Ar. 176. Aboimzmeitts-Kedingvngen: Abonnement?- Pret» pränumerando: Viertsljährl. SL0 Mr., monatl. 1,10 Mr., wöchentlich 28 Pfg. frei in» Hau». Liiuelne Numm-r 5 Pfg. Sonntag»" Nummer mit munnctiet Sonntag»" Beilage„Tie Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Wart pro Mona«, Eingetragen in der Post-Zeitung», Preisliste für lvvS unter Dr. 787». Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da» übrige«u»land S Marl pro Monat. 19. Jahrg. Die Jitfertwns-Gclillijr teträgt für die sechsgespaltene Kolonet» zeile oder deren Raum iO Pfg., für politische und gewerlschastliche Vereins- und Versammlung»-Anzeigen 20 Pfg. „Kleine Anseigeu" jedes Wort S Psg. (nur da» erste Wort fett). Inserate für die nächste Nummer müssen bt» 1 Uhr nachmittag» in derTxpedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bt» 7 Uhr abend», an Sonn- und gefltaKen bis s Uhr vormittag» geöffnet. «rschrlnl täglich«utzer Wonlog». Devltnev VolKsblsrtt. Telegramm- Adrsffe» »Svrloldemokrot Berlin" Gentrawrgan der focialdemokratifthen Partei Deutschlands. Kedalikion: sxv. 19, Beutlz-Strahe 2. Fernsprecher: Zimt I, Nr.»608. Mittwoch, den 39. Juli 199S. Expedition: 19, Beutlz- Strafe 3. Fernsprecher: Zimt I, Nr. K»Sl. Parforeemärsche. Ein militärischer Fachmann schreibt uns: In Nr. 168 des„Vorivärts" war die Mitteilung zu lesen, daß der„Bielefelder General- Anzeiger" von übermenschlichen An- strengungen berichte, denen das Stescrve- Infanterieregiment Nr. SS im Truppenlaqer bei Paderborn ausgesetzt worden sei. An einem Tage soll der Dienst von nachts 1 Uhr bis mittags 12 Uhr ge- dauert haben, an einem andern wurde ein sehr anstrengender Marsch schon um 2V2 Uhr morgens begonnen. Wer die allernencste, seit ungefähr acht Jahren beliebte Aus- bildungsmethode der deutschen Armee kennt, wird den Inhalt dieser Mitteilungen für richtig halten, denn den Beginn der Märsche i n die Nacht oder ivenigstens sauf den frühesten Morgen zu verlegen, ist allmählich sehr beliebt geworden, ganz im Gegensatz zu der Vergangenheit, wo man vom frühzeitigen Abmarschieren nicht viel hielt. Das frühe Ausbrechen bietet ja einen gewissen Vorteil insofern, als es wenigstens bei nicht zu langen Märschen ein Vermeiden der Mittagshitze gestattet. Aber diesem Vorteil stehen schivere Nach- teile gegenüber. Man braucht nur die Lage der Mannschaften und Unteroffiziere bei sehr frühen Abmarschzeiten zu kennen, um dies sofort einzusehen. Gesetzt, ein Jnfanterie-Negiment ist um 3 Uhr morgens zum Abmarsch bereit, so stehe» die Bataillone um 2 Uhr 45 Minuten, die Compagnien spätestens um 2 Uhr 35 Minuten marschbereit. Die Korporalschaften stellen sich um ungefähr 2 Uhr 26 Minuten auf, und die Mannschaften und Unteroffiziere gehen schon um 2 Uhr daran, sich auszurüsten. sTornistcr auf- nehmen, Patronentaschen umschnallen zc.) Da sie sich vorher ankleiden, die Betten machen, frühstücken, oder im Bivouak das Frühstück kochen müssen, so müssen die Leute mindestens um 1 Uhr aufstehen. Was bleibt ihnen da für eine Nachtruhe? Auf dem Papier kann man ihnen allerdings eine ziemlich auskömni liche geivähren, indem man z. B. befiehlt, daß die Kantinen schon um 8 Uhr abends zu schließen seien, die Unteroffiziere und Mann- schafteil sich um die gleiche Zeit niederzulegen und sich ruhig zu ver halten haben. Leider aber können Sie deswegen noch lange nicht schlafen, dieweilen die Natur sich sogar im wohlgedrillten deutschen Reiche nicht kommandieren läßt. Die ganze Situation ist auch gar nicht zum Schlafen angethaw Da Märsche mit frühen Aufbrnchszeitcn nur im Sommer statlfinden, so ist es um die Zeit, wo die Mannschaften schlafe» sollen, noch hell, außerdem zumeist sehr ivarm. So wird sich der Mann ein bis zwei Stunden schlaflos auf seinem Lager herumwälzen und gewöhn lich erst gegen 10 Uhr zum Einschlafen kommen. Nach drei Stunde» aber wird er schon ivieder geweckt, trotzdem ihm ein äußerst be- schwcrlicher Tag bevorsteht. Die Folge ist, daß der Mann den Marsch überhaupt nicht mit frischen Kräften antritt und von vorn herein nicht vollkommen leistungsfähig ist. Demgegenüber aber ist der Vorteil, daß man bei nicht zu langen Märschen die größte Tageshitze tvenigstens teilweise vermeiden kann— ganz wird es bei den heutigen Dauermärschen nur selten möglich sein—, zu gering. Der Mann, der eine hinreichende Nachtruhe hatte, wird, ein ver- nünftiges Marschieren vorausgesetzt, die Mittagshitze überwinden, während ein Mann, der in der Nacht nur ei» paar Stunden gc- schlafen hat, sehr leicht schon der Hvchsommer-Temperatur, wie sie an schönen Tagen um 10 Uhr morgens herrscht, zum Opfer fällt. Dazu ist zu bedenken, daß die S ch i e ß l e i st n n g e n von Leuten, die fast die ganze Nacht durchwache» mußten, nicht gut sein können, da das Auge unter dem Mangel an Schlaf sehr leidet. Im Frieden ist dies freilich belanglos, aber im Kriege wird es in die Wagschale fallen. Der Anfang des Boerenkriegs hat ja gezeigt, Ivie unendlich wichtig das Präzisionsschießen heutzutage im Felde ist und was man mit gutem und genauem Schießen auch auf größeren Entfernungen erreichen kann. Wie soll aber ein Mann, dessen Augen brennen und dessen Sehkraft momentan sehr herabgesetzt ist, genau schießen? Namentlich auf größere Entfernungen wird ihm dies unmöglich sein. So büßt der Mann durch das frühe Aufstehen in jeder Beziehung an seiner Leistungsfähigkeit ein, was ja auch ganz selbstverständlich ist. Früher sah man dies, jvie eingangs erwähnt, auch ein und da- cher waren bis zu Beginn der Wer Jahre so frühe Abmarschzeilen eine Seltenheit. Aber nachdem inzwischen die Ucberschneidigkeit Trumpf geworden ist, hat sich auch das geändert. Man glaubt jetzt überhaupt, daß im Frieden von den Soldaten gar nicht genug ver- langt werden könne. So galten z. B. früher 22 Kilometer als durchschnittliche lägliche Marschleistung der Infanterie; jetzt aber soll der Fußsoldat im Tage 40 Kilometer auf längere Zeit hindurch zurücklegen können. Im Frieden läßt sich so etwas aus den Mannschafien allenfalls herausholen, wenn auch nicht selten auf Kosten ihres Gesundheitszustandes. Daran aber, daß solche Leistungen auch im Kriege möglich sind, ist gar nicht zu denken. In: Frieden hat der Mann seine regelmäßige Verpflegung, es ist auch die Kantine stets im Äantonnement oder am Biwakplatz, so daß er sich, das nötige Kleingeld vorausgesetzt, Erfrischungen kaufen kann. Dazu sind die Gefechte nur Schein. Im Kriege aber muß der Soldat harte Entbehrungen ertragen und außerdem ist er in steter Lebensgefahr. Besonders sind die Eindrücke des moderne» Gefechtes infolge der durch das rauchlose Pulver verursachten„Un- sichtbarkeit" des Gegners tief erschülternd. Dies alles setzt natürlich die Leistungsfähigkeit des Mannes sehr herab. Allerdings scheint man sich in der deutschen Armee der Illusion hinzugeben, daß dies nicht der Fall sei und zwar stützt man sich hierbei auf die Erfahrungen des Chinazuges, wo die deutschen Truppen große Marschleistungen zu verzeichnen hatten. Es ist hier schwer ernst zu bleiben, denn der Versuch/ den Khakizug als wirk- lich-n Krieg ansehen zu wollen, reizt die Lachmuskeln. Ein Ver- gleich der deutschen und chinesischen Verluste lehrt zur Genüge, daß „die Kämpfe" in China eigentlich nur Treibjagden auf die Chinesen waren. Und ferner bestand das deutsche Expeditionscorps nur aus aktiven Mannschaften und etlichen durchwegs gesunden Reservisten, während in einem europäischen Krieg das deutsche mobile Heer sich zum überwiegenden Teil aus Landwehrleuten und Reservisten zusammensetzt, von denen natürlich viele nicht mehr so beweglich und widerstandsfähig sind, wie die tropendiensttaug lichen Chinakrieger eS waren. Es kann also trotz der Erfahrungen deS Chinazuges keinem Zweifel unterliegen, daß die seit einigen Jahren beliebte Ueber� anstrengung der deutschen Truppen für den Krieg wertlos ist, im Gegenteil den Führern nur falsche Vorstellungen über daS, lvas sie im Kriege von ihren Untergebenen verlangen können, beibringen müssen. Daher müßte eigentlich erwartet werden, daß im Reichs- tag endlich einmal, auch von andren Parteien als der Social- demokratie, ein energischer Protest gegen die jetzige Praxis erhoben würde. Vor allem hätten jene bürgerlichen Parteien, die an- geblich das Interesse der Bauer n vertreten, alle Ursache, hier Besserung zu fordern. Aber diese Herrschaften haben wichtigere Dinge zu thun. Das Centrum z. B. mutz Flottenvorlagen bewilligen und der Bund der Landwirte sowie die Herren Junker müssen den Bauer für den Brotwucher einfangen. Da bleibt für so Kleinig- leiten, wie der Schutz der in der Kaserne steckenden Bauernsöhne es ist, keine Zeit. Außerdem würde ein solches Vorgehen die hohe Obrigkeit verschnupfen und so etlvas vermeidet ein richtiger„Volks Vertreter". *« M Unter Verufnng auf den Bcrichtigungsparagrnphen 11 werden wir um Aufnahme folgender B e st ä t i g u ii g ersucht: „Die Uebnngszeit des Rcserve-Regiments, welches sich aus Reservisten und Wehrleuten in der Vollkraft der Jahre zusammen- setzte, war zwar eine anstrengende, stellte aber keinesfalls un- gebührliche Anforderungen an die Mannschaften. Im besonderen ivar eine Erprobung der körperlichen Leistungsfähigkeit der letzteren weder beabsichtigt, nock hat dieselbe stattgefunden. Zu der bei der Uebung verfolgten kriegsmäßigen Ausbildung gehörte in erster Linie Wiederherstellung der Marschfähigkeit. ES wurden täglich Marschübuugen abgehälte», wobei die Anforderungen, von geringen Entfernungen beginnend, allmählich bis zu 23 Kilometer gesteigert worden sind. Masscncrkrankungen, ivie sie die Zeitungsnotiz an- führt, sind während der Uebung nicht vorgekommen, ebenso wenig ein Todesfall. Am 16. Juli starb ein Mann an Lungen- entziindung, tvelcher mmiittelbar nach dem Zusammenwitt des Re- gimentS in das Lazarett Paderborn aufgenommen worden war. An einem Tage traten Durchfallerscheiiiungen in größerem Um- fange ans, welche die Leistungen vieler Leute herabminderte». Sie waren jedoch eine Folge der Wittcrnngsvxrhältnisse und nicht übermäßiger Anstrengungen. Am 14. Juli wurde daS Regiment besichtigt. Der Krankcw bestand an diesem Tage war nicht größer, als bei Linien-Trnppen- teilen in der Zeit der größeren Uebungen. Da ein beißer Tag z» erwarten war, wurde frühzeitig<3� morgens) ausgerückt; infolge der später eintretenden Hitze blieb beim Anmarsch zum Gefecht und demnächst beim Marsch zum Abkochen eine Anzahl von Leuten liege». Dieselben wurden auf Wagen, welche auf Befehl des Generalkommandos zur Stelle Ivaren, nach dem Lager geschafft. Ernste Erkrankungen sind nicht vorgekommen. � Das Schießen begann nicht 1�/2, sondern nur Stunde spater, und zwar weil die Mannschafteii mit Essen noch nicht fertig waren. Der Aufschub war demnach nicht durch Rücksichten auf die erkrankten Mann schaften begründet, welche bedeutend früher die Truppe beziehungsweise das Lager erreicht hatten." Der kommandierende General. Frhr. von Bissing. Bemerkung der Red. Die Berichtigung' unterscheidet sich im wesentlichen nur dadurch von den Schilderungen der westfälische» Blätter, daß sie unbestimmte Zahlenangabe»—„eine An- zahl"— statt der genauen Zifiern giebt. Der eine Todesfall soll nicht auf die Marschlibunge» zurückzuführen sein; es wird versichert — woran niemand gezweifelt hat— daß die besten Absichten bei der Leitung obgewaltet hätten; der Abmarsch am 14. Juli wird um eine Stunde später angegeben und die Verzögerung der Schieß- Übungen soll eine halbe, nicht 1�/2 Stunden gedauert haben; das Schlappwerden Ivird an einem Tage auf die Witternngsverhältnisse und Durchfall zurückgeführt. Das sind aber alles kleine Ab- Weichlingen, die nichts an dem Gesamteindruck ändern, daß hier wieder einmal Marschübuugen vorgenommen wurden, Ivie sie oben von einem Sachverständigen kritisiert worden sind. Nicht bestritten wird, daß an einem Tage der Dienst von nachts 1 Uhr bis mittags 12 Uhr und nach einer nur teilweise zum Ruhen ausgenützten Mittagspause von 3>/»— 6 Uhr gedauert hat. Italitischo Aeberfichk. Berlin, den 29. Juli. Mogeleius! Der Kuhhandel zwischen den Mehrheits- Parteien über Annahme des Zolltarifs i st fertig. Das ging klar aus der Debatte und der Ab- stininiung über den Roheisen-Zoll hervor.„Hand wird nur von Hand gewaschen, wenn du nehmen willst, so gieb" war das Motto der Reden der Mehrheitsparteien, mit dem sie dem die Landwirtschaft und die Eisen verarbeitenden Industrien mit ihren mehr als einer Million Arbeitern schwer 'chädigenden Roheisen-Zoll zustimmten. Im Mai 1873 beantragten die konservativen Abgeordneten Graf v. Behr, v. Below-Saleske, v. Wedell-Malchow, Graf Dohna, Freiherr v. Frankenberg, v. Minnigerode im Verein mit Abgeordneten andrer Parteien, insbesondere mit dem entrums-Abgeordneten Windthor st: Auf- Hebung des Elsenzolles im Interesse der Landwirtschaft.! v. Behr führte damals aus:„So lange ein deutsches Schiff unsre Ostsee befährt, so lange wir in den Provinzen an der Ostsee, wo wir kein Eisen herausgraben, sondern sehr viel Eisen hineingraben müssen, um eine Ernte zu haben, so lange dort der Landmann seinen Boden zu be st eilen haben wird, so lange werden w i r(die Konservativen) das freie Eisen verlangen... Nehmen Sie die Versicherung ent- gegen, daß mir nichts ferner liegt, als Ihnen die Not- wendigkeit der Aufhebung der Eisenzölle beweisen zu wollen. Axiome beweist man nicht. Ich meine, daß der Satz„das Eisen muß zollfrei sein" in den weitesten Kreisen des Vaterlandes ein Axiom geworden ist." So der konservative Abgeordnete im Jahre 1873 gegen den 50 Pfennig-Eisenzoll. Aehnlich v. M a l l i n ck- rodt und Win dt Horst vom Centrum. Heute Centrum und Konservative fast geschlossen für den 1 Mark- Eisenzoll. Woher dieser Umschwung? Nicht aus sachltchensGründen, sondern lediglich aus dem Bestreben, in den kapital- kräftigen Roheisenleuten Bundesgenossen für die zu Gunsten der Großgrundbesitzer erstrebten Getreide- zölle zu erhalten. Die Versuche, sachliche Gründe für einen Zoll anzuführen, mißlangen kläglich. Da erklärte denn Graf von Kanitz nach einem mißglückten Versuch, die geographischen Verhältnisse Kanadas zu revolutionieren, schlankweg: ich stimme heute für den Eisenzoll, in der Hoff- nung, daß auch das Getreide einen hohen Schutzzoll erhält— wie ich später stimmen werde, mache ich von der Gestaltung der Getreidezölle abhängig. Die umgekehrte Methode Kuh- händlerei eignete der Vorsitzende des Bundes der Landwirte, Dr. Hahn, sich an: Ich stimme heute gegen die Eisen- zölle und werde, falls die Eisenleute uns Getreidezölle in hinreichender Höhe bewilligt haben werden, für den Eisenzoll stimmen, war sein Votum. Dem Wortführer der Mehrheit des Centrums, Abg. Herold, war es vorbehalten, sogar die gemeingefährlichsten Folgen des Kartells gutzu- heißen, um die Großindustriellen für die Getreidezölle zu bewegen. Flugs wurde dann Schluß der Debatte beantragt. Vor- her war als möglicher Beschluß der Mehrheitskommission angedeutet, in zweiter Lesung nur noch die Punkte zur Lesung zu bringen, in denen ein Kuhhandel noch mit den Regierungen zu schließen ist. Hoffentlich wird im Plenum den Kuhhändlern klar gemacht werden, daß die Mehrheit des Volkes, die hinter der Opposition gegen den Wuchcrtarif steht, es sich nicht ge- fallen läßt, aus ihrer Haut Riemen zu Gunsten einer kleinen Zahl Ausbeuter zu scheiden. Die Klassenkampfnatur des Zoll» tarifs kann sich besser als in dieser unverhüllten Schacherei und Wucherei der Mehrheitsparteien kaum offenbaren. Englands auswärtige Beziehungen. London, 26. Juli.(Eig. Der.) Die öffentlichen Auseinandersetzungen über auswärtige Politik drehen sich hauptsächlich um Italien. Seit der parlamentarischen Debatte vom 3. d. M. über den Antrag Dilles auf einen Abstrich im auswärtigen Etat steht das Verhältnis zu Italien im Vordergründe der politischen Betrachtungen. Man hält hier offenbar die Lage um das Mittelmeer für viel unsicherer als den fernen Osten. Das Bündnis mit Japan. die Uebereinstimmnng nnt den Vereinigten Staaten geben der eng- lische» Diplomatie eine gewisse Garantie gegen akute Krisen. Japans Einfluß in China ist im Wachsen begriffen, und die Wirkungen des europäischen Hnnnenzugcs gegen die gelbe Rasse werden nur kapitalistische sein, zu kolonialen Gründungen wird es dort nicht kommen. Dagegen ist man in England um den status quo im nahen Osten und in Ostafrika ziemlich besorgt. Trotzdem ist eine planmäßige und voraussehende auswärtige Politik hier nicht z» entdecken. Der bloße Grundsatz der Erhaltung des status quo kann durchaus nicht genügen. Es ist wohl begreiflich, daß England bei seiner beispiellosen kolonialen Ausdehnung den Stillstand der Welt- gcschichte wünscht. Es wird hier allgemein angenommen, daß der südafrikanische Feldzng der letzte britische Eroberungszug, oder wie John Burns mir neulich im llnterhause sagte: tllo last steal(der letzte Diebstahl) gewesen sei. Jetzt halte es zusammen- zufassen und zu organisieren. Allein der bloße Friedenswunsch Englands kann einer Störung deS status quo nicht vorbeugen. Denn im Momente, wo England die Grenze seiner imperialen Ausdehnung erreicht hat, gehen andre Mächte daran, Kolonialreiche zu gründen oder abzurunden. In erster Reihe konmit im gegenwärtigen Augenblicke Italien in Betracht. Das einzige Motiv, das Italien in die Arme Englands und deS Dreibundes führte, war die italienische Rivalität gegen Frankreich um den Besitz NordafrikaS. Es hat aber während der letzten zwanzig Jahre ruhig zusehen müssen, wie England auf Kosten Italiens an Frankreich Konzessionen machte. Auch sein Verhältnis zum Dreibunde war fruchtlos. Daß nun Italien seine auswärtige Politik revidiert und sich auf Frankreich stützen will, kann ihm nicht verargt werden. An der Seite Frankreichs hat es ohne Zweifel größere Vorteile zu erwarten. Die französische Politik arbeitet jetzt daran, die Führerschaft über die lateinischen Länder zu erlangen. Unter dem Schutze Rußlands wird Frankreich dieses langersehnte Ziel auch er- reichen. England wird sich also gewöhnen müssen, das Mittel- meer als eine» lateinischen See zu betrachten. «trr«rm xjTnrigrng der Abgeordneten Gibson Bowles und Dilkes, England möge sich an Spanien wenden, beeilte sich das„Journal des Döbats" England zu belehren, daß Spanien geistig und wirtschaftlich mit Frankreich Nerbmiden sei. Daraus erklären sich die Anfragen im englischen Parlament über spanische Häfen und über die französischen und italienischen Flottenbewegnngen in nord» afrikanischen Häfen. Daraus erklärt sich ferner die plötzliche Freund- schaft des britischen Kabinetts für Italien. Die offiziöse römische Presse beantwortet die Werbungen und Drohungen Lord LaiiSdowneS, des Staatssekretärs des Aeußern, sehr kühl. Und England hat diese Behandlung redlich verdient. Es hatte im Jahre 1831 die beste Gelegenheit, dieselbe Rolle in den lateinischen Ländern zu übernehmen. die jetzt Rußland zufällt. Ohne Zweifel. Die Konsolidierung der lateinischen Rasse vollzieht sich unter dem Schutz der russischen Macht. Italien läßt es bei seinem Uebereinkommen mit Frankreich in Bezug auf Nordafrika nicht bewenden. Es richtet seinen Blick auf Albanien und tritt deshalb als ein Faktor in der orien- talischen Frage auf. Selbstredend Wirdes durch seine An- lehnung an Frankreich und damit auch an Rußland mehr erreiche» als mit der unzuverlässigen Hilfe Englands. Italien ist also für England nicht mehr erreichbar. Aber auch nicht für Deutschland, trotz des berühmten Dreibundes. England hat seit dem Jahre 1880 keine großangelegte auswärtige Politik mehr.