Nr. 174. Abonmmtnts-Dedlnglingen: Abonnements-Pret» pränumerando! vierteljährl. ZLV Mb, monall. I.lvMI., wöchenlltch 23 Pfg. frei in« Haut. Sinuln« Numm'r S Pfg. Eonnlagt, Nummer nit» i»»(i>>m«r Gonnlazj» Beilage„Die Neue Welt" lo Pfg. Post» Abonnement: t.lo Marl pro Monat, Singelragen in der Post- Zeitung»» PreiSltste für 1S0L unier Dr. 707». Unter tlreuzban» für Deutschland und Oesterreich-Uugarn 2 Mark, für da» übrige Autland S Marl pro Monat, 19. Jahrs» Ate InstttilMS-ollMifl! beträgt für die fechtgefpaltsne Koloner' zeile oder deren Raum«o Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereint- und Bersammlungt- Anzeigen 20 Pfg. «Kleine Anfeigen" jedes Wort B Pfg. (nur dat erste Wort fett). Inserate für die nächst« Nummer muffen btt t Uhr nachmittags in derSrpedtlion abgegeben werden. Dt- Srpcditlon ist an Wochen- tagen btt 7 Uhr abends, an Sonn- und gesttagen btt s Uhr vormittags geöffnet. Erjcheink täglich»uffer»onktg». Vevlinev Volksblakk. Telegramm-Adreffe: .Svcialbimvlirai Serlin" Centvalorgan der socialdemokratischen Partei Deutschlands. Nedalltiva: sw. 19, Vench-Slralje 2. gserusprecher: Zlmt I, Nr. 1508. Dieustag, den«29. Juli 199A. Expedilion: 3�.19. Venth.Slralje 3. Fernsprecher.' Rnit I, Nr. 51Sl. VlUtklgtiiossen! Laut Beschlub des letzten Parteitags findet der diesjährige in M ii n ch e n statt. Auf Grund der Bestiminnngen der Z§ 7, 8 und 9 der Partei- Organisation beruft die Parteileitung den diesjährigen Partei' tag auf Sonntag, den 14. September, abends 7 Uhr, nach M ii n ch e n in das Lokal: Schlvabiiiger Brauerei, Leopold st r. 82 ein. Als provisorische Tagesordnung ist festgesetzt: Sonntag, ii. Seplentber, abends 7 Uhr: Borversammlung. Koiisiitnicriing des Parteitags. Festsetzung der Geschäfts- und Tagesordnung. Wahl der MandatSprüfungS-Kominission. Montag, 15. September und die folgenden Tage: 1. Geschäftsbericht des Vorstandes. Berichterstatter: I. A u e r und A. G e r i s ch. 2. Bericht der Controlcure. Berichterstatter: H. M e i st e r. 3. Bericht über die parlamentarische Thätigkcit. Berichterstatter: E. N o s e n o>v. 4. Die bevorstehende Ncichstags-Wahl. Berichterstatter: A. Bebel. 5. Arbeiterversicherung. Berichterstatter: H. Molke nbuhr. 6. Kommunalpolitik. Berichterstatter: Dr. Lindemann. 7. Maifeier. Berichterstatter: R. F i s ch e r. 8. Anträge zum Programm und Organisation. 9. Sonstige Anträge. 19. Wahl des Vorstandes und der Controlenre. Parteigenossen I Bei der Wichtigkeit der Tagesordnung des diesjährigen Parteitags— wir verweisen nur auf die Verhandlungen über die nächste» allgemeinen NeichStagSwahlen— richtet der Parteivorstand die Aufiordcrnng an Euch, die Vorbereitungen für den Parteitag— also die Wahl der Delegierten wie die Stellung von Anträgen— rechtzeitig zu bewirken. Die Anträge müssen spätestens den 2. September in den Händen des Vorstandes, Adresse: I. Auer, Berlin SW., Kreuzb ergstr. 30 sein, wen» sie entsprechend den Bestimmungen des§ 8 Absatz II der Partei-Organisation im.Vorlvärts' veröffentlicht werden und in die gedruckte Vorlage Anfnahine findeil sollen. Anträge von einzelnen Parteigenossen bedürfen der Gegen- zcichnung der VertranenSpcrson oder des Vorstandes der örtlichen beztv. KreiSorganisation. falls sie zur Veröffentlichung und Beratung gelange» sollen. Die Partcigenoffen, die zum Parteitag kommen, werden ersucht, von ihrer Delegation dem Vorstande und dem Lokalkomitee recht- zeitig Mitteilung zu machen, damit ihnen die Vorlagen und ev. weitere Mitteilnngcn zugesandt werden können. Die Adresse des Lokalkonritees lautet: Ludwig P i ck e l m a n n, München. S e n d l i n g e r st r. 29. Mandatsformulare sind durch das Parteiburean I Auer, Berlin SW., K r c u z b e r g st r. 3» zu beziehe». Die Genossen, die Anträge einreichen, werden daranf ans- mcrksai» gemacht, dast etwaige den Anträgen beigcgebenc Motive weder im„Vorwärts" noch in der den Delegierten zugehenden Vorlage Aufnahme finde» können. Es steht den Genossen daö Recht zu, ihre Anträge selbst oder durch befreundete Genossen auf dem Parteitag mündlich zu begründe». Ein Abdruck der Motive ver- bietet sich aber ans räumlichen Gründen und um Wiederholungen zu vermeiden. B c r l i n. 28. Juli 1992. Mit socialdcinokratlschem Grust Der P a r t e i v o r st a n d. Die Tochter des Feldwebels. Eine Haupt- und Staatsaktion zur. O st m a r k c n- Politik". Das nachstehende Aktenstück ist nicht etwa, wie man vermuten konnte, eine giftige socialdemokratische Satire auf den preußischen Klassen« und Kastcnstnat im allgemeinen und die neueste Polen- Politik im besonderen; es ist vielmehr die vertrauliche Be- k e n n t n i s- und R e ch t f e r t i g u n g s s ch r i f t eines der h ö ch st e n Beamten der Provinz Posen, die aber un- gewollt in ihrer naiven Schlichtheit zu einem geradezu zerschmetternden kulturhistorischen Dokument zugleich einer possenrcife» Krähwinkclci und einer besiiinnngslosen. jeder Mode frönenden, jeden, Winke gehorchenden Schncidigkcitspolitik geworden ist. DaS Schrifisiück war nicht für die Ocffcntlichkeit, sondern nur für einige Freunde des gemaßregelten Beamlcn bestimmt. Es ist aber auch zu unsrer Kenntnis gelangt; und schon die flüchtige Durchsicht erwies, daß die große Oesfentlichkeit ein Recht darauf hat, dies Zeugnis borussischer Sitten kennen zu lernen. Wir drucken es imten wortwörtlich ab. Vor einiger Zeit lief durch die Zeitniigen die wunderliche Nachricht, daß der Provinzial-Stenerdirektor in Posen, Geheimer Ober- Finanzrat L ö h n i n g, sein Amt niederlegen mußte, weil er das Ver- brechen begangen hatte, die Tochter eines— ehemaligen Feld- w e b e l S z ii heiraten. Die Meldung las sich wie eine Scene anS KotzcbncS„Kleinstädtern", man lachte und vergaß. Nun aber kommt der Betroffene selbst und erzählt akteninäßig den Hergang seiner Verabschiedung, und die staunende Welt erfährt, daß wochenlang die ganze Regierung und Verwaltung in aufgeregter Thäligkeit war, um den Skandal aus der Welt zu schaffen, daß ei» Geheimer Ober-Finanzrat die Tochter eines ehemaligen Feldwebels zur Frau nimmt � anstatt sie nur, wie dnS sonst in hohen Kreisen üblich und moralisch ist— unverbindlich zn---„lieben". Es gab diätenschwcre Dienstreisen, Konferenzen, Audienzen. Der preußische Finanzminister selbst—Rhcinbabenheißi derintcressanteHerr— geruhte sich höchstselbst seinen glatt frisierten Kopf über das Problem zn zergrübeln. Während man glaubte, des Mannes Stirn sei wegen der schlimnien Finanzlage sorgenvoll bewölkt, erfahren wir jetzt, daß sein Zorn und Schmerz der Schmach galt, die jene Mesalliance über die preußische Monarchie gebracht. Wir sehen den armen Finanz- minister körperlich vor uns, wie er sich bei dem seligen Hofmarschall v. Kalb in Schillers sämtlichen Werken Rats erholte, was in solch schrecklicher Lage zn thnn. Der Selige erleuchtete ihn dann, und Herr v. Rheinbaben griff mit harter Hand ein und versetzte den Gemahl der Feldivebclstochter in den Ruhestand. Dabei wurde das neue preußische Sittcngesetz aufgestellt, daß höchstens einem Ministerialrat noch erlaubt sei, derartige Mißheiraten einzugehen. Auch der kommandierende General Poscns sann zu jener Zeit nicht etwa über die Strategie gegen den Feind im Osten nach, sondern sein Gemüt war erfüllt mit Abscheu und Zorn ob der Entartung der Seele eines Geh. Ober-Finanzrats. Desgleichen wurde der Obcrpräsident siebhaft bciinriihigt— nicht etwa durch die Polenfrage, sondern durch die Tochter dcS ehemaligen Feldwebels. So stand die gesamte staatserhallendc Autorität unter dem Zeichen der furcht- baren Verlobung und Hochzeit— bis endlich der Verbrecher daS Hänpt ans den Block legte. Bis hierher ist die Affaire nur eine anSgelaffcne Farce ans dem preußischen Mandarinentum, eine Probe und Prüfung jenes erhabenen germanischen Geistes, mit dem die sarmatische Dunkelheit des gegen solche Kultur sich sträubenden Kaninchcnvolkcs gewaltsam erfüllt werden soll. Allenfalls ist die Geschichte noch lehrreich für die Stellung eines preußische» Feldwebels, der sonst ja noch mehr als ein Stellvertreter Gottes ist und der hier als ein Paria erscheint, dessen Niedrigkeit noch an den Kindern eifervoll heimgesucht wird; denn also spricht Rheinbaben, der preußische Finanzminister: du sollst nicht heiraten die Tochter eines Feldivebels. Insofern ist die Episode komisch, kulturhistorisch aber nicht eben politisch. Seine große politische Bedeutung erhält das Lvhningsche Schriftstück erst durch den Einschlag der iicuestcn Polenpolitik. Man kann gespannt sein, ob die Hakatistenpolitik der Bülow und Rheinbaben die Pcitschenschläge dieser Enthüllungen lange überleben wird. Die Rechtfertigung Löhnings bedeutet das Panania der Polenpolitik! Nicht als ob Löhning ein Rebell wäre. Er zeigt sich vielmehr als ganz korrekter Beamter, der bis an die äußerste für einen ehrlichen Mann zulässige Grenze geht, um den Wünschen der Regierung Rechming zn tragen. Aber seine Schuld war es. daß er nicht geschmeidig geniig war, um jede plötzliche Wendling und Windung des Berliner Kurses begeistert mitzumachen. Es war ihm nicht gegeben, die neueste überraschende Eingebung der Berliner Weisheit als Gipfel nienschliche» Regierinigsgenies zn bc- stailiie». Er empfand, wie jeder normale Mensch, den polnischen Husarenritt des Grafen Bülow als ebenso hart und ungerecht wie völlig sinnlos und zweckwidrig. Wir ersehen aus Löhnings Bemerkungen, daß sich die neue Polenpolitik nicht auf das Gutachten der in Polen thätigen höheren deutschen Beamten berufen kann; diese sind— nach dem Zeugnis LöhningS— durchweg von der Verkehrtheit d i e s e r P o l i t i k überzeugt. Es giebt allerdings auch strebsame Beamte. die sogar in neutralen Stenergesnchcn die Ab- lehnnng unter Hinweis auf die polnische Gesinnung deö Petenten ciiipfehlcn! Das ist die harmlose GcrinanisicrinigS- Politik, die immer unschnldsvoll ihre Sanftmut beteuert und klagt über den TerroriSmns der— Polen! Wir hören auch, daß es zu de» Pflichten eines deutschen Beamten in Posen gehört,— verfassnngswidri g!— seine Ilntergebcncn zu zwingen, gegen ihre Nebcrzcngnng zn wählen. Löhning machte sich dadurch gerade verdächtig, daß er sich weigerte, in der gewünschten Weise das Recht zu beuge«. Wir vernehmen ferner, daß laut all- gemeiner— verfassungswidriger!— Anordnung, in der ganzen Provinz Posen kein deutscher Staatsbürger polnischer Abkunft in der Berwallung Anstellnug findet. So sieht das System aus, das bei jeder Gelegenheit in erheuchelte Klagen Über die Rücksichtslosigkeit und die verfassungswidrige Agitation deS Polcn- tums ausbricht I Immerhin hat sich neben dem vereinzelten Hakatistischen Streber- tun, ein großer Teil der deutschen höheren Bcanilcnschaft noch so viel Einstchl bewahrt, daß er die jetzige Polenpolitik der Regierung ür falsch hält. Sie kann sich nicht einmal auf die eignen Beamten berufen. Es steckt mithin auch hinter dieser Aktion, wie hinter den meisten andern Aktionen des neuen Kurses, ein völlig dunkles Geheimnis, da? auch LöhningS Eilthüllnngen nicht aufklären. ES wird Anlaß gegeben werden, auf das Dokument noch de? öfteren zitrückziikominen; wir lassen eS nlinmehr im Wortlaut folgen: » �» „Der Uebertritt des Unterzeichneten in den Riihestand zinn 1. Juli d. I. infolge feiner Wiederverheiratmig hat nicht bloß in der Stadt und in der Provinz Posen, sondem überall Aufsehen erregt. In neuerer Zeit hat auch fast die gesamte Presse von der Angelegenheit Notiz genommen. Dies veranlaßt mich, nachstehend ein Exposö über dieselbe zu geben. Das Exposö ist nicht für die Oeffentlichkcit bestimmt, wie mir ja auch die Behandliing der An- gelegcnheit in Zeitungen nur peinlich sein kann. Ich behalte mir aber vor, das Exposö meinen näheren Bekannten mitzuteilen, um sie in den Stand zu setzen, ein zutreffendes Urteil über das gegen mich beliebte Vorgehen sowie über mein Verhalten dabei zu fällen. Meine jetzige Frau ist die Tochter des hiesigen RegierungS- Sekretärs Coccins. Ich habe sie im vorigen Herbst im Tanbertschen Lokal bei Gelegenheit einer Festlichkeit dcS Vereins der deutschen Katholiken Posens kciinen gelernt. Unsre Verlobung fand am 17. Februar dieses Jahres nach einem Znsammentreffen auf der Eisbahn statt, iiachdcm ich Tags zuvor mit der Familie CocciuS im Eichwald-Etabliffement zusammen gcivescn war. Als ich nach statt- gehabter Verlobung abends nach Hause kam, fand ich einen Brief vor, ein anonymes Schreiben, worin ich gewarnt wurde, der Familie Coccins näher zn trcien. Meine Aimäheruug an diese am gestrigen Tage im Eichwald- Etablissement habe Aufsehen erregt. Ich wurde darauf aufmerksam gemacht, daß der Vater Feldwebel gewesen sei. Ich ging am nächsten Morgen zu dem mir bekannten, mit der Familie Coccins in einem Kegelklub verkehrenden Präbeudar Klinke von der katholisch-dentscheu Frauziskauerkirche. Dieser bestätigte, daß der Vater meiner Frau früher Feldwebel gewesen. Die Familie Coccins sei durchaus ehrenwert, die Tochter, meine Braut, ein sehr feines, liebenswürdiges und tugendhaftes Mädchen. Er fürchte aller- dings, daß die Publikation meiner Verlobung Aufsehen erregen werde, da in Posen der K a st e n g e i st nach seiner KciiiituiS der Verhältnisse in seltener Blüte stehe. Ich begab mich noch zu der Frau ObcrlaudeSgcrichts-Präfident und bat sie, mich und meine Braut bei der Gesellschaft in Schutz zu nehmen. Schließlich ging ich, ich meine am 19. oder 29., zum Oberpräsidcntcn, um ihm die übrigens nicht vorgeschriebene Anzeige von meiner Verlobung zu machen. Derselbe war nach Berlin verreist. Die Publikation der Verlobung erfolgte am 21. Februar in den Poscner Zeitungen mit der Ucberschrist: Statt besonderer Anzeige. Bon allen Spitzen und deren Frauen— mit Ausnahme dcS Ober« Präsidenten und des Polizeipräsidenten sowie der Generalität— erhielt ich Gralulalionskarten oder Schreiben zugesandt. Einige kamen mit ihren Frauen in meine Wohnung, um mir Glück zu wünschen. Die Beamten der Direktion erschienen am Tage nach der Publikation in meinem Arbeitszimmer, Obcr-Regierungsrat Gesch zusammen mit den Mitgliedern. Da niemand von meinem vor« hcrigen Verkehr mit meiner Braut Kenntnis gehabt hatte, nahm ich die Gelegenheit wahr, den letzteren die Geschichte meiner Annäherung an sie zu erzählen. Sodann erfreute ich mich des ungetrübten Besitzes meiner Braut bis zum 2. März d. I. An diesem Tage wendete sich die Sache. Ich bekam ein Schreibe» des Personaldiceriieuten im Ministerium» des Geheimen Ober-Finanzrats Eule vom 1. März:„er habe mir eine amtliche Mitteilung zu bringen und ersuche mich, Montag, den 3., niiltagS, im Bureau zu sein." Für den 27. und 23. Februar und 1. März hatte ich den Ober- regiernngsrat Gesch nach Berlin beurlaubt. Derselbe meldete sich am Montagvormittag, den 3. März, bei mir zurück. Auf Befragen gab er an, daß er im Finaiizministerittm beim Geheimen Ober» finanzrat Enke und beim Finanzministcr selbst gewesen und von diesem iibcr meine Verlobung befragt worden wäre. Mittags um 12 Uhr erschien der p. P. Enke, der schon am Tage vorher, und zwar mit demselben Zuge, mit dem Gesch zurückkehrte, hier augekomme» war. Er sagte, daß der Minister über meine Verlobung erzürnt sei. Es seien verschiedene anonyme Briefe an den Minister ge- langt, er, Enke, vermute, daß einzelne davon aus der hiesigen Direktion stammen.— Der Bureauvorstcher RechmuigSrat Piton hält es für ausgeschlossen, daß ein Beamter der BnreauS oder der Kanzlei eine solche Gemeinheit verübt hätte.