Hr. 171. Alionniments.ZedliMiigtn: M!>onnim!niz-Pre!» pränumerando: Ticrteljährl. Z.Zv Mk., monatl> l.lvMl.. möchenllich 2S Pfz. frei in» Hau». Simelne Numni'r 6 Psg. Sonnlag», ?!»»»ner mir iNnNriceier Sonnlagj- Beilage„Die Neu« Welt' 10 Psg. Post- Abonnement: l.lo Mark pro Mona». Singetragen in der Post- Zetlung», Preiillste fitr IVOS unter Er. 7078. Unter«reuzband sür»eullchland und Oesterreich.-Ungarn 2 Marl, für da» übrige Au»land S Marl pro Monat. «r>>l,,lnt täglich ausser»»»lag«. IS. Jahrg. Ate Instrtlons-Äivny» »«tragt für die sechsgefpaltens Kolonete »eile oder deren Raum io Pfg., sür politische und gewerlschastlich« Verein», und Versammlung»-Anzeigen 20 Psg. „Kleine Zinsilgen" jede» Wort S Psg. snur da» erste Wort selt). Inserate sür dt« nächste Nummer müssen bi» i Uhr nachmittag» in derErpedition abgegeben iverden. Tie Srpcditton ist an Wochen- tage« dt» 7 Uhr abend», an Sonn- und Festtazen bisSUhr vormittag» geöffnet. Vevlinev Volksblatk. Telegramm- Adreffe: „Sorialdeinostrak»rrlln« Centvalorgan der focialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaltlivu: SW. 19, Vouch-Slrahe 2. ftcnistiredjcv: Zlmt I. Nr. 1508. Freitag, de» 35. Juli 1003. Expedition: SW. 19, Ventlj-Skraste 9. Fernsprecher! Zlint I, Nr. 5121. Der Leipziger Bankprozetz. Nach zwciutiddreibifftäisiner Berhaudlunq ist Mttivochobcud auch in dem Prozesse gegen die Gcschäftsleiter der Leipziger Bank das Urteil gefällt Wörde». Exner ist wegen betrügerischen Bankrolts und Bilanzverschleierung zu 5 Jahren Zuchthaus und S Jahre» Ehr Verlust verurteilt worden, sein Mitdirektor Dr. Gentzsch zu 3 Jahren Gefängnis, während der Vorsitzende»nd die Mitglieder des Aussicht� vats, die allerdings ohnehin bei dem Zusammenbruch Miffionen ver loreu haben, mit verhältnismässig geringen Geldstrafen weggekommen sind, der Vorsitzende Dodcl mit 15 OOO M., Mayer, Schröder und Wölkcr mit 13(XX> M., Ficbiger mit LlXX) M. und Förster und Willens ,uit 5000 M. Das Urteil ist noch befremdender als da? bei Sande» Prozesses. Mtchteil wir schon dessen Ergebnis, die Verurteilung Sandens zu sechs Jahren Gefängnis, als härter ansgcsaücn be zeichnen, wie nach früheren Prozesse» ähnlicher Art erwartet werden konnte, so gilt dies noch ivcit mehr von der Verurteilung ExnerS und des Dr. Gcntzsch. I» diesem Urteil vermag uns auch die Thatsache nicht zu beirren, das; die bürgerliche Presse, nnd vernehmlich gerade die eigentliche Börscnpresse, die den Leitern der Leipziger Presse zuerkannte Strafe zu milde findet, wie sie noch vor ivenigen Tagen die dem Leiter der Spielhagcn- Bankgruppe sür zu niedrig erklärte mit der Begründung, daß durch den Krach beider Banken so und so viele kleine nnd mittlere Existenzen vernichtet, Handel nnd Gewerbe geschädigt seien nstv. Stellt num allerdings als Maszstab für die Strafzumessung die Wirkung auf, welche die beiden Finanzkatastrophen auf das Erwerbsieben nnd die Vermögenslage der Beteiligten gehabt haben, so ist die Strafe für Sauden wie Exner eure allzu geringe; aber dann würde auch eine Verdoppelung oder Verdreifachung der er« kannten Gefängnis« oder Zuchthausstrafe noch nicht genügen, denn es ist ziveisellos, daß, was die sociale Wirkung anbelangt, selbst eine fortgesetzte Einbrecherlhätigkeit nicht an die Erschütterung heran- reicht, die da? gesellschaftliche Leben durch die von beiden Ver- urteilten betriebenen finanziellen Machenschaften erlitten hat. Aber nach solchen socialen Wirkungen beurteilt die heutige Rechts Pflege Vergehen und Verbrechen nicht; und am allerweiiigsten erblickt die Presse, die jetzt die Sauden und Exner der Empörung der klcinkapitalistischen Schichten über die ihnen zugefügte Schädigung geopfert sehen möchte, in der Wirkung auf da» sociale Leben«in Kriterinm für die Strafabmessung. Denn diese selbe �Presse hat sonst für geschäftliche Schädigungen des Erwerbslebens vorausgesetzt, das; die Macher nicht gefaßt werden— ein äußerst geringes sociales Verständnis nnd leistet nicht selten Aktionen, die darauf hinauslaufen, die kleineren Kapitalisten zum Vorteil der Hochfinanz zu prellen, bewußte Hilfe, wie sie sich andrerseits bekanntlich anßerordentlich leicht mit Kolonialgründungen und Eroberungen, mit der Anfopfernng zahlreicher Menschenleben in Fiebergcgcnden nnd kriegerischen Handelsexpeditionen abzufinden weiß— falls solche Unternehmungen im Interesse de« großen Fi»anz> und Handelskapitals liegen. Beurteilt man aber die Thatcn der Sauden nnd Exner nicht ausschließlich nach dieser Wirkung, zieht man wie das moderne Rechts- bcwußtscin unbedingt erheischt, die Motive, da« sociale Milieu in Betracht. untersucht man vor allem, wieweit sie nur die in ihrem Kreise übliche Moral und Gcschäftsauffassnng bekundet haben, wie sich ihre Machen, schaften zu denen andrer gleichartiger Finanzinstitute verhalten, so ergiebt sich ein andres Urteil. Solche Untersuchung aber ist der Börsen nnd Handelspresie zuivider. Wie sie seit dem Zusammenkrach der Leipziger Bant ängstlich bemüht gewesen ist, dcnAnschein zu erwecken, als habe es sich bei dem Leipziger Institut um ganz besondere in der Bankivelt sonst nicht zu findende Manipulationen gehandelt, so läßt sie sich auch nun»ach dem Schluß der Verhandlungen, obgleich diese manches Material dafür biete», nicht auf die Frage ei», wie lvcit die Exncrsche Mache auch andertvo praktiziert wird, sondern wieder- holt nur in endlose» Variationen da« Lied von dem verbrecherisch angerichteten Schaden. Es liegt Syslein in dieser Stellnngnahnie zn den Ergebnissen der Verhandlungen und zum Strafnrteil. Die Bezeichnung des Urteils als eines all zu milden soll die Fiktion aufrecht erhalten, als hätte Exner nicht, was er anderswo gesehen und beobachtet, ans das Leipziger Institut übertragen, sondern als handle es sich um die schwerste» Abweichungen von einer sonst überall vor- handcnen sirengsten Solidität. Man giebt das räudige Mitglied der ehrsamen Zunft preis, um die andren in desto größerer Reinheit erstrahlen zu lassen. Und zu diesem durch nichts weniger als durch Gerechtigskcitlicbe dittierteu Zweck tritt als weiteres Moment hinzu der Acrger darüber, daß die Leiter der Leipziger Bank eS zu einem Eclat haben kommen lassen, der nicht nur auf die Moral und die Künste der heutigen Finanzwelt grelle Schlaglichter wirft, sondern auch die Ge« fahren der engen Koalition zivischen Kreditinstituten und der Industrie an einem Beispiel drastisch veranschaulicht und dadurch im In« wie im Auslande das deutsche Krcditbanksystcm, dessen Ueber- legcnheit über daß französische und englische in den letzten Jahren so oft in den tönendsten Worten gepriesen worden ist, kompromittiert. Weniger die Exnersche Praxis, als ihr Ausgang, ihr schlicßlicher Erfolg ist es. der den Anstoß der Börsenpresse erregt. Hätte Exner dieselben Macheuschasten getrieben. aber eS hätte sich das Bergmannschc Patent als technisch svertvoll erwiesen, oder eS wäre zu diesem eine Neuerfinduug hinzugetreten, die eine profitable Ausbeuwng gesichert hätte, keines der Blätter, die heute nach schärferer Strafe rufe», würde nachträglich in dem starken Engagement der Leipziger Bank bei der TrebertrocknungS- Gesellschaft, in der Anwendung der von Exner beliebten Mitttel zur Verdeckmig der enormen Beteiligung und in der Wechselreiterei etwas Strafwürdiges gefunden haben; sie alle hätten, wenn später der goldene Segen in die Kassen des Leipziger Instituts geströmt wäre, den kühnen Finanzmann bewundert, der mit»genialem Blick' sich über kleinliche Bedenken hinwegzusetzen und mit.stolzem Wageinul', der Knrzsichtigkcit eines ängstlichen AufsichtSrates und ängstlicher Mitdircktorcn zum Trotz, sein Institut auf höhere Stufe zn bringen verstanden hätte. AIS im Sommer vorigen Jahres die Dresdener Kreditanstalt und die Leipziger Bank zus ammenkrachten, schrieb der.Vorwärts" in einer Charakteristik der neuesten deutschen Kreditbankpraxis, dieselbe Geschäftsführung, wie die Leipziger Bank, hätten in den letzten Jahren viele Kreditbanken befolgt, nnd nur graduell lasse sich ein gewisser Unterschied konstatiere»: .Es hieße Vogelstrauß-Politik treiben, wenn man sich verhehlen wollte, daß schon seit längerer Zeit die Entwicklung deS deutschen Kreditbankivesens eine Richtung genommen hat, die notivendig in der Zeit tvirlschastlichcr Depression zn einer tiefen Erschütterung des Kreditwesens führen muß. Während die französischen Banken, specicll die Pariser, das Hauptgewicht ans das Diskontogeschäft lege», und auch die englischen Banken sich im aNgemciiicn nur i» geringem Maße mit sogenannten Gründungsgeschäftc» befassen, sind diese im letzten Jahrzehnt mehr und mehr für die deutschen Kredit- banken zur Hauptsache geworden. Mit wahrer Wollust haben sie daranflvs gegründet; hier ElektricitälSiverkc, Straßenbahnen, Eisen- werke, dort Holzbcarbcitnngs-, Texlil-, Papierfabriken ze. sc. oder, wen» sich gerade nichts andres bot, die Fnstonicrung schon bestehender Betriebe bczw. die Umwandlung von privaten Betrieben in Aktien- Unternehmungen kultiviert. Entscheidend ivar dabei nicht das ivirtschaflkiche Bedürfnis, sondern der Gesichtspunkt, ob sich bei der Entrierung des Geschäfts etivas profitieren ließ. Ging es gut, nun dann wurde sich auf ein«cnes ähnliche« Unternehmen gcivorfen; ging es nicht, mußte die neu gegründete Aktiengesellschaft mit Unter- stützung der betreffenden Bank versuchen, anderStv'o Tochtergesellschaften zu gründen. Manchmal prosperierten nur diese und deckten mehr oder weniger die Unkosten der ersten Anlage, in jedem Fall aber brachte die Emission der neuen Aktien, weiin geschickt und mit der nötigen Reklame betrieben, neue Gewinne. Wollte es auch mit den neuen Anlagen nicht glücke», wurden sie mit andren fusioniert, untcr Um- ständen auch mit solche» einer ganz verschiedenen Branche, oder auch zu Teilgesellschaften andrer Unternehmungen umgewandelt." Die Auffassung ist damals als ein Ausfluß des üblichen .Vorwärts'-Pessimisinus nnd seines Brauches, für daS Verschulden einzelner die Gesellschaft anzuklagen, bezeichnet worden; die später in die Bilanzen der größeren Banken für daS Geschäftsjahr 1S01 eingestellten bedeutende» Abschreibungen aus den Effekten- und Konsortial-Conten haben diese Anffassnng aber durchaus bestätigt; nnd die nächstjährigen Bilanzen werden iveitere Belege liefern, da keineswegs durch die vorgenommenen Abschreibungen die Aktiven als auf ihren lvirklichen Wert heruntergebracht gelten können. Und auch für die Ansicht, daß eS sich bei der Leipziger Bank nur um eine graduelle Verschiedenheit, nicht un«— eigentliche Systeinverschicdenheitcn handelt, haben die Leipziger Prozeßverhand lungen den Beweis erbracht. Was als ungeheuerlich erscheint, ist nur, daß eine Bank mit einem Aktienkapital von 48 und einem Reservefonds von ungefähr 15 Millionen Mark sich dazn verstehen konnte, einem einzige» industriellen Konglomerat gegenüber Ver pflichtnngeu in der Höhe von 87 Millionen Mark zu übernehme». Alle andre» Manipulationen ergeben sich ziemlich einfach aus dieser die Kräfte des Instituts ivcit übersteigenden Belastung. Um die enorme Schuld der TrebertrocknnngS-Gcsellschaft an die Bank zu verdecken, um den eignen Angestellten, mit Ausnahme einiger ivcniger Ver- trauten, nicht allzu sehr die Lage der Bank und ihre Engage- nientS zn enthüllen, wurde dann neben der Hanptbuch> Haltung die Specialbuchhaltung des Sekretariats geschaffen wurden für die Geschäfte mit der TrebertrocknungS-Gcscllschaft weit über lOOCoiiten geführt; aber eigentlich falsche Buchungen sind nicht vorgenommeil. Der Zweck ivar nicht zu fälschen, sondern ein Gewirr zn schaffen, das selbst den im Geschäft Thätigen an der Uebersicht hinderte. Und dasselbe gilt von den Bilanzverschleierungen. Auch sie stellen sich nicht als Fälschungen zu Gunsten irgend welcher an der Bank beteiligten Interessenten dar, sondern als ein Mittel, die Verbindung der Bank mit der Trcbergescllschaft geringer erscheinen zu lassen als sie war, um den Fall deS Instituts aufzuhalten. Ist im Spielhagcubank-Prozcß nachgewiesen, daß Herr Eduard Sauden überall zunächst seinen eignen Vorteil gesucht hat, so hat sich Exner keine Handlung nachweisen lassen, in der er gegen daS Interesse der Bank auf eignen Nutzen bedacht gclvesen sei. Selbst der Staatsanwalt erklärte in seiner Anklage:„Ich fühle mich verpflichtet zu betonen: Die Behauptungen, die in der Presse und im Publikum vielfach auftauche», Exner habe sich bereichern wollen, sind vollständig unbegründet. Nicht persönliche BereichcrungS- gelüste, sondern ein falscher Ehrgeiz hat Exner bewogen, mit Schmidt in Verbindung zu treten und sich mit diesem so>veit einzulassen. Exner ist i» verhältnismäßig jungen Jahren an die Spitze der Leipziger Bank berufen worden. Er Iv o l l t e den Beweis liefern, daß er den Ruf des großen FinanzgenieS, der ihm vorausging, nicht umsonst habe." In diesem Ehrgeiz ist thatsächlich, wenn auch nicht daS einzige, ö doch eines der Hauptmotive zu suchen, das Exner zu der Ver- bindnng mit der Trebergesellschaft führte. Die Leipziger Bank kommt als mittlere Provinzialbank nicht recht vorwärts, andre Institute überholen sie; der Direktor Dr. Fiebiger ist dem AnfsichtSrat ein gar zu ängstlicher SicherheitSkonmiiffariiiS, der besorgt an der alten guten, aber nicht reiche Gelvinne eintragenden geschäftlichen Handhabung klebt. ES soll eine neue Kraft, die»eiie Verbindungen schafft, in die Bank hinein, ein gclvaudtcr Draufgänger, der die Mache in den großen Banken kennen gelernt hat und die Industrie heranzieht. Dieser Man» wird in Exner gefunden. Mit LL Jahren zum Leiter des alten Instituts berufen, fühlt er sich ge- drängt, seinen Ruf als Finanzkünstler zu rechtfertigen. Das glückt ihm anfangs auch, und erfreut über seine Rührigkeit, spornt der AnfsichtSrat weiter nach. Da bietet sich Gelegenheit zu einer vorteilhaften Verbindung mit der Trcbcr- trocknimgs-Gcsellschaft— zuerst eine recht bescheidene: die Bank räumt der Kasseler Gesellschaft einen Kredit von LOOlXXI M. ein, dann von 500 000. Darauf finanziert das Leipziger Institut die Erhöhung des Aktienkapitals der Trebergesellschaft auf 3 Millionen Mark, bald nachdem auf 6 Millionen Mark, llnd nun geht es hurtig weiter, nicht freiwillig, sondern halb gezwungen. Ende 1808 beträgt schon die Verpflichtung der Kasseler Gesellschaft über 23 Millionen Mark. Noch wäre eS Zeit, die Last abzustoßen und eine Sanierung vorzunehmen, die Aktien zusannnenzulegen und daS Kapital wie die Geschäfte der Bank einzuschränken. Aber daS hieße die Bank auf den früheren oder einen noch kleineren Stand zurückbringen, hieße auf alle größeren Projekte verzichten. Die Alternative ist gar zn bitter— nnd so geht es vorwärts, immer mehr häuft sich die Schuld der Kasseler Gesellschaft, und schließlich folgt der Zusammenkrach.— MebevOtffzk» Berlin, de» 24. Juli. Zuhiilterdienstc für den Zoflwucher. Die. K r e u z- Z e i t n» g' hat nun inzwischen eingesehen, daß sie von ihrem neuen Spccial-Ohm hineingelegt worden ist. Sie wird ivohl seufzend zu Max Lorenz gesagt haben, wie der eben ver- storbene Polizeirat Krüger zn seinem Haupt: Schaffen Sie uns doch kräftigeres Material— sonst können wir den 7�/» Mark-Zoll nicht durchschwindeln. Ilm die Ehre zu retten, druckt sie jetzt die Eitate sinngemäß ab. Das ist aller Achtung wert, und wir sind nicht so anspruchsvoll, zu fordern, daß sie nun auch unsre gestrige» Bemerkungen korrekt iviedcrgiebt. Mit dem zusammenhängendcn Abdruck der wirklichen Meinungen Kautskys ist für uns der Fall hinsichtlich der„Kreuz-Zeitniig" erledigt. Wir haben keinen Anlaß, die Intelligenz der„Kreuz-Zcitungs'-Lcser übermäßig hoch einzuschätzen. Immerhin haben wir so viel Zutrauen z» ihrem Verstand, daß sie, wenn sie die„ungeheuerlichen" Darlegungen jetzt im Zusammenhang lese», sich über den Reinfall ihres Leib- blaltes lebhaft belustigen iverden. Die Konzessionen an den Liberalismus nach 1306 und 1870 mögen ihnen ja sehr unangenehm gewesen sein, aber unter dem Gesichtspunkt des Hochverrats haben sie diese Entwicklung sicherlich niemals betrachtet; das hat erst Max Lorenz entdeckt. Ebenso wissen sie noch aus der Schule. daß jene Zeit nach Jena, da nach dem Zusammenbruch deS feudalen Junkertums das freiheitliche Bürgertum die Führung an sich riß. als die„Wiedergeburt Preußens", nicht als die Epoche des bürgcr- lichen Vaierlandsverrats. bezeichnet wird; auch diese letztere Meinung hat erst Max Lorenz aufgebracht. Die„Kreuz-Zeitung" thut ztvar noch ein bißchen, als ob sie auch auf Grund der vollständigen Eitate ihre gestrigen Denunziationen aufrecht erhält. Aber sie spricht doch nicht mehr davon, daß die Socialdemokcalie im Fall eines Krieges das Vater- land im Stiche lassen werde, wenn ihnen nicht zuvor Konzessionen gemacht seien, sonder» sie malt nur noch daS folgende harmlose Schreckensbild: „Die Socinlbcmokratie soll und wird bei äußeren Ver- Wickelungen es versuchen, die Herrschaft an sich zu reißen; daS wird ihr am sichersten gelingen, wen» der Krieg unglücklich für Deutschland ausfällt, und das Heer genügend socialdemokratisch infiziert ist." Die versteckte Andeutung, als ob die Socialdemokrntie einen unglücklichen Krieg wünsche, ist noch von den Fingern deS.Herrn Max Lorenz abgefärbt. Im übrigen aber könnte die Entwicklung thatsächlich dahin führen, wenn wir an der historischen Vergangenheit die Zukunft messen. Im Falle eines militärischen Zusammenbruchs würde das Junkertum voraussichtlich wie seine Väter 1806 schleunigst die unrentable nationale Gesinnung aufgeben, llnd auch von der Bourgeoisie wäre kein heroischer Widerstand zn erwarten; ihr ist eS gleichgültig, unter welcher Flagge sie ihre Geschäfte betreibt. Co würde denn das Proletariat auch dazn berufen sein, daS Recht nationaler E e l b st b e ft i m m u n g. im Znsammenhang mit ihre» socinlistischen und demokratischen Aufgaben, zu schütze», mag die„Kreuz-Zeilnng" solch Thun dann auch als Hochverrat schmähen und Herr Max Lorenz sich über diese Auflehnung gegen die„Autorität" entsetzen. Zu denLorenzschen Fälschungen gehörte auch', daß erden Satz KautSkyS: „Der Militarismus kann nur noch dadurch gebrochen werde», daß daS Militär selbst»nzuverlässig erscheint, nicht dadurch, daß es vom empörten Volke besiegt wird'— entgegen seinem klare» Sinn auf den Kampf gegen den äußeren Feind bezog, während er natürlich wieder nur die selbstverständliche Notwendigkeit ausspricht: Daß je mehr die socialdemokratische Aufklärung im Volke sich verbreitet, um so zahlreicher Männer ins Heer eintreten, die vorher Socialdemo» kraten waren, bis schließlich das Heer nur noch aus focialistisch gesinnten Soldaten besteht. Daß eine solche Armee mit freiem Boereu« trotz und zäherem Heldenmut das Vaterland gegen jede Vergewaltigung verteidigen würde, als uniformierte Knechtsseelen, die willenlos dcnr Zwang gehorchen— ist klar. Ebenso selbstverständlich aber ist eS. daß ein so veredeltes Heer kein brauchbares Instrument niehr ist, um im Interesse einer herrschenden Klasse die eignen Volksgenossen niedcrzukartätschen. Diese naturnotwendige Entwicklung mag henJnnkera fatal[ein. es giebt aber gegen sie kein Mittel, es müßte denn sein, daß auf den Militärdienst aller Socialdemokraten verzichtet wird. ES ist auch eine fromme, auS der abergläubischen Angst um den Zollwucher ge- borene Illusion der,Krenz-Ztg", daß die künstliche Wiedereinführung des Ülgr.nstaateS die Rettiinj; sei. Schon die letzten Wohle» haben gc- zeigt, daß auch das ländliche Proletariat, Landarbeiler und Kleinbauern, den socialislischeu Befreiungsgedanken zu begreifen beginnen; und die nächsten Wahlen werden dem Junkertum noch manche un- angenehme Ueberraschnng bieten. Daß aber auch der Agrarstaat keine Geivähr bietet, daß die Volksinafsen sich in elender Sklaverei zu Gunsten privilegierter Minderheiten erhalten lassen, dafür bietet doch gerade in nnsrer Zeit die revolutionäre Bewegung im felgrar- staat Nnßland mit seinen Banernrevolten und politischen Attentate» eine Fülle von Betveisen. Während die„Krenz-Zeitung" ihre» Max Lorenz preisgiebt und die Fälschung durch Abdruck der vollständigen Darlegungen Kautskys eingesteht, erklärt sich die Redaktion der„P o st" natürlich mit dem Fälscher solidarisch. Wenigstens sträubt sie sich einstiveilcn, Kantskys Darlegungen im Zusammenhang tviederzngeben. Der Max Lorenz der„Post" begnügt sich— ein ungemein spaßhaftes Ver- fahren— sich selbst, nämlich den gestrigen Max Lorenz der „Krenz-Zeitung", zu citieren und die dräuende Frage zu ivicderholen:«Was gedenken gegenüber dieser Gefahr die leitenden Männer zu thn», die in erster Linie berufen sind, vor Gott und der Geschichte die Bei antwortlichkeit für die Sicherheit des Vaterlandes zu tragen?" Max Lorenz schließt sich dieser Frage des Max Lorenz an, deren Antwort natürlich so lauten soll, daß die leitenden Männer um der Sicherheit des Vaterlandes ivillen vor Gott und der Geschichte-- y1/2 Mark Zoll zur Verfügung stellen- Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, daß der konservative «N e i ch s b o t e" anständig genug ist, um znzugcstehen:«In den Kautskyschen Darlegungen eine„Aufforderung u n d Er- z i e h u n g zum Hochverrat zu erblicken, wie dies verschiedene rechts- stehende Blätter thn», geht uns über die objektiv nach- w e i s b a r e n Grenzen hinaus." Den Gipfel des Komischen aber ersteigt das Regierungsblatt, die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung". Sie druckt noch— nach u» s r e n F e st st e 1 1 u» g e n— am Donnerstag- abend das gefälschte Entsetzen der ,K r e u z- Z e i t u n g" ab, obwohl sie doch gar nicht für den 7>/s Mark-Zoll eintreten darf. Die gemaßrcgelten, geistreichen Steckbriefbeamten der PragerPolizei scheinen in der«Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" Anstellung ge- stniden zu haben.... «• » Druckfehler- Berichtigung. In der gestrigen Notiz muß es u. a. heißen: Auf der ersten Seite Zeile 4 von nnten „kriegerische Ver Wickelungen"; zweite Seite lhintcr dem„Post". Citat)„ein konservativer Historiker wenig(statt weniger) ein- wenden"; sechs Zeilen weiter:„Die selbst ohne die Erläuterungen klaren(nicht: klareren) Sätze".