- •• Deutsches Weich. A« Rußland ausgeliefert soll der russische Student, der im Myslowitzer Gefängnis sitzt, nun doch noch werden! Die Polizei hat nämlich„ermittelt", daß er sich schon früher, als er noch in Warschau studierte, staatsfein d- licher Umtriebe schuldig gemacht und deshalb steck- brieflich verfolgt wird. Als sein Koffer an der Grenze revidiert wurde und der Gendarm auf die anarchistische» und nihi- listischen Schriften stieß, wurde aus dem russische» Greuzorte Modrzeow ein Kapitän der russischen Gendarmerie herbei- geholt, welcher den Inhalt der Bücher untersuchte. Die„Schlesische Zeitung" berichtet, der Student sitzt noch im Myslowitzer Gefängnis. dürfte aber an Rußland ausgeliefert werden. Diese Schergendienste der preußischen Polizei für die russische Tyrannei sind unlvürdig eines civilisierten Staates. Sie erinnern an die finstersten Zeiten der preußischen Geschichte. Kein Staat Europas, der auf Würde und Kultur Anspruch erhebt, würde sich in dieser Weise zum Helfershelfer des Zarismus erniedrigen. Preußen aber hat den Ehrgeiz, Rußlands westliches Sibi- rien zu sein!— Die falsche» Tcusationsmelduugen anö dcr Zollkoinmission stamme». wie wir nunmehr in Berichtigung unsrer frühereu Mit- teiluug feststellen können, nicht von Dr. Böckel, sondern von dem freisinnigen Abgeordneten Dr. Müller« Sagan. Po» de» social- demokratischen Abgeordneten ist, wie wir wiederholen, niemand an diesem Unfug direkt oder indirekt beteiligt. ES ist bedauerlich, daß die» F r e i s i n n i g e Z e i t u n g', die sonst bei jeder unpassenden Gelegenheituns anrempelt, in diesem Falle, wo wir wirklich einem Irrtum verfallen waren, nicht sofort Gelegenheit genommen hat, uns zu korrigieren. Sie hätte das um so eher thun können und müssen, als ihr der Abg. Müller- Sagan sehr nahe steht. Nachdem aber jetzt festgestellt ist, daß eS ein Freisinniger ist. der diese Wildenten hat aufsteigen lassen, wird das Coulissenspiel der freisinnigen Volkspartei mehr als pikant. Diese erfundenen Mel- düngen waren darauf berechnet, einmal durch Schreckschüsse sGeschäfts- ordnungsändern) auf die Durchpeitschung der Zollvorlagc hinzuwirken, zlveitens durch Aeußerungen über das Scheitern des Entwurfes den Kampf der Opposition zu erschlaffen. Die Nachrichten waren von denr freisinnigen Herrn also eigens er- funden, um die neue st e unglaubliche Taktik der Volkspartei zu rechtfertigen, die darauf hinausläuft: die Kommissionsarbeiten schnell zum Abschluß zu bringen, weil der Entwurf ja doch air dem Gegensatz der verschiedeneu Schutzzollinteressenten unter- einander und zur Regierung scheitern müsse. Wenn Herr Müller-Sagan Angestellter des Bundes der Landwirte oder des Centraiverbandes deutscher Industrieller wäre, so hätte seine Berichterstatterphantaste keinen andren Flug zu nehmen brauchen, wie denn kein Blatt mit größerer Freude die Falsch- meidungen aufnahm als die—„Deutsche Tageszeitung".— Der Prager„Steckbrief" gegen Wilhelm II. kam am Montag im böhmischen Landtage zur Sprache. Der alldeutsche Ab- geordnete Hofer protestierte gegen die perfide Beschimpfung des deutschen Kaisers. Seine Darstellung bestätigte die Angaben unsres Präger Partei-Organs, daß nicht bloß Dummheit den Streich ermöglicht hat:«Sechs Beamte haben das betreffende Aktenstück be- handelt, und wenn ich es nicht voraussetzen muß und will, daß diese Herren an aufgelegtem Kretinismus leiden, nmß man sagen, daß eine aufgelegte Böswilligkeit, daß die Absicht vorliegt." Von der Regierung scheint niemand geantivortet zu haben.— Ausländische Proteste gegen den deutschen Zolltarif. Die Landesversammlung des norwegischen Steiiihauer-VerbandeS. die dieser Tage in Fredrikshald stattfand, hat ihr Bureau beauftragt, bei der norivegischen Regierung wegen des von der deutschen Zolltarif- Kommisston vorgeschlagenen Zolles auf Pflastersteine vorstellig zu werden. Anknüpfend an den Beschluß sandte dann das Bureau der Versammlung der norivegischen Regierung folgende Erklärung: „Aus diesem Anlaß erlauben wir uns die Regierung darauf auf- merksam zu machen, welche Folgen der angekündigte deutsche Plaster- fteinzoll für die norwegische Steinindustrie haben wird. Die Stein- industrie arbeitet gegenwärtig unter einem schweren Druck. Der Umsatz hat in letzter Zeit abgeuommeu, während die Konkurrenz schärfer als früher geworden ist, was einen starken Rückschlag auf den Arbeitslohn znr Folge hatte. Sollte nun in Deutschland Zoll auf Pflastersteine gelegt werden, so wäre das ein harter Schlag für die norwegische Steinindustrie. Eine denr Zollsatz entsprechende Reduktion der Arbeitslöhne ist eine Unmöglich- keit, da diese schon im Verhältnis zu den Preisen der Lebensbedürfnisse gering sind, und die Folgen eines Zollaufschlags würden eine größere Arbeitslosigkeit oder Aus- Wanderung sein.— Es muß deshalb auf das bestimmteste verlangt werden, daß die norwegische Regierung Deutschland gegenüber m Bezug auf die drohende Zollerhöhung auf Pflastersteine den stärksten Einspruch geltend macht."— „Socialdemokraten" macht über diese Angelegenheit noch folgende Bemerkung:„Der deutsche Holzwarenzoll ist so geordnet, daß er ein Schlag für Norwegens Holzindustrie wird, ohne daß das Rohprodukt des Waldes dadurch vom Markt verdrängt wird, und der Steiuzoll, wie er nun angenommen ivordcn ist, kann auch ernste Folgen für Norwegens Steinindustrie nach sich ziehen. Bisher nahm Deutschland seine Pflastersteine von Schweden, während der englische Markt vor- teilhafter für uns war. Wird nun der deutsche Markt für Schweden gesperrt, so wendet sich dessen Steiuausfuhr natürlich nach England, und ivir kriegen eine Konkurrenz, die unsre tveniger entwickelte Steinindustrie kaum ertragen kann."_ Hutzölle. Die„Freisinnige Zeitung", die seit einiger Zeit unter dem Einfluß der fixen Idee, daß die Zolltarifvorlage ohne alles Zuthun der oppositionellen Parteien notlvendig an dem Interessengegensatz zwischen den Hochagrariern und den industriellen Hochschutzzöllner» Icheitern müsse, sich' eifrigst bemüht, die., S ch a b l o n e n t a k t i k" der Socialdemokratie zu benörgeln, hat eine neue Entdeckung gemacht. Sie hat herausgefunden, daß' die Arbeiter bereits selbst anfangen, die Thätigkeit-der socialdemokratischeu Mitglieder in der Tarif- kommission zu verurteilen. AlS Beweis hierfür dient ihr eine Auslassung des«Korrespondenten für die Arbeiter und Ar- beiterinnen der Hut- und Filzwaren- Industrie in Alten- bürg(S. A.), in der es in Bezug auf die Reden der Reichstags- Abgeordneten Baudert und Reißhaus zu den die Zölle auf Filzhüte betreffende» Positionen der Zolltarif-Vorlage heißt: „Die Ausführungen der beiden Abgeordneten werden von den Arbeitern der Haarhutbranche mit Kopfschütteln aufgenommen. Seit zwanzig Jahren ist die deutsche Haarhrilmacherei vom Auslande in einer Weise uiederkontnrriert worden, daß in dieser Zeit von dreißig Fabriken 19 eingegangen sind und die übrig gebliebenen nicht vergrößert werden konnten. Das Fortbestehen des jetzigcnZolles oder Einführung der Zollfreiheit würde zur Folge haben, daß in 10 Jahren keine Haar- Hutfabrik urehr existiert in' Deutschland. Begünstigt wurde die ausländische Konkurrenz durch den Eingangszoll in Deutschland nach Gewicht. Dieses System brachte es mit sich, daß für den leichten Haarhut 18 Pf. und für den schweren, billigen Woll- Hut 31—36 Pf. Eingangszoll zu entrichte» ivar. Hierzu kommen noch die billigen Arbeitslöhne der Hanptkonkurrenten m Böhmen, Mähren und Italien und andrerseits die hohen Eingangszölle im Auslande, die z. B. in Rußland 20 Proz., in Nord- und Südamerika SS— 100 Proz. vom Wert betragen. In Deutschland beträgt der Eingangszoll für Haarhüte 2—6 Proz. des Wertes. Die aus- läudischen Haarhutfabrikanten haben diese für sie günstigen Uin- stände mit Erfolg ausgenutzt, die deutsche Haarhutniacherei ist fast konkurrenzunfähig geworden— und nun soll ihr nach Doktor Eisenbartschcm Rezept vollends der Garaus gemacht werden durch die Zollfreiheit.... Die Haarhutbranche ist nach dem ein- stimniigen Urteil der„Fachleute" eines Schutzes dringend bedürftig und kann derselbe auch gewährt werden, ohne befürchten zn müssen, daß die Interessen der Konsumenten irgendwie berührt iverden. So berechtigt wie die Interessen der Konsumenten sind auch die der Pro- duzeilten sArbeiter)— und wenn w i r keinerlei Garantie haben, daß das Ausland seine S ch u tz z o l l ni a u e r n einreißt, dann ist es thöricht, Zollfreiheit zu verlangen und deutsche Arbeiter dadurch der Not auszu liefer n." Der„Freisinnigen Zeitung" zum so und so vielsten Male auseinanderzusetzen, daß die Anträge auf Zollfreihcit, die unsre Abgeordneten in der Tnrifkommission stellen, die Bedeutung einer fortgesetzten Protestation gegen die Richtung der neuesten deutschen Zoll- und Handelspolitik haben, mochten >vir uns ersparen, da das Festhalten au Priucipien etivas ist, das sich im Verlauf ihrer erfolgreichen Entivicklungsgeschichte die freisinnige Partei so gründlich abgewöhnt hat, daß ihr jedes Ver- ständnis dafür fehlt, und andrerseits die Schlvenkung in ihrem Ver- halten nicht durch sachliche Bciveggründe bestimmt ivird, sondern durch die Wahlangst, durch die Furcht, der kleinindustrielle Teil ihrer Wählerschaft könne ihr bei den nächsten Wahlen den Vorwurf machen, sie hätte durch ihre Obstruktion dazu beigetragen, die Zolltarifvorlage der Regierung zu Fall zu bringen. Spaßhaft ist es allerdings, daß die p r i n ci p i e I l e n Frei- Händler— der Freihandel ist das Rückgrat des freisinnigen Pro- grainms— uns, für die die Frage Freihandel oder Schutzzoll nie- mals eine grundsätzliche Frage gewesen ist, einen Vorivurf daraus machen, daß wir grundsätzlich bemüht sind, dem freihändlerischen Gedanken Geltung zu verschaffen. Dagegen müssen wir etivas näher auf die Vorwürfe eingehen, die das obengenannte Gewerkschastsblatt an die Adresse der social- demokratischen Mitglieder der Zolltarif-Kommission richtet. Zugegeben kann iverden, daß die Lage der Haarfilzhntbranche keineswegs günstig ist, aber nicht weil, ivie der„Korrespondent" der Darstellnng des Vereins deutscher Hutfabrikanten nachspricht, die deutsche Haarhulmacherci seit 20 Jahren vom Auslände niedcrkonkurriert wird, sondern größtenteils deshalb, weil der Wollfilzhnt iiisolge seiner größeren Billigkeit innner beliebter wird. Leider unterscheidet die deutsche Handelsstatistik erst seit 1898 zwischen Haar- und Wollfilz- hüte», früher ivurdcn beide Sorten nicht auseiiiaudergehalten; dennoch läßt sich aus den betreffenden Ziffern erkennen, daß sich keineswegs die Einfuhr in einer Weise enlivickelt hat, die den Aus- spruch rechtfertigt, in zehn Jahren würde bei einein Fortbestehen des jetzigen Zolles keine Haarhntfabrik in Deutschland mehr existieren! Es betrug nämlich die Ein- und Ausfuhr an Haar- und Wollfilz- hüten Einfuhr Ausfuhr 1890..' 1.49 Mi«. M. 6,55 Mill. M. 1895... 2.03„„ K.89„, 1900... 3,38«„ 2,97„„ Es hat also Ivohl die Einfuhr zu-, die Ausfuhr abgenommen, doch decktim gauzen noch immer die deutsche Hut- fabrikation den Bedarf des einheimischen Marktes selbst. Was die Wollfilzhutfabrikation anbelangt, so übertrifft so- gar die Ausfuhr die Einfuhr über das Doppelte, denn es stehen sich beide folgendermaßen gegenüber: Einfuhr Ausfuhr 1898... 1,02 Mill. M. 2,65 Mill. M. 1899... 1,19,. 2,96„, 1900... 1,23«. 2,53,. Ungünstiger ist allerdings die Entwicklung bei den Haar- hüten. Einfuhr Ausfuhr 1898.. 250 Doppelcentner. 124 Doppelcentner. 1399.. 350. 93, 1900.. 473„ 110 Auch die Angabe, daß es die billigen Arbeitslöhne in Böhmen. Mähren. Italien seien, die dein deutschen Fabrikanten die Konkurrenz erschweren, ist nur teilweise richtig, denn bei der Einfuhr von Haar- filzhüte» steht England in zweiter, bei der Einfuhr von Wollfilzhüten in erster Reihe; und in den englischen Hutfabriken sind die Löhne iveit höhere, als m den deutschen. Es soll die Konkurrenz, die in Oestreich während der beiden letzten Jahrzehnte entstanden ist, keinesivegs geleugnet iverden, die Hauptursache der migünstigen Lage der Haarhutindustrie beruht aber darauf, daß die Wollfilzhut-Fabrikation sich seitdem technisch bedeutend vervollkommnet hat und mancher, der früher sich einen teueren Haar- Hut kaufte und diesen, wenn er schlecht geworden, aufarbeiten ließ, sich heute einen billigen Wollfilzhnt zu 2, 3 oder 4 Mark kauft, den er so lange trägt, ivie es geht, und dann fortivirft. Ob dieses Verfahren ein rationelles ist. mag vielleicht fraglich sei», sicher ist aber, daß Zollerhöhungen ans Haarfilzhüte daran nichts ändern, sondern daß im Gegenteil eine Erhöhung des Zolles auf Haarhüte um 300 bis 400 Prozent, wie sie die Regierungsvorlage vorschlägt und die Tarifkommission angenommen hat, nur den Preisunterschied zwischen Haar- und Wollfilzhiitcn noch mehr erweitert und den kleinen Mann veranlassen wird, sich noch weniger eine» teuren Haarhut zu kaufen als bisher. Thatsächlich hat denn auch nur elii Teil des Vereins deutscher Hntfabrikanten, der sämtliche Fabriken dieses Jndustrieziveiges umfaßt, sich für die vorgeschlagenen Zollerhöhungen ausgesprochen; die Minorität ivollte in richtiger Er- kenntnis der Sachlage für Haarfilzhüte den bisherigen Zollsatz bei- behalten, für Wollfilzhüte um 30—40 Proz.(nämlich auf 20 Pf, pro Slück) ermäßigt ivisieu. Die Argumeutation mit den höheren Zöllen der südamerikanischen Republiken»>nd Rußlands sollte der„Korrespondent" doch den Uuternehniern allein überlassen. Die meisten dieser Staaten produzieren gar keine Hüte, und die andren exportieren wenigstens keine, erscheine» also nicht als Konkurrenten auf dem interuationalen Markt; oder ergiebt sich daraus, daß es irgendwo, sei es auch in Südamerika, Länder giebt, die höher« Hutzölle als Deutschland haben, schon ohne weiteres, daß nun auch Deutsch- land seine Zölle erhöhen muß? Warum weist der„Kor- respoudent" nicht auf die europäischen Industriestaaten hin? Alle diese: Großbritannien, Oestreich- Ungarn, Italien, die Schweiz nsw. habe» aber entweder gar keine oder weit ge- ringcre Zölle für Filzhüte als Deutschland, nur Frankreichs Zollsätze betrogen für nichtgarnierte, aber sonst völlig hcrgerichtete Haarhüte 43 Pf., für Wollfilzhüte 40 Pf. per Stück(im Minimal- tarif 40 Pf. bezw. 32 Pf.). Dagegen fordert bekanntlich der nene deutsche Zolltarif-Entwurf für unganiierte Haarfilzhüte 70 Pf., für Wollfilzhüte 30 Pf. pro Stück.— Ueber Schweinbnrg hinaus hat Max Lorenz die Fertigkeit entlvickelt, sich selbst zustinnnend zu citiereu. Die«Post" beruft sich für ihre Fälscherstückchen jetzt auch auf den«Dresdener Anzeiger". Auch dieser Artikel stammt von— Max Lorenz. Wir' wissen nun, daß selbst der vielgeivondte, überzeugungs- flüchtige Mox Lorenz drei ganze Tage lang in Berlin und sogar in Dresden seiner eignen Meinung zu sein vermag— aller- dings muß eine Meimuig, bei der er so lange beharrt, unsauber sei»!— Wer ist gläubig? Der durch schriftstellerische Thätigkeit be- kannte kaiholische Pfarrer Hansjakob in Freiburg schreibt neuerdings: «Was den Abfall angeht, so brauchen wir in Deutschland wahrlich nicht schel und vorwurfsvoll auf den östreichischen Klerus zu sehen angesichts der vielen, vielen innerlich längst abgcfalleiieilfKatholiken bei nns. 90 Prozent aller Gebildeten, 00 Prozent aller Halbgebildeten und 30 Prozent des Arbeiterstandcs sind bei uns der Kirche entfremdet, innerlich abgefallen n»d stehen ent- weder auf dem Standpunkt des flachsten Deismus oder gar des Atheismus." Der Unterschied zwischen den 90 Prozent der Gebildeten und den 50 Prozent der Arbeiter ist aber der, daß die Gebildeten fronuii reden ivie— Paaschs, während die Arbeiter stolz ihre Freiheit bekennen.— Lex Hcinze Erziehnng. Die„Rheinische Zeitung' ist in den Besitz eines.Beichtzettels" gelangt, den ein zehnjähriger Schüler einer Kölner katholischen Volksschule erhalten halte. Der Knabe hatte zn Hanse gefragt, ivas das sei:„NnkeiischcS" sehen, hören und thun. Als nian der Ursache dieser bei einem solchen Kinde höchst sonderbaren Frage auf den Grund ging, fand man in dem Gebetbuch des Schülers zivei auf hektographischem Wege hergestellte Zettel ungefähr gleichlautenden Inhalts. Und in diesen Zetteln ivar unter andern» zn lesen:.6. Gebot. Ich habe Un- keusches gern gedacht; wie oft?— Ich habe Unkensches gern ge- sehen, gehört,' Unkensches gesprochen oder gesungen; ivie oft?— Ich habe Unkeusches gethan, allein? oder niit andern? wie oft?"— Es stellte sich heraus,' daß diese Zettel wiederholt, von zwei ver- schiedenen Kaplänen, den Kindern gegeben worden sind. Diese„Beichtzettel" müssen die kindliche Phantasie geradezu vergiften. Wenn das Centruin ivicder einmal die lex Hcinze ans- gräbt, so sollte sie ja nicht einen Beichtzettel-Paragraphen vergessen.— Sodom an der Ncga. Minister des Innern muß schleunigst der Polizei-Herrscher von Trcptoiv an der Rega iverden, der„zur Erhaltung des öffentlichen An st andeS, derSitt- lichkeit, Ruhe und Ordnung auf der Straße" folgende Verfügung ergehen ließ: tz 46. Grobe Verstöße gegen die öffentliche Ordnung und Ruhe, gegen Sitte nnd Anstand auf«traßen und öffent- lichen Plätzen haben augenblickliche Verhaftung und Bestrafung zur Folge. Namentlich ist lautes Singen sowie auch Schreien, besonders zur Abend- nnd Nachtzeit, verboten. tz 61. Dienstmädchen und andre ledige Frauenzimmer, die im Sommer»ach 11 Uhr und iin Winter nach 10 Uhr abends cnttveder allein oder i n v e r d ä ch t i g e m U in g a n g e auf den Straßen, wozu auch die Anlagen zu rechnen sind, zweck- los umherstreifend betroffen werden, sollen verhaftet und bestraft werden. Der Erlaß ist gründlich, läßt aber noch einige Fragen offen. Wie ivird die augenblickliche Bestrafung vorgenommen? Mit der Faust, dem Säbel oder dem Gumniischlauch? Und was geschiehl mit den allein oder in verdächtigem Umgang betroffenen ledigen Männern? Zur Abkürzung»nd Abschreckung des Verfahrens empfiehlt sich fiir Treptoiv an der Rega die Wiedereinführung eines gediegenen Prangers!— „Bloß damit daS Volk Recht bekommt." Kein Vertrauen zn den Gewerbegerichten hat der frühere Direktor de» Mengeder Gußstahlfabrik, Aug. Prönz, der von den Gewerbegerichten im allgeincinen und dem Castrop er im besonderen geäußert hat: „Diese Schafsköpfe von Richtern haben keine Ahnung von der— Einrichtung einer Fabrik, die könne» gar kein Urteil sällen, insbesondere nicht der Amin, an» Barfels, dieser Spekulant; auch in» übrigen sind die Gcwerberichter nur dafür da, damit das Volk Reckit bekommt..." Die Angelegenheit ist vor das Schöffengericht in C a st r o p gekom,nen. das den Prinz Wege» schwerer Beleidigung in eine Geldstrafe von 250 M. nahm. Das Urteil wurde von der höheren Instanz gebilligt. So ein Unternehmer-Diener kann sich eben nicht vor- stellen, daß Gerichte dazu da sind, dein Volke zu seinem Rechte zu verhelfe».— Die ReichötagSwahl im Kreise LieberS hat zu einem glatten Siege des Ccntrums geführt. Dieser Uiiterwesterwald-Rheiiigau- Kreis ist so recht eine Gegend nach dem Herzen der Klerisei. Da rührt und rückt sich nichts— gleich», ütig folgt, die Herde ihren» angestammten Hirten— uiid wenn die Welt einstürzt. Diesmal hatte allerdings der Bund der Landwirte einen Einbriichsversnch unternommen. Er hat aber nicht daS Centrmn, sondern die N a t i o n a 1 1 i b e r a l e n gespalten. Bis Dienstagmittag wurden für den Centrumskandidaten Dahlem 9195 Stimmeu. für de» Nationalliberalen Krawinkel 3272, für den Kandidaten des Bundes der Landivirte 3132. für den Socialdcinokraten Vetter 662 Stinimen gezählt. Aus 34 katholischen Dörfern fehlen die Ergebnisfe»och. anvern aber nichts zn Un- gunsten des Centrmns. 1393 ist Lieber mit 9452 gegen 5567 nationalliberale und 681 socialdemokratische Stimmen gewählt ivorden.— Die Thätigkeit der evangelischen Arbeitervereine besteht gegenwärtig nur in»— Austreten. Wegen der Nichlwiederwahl des national-socialen Pfarrers Naumann in den Ausschuß der cvan« gelischeu Arbeitervereine ist der gesmnte W ü r t t e in b e r g i s ch e Landesverband aus den» Gesanitverbande ansgetreicn.