— Der Minister wolle, daß ich mtine Pensionierung nachsuche, er. Enke. rate mir dazu, ich sei dann ein freier Mann, ich geriete ja dadurch, da ich vermögend sei, in keine Sorgen. Auch zog er einen Zettel hervor und sagte, der Finanz- minister sei nngehaltcn, daß ich ihm von meiner beabsichtigten Verlobung nicht vorher Mitteilung gemacht hätte. Ich habe geäußert, ich könne nicht zur Disposition gestellt werden, der Minister könne mich nur versetzen. Ferner habe ich mich wiederholt den Mit- gliedern gegenüber abfällig über die Polenpolitik der Negiernng ausgesprochen, auch fragte er mich nach einer S t a d t v c r o r d n e t e u w a h I» Angelegenheit des SteuercinuehmcrS M i ch a l S k i in Frau- stadt, welcher für eine» Pole» gestimmt und trotz dcS Antrages des dortigen Landrats nicht entsprechend von mir zurechtgewiesen wäre. Eucke ließ sich das be- treffende Aktenstück geben. Ich erwiderte dem Enke. daß ich mir meine Erklärung auf die Eröffnung vorbehalten müsse. Eule setzte noch hinzu, er und der Generaldirektor würden es bei dem Minister durchzusetzen suchen, daß mir beim Abschiede der Rote Rdlcrordcn II. Klasse verliehen werde. Im Laufe deS Gesprächs erwähnte er noch, daß er bereits Tag? zuvor eingetroffen, und daß der Oberpräsident Über meine Ver- lobuugsangelegenheit bisher nicht a» den Finanz- m i ti i st e r berichtet habe. ©nfc hatte vormittags eine Unterredung mit dem Oberpräsidenten gehabt. Am nächsten Tage gegen Mittag begab ich mich zum letztere» Derselbe hatte an diesem Tage bereits wieder eine Rücksprache mit dem Enke gehabt und einen Kanzleidiener zu mir gesandt, der mich bitten sollte, zu ihm zu kommen. Er sagte, daß er vor- gehabt hätte, über nieine Verlob nngsangelegenheit an den F i» a n z in i» i st e r zu berichten, und dah solches bisher noch nicht geschehen. Er äntzerte sich dann wie folgt:„Sie haben sich mit der Tochter des Regierimgssekretärs Coccius verlobt. Gegen die Persönlichkeit Ihrer Braut ist nach den eingezogenen Erkundigungen nichts ciiiznwcndcn. Aber Sic können «US Provinzial-Stenerdircktor nicht die Tochter eines che maligeu Feldwebels heiraten, ebensowenig wie ein Oberst die Tochter eines Feldwebels heiraten kann. Ein Ministerialrat, ei» ObcrregiernngSrat mag eine solche Heirat schlicstcn. Sie bekleiden als Provinzial-Stcncrdircklor eine der ersten Stellen i» der Provinz und kvnncu solches nicht. Diese Ansicht teilt auch der sk o m m a n d i c r e n d e General nach wiederholter Rück- spräche. Die mir seitens des Geheimen Rats Enke mitgeteilten, vom Ober-Regiernngsrat Gesch bekundeten Arustcruiigen zur Polen Politik können Ihnen— wörtlich— „den Hals nicht brechen." Betreffs Ihrer Verlobung haben Sie aber in Ihrer Stellung mit den nun einmal bei nnS vorhandenen Anschannngcn zu rechnen; Sie haben das nicht gethau, müssen daher die Konsequenzen Ihres Thuns tragen!" Im Laufe des Gesprächs kam dann meine Ueber- führung in eine gleichrangige Mitgliederstclle einer Centralinstanz zur Sprache. Der Oberpräsident schien sich dafür zu interessieren und glaube ich, dasi er dem Ministcrial-Kommiffar einen ent sprechenden Vorschlag gemacht oder einen besoiidcrcu Bericht dieser halb an den Minister erstattet hat. Als mich demnächst der Ministerial-Konimissar Enke fragte, ob ich nur die Sache überlegt hätte und meine Pensionierung nachsuche» wollte, erwiderte ich, datz ich letzteres nicht thäte. Enke las mir dann die Aussagen der inztvischcn(am Tage zuvor abends oder an diesem Tage früh vormittags) von ihm vernommenen Herren des Ober-RegicrungSratS Gesch und deS Geheimen RegiernngSratS Mendi vor, und ersuchte mich, mich darüber zu Protokoll zu erklären Ich habe das wesentliche der gedachten Aussagen ans dem Gedächtnis niedergeschrieben. Der Ober-Regiernngsrat Gesch bekundet: Am Tage nach der Publikation meiner Verlobung, sei er. Gesch, niit den Mitgliedern zu mir gekommen, um mir zu gratulieren. Ich hätte ihnen die Geschichte meiner Verlobung erzählt, auch mitgeteilt, dag ich nach meiner Vcr> lobuug erfahren hätte, dah der Vater meiner Braut Feldwebel getvesen. Ich hatte dabei hervorgehoben, ich gehöre nicht zu den Beamten, welche zur Disposition gestellt werden köiiuten, der Minister könue mich n u r v e r s e tz e n. Ich hätte wiederholt sowohl nach Schluß der Sitzungen den Kollegen gegenüber als auch bei andern Gelegenheiten mich gegen die aggressive Polcnpolttik der Regierung ausgesprochen und in diesem Sinne auf die Mit- glieder einzuwirken gesucht. Insbesondere hätte ich das Vorgehen der Regierung in Wre scheu wiederholt kritisiert. In Fraustadt seien ein polnischer Arzt und ein deutscher Katholik bei der S t a d t v e r o r d n e t c n w a h I in die Stichwahl mit zwei evangelischen Deutschen gekommen. Bei der ersten Wahl habe der Stcnereiniiehnier M i ch a l s k i für die ersteren gestimmt, und die übrigen Beamten hätten bei der Wahl gefehlt. Der Land rat habe dieses in einem Schreiben mir mitgeteilt, mit dem Er suchen, auf die Beamten einzuwirken, daß sie sich an der Wahl bc- teiligten und für die deutschen Kandidaten stiimnten. Ich hätte eine derartige Einwirkung für verfassungswidrig erklärt, hätte gesagt, daß ich der Anficht sei, es sei nicht schlimm, wenn in den städtischen Körperschaften auch die Minoritäten vertreten wären. Ich hätte gesagt, eine schriftliche Anweisung an die Beamten köinic in der Presse und ini Parlament ausgenutzt werden. Ich hätte ihn, den Gesch, nach Frau stadt entsandt, �im die Beamten mündlich anzuweisen, sich an der Stichwahl zu beteiligen, und denselben die allerhöchste Ordre vorzu lesen, wonach sie sich jeder Agitation gegen die Regierung zu ent halten hätten. Könne Michalsli als Pole nicht für die Deutschen stimmen, so habe er sich der Wahl zu enthalten. Der Geheime Regieruugsrat M e n d e; dieser bestätigt im all gemeinen die von Gesch mitgeteilten Aeußerungeii, will aber nicht behaupten, daß ich mit den Acnßernngcn zur Polenpolitik eine besondere Absicht verbunden hätte. Die Aeußernngen hätten ihn tief gekränkt; auch hätte ich ihn behindert» bei scinen Arbeiten der Rrgieruugöpolitik Ausdruck zu der- leihen. Ich bemerke zu der letzteren Beknndnng, daß der größte Teil des Arbeitspensums dieses Herrn in den Berichten über Stempeler st attu n gs-Ges u che bei nicht zur Ans- führung gekommenen Gruiidstücks-Kaufverträgen besteht. Bei diesen Berichterstattnugen ließ er bei der Frage, ob die A b l e h n n n g der Gesuche dem Minister anheimzugeben, öfter daS Verhalten der polnischen Grfnchftellcr znr Polenpolitik der Regicriuig eine Rolle spielen. Ich erinnere mich, daß ich in einem solchen Berichtscutivurf den ganzen bezüglichen Passus ge- strichen habe, ohne indessen den auch ohnedies gerecht- fertigten Antrag auf Ablehnung des Gesuches zu ändern. Bei seinen übrigen Arbeiten an der Polenpolitik der Regierung mitzu- wirken fehlt es diesem Herrn nach der Natur seines nur beschränkten Arbeitsgebietes an jeder Gelegenheit. Der Inhalt der Aussagen der beiden mir untergebenen Herren deckte sich mit dem. ivas Enke am Tage vorher mir in meinem Bureau mehr allgemein vorgehalten hatte. Es dürfte hieraus hervorgehen. daß der Ober- Regierungsrat Gesch davon bereits bei seiner An- Wesenheit im Fiiiaiizmiuisterium eingehende Mitteilung gemacht hatte. Die mir vorgehaltenen Aeußerungeii konnte ich nicht völlig bestreiten; aber sie waren ans dem Zusamnieuhaug gerissen und ein- seitig wiedergegeben. Meine Erklärung wurde protokolliert und von mir unter- schrieben. Enke äußerte noch unter anderm, daß der Oberpräsideut die Angelegenheit objektiv beurteile— er wollte damit wohl auf die vom Oberpräsidenten vorgeschlagene Ueberführung in die Stelle bei einer Centralinstanz hindeuten.— Ich blieb bei meiner Weigerung. Nuumehr wußte ich, woran ich war. Ich durchschaute jetzt das gegen mich zur Anwendung gebrachte Vorgehen des Ministcrial- Kommissars. Der Minister hatte die angeblich eingegangenen anonymen Schreiben gar nicht an den hiesigen Oberpräsidenten zurBerichterstattung gesandt und auch einen Bericht des letzteren nicht abgewartet. Der Ober- Regierungsrat Gesch, der von mir für den 27. nud 28. Februar und 1. März nach Berlin beurlaubt war, war offenbar am 28. Februar im Ministeriuni gewesen und hat dort über meine Verlobung Ans- kiinft gegeben. Es ist hierbei hervorzuheben, daß der Gesch mit dem Oberst des hiesigen 6. Regimciits, bei welchem der Regierungs- Sekretär CoccinS früher Feldwebel gewesen, in einem Hause wohnt. und daß er erzählt hat. die Offiziere des 6. Regiments— Gesch ver- kehrt anscheinend mit diesen Offizieren, er ist selbst Hauptmann der Reserve— hätten ihn höhnend auf seine demuächstige neue Chefense, „die Tochter eines ihrer früheren Feldwebel", hingewiesen. Ich be merke hier, daß meine jetzige Frau als Tochter des Bureau-Assistenten Coccius geboren ist. Schon am 2. März früh bekam ich den oben erwähnten Brief. des Enke. Es erhellt� daß das Verfahren gegen mich auf Grund der Mitteiluugen des Gesch im Ministerium vom Minister beschlossen war. Ich sollte gehen. Zunächst mußte der Kommissar versuchen. mich in Güte zum Pensionierungsnntrage zu bewegen. Als dieses versagte, sollten meine von zwei mir unterstellten Mitgliedern der Direktion bekundeten Aeußerungeii zur Polenpolitik den nötigen Druck auf meine Entschließung ausüben. Ich beschloß noch, um mich im Amte zu erhalten, eine Eingabe an den Minister zu richten. Ich. bat in dieser zunächst um Entschuldigung, daß ich von meiner beabsichtigten Verlobung und den obwaltenden Umständen ihm vorher keine Anzeige erstattet hätte und versicherte, daß dieses ohne alle Absicht unterblieben sei. Thatsächlich hatte ich an den Minister in den Tagen meiner Verlobung gar nicht einmal gedacht. Ich führte in der Eingabe ferner aus. daß meine Braut ein hochgebildetes Mädchen von vornehmem Aenßeren und mit anderen Borzügen aus gestattet sei. Ich hätte kein Bedenken gehabt, mich mit ihr zu ver loben, da ich der Ansicht sei, daß sie durch ihre Erscheiming und ihre sonstigen Vorzüge die Standesvorurteile leicht über- winden werde. Der Oberpräsideut sei freilich andrer Ansicht. Ich bäte, wenn ich nicht hier bleiben kvuiite, mich im Wege des Stellen- tausches nach dem Westen zu versetzen, wo derartigeStandesvornrteile nicht in solchem Maße beständen. Die mir noch vorgeworfenen Aeußerungeu zur Pole n Politik könnten mich nicht erregen. An meiner Loyalität gegen die Regierung lasse ich keinen Zweifel auf- konunen. Ich bäte ihn, mir eine Audienz zu bewilligen, uni Rede zu stehen. Am 8. März erhielt ich ein Schreiben des Oberpräsidcnten, daß er nur eine amtliche Mitteilung des Finaiizmiuisters zu machen hätte. Am nächsten Tage las er mir in seinem Bureau ans einem an ihn gerichteten Erlaß des Ministers vor, daß der Minister meine Entschuldigung nicht gelten lasse und meiner Behauptung ich hätte ohne Absicht die vorherige Anzeige unterlassen gegenüber der Bekundung deS Ober-Regiernngsrats Enke, wonach ich geäußert, ich könne nicht zur Disposition gestellt werden, keinen Glanben schenke. Ich hätte durch diese Unterlassung die Pflichte» nicincö Amtes verletzt. Vollends hätte ich das Vertrauen zu mir erschüttert, durch meine Aenßeruugen zur P o l e n p o l i t i k, insbesondere auch durch mein Verhalten zur Fraustädter Wahlangelegenheit. Es könne für ihn meine Ueberführung in eine andre Pro vinzial-Steucrdirektor-Stelle nicht in Frage kommen, auch sei er nicht in der Lage, mich zur Ueberführung in eine andre Stelle zu empfehlen. Er könne mir nur meine Pensionierung und zwar zum 1. Juli d. I. offerieren. Ich ersuchte den Ober- präsideuten, nur eine Abschrift des Erlasses zu geben. Er erklärte, daß er dazu nicht ermächtigt sei. Er fragte mich, ob ich bereit sei, meine Pensionierung zu beantragen, er rate mir dazu. Ich wollte mir meine Erklärung vorbehalten. Er erlviderte, ich hätte mich sofort zu erklären. Im höchsten Maße empört über das unerhörte Verfahren des Ministers gegen einen Provinzial-Verlvaltnngschef. der sich all- geineineii Ansehens sowie der Verehrung und Liebe der ihm unter tcllten Beamtenschaft erfreut, gab ich die Erklärung ab:„I ch b i n bereit, in Pension zu gehe n", ohne Angabe von Gründen. Der Antrag wurde protokolliert und von mir unterschrieben. Unter dem 24. März bekam ich ein Schreiben des Ministers, der bisher immer durch Kommissare mit mir verhandelt hatte, daß er meinen Antrag an allerhöchster Stelle unterbreitet habe. DaS bereits vom 26. März datierte allerhöchste Demissoriale, wonach mir die erbetene Dienstentlassniig unter Gewährung der gesetzlichen Pension in Gnaden gewährt wird, bekani ich erst niittelS Schreibens des Finanzministers vom 14. April zugefertigt. Im Vorstehenden habe ich kurz und gedrängt die Geschichte meiner Pensioinerung gegeben. Habe ich recht daran gethan, daß ich die mir aufgezlvungene Pensiouieruiig in Antrag gebracht habe! Ich glaube, ja. Nach Eingang des Demissoriale habe ich mit mehreren hiesigen hochgestellten Herren über meine Angelegenheit Rücksprache ge- nommen. Nach eingehender Mitteilung des Sachverhaltes gaben fast alle ihrer Meinung dahin Ausdruck, daß hier eine Ucberruinpcluug vorliege. Ich hätte dem Druck nicht nachgeben und die mir offerierte Pensionierung ablehnen müssen. Ans alle Fälle hätte ich es ab- lehnen müsse», mich gegen den Oberpräsideuten auf die Penfionieruugs-Offerte sofort zu erklären, um zuvor noch in Ruhe die Sache mit andren überlegen zu können. Was wäre aber die Folge gewesen, wenn ich den Antrag ver- weigert hätte? Das förmliche auf Dicilstentlassmig gerichtete Disciplinar-Ver- ähren wäre nicht in Frage gekomineii, auch nicht, wenn, was ich erst vorhatte, ich es selbst gegen mich beantragt hätte. Man sollte meinen, daß gegen einen Provinzial-Vcrwaltungschef von der Ein- leitung eines solchen Verfahrens überhaupt nicht die Rede sein könnte; jedenfalls ist dies in der Geschichte des preußischen e a m t e n t u ni s wohl bisher nicht vorgekommen. Im vorliegenden Fall hätte der Minister es gar nicht gewagt der öffentlichen Meinung gegenüber. Worauf wäre wohl die Anklage bei dem Discipliuarhofzu gründen gewesen? Auf meine Verheiratung mit der Tochter eines Subalternbeamten? Auf meine a n t i- h a k a t i st i s ch en A e u ß e r u ii g e u zur Polenpolitik? Oder auf beide Umstände? Ein Sturm der Eiitrüstnng würde sich dagegen in der Beamteuwclt nicht minder wie im Publikum erhoben haben. Das DiScipIinar- verfahren mit der Absicht meiner nnfreiwilligen Entferiiuug ans dem Dienste wäre sicher auch ohne Erfolg geblieben. Der Minister kann nicht die Zurdispositionsstellung eines Provinzial-SleuerdirektorS veranlassen, wenigstens in den alten Provinzen gehören die Provinzial- Stenerdirektoren nicht zu den politischen Beamten, welche mit halbem Gehalt zur Disposition gestellt werden können. Aber der Minister hat die Befugnis, einen Provinzial-Steuerdirektor ohne weiteres in ein andres Amt von gleichem Range zu versetzen. Das scheint der hiesige Oberpräsident im Auge gehabt und dem Minister in Bezug ans meine Person anheimgestellt zu haben. Eine solche Versetzung wäre die Folge meiner Weigerung gewesen. In der Stellung als Provinzial-Steuerdirektor hätte der Minister nach den mir gemachten �Eröffnungen, ohne seine Autorität zu vergeben, mich nicht mehr belasse» können. Es wäre ihm nur übrig geblieben, meine Ueberführung in ein Amt bei der Ccntralinftanz zu veranlassen. Mit dieser Versetzung Iväre mir nicht und gewiß auch nicht dem Ansehe» der Provinzial-Steuerdirektoren gedient ge- wesen. In einer solchen Versetzung würde ich und jedermann eine Degradation erblickt haben. Der Antrag auf Peiisionienuig warder einzige Ausweg. Aber nicht bloß diese Erwägung rechtfertigt es, daß ich meine Pensionierung beantragt habe. Ich hielt eS vor allem auch unter meiner Würde, nach den mir durch den Oberpräsidenten gemachten Eröffnungen deS Fiiianzininisters, nach solchem Vorgehen gegen mich fernerhin noch ein Untergebener