Nr. 168. Abomumenls-KcdwguiMn: AbonniMinlZ-Pret» pränumerando: Vierteljährig 3,30 Ml,, monall. 1,10 Ml,, wöchentlich LS Plg. frei in» Hau». Einzelne NuiuwM 5 Plg. Sonntag». Nummer mu Illulirierier Sonntagi» Beilage„Tie Neue Welt" 10 Plg, Post- Pbonnement:».10 Mark pro Mona», Eingetragen in der Post- Zeilnng». Preisliste für 1908 unter Dr. 7878. Unter Ztreiizband für Teutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, sür da» übrige Autland 3 Marl pro Mona». Trscheink liiolich«uster Wonlag». ____ X- Vevlinev VolKsMeetk. 19. Jahrg. •SJ* Fit Instrtwns-Welilillr beträgt für die sechsgespallene Kolonrt« zcile oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewerls chaftliche Vereins- und Versammlung»-Anzeigen 20 Pfg. «Kleine Knjrigc»" jedes Wort 5 Pjg. (nur das erste Wort fett). Inserats stir die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittags in derErpedilion abgegeben werden. Die ffiipcbitiou ist an Wochentagen bi» 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen btS SUhr vormittags geöffnet. Telegramm- Adreffe: «Sorialdrinostrak verlin» C�ntvalorgan der socialdemokratifthen Partei Deutschlands. Krdaltlion: SW. 19. Vouth-Strahe 2. Fernsprecher: Sliut I Str. 1!»0«. Dienstag, den 2Ä. Jnli 166Ä. Exprdilwn: 19. Benth-Slrahe 9. Fernsprecher: Slmt I, Str. SILl. Politische Bilanzverschleierung. Die Grnndcr-Aera dcS neuen Kurses, wie sie die Bantprozcssc zur Schau stefleit, hat ihre Besonderheiten, die sie von andren Epoche» kapitalistischen„Ausschivungs" unterscheiden. Zwar der Schwindel gehört zum Kapitalismus, in welcher Form er sich immer zeigt— nur daß allein der erfolglose Schwindel als Schwindel ancrkanut wird, während man den erfolgreichen Schwindel als Sieg nationaler Arbeit, als genialen UnteriiehmungZmut, als Schöpfung gewaltiger Unternehmcrintelligenz, als weitblickende Real Politik bucht. Aber die Sanden-Periode hat doch neben ihren all gemeinen, ewig-kapitalistischen Zuge» ihre zeitlichen nationalen Bc- sonderheiten. Man erkennt, daß dieser finanzielle kaufniännische Optimismus in den Jahren der iveltpolitischen Nomantik envachsen ist. Die gleiche gleißende Oberflächlichkeit, die gleiche geistige Mittelmäßigkeit, die, kümmerlich wie sie ist, in ungeheuren Plänen schwelgt, die gleiche llnbckiimmeitheit um daS Morgen, die gleiche nervöse Hast in krausen, wirren Schiebungen, die gleiche Frömmig keit, verbunden mit brutaler Skrupcllosigkcit, die gleiche dekorative Pruukhastiftkcit und eitle Selbstgefälligkeit, die gleiche Heuchelei patriotischer Uueigenuützigkeit und nationalen BiedermeiertuinS, die gleiche unmäßig prahlende Ncklamcsucht, die einen Wert von hundert tausend Mark mit Millionen beleiht und mit«»bewährter Trcbcr trocknnng die ganze Welt zu erobern sich vermißt, die gleiche Politik der Verschleierung und Verdunkelung, die den eignen Vorteil in nationale Wohlthäterei nmtänscht— alle diese charakteristischen Eigenschaften der Sanden-Aera finden wir auch seit Jahren in dem politischen Leben Deutschlands. Ein grenzenloser Optimismus ist herrschende Mode geworden, Tie deutsche Politik niag noch so schwere Fehler, noch so nutzlose Handlungen begangen haben, immer war alles gut, weise, gewaltig Jede Dummheit verwandelte sich in eine stnatsniänuische Großthat, jedes blinde Abenteilcr in eine zielbewußte weitblickende Aktion, jede flüchtige unbegreifliche Laune wurde zu einer der Gegenwart genial vorailScilenden„Intuition". Dabei kam es niemals darauf an, daß daS Morgen dem Gestern stracks widersprach— immer war es richtig, herrlich, über alle Maßen prächtig. Zürnten wir heute dem perfiden Albion und erklärten kecklich Thamberlai», daß er auf Granit beiße— was für ein kühner Heldenstreich, jubelte die Claqne! Baten wir dann 21 Stunden später de» englischen Vetter demütig um sein Wohlivollcn— welch eine nnnber> treffliche Eingebung diplomatischen Scharfsinns, jauchzte der Chor der Optimisten. China muß ohne Gnade und Bannherzigkeit nieder getreten werden— so ist's recht, endlich eine schneidige Politik würdig unsrer großen Vergangenheit, erklärt die„öffentliche Meinung' der Schreiber, die zu der klingenden Inserate» niusik den blöden Text verfassen. China ist mit größter Schonung und huiuanstim Wohlwolle» zu behandeln— bravo! schreit dieselbe öffentliche Meinung. ein vatcrlandsloser Lump, der das Gegenteil behauptet I Der Dreibund— bah, was liegt daran, wir brauche» ihn nicht, erklären wir stolz; über Nacht aber wird er wieder zur feierlichsten Bürgschaft des Weltfriedens. Herabsetzung der Getreidezölle— wichtigste Staatsnotwendigkcit, Hiuaufschraubnng der Zölle— eine nationale Lebensfrage: man hat beide Lieder auf der Walze und jedes ist von unerschöpflicher Großartigkeit. Bald Socialpolitik bald ZuchthanSvorlage, jetzt Polenfreundschaft dann Polenhatz, vormittags Zerschmetterung deS Junkertum» nachmittag« Ilmbnhlung dieser Slntzen des Vaterlandes— es ist gleichgültig, welche Zahlen lvir in die Bücher eintrage»; die Hauptsache ist, daß die Bilanz unter allen Umständen glänzend aussieht. Der Erdkreis höre eS: Deutschland ist die feinste Firma der Welt: Wir haben die glorreichsten Minister, die königlichsten Äansleute, das nnbcsieglichste Heer, die tüchtigsten Schiffe, die selbst- losesten Patrioten, die frömmsten und fleißigsten Bürger, die größten Gelehrten, die erhabensten Künstler— wer wagt es solche Bilanz anzuzweifeln! Unsre Kulturaltie» steigen rapid auf 300, SOO, 1000, 1600. DaS Volk murrt über unerträgliche Lasten und unsägliches Elend. Dies dumme Volk weiß eben nicht, wie glücklich es ist! Habt nur Vertrauen, und das goldene Zeitalter bricht an. Lest nur die Pro- spckte: Das deutsche Reich ist eine Aktiengesellschaft zur Wieder- gewiiuuing dcS verlorenen Paradieses: Erfolg garantiert I Zahlt nur und glaubt I Bösartige Nörgler warnen vor Ueberspauming der Fiuanzkräfte. Welche Gemeinheit, wir schwimme» ja im Golde, und wenn wir erst die Schiffe fertig haben, werden wir nicht ans und ein vor Ueber« fliiß wissen, wir müssen uns dringend daS Angebot neuer Stenern verbitten,— so prahlt der Oberste der Finanzen. Ein paar Monate später jammert derselbe Prophet: Alle Kaffen und Kasten sind leer, ivir sind bankrott; wenn ivir nicht neue Steuern erhalten, muß das Reich verhungern. Trcbcr iverden zu köstlichsten Kleinodien. Wir kaitfcn für teures Geld ein paar Jnselche». Sind sie nicht tvahre Perle»? Nachher »rsahren wir freilich, daß sie ivertlofe Wachsperlen sind. Wenn ein Minister oder General redet, reift, konferiert, so bricht allemal eine neue Epoche der Weltgeschichte an. Jedes Frühstück ist ein Mark- stein, jeder KonnnerS eine BaterlandSrettnng, jede Illumination eine grandiose Erleuchtung der eivilisierten Menschheit. Und vor allen» hüten ivir uns, die Dinge beim rechten Namen zu nennen: DaS Junkertum wird entgegen der Verfassung, die alle Privilegien der Feudalzeit beseitigt hat, auf dem Umiveg des Zoll- wncherS privilegiert; man betitelt das«Schutz der natioualeu Arbeit'. Die Großindustriellen wünschen Millionenauflräg« in Nickclstahl; in der Bilanz erscheint dieS persönliche Bedürfnis als ideale.Weltpolitik', als Anbahnung neuer herrlicher Wege. Der Prosit des Unter- nchmertumS soll nicht durch die organisierte Selbsthilfe deS Proletariats gemindert werde»; man giebt ein Gesetz„zum Schutz der Arbeilstvilligen gegen TerroriSmuS'. Die Konkurrenz der Frauen in den höheren Berufen wird gewaltsam vereitelt; dieser wahre Zweck wird hinter der Phrase verschleiert, daß die Frau ihrem natürliche» Beruf nicht entzogen werde» dürfe. Ein ekelhaftes Strebertum sucht höhere Einkommen und Stellungen zu erschleichen, mau nennt es patriotische Treue. Ei» ChanviniSiuns macht sich breit, der die schlimmsten reaktionärsten Auswüchse Frankreichs an Lächerlichkeit und Gcisllosigkcit übertrifft, man redet von gerechtem und bescheidenem nationalen Selbstbewußtsein. Man rasselt mit dem Säbel und beteuert seine fromme Friedensliebe. So ist alles unecht und unwahr, und die systematische Bilanz Verschleierung wird zudem gesetzlich und behördlich mit allen Miltein geschützt. Freilich es fehlt nicht an ernsten Kritiken» auch in der herrschenden Klasse, wehe dem aber, der ein unbequemes Wort wagt. Er ist ausgelöscht aus der Liste der— zu Befördernden. Daß z. B. unsre Kolonialpolitik völlig gescheitert ist, wird von aufrichtigen Fachlcuncr» offen zugegeben. ES ist eine Bewegung im Fluß, die auf soliderer Grundlage von Anfang an wieder zu bc> ginnen sucht; sie wird erfolglos bleiben. Unser Heerwesen, die Neigmig zum Thcatcrpomp und leerer Ruhmredigkeit wird von un abhängigen Militärs mit besorgten Blicken betrachtet; man denkt au den Stolz der„uubesieglichen Friedriciauischen Armee'— vor Jena. Aber sicherlich wird ein Oberst niemals General, der an der Herrlich- keit Flecken wahrzunehmen wagt. Und»um vor allem die Flotte, diese Licblingsschöpfung der neuen Acra— giebt eS etwas, was von ähnlicher Vollkommenheit wäre? Und weil sie so vollkoiumen ist, so dürfen marinistische Fach- leute mir unter ihrem Namen oder in Organen, deren Nedactcure sich verpflichtet haben, den Verfasser dem Reichs» Marine- Amt zu nennen, öffentlich ihre Ansichten aussprechen. Sie schreiben also unter russischer Censur— Potemkin-Artikel. Ein marinistischcS Fach blatt aber, die in Rostock erscheinende Zeitschrift„M e e r und K ü st e' Ivagt eS trotzdem, in die Geheimnisse der Flottenverschöueruiig hineiu zulcuchten und einige bittere Betrachtimgen über die moderne Reklamepolitik anzustellen. Die deutschen Seeleute seien jetzt, wie gewisse Pneumatiks, die„besten der Welt", nicht bloß in Bezug auf ihre berufliche Tüchtigkeit; auch in Bezug auf Sitte und Moral seien sie Musterknaben. Werde irgendwo auf einer deutschen Werft ein Schiff gebaut, so ist eS unweigerlich ein„Tri» m p h der S ch i f f S b a u k u n st'. Wie aber ist die Wahrheit! Der Verfasser antwortet: „WaS zunächst die S e e l e n t e angeht, so habe ich während meiner Fahrzeit noch nie ermitteln können, daß durch die Nationalität eine Variation in der Vorliebe für Wein und Weib bedingt sei. Zwischen deutschen und englischen K r i e g s- s ch i f f S- M a t r o s e n läßt sich mitunter allerdings ein kleiner Unterschied feststellen, ich meine, es will aber auch etwas heißen, ob nian monatlich neun Mark wie der dentsciie, oder nahezu fünfzig Mark wie der englische Vollmatrose(able Seaman) zu verzehren hat. Daß unter solchen Verhältnissen der deutsche Matrose im Auslände oft sittsam an Bord bleibt, nachdem er sich einmal„die Gegend angeschen hat', ist am Ende nicht allzu schwer zu begreifen. Und wie steht eS mit den„Triumphen deutscher Schisfsbnnkunst"? „Merkwürdig"— so spottet der Nörgler—„alle Marinen haben Schiffe, die sie offenkundig selbst sür nichts Besseres halten, als ftir ein verunglücktes Experiment— n n r wir nicht!': „Die Kiistcnpanzcr der„Siegfried'-Klasie haben voll und ganz befriedigt, die an die extremsten, von uns seiner Zeit so sehr veriirteilte» Bauten der französischen Marine erinnernde „Kaiser"-Klasse repräsentiert die flärkstcn Schlachtschiffe der Welt und dergleichen mehr, niit einem Wort, die deutsche Flotte ist die beste der ganzen Crde. So behaupten wenigstens unsre getverbsinässigrn Flottenbegeisternngö- Fabrikanten, andre Leute denke» andere« darüber." Der Verfasser erzählt— wir folgen einem Auszug dcS„B. T.'— daß kürzlich eine große Umfrage bei' den Fachlcilteu aller Länder ver- anstaltet tvnrde, ivelchc» die sechs besten Schlachtschiffe seien; einmal — und zivar von deutscher Seite— wurde an hervorragender Stelle die„Wittclsbach"- Klasse seine verbesserte„Kaiser"- Klasse) genannt. Läuft heute ein Kreuzer vom Stapel, und eS stellt sich bei den Proben heraus, daß er eigentlich nicht Fisch, nicht Vogel ist, daß er statt mindestens 21 Seemeilen pro Stunde mit Mühe und Not 19 Meilen Probefahrtsgeschwindigkeit erreicht, so schweigt mau sich möglichst gründlich anS. Passiert aber gar einmal irgend ein Unglück, so wird Himmel und Erde üi Bewegung gesetzt, um in meisterhaft diplomatisch abgefaßten Berichten--- verschweigen zu können, daß irgend wo von irgend Wem ein Fehlen, ein Versehen begangen worden sei. Man denke an die.Grundbernhrung' S. M. S. Kaiser Friedrich III.' Sind solche Mittel nötig?„Es giebt Marine« Offiziere genug,' schreibt der Verfasser,„die selbst sehr gut wiffen und ein- 'chcn, daß ein solches Vorgehen nach jeder Richtung hin nur schädlich und gefährlich ist, aber man weiß, daß in derlei Fragen O p p o- sition bei uns nicht sehr bekömmlich fft.' Die Stimme dieses und sonstiger Wüstenprediger wird ohne Wirkung verhallen. Es liegt im Wesen dieses ganzen innerlich über- Ivinidenen, unmöglichen Systems, daß es über seine Fäulnis durch ausschweifenden Optimismus sich und andre belügt. Man sucht die verzehrende Krankheit durch üppiges Rosenrot fortzuschminken. Man lebt lärmend in den Tag hinein, wähnend, daS Gericht sei noch fern, daS diese Politik der Bilanzverschleierung entlarvt und ahndet.— Sorge um die gefährdete Autorität deS Staates ist, die solche heftige GefühlSergüssc veranlaßt. Wenn sich nun in den letzten Tagen ein großes Centrumsblatt gar dazu verstieg, zu reden von einer ein« reißenden Apathie im Volk und in den gebildeten Ständen gegen die Souderstelliuig Bayerns und gegen das Haus Wittels- buch, das sich eines Tages allein sehen werde im L a n d e, so weiß man ja schon aus der Geschichte des Zolltarifs, daß solche Drohungen in der Regel recht Ivenig idealen Motiven entspringen. DaS ist auch dies- mal der Fall und je intensiver die Organe der Majoritätspartci ver- sichern, es handle sich um ein Princip, nicht aber um die Person des „doch eigentlich liberalen' Ministers, innsoweniger glaubt man das. llnd wenn— wie die Centrnmspresse offen zngiebt— Landmann für seine früheren Verfehlungen, die noch vor einem Jahre„in schärfster Weise geahndet' werden sollten, sich durch daS Schul- dotationSgesetz Verzeihung erkaufte, so wurde von diesem Moment ab die Freundschaft mit der klerikalen Mehrheit eine so innige, daß diese sich im KuUuSministerium selbst gleich häuslich niederließ. In welchem Maße der Dehnbare seinen neuen Freunden verfallen war, darüber giebt ein Artikel der Zeitschrift„DaS zwanzigste Jahrhundert' höchst ergötzliche Aufschlüsse. In diesem Blatt schreibt Herr Dr. Franz Klasen, ein katholischer Geistlicher und ehemaliger Chefredacteur des jetzt parteiosfiziösen„Bayrischen Courier' u. a.:«Am unerträglichsten wurde eS, daß die Besetzung von Stellen des KultnsressortS in hohem Maße ganz nach dem Willen der Centrumsführer gemacht wurde. Im Kultusministerium erhielt man die Antwort: Da muß ich„den D a l l e r' fragen, S ch ä d l e r wünscht auf diesem Posten jemand anders zc. zc. Das ging bis zur Besetzung von Stellen, für deren richtige Besetzung,„der D a I l c r' nicht mehr das richtige Urteil besitzen konnte. Ter KultiiSministcr hatte daS Neffort der Pcrsonalbcfördcrnng biö zu einem Grade anS der Hand gegeben, der einfach nicht mehr ertragen werde» konnte. Daher das Laufen zu CeutriunSabgeordneten, wenn jemand eine Stelle wollte. Da« konnte natürlich nicht unbekannt bleiben. Inder Partei selbst hat dieses Handeln die politische Charakterlosig- keit befördert. Männer, die unter vier Augen über das Centrum viel ärger ulkten, als uusre Kritik scharf war, konnte» sich in Ver- gotterung der CentrumSgrößen in deren Gegeulvart nicht genug thini.' Der Artikel des Herrn Dr. Klasen stellt dann noch einige andre Behauptiuigc» auf, gegen die in der«Augsb. Poft-Ztg.' polemisiert tvirg. Zu der eben citierten Stelle über den Personalienhandel aber geht das Centnmisblatt aus guten Gründen stillschweigend h i n Iv e g. die Klasensche Darstellung dürfte also ungefähr den Thatsacheu entsprechen. Unter solchen Umständen wird dann freilich auch die heftige Erregung der Ultramontanen begreiflich. die sich nun um die Früchte mehrjähriger Erziehungsarbeit betrogen sehen. Und um solchen unangenehmen Vorkomm- nissen für die Zukunft vorzubeugen, begnügt man sich nicht mit der Versicherung, daß ein dem Ccntrum viel näher stehender Mann kommen Iverde. Man will jetzt gleich ganze Arbeit machen; nicht nur daS Ministerium Crailsheim soll fallen, sondern auch in das Gehcimkabiuett des Regenten will nian eindringen. Man jammert über das verfassungswidrige Mitregiere» der Hofklique, über die nuvcrautwortlichen Ratgeber' und— will sie durch eine iiltranion- taue Klique ersetzen. Auch hinter den Couliffen des Centruins wird mit Wasser gekocht; aber mit schmutzigem.— polikische TtebevMzk. Berlin, den 21. Zuli. vom bayrischen Ccntrum. AnS München wird uns gefchneben: Die Trauergcsänge und daS Wutgeschrei dcS CentnimS müffen auch bei den weniger genaueren Keimer der bayrischen politischen Verhältnisse die Bermutmig wachrufen, daß es nicht lediglich die Gegen alldeutschen ChanviniSmnS wendet sich der frühere Untcrstaatssekrctär Graf Berchem in einem längeren, auf Gemein- Plätzen stolzierenden Artikel. Man solle sich nicht an England, selbst- überheblich, reiben. Uusre Alldeutschen sind ein so ungefährliches Häuflein von Sonderlingen und Narren, daß selbst unsre Nationalen ihnen gegen- über an sich verständige, ober ihr eignes Thun unbewußt verhöhnende Wahrheiten zu predigen wagen. Wenn man bei uns mal tapfer ist, so sucht man sich Zwerge und Krüppel zum Feinde aus. Die Norddeutsche Allgemeine Zeitung' bringt diese Tapferkeit an erster Stelle. Der„R e i ch s b o t e' aber, das konservative Pastorenblatt, be« merkt zu dieser plötzlich hcreingebrochencn offiziellen England- und Anicrika-Freimdschaft ungewöhnlich bissig: «Die romantische, iinrnhige, überschwänglichc und im Grunde schwächliche Politik, die auch in uusern auswärtiger Beziehungen heute vielfach getrieben wird, wird noch viele Rückschläge erleben. Sie sollte selbst an ihre eigne Brust schlagen und die Ursachen vieler unliebsamen Erfahrungen, nicht auf die Presse und gewisse»atioiiale Aspirationen der Oeffeutlichlcit, die noch nicht die schlechtesten sind, iibcrznwälzen suchen. Tie sollte vor allen Dingen einmal danach fragen, waS man über sie selbst im Sliiöland hinter den Thnre» denkt und spricht, und sie würde erstaunliche Urteile zu hören bekoiiimrii. Alle die klugen Herren in London, Petersburg, Paris, New Dork. Rom usw. wissen doch längst Bescheid, wie der Berliner Wind locht, und richten sich mit ihren eigenen Ansprüchen und Maßnahmen lauernd und abwartend aus die psychologischen Moiiirute, die an der Spree vorwalle», zu ihm» Vorteile ein." Das ist für ein kons ervativcs Blatt alles mögliche; und man kann nicht sagen, daß dieser Steckbrief unsrer herrschenden Politik die besonderen Kennzeichen unrichtig wiedcrgicbt.— „Versuche zur Feststellung militärischer Leistungsfähigkeit". Aus H a ii ii o v e r wird iniS berichtet; Aus dem Truppeulager in der Senne bei Paderborn gehen verschicdeucii Promiizblättern Berichte zu, die von übermenschlicheii Strapazen erzählen, welche dem dort zusaiiunengezogeucii, teilweise aus L a u d w e h r l e u t e» bestehenden Reservc-Regiment Str. 55 zugemiltet worden feien. Der„Bielefelder General-Anzeiger' berichtet darüber:„Das Reserve-Regiment hatte überaiis große Strapazen zu ertragen. Am 10. Juli ereignete sich ein Todesfall. Bei einem dreistündigen Marsche bis in die Nähe von Lippstadt fiel plötzlich ein Mann um, und eS flelmig nicht, denselben nm Leben zu erhalten. Am andren Tage meldeten sich mehrere Hundert Leute. Rund 200 waren am gleichen Tage schlapp geworden. Der Dienst erstreckte sich von nachts 1 Uhr(Wecken; S1,* Uhr Ab- nmrfch) bis niittags 12 Uhr mit vollem Gepäck. Wohl war vom Generalkommando für die Zeit von mittags 12 Uhr bis 3 Uhr Bett- ruhe befohlen, die aber durch die Einnahme des Mittagessens und das Reinigen der Alisrüstungsgegenstände wesentlich gekürzt wurde. Bon SVa bis 6 Uhr war wieder Dienst angesetzt. Am 14. Juli fand die Besichtigung durch den General der Kavallerie v. Vissing statt. Von L'/a Uhr morgens bis gegen 11 Uhr mittags wurde mit IVa Stunden Pause marschiert. Nachdem nun einzelne Compagnien bis abends 7 Uhr in heiszem Sande und glühender Sonne gelegen hatten, wurden sie ins Gefecht mit scharfen Patronen geführt, von Ivo die letzte Compagnie gegen 81/i Uhr lvicdcr im Lager eintraf. Der Rückmarsch der Compagnie hätte viel früher erfolgen können, wenn das Scharfschießen nicht um iVa Stunde hinausgeschoben werden mußte, da das Gelände von schlapp gewordenen Leuten übersät>v a r. Auch Paderborner Blätter bringen ähnliche Meldungen. Nach der Bielefelder«Wests. Ztg." sind mit den Truppen Versuche znr F e st st e l l u« g der Leistungsfähigkeit und Ausdauer bei größeren M a r s ch ü b n n g c n gemacht worden. _ Wir geben diese Preßmeldungcn wieder, damit eine amtliche Aufklärung veranlaßt werde.