Ar. 172. AboimemtM,-Kedingnngtn: NbonnemsnlZ-Pr-i» pränunierand«: Vierteljührl. Z,30 Ml� monall. l.IVMI., Ivöchi»!ltch LS P?g> f«t In! Hau». Eiinelne Nuinw«� S Psg. Sonnlaz»» Muinmer mt» iliuNii-ci-c Sonntags, Beilage„Die Neue Welt" lv Psg. Post» Vbonnement; 1,10 Marl pro Monat. Stngetragen tn der Post- Zeitung«, PretZllst« für lvO» unter Lr. 7V7S. Unter ltrenjband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da» übrige Autland S Marl pro Monat. Brich, Ini läfllich auRec»onk«g«. 19. Jahig. Die Jnstrtions-GMy» betrügt für die fechSgefpaltens Kolonel« zetle oder deren Raum«o Pfg.. für pollttfche und gewerkschaftliche BerelnZ- und BersammlungZ-Anzeigen 20 Psg. „Kleine Anieigen" jede! Wort S Pfg. (nur das erste Wort fett). Inserate für die nächste Nummer müssen bis i Uhr nachmittag» tn derExpedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- lagen bi» 7 Uhr abend», an Sonn- und Festtagen bis S Uhr vormiltag» geöffnet. Derlinvv VolksblAlk. Centraiorgan der sociatdemokratischen Partei Deutschlands. Telegramm- Adrsssei „Sprialdrinokrirt Verlin" RedalilUm: SW. 19, Veulli-Slrahe 2. Kerusprecher: Zlmt I. Nr. 1508. Sonnabend, den 26. Juli 1662. Expedition: sw\ 19. Veuth-SkraKe 8. Ferusprechrr: Zlmt I Nr. stiel. Hohenzollern-Duelle. Düsseldorf, 24. Juli. sEig. Oer.) In unsrer Aussteffungsstndt geschehen gegenivärtig die lllstigsten Sachen. Tag für Tag sind dort Kongresse und Vcrsannnlnngen staatserhaltcndcr Herrschaften, und ivenn dann in den verschiedenen Wcinrestanrauts ein�>aar Stimden polnliert und parliert ivorden ist. dann geht die Kongr �iBummelei loS, hinein in die Sekthöhlen an' der SuSstelliliig. hi ei» in sonstige lox-Heinze-mästige Institute, die zur Zeit in Dnss. orf goldene Wochen haben sollen. Doch nicht alle Kongresse ver.?en in der Düsselstadt so schiedlich friedlich; es giebt mitunter auch Duelle— eines derselben sei hier zu Nutz und Fronnnen aller Mitmenschen ein ivenig näher geschildert. Giebt cS da eine sogenannte„Gewerkschaft Hohenzollern, Sitz Berlin, doch sicher eine äußerst ordnungsliebende Körperschaft wie das der Name besagt. Diese.Gewerkschaft Hohenzollern" ist eins jener Institut des ÖrdnungSstaats, die da gebaut sind zum gründlichen Znsam'enhaltcn von vielen blanken Goldfüchsen m i t Hilfe uiid_fluf Hosten der billigen Arbeiter- k nochen. � Die Herren.Gewerkschaftler" sind patentierte Ordnungsstützen, znincist Besitzer von allen erdenklichen Werke», von Zechen und dergleichen; sie haben einen tüchtigen Gcldsack, sich aber als„Geiverkschaft Hohenzollern" noch einmal organisiert, rim auf diese Weise ans einem Kali-Bergwerk, dem sie gleichfalls den stolzen Nanie»„Hoheuzollcrir" gegeben haben, noch einmal eine gehörige Portio» Geld zusammenzuscharren. Diese feinen Herrschaften kamen nun also am letzten Montag nach Düsseldorf; cS waten ihrer 140—150 Man», und sie hiclteir im v o r n e h in st e n Weinlokal der rheinischen Garten stadt, im.Breidenbacher Hof", eine jener Vcrsammlnngen ab, die der preußische Polizist.Sitzungen" nennt und die nicht polizeilich überivacht zu iverden brauchen. Drei Socialdemokratcn, die ein Agitationskomitee bilden, sind ein»Verein", der„Bersanim- lnngcn" abhält; 150 Konnnerzienräte, welche von früh bis spät— so geschehe» bei der„Hohenzollern"— tagen, ivelche dort debattieren und pokiilieren, auf welche Weise sie die Arbeiter«a>n besten" aus beuten könne», da? ist kein Verein und die tagen mitunter— wir werden da« gleich sehen— in einer Weise, daß die Polizei gerade diese Versammlungen von den Polizisten überwachen lassen müßte Also die.Geiverkschaft Hohenzollern" kam nach Düsseldorf tn den.Breidenbachcr Hof". Von Montag früh 10 Uhr bis abends um 7 Uhr ivaren die feinen Herrschaften znsanuncn und es ging mitunter so stürmisch zu, daß man hätte glauben können, unter Nansboldc» z» sein. Die vornehmen Ordnungsmenschen warfen sich die.Pfuiruf e" an die par- snmierte» Schädel, daß es seine Art hatte und die„Lnnipcn" und „Schnfte" solle» ebenfalls durch den Saal geflogen sein. Zlvei Parteien hat diese.Geiverkschaft Hohenzollern": die Partei Dr. Saner-Berlin und die Partei Koiumerzienrat Karl Nvchling- Saarbrücken. Diese beiden Hohenzollern- Kampfhähne können einander nicht sehen; sie hatten es ivährend ihres Anfent- Haltes in Düsseldorf sogar vorgezogen, in zivei verschiedenen Hotels zu wohnen, Dr. Sauer im.Breidenbacher", Röchling im.Park Hotel." Ehe wir weitergehen, fei nun ein Artikelchcn aus der »Kölnischen Zeitung" Nr. 566 vom 22. Juli 1302(Dienstag, ziveite Morgen-AuSgabe) zum Abdruck gebracht: Geiverkschaft Hohenzollern in Berlin. Die gestern in Düsse!- dorf abgehaltene außerordentliche Gciverlenversanunlnng ivar von etwa 100 Gelverken besucht und dauerte mit kurzer Unlcrbrechnng durch eine Mittagspause von vonnittags 10 Uhr bis abends nach 6 Uhr. Ein zu Beginn der Verhandlungen von der Gruppe Röchling gestellter Antrag, den auf der Tagesordnung stehenden Antrag aus Widerruf der Bestellung des Gruben- Vorstandes vor den andern Verhandlungsgegenständen zu erledigen, wurde von dem Vorsitzenden znrückgeiviesr» lind hiemach zunächst in die Berichterstattnng der Prüfungskommission eingetreten. Die Mitglieder der letzteren erklärten unter Bezugnahme auf den von ihnen erstatteten Bericht, daß sie vollständig objektiv und frei von allen Einflüssen ihre Thätigkeit ausgeübt hätten. Zugleich wurden v o n M i t g l i e d e r n d e r K o m m i s s i o n u n d d e S Gr übe n vor st an des eine Reihe von Beschuldigungen, die von der Firma Gebr. Röchling in ver- s ch i e d e n e n Rundschreiben gegen den Gruben- vorstand erhoben ivorden ivaren. als haltlos zurückgeivieseii. Dabei ergab sich, daß die Firma Gebr. Röchling soivohl in der Wahl ihrer Mittel, wie ihrer Gewährsmänner sich offenbar sehr stark vergriffen hat. Andrerseits arteten aber die von der Gegenseite ansgeheudeii Erividernngen teilweise in die wiistcstcn Tchimpfercirn aus, so daß es mehrfach den Anschein gewann, a l S wolle es zu T h ä t l i ch k e i, e n kommen. Ein Beschluß wurde über den Bericht der Priifimg»k„iiimissioii nicht gefaßt. Heber die Lage des Werkes wurde mitgeteilt, daß die Aufschlußarbeitcn befriedigend vorangeschritten seien und daß nian hoffe, sie in Verhältnis- niäßig kurzer Zeit beenden zu töniieii, so daß dann die hiermit ziisanimeiihiiiigendeii Unkosten in Wegfall kommen. Das letzte Vierteljahr war infolge der hohen Unkosten und des zeitweise sehr geringfügigen Absatzes antzerordentlich nngünslig. Der erzielte Ueberschüß betrug nur eliva 8000 bis 3000 Mark, doch seien die Aussichten für die Zukunft im allgemeinen als günstig zu bezeichnen. Eine längere Erörterung entspann ffch über die Entlastung des Gr»benvorstand es für das Jahr 1301, die aber schließlich einstimmig erteilt wurde. Ebenso wurde einstimmig die Verlegung des SitzeS der Gewerkschaft van Berlin noch Freden beschlossen. Der Antrag des Vorstandes, letzteren künftighin aus sieden statt ans fünf Mit- gliedern bestehen zu lassen, wurde jedoch mit 586 gegen 310 Stimnien abgelehnt, ivobei sich ergab, daß die Gruppe Röchling iveitauS über die Mehrheit der Stim- m e n verfügte. Nachdem hierauf der bisherige Gruben- vorstand sein Amt niedergelegt hatte, schlug die Partei Röchling zu Mitgliedern des neu zu wählenden Vorstandes die Herren Jores-Krcfeld, Lüttich-Benchte, Schmitz-Järöme-Hannover, Kommerzienrat Röchling-Saarbrücken und glegicrnngsassessor Croiie- Iserlohn vor. Von der gegnerischen Seite wurde jedoch namentlich gegen die Wahl des Herrn Schmitz-Jöiüme heftigster Ein- spruch erhoben und an seiner Sielle Dr. Sauer, der bis- hcrige Vorsitzende des Grnbenvorstandcs vorgeschlagen. I n einer äußerst st ü r m i s ch e n E r v r t e r u'n g erklärte zlvar Herr Schmitz-Jsrüme, daß er zurücktrete, andrerseits lehnte eS aber Kommerzienrat Röchling entschieden ab, mit einem der Gebrüder Sauer gleichzeitig im Grnbenvorstand thätig z u sein. Dr. Sauer schloß daraufhin die Versammlung, so daß die Wahl eines neuen Grnbcnvorstandcs unmöglich war. Nun- mehr wird wohl die Bergbehörde die Einbernfnng einer neuen Geivcrkcnvcrsammlttng und die Nenivahl eines Grnbcnvorstandcs zu veranlassen haben." Ein einigermaßen ähnliches, wenn auch farbloses unlebendig eS Porträt dieser interessanten.nichtpolitischen" Versammlung ist schon dieser Bericht der„Kölnischen Zeitung"; ivir sind in der Lage, auf das Bild einige Lichter aufziijetzeii. Die Partei Röchling erhob in der Versammlung nänilich gegen Herrn Dr. Sauer die schivcrstcn Borwürfe, die Herr Dr. Sauer mit einem Gegcnhicb beantwortete, der an Schneidigkeit nichts zu wünschen übrig ließ. Dr. Sauer betonte, er habe Akten gegen Kommerzienrat Röchling, die zu verlesen er vorlänsig im Interesse der Geiverkschaft unterlassen ivolle. Aber sie seien so gravierender Natur, ivie vielleicht nicht viele glauben würden. Sauer ivarf dann dem königlichen Kommerzienrat Röchling-Saarbrücken direkt vor, daß auf den Röchling- Werken nnifangrcichste, sich auf 809 090 Mark beziffernde Frnchthintrrzirhiingcn vorackomincn seien. Röchling bcantivortcte dieses mit der Erklnrnng, er habe die Bahn nicht betrogen; die Fracht sei durch Nässe zc. schiverer geworden, im übrigen aber habe er sich'mit der Bahn auf 180 000 Mark Nach- zahlniig geeinigt. Die Partei Sauer beharrte jedoch bei ihren heftigsten Anklagen gegen Röchling, Ivarf dem Herrn Kommergie»-� rat den ärgsten TcrroriSinnö gegenüber seine» Arbeitern vor, die, wen» sie Ziochling politisch mißliebig gcivordcn, rück- sichtSloS auf die Ttraste flögen,»lit Weib nnd Kind dem Elend preisgegeben. Röchling, von dein Diiffeldorfcr Rechtsanwalt Cohen»nterstützt, gab daraufhin mit gewissem Stolze zu, daß cS sei» Siecht sei; u l t r a m o n t a n e Arbeiter dulde er nicht. Im übrigen stehe er so makellos da, daß die Spitzen der Bergbehörde mit ihm Tastfreunde seien. Aber die Versammelten waren durch diese Worte Röchlings nicht mehr zu geivinncn. Es entstand als Antwort auf die Röchlingschc Erklärung ein Ivahrer Höllenspektakel. Die vornehmen Herrschaften sprangen von ihren Stühlen ans, gestikulierten mit Händen und Beinen; man machte Miene, z» Weinflaschen und Stühlen zu greifen; Sektkübel ergossen ihren Inhalt auf den Boden, und indessen die an sich schon ivcingerötcten Köpfe ins Blaurote sich verfärbten, da iiberdröhnte die Stentorstimme Dr. Saucrs, des Grnbeuvoistandes, das Tohuwabohu durch ein kräftiges Schluß der Ver sainmlung— Verzeihung„Sitzung". Aber damit ivar die Rauferei noch nicht zu Ende. Die Herr schaften bnvetei! nun verschiedene Gruppen; hier ging das duellieren nach allen Regeln der feinsten Kunst vor sich. ES fehlte nur noch, daß sie sich ineinander fcstbisscn. Jedenfalls warfen sich die Herrschaften nun Dinge an den Kopf, die z n erforschen nur die Staatsanwaltschaft fähig wäre, und die nach dem de- rühmten Kodex dieser Ordttniigsmenschen zu einem ganzen Ratten- könig von Duellen führen m äffen. Indessen auch dieser Spektakel ging glüiklich zu Ende. Die Kellner, welche schon seit Mittag mir äußerst wenig serviere» durften, mußten die beiden letzten Gtimden die interessante Versamnilmig ganz meiden. Die Behqpptnngc», welche die Ordnnngsmensche» sich einander entgegciischlcudcrten. waren für Kcllnerohrcn nicht geeignet. Doch wie der kommerzieniätliche Spektakel einen Umfang annahm, daß man eine Schlacht mit Stuhlbeinen fürchten mußte, da kamen die flinken Kellner wieder heran und die raufendeii Hohenzollern ver- flüchtigtcn sich nun in den Trubel der Großstadt. Aber auch jetzt war der Kampf noch nicht zu Ende. Die Parteien Sauer und Röchling halten sich schon mit den verschiedensten Cirkularen traktiert, in denen sie die heftigsten Vorwürfe gegen- einander erhoben oder zu widerlegen versuchten. Nun aber ging mau zu den Tclcgraphenbnreanx und so sind z. B. allein im Haupt- telegraphen-Amt an der KönigS-Allee für über 100 M. Telegramme in alle Windrosen geschickt worden. Vor dem Schreiber dieser Zeilen liegt ein ganzer Haufen der Cirknlare, nach deren genauer Dnrchstudierung vielleicht noch einiges Interessante mitgeteilt werden kann. Doch auch so dürften diese Zeilen schon ein Genrebildchen bieten, wie es in den Kreisen der GroßauSbeuter zugeht. Diese„Hohenzollern"- Duelle sind auch ei» Zeichen der Zeit; wir Soci köinien als.Unparteiische" mit ver- 'chränkten Armen gegenüberstehen und stnnneiid znschen, mit welcher Weisheit und welchem Anstand die kapitalistische Welt regiert wird. politische Meverlrcht. Berlin, de» 23. Juli. Das Kolonial-Amt als Arbeitgeber. In D e u t s ch- S ü d w e st- A f r i k a ist man schon seit längerer Zeit mit dem Bau einer Eisenbahn beschäftigt, und zwar wird diese Bahn auf Staatskosten und unter staat- licher Leitung fertiggestellt. Da sich ein solches Bauwerk nun nicht ansschließlich mit ungeübten Negern auffuhren läßt, so sucht das Auswärtige Amt(Kolonial-Abteilung) die benötigten qnalificierten Arbeiter Ivie Bauhandwerker, Metallarbeiter nstv. aus Deutschland heranzuziehen. ES finden sich denn auch immer Leute, die teils aus Neiselust, teils in der Hoffnung auf ein ihnen in der Ferne winkendes Glück ffch mehr oder'miuder leichten Herzens zu einer Fahrt nach unsren berühmten Kolonien entschließen. Bald nach ihrer Ankunft fühlen sich die meisten aber bitter enttäuscht. Sie erfahren dann am eignen Leibe— leider zu spät—, in welch unwürdiges Abhängigkeitsverhältnis sie sich begeben haben, das zu lösen mit vielen Schwierigkeiten und enipfind- lichen Verlusten für sie verbunden ist. Man erinnere sich der Briefe, in denen im vorigen Jahre die für das liebliche„Drecknest" K i a u t s ch o u angeworbenen Arbeiter der Staatswerften ihrer Enttäuschung Ausdruck gaben, und wie lebhaft sie über ihren Arbeitgeber, den Staat, nnd dessen ausführende Organe, die militärischen„Vorgesetzten", Klage führten. Ein ähnlicher Brief ist hier kürzlich bei der Berliner Ortsverwaltung des Metallarbeiter-Verbandes von einem beim Bahnbau in Deutsch-Südwest-Asrika beschäftigt gewesenen Maschinenschlosser eingegangen. In dem Schreiben heißt es folgendermaßen: »Es wird dem Vorstand bekannt sein, daß daS Auswärtige Amt(Kolonial-Abteilnng) Arbeiter, meistens Maschinenschlosser, ans dreijährigen Kontrakt nach hier sendet. Der Kontrakt ist auf drei Jahre, einschließlich Hin- nnd Rückreise, pro Monat 120 M., freie Wohnung nnd Verpflegung, freie ärztliche Behandlung nnd Medizin, abgeschlossen.... Es ist außer den 120 M. Lohn die freie Ver- Pflegling, welche wohl am meisten lockt,»ach hier zu kommen; denn daß hier einfach alles sehr, sehr teuer ist, daraus macht der Arbeitgeber, das Auswärtige Amt, aber nicht aufmerksam, nnd doch wäre es mir recht nnd billig. Das Essen ist in fast allen Fällen sehr schlecht zubereitet und hausig nngenießbar, auch ist das Fleisch nnd sonstige Znthateii nicht gut; jenes ist ungenügend und geschmacklos, letzteres meist hart, trocken nnd sehnig. Daher sind die meisten(wohl 30 Prozent! gezwungen, vom Lohn noch extra Kost zu kaiiseu. Na, nnd die Preise I Ans den Proviantinagazinen der Eisenbahn- Verwalliing können nur Offiziere und Beamte kaufen, uns, den Arbeitern, ist es nicht gestattet. Außerdem erhalte» die Beamten pro Monat 100 Mark Teuerungszulage, also beinahe die Höhe nnsreS Lohnes. Die Verpfleg n» g ist noch unter a In Kaserne, trotzdem den klimatischen Verhältnissen entsprechende Verpflegung zugesichert wurde. Zweimal pro Tag erhalten wir ans der Küche Essen, jeden vierten Tag ein Brot, alle 14 Tage 2 Pfund Schmalz oder Butter, doch i st letztere schon e i n»i n l v i e r M o» a t e lang nicht geliefert, auch 30—35 Zuckerstückchen pro 14 Tage werden geliefert. Daß S ch m a l z in diesem Klima sehr un ver- t rä glich ist, hat mir auch der Bahnarzt Dr. Stephan in Karibik bestäligt und zwar im Beisein des ersten Proviantverwaltcrs Eisen- berger... ' ES ist die feste Ansicht aller vernünftigen Arbeiter, daß, wer hier spare» will, weniger hat«nd schlechter lebe» muß als ein Handarbeiter mit Familie im„teuren" Vnlerlaiide.