dieses Ministers zu sein. Meinen Empfindnugen über das Verfahren gegen mich, den Gefühlen, welche mich dabei überkamen und noch heute, und zwar »ach eingetretener Beruhigung, in verstärktem Maße beseelen, brauche ich keinen Ausdruck zu geben. Nach Erledigung der Angelegenheit beklagte ich denn auch nicht gegen meine Bekaiinten meinen bevor- stehenden Abgang, sondern freute mich desselben. Die mir vorgeworfenen Aeußernngen zur Polenpolitik haben an sich mich in keiner Weise zu dem Pezisionierungs- Antrage bestimmt. Freilich bin ich, wie die große Mehrzahl der höhere» Veamten der Provinz, ein Gegner des schroffen Vorgehens in der Polenpolitik, des sogeuaimten Hakatismus. Ich kann aber nicht umhin, hier anzuführen, daß ich erst einige Monate vor meiner Verlobung an den Ministerial- Kommissar Enke ein Schreiben gerichtet habe, worin es wörtlich heißt: Ich halte den Hakatisums und dessen gegenivärtigen Einfluß für verderblich für die Provinz imd geradezu schädigend für daS Deutschtum." Dieser Kommiffar war also Über meine anti- hakatistischen Ansichten wohl unterrichtet. Dem jetzigen Ober- Präsidenten selbst habe ich bei Gelegenheit gesagt, daß ich bei meiner milden Gesinnung für die Ausführung der jetzigen Polen- Politik nicht der geeignete Mann sein würde; uusre Verwaltung habe zum Glück mit der Polenpolitik nichts zu thuu, ich beneidete Die betreffenden Herren uni ihre Stellung nicht. Demselben Ober- Präsidenten gegenüber habe ich die Wreschener Affaire für einen Fehler erklärt, worauf er erwiderte, er halte sie für u n- erfreulich, er hätte sie nicht herbeigeführt und nicht verhindern können. die in dem gegen mich geführten Verfahren maßgebenden Personen kannten also meine Aiischannngen über die Polenpolitik. In den hiesigen geselligen Kreisen bildete die Politik selbst- verständlich ein ständiges Thema der Unterhaltung. Mit den meisten habe ich eine U e b e r e i n st i in m u n g der Ansichten konstatieren köiuien. Der Hakatismus findet besonders auch in dem höheren Beamtentum der Stadt Posen nur wenige Befürworter. In dem nun einmal beftehciiden Kampfe zwischen Polen und Deutschen in den gemischten Provinzen sollten alle Hetzereien und jede verletzende Schärfe, die tets nur schadet, vermieden werden. Habe ich mich gegen die nutz- lose Verfolgung der Polen in ihren Vereinen und in ihrer Presse ausgesprochen, so habe ich die Förderung des Deutschtums durch positive Maßnahmen stets um so kräftiger befürwortet: Eine verstärkte Ansiedelung von Deutschen z. B. habe ich bei der stärkeren Vermehrimg der polnischen Bevölkerung und der Flucht der Deutschen ans dieser Provinz stets gebilligt. Freilich besteht das Bedenken, daß die Polen zu dem Ansiedeliingsfonds mit ihren Steuern beitragen müssen. Man fördere überall das Deutschtum, und zwar in ruhiger, stiller Weise, ohne deshalb viel Anfhehens zu machen. Die Polen lasse mau aber in Ruhe und zufrieden. Das ist die Ausfassmig, welche ich stets vertreten habe. Ich habe nie wahrgenommen, jdaß diese meine Auffassung über die Polenpolitik mir in der Führung der mir an- vertrauten Verwaltung hinderlich getvesen wäre. Unsre technische Zoll- und Stenerverwaltimg steht außerhalb des politischen Kampfes der Parteien. Im übrigen werden Polen in der hiesigen Provinz in unsrer Verwaltung nicht mehr angestellt. Daß beruht auf all- gemeiner Rnordnnng. Das mir zum Vorwurf gemachte Verhalten gegen den Steuer- ciimehmer Michalski in der Franstädtcr Wahlangelegenheit halte ich für ganz korrekt. Ich führe dazu Noch an, daß der Michalski in der Stichwahl nicht etwa der Wahl sich enthalten, ondern ans Furcht vor dem Verluste seines dortigen Aintcö nud vor seiner Versevnng in eine andre Provinz für die deutschen evangelischen Kandidaten gestimmt hat. Mit zahlreichen angesehenen Männern der Stadt und Provinz Posen weiß ich mich eins in der Beurteilung der Polenpolitik. Schwerlich wird von diesen einer es verstehen, wie die mir vor- geworfenen Zleußerinigen und mein Verhalten zur Polenpolitik einen Anlaß zu meiner Pensioniernng bieten könnten. In Wirklichkeit bin ich durch Jntrigue und verächtliche Angeberei ein Opfer der Standesvorurteile und des Kastengeistes geworden." Das seitens des FinanzministerS in Anwendung gebrachte Ver- ahren gegen einen Provinzial- Steuerdirektor, der sich allgemeinen Ansehens erfreut und dessen Verwaltung auch stets die Aiierkennuiig desselben Ministers gefmiden hat. hat nicht bloß in der Provinz Posen, sondern weit darüber hinaus Verivunderung und Unwillen hervorgerufen. Ich bemerke dazu, daß mir mittels Erlaß des Finanz- ininisters Miguel vom 26. Juni 1906 die bedeutendste Provinzial- Stenerdirektorstelle der Monarchie, die der Rheinprovinz, angeboten worden ist. Ich habe sie neben andern Gründen hauptsächlich in Rücksicht auf die unmittelbar bevorstehende Vakanz der Stelle für Schleswig- Holstein abgelehnt, ans welche ich mir seit langer Zeit Hoffnung gemacht hatte. Leider habe ich letztere Stelle nicht er- langt. Auf mein Gesuch vom 12. Januar 1001 um Verleihung dieser Stelle wurde mir durch Erlaß des FinanzministerS vom 21. April 1901 eröffnet, daß demselben aus dienstlichen Rücksichten nicht habe entsprochen werden können.„Jiidcffcu solle mein Wunsch um Versetzung von Posen bei erneut sich bieiendcr Gelegenheit in wohlwollende Erwägung gezogen werden." Im Sommer vorigen Jahres kam dann unerwartet die Stelle des Provinzial-Stenerdirektors in Danzig zur Erledigung. Ilm diese habe ich mich nicht förmlich beworben, aber schriftlich meinen Wunsch um Versetzung dahin dem Persoiialdeceriientcn, Geheimen Ober- rnanzrat Enke, übermittelt. Auch diese Stelle ist mir nicht übertragen worden. Enke teilte mir demnächst mit,„die Entschuldigung, Sie nicht zu berücksichtigen, ist dem Minister schwer geworden... Jedenfalls hat der Minister der Generaldirektor und ich hatten ihre Berücksichtigung befür- wartet— schweren Herzens darauf verzichten müssen, Ihrem Wunsche tatt zu geben. Er hatte, um Ihren Wünschen nachzukommen, ver« chiedenes versucht usw." Aus allen diesem geht hervor, daß meine hiesige Ver« waltung eine t a d e kl o s e gewesen und als solche auch gerade von dem jetzigen Minister anerkannt ist. Im Pnblirnm ist mir stets die größte Achtung entgegen- gebracht worden. Ich genoß das Vertrauen der Handel- und Gewerbetreibenden, sowie der Besitzer, welche mit unsrer Verwaltung zu thun hatten, in hohem Maße, cincrlci, welcher Nationalität und welcher politischen Partei dieselben angehörten. Die mir imtersteNte zahlreiche B c a m t e n s ch a f t der Provinz ist mir von Herzen zugethan, sie erachtet meinen Abgang als einen schweren V e r I u st. Am 27. Januar dieses Jahres hatten die hiesigen Zoll- und Steuer- Beamten nach Schluß des offiziellen Kaisergeburtstags-EssenS einen Kaisergeburtstags-Kommers veranstaltet. Sämtliche Direktiousmitglieder nahmen mit mir daran teil,«s waren über 100 Beamte zugegen. Im Laufe deS Kommerses brachte der hiesige Hauptamts- Dirigent, Steuerrat Kollmami, einen Toast auf den hiesigen Chef der Verwaltung aus. der. wie er wörtlich sagte. es verstand. durch seine Liebenswürdigkeit, durch seine Gcrechtigkeitslicbe zc. sich, wie selten ein Vorgesetzter, die allgemeine Achtung und die Verehrung und Liebe aller seiner Untergebenen zu erwerben.(Bericht der„Posener Zeitung" vom 29. Januar dieses Jahres.) Pose», im Mai 1902. Löhnilig, Geheimer Ober-Finanzrat und Prcbinzial-Stencrdireltor. MrbevZMzk. Die Klerikalen auf der Straße. ipnriS, 27. Juli.(Eig. Ber.) Die Ausführung der Schließungs- dckrcte vom 25. Juli gegen die aufsässigen OrdenSschulen ist im Seine- und im Nhöne-Departement(Paris und Lyon) ohne iicnnens- werten Zwischenfall erfolgt. In Paris hat sich selbst das neue„?c>rt Oturbrol" friedlich er- gebe», die verbarrikadierte Nonnenniederlassnng der Saint-Manr- straße, die nach dem Beispiel I n l e s G» e r i n s von vor drei Jahren es auf eine Belagerung hatte ankommen lassen wollen. Ihre niänulichen»Verteidiger, an die 50 Mann, hatten an ihrer Spitze den ehemaligen Licninnnt Gnerins und derzeitigen Ncdactcur des„Antijrrdcn", G i r a r d, und den royalistischen Kandidaten in den letzten KamineNvahlen, Jaume. Die rasche Kapitulation der Beste erklärte sich, wie die glatte iAussürhung der Dckrcte überhaupt, aus der Drohung der Regierung, die Mutter- Kongregationen für die Widerspenstigkeit der Filialen haftbar zu machen, d. h. sie aufzulösen, wozu das Vercinsgcsctz die Regierung berechtigt. Die Drohung hat gewirkt: die verbarrikadierten„guten Schwestern" erklärten gleich in aller Unschuld, sie wären wider ihren eignen Willen von der antisemitisch- royalistischen Mannschaft ver- barrikadiert worden. Die angeblich cigeninächligen Verteidiger aber fügten sich niit der gleichen Fixigkeit wie die Nonnen. In der Bretagne und in der V e n d ö e dürften allerdings die Dekrete weniger glatt durchgeführt werden. Der klerikale Wider- stand dauert dort nngcschivächt fort. In einzelne» Fällen üben dort die Klerikalen einen terrorisierenden Drnck auf die kleine anti- klerikale Minderheit. Vorab die Unternehmer. Im Orte Torfon schloß ein Fabrikant seine» Betrieb für einen Tag mit der „Einladung" an die Arbeiter, gegen die Regierung zu demonstrieren. Zwei Arbeiter, die der„Einladung" nicht gefolgt waren, wurden entlassen. Ferner werden die Arbeiter gezwungen, ihre Kinder auö der Wcltschnle zurückzuziehen— unter der Strafe der Entlassung... Aber mich in Paris selbst ist ein Fall von Unternehmer- druck zu Gunsten der„guten Schwestern" zu verzeichnen. In einer Fabrik mit 600 Arbeiterinnen erklärte die Direktion, am Freitag de» Vormittag denjenigen freigeben zu wollen, die gegen die Schließung der Ordensschnle der Haiesstraße zu protestieren wünschten.! Haben sich die Kongregationen in Paris dem Gesetze gefügt, so denken ihre politischen Hinter- und Vordermänner nicht daran, die geräuschvolle Agitation einzustellen. Gestern abend nach der AnS- führung der Dekrete kam es wieder zu tuniultuarischen Auftritte» im Anschluß an eine klerikal-nationalistische Protestversammlung, in welcher Fra»?oisCoppee, der aus dem Komitee der„Vater- landsliga" ausgetretene Ehrenpräsident, und Jules Lemaitre, der effektive Präsident der Liga, wieder einträchtig das große Wort führten. Die socialistischen und radikalen Organisationen hatten ihrerseits eine zweite Gegenkundgebung auf der Straße in der Nähe des Versammlungslokals der Klerikal-Nationalisten veranstaltet. Diese zweite Gegenknndgcbung wurde von der Polizei noch brutaler behandelt als die erste voin Mittwochabend, unter andern» wurde der socialistische Abgeordnete Cloois Hugues zeitweilig verhaftet. Für heute nachmittag haben Klerikale und Antiklerikale eine Kundgebung bezw. Gcgenkundgebnng auf dem Concordienplatz, in der Nähe des Elysöc-Palastes und des Ministeriums deS Jnnern, veranstaltet. Die Klerikalen laden insbesondere die„Familienmütter" ein. Als Wortführeriniie» der„französischen Mütter" im Protest gegen die „Tyrannei" geberden sich u. a. die Baroninnen R« i l I e, Gattinnen der Kohlenbarone, der knechtenden Ausbeuter des Tarn- Departements, die Znckermillionärin Lebaud y, deren Arbeiterinnen für Hungerlöhne arbeiten müssen... Es ist an der Zeit, die nüchternen Ziffern sprechen zu lassen, um zu zeige», daß das Gezeter der Klerikale», wie die Trinmphnife der Antiklerikalen in gar keinem Verhältnis zum lvirklichen Kanipf- objekt stehen. Die fürchterliche Aktion der Regierung erstreckt sich auf 2500 Schulen, die selbst nach den gewiß nicht bescheidene» klerikalen Angaben im ganzen 150 000 Schülern und— meist— Schülerinnen umfassen. Nun ist das aber ein ganz kleiner Bruchteil der in klerikalen Primarschulen»mterrichteten Kinder. Nach dem letzten Statistischen Jahrbuch Frankreichs gab es 1899 über- Haupt 3 4Z0 404 Kinder in schulpflichtigem Älter. Davon aber Ivnrden 1 583 779 Kinder in 4725 öffentlichen, von den Ge- meinden unterhaltenen Ordensschulen unterrichtet, d. h. in solchen, die bis dahin, 13 Jahre nach dem Gesetz über die Verweltlichung der Schule, noch immer nicht verweltlicht ivorde» sind. Dainit jedoch nicht genug. Die Zahl der privaten Ordensschulen betrug iin gleichen Jahre 13 755. Im ganzen gab es also 1899— 18 480 klerikale Primarschulen, deren Schülerzahl m i n d e st e» s ivohl auf dritthalb Millionen angesetzt werden darf, indem seit 1899 die Verweltlichnug der öffentlichen Ordensschnle» in demselben Schneckentempo vor sich ging wie vorher. Man sieht, wie es in Wirklichkeit um die„Vernichtung" des klerikalen Schulunterrichts durch die bisherige Regiernngs- aklion steht. Obendrein hat die Regierung von ihren Schließungs- dekreten ausgenommen: 1. Die mit Waisenasyle» und Kinderbewahr- anstalten verbundenen Ordensschnlen; 2. diejenigen Schulen, deren Inhaber ein„Schntzdckret" vorlveisen können, das die Kongregationen z. B. berechtigt, bloß ein Terrain oder ei» Gebäude zu erwerben. und mag das Schntzdckret aus der Zeit des zweiten Kaiserreichs oder der zlveiten Republik stammen; 3. die Schulen derjenigen Kon- gregationen, die nachweislich in»„guten Glauben" keine Gcnehinigung nachgesucht haben. Alle diese Ausnahmen werden die Zahl s i n n niiisse nciinn mit der g l e i ch e n Entschiedenheit und Scharfe bekämpft werden wie dienbrijiengeqncrischcn Parteien. Nach der schmählichen Haltung des Freisinns im Kreise bei der Stichwahl 1898, wo gut dreiviertel der Freisinnigen für den Mischmasch eintraten, ist eine Besiernng in dein Charakter dcS Freisinns absolut und cnd- gültig ausgeschlossen. Riegcr gicbt noch einige Fingerzeige für die Agitation und Wahlvorbercitimg und beantragt schon heute die Einsetzung des Central» Wahlkoniitces. Die Diskussionsredner sprachen sich im zustimnicndcn Sinne ans, worauf der Antrag Rieger angenommen und als Sitz fiir das Central Wahlkomitee der Ort Velten bestimmt wurde. Bei dem Punkt„Presse" werden von einzelnen Gcnosscn einige Beschwerden über die mangelhafte und»»zurcicheiide Bericht erstattniig der„Brandenburger Zeitung" zur Sprache gebracht. Auf Antrag der Genossen Müllen sie dt und Paris wird beschlossen, bei den Brandenburger Genossen den Antrag z» wiederholen: dem Wahlkreise Pötsdam-Spandnu-Ost-HavcNand S i tz und S t i ni in e in der P r e si k o in m i s s i o» der„Branden- dnrgcr Zcitinig" cinzuränmcn. Mit der persönlichen Bc gründung dieses Aiitragcs ivird zugleich Genosse Stab-Potsdam bc� traut. Zum Delegierten fiir den Parteitag wird Hoffman»- -�cctz. als sein Stellvertreter M Ü l l e n st e d t- Nauen gewählt. Auf der P r o v i» z i a l k o n f e r e n z wird der Kreis durch Schmidt- Velten, M ii l l e» st c d t« Nauen und Pieper- Spandan vertrete» sein. Hierbei machte Genosse S ch u b e r t be- kannt, das; die diesjährige Provinzinlkonfcrcnz vermutlich zivci Tage in Anspruch nehmen wird. Znm Schlusi wird Genosse Paris- Velten einstimmig als Klcis-Vertraucnsiuann tvicdcrgcwählt I Mit einem Appell an die Genossen, bei der kommenden Wählarbeit ihre» Mann zu stehen, schloß hierauf Genosse Pieper- Spandau die Konferenz. 