— v. Podbiclski soll— so versichern jetzt einige Blätter— seine Stolpcr Pfifferlingsrede nicht oder doch nicht so— podbiclskisch gehalten haben, wie sie bisher mitgeteilt wurde. »Na, denn nich, denn is et auch gut"— Podbielsli ist kein Minister, dessen Acnßerungen politisches Interesse haben; kultur- historisch sind sie allerdings nicht nnbedcutsam.— Schutz der Photographien. Den Regierungen der Bundesstaaten ist vom ReichSamt des Innern der Entwurf eines neuen Gesetzes zum Schutze dcö Urheber- rechts an Werken der Photographie zur Begutachtung zugegangen. Der Entwurf wird im»Reichs-Anzeiger" veröffentlicht.' In den Bemerkungen dazu heißt es: »Der vorliegende Entwurf will den Schutz photographischer Er- zeugnisse vornehmlich nach drei Richtungen hin verstärken: durch Verlängerung der Schntzdauer; durch daS Verbot der Nachbildung, auch wenn sie auf andrem als rein mechanischen» Wege erfolgt; durch Beseitigung der Beschränkung, welche sich aus der Freigabe der Benutzung von Photographien ergicbt, die mit industriellen Erzengnissen in Verbindung stehen. Eine urheberrechtliche Gleichbehandlung der Photographien mit den Werken der bildenden Kunst lvird nicht ins Auge zu fassen sein; sind auch mannigfache Bcriihrnngspnnkte vorhanden, so liegt doch ein wesentlicher innerer Unterschied darin, daß die Photographie nicht frei schafft, sondern Vorhandenes auf mechanischem Wege reproduziert. Allerdings erhebt sich die Photographie in ihren besten Werken auf das Niveau künstlerischer Gestaltung, während gewisse Schöpfnngcn, Ivelche rechtlich als Kniistwerke behandelt werden, nach dem Maße der ihrer Hervorbringnng nötigen geistigen Schaffens- kraft mehr in das Gebiet der Technik gehöre». Die Gesetzgebung kann aber nur mit dnrchschnittsnräßigcn Verhältnissen rechnen. Auch ist selbst von den Verteidigern derjenigen Theorie, welche die Photo- graphien den Kunstwerken gesetzlich gleichgestellt sehen will, ein prakti- sches Bedürfnis für eine sotveit gehende Verstärkung des Schutzes in keiner Weise dargethan.> Unter den materiellen Aendcrnngen, welche der Entwurf in dem bisherigen Nechtsznstandc zu treffen beabsichtigt, sind im übrigen die nachstehenden Punkte als besonders wichtig hervorzuheben: der Schutz des Rechts am eignen Bilde; die Bcscitigiing der urheberrechtlichen Vcrpflichtnng znr Angabc des Namens und Wohnortes des Verfcrtigcrs und des Kalender- jahrs des Erscheinens: die Gewährung des Schutzes für nicht erschienene Photographien ohne zeitliche Beschränkung. Eine Reihe minder wichtiger Aenderungen sind durch die An- Passung an das litterarische Schutzgesetz vom 19. Juni 1901 bedingt, das auch in der Anordnung des Stoffes und in redaktioneller Bc- ziehnng als Vorbild zu dienen haben wird." Nach den Vorschriften gilt als Urheber der Verfertiger eines photographischcn Werkes, bei Sammelwerken gilt für das ganze Werk der Herausgeber oder Verleger als Urheber. Als geschützter Urheber eines photographischen Werkes gilt der Verfertiger auch dann, wenn eS mit den Werken der Litteratur, derTonkunst oder der bildenden Künste verbunden ist. Bei photogrnphischen Bildnisjen(Portraits) geht das Urheberrecht ans deii Besteller über. Nachbildung gilt auch als Ver- vielfältigung. Die Schutzfrist ist auf 15 Jahre angesetzt. Photographische Bildnisse dürfen nur mit Einwilligung des Abgebildeten verbreitet oder öffentlich zur Schau gestellt werden und nach dessen Tode 10 Jahre lang nur mit Einwilligung des überlebenden Ehegatten, der Eltern oder Kinder. AllSgenömmen von dieser Borschrist sind Abbildungen, deren Zweck nicht die Darstellung einzelner Personen ist, wie Landschaften, Versammlungen, Aufzüge und dergleichen. Für Verletzung der Urheberrechte ist Buße bis zu 6000 M. oder Schadensersatz, sowie für vorsätzliche Verletzung außerdem Strafe bis zu 3000 M., bei Portraits bis zu 300 M. angesetzt. Die Verjährungsfrist für Schadcnsansprüche und Strafverfolgung ist auf drei Jahre bemessen. In allen Bundesstaaten sollen Sachverständigenkammern errichtet werden, die auf Erfordern Gutachten abzugeben haben.— Die herrliche Flotte. A»S Kiel meldet das„Verl. Tagebl.": Auf dem Durchmarsch des Geschwaders durch den Nordostsec-Kanal lief das Linienschiff«Brandenburg" unweit der Levensaller Hochbrücke auf. Die Berührung des Grundes war leicht. Die„Brandenburg" suchte die kaiserliche Werft in Kiel auf, wo sich herausstellte, daß sie unbeschädigt geblieben war. Un- berufen I— Die Abneigung der CeutrumS-Arbciter gegen Zolllvucher. AuS dem Jndnstriebezirk wird uns geschrieben: Schmerzerfüllt jammert das Organ des centrumischen Geivcrkschaftsagrariers GicS« berts, die„Wcstdentschc Arbeiterzeitung", über die Verhöhnung der katholischen Arbeiter durch die ultramontane agrarische Presse. Weil der christliche Gewerkschaftskongreß sich nnt der Landarbeiterfrage beschäftigte, höhnte die„Rheinische Volksstimme", das Organ der rheiirischen 7Va Mark- Zöllner, über„Gewrrkschaftökongrcßler". die sich nicht um Sachen kümmern sollten, die sie nichts an- gingen usw. ' Das hat die unentwegten Gewerkschaftsagrarier mit Sorge uni — den Zolltarif erfüllt und so läßt sich die fromme„Arb.-Ztg." also vernehmen: „... Wenn jedoch gegenüber solchen, die ganze christliche Arbeiterschaft beleidigenden Aeußernngen der von hervor- ragenden katholischen Lan d'w i r t e n noch immer pro- legierten„Rh. Bolksst.", die Abneigung gegen die Landwirtschaft und des von ihr gewünschten Schutzes durch die Gesetzgebung— jetzt durch die Zolle— immer mehr steigt, so müssen ivir die Verantwortung dafür der agrarischen Presse überlassen...." Rührend ist die Sorge der Vertreter der Arbeiterinleressen um den Wuchertarif. In dieser Sorge macht sich der Oberagent der Agrarier im GewerkvercinSIager sogar einer Beleidigung der katholischen Arbeiter schuldig, die man bisher nur der Socialdemokratie gegenüber vernahm, seitens Centrumler und Agrarier. Es ist der Porwurf der Abneigung gegen die Landwirtschaft. Die katholischen Arbeiter nähren ebensowenig wie die Socialdemokratie eine Ab- Neigung gegen die Landwirtschaft, beider Abneigung richtet sich nur gegen die Wuchergelüste der fälschlich unter der Bezeichnung: Land- Wirtschaft segelnden Großgrundbesitzer. Interessant ist das Geständnis einer gepreßten Geiverkschaftsagrarier-Seele, daß bei den katholischen Arbeiter gegen die ganze Liebesgaben Politik, wie auch gegen die j e tz i g e' Z 0 I k w u ch e r e i speciell, Abneigung feststeht. Der Arbeiterführer nennt die junkerliche Liebesgabenpolitik vorsichtiger- weise—«gewünschter Schutz!"-- Also die katholischen Arbeiter sind Gegner der ganzen Liebe?- gabcnpolitikl Daß die katholischen Arbeiter freiwillig eine Fortsetzung dieser Politik, einer weiteren Lcbensmittclwucherei zu- stimmen, wird man doch wohl nicht behaupten wollen. Um die Arbeiter gefügig zu machen, bedarf es eines Zwangsmittels. Und dieses Zwangsmittel heißt: Religion! Dieses Mittel ist schon zu so manchem Arbeiterverrat mißbraucht, und muß auch jetzt wieder zum Volksbetrng herhalten. Natürlich, die Zollwnchcr-Jesuitcn leugnen das. Allerdings stellt man sich nicht auf die Kanzel und erklärt: wer gegen die Wucherzölle ist, verliert den Himmel. Das ist auch gar nicht nötig. Wenn Geistliche und ungeschorene Klerikale die Zustimmung zum Zolltarif als Pflicht der ausgleichenden Gerechtigkeit verlangen, dann ist der politisch indifferente katholische Arbeiter davon überzeugt: Die Duldung des junkerlichen Raubzuges gehört gerade so gut znr Ersüllung religiöser Pflichten, wie die Wahl eines CentrumSmannes. Daß den Katholiken letzteres von der Kirche zur Pflicht gemacht wird, ist ja auch noch nicht be- stritten worden. Wenn aber die Wahl eines Centrumsmanncs zur religiösen Pflicht gehört, dann doch auch die Duldung centrumischer Politik. Die Abneigung der katholischen Arbeiter gegen die Zoll- Wucherer soll milhin auch durch Mißbrauch der Religion besiegt werden. Da es dem Ceutrum genügt, für den katholischen Arbeiter die Verpflichtung zu retten unter allen Umständen einen Centrnmsmann zu wählen, so kann man sich schon den Luxus erlauben, die Zu- stimmmig zum Zolltarif nicht ausdrücklich als religiöse Pflicht zu erklären. Der katholische Arbeiter sollte über diese Zwiespältigkeit nachdenken: Die Wahl eines Cenlrumsmannes wird ihm zur religiösen Pflicht gemacht— aber das Centrum erklärt, die Zilstimmmig zur CentrumSpolitik gehört nicht zur religiösen Pflicht I—— Der katholische Arbeiter muß dann doch leicht zu dem Ergebnis kommen, daß. wenn das Ceutrum seine Politik öffentlich preisgicbt, es auch nicht zur religiösen Pflicht gehören kann, für das Ceutrum ein- zutreten.— Vom klerikalen Denunziantentum. AuS St. Ludwig läßt sich der«Elf. Kurier" berichten:«Der P 0 st s e k r e t ä r W i l n 0 w in St. Ludwig, Präsident des dortigen Kriegervercins. tvelcher von der vereinigten demokratischen„Fortschrittspartei" und den Socialisten als Kandidat für den Gemeinderat aufgestellt worden war, ist letzte Woche nach Straßbnrg versetzt worden. Wilnow halte sich sogar geweigert, als Kandidat auf der konservativen Liste zn fungieren, und hatte den Einfluß seiner Stellung den linkSradikalc» Parteien zur alleinigen Verfügung gestellt. Er fiel bei der Wahl durch." Material für einen neuen klerikalen— Toleranzantrag I Die Nachwahl in Forchheim-Kulmbach, die am 13. Angnsl stattfindet, verspricht, so wird uns geschrieben, auch ganz interessant zu werden. Nicht weniger als fünf Kandidaten sind bereits auf den Plan getreten: von unsrer Partei Genosse Dein hart- Erlangen, vom Ceutrum Bürgermeister Strecker- Forchheim, vom Bund der Landwirte Gntspächtcr Wcilnböck- Hnmmcndorf, vom bayrischen Banernbund Ockonom W ö l f e l- Berndorf, von den National« liberalen Fabrikbesitzer F a b e r- Forchheim. Zwischen National- liberalen und Freisinnigen war tvegen eines gemeinsamen Vorgehens verhandelt worden und es ivnrde zuerst als Mischmaschkandidat der freisinnige Buchhändler B a r b e ck- Nürnberg genannt. Dieser Herr ist jedoch den Nationalliberalen viel zu„extrem". Die freisinnige Partei erklärte nun, daß sie die Kandi- datur Fabcr unterstützen werde, wenn dieser Herr sich verpflichte, für langfristige Handelsverträge ohne Erhöhung der Zölle auf not- wendige Nahruiigs« und Bedarfsartikel, für Äufrcchtcrhaltnng des bestehenden Reichstags-Wahlrcchtcs und gegen Ausnahmegesetze zu stimmen. Da Herr Faber in der Zollfrage auf dem Boden der Regierungsvorlage steht und das natioualliberale Blatt in Nürnberg bereits erklärt, daß die Freisinnigen mit ihren Wahlklauseln bei dem Kandidaten kein Glück haben iverden, so wird wohl auch noch eine freisinnige Kandidatur auftauchen.— Uebcr de» Inhalt des Drcibuud-VcrtragcS führt der «Pester Lloyd" ans, daß früher, i» den achtziger Jahren, auf italienischen Wunsch für den Mobilmachnngsfall die Verwendung italienischer Truppen an der Westgrenze des Deutschen Reiches in Aussicht genommen gewesen. Man ist davon aber lange vor der letzten Erneuerung des Dreibundes aus praktischen Gründen mili- tärischer Natur zurückgekonrinen. Im Dreibund-Vertrage hat niemals eine Verpflichinng Italiens zur Entsendung von Truppen durch Tirol nach Teutschland bestanden. Diese Frage konnte daher auch weder bei dem Abschluß noch bei der Erneuerung der Bedürfnisse zur Sprache kommen.— Ausland. Oestreich-Ungar». Wien, 20. Juli. Die„Arbeiterztg." veröffentlicht ein von der Statthalterei an alle Bezirkshauptleute versandtes Cirkular, in welchem dieselben angewiesen werden, ein genaues Verzeichnis über solche Personen zu führen, die dem Militärverbande angehören und sich ini civilen Leben als Agitatoren der socialdemolratischen oder anarchistischen Grundsätze bcnrerkbar gemacht haben. Für diese Ver- zeichnisse wurden von der Militärbehörde besondere Drucksorten zur Verfügung gestellt. Die Schnüffelei soll wohl dazu dienen, den Socialdcmokraten und Anarchisten eine anständige Behandlung zu sichern.— Frankreich. Der Kulturkampf in Frankreich. Wie der.Ganlois" mitzuteilen weiß, hat beim Erzbischof von Paris unter Vorsitz des Kardinals Richard eine Sitzung statt- gefunden, in welcher die Klerikalen den Kriegsplan gegen die Re- gierung festgesetzt haben. Nach andrer Lesart hat der Deputierte Cochin de» Vorsitz gehabt. Die Opposition soll planmäßig betrieben werden. Die Väter und Mütter von Schülern der Kongiegations- schulen sollen öffentlich demonstrieren, die Deputierten und Scna- loren bestürmen, damit daS Riiiidschreiben des Ministerpräsidcntcn wieder außer Kraft gesetzt werde. Die Kongregationisten sind angewiesen worden, nur der Gewalt zu weichen. Der Erzbischof von Paris und der Bischof von Antun sandten an den Präsidenten Landet ein Schreiben, worin volle Freiheit für alle Franzosen verlangt und die Aufmerksamkeit des Präsidenten darauf gelenkt lvird, daß durch die von der Regierung angeordnete Schließung der kongregnnistischeii Schulen ein ungerechifertigter Ein- griff in die Rechte der Familie erfolgt sei. Die Bischöse stützen sich in ihrem Schreiben auf die vou Lonbet bei Gelegenheit seiner letzten Reise durch die Provinz gethane Aentzerung: Frankreich bedürfe der Ruhe. Diese Ruhe könne nicht durch Rechtsverletzungen wie die jetzt begonnenen erzielt werden. In den Vororten von Paris haben einzelne nationalistische GemeinderatSmitglieder Protest bei dem Seine-Präfekten erhoben und Interpellationen im Genieinderat angekündigt. In Versailles kam es wegen der Schließung einer Kongregationsschnle vor dem Nathans zu einem Zusammenlauf: unter den Protestlern befand sich auch eine Gräfin CambacareS. In Bain fanden Gendarmerie und Polizei- Agenten die Schulen der Ordensschwestern von Bäuerinnen besetzt, welche mit Heugabeln bewaffnet waren. In St. Ambroix hatten sich mehrere Personen in die Schule eiiischließen lassen, um dieselbe zu verteidigen. Andrerseits erhält aber auch die Regierung eine Menge Zustimmungsschreiben. ES entsteht die Frage: wo bleiben die Schüler der Kongregations- schulen nach Schließung derselben? Nach den letzten Berichten vom 1. Juli 1901 waren von 278 006 Schülern der Stadt Paris in öffent- lichen Schulen 186 240 untergebracht, in weltlichen Privatschuleu 28 791 und in KongregalionSschulen 62 975. Aon diese» 62 975 Kindern fallen ca. 7000 auf solche Kongregationsschulen. deren Schließung jetzt zu erfolgen haben wird. In den Vororten von Paris sind die Zahlen folgende: Von den 26 000 Kindern, welche in Kongregationsschulen untergebracht sind, würden nach der Schließung derjenigen Schulen, die unter das Gesetz fallen, 3000 Schüler ausgeschlossen sein. Da nach den offiziellen Schul- berichten alle öffentlichen Schulen voll besetzt sind, so würden bei dem Wiederbeginn des Unterrichts etwa 10 000 Kinder vom Unterricht ausgeschlossen sein, weil für sie kein Platz vorhanden ist. Seit 1898 schwebt im Pariser Genieinderat bereits ein Projekt, nach welchem 60 Mill. Francs für neue Schulen bereit gestellt werden sollten, bisher ist es aber bei dem Projekt geblieben. Gelingt es der Re- gierung nicht, die 10 000 Kinder in öffentlichen Schulen oder doch in weltlichen Privatschuleu unterzubringen, so wurden die Klerikalen und Nationalisten eine gute Waffe gegen die Regierung in der Hand Bei einem Festmahl des landtvirtschaftlichen Vereins in Paris hielt Ministerpräsident Combcs eine Rede, in welcher er ansführte, er habe die Ministerpräsidentschaft angenommen in der Absicht, das VcrcinSgesetz znr Dnrchführnng zu bringen. Er verwahre sich gegen die Unterstellung, daß er Berfolgimgspoliiik treibe, ivie wenn die Anwendung des Gesetzes eine Verfolgung bedeutete. Die Ruhe, womit daS Gesetz zur Ansführnng gebracht wurde, und die Thatsache, daß sich keinerlei Widerstand kundgab, seien Beweis dafür, daß von Verfolgung nicht die Rede sein könne. Das Gesetz sei eine Notwendigkeit ge- Wesen infolge des Anwachsens der Kongregationen, welche in der Politik und zuletzt auch bei den Wahlen zu den gesetzgebenden Körperschaften einen innner fühlbareren Einfluß ausübten. Die Republik würde ohne dies Gesetz allmählich durch monarchische oder theokratische Eiurichtnngeii ersetzt worden sein. Die Regierung werde ungeachtet der Beleidigungen und Drohungen ihre Pflicht thun. Redner rechtfertigt am Schluß seiner Rede die Haltung der Regierung denjenigen Kongregationen gegenüber, tvelche sich nicht dem Gesetze fügten. Der Kultusminister bereitet eine Eidesformel für diejenigen Mit- glieder der Kongregationen vor, welche ihre Unterwerfung unter die gesetzlichen Bestimmnngen erklären.— Belgien. Der internationale Kongreß der Armenophilen in Brüssel ist zu Ende, nachdem er verschiedene Nesolutionen angenommen hat. Von Bernstein war ein Zustimmungsschreiben eingelaufen. Auf Antrag Quillards wurde eine internationale Koimmssion eingesetzt mit dem Auftrag, sich mit den schon bestehenden nationalen Komitees in Verbindung zu setzen. Für Deutschland wurden in dieselbe gc- wählt Ludwig v. Bar, Dr. Förster und die Genossen Bebel und Bernstein. Eine von der Kommission ausgearbeitete, von Janrös begründete Resolution fand einstimmige Amiahme. In der Resolution heißt es, daß die Reforinen und die Garantien, welche die Armenier verlangen, wohl durchzuführen seien, ohne die Integrität der Türkei zn verletzen. Durch den Artikel 61 des Berliner Vertrages von 1878 habe Europa die Verpflichtung über- nommen, dem armenischen Volke Leben, Sicherheit und Glaubens- freiheit zu garnutieren. Es sei hohe Zeit, im Namen der Ehre Europas und der Hunianität diesen Artikel endlich loyal zur An- Wendung zu bringen. Der Kongreß ersucht desivegen die Regierung, gemeinschaftlich vorzugehen und beauftragt ihre internationale Kam- Mission, eine energische Propaganda in den Parlamenten, in der Presse und in der öffentlichen Meinung zu diesem Zwecke zu cnt- falten. In in einer andren Resolution drückt der Kongreß die Hoff- nung aus. daß die europäische Presse den armenischen Nachrichten, die ihr von«der internationalen Kommission übermittelt werden, zur größtmöglichsten Verbreitung verhilft. Der nächste Kongreß findet nächstes Jahr wiedenmr in' Brüssel statt.— England. London, 19. Juli.(Eig. Ber.) Ueber die Lage in Siidasrika läßt sich von hier aus nichts Positives mitteilen. Nur soviel ist klar, daß man die alarmierenden Nachrichten aus Johannesburg nud Kapsladt mit großer Vorsicht aufuchmen muß. Man darf nicht ver- gessen, daß die Goldleute ihre allen Jutrignen fortsetzen und eine feindliche Stimmung gegen die heimkehrenden Bocren sotvie gegen die Eingeborenen erzeugen möchten, um sich mit Hilfe der englischen Armee zu' absoluten Herren Südafrikas zu mache». Die Entschlossenheit der englischen Regierung, den Frieden zu befestige» und das Vertrauen des hart geprüften Boercustnmmcs zu gewinnen, paßt den Milliouären gar nicht. Sie benutzen deshalb die Reibungen, die beim Wiederaufbau der Kolonien unvermeidlich sind, um England mit der alte» Boerengefahr zu schrecken. Allem Anschein nach steht Lord Milner, der dcutsch-englische Burcankrat, auf feiten der Goldleute. In Sachen der Suspension des Kap-ParlamcntS wurde er von der englischen Regierung in schroffer Weise desavouiert. Da er aber daS Vertrauen der Loyalistcn in der Kapkolonie besitzt, so wird er von den Johanncsburgern gegen die englische Regierung ausgespielt. MilnerS Schicksal hängt jetzt ab von dem Erfolg oder Mißerfolg des in einigen Wochen zusammen- tretenden Kap-Parlauicuts. Schafft dieses eine gewisse Ordnung im Lande und erweist eS sich'stark genug, die FriedcuSarbcit auszuführen, so ist es mit der Herrlichkeit MilnerS zu Ende, es sei denn, daß er sich der Politik der Regierung unterordnet und mit der fluchwürdigen Politik vom Jahre 1399 vollends bricht. Nebenbei bemerkt, hat hier die Schadenfrende, mit der sich die deutsche Presse auf die beunrnhigcndeii Nachrichten aus Süd- nfrika warf, ganz unangenehm berührt.