— Die»enc Aera i» der Arbcitrrpolitlk. London, 22. Juli.(Eig. Ber.) Hente ist der erste Jahrestag des Tasf. Vala- Entscheides. Social! st ische Geschichtsschreiber dürften gut t h u n, sich diesen Tag zu merken und ihn rot zu unterstreichen. Den» die Erfahrungen der letzten zwvl Monate scheinen vielfach darauf hinzuweisen, daß der Entscheid eine neue Acra in der englischen Arbeiterpolitik eröffnete. Der Schreiber dieser Zeilen kann anf keinen Fall des Optimismus geziehen werden. In, Gegenteil. Er hat oft die Lage in düster» Farben gezeichnet; sie waren dem stagnierenden sociale» Leben Eng- lands entnommen. Die Stagnation scheint nun zu Ende zu sein. Wir stehen am Vorabend einer politischen Arbeiterbewegung. Das englische Proletariat, das gewerkschaftlich organisiert ist, macht jetzt den systematischen Versuch, sich von den bürgerlichen Parteien los- znlöscn. Es hat zwar noch kein socialistisches Prograinm und es wird noch lange dauern, bis es ein solches annimmt, oberes arbeitet unbewußt nach der socialistischen Richtung, nach einer rein proletarischen Klnssenpolitik. Die nächsten parlamentarischen Haupt- Wahlen werden große Ueberraschnngcn bringen. Ein sehr deachtenswertes Vorpostengefecht spielt sich jetzt ans Anlaß der Ersatzwahl in Clitheroe(Lancashire) ab. Wie bekannt, wurde der liberale Abgeordnete für Clitheroe, Sir U. I. Kay-Schnttleworth, zum Peer erhoben, er tritt in das HanS der Lords ein, wodurch eine Neuwahl nötig»vurde. Der einzige Kandidat ist jetzt Mr. Shncklcton, der Sekretär der Weber von Dariven. Die liberale Partei ivollte ihn für sich reklamieren nnd ihn als Liberal-Labonr, d. h. als liberalen Arbeitervertreter, unter- stützen. Shackleton schlug jede Unter st ützng der bürgerlichen Parteien aus:«Ich bin ein reiner Arbeiter- Vertreter und werde mich im Unterhause keiner der existierenden Parteien anschließen." Shackleton gehört keiner der socialistischen Organisationen an. Seine unabhängige politische Ueberzeugnng ist das Produkt der Erfahrungen der letzten zwölf Monate. Der scharfe Instinkt der englischen Bourgeoisie hat diesen Um- schwnng sofort empfunden. Man denke sich: bis jetzt hat es noch keine der bürgerlichen Parteien gelvagt, einen Gegenkandidaten auf- zustelle». Sie fürchten sich, den zu Tage getretenen Antagonismus (Gegensatz) durch einen Kampf zu verschärfen. Die Konservative» haben bereits darauf verzichtet, in de» Wahl- kämpf einzutreten. Gebildete liberale Politiker haben es abgelehnt, gegen Shackleton anfzntrete». Findet nun die liberale Partei in de» nächsten Tagen keine» Kandidaten, so wird der Gewerkschaftskandidat gleich bei der offizielle» Nomination, d. h. ohne eigentlichen Wahlakt zum Vertreter von Clitheroe bestimmt. Nach dem Gesagten ist es überflüssig, noch besonders hervorzu« heben, daß diese Vorgänge in parlamentarische» Kreisen mit tiefste», Interesse verfolgt werben. Man fühlt, daß die liberale Arbeiter- Periode, die seit 187ö dauerte, zu Ende geht. Der Entscheid der Lordrichter von, 22. Juli 1901 hat den Ab- bruch dieser Periode zweifellos beschleunigt. In einem der scharf- sinnigsten politische» Pamphlete, in den„Junius-Briefen", schreibt der große Unbekannte in seiner erste» Epistel vom 21. Januar 1769: «Die reine und unparteiische Rechtsvertvaltung ist das festeste Band. das den freiwilligen Gehorsam des Volkes sichert und es mit Liebe an die bestehende Regierung fesselt. ES ist nicht genug, daß daS private Recht geschützt oder daß die Justiz über die gemeine Korruption erhaben ist. Sogar ein Jeffries war uiiparteiisch, wenn das Interesse des Hofes nicht im Spiele tvar. Ein Gericht kann»och einer andren Parteilichkeit unterworfen sein— einer Parteilichkeit, die wichtiger und verderblicher ist, da sie nicht die Individuen, sondern das ganze Gemeinwesen betrifft. Ein Richter, der sich in der Entscheidung von Privatprozessen gerecht genug zeigt, kann nichtsdestoweniger zum Verräter des Publikums werden. Sucht sich die Regierung ein Opfer ans, so wird ein solcher Richter sich als Exekutor anbieten. Er wird sich kein Gewissen dar- aus machen, seine Würde zu schänden, sein Amt zu entheiligen, so- bald die Regierung oder der Hof entschlossen ist, sich an irgend einer Person zu rächen."— Deutsches Meich. J»S Gefängnis am Plötzensee wandern diesen Freitag unsre Kollegen Schmidt und John, der erste für sechs, der andre für sieben Monate. Sie haben, auch an der Enge unsres Preßgesetzes beurteilt, Nicht» gesündigt. Sie haben keine falsche Nachricht gebracht, sie haben auch in der Form nicht gefehlt. Sie haben sich die schtveren Strafen zugezogen, weil der gewaltige Eindruck der Berichte über die deutsche KriegSfnhrung in China eine Sühne und— Abschwächung erheischte. Schmidt hatte ein Telegramm aufgenommen, daß von einer deutschen Massenexckution von Chinesen berichtete. Er hatte dies Verfahren„etwas summarisch" gefunden. Die Thalsache war richtig, der Vorgang war sogar schlimmer, als ans dem Telcgra»»» hervorging, denn die erschossenen Chinesen hatten nicht ettva gegen deutsche Truppen gefrevelt. Sie sollten sich— sollte» sich— gegen Chinesen früher vergangen haben. Die deutsche Militärbehörde hatte sich also das Amt chinesischer Justiz angeinaßt. Und warum er- folgte die Verurteilung? Die militärischen Zeugen behaupteten, es seien nicht ein— wie das Telegramm angab—.sondern ztvei chinesische Zeugen veniominen ivorde», um die Schuldfrage„festzustellen"; auch wären die Zeugen nicht so jung gewesen, tvie sie aussahen. Irgend welche kriegsgerichtlichen Akten waren nicht vorhanden. Möge die „Schuld" der armen Teufel, die damals in China hingerichtet wurden, genauer festgestellt worden sei» als die nnsrcs Kollegen Schmidt, der die kleine nebensächliche Unrichtigkeit mit sechs Monaten Freiheitsverlustes büßen muß.— John hatte jenen Soldatenbrief abgedruckt, in dem sich ein deutscher Chinakämpfer selbst schändlicher Handlungen bezichtigte. Wir hatten einen»»ifangreichen Wahrheitsbeweis angeboten. DaS Landgericht schnitt ihn ab— weil die behauptete» Thatsachcn und Handlungen Urteile seien. DaS Reichsgericht unterschrieb mit einer geradezu unverständlichen juristischen Konstruktion die wunder- same Auffassung der ersten Instanz. Wegen formaler Beleidigung muß John auf sieben Monate nach Plötzcnsee zurückkehren, Ivo er schon wiederholt im Dienste der Wahrheit weilen mußte. Das bürgerliche Rechtsbewnßtsein ist völlig erloschen. Nirgends hat sich in der bürgerlichen Presse eine Stimme der Kritik über diese Justiz hcrvorgewagt. Im Gegenteil, man hörte hundertfältig die elende Lüge: Nun sei der Schwindel der Hunnenbriese festgestellt... Ja. wenn solche Urteile in Frankreich gefällt worden wären— die Specialtelegramme der Entrüstung wären geströmt! Der preußische KriegSminister kann nun die Bilanz des China- feldzngs ziehen: eine viertel Milliarde Kosten, einige Einbußen an deutschen Soldaten, iveithin verwüstete Dörfer, zu Tausenden gc- fallene Chinesen, furchtbare Massenhinrichtungen,— das sind die Hanplposte» des Verlustes. Und der Gctvinn? I n S a n s s o u c i d i e a st r o n o m i s ch e n I u st r n ni e n t e u n d i n P I ö tz e n s e e ei» paar„V o r lv ä r t s"- R e d a c t e u r e! Von unsren beiden Genossen aber hoffen wir, daß sie die Leidens- zeit gesundheitlich nicht allzu stark beeinträchtigen werde, und daß sie das Asyl für Wahrhcitökämpfcr mit der ungebeugten Entschlossen- heit verlassen mögen, auch fürderhin gegen jegliches Huiincntum aufzustehen, in welcher Form es sich inmier zeige.— Die geschlossene Gesellschaft. DaS Kammergericht hat die Ansfasjung des Ober- Verivaltungsgcrichts über den Begriff der ge- schlossencn Gesellschaft für zu enge erklärt und seinerseits folgende Grundsätze aufgestellt: 1. Eine'„gcschloffe»e" Gesellschaft ist ein»ach außen hin ab- geschlossener Kreis von Personen, welche nach innen mit einander verbunden sind. Diese innerliche Verbindimg kann anf persönlichen Beziehungen beruhen, ivelche zwischen de» Mitgliedern bereits be- bestehen oder durch die Vereinigung hergestellt werden sollen, oder aber anf der Gemeinsanikeit des sachlichen Zwecks. 2. Ein KrankennnterstütznngSbnnd von Handwerkern sowie ein Gesangverein können ohne Rechtsirrtum als geschlossene Gesellschaft angesehen werden. 3. Die Zulassung von G ä st e n macht die von ge- schlossenen Gesellschaften veranstalteten T a n z I n st b a r k e i t e n nicht zu öffentlichen. 4. Unter Gästen im Sinne der hierfür maßgebenden Vor- schriften versteht man Personen, welche auf Grund persönlicher oder sachlicher Beziehungen von der veranstaltenden Gesellschaft oder von Mitgliedern derselben eingeladen oder von der Gesell- schaft zugelassen oder von Mitgliedern eingeführt sind. Hierbei macht es keinen Unterschied, ob die Einladung an einzelne Per- sonen oder an ganz individuell begrenzte Perionengrnppen, inS- besondere andre geschlossene Gesellschaften ergeht. S. O e f f e n t l i ch ist eine T a n z l n st b a r k e i t nur dann, wenn die Teilnahme einer nach Zahl, Art nnd Individualität un- bestimmte» Mehrheit von Personen freisteht. Selbstverständlich bleibt diese Entscheidung des obersten preußische» Strafgerichts für die preußischen Polizeibehörden Luft, und es wird in jedem einzelnen Fall von den. Eintrete» einer Be- strafung abhängen, ob den polizeilich nnbeliebten Vereinen die freiere Auffassung des Kammergerichls zu gute kommt. Das Wesen des berühmten sogenaunten Rechtsstaates besteht ja nicht darin, daß Recht herrscht, sondern daß nur recht viel von» Rechte gesprochen wird.— lieber das Befinden deS Königs von Sachsen wird vom Donnerstag gemeldet: Es sei eine wesentliche Besserung eingetreten; Fieber ist nicht mehr vorhanden, der König hat stundenweise das Bett verlassen. Zum prensiisch-sächsischen Eisenbahnkriege. Das„Dresdener Joninal" weist darauf bin, daß eine Anzahl sächsischer und nicht- sächsischer Preßorgane sich neuerdings mit den Verhältnissen der sächsischen Staatseisenbahnen, den infolge des dermaligen Rückganges des tvirtschaftlichen Lebens bei ihren eingetretenen Einnahme-Ansfällcn und darum geminderten Erträgnissen beschäftigt nnd dabei das Auf- geben der sächsischen Eisenbahnhoheit und Eiscubahnselbständigkeit in dieser oder jener Form empfohlen habe. Demgegenüber erinnert das „Dresdener Journal" an die am 9. Mai in der Zweiten Kammer abgegebene Erklärung des Finanzministers Dr. Riiger, in welcher dieser ausdrücklich feststellte, daß die sächsische Regierung z u keiner Zeit daran gedacht habe, sich ihrer Eisen- v a h n n e tz e in der einen oder d e r a n d e r n F o r m zu entäußern, lvclche Stellungnahme die volle Zustimmung der großen Mehrheit der Volksvertretung fand. Seitdem habe sich an der Lage der Sache und ihrer Beurteilung nnd Behandlung seitens der maßgebenden Faktoren nichts geändert. Ob Preußen de» sächsischen„Bruder" durch seine scharfe Kon- knrrenz nicht doch schließlich zur Kapitulation zwingen ivird?— Katholische Gewerkschafle». Von Trier ans wird ein ge- drncktes Rundschreiben an die katholische Geistlichkeit erlassen, ans dem hervorgeht, daß am 26. Juni in Trier eine Versa mm- I u n g von 129 G e ist I i ch e n in Anwesenheit des Bischofs Kornin getagt hat, um über den Ausbau der katholischen Arbeitervereine zu spezifisch katholischen«Gewerkschaften" zu beraten. Der Ausbau soll geschehen„gemäß den Lehren, die in der Encyklika Horum uovarum und dem Fuldaer Pastorale enthalten sind"; sie sollen„auf katholischen Principicn beruhen". Man will den schon bestehenden und noch zngründen- den katholischen Arbeitervereinen zunächst feftgefügtcOrganisation geben. Hierzu sagt das Trierer Rundschreiben:„Eine gedeihliche Förderung dieser Arbeit wird aber nicht zu hoffen sein ohne die wohlwollende Mitivirkung durch Arbeit, Empfehlung nnd materielle Beihilfen auch eitens der katholischen Kreise, die n i ch t d e ni A r b e i t e r st a n d angehören,»ind vor allen? seitens unsres hoch- würdigen Klerus." Das Rnndschrciben ersucht dann:„die hochwürdigen Herren Konfratres mögen sich zu einem„Verein für sociale Wohlfahrt" zusammen thnn. dessen Mitgliedschaft erivorben iverdeu soll durch einen Mindestbeitrag von 3 M.. ohne daß daniit der W o h l t b ä t i g k e i t des Einzelnen Schranken gesetzt würden." Als Gegenleistung soll auf Wunsch die Berliner Wochenschrift«Der Arbeiter" umsonst geliefert werden. DaS Centnim muß alle Hebel in Beivegung fetzen, damit seine betrogenen Arbeiteranhänger sich ja nicht aus dem Weihranchnebel befreien, in den diese politischen Dunstmacher sie eingewickelt haben. Die christlichen Gewerkschaften fangen schon an, bedenkliche Selbst« ständigkeitsrcgnngen zu zeigen; in ihnen haben die Pfaffen nicht genug Einfluß nnd es besteht die Gefahr, daß die Arbeiter, denen dort der Zügel etwas zu lang gelassen werden muß, selber sehen und gehen lernen. Tcchalb muß nian versuche», sie unter dem Ruf „katholische Gewerkschaften" wieder in die alte feste Schafhürde zurückzutreiben, wo der schwarze Hirte ganz allein etwas zu sage» hat und die Schafe sich ruhig scheren lassen.— Christliche Agitation. Ans München wird uns berichtet: Der Brnstsche Bergarbeiter-Vcrband vermag in de» südbayrischc» Grnbenreviercn trotz aller christlichen Bemühungen nicht recht Fuß zu fassen, wahrend die Mitgliedschaften des allen Verbandes mächiig cniporblühen. Nach dem christlichen Gewerkschaftskongreß in München bereist mm Brust endlich einmal die Mitgliedsorte seines Verbandes und kam dieser Tage auch nach Prisseuberg, Ivo er eine Versammlung abhielt. Als die sehr zahlreich erschieiienen Mitglieder des alten Verbandes nun eine Bnreautvahl verlangten, lehnte dies Brust in der ih>» eignen liebenswürdigen Manier ab. Denn, sagte er, Bureau- wähl sei gleichbedentend mit Redefreiheit nnd diese könne nicht be- willigt werden, da die Gegner gewöhnlich nicht den nötigen Anstand wahrten! Darauf verließe» die Gegner das Lokal. Brnst mußte aber noch de» Schmerz erfahren, daß ihn nach seiner Rede ein Mitglied seines eignen Verbandes angriff und ihn unter stünnischenr Beifall der Versammlung auf den Unterschied zwischen seineu Worten nnd Thaleu anfnicrlsanr machte. Der unbequeme christliche Kritiker wurde dann ebenfalls er- sucht, das gastliche Lokal zu verlassen. Brust muß den Charakter der bayrischen Bevölkerung schon gar nicht kenne», wenn er meint, mit solchen Getvaltmittelu erfolgreich agitieren zu können.— Auskand. Der klerikale Widerstand. PariS, 23. Juli.