„um sein eignes sociales Streben nicht der Erlahinung auszusetzen." Auch cinige sächsische Vereine sind ausgetreten. Ausland. Die Notkrönung. England besteht auf seiner Krönung. Die ist ihm sein König schuldig; seine„Unterthaiien" heischen die Erfüllung dieser Ver- pflichtnng. Und wenn der todlranke Eduard in der Narkose auf den Thron geschleppt Iverden müßte, cS giebt kein Pardon; er mutz sich krönen lassen. Es scheint, als ob die Meldungen über die stetige Beffenina des Königs eitel Humbug sind. Der„Standard" versichert, der König sei noch nicht im ftande gewesen, die Füße zu», Achei, anzusetzen. Thut nichts; Eduard wird doch gekrönt. Im„Siinplicissimus" widmet Peter Schleniihl dieser grauen» haften Posse ivuchtige Verse: Ein König hat die Freiheit nicht zu sterben; Noch vor dem Ende findet er nicht Ruhe. Sein Angesicht muß grinsen, wem» die Erben Den Leichnam legen in die Marmortruhe. Verlogen, wie sie ihre Tage leben, So müssen Sie noch in der letzten Stunde Dem blöden Gaffervolk ein Schauspiel geben. Sie sterben heuchelnd, n»it geschminkten» Munde. Wie sie in Windsor sich geschmeidig drehen Und Tag für Tag die Wahrheit frech verhöhnen! Wir werden wohl das Widerliche sehen, Daß sie den todgeweihten König krönen. „Bis znm Martyrium." Gestern abend fand in einem Saale der Nile d'En�hien eine bon der.liberalen republikanischen Aktion' veranstaltete Protest. knndgebnnjr agilen die ivider die Ordensschwestern ergriffenen Masznahmen statt, zu der sich eine zahlreiche Zuhörerschaft ein- gefunden hatte. Eine Anzahl Socialisten, die sich zur Wer- anstaltung einer Gegcnknndgebung bei der Porte St. Tönis angesaminelt hatten, wurden gegen g'/i Uhr abends von der Polizei auseinandergetrieben. Esskam zu keinerlei ernsthaften Znsamnienstvßen. In der Versammlung selbst traten Piou, Fran�ois Coppee und LeroNe als Redner auf. Sie wandten sich in heftigen Ausdrücken gegen die Regierung, lobten die Thätigkeit der Schulschwestcrn, deren Ver- treibung das Volk nicht ohne Zittern niit ansehe, und verlangten, daß eine Armee der Liberalen und eine Armee der Religion zum Zwecke der Wiedergeburt Frankreichs ins Leben gerufen würde. Die Redner forderten die Klerikalen zum nachhaltigen Widerstand bis zun, Martyrium auf. Die Regierung habe geglaubt, ungestraft die Religion antasten zu können, aber sie habe sich' getäuscht. Schlichlich nahm die Versammlung eine Tagesordnung an, welche die Angriffe der Regierung auf die Rechte der Familien verdammt, den Nonnen Belvundenmg ausspricht und den Entschluß verkündet, unverzüglich den Widerstand gegen die Unterdrückung durch die Jakobiner in die Wege zu leiten. Die Veranstalter der Versamm» luug beschlossen, sogleich vor dem Gebäude eine große Kundgebung zu veranstalten. Fran?ois Coppac verließ das Haus in Begleitung von etwa 40 seiner Anhänger und wurde von den Außenstehenden mit Hochrufen auf ihn und die Armee begrüßt, dazlvischen wurden Schmährnfe gegen Waldeck-Rousseau laut. Die Gegner der Nationalisten wurden von der Polizei in ansehnlicher Entfernung gehalten und es gelang ihnen nicht, mit denselben in Berührung zu kommen. Diesen„Märtyrern' scheint schon ein Spaziergang auf der Straße zu— zugig.—_ Frankreich. NmtSeiithebuiig von Marinekommandmitcn. Präsident Raubet hat ein Dekret unterzeichnet, das de» Marinepräfekten in Tonlon, Admiral Beanmont, und den Kommandanten der See» divisio» des Atlantischen OceanS, Admiral Servan, ihrer Aemter enthebt. Die gegen Servan ergriffene Maßnahme soll durch Ztvischen- fälle veranlaßt sein, welche sich kürzlich an Bord der Fahrzeuge der Secdivision des Atlantische» Oceans ereignet haben, über die eine Untersuchung eröffnet ist. Die Gründe der Amtsenthebung Beau» monts stehen»och nicht fest. England. Die Gründe für die Unterwerfung der Beeren. Das über die südafrikanischen Angelegenheiten erschienene Blanbuch enthält hinsichtlich der Gründe für Annahme der englische» Bedingungen: der Kongreß habe insbesondere auf folgende Thatsacyeu Rücksicht genommen: erstlich, daß die Engländer das Gebiet beider Republiken völlig verwüstet habe», zweitens, daß die Konzentrationslager eine unerhörte Zahl von Erkrankungen und Sterbefälle» verursachten und drittens, daß fast alle Kaffernstämme i» Waffen Ivaren, gegen die Boeren fochten und Mordthaten und Grausamkeiten begingen. Im Unterhause fragte Reid an, ob die Urteilssprüche, welche in Südafrika von Kriegsgerichte» gegen Civilpersonen gefällt wurden, jetzt nach Beendigung des Krieges noch gesetzlich ivirksam seien. Chambcrlain erwidert, wie ihm mitgeteilt worden sei, hätten diese Urteile Geltung bis zur Aufhebung des Kriegs- rechtes.— Amerika. Deutsches Kriegsschiff nach Hakti! Die„Hambnrgische Börsenhalle' giebt eine ausführliche Schilderung der Unruhen in Haiti und der Beschießung von Kap Haitie» durch ein haitianisches Kriegsschiff am 28. Juni. Es geht daraus hervor, daß während der Beschießung und der sie begleitende» Straßenkämpfe Leben und Besitz der Fremden aufs schwerste gefährdet war. Der Pöbel drohte die Kaufhäuser anzugreifen, die Konsulate in Brand zu stecken und die Fremden zu er- morden. Die Konsuln ivurden beschimpft, die Fremden mußten sich bewaffnen und sich vereinigen, um im Falle der Not einen Angriff zurückschlagen zu können. In der Mitteilung wird die Entsendung eines deutschen KriegSschifffeS aufs dringendste gewünscht.— Schweden. Die Arbeiterparte! und die Wahle». Der Vorstand der socialdemokralischc» Partei hat dieser Tage ein Wahlmanifest ver- öffenllicht, worin die Arbeiter aufgefordert werde», in den Wahl« kreisen, Ivo eine hinreichende Zahl wahlberechtigter Arbeiter vor- handen ist, r e i n e A r b e i t e r l a n d i d a t e n aufzustellen. Tort aber, wo solche Kandidaturen aussichtslos erscheine», sollen die entschieden liberalen Kandidaten gegenüber solchen Kom- promiß-Liberale» oder Konservativen unterstützt werde», denen eS mit der Wahlrechtsreform nicht enist ist. Vor allem soll darauf ge- sehen werden, daß die zu wählenden Personen ehrliche Freunde des allgemeinen Wahlrechts find und daß sie entschiedene Gegner der Ausnahmegesetze gegen die Arbeiterorganisationen sind, wie sie in letzter Zeit Ivieder von der Reaktion geplant werden. Die Eröffnttttg des nenen Kommttttistischen Klubs. London, 27. Jnli. Nach ungefähr zwanzig Jahren verließ der mit der Geschichte der internationalen Socialdemokratie eng verknüpfte„Kommunistische NrbeitcrbildungSverein' seine alte Stätte in Tottenham Street, um ei» neues, modern eingerichtetes Klubhaus in Nr. 407 Cbarlotle Street, Fitzroy Square, zu beziehe». Reich an historische» Erimie- riingen ist das alte Klnbhan»— Erinnerungen an die harten und ruhnireichcn Jahre des AnsiiahniegesetzeS. Hier sprachen Engels, Elcanor Marx. Liebknecht, Bebel. Singer. Bernstein, Fischer, Schlüter, Leßner und Molteler; ferner englische, französische, spanischo, italienische, polnische, ruisische, schtvedische und ungarische Vertreter des socialrcvolntionären Gedankens. London erinnert auch in dieser Beziehung an das niedergehende Rom, an den letzten Knotenpunkt der antiken Welt, Ivo das Gedankemnaterial ans dem Orient und Oecident herbeigetragen Ivmde znm Aufbau einer neuen Weltanschauung und Verjüngimg der Menschheit. Daß der Klub in dem letzten Jahrzehnt der alten Tradition treu blieb, ist hanplsächlich das Verdienst Julius M o t t e l e r s, der für die politische Erziehung der aus allen Kulturländern herbei- geeilten Proletarier in nncrinüdlicher und selbstlosester Weise gewirkt bat. Oft genug galt es, mit Vertretern des Anarchismus zu ringen, jugendliche Hitzköpfe zu zügeln, Jntrignen im Keime zu ersticken. Mottelers Zieltlnrheit. Takt und Hingebung haben in unverdrossener Kleinarbeit alle diese Schwierigkeiten überwunden. In den letzten zehn Monate» hat sich Genosse Dr. Paul Lensch durch zahlreiche und sehr gut besuchte Vorträge über Geschichte des Socialismus und deutsche Lilteratur die Auerkemning des Klubs erworben. Dank dem Eifer und dem Organisationstalente der Genossen George, W h i t f i e l d, W e i n g'a r tz, Freund, R o ck m ann, Li ebert, sowie der Treue und Energie nnsrer„Herbergsväter' Lange und Paul und den großen Opfern der deutschen, öslreichischen und ungarischen Arbeiter war es uns möglich, ein neues Heim zu be- ziehen, das gestern in feierlicher Weise geöffnet wurde. Alte Genossen, die man seit einem Jahrzehnt nickt mehr unter uns gesehen hatte. kamen wieder zusammen, um an der Feier teilzunehmen. Welchen hinreißenden Enthnsiasmus der socialistische Gedanke erzeugen kaun. war an diesen Veteranen der internationalen proletarischen Arnice zu sehen. Die viele» Jahrzehnte des Existenzkampfes in der sehr prosaischen Metropole des briuschen Weltreiches haden ihren Geist nicht abgestttnipft. Die S o c ia l d e m o k r a t i s ch e F ö d e r a t i o n war durch einige ihrer besten Mitglieder vertreten. Der Ver- sammlnngSsaal ivar von dein französische» Genossen Dard kostenfrei in geschnmckvollster Weise mit Blumen geschmückt. Ein großes Bild von Karl Marx und eine Büste von Friedrich Engels, umgeben von dem Rufe- Proletarier aller Länder vereinigt Euch I waren die Zierden der Tribüne. Um 8V, Uhr abends eröffnete Genoffe George die Feier mit einer warmen Begrüßiuig der zahlreich erschienenen Gäste. Er ver- wies ans den vorübergehenden Jubel der Krönungsfeier König Eduards VIl. und auf die für die Zukunft des Menschengeschlechts daucrude Bedeutung der socialistische» Orgauisatioiieli»ud ihrer Gedenktage. Er verlas sodann die eingelaufenen Begrüßungsschreiben Asu e r S im Name» des deutscheu Parteivorstandcs, sotvie derjenige» deutscher und englischer Genossen, die am Erscheine» verhindert ivaren. Mit Beifall tvnrde die Begrüßtingsdepcsche dcS Genossen Eduard Bernstein und der Genossin Regina Bernstein anfgeiiommen. Die Festrede hielt Genosse Heinrich R a ck o>v, ursprünglich ein Lassalleaner, der als einer der ersten Ausgewiesenen im Jahre 1878 anS Berlin»ach London übersiedelte. Hier schloß er sich gleich nach seiner Ankunft dein Komiinniistischcn Arbeiterl'ildimgsvcrein an »nd war einer der Hauptgegner Johanil Mösts, als dieser den Klub spaltete. Rackoiv, obivohl bereits ergraut, sprach mit dem ganze» revolutionären Feuer, das die Partei i» den siebziger Jahren durch- glühte. Wie das von eine»! allen Lassalleaner nicht anders zu er- ivarten war, kam auch die Loyalität und die Bewnuderuna für die überragende Persönlichkeit des unsterblichen Agitators lebhaft zum Ausdruck. Der Vortragende versetzte seine Zuhörer, meistens junge Leute, zurück in die Heroenzeit, in die Sturm- und Drangperiode der deutschen Bewegung. Und es that uns allen ivohl, einen alte» Agitator, aus dem' die Gedankenwelt jener Zeit spricht, wieder zu vernehme». Der nächste Redner, der 78jährige Genosse Friedrich Leßner, sprach englisch und führte uns in die ersten Anfänge der Konuministen- bewegnng zurück. Er kam nach England im Jahre 1847, kannte noch die ersten Gründer unsres Klubs: Schapper, Moll niid Bauer, die wegen Teiliiahme an der Verschwörung Blanquis im Jahre 1839 aus Paris ausgewiesen wurden. Sie ginge» nach Londo» und grün- dcten da am 7. Februar 1840 den Klub. Von Anfang an trug er einen internationalen Charakter. Die Statilten Ivaren in dclitscher, französiscker, englischer und dänischer Sprache gedruckt. Das Motto ivar:„Alle Mensche» sind Brüder.' Der Redner gab eine sehr leb- hafte Sckildernng aus der Zeit der Beratungen über das„Koiumu- nistische Manifest', über die Fcbruar-Nevolntio» im Jahre 1848 und über die grenzenlose Spannung, die im Klub herrschte, als die Nachricht vom deutschen 18. März in London eiiigelroffe» ivar. Viele Mitglieder gingen nach Deutschland, um sich an der Revolulion zu beteiiigcn und die Koiinnuiiistciilchre in Dentschlaiid zu verbreiten. Dann kam der Kölner Konnnn- nisten-Prozeß und die Venirteiliingen zu langjähriger Festungshaft. Als Leßner im Jahre 18d6 ivieder»ach London kam, ivar der Klub größtenteils in Hände» von bürgerlichen Demokraten, die indes nach und nach Marx und seinen Anhängem Platz machten. Die Mitglieder des Klubs beteiligten sich au der Gründung der„Internationale' im Jahre 1364. Hatten wir so die Ansänge der deutscheii Socialdemokratic, dcö internationalcii Kommunisnius und der.Jnternntioiiale' kenne» ge- lernt, so erzählte uns Genosse A n d r e a s S ch c n über die erste Zeit der östreichischcn Bewegung und schilderte die Eindrücke, die er auf dem Eisenacher Kongrcffe empfangen hatte. Scheu, der»eben seiner poetischen Begabmig auch ein Redner ersten Ranges ist, wariite die Zuhörer vor den Verfiihrmigen der Reformer. Ohne den feste» »nd ernste» Entschluß, alles zu opfern, würde der Sieg des Socia- lisninS nicht errungen werde»; eine sociale Nniwälzuiig lasse sich nicht erschleichen. Genosse H unter Watts, einer der ältesten»»d tüchligstcii Mitglieder der Socialdcmokratischcn Föderation, beglückwünschte die deutschen Genosse» z» dem prächtigen»encii Heim. Die englische Agitation pflege darunter zu leiden, daß der Socialismus ei» Produkt des deutschen Geistes sei. Die englische Bourgeoisie warnte die Arbeiter vor den» socialistischeu Gedanke» als„Made in Gennany'. Diese Handelsmarke stehe indes jetzt in so gutem Rufe, daß man auch dem Socialismus seinen deutschen Ursprung nicht mehr vorzuwerfen ivage. Macke in Gennany sei die beste Empfehlung. Die deutsche» Arbeiter in London haben sich stets an allen Demonstrationen der englischen Socialdcinolratie beteiligt, an den Demonstrationen der Arbeitslosen und der Maifeier. Sie schreckten auch nicht zurück vor Konflikten mit der Polizei. DaS Klubhans stehe ollen Nationen offen i es gäbe keine socialistische Organisation in Londo», die nicht die Gastfreundschaft des Koimiiimistische» KlnbS genossen hätte. Er danke den Deutsche» dafür aus ganzem Herzen. Ter von den Anhängern voii William Morris gegründete . Keimscott Club" entsandte einen Delegierten, den Genossen Golden- berg, der gleichzeitig der nlssische» Bewegnng angehört. Schon im Jahre 1876 haben die russischen Flüchtlinge die Gastsreundschqft des Kommunistischen KlnbS in Anspruch genomme». Sie hielten dort ihre Veriainmlungen ab, unter dem Vorsitz Friedrich Engels' und des bekannten polnischeii Revolutionärs Wrobleivski. Der Klub werde seinen iiitcriiatioiialcn Charakter beivabre», das sei seine größte Ehre. Der Redner gab sodaim eine ausführliche Schilderung der jetzigen Bewegung in Rnblaiid, die zu große» Hoffnungen be- rechtige.' Noch nie sei der Absatz von soclalrevolniionären Broschüren in Rußland so groß geivesen wie jetzt. Russische Druckereien de« fände» sich in der Schweiz, i» Frankreich und England. Der letzte Rediicr war der in Deutschland ivohlbckaiiiite englische Geiiosie Herbert Burroius. Er habe viel gereist; überall geliieße der Deutsche Komniunistischc Arbeiter-Bildmigsverein eiiie» großen Ruf. Hoffentlich werde der Verein auch in der Znliinft seinem Rilfe gerecht tverde». DaS frühere Klubhaus sei viel einfacher ge- ivesen, aber es repräsentiere ein großartiges Stück Geschichte. Er könne es nie passiere», ohne ei» Gefühl von Ehrfurcht zu empfindc». Burrows wandte sich sodan» mit einer geradezu hinreißenden Berod- samkeit gegen die Reformer innerhalb der internatioiialeii Social- dcmokratie, in de»«» er eine große Gefahr erblickt. Die Taktik der Socialdemokratie ist im„Komuiunistischen Manifest' niedergelegt; Liebknecht hat ihn iiiimer ans diese hingeivieseii. Sie ist die einzige, die da? internationale Proletariat be- freie» wird. Wir haben von radikalen und Arbeiterparteien nichts zu erwarte». Diese Grmidgedanke» bildete» den In- halt der Rede Burrows, der sie in einer bald mächtige», bald bilderreiche» Sprache enttvickelte. Der Eindruck ivar ein im- geivähnlich mächtiger. Man konnte sich thi» kam»«»tziehen. Die Rede ivar offenbar gegen diejenigen Mitglieder der Social- demokratische» Föderation gerichtet, die für ei» Zusamnicngehen mit der jetzt im Entstehen begriffenen gewerkschaftlichen Arbeiterpartei eintreten. Diese Reden wechselte» mit Musik und Gesang. Der Gesang- verein des KlnbS gab zivei mit großer Verve anSgeführten Lieder, ebenso der ciiglische Genoffe A. A. WattS, die mit stürmischem Beifall aufgenommen wurden. Ein Tanz beschloß den denkwürdigen Abend vom 26. Juli 1902, an dem daS neue Klubhaus dcS Kommunistischen Arbeiter-BildlingS- Vereins eingewctht wnrde. Mögen seine Mitglieder die alten Traditionen wahren und verständnisvoll den Lehren der nii- sterblichen Mäniicr folgen, die de» Berein gegründet und großgezogen haben.—_ Zur bayrischen Wahlrechtöfrage. Der Landtagsabgcordnete Genosse Gabriel Löivenstein erläßt in der„Fränkischen' Tagespost" eine längere Erklärung a» seine Wähler zur Rcchtfertigniig seiner Zustimmung zu der bekannten Resolution des bayrischen Landtages. Genoffe Löivenstein legt dar, daß die socialdemokratische Fraktion nur deshalb für die Resolution gestimmt habe, weil der Regierungsvertreter in der Kammer erklärt habe, die Re- aierung werde nur dann ein neues Wahlgesetz vorlegen, wem, sich die Parteien zuvor über die Gnmdlagen der Wahlreform geeinigt hätten. Die socialdemokratischen Mitglieder der Wahlrechis-Kom« Mission hätten die Ilcberzengung erlangt, daß von den bürgerlichen Parteien nicht mehr zn erlangen ivar, als wie die Resolution fordert, daß es diese, besonders die Liberalen, vielmehr lieber gesehen hätten, iveii» überhaupt keine Wahlreform zustande käme, und fie nur in Rücksicht ans die Renwahlen de» Schein retten wollten, und daher hätte unsre Fraktion dann aus tattischen Gründen für die Resolution gestimmt, da»ach ihrer Meinung schließlich doch die Ver- bessernngen die Verschlechternnge» überivogen. Löweiistein bezieht sich auf einen Briefwechsel zwischen Bebel lind ihm. Bebel habe an Löivenstein geschrieben und dieser habe darauf Bebel die Motive der bayrischen socialdemokratische» Ab- geordneten für ihr Verhalten mitgeteilt. Aus dem Briese Bebels citiert Löivenstein folgendes: „Bleibt Ihr mit diesen Forderiingen in den Verhandlimgcn der Kammer in der Minorität, dann bleibt es Euch überlassen, zn entscheiden, ob die sonstigen Verbesseriliigen des Wahlrechts solche sind, daß Ihr trotzdem für die Vorlage stimmt.' Hieraus zieht Löweiistein den Schluß, daß die bayrischen Genoffcn im Grunde genomme» Bebels Jnteiitioiie» gefolgt wären. Der einzige Unterschied bestände darin, daß Bebel der Ailschanung ivar� die Fraktion hätte ihre Forderlingen nochmals ini Plenum beantragen sollen, während sich die bayrischen. Genossen darauf beschränkten, sie in der Form der Rede nochmals darzulegen. Löivenstein führt schließlich noch aus, daß die bayrischen Parteigenossen durch die Zustiinnmiig zu der Resolution nicht im geringsten gehindert ivärcn, für ein besseres Gesetz im Lande zn agitieren und daß sie auch dem klinstigen Gesetzentivurfe gegenüber in keiner Weise gebunden wären. Ter„große Streit" im Nuhrrcvier. Wir erwähnten in nnsrer Nr. 172 eine persönliche Zänkerei zwischen einigen Partei« genossen in Esse» deshalb, tveil gelvisse Leute eilfertig oarauS eine große Auseinandersetzung zivischcn der Partei im Rnhrrevler und dem Bergarbeiter- Verbände»»achten. In der That war es nichts weiter wie eine von starker persönlicher Gereiztheit zeugende Ans- eiiiandersetzmig zwischen den Gegossen Düwcll und Ostkamp einerseits imd Hus andrerseits, die anknüpfte an differierende Ansichten über daS Essener Rechtsschntzburean. Zwischen den maßgebenden Organisationen. Gcwcrkschaftskartell und Vorstand des Bergarbeitervcrbandcs, ivar übrigens die Angelegenheit von vorn- herein mit ruhiger Sachlichkeit behandelt ivorde» und ist heute schon als erledigt z» betrachten. Um aber denen, die auf Differenzen innerhalb' der Arbeiterbelvegiliig hoffen und deshalb jeden kleinen Anlaß bcnützen, hier Lob, dort Ger!ngfchätz»ng sorgsam abgemessen anszuleilen, alle Hoffnung zu rauben, ivnrde am Sonntag in einer Aergarbeiterversamnilmig in Essen die Angelegenheit besonders be- handelt. Unter allgemeiner Znstiinumiig erklärten außer andren Bergarbeiter auch die direkt Beteiligten Hne und Düwcll, daß von einem Streite zivischcn Geivcrlschaftsknrtell, Bcrgarbeiter-Vcrband und Partei im Rnhrgebiet keine Rede sein könnte. Ausdrücklich wurde allseitig erklärt, aller persönliche Streit solle ausscheiden, man wolle den nii- gcbctenen Anschmeichleni zeigen, daß sie sich verrechnet hätten. Die iiäcksteii Wahle» würden zeigen, daß die Bergarbeiter im Ruhrrevicr vereint mit den übrigen Arbeitern de» Agrariern zu Leibe gehen werden. Thüringer Parteitag. Im schön geschmückten Saal des GewerkschaftShauseS Vorwärts in Apolda trat am Sonnabend, den 26. Juli, der von 68 Delegierten ans 3ö Orten besuchte diesjährige Thüringer Parteitag zusammen. Bis morgens nach 3 Uhr zogen sich die Verhandlnngen betreffend die Berichterstattung über die„Thüringer Tribüne" hin. Genosse Hcnii-Erfiirt erstattet den Bericht imd betont, daß trotz des wirl- schaftlichcn Niederganges die finanzielle Lage der„Tribüne" sich nicht verschlechtert habe. Eine sehr erregte Debatte ivnrde veranlaßt durch de» von der Preßkommission angegebenen Kiindigungsgruiid gegenüber dem früheren 3!edactenr der„Tribüne", Genossen Gru»- wald. Besonders der Vorsitzende der Preßkoiumission, Genosse Heim- Erfurt, ivnrde von verschiedenen Seiten scharf angegriffen. Es graute bereits der Morgen, als beschlösse» ivnrde, eine Preß- Kontroll- konunission. welcher die Preßkommission in wichtigen Fällen unter- steht, einzusetzen, welche ans de» Kreis-BerirauenSleuten der im VerbreitmigS-Bezirke der„Tribüne" liegenden Wahlkreise zusammen- gesetzt ist.