— Tiirkei. Grenzzwischenfälle. Der Minister des Aeußern Teivfik Pascha teilte dem montenegrinischen Gesandten Balitsch mit, daß 2000 Monte- negriuer die Grenze überschritten, türkische Truppen umzingelt und ihnen die Wasscrznfuhr abgeschnitten hätten. Die Pforte verlange, daß die Montenegiincr sich zurückziehen und verspreche Maßnahmen, um weitere Konflikte zu verhindern.— Auf die von dem monte- ncgrinischen Gesandten Balitsch im Dildiz unternommenen Schritte drückte der Sultan sein tiefstes Bedauern über die Grcnzvorfälle aus, da er die bestell Gesinuuugen gegenüber dem Fürsten Nikolaus hege,«ud stellte die Abberufung des Grenz- konrniissars Hnmdi Pascha in Aussicht.— Asien. Die Stellung der Missionen in China. Die chinesische» Kommissare schlagen vor, in den neuen Handels- vertrag sechs Artikel zur Regelung der Missionarfrage aufzunehmen. Erstens sollen nur e i u>v a n d s f r e i e Personen in die christliche Religionsgemeinschaft aufgenommen lverden; zweitens solle» gcricht- liche Klagen durch die chinesischen Beamten ohne Einmischung der Missionare erledigt werden; Drittens?); viertens sollen die Konvertiten nur von den Steuern für Festlichkeiten zu Ehren der Gölter befreit sein; fünftens sollen die Missionare Leute von schlechtem Ruf nicht der chinesischen I u st i z entziehen; sechstens muß alles Eigentum im Namen der Kirche eingetragen sein; ist dies nicht der Fall, so wird eine Entschädigung für Güter, die zerstört oder beschädigt ivorden sind, nur sotveit bezahlt, als dieselben von den Ortsbehördcn vorschriftsmäßig eingetragen worden sind. Diese Forderungen lenthalten die denkbar schärfste Kritik des von den Missionaren bisher in China geübten Versahrens und bestätigen. was über dasselbe schon früher bekannt war. Man sollte meinen, daß den Missionaren selber daran gelegen sein sollte, nur einivandSfreie Personen in die Gemeinschaft der Christen aufzunehmen, es scheint aber, daß sie— allerdings echt christlich— mehr Freude an einem Sünder hatten, der angeblich Buße thnend zu ihnen kam, als an 10000 ge- rechten Chinesen, die da meinten, der Buße nicht zn bedürfen. Daß die Missionare sich in die Justizpflege des Landes einniischten, dessen Gastfreundschaft sie genossen, und sogar Leute von schlechten» Ruf der chinesischen Justiz entzogen, ist einfach ei» Skandal. Auch auf die Art und Weise, wie.Entschädigungsansprüche" geltend gemacht wurden. wirft eS ei» dezeichnendcs Licht, daß die chinesischen Kommissare die Eintrasiimg des Eigentums verlangen; eine Zer- störung oder Beschädigung ihres Eigentums durch„Boxer" oder der- gleiche» muß für die chinesische» Christen allemal ein recht ein- träglichcs Geschäft gewesen sein. Bei so günstigen Chancen für die Ncntabilität jeden Betruges darf mau sich nicht wunder», wenn in China statt ernster Bekenner allerhand Gesindel hinter dein Kreuz herlief.— Amerika. New Dorf. Ein Telegramm ans Panama vom IS. Juli meldet: Gestern abend fand zwischen den Inseln Flamenco und Otogne ein Gefecht zwischen de» Kanonenbooten der Aufständischen „Padilla" und„Daricn" tind den Negierungsbootcn„Chnciuto" und „Clapet" statt. Das Kanonenboot„Darien" soll genommen sein. Die Reparatur des Kanonenboots der Regierung„Boyaca" wird beschleunigt und das Schiff heilte abend zu Wasser gebracht.— S7. Siijmig der Zolltarif-Kommission. Berlin, 21. Juli. Die Debatte verbreitet sich hauptsächlich über die Positionen 232, Pflastersteine, und 682, Steine solvie Lava, obgleich auch die Positionen 683/84, Platten, gesägt oder geschliffen, ferner 686/83, S t e i n m e tz a r b e i t e», mit zur Diskussion stehen, zu denen allen die Socialdemokraten Zollfreiheit be- antragen. Pflastersteine sind im Entwurf, Position 232— frei. S p e ck und Wallenborn beantragen zu 232 0,4t) M., zu 682 1 M. Zoll. Gothei« beantragt die textliche ttmnndernng, zu sagen:«bloß behauen", statt„bloß roh behauen". In der Begründung seines Antrages betont der Redner, daß von einer Notlage der Steine Produktion keine Rede sei und daß die schwedischen Steine un- entbehrlich seien. Dann beklagt sich Gothei» schwer daß wieder so viele Positionen z u s a ,n m e n g e z o g e n wurden, so daß es nur sehr s ch>v e r möglich sei dieselbe» samt den dazu vorliegenden Anträgen z» li e h a n d e I n, wie e s sich gebühre. Ferner wendet sich Redner gegen die Zollerhöbnngen auf die übrigen Positionen und deantragt Herabsetzungen. Besonders die Lithographiesteine dürften nicht so belastet werden— 15 M.— deshalb beantrage er 3 M. Molkenbuhr tritt für Zollfreiheit ein. Die schwedische Kon kiirrenz bezüglich der Pflastersteine könne durch den Zoll nicht verhindert werden, die billige Wassersracht sei der Hauptgrund der Wohlfeilheit. Wenn sich die Unternehmer beklagten, daß die socialpolitischen Lasten in Deutschland sehr hoch seien und in der Steinindnstric 8 Proz. des Umsatzes betrügen, und darum der Stcinbrnchs-Jndustrie mit Zöllen unter die Anne gegriffen werden müsse, so übersteige das alles, Ions Unternehmer bisher geflunkert hätten. Da nach den Berufsgenossenschafts-Angabeii die Löhne allein 138 Millionen betragen, könnten die Versicherungsbeiträge nicht 8 Proz. des Umsatzes betragen. Ferner sei in den Petitionen gesagt. in Schweden arbeiteten ganze Familien, sowie Greise. Frauen und Kinder in den Steinbrüchen, während in Deutschland das Gesetz dies verhindere. Auch das sei eine arge Flunkerei, denn thatsächlich würden nach den Aus »veisen der BcrnfSzählnng Kinder von 12 Jahren und Greise von 70 Jahren in deutschen Steinbrüchen bei schlechten Löhnen beschäftigt. So werde geflunkert, um Zölle zu erhalten. Die Gemeinden, lic fonders die norddeutschen, müßten sich sparsam einrichten in ihren Ausgaben und bezögen darum selbstverständlich billigeres Plaster Material. Die Oslsec-Rcedcrei und Schifferei würde hart bc troffen, wenn die Einfuhr schwedischer Pflastersteine durch den Zoll verringert werde. Dann wendet sich Mollcnbnhr gegen die Ber zollung der Lithographiesteine. Belästige man so die Lilhographie, lasse sie keine Steine, sondern gleich die fertige Lithographie schicken diese Industrie werde also dem Ausland ausgeliefert. Dagegen müsse Zollfreiheit verlangt werden. Die schwedische Konkurrenz könne nur verringert werden, wenn män bessere Transportwege für die Steinbrnchs-Jndnstric schaffe, Kanäle baue und dadurch die Fracht kosten mindere. Spahn giebt zu, daß die schwedische Konkurrenz durch den billigen Transport zu Wasser ermöglicht werde. Vielleicht ließe sich dem begegnen, wenn billigere Eisenbahn-Frachttarife für den Steine transport gewährt würden. Aber gegenüber der schwedischen Kon knrrenz müsse etwas gethan werden, deshalb habe er einen Zoll von 0,4t) M. beantragt. So lange deutsches Material zu haben sei, solle man dahin wirken, daß eS in Deiilschland zur Verwendung gelange. (Zuruf: Kohle!) So schlimm stehe es mn die Verhältnisse an den Küsten nicht, wie es geschildert worden sei.(Widerspruch.) Speck vertritt seine Anträge, zu denen auch der gehört, Pflaster st eine seewärts eingehend— 0,40 Mark serner der zu 686, S t e i n in e tz a r b e i t c», nngesckilifsen, ans Granit 2 M. statt 0.75 M.. andre ebenfalls 2 M. statt 0,75 M. Graf Posadowsky wendet sich gegen alle Anträge. Es koniinc darauf an, die Kiilturiiiteressr» des Landes den Jnterefsen einiger StciiibrnchSbesitzer gegenüber zu halten. Man brauche nicht weit ostwärts von Berlin zu gehen und man findet dort die traurigsten Straßen, die noch mit Findlingssteinen gepflastert seien. Findlinge und erotische Blöcke ersetzen die' billigen und guten schwedischen Steine nicht. Redner geht auf die Förderung der Landeskultur durch gute Straßen näher ein. Verteuern»vir künstlich die Einfuhr von Pflastersteinen, schädigen wir das ganze Land. Der bayrische BuiideöratS-BcPolluiächtlgtc v. Gcyger und Regicruiigörat Dr. Völker treten für die Vorlage, d. h. für Zollfreiheit auf Pflastersteine ein. Der sächsische Viiudeelratö-Vevollmächtigte Dr. Rngcr erklärt dagegen, daß die sächsische Regierung einem Zoll, wie er von Spahn beantragt sei, nicht e n t g e g e n t r e t e(Hört! hört!) und begründet dies mit den billigen Preisen der Pflastersteine. Aliillcr- Sagau findet es sehr bezeichnend, daß der Vertreter des Kulturstaatcs Sachsen gegen die R e i ch s r e g i e r n n g, die die Landeskultur in dieser Beziehung fordern wolle, auftrete. Auch ans hygienischen Gründen müsse man für die härteren schwedischen Pflastersteine eintreten. Es stehe fest, daß je nach der Härte der Steine der Staub in den gepflasterten Straßen sich entwickle. Gcheinirat Wcrmnth tritt für die Vorlage ein. Graf Kauitz behauptet, daß die Kanalfracht ebenso teuer wie die Eisenbahnfracht sei. Trotzdem empfiehlt Redner eine Herabsetzung der Eiscnbahntarife für SteinetraiiSporte. Graf Posadowöky erinnert daran, daß man auch in Mittel- städtcn mehr zur Einführung des geräuschloscii Pflasters übergehe und das Material dazu liefere ebenfalls das Ausland. Durch den Zoll werde also nichts gebessert. Taöbach tritt für den Zoll ein, der zum Teil vom Ausland getragen werde.(Zuruf: Wie wird das gemacht?) Redner aut- wartet, die Schweden bieten dann billiger an.(Gelächter.) Blankcnhorn will die Julandsproduktioii gegen das Ausland schützen. Redner giebt zu, daß die Lasten der Gemeinden dadurch erhöht würden, aber vielleicht führe das zu einer Verbilligung der Eisenbahn-Frachttarife. Ferner verlangt Redner höheren Zoll für Steininetznrbeiten(Position 686). Graf ftanitz beantragt zu Position 232(Pflastersteine) 0,25 M.; zu Position 682(Steine sowie Lava, poröse und dichte) 0,50 M.; zu 636, S t e i n m e tz a r b e i t e n, 1,25 M. Paaschc erklärt, mit den Gründen, die Gras PosadowSky angeführt habe, lasse sich jede Zollschutz-Politit bekämpfen. (Links: Sehr richtig!) Ein Schlußantrag wird angenommen. Position 232 bleibt zollfrei: zu 632 wird der Antrag Könitz: statt 0,20 M. zu setzen 0,50 M., angenommen, ferner der Antrag Spahn: 682s., Pflastersteine 0,40 M. Position 683 wird nach der V okr I a g e angenommen. Zu Position 684 wird die Wortfasinng Gotheins, dazu die Zoll- sätze der Regierung angenommen. Als besondere Abteilung dam wird der Antrag Gothcin: Lithographiesteine(Platten) mit Zeich- nuugen, Stichen oder Schrift— 3 M. angenommen. Zu Position 686 werden die Anträge Könitz, Position 687 dagegen nach der Vorlage angenoinmen; ebenso Positionen 688. Nunmehr kommen die Positionen 685, Schieferblöcke, Schiefer- platten, roh— 3 M. und Position 689, gehobelte Schieferplattcn ic. 10 M., zur Beratung. Stadthagcn tritt für Zollfreiheit ein. Gothcin beantragt zu 685 eine andre Fassung, dazu Zollsätze von 0,50 und 1,50 M.; zu Position 689 statt lOM.'zu setzen: 6 M.. Gehobelte Schieferplattcn 3 M. Positionen 685 und 689 werden nach der Vorlage angenommen. Zu Position 690, Waren ganz oder teilweise aus Lava, poröser oder dichter— 200 M., beantragen die Socialdemokraten Zollfreiheit. Stadthagcn vertritt den Antrag. Die Position wird nach der Vorlage angenommen. Position 691, Bildhauer- und Bildschnitzerarbeiten— zoll- frei, wird nach der Vorlage angenommen. Die Positionen 692/93 werden zusaimnengefaßt. 692, Stein- waren, ohne Verbindung mit andren Stoffen, aus Alabaster. Marmor. Serpentiiistein— 15 M., ans Granit, Porphyr, Syenit — 15 M., aus andren Steinen 6 M.; 693, in Verbindung mit andren Stoffen— 24 M. Stadthagcn tritt für Zollfreiheit ein. Die Positionen werden nach der Vorlage ongenommen. Zu 694, M ü h I st e i u e, auch mit eisernen Reifen oder Metall- hülsen— 0,25 M,, beantragen Speck, Dasbach, Wallen- dorn 0,60 M.. die Sociaidemokrateii Zollfreiheit. Molkcnbuhr tritt für Zollfreiheit ein, die den Kleinmüllern zn gute käinen. Die Klcinmüllerei geht rapid zurück. Nun erschwere man den Kleinmüllern, die durch die Großmüllcrei zu Grunde ge- richtet würden, noch das Dasein. Geheimrat bau der Vorght tritt für die Vorlage ein, die Mühlsteiniiidiistrie habe sich gut entwickelt. Die Position wird nach der Vorlage angenommen. 695/96, Polier-, Schleif-, Wetz-, auch Probier- st e i n e. ganz oder teilweise aus Schmirgel, Corund zc. 30 M.; andre, ohne Verbindung mit andren Stoffen 0,60 M,, in Verbindung mit andren Stoffen, auch Schmirgelfeilen— 6 M. Gothcin beantragt statt 30 M. zu setzen 0,50 M. Die Social- dcuiokraten beantragen Zollfreiheit. Stadthagcn findet es unbegreiflich, daß man die erstere Position von 25 Pseimig auf 30 Mark Zoll steigern konnte. Fast durchweg Leute des Mittelstandes, aber auch Arbeiter benöligen der Schleis und Wetzsteine. Wie kommt man dazu, dies Haudwerkzeug zu ver thenern? Die Ausfuhr ist viermal größer als die Einfuhr. Die Konsnincntcn werden nicht gefragt. Aber die Mehrzahl der Mühlen ist gegen jede Zollerhöhung: 27 Proz. von den Wählern der Social- dcmokratcn, 11 Proz. der Freisinnigen, die Hälfte der Wähler des Centrunis, mindestens 9 Proz., bei den Rationalliberalen ebenfalls 6 Proz., das sind bereits 53 Proz., die jede Zollerhöhnng abweisen: die Socialdemokraten sind für Zollfreiheit überhaupt. Das muß berücksichtigt werden. Geheimrat Wcrmnth tritt für die Vorlage, Znbcil für Zoll- f r e i b e i t ein. Spahn beantragt, die Zollsätze von 30 auf 24 M. resp. von 0,60 auf 0,50 M. herabzusetzen. Der Antrag Spahn wird zu beiden Positionen a II g e II o IN m e n ,' ebenso die Anmerkung. ' Position 697, Wärmeschutz masse aus Kieselguhr — 0,80 M. Stadthagcn tritt für Zollfreiheit ein. Die Position wird nach der Vorlage aiigcnoiiimcn. Schluß 6l/4 Uhr. Nächste Sitzung: Dienstag 9 Uhr. Zur Frage der Ausstellung von RcichStags-Kandidaten in Oberschlcsicn eihaltcn wir folgende Zuschrift: In der Sonntags-Nnmmer des„Vorwärts" befindet sich unter der Rubrik. Parteinachrichten" eine Notiz aus Oberschlesieu, in welcher Klage geführt wird, daß man zu der am 13. d. M, von den Anhängern der poluisch-socialistischcn Partei ab- gehaltenen Parteikonferenz, in welcher die Aiifstellnng von Kandidaten vorgeiioimnen wurde, die deutschen Genossen nicht zugezogen und hierdurch die Grundlage für eine Zersplilternug von Kräften bei den nächsten Rcichstagswahlcn geschaffen habe. Des weiteren wird betont, daßf trotzdem dem polnisch- socialistischcn Pnrteivorstande von den deutschen Genossen mitgeteilt wurde, daß sie bereit seien, mit ihm über die Kandidateiisrage zu verhandeln, man sie unberücksichtigt gelassen habe. Man könnte hieraus den Schluß ziehen, daß der polnisch- socialistische Partcivorftand hierbei seine Hand im Spiele habe und die polnischen Genossen in Oberschlesieu zu einer Ignorierung der deutschen Genossen veranlaßte. Dein aber ist nicht so.— An demselben Tage, an welchem der polnisch-socialiftische Parteivorstand von den polnischen Genossen in Oberschlesieu die Nachricht von einer Partei- konferenz erhalten hat, wurde Genosse Dr. Winter-Benthen sofort hiervon benachrichtigt, ihm der Tag und Ort der Konferenz angegeben, man hat sogar an die dortigen polnischen Genossen das Verlangen gestellt, den Genossen Winter persönlich hierzu einzuladen. Warum Genosse Winter zn dieser Konserenz nicht hingegangen, wissen wir nicht; praktisch wäre es auf alle Fälle gewesen, denn durch seine Anwesenheit resp. Beteiligung an der Konferenz wäre hoffentlich die Notiz im„Vorwärts" unterblieben und der polnisch-socialistische Parteivorstand, der bei der Konferenz gar nicht zugegen war und bei der Aufstellung von Kandidaten seinen polnischen Genossen voll- ständig freie Hand läßt, wäre nicht wiederum bei den dentschen Genossen als das bekannte„Karnickel" bezeichnet worden. Der beste Beweis einer nnparteiischcn Thätigkcit des polnischen Parteivorstandes ist der. daß die in der genaimten Konferenz auf 2 Mitglieder des polnischen Partcivorstandcs gefallene Wahl von den beiden Genossen abgelehnt wurde. Wenn weiter in der Notiz von„nationalen Gesichts- punkte u und E m p f i n d s a in k e.i t e u" der polnischen Ge- nossen gesprochen wird. so soll man ihnen dieselbe» lassen; sie wollen doch einen Kandidaten, der wenigstens ihre Sprache be- herrcht und im stände ist, sich mit ihnen zu verständigen. Man soll ihnen nicht, wie das leider bei der letzten Reichstngswahl der Fall war. einen andern Kandidaten als den, welchen sie schon aufgestellt haben, anfzuoktroyiereii suchen, dann wird man von„nationalen Ge- sichtSpunkteu und Empfindlichkeiten" bei den polnischen Genossen nicht reden hören und ein ersprießliches Resultat für beide Teile er« zielen. Berlin, 20. Juli 1902. Für den polnisch-socialistischen Parteivorstand: A u g n st B e r f n s. ES ist ziemlich nebensächlich, ob die polnisch- socialistischen Kandidaten vom Vorstande dieser Partei oder von ihren Anhängern in Oberschlesien aufgestellt werden; für die socialdem akratische ' a r t e i D e u t s ch l a n d s k o m m e n natürlich nur solche Kandidaten in Frage, und nur solche können auf deren Unterstützung rechnen, die von den ordentlichen Organisationen derselben in den be- treffenden Wahlkreisen aufgestellt werden. Selbst- verständlich ist die polnische Nationalität eines Parteigenofseu kein Hindernis für seine Proklamierung als Ncichstagskändidat und Kenntnis auch der polnischen Sprache in Landesteilen mit polnisch redender Bevölkerung sehr nützlich.» Allen Freunden der„Renen Zeit" dürfte die Mitteilung »villkommen sein, die das Blatt im Briefkasten der neuesten Nummer einem Anfrager macht: daß nämlich ein Generalregister aller bisher erschienenen Bände der Schrift in Bearbeitung ist. Der VolkSkalender für Schlesien wird in diesem Jahre nicht herausgegeben werden, weil, wie die Agitationskommissioii mitteilt, die Lokalorganisationen eS an der nottvendigen Unterstützung fehlen lasten. Der Parteitag der dentschen Socialdemokratie in Oestrcich wird am 15. August d. I. und folgende Tage in Aussig an der Elbe abgehalten werden. Auf der provisorischeu Tagesordnung stehen außer den geschäftlichen Angelegenheiten folgende Gegenstände: Parlamentarische Thätigkcit; Berichterstatter: E. Pernerstorfcr. Parteitnktik; Berichterstatter: V.Adler. Partei-Organisation; Bericht- erstattcr: F. Skaret. Parteipresse: Berichterstatter: I. Popp. Bürger- liche Verfälschungen der Arbeiterbewegung in Oestreich; Bericht- erstatter: A. Schrammel. Der östreichisch-ungarische Ausgleich; Berichterstatter: W. Ellenbogen. Poliieiliche», Gerichtliches nsiu. — Der Ruin des bahrischcn Staates ist wieder einmal durch die Umsicht einer Behörde glücklich vermieden worden. Die Gewerkschaften in Fürth i. B. wollten zu ihrem Sommer- fest am 20. Juli einen Festzng veranstalten, der vom Magistrat einstiiiiniig genehmigt, vom Bezirksamt jedoch verboten wurde. Der Stadt Fürth ist nämlich vor Jahren die Polizeigewalt genommen worden und es hat in solchen Dingen endgültig das Bezirksamt z» entscheiden. Die Begründung des Verbots ist interessant: Der Zug würde sich nicht auf die organisierten Arbeiterkorporationen beschränken, es würde zn Verkehrsstörungen und damit zu Störungen der Ruhe und Ordnung. bezw. zu Excessen kommen.„Aber selbst, wenn sich die Teil- nähme an dem Festzuge", so orakelt der fürsichtige Beamte,„nur auf die orgniiificrtcn Arbeiter beschränke, so seien doch auch die obigen Gründe im wesentlichen zutreffend, und zwar in Anbetracht der an silb schon großen Anzahl der Mitglieder dieser Vereine und der bestehenden Möglichkeit, daß letzteren gegebenenfalls i n wenigen T a g e n' w o h l leicht eine erhebliche Zahl von Mitgliedern zugeführt werden können."