Ar. 169. Avomument«-Hedingunzen: Abonnement»-Prei» pränumerando: vierteljährl. 3L0 Mb. monatl. l.lOMI., wöchentlich 28 Pfg. lret tnä Hau,. ainietne 5 Plg. Sonntag,- Nummer mit illuNrierler Sonntag,- Betlage„Tie Neue Welt" 10 Pfg. Post- «bonnement: l.lv Mark pro Mona,. Eingetragen in der Post- Zeitung� PretZliste für Ivo» unter Sr. 7S7S. Unter Kreuzband silr Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Mark, silr da» übrige Autland S Mark pro Mona,. Erscheiui kSglich«uster»oniog«. 19. Jahrg. Ite Anftrtwns-GMyr beträgt sür die sech, gespaltene Kolonet» »eile oder deren Raum 40 Pfg., sür politische und gewerks chaftliche Vereins» und BersammlungS- Anzeigen 20 Psg. „Kleine Anseige»" jedes Wort 5 Pfg. (nur das erste Wort settZ. Inserate für die nächste Nummer müssen biZ 4 Uhr nachmittag, in derExpeditton abgegeben werden. Die Srpcdttion ist an Wochen- tagen bt, 7 Uhr abend,, an Sonn- und gesttaKen btSöUhr vormittag, geössuet. Vevliner Volksblakk. Telegramm- Adresse> «Sorialdemokrat Verlin» C�ntrawrgan der socialdemokratischen Partei Deutschlands. Vedalition: 19, Veuth-Stralle 2. Fernsprecher: Amt I. Nr. 1606. Mittwoch, de,, 23. Juli 1002. Expedition: sw. 19, Ventti-Stentie 3. Fernsprecher: Amt I. Nr. K12I. Agrarier und Centralverbäudler. Die freisinnige Presse, besonders der wadenstrümpflerischen Richwng, gefällt sich noch immer darin, über den von dem Freiherrn v. Wangenheim bekundeten Entschluß zu frohlocken, von der Leitung des Bundes der Landwirte zurückzutreten. Mit naiver Genugthuung wird aus diesem Rücktritt die Folgerung gezogen, daß zwischen der ungestümen Leitung des Bundes der Landwirte und den gräflich- diplomatischen Führern der Agrar- Konservativen Differenzen entstanden sind, die es dem Bündler- Strategen mehr als zweifeb Haft erscheinen lassen, daß der Bund der Land' Wirte seine bisherige Rolle in der agrarischen Be wegung weiter spielen wird. Beschränkte sich das Froh' locken nur darauf, daß mit Wangenheim ein im Vergleich zu den Herren Hahn und Rösicke repräsentables Mitglied des Bundes- Trifoliums die Fahne verläßt und dadurch das Bündlertum einen Schlag erleidet, so wäre das freisinnige Geschwätz— wenn auch der Person Wangenheims damit allzu viel Bedeutung beigemessen würde— immerhin er träglich. Thatsächlich aber ergiebt sich aus den langen Er örterungen, daß die freisinnigen Politikaster in den zwischen der Wangenheimschen und der Kanitz- Schwerinschen Richtung entstandenen'Differenzen eine günstige Wendung der Zolltarif» Frage erblicken. Die superklugen Leutchen sehen nicht, daß es sich bei diesen Differenzen nur darum handelt, ob gegenüber dem Verhalten des Centralverbandes deutscher Industrieller die bisherige Opposition gegen den Regierungs-Zolltarif-Entlvurf fortgesetzt werden soll, oder ob die Versuche neu anfgenoinmen werden sollen, mit den Centralverbändlern zu einer Verständigung zu kommen. Wer sich die Auslassungen der konservativen Blätter und vornehmlich der kleineren konservativen Organe, der Laudratspresse, näher ansieht, der findet bald, daß seit etwa zwei, drei Wochen eine gewisse Schwenkung sich in ihnen vollzieht. Geht auch diese Presse keineswegs so weit wie die „Elbinger Ztg." und das„Wehlauer Kreisblatt", in dem jüngst die Apostel des Bundes der Landwirte mit socialdeniokratischen Agitatoren verglichen und die im Cirkus Busch gehaltenen An- sprachen a la Hetzreden bezeichnet wurden, so findet sich doch in ihr die Ansicht vertreten, daß ein starres Festhalten an der bisherigen Taktik nicht angebracht sei und eine Verständigung mit der „Industrie" gesucht werden müsse. Und nichts andres, als daß diese diplomatischere Richtung des Agrar-Konservatismus die Oberhand erlangt hat, bedeutet die Wangenheimsche Resignation. Hierin aber einie günstige Wendung im Sinne der Gegner der Regierungsvorlage zu erblicken, verniag nur der, der völlig mit politischer Blindheit geschlagen ist. Daß die verrückten Forderungen des Bundes der Landwirte, ein Miniiiialzoll von 7,50 Mark für Weizen und Roggen, Gesetz werden konnten, war von vornherein ausgeschlossen. Es konnte sich bestenfalls immer nur um eine sogenannte mittlere Linie zwischen der jetzigen Zollhöhe und den Zollforderungen derBnndler handeln, und daß auf dieser mittleren Linie, vielleicht mit einer leichten weiteren Verschiebung derselben nach rechts, nun doch ein Kompromiß zwischen den Agrariern und Centralverbändlern zu stände kommt, ist keineswegs ausgeschlossen. Beide Parteien haben nie ganz ausgehört, auf eine solche gegenseitige Ver- ständigung hinzuarbeiten. Das Eintreten der konservativen Mit- glieder der Zolltarif-Kommission für die Herabsetzung der Baum- wollgarn-Zölle war nicht von wirtschaftlichen Bedenken diktiert; es war allein von der Absicht bestimmt, dem Centralverband zu zeigen, daß die wichtigsten seiner Jnteressentengruppen nicht zu den gewünschten Zöllen kommen würden, wenn er in Bezug auf die agrarischen Forderungen sich nicht zu Konzessionen verstünde. Die konservativen Blätter sprachen das damals deutlich aus und haben seitdem nicht aufgehört, bei jeder passenden oder unpassenden Gelegenheit die Mahnung in allen möglichen Variationen an die Centralverbäudler zu wiederholen; erst vor wenigen Tagen schrieb nach Annahme der Papierzoll- Crhöhungen in der Tarifkommission die„Kreuz-Zeitung": Eine Warnung aber ciiihälk der gestrige Vorgang für«nsre Freunde:»och stehen wichtige Positionen zur Beratung ans. so namentlich hje Abschnitte siebzehn und achtzehn, die unter anderrn Öle""'Irfiitbcncit Zweige der Eisenindustrie, Mnschinenfabrikation und Elektrotechnik vehaiideln. Hier sei für unsre Freunde Borsicht geboten; die Eisenindustrie ist Nereits derart durch Zölle im alten Tarif und„pch jjrehr im nenen Tarif geschützt, daß ein Hinausgehen über die lltegieningsporlage schwerlich angebracht erscheint; jedenfalls aber gebe man den Vertretern der Industrie zu verstehen, daß wir Konservativen nicht gewillt sind, für sie zum Sprungbrett zur Erreichung ihrer Forderinigen zu dienen,»in dann, sobald es gilt, notivendige Ansprüche der iiamentlibb durch ausländische Konkurrenz«, Bedrängnis geratenen deutschen Landwirtschaft durchzusetzen, von den Vertretern der Industrie in Stich gelassen zu iverden. Ww wolle» keine Politik des„äo ut des", aber ivir sorderu auch von den Vertretern der Industrie die Anerkennung des Wortes:„waS dem einen recht ist, ist den, andern billig!" Andrerseits haben aber auch die Centralverbändler nie aufgehört, trotz allen Zwiestigkeiten, mit der Wahrscheinlichkeit des Znstandetonimcns eines Zollschachers zu rechnen. Und als kürzlich die„Deutsche Industrie- Zeitung" in einem Artikel der Regierung empfahl, über den Kopf des Reichstages hinweg mit den Vertragsmächten in Handelsvertrags-Verhandlnugen einzutreten und an diesen Artikel von feiten freihändlerischer Blätter die Folgerung geknüpft wurde, der Centralverband deutscher Industrieller beginne einzusehen, daß es mit Hilfe der Agrarier nicht gehe, mußten einige Tage darauf die„Berliner Neuesten Nachrichten" eine längere Entschuldigung an die Adresse der Agrar-Konservativcn richten, in der es hieß: „Dieser gelegentliche Ausbruch des Unmuts hatte sicherlich nicht die Bedeutung, die man ihin auf freihändlerischer Seite unter» ziilegen suchte, daß nämlich die schntzzöllnerische Jndnstrie nun eine grundsätzliche Schwenkung mache und wegen erkannter AussichtS- losigkeit einer Berständigung»nt den Agrariern und einer gedeih» lichr» Erledigung des Zolltarifs die mühevolle Arbeit langer Jahre in Stich lasse."' Vorerst verhalten sich allerdings beide Kontrahenten noch etwas spröde. Sind nach Bismarcks Ausspruch, die Konservativen gute Roßtäuscher, so verstehen sich auf der andren Seite die Centralverbändler nicht minder auf die Künste der höheren Schachermachei. Vorläufig wird noch gefeilscht, und jede Partei sucht dabei nach bekannter Manier den Anschein zu erwecken, als würde sie, wenn der andre nicht nachgebe, lieber auf den ganzen Handel verzichten. Es ist sogar höchst wahrscheinlich, daß, um dem Centralverband die Unentbehrlichkeit der agrarischen Zustimmung noch deutlicher zu veranschaulichen. die Konservativen in der Zolltarif- Kommission auch bei den Eisenzöllen für starke Herabsetzungen stimmen werden. Erst bei der zweiten Lesung dürften sich die wahlverwandten, Profit- hungrigen Seelen zum schönen Bund zusammenfinden. Daß aber die Regierung, wenn sich beide Parteien einigen und gegen hohe Gegenkonzessionen die Central- verbändler sich bereit finden lassen, für dieses oder jenes landwirtschaftliche Produkt noch 50 Pf. an Zoll mehr zu be- willigen, beiden einen Strich durch die Rechnung machen könne, erscheint fast ausgeschlossen. Den von den verschiedenen Ministern abgegebenen Versicherungen, die Regierung werde um keinen Pfennig über die Zollsätze der Regierungsvorlage hinausgehen, ist kaum ein andrer Wert beizumessen, als der beim Hosen- und Roßhandel üblichen Bekräftigung:„Bei Gott, ich verdiene nichts daran, daß kostet's mich selbst I" Beglaubigte Abschrift. Im Namen des Königs I In der Strafsache gegen 1. den Rcdactenr Robert S ch m i d t i» Berlin, geboren am 1ö. Mai 1861 in Berlin, keiner bestehende» Religionsgcscllichaft angehörig, 2. de» Ncdncteur Paul John in Berlin, geboren am 27. April 1863 in Berlin, keiner Religions- gesellschaft angchörig, wegen öffentlicher, mitlels der Presse verübter Beleidigung, hat die 7. Straflannncr des königlichen Landgerichts I in Berlin in der Sitzung vom 2. Dezember 1961, an welcher teil genommen haben: Voigt, LandgerichtS-Direktor, als Vorsitzender; B n t ch. G r o d t k e, H e i tz, P n» ck s ch, Landgerichts- Räte, als beisitzende Richter; S l e i n v r c ch t, StaatSanivaltjchaftS-Rat, als Beamter der Staatsamvaltschaft; MiiSzkat, Referendar, als Ge- richtsschreibcr; für Recht erkannt: Der Angeklagte Schmidt wird wegen Beleidignng zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Der Angeklagte John ivird wegen Beleidigung in zwei Fällen z» sieben Monaten Gefängnis verurteilt. Dein Generalmajor v. Kettler und dem königlich preußischen Kriegsminister wird die Befugnis zugesprochen, und zivar erstcrcm in Bezug auf den Angeklagten Schmidt, letzterem in Bezug ans de» Angeklagten John, die Verurteilung der Betreffenden innerhalb 1 Wochen nach Zustellung einer Ausfertigung des rechtskräftigen Urteils im„Reichs- Anzeiger" und„Vorwärts" fredaktioneller Teil) je einmal auf Kosten der Angeklagten zu ver- öffentlichen. Zugleich sind alle noch vorftndlichc» Exemplare der betreffenden Nummern des„Vorwärts" sotvie die zu ihrer Her- stellung bestimmten Platten und Formen»nibrnnchbar zu mache». soivcit sie die strafbaren Stelleu enthalten. Die Kosten des Verfahrens fallen den Angeklagten zur Last. Berlin, den 21. Juli 1002. Für richtige Abschrift Münch, Sekretär. polikifchv Mobou�chk. Berlin, de» 22. Juli. Steinwürfe in der Zollkonimission. Die indnstriellen Hochschutzzöllner möchten die Regierung gern in die Enge treiben und ahmen die Praktiken der Agrarier bei der Beratung der Getreidezölle nach, d. h. sie drücken höhere Zölle, als sie die Vorlage enthält, in der Kominission durch. Das niacht die RegierungSIeute nervös. Am Dienstag lag ihnen noch der Aerger über den g e st e r n beschlossenen P f l a st e r st e i n z o l l in den Gliedern, da rückten heute die Mehrheitsparteien mit neuen Anträgen ans Erhöhung der Zölle auf Mauer» st e i n e vor, unterstützt vom badischen BundeSratS-Bcvoll- mächtigten, der heute so ans der Reihe tanzte, tvie gestern der sächsische bei den Pflastersteinen. Das stictz dem Faß den Boden anS. Graf PosadowSktz trat zornig gegen diese Partikular-Jnteressenwirtschaft ans, nachdem vorher der ham» bnrgische BundesratS-Vertreter seinem sächsischen Kollegen eine Epistel über sein gestriges Verhalten vorgelesen hatte. Besonders schlecht kam aber der„Professor" Paasche iveg, der am Montag dem Staatssekretär entgegengetreten lvar und deshalb heute wie ein Schulbube abgekanzelt wurde. Paasche schüttelte sich und— hielt eine Schmeichclrede auf PosadowSky. Dieses Intermezzo belustigte die Linke aufS beste, kam doch bei diesen: Streit der Zöllner untereinander die Auffassung der Linken zur Geltung, daß bei der Zollschrauberei die Kultnrinteressen des Landes geschädigt werden zu Gunsten einer Anzahl Jnleresseuten von Industrie und Landlvirtschaft. . Drollig geberdete sich dabei der in die Kommission eingetretene Abg. Schrempf, der diese Jntcresscnwirtschaft der Hochzölluer mit der Behauptung zu verteidigen suchte, mit den höheren Zöllen wolle die Mehrheit der Regierung Waffen in die Hand geben, den» Handelsverträge kämen mit diesen Zollsätzen kaum zu stände. Wie bauernschlau! So muß sich die Negierung mit den eignen Freunden herum- schlagen, die den Hals nicht voll genug kriegen können. Bemerkens- wert ist noch, datz Graf Posabowsky allgemach die Vaterschaft für den Zolltarif ablehnt. Heute betonte er scharf, daß es unrichtig sei, den Tarifentwurf als das Werk nur eines Ressorts hinzu st ellen, nämlich des Reichsamts des Innern. Graut eS ihm vor den eignen Thaten wie vor den eignen Freunden?— •» # Die nervösen Erklärungen des Grafen Posabowsky, die unser nachfolgender Bericht wiedergiebt, veröffentlicht die„Deutsche Tageszeitung" in folgender sensationellen Zuspitzung: Staatssekretär Graf Posabowsky(sehr erregt und hitzig): Keinem Bundesstaat kann man das Recht nehmen, Abänderungen zum Tarif zu empfehlen, dies ist ein nubeschneidbares Recht der Staaten, das ihnen verfassungsmäßig zusteht. Er müsse freilich dem Ver- trcter der Hansestädte darin recht geben, daß Einzelintcreffen die K ommissionsmitglicder nicht vertreten dürfen, sonst kommt das Werk ins Wanken. Er erklärt der Oeffentlichkeit gegenüber es für Erfindung, daß in Zeitungen usw. gesagt worden sei, der Tarif sei aus einem Ressort herausgegangen, es haben sämtliche Reichs- und einzelnen Staatsministericn dabei mitgearbeitet.— Dem Herrn Professor Dr. Paasche, der gestern so liebenswürdig gegen ihn los- gezogen sei, müsse er entgegne», daß er(Staatssekretär) annehme, schon ctivas länger lvic Herr Paasche im Parlamentarismus und im Staatsdienste zu stehen, um beurteilen zu können, dies und das verstoße gegen die Landesknltiir-Jntcressen. Er habe politisch sicher mehr Einsehen und Verstand, wie Herr Prof. Dr. Paasche, Zum Schluß sagte Graf PosadowSky folgende svichtigen und inhalt- schweren Worte: Trotz vielfacher, lebhafter nnd eindringlicher Warnnngen, die von mir ausgegangen sind, hat die ttom- Mission ErhShnnge« gegenüber der Vorlage beschlossen. Dies mnst ich schmerzlich bedauern. Ich kann Ihnen ver- raten, meine Herren, daß ich glaube, unser Zolltarif kommt niemals zu stände.(Allgemeine Verblüffung und Stillschweigen. auf den Gesichtern der Socialdemokraten spiegelt sich etwas Schadenfreude wieder.) Das„Wölfische Telegraphen-Bureau" beeilt sich, gegenüber anders lautenden Meldungen„festzustellen", daß Graf Posabowsky folgender- maßen geschlossen habe: „Wenn Sic gegenüber dem Tarifentlvurf solche Zollerhöhungen annehmen, wie sie kürzlich beschlossen und heute wieder beantragt sind, fürchte ich. wird unsre handelspolitische Rüstung schließ- lich zu schwer werden, um darin erfolgreich zu kämpfen." Graf Posabowsky legt offenbar Wert darauf, daß es der Welt bekannt werde, lvelch poetische Bilder er gebrauchen könne, um den Zollwucher zu empfehlen. Im übrigen habe» diese Ausbrüche des Aergers wenig Wert. Es ist durchaus natürlich, daß beim Hader um den Beutc-Anteil unter den Kumpanen Zwistigleiteu entstehen. Gelegentlich fliegen nicht mir Späne, sondern auch masive Steine— aber für den schlicßlichc» Ausgang sind diese Zwischenfälle belanglos, deren Wert lediglich darin besteht, daß im Zorn allerlei Offenherzig- leiten nnd Wahrheiten ausgesprochen werden, die sonst in eiliem dicken Wust heuchlerischer Phrasen verhüllt werden._ Diese Posadowslyschen Nervositäten haben wir wiederholt erlc«, auch der neueste Ausbruch wird nicht der letzte sein. � Man muß schon freisinnig sein, Müller heißen und in Sagau gewählt sein, um zu rühmen, die streitenden Kuhhändler seien unversöhnlich und das Zustandekommen des Zolltarifs scheitere schon an dem Zwist der Zolliiitercssenten untereinander. Die Situation, wie sie im heutige» Leitartikel geschildert, wird durch die gelegentlichen freund»achbar» lichcn Steinwiirfe in der Konunission nicht geändert. Die Zoll- ivnchcrcr schlagen sich, aber sie vertragen sich auch ivieder. Und den Zollgegncnl bleibt der Kampf nicht erspart, das Zustandekommen des Tarifs unmöglich zu machen.— Der Gpitzel-Oberst Geh. RegicrungSrat Hermann Krüger ist in;, Alter von 66 Jahren gestorben. Damit ist ein Mensch verschwunden, der in der Zeit deS Soeinlistengesetzes als Kreatur Bismarcks in hervorragender Weise die persönliche Verantwortung für all jene verbrecherischen Hand- lunge» der organisierten Staatsretterei trug, durch die das auf- strebende Proletariat unterdrückt iverden sollte. Bei der Jnscenierung der Attentatshctze von 1378 erkmmte Bismarck— wie cS in den„Berliner Neuesten Nachrichten" heistfc f- „jcincii Scharfblick und seine polizeiliche Befähigung". Der Schaft» blick bestand darin, daß er mit Bismarck erkannte, das einzige Mittel, die damals beginnende Liebesgaben» und Zollivncher-Politik durchzusetzen, bestände darin, die Socialdemokratie niederzuschlagen. Seine polizeiliche Befähigung aber bewährte er dadurch, daß er die Attentate, mit denen die Socialdemokratie nicht das mindeste zu thun hatte, zu dem Material fälschte, das die Notlvendigkeit des Ausnahme- gesetzes beweisen mußte. In den schmutzigsten Händeln der Socialistengesetz- Zeit steckte KrügerS Hand. Er war es, den Singer in jener denklvürdigen Sitzung vom Januar 1888 als den Organisntor des infainen Lock- spitzelivesens entlarvte. Polizeirat Klüger erschien 1881 in Genf, um den Polizeispitzel Haupt zu unterweise», wie er mehr und kräftigeres Material beschaffen könne. Er trug ihn: auf, auch die Polen und Russen zu bespitzeln: „Sie sind ja ein baumstarker Mann," munterte er Haupt auf,„saufen Sie die Kerle über den Hansen, führen Sie dieselben nach Hanse, bleiben Sie in deren Zimmer über Nacht, so bekommen Sie das Nötigste." Haupt wurde durch Erhöhung seines Schandlohnes angefeuert, als er aber trotzdem noch Bedenken äußerte, sagte Krüger zu ihm:„Machen Sie sich au die Arbeit. Ich verstehe vollkommen, daß Sie noch von HumanltätSrllcksichien geplagt werden. DaS wird sich schon verlieren; arbeiten Sie nur fort.' Krüger leitete den allzu schüchternen Haupt an, Attentate zu erfinden; so schrieb er ihm einmal, er wisse, das nächste Attentat gegen den Zaren werde von Genf ausgehe», darüber brauche er Berichte.