— Ferner lvurdc noch folgender Antrag mit großer Mehr- heit angenommen: Der Thüringer Parteitag bestreitet in keiner Weise der Preß- kommission das Recht, Redacteure anzustelle» oder zu entlasten. Ganz entschieden ivird aber verurteilt der in Sachen Grunwald von der Preßkommissio» angegebene Kündiginigsgrund, Annahme der Reichstags-Kandidatnr betreffend. Ebenso ivird verurteilt die Herausgabe deS in dieser Sache vom Geiiosscn Henn unterzeichneten Flugblatts. Die Herausgabe war überflüifig und schädlich, hat de» Sachverhalt»itcht geklärt, ivohl aber der Partei arg geschadet. Wegen dcö eigenmächtige» Vorgehens Henn in der Fwgblatt- Angelegenheit erteilt der Parteitag dem Genosten Henn eine Rüge, um zu vermeiden, daß derartige eigenmächtige Vorgehen zur Regel werden.— Die allgeineiiicn Verhaiidlmigen begannen am Sonntag vor- mittags 11 Uhr. Ohne Debatte, mit lebhaftem Beifall würbe ein Vortrag des Genossen Grunwald über die bevorstehende Reichstags- ivahl entaegeiigeiioinmen. Genosse Reißhaus erstattete Bericht über die Thüringische AgitationSkonimissioii, woran sich eine lebhafte Debatte anschloß. Ein Antrag, die Thüringische AgitatioiiSkoimnission auf- ziilöscii, wurde abgelehnt, dagegen Ivnrde beschlossen, nach Weihnachten zur Einleitung der Reichstags- Wahlagitation ein allgemein gehaltenes Flugblatt für die Thüringer Wahlkreise heraus- zugeben. Der nächste Thüringer Parteitag findet in Weimar statt. Der Sitz der AgitationSkoinmisfton verbleibt in Erfurt. Mit einem kurzen Rückblick ans die Verhandlnngen schloß Genosse ReißhauS mit einem begeistert aufgenounneiieii Hoch auf die internationale Social- demokratie den Parteitag._ Die Pinteigenossen dcö Wahlkreises Tstssekdorf hielten rnft verflossenen Sonntag in Gerresheim eine anßerordentlich zahlreiche Wahlkreis-Parteiversammlniig ab. Nach lebhafter Debatte ivnrde mit nberivälligendcr Mehrheit ein Antrag angeno»n>»eii, die teure Partei- B n ch h a» d l u n g in der Graf Adolfstraße, da sie sich nicht reiitiert. aufzulösen. Der Bücher- und Broschürenvertricb soll fortan durch die„Düsseldorfer V o l k s z e i t u n g' in andrcr Weise geregelt werden. Gleichzeitig beschlossen die Düsseldorfer Genosse», für die„VolkSzeltimg", die seit Jahresfrist über 2000 Abonnenten mehr bekommen hat, mit allem Nachdruck zu agitieren. Der tllgitationskalender für Schlcficn, ans dessen HerauS- gäbe die Agitationskommission wegen ungenügender Bestellungen diesinal verzichten wollte, wird nun doch noch erscheine», da»och nachträglich eine ausreichende Anzahl bestellt ivorde» ist. Totenliste der Partei. In New U o r k starb, wie die „New Dorker VolkSzeitnng" vom 19. Juli meldet, an eiiiciu typhösen Fieber der Parteigenosse Jens C h r i st e n s e n. Der Verstorbene, der von dänischen Eltern i» Schleswig geboren ivar, gehört zu den Opfern des Socialistengesetzes. Ans Berlin am 3. Juli 1886 auf Grund des kleine» Bclagcn»igSzusta»deS nuSgeiviescn, ging er nach Plonen im Vogtlnnde, wo er ivegen Verbreitung socialistischer Schriften usw. zu drei Monaten Gefängnis und Zulässigkeit der Anfeiilhaltsbeschränkiing verurteilt wnrde. Nach Abbüßung dieser Strafe, der drei Wochen NiitersiichiingShaft voraiisgegangen waren, begann eine förmliche Jagd auf Christensen. Er ivnrde anSgeiviesen am 1. November 1886 anS der Krcishnnplnimmschast Zwickan(Anf- enthaltSfrist 48St»»de»>; am 8. Jmii 1887 ans dem Kreis Brauns- berg und Saalfeld sFrist 30 Stunden); 10. Juni 1837 aus'der Stadt Kobnrg sFrist 2 Stnndc»); 25. J»ni 1887 erster wcimarscher Ver- waltnngSbezlrk sFrist 24 Stunde»); 23. Juni 1887 Stadt Gotha skcine Frist, gleich durch einen Schutzmann an den Bahnhof gebracht). Am 25. August 1386 wnrde Christensc» in Plauen i. V. einige Minuten vor Ankiliist des sächsischen Kvmgs verhaftet und vier Stunden lang tn Polizeigetvahrsam gehalten. Als Grund filr seine Verhaftung wurde bei seiner Entlassung angegeben, daß der Polizei-Jnspektor Schwnrzkopf„es für möglich gehalten habe", daß Christensen an- läßlich des Einzuges des allverehrten Landesvaters„eine Störung der öffentlichen Ruhe nnd Ordnung hätte begehen können". Die Staatsanwaltschaft am Ober-Landesgericht in Dresden hat die Un- äulässigkeit der Verhaftung anerkannt, die Verfolgung des Schwarz köpf wegen widerrechtlicher Freiheitsberaubung aber abgelehnt,„weil derselbe nicht das Bewußtsein der Strafbarkeit besessen" l Im Jahre 1888 ging Christensen, der von Beruf Journalist war, nach New Dock, arbeitete dort während des folgenden Jahres für die„New Uorker Volkszeitung" und wandte sich dann nach Chicago, wo er Mitarbeiter der„Chicagoer Arbeiter-Zeitung" wurde und sich nebenbei mit juristischen Studien befaßte. Er wurde dann Advokat. Um seine zerrüttete Gesundheit wiederherzustellen, hielt er sich längere Zeit in Dänisch-Westindien auf, von wo er im letzten Frühjahr, immer noch krank, wieder nach New Aork zurückkehrte. Mit ihm ist ein tapferer Streiter für die Sache des Proletariats ge fallen. Polizeiliches, Gerichtliches usw. — Aufforderung zum Boykott einer Wirtschaft, begangen durch ein Flugblatt, bestrafte das Schöffengericht in Reichenbach (Schlesien) an dem Genossen Döring in Petersivaldau als groben Unfug mit SV M. Geldstrafe. Das Ober-Landesgericht wird sich hoffentlich der neueren Auffassung des Reichsgerichts'über den groben Unfug anschließen und auf Freisprechung erkennen. Aus AuvuPkvie unv AZemdcl. Rheinische Jmmobilienbank. Heute vormittag wurde in dem Prozeß gegen die früheren Inhaber der„Rheinischen Immobilien� dank" Dr. zur. Karl Neumann und Kaufmanns Wilhelm Neumann das Urteil verkündet. Beide Angeklagte wurden zu je zwei Jahren Gefängnis verurteilt, wovon sechs Monate Unter suchungshaft in Abrechnung kommen, und ferner zur Tragung der Kosten für diejenigen Fälle, in denen Verurteilung erfolgt ist. Von 88 Anklagefällen erfolgte nur in 33 Fällen Ver- urteilung und zwar in 24 Fällen wegen Betruges und in S Fällen wegen Untreue. In den übrigen Fällen erfolgte Freisprechung, teils Ivegen inzlvischen eingetretener Verjährung, teils aus sachlichen nnd rechtlichen Gründen. Auf Ehrenstrafen wurde nicht erkannt. Bochumer Guststahlvcrein. Der Verwaltungsrat beschloß in seiner hentigen Sitzung, der Generalversammlnng bei einem Brutto Überschuß von 3�s Millionen Mark und reichlich l'/2 Millionen Abschreibungen von dem 21/io Millionen Mark betragenden Rein gewinn 7 Prozent Dividende vorzuschlagen. Im vorigen Geschäfts jähr betrug der Bruttogewinn ß'/s Millionen Mark, wovon 2 036 893 M. zu Abschreibungen verwendet wurden(gegen 1 681 159 Mark in 1339/1900), so daß im vorigen Jahr ein Reingelvinn von 4 308113 M. verblieb, der auf das Aktienkapital eine Dividende von 13>/z Proz. gestattete. Im vorvorigen Geschäftsjahr(1899/1900) be� trug die Dividende sogar 16�/z Proz. Der Abschluß zeigt, wie schlver auch dieses Werk unter der Rücklvirkung der Krise gelitten hat. Zur Konversion der türkischen Zollanleihe. Die„Frank- furter Zeitung" meldet aus Konslantinopel: Auf eine Anfrage des Ottomanbank-Syndikates an die Deutsche Bank, ob sie sich mit einer Fischerei- Anleihe, von der noch 23 Millionen Mark zu tilgen sind, der projektierten Konversion der Zollanleihe anschließen ivolle, antwortete die Deutsche Bank. daß sie bei einer eventuellen Konversion der Fischerei-Anleihe mit der Pforte direkte Verhandlungen zu führen gedenke. Die Pforte hat sich jedoch in dieser Angelegenheit noch nicht an die Deutsche Bank gc- wendet. Die Verhandlungen mit der Ottomanbank ivegen der Zoll konverston schreiten vorwärts und werden, mit Rücksicht auf den dringenden Geldbedarf der Pforte, nach Möglichkeit gefördert, Die projektierte Postdampfer-Berbiudnng zwischen Kanada und England scheint nun doch zu stände kommen zu sollen, da die kanadische Regierung sich zur Belvilligung hoher Subventionen bereit erklärt hat und auch die englische Regierung in- folge Rücksprache mit den gegenwärtig in London weilende» kanadischen Ministern der Unterstützung einer solchen Dampfer- linie geneigt sein soll. Die„Thnes" bemerken dazu: Von der kanadischen Regierung und von der Kanada-Pacific-Bahn wird als ivcfentlich angesehen/ daß der Schnelldampfer-Personendienst von vier Dampfern kombiniert würde mit einen» Schnelldampfer« trachtdienst von 10 bis 12 Dampfern, um den Morgan- ruft erfolgreich zu bekämpfen. Die Kanada- Pacific- Bahn ist auf diesen Kampf vorbereitet. Die Passagierdampfer sollen auch für den Kriegsfall als armierte Kreuzer dienen. Nach derselben Mitteilung' der„Times" Ivird angenommen, daß die kanadische Regierung berechtigt sei, für 10 Jahre eine jährliche Subvention von 173 000 Pfd. Sterl. zu bewilligen. Die englische Regierung würde 262 300 Pfd. Sterl. Subvention zahlen. Für jeden Knoten Schnelligkeit mehr werde die Subvention erhöht werden, und bei einem Dienst»nt einer Geschwindigkeit von 23 Knoten Iverde eine Subvention von mindestens 400 000 Pfd. Sterl. jährlich notlvendig sein. Amerikanische Finanzinanipnlationen. Seit einiger Zeit vollzieht sich im Aktienwesen der Vereinigte» Staaten von Amerika eine vom wirtschaftspolitischen Standpunkt aus höchst beachtensiverte Veränderung. Die Hochfinanz sucht ans den von ihr finanzierten industriellen' und Transport-Unternehmnngen ihr Geld möglichst zurückzuziehen, ohne die Herrschaft beziehungsweise Kontrolle über diese UiiterneHnmngen aufzugeben. Das Mittel, zu diesem Ziveck zu gelangen, besteht darin, daß die Finanziers durch ihre Gefolgschaft eine Reduktion des Aktienkapitals und die Ersetzung des dadurch ent- stehenden Fehlbetrages durch die Ausgabe von Obligationen(sogen. Bonds) beschließen lassen. Eine solche Verkleinerung des Aktienkapitals gestattet ihnen auch ihren Anteil an Aktien entsprechend zu verringern, ohne befürchten zu müssen, bei künftigen Transakrionen von den übrigen Aktionären überstimmt oder an der Ausführung ihrer Projekte ge« hindert zu werden. Zugleich bietet sich dadurch, daß die Zinsen der Bonds meist nur auf 4 oder 4>/s Proz. bemessen werden, die Aussicht auf erhöhte Dividenden. Von einer neuen derartigen Umwandlung meldet die „Frankfurter Zeitung" aus Neiv Dork: Moore BrothcrS, die die Chicago Rock Island Bahn neu finanzieren, besitzen große Posten Atchison, Topeca und Santa FS Aktien, so daß eine engere Interessengemeinschaft Ivahrfcheinlich ist. Moore Brothers beabsichtigen, gegen 100 Chicago Rock Island Aktien 10000 Dollar in Collat'eral Bonds, 7500 in xrekorreck(Vorzugsaktien) nnd 10 000 in common stoeks(gelvöhnliche Aktien) zu geben. Ztvcck ist, Moores zu er- möglichen, einen Teil ihres Kapitals einznlösenohnedieKontrollc zu ver« lieren.— Eine spätere Meldinig desKorrespondenten besagt, dieJdee von Moore Brothers, stimmberechtigte Chicago Rock Island Aktien teil- weise durch nichtstimmberechtigte Bonds zu ersetzen, wird in Wallstreet lebhaft kritisiert. Man glaubt, daß die neuen Common-Aktien etwa 40 Dollar Kurswert haben werden. Immerhin könnte dann die Kontrolle bei Moore bleiben. ohne daß so viel Kapital wie gegen- wärtig festgelegt wäre._ GewevltMMftliches. Berlin nnd llmgegend. Mit dem Streik der Dachdecker beschäftigte sich Montagabend «ine vom I n n u n g s v o r st a n d nach dem Schultheiß-Restaurant, Nene Jakobstraße, einberufene Generalversammlung der Dach- d e ck e r- M e i st e r. Die versammelten Meister beschlossen, auf ihrem Standtpunkt zu beharren nnd die Forderungen der G e- selten e r st vom 1. April 1903 ab z u b e w i l l i g e n. Um jedoch möglichst noch eine Vereinbarung zu erziele», sollen Mittivoch- abend nochmals Verhandlungen zwischen den Vorständen der Arbeit- nehmer und Arbeitgeber stattfinden, nachdem kurz vorher eine Gescllenversammlung sich mit derselben Angelegenheit beschäftigt hat. Im Fall es nicht gelingt, eine Einigung Herbeizuführen, so sollen laut Beschluß dieser Meisterversammlung sämtliche Dachdecker« gesellen Donner st ag früh ausgesperrt werden. Na, das werden sich die Meister wohl noch überlegen. Zur Sonntagsruhe im Bäckergewerbe schreibt uns das Rixdorfer Gewerkschaftskartell: Nachdem der Polizeipräsident von Berlin den Bäckermeistern sein Entgegenkommen dadurch bewiesen hat, daß er die Arbeitszeit in den Bäckereien an den Sonntagen von morgens 9 bis S�/e Uhr verlängerte, sollte man annehmen, daß die betreffenden Meister nun auch die vorgeschriebene Zeit innehalten würden. Gerade das Gegenteil ist der Fall. Der überaus günstige Bericht des Gewerbe- Inspektors und die vielseitigen'Klagen der Bäckergesellen hier am Orte gaben dem Rixdorfer Gewerkschafts- kartell Veranlassung, Erhebungen zu veranstalten, welche folgendes Resultat hatten: Von 87 kontrollierten Betrieben hatten nur 48 eine geregelte Arbeitszeit, während 31 Betriebe bei der Kontrolle noch im vollen Gange waren und 8 Betriebe nicht die 14stündige Ruhepause innehielten. JnSgesamt sind in den beiden letztgenannten Betrieben 47 Gesellen und 33 Lehrlinge beschäftigt. Arbeitszeiten von 13l/s— 16 Stunden sind an der Tagesordnung. Auch in sanitärer Beziehung war vieles zu wünschen. 6 Meister wurden angetroffen, welche erklärten, keine Kontrolle dulden zu wollen; Redensarten, wie Lause- jungen, Spitzbuben, Hallnnken usw., wurden den Controleuren an den Kopf geworfen; auch Schläge sollte es geben. Das sind die geistigen Waffen der Bäckermeister, die hinsichtlich der Befolgung des Bäckerei-Arbeiterschutzes kein gutes Gewissen haben. Importierte Arbeitswillige in Potsdam. Wir hatten gestern von einer Nachricht des„W. T. B." Notiz genommen, wonach am 26. d. Mts. ein Transport arbeitswilliger Zimmerer aus Budapest nach Hamburg nnd Potsdam abgegangen ist. Am Sonntag sind 30 Mann von dieser Streikbrecherkolonne in Potsdam angekommen, von Schutzlenten empfangen nnd in das von der Stadt hergegebene Streikbrecherquartier transportiert worden. Diesen Vorgang schildert die„Potsdamer Korrespondenz" so: Es erschien plötzlich vor Aicknnft des Zuges auf dem Bahnhof ein starkes Aufgebot von Schutzmännern, so daß die in großer Menge auf dem Bahnhof anwesenden Sonntagsansflügler glaubten, irgend eine Fürstlichkeit würde ankommen. Um so größer war daher die Ueberraschnng, als etwa 30 Zimmerleute mit ihrem Handwerkzeug dem Zuge entstiegen. Die Schutzmänner nahmen sie in ihre Mitte und geleiteten' sie zu drei bereitstehenden Kremsern, in welche» die Zimmerer unter Begleitung der Beamten sofort nach der alten U l a n e n k a s e r» e bei Sanssouci gefahren wurden, um dort Massenqnartiere zu beziehen. Dieses Gebäude, in dem auch die ausländischen Maurer unter- gebracht find, hat die Stadt den Baugewerksmeistern zur Ver« fiigung gestellt. Es steht unter ständigem polizeilichen Schutz. Am Montag wurden die Budapester Zimmerleute bereits auf die verschiedenen Bauten zur Arbeit geführt. Schutzmänner bringen sie zur und holen sie von der Arbeitsstätte. Man scheint wenig Vertrauen zu den lieben Arbeitswilligen zu haben, da man es für nörig hält, sie unter eine so strenge Polizei- liche Bewachung zu stellen. Achtung, Putzer! Auf den» Kasernenban in Treptolv(aus- führende Maurermeister: Hennig und Heuer) sind Differenzen aus« gebrochen, welche sämtliche dort arbeitenden Kollegen(auch Mit- glieder der Freien Bereinigung) zwange», die Arbeit niederzulegen. Wir bitten deshalb alle Kollegen, hiervon Notiz zu nehmen und jene Baustelle bis ans weiteres zu meiden. Die örtliche Verwaltung der Sektion der Putzer. Achtung! Vergolder. Bei der Firma Glischke, Weißen- s e e, Königs- Chaussee, sind Differenzen ausgebrochen. Zuzug ist sernzuhalten. Die Ortsverwaltung. Achtung, Rammer! Bei der Firma Butt u. Gabronski in Spandau haben am Montag die Rammer die Arbeit niedergelegt, um den im Frühjahr aufgestellten Lohntarif zur Durchführung zu bringen. Zuzug ist fernzuhalte». Deutsche» Reich. Zur Aussperrung im Hamburger Bangewerbe. Der die Aussperrung aufhebende Beschluß des Vier-Städte-Bundes, den wir gestern kurz mitteilten, lautet: „Nachdem die Lohn- und Arbeitskarte der Baugewerks-Jnnnng „Bauhütte zu Hamburg" von der Gesellenschaft als zu Recht be- ffchend anerkannt ist, und»ach den Erklärungen des Ge ellen-Ausschusses in der gemeinschaftlichen Sitzung mit dem Jnnungsvorstande am Freitag, den 23. Juli 1902, sämtliche so genannte Sperren seitens der Zimmergesellen und Maurergesellen aufgehoben und somit von der Gesellenschaft erlvartet wird, daß neue Forderungen, Sperren oder Streiks in den Orten des Vicr-Städte- Bundes nicht herbeigeführt werden— beschließt die Versammlung des Vier«Städte-Bu»des: Es soll ab Dienstag, den 29. Juli 1902 die Arbeit wieder frei gegeben sein niit der Maßgabe: a> Auf Besetzung der früher gesperrten Baustellen wird, da solche anderweitig besetzt sind, seitens der Innung verzichtet. b) Gesellen iverden lediglich durch den Arbeitsnachweis der be- treffenden Innung in Arbeit gestellt. c) Die Zuziehung fremder Gesellen durch die Innungen wird eingestellt; jedoch sind die in Arbeit befindlichen und zur Zeit aus- wärts angeivorbenen Gesellen den zu Grunde liegenden Arbeits- kontrakten gemäß voll zu beschäftigen. d) Jedwede Agitation, Delegierten-Kontrolle, Aufhetzung oder Verrufserklärung hiesiger oder fremder Gesellen— vorzüglich auf den Baustellen, Arbeitsplätzen und Baubuden— sind bei sofortiger Entlassung untersagt. Aus vorstehenden Gründe» Entlassene iverden im Bereiche des Vier-Städte-Bnndes nicht wieder in Arbeit gestellt. e) Arbeitsnachfrage an Arbeits- und Baustellen ist verboten, ebenso das Betreten der Arbeitsstätten seitens Nichtbeschäftigter." Zu diesen» Beschluß Ivird den»„Hamb. Echo" mitgeteilt, daß es dem Gesellenausschnß gar nicht eingefallen ist, in der Sitzung mit der In»»»»»»» an, 25. Juli die Lohn- und Arbeitskarte der Bangewerks- Innung für dieses Jahr als zu Recht bestehend anzuerkennen. Der Gesellenausschnß hat seine Zustimmiliig zu den» Jnnungstarif nur unter der Bedingung gegeben, daß der Jnnungsvorstand sich dazu herbeiließe, sofort mit dem Gesellenausschuß zu verhandeln und Lohn« und Arbeitsbedingungen für das nächste Jahr festzusetzen. Da der Jnmingsvorstand es abgelehnt hat, antragsgemäß schon etzt mit dem Gefellenausschuß zu verhandeln nnd Lohn- und Arbeits- bedingungen für das nächste Jahr festzusetzen, fällt die Erklärung: Der Gesellenausschnß habe seine Zustinimung zu der Lohn- und Arbeitskarte der Baugewerks-Jnnnng für dieses Jahr gegeben, in 'ich selbst zusammen. Eine solche Erklärung abzugeben, die einer völligen Kapitulation gleichgekommen wäre, hatte der Gesellenausschnß auch keinen Grund. Am Mitwochabend werden die von der Lohnbewegung berührten Arbeilerkategorien, und zwar diesmal Maurer, Zimmerer und Bau- arbeiter, i»» einer gemeinschaftlichen Versammlung Stellung zu der Jnnungserkläning nehinen. Von» christlichen GcwerkschaftSzwist. Mit dein Ausschluß der Grnppe Wieber ans dem Gesanitverband haben sich Brust und eine Freunde zahlreiche Gegner in» eignen Lager geschaffen. Gegen den betreffende» Beschluß des Münchencr Koirgresses hat