— Die Leitung drS EiscnbahnbaneS liegt in den Händen des Majors Pophal, Lieutenants sind ChcfS der IInter-Banabtcilnngen, U» t c ro sfiz i c r e sind»Maschinen- und Werkmeister", alle von der Eisenbnhn-Brigade abkommandiert... Der„Kommando"- Leiter hat die PefngniS, Strafen bis z» 30 Mark zu verhängen, da man die Arreststrafe doch wohl etwas zu gewagt hielt. Wundert mich übrigens. Ein Mechaniker Namens Bnrchhardt hat in einem Monat 110 Mark Strafe zahlen müssen, Maschinenschlosier Gronwnld 45 M. in einem Monat, weil die Betreffende» über„Urlaub" fort- geblieben sind! Diese Liste könnte ich noch länger machen. Glaubt ein.Vorgesetzter" mit einem Arbeiter u»znfri?den sein zu muffen, ganz gleich anS welcher Ursache, so nicldct er den Betreffenden einfach der Kommaiidoleitiing. Diese erläßt eine».Leitnngs- befehl" an sämtliche Stationen, Werkstätten nnd sonstige Dicnststcllen, in dem gesagt ivird, daß der Arbeiter X. zn so und so viel Mark Strafe venrteilt ist. Wer die Strafe zahlen muß, tvird aber nicht vorher gefragt, ob die Beschuldigung deS betreffenden Vorgesetzten auch eine wahre sei. Das ist' hier überflüssig... Siecht beim Richter zn suchen, wird abgeraten, kein Vertrauen vorhanden. Ge Werbegericht giebt es hier nicht, also giebt es für nns mir de» Weg i» die Oeffentlichkeit... Hier kommt eS auch vor. daß Handtverker diskret überwacht Iverden, da mutz dann der Herr Unteroffizier jede Woche an die Kommando- Icilnng einen Bericht einschicken. Ja, so ei» llnterosnzier ist hier nicht nur.Werlmeisler", sondern auch politische Polizei..." Der Briefschreiber weist noch darauf hin, daß wer etwa aus seinem Arbeitsverhältnis entlassen Ivird, unter Umständen seines Rechts aus freie Rückbeförderung verlustig gehen kann. Außerdem ermahnt er alle, die sich trotzdem noch nach der Kolonie anwerben lassen wollen, ans die kontraktliche Fest- setzung eines Anfangslohnes von niindesteüs 150 M. monatlich zu dringen, weil sonst wenig oder gar nichts zu er- übrigen sei und doch niemand Lust haben könne, sich in jenem Klima drei Jahre lang fiir nichts und wieder nichts abzuschinden. Bekanntlich sind schon hier iin Deutschen Reiche die Staatsbetriebe alles andre, nur keine Musterbetriebe, weil man die mangelhaft entlohnten Arbeiter dort nach jeder Richtung hin in ein regelrechtes militärisches ZwangSverhältnis hineinpressen will. Man denke beispielsweise mir an die Zustände ans den sogenannten kaiserlichen Werften zu Kiel, Wilhelmshafen und Danzig. sowie an die Staatswerkstätten in Spandau. In den Kolonien aber scheint man die dorthin gelockten Arbeiter vollends nach Sträflingsart behandeln zu wollen, anders wäre es unverständlich, wie man sich anmaßen kann, freien Leuten einen bestimmten Abendnrkaub aufzuzwingen und sie dann bei Uebcrschreitungen desselben in völlig ungesetzlicher Weise mit exorbitanten Lohn- abzügen zu„bestrafen". Jedenfalls wäre es sehr angebracht, wenn die Kolonialabteilung des Auswärtigen Amts ein er- höhtcs Augenmerk auf diese, sie direkt angehenden, äußerst befremdlichen Arbeitsverhältnisse richten und für schleunige Abhilfe der in dem Briefe geschilderten Mißstände Sorge tragen würde.__ Vom antiklerikale» Krieg. Paris, 24. Juli.(Eig. Ber.) Der zlveite Tag der Pariser S t r a f; e ii l u u d g e b u n g e n imtcrscheidet sich von dem ersten zum Nachteil der Klerikal-Nationalisteii. Die von den Socialisten und Radikalen veranstaltete Kiiiidgebung hat einige Tausend Mann auf die Beine gebracht. Das für die Mönche und Nonnen„auf- gestanden" sein sollende Paris hat dadurch ein großes und Hand- greifliches Loch bckoininen. Die große Masse ist freilich der anti- klerikalen Kniidgcbuiig ebenso fern geblieben, wie den klerikalen Protesten, aber in jener war sie durch echte Repräsentanten vertreten. Und schon vorher, am Nachmittag, wurden die klerikalen„Freiheits"- kainpfer unterwegs von Vaiigerüsten herab mit proletarische» Nieder- rufen begrüßt. In der antiklerikalen Kimdgebnng überwog natürlich das socia- listische Element. Die Straßen des Stndcnteiiviertels wiedcrhallten voni Gesang der„Internationale". Der von den Klerikalen „bespuckte" Ministerpräsident Comb es wurde hier sozusagen au den Schild erhoben. An der Spitze der Manifestanten schwebte eine Standarte mit der leuchtenden Inschrift:„Hoch Combes! Nieder mit der Calotte I" sPlattmütze für Klerisei.) Die Polizei war nun so nachsichtig, diese Standarte nicht zn beschlaguahnien, aber sie entschädigte sich dafür durch die brutale Mißhandlung der den Negierungschef aiihochcnden Manifestanten. Präfekt L ö p i n e hatte diesmal ganz andre Vorkehrungen getroffen als gegenüber den klerikalen Proteftlern, unter dem Vorwand voraussichtlicher Znsamincnstöhe zwischen den beiden Lagern. Die nationalistische Presse höhnt mit begreiflichem Behagen über die von der Polizei miß- handelten Regierungsfreunde. Unverständlich ist dagegen die Be- merkung des Berichts der„Petite Nspiibliqne", daß die polizeilich gestörte und brutalisierte Manifestation„mehr denn je ein Triumph der— Regierung" gewesen sei. Der unfreiwillige Humor davon ist, daß die Regierung einerseits in den Hochrufen ihrer Freunde und anderseits in den diese Freunde bearbeitenden Fäusten ihrer Polizei triumphiert hat. Die„Ordnung auf der Straße" ist bekaimtlich der Fetisch der französischen, wie jeder andren Bourgeoisie. Die solideren Preß- organe der Bourgeoisie hatten denn auch schon aus diesem Grunde die klerikalen Heißsporne von der Straße abzuhalten gesucht. Jetzt aber finden sie nachträglich in den klerikalen Straßen- Proteste» ein wirksames Argiimeut gegen die Dnrchfühning des Vcreinsgesetzes. Selbst der„Tcinps", das allersolideste Bourgeoisorgan, das sonst gegen die geringste Störung der lieben Ruhe sein schwerstes Geschütz auffährt, spürt auf einmal rebellische Gelüste. Er muntert förmlich in seiner diplo- matischen Weise zn klcrikalfreinidlichcn Straßeininrnhen auf, um so die Regierung zur Kapitulation zu zlvinge». Natürlich beschönigt er feinen Sprung ins Ungesetzliche durch die jesuitische Jntcr- pretationsknnst des klerikalen Lagers, wonach die Regiermig das Gesetz verletzt haben soll. Wenn das am grünen Holze geschieht, so versteht es sich von selbst, daß die Kongregationen durch die klerikale Schilderhcbung zum Widerstand gegen das Gesetz ermuntert werden, llebcrall, wo sie auf die Sympathie der Bevölkerung oder eines Teiles derselben rechnen können, weigern sie sich, ihre Schulen zn schließen. In einigen Fällen sind sie auf ihren Beschluß, dem Gesetze zu gehorchen, ziiriickgekoinmen. Namentlich in der Bretagne siitd sie entschlossen,„der Gewalt Gewalt eiitgcgenznsctzcn". Dort werden die Ordeiisschulcn vielfach von der Bevölkerung bewacht, um Ueberrunipelungen seitens der Behörden unmöglich zu machen. In einem bretonischen Orte hat die fanatische Bevölkerung den weltlichen Schullehrer mit Nesseln durch- gepeitscht. In einein andern Orte wurden dem weltlichen Schnllehrer in der Nacht die Fe n st er ein geworfen. Die Steine flogen gerade ins Schlafziinmer des bereits schlafenden Lehrers...„Hoch die Freiheit!"... Doch die Regierung wird, wie heute eine offiziöse Meldung versichert, in der Durchführung des Gesetzes beharren. Das Jnterföderale Komitee der P. S. T.(Jaurösisten) erläßt folgendes M a n i f e st„an die Socialisten": „Genossen! Zum erstenmal seit dem ZOjährigen Bestehen der Republik ist eine Regierung entschlossen, das Gesetz gegenüber den Klerikalen und Neaktionären zur Geltung zu bringen.— Die socialislische Partei weiß, daß der religiöse Geist eine allmächtige Stütze der Herrschaft der Kapitalistenklasse ist, indem er die Un- wissenheit und den Geist der Ergebenheit pflegt in der Gestalt eines niederdrückenden Dogmas und einer nichts vorsehenden Vorsehung.— Jede Maßnahme gegen den Fanatismus und die Tyrannei der Religionen erscheint unsrer Partei als ein BefreiliiigSanfang.— Wie die Socialisten in Lonchamp lJnni 1899) die bedrohte republikanische Idee verteidigt haben, so sind sie auch bereit, mit aller Energie, das Werk der Gesundung der Republik zu fördern. „Socialisten! Ihr werdet nicht dulden, daß unter Berufung auf die Freiheit zum Zwecke, den ObjlurantiSmus dem Gehirn des Kindes aufzuzwingen, die schlimmsten Feinde der Freiheit, Grafen und Marquis dcrRcaktion und des Rationalismus, Baroneund Schlemmer der Finanz, von neuem Paris mit ihren besoldeten Banden überschtvemmeii. Ihr werdet nicht dulden, die Parodie des Mitleids, gespielt von Priestern und Mönchcn, die die Geschichte mit Unduldsamkeiten und Schlächtereien besäet haben, gespielt von sogen, hohen Damen, die ihre Reichtümer und Titel so oft im Blut von Streikenden und stets im Elend der Arbeiter zusammengerafft haben.— Da die Klerikalen zu Manifestationen und Straßenbewegungen greifen, so werdet Ihr mit ihnen und gegen sie auf die Straße herabsteigen. Ihr werdet dort die Rechte der Wissenschaft und der Vernunft acclamieren und, wenn eS sein muß, rächen." � PariS, 25. Juli.(28. T. B.) Im heutigen Ministerräte unter- zeichnete Präsident Loubet das erste Dekret, durch welches die Schliesmng von kongreganistischcn Niederlassungen in Paris und im Seine-Departement verfügt wird. Durch dasselbe werden 26 Nicderlassnngen betroffen, welche, vor dem 1. Juli 1901 begründet, nicht um die erforderliche Genehmigung der Be- Hörden eingekommen sind und sich geweigert haben, sich auf- zulösen. Das Dekret wird morgen im Amtsblatt erscheinen und sofort in Kraft treten. Aehnliche Dekrete, welche sich auf solche Niederlaffiingeii in den übrigen Departements beziehen, die nicht im Einklang mit dem Gesetz stehen, werden später nach Maßgabe der von den Präfekteu eingehenden Berichte erlassen werden. Als der Polizcikommissar des Quartier St. Ambroise heute vonnittag feststellen wollte, ob die Schnlschwestcrn einer Schule in der Rue St. Mnur dem Gesetze Genüge geleistet haben, ver- tveigerte» ihm die Schwestern den Eintritt. Auch in einer Schule in der Rue des Haies erklärten die Schwestern dem Polizeikommiffar des Quartier Charoime. daß sie bis znm äußersten Widerstand leiste» Würden. Sonstige Kiiiidgebiiiige» sind nicht vorgekommen. � Deutsches Weich. Tic Zuhälter des Zollwnchcrs. Wir haben es wohl kaum nötig, festzustellen, daß die«P o st" im Gegensatz zur„Krenz-Zeitmig" zwar noch sehr viel Lorenzschen Schwindel über die Kautskyschen Broschüren bringt, aber sich sorgsam hütet, die Fälschungen durch Mitteilung der wirklichen Ausführungen e i n z u g e st e h e n. Es ist nicht hübsch von der„Post", daß sie ihre Inserenten betrügt, indem sie in Cirknlareii auf ihre durch ständigen Abonnentenschlvimd charakterisierte„steigende Beliebtheit" hinweist. ES ist aber geradezu unverantwortlich, daß sie selbst ihre hoch- feudalen Leser so schmählich anlügt, und es ist keine Entschuldiguiig, daß es der Leser nur gar wenige sind. Wir fühlen uns beinahe versucht, die verratenen Rechte dieser armen Grafen und Barone zu vertreten. Im übrigen wird Max Lorenz langweilig; er wiederholt sich nur'noch:„Dahin gehört ein Krieg, bei welchem die Socialdemo- krntie, wie Kantsky mit ungeschminkter Deutlichkeit empfiehlt, ihre Mitwirkung von den weitgehcndsten Konzessionen abhängig machen oder, wenn sie nichts bewilligt er hält, Hochverrat Üben soll, damit sie nach der Niederlage ihre Forderungen der geschwächten Bourgeoisie um so leichter abringen kann. Auch Liebknecht läßt sich hierbei als Stütze für Kautsky anführen" usw. Nur an einer Stelle giebt er noch eine kräftigere Probe seiner Kunst, Citate zu fälschen. Er führt an: Die kommende Revolution ist nicht eine Empörung gegen die Regierung, sie wird„mehr den Charakter eines Kampfes des einen Teils des Volkes gegen den andren führen", sie wird weniger einer plötzlichen Erhebung„und mehr einem lang- an da n er u de n Bürgerkriege gleichen". Damit bricht er ab und überläßt es dem gruselnden Leser, sich die nötigen Dynamitattentate, Brandstiftungen und Meuchelmorde hinziizndenkeii. KantSky aber hatte bekanntlich den Satz dahin erläutert, daß der kommende Bürgerkrieg am ehesten den R e f o r in a t i o n s« kämpfen gleichen dürfte. Die Reformation als Umsturz, Luther als Hochverräter, der Wittenberger Thesciianschlag als Vaterlands- vcrrat— das darf natürlich Max Lorenz den„Post"-Leseni nicht bieten. Prof. Delbrück aber mag sich vorsehen; er hat sich in seine „Preußischen Jahrbücher" eine» gefährlichen Mitarbeiter hincingesetzt. Selbst der reaktionären Presse ist dieses„Post"-Spicl zu dumm und widerwärtig. Das weiland Stumm-Blatt findet nur noch bei dem vom Dreschgrafen Pückler ansgehaltenen Organ Verständnis. Dem sind noch einer Base der„Post" die Gerüchte von den social- demokratischen Schandthatcn zu Kopfe gestiegen, und in diesem Znstand hat die„Neue Politische Korrespondenz" gleich ein ganzes Gesetz abortiert:„Verweigerung des Gehorsams oder Aufreizung dazu seitens Angehöriger der Armee, einschließlich des Landsturms, wird nach ausgesprochener Mobilmachung mit dem Tode bestraft". Endlich hat noch die alldeutsche Zeitung des Dr. Friedrich Lange sich des Max Lorenz angcuommen; aber sie übertrumpft ihn in einer Weise, daß unser Exgenosse vor Neid bersten muß. Die „Deutsche Zeitung" ahnt nämlich nicht mir für die Zukunft Hochverrat, sondern sie ist in der Lage, bereits für die Vergangen- heit ein solches hochverräterische Stücklein der Socialdcmokratic festzustellen. Mit Grabesstimme fragt sie: „Und wie war es denn in Hamburg bei den Ziirüstnngen für die Chinafahrten? Sollten die dort plötzlich a n g c- zettelten Streiks etiva ganz außer Zusnmmcnhaiig mir der mililärisch-politischen Lage gestanden haben? War das nicht schon eine kleine praktische Vorprobe zu dem, was Herr Kantzky in seiner Broschüre nur theoretisch angedeutet haben will?" Ja, wie war es doch? Die Hamburger Werften waren be- kanntlich deshalb nicht in der Lage, die benötigten Schiffe rechtzeitig in stand zu setzen, weil die patriotischen Untcriichiiicr die Arbeiter anSgcsPcrrt hatten; mau behauptete damals, sie hätten sich darum k ü n st l i ch der SlrbcitSkräftc beraubt, weil ihnen— überhäuft mit Aufträgen— daran lag, die Reparaturen der Chiliaschiffc l o s z n werde n. Der ivirkliche Thatbcstand kann der„Deutschen Zeitimg" deshalb nicht in Vergessenheit geraten sein, weil der EiitschädigmigS- Prozeß, den die ausgesperrten Arbeiter gegen die Werftunternehmer angestrengt haben, erst neuerdings in letzter Instanz entschieden worden ist. Wenn die„Deutsche Zeitung" also nach- träglich verlangen will, daß die Hamburger Unternehmer wegen— Hochverrats vor Gericht gestellt werden— wir haben nichts dagegen_ Picnstische Polizei als Büttel der russischen Reaktion? Oberschlesische Blätter wissen schon wieder von der„Ver- Haftung e i n e s N i h i l i st e n" zu berichten, bei welchem Schriften nihilistischen und s o c i a l d e m o k r a t i s ch e n Inhalts bcschlag- nahmt wurden. Es handelt sich nni ciiic» Lemberg«? r Studenten russischer Nationalität, der von der deutschen Steuer- behörde in Myslowitz angehalien und den« Gendarmen übergeben wurde. Wie der mit der Polizei in Beziehung stehende„Oberschl. Anzeiger" berichtet, sind die russische» Behörde», speciell die geheime Geiidärmerie, von der Bcrhastung in KcnutiiiS gesetzt worden. Die verlangte Anölirfnug konnle nicht stattfinden, da der Verhaftete einen russischen Vollpaß besitzt und ihm ungehinderte Durchreise ge- staltet werden muß. Trotzdem wurde der Landrar von Kaltowitz telcgraphisch herbeigerufen, um zn untersuchen, ob die Auslieferung möglich ist! Wir leben doch nicht in der Zeit der„heiligen Allianz"! Kein deutsches Gesetz verbietet es, daß in Deutschland ein Russe russische socialdemokratijche Schriften bei sich führt. Ans Grund welchen Rechtes werden also diese Russen polizeilich belästigt oder gar verhastet? Nachrichten ähnlicher Llrt hänfen sich neuerdings. Sind sie wahr, so wären diese Liebesdienste für Väterchen nur geeignet, den deutschen Namen in der ganzen civilisierten Welt verächilich zu machen!— „Patriotische Beklemmungen" haben wieder die Marine- lieferanten. Ihre Presse fordert neue Kanonenboote. Jedes Boot kostet ja„nur" 1600000 M. So wird das Bedürfnis nach iienen Slufträgen— mit dem Schutz des Vaterlandes verdeckt.