— Nun ist auch dieser Zeuge und Mitschuldige tiefster Schmach und blutiger Verfolgungen tot— in der Aera Caprivi wurde er beseitigt, sein System freilich wirkt bis zum heutigen Tag— die Social- dcmokratie aber, die durch solche niederträchtigen Mittel vernichtet werden sollte, lebte kräftiger denn je, des Sieges gewiß. #• » Polizeirat�Krüger hatte auch die ehrenvolle Aufgabe, über die persönliche Sicherheit Bismarcks zu wache», da dieser HeroS, trotz seines Panzerhemdes, sich unablässig vor den Folgen seiner Gewaltpolitik snrchtcte. Erschien Bismarck im Neichstage, so tauchte Krüger— wie die„Boss. Ztg." erinnert— mit einer Anzahl Geheim- s ch u tz l e u t e n aiif den Tribünen auf. um etwaigen Anschlägen auf daS Leben des Reichskanzlers vorzubeugen. Dabei bevorzugte» Herr Krüger und seine Leute mit Vorliebe die I o u r n a l i st e n» t r i b ü n e. Vielleicht geschah dies nur deshalb, weil von dieser ein Verbrechen gegen den Reichskanzler, desseu Platz am Bundesrats� tisch gerade unter den Plätzen der Berichterstatter war, am leichtesten ausgeführt werden konnte. Herr Krüger wußte ver- mutlich nicht, daß der Zutritt zu der Journalistentribüne nur gegen Karten gestattet war. und daß diese nur den Berichterstattern gegeben werden, die im Bureau des Reichstages hinreichend beglaubigt waren. Viele Journalisten empfanden die Anwesenheit der Kriminalschutzleute auf der der Presse eingeräumten Tribüne als eine Kränkung, und auf ihre Veranlassung erhob Liebknecht eines Tages, als Krüger wieder einmal mit seinen sehr muskulösen, aber wenig intelligent drein« schauenden Gehilfen erschienen Ivar, entschieden Einspruch gegen diesen Mißbrauch der Jourualistentribüne, und Herr von Levctzow, der damals auf dem Präsidentensessel saß, vernulaßte sofort eine Untersuchung. Aber die Männer der Polizei warteten diese nicht ab, sondcrn verschwanden, noch ehe Liebknecht geendet hatte._ Vom bayrischen Kriegsschauplatz. NuS München wird uns geschrieben: Der Kainpf des CentrnmS gegen die Regierung wird unentlvegt weitergeführt— in der EentruniSpresie. Da die linksstehende Presse aus mehreren ziemlich unverblümte» Drohungen den Schluß zog daß es die christlichen Papier« und ihre Hintermänner auf eine persönliche Kränkung des Regenten abgesehen haben, so verkündet nun der„Bayr. Kurier' die neueste Losung des Centrnms, die da laute: Für die Krone und den Regenten, aber gegen das Mi»ist er tum Erailshei m. Bei dieser Gelegenheit entschlüpft dem genannten Blatt ein kostbares Geständnis, indem es eingesteht, daß das Centrum der politischen Versumpfung bisher deshalb nicht steuerte. iveil es„den greisen Regenten' nicht beunruhigen ivollte. Wie sich aber diese politische Versumpfung ganz besonders beim Centrum ein« gcbürgert hat, daS wird bewiese» durch ein allerliebstes Gcschichtchen. daS die„Münch. Post" erzählt: Vor nicht allznlanger Zeit unternahm die„AugSb. Postztg.' einen heftigen Angriff auf das bayrische Ministersextett und namentlich auf den Grafen Crailsheim. Ei» Mitglied der Centrumsfraklion, das von große» Kirchturmsschmerzen für seinen Wahlkreis geplagt war, empfand nun das Bedürfnis, gerade am Tage der Publikation dieses Angriffs dein Ministerpräsi deuten seine Aufwartung zu machen. Wohl nur im christlichen Interesse für seinen Wahlkreis versicherte der treffliche Colga„SainerExcellchnz. daß er den Angriffen in dem Centrnmsblatt völlig fernstehe und sie durchaus nicht billige. Auch glaube er sagen zu dürfen, daß die Centrumsfraktion nichts niit diesen Angriffen zu thun habe. Der Ministerpräsident dankte mit einem moquantcu Lächeln für diese loyale Versicherung, die ihn um so mehr freue, als schon eine bekannte Persönlichkeit der Centrumsfraktion ihm tele« graphisch mitgeteilt habe, daß auch sie die Angriffe der„Angsb. Postztg." mißbillige und ihnen fernstehe. Die Verwunderung über dieses Telegramm war bei dem guten Colga so groß, daß er es nicht unterlassen konnte, einem Bekannten von einer andren Partei beiin stillen Dämmerschoppen das Erlebte mitzuteilen. Und so wurde das Erlebte ohne Vermiltclnng des protestantischen Geheiin kabinetts bekannt. Solche Vorgänge lassen es freilich begreiflich erscheinen, wenn das Wutgeschrei der Centrumspresse nicht ernst genommen wird. Und daS um so weniger, als ja in der vorige» Session der CcntruinS abgeordnete Reifert aus Augsburg zum Entsetzen der übrigen Auguren vor allem Volke da« süße Geheimnis verriet und aussprach: „Wir lieben die Minister.' i.#« ITT# Inzwischen bekundet das Centrum seinen Protest, indem cS— .M u I t u r f o r d e r u n g e n verloeigert. Vom Dienstag wird Zaus München telegraphiert: n Die Kammer der Abgeordneten lehnte im �Verlauf der Beratung des KultuS-Etats die schon vom Finanz Hausschuh gestrichenen M e h r f o r d e r n n g e n der Regierung für �Wissenschaft und Kunst pflege ab, darunter 400 000 M. für .die Errichtung eines Museums für Gipsabgüsse von Werken ans der christlichen Zeit und 560 000 M. für Errichtung eines Museums für Gipsabgüsse von klassischen Bildlverke». Im Laufe der Debatte erwiderte der Centrumsführer Daller auf eine Bemerkung des Liberalen Hammerschmidt, die Ablehnung erfolge wegen der politische» Lage wie auch aus sachlichen Gründen. Das Centrum behalte sich gegenüber neuen ähnlichen Vorlagen in der nächsten Session volls Altionsfreiheit vor.— Deutsches Weich. »6 ni ,tät MdllSfiD-ne 4110$ n.-chsw Ledochowsn f. *'"n Ihre Rom kommt eine Kunde, die manche Erinuenuigen an den Streit um die Erklärung des UnfehlbarkeitS-DogmaS und an den '-Bismarck-Falkschen Kulturkampf iveckt: im Palast des Collegium 'iltvanum in Rom ist heute früh der Kardinal MiecySlaw -Halka Ledochowski, der frühere Erzbischof von Posen« Gnesen, im achtzigsten Lebensjahre an einem Herzleiden gestorben. In Russisch-Polen im Jahre 1S22 geboren, kam Ledochowski mit 18 Jahren nach Rom, Ivo er in der Jesuitenschule seine Ausbildung erhielt und 184S zum Priester geweiht wurde. Zur diplomatischen Karriere bestimmt, wurde der junge Priester in den nächsten Jahren bei der Nuntiatur in Madrid und Lissabon beschäftigt und dann zum Delegaten für die südamerikanische» Republiken' ernannt, welche Stellung er 1861 mit dem Posten eines Nuntius in Brüssel ver- tauschte. Als vier Jahre später der erzbischöfliche Stuhl in Posen« Gnesen erledigt war, wurde er vom Domkapitel zum Erzbischof gewählt und' seine Wahl vom Papst wie von der preußischen Regierung, der vom preußischen Botschafter beim Vatikau der neue Erzbischof als„gutgesinnt" empfohlen worden war. anerkannt. Zuerst hielt auch Ledochoivski die nationalpolnischen Agitationen des Klerus in seinem Bezirk nach dem Wunsch der Regierung ziemlich zurück. Als er, der stets streng päpstlich gesinnt und einer der energischten Verfechter des UnfehlbarkeilsdogmaS gewesen ist, aber 1870 in Versailles, Ivo er für die Rückgabe des Kirchenstaales a» den Papst eintrat, abgewiesen wurde, wendete sich daS Blatt. Er trat jetzt für die nationalpolnischen Be- strebunge» ein und Ivurde, da er die berüchtigten Maiaesetze, durch welche Bismarck in seiner Selbstüberschätzung de» Widerstand des katholischen Klerus zu brechen snchte, nicht anerkannte nnd gegen deren Bestimumngeu verstieß, 1874 verhaftet und zu 2 Jahren Ge- fängniS verurteilt, die er in Ostrowo abbüßte. Zugleich erfolgte durch den Gerichtshof für kirchliche Angelegenheiten seine AmtSentsetzung. Die Folge war. daß Pius IX. ihn im folgenden Jahre zum Kardinal Priester ernannte und ihn nach verbüßter Haft nach Rom berief. 1885 wurde Ledochowski zum Sekretär der Breden und 1L92 zum Präfekteu der Kongregation der Propaganda bestellt. Wie seltsam ironische Streiche sich doch die Weltgeschichte gestattet. Dieselbe Parte», die damals zu Anfang der siebziger Jahre von Ledochoivski mit organisiert und von der preu tzischen Regierung rücksichtslos als. r e i ch s f e i n d l i ch' be� kämpft wurde, das Ceutnim, ist heute zur eigentlichen RcgierungS parte! geworden, die für alle reaktionären Gesetzentwürfe der Negierimg stimmt, für Flotten- und Hccresvcrstärknngcn, für Zölle und Liebesgaben an das Junkertum auf Kosten der mitercn Volksschichten. Und der Nachfolger des Papstes, der damals Ledochoivski zum Kardinal eruaimte, weil dieser sich gegen die sogenannte„weltliche Obrigkeit" aufgelehnt hatte, gegen die sonst so salbungsvolle Folgsamkeit empfohlen wird, er nennt Deutschland daS Land unter allen Staaten Europas, in dem die Mitglieder der alleiuseligmachenden Kirche die größte Freiheit genießen. So ändern sich die Zeiten. Snppe oder Wahlrecht. Ein Arbeiter in Magdeburg erhielt, wie unser dortige? Partei blatt meldet, folgendes Schreiben: ... ito. Bei der Berichtigimg der Liste der stimmfähigen Bürger für 1902 hat sich herausgestellt, daß Sie durch GewäHrmig von Suppen im Winter 1901/02' Armemmterstiitzuug aus öffentlichen Mitteln empfangen haben. Nach§ 5 Nr. 2 und§ 7 Absatz 4 der Siädte-Ordnuug vom 30. Mai 1853 hören Sie daher auf, zur Teilnahme an den Gcmeindetvahlen berechtigt zu sein. Wir werden Sie daher in der Liste der stimmfähigen Bürger für 1902 löschen lassen und können Sie dementsprechend in die Gcmeiiidetvühlerliste nicht aufnehmen. Fischer. Au den Eiseudreher Herrn...... hier. Daß der Arbeiter gar keine Armeusuppe bekommen hat undum ein Versehen des Magistrats vorliegt, ist ziemlich belanglos gegenüber der Thalsache, daß einem Arbeiter deswegen überhaupt sein Wahlrecht entzogen werden kann. Hungernde Arbeiter werden sich künfiig in notleidende Junker verwandeln müssen; dann werden sie nicht mehr zu wählen haben zwischen Suppe oder Wahlrecht, dann können sie Millioiieualmosen und Wahlrecht nehmen, zugleich de oorzugte Wähler erster Klasse und Empfänger öffentlicher Untere stützungcn, die von den Aermsteu aufgebracht lverden.— WangcnhciinS Nllckzng. Die„Deutsche Tageszeitung' widmet ihrem scheidenden Generalissimus einen höchst dürre» Nachruf; sie »eilt, um den vielen Kragen ein Ende zu machen, einfach mit.„daß die Absicht uusrcs Bimdcsvorsitzeiideu. seine parlamentarische Thätig keil niederzulegen, schon längst kein Geheimnis getvesen ist'. Und die Thäiigkeit im Bund der Landwirte— wird der Nachfolger de« Vater Plötz die behalten?— China-Slndcnken. Die weitere Aufstellung von Instrumenten der Pekinger Steruwarte wird im Laufe dieser Woche auf der obersten Terrasse vor dem Neue» Orangeriegebäude bei Sanssouci erfolgen. Sie gruppieren sich um den bereits aufgestellten drehbaren HiinmelsglobnS nach rechts und links und ruhen ans ans- gemauerten Postamenten, welche auf de» dort vorhandenen Rasenflächen errichict wurden. Die Instrumente, ivelwe in Berlin repariert wurden, sind größtenteils im Orangeriegebäude wieder eiugetroffen. Vielleicht holt sich die Kaiseriu-Tante von China gelegentlich die Victoria auf dem Brandenburger Thor als— Gegengeschenk. Jedenfalls sind die Pekinger Instrumente ei» unvergänglicher Betveis dafür, wie die„Huimenbricfe" gelogen haben, wenn sie von gewaltsamen— Schenkungen und Käufen fremden Eigentums erzählte».— Polen und Centrnm. Ein iveuig gespannt ist gegeiiwärtig daS Verhältnis zwischen Polen und Ccntrmn. Der Abg. L e t o ch a hatte die Errichtung eines Landgerichts in Kattowitz besiirwvrtet. Deshalb schreibt das Kaitowitzer Blatt.GornoSlazak' das Folgende: „Es ist höchst sonderbar, daß der geehrte Abg. Lctocha, ein Kind unsres Volkes, dem dieses Volt sein Mandat anvertraut hat, so energisch die Wünsche des Kaitowitzer Hakatismus unterstützt hat. Die Schlüsse, die wir aus diesem Verhalte» deö„Ecutrimlsmanues' Avg. Lctocha ziehen, sind folgende: l.Der alteLetocha istimAlter z» s a m m e n g e s chrnmpft nnd weiß nicht, was e r Ihn», oder 2. er ist ei» H a k a t i st geworden. In dem einen wie in dem andren Fall hat er die Hoffnungen des Volkes irregeführt, nnd er möge sich darum nicht erdreisten, von neuem seine Hand nach der Ehre eines Mandats auszustrecken. Für solche Vertreter danken»vir. Doch daS ist nichts Wunderliches. Letocka ist Centruinsniann, und die Henchclci, Bchsctuägcrci nnd Falschheit sind ein unverkennbares Zeiche» der oberschlesischen Eentrumsmänuer." Ein lräfliges Centrnmsportrait, aber nicht unähnlich I— Ein Institut zur Fördcrnng und Hebung der Kultur tu Afrika hat ein Wohlthäter der Menschheit, Naineus Karl Schulze in M n n ch e ii, Holzstraße 35, aufgemacht. Er erbietet sich. Leute unentgeltlich nach Pretoria zu befördern, und zivar in tellimgen, die mit 300 M. monatlichein Anfangsgchalt besoldet lverden. Man hat nichts iveiter zu thun, als schleimigst 20 M., und wenn es sich um Familien handelt, 100 M. als Kaution an Karl Schulze zu übersenden; die Reise erfolgt dann kostenfrei, selbst Anslandspapiere sind nicht nötig. Die Warnung nnsrcS Magdeburger Parteiblattes vor diesem plumpen Gimpelfang ist vielleicht nicht ganz üverflüssig, da die herrschende Arbeitslosigkeit manche» zur Ausivandermig nach Südafrika verleiten mag.— Gernianiflerungsgeschiifte. Neber die Verhältnisse der Posen- scheu LaiideS-Geiiosieuschastsbank berichtet nach den„Pos. Neuest. Nachr.' eine vertraulich erschienene Broschüre des VerbandsdirektorS Hilgenberg, daß diese Bank ungefähr 700 000 M. Spargroschen als Depositengelder erhalten hat. Der Verbandsdirektor versichert, daß die Bank nicht in Verlegenheit geraten könne, selbst iveiin diese Summe auf einmal gekündigt werden würde, da die Bank bei der Preußischen Central-Ge nossenschaftskasse täglich einen Kredit von 1200 000 M. flüffig machen könne. Zu der Poscnschen LaiideS-GenoffenichaftSbank gehören 78 Genossen mit zusammen 1577 An- teilen bei einer Hastsunime von je 2000 M. Die ganze Haftsumme beträgt demnach 3 154 000 M. Unter den Genossen sind gegen 20 Privatpersonen, die je einen Anteil von 2000 M. haben, während die sämtlichen andren Anteile von verschiedenen R a i f f e i j e n- � ch e ii Genossenschaften übernommen sind. So find u. a. die deutschen Kaufhäuser in Witkowo, Janotvitz nnd Wrcjchen mit 150 biS 200 000 M. haftbar, daneben das deutsche Kornhaus in Janotvitz. der deutsche BeamtenwohnuiigS-verein iii Posen, Dampf- pflug-, Dampfziegelei«, Bremicrei«. Molkerei«, GpirituSbreimrrei- Genossenschaften. Einzelne Genoflenschaften find mit größeren Summen bei andere» Genossenschaften haftbar, als die ganze Hastsunime ihrer Genossen überhaupt beträgt. Da» deutsche Koushaus in Witkowo hat 221 Genossen mit zusammen 251 Anteilen a 300 M., also mit einer Gesamtsumme von 75 300 M. und ist für Anteile bei der Posenschcn Landes-Gcnossciischaslsbairk mit 194 000 M., dem deutschen Lagerhanse Pose» mit 10 000 M. verpflichtet hat, deiiinach ein Obligo allein bei diesen Gejellichaflen von 204000 M. bei einer Haftsumme ihrer Genossen von nur 75 300 M. Das deutsche Kornhans Janowitz hat 266 Genosien mit 265 Anteilen a 600 M. Haftsumme, also mit einer Gesamt- Haftsumme von 159 000 M.. während es bei der Poseuschen LandcS-Genossenschaftsbank mit 150 000 M., dem deutschen Lager- Hans Posen mit 1000 M. beteiligt ist, hat demnach ein Obligo bei diesen Gesellschaften von 151 000 M. bei einer Haftsumme ihrer Genossen von 159 000 M. In den„Pos. Neuest. Nachr.' tvird angesichts dieser Angaben die Frage aufgeworfen: Hat die Preu- tz i s ch e C e» t r a l- G e n o s s e n s ch a f t s k a s s e den inneren Wert der angegebenen Haftsumme geprüft, als sie der Poseuschen Landes- Geiiossenschastsbank den von Herrn Dr. Hilgenberg m seiner Broschüre angeführten, täglich flüssig zu machenden Kredit von 1200000 M. einräumte?— Wie man Könige gewinnt. In der„Deutschen Revne' veröffentlicht Profestor August F o u rn i e r- Wien einen geheimen Bericht über die Vorgänge in Bayern 1847, den ein vom östreichischen Polizcimiiiisterimn zu Jnformalioiiszwccken entsandter Beamter Namens H i n e i s seinem Vorgesetzten erstattet hat. Ueber die Art, wie Ludwig L die Lola M o n t e z kennen lernte, besagt dieser Bericht». a. folgendes:„AIS die Lola im vorigen Jahre nach München kam, wollte sie im Theater tanzen, was ihr jedocki von der Intendanz nicht gestattet werden wollte. Sie verfügte sich hierüber sogleich zu dem König, hatte gleich im Vorzimmer mit dem diciistthuenden Kammerdiener einen heftigen Streit, tveil er sie nicht vorlassen wollte, bis endlich der König, von dem an- maßenden und kecken Auftreten unterrichtet, befahl sie vorznlaffen, er Ivürde ihr schon selbst den Kopf waschen. Als sie eintrat, ward der König sichtlich überrascht und sogleich für sie eingenommen, und hier soll auch die i» München vielseitig erzählte Scene vor sich gegangen sein, daß die Lola, als der König einigen Zweifel über die Realität der ersichtlichen Wölbung ihres BusenS andeutete, eine Schere von des Königs Schreibtisch nahm und sich damit das Kleid vor der Brust aufschnitt. Von diesem Momente an soll die Ankmipfinig des jetzigen Verhältnisses sich datieren, das mit der Zeit sich bis zu feiner Intensität unluiterbrochen fortgesponncn hat.' Der König erkannte eben, daß auch die Reize einer Tänzerin von Gottes Gnaden sein können I— Chronik der MajcstätöbclcidlgmlgS- Prozesse. Der 50jährige Gärtner Karl Herbst in Nürnberg soll den dciilsche» Kaiser beleidigt haben, indem er im Gespräch äußerte, wenn es auf ihn, Herbst, ankäme, bekäme der Kaiser keine Soldaten, nnd daran eine nicht wiederzugebende Bemerkung knüpfte. Er ivurde von dem Tagelöhner Schatz— wie der Angeklagte nngiebt, ans Rache— denunziert und erhielt vom Landgericht Nürnberg fünf Monate Gefängnis.— Anstand. Stille Landtage. -et- Wien, 20. Juli.(Eig. Ber.) Die LaiibtagSsession wird mm bald zu Ende gegangen sein. Sie war auffallend� ruhig— ihre politische Rolle haben die Landtage eben schon ausgespielt. In der leidenschaftslosen Gleichgültigkeit, mit der man das LandtagSgetriebe betrachtet, in der Redncienmg der Bedeutung dieser Körperschaften, von denen das verfassimgsmäßige Leben einst ausgegangen ist. zeigt sich die geivaltige Entwicklung, den die Idee des einheitlichen Staates in Ocstreich durchmessen hat; die Zurückführrmg des Landtages, von denen der Wiener ReickiSrat vormals nur eine Delegation war, auf bescheidene und genügsame Verwaltmigslörper, drückt nicht weniger aus als den Sieg des Ccntralismus über den Föderalismus der Länder. Bekanntlich hat eS in Oestreicti bis zum Jahre 1873 ein auS unmittelbarer Wahl hervorgegangenes Ccntralparlamcnt gar nicht gegeben, die Mitglieder des Abgeordnetenhauses waren einfach Delegierte der Landtage. Damals blühte der Weizen der Landtage; jeder von ihnen hatte es in der Hand, durch einfache Nichtbeschickung des Rcichsratcs das Ccntralparlamcnt aus den Fugen zu bringen. Die Periode von 1861, dem Beginn des lonstitutioiiellen Lebens in Oest- reich, bis zum Jahre 1873, Ivo die direkte Wahl deS Abgeordneten- Hanfes durchgesetzt und damit das Wiener Parlament auf eigne Füße gestellt wurde, ist erfüllt von dem Kampfe der Länder w i d e'r den Staat. Nicht bloß Böhmen oder Galizien be« anspnichten damals, als ein selbständiger Staat angesehen und behandelt zu lverden, auch Dalmatien oder Tirol. kleine und ökonomisch ganz uiieiitwickelte Länder, wollten sich in die staatliche Gemeinsamkeit nicht fügen nnd pochten auf ihr„historisches" Recht, auf ihre, wie der Ausdruck damals lautete,„historisch- volitische Individualität". Mit jenem Größenwahn der Länder hat die Entwicklung überall und gründlich anfgerömnt; die Länder sind heute nur Kostgänger des Staates, der es verstanden hat, daS gesamte StcucNvesen in feine Hand zu bringen, und die stolzen Herren in Prag, die tnitzigen Declaranten von ehemals, zogen unlängst»ach Wien, um die Regierung besrtieidentlich zu bitten, die Landesiimlage ans die staat- liehe Bicrsteuer um sechzig Heller höher bcstiiiimen zu dürfen. Und die Regierung sagte nein... Die Idee des Staates, als des ge- mcinsamcn Wirtschaftsgebietes, besten die kapitalistische Entwicklung nicht ciltbehren kann, hat über die„historischen" Zersplitterung«- versuche den Sieg davongetragen. Diese Wendling der Dinge bringt eS mit sich, daß der Einfluß der Wiener Regierung auf die Landtage fast schrankenlos ist. Man hat davon Heuer einige ganz drastische Proben Ivahrgeiiommen. Die polnische» Parteien hatten ziemlich deutlich aiigcliindigt, daß sie im g a l i z i s ch e n Landtage gegen die preußische Polenpolitik Demo»- stratioiicu veranstalten wollen. Im Wiener auswärtigen Amte war Mall ob dieser Möglichkeit so geängstigt, daß man sich alle» Ernstes mit dem Plane trug, den galizischen Landtag hencr gar nicht ein- znbcrnfen. Herr v. Koerber bestand natürlich darauf, daß die Land- tags-Sesfion unaiigefochlen stattfinde, verbürgte sich aber auch dafür, daß die voriges Jahr so unliebsam empfmideiien Demon- strationen nach Berlin hin niiterbleiben. Er gab einfach den Landtagsherren zu verstehen, der Landtag werde beim ersten Anzeichen der llnbotniäßigkeit nach Hause geschickt werden, und die Drohung, die im Wesen«ine Drohung mit Entziehung staatlicher Unterstützungen ist, genügte vollständig, um den Landtag zur peinlichsten Enthaltsamkeit zu veranlaffen. Im Landtage von Krain gab es zwei Sitzungen hindurch heftige Krawalle, die durch den häuslichen Streit der beiden slovenischen Parteien des Landes entfesselt worden waren. Die Regierung sperrte nun den Landtag einfach zu. bestrafte die Krakeeler' also etwa so. wie man unartige Schnljniigcn züchtigt, und in der gesamte» Oeffcntlichkeit rührte sich c;egcn diese Unbilligkeit keine Handl Sogar im nieder- o st r e i ch i s ch e n Landtag, dessen Luegcr-Mehrhcit doch aus ganz andrem Holz geschnitzt ist als die Parteien in der Provinz, ist der Einfluß der Regierung deutlich zu spuren. Der Stalthalter erklärt, die Regierung sei nicht bereit, zu der berühmten Einverleibung von Acker- laud in die Großstadt ihre Zustimmung zu geben, und Herr Lncger läßt sofort sein StadlertveiterungSprojekl fallen und stimmt mit seiner Partei für einen Vertagungsantrag, der die ganzen bis jetzt ge- pflogenen Unterhandlungen über den Haufen wirft und die Sache »och«inmal von vorne anfangen lägt! Das lächerliche Projekt, Wien