70V 000 Flugblätter verbreiteten Sonntag früh nnsre sächsischen Parteigenosse» im Königreiche Sachse». Das Flugblatt macht die Bevölkerung darauf aufmerksam, daß der dieser Tage in Form einer Extrastener erhobene Löprozcntigc Stenerznschlag eine Folge der konservativen Parlamcutsmisjivirtschasl ist. In sehr geschickter Form geißelt das Flugblatt ferner die arbeiterfeindliche Politik Sachsens und ermahnt das sächsische Proletariat, bei den kommenden Reichstags- wählen auf dem Posten zu sein. Totenliste der Partei. In Halle starb am Sonnabend unser alter Parteigenosse, der Schnhniachcrincister Wilhelm B i c h l, im Alter von 67 Jahren. Bichl war einer der erste», die sich in Halle offen zur Socialdemokratie bekannten. Schon zur Zeit Lassa lles war er für die Arbciterbeivegung thätig, der er in unwandelbarer Treue bis zum letzten Atemzuge seine Kräfte gewidmet hat. Bichl war als Referent und Organisator das'Haupt der sich in talle regenden Socialdemokratie. Nach dem CiiiiqungSkongrcs; in otha trat er sofort mit zur gemeinschaftlichen sociald'emokratischcn Partei über. Unvergeßlich ist sein Wirke» wahrend des Socialistengcsctzcs. Als viele wankten und furchtsam ihre Parteizugehörigkeit verlengneten, da war es der alte Bichl, der nnerschrockcn den Gefahren des Ausnahme- gesetzes die Stirn bot. Zinn Gchcimkongrcß in Kopenhagen 1884 wurde von Halle ans als Delegierter entsendet. Bei seiner Rückkehr wurde er auf dem Bahnhof vom damalige» Kriniinalkommisiar Grosse verhaftet. In de» später gegen hiesige Parteigenossen angestrengten Geheimbundprozeß, der freilich kläglich im Sande verlief, war Bichl gleichfalls mit verwickelt. Hatte Bichl schon 1878 vor Erlaß des SocialistengesetzeS an der Halleschen„Freien Presse" nach Kräften mitgewirkt, bis»ach dem Erscheinen von sechs Nummern des Blattes sechs verantwortliche Nedacteure hinter Schloß und Niegel saßen, so ergriff er mit Feuer eifer die Gelegenheit, 1890 fiir die Gründung des„Volksblnttes" mitzuwirken. Auch nach dem Socialistengesetze hat er sich in jeder Beziehung als wackerer Parteigenosse bewährt, bis seit etwa zwei Jahren sein Gesundheitszustand sich merklich verschlechterte. Länger als zivci Jahrzehnte hat Bichl in allen wichtigeren Kommissionen und in den Wahlkomitees gesessen, und stets ivar er den jüngeren Genossen ein eifriger Lehrer und aufrichtiger Freund. Er war ein ganzer Mann ohne Falsch, in allen Sachen treu Die Hallesche Arbeiterschaft und alle, die ihn kenne» gelernt habe», werden des alten Vater Bichl nie vergessen. Auch in W e i ß i g bei Dresden starb ein wackerer Parteigenosse. Klemens Schäfer, der seit Jahrzehnten in seinem Orte und seiner Umgebung niit Eifer und Erfolg für die Ausbreitung der socialdeinokratischen Idee» thätig ivar. Er wurde vom Gemeinde- rate, dessen Mitglied er Ivar, zu Grabe getragen. Ans IndnsH'io und Handel. Schlickert u. Co. In Anbetracht der ungünstigen Konjunktur tu der Elektricitätsindnstrie und der Vorgänge in der vorjährige» Generalversammlung der Schlickert- Geseüschaft, in der bekanntlich die Direktion, nachdem sie noch kurz vorher eine lOwozcntige Dividende angekündigt hatte, sich plötzlich zur Erklärung genötigt sah, daß nicht an eine Dividendenverteiluug gedacht werden könne, wurde diesmal allgemein in der Geschäftswelt der Bericht über die für den 26. d. M. angesetzte vorbereitende Auffichtsratssitzung mit besonderer Spannung erwartet— zumal noch erst wieder in den letzten Tagen gemeldet ivorde» war, der Aufsichtsrat werde wahrscheinlich eine Dividende von b Prozent vorschlagen. Die Mitteilung hat sich in der am Sonnabend i» Nürnberg stattgefundenc» AnfsichlsratSsitzung alS ein völlig grinid« loses Gerücht herausgestellt. Der vorgelegte Abschluß der Gesell- schaft weist vielmehr fiir 1901/02 durch Minderbewertimg der Materialien sowie Abschreibnngen und Bildung eineS Delkrcdercsonds fiir weitere Minderbewertung in Höhe von 9 Millionen Mark einen Verlust von 15'/e Millionen Marl auf. Der am 19. August 1902 statlfindcnde» Generalversaunnlnng wird vom Anssichtsrat»rnd Vorstand vorgeschlagen werden, den Verlust durch Entnahme ans dem Reservefonds zu decken. Auch in der AnfsichtSratSsitzung der„Kontinentalen Gesellschaft für elektrische Unternehmungen" wurde die Bilanz vorgelegt. Da- nach wurde im abgelaufenen Geschäftsjahr erzielt ans Unternehmungen, Effekten»nd Zinsen 2177 023 M. Gewinn, wozu noch der Vortrag des letzten Jahres mit 125 009 M. kommt. Die Ausgabe» siir Per- waltung, Stenern und Abgaben betrage» 413 607 M., für Bank- spesen und Zinsen 1422 890 M. und für Anleihezinsen 400000 M. Von den Effekte» und Konsortialanlcihen werden als Verlust 836 796 M. abgeschrieben und fiir Kapitaltilgung und Erneuerung der Betriebsnntcriiehnnlngrn 427 109 M. zurückgestellt. Es ergiebt sich also ein Verlust von 1 198 372 M., wovon durch die Reierve 439 183 M. gedeckt werden, so daß ein schließlicher Verlust von 759 188 M. bleibt. Weitere genauere Mitteilungen fehlen bisher, und wird man nähere Angabe» darüber abwarten müssen, wie hoch sich noch die Bank- und sonstigen Verpflichtungen der Gesellschaft belaufen. auf welchen einzelne Posten Abschreibungen vorgenommen»nd welche Unternehmungen abgestoßen worden sind, um ei» Urteil gewinnen zu können, so viel'ist aber heute schon sicher, daß die Krise oder richtiger die waghalsige Expausionswnt der früheren Direktion die Gcscilschnft härter mitgenommen haben muß, als vielfach bis jetzt erwartet worden ist. Ueber die erst vor wenigen Tagen verbreitete Meldung, der Aufsichtsrat werde eine Dividende von 5 Proz. vorschlagen, weiß die „Köln. Volksztg." z» berichten, sowohl im Vorstand wie beim Aufsichtkrat beständen Gegensätze zwischen den Anschauungen und Grundsätzen des früheren Generaldirektors Wacker und eines Teils deö jetzigen Vorstandes. Ersterer und seine Anhänger vertraten die frühere BilanziernngSart. wahrend letztere Herren die Same- ning auf Grund der heutigen Verhältnisse verlangten. Hieraus entsprang einerseits die Ansicht von einer möglichen vierproze, itige» Dividende, während die Gegenseite das Vorhandensein einer erheb- lichen Unterbilanz behauptete. In der letzten Aufsichtsratssitzung siegte nach zweitägige» Verhandlungen die Gegenpartei des früheren Generaldirektors. DnS letzte Wort hat die Gcneralversammlnng. In dieser kanditiert der frühere Generaldirektor Wacker um einen Aufsichtsratsposten. Ter Morgansche Tampfcrtriist in französischer Be- lenchtung. Der„Figaro" veröffentlicht einen Artikel des ehemaligen Ministers der öffentlichen Arbeite» Bandin über den Ocea»- Trust. Bandin legt dar, daß durch den Trust die englische Flotte geschwächt und die deutsche gestärkt werde. Ferner ermögliche der Trust den Deutschen und Amerikaner», die französische Flotte z» ignorieren. Baudin betont dann namentlich die Gefahr, welche die Verstärkung der deutschen Flotte zur Zeit eines Krieges Dank dem Trust für Frankreich mir sich bringen würde und fragt sich, welches wohl die Haltung der SyndikalSgcsellschaften im Kriegsfälle sein würde. Der Trustvertrag scheine ihm eine höhere Bedeutung zu haben als die gewöhnlichen Fragen, welche zwischen Völkern verhandelt werden. ES frage sich, wie die Diplomatie einen solchen Trust verhindern könne._ Gcwevltschnftliches. Berlin und Umgegend. Der Streik in de» NilcS-Werkrn und dir Kühneinäuncr. In einer am Freitag abgehaltenen Versammlung von Arbeitern der „Niles-Wcrkc" erstattete die gewählte Kommiision Bericht über die Verhandlungen mit dem Direktor. Letzterer er- klärte, er sei schon zu weit gegangen, als er den Streikende» 40 Pf. Stundenlohn zusagte. In der TngS zuvor abgehaltenen Sitzung der vereinigten Elsenindnstriellen(Kühncmänner- Verband) habe er deswegen eine 9l ii g e erhalten! Sein gegebenes Wort wolle er min natürlich nicht brechen, aber mehr wie zugesagt könne er unter keinen Unisländen bewilligen. Wenn streikende Arbeiter einem abtrünnigen Kollegen eine Rüge erteilen, so schreien die Kühnemäinicr über den„Tcrrorisinns der Gewerkschafter"; sie selbst aber rüffeln nachdrücklichst jede» Direktor, der entgegen ihren Scharfniachcr-Satzungen mit Arbeitern unterhandelt oder denselben gar noch eine Zusage macht. Das ist natürlich keine„Einmischuug in die freien Entschließimgen eines Einzelnen", am allerwenigsten aber finden sie darin irgendwelchen „TerrorisrnnS". lim aber ihren Herrenstandpunkt den Arbeitern gegenüber in der markantesten Weise znm Ausdruck jj» bringen ordnen sie an, daß die Streikbrecher noch höhere Löhne er« halten, als die Streikenden überhaupt gefordert haben. Gciviß ein Zeichen, daß die Forderungen der letzteren keine unbilligen sind.- Hauptmann a. D. Kleffel, der bekannte Sekretär auf dem Arbeits Nachweis der Kühncmänner in der Gartcnstraße, hat sich geäußert, d a ß, w e n n d e r S t r e i k auf d e n„N i l e s- W e r k e n" bis z Ii rn 1. A u g n st nicht beendet sei, dann in sämtlichen Fabriken Berlins 25 Prozent aller Metall- a r b e i t e r ausgesperrt würden!— Einige Tage später hat derselbe Herr gedroht: Falls der Dreher streik auf den „N i l e s- W e r l e n" bis znm 15. A n g u st nicht beendet i st. s o w i r d v o n d e m A r b e i t s n a ch w c i S a n S k c i n e»> Berliner Dreher mehr Beschäftigung z n g e- wiesen, sondern nur noch von auswärts Korn« in enden!— Der Unterschied, der in beiden Drohungen liegt, läßt die Bcrmutnng zu. daß eS sich hier nur um Schreckschüsse handelt, um die Arbeiter der„Niles-Werke" zum Nachgeben zu bewegen. Doch ist es auch nicht ausgeschlossen, daß die eine oder die andre Drohung wahr gemacht wird. Unsren Kühnemännern ist es sehr wohl zuzutrauen, daß sie. um ihren Willen durchzusetzen, von 40 000 Metallarbeitern 10 000 anfs Pflaster werfen. Nun mag dem sein wie ihm wolle, die Arbeiter sehen den Maßnahmen der Unter- lichmer in Ruhe entgegen. Unterdessen scheint sich der Mangel an Arbeitskräften auf den „Niles-Werken" von Tag zn Tag fühlbarer zu machen, wenigstens läßt man dort nichts unversucht, um Arbeitswillige heranzuziehen. So versuchte Meister Heine am Sonntag in Spandau von den auf den Staatswerkstätten entlassenen Arbeitern eine Anzahl für sich anzuwerben. Doch da die Verbandskollcgen überall auf dem Posten sind, so war der Liebe Mühe auch hier vergebens. Herr Heine mußte abziehen, ohne seinen Zweck erreicht zu habe». Achtung, Bauarbeiter! Niedriger hängen müsien wir die Handlungsweise der hiesigen elektrotechnischen Firma Paul H a r d c g e n u. C o. ihren Moutenren gegenüber. Letztere halle» sich in jüngerer Zeit mehrfach gegen empfindliche Lohn- rcdnktionen zn ivehrcn. und es kam am 2. Juli d. I. eine Einigung durch Festlegung der ArbeitSbcdiiigungen zn stände, welche von beiden Parteien durch Unterschrift anerkannt wurde. Schon jetzt, nachdem diese beiderseits anerkannten EinignngS- dedingungeii noch kaum drei Wochen in Kraft waren, verweigert die Firma die Suerkenuung derselben und verlangt siir sich das alleinige Bestimmungsrecht über die ArbeitSbedingnngr» von Fall zu Fall. SS ist schwer, für eine derartige HandliuigSweise eine erlaubte Bezeichnung zu finden, und ist es ivohl den betreffenden Elektromontcuren nicht zu verdenke», daß dieselben daraufhin sofort die Arbeit wieder niederlegten. Die- selben haben vorab das Gcwerbegericht als Einigungsamt angerufen. da die persönlichen Verhaudlnngen zu keinem Resultat führten, und sind entschlossen, an den am 2. Juli d. Js. festgelegten Arbeitsbedingungen auf alle Fälle festzuhalten. Da die Firma Hardegcn«. Co. in Berlin und den Vororten auf vcr- ichiedeiien Bcmteii die elektrischen Anlagen installiert, so werden sämtliche Bauarbeiter ersucht, die Ausständigen moralisch zn unterstützen und Znzng fernzuhalten. Die Lohnkomniissioii. Deutsche» Reich. Zur AuSsperruug im Hamburger Baugewerbe berichtet Wolfis Telegraphenbureau: Die Bangcwcrks-Jmiuiigen von Hamburg, Altona, Harburg und Wandsbek hielten am Somiabendabeud eine Versammlung ab und beschlossen, daß am 29. ds. Mts. die Arbeit in den genannten vier Städten unter den von den Jnnungsnieistern früher gestellle» Bc- dingungeii wieder freigegeben werden soll. Diese Bedingmigen sind bctannllich die alten l65 Pf. und g'/e stündige ÄrveitSzeil), um deren Verbesserung die Arbeiter den Kampf begonnen haben. Da die Unternehmer zu ihre» Be- dingungen schon immer Arbeiter eingestellt Häven— jedoch nur auswärtige—, so wäre das Wesentliche des vorsiehenden Beschlusses die Freigabe der Wicdercinstcllnng von Hamburger Arbeitern. Von der Absicht, mit den Vertretern der Ausgesperrten zu verhandeln, sagt die Meldung nichts. Daß die Anwerbung niiSwärtiger Arbeitskräfte bis jetzt fort» gefetzt ivnrde. beknndet die nachstehende Meldung des Wolffschen Tclegraphenbnrcans vom 26. d. M. ans Budapest: Auf Veranlassung der hiesigen staailichcn ArbeitSvermittlnngS- anstalt wollte» heilte abend eiwa 50 Zimnicrgeselle» zum Ersätze von Ausständige» nach Hamburg und Potsdam abreisen. Bor der Abfahrt deS Zuges versuchten eine große Menge Arbeitsloser die Ab« reise gewaltsam zu verhindern und eS eiilspaliit sich zwischen ihnen und den Ziinmergesellen eine Schlägerei, bei der auch ein Bc- ainter der ArbeitsvernntUuiigSanstnIt blutig geschlagen ivnrde. Nachdem die Polizei mehrere Verhaftungen vorgenommen mid die Ordnung wieder hergestellt hatte, konnte die Abreise der Arbeiter erfolgen. Ter Lohnkampf der Maurer in Pose» ist nach einer Dauer von sechs»nd einer halben Woche beendet. Gefordert wurde» von den Maurern 45 Pf. Stnndeiilohn. Das Gcwerbegericht hat ciuen Schiedsspruch gefällt, der dahin lautet: 44 beziv. 45 Pf. Durch Versammlungsbeichluß von beiden Parteien ist derselbe angenommen. Mit diesem Beschlüsse ist zn gleicher Zeit ein korporativer Arbeits- vertrag zu stände gekontmen. Diese E r r u n g e n s ch a s t gilt als ein vollständiger Sieg der Maurer. Der Streit der Zimmerer ist noch nicht erledigt, wird aber voraussichtlich dieser Tage ebenfalls vor dem Gewerbegcricht entschieden werden. 1 Diese großen erfolgreichen Kämpfe bewessen, daß auch die- Arbeiterschaft im Osten anfängt zn begreifen, daß Einigkeit zum Siege führt. Beachtensivert ist, daß während der langen Dauer des Streiks mir vier Maurer ans den Reihe» der Streikenden zn Streik- blechern geworden sind. Znm Manrcrstrcik in Guben wird miigeteilt: Die Maurer- iiieistcr haben anscheinend wenig Glück, arbcilswillige Maurer zn erhalten. Die meisten der nach Gliben transportierte» Maurer schiit- telten den Staub baldigst wieder von ihren Füße», obwohl die Polizei alles thnt, um zu vermeiden, daß die Streikenden mit den Arbeitswilligen Fühlung erlangen. Unter polizeilicher Es- körte werden die Arbeitswilligen vom Bahnhof ans z» den Bau- Herren gebracht, welch letztere hoffen, daß dadurch die Ausklärung über die wirkliche Lage der Verhältnisse vermieden wird. Der verfemte Mctallarbeiler- Verband. Die Hedwigshütte in Viersen(Rheinland) hat Former einlassen, welche nicht in Accord (wahrscheinlich zu sehr niedrigen Preisen) arbeiten wollten. Sic sucht nun an deren Stelle andre Arbeitskräfte, welche nicht nur in Accord zu arbeiten willen? sind, sondern vor allen Dingen dein deutschen Mctallarbeiter-Verband nicht angehören und sich verpflichten, dem- selben nicht beizulreten.