— Ten socialdemokratischcn Ursprung der SensationS- Meldungen ans der Zolltarif-Komniission behauptet die„Post". Der übliche„Post"-Schwiiidel! Der„Vorwärts" hat über die Rede des Grafen Posadotvskh, wie in der Kommission allseitig, auch vom Staatssekretär selbst, zugegeben wurde, völlig korrekt berichtet. Die tciideiiziöscn Zuspitzungen waren in der„Deutschen T a gse S z e i t u n g" zu lesen. Sie stammen unsrcs Wissens von der- selben Korrespondenz Woth, die jüngst auch die falschen Nach- richten über die Aeiidermig der GcschäftSordnimg verbreitet hat. Die Quelle dieser Phantasien ist aber weder direkt noch indirelt irgend ein socialdemokratischcs Mitglied der Kommission, auch kein Mitglied der socialdeinolratischen Fraktion. Der Nährvater der Wothschen Phantasiegebilde ist vielmehr, so- fern ivir recht unterrichtet sind, der— antisemitische Agrarier Dr. Böckel. Der Mann war ztvar in seinen jungen Jahren socialdemokratisch angehaucht, desivegen kann man doch heute seine Berichte nicht mehr als„socialdemokratischen Ursprungs" bezeichnen.— Freisinnige Strategie. Als die Zolltarifvorlage von der Re- gierung eingebracht wurde, verkündete die freisinnige Presse, die freisinnige Partei iverde der Vorlage auf Schritt und Tritt Widerstand entgegen- setzen, und thatscichlich handelten bei den ersten Beratungen in der Kom- Mission die freisinnigen Kommissionsmitglieder auch dieser Ankündigung entsprechend. Bekanntlich hat in letzter Zeit die freisinnige Partei ihre Taktik gewechselt und gefällt sick jetzt darin, über die unnütze „Obstruktion" der socialdemokratischen Partei und deren Zollanträge in der Tarifkonimijsion schmerzlich zu lamentieren. Bisher ivar die Ursache dieser SchivenkimgMicht deutlich ersichtlich z�doch jetzt hat, in ihrer Zuversicht durch das neiiliche Auftreten des Staatssekretärs v. Posadowsky bestärkt, die„Vossische Zeitung" endlich die kuriosen Gründe für den Wechsel der freisinnigen Zolllaktik aufgedeckt. Die freisinnige Leitung nimmt nämlich als ganz sicher an, daß der Zolltarif scheitern Wird, und zwar nicht an der Opposition der mehr oder minder freihändlerischen Parteien, sondern infolge seiner eignen inneren Widersprüche und des Gegensatzes zwischen den Agrariern und Großindustriellen, auch wenn die Opposition nicht den Mund aiiflhnt. Sei dies aber richtig, dann müßten die freistnuigen Parteien vermeiden, daß sich, wie z. B. 1881 beim ersten Entwurf des Unfallvcrsichcrimgs-Gesetzes, der Mythus bilde, die Vorlage sei an dem verderblichen Widerstand des Freisinns gescheitert; vielmehr müsse klargestellt werden, daß der Tarif allein an seiner inneren Uiimöglichleit verende. Die Ausführinigeii bestätigen nur, was iiiis seit geraumer Zeit mehr mid mehr zur Gewißheit geworden ist. Die freisinnige Partei ist sich des spärlichciiHänsleiiis ihrerWählerschaft nicht sicher.ISie fürchtet. daß der Teil der Klciniiidnstriellen und Handwerker, der bis- her für sie stimmte, sich von ihr bei den nächsten Wahlen mit dem Vorhalten abwenden könnte, sie bätte durch ihre Ob- struktion mit dazu beigetragen, daß die Tarifvorlage zu Fall gekommen sei. Diese Gefahr möchte die freisinnige Partei von sich abwenden, deshalb soll deutlich gezeigt werden, die Vorlage scheitere an der ihr von der Regierung gegebenen Fassung. Wie manche Menschen ewig große Kinder bleiben, so auch manche Parteien. Wenn die S o c i a l d e m o kra t i e nicht wachen würde, so würde sich der Freisinn durch seine Taktik mit der Schuld belasten, daß der Wuchertarif zu stände läme. Denn die Wucherparteien sind trotz aller gegenseitigen Rempeleien längst einig, die Beute in Sicherheit zu bringen!— Mit dem„Kartell der Linken" hat sich min auch eine Berliner Versammlung des Vereins Waldeck beschäftigt. Wir verstehen nicht. was die LentcheN von uns wollen. Wenn sie ihre Anhänger Über- reden wolle», daß sie künftig nicht mehr Wahlkreise an die Agrarier ausliefern, sondern in der Stichwahl für den Socialdemokraten stimmen— schön! Das ist eine Sache, die die Freisinnigen unter sich ausmachen können. W i r habe» bisher die Taktik eines solchen Stichwahl-Kartells ohne besondere Abmachung und großes Brimborium befolgt. Wir bedürfe» also keiner Belehrung!— Ei» Märtyrer des SimplicissininS. SluS Kiel, 24. Juli, wird uns geschrieben: Der Feldzng der Kieler Professoren gegen den SimplicissininS, über den fast die gesamte deutsche Presse spottete, hat seinen Abschluß in der d i S c i p l i n a r i s ch e n V e r« ii r t e i I ii» g e i n c S Studenten gefunden. Unser Kieler Paiteiblatt hatte nämlich über die Angelegenheit einen ausführlichen Artikel vcrvffciitlicht, dcffcn Autorschaft dem betreffenden Studenten zur Last gelegt wurde. Obwohl der junge Mann freiwillig und frei» mülig zugestand, und ihm auch geglaubt wurde, daß er bloß den ersten, auch äußerlich als selbständig gekennzeichneten Teil des Artikel?, der Über die auch im„Vorwärts" mitgeteilten Vorgänge in der Gciieralversanniilinig der studentischen Lesehalle handelte, verfaßt hatte, wurde in dieser Veröffentlichung ein Verstoß gegen die studentische Disciplin und eine Beleidigung der Profcssorciischaft er- blickt, wobei die Beröffeiitlichmig in einem s ociatdeni akratisch e n Blatte als erschwerender Umstand in Betracht gezogen wurde. Iii der discipliiiaiische» Verhandlung, die gestern abend vor dem Senat der Universität stattfand, wurde der Angeschuldigte zu sechs Tagen Carcer verurteilt und ihm das consilium abeundi erteilt, d.h. seine Entfernung von der Kieler Universität ans« gesprochen; das laufende Semester soll ihm in seinem S tndiengang nicht angerechnet werden. Vorher Ivar er noch gelegentlich seiner Ver- teidigiiiig wegen Ungebühr zn einer sofort zn verbüßenden Carcer- strafe von 24 Stunden verurteilt tvorden, weil er die Wendling ge- braucht hatte:„Meine Herren, in Wirklichkeit bin nicht ich, sondern sind Sie die Angeklagten, die sie die Freiheit der Meinimg an der Universität initerdrückeil". Der Verurteilte hat Bernfimg beim Minister eingelegt. Die Kasernierung der Universitäten macht, wie man sichr, gewaltige Fortschritte. Die Kieler Professoren fühlen sich bereits als Militärs. die ihre Studenten bestrafen, wenn ie socialdemokratischcn Blättern Mitteilungen zukommen lassen. Bisher enthält zwar kein Uiiiversitätsstatut jenen Armeebefehl, der den Soldaten jedwede Beziehung zur Socialdemokratie verbietet, aber die strebsamen Professoren bringen diesen militärischen Geist auch ohne und gegen die Statuten zur Geltimg. mid kümmern sich auch nicht um das v e r f a s s ii n g S in ä ß i g e Recht der freien M e i n n n g s ä u ß e r ii ii g, auf das die Professoren ja freiwillig verzichten können, daß aber den Studenten nicht gewaltsam geraubt werden darf. Jniinerhin, wenn sich die Universitäten schon nnli- tarisieren, so sollte man koiiseqiienterweise statt der teuren Professoren die viel billigeren Unteroffiziere und Feldwebel als Lehrer der akademischen Jugend anstellen; für das Bildimgsbedürfnis der Corps würden sie sicher mehr als genügen.— Socialpolitische HerreuhänSler. München, 24. Juli.(Eig. Ber.) Vor cinigen Wochen machte Graf Toerring-Jettenbach, der Schwiegersohn dcS Herzogs Karl Theodor, in einer öffentlichen Sitzung der RcichSratskainmer der Avgcordiictcnkammcr den Vor- Wurf, sie sei viel reaktionärer als das Oberhaus. Darüber ist man unten nun sehr verschnupft. Aber leider ist es Thatsache. daß es Abgeordnete giebt, die z. B. in socialpolilischer Hinsicht von dem gräflichen Reichsrat innnerhin noch einiges lernen könne». Vor einigen Tagen wurde im Ausschuß der Reichsräte der Etat der Staalsbergweike behandelt, über den Graf T o e r r i n g das Referat erstattete. In dem osfiziellen Protokoll hierüber finden wir min folgenden Passus: „Der Herr Referent bespricht sodann unter teilweiser Bezug- nähme ans die einschlägigen Verhandlungen der Kammer der Ab- geordneten dnS seitens einzelner Werke gegenüber den nach dem Berggesetze neu ins Leben getretenen Arbeite rauSschAsien ein- geschlagene Verhalten mit dem Beinerkcii, daß dieses Verhalten (der Regierung nämlich), wie die Verhältnisse gezeigt hätten, als ein richtiges nicht zu bezeichne» gewesen wäre, ist erfreut, daß es gelungen sei, eine gewisse Organisation der Arbeiter- schaft zn stände z« bringe», da mit einer organisierten Arbeiterschaft besser zu verstände!» sei alS mit einer unorganifierten, und bittet die königliche Staatsregierung, möglichst wenig Einfluß auf die Arbciterausschüff'e gewinnen zu wollen, dieselben vielmehr ganz selbständig handeln zu lassen." Der Finaiizmiiiister redete sich kleinlaut' darauf hinaus, die Vorfälle im Staatswerk Peissenbcrg, die zu der für die Regierung so blamablen Anseiiiandcrsetziing mit den Socialdemokraten in der Abgeordnetcnkannner führten, seien entstanden aus einer miß- verständlichen 2luslegiing des bayrischen Berggesetzes. Es iverde jetzt den Slrbeitern„möglichste Freiheit" gewährt und das KoalitionSrccht solle in keiner Weise angetastet werden. TaS Unfugöprivilcg der„Gebildeten". Aus Baden wird uns geschrieben: A l t- H e i d e l b e r g ist bekanntlich eine jener deutschen Universitätsstädte, in denen sich der Uebennnt des .besseren", d. h. vom väterlichen Geldbeutel besonders gut versorgten StudentumS am üppigsten austoben kann. Der Heidelberger Spießer sieht in jedem Stiidierendeii ein Objekt, das„Geld in die Stadt bringl". Alles, was geeignet ist, dem Besuch der Hochschule zu schaden, findet in ihm vvn vornherein einen erbitterten Gegner. So nimmt man als„harmlosen StiidiitenM" Dini�e ruhig in den Kauf, die.> die Socialdemokraten bemerkenswerte Erfolge, auch hier gingenl s chi ene n, Blöcke. Platinen, Knüppel, Tiegel- etwa von Arbeitern verübt, die höchste sittliche Entrüstung des Spießbürgertums wecken würden. Diesem Einfluß können sich auch die Behörden nicht entziehen und mau trifft destvegen in Heidel- bcrg. besonders bei den Organen der Polizei, den Ansschreitungcu der studentischen Jugend gegenüber eine seltsame Nachsicht und Milde der Beurteilung an. Heute liegen wieder zwei Fälle vor, aus denen ersichtlich ist, ivelche Achtung vor d c r A u t o r i t ä t d e strafenden Justiz den künftigen Stützen des Ordnungsstaates innewohnt. Im„freisinnigen"„Heidelberger Tageblatt" ist zu lese» „Fröhliches S t» d e n t e» l e li c» pulsiert noch in Heidel berg und wird vom größeren Teil der Bevölkerung auch als solches ausgenommen und beurteilt. Das bewiesen gestern wieder zwei Vorgänge, die von einer vielköpstgen Zuschauer menge herzlich belacht wurden- Morgens gegen 8 Uhr begleitete eine Studentenverbindung einen zu einer K a r z e r st r a f e Der urteilten Lkommilitoncn nach dem„fidelcn Gefängnis". Der Deliqucnt befand sich, mit schweren rostigen Ketten gefesselt, auf einen zweirädrigen, mit einem Pferd bespannten Karren und wurde am Thore des berühmten Studentengcfänguisses zur Verbüßung seiner Strafe abgeliefert. Am nachmittag brachten Mitglieder einer andren Verbindung dreien ihrer Kommilitonen, die auf einige Tage in den Karze wanderten, ein fröhliches, etwas glänzenderes K o m i t a t. Eröffnet wurde dasselbe durch LH e r o l d e, denen ein TrompctercorpS auf einem Leiterwagen folgte. Die Karzer kandidaten waren in eincni große«, von Kühen gezogenen Käfig untergebracht. Der Henker in rotem Gewände hielt Wache davor, und jammernd umstanden ihn drei„zarte Mägdelein In einer aus dem vorigen Jahrhundert stammenden Kalesche wurden die Betten und sonstigen N e q u i s i t e n der „Verbrecher" mitgeführt, während die Aktiven unter Singen das Ganze durch die Anlagen u n d H a u p t st r a ß e an seinen B e st i m m u n g s o r t eskortierte n." Daß die Polizeibehörde derartige öffentliche Aufzüge, die gesetzes gemäß der polizeilichen Erlaubnis bedürfen, in Heidelberg ruhig gewähre» läßt, während sie in der kaum 20 Kilometer entfernten Arbeiterstadt Mannheim erst bei der letzten Maifeier noch die Gewerkschaftsleiter in Strafe nahm, weil die Teilnehmer an der Versammlung der Feiernden sich von hier in aller Ruhe gemeinschaftlich nach dem GcwerkschaftShaus begeben hatten, ist für die Zustände in unsrcm„Nechtsstante" schon bezeichnend genug. Wir möchten aber erst einmal sehen, wie nmn mit Arbeitern umspringen würde, die sich erlaubten, eine über sie verhängte Freiheitsstrafe unter Teilnahme ihrer Kollegen mit einer derartigen frechen Verhöhnimg des Gesetzes und seiner Vollstrecker anzutreten! Der Strasparagraph vom„groben lln« fug" ist eben nur für den„ P ö b e I" da, der g r o b e U n f u g s e l b st aber ist ein Privileg der„Gebildeten"!— Vom badischen Klostersturm. Man schreibt uns aus Baden: Wie vorauszusehen war, beginnt öaS Centrum aus der„Kloster st ärmer ei" der National liberalen bereits kräftig Kapital zu schlagen. Während die national liberalen Führer im Lande herunircisen, um Protcstversanunlungcn gegen die Zulassung der Männerklöster abzuhalten, suchen die Klerikalen durch allerlei alarmierende Artikel ihrer Parteipresse und durch Sprengnngsversuche in den gegnerischen Versammlungen „das katholische Volk" für„seinen Glauben" unter die Waffen zu rufen. Bereits jetzt, also noch in den ersten Anfängen der Bewegung, ist die Hitze des„neuen Kulturkampfes" zu einem Grade gestiegen, der an die Zeiten der höchst- gehenden Wogen der Bismarckschen Romstürmerci erinnert. Für die Tonart, in der Liberale und Centruin im Klosterstreit init einander zu reden pflegen, in folgendem ein kleines Beispiel: Der„Obcr-KIosterstürincr" Professor B ö h t l i n g l in Karls- ruhe hatte in einer Polemik gegen die katholische Presse kürzlich den Geist des Kultnrkämpfcrs Bismarck citiert, der den Attentäter Kulimann von Anno 74 dem Centrum an die Nockschöße zu hängen versuchte, und hatte dabei gemeint:„Das Pfui!, welches Graf B a I l e st r e m damals von den Bänken des Reichstags aus, dem er nunmehr selbst präsidiert, dem Fürsten Reichskanzler zuschrie, hat die geistige Vaterschaft dieses Gezüchtes fanatisch römisch- undeutscher Volksverh etzuug vollends besiegelt". Darauf erividert dem Herrn Professor jetzt ein viclgclescnes badischcs Centrnmsblättchen, der in Ettlingen, vor den Thoren der Residenz. rrscheiuende„B a d i s ch e Landsmann": „Der Ausruf Pfui! ist allerdings nicht parlamentarisch; es giebt aber Momente im Meuschculebe», wo er sich auch der edelsten Natur und dem sanfteste» Gemüt mit elementarer Gewalt aus drängt, und Herr B ö h t l i u g k versteht es, solche Momente zu schaffen. Pfui, ja dreimal Pst« Teufel einem solchen Ver� halten, das mit der Ehre und mit den heiligsten Empfiiidnuge» weiter VolkSkrcise umgeht wie mit dem Bestand eines Lnnipcnhäudlcrs, und Männer, die an Ehrenhaftigkeit und staatsbürgerlichem Rechte einem Böhtlingk jedenfalls gleich stehen, behandelt ivie eine Bande von Zuchthäuslern oder Laus bilden, und zwar bloß deshalb, ivcil sie für ihre Ueberzeugung eintreten, wie Böhtlingk für die seinige, nur in etwas geschmack vollerer Forni, so daß für das objektive Ange leicht zu unterscheide» ist, auf welcher Seite das„fanatische Gezücht" nudcutschcr Volks- Verhetzung sieht, ob auf der Seite des badischen katholischen Volkes, das seit Jahren in legaler und loyaler Weise für das Klosterrecht der Kirche eingetreten ist, oder auf der Seite der zum Teil fremdländischen K l o st e r st ü r m e r, die mitten im Frieden eine wüste K n l tu r k äm p f e r e i insceniertcn, das katholische Volk beleidigen und die Regierung i n s B o ck s h o r» zusagen suchen!" Ein ergötzliches Bild bieten zur Zeit die badischen Konser- dativen mit ihrer Stellung zur Klosterfrage. Während der einzige konservative Laudtagsabgcorducte Frhr. v. S t o ck h o r n in der Zweiten Kammer für dcii Klosterantrag des Ccntrmns gestimmt hat, kommt die direkt entgegengesetzte Ausfassung in einem Artikel des konservativen Landesorgans, der„Bad. Po st", zum Ausdruck. dessen Verfasser ein einflußreiches Mitglied der konservativen Partei. Frhr. v. G ö l e r. ist. In demselben wird erklärt. Frhr. v. Stock- Horn stehe mit seiner klosterfreundlichen Ansicht in der Partei allein, und die abwartende Haltung der letzteren wird dami in folgender Weise begründet:„Aus kouservmiver Seite wird noch vielfach daran festgehalten, es werde sich im badischcn Lande doch kein Kultus- minister finden, der es wagen würde, dem Verlangen des Centrums in dieser Frage nachzugeben und damit einen neuen Kulturkampf heraufzubeschwören, gegen den der Kulturkampf der 70er Jahre wie ein Kinderspiel erscheine» würde. Man irre sich nicht in der Stimmung des Volkes!" � Ausland. Orstreich-Ungar». Der Ausgleich. Unter dem Vorsitz des Kaisers fand in Ischl eine Besprechung der Minister Graf Goluchowski, v. Koerber und v. Szcll statt, bei welcher die beiden Ministerpräsidenten dem Kaiser über den gegenwärtigen Stand der Ausgleichsverhandlungen Bericht erstatteten.