durch Angliederung eines riesigen, ganz und gar ländlichen Gebietes zur„größten deutschen Stadt" zu machen, kann überhaupt als endgültig gescheitert betrachtet werden. Die Regierung wird nur die Einverleibung der Gemeinden bewilligen, die mit Wien in irgend- welchem Znsammciihang stehen; vor der Eingemeindung deS March- selbes wird also Wien und werden die zwangsweise zu Wienern ge- preßten Bewohner jener Dörfer bewahrt bleibe». Herr Lncger hat es zwar durchgesetzt, daß der Landtag den Gesetzentwurf beschloß, womit die gesürchteteu Wahlen � in FloridSdorf hintertrieben werden sollen, aber nach der bestimmte»» Erklär» mg des Statthalters ist an eine Sanltionierung dieses GewaltstreicheS nickt au denken; die Wahlen werden vielmehr schon in der nächsten Zeit stattfinden. So hat sich der Wiener Bürgermeister eine komplette Niederlage augezogen; er hat seinen Einflutz auf die Regierung be- trächtlich überschätzt. Der gute Mann war gewohnt, dost die Regierungen vor ihm demütig' erzitterte», aber seither ist sein Prestige vermindert ivorden und ist die Macht der Regierung, die allein geben kann, weil sie allein alles besitzt, ganz aufierordentlich gestiegen. So war die LandtagSscssion überall ohne jede Aufregung und also auch ohne größeres Interesse. Eine Bedeutung eignete nur de» Verhandlungen des Tiroler Landtags, denn dort sollte der Versuch gemacht werden, die alte Streitfrage zwischen den das Land bewohnenden Nationalitäten zur Löfimg zu bringen. I», Ausschüsse des Landtags gelang die Einigung über die A u t o n o m i e f r a g e; als es aber zur Verhandlung im Hanse kommen sollte, waren die Chancen sür das Gelingen des Planes so gering, daß die Regierung unter Zustimmung aller Parteien den Landtag vertagte, die Weiterverhandlung auf günstigere Zeiten verschiebend. Der Autonomieplan, der unter Umständen für die Löfimg nationaler Streitfragen in allen gemischten Ländern hätte vorbildlich iverdcn können, ließ die Einheit des Landes zlvar bestehen, gab aber innerhalb dieser überlieferten Form jeder Nation volle Selbständigkeit, indem er die verwaltenden Organe: Landesausschuß und Landes-Schulrat, in nationale Sektionen spaltete, von welchen die deutsche in Innsbruck, die italienische in Trient ihren Sitz hätten aus schlagen sollen. Die umstrittenste Frage, die der deutschen Gemeinden in Südlirol, wurde dahin entschieden, daß sie nicht den nationalen Sektionen, sondern dem Plenum beider, der gemeinsamen Institution/ unterstellt werden sollten. Zu diese» deutschen Enclaven wurde auch das Fassathal geschlagen, die Heimat des ladinischen Volksstanimcs, der ivohl sprachlich mehr zu den Romanen gehört, aber ökonomisch nach Nordtirol gravitiert. Das Antonomieprojekt wäre im Landtage zwar ohne Begeisterung, aber doch angenommen worden— von den Deutschen als offener, von den Italienern als unzulänglicher Sieg empfunden— wenn nicht der„Verzicht"' auf das Fassathal die chauvinistischen Instinkte in Welschtirol entflammt und den Sinn gegen das selbst bewirkte Projekt gewandt hätte. Nicht verschwiegen darf es werden, daß sich an dieser Aufpeitschung der chauvinistischen Vorurteile auch die italienischen Socinlisten beteiligt haben; sie waren der Pflichten, die ihnen daS gemeinsame Brünner Nationalitäten» Programm zuweist, herzlich wenig eingedenk. Das Antonomieprojekt ist also vorläufig gescheitert, aber als die Erfüllung einer Notwendig- teil wird es sicher wiederkommen.— Die NtbeltSverhältnisse in Niederliindisch.Osttndien.„Het Voll" druckt aus einem Brief Van Kols über Med an, das Reich der kapitalistischen Tabakskönige, den Teil ab, tvorin die Verhältnisse geschildert werden, unter denen die Arbeiter leben, denen jene Herren ihren Wohlstand zu verdanken haben. In Medan wurde im Jahre 1S01 für 40 Mill. Gulden(68 Mill. Marl) Tabak produziert. Der Totalgewiii», der in de» Jahren t864 bis 1900 erzielt wurde, wird auf 662 Mill. Gulden berechnet. Unter welche« Arbeitsverhältnissen, mit welchen Opfern au Menschenleben diese Werte gewonnen wurden, davon gewinnt man eine Ahnung durch folgende Thatsachen. In den Jahren 1900 und 1901 wurden 14161 Javaiien und 30 647 fremde Ostasiaten importiert— im ganzen zählte man 66 783 Eingetvanderte. Davon reiften in den genannten Jahren ivieder ab 3621 resp. 16SV8, im ganzen 30 649 Arbeiter.— Ein von den Pflauzlern errichtetes Emigrantenbureau mietet die Schiffe, engagiert in China die Kulis, tauft sie zu einem befttmn, ten Tarif und verteilt sie dann unter den Unternehmungen. Der Controlenr registriert sie und hat über die strenge Handhabung der Knli-Verordiiungen zu wachen .Ob diese Aufsicht," schreibt Van Kol,»praktisch ausreichend ist, um z. B. die Sterblichkeit zu kontrollieren und bei Ablauf des dreijährigen Kontraktes über die Frei- l a s s n n g zu wachen, muß ernstlich bezweifelt werden Der niederläudifch« Miuisterrefident von China im Jahre 1888, Herr Ferguson, weigerte sich, an diesem„Menschen Handel" mitzuwirken, der deutsche Gesandte da gegen lieh seine Unterstützung, wofür er mit den, Großkreuz des niederländischen Lölven bedacht wurde.— Mit Recht erklärte d e C o n i n g h in der Versammlung des Judl scheu Bundes zn Medan im März d. I., daß da§ Kontrakt-Ku li Cyste m vom moralischen Staudpunkt aus nicht zu verteidigen sei, weil es eine verm um, nie Sklaverei und nicht einmal «ine gut vermummte, wenn auch zeitlich begrenzte Sklaverei fei.— Die Artikel 11 und 13 der Kuli-Verordnungen(erlassen durch Gouvernementsbeschluß von 1889 und 1898 revidiert) lassen das Sklaven los dcSKuli deutlich erkennen. Hierin wird jedem, Europäern N'ie Eingebornen, der einem entlaufenen Kuli Ob- dach gewährt, Strafe angedroht. Die Geringschätzung, mit der einige Reichgewordene von den.Stinkern" und»Kon« tra kt- Burschen" sprechen, zeugt von hanherziger Gleichgültig- kcit. DaS Zulassen de? Würfelspiels in der Rc-Eugage- mentSzeit(wenn die Erueuerung der Kontrakte bevorsteht), um die KuliS in Schulden zu bringen, das Zulassen von Prostituierten auf den Uiiteriiehmuugen, das Abschließen der Kontrakte in im Werte gesunkenen Dollars und die schändlich niedrigen Löhne, die den javanischen Frauen gezahlt Iverden, beweisen nur zu deutlich, daß gegenüber diesen bedauernswerten Menschen die gewöhnlichen Regeln der Sitt- lichkeit mit Füßen getrete niv erden..."— Van Kol giebt dann eine llebersicht über die Löhne auf den Plantagen: »Durch die Kuli-Verordnungen wurde der Lohn für die mann- lichen Arbeiter seiner Zeit auf 6 Dollar pro Monat festgesetzt. Damals aber halte der Dollar einen Wert von 2 Gulden (3,40 Mark), jetzt ist er auf 1,10 Gulden gesunken. Auf vielen Unternehmungen aber erhält ein javanischer Kuli nicht mehr wie 4,40 Gulden. Die gutbezahlten, die 7—8 Dollar erhalten, müssen davon 3 Dollar für Kost, 1.60 Dollar Lohnkürzung für erhaltene L o h n v o r s ch ü s s c abgeben und kömicn mit dem Rest von 3—4 Dollar lvenig anfangen, es sei denn, daß sie ihr Ein- kommen durch Würfelspiel oder Prostitution der Frau auf- dessertcu. De» unverheirateten Frauen nimmt man Vi Dollar für einen Vorschuß von 3 Dollar und �/ro Dollar für Gerätschaften ab, so daß mir 2,20 Dollar übrig bleiben. Da ist es denn freilich kein Wunder, daß die P r o st i t u t i o n bei solchen Betrügereien Regel ist, und daß viele M ü t t e r i h r e„R a b o n« K i n d e r" gern an den Meistbietenden verkaufen, wofür ich Beweise anführen kann. Wie mir ein Arzt erklärte, waren in Ober- Serdang die Hälfte der javanischen Frauen syphilitisch. In vielen Hospitälern sah ich sie in großer Anzahl, darunter selbst u n e r w a ch s e n e K i u d e r." In ähnlicher Weise werden auch die andren Arbeiter ausgebentet. Ganz andre Zustäud« würden eintreten, wenn daS g e g e n- Iv artige Kuli-Kontraktsystem durch freie Arbeit ersetzt würde. Daß freie Arbeit möglich ist, wird durch die (britischen) Slraiis-Settlemeuts bewiesen und durch die Zustände in einer Anzahl andrer Gegenden, wo gleichartige Verhältniste vorhanden sind.— Für öffentliche Arbeiten sind st eis vollauf freie Kulis gegen einen Tagelohn von 80 bis 40 Cent zu finden.— Im Jahre 1901 war für die 36.8 Millionen Pfund Tabak, die produziert wurden, der durch- ickniltliche Verkaufspreis 1,11 Gulden pro Pfund; die gesamten Produktionskosten stellten sich auf 70—76 Cent pro Pfund, so daß ein Reingewinn von 86 Cent oder von 12 890 000 für die ganze Ernte verblieb. Bei solchen Gewinnsten kann der Meinung Van Kols, daß eine Bestem na der«rbeiterverhältnisse in den Kolonien möglich ist, ohne daß die Unternehmungen ruiniert werden, wohl kaum wider- sprachen werden. Frankreich. Zum neuen Kulturkampfe melden die Blätter, daß eine päpstlicke Encyklika über die Durch- führung deS Vereinsgesetzes in Frankreich bevorstehe, und daß die Klerikale» und Konservativen beabsichtigen, unmittelbar nach dem Erscheinen große Volksversammlungen in Paris und ganz Frankreich zu veranstalten. Die radikalen Organe begrüßen diese Absicht der Konservativen mit Freude; sie sagen, die bisherige zu schlasfe Durchführung des Gesetzes habe den gemäßigten Fraktionen der Regierungsmehrheit eine gewisse übel angebrachte Sympathie mit den Gcmatzregelten eingeflößt, die angekündigten Protest-Bersanim- lungen würden der Vereinsgesetzsache ihren alten Kampfcharakter wiedergeben. » Die»klerikal gesinnten Mütter' veranstalteten eine Masten- kundgebung vor dem Elisse-Palast. Sie wurde veranlaßt durch einen Mauerauschlag, in dem es heißt: .Ein beispielloses Attentat ist verübt worden. In acht Tagen wurden 2600 Schulen geschlossen. 160000 Kinder auf die Straße geworfen, 6000 Lehrer und Lehrerinnen verjagt und brotlos gemacht. Nie ist die Gewissensfreiheit, das Recht der Familien ruchloser vcr- gewaltigt worden. Solche Thatcn find Verbrechen an der Menschheit und Freiheit. Bürger, werdet Ihr Euch dieser Tyrannei beugen? Wollt Ihr frei leben, so sammelt Euch, rmr Euer» Verfolgern die Stirn zu bieten, rechnet nicht auf ihre Gerechtigkeit, verlaßt Euch nur auf Euch selbst." Einige Hundert Familienmütter nahmen diesen Aufruf buchstäblich und begaben sich nach der Preisverteilung einer Klosterfchiile mit ihren Kindern, deren Köpfe die hier gcbrärichlichen Goldpapierkränze schmückten, im Gänsemarsch nach dem Elisöc-Palast, um Frau Loubet eine Bittschrift zu überreichen, in der eS heißt:„Die christlichen Mütter des Sankt RochuS-Viertels wenden sich ver- traucnsvoll an eine Mutter. Wir wollen durch eine religiöse Erziehung den Namen und die Grundsätze Jesu Christi für inimer in der Seele unsrer Kinder festlegen. Man will nnS uusre Kinder rauben. Sie werden das nicht zulasten. Im Namen unsres Gottes, lasten Sie uns mrsre hingebungsvollen Schwestern, retten Sie unfre christlichen Schulen." Der Aufzug gelangte bis an den Palast, wurde jedoch, wie der .Vossischen Zeitung" telegraphiert wird— nicht eingelnsten, nur zwei Frauen erhielten die Erlaubnis, zn Frau Loubet zu gehen und ihr die Bittschrift zu überreichen. Die Gattin des Präsidenten vcr- sprach, daS Schriftstück der Negicnmg z» übermitteln.— PariS, 22. Juli. Der ehemalige Justizminister Monis hat gegen General Mercier die EhrenbrleidigungSklage angestrengt, weil dieser in einer Vcrsanmrluirg ehrenrührige Auschuldigimgen gegen Monis gethan habe. Monis verlangt eine Entschädigung von 100000 Fr.— England. Boeren alS Konflabler. Im Unterhause erklärt Kriegs- minister Brodrick, der Oberkoinmistar Milner berichte, daß eine sehr große Zahl von Boeren um Eiureihung in die südafrikanische Konstablertruppe gebeten habe. Milner habe etwa 200 bis 800 Mann von diese» nach sorgfältiger Prüfung in die Truppe eingestellt. Etwa die Hälfte von diesen habe früher zu den National ScoutS gehört. die sich als zuverlässig erwiesen hätten. Die andre Hälfte bestehe auS Leuten, die sich erst zuletzt ergeben hättet» und für welche die Boerengenerale einständen.— Amerika. New Dork, 21. Juli. Wie«tn Telegramm an? Willem st ad meldet, hat die Regierung von Venezuela den Hafen von Carüpano für den Verkehr gesperrt.— 88. Sitzung der Zolltarif-Koni Mission. Berlin, 22. Juli. Zu den Positionen 693/99, Waren aus Asphalt oder Cemcnt, beantragen die Socialdemokraten Zoll- f r e i h e i t. G o t h e r n beantragt zu 699 eine Aenderiing, nach der Werksteine, Platten, Fliesen und Dachziegel mit 0.60 M., andre Cemeirtwaren mit 1 M. Zoll belegt werden sollen. Gothein tritt, außer für den vorstehenden Antrag für Zoll- freiheit der übrigen Positionen ein. Geyer begründet den Antrag auf Zollsrciheit. Die Cenieutwaren- Industrie habe einen großen Aufschwung genommen und die Juter- esteuten hätten, sogar nach den Angabe» der Motive zunr Entwurf, kein Interesse an Zöllen, die Ausfuhr sei gewachsen— ei» Zoll könne darum gar nicht gerechtfertigt werden. Gcheinrrat van der Borght wendet sich gegen Gothein, während Stadthagen für Zollfreiheit eintritt und auf die Düsseldorfer AuS- stellung hinweist, wo die Architekten sich einen Scherz gegen das Cementkartell, daS es Wohl verstehe, gewinnbringende Preise fcstznstellen, erlaubt haben und eS in einer Figur mit der Unter- schrrft: Cenrento mori— verspotteten. Position 698 ivird nach der Vorlage angenommen und zu 699 eine Einschicbiing, nach einem weiteren Antrage GothcinS: Kalksandziegel— 0,16 M. Im übrigen Ivird die Position»ach der Vorlage angenommen. Nachdem Molkenbnhr den Antrag auf Zollfreihcit für die Positionen 700/703, Waren auS GipS begründet hatte, wurden diese Positionen nach der Vorlage angenommen. Position 704, Schlacken, zu Bau st einen oder Pflaster- steinen geformt, wird auf Antrag Herold bis zu Position 713 zurückgestellt. Zusammengefaßt werben dann die Positionen 705/703 Papier und Gewebe auS Asbest. Die Socialdemokraten be« antrage» Zollfrciheit, stellen aber außerdem den Eveutnal- a n t r a g, in Position 708, Handschuhe, Kleider, Masken, Mütze», Schuhe auszunehmen und zollfrei zu lassen. Stadthagen begründet die Anträge. UnfallvcrhiitungS-Vor- fchriften für Säurefabriken schreiben Schutzkleidung ans Asbest vor; eS hieße demnach die Industrie belasten, wenn man diese Schutz- kleidnng verteuere. Dieser Eventualantrag wird mit Stimmengleichheit abgelehnt — das Centnim stinimte geschlossen dagegen— und darauf iverdcn die Positionen nach der Vorlage angenommen. Position 709, Waren, ganz oder teilweise ans Meerschaum oder Nachahmungen davon in Verbindung rnit natürlichem oder künstlichem Bernstein: 400 M.; andre 200 M. Molkenbnhr tritt für Zollfrciheit ein. Die Rnhlaer Industrie habe von trer Wiener nichts zu fürchten, da letztere auf ziemlich hohe Preise halte und Bernstein erst aus Deutschland beziehen müsse. Gothciu beantragt, die Worte„oder Nachahmungen davon" zu streichen. Speck beantragt, der Position hinzuzusetzen:.Cigarren- und Cigaretten spitzen aus Meerschaum mit vor- richtuiigen zur Befestigung von Mundstücken". Dieser Autrag wird angenommen und mit diesem die Position 709 nach der Vorlage; ebenso die Positionen 710. Jet, roh SM.. geschlissen 200 M.; 711. Waren auS Jet 200 M.; ferner 712, Waren aus Bernstein 200 M., unter Ablehnung der social- demokratischen Anträge auf Zollfreiheit. Molkenbnhr begründet dann folgende beantragte Anmerkung zum 18. Abschnitt:„Steine aller Art, die zur Anfertigung von Kunst- gegenständen diene» sollen, gehen zollfrei ein." Geheimrnt Mruschel ersucht, den Antrag abzulehnen, er führe einen neuen Grundsatz in den Tarif ei». Nach längerer Debatte wird die beantragte Amnerknng ab- gelehnt. Darauf gelangt der 14. Abschnttt, Thonwnre«, zur Be- ratuug. Verbunden werden die Posrtiouen 713/14. Mauer- steine. 713, Hohlsteine, Lochsteine. Lochplatten. Formsieine, rauh oder glatt— 0,15 M.; 714, andret rauh 0,05 M., glatt—0,10 M.; 716, Klinker aller Art— 0,60 M. Blankenhor» beantragt zu 713 statt 0,16 M.— 0,20 M. zu setzen; zu 714— 0.10 M. statt 0.06 M..«erbleiidstein» 0.20 M. statt 0,10 Vi. Die Socialdemokraten beantragen ZollfrciheU- Arendt beantragt zu 704, Schlacken, zu Bau- oder P f I a st e r st e i u e n geformt 0,40 M. Gothein beantragt, die Positionen 713 und 714 zu vereinigen und zollfrei zulassen; zu Pos. 716 eine Teilung, glasierte Klinker 0,40 M.; unglasierte— frei. Schrempf beantragt zu 714, HintermauerungSsteine — 0.20 M. Die Debatte über diese Positionen ist ein« weit ausgreifende. Gothel» hebt hervor, daß der Grenzverkehr belästigt und ver- schlechtert werde durch diese Zölle, die das Baugewerbe' schädigten. Redner geht näher auf die technischen, sotvie auf die Transport- resp. Frachttarisverhältnisse ein, hebt die Verschiedenartigkeit des ausländischen Produkts von dem inländischen hervor und schließt daraus aus die Notwendigkeit der Zollfreiheit fiir 713/14. Und wolle man durchaus Zölle, dann sei der von ihm zu 716 beantragte genügend. Blankenhor» will die Wünsche der Petenten(Ziegeleibesitzer) in Württemberg, Baden und Obcrelsaß berücksichtigt lvissen, die über große Konkurrenz klagten. Die Schweizer Zölle benachteiligten die süddeutsche Jndristrie. Redner wird zuerst für den lveitergehenden Antrag Schrempf stimmen, empfiehlt aber sür den Fall der Ab- lehiirmg desselben, den seinigen. Zubcil wendet sich zunächst gegen den Antrag Arendt, der die Industrie für Schlackensteine schädige, statt sie zu' fördern»nd den Bau der ärmlichsten Häuser verteuere, besonders aber die kleine Landwirtschaft schädige, die ans diesem Material Viehställs baue. Redner bestreitet dann auf Grund der statistischen Ausweise gegenüber Blaukenhorn, daß die schweizerische Einfuhr und Konkurrenz so drückend sei. Die Lage der Arbeiter schildernd, beklagt er die schlechten Löhne bei länger Arbeits- zeit, die schlechte Behandlung und die traurigen Wohnungen der Ziegelei-Arbeitcr. Die Ziegeleibefitzer erstrebten wohl Vorteile sür sich, ließen aber die Arbeiter leiden. Daß die Schweiz höhere Zölle beschlossen habe, sei nicht zu verwundern, die gegenseitige Zolltreiberei gehe ins Uiiendliche, man lebe in einer Zeit der Ueberzollproduktion. Nicht»nr die Jndristrie, das ganze Baugewerbe werde geschädigt. Schrempf tritt sür die süddeutschen Ziegeleibefitzer ein und hebt stark hervor, daß die deritschcn Unternehmer schwer belastet würden durch die Arbeiterverstchernngs-Beiträge. Der BundeSrats-Bevollmächtigte für die Hansastädte, Klüginau», versetzt dem sächsische» Buudcsrats-VcvoNmächtigtcii, der gestern gegen die Vorlage Stellung nahm, einen Hieb durch die Erklärung, er halte eS nicht für opportun, daß Mitglieder dcö Bundesrats das, was sie im Bnndcöratöplenum nicht durchdrücken konnte», hier in der Konimission durchzudrücken suchte». Redner wendet sich gegen die beantragten höheren Zölle. Die schwedischen Steine seien unentbehrlich und die Ausfuhr»ach Däne- mark sei fünfmal so groß, als die Einfuhr. Wolle niau dies Ver- hältuis zerstören? Gestern sei gesagt worden, ma» müsse Schweden die Zähne zeige». Aber Schweden habe erst Zölle beschlossen, als Tentschland I87S hohe Zölle in seine» Tarif auf- genommen habe.(Hört I hört l) Die Kleiuschissahrt werbe schwer geschädigt, den» es seien deutsche Schiffe, auf denen die in Frage stehenden Produkte eingeführt würde». Ilnfire Küftcnschisse verkehrten mehr an der Küste deS Auslandes, als ausländische Küstenschiffe an der deutschen Küste. Badischer BiiudeSratS-Bevollmächtigter v. Schaercr ersucht, de» Anregungen des Abgeordneten Blaukenhorn nachzugeben und die Zölle zu erhöhen. Graf PofadoWSky gesteht den Bevollmächtigten das vcr- faffrmgsmäßige Stecht der Vertretung der Jnteresscu ihrer Staaten gern zu, aber es sei doch ein eigentünilicker Zug, der nach außen keinen günstigen Eindruck mache, wenn Vertreter der GInzel. staatr» gegen daö beschlossene Wert deö Bundesrats hier anftriiten. Abgeordneter P a a f ch e habe gestern seine Ausführungen von oben her behandelt imd bekämpft,„aber— so fährt der Redner mit erregter Stimme fort— tch habe in diesen Sache» ÄO Jahre gearbeitet und eine grössere Erfahrung alS Sic!"—(Ruf: Bor 20 Jahre» war Paasche Freihändler!) Der Staatssekretär fährt fort, er könne sich eigentlich innerlich freuen, daß durch die Verhandlungen gestern und heute der Oeffcntlichkeit der Beiveis gegeben tverde, wie groß die Schwierigkeit des vorliegenden Werkes sei; eS sei aber unrichtig, es als das W e r k n n r eines Ressorts, nämlich des ReichsamtS des Innern h i n z» st e l l c n. Gefährlich sei eS, kleine Partikular- iiitcresse» dem Interesse deS großen. Ganze» gcgenüberznstellen «nd so das Werk zu gefährden. D a v.o r warne er dringend.