— Wenn infolge des Verbots diese„Befürchtung" des Bezirksamtmanns zu- trifft,' so können die Fürther Gewerkschaften mit dem Herrn zu- frieden sein. — Ein Nachspiel zum Evlnger Prozeß. Am 23. Januar v. I. wurde unser Genosse Bredenbeck bekanntlich wegen angeblicher „Beleidigung" von Evingcr Polizeibcamten zn fünf Monaten Ge- sängnis verurteilt. Zu diesem Resultat des Prozesses trug vor allen Dingen auch die Aussage des Gendarmen Laczak bei, der unter seinem Eide erklärte, bei den Vorgängen im November 1900, die die Grundlagen des ganzes Prozesses bildeten, nicht mit dem Säbel auf das Publikum eingehancn zu haben. Kurz nach Beendigung des Prozesses wurde gegen einen Zeugen, den Bergmann' Schmidt in Eving, der unter'seinem Eide mit aller Bc- stiinmthcit erklärt hatte, Laczak habe geschlagen, das Verfahren wegen Meineid eingeleitet. Dies Verfahren mußte aber nach kurzer Zeit wieder eingestellt werden. Nunmehr ist, wie die„Neinisch- Wcstfälische Arbeitcr-Zeitung" berichtet, von nnsrer Seite der Spieß umgedreht und der Gendarm Laczak wegen wissentlicher Verletzung der Eidespflicht angezeigt worden. Gegen 30 Zeugen wollen be- schwören, daß Laczak am 23. Januar v. I. vor der ersten Straf- kanuncr des Landgerichts Dortmund einen Meineid geleistet hat. Aus Judussvie und Kundol. Zur uiirtschaftlichen Lage veröffentlicht die„Köln. Ztg." in ihrer heutigen Morgenausgabe einen langen Artikel, in dem unter Hcranziehniig statistischen Materials die Zunahmo der Warenproduktion und die Preisentwicklung während der Jahre 1895—1900 behandelt wird. Sodann wird nachzuweisen gesucht. daß seit dem vorigen Jahre die Krise, wenn auch nicht in allen Industrie- zweigen gleichmäßig, doch im ganzen nicht unbeträchtlich an Hefligkeit nachgelassen habe. Für den weiteren Gang der Dinge sei Amerika von ausschlaggebender Bedeutung. Ei» plötzlicher Rückschlag i» der Beschäftigung der amerikanischen Industrie würde unsre Ansfuhrthätigkeit in der empfindlichsten Weise beeinträchtigen. Zum Schlüsse wendet sich der Artikel gegen die jüngsten Preis- stcigerunge», vornehmlich in der Eisenindustrie.„So kann es wohl zweifelhaft erscheinen," heißt es,„ob es namentlich von nnsrer Eisenindustrie angebracht ist, jetzt schon zu neuen Preis- erhöhnngen zu schreiten, wie das im Laufe der letzte» Monate und Wochen'mehrfach geschehe» ist. Es ist dabei doch zu bedenken, daß die durch den wirtschaftlichen Rückschlag beeinträchtigte Kaufkraft des inländischen Marktes keineswegs im stände ist, solche Preiserhöhungen ohne weiteres zu tragen, so daß durch derartige Maßnahme» sehr wohl neue Erschütterungen hervorgerufen werden können, die besser nnterbleibcn. Auf die Verbilligung der Erzengnng ist jetzt größeres Gewicht zn legen als auf Preiserhöhungen, deren Wirkungen um so fragwürdiger sind, als sie durch jede Schwankung im Geschäftsgang der amerikanischen Eisenindustrie sofort über den Haufen geworfen werden können. Auch ist zn beachte», daß die Preise für verschiedene Sorten Roheisen und manche Eisen- erzcngnisse jetzt zum Teil noch ebenso hoch und sogar höher sind als zu Beginn des Jahres 1899, das von den höchst- gehende» Wogen der Anfwärtsbewegung durchflutet war. Heute ist die Gesamt'lage wesentlich unfrenudlicher als damals, und Maß- halten ist deshalb ganz besonders notwendig. Im übrigen aber braucht man trotz der Ungunst der Zeilen nach dem Gesagten nicht allzu trübe in die Zukunft zu blicken. Gütererzcugnng und Güter- verbrauch sind sich zweifellos schon wesentlich näher gekommen als im vergangenen Jahre, der Kapitalmarkt ist flüssig, eine gute Ernte steht in Aussicht, so daß wichtige Voraussetzungen für die Anbahnung normaler wirtschaftlicher Verhältnisse gegeben sind." Die Mahnung ist durchaus angebracht, aber nütze» wird sie wenig. Saatc» stand in Pixustcn. Wie der soeben veröffentlichte amt- liche Bericht über den Stand der Getreide- und GraSsaaten sowie der Kartoffeln um Mitte Juli nachweist, ist gegenüber dem Stande in der Mitte des Jnni bei Wintcrroggen, Soinmergerste. Kartoffeln, Klee und Wiesenhcu eine kleine Besserung eingetreten, während der Hafer ettvas schlechter steht wie im Juni. Es standen nämlich (Nr. l bedeutet sehr gut, 2 gut, 3 mittel, 4 gering): Mitte Juli 1902. Mitte Juni 1902. Mitte Juli 1901. Winterweize» 2,3 2,3 3,7 Sommerweizen 2.5 2,5 2,9 Winterspelz 2,1 1,9 2,4 Winterroggen 2,4 2,5 3,1 Sommerroggen 2,8 2,8 3,1 Sommergerste 2,5 2.6 2,8 Hafer 2.7 2,5 3,0 Kartoffel» 2,6 2,8 2,7 Klee 2,5 2,6 3,8 Luzerne 2,7 2,7 3,6 Wiesenhcu 2,5 2.7 3,4 In de» Beinelkunge» der Statistischen Korrespondenz hierzu heißt eS: Die seit dem letzten Berichte verflossene» vier Wochen hätten unter dem Einflüsse wesentlich verschiedenartiger Witternngs- bediiignugeu je nach der östlichen oder westlichen Lage der betreffenden Lande'steile gestanden. Im allgemeine» habe sich die Gcsamtlage jedoch gegen den vorigen Berichlsmonat nicht wesentlich geändert. Der Grundzng der Entwicklung sei ein beträchtliches zeitliches Zurück- bleiben gegenüber dein normalen Stande andrer Jahre und es könne als'feststehend gelten, daß die Ernte sich in diesem Jahre fast dnrchgchcnds um 10 bis 14 Tage verspäten werde. Die Vegetation sei infolge der niedrigeren Temperatur noch sehr zurück- geblieben. Ueber den Beschäftigungsgrad im Baniiiwollgcwerbe schreibt die„Arbcitsmarkt-Korrespondenz": Auf dem Banmivollmarkt ist eine Preisabschwächnng eingetreten, die nicht so sehr auf die überaus günstige» Ernte-Äussichte», als vielmehr auf den schwache» Absatz aller Bnnmwollwaren zurückzuführen ist. Inder englischen Baumwoll- indnstrie hat sich der Geschäftsgang i» den letzten Woche»' so reißend verschlechtert, daß eine bedeutende Herabsetzung der Erzengnng i» Aussicht genommen werden muß. Auch in den deutschen Baum- wollbezirken machen sich die ersten Zeichen einer nahenden Abwärts- betvegimg schon deutlich bemerkbar. Der Garumarkt stockt, da der Konsum den allerdriuqcndsteu Bedarf schon eingedeckt hat. Die augenblickliche Beschäftigung ist für die Mehrheit der Betriebe noch nicht ungünstig; vereinzelt fehlen sogar die nötigen Arbeitskräfte, »im die Erzeugung auf die beabsichtigte Höhe zu bringen. Bei den gedrückten Preisen suchen nämlich einzelne Betriebe durch Massen umsatz ei» Geschäft zu machen. Eine derartige Forciernng deS Ab fntzeS eröffnet aber bei der gegenwärtige» Marktlage keine erfreuliche Aussichten. I» den meisten»iederrheinischen Spinnereien und LSebereien ist nur noch für einige Wochen Beschäftigung. In Süd- dcutschlnnd ist die Lage gegenwärtig schon so misjlich,' dag in der Weberei Stühle stillgelegt werden müssen. Auch in den sächsischen Bezirken ist eine Abschlvächnng eingetreten, die sich selbst in Chemnitz dem bis jetzt noch am flottesten beschäftigten Bezirk, in der un- günstigen Gestaltung deS Garnmarktes andeutet. Roheisen-Syndikat. Während die Verhandinngen über die Erneuerung des Düsseldorfer Roheiscn-SyndikatS nun doch dazu ge> führt haben, daß dieses vorläufig bis Ende 1g(Z3 verlängert ist und man bis dahin eine neue Vereinigung zu stände zu bringen hofft. ist der«Kölnischen Volkszeitung' zufolge der Stand der' VerHand lnngen mit dem Siegerländer Shttdikat, der anderen Gruppe des Sioheisen-Syndikats zu Düsseldorf, die das Shttdikat zum 81. SD* zcmbcr d. I. gekündigt hat, der Erneuerung nicht günstig. Außenhandel Ocstrcich-UngarnS im erste» Halbjahr ISvS. Nach dem statistische» AnStvcis über den Außenhandel betrug im Monat Juni der Wert der Einfuhr 145.2 Millionen Krone» s12,6 Millionen Kronen mehr als im Juni deS Vorjahres); der Wert der AnSfnhr 151,7 Millionen Kronen s6,5 Millionen Kronen nrchr als im Juni des Vorjahres). Während des ersten Halbjahres be ziffcrte sich die Einfuhr ans 876,2 s61 Millionen mehr gegen den gleichen Zeitraum des Vorjahres), die Ausfuhr auf 903,1 Millionen Kronen(18,9 Millionen Kronen mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres). Gcwe vkfchaftl i ches. Die Schlußrede BöinelbnrgS auf dem Gewerkschaftskongreß, über die sich kürzlich Bruno Pörsch abfällig äußerte, hat auch Herrn Nexhäuscr nicht gefallen. Die letzte Nummer des „Correipondent" bringt den ersten Teil einer Besprechung des Gc lverkschaftSkongrcsses. Darin ist zu lesen: �«NnterZnstimmungderKongreßteilnchmer'glanbtcBömelbnrgcr klaren zu können:«Die deutsche Gewerkschaftsbewegung und die deutsche Socialdemokratie sind eins'. Da Bömelbnrg auch noch davon sprach, daß„Ivir im nächsten Jahre abrechnen' iverdcii(Reichstags' wähl), braucht sich kein Getvcrkschaftler zu wundern, wen» Gesell' schaft und Regierung die gelverkvereinlichen Gegenivartszielc mit den Zukuuftsbestrebungen der Socialdemokratie identifizieren und es ablehnen, den Arbeitern irgcndivie entgegenzukoinmen. Wer den Fehdehandschuh hinwirft, muß damit rechnen, daß er auf- gehoben wird. Und Waffen zu seiner eignen Vernichtung z» schmiede», kann man füglich niemand zumuten! Da gegen eine Schlußrede eine sofortige Erwidming ausgeschlossen ist, so sind ivir erst jetzt in der Lage, gegen diese Rede protestieren z» können, und stehen wir mit dieser unsrer Kritik durchaus nicht allein." Allerdings steht Herr Rexhänscr mit seiner Kritik der Bömel- bnrgsche» Schlußworte nicht ganz allein, aber doch so ziemlich allein. Als dritter Kritiker dürfte sich vielleicht noch Herr Tischendörfer melden. Damit wird dann ivohl die Zahl derjenigen erschöpft seiii,� die es nicht vertragen können, daß in ihrer Gegenwart die geistige Gemeinschaft ztvische» Socialdemokratie und Gcioerkschasts- bewegung offen anerkannt wird. Das noch so sorgfältige Vcr- schweigen dieser Thatsache verschafft de» Ucberneutralen ja doch nicht die Gunst der Regierung und Gesellschaft. Der Gewerkschaftler, der auf die Anerkennung und das Entgegenkommen der Regierung und Gesellschaft— d. h. der herrschenden Klasse— rechnet, müßte es nicht nur vermeiden, anerkennend von der Socialdemokratie zu sprechen, sondern er müßte diese Partei verleugnen und sich in Gegen« satz zu ihr stellen. Die GeivcrkschaftSbcwegmig in ein feindliches Verhältnis zur Socialdemokratie zu bringen, daS ist es, tvaS die bürgerlichen Socialpolitiker durch ihre.Arbeiterfreundlichkeit' erreichen Ivollen. Ein Bemühen, ivelches allerdings noch keinen Erfolg gehabt hat, den» die gewerkschaftlich organisierten Arbeiter sind mit ihren Führern darin einig, daß sie wegen der kleinen Vorteile, die ihnen durch die Gunst von Regierung und Gesellschaft allenfalls zugewendet werden könnte», die geistige Gemeinschaft nnt der Socialdemokratie, der einzigen Partei, welche die Klnsseniutercssen der Arbeiter vor- tritt, nicht aufgeben dürfen.' Wenn auch das Arbeitsgebiet, das Kampffeld derSocialdemokratie und der Gewerkschaften ein verschiedenes ist, so entspringt ihr Bestreben doch derselben Wurzel: Energische Vertretung der proletarischen Klassenintercssen. Von dieser Erkenntnis waren auch die Verhandlungen des Stuttgarter GewerkschaftS- kongreffeS erfüllt, auf diesem Wege ist die deutsche GewerkschaftS« bewegung vorwärts gelonunen, und wer ihr andre Wege weisen will, der führt sie irre. Berlin t»>d Umgegend. Porzellanarbciter. Die Differenzen mit der Firma Paul Franke, Dresdenerstr. 15, sind erledigt. Herr Franke ist uns in sehr anständiger Weise entgegengekommen.— Zlvei Maler, die während der Arbeitsniederlegung angefangen habe», werden ent- lassen.' Die Lohnkommission. Achtung, Metallarbeiter! Der Streik der Dreher in der NilcS- Werkzeug- Maschinenfabrik dauert unverändert fort. Wir ersuchen die Arbeiterblätter der Provinz um Nachdruck, weil die Firma jetzt in allen größeren Städten Streik- b r e ch e r sucht. Es ist u»S ja bis jetzt gelungen, alle von auswärts Kommenden abzuhalten, so daß die Matratzen vorderhand noch leer stehen, aber alle Znreisenden erklären uns, in anslvärtigcn Blättern habe nichts gestanden. Es ist übrigens bezeichnend, daß die Firma, die sonst nur wirklich geübte Eisendreher brauchen kann, jetzt sogar Metalldreher, die erst ausgelernt und bis jetzt nur auf Armaturen gearbeitet haben, ein- stellen will. DaS oben Gesagte ist ein schlagender Beweis dafür, daß die Firma in großer Verlegenheit ist. Deutscher Mctallarbeiter-Verbnnd. Ortsverlvaltung Berlin. Isolierer und Nohrnnihiittcr. Bei der Firma PoSnanSki tt. Strelitz, Berlin, Pappel-Allee 11, find sämtliche Kol- legen in den Streik getreten, um die vor einigen Jahren crrmigcuen Arbeitsbedingungen aufrecht zu erhalten. Au alle Kollegen Deutsch- landS ergeht hierdurch die Auffordernng, sich nicht für die genannte Firma anwerben zu lassen. Kein Arbeitswilliger darf sich finden, dann ist uns der Sieg sicher. Der Vertrauensinann. Polizei gegen Streikposten. Man schreibt ii»S: Am Montag wurde ein Kommissionsmitglied der Freien Vereinigung der Vau- arbeiter Berlins und Umgegend nach dem Bau Wilhelmstr. 131 ge- rufen, um wegen Bewilligung der Forderungen zu verhandeln. Nach einer kurze» Rücksprache niit dem Polier lehnte derselbe die sämtlichen Forderungen ab. Nach Verlans einer halben Stunde erschienen ein Wachtmeister und ein Schutzmann ans dem Plan. Sie forderten den Vertreter der Bauarbeiter auf, die Wilhelmstraße vom Belle- Alliance- Platz bis zur Aiihallstrnße zu meiden, widrigenfalls seine Verhaftung erfolge» sollte. Nachdem die Herren auf das Ungesetzliche ihrer Handlungsweise aufmerksam geinncht wurden, zogen sie wieder ab. Dieser Vorfall wiederholt« sich noch dreimal. Zum viertenmal schritt der Schutzmann zur Ver- Haftung und ivurde das betreffende Lohnkonmiissions- Mitglied nach der Wache mitgenommen. Dort angekommen, wurde dem Lohn« kommissionS- Mitglied« wieder aufgegeben, die Wilhelmstraß« zu meiden, widrigenfalls die Einlieserung nach dem Polizeipräsidin», erfolgen sollte. Da aber dem Beamten bedeutet wurde, daß daS Streikpostenftehen laut Erkenntnis des Reichsgerichts erlaubt ist, wurde das betreffende LohnkommisfionS- Mitglied wieder auf freien Fuß gesetzt. Eine halbe Stunde später wurden die Fordernngeu bewilligt und die Polizei brauchte»m die Ruhe und Sicherheit der Wilhelnistraße nicht»nehr besorgt sein, sintemalen dieselbe so wie so nicht bedroht tvar. In de» Streik getreten sind nunmehr die Brillen- und Pincenez' Arbeiter von Nitsche u. Günther in Rathenow, etlvas über 100 an der Zahl. Unterhandlungen, welche noch am Sounabendvormittag gepflogen wurden, führten leider nicht zum Ausgleich. Die Kündignngssrist der Einschleiser läuft mit dem kommenden Sonn abend ab. Deutsches Reich. Ein Erfolg der Stuttgarter Maurer. Ein Privattelegramm aus Stuttgart meldet nnS, daß die Beendigung d e S Maurerstreiks beschlossen und die Arbeit am Montag wieder aufgenonmie» worden ist. Den Maurern sind die Zugeständnisse vom 6. Mai, deren Widerruf seitens der Unternehmer de» gegen- tvärtigen Streik veranlaßt hatte, bewilligt und Tarif- Vereinbarungen in Aussicht gestellt. DaS Leipziger GcwcrkschaftSkartell hat kürzlich seinen Be- schluß vom 5. November 1900, der die Tarifgemeinschaft betrifft und den Rücktritt der Vcrbandsbuchdrncker vom Kartell zur Folge hatte, aufgeh oben. Damit ist also die Vorbedingung zur Bei- legnng der bekannten, auf dem Gewerkschaftskongreß erörterten Diffc- renzen gegeben. Der Manrcrstreik in Wittenberg ist jetzt, nachdem er sieben Wochen währte, aufgehoben worden. Die Streikenden haben zlvar keinen vollen Erfolg, aber doch einige Vorteile zu verzeichnen. Be- sonders sind die alten Lohnsätze durch Zulagen erhöht worden. Tie Dresdener Fcingoldschlägcr befinden sich seit dem 14. d. M. im Streik. Die Differenzen sind entstanden infolge der Beratung eines neuen Tarifvertrages, der an die Stelle des von den Fabrikanten gekündigten Vertrages treten sollte. Die Fabrikanten wollten den Vertrag so ungünstig gestalten, daß ihn die Arbeiter nicht annehmen konnten, und so kam eS zur ArbeilSnicdcrlegnng. An derselbe» sind 89 Gehilfen und 75 Beschneiderinnen beteiligt. Eine Central-Herbcrge der Elberfeld«? Gewerkschaften ist kürzlich in der Reitbahnstr. 6 zu Elberfeld eröffnet Ivorden. Der Fremdenverkehr in der Herberge hat sich bereits stark entivickelt. In nächster Zeit sollen auch die Arbeitsnachtveise sämtlicher Gctvcrk' schasten»ach der Central-Hcrberge verlegt tverden. Ein»ngctrrner Getvcrkschaftskassierer. Der Kassierer der Verwaltnngsjtellc Frankfurt a. M. des Deutschen Tabakarbeiter-Ver- bandes, Christian Kraiier, hat sich seit Jahre», wie kürzlich entdeckt wurde, Unterschlagungen und Betrügereien zn Schulden kommen lassen, deren Gesamthöhe etwa 1000 M. beträgt. Hauptsächlich bat er die Quittungen über Reise-lluterstützmig in der Weise gefälscht, daß er höhere Beträge aufführt«, als er ausgezahlt hat und den Ueberschnß in seine Tasche steckte. Die Angelegenheit ist der Staats- anwaltschast augezeigt. RnSlaud. Ter Streik der Stcinarbcitrr in Lemberg ist nach»e»n- wöchiger Dauer mit einem weseiitlichc» Erfolge der Streitenden beendet worden. Es Ivurden eine 9>/«stü»dige Arbeitszeit, Tagelöhne von 4 bis 6 Kronen, eine vierzehntägige KLndigmig und wöchentliche Abschlagszahlmigen ans den Accordlohn bewilligt. Tie Schncldcrgchilfctt in Ischl(Obcröslrcich) haben den Meistern folgende Forderungen überreicht: 1. Bertürznng der Ar- bcitszeit von 12 ans 11 Stunden; 2. Erhöhung der Löhne, und zwar der 7 Krone»- Löhne auf 8 Kronen n»d der 8 Kronen» Lohne auf 9 Kronen, Kost inbegriffen. Sollte diese Forderungen bis zum 26. d. Mls. nicht bewilligt werden, so dürfte es zum Ausstand koinme». Ei« Korrcspondenz- Organ der Zuikcrbäckcr OestreichS wird infolge Beschlusses des fünsten Berbandstages der Lebensmittel- Arbeiter vom 15. August d. I. an erscheineu. Vom euglischc» ArbcitSrnarkt. Nach der soeben erschienenen Labour Gazelle' hatten die 224 berichtende» Getverkschafte» im Monat Juni 4,2 Proz. Arbeitslose, gegen 3,4 Proz. im gleichen Monat des Vorjahres. Rund 321000 Bergleuten wnrde der Lohn herabgesetzt. Die Lohnrcdnktion bezieht sich hauptsächlich ans die im.Vorwärts" bereits mitgeteilte Entscheidung von Lord James of Her« fand in Sachen dcrBergarbeiter-Föderatio». De» letztcnNachrichlcn zufolge hat dieser Entscheid große Ilnziisriedenhcit in Bergarvciter- l reisen hervorgerufen und in Aorkihire zn dem in unserer Freitag- nnmmer bereits nach einem Telegramm bekannt gegebenen Ausstand geführt, an dem 10000 Leute beteiligt sind. DaS Versöhnimgsamt der schottischen Bergarbeiter entschied gestern für eine Lohnherabsetzung»m 6,5 Proz. Tie Aussperrung im Baugewerbe in Siidschwcdeu. In Malmö haben dieser Tage Unterhandlungen zwiichcn den Ba»- luciftcrn und den Vertreter des Maurer« und des Holzarbciter-Vcr- bände» siaitgcfimden. Eine Einigung wnrde nicht erzielt. Die Unternehmer verlangen ei» Ucberciiikvnmien auf sünf Jahre, die Arbeiter wollen nur auf ein dreijähriges Uebereinkonune» eingehen mid verlangen außerdem einen höheren Stundenlohn.— In Dstad ist dagegen' ei» llebercinkommen geschlossen worden. Der Stunden- lohn wurde für Maurer»iid Holzarbeiter für dieses Jahr von 40 auf 43 Oere erhöht und soll sür 1903 44, für 1905 45 Oer« be- tragen.—_ Sociales. Unentgcktllchcr Schwininmntcrricht. Die Stadt Kopenhagen hat auf Vcstcrbro eine neue große Sccbadcanstalt errichtet. Die Anstalt soll als Volksbad und als Schlvimmschnle für die Kinder der Gemeindeschulcn der umliegenden Staditeile dienen. Es köniieii dort täglich 10 000 Knaben und Mädchen baden. Während der Ferienzeit wird den Kindern täglich vormittags und nachmittags von vier männlichen und vier weivlichrn Schwinnnlehrcrn unentgeltlich Schwimmunterricht erteilt. Ans dvv Fvmtettbeutejlttttg. Frauenstudinm. Ein Erlaß der Regiernng zu Potsdam giebt kund, daß der IlnterrichtSministcr die Einrichtung von Realgymnasial- klaffen für Mädchen in Cchöncbera gebilligt hat. Diese sollen i» Verbindung mit der städtischen höhere» Mädchenschule vom 1. April 1903 ab eingerichtet werde». Der Leiter dieser Anstalt. Profeffor Dr. Schmidt, hat sechs aufsicigende Realgyinuasialklassen vorgesehen, i» die»ach sechsjährigem Besuche einer höhere» Mädchenschule begabte Schülerinnen eintreten und fich bis zum Universitätsbesuche vor- bereiten können. Ei« Vergiliigilllgödillilllfer bei Hilllibtirg i« dm krund gebohrt. Eine furchtbare Schiffahrt?