(Eig. Ber.) Von papierenen Protesten sind die Klerikalen rasch zu thatkräftigem Widerstand übergegangen. Wie in den besten Tagen der Drcyfus-Krise, ist die„Lichlstadt" Paris wiederum der Schauplatz reaktionärer S t r a ß e n k u n d g e bunge» geworden. Diese Ehre teilt mit ihr vorläufig nur die Bretagne, das Land der ChonanS, der Sitz einer durch Fusel und Pfaffentum verblödeten Bevölkerung. Die gestrigen Kundgebungen in Paris rufen von selbst die Er- innernng an die Dreyfus-Zciten wach. Sind es doch Ivesentlich die- selben Elemente, die damals tvie heute zu dem in Frankreich nn- gesetzlichen nnd außergewöhnlichen Mittel des Straßenprotestes greifen. Ein ncnes Element bilden nur die Frauen, die Mütter der klerikalen Zöglinge, während die verkleideten nnd unifor- mierten Offiziere von ehedem jetzt naturgemäß durch kriegslustige Pfaffen ersetzt werden. Sonst ist es das bekannte Personal der ncitionalistischen Kundgebungen: die adlige und bourgeoisc goldene Jugend, patriotische HandclSangestellte, erwachsene und halberwachsene klerikale Zöglinge, Mitglieder der monarchistischen und nationalistischen Vereine aller Schattierungen mit den antisemitischen Knüppelhclden voran nnd dann natürlich der hanptstädtischc Janhagel. Der letztere hat gestern die klerikale Schilderhebung zur Ausplünderung eines Grünkramladens benutzt. So sieht die„Erhebung des Volkes", das„Erwachen von Paris" die„Empörung des Volksgelvissens", das„anfgestandene Paris" an?, wovon die Trimnph-Artikel der klerikal-nationalistischen Zeitungen zn erzählen wissen. Demgemäß wechselten die Hochrufe jenes „Volkes" anf die„Freiheit" nnd die Nonnen mit Niederrnfen gegen Juden und Freimaurer, tvährend die gegen die Manifestanten herantrabende„republikanische Garde"(berittene Polizei) von ihnen mit dem altgeivohnten nationalistischen Losungswort:„Hoch die Armee!" empfangen Ivnrde. Immerhin aber sind die Kundgebungen bedeutsam genug. An ihnen lassen sich drastisch die Ergebnisse der schleichenden klerikalen Versenchnngsarbeit bemessen. Noch vor einem halben Menschenalter würde man denjenigen auslachen, der die Möglichkeit einer klerikalen Straßenknndgebnng in Paris unter Beteiligung von Pfaffen in Soutane vorausgesagt hätte. Als vor 29 Jahren das Ministerium Ferry einige Mönchsorden auseinander treiben ließ, da fanden sich vor ein paar verbarrikadierten Klöstern als Protestler nur schüchterne geistliche Seminarschüler ein. Seitdem hat— nach einem Worte Franz Mehrings über den deutschen Kulturkampf— der römische Priester den französischen Gendarmen so trefflich ab- zutrnmpfcn verstanden, daß er anf den Hauptstraßen des„gottlosen" Paris zahlreiche nnd selbstsichere Trupps Manifestanten niobil machen kann. Dieses Resultat ist freilich nicht allein der Schlauheit nnd der zähen Energie der Kirche zuzuschreiben, wie sich das die bürgerlichen Nnr-Pfafienfresser einbilden. Ja, die Kirche spielt dabei nicht einmal die Hauptrolle. Sie hat im Grunde nnr die Entwickelnng und Verschärfung des modernen Klassenkampfes in ihrem Interesse mit gewohnter Meisterschaft auszunutzen geivnßt. In Frankreich wurzelt ihre Kraft in der immer sich steigernden Reaklionsgesimmng der Bourgeoisie, die gegen das socialistische Proletariat bei der Kirche Schutz sucht und findet. Es ist kein Zufall, daß die ersten Versöhnungsversuche zwischen Bonrgeoisrcpnblikanern und Klerikal- Monarchisten gleich nach den ersten großen Wahlerfolgcn der Socialisten(1893) stattfanden. Ebenso gründlich hat sich die Kirche den Nationalismus, diese demagogische Form der bourgeoisc» Reaktion, zu nutze gemacht. Der internationale katholische Klerus mit seiner r ö n» i s ch e n Spitze machte fanatisch' in fran- zösischem Chauvinismus, schürte unter patriotischer MaSke die Hätz gegen Juden. Freimaurer und französische Protestanten, die in den regierenden Kreisen der dritten Republik aus begreiflichen Gründen allerdings einen hervorragenden Platz einnehmen. So ist es dazu gekommen, daß das klerikale Interesse einerseits zn einem bourgeoisc» nnd andrerseits— für die national-chauvinistischen Parteigänger— zu einem patriotischen Interesse erweitert und befördert wurde. Man braucht sich nur die Parteigrnppierung anzusehen, die sich durch die antiklerikale Aklion des Ministeriums Combes reiner denn je krystallisiert hat. Da findet man hüben nnd drüben dieselbe Schlachtordnung wie zur Zeit der Dreyfns-Krise, nnr noch in viel reinerer Absonderung. Für die.Freiheit", die ich meine, für den klerikalen Schulunterricht kämpft alles, was großbürgerlich und nationalistisch ist— vom führenden Organ der republikanischen Bourgeoisie, dem. T e m p s", bis zum Demagogen R o ch e f o r t, der sonst mit dem gleichen Recht auf seine„atheistische" wie auf seine„socialistische" Gesinnung pocht. Doch die politische Vertiefung und äußere Verschärfung deS Kanipfes um die Mönchsorden ist nur geeignet, der Regierung den Rücken zu stärken durch die um so tieferen Synipathien, die ihr an sich nicht gerade welterschiitterudes Vorgehen in den demokratischen und socialistischen Schichten erweckt. Diese Schichten empfinden es als eine Demütigung, daß die Klerikalen die Pariser Straßen unsicher machen dürfen. Aus diesem Gefühl heraus haben zahlreiche socialistische nnd radikale Organisationen. darunter namentlich Studenten nnd Jngendvereine, für hente abend im Studentenviertel eine antiklerikale Straßenkundgebnng anberaumt, eine Antwort auf die gestrigen Anflritte nnd ein Gegenstück zu der für denselben Abend in demselben Stadtviertel geplanten klerikalen Kundgebung. Da wird wohl die Polizei ihre gewohnte Brutalität wiederfinden. die sie gestern ausnahmsweise den gutgesinnten Protestlern gegenüber nicht geübt hat. Die Polizei gehört eben auch zu den Mächten, Me in jeder halbwezZ demokratischen Regierung so was wie eine Rebellion gegen die bestehende Ordnung erblicken.— «• « Als die belgischen Parteigenossen fiir daS Wahlrecht de- monstrierten. geiferte die gesamte klerikale Presse über diese Ans- lehiinng gegen diese Autorität des Staates. In Frankreich gehen jetzt dieselben Klerikalen im Kampfe gegen die Staats- g e s e tz e auf die Straße, wo sie allerdings sich nur als Radau- briider aufführen. Die Donnerstag- Telegramme melden vom klerikalen Kriegs- schanplatzc: In Paris und im Seinc-Departemcnt habe» nach Ablauf der gewährten Frist 30 derjenigen Klosterschule», denen der Spcrrnngs- befchl zugegangen ist, den behördlichen Anordnungen nicht int- sprochen. Der Ministerrat wird am Freitag, wie der„Matin" meldet, ein Dekret erlasse», um gegen diese Säumigen polizeiliche Geivaltinaßregcln anzuwenden. Ein analoges Dekret wird für die übrigen Departements vorbereitet.-- Oestreich-ttngarn. Der Ausgleich. Ministerpräsident S z e l I reist Freitag nach Ficht, wo er mit dem vstreichischen Ministerpräsideuten beim Kaiser zusammentrifft. Die wiederholte» Begegnungen der beiden Miuister- pläsideirtcii bei dem Kaiser sprechen dafür, daß in der A u s g I e i ch s- frage noch große Gegensätze vorhanden sind. Frankreich. Aus der socialistischcn Partcibcwcgiirig. Paris, 22. Juli.(Gig. Bcr.) Die Revolutionär- Socialistische Einigkeit läßt soeben die erste Nummer ihres monatlichen„Bulletin Officiel" erscheinen, das die Sitzungs- Protokolle des Centrairates und der Kamnrerfraktion, die politische» Abstiminuugen der letzteren und sonstige lvichtigcre Parteihandlungen zu verzeichnen bestimmt ist. Die vorliegende Nummer bringt u. n. die Antwort der revolutionär- socialislischc» Kannnersraktion auf den Vorschlag von 7 socialistischen Deputierten anfVereiniguugder beiden socialistischcnKantnierfrnktionen. Die Antivort lautet:„Werte Genossen! Als Vertreter und parla- mcntarisches Organ der Socialistischcn Partei Frankreichs haben tvir auf der Grundlage ihrer Erklärungen die revolntionär-socialistische Fraktion gebildet. Wie im Protokoll unsrcr ersten Sitzung gesagt wird, haben wir in Uebereiustimmung mit unsrcr Partei u n s r e Fraktion aufrechterhalten, weil die Gründe, die zu ihrem Entstehen geführt hatten, mit derselben Kraft fortlvirken wie je. Wir können also n i ch t E n r e r E i n I a d u n g z u r V e r- s ch m e I z ii Ii g folgen.— Wir erklären Euch übrigens, Genossen, daß ivir stets bereit sein ivcrdcn, durch Vermittlung unsrcr zwei Sekretäre mit Euren Delegierte» sowie mit alle» andre» in Beziehungcil zn trete», jedesmal, wen» eine besondere Gelegen- heil das erfordern wird. Es sei erinnert, daß die ministeriell-socialistische Fraktion ihrer- scits geantwortet hat,„mit Vergnügen ein VerständigungSkomitee zn stände komme» zu sehen". Für ein Zusammeiigehen von Fall z u Fall stehen also keine Hindernisse entgegen. Dem„Bulletin Officiel" ist ferner zu entuehnien, daß die revolutionäre Fraktion zwölf Mitglieder zählt. Drei weitere Deputierte, auf die mau nach den Wahlen gerechnet hat, sind ihr nicht beigetreten. Die Stärke der ministeriellen Fraktion läßt sich nicht angeben, da sie bisher kein Mitgliederverzcichnis sotvie auch lein Manifest veröffentlicht hat.— Afrika. Keine VcrsöhnnngSpoliiik. In seiner Antivort auf die An- frage, ob Dr. Lcyds nach Südafrika abgereist sei, erklärte im englischen Unterhanse G h a ni v e r l a i n, eS würde überhaupt Personen, die nicht Afrikander von Geburt seien und die am Kriege thätigcn Anteil gcnoinmen haben, die Rückkehr nach Süd- Afrika nicht gc stattet. Der König gab seine Zustimmung zur Ernennung einer könig- kichen Kommission unter dem Vorsitze des Lord- Oberrichters Lord Alverstone, die nach Afrika gesandt werden soll und die auf Grund des Kriegsrechts gefällten Urteile der Militärgerichtshöfe untersuchen und darüber berichten soll, ob es thnnlich ist, sie auf- zuHeben oder zu mildern. Die Boer««. In Kapstadt wurde zn Ehren Bothas in der Halle der holländischen reformierten Kirche ein Empfang veranstaltet. Botha dankte den Afrikandcrii für den Empfang und sagte, er Ivünsche ihnen die Notivendigleit einzuprägen, Hand in Hand zu arbeiten, da Südafrika das einzige Land sei, das sie ihre Heimat nennen könnten. Dalarey sagte, sie hätten ihr« Waffen und ihre Fahne aufgegeben, aber nicht ihre Traditionen. Bei dem Empfange ivaren auch viele Engländer zugegen.— 90. Sitzung der Zolltarif Kommission. B e r I i n, 24. Juli. An Stelle der Abgg. Geher und Z u b e i l sind die Abgg. Horn(Sachsen) und Hoch i» die Kommission eingetreten. Die Position 748 belegt Opalescentglas niit 40 M. Gothcin beantragt 30 M. Die Socialdrmokratcn beantragen Zollfrcihcit. Gothcin findet es sonderbar, daß diese Position, neu ein- gestellt, mit so hohem Zoll belegt ist. Es bestehe eine einzige Fabrik in Deutschland, der mau dieses Angebinde bringe. Stadthagen meint, man könne doch einer Ware, von der die Motive sagen, sie sei eine amerikanische Erfindung, nicht deshalb vcr- zollen, weil sie in Amerika erfunden sei. Durch solche Zölle ivcrde der Handelsverkehr zivischen den Völkern erschwert und der Frieden gestört. Müller-Sagan beantragt 24 M. Zoll. Geheimrat LuscnSky ersucht, die Vorlage anzunehmen. Die Position wird nach der Vorlage angenommen. Zn Position 74g. Trocken platten für Photo- g r'a p h i s ch e Zivccke— 24 M., beantragen die Social- dcmokratc» Zollfrcihcit. Stadthagcn konstatiert, daß dergleichen Platten aus dem Ans- lande bezogen werden müssen. iMem solle die bestehende Zollfreiheit beibehalten, da die Produktion im Jnlande unentwickelt ist und dem Bedarf nicht genüge. Geheimrät Lusensky äußert, gerade, weil vom Auslände be- zogen iverdeil müsse, sei ein Zoll empfehlensivert. Gothcin und Stadthagcn wenden sich gegen diese Auffassung. Die Position lvird nach der Vorlage angenommen. Die Positionen 750/61, tverden verbunden. 750, Drahtglas, roh, ungefärbt, mich gerippt 7 M.; geschliffen zc. 24 M.; 751, Dachpfannen und Dachziegel aus Rohglas, Tafelglas oder Draht- glas 15 M. Die Socialdemokrate» beantragen Zollfrcihcit. Gothcin beantragt für Drahtglas, roh, von mehr als fünf Millimeter dick, 3 M., für andres 7 M., für geschliffenes 24 M. und zn 751— 10 M. Horn-Sachsen erklärt, daß eine andre Einteilung als die deS Entwurf von nöten sei, die fachtcchnisch unzutreffend sei. Das Ver- fahren, Drahtglas herzustellen, sei von Siemens erfunden. Draht- glas und Dachpfannen ivcrden so stark im Jnlande konsumiert, daß deshalb die Ausfuhr allerdings nicht groß sei, aber der starke Konsum im Innern mache die Fabrikation lukrativ und bedürfe keiner Unter- stützung durch einen Zoll. Gothcin begründet seine Anträge und bestätigt die Darstellung Horns. Die Siemensschen Erfindungen reüssieren, die Dividenden sind hoch, der Artikel Dachpfannen sei minderwertig, mau solle von Zollstcigcrnngeu absehe». Geheimrat Lnscnsky tritt für die Vorlage ein, sei ja doch der Zoll auf Draht erhöht ivorden, das bedinge eine Schadloshaltung. Molkenbnhr kritisiert die mechanische Art, Zollsätze aufzustellen. Verteuere man die Glasziegel, würden sie iveniger verivendet, und mit dieser Verdunkelung der Dachböden erhöhe sich für die dort beschäftigten Arbeiter die Unfallgefahr und erschwere die Arbeit. Gothcin konstatiert, daß Deutschland das Haupt-Produktionsland der Welt für Drahtgeflechte ist und das Moment des RegieruiigS- Vertreters darum hinfällig sei. Die Positionen lverden nach der Vorlage angenommen. Die Positionen 752—757 lverden verbunden. Zu 752, rohes optisches Glas— 8 M., beantragt Gothel» 3 M.. zn 753, R o h g l a s in Kugeln zc. 3 M. eine Aendcrung des Textes und für farbloses 8. fiir ge f ä r b t e s 15 M.; zu 754 Uhrgläser, ungeschliffen 10 M., geschliffen 80 M., beantragt er 8 rcsp. 20 M., 755, Brillen- und Stereoskope ngkäscr 15 M.; zu 756, geschliffene Brillengläser zc. 80 M.— 40 M.; zn 757, Brillen 120 M.. Mikroskope 60 M.— 40 respektive 30 M., astronomische Ferngläser frei. Die Socialdcinokratcn beantragen Zollfrcihcit. Molkenbnhr stellt fest, daß die Glasindustrielleu von Ilmenau in einer Petition sagen, mau solle sie mit einem so nutzlosen Zoll auf optisches Glas verschonen. Es ivcrde durch de» Zoll eine Strafe auf die ivissenschaftliche Forschung gelegt. Die deutsche Industrie optischer Instrumente sei auf den' Weltmarkt angewiesen, darum sei der Zoll auf solche Waren geradezu gemeingefährlich. Ebenso werde sozusagen ein Zoll aus das Augenlicht gelegt, wenn mau die Brillen und Brillengläser verzolle. Auf den Weltausstellungen in Chicago, Paris zc. ist die Vorzüglichkeit unsrer Industrie crtvicscn, für sie ist der Zoll geradezu eine Beleidigung. Im Interesse der Forschung und der augenleidendcn Menschen sei Zollfrciheit geboten. Die Abstiinmung Iverde bclveiscn, ob die Vorwürfe, die jetzt wegen der Vorgänge in Bayern gegen das Ccntrum erhoben lverden, nämlich,' daß es knltnrfcindlich sei, begründet sind. Gras Posadowöky erklärt, daß die Ansicht der Arbeiter über diese Zölle geteilt sei; es liege eine Eingabe von Glasschleifern zc. aus Rathcuoiv vor, die für höheren Zoll eintreten, damit die Lohnlage der Arbeiter gehoben lverden könne. Redner verliest die niederen Lohnsätze der dortigen Arbeiter. Gothcin, der seine Anträge ciüpflehlt, erividert dem Staatssekretär, daß die Arbeiter, welche die Eingabe gemacht haben, ihre Jutcecsscn nicht lvahrzunehmen verständen. Ihm. Redner, lägen gegenteilige Aeußerungcn vor, auch seien Rathenower Industrielle empört über die Sachverständigen, die der Regierung die Lage un- richtig dargestellt hätten. Regicrungsrat Völker und Geheimrat Rodah treten fiir die Vorlage ein.' Arendt will für den Antrag Gothcin zu 752 stimmen und beantragt zu Position 753— 8 M., zn 754— 60 M. Geheimrat Wcrinnlh stellt es der Kommission auheiin, bezüglich der Position 752 über eine Acnderuug zu befinden, dagegen hält er au den übrigen Positionen fest. Hör» hält es fiir ein starkes Stück, daß man auf die Eingaben einzelner Jutcressculen solche Zollerhöhungen vornehme; die Vcr- hältuisse lägen anders als in diesen Eingaben geschildert lvürde; Redner erklärt diese Verhältnisse. Wenn ein Ortsverein der Arbeiter aus Rathenolv eine Petition für höhere Zölle eingereicht habe, so nehme er an, daß das ei» Verein Hirsch- D n n ck e r s ch e n Richtung sei.(Zurufe!) Ich habe Verau- lassung, dies auszusprechen, lveil sich die Arbeiter dieser Vereine von lluteruehniern mehrfach zu solchen Dingen benutzen ließen. Geiviß ivürden die Arbeiter schlecht gelöhnt, aber der Zoll bringe ihnen keinen höheren Lohn; nicht um einen Pfennig! Gerade jetzt sei in Rathenow in der Brillcuindustrie ein Streik ausgebrochen wegen schlechter Löhne. Wie nehme sich dieser Thatsache gegen- über eine derartige Petition aus! Sie erscheine geradezu un- begreiflich. Müller-Sagan und Blell treten für die Anträge Gothein ein. Das Centrum äußerte sich zn diesen kulturfeindlichen Zöllen, trotz der Prbvolalion Molkcubuhrs, mit keincin Wort, dagegen stellte Abg. Hcrold-Ccntrum ciuc» Schlußantrag, durch den Molkeubuhr das Wort abgeschnitten wurde. Molkeubuhr bemerkt gegenüber dem Staatssekretär persönlich, daß er nicht im Widerspruch mit den Arbeitern sich befinde, sondern daß ihm noch gestern ein Schreiben von Rathenower Arbeitern zu- gegangen sei, in dem er ersucht werde, alles zu ihn»,»in die Zollsätze der Vorlage zu Fall zu bringe».(Hört! hört!) Zu Position 753 lvird der Antrag G o t h e i n(3 M.) an- genonunen. zu 754 d der Antrag Arendt(60 M.); mit diesem die Vorlage. 755 wird nach der Vorlage, zu 756 der Antrag Arendt angeuonunen. 757 bleibt nach der Vorlage bestehen. Die Positionen 753—763, Gläsbchänge, Glas- p l ä t t ch c n. Glasperlen, Glasflüsse:c. ivcrdcn zu- sammengefaßt. Die Socialdemokrate» beantragen Zollfrcihcit. Horn begründet diese Anträge. Wenn man diese Industrie, die mehr Kunstiudustrie sei, auf ciucii höheren Stand bringen und koulurrcnzfähig macheu lvolle, dann sollte man den Arbeitern bessere Löhne zahlen' und sie durch Kunstschulen zu höherer künstlerischer Leistungsfähigkeit ausbilden; durch Zölle fördere man nur die Be- reicherung der Untcruchnier. Die Positionen lverden sämtlich nach der Vorlage a u g e n o m>» e n. Daun lverden die Positionen 764—768 verbunden. Die Socialdcniokratcn beantragen Zollfrciheit. Position 764, Glasmalereien, k ü u st I i ch e Augen— 42 M.; zu Position 765, Z ä h n e aus Schmelz, in Verbiudnng mit Stiften aus Platin 400 M., andre 150 M., beantragt Gothcin 200 resp. 30 M.; 766, Glas mit G e s P i n st w a r e u, 60 M.; zn 767, GlaS- und S ch m e l z w a r e n, bemalt, vergoldet, ver- silbert 48 M., andre 36 M., beantragt Gothein einen einheitlichen Satz von 80 M.; 768 Abfälle— frei. Stadthagcn verurteilt es scharf, daß auf Glasmalereien, GlaS- mosaik, Lichtbildern, künstliche Augen ein Zoll aufgelegt iverde. Die Kunst solle frei sein. Auffällig sei es, daß das Centrum zu diesen Positionen kein Wort äußere, aber die hohen Zölle bewillige, da ja gerade die Glasmalerei sonst in katholischen Kreifen gepflegt ivorden sei. Redner wnlischtAnskniift, wer die anonymen Kreise sein, ivelche nach den Motiven vorgeschlagen haben, die Zollfrciheit zu beseitigen. Der Zoll auf künstliche Zähne treffe heutzutage auch Arbeiter, denen aus gesundheitlichen Rücksichten sogar von Krankenkassen künstliche Gebisse verordnet werden. Auch für die übrigen Positionen sei Zollfrcihcit geboten, um die Jndnstrie zn fördern. Gothcin tritt für seine Anträge ein und wendet sich gegen den Zoll auf künstliche Augen. Stadthngen stellt den Eventualantrag, künstliche Augen zollfrei zu lassen. Molkenbnhr tritt fiir diesen Antrag ein. der nicht nur wegen künstlicher Menschenaugen, sondern auch im Interesse der thüringischen Puppeuindustrie gestellt sei. Geheimrat Lnscnsky erwidert Stadthagcn, daß wirtschaftliche Interessenten die Aufhebung der Zollfreihcit für Glasmalereien vor- geschlagen hätten. Redner empfiehlt die Regierungsvorlage. Die Positionen ivcrden sämtlich nach�der Vorlage angenommen. 16. Abschnitt: Edle Metalle«nd Ware» daran». A. Gold. 760, Feingold in allen Formen— frei; 770, Legiertes Gold, gehämmert oder geivalzt— 250 M.; 771, Waren, ganz oder teilweise ans Gold, unpoliert, 300 M.; poliert. Blaltgold 600 M. Damit verbunden lverden die Posilioucn 680, E d e l st e i n e. geschliffen— 60 M.; in andrer Weise gefaßt 600 M., und 681, Halbedelsteine, bearbeitet 60 M.; gefaßt zc. 175 M. Graf Kanttz beantragt eine andre Fassung der Position 771. Die Socialdemokrate» beantragen Zollfrcihcit. Gothcin beantragt, die Position 770 zu streichen und Positon 771 im Text zu ändern und Sätze von 250, 300 und 600 M. einzustellen. Gothcin und Graf Kanitz empfehlen ihre Anträge auS zoll- techuischen Gründen. Hoch bemerkt, allerdings komme der Zollbetrag gegenüber dem Wert dieser Waren nicht in Betracht, aber die Bijouterie werde geschädigt. Die Diamantindustrie liegt in Hanau völlig danieder', sie beschäftigte früher 300 bis 400 Arbeiter, jetzt' ca. 60. Dabei sei der Lohn auf die Hälfte, ja bis auf ein Viertel der früheren Höhe gesunken, trotzdem ein Arbeiter ein neues Verfahren der Diomautenschleiferei erfunden habe, die so- genannte trockene Methode. Nun habe man die Arbeiter veranlassen wollen, für einen hohen Schutzzoll zu petitionieren, aber die Arbeiter ließen sich, bis auf 12, nicht hiueiulegen. Die De BeerS- C o m p a ii i e ruiniert die Hanauer Diamant-Jndustrie, der durch den Zoll nicht geholfen werden könne; eher treibe der Zoll noch die Industrie ins Ausland. Für die Bijouterie-Jndustrie dürften aber Edel- und Halb-Edclsteiue noch verteuert lvcrdcn. Auch»verde der Schmuggel durch Zölle nicht gefördert. Redner frägt, ob im Wirtschaftlichen Ausschuß die Verhältnisse zur Sprache gekommen seien. Aus den Motiven erkenne man das nicht. Redner erörtert dann noch die Verhältnisse der amerikanischen Diainantindustrie, die ganz anders liegen als die deutschen. Schließlich ivendet er sich gegen die Anträge Kanitz und Gothcin und empfiehlt Zoll- frciheit, da auch Jnteresscutenkrcise der Goldiiidustrie keinen Zoll wüiische». Dagegen wünschen die Interessenten bei dem Abschluß von Handelsverträgen günstige Ausfuhrbedingungen zn bekommen, dann wollen sie gern auf alles andre verzichten. Geheimrat Nadatz erörtert zolltechnische und handelspolitische Fragen und empfiehlt die Vorlage. Bahischcr Bmidesrats-Bevollmächtigter v. Schcrer tritt für die Vorlage ein, die der Pforzheimer Industrie entspreche. Gothein meint, lveini der Vorredner gesagt habe, er wolle einmal für die Vorlage eintrete», so habe er damit sagen wolle», daß das ein Ausnahmefall sei. Aber gerade diese Empfehlung der Vorlage sei am unrechten Platze, denn die Bijouterie-Jndustrie sei auf den Export angelviesen. Bmidesrats-Bevollmächtigter V. Schcrer erklärt, die badische Regierung habe seiner Zeit dem Entwurf freudig zugestimmt, sie halte ihn für ein verdienstliches Werk; natürlich habe sie auch noch kleine Scparatwünsche. Redner habe schon mehrfach die Vorlage verteidigt. Die Positionen werden sämtlich nach der Borlage an- genommen, ebenso die Anmerkung. Schluß der Sitzung'/*3 Uhr. Nächste Sitzung: F r e i t a g 3 Uhr. Kolnnmnalwahle» in Bayern. Die Würzburger Partei» genossen hatten sich mit der Frage zu beschäftigen, ob es sich ver- lohne, selbständig in die diesjährigen Ecmcindelvahlen einzutreten. Ein darauf hinzielender Antrag lvurde mit geringer Majorität ab« gelehnt, dagegen ein andrer Antrag aiigenommen. demzufolge an den Magistrat das Ersuchen gestellt Ivcrden soll, die Wahl nach Be- zirkcn vornehmen zu lassen. Geschieht dies, so wird die Partei in den ausfichtsvollen Bezirken eigne Kandidaten aufstellen. RcichStagö-Kandidaturc». Im Wahlkreise W e i d'e n(Ober- pfalz) lvurde für die nächste ReichStagslvahl von unsrer Partei der Leiter des Gaues Nordbahern, Genosse R a ck l- Nürnberg, als Kandidat aufgestellt.