kürzlich auch das chri st liche Ortskartell in Osnabrück Protest er- hoben und erklärt, daß es diesen Beschlutz nicht respektieren sondern nach»vie vor mit der ausgeschlossenen Organisation ver- kehren werdr. Sollte der Beschlutz nicht aufgehoben werden, so heißt es in der angcnoinmenen Resolution, dann hätten die christlichen Arbeiter kein Recht, sich über Terrorismns seitens andrer Organi- ationen zu beklagen._ Klus d-ov Fvttttenbetuegung. Das Versauimlungsrecht der Frauen in Bayern. Das neue bayrische VercinSgesetz gestattet den großjährigen Frauen die Teilnahine an politischen Versa, ninlungen. wenn diese nicht Versammlungen politischer Vereine sind; dieses Recht wird den Frauen jedoch durch die von der Rechtsprechung beliebte Definition des Begriffes„politischer Verein" stark verkümmert. Das Landgericht Nürnberg hat am 28. Juli in einem solchen Falle wieder ein Urteil ausgesprochen, das dem Rechtsbewutztsein des Volkes nicht recht einleuchte» will. Der Hergang ist kurz folgender: Am 17. November 1901 fand in Ochenbruck eine Volks« Versammlung statt, in der E tz i n g e r- Nürnberg über die politische Lage referierte. Einberufen und Leiter war der Schlosser W. H u b e r- Nürnberg. Der Versainmluiig wohnte die Fabrik- arbeitersfrau Bab. K och bei, deren Auslvei'sung der überwachende Gendarm forderte. Huber weigerte sich unter Berufung darauf, daß die Versammlung keine Vereinsv-rsammlung, sondern eine öffentliche sei. Der Gendarm machte Anzeige, das Amts- gericht Altdorf lehnte indessen die Strafverfolgung ab. Auf Beschwerde des Amtsanwalts ordnete das Landgericht Nürnberg die Eröffnung des Hauptverfahrens gegen Hnber und Frau Koch an. Vom Schöffen- gericht Atdorf wurde» beide freigesprochen. Der Aintsanwalt legte jedoch Berufung beim Landgericht Nürnberg ein, das nun Hnber zu 12, Frau Koch zu 3 M. Geldstrafe verurteilte. Famos ist die Begründung des Urteils. Der Zeuge Herr- mann, früher Sekretär des Socialdemokratischen Vereins Nürnberg, hatte eidlich bekundet, daß Huber vom Verein keinen Auftrag hatte, die Versaminlung einzuberufen, sondern aus eigner Initiative handelte. Alle Vereinsversammlungen werden von der Vorstandschaft beschlosscn und der Sekretär hat die Vor« arbeiten zu besorgen. Keiner dieser Umstände liegt hier vor. Aber trotzdem nimmt das Gericht an. daß Huber iin Auftrage des Vereins handelte und eine Versammlung des Socialdemokratischen Vereins einberief, und zlvar aus folgenden Gründe»:„Huber ist Mitglied des Vereins, ebenso war der Referent Eitzinger früher Mitglied; in der„Fränk. Tagespost" wurde zur Versammlung eingeladen nnd dieses Blatt ist das Vereinsorgan des Socialdeniokratischcn Vereins. Für die Annonce wurde nichts berechnet, Ivos nicht geschehen wäre, wenn Hnber als Privatperson gehandelt hätte. Hnber hat in der Versaminlung Formulare zur Beitrittsanmeldung zum Socialdemo- kratischen Verein verteilt und Mitglieder zu werben gesucht, ebenso hat er Parteibroschüren verteilt. Ferner hat er in andren Versammlungen, wo er als Einberufer fungierte, zum Ausbau der politischen Organisation aufgefordert; er hat also, wenn auch nicht ausdrücklich, so doch stillschweigend die Geschäfte des Vereins besorgt, und der Verein war auch mit seinen» Vorgehen einverstanden. So wurde die Vereinsversammlung mit Umgehung des Gesetzes zu einer Volksversainmlung gemacht." Das ist königlich bayrische Rechtsprechung. Nach dieser Methode kann man auch beweisen, daß Huber mit Adam und Eva blutS- verwandt ist. Uelzke Ltaifzikirfztcn und Dcpcfrlzen. Die Lage der Beeren. London, 29. Juli.(W. T. B.) Unterhaus. Bei der Be- ratung des Etats für das Kolonialamt wünscht Campbell B a n n e r>n a n Aufklärung über einige Punkte hinsichtlich Südafrikas. Er freue sich die bisher feindlichen Boeren freundschaftliche Gefühle bekunden zu sehen; er bitte aber un, Auf- schlutz über die wirkliche Lage der Boeren. tvelche noch vor kurzem gegen England in Waffen standen. Er bezweifle, daß es angebracht sei, die Boeren, welche die Leistung des Unterthaneneides verweigern, zu bestrafen und halte es für besser, ihnen ein Bei- spiel von der Milde des Königs zu geben. Er erbitte sodann Aufklärung über einige weitere Gegenstände und warnt die Re- gierung vor einer Änsiedelungspol'itik aus politischen Gründen zu dem Zwecke, die Holländer an Zahl zu übertreffen. Die beste Lösung dieser Schwierigkeit seien gute Nachbarschaft, kaufrnäunische und industrielle Beziehungen, die durch Heirat geknüpften Bande der Faniilie und Gemeinsamkeit der Jntereffen. Als C h a in b e r I a i n sich hierauf erhebt, um zu antworten, wird er mit lautem Beifall begrüßt. Er sagte u. a.: Eine schwierigere Aufgabe habe der Regierung liiemals vorgelegen als gegenwärtig in Süd- asrika Ordnung zu bringen in das Chaos, die Feindseligkeiten der Vergangenheit zu begraben und dem Lande Wohlfahrt zu geben, wie sie. das getraue sich die Regierung zu versichern, das Land in seiner Vergangenheit niemals genossen habe. Zu diesem Zwecke sei es notlvendig, eine neue Verwaltung einzurichten, Gerichtshöfe einzusetzen, einen großen Teil der Bevölkerung in die teimat zurückzuführen, den englische» Ansiedlern, die während des rieges geflüchtet waren, ihr Heim wiederzugeben, ein allen gerecht werdendes System der Besteuerung emzuführen usw. Zur Er- reichung dieser Ziele bitte die Regierung um die Unterstützung der Opposition. Die Proklamation betreffend die Konfiskatlon des Eigentums sei von den Boeren, die bereits früher die Waffen nieder- gelegt hatten, als berechtigt anerkannt worden. Die Beendigung des Krieges habe die Lage gänzlich geändert. Die Regierung habe sich jedoch das sehr wirksame Mittel vorbehalten. Personen, die sich infolge ihrer Handlungsweise als unerwünschte Unterthanen zeigten, die Rückkehr zu verweigern oder sie auszuweisen. Die Rcgienmg beabsichtige nicht, die Loyalität des Landes durch irgend welche Jntrigue untergraben zu lassen.(Beifall.) Im Laufe der Debatte erklärt Chamberlain noch in Beantwortung mehrererFragen, er teile den während der heutigen Beratung geäußerten Wunsche, daß die königliche Gnade im iveiteren Maße auf die unter dem Kriegsrecht ergangenen Urteile Anivendung finde, doch seien auch Fälle vorhanden, in denen Urteile wegen Ausschreitungen schlimnister Art ergangen sein. In der Herbsttagung werde die Regierung die Bewilligung einer Anleihe für Ausrüstungs- zwecke beantragen._ Antiklerikale Demonstrationen in Italien. Venedig, 29. Juli.(B. H.) Anläßlich der hier stattgefunden�»» Wahlen zu,n Munizipalrat, welche n,it dem Siege der Gemäßigt- Klerikalen endete», wurden Demonstrationen vor der Residenz des Patriarchen veranstaltet. Die Demonstranten, welche Trikoloren mit sich siihrten, brachen in Schmährufe auf den Patriarchen ans, wobei es zu mehrfachen Zusammenstößen kam. Die Polizei mußte einschreite» und nahm mehrere Verhaftungen vor. In R o v i g o, wo glcnhfalls die gemäßigten Klerikalen gesiegt haben, kam cS ebenfalls zu Demonstrationen. Die Volksmenge zog vor das Hans des klerikalen Führers Casalini und zertrümmerte die Fensterscheiben, wobei mehrere Personen verletzt wurden. Casalini. »velcher drohte, auf die Menge zu schicßci», mußte flüchten. Auch bei den übrigen klerikalen Führern wurden die Fenster eingeworfen, ebenso in der Redaktion des klerikalen Blattes. In Padua wurden die Kandidaten der vereinigten Demokraten und S o c i a l i st e n, i» T r e v i s o die der gemäßigten Klerikalen gewählt. Auarchistengcsey in Argentinien. BuenoS Aires, 29. Juli.U den Handelsverträgen aller Staaten zeige sich, dast mall dalllit rechne, daß Deutschland den Weltmarkt bezüglich des Eisens be- herrsche. Aber an der Lage im Innern trage die Produktion selbst die Schuld. An das Ausland sei billiger verkauft worden, als im Jnlande; so enge man den Konsum im Jnlande ein. Was Beumer überArdeiteranssprüchebezüglich deutschen und englische» Werkzengstahls gesagt habe, mache den Eindruck von Fabel». Wenn man die Situation übersehe und die Stimmung in denjenigen Bezirke» kenne d,e in der Eifenindnstrie Bedeutung haben, Solingen, Remscheid-c.-c.. dann müsse man den Zeitpunkt als gekommen erachten, in der der Eiscnzoll fallen müsse. Eickhoff wendet sich ebenfalls gegen Ben m c r und meint, die Zollerhöhung des Antrags Beniner bezüglich des Tiegclstahls bedeute die Ausschließung des für uns unentbehrlichen ansländischen Materials. Es sei thöricht, zu behaupten, die deutsche Industrie iverde ruiniert. wenn der Zoll fiele. Von»nsrer Kleinindustrie werde der 4 bis 5 fache Wert exportiert, als von der Großindustrie. Wenn die Klei» industrie im Bergischei, Lande noch nicht von der Großindustrie auf gesogen sei, so liege das an der Eigenart der Kleiiiindustrie, die die hohe Intelligenz der kleinen Gewerbetreibenden in Anspruch nehme und finde. Die Bergische» Fabrikanten«vollen selbständig bleiben und sich nicht von der Großindustrie kaput machen lassen, darin müssen wir sie unterstützen. Das könne durch Zollfreihcit geschehen. Preußischer Handelsminister Möller erividert Bernstein, daß die Aufhebung des Stoheisenzolls anfangs der siebziger Jahre geradezu ein Nagel znm Sarge der Eisenindustrie gewesen sei. Noch nie habe ein Parlainent einen größeren Fehler gemacht. Wenn die Preise von Kohlen und Roheisen niedrig stehen, seien auch die Löhne der Arbeiter niedrig. In der Zeit, in der die Schutzzollpolitik die Preise geschützt habe, seien auch die Arbeiterlöhne— Redner führt die Bergarbeiter- Löhne an— gestiegen. Die Werkzeug- Industrie habe sich stark entwickelt und verarbeite viel deutschen Stahl. Man thue darum gut daran, es bei dem gegenwärtigen Zustande zu belassen. Deutschland stünde noch in der Entwicklung ciiieö Niederganges, deshalb könne man auch uicht auf die Zollfrciheit zu sprechen kommen. Durch die Zufälligkeit, daß Amerika in der Zeit, als bei uns die Krise eintrat, gerade einen Aufschwung zu verzeichnen hatte und uns die aus der Ucberproduktion stammenden Eisenwaren in großem Maßstabe abnahm, wurde» ivir vor Schlimmerem beivahrt. Die Fehler, die die Syndikate gemacht haben, könne man nicht als Grund für Zollfreiheit an- führen; stihrten wir Zollfreiheit ein, da»» würde die zu erivartende Depression in Amerika uns um so härter treffen. Auch aus Handels- politischen Gründen müsse der Zoll beibehalten werden. Wenn ivir zur Herabsetzung der Zölle kommen, dann nur.»ven» die Syndikate neuen Mißbrauch treiben. Ich stehe persönlich auf dem Stand- Punkt � der verbündeten Regierungen, die mit Recht annehmen, daß die Verhältnisse der letzten zwei Jahrzehnte glückliche geivesen sind nicht bloß bei der Roheisen-Jndustrie. Lassen Sie uns nicht an den Grundlagen rütteln, die dies geschaffen haben; deshalb ersuche ich, die Vorlage anzunehmen. Graf Kanitz folgert aus der Entivicklung der Eisenindustrie, für die er Zahlen anführt, daß dieser Aufschwung der Schutzzollpolitik zu danken sei. Ein Getverbe habe allerdings nicht au dem Aufschwung participiert, das sei die Landwirtschaft. Auf die Ursache dieser Ausnahme wolle er hier nicht näher eingehen, Es sei von der Gefahr der Syndikate geredet worden. aber das Morgansche Syndikat übertreffe doch alles; mit de» aus- ländischcn Syndikaten müsse gerechnet werden. Er glaube nicht, daß jman ihrer Konkurrenz gewachsen sei. Wir stünden mit unsrer Produktion bezüglich der Tonnenzahl jetzt an ziveiter Stelle. Bon der Zollbeseitiguug werde ivohl das Roheisen- Syndikat getroffen, aber viel niehr noch die ganze Eisenindustrie. Außerdem käme eine derartige Maßnahme de» ausländischen "Syndikaten zu statten. Beumer habe die Syndikate in Schutz genomnien, aber sie hätten doch schädlich gelvirkt. Wir sollten thun, was wir können, um den Mißbräuchen der Syndikate entgegen- zuwirken, das Parlament habe diese Aufgabe. Aber man dürfe mit etwaigen Maßnahmen unsre Produktion nicht treffen. Was die Ver- frachtung anlange, so wollten er und seine Freunde zwar keine Kanäle, aber dafür seien sie für größtmöglichsten Ausbau der Eisen- bahnen, Legung von niehr Geleisen zc., um den Industrie- Verkehr zu förder». Besonders vorteilhaft würden Tarif- ermäßigungen für die Industrie im allgemeinen ivirken. Er, Redner, sei nicht für Herabsetzung der Zölle und iverde ver- mutlich für alle Sätze der Regierung in der ersten Lesung stimmen. Allerdings dürfe die Eisen- und Stahlindnstrie in eine noch bevorzugtere Lage gegenüber andren tSewerbcn nicht gebracht werden. Uebrigcns könne er überhaupt hier nur für seine Person sprechen und»nüsse abivarlen, ivelches Gesicht der Zolltarif endlich zeigen werde," um eventuell feste Stellung im Plenum dazu nehmen zu können. Stöyel(C.) hätte uicht geglaubt, daß die Debatte über diesen Punkt so umfangreich sich gestalten iverde. Man sage, der Roheisen- zoll habe erzieherisch gelvirkt, man brauche ihn nicht niehr. Aber so einfach liege die Sache uicht. Schädige man durch Zollherabsetzungen die Eisenindustrie, dann würden Arbeiter brotlos, auch Kohlen- bergleute, soivie Arbeiter in den Kalksteinbrüchen. Wenn Beumer aus socialdcmokratischen Zeitungen Acußerungen von Arbeitern ver- lesen habe, die unwillig sind, daß die socialdemokratischen Vertreter in der Kommission für Zollfreiheit stimmen, die die Arbeiter der be- treffenden Branche schädige, so begreife er das. Die Arbeiter hätten ein Interesse daran, daß die Industrie die Zölle behalte. (Das betreffende Blatt ist die Nr. 28 des«Korrespondent", Organ der Hutmacher.) Hahn erklärt, die alten Zölle hättei« der Eisenindustrie die Möglichkeit gegeben, große Profite aus dem Konsum im Jnlande zu ziehen. Käme sie nun mit der Bitte: Schützt uns vor der amerikanischen Konkurrenz, gebt uns cutsprechende Zölle I— so könnte man de» Wunsch nur gewähre», wenn auch andren Gewerben, zum Beispiel der Landwirtschaft, der gleiche Schutz gewährt werde. Aber die Landwirtschaft, als gute Konsumentin von Eisen, könne im gegenwärtigen Stadium der Verhandlungen nicht ohne weiteres dem Mark Zoll auf Roheisen zustimmen. Darum werde er, Redner, auch im gegenwärtige» Stadium für Herabsetzung stimmen. Gothein: Es ivar ja sehr iuteressant, von den Herren Gra� K a n i tz und D i e d r i ch Hahn zu hören, Ivie sie den Kuhhandel mit den Eisenzöllen weiter treiben wollen. Es kommt also nur noch darauf an, ivas den Agrariern geboten wird. Redner wendet sich dann gegen Einzelausführungen der betr. Abgeordneten. Das Verhältnis der Jahre 1873/79 treffe heute nicht mehr zu, die angeführten Zahlen jener Zeit seien heute nicht beweiskräftig. Es sei auch nicht richtig, daß die Partei des Grafen Kanitz für den Ausbau der Eisenbahnen und die Ermäßigung der Tarife eingetreten sei. Der offizielle Führer im preußischen Abgeordnetenhnnse, Graf Limburg- S t i r um habe sich dort sogar für Erhöhung der Personen- und Frachttarife erklärt. Das gute Herz des Grafen Kanitz ändere daran nichts. Beumer erwidere er, dort, wo es keine Schutzzölle gebe, sei der Preis im Jnlande derselbe wie im Auslande, dort gebe es auch keine Schleuderpreise für das Aus- land und hohe Preise für das Inland. Bestätigen ivolle er, daß die Syndikate im Anfang mäßigend gelvirkt hätten, aber die günstige Konjunktur sei ihnen dann zu Kopfe gestiegen. Natürlich lief die Preistreiberei der Händler nebenher. 1874 seien durch den Rückgang ca. 3000 Arbeiter brotlos geworden, man solle nur nicht über- treiben. In jener Zeit wich die Einfuhr viel stärker zurück als die Ausfuhr, weil eben der Konsum im Jnlande sank. Der Minister meinte, die niedrigen Löhne seien Begleiterscheinungen niedriger Preise. Das treffe nicht immer zu. Redner erklärt die Konjunkturen der Eisenindustrie, die niit dem schnellen Ausbau der Eisenbahnen zusammenhingen. Bei dieser günstigen Konjunktur ge wannen die Kohlemvcrke, die wieder neue Maschinelr brauchten andre Industrien participierten ebenfalls an dem Aufschwung; aber dann mußte der Umschlag kommen, als man langsamer im Eisenbahnban vorging. Auch der englische Bedarf kam der deutschen Eisenindustrie zu gute. E n g l a n d sei auch gegenivärtig der b e st c Abnehmer Deutschlands, das möchte er dem Handelsininister bemerken, der die Eisenindustrie in Abhängigkeit vom amerikanischen Bedarf habe bringen ivollen. Auch die Schivciz, Rußland und Italien seien stärkere Abnehmer deutscher Eisenproduklc geworden. Günstige Handelsverträge und gute Ver- kehrSbezichungen hätte» dazu miigelvirkt. Beumer habe auf Aktien- knrse Hingelviesen, aber diese unterlägen der Spekulation. Redner sei ja auch nicht für völlige Beseitignng der Zölle, nur für Herabsetzung, damit den Syndikaten die Möglichkeit wilder Spekulationen entzogen iverde. Es sei sehr ziveifclhaft, ob der Zoll handelspolitische Vorteile biete. Die Frachtvcrhältnisse lägen nn- günstig für die Ausfuhr. Beumer und der H a n d e l s m i n i st e r hälten mit keinem Worte begründet, warum der Zoll gerade 1 M. betragen müsse. Redner erörtert dann, daß sogar bei einem Preis von 50 M. auf deur Weltmarkt die Industrie nicht zu Grunde gehe; der Zoll von 1 M. ändere an diesem Tiesstand nicht viel. Für Zollfceiheit könne er aber deshalb nicht eintreten, weil die Preise für Lebensmittel erhöht worden seien, sonst ivürde die Industrie noch mehr geschädigt. Die Socialdcmokraten stellen folgenden Eventualantrag Die Kommission wolle beschließen: für den Fall der An- nähme des in der Regierungsvorlage vorgeschlagenen oder eines andren Zollsatzes zu Position 777 folgender Anmerkung zustimmen zu wollen: A n m e r k u n g. Der Bundesrat ist verpflichtet, den Zollsatz außer Kraft zu setzen, sobald von Firmen, die dem Etscnkartell angehören, Roheisen und nicht schmiedbare Eisenlegierungen für das Ausland unter dem für das Inland festgesetzte» Preis verkauft werden. Der Vorsitzende bemerkt, ein ähnlicher Autrag sei zum Tarif gesetz gestellt und abgelehnt ivorden, er glaube nicht, daß über den Antrag jetzt debattiert iverde» kömie. Stadthageu erwidert, damals habe man gesagt, znm all- gemeinen Teil resp. zum Gesetz könne ein derartiger Antrag uicht gestellt iverden, darum sei er heute zu den Special-Positioneu ein- gebracht. Nach weiteren Bemerkungen HahuS und Bcrnstcinö wird die Diskussion über den Antrag mit der laufenden Disknssioii verbunden. Bernstein: Alle bisherigen Ausführungen belviesen, daß die hochentwickelte deutsche Eisenindustrie den Zoll als Schutz nicht be nötige. Träte eine Kalamität ein, ivie sie der Handels- minister an die Wand malte, dann sei der Zoll von 1 Mark zu niedrig. lHört I hört I rechts.) Ich halte den Zoll überhaupt für das n n g e s ch i ck t e st e H i l f s m i t t e l, er ist geeignet, die Jiidnstrie zu zerstören. Würde die amerikanische Konkurrenz uns mit den unerhörtesten Mitteln Waren zu Schleuderpreisen auf den Hals iverfen.