- Katastrophe, bei der niinde- stenS 50 Mensche» um» Lcbcu käme», ereignete sich in der Nacht vom Sonntag auf den Montag auf der Unterelbe unweit Blankenese. Der von Cranz zurürkkehrende Hamburger VergnilgnngSdampser„PrimuS" wurde nahe bei Blankenese von dem elbabwärtS fahrenden Schleppdampfer der Amerikalinie„Hansa" derartig gerannt, daft er in kürzester Zeit sank. Von den 185 Passagieren de» Dampfer» sind nur gegen 130 gerettet worden. Eine Erkkärnng der Hamburg-Amerika-Lini« zu dem Schiffs- Unglück lautet: Unser Flußdampfer.Hansa" kam gestern abend bei klarem Wetter und Mondschei» elbabwärtS. nach Brunshausen bestimmt. In der Nähe der LandungSbrücke von Nienstedten, nach dem die GaSboje dicht an Steuerbord passiert Warden war, sichtete die„Hansa" gegen 12 Uhr ein rotes Feuer an Backbordseite, wie sich später herausstellte, das des Dampfers.PrimuS". Die Kurse beider Dampfer ginge» vollkomnicir klar voneinander, da die.Hansa" sich ans der nördlichen Seite des Fahrwassers befand, während der.Primns" in der Fabrwassermitte elbaufwärts steuerte. Es lag sür beide Dampfer keine Veranlassung vor, ihre Kurse zu ändern. Als der„Primns" ungefähr 150 bis 200 Meter von der„Hansa" entfernt war, gab derselbe plötzlich hart links Ruder, so daß er den Kurs der'.Hansa' kreuzte und ihr direkt vor den Bug lief. Dieses Manöver, das unter allen Umständen unrichtig war und der kaiserlichen Ver- ordming zuwiderlief, machte die Kollision unvermeidlich. Wollte der.PrimuS" nach der nördlichen Fahrwaffcrscite herüber, so hätte er hinter der„Hansa" herumgehen oder warten müssen, bis diese passiert war. Die Kursänderung des„PrimuS" erfolgte so plötzlich, daß das einzige Gegenmanöver, das die„Hansa" vor- nehmen konnte und sofort ausgeführt wurde, nämlich: volle Kraft rückwärts zu gehen, die Kollision nicht mehr verhindern konnte. Die Zeit, die von der KnrSändcning des„Primus" bis zum Auge»- blick der Koliision verfloß, betrug»och nicht eine Minute, wie sich schon ans der geringen Entfernung. in der sich beide Dampfer zur Zeit der Kursänderung befanden, berechnen läßt. Nach erfolgter Kollision geschah von feiten der„Hansa" alles, was zur Rettung der Paffagicre des„PrimuS" irgendwie dienen konnte. Die Boote Ivurde» sofort ausgesetzt und bemannt, gleichzeiiig wurden Tauenden und Jakobsleitern über Bord gegeben. Allein durch die Boote wurde» über 50 Menschen in Sicherheil gebracht. Gleichzeitig während diese Ncttungsarbeiten vor sich gingen, versuchte die„Hansa" ein unter den obwaltenden Umstände» sehr zweckmäßiges Manöver auszuführcn, indem sie in langsamer Fahrt den noch vor ihrem Bug befindlichen PrimuS" ans den nördliche» Strand zu schieben suchte. Wäre dieses Manöver gelungen, so wären höchstwahrscheinlich alle Passagiere ge- rettet Ivorden. Leider aber scheiterte die Anssührnng daran, daß die Hansa" in dem seichten Fahrivasser eher auf den Grund geriet als der flacher gehende„Primns" und letzterer durch den Elbstrom elb- abwärts getrieben wnrde, wo er i» ungefähr 100 Meter Entfermmg von der„Hansa" sank. Die„Hansa" wnrde von ihrem als umsichtig bewährten Kapitän Sachs geführt, der zusammen mit dem Steuer- mann Wahlen sich aus der Brücke befand. Der Ausguck war durch einen Matrose» besetzt. Ferner wird gemeldet: Die Katastrophe auf dem„PrimuS" spielte sich innerhalb sieben Miimten ab. Der Kapitän erklärt, 180 Personen an Bord gehabt z» haben. Da die Zahl der Geretteten etiva 120 beträgt(rund 70 durch de» Dampfer„Delphin", 50 durch Boote), so sind annähernd 6V Personen ertrunken. Die Rettungs- aklio» wurde dadurch erleichtert, daß das an der Stcnerbordseite getroffene Schiff ans diese Seite legte, so daß die Schiffbrüchigen ans die hochstehende Backbordseite klettern konnten. Da das Steuerbord des Dampfers„Prinius" aufgeschnitten wurde, muß der Manöverierfehler wohl von diesem Dampfer begangen worden sein, obwohl ans dem Packetfahrt- Schleppdampfer„Hansa" nur ein P o s i t i o» S l i ch t gebrannt haben soll. Bisher sind vierzig Tote gezählt. 30 davon sind noch nicht rekognoscicrt. Die Fest- stellnng stößt vorläufig ans Schwierigkeiten, da die Liedertafel „Treue", ein kleiner Verein, Teilnehmcrkarten öffentlich verkauft halte, Ter„Primus" liegt unsichtbar in der Nähe deS Aienstedter Feuers. # Von Hamburg und Altona eilten nach der Katastrophe sofort Hilfsdanipfcr zur lliiglücksstelle und Krankenwagen der Sanitätskolonnr fanden sich schleunigst ein. Die geborgene Leiche c i n e r F r a n Seemann wurde nach Altona gebracht; fünf F r n ii e n l e i ch e ii wurden in Blankenese geborgen, sind aber noch nicht rekognosciert. Auf der Unfallstelle wurden die Leichen einer in Eilbcck wohiicnden Frau Kruse und eines noch nicht rekognoscicrten etwa 17 jährigen Mädchens geborgen. Vermißt werden folgende Personen: Gastwirt Schneider nebst Frau, Sohn und Tochter, Martha Senschow, Frau Felke». Fräulein Wrnge, Herr Wagener und Herr Wolgast. Anna S i n g e l m a n n. Frau G u l l e r t und 2 Kinder, A u g!> st B o e r r i e S K ü f c r. 42 I a h r alt. «• Bei Blankenese und N i e n st e d t e n sollen nach einer ferneren Nachricht 30 Leiche» angetrieben sein, die noch nicht rekognoSciert werden konnten. Urhte MarfittiiTzken und Depepchen« Englisches UntcrhanS. London, 21. Juli.(W. T. B.) Auf eine Anfrage erklärte der Untcrstaatssclrelär Cranborne, daß das S ch i e d s« g e r i ch t in der Angelegenheit von Wanna in Westnfrika(wo seiner Zeit bei einem Zusammenstoß zwischen französischen und englischen Truppen eine Anzahl englischer Offiziere getötet wurden), der britische» Regierung eine Entschädigung von 9000 Pfd. Sterl. zu» gesprochen habe.__ Briisscl, 21. Juli.(V. H.) Die socialistische Partei hat beschlossen, eine Subskription zu eröffnen, deren Ertrag zum Bau eines Denkmals zum Gedächtnis an die während der Brüsseler Unruhen e r s ch o s s e n e u S o c i a I i st e n Frsve und Dcmarez bestimmt sein soll. 00 Personen ertrniike». Petersburg, 21. Juli.(W. T. B,) Aus Samara wird be« richtet, daß am 19. d. M. bei dem Dorfe Bcrlauski während der U eberfahrt über die Wolga in der Mitte des Stroms eine Fähre gesunken ist, auf welcher sich 80 Erntcarbciter befanden. Rur 22 von letzteren sind gerettet worden. Wien, 21. Juli.(W, T. B,) Heute nachmittag ging über Wien ein wolkeubrnchartigcr Ziege» nieder, welcher au den Baulichkeiten und Kanälen großen Schaden anrichtete. Viele Keller und ebenerdige Wohnungen iii den niedrig gelegenen Stadtteilen sind überschwemmt. Der Strnßenbahiivcrkehr erlitt mehrfache Unterbrechungen. Budapest, 21, Juli.(B, H,) Der preußische Ingenieur Robert Hilbert unternahm heute mit seinem Kollegen Adolf Buschwitz eine Automobilfahrt. Während der Fahrt wurden sie von einem heftigen Gewitter überrascht; der Blitz schlug in das Auto- mobil, dessen Benziureservoir im nächsten Moment explodierte. Buschwitz wurde auf der Stelle getötet, Hilbert erlitt lebeuS» gefährliche Verletzungen. Neapel, 21. Juli.(B. H.) Der Anarchist Gucrricro. welcher in Neapel einen Stein gegen den königliche» Zug geworfen hatte, ist in dem Irren hause von Avers« interniert ivorden. WladikawkaS, 21. Juli.(W. T. B,) Vorgestern geriet vor» mittags bei den Quellen des Flusses Genaldon am KaSbek ein zweiter Gletscher ins Rutschen und blieb zwölf Kilometer von dem vor einigen Tagen abgestürzten Gletscher stecken. Während neulich 32 Personen umS Leben gekommen waren, fanden vorgestern vier Personen ihren Tod, welche nach den bei dem ersten Gletschersturz Verunglückten suchten. Snsa(Tunis), 21. Juli.(W. T. B.) Vor dem hiesigen Gericht begann heute die Verhandlung wegen der vor mehreren Jahren erfolgten Ermordung des Marquis Mords. Angeklagt sind die Kabileu El Kheir Be» Abdel Kader und Hainma Ben Scheik. Verantwortlicher Redacteur: Carl Leid in Berlin. Für de» Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Badtng in Berlin. Hierzu 1 Beilage u. Unterhalt,»igsblatt. Nr. 168. 19. KeilM des Jotmiitfö" fittlintt lolMlitt ZiMxg. 22. Juli 1902. Dr»IrÄles. Den Krankenkasse» Berlins und der Vororte sowie deren Mitgliedern z u r K e n» t n i S, dc>k»vir zunächst für Berlin 1�. und Pankow folgende Rezept- Sammelstelle» errichtet haben: Wohlgemnth, Ackerstr. 69; Fischer. Lothringerstr. 26; Schultz, Müllcrstr. 166»; Wenk, Chausseestr. 7; Vuchmann, Mühlcnstr. 17 in Pankow; Roscmann, Brehniestr. 65 in Pankow. In nächster Zeit werden auch für Charlottcnbnrg undlBerli» Is'lV. neben den bereits bestehenden eine Anzahl neuer Sammelstellen be- kannt gegeben werde». Wir ersuchen nun die Mitglieder der Krankenkassen, alle nicht eiligen Rezepte in diesen Sammelstellen abzugeben. Der Betrag für die Rezepte braucht hier nicht nr ehr wie bisher von de» einzelnen Personen verauslagt oder be« z a h I t z u iv e r d e n, da Herr Böse»Hägen(Prinzen-Apothekei Priiizen-Allee 69, den Krankenkassen laut Vertrag wieder den Kredit und ebenso 29 Proz. Rabatt gewährt. Die Medikamente lverdcn dann kostenlos de in Auftraggeber iir die Behausung zugestellt. Jedes Mitglied weiß, daß bei Benutzung dieser Einrichtung den Kraukenkasseu bedeutcude Ersparnisse an Arzcneikosten zu gute kommen. Die Ersparnisse gereichen selbstverständlich auch den Mitgliedern zum Vorteil. Daher ersuchen wir»ochnials, von dieser Einrichtung recht regen Gebranch z» machen und auch unter Bekanntcn dahin zu wirken, daß diese Einrichtung inuner mehr, ja möglichst nur be- nutzt wird. Die Centraikommission der Kraukenkassen Berlins und der Vororte. Mord nnd Selbstmord. Eine Ehetragödie fand Sonnlag- morgen in dem Hause Potsdamerstr. 81 einen blutigen Abschluß. Der 32 Jahre alte Gürtler Friedrich Stahr erschoß hier seine 23 Jahre alte Frau nnd sich selbst. Seit fünf Jahren lebte Stahr in Berlin, verheiratet mit einer Wienerin Therese Frese, die früher Näherin war. Aus der Ehe gingen ein jetzt vier Jahre alter Sohn Wolfgang und eine Tochter Margarete hervor, die jetzt drei Jahre zählt. Im ersten Jahre seiner Ehe erhielt Stahr von seinen Eltern 1790 M., um sich selbständig zu machen. Das that er jedoch nicht, er blieb vielmehr in der Fabrik, in der er lohnende Beschäftigung halte. Vor 2'/« Jahren trennte er sich vou seiner Frau, die er beschuldigte, die 1799 M. in der Wirtschaft und in Putz aufgebraucht zu haben. Tie Frau zog mit ihren beide» Kinder» »ach der Dennewitzstraße und vor einem Jahre nach der Potsdamer stratze 81 zu einer Frau Walter, der Mann nach der Gneiseuau- ftraße 62 in Schlafstelle. In der PotSdanierftraße 81 ivohnt auch eine Tante der Frau, eine Witwe Streichelt. Seinem Wirt sprach Stahr in der letzten Zeit wiederholt davon, daß er wieder zu seiner Frau ziehe» möchte, nicht ihretwegen, sondern nm der Kinder willen. Die Frau aber weigerte sich, ihn lvicder aufzunehmen, da sie an ein friedliches Zusammenleben doch nicht glaubte. Da nun Stahr in den letzten acht Tagen öfter der Frau Walter erklärte, er werde seine Frau erschießen. so hielt sich diese niit ihren Kinderir zuletzt bei ihrer Tante im zweiten Stock auf. Gestern, Sonntagmorgen uin 6'/« Uhr llingclte es bei Frau Streichelt. Tie Frau glaubte, daß der Bäckcrjunge das Frühstück bringe. Als sie öffnete, sah sie sich unvermutet Stahr gegenüber, dieser stieß sie sofort zurück und drang an ihr vorbei in das Schlafzimmer ein. Nichts Gutes ahnend, lief Frau Streichelt sofort im Nachlgctvand auf die Straße, um einen Schutzmann zu hole». Unterdessen gelangte Stahr zu seiner Frau, die noch schlief. und tötete sie vor den Augen der beiden Kinder, die auf dem Sofa vor dem Bett der Mutter lagen. Auf den ersten Schuß kani ein Ingenieur Berger, der bei Frau Streichelt wohnt, herbei gelaufen; er mußte sich aber vor dem Revolver StahrS zurück- ziehen. Dieser feuerte nun noch zivei Schüsse auf seine Frau ab. Eine Kugel durchbohrte das Herz, zwei drangen in den Kopf ein. Bevor noch Frau Streichelt mit einem Schutzmann zurückkehrte, richtete er dann die Waffe gegen sich selbst, schoß sich in die Brust nnd brach lautlos vor dem Bette zusammen. Als ei» Beamter mit Frau Streichelt kam, waren beide schon tot. während die armen Kinder laut janimcrnd auf dem Sofa lagen. Ein Arzt konnte nur noch den Tod feststellen. Nachdem die Kriminalpolizei und eine Gerichtskommissivn den Thatbestand anfgcnommcn hatten, ivnrdc» die Leichen um 19 Uhr vormittags nach dem Schauhause gebracht. Die beide» Kinder blieben vorläufig bei der Tante. Die Tragödie rief in dem Hanse eine große Aufregung hervor. In der Fiirsorge-Erziehung der Stadt Berlin befanden sich am 1. Juli 1992 bereits 792 Zöglinge, 447 Knaben und 255 Mädchen. Außerdem waren von früher her noch 499 ZivangscrzichungS-Zög« liiige, 489 Knaben und 61 Mädchen, vorhanden. Der Zugang an Fürjorgc-Erziehungs-Zögliiigen hatte in den ersten 4 Vierteljahren nach Inkrafttreten des Fürsorge-Erziehungs-GesetzeS zunächst eine rasche Steigerung erfahren. Er hatte betragen: im Jahre 1991 April bis Juni 52. Jnli bis September 124. Oktober bis Dezember 154, im Jahre 1992 Januar bis März 194. Im Vierteljahr April bis Juni hat sich nun zum erstenmal ivieder eine kleine V e r> Minderung des Zuganges bemerkbar gemacht; er betrug i» dieser Zeit nur noch 134. Jin ganze» sind in den ersten 5 Viertel- jähren 798 Zöglinge in Fürsorge-Erziehnng gekommen. Von diesen sind 6 Zöglinge inzwischen wieder entlassen worden, 5 endgültig und einer nur»viderruflich. DaS Berliner Trinktvafscr. Die knrzlichen Klagen über nn- reines Tnulwaficr und die»cnc Polizcibcstiinmung gegen die Ber- scnchung der Wasserleitungen geben Veranlassung, einmal zu be- leuchte», wie das Leitungswasser beschaffen ist. welches der Berliner täglich trinkt, mit dem er seine Speisen herstellt, sich wäscht usw. Bekanntlich ivird uns das Wasser zugeführt aus dem Miiggeb und Tegeler See. Von hier gelangt es in große Bassins, passiert die Filier, welche ans verschiedenen Schichte» von KicS nnd Sand hergestellt find, gelangt dann in die Wassertürme und bekommt hier den erforderlichen Druck, um es bis in die oberen Stocklverke der Hänser z» pressen und nicht nur de» Durst, sonder» eventuell auch daS Fencr zn löschen. Das Filtrieren hat nicht allein den Zweck, das Wasser vou llnreinigkeiten zn befreien. wozu außer Algen die kleinsten Lebewesen der Bakterien gehören. sondern es verbessert das Wasser auch in chemischer Beziehung. So ivird dadurch der Gehalt an Ammoniak und an oxydierbaren Sub- stanzen herabgesetzt, dann wird eS auch dadurch von dem zu großen Eisengehalt befreit. Das so triukfcrtige Wasser eiithält in einer Million Gramm, also in 1999 Litern 12,3 Gramm Chlor, 9,5 Gramm Ammoniak, 9,42 Salpetersäure. 3,4 Gramm Schwefelsäure, 13,6 Gr. Kalk nnd Magnesia, 9.1 Gramm Eisen. Von der so gesundheits- schädlichen salpetrigen Säure ist cS frei. Die Gcsamlbärte beträgt 3.7, die bleibende Härte 3.4 in deutschen Härtegraden, so daß daS Berliner Leitnngslvafscr sich auch zu allen technischen Zwecken, be- sonders als Kessclspcisewasser vorzüglich eignet, nnd dazu auch viel- fach verwendet wird. Selbstverständlich sind die angegebenen Zahlen Durchschnittszahlen, welche sich daraus ergeben, daß daS Wasser in 1 regelmäßigen Zwischenrämucn von 14 Tagen einer genauen Prüfung unterzogen wird. Teure Kornblume». Vor dem Abpflücken von Koni- und andre» Feldblume» sollten die Ellern ihre Kleine» im eigensten Interesse lvarnen. Ganz abgesehen davon, daß dem Landinann durch das Zertreten des Kornes ic. großer Schade» erivächst, sind auch die Eltern der dabei betroffenen und zur Anzeige gebrachte» Kinder schadensersatzpflichtig. Erst kürzlich verurteilte das hiesige Schöffengericht den Vater eines solchen Schlingels zur Zahlung von 59 Marl an den Feldbcsitzcr. llnd das für eine Handvoll Kor» blnmcn! Professor Gerhardt, der weitbekannte Mediziner, ist Montag- vonnittag auf seiner Besitzung Schloß Damburg in Bade» gestorben. Gerhardt gehört zu jenen universell gebildeten Acrzten der alten Schule, die sich vor allem nn dem Ausbau der physikalischen Untersiichmigsmethoden, die erst in der Mitte des vorigen Jahr Hunderts Gemeingut der Aerzte geworden sind, bethäligtc, wie er sich auch um die damals noch ganz junge Laryngologie hervorragende Berdienste erworben hat. Für seine um- verselle Bedeutung sprechen auch die auf die verschiedensten Gebiete der Bkedizin sich erstreckenden Schriften Gerhardts: Der Kehlkopf krup, der Stand des Diaphragmas, Lehrbuch der Auskultatio» und Perkussion, Lehrbuch der Kinderkrankheiten, mehrere Arbeiten über die Kehllopfcrkraukungcn. Zum Besuche der Tiisteldorfer Gelvcrbe-Aiiöstclliing wird, wie die königliche Eisenbahndircktion Berlin soeben bekannt niacht am nächsten Sonnabend ein Sonderzng zu er- mäßigten Fahrpreisen vom hiesigen Lehrter Hauptbahnho abgelassen tverden. Der Sonderzng geht vom hiesigen Lehrter Bahnhof abends 19�/4 Uhr ab nnd trifft ein: in Stendal um 12 Uhr 7 Min. mitternachts, in Hannover um 2'/« Uhr früh und in Düsseldorf, Hanptbahnhof, am Sonntag, den 27. d. Mts. 8 Uhr 49 Min. vormittags. Zur Ausgabe gelangen zehntägige Rückfahrkarten zum Preise von 86.39 M. ziveiter und 25.59 M. dritter Klasse. Freigepäck wird nicht gewährt; Kinder unter zehn Jahren genießen die üblichen Bergiiiistigmigen. Die Sonderzng- Fahrkarten berechtigen innerhalb der Gültigkeitsdauer zur Nückfahrt(welche mit Ablauf des 4. August beendet sei» mnß) mit alle» fahrplanmäßigen(auch Schnell-) Zügen, sowie mit einem am Sonntag, den 27. d. Mts., abends 19 Uhr 24 Min. vom Düsscldorscr Hauptbahnhofe abgehenden Sonderzngr nach Berlin Stadtbahn(zweiter Teil vom Schnellzug Nr. 5). Bei Benutzung von V-Zügcn ist der tarifmäßige Zuschlag z» zahlen. Ans der Nückfahrt ist cimnalige Fahrtunterbrechung gestattet. Der Fahrkarten- Verkauf findet von heute nn statt vormittags von 9 bis 12 Uhr auf den» Lehrter Hauptbnhnhose, von 3 bis 6 Uhr nachmittags au' Bahnhof„Fricdrichstraße" und während der gewühnlichen Dienst- stnnden auf dem Potsdamer Bahnhofe(im amtliche» Nciscbnrcn») am Freitag, den 25. d. Mts., abends 6 Uhr, ivird der Verlau' der Sondcrzngs-Fahrkartcn endgültig geschlossen. Der Wasserbndikcr ist jetzt in der Hochsaison der Schiffahrt eine vielbeschäftigte Persönlichkeit. Zu jeder Tageszeit kann man den kleinen Kahn mit dem geteilten Verdeck nnd dein reichhalligc» sortierten Warenlager die Fluß- nnd Knnnlläufe in»nd nm Berlin abstreichen sehen. Bier und Backware, Kartoffeln, Geinüse, Brot Wurst, Speck. Käse, Cigarren, Plüschschnhe— alles ist bei ihm vor treten und findet nn de» Schiffern willige Abnehmer. Mit den alten Schiffern gicbt es erst längere Begrüßung nnd NachrichtenariStniisch mit den Neulingen niacht der Wasserbndikcr sich bekannt ii»d preist seine Dienste als reeller und billiger Verkäufer a». Ter überall gern gesehene Mann stellt übrigens auch eine Art Postansinlt dar Er übermittelt Nachrichten sowohl schriftlich wie mündlich, denn bei ihm kommt doch nrit der Zeit jeder Schiffer vorbei, dessen Auffinden sonst mit Schwierigkeiten verknüpft wäre. Sein großes Hauptbuch füllt sich allmählich mit Adressen, wo und wann die einzelnen Schiffer Ladung lösche» und einnehine». Der Wasscrbudikcr ist eben ein vielseitiger Mann und für die SchisiSbevöllenmg unenlbchrlich. Selbstmord anS Aerger über einen Geldverlust hat den Bürstenfabrikanten Julius Stauer vom Engel-User Nr. 17 in de» Tod getrieben. Stauer hatte sich von kleine» Anfangen tüchtig empoigearbcitet. Im Jahre 1884 begann er sein Geschäft niit zwei Geselle», jetzt sind in seiner Fabrik 24 Gesellen und ein Buchhalter lhätig. Am 1. April d. I. lieh er einem Bekannten von ihm, einem jungen Manne, 6999 M. zur Begründung cincS SpedilionSgeschäfls. Das Geld ging ihm verloren. Obivohl er trotzdem sorgenfrei hätte leben köimc», da der Verlust für sein gut gehendes Geschäft gar nicht in Betracht kam, so ärgerte ihn der Mißerfolg doch so sehr. daß er ihn nicht verivindc» konnte. Während sich seine Frau mit den vier Töchtern im Alter von 8 bis 14 Jahren in der Sommer- frische zn Görlitz aufhielt, machte er vorgestern im Gehölz bei Klein Ziethen seinem Leben durch einen Revolverschnß ein Ende. Das Geschäft setzt seine Witlve fort. DaS Opfer eines ttnfallcs ist nach sicbcnlvöchigem SchmerzenS- lagcr der 69 Jahre alte Bodeimieistcr Fritz Werner aus der Alcxandriiiensir. 