«Iii der nächsten Zeit soll bereits eine energische Agitation in den oberpfälzischen CentrumSdomänen entfaltet lverden, da sich die Bevölkerung an vielen Orten für unsre Ideen sehr empfänglich zeigt und das Centrum selbst eifrig dafür sorgt, daß es bei seinen eignen Anhängern jedes Ansehen verliert. Totenliste der Partei. In Mainz starb nach langjährigen Leiden der Tischler Karl Locher. Er lvar ein Sohn des alten Parteiveteranen Jean Locher, der mit Ferdinand Lassalle befreundet und schon in den öOer Jahren des vorigen Jahrhunderts fiir die Sache der Socialdemokrntie gekämpft hat. Des Vaters Bcgeiste- rung für die Sache des Volkes war auf den Sohn übergegangen, der schon in jungen Jahren sich der socialdemolratischen Partei anschloß und tvacker kämpfte. Als in Frankfurt a. M. der Socialdemokcatische Verein gegründet lvurde, übernahm er das Schristführeramt, das er jahrelang gewissenhaft ausübte. Unter dem Socialistcngesetz bekam auch er die polizeiliche Licbeusivürdigkeit in vollem Maße zu kosten; er rächte sich dafür, indem er der Polizei die tollsten Possen spielte. Bei manchem kühnen Streich war er der Anführer oder Ausführer. Vor mehreren Jahre» siedelte er nach Mainz über, Ivo der einst kerugesunde. kraftstrotzende Mann bald zu kränkeln anfing. Es war eine heimtückische, schleichende Krankheit, die ihn befallen hatte: die Knochentuberkulose. In der etiva dreijährigen Kraukheilsdauer hat der bedanernslverte Mann ein lvahres Martyrium durchgemacht, bis der Tod jetzt den schrecklichen Qualen ein Ende bereitet hat. Locher hinterläßt eine Frau mit zwei unmiindigen Kindern in bedrängten Verhältnissen. Internationale soctaldemokratische Zusauiincnknust in Basel. In Ausführung des bezüglichen Beschlusses der vorjährigen Konferenz der deutschen und östreichischen Socialisten in der Schlveiz veranstaltet der Landesansschuß in Zürich in Verbindung mit dem Arbeiterbuud sBasel auf Donnerstag, den 17. August in Basel eine intcriiationnle Zusamnienkunft mit folgendem Programm: Mittags 1 Uhr Demoustrationszug durch die Stadt, Reden auf dem Kaseruenhofplatz von den Genossen Hoch-Hanau, Cabrini(Italien) und Wullschleger-Basel. Nachher gemütliche Zusammenkunft. Politrlliches, Gcrichklillles usw. — Wegen Bclcihignng etneö Kriminal- Schutzmannes» begangen in einer Notiz, betitelt:„Uehercifer thut selten gut," ver- urteilte das Schöffengericht in Wilhelmshaven den Genossen Jacob vom„Norddeutschen VolkSblatt" in Bant zu 200 M. Geldstrafe: der Staatsanwalt hatte einen Monat Gefängnis beantragt. mit» LZnndvl. Nene Industrie-Gesellschaft. Die Schiveiuburgschen„Polit. Nachrichten" bemerken zu unsrer heutigen Mitteilung betreffs der obigen Gesellschaft:„Der„Vorwärts" vom 24. Juli enthüll die Mitteilung, in Düsseldorf habe sich„gewissermaßen als eine Unter- abteilung de» Ceutralverbandes deutscher Industrieller" am 6. Juli ein»euer Verband rheinischer Großfabrikanten unter dem Namen „Neue Judnstrie-GcscNschaft" konstituiert." Wir sind ermächtigt, zn erklären, daß lvedcr der Centralvcrbnnd deutscher Industrieller noch die rheinische Großindustrie mit der„Neuen Jndustrie-Gesellschaft" irgend etwas zn thu» hat, sondern daß diese Gründung ein Unter- nehmen darstellt, vor lvelchem nicht eindringlich genug gewarnt werden kann." Wir haben ans dem uns zugegangenen Bericht, daß an der Düsseldorfer Verbandsgründung Leute beteiligt seien, die auch im Centralverband deutscher Industrieller eine Rolle spielten, gc- schlössen, daß es sich hier um einen Ableger des CentralverbandeS handle, der die dem letzteren unbequemen Geschäfte übernehmen solle. Wenn dies nicht der Fall ist und der Centralverband nichts mit der neuen Gründung zu thun haben will, um so besser. Znm Leipziger Bankprozcst. Nach einer„Laffau-Meldung" hat ein großer Teil der Aktionäre der Leipziger Bank beschlossen, gegen die wegen Verschleierung zu Geldstrafen verurteilten ehe- mqligen AufsichtSräte der Falliten-Bmik die Regreßklage auzu- strengen. Tcntschlandö Slnsteuhandel im erste» Halbjahr 1902. Das soeben vom Statistischen Amt heransgegcbe Juni-Heft der .monatlichen Nachweise über den auswärtigen Handel zeigt, daß im ersten Halbjahr 1902 die deutsche Einfuhr wie Ausfuhr etwas größer war, lvie im gleichen Zeitraum des Vorjahres, jedoch gegen das erste Halbjahr 1901 um zusaniuien 190 Millionen Mark zurückbleibt. Der Wert der Einfuhr betrug im letzten Halbjahre in 1000 M.: 2 840 160 gegen 2 751 987 und 2 991 252 in den Vorjahren, daher gegen 1901 mehr 88 173 gegen 1900 Iveniger 151 092. Edelmetall- Einfuhr 59 417 gegen 70 602 und 60 419. Die hauptsächlichste Zu- nähme gegen das Vorjahr entfällt auf Wolle und Wollenivaren mit 63,1 MiMoii«, Muri(Stilckenlvasche 35 Millionen Mor! Fobnk- Iväsche 10,2 Millionen Marl+, Kainmziij, 17,3 Millionen M.nk+), Matcrinlivaren(40,1 Millionen Mark H-), Getreide(20,3 Millionen Marl-H Bauinwolle. Seide, Kupfer, Vieh, während die Ein- fuhr von Erzen. Maschinen. Holz. Eisen, APfällcn. Ocl aroße Ans- falle brachte. Der Wert der Ausfuhr betrug in 1000 Mark: 2 286 725 gegen 2136 020 und 2 326 467 in den Vorjahren, daher gegen 1301 mehr 150 705, gegen 1000 weniger 39 742. Edelmctallanifnhr: 38 422 gegen 38 300 und 94 673. Gegen das Vorjahr hat wesentlich zngenomme» die Ausfuhr von Eisen und Eisenwaren(54,6 Millionen Mark), Bauinwolle, BaumwoNcnlvaren und Drogucu und Fnrblvaren mit je rund 20 Millionen Mark mehr. Wolle und Wollcnivarcn (->- 11 Millionen Marl), Materialwaren, Kupfer, Zink und Zink« waren, litterarisckcn und Kuustgcgenstandcn, Steine», Papier, Häuten und Fellen, Kautschuk, während die Ausfuhr von Getreide, Instrumente» und Maschinen, Flachs zc. erheblich geringer war. Schnckert-Gescllschaft. Nach Mitteilung der»Köln. Volks- zcitung" findet morgen die angezeigte AÜfsichtsratssitznng der Gesellschaft statt. Wie es heißt, läßt der Gewinn die Ausschiittniig einer 5proze»tige» Dividende zu, doch sei noch ungewiß, ob eine Verteilung in solcher Höhe erfolge. GemeMMaftUdVes. Berlin und Nnigrgcnd. Die Isolierer und Rohrninhiiller beschäftigten sich in ihrer am Mittivoch abgehaltenen öffentlichen Versammlung niit dem Streik bei der Firma PoSnanSth u. S t r e l i tz. Von einem anivcscnden Vertreter der Firma wurden die Arbeiter ersucht, die Arbeit wieder aufzunehmen und die Regelung der Differenz bis nach der Rückkehr des Herrn Samuel, der verreist ist, aufzuschieben. Da er jedoch keine Garantie für eine den Arbeitern günstige Wendling der Dinge übernehmen konnte, so wiirde sein Vorschlag dankend ab- gelehnt und folgender Beschluß gefaßt: Die Arbeiter verlangen die endgültige Abschaffung der Accordarbcit, Wiedcreinstcllung der gemäß- regelten Kollegen, sowie Entlassung der Streikbrecher mit Ausnahme eines feit ca. 30 Jahren bei der Finna beschäftigten alten Mannes. Sollte von der Firma bis Sonnabend keine Anlivort erfolgen, so behalten die Streikende» sich vor, auch noch die Erhöhung des Stundenlohns von 45 auf 50 Pf. zu fordern. Tic Sperre über die P i a n i n o s a b r i k von E. S ch o p f, Markusstr. 18, ist an» 21. Juli aufgehoben worden, da der Bc- trieb durch Arbeitswillige besetzt ist. Die Streikenden sind größten- teils schon anderweitig untergebracht. Ob der Unternehmer mit seinen neuen Arbeitskräften ebenso konkurrenzfähig sein wird, als wie früher, ist noch sehr fraglich. Wcrkstatt-KontroNkommission des Holzarbeitcr-Verbandes. Die Goldarbcitcr von N i t s ch e u. G ü n t h c r iir R a t h e n o iv haben sich mit den Streikenden solidarisch erklärt. Sie werden jegliche Anfertigmig von Nickelarbeit, sofern ihnen solche von der Firma zugemutet wird, verweigern. Deutsches Reich. Die Verschmelzung des Nicderrheiuischcn WcbervcrbandeS Mit dem Deutsche» Textilarbciter-Vcrbaud ist in einer Konferenz der beiderseitige» Vorstände, die ani 14. und 15. d. M. in Krefeld stattfand, beraten worden. Man einigte sich über die Bedingungen, unter denen die Verschmelzung stattfinden soll. Das wesentlichste dieser Bedingungen ist folgendes: Der Vorstand des Niederrheinischcn Weberverbandes stellt an die im August 1902 stattfindende Generalversammlung genannten Verbandes de» Antrag auf Auflösung des Verbandes. Der Verband der Weber und verivandten Bcrufsgenossen tritt nach diesbezüg- lichcm Beschluß seiner an» 31. August stattfindenden General- versamnilung mit seinen Filialen zum Deutschen Textilarbeiter- Verbände über und bildet init seinen Filialen und den in Betracht kommenden Filialen des Deutschen Textilarbeiter-Verbandcs einen Ganverband letztgenannter Organisation. Die Leitung desselben wird einein Gauvorstnnd übertragen, der seinen Sitz in Krefeld hat»nd sich bei der Bildung gleichinäßig ans den Kollegen beider Organisationen zusammensetzt.' Wo an einem Orte beide Organisationen Filialen besitzen, werden dieselben zu einer gemeinsamen F'imle verschniolzen unter der Bedingung, daß der neue Filialvorstand soweit als möglich von beiden Seiten zusnnnnengesetzt tvird. An Orten, wo nur eine Filiale i» Betracht kommt, bleibt der bisherige Filialvorstand bestehe»». Die Mitglieder des Weber- Verbandes erlangen mit dem Tage des Uebertritts sämtliche Rechte der Mitglieder des Deutschen Textilarbeiter-Verbandes. Die Zeit der Mitgliedschaft in» Weberverband gelangt voll zur Anrechnung. Als Organ für die Mitglieder des Gaues wird der„Tcxlil- arbeiter" und die.Fachzeitung" des Wcberverbandes unter ent- sprechender Abänderung des Kopfes der letztere» bestimmt. Die beiden Angestellten des Weberverbandes, Ludivig Ballen und Hermann Buer, treten in den Dienst des Deutschen Textil« arbeiter-Verbandes über und köunen aus ihrer Thätigkeil nur dam» entlassen werde», wem» sie sich Agitationen gegen den Bestand des Deutschen Textilarbeiter-Verbandes oder Unredlichkeiten an» Ver- mögen desselben zu Schulden komme» lassen. Recht mangelhafte GeseheskeuntuiS hat der Oberbürger- mcister von Zeulenroda bekundet. In diesem Ort streiken die Holz- arbeiter seit neun Wochen. Kürzlich hat>mn daS Stadtobcrhaupt von Zeulenroda im dortigen Aintsblatt eine Bekanntmachung erlassen. wonach es den a u s st ä n d i g e n Holzarbeitern verboten ist, auf öffentlichen Wegen, Straßen oder Plätzen in Gruppen von mehr als zwei Personen zusammenzustehen, zlisainmenzugeheu oder andre Personen zu behelligen. Wenn das Verbot sich vielleicht auf Vcrkehrsrücksichten stützen sollte, dann ist nicht einzusehen, ivarun» es sich nur auf ausständige Holzarbeiter erstreckt. ZlveifclloS Ivill das oberbllrgcrincisterliche Verbot das Streikposten st ehcn vereiteln. Das Slreikpostcn- stehen aber ist gesetzlich statthaft und darf nicht polizeilich verboten werden. Im Rathause von Zeulenroda scheint man das noch nicht zu wissen, obgleich es durchaus keine Neuheit ist. Die Eimvohuer von Zeulenroda haben übrigens in einer stark besuchten Versammlung Protest gegen die HaudlungSiveise des Oberbürgermeisters erhoben, der auch noch in einem andren Falle seine mangelhafte Gesetzes- kenntnis bekundete. Bereits vor acht Wochen hatten die Streikenden das Gewerbe- gericht ersucht, sich als Einigungsaint n»it dem Streik zu befassen. Der Oberbürgermeister erklärte aber, er habe nicht die Pflicht, die Arbeitgeber zum Erscheine» vor den» EinignugS- amt zu veranlassen. Demnach scheint de»»» Oberbürgermeister das geltende Gewerbegerichls-Gesetz nicht bekannt zn sein. Dasselbe sagt m» Z 64: „Erfolgt die Anrufung nur von einer Seite, so soll der Vorsitz e n de den, andren Teil oder dessen Stellvertretern oder Beauftragten Kenntnis geben und zugleich nach Mög- lichkeit dahin wirke», daß auch dieser Teil sich zur A n e r k e n u n» g d e s E i n i g u n g s a m t e s b e r e i r f i u d e t." Diese Gesetzesbeslinminng ist doch so klar, daß auch ein klein- städtischer Bürgerincistcr über ihre Bedeutung nicht im Zweifel sein dürfte.— Neuerdings hat der Oberbürgernieistcr den Streikenden mitgeteilt, daß das EinigungSamt zusammentreten werde. ' Was die Situation des' Streiks betrifft, so wird mitgeteilt, daß sich die Ausständigen der Sympathie der Einwohnerschaft erfreuen. Zehn von auswärts herbcigckoininene Arbeitswillige mußten ihr Logis bei den Meistern aufschlagen, da ihnen sonst niemand Unter- kunft gewähren wollte. Die Aussperrung im Kieler Baugewerbe ist nunmehr, wie dem„Berl. Tagebl." lelcgraphicrt wird, beendet, die Arbeiter und Unternehnier haben sich auf einen bis 1907 geltenden Arbeits- vertrag geeinigt. Ter Wcisjgcrbcrstrcik in Erlange», der schon einige Monate dauert, wurde ourch Vermittelung des Magistrats beendet. Die Streikenden nahmen sofort die Arbeit auf, während sich die Unter- nehmer verpflichtete»», den von den Gehilfen geforderten Tarif ab 1. November er. in Kraft treten zu lassen. Ausland. Die Gewerkschaften OcstrcichS im Jahre 1901. Die Gewerkschaftskommission Oestreichs hat eine gründlich durch- gearbeitete Statistik über die Stärke und Leistungsfähigkeit der ihr angeschlossenen und ihr nahestehenden Gewerkschaften veröffentlicht. Die Statistik umfaßt die Berufsgewerkschaften, die all- gen, einen Ge>verkschaftsvcreii, e und die Arbeiter- B i l d u n g s v e r e i n e. Die erstcren sind die eigentlichen Träger der Gewerkschaftsbewegung, während die beiden letztgenannten Organisationsarten nur zum Teil gewerkschaftliche Aufgaben erfüllen. Die Berufsgewerkschaften gliedern sich wieder in drei verschiedene Formen der Organisation: Centralvcreine(32), Landes- oder Lokalvcreine(266) und Ortsgruppen(1273). Oesireich zählte also 1571 gewerkschaftliche Organisationen, die sich auf 90 Berufe verteilen und znsanimen 113 672 männliche und 5378 weibliche, ins- gesamt also 119 050 Mitglieder aufweisen. Die Zahl der eigentlichen gewerkschaftlichen Organisationen ist gegenüber dem Jahre 1899 um 16 ge- stiegen, die Mitglicderznhl aber um284'zurückgegangcn. Die allgemeinen Gciverkschafteu und Arbcitcrbildungsvcreine haben sich in» Berichtsjahre anZahl ztvnr vennehrt, an Mitgliedern aber um 600V abgenommen, die wohl zum Teil in die eigentlichen Geiverkschaften übergetreten sind. Allgemeine Gciverkschaftsvcreine wurden in» Berichtsjahre 167 mit 7180 Mitgliedern, und Arbciler-Bildniigsvereine 556 mit 26 374 Mitgliedern gezählt. Während der Mitgliedcrrückgang bei den Bernfsgewerkschaften gegen das Jahr 1899 in, ganzen' nur ein geringer ist, weisen einzelne Berufe sehr erhebliche Verluste auf. So ist die Zahl der organisierten Bauarbeiter zurückgegangen von 4715 auf 1505, die der Bergarbeiter von 13 083 nuf 7564, der Handschuhmacher von 1122 auf 780, der Textilarbeiter von 9638 auf 6843. Andre Organisationen ivciscn dagegen erhebliche Zunahmen auf. Es stieg die Zahl der organisierten Buchdrucker von 8613 auf 9793, der Eisenbahner von 16 385 auf 25 079, der Eisen- und Metallarbeiter von 14 366 auf 15 561, der Holzarbeiter von 2840 auf 8394, der Schuhmacher von 2445 anf 3434 uslv. Die Kassenvcrhältnisse der Gewerkschafter» haben sich in» Vergleich zu früheren Jahren bedeutend günstiger gestaltet. Die Eiunahincn der gesamten Organisationen betrugen im Jahre 1896 985 171,76 Kr., 1899 1 852 440,59 Kr.. 1901 2 229 346,21 Kr.— In diesen drei Jahren Ivurden ausgegeben: für Reise- Untcrstütznng 25 746,02 Kr., 77 486.92 Kr.. 96 691 ,26 Kr., fürArbcitSloscn-llnterstützniig 102 189,72 Kr., 286 003,81 Kr., 377 448,59 Kr., für Kranken-, Jnvaliditäts-, Witwen- nnd Waisen»», tcrstiitzung 140 389,03 Kr.. 400 151,02 Kr.. 538 890,06 Kr.. für Notfall-llntcrstütznng 12 967,34 Kr., 24 443.01 Kr., 40 362,55 Kr. — Die Strcikgeldcr, die durch freiwillige Sammlungen aufgebracht Iverden müssen, ergaben, soweit Angaben darüber vorliegen: für eigne Streiks 102 410.18 Kr., für fremde Streiks 17 802,70 Kr., für Gemaßregelte 12 759,07 Kr. Diese Zahlen ergeben noch nicht die Gesnnitsumme dessen, ivas für Streiks gesammelt resp. ausgegeben wurde, da viele Organisationci» hierüber die Auskunft ver- weigerten, und geschah da§ mit Rücksicht anf die reaktionären Verhältnisse Oestreichs, die die Geiverkschaften veranlassen, Streik- gelder nur anf llmivcgen zu sammeln. Das Beschreiten des geraden Weges wird zwar nicht durch das Gesetz, Ivohl aber durch die ver- bohrte Bureankratie verhindert. Um diesen und noch andern die Gcwerkschaftsbcivcgung hemmenden tlebelständcn abzuhelfen, Ivill die Gewerkschaftskömmission einen entsprechenden Gesetzentwurf ans- arbeiten, der dann von den socialdemokratischcn Abgeordneten ein- gereicht wird._ VermittlnugS- und Schirdöanit für Arbeitskonflikte in Norwegen. Ein von der Arbeilgebervereinigmig und der Landes- organisation der Geiverkschaften Norwegens eingesetztes Komitee hat einen Vorschlag zu einem Uebcrcinkommen zwischen den beiden Organisationen ausgearbeitet»md einstimmig empfohlen, das folgende Hauptpunkte enthält: 1. Bei jeden, Konflikt zwischen Arbeitgebern und Arbeiter», die der„Arbeitgebervcreinigung" oder der.Landcsorganisation derGcwerk- schaften" angehören, sollen seitens beider Organisationen Versuche zur Beilegung des Streites gemacht werbxn. Zu diesen» Zweck soll zuerst versucht werde», durch einen hierzu gewählten Einignugsrat zwischen den beiden Parteien zu vermitteln, und wenn das fehl- schlägt, soll der Streit durch ein ständiges Schiedsgericht entschieden werden, dessen Urteil für beide Parteien bindend ist. 2. Arbeits- einstellilngen sollen nicht stattfinden, bevor nicht ein Vermittlungs- versuch stattgefunden hat. 3. Wen» das Schiedsgericht in Thätigkeil treten soll, müssen beide Parteien damit cinverstandc» sein. Handelt es sich aber um ein zwischen einem Arbeitgeber und seinen Arbeitern getroffenes Uebereinkommen, dann ist das Schiedsgericht avch zu- ständig, wenn eine der Parteien es anruft. 4. Das Schiedsgericht besteht aus 7 Mitgliedern, wovon die beiden Organisationen je 3 wählen. Diese sechs wählen einen Vorsitzenden, der die für ein Richtcramt gesetzlich vorgeschriebene Qualifikation haben soll, als 7. Mitglied. Im Fall von Stinimengleichheit»vird der Vorsitzende vom Departement deS Innern criiannl.— Vevsknninlungen. Der Wahlverein für den dritten Wahlkreis hielt an, Dienstag im„Märkischen Hof" seine Geiieralversainmlung ab. Dem Borständsbericht, den Genosse Fritz erstattete, ist zu ent- nehmen, daß im verflossenen Quartal zwei Mitgliederversammlungen und zwei VorstaiidSsitzunge» stattgefundeli haben. Außerdem wurden zwei Ausflüge vom Verein veranstaltet. Ein Mitglied ist iin letzten Quartal verstorben. Der Kassenbericht, den Genosse H a r n d t erstaltete, weist einschließlich eines 750,15 M. betragenden Bestandes von» vorigen Quartal eine Einuahine von 1212,70 M., eine Aus- gäbe von 825,20 M. auf, so daß ein Bestand von 387,50 M. verbleibt. Für Agitation wurden 600 M. verausgabt. Dem Kassierer wurde einstimmig Dccharge erteilt.