Nr. 177. Abonnements-Kcdingnngen: Hbonnement!-Preii pränumerando! vierteljährl- S.zo Ml., monall. l.ioMl., wächenllich 2ö Pfg. frei ini Hau». Einzelne Nu»m>»r S Pfz. Sonniag», Rummer mit ilUiftnerinr Sanniagj» Beilage„Tie Reue Welt" 10 Psg. Post- Hbonnement: 1,10 Marl pro Mona». Singslragen in der Post-Zeitung«, PreiZliste für lV0L unter Dr. 7878. Unter Jfveujbcms für Deutschland und Oesterreich-Ungarn S Marl, für da» übrige i!lu»land S Marl pro Monal. 19. Inlfrg. Dt» Znstrttims-«My» beträgt für die sechsgespaltene Kolsnel» »eile oder deren Raum»0 Pfg., für politische und gewerlschaftliche Verein», und Versammlung»- Anzeigen 20 Psg. „Kleine Knieigen" jede» Wort S Pfg. inur da» erste Wort seil). Inserate sür die nächste Nummer müssen dt»» Uhr nachmittag» in derErpeditton abgegeben werden. Die Srpcdition ist an Wochen- tagen dt» 7 Uhr abend», an Sonn- und SestlaAen bi» S Uhr vormittag« geässuet. «rscheiul täglich«usier Monlng«. Nevlinev Volksblstt. Telegramm-Adresse» „Sori-Ubrmolirat Verliii« Csntmlorgan der socialdemokratisthen Nartei Deutschlands. Kedalttion: SW. 19, Veutlz-Skrahe 2. Fernsprecher: Slmt I Nr. Iliv«. Freitag, den 1. Angnst 1903, Expedition: SW. 19, Ventli» Striche 3. Fernsprecher: Amt l, Nr. SlSl. Würitentberg und der Getreidezoll. Als die deutsche Reichsregierung gezwungen war, für die Stärkung der für die stetige Steigerung der Militär- und Marine-Ausgaben nicht mehr ausreichendenReichskassezusorgen. da hätte sie durch Annahme des von der socialdemokratischen Fraktion des öfteren angezeigten Weges der Einführung einer Reichs-Vermögenssteuer ihren Zweck am schnellsten. sichersten und gerechtesten erreichen können. Am gerechtesten Iveil dadurch die wirklich Besitzenden, zu deren Schutz der Militarismus am ersten dient, dessen ftosten hätten tragen müssen. Für eine solch gerechte Deckung hätte sie jetzt und für die nächste Zeit im deutschen Reichstage jedoch keine Mehrheit bekommen, weil die militärbegeisterten Parteien des Reichstages die Kosten dafür nicht selbst tragen wollen Die Reichsregierung wählte deshalb den einfachsten, ertrag und aussichtsreichsten, zugleich aber auch ungerechtesten Weg den der Erhöhung der Einfuhrzölle: Sie hatte dabei den Vorteil, im Reichstage mehrere cinfllißreiche Gruppen von vornherein auf ihrer Seite zu haben. Einmal die Konservativen und groszagrarischen Bauern- dündler, die von der Erhöhung der Getreidezölle mit Recht eine Preissteigerung ihrer inländischen Produkte und dadurch eine Erhöhung ihres Profits aus den Taschen des au Brot angewiesenen deutschen Volkes erlvarten; zum andern den größten Teil der Nationallibcralen, der aus der Erhöhung der Jndustriezolle eine Erhöhung des Industrie Profits zu ergattern hofft. Um diese wahren Beweggründe dem Volke gegenüber nicht gelten zu lassen, versuchte man es noch einmal mit der Spekulation auf die Dunimheit des Volkes, indem niaii mit dem nötigen Tam-Tam der Welt verkündete, die Erhöhung der Getreidezölle erfolge lediglich im Interesse der Erhaltung und Förderung des kleinen und mittleren Bauernstandes. Die Unwahrheit dieser Begründung ist von der Social- demokratie bei jeder Gelegenheit nachgewiesen worden. Wie zu konstatieren ist, geschah das nicht ohne Erfolg, denn es gicbt heute schon weite Bancrukreisc. die den Schwindel der Agrarier nicht mehr glauben. Zu rechter Zeit ist dieser Tage nun eine Schrift erschienen, in welcher der zahlenmäßige Nachweis geliefert ist. daß nicht nur die nicht-Iandwirtschastliche, sondern auch die klein- bäuerliche Bevölkerung auf eingeführtes ausländisches Getreide angewiesen ist und die Kosten der Getreide- zoll-Erhöhung zu tragen hat, während der ganz geringe Prozentsatz der größeren Landwirte allein einen zum Verkauf zu bringenden Mehrertrag, dadurch einen Mehrerlös und einen Vorteil von erhöhten Getreide zöllen hat. Diese SchrifU) untersucht in der detailliertesten Weise, gestützt auf amtliche Zahlen, die Gesamt Produktion und den Gesanitbedarf an Brotgetreide für jedes einzelne Oberamt Württembergs und kommt zu dem gewiß überraschenden Gesamtresultat, daß von den 64 Ober nmtcrn des Landes«nr 14 mehr Getreide produzieren. als sie brauchen, also nur diese 14 überhaupt einen direkten Vorteil von der Erhöhung der Getreidczölle haben, der jedoch dadurch zu einem Scheinvorteil wird, daß durch die gleich zeitige Erhöhung der Zölle auf alle andern Produkte die Ein nahmen durch den Getreidezoll von den Jndustriezöllen wieder aufgefressen werden. Diese 14 Oberämter sind Neckarsulm nüt einem Getreideüberschuß über den eignen Bedarf von 20 370 Doppelcentner, Horb niit einem solchen von 15 428 Doppclcentner, Sulz mit 403, Neresheim mit 45 558, Ochringen mit 98W, Biberach mit 29 832, Baubauren mit 1185, Ehingen mit 14 523, Laupheim mit 41204, Leutkirch mit 20 737, Münsingen mit 15173, Riedlingen niit 73 310, Sanlgau mit 50267 und Waldsee mit 46 117 Doppel- ceutner. Die übrigen 36 Oberämtcr zusammen haben einen Fehlbedarf z« verzeichnen von 24�8 786 Doppelcentner. die sonach kaufen und dafür den erhöhten Zoll bezahlen müssen. Das bedeutet, wenn man nur eine Erhöhung von 2 M. pro Doppelcentner, wie sie im Entivurf der Reichsregierung vorgeschlagen ist, annimmt, eine jährliche Mehrausgabe von 4 677 366 M. Dem- gegenüber steht bei einem Ueberschuß von 384 003 Doppel- ceutner in den übrigen 14 Oberämtern eine Mehreinnahme der größeren Landwirte im Betrage von 768 666 M. An dem Fehlbedarf ist beteiligt der Neckarkreis mit 1366 633, der Schwarzwaldkreis mit 730 684. der Jagstkreis unt 444 318 und der Donaukreis mit 385 175 Doppelcentner. Diese Zahlen sprechen deutlicher als alles andere dafür. daß durch die Annahme des Zolltarifs das württembergische Volk eine Verteuerung seines ganzen Ernährungsbedarss zu gewärtigen hätte, die zweifellos eine Verschlechterung der ganzen Lebenshaltung und des ganzen Handels und Wandels zur Folge haben müßte. Sie lassen aber auch erkennen, in wie hohem Grade die konsequente Bekämpfung des Zolltarifs durch die socialdemokratischen Abgeordneten gerade ini Interesse der weitaus größten Mehrheit des württembergischen Volkes liegt und wie grundverkehrt es ist. wenn das württembergische *)WnrtIemberq und derBrotgetreidezoll DaS Interesse des landwirtschastlichcu Grotz- und Kleiiigrundbesitzers, sowie der»icht-lnudivirtschnftlichen Bevölkerung Württembergs an den Zöllen auf Brotgetreide. Nach amtlichein, statistischem Material bearbeitet von Alfred Marquard. Preis 1 Mark. Stuttgart, Verlag vo» Heinrich H u n f i n k e. Volk in der Hauptsache den bürgerlichen Parteien seine Ver- tretung im deutschen Reichstag anvertraut, wie das bisher geschehen ist. Aehnlich wie in Württemberg, dem Lande des bäuer lichen Kleinbetriebs, liegen die Verhältnisse in vielen Teilen des Deutschen Reiches für die landwirtschaftliche Bevölkerung. Die Wirkung der Erhöhung der Getreidezölle für die nichtlandwirtschaftlicheBevölkerung, Arbeiter. Beamte, Handwerker. Gewerbetreibende, zeigt sich am beut lichsten an dein Beispiel der Stadt Stuttgart. Deren Bevölkerung(176 388 Einwohner) braucht pro Jahr 466 591 Doppelcentner Brotgetreide, die eingeführt werden müssen. Eine Erhöhung des Zolles um nur 2 M. pro Doppelcentner bedeutet sonach für die Stuttgarter Bevölkerung allein eine jährliche Mehrausgabe von 933 182 M.. die, soweit das Getreide aus dem Auslande kommt, in die Reichskasse, und soweit es von der heiniischen Produktion gedeckt wird, in die Taschen der Großagrarier fließen. Interessant ist auch das Beispiel aus dem Oberamt Cannstadt. Die Folge der Zoll erhöhung bedeutet hier eine Mehrausgabe der nicht landwirtschaftlichen Bevölkerung sür 93 600 Doppelcentner, für die 96 Proz. der(kleineren) landwirtschaftlichen Betriebe (Kleinbauern) eine Mehrausgabe sür 35 214 Doppel centner, und nur sür die 4 Proz. der(größeren) land wirtschaftlichen Betriebe eine M e h r e i u n a h m e für 2759 Doppclcentner. Im O b e r a ni t Stuttgart hat die nichtland wirtschaftliche Bevölkerung eine Mehrausgabe für 89 999, die 95 Proz. der(kleinereil) landwirtschaftlichen Betriebe eine solche für 21 432 Doppelcentner zu leisten, während die 5 Proz. der(größeren) landwirtschaftlichen Betriebe nur eine Mehreinuahme für 3726 Doppelcentner zu erwarten haben. Im Oberamt Eßling en hat die nichtlandwirtschaftliche Bevölkerung eine Mehrausgabe für 96 455, die 97 Proz. der(kleineren) landwirtschaftlichen Betriebe eine solche für 4M7 Doppelcentner zu tragen, während dic3Proz. der(größeren) landivwtschaftlichen Betriebe nur auf eine Mehreinnahme von 2795 Doppelcentner rechnen können. Im Oberamt H e i l b r o n n hat die nicht landwirtschaftliche Bevölkerung eine Mehrausgabe für 136 283 Doppelcentner zu leisten, die Mehreinnahme der 12 Proz. der(größeren) landwirtschaftlichen Betriebe ist auf 20 817 Doppelcentner zu berechnen. Die nichtlandwirtschaft liche Bevölkerung des Oberamts Göppingen hat eine Mehrausgabe für 104 762, die 81 Proz. der(kleineren) landwirtschaftlichen Betriebe eine solche für 21 967 Doppel centner zu tragen, während die 19 Proz. der(größeren) landwirtschaftlichen Betriebe eine Mchreinnahme für 9204 Doppelcentner zu erhoffen haben. Anders zeigt sich die Wirkung in West Preußen. In dieser Provinz steht einem Gesam tbcdarf von 5 162 666 Doppelcentner eine Gesamtproduktion von 7 838 163 Doppelcentner gegenüber, so daß hier ein Gesamtüber ch u ß von 2 675 497 Doppelcentner sich ergiebt. während Württemberg einen Gesamtfehlbetrag von 2 488 780 Doppelcentner zu decken hat. Aus diesen Zahlen wird zur Genüge klar, warum die westpreußischcn Junker begeisterter für die Zollerhöhung ein treten als die württembergische Regierung. Diese Zahlen zeigen aber auch, wie sehr die ablehnende Haltung der Socialdemokratie gerade im Interesse der