— Hiernach kann wohl jedernranu beurteilen, wie die Verhältnisse in jener Fabrik sind, und daß selbstbewußte Arbeiter keine Neigung verspüren, in derselben zu arbeiten. Ausland. Zum Streik der galizischcn Landarbeiter wird der Wiener„Arbeiterzeitung" aus Lemberg geschrieben: Der Streik der Landarbeiter Ostgaliziens breitet sich mit elementarer Gewalt immer weiter ans. Eine Genieinde nach der andern tritt in den Sircik. Die Schlachzizen sind deshalb in großer Aufregung und ihre Presse beschwört die Regierung, um dcS Himmels willen doch der„aufrührerischen" Bewegung ein Ende zu machen. Man suckit die Bewegung als eine Bewegung der Rutheuen gegen die Polen hinzustellen, und sonderbarerweise finden die polnische» Schlachzizen in dieser Begründung des Streiks auch bei den riithcniscbcn Nationale» Unterstützung. Diese möchten nämlich gern der Oeffentlichkeit einreden, welch' große Macht sie haben, daß es ihnen sogar gelungen ist, die Bauer» zum Streik zn bewegen, Thatsache ist jedoch, daß die Bauernbeweamig mit iialioiialcn Dingen gar nichts zu thuu hat. Die ruthenischen Natioiinlcii haben auf tein Lande gar keine Organisation, ihre Au- Hänger auf dem Laude sind nur die nitheniichcn Pfarrer, die aber zum größten Teil dem Streik feindlich gcgeniiberstchcii. Kein einziger rulhcnischcr Abgeordneter hat auch bei einer der Streikvcrsainm- luiigcn gesprochen, ja einzelne haben die Streikenden sogar be- schimpft. Die Idee dcS Streiks ist nicht von den rulhenischen Nationalen aiisgegaiigen, sondern von der Partei der ruthenischen Radikalen, die in' ihrem Programm zahlreiche socialistische Forde- rmige» haben, unter«»denn auch den Streik als Mittel dcS KarnpscS der Bauern gegen die Großgrundbesitzer. Diese Partei, deren Führer auch den Kollektivismus als Endziel anerkaiintcu, ist heute als Partei zerfallen. Ihre energischesten Anhänger auf dem Lande belciincn sich jetzt zur Socinldemokiaiie, und wenn sie auch keine eigentliche Organisation besitze», so sind sie doch die Leiter des Aussiandes. Der Streik der nilhcnischeu Landarbeiter ist, daran nuiß fest- gehalten werden, eine sociale Bewegung, die wirtschafiliche und keineswegs nationale Ursachen hat. Sie wendet sich nicht gegen die Polen, sondern gegen die Ansbenter, die allerdings nahezu aus- schließlich polnische Schlachzizen oder jüdische GiitSpnchter sind. Rutheiiische Großgrundbesitzer und rnthcuische Gntspächter giebt es eben auch in Ostgalizien fast gar nicht. Die Zahl der Streikenden läßt sich»»r sehr schwach abschätzen. Einzelne behaupten, daß jetzt schon 100 000 Landarbeiter streiken. andre schätzen die Zahl auf 50000 ein. Jedenfalls sind es viele zehntansende Landarbeiter, die im Streik stehen. Ruch über die Zahl der Gemeinden, in denen gestreikt wird, ist eine genaue Schätzung nicht möglich. Auch wcchlclt die Zahl vielfach. In dem einen Dorfe wird der Sireik beigelegt, in dem andern bricht er ans. Außerdem ist die Postverbindung eine derartige, daß inan oft von dem Ausbruch eines Streiks erst erfahrt, wenn der Streik bereits zu Ende ist. Ans keinen Fall dürste eS übertrieben sein, wenn man aniiiiiimt. daß in mehr als 150 Gemeinden, die sich auf 17 Bezirke verteilen, ge« streikt wird. Der„Raprzod", unser Krakauer Brudcrorgan. veröffentlicht an der Spitze des BlaitcS einen Aufruf an die polnischen Bauern, den rnthenischcn Bauern zn helfen. In dem Aufruf heißt es:„Die Großgrundbesitzer wollen an Stelle der Slrcikcnden Bauern auS Wcstgnlizien einführen, um ans diese Weise de» Streik zn unter- drücken. Polnische Bnncrn I Der rnthenische Bauer ist euch näher als der polnische Schlachzize. Lasset euch nicht dazu gebrauchen, euren Brüdern in den Rücken zn fallen!" Der Aufruf ist im Namen der Parteileitung der polnischen Socialdemokratie von den Genossen Misiolck und Dr. Marek unterschrieben. Zfttzte nnd Depefcheno Ter Fddarbeiter- Ausstand in Galizic». Lemberg, 28. Juli.(Meldung des Wiener Telegr.-BnrcanS.) Der Ausstand der Fcldarbeitcr, welcher vor einigen Tagen i» Galizien, namentlich in den östlichen Bezirken ausgebrochen ist. nimmt an Ausbreitung zn. Die Gendarmerie machte wiederholt von der Waffe Gebrauch. Einige Bauern wurden verletzt.� Mehrere Agitatoren sind verhaftet worden. Nunmehr ist Militär aiisgcbotc» worden. Ein englisches Blanbnch über die südafrikanische Lage. London, 23. Juli.(W. T. W.) Heute ist ein Blanbnch über die Ereignisse»ach dem Kriege erschienen. In Beaiitwortuiig einer Anfrage Cbaiiiberlains, ob 10 Proz. der höchste Satz sei, den die ärmeren Minen leisten nnd ob die reicheren Minen nicht im Verhältnis zn ihrem größeren Gewinn mehr zusteuern könnten, erklärte Milner, er sei mit einem Satz von 10 Proz. schon ganz zu- frieden. Einer ftaffclsörmigcn Taxe sei er nicht abgeneigt, doch werde sich die schwer durchführe» lassen. Am 2. Juni suchte Milner um die iofortige Ermächtigung nach, außer der Zeit eine balbe Million aufwenden zu dürfen. Dies sei erforderlich auf Grund der letzten Klausel der Uebergabebediiignngeii. Die Sache sei von solcher Bedeutung, daß, wenn nicht die grundlegenden Finanzfragen sofort geregelt würden, ein Zusammenbruch unvermeidlich sei. Darauf gab Chamberlain ain 13. Juni die Erniächlignng. Waldbrände. Paris, 28. Juli.(B. H.i Aus Lran wird gemeldet: Seit einigen Tage» stehen die Waldungen der Gemcinde Saida in Flammen; die Hitze ist fürchterlich. Die Waldungen der Gemeinden Rordad und Si-Haincd-Zcigai sind vollständig zerstört, desgleichen mehrere umliegende Dörfer. Bereits 13 000 Hektar Wald sind ver- nietet. Die Truppen sind anfgebote», um den Brand zn dämpfen. Mainz. 28. Juli.(B. H.) Die Polizei verhaftete heute vor« mittag in einem Hotel zwei jtinge Leute, ivelche verdächtig sind, hier nnd in der Umgegend in letzter Zeit bedeutende Silbcrdicbstähle ausgeführt zn haben. Einem dritten gelang es, zn cnlkominen. Schlcttstadt, 28. Juli.(93. H.) Ein Jagdunfall mit tödlichem Ausgange hat sich gestern hier ereignet. Zwei Offiziere des 8. Jäger- Bataillons begäbe» sich früh morgens auf die Jagd. Auf nn- aufgeklärte Weise entlud sich ei» Gewehr und der Schutz traf den Lieutenant Erich Stnbenraiich in den Nacken. Er war sofort tot. Madrid, 28. Juli.eitcrschutz dem Unternehmertum noch immer ein Greuel ist, dafür liefert jeder Bericht jedes Fabrikiuspcktors er- drückendes Material; nirgends läßt sich eine größere Mißachtmig des Gesetzes kouftatiereii, luie bei den Unternehmer» auf dem ge- samten Gebiete des ArbcitcrschutzcS, und nirgends zeigt sich eine brutalere Vernachlässignng der Pflichten gegen Leben und Gesundheit der Mitmenschen, als Ivie sie die Gewinnsucht des Unternehmertums gegenüber den Arbeitern zu Tage fördert. Ebenso bekannt ist aber auch, daß die Agrarier in diesem Punkte den Jndustrie-Untcrnehmern noch weit über sind. Wir haben ja leider noch keine staatliche Ucberwachung der landwirtschaftlichen Betriebe und außer der Unfalloersichcrung und den von den land- wirtschaftlichen Bcrufsgenoflenschasten erlassenen Unfallverhütungs- Vorschriften giebt es nichts, zu dessen Beachtung im Interesse der Arbeiter die Agrarier verpflichtet wären und niemand außer den Berufs- genossenschaftcn selber kann die zollhnngrigcn Herren z» irgend einer Pflichterfüllung gegenüber den Arbeitern' anhalten. Wie tvcnig die landwirtschaftlichen Unternehmer zur Verhütung von Unfällen thun, haben wir oft genug dargelegt. Jetzt kommt' auS den Kreisen der Landwirtschaft selber eine Kritik des Verhaltens der Landwirte, die nnsre bisherige» Urleile durchaus bestätigt. Der Sächsische Landeskulturrat, d.h. eine von den Lnndivirtcn selber gc- Ivählte Jntcressenvertretnng, sieht sich in seinem Jahresbericht für ISOl') veranlaßt zu erklären, daß die Landivirte ihre Vcrpflichtmigc» nicht erfüllen. Nachdem festgestellt worden, daß im Jahre 1000 in den ver- flchernngspflichtigcn Betrieben 4755 Unfälle gemeldet worden sind, heißt es: „Die Zahlen zeigen deutlich, Ivie eS noch immer an der nötigen Vorficht fehlt und wie ferner die Unfallverhütungs- Borschriften noch nicht in ausreichendem Maße beobachtet werden. Im Betriebsjahre ivnrden in 84 Gemeinden des Königreichs Sachsen 1876 Betriebe auf die Beobachtung der UnfaNvorschrifle» hin revidiert und dabei nicht weniger als 174S, daS sind C3 Proz. mangelhaft bcfnndc»." Die»reisten Ausstellungen bezogen fich, wie aus einer Tabelle darüber hervorgeht, auf die Beschaffenheit der Häcksel-, Grnnfritter- und Streustroh-Schucidcmaschinen, nämlich 1436. Tann heißt es weiter: „Diese Zahlen zeigen, wie wenig sich die Nntenlehmcr der Notwendigkeit der angeordnete» Schntzmaßrcgelu und Vorrichtungen, wie auch der unliebsaincn Folgen bewnht sind, welchen sie sich durch ihre Fahrlässigkeit aussetzen und die inGcldstrafc» für die Säumigen und der Stegreßpflicht für Unfälle bestehen, welche durch Nichtbeachtung der Unfallverhütiings-Vorschriften ver- ursacht find... Es ist mit Sicherheit anzunehmen, daß zahlreiche Unfälle zn vermeiden gewesen wären, wenn die Nnternchmer ihre Pflicht hinsichtlich der Anbringung der erforderliche» Sichernngcn gcthan hätten. Es erscheint daher der dringende Wunsch gerecht- fertigt, die Unternehmer möchten angesichts der großen Zahl von Unfällen, welche das Berichtsjahr auszuweisen hat, sich ihrer Ver- pflichtung mehr als bisher bewußt werden." Ob diese Mahnung aus den Kreisen der eigne» VeriifSgcnosscn Erfolg haben wird, ist allerdings sehr zweifelhaft. Bezeichnender- weise redet übrigens der Laudeskulturrat mit keinem Worte von einer socialen Pflichterfüllung gegenüber den Arbeitern, mit keine», Worte von einer Mcnschlichkeitspflicht, sondern nur von einer Pflicht gegen die Bernfsgenossenschaft, also gegen den Geldbeutel der beteiligten Landwirte und verweist nur ans die Folge», denen sich die Säumigen selber aussetzen. Der sächsische Laudeskulturrat kennt ivohl seine Leute und weiß, daß solche Redensarten von socialen, von Menschlichkeitspflichten doch nicht ziehen. Aber auch die Folge», denen sich die rücksichtslosen agrarischen Ausbeuter bisher anSsetztcn, werden sie nicht andren Sinnes machen. Wurde» doch, oblvohl 174S Betriebe mangelhaft befunden wurden, nur 23 Unternehmer bestraft mit zusammen 463 Ntark Geldstrafen, also mit kann, 8 Mark im Durch- schnitt. Das ist ja natürlich viel billiger als die einfachste Schutz- Vorrichtung. Ueberhaupt ist die Ursache des ganzen Elends das System. Ebenso gleichgültig gegen das Wohl ihrer Arbeiter wie der einzelne Unternehmer ist die landlvirtschaflliche BerufSgenossenschaft, der allein die Beobachtung der Schutzvorrichtungen obliegt. Ist es schon lächerlich. von 1749 straffällige» Unternehmern im ganze» nur 23 mit einem Trinkgeld zu bestrafen, so ist es ebenso kläglich, daß von den 181 941 versichcrnngspflichtigen Betrieben ganze 1876 revidiert wurden, also rund der hunderlste Teil, und daß für die ganze Ueberwachungsthätigkeit nicht mehr wie 1819 M. aufgewendet Ivnrden. Und dabei steht in diese», Punkte die land- wirtschaftliche Verussgcnosscnschaft für das Königreich Sachse»»och au der Spitze aller landwirtschaftliche» Berufsgcnosscuschaftcn. De»» außer der auhaltischcn, die für diese» Zweck»och 1099 M. ausgab, gab von den 48 landwirtschaftliche» Berufsgenossenschafte» des Deutschen Reiches keine einzige mehr auch nur einen Pfennig aus. Tie llufallverhiilung in der Landwirtschaft ist ei» großer Huinbug. lokales. Verlorene MIthe. Daß in Berlin nicht ei» Mangel an Kirchen, sondern mir ei» dem Häuflein der Frommen sehr schmerzlicher Mangel an K i r ch e n b e s n ch e r n besteht, haben wir oft ausgeführt. Eine» neuen Beweis für die Richtigkeit dieser Ansicht liefert wieder die in der letzten Nummer dcS„Evangelisch-kirchlichen Anzeiger« von Berlin" veröffentlichte st ati st Ische Uebersicht über die bei de» Berliner evangelischen Kirchen im Jahre 1901 vollzozcuen Taufe», Trauungen, Beerdigungen usw. Sie kau» als Ersatz für die leider inuncr noch fehlende Kirchenbesucher-Statistik be- nutzt werden. Die Uebersicht zeigt, daß die Bemühungen der Kirche, die Be- völkerung„nsrcs„Sündenbabel an der Spree" wieder mehr zu sich hinübcrziiziche», nach wie vor ohne wesentliche» Erfolg gebliebe» sind, zumal in den Gcmcinden der vorwiegend vo» Arbeitern bewohnten Außeuviertel. Charakteristisch in dieser Hinsicht sind be- sonders die Angaben über die Mitwirkung von G e i st l i ch e„ bei Beerdigungen. Wenn ein Todesfall eintritt, dann ver- niag ja die Kirche ihre Macht noch am ehesten und erfolgreichste» geltend zu»lache», aber in Berlin hat sie auch hier nur noch geringen Einfluß. Im Jahre 1901 wnrdc» mit Hilfe eines Pastors unter die Erde gebracht: in der Andreasgemeinde von 1036 Verstorbenen nur 467, in der AnferstchungSgcmcinde von 1316 nur 321, in der LazaruSgeincinde von 683 nur 237, in der Samaritergemeinde von 671 mir 190, in der Daukeskirchengemeinde von 627 nnr 241, in der Hcilandsgcmeinde von 1026 nur 492, in der Nazaret- Gemeinde von 1095 nur 520, in der Friedenskirchen-Gcnieinde von 643 nur 236, in der Gethscinnnc-Gemcinde von 1142»»r 394, in der Panls-Gemcinde von 1136 nur 508, in der Emmaus-Gemeinde vo» 1870 nur 627 usw. Unter den hier angeführten Gemeinden ist keine, in der auch nur die Hälfte der Verstorbenen unter Mitwirkung eines Geistlichen beerdigt Worden wären. In manchen Gemeinden *) Jahresbericht über die Landwirtschaft im Königreich Sachsen für das Jahr 190l. Herausgegeben von, Landesknltnrrat für das Königreich Sachsen. Dresden. G. Schönfelds Verlags- Buchhand- lnng. 1902. Ks.Fmirls" sinkt dieser Anteil auf ein Drittel, in einigen noch unter ein Drittel. in der Auferstchungs-Gemcinde auf weniger als ein Vierteil Mit den Kommimionen. der Beteiligung am Abend- mahl, sieht es ebenso ans. Die Mnrien-Gemeinde hatte bei 5410 Seelen 2919 Kommunikanten, Friedrichswerder bei 3827 Seelen 1832 Kommunikanten, die Domgemeinde bei rund 11000 Seelen 4011 Kommunikanten. Das sind Gemeinden ohne nenncns- werte Arbeiterbevölkenmg. Dagegen hatte die Andreasgemeinde mit 55 252 Seelen nur 7729 Kommunikanten. Emmans mit 100 634 Seelen nur 9927, Heilig Kreuz mit 104911 Seele» nur 11431, Johannes mit 70 000 Seelen nur 8023, Heiland mit 40 000 nur 6785. Der Zahl der Taufen und der kirchlichen Trauungen, die die Uebersicht enthält, ist leider nicht die Angabe hinzugefügt. wie groß in den einzelnen Gemeinden die Zahl der Geburten und aller Eheschließungen war. Wäre daS geschehen, so würde sich auch hier zeigen, daß alle Mühe der Kirche und ihrer Diener, sich die Arbciterbevölkerung Berlins zurückzuerobern, vergeblich ist. Der„Evangclisch-kirchliche Anzeiger" bemerkt zu der Uebersicht: „Daß in solchen Massengemeinden, wie sie Berlin leider besitzt, die Zahl der Taufen, Trauungen, Begräbniffe unter Mitwirkung des geistlichen Amies und Konfirmationen im allgemeinen nicht so groß gewesen ist, wie sie sein sollte, ist vollkommen begreiflich. Der Z u s a ni ni e n h a n g mit der Kirche i st teilweise vollkonrme n verloren gegangen; in vielen Fälle» beschränkter sich auf die a l l e r ä n ß e r li ch st e F o r m." Wenn das nnsre Frommen selber sagen, dann wird cS wohl wahr sein. Dem genannten Blatt„beweisen" diese Zahlen„die schon oft ausgesprochene Wahrheit, die aber immer wieder ausgesprochen werden muß, daß es nicht eher besser wird in Berlin mir den kirch- lichcn Verhältnisse», als bis die großen Gemeinden geteilt werden, kleinere übersichtliche Kreise geschaffen werden, in denen ein Geist- sicher waltet, Scelsorge treibt mit kirchlich intcressierten Laien." Ob es dann wirklich„besser" werden wird? Das Mittel wird ja schon angewandt! Fortgesetzt sind in Berlin die großen Gcmcinden geteilt worden, sind die Kirchen und die Geistlichen ver- mehrt worden, und es ist dennoch nicht. bester" geworden. Ter „Evangclisch-kirchliche Anzeiger" sagt selber:„In manchen Ge- meinden ist die Zahl der Kommunikanten, trotzdem die Zahl der Geistlichen gewachsen ist, z n r ü ck g e g a n g e n". Da wird es wohl noch sehr lange Wege haben, che die Hoffnung, daß„die Kirche wieder eine Macht werde, ja die wirksamste Macht ini Volksleben auch der Großstadt, in Erfüllung geht. Daß nur den Dienern der Kirche und ihren Getreuen die Zeit nicht lang wird! „Zweierlei Tuch geht vor". Zu der Nachricht, daß in Ehar- lottcuburg ein an der Spitze seiner Compagnie durch die Straßen marschierender Hauptmann den Vortritt selbst vor der Feuerwehr, die feinen Weg kreuzte, beansprucht habe, wird jetzt gemeldet, daß nach de» geltenden polizeilichen Bestimmungen jedermann vor der Feuerwehr Halt zu machen hat, auch das Militär. Nicht der die Feuerwehr führende Brandmeister, der daS Halt gebietende Zeichen de» Hauptmanns unbeachtet gelassen hatte und dessen Bestrafung von dem Hauptmann gefordert' worden war, sondern der Hauptmann selber habe sich strafbar gemacht. Da sind wir wirklich neugierig, was nun dem Hauptmann geschehen wird. Größere