— Die E r g ä n z u n g S- wähl zun, Vorstand hatte folgendes Ergebnis: 2. Vorsitzeuder Pohl, 2. Kaisicrcr Lange, 2. Schriftführer Jonas, Reviioreu: Müller, Kräker und Hahn.— Dr. Wehl hielt sodann einen Vortrag über: Den Kampf gegen die Kurpfuscherei. Der Redner, der der Ansicht ist. daß Kurpfuscherei sowohl von Laienärzten als auch von approbierten Aerzten betrieben wird, führte ans, daß durch Polizeimaßregeln ebenso wenig wie etwa durch die von mancveii Aerzten gewünschte Aufhebung des Paragraphen 12 der Gewerbc-Ordnung die wirkliche Kurpsuscherei wirksam bekänipst werden könne. Das sei eher möglich durch eine bessere Ausbildung unsrer Acrzte, dann durch Errichtung eines Gesundheitsrates, wie er bereits in Karlsruhe besteht, der alle Er- scheinnngen auf den» Gebiete der Heilkunde zu prüfen hat. Vor allem aber könnte die Kurpfuscherei dadurch bekämpft werden, daß die socialdemokrotische Forderung, nach der jedem Befähigten die Erwerbung wissenschaftlicher Bildung möglicht gcinacht werden soll, durchgeführt würde.— Ter Vortrag wurde mit lebhaften» Beifall aufgenommen. Eine stark besuchte Versaininlung des WahlverclnS des vierte» Wahlkreises Südost tagte am Dienstagabend iin Lokale .Drachenburg". T h. M e tz» e r referierte über:„Die Bestrebungen der besitzenden Klassen und die Lage der arbeitenden Bevölkerung." Der Vortrag Ivurde init großen» Beifall aufgenomnien. In der Diskussion sprachen Petereit. Podratz und Bauingartei». Unter Vereinsangelegenheiten machte Petcrcit darauf aufmerksam, daß niemand versäumen»nöge, die Wählerlisten— welche vom 15. bis 30. Juli auSlregen— einzusehen. Beer berichtet über die bisherigen Verhaudluugen mit der Haasebranerei wegen Hergabe deS Saa'lcS zn Versaminlungeu für die Arbeiter. Dieselben sind noch nicht zu Ende. Der Vorsitzende Hoffmnnn giebt bekannt, daß der Wahl- verein Südost am 7. September ein« Uraniavorstelliing veranstaltet und fordert zn reger Beteiligung auf.— Des weiteren berichtet er, daß das Herbstvergnügen de? Vereins am 20. September in den Gefamträumen des Gewerkschaftshauses stattfindet. Zum Schluß mach» der Vorsitzende noch bekannt, daß die Verhaiidlmigen mit dein Arbeiter-Sängerbund noch nicht endgültig abgeschlossen sind, aber einer guten Lösung entgegengesehen werden könne. Ter Eentralvcrein der Maurer, Zweigverein Berlin, hielt am Mittivoch in Kellers Festsälen eine zahlreich besuchte Generalversammlung ab, in der B ö m e l b u r g aus Hamburg über die diesjährige n Lohnkämpfe der deutschenMaurer und die Verantwortlichkeit des deutschen Maurer- Verbandes sprach. Der Redner geht dann auf die einzelnen Lohnkämpfe in den größeren Städten ein und besonders auf den Kampf der Hamburger Maurer. Von den feindlichen Organisationen, mit denen der Verband hier zu kämpfen habe, habe die der Accordmnurer den Unternehmern die allergrößten Dienste erwiesen, Die Leute hätten den offenen Streik- bruch proklamiert und mit den Unternehmern genreinsame Sache gemacht. Ilm sich nicht von diesen Mensche» die Organisation zer- stören zn lassen und um sich über eine schwierige Situation hinwegzuhelfen, hätten die Verbandskollegen in Hamburg jenen bekannte» Beschluß über die Äccordarbeit gefaßt und die Sperren aufgehoben. Das bedeute aber keines- wegs ein Aufgeben des Kampfes. Die Bewegung sei nicht erledigt, sie werde in diesem Jahre überhaupt nicht erledigt. Die Streikbrecher, die die llntcrnchnier mit ungeheuren» Aufwand an Geld und Mühe- waltung herangeholt haben, seien zu einem großen Teil recht minderwertige Arbeitskräfte, teils auch ganz verkommene Elemente, an dcucn die Unternchnicr leine Freude hätten. Jener Beschluß über die Äccordarbeit werde in Hamburg nicht lange in Kraft bleiben. Dieselbe Innung, die jetzt nur die Accord- maiirer einstellen will, werde später ebenso wie vordem nuf der Abschaffung der Äccordarbeit bestehen. Am Schluß seiner Ausführungen wendet sich der Redner in scharfen Worten gegen den Plan der Berliner Lokalisten, hier in diesem Jahre eine Lohn- bclvegnng zu insceuiercn. Er weist darauf hin. daß in- folge der„Vertragspolitik" während der letzten Krise keine Lobnrednklionen wie früher in den betreffenden großen Städten vorgekommen sind. Diese Vertragspolilik müsse fortgesetzt werden; der Verband aber habe in dieser Hinsicht eine große Verantwortung. Die Aufklärung müsse in die kleinsten Orte getragen werden niid über die Grenzen Deutschlands hinaus in jene Länder, die heute noch die Masse der Streikbrecher liefern. Der Vortrag fand lebhaften Beifall. Die Versaininlung nahm gegen wenige Stiminen eine Resolution an, in der ge- sagt wird:„Die Generalversammlung des Verbandes sieht in der Solidarität der gesamten deutschen Kollcgenschaft die einzige Garantie, die Lohn- und Arbeitsbedingungen zu verbessern. lim auch die zukünftige Bewegung in Berlin zu einer wirksamen und vorteilhafien zu gestalten, ist die Aufbesserung der Lage der noch zu den niedrigsten Lohnsätzen und bei der längste» Arbeitszeit arbeitenden deutschen Kollegen dringend notwendig. Der Zweig- verein Berlin erklärt sich mit allen in» Ausstand stehenden Kollegen solidarisch. Die Versaniiulung hält es für unerläßlich, daß die größtmöglichste Agitation zur Aufklärung»msrer Kollege» in jenen Gegenden betrieben wird, wo die Kollegen ihre traurige Lage noch nicht erkannt haben, und sich infolge- dessen' nach den Streikorten schleppen lassen, wo sie die Streiks illusorisch machen. Da die Voraussetzungen und Be- ding,»igen z» einer Lohnbewegung nur von» Centralverband der Maurer Deutschlands geboten werden, erklärt der Zivcigvercin Berlin nur den Verband als berechtigten Fattor, eine Lohnbewegimg in Berlin und Umgegend vorzubereiten»nid mit Erfolg zur Durch- führung zn bringen." Der Fnchverci» der Mnsikinstriiincntcii-Arbeitcr hielt am 21. Juli seine Generalversammlung ab. Der Kassierer gab die Ab- rechming für das 2. Quartal. Einnahme 1321 M., Ausgabe 1421 M. Da im 2. Quartal allein an Streik-»md Gcmatzregelten« Unterstützung ca. 900 M. gezahlt wurde», so ist die Mehrausgabe erklärlich. Das Bereinsvermögei» betrug am 1. Juli 1563 M. Hier- auf fand die Vorstnndsivahl statt. Haffner wurde als 1. Vorsitzender, Vergmnm, als 2. Kassierer, Rosin I als Schriftführer, Lange als Beisitzer, Brösel als Revisor gewählt. JriedrichShngr». Der hiesige Arbeiter-Bildnngsverein hielt am 19. d. Mts. seine Gencralversammlnng ab, in welcher der Bor- stand seinen Bericht gab; demnach ist der jetzige Mitgliederbestand 156 gegen 152 im Vorjahre. Die Einnahme betrug 312,35 M., der eine Ausgabe vo» 305.23 M. gegenüberstxht. Ter zweite Punkt, Neuwahlen, ergab folgendes Resultat: Als Vorsitzende Kramm und Werkmann; Kassierer Schmidt und Falkowski; Schriftführer Conrad und Eisenhauer; Beisitzer Drenske, Krüger und Siewert; Bibliothekare Rndnc, Buhn und Roloß. Revisoren sind Hübncr, Hanptmaii, Hinz. Als Delegierte zur Kreiskonfercnz wurden Kramm, Hauptmann und Holzpiitter bestimmt. Unter„Verschiedenes" erörterte die Versaminlimg die An- gelegenhcit der Ortskrankenkasse mit der hiesigen einzigen Apotheke. Ebenso wie in Berlin hat auch der Apolheker Herr L. Dorna» der OrtSkasie den Kredit entzogen. Die Kasse hat sich mm auf folgende Art zu helfen gewußt. Tie vom Arzt ansgesteNtc» Rezepte bleiben bei demselben oder können auch iin Knsscnlokal abgegeben iverden; ein Radfahrer sammelt täglich mehrereinnl dieselben, läßt sie in Köpenick anfertigen»md bringt die Medizin den Kranken in ihre Wohnung. Ebenso lönnen Privatkrmike ihre Rezepte»in Kassenlokal abgeben und wird die Kasse bereitwilligst die Besorgung übernehmen, so daß kein Rezept Herrn Dornan mehr braucht übergeben zu werden. Die Versammlung erklärte sich mit dem Vorgehen des Vorstandes der Orts-Kraukeukasse einv-rstaiidcu. setzte TUrchvichket* imt» Dopeschen. Gegen daS Centrnm! RuS München meldet die„Fraiitfurter Zeitung' vom 24. Juli: Es wird ninunchr wahrscheinlicher, daß der bayrische Gesandte in Wien, Frhr. v. PodewilS, das K»ltiismi»istcrinn» erhält. Die Ueberiiahme des Miinsterilims durch Herrn v. PodewilS soll besonders eine»» Wunsche des Prinzregeiiten entsprechen. Mehrere Her» en, denen das Kiiltiisministcrium angetragen wurde, haben abgelehnt. Ministerialrat v. Wchncr, der Kimstrefercnt im Kiiltns- »nlnisterinm, ist zum Staatsrat crnnnnt worden. Diese Beförderung des durch die llenkalenVerweigeningen in erster Linie„bestrasten" Herrn v. Mehner bekundet einen energischen Protest der Regierung und des Prinzregeiiten gegen das Eentrin», das seine Macht skrupellos, aber nichts weniger als intelligent ausnutzt. Die Beobachtung, daß daS Eentrum keine Führer mehr hat, tritt jetzt in Bayern besonders sinnfällig hervor. Red. d.„V.". Der KrönmigS-Prinz. Aus Londo»» meldet die„Fraiikf. Ztg." vom 24. Juli: DaS Verhör des Prinzen von Braganza vor dem Polizei- gericht in Soiithivarc imirde heute abgeschlossen und der Prinz dem Kriminalgericht übergebe». PariS, 24. Juli.(W. T. B.) Das Znchtpolizeig ericht verurteilte sieben wegen der gestrigen Kundgebungen verhaftete Personen wegen Thätlichkciten gegen Polizeibeamtc zn Geldbußen von 50 Frank vczw. zu Gefängiiisstrafei» bis zur Höhe von drei Moiiateli. Vcrsaillel, 24. Juli.(W. T. B.) Bon den bei dem Minen- Unglück verioiiudeten Sappenren sind noch zivei ihren Verletzmigen erlegen. Der Zustand von drei andren gilr als hoffnungslos. New Dort, 24. Juli.(„Franks. Ztg.") In Sa» Fraucisco ist der Postineistcr Kröger aus Esens(Ostfrieslcmd), der beschuldigt ist, 30 000 M. unterschlage» zu haben, verhaftet worden. Hierzu 1 Beilage n. UiiterhaltmigSblatt. Berantwortlicher Redacteur: Carl Leid in Berlin. Für de» Inseratenteil verantwortlich: Xh. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin. St. 17t. 19. KkilM des JomiBtts" ßnlinct PcksdlÄ Fmtilg. 25.|nli 1902. Des Freiherrn v. Ausseß Etlde. AIS die Feste des Gerincinischen Museums in Nürnberg Pomp Host gefeiert wurden und sich die Spitzen der Gesellschaft von heute patriotisch anfeiern liesien, die doch nichts geleistet und noch weniger etwas geopfert hätten zum Werden dieses nationalen Werkes, da er- zählten wir die Leidensgeschichte des Schöpfers des Museums nnd sein elendes Ende im wüsten Rausche des deutschen Sieges. Genosse Bios hat dann in der.Leipziger Volksztg.* noch einige lebhafte Erinnerungen und Ergänzungen.aus der Zeit der Siegeslümmel" veröffentlicht. Und neuestenS teilt die Frankfurter .slleiue Presse' ans den eignen letzten Tagebnch-Aufzeich » u n g e n des Freiherrn v. Aufseh die Einzelheiten des tragischen Endes dieses ivahren Patrioten mit, der unter den Fäusten roher Hurrahelden. wie sie hordeniveise seit den letzten Kriegen das einstige Volk der Dichter»ud Denker hordenlvcise austilgten, jammer voll zusammenbrach. Die Aufzeichnungen lauten: 1. Mai(1871). Schlechte Nacht mit fortwährendem Husten und Rasseln. Doktor holen lassen, der mir eine Arzeuei verschrieb. Entschlosi mich, heim zu reisen. Machte auch heute die Festlichkeit nicht mit, iah aber vom Fenster aus den Einzug der Studenten mit Fahnen, hörte die Musik und konnte ruhig dabei bleiben, bekam auch Besuch von Dr. V. Scheffel(zweifellos der Dichter) und Dr. H. Bcckh. dem ich mein Billct zum Bankett abtrat. Abends die Beleuchtung des Münsters mir gerade gegenüber, sehr prachtvoll. Doch sehr müde, und da ich ins Bett' wollte, nach 8 Uhr, fand ich zu meinem Schreck nirgends eine» Tropfen Wasser, obgleich die dummen zwei Mägde da waren und thate», als lvenu sie alles besorgten, fragten, ob sie wiederkommen sollten, worauf ich ihnen erklärte, wenn alles in Ordnung sei, nicht, da ich sehr bald ins Bett wolle. Also keine Aussicht erlöst zu werden vom Wasser niaugel, bei fieberhaften, Durst. Ich fürchtete bei nieiner Maltig> kcit die Stiege, um deren willen ich die ganze Feierlichkeit ver- säumte, sonst hätle ich mir selbst Wasser geholt, denn schreien konnte ich nicht, da ich kein lautes Wort sprechen konnte. Ich ging vor meine Zimmerthür mit meinem Licht und ivollte warte». bis jemand käme, der mich gleich einem Schlosjgeist erlöste. Zwar kamen hier und da Leute die Treppe heraus, die ich mit meiner heisere» Stimme bat, bei Dr. Barock anläuten zu wollen. Niemand wollte oder konnte mich vernehmen. Je länger, desto mehr stieg meine Verzweiflung, mein Durst. Die Aussicht, ihn bis morgen früh 8 llhr nicht löschen z» könne», kein Glas, keine einzige der Flaschen für Trink- und Waschwasser war mehr zu finden, weder auf Waschtisch. Nachttisch. Schreibtisch, oder wo sonst noch ei» Plätzchen gewesen wäre. Und doch hatte» die beiden Mägde zugleich behauptet, alles sei in Ordnung. Ich mnfite um jeden Preis Wasser haben. Obgleich ich die Mode, die Hände in die Hosentaschen zu stecken, für abscheulich halte, griff ich doch hinein und fand— das Huudspfeifchcn, das so oft Hilfe leistete. wenn die Stimme versagte. Es schrillte in diesem engen Stiegenhause, daß es gewiß niemand, der darin und daran war! überHörle, doch niemand kam und wenn ich mit höherer Stimme die Heraus- tretenden bat, bei Dr. Varack aiiznlättte». wollte es keiner börcn, wußte auch gar nicht, woher so viele nach und»ach kamen. da doch nicht alle da wohne» konnten I An die.Alanen' dachte ich nicht. Endlich kamen z>v e i Herren in Hut und Frack daher, ans mich zugesprungen, die ich für meine Erlöser aus der Not hielt. Doch dies hatte ich noch nicht mit schwacher Stimme herausgebracht, als der eine mich von vorn packte und mit Gewalt zu Boden tu a r f, der andre n, i t seinen Fäusten auf meinen Kopf hieb, daß sogleich das Blut herunterlief. Als die PortierSfrau, die schon lange hätte kommen können, da sie das Pfeifen gehört, auf den Lärm und das Geschrei heraufkam, sprangen ihr die zwei Männer entgegen, die sie wieder- zuerkennen glaubt. Es war das Werk einer Minute, die aber höchst folgenreich werden kann und keine gute Vor« b c d e u t u u g für die Universität sein dürfte, da es Deutsche u n d sogar Professoren waren, welche diese S ch a u d t h a t an einem deutschen, sogar geladenen G a st der Universität begingen und da eS im Frieden des kaiserlichen Schlosses geschah. Man führte mich halb ohnmächtig ins Zimmer und da zufällig ein Arzt dazu kam, ordnete er kalte Umschläge mit Eis an. Der Portier und Frau zeigten sich sehr thatig. leider zu spät. IJch legte mich zu Bett und bekam noch einen jungen Arzt, Dr. Würzer, zu Besuch. Als Barack und Genossen heiniknnien, große Klage, mit der Vcrsichcrniig. mir volle Satisfaktion zu verschaffen, da er einem der Thäter keime, dieser sich selbst seiner That gerühmt hätte, indem er mich für eiiicn Franzosen gehalten. Ivas mir bis jetzt noch nicht passiert. Die EiSumschläge dauerten bis Mitternacht fort, wo ich einschlief und eine der besten Nächte hatte. Morgens nach 6 Uhr aus und für Abreise vorbereitet. 2. Mai. Varack nnd Frau noch gesehen. Ersterer morgen? mit der Partie nach Ottilieubcrg, ich um 9 Uhr mit der Eisenbahn Basel zu. Sehr angegriffen. Portier half mir auf den Bahnhof. 8. Mai. Morgens nach Konstanz und Mümsterlingen, von wo ans Wirt Schelliug mich empfing und alles besorgte. Bei ihm ein- quartiert, um Dr. Kappellcr zu konsultieren, hauptsächlich wegen des Falles nnd der Kopfwunde. Ich war furchtbar angegriffen nnd ruhte bloS au? nnd ließ den Dr. K. auf morgen bitten. Sohn des Wirtes wachte bei mir. 4. Mai. Dr. Kappellcr lam gegen Mittag und blieb lang, visitierte alles, meinte das Rückgrat sei unverletzt, auch die Hirnschale, doch schlimm stehe es um Herz und Lunge. Er verschrieb nur zwei Arzneien und kam abends vor S Uhr wieder. Mit diesen Aufzeichuniigen schließt das Tagebuch. Am ö. M a i st a r b Freiherr v. A u f s e ß in M ü n st e r l i n g e n. Eine amtliche Untersuchung wurde eingeleitet. Sie tvar am 11. Juni abgeschlossen. Auf Grund zweier ärztlichen Gut- achten entschied die Behörde dahin, daß keine Veranlassung vorliege, strafrechtlich vorzugehen, da aus dem Fund- bericht zur Evidenz hervorgehe, daß der Tod des Freih. v. Aufscß in keinem KaufalnernS zu den erlittenen Mißhandlungen stehe und ein Antrag der ReliUen auf Strafverfolgung nicht gestellt sei. Die Thäter blieben im Amte. Zeitungsberichte der damaligen Zeit nannten mit aller Bestimmt- heit die Namen B t n d i n g und von der Goltz. Binding. der nachmalige berühmte Rcchtslchrer, war 1872 in Straßburg. Eine später veröffentlichte Erklärung des ältesten Sohnes des Freiherrn v. Aufseß»airnte als Thäter.einen Profeffor und einen kaiserlichen Beamte».'__ Sociales. Bleikrankheiten. lieber Gewerbekrankhciten in drei Vleifarben-Fabrikeu macht der Gelvcrbc-Aufsichtsbcnmte für Württemberg I in seinem Bericht über das Jahr 1901 sehr beachtenswerte Mitteilungen. Die für Blei- farben-Fabrikeu zur Verhütung von Erkrankungen vorgeschriebenen Einrichliiugen wurden in allen drei Fabriken in Ordnung betroffen, aber die Zahl der Erkrankungen und die Dauer der einzelnen Er- krankuiigssälle waren bei den Arbeitern dieser drei Fabriken nicht nur im letzten Jahre, sondern schon seit längerer Zeit sehr verschieden. Woran lag das? In der ersten Fabrik, in der neben Chrom- und Bleifarben auch andre unschädliche Farben hergestellt wurden, waren nur langjährig mit der Fabrikation vertraute Arbeiter, die die Gefahren, denen sie ausgesetzt sind, genau kennen, mit gesundheitsschädlichen Hantierungen betraut. Ein Wechsel der Arbeiter kam hier selten vor und spezifische Blei-Erkrankuugen kamen in diesem Betriebe im ganzen Jahre nicht vor. In der zweiten Fabrik werden Bleifarben, Bleizucker und Blei- weiß hergestellt und mit diesen Arbeiten 25 Arbeiter beschäftigt. Doch findet hier ein häufiger Wechsel der Arbeiter statt, indem im Jahre ISOI im ganzen 75 Arbeiter eingestellt wurden, demnach das gesamte Arbeiterpcrsonal im Jahre durchschnittlich dreimal wechselte. Aber nicht alle waren deshalb nur vier Monate in der Fabrik, sondern einige waren schon seit Jahren dort, dagegen war die Beschästigung andrer eine weit kürzere als vier Monate. Von den Arbeitern erkrankten im Jahre 1901 16 an Bleivergiftung und zwar waren dies fast ausschließlich solche Arbeiter, die erst kurze Zeit im Betriebe gearbeitet, und die sich nach Mitteilung des Arbeitgebers nicht an die gesundheitlichen Vorschriften gehalten hatten nnd die vorhandenen Handschuhe. Mundschtvämme und Respirntoren nicht oder nur wenig benutzt hatten, obwohl die Arbeiter durch Anschlag in der Fabrik zur Beachtung und Benutzung derselben aufgefordert worden waren. Sie hielten sich auch nicht so reinlich, wuschen sich nicht so gehörig, wie die älteren Arbeiter und richteten sich im Essen und Trinken nicht so genau nach den erlassenen Vorschriften. Die Daner der Erkrankungen betrugen 7�/» bis IlVe Tag in einem Falle sogar 97 Tage. Die mittlere Dauer einer Erkrankung ivar(den Fall von 97 Tagen nicht eingerechnet) 21,3 Tage(im Jahre 1900 waren es 20,5 Tage); 10 Erkrankungen hatten eine Dauer unter 25 Tage, 6 eine solche über 25 Tage. In der dritten Fabrik werden nur Bleiweiß und Bleifarben hergestellt, wobei die Fabrikationsmcthode im allgemeinen dieselbe tvie in der vorerwähnten zweiten Fabrik ist. Aber während sich der Besitzer dieser Fabrik seit einer Reihe von Jahren bemüht, in seinem Betriebe Verbesserungen anzubringen, die die Maschine an Stelle der Arbeiter bei» gefährlichen Arbeiten treten lassen, z. A. 1893 eine Blei- Gießmaschinc eingeführt hat und ncuc Einrichtungen zum staub- freien Mahlen und Verpacken von Bleiweiß angeschafft hat, durch die die gesundheitsschädlichen Manipulationen des GießenS der Blcilappen nnd des Mahlens und Vcrpackcns des BlciweißeS von den Maschinen verrichtet werden, auch das Abnehmen der Bleilappen in den OxydationSkaininern nur mit einem Kleniannschc» Tanchcrhclm anSführen läßt, dem die AtmungSluft von außen zu geführt wird, ist das Gießen der Bleilappen und daS Verpacken des Bleiweißes in der dritten Fabrik Handarbeit und werden die Bleilappen in den OxhdationSkammer» ohne Schutzhelm aufgelegt und abgenommen. In dieser Fabrik wurde» 1901 im ganze» 103 Arbeiter mit gcsundhcitsgefährlichcn Arbeiten beschäftigt, von denen 34 bleikrank gctvordcn sind, davon 4 zweimal.' Die kürzeste Krankheitsdnner Ivar hier ein Tag, die längste 80 Tage. Unter Weglassung der Ausnahmefälle von 1 Tag, 72. 