(Bewegmig.) Nettich tritt für höhere Verzollung der Klinker ein, während Geheiinrai Mermuth die Vorlage verteidigt und auch dringend davor ivarnt, aufdemscitge st er n beschritten en Wege Iveiter vorzugehen. Herold behauptet, die Thatsache bestehe, daß die Einfuhr ans verschiedenen Ländern der inneren Produktion schwere Konkurrenz bereite. Bezüglich der Schlackensteine ist Redner für Zollfreiheil. Aber die übrigen bedürften einer Erhöhung, nur frage eS sich, ob die Sätze in den Anträgen Blaukenhorn und Schrempf der Schtveiz im- ponierten. Molkenbnhr geht auf den gestrigen Ausspruch PaascheS ein, daß mit dem Hin weis auf die Kulturinteressen des Landes sich jede Zollschutzpolitik bekämpfen lasse. Paasche habe dabei wahrscheinlich an die Zeit gedacht, in der er noch Freihändler gewesen sei. Daher kenne er die guten Gründe, die er heute selbst in den Wind schlage. Die deutschen Klinker seien billiger im Preise als die schwedischen, aber die bessere Qualität der schwedische» mache thatsnchlich dieselben billiger wegen der längeren Halibarleit. Beim Bau von Leuchttürmen, von Schleusen ustv., dürie man nicht ans die Billigkeit des Materials sehen, sondern müsse die Qualität bevorzugen. Redner wendet sich dann gegen die abermals gemachte falsche Be- Hauptimg, daß die soeialpoliliscken Lasten die inländische Produktion belaste» und legt rechnungsmäßig dar. daß diese Laste» ÄfiOo Pf. pro Tag und Kopf de? Arbeiter betragen. Schrempf habe also die gnmdloscn Behauptungen wiederholt. Auch die Fürsorge für einheimische Arbeiter sei nicht echt. Können die Zicgeleibesitzcr billigere Arbeitskräfte haben, stellen sie diese sofort an Stelle der deutschen Arbeiter ein. ES sei verwunderlich, daß man heute nicht auch Amerika wieder als Schreckgespenst vorgeführt habe. Der Antrag Arendt belaste die kleinen Landwirte, die Schlackensteine zn Viehställen verwendeten. Durch die V e r t c u e r u» g d e r K l i n k c r würden besonders die k l e r n e» L a n d st ä d t e betroffen, die Klinker zum Trottoir- belag verwendeten. Schrempf meint, tvenn der BrmdcSraisbevollmächtigte für Bremen ,c. gesagt habe, der Entwurf sei ein Kompromiß, das im Bundesrat zu stände gekommen sei, so gehe das den Reichstag qar nichts an.„Wir wollen der Negierimg durch um're Beschlüsse Waffcii gebe», denn daS wissen wir, daß Handelsverträge nickt genau nach diesen Beschlüssen fertig werden. Aber dem Änslanve gegenüber brauchen wir nicht so vorsichtig zu sein, wie die Regierung uns anrät." Paasche wird für die Vorlage stimmen. Der Staatssekretär habe ihni zn Unrecht Vorlvürfe gemacht, er erkenne die große» Ver- dienste deS Staatssekretärs an. Er habe nicht als Professor, sondern aus langjähriger praktischer Erfahrrmg gesprochen. Es wird uns immer vorgeworfen, daß wir über die ReginuiigSsätze hinausgingen, und gezei was wir für staatsgefährliche Elemente seien.(Heiter- keil.)' Anträgen auf Ermäßigung kommt die Regierung entgegen, Erhöhungen nickt. Graf PvsadowSky erklärt. Pansche habe sein Mißfallen nicht erregt, aber er. Redner, sei bezüglich der Pflastersteine andrer Ansicht als Paasche. Die RegiermigSvertretcr hätten die Pflicht, die Vorlage zu verteidigen. Gothein tritt für seinen Antrag ein. Ein S ck l ri ß a u t r a g Arendts wirb angenommen. Position 704 wird nach d e r V o r t a g e augenomme n, zu Position 7t3 wird der Antrag Blaukenhorn angenommen; zu Position 714 wird nach dem Antrag Blankenhorii das Wort„Hand- arbeit" nach„HiiitermanerungSsteine" eingefügt, ferner wird zur ersten Unterposition der Blonkenhorusche Zollsatz von 0,10 M,, zur zweiten die Vorlage und Position 716 nach der Vorlage angenommen. Die Positionen 71S, Mauersteine, glasiert— IM.; 717/18, Dachziegel, 717 unglasiert, Dachziegel, Hohldachziegel— 0,1S M.; Dachpfannen nnd Falzdachzicgcl— 0,50 M.; 718, glasierte aller Art— IM. werden verbunden. Die Socialdcmokraten beantragen Iollfreiheit. Blaukenhor» beantragt zu 717 statt 0,15 M. zu setzen: 0,20 M. Gothein beantragt statt 0,15 M. zu setzen: zollfrei. Stadthagcn tritt für Zollfreiheit ein. Bon den social politischen Lasten dürfe man schon deshalb nicht reden, weil sie doch wieder auf die Arbeiter abgeivälzt würden. Aber durch die Zölle würden die Arbeiter noch extra belastet. Blnnkeuhorn begründet seine» Antrag mit dem Hinweis auf die schiveizerische Konkurrenz. Gcheinirat Mermuth erklärt, daß durch den Zoll nnsre Aus- fuhr»ach Ocstreich-Ungarn gefährdet werde. Nach der Statistik sei die Einfuhr dieser Waren aus der Schweiz minimal. Position 715 wird nach der Borlage angenommen; ebenso 717 und 713. Schluß �23 Uhr. Nächste Sitzung: Mittwoch S Uhr. Druckfehler-Berichtigung.*Jm Bericht über die 87. Sitzung heißt es in der 2. Spalte:„Aber die Mehrzahl der Mühlen ist gegen jede Zollerhöhimg". Selbstverständlich muß es heißen: Die Mehrzahl der Wähler._ Aus Fndufkviv tiitfc AZttndvl. Lohnherabschungcn in de» Kruppsche» Werken. Kürzlich berichteten wir, daß, wie auf verschiedenen andren größeren Eisen- werken nnd Zechen des rheinisch-wcstfälischen Jndnstriercviers, so auch bei Krupp Lohnrednktionen stattfinden. Nach neueren Mit- teilnngcn Ivurden z. B. den Schniicden im Fahrzeugbau 10 bis 12 Prozent auf sämtliche Arbeiten abgezogen, den Hoblern, Stoßern, Fräsern werden die gleichen Abzüge gemacht. In einzelnen Arbeits- stätten beträgt der Abzug sogar 40 Prozent. Der Coaköversand des Westfälischen CoaksstindikatS betrug im Juni 1902 537 960 Tonnen gegen 538 690 Tonnen im Mai d. I. nnd 539 014 Tonnen im Juni 1901. Bon dem Bersand entfallen 512 329 Tonnen(i. V. 517 668 Tonnen) auf die Mitglieder des Syndikats, 24 245 Tonnen(20 434 Tonnen) auf die Privatkokereien und 1386 Tonnen(911 Tonnen) auf den Landabsatz. Der Versand während des ersten Halbjahres 1902 berechnet sich auf 3 063 057 Tonnen gegen 3 620 502 Tonnen im entsprechenden Zeitraum des Vorjahres. Hiervon entfallen 149 926 Tonnen(122 396 Tonnen) auf die Privatkokcreien, 18 045 Tonnen(17 632 Tonnen) auf den Landabsatz und 2 895 086 Tonnen(3 480 474 Tonnen) auf die Mit- glieder des Syndikats. Der Absatz der Mitglieder hat somit gegen das Vorjahr eine Verminderung um 585 400 Tonnen erfahren, dagegen ist der Versand der Privatkokereien um 27 500 Tonnen gestiegen. Ucber die Lage der englische» Bänke» im ersten Halbjahr 1902 berichtet die„Voss. Ztg.": Die englischen Banken haben in der ersten Hälfte d. I. 1902 im allgemeinen befriedigend gearbeitet. Nur zwei englische Banken haben niedrigere Dividenden als in der entsprechenden Zeit des Vorjahres zu erklären nötig gehabt, nämlich die Bank of Liverpool, die wegen der bekannten großen Defraudation die Dividende nni 1 Proz. auf 13 Proz. reducierte; ferner ging die Jnterimsdividende National der Proviucial Bank of England von 20 Proz. auf 18 Proz. x. a. zurück. Von den irischen Banken zeigte die Bank of Jreland einen Dividenrückgang um �2 Proz. auf l'l1/« Proz. Im folgenden stellen»vir die Nettogewinnziffern der hervorragendsten englischen Bankinstitute für das letzte Halbjahr denen der korrespondierenden Semester der Vorjahre gegenüber: 1902 London and Wcstminster. Pfd.-Sterl. 218 457 London Joint Stock... Union of London.... Parr's........ London City and Midland London and Proviucial. London and South-Western„ Danach weisen die drei eigentlichen London and Westnünster, die London 1901 1900 230 908 239 532 134 173 130 644 118 549 118 735 160 955 176 877 283 063 248 177 87 200 86 170 86 647 81 797 hauptstädtische» Banken, die Joint Stock und die Union 126 631 117 783 188 580 304 779 95175 83 583 Bank of London einen Rückgang des Gewinnes gegenüber dem Vor- jähre auf. Diejenigen Institute, welche neben einer ausgedehnten Cithkundschaft ein großes Provinzgeschäft betreiben, konnten dagegen erhöhte Getviune erzielen. Die Parrs Bank, welche eine große Klientel unter den Effcktcnmaklern der City, daneben aber ciii sehr umfangreiches Geschäft in Liverpool Zund Lnncashire betreibt, weist eine Erhöhung deS Gewinnes um rund 28 000 Pfd. Sterl. gegen 1901 auf. Entwicklung der dänischen Butterindnstrie. Bekanntlich hat die Landwirtschaft Dänemarks in den letzten Jahrzehnten eine andre Richtung eingeschlagen, wie die des östlichen Deutschlands. Als Ende der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts infolge der ivachscuden Konkurrenz Rußlands und der Bereinigten Staaten von Amerika ein allgemeiner Preisfall des Getreides eintrat, suchte man in Däne- mark nicht künstlich den alten Zustand durch Zolle zu erhalten, sondern wandte sich dort alsbald energisch der Viehzucht und der Verwertung von tierischen Produkten zu. Besonders nahm die Buttererzeugung für die Ausfuhr einen bedeutenden Aufschwung. Man erkannte, daß die Herstellung guter und gleichmäßiger Butter nicht auf den einzelnen kleinen Bauernhöfen erfolgen könne, sondern daß man Meiereien herrichten müsse, in denen die Buttergewinnung unter denselben Bedingungen geschehe wie auf den GutShöscn. Es sind darauf namentlich in den Jahren 1886—1890 zahlreiche Ge- nossenschaftsmeiereien entstanden, und je zahlreicher sie wurde», desto mehr vervollkommnete sich der Betrieb. Die Anzahl der jetzt be- stehenden Genossenschaftsnieiereien wird auf 1057 angegeben, in welchen ein Kapital von ungefähr 25 Millionen Kronen' angelegt sein soll. Nur einzelne Meiereien haben weniger als 100 Rühe. Die meisten nehmen die Milch von 5—800 Kühen an, und einige verarbeiten Milch von 1200—1500 Kühen. Die nachfolgende Tabelle läßt erkennen, in welcher Weise die Ausfuhr, die Einfuhr und die Ueberschußausfuhr(die Ausfuhr nach Abzug der Einfuhr) gestiegen ist: Einfuhr Ausfuhr Ueberschußausfuhr Millionen Pfund Jahr 1865—69 durchschnittlich 870-74 1875—79, 1880-84. 1885-89, 1890—94, 1895-99. 1900 1901 Soeinlvs. Schwierige RechtSvcrfolguug gegen Offiziere. Der Oberlieutnaut H. und der Oberst v. Sch. in Würzen(Sachs.) hatten ihre Dienstmädchen, obgleich diese längere Zeit bei ihnen de- schäftigt waren, nicht bei der zuständigen Onskrankenkasse zur Invalidenversicherung angemeldet. Die Kasse ersuchte daher die vorgesetzte Aussichtsbehörde, auf Grund des§ 179 des Juvalidenversicherungsgesctzes. gegen die Offiziere einzuschreiten, welcher Geldstrafe bis zu 20 M. für unterlasse»« Meldung androht. Die Behörde lehnte aber den Antrag ab, da sie zu dessen Ver- folgung nicht zuständig sei. Eine hiergegen erhobene Beschwerde wurde von der Kreishanptmannschnft Leipzig zurückgewiesen. Die Kasse legte nunmehr die Angelegenheit der Landes- Versicherungsanstalt für das Königreich Sachsen� in Dresden vor, die zwei Militärbehörden bezeichnete, bei denen die Sache anhängig zn machen sei. Die Kasse reichte auch dort die An- trage ein. Wahrend die eine Militärbehörde antwortete, daß nach den angestellten Erörterungen nur ein.Versehen' vor kne g e, das durch die inzwischen erfolgte Anmeldung wieder gut gemacht sei, somit sich die Angelegen- heit für die Behörde erledigt habe, antwortete die andre, daß das Militärgericht zum Einschreiten nicht zuständig sei. ß 2 der Militär-Strafgerichts-Ordnung bestimme, daß den bürger- lichen Behörden die Untersuchung und Entscheidung wegen Zuwider- Handlung gegen Polizeigesetze und Verordnungen diesesJnhälts überlassen bleibt. Dieser Paragraph sei eingefügt worden, um die leichtesten Delikte, namentlich die mit Ordnungsstrafen bedrohten Uebertrctungen. von der Militärstrafgerichtsbarkeit auszunehmen. Der§ 179 des JnvalidenversicherungS-Gesetzes sei in diesem Sinne ein.Polizei- gesetz", zu dessen Durchführung die bürgerlichen Behörden zuständig seien. Daraufhin rief die Kaste wieder den Stadtrat in W. an, der aber wiederum ein Einschreiten gegen die Offiziere ablehnte, da er keine Veranlassung habe, von seiner früheren Ansicht, die auch von der Kreishauptniamischaft bestätigt ivorden sei, abzugehen. Die Kasse legte nunmehr die ganze Angelegenheit dem Ministerium vor, das die Akten zu einer anderweiten Entscheidung an die Kreishauptmannschaft Leipzig zurückgab. Diese verharrte aber ebenfalls auf ihrer erstmaligen Entscheidung, da nach ihrer Meinung zum Einschreiten gegen die Offiziere die Militärbehörden zuständig seien. Das Invalide» versichernngs-Gesetz sei kein Polizeigesetz. Die Kreishanptmannschaft erteilte dem Stadtrat in Würzen den Auftrag, die Kaste in diesem Sinne zu belehren und zu befragen, ob sich nunmehr ihre Eingaben erledigt haben(?). Die Kaste aber beruhigte sich nicht und rief daS Obcrverwaltungsgericht an. Dieses aber wies die Kaste mit ihrem Rekurs ab. Die Gründe sind sehr tief- sinnig: Tie Anfechtungsklage konnte nicht für zulässig erachtet werden, so heißt es in denselben, da die Kaste nicht als„Beteiligte im Sinne von§ 73 des(sächsischen) Gesetzes vom 19. Juli 1900 zur Klagccrhebung berechtigt war.„Beteiligt" ist nicht schon derjenige, der an der Sache ein Interesse hat, sondern lu-r der, welcher durch die, die Strafthat bildende Handlung selbst betroffen und in seinen Rechten durch sie unmittelbar gekränkt ist. An einer solchen Kränkung fehle eS inr vorliegenden Fall. War aber schon aus diesen Gründen die Klage abzuweisen, so kann dahin gestellt bleiben, ob man zu dem selben Ergebniste nicht auch im Hinblick auf die inzwischen ein« getretene Verjährung der Strafverfolgung hätte kommen müflc». Im übrigen soll aber nicht nnerwähiit bleiben, daß das Ober- Vcrwaliungsgcricht der Rechtsauffassung der Kreishanptmannschaft über die Unzuständigkeit des Stadtrats zum Erlaß der begehrten Strafverfügungen nicht beizutreten vermag. Daß die llnterlafsung der Offiziere strafbar ist, war ja auch allen den angerufenen Behörden nicht zweifelhaft, die eine Militärbehörde ausgenommen; daß aber erst das oberste Gericht an- gerufen werden mußte. um fcstznstcNen, daß in der Thot hier die bürgerliche Behörde zuständig war zur Straf festsetzung gegen die Offiziere, das ist besonders bemerkenswert, wenn man erwägt, wie straflustig alle Behörden, namentlich i» Sachsen, sonst zu sein pflegen, wenn es sich um gewöhnliche Sterbliche oder gar um Arbeiter handelt. Aber ebenso bemcrkcnS wert ist trotzdem auch die Erklärung des Ober-Verivaltungsgerichts, daß die Kasse gar nicht klagcberechtigt bei ihm war, weil sie nicht beteiligt sei. Und doch ist die von den Offizieren unterlassene An meldnng bei der Ortskasse anzubringen, weil sie nach sächsischer Landesvorschrift die Beiträge einzuziehen hat nnd ihr fließt des halb auch die Geldstrafe zu, die festzusetzen war. Aber dennoch nicht beteiligt I_ Wie man Verbrecher züchtet. Der.Koltbuser Anzeiger" be richtet ans KottbnS: „Begleitet von einer großen Schar Altersgenossen wurde heute früh ein 13jährigcr Schulknabe, der voni Schöffengericht wegen wiederholten Diebstahls zu vier Wochen Gefängnis ver- urteilt ivorden war. durch die Sprembergcr- und Dresdenerstratze nach dem Centralgcfängnis geführt, ivoseibst er seine„Ferien" zu- bringen wird." Ist es schon aufs Schärfste zn verurteilen, einen dreizehnjährigen schlecht erzogenen Jungen ins Gefängnis zn stecken, anstatt für eine ordentliche Erzichimg zu sorgen, so muß geradezu als Barbarei bezeichnet werde», die Art, den Jungen an den Pranger zu stellen. Man kann sich denken, was für ein niornlisches Spicßrntcnlansen die große Schar Altersgenossen dem armen Burschen auf seinem Wege bereitet haben mag; er hat mm in den vier Wochen der Einsamkeit Zeit, Rachcpläue nuSzusinnen. Er wird ein Ausgestoßcncr bleiben nnd seine Rache wird sich nicht bloß gegen die richten, die ihn auf seincin Leidenswege verhöhnten, sondern sie wird sich richten gegen alles Gute; Trotz und Verhärtung wird von seinem Herzen Besitz ergreifen und in dieser Stimmuiig, die im Gefängnis sicher nicht gemildert werden wird, wird er irgend etwas Schlininies tbnn, sobald er heranskomint, und so wird er auf die Bahn des Verbrechens getrieben und zum Gewohnheitsverbrecher werden. DaS Vleiwciß. Der neue französische Handelsniinistcr Trouiliot hat ein Dekret betr. die Anwendimg von Bleiweiß bei Malern und Anstreichern erlaste». In den Werkställen ist die An- Wendung von Bleiweiß nur in Tcigform gestattet. Stoffe, welche Bleiweiß enthalten, dürfen mit der Hand direkt nicht verarbeitet werden. Trockene Abschabnngcn und Durchpausen bczw. Bimsen mit Bleiweiß ist verboten; nasses Bimsen und Durchpausen ist gestattet. Wo Bleiivciß zur Berwendnig koninit, hat der Unternehmer kür de- sondere Unterkleider und für deren häufige Reinigung zn sorgen; ebenfalls sind die Werkzeuge durch seine Fürsorge häufig auf nassem Wege zn reinigen. Die Strafen sind ziemlich hohe; der Unternehnicr wird zum erstenmale mit 5—200 Frcs. pro Tag und Arbeiter, im Wiederholungsfalle mit 50—500 Frcs. pro Tag und Mann bestraft. Socie»le Vrrszkspflrgr. Werkmeister oder bloss„Aiifpaster". Der Werkführer O.. der 10 Jahre bei der Firma Rinow u. Kaps beschäftigt war. wurde während einer Krankheit entlasse», nachdem er sich seinen Lohn für die ersten 14 Tage seines Krankseins erbeten hatte. G. verklagte demnächst die Firma beim Gewerbegericht auf Zahlung des Gehalts für 6 Wochen abzüglich des von der Krankenkasse bezogenen Kranken- gelbes. Er machte geltend, daß ihm als Werkmeister nach der Gewerbe-Ordnimg der Lohn für 6 Woche» auch für den Fall noch zustehe, daß er wegen Krankheit hätte entlassen werden dürfen. Herr Rinow bestritt, daß Q. überhaupt Werkmeister gewesen sei. Kläger sei 1892 als Dreher engagiert ivorden. zuletzt nur Vorarbeiter oder Aufseher gewesen. Der frühere Vorarbeiter sei seinerzeit krank geworden und da habe er zuni Kläger gesagt: „Bitte, passen Sie da drinnen ein bißchen auf". Aus Anstand habe er dem Kläger auch die Feiertage bezahlt. Ein ehemaliger Arbeiter Rinows bekundete jedoch, daß er bei seiucm En- gagemcnt sogar den Eindruck gewonnen habe, daß Q. der ziveite Chef wäre, denn Q. habe ihn in Gegenwart RinoivS engagiert und gesagt, wenn seine Leistungen gut seien, könne er jahrelang in der Stellimg bleiben. Der Kläger habe auch die Arbeit ausgegeben und abgenommen solvie nachgesehen. Ferner habe er Muster gemacht und verschiedene Male Zeichnungen, die er zn Hause anfertigte, niit ins Geschäft gebracht. Alle Arbeiter nannten den Kläger Werkmeister.— Der Kläger bezog Wochenlohu und die Feier- tage wurden ihm nicht abgezogen. Das Gewerbegericht unter dem Vorsitz des Herr Dr. Schalhorn verurteilte die Beklagten zur Zahlung von 165 M. Begründend wurde ausgeführt, daß auf Grund der Beweisaufnahme und der Verhandlung ausreichend erwiesen sei, daß Kläger die Werkstatt ge- leitet habe. Dann sei auch sein Lohn ein fester gewesen, so daß er als W e r k m e i st e r gelten müsse. Als solcher habe er aber trotz der gesetzlichen Zulässigkeit der Entlassung wegen Krankheit Anspruch auf Fortbezug seines Lohnes für 6 Wochen. Etwas vom Accordvertrag. Die Metallarbeiter B. und M., die bei der Firma Schmidt u. Hecke nratb arbeiteten, harten einen größeren Accord übertragen bckonimen. Der Preis, den die Firma zahlen wollte, wurde ihnen erst später genannt. Es sollte 300 Mark geben. B. und M. glaubten jedoch, damit nicht znrecht zu kommen, und suchten eine andre Zusage zu erzielen. Der Meister erklärte ihnen darauf, daß sie„aufhören" müßten, wenn ihnen der Preis von 300 Mark nicht passe. Sie erachteten sick durch die Worte:„Dann hören Sie auf", für entlassen, verließen die Arbeit und beanspruchten durch Klage beim Gewerbegerich" eine Entsckiädigung in Höhe eines angciiiessenen Accordsatzes ab- züglich der bereits erhaltenen Teilzahinngcn. Die Kammer V de! Gvwerbcgerichts unter Vorsitz des Gewerberichtcrs Dr. Schalbor» verurteilte die Beklagten, den Klägern noch 80 M. zu zahlen. Be- gründend wurde ausgeführt: Die Bestimmung der Arbeiisordnimg, daß die Arbeiter jederzeit entlassen werden könnten, finde nichtAnwendung auf dasAeeordverhältnis, denn die Abmachung eines Accordcs sei ein be- stimmter Vertrag auf vollständige Ausführung eben jenes AeeordeS. Im vorliegenden Fall spreche außerdem gegen die Auwenduiig des KündigimgsailsschlusseS auf den Accord die Bestimmung derselben Arbeitsordnung, wonach ein geringerer Lohn an Stelle des Accord- Preises dann treten solle, Ivenn der Arbeiter schuldhast vor Beendigung eines AeeordeS die Arbeit niederlege. Somit hätten die Kläger im Laufe des Accordes nicht ohne gesetzlichen Grund entlassen werden können. In dem Vorgehen des Meisters sei nun aber hier eine ungerechtfertigte Entlassung zu sehen, so daß den Klägern ein Anspruch auf die' ganze Accordsumme zugesprochen werden müsse. Ein bestinimter Preis sei allerdings nicht ausgemacht gewesen, die Firma habe aber als angemessen ihrerseits 300 M. anerkannt. DaS Gericht lege diesen Satz seiner Entscheidung zn Grunde, da ein andrer nicht feststehe und nicht zu ersehen wäre, daß er unangemessen sei. Die Kläger hätten bereits 220 M. erhalten, also kämen ihnen noch 80 S)l. zu._ Letzte NAchvichten und Depeschen« Vom Untergang des Dampfers„PriinuS". Hamburg, 22. Juli. Der Führer des gesunkenen Dampfers „Primus" erklärte einem Berichterstatter, daß er, als die Kollision erfolgte, so nahe am nördlichen Ufer fuhr, wie er wegen des niedrigen Wassers nur fahren konnte. Er habe einige Passagiere an der Nien- stedter Brücke absetzen wollen und. habe auf diese zu gehalten. ES sei ganz unmöglich, daß man an Bord der„Hansa" sein rotes Licht habe sehen können. Er habe seinen Kurs nicht geändert, dagegen habe„Hansa" zu weit nach Nord gesteuert.