— Belgien. Die Rache. Die„Frantf. Ztg." meldet aus Brüssel: Bolkaert, der nach Frankreich entflohene Chef der jungen socialistischen Garden, der an den Unruhen beteiligt war, wurde wegen offener Rebellion zu 1 Jahr 9 Monaten Gefängnis verurteilt. Italien. Die Kommunal-»iid Provinziniwahlen in Mailand brachten den Socialistcii einen entschiedeuen Sieg. Unter den 33 Kandidaten, welche die vereinigten Volksparteien aufgestellt, befinden sich zehn Socialisten, die vereinigten Klerikal-Moderierten blieben tu der Minderheit. Die Liste der Volksparteien siegte mit einer Majorität von 6000 Stimmen.— Auch bei den Provinzialwahlen erhielten die Volksparteien sSocialisten, Radikale und Republikaner) zusammen. Von den Kandidaten der Volksparteien wurden nur 3 geschlagen; die 4 socialistischen Kandidaten wurden sämtlich mit einer großen Stimmenmehrheit gewählt. Während bei diesen Wahlen die Moderierten und Klerikalen auf ihre Listen im Durchschnitt 8000 Stimmen vereinigten, kamen auf die der Volkspartcien 13S00.— Asien. Zollreform in China. Der Pekinger Korrespondent der „Times" verzeichnet die Zustimmung der chinesischen Regierung zu einem von England vorgeschlagenen Reforiuplan, der Abschaffung der Likinzölle(der Zölle zwischen den chinesischen Provinzen untereinander) auf alle einheimischen und importierten Waren im ganzen chinesischen Reichsgebiet. Der von Sir James Mackay ans- gehende Vorschlag wurde in einer gemeinsamen Denkschrift Sheugs und der beiden Dangtse-Viccköiüge der kaiserlichen Re gierung unterbreitet und erhielt deren Sanktion am vergaugcneu Montag. Von chinesischer Seite wird gewünscht, daß die neue Maßnahme in den Handelsvertrag mit England aufgenommen werde, über den gegenwärtig Verhandlungen schweben. Gleichzeitig sollen die alten anerkannten Binnenzölle codificiert und der Kontrolle des Gcncral-Zolldircktors Sir Robert Hart unterstellt werden. Als Gegenleistung für diese Konzessionen soll China eine Er- höhn n g der Zölle auf den auswärtigen Handel gestattet werden. 91. Sitzung der Zolltarif- Kommission. B e r I i n. LS. Juli. An Stelle Horns ist B e r n st e i n in die Kommission einge treten. Der Abschnitt Silber, Positionen 772 bis 776, wird zusammen gefaßt beraten. F e i n s i l b e r, roh, 772, ist zollfrei; die Vorlage verzollt legiertes Silber, 773, mit 100 M.; S i l b e r draht 774, rund, 100 M.; geglättet oder geformt, 200 M.; v e r- g o l d e t, LSO M.; S i'l b e r g e s p i n st, 775, wenn der Kern aus Seide besteht, mit 800 M.; aus andren Spinnstoffen 250 M. Waren aus Silber, 776, mit 600 M. Gothcin beantragt einige Textänderungen und Zollherab setzungen. Die Socialdcmokratcn beantragen Zostfrcihcit. Hoch tritt für die letzteren Anträge ein und schildert die Lage der Arbeiter in der Edclmetallindustrie; besonders in Pforzheim würden die Arbeiter hart ausgebeutet, wie es längst durch den vcr- dicustvollcii Fabrikinspcktor Wörrishoffcr bestätigt sei. Der Durckp schuittslohu betrage ca. 1000 M., obgleich die Arbeit der Edelmetafl arbcitcr eine qualifizierte sei. Der Fabrikiuspcklor des Pforz� hcimcr Bezirks habe Angaben über Arbeiterverhältniffe gemacht, die mit der Wahrheit in Widerspruch stünden.(Der Vorsitzende rügt diesen Ausdruck.) Redner fährt fort, er beabsichtige, die Arbeiterverhältnisse hier klarzulegen und damit den Beweis zu liesern, daß ein Zoll die Lage der Arbeiter nicht verbessere, wenn auch gesagt werde, die nationale Arbeit solle durch den Zoll geschützt werden. Weitere Ausführungen des Redners behandeln die Vcr- nnchlässigung der gesetzlichen Aufsicht zum Nachteil der Arbeiter. lDer Vorsitzende unterbricht den Redner und ersucht ihn, diese Aus fübrungen abzukürzen.) Hoch erividert, er spreche zur Sache und müsse die Arbeiterverhältnisse erörtern. Könnte er zu der Ansicht gc langen, daß der Zoll die Lage der Arbeiter verbessern würde, dann würde erdafür stimmen. Die schlechten Arbeiterverhältniffe in derHananer, überhaupt der Edelmetallindustrie bewirkten eS. daß die Arbeiter außer Landes gingen und in der ganzen Welt verstreut sind. Man verbessere die Ärbciterverhältnisse, schränke die Ausbeulniig der Ar beiter ein, das werde helfen, der Zoll nicht. Die Industrie sei nach technischer und künstlerischer Seite so entwickelt, daß auch venünftige Fabrikanten Zollbcstrebungen abweisen. Die Beschränkung des Exports, wie sie z. B. die Agrarier wollen, wäre der Industrie schädlich, sie verlangen dagegen günstige Ausfuhrbestimmungen. Redner hebt dann hervor, daß die Beschlüsse der Kommission die ansbeutcrische Karlellwirtschast fördern und wird deshalb vom Vorsitzenden wieder unterbrochen und gerügt. Hoch verwahrt sich energisch gegen die Unterbrechungen, sowie die Unterschiebung, die ihm der Vorsitzende gemacht habe. Er. Redner, habe nicht gesagt, daß diese Beschlüsse wider besseres Wissen" gefaßt worden seien. Die weiteren Ans- führunge» des Redners gelangen zu dem Schluß, daß die Zoll freihcit der Industrie diene, der Zoll sie schädige. Graf Posadowsky erwiderte, daß das führende Ressort i n Z o l l s a ch e n das A u s w ä r t i g e A m t sei. Um günstige Ausfuhrbedingnngen zu erlangen, dürfe man nicht mit leeren Händen kommen, es müsse also eine gewisse Zollabgrenzung statlfinden. Das Reichsamt des Innern sei nicht verantwortlich für die Fabrib inspcktion der. Einzelstaaten, die Fabrikinspektoren seien Landes- bcamte. Die schlechten Arbeiterverhältniffe, speciell die Zunnhine der Schwindsucht, seien bekannt. Wen» in einem Bezirk gewisse Verhältnisse bestehe» und sich bemerkbar machen, müsse der Beamte sie kennen; freilich gebe es fähige und unfähige Bcamte. Stadthagc» erhebt geschäftSordnungsmäßig Beschwerde gegen die Unterbrechungen des Vorsitzenden. Derjenige verstoße doch nicht gegen die Geschäftsordnung oder sei ein Ruhestörer, der die Decke von der schluminernde» Wahrheit ziehe und die Wahrheit aufdecke. Die Wahrheit sei, daß die äußerst schädliche Wirtschaft der Syndikate Ringe, Kartelle ec. durch die Beschlüsse der Kommission gefördert werde; das habe Hoch gesagt. Geheimrar Rodatz polemisiert gegen Hoch, der darauf er- widert. Graf PosadowSky bemerkt Hoch, daß derselbe seine vorher ge machten Anssührmigen eingeschränkt habe. Aehulich, wie eS im Drama heiße: Geben Sie Gedankenfreiheit! sage die Socialdemo- kratie: Gebt Zollfrciheit! Aber die erstcrc Forderung habe blühendes Leben erzeugen wollen, die letztere Forderung bewirke das nicht. Gothcin bemerkt, die Erhöhung der Zölle schade mehr, als je der Freihandel schaden könnte. Stadthagcn erwidert: Der Vorwurf, daß die Socialdcmokralen bei beinahe jedem Gegenstand Zollfrciheit beantrage, ist unberechtigt. Abgesehen davon, daß zur Begründung der Zollfreiheit ja stets auf die eigenartige Lage der einzelnen Industrien, insbesondere auf die Ein- undAusfuhr.dieProduktions- imdArbeitSverhältniffe exemplificiert werde, rechtfertige sich der Antrag auf Zollfreiheit, um blühendes Leben für Deutschland zu bringen, vom grundsätzlichen Standpunkt ans. Um zu dem ja selbst vom Grase» von Kanitz als erstrebenswert bezeichneten Ziel internationalen freien Verkehrs zu gelangen, sei die Schutzzollpolitik verkehrt. Erhöht Deutschland seine Zölle, so er- höht auch das Ausland die seinigen. Dann kann aber von einer Möglichkeit, etwas zu bieten, keine Rede sein. Die Zollerhöhung geht dann international wie eine Schraube ohne Ende zum Schaden des Exports, der nationalen Wohlfahrt und der solidarischen Jnter- esse» der Arbeit. Statt die freihäudlcrische Richtung andrer Staaten zu stärken, stärke man zum eignen Schaden die' schutzzöllnerische. Was solle die deutsche Industrie beginnen, tveuii etwa England schließlich zur Schutzzollpolitik gedrängt' würde? Hinzu komme'noch, daß jeder Antrag auf ZoNfreiheit die grundsätzliche Be- k ä m p f u n g der Getrcidczölle in sich schließe, für die man durch industriellen Schutzzoll Anhänger aus Kreise» werbe, die entschiedene Gegner der Getreidezölle sein müßten. Selbst da, wo ein in- dustricller Erziehungszoll vielleicht vorübergehend in Betracht kommen könnte, wiege das Interesse der Arbeiter gegen Getreidezölle centnerschwer. Die Positionen werde» sämtlich nach der Vorlage angenommen. «» * 17. Abschnitt. Unedle Metalle und Waren daraus. A. Eisen und Eisenlegicrungen. ES werden die Positionen 777, 784 und 843 verbunden. Position 777, Roheisen und nicht schmiedbare Eisenlegierungen IM.; 784, Rohluppen. Roh- st a h l i n B l ö ck e n 1,50 M.; Position 843, Eisenabfälle: Bruch- eisen sc. 1 M.; Glühspan zc. frei. Die Socialdemokrateu beantragen Zollfreihcit. Fischbcck beantragt zu 777 Zollfreiheit, ein Eventualantrag will 0,25 M. Zoll. Gotheiu beantragt zu 777— 0,50 M.; zu 784— 0,80 M.; zu 843— 0,40 M. Beniner beantragt zu 734, die Worte:„Tiegelstahl in Blöcken" zu streichen und eine neue Position 784a cinzuschalteu: Blöcke, Platinen, Knüppel von Stahl im Werte von 25 M u n d m e h r für 100 Kilogramm 4 M. Bernstein hebt hervor, daß man jetzt zu einer Position ge- kommen sei, die die Grundlage für eine ganze Reihe andrer In- dnsirien Hilde. Der Zolltarif sei in sich schon hoffunugslos, da er von dem Grundsatz ausgehe, es müßte mit ihm, wie auf dem Weltmarkt gehandelt werden, man müsse andren Staaten etwas bieten. Aber heutzutage keime man allcrwnrts die allgemeinen, sowie die Produktionsverhältnisse der einzelnen Staaten, so daß ein gegenseitig versuchtes Vorschlagen lächerlich sei. Der Zoll auf Roheisen sei sozusagen die Erbsünde der deutschen Zollwirtschnft, die Eisenzölle hätten weitere Zölle nach sich gezogen. Deshalb hätten die Socialdcmokratcn die Pflicht, gerade bei dieser Position Zollfreiheit principiell zu fordern. Eine Reihe vo» Faktoren ermöglichten es, auf de» Zoll zu verzichten. Die technische Ent- Wicklung ermögliche der deutschen Eisenindustrie günstigen Bestand. Dann könne man die Transport- und Frachtucrhältnisse verbessern und ihr so die Zufuhr der Roh- und Hilfsstoffe wohlfeiler machen. Freilich kranke die Zollpolitik daran, daß man Rohstoffe vcrteure und dann Halb- und Ganzfabriknte ebenfalls mit Zölle» zu belegen sich gezwungen sehe. Mau führe auch die socialen Lasten hier wieder als einen Grund für höhere Zölle an, aber dieser Grund sei hin« fällig. Die gefährlichste Konkurrenz drohe ans den Ländern, in denen hohe Löhne gezahlt werden, höhere als in Deutschland, wo die„socialen Lasten" nur einen sehr niedrigen Beitrag erforderten. Das Shndikatswescii verwerfe Redner nicht' grundsätzlich. Syndikate könnten zur Regelung der Produktion sehr viel beitragen, ja sie könnten vorbereitend für eine höhere Form der Produktion, der gesellschaftlichen, wirken. Aber im Syndikatslvcsen liege die große Gefahr des Mißbranchs kapitalistischer Macht. Und dieser Miß- hrauch sei bereits zu konstatieren, die Preistreiberei sei heute ein Merkmal der Syndikatswirlschaft. Der Zoll fördere sie. Auch aus diesem Grunde müsse man sich gegen den Zoll wenden, zumal das Roheisensyndikat nicht die erreichbaren Forischritle auf technischem Gebiet zu verzeichnen habe. Fahre man in der Föpderuiig einer solchen Zollpolitik fort, dann schreibe man verschiedenen großen Industrien das Todesurteil und schädige die ganze Produktion. Redner weist dann auf die HandelSstatistik, ferner auf die Arbeitcrberhältuisse in der Eisen- industrie, speciell in Breslau, hin, die auf Zollfreihcit hinlenkten. Ferner zeigten! auch die Dividenden in der Eisenindustric, daß sie keinen Zoll benötige. Gingen wir dazu über, misre Verkehrs- Verhältnisse zu verbilligen, dann würde die deutsche Industrie in noch höherem Maße prosperieren. Dann könne man auch zu gesünderen Vertragsverhältnisscn gelangen. AuS all diesen Gründen müsse ZoNfreiheit eintreten; lehne die Kommission Zoll- freihcit ab. müsse sie die vorliegenden Anträge aus Herab- sctznng der Zölle annehmen, daS sei das Allermindeste, was sie thun könne. Gehe man bei der Eiseniiidnstrie derartig vor, dann käme man auch zu einem besseren iuteruationalcn Verkehr. Redner be- spricht dann und kritisiert die Zölle ans die Einzelpositionen. Gothcin wirft die Frage auf. ob im Jnlercsse der deutschen Hochofcninduftrie ein Zoll nötig sei. Maßgeblich sei der Verbrauch des Produkts im Jnlandc. Der Verbrauch werde aber eingeengt durch Verteuerung dcS Produkts, die die Syndikate be- trieben habe. Nun die Konjunktur ungünstig sei, müsse natürlich auch die Produktion stagnieren. Die Frage der Zölle sei dabei irrelevant. Redner geht auf die Lage der deutschen Eisenindustrie gegenüber der in andren Staaten näher ein und konstatiert, daß England der beste Abnehmer deutscher Eisen- waren sei, es nehme samt seinen Kolonien ca. 30Proz. der deutschen Eiseiiausfiihr auf.„Die amerikanische Gefahr" behandelt Redner als eine Hiktion. Eine regelmäßige Einfuhr amerikanischer Eisen- waren sei nicht zu befürchten. Unsre Ausfuhr von Roheisen und Halbzeug habe sich im Vorjahre bedeutend gehoben. Es könne auch nicht die Aufgabe der Zollpolitik sein, einer momentan ungünstigen Lage aufzuhelfen, die durch die Syndikatswirtschaft un- günstiger gestaltet worden sei. In einer Zeit wirtschaftlichen Tief- staiideS die Preise durch Zölle künstlich zu erhöhen, sei doppelt gefährlich, denn dadurch»verde der Konsum im Innern herabgedrückt. Redner schließt: Der Gott, der Eisen»vachsen ließ, der wollte keine Zölle! Schluß 1lil Uhr. Nächste Sitzung: Dienstag 9 Uhr. Mit de» Nrbcitergrosche« beschäftigen sich fortgesetzt eine An» zahl Blätter, bei der Gelegenheit de» wahren Grund dieser Sorge verratend: es ist blasser Neid; selber möchten sie die Groschen haben. Es heißt nämlich am Schlnffe eines gleichlautend durch ver- schiedene Blätter laufenden Artikels, daß eS gegen die Ausgaben der Arbeiter für die socialdemokratische Partei kein andres Mittel gäbe als das, daß auch die„Ordmmgsparteien" rocht viel Beiträge be- kommen. Ja, eS ist ein Jammer. Freilich muß die Socialdemokratie be- kämpft werden; stört sie doch mit immer unerträglicher werdender Dreistigkeit den ruhigen Betrieb des Ausbeutungsgeschäfts, droht doch von ihrer„zersetzenden Thätigkeit" sogar dem neuen Zollwnchcr ernstliche Gefahr. Aber solch ein Kampf kostet auch Geld und das NM so mehr, als die Herren Jntercsscntcn das nicht selbst machen mögen; sie müssen auch dazu ihre Arbeiter haben, die nicht alle ihre Seligkeit um so wenige Silberliugc verkaiifen, wie die Wunder- redner des Bundes der Landwirte. Da sitzt das Nebel. Die Herren, die gewöhnt sind, sich den Schutz ihres natioiialcii Geldbeutels etlvas kosten zu lassen— aus den Taschen der Arbeiter, die ollen hier mit einmal selber zahlen nnd das ist kränkend.