74. 74 und 80 Tagen betrug die Krantheitsdancr im Durchschnitt 22.4 Tage. 25 Erkrankungen dauerten unter 25 Tage, 13 über 25 Tage. Ein Arbeiter, der in zwei Arbeitspcriodcn in dieser Fabrik gearbeitet hatte, war nach der erste» 80. nach der zweiten 72 Tage an Blei- kolik nnd Darmkatarrh krank. Die Erkrankungshäufigkeit ivar in dieser Fabrik 2,91 nial so groß als in der vorerwähnten. Das Personal wechselte hier im ganzen sechsmal. Diese drei Fabriken zeigen demnach ein sehr verschiedenes Auftreten der Blci-Erkrankungen. In der ersten Fabrik tvurden nur mit den giftigen Eigenschaften des Bleies nnd mit der Art und Weise, wie man sich vor denselben am besten schützt, langjährig ver traute Arbeiter beschäftigt und zwar abwechselnd mit Herstellung giftiger und nichtgiftiger Farben. Hier kam infolge dieser Vorstchi gar keine direkte BIci-Erkrankung vor.') In der zweiten Fabrik war auch die direkte Hantierung mit Blei durch maschinelle Ein richtnngen niöiffichst vermieden. Es wurden aber neben schon mehr jährig beschäftigten auch eine größere Anzahl frisch angestellter Arbeiter beschäftigt und diese wohl durch Anschlag auf die Gefährlichkeit deS Bleies und auf die nötigen Vorsichtsmaßregeln zur Verhütung von Erkrankungen aufmerksam gemacht, die sie aber zum großen Teil nicht befolgten. Die Folge war, daß eine größere Anzahl dieser Neulinge von mehr oder weniger heftigen Erkrankungen betroffen wurde. In der dritten Fabrik waren die Arbeiter, die zu eincni noch größeren Prozentsatz Neulinge in dieser Arbeit tvaren, der direkten Einwirkung des Bleies weit mehr ausgesetzt, als in der zweiten Fabrik. Die Folge davon war ein weit häufigeres Auftreten der Blci-Erkrankungen bei ihnen. Nach diesen Ergebnissen ist es zum Schutz der Gesundheil der Blciarbciter notwendig, daß 1. die Arbeiten mit giftigen und nicht- giftigen Stoffe» abzuwechseln haben; 2. daß die gc sährlichstcu Arbeiten, für welche praktische Maschinen kviv slrnicrt sind. nur mit solchen Maschinen ans geführt werden dürfen; 3. daß die Arbeiter nicht nur durch Anschlag oder mündlich auf die Gefährlichkeit dieser Arbeiten aufmerksam gemacht und ihnen die nötigen Schutzniittel zur Verfügung gestellt werden, sondern daß die Unter- nehmer verpflichtet werde», sich auch von der Befolgung der S ch u tz v o r s ch r i f t e Ii zu überzeugen und zur Eni- lassung derjenigen Arbeiter, die sich dessen weigern oder sie trotz Aufforderung unterlassen, verpflichtet find; 4. daß den Arbeitern aber auch die nötige Zeit und die nötigen Gerätschaften zu gründlicher Reinigung gelassen werden; denn eine öberflächliche Rciiiigung ist nicht viel besser wie gar keine. Ein Arbeiter, der noch nie mit Bleipräparaten zu arbeiten gehabt hat, ist allerdings nicht gewandt genug, sich in zwei Minuten nicht nur Hände und Nägel, sondern auch Gesicht und Bart— namentlich Schnurrbart, Nasenlöcher und Zähne. gründlich von einem so festsitzenden Stoff wie Bleiweiß zu reinigen; 5. die Arbeiter auch Löhne erhalten, die ihnen eine entsprechende gute Ernährung mit fettem Fleisch. Wurst, Milch und Kaffeesermöglichc» oder daß ihnen cveut. diese Stoffe in natura geliefert werden, wie es bereits mit gutem Erfolge in einigen Betrieben geschieht. Dann wird auch der Geuiiß der Alkoholika leichter einzuschränken sein. Daß aber die Ernährung der Arbeiter infolge schlechter Löhne sehr im Argen liegt, hat der Gcwcrbc-Anfsichtsbeamtc für Württemberg I, Herr Baurat Berner in Stuttgart, schon in seinem Bericht vom Jahre 1898 anerkannt, indem er in betreff der von den Fabrikbesitzern hervorgchobeucn falschen LebenSivcise der Arbeiter bemerkt:„Dies mag thatsächlich der Fall sein, es ist aber auch ein« leuchtend, daß die Bleiweißarbcitcr. besonders die nicht ständig bc- chästigtcn, bei der schlechten Bezahlung nicht in der Lage sind, eine achgemäße Kost einzuhalten, und daß sie der Mehrzahl nach schon körperlich geschwächt zur Arbeit kommen und nur notgedrungen die vorübergehende Arbeit des Eutleerens der OxydationSkammern auf« nchiiicii, weil sie eben keine anderweitige Beschäftigung finden kömicii'. Hoffentlich ziehen Herr Berner und seine Herren Kollegen nunmehr auch die Äonsequenzen ihrer Beobachtuugc», indem sie die Durch- ührung so wirksamer Maßregeln wie die de» angegebenen ver- langen._ Ein Opfer deS Sparsystcmö? Eine schwere Anschuldignug erhebt im„Hamburger Frcmdcnblatt' ein Abonnent, der Sonntagabend mit jenem Zuge fuhr, bei dem der Schaffner Oldenburg tödlich verunglückte. Er schreibt:„Ich fuhr mit meiner Familie 9 Uhr 22 Minuten abends von Reinseld; wir passierten Oldesloe gegen 9 Uhr 50 Minuten. Gegen 9 Uhr 55 Minuten sah ich einen Schaffner vor das Fenster unseres Abteils kommen, ') Dabei ist nicht ausgeschlossen, daß die Gesundheit auch dieser Arbeiter durch ihre Beschäftigung mit der Zeit geschädigt wurde, da die durch Blei stets verursawte Entkräftung des Körpers ihn mehr zu andern Krankheiten, z. B. Tuberkulose und Nierenleiden, disponiert. Nur direlte Blei-Erkranknugen. traten nicht auf. aber fast in demselben Augenblick nach hinten mit den Armen hoch zurückschlagen. Ich zog die Notbremse und nach einigen Sekunden stand der Zug. Zwei Mann des Personals wurden zurückgelassen; sie haben den Mann gefunden, welcher dann gegen 12 Uhr in Oldesloe gestorben ist, weil seine Verletzungen zu schwerer Art waren. Der Unfall ist dadurch herbeigeführt, weil der Thür- drücker, welchen der Schaffner angefaßt hatte, ans seiner Ver- schraubung ausriß und der arme Mensch natürlich fallen mußte. Der ganze Unfall ist demnach eine Folge des mangelhaften Materials gewesen.' Die Eisenbahn-Direktion wird sich zu diesen Angaben äußern müssen.__ Zum internatlonalcn GenosscnschaftSkongrcff. London, 22. Juli. Wie bereits berichtet, tvurde der fünfte internationale Genosscnschaftskougrcß gestern in Manchester eröffnet. Gleich der erste Tag zeigte den Gegensatz ztvischcn den bürgerlichen und socialistischcn Genoffcnschaftlern. Mr. Georg I. Holyoake er- öffnete die Debatte mit einer Empfehlung der Gewinn« b e t e i l i g n u g und schlug folgende Resolütion vor:„Es ist wünschenswert, den Gedanken der Gewiniibeteiligung unter den Unternehmern zu verbreiten und ihnen die Vorteile zu zeigen, die dieses System ihnen bringen könnte." Dafür sprachen u. a. der bekannte englische Schriftsteller D. F. Schloß, Professor Victor Böhmer!, Albert Trombcrt(Frankreich) und der Geistliche N. P. Gilinan(Vereinigte Staaten). Dagegen die deutschen und französischen Socialisten. Nachdem der Antrag nnt 3 Stimmen Mehrheit angenommeu tvorden war, verließen die Socialisten die Sitzung. �_ Nach geschehenem Unglück. Nachdem in der galizischen Erb- wachsgrube Boryslaw eine Anzahl Bergleute dem schlechten Znstande der Gruben zum Opfer gefallen sind, wird jetzt eine allgemeine Untersuchung der Gruben angeordnet. ES ist, wie offiziell gemeldet wird, eine Spccialkommission eingesetzt tvorden, die die Gruben ilntersiichcn und Vorschläge zur Erhöhung der Sicherheit machen soll. Aus dev Fvnttcnbemrüttttg. Gegen die Verkürzung der Arbeitszeit der Frauen wird lebhaft Sturm gelaufen. Die„Kölnische Zeitung' lätzt sich zu der Umfrage der Fabrikinspcktorcn, ob die Frauenarbeit gesetzlich auf 10 Stunde» verkürzt werden soll, aus dem Wupperthale schreiben: „Wo eine solche Beschrnnkung mit dem Betriebe vereinbar, ist sie längst durchgeführt; bei einer gesetzlichen Festlegung aber würde jede infolge der Saisonarbeit u. dgl. notwendige Jndividuali« sierung unmöglich werden. Nicht zu übersehen aber ist dabei der weitere Gesichtspunkt, daß auch die Landwirtschaft der industrielle» Bezirke ein berechtigtes Interesse daran hat, daß die Arbeitszeit in der Industrie nicht weiter verkürzt werde. Schon heute richtet sich vielfach die Arbeitszeit in der Laudwirtschast nach der in der Industrie, d. h. es werden die Lohnansprüche in der Landwirtschaft gemäß der kürzeren Arbeitszeit, die in der Industrie üblich ist, in die Höhe geschraubt. Eine ivcitere Verkürzung der Arbeitszeit in der Industrie würde also von nachteiligen Folgen auch für die Landwirtschaft sein, die schon heute nur schlvcr die notwendigen Kräfte für sich gewinnen kann. Was nun insbesondere einen früheren Schluß der Arbeiiszeit an den Tagen vor dem Sonn- und Feiertagen anbelangt, der ja jetzt schon mn 5>,s Uhr nachmittags erfolgt, so hat kaum eine andre soeialpolitische Maßregel einen so vollständigen Miß- erfolg erlebt, tvie die deS Herrn v. Berlepsch, der den Schluß um 5t/s Uhr nachmittags zur Pflicht machte, damit die Arbeiterinnen dem bevorstchcuden Sonn- und Feiertage im eignen Heim die rechte Vorbereitung und Weihe zu geben in der Lage wären. Wer in der Praxis des täglichen Lebens steht, tveiß, zu welch andren Dingen durchweg diese freie Zeit nach ö�/s Uhr nachmittags anSgeimtzt wird. Daß in vielen Betrieben auch die männlichen Kräfte mit der Arbeit schließen müssen, Iveil die Frauen und Mädchen um 5Vs Uhr entlassen werden, ist ja bekannt, und dieser Ucbclstand tvürde snur schlimmer werden, wenn der Schluß noch früher erfolgte. Im übrigen liegt die Gefahr nahe, daß manche Betriebe ganz von der Be- schäfligung von Arbeiterinnen absehen, und so könnte eine solche soeialpolitische Neuerung leicht das Gegenteil von dem erreichen, was sie bezweckt." Diese Einwände sind aiißerordentlich schwach. Gegen die all- gemeine Verkürzung der Arbeitszeit auf zehn Stunden wird allein geltend gemacht, daß dann auf die Saisonarbeit nicht Rücksicht ge- iiommen werden könnte. DaS ist ja natürlich ganz hinfällig, denn so gut wie jetzt bei der gesetzlich elfstnndigen Arbeitszeit Ausnahmen für außergewöhnliche Häufung von Arbeit zngclnsscn werden, so würde innu sie auch bei der zehnstündigen zulassen. Das geschieht leider jetzt schon in viel zu großem ttmfange und würde dann ver« niutlich in noch größerem geschehen. Der Hinweis auf die Landwirtschaft beweist natürlich nicht, daß in der Industrie die Arbeitszeitverkürzung nicht nötig und nicht möglich ist. er beweist nur, daß auch für die Landarbeiter eine gc- sctziichc Festsetzung der Arbeitszeit dringend nötig und daß die Land- Wirtschaft, wie sie gegenwärtig in Deutschland betrieben tvird, nur von der UeberauSbeutniig ihrer Arbeiter— nnd außerdem der Kousiuneiiten durch die Zölle— existiert, ein Znstand, dessen Be- scitigung ein Segen für die arbeitende Bevölkerung Denlschlands wäre. Wenn sonst eine Verkürzimg der Arbeitszeit der Frauen auch eine solche für die Männer zur Folge haben sollte, so wäre daS sehr erfreulich und würde nur die gesetzliche Festlegung der Arbeits- zeit auch für alle männlichen Arbeiter sehr erleichtern. Im übrigen hat die ganze Umfrage offenbar nur den Zweck, die Bertürznng der Arbeitszeit der Frauen zu hintertreiben. Wollte man ernsthaft eine olche Verkürzung, dann bedürfte cS der Umfrage nicht mehr. Be- weife für die Möglichkeit und Nützlichkeit, ja Notivendigkrit der Ver- kürzung find längst in erdrückender Masse erbracht. Berliner Partei-Angelcgenheiien. Zur Lokalliste. Der S ch i e ß k l u b. C e n t r u m' in Ober« Schönewcide hält am Sonnabend, den 26. Juli, ein Vergnügen bei Fricsccke,„Krug zum grünen Kranze", Nachfolger W. Diltman» in Ober-Schöneweide. ab. Da versucht tvird, in Arbeiterkrcisen BilletS abzusetzen, wird darauf anfmcrlsam gemacht, daß das Lokal der Arbeiterschaft zu Versammlungen nicht zur Verfügung steht. Die Lokalkonnnission. Erster Berliner Reichstags- Wahlkreis. Zu dem am Sonntag, de» 27. Juli, stattfindenden Familien- Ausflug nach Fricdrichsfclde, Budes Fcstsäle, Prinzen-Allce 30, wird noch darauf aufmerksam gemacht, daß von 2—4 Uhr daselbst Kaffcekvchen statt- indet, später gemeinsames Spiel im Schloßpark, wozu zahlreiche Beteiligung erwartet tvird. Britz. Sonntag, den 27., früh 7 Uhr: Handzrttclverteilnng. Treffpunkt bei Weniger. Werderstr. 27.— Montagabend SVe Uhr bei Püschel, Ehansieestr. 07, volkSversninuilnng. Tagesordnung: 1. Zeit- und Streitfragen des Reichstages. Referent: Fritz Znbeil. 2. Das Verhalten unfrer Gemeindevertreter Jenner und Dorn. Der socialdcinokratischc ZlaitationSverein für den NcichS- tagö-WahlkreiS Kalan-Luckau halt Sonnabend, den 26. Juli, abend« 8 Uhr, bei MerkowSki, Andreasstr. 26, feine General« versammlimg ab, wozu die Genossen geuaimte» Kreises hierzu be- 'onders eingeladen seien. Nicder-Schöncwcide. Der Wahlverein hält am Sonn- abend seine regelmäßige Versaiiimlinig bei I. Franz, Grünauer« straße 5, abends um SVe Uhr, ab. Frauen und Gäste haben Zutritt. Im Gasthof zum Schwan in Schmargendorf, der sich durch seine schöne Loge nm Rande des Grunewalds auszeichnet, wird von den Parteigenossen Wilmersdorfs am Sonntag ein W a l d f e st mit Kinder-Fackelzug und Feuerwerk veranstaltet. Auf diesem Feste, das auch der Arbeiterschaft Berlins zum Besuch empfohlen sei, kommen hauptsächlich die am letzten Sonntag des Regenwetters wegen unterbliebenen Arrangements zur Ausführung, Der Eintritt ist frei. Groh-Lichtcrfrlde. Die hiesigen Parteigenossen veranstalten am S o n n t a g, den 27. I u l i, im Nichterschcn Etablissement, Chausseestr. 104, ein großes S o m m e r s e st. Da alles auf- geboten worden ist, die Fcstteilnehmer in jeder Beziehung zufrieden- zustellen, wird zahlreicher Besuch seitens der Arbeiterschaft erwartet. Das Komitee. Teltow-BccSkow-Storkow-Charlottenburg. Am Sonntag, den 17. August 1902, findet im Etablissement Birkenwäldchen in Steglitz das diesjährige Kreis-Volksfest statt. Näheres siehe Inserat. Billets können durch den Genossen Platz, Lichterfelde, Thausseestr. SS, bezogen iverdcn. LaKnIes. In» KrciS der Jahreszeiten. Den Plötzensee'er Hunnenbeleidigern John und Schmidt zum Abschied gewidmet. Geschieht auch nichts, ist alles freie Regen Erstarrt, und läuft in engen, gleichen Wegen Das künmierliche Dasein Tag für Tag— Der Himniel scheint auch Euch, des Donners Schlag, Des Sturmes Brausen und des Schnees Geflimmer, Sie wirken Euch der bunten Freiheit Schimmer. Die Monde wechseln, Sonne steigt und sinkt, Das Jahr ergriint, vereist— das alles klingt Gedoppelt wieder in der Einsamkeit, Der voller reicher tönt so Lust wie Leid, Die feiner hört und tiefer fühlt, was spricht Natur, das ewig Neues sinnende Gedicht.— Im Sommer war's, da zogt Ihr ein. Der Staub Des Hofes wirbelt schwarz um Mensch und Laub; Jin Hmidstagsbrand ein müd' vcrdross'nes Trotten, Durchs grelle Fenster strahlt die Glut, und Rotten Lichlstäubchen tanzen wirbelnd ihre Weise, Ihr schaut dem Spiel und summt ein Tanzlied leise. Doch Sonntags will die Wehmut nimmer weichen, Wie endlos träge da die Stunden schleichen, Derweil von draußen hallt ein lauter Trubel Wie Jahrmarklswirrmusil und Jngendjubel. Sie feiern Sonntag, wandern, schmausen, lärmen, Sie singen, tanzen, necken, küssen, schwärinen, An Eurem Ohr der Svmmcrrausch verbrandet: Ein Schifflcin, das Ihr ruft, doch niemals landet.. i Das Jahr verglüht. Die Gräser an den Mauern Entfärben fröstelnd sich in Negenschauern. Auf brauneni Halni wippt zierlich eine Maus Und sucht sich nagend herbstlich dürren SchmanS. Novembernebel! Alles Licht entschwand, Die Sonne geht nicht auf in diesen» Land. In engem Dämmer öde graut die Zelle, Und stehen blieb der Zeiten starre Welle. Ein Bahrtuch webt sich Euch aus Nehelrankcn, Ein dürres Blatt weht durch des Gitters Schranken, Gespenstisch rasselnd fällt es Euch zu Füßen— Schreiend die Krähen Todes Ernte grüßen...,» Da pfeift ein Heller Wind, die Dünste weichen, Die Nachtgcdaiiken feig und scheu entschleichen, Die Sonne eine neue Sterncnwelt Schuf sich auf Erden glitzernd, lustig fällt Der Schnee, des Kerkerhofcs Aschenlaiid Deckt weißer Sterne schimmerndes Gewand. Was thut's, daß griunnig zwackt Spaßiinhold Frost I Das klare Licht poliert des Trübsals Rost, Bis grämlich sich der Winter dann verkriecht Und zwischen Sturm und Regen nörgelnd siecht. Und wieder wird ein andres'Wunder wach. Am Abend tönt der erste Vogelschlag, Ganz schüchtern, leis, als wollte er probieren, Ob er vor'm Lenz sich müsse nicht genieren. Der erste Schein erschließt des Schlafes Gruft. Zum Fenster auf! Des Morgens junge Luft Und seine Freiheit Ihr in durst'gen Zügen Trinkt, und genießet, atmend nur. Genügen. Es wallt über die Welt des Friihrots Glanz; In duft'ger Höh' der Zwitscherreigentanz Der Vögel! Saftgespannt die Kospen sprießen, Vergcistend wie in Sonncngold zerfließen... Die Monde wechseln. Sonne steigt und sinkt. Das Jahr ergrünt, vereist— das' alles klingt Gedoppelt wieder in der Einsamkeit, Und nimmt mit sich die Zeit, die lange Zeit. Jedweder neue Tag ist nur ein neuer Spender, Es niehrt sich im Gefangenschaftskalender Der Striche Schar, die Male toter Stunden, Und min der letzte Abstrich I... U e b e r w n n d e n? «Joe. Eine neue Haltestelle der Anhalter Vorortbahn in der Aorkstrasje. Uni den vielfach angeregten Wünschen, dem in der Gegend der Dorkstraße, Mansteinstraße und in Schöneberg wohnenden Publikum Rechiiling zu tragen, errichtet die kgl. Eisenbahn-Direktion eine Haltestelle in der Vorkstraße, und zwar für die Strecke Groß-Lichter- felde-Ost und für die Linie Zossen. Die Arbeiten dieser Station sind bereits so weit gediehen, daß die Eröffnung derselben in nicht allzu ferner Zeit bevorsteht. Um auch einem starken Sonntagsverkehr gegenüber vollkommen gewachsen zn sein, ist die räumliche Ausdehnung der Haltestelle eine sehr bedeutende. In» neuen Botanischen Garten in Dahle»» nehmen die baulichen Arbeiten einen rüstigen Fortgang. Eine ganze Anzahl von Kulturhäusern sind bereits fertig gestellt, sämtlich in Eisen- konstruktion mit hölzernen Sprossen und einfachem Glase versehe». Die hervorragendste Banlichkeit ist ohne Frage das große Winter- hanS. Dasselbe hat eine Länge von 40 Meter, eine Breite von 20 Meter und eine Höhe von 14 Meter im First und macht aus den Beschauer einen höchst gefälligen Eindruck. Die Anzahl der Häuser, die im Anlageplane vorgesehen ivaren, hat eine Veriuehruiig erfahren durch ei» Haus für Kolouialpflanzen neben dem Kolonial- garten. Die Pflanzen selbst gedeihen vorzüglich. Wider Erwarten gut haben sich die Gebirgspflanzen, aecliinätisiert, welche in der neuen Heimat sich ersichtlich ganz»vohl befinden. Ebenso steht das Rosarium in schönster Blütenfnlle und gewährt einen entzückenden Anblick. Drei zum Teil größere Störunge» in» Strasicnbahn- Betriebe haben am gestrigen Tage statlgefunden. Eine Störung von sehr bedeutender Äusdehnnng entstand um Val Uhr an der Ecke der Roon- und Bismarckstraße. Hier zerschnitt ein Wagen der Linie Moabit— Schlesischer Bahnhof die Weichenzunge, wobei Kurzschluß herbeigeführt wurde. Infolgedessen mußten die dort verkehrenden Wagen teils durch die Dorotheeustraße abgelenkt, teils durch Accn- »nulatorenwagrn geschoben werden. In letzterer Weise wurde auch der Motorwagen der Linie Rixdors— Moabit vorwärts bewegt. Der Führer desselben vergaß, den Uiiterlettiingspflug zu heben, der in eine noch nicht fertiggestellte Unterleitungsliirve geriet, sich dort fcstlief und zerstört lvurde. Da hierdurch auch der Verkehr durch die Dorotheeustraße eine circa einstündige Unterbrechung erfuhr, mußte der Verkehr durch die Leipziger- und Französische- straße abgeleitet werden. In der letzteren Zeit finden aber in der« selben Schienen-AuSwechselungen statt, wodurch streckenweise ein« geleisiger Betrieb vorgefchrieliei» ist; so entstanden hier Wagen- anstauuiigen, die sich zum Teil bis zur Leipzigerstraße erstreckten. — Um' 11 Uhr vormittags war auf den Schienen in der Hardenbergftraße an der Fasaneustraße ein mit Steinen beladencr Arbeitswagen zusammengebrochen. Der Betrieb der Verlin- Charlottenburger Straßen bahn-Linien konnte nur mittels einer Umfahrungswciche aufrecht erhalten werden.