Sauberkeit. Ein Abonnent des„Vorwärts" unter- breitet unsren Lesern folgende beherzigenswerten Anregungen: Der Amtsausschnß in Hermsdorf hat eine Verordnung erlaffen, »ach welcher Verkäufer vo» Backwaren und andren RahrungS- und Gcnußniittcln, die zum Verzehren fertiggestellt sind, den Käufern nicht gestatten dürfen, die Waren zu betasten. Eine gleiche Per- ordnnng besteht leider für Berlin noch nickit. Verschiedene Bäckereien vcrbiclen ja diese Art des AuSsnchens schon, aber bei weitem nicht alle. Eine dahingehende Polizciverordnnng käme aber auch nur den Konsumenten zn Hanse zn gute. Den Gästen der meisten Reslanrants wäre damit noch nicht gedient. Da liegt im Korbe die Hälfte eincS großen Brotes. Nach Bedarf schneiden die Gäste davon ab; jeder faßt es mit nicht immer ganz sauberen Händen an. Ehe das Brot verbraucht ist, hat es eine erhebliche Anzahl vo» Leuten berührt oder auch ans Herz gedrückt. Dabei kann man täglich beobachten, daß nur ein geringer Prozentsatz der Gäste die in einem besseren Nestanrant gebotene Waschgelegenheit benutzt. Es unterliegt wohl keinem Zweifel, daß auch auf diese Weise ansteckende Hautkrankheiten verbreitet werden können. Darum fort mit den großen Broten, kleine Schwarzbrötchen erfüllen denselben Zweck. Die Gäste müßten hinwiederum nnr die Augen anssnchcn lassen und ein aufgenommenes Brötchen nicht wieder zurücklegen. Noch ein andrer Mißstand wäre zu bemängeln. Die Polizei hat�s.Z. die Anbringung von Spülwaimen niit Zu- und Abfluß au- geordnet. Der gute Zweck wird aber doch nicht voll erreicht. Die zn frischer Füllung ans Buffett gebrachten Gläser werden flüchtig ein-, zweimal untergetaucht und dann unter den Hahn gehalten. Die Untersätze, besonders die von Filz, sind doch wirklich nicht sauber. Was durch das Wasser in der Wanne abgespült wird, hilft die nächsten Gläser verunreinigen. Diese Art Säuberung ist unappctitliib und sicher nicht geeignet, eine Anstcckmig zu verhindern. Die gebrauchten Gläser müßten unter fließendem Wasser gereinigt werden. Und die Servietten I Nachdem die Mittagsgäste sich ver- zogen haben, kann man beobachten, ivie die gebrauchten Tücher an« gefeuchtet, zusammengefaltet und der„Schnellpresse" übergeben werden. Bald fchmückcn sie in zweifelhafter Weiße die Tafel. Wenn die Hin- gäbe stcls frischer Muudlücher zu kostspielig ist, warum bietet man da nicht Papierservietten, die doch wenigstens den Vorzug haben, nicht»uappctitlich zn sein. Auf besonderen Wunsch könnte dann auch gegen ein kleines Entgelt ein absolut frtschcS Mundtuch gebracht werden. Das Pnblikmn muß auch i» dieser Bezichnng auf eine bessere Lebenshaltung hingewiesen werden. Neu» Boote gekentert. Das stürmische Wetter brachte gestern nachmittag auf dem Seddin see dreißig Menschen in schwere Lebensgefahr. Trotz des scharfen Windes, der namentlich durch seine Böen von Zeit zu Zeit gefährlich wurde, lagen auf dem weiten freien Gewässer zahlreiche Segelboote und auch vereinzelte Ruder- boote. Mit gewaltiger Kraft setzte bald nach Mittag eine Bö ein und strich etwa dem Roackschen Restanrant Seddinsee der Länge nach über den See nach Ztviebnsch und den Gosencr Bergen zn. Was der Sturm auf feiner Bahn traf, streckte er glatt nieder. In wenigen Minuten kenterten acht Segelboote und ein Ruderboot, und eine Viertelstunde lang kämpften 30 Männer und Frauen mit den Wellen des tief aufgewühlten Gewässers. Die»leisten Schiff- brüchigen, durchweg Berliner, waren de« Schtvimmcns kundig und retteten sich selbst, andre wurden durch die Hilfsmannschaften eines Segelbootes, eines Dampfers und niehrerer Kähne nach an- strengender Arbeit in Sicherheit gebracht, bis auf einen Mann, der in den Fluten seinen Tod fand. Seine Leiche ist noch nicht gefunden. Wer der Ertrunkene ist. konnten wir nicht mehr ermitteln, in der Aufregung wurde er nicht gleich festgestellt. Wie es heißt, wäre auch er ivohl noch gerettet worden, wenn er nicht unter einen Dampfer, der ihm zu Hilfe kommen wollte, geraten wäre. Schiffer wollen gesehen haben, daß noch eine zweite Person untergegangen «nd nicht wieder zum Vorschein gekommen sei. Die bisherigen Er- Mittelungen haben aber diese verineintliche Wahrnchmimg nicht be« stätigt.— A, DitlislG, 29. Jiili 1902. Attentat auf eine» Stadtbahuzug. Ein nichtswürdiger Buben- streich ist in der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag auf der Stadt- bahn verübt worden. Als der um 12,50 Uhr auf dem Bahnhof Charlotteuburg fällige Stadlbahnzug die Strecke Savignhplntz— Charlottenburg durchfuhr, wurde aus einem Hinterhause der Kant- straße ein scharfer Gewehrschuß abgefeuert. Die Kugel schlug wenige Zoll unter einem der rechtsseitigen Fenster des letzten Wagens mit starkem Knall ein. Der Insasse jenes gefährdeten Abteils, Herr Theatcrsekretär Treumann, erstattete sofort»ach Ankunft dcS Trains in Charlottenburg bei dem dienstthncnden Stationsbeamtcn Anzeige. Da die Kugel, wie eine Besichtigmig des Wagens ergab, die starke Bekleiduna desselben eingedrückt hatte und dann abgeprallt tvar, wurde sogleich die Strecke nach dem Geschoß abgesucht. Die Nachforschungen, welche auch noch am Sonntagmorgen fortgesetzt wurden, blieben leider erfolglos; das Geschoß konnte nicht anfgefimden werden. IlebrigenS ist iii den letzten Monaten an derselben Stelle schon öfter auf Stadt« bahiizüge scharf geschossen worden, und es wäre wünschenswert, daß die Nachforschungen der Polizei nach dem bübischen Attentäter endlich Erfolg haben würden. Wie gefährlich cS ist, auf kleine Verlehnuge» nicht zu achte», zeigt wieder eine Pergiflnng, die sich der 43 Jahre alte Händler Karl Ellert ans der Putbuserstr. 14 zugezogen hat. Der Mann schnitt sich beim Kartoffelschäleii in einen Finger der linken Hand und legte der kleinen Wunde keine Bedcntnng bei. Am Sonn- nbend-Nachmiltag mußte er in ein Krankenhaus gebracht werden, da sich infolge einer Verunreinigung der Wunde Blutvergiftung ein- gestellt hat. So droht dem Unvorsichtigen ans einer Geringfügigkeit die schwerste Lebensgefahr. Vermißt wird seit drei Wochen der Grenadier Paul Victz von der 2. Compagnie dcS Regiments Kronprinz zu Königsberg, ein Sohn der Waschfrau Witwe Victz aus der Boycnstraße 14. Der junge Mann diente im ersten Jahre und schrieb seiner Mutter wieder- holt, daß er die beste Behandlung habe, die er sich nur wünschen könne. Am Senntag vor drei Wochen verließ er die Kaserne, um ein Vergnügen mitzumachen, und ist seitdem verschwunden. Auch seine Mutter, die vom Truppenteil benachrichtigt wurde, hat nichts mehr von ihm gehört. Tic Sclbstiiiord-Chronik ist in den letzten Tagen wieder reich- haltig. Schulden trieben den Burcaudicuer Franz Ster» aus der Georgenkirchstr. 67 in den Tod. Sterz war in einem DampfschiffahrtS- Bureau am NeichstagS-Ilfer angestellt und hatte Gelegenheit, den Gastwirten der Nachbarschaft viele Auswanderer' zuzuführen. Dafür gewährte» sie ihm Kredit und Darlehen, ohne daß einer vom andern etwas wußte. Als sich aber schließlich herausstellte, daß er sie alle angeborgt halte, mahnten sie ihn gemeinsam. Das ver- aulaßle den' Manu, sich in seiner Wohnung au der Tbürklinke zu erhängen.— Der 56 Jahre alle Maurer Wilhelm Hoffmann auS der Schsicmnimftr. 7 ivar seit drei Jahren nervenkrank und arbcitS- unfähig, konnte aber mit Nnlerstiitziing seiner gut gestellten Kinder ohne Sorgen leben. I» einem Anfall seines Leidens erhängte er sich am Sonnabendabend.— Der 51 Jahre alte Arbeiter Robert Kühn, der in der Amalienstr. 7 in Schlafstelle wohnte und als Ab- träger in der Central-Markthalle beschäftigt war, hatte früher so stark getrunken, daß sich seine Frau vor zlvci Jahren von ihm trennte. Nun fühlte er sich verciusamt, wurde lebeusübcrdrüssig und griff in der Nacht zum Sonntag zum Strick. Auf einem Zettel, den er hinterließ, hatte er geschrieben, daß seine Schwiegermutter an allem schuldsei.— Ans dem Landwehrkaunl wurde am Sonnabend ani Gartenufcr die Leiche eines jilnge» Mannes gelandet, der noch nicht festgestellt werden konnte. Er ist 1,57 Meter groß, hat kurz geschorenes blondes Haar und kleinen blonden Schnurrbart und trug ein brauneö Jackett, graue Beinkleider und Westen, ein weißes blangestreiftes Leinen- Hemd, braune Strümpfe und Gumniizngstiefel. Sein weißes Vor- Hemd ist H. O. gezeichnet, ei» Hosenträger dagegen Musketier Hoffmann. Di« RegimenlSiinmmer, die hinter dem Namen auf- genäht ist, kann man nicht sicher mehr entziffern; sie scheint 30 oder 50 zu sein. Gin schwerer Straßcubahnmifnll trug sich am, Sonntag- vonnittag um 9�/4 llhr in derl Juvalidcnstraße zn. Der lOjährige Sohn Gustav des Schncidermcisters SalcwSki ans der Invaliden- straße 126 hatte für seinen Vater einen Gang zu machen und nahm seinen 5 Jahre allen Bruder Karl mit. Dieser erschrak vor dem Hanse Nr. 145 vor einem großen Hunde und lief rückwärts in einen Straßenbahnivngcn, der von Moabit nach der Kastanien-Allee fuhr. Da der Führer den Wagen nicht mehr zeitig genug zum Stehen bringen konnte, so riß er den Knabe» um und schleifte ihn unter der Plattform ein Stück Weges niit. Der Verunglückte erlitt sehr schwere Verletzungen am Kopf, an den Schultern und an den Beinen. Er wurde in fast' hoffnnugslosem Zustande niit einer Droschke nach dem LazaruS-Krankeuhause gebracht, wo er gestern abend noch be- wußtlos daniederlag. Unbekannter Toter. Am Sonnabend gegen 9 Uhr abends fiel ein feingclleidctcrHcrr plötzlich in der Alexanderstraße. nahe den, Alcxandcrplatz, auf dem Bütgersteig leblos hin. Da der hinzu- gerufene Arzt nur den Tod durch einen Herzschlag feststellen konnte. to brachte ein Schutzmann des 20. RcvicrS die Leiche»Uttels Droschke nach denr Schanhanse. lieber die Persönlichkeit des Tote» ließ sich nichts feststellen, da derselbe keinerlei Papiere bei sich trug; dem Acußcren»ach zn urteilen schien der Verstorbene den besser situierte» 5kreiscn anzugehören. Ei» iutcrcssautcö Schauspiel wird sich am Sonntag, den 3. August, in dem beliebten Ausflugsort Fricdrichshagcn mit seinem herrlichen Müggelsee den Berlinern bieten. Arbeiter-Sportfcstl Vielen ist leider der Sport nur als Unterhaltung der besitzenden Kreise bekannt und ihnen erscheint die Ausübung desselben durch Arbeiter geradezu überflüssig. Da ist eS angebracht, auf das Urteil ärztlicher Autoritäten hinzuweisen, daß das Ruder», Radfahren. Segeln, Schlviuimen usw. der Gesundheit in hohem Grade förderlich ist, und da Gesundheit da« höchste Gut auch deS Arbeiters ist, so mag sich mancher die Frage vorlegen, ob er in Zukunft seine wenigen freien Stunden dazu dcnntzen will, i» schlechter Großstadt- und Kneipen- tust seinen Körper widerstandSmifähig zu machen oder ihn in frischer Luft und gesunder Ausarbeitung zn stählen und zu kräftigen. Gelegenheit dazu bietet der kommende Sonntag. Ivo die betreffenden Vereine zeigen werden, welche Macht der Arbeitersport ans kleinen Anfängen heraus geworden ist. Ob zu Wasser oder zu Lande, alle Werden sie wetteifern, mn das Fest zn einem großartigen zn ge- stalten n»d neue Genossen ihren Reihen zuzuführen im Interesse der Arbeiter selbst.. Berichtigung. Im Inserat der Sonntags-Rummer ist irr- tümlich ei» Schlnßtermi» für de» Dainpferbillct-Vorvcrkauf angegeben. Der Vorverkauf findet bis zum Tage des Festes statt.(AlleL Nähere siehe Inserat.) Fenerbericht. In der Wohnung des BicrvcrkcgerS O. Frickert, Nitterstraße 100, kam Sonntagabend gegen 10 Uhr ein Schadenfeuer ans, das fast die gesamte WohnnngS-Einrichtmig einäscherte. F, war mit seiner Familie schon kurz»ach Mittag von Hause weggegangen und fand bei seiner Rückkehr die ausgebrannte Wohnung vor. Die Ent- ftehungS-Ursache des Brandes ist nicht ermittelt.— Borher brannten Nostizstraße 20 Kisten und Kohle» im Keller.— Riidersdorferstr. 16 war ein Küchenbrand abzulöichen.— Fußboden und Balkenlage wurden Gerichtstrnbe 36. Tieckstraße 7 und Kaiser Wilhelmstrabe 18 eingeäschert.— Kleinere Brände ivnrden noch von Metzcrstraße 88, Jiivalidenstraßc 137 und Putbiiserstraße 47 gemeldet.— Montagnachmittag hatte die Wehr in zwei Fällen Wasser zu geben und zivar Zehdenickcrsftaße 12, Ivo ein Stubenbrand, und Brückenstraße' 15. wo ein KcNerbrand abzulöschen war. Mittag standen Engel-Ufer 1d Regale und Kartons in Flammen. Große Franlfnrterstr. 5 mußte ctivaS später ei» Zimmcrbrand beseitigt werden, der Betten»nd Zu gleicher Zeit wurden Münchebergerstr. 21' Gerünipel in einem Verschlage durch Feuer Möbel einäscherte. Kleidungsstücke und zerstört. Der Orgelvortrag des Musikdirektors Otto Dienel in der Marienkirche am Mittwoch, den 30. Juli, mittags 12 Uhr, bietet Kompositionen von Bach, Tartini, Schubert, Mendelssohn, Schumann, Alb. Becker, Guitmant, Georg Henschel und Dienet, die ausgeführt werden von Frl. Margarete Schmidt, Frl. Marga Lemmerhirt, Herrn Georg Diburtz, Herrn P. Heuer und Herrn Dienet. Der Eintritt ist frei. Aus den Nachbarorteir. Gehaltserhöhungen„oben" und Lohnznlagen„nuten". Man schreibt uns aus Schöneberg: Mit Hängen und Würgen hatten bekanntlich nnsre städtischen Arbeiter, die der Straßen- reinigung zugeteilt waren, vom 1. April d. I. ab eine Lohnzulage von 25 Pf. täglich erhalten. Das bedeutete eine Erhöhung des Ein konnnens von 3,50 M. ans 3,75 M. In Anbetracht der wahrlich nicht beneidensivertcn Beschäftigung und noch dazu bei zehn- bis elfstündiger Arbeitszeit ein gclviß nicht zu großen Ansprüchen ver- lockendes Einkommen. Berücksichtigt man die nicht stets ganz einivandsfreie Beanß sichtigung und ein gewisses Abhängigkeitsverhältnis, wodurch mancher Liebedienerei Thür und Thor geöffnet iverden, so erklärt sich die große Scheu vor der Annäherung inisrer städtischen Arbeiter an be� stehende oder der Schaffung eigner Organisationen. Jedenfalls aber wird auch jene Kategorie der städtischen Angestellten diesem Gedanken mit der Zeit ernsthaft näher treten müssen, wenn sie nicht wieder auf das„gute Herz" der oberen Kommunalbehörden sich verlassen will. Denn trotz früherer Petitionen um Erhöhung ihres kärglichen Lohnes mit dem Hinweis ans die verteuerte Lebenshaltung wollte keine Besserung eintreten. Da plötzlich bei der diesjährigen Etatsbcratung(es sollte der Millionensegcn der Englischen Gasgesellschaft über die Stadt ausgeschüttet werden) schien die Stim- mung für die mit am schlechtesten bezahlten städtischen Angestellten umzuschlagen: sie sollten ans dem genannten Füllhorn auch ihren Antheil haben; freilich war er nachher nur recht bescheiden. Der diplomatische Vertrag mit der Englischen Gasgescllschaft kam zu stände und— die Arbeiter hatten ihre 25 Pfennige täglich weg I— Die Mehrbelastung des Etats betrug annähernd 4Z0V Mark bei ungefähr 7« Arbeitern. Auf der andern Seite freilich schien Bescheidenheit nicht am Platze zu sein. Die Gehaltspositioncn mit den, Teuerung s- und etatsinäßigc» Zulagen" der ersten Beamten wurden denn auch— freilich in„geheimster" Sitzung— mit der nötigen Gründlichkeit erledigt. Das Gehalt des ersten Bürger meisters, das ans eine gclvisse Amtszeit bekanntlich fest normiert ist und sich infolge dessen ohne weiteres nicht erhöhen kann, betrug bisher einschließlich Mictseiitschädignng 14 100 M. Zur Abrundung wurde dasselbe von der Mehrheit auf 17 000 Mark erhöht, also ein Mehr von 2900 M.. d. i. eine wöchentliche Zulage von ca. 53 M.— Das Gehalt deS zweiten Bürgermeisters, das unter denselben Bedingungen vorher 10 000 M. betrug, erhöhte man um 1600 M.— Das Gehalt des Stadtbaurats Egeling, das sich von drei zu drei Jahren um je 500 M. erhöhen soll, steigerte man gleich um 1660 Mark; dasselbe beträgt jetzt 9000 M. Von fünf Beamten allein betrug die Erhöhung der GehaltSpositio» gegen 9600 Mark.