„Hansa" hätte viel früher links halten niuflen, da dort ihr richtiges Fahr- wasser sei. Nach dem Ziisainnienstoß habe er viel Passagiere vom Radkasten nach der„Hansa" hinübergeschoben. Er sei dann durch das Gedränge inS Wasser gestoßen worden, es sei ihm aber gelungen an einer Kette auf die„Hansa" zn klettern. Er begab sich wieder auf den„Primus", um Leute zu rette», stürzte ein zweites Mal ins Waffer, konnte aber am Bug nochmals auf die„Hansa" gelangen. Er bestieg dann deren Boot und rettete in Gcmcinschast mit den Matrosen der„Hansa" noch etwa 30 Menschen bei drei- maliger Fahrt nach dem Lande. Der Decksinann Rilscher und ein älterer früherer Schiffssührer, der am Ruder anf dem„PcimnS" stand, bestätigt diese Angaben. Der Restaurateur Drechsler erklärt, daß die Kollision querab von der Nienstedter Brauerei stattfand. Nach cttva 3 bis bis 4 Minuten sank das Hinterschiff des „Primus" auf Grund. Die Ebbe ließ das Vorderschiff links herum ichwojen, worauf der„Primus" nach Backbord umfiel. Dadurch stürzten etwa 70 Personen ins Wasser. Drei Frauen, die unter dein Geländer festgeklemmt waren, wurden von Drechsler durch daS Geländer gestoßen und sind dann aus dem Wasser gerettet worden. Drechsler, der sein achtjähriges Kind ini letzten Augenblick aus der Kammer in der Hinterkajüte holte, behauptet mit größter Bestimmt- heit, daß im Schiff sich keine Person mehr befand, Nur eine Frau ivar vor» im Geländer festgeklemmt und sei mit in die Tiefe ge- zogen worden. Der Taucher Beckedorf hat den„Prinins" nachiuiltags schon ettvaS gehoben und ihn deni Strande näher gebracht. Vom klerikalen Kriegsschauplatz. PariS, 22. Juli.(W. T. B.) Aui Schlüsse der heute statt« gehabten Preisverteilung in einer Kongreganistenschnle in der Avenue Parniculicr hielt Coppse eine Rede gegen die bezüglich der Kougrcganistenschule» ergriffenen Maßnahmen. Als das Publikum, welches der Preisverteilung beigewohnt hatte, die Schule verließ, kam es mehrfach zu lärnienden Auftritten. Während Coppee und der Deputierte Lerolle, denen mehrere Damen folgten, das Gebäude verließen, ertönten aus der vor der Schule ver- sammelten Menge die Rufe„Freiheit",„Freiheil". Als ein Polizei- beamtcr nur Coppöe und zivei oder drei Personen heraustreten lassen wollte, drängte daS Publikum vor und schloß sich Coppee im Zuge an. Die Polizei vertrieb hierauf die Manifestanten, die vielfach Widerstand leisteten, und schließlich ivurden Coppöe, der Deputierte Lerolle, der Munizipalrat Gaston Msry und ein Priester auf das Polizeibureau gebracht. Paris, 22. Juli.(W. T. B.) Bei den Kundgebungen vor der Kougiegauisten-Schnle in der Avenue Paimenticr ist auch der Graf Urbain de Maillct verhaftet worden; er wird zur Verfügung der Gerichtsbehörde in Haft behalten. Die bei den Kundgebungen in der Avenue Parnienticr ver- hasteten Coppee, Lerottc nnd Gasto» Mary wurden 7 Uhr abends wieder in Freiheit gesetzt. Als die Deputierten Archdeacon, Pugliesi-Conti und das Mit« gljed des Gemeiuderals Lemeuuet fünf Nonnen, welche infolge deS Kongreganislciigcsctzes Paris verlassen wollte», von ihrer Schule in der Rue Saint Roch nach dem Bahnhof Saint Lazare begleiteten, kam es in der Avenue de l'Opöra zu verschiedenen Kungcbungcn. Es cutstanden Prügeleien, mehrere Verhaftungen wurden vor- genommen._____ Die Lage in Haiti. Kap Haktie«, 22. Juli.(W. T. B.) Die Behörden teilten dem Konsulareorps mit, daß sie mit Rücksicht darauf, daß ein gleich- zeitiger Angriff zu Lande und zu Wasser auf die Stadt bevorstehe, ür die Sicherheit der Fremde« nicht einstehen könnten. Die Konsuln haben bei ihren Regierungen um Entsendung von Kreuzern nachgesucht. Kap H aktiv», 22. Juli.(Meldnng der„Agence HavaS'.) Die Lage in Port an Prince ist ernst und gestattet dem dortigen ranzösischen Gesandten nicht, ein Kriegsschiff hierher zu scliden. VrcSla», 22. Juli.es.Fimirls" Knlml DcksdlM.»»",-»?>-« N�kei-Marszvichketr» Zu der Angelegenheit der oberschlesischcn ReichStagS- Kandidaturen teilen uns unsre dortigen Porteigenossen mit. dab sie zu ihrer demnächst stattfindenden Konferenz einen Vertreter der polnisch-socialistischen Partei eingeladen haben, mit dem hoffentlich eine Einigung erzielt wird. Dem Internationalen socialistischen Bureau ist jetzt die socialdcmolratische Partei von Finnland beigetreten. Mit dem Amtöanwalt Dcwih-KrcbS beschäftigte sich eine Protestversammlung in Dortmund. Sie nahm schließlich folgende Resolution an: �»Die heute im Saale des Herrn Mühlhausen tagende Volks- Versammlung protestiert ans das entschiedenste gegen die beleidigenden Vorwürfe, die die Herren Kriminalkomniissar Elzholz und Amts- anwalt von Dewitz-Krebs gegen die Dortmunder Socialdemokraten erhoben haben. Die Versammlung spricht ihr lebhaftes Bedanern darüber ans, daß es nicht möglich war, die bctrefjenden Beamten gerichtlich zur Rechenschaft zu ziehen. Sie erklärt, daß das Urteil des Ober-Vcrwaltungsgerichts im schroffsten Widerspruch zu dem Rechtsempfinden des Volkes steht. Die Versammelten erklären des weiteren die ganze Einrichtung der politischen Polizei für zwecklos und schädlich und fordern deren Beseitigung. Sie veipflichten sich endlich, mit allen Kräften dafür einzutreten, daß ani Tage der nächsten Reichstagswahlen dem herrschenden System für alle Vor- gänge der letzten Zeit die entsprechende Quittung ausgestellt wird." An den Halleschen AgitationSbczirk hat sich jetzt der Wahl- kreis Sangerhausen-EckardtSbcrga durch Beschluß seiner Krciskonferenz angeschlossen. Gleichzeitig wurde die Einführung des„Hallcschen Volksblattes" an stelle der„Erfurter Tribüne" beschlossen. Damit gehören jetzt alle 8 Wahlkreise des Regierungsbezirks Merseburg zum Verbreitungsgebiet des„Halleschcn Volksblattes". Der Parteitag für Thüringen findet am 26. und 27. Juli in Apolda statt. Ter Ga» Pfalz der socialdemokratischen Partei Bayerns hat seinen 13. Gantag auf Sonnabend, den 23., und Sonntag, den 24. August, nach Kaiserslautern einberufen. Von der ReichStags-Kandidatnr im 10. niürttembrrgischen Wahlkreise ist der Genosse Keil, Redactenr der„Schwäbischen Tagwacht" und Mitglied der württcmbergischen Zweiten Kammer, zurückgetreten. Als Grund gicbt er an. daß ihm die in der Redaktion eingetretenen Personalveränderungen vermehrte Arbeit und Verantwortung gebracht hätten, so daß er ivcitere Aufgaben nicht übernehmen könne. Der Kommunistische Arbeiter-BUdnugSvercin in London hat nach Ueberwindnng großer Schwicrigkeilcn ein neues Heim ge- funden, das Sonnabend, den 26. d. Mts., feierlich eröffnet werden wird und wozu alle Freunde von nah und fern herzlich eingeladen sind. Das neue Lokal, das viel schöner und größer ist als das alte in 49 Tottenham Street W, befindet sich in einer Hauptstraße und nicht wie früher in einer kleinen Nebengasse und entspricht alle» modernen Anforderungen. Die Baukosten waren sehr hoch und dürften(ohne innere Einrichtung) ca. 1406 Stcrl.(28 060 M.) betragen. Obwohl die Mitglieder ihr möglichstes thaten, um die nötigen Geldmittel zu beschaffen, ist es dennoch unmöglich gewesen, den ganzen Betrag aufzubringen. Deshalb werden die alten Freunde des Vereins gebeten, etwas zum Klnbhans-Fonds beizutragen. Dies kann auf zweierlei Weise geschehen, entweder durch Spenden an den Klub oder durch Abnahnie von Anteilscheinen der Cornmuriist Club Buildings Company, Limited, die zum Zweck der Aufbringung der nötigen Mittel gegründet wurde. Die Anteilscheine lauten auf 1 Pfd. Sterl, und werden mit 5 Proz. verzinst. Weitere Auskünfte werden bereitwilligst vom Sekretär erteilt. Die neue Adresse ist: Communistischer Arbeiter-Bildungsverein (Cornrnunist Club) 107 Charlotte Street, Fitzroy Square, W. London. Pollielliches, Gerichtliches usw. -- Wege» Beleidigung deS deutsche» Kaisers und des Prinz-Regenten von Bayern soivie wegen Vergehens gegen§ 131 deS Strafgesetzbuchs(Verächtlichmachung von Staatseinrichtnngcn) ist jetzt die Untersuchung eingeleitet worden gegen die Genossen HanS Rollwagen als Redacteur, Frau Rollwagen als Druckerin und Hans Gebhardt als Verleger der.Augsburger Volkszeitung". Die Straf- thaten sollen begangen sein im ersten und letzten Absatz des Artikels .Majestätsbeleidigungen einst und jetzt", der in einer ganzen Anzahl Zeitungen erschienen ist und wegen dessen die betreffende Nummer der.Augsburger Volkszeitung" konfisziert wurde. — AuS Danzig. Die„Königsberger Volkszeitnng" veröffeut licht folgenden Tagesrapport vom Danziger Kriegsschauplatz: Am 18. Juli bereitete die Polizei der Frau Bcrger, der Inhaberin deS Parteilokals, eine neue Ueberrnschung. Nachdem wieder, ivie am Vorabend, an der verschlossenen Thür deS Lokals heftig gepoltert war, glaubte Frau Berger, als eine Weile alles ruhig blieb, weiteren polizeilichen Besuch für diesen Abend nicht mehr erwarten zu dürfen. Sie begab sich in die Küche, als plötzlich aus dem Dunkel des finsteren Hofes zwei Schutzmannsheline aufblinkten und sich ihr der Wachtmeister Shaap vorstellte, der sogar in seinem Amtseifer selbst den Weg durch den Keller nicht gescheut hatte, um etwelche Ver« hehlungen der roten Rotte festzustellen. Er konnte aber selbst durch Ableuchten des Lokals mit einem Streichholz nur konstatieren, daß sich auch nicht eine einzige Menschenscele darin aufhielt. Am 19. Juli hielt sich eine Anzahl Genossen und Gewerkschafter zwecks Abhaltung der Kassenabende, für welchen Zweck das Lokal an die Kassierer ausdrücklich vermietet war, in dem Lokal auf. Gegen Vz10 Uhr erschien der Wachtmeister Shaap mit 12 Schutz- leuten und verlangte die Räumung des Lokals. Alle Einsprüche un« beachtet lassend, notierte er einige der Anwesenden, nni dann schneidig noch einmal den Räumungsbefehl zu wiederhole». Ruhig verließen all« Genossen daS Lokal. Uebrigcns finden sich jetzt schon jeden Abend gegen 8 Uhr mehrere Personen, wie zum Theater, in der Brodbänkengasse ein, damit ihnen nur nichts von dem polizeilichen Schauspiel entgeht. -» Auch eiue Beleidigung. Bei der Gewerbegerichtswahl in ffrimmüschan(Sachsen) ging es um die Mittagszeit bei starkem An- dränge etwas langsam. Da trat der Genosse Horn an den Tisch und sagte:»Die Listen sind wohl noch nicht fertig, die Arbeiter kjö n n e n nicht so l a n g e iv a r t e n. s i e m ü s s e n iv i e d e r auf Arbeit". Dies betrachtete der Wahlvorsteher, Stadtrat Z ein er, als eine gegen ihn gerichtete Beleidigung und stellte Strafantrag. Die Klage wurde vom Staatsanwalt erhoben, vom Gericht verhandelt und Horn thatsächlich Ivegen nichts als dieser Aeußerung zu 15 M. Geldstrafe verurteilt. Der Amtsanwalt hatte sogar eine hohe Strafe gefordert. Es sei eine Beleidigung, wenn man gegen jemand einen Vorlvurf erhebe, welcher nicht gerechtfertigt sei. � H. habe mit der Aeußerung eine Mißachtung ausdrücken wollen. Er sei mit der vorgefaßten Meinung hingegangen, es sei etlvas nicht in der Ordnung, es werde so flau gearbeitet, daß der Wähler sein Wahlrecht nicht ausüben könne. Noch'dazu habe er nicht das geringste Recht gehabt, da er nicht einmal Wähler gewesen sei. Der Vorsitzende dieses sächsischen Schöffengerichts sagte in der Begründung des Urteils, daß Horn sich absichtlich in dem Lokal aufgehalten habe, nm die Wahlhandlung zu beobachten. Die Wahl sei allerdings langsam vor sich gegangen. Dies sei »idbt anders möali-ü da keine ander« Listen sich ankertiaen ließen. Der Angeklagte habe aber geglaubt, das liege an dem Vorsitzenden, dieser habe die Wahl nicht'genügend vorbereitet. Er habe damit unzweifelhaft zum Ausdruck bringen wollen, daß er seine Pflicht nicht ordnungsgemäß erfüllt habe. Zur Vervollständigung dieses Bildchens aus dem Lande Bliemchens gehört die Aussage eines Zeugen, eines Unternehmers, der als Beisitzer am Unternehmertische fungierte. Der sagte, er habe von der Aeußerung Horns sehr schlimme Folgen erwartet, z. B. daß ein Ausbruch stattfinden würde. O wie bebbert mir mei Herz! GemeMMzaftlichos. Berlin und Umgegend. Die Brillen- und Pincenezarbeitcr der Firma N i t s ch e u. G ü n t h e r in R a t h c n o w sind nunmehr in den Streik ein- getreten. An demselben sind bis jetzt 104 Arbeiter beteiligt. Am nächsten Sonnabend werden noch 25 Einschlcifcr die Arbeit nieder- legen. Deutsche» Reich. DaS„Korrefpondenzblatt der Geueralkommissio»" bringt in seiner neuesten Nummer den gestern von uns mitgeteilten Beschluß des Leipziger Gewerkschaflskartells und bemerkt dazu, daß mit diesem Beschluß die Differenzen zwischen der General- k o m Mission und dem Leipziger G e>v e r k s ch a f t s- kartell beseitigt sind, da die Gcneralkommission nichts andres als die Anerkennung der Beschlüsse des Frankfurter Gewerkschafts- kongresses verlangt hatte. Die Maurer in Braunschtveig haben beschlossen, überall, wo ein Stundenlohn von 50 Pf. gezahlt wird, die Arbeit wieder anfzu- nehmen, wo der Lohn aber herabgesetzt wird, die Arbeit einzustellen. Infolge dieses Beschlusses hat am Mvntug die Arbeit auf den meisten Bauten wieder begonnen. Damit dürften die Lohnkämpfe im Braun- schweiger Baugelverbe beendet sein. Die Kölner Maurer haben an die Unternehmer das Ersuchen gestellt, ihnen vom 1. August an folgende Forderungen zu bewilligen: An Stelle der bisher üblichen zchneinhalb- bis elfstündigen Arbeits- zeit wird eine solche von acht bis zehn Stunden(je nach der Jahreszeit) vorgeschlagen. Die Accordarbeit soll ganz ab- geschafft und sämtliche Arbeiten im Zeitlohn ausgeführt werden. Der Mindeststundcnlohn soll für Gesellen 50 Pf., bei Tiefbauarbeit 65 Pf. betragen. Ueverstnnden-, Nacht- und Sonntagsnrbeit soll nur noch in ganz dringenden Füllen geleistet und dann entsprechend höher bezahlt werden. Die Lohnzahlung soll jede Woche Freitags, und zwar auf der Baustelle erfolgen. Zur Kontrollierung der Gerüste usw. soll einer Banten-Kontrollkommission der Maurer der Zutritt zu den Baustellen gestattet werden. Zur Regelung etwaiger Streitigkeiten ans dem Arbeitsvertrag sollen Unternehmer und Arbeiter je fünf Personen wählen, die unter dein Vorsitz eines Gcwerberichtcrs zusammentreten, wenn es von einer Seite beantragt wird. Die Kommission'soll alljährlich, und zwar im Februar znsanimenlreten, um über etwaige Aendernngen des Arbeitsvertrages oder dessen Fest- legung auf ein weiteres Jahr zu beraten. Die Stellmacher i» Lüneburg haben die Kündigung ein- gereicht, tveil gütliche Unterhandlungen mit den Meistern wegen Ein- führnng der zehnstündigen Arbeitszeit keinen Erfolg hatten. Die Forderung soll nun mittels des Streiks durchgesetzt werden. Abschaffung von Kost und LogiS beim Meister war die Forderung, derentwegen die Schiniedegesellen in Königsberg i. Pr. drei Wochen gestreikt haben. Da jetzt die hauptsächlich in Betracht kommenden Meister diese Forderung anerkannt haben, so ist der Streik damit zum Abschluß gekommen. Nur einige kleinere Meister, die an dem altertümlichen Brauch des Kost- und Logisivesens durchaus festhalten wollen, bleiben vorläufig noch gesperrt. Vom christlichen Gcwcrkschafts-Zwist. In Köln fand am Sonntagabend eine zahlreich besuchte Bezirksversannnlung des christ- lichen Metallarbeiter-Verbandes statt, zu der auch eine Anzahl christlich organisierter Holzarbeiter erschienen war. Zwischen beiden Gruppen kam eS zu einem harten Zusammenstoß, wobei es an schweren Beleidigungen nicht fehlte. Die Versammlung war einberufen, um, wie es auf den Einladnngszcttcl» hieß, Stellung zu nehmen zu„dem in München an dem christlichen Metallarbeiter- Verband ausgeübten Terrorismus". Die Hanptrede hielt Herr EckerS aus Duisburg, Redacteur des dortigen Centrnmsblatts„Echo vom Niederrhein". Er gab bezüglich des Ausschlusses Wiebers der Ueberzeugung Ausdruck, daß lediglich die entschiedene Stellung nah nie Wieder s gegen die Zollpläue die Ursache deS Münchener Beschlusses sei. Der Redner führte unter andcrm ans: Seit dem gewaltthätigcn Münchener Beschluß habe man auf feiten der christlichen Gewerk- schaften jedes Recht verloren, sich über TerroriSmns der Gegner zu beschlvcrcn. Wieder sei der einzige unter den christ- lichen Gcwcrkschastssühren, der sich durch sei» Eintreten für die Arbeiter finanziell geschädigt hat.„Oder", so fragte der Redner, „können«ie mir noch einen andren nennen. Ich kenne aber andre christliche Gewerkschaftsführer, die haben wahr haftig die sociale Frage für sich g e l ö st.(Stürmischer Beifall.) Ich habe ein reiches Akten Material, ivorin Photographien von chri st lichen Gewerkschafts- führern enthalten sind: aber ich sehe von einer Veröffentlichung im Interesse der christlichen Bewegung vorläufig ab 1" In der Diskussion protestierten die Vertreter der Zahlstellen Köln, Deutz, Mülheim a. Rh., Kalk, Hnmboldtkolonie, Hoven, Nippes, Ehrcnfeld und Düren sämtlich gegen den Münchener Beschluß. Der Vertreter von Kalk berichtete: Die Zahlstelle Kalk habe eine Resolu- tion gegen den Münchener Beschluß gefaßt und an die Centrmns- blätter geschickt. Der„Kölner Lokal-Anzeiger"(Eigentum der Firma Bachem,' der Besitzer der„Kölnischen Volkszeitnng") habe den B e- r i ch t a I s„ungeeignet" zurückgeschickt. Der„Rheinische Merkur" habe das nicht mal für nötig gehalten, und auch, als treue katholische Arbeiter und langjährige Abonnenten um Mit- teilung deS Grundes im Brieflasten baten, diese nicht mal einer Antwort g e>v ü r d i g t.(Pfuirufe I) Ein andrer Vertreter erklärte: man sei sogar dazu übergegangen, mehrere christliche Arbeiter, weil sie sich' durch ihre Unabhängigkeit unbeliebt machten, brotlos zn machen, obivohl sie Familienväter seien. Das schlage doch den christlichen Grundsätzen ins Gesicht.