— Um ViS Uhr wurde ebenfalls in derHardenbergstratze an der Kaiser Wilhelm-Gedächtnis- kirche eine kürzere Betriebsstörung dadurch herbeigeführt, daß die Vorderachse des Straßenbahnwagens 1602 der Linie Görlitzer Bahnhof— Amtsgericht in der Kurve entgleiste. Der Betrieb»vnrde durch Ableitung' über den Kurfürstendamm, Kiirfürstenstraße und Nürnbergerstraße aufrecht erhalten. Selbst gestellt hat sich der K a s s e n b o t e Friedrich Wagner, der vorgestern der Seehandlung 57 000 M. unterschlug. Wagner hat wohl eingesehen, daß er nach den umfassenden Maßregeln, die zu seiner Ergreifung bei seinem geringen Vorsprung gc- troffen werden konnten, nicht»veit kommen»verde. Daher begab er sich heute morgen zur Staatsanwaltschaft beim Landgericht I und stellte sich ihr zur Verfügung. Von einer großen Naivetät zeugt es, daß er im Verhör glauben machen wollte, er habe das veruntreute Geld, daS man nicht mehr bei ihm fand, verloren, und daß er bei dieser Behauptung bleibt. Jedenfalls hat er die Zeit, die er sich bis zur Selbstgestcllung ließ, dazu benutzt, seine Beute zu verstecken, nach berühmten Mustern vielleicht im Grunewald, um sie sich nach Verbüßung der Strafe wieder anzueignen und dann damit zu ver- schwinden. Wagner wurde nach dem Verhör in Untersuchungshafl gesetzt. Bein» Spiele» überfahre» nnd getötet wurde gestcn», Mittwochnachmittag, der 12 Jahre alte Sohn Max der Witwe Nenner, die am Johannistisch 2 ein Materialwarengeschäft betreibt. Da die Frau fünf unmündige Kinder besitzt, so war der zlveitälteste Sohn Max seit fünf Jahren in» FriedrickiSstift zn Steglitz unter- gebracht. Jetzt hatte er vierzehn Tage Ferien und war bei der Mutter und bei den Geschwistern zu Hause. Gestern nachmitag um 6 Uhr spielte der Knabe mit einem Reifen an der Hcilig-Kreuzkirchc und in der Blücherstraße. Als ihm der Reifen über den Fahrdamm weglief, rannte er ihm nach, fiel aber gerade vor einem Lastwagen der Dr. Ratzdtschen Kohlensäure- Industrie auf dem schlüpfrigen Asphaltpflaster hin. Bevor der Kutscher anhalten konnte,»var dem Unglücklichen schon ein Rad über den Unterleib gegangen. Schwerverletzt wurde er mit einer Droschke nach der Unfallstation in der Wilhelmstraße gebracht, als man aber dort mit ihm ankam,»var erscholl tot. Die Leiche wurde dem Schauhause von der Revierpolizei überwiesen. Vo» eiuci» Straße, ibahnwagr»«nigcfahrcn wurde am Mittwochabend um 8»/z Uhr der 28 Jahre alte Sattler Rudolf Rusch aus der Zionskirchstr. 33. Von der Arbeit kominend, verließ er an der Ecke der Fehrbcllinerstraße und der Kastmiicn-Allce einen elektrischen Wagen und wollte nach der andren Seite der Straße hinübergehen. Während er nun einem Lastwagen auswich, übersah er einen andren Straßenbahnwagen, der ans der entgegengesetzten Richtung von der Scbönhanscr-Ällee her gefahren kam, ivnrde von diesem umgestoßen und unter der vorderen Plattform 20 Schritte weit geschleift. Der Verunglückte erlitt schwere Verletzungen an den Knien, den Hüfte» und am Gesicht und mußte von der RcttungS- station in der Kastanien-Allee mit einem Lückschcn Wagen nach dem LazarnS-Krankcnhanse gebracht»Verden. Rätselhafter Todesfall. Fräulein vr. xbil. Elise Ncmnann, Tochter des verstorbenen Zoologen Nenmann aus der Potsdamer- straße Nr. 10. wurde Mittwochnachinittag in einem Laboratoiium in der Chausieestraße tot aufgefunden. Die junge Dame, die bei ihrer verlvitweten Mutter in der PotSdamerstraße wohnte, promovierte vor einigen Jahren in der Physik zun» vr. xlnl. nnd arbeitete in cincin großen chemischen Laboratorum, das in einem Hanse der Chaussee- straße uinfaugreichc Räume einnimmt. Hier fand man sie gestern in der fünften Nachmittagsstunde mit Cyankali vergiftet tot auf. und zwar in dein Raum, den sie allein als Arbeitszimmer benntzt. Ob ein Unfall oder ein Selbstmord vorliegt, ist noch nicht aufgeklärt. Auch ein Grund zum Selbstmord ist bisher nicht bekannt geworden. Da die Dame in ihren Arbeiten selbständig ivar, so»veiß mau auch nicht, mit welchem Präparat oder ivclche Untersiichung sie sich gerade beschäftigte. In dem Arbeitszimmer wurde alles so belassen, wie eS bei der Auffindung der Leiche war, damit die Untersiichungs« und Gcrichlsbehördcn Gelegenheit haben, sich ans dein unveräiiderten Zu- stände der llnigebung ein Urleil zu bilden. Bau-Nngliick. Auf dem BanfRenterstr. 7 in Rixdorf, ausgeführt vom Maurermeister Wolf, ereignete sich am Donnerstag früh nach 9 Uhr ein Unfall, der sehr leicht große Opfer gefordert haben könnte. Auf dem Rebenbau des BainmternehmersjScidlitz waren die Zimmer- lente mit dein Richten beschäftigt. Ans bis jetzt noch unaufgeklärten Ursachen rutschten sechs Dachsparren, welche schon seitwärts verankert Ivaren, ab, da sie an der Dachlatte noch nicht befestigt gclvcsen, nnd schlugen mit mehreren verankerten Holzstiicken auf den circa 2Vs Etagen tiefer liegenden Bau Renterstraße 7. Das Frühstück war gerade vorbei, die Leitcr ivar noch besetzt von aufsteigenden Arbeitern. Der Manrer UlanoivSki, welcher einer der ersten war und gerade im Begriff stand, seine Arbeit zu beginnen,»vurde von den herabschlagendcu Holzmassen getroffen. Ivodurch ihm der Unterkiefer nnd der rechte Arm zerschlagen wurde, NlanowSki wurde sofort nach den, Krankenhanse am Urban gebracht; er steht im 23, Lebensjahr nnd ist noch unverheiratet. Dcr Bnn des Unternehmers Seidlitz steht in der dortigen Gegend in keinem gnten Geruch, denn auf diesem Bau hat ein ständiger Wechsel der Arbeiter stattgefunden. Im Grund sührten Lohnmaurer die Arbeit aus; da dem Herrn S. diese nicht genügend leisteten, gab er ihnen Feierabend und nahm sich Accordinaurer, während jetzt wieder Lohn- maurer die Arbeit fertig stellen. Unendlich viel Schaden an Leben und Gesundheit der Arbeiter hälte durch den Unfall angerichtet lverden können, wenn auf dem unteren Bau schon die Arbeit in flotten Gange geivesen»väre. Wann endlich iverdcn diese Bau- lölven angehalten»Verden zu reeller Arbeit und genügenden Schutz- Vorrichtungen. Der Rcttuiigökah» an der Weideiidaniuierblückc ist nnr ür gelvandte Tnriicr zu erreichen. Die zur Spree sührende Treppe an der Nordostseite der Brücke endet nämlich bereits 1 Meter über dem Wasserspiegel. Sic findet ihre Fortsetzung in einer senkrechten Leiter, deren eiserne Sprossen in die steinerne Uferböschung ein- gemauert Ivorden sind. Am Fuße dieser Leiter, die nur eine mit körperlicher Gewandtheit ausgestattete Person hinabsteigen kann, liegt der Retlnngskahir. Froschjäger. Eine empörende Roheit»vird jetzt häufig von jungen Burschen und selbst von älteren Leuten verübt, welche an den Seen und Wasserläufe» der Umgebung Berlins der Froschjagd obliegen. Die Froschjagden»verde»» keineswegs sportsmäßig, sondern geiverbsmäßig betrieben. Die Froschschenkel bilden bekanntlich eine Delikatesse für Feinschmecker und dieser Schenkel wegen»vird Jagd gemacht auf diese Amphibien. Die„Froschkcnlen" iverdcn an Restanratenre, Dclikatessenhändler sc, verkauft und finden die Frosch- lägcr in ihnen willige Abnehmer für ihre Jagdbeute. Statt nun aber die gefangenen Tiere zn töten, schneiden ihnen die rohen Ge- sellcn vielfach bei lebendigem Leibe die Schenkel ab nnd überlassen sie dann geivisscnlos ihrem jämmerlichen Schicksal. Es»väre»vohl zu wünsche»;, daß den rohen Patronen ihr Handwerk gründlich gc- legt»vnrde. Zeuge» gesucht! Personen,»vclche gesehen haben, daß am 29. Juni d. IS., abends gegen S'/i Uhr, zwei Herren am Küstriner« Zlatz durch einen Schutzmann sistiert lvnrdcn,»verde»» gebeten, ihre Adressen an Schnhinachernieister R. Mosk«, Kochhannstr. 38, gelangen zi» lassen. ' Aus den Nachbarorten. Weitere AbHolz,»ngen in der Umgebnilg Berlins. Die Absicht des Forslfiskus, die Schön holzer Heide zur Bebauung zu verkaufen, hat lebhaften Unwillen nicht nur in den beteiligten Vororten, sondern besonders im Norden Berlins hervorgerufen. Man hofft, daß der Landlvirtschaftsininister jetzt, nachdem er durch Pelitionen über die Verhältnisse und den großen Wert der Heide aufgeklärt tvorden ist, in letzter Stunde die Genehmigung zun, Verkauf versagen wird.— Diese Hoffnung scheint jedoch»veiüg Berechtigung zu haben nach den Meldungen, die jetzt ans Rummelsburg, Johannisthal und Karlshorst kommen. Nach diesen Meldungen sollen auch hier große Wald- Parzellen der Axt zum Opfer fallen. Die Forst- Verwaltung»vartet nur noch auf einen Käufer. In Rummels- bürg ist der größte Teil der Wnhlheide schon abgeholzt, doch bot der sich nach Karlshorst hinziehende Streifen des Waldes immerhin noch den Anlvohiiern gute Erholung. Gerade für Rummelsburg ist daS Stückchen Wald, infolge der vielen Fabriken, Mästereien usiv. im Ort von großem Wert. Die Gemcinde soivie auch die KarlShorster Vereine streben die Erhaltung des Wäldes an. Tie AnSdehiinng der Kra,,?e»»-Ve»-sicheriingSpflicht a'if die HimSindnstrtelle» und Heimarbeiter ist vor einiger Zeit in N e ii- W e i ß e n s e e beschlossen ivorden. Die Gemeindevertretuilg iiahm ein entsprechendes Ortsslatut an. Noch ist dieses Statut aber nicht genehmigt worden und zwar angeblich ans dem Grunde,»veil der Kieisansschuß für den Kreis Nieder-Baruim beabsichtigt, für alle Orte um Berlin die Versicherungspflicht der HauSiildustriellcn und Heimarbeiter gleichzeitig anzuordnen. Eihebuiigcu haben zu diesem Zweck schon stättgefuilden. Schulneubau Schöueberg. Zn den kürzlich in Nr, 164 des .Vorwärts" gekeiiiizeichnetcn Ziiständen auf den» Schönebergcr SchlllhauS-Neiibail in der Hohenstaiifcnstraße, ausgeführt von der Finna Busse u, Gansow, haben wir heute ein Nachspiel zu ver- zeichnen. Die kurze Notiz unsres Blattes, in»vclchcr die fahllässigcn Schntzvorrichtnngen, das ständige Ueberzcitarbeiten und die Behandlung seitens des Poliers K o b i a k einer Kritik unterzogen»vnrden, haben letzteren so in Erregung gebracht, daß er strenge Rache denen geschlvorc» hatte, die nach seiner Anficht der Verbandsleitung der Maurer die unwürdigen Zustände auf diesem städtischen Bau ge- meldet hatten. Die Gelegenheit hierzu bot sich ihm nun am ver- flossenen Mittlvochabend,»vo ein Mangel an Verblendsteinen eintrat. Der Polier K. ließ nun insolgedessen IS Maurer lvcgci» Material- mangel aussetzen. Hierbei suchte sich der Polier uiin alle diejenigen aus, die»vährend der Pausen in der Bude für geregelte Zustände eingetreten und des öfteren de» Polier auf Mißstände aufmerksam gemacht hatten. Statt daß derselbe den betreffenden dankbar wäre wegen dieser Aufmerksamkeit, da bei event, Unfällen, deren einige schon kurz vorher vorgekomme!», der Polier sonst zur Verantwortung gezogen ivorden»väre', beehrter dieselben mit den» Aussetzen. Dieses Manöver empörte die übrigen Manrer,»veShnlb sie sich insoweit mit ihren Kollegen solidarisch erklärten, als sie de»» Polier mit- teilten, ebenfalls so lange die Arbeit ansznsetzen, bis Material genügend vorhanden sei. An» selben Tage hatten mehrere neue Manrer allgefangen, ivclche nicht aiiszusetzen brauchten, nnd halte auch der Polier schon Tags zuvor� gesagt, daß cntiveder die betreffenden Manrer de» Bau verlassen müßten oder aber er gehen»vurde. Auf diese Stelliingiiahine der übrigen Maurer schien der Polier nur gerechnet zu haben, ihn» kam diese Willens- erklärung gerade recht,' seinen lange gehegten Wunsch, die gesamten. nach seiner Ansicht aufsässigeii Manrer durch audre,»villfährigere zn ersetzen, aiiSznführcn. Sofort erhielten alle Maurer, 70 an der Zahl, Feierabend und mußten den Bau verlassei», trotzdcn» inzlvischen die fehlenden Verblendsteine eintrafen. Zur Charakteristik der Art der Baiiausfi'ihrung sei noch mitgetcilt, daß die Arbeiten keines- »vcgs den Änfordernngen entsprechen, die ninn an solide städtische Bauten z» stellen hat. So ist eine ständig« Treiberei das Hindernis, die Arbeit so anszusühreii, wie es sich gehört. Wenn die städtischen AnssichtSbeamten den Rücken kehren, so sind Be- »»erklingen,»vie.Es kommt so genau nicht darauf an, die Arbeit ist vom Krcnzberg aus nicht zu scheu" oder„Man zu. das ist ja doch keine Verblendärbcit" an der Tagesordnung, Es wäre hier dringend am Platze, daß die städtische Banvcrwallung«in»vachsaines Auge für die baiiailsführcnde Firma soivie deren Ilntergcbene hätte, damit derartige skandalöse Zustände aus der Welt geschafft»vürden und vom Steucrsäckel der Stadt ausgeführte Bauten solide gearbeitet und für die Arbeiter keine Unglückstätten»vürden. Ein Banunfall crcignctc sich gestern vormittag gegen Vil2 Uhr auf dem Neubau von Datsch und Kühne, Pillauer- und Gubener- straßcn-Ecke. Der Stcinträgcr Anglist Oestereich ans der Memelerstraße »vollte beim Abiverfen der Steine verhüten, daß dieselben ans die Straße hinabfallcn, verlor dabei das Gleichgelvicht nnd stürzte von» 2, Stockwerk auf ein nicht den Vorschriften entsprechendes Schutzdach. »velcheS zerbrach, und von da auf die Straße. Am Kopf und an den Beinen schlver verletzt, brachte» ihn einige seiner Kollegen nach der llnfallstation. Oestercich ist verheiratet. Die übrigen alif dem Bau beschäftigten Stcinträger stcllten sofort die Arbeit ein und verlangten vom Polier, daß ein vorschriftsmäßiges um den ganzen Bai» sich er- streckendes Schutzdach angebracht»verde, andernfalls sie die Arbeit nicht»vicder anfiiehine»»vürden. Aus Rixdorf meldet eine Korrespondenz: Eine Sub- m i s s i o n s b l'ü t e haben die Ausschreibungen der Erdarbeiten zum Bau des Rixdorfer Stichkanals durch die Köllnislbe» Wiesen ergeben. Eine sehr bclaimte, leistuiigSsähige Firma in Breslau ist die Mnidcft- 'ordernde. Sie»vill die Arbeiten für 71 800 M. ausführen, während eine Berliner Finna, die Höchstfordcrnde, 212 SOO M„ also dreimal so viel verlangt. Die übrigen Offerten, IS an der Zahl, beivcgen sich zivischen den beiden genannten Forderungen und»veisen auch noch kaum verständliche Unterschiede auf. Ein Teil der Rixdorfer Stadtverordneten»vill den Magistrat veranlassen, nur einem solchen Unteriiehiner die Arbeiten zu übertragen, der sich verpflichtet, hiesige Arbeiter einziistellcn, damit nicht, wie zle Begiim des Frühjahrs beim Teltowkanal der Umstand eintritt, daß hiesige Arbeitslose zu Gunsten billigerer polnischer Arbeiter zurückstehen»Hüffen. Die Vritzcr Geincindevertretung beschäftigt« sich in ihrer letzten Sitzung ziniächst mit der KanalisalionS- und WasserversorgungS- frage. Bekanntlich hat sich die Stadtgemeinde Schöueberg bereit erklärt, die Ablvässer von Britz in ihr Druckrohr anfzuliehmen als Aequivalent dafür, daß die Gemeinde Britz die Genehmigling zur Durchlegung des Schönebergcr Druckrohres nach den» Rieselfeld Klein-Zicthcn erteilt. Der diesbezügliche Vertragsentwurf ist fertiggestellt, wurde aber in geheimer Sitzung beraten. Was die' Wasserversorgnng betrifft,' so sind Unterhandlungcl» niit den Berliner und Charlottenburger Wasserlverlen im Gange; nebenher ist aber auch die Schaffung eines eigne» Wasser- »vcrkcs in« Auge gefaßt ivorden. nachdem die Möglichkeit hierfür fachmännisch festgestellt ivorden ist.— Zu den Kosten einer Brücke über den Teltoivkanal im Zuge der Straße 45 bewilligte die Ver- samnilimg den Betrag von 10 000 M. unter der Vcdingnng, daß die gleiche Summe von den Anliegern ausgebracht»verde.— Die Schuldienerstelle für die 2, Gcmeiudeschule, niit 400 M. Jahresgehalt dotiert, soll den» Nachtivächter Bolte übertragen»verde»»,»veinr sich für die Stelle, die gesetzlich den Militäranwärtern vorbehallen ist, ein solcher nicht meldet. Abgestürzt ist gestern abend in Boxhagen. Bahnhofstr. 4. eine Frau Engel beim Fcnstcrreinigcn. Dieselbe fiel von» zweiten Stock ans auf das Pflaster und verletzte sich so schlver, daß sie nach denr Krankenhanse gebracht»verde»» milßte. Sociale TU'diksztfU'gc. Klebcp flicht. Bei der diesmaligen Kontrolle der Qiiittnngs- karten hat sich ergeben, daß für Versicherte,»velche ihren Lohn bezw. ihr Gehalt wöchentlich resp. monatlich ausbezahlt erhalten, auch SSeittflflSmarTcn M dreizehn Wochen verwendet worden sind. Ein solches' Verfahren ist unstatthaft und ein Beweis dafür, daß die be- treffenden Arbeitgeber diese Beitragsmarken nicht bei der jedes- maligen Lohn-' bezw. Gehaltszahlung, wie dies der§ 141 des Jnvaliditätsversicheriuigs- Gesetzes vorschreibt, sondern erst nachträglich verwendet haben. Beitragsmarken, welche für eine längere Zeit als eine Woche gelten, müssen auch immer entwertet sein. Ferner ist bei jeder Lohn- beziv. Gehaltszahlung von den Wer- sicherten die Hälfte der Beiträge in Abzug zu bringen. Sind Abzüge bei einer Lohn- oder Gehaltszahlung'speriode unterblieben, so dürfen sie für die fragliche Vezahlnngsperiode nur bei der nächst- folgenden Lohn- oder Gehaltszahlung nachgeholt werden. Von allgemeinstein Interesse sind zwei vorliegende Gerichtsentscheidungen, welche dieselbe Materie behandeln, aber zu entgegen- gesetzten Schlüssen gelangen. Beide betreffen Arbeitgeber, welche es verabsäumt hatten, der versicherten Person recht- zeitig uird ausreichend Marken zn kleben, infolge dessen diese mit ihrem Anspruch auf Invalidenrente von der Versicherungsanstalt ab- gewiesen wurde und nun den Arbeitgeber auf Zahlung einer ent- sprechenden jährlichen Rente vor Gericht verklagte.'Dem Klage- antrage wurde im ersten Falle mit der Begründung Folge gegeben, daß Z 823 des Bürgerlichen Gesetzbuches denjenigen' zum Ersätze des daraus entstehenden Schadens verpflichte, der vorsätzlich oder fahrlässig das Eigentunr oder sonstiges Recht eines andren verletze oder wer gegen ein den Schutz eines andren bezweckendes Gesetz verstoße. Die öffentlich rechtliche Arbeiter- Versicherung bezlvccke aber ohne Frage den Schutz der wirtschaftlich Schwächeren gegen Rot, Entbehrungen und Inanspruchnahme der öffentlichen Armenpflege. Solvohl das Alters- und Jnvalidcngcsetz vom 22. Juni 1889 als auch das Jnvalidenpcrsicherungs- Gesetz vom 13. Juli 1899 verpflichteten den Arbeitgeber zum rechtzeitigen Einkleben der Beitragsmarken in ausreichender Höhe und erforderlichen Zahl.' Dies hätte dem be treffenden Arbeitgeber bekannt sein müssen. Derselbe habe daher grob fahrlässig gehandelt, indem er seiner KIcbepflicht nicht nach- gekommen sei, und habe demzufolge den darauf ursächlich zurück zuführenden Schaden zu vertreten. Er wurde zur Zahlung und Sichcrstellung einer jährlichen Rente i» Höhe des Betrages der aus- gefallenen Invalidenrente verurteilt. Jnr zweiten Falle wurde die Klage der geschädigten versicherten Person zurückgewiesen, indem das Gericht geltend machte, daß das Klebe» von Jnvaliditätsmarken voriviegend Pflicht des Arbeit- nehmers sei. Zwar liege im vorliegenden Falle eine Nachlässigkeit des Arbeitgebers vor, aber eine noch größere des Arbeitnehmers. Denn dieser hätte darauf dringen müsse», daß der Arbeitgeber seiner Klcbepflicht nachkomme. Im Jnvaliditätsversicherungs-Gcsetze seinen keine Äestimmungen enthalten wie im Krankenvcrsicherungs-Gesetze, cmf Grund welcher der Arbeitgeber für den durch sein Verschulden entstandenen Schaden hastbar gemacht werden köinie. Dir Direktrice W. verlangte durch Klage beim Gewcrbegericht von dem Ärnwattcnfabriknnten Friedländer den Lohn für eiiien ganzen Monat, in welchem sie nur die vier ersten Tage ge- arbeitet hat. Sie machte unter anderi» geltend, daß sie krank gewesen sei, wobei sie sich auf ein Attest ihres Arztes stützte, welches besagt, sie sei hochgradig nervös und würde voraussichtlich 4 Wochen lang arbeitsunfähig sein. Außerdem betonte Klägerin noch, daß ein wichtiger Grund zur Arbeitsniederlegung vorgelegen habe. Die GeschäftSführerin des Beklagten habe sie beleidigt und sortlvährcnd „dressiert".