„Schutz vor der socialdemokratische» Verhetzung" will jeder; zahlen will keiner. Es sollte darum jeder Arbcitcr gezwungen werden, ebenso- viel, als er freiwillig der socialdemokratische» Parteikasse, seiner Gewerkschaft und ähnlichen staatsgefäbrlichcn Zwecken zuwendet, in eincii nationalen Vcrteidigimgungsfouds zu zahlen, zum Schutze der höchsten Güter, wie Ausbeutung der Arbeiter, Zollwnchcr»nd der- gleichen. Das»väre die einzig richtige Verweudniig der Arbeiter- groschen. Eine Zänkerei z»vifchcn einige» Parteigenosse» in Essen, die an differierende Ansichten über die Errichtung eines Rechtsschutz- Bureaus durch das dortige Gcwerkschaftskartcl'l nnkunpfte, wird in einer Zuschrift an die„Vossische Zeitung" als ein Streit hin- gestellt, der die Aufmerksamkeit weiterer Kreise ans sich ziehe. Die„Vossische Zeitung" ist das Opfer einer gewaltigen Uebertreibimg geworden. Weil zwei oder drei Leute» einmal aus persönlichem Aerger ihre Zunge oder ihre Feder durchgegangen ist, fchen Leute, deren Blick sich gern von ihre» Wünschen trüben läßt, gleich gc- »valtige Differenzen, die„die Aufmerksamkeit auf sich ziehen". Die .»veiteren Kreise", die übrigens wohl nur durch die Person des Informators der„Vossischcii Ztg." repräsentiert»Verden,»verde» trotz aller Aufmerksamkeit nicht auf ihre Koste» kommen. Die Wässerchen der persönlichen Gereiztheit werden sich beruhigen und das Sensationsbedürfnis geivisser Leute wird trotz aller Aufbauschungs- knuste unbefriedigt bleiben. Totenliste der Partei. Im Alter von 69 Jahren starb in H a I b e r st n d t der Parteigenosse Friedrich H»» r l e m a» n. Die„Magdcburgische Volksstimine" schreibt über ihn: Hurlemami hat sich in seinem lauge» Lebe» stets als ein treuer, Überzeugter Anhänger der moderneu Arbeiterbewegung und zwar sowohl der politischen wie der gewerkschaftlichen bewahrt. Mitte der sechziger Jahre hat sich Hnrleinann bereits der Socialdemokratie au- geschlossen. Sein Wirknngskreis»varen nacheinander die Städte HalberstM, Berlin, Hmnlnir� und seit Ende der siebziger Jahre uininterbrochcil wieder Halbcrstadt. Er gehörte anfänglich der Lasiallcanischen Nichtnng an und wurde als einer der Berliner Delegierten auf den Eiiiignngskongrcb in Gotha entsandt. Hurlenmnu Ivar dann später in Halbcrstadt nnerinndlicher Organi sator und Agitator; er bekleidete lvicdcrholt die höchsten Vertrauens äinter der Partei sw 0. ivar er eine Zeitlang NeichstngSkandidat für den Wahlkreis Cölbe- Ascherslebcn), ivobci ihm dann auch die üblichen Znsamnienstvste mit der Polizei und den Gerichten nicht er- spart blieben; mehrere Male»nistte Hurlemann längere Zeit hinter GefängniSmanern zubringen. Neben der politischen Thätigkcit ver� gast er auch nicht die gcivcrkschaftliche. Bis vor einigen Jahren ivar er der Vertrauensmann der Maurer in Halberstadt, in welcher Eigenschaft er auch im Auftrage des Centralvorstandcs ausgedehnte Agitationsreisc» machte. In den letzten 3— S Jahren war Hurlemann in der Expedition der inzwischen mit der, Volksstimme* verschmolzenen„Volkszeitnng" thälig. In Bra n d e n b u r g starb der Cigarrcnmacher August Nielsen Die Partei verliert in dem Dahingeschiedenen einen begeisterten. opferwilligen und charaklcrfestcn Genossen. Zur Zeit dcS Socialisten gcsctzes Ivar er einmal wegen Vcrbreilung verbotener Schriften in UntersuchmigShaft genommen worden; sechs Wochen wurde er darin festgehalten, bis man ihn, da ihm nichts bewiesen werden konnte, freilassen ninstte. Seiner Charakterfestigkeit dankten es ver- schicdcne Genossen, dast sie in schwerer Zeit vor hartem Mistgeschick bewahrt blieben. Trotz aller Versprechungen, die ihm gemacht wurden, bewahrte er seine Standhaftigkeit und nahm lieber die Leiden der langen Untersuchungshaft auf sich, anstatt dast er andre verriet. Aus Ittduflviv und Handel. Saatciistaud in Teutschland. Nach der Statistik Statistischen Amtes sind die Noten für den Stand Mitte folgende(1 bedeutet sehr gut, 2 gut, 3 mittel, 4 gering): des Juli In dem diesen Noten angefügten Bericht heistt cS: Gegen den Vormonat zeigen einen leichten Rückgang: Hafer, Klee und Luzerne, gleich geblieben sind die Erntc-Aiissichtcn für Winterweizen, Sommerweizen und Sommerroggen, eine leichte Bessernng weifen auf Wintcrrogcn, Sommergerste, Kartoffeln und Wiesen. Die Ernte des Wintergetreides ist 8 bis 14 Tage später als normal zu erwarte». Der Wintcrwcizcn steht im allgemeinen gut, Winterroggen nahezu gut. zeigt aber vielfach lückenhafte Aehren und stellenweise Lager. Von Sommergetreide sind Gerste und Hafer in der Entwicklung etwas zurückgeblieben. Der Stand der Kartoffeln ist sehr verschieden; ein Teil ist lückenhaft aufgegangen oder durch die Kälte im Wachstum zurückgeblieben, während der andre Teil gutes AuSsche» zeigt. Der erste Schnitt des Klees ist fast durchweg gut ausgefallen. Das Wachstum des zweiten Schnittes ist in einem Teil der Bezirke durch Kälte, in einem andren durch Trockenheit aufgehalten worden. Die im Süden und Westen gut beendete Heuernte war im Osten zumeist erst zur Hälfte eingebracht. Sie ist fast durchweg gut. Vom Niihrkolilenmarkt berichtet die„Köln. Ztg.': Der Kohlenmarkt ist noch innner als leblos zu bezeichnen. Der seit Ende vorigen Monats zurückgegangene Versand hat sich bisher wenig gehoben, obwohl die Jnveiiturarbeiten. denen man die Einschränknng zuschreiben wollte, beendet sind. Während sich für Hausbrandkohle eine etwas regere Nachfrage geltend zu machen scheint, ist es insbesondere Jndustrickohle, die heute mehr als bisher leidet. In der Eisenindustrie leiden besonders die Hochofenwcrlc unter der Verstimmung zwischen ihnen und einer Anzahl von Roh- eisen- Verbrauchern infolge der von letzteren verlorenen Prozesse. Die Ergebnisse der Zechen sind langsam aber stetig zurückgegangen. Die weitere Gestaltung des hiesigen Bergbaues wird auf das engste mit der Entwicklung der Eisenindustrie zusammenfallen, und diese hängt wiederum von den Verhältnissen in Amerika ab. GemevKsdlAftliches. Verls««iib llmgcgciib. Keine Verständtgiing mit den Arbeiter»! Das ist die Losung des Kühneniaunschc» Verbandes der Metall- industriellen. Die streikenden Dreher der NileS-Werke haben das Eiuigungsamt angerufen und damit bekundet, datz sie bemüht sind, ihren Konflikt mit der Firma vor einer unparteiischen I n st a n z zum Austrag zu bringen. Der Direktor des Werkes hat aber den Eintritt in Vcrhaudlimgcn abgelehnt nnt Rücksicht darauf, daß er dem Verbände der Metnllindnstriellcu angehört. Die Kühuemänner haben also wie immer, so auch in diesem Falle eine friedliche Beilegung des Konflikts verhindert. Eigentümlich ist es allerdings, daß die Uuternchmer, welche soiist immer über den Terrorismus schreien, der angeblich durch die Arbeiter verübt werden soll, sich von ihrem Verbandsvorstande in solcher Weise terrorisieren lassen. Auf dem Arbeitsnachweis der Metallindiistriellen herrscht aus Anlaß des Streiks der Dreher eine besonders rege Thätigkeit. Wer einen Arbcilsschcin für die Nilcs-Wcrke verweigert. der kommt unweigerlich auf die schwarze Liste, und eine große Zahl von Arbeitern gchöri zu denen, die aus diesem Anlaß für vier bis sechs Monate, oft auch noch für längere Zeit, keinen Arbcitsschein bekommt. Mit diesen Maßregelungen erreichen die Kühnemänuer natürlich nicht ihren Zweck; sie zeigen damit den Arbeitern nur, daß diese ihre Organisation so stärken müssen, um das Joch, welches die Unter- nehmer ihnen aufzwingen, abschütteln zu können. Achtung! Gesellenaiiöschilssr. Der in der Versammlung der Gesellenansjchüsse und JimnngS- Schiedsgerichtsbcisitzer gewählte Ausschuß hat sich konstituiert und den Genossen Otto Wels, Tapezierer, Engel-Ufer lö, Zimmer 35, Telephon Amt 7», S672, zu seinem Obmann gewählt. Die Altgesellen sämtlicher Innungen Berlins werden ersucht. umgehend Nanien und Adressen sämtlicher Gesellen-Ansschußmitglieder sowie der Jnnungs-SchiedsgerichtSbeisitzer ihres Berufes an obige Adresse einzusenden._ Der Ausschuß. Isolierer und RohritMhiiller. Die Firma P o s n a n s k h u. Strelitz, Pappcl-ANce 11. hat nunmehr den Widerstand auf- gegeben und die Forderungen ihrer Arbeiter voll« inhaltlich anerkannt. Die vereinbarten Bedingungen sind folgende! 1. Wiederanftcllung der entlassenen Monteure Jahn und Lange ll; 2. gänzliche Abschaffung der Accord- arbeit; 3. keine Maßregelungen infolge Teilnahme am Streik; 4. Znrückziehnng der während des Streiks auf Montage beschäftigten Leute in die Fabrik. Die verhängte Sperre ist somit aufgehoben. Die L o h n t o ni ni i s s i o n. Zur Lohnbewegung der Dachdecker ist zu berichten: Von den beiden gesperrten Firmen, Horn u. Hummel, Kopp Cie„ haben Horn u. Hnnmiel die Forderungen bewilligt inid ist die Sperre über diese Firma aufgehoben. Weiter haben bewilligt: A. Damke, Bensselstr. 3—4; Schneider, Danzigerftr. 62; K. Kretschmer, Otto- straße 20; Rüthmüllcr u. Blank, Eamphausenstr. IE_ Weitere Sperren sind verhängt über folgende Firmen: I F. W. Neneke, Mommsenstr. 3; Jahn. Besielstr. 20; Hitze, Rixdorf Wagener. Zehlendorf. Die Kollegen haben bei obengenannten Firmen die Arbeit ani Sonnabend niederzulegen, außer bei Wagen«, wo bereits am 2S. d. Mts. die Arbeit iiicd«gelegt ist. Bei Kopp hat sich ein Arbeitswilliger gefunden. Die L o h n k o m m i s s i o n. Für das EinlgungSamt der Berliner Jniinngcn hat sich in ihrer letzten Qnartals-Bersammlnng die Bäcker-Jnniing„Konkordia" erklärt. Altgeselle Most sprach namens der Geselleuschaft und im Ein Verständnis'mit dem kürzlich gefaßten Beschluß der Berliner Gesellen ausschüsse und Schiedsgerichts- Beisitzer gegen die geplante Einrich- tnng, die jedoch gegen eine knappe Minderheit angenommen wurde. Deutsche? Reich. An die Kesselschmiede, Stemmer, Nieter, Schlosser nud Metall- arbeiter. Bekanntlich stehen in B n r m c n- R i t t e r S h a u s e n bei S i I l e r u. I a m a r t, Dampfkessclfabrik, sämtliche Arbeiter in Streik. Die Firma macht verzweifelte Aiistrengiingen, Streikbrecher heranzuziehen, sowohl durch Agenten, die ständig auf der Tour sind als auch durch Arbeitsnachweise und Inserate. Bei letzteren fehlt der Name der Firma. Wir ersuchen die Kollegen und Verwaltungsstellen allerwärts, Acht zu haben und wo Agenten, Inserate zc. anftnucheii, nnS so fort Nachricht zukommen zu lassen und am Orte selbst direkt Gegen maßregeln zu ergreifen. Zuschriften find an N o b. Dfi ß m a n n, Bar m en, Adler straße 13, zu richten. Die Verwaltung des Deutschen Metallarbeitcr-Verbandcs Barincn-Elbcrfcld. Die AnSsperrnng der Kieler Banhandwerkcr wird, wie ans Kiel untcrin 24. d. M. geschrieben wird, am Freitagnachmittag ihren definitiven Abschluß finden. Diejenigen Gesellen, welche bis dahin bei den Jnnimgsineistern um Arbeit nachgefragt haben, werden dann cincn neucii Gesellenausschuß wählen, der den neuen Vertrag zu unterzeichnen hat. Einen Teil ihrer Lohnfordc rnng haben die Vauhandwerker durch ihren 17wöchigen Kampf durch gesetzt: statt der bisherigen öS Pf. erhalten sie bis znin 1. Januar nächsten Jahre? 57 Pf. und von da ab 60 Pf. die Stunde. Dafür müssen sie freilich einen 4V, jährigen Kontrakt mit in Kauf nehmen. Die Gesellen waren durch den niassenhaften Zuzug, nainenllich von Maurern, die ans Oberschlesicn und Italien importiert wurden, zu diesen Zugeständnissen gezwungen. Ans den eignen Reihen der Ausgesperrten hatten sich keine Ilcberlänfer gefunden. Die Arbeit wird am Sonnabend wieder aufgenommen werden, und es steht zu erwarten, daß sämtliche Ausgesperrte wieder unterkommen, da neue Bauten in der Periode der Aussperrung nicht begonnen werden konnten. Die Meister, die mit ihrem Import schlechte Erfahrungen gemacht haben, fangen bereits a», diese„Nothelfcr' abzuschieben. Die„Freiheit" bcS Arbeiters. In der bekannten Glashütte von Siemens in Döhle» bei Dresden hörte ein Arbeiter auf, weil es ihm infolge des jchlechtcn Materials nicht möglich war, einen ausreichenden Accordverdicnst zu erzielen. Gekündigt hatte der Arbeiter allerdings nicht, denn er glaubt mit Recht, daß er in diesem Falle nicht an die Kündigimg gebunden sei, da die Gewerbe Ordnung die sofortige Lösung deS Arbeitsverhältnisses gestattet, wenn der Arbeitgeber bei Stücklohn nicht für ausreichende Bc schäftigung sorgt. Dieser Fall— so urteilte der Arbeiter— liegt hier vor, denn wenn das ArbcitSmaterial, für das der Unternehmer zu sorgen hat, die Arbeit nutzlos werden läßt, so ist eben keine genügende Beichästigung vorhanden. Der betreffende Arbeiter fand lohnendere Beschäftigung in einer Ziegelei bei Denben. Wenn er aber glaubte, er habe sich verbessert, so hatte er die Rechnung ohne die Firma Siemens und ohne den— Gcmeindevoisteher gc macht. Dieser eröffnete dem Arbeiter nämlich sogleich nach dem An tritt der Arbeit, daß dem Ziegelcibesitzcr die Beschäftigung dcS Ar beiters verboten sei. Wir wären begierig zu erfahren, auf welche gesetzlichen Bestinmmiigen sich ein solches Verbot stützt. Wenn hier wirklich an genoinnicn wird, daß der Arbeiter den Arbeitsvertrag mits der Firma SieincnS gebrochen hat, so kann allenfalls die Vorschrift der Gewerbe Ordnung Änwcndttiig finden, die besagt, daß der Vertragsbrüchige Arbeiter, sowie der Arbeilgcber. welcher ihn, wissend, daß der Arbeiter noch einem andern Arbeitgeber verpflichtet ist, bcschäfligt, dem ersten Arbeitgeber Schadensersatz zu leisten bat. Die Firma Siemens hatte also schlimmstenfalls civilrechtliche Ansprüche an den Arbeiter, rcsp. eincii neuen Arbeitgeber, und der Gcmcindcvorstaiid hatte kein Recht, diesem die Beschäftigung des Arbeiters zu verbieten, ganz davon abgesehen, daß es einem behördlichen Organ nicht gut ansteht, sich zuni Werkzeug eines IliitemehmerS zu machen, der die bei ihm bc- 'chäfligtcn Arbeiter, gleich Hörigen, an seinen Betrieb fesseln und ihnen die Aufsuchung einer besseren Arbeitsstelle vereiteln möchte. Schlosser. In Velbert im Rheinland sind in drei Schloßfabriken Differenzen ausgebrochen. Vor Zuzug wird gewarnt. Die Väikcrmcistcr-Söhiic, soweit sie als Bäckergesellen thätig ind, fühlen sich durchaus nickit mit ihren Kollegen, die nicht so glücklich sind, einen Bäckermeister zum Vater zu haben, solidarisch. Die Meistersöhnchen sind von ihrem ganz besonderen Wert und ihrem Abstand von den übrigen Däckcrgefcllen so sehr überzeugt, daß sie sich in eignen Fachvcreincn der Bäckermeister- Söhne znsammengethan haben, die wieder zu einem Verbände für Ocstrcich und Deutschland vereinigt sind. Der Verband tagte kürzlich in Wien. und bei dieser Gelegenheit beschäftigten sich die Söhnchen auch mit der Stellung, die sie einem Streik der Bäckergesellen gegenüber ein- zunehmen hälte». Es war kaum anders zu erwarten, als daß sich ?ie meisten Redner für unbedingtes Zusammengehen mit den Meistern erklärte», die sie natürlich unterstützen müßten, weil sie dereinst selbst das Erbe der Meister antreten. Fast allein mit seiner Meinung stand der Präsident Müller-Berlin, welcher ausführte: Wenn ein Streik proklamiert wird, so müssen wir neutral bleiben. Der geschäfts- ührcnde Vorstand würde nie seine Hand dazu bieten, den Verband agitatorisch für Beseitigung eines Streiks in Bewegung zu setzen. Wir wollen nicht, daß die Gesellen ans uns Einfluß nehmen, wir wollen aber auch nicht, daß wir uns in allem für die Meist« einsetzen müssen. Was das einzelne Mitglied später als Meister lhnt, geht nnS nichks an; im Verein können wir an allem Kritik üben, ab« wir dürfen nicht agitatorisch auftreten. Einen Beschluß über ihre Stellung zum Streik faßten die Meistersöhnc nicht. Das war auch nicht nötig, denn man weiß ohne« dem, daß die„Erben der Meister* sich nicht auf die Seite der für Arbcitcrinteresfen kämpfenden Gesellen stellen werden. Ausland. Der Streik der galizischen Landarbeiter breitet sich immer weiter ans. In acht Bezirken: Zbarnz, Hnsiatyn, PrzemhSlany, Tarnopol, ZalcSzczyki, Zloczow, Bobrka und Trembowla, wird bereits gestreikt und in mehreren andren Bezirken treffen die Landarbeiter die Vorbereilimgen zum Streik. Das merkwürdigste an der ganzen Streikbewegung ist ab«, daß die Landarbeiter zum erstenmal als disciplinierte Masse auftreten und musterhafte Ordnung halten. Sobald die Arbeiter zu streiken beschloffen haben, ist das erste, was sie thnn, daß sie ein Streikkomitee wählen, dem sie die Fonnuliening der Forderungen wie auch die Unterhandliingen mit der GntSherrschast und die Führung des Streiks überlasse». Vergeblich bemühe» sich die Schlachzizen und ihre Pächter, die Streikenden zu Unruhen zu ver- leiten. Die ansgebeutetsten, verfolgtesten Proletarier lassen sich nicht provozieren. In allen Dörfern wimmelte eS von Soldaten und Gendarmen, jeden Tag werden Streikende, zumeist ohne jeden Anlaß, verhaftet. In Galizien weiß man eben noch nicht? vom Konlitionsrecht, und so werden die Verhafteten meist dem Gericht eingeliefert wegen.Aiifreszung zum Streik*. � Die Streikenden zeigen eine bewunderungswürdige Solidarität. Es ist den Gutsbesitzern bisher nicht gelungen, eine nennenswerte Anzahl Streikbrecher zu bekommen. Wo sie Streikbrecher bekamen, waren eS Maznren, die aus entlegenen Dörfern herbeigeholt wurden — meist in Begleitung von Gendarmen und Soldaten. In zahlreichen Gemeinden haben die Streikenden ihre Forderungen bereits durchgesetzt, und je näher die Ernte kommt, um so mehr Gutsherrschaftcn geben nach. Wegen der Versammlung im Walde von Dobromirka wurden der Notar HordynSki, Genosse Wiihk und die Bauern Ostapczuk und Szmigielsli angeklagt. Der Volksschnllehrer Kiryniiit in Hnilice wurde entlassen, weil er die Bauern zum Streik aufgereizt haben soll. In Poktew im Bezirke Przemhslany sind außer den Land- arbeiter» auch die D i e n st b o t e n in Streik getreten. In Gloczow soll es zu einem Znsainmeiistoß zwischen Ans- ständigen und Soldaten gekommen sein, wobei vier Bauern durch Schüsse der Soldaten getötet, eine Anzahl mehr oder minder schwer verletzt und zehn Bauern verhaftet wurden. Uehke Nschvichksn und Dopesichem vayern und die Reichstagö-Diätc». Miinchen, 25. Juli.