(Diese Beschuldigung richtet sich gegen den Besitzer des„Rheinischen Merkur", Herrn Theissing, Verleger des apostolischen Stuhles.) Die Versammlung nahm gegen 5 Stimmen von christlichen Holzarbeitern(eine große Zahl der Ictztern stimmte für die Resolution) eine Erklärung an, worin sie nnt aller Entschiedenheit protestiert gegen die V e r g e Iv a l t i g u n g deS christlichsocialen Metallarbeiter- Verbandes seitens der Generalversammlung des Gesamtverbandes der christlichen Gewerkschaften". Sie nimmt mit Entrüstung Kenntnis von der geplanten Gründung eines zweiten Metallarbeiter-Verbandes und bezeichnet diese als einen Verrat an dem christlichen Verband. Das Verhalten der Delegierten in München, die einem solchen„a u f persönlichen H a ß' z u r ü ck z u f ü h r e n d e n Antrag" ihre Zustimmung gaben, wird tief bedauert. Die Versammlung verspricht, mit unverbrüchlicher Treue an der Verbandsleilnng festzuhalten." �nm Schluß heißt es in der Resolution:„Angesichts der traurigen Lhatsache, daß der Verband von der Kölner christlichen Presse die CentrumSblätter sind gemeint), wenn auch nicht gerade bekämpft, aber doch absichtlich vernachlässigt wird, müssen wir unser Verhalten gegen diese Presse in Zukunft einer Revision unterziehen." Nach der Annahme dieser Resolufion kam es zu äußerst erregten Scenen zwischen den christfichorganisterten Holzarbeftern und den Metallarbeitern. Es fielen Worte wie: elende Verleumder und Lump. Der Vorsitzende der Kölner christlichen Holzarbeiter be- schimpfte den abwesenden Wieder als heimtückischen Angreifer, der aus dem Hinterhalt Pfeile entsende, der verdächtige usw., ivorauf ihm von dem Referenten erwidert wurde, daß selbst Anarchisten eine solche Kampfesweise nicht übten. Die Beschimpfungen flogen unter größter Unruhe der Versammlung hinüber und herüber, bis schließlich der Wirt dazu überging, das Gas auszudrehen, nm die Versammlung, die bereits über vier Stunden dauerte, zum Ende zu bringen. In Düsseldorf gingen die Freunde Brusts sogleich nach Beendigung des Münchener Kongresses an die Gründung einer neuen christlichen Metallarbeiter- Organisation im Sinne Brusts. Aber unter den beteiligten Arbeitern stieß dies Vorgehen auf den ent- schiedendsten Widerspruch. Sie wenden sich im„Christlichen Haus- schätz" mit einer Deutlichkeit, die nichts zu wünschen übrig läßt, gegen Brust und dessen Absichten. In einem Aufruf werden die christlichen Metallarbeiter aufgefordert, der neuen Organisation nicht bei- zutreten. Unter anderm wird da gesagt: „Mit Empörung werden die Mitglieder des christlichsocialen Metallarbeiter-Verbandes dieses Ansinnen zum Verrat an ihrer Verbandsleilnng zurückweisen, sollten aber dennoch Uebcr- länfcr Herrn Brust ins Garn laufen, so wird sich das an ihnen selbst rächen und der christliche Metallarbeitcr-Verband kann sich beglückwünschen, solcher Elemente los und ledig zn sein, solche passen auch besser unter die Knute des Herrn Brust, als in eine selbst- geleitete, zielbewußte Arbeiterorganisation." Schließlich wird die Handlungsweise Brusts in einem parodistischen Manifest bitter verhöhnt. Herr Brust und seine Hintermänner werden ihres Mi'mchener Sieges nicht froh werden. Ausland. Die italienische» Eiscnbahn-Angestellten haben die Absicht kundgegeben, von neuem eventuell in einen Generalstreik eintreten zu wollen. Der Grund ihrer neuen Unzufriedenheit ist der, daß die Kammer beschlossen hat, die Maßnahmen, welche die Regierung, die Eiscnbahngescllschaften und die Vertreter der Angestellten zn Gunsten der letzteren vereinbart hatten, bis zum Januar nächsten Jahres zu vertagen._ 3)iiii NiitergW l>es DiWsers„Pniniis". Wie der.Hamburgische Korrespondent" meldet, ist die Zahl der bei dem Unfall des„Primus" Vcrniisttcii vom Vor- stand des Gesangvereins„Treue" jetzt ans Äff festgcstcllt. An der Fahrt nahmen 173 Vereinsmitglieder einschließlich der Verwandten niid von Mitgliedern Eingeführten und 10 Fremde, deren Namen nicht festzustellen sind, im ganzen also 183 Personen teil. Bei dem Zusammenstoß drängte naturgemäß alle? nach der Seite, wo die„Hansa" lag, weil dort Aussicht auf Rettung zn winken schien. Dadurch wurde das Sinken des Schisses bc- schleunigt und das Umkippen vorbereitet. Personen, die beim Zusammenstoß ans die andre Seite nach dem Lande zn hinaus- geschleudert wurden, kamen in. ganz seichtes Wasser. Da die„Hansa" als Seeschiff registriert ist, wird das hiesige Seeamt sich mit dem Zusammenstoß zn befassen haben und als sachverständige Behörde die Ursache des Unfalles feststelle», worauf sie die Angelegenheit der Staatsanwallschaft überweisen ivird. Ans diesem Anlaß hat das Seeamt von dem mit Hebung des„Primus" betrauten Taucher Beckedorf einen Bericht über die Lage des gesunkenen Schisfes, die Beschaffenheit der Stelle, an welcher der Zusammenstoß erfolgte usw. eingefordert. ' Nach den Erzählungen eines jungen ManneS hat sich, dem „Hamb. Fremdcnbl." zufolge, der Unfall folgendermaßen zugetragen. In frohcster Stimmung waren die Ausflügler mit dem Dampfer „Primus" von Cranz abgefahren. Der„Primus" befand sich nach seiner Anficht an der Südseite des Fahrwassers und hielt nach der Nordscite hinüber, so daß er der entgegenkommenden„Hansa" das grüne Licht der Stcnerbordseite zeigte. Plötzlich sei auf dem„PrimuS" unter den Passagieren eine ängstliche Bc- wcgung entstanden, da man eine Kollision befürchtete, und diese Bewegung sei in einem allgemeinen SchreckenSrnf übergegangen als der Schissskörper der„Hansa" sich plötzlich dicht neben dem„Primus"' gezeigt habe und mit seinem Steven an Steucrbordseite in den hinteren Teil des„Primus" eingedrungen sei. Das fürchterliche Krachen der eingedrückte» Schiffsplankcn wurde fast übertönt durch das c n t s e tz l i ch e W e h e g e s ch r e i von f a st z w e i h u n d e r t e n s ch c», die durch die Wucht deS Stoßes nieder« geschleudert und durcheinander gelvorfe« wurde n. Die sich aufraffen konnten, drängten, da der Primus" sofort nach dem Stoße sich nach Steuerbord überlegte, nach hinten, nm auf die„Hansa", von der man Taue überwarf, hinüberznklettern. Es herrschte eine entsetzliche Panik. Dem Gewährsmann gelang es, an einem Taue auf die.Hansa" überznklcttern, wo er schon mehrere Gerettete vorfand. Auf der „Hansa" wurde nun ein Bogt ausgesetzt und nach dem immer tiefer sich neigenden„PrininS" geschickt, auf dem noch ein dicker Knäuek von Menschen flehentlich um Hilfe rief. Gleich darauf sank der „PrininS" in die Fluten und riß die vielen Menschen mit sich hinab in das kalte Grab. Ein andrer Augenzeuge, der Maurer Felle nberg, gab dem Berichterstatter desselben Blattes folgende Schilderung des Vorganges: Der Dampfer„PrimuS", das älteste Passagierschiff auf der Elbe und in ständiger Fahrt zwischen Buxtehude, Blankenese und Hamburg, 1844 in England erbaut, mit den Mitgliedern und Gästen der Liedcrtajel„Treue", die zum größten Teil in Eilbek iind Ba rinbek wohncn, verließ mit etwa 185 Personen, Männern, Frauen und Kindern, die St. Pauli Landnngöbrücke und fuhr nach Cranz an d. E. AIS gegen 12 Uhr die Rückfahrt angetreten wurde, benutzten viele Steinsetzer, die gleichfalls mit ihren' Familien in Cranz gewesen waren, den Dampfer„PrimuS" zur Rückfahrt nach Hamburg. Wenn auch einige der zur Liedertafel„Treue" gehörige» Personen znrückblieben nm mit dem nächsten von dort abfahrenden Dampfer nach Haniburg zu fahre», so vergrößerte sich doch dieZahl der an Bord des „Primus" befindlichen Personen um ein B e- deutendes. Als der„PrininS" in der Nähe von Nienstedten an- gekommen war, kam ihm der 1881 erbaute Schlepper der Hamburg- Änicrika-Linie„Hansa" Kapitän Lachs, gegen, der nach Brunshausen fahren wollte, um von dort Leichter zu holen. Da beide Dampfer sich in fast gerade entgegengesetzter Richlnng entgegenkamen, so machten sie, um auszuweichen, verschiedene Rudermanover, die jedoch den Zweck nicht erfüllten, da der„PrininS" von der„Hansa" mittschiffs an Steuerbord getroffen wurde. Der Steven des bedeutend größeren und stärker gebaute» Schleppdampfers bohrte sich tief in die Seite deS„Primus" ein, diesen fast bis zur Mitte deS Decks durchschneidend. Das Krachen deS berstenden Eisens vermischte sich mit dem Angstgcschrei der auf dem„Primus" befindlichen Personen, von denen einige beim Zusammenstoß verletzt wurden. Von den Personen, welche die Recling der„Hansa" erfassen konnten, kletterten mehrere, den Untergang deS„Priinus" voraussehend, auf die „Hansa" über. Nach der allgemeinen Darstellung spotteten die Scenen, die sich in wenigen Augenblicken abspielten, jeder Beschreibung. Aus den Kajüten drängten, zu unanflösbaren Knäueln zusammengepreßt, die Fahrgäste, die soeben noch in bester Lannc znsammengcsesfrn, getrunken und gesungen hatten, nach oben. Neben Scenen der wildesten Panik, welche die Bestie im Menschen entfesselt und nur nm das eigne Leben ohne Rücksicht auf das der gleichfalls gefährdeten Neben» menschen kämpft, geschahen Thgte» des aufopferndsten Heroismus. Eltern retteten, unbekümmert um die höchste Gefnhr, in der >hr eignes Leben schwebten, ihre Kinder. Freunde stunden den Freunden bei. Vor allein suchten die jungen Leute d e S R I n 6 ä a ii ch die Damen in Sicherheit zu bringen. In manchen Fällen gelang das, in andren büßten die wacheren Netter selber ihr Leben dabei ein, oder sie kamen zu Schade». Natürlich drängte alles in wilder Hast nach den Eisenwänden der »Hansa", die jetzt als einzige Hilfe erschienen. Mancher, der an den bo» Bord der„Hansa" herabgelassenen Tauen in die Hohe gezogen werden sollte, wurde oon den in Todesangst hinter ihm stehenden Ungüicktichen wieder hernntergezerrt, fiel ins Wasser und ertrank oder erlitt schwere Quetschungen. Viele kamen überhaupt nicht an die rettenden Taue heran, sondern sanken mit dem Schiff weg, das in wenigen Minuten durch das gewaltige Lech sank, das der Bug der„Hansa" mittschiffs durch den Radkasten hin- durch gestoßen hatte. Die Stätte der furchtbaren Katastrophe hallte Under von dem Hilfegeschrei der Schwimmenden, dein Röcheln der Bersinkenden, dem Zurufen der Reiter. Eine weitere Meldung besagt: Vom Vorstande des Gesangvereins„Treue" ist bis nachmittags S Uhr die Z a h l der Vermißten und E r t r n n k e n e» ans L04 Personen festgestellt worden. Heute abend finden in Eilbeck Versammlungen statt,„m eine gemeinsnnie Hilfsaktion zu organisieren. Schon jetzt sind bei de» hiesigen Zeitungen namhafte Be- träge zur Unterstützung der Hinterbliebenen eingegaiige», die später einem Ausschuß übergeben werden sollen. Berliner Partei-Ätngelegenheiien. Die nächste Lokal-Liste erscheint am Sonntag, den L. Augnst 1902. Wir ersuchen daher die Mitglieder der Lokal- k o m Nl i s s j o Ii v o Ii B e r I i n und Umgegend. Aenderniigen nnd Neuanfnahmen bis spätestens Freitag, de» 25. Juli 1902, einsenden zu wollen: für„Tcltow-Bccskvtv" an den Genossen Hermann Schliebitz in Britz, Jahnstr. 2; für„Nicdcr- Baruiin" an den Genossen Otto Riebe in Fricdrichsfelde, Vietoriastr. 4; für„Potsdam Ost Havelland" an den Genossen Albert Neue in Spanda», Jagowstraße 9; für„Diverse Orte" an de» Genossen Gustav Stein in Wrieze« a.O., Frank- fnrterstr. 32, sowie für Berlin an den Genossen Wilhelm Hinz, Prinzenstr. 66, 8. 14. Die Genossen werden ersucht, hiervon Kenntnis zu nehmen und die Einsendungen umgehend zu besorgen, da spätere Einsendniigen nicht mehr berMsichtigt iverden können. Nachträge können in der Folge nicht mehr veröffentlich! Iverden. Vielfach ist es in den letzten Wochen vorgekommen daß Zuschriften in. L o k a l a n g e l e g e» h e i t e n" an die Redaktion des„Vortväris" gesandt ivorden sind; wir teilen daher den Ge- mossen noch mit. daß alle Anfragen und Zusendinigen nur an den Genossen Wilhelm Hinz, Berlin 8. 14, Prinzenstr. 66, zu richten sind nnd nicht an die Redaktion des„Vor- wärt s". Die Parteiblätter der genannte» Kreise werden um Abdruck ersucht. Die Lokal-Koinmission. Sorialdemokratischer Wahlverein für den ersten Berliner Reichstags. Wahlkreis. Sonntag, de» 27. Juli, Ausflug nach Friedrichsfelde. Treffpunkt vormittags 10 Ubr, Prinzeu-Allee 30, in Budes Feftsäle. Nachzügler werde» bis 2 Uhr daselbst erwartet. Obcr-Schihieweide. Heute, Mittwochabend 8V2 Uhr, findet bei Kaufhold die Versammlung des socialdem akratischen Wahlvereins statt. Nene Mitglieder iverden auf- genommen._ UokKles. Der Minister v. Hammerstein nnd das WohnmigSelend. Der Beamtenwohnungs- Verein feierte am Sonnabend in Wil- merLdorf die Grulldsteinleguag eines neuen Baues. Das Fest er- hielt dadurch einen besonders festlichen Charakter, daß diesmal auch die Spitzen der Behörden erschienen waren, nm der Grniidsteill- legung die höhere Weihe zu geben. So war der Polizei- Präsident von Berlin, Herr v. W i n d h e i m, in eigner Person an- ivesend, ja er hatte, um den Vereinsbestrebnngen eine besondere Huld kuiidzuthnn, auch die Kapelle der Schlltziiiannschaft nach Wilmersdorf befohlen, unter deren Klängen die Legung dcZ Grundsteins vollzogen wurde. Aber mehr noch, sogar der Minister des Innern, Herr von Hammer st ein, hatte es sich nicht nehmen lasse», durch sein Erscheinen die warmen Sympathien zum Ausdruck zu bringen, die er den Bestrebungen des Vereins entgegenbringt. Der Herr Minister hatte es sogar übernommen, die eigentliche Festrede zu halten. Er führte etwa aus: „Die schweren Mißstände des Berliner Wohnungswesens", so begann er,„haben Sie, meine Hcrrc». veranlaßt, selbst Hand aiiziilegen, um zn besser» und zu helfe». So schufen Sie den Beainteil-Wohiinngsvcr�in. Er ist»och sehr jung a» Jahren, aber reich an Erfahrniigen und Erfolge». Drüben in Steglitz steht ein Haus, das bereits bezogen ist. Ein andres wird seiner Benutzung bald übergeben werden. Und ivie in> Westen bauen Sie im Norden und min stehen wir wieder hier im Westen, nm ein neues gewaltiges Werk zu beginnen, das aber auch»ur ein Vorläufer für weitere Unteiiiehminigen sein soll. Ja. das nenne ich planmäßig und zielbewußt arbeiten! Von 1000 ist Ihre Mitgliederzahl aiif 6000 gestiegen. Ihr Vermögen aber hat seit dem Bcgründungsjahr gar sich vcrztvrnizig- facht. Denn es hat von 40 000 M. ans 600 000 M. sich vermehrt. Ich beglückwünsche den Verein hierzu. Sie haben es wohl er- kannt, daß auf der S e I b st h i l f e Ihr Heil beruht. Das gemütliche Heim, das ist's, das wir Deutsche alle erstreben. Aber gerade der Beamte sehnt sich danach, und die Gesamtheit hat ein Interesse daran, daß der Beamte ein ruhiges, gesichertes Heini habe, und daß er sich nicht beim Nahen jedes Ouartalsivechsels w i e der Vogel auf de ni Dache sich fühle.... Darum soll der Verein, so weit es an mir liegt, stets unterstützt iverden.(Bravo!) Staats- Hilfe und S e l b sth i lf e— für dus ersprißliche Znsammen- wirken beider wird hier ein Beispiel gegeben. Wir Beamte gehören nun einmal zusammen. Vom Minister herab bis zum letzten Angestellten fühlen>v i r uns alle eins, und das einigende Band heißt die Bearntenehre. Im Besitze dieser Ehre soll jeder Beamte aber auch freudig und zusriedeii arbeiten. Den allen, treuen deutschen Beamtenstand, ihn Ivollen ivir uns er- halten. Dann wird dort immerdar wie heute jubelnden Wieder- hall der Ruf erwecke»: Unser allerguädigster Herr, Kaiser Wilhelm II., er lebe hoch!" Der Herr Minister hatte recht, den Beamten zu sagen, daß ans der Selb st Hilfe ihr Heil beruhe. Denn die Staatshilfe für die Beamten-Baugenossenschaft besteht schließlich nur darin, daß der Staat die erworbenen Grundstücke mit einer mäßigeii Hypothek beleiht. Seltsam ist es gegenüber dieser Anpreisung der Selbst- Hilfe dann mir, daß der Staat in jeder andren Beziehung die Selbsthilfe seiner Beamten so streng verpönt. Baugenoffenschaften, die den Beamten ein billiges Wohnen ermöglichen und damit dem Staate die sonst unabtveisbare Pflicht abnehmen, die Gehälter im Tempo der Mietssteigerungeii aufzubessern, dürfen die Beamten gründen; sobald sie sich aber nach dem Prineip der Selbsthilfe zu organisieren und gar an die Gesetzgebuiig zu petitionieren wagen, so hat es mit der nianchesterlichen Theorie der Selbsthilfe ein Ende und das patriarchalische Regiment beginnt. In die Be- toimng dieses schönen Patriarchalismiis klingt denn auch die Rede des Herrn v. Hamnierstein aus: Jeder Beamte soll freudig und zufrieden arbeiten. Die Freudigkeit seines Arbeitens soll ihm das erhabene Bewußtsein gewähren, daß sie aye, vom Minister herab bis zum letzten Unterbeamten„eins" seien. Freilich nicht in ihren materiellen Interessen, in irgend welcher Art von Beriifssolidarität, sondem in dem metaphysischen Begriff der„Bearntenehre". Etwa so, wie der Bettler und der Millionär„vor Gott" ja auch lmr„einS" sind. Im Herbst vorigen JahreS mußten wir berichten, daß der Forst- fiskuS dem Bau- und Sparverein der in Geiiieindebetrieben beschäftigten Arbeiter und Angestellten den Verkauf eines in der Nähe des Friedrichshagener Bahnhofes gelegenen Waldstückes als„über- Haupt nicht verkäuflich" vertveigern konnte, obwohl es ehedem zum Verkauf gestanden hatte, und da?, trotzdem der Vorstand des Verein? sich beim Ministerium b e s ch tv e r t hatte. In diesem Jahre schivärmt der preußische Minister des Innern förmlich für die Beamteii-Bauvereine, freilich»ur„soweit es an mir liegt". Hoffent- lich ist sein Einfluß im Ministeriuin denn doch nicht allzu gering. Uebrigens soll Herr v. Hammerstein nach der Meldung eines Blattes auch noch in andrer Weise seine Vorliebe fL rs P a i r i a r ch a I i s ch e geäußert haben. An den Ortsgeivaltigen von Wilmersdorf soll er nämlich die humorvolle Frage gerichtet haben: „Ra l Halten Sie in Ihrer Gemeinde auch die Zügel recht straff? Ich liebe es, daß man die Zügel straff hält. Man kann dabei freundlich sein, aber i»1»1 e r st r 0 m in I" Und hierbei ahmte der Minister die Handbewegung eines Rosse- l e n k e r s nach, der s e i 11 Pferd fest a 11 d l e L e i n e n i in m t. Der Herr Polizeimiiiister scheint sich danach noch immer als Bezirksspräsident von Elsaß-Lothringen zu fühlen, als ivelcher er noch im vergangenen Jahre einer Gewerkschasts-De- legation gegenüber das köstliche Wort prägte:„Wir haben hier genug mit den Franzosen zu thnn und leine Zeit, nun uns auch»och mit den Arbeitern abzugebe»." Ans der ganzen Linie gesiegt haben die Münchener Kellnerinnen, die de» Schützenfestwirt bleiischlag und seinen Agenten Fischer verklagt hatten, iveil sie statt 30 M. Reisegeld nur 10 M. erhalten sollten. Das Gewerbegericht verurteilte die Beklagten, den 26 Baherimien je 30 M. sofort zn zahlen. Nachdem das Geld herbeigeholt»var. erhielte» eS die Siegerinnen im Streit auf der Stelle. Dafür waren sie denn auch großmütig geniig, den Wirt für den Sonntag aus der Verlegenheil zu helfen. Auf sein Bitten nahuien sie für diese» eine» Tag die niedergelegte Arbeit»och ein- l»al wieder ans, um gestern»ach der Heimat abzudampfen. Der NiiterleitmigSbetricb für die Ringbahnlinie ist am gestrige» Tage auf der Strecke Rooifftraße— Potsdamerplatz anf- genomme» worden, nachdem die Anschlnßarbeiten nach der Kartstraße beendet sind. Die Wagen der Ringbahn sind ebenso wie diejenigen der Linie 9 mit festen Stromabnehmern versehen. Die neuen Weichen der Großen Berliner Tiraßenbalm, welche zur Entlastung der Wagenführer dienen sollen, erweisen sich indirekt immer mehr als öffentliches Verkehrshindernis. Dieselben werden von einem besonders dazu angestellte» Weichensteller bedient. Der- selbe steht zu diesem Zwecke»eben den Schienen mitten auf dem Fahrdamm»»d kann seinen Posten nicht verlasse». Das übrige Fuhrwerk ist demzufolge genötigt, nm ihn herumzufahren bezw. ihm auszuweichen, Iva» bei dem regen Fahrverkehr oft nicht möglich ist. Abgesehen von den Gefahren, denen dieser Beamte persöntich ans- gesetzt ist, werden auch häufla durch die Unmöglichkeit des Aus- weichens unliebsame Verkehrsstockungen hervorgerufen. Praktischer wäre es gewesen, wenn die Weichen durch einen miter dem Pflaster fortgeführten Mechanismus vo» der Bordschwelle des Fahrdammes aus reguliert würden. Eine Vermehrung der oben gedachten Art vo» Weichen würde auf vielfachen Widerspruch stoßen. N» dem cheinaligeu Heim deS FriedrichSlvcrderscheu GyMnasiilmS, dem Hause Oberwasserstratze 10, Ecke der Alte» Leipzigerstraße, beginnt der„Zahn der Zeit" sich bemerkbar zn machen. DaS ans dem 16. Jahrhundert stammende Gebäude, das auf siinipfigem Boden errichtet ist nnd auf Pfähle» ruht, hat an der nach der Alten Leipzigerstraße hiimlisliegendeii Seite mehrere, zum Teil bis 2 Zoll breite Risse b e k 0 m m e n, die zwar noch nicht als besorgniserregend angesehen werden, aber doch eine sorgfältige Ausbesserung nötig gemacht haben. Zu dem Gerächt vo» einem dreifachen Morde gab ein Familiendrama Veranlassung, welches gestern in dem Stadtteil Moabit großes Aufsehen hervorrief. Aehnlich wie im Jahre 1860 der Schneider Konrad seine Frau»nd fünf Kinder durch Erhänge» tötete, sollte der Stellmacher Otto Scholz seine Frau und zivei Kinder in seiner in der Wittftockerstraße 5 belegenen Wohnung erhängt habe». Es liegt jedoch, wie festgestellt ist, ein Doppel-Kindes- mord und Selbstmord seitens der Ehefrau vor. Scholz, ivelcher seit drei Jahren verheiratet ist und zwei Kinder. Knaben im Atter von 20 resp. 8 Monaten besaß, lebte früher mit seiner grau in, besten Einvernehmen. In einein hiesigen Elektrieitätslver! angestellt, bezog der Stellmacher einen guten Wochenlohn, bis er vor etwa einem Jahre infolge Einschränkung des Betriebes entlasse» wurde. Der hiermit verbundene Rückgang in der Einnahme, der sich dadurch noch fühlbarer machte, daß Scholz öfter arbeitslos war. führte zn öfteren Zwistigkeite» zwischen dem Ehepaar und eS kam häufiger zwischen ihnen zu Streitigkeiten, Iveil»ach Auffassung der Frau, Scholz zu viel Taschengeld behielt. So kam es auch am Soimabeiidabeiid zwischen den Ehegatten zu Differenzen, die der Stellmacher damit beendete, daß er die Wohnung verließ. Weder i» der Nacht noch am folgenden Tage begab sich Sch.»ach Haus«; am Monlagvormitlag besuchte er seine Schwägerin, der er vo» dem Streit Mitteilung machte und diese begleitete ihn, il»i die Gatten auszusöhnen,»ach seiner Wohnung. Hier langten sie gegen 1l/»Uhr nachmittags an. Da ihnen weder ans Klopfen noch Klingeln geöffnet wurde, ließ Scholz, beimrnhigt, die Thür von einem Schlosser öffne» imd de» nun Eintretenden bot sich ein schrecklicher Anblick. An der Thürklinke in der Küche hing der ältere Knabe, während Fra» Scholz, mit einem Strick nm den Hals tot auf dem Boden lag. In dem an- stoßenden Schlafzimmer hing ebenfalls an der Thürklinke die Leiche des jüngeren KindeS. Die sofort benachrichtigte Polizei stellte fest, daß die verzweifelte Frau zunächst ihre beiden Kinder und dann sich selbst erhängt haben muß. Sie hatte sich an einem Thür- haken aufgeknüpft, jedoch war der ziemlich dünne Strick geriffen, und so hatte die Unglückliche den Erstickungstod gefunden. Nach dem vorgeschrittenen VerivesungSprozeß der Leichen zn urteilen, ist die That am Sonnabendabend oder in der Nacht zum Sonntag be- gangen worden. Ueber dieselbe Anftlärnng gebende Briefe wurden in der Wohnuiig nicht vorgefunden. Die Leichen wurden von der Polizei beschlagnahmt und gestern abend nach der Morgne über- geführt. Die Wohnung des Scholz ist vorläufig polizeilich geschlossen worden. A,tS NahrnngSsorgen erschossen hat sich der 35 Jahre alte Kellner Adolf Friederiksen, der mit seiner 22 Jahre alten Frau, die in Singspielhalle» auftritt, vor vier Jahren ans Kopenhagen»ach Berti» tan, und mit zwei Kindern im Alter von 1 und 4 Jahre» in der Tieckstr. 