— Das G e>v e r b e g e r i ch t verurteilte den Beklagten nur zur Zahlung des Gehalts für die vier Tage, an welche» die Klägerin thälig war, und wies sie mit dem Mehranspruch ab. Das Gericht>var ans Grund der Verhandlung und des ärztlichen Attestes nicht zn der Ueberzeugung gelangt, daß Klägerin den ganzen Monat thalsächlich arbeitsunflrhig gewesen sei, und führte weiter ans, daß von einer grobe» Be- lcidigimg auch nicht die Rede.sein könne und„dressieren" nicht zur ArbeitSuiederlegiiiig berechtige. Somit falle auch der Gehaltsansprnch für den Monat weg. Eine feine Firma. Die Arbeiterin Emma Ebelt klagte chcrm Gcwcrbcgcricht gegen die bekannte Firma Bergmann A.-G., Hennigsdorferstraße, ans Auszahlung eines einbchaltenen Lohnes von 65,22 M. Unter dem Vorsitz des Geworberichters Dr. L n» g e r h a n s kam die Klage am Donnerstag zur Verhandlung, ivobei klargelegt wurde, daß die Firma in Bezug auf Berechnung und Auszahlung des Lohnes Praktiken befolgt, die ivohl einzig in Berlin dastehen dürften. In der Abteilung J ihres Werkes verfahrt die Firma bei Einstellung von Arbeiterinnen folgendermaßen: Sie „sichert" den bedauernswerten Lobnjklavinncn einen Stundenlohn von 13Vs Pfennig, sage und schreibe dreizehn und ein drittel Pfennig zu. Die Arbeitszeit ist von 6 vis 6 Uhr mit einstüudigcr Mittagspause auf 11 Stunden bemessen; Vesper- und Frühstücks- pausen gicbt es nicht, so daß die Arbeiterin während einer vollen Woche den geradezu erbärmlichen Verdienst von ganzen 7,80 M. erzielt. Run scheint der Firma allerdings selbst so etwas wie eine Ahnung aufgedäunnert z» sein, daß bei Berliner Verhältiiifscn auch die anspruchsloseste Arbeiterin nicht mit einein derartigen Jammerlohn ansznlommcn vermag, deshalb vcrgiebt sie die einzelnen Arbeiten auch in Accord, und zwar, wie sich ihr Vertreter ausdrückte, ans purer Humanität. Hierbei wird nnii nicht etwa von vornherein ein fester Accordsatz vereinbart, beileibe nein, das könnte ja die Arbeiterin in den Glauben wiege», daß sie an die Firma feste, bestimmte Ansprüche bei der Lohnzahlung habe— sondern es bleibt ihr überlassen, sich bei ihre» dort schon länger beschäftigten Kolleginnen nach der Höhe der Accordsätze zu erkundigen. Mit diesem Trick muß es der Firma nämlich stets gelingen, bei etwaigen Klagen einer Arbeiterin vor dem Gelverbegericht ein obsiegendes Urteil zu erzielen, weil eine rechtlich bindende Vereinbarung zwischen beiden betreffs der Accordpreise nicht vorliegt, die Firma viclinehr sagen kann, sie könne den Arbeiterinneu zahlen, was ihr beliebt. In Wirk- lichkeit wird aber doch nach festen Sätzen gearbeitet, ivie aus de» Lohnbüchern hervorgeht, nur darf der nominelle Tagesverdienst den Betrag von 2,80 M. nicht übersteigen, widrigenfalls die Accord- sätze für die betreffende Arbeiterin sofort reduziert werden. Jetzt aber kommt das wunderbarste an diescin System: Die Arbeiterin erhält am Lohntage nicht etwa ihren nach den geltenden Accordsätze u erzielten thatsächlichen Verdien st ausgezahlt, sondern nur 90 Pro z. des- selben, 10 Pro' z. zieht die Firma ihr einfach vor der Nase ab. Dieser Abzug wird nun nicht, Ivie man vielleicht denken könnte, einem Krauken- oder UnterstützungSfondS zugeführt, sondern wandelt kurzerhand in die Tasche des Arbeitgebers. Dies der Sachverhalt, auf den sich die Klage bezog. Vom Ver- treter der Klägerin wurden die willkürlichen Abzüge als' allein Rechts- empfinden und den guten Sitten zuwiderlaufend bezeichnet, während sich der Vertreter der Firma darauf berief, daß gegenseitige bindende Abmachungen nicht vorlägen, die Firma also zahlen könne was sie wolle; auch habe die Klägerin bei ihrem Abgang schriftlich anerkannt, daß sie von der Firma nichts mehr zu fordern habe. Das Gericht schloß sich im wesentlichen der letzteren Auffassung an, fügte aber noch hinzu, die Klägerin habe, weil sie seit circa einem Jahre ohne Widerspruch die Abzüge geduldet, stillschweigend die Berechtigung der- selben anerkannt; die Klage müsse daher ans rechtlichen Gründen kostenpflichtig abgewiesen werden, falls sie nicht im letzten Augenblick noch zurückgezogen werde. Letzteres geschah hierauf. Nach Aussage ihres Vertreters zahlt die Firma jetzt, seitdem diese Klage anhängig gemacht war, den ganzen Verdienst ohne Abzug jener 10 Prozent an die Arbeiterinnen ans, iveil sie ferneren gcricht- lichc» Scherereien aus dem Wege gehen will. Damit erkennt sie ohne weiteres an, daß sie ihren Arbeiterinnen bislang ein schweres Unrecht zugefügt hat. Vielleicht bequemt sie sich auch' noch zu einer Aufbesserung des Stnndeslohncs, damit die berüchtigte Abteilung 3 in baldiger Zukunft einen besser klingende» Namen erhält als«Drei- zehn-Psennigs-Vnde"._ Vermiplszkes- Ucber die Hamburger Schiffskatastrophe liegen noch folgende Meldungen vor: Bis Donnerstag waren 86 Personen als gerettet angegeben. Da 112 Personen als der- mißt festgestellt sind, dürfte dieses als endgültiges Ergebnis anzusehen sei.— Der Taucher Beckedorf hat Donnerstag früh bei Hochwasser den„Primus" in Ketten an den Schuten hängend querab von der Einfahrt in den Teufclsbrücker Hafen ans den Bönhafensand gesetzt. Das Schiff bildet jetzt kein Hinderniß für die Schiffahrt mehr. Der Schiffboden liegt nach oben, Masten und Schornstein sind abgebrochen. lieber den Ilmfang der Beschädigung konnte der Taucher noch keine genaue Mitteilung machen. Der Taucher fand im„Primus" nur eine Weib« liche Leiche, die festgeklemmt war.— Die Verhandlung des S e e- A m i s über den Zusammenstoß zwischen„Hansa" und „Primus" findet voraussichtlich anfangs nächster Woche, vielleicht schon am DicnStag statt. Vis dahin iverdcn täglich Verhöre der Be- tciligte», sowie von Zeugen vor dem See-Amte vorgenommen. Heute vormittag wurde» bei Blankenese drei, bei Altona zwei Leichen geborgen. Minencxplosion bei einer Militärübnug. Ans Versailles wird gemeldet: Als Donnerstagvormittag Sappeure eines hier liegenden Genieregimcnts Minen auf dem Satoryfelde ausfliegen ließe», ereignete sich eine vorzeitige Explosion. Zwei Offiziere und zwei Unteroffiziere wurde» getötet, sechs M a n n v e r w n n d e t. Ueber die Ursache» des Mincnnnglücks ivird berichtet: Die Sappcure vom Geniecorps machten Minen fertig, lvclche heute nachmittag in Gegenlvart der Schüler der Kriegs- schule von St. Cyr entladen werde» sollten. Beim Lade» einer Mine verursachte ei» Zusammenstoßen zweier Feuersteine einen Funken, welcher das Pulver zum Explodieren brachte. Die Wunden der Ver- letzten sind sämtlich schwer. Der Zustand eines derselben ist hoffnungslos. Cholera und Pest. In Alexandrien wurden am Donnerstag vier Cholerafälle amtlich festgestellt, von denen drei tödlich verliefen. In Mucha sind 17 neue Pest fälle festgestellt worden._ Briefkasten der Redaktion. Tie siirisilschr Sprechliiindc findet täglich mit ZlnSiiahnic des Toiiiiabend» tiuu 7% bis!)>>br abends statt. Hossiiiiiig 1060. Nein.— F. 10. Da es sich nur um die gewöhn- lichen Wirlschaftsgegenslöude handelt, erbt die Frau allein.— P. K. 100. Die vereinbarte l4tägige Kündigungsfrist ist ungültig. Ihnen steht des- halb als Handlungsgehilfen eine sechswöchentliche Kündigungsfrist zum Quartalsersteu zu Melden Sie Ihre Ansprüche bis zum l. Oktober hei dem Konlnrsverwaltcr an und machen Sie evcut. beim Amtsgericht geltend. —(£. H. 100. 1. Das wäre zwecklos. 2. Anf Grnild einer schriftlichen Lollmacht, ja.— I. E. 20. Eine Ansechtung wäre ulögliw.— 100. A. K. In 30 Jahren. 300. Die Bewilligung des ArmenrechtS befreit vorläufig von der Be- streitung der Kosten. Das Recht des siegenden Gegners, Erstattung seiner Kosten zu verlangen, wird durch das Armenrecht nicht berührt.— X. U. Z. Sie haben am 8. Juli angefragt, die Antwort unter 3E. 27. Z. im„Vorwärts" vom 9. Juki erhalten. Wen» Sie eine Anfrage an de» Briefkasten richten, so sollten Sie doch im Briefkaste» nachsehen.— D. Die Forderung verjährt, da sie ausgeklagt ist, erst in 30 Jahren, also im Jahre 1924.— Schotter. Sie sind im Irrtum: das Spielen in nicht preuhlschen Lotterien ist in Prensjeil verboten.— Stammtisch H. John. 1. Die Frist zur Eiiilegung einer Berufung in Civilsachen beträgt einen Monat, von Zu- stellung des Urteils ab gerechnet. 2. Schon vorher können die Kosten durch Gerichtsbeschlust festgesetzt und aus Grund dieses dem Gegner zuzn- stellende» Beschlusses beigctricbcn werden.— T. F. 200. Nein. — G. D. 00. Ihren Namen können Sie dem von Ihrer Frau vor Ihrer Ehe ansterehelich geborue», aber nicht von Ihnen erzeugtem Kind � beilegen. Es ist hierzu die Zustimmung der Mutter und des Kindes(beziehentlich, wenn es minderjährig ist, seines Vormundes) in notariell oder gerichtlich beglaubigter Form erforderlich. Diese Einwilligungserklärmigen sind dann dem Standesbeamten einzureichen, in dessen Register der Geburtsfall ein- getragen ist. Es kann auch die Beilegung des Namens zn Protokoll des Standesbeamte», in dessen Register die Geburt eingetragen ist, erfolgen. Wohnt dieser Standesbeamte in Berlin, so ist also der Weg der einfachste, mit Ihrer Frau und dem Bormund sich zu dem Standesbeamten zn be- geben. Sonst reichen Sie ungefähr folgende Urkunde dem Standesbeamten ein: Meine Ehefrau, Margarete Niedlich, hat vor der Ehe ein nicht von mir erzeugtes Kind, Lisette Niedlich, geboren. Ich erteile hierdurch dem Kinde meiner Ehefrau meinen Name», so dah es fortan Lisette Denkedran heisten soll. Berlin, den..... Folgt Ihre Unterschrift, die notariell oder gerichtlich zu beglaubigen ist. Dann folgt etwa: Mit der Erteilung des Namens Denkedran an mein Kind, beziehentlich mein Mündel bin ich ciliverstanden. Berlin, den..... Nun folgen die gerichtlich oder notariell zu beglaubigenden Unterschriften Ihrer Frau und des Vormundes.— 31. St. Den Namen können Sie nur mit Erlaubnis des Polizei-Präsidenten dem Kinde geben: Kostenpunkt 50 Mark. Wahrscheinlich wollen Sie aber dem Kinde nicht nur Ihren Namen geben, sondern es adoptieren. Dann ist ein Adoptionsantrag erforderlich. Damit der Adoptionsantrng gültig sei, ist die Zustimmung Ihrer Frau und der Mutter des Kindes erforderlich. Ferner bedarf der Vertrag der Bestätigung des Amtsgerichts. Schliefen Sie also den Adoptivnsvertrag, reichen! Sie ihn dann u n t e r D a r- legung der Verhältnisse mit dem Antrag dem Amtsgericht ein, dem Vertrag die Bestätigung zu erteilen, und bcanlragen Sic ferner, falls Sie noch nicht S0 Jahre alt sind, Sie von dem Erfordernis der Znrücklegung des 50. Lebensjahres mit Rücksicht aus die besonderen Verhältnisse zu dts- peusiere»._ Stationen Swinemde. Haniburg Berlin Franls./M. München Wien SS 6 h öS S 2 a«• 761 W 761 W 762 WSW 763!SW 765 Still 764 Witlir 2 wolkig 2'iuotlenl libedectt 2 bedeckt — ävolkenl 2wolke»l vT Stationen N" Haparanda Petersburg Corl Aberdeen 15-Paris 17 --- S«r 759 SM 760Still 759NW 762! -SO Wetter 4heiter — wolkig ijbedec« 1 wolkig vK d � »u § a 12 15 14 15 Wetter-Prognose für Freitag, den SS. Jnli 1002. Kühl»nd veränderlich, vorwiegend trübe mit Rcgensällen und schwachen westlichen Winden. Berlin et W e t t e r b n r e a n. Am Donnerstag, de» 24. Jnli, nachmittags 43;1 Uhr, entschlief sanft »ach langen, schweren Leiden meine innig geliebte Frau Therese Wurm geh, Neimau» kurz vor vollendetem 38. Lebensjahre. Berlin, Kirchbachstr. 16. Enmnnvl Wnrm. Die Beerdigung findet statt am Sonntag, den 27. Juli, vormittags 11 Uhr, von der Leichenhalle des Ceiiiraksriedhofs zu Friedrichsfelde. ceotrsl-Vei'bANlj ö. Ksurer Deutschlands Zweigveretn Berlin. Sektion der Putzer. Unsren Mitgliedern sowie den Mitgliedern des Gesangvereins der Putzer zur Nachricht, daß am 23. Juli unser Mitglied Fritz Loth nach langem Krankenlager verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 27. Juli, nachmittags 4 Uhr von der Leichenhalle dcö Emmnus-Fried- Hofes, Herwannstr. in Rixdors statt. Um rege Beteiligung ersticht 134/6) Die örtliche Berwaltmig. #A>'1»e1tviv Radfahrcrvcreln „Berlin". Sonntag 6 Uhr BraudenburgerThor nach Spandau— Potsdam. l/z2 Uhr Brandend. Thor— Pichels- werdcr. 12/16 Todes-Anaselkk«. Statt jeder besonderen Meldung die traurige Nachricht, daß am 23. Juli mein lieber Mann, unser guter Vater, Schwiegervater und Großvater, der Putzer Brltsv l-oth nach schweren Leiden verstorben ist. Die Beerdigung findet am Sonntag- nachmittag 4 Uhr vom Emmaus- Kirchhof aus statt. Um stilles Beileid bitten 1116b Die Hinterbliebenen. 9. Mckruns . zum Statut der OrtSkrankenkaffe der Sttiililrlllkttn.Lithogrlljijt«. 3lrttkel I. 1. In, ß 20 wird Absatz 3 u. 5 gestrichen. Absatz 4 erhält folgende Fassung: Ansprüche aus Sterbegeld für die verstorbene Ehefrau bezw. Kinder können nur er- hoben werden, wenn das Mitglied bereits der Kasse ein Jahr angehört. Artikel II. Vorstehende Abände- rmlg tritt unt dem 2. Montage nach erfolgter Geiwhmigung durch den Bezirksansschuß und stattgehabter Peröffentlichnng in Kraft. Berlin, den 24. Jnli 1902. lll. Sitiihlinnnn, 10206 Vorsitzender. Vei*eisie. In Scbernchs Festsäle» sind Säle, bis 2000 Personen fassend, kleinere zu 100— 200 Personen, Sonnabende und Sonntage noch zu vergeben. Außerdem stehen 8 Bcrewszimmcr den geehrte» Ver- einen zur Versügnng. Ivl7b Um geneigten Zuspruch bittet Albert S c Ii e r« c h, Rüdersdorserstraße 45. Ses/es P/enniff, IVort: fTjl} Nur das ersie Wort fett. Worte mit mehr als 25 BticJisiaben zählen doppelt, fCIeine ßnzeigen. Aweineit>ür d'e " �'{/ Num in er werden in den Annahmestellen für Berlin bis 2 Uhr, für die Vororte bis 1 Vhr3 in der Haupt expedition Beuthstr.d bis 4 Uhr angenommen. Verkäufe. Schankgeschäft zu verkaufen. Walter. Bierabzieher, Oppelner- straßc 43. 994b» .!iFrai>kf„rier- strahe g, parterre. chS7» Storjährige elegante Herren-Nnziige und Sommerpaletots aus feinsten Slosscn 25— 40 Mark. Verkauf Sonn- abend und Sonntag. 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Für die vielen Be- weise der TetknaHme und Kranzspenden bei der Beerdigung meines unvergeh- lichen Mannes, Otto Ernst, sage ich allen Freunden und Bekannten meinen herzlichsten Dank. Witwe Emst nebst Kin der». 1026b Genosse sucht auf ein Vierteljahr 50 Marl z» leihen vom Selbst- darleiher. Offerten A. B. Postamt Elsasserstrahe. 10216 Rechtsbnreau Fahisch, Andreas- strahe dreinndsechzig. Rechtshilfe, Eingabengesuche, Raterteilnug. s970b* llnfallsache», Klagen, Eingaben, Reklamationen. Putzger, Steglitzer- strahe 65.' 8986* Kostenfreie zahnärztliche Behandlung, Zahnziehen. Zahnärztliche Poll- lliink, Chaussee strahe la. 1207K* Leihhaus H. Grass, Bentbstrahe 5. Coulanz. Diskretion. Reellitnt. llllgenierteste Einzel-Bedienung. Brockhanslexikon und alle andren Bücher ianst, beleiht Antiquariat Kochftrahe 56, I. Amt VI, 3397.* Lexiea, Meyer, Brockhans, liefere komplett, Teilzahlung monatlich 4,00, Buchhandlung..West", Postamt 50. s* Fahrrndgesnch, Ratzlaff, hauser Allee 163 a. 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Westen. Die Brautlotterie. Anfang 7'/- Uhr. ivletrobol.(Morwitz-Oper.) Die verkaufte Braut. Anfang 8 Uhr. Neues. Ledige Leute. Anfang 8 Uhr. Carl Weist. Der Dämon. Hier- ans: Sie. Anfang 8 Uhr. Friedrich-WilheluistadtischeS. Der Zerrissene. Anfang 7l/z Uhr. Slpollo. Lysistrata. Spccialitäten- Borslellung. Anfang 8 Uhr. NcichShalleu. Siettincr Sänger. Anfang 8 Uhr. Passage- Theater. Specialitälen7 Borslessnng. Anfang nachmittags 5 Uhr. Passage> Pauobtlknm. Speclall- täten-Borstellung. Ilranin. Taubenstr. 48/�il.(Fin Theatersaal.) Abends 8 Uhr: Die deutsche Ostseeküste. Jnbalidenstraste S7/VÄ. Täglich: Sternwarte._ Urania Tauben-Strasse 48/49. Im Theater um 8 ühr: deutsche ietrflpoi-ftießtfir Anfang 8 Uhr. Morwltz-Opcr. Die verkaufte Braut. Kom. Oper in 3 Akten von Smetana. Nationaltänze von 16 Tänzerinnen. Sonnabend: Klassisch populäre Opern- Vorstellung bei halben Preisen: Fidclio. Sonntag: Franceschina Prevostl: Carmen. fjarl Weiss-Theater. Graste Frankfnrtcrstr. 132. Täglich: Der Dämon. Hierauf:„Sie". Nachtscene in 1 Akt von G. Schätzler-Perasini. Sonntagnachmittag: Die Piper. Im Garten: Specialitäten-Bor- stellnng. Anfang 5 Uhr._ Apollo- Theater Um 7 Uhr; Garten- Konzert. Um 8 Uhr: Die grandiosen Speciali täten. Um 9 Uhr: Lysistrata Am 1. August Wiederauftreten von Robert Stell». Kasseneroffnung 7 Uhr. Reichshallen. Tttglich: Stettiner Sänger Ansang: Wochentags 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr Tageskasse 11— l>/zUhr _2.£ig2" ÜÜ® o~ c S-.o sf � � 12 ca. g ffi � slli �»«5 Kottbnserstr. 4 a, Station der Hochbahn. Täglich im Garten, bei un- günstig Witterung imSaal: iioiriituniiM NotOtiltsllje Säiigtt und Konzert. Sonntag, Montag und Donnerstag nach der Soiree: Taiiztränzchen, Tanz frei! Anfang Sonntags 5 Uhr, Entree 30 Pf., ab 9 Uhr 20 Pi. Anfang Wochentags 6 Uhr. Entree 30Pf., ab 9 Uhr 20 Pfg Fröbcls'75B52 Allerlei Theater DM- früher Pnhlniann Schönhauser Allee No. 148. 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Quartal 1902 und des örtlichen Fonds. 2.„Die Lohnkämpse der Zimmerer Deutschlands". Rescrcnt: Kamerad Schrader-Hamburg. 3. Verschiedenes. 254/17 In Anbetradit der ausserordentlich wichtigen Tages-Ordnnng erivarten wir, dass die Mitglieder recht zahlreich und pünktlich erscheinen. Die Versammlung wird Punkt 10 Uhr eröffnet."VsZ DM- Ferner machen wir die Mitglieder nochmals darauf aufmerksam, dass jeder in Berlin und den Vor- orten beichäftigte Zimmerer im Besitz einer Karte zum örtlichen Fonds sein muh. Bei der gegenseitigen Kontrolle bitten wir dieses genau zu beachten. Der Verstand. I. A.: U. Knllpfer, E»gcl-Ufer 15. Brauerei Germania Aktien-Gesellschaft ßerlifl 0.. Franlfurter flllee 53. Telephon Amt VII 2645. Wir verkaufen UUth Ullt tJOV in uiiferen circa 80, eigenen AuSfchankstätte», welche unter unserer eigenen Verwaltung stehen, unsere aus den feinsten Rohmalcrialien hergestellten, stets srischcn und gut gepflegten Bicre: Pf. Pf. 10 itr. 1 gr. Weisse 15 Pf., 1 kl. Weisse 8 Pf. 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Achtiing! Einsetzer, äditiins! Sonntag, 27. Jnli, vormittagö 10 Uhr, im Gewerkschaftshans» Engel-Ufer 13: Ve�Vammluttg. Tages-Ordnung: 1. Bortrag. 2. Ergänziingswahl der Kommisston und Vertrauensleute. 3. Branchenangelcgcnheiten. Ter Obmann. Achwillii 8üäsu uuck 8üilosteu. __ Die Fahrkarten zur Tampferpartle am 3. August nach De�nentvlnltel am Dämcritzsc« gelangen nur noch am Sonnabend, den 26. d. M., anf den Zablsicllen und dem Bureau zur Ausgabe. Nachdem werben die noch im Umlauf befindlidien eingezoge». Die Kollegen, welche an dieser Partie teilnehmen wollen, werden ersucht, sich bis dohin in den Besitz von Fahrlarten zu setzen. Da» IComitcc. Vei-Hian«!«let* Sattler. Ortavcriraltung Berlin. Bureau: Gewerlschaftshaus, Engel-User 15. Zimmer 30. Fenisprecher: Amt 7 Nr. 1959. Brnnchen-Versammlnngen. Ctschirr-Brnillhe Treibrltiiien-Briinche Asilitil- niid Ächr-BrMlheHrw-VS Milisgr.Nl'glllslp Sonnabend, den 3«. Juli. abds. KVz«Hr. im AHiUI.U-'OiilIlim GewertschaftShans, Engel-tlfer 15, Saat 7. Linoltiliiilegtru. Ttpvilljiliihtr 28-3,"i--tt-- 8-/2 u-6~r' Mgeil-BrlNllhc Eiseimöbel-Brlinllit Scttion Ajarlstteilbm'g Montag, den 38. Juli er., abends 8'/- Uhr, im Englische» Hof. Neue Roststr. S. Sonnabend, den 36. Juli. abds. SVü Uhr, bei K. Bnake, Grenadiersie. 33. bei Scdletaky, SchiiNeiistr. 33. Mittwoch, den 30. Juli, abends 8'/, Uhr, bei üiittler, Lnisenstrafte 36. Montag, den 4. iiingnst, abends SVj Uhr, bei i,adenig, Koinmaiidantenstraste 65. TienStag. den 39. Jnli, abends 8l/2 Uhr. b. Dörre, Chartotteudurg, Wallstr. 90. Die Tagesordnunge» werden durch Handzettel bekannt gegeben. Um zahlrcid)es und pünktliches Erscheinen ersucht 157/7_'_ Die Ortsvcrivaltnng. Sonntag. 3. Angnst, nachm. 2", Nhr, im Mctropol-Theatev