weitaus größten Mehrheit des deutschen Volkes liegt und wie sehr der agrarische Charakter der gegenwärtigen Reichstagsmehrheit eine Gefahr für die Massen des Volkes darstellt. Polikifche Mebevstcht. Berlin, den 31. Juli. Die Tochter des Feldwebels. Die Schrift des Posener Steuerdirekiors L ö h n i n g hat eine Flut von Prebäußeriingen hervorgerufen. Nur die Negieriingspresse chiveigt; nicht die kleinste VerlegenheilS- und Verdrehungsfloskel vermag sie sich abzuringen. Herr v. Llheinbaben aber ist immer noch Fiiianzminister. Die liberalen Blätter beschäftigen sich fast mir mit dem Man- darinenproblcm, daß ein Posener Steuerdirektor keine Feldivebel- tochter heiraten darf. Das ist ja gewiß ein lustiger Schivank, der icherlich die Gräfin Wartenberg, die platonische Geliebte Friedrich l, von Preußen oder die Frau des Kammerdieners Rietz in den Tagen Friedrich Wilhelms II lebhaft interessiert hätte. Es ist auch nicht uninteressant, daß die Sache gerade in der Aera B ü l o w sich begebe» mußte, dem seine Verehrer nachrühmen, daß er ein Neiner Freigeist sei und in Ehefragen und sonst keine Staitdesvornrtcilc kenne. Aber politisch bedeutsam ist doch ausschließlich die in dem Schriftstült charakterisierte Polenpolitik, gegen die allerdings imste.liberale" Presse schon deshalb nicht ernstlich ankämpft. iveil sie ja in„nationalen Fragen", will sagen, in ihren Beziehungen zu den Vorzimmern gewisser' Regierungsämter inimer einig ist. Das aber ist zweifellos die skandalöseste Enthüllung des Schriftstücks, daß es strebsame Beamte, giebt, die so« gar in gänzlich unpolitischen Steuerfrngen nicht Gründe der Billig- keit und der gesetzlichen Bestimmungen entscheidend sein lassen. ondern das politische Wohlverhalten. Das ist Korruption schlimnister und gefährlichster Art! Im Gegensatz zu den liberalen Organen spitzt die allerdings durch die Schrift LöhningS besonders schwer betroffene Hakatisten» Presse die Angelegenheit ausschließlich auf die„Unzuverlässigkeit" des Stcnerdirektors in politischer Hinsicht zu. Wenn diese Presse das Wesen der Germanisirungshnnnen wiederspiegelt, so müssen diese die.deutsche Kultur" vertretenden Kreise außergewöhnlich ekel« hafter Art sein. Diese Blätter gefallen sich, wie die niedrigste Revolverpresse, in allerlei hämisch verdächtigenden Andeutungen gegen die Person des aus dem Amt Herausgedrängten. Man erklärt übereinstimmend, Löhning sei nicht wegen der Feldwcbeltochter, sondern weil er gegen die Polenpolitik der Regierung gesinnt sei, gcmaßregelt worden, und zwar mit Recht. DaS würde die Angelegenheit mir verschlimmern. Löhning war kein politischer Beamter, er hatte weder Gelegenheit noch eine Verpflichtung, die neueste Polenpolitik der Negierung zu vertreten. ES wäre auch die stärkste Zumutung an das Beamtentum, wenn es in völliger Ge- finnungSlosigkeit gezwungen werden sollte, jede Berliner Laune mitzumachen. Während des KoscielSki-Vloch-Knrses vor 10 Jahre» hatten alle Beamten bis znm Nachtwächter— bei Strafe der NmtSeutsetzliug— sich für Polenversöhiinng begeistern müssen, um sich dann über Nacht ebenso begeistert zur Posenhatz zu bekehren. Man verlangt überdies nicht einmal von den politischen Ver« waltungsbeamten derlei Ueberzcngiingsumschwiinge. Es ist bekannt, daß die große Mehrheit der Landräte, Negiernngsprüsidenten, Oberpräsidenten offen gegen die Berliner Regierung in Opposition steht; sie gehören zur Bismarckfronde und zum Bilude der Landwirte; dennoch hat man sogar die landrätlichen Kanalrebcllen nach vorübergehender Kaltstellung reue« voll befördert. Gerade die unsauberen Aeußernngen der Hakatistenpresse ver- stärken de» Eindruck, daß hinter der Polenscharfniacherei ganz bc- stimmte dunkle Persönlichkeiten als Dränger und Treiber stehen müssen.—_ Nußland und die Brüsseler Zuckerkoiivention. Der jüngst vom„Westnik Finnnzow" veröffentlichte Artikel, in welchem der russische Finanzminister mit einer Untersuchung der Syndikatspolitik drohte, hat nicht die von ihm erhoffte Wirkung gc« habt. Nach den Mitteilungen aus den Bereinigten Staaten wird dieses Land, in dem die Trusts und Syndikate die mächtigste Stellung erlangt haben, einer Einladung seitens Rußlands zur Beschickung einer internationalen Anti-Truslkonferenz nicht Folge leisten; und ob andre Mächte sich viel entgegenkommender zu der von Herrn Witte geplanten Konferenz stellen werden, ist noch zweifelhaft. Diese kühle Ablehnung hat Herrn Witte zu einem neuen Wechsel seiner Taktik veranlaßt. Unter dem Vorgeben, der Passus in der an die Vertragsmächte gerichteten russischen Note, der von der Ver- letznng des Meistbegünstigungsrechts durch die Erhebung besonderer Zuckcr-Zuschlagszölle spreche, sei von der ausländischen Presse über- gangen worden/ kommt der russische Fiiianzminister nochmals in einem vor einigen Tagen veröffentlichten Artikel des„Westnik Finanzow" ans die Mcistbegünstigiuigsfrage zurück. Thatsächlich könne, heißt es darin, die Anwendung eines höheren Tarifs auf russischen Zucker, so lange die Handelsverträge bestehen, nur als eine Verletzung dieser Verträge aufgefaßt werden. Das Blatt citiert den Artikel 6 des am 16. Februar 1894 mit Deutschland geschlosseneu Handelsvertrages. Aehuliche Bestimmungen enthielten die Handelsverträge mit Großbritannien und Frankreich. Hieraus ergebe sich also, fährt der„Westnik Finanzow" fort, daß das Priucip der Meistbegünstigung, wie es in den Verhandlungen stipuliert sei, in keiner Weise eingeschränkt oder von irgendwelche» Sonder- bestimmnngen abhängig gemacht sei. Jeder Staat, der demnach auf Grund der Brüsseler Konvention auf russische Provenienzen einen höheren, als den in den bestehenden Verträgen vorgesehenen Zoll anwenden wolle, begehe eine Verletzung der Verträge. Die Möglichkeit einer solchen Vertragsverletzung sei allerdings schwer anzunehmen. Falls sie eintrete, werde sie als Präcedenzfallfür eine Reihe gleichartiger Aktiv neu dienen müssen. Rußland habe nicht angedeutet, was in solchem Falle von seiner Seite geschehen werde, d o ch s e i erinnerlich, wie R u ß I a n d die willkürliche Erhöhung des Zuckerzolles seitens der Vereinigten Staaten beantwortet habe, und Rußland sei durchaus be« rechtigt, in analogen Fällen in gleicher Weise vorzugehen. Wenn irgend ein Staat sich in Widerspruch mit den bestehenden Verträgen durch höhere Zollsätze schützen wollte, als sie den meistbegünstigten Staaten gewährt werden, so sei Rußland vollberechtigt, seine Zollsätze für alle Waren zu er- liöhen» die zu Schlenderpreisen vo» Syndikaten. Kartellen und ähnlichen Organisationen ans seine Märkte geworfen werde». Die Drohung, zu welcher sich Herr Witte versteigt, zeigt ledig- lich, wie unangenehm der russischen Rrgierung die Beschlüsse der Brüsseler Zncker-Konvention sind. Formell, d. h. dem Wortlaut nach, hat Rußland allerdings recht, wie schon in Nr. 159 des„Vorwärts" erwähnt wurde, wenn es von einer Verletzung der Meistbegünstigung durch die Erhebung von ZnschlagSzöllen auf russischen Zucker spricht, denn in dem§ 6 des deutsch-russischen Handelsvertrages heißt es: „Insbesondere wird jede Begünstigung, jede Befreiung und jede Ermäßigung der in dem Generaltarife oder in den Vertrags- tarifen enthaltenen Eingangszölle, welche einer der vertrag- schließenden Teile einer dritten Macht dauernd oder zeilweise zu- gesteht, ohne weiteres nud bedingungslos auf die Boden- und Gewerbserzeugniffe des andern ausgedehnt werden." Indes hat die Praxis, seit 1897 die Vereinigten Staaten trotz der entgegenstchendcu Mcistbegüustigungsllanscl mit der Einführung vo» Ausgleichszöllen auf Prämieuzucker vorangegangen ist, im ent« gegengesetzten Sinne entschieden; und der Ministerialdirektor v. Körner meinte denn auch in der Reichstags- Sitzung am 9. Juni d. I., daß Deutschland die durch die Brüsseler Konvention bestimmte Zollerinäßiqimq Rußland borznenthalten durchaus berechtigt sei. Zur Bestätigung führte er an, daß, als 18S8 auf der Londoner Konferenz von französischer Seite ein Antrag eingebracht Ivorden war. der festsetzte, die Erhebung von Ausgleichszöllen stände nicht in Widerspruch mit der Meistbegünstigung, von deutscher Seite darauf erklärt wurde: der Aufnahme eines solchen Artikels bedürfe es nicht, denn es sei von vornherein«»zweifelhaft, daß die Erhebung derartiger Ansglcichszölle nicht der Meistbegünstigung widerspreche, Das ist richtig; nur vergaß der Herr Ministeriaidirektor hinzu- zufügen, daß, wenn die deutsche Regierung 1888 dieser Ansicht war, sie sich 1897, als die Vereinigten Staaten Zuschlagszölle auf Pränüenzucker einführten, selbst dementiert hat, indem sie damals gegen diese Zölle protestierte. Daß Rußland übrigens seine Drohung, mit Repressivzöllen zu antU'vrtcn, wirklich ausführt, ist vorläufig recht unwahrscheinlich. Seine wirtschaftliche Lage ist durchaus keine derartige, daß sie ihm erlaubt, einen Zollkrieg heraufzubeschwören, in dem es die größten Abnehmer seiner landwirtschaftlicheii Produkte gegen sich hat.— Deutsches Weich. Herr Müller-Sagan fährt fort, wie ein Offiziöser zu denien- tiereu. Heute erklärt er zu den Sensationsmeldungen aus der Zoll- kommission,„den V e r f a s s e r der fraglichen Meldungen bis nach Erscheinen derselben und nach der von dessen Seite ans spontan erfolgten Widerlegung der gegen den Abg. Dr. Müller-Sagan er- hobcnen falschen Anschuldigung iveder gesprochen»och sonst irgendlvie direkt oder indirekt inspiriert zu haben." Warum erklärt Herr Müller-Sagan nicht einfach, er habe keinerlei Anteil an den Falschmeldungen, er habe weder zu irgendjemand dergleichen Aenßernngcn ge'than, noch sie kolportiert, noch sie— ausgebeutet?