15 wohnte. Der Mann verdiente sehr wenig, obwohl er meistens beschäftigt war. Als er gestern abend kurz nach 11 Uhr wieder enttäuscht nach Hause kam. machte er auf dem Flur durch einen Revolverschuß seinem Leben ein Ende. Durch eine» Sturz i» den Keller schwer zu Schaden ge- komme» ist der 48 Jahre alte Sattler Paul Jost aus der Große» Frankfurterstraße Nr. 96. Der Mann hatte sich in der Stralauer- straße Nr. 36, wo er arbeitete, in der Nähe einer Kell ertreppe hin- gesetzt, um da» Mittagessen, das ihm feine Frau brachte, zu ver« zehren. Als er sich nach dem Esten erhob, dacht« er nicht mehr an den Keller und fiel 16 Stufen hinniiter. Zunächst in der Wohnung behandelt, mußte der Verunglückte in ein Krankenhaus übergeführt werden, da das Rückenmark verletzt ist. Eine Messerstecherei spielte sich in der vergangenen Nacht in der Frankfurter Allee ab. I» der Nähe des P scheu VallsalonS kam es zwischen zwei berüchtigten Burschen, dem Arbeiter Naß. der sich selber als bayrischer Hiesel bezeichnete, und dem Mechaniker Stendal, der erst kürzlich, bei einem Uebersall auf einen Gendariuen in Rummelsburg einen Schuß durch die Hand davon trug, wegen einer Frauensperson zn einein Wortwechsel, der schließlich in eine regelrechte Mesterstecherei ausartete. Stendal erhielt hierbei drei bedeutende Stiche. Einer brachte ihm eine schlvcre Wunde am Kiim bei, durch die beiden andern wurde ihm die rechte soivie linke Wange vollständig durchstochen. Dessen ungeachtet ging St. weiter auf seinen Gegner los, der ebenfalls Verletzungen davon- trug, und es hätte bestimmt zu einem schlechten Ende geführt, wenn nicht Polizeibeamte zur Zeit auf dem Platze erschiene» wären. St. wurde z» einer naheliegenden Unfallstation geschafft und ver- bunden. Sein Gegner Naß war davongelanfen, doch wurden seine Personalien festgestellt, so daß er kaum der gerichtlichen Strafe wird entgehen können. Durch ausströmendes Gas betäubt. Ein schwerer Unglücks- fall, welcher zu übertriebene» Gerüchte» von einer Gasexplosion Veranlassung gab, hat gestern, DieiiLtagnachmittag, in der Prenzlauer Allee stattgefunden. Dortselbst befindet sich an der Ecke der Saar- brückerstratze auf einer Anhöhe der Ausschank der Bötzowschen Brauerei. Zwischen dem Ausgang zn demselben und der Prenzlauer Allee»st in der Böschung ein zwei Quadratmeter großer gemauerter Keller belegen, worin die Gaszuleitnng und der Gasometer untergebracht ist. Nachdem schon seit einige» Tagen'Gasgernch wahrgenomnie», sollte gestern die Gasleitung untersucht und der Gasometer gereinigt iverden. Mit dieser Arbeit wurden der 37jährige Monteur Otto Maschilla von der Elsterschen Gasometer-Fabrik in der Neuen Königstrnß« u»d die GaSarbeiter Julius Nothschuh nnd Tesch von den städtischen Werken in der Danzigerstraße beauftragt. Als die drei Leute um 2 Uhr nachmittags die Kellerklappe öffneten, strömte ihnen eine der- artige Gasmenge entgegen, daß T. vor dem Betreten des Ranuies warnte und nach der Gasanstalt eilte, um eine Luftpumpe zu holen. Die beiden andren begaben sich aber trotzdem in den Keller nnd. ob- wohl sie eine Wasicrkanne nicht zur Hand hatte», um aus- ströinciides Gas abzuhalten, lösten sie doch den Kessel. Durch die Menge des aus dem Zehneentinieterrohr herausdringenden Gases wurden sie augenblicklich betäubt. Zn»i Glück näherten sich mehrere Kinder der Kelleröffnima. »in den Arbeiten zuzuschauen, und diese sahen die beiden bewußtlosen Leute liegen. Die Kleinen schlugen Alarm und mehreren hinzutommenden Brauern gelang es, die Verunglückten aus dem Keller herauszuziehen. Ein zufälligeriveise in dem Lokal weilender Arzt leistete den Verunglückten die erste Hilfe. M. und R. wurden dann in fast hoffnungsloien, Zustande mittels Droschke dem Krankenhaus Fricdrichshain zugeführt. Da man von dem Fortgehen des dritte» Arveiters»ickts wußte, wurde die Feuerwehr alanniett, deren Maiiiischasten mit Nauchhelmeu in deu Rauui drangen und die Explosionsgefahr beseitigten. Ein ansregender Vorgaiig, durch welchen eine spielende Kinderschar ans das ärgste gefährdet und mir durch das mutige Ein- schreiten eines Arbeiters von dem fast sichere» Tode gerettet ivurde, ereignete sich gestern vormittag in der B l n m e n str a ß e. Die Pferde eines'ArbeitSwagenS der Velgssche» Appretur- Anstatt. Blnmenstraße 72, waren scheu geworden und rasten, bald den Fahr- dämm, bald den Bürgersteig entlang jagend, führerlos de» Straßen- zug hinunter. An der Marsiliusstraße werden gegenwärtig Äauali- sationsarbeitcn ausgeführt und hier spielte» unmittelbar an der Kanal- grübe etwa 10 Kinder. Tirett ans diese Stelle jagteu die Tiere z» imd eine Katastrophe erschien nnuermeidlich, da die Kleinen iveder nach rechts noch nach lints ausweichen konnteii. Im nächsten Moment mußten die Rosse de» Sandhügel erreichen imd dann mit den Kindern nnd Wagen in den Kanal hinabstürzen. Da— fast im letzten Augenblick— warf sich ei» Arbeiter den rasenden Tieren entgegen und es gelang ihm auch, sich eine kurze Strecke mitschleisen lassend. sie kanni einen tvtetcr vor der ängstlich ziisaniineiigedrängten Gruppe der Kleine» zum SIeheii zu bringen. Ein brausendes Bravo lohnte dem»»itigeu Manne, an dessen Namensfeststellnug iveder die Zn- schauer, noch die später hinzukommenden Kutscher des Fuhrtverls dachten und der sich unerkannt entfernte. Vom eignen Fuhrwerk wurde der Kutscher Ratz ans der Brnuneustraße überfahren und lebensgefährlich verletzt. Als die Pferde vor dem Hanse Stralauer Allee plötzlich scharf anzogen, stürzte der Kutscher vom Bock und fiel vor die Vorderräder seines schweren Wagens, die ihm über Brust imd Leib gingen. Schwer verletzt mußte er nach dem Krankenhause am Fricdrichshain übergeführt Iverden. Ein EinbrnchSdirbstahl ist Montag am hellen Tage gegen 2 bis 3 Ubr in der Kürassierstr. 6 verübt Ivorden. Die Einbrecher ließen eine» Regulator, Bilder»nd andere kleinere Gegenstände mit- gehe». Geld faiiden sie nicht vor. Cinbilichsdicbstahk. In der Nacht vom 2. zum 3. Jnkt wurde bei dem Friseur Hcmian» Klöckner, Unter de» Linden 59», ein äußerst dreister Einbruchsdiebstahl verübt. Nach den Aussagen des Bestohlenci, müsse» die Diebe mit den Oerllichkeiten auf das genaueste verlrant gewesen sein. Sie sind von der Straße, ivelch« um die Nachistunde gerade a»f dieser Seite sehr wenig belebt ist. an» durch die Ladeuthür eingebrochen nnd haben in dem Laden des Friseurs ivie die Baiidalen gehaust. An barein Getde haben sie über 1300 M. uiitgenoinmen. ferner eine goldene Kette im Werte von 300 M. soivie eine große Anzahl diverser Parsümerien nnd Schildpattsachen. Auch das Handwerkzeiig des einen Gehilfen im Werte vo» etwa 80 M. war spurlos verschwnudeii. Der Chef ist zniil Teil durch Versicherung gedeckt und dürfte daher den Vertust schon verschmerzt haben, ivährend der Gehilfe leer ausgegangen ist. da er mit seine» Privatsachen nicht versichert ist. Der Verdacht der Thäterichaft lenkte sich aus einen am 1. Juli entlassenen Gehilfe». der in Uiieinigkeit von seinem Chef geschieden ivar. Die angestellten Ermitteliiiigen haben bisher zu keinem Ergebnis geführt. Warnung vor einer Schlafstellendiebi». Das Polizei« Präsidium teilt mit: Hier imd in den Vororten stiehlt eine FraiienS- Person, die sich fast immer Margarete Klein und Krüger nennt und beim Mieten der Schlafstelle angiebt, in hiesigen Warenhäusern an- gestellt zu sein. Trotzdem die Person der Kriminalpolizei bekannt ist. wird ihre Festnahme dadurch erschwert, daß fie von einer Schlafstelle i» die andre zieht,»ach etiiigeu Tagen stiehlt inid verschwindet. Alle Mahmnigen. bei Anfnahme fremder Personen Vorsicht zu üben, haben bisher nichts gefruchtet. Die Diebin ist 18 Jahre alt, giebt aber ihr Atter auf 23 Jahre an. ist schmächtig»nd klein, hat hellblondes, glattgekämmtes Haar»nd starke» Ausschlag auf dem Kopf. � Sie ist bekleidet mit schwarzem Rock, der mit fünf Atlasstreifen besetzt ist. einer tveißen, blau intter- legten Milllbliise und iveißem Florentinerhut mit blauen oder Ivtltze» Blumen und ferner mit schmutzigen gelben Schuhen. Hunde auf der Hochbahn. Ans der elektrischen Hoch- und Niitergrinidbahn ist es in letzter Zeit einige Male vorgekommen, daß Hunde auf den Haltestellen von den Bahnsteigen auf die tiefer- liegende» Geleise hiiiabgesprimgen sind. Sie konnten dann nilr schioer wieder ans den ziemlich hochliegenden Bahnsteig gelangen. Bei diesem Versuche sind sie� außerdein der Gefahr ansgesetzt, von einem eiiifahreiide» Zuge überfahren zn werden oder init der Stromschiene in Berührung zn kommen, deren Spamiung für die Tiere lebensgefährlich ist. So hat. wie erinnerlich, in den ersten Tage»»ach der Eröffnung der Hochbahn ein Teckel seine elektrotechiiische UiNvissenheit als erstes und bis heilte� einziges „Opfer" der Hochbahn auf diese Weise mit dem Tode gebüßt, llm nun die Besitzer von Hunden vor deren Verlust zu bewahren, hat die Betriebsverwallung der Hochbahn auf den Haltestellen i» die STiiflcn fallende rote Plakate ailsqehänqt mit der Aufschrift:„Hunde sind au der Leine zu führen." Das Bctriebspersonal»st angelviesen »vorden, Hunde, die»»cht an der Leine geführt oder auf den» Arm getragen»Verden, von der Beförderung auszuschließen. Im eignen Interesse der Besitzer vo» Hunden»vird eS liege»», dieser Bestimmung »achzulomincn. Fcnerbcricht. Dienstag früh hatte die Wehr ISngere Zeit am Elbüned erger Ufer 41 zu thun, Ivo Schaldecke. Balkenlage und Fuß- dodcn in einen» Reftaurationskcller brannten. Bald darauf»vurde sie»mch Schvnhanscr Allee 72 gerufen,»n» zwei Pferde, die in einen Schacht gestürzt waren, zu befreien. Es gelang auch, die Tiere uubeschödigt herauszuholen. Ein größerer Preßkohlenbrand erfolgte Borsigstr. 3 in einem Keller. Um die vollständige Ablöschung zn ermöglichen, mußten die Kohlen umgestapel»»verde». Gleich- zeitig mnßte Frobenstr. 30 ebenfalls ein Preßkohlenbrand beseitigt -werden. In der Wilhelmstr. 29»vnrdcn Möbel durch Feuer be- schädigt, ebenso Petristr. 14. Kleine Brände»vurden dann noch von Stcphaustr. 41 nnd GipSstr. 27 gemeldet. Ter»Berein vo» Frenuden der Treptow-Sterntvarte, E. B." Vesichligt heute Mittlvoch, den LZ. Juli, nachmittags 3 Uhr, das Kabel- werk Oberspree der Allgemeinen Sleltricitäts-Äescllschast. ES sogen die Fadnlaiion von Röntgen- und fiuikeutelegraphiichen Apparaten, daS MetaN: werk, das Telegraphiere» ohne Draht»c. in Augenschein genommen werden. Abends wird aus der Treptow-Sternlvarte den Mitgliedern und Gästen im Rielenresraktor der Mond, Jupiter und Saturn gezeigt. Der Verein zählt bereits 359 Mitglieder, die auch bei ciueni Jahresbeitrag von 12 Mark die von» Direktor Archcnhold herausgegebene illustrierte Zeit: schrist„Das Weltall" gratis erhalten. ffiir den Groften Preis von Frlcdena», der im Sportparl Friedeuau am Sonnlag, den 3. August cr. in Gestalt eines K Stunden- Rennens zur Entscheidung kommt, gilt der Weltmeisterfahrer Thaddäus Rodt als bestimmter Starter; von andern Fahrern nehmen Dutenbuami, Ryser und der Franzose BonhonrS an der Konkurrenz teil, für welche die Siartcrliste End« der Woche geschlossen wird. Acht bis neun Fahrer werden voraussichtlich am Start erscheinen. worden sein, Worin lvohl fchaffung guter Arbeiter? Oder diese Maßnahmen bestehen werden? In der Be- gesunder Untcrkunftsräume für die belrcffcnden ob»nan einfach das Bewohnen der Erdlöcher von Polizei wegen verbieten wird? Interessant Iväre eS auch, zu erfahren, welche Löhne diesen Arbeitern gezahlt Iverden. Sicherlich derartige, daß deutsche Proletarier nur dann die Arbeit übernehmen, wen» sie auf dem tiefste» Niveau des Elends angelangt und gcivillt sind, ebenfalls in schmutzigen Erdlöchern zu Hansen. Wilmersdorf. Das Volksfest der WilmerSdorfcr Parteigenossen, im.Wirtshmis zum Schlva»", hat die Gchmargendorfer Polizei in große Aufregung versetzt. In den Nach- Mittagsstunden erschien ein großes Aufgebot Gendarmen, welche von den»imliegenden Orten hierher beordert waren, n», bei eveiitnefle» revolntionären Erscheinungen einschreiten zu können. Freilich hat das Fest im Beisein der ordnungsliebenden Polizei seinen gelvöhutcn, ordnungSmäßigeu Verlauf genommen. Verniutlich wird deshalb bei späteren ähnlichen Anlässen die dortige Polizei ihr Erscheinen»in großen Maßstabe für überflüssig erachten, steht doch der alte Ort Schmargendorf noch immer ans demselben Fleck, trotz des statt- gefundenen.roten' Festes. Die TiSeiplinaruntersilchnng gegen den Britzer Amtsvorsteher Negling und dessen Sekretär Baar ist jetzt eingeleitet worden und hat der erste Vernehmungstermin in Potsdam stattgefunden. Weder Regling noch Baar»vollen ungerechte Ha>»dlu»gen vorgenommen haben und sind bisher noch im Amte. Die llnschuldigimgen gehen dahin, daß der Gemeindevorsteher 1000, sein Sekretär 500 M, als Gratifikation für Gruiidstücksanflasstuige» nnd Verkänfe angenommen haben sollen. Kein„Siekcmal" mehr. In dein bei der Statioi» Hirsch- garten belegene» Kiekcmal sind gcgenivärtig insgesaint»nr drei Bauern» und zlvei Wirtshänscr vorhanden. Schule»nd Kirche fehlen und bildet Kielemal daher noch keine eigne Gemeinde, obgleich etwa 1000 Grundbesitzer vorhanden sind, die dort Gelände zivccks späterer Be- bannng oder zur Spekulation angekauft haben. Da zu cr- warten»st. daß mit der Bebaming von Kiekemal und der Entivicklung deS Fleckens zu eim-r ViNenkolonie in nächster Zeit begonnen»vird, so»vollen die Interessenten,»veil der Name.Kielcmal', welche Bezeichnung vo» Friedrich dem Großen herrühren soll, einen komische» Beigeschmack hat, bei den Behörden beanlragen die Kolonie »Reu-Hirschgarten' oder.Friedenslhal' zu nennen. Die neue Eisenbahnbriickc über de» Teltowkanak, welche im Zuge der Staninibahn Berlin— Potsdnn» bei Kohlhasenbrück er- baut lvllrde, ist am Montag vollendet worden, so daß in den nächsten Tagen die Züge über dieselbe fahre» können,»vorauf dann die Be- seitiglnig des provisorisch angelegten Eisenbahndamines nnd der Aus den Nachbarorten« Höhlenbewohner. .Allerliebste Znstäiide scheinen ja auf der Chaussee zwischen Phöben nnd Werder zu herrschen,' so melden bürgerliche Zeitungen. ES haben sich dort viele Stcinklopfer in E r m a n g e lung eines besseren Unterkommens Erdhöhle» gebaut, die ihnen als Wohnräume dienen. Ans der ganzen Chaussee entlang liege» diese Höhlen zerstreut. Bon außen mir als kleiner schmaler Eingang sichtbar, crlveiicrn sie sich nach dem Innern zu und erreichen in ihrer Höchst breite»ngesähr z>vc» Meter. Um de», Einstürzen vorznbeugcn, haben sich die wie Zigeuner lebende» Chanssee-Arbeiter ihre 3 hausuiigen mit Aesten abgestützt, während sie sich gegen eindringenden Regen durch Lumpen und Gezweig schützen. Wer im stände ist. sich dieses Leben der zumeist polnischen Arbeiter ouszu- »nalei»,»vird sich vorstellen können, in»velcher Weise auch dadurch die .Allgemeinheit' ss) gefährdet wird. Wie leicht können durch derartige Zustände die gefährlichsten Seuchen ausbrechen»nd in Dörfer nnd Städte getragen werden. Bchördlicherseils sollen daher jetzt auch Maßnahmen gegen diese Mißstände getroffen Dnrchstich des Kanals vom Griebnitzsee nach der Teltebeke erfolgt. Auch die übrigen Brückenbauten bei Kohlhasenbrück schreiten rüstig vorlvärts. Die Chausseebrücke nach Wannsce zu hat bereits ihre Eiscnkonstrultioi» erhalten, die Brücke, über welche die Wetzlarer Eisenbahn geht, ist fundanientiert und an der Doppelbrücke der Wannseebahn bereits ein Pfeiler fertiggestellt. Auch bei Albrechts Theerofen, wo das Sumpfterrain und eindringendes Wasser die Arbeiten erschwert, arbeiten die Maurer an dem Brückenbau. Bei der Potsdamer Schutzmannschaft herrscht, wie eine Korrespondenz meldet, große Unzufriedenheit mit der neuen, seit dem 15. Juli eingeführten Dienstordnung. Der neue Polizei-Jnspektor Freiherr v. Kleist, der früher Polizeilieutenant in Berlin»vor, hat die Dienftordnnng nach Berliner Muster eingeführt, dabei aber nicht in Betracht gezogen, daß sich in Potsdam die Durchführung der- selben schwieriger gestaltet,»veil den einzelnen Polizeirevieren nicht so viel Beamte znr Verfügung stehen,»vie in Berlin. Die Schutz- niänner»nüsse» jetzt 48 Stunden im Dienst bleiben und haben»väh- rend dieser Zeit entiveder Wachen- oder Straßendienst. Die bisherigen an verschiedenen Straßenecken ständig vorhandenen SchutznianiiSposten sind, bis auf vereinzelte, eingezogen. Die Schutz männer müssen hin und her auf den Straßen patrouilliere», und z>var iiniiicr ans der rechten Seite an der Bordkante des Straßen damms entlang. Sie behtnipten»»»»», daß die ihnen zugewiesenen Straßen, namentlich zur Nachtzeit, so ausgedehnt sind, daß sie un- anfhörlich Geschlvindschritt laufen müssen, un» dieselben ab znpntrouillieren. Dadurch soll eS komme», daß die Schutzmänner an jeden, dritten Tag, den sie gänzlich frei haben, so abgespannt und matt seien, daß sie fast die ganze Zeit mit Schlafen zubrachten, Es sollen sich infolge des anstrengenden Dienstes schon verschiedene Schutzmänner haben krank melde» müssen. VevsÄmmIungen. Der Verband der Möbelpolierer hielt am Montag eine gnt« besuchte öfientliche Versammlung in der.Königsbank" ab. Genosse W e r in u t h sprach daselbst über den Kampf derHolzarbeiter gegen den JnnungSnachweiS nnd behandelte»m Anschluß daran die Frage: Est es nnsre Pflicht, die arbeitslosen Kollegen zu unterstützen? Redner betont, die Herbeiführung einer öffentlichen Aussprach« über diese Frage sei erforderlich, weil es eine Anzahl Kollegen gäbe, welche unter der Hand den Kampf als aus- sichtslos bezeichnen nnd die weitere Zahlung deS zur Unterstützung der arbeitslosen Kollegen nottvendigc» Extra beitrageS von 50 Pf. pro Woche für überflüssig erklärten. Unter Berufung ans jene kanipfcSmüde» Pessimisten hätten nm» die Unter nehmer in ihrem Fachorgan gefrohlockt, als sei der Sieg ihnen be> rcits sicher. Ja sie suchten die Sache sogar so darzilstclle»,' als hätten sie die geplante allgemeine Aussperrung lediglich deshalb auf gegeben, weil die Mehrheit der Gesellen schon längst den Arbeits- »achlveiS der Innung anerkennt und in Anspruch nininit. Diese Darstellung sowohl wie auch die famosen Rechenkünste betreffend die Zahl der durch de» JiiiiinigsnachivciS placierten Gesellen beruhe »in« allerdings auf einer argen Selbsttänschuiig der Oberzüiiftler, »vaS auch schon ein großer Teil der klar blickenden Meister eingesehen habe. Trotzdciu aber könne eS die allgcmelne KampfeSfrende nicht erhöhe»,»venu sich ei» Teil der Kollege» aus purer Knickrigkeit weigere, für ihre infolge des Kampfes arbeitslos gcivordcnen Brüder das geringe Opfer vo», wöchentlich 50 Pf. zu bringen. Gerade der Unistand, daß der Verbandskasse bereils ca. 4000 M. für Unter- stützungszivccke entiionmiei» seien, müsse die Kollegen ansporne». etwas tiefer iu die Tasche zu greife», dem» hier handle eS sich dnnim, den» Jntcrcssenkawpfe der Unternehmer gegenüber den Rechtökamps der Arbeiter mit Ansdancr und Zähigkeit siegreich zu Ende zu führen. sLebhafter Beifall.) Sämtliche DiSknsfionSrcdiicr sprachen sich für die Weiterzahlnng des ExtrabeitrageS ans. Nicht diejenigen brächten ein Opscr, die von ihrem Verdienst 50 Pf. zu UnterstützmigSzivecken hergebe», sondern das größte Opfer brächten die Feiernden, die trotz aller Eulbehrnnge» standhaft den» ArbeitSnachlvcis in der Alcxanderstraße fernblieben. Uebrigens»verde eS sich in nächster Zeit auch bald entscheiden, ob die Innung überhaupt berechtigt sc!, Strafen über solche Meister zu verhänge», die ihre Gesellen»ach»vie vor durch den ArbcilsnachiveiS deS Verbandes beziehen. In JnnnngSkreiscn müsse»ran der dieSbezüg- lichen Entscheidung der Aufsichtsbehörde selbst mit sehr geniiscbtcn Gefühlen entgegeilsehei», den»»ran höre und lese wohl, daß Strafen über diesen ober jenen Meister verhängt seien, niemals aber davon, daß diese Strafen auch bezahlt werden. Die Unzufriedenheit»rit dem diktatorischen Vorgehen der Hanpt-JnnnngSheldcn greife unter den Meister» imnier»veitcr um sich; deshalb sei auch von der geplanten Aussperrung Abstand genommen Ivorden. Man dürse es nicht dahin kommen lassen, daß die Jumnig unter der Maske des Arberlsnachiveiscs ihr geheimes Maßrcgclnngsbnrean immer»veitcr ausbaue. Noch einige Wochen standhaften AuSharrenS, dam» werde die Nachweisfrage sicher un Sinne der Arbeiter geregelt sein. Eine Resolution, in welcher die Anwesenden geloben, den Kampf energisch weiter zu führen»nd auch fernerhin die ihnen auferlegten Extrabciträgc zu entrichten, fand einstimmige Annahme. Zum Schluß hob der Vorsitzende N i t s ch k e„och hervor, daß die Stimmmig der Versammlung ailf die anwesende» Abgesandten der Innung jedenfalls wohl einen andren Eindruck gemacht habe, als diese vielleicht vorher erlvartet haben»lochte». Eine öffentliche Schnhmacher- Ve»'san»,»k»ing tagte am Montag in Cohns großen, Saal ii» der Vnitbstraße. Der Referent ch a n m b i» r g an« H a>»» b u r g, der zunächst eine Ucbersicht über die Lohnbewegungen im Schuhmachergeiverbe gab, IvicS nach, daß es den Schuhmachern durchaus nicht allzu schwer geworden ist, ihre Forderungen durchzusetzen, daß eS ihnen aber in vielen Fälle» nicht gelungen ist. die ernmaenen Vorteile festzuhalten,»veil es hierzu an dein nötigen Zusammenhalt unter ihnen inangelte. Es sei völlig falsch, anzunehmen, daß iin Kleingewerbe, dessen völlige Beseitigung vorläufig nicht zu erwarten sei. nichts mehr zu erreiche»»väre. Die Zahl der Jungen, die das Schuhmacher- Gelverbe erlernen, nähme beständig ab nnd ebenso die Zahl der guten Arbeiter im Kleingewerbe, es sei thatsächlich ein Mangel an solchen vorhanden. Eine Krise in dem Umfange, ivie in andern Gewerben, sc» hier nilbt eingetreten. Darum liege keine Ursache vor, mntloS z» fein, die Gelegenheit, eine Berbessernng der»virtschaft- liche» Lage durchzusetzen, sei sogar günstig. Der Redner schließt mit der Mahnung, fest znsnmmenznhalten und energisch am AnS» bau der Organisation zu arbeiten.