�hülfe kein Zoll; höchstens die energische Maßregel eines strikten E i n fulh r v e r b o t e s könnte dann vielleicht wirken. Redner exemplificiert auf ähnliche englische Vorgänge. Mit unsrem Eventualantrag wollen ivir verhindern, daß das konsumierende in- ländische Publikum geschröpft lvird, während die Jndustriekartelle im Ausland schleudern. Durch die Kartelle im Inland könne die Krisis verlängert werden. Sondervorteile, die hohe Dividenden sichern dürfen einer Jndnstrie nicht gewährt iverden. Beumer habe mit seinen Geschichten über den Tiegelstahl Einzelfälle zu verallgenieinern gesucht, das sei nicht maßgeblich. Wenn ein solcher Arbeiter existiere, habe er sich nicht klug ge- zeigt. Gegenüber den Angaben Beumers über Arbeiter, die sich durch Anträge auf Zollfreiheit geschädigt fühlen, könne er den Brief eines Arbeiters vorlege», der sich principiell mit der Haltung der socialdemokratischen Vertreter ein- verstanden erkläre. ES verständen auch Arbeiter nicht immer ihre Interesse«, gut zn vertreten«nd feien in verkehrten An- schauunge» befangen. Wegen einer Speeialgrnppe können wir nicht von dem Gr>tndsatze völliger Handelsfreiheit ab- zehc»t. Durch Handelsfreiheit werde die Roheisenindustrie nicht ge- chädigt, die Arbeiter dieser Industrie hätten also keine Nachteile zu befürchten. Redner giebt an der Hand von Zahlen Einblick in die Arbeiter- Verhältnisse der Stoheisen-Jndustrie. Für Deutschland komme in Betracht, daß seine Gesamt- Industrie in günstige Lage zum Auslande komme, da könnten die Wünsche einer einzelnen Ar- beitergruppe nicht ausschlaggebend sein. Allerdings sei der Rückgang der Löhne eine Ursache zum Rückgang der Industrie. Das sollte von den Industriellen berücksichtigt werden. Heute seien die Agrarier andrer Ansicht, als in den siebziger Jahren. Er, Redner, erinnere sich sehr gut, ivie die von Mark Anton Niendorf redigierte„Deutsche Landes-Zeitung", ein Organ der Agrarier, 1877/78 ein Bild brachte, das einen ge- üllten Geldschrank mit einem davor stehenden Unternehmer zeigte, darunter die Worte: Gold bringt der Hand keinen Schmutz, Wir schwärmen für Zollschutz; Er füllt uns die Kassen Auf Kosten der Massen., Heute handelten die Agrarier ebenso. Er, Redner, halte es für eine grundlose Befürchtung des Staatssekretärs, der da meinte, Zoll- freiheit bringe die Ruhe des Kirchhofes, vielmehr werde die Handels- freiheit den Verkehr zivischen den Völkern zu deren Wohlfahrt steigern. Das Feilschen mit dem Zolltarif um Handelsverträge be- deute eine ungeheure, nutzlose Kraftverschleuderung. Mit dem äo ut äss, das mit dem Zolltarife getrieben werde, käme man zu einem gegenseitigen Betrügen der Völker.„Wenn Sie zu derjenigen Handels- und Verkehrspolitik übergehen, die ivir befürworten und die bei der Entwicklung der Verkehrsverhältnisse der Gcgenivart die einzig angemessene ist und die sich schließlich mit Notlvendigkeit durch- setzen lvird, dann werde» auch die Beamten des RcichSamts des Jniiern nicht mehr die große Mühe und Arbeit haben, über die Graf Posadowsky Klage führte, dann wird in den betreffenden Acmtcrn die Ruhe des Kirchhofs herrschen. Mit Schiller sage er, Redner: Diese Ruhe gönne ich den Flamändern." Graf Posadowsky betont dem Vorredner gegenüber, die Lage sei augenblicklich so, daß man ohne Kompensationen nicht auskommen könne. Er sei mit Bernstein einverstanden, daß im anßerordentlichen Falle immer noch das Mittel eines Einfuhrverbotes übrig bliebe. Aber es trage die Gefahr des Zollkrieges in sich. Redner wendet sich dann gegen Gothein, der die amerikanischen Verhältnisse nicht zutreffend geschildert habe. Ferner geht er auf die Situation der siebziger Jahre und die Entwicklung des Eisenmarktes ein. Es bestehe keine Garantie, daß auch in andren Ländern eine Ueberproduktion entstehe und dann Deutschland schädige. Der Vorsprung, den Deutschland auf den« Eiseumarkt habe, könne von andren Ländern eingeholt iverden; auch sie könnte» mehr feinere Waren ausführen. Aus Zahlen sucht Redner zit beweisen, daß der Schutzzoll außerordentlich günstig fitr die deutsche Eisenindustrie ge- wirkt habe. Dann cisiert er einige Sätze ans dem Werke S ch i p p e I s: „Gruirdzüge der Handelspolitik", um den Zoll als nötig zur Verbesserung der Lage der Arbeiter hinstellen zu können. Speck jC.) will den Autrag Gothein unterstützen. Die Eisenindnstricllen hätten Glück. Heute, wie in den 70er Jahren nutzten sie die vorübergehende Krise zur-Dnrchdrücknng ihrer Wünsche aus. Die Anträge der Socialdcmokraten auf Zollfrciheit würden dagegen den Ruin der Industrie herbeiführen. Die Syndikate seien allerdings nicht geeignet, gesunde Verhältnisse herbeizuführen. Redner ergeht sich dann in Vermutungen über die VerHandlungsart in der ziveiten Lesung. Lctocha(C.) will wohl gegen den Antrag Beumer stimmen, aber die Vorlage uiiterstützen. Redner bespricht schlesische Ver- hältnisse. Herold IC.) erklärt sich mit der Regieruiigsvorlage bezüglich der Eiseuzölle im großen und ganzen einverstanden. � Er ivolle der Eisenindustrie einen angemessenen Schutz gewähren. Koinpensationszivccke bewegten ihn außerdem dazu. Würden ferner bei diesem Abschnitt>v eitere Differenz- punkte niit der ölegierung geschaffen, danir wüchsen die Schwierigkeiten, den Tarif zu stände zu bringen, das ivolle er vermeiden. Aber sein Wunsch sei es. daß die von der Kommission beschlossenen landivirt- schaftlichen Zölle bestehen bleiben. Zwar seien diese Zölle höhere, als die industriellen Zölle, aber die Landwirtschaft bedürfe auch höheren Schutzes. Allerdings verkauften manche Fabrikanten billiger an das Ausland als im Jiilande, aber sie müßten das thun, damit sie alle ihre Arbeiter weiter beschäftigen könnten. Franken(nationalliberal) erinnert sich, daß mit der Einführung des Zolltarifs die Industrie sich gehoben habe. Darum müßten die Zölle hochgehalten«Verden, bis einmal günstigere Verhältnisse einträten. Für de» Antrag Beumer könne er nicht stimmen, außerdem der Antrag erhalte eine andre Form. Miillcr-Sagan erwidert Bernstein, bei der Hutindnstrie Iverde die Konkurrenz durch den Geivichtszoll gefördert, deshalb seien auch Arbeiterkrcise für den Stückzoll. Ein Schlußantrag Arendts lvird angenommen. In der A b st i m in u n g Iverden die Positionen 777, 784 und 343 nach der Vorlage angenonimen. Die Anmerkung Bernstein»ud Genosse» wird abgclehirt. Schi«iß 2 Uhr.— Räch st e Sitzung: Mittwoch 9 Uhr._ Toltcrles. Achtung! S. Wahlkreis! Parteispedition! Parteigenossen! Wie in jüngster Zeit bekannt gegeben, wird der„Vorwärts" und sonstige Parteiliteratur vom 1. August d. I. ab in eigner Parteispcdition ausgegeben. Wir ersuchen nun alle diejenigen Parteigenossinnen und Ge- nossen, von denen die ausgegebenen Liste»»och nicht abgeholt worden sind, oder die, welche cs bisher versäumt haben, bei der Parteispeditio» zu abonnieren, dies unverzüglich zu thun bei dem Parteispediteur Hermann Werner, jetzt wohnhast S t e i n m e tz st r a ß e 29, Hof 4. Etage, vom 1. A u g n st ab M i t t e n w a l d e r st r a ß e 30, vorn parterre. Weiter sei dringend darauf hingewiesen, daß es notwendig ist, daß alle die Leser, welche bei der Parteispcdition abonniert sind, bei ihrem bisherigen Spediteur abbestelle». Ausgenommen hiervon sind die bisherigen Abonnenten der Spediteure O h n e s o r g e, Vergmannstr. 23, und Z o l ch o w, Zossencrstr. 13. Alle Anfragen zc., die Parteispeditio» betreffend, sind zn richten an die unterzeichnete Kommission und an die Vertrauensleute. Die Kommission. Rich. Reimann, Urbanstr. 129, Laden. Obmann. Otto Witte, Arndt- traße 17. August Seikrit, Fidicinstraße 16, Quergebäude 4 Tr. Jul. Michaelse», Mariendorferstr. 16, Hof 2 Tr. Joseph Lohrmann. Die Vertrauensleute. Paul Scholz, Zossencrstr. 1, parterre. Gustav Schmidt Nostizstr. 43, Hof parterre. Die juristische Sprcchstnude des„Vorwärts" am Donnerstag lvird umständehalber von 7—'/eö Uhr abends abgehalten._ Ter rätselhafte Tod des Kohle,«häitdlerS Gustav Ackermann, über den wir in der Sonntagsnummer des„Vorwärts" berichteten, harrt noch immer der amtlichen Aufklärung. Trotzdem der mysteriöse Vorfall durch Uebergang in die Berliner Lokalpresse bereits der iveitesten Oeffentlichkeit übermittelt worden ist, s ch w e ig t sich sowohl die Polizeibehörde, als die Verwaltung der Stadtvogtei, als auch die Direktion der Irrenanstalt Herzberge einfach darüber aus. Weder' der Witwe des Verstorbenen, noch der Presse ist bis jetzt eine be- hördliche Erklärung darüber zugegangen, weshalb man der elfteren die urplötzliche, äußerst befremdende„Geistesstörung" des Mannes, owie dessen kurz darauf erfolgten Tod in der Irrenanstalt zu Hcrzberge so lange verschwieg, bis die Frau schließlich in- olge der selbst angestellten Nachforschungen Kenntnis von den bloßen Thatsachen erhielt. Von einer dem Magistrat nahestehenden Seite wird zivar offiziell behauptet, an die Frau sei eine rechtzeitige Mit- teil, mg abgegaugen; jedoch entspricht dies nicht der Wahrheit. Als die Frau sich auf dem Polizeibureau ihres Bezirks erkundigte, ob vielleicht dort eine amtliche Mitteilung über den Verbleib ihres Mannes vorliege, erklärte ihr der dienstlhuende Polizeilieuteuant, daß et trotz eifrigster Durchsuchung aller eingelaufenen Depeschen eine derartige Nachricht nicht finden könne. Auch über die näheren Umstände der Erkrankung und des Todes verlautete amtlich noch nichts. Wahrhaftig, die Mühlen der amtlichen Organe niahlen diesmal merkwürdig langsam. Je beharrlicher man auf dieser Seite aber schweigt, desto mehr redet man in der Einwohnerschaft, und die in Betracht kommenden Behörden haben es sich deshalb selbst zuzu schreiben, daß über die Todesursache deS verstorbenen Ackermann die seltsamste» Gerüchte von Mund zu Mund laufen. Will man nicht, daß diese Vermutungen die Form von festen Behauptungen anneh nien, dann— heraus mit der Sprache. Die Witwe hat den Vorfall jetzt übrigens bei der Staatsanwalt schaft angezeigt und eine Exhumierung und ärztliche Untersuchung der Leiche beantragt. Der Erste Staatsanivalt hat diesen Fall selbst als einen höchst sonderbaren bezeichnet und die sofortige Untersuchung eingeleitet. Hoffentlich wird dieselbe mit«mfasscnder Gründlichkeit betrieben, damit Licht in dieser dunklen Affnire geschaffen wird. Mniiövcrsendmige». Ans Anlaß der bevorstehenden mili tärische» Herbstübnngen läßt die Postverwaltung auf die Wichtigkeit der Anwendung richtiger und deutlicher Aufschriften bei den Mnnöver Postsendungen hinwiesen. Zur genauen Aufschrift gehören Familieir name, womöglich auch der Vorname, Dienstgrad und Truppenteil nach Regiment. Bataillon, Eompagnie, Eskadron� Batterie, Kolonne zc. und für gewöhnlich der Standort oder die Garnison, nötigenfalls mit dem Zusatz„oder nachsenden". Die Angabe eines Marsch. quartierS empfiehlt sich nur dann, wenn es genau bekannt und wenn vorauszusehen ist, daß die Sendung so zeitig an dem BestimmungS ort eintreffen wird, daß sie vor dem Weitermarsche in Empfang ge nommcn iverden kann. Die Kindersterblichkeit ist in Berlin in diesem Sommer bis her verhältnismäßig gering gewesen. Diesbezügliche Veröffent lichunaen des Berliner Statistischen Amts liegen jetzt für die Zeit bis Mitte Juli vor. Eine merlliche Zunahme erfuhr die Zahl der Sterbefälle von Kindern des ersten Lebensjahres eigentlich nur Ende Mai und Anfang Juni. Bis in das letzte Drittel' des Mai hinein war die Sterblichkeit der Kinder dieses Alters in keiner Woche über 200 Fälle und oft nicht einmal über 180 Fälle pro Woche hinaus gegangen. Noch auö der Woche 13.— 24. Mai waren nur 160 Sterbe fälle gemeldet worden. Erst in den beiden Wochen 2ö.— 31. Mai und 1.— 7. Juni, die eine fast unvermittelte und recht beträchtliche Steigerung der Temperatur brachten, schivoll auch die Kinder« sterblichkeit rasch auf 268 und 303 Fälle an. Aber schon in der nächsten Woche sank sie sofort wieder auf 147 Fälle und auch ans den darauf folgenden vier Wochen bis Mitte Juli sind nur 167, 156, 172, 163 Fälle gemeldet worden. Tie neuen Lehrpläne für»ie Berliner Gemeindeschulen hat das Kultusniinisterium der Schuldeputation nunmehr zugestellt. Damit ist eine Frage zum vorläufigen Abschluß gelangt, an deren Lösung Pädagogen und Verwaltnngsbeamte des Staates und der Stadt zivei Jahre fast gearbeitet haben. Allein die seiner Zeit von, Minister zur Vorberatung eingesetzte Konferenz hat sieben Monate getagt. Heute sind die nach de» Abänderungsvorschlägen der Schul» deputation dann nochmals durchberatenen und nniredigierten Pläne i» Druck gegeben worden, um bei Wiederbeginn des Unterrichts de» Rektoren zuzugehen. Mit dem kommenden Semester wird dann der Lehrplan in Kraft treten. Der Polizeisäbel. Ein aufregender Anblick bot sich am Montagnachmittag gegen 6 Uhr den Passanten am Rosenthaler Thor. Dort waren zwei anscheinend der Arbeiterklasse angehörige Personen um einer geringfügigen Ursache willen in Streit geraten. Wie ge- wöhnlich bei derartigen Auftritten, so sammelten sich auch hier im Handumdrehen eine Anzahl müßiger Gaffer um die Streitenden an. Der Zuschauerhaufe wuchs aber zu einer großen Volksmasse, als zwei Schutzleute auf der Bildfläche erschienen,»m„Frieden" zu stiften. Bei dieser Vermittelung benahm sich einer der Zankenden renitent gegen die Beamten. Ein Wort gab das andre und ehe man sichs versah, zogen die Schutzleute ihre Säbel und hieben auf den unbelvaffneten Menschen ein, so daß dieser blutüberströmt umhertaumelte. Der Zuschauer bemächtigte sich ob dieses rücksichtslosen Vorgehens eine hochgradige Erregung. Man war allgemein der Ansicht, daß umsoiveniger ein Anlast zum Ge- brauch der Waffe vorlag, als die beiden Schutzleute sicher Manns geiiug waren, den einen unbcwehrtcn Menschen zu überwältigen. Bei einem lveniger scharfen Auftreten hätte es sich vielleicht über- Haupt erübrigt, Hand an denselben zu legen. Der Vorfall berührte um so peinlicher, als man erfreulicherweise seit längerer Zeit nur wenig von polizeilichen Uebergtiffen vernahi». Zu den Segel-Unfällen anf demjSeddiu-See teilt uns»och ei» Augenzeuge mit: Ein sehr aufregender Vorfall trug sich am Sonntag beim Restaurant Ziviebusch im Seddin-See zu. Hier kenterte zuerst das Segelboot„Helga". Da in der ganzen Gegend leine Hilfe war, machte die Segeljacht„Elly" des Herr» Bräuer, Euvrhstraße 46. klar zur Rettung. Selbst mit den, Leben kämpfend, rettete die Besatzung der Jacht die Mannschaft der„Helga". Kaum war die Mannschaft gerettet, als ein andres Boot kenterte. Auch hier fuhr die„Elly" hin,»in zu retten. Bei der Uebernahme der Mannschaft richtete sich jedoch das gekenterte Boot auf und fiel auf der andern Seite der„Elly" in die'Takelage, ver- wickelte sich im Tauwerk und riß die„Elly" mit um. Nunmehr lagen also die Leute von drei Boote» znsanunen und kämpften mit den Wellen, welche über einen Meter hoch schlugen, bis sie von den Dampfern„Germania" und„Frieda" aufgeuourme» wurden. Noch ein BootSunfall. Die Beamten der Charlottenburger Kriminalpolizei machten gestern nachmittag mit Kremsern von Chat lottenburger Fuhrherrcn einen Ausflug nach Ncptnnshain an der Oberspree und waren dort Zeugen eines Bootsunfalls, dem ein Menschenleben zum Opfer fiel. Zivei junge Männer vergnügten sich mit einem Ruderboot. Da kam einer von ihnen auf de» Gedanken. seinen Ueberzieher aufzuspannen, um ihn als Segel zu benutzen. Ein Weilchen ging das gut, plötzlich aber faßte ein starker Windstoß das improvisierte Segel und warf das Boot um. Von den beide» Jnsaffen konnte der eine nicht schwimmen! er hielt sich an dem ge« kenterten Voote fest und Schiffer rettete» ihn. Der andre dagegen, ein guter Schivimmer, versuchte das Ufer zu erreichen, ging aber plötzlich unter, wahrscheinlich infolge eines Herzschlags, und kam nicht wieder zum Vorschein. Die' Leiche ist noch nicht gefunden. In selbstmörderischer Absicht warf sich gestern der in der Blumenthalstr. 26 wohnhafte Eisendreher Franz Bausdorf in der Frankfurter Allee vor einen in voller Fahrt begriffenen Wagen der Straßenbahn. Er wurde eine Strecke mitgeschleift, bis der Wogen zum Stehen kam. Man brachte den Lebensmüden zunächst nach der nahegelegenen Unfallstation, wo man glücklicherweife nur gering- fügige Verletzungen feststellen konnte. Durch lange Arbeitslosigkeit hervorgerufene Sorgen und Not hatten den Aermsten zu dem ver- zweifelten Schritt getrieben. Von der Straßenbahn wurde der mit einem Zweirade die Münzstraße kreuzende Maurer Friedrich Winter, HeinerSdorfer Weg 28, erfaßt und mit solcher Geivalt zu Boden gerissen, daß er eine Gehirnerschütterung und einen Bruch des Nasenbein« davontmg. Biel Mühe verursachte eS, den Verunglückten aus seiner Lage zu befreien. Ein Schutzmann des 16. Reviers brachte ihn zunächst nach der Unfallstation in der Keibelstrnße, von wo er mitiels Droschke Nach seiner Wohnung transportiert werden wußte. Bei der Ausfahrt auf einen Neubauplatz in der Hochstraße Nr. 31 verunglückte gester» nachmittag der Kutscher Karl Woinowski aus der Maxstraße in Schöneberg. Da der Weg zu schmal war, fuhr er gegen einen Baum, fiel unter seinen Wagen, wurde über- fahren und zog sich einen Unterscheukelbruch zu. Ein Lückscher Rettungswagen brachte den Verunglückten von der Unfallstation in der Badstraste nach dem St. Hedwigs-Krankenhause. Die Poliklinik für Nieren-,»las««-. Harnleiden Karlstr. 20» findet nach der RfiiUehr des Dr. med. Rothschild wieder für Unbemittelte wochcntäglich 1—2 Uhr unentgeltlich statt. Im Zoologischen Garten beginnt am Donnerstagnachmittag, woran' wir all« wirtlichen Musilsreunde verweiseil möchten, ein Gaftspieleyllus der als besonders tüchtig gerühmte» Kapelle deS könlgl. bavrtsche» 21. Jnfanterie-Regiments unter Leitung des tönigl. Musik- diriaenten Herrn Jul. Schreck, welcher fich in jüngster Zeit auf dem Gebiete der Milltännustk eineil bedeutenden Ruf erworben hat. Das Programm für baS erste Konzert ist ein auserlesenes und bringt die besten Kompositionen von Meistern aller Länder, während das Freitag-Programm ausschließlich Schöpfungen deutscher Tondichter nmfaßt, so beispielsweise Kompositionen von Sebastian Bach, Händel, Gluck, Haydn, Mozart, v. Weber. Schubert, Richard Wag»«, Johann Strauß und andren mehr. Das Gast- piel der„Bayern" erstreckt sich auf die Tage vom 31. Juli bis 6. August._ Aus den Nachbarorte». Ständige Zlnöstellnug fitr Arbeiterwohlfahrt. Ein Aus stcllungsgebäude für Arbeitertvohlfuhrt ist in der Frcmnhofcrstraße in Charlottenbnrg im Rohbau beendet und Wird voraussichtlich gegen Ende dieses Jahres feiner Bestimmung übergeben werden. In dem selben gelangen Erzengnisse zur Alifstellnng, welche zur Wohlfahrt der Arbeiter bestimmt sind. Die Ausstellung wird sämtliche Zweige der Arbeiterfürsorge, der Vorkehrungeu für Unfallverhütungen sowie Einrichtungen auf dem Gebiete der Gelverbehygiene umfassen. Die Beschaffung der AnSstellnugs- Erzeugnisse wird vornehmlich in der Weise erfolgen, daß Fabrikanten, Erfindern zc. Raum für die vorzil« führenden Gegenstände in der Riescnhalle unentgeltlich zur Verfügung gestellt wird. Der ganze Saal ist von einer Riesenwelle durchzögen welche durch elektrische Kraft betrieben und an die alle maschinelle» Erzengnisse mittels Treibriemen angeschlossen werben. Es sind auch noch sonstige Vorrichtiinge» vorhanden, um den Betrieb der Ans stellnngSgegenstgnde in jeglicher Weise zu ermöglichen und wird die hierzu erforderliche Energie unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Zur beschleunigten Ausstellung der Ansstellungs-Erzcugnisse ist die Bc schaffung eines Riescnkrahns vorgesehen. Die Halle wird mit elcktri- scher Beleuchtnngsnnlage ansgerüsiet und, um auch Arbeitern und Angestellten eine Besichtigung zu ermöglichen, an einigen Tagen in der Woche an den Abendstiinden geöffnet sei». In dem BertvallnngS gebände ist ein Vorlragssanl eingebaut, in welchem regelmäßige Vorträge über llnfnllverhiitiing, WohnungS- und Gelverbehygiene zc gehalten werden sollen. Die polizeilichen Nnchsorschungeu»ach dem Urheber der mehrfach ans Stndtbahnzüge abgegebene» Schüsse haben zu einem bestimmten Resultat nicht geführt. Es konnte nur festgestellt werde» daß der Thäler ans einem der Hinterhäuser in der Kantstr. 122— 126 die Schüsse abgefeuert haben muß. Nachdem die Erniittlungen so- weit geführt, dürste es jedenfalls gelingen, des rohen Burschen Hab Haft zu werden. Bemerken wollen wir noch, daß sich in dem Hause Kantstr. 122 eine Polizeiwache befindet. Neberfahren und getötet wnrde gestern abend zu Charlotten biirg das dreijährige Töchterchen des Arbeiters Mehlhaafe aus der chloßstr. 3. Das Kind wurde von einer älteren Schivcstcr in einem kleinen Sportwagen durch die Schloßstmße gefahren, fiel unversehens heraus und rollte so nnglücklich unter einen Steinwage», daß ihm ein Hinterrad über den Körper ging. Die Kleine war sofort tot. Ans Nixdorf. In hilflosem Znstande fanden Moiiiagnach mittag Passanren der Rosenslraße einen bedaucruswerlen Krüppel auf dem Bürgersteig liegen. Es handelte sich um den 42 jährigen Schuhmacher Friedrich Körner, einem obdachlosen Menschen, den» beide Unterschenkel fehlen und der infolgedesien nur anf Stelzfüße» 'ich fortbewegen kann. Als K. nun ans irgendwelcher Ursache ohn inächtig anf die Straße gesunken war, hatten»»ermittelte Persoue» den Krüppel der Stelzfüße beraubt, so daß der Aermstc sich über- Haupt uicht fortbewegen konnte. Mitleidige Leute brachten den K nach der Polizei, von Ivo ans später seine tteberführrnig nach den, 'tädtischen Obdach in der Enrserstrnß« erfolgte. Lichtenberg. Rund 2360 Oiindrainretcr Straßenpflasiernng chreibt der Gemeindevorstand neben den dazu gehörigen BürgersteigS- RcgnIIcrungen im Wege der öffentlichen Snbmiisio» aus. Am 6. August soll die Verdingiing sein, so daß die drei großen Straße» züge: Eldcnaersirahe, Pfarrstraße und Gürlclstrahc»och vor Eintritt des Winters dem Berkehr übergebe» iverden könne».