84 geworden, der am gestrigen Sonntagnachmittag beerdigt wurde. Werner Ivar 35 Jahre lang in eincni Geschäft am Kupfcrgrabcn angestellt. Als er vor sieben Wochen»ach dem Mittagessen wieder ins Geschäft gehen ivollte und den Bahnhof Börse verließ, ivnrdc er, während er einigen Wagen ansivich, von ciiicin Radfahrer umgerannt nnd erlitt mehrere Rippenbrüche und Verletzungen an Kopf und Händen. Seitdcni lag er bis z» seinem Tode im Krankenhanse. Unfall oder Selbstmordversuch? Der 62 Jahre alte Nlinosencuipfängcr Adolf Kanipfivcrlh ivar durch Krämpfe, an dcuc» er seit seinem siebenten Lebensjahre leidet, sehr nervös geworden. Dazu kam noch, daß er vor zwei Jahren fast erblindete. Wenn er von dem Augenleiden auch geheilt wnrde, so ließ eS doch eine ge- steigerte Aufgeregtheit zurück. Am Soimabcndvormittag nm 19 Uhr verließ er scnie Frau nnd kehrte nicht ivieder zurück. Vorgestern vornriltag nm 4'/- Uhr sah ihn ein Radfahrer an der Lichleustein- b dicke im Landwchrkanal mit den Wellen kämpfen und rettete ihn. Einci» Schutzmann des 32. Reviers, der ihn nach der Charite brachte, gab er zunächst an, daß er i»S Wasser hincingcsioßen worden sei, später sagte er dagegen, er sei in Krämpfen ins Wasser gefallen. BootSnnfall. Ein Arbeiter Krämer hatte sich von einem ihm bekannten, an der G o tz k o w S k y- B rü ck e lagernden Schiffer ein Boot geliehen und fuhr in diesem allein die Spree abwärts, das Fahrzeug mir mit einem Ruder treibend. Diese bei den Schiffern gebräuchliche Beförderungsart kannte K. jedenfalls nicht, da er, in» das Boot gcradcans zn steuern, daS Ruder abwechselnd rechts nnd links einsetzte. Hierbei schlug daS Boot um und sein Insasse stürzte in die Fluten. Obivohl Hilfe sofort znr Stelle ivar, gelang es doch erst nach längeren» Bemühen, den Körper des Verunglückten anfzn- in den. K., welcher bewußtlos war, wnrde dem Krankenhanse zu- geführt. Unbekannte Leiche». An? dem Land wehrkanal wnrde die Leiche eines uubckaimtcn Mädchens gelandet, das etwa 29 Jahre alt gewesen sein mag. Die Tote ist 1,55 Meter groß und unter- etzl� hat dunkelblondes Haar»nd war nur mit einer blanrotgelb gestreiften Vlnse. einem grauen Korsett, einem weißen Hemd mit dem Monogramm L. L., schivarzc» Stdiuipfcn und Halbschuhe» bcllridet, ivührend die Oberlleider fehlten. Die Leiche kann noch nicht lange im Wasser gelegen haben und Ivurde gestern, Sonntagmorgen, um 6V, Uhr am Halleschen llfer gefunden.— Am Schiffbaner- d a in m Ivurde einige Stunden später die Leiche eines unbekannte» Mannes von ctiva 25 Jahren gelandet. Sie hat vielleicht acht Tage im Wasier gelegen. In den Kleidertaschen fand man Papiere ans den Namen eines Kellners HnnS Lübene anS Hannover, der hier in mehreren großen Nestaurationen beschäftigt war und sehr gute Zeugnisse besaß. In einem Briefe klagt der Mann, daß er keine Stellung habe nnd mittellos sei.— Am Sonnabcndvormittag fand nian in Treptow in der Spree die Leiche eincS Mannes von etiva 59 Jahren. Der Unbekannte ist mittelgroß, hat dunkelblondes Haar und eine» etwas ergrauten Schnurrbart und trug ein schwarzes Jackett, eine graue Weste, ei» weißes Vorhemd anS Papier, ein weißes Tafchentuch mit den Zeichen IV. U., schwarze Strümpfe mit gelben Ringen, ein weißes Leinenhemd nnd einen gelben Kneifer an schwarzer Schnur. Ei» hartnäckiger Selbstmörder. Der Gärtner Hermann Schwarz aus der Prinzenstr. 12, ein verheirateter Mann und Familienvater ini Anfang der vierziger Jahre, betrieb seit ändert- halb Jahren einen Blumenhandel in dem Hause Luisenstr. 45. wo er auch in einem Zimmer hinter dem Laden zn schlafen pflegte. Als am Freitag voriger Woche nm S1/, Uhr die Verkäuferinnen kamen, fanden sie in dem Laden einen starken Gasgeruch, der aus dem verschlossenen Hinterziinmer zu komme» schien. Da ihnen auf ihr Klopfen nicht geantivortct ivurde, so holten sie einen Schutzmann der die Thür diirib einen Schlosser öffnen ließ. Man fand Schwarz bewußtlos in dem mit Gas angefüllten Zimmer liegen. Ein Arzt und ein Samariter der Feuerwehr von der Wache in der Liiiienstraße stellten mit dem Sauerstoffapparat der Feuerwehr Wiederbelebungsversuche an, die nach längerer Zeit auch Erfolg hatten. Schwarz erholte sich denn bald wieder. Mau glaubte, daß er aus Versehen oder Fahr- lässigkeit den Gashahu aufgelassen habe, eine Vermutung, die er selbst auch bestätigte. Erst jetzt stellt sich heraus, daß Schwarz einen Selbstmordversuch gemacht hatte. Im Laufe des Tages entfernte er sich nämlich aus dem Geschäfte, kam nicht wieder und fand sich auch in seiner Wohmnig nicht mehr ein. Alle Nachforschungen nach dem Verbleib dcS Vermißten hatten keinen Erfolg, bis man ihn an» Sonntag i» Treptow als Leiche in der Spree wiederfand. Die Veranlassung zu dem Selbstmord ist nicht bekannt. Eine Explosion einer Accumnlatoren-Batterie hat wiederum in einem Straßenbahnivageu stattgcfuuden' In der gestrigen Nacht gegen l/,1 Uhr explodierte in dem Wagen 241 der Berlin-Charlotten- burgcr Straßenbahu-Gesellschaft. als derselbe die Straße Alt-Moabit durchfuhr, die unter der Sitzvauk besindliche Accumnlatorcil-Vatterie, in welcher sich nmtmaßlich Kahlen-Wasserslaff-Gase entwickelt hatten. Durch den Luftdruck wurde die Sitzbank buchstäblich hochgehoben, während sich der Fahrgäste eine Panik bemächtigte. In ihrer Angst drängten sie an der Haltestelle dein Ausgang' zu, wobei die in Charlotteuburg, Wallstr. 15 wohnende Frau Adam zu Fall kam. Sie erlitt jedoch glücklicherweise nur Hautabschürfungen und setzte niit de» übrigen Passagieren, nachdem diese beruhigt waren, die Fahrt in dein Wagen fort. Fcuerbericht. Durch Unvorsichtigkeit eines Kindes kam Montag- nachmittag in der Augermüiiderstraße 5 ein Wohuuugsbraud aus, der indes vou der schnell herbeigerufenen Wehr leicht beseitigt werden konnte. Kurz darauf erfolgte Zinnnerstraße 15 ein Schorn- stcinbraiid. Am Souniag wurde die Wehr mehrfach in Anspruch gc- nommen. Brunnenstr. 131 war mittags ein Posten Holz in einem Bäcker- keller in Brand geraten. Anguststraße 23, Mariannenstraße 31 und Waterloo-Ilfer wurden Gardinen und Möbel durch Feuer beschädigt. Eine Alarmierung nach dem alten Packhof war durch Kurz- schlnß im Schaltkasten verursacht. In der Dirksenstraße 1 wurden der Inhalt einer Mniisardenwohuuiig und ein Teil der Dach- koiistruktion eingeäschert. Stoffe in einem Verkaufsladeu gingen Grüner Weg 6 in Flammen auf. RüdcrSdorfcrstraße 66 mußte' in einer Schneiderwerksiatt ein Brand abgelöscht werden, der Regale und Schucidcrarlikcl erfaßt hatte. Nach Zimmerstraße 69 wurde die Wehr gerufen, weil hier Leiiicuslosfe Feuer gefangen hatten. Strom- ftraße 31 brannten Kisten und Stroh in einem Eiskeller. Kleinere Brände wurden noch vou TrcSckowftr. 15, Nenstädtischekirchstraße 18, Nhemsbcrgerstraße 1, Schulsiraße 51 und Fischerslraßc 34 gemeldet. Orgelkonzert. Frau Dr. Alwine Theile aus Posen(Sopran), Frau- lein Marga Lennnerhirt(Alt), Herr Georg Diburtz(Violine) und Herr Lrgaiüst Paul Heuer wirken mit beim Orgclvorlrag dcS MiisirdirektorS Otto Dicuel in der Marienkirche am Mittwoch, den 23. Juli, niittans 12 Uhr. Der Eintritt i st frei._ Aus de» Nachbarorte». Tic Charlottenburger Wohiiuiigsiiot i» amtlicher Be- lcnchtnng. Der Charlottenburger Magistrat hat durch das Statistische Amt wiederholt Erhebungen über die Zahl der leer- stehenden Wohimngen vornehmen lassen. Diese Aufnahmen fanden in der Regel nach Ablauf des allgemeinen UmzugSterminS statt, sie zeigten also, ivie groß der bei der allgemeinen Vermietung übrig gebliebene Wohniuigsvorrat Ivar. Vergleicht man die Resultat« der eiiizeliicn Jahre miteinander, so ergiebt sich, daß im Mai 1898 1921 Wohmingen ohne Geschäftslokal, 164 Wohnungen mit Geschäfts- lokal nnd 219 Geschäftslokale ohne Wohnungen leer standen; im Mai 1899: 591 Wohuiiiigen ohne GeschäftSlokal, 134 mit Geschäfts« lokal und 126 GeschäftSlokalc ohne Wohnungeii; im Mai 1969 482 Wohnungen ohne GeschäftSlokal, 179 mit Geschäfts« lokal nnd 95 GcschäftSlokale ohne Wohnungen; im Mai 1991: 665 Wohnungen ohne, 142 niit Geschäftslokal und 94 Geschnftslokale ohne Wohmingen; im Mai 1902 endlich 788 Wohnungen ohne, 109 mit GeschäftSlokal und 79 Geschäftslokale ohne Wohnungen. Diese wichtigen Zahlen erhalten erst ihre rechte Bedeutung, wenn man die leerstehenden Wohmingen ohne Geschäftslokale nach der Größe betrachtet. Die Zahl der leerstehenden Wohnungen von einem Ziinnicr betrug nämlich in den genaiiuten Jahren 221 bezw. 26, bcztv. 8, bezw. 6, bezw. 14, die von zwei Zimmern 293, bezw. 59, bezw. 3, bezw. 21, bezw. 96. Diese Zahlen kcniizeichiicii die Wohmings- frage. Wo der Wohmiiigsvorrat derjenigen Wohimngsgröße, welche hauptsächlich den arbeitenden Klassen dient, nämlich der Eiiizimnicr- wohnungeii, innerhalb eines Jahres von 221 auf 26 herab- geht,»mß. wenn nicht der Zuzug von außerhalb ganz aufhört oder gar eine Mehmbwandermig stattfindet, ein Mangel an solchen Wohmingen eintrete». Uebrigcns ivar der kleine Vorrat von Einjimmerwohnungen, welcher durch die Zählung gefunden Ivurde, meist mir ein scheinbarer, indem eS sich um be« sonders geartete Wohnungen handelte oder nur von kurzer Dauer, indem diese Wohnungen bald nach der Erhebung bereits wieder ver- miet waren. WaS den Mietszins betrifft, so ist die durch- 'chnittlich für ein heizbares Zimmer geforderte Miete von 1893 bis 1992 von 259 ans 325 M. gestiegen, bei den Einzimmerlvohmmgcn mm ist sie von 189 auf 179 M. gesiinkeii, wobei jedoch zu bemerken ist, daß sie im Mai 1991 sogar 399 M. betrug, nnd bei den Einzimmer- Wohnungen hinten ist sie von 175 auf 255 M. gestiegen. Der Umstand, daß die Hintcrlvohmiiigcn mehrfach teurer erscheinen als die Vorderwohmiiigcn, hängt damit zusammen. daß eS sich bei den Hintcrwohinnigen nieist nm besser ausgestattete Wohnungen in neuen Häusern nnd guten Stadllcilcn handelt, bei den Vorder- wohmingen dagegen um Löcher in alten Häusern und in schlechten Stadtteile». Bei den Zlvcizimmerwohiniiigcn schwanlie die für das Zimmer geforderte Miete in de» genannten fünf Jahren bei Vorder- wohmingen zwischen 228 nnd 261 M., bei Hiiiterwohnuiigcn zwischen 143»nd 213 M. Diese vom Stniisiischen Amt veröffentlichten Daten reden eine deutliche Sprache. Die WohmiiigSnot läßt sich nicht leugnen, sie besteht in Charlottcnbnrg nach wie vor, nnd sie wird auch nicht ver- 'chwinden, so lange die Gemeindevertretung statt die Interessen der Gesamtheit wahrzunehmen, ängstlich nach dem allmächtigen Haus- agrariertum schielt, dessen gemeingefährliches Wirken kaum in einer andren Stadt so deutlich hervortritt wie in Charlottenburg. Die Charlottcuburgcr ArMendirektio» hat, nachdem der Polizeipräsident sich bereit erklärt hat, die Aussicht Über die Halte- kiuder, d. h. alle gegen Entgelt in Kostpflege befindlichen Kinder unter sechs Jahren, außer den Waiscmäteu und den Waisiii« Pflegerinnen auch den Stadtärzten zu übertragen, mit Beginn deZ laufenden Geschäftsjahres die A u f s i ch t s f n h r u n g über die Haltekinder neu geregelt. Ihre Ueberwachlmg ist nun- mehr genau so geordnet wie die der städtischen Kostpflegekinder, und der einzige Unterschied liegt darin, daß kein Pflegcgel'd anS städtischen Mitteln gezahlt wird. Die dauernde ärztliche Ueberwachnng der Kinder liegt dem Stadtarzte ob; in Krankheitsfällen bleibt es jedoch den Pflegemüttern nberlasse». für schleunige ärztliche Behand- lung selbst Sorge zu tragen. Nur wenn die Angehörigen oder die Pflegemutter keine Mittel zur Bezahlung des' Arztes besitzt, übernimmt der Stadtrat auf Grund eines' vom Waiscnrat aus- gestellten Krankenscheins die Behandlung. Die Arinendircktion er- sucht die Waisenräte, Waiscnpflegerinuen und Stadtärzte, der Ucbcr- wachung der Haltekinder besondere Anfmcrksainkeit und Sorgfalt zuzu- wenden und alle etwa bemerkten Mißstände, sofern nicht sosortAbhilfc zu erreichen ist, ihr anzuzeigen. Besondere Anfmerlsamkcit soll dem Gesundheitszustand der Haltekinder gcividmet werde», damit, wo es geboten erscheint, rechtzeitig und so früh als möglich eingegriffen werden kann. AuS Schöueberg. Ueber die Herstellung einer Verbindung d e r R i n g b a h n mit der W a n n s e e b a h n am B a h n h o f Ebers st raße hatte bekanntlich die Eisenbahndircktion Berlin Er- Hebungen anstelle» lasse». Die Angelegenheit wird demnächst auch dem neuen Eisenbahnminister Budde unterbreitet werden. Hoffent- lich wird dem dringenden Bedürfnis stattgegeben, um endlich ein Umsteigen an der genannteil Ringbahnstation noch der Wannscebahn und unlgekehrt zu ermöglichen, da der Verkehr daselbst sich stetig vergrößert.— Eine Er Iv eitern ng der hiesigen städtischen höheren Mädchenschule wird von Ostern 1003 ab geplant. Auf Antrag des Direktors Schmidt sollen vom genannten Zeitpunkt ab an der Anstalt sechs Realghmnasialklassen neu er- richtet werden, ivozn seitens der Regierung die Genehmigung bereits erteilt ist. Nach sechsjährigem Besuche der Mädchenschule soll die so erweiterte Anstalt die Universitätslaufbahn vorbereiten. Köpcnil?. Seit langem warten die hiesigen Einwohner auf die Errichtung des GcwerbcgerichtS. Nun scheint die Sache doch endlich in Fluß zu kommen. Vor einigen Tagen wurde die Gcnch- migung des Kreisansschllsscs für das Ortsstatut erteilt. Wenn das letztere auch nicht allen Wünschen der hiesigen Arbeitnehmer ent- spricht, so sind doch einzelne derselben berücksichtigt worden. Leider find die nächstgelegcncn Orte nicht mitangeschlossen worden. Die Schuld dafür tragen der hiesige Magistrat, die Gemeinde- Vorstände resp. die Arbeitgeber in den Gcmeindevertretunge». Die Vorarbeiten für die Errichtung des Gcwerbegerichts werden nun alsbald bc- ginnen. Es ist noch zu bemerken, daß die hiesigen Jnnungsmeister beschlossen haben, eine abwartende Stellung zu der Rechtsprechung des Gcwerbegerichts einzunehmen. Sollten sie nicht zufriedengestellt werden, so würde ein Jnnungs-SchiedSgericht sür Köp-nick errichtet werden. AuS Groß-Lichterfclde wird uns geschrieben: Seit nunmehr fast drei Jahren ist die hiesige Geinemde im Besitz des ehemaligen Ritterguts Werben, das infolge der beschlossenen Kanalisation zu Rieselzwecken angekauft Ivurde. Das Gut befand sich bei der Ueber- nähme in einem solch' herabgekommenen Zustande, daß es schwer gehalten haben würde, im tvciten Umkreise ein ähnlich devastiertes Besitztum ausfindig zu macheu. Es versteht sich wohl von selbst. daß auch die Behausungen der landwirtschaftlichen Arbeiter von elendester Beschaffenheit ivaren und sich in vollständig venvahrlostem Zustande befanden. Heute, nach fast drei Jahre», muß die bedauerliche Thatsache konstatiert werden, daß unter der segensreichen Verivaltung der Lichterfelder Professoren-. Beamten- und Rentner- Hierarchie an diesen traurigen Wohnverhältnissen, unter denen die auf dem Gut beschäftigten Landproletaricr leiden, so gut Ivie nichts gebessert Ivorden ist. Dabei brauchen tvir nicht zu ver- schweigen,� daß für den Wirtschaftsineier und den Schtveizer ein kleines Häuschen errichtet worden ist, dessen Räumlichkeiten jedoch nicht einmal den gctviß bescheidenen Ansprüchen dieser Leute genügen. Es versteht, sich, daß diese verschtvendcrische �-nlle gemeindlicher Für- sorge sich nicht nur auf die Behausung, sondern auch auf die Be- Zahlung der Gutsarbciter erstreckt, über die der Etat unter dem zeit- gemäßen Titel„Gcsindelöhiic" de» Aufschluß giebt, daß sich diese — wie bei einer sparsamen Gcmcindevcrivaltung nicht anders zu er- warten— einer außerordentlichen Niedrigkeit erfreuen. Um über die schlechte Entlohnung des Gutspcrsonals hinwegzutäuschen, grif manzudemAushilfsmitteldcrpatriarchalischengemeiusanienBekvstignng. Für diesen Zweck sind im Etat unter den Ausgaben: 4300 M. Kost e n derHaushnltungiukl. desLcrbrauchsaneigeneuPrvdukten eingestellt. Davon iverden beköstigt: der Gntsverivalter, dessen Ehefrau, ei» Lehrling, eine Wirtschafterin, 3 Mädchen, 6 unver- heiratete Knechte und außerdem im Sommer noch circa 20 freie Arbeiter I Daß bei dieser allgemeinen Abfütterungsmethode der Gutsverivalter mit seiner Familie weder guantitativ noch qualitativ zu kurz kommen Ivird— tvas tvir ihm nicht verargen—, liegt eben- lo nahe, ivie die Schlußfolgerung, daß der Rest sich in ziemlich schmale Portionen nnf das übrige„Gesinde" verteilt. Die Lohn- und Wohnverhältnisse der GutSproletaricr auf Werben liefern einen Ivciteren Beitrag zum Kapitel„Arbciterfrcundlichkeil" der Lichterfelder Kommunalregierung. Ein ergiebiges Feld für die Thätigkeit künftiger socialdemolratischer Gemciudevertretcr, denen auch in diesem Falle die sociale Ehrenrettung dieses noblen Vorortes vorbehalten bleibt. Die statistischen Erhebungen über die Zustände in den Fleischercibctnrbc», welche die Regierung vor einiger Zeit in Berlin vorznnchnicn beschlossen hat, sollen jetzt auch auf die Vor- orte ausgedehnt werden. Heute ist von den Amtsvorstehern folgende Bekanntmachung erlassen ivorden:„Auf Anordnung des Regierungspräsidenten sollen an alle in der Gemeinde vorhandenen Betriebe deS Fleischergeiverbes, welche gewerbliche Gehilfen oder Lehrlinge beschäftigen, Fragebogen über die Arbeitszeit der Angestellten zur Ausgabe gelangen und zivar für die Hälfte der Betriebe an die Arbeitgeber, für die andre an je einen getvcrblichen Gehilfen. In Betrieben mit mehreren Gehilfen haben sich die letzteren darüber zu einigen, wer von ihnen die Fragebogen ausfüllen soll. Kommt keine Einigung zu stände, so hat es der am längsten im Betriebe thätige Gehilfe zu thun. Die Fragebogen werden am 24. d. MtS. eingesammelt. Die Fischränbcr der märkischen Gewässer sind trotz des gegen sie eingeleiteten Vernichtungskrieges noch immer zahlreich ver- treten. Wie ernsthaft man ihnen zu Leibe geht, beiveist folgende Abschußliste: Im vergangenen Vierteljahr wurden erlegt 39 Fisch- ottern, 2 Fischadler und 170 Fischreiher. Der Fischereiverein für die Provinz Brandenburg, welcher für Tötimg dieses Raubgesindels Prämien zahlt und ztvar 3 M. für einen Otter' oder Adler und 2 M. für einen Reiher, ist angesichts dieser großen Zahl der Getöteten bereits genötigt gelvcsen, die für Prämienzwecke ausgeworfene Summe zu erhöhen._ Mitgliedetverzeichuis im Sinne des§ 2 dcö Pcreins- gcsryeS. Bei Gründimg des freisinnigen Bürgervereins i» Löiven- berg vor etwa 10 Jahren hatte dessen Vorstand der Polizei ein Mitgliederverzcichnis eingereicht, und später ivar regelmäßig der Zu- und Abgang' von Mitgliedern der Polizei gemeldet worden. Trotzdem verlangte iin verflossenen Jahre die Polizei ein neues vollständiges Mitgliederverzeichuis und zivar deshalb, iveil sie infolge der vielen Nachträge und Streichimge» den lleberblict verloren hatte. Der Vereins- Vorsitzende klagte im Verivallungs-Streitverfahren, das Ober-Ver- waltnngsgericht wies ihn jedoch mit der Begründung ab, daß hier besondere Umstände vorlägen, die die Polizei berechtigten, eine „Auskunft" gemäß§ 2 des Vereinsgcsctzes durch Einreichung eines neuen vollständige» Mitgliederverzeichnisses zu verlangen. Eine Bestie i» Menschengestalt stand gestern vor der ersten Ferieustrafkammer am Landgericht II. Es handelte sich um ein Seitenstück zu dem Prozesse wider den Lehrer Köpp und dessen Ehefrau, der am Sonnabend vor dem Landgericht I verhandelt wurde. Diesmal wurden die entsetzlichen Leiden eines Waisen« kindeS aufgedeckt. Dem Angeklagten, Möbelpolierer Alex Mocker in Neu-Weißensee, war seitens der dortigen Arntenverwaltung das 4'/ijährige Mädchen Klara K u b r o z i z in Pflege gegeben ivorden, obwohl er selbst eine Anzahl Kinder besaß. Die Mutter des Pfleglings war tot, der Vater kümmerte sich nicht um das Kind, weshalb dasselbe der Armenpflege verfiel. Das Kind ist nur 2�/2 Monate in den Händen des Angeklagten gewesen, in dieser Zeit hat es aber soviel gelitten, wie mancher Mensch sein Lebenlang nicht erleidet. Gleich vom ersten Tage an hörten die Nachbarn, daß das Kind schwer miß- handelt wurde. Die Mißhandlungen wurden schließlich so arg. da' die