— Hier wochenlange Ferien— dort der all- tägliche Straßenstaub. Das nennt man dann„ausgleichende Gerechtigkeit". Haltung von Bürgersteigen ist vom KreiSausschnß des KreiseS Nieder-Barnim genehmigt worden und tritt mit dem 21. Juli d. I. in Kraft. Die Koste» haben die Adjacenten zu 3/4 und die Gemeinde zu �4 zu tragen. Die Beiträge haben die Natur öffentlicher dring- licher Abgaben und unterliegen der Beitreibung im Verwaltungs- Zivaugsverfahren nach Maßgabe der Verordnung vom 15. Ro- vcmber 1899. Hoffen Ivir, daß obiges nicht auf dem Papier steht, sondern das hiesige„Hühneraugen-Pflaster" bald beseitigt ist.— Die Nichtgen eh migung des Ortsstatuts betr. die Ausdehnung der Kranken-Versicherungspflicht ans die H a u s i n d u st r i e l l e n inid Heimarbeiter seitens des Kreisausschusses hat hier allgemeine Verlvunderung hervorgerufen Der Grund, für alle Orte um Berlin die Versicherungspflicht gleich zeitig anzuordnen, bezweckt wohl nur, diese Sache i n d i e L ä n g zu ziehen oder aber ganz verschwinden zu lassen. Es wäre er wünscht, wenn alle Arbeitervertreter, so weit es noch nicht geschehen. einen diesbezüglichen Antrag an die Gemeindevertretuiigeu zur Be- ratung und Annahme stellen, denn für die einzelnen Gemeinden sowohl wie für die betreffenden Arbeiter selbst wäre die Ver stcherungspflicht von Vorteil. Die Fälle sind zu häufig, wo erkrankte Heimarbeiter den Gemeinden zur Last fallen und die Krankenhäuser ihrer Aufnahme Schwierigkeiten in den Weg legen, weil keine Krankenkasse für sie eintritt. Znguterletzt gehen sie' auch noch ihres Wahlrechtes verlustig. Johaunisthal. Der Kanalisations-Zwcckverband für die Gemeinden Johannisthal, Nieder-Schöncweide, Adlershof, Grünau und Glienicke bedeutet für die betreffenden Gemeinden eine schwere Vc lastung. Einzelne Gemeinden werden bis an die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit belastet. Durch das Ausscheide» der Gemeinde Treptow, Ivelche an die Berliner Kanalisation angeschlossen wird, aus dem Zweckverband werden die Kosten für die übrigen Gemeinden bedeutend vergrößert, dazu kommt noch, daß zur Vervollständigung des vorhandenen Terrains noch ein größerer Komplex angekauft werden mußte. Auch die Verwaltungskosten stellen sich erheblich höher. So sind demVorsitzeuden dcsZweckverbandes.dcmGemeindevolsteherTeitge in Nieder-Schönetveidc, welcher dies Amt als Ehrenamt verwaltet. anstatt der vorgesehenen 1000 Mark pro Jahr 2400 Mark bewilligt worden und für eine erste und ziveite Schreibhilfe iv'citcre 1500 Mark pro Jahr. Noch ein andrer Umstand giebt der Gemeinde Veranlassung zu ernsten Besorgnissen. Das zu den Berieselungszwecken angekaufte Gelände, dessen Ankauf seiner Zeit niit einer gewissen Hast durch gesetzt wurde, hat sich als äußerst lehmreicher Boden er- wiesen, so daß Schwierigkeiten, wie sie Charlottcnburg niit seinen Rieselfeldern hat, nicht ausgeschlossen sind. Wenn nun auch die Kanalisation die Vorbedingung für die weitere günstige Enttvicklung der betreffenden Orte ist, so bedeutet sie auch zugleich eine weitere wesentliche Erhöhung der Kommunolabgabcn, die in einzelnen Orten jetzt schon sehr hohe sind. Für Johannisthal dürfte eine Erhöhung des Steuerznschlags, der jetzt 180 Proz. beträgt, auf über 200 Proz. zu erwarten sein, ohne die zu erwartende Miels- steigerung, da ja die Hausbesitzer den größten Teil der Mehr belastung auf die Mieter abwälzen Iverden. Für die Einwohner also wenig erfreuliche Aussichten, zumal die Mieten sich jetzt schon von den Berliner Preisen wenig unterscheiden. Die Charlottenburger Stadtverordnete» sind zum Mittwoch zu einer außerordentlichen Sitzung einberufen. Auf der Tagesordnung steht als erster Punkt die Vorlage, betreffend Nach' bewilligung von Mitteln für den Bau des� rieireu Kranleiihanses. Es handcll sich um eine Forderung von 27 100 Mark zur Ansführnng der Dampfkesfelanlage sotvie der Haupt-Dampf- und Kondcnslcitungen über die bereits bewilligte Summe hinaus. Die 27 100 Mark sollen der Anleihe von 1899 entnommen werden.— Die zweite Vorlage betrifft die Bewilligung von 1300 Mark aus den laufenden Mitteln der Gasanstalts-Verwaltung als Miete für weitere Verwaltungs- und Magazin-Lagerränme. Ein städtisches Mädchen- Gyninasinm wird jetzt auch m Charlottenburg errichtet, nachdem nunmehr beim dortigen Magistrat die Erlaubnis dazu vom Ministerium eingetroffen ist. Das Gym- nasium soll sechs Klassen erhalten und nur Mädchen vom vollendeten 12. Jahre an aufnehmen. Ein gemeinsamer llnlerbau mit der schon jetzt bestehenden städtischen höheren Mädchenschule soll geschaffen werden, wonach die Absolventen der 4. Klasse auf Wunsch nach der Tertia des Gymnasiums versetzt und dann bis zur Ober- Prima einen sechs- jährigen Lehrgang zu durchlaufen haben iverden. Der Chorlottcnbnrgcr städtische Arbeitsnachweis ist mit der Schulvertvaltung und der Waisenpflege derart in Verbindung gesetzt, daß die zur Entlassung kommenden Schüler sowie die Pfleglinge der Wniscnverwnltnng geraume Zeit, bevor sie in die Lehre zu treten wünsche», dem Arbeitsnachweis gemeldet werden. Dadurch verfügt der städlische Arbeitsnachweis jeder Zeit über eine größere Zahl von Lehrlingen. Während ini allgemeinen über Lehrlingsmaiigel geklagt wird, ist aber geradezu ein Mangel an offenen Lehrstellen zu verzeichnen, weil in den Kreisen der Lehrmeister die neue Einrichtung noch nicht genügend bekannt ist. Zur Zeit sind 153 Knaben, die in die Lehre treten wollen, angemeldet. Für die Pfleglinge der Charlottenburger Waiscnverwaltung sind Lehrstellen mit freier Kost und Wohnung erwünscht. Ein tödlicher Unfall, der in seinen Ursachen noch nicht auf- geklärt ist, hat sich am Sonntagnachmittag um i/W Uhr auf dem Victoria Luise-Platz in Schönebcrg ereignet. Der Straßenbahn Schaffner Brandenburg, welcher den Rangierivage» Nr. 1750 bediente, wollte die Kontaktstange umlegen und trat zu diesem Zweck zwischen seinen Waggon und die Vorderplattform des Motorivagens 2132 der Linie Görlitzer Bahnhof— Victoria Luise-Platz. Plötzlich gerieten die Wagen aneinander, wobei B. zivischen die Wände dcrPlattfornr gequetscht wurde. Er erlitt einen Bruch des rechten Oberschenkels, eine Quetschung deS linken Unterschenkels und schwere innere Verletzungen. Der Verunglückte wurde, nachdem ihm auf der Unfallstation die erste Hilfe zu teil geivorden, nach dem Elisabeth-Krankeuhause geschafft, woselbst er gegen 11 Uhr abends verstarb. Die sofort eingeleitete Untersuchung hat bisher keine Aufklärung über die Ursache des Unfalls ergeben, umsoivenigcr, als von den Zeuge» niemand anzugeben vermag, welcher der beiden Wagen in Bewegung gesetzt worden war. A«S Rixdorf. Bei einer braven That verunglückt ist am Sonntagabend der Arbeiter Karl Roche aus der Schöncweidcrstr. 12 hierselb'st. A. sah, tvie ei» dmchgehendcs Fuhrwerk die Grcuz-Allee dahergejagt kam. Uni Unheil zu verhüte», versuchte St das Gespann aufzuhalten, kam aber dabei zu Fall, ivurde überfahren und erlitt einen Knöchclbruch. Nachdem er i» der Unfall- station einen Verband erhalten, wurde der Verunglückte nach dem Britzer Kreis-Lkrnnkcnhnus geschafft. Fast auf gleiche Weise kam Tags zuvor der Stuccatenr Koch aus der Sleiumetzstraße zu Schaden. Auch dieser versuchte ein durchgehendes Gespann aufzuhalte», fiel dabei zu Boden und erlitt einen Armbruch. Bei eiuci» Unfall erlitt der 42 Jahre alte Ardeiter Neinhold Tholi, Thomasstr. 4 wohnhaft, vor kurzem eine schwere Kopfverletzung. Seitdem litt der Bedauerns- werte zeitweilig an Geistesgcstörtheit. I» einem solchen Anfalle hat sich Tholi am Sonnabendabend in seiner Wohnung erhängt.— Wegen Sittlichkeitsverbrechens, begangen an einem achtjährigen Mädchen, wurde gestern der Arbeiter'Wilhelm Swatt ans der Ziethen- straße 62 verhaftet. Wegen eines ähnlichen Vergehens ist S. bereits mit Zuchthaus vorbestraft. Ncn-Wcisjensce. Das von der Gemeindevertretung unterm 16. Juni d. I. beschlossene Ortsstatut über die Anlegung und Unter- Bootsnngliick. Am Sonnlag nachmittag 4 Uhr nahmen bier junge Leute(zwei Damen und zwei Herren) im Alter von 18 bis 20 Jahren in Schildhorn, Restaurant von Ritzhanpt, einen sogenannten Tretmotor und machten eine Wasserpartie. Gleich hinter Schildhoru machte ein 18jähriger junger Mann, in Schönebcrg ivohnhaft, ivclcher zu obiger Gesellschaft gehörte, einige Knuststückc und siel dabei ins Wasser. Die Zurückgebliebenen ivollten Hülfe leislen, aber N. nicinte, er könnte schwimmen und gleich darauf verschwand er im Wasser, ohne wieder zum Vorschein zu kommen.— Ein weiteres Unglück ereignete sich gestern nachmittag in Wilhclmiuenhof. Dort hatte ein Tischler Arthur Mittelstädt mit einem Freund ein Boot geliehen. Bei Ostcnde ivollte M. ein Bedürfnis verrichten. Dabei fiel er über Bord und ertrank. Tic Nnvorsichtigrcit der Frauen beim Reinigen von Fenster- scheiben hat gestern einen beklagenswerten Unfall herbeigeführt. In der Bahnhosstraße zu Nummclsbnrg stürzte eine Frau Berndi beim Scheibenpntzen zum Fenster hinaus.' Im Krankenhause am Friedrichs- Hain, Ivohin man die Verunglückte schaffte, wurde ein Bruch der Wirbelsäule festgestellt, so daß sie hoffnungslos daniederliegt. GovidikS-'Ssitmtg. Zwei Anklage» wegen versuchter Erpressung gelangten gestern zur Verhandlung. Im ersten Falle hatten sich die Fabrik- bcsitzcr F.schen Eheleute zu verantworte». I», Jahre 1891 erkrankte das 10 Monate alte Kind der Angeklagten. Es wurde vom Dr. Cl. behandelt. Die Mutter des erkrankten KindeS war mit der ärztlichen Behandlung nicht zufrieden und nahm nach einigen Wochen einen andern Arzt an. Als das Kind dann starb, glaubte die Mutter dies auf die verkehrte Behandlung des ersten Arztes zurückführen zu sollen, und als Nieser dann seine Rechnung über 33 M. einsandte, erfolgte keine Zahlung. Der Arzt beschritt de» Klagewcg, gegen den Zahlungsbefehl wurde Einspruch nicht erHobe» und für die Schuld ein Möbelstück bei den F.schen Eheleuten gepfändet. Nu» richtete die Ehefrau F. an den Arzt ein Schreiben, worin sie ihm mitteilte, daß sie seine Rechnung für zu hoch hielt, er möge überhaupt von jeder Klage Abstand nehmen, da sonst nicht zu ver- meiden sei, daß die traurige Angelegenheit in öffentlicher Vcrhand- lnng zur Sprache komme. Einige Zeit später erschien der Ehemann F. beim Arzt und bot ihm die Heilste seiner Forderung. Als der Arzt sich ablehnend verhielt, entfernte F. sich mit einer Bemerkung, die der Arzt ebenfalls als eine Drohung auffaßte. Der Staals- anwalt hielt ebenfalls die Thatbestaiidsmcrkniale der versuchten Er- Pressung für vorliegend und beantragte gegen die Angeschuldigten eine Gefängnisstrafe von je einer Woche. Der Gerichtshof erkannte an, daß objektiv zweifellos eine versuchte Erpressung vorliege, es sei aber fraglich, ob die Angeklagten das Bewußtsein von der Strasbarkeit ihrer Handlungsweise gehabt hätten und deshalb habe der Gerichts- Hof vorgezogen, ein freisprechendes Urteil zu fällen. Ernster lag der Fall, der gegen den Stationsgchilfen Hermann Sch. verhandelt wurde. Der Angeklagte war früher in einer kleinen Proviuzftadt, wo er sich mit einem junge» Mädchen verlobt hatte, ohne daß dessen Vater mit diesem Verhältnisse einverftauden war. Als er dann Vorbereitungen für die Hochzeit traf, wurde ihm seine Stellung gekündigt mit der Begründung, daß man einen verheirateten Beamten nicht gebrauchen könne. Der Angeklagte wandte sich nach Berlin und fand hier Stellung als Stationsgehilfe bei der Hochbahn. Seine Mittel waren inzwischen erschöpft und er wurde von Schulden gedrückt. Er wandte sich an seine Braut und erklärte am Schlüsse seines Briefes, daß er sich eine Kugel vor den Kopf schieße» müsse, wenn ihni nicht Hilfe werde. In einem zweiten Briefe wurde der Angeklagte noch dringender, er verstieg sich zu der Drohung, daß er das zwischen ihnen bestehende Verhältnis mit allen seinen Intimitäten offenbaren müsse, wenn cr kein Geld erhalte. Der Siaatsanwalt erblickte in beiden Drohungen je eine ver- suchte Erpressung und hielt besonders den zweiten Fall für so schamlos und auf eine niedrige Gesinnung schließend, daß er gegen den Angeklagten eine Gefängnisstrafe von einem Jahre und zwei- jährigen Ehrverlust beantragte. Der Gerichtshof folgte den Ans- führnngen des Verteidigers, Refer. Wittccken als Vertreter des Rechtsanwalts Dr. Schwindt, insoweit, als der Angeklagte nur wegen des zweiten Falles zu einem Monat Gefängnis ver- urteilt wurde._ Eingegangene Truckschvifte». Von der„Reuen Zeit"(Stuttgart, Dietz' Verlag) ist soeben daS 43. Hest des 20. Jahrgangs erschienen. Aus dem Inhalt des Heftes heben wir hervor: Unzeitige Romantik. Miniuiallohn und Arbeiterbeamtentm». Von W. Liebknecht.— Zur bahriichen Wahlrechtsreform. Von Hans Roll- Wagen-Angsburg.— Die iocialistische Partei BrastlienS. Bon Paul Löbe.— Ei» Beitrag zur Parteigeschichte in Ocstreich. Von Victor Stein.— Vom Naturalismus im Roma». Von Franz Diederich-- Bremen.— Feuilleton: Briels von Karl Marx an Dr. L. Kugelmann.(Fortsetzung.) Die„Neue Zeit" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Bliche Handlungen, Postanstalten und Kolporteure zum Preise von 3,25 M pro Quartal zu beziehen. In der Zeiwngspreislifle der Postanstalten ist die „Nene Zeit" unter Nr. 5383 eingetragen, jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. Das einzelne Heft kostet 25 Pf. Probenummern stehen jederzeit zur Verfügung. Von der„Gleichheit", Zeitschrift für die Interessen der Arbeiterinnen (Sluitgart, Dietz' Verlag) ist uns soeben die Nr. 13 des 12. Jahrgangs zu- gegangen. Ans dem Inhalt dieser Nnmmcr heben wir hervor: Dummdreiste Lügen.— Die Frauenfrage. IL Bon Georg Ledebour.— Die gewerkschafliiche Agitation unter den Arbeiterinnen. Von Martha Tietz.— Ans der Bewegung.— Feuilleton: Die Sage von Sagenfeld. Von Mark Twain.(Schluß.)— Notizenteil: Frauenarbeit ans dem Ge- biete der Industrie, des Handels und des Verkehrswesens.— Gewerkschaft- liche Arbeitcrinnenorganisation.— Arbeitsbedingimgen der Arbeiterinnen.— Dienstbotensrage.— Sittlichkeitsfrage.— Frauenbewegung.