— Auch der Bau der beide» von der Gemeiiidevertrctuug endlich bewilligten ersten Turnhallen wird demnächst ausgeschrieben. Hier wie oben ist die Uebernahme der Arbeiten in Gemeinde regle durch die Majorität abgelehnt, aber— eS„bröckelt"!— Elf Prozent Kirchensteuer sollen«nsre Frommen am Orte bezahlen. Darob groß Heule» und Zähneklappern, sintenialen doch erst kürzlich die Geiuciiidcvcrtretung, nach gelungener Entferiinng von 2 Soeialde, nokrate» durch den„Lichtenberger Special-Freist»»" 80000 M. aus Mitteln der Steuerzahler sund dazu gehöre» auch Juden und Katholiken) nrit einer Stimme Majorität zum Bau einer zweiten evangelischen Kirche bewilligte!— Als gesund aus der Heilanstalt ist der Schulknabe Hecker entlasfen. der vor einigen Wochen in der Laubenkolonie am Ringbnhnhof Frankfurter Allee durch den Töpfer M. versehentlich angeschossen wurde. Tegelort. GekenterteS Boot. Montagmittag kentert« auf dem Tegeler See, gegenüber der neuen Bade-Anstalt in Tegel- ort, ein Segelboot, in welchem sich ein Offizier n»d ei» Chargierter befanden. Zum Glück konnte der in der Nähe befindliche Danipfer L e h n i tz", der sofort zur Hilfe eilte, beide Personen ans den Wellen retten und dann das Segelboot a»S Land bugsieren. Wie Augenzeugen berichten, soll der des Segeiiis nicht genügend kundige Oifizier bei dem herrschenden Sturm und den hochgehenden Wogen beim Wenden deS Bootes nicht schnell genug manövriert haben. Ober-Schöneweide. Die oft gerügte Unsttte der Kinder, ans dem Treppengeländer zu rutschen, bat eine» bedauerlichen Unglücks- 'ahrt zur Folge gehabt. Der fünfjährige Sohn des in der Marien- traß« daselbst wohnhaften Arbeiters Fink rutschte auf dem Treppen- geläudcr vom 2. zum 1. Stock hinab, verlor dabei das Gleich- gelvicht und stürzte in die Tiefe. Mit zerschmettertem Schädel wurde der Kleine aufgehoben. Ts ist zweifelhaft, ob er mit dem Leben davonkomme» wird. Der Ausfall der diesjährigen Obsternte in der Mark Brandenburg wird von sachkundiger Seile auf Grund zahlreicher Berichte wie folgt geschätzt: Aepfel mittel, Birnen, Hanszwetschen und Pflaumen mittel bis gering, Süßkirschen sehr gering. Sauer- kirsche» und Pfirsiche gering, Aprikosen schlecht, Stachelbeeren gut. Johannisbeeren und Himbeeren gut bis mittel, Erdbeeren gut, i Heidelbeeren mittel bis gering, Wallnüsse und Haselnüsse gering. i)a auch in andren Provinzen die Obstbilduiig viel zu ivüuscheu übrig läßt, kaiin das laufende Jahr als ein ungünstiges Obstjahr bezeichnet iverden. Bon einem Eisrnbahuzug tiberfahren und getötet wurde am Sonntag ei» Teilnehmer am Schützenfest in Fiusterwalde. Zu diesem Feste hatten sich viele Leute aus der Nachbarschaft eingefunden.' Ein Kremser mit Gästen fand bei Alt-Zittau die Eiseubahuschrauke nicht geschloffen. Als er über das Geleise fuhr, kam gerade ein ug. Der Kremser kam noch glücklich hinüber. Ein Man» aber ürzte bei der Erschülterung hinab, wnrde von dem Zug überfahren und auf der Stelle getötet.— Eine schreckliche Ueberraschung wurde a» demselben Tage einem Beamten K. in Finsterwalde zu teil. Der Mann hatte fich morgens, trotz der Bitte» seiner Frau, die einem Faniilieuereignis entgegeujah, einem Nadlerausflug angeschloffen. Als er zurückkehrte, war daß Ereignis eingetreten. Seine Frau hatle ein Zwrllüigspärchen zur Welt gebracht. Die Kinder lebten und waren munter, aber die Mutter lag ans dem Totenbett. Ter R. KreiS deS Arbetter-TurnerbnudeS hielt vom Sonn- abend bis Montag in Forst(Lausitz) sein_ fünftes KreiS-Turnfcst ab, das verbunden war mit dem zehnten Stiftungsfest de« Bundes. lieber 3000 Turner und Turnerinnen waren aus allen Teilen der Provinz Brandenburg erschienen, u. a. kamen am Eonnabendabend mittels ExtrazugeS von Berlin 298 Turner und Turnerinnen an. Ans Berlin war der Turnverein„Fichte" gut vertreten j ein paar Lieder, welche dessen Gesangsabteilung vortrug, sowie das Turnen der 1. Damenriege am Barren wurden sehr beifällig aufgenommen. Aus den Berliner Vororten beteiligten sich die Vereine von Köpenick, Rixdors-Britz, Adlershof, Tegel und Rnminelsburg, auch war der Verein Nereus- Berlin verireten. Insgesamt marschierten im Festzuge 42 Turn- vereine, voran die Damen-Abteilnnge» von 7 Vereinen.— In der Festrede konnte der Vorsitzende des Kreises, Genosse Grenz-Berli», her- vorhcben, Ivie trotz aller Hinderniffe der Tnrnerbund voranschreitet. An, 26. Juni 1892 wnrde der Bund in Brandenburg gegründet von den Vereinen„Fichte"-Berlin, Velten und Brandenbrirg; er zählte damals noch nicht 200 Mitglieder. Jetzt umfaßt allein der 1. Kreis(Berlin und Provinz Brandenburg) 6470 Mitglieder.— Das Fest hat einen guten Eindruck gemacht und war für die Arbeiter- Turnsache wirksam. Die Bevölkerung von Forst hatte die Gäste sehr frernrdlich aufgenommen. Das Fest ivird den Teilnehmern in guter Erimierung bleiben._ Geviclzks Leitung» Ei» Seelsorger. H a l l e a. S. 28. Juli. Eine bedenkliche Mohre n« Wäsche wurde vor der hiesigen Ferienstraftanrmer im Interesse des Pfarrers Grbsone von Lobes« bei Zahne von der Staatsanwall- schaft vorgenommen. Angeklagt waren der Chesredacteur der liberalen„Saalezeitnng" Ernst Schasse, der Redacteur des „Central-Anzeigers"— ein Ableger der„Saalezeitung"— Adolf Thiele und der Schnlrektor Friedrich K i e ß I e r von Zahne. Die Genannten sollen den Pfarrer G. und auch die Kirchengeinernde von Lobese durch eine Mitte Dezember vorigen Jahres in den beiden Zeitungen veröffentlichte Notiz beleidigt haben. � Rektor Kießler hatte die Notiz eingesandt, in der es hieß, daß der Pfarrer mit fast allen Gemeindemitgliedenr zerfallen sei, so daß die Gemeinde einen neuen Pfarrer verlangt. Kein Mensch besuche mehr die Kirche. Kürzlich habe � der Pfarrer verkündigt, daß ein auswärtiger Geistlicher predigen würde. Daraufhin habe die ganze Gemeinde das Gotteshaus besucht. Als der fremde Pfarrer aber nicht erschienen und Gibsone dann selbst die Kanzel vesleige» mußte, habe die Gemeinde die Kirche verlassen und der Pfarrer habe vor fast leeren Stühle» predige» müssen. Rektor Kießler gab zn, die Notiz eingesandt und»ach den statt- gehabten Informationen die darin aufgestellte» Behauptungen für wahr gehalten zuhaben. Die Redacteure räumten die Veröffentlichung mit dem Hinweise ein, dieselbe sei geschehen, damit die Kirchen- behörde von de» Vorgängen in Lobese Kenntnis bekomme. Die Beweisaufnahme ergab ein hübsches Bild von den kirchlichen Zn- ständen in Lobese. Der Amisbruder des Pfarrer? Gibsone, Pastor Voigt, ninßtc»ach und nach eiiirmnneii, gesagt zu haben t E S s e i doch ein Skandal, daß die Ober-Kirchen behörde nicht eingreife und solchen Mann nicht vom Amte entlasse. Der Pfarrer wurde als Krakehler bezeichnet. Zeuge Handels, riaim Gährisch sagt, cS bestehe eine Abscheu vor de», Pfarrer. Die meisten Gemeinden, ilglieder drohten mit dem Austritt aus der Landeskirche. Er, Zeuge, müßte drei Stunden erzählen, wenn er das, was er von dem Pfarrer wisse, alles unterbreiten wollte. Ter Pfarrer habe lin- befugter Weise Acker und Pflnstelsteine vom Pfarrhof verlaust und das Geld in feine Tasche gesteckt. Der Kutscher des Pfarrers habe erzählt, der Pfarrer habe zweimal die Thüren ausgehoben, nn, seine Dienslmädcheu besuchen zu können. Aus Eifersucht habe er aufder Straße Leute mit dem Revolver bedroht. Ma» habe i h n wiederholt aufgefordert, sich gegen die Beschuldigungen ge« r i ch t l i ch zu reinige», aber er habe das stets unlerlnssen. Zeuge Landwirt Grabow bekundet, der Pfarrer habe ihn, als er zur Beerdigimg ciiic» andren Geistlichen verlangte,„frecher Mensch" genannt. E in mal Ivären zur Predigt 3, dann 2. d a u» 1 B e s u ch e r i>, d e r K i r ch e g e w e s e n»» d einmal war der Pfarrer ganz allein da. Der Kirchen- rat hatte eö aber mit dem Pfarrer. Wenn der Lehrer in der Kirche Vorlesungen hält, wäre» mindestens 80 Personen crnivesend. Ein guter Lehrer sei durch den Pfarrer weggekommen. Zeuge Pfarrer Gibsone giebt selbst zu, daß er mit dein größten Teil seiner Gemeiiidemitglieder zerfallen sei. Eines Sonntags bei deni Kirche nbesuck habe die ganze Genieinde g e st r e i k t. A» die Kammerthüre seines Mädchens habe er nur geklopft, weil das Mädchen bäufig die Zeit verschlafen habe. Das Kousistoriiim � habe die Sache untersucht, und da sei er als vollständig gereinigt hervorgegaiigen. Staatsanwalt Schlüttcr erachtete den Wahrheitsbeweis für die Behcinptuiigeii nicht als erbracht und meint«, iv e n ii in solcher Weise gegen einen Geistlichen vorgegangen werde, wer solle denn s o ein lin« d a ii l b a r e s Amt noch übernehmen. Er beantragte gegen den Retlor 300 und gegen die Redacteure 76 bezw. 60 M. Geldstrafe. Erkannt wurde»egeu die Redacteure aus je 30 und gegen den Rektor auf 150 M. Geldstrafe. Vevfonttnlttnüen. Die Polizei und das BrrsauinilnngSrecht der Frauet». Ein eigcnlümlickier Fall von Polizeiinaßnahme, welcher eines komischen Beigeschmacks nicht entbehrt, spielte sich am letzten Soii». abend in der Sitzung des Vereins polnischer Svclalisteu in Feuer- steius Lokal, Berlin,' Alte Jakobsir. 75, ab. Seit einiget Zeit hatte man auch Frauen zn den genannten Sitziingen eimieladeii und ihnen cineii durch lange Tische abgegrenzten Platz im Saale angewiesen. Der Beamte, der die erste Bersciinmlung mit Fronen überwachte, machte den Vorsitzenden, Genosse BerfliS, auftnerksam, daß er die Sitzung auflösen müßte,(wenn die anwesenden Fronen das Lokal vor der Eröffnimg der Sitzung nicht verlassen. Nach längerem Hin und Her hat aber der Polizeibeamte die lieber» zengung gelvonnen, daß die Abgrenzung mit der ihm zu teil ge» ivordene» Instruktion zu vereinbaren sei. Seitdem lvurdeii alle Versammlungen mit Frauen abgehalten und kein Beamter hatte dagegen etwas einzuwenden. Am letzten Sonnabend aber, wiederum vor der Sitzung, erklärte der überwachende Beamte dem Genoffen Berfus. daß er beauftragt sei, der Frauen wegen die Versammlung aufzulösen. Auf die Frage, wnnim jetzt mit eine!» Male diese Maßregel getroffen wird und in den vorherige» Versammlungen nichts moniert iviirde, erklärte der Beamte, daß derjenige Beamte, welcher die letzte Sitzung überwachte, ans einem andern Polizeirevier sei, und von dieie», Revier tan, die Anlveisung, die Sitzung aufzulösen! er er» Uchte den Genoffen Berfus, die Anwesenden hiervon in Kenntnis zn etzen. Berftis erklärte nun den, Beamten, daß er hierzu gewillt ct. aber genötigt ist, die Sitzung zu eröffnen, da er nolsns volens etzt bei der Unterhalt, mg der Anwesende» dieses nicht bewerkstelligen löune, was auch der Beamte bestätigte. Als erster Punkt wnrde»nn von Berfus die neueste Maßnahine der Polizei den Anwesende» mitgeteilt und der Beschluß gefaßt, für die Zukniift regelmäßig jeden Sonnabend öffentliche Vereins- versau, mlungen z» veranstalten, für heute aber die Frauen im Saale zu belaste» und der weiteren Dinge, die da kommen, abzuwarten. Nu» kommt der erheiternde Teil: Berfus verlas nun die Tages- ordnung und erteilte dem Schriftführer da« Wort zur Verlesung de» Protokolls von der letzten VereiiiSversammlung. Währeiidden, trat der Beamte an den Vorstandstisch und stellte an Berfus die Auf» iorderiing, er solle die Versammlung auslösen. lAllgemeiiie Heiterkeit.) Berfus erklärte, daß er keine Veranlassung habe, die» zu rhu,,»nd ersuchte den Schriftführer, iveiter zu lese». Nach Erledigung des Protokolls erhielt Thiel das Wort zum Vortrag. Der Beamte aber staud auf»nd. ohne seinen Helm a» f z u s e tz e», er- klärte er, daß die Versaiimiluiig aufgelöst sei. Berfus erklärte aber die Auflösung für nichtig, da dieselbe nicht vorschriftsmäßig geschah und ersuchte den Referenten weiterznsprechen. Kurz vor Schluß des Referats trat der Beamte au BerfuS und erklärte ihm, daß er ge- nötigt fei, auf das Polizeirevier zu gehen und mehr Maniischaften zu holen, wogegen BerfuS nichts einzuwenden hatte. Nach dem Vortrag wollte thatsächlich der Beamte eine Ver« stärkmg vom Polizeirevier holen, um die unfolgsamen polnischen Socialistcn ans dem Lokale zu Paaren zu sagen, denn er setzte sich seinen Helm auf»nd war schon mitte» im Saal, als ihm der erlösende Gedanke kam, nochmals zu erklären, daß er die Versammlung auflöse, und warum man den Saal nicht verlasie» wolle. sAllgcineine Heiterkeit.) Nun ersuchte Brrfns die anwesenden, den Saal zu verlassen, und auf die Frage des Beamten, warum man jetzt erst seine Auflösung respektiere, wurde ihm erklärt, daß er vorhin vergessen habe, seinen Helm auf» zusetzen. Wie lange wird eS denn noch dauern, bis der Minrsterialerlaß bezüglich der Zulasiung'von'Frauen in Versammlungen politischer Bereine von den ausftihrenden Polizeibeamten ohne Ausnahme respektiert wird? Centralverband der Zimmerer(Zahlstelle Berlin und Vororte). In der am Sonntag in den Arnunhallen abgehaltenen, gut besuchten Generalversammlung kam es gleich nach der Protokoll- Verlesung zu einer Debatte über die Nichtaufnahme von Bersamm- lungsberichten im.Vorwärts'. Außer mehreren Mitgliedern sprachen hierzu der Vorsitzende jt n ü p f e r und Schriflführer T a p p e r t. Alle tvaren der Meinung, daß es die Redaktion des„Vorwärts' in dieser Hinsicht den Geiverkschasten und besonders den Zimmerern gegenüber an dem nötigen Entgegenkommen fehlen lasse. Dem Vorstand wurde dringend geraten, sich dieserhalb beschiverdcführend an die Preßkommisfion zu tuenden.—(Wir sehen der Beschwerde ruhig entgegen, erwarten aber, daß sie durch Thats ach en be- gründet werde. Red. d.„Vorw.")— Alsdann verlas der Kassierer Kilbe die Abrechnung vom 2. Quartal. Die Zahlstelle hatte eine Einnahme von 13 261,33 M. und eine Ausgabe von 1217,89 M. An die Haupt- lasse wurden abgeführt 6152 M., in der Lokalkasse verbleiben S89l,44 M. Der örtliche Fonds weist einen Bestand von 26 991, S7 M. auf. An die Maifeier-Ausgesperrten sind 3978,65 M. Unterstützung gezahlt, und dem Streikfonds der Haupt- lasse find 2100 M. Lberlvicsen worden. Auf Antrag der Revisoren wurde dem Kassierer einstimmig Entlastung erteilt. Hierauf nahm S chrader-Hamburg daS Wort zn seinem Vortrag über „die diesjährigen Lohnkämpfe der Zimmerer Deutschlands.' Redner leitete die zahlreichen Lohnlämpfe aus der schlechten ivirtschaftlickicn Lage der Zimmer ab. Wenn auch der Stundenlohn in den letzten Jahren etwas gestiegen sei, so doch nicht in dem Verhältnis wie Mieten, Steuern und Lebensmittelpreise. Hinzu komme, daß die fortwährende» technischen Verbesserungen, wie die steigende Eiw sührung der Eisenkonftruklion im Baugewerbe die Daner der Arbeits� losigkeit ständig vermehren. Deshalb gebiete schon der bloße Selbst erhaltungstrieb den Zimmerern, nach einer Aufbcsiernng der Löhne zu streben. Er beleuchtete sodann die Mangelhaftigkeit des KoalitionSrcchts, indem er an einigen krassen Fällen aus Posen, Koblenz und Berlin zeigte, was de» Arbeitern alles verboten ist und was sich die Unter- nehmer unter dem Schutze der Behörden dagegen alles gestatten dürfen. Des weiteren ging er auf die bekannten Aussprüche der Herren Eßmann, Fetisch und andrer Scharfmacher ein und wies nach, daß in dem Verhalten der Unternehmer bei den Lohnknmpfen dieses Jahres, wie sie sich in Gold- berg i. Mecklenburg, Kiel, Neumünster, Hamburg, Braun- schtveig, Posen usw. abgespielt haben, unzlveifelhaft System liege. Uebcrall suche das koalierte Unternehmertum durch Aus« sperrungen die Verbandskassen der Arbeiter zn erschöpfen und so deren Organisationen zu sprengen. Erst in den letzten Tagen Ivteder beweise daS Vorgehen der Potsdamer Unternehmer, daß die Rezepte der Fetisch und Konsorten nach und nach in immer größerem Maße in Anwendung gebracht werden. Da das Ideal dieser Herren die Massenaussperrung nach dänischem Muster sei, so könne in der Festigung und Ausbreitung derOrganisation gar nicht genug gethan werde», um den Kampf mit dem Kapital erfolgreich aufnehmen zu können.— I» der DiSkufston sprachen sämtliche Redner in» Sinne deS Referenten. Unter„Verschiedenes' machte K n ü p f e r auf das am 9. August statt- findende Stiftungsfest der Zahlstelle aufmerksam. Ferner ermahnte er die Kollegen, sich nicht auf Ucberstnnden und auf ein Accordstzstcm einzulassen, wie dies von mehreren Verbandsmitglicdern bei der Firma Laos am Börlitzcr Ufer geschehen fei i man solle sich im Gegenteil strikte an die Bestimmungen des Vertrags halte». Nach einer dringenden Anffordernng, Einsicht in die bis zum 36. d. M., Poststr. 16 ausliegenden Kommunal-Wählerllsten zn nehmen, wurde die Versammlung geschlossen. Köpenick. An, 22. Juli hielt der socialdeinokratischc Wahlverein seine Versammlung in,„GescllschaftShanse', Grttnauerstraße. ab: Die Versammlung folgte mit großem Interesse den AnSführuiigen deS Genossen KaliSki-Beriin über„DülowS Knninchcnpolitit' und spendete dem Redner ungeteilten Beifall. Der Kassenbericht von, letzten Vierteljahr ergab eine Gcsamteinnahme von 421,89 M. und eine Ausgabe von 378,59 M.. mithin eine» Ueberschuß von 43,39 M. Ferner wurden die Genossen Lilschc, Kegel und Weber als Delegierte zur Generalversammlung des Cenlral-WahlvereinS gewählt. Weiter wurde beschlossen, die Delegierten sollten beantragen, daß nur zwei Parteigenossen vom Central-Wahlvcrein zu», Parteilag entsendet würden, da wir bereits durch die Genosse» Znbetl, Eberhart und Gerisch genügend vertreten wären. Sociales. Sine Ehrung deS verstorbenen FabrikinspektorS Wörriö- hoffer veranstaltete» am Somitng die Gewerkschaften Karlsruhes. Sie begaben sich in großer Anzahl zur Grabstätte und legte» dort unter einer Ansprache einen Kranz nieder. Bon verschiedene» Gewerkschaften andrer badischcr Städte tvaren teils Vertretungen erschienen, teils ZlistiinimingSerklärimgeii eingegangen. Auch Beamte der Fabrikiiispektton»ahmen an der Feier teil und ebenso tvaren die Angehörigen des Verstorbeiicn antvcsrnd. Kiuderschlch. Der englische Staatssekretär des Jimem hat soeben ein Projekt betr. die gewerbliche Beschäftigung der Kinder veröffentlicht. Danach wird den Kreis- und Kommimalbehvrden das Recht eingeräumt, durch besondere Verordnung die Verwendung von Schulkinder» dein, Straßenhandel entweder zn verbiete» oder zu regeln. Erfolgt eine .Regelung', so müssen die Vorschriften auf die Stunde», während welcher der Handel für Kinder gestattet ist, sowie ans die hierfür freigegebenen Plätze Bezug haben. Vor 6 Uhr morgens und nach 9 Uhr abends dürfen Schulkinder nicht beschäftigt werden; den Lokal- behörden ist es vorbehalten, diese Zeit noch iveitcr einznfchränken. Das Heben, Tragen von schilleren Laste» durch Kinder wird durch das Gesetz ganz verboten._ Ginssegungrue Druckschriften. Die„Torictisttscheil Monatshefte'(Administratlon: Berlin W., Lützowftr. 85A) haben soeben das August he st ihres VIII. Jahrgangs erscheinen lassen. Aus de», Inhalt desselben heben wir hervor: Adolf v. Elm: Rückblick auf den vterten deutschen GewerkschaftSkongreb. — Friedrich Hertz: Probleine der nattonaleu Demokratie in Oestreich. — Eduard Bern st ein: Di« neue Prognose der sociale» Revolution.— faul G S h r e: Christentum und»lalerialtsttsche GeschichtSansfassung.— einrich Wctzker: Der Punkt 8 inisres Programms.— Eduard Fuchs: Die französische Karikatur im Jahre 1870—71(mit Abbildungen). — Helene S t e i n b a ch: Die Frauen auf dem Stuttgarter Gewerk- schastSkongreh.— Rundschau: Politik; von Richard C a l w e r.— Wirtschaft; von Max Schippet.— Socialiftnche Bewegung; von Dr. Ladislaus G» m p l o w i c z.— GewerkschastSbewegmig; von Heinrich Bürger.— Genossenschattsbelvcgung; von Gertrud David.— Social- Politik; von Paul K a in p f f m e y c r.— Sociale Komunnialpolitik; von Dr. Hugo Lindem ann(C. Hugo).