— In der sehr regen, den Ausführungei, des Referenten entsprechenden Diskussion»vurde noch besonders auf die traurigen Verhältnisse der Lehr« l i n g e hingclviesen, die, Ivie ausgeführt wurde, im Schuhmacher« Gelverbe noch mehr und gelvissenloscr ausgebeutet»verde» als in andren Gelverbe», nnd nicht allein dem Meister, sondern auch der „Frau Meisterin" in jeder Hinsicht dienstpflichtig gemacht»Verden, so daß von einer»virklichen Aiisvildnng im Berufe nicbt n»ehr die Rede sei» kann und darin» auch der Mangel an guten Arbeitskräften leicht erklärlich ist. Die Freie Vereinigung der Aöphnltcnre, Pappdachdecker «nd Beriisögenosfen hielt am Sonntag eine außerordentliche Ge- neralversammlung ab. Der Kassierer Klopp erstattete den Halb- jahrSbericht. Eingegangen waren 950,55 M., den» gegenüber eine Ausgabe von 490,45 M. stand. Zun» Beisitzer»vurde Herrmerschmidt gelvahlt. Die Eröffnung zlveier Zahlstellen wurde in Aussicht ge- nomine»» und zivar im Südwesten Barutherstr. 22 bei Scholz, im Norden Schönhauser Allee 135 bei Ramlolv.— Nach eine»»»Lorlrage des Genossen Link über Banarbeiterschntz»vnrde eine Resolution an- genommen, die strenge Durchführung der bestehenden Schutzvorschriftcn fordert und die Kollegen ersucht, alle Verstöße gegen dieselben dem Vorstande mitzuteilen._ Vermischtes« Ei» Nntoetter, das am Montag in O estreich tobte, hat Ii» Wien sowie in Ungar»», Steiermark,' Salzburg. Tirol nnd Kärnthen großen Schaden angerichtet. Viele Ortschaften stehen unter Wasser; auch Verluste an Menschenleben sind vorgekommen. Opfer der Hagelstürmc i» Kiew. Die Zahl der bei dem Unlvettcr am Sonntag uingekommenen Personen beträgt 19; zlvei davon wurden vo>n Blitz erschlagen. Die Verluste der Hausbesitzer, der Kaufleute nnd der Besitzer von Gemüsegärlen betragen mehrere hunderttausend Rubel. Der Schade», den die Eisenbahn erlitten hat, ist ebenfalls beträchtlich. Ueberschtveniuinngeil iin Mtssissippi-Gedict. Einem Tele- graimn aus Keokuk(Iowa) zufolge hat der Mississippi p,b->>' K a I b von St. Louis die Ufer überflutet und daS venawoarte Gebiet unter Wasser gesetzt. Die Ernte, welche als die beste im Bezirk galt, ist so tief unter Wasser, daß ei», Dampfboot darüber fahren' kann. Der Verlust»vird auf sechs M i l l i o»» e n Dollar geschätzt. Ei»« snrchtbarcr Orkan hat in Baltimore große», Schaden angerichtet, 12 Personen wurden getötet. Die Schisse aus der Reede haben schlvcr gelitten. Briefkasten der Kedakkion. Tie lurtslischc Sprertisrniide findet tätlich mit Zluönayme de» Tonvabends von?>/- bis UV» Uhr abendö statt. «vette H. Dos betreffende Asyl für Obdachlose wird von einer privaten Gesellschaft unterhalten. H. B. Bei uns nicht mehr in praktischein Gebraiich. Gesetzliches Maß beute»och z. B. in Dänemark,»vo ctivaS über S Onadratmetcr auf die Quadratrute kommen. C. U. Reichcnberger. Strafe habe» Sie nicht zu erwarten, sind ober zur Zablnng der Miete verpflichtet auch wenn Sie nicht einziehen. Ver- suchen Sie eine Eiiuguiih.— 3. 1. Da der Lchrvertrag nur«nindlich geschlossen ist, können Sie von demselben zurücktrete», ohne daß Eni- schädiguna verlangt oder die Rückführling herbeigeführt»verde» kann. — A. B. 1. Das Abgeordnetenhaus besteht aus 433 gclvählten Mit- gliedern, das Herrenhaus auS Mitglieder», die ailf Grund der Verordnung vom 12. Oktober 1354 dem Hanse angehören, das sind die großjährigen Prinzen des preußischen Königshauses, Mitgliedern mit erblicher Bercchli- gnna(eine Reihe Fürsten, Herzöge und StandcSherren) nnd vom Köuiz ans Lebenszeit Beruscnen. Zn dieser leptere» Klasse gehören eine Reihe von Personen, die von Grafniverbänden, Domflifien, Faniilienverbänden, den Verbänden deö alten»nd des befestigten GrmrdbesttzeS, einer Landes- Universität oder einer Reihe von Städten vorgeschlagen und vom Könige ans Lebcuszeit berufen sind, sowie die sonst vom König Be- rufeilen. 2, Die Programme der verschiedenen Parteien finden Sie im Specht, die Reichstagalvahle» von IfWi? bis 1807.— K., Prenzla». 1. Ja. 2. Nein. 3. und 4. Nein. 5. Legen Sie zunächst beim Magistrat Beichwerde ein.— K., Adlershof. Das Hastpflichtgesetz datiert vom 7. Juni 1871, ihm ging§ 25 des Eisenbahn-Gesetzes von» 3. November 1838 voraus. Das erste Uiisallversichmnigs-Gesetz daiiert vom 6. Jnli 1884 mit Gesetzeskraft vom 1. Oktober 1885.— M., Ztctiin. Der Begriff ist sehr dehnbar. A. Z. Den» vorehelichen, von Ihnen nicht erzeugten Kinde Ihrer Ehe- frau können Sie Ihren Namen beilegen, Zn diesem Behuse wurden Sie etwa folgendes Schriftstück ausstelle»:„Meine Ehefrau hat vor der Ehe ei»« nicht von mir erzeugtes Kind, Namens»c., geboren. Ich erteile hierdurch dem K in ee meiner Ehefrau meinen Namen, so daß es fortan(Namen»c.) heißen solle," Dies Schrislstück datiere»» Sie und laffen Ihre Unterschrist notariell oder gerichtlich beglaubigen. Darunter setzen Die:„Mit der Er- teilimg des NamenS(Ihr Name) an mein Kind beziehentlich mein Mündel bin ich einverstanden," Folgt Ort und Datum, Dies laffen Sie vo» Ihrer Ehefrau und dem Vormund des Kindes unterschreiben und auch deren Unterschriften notariell oder gerichtlich beglaubigen, Soda»»» Überreichen Sie diese Urkunde dem Standesbeamten, in dessen Standesregister die Ge- burt des Kindes eingetragen ist und beantragen: auf Grund dieser Ein- willlgungS-Urkunöe den Namen... auf der Geburtsurkunde in...(Ihr Name) uuizulvandcln._ Witto»»»g?iibcrsirht vom 23. Juli 1002, morgens 8 Uhr. Stationen Swinemde, Hamburg Berlin Frai>kf,M München Wien ;« Wetlev 758 Siill— jboderft 750 WSW 2 heiterj 758 Still heiter 782 WSW 1»völlig 784 W öhlb, beb, 782 W| 5 heiler öK c d II gö Wf, Stationen S= C 3 I Haparanda 75öSW Petersburg 758 NO Cork Aberdeen Paris 783 WNW 765W Z Wetter G« ie» Üa 4 bedeckt Ibedeckt 4,bedeckt 2 bedeckt 10 15 14 12 Wettcr-Prognoie für Mittwoch, de» 23. Jnli 1002. Etwas ivärmer, zunächst aufklarend, bei mäßigen südtvestlichen Winden; später neue Trübung und leichter Regen. Berliner Wetterb nrean. Für den Inhalt der Inserate iiberninimt die Redaktion den, Publikum gegenüber keinerlei Verantlvortnng. Tlientev. Mittwoch, den 23. Juli. RrneS Oper»- Theater(Kroll). Boccaccio. Anfang?>/, Uhr, Im LiederspielhauS: Offenbach- EyklnS,(Dorothea.— Der RegliiientSzauberer.— Die Hanni »oeint— der Hanfi lacht.) An- fang 8 Uhr. kveftcu. Die Brautlotterie. An- fang?>/, Uhr. Metropol.(Morwitz-Oper.) Undine, Anfang 8 Uhr. Renes. Ledige Leute. Ansang 8 Uhr. Carl Weiss. Der Dämon. Hier- auf: Sie. Anfang 8 Uhr. ffricdrich-WilhelmititdlischeS. Der Zerriffene. Anfang 7V, Uhr. Sipotlo. Lhsistrata, Specialitätcn- Vorstellung. Anfang 8 Uhr. Sieichshallcn. Stettiner Sänger. Anfang ö Uhr. Passage- Theater. SpeclallliUc»- Vorstellung. Ansang nachmittags s Uhr, Paffage- Panoptikum. Special!- täten-Borstellung. Urania. Tanbenstr. 48/40.(Im Thealersaal.) Abends 8 Uhr: Die deutsche Ostseeküste. Jnpaltdeusirasje S7/0!!. Täglich: Sternwarte. FrOtock» Allerlei Theater StP" früher l'ohlinaun"NU Schönhauser Alisa Na. 148, Heute und folgende Tage der einzig dastehende .?r»ll-!8plelpkni» mit dem unübertrefflichen Kttfl Braun und dem oübeliebtci» Iftz' Hns» 8cha!»s."98 Um 8 Übt: Großer Erfolg: jgsy Die Weder."V8 Berlmer Volksstück mit Gesang. Täglich: Grosser Ball. Anfang 5 Uhr,— Entree 30 Pf. Mittwochs: Croster Elite-Abend. iSetropsl-Iiifiater Anfang 8 Uhr. Morwitn-Oper. Undiue. Donnerstag: Franceschlna Prevostl; Travintn. Freitag: l>le ▼erkaufte lirant. Korn. Oper in 8 Akten von Smetana. Nationaltänze von 16 Tänzerinnen, Sonnabend: Klassisch pop. Ojjern- Vorstellnng bei halben Preisen: -- Fidclio.- Reichsiiaile n> TiiffUch: Slcttiner Säuger. Ansang: Wochentags 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. Tageskasse 11-1'/, Uhr, llruuia. 0 Tauben-Straese 48/49. Im Theater nm 8 Uhr; Die deutsche Ostseeküste. VI Weiss-Theater. Sommertheater IVBaHenbad Badstr. 36/38, Wesundbr»»»«». Täglich: Das erstklasfig« Specialitätcn- und Theater-Programm, Größter Er- folg! Punkt 10 Uhr: Schlager! Berlhtivit'ölclit Mm LM- Entree 20 Pf."WS Sonntags: BsUU Grosse Fraiitsurleritr. 132. Täglich: Oes* Oämon. Hierauf:„Sie". Nachtscene in 1 Akt von G, Schätzler-Perastni. Im Garten: Specialitälen-Vor- stellung. Ansang 5'/, Uhr. Heute: Kinderfest. 2 Geschenke werden verlost. Vraier-Thtkikr Kastanien- Allee T— 0. mr Täglich:-mm TilüstO mii) eine Wt. Phantastisches Märchen in 3 Abteilg, vo» Hugo Schulz. Zalletkgaz, Catrlnl. Kostüm-Soubrette Paula Crlgattl. Grotcsgne- Komiker Senor u. Berad. Mla» Kllty, Sport- Akt. Baralkow- Truppe, Parterre- Akrobaten. Mr. Bartltng, leb. Photographien. Bartlings elektriiche Feerie. (30C0 Glühkürper.) Konzert. Anfang 4 Uhr. Eintritt 30 Pf,, numerierter Platz 50 Pf. KaUso. Apollo- Theater Um 7 Uhr: Carlen- Konzert. Um 8 Uhr:]>io gi'aniUoaen Speelalltiitea. Um ö Uhr: Lyslstrata. Am 1. August Wiederauftreten «von Robert Steldl. Kasseneröffnung 7 Uhr. Sanssouci KoftbiiNemlr. 4a, Station der Hochbahn. Täglich im Garten, bei ungünstig, Witkernng imSaal: iiokr»»»»»» NsrSütiitslhe Süiigtt und Konzert. Sonntag, Montag nnd Donnerstag nach der. Soiree: Tanzkräiizchen. Tanz frei! Anfang SonniagSSUHr, EutreeSö Pi,, ab g Uhr 28 Pf, Anfang Wochentags S Uhr, Entree 30Pk.. ab S Uhr 28 Pfg. CASTÄNS Panoptiknmj Frledrlch-Strasse ISS. Neu! Die Kordlandrelse des I Kaisers und tVanderan- gen durch London. Biesen-Projektionsbilder mit j erläuterndem Vortrag W. Hoatks Theater. NriiiMkiiftrabe lS. Täglich Theilter- u. Specia- litätell-Vorstellmig. Gediegene Gesellschaft. Nur keine Männer! BurleSke mit Gesang und Tanz von Gericke. Im Saal: Tonzkränzchcn. Max Kliems Sommer- Thealer. Hasenheide 18—15. Artistischer Leiter; Lust. Bock Täglich s Gp. Konzert, Theater- u. Specialitäten-Vorstellung Jeden 1. und 15. d. Monats; Wechselndes Programm! Donnerstag: Elite- Tag. Sßiiwfiizer Garten Am Ktinigsthor 42029» Am Friedrichshain KV Täglich:-qBfj Thcatcr- niih Speciillitättil- Vorßellililg. Täglich bis 7 Uhr: Freier lZamentam, Jeden Abend 10 Uhr: Leute von heute. Grobe Posse mit Gesang und Tanz Ostbahu-Park. Am Kilstrlnerplatz, RUdersdorferstr.?!. Hermann Imbs. Täglich- Gr. Konzert, Theater- und Speciatttaten- Vorstellung. �assage-Vheater. vas glänzende Juli-Programm. Willy Prager. (Prolongiert!) 16 neue erstkl. Nummern rassap-Panopticom. Holcs Pariser Marionetten-Theater. Das AlTenwelb. Seejungfer,_ Tigerknabe. ZOOLOGISCHER CARTEN Täglich nachmittags ab 6 Uhr: liilitär- Doppel-Konzert. Entree IM. v. O Uhr ab 50 Pf. Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Englischer Garten. 37 c. Alexanderstrafte 27 c. Jeden Montag, Mittwoch, Donnerstag und Sonnabend: 4«0L» � Entree nnd Tanz frei! S Bernhard Rose-Theater Gesundbrunnen, Badstr. 58. Täglich: Das groftartige neue Programm. Willy Agoston. Berlin auf Stelzen. Außerdem: Konzert, Theater, Speclalltäten. Anfang 4 Uhr. Entree 30 Pf. Vorzugskarten haben Gültigkeit. Kaffeeküchc. Ii» Saale: Ball. /lrhelter-Blldtingssehttle Berlin. Dienstag, de« 29. Juli, abends S1/:»Hr. im Gewerkschaftshanse, Engel-Ufer 15(Saal VHI): General- Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Bericht des Vorstandes, des Lehrer-Kollegiums und der Revisoren. 2. Schul-Angelegenheiten. 3. Verschiedenes. 4/19 KW- Mitgliedsbuch legitimiert.-WC Beiträge werden entgegengenommen. Sonntag, den 19. August: Dampfeffalirt mit Musik nach Ziegenhals bei Zeuthen(Restaurant„Sportshaus- Inhaber: Max Mörschel). Konzert, Tanz, Spiele im Walde, Belustigungen aller Art für Grob und Klein. Abfahrt früh 7'/, Uhr von der Jannowitz- Brücke(Schultheiß' Restaurant). Billets a 1,20 M.(Kinder nnter 14 Jahren frei) sind in den Zahlstellen, sowie bei den Vorstandsmitgliedem zu haben. Uttbintd der MMWm tt. Mm sowie Berufsgenofscu Deutschlands. (Terwaltnngsstclle Berlin und IJingegcnd.) Sonnabend, 26. Juli, in der„Brauerei Fricdrichshain"(früh. LippS) Grosses 8ommerf*est bestehend in Konzert und TOenter-VorAellnns. Auftreten des„Berliner Ulk- Trio". ReigenWen lies Arbeiter-Msch-Bmills„Comitt". Den geehrten Damen steht die Kaffeeküche von 3 Uhr ab zur Verfügung. Anfang des Konzerts 1 Uhr nachmittags. Entree 25 Pf. Billets sind zu haben bei: Schlllke, Stcinmetzstr. 66 III; Lehmann, Säckingenstr. 8; Bochow, Hochmeisterstr. 18; Bennewitz, Ripdorf, Lesflngstr. 19; Bochow, Reichenbergerstr. 107, sowie bei den Vorstandsuntgliedern und in den Zahlstellen. 990b Zahlreichen Besuch erwartet_ Das Komitee. Hagenbecks Malabarentruppe !Letze Woclie! Radrennbahn Kurfiirstendamm. Vorstellung: 4, 6 und 8 Uhr. Eintritt 50 Pf. Kinder 20 Pf. ÜJ- Donnerstag; Indische Nacht, Brillant-Feuerwerk, Hasenheide 108/114. Neue Welt. Arnold Scholz. __ Heute Hittsvoch:"TOQ Drittes großes Ernte-Fest verbunden mit 6>ratioverlos»»g, Bonbonregen und Fackelzug. Hauptgewinn für Knaben: Eine silberne Herrenuhr. Hauptgewinn für Mädchen: Eine goldene Damennhr.— Speelalltäten- Torstcilnng. Sensationellstes Programm Berlins. Anfang des Konzerts 4 Uhr, der Vorstellung 5 Uhr. Eintritt 15 Pf. Kaffeelüche. 3 Kegelbahnen. Russ. Rutschbahn.— Montag, den 28. Juli: Grobes Sommcrfcst des Vereins ehem. Ziethenhusarcn von Ripdorf u. Umgeg. (Zahlstelle Berlin). Donnerstag, 24. In«, abends 8V. Uhr, bei Herrn Baner, Rofenthalerftr. 57: 86/13 II i* a n« k v n- V« i* 8 a i» ml uirk der Stellmacher. Tages-Ordnung: 1. Besprechimglbetr. Jnnnngs-Krankenkaffe. 2. Vervandsangelegenheiten. 3. Verschiedenes. Die Kommission. Verein der Arbeiter u. Arbeiterinnen der Wäsche-«. Krawattenbranche Tum- Mittwoch, de» 23. Juli 1902, abendö 8 Uhr, bei Schulz, Grenadierstr.»3: Außerordentl. General- Vers ammlung. TageS-Ordnung: 1. Kassenbericht. 2. Ersatzwahlen: a) des I. Kassierers und h) des 2. Schriftführers. 3. Vorlage und Diskussion eines Streikregulativs. 4. Die Beitragserhöhung in unsrer Orts-Krankenkaffe. 5. Berschiedencs. AW- Mitgliedsbuch legitimiert."VQ 251/6 Der wichtigen Tagesordnung wegen erwartet einen vollzähligen Besuch Der Vorstand. in Wolle und PI Usch Gardinen S,?ies und ■ von 1—6 Fenstern K6St6 besomd. billig im 47021, Ausverkauf des seit 43 Jahren bestehenden Geschäfts von A. Löwenthal Berlin O. Breltestr. 20, Ecke Scharrenstrasse, Frauen-Begräbniskasse der Schriftgiefter Gehilfen zu Berlin. 290/17 Dienstag, den 5. August, abends 5'/, Uhr, bei Zimmcrman», Wilhelmstrabe 2. General-Nersammluug Tagesordnung: 1. Halbjahrs-Bcricht. 2. Verschiedenes. Der Vorstand. I. A.: St. Jost. Todes-Anzeige. Allen Freunden und Bekannten hierdurch die traurige Nachricht, daß mein lieber Mann, der Schlosser Otts Ernst plötzlich verstorben ist. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 23. d. Mts., abends 6 Uhr. von der Leichenhalle der Freireligiösen Gemeinde, Pappel- Allee, aus statt. 983b Die trauernde Witwe Frau Frnst nebst Tochter und Schwiegersoim. Kram- iinii MMn- ffien Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied 1003b Fmma Scliilk plötzlich versterben ist. Ehre ihrem Andenken. Die Beerdigung findet am Donners» tag, den 24. d. M., 4Vz Uhr, von der Leichenhalle des neuen Rirdorfer Kirch- hoies am Mariendorfcr Weg statt. Um rege Beteiligung bittet Der Vorstand. Treffpunkt 3 Uhr Hermann- und Knes ebeckstraßen-Ecke. Nachruf! Unsrem durch Mörderhand so jäh ans dem Leben geschiedenen teuren Sangesbruder, dem Schlosser Artiiur Retzlaff rufen wir, da es uns nicht vergönnt war, an feinem Leichenbegängnis teilzunehmen, den letzten Scheide- grub zu. 1002b Die Mitglieder deS Gesangvereins Myrthtilblätter. Nrtltirt f Unverfälscht. Deutscher AjtUI Iis, Bienenhonig, best. Qualit. vers. die 10 Pfunddose zu 6,50M., 5 Pfd. 4 M. ftanlo. Garant. Rücknahme. LDdll Aordloh, Bahnhof nCli, Augustfehn, Oldenbg. Centrai-Mer band der Töpfer. Filiale Berlin. 196/7 WttlttStag. Zi. zuli, MM 672 nijr, im große» Saale des Gemerkschaftshauseg, Eagelaser 13: General-Uersammlnng. Tagesordnung: 1. Kassenbericht vom 2. Quartal. 2. Vortrag des Genossen Wiesenthal:„Aus der Geschichte der deutschen Gewerkschaftsbewegung. 3. Beschwerden über Umgehungen des Arbeitsnachweises. 4. Verschiedenes. NW* Mitgliedsbuch legitimiert."VS Zahlreichen Besuch erwartet Der Vorstand. vr. Simmel, Prlnzenstr. 4L Specialarzt für 26/17* Bant- und Harnleiden. 10-2, 5-7. Sonntags 10-12, 2-4. Blihlenstrasse Mr. 8, an der Warschauerstt., sind vom 1. Oft lober ab billige Hoswohnungen von 2 Stuben zc. zu vermieten. Näheres daselbst beim Verwalter. 4693L* Dauksagung. Für die vielen Beweise der Teil- nähme und Kranzspenden bei der Beerdigung meiner lieben unvergcb- lichen Frau Barle Pardeniann sage ich allen Freunden, Bekannten und Kollegen, insbesondere dem Ge- sangverein„Rote Nelke I- meinen herzlichsten Dank. KKZIb G. Pardemann nebst Kindern. Für die leilr vielen Beweise Teilnahme und die herrlichen Kranz- spenden bei der Beerdigung unsreS unvergeblichen Sohnes und Bruders, des Steindruckers Otto Dzelskl, sagen wir allen Verwandten, Freunden und Bekannten, insbesondere dem Verein der Stemdmcker, Ltthographe» und Berussgenossen, sowie der Firma Otto Schloß, den Kollegen und Per- sonal derselben, ebenso den Kollegen der Firma W. Hagelbcrg A.-G. untren tiefgefühltesten Dank. 991b Die trauernden Hinterbliebene». ül17l"lNp � Grbftte Auswahl in in- und aus- ländischen Stoffe« für PaletotS. Anzüge, Beinkleider jc. werden unter Garantie de« guten Sitze« u überaus billigen Preisen chiiellstens angefertigt im Tuchgeschäft b-t MsrMaldemarslr. 66. H. Saltzmann, Tabakfabrik und-Handlung, Benm 8.. Luisen-Ufer 3, Gegr empfiehlt als 8peclalltili: Engelbecken, rundet 1863 45668* Magdeburger Mordhäuser Kautabak sowie alle Sorten Kanch- und Schnnpftabake. 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