(W. T. B.) Die Kammer der Abgeordneten hat nach längerer Debatte die Vorlage über die Wohnungsgeld- znschüsse an den Finanzausschuß zurückverlviesen, nachdem zuvor der Antrag, die WohnmigSgeldziischüsse durch Steuerhöhimg zu decken, gegen die Stimmen der Socinldemokratie abgelehnt war. Bei dem Etat für Reichsz wecke will ein social« demokratischer Autrag die Diäten für die bayrischen Bundesrats- Mitglieder so lange streichen, bis die Reichstags- Ab- geordneten gleichfalls Diäten erhalten. F i n a n z m i n i st e r v. Riedel erklärt, die bayrische Regierimg stehe ein« Aenderung des die Dintciilosigkeit des Reichstags betreffenden Paragraphen nicht grundsätzlich ablehnend gegenüber, würde vielmehr unter ge- wissen BoranSsetzungen für dessen Acnderimg eintreten. Ehr» hart(Socialist) sagt, diese Erklärung sei eine VerlegenheitS- Erklärung. Finanzminist« v. Riedel erklärt, die bayrische Rcgierimg werde selbstberstäiidlich keiner Voraussetzung zustimmen. welche eine Verständigung von vornherein immöglich mache. S ch ä d l e r(Centrinn) stellt fest, daß die bayrische Staatsregierimg jeder Besch n eid u ii g des allgemeinen direkten und geheimen Wahlrechts entgegentreten werde. Finanzminister Riedel nickt z n st i m m e n d. Ehrhart zieht hierauf den socialdemokratischen Antrag zurück. Ter Kampf gegen den KscrikaliSmiiS. PariS, 25. Juli.(28. T. B.) Ein Rundschreiben des Ministerpräsidenten CombcS, welches die im heutigen Ministerrat beschlossenen Maßregeln gegen die Kongreganislischen Nieder» lafsimgen begründet, empfiehlt den Präfekten, solche Nieder- laffimgen nicht zu schließen, welche den Charakter von Hospizen haben oder der Pflege der Wohlihäiigkcit gewidmet sind. Dahin gehören Raiscnhniiser, Greisenhcnne, Kiiiderbcwahr- ansialten. Ebenso sollen solche Niederlassungen nicht geschloffen werden, welche im guten Glaube» sind, die Erlaubnis zum Weiterbestehen zu haben, oder welche Schutzbricfe haben, oder er- mächtigt sind, Geschenke anzimchmeii. Endlich diejenigen öffentlichen koiigreganislischc» Schulen welche von der im Gesetz vorgesehenen Erlaubnis Gebrauch machen, sich binnen sechs Jahre» in eine iveltliche Schule imiznwnndeln. CombeS sieht Berichten der Präfekten entgegen, um zn erfahren, welcher von jenen genannten Kategorien verschiedene Kongregationen ange- hören, bevor er dieselben schließen läßt. Die Antworten der Präfekten werden in 2 oder 3 Wochen erwartet. Heute vormittag erschien die Baronin Rcille, die Gräfin de M»n, Frau Pion, Frau Cibicl imd Frau de Pamcyrol im Elysöe inid ersuchten Frau Loubet nm eine Audienz Frau Loubet ließ ihnen antworten, sie könne keinerlei Viltgcsnchc über Fragen entgegennehme», welche zur giisländigkcit der Regierung gehörten. Ans de» Departements, namentlich aus Finisiöre hier eingegangene Telegramme besagen, daß die Schwestern mehrer« Kongregationen,'welche sich bereits in die Miittcranstalten begeben hatten, wieder in ihre Schulen zurückgekehrt sind und erklären, daß sie nur der Gewalt weichen würden. Die übrigen Schwestern, welche sich dem Gesetz bisher noch nicht unterworfen haben, gaben die gleiche Erklärung ab. In mehreren Orten bewacht die Bcbölkerimg die Schulen imd Nicderlalsiiiigcn der Kongregainftcn. Kämpfe an der tiirkisch-serbischc» Grenze. Belgrad, 25. Juli.(28. T. ffl.) Wie hiesigen Blättern gemeldet ivird, kam es an der scrbisch-lürkischcn Grenze zwischen dem serbischen Dorfe Talschcwaz und dem türkischen Dorfe Dubniza zu einem blutigen Zusammenstoß zwischen Albanescn und türkischen NizainS einerscils und serbischen Feldarbeit«» imd Grcnzwächtern andrerseits. Erstcre Überschritten die Grenze und überfielen die Feldarbeit«, worauf dicfen Grcnzwächt« zu Hilfe kamen. entspann sich ein Kampf, der volle fünf Stunden dauerte. Ans serbischer Seite fielen zwei Korporale und zwei Grenz- Wächter, zwei Feldarbeit« wurden schwer und nichrere andre leicht verletzt. Erst als Baneni aus dem Dorfe Tatschcwaz herbeieilten, gelang es, die Eindringlinge auf türkisches Gebiet zurückzuwerfen. Die Cholera. Kairo, 25. Juki.(Meldung des„Rciiterschcn BureanS'.) Im GesimdheitSamte sind heute 11» Cholerafälle zur Anzeige gelangt. Pari», 25. Juli.(W. T. B.) In der.Huiiibert-Angrlcgeuhei» wurde heute der frühere Stabträg« Dubuit vom IlntcrsuchiingSricht« vernommen. Dubuit sagte auS, er habe es erst abgelehnt, sich d« Interessen CrawfordS anziinehmeii, weil ihm die Schriftstücke, welche ihm vorgelegt worden seien, nur Prozeßaklen zu fein scheinen; pät« sei er dann Advokat der HnmbertS geworden. Dnbnit betonte dann, daß er in gutem Glauben gehandelt habe, und erklärte, er habe niemals ein Honorar erhalten, fondern im Gegenteil der Frau Humbert bedeutende Summen vorge st reckt. London, 25. Juli.(W. T. B.) Lord Roberts bcsichiigte heute die Militärakademie in Sand hurst. Er erklärte die von der Akademie verwiesenen 29 Kadetten wegen der Brandslistniigen ür vollständig entlastet und gestattete ihnen die Rückkehr mit Ausnahme von zweien. In seiner Ansprache an die Kadetten sagte Lord Roberts, er beklage ihr imsoldatischeS Benehmen. Sie hätten ihre Strafe in männlicher Weise tragen sollen; er hoffe aber bei der nächsten Besichtigung eine Besserung zn fchen. Madrid, 25. Juli.(B. H.) verschiedene heftige Erdbeben 'ind in den letzlen Tagen zwischen Santander und Astnrien verspürt worden. Die Bevölkerung lebt infolgedessen in großer Aufregung. Madrid, 25. Juli.(B. H.) Die Behörde cnidcckie hier eine ältere Dam«, die seit sechs Jahren in einem dunklen Räume eingesperrt war. Sie ist die Tochter eines verstorbenen ArzteS, der ein seinem Kinde zugefallenes großes Vermögen für sich verbraucht hatte. Bombay, 25. Juli.v ollen nicht arbeiten I' Merkwürdig ist aber, daß jedes- ni n l, wenn bei b e g i n n e n d e m wirtscha ftlichen Nied er- gang die Fabrik säle und Werkstätten leer werden, die Arbeitshäuser sich füllen, und daß andrerseits mit derselben Ncgelinäßigkeit nach einer Besserung der Erwerbsverhältnisse die Arbeitshäuser sich wieder leeren. So war es in und nach der Not- stnnds« Periode zn Beginn der neunziger Jahre, so soll es allem Anscheine nach auch jetzt wieder werden. Die erneute Füllung der Arbeitshäuser, die in der zweiten Halste der 90cr Jahre allenthalben recht leer geworden waren, hat bereits begonnen. Wann diese»»erfreuliche Freqiienzznnahme aufhören und wieder eine Abnahme eintreten wird, ist vorläufig noch nicht abznscheii. In Berlin, wo die bürgerlichen Kreise noch im vergangenen Winter nichts von einer außergewöhnlichen Arbeitslosigkeit zu merken behaupteten, haben die letzlen Monate eine fast bei« p i e l l o s rasche Steigerung d er ArbeitShans-Frcquenz gebracht. DaS Berliner Arbeitshaus(zu NnmmclSbiirg) hatte in den vier Quartalen dcS JahreS 1901 einen Zugang von 203, 261, 265 und 229 inäiinlichcn Korrigenden gehabt, dem ein Abgang von 239, 245, 236 und 218 gegenüberstand. In den beiden ersten Qnnrtalcn des JahrcS 1902 belief sich der Zugang au männlichen Korrigenden auf 493(!) und 572(!), der Abgang ans 210 n»>) 316. Im ersten Halbjahr 1901 waren znsainmcn 464 Männer in die An- Italt eingeliefert worden; im ersten Halbjahr 1902 wurden zn- ninmcn 1070 Männer eingeliefert I Der Bestand hatte sich am 31. März, 30. Jnni, 80, September und 31. Dezember 1901 ans 1061, 1077, 1106 und 1117 Männer gestellt; am 31, März und 30, Jnni 1002 stellte er sich ans 1405 und 1661 1 Zeichen der Zeit! Wir meinen, daß solche Zahlen eine deutliche Sprache reden. Oder ist daS für die bürgerliche Klasse immer noch nicht deutlich genug? Vielleicht erleben wir eS dann noch, daß irgend ein bürg«« liches Blatt in bittere Klagen darüber ausbricht, wie sehr in Berlin in der letzten Zeit nicht die ArbcitSlosigleit, aber die»Arbeits- ch e u' zugenommen habe.__ Geschenkte Klrchbaiiplätze. Zu iinsrcn Mitteilungen über die Vorgeschichte des BaueS der K a p e r n a u m- K i r ch e(vergleiche »Kircheiidancrci mit Hiiiderniffen', in der Donnerstags- Nummer) weist ein hiesiges katholisches Blatt darauf hin. daß der Graf v. Oppersdorf, der den Grund und Boden für diese evangelische Kirche geschenlt hat. Kaiholik ist. Daß jener Graf eine ähnliche' Beihilfe für eine katholische Kirche Berlins geleistet hätte, fei bisher nicht bekannt geworden.— Da dnö Blatt gleichzeitig die PerniiiUmg ausspricht, daß Herr v, Oppersdorf das Baugrnndfiück geschenkt habe, um den Wert seiner in dem betreffenden Etrnßeiiviertel liegenden Terrains zn steigern, so ist nicht recht einzusehen, waS der Hinweis auf die Konfession dcS Herrn Grafen sowie der ihm gemachte Vorwurf für eine» Sinn haben sollen. Wer kann dafür, daß die Katholiken Berlins für ihre Kircheiibauteu zufällig nur solche Stadtgegenden SollllllbtO, 36 Ittli l902. aussuchen, an deren Grundstücksverhältnissen keiner von den großen Grundstücksbesitzern interessiert ist? Evangelische Kirchsiigemeinden haben in dieser Bezichnng in Berlin schon öfter Glück gehabt. Wenn die katholischen Geineiiidcu Berlins künftig in der Wahl ihrer Kirch- banplätze vorsichtiger verfahren wollten, so könnte es ihnen leicht passieren, daß ihnen eines schönen Tages nicht mir von einem katholischen Grundstücksbesitzer, sondern auch von einem evangelischen und vielleicht sogar von einem jüdischen ein Bauplatz als Geschenk angeboten würde. Wo es sich um die Steigerung des Wertes ihrer Grundstücke handelt, da glauben die Griiudstücksbesitzer, die cvan- gelischcn, die katholischen und die jüdischen, ja doch alle nur au einen Gott. Er heißt: Mammon! 6V OVO Berliner Fcriisprcch-Nuschlüffe. Die Gesamtzahl der Anschlüsse im Ober- PostdirektiouSbezirk Berlin hat jetzt das 60. Tausend überschritten und beträgt genau 60 683. Da? Berliner Fernsprechamt dürfte somit nach wie vor das g>Lbte,der Welt sein. Auf die Reichshanpistadt selbst, d, h. auf die im Berliner Gemeinde- gebiet belegenen 9 Vermitteliiiigsaiiftalten entfallen davon allein 53 230 Anschlüsse. Hauptanschlüsse, die nnmitlelbar an das Amt angeschlossen sind, wurden 38 365 gezählt. Eine schnelle Entwicklung hat die Einrichtung der Nebenanschlüsse unter dem neuen Gesetze über die Gebühren genommen: ihre Zahl beträgt jetzt nahezu 15 000 oder 14865. Das größte Berliner Amt ist da? Hanptfernsprech- amt 1 mit 10 432 Anschlüssen, von denen 7073 Haupt- und 3409 Nebenanschliisse sind. An ziveiler Stelle steht da? Fernsprechamt 4 in der Prinzessiimcnstraßc niit 7901 Auschliissen, nuter denen sich 5745 Hauptanschlüsse befinden. Nicht biel weniger zählt das Amt 3 in der Oranienburgcrstraße, 7722 oder 5103 Haupt- und 2300 Nebenanschlüssen. Von den beim Nachiferniprechamt 6 in der Lützowstroße vereinigten Vcrmiltelnngs- Anstalten zählt das Amt 6 6363, 6a 2593 und 9 4700 Anschlüsse. Neben- niischliisse wurden bei 6 1888. bei 9 1214 gezählt, beim Amt 6a, dessen Teilnehmer Einzclgcbühr enirichtcn, nur 85. Das künftige vereinigte Amt 6 dürfte einst das größte Berliner Amt werden; nach dem heutigen Stande zählt es schon 13 661 Anschlüsse. Auch das Anit 7 ivird nach seiner Vcreinignng nahezu 10000 Anschlüsse erreichen. Schon jetzt zählt Amt 7 6423, 7a 2419 Teilnehmer, von denen bei 7 4203, bei 7a 2101 Hanptaiischlüsse sind. DaS»kleinste' Berliner Amt ist die Vcrmitteliingsanstalt 2 in Moabit mit insgesamt 4622 Anschlüssen, von denen 3356 Haupt- und 1266 Nebenanschlüsse sind. Freilich gicbt es»Stadt- Fernsprecheiiirichtniigen' von diesem Umfange wohl nicht viel mehr als in halbes Dutzend im Reichs- Telegraphengebiet. Zwei Leprakrankc befinden sich gegenwärtig im Kochschen Jnsiilnt für Jiifeklionskrankheiten, der ans Finsterwalde gebürtige 47 Jahre alte Cigarrenmacher Wilhelm Leiter nnd seine Ehefrau Martha, geb. Luther, die ans Halle stannnt und 40 Jahre alt ist. Die Leute wurden beide in der dermatologijchen Klinik in der Maxstraße zn Breslau behandelt, konnten aber dort nicht bleiben, da man ihre Krankheit als Lepra feststellte. Ans Veranlassung des Mcdiziiialministerimns wurden sie unter den sirengsten Vorsichts- maßregeln in das Institut für Jnfektionskrankheilen gebracht. Hier werde» sie voraussichtlich auch nur vorübergehend dehandelt werden, um später dem Menieler Lepraheime zugeführt zu werden. Die Kranken sind auch hier in Berlin völlig abgesondert. Folgende Warniing erläßt daS Posizeipräsibinm:„Ein Institut national cko la surdite, Paris, R n e d e Land res 7, preist seit längerer Zeit inZeitniigen unter der Neber- schrift:»Es g i e b t k e i n e' T a n b h e i t mehr" in reklaniehafter Weise an. daß Ohrlcidende und Taube durch dasselbe Heilung er- langen könnten. Die Behandlung, welche brieflich geleitet wird, be- stehl in der Auwendung zweier„�.ullipbonss invisiblss" geilaiinter Mctallplatten, welche hinter den Ohrmiischeln zn tragen sind, und von Medikamenten; fiir diese Gegenstände iverden unverhältnismäßig hohe Preise erhoben. Für die beiden Metallplatten und einen Ileineii, als sog. Galvanometer beigegebencn Konipas iverden 42,50 Fr., für eine Flasche mit Arznei, ivelche eine b prozentige Lösung von Jodkalium mit geriiigem Zusatz eines gcschmackverbesscrnden Mittels darstellt und nach der deutschen Arzneitaxe einen Wert von 2 bis 2.50 M. hat. werden 7,50 Fr. verlangt; für eine Schachtel mit Schnupf- Pulver, welches Talcnin, chlorsanres Kali, Borsäure, Zucker nnd geringe aromatische Zusätze enthält nnd von welchem 100 Gramm nach der Arzneitaxe ans eliva 80 Pf. zu bewerten sein würden, mußten 4.50 Fr. gezahlt werden. Daß das Tragen der Metallplatten, selbst wenn dieselben ans verschiedenen znsammengelötetcn Metallen bestehen, eine neiineiiswcrte Wirkung ans die Gehörorgane nicht hervorbringen, organische Ohrlciden in keiner Weise beeinfliissen kann, bedarf kaum der Erlvähnniia, nnd daß der Gebranch von Llkedi« kameiitcn, welche lediglich ans briefliche Berichte nnd ohne ärztliche llntersnchnng verordnet werden, nicht nur von sehr zweifelhaftem Werte, sondern auch häufig von Schaden für den Körper sein kann. ist bekannt. Da außerdcin feststeht, daß das erivöhnte Institut lediglich ein Privatniiteniehmeii geschäftlicher Art ist, so kann vor der Jiiansprnchnnhme desselben nicht dringend genug geivarnt werden. Ncbcr die Besichtigung gckiiiidigtcr Wohiimigc» durch Mietölustige herrsche» noch innner ans scite» der derzeitigen Wohnnngsinhaber ninnchcrlei Unklarheiten, die diesen, falls eine frei werdende Wohnung durch ihre Schuld nicht vermietet wird, erhebliche Kosten verursachen und noch andre Nachteile ini Gefolge haben köiiiicn. Inden nencn Mietskontrakte», wie solche nach dein Jiikraft« lrcten der Bestimm nngen des Bürgerlichen Gesetzbuches von den Mit« gliedern der Griindbesitzcrvcreiiie vcrivcndet werden nnd von de» VereinSsyudici in raffiniertester Weise abgefaßt sind, um den Vermieter nach jeder Richtung hin gegen Vcrliistc auch Über das Gesetz hiuqnS zu schützen, ist die Tageszeit, in ivclcher der Mieter die Wohnung nach erfolgter Küiidignng deS MictSverhältnissliS zur Besichtigung fiir MietSliistige bereitzuhalten hat, genau fixiert. Sie reicht un- unterbrochen von.9 Uhr vormittags bis 8 Uhr abends, aninahinS« weise auch wohl von 9 bis 6 Uhr an Werktagen nnd von 11 bis 2 Uhr mittags an Sonn« und Festtagen; aiich ist dem Mieter kontraktlich untersagt, an den BesichligmigZverhniidluiigen bezw. an den Verhandlungen über die Beschaffenheit der Mietsräume sich zu beteiligen. Verletzt Mieter diesen Kontrnktsparagraphen, so hat er, bei Vermeidung sofortiger Räumnng der Wohnung, an den Vermieter zur Sicherstcllnng für den durch die Vertragsverletzung entstehenden Schaden eine bestimmte Summe zn zahlen, die gewöhnlich auf der Betrag einer halben Jahresmietc normiert ist. Das Kammer« gcricht hat in solchen Fällen schon wiederholt z» Uiigunste» dcS Mieters entschieden nnd ans Zahlung der kontraktlich stipnliertcn halben JahreSmicie erkannt; auch hat eS in der UrteilSbegrniidnng anögeiprochc», daß ein Schndensnachweis— was nngeheiier wichtig ist— schon damit als gesiihrt gilt, wenn nach dein gewöhnlichen Lauf der Dinge die Wohnung wahrscheinlich vermietet ivorden iväre. ES ist daher einem jeden, der sich mit seiner Wohnung in der gekenn« zeichneten Lage befindet, auzuraten, die größte Vorsicht zu beobachten. Baiittnfall. Bei den Malerarbeiten am Hotel Wiudsor, Behren« straßc 64/65, die von dem Malermeister Anger, Teltoweisir. 