Nachban» sich bewogen sahen, Anzeige zu erstatten. Ein Arzt wurde mit der Untersuchung des Kindes betraut und dieser fand dasselbe in einem entsetzlichen Zustande. Der Angeklagte ist darauf vom Schöffen- gericht zu s e ch s Monaten Gefängnis verurteilt tvorden, hat aber, trotz der milden Beurteilung, Berufung eingelegt, worauf die Sache vor die Strafkammer kam. Hier bekundete der praktische Arzt Dr. Gronau, der mit der Untersuchung des Kindes betraut war, daß er in seiner Praxis etwas Achnlichcs' noch nicht gesehen habe. Der Körper des Kindes sei von oben bis unten blau und grün ver- färbt gelvcsen. Allenthalben zeigten sich blutunterlaufene Stellen und dazwischen noch offene Wunden, selbst am Ohr. Auf dem Gesäß zeigten sich zwei schwere noch ziemlich frische Brandstellen. Wenn die Staatsanwaltschaft einerseits annehme, daß der Angeklagte das Kind auf den heißen Kochherd gesetzt habe, während der letztere behaupte, daß sich das Kind nur aus Versehe» auf eine heiße Wärmflasche gesetzt habe, so müsse er erklären, daß die Angabe des Angeklagten tvenig Wahrscheinlichkeit für sich habe, zum mindesten müsse dann das Kind sehr lange auf der heißen Wärmflasche festgehalten worden sein. Der Angeklagte behauptete, das Kind habe starke Neigung zu geschlechtlichen ÄuSschweifungen gezeigt und deshalb habe er dasselbe züchtigen müssen. Der Gerichtshof hielt es für ganz ausgeschlossen, daß man bei einem 4Vs jährigen Kinde ernsthaft von solchen Nei- gungen sprechen könne. Die jetzige Pflegerin, eine Frau Berge- in a n n, erklärte allerdings, daß das Kind fehr gut geartet und folgsam sei. Das Kind, welches auch gehört ivurde, erzählte in seiner kindlicher Ausdrucksweise, es sei auf den heißen Herd, aber auch au heiße Wärmflaschen gesetzi, sonst aber gewöhnlich mit dem Ausklopfer geschlagen Ivorden. Auf Grund dieser Feststellimgeu, die sich mit denen des Vorderrichters deckten, erkannte der Gerichtshof auf Ver- werfung der Berufung mit dem Bedauern, daß nicht auch die Staats- antvaltschast Berufung eingelegt hatte. Eine neue, für Radfahrer intereffante Entscheidung hat auf erhobenen Einspruch gegen ein polizeiliches Strafmandat das Spandauer Schöffengericht getroffen und zwar iviederum bezüglich der Frage, wann ein Radfahrer mit brennender Laterne durch die Straßen zu radeln hat. ES handelt sich diesmal um einen Kleinpner, welcher am 10. Juli d. I., abends 9�« Uhr. mit un- beleuchtetem Rade die Straßen der Stadt durchfuhr. Der- selbe berief sich darauf, daß es zu der gedachten Zeit noch ziemlich hell gewesen sei und die Slratzenlatcrnen noch nicht gebrannt hätten. Der' Gerichtshof gelangte diesmal zu einem verurteilenden Er- kenntnifse, dasselbe also begründend: Es komme gar nicht darauf an. ob die Straßenlaternen brennen oder nicht, sonder» lediglich darauf, ob es thatsächlich dunkel sei. In einer Stadt trete aber infolge der vorhandenen hohe» Grbäude die Dunkelheit früher ein als im Freien; demzufolge Hobe auch ein Radfahrer beim Befahren der Straßen einer Stadt früher sein Rad zu beleuchten, als dies im Freien erforderlich sei._ VevZÄttttttlunsetr. Ter Socialdemokr»tische Wahlvercin für Zldlcröhof hielt am Donnerstag seine Mitgliederversammlung ab. Genosse Grempe sprach über„Fortschritte in der Beleuchtungstechnik. Hierauf gab der Kassierer die Abrechnung vom II. Quartal. Es ivar eine Einnahme und Ausgabe von 200,76 M. Bei Beginn des Quartals betrug die Mitgliederzahl 133 und am Schluß 101. Dem Kassierer Ivurde Dccharge erteilt. Berichtigung. In Nummer 106 vom 18. d. Mts. berichteten tvir über die Versammlung der Gescllenausschüsse und Jnnungs- schiedSgerichts-Beisitzer. In der mitgeteilten Resolution ist ein sinn- entstellender Druckfehler enthalten. Es heißt im ersten Satz:„In anbetracht usw. ein Verhaudlungszwang nicht ausgeschlossen ist." Es nmß heißen:„nicht ausgesprochen." Vevntisrtjkcs« Kiel, 21. Juli. Eine Barkasse mit zwei Kuttern und einem Dinghy im Schlepptau wurde heute nachmittag gegen 2 Uhr von dem' Werft Kämpfer„Alarm" angerannt. Ei» Kutter von der ersten Conipagnie der 1. Torpedo- Abteilung ist gekentert. Der Heizer Keßler ist ertrunken. Eine Barkasse von der ersten Torpedo-Abteilung befindet sich auf der Unfallstelle. Die Leiche Keßlers ist bereits geborgen. Furchtbares Unwetter in Kiew. Bei ungetvöhnlich starkem Sturme, der große Bäume cntivurzclte, ging gestern nachmittag ein heftiger Platzregen und Hagelschauer nieder. Das Wasser drang in viele Kellenvohuungen ein, Ivo, wie jetzt festgestellt, fünfzehn Personen u m g e k o m in e n sind. In vielen Straßen stand das Wasser fast einen Meter hoch, auf einem Teile der Hauptstraße über einen Meter hoch. Der Eisenbahndamm ist stellenweise unter- waschen. Ter Zugverkehr ist vorläufig eingestellt. Abends 8 Uhr brach ein neuer Platzregen los. der die Straßen in reißende Gieß- däche verwandelte. Die Verluste sind ungeheuer. Die Hagelkörner waren haselnnßgroß und zerschlugen zahlreiche Fensterscheiben. Gerüsteinsturz. In Nieul stürzte ein Gerüst ein. ans dem sich 12 Arbeiter befanden; neun wurden tödlich, drei leichter verletzt. Die Cholera i» Aegypten. Nach Meldungen ans Kairo hat die Cholera bedeutende Ausdehnimg gctvonnen; der Bevölkerung hat sich eine große Unruhe bemächtigt. Die Zahl der Todesfälle teigt von Tag zu Tag. Ueber eine Skandalaffaire in Budapest ivird dem„Berliner Tageblatt" berichtet: In Budapest ist man einem scheußlichen Ver- brechen auf die Spur gekommen, das jetzt die ganze Bevölkerung in Aufregung hält. Es handelt sich um einige entmenschte Weiber, welche kleine, noch im zartesten KindcSalter stehende Mädchen perversen Wüstlingen zuführten. Ein Budapester Blatt brachte unter Nennung der Namen der Betreffenden die Nachricht, daß zwei kleine Mädchen, das eine sechs, das andre acht Jahre alt. durch ztvei Gclegenhcitsmacheriunen an mehrere den vornehmsten Gesellschaftsklassen angehörige Männer ausgeliefert wurden. und daß das eine der Mädchen infolgedessen schwer erkrankt ins Spital überführt werden mußte. Anfangs ivollte niemand der Nach- richt Glanben schenken, da keine polizeiliche Note hierüber ausgegeben wurde. Als sich jedoch die Nachricht bestätigte und sich überdies in den Abendstunden die Meldung verbreitete, daß das eine der armen Opfer, die im Spital befindliche achtjährige Therese Flasch, die vor ihrer Vergewaltigung mit einem Opiumpräparat betäubt worden ist, ihren Verletzungen erlegen sei. sammelte sich eine große Menschen- niasie vor jenem Hause, in tvelchcni die beiden Frauen wohnen, ivclche im Verdacht stehen, die armen Kinder verführt zu haben. Es war etwa um die nennte Abendstunde. Die Menge, tvelche aus fast 2000 Köpfe angewachsen ivar, forderte die Auslieferung der ver- dächtigen Frauen, und da Polizei nicht zur Stelle kam, wurde das Hausthor erbrochen, die Menge stürmte die Wohnungen der beiden Frauen, die sich inzwischen auf den Dachboden geflüchtet hatten, und demolierte sie vollständig. Als endlich die Polizei kam, mußte sie ganz energisch einschreiten und auch mehrere Verhaftungen vor- nehmen, ehe die Ruhe ivieder hergestellt werden konnte. Abends gab auch die Polizei ein Commimiqns aus, welches besagt, daß eine Untersuchung deS sechsjährigen Mädchens keinerlei. Anhaltspunkte für die Bestätigung der erhobenen Anklage ergab, und daß auch das HanS. Ivo der Vorfall sich zugetragen haben soll, leider nicht fest- gestellt iverden konnte. Bei dem achtjährigen Mädchen seien aller- dingS die Spuren eines bestialischen Verbrechens konstatiert ivorden, doch konnte auch in diesem Fall das Haus, in welchem das Ver- brechen verübt wurde, nicht festgestellt werden. Wegen dieses Com- muniqueS und weil die beiden in Verdacht stehenden Frauen bisher noch nicht verhaftet wurden, wird gegen die Polizei der Vorivnrf erhoben, daß sie die Angelegenheit vertuschen wolle, weil darin Mit- glieder der vornehmm Gesellschaft verwickelt sind. Der„Wiener Arbeiterzeitung" entilehmen wir noch folgende Einzelheiten: Die beiden Frauenspersonen Marie H o r v a t h und Elisabeth H o r v a t h haben die Kinder auf der Straße durch Versprechungen auf Znckerwerk usw. an sich gelockt und sie in ein Hans in der Mariengasse geführt, wo sie von elegant gekleideten Herren empfangen und daini geschändet wurden. Dort häüen sie. erzählten die Kinder, noch acht kleine Mädchen in ungefähr de ni selben Alter gesehen. Ehe man sie entließ, machte ein Herr die Kinder aüfmerksani, man würde ihnen den Kopf abschneiden, wenn sie darüber, was hier mit ihnen geschehen, etwas ausplaudern würden. Dabei zog der Herr aus einem Handkorb der Horwath einen(ans Wachs oder Papiermachs) angefertigten Kinds- köpf heraus, dessen Schnittrand am Halse blutig gefärbt war, Das sei, erklärte der Herr, der Kopf eines Kindes, das ausgeplaudert hatte. Die privaten Nachforschungen der Väter bestätigten die meisten Angaben der Kinder. Nun wurde bei der Polizei die Anzeige er- stattet, aber diese legte eine auffallende Zurückhaltung an den Tag. Sie lehnte es ab, die Ueberführnng der schlvcr erkrankten kleinen Therese ins Spital zu verfügen, so daß deren Mutter Wcißiväsche verpfänden mußte, um ihr Kind als zahlenden Patienten im Spital unterzubringen. Die kleine Anna Wazur, die zu einem andern Akt geschlechtlicher Perversität mißbraucht ivorden ivar, hat„nur" einen Nervenchoc erlitten— aus Entsetzen über den„abgeschnittenen" Kinderkopf. Polizeiarzt Dr. Bela Rakosi hat die Kleine trotzdem für ganz gesund erklärt. Die beiden Megären, die den Wüstlingen erwieseiiermäßen Kinder zutrieben, sind auf freiem Fuß.' Nachts in die Polizeicentrale zum Verhör vor- geladen, leugneten sie einfach; sie hatten nicht lange zu leugnen. Nach einigen wenigen Fragen schnauzte der verhörende Polizei- concipist Bela Perger die Horvath an:»Na, dann schauen S', daß S' weiterkommen!" Es ist offensichtig, daß die Polizei-Organe Angst haben, von de»Schuldigen amtlich Kenntnis zu erhalten. Den Namen des einen, eines kürzlich in Pension gegangenen hochgestellten Staatsbeamten flüstert man sich in„eingeweihten Kreisen" schon jetzt hier zu. und ziveifellos tvciß die Polizei durch ihre Detektivs genug, um— sich strengste Zurückhaltung aufzuerlegen. Die Dinge sind nämlich für die Polizei nicht so neuen Datums. Bor einigen Monaten machte die Näherin Frau E. Nagy bei der Stadthauptmaniischaft des VIII. Bezirks die Anzeige, ihr'sechsjähriges Töchlerchen Mariska sei von einer Frauens- Person einem Wüstling zugeführt und dort mißbraucht worden. Da Frau Nagy nach mchrmouatlichem Warten keine Verständigung über den Gaiig der Sache erhielt, begab sie sich wieder zur Polizei, Ivo sie energisch„aufbegehrte". Sie wurde zu achtundvierzig Stunden Arrest wegen ungebührlichen Betragens verurteilt, einen weiteren Erfolg hatte die Anzeige von einem gegen ihr Töchterchcn verübten Verbrechen nicht. Donnerstagabend sammelte sich eine nach mehreren Hunderlen zählende Menschenmenge vor dem Hanse in der Hnnyadigasse an und stieß gegen die Hausnicisterin, jene Frau Horvath, drohende Rufe aus. Diese eilte in den Hof und versperrte das Gartenthor des Hauses. Juztvischeu war die auf der Gasse stehende Meiischeiimeiige auf ettva 1500 Köpfe angetvachsen. Es wurden Rufe laut:„Her mit den Mörderinnen! sNicder mit der Giftmischerin! Sie soll keine Chokolade mehr kochen! Lynchen wir die Bestie!" Inzwischen war ein größeres Aufgebot von Konstablern zu Pferde und zu Fuß zur Stelle, die die unterdessen ins Haus gedrungene Menge wieder auf die Gasse drängte. Die Menge machte ihrer Wut nun dadurch Luft, daß sie nnt Steinen und Stöcken die gegen die Gosse gewendeten Fenster der Horvathschen Wohnung zertrümmerte. Nach wiederholten vergeblichen Versuchen gelang es der Polizei, die Ruhe wieder herzustellen. I» dem Hause wurde ein kleineres Polizei-Anfgebot belassen, um eveutnclle» weiteren Siuhestörungen vorzuveugeu. Am Freitag war die Umgebung des Hauses den ganzen Tag von einer mehrhundertköpfigen Menscheiiiiieiige besetzt, so daß zur Auf- rechterhaltnng der Ordnung die dort aufgestellten Polizeiivachtposten verstärkt werden mußten. Die entschiedene Stellung der Bevölkerung hat auch schon ge- wirkt: die Akten sind nun von der Kriminalnbteiluug der Ober- Stadthauptmannschasl übergeben worden, Ivo die Untersuchung ein rascheres Tempo einschlagen wird. Prinzenzerstrcuungen. Ueber die Asfaire des Prinzen von Braganza, den seine Streifzüge bei der vereitelten Londoner KrönungSfeier vor das Gericht brachten, läßt sich die„Wiener Neue Freie Presse" folgendes komische EiitschuldigungS-Telegrannn schicken: Die Verhandlnng gegen den jungen Prinzen von Braganza erwies für jeden Unparteiischen die Grundlosigkeit der gegen den Prinzen erhobenen Beschuldigungen. Die einzige belastende Aussage war die des Hausbesitzers, der durch ein Loch in der Thür gc- wisse Vorgänge beobachtet haben will. Der Hansbesitzer will das Loch eigens' zur Beobachtung des Prinzen hergestellt haben. Die ganze Geschichte stellt sich nach dem vernichtenden Kreuzverhör, dem Sir Edivard Clarke den Hausbesitzer und dessen Gattin unter- ivarf, nicht nur als unglaubwürdig, sondern geradezu als unmöglich heraus. Der Prinz erklärte, daß er nach einem sehr lebhaften. im Freundeskreis verbrachten Abend ein Stelldichein nach Mitternacht einhalten wollte. Die betreffende Person erschien aber nicht. Die jetzt Mitangeschuldigtcn hätten ihn veranlaßt, ihnen in das betreffende Haus zu folgen, augeblich um weibliche Gesellschaft aufzusuchen, die aber dort nicht zu finden war. Einige junge Burschen, die anwesend waren, habe e r mit e i n e m G e l d g e s ch e n k entlassen. Dann habe er ein Zimmer betreten, und als niemand sich sehen ließ, er aber schwere Ermüdimg infolge deS Wcingenusscs verspürte, habe er sich aus- gekleidet und zu Bette gelegt'. Das nächste, was er wahrnahm, war, daß ein Polizist ihn aufrüttelte. Die Verhandlung wurde abermals vertagt, nachdem sich vorläufig sehr überzeugend hcransgcstellt hatte. daß h ö ch st e n s ein harmloser, in der Trunkenheit b e- ga n gener Akt des Leichtsinns vorliege. D i e Unschuld! Russisches Gelchrteupcch. Aus Petersburg wird berichtet: Der Erforfchcr der mongolischen Sprache und Litteratur Professor Ramstcdt ans Helsingfors, der bereits 1899 und 1900 in der Mongolei war, wird demnächst i» Jrknlsk eintreffen, um im Auftrag des fiuisch- ugrischen wissenschaftlichen Vereins abermals in die Mongolei zu gehen, da er die im Laufe zweier Jahre geleistete Arbeit noch einmal thun muß. Das von ihm gesammelte wissenschaftliche Material [t nämlich spurlos auf der sibirischen Bahn verschwunden. Die mongolifche Sprache vollständig beherrschend, hatte Ramstedt in der Kleidung eines Mongolen die Reise angetreten, bei der er mit den Mongolen Mongole' getvesen und die primitive Lebensiveise der Eingeborene» geteilt hatte, um sei» Material über das Verhältnis der verschiedenen mongalischen Mundarten zur mongolischen Schrift- spräche zu vervollständige». Die zahlreichen Handschriften, die seltenen Bücher, die mittels eines Phonographen auf besondere Walzen fixierten eigentümlichen Redewenduugen der Mongolen und zahlreiche Manuskripte, welche eine Bearbeitung des Materials enthielten, halte Ramstedt der sibirischen Bahn zur Beförderung nach Helsingfors anvertraut. Wie groß ivar sein Erstaunen, als er nach der Heimkehr an Stelle der imschätzbaren Manuskripte und Sammlungen einen Posten— Rohrstühle vorfand! Sein Erstaunen verwandelic sich in Verzweiflung, als er aus eine Anfrage bei der Eiscnbahnbchörde die Auskunft erhielt, daß ihm die Stühle infolge eines Versehens zugeschickt worden seien; die Kisten mit dem wiffen- ichaftlichen Material seien gestohlen worden oder auf irgend eine andre Weise verschwunden. Großmütig erbot sich die Eisenbahn- Verwaltung zum VchadenSersatz. Mit ivie viel Kopeken oder Rubel das Pstind' Wissenschast eingeschätzt worden ist, wird leider nicht mit- geteilt. Eillgegaugcue Druckschriften. Der in seinem 21. Jahrgang vorliegende Neue Welt-Kalcnder für i>ns Jahr IVVZ(Hamburg, Haulbnrger Bnchdruckerci und Berlagsaustalt Auer u. Co<) enthält u. a.: Kaleudarium.— Postwesen.— Statistische Schnitzel.— Rückblick.— Messen und Märkte.— Im Kreislauf des Jahres.— Pharaos Traum. Von Eniil Rosenow(mit Illustrationen).— Morgenrot. Gedicht von Ludwig Lesse».— Welche Aufgaben stellt die Säuglingssteiblichkeit der bürgerlichen Gesellschaft? Von Curt Freudcnberg. — Volksrccht. Gedicht von Robert Seidel.— Bruno Schocnlauk. Von I. A.(mit Porträt).— Vom Obstbaum und feinen Früchten. Von Curt Grottewitz.— Ein Glückspilz. Erzählung von Robert Schweichel(mit Illustrationen).— Karl Bürkli. Von Hermann Greulich(mit Porträt).— Die Bagdadbahn und die asiatische Türkei. Von Max Schippe!(mit Illustrationen).— Der Sonn' entgegen. Gedickit von Ludwig Lessen.— In«t. Gallen. Bon I. A.— Wie man vor löv Jahren Buchbindergefelle wurde. Von Dr. Adolf Braun.—„Ach— was verstehst Du davon!" Skizze von Helina Steinbach.— Wie wiegt mau die Erde? Von Dr. Bruno Borchardt(mit Illustrationen).— Russische Ncoolutionen. Von A. Demmer.— Prüfung von Schisssmodcllen. Von A. G.(mit Illustrationen).— Splitter.— Auf der Kehrmaschine. Gedicht von Ensst Preczang.— Fliegende Blätter.— Ueberlistet. Von B. K.— Für uusre Rätsellöser.— Trächtigkeits- und Brütekalender.— Hierzu vier Kupfer: Deputation der Kohlengräber— Von der Arbeit— Rast— Verregnetes Fest.— Ein Bierfarbendruck auf Kunstdruckpapier: Abschied.— Ein Wand- kalender. Von der„Neuen Zeit"(Stuiigart, Dietz' Verlag) ist soeben das 42. Heft des 20. Jahrgangs erschienen. Aus dem Inhalt des Hefkes heben wir hervor: Eine Wunderkur.— Zur Frage der ArbeitsloseiuVersicherung. Bon Dr. Bruno Borchardt.— Ein sociales„Haager Schiedsgericht- in den Bereinigten Staaten. Bon I. L. Franz(New Dorl).— Jugend, Boll und Litteratur. Bon H. Ströbel.— Wirtschaftliche Umschau. Von H. Cunow.— Litterarische Rundschau: Therese Schlesinger- Eckstein, Die Frau iur neunzehnten Jahrhundert. Julius Burghold, Ueber die Ent- Wicklung der Ehe. Die„Neue Zeit" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buchhandlungen, Postanstalten und Kolporteure zum Preise von Z,2ö M. pro Quartal zu beziehen. In der Zcitungspreisliste der Postanftalteir ist die „Neue Zeit" uuter Nr. r>389 eingetragen, jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. Das einzelue Heft kostet 25 Pf. Probcnummerrr stehen jederzeit zur Verfügnng. Von«»Süddeutschen Postillou" ist soeben die Nummer 15 er- schienen. Die nächste Nummer wird dem Gedächtnis Manfred Witiichs gewidmet sein. Hlatoire de In Cooperation en Bclgiqne(Geschichte des Genossenschaftswesens in Belgien), par Louis Bertrand, depute de Bruxelles.— Editeui s: Dcchenne& Eis., 20, rue du Persil, Bruxelles.— Heft 9. Preis 50 Centimes. Briefkasten der Kedaklion. A. H. I. Stiftungsdeputation des Magistrats. Die Bedingungen sind tn unsrer Notiz genannt. Klicke. Weiche,» Sie sich an den Borsitzenden der Arbeiler-BikdungS- schule, Herrn Lamme, Kreuzbergstr. 3«, Konsumverein. Schmidt. Charlottcnburg. Von einer derartigen Anordnung ist uns nichts bekannt geworden. Berlichingenftr. Die Ehe kann aus dem von Ihnen angeführten Gninde innerhalb K Monaten nach Kenntnis von dem Ansechtungsgnind beim Landgericht wegen Täuschung angefochten tverden.— R. 6, Nein.— Revolver. Sie können im Klagewege Rückgabe des Revolvers, eventuell Schadensersatz(in Höhe von etwa 15 M.) fordern.— Bceuuglückter Strnstcnnboiineut. Die Ihnen im Bureau des Reichs-Bersichernngsamtes erteilte Auskunst trifft zu.- E. B. 38. Ja.- W. 9!)9. Nein. — Gebr. F. 26. 1. Ueber die Dauer der Arbeitszeit der Haudlungs- lehrlinge schreibt das Gesetz nur vor, daß die Arbeitszeit so zu regeln ist, daß der Lehrling gegen eine Gefährdung seiner Gesundheit, soweit die Natur des Betriebes es gestattet, geschützt ist. 2. Mit Ablauf der vereinbarteu Lehrltngszeit hört das Lehrlingsverhälluis ohne besondere Kündigung auf. 3. Das Zeugnis muß der Wahrheit entsprechen. 