in Elberfeld- Barmen habe» sich die Maurer in fast allen Orten des Wupper- t h a l e s angeschlossen. Die Grundlage der Bewegung ist die For- dcrung der 10 stündigen Arbeitszeit und eines Stundenlohnes von 50 Pf. Der Lohntarif soll alle» Unternehmern zugestellt und bis zum Ende dieses Monats ihrer Antwort entgegen gesehen iverden. Ausland. Streiks i» Galizicn. Das„Bureau Herold" berichtet aus Lemberg: In Podwolocziska streiken die Magazinarbcitcr.— In Jaworzei sind 1000 Bergarbeiter in den Streik ein- getreten.— In Gaje kam es zwischen streikenden und arbcits- willigen Feldarbeitern zu einem blutigen Kampfe. Kohlenarbcitcr-Streik in England. Die in den Kohlengruben der Distrikte Normanton, Castleford und Pontefract in Dorkshiro be- schäftigten jungen Hilfsarbeiter legten am Mittwochvormiltag plötzlich die Arbeit nieder, wodurch 10 000 Grubenarbeiter außer Thätigkeit gesetzt sind. Die Ursache des Streiks ist, daß die Arbeitgeber eine höhere als die kürzlich vereinbarte zehnprozentige Lohnherabsetzung vorgenommen Hadem Aus Fudulkvio und Haudet. Tie Dresdener Gardinen- und Spitzennianufaktur»erteilt filr das letzte.�»»r fünf Biviiate uinfasscade Geschäftsjahr»ach ge- wohnten Abschreibungen und Riiastelliingen von 83 000 13*/io Proz. Dividende p. r. t.(gegen 12 Proz. im Vonahre). Die schöne Dividende zeigt, wie dnrchmis notlvendig Zollerhohungen ans Tüll, Spitzen und Gardinen sind. Ncbcr die Lage der Sicgerländcr Hothofenwerke wird der Fachzcitting.Industrie" berichtet: Nachdem schon vor längerer Zeit die Maricirhülle in Eiscrfeld, Abteilung der Westfälischen Stahliverke in Bochuin, den zweiten Hochofen wieder in Betrieb genonunen hat, find kürzlich die Oese» der Sicgener Hütte, G. in. b. H. irr Siegen, und der Brachbachcr Hochofengelverkschnft in Brachbach wieder angeblasen. In den nächsten Tage» soll nun auch der dem Gnsistahlwerk Witten gehörende Hochofen der Germania- Hütte in Grevenbrück wieder in ftcucr gestellt werden. Dagegen haben die Gcisweider Eisenwerke in den' letzten Tagen ihren Hochofen niedergcblascn, während sie in dem von der früheren Firma Schleifenbäum, Steffe u. Neuser angekauften Puddel- und Walztverk den Betrieb wieder nnfgcnommcn haben. Die kürzlich nach Amerika zu erhöhtem Preise verkauften 16 000 Tonnen 20proz. Spiegcleiien haben nainentlich den Wissener Bergwerken und Hütten und der Charlottcnhütte sehr erivünschte Arbeit zugeführt. Hochofenbetrieb in Belgien. Während im rhcinisch-wcst- fälischen Jndnstricrcvier die Erzeugung von Roheisen im letzten talbjahr eilten Rückgang gegenüber dem ersten Scincsier des vorigen ahres auflveist, hat in Belgien die Rohciscnproduktion bedeutend zugenommen. Es tvarcli dort am 1. Juli 1902(im Vergleich mit 1901) von de» 39(41) bestehenden Hochöfen 30(20) im Betrieb und 9(21) aufier Betrieb. Die Thäligkeit in der Hüttenindustrie Belgiens hat sich demnach im laufenden Jahre dem vorigen gegenüber bedeutend gehoben. Von den angeblasenen Ocfen befaßten sich mit der Herstemnig von Frischerei- Roheisen 8(4) mit einer LcistüngS fähigkeit von 633 �343) Tonnen in 24 Stunden, von Gießerei-Roh eisen 4(3) mit einer solchen von 290(220) Tonnen, von Roheisen zur Stahlerzeugung 18(13) mit einer solchen von 2010(1380) Tonnen. Es sind dann auch insgesamt im letzten Halbjahr ca. 100 000 Tonnen Roheisen mehr produziert worden als in den ersten sechs Monaten des Vorjahres. SamoaS Handel im Jahre 1901. Wie Dentsch-OltafrikaS Handelsverkehr, dessen Ziffern ivir kürzlich brachten, ivcist auch der des deutschen Schutzgebietes Samo im Jahre 1901 einen Rückgang auf. Die Einfuhr»ach dorthin gestaltete sich im Etatsjahre 1901, verglichen mit 1900, dem Werte»ach wie folgt: Herkunft Deutschland......... Neuseeland, Australien, Fidschi-Inseln Vereinigle Staaten von Amerika.. Andre Länder......._._._ Zusammen.. 1901 1900 Wert in Mark 419 336 446 774 877 492 1 173 393 242 329 393 312 31 716 83 130 1 371 093 2 103 811 Die Ausfuhr von landlvirtschaftlichcn Erzcngniffen des Schutz- gcbictcs erreichte im Etatsjahre 1901 einen Wert von 1008 897 M. gegen 1263799 M. im vorhergehenden Jahre, hat also um 239902 M. abgenommen. An Koprah, dem weitaus wichtigsten Artikel der Aus- fuhr, ftelanaten im Jahre 1901 4376 Tonnen ini Werte von 960960M. jiu Berschiffnng gegen 6450 Tonnen im Werte von 1 237 750 M. im Vorjahre. Sociales. Ter badische Fabrikinspektor Dr. WöriShoffer ist von feiner Stellung als Leiter der badischcn Fnbrikinspektion zurück- getreten. Als Grund seines Rücktritts wird in der amtlichen Meldung sein leidender Gesundheitszustand genannt. Mit WöriShosfer scheidet ein Mann ans dem Dienste des Arbeiterschutzes, der stets der ehrenden Anerkennung der Arbeiter für seine Thäligkeit gewiss fein kann. Er hat zwar»urgethan, wasjcderFabrikinspcktorthunsollte, er hat seine Aufgabe, für Drirchführnng des gesetzlichen Arbciterschutzes zu sorgen, ernst genonunen und hat dabei einen freien Blick für die in der Arbeiterklasse lebenden moralischen und sittlichen Kräfte gezeigt, der ihn bestimmte, die Arbeiter als ivichtige» Faktor für die Durch- führnng des Arbeiterschntzes anzusehen, und er hat den Bestrebungen der Arbeiter auf Hebung ihrer Klasscnlage treffliches Verständnis cnt- gegengebracht. Das sollte, wie gesagt, jeder Fabrikinspektor. Leider fehlt eS den meisten der deutschen Fabrikinspektoren an allen dazu nötigen Eigenschaften und antzerdcm gehört unter nnfren bcutigcn politischen Verhältnissen für einen solchen Beamten eine gute Portion Mut dazu, so zu handeln, wie wir wünschen müssen, daß jeder Fabrikinspektor handelte. Dast Wöriöhoffcr es gethan, erwarb ihm seit langem die Sympathie der Arbeiter und sie wird ihm auch weiter betvahrt bleiben. Die allgemeine RrbcttSnachweiS-Rnstalt Köln giebt soeben ihren Jahresbericht heraus. Mehr noch als im Jahre vorher kommen in dem Bericht die Folgen des geschäftlichen Niederganges zum Ausdruck. In de» sechs Geschäftsjahre» bis 1900 war die Zahl der vermittelte» Stellen jährlich im Durchschnitt im« 3000 gestiegen. Ende Juni 1901 aber war die Zahl um 218, und jetzt, Ende Juni 1902, ist sie um 1439 zurückgegangen. Um ein klares Bild von der Lage des Arbeitsmarktcs i» Köln z» erhalten, innst man die Zahlen der männlichen Abteilung des Arbcitsnachtveises gc- sondert betrachten) den» gerade bei schlechtem Gcschästs�ang sind die Unternehmer geneigt, die männliche Arbeitskraft durch die ivohlfcilerc weibliche zu ersetzen. In der That ist die Zahl der verniitlellcn weiblichen Stellen bei der Kölner Anstalt genau im selbe» Matze wie früher gestiegen. Dagegen ging die Zahl der angebotenen Weib- lichcn Stellen, die noch im Jahre vorher ei» tvcnig gestiegen Ivar, um 634 zurück. Die Zahl der iveiblichen Arbeitsuchenden stieg in de» beide» Jahren des jetzigen Niedergänge» genau im selben Matze wie in den früheren Jahren, nämlich»m etwa 700. Sie betrug 8005. Die männliche Abteilung der Kölner Anstalt bietet ein geradezu erschreckendes Bild der Arbeitslosigkeit. Die Zahl der männlichen Arbeitsiicheuden st i e g nur nicht iveinger als 6798, während die Zahl der angebotenen Stellen um 2311 sank; gegen da? Jahr 1900 sank sie sogar um 3664. Im abgelaufene» Geschäft»- jähr verschoben sich die Zahlen des Kölner Arbeitsinarktes für die Männer deinnach um 9109 Stellen zu Ungunsten der Arbeit- suchenden. Die höchste Zahl der Arbeitslosen hatte der Monat Februar d. I., wo sich insgesamt 3690 Personen meldeten. Die Anstalt, die von der Stadt Köln unterhalten«ind von den Kölner Untcrnehnier- und Arbeiterorganisationen grmeinsam geleitet wird, vermittelt unentgeltlich. An Betriebe, Ivo gestreikt wird, vcr- inittelt sie nicht. Es' liefen im verflossenen Geschäftsjahr 68 962 Gesuche ein, wovon auf die männliche Abteilung 43 266 kommen. Von den 32 431 männlichen Arbcitsgesuchen hatten nur 12 480 Er- folg. Es wurden 97,23 Proz. der Gesuche von Arbeitgebern und 38,48 Proz. von Arbeitern befriedigt, gegen 97,01 und 57,32 Proz. im Jahre vorher. In der weiblichen Abteilung wurde» bei 7784 vermittelten Stellen 72,70 Pcoz. der Gesuche von Arbeitgebern und 96.73 Proz. der Arbeiter(!) befriedigt. In der männlichen Ab- teilung kamen auf 100 angebotene Stellen 232,7 Arbeitslose gegen 169,2 im vorigen und 144,6 im vorvorigen Jahre. Wie anS dem Bericht hervorgeht, ist von einer Wendung zum Besseren nichts zu merken. Arbciter-Aborte. Die Abort-Anlagen in Fabriken befinden sich, wie nnsre Leser leider ans eigner Erfahrung wissen, meist in einem Znstande, welcher die Arbeiter veranlatzt, nur ganz zwingenden Bedürfnissen nachzugeben und den Ort des Grausens sobald als möglich ivieder zu vcrlaffen. Nichtsdestoweniger ist gerade bei den Arbeitgebern, deren Abort-Anlagen am wenigsten den hygienischen und den Forderungen des AnstandeS und der Beyriemlichkeit ent sprechen, die Annahme verbreitet, die Arbeiter versäumten bei Be Nutzung dieser wenig reizvollen Ocrtlichkeiten nnniitzerweise Zeit— d i e Zeit, die doch dem Unternehmer gehört, der sie dem Arbeiter mit seinem schweren Gclde abgekauft hat. Für solche Fabrikinhaber, die dem Glanben huldigen, die Klosett-Anlage sei der beste Teil ihres Unternehmens und bedürfe noch dringend der Vcr schlcchtcrnng, hat eine Fabrik in Stratzburg eigens Abortbcckcn konstruiert'und sich ihre Idee— pateutamtlich schützen lassen. In dem Prospekt, den die Firma versendet, wird unter den„Vorzügen" dieses Beckens besonder» einer angepriesen mit den Worten:„Nicht allzu bequemes Sitze n, daher kein Zeitverlustl Uns hat eine Zeichnung des Beckens vorgelegen und wir mnffen sagen, der Fabrikant derselben hat nicht übertrieben, er hatte zum Lobe seiner Erfindung ruhig sagen können: „Sitzen nahezu ausgeschlossen!"— Das Becken zeigt hinten und vorn scharfe E i s e« r ä n d e r, nur an den Seiten sind diese mit Holzleisten verkleidet, die das Sitzen ermöglichen würden, wen» die Seitenwände des Beckens nicht nach vorn schräg abfielen. Der Arbeiter, welcher gezwungen ist, ein solches Klosett zu benutzen, mutz also die Fütze gegen den Boden stemmen, um nicht während der Verrichtung seiner Notdurft ins Rutschen zu geraten, dabei zwingt ihn eine am Vorderteil des Beckens angebrachte, stark aufsteigende eiserne Tülle, die Beine breit auseinanderzunehmen! Er ist dem Marterinstrument bei jeder„menschlichen Anwandlung" wider standsloS ausgeliefert.