49, ausgeführt werden, stürzte heute vormittag ein Maler von der Leiterrüslung, da die zu sänvaäie Rücklehne. an die er sich angelehnt halte, durchbrach. Der Gestiirtzte erlitt sckNvcre Verletznngeu, an- geblich soll er denselben bereits erlegen sein. Der Unfall ist also auch in diesem Falle nngenügenden Schutzvorrichtungen zuzuschreibeuk Die Straßeubahu im Dicnstc des Militärs. Ein eigen- artiger Truppentransport verursachte bei den Straßenpassanteii in den nordwestlichen nnd ivestlichcn Stadtteilen bedeutendes Aufsehen. Von der Ratheiioiversiraße her kommend fuhren durch die König» griitzcr-,. Belle-Alliancestraße niiv. hintereinander fünf Straßenbahn« zügc, aus je einem Motor- nnd zim Auhängcwagen bestehend, insgesamt also 15 Waggons, die nur vou Soldaten besetzt ivaren. Es handelte sich um ein Bataillon des 4. Gardc-Jnfanterie-RcgimentZ, welches auf diesem noch ungeivöhulichen Wege zur Felddienst-Uebung auszog. Das Bataillon sollte eine Nebung in der Gegend von Großbeeren ausführen und mittels der elektrischen Straßenbahn wurden die Truppen von der Kaserne ans bis nach Lankwitz, dem AusgangSpnnkt des Uebungsgeländes, befördert. Mit den« Nnöbau dcS zur Zlnfnahme der zweiten städtischen Sparkasse bestimmten Hauses Linkstr. 8 ist nunmehr begonnen lvorden. In dein Parterrc-Gcschoß des vierstöckigen Gebäudes, welches dreizehn Fenster Front zählt,«Verden große Säle eingerichtet, in denen die Buchhaltereien sowie Ein- und Auszahlungsräume für das Publikmn untergebracht werden. Die oberen Etagen werden die Haupt-Kassenstellen sowie sonstige Dienfträumc aufnehmen. DaS Erinittelungövcrfahre« in der Angelegenheit des Schlossers Retzlaff hat,«vie«vir andern Nachrichten entgegen mit- teilen können, nach keiner Richtung hin irgcndtvelche Aufkläning gefunden. Es konnte bisher noch nicht einmal mit Sicherheit festgestellt werden, Ivo sich Netzlaff am 12. d. Mts. aufgehalten hat. Auffällig erscheint der Umstand, daß der Schlosser, Ivelcher Beschäf- tigung hatte und sich morgens aus der Wohnung entfernte, um die Arbeitsstelle aufzusuchen, sich nicht dorthin begeben hat. Da er an deinsclben Abend noch in einer Gastivirtschaft in der Brunncustraße lvcilte, bei der Leiche aber das von Hause aus mitgenommene Frühstücksbrot vorgefunden tvurde, rechnet die Behörde mit der Wahrscheinlichkeit, daß Retzlaff den Tag über sich in Gastlvirtschafte», vielleicht in solchen mit Damenbedicnung aufgehalten und nicht un- beträchtliche Suinnien verausgabt hat. Irgend ein Verdacht gegen bestinimte Personen, die Retzlaff ins Wasser geworfen haben können, liegt nicht vor, insbesondere nicht gegen einen AnslvailderungS- agenten oder persönliche Bekannte des Verstorbenen, der,«vie wir bereits meldeten, nach der ärztlichen Feststellung einem Herzschlag, den er in« Wasser erlitten, erlegen ist. Die Spandauer Kriminal- Polizei, Ivelche das Ermittelnngsverfahrcn durchführt, glaubt zivar nicht an einen vorliegenden Raub, doch dürfte kaum noch' festzustellen sein, ob R. das Opfer eines Unfalls, Selbstmords oder Todschlags, ein solcher könnte nur in Betracht komme««, geivorden ist. Vermißt«vird seit D!el«stag der S3 Jahre alte verwitwet« Maler Gustav Weinmann aus der Gitschiuerstr. 86. Der Mann sollte auf ärztliche Anordnung tvegen eines Nervenleidens in ein Krankenhuus gehen, holte auch am Dienstagmittag von einer Kasse in der Spandanerstraße einen Krankenschein, ist aber seitdem vcr- schwllliden. Anfragen in den Krankenhäusern und andre Nach- forschungen sind erfolglos geblieben. Der Vermißte, der«vahr- scheinlich umherirrt, ist schlank und hat einen schivarzen Vollbart. Eine„Hil»ds"tngs-Jdee. An« Scdan-Ufer lockte gestern ein gar klägliches Winseln Hunderte von Straßcnpassanten herbei; es stellte sich heraus, daß ein kleiner Hund auf seinem Spaziergange über die rascnbetvachsenc Böschung in den Landlvehrkanal gefalle» «var und sich nun in seiner Todesangst an dein sknapp über dem Wasserspiegel hervorragenden Bankett festklammerte. Da die steile Ufermaner jeden Rettungsversuch unmöglich«««achte, so«var guter Rat teuer. Da verfiel ein gutmütiger Schlaukopf auf die Idee, von der Watcrloo-Brücke her den— Rettungsring des hochlöblichcn Magistrats zu holen. Diesen« roten Ungetüm gegenüber aber verhielt sich der Hund,«vie so mancher Selbstmord-Kandidat: er verschmähte eS, ihn zu ergreifen rcsp,«vie jener Schlaukopf es sich«vohl gedacht, sich in die sichere Blicht des aufgeblasenen Schlvimmgürtels zu setzen und diesen als Fahrstuhl zu benutzen. Mehr Erfolg hatte ein andrer Tierfreund, der einen zlvölfjährigen Jungen an einem Seil hinabließ; dieser stellte sich aber so ungeschickt an, das; er beinahe selbst in die kühlen Fluten gerutscht«väre. Einen« ziveitc» Jungen gelang das Wagnis und unter allgemeinem Hallo«vurde der jugendliche Netter mit- samt den« verunglückten Hunde ins Trockene gezogen. Arbeitcr-Bildungsschnlc Bcrli». Morgen Sonntag: A u S- f l u g nach Saativinkcl, Abfahrt des Nordringzngcs«Richtung Char- lottenburg), Schlcsischer Bahnhof 8,63, Jannolvitzbrücke 8.56 usw. Treffpunkt Bahnhof Jungfernheidc. Für Nachzügler bis IG/« Uhr Restaurant Waldkatcr, Tegeler Weg 40, am Bahnhof Jnngferuheide, von 12 Uhr mittags ab Restaurant Jägerhänschcn in Saativinkcl. Zu erreichen ab Bahnhof durch den Wald über die Brücke des Spandauer Schiffahrtkanals, dann direkter Waldiveg nach den« Lokal. Zahlreichen Besuch erivartet Der Vorstand. Kinderspiele. An« Sonntagvoriuittag von 9 bis ll�/e Uhr finden«viederum die von« Turnverein Fichte geleiteten Kinderspiele sür Knaben und Mädchen statt und zlvar für den Nordost- Bezirk auf den« Sportplatz„Friedrichshain", Treffpunkt: Laudbergcr- Platz an« Krieger-Dcnkmal; Südost- Bezirk auf dem öffentlichen Spiel- platz im Treptower Park, Treffpunkt: Oberfreiarchen- Brücke am Schlcsischen Busch; Nord-Bezirk in der Jungfernheide beim Förster Schulz, Treffpunkt: Bahnhof Bcnssclstraßc. Abmarsch für alle Bc- zirke zu den Spielplätzen Punkt 8�/» Uhr. Feucrbcricht. In den letzten Tagen«vurde die Feuerlvehr nur lveiiig in Anspruch genommen. Einen größeren Brand hatte sie Freitag früh Holsteiner Ufer 15 abzulöschen, Ivo in einer Tischlerei Hölzer eingeäschert Ivurden. Zur selben Zeit brannten Weideniveg 33 Kleidungsstücke und Möbel, Kleinere Brände ivurden»och von Köpeuickerstraße 75 und Paselvalkerstraße 2 gemeldet. A««s de» Nachbarorte». Alt-Glienicke. Ain Sonnabend, de» 26. Juli, abends 8Ve Uhr, findet die G e n e r a I v e r s a in>n l u n g des S o c i a l d e m o- kratischen Wabhlvereins im Lokale des Herrn Saß statt, Tagesordnung: Kassenbericht. Vereinsangelegenheiten. Der Vorstand. Aus dein««»« die Eingelneiudulig der Hascuhcide zivische» Berlin und Nixdorf entbrannten Weltbciverbe dürfte nuinnehr die Stadt Nixdorf nnziveifelhaft als Siegerin hervorgehen. Das Tausch- objekt,«velches Rixdorf der Gemeinde Tempelhof für die Hasenheide bietet, sind die Kotzeiimarkeii. Es ist dies ein etiva 366 Morgen großes Terrain,«velches, über eine halbe Stunde von der Rixdorf- Tempelhofcr Wcichbildgrcnze entfernt gelegen, sich rechts von« Mariendorfer Weg bis zum Tcmpelhofer Weg hinzieht. Dieses Terrain steht in gar keinen« Zusammenhange mit Rixdorfer Gebiet, liegt vielmehr vollständig ininitten der Tcmpelhofer Gemarkung und Vilbel hier eine Enclave, Da die Hascnheide ebenso wenig in« Zusaiiiuienhange mit Tempelhof,«vohl aber«nit Rixdorf steht, so«väre der Tausch für beide Gemeinden von offen- sichtlichen« Vorteil. Die Kotzenmarken«varen übrigens ursprünglich Tcmpelhofer Eigentun«. Das Land gehörte anfänglich zum Doniiniun« Tempelhof und«vurde von diesen« vor laugen Jahren Rixdorfer Kossäthen in Erbpacht gegeben und gelaugte in« Laufe der Zeit iu den Besitz Rixdorfs, Auch aus diesem Grunde hat die Geineinde Tempelhof ein Interesse daran, ihr ureigenstes Gebiet sich nun«vieder einzuverleiben. Der in den Kotzemnarkeu angelegte Neue Rixdorfer Genicindefriedhof soll indessen voi« dieser Ein- genieindung ausgeschlossen bleiben. Aus Rixdorf. Eine schreckliche Ueberraschung«vurde dem Lithographen Emil Heine, Reulerstr, 25, gestern(Freitag) morgen zu teil. Frau H. leidet seit einiger Zeit an Nervosität, infolgedessen sie bereits kürzlich einen Selbstmordversuch uiiteniahm, der indes „och rechtzeitig verhindert«verde» konnte. Als H, gester» morgen aufstand,«var das Bett seiner Frau leer. Als er dieselbe nun suchte, fand er sie au der Küche«, thür erhängt. Da die Leichcnstarre bereits eingetreten«var,«varen Wiederbelebungsversuche fruchtlos, Die socialden« akratische n Gastivirte Rixdorfs beabsichtigen einen Gasttvirtsvercii« zu gründen, nachdem der hier bestehende F a ch v e r e i» durch verschiedene Beschlüsse sich in die Reihe der Kriegervereiue gestellt hat. Eine Besprechung über Gründung des neuen Vereins findet nächsten Monlaguachmittag 5 Uhr bei Miinzer, Knesebeckstr. 113, statt. Gesuudhcitschädliches Trinkwasser liefern gegen 250 Hof- hninnen nach der vorgenommenen chemischen Untersuchung von Wafferproben aus samtlichen im Geineindebezirk Britz belegenen Pumpbrunuen. DaS Wasser ist nach dem Gutachten des Nahrungs- mittel-UntersuchungsanrteS der Landwirtschaftskammer der Provinz Brandenburg als st a r k verunreinigt anzuseheu und daher gemäß den Anordnungen der Hygiene als in hohem Grade ge- sundheitSgefährlich zu erachten. Angesichts dieser Thatsache hat Befremden und Beunruhigung unter der Britzer Bevölkerung eine Verfügung des Amtsvorstehers Regling an die Besitzer der verseuchten Brunnen hervorgerufen, in welcher derselbe das vorstehende Ergebnis der Wasscruntersuchung mitteilt und gleichzeitig erklärt, daß er mit Rücksicht auf die baldigev e i s«vurde«vieder nach dem G e«v e r k s ch a f t s h a u s e, Zimmer 36 verlegt. Der«verband der Graveure und Cisclenrc sFiliale Berlin) hielt seine ordentliche Generalversaninilung am 15, Juli ab. Der Vorstand erstattete den Bericht vom letzten Quartal, in ivelcher Zeit verschiedene Ncucrungen eingeführt lvorden sind, die sich vis jetzt gut belvährt habe». Es haben vier Versamnilungci« stattgefunden, die durchschnittlich von je 100 Kollegen besticht waren. Weristattsitzuiige»« sind acht abgehalten«vorden. Laut Abrechnung des Kassierers hatte die Filiale Einnahmen von 367,70 M. und Ausgaben von 337,92 M„»lithin einen Bestand von 29.78 zu ver- zeichnen; die Orls-Zilschußkasse weist einen Bestand von 125,80 M, auf. Den, Kassierer«vurde Dccharge erteil«. Alsdann folgte der Bericht der AgitationZkommission, über den sich eine rege Debatte entspann. Nachdem»och die Bibliothekare ihren Bericht gegeben, wurden beide Kommissionen entlastet. Der Centralverband der Töpfer(Filiale«verli») hielt an, Donnerstag im GeivcrkschaftShnuje eine ordentliche Generalversaninilung ab. Kassierer John gab zunächst den Kasseiibcricht von« zweiten Quartal. An Einnahme«var vorhanden inklusive des Be- standes der Verbandskasse 13017,75 M,, verausgabt sind 2378,87 M. An die Hanptkasse ivurden abgeführt 10 400 M. In der Lokal- lasse betrug die Eiimahine 3587,35 M, und die Ausgabe 140,45 M. Die Filiale verfügt über einen Gcsaintvcrinögensbestand voi« 18 088.58 M. und zählt 1894 Mitglieder. Den« Kassierer«vurde Entlastung erteilt; gleichzeitig beschloß die Bersaininlung, das Gehalt desselben von 36 auf 42 M. pro Woche zu erhöhen und ihm eine 14tSgige Ferienzeit zu bewilligen.— Hierauf hielt Genosse W i e s e n t h a l einen beifällig aufgenommenen Vortrag über die Entwicklung der deutschen Gewerkschaftsbcivegung.— Nach der kurzen Diskussion brachte der Vorsitzende Neumann dam« verschiedene Beschwerden über U in g e h«« ,« g des Arbeits- Nachweises zur Sprache. Eine Anzahl Firmen«vie auch zahl- reiche Kollegen«varen den früheren Beschlüssen, bei jeder Stellen- bcsetzung den paritätischen Arbeitsuachivcis in Anspruch zu nehmen, entiveder gar nicht oder doch nur ungenügend uaciigekonime». Dieses Verhalten fand allseitig die entschiedenste Mißbilligung, Sämtliche Redner erklärten es für eine unerläßliche Pflicht der Kollegen, an den« ziveckmäßigcn Ausbau des ArbeitsnachiveiseS mitzuarbeiten. Von einer sofortigen Ahndung der fraglichen Verstöße nahm die Versammlung zlvar Abstand, doch«vurde' folgender Beschluß gefaßt: Der Vorstand«vird beauftragt, von jetzt ab über jede Finna d i e Sperre zu verhängen, die uiiter Mißachtung des Arbeits- iiachweis-Statuts und des in der öffentlichen Versammlung voin 13. d, M. gefaßten Beschlusses unter Umgehung des ArbeitsnachiveiseS Leute einstellt. Die Vertrauensleute sind verpflichtet, jeden Verstoß sofort i". melden. Trcptolv-Bittlmschnlettweg. Der soc!nlde>no!ratische Wahlverein hielt am 16. d. M. seine Generalversammlung ab. Unter anderm stand auf der Tagesordnung: Die nichtöffentlichen Gemeindevertreter- Sitzungen. Das schon des öfteren hervorgetretene Bestreben der Gemeindevertretung, wichtigere Angelegenheiten von allgemeinem öffent- lichen Interesse in geheimer Sitzung zu verhandeln und zu beschließe», wurde allgemein auf das schärfste kritisiert. Von welchen Motiven die Gemeindevertreter sich beim Ausschluß der Oeffentlichkeit leiten lassen, konnte nicht klargestellt werden, da unsrerseits noch kein Vertreter in der Lage ist, die„vornehme Ruhe des Ortsparlaments" durch eine zweckentsprechende Kritik der Verhältnisse zu stören. In der letzten geheimen Sitzung wurde beschlossen, die neue Schule in nnsrem Ortstcil noch weiteren Zwecken dienstbar zu mackicn und zwar durch Errichtung eines— Gefängnisses!! Es werden sich dann in trauter Eintracht und Harmonie: Schule — Kirche— und Gefängnis in einem Gebäude befinden! Von einem Protest wurde aus auf der Hand liegenden Gründen abgesehen.— Zur Generalversammliing des Central-Wahlvercins wurden die Genossen Gramenz und' Fuchs delegiert; des weiteren tvnrde folgender Antrag angenommen: Die Generalversammlung des Central-Wahlvercins wolle aus finanzielle» Gründen nur 1 Delegierten zum Parteitag entsenden. Wegen Bcitragsrcste mußten 16 Mitglieder gestrichen werden; 6 neue Mitglieder ivurden anfgenonnnen. Für die Ostbahndörfer Kanlsdorf, Mahlsdorf und Dahlwitz fand zum erstenmal eine öffentliche Volksversammlung statt. Da den Arbeitern in de» drei Dörfern nicht ein einziges Lokal zur Verfügung steht, so mußte die Bcr- sammlung im benachbarten Kickemal, Waldrestanrant, ab- gehalten werden.— Weit über 200 Personen, m e i st e n s Land- a r b e i t e r. lauschten den Ausführungen des Referenten, Abg. E. Rosenow. Der Redner verstand es, den Zuhörern die Bestrebungen der Socialdemokratie klarzumachen, besonders unter Darlegung der ländlichen Arbeitsverhältnisse und der Ein- Wirkung des neuen Zolltarifs auf diese. Allseitiger rauschender Beifall wurde dem Redner zu teil. Die kurze Diskussion bewegte sich im Sinne des Referenten. Der Vorsitzende Pinseler schloß nach einer Ansprache sowie der Anffordernng, den, Bezirks-Wahlveretn bei- zutreten, die Versammlung mit einem begeistert aufgenommene» Hoch auf die Socialdemokratie. Die Generalversammlung deö socialdemokratischen Ar- bcitervercins in Spandan am Dienstag ivar leider nur sehr mäßig besucht. Der vom Genossen Hornig verlesene Kasienbericht weist eine Gesamteinnahme für das II. Quartal d. I. von 6S0,98 M. (einschließlich 116,01 M. Ueberschuß von der Maifeier) und eine Ausgabe von 531,30 M.(einschließlich 300 M. Beitrag an die Kreis- lasse) auf. Als Bestand verbleiben 113.68 M. Nach dem vom Vor- sitzenden Grieben erstatteten Geschäftsbericht hat sich, infolge der unzähligen Entlassungen aus den Staatsbetrieben und wegen der überhaupt in der Metallindustrie herrschenden Arbeitslosigkeit, die Abonnentenzahl nnsrcr Parteipresse um etivas vermindert, so die„Brandenburger Zeitung" von 66 auf 42, „Vorwärts" von 209 auf 192' und„Laterne" von 1084 auf 1025 Abonnenten. Im Verlauf der sehr ausgedehnten Dis- kussion beantragte Scholz, eine feste Norm für die Unterstützung ausländischer Parteigenossen welche den Vereins- vorstand um Unterstützung angehen, festzusetzen. Rieger führt Beschwerde über die höchst laue Beteiligung von Vereinsmitglicdern an der Verbreitung von Flugblättern', und beantragt, die Bezirks sichrer zur Führung von Kontrolllistcn über die sich an den Partei-Arbeiten beteiligenden Genoffen, zu beauftragen. Dieser Antrag wird angenonimen, ebenso naib einiger Diskussion ein zweiter Antrag Riegcr: Zur Hebung des Abonnenten- standes der Parteipresse eine planmäßige Agitation von Hans zu Haus zu unternehmen. Hierauf wird dem Kassierer Decharge erteilt. Ohne Diskussion findet der Entwurf des neuen Organisations- statuts für den Wahlkreis Potsdam-Spandau-Osthavelland die Zu- stimmung. Zu Delegierten für die Kreiskonferenz am 27. Juli werden die Genosten Böhle, Pieper und Scholz gewählt. freireligiöse Geuicuidc. Sonntag, den 27. Juli, vomittagS 8a/« Uhr, in der Aula der 69. Genieindeschule, Kl. F r a» ksurt e r str. 6: Versammlung. Freireligiöse Vorlesung. Um 103/4 Uhr vormittags ebendaselbst: Vortrag des Frl. Ida Altmaun:„Der Neid der Götter".— Gäste, Damen und Herren, sehr willkommen. Vvttimfzijtes, Bergung der Opfer der Schiffskatastrophe. Hamburg, 25. Juli. Im Laufe des gestrigen Tages und heute sind noch eine Anzahl Leichen angetrieben und größtenteils rekognoscicrt worden. Der Taucher Beckedorf ist im Begriff, den Dampfer„Primus" höher auf den Strand zu heben, um ihn dann umzukippen, auf den Kiel zu stellen und thimlichst zu dichten. Es ist ungewiß, ob es möglich sein wird, das Schiff später wieder in Betrieb zu stellen, da es in seinem jetzigen Zustand für die Verhandlungen vor dem Seeamt und vor Gericht als Beweisstück dienen soll. Die eingeklentnit aufgefundene weibliche Leiche konnte der Taucher nicht losmachen; ebenso konnte der Taucher überhmipt nicht ins Schiffsinnere eindringen. Wenn das Schiff wieder umgekippt sein wird, dürfte es sich Heransstellen, ob noch Leichen darin sind. Unter dem Sonnensegel werden noch verschiedene Leichen vermutet. Uebcr neue vulkanische Unruhen meldet uns der Draht ans Madrid: Bei dem Orte Pico im Europa-Gebirge zwischen den Pro- vinzen Santandcr und Anslricn hat sich ein Krater geöffnet, der riesige Rauchwolken ausspeit. Unter den Einwohnern herrscht eine Panik; sie befürchten vulkanische Ausbrüche.— Eine weitere Draht- meldung ans Lissabon besagt: Eine von den Azoren-Jnseln ein- getroffene Depesche schildert einen furchtbaren Ausbruch eines unter- sceischen Vulkans bei Horta. Große glühende Felsstücke wurden emporgcschlendert. Auch dort ist die Bevölkerung aufs äußerste be- unrnhigt. Tie Cholera hat sich über ganz Kairo verbreitet. Gestern sind 33 Cholcrnfälle amtlich festgestellt ivorden. Die Zunahme heute ist lmbedentend. doch ist die Zahl noch nicht amtlich bekannt gegeben. Die Gesamtzahl der Cholera-Erkvanknngen i» Mucha und Kairo seit dem 15. Juli belänft sich auf 307 bei 227 Todesfällen. Zur Zeit sind 63 Fälle in Behandlung. Alle cghptischen Truppen in Kairo sind nach dem Lager in Ahbassije verlegt worden. Briefkasten der Redaktion. Wir bitten bei jeder Anfrage eine Chiffre(zwei Buchstaben oder eine Zahl) anzugeben, unter der die Antwort erteilt werden soll, und die letzte Adonnementsquittung beizulegen. Fragen ohne solche werden nicht bcant- wartet und schriftliche Antwort wird nicht erteilt. Die In» lstilche Sprechstunde findet täglich mit Zlnsuahiue des Sounabendö tum?>/, bis OVi Uhr abends statt. Alter A. v. 8k. In der Bitchhandlung Vorwärts. Zusammen ctiva 200 Hefte, a Heft 60 Pfeimige. A. K. 71. Der Arbeiter-Ste»ographe»vereiii„Stolze" tagt Freitag- abend 81'z Uhr im Tanz-Jnstittit Grupe, Annenstr. 16. ES giebt auch noch andre derartige Bereine. O.®. In den 70er Jahren gab es Metallarbeiter-Organisatione», welche die Hirsch-Dunckcrsche Organisation dieses Berufes bekämpften. Ob dies gerade im Jahre 1879 der Fall war, könne» wir nicht feststellen. Der jetzt bestehende„Deutsche Metallarbeiter-Verband" ist nicht hervor- gegangen aus einem gleichnamigen Verbände, der bereits im Jahre 1877 bestanden habe» soll, er wurde vielmehr gegründet aus dem im Jahre 1891 zu Fraiikfurt a. M. abgehaltenen Metallarbeiter-Kongreh. W. 28- H- St. 17. Nein.- E. T. 5«. Ja.- H. Prenz- lau. Das zweckmäbigste ist, einen Vertrag mit Ihren Eltern über deren ledeuslänglichen Unterhalt und über den Kauf des Grund- stücks zu schliesten. Diesen Vertrag schltehen sie gerichtlich oder notariell ab.- Dalldorf. Sie können jede Allsknnft ablehnen. Strafbar haben Sie sich nicht gemacht.- Ä. T. 1380. 1. Nach Ihrer Schilderung dürste jetzt jeder weitere Schritt nutzlos sein. Sie hätten vor sechs Mmialen anfragen oder die Sprechstunde besuchen soNen. 2. Die Zahlstelle ist Inns nicht bekannt. Wir werden lsie Ihnen demnächst mitteilen. — F. 10. Ratenzahlungen können für Geldstrafen bewilligt werden. In der Regel wird ein dahin gerichtetes Gesuch bei kleinen Strafen jedoch abgelehnt. Eine Beschwerde hätte kaum Erfolg. Nur für die Strafe, nicht für die Kosten ist Freiheilsstrase substituiert. Zahlen Sie also sobald Sie könne» die 80 M. und bleiben die Kosten schuldig.— Aug. Sz. Der Wirt ist im Recht.- Karpicski. Die Jnterpretatiou der Stadt scheint richtig zu sei». Nach§ 1 des Gesetzes vom 30. Juni 1900 werden die„Wähler" in 3 Abieilniigeii geteilt. Für jede nicht zur StaatSeinkommensteuer ver- anlagte Perjon ist an Stelle der Steuer ein Betrag von S M. zum Ansätze zu bringen. Wer wahlberechtigt ist, bestimmt die Städtcordnung in Ver- bindmig mit ZK 76, 77 des Einkommensteuer-Gesetzes vom 24. Juni 1891. Die Handhabung hier ist nach der eingegangene» Erkundigung dieselbe wie die seitens der dortigen Stadtvenualtnng zur Anwendung gebrachte. WitternngSübersicht vom 35. Jnlt 1903, morgens 8 Uhr. Stationen Swinemde. Hamburg Berlin. Franlf./M. München Wie» & 760 SSO 760 WSW 760[Still 761[SW 764 SW 761 N Welter 2 wolkig 2 bedeckt — wölken! 21)16. beb. 3 bedeckt 1 bedeckt v» 3� Z-S «?o Stationen 17 Haparanda 14 iPetersburg 18 Cork 16 jStbetbeeit 14 Paris 17 I 761 NO 7b7WNW 761 NW Wetter tss: C :!S 763 W 2'lp. beb. 1 bedeckt Iwvlkig �bedeckt 16 14 13 16 Wetter-Prognose für Sonuabeiid, de» 30. Juli 1003. Etwas kühler, zeitweise heiter, aber veränderlich, mit leichten Regen- fällen und schivachen nordwestlichen Winden. Berliner Wetterburea». Mr de» Inhal» der Inserate Übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Perantlvortiliig. iL Ijcnfcu. Sonnabend, den 26. Juli. Neues Oper»- Theater(Zkrolt). Boccaccio. Anfang 7>/, Uhr. Im Liederspielhans: Offenbach- Chklns.(Die Zaubergeige.— Die Hanni weint— der Haust lacht.—'Apotheker und Friseur.) Anfang 8 Uhr. Weste». Volkstümliche Opirn-Bor- stellmig zu halben Preisen: Ündine. Anfang 71/j Uür. tvkelropol.(Morwitz-Oper.) Fidelio. Anfang 8 Ubr. vlencs. Ledige Leute. Anfang 8 Uhr. Carl Weist. Der Dämon. Hier- auf: Sie. Anfang 8 Uhr. FWedrich-Wilhelmstädlikhes. Ter Zerrissene. Ansang 7l/2 Uhr. Apollo. Lhflstraia. Specialitäten- VorsteNling. Ansang 8 Uhr. Sleickishallen. Steliilier Sänger. Aiisniig 8 Uhr. Passage- Thcaier. Speeialliäien- Vorstellung. Ansaug nachmiilags 5 Uhr. Passage- Panopilknm. Speciall- lälen-Vvrstellnng. Urania. Taubenstr. 18/10.(Im Theatersaal.) Abciids 8 Uhr: Die deutsche Ostseeliiste. JlivaUdcilsiraste 57/03. Täglich: Sternwarte.__ lißtropoi-Miif Anfang 8 Uhr. Ilorwitz-Oper. Klas-isoh pop. Opein-Vorstellung bei lialben Preisen: Flrtelio. Sonntag: Franceschina Prevosti; Carmen. Montag: Die vcr- knufte Braut. Kom. Oper in 3 Akten von Smetana. Nationaltänze von 16 Tänzerinnen._ Fröbels"7WD Allerlei Theater LV früher Fulilmann Schönhauser Allee No. 148, Heute Sonnabend: Verein d.llei'liuer Buclidruck- iMascliinemueisler. Konzert, Specialitäten, Dheater- Äorstellnng. Gr. Sommernachts-Bal). Italienische Nacht. sitp- Großer Fackelzug zc."VSs Anfang l'.z Uhr. Ende??? NrM-TIjkllttt Kastanien-Allee 7-0. NU- Täglich: Tanseiid inih eiiie NM. Phantastisches Märchen i» 3 Ableilg. voll Hugo Schulz.� Ballettges. Catrinl. Kostüm- s-onbrelie Paul« Crigattl. Grotesgne- Komiker senor n. Veras. Miss Kltty, Sport- Akt. Barsikow- Truppe, Parterre- Akrobaten. Mr. Bartling, leb. Photographien. Bartllngs elektrische Feerle. <3000 Gkühkörper.) Konzert. Ansang 4 Uhr. Eintritt 30 Pf., numerierter Play SO Pf. Halvo. U Tauben-Strasse 48/49. Im Theater um 8 Uhr; Die deutsclie Ostseekuste. OOLQCISCHER Täglich nachmittags ab ö Uhr: litär- Doppel-Konzest. Entree IM. v. 6 Uhr ab 50 Pf. Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. CASTANS Panoptikum Frledrlch-Slrasse 165. Neu! Die UTordlandrclfsc des Kaisers und Wandernii- gen durch Koiidon. Biesen- Projektionsbilder mit erläuterndem Vortrag. Fassaye-Theater. Das glänzende Juli-Programm. Willy Prager. (Prolongiert!) IC neue erstkl. Nummern Apollo-Theater Um 7 Uhr: Garten- Konzert. Um 8 Uhr: Die grandiosen Spcclalltiltcn. Um 9 Uhr: Lysisti'afcs. Am 1. August Wiederauftreten von Robert Stell». Kasseneröffnung 7 Uhr. Re ichshalle n. Täglich: Stettiner Säuger. Anfang: Wochentags 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. Tngcslaffe 11— 1»/, Uhr M Passap-Pänoptlcum. yiola Pariser Marionetten-Theater. Das AfTenwelh. Seejungfer._ Tigerknabe. farl Weiss-Theater. Graste Frautsurterstr. 133. Abends 8 Uhr: 0@r Dämon. Hierauf:..Sie". Nachtscene in 1 Akt von G. Schätzler-Perasini. Sonutagiiachinitlaz 3 Uhr: Tie Piper. Ii» Garten: Somulernachts- fest. Specialiiälcn. Anfang 5 Uhr. Ostbahu-Fark. IVm KCstrlnerpIatz. Rildersdorferstr.?!. Hermann lutbs. Täglich: Gr. inniert, Theater- nnd Specialitaten- Vorstellnng. -Ii» Könlgsthoi* 42029* Am Pricdrlchshaln M?- Täglich:""»Ei Thenter- null Speti(ilit(ileii= VörKelliing. Täglich bis 7 Uhr: Freier vamentanz. Jeden Abend 10 Uhr: Leute von heute. Grobe Posse mit Gesang und Tanz 5ic)mmertlieater lVIsnisnksdl Badstr. 35/36, Gesundbr»»»«!. Täglich: Das erstklassig« Specialiläten- und Theater-Programm. Größter Er- folg! Punkt 10 Uhr: Schlager! Bet'lm niie'ö ltbt lind liebt Enlree 30 Pf."ML Sonntags: Dali. VI. Hoacks Theater. Brnnileustrabc 16. TSgltitj Tbenter-«. Spttin- litiiten-Ilirßellnnl!. Gediegene Gesellschaft. Nur keine Männer! BurleSke mit Gesang und Tanz von Geriae. Im Saal: Taushrltu.eheu. Bernhard Rose-Theater Gesundbrunnen, Badstr. 58. Tligllch: Das grostartige neue Programm. Ag/oston. Berlin auf Stelzen. Auherdem: Konzert, Theater, Specialitäten. Anfang 4 Uhr. Entree 30 Pf. Borzugskarte» haben Gültigkeit. Kaffeeküche. Im Saale: Dali. Dotthnserstr. 4», Station der Hochbahn. Täglich im Garte», bei»»- güustig.Wiiierniig imSaal: »oir.»»»»s � t und Kvnzert. Soimiag, Montag und DomierSiag»ach der Soiree: Tauzkranzche», Tanz frei 1 Anfang Sonntags 5 Uhr, Eniree30 Pf., ab 9 Uhr 20 Pf. Ansang Wochentags 6 Uhr. 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Artikel I. ß 30 lauiet: Die wöchentlichen Kassenbciträge betragen: für die erste Klaffe 0,90 M. „„ zweite„ 0.69„ „„ dritte„ 0.60„ „„ vierte„ 0,42„ .. fünfte ,. 0.30„ Artikel II. Vorstehende Abänderungen treten mit dem ersten Montag nach erfolgter Bckanutmachnng in Kraft. Berlin, den 22. April 1902. Der Vorstand der Orts»Krankenkasse kür da» Blerdrauergewerhe zu Berlin. Otto Wolf, Vorsitzender. Genehmigt durch Beschluß vom 1. Juli 1902. 274/8 Berlin, den 3. Juli 1902. ver Bezlrksausschuss, Abteilung II. Knyser. II C. 55/2. 02. Die erhöhten Beiträge werden vom 4. Angnst 1003 av erhoben. , Unverfälscht. Deutscher Bienenhonig, best. Quollt. vers.die tOPfunddose zu 8.50M., 5 Pfd. 4 M. sraulo. Garant. Rücknahme. EDoil Nordloh, Bahnhof . nCII, Augustfehn, Oldenbg. Prämlirt mit goldener Medaille. JtrafhMhwgin kfwr Blutarme �.Kranke SrzMioh einpfählen R.1,50 uiM. überall zu haben .Pfsrdeblicht', Restaurant b. ttbpenlch. 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Rita Gerholdt, (Zahlstolle Berlin). Am Montag, den 28. Anlt, abends 8'/» Uhr, Vet Stramm, Ritterstlabe>23: talchtilverslniniiünig der BilderraWeitinalher. Der sehr wichtigen Tagesordnung wegen ist das Erscheinen aller Kollegen notwendig. 8ö/tS _ Plc Kommission. Deutsch. Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Bureau: Engel-llfcr 13, Zimmer 1— S, Telephon Nmt 7 Nr. 353. Sonnabend» de» 26. Jnli, abends S'/s Uhr: VmWoiliiU der Hobler. Bohrer. Fräser osw. bei Dicke, Ackcrstrahe Nr. 12Z. Am Montag, den 28. Jnli, abends 8'/- Uhr, bei Mercier, Steiiiinetzstrabe U3: Dtzicks-Versilmmlliilg für Rudorf. TaaeS-Ordnung: 1. Vortrag deS Herrn Ingenieur«renipe-SchSueierg über:„Die Fortschritte iu der Beienchtungstechnik(mit Demonstration an einer Spiritus Glüblichtlampe). 2. Vcrbandsangelegcuheiten. 118/3 DM" Nene Mitglieder werden ausgenommen."VQ Zahlreichen Besuch erwartet _ Die Ortsverwaltnng. Verband der Möbelpolierer. Heute abend,«V, Uhr, Wciftensee, Rölkestr. 30 s Vovsnnnnluttig. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Rein. 2. Dislusston. 3. Lokalftage und Verschiedenes._ 146/14 Montag, den 28. d. M., abends 8>/2 Uhr. Ndmiralstr. 18 o: Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Mehner über:„Die Gewerlschastsbewegung in der Arbeiterbewegung". 2. DiSlussio». 3. Verschiedeues. Allen Freunden und Bekannten zur Nachricht, daß mein lieber Mann, der Ziinmercr 1032b Baal Stelnhaner am 22. Juli nach langen Leiden sanft entschlafen ist. Die Beerdigung findet am Sonntag- nachmittag 4 Uhr von der Leichenhalle der St. Markus- Gemeinde in Wil- Helmsberg aus statt. _ Wwe. Auguste Stelnhauor. Danksagung, 10316 Für die vielen Beweis« herzlicher Teilnahme, sowie die Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unsres guten Vaters, des Gastwirts Ernst Kutsiner, sagen wir allen Freunden, Bekannten und seinen Kollegen unsren innigsten Dank. Die trausrnile Witwe nebst Kindern. Ceiltral-Kriliiktil- n. Sterbe- Kasse ber Tischler u. andrer gewerblicher Arbeiter. (flr. H.-K. Nr. 3 Hamburg.) (Oertllcha Verwaltung BerHn F). Montag, den 28. Juli 1902, abends S'/j Uhr, bei Wernau, Schwedterstr. 23/24: Mitlilieber-Persaillmlllilg. Tages-Ordnung: 1. Abrechnung vom 2. Quartal 1902. 2. Verschiedenes. Regen Besuch erwartet 183/8 Die Ortsvertvaltung. Mittwoch, de» 3Q. d. M., abends Uhr. Blnmenstr. 38: nar s...... Die Zahlstellenkass » OVe P* Vv(*f(lütllUÖ ö /2 Uorstandsfttzung. ikassterer müssen vorher abrechnen. Per Verstand. Tischler-Verein zu Berlin. Heute, Sonnabend, den 26. Jnli, abends 8'/2 Uhr, im Lokal Melchiorstrafte 13- V ersammlnng Tages-Ordnung: Vereinsnngelcgenhciten. Bezahlung der Beiträge. _ Billetausgabe zum W rnt II t me f- r o n"HSV in der„Nene» Welt" am Montag, de» 11. Angnst zum 199/2 Besten des Extra-Nttterstntzttttgs-Fottds. Billet a 20 Pf. Per Verstand. Extra-D Nttlpferfahrtett '>«« Sdjffliiifniil/gTiSf Äoföl Sebdin-Stt jede» Sonntag 9 Uhr(hin b0 Ps.), Montag u. Mittwoch 2 Uhr mit Musil(hin und zurück b0 Pf). 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