— Bücher; von Max Schippe! »nd Dr. Ch. SchitlowSky.— Der Preis deS Hestes beträgt 50 Pf., pro Quartal 1,50 M. Zu beziehen durch alle Buchhnndluugeu, Eol- portcure ,md Postanstalten(Post-ZeitungS-Satalog Nr. 7138), fenier direkt bei der Expeditioii der„Socialistischen Monatshefte', Berlin W. 35, Lützowftrnije 85 A.(Zusendungei, n Itter Kreuzbaud oder w geschlosicnem Couvert). Probehefte stehen jederzeit kostenlos zur Verfügung. DaS Angustheft(Nr. 11) der«Dokumente des SodnlismuS", heraiisgegeden von Eduard Bernstein, bringt als leltciideil Aussatz Auszüge ans einer Abhandlung des EhartistenführerS Ernest Jones über die Agrarfrage. In einem zweiten Artikel setzt M e n r a d seine Untersuchungeu Über den socialen Utoptsmus in den Komödien desAristophanes an der Hand der KoiiiSdicn„P l ntus" und„Die Böget" fort. Unter„Urkunden des S o c i a l i s m u S" werden die P r i n c i p i e n und das Minimumprogramm der socialistischen Partei Brasiliens, sowie die soctalpolitisch tvichttgsten Beschlüsse des diesjährigen 4. a l l g e m e t» e u deutschen Gewerkschaftskongresses verzeichnet. Die kritische Bibliographie bringt u. a. Besprechungen folgender Sckrifte»: H e r k n e r, Die Arbeitersrage; K a u t s k p, Die sociale Revolntton; Klein Wächter, Lehrbuch der Nationalökonomie; Dr. W. Liebknecht, Zur Geschichte der Werttheorie in England; R. Rieh», DaS Konsum- Vereinswesen t» Deutschland; Letourneau, La Psychologie ethnique; ®. Prokopowitsch, Zur Marx-Kritik.— Ferner berichtet die Nummer Uber Publikationen gelehrter Gesellschasteu, die daS Thema naturalistisch« Geschichlsanssaflung betreffen und behandelt in einer längeren Notiz N a t u r r e ch t S- A n r u s u n g e n im Mittelalter. Die„Dokumente deS SoctaliSinnS" loste» pro Quartal 3,75 M.(Einzrlhcft 1,25 M.); kombiniert mit den„Socia- listischen Monatsheften" sind üe zum« r ni ä h i g t e» Preise von insgesamt 4,— M. pro Quartal zu haben. Zu beziehen durch alle Buch- Handlungen, Kolporteure und Postanstatten(PostzeitungS-Katalog Nr. 2060a bezw. 6061»), ferner direkt durch de» Vertag der„Socialistischen Monats- hefte", Berlin W. 35, Lützowstr. 85 A.(Zusendung unter Kreuzband oder in geschlossenem Couvert.) Probehefte kostcnfret durch die Expedition. Vevmifchkes. Ucbcr da» schwere Unglück bei der Fcuerwchriibiiug in Plaue»» wird»och berichtet: Die hiesige Feuerwehr feierte ihr 39jähriges Jubiläum, verbunden mit einer praktischen Nebnng in Gestalt' eines SttirmangriffeS auf etncn markierten Brand. Die großen Schicbeleitcrn wurden in die Höhe ge- ivunden,»nd als dieselben mit den nötigen Mannschaften besetzt waren, stürzte die eine davon infolge des den ganzen Tag herrschenden Sturmes»ach der Seite zn um, die darauf- steheiidc» Leute mit sich in die Tiefe reißend, zugleich aber auch die beiden andern Leiter», die gleichfalls nnt Mannschaften besetzt warcn, mit n», reißend. Die Wirkung war eine schreckliche. Zehn Per- sonen ivare» teils tot, teils verwundet, darunter auch Kinder, die n, it als Zuschauer in der Nähe ge- standen. Die Zuschauer haltet» schon vorher ihrer Verlvundernng Ausdruck gegeben, daß bei einem derartigen Sturme solch eine Uebung mit den Leitern vorgeuommen wurde. Weitere Stnriuuach richte» von, Rhein. Leverkusen(bei Mülheim a. Rh.): Das Nmvctter hat hier und in der Umgegend sehr stark gehaust. Verschiedene Neubauten sind teil- ivetse eiiigestürzt und die a» denselben angebrachte» Gerliste fortgeschleudert worden. Personen sind glücklicherweise nicht zn Schaden gekommen. An vielen Häufe rn wurdet, Dächer abgedeckt und sonstiger Schaden angerichtet. Einige hundert Fensterscheibe» sind zertrümmert, Bäume sind e u t tv u r z c l t oder mitten durchgebrochen. Der Roggen, tvclchcr sehr gut geraten war, ist teiliveise vernichtet, Weizen und Hafer liegen tvie gewalzt an der Erde. Auch sonstige Fcldfrüchte sind durch den Hagel« Ichlag vernichtet Wörde». Mehrere Droschkenkutscher anS Köln und ans Mülheim a. Rh. wurden von den, Unwetter auf dem Wege von Mülheim»ach Leverkusen überrascht und samt ihren Wagen und Pferden n in getvorfe n und eine Strecke iveitiveg- geschleudert. Ein Kutscher erlitt hierbei einen Beinbruch n'nd »»ißt« nach dem Krankenhaus« in Mülheim a. Rh. gebracht werden. Mehrere Insassen der Wagen, ivolchc zu einer Festlichkeit in Leber« kusen reisen Ivolltcn, trugen Beule», Kontusionen»»>d Hantabschür- fungcn davon. Die Droschkenpfcrde rissen sich lvS»nd liefen durch das' Feld auf daS Eiscnbahngeleisc. wo cS gelang, sie einzufaiige». — Wiesdorf(bei Opladen). Hier hat das Univcltcr sehr großen Schaden verursacht. Viele Dächer wurden vollständig von den Häusern abgedeckt. Bäume entwurzelt, in den Gärten und im Felde alles vernichtet.?lil einem hiesigen Ge- schäftshausc tvurdcn 3 große Schaufenster auf die Straße geschleudert und in dem Laden selbst eine große Velivüstnng angerichtet. Mehrere Züge erlitten dadurch Berspätnng, daß durch den StnrnNvind mehrere Telegraphenstangeii ningetvebt waren und das Geleise versperrten. A a ch e tt. DaS kurze Gewitter, ivelches gestern, gegen 5 Uhr Hierselbst einsetzte, hat in der ganzen Gegend große Verwüstungen angerichtet. Zahllose Bäume sind mit den Wurzeln a ,! S g e r i s s c i, oder auch mitten im Stamm abgebrochen worden. Der Betrieb der Kleinbahn Aachen» Herzogenrath mußte ans mehrere Tage eingestellt werden, weil die hohen Pappeln an der Straße ans die Drähte der Oberleitung fielen, die Masten verbogen und so ganze Strecken in Unordnung brachten. Dächer wurden abgedeckt, Schornsteine n n, g e>v o r f e n und F e n st e r eingedrückt. Ein Heu- >v a g e» wurde samt de» Pferden in den Graben geworfen. In den an, meisten verwüstete» Gegenden nahm das Unwetter einen Wirbelstnrm ähnlichen Charakter au. Es dauerte in der Aachener Gegend kaum acht bis zehn Minuten. Zum Untergang deö„PrininS". Hamburg, 29. Juli. Heute sind abermals 19 Leichen bestattet lvorde».— Die weitere Bergnngs- arbeit am„Primus" ruht einslweilen, da die Siaatsanwaltschaft, im, die Uiiterfuchung nicht zu erschweren, dem Taucher Beckedorf dies untersagt hat.' Bei niedrigen, Wasserstand ivill die Staatsanwaltschaft morgen nachmittags nochmals eine genaue Besichtigung vor-- »ehinen. Erdbebeu. Ans Santander wird gemeldet, sn den Canta- brischen Bergen habe sich nach den letzten wiederholte» Erdstößen ein Krater geöffnet, anS dem dichte Rauchwollen emporstiegen. Die erschreckte»' Bergbewohner der Umgegend flohen unter dem Sin- druck der durch die plötzliche Erscheinung hervorgerufenen Panik. Auffallenderweise sagt die über Paris kommende Meldung nicht, wo dieser Krater sich„geöffnet' hat, was die Nachricht iimnerhin etwas verdächtig erscheinen läßt.— New A o r k, 29. Juli. Gestern wurde kurz nach Mittag in einigen Teilen von Nebraska, Iowa und Süd- dakota ein Erdstoß verspürt, der keinen Schaden anrichtete. Im Lvinpoc- Thale in Califvrnien sind seit Sonnabend drei Erdstöße tvnhrgeiiomuien worden. Die Erde zeigt Risse. Unter den Ein- wohnern herrscht große Ansregung. Ein Eiscnbahnzng i» Flaiunicn. Eine Katastrophe hat sich auf der Peunsylvania-Bahn in der Nähe von Zkcnla in Ohio zu- getragen, wobei fast ein ganzer Eisenbahnzng verbrannte und sieben Menschen das Leben einbüßten. In dunkler Nacht stieß dort der New �ork-Chicago-ExPrchzug, als er mit einer Geschwindigkeit von 112 Kilometer die Stunde dahineilte, mit einem Kohlenivageu zu- saiinncn, der sich von einem Güterzuge losgerissen hatte und infolge des Gefälles zurückgerollt war. Der Zusammenstoß war furchtbar. Die Lokomotive setzte über den Kohlen« Ivagen weg und zertrümmerte ihn. Der Gepäckwagen ent- gleiste, und die Trümmer des Kohlenwagens rissen unter dem ersten Personenwoacii den mit koinprimiertem Gas gefüllten Behälter fort. Letzterer explodierte, imd im nächsten Augenblick stand der Wagen in Flammen. Das Feuer tcillc sich den übrigen Wagen mit und alle verbrannten, bis auf die beiden letzten Pnllma»« Wagen. Die ge- retteten Passagiere und das Zugpersonal mußten unthälig zuschauen, wie mehrere Passagiere vor ihren Augen den Flanimentod erlitten. Im ganzen kamen sieben Menschen in' den Flanimcn um, und zahl- reiche andre tvurdcn schwer verletzt. Wetter. Prognose für Mittwoch, de» KS. Juli IVOS. Vorherrschend wolkig mit leichten Regenfällen, mästtgm südwestlichen Winden; wärmerer Nacht und wenig veränderter TageStemperattlr. Vri essmsten der Redaktion. C. L 25. Medizinische Autoritäten haben sich dagegen ausgesprochen. fl. 4. Wenden Sic sich an Ihre Gewerkschaft. »t. G. B a ii d e e i ii r i ch t u u g e i, s ü r B o l k S s ch ü l e r vestehen in Berlin, sowie auch in eimgeu Vororten(z. B. Charlottenburg, SchöncSerg, RIxdorf) und werden flethtg benutzt. Tie Berliner S ch u l- B r a u s c- bäder, deren erstes im Oktober 1834 eröffnet wurde, stud in diesen, Sommer wieder um 7 venmchrt worden, sodast>cyt 22 vorhanden sind. Die Betriebskosten sind tu, Etat für 1302/03 auf 10 000 M. veranschlagt. Die Berichte der Schiildeputation versichern, daü„die mit diesen Bädern gc- inachten Erfahrungen durchaus günstig sind". Im Schuljahr 1300/01 wurden i» dainals erst 11 Schnl-Badcanlage» 198 407 Bäder genommen und 8750 M. für den Betrieb niiSgegebcu.(Für das Schuljahr 1S0l/02 sind die Zahlen noch nicht veröffentlicht.) R. T. I. Ja. Bei der Steuerbehörde und beim Magistrat. Gewerbe- steiler ist nicht zn entrichten, wenn das Anlagekapital 3000 und der Jahres- verdtcnst 2500 M. nicht übersteigt. 2. Ja. Sie können aber beim Magistrat um Freilasiuna von der Steuer rinkommeii.- 51.(f. Erlischt mit dem Tode.- Königsberg. Geburtsurkunden und Mtlitärpaptcre gebrauchen Sie zwecks Heirat, lieber lleiue Differenzen sieht der StondeSbeamte fort. - Helene. 1. Wenden Sic sich an den Slandesbeamten und, falls dieser die Berichtigung ablehnt, weil kel» Schreibfehler vorliegt, an das Gericht. 2. lieber die betreffende Kasse ist uns nichts: Schlechtes berichtet.- « Lob", h Ja. 2. Beim Amtsgericht.-«.91. 1-3. Ja.- B. Ä)t. 1030. �.as ist allerdings eine grobe Beleidigung, die Sie t», Wege der Giite ausgleichen sollten.- G. F. 3i». Ja. sallö nicht DispcnS seitens der Schulau, flchlsbehörde erfolgt.- I. P. 1. Leider hat der Jnnilngöiiieister recht.- P. Dt. 25. 1. Hat nur CmirSwert. 2 ES gtebt kein Buch, in dem die Entstehung, Behandlung und Heilung aller Krank- heilen in für Laien dienlicher Welse behandelt werden. Wnrmkt GesundbeitS- pflege ist zm Belebr, wg für Laien sehr geeignet.-i>, Norilhtlltsche Siingtr und Konzert. Sonntag, Montag und Donnerstag nach der Soiree: Tanzkränzchen. Tanz frei! Anfang Sonntags 5 Uhr, Entree 30 Pf., ab 9 Uhr 20 Pf. Anfang Wochentags 6 Uhr. Entree 30Pf., ab 9 Uhr 20 Pfg. 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Die Begriindung und Bedentung der socialdemokratischen Programm- fordernng:„IH'eitliehlreit der Schule". Referent Reichstags- Abgeordneter Genosse Fritz Kuncrt. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Zahlreiches Erscheinen der Genossen und Genossinnen erwarten 217/1* Die Vertrauensleute. Dachdecker Berlins und Umgegend. Donnerstag, den 31. Jnli, abends 8 Uhr, im„Englischen Garten*, Alexanderstr. 27 c: Oeffentliche Versammlung. Tages-Ordnung: „Die Siiuation und Stand des Streiks bei der jetzigen Lohnbewegung". Her Elnberufcr. 11746_ I. St.: K. Görnitz, Schinckestr. 25. H. Saltzmaim, Tabakfabrik und-Handlung, Berlin S., LlUSeil" UfCF 3, �egSeÄ' empfiehlt als Specialltiit; 4566S* Magdeburger Nnrdbäuser Kautabak sowie alle Sorten Ranch- nnd Schnnpftabahe. Billigste Preise! Lieferung frei Ins Haus! Fernsprecher Amt IV 8513. AM«! 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Ferner Auf- treten der preisgekrönten Parterre-Akrobaten Gebr. Voss. Sensationelle Attraktion. Ausserdei» ad 4 Uhr nachmittags: Konzert. der Grossherzoglich- mecklenburgischen Kapelle, sowie Monstre-Fenerwerk._ 47248 Heiterer Cesanperein (M. d. A.-S.-B.) wünscht Mitglieder aufzunehmen. Herren, welche gewillt sind, beizu- treten, mögen sich melden bei Feind, Wesilstr. 11. Uebungsstunde Freitags von 9-11 Uhr. 1170b* Dr. Simmel, Prinzenstr. 41. Specialarzt für 25/17* Bant- und Harnleiden. 10-2, 5-7. Sonntags 10-12, 2-4. Bühlenstrasse Vr. 8, an der Warschauer str., sind vom 1. Ok- tober ab billige Hofwohnungen von 2 Stuben rc. zu vermieten. Näheres daselbst beim Verwalter. 4693L* UMer-TUelltkl Kastanien- Zlllec 7—9. NU»- Täglich:"WG Tiluskilh«lli» eiue M)t. Phantastisches Märchen in 3 Abteilg. von Hugo Schulz. Ballettges. Catrinl. Kostüm-Soubrette Paula Grigattl. GroteSque- Komiker Benor u Berad. Miss Kltty, Sport- Akt. Barslkow- Truppe, Parterre- Akrobaten. Mr. Bertling, leb. Photographie». Bertlings elektrische Feerie. (3000 Glühkörper.) Konzert. Anfang 4 Uhr. Eintritt 30 Pf., numerierter Platz 50 Pf. Kalbo. AM«! Achtung! Die Extrafahrten Mitt- wochs nach s4723L' Freu»tde med Bekaimte! Spnvkslxnns Iiegenhnls finden jetzt von der dannowitzbrüclre(„Schultheis«- Garten") nachmittags 2� Uhr statt. Anlass dazu gab die Firma Kant u. Hertzer, welche es vorzieht, Extrafahrten nach dem gesperrten Lokal von Rutkowskl (Rauchfangwerder) zu veranstalten. Hochachtungsvoll Max Mörschel. Von der Reise zurück 4725L Dp. med. Rothschild, Specialarzt für Nieren-, Blaseuleiden. Eützosvstr. 84a. Orts-KrMMaffe der UM»». Sledmucher zu Berlin. VlI. Abänderung zn»i Statut. § 12. Der durchschnittliche Tagelohn ist festgestellt: 1. Bei Mitgliedern, welche 18 M. und mehr verdienen auf 4 M., l. Kl. 2. Bei Mitgl., welche 13,50 u. weniger wie 18 M. verd. 3,50, H. Kl. 3. Mitgl., w. 10,50 u. weniger wie 13,50 verd. 2,50, III. Kl. 4. Mitgl., w. 7.50 u. weniger wie 10,50 verd. 2,00, IV. Kl. 5. Mitgl., w. weniger wie 7,50 verd. 1,50, V. Kl. § 20. Für den Todesfall gewährt die Kasse ein Sterbegeld im dreissig- fachen Betrage des durchschnittlichen Tagelohns nach§ 12. §.30. Die wöchentlichen Beiträge betragen I. Klasse 57 Pf., H. Klasse 51 Pf., III Kl. 36 Pf., IV. Kl. 30 Pf., V. Kl. 21 Pf. Vorstehende Bestimmungen treten mit Montag, den 4. August in Kraft. Berlin, den 17. November 1901. 1172b Ter Vorstand. Genehmigt durch Beschluss vom 17. Juni 1902. Berlin, den 8. Juli 1902. Der Bezirksausschuh. Abteilung II. K a y s e r. Orts- Krankenkass e her Vilhhltller, Stuccllteure und verw. Gewerbe zu Berlin. LekamitmAekllllg. Die in den Generalversammlungen am 25. Nov. v. I., 27. März und 14. Mai d. I. gefassten Beschlüsse sind als»dritte Zlbändcrung" zum Statut unter dem 17. Juni d. I. vom Bczirksausschuss genehmigt und treten am Montag, 4. August d. I. gemäss Artikel II dieser Ab- änderung in Kraft. Abgeändert sind die ZZ 10, 12, 13, 19, 28 und 29 des Statuts. Die Mitglieder werden vom 4. August ab in vier Klassen, und zwar nach ihrem jeweiligen Arbeits- verdienst eingeteilt. Der durchschnittliche Tagelohn hier- für ist festgesetzt auf 4 M. für die erste, 3,40 M. für die zweite, 2 M. für die dritte, 1 M. für die vierte Klasse, und beträgt danach das Krankengeld pro Tag: 2M., 1,70 M., 1 M., 0.50 M.; das Sterbegeld 100 M, 85 M., 50 M., 25 M.; das Eintrittsgeld 1,50 M., 1,20 M., 0,80 M., 0,50 M.: die wöchentlichen Kassenbeiträge: 0,63 M., 0,54 M., 0,33 M., 0,15 M. Die Abänderungen sind im Wort- laut(nebst Eirlular) allen Arbeit- gebern heute, und werden vom Mon- lag ab sämtlichen Mitgliedern zugestellt. 274/10 Berlin, den 29. Juli 1902. Der Vorstand. I. A.: Conrad Storch, Vorsitzender, Alt-Moabit 132. 3O ftfflark hochfeine Sommerpaletots. 30 Mark hochelegante Herrenanzüge. 13 Mark hochelegante Beinkleider. Anfertigung nur nach Mass. Guter Stoff, tadelloser Sitz. s4538I,* 14 Krauseuftrahe 14, 1 Xr.. Tel-Amt I Nr. 3708. 1 Xr. Socialilemotü'attsdier Walilverein für den 2. Berl. Reiclistags-Walilkreis. Am 27. d. Mts. verstarb im Krankenhause am Urban unser Mit- glied, der Böttcher 238/14 Gustav Karllscb. Die Beerdigung findet statt am Mittwochnachmittag um 4 Uhr vom Krankenhause am Urban nach dcm Hl. Kreuz-Kirchhos in Mariendors. Um recht zahlreiche Beteiligung er- sucht Zier Verstand. Dnrtscher WMbetter-VerbM. Den Mitgliedern zur Nachricht, dah der Kollege Moll Kaiser (Tischler) am 28. Juli verstorben ist. Die Beerdigung findet am Donners- tag, den 31. d. M., nachmittags.? Uhr, von der Charitö nach dem Charits- Kirchhof in der Müllerftrassc stalt. Um rege Beteiligung bittet 86/18 Die Ortsverwaltung. Belilratvertiand der Handels-, Transport- und Verkelirsarbeiter Denlsclil, Vcrwnlinngsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, dah unser langjähriges Mitglied, der Hausdiener Karl Krause im 36. Lebensjahre an der Proletarier» krankheit am 28. Juli verstorben ist. Die Beerdigung findet am Donners- tag, den 31. Juli, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Central- Friedhofs in Friedrichsfelde aus statt. Um rege Beteiligung wird gebeten. 67/15 Die OrtSverwalfung. Am Montag, den 28. Juli, starb nach schweren Leiden unser lieber Sohn und Bruder Max IMllan im 20. Lebensjahr. Die Beerdigung findet am Freitag» nachmittag ö'/j Uhr von der Leichen- Halle des ThomaS-Kirchhoses, Rixdorf, Hermannstraße, aus statt. 4727L Dies zeigt tiefbetrübt allen Ber- wandten und Bekannten sowie den Mitgliedern des Turnvereins Fichte, 2. Männerabteilung, an. A. Dlllan nebst Frau u. Geschwistern. Für die überaus zahlreiche Beteilt- gung bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unsreS guten Vaters, Schwieger- und Grobvaters, des Maurers August iVowack, sagen wir allen Freunden und Be- kannten, insbesondre den Mitgliedern des Ccntral-Verbandes der Maurer Deutschlands, sowie des Social- demokratischen Wahlverews zu Rix- darf, dem Gesangverem der Putzer und allen seinen Kollegen unsren herz- lichsten Dank. 1184b Die trauernden Hinterbliebenen. Bierliefernng für Arbeiter-Kantinen, Bauplätze usw. zu übernehmen gesucht.— Werte Adressen an Rudolf Rosse, Jerusalemerstrasse unter J. 8 7047. Jedes fSjr Wort: Bf Wort fett. I y 16 Buchsiabt S Pfennig. _ Nur das ersii Wort feit. Worte mit mehr als Buchstaben zählen doppelt. fCIeinB ßnzeigen.% in den Annahmestellen für Berlin bis 2 Uhr, für die Vororte bis 1 Uhr, in der Hauptexpedition Beuthstr.3 bis 4- Uhr angenommen. iste A rdm Hn jgB m Verkäufe. Schankgeschäst sofort billig ver- läuflich, voller Schank, wegen Verzug nach ausserhalb. 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Tie von mir der Frau Kalinowski am 16. d M. zugefügte Beleidigung nehme ich hiermit zurück. Frau Koch, Borsigwalde. 1180b Nechtsburcau Fabisch, Andreas- strasse dreiundsechzig. Rechtshilfe, Eingabengesuche, Ralerteilung._ Klagen, Eingaben, Putzger, Steglitzer- 898b* lüifallsacheit. Reklamationen. strabe 65. Kostenfreie zahnärztliche Behand- lung, Zahnziehen. Zahnärztliche Poli- klwik, Chausseestrasse 1a. 1207K* Brockhanslexikon und alle andren Bücher kaust beleiht Antiquariat Kochstrasse 56, I. Amt VI. 3397.* Fahrradgrsnch, Ratzlaff, Schön- hauser Allee 163 a,_ 119/8* Rummelsbnrg. Empfehle bei Bedarf allen Genossen freundlichst mein von Frau Forgbert über- nommencs Cigarrengeschäft, Prinz Albertstrasse ba, Bahnhof Kietz- Rummelsburg. Otto John, früher in Ober- Schöneweide. 1151b Wernaus Festsäle, Schwedterstr.23, eine ganze Reihe von Sonnabenden sind noch zu Festlichkeiten an Ver- eine k. zu vergeben. 1218K* Vereinszimmer für 40 Personen noch einige Tage frei. 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In der Werlstelle von Zlrlt. Drcsdenerslr. 35, sind Differenzen ausgebrochen und ist deshalb die Firma streng zu meiden. Die Arbeits- vermittelung geschieht nur durch den Arbeitsnachweis. 11056 Die Ortsverwaltung. Abonnementsbuchlialter und Bücherrevisor hat noch einige halbe Tage in der Woche frei, die im ganzen oder einzeln, aus Wunsch im Abonnement, zu vergeben find. Vorteilhaft sür Geschäftsinhaber, die wegen Mangels an Zeit ihre Bücher selbst nicht führen können, sich aber auch einen ständigen, teure» Buchhalter nicht halten wollen. 4721L* Feinste Berliner Referenzen, strengste Diskretton, Honorare mäßig. Fmil Cohn, Schwarbkopffftr. 1, I Tb. Glocke iu Berlin. Druck mld Verlag von Max Vadiug iu Berlm.