— Wir fürchten nur, bei der wirklich genialen Vollkommenheit dicseS modernen FoltcrstuhlS wird einer seiner angepriesenen Vorzüge schnell ins Gegenteil umschlagen. In dem Prospekt heitzt es nämlich auch:„Daransstehcn unmöglich— daher keine Bcschmntznng". Da aber„Daraufsitzcn" auch unmöglich ist, sind die Arbeiter schlietzlich gezwungen, sich daneben zu setzen; was das für Zustande herbeiführen mutz, tragen wir kaum anS- zudenken, geschweige denn anzudeuten. Die Gesellschaft siir sociale Reform hält am 21. und 22. Sep- tcmber ihre Generalversammlung in Köln ab. Dabei soll über die Herabsetzung der Arbeitszeit für Frauen und die Erhöhung des Schutzaltcrs für jugendliche Arbeiter verhandelt werde». Im Anschluß an diese Versammlung wird eine Delcgierteuversammlnng der inter- nationalen Bereinigung für gesetzlichen Arbeiterschntz stattfinden, die sich mit Frauen-Nachtnrbeit. gefährlichen Industrien und eventuell mit Unfallstatistik beschäftigen Ivird. Die Delegierten sollen auch die Kruppschen Werke in Essen besichtige». Hoffentlich unterrichten sie sich bei der Gelegenheit auch über den wahren Cha- rakter der Kruppschen„Wohlfahrts-Einrichtungcn", zum Beispiel der faniose» Pensiouskasse, die mehrfach von uns gekennzeichnet wurde; ebenso über die politische und gewerkschaftliche Unfreiheit der Arbeiter Krupps. Eine Maffendemonstration der Rlkoholgegner fand am Sonntag in Stockholm anläßlich des Weltkongresses des Gut- templcrordeuS und des nordischen NüchternheitS-Kougresfes statt. Am Demonstrationsznge, der sich am Nachmittag durch die Stadt bc- wegte, nahmen ca. 22 000 Personen teil. Die Zahl der auf dem Sanimclplatz Anivescndcn ivird auf 30 000 angegeben. Vrvfainmlttngen. Der Berel» zur Wahrung der Juteresseu'der Maurer hielt am Mittwoch im Lokal Audreasstratzc 21 seine General- Versammlung ab. Zunächst wurde die Abrechuung von» zweiten Quartal gegeben und dem Kassierer dann einstimmig Decharge er- teilt.— Als Revisor wurde Gabel getvählt.— Darauf berichtete Kater über die Verhandlungen, die mit der Organisation der Putzer wegen Abschaffung der Accord arbeit in» Putzergew erbe gepflogen wurden, und verurteilte eS. daß die Putzer es abgelehnt haben, dies gute Konjunktur hierzu auSzmmtze». Der Redner erklärte, daß die Vereinsmitglieder»ach tvie vor auf ihrem im Slaiut festgelegten Standpunkt beharren, und auch in Bezug auf Putzcrarbcit das Accordsystcm strikte ablehnen miitzlen. Mit der Organisation der Putzer solle nicht mehr verhandelt werde».— Sämtliche TiSkiissionsrcdiier äutzerlc» sich in gleichem Sinne.— Daun befahte sich die Bersammlnng mit dem Plan einer Lohn- bewegung zurErringnng dcs70Pfennig-Stunden- l o h n S. G e hl, der hierzu referierte, verurteilte das Verhalten des Verbandes und erklärte die in den von der Vcrbandslcitung herausgegebenen.Mitteiliingeii" gegen de» Verein gemachten Vorwürfe für nuzutreffend.— Nach einer im gleichen Sinne gehaltenen Dislnssion wurde die nachstehende Resolution einstimmig angenommen: „Die Generalversammlung schließt sich dem Beschluß der an» 2. Juli 1902 abgehaltenen ösicutlichen Berfa, mulnlig bezüglich der geplanten Lvhnfordenmg von 70 Pf. an. Sie erklärt sich mit der Haltimg des VercinSvoistandcs in dieser Frage durchaus einver- standeii und verpflichtet alle anwesende» Mitglieder, mit gewohnter Kraft für die Stärlung dcS Vereins nach allen Seiten hin ein- zutreten. Dagegen verwirft die Versammlung mit Entschiedenheit die Haltmig des Centralverbnndcs, durch deffcn Beschluß es unmöglich wurde, die geplante Lohnfordenmg von 70 Pf. zu stellen.— DeS weiteren nimmt die Versammlung Kenntnis von den Beniühimgen der Verbandsleitimg ihre diesbezügliche Handlung als durchaus gerechtfertigt hinzustellen, unser Vorhaben, die Löhne zu verbessern, dagegen als Provokation gegen den Verband zu bezeichnen, und spricht ihre ticsste Mitzachtimg ans gegenüber solcher Maxime." Weil die in der Vcrsammlimg in den Gcrinaniasälen gefaßte Rcioliilioii im„Vorwärts" nicht im Wortlaut wiedergegeben ist. soll bei der Pretzkommission Beschwerde eingelegt werden. Die centralorgnnisiertcu Bauarbeiter beschäftigten sich in der am Mittwoch abgehaltenen Bersaminlung ivieder sehr eingehend mit dem Stand ihrer Lohnbcwcgmig. Von den» Arbeilgeber- bnnd war noch keine Antivort auf daS letzte Schreiben der Lohnkommiisioii eingegangen, dafür aber empfiehlt daS Fach» Organ der Untcrnehnier, die„Bangewerks-Zeitnug", in der gegen- wältigen Bansaison offiziell alle Forderungen der Arbeiter abzu- lehnen. In dringenden Fällen, wo e« nicht anders zu machen sei, könne man ja iiorübergcb.-i'd die Forderimg«» bewilligen, doch sobald der Zeitpunkt günstig erscheine, empfehle eS sich für den einzelnen Unternehmer, sofort wieder die Bewilligimg zurückzuziehen.— Ju Anbetracht der schwierigen OrganisationS- Verhältnisse uiitcr den Bauarbeitern empfiehlt die Ortiverivallnng. die bis jetzt so erfolgreich gewesene Taktik des geiverkichaftlichc» Kleinkrieges auch fernerhin fortzusetzen. Um ein energischcs Bor- gehcn aiif einer Anzahl weiterer Bauten zu veranlassen, stimmte die Versammlung einer Resolution zu. deren SchlutzpassuS besagt: Auf Bauten, woselbst die Mehrheit der beschäftigten Arbeiter Mitglieder der Organisation sind, haben diese unter allen Umständen die Forde- rung zu stellen, lvidrigeiifalls sie vom Verbände zur Verautlvortung gezogen würden. Der Konflikt im Schlächtergewerbe, der wegen der Ignorierung des GesellenanSichlisieS und der Dnrchführnng de« eintägigen Ar- beilsverhältiiisscs seitens der Innung sowie wegen der Verlegung des Stellenwechsels und der Regelung der Arbeitsvermittelung aus- gebrochen ist, beschäftigte eine am 16. Juli abgehaltene, von allen Gesellenlorporationcii aber»ur mäßig besuchte Fleischergesellen- Versammlung. Die AuSeinaiidcrsetzimgen hierüber waren ziemlich ausgedehnter Natur. Man einigte sich schließlich ans folgende ein- stimmig angenommene Resolution:„Die heutige Versammlung der Fleischergesellen wendet sich ganz entschied«» gegen das Ansinnen der Innung, das tägliche Arbeitsverhällm« durchzuführen und ver- pflichtet deshalb. alle Kollegen, bei keinen, Meister in Arbeit z» treten, welcher dieS Verlangen stellt. Außerdem werden die Kollegen aufgefordert, diese Meister der Verbandsleitung der Gesellen zn melden, damit deren Gebahrcn der Oeffentlichkeit preisgegeben werden kann." Die Versammlung bcanftragte noch die Leitung des CciitralverbandeS mit det, neben der Innung bestehenden Meister- korporationen in Verhandlungen einzutreten, zwecks Verlegung des Stellenwechsels. Ferner wurde bekannt gegeben, daß der JnnungS« beschluß betreffend die Einsetzimg des bisherigen privaten Stellen- vermittelerS Dräbert als Sprechmcister der Jmiiing durch die Gewerbedcplitation aufgehoben worden ist, da auch hier bei der Be-- ichlutzfassung der Gesellenausschnß nicht zugezogen worden war. Wie es heißt, sollen sich die Jimungsmeister nunmehr an den NcgierimgSpräsidenten gewandt haben, um die Bestätigung ihres Be- schlusses zu erlangen. Die Generalversammlung deS Vereins der Schuhmacher (Filiale Berlin) fand ani 16. d. M. im Gewerkschafishaufe statt. Herrmann erstattete den Geschäfts- und Kaffenbericht für das zweite Quartal 1902. Die Einnahm« der Centrallasse betrug 2916,10 M., die Einnahme der Lokalkasse 1679,03 M.. daS angelegte Kapital und der Kassenbestand 1736,24 M. Die Mitgliederzahl ist auf 1623 ge- stiegen; neu aufgenommen wurden 139 Mitglieder. Nicht nur die Mitgliedcrzahl, sondern auch die Einnahmen haben die Ziffen, aller früheren Quartale überschritten. Diese Erfolge sind in erster Linie der, durch aushilfsweise Einstellung eines Kollegen er- möglichten intensiven Hausagitation unter den Heimarbeitern zuzu- schreiben. Es wurde deshalb,' nachdem dem Kassierer Decharge erteilt war, auf Antrag der Ortsverlvaltung zur weiteren Durchführung der HauSagitation die Aushilfe auf ein weiteres Quartal genehmigt. Ebenso wurde ein Antrag der kombinierten Vertrauensmänner- Sitzung:„über die obligatorische Einführung des Lokalfonds-Bei- träges' eine Urabstiminung vorzunehmen" angenommen. DaS Odk- gatorium soll von einer Zwcidrittel-Majorität abhängig gemacht werde». Centralverband der Civilmusiker Deutschlands(Orts- Verwaltung Berlin). Die hiesige Ortsverlvaltung hielt am 11. Juli eine außerordentliche Mitgliederversammlung ab. Neu aufgenommen wurden nenn Kollegen. In die Kommission zur Bekämpfung der Privatmnsikerbörscn wurden Schmager, Tenert und Jusko gewählt. Die Statutenkommission wurde durch den Kollegen Kummer ergänzt. An Stelle des Revisors Vogel, welcher sein Amt niedergelegt hat. wurde Schmager gewählt. Dem Revisor Wetzel wurde sein Amt abgenommen und dafür Winkler ernannt. Hierauf gab der Kaisierer Kollege Garlmann den Kassenbericht vom zweiten Quartal 1902, welcher trotz erhöhter Beiträge sehr migünstig lautet Zu dem im September staltfindeiiden VerbandStag liegen fünf von och gestellte Anträge vor, welche sämtlicki angenommen werden. on allgemeinem Interesse ist darunter ein Antrag, der besagt, daß Mitglieder, welche eine Nebenbeschästiaung betreiben, sich der etwa bestehenden Organisation dieses Nebenberufes anzuschließen haben. Ter Verband der Lagerhalter und Lagerhalteriune« Deutschlands(Zahlstelle Berlin und Umgegend) hielt am 13. d. M. eine außerordentliche Mitgliederversammlung ab. Zum ersten Punkt der Tagesordnung:„Stellungnahme und Beschliißfassiing über den von den Konsumvereins- Verivaltimgen ausgearbeiteten Lagerhalter- Vertrag" wurde nach einer regen Aussprache folgende Resolution einstimmig angenommen:„Die Versammelten verpflichten sich, keinen Vertrag eher aiizuerkennen und zu unterzeichnen, als bis die Regelung dieser Frage gemeinschaftlich zwischen den Verwaltungen und den Vertretern unsrcr Organisation erfolgt ist. Die Vertrauens- leutc der vereine werden beauftragt, jeden Versuch einer ander- weitigen Regelung sofort der Ortsverwaltimg des Bezirkes zu melden." Waibmannsluft. Am Sonntag findet bei A Kuhn eine öffentliche Kewerkschaftsversaiumliiiig statt. H. Schubert spricht über:„Der Kampf ums Dasein". Urhke ItachviiTxken srnfc Depeschen. Der armenische