4. Wenn zwischen Prinzipal und Gehilsen oder Lehrling leine Vereinbarung darüber zu stände kommt, welche Zeit eine angemessene ist, innerhalb der der Lehrling oder Gehilfe ein andres Arbeitsverhältnis aussuchen kann, so hat das Gericht unter Berücksichtigung der Verhältnisse des bestimmten Falles zu entscheiden, was als„angkmcssene Zeit" zu erachten ist.— R. K«. Caniphaiiscnslrnsie. Wenden Sie sich schriftlich an die StistungSdeputation, Magistrat, Rathans. — W. A. Es ist nur eine Beschwerde beim Kreisausschuß möglich.— A. X. 47. 1. Ob das Spielenlassen eines Phonographen rnhestörender Lärm oder wenigstens ein Geräusch ist, das Wirt und Nachbarn sich vcr- bitten könne», ist von Fall zu Fall uuter Berücksichtigimg der Lage der Wohnung, der Art des Spiels und der Länge der Spielzeit zu entscheiden. Ein andauerndes, zweckloses, häusig wiederholtes Spielenlassen mit einem der schlechtere» Phonographen mit blechernen Nebenklängen kann ein Mit- bewohncr des HanseS, der Wirt und der Nachbar selbst dann, event. durch gerichtliche Klage», untersagen, wenn die Spielerei nicht offenbar den Zweck der Chikane hat. 2. Die Entfernung eines ö Jahre laug geduldeten Blumen- bretts kann nicht begehrt werden.— F. D. Eharlottenburg. Nein. — Gortenstrasie 64. Sie sind im Unrecht. Ein Witwer hat nur dann einen Ansprach auf Rückerstattung der Halste der sür seine Ehesrau geklebten Marken, wenn seine Frau wegen seiner eigenen Erwerbsunfähigkeit die Er- nährerin der Familie war.— K. W. 15. Aus das Schwindelhafte umzu- setzender Scheine nach dem System Gclla, Hydra u. dcrgl. haben wir sofort beim Auftauchen dieser Art Risikokanfs aufmerksam gemacht und vor Ein- gehung von Beiträgen mit abzuschneidenden Guischeinen gewarnt. In- zwischen haben daö Reichsgericht und eine Anzahl anderer Gerichte dies modernste System zur Einsangung Dummer als unerlaubte Lotterie, auch als Betrug gekennzeichnet. Demnach ist Ihr Vertrag ungültig, die Finna zur Rückgabe ihres Geldes, Sie natürlich auch zur Rückgabe der etwa empfangenen Waren verpflichtet. Eine Klage hätte Aussicht auf Erfolg. Brandenburg 266. 1. Die Bcsoldungssätze finden Sie in den, preußische» Etat, soweit es sich um sogenannte staatliche, in den einzelne» Gemeindcbudgcts, soweit es sich unr städtische Polizei handelt. 2. Das Ansangsgehalt der Feuerinänner beträgt t» Berlin 1200, das in 14 Jahren zu enrichende Höchstgehalt 1000 Mark, das Gehalt der Spritzeinnänuer bc- trägt 1200 bis 1300 Mark. 3. Znrücklcgnng des Abiturientencxamens und Absolvteruug der Staatsexamina ist erforderlich. 4. Ja. 5. Ungebunden 4,40, gebunden 5,50 Mark. 0. Kostens»«.— Gcnsch. Ihre vereinbarte breimonatliche Kündigung rechnet nicht zum Ouartalsersten, fondern vom Tage der Kündigung, in Ihrem Falle also vorn 1. Juni ab. Ob Ihr An- spruch ans Gehalt, einschließlich der Mietsentschädigung, oder ob Ihre Ent- laffüng gerechtfertigt ist, hängt davon ab, ob Ihr eintägiges Fernbleiben als wichtiger Grund erachtet werden kann. Sind Sie ohne vorherige Ber- einbarnng und ohne rechtzeitige Benachrichtigung ferngeblieben, so liegt der Rechtsstreit für Sie ungünstig.— T. F. 166. Nein. - E. W. 166. 1. Die Pfändung des Lohnes ist wegen Alimentations- ansprüche, welche seitens der Ehesrau oder der ehelichen Kinder erhoben werden, ohne Beschränkung zulässig, soweit es sich um Alimente sür die Zeit »ach Erhebung der Klage oder für das der Klage-Erhebung vorausgehende Vierteljahr handelt. Bei Pfändung wegen der- Ansprüche des unehelichen Kindes muß dem Vater so viel gelassen werden, als dieser zur Be- streitnng seines notdürftigen linterhalts und zur Erfüllung der ihm gegen seine geschiedene Ehefrau, gegen seine Frau und gegen seine ehelichen Ber- wandten obliegenden llnterhaltsverpfltchtung bedarf. 2. Falls es sich um Untersuchungshaft bandelt, ja; sonst»ein. 3. Eitern sind für den von ihren Kleinen durch Einwerfen von Fensterscheiben und dergleichen au- gerichteten Schaden verantwortlich, weil und sofern sie die ihnen obliegende Aufsichtspflicht vernachlässigt haben. Diese Ersatzpflicht bezieht sich auf jeden von ihre» Sprößlingen bis zu dem zurückgelcgteu 18. Lebensjahr an- gerichteten Schaden. Ob der Schaden durch Ansübnng der Aufsichtspflicht hätte vermieden tverden können, ist von Fall zu Fall zu entscheiden. - 166 Pappel-NUee. Nein: Die Pfändung geht trotzdem vor sich.- E. 16. Nein. Die Wartezeit für tzlltersrentner beträgt 1200 Beitragswochen. Diese ist für diejenigen, welche zu der Zeit des Eintritts der Bersicherungs- zeit das 40. Lebensjahr vollendet hatten, in der Art herabgesetzt, daß ber ihnen für jedes volle Jahr, um welches ihr Lebensalter zu diesem Zeitpunlt das 40. Jahr überstiegen hat, 40 Wochen, und sür den überschießenden Teil eines solchen Jahres die weitere» Wochen, jedoch nicht mehr als 40, ange- rechnet werden.— SPedi. 1. Das ist möglich. Jedenfalls sollte der Antrag gestellt werden. 2. Nein.- O. S. 86. Die Ehefrau und ihr Mann kann auf Gewährung der standesmäbigen, übrigens auch versprochenen Ausstattung klagen. Zuständig ist, da es sich um eine Summe über 300 M. handelt, das Landgericht. WItternngsiibcrsicht von, 21. Juli 1962, morgens 8 llhr. Stationen Swinemde Hamburg Berlin Franlf./M. München Wien icvrrirr- v»vg»vie i»>.-»„-«vi»»,»»»>,>>>>'"y"', Etwas wärmer, zeitweise aufklarend, vorwiegend trübe mit Gewitter- regen uud meist schwacher Luftbewcgnng. er Ii« er W e t t e r b u r e a u. Stziir den Inhalt der Inserate überniinnit die Redaktion dem Public»», gegenüber keinerlei Beranllvortnng. Tl,' u*nfrv. Dienstag, den 22..J«M.. Neues Opern- Theater.(Kroll). Tlrs Lilvsr Slipper.(Der silberne Pantoffel.) Anfang 7?/, Uhr....... Im Licderspielhaus:• Offenbach- Cyklus.(Dorothea.— Der Regimentszauderer..— Die Hamri weint— der Haust lacht.. An- fang 8 Uhr....... Westen. Die Brantlottcrr«.. An- lang 7>/z Ubr....... vtetropot.(Marwitz- Oper.) Der Barbier von Sevilla. Anfang 8 Uhr. i Nenrs. Ledige Leute. Anfang 8 Uhr. Varl Weist. Der Dämon. Hier- auf: Sie. Anfang 8 llhr. Frlebrich-Wilhelmstadlisiües. Der Zerrissene. Anfang 7l/z Uhr. Slpollo. Lysistrata. Specialitäteu- Borstellung. Anfang ll,'i Uhr. Reichshalle». Stettiner Sänger. Anfang 7 Uhr. Passage- Theater. Speclalilälen- Borstcllinig. Ansang nachmittags 3 Uhr. Passage. Panoptikum. Special!- täten-Bvrslellnug. llrania. Tanbenstr. 48/16.(Im Theaiersoal.) Abends 8 Uhr: Die deutsche Oslseeküsle. Jnvalidenstraffe 57/62. Täglich: Sternwarte. Urania. Tauben-Straese 48/49. Im Theater um 8 Uhr; Die deutsche Ostseekiiste. CASTANS Fanoptikniu Frledrlcli-Strasse 165. IS'eu!. Ille Xordlandrcise des Kaisers und Wanderun- Kca durch noaduii. Biesen-Projektionsbilder mit erläuterndem Vortras-, Klstropoi-Ttieatcr Anfang 8 Uhr. ItlorK ils-Uper. Franceschina Prevosli: J>er llarhier von Sevilla. Mittwodlu l'ndine. Donners- ta" u.Frenag: FranceschiiiaPrevostf: Die verkaufte Kraut. Kom. Oper in 3 Akten von Smetana. yntionaltäiize von 16 Tänzerinnen. farl Weiss-Theater. Fassage-Theatep. Das glänzende Juli-Programm. Willy Präger. (l'rolonglcrt!) |1C neue erslkl. Nummern. Passap-Panopticum. Ilolcs i'arlser Marionetten-Theater. Das Aflemvcib. Secsuiigfer. Tigerknabe, fl Grosse Franksurterstr. Ili2. Täglich: Osi' NÄlmozu« Hierauf: ,,Sie'*. Nachtscene in I Alt von G. Schätzler-Perastni. Im Garten: Specialiiäten-Bor- stclluiig. Anfang 5»/, Uhr. Mittwoch: Kinderfest. 2 Geschenke tverden verlost. Apollo-Theater Um 7 Uhr; Garten- Konzert. Um 8 Uhr: Die graiullosen SpccialitUten. Um 9 Uhr: ILyslstrata Am 1. August Wiederauftreten von Robert Steidl. Kasseneru'ftuung 7 Uhr. Reiciishalle n. Tiiglicli: SleUiiier Säuger. Anfang: Wochentags 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr Tageskasse 11— 1>/zUhr Kotthuscrstr. 4 a, Station der Hoclibahn. Täglich im Garte», bei»u- günstig. Willcrung iuiSaal: liofrinaaaH MMiltslhe giiTificr und Konzert. Sonntag, Montag und DoinierSlag nach der Soiree: Tanzkrtinzche». Tanz frei k Anfang Sonntags 5 Uhr, E>itrce30 Pf., ab 9 Uhr 20 Ps. Anfang Wocheutagö 6 Uhr. Eutree 30Pf., ab 9 Uhr 20 Pfg. Bax Kliems Sommer- Theater. Hasenlieide 12—15. Artistischer Leiter; Gust. Bock Täglich: Gr. Konzert, Theater- u. Siiecialitäten-Vorstellung Jeden 1. und 15. d. Monats: Wechselndes Programm! Am Künlesthoi- 4202L* Friedrlclislialn 0®?- Täglich: Ajeater? ttiii) Epttialitättll- Täglich bis 7 Uhr: freier Damentanz. Jeden Abend 10 Uhr: Leute von heute. Gr oßc Posse mit Gesang uud Tanz W. Noacks Theater. Brunnenstrabe 10. löglirf) Theater-». Svecia- litätea-Ärstellailg. Gediegeue Gesellschaft. Nur keiue Mäuuer! Burleske mit Gesang und Tanz vo» Gericke. Im Saal: Daiisekirtia�elleu Täglich nachmittags ab 5 Uhr: Militär- Doppel-Konzert. Entree IM. v. 6 Uhr ab 50 Pf. Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. .Ifeak Besonderer Umstände halber ist Sonnabend den 26. Juli noch ein Dampfetz (280 Deckplätze) zu vermieten. Auch sind im August izoch einige Dampfer an Soiintageu z» vermiete». Tel.: Amt VII, 580. C. Kaimt, Stralau. 4697L 5% Wld Brot 50 Ps. Bacliware sar 6 Stück für io Pf.-mn Albrcclits Itilckcreicn: Wrangelstrassr 9, Krautstrafte 10, Faltensteinstr. 28, Lansitzcrstr. 2. Vrater-Thkiter Kastanien- Zlllee 7—9. SttT" Täglich:"T&Q ImiicuD ttiih eilte Nacht. Phanlastischcs Märchen in 3 Abieilg. vo» Hugo Schulz. ZaIIettges. Gairlnl. Koslüm-Soilbretie Paula Grlgattl. Grolesque- Komiker Sonor u. Berad. Mls« Kitty, Sport- Akt. Barslkow- Truppe, Parterre» Alrobate». 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Willy Agoston. Berlin auf Stelzen. Außerdem: Konzert, Theater, SpeclalltKten. Anfang 4 Uhr. Eutree 30 Pf. Borzugskarte» haben Gültigkeit. Kaffeetuche. Im Saale: Kall. Prima Dahrräder. auch aus Teil- zahlnng ohne /Preiserhöhung zu conlanten Bedingmrgc» »utcr Ga- rantie. Wenig gebrauchte Räder auch aus Theilz. uuter Garant. Preiie bc- deutend crmässigt. Reparaim- anstalt aller Systeme schnell und biMg. Adomcit I.nndan,* Lothriugerstr. 48 I, am RosenIH. Th. öiiliuattaa. Wegen Räumung des Platzes verlaust beste Seiisteubcrgcr Salon 1000 Stck. von 5,00 M. an. Bruch 60 Pf. pro Ctr. ab Platz. Fuhrlöhne billigst berechnet. Muhleiist.12. A.Uerrrnanns Kohlenlager 3B»|Ui»!kn>«e»t«».Kaitr» allecKrt lusirr iilrigg un!rrA,r»Atl« dir Jadrtk «VRK»«I A HOsaner, WtsrttNeiUttrchr» 1 6, gatalsge frei Bruch-Pollmann empfiehlt sei» Lager in Brnchha»» dayen, Leibbinden, Geradehaltern, Spritzen, Suspensors, sowie sämtl. Artikel zur Krankenpflege. DW�- l'ligne Workstutt. Lieferant f.Orts- u. Hilfs-Krankenkasse» Berlin C.,[37620* 30. Wen-Ztraße 30. Patentanwalt Dammann, Morlt/.plntzs 57. AnSkünst bis abends neu». s4539L* �tepildeollen dlIllgLtd'erPabr!l!°.7�»!Sö �Lm!I LeföYre,Btin Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß am 19. d. M. meine Frau Barle Schmidt verstorben ist. Die Bcerdignng findet Mittivoch, den 23, nachmittags 4 Uhr, vo» der Leichenhalle des stäbtifcheii Friedhofes in Friedrichsselde aus statt. Der trauernde Gatte 972b Adelt' Schmidt. Socialdeniokratischcr Wälilvci'cin für den 2.j Berl. Reiclislags- Wahlkreis. Am 18. d. M. verstarb unser treues Mitglied, der Gastwirt 238/22 Ber«» Zwicker. Die Beerdigung erfolgt am DienS- tag, den 22. d. M., nachm. 3 Uhr, von der Leichenhalle des alten Nixdorfcr Kirchhofs, Bcrlinerstraße, aus statt. Um recht zahlreiche Beteilung er- sucht Ter»urstmid. SeilWer Voikariitltkr-Vnblilld. De» Mitgliedem zur Nachricht, daß der Kollege, Tischler Reinholil Kflhnel am 17. Juli verstorben ist. Die Beerdigung findet am Mittwoch- nachuiittag um 3 Uhr von der Leichen- halle deS Gcorgcn-Kirchhofs, Lands- bcrger Allee, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 86/11 Die LrtSverlvaltuiig. Deutscher Dolzurdetter- Verband. Ten Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege, Tischler Martin Klaut am 20. d. M. verstorben ist. Die Beerdigung findet am Mittwoch- nachmittag 5 Uhr von der Leichenhalle des Alte» ThomaS-KirchhosS in Rix- dors, Hermannslraße, aus statt. Um rege Beteiligung bittet 86/10 Die OrtSverwaltnng. Frische Roiur-Grasbiitter netto 8 Pfd. 6,40 M. per Nachnahme. Otto Sievers, Friedrichshof, Ostpr. 9656 Cenlral-Verharnl d. Maurer Deutschlands Zweigperein Berlin. Sektion der Putzer. Unfrcn, sowie den Mitgliedern des Gesaugvereins der Putzer zur Nach- richt, daß u»ser Mitglied Itairc iatthes am 19. Juli verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, de» 22. Juki, nachmittags 4 Uhr, vom Trauerhause, Bieseuthalerstr. 4,. nach dem»cneir Friedhos der PauIS- gemeinde in Plätzensee statt. Um rege Beteiligung ersucht 134/5] Die örtliche Perwaltung. Für die dielen Bclveise herzlicher Teilnahme, sowie die Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben MauiieS,. des Klempners 30/4 sage ich allen Freunden und Bekannten, sowie den Herren Kollegen »reinen innigsten Dank. Berlin, Reichenbergerstr. 181. Die trauernde Witwe nebst Kinder». Arattz- tnth Blumtlbitcktti tioii Robert Meyer, litte Mriinitteit- Stech 2. Bereins-Kränzc, Palmen- u. Blumen» Arrangements, BouquetS, Guirlanden nsiv. werde» fein u. preiswert geliefert Dr. med. Schapen homöop. Artt u. Spez.-Arzt f. Haut- u, Harnleiden, FrauenJcrankheiten. Königgrützerstr. 27. Spr. 9-1. 4-7. Dr. Simrne!, Prinzensir. 41. Specialarzt sür 25/17* Kant- und Karnlciden. 10-2, 5-7. Sonntags 10-12, 2-4, Dr. Schüncmann, Spccialarzt sür Haut-, Harn- und Franenleide». Se.vdelsits». tl, VsW-M.'/■.«- VaS- Jos. 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Wahlkreis. AW«g! Dienstag, SS. Juli, abends 8 Uhr, in den Germania-Prachtsälen, Chanffeestr. 1VZ: Partei-Versammlung. Tagesordnung: 1. Bericht der Vertrauensleute. 2. Neuwahl der Vertrauensleute. Z. Vortrag des Reichstags-Abgeordneten E. Nosenow über: Der Kampf der Arbeiterklasse gegen das Junkertum. 4. Diskussion. 219/17* Zahlreichen Besuch erwarten Die Vertrauensleute. . Ste« Croi «MU liefen /ffiWffTk 6tn'i Kautschuk-Typen»Perfekt zum Ziisauniiensexeu einzelner Wärter sowie ganzer Sätze von l.Sv At. an. Stempel> Fabrik von sZ765L* llobett M\\\, Iteplin S., Oranienstr. 148, liefert schnell und billig alle Arten Stempel in bester Ansssthrunz. SSI. HH DienStag, SS. Juli, abcudS SVs Uhr, iui Märkischen Hof, Sldmiralsir. 18o: Ceml-Vefsamiiiliiiijf des WaMvereins. Tages-Orbnung: 1. Bericht und Abrechnung vom 2. Quartal. 2. Ergänzungswahl des Borstandcs. 3. Vortrag des Genossen vr. V/eyl: Der Kampf gegen die Kurpfuscherei. 3. Diskussion. 4. Vereinsangelegenheiie». WN" Mitgliedsbuch legitimiert. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Her Vorstami. Mitglieder werden in folgenden Zahlstellen aufgenommen: Gottfried Schulz, Admiralstr. 40a(Cigarrcnhandlung); Wilh. Börner, Ritterstr. IS (Cigarrenhandlung)! Martin Mescha, Adalbertstr. 24, Eingang Engelufer (Cigarrenhandkung); Emil Göiie, Brandcnburgstr. IS; Adolf Flick, Simeon- strage 23; Ernst Lier, Alte Jakobstr. 119; Franz Krüger, Nauuynstr. 54 (Rcstaurateure)._ 240/16 SomldeuwtttaMer Wahlverein snr de«4.Zttl.Rejchstass-Wah!krejg lEWsteil). DienStag, de» SS. Juli, abends 8>/s Uhr, bei Herrn Otto(Drachenburg), Vor dem Schles. Thor 2: VvvkQtnnrlung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genosse» Mehner über: Die Bestrebungen der be- sitzenden Klaffen und die Lage der arbeitenden BevLllerung. 2. Dislussion. 3. Vereiitsaiigelegenheiten. 243/17r gSF" Gäste haben Zutritt. uch erw Zahlreichen Besuch erwartet vor Vorstami. Achtung! Achtung! Isolierer u. Rohrnmhftller Berlins and Ilmgcsend. Mittwochabend 8 Uhr bei Patt, Dragonerstraf; e 13: Oesfenttiche Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Abrechnung des Vertrauensmanns. 2. Der Streik bei der Firma Posnanskl U. Strelitz. 3. Verschiedenes. 290/16 Ber Vertranensiuann. Deutsch. Metallarbeiter-Verband Verwnltnngsstclle Berlin. Bureau:(SitgeMIfee 13. Zimmer 1—5, Telephon Zkmt 7 Nr. 333. Mittwoch, den 23. Juli, abends 81/, Ubr, bei N ü m a»», Brunucnstr. 188: Verssmmlllllg lter cdirurgisebeii Brancbe. TageS- Ordnung: 1. Vortrag des Genoffen Kaliske über:„Arbeiterfreiiude". 2. Dis- kussion. 3. Verbandsangelcgenheiten. 118/1 Die Kollegen werden ersucht, zahlreich und pünktlich zu erscheiueu. Mittwoch, 23. Juli, abends 8 Uhr, im GcwerkschaftöhauS� Engelnser 13, Saal!:> Vöisaminlaaz dai UmsinoDteiire i Galulfon. Tages-Ordnung: 1. Stellungnahme zu dem von der Tariskommission ausgcarbeiteteu Lohntarif. 2. Dislussion. 3. Verbandsangelegenheiten. Die OrtsTerwaltnng. AAungl Portefeuiller. Achtung! Bttblnl dir Pnüsniiler mil Llter-Eilininie-Ardiiicr (Zahlstelle Berlin). Mittwoch, den 83. Juli, abends 8 Uhr. tu GraumannS FestsSleu, Nnilnyustr. 87: Gsnevsl-Vefsammlmm. TageS-Ordnung: 1. Bericht deS Vorsitzenden und des Kassierers. 2. Niederlegnng deS zweiten SchriftsührerS und Neuwahl. 3. Ersatzwahl der Revisoren. 4. Be- richt der Agitations- und Arbeitsnachweis-Kommission. S. Verbands- angelegenheiten und Verschiedenes. 109/S UM- Mitgliedsbuch legitimiert.-TJSCi DaS Erscheinen aller Mitglieder ist unbedingt notwendig. _ Die Oi'tsverrvaltnng. Centralverband der etc. aurer Zweigverein Berlin. MMiuoch. dm II Juli 1902, okniis S% tllsr, m KellttS Zeftsälen, Sowiistnlt 29: General Uerslunminng aller zum Lohngebiete Berlin und Umgegend gehörigen Zahlstellen u. Sektionen. Tages-Ordnung: Die diesjährigen Lohnkämpfe der deutschen Maurer und die Verantlvortlichkeit des Deutschen Maurerverbandes. Referent Kollege Bömelbnrg-Hamburg. Die wichtige Tagesordnung erfordert das Erscheinen aller Verbandsmitglieder. _ Der Zweigvercins-Vorstand. I. A.: Karl P a n s e r._ Achtung! Bauarbeiter, i Verband der Bau-, Erd- u. gewerbl. Hilfsarbeiter Deutschlands. Heute Dienstag, den 22, Juli 1903, abends 8 Uhr: Gr. komilinierte Mitglicdrr-UersammlnttZ aller zum Streikgelllet Serltn geliörlge» Vtrlillilds-Zllhlsttlltn in Cohns Festsiile, Benthstr. L0. Tages-Ordnung: 1. Der Stand unsrer Bcwc.qnna nnd die ablehnende Haltnng der Nrbeitgcber. 2. Wie stellen sich die Accordarbelter zu der ablehnenden Haltnng der Arbeitgeber? 3. Die Bewegung der Pnhcrtrüger und ist dieselbe gerechtfertigt? 4. Diskussion, ö. VerbaiidSatigelegenheiien. Kollegen' Der wichtigen Tagesordnung halber ist das Erscheine» aller VerbandSmiiglieder ersorderltch. A l l e Kollegen, welche noch für 4» Pf. arbeiten, sind hierdurch besonders eingeladen. W" Heidemann. /" tuuiuuuuu» Berlin III(Oecnleure.) Mittwoch, den 23. Juli, abends 8 Uhr, bei Jannaschk, Jnselstr. lv: General- Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Bericht des Vorstandes. 2. Bericht der Kassierer und der Revisoren. 3. Vereiusangelegeuhciien. 197/4 ßär Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Pünktliches Erscheinen ist Pflicht. Der Vorstand. Achtung!"HSU Achtung! Schneider ti. Schneiderinnen aller Braucheu. DienStag, 22. Juli, abends 8V» Uhr, in der Berk. Ncssonrce, Kommandantensir. 37: Oeffeutliche Versammlung. Tages-Ordnnng: 1. Der bevorstehende 7. deutsche ollgeineine Schneider- und Schneiderinnen- kongress zu München am 25. und 26. Anglist und Wahl von Delegierten zu demselben. 2. Die Beschlüsse des VI. Deutschen Gewerkschaflslongresies. Ter Wichtigkeit der Tagesordnung entsprechend, werden die Kolleginnen und Kollegen aller Branchen ersucht, zahlreich und pünktlich zu erscheinen. 162/12 Der Vertrunensmann. Laudschmke»........«m 95 Pf. 73 70 8 Speck. W?.......... W Rotwurft....... a Pfd. 50 Pf., bei 5 Pfd. 45 - Thüringer Fleischwurst......... a Pfd. 65 Rotlviirst........... Pfd. 55 Zwiebelwurst...... a Psd. 50 Ps., bei 5 Pfd. 45 Hallesche Zwiebelwurst......... a Psd. 53 Braunschweiger Leberwurst„„ 65 ff. Kalböleberwnrst...........„ 75 Schlackwurst, Li?.,.:::::::: Schlack- und Salami, hart........., ia5 E 1a Iii Im Oranlenstrnssc 154. • lilndonstrasse 10. EtabBissement Süd-Ost ___ 75 Waldemarstrasso 75. 4605S» NOT" Mehrere Sonnabende sind noch zur Herbstsaifon zu vergeben.-TKg ßM" Herren-Stoffe.'HW Ränmnugs-Ansvcrtanf:!!| Die Bestände unsreS LadeiigefchäfiS Spsndsusrstr. Z2/ZZ werden wegen Aufgabe deS Ladens bedeutend unter Preis ausverkauft.[46741:* Brenden M Co. kngM- und Vtrsllud-Lllgtt icht: Völttgstr. 46 1. _ Anzug-, l'nletot-, Hoseii-StofTe. SV KsH" SV" Reste spottbillig. 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