— Adressen- Verzeichnis der Vertrauenspersonen der Genossinunen. Die„Gleichheit" erscheint alle 14 Tage einmal. Preis der Nummer 10 Pf., durch die Post bezogen(eingetragen in der Reichspost-Zeitungsliste für 1302 unter Nr. 3051) betragt der Abonncmentspreis vierteljährlich ohne Bestellgeld 55 Pf.; unter Kreuzband 85 Pf. Der„Wahre Jacob" hat soeben die Nr. 15 seines 13. Jahrganges erscheinen lassen. Aus dem Inhalt heben wir die beiden farbigen Bilder „Nach dem Duell" und„Kulturarbeit" hervor. An weiteren Illustrationen enthält die Nummer noch das Vollbild„Zur Wahlrechtsfrage" sowie die Zeichnungen„Der Corpsstudent",„Der deutsche Bildhauer",„Budde rmd die Agrarier" und„Aus dem Wege»ach China". Der textliche Teil der Nunimer bringt die Gedichte„Der Campanile von San Marco"(von Max Kegel),„Christliche Arbeiter",„Kricgsgesang der Hakatisten",„Der Geist der Revolution",„Der rechte Kurs",„Sommerfrische",„De rohde Nelke"(in sächsischem Dialekt) sowie außer einer Anzahl kleinerer Scherze noch die Feuillelons„Gras Pückler vor Gericht" und„Dreibund". Der Preis der Nummer ist 10 Pf._ Vevmischkes, Ter Orkan in der Rheinprovinz. Ueber die durch den qestriqeir Sturm verursachten Verwüstungen und Unglücksfälle laiifen jetzt aus den nördlichen Teilen der Rheinprovinz näher« Mel- düngen ein. In E s ch>v e i l c r schlug der Blitz in die Centrale der elektrischen Kleinbahn, deren Betrieb dadurch gestört wurde. In der Stadt Aachen und in der Unigegend wütete der Orkan mit größter Heftigkeit, stürzte Schcrnsteine um und deckte Dächer ab. Mehrere Personen wurden durch herabfallende Ziegel ver- letzt. Beim Beginn des Sturmes wurden in Aachen erdbebe n- artige Erscheinungen verspürt. Das Unwetter bewegte sich in der Richtung von der belgischen Grenze nach Köln zu. Bei S t o l- b e r g wurden mehrere Personen unter den Trümmern eines ein- stürzenden Portals begraben und zum Teil schwer verletzt. In dem eis weil er und Hambacher Wald bei Jülich wurden Hunderte von Bäumen entwurzelt. Die 600jährige Linde in Eilendorf Ivurde vernichtet. Die Telephon- und Tele- grapheiiverbindungen wurden auf verschiedenen Strecken unterbrochen. Auch in Berghcim wurden große Verwüstungen angerichtet. Der durch den Hagelschlag an den Feldfrüchten angerichtete Schaden läßt ich jetzt noch nicht übersehen. Schwere Gewitter. Am Sonntagabend richteten schwere Ge- witter in S ü d b a y e r» vielfach Schaden an. Die Kirche Sankt Heinrich bei Arnbach am Starnberger See wurde durch einen Blitz- 'chlag entzündet und sämtliche Holzteile eingeäschert. Das ganze Vilsihal bei Landau an der Isar wurde durch Hagelschläge verwüstet, die Eisenbahnzüge hatten große Verspälungen. Im Marktflecken Langquaid, in Pasing, einem Nachbarort Münchens und in Strauß- dorf bei Grafing schlug der Blitz in Gebäude, welche nieder- brannten. Ungliirk bei einer Fenerwehrübung. Als am Sonntagnachmittag die freiwillige Feuerwehr in Plauen(Vogtland) anläßlich ihres 30jährigcn Stiftungsfestes eine Uebung abhielt, stürzten, wie der Vogtlandische Anzeiger" meldet, infolge eines plötzlichen Windstoßes zwei Schiebcleilern um. Dabei Ivurde ein Kind gelötet, ein andres nnd sieben Fencrivehrlcute verletzt, darunter zwei schwer. Die Fest- lichkeit wurde sofort abgebrochen. Abgestürzt. Das„Regenslnirger Morgenblatt" meldet ans Partenkirchca: Sonnabendnachmittag Ivurde der Realschullehrer Krenther aus Regensbnrg beim Abstieg vvn der Zugspitze 16 Meter unterhalb derselben vom Schlage getroffen und war sofort tot. Sein Begleiter, der Rcalschulassistcnt Poellein, erschrak hierüber so sehr, daß er abstürzte und dabei ebenfalls den Tod fand. Beide Leichen wurden gestern nach Partenkirchen gebracht. Veerdignng der Opfer der Hamburger Schiffskatastrophe. Am Somitagiiachiniltag 3 Uhr fand die zweite Massenbestattimg von 23 mit dem„Primus" untergegangenen Personen von der Leichenhalle am Lübecker Thor aus statt. An dem Trauerzuge be- teiliglen sich v i e l e L i e d e r t a f e I n und Gewerkschaften nnd'Tnusende von andren Leuten. In den Straßen, die der Traner- zug passierte, bildeten gewaltige Menschenmassen Spalier. Am Grabe wurden mehrere Ansprachen gehalten. Sturm in England. London, 27. Juli. Gestern nacht und heute morgen wütete hier ein heftiger Etnrin, der viele Bäume ent- wurzelte und die anläßlich der Krönungsfeierlichkeiten angebrachten Dekorationen in verschiedenen Teilen der Stadt zerstörte. Der Sturm warf die für die Krönung errichtete Tribüne ini Strand um, welche beim Fallen eine Anzahl' Vorübergehender verletzte. Andre Tribünen r»d ebenfalls beschädigt. Von der Cholera. Petersburg. 28. Juli. Wie ans Charbi» gemeldet wird, sind dort vom 15. bis 23. Juli 143 Russen und 340 Chinesen an der Cholera erkrankt. Gestorben sind 106 Russen und 276 Chinesen. Die Epidemie läßt jetzt nach.— Kairo. 27. Juli. Nach dem amtliche» Bericht sind in Kairo 52. in Assint 12 neue Cholcrafälle fesigestellt worden. Montag. den 28. Juli. Hier wurde» gestern 38 Todesfälle an Cholera und 35 neue Cholera- Erlränkungen festgestellt, in Mucha 28 Todesfälle und 10 neue Er- kranklmgen. Witternngsiibersicht vom 28. isS Juli 1002, morgens 8 Uhr. Stationen Swinemd«. Hamburg Berlin Franls./M. München Wien C B N 05 8? Welter 759 WSW 5 wolkig 762 WSW 5 wolkig 761 WSW WWW 766 W 769 W 764 W 5 heiter 5 wolkig 3 Regen 4 Regen =& HS- -tationen 13 Petersbur 16 Cork 15 Aberdeen 12 Paris 16 täS .«0 15 18 15 14 Weiter- Prognose für Dienstag, de» 20. Juli 1002. NachtS sehr kühl, am Tage wärmer, ziemlich heiler bei mäßigen südwestlicheu Winden; keine erheblichen Niederschläge. Berliner W e t t« r b u r e° u- Briefkasten der Expedition. Spaiidoliicrhage». Brief der Redaktion übergebe». Die Partei-. Zeitung für Pommer» ist der„Steitiner VolkSbote", Stettin, Schlllerftr. 11. Briefkasten der Redaktion. E. Sch. 1- und 2. Ja. 3. Uns ist eine solche Kasse nicht bekannt. Wenden Sie sich an Ihre Gewerkschaft 4 Beides ist zulässig. Zweck- mäßiger ist die Zmückftndermig und Slbfassung eines neuen Testaments oder die ElnreichllNg des Nachtrags an dasielbe Gericht, dem sie das Testament übergeben habe».— Freüzel. L-3. Ja. Die Verjährungsfrist beträgt 2. Jahr.— G. 50. Jeder Erbe keim allein klagen. Der Testaments- Vollstrecker ist gleichfalls klageberechtiqt. Der Mittellose kann Bewilligung des Armenrechts für sich envirken.— F. G. 95. 1. Nein. 2. Nein Die krankenversichcrungspflichtige Arbeiterin bat einen Anspruch gegen die Kage (nicht den Chef), auch wenn sie nicht angemeldet ist. Die Kasse kann auf Rückerstattiing gegen den Chef klagen.—«5- D. Charlottenburg. Ja. ' N. H. 74. Besiinimte Anwälte zu empschlcn lehnen wir a6. Wenden >>»»» NolÄtiltsisjt i'mn und Konzert. Sonntag, Montag und Donnerstag nach der Soiree: Tanzkranzchen. Tanz frei! Aniang Sonntags 6 Uhr, Entree 39 Pf., ab g Uhr 29 Pf. Anfang Wochentags « Uhr. Entree 39Pf.. ab 9 Uhr 29 Psg W'räbeli« Allerlei Thealer früher l'uliliuaiin Schbrliaiuer Allee Mo. 148. Nur noch 3 Tage' „ der einzig dastehende EGT Jnll■ Snlelpiuu. jJST l«raun. Hug« Scliulx. U"> 8 Uhr: tLr. Erfolg: DG Tie Weber.-T&K Täglich: Grosier Ball. Anfang 5 Uhr- Entree:iO Pf. Mittwoch: Grosser Elite-Abend. Freitag: Abschieds-Benefiz für Herrn Garlos Duchow. Einmalige Aufsuhrung: Durch Feuer und Wasser.___ Ostbahn-Park. Am Küstrlnerplalz. Rüdersriorfcrslr.TI. Hermann Imbs. Täglich: Gr. Ilonicrt, Theattr- uud Zpetialttaten- liorstellung. Urania. Tauben-Strasse 48/49. Im Theater um 8 Uhr: Die deutsche Ostseekuste. ZOOLOCISCHER GARTEN Täglich nachmittags ab 5 Uhr: litär- Doppel-Konzert. Entree 1 M., v. 6 Uhr ab 50 Pf. 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Monats: Wechselndes Programm! fionnerstag: Elite- Vag. am Sonutaj,, den 3. August 1902-W« in de» Gesaniträume» des MnggelschlöWen und des Strandschiosses am Mügsielsce bei Friedrichshagei« veranstaltet von den Arbeiter- Sport- und Turn- Vereinen Berlins und llmgcgcud bestehend i« sportlichen iveraustaltuugen aller Zlrt: Korso- Neigenfahren der Radfahr-Bereiue. Reigen- und Niegen-Schwimmen sowie Springen u. Wasserball-Spiel. Geschwader-Segeln u. Ruder». Segel-«. Ruder-Regatta. Turnerische Auffiihrunge». Massengesänge. Volks- belustigunge» aller Art. Grones Nonzerk uou 3 MnprlTen. set» Tie Kaffreküchc ist im»Strandschlob" während des ganzen Tages, im„Müggelschlost" von 8—19 und 2—6 Uhr geöffnet. Anfang 8 Uhr früh. Eintritt a Person SO Pf. Die verehrlichen Festteilnehmer erlauben wir uns darauf aufmerksai» zu mäche», dnst es uns gelungen ist, mit einer Dampfschiffahrts-Gesellschaft einen günstigen Vertrag im Jntereffe der Teilnehmer abzuschließen. Die- selbe befördert Personen von Cafe AIscii, Vor dem Schlesischen Thor 2 nach dem Festplatze. Die Hin- und Müikfahrt kostet 70 Pfennig. Kinder bis zu 19 Jahren und frei. Die Dampfer fahren»ach Bedarf von früh morgens um 7 Uhr an. Eafö Alfen ist mit der Stadt-, Hoch- und Elektrischen Bahn bequem zu erreichen. Vorverkauf der Dampfer-Billets bei t. Lang, Scharrenstraße 14, III; F. Kell, Köpnickerstraste 123; W. Härtig, Andreasstraße 43, TV; Kademann, Adalbertsir. 3, Hof I, sowie in allen mit Plakaten belegten Geschäften und an der Abfahrtsstelle cate Alsen, Vor dem Schlesischen Thor 2. Gleichzeitig macheu wir darauf aufmerksam, baß diejenigen Teilnehnier, welche die Eisenbahn benutzen, bei der Fähre für Kinder bis zu IL Jahren nichts zu zahlen brauchen. 290/18___ Das Komitee. Dr. Simmel, Prlnzenstr. 41. Specialarzt für 25/17* Bant- untl Harnleiden. 10—2, 5—7. Sonntags 10—12, 2—4. 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Angust 1902: Gr. Dampfer- Partie iitich Deffttimiilktl tnil DiimmHsee. Abfahrt morgens Punkt 7 Uhr von der Jannowitzbrllcke(Belvedere). Fahrkarten sind nur noch zu haben im Verbandsbureau, Engel-User 15, Zimmer 11 nnd 12 in den Bureaustunden von 9—1 und 4—7. Kollegen, welche gewillt sind, an dieser Partie teilzunehmen, werden er- sucht, den Bedarf an Fahrkarten rechtzeitig decken zu wollen. 86/17*_ Das Komitee. AMii«! Parkettvodeuleger. Dienstag, de» 29. Jnlt, abeudö 8 Uhr, im> GcwcrkschaftS- Hanse, Engcl-Ufcr 13: PF" Vei'sammluMg-"AU Tages-Ordnung: 1. Unsre Bewegung und wie halten wir unsre Errungenschaft fest? 2. Brauchenaiigelegeuheit. 3. Verschiedenes. Ganz besonders sind die Kollegen Knppig, Elasten und Dahmke der Firma Schramm eingeladen. _ Der Obmann. Achtung: Achtung: Mufikinstrumenten-Arveiter. SOT" Tie Branchcuversammlung findet erst am Mittwoch n liehst er Woche m Verbindung mit der VertrauenSmänner-Vcrsaminlnng statt. Landschinke»......... 95 w. Speck, ISJ?;:; Rotwurst...... Thüringer Flelschwnrst. Rotwurst.. Zwiebclwurst..... volles che Zwiebelwurst 75 ........ ,. 70 a Pfd. 50 Pf., bei 5 Pfd. 45 ....... n Pfd. 65 ....... n Pfd. 55 a Psd. 50 Pf., bei 5 Pfd. 45 a Pfd. 55 w ,, bo ..„ 73 „„ 85 103 125 «rounschweiger Leberwurst..... ff. Kalbsleberwurst........ Schlackwurst, SV.;;; Schlack- nnd Salami, hart...... ElXlailss» Ornnienstrassc 154. •-■*. A JUllly Elndcnstrnsse 10. Nordhäuser, alten(wie Cognac),Ltr.-Fl. nur 1 M., la-Liqueure, Eum, Eiercognaa, Citronen- und Himbeersaft, Ungarweine etc. in Ltr.-Pl. bülio-st bei Carl Schindler, Liqueurfabrik, nur Chausseestr.Ss" leQ „Wanzenfeind in der Flasche" Prell 50 Pf., 1,00, 1,60. Unfehlbar sicher „Mottenfeind im Beutel", nur 5 Pf. Iii. Scinniedel „Schwabenfeind im Streu-Turm" 25 50 Pf., 1,00 Gesetzlich geschätzt! AUein-Verkauf:• w winmuilUI Neue Königstr. 53, 1. Fabrikant Fernspr.: Amt 7a, 6331.(beim Alexanderpl.) Von 1 Mark an frei Haus, auswärts gegen Nachnahme! ZociMtinolmMtt Wahlverei« stir dcii K. Bttliiier Reichstags-WahIIlrels. DikiiStng, de» 29. Juli, abends 8Vs Uhr, bei Glcincrt, Schulstrabe LS: Novsetltllnlnng. Tages-Ordnung: i. Vortrag des Genosseu 1?. Kotzke über:„Ist eine Regelung der Arbciterschutz-Gesetzgebung auf iutemationaler Grundlage möglich?" 2. Dis- lusston._ 3. Verschiedenes._ 248/16* OBS?- Gäste— auch Damen als Zuhörer— willkommen. Zahlreichen Besuch erwartet. Der Bi Vorstand. Socmldemokrat. Wahlverein für den PezirK Rntttmelsöurg. Mittwoch, de» 30. Jim. abends 8»/, tthr. im Saale des Herrn C. Hahn, Hauptstr. 4: Gerlevol Devlntnznlung. Tages-Ordnung: 1. Kassenbericht. 2. Bericht des Bibliothekars. 3. ErgänzungSwahl zum Vorstaude. 4. Wahl der Delegierten zur Kreiskonferenz. b. Kommunales. 6. Verschiedenes. 8/7 Mitgliedsbuch legitimiert. Der äußerst wichtigen Tages Ordnung wegen ist das Erscheinen sämtlicher Mitglieder erforderlich. Her Torstand. DeutscIiJetallarbeitei'-Vei'band Verwaltungsstelle Berlin. Bureau: Engel-Ufer 13, Zimmer 1— 8, Telephon Skmt 7 Nr. 353. Mittwoch, 30. Juli, abcudö 8 Uhr: Uklsliilimliiilg der Wetallschlkiser im Gewrrkschaftöhause, Eugel-Ufcr IS, Saal I. Tages-Ordnung: I. Bericht der Agitationskomiuission über die Thätigkeit im verssoffenen Geschäftsjahr. 2. Diskussion. 3. Neuwahl der Agitationskommission und des Braucheuvertrcters. In Anbetracht der wichtigen Tagesordnung erwartet das Erscheinen aller Kollegen 118/8 _ Die Ortsverwaltnng. Deutscher Buchbinder-Verband. Zahlstelle Berlin. Morgen, Mittwoch, den 30. Juli, abends S'/z Uhr: IST Gvdentliisze im grohen Saale dcS..GewerkschaftShanses". Engel-llfer 15. Tages-Ordnung: 1. Geschäfts- und Kassenbericht. 2. Ersatzwahl zur Ortsverwaltung. 3. Neuwahl der Rechtsschntz-Kommission. 4. Abrechnung von der Mai- Sammlung. 5. Verbnndsangelegenheiten und Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. 24/9 Das vollzählige und Pünktliche Erscheinen der Mitglieder ist dringend notwendig. Die Ortsverwaltnng. Verein znr Wahrung der Interessen der Maurer Berlins und Umgegend. Am Mittwoch, dt» 30. Mi. aimids 81- Itljt, in de« Bomssis-Ziileil, Ackerstrabe 6/7: Mitglieder Uersammlnng. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genoffen Kleinlein über:„Entwicklung und Ziele der deutschen Gewerkschaftsbewegung". 2. Diskussion. 3. Die Accordarbeit im Baugewerbe und ihre schädlichen Folgen. Referent Kollege Ciehl. 4. Diskussion. 5. Verschiedenes. Zahlreiches Erscheinen der Mitglieder erwartet 139/1 Der Torstand. Maler und Berufsgenossen Berlins und der Vororte. DMttstag, htll 31. Zuli, llhtuhs 8I2 Uhr, im greheu Saale des Gemerksihaftshallses, Engel-Ufer 15: Grosse Versammlung. Tages-Ordnung: Unser Lohntarif:„Bericht der Lohnkonimission über die Verhalldlltngen mit der Innung." Da in dieser Versammlung wichtige Beschlüsse zu fassen find, ist eS Pflicht jedes Kollegen, zu erscheinen. 124/14* Die Ortsverwaltnng der Vereinigung der Maler. Bocialdemollrat. Wahlverein KSxdorf. Den Parteigenossen zur Nachricht, dab unser Mitglied, der Maurer August Nowsck tat 60. Lebensjahre am 26. d. M. verstorben ist. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 29. d. M.. nachmittags 3 Uhr, vom Trauerhause Falkstr. 5 aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 232/11 Der Torstand. Danksagnng. 11606 Sage hiermit allen Freunden und Bekannten, insbesondere den Genossen des Wahlvereins des 6. Kreises, die meinem Sohn, dem Kaufmann Her- mann Weicher die letzte Ehre er- wiesen haben, unsren innigsten Dank. Ole trauernden Eltern nebst Gesch wlst Danksagung. Für die rege Teilnahme und für die vielen Kranzspenden bei der Be- erdigung meines lieben Mannes, unsres guten Vaters, des Putzers Fritz LotSi sagen wir allen Freunden und Be- kannten sowie Kollegen, insbesondere dem Gesangverein der Putzer unsren herzlichen Dank. 1147b Die Hinterbliebenen. Vf. Scliünemann, Specialarzt für Haut-, Harn- und Frauenleiden, Seydeistr. O. VslA-VsS, ViC-VsS. rF Hilfsar1 nnd Arbeiterinnen Deutschlands.(Zahlstelle Berlin.) Mittwoch, den 30. Juli 1902, abends SVs Uhr, bei Raabe, Kolbcrgcrstrafie 23: Genrvnl�oA'jmmnlnng Tages-Ordnung: 1. BorstandSbericht. 2. Kassenbericht. 3. Bericht des Bibliothekars. Stellungnahme zu den in Nr. 13 dcS„Proletariers" veröffentlichte» Anträgen zur Arbeilslosen-Unterstüyung. 5. Vcrbandsangelegenheitcn und Verschiedenes. 64/15 In Anbetracht der anberordentlich wichtigen Tagesordnung wird das bestimmte Erscheinen eineS jeden Kollegen(Kollegin) erwartet.— Mitglieds buch legitimirt. Die Ortsverwaltnng. Süd-Ost 75 Waidemarstrasse 75. 4695S* gy Mehrere Sonnabende sind noch zur Herbstsaison zu vergeben. leutseher Metallarbeiter-Verband. Bureau: Eiigd-Ufer 15, Zimmer 1-5. Verwaltungsstelle Berlin. Femsprcclicr: Amt VII, No. 353. Mittag, k\\ L Mgllst M, abeilds 8I2 llhr, bei Keller, Koatieilstrahe L9 lgraher Saal): Oe«erar-Merfammritng. Tages-Ordnung: 1. Kassenbericht und Bericht der Revisoren. 2. Neuwahl des zweiten Bevollmächtigten, des Nendanten, zweier Revisoren, zweier Beisitzer und eines Bureaubeamten. 3. An die Verwaltung gelangte Anträge. Zu dieser Versammlung werden keine Laufzettel verschickt. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. 118/7' � Celltrat- Verband aller in der Schntiederet deschaftigten Versonen. Verwaltungsstelle Berlin. Mittwoch, den 30. Juli, abends 8'/- Uhr. im»Englischen Garten*, Alexanderstr. 27-: Allpisliiii Milglieder-Versanunluna. Tages-Ordnung: 1. Abrechnung vom II. Quartal 1902. 2. Bericht der Ortsverwaltnng; Bericht der Beschwerde- und der Bibliolhekkommisston; Bericht des Vergnügungs-Komitees. 3. Neuwahl der Ortsverwaltnng und der Kommisstonen. 4. Verschiedenes._ 176/2 Das Erscheinen aller Mitglieder ist notwendig.£&- Ohne Mitgliedsbuch kein Eintritt."9$ Die Ortsverwaltung. Fordem Sie in den Tabakhandlungen Dänischen Anker-Kautabak Feinste Marke 5 und 10 Pf. Schleifen. Nur echt, wenn sich im Tabak der Firmenzettel mit 4nker befindet. 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