Kongres?. Brüssel, 17. Juli.v i e General B u l l e r von, K r i e g S m i in- t e r i u in behandelt worden sei. Redner beklagt sich darüber, iah General Bnller durch Veröffentlichung einzeln ausgesuchter Telegramme in eine schiefe Lage gebracht sei. Alle Papiere, welche für ihn ungünstig seien, seien vom Kriegsministeriiim veröffentlicht worden, die Dokumente, deren General Buller zu seiner Ver» teidigung bedürfe, aber nicht. Kriegsininistcr B r o d r i ck nimmt daS Wort zur Entgegnung. Er bedauere, daß der Fall Bnller hier zum Gegenstand der Debatte gemacht worden sei. Die Regierung habe sich von keinerlei Vorurteil gegen General Bnller bestimmen lassen, im Gegenteil, fie habe sich sogar zu einer zn großen Rücksichtnahme auf ihn leiten lassen. Was das Heliogramm betreffe, in welchem General Bnller nach der Schlacht bei Eolenso dem General White zur Uebergabe geraten habe, so müsse er sagen, daß dieses Heliogramm so außergewöhnlicher Art gewesen sei. daß die in Lady- smith Eingeschlossenen geglaubt hätten, die Mitteilung sei ihnen von den Boereii gemacht worden, welche in den Besitz des ChiffrenschlüsselS gekommen seien. Weitere Dokumente könne die Regierung nicht ver- öffentlichen. Keine weitere Veröffentlichung könne serner die Thatsache entschuldigen, daß am Spionkop ein Fehler nach den, andren be- gangen lvurdc. Weshalb heliographierte Bnller nach de». Tage von Eolenso an General White die Frage, wie lange er sich noch halten könne, obwohl er noch wenige Tage vorher von White die Mit- teilung erhalten hatte, daß er noch Vorräte für siebzig Tage habe und sich so lange halten könne? Nach der Schlacht bei Eolenso sei General Buller nur auS /dem Grunde nicht abberufen worden, weil kein andrer Offizier in Südafrika verfügbar war, der ihn hätte ersetzen können. Campbell B a nn e rm a n legt dar, man hege im Lande das Gefühl, daß General Bnller nicht recht behandelt worden sei. Nach längerer lebhafter Debatte, in welcher Lord Hnah Cecil und andre Mitglieder der konservativen Partei das Verhalten des KriegSminislerinmS scharf kritisierten, wird der Antrag Brey mit 236 gegen 98 Stimme» abgelehnt. «uS München berichtet die„Franks. Ztg." unterm 17. Juli. daß der K u l t u S m i» l st e r von L a n v m a n n als R e- gierungSpräsident für Niederbayer n in Aussicht ge- nommeu ist. Paris, 17. Juli.(W. T. B.) Slls heute vormittag Schüler der Militärschule von Saint-Cyr die Artilleric-Werlstätten von Puteaux besichtigten, entlud sich durch einen Zufall das Ge. schoß cinerMitrailleuse. Zwei Schüler wurdei, au, Schenkel getroffen.._ Verantwortlicher Redacteur: Carl Leid in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Verlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. Hierzu 1 Beilage u. UnterhalinngSblatt. Jlr. 165. 19. icilagc dks„Wimrls" fnin MsdlÄ Itritiis, 18. Inli 1902. Narkri-Nwchviiszkc«. Von der Portciprcsse. In die Redaktion der„Bergischen Arbeilerstinune" in Solinqcn im Rheinland tritt der Genosse Wilh. Dittmann, der seit drei Jahren Redacteur an der„Nordd. Volks stimme" in Bremerhaven ist, mit dem 1. Angnst d. I. ein. Die erste Arbcitcrouöstrllnng in Prag bittet die Redaktionen aller deutschen Arbeiterzeitungen»m Cinsendung ihrer Maifestnummern für 1802 an die Adresse: Erste Arbeiterau-Zstellung in Prag(.Pnnii deluickä yystava v Praze) No. 1959— II. Der Fortschritt der Soeialdcmokraten in Schweden. Der Vorstand der socialdemokratischcn Partei Schivedcns hat dieser Tage seinen Bericht über das Jahr 1991 herausgegeben. Auch diesmal hat die Partei iviedernm eine beachtenswerte Zunahme an Mitgliedern zn verzeichnen. Am Schlüsse des Jahres 1900 zählte sie in 75 Arbciterkommunen zusamnien 44 100 Mitglieder, 1901 in 79 Arbcitcrkoinmunen 4S 241 Mitglieder, also innerhalb eines Jahres eine Zunahme von 4141 Mitgliedern. 8 Parteigenossen haben im Laufe des Jahres im Auftrage des Vorstandes die ver- schiedencn Teile des Landes zwecks Agitation bereist. Zwei Flug- blntter zur Wahlrechtsfrage wurden in Auslagen von 100000 Exemplaren verbreitet. Die wissenschaftlich socialistische Littcratnr in schwedischer Sprache wurde durch eine im Parleiverlag erschienene Uebersetzung von„Engels. Von der Utopie zur Wissenschaft" von Hjalmar Branting, bereichert.— Die von der Partei heraus- gegebenen Zeitschriften haben starken Absatz gefunden; das in der letzten Hälfte des Jahres begründete Witzblatt„Karbasen" hat bereits � einen grasten Leserkreis.— Trotz des erbärmlichen Wahlsystems gelang es im verflossenen Jahre einen Partei- genossen in Gefla und zivei in Malmö in die Gemeinde« Vertretung zr» wühlen.— Das Jahr 1901 war für die Socialdemokratie Schwedens von großer Bedentung. Die Entschiedenheit und Einigkeit, mit der die Partei zu den großen politischen Fragen, namentlich aber zu der Wahlrcchtsfrage, Stellung genommen hat, brachte den Gegnern Respekt bei und nötigte ihnen die Ncbcrzeugung auf, dast die Arbeiterpartei ein eiuflustreichcr Faktor im politische» und wirtschaftlichen Leben deS Landes ge- lvorden ist.— Berliner Partei-Angelegenheiten. Die Parteigenossen der Schönhauser Borstadt veranstalten am Sonntag, den 20. Juli, in den Lokalen„Jägerhaus" und „Schönhauser Vollsgarten", Schönhauser Allee 101— 103, ein Sommer- fest. Das Programm, bestehend in Konzert, Gesaug, Reigenfahrcn, turnerischen Aufführungen, Kiuderbelustigunge», Feucriverk ec., verspricht einen genustreichen Sonntag und könne»»vir den Besuch des- selben bei dein niedrigen Eintrittspreis von 20 Pf. nur einpfehlen. Das Komitee. Sechster Wahlkreis. Dienstag, den 22. Juli, abends 8 Uhr, findet in de» Gcrinania-Sälen, Chansseestr. 103, eine öffentliche P a r t e i v e r s a mm l u u g mit folgender Tages- ordnung statt: 1. Bericht der Vertrauensleute und Neuwahl derselben. 2. Vortrag des Nteichstags-Abgcorducten Rosen o w über:„Der Kampf der Arbeiterklasse mit dem Junkertum". 3. Diskussion. Ilm zahlreiches Erscheinen ersuchen Die Vertrauensleute. Fricdrichshage». Der Arbeiter-Bildungsverein hält am Sonnabend, den 19. Inli, abends 9 Uhr. im Lokale des Herrn K a s n b k e, Friedrichstr. 61, seine General- Versam in l u n g ab. Auf der Tagesordnung stehen: 1. Bericht des Vorstandes, der Bibliothckkommission und der Revisoren. 2. Neu- Wahl des Vorstandes, der Bibliotheklommission und der Revisoren. 3. Wahl von Delegierten zur Kreiskonfercnz. 4. Vereinsaugelegeu- heilen. In Anbetracht der wichtigen Tagesordnung ersucht der Vor- stand um recht zahlreiches Erscheinen. Grünau. Der Wahlverein hält Sonnabend 9 llhr bei Gecke, Köpnickerstr. 88. seine Versammlung ab, in welcher Genosse Kiesel über Friedrich Schiller spricht. Gäste, auch Frauen, haben Zutritt. Ein Waldfcst veranstalten die Parteigenossen von Wilmers- dort übermorgen, Sonntag, in dem herrlich am Rande des Grüne- Wäldes gelegenen Wirtshaus z n m Schwan, Schmargendorf, Dclbrüclstraste. Der schöne graste Garten des Lokals ist weit und breit bekannt; die Veranstalter des Festes, sowie der Wirt haben alles aufgeboten, um den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen. Karten im Voraus kosten nur 20 Pf. Spandau. Sein diesjähriges Sommerfest begeht der Social- demokratische Arbeiterverein am kommenden Sonntag in Testnows Volksgartcn zn Hakenfclde. TaS Fcstprogramni ist ein sehr reich- haltiges und verspricht den Teilnehmern deS Festes einen guten Genug. Da auf dem Feslplatze keine Billcts verkauft werde» dürfen, werden die Genossen dringend gebeten, sich vorher mit Eintrittskarten zu versorgen. Zfolmles. Ein überraschendes Ergebnis hat eine von der Wirtschafts- Genossenschaft der Berliner Bäckermeister insgeheim angestellte Hefe- Kontrolle gehabt. Die Wirtschasts-Geiiosseiischast hatte von verschiedenen Fabrikanten und Händlern unter der Hand Probe-Pakele ans- gekauft und liest dieselben chemisch untersuchen. TaS Ergebnis der Nntersnchung>var, dast sich die Mehrzahl der Proben als Verfäl« schlingen erwiesen. Die Hefe war mit billigen Surrogaten, ivie Kar- tosselniehl»nd Bielhesc vermengt, wurde aber als reine Hefe in Handel gebracht. Nachdem die Staatsanwaltschaft von den statt- gehabten Fälschungen in Kenntnis gesetzt worden ist. hat die Wirt- schafis-Genossenschaft beschlossen, eine dauernde Geheimkontrolle über die in Berlin zum Verkauf gelangende Hefe ciuznsühren. Beamten-Wohnhnuscr nni Prcnzkanrr Thor. Das fiskalische Grundstück vor dem Prenzlauer Thor, worauf sich bisher der groß« Exerzielplatz des Garde- Alexander- Reginients befand und das seit Verlegung der Alexander-Kaserne an» der Alexandcr-straste nach dem Knpfergraben an Privatleute vermietet ivar, soll der Bebauung er- schlössen werde». Der Fiskus hat das Gelände unter sehr günstige» Bedingungen dem Beamtenwohnuugs-Vcrein zur Errichtung lleiuerer Wohnungen abgetreten. Die bei dein Eiscnbahn-Ungliick auf der Militär-Feldbahn bei Clansdorf zu Schaden gekommenen Soldaten befinden sich sämt- lich auf dem Wege der Besserung. Sie dürften zum Teil schon in den nächsten Tagen ans den, Garnison-Lnzarett in Tcmpelhof cnt- lasse» werden und nur drei Mann, welche Knochcnbrüche erlitten. werden noch mehrere Wochen im Krankenhanse verbleiben müssen. Wie die amtliche Untersuchung bezüglich der Ursache des Unfalls ergeben hat, trifft an dem Unglück niemand ein Verschulden. Die Bahnstrecke ivar schon vielfach von Arbcitszügen befahren worden, ohne dast eine Störung des Betriebes eingetreten ivar. sEin Gerücht, nach welchem schon am Somiabcndmiltng bei einem gleichartigen Unfall zivei Soldaten verletzt lvorden sein sollen, ist dadurch hervor- gerufen, dast zivei Soldaten beim Tragen von Eiscubahiiscknvcllen diese plötzlich fallen liesten und hierbei Kontusionen erlitten.) Die durch den Forst führende Bahnstrecke loar ordnungs- gemäst freigelegt. Vermutlich war der starke Ast eines Baumes durch die Windböcn am vorhergehenden Tage eingeknickt und halte sich derartig gesenkt, dast seine Zweige die keineswegs übermästig hohe Ladung des Eisenbahnwagens«sastten und, in dem Schienenlager s hängen bleibend, dieses verschoben. Der Führer der kleinen Feld- lokomotive konnte die Gefahr nmsoiveniger erkennen, als der fragliche Baumast bedeutend über die Schornsteinhöhe der Maschine hinaus- ragte. Erwähnt sei, dast die Bahnlinie, auf welcher der Unfall passierte, völlig abseits von der für das Publikum zur Beförderung zugelassenen Militär-Bahnlinie Schöneberg-Jüterbog liegt und mit jener absolut nicht in Berührung kommt. Aehnliche Unfälle sind auf dieser vollständig frei liegenden Bahnstrecke vollständig aus- geschlossen. Durch einen Sturz vom Wage» tödlich verunglückt ist der 27 Jahre alte Kutscher Heinrich Bandelt ans der Kreuzigerstr. 9 zu Friedrichsberg. Der Mann fiel Dienstagabend im Norden der Stadt von seinem eignen Wagen herab und wurde mit einer schweren Kopfverletzung nach der CharitS gebracht, nachdem er auf der Unfallstation in der Eichendorffstraste einen Verband erhalten hatte. Vor- gestern nachmittag starb er an Gehirnzerlrümmerung und Blutung im Schädel. Vom Briefträger tot anfgefiniden wurde gestern morgen um 8 Uhr der 64 Jahre alte Handelsmann und Almosenempfänger Georg Kallmann, der seit einem halben Jahre in der Kleinen Markusstraste Nr. 4 ivohnte. Der alte Mann war etwas sonderlich und ivollte sich von niemand bedienen lassen, obwohl er kränkelte. Die Hausgenossen hatten ihn schon seit vier Tagen nicht mehr ge- sehen. Als ihm der Postbote gestern morgen einen eingeschriebenen Brief von Vertvandten bringen wollte, fand er ihn in der nicht ver- schlossenen Stube mit der Kleidung tot auf dem Bette liegen. Unbekannt grstorbe» sind zivei Männer, der eine im Kranken- Hans, der andre im Wasser. Jener erkrankte ain Sonntagabend im Asyl für Obdachlose. Er ist etwa 55 bis 60 Jahre alt, 1,67 Centi- meter groh und kräftig gebaut. Der Unbekannte, der ivohl ein Hausierer ivar, ging a»., einem eichenen Krückstock und hatte«ine Cigarrenkiste mit einigen Ansichtskarten, Kragenknöpfen und Blei- stiften bei sich.— Der Ertrunkene der am' Zieten-Ufer gelandet ivurde, sprang in der vergangenen Nacht mn 1 Uhr von der Ober- baumbrücke i» die Spree. Als Schiffer, die ihn zu retten versuchten, ihn mit einem Bootshaken sastten und aus dem Wasser zogen, war er schon tot. Er ist ein großer Mann von etwa 35 Jahren mit blondem Haar und Vollbart. AlS Leiche wicdergcfnuden wurde ein ehemaliger China- Krieger, den nia» seit Freitagabend verniistte, der 24 Jahre alte Sieiiidrucker Otto Dzelsky, der bei seiner Mutter, einer Witwe, in der Boyenstr. 38 wohnte. Der junge Mann diente beim 107. In- fmtteric-Rcgiment in Sachsen, machte die Expedition nach China als Frciivi Niger im 4. ostasiatischcn Jnfnnteric-Regiment mit und kehrte am 3. November v. Js. gesund nach Berlin zurück. Hier fand er gute Arbeit in einem' Geschäft i» der Alexanderstr. 31. Am Freitag feierte er dort in einer Gastivirtschaft auf demselben Grundstück mit einigen BerufSgcnosse» seinen Geburtstag. Um Ufte Uhr ging er angetrunken iveg, um seine Wohnung aufzusuchen. Seitdem ivurde er vcrmistt. Vorgestern nachmittag trieb eine Leiche in der Spree an der königlichen Klinik vorbei und wurde unter einem großen Zulauf von Menschen an der Weidendammer Brücke mit einem Kahn gelandet. In de» Kleidertaschcn fand man eine silberne chinesische Uhr, die zur Fcststellnng der Persönlichkeit den ersten An- halt gab. Der Ertrunkene ist Dzelsky, der nach seiner Geburtstags- feier in der Aiigetrnnkenheit vernngliickt sein muß, da er zum Selbst« mord nicht die geringste Veranlassmig hatte. Berliner RettungSgesellschaft. Da es noch innner vorkommt, daß vermißte Personen von ihren Angehörigen in allen Kranken- hänser» Berlins und der Nachbargcmeindcn persönlich gesucht iverden, so machen wir darauf aufmerksam, daß es für alle solche Fälle nur eines Anrufes der Centrale der Berliner Rettniigs- gesellfchaft(A m t III, 1960) bedarf, um in etwa V4 Stunde festzustellen, ob der Verniistte in irgend einem der genannten Kranken- hänser zu irgend einer Zeit Aufnahme gefunden hat. Eine Tierqnälcrci erregte bei dem Brande auf dem Grund- stücke Schlesischcfir. 13 allgemeinen Unwille». Wie schon berichtet, brannte der Stall und erlitten zwei Pferde sehr erhebliche Brand- ivlinde». Das eine Tier ivar am Kopf schrecklich verbrannt und ninst entsetzliche Qualen ausgestanden haben. Der Besitzer konnte die Tötung nicht verfüge», er mußte die Vertreter der Versicherung und den Tierarzt abwarten und so mnstte das Tier 3 Stunden stehen, ehe es von seine» Quaken erlöst Ivurde. Die Borstcllnngc,, i», BeNealliance- Theater sind ans An- ordnung der Polizeibehörde aus baupolizeiliche» Rücksichten unter- sagt. Die Direktion des Theaters bemüht sich, während der Aus- führnng der baulichen Veränderungen eine andre Bühne für ihr Repertoire zn gewinnen. BolkStiimlichc Konzerte für Schüler und Schiilerinne» der Berliner Schulen werden für nächsten Winter von privater Seite geplant. Die Anrcgnng dazu ist nuS Mnsikerkreisen gekommen und ist von der Lehrerschaft sreundlich anfgcnommen lvorden. Der „Berliner Lehrervereiu" sowie dessen„Litterarische Vereinigung" haben sich zustimmend geäußert. Beabsichtigt sind 6—3 Konzerte für Vokal- und Jiistriimentalninsik, die a» den Sonilabendnachniittagcn von 3—�/25 Uhr in der Philharmonie oder in der Singakademie unter Mitwirkmig von Künstlern und guten Chören veranstaltet iverden sollen. Den Kindern soll nur Musik, die ihnen verständlich sein kann, geboten werden, unter Bevorzug»»,, von Volksliedern und von Komposilivnen der in der Schule gelernten Gedichte. Die Veranstaltnng ist kein geschäftliches Unternehme», doch läßt eS sich nicht durchführen, die Konzerte nncntgeltlich zu gebe». Man hofft mit einem Eintrittsgeld von 30 Pf.(emschliestlich Pro- gramnl) die Unkosten decken zu können. Fenerbcricht. Ein größerer Brand entstand in der Nacht zum Donnerstag in dem Lagcrkeller der Fabrik für Glanzwichse von Sauber. Älexnndrinenstr. 53. Die Ablöschnng gestaltete sich iiifolge starker Verqnalmnng schwierig, so daß die Löschmannschaften»»r mühsam zum Brandherde vordringe» konnten. Der verursachte Schaden ist nicht erheblich. Kurz darauf brannte Chausscestr. 83 die Sfbaldeck«. Am Kottbnscr Damm 24 nuißte ein Küchenbrnnd und Hollmannstr. 14 ein Kellcrbrand beseitigt werde». Mittivoch- iiachnnttag hatte die Wehr an der Möckernbrücke ein Pferd aus dem Kanal heranszuholen und gleichzeitig Liitzolvstr. 108 einen verflogenen Bienenschivarm einzufange». Aus de» Nachbarorte««. Die Beseitigung deS SteasienhandelS strebt eine Polizei- Verordnung an, welche vor einiger Zeit in Rixdorf erlassen worden st. Sie verbietet den Handel auf allen verkehrsreichen Strasten und läßt ihn auch in den übrigen Straßen nur insoweit zn,.als die den Handel betreibende Person die Verkanfsgegenstände in einem Be« Hölter(Korb zc.) führen ninst, den sie selber tragen kann. Gegen die Gültigkeit dieser Polizeiverordnung ist nun von Jnterefsenten der Klageweg beschritten worden. Die Polizeibehörde und der Magistrat sind ersucht lvorden. bis zur Erledigung der Klage diese Polizeiverordnung außer Kraft zn setzen. Eine l&Seiplinar- Untersuchung ist nuf Veranlassung des Landrats des Kreises Teltow v. Stnbeiirauch sowohl gegen den Amts- Vorsteher von Britz Regling wie auch gegen dessen Sekretär Baar ein- geleitet lvorden. Diese Affaire erregt in Britz nmsouiehr Anfschen, als in dicselbe auch ein in der erste» Klasse gcivählter Gemeinde« Vertreter verwickelt ist. Veranlassung zur Einleitung der DiSciplinar« imtersucknmg gab eine am 21. Mai d. I. vor der 1. Strafkannner des Landgerichls II stattgehabte Gerichtsverhandlung, i» ivelcher sich mehrere Personen wegen angeblich betrügerischer Manipulationen bei einem Griindstücksverkanf zu verantworten hatten, aber frei» gesprochen wurden. Vor Gericht Ivar u. a. auch behauptet lvorden, daß der Amtsvorstehcr Regling und der Sekretär Baar für Hilfe- leistnng beim Verkaufe des betreffenden Grundstücks Gratifikationen in Höhe von 1000 M. bezw. 500 M. erhalten hätten. Durch den Syndikus des Kreisansschusses Borgmann haben in dieser Sache bereits eidliche Vernehmungen stattgefmiden. Vom Grundbesitzwechsel iu Charlottcnbnrg. DieJmmobilie»- Umsatzstclier bietet Gelegenheit, den Grundbesitzwechsel statistisch zu erfassen. Im Jahre 1901 ist bei den bebauten Grundstücken 268 mal ein Wechsel vorgekommen, und zwar 207 mal durch Verkäufe, 37 mal durch Zwangsversteigerungen, 24 mal durch Tanschverträge. Von unbebauten Grundstücken haben 126 durch Verkauf und 3 durch Zwangsversteigerung ihren Besitzer gewechselt. Dabei ist die Zahl der Verläufe, ivelche bei den bebnuten Grundstücken von 155 im Jahre 1897 bis 256 im Jahre 1900 gestiegen ivar, 1901 auf 207 zurückgegangen. Bei den unbebauten Grundstücken trat dieser Rückgang schon 1901 ein. Auch die Zwangs- Versteigerungen sind von 83 im Jahre 1897 bis 21 im Jahre 1900 gesunken, 1901 auf 37 gestiegen. Im ganzen belief sich der Umsatz auf 78fts Millionen Mark gegen 82 Millionen im Jahre vorher und 100 Millionen im Jahre 1899. Hierbei ivaren die bebauten Grnnd- stücke mit 62,7 bezw. 62,8 bezw. 64,2 Millionen vertreten. Der Wert der Verkäufe betrug 255,88 M, pro Qnadratnieter bebauter Fläche. Der gemeine Wert dieser Flächen loar mn 13,5 Proz. niedriger. Bei den Zwangsversteigerungen stand der gemeine Wert»nn 7,27 Proz. höher als das Meistgebot. GevictzkS--Jeitunq» Kurpfuscherei. Die vierte Strafkammer des Landgerichts I hatte sich gestern ivieder mit einer Anklage wegen unlauteren Weit- bciverbes' zn beschäftigen, die sich auf dein Gebiete der Kur- Pfuscherei bewegte. Der.Privatgelehrte' Friedrich Henke, welcher sich niit der Heilung von Krankheiten befaßt, soll in den ihm veröffentlichten Prospekten und Zeitungsannoncen weit mehr versprochen habe», als er zu halten im stände gewesen sein soll. Der Angeklagte bestritt dies. Er habe nur gesagt, dast er schon Erfolge erzielt habe in Fällen, in denen die Kniist der Aerzte versagt habe, und dies entspreche, wie er beweisen könne, der Wahrheit. Er sei Homöopath und verdanke seine Kenntnisse dem Selbststndilim, wie es bei der Homöopathie recht gut angängig sei. Der gerichtliche Sachverständige, Physikus Dr. Störmer, begutachtete, dast die Vorbildung des Angeklagten nicht im geringsten ausreiche, um die ärztliche Kunst auszuüben, geschweige denn solche Erfolge in Aussicht zu stellen, Ivie es von ihm in den Annoncen geschehen sei. Der Staatsanwalt bezeichnete da? Treiben derartiger Heilkundigen, ivie der Angeklagte einer sei, als ein allgemein schädliches, dem mit Entschiedenheit entgegengetreten iverden müsse. Wenn derartige Personen Erfolge in vereinzelten Fälle» erzielten, was nicht bestritten werden solle, so geschehe dies durch Suggestion oder durch Diätanordnnng. Der Stnatsamvält be- nntragte gegen den Angeklagten eine Geldstrafe von 300 M. Der Gerichtshof' konnte nicht zu' der Ueberzeugnng kommen, dast in der Reklame des Angeklagten, der mir die Kranken auffordere, selbst in schweren Fällen einen' Versuch mit seiner Heilincihodo zu machen, ein Verstoß gegen das Gesetz betr. de» unlauteren Wettbewerb zu finden sei und fällte deshalb ein freisprechendes Urteil. Ei» schlechter Witz hat dem Schankwirt Stritzkowskh eine Anklage wegen Sachbeschädigung und durch schöffengerichtliches Erkenntnis eine Veriirtcilmig zn 60 M. Geldstrafe eingetragen. An einem Februar-Abend besuchte der verkrüppelte Invalide Napp mit einem Phonographen das Lokal des Angeklagten und erhielt die Erlanbuis, de» Apparat hören zu lassen. Die Gäste waren mit der gebotenen Leistung zufrieden, nicht aber der Wirt, der höhere Ansprüche stellte. Er nahm den grosten Schnaps, den der Angeklagte sich bestellt hatte, und goß ihn mit den Worten: „So, wir ivollen mal sehen, ob er jetzt besser spielt." auf de» Apparat. Das Mittel zeigte sich als völlig verfehlt. Der Apparat wurde durch den ungelvohiiten Schnapsgenust arg verstimmt. Er gab Töne von sich, die von einem Mann her- zurnhren schienen, der sich vor Entsetzen fortwährend schiittele. Der arme Invalide jainmerte im« seinen Apparat, den er in Zukimft nicht mehr vorführe» konnte. Der Angeklagte bot ihm zwar eine Entschädigmig von 20 Pfennigen und'dann von einer Mark, der Invalide wies dies Anerbieten mit Entrüstung zurück. Im gestrigen Termine vor der zweiten Instanz bemühte der Angeklagte sich, den Nachweis z» liefern, daß er den Schnaps nur habe beiseite stelle» wollen. Dabei sei er von einem der nmstehenden Gäste an � de» Ann gestoßen worden und der Inhalt des Glases in den Trichter gerate». Die BewciSanfnahme liest ihn arg im Stich, weshalb seine Berufung verworfen wurde. Dürfen Charlottcnbnrgcr Droschke» in Berlin Fahrgäste aufnehmen? Diese für die Charlottcnvurger Fuhrherren grmid- sätzlich wichtige Frage ivurde gestern vor der achten Ferien-Straf-, kainmer des Landgerichts I unter dem Vorsitz des Landgerichts- Direktors ü. Winterfeldt erörtert. Der Fuhrherr Kaulsdorf aus Charkotteiibnrg hatte am 4. Dezember 1901 einen Fahrgast von Charlottcnbnrg nach Berlin befördert, ivar ans der Rückfahrt nach Charlottcnbiirg von einem Herrn angerufen worden und hatte diese» alS Fahrgast aufgenommen. Das Berliner Polizeipräsidium sah darin ein„Inbetriebsetzen einer Droschke ohne polizeiliche Konzession" und veranlastte die Erhebung einer Anklage. Nachdem das Schöffengericht auf Freisprechung erkannt hatte, legte die Staatsamvaltschuft Berufung ein. Der Verteidiger Nechtsamvalt Heine führte in der ziveiten Instanz aus, daß das Charlottenburger Fahrpolizei-Reglement sogar Bestinnnnngen für die Fälle träfe, daß Charlottenburger Droschken austerbalb Fuhren annähme», daß dies also jedenfalls als erlaubt angesehen iverden niiisse. Auch bestände seit 16 Jahren die Sitte, daß Charlottenburger Droschken in Berlin Fuhren an« nähmen, ohne daß je Bedeiikcn erhoben lvorden seien. Das„In- betriebsetzen" einer Droschke erfordere jedenfalls mehr als gelegcnt» licho Annahme einer Fuhre bei zufälliger Anwesenheit in Berlin. Das Gericht verwarf die Berufmig der Staatsamvaltschast, weil festgestellt sei, dast der Angeklagte nur gelegentlich eine Fuhre angenommen habe. Es könne dahingestellt bleiben, Ivie es zu beurteilen sein würde, wenn der Angeklagte in Berlin umhergesahrrn wäre in der Absicht, Fuhre» zn erhalten. RechtSuugülttge Polizeiverordnung. Für verschiedene länd- liche Distrikte sind Kreis- und ReglernngS- Polizeiverordnungen er- lassen lvorden, die in ihrem K 1 den Gutsbesitzern zc. verbiete», ohne landrätliche Erlaubnis ausländische Arbeiter zu beschäftigen, und deren 8 2 den Arbeitgeber» die Pflicht zur polizeiliche» An- und Abmeldung solcher Arbeiter auferlegt. Den 8 1 hat das Kammergericht schon früher für ungültig erklärt, iveil durch ihn das Polizeiverordinnigs- Recht überschritten iverde! Nunmehr hat das Kannnergericht in einer Strafsache gegen den Rittergutsbesitzer Gunipel auS der Gegend von Delitzsch auch die Rechtsmigültigteit des 8 2 fcstgeslcllt. Giimpel, der russische Arbeilcr nicht abgemeldet hatte, wurde freigesprochen. Der Strafsenat führte auS, daß eine Polizeiverordnung zur Begründung einer Meldepflicht nach dem Polizei-VerwaltmigSgesetz allerdings zulässig seil sie könne aber nur dem Logisgeber und nicht dem Arbeitgeber auf- erlegt lvorden. Leipziger Baukprozest. Der Sitzung wohne» in der Präsidente»« löge Justizmiiiister Dr. Otto»nd Gcneralstaatsanivalt Gostler bei. Der Präsident, Landgerichtsdirektor Dr. Müller verkündet die formu- licrten Schnldfragen. I» Bezug auf Exuer und Dr. Gentzsch iverden den Geschworenen 6 Schuldfragen vorgelegt. Die Fragen lauten auf betrügerischen Bankrott, ans Verschleierung in zwei Fällen, namentlich bezüglich der in« Februar 1901 herausgegebenen Bilanz für das Rechnungsjahr 1900 und des in der Generalversammlung vom 19. März 1901 erstatteten Berichts, wie bezüglich der beiden am 25. Juni 1901 veröffentlichten Comnnuüqises; auf Betrug in zlvei Fällen, betreffend die Banlhänser von der Heydt u. Co. und S. Bleichrödcr. und auf Untreue gegenüber der Leipziger Hypothekenbank. Betreffs Dodels lauten die Schuldfragen auf Bilanzverschleierung und Untreue gegen die Leipziger Hypothekenbank. Schröder, Meyer und Wölker sind beschul- digt der Verschleicruug, begangen bei Aufstellung der Bilanz. bei Anfertigung des Berichtes, smvie bei Veröffeutlichiiug der beiden Communignes. Den Angeklagten Fiebiger, Vörster und Wilkeii ivird zur Last gelegt, daß sie an der Verschleierung bezüglich der Bilanz und des Berichtes teilgenommen haben. Bezüglich sämtlicher Schuldfrcigen ist für alle Angeklagten die Unterfrage auf Zubilligung mildernder Umstände gestellt. Staatsanivalt Dr. Weber begründet sodann die Schnldfrage. Auf Vorschlag des Vorsitzenden unterbricht der Staatsanivalt gegen 3 Uhr seine fast volle sechs Stunden dauernde Rede. Die Fortsetzung wird auf morgen vormittag 9 Uhr vertagt. A«v drv Fvsttivnbcwegnttg. Verein für Franc» und Mädchen der Arbeiterklasse. Sonntag, den 20. Juli: Ausflug nach Friedrichshagen(Restaurant Ravenstein). Wir bitten die Mitglieder zahlreich zu erscheinen. Abfahrt morgens 9,01 vom Alexanderplatz, 9,10 Schlesischer Bahn- Hof. Der Vorstand._ VevmtMzkes- Ruf dem TrnpPcnübnngSPlayc Lockstedter Lager fuhr ei» Fonrageivagen des Mecklenburgischen Feld-Artillerie-Regiments Nr. 60 mit solcher Wucht gegen einen Baum, daß die Insassen des Wagens, sechs Soldaten, herausgeschleudert wurden. Einer wurde getötet, während die übrigen füuf schwer verletzt wurden. Ucber die AufräumungSarbeiten am Campanile» die sich sehr mühevoll gestalten und große Vorsicht erheischen, liegen vcr- schiedene Meldungen vor. Danach fand ein Arbeiter unter dem Schutte die berühmte Thür der Loggia mit dem Metalllöwe». Die Thür ist glücklicherweise nur wcnig beschädigt. Zwei andre Thürcn, die man auch unversehrt glaubt, ragen aus dem Schutte heraus, konnten jedoch noch nicht freigemacht werde». Auch die Fragnientc der Kapitäle der Loggia wurden nach- mittags gefunden. Die Bronze- Statuen liegen noch unter dem Schutte. Die Markuskirche wurde vorläufig geschlossen, wie es heißt, bis die Untersuchung beendet ist. Ein Hervorrageuder Techniker der Stadt erklärte, daß die Ursache des Einsturzes in letzter Linie in dem Senken de? Fundaments lag.— Zu der Ansicht des Ober- baurats Wagner, daß ganz Venedig dem Untergänge gelveiht ist, bemerkt die„Frankfurter Zeitung": Wir möchten doch davor warnen, einer derartigen verallgemeinernden Voraussage eine Bedeutung beizulegen. Bisher hatte man allgemein an- genommeff, daß die 117 venetianischen Inseln, soweit sie auf Pfahlrosten stehen, geradezu vorzüglich fundiert seien, weil das Laguuenwasser die Eigenschaft habe, die Piloten zu vcr- steinen. Nie bisher hat man auch das geringste von besorguis- erregenden Senkungen vernommen. Wenn die venetianischen Profan- bauten zerfallen, so ist die naheliegende Erklärung dafür die, daß für ihre Erhaltung zu wenig oder gar nichts geschieht. Uebrigens hat sich in Venedig trotz der Trauer rasch ein neuer Industriezweig entwickelt. Handel mit Mauerreste» vom Campanile, die aber alle unecht sind, da die Unglücksstätte strenge beivacht ist. Engländer und Amerikaner zahlen die höchsten Preise für solche Bruchstücke. Zu dem großen Tampfernngliiik in Rußland anf den, Flusse Luga, zwischen der Station Preobraschenskaja der Warschauer Bahn und dem Landgute Chilok, meldet die„Nowoje Wremja": Die Kata- strophe ist entsetzlich und ereignete sich unter solchen Umständen, die man gar nicht für möglich halten sollte. Der kleine Dampfer war init Fahrgästen, städtischen Einwohnern, Bauern, Frauen und Kindern überladen, keine Maus konnte mehr Platz finden. Plötzlich stößt das Fahrzeug anf eine Untiefe und was nun folgte, spottet jeder Beschreibung. Das Schiff begann zu sinken und die erschrockenen Fahrgäste sprangen in de» Fluß, um ihr Leben zu retten. Diejenigen, welche auf die Sand- bank sprangen, kamen glücklicherweise mit dem Leben davon, anf der andern Seite aber gähnte ein Abgrund und ein Teil dieser Unglücklichen, die in Äugst und Verwirrung auf diese Seite hinabsprangen, mußte elend ertrinken. Es sind 60 Personen, nicht 30, w i e der Telegraph meldete, n m- g e k o m m e n! 15 Personen ivnrdc» von herzugeeiltcn Fischern gerettet. Im Schiffsräume ertranken 16 Personen;»och ist es, nicht gelungen, das Fahrzeug zu heben und die Leichen herauszuholen. Die Schuld an dem schrecklichen Unglück trifft den Kapitän, der erstens eine nicht zulässige Menge Fahrgäste aufnahm und zweitens mit unbegreiflicher Fahrlässigkeit und Kurzsichtigkeit bei hellichtem Tage, es' war um 4 Uhr nachmittags, auf eine Sandbank steuerte, zumal der Manu schon lange den kleinen Fluß befuhr und das Fahrwasser keimen mußte. Das Hans des TodeS ii» Kalkutta. Einem größerem Auf- satz« in der„Deutschen Export- Revue" entnehmen ivir folgende Schilderung: Stroniaufwärts in Kalkutta, nahe der Brücke über de» Strom, erheben sich zwei Gebäude, die der Fremde, wenn überhaupt, so doch nur mit Grauen betritt. I» der Pestzeit ivird er häufig genug die einfachen Leichenzüge der Hindus darin verschwinden sehen. Vier Männer mit einer offenen Tragbahre anf den Schultern, auf welcher eine Leiche liegt. Die dünnen Baumtvolltücher, in ivelche der tote Körper gehüllt ist, lassen die Umrisse nur allzu deutlich hervor- treten. Ein paar Leute folgen. Im Innern des Gebäudes nimmt ein Hindubeamtcr die Anmeldung entgegen, Name, Alter, Geschlecht, Wohnung des Verstorbenen. Dann wird die Leiche iveitergetragen in einen engen langen Säulenhof, anf dessen Boden vielleicht ein halbes Dutzend Scheiterhaufen brennen— der eine eben entzündet, ein andrer schon verglimmend, ein dritter nur mehr ein Häufchen Asche. Frische Scheiterhäufen, manneslang, meterbrejt, kniehoch, sind zur Aufnahnre neuer Opfer aufgeschichtet. Die Leiche wird darauf gelegt, einer der Angehörigen holt vom Flusse unten ein Gefäß voll Wasser und gießt es der Leiche in de» Mund und auf die Füße. Die Knechte legen frische Holzscheite darüber, das Ganze ivird init einem brennenden Span angesteckt, und im Nu ist der Körper in Flammen gehüllt. Durch die Hitze krünunen sich die Glieder, heben sich die Knie, bc- wegen sich die Arme, als lebte der Schmorende noch und wollte sich von dem schrecklichen Fcncrtode befreien•, mitunter kollert er auch von dem brennenden Haufen herab. Mit langen Stangen wird der Körper dann wieder in die Flammen geschoben. So verbrenne» tagsüber 60. 80 oder auch mehr Leichen, und ist nichts übrig, als ein Häuf- lein heiße Asche, vielleicht mit ein paar verkohlten Knochen, dann nehmen sich die Angehörigen etwas davon und kehren nach Hanse zurück. Die Aschenreste werden in den Fluß, geivorfen, in welchem sich die Lebenden täglich nach Tausenden und Abertausenden baden und dessen Wasser sie trinken. Das Haus neben dieser Ver- brennuiigsstälte führt den Namen Moribond House, und hierher lassen sich die besonders religiös angelegten Sterbenden tragen, um an den Ufern des heiligen Ganges ihr Leben aushauchen zu können. In Reihen liegen sie hier in den langen Hallen, dem Tod« entgegensehend. Cholera-Epidemie. Dem„Regiernngsboten" zufolge ist Ziziknr in der Mandschurei für choleravcrsencht erklärt. In Jnkou sind seit dem Ausbruch der Epidemie bis zum 4. Juli 643 Personen erkrankt, von denen 477 starben. In der Woche vom 27. Juni bis zum 4. Juli erkrankten dort 166 Personen und starben 139. In Charbin, wo die erste» Erkrankungen am l. Juli festgestellt wurden, zählte man bis zum 10. Juli 575 Erkrankungen und 322 Todesfälle. Cholerafälle in der Mandschurei sind noch in den Ortschaften Tachotschi, Telin, Kajuansan, Schanhaikwan und Sinmintin vor- gekommen. Es ivurden Cholerastationcn in der Mandschurei er- richtet. Die Züge werden von Sanitätsbeamten besichtigt und von solchen begleitet.'_ Wetter-Prognose für Freitag, de» 18. Juli IVOS. EtwaS lühler, zeitweise aufklarend, vorwiegend trübe mit leichten Regen- fällen und schwachen westlichen Winden. Berliner Wetterb urean. Für de,» Inhalt der Inserate überniuinit die Redaktion dem Bndlikuu« gegenüber keinerlei Veranttvortnng. Thrttfrv. Freitag, den 18. Juli. Rencs Over». Theater«KroNf. Die Puppe. Anfang 7'/, llhr. Im Liederspielhaus: Ofsenbach- ChNns.(Dorothea.— Der Re- gimcntszauberer.— Die Hauni weint— der Hallst lacht.) An- fang 8 Uhr. Weste». Die Brautlvtterie. Anfang ?'/. Nhr. Vietropol.(Morwitz-Oper.) Der Troubadour. Anfang 8 llhr. Neues. Ledige Leute. Anfang 8 Uhr. Earl Weift. Der Dämon. Hier- auf: Sie. Anfang 8 Uhr. Friedrich-Wilvelniftädtiffties. Der Zerrissene. Anfang 7»/, Uhr. Apollo. Lysistrata. Specialitäien- Borstellung. Anfang 8 Uhr. RcichshaNen. Stettiner Sänger. Ansang 8 llhr. Passage- Theater. Specialitäten- Borsten, mg. Anfang nachmittags 5 Uhr. Passage- Panoptikni». Special!- täteii-Borstellung. Urania. Tanbenstr. 48/i'J,(Im Theatcrsaal.) Abends 3 Uhr: Die deutsche Ostseeküste. Jnvalidenstrafte 57/08. Täglich: Sternwarte. Vrltter-Thkllter Kastanien- Allee 7—9. i M* Täglich: IMl Tausenh und eine Nacht. ßhantastisches Märchen in 3 Abteilg. von Hugo Schulz. Zilllsttgs«. Cairtni. Kostllm-Sonbrette Paula Grigatil. Grotesqne- Komiker Senor u. Berad. Miss Kltty, Sport- !lkt. Barsikow- Trupps, Parterre- llkrobaten. Mr. Bartimg, leb. Photo- zraphieu. Barillngs slskirlsebs Feerie. 3000 Glllhkörper.) Konzert. Anfang l Uhr. Eintritt 30 Pf., numerierter platz 50 Pf. Kalbo. farl Weiss-Tlieatei'.J i|�|g| Grofte Frankfnrterstr. 132.'ÜkS'_ Täglich: Der Dämon. Hierauf: Sie. Nachtscene m 1 Akt v. G. Schätzler- Perasmi. Anfang 8 Nhr.!— Sonntagnachmittag 3 Nhr: Die Grille. Im Garten: Große Extra-Vorstellimg zum Benefiz für Paul Free und Alex Scheibach. Anf. 5»/, Uhr. Apollo- Theater Ilm 7 Uhr: Garten- Konzert. Um 8 Uhr: Die srandioson Specialitäten. Um 9 Uhr: Paul Linckes Ausstattungs-Operette: Lysistrata Kasseneröifuuug 7 Uhr. W. Niicks Theater Brnnnenstrahe 16. Täglich Theater- ti. Tpecia- litäteil-MstellW. Gediegene Gesellschaft. Nur keine Mäuner! Burleske mit Gesang und Tanz von Gericke. Im Saal: VansIträn-elUen. §aiiS8o«iei Kottlniscratr. 4 a, Station der Hochbahn. Täglich im Garten, bei ungünstig. Wiiternng imSaal: HolTiiia„,>« MOeiitiche Siiiilier und Konzert. Sonntag, Montag inid Donnerstag nach der Soiree: Tanzkrünzchen, Tanz frei! Anfang Sviilitags ö Uhr, Entree 30 Pf., ab 9 Uhr 20 Pf. Anfang Wochentags 6 Uhr. Entree 30Pf., ab 9 Uhr 20 Pfg. 1'Aiivvn-Stzrgsss 48/49. Im Theater um 8 Uhr: Die deutsche Ostseeküste. castans, Pänoptiknm| Fiisdrich-Strasse 165. Neu! Die Slordlundrclse des j Kaisers und Wnndernii- gen durch London. Eiesen- Projektionsbilder mit j erläuterndem Vortrag. JUT" FrSbcIs Allerlei Theater NM- früher I'nhlniann"913 Schönhauser Allee No. 148. Heute und folgende Tage: MM- Xencr Spielplan. Wkjj Neu! DaS Bolksstuck: KV" Die Weber."�S Neu! Die Operette: DSf- Ter treneste Mann. Neu: Die Pantoinimc: Die Kneipe im Monde. Der unvergleichliche Carl Urann und der allbeiiebre Dago Scholz. Täglich; Grosser Ball. Anfang 5 Uhr.— Enttee 30 Pf. Osthahn-Park. Am KUstrlnerplatz. Rüdersdorferstr.7l. Hermann Imbs. Täglich: Gr. Konzert, Theater- und Spetialitaten- Vorstettnng. VI. Wahlkreis MöOllltser WlMt). Sonntag, den 20. Juli 1902, in den Lokalen: ».Jagerhans� und Schönhauser Volksgarten I Schönhauser Allee 101—103: !Gr*. Sommer-Fest veranstaltet von den Parteigenossen der Schönhauser Borstadt. --£>♦<$-- Clrosses Konzert von 2 stark besetzten Kapelle», ausgeführt von Civii-Dernrsnmsihern. Gesangsvorträge. Kadfahrer-Reigenfahren. Turnerische AnfTührangen von Mitgliedern des Turnvereins„Fichte". Grosse Kinderbelastlgangen mit Präsent- Tertcilung. Feuerwerk. Kindernniasug. Kinderfackelzng. In beiden Sälen: OGrnHev Fest V�ll. _ Herren, die am Tanz teilnehme», zahlen 50 Pf. nach.— Die KalTeekilche steht den geehrten HB Damen von 8 Uhr ab zur Verfügung(a Liter 60 Pf.)[7836 M» Eröffnnng 11 Nhr. Billet o 20 Pf. Anfang de« Konzerts IL Uhr. WWWW1 Wahlkreis. Sonntag, den 27. Juli im Restaurant„Schloss Weissensee" 6r. Uolk$-fe$t arrangiert von den Parteigenossen des 6. Berl. Wahlkreises. Grosses Fri-, ittags- und NacHtags-Konzert von zwei starkbesetzten Kapellen. Gesaugs-Anflülirnngen von 20 Gesangvereinen des Arbeiter-Sänger-Bundes unter Leitung des Bundes-Dirigenten Herrn R. Rlobel. Auftreten von Mitgliedern des Turnvereins„Ficht©". Auftreten des Klagaru- Trios auf dem ISO Fuss hoben Drahtseil. Im herrlich gelegenen See-Theater: Vorstellung der neu engagierten Specialitäten bei freiem Entree. Vorctellung eines Kasperle-Theaters bei freien» Entree. Grosses Brillant- Wasser- Feuerwerk. Bei eintretender Dunkelheit; Kinder-Fackel-Polonaise durch den Garten. Jedes Kind erhält am Eingang 2 Bons, einer berechtigt zur Empfangnahme einer Stocklaterne und einer zur einmaligen Benutzung eines Karussells oder einer Schaukel. Von 4 Uhr nachmittags In beiden Sälen: TANZ. Herren, welche daran teilnehmen, zahlen 50 Pf. nach. Die KafTeeküche steht den geehrten Damen von Ä— 6 Ehr xnr Ter» fhgnng; a Eiter 60 Pt. Anfang des Konzerts früh 8 Uhr....■ Blllets Im Torverfcauf 20 Pf., an der Kasse 25 Pf. Ausführliches Programm an der Kasse gratis. Zahlreichen Besuch erwartet OaS KoltlitGCa Für hinreichende Fahrverblndang ist Sorge getragen. 248/11* Passage-Theater. Das glänzende Juli-Programm. Willy Prager. (Prolongiert!) 16 neue erstkl, Nummern. Passäge-Panopticom. Moles Pariser Marionetten-Theater. Das Alfens, eil». Seejungfer._ Tigerknabe. Sommertheater Eyiarietibad Badstr. 35/36, Gesundbrunnen. Heute Donnerstag: Extra-Beneflz- Vorstellung f. Waldemar Rlchardt. Adelaide. Adelaide: Lene Land v. Wolzogen- Theater als' Gast. Beethoven: Waldemar Richardt. Franzi: Dir. Richard Wagner. Entrce 2« Pf. Benefiz- Tanzkränzchen mit Vorträgen. Rechtsbureau. Teltowcrstraße 45, Eingaben, Gesuche, Ratcrteilung. Un- bemittelten unentgeltlich. U85Zf Re ichshall e n. THgllch: Steif iner Sänger Anfang: Wochentags 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr Tageskaste 11— l'/ztlhr Torfprcsse. fast neu, billig zu ver- kaufen Müllenhofisttabe 19, C. Kaust- mann. 28/18 Mopol-Tiieatfir Anfang 8 Uhr. Morwitas-Oper. .Franceschina Prevostl: Der Tronhadour. Sonnabend: Fidelio. Sonntag: Franceschina Prevostl: Travlata. Montag; Die verkaufte Braut Max Kliems Sommer- Theater. Hasenheide 13— 15. Artistischer Leiter: Gust. Bock. Täglich: Gr. Konzert, Theater- u. Specialitäten-Vorstellung Jeden L und 15. d. Monats: Wechselndes Programm! Donnerstag: Elite-Tag. OOIOCISCHER GARTEN Täglich nachmittags ab 5 Uhr: lltär- Doppel-Kmit Entree IM. v. 6 Uhr ab SO Pf. Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Bernhartl Rose-Theater Gesundbrunnen, Badstr. 58. Täglich: Tns gtosmriige neue Prograuim. Willy Ag-oston. Berlin auf Stelzen. Auberdcm: Konzert, Theater, Speclalltäten. _ Anfang 4 Uhr. Entree 30 Pf. i61 Norzugskarteii haben Gültigkeit. «irffcekiiche. Im Saale: Ball. llsgendvoks Malabarentruppe. Nur noch kurze Zeit. Radrennbahn Kurfdrstendamm. Vorstellungen: Wochentags tVz, 6 nnd 8 Uhr.— Sonntags 3, 4V2. 6 und 8 Uhr. Eintritt 50 Pf. Kinder 20 Pf, Logensitze 2 M. Res. Plätze 1 M, Am Kiinigsthor 42021'* Am Frlcdrichshain SV* Täglich: Theater- und Suecialitiiten- Varstellung. Täglich bis 7 Uhr: Freier Banientanz. Jeden Abend 10 Uhr: Leute von heute. Grobe Posse mit Gesang und Tanz Mmstehendes Flugblatt legt die Grundsätze dar, nach denen ich in Moabit, Turm- straße 85, mein Hauptgeschäft betreibe. Ich habe mir dort das Vertrauen aller Bevölkerungs kreise erworben. Nun habe ich jetzt im Westen(Potsdamerviertel) an der Grenze Schönebergs das Lager der Adolf IsraelsKyschen Konkursmasse gekauft und bringe dasselbe mit den Beständen des vormals Wittenbergschen Lagers in Moabit und komplettiert mit einzelnen Sachen und Partien meines Hauptgeschäfts in dem vormals Jsraelskyschen Laden Winterfeldt-Strafze? zum Vollständigen Ansverkauf.==== Ich habe den Laden voraussichtlich nur kurze Zeit und mutz schleunigst räumen. Wer mich kennt, weiß, daß in Vorstehendem wie in allen meinen Ankündigungen jedes Wort wahr ist. I ch b i n st r e n g r c c l l, habe ===== streng feste Preise===== und verkaufe wirklich dillig. Ich habe sowohl billige als auch I-mmmmhwE) ganz gute Nnalitliten. Nicht viel verdienen, aber viel absetzen will ich. z * i | 0 1 circa 200 Knabenanzüge circa 130 Burschenanzüge circa 160 Herrenanzüge circa 240 Hosen circa 60 Sommerpaletots. Ärbeitssachen in blau, in Manchester, in englisch Leder, in weiss etc. HicDaiikerkittei, Halerkittel und vieles andre. Noch ein Wort! Wer eS kann, kaufe jetzt bei mir seine Uinterjoppe(ca. eo stück), seinen Winterpaletot(ca. so swck). Naturgemäb sind diese Sachen am billigsten aufgenommen, resp. am meisten heruntergesetzt. Der Ausverkanf beginnt Freitag» den 18. Inli, nachmittags 4 Uhr» und ist Werktags nur von 4 bis 8 Uhr nachmittags, Sonntags von 7— Iv und VZ—% Uhr geöffnet, also nur 1 Stunden täglich. Die ungeheuer billigen Preise lassen nur einen so geringen Nutzen übrig, dab mehr Zeit dafür nicht ausgewendet werden kann. llerm. Seiilesinger, zur Zeit; Winterfeld- Strasse 7. Brauerei Germania Aktien-Gesellschaft ßGrlin 0., Mfurter He 53. Telephon Amt VII 2645. Wir verkaufe» UUlh lUtC tlOtl in unseren circa 80, eigenen Ausschankstätten, welche unter unserer eigenen Verwaltung stehen, unsere aus den feinsten Rohmaierialien hergestellten, stets frischen und gut gepflegten Biere: Nolles I-sgoinKnon. 1 gr. Weisse 15 Ft., 1 kl. Weisse 8 Pf. Flaschenbiere flu* M. 1,50 frei Hans: 15 Fl.(d l/z Ltr.) 18 Fl.(ca.% Ltr.) 15 Fl.(ca. 4/l0 LtP.) Filsener ni 15 Fl.(ca. 4 10 Ltr.)!"8"" 20 kl. Weissen(gelb Etikett). 15 kl. Tafel-Weissen(weiss Etikett). 15 Flaschen Malzbier. 20 Flaschen Weizenbier. Zum Selbst-Abziehen: 8 To. Weissbier 1,75 M. 0,90.. „ Werdersch-Malz 2,50„ .. 125„ Oraunbier 0,90„ 16„ 8 16„ 16.. oder Weissbieri Braunbier ä Sit. 10 Pf., Malzbier ä Liter 15 Pf. in der Brauerei, Frankfurter Allee 33. und in den Inngkier- Uerkiinfen: Berlin X: Wörtherstraste 38, Ramlerstrahe 5, Usedomstraße 8, Lortzingstraße 4l, Miillerstraßc 25«.. B: Grüner Weg 60. SO: Schinid- strahe 39. S: Dresdencrstraße 114. Prinzenstraße 105, Gräfestraße 12. SW: Hagelsbergerstrastc 18. KW: Turm straße 66, Lübeckerstraße 7. Frledrlchsberg: Frankfurter Chaussee 104. Charlottenbnrg: Wilmersdorferstr. 119. Bestellungen aus Flaschen- und Faßbiere erbitten per Post nach Frankfurter Allee 53. 4562«* Beckers Restanrant nnd Festsäle. Inhaber: Wilh. Ktiaeler, Konimandantcnstr. 62. Empschle meine Säle für Versammlungen und Festlichkeiten, coulante Bedingungen. Auch Sonntags zu vergeben. 881b* ZW- Sonnabend, den lO..Inli__ Große MondschetnMtt mit Musik ans illuminierten Dampfern n a ch AieptnnNhain. Abfahrt 9 Uhr abends an der Stralauer Brücke 5. Fahrpreis für Hm- und Rückfahrt 50 Pf. 4677C* f,. Kaimt. Im Saale; ferosser Ball. Herren-StolTe."WD Räuiiiniigs-Ausverkauf!!! Die Bestände unsres Ladengeschäfts SpsiBllslULnsi»». 33 23 werden wegen Aufgabe des Ladens ZW?" bedenlcud unter Preis an»verlta»F«. s4674L* Vnvnnvi'& Co. Engvos-Lager jetzt: Köuigstr. 46, 1, I Anzug-, Paletot-, Hoaen-StofTc. MT W MT Reste spottbillig."W-MW-»B Secklhernekr. Wahlverein Rixdorf. Vodes-Anzelxe. Den Mitgliedem zur Nachricht, daß der Putzer, Genvste Vustav Bnsobsss am Dienstag, den 15. Juli, auf seiner Arbeitsstätte plötzlich am Herzschlage verstorben ist. Ehre seinem Zlndeuken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 20. Juli, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Treptower Kirch- Hofs in Treptow aus statt. Die Genostc» werden um zahlreiche Beteiligung ersucht. 232/10 Ter Vorstand. Deutselier Metallarbeiter- Verband ■Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Klempner Hermann Pctzold am 12. d. M. durch Ueberfahren mit der Straßenbahn gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet statt am Freitag, den 18. Juli, nachmittags 5 Uhr, vom Neuen Jalobi- Kirchhos, Rixdorf, Herumnustrab«. 117/18 Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. Danksagung. Allen Verwandten, Freunden und Bekannte», den Kollegen der Firma Flohr, dem Verband der Fabrik-, Land- und HilsSarbeitcr, den Genoflen des 560. Bezirks des sechsten Berliner Reickistags-Wahllreises für die rege Teilnahme und reichen Kranzspenden, ferner dem Gesangverein„Nordwacht" für den Gesang am Grabe meines lieben Mannes den herzlichsten Dank. Witwe CJrnnenherg nebst Kindern und Bruder. Sage hiermit allen Bekannten und Kollegen, insbesondere dem Gesang-. verein Nordwacht für den schönen Ge- sang am Grabe meines lieben Mannes den berzlichsten Dank. Ib5 Wwe. Wagner nebst Kindern. Ardeiter- Radi.- Verein „Vorwärts"-Berlin. Sonntag, den 20. Juli, früh 3 Uhr,»ach Angennünde. Sonntag, den 27. Juli, früh 6'/- Uhr, nach Alt- Landsberg, Nachmittag Schloß Weibensee. Sonntag, den 3. August, nachmittags 1 Uhr, nach Friedrichshagcn(Sportfest). Start für alle drei Ausfahrten Waldstr. 8. Nächste Bcrciiisvcrsanimlung Miti- woch, den 6. August, Waldstr. 8. Gäste und bei Touren und Versamm- liingen stets willlommen._ 12/15 W. Noacks Theater Brmnienstr. 16. 4642«* Sind noch einige Soiinabcndc im Monat August u. Anfang September an Vereine, Ciewerksdinflcn zu vergeben. Dr. Simmel, Prinzenstr. 41. Specialarzt für 25/17* Hnnt- nnd Harnleiden. 10-2, 5-7. Sonntaqs 10-12, 2-4. Herren-Kragen, rein leinen, garantiert 4 fach, sämtliche neue Fayons in allen Weiten Miß 15 6f„ gJTJS Geschlossene Kragen perOutzentlSM.« 3IV!.50Pf. Manschetten, prima, garantiert 4 fach, % Dutzend 2,25 Mark. Oberhemden, Serviteurs, Krawatten in größter Auswahl. Trlcetegen, Strumpfe. Detailverkauf zu Engrospreisen. 4315S* Ernst Marcnse, Münzstr. 23, 4284L* rr Riesenauswahl aller Qualitäten. X0dne-nacfa Mocqnetts, Plüsch-nvsiv Satteltaschen. Muster bei näherer Angabe franco. Einil Lefm.stJS 55 Briquettes. 55 Wegen Räumung des Platzes oerkauft beste Senftcnbcrger Salon 1000 Stck. von 5,00 M. an. Bruch 60 Pf. pro Ctr. ab Platz. Fuhrlöhne billigst berechnet. Mühlenst.12. A.Herrmanns Kohlenlager BUhlciistr. Kr. 8, an der Warschanerstr., sind vom 1. Ok- tober ab billige Hofwohnungen von 2 Stuben ec. zu vermieten. Näheres daselbst beim Verwalter._ 4026«* Steppdecken in Baumwolle schon v. 2,45 M. an in Wolle„„ 4,50_ in Seide„, IO,75„„ kauft man jetzt im vollständigen Ansverkanl des seit 43 Jahren bestehenden Geschäfts von A. Löwenthal Berlin C. 45588 Breltestr. 20, Ecke Scharrenstrasse. Achkung!-T&fä Achkung! Sonnte 20. IM, mm. sy* Nhr, in den Gerumia-Sate CljnnWr. 103: TiS'OGSVG V SrVaUNIllAluSSA »lief lSltzlleilei' Sei' tan Maschinenbauer-Krankenkasse. ,_,_ Tages-Ordnung: 1. Die Herabsetzlina des Krankengeldes event. Erhöhung der Beiträge. Referent Kollege«i-le«. 2. Bor- trag Über JnvaliditatS-, Alters- und Unfallvelstcherung. Referent Kollege �Itrroedt. 3. Diskussion. KV NtitgliedSbuch legitiiniert. 290/15 Der wichtigen Tagesordnung wegen wird um pünktliches und vollzähliges Erscheinen ersucht. __ Die Koniinission der Delegierte». I. A.: Hermann Schulz._ Kranken-Untersttitznngs- n. Begräbnis-Verein derBau-, Erd- o. gewerblicben Hilfsarbeiter Berlins n. Umgeg. Sonntag, den 20. Juli, vormittags 10 Uhr, Langestr. 65: Geiirnil-Ntrslimmlmig Tages-Ordnung: 1. Abrechnung vom 2. Quartal 1902. 2. Vereins angelegenhctten und Verschiedenes. 37/3 Der Vorstand. Mtimg! Bauarbeiter! Amm! Sonntag, de» Sv. Jnli ISOS, vormittags 10 Nhr. tu Driisols Festsiilen, Nene Aricdrichsir. 35: General- Versammlung der Freien Vereinigung der Banlirdeiter Berlins n. llmg. Tages-Ordnung: 1. ilbrechnung des Kassierers vom II, Quartal und Bericht der Re biforciu 2. Bericht über den Stand unsrer Lohnbewegung. 3. Vereins- Angelegenheiten und Verschiedenes. 31/6 niltelledslmel» legitimiert. Zahlreichen Besuch erwartet Der Vorstand. Verein der Zimmerer Berlins und Umgegend. Sonntag» den 20. Juli» vormittags 10 Uhr, in Cohns Festsiilen, Bcuthstr. 20, I: Genevol Vevlnmntlnng. TageS-Ordnung: 257/16 1. Abrechnung vom II. Quartal. 2. Abrechnung von der Urania- Vorstellung. 3. Wahl von zwei Revisoren. 4. Vereins- Angelegenheiten. Zahlreiches Erscheinen erwartet Der Vorstand. Arfjtamja! AMung! Bretterträger n. Brettschneider Berlins und Umgegend. Sonntag, den 20, Juli, vormittags I0l/a Uhr, Holzmarttstr. 72«Königstadt- Kasino»: Mitglieder»Versammliing. Tages-Ordnung: 1. Fortsetzung der Lohntarif-Beratung. 2. Abrechnung vom II Quartal (April— Juni) 1902. 3. Gciverkschaftliches und Verschiedenes. 19/8 Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Vorstand. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Zahlstelle Berlin. Heilte, Freitag, abends SV» Uhr, im Gewerlschaftshaus, Engel-Ufer 15: SitzuiiK- der Orts-Verwaltung. äMT* Tie Kollegen, welche noch Bücher aus der Berbands- Bibliothek in Händen haben, werde» ersucht, dieselbe»»»«geheud ans dem Bnreau abzuliefern. XU. Kollegen! Mit grober Majorität haben sich bei der Urabstimmung die Beteiligten für einen Beitrag von«0 Pf, pro Woche ausgesprochen, deshalb wird vom Sonnabend» den 19» Juli ad der 00 Pf.-Seltrag erhoben. 86/7 Die Ortsvem-altnng. Sonnabend, den 10. Juli 1902, abends«V, Uhr, bei Dauer, Rosenthalerftr. 57: Rrunelhen-V ersaiumlnng der Bürsten- it. Pinselniacher. TageS-Ordnung: 1. Vortrag. 2. Diskusston. 3. Der ncugegründcte Bürstenmacher- Verband.— Anfnahnli neuer Mitglieder und Eutgegennahme von Beiträgen. NM" ES ist Pflicht aller Kollegen, in dieser Versammlung zu erscheinen. Die Boinmlsslon. Verimrad«1er Salller. Ortsverwal tnng Berlin. Bureau: Gewerlschaftshaus, Engel-Ufer 15. Zimnier 30. Fernsprecher: Amt 7 Nr. 1959. Zur Dampferpartie 157/6 am Sonntag nach Ncdlit»! bei Potsdam. Abfahrt 7 Uhr niorgenS vom Schlütersteg am Bahnhof Kricdrichstraße(ReichstagS-Ufer), sind noch VilletS im Bureau sowie bei folgenden Kollsgen zu haben: W. Tuschte, Langestr. 103, III; F. Habermaun, Waldemarstr. 67, Hof IV; A. Jüiiicke, Falikensteiitstr. 36, II; R. Roscnow, Rixdors, Hermannstr. 129; Dt. Lieste, Hollmannstr. 23, linker Seitenfl. bei Steinl«; Zl. Besenbrnch, Rcanderftr. 33, II; C. Zlchtcrbcrg, Adalbertstr. 62. Dentseb. Metallarbeiter-Verband Vera'altnngsstelle Deriln. Bureau: Engel-Ufer 15, Zimmer 1—5, Telephon Vmt 7 Nr. 353. Tonnabend, den 19. Jnli 190S, abends SVa Uhr, bei Fischer, Waldstr.«: 117/17 tonlerelli üer VerlralleHZiellle lür NoAbtt.s Tonntag, 20. Jnli, vorm. 10 Uhr, bei Sachse, Lindoiverstr. 26': Bersammliing der Feileuarbeiter. Tonntag» den 20. Juli 1902, vormitags 10 lihr, bei Wetze!, «rangelstr. 136; Morgenfprache der Schraubeiidreher. Zahlreichen Besuch erwartet Die Ortsverwaltnng. Itranlien- u. 8terbel(asse aller gewerblichen Arbeiter für Schöneberg und Umgeg. E. H. Nr. 115/132. Getleral-Uersammlung am Sonntag, den 27. Juli er., vorm. 10 Uhr, im Saale des Herrn Krüger, Grnnewaldstr. 110. Tages-Ordnung: 1. Kassenbericht vom 1. u. 2. Quartal 1902. 2. Verschiedene Kassenangelegen- heite». 274/3» Mitgliedsbuch legitimiert. Der Vorstand. Bentml-Krankeil- und Sterbekasse der Dacbdecker Dentscblaads„Einigkeit'! Sonntag, den 20. Juli, vormittags 11 Uhr, bei Feind, Weinstr. 11: Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Abrechnung vom 2. Qnarlal 1902. 2. Verschiedenes in Kassenaugelcgcn- heiteu. 54/4 Der Vorstand. Da durch die Velerinärpolizei die vollkommene Gesundheit der Schwcrk- schen Kühe festgestellt worden ist, so erkläre ich hiermit auf Grund schieds- niännlschen Vergleiches, die Wahrheit nicht gesprochen zu habe», indem ich das Gegenrheil behauptete. 882 b Frau Tlefenbach, Petersbnrgerstr. 6. Gau 9. Sonnabend, MßMZ. 19. Juli, früh 3V,Uhr. Prenzlauer- Chaussee, Ejsenbahnbrücke über die Stettiner Bahn bei ' Pankow, nach Prenz- lau(104 Kilometer). Abends 6 Uhr in Weihensce, Berlinerstraße, Cass Rettig, Abfahrt»ach Eberswalde (50 Kilometer). Sonntagfrüh 4 Uhr, Weistcnsee, Cafö Rettig, Gautonr nach EbcrSwaldc-Aiigermünde(79 Kilo- meter). In Eberswalde, Restaurant „Zur Mühle" 8V, Uhr Frühstück. Ja Angermünde nachmittags IV, Uhr beim Gastwirt Lange, Kaisergarten, Schwedter Thor, Mittagessen. Bundeömitglieder sowie Gäste sind zu dieser Tour freundlichst einge- laden. 12/14 Mitcr-Mschtt-Bttein Berlin. Sonntag früh 4 Uhr Königsthor nach Ebers- Wälde- Nngermünde (siehe Gau-Jnserat), 2Uhr Prenzlauer Thor nach Franz.-Buchholz(Kühne). AllcnParleigenossen, Freundensowie meiner werten Nachbarschaft hiermit zur Kenntnis, daß ich mein 844b» Wtiß-n.Baynslh-Bitr-Lskgl von Pallisndeustr. 9 nach der Zorn- dorferftrafte 8 verlegt habe. Vereins- zimmer bis 60 Personen. 844b» Achtungsvoll Dtto Franke. Ginmattge Anzeige Ausschneiden— Lesen! Ref ob« me in der Bekleldungs-Branche. In der Vorzelt, als ein jeder sich has Produkt, dessen er bedurfte, noch selbst herstellte, war von einein Warenhandel nur in ausländischen Erzeugnissen: Fruchten, Spezertien und andren Naturprodukten die Rede. Diese Artikel wurden im wesentlichen durch Tauschhandel von Ort zu Ort, von Land zu Land vertrieben. Die Einführung des Münzwesens, die sortichrcitende Civilisation mit ihren grösseren Bedürfnissen haben zur Special- Herstellung und Arbeiistetlmig, bie Erstndnngen der Neuzeit zur Massenherstellung fast sämtlicher Gebrauchsartikel geführt. Naturgemäss musste der Handelsstand durch die Ausdehnung seines Betriebes zu immer grösserer Be- deulnng gelangen. Nun fragt eö sich aber: Steht die Differenz zwischen dem BeschaffungS- und dem Verkaufswert im richtigen Verhältnis zu den von dem Saufmailn dabei verivendeten Mühen und Unkosten, oder steht der Gewinn deS Kaufmanns im Verhältnis zu feiner Intelligenz und Thatkraft? Man wird leicht geneigt sein, diese Fragen je»ach dem Standpunkt des Beurteilers mit einem kurze» Ja oder Nein zu beantworten. Der eingeweihte Beurteiler mutz zugestehen, dass die sogenannten goldenen Zeiten wie für das Handwerk, so auch für den Handels» stand vorbei sind. Siur ganz besonder« Intelligenz und Thatkraft vermögen noch ganz besondere Resultate zu erzielen. Der Einfluss des Grobkapitals auf die Gestaltung des Betriebes vieler Handelöstätten mögen hier nn- erörtert bleibe». Von diesen allgemeinen Gestchtspnnkten heben sich nun aber einlge besondere Verhältnisse in vorteil- hafter Weise ab, und hierbei tritt die Verschiedenheit der Branchen besonders hervor. Während im Handel mit Materialwaren und andren Lebensmitteln eine feste Preisbildung längst vorhanden ist, ist dies z. B. in einem ebenso bedeutenden, ja wesentlich umfangreicheren BcdarfSaitilel, wie Herren- und Knaben-Betleidiliig, durchaus nicht der Fall. Nächst der Ernährung ist doch die Bekleidung des Körpers das Notwendigste und Beachtenswerteste. Und hier giebt es keine festen Preise. Tos Borschlagen, Handeln und Ablasse» im Garderobengeschäst ist eine Unsitte, welche ein Vertrauen zwischen dem Kaufmann und seinen Abnehmern nicht auskommen lässt. Wenn e s vorkommen kann, dass«in V erkä u fe r 45 M. für et n e n A n z u g verlangt und dann für 18 M. verkauft, wo soll dann das Vertrauen herkommen? Ein andrer, der diese Kniffe nicht kennt, zahlt für denselben Anzug 25, 30, 35, 40 oder auch 45 M. Dabei sind eS gerade die ärmeren Klasse», die so gerupft werde». Wer sich jede Saison einen Anzug kaufe» kann, wer Zeit hat. Auslage», Angebote:c. zu prüfe»,»nag noch glimpflich daponkomme». Der Arbeiter, der wochentags keine Zeit hat, der sich endlich die paar Thaler für den Anzng zusammengespart hat. kommt nun Sonntags in da? Gedränge de» über- füllten Ladens, ohne Fachkenntiltsse, ohne Berater: er ist eS, der am tenersten kauft. Nicht allcln bei Kleidungsstiicke», auch bei vielen andren gröberen Gegenständen sehen wir dasselbe Schachern um de» Preis. A in schlimmsten aber ist es b e i H e r r en d e l l ei d u n g e n. DaS widrige Feilschen nud Markte» um den Preis raubt unbedingt die Achtung vor der Person des Kaufmanns. Wer trägt die Schuld? Ohne Zweifel zuerst der Kaufmann. Würde derselbe stets den aller- billigstenPreiS deutlich und für jedermann lesbar an dem betreffenden Gegenstand bezeichnen und unerbittlich jeden gehen lassen, der irgend etwas abziehen will, so müsste das Pnblilnm daS Handeln schon bleiben lasse». Einen Anteil der Schuld trägt jedoch auch das Pnblilnm. Nur ist es schwer zu erkennen, was Ursache oder Wirkung ist. Handelt das Publikum, weil der Kaufmann vor- schlägt, oder schlägt der Kaufmann vor, weil da» Publikum handeln will? Thatsache ist, dass ein Teil des Publikum», und das ist sicherlich der vernünstigere, sehr gern zu festen Preisen kauft. Andrerseits giebt eS Kunden, und zum Teil ganz aufgeklärte Leute, bei denen es fast zur krankhaften Gewohnhett geworden ist. irgend etwaS abzuziehen. Jene bedenken nicht, dass der Kaufmann nur dann seine Waren mit dem geringsten, für seine Existenz notwendigen Prozentsatz kalkuliere» kann, wenn er ganz sicher ist, den festgesetzten Preis auch unter allen Umstände» zu erhalten. Der Kaufmann muss sehen, wo er bleibt, lässt er hier nach, muss er dort wieder ausschlage». Den Schaden hat jedesmal das Publikum. Eine Reellität ohne streng feste Preise ist uu möglich. JedeS Entgegenkommen, jedes Nachlassen im einzelnen, jedes Adzichen am ganzen muh der Kunde doch mitbezahlcn. Billig und gut ist ohne streng feste Preise ebenfalls unmöglich. Ferner, welch Unmoral liegt doch in diesem Schachcrshstem! Auf welch niedrigem, geistigem und knlturellem Niveau stehen dann Käufer und Verkänfer! Wer würde wohl beim Materialwarenhändler kaufen, der handeln liehe, oder Bäcker oder Schlächter etwas abziehen wollen. Belleidniigsstücke haben für den reellen Kansmaim einen ebenso festen Marktorcis als Heringe, Butter und Kartoffeln. Da» Vorschlagen, Bieten und Handeln ist von allgemein sittlichem Standpunkte so entwürdigend, dass diesem Treibe» die Zlnstcht von der Unprodultivität, ja von dem Schmarotzertum einer grossen Kategorie Handeltreibender, und nicht mit Unrecht, zuzuschreiben ist. Ein Kunde, dem sür«ine Hose 6 M. abverlangt wird, der sür dieselbe nach langem Zerren und allerlei schwülstigen Redensarten 5 M gezahlt hat, ist über den Abzug befriedigt, denkt aber doch:„Hätte ich noch weniger geboten, so hätte ich sie auch»klommen." Und er hätte sie auch bekouimenk In Äeschästen, wo gehandelt wird, ist jeder Preis»och zu hoch. Der Kunde bietet das nächste Mal nicht 5, sondern 3 M, der Kaufmann muss noch mehr vorschlagen usw. Ein„Geriebener" tauft wirklich einmal billig. und zehn andre falle» hinein. Wie schützt sich das Publikum dagegen? Es wäre verkehrt und vollständig fruchtlos, Polizei und Gesetzgebung dagegen anzurufen. Das Publikum tan» sich nur selbst schützen, indem es prtncipicll Geschäfte meidet, in denen vorgeschlagen oder nachgelassen wird. Der reelle Kansmann wird eS ihm danken durch um so billigere Preise, und Käufer und Verkäufer werden sich achten und schätzen lernen. Dermann Mlksülger. Tnrmstr. 83. w JTo r'* Jedes fZT Pfennig. Wort: das erste Wort feit, Worte mit mehr als 16 Buchstaben zählen doppelt, [deine ßnzeigen. W Anzeigen in den Annahmestellen für Berlin bis 2 Uhr, für die Vororte bis 1 Uhr, in der Hauptexpedition Beuthstr.3 4 Uhr angenommen. Verkäufe. Restaurant, gut gehend, alte» Ge- schäst, wegen Krankheit de« Besttzers billig zu verkaufen Salzwedeler- prasse 2.____ JP1* Waldparzelleii, an Wiese und Wasser, verkauft Besitzer Pflauwbaum, Hermsdors, Lindenstrasse 15. 81bb» Gardineuhaus Grosse Franksiirl er. ftrasse 9, parterre. 1-37» Borjährige elegante Herren-Anzüge und Sommerpaletots ans feinsten Stoffen 25— 40 Mark. Berkauf Sonn- abend und Sonntag. 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