— Der hochverräterische Gctrcidezoll. In ihrem krampfhaften Bemühen, Kantskys Broschüre zu einem Argument für den Brot- lvnchcr zu verwandeln ist der„Post" ein hübscher Neinfall passiert. Ein Spaßvogel hat ihr eine vollendet blödsinnige Zuschrift über die Socialdemokratie und das Heer eingesandt, und die kluge Redaktion hat richtig den Ulk aufgenoinnien. Der Mann führt nämlich die socialdemokratische Verseuchung des Heeres auf die— He r a b s e tz u n g der Getreidezölle durch die Caprivischen Handelsverträge zurück. Seit dieser„unseligen Herabsetzung" sei die jüngere Generation der B a u e r» s ö h n e socialdemokratischen Ideen zugänglich geworden. Bekanntlich trägt für die Herabsetzung der Getreidezölle die Socialdemokratie die Verantwortung. Bisher Ivird nun immer behauptet, daß die Herabsetzung der Getreidezölle den„Bauernstand" schwer geschädigt habe und daß der Bauer mithin in der Social- demokratie den Todfeind erblickt. Jetzt belehrt uns die„Post", daß die von uns entscheidend beeinflußte Herabsetzung der Zölle die Bauern zur— Socialdemokratie geführt hat; die' Bauern müsscii also wohl in der Zollermäßigung eine für sie vorteilhafte Reform erkannt haben, denn es ist nicht gerade Banernart, daß sie eine Partei ivählcn, von der sie überzeugt sind, daß sie ihre Interesse» schädigt I— „Fahrlässiges HllimeiitHi»." Wegen fahrlässiger Tötung eines Chinesen ist nach der„Posener Zeitung" am Dienstag von dein Kriegsgericht in Bromberg ein Saintätsim'tcroffizicr Mann zu vierzehn Tagen Gefängnis verurteilt worden. Er gehörte zu den nach China gesandten ostasiatischen Truppen. Am 29. August v. I.(also nicht etwa im Kriegsjahr) war er in Tung-Tschou am Pei-Ho-Flutz' in China. An dem genannten Tage kam ein Dampfer mit deutschen Truppen an. In Masse drängte sich die chinesische Bevölkerung heran, um an die Ankömmenden Selterwasser und Obst zn verkaufen. Das war aber nicht gestattet, weil das Wasser schlecht und das Obst auch nicht genießbar ivar. Der Angeklagte hatte den Auftrag, den Verkauf der bezeichneten Gegenstände zn verhindern und die chinesischen Kulis, die diese an- boten, vom Landungsplätze des Dampfers zu verjagen. Es gelang ihn, dies auch. Nur ein Kuli lief nicht davon, sondern dem An- geklagten in die Hände. Zunächst schlug M. mit einer Rcit- Vritsche«ms ihn ein und gab ihm eine» Stos, vor die Brust, infolge dessen der Kuli. da dieses Rcnkonlre aikf einer Laufbrückc stattfand, ins Wasser fiel und ertrank. Der Angeklagte bestritt, dem Kuli einen Stoß vor die Brust gegeben zu habe» und behauptet, letzterer sei gestolpert und dadurch ins Wasser gefallen. Die Beivcisanfnahme stützt sich auf Ans- sagen von Augenzeugen des Vorfalles. Danach hat der An- geklagte dem Chinesen einen Stoß in der Längsrichtung der Brücke gegeben und der Kuli sei durch eigenes Verschulden in den Fluß gefallen. Man sieht: ein deutscher Soldat wagt es noch jetzt, mitte» im Frieden, in einen, fremden Land chinesische Einwohner mit der Reitpeitsche und Stößen zu traktieren, die das Leben der Chinesen gefährde». Das Strafgesetzbuch sieht für fahrlässige Tötung Ge- sängnis bis zn drei Jahren vor. Der Soldat, der das Leben des Chinesen auf dem Gewissen hat, ivird zn 14 Tagen Gefängnis verurteilt. Das Leben eines„Nächsten" wird von den germanischen Christenmenschen recht niedrig gewertet. Was würde mit einen, englischen Soldaten, der sich etlva in Berlin eine derartige Fahrlässigkeit zu Schulde» konunen ließe?— Begnadigte Duellanten. De», Arlillerie-Obcrlieutenant Hilde- brnnd, welcher im vorigen Jahre in Jnstcrburg den Lieutenant Blaskowitz im Duell erschoß, ist der Rest seiner z>v e i j ä h r i g e» F est„ n g s st r a f e erlassen worden. Er wurde in das Feld- Artillerie-Regiment Nr. 26 nach Verden versetzt. Hildebrand war am 18. Nov. zu der gesetzlichen Mindeststrase von 2 Jahren Festung verurteilt worden. Er trat Ende Januar seine Strafe in Glatz an; er hat von ihr also nur sieben Monate zu verbüßen gehabt. Der Kriegsnnnister hat bei der Erörterung des Falles— es handelte sich um eine in der Trunkenheit verübte„Beleidigung"— im Reichstag betont, daß der Kaiser gerade über dieses Duell sehr ungehalten gewesen sei. Inzwischen ist aber der Unmnt gewichen, und der Duellant wurde begnadigt. Der Kampf zwischen Kanone nnd Panzer geht fort. Jetzt berichten Telegramme aus Washington, daß das Artilleriedepartement der amerikanischen Armee einen„Detonator" für Panzer durchbohrende Geschosse hergestellt habe, welcher seine Granate nicht eher entzünde, als bis deren DurchdringungS- kraft erschöpft sei. Mit einem mächtigen neue» Spreng- st o f f, dessen Geheimnis das Departement eifersüchtig hütet, gefüllt und mit dem neuen Detonator versehen, durch« b o h r t e eine ans einer zwölfzöllige» Kanone abgefeuerte Granate einen v i e r z e h n z ö l l i g e„ Kruppschen Panzer, ehe sie explodierte. Der schwerste Kruppsche Panzer, der bisher für Schlacht- schiffe Verwendung fand und von de», man annahm, daß er abso- luten Schutz gegen das beste Geschoß und das mächtigste Geschütz gewähre, ist zwölfzöllig. Also wird Krupp ivieder neue Panzer erfinden müssen.— Mittel gegen die Leutenot. Der swürttembergische Verkehrs- minister hat versuchsweise eine Ermäßigung der Eisenbahn-Fahrtoxe für landwirtschaftliche Arbeiter angeordnet.-- Auch für die Rückfahrt?—_ Geweihte Knüppel. Aus Hessen schreibt man uns: Zu den geistigen Waffen des C e„ t r u m s gehören nicht etwa nur Stuhlbeine»nd Maß- krüge, sondern auch Knüppel u n d M e s s e r. In der Neujahrs- »acht kamen in einem Wirtshans in Urberach sWahlkreis Offen- buch- Dieburg) Genossen von uns mit frommen Centrunismei, scheu in Konflikt, llnsre Leute betrugen sich sehr zurückhaltend, sie wollten jeden ernstlichen Zusammenstoß vermeiden. Nicht so die frommen Schwarzen. Sie lieferten eine Schlacht, wie sie Urberach»och nicht erlebt hatte. Mit Prügel» und Messern gingen sie los. als wenn sie dem Teufel Bitou und seinen Gesellen selbst den Garaus machen wollten. Alle Fensterscheiben wurden demoliert, aber der Bürgermeister, ein braver Ceutrumsmann. den man herbeigeholt hatte, in dessen Anlvcsenheit die Wirtschaft mit Hurra gestürmt Ivnrde, hat keine» der Wüteriche erkannt, den» „es war dnnkel". So weit, so gut. Nun trat aber die Centrnms- presse in Aktion, um die öffentliche Meinung zu beeinflussen. Alle Schuld wurde den Roten zugeschrieben; die S o c i waren die Knüppeltaktiker, s i e waren die Messerhelden. Aber damit nicht genug: im Landtag beschuldigte der Abgeordnete v. Brentano (Centrinn) die Socialdcinokratcn der schlimmsten Ansschreitunge», er wnrs�ihnei,„Excesse" vor,„die beinahe an Revolution grenzten". lind in», sand in Darmstadt vor Gericht das Nachspiel statt. Ans dem entrüsteten Ccntrmns-Abgcordnctei, v. Brentano war der Rechtsanwalt v. B. geworden, der an der Seite eines weiteren Anwalts des Rechts die frouimen toleranten Centrums- christe»— zn verteidigen suchte! Alle nnsre Genossen wurde» freigesprochen, verurteilt wurden nur Schwarze und zwar wegen Sachbeschädigung nnd g e in e i n s ch n f t I i ch e r Körperverletzung bis zu vier Monaten Gefängnis. Ein besonders.Frommer" wurde beschuldigt— zwei Zcngen beschworen es!—, mit einem zwei Meter langen Prügel 19 Fenster- scheiden zertrümmert zu habe». Eine hübsche Scene aus den Verhandlungen sei»och mitgeteilt: Als die bibel-,»icsser- nnd knüppelfesten Klientel der beiden Vcr- tcidiger von Brentano und Bopp immer mehr ins Gedränge kamen, da machte der letztgenannte Herr den Versuch, die Zeugenaussage» zu erschüttern. Gewichtige» Grund dazu gab ihm die von ihm beobachtete Thatsache, daß mehrere Socialdemokraten bei der Eidesleistung die linke Hand auf den Z e u g c n t i s ch st ü tz t e n! Darin erblickte Herr Bopp ein„Sympathiezeichen der Socialdemokraten". Und solchen Teufelskerlen ist natür- lich nichts zu glaub en. Der Gerichtsvorsitzende erklärte kurz nnd bündig: Ich bin Iveit entfernt davon, aus der politischen Ucberzeugung eines Zeugen irgend welche Schlüsse auf seine Glaub- Würdigkeit zu ziehen.' Sprach's und verknnrrte die frommen Knüppelhelden. Die benutzten Knüppel und Messer aber werden vielleicht, da ja nach klerikaler Versicherung solch Andenkenkultus tief in der mensch- liche» Natur begründet ist, zu Reliquien geiveiht— als Anreiz für Heiligtumsfahrten nach dem Schauplatz der glorreichen Schlacht. Ausland. Die Ire» nnd Südafrika.— Der Bcrgarbciter-Prozest. London, 29. Juli.(Eig. Ber.) Die einzige Opposition i», englischen Parlamente kommt gegcnlvärtig von der Vertretung Irlands. Und sie wird nicht aufhören, bis die Iren ihr eignes Parlament in Dublin haben. Die britische» Vertreter nehmen zlvar die rednerischen Leistunge» ihrer Gegner nicht ernst; mit Ans- nähme von I. Redmond machen die übrigen irischen Redner, 'o hinreißend und witzig sie auch sprechen mögen, keinen Eindruck; allein in einem demokratischen Lande erlveist sich die Kritik schließlich doch als eine Macht. Bei ihrem Eindringen ins Publikum verliert sie das persönliche Element und das sachliche bleibt nnd wirkt. Es ist schon jetzt ziemlich klar, daß die Ire», lvenn sie einmal eine gclvisse Form von Selbstregierimg erlangen, sich in Reaktionäre verivandeln werden, aber vorläufig vertreten ie im Parlament alle von England unterdrückten Rassen. In der gestrigen Sitzung brachten sie die Personalien der richterlichen Kom- missiv» zur Sprache, die nach Südafrika gehen soll, um die vom Kriegsgericht gefällten Urteile zu untersuchen. Viele sind der Meinung, daß diese Kommission eine versöhnende Wirkung haben werde. Es liegt auch kein Grund vor, diese Meinung zu bezweifeln. Die Stimmung in England ist den Bocren durchaus günstig. Daß Mr. Joseph Chamberlain sich für die Aiisschlicßnng von Dr. Leyds aussprach, ist noch kein Beweis dagegen. Den» Leyds ist kein Boer und wird hier einstimmig als der Mann bezeichnet, der die europäische Presse mit � Material gegen die englische Kriegsführung versah. Dennoch gelang es gestern dem irische» Abgeordneten Mc Neill, einige scharfe nnd gerechte Worte gegen zwei Mitglieder der richterlichen Kommission zu sagen. Er meinte, der Lord Oberrichter Alverstone sei nicht der geeignete Mann, die vom Kriegsgericht verurteilten Afrikander der königlichen Gnade zu empfehlen, da er sein Amt wegen politischer Verdienste hält. Noch schlimmer stehe es mit Richter Bighai», der im Jahre 1896 Mitglied der Kommission über den Jameson-Raid war. Seine Vergangenheit spreche nicht dafür, daß er das Vertranen der Boeren besitze. Der Redner beantragte deshalb die Vertagung des Hauses. Sir H. Cnnipbell-Bnmiernian, der Führer der Liberalen, tadelte zwar die Regierung, daß sie dem Parlamente keine Mitteilung von der Ab- scndung der Kommisston machte, hielt aber den Antrag der Iren für verfehlt. Der Autrag wurde mit großer Mehrheit abgelehnt.— Richter Bigham leitet auch de» Zwei-Millionen-Prozeß gegen die walisischen Bergleute. Die Londoner Presse enthält sich vorläufig jedes Kommentars, da es in England gesetz- widrig ist, über einen vor de», Gerichte schwebenden Prozeß irgend Ivelche Meinungen zu veröffentliche». Die Verteidigung der Bergleute besteht darin, daß die Aufforderung zur Ein- stcllung der Arbeit nicht von den Beamten der Geiverkschaft, sondern von den Mitgliedern der Kommissio» der gleitenden Skala, i» der auch Unternehmer sitzen, ausgegangen sei. Richter Bigha», scheint diese Argumentation für nicht besser als einen juristische» Kniff zn halten und sprach sich auch mit zienilicher Deutlichkeit in diese», Sinne aus. Es ist schwierig, über den Aus- gang des Prozesses mehr als Vermutungen zu geben. Daß die Verteidiger nicht sehr hoffnungsvoll sind, beweist ihr Plädieren für eine Herabsetzung der Sunime des beanspruchten Schadensersatzes. Das Urleil ist wohl vor einer Woche nicht zu erivarten.— Frankreich. Pari?, 31. Juli. In dem heutigen KabinettSrate bestätigte der Ministerpräsident Combcs. daß sich in sehr zahlreichen Departe- nients die nicht genehmigten Niederlassungen der Kongregauistcn freiwillig aufgelöst hätten. Der Finanzminister Rouvier legte die Grundzüge des Budgets für das Jahr 1903 dar.— Belgien. Nachhiehrn von dem April- Aufstand. Noch inmier erfolge» Verurteiliinge» wegen Teilnahme an den Unruhen im Monat April und wegen damit im Znsanimcnhange stehenden Delikten. So wurde dieser Tage der socialistischc Deputierte Schinler mit mehreren andern Angeklagte» wegen„Verletzung der Freiheit der Arbeit" bedingungsweise zn 14 Tagen Gefängnis ver- urteilt.— Der anfierordentliche National- Kongreß der belgische» Bergleute, der am 7. September in Charleroi stattfindet, hat fol- gende Tagesordnung zn erledigen: Allgemeine Agitation für Ver- kürzulig der Arbeitszeit in allen Kohlengebieten; Beschluß über Petitionen und Eingabe eines Gesetzentwurfs betreffend die Arbeits- zeit an die Kamnier; Alterspension für Bergarbeiter und Beschluß- fassung über die Mittel, dieselbe bei den gesetzgebenden Körperschaften durchzusetzen.— Italien. Prozeß Palizzolo. Der SchwnrgerichtShof sprach den früheren Abgeordneten Palizzolo— siehe die gestrige Notiz— der Ermordung von Miceli und Notarbartolo schuldig, Trapani schuldig des Mordes an Miceli und Foutana schuldig der Ermordung Notar- bartolos. Die Angeklagten wurden jeder zu 30 Jahren Zuchthans verurteilt; die übrigen Angeklagten Vitale, Bruno, Garufi wurden freigesprochen. ' Das Urteil hat großen Eindnick hervorgerufen. Nach der Ver- kü»digung desselben rief Palizzolo aus:„Meine Herren Geschwornen, Sie haben sich getäuscht! Ich bin unschuldig; Gott wird mich rächen!"— England. Liberale Erfolge. Der Wahlsieg der Liberalen in LeedS erregt Aussehen. Die Blätter kommentieren die immer größer werdende Abnahme der RegienmgSmajorität im Unterhause. Mittwoch- abend ging dieselbe bei der Beratung der Hanplparagraphen deS Unterrichtsgeselzcs auf 40 Stimmen herab, was nur ei» Drittel der früheren Mehrheit ausmacht.— Rußland. Ein Opfer des Zarismns. Ans einem der öden Winkel Sibiriens, Jakutsk, kommt eine Todesnachricht, die das Register der Verbrechen des zarischen Gesindels durch eine neue Anklage ver- größert. Ludwig Janolvitsch, ein Mitglied der polnischen social- demokratischen Organisation„Das Proletariat", der im Jahre 1884 verhaftet wurde und dann„ach 13 jährigem Kerker in der Schlüsselbnrger Feste»ach Sibirien deportiert Ivnrde, hat sich das Leben genommen. Seine Kameraden fanden ihn mit von einer Kugel durchbohrten Schläfe sa» dem Nikolsk- Friedhof tot auf.' lieber die Ursachen des Selbst- mordes schreibt der Genosse in einer Anzeige au die Polizei:„An das Polizeiamt in Jakutsk. An meinem Tode ist niemand schuld. Die Ursache meines Todes sind meine zerrütteten Nerven und Müdigkeit als die Folge einer langen Gefängnishaft und Verbannung (alles i» alle», 18 Jahre) unter äußerst schtveren Verhältnissen. Fn Wirklichkeit hat mich die russische Negicrnng ermordet. Möge auf sie die Verantwortlichkeit für meinen Tod fallen, ebenso wie für das Unglück einer nnendliche» Anzahl meiner Genossen." An seine Genosse» in der Verbannung hat Janolvitsch einen Brief hinterlassen, in de», es unter anderem heißt: Die 13 Jahre Kerker und die Verbannung haben meine Nerven zerstört. Ich bin müde und fühle ein starkes Bedürfnis auszuruhen; als einziges Mittel auszuruhen ist für mich nur der Tod. Der Brief schließt mit den Worten: Lebt wohl, Genossen! Vom ganzen Herze» wünsche ich Euch das rote Banner auf dem W i n t e r p a l a st zu er- blicken. Der sibirischen Tortur glücklich z» entkommen, gelang einem andren polnische» Genossen, dem Ingenieur der Technologie Alexander Malinowski, der im Jahre 1900 bei der Aushebung der Geheimdruckerei des Organs der Polnische» socinlistischen Partei„Robotnik" verhaftet Ivnrde. Das Urteil lautete auf acht Jahre Oslsibirie». Am 17. Juli sollte Malinowski seine Reise antreten; es gelang ihm aber, von den, Moskauer Brest- Bahnhof zn entfliehe». Obgleich die Gendarmerie gleich»ach allen Himmelsrichtungen über die Flucht telegraphisch be- richtete, gelang es doch Malinowski, zu entkommen.— China. Der chinesische Zolltarif. Die„Times" melden auS Shanghai: Die Revision des Zolltarifs ist durch China und acht Vertragsmächte beendet worden. Rußland, Italien, Spanien und Portugal haben daran nicht teilgenommen. Man glaubt nicht. daß dieselben gegen de» neuen Tarif Wider- sprnch erheben werde»; aber derselbe kann nicht in Kraft treten, ehe alle Mächte ihre Zustimmung zn demselben zu erkennen gegeben habe». Die specifischen Zölle, denen die Kommissare auf der i», Protokoll von 1901 niedergelegten Grundlage der Warenschätzung zugestimmt habe». stellen eine Abgabe zwischen 4 und 40, Prozent auf den heutigen Wert dar.— Australien. Ladenschluß- Gesetzgebung in West- Australien. Seit Februar cr. ist auch in West-Aiistralien die Arbeitszeit(Ladenschlutz- zeit) der in offenen Verkaufsgeschäften Angestellten gesetzlich geregelt. Danach ist für alle Ladengeschäste, ausgenommen einige wenige Branchen, die Schlußzeit für eine» Wochentag auf 1 Uhr mittags, für einen Wochentag auf 10 Uhr abends und für die übrigen Wochentage auf 6 Uhr»achmittags festgesetzt. Vor 8 Uhr morgens dürfe» die Läden nicht geöffnet werden, der Gouverneur ist berechtigt, für einzelne Distrikte Ausnahmen bezüglich der Ladcnöffnung zu gestatten. Die von dem Gesetz aus- genommenen Gewerbe sind die Apotheken, Gastwirtschaften, Milch-, Obst-, Fleisch-, Brot-, Tabak-, Blumen- und Zeitmigsläden und die Friieurgeschäfte. Die letzteren dürfen bis 60s Uhr, an Sonnabenden, am Weihnacht-- nnd Neujahrs-Heiligabend bis 10 Uhr geöffnet halten. In den dem Gesetz unterstellten Geschäften dürfen die Angestellten nicht länger als höchstens 0s Stunde bis nach Schluß des Ladens in oder außerhalb desselben beschäftigt werden; in jedem halben Jahr darf der Ladeninhaber diese Zeit 12 mal bis auf je 3 Stiindeii, eingerechnet 1 Stunde zur Einnahme einer Mahlzeit, überschreiten lassen, nur darf dies nicht an solchen Tagen geschehe», wo sonst die Schlußstunde 1 Uhr mittags ist. Allen Angestellten der- jenigen Geschäfte, welche von den obigen Bestimmungen ausgenommen sind, muß wöchentlich ein halber Ruhetag gewährt werden. In jedem offenen Ladengeschäfte, gleichgültig, ob die übrige» Ve- stimmungen auf sie Anwendung finden oder nicht, ist de» Angestellten je eine Stunde für Mittagsmahlzeit,„nd, wenn die Arbeitszeit bis nach 6>/s Uhr währt, eine Stunde für Abendbrot z» gewähren. Be- züglich der Beschäftigung von Frauen und jugendlichen Personen wird bestimmt: Jugendliche Personen männlichen und weiblichen Geschlechts von unter 16 Jahren dürfen ausschließlich der Mahlzeiten nicht länger als nenn Stunden pro Tag beschäftigt werden. An eine». Tage der Woche darf die Arbeitszeit derselben bis zu zwölf Stunden ausgedehnt werden, jedoch dürfen außer den Mahlzeiten in jeder Woche insgesamt nur ö3 Stunden Arbeitszeit geleistet werden.— NÄVkei-LlÄclzvi�jten. Ein Irrtum. Man schreibt uns: Aus Anlaß des AblebenS des Genossen Franz G o l d h a u s e n in Bremen geht eine Notiz durch die Parteipresse, in der behauptet wird, daß im Jahre 1879 das Unterhaltnngsblatt die„Neue Welt" socialistengesctzlich verboten und Goldbanse» ans Leipzig auf Grund des„Kleinen" ausgewiesen worden sei. Letzteres ist richtig,„nr erfolgte die Ausweisung nicht 1879, sondern 1881, in welchem' Jahre über Leipzig erst der„Kleine" verhängt wurde. Die„Neue Welt" siedelte später nach Stuttgart über, wo sie i», Verlag des Genosse» I. H. W. Dietz weiter erschien. Socialistengesetzlich ist die„Nene Welt"„ i e verboten ivorden, wie sie denn das einzige Blatt ist, das aus der vorsocialistengesetzlichen eit herüber gerettet worden ist, ohne den Namen oder die rschciimngsart'zu ändern und ohne auf Grund des Schandgesetzes behelligt worden zu sein. Die Parteigcnoffrn des Herzogtums Brannschweig halten ihre» diesjährige» Landcs-Parteitag am 31. August in Langels- hei», ab. Auf der Tagesordnung stehen folgende Gegenstände: Bericht des Landesvorstandes und Abrechnung. Die nächste Reichstags- ivahl und Agitation. Die Presse. Organisationsstatut. Kon,»„mal- wahl-Programm. Die nächste braunschtveigische Landtagswahl. Im Kampfe gestorben. In Mainz starb jetzt der Hafen- arbeiter Genosse Heinrich Knipp aus Duisburg»ach etwa fünf« wöchiger Krankheit im Krnnkenhause. Er hatte für die zum 2l. Juni nach Mainz einberufene Hafenarbciter-Konferenz ein Referat über- noinmen. Obwohl er sich bereits unwohl fühlte, wollte er die einmal übernommene Verpflichtung erfüllen. Er reiste»ach Mainz, mußte aber dort sofort das Krankenhaus aussuchen, das er nicht mehr verlasse» sollte. Fern von seiner Familie ist er dort im besten Mannesnlter gestorben. Er fiel einer Lungenentzündung zum Opfer. Der Verstorbene erfreute sich bei den Genossen Duisburgs hohen Ansehens nnd war von ihnen mit verschiedenen Aenitern betraut worden, die er stets mit Eifer nnd Geschick verwaltete. Seine Freunde werden ihn i» gutem Andenken behalten. NeichStagökandidatnr. Eine socialdemokratische Wahlkreis- konfereiiz des 7. badischcn Reichstags-Wahlkreises stellte, nachdem der bisherige Kandidat Geib-Mamiheim eine WiederaufsteNnng abgelehnt hatte, den Landtagsabgeordneten Genossen Ad. Geck einstimmig als Kandidaten auf. Damit ist aber natürlich, so bemerkt dazu die „Mannheimer Volksslimme", seine Anfstellung in seinem„offiziellen" Wahlkreis(Karlsruhe) nicht etwa aufgehoben. Ans IndulH'ie tmfc Zur Lage auf dem Kohleninnrkt. Während in den letzten Jahren die r>on de» Syndikatszechen produzierten Coakskohlen stets zum vollen Coakskohlcnpreis abgesetzt iverden konnte», mufiten, Ivie die„Rh. Wests. Ztg." meldet, im zweiten Quartal des laufenden Jahres 23,20 Proz. der gesamten Coakskohlenerzeugung als Fein- kohle zum Preise von 7,50 M. gegen 9,50 M. ursprünglicher Coaks- kohlenpreis untergebracht iverden. Die Betricbsgeivinne der Zechen iverden natürlich durch diesen Prcisansfall beträchtlich verschlechtert. Der Stand des deutschen BaukwcsenS. Wie alljährlich gegen Ende Juli, bringt auch diesmal der„Deiitsche Oekonomist" eine Ucbersicht über die Eutivicklnng der deutschen Banken im vorauf- gegangenen Jahr. Danach belief sich Ende 1901 die Gesamtzahl der deutschen Banken(Noten-, Hypotheken- und Kreditbanken) mit eine», Aktienkapital von niindcstcns 1 Million Mark auf 171 gegen 105 am Schlufi des Jahres 1900. Die eignen Mittel dieser samillchen Banken haben Ende 1901 betragen 2819,9 Millionen Mark Grundlapital(1900 2701,8 Millione» Mark. 1899 2712,8 Millionen Mark) und 079,7 Millionen Mark--- 24,1 Proz. Reserve»(1900 632 3 Millionen 22,9 Proz., 1899 605,0 Millionen Mark— 22,3 Proz.) Das Aktienkapital hat sich also im Jahre 1901 um 58,1 Mill. Mark vergröbert. Die Banken hatten Ende 1901 insgesamt ein Kapital von 17,44 Milliarden Mark in Verwaltung. Davon entfallen aus Aktienkapital und Reserven(eigne Mittel) 3,5 Milliarden Mark und auf fremde Mittel 13,94 Milliardeil Mark. Diese setzen sich zu- sainincn aus 2535,2 Millionen Mark(2809,9 Millionen Mark) Kreditoren und auszuzahlende Gewinne; 1811,6 Millionen Mark <1706,3 Millione» Mark) Depositen! 1239,8 Millionen Mark <1389,6 Millionen Mark) Accepte; 1637,5 Millionen Mark (1610.4 Millionen Mark) Banknoten und 6714,9 Millionen Mark (6504.4 Millionen Marl) Pfandbriefe. In den Wechsclbcständen der Banken nahmen die Bnnkaccepte einen grosze» Ranni ei»; sie betrugen i» Prozenten der Wechselbestände 1901: 45 Proz., 1900: 45 Proz.. 1899: 39 Proz., 1898: 42 Proz.. 1897: 40 Proz. 1896: 41 Proz.. 1895 40 Proz. Also nahezu die Hälfte aller Wechsel- bestände der Banken einschliefilich der Reichsbank sind Bankacceptc gcivescn. Sieht man von de» Hypotheken ab. so bleiben für den eigentliche» Bankvcrkehr 10,13 Milliarden Mark übrig, davon werden 1389,7 Millionen Mark als Barbestände ausgewiesen, doch ist hierzu z» bemerken, daß hierin die Reichsbant mit 897,3 Millionen Mark enthalten ist und dag die andern Banken durchweg ihre Giro- guthabe» bei der Reichsbank als baren Kassenbestaud verbuche». Die DurchschuittSdividende aller Banken betrug 1901 6,02 Proz. 1900 7,49 Proz., 1899 8,21 Proz.. 1398 7,89 Proz.. 1897 7,66 Proz.. 1896 7,63 Proz.. 1895 7,38 Proz.• v t■ Tcutschlands Noheiscuprodnktlon im letzten Halbjahr. Nach de» statistische» Ermittelungen des Vereins deutscher Eisen- und Stahlindustriellcr bclics sich die Roheisenproduktion des Deutschen Reiches(cinschlicfilich Lnxemburg) im Juni 1902 auf 695 073 Tonne»! darunter Puddclrohcisen und Spiegeleisen 98 723 Tonnen, Bessemer- Roheisen 34893 Tonnen. Thoinns-Rohcisc» 435308 Tonnen. Gieszerei- Roheisen 126 149 Tonnen. Die Produktion im Mai 1902 betrug 710 420 Tonnen, im Juni 1901 633 046 Tonnen. Vom 1. Jannar biS_ 30. Juni 1902 wurden produziert 4 013 776 Tonnen gegen 3 953 779 Touncn im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Eiscnbahnba« in de» Vcrciiiigtcil Staate» von Amerika. Die starke Steigerung der Eisen- und Stahlprodnktion in den Vcr- einigten Staaten erklärt sich zum grojzci: Teil aus der raschen AllS- dehnung des Eisenbahnnetzes. Ii» laufenden Jahre ist die Eisen- bahu-Baiilhätigkeit»och bedcnteuder, als in 1901, besonders in den südlichen niid südwestlichen Staaten der Union, sowie au der Pacific- küste. und man kann deshalb mit Bestimmtheit darauf rechneu, dafi die vorjährige Zunahme des Eisenbahnnetzes um 4750 engl. Meilen (1 Meile— 1524 Meter) in diesem Jahr weit übertroffen iverden wird. Und zwar werden die bestehenden Linien nicht, nur weiter ausgebaut, sondern es wird auch durch den Bau verschiedener Nebenstrecken eine Vereinigung von bisher in keiner Ver- biiidung stehenden grofieu Eisenbahnen erstrebt. Nach den Plänen des Gouldsyndikats soll die Wabajhbahn bis an die Atlantische Küste verlängert und dabei eine Verbindung der Wester» Maryland und der West- Virginia-Central- und Pittsbnrg- Bahn mit andern Linien des Syndikates erzielt werden. Die Leitung der Union- Pacificbahu hat kürzlich 10 Millionen Dollar für Neu- bauten bestimmt. Die Peunsylvaniabahn hat die für den Ausbau der Hauptlinieu und den Neubau von Zweigbahnen sonst alljährlich ansgeworfene Summe in diesem Jahre verdoppelt. Dieselbe Gesell- schast nimnit de» Bau einer Endstation in New Uork mit Tunneln »nler dem Nord- River und East- River hindurch jetzt in Angriff. Wie bei den geuaunteu Gesellschaften ist auch die Banthätigkeit bei der New Uork Central-, der Baltimore- und Ohio- Bahn und den übrigen Stammbahnen sehr lebhast. Die Verwaltung der Ericbahn hat Baupläne entworfen, deren Ansfühning 20 Millionen Dollar er- fordern. GewevKflLzAfklichtes. Berlin und Umgegend. Lohnbewegung der Dachdecker Berlins. Die Dachdecker Berlins und Umgegend beschäftigten sich in ihrer gestrigen Versammlung eingehend niit dem S1a>>d ihrer Lohnbeivcgnng. In de», Situationsbericht wurde die gcgcuwilrtige Lage als für die Gesellen äufeerst günstig geschildert. Da bereits die ausschlaggebeude» Firmen mit Ausnahme der Firma Rödel, welche 70 Mann beschäftigt, den geforderten Stundenlohn von 65 Pf. bewilligt haben, und diese selbst darauf drängen, daff auch die übrigen Firmen mit Nachdruck zur Bewilligung gezivnngen iverden, so faßte die Versaminlung fast einstin»,>ig den Beschlutz: Am heutigen Tage(also Freitag) bei allen noch ausstehenden Firmen die Forderung zu stellen und im Falle der Ablehnung sofort die Arbeit nieder- zulegen.__ Glasschleifer. Am 19. Juli entlietz die Firma Arlt, Dresdener- stratze 35, sämtliche Glasschleifer, augeblich ivegen Mangel an Arbeit; da es aber für jeden eingeweihten Kollegen klar sein mutzte, datz die Herren Arlt nur billige und hauptsächlich Ivillige Arbeiter suchen, die mit dem Lohlttarif wenig vertraut sind. Der Werkführer geht bereits von Glasschleiferei zu Glasschleiferei, im Arbeitsanznge, um Glasschleifer zu suchen. Aber der Herr hat bis jetzt wenig Glück gehabt unv dürfte es auch ferner so bleiben. Die Arbeit geht jetzt überall besser, von den Entlassenen find bereits die Hälfte wieder in Arbeit, und vielleicht iverden die Herren Arlt noch froh jein, vom Arbeitsnachweis Kräfte zu bekommen. Also, Kollegen, nehme keiner Arbeit bei obengenannter Firma an, ohne den Arbeitsnachweis zu benutzen. Der Vorstand der Filiale Berlin. Achtung! Elektromontcurc und Bauhandwerker! Wege» Vertragsbruchs des Unternehmers und abernialiger Lohnyeduktion befinden sich die Elektromonteure der Firma Paul Hardegen u. Co., Elisabeth- Ufer 5/6, im Streik. Sämtliche Bauarbeiter werden ersucht, die Streikenden moralisch zu unterstützen und Ersatz- kräfte fernzuhalten. Es kommen folgende Baute» in Betracht: 1. Für elektrische Licht-, Telephon- und Tclegraphen-Anlage»: Alte Jakobstr. 144, Schöneberger Baugesellschaft; Pariserstr. 58; Uhland- stratze 53 in Wilmersdorf; Lntzowstr. 27. 2, Für Telephon- und Telegraphen-Anlagen: Wilhelmstr. 63, Staatsministerium; Rathaus« Neubau in Pankow; kgl. Hochschule für Musik und bildende Künste in Charlottenburg, Hardenbergstratze; Wilmersdorf, Hohenstaufen- stratze, Baumeister Speck; Dresdenerstrahe 41/42; Victoriastratze 7; Margarethenstr 17. 3. Nur für Telegraphen- Anlagen: Gruneivald, Trabenerstr. 39; Treptow, ftiefholzstr. 19/20; Ulmenstr. 6, 4. Nur für Telephon-Anlagen: Winterfeldstr. 4. Die L o h n k o m m i s s i o n. Deutsches Reich. Die Anssperrnng in Hamburg. Am Mittwoch hielten die Maurer, Zimmerer und Bauarbeiter eine gcnieiiisanie Versammlung ab, welche zu den vom Arbeitgeber-Vimd nufgestellten Arbeits- bedingiliigen Stellung nahm und den Bcschlntz fatzte,„datz die Verhandlungen über die Einführung der neun- st ü» d i g c n A r b c i t S z e i t und die g e f o r d e r t e n L o h n- e r h ö h n n g c n sofort eingeleitet werden. Ferner kau» die Bedingung, das; Gesellen mir durch de» Arbeitsnachweis eingestellt werden, keine Anerkennung finde», indem hierüber mit dem Gesellcnansschntz keine Beratungen stnttgefnndeii und die Versammlung nicht gewillt ist, sich ohne weiteres dem Matzregclungsbnrcan der Jnninig ausznliefern. Auch behalten sich die organisierten Bauarbeiter, Maurer und Zimmerer vor, die freie Zeit in den Arbeilspausen so auszufüllen, wie es jedem beliebt, und sind keineswegs geneigt, sich damit ein- verstanden zu erkläre», datz dieses oder jenes Gespräch in der Pause zu Agitation oder Aufhetzung seitens der Arbeitgeber gestempelt wird, aus welchem Grunde nach ivie vor i» der Banbnde verhandelt werden wird, was den Arbeitern beliebt, ohne bei den Arbeitgebern zunächst die Erlaubnis einzuholen. Endlich erklären die Anwesenden aller drei Berufe, unentwegt für die Einführung des» e u n st ü n d i g e» Arbeitstages eintreten zu wollen."' Die Bewegung für die Forderungen der Arbeiter ist also nicht abgeschlossen. Die Maurer, Zimmerer und Bauarbeiter allerorts mögen dies beachten und dafür Sorge trage», datz die Position ihrer Hamburger Kollegen durch Fernhalten des Zuzuges gestärkt werde. Ferner sei darauf hingewiesen, datz auch die Hamburger Klempner noch ausgesperrt sind und auf die Solidarität ihrer auswärtigen Kollegen rechneu. Zum Holzavbeitcvstreik in Zeulenroda hatten wir in Nr. 171 unsres Blattes eine Notiz gebracht, in der gesagt wird, der Ober- bürgermeistcr habe eine Polizeiverordnung erlassen, die anscheinend bestimmt sei, das Strcikposteustehen zu vereiteln. Weiter wurde aus- geführt, die Streikenden hätte» bereits vor acht Wochen das Gewerbe- gericht als Einigungsamt angerufen, der Oberbürgermeister hätte aber erklärt, er habe nicht die Pflicht, die Arbeitgeber zum Erscheinen vor dem Einigungsaint zu veranlassen.— Unter Bezugnahme auf diese Mitteilung erhalten wir folgende Zuschrift: Mit Bezug auf§ 11 des Reichsgesetzes über die Presse werden Sic hierdurch crgcbeust ersucht, diese Anführungen, mit denen Sie in allen wesentlichen Teilen getäuscht worden s i n d. in Ihrer nächsten Nummer gefälligst wie folgt zu berichtigen: 1. Es ist falsch, datz die von mitnnterzeichnetem Stadt- Gcmeindcvoistande erlassene Bekaniilmachuug vom 18. d. M. das Strcikpostensiehen vereiteln solle, lind datz nicht einzusehen sei, wariim sich dasselbe nur auf ausstäudige Holzarbeiter erstrecke. Vielmehr bezieht sich die Bekanutniachnng lediglich auf Gruppierungen von mehr als zwei Personen, also nicht auch auf sogenannte Streikposten geringerer Personenzahl, und ist es ferner hier ortsbekaimt, datz die fragliche Bckauntinachnng infolge wochenlang fortgesetzter gröbster Stratzeiiausschreitinigen ausständiger Holzarbeiter erlassen werde» mutzte, über welche bis jetzt schon etwa ein Dutzend Anzeigen, zum Teil schwerwiegendster Art, der Staatsanwaltschaft vorliegen, die mit dem Slreikposteustehen nicht das niindeste zn schaffe» haben. 2. Es ist falsch, datz die Streikenden das Gciverbegericht schon vor acht Woche» ersucht haben sollen, sich als Einigungsaint mit dem Streik zu befassen, datz der niitnnterzeichnete Vorsitzende des Gerichts aber hierauf erklärt haben soll, er habe nicht die Pflicht, die Arbeitgeber zum Erscheinen vor dem Eittigungsamte zu ver- anlassen, und datz der llnterzeichuete jedoch neuerdings den Strei« kendcn uitgcteilt haben soll, datz das Eiuignngsamt zusammen- treten werde. Viclniehr hat der mitimterzeichnete Vorsitzende des Gewerbe- gerichls, ohne datz die Streikenden vorher irgend einen Schritt dieser Art bei ihm gethan, mn 27. Juni d. I. nach vierwöchigem Bestehen des Streiks, beide» streikenden Teilen gegenüber sich aus eignem Antriebe zum Eiiiignngsversuche erboten, haben die Arbeiter hierauf am 3./10. Juli und die Arbeitgeber, nachdem Unterzeichneter dieselben am 18. Juli erinnert, am 19./21. Juli zu EinigungS- Verhandlungen sich bereit erklärt, wurde das Einigungsamt von dem Unterzeichneten noch am gleichen Tage(21. Juli) auf den folgende» Tag(22. Juli) berufe» und noch am folgenden Tage <22. Juli) der Schiedsspruch beiden streitenden Teilen durch den Unterzeichneten bekannt gegeben. Zeulenroda, am 23. Juli 1902. Der Stadtgcmeinde-Vorstand. Der Vorsitzende des Gewerbegerichts. Oberbürgermeister Lemcke. Zu der vorstehenden Auslassung des Herrn Oberbürgermeisters Lemcke haben wir zu bemerken: Wie es sich mit der Anrufung deS EinigungsamteS und dem Verhalten des Oberbürgermeisters dazu verhält, daS können wir augenblicklich nicht feststellen. Die berufenen Vertreter der Aus- ständige» gaben über diese Angelegenheit noch nach dem Erscheinen nnsrer Notiz eine Darstellung, die sich im wesentlichen mit der von uns gegebenen deckt, nur scheint es ein Irrtum zu sein, daß schon vor acht Wochen das Einigungsamt angerufen worden sei. Was min die fragliche Polizeiverordnuug betrifft, so verbietet sie dem Wortlaut nach das Streikpostenstehen allerdings nicht, in ihrer Wirkung aber kommt sie darauf hinaus. Weiter halten wir auch nichts behauptet. Die Verordiinng ist in der That eine Aus- n a h m e- B e sti mm u n g, die anläßlich des Streiks erlassen ist, und den Streikenden bestimmte Handlungen ver- bietet, die andren Leuten nicht verboten sind. Wenn Streikende strafbare Ausschreitungen begangen haben, die die Staatsanwaltschaft zum Eingreifen veranlatzten, so reichen doch die Strafgesetze aus, um solche Handlungen zu ahnden. Dazu bedarf es keiner besonderen Polizei-Verordnung. Wir können aus derselben nichts andres herauslesen, als datz sie die Beein- flussung der Arbeitswilligen durch die Ausständigen verhindern will, also eine Einschränkung des Koalitionsrechts dar- stellt niid somit der rechtlichen Grundlage entbehrt. Damit sich jedermann überzeugen kann, datz wir die Polizei- Verordnung richtig beurteilt haben. lasse» wir hier ihren Wortlaut folgen: Bekanntmachung. Nachdem in den letzten Tage» bei uns zahlreiche Beschwerden wie auch eine Reihe inzwischen von uns an die fürstliche Staats- anwallschast abgegebener Anzeigen darüber eingegangen sind, datz arbeitsausständige hiesige Holzarbeiter durch 1. truppweise aufdringliche Beeil, flussungSversuche an hier an- gelangte» fremden Arbeitswilligen auf öffentliche» Straßen, 2. truppweise Behelligung von ihnen irrtümlicherweise für von auswärts bier angelangte srenide Arbeitswillige gehaltenener Per- sonen auf öffentlichen Straßen, 3. truppweise geräuschvolle Verfolgiiug von Fuhrwerken, in denen sie hier angelangte fremde Arbeitswillige vermuten, auf öffentlichen Stratze», 4. truppweises, auch unter wörtlichen und thätlichen Belästigungen verschiedener Art erfolgendes Geleiten arbeitswilliger Holzarbeiter von deren Wohnung nach deren Arbeitsstätte und umgekehrt durch die öffentlichen Straßen und durch andre dergleichen Uiigehörigkeiten fortgesetzt andre Personen behelligen, mehr oder minder umfang- reiche Ansanunlungen von Menschen verursachen, und durch alles das die öffentliche Ordnung empfindlich stören, sieht sich die nnterzeichnete Ortspolizeibehörde zunächst zu folgendem gezwungen: «Aus Artikel 9 sowie dem 7. und 8. Absatz des Artikels 14 der Gemciiidc-Ordnung wird den a n s st ä n d i g e n hiesigen Holzarbeitern hiermit für den Gemeindebezirl der Stadt Zeulenroda verboten, auf öffentlichen Wege», Straßen oder Plätzen in Gruppen von mehr als zwei Personen initeinander zusanimeiizugehe» oder zilsammenzllstehen, oder ans öffentlichen Wegen, Stratze» oder Plätzen andre Personen in der oben zu 1—4 gedachten oder in ähnlicher Weise z» behelligen. Zuwiderhandelnde haben Geldstrafe bis zn 150 M. zu gewärtigen, die bei Nichlbeitrcibbarkeit in Haft umgewandelt werden wird." Außerdem wird auf den ersten Absatz des fj 116 des Reichs» Strafgesetzbuchs hingewiesen, welcher im Auszuge lautet: „Wird eine auf öffentlichen Wegen, Stratzen oder Plätzen versammelte Menschenmenge von dem zuständigen Beamten auf- gefordert, sich zu entfernen, so wird jeder der Versammelten, der nach der dritten Aufforderung sich nicht entfernt, wegen Auflaufs mit Gefängnis bis zu drei Monaten oder mit Geldstrafe bis zu 1500 M. bestraft." Zeulenroda, den 18. Juli 1902. Der Stadtgemein bevor st and. Oberbürgermeister Lemcke. Formevstrcik. Kürzlich teilten wir mit, datz die Hedwigshütte in Viersen(Rheinland) an Stelle entlassener Former, die nicht in Accord arbeite» wollten, Ersatzkräfte suche. Jetzt wird uns berichtet, datz sämtliche Former und G i e tz e r e i- A r b c i t e r der ge- nannten Fabrik die Arbeit niedergelegt haben. Sie fordern: Weiterbeschäftigung in Lohn, Einführung einer Kündigung sowie der zehnstündigen Arbeitszeit, Abschaffung der Ueberstunden, Aufbesserung der herabgesetzte» Löhne. Einigungsversnche, die der Mctallarbeiter-Verband machte, hatte» keinen Erfolg. Da die Firma in auswärtigen Blättern Arbeitskräfte sucht, so möge» die Former und Gietzerei-Arbeiler dies beachten und de» Zuzug fernhalten. Ausland. Zum Streik der galizischen Landarbeiter haben die Kor- respondeiizbureans in den letzten Tagen Nachrichten von Gewalt- thätigkeite», die die Streikenden ausgeübt haben sollen, verbreitet. Auch wir haben zum Teil von diesen Nachrichten Notiz genommen. wenn wir sie auch für zweifelhaft hielten. Wie die Wiener„Arbeiter« Zeitung" schreibt, sind diese Nachrichten teils unwahr und in den nieisteu Fällen stark übertrieben, und zwar im Interesse der Groß- grundbesitzer. Diese hoste», die Streikbewegung, die ihnen be- greiflicherweise sehr ungelegen kommt, mit Hilfe des Militärs und der Polizei niederschlagen zu können, und um sich diese Hilfe zu sichern und womöglich zu erreichen, datz über die vom Streik betroffenen Bezirke der Belagerungszilstand verhängt lverde, müssen eben die Streikende» als eine Horde von Räubern und Ver- brechern hingestellt werden. Es mögen ja hier und da Aus- schreitnngen vorkommen, die sich aus den Verhältnissen erklären lassen und an denen die Provokationen von militärischer und Polizei- lichcr Seite ihr Teil beitragen. Man wird aber alle Nachrichten über gcwaltthätigc Ausschreitungen der Streikenden mit großer Vor- ficht aufnehmen iniissen. Deö norwegischen Stcinhaner- Verbandes achte Landes- versamuilimg tagte vom 20. bis 24. Juli in FredrikShald. Dort waren 17 Abteiliingen durch 24 Delegierte vertreten. Der Verband hat jetzt 600 Mitglieder. Die Landesversammlung beschloß unter andrem, datz auf eine engere Verbindung mit den skandinavischen Brnderverbäiiden hingewirkt werden soll. Die Verbandsleitung ivurde beauftragt, dem Storthing das Verlangen nach Ausdehnung der Fabrikaufsicht ans die Steinhanereien und»ach Einführung ent- sprechender Schiltzbestininilmgen zu unterbreiten. Sensationsnachrichten über Ansschrcitungen streikender Gruben- arbeiter in Pcunsylvanien werden von Zeit zu Zeit durch die Telegrnphcnbnrcnus verbreitet. Eine solche, die das„W. T. B." ver» öffentlicht, lautet: S h e n n o n d a h(Pennsylvanie»), 31. Juli. Gestern abend kam cS hier zwischen Ausständigen und der Polizei zu einem Zusammen- stoß, bei dem 20 Ausständige und 4 Schutzleute verwundet wurden. Ein Verwandter des Sheriffs wurde getötet. Obgleich sich den ganzen Abend hindurch noch eine große Menschenmenge in den Straßen aufhielt, war doch gegen 11 Uhr die Ruhe wieder hergestellt. Der Präsident der Lokal-Union forderte die Mitglieder auf, die Be- Hörde» nach Kräfte» zn uiitcrstützen und Ausschreitungen zu unter- drücken. Zwei Regimenter wurden von Harrisburg nach Sheugoudah entsandt._ SociKlvs. Die Einsiihrnng der Proportionalwahl beschloß der Bürger» auSschutz in Mannheim für das Gewerbegericht. Ei» norwegisches Dienstboten- Gesetz. Im Sommer 1S9S wurde vom norwegischen Storting ein Komitee zur Ausarbeitung eines Dienstbotcn-Gesctzes geivählt. Nun hat dieses Komitee endlich seine Arbeiten beendet und dem Ministerium einen Gesetzentwurf übersandt, der unter seinen 26 Paragraphen auch folgende Be- stimmung enthält:„Die Herrschaft soll den Dienstboten eine aus- reichende Freizeit geben, so datz sie dem Gottesdienst bei- wohnen, ihre eigenen Arbeiten besorgen, und an erlaubten Ver- gnügunge» teilnehmen löimen. Dem Dienstboten kommt autzerdem, wenn nichts andres vereinbart ivurde. eine zusammen- hängende Freizeit von miiidestens 7 Tagen für jedes Jahr, in lvelchem er bei derselben Herrschaft dient, zu; die nähere Bestinimung über den Zeitpunkt für diese Ferien trifft die Herrschaft." Nach Meinung des Komitees ist es inlinöglich, die Arbeitszeit und die Freizeiten durch das Gesetz genau zu regeln, eine gewisse Ferienzeit müsse jedoch gesetzlich festgelegt werden. Selbst- verständlich haben die Dienstboten auch während der Ferien Anspruch auf vollen Lohn, nicht aber auf Kostgeld, sofern sie sie außer- halb des Hauses der Herrschaft zubringen.— Ei» weiterer Paragraph bestimmt, daß die Schlafräume der Dienstboten den Anforderiingen, die man aus gesundheitlichen lind sittlichen Rücksichten stellen mutz, entsprechen sollen. Der Dienstbote kann ein eignes Bett verlangen. Männliche und weibliche Dienstboteu dürfen keinen gemeinfameii Schlafraum haben.(Vergehen gegen diese Be« stimmung werden übrigens schon durch das nciie Strafgesetzbuch mit Strafen bedroht.) Bei Erkraiiknng eines Dienstboten ist die Herr- schaft bis zu vier Wochen versorgnngSpflichtig, Ivenii es sich nicht>im eine selbstverschuldete oder venerisches!) Krankheit handelt.— Die gesetzliche Küiidignngsfrist wird, abgesehen von besonderen Vereinbarnngeii, auf zwei Monate festgesetzt.— Der Entwurf weist offenbar manche Vorzüge auf. besonders wenn man ihn mit der prentzischen Gesinde-Ordnung vergleiche» wollte. Namentlich scheinen auch die Bestinimungen über die Freizeit dafür zn sprechen, daß das Koinitee in den Dienstboten Menschen mit Menschenrechten erkannt hat und nicht etwa bloß ein„Gesinde", das durch strenge Matzregeln in Ordnimg gehalten werden mutz. Besser noch wäre der Entwurf jedenfalls geworden, wenn in jeneni Komitee auch Arbeiter oder Dienstboteu Sitz und Stimme gehabt hätten, und am besten wäre es wohl, mit solchen Ausnahmegesetzen für Dienstboten überhaupt aufzuräumen und ihnen gleiche Rechte mit den gewerbliche» Arbeitern einzuräumen. Nus dev FvAltteubeivegung. DaS Vtrsamnilungörecht der Frauen i» Bayern. Anläßlich einer Petition verschiedener Frauenvereine um Aushebung der Bestinimung in Artikel 15 des bayrischen VereinsgesetzeS, wonach Frauen weder Mitglieder politischer Vereine sein, noch deren Versammlungen beiwohnen dürfen, brachte Abg. S e g i tz in der Kammerfitz, mg nm Mltlwoäi anch das mcrflviirdige Urteil deS Nlirn- berger Landgerichts vam 28� Juli zur Sprache/ über das wir in Nr� 175 berichtet haben. Er sagte, daß auf diese Weise jede von einem Socialdcmokraten einberufene Vcrsaminlung zn einer Ver cinsversammlung gestempelt werden könne'und damit das Versainmlnngsrccht der Arbeiterfrauen thatsöchlich aufgehoben iverde. Es sei deshalb die Aufhebung des Artikels 15 des Vercinsaescbes verlangen. Der Minister des Innern erlviderte darauf, seit der letzten Rc Vision des Gesetzes sei eine viel zu kurze Zeit(4 Jahre) verflossen, als dajj man jetzt schon Ivieder eine Aenderung vornehme» könne. Em dringendes Bedürfnis zu einer solchen Aenderung liege auch zur Zeit nicht vor. Die Herren Socialdemokraten aber seien selbst schuld, wenn Urteile gefällt werden, wie es in Nürnberg dieser Tage geschah; denn das socialdemokratische Parteistatnt enthalte die Bestimmung, daß m jedem Ort uur ein Verein bestehen darf. Damit sei aber ausgesprochen, daß sich die Socialdemokratie als einen großen Verein betrachte und die von Socialdemokraten einberufenen öffentlichen Partciversammluugeii seien ivohl als Vereinsversan»,,- hingen zu betrachten. Er könne wohl andre Direktiven hiuausgeben, doch würden sich die Gerichte nicht daran halten, sondern von Fall zn Fall nach den Thatuinstnnden urteilen. �....��Üstz stellte daraufhin fest, daß diese Erörtening nur den -B y"; C'"CI1 Fingerzeig gebe, wie sie in Zukunft Frauen aus öffentlichen Versninmlnngen ausschließen können, ohne mit dem Gewtz in Konflikt zn geraten; er müsse deshalb die Forderung auf eine erneute Nevision des Vereinsgesctzes aufrecht erhalten. Der socialdemokratische Antrag auf Würdigung der Petition wurde schließlich von der ultramontanen Mehrheit und den Bauern bundler» niedergcstiinmt, während sich die Liberalen der social deinokratischen Fraktion anschlössen. Die von dem Minister gegebene Interpretation wird zweifellos zu neuen Chikanen gegen socialdemokratische Versammlungsleiter fuhren, spricht sie doch in der That aus, was das Nürnberger Gericht auszusprechen unterlassen hat, daß nämlich jede von einem Social- deuiokraten einberufene Versammlnng dem Minister als Vereins Versammlung gelte. Sie überhebt die Gerichte der Prüfung der Thatninstände von Fall zu Fall, indem sie den unglaublichen, jeder Logik ins Gesicht schlagenden Grundsatz nnfstellt,' daß jede Ver- snminlung als Bereinsversammlnng anaesehcn werden kann, sobald der Veranstalter Mitglied eines Vereins'ist. -5� der russischen Stndcntiuue« beschäftigte die am 29. Juli abgehaltene Generalversanunluno des Vereins stndie- r e n d e r Frauen zu Berlin. Trotzdem die offiziöse Erklärung die ,n der Presse verbreitete Auslegung der niiuistcrielleii Be'- stimmung dementiert hatte, hielt der Verein es doch für seine Pflicht, seine Stellung zu der Frage, die durch die offiziöse Erklärung nur nach einer Seite hin erledigt sei, nock einmal ausdrücklich' auszusprechen. Der Verein nahm einstimmig nachfolgende Re solutiou an: „Wir im Verein studierender Frauen vertretenen deutschen Stlidentinnen sind uns durchaus der Gefahr bewußt, die durch die wahllose Zulassung minderwertig vorgebildeter Ausländerinnen der Sache des Franenstudinms drohen würde. Wir begrüßen jede Be- stimmung, die der Vorbildung der weiblichen Studierenden ein möglichst hohes Niveau sichert.— Wir wenden uns aber auf das entschiedenste gegen die Auffassung dieser Bestininmng. als wolle mau die russischen Stndentimicii ihres„sittlichen Verhaltens" wegen von der Universität entfernen. Wir betouen, daß wir bei nnsrcin gemeinsamen Studium mit den Nussinuen keinerlei Erfahrungen ge- macht haben, die für eine derartige Auslegung den geringsten Anlaß geben. Wir würden es bedauern, wenn die Handhabiing der neuen Ministerialbestiinmuiig auch diejenigen AliSländerinnen der Universität fern hielte, die thatsächlich eine der deutschen gleichwertige Vorbildung nachweisen könnten." setzen, doch sei das Manöver nicht mehr, gelungen. Der Reich? komniissar meinte, er hätte dazu eine Minuke Zeit gehabt; konnte er das Schiff nicht auf den Strand setzen, so belveise das, daß er weiter vom Ufer entfernt war, als er annahm. Peters fährt fort, er habe kurz vor der Kollision den Befehl gegeben„Volle Kraft rück' wärt?!", doch sei der Befehl nicht ausgeführt worden, weil Maschini' und Heizer fortliefen, als sie auf Deck Lärm hörten. Steuermann Wahlen von der„Hansa" sagt ans, er habe an der Kommandobrücke gestanden. Das grüne Licht des„Primus" habe er vorher nicht gesehen. Gleich nach dem Sichten des roten Lichtes des„Primus" sei auch das des„Teut" sichtbar geworden. Plötzlich sei dann das rote Licht des„Primus" verschwunden und das grüne erschienen, worauf der Kapitän der„Hansa" gerufen habe:„Der Kerl gicbt Steuerbordruder". Sofort sei die Maschine auf'„Volle Kraft rückwärts" angesetzt worden. Etwa eine halbe Minute später sei der Zusammenstoß erfolgt. Der Zeuge M a t r o s e' M a rx von der„Hansa" sagt ans, habe auf der'„Hansa" am Ruder im Ruderhanse gestanden, von wo aus er freien Ausblick gehabt habe. Bei der letzten Gasboje habe er das grüne Scitenlicht und das Topplicht deS„Primus" gesehen. Beide Lichter seien bis zur Kollision in Sicht geblieben. Es folgt dann die Vernehmung des Matrosen K ü l p e r der auf der Back der„Hansa" als Ausguck stand. Er hat das grüne Licht des„Primus" zunächst etwas unterhalb der letzten GaSboje gesichtet. Für einen Augenblick sei daS rote, dann aber wieder das grüne Scitenlicht des„Primus" sichtbar geworden. Der Zeuge hat die Gefahr der Kollision bald erkannt und laut gerufen:„Er zeigt grün I" Ein Dampfpfeifen-Signal vom„Primus" hat er nicht gehört, doch gicbt er zu, daß' er sich bei einer Eiitfernuiig von 159 Meter auch irren könne. Zeuge Kassierer und Wirt Drechsler vom„PrimnS" gab ein umfassendes Bild seiner RettungSarbeit, wobei er ganz Hervor ragendes geleistet hat. Der Zeuge Pickenpack aus Buxtehnd sagt ans,' der„PrimuS" habe zwei wasserdichte Schotten besessen. und sei mit 22 909 M. versichert gewesen. Mit Peters sei er stets zufrieden gewesen, es seien über ihn»ienials Klagen eiiigclnufen Ter Spruch deS Sre-SlmtS betr. die„Primus"- Katastrophe lautet: Der llufall Linie durch den Führer des„Primus", Kapitän Peters. weil er sich in falschem Fahrwasser gehalten und auch nicht mit ge nügender Aufmerksamkeit auf etwa in Sicht kommende Lichter geachtet hat. Die durch die Verhandlung festgestellte Gewohnheit der'kleinen Dampfer auf der Elbe. sich bei Ebbe mit Rücksicht auf den dort schwächeren Gegenstrom am Nordnfcr zu bnltcn, kann den Kapitän Peters nicht entschuldigen, da diese Gewohnheit als ein gegen die kaiserliche Verordnnng verstoßender und die Sicherheit der Schiff fahrt gefährdender Mißbrauch scharf zu verurteilen ist. Den Führer der„Hansa", Kapitän Sachs, trifft der Vorwurf, sein mit Rücksicht auf die voraus bezw. etwas an Backbord befindlichen Lichter ge gebcncs Backbord-Rnder nicht signalisiert zu haben. Durch das nach Artikel 28 der kaiserlichen Verordnung hier vorgeschriebene Signal wäre die Situation vielleicht rechtzeitig geklärt worden, auch wäre es vorsichtiger gewesen, wenn Kapitän Sachs eher, als geschehen, die Fahrt seines Schiffes ermäßigt hätte. ist in erster verschuldet. Der Untergang des„Prunns" vor dem See- Amt. Vor dem Hamburger See-Amt begannen DoniierStagvormittag,.....„_________ 19 Uhr die Verhaudluuge» in der Angelegenheit deS Ziisanime'nstoßes des 37 Fälle von Betrug zur Last gelegt. „Primus" und der„Hansa". Als Rechtsbeistand sür Peters fungiert Dr. Kämmerer, als derjenige für den Kapitän der„Hansa", Sachs. Dr. Schröder, als Rcichskommissar der Kapitän z. S. z. D. Chiide». Der Vorsitzende, Rat Dr. Schön, teilte mit, daß die Zahl der Ge- retteten 198 betrage, die der Vermißten sei auf 192 zurückgegangen. 81 Leichen seien aufgefunden worden, 21 fehlen. Die Ans- sagen beider Parteien über den Hergang des Unfalls gingen weit auseinander, erst die heutige Zcugeiivernehmnng müsse Klarheit schaffen. Es stehe fest, daß die Positionslaterncn beider Schiffe vorschriftsmäßig waren und daß beide Schiffe mit voller Kraft fuhren, die„Hansa" 12, der„Priinns" 6 Knoten. Der„Primus" sei in einem Winkel von 35 Grad getroffen worden. Der Maschinist habe in Buxtehude ausgesagt, eine Kcffelexplosion sei bei dem geringen Dampfdruck ausgeschlossen gewesen, er habe aber nach dem Zusammen' stoß nur daran gedacht, sein eignes Leben zu retten. Der erste Zeuge ist Kapitän Sachs von der„H a n sa", der unbeeidigt ansiagt, er habe vor der Katastrophe erst grünes Licht gesehen, dann zwei Minuten lang rotes Licht. Plötzlich sei dies verschwunden, und man habe wieder nur grünes Licht gesehen. Zur Verhütung der Kollision war es nun schon zu spät, da die Fahrt zu schnell war. Signale vom„Primus" oder den Gesang der Passagiere habe er nicht gehört, auch gar nicht gewußt,' daß sich vor ihm ein Passagierdampfer befände. Ferner sei ihm nicht bekannt gewesen, daß Passagierdampfer an der Nienstedter Brücke anlegen. Kapitän Peters vom„Primus", der ebenfalls unvereidigt bleibt, gicbt zu, ein falsches Fahrwasser genommen zn haben. Er Ihne dies immer, wenn das Wasser frei sei. Als er das herankommende Schiff sah, glaubte er, noch vor ihm die Nienstedler Brücke erreichen zu können. Er erklärt weiter: Nur mein grünes Licht kann von der„Hansa" gesehen worden sei». es ist nicht möglich, daß diese mein rotes Licht zwei Minuten lang erblickt hat. Ich bin so nahe am Strand gefahren, daß die„Hansa" festgeraten mußte. Ich habe ein Signal gegeben, aber die„Hansa" hat nicht geantwortet. Der erste Steuermann der„Hansa", der mit den beiden Kapitänen vernommen wird, schließt sich im ganzen denAuS- sagen seines Kapitäns an. Ans der weiteren Zeugenvernehmtmg ist hervorzuheben, daß ein Passagier der„Hansa" sehr bestimmt aus- sagte, er habe bemerkt, daß der Dampfer„PriinuS" kurz vor der Kollision eine Bewegung machte, welche den Zusammenstoß zur Folge haben mußte. Der Kapitän des„Primus", Peters, sagt weiter ans: Er habe in Kranz nur zwei Glas Bier getrunken und fei daher voll- ständig nüchtern gewesen. Ans die Bemerkung des Vorfitzenden, daß sich an Bord des„Primus" 219 Pasiagiere besnndcn hätten, während derselbe nur 192 hätte anfnehmen dürfen, erklärt Peters, er habe nur 186 gezählt. Da die Passagiere sich fortwährend von der einen Seite auf die andre begeben hätten, sei bald das eine, bald das andre Rad vollständig ans dem Wasser gekommen. Er habe hieran nichts ändern können und sich beim Stenern nach der Lage des Schiffes richten müssen. Auf der„Hansa" hat mau seiner Meinung nach das rote Licht des„Primus" nicht sehen können. Er habe von der„Hansa" nur die Fahrtlaterne und das grüne Licht gesehen. Er sei 39 Meter vom Ufer entfernt gewesen, als er die„Hansa" ge- sichtet babe. Der Vorsitzende bezweifelt die Richtigkeit der Angabe über die Entfernung vom Ufer, da die„Hansa" zu tiefgehend war. Sie hätte sonst, da sie den„Primus" getroffen hätte. auf Grund kommen müssen. Peters sagt iveiter aus, er habe das rote Licht der„Hansa" erst im letzten Augenblicke gesehen, worauf ihm der Vorsitzende vorhält, daß dem Vorsitzenden der Liedertafel„Treue" nicht bekannt war. daß zwei Passagiere in Nienstedten landen wollten. Auf Befragen des Reichskommissars er- klärt Peters, außer ihm habe niemand am Ausguck gestanden, neben ihm habe nur sein einziger Matrose am Ruder gestanden. Er habe im letzten Augenblick beabsichtigt, da? Schiff auf den Strand zu Gev krfjks-Äeitrntiz. Ein großer Hypothckeuschwiudel-Prozcß endete am 29. Juli nach dreiwöchiger Verhandlung vor der Straf- kannner in Köln mit der Verurteilung der beide» Angeklagten, der Brüder Dr. zur. Karl Meumann und Wilhelm Meninanii. Die Brüder waren die Direktoren der verkrachten Rheinischen Jnnnobilicnl Aktienbank in Köln, eines Unternehmens, das nur durch ein System des Betruges seit zwanzig Jahren ausrecht erhalten wurde und tag lich hätte zusammenbrechen können. Es handelt sich um einen äußerst raffiniert getriebenen Hypothckcnschwindel, dem viele Existenzen, meist kleine Leute, zum Opfer gefallen sind. Die Angeklagte» wußten sich bis zuletzt den Ruf durchaus ehrenhafter und geschäftlich korrekter Männer zu erhalten. Schon der Vater Meumann, der im Jahre 1881 die Bank gründete und bald nachher starb, soll die schwindelhafte Gel fchäftssiihrung eingeführt haben. Den Angeklagten wurden insgesamt WWMW Die Geschädigten, deren viele durch den Schwindel ruiniert sind, waren kleine Landwirte, Handwerker, Kanfleute, Pfarrer, Gymnasiallchrcr, Osfizicre a. D. u. dergl. Die Angeklagten haben großes Elend über ganze Ortschaften gebracht. Ihr System lies darauf hinaus, sich Barmittel ohne jede Gegenleistung zu verschaffen, und sie machten bei ihrem Schwindel nicht Halt vor dem bescheidenen Erbe von Handarbeitern, nicht vor dem mühsam erdarbten Häuschen des kleinen Gewerbetreibenden und nicht vor de» Ersparnissen der alten Dienstboten. Die Brüder Meumaiin hatlen mehrere Systeme, um ihre Opfer zu übervorteilen. Das am meisten geübte System war dieses: Sie gaben an Grund- oder Gebäudebcsitzer, deren Besitz mit mehreren kleinen Hypotheken belastet war, eine einzige große, die größer als die kleinen zusammen war, verpflichteten sich, die kleinen Hypotheken abzutragen und zahlten die Differenz dem Hhpothekarschiildncr heraus. In Wirklichkeit ließen sie die kleinen Vorhypolhekcn ungetilgt, und so hatte der Besitzer zn seinen kleinen Hypotheken eine große dazu. Die neue große Hypothek codierten sie dann einem ihrer kapital kräftigen Kunden als erste Hypothek, obwohl sie faktisch erst nach den früheren kleinen rangierte und so meist wertlos war. Es wurden also auf diese Art zwei Personen zugleich betrogen. Wenn eine solche von ihnen ccdiertc Hypothek getilgt wurde, nahmen sie die Summe an sich, machten aber dem Cessionar keine Mit teilung von der Tilgung, sondern zahlten ihm die Zinsen weiter, als ob die Hypothek noch bestehe. Fiel eine solche Hypothek bei einem Subhastationsverfahreu ans, so zahlten sie die Zinsen ebenfalls so lange weiter, als eö eben ging. In andren Fällen haben sie Unterlasten, Teilzahlungen von den Hypo- theken abzuschreiben oder den Betrag dem Cessionar abzuliefern Ferner verfügten sie über ihnen anvertraute Hypothekenurkunden zu ihrem eignen Vorteil; und endlich wurde ihnen zur Last gelegt, eine Hypothek mehrmals cediert zu habe». Etwa 159 Zeugen und Sach- verständige wurden in dem Prozeß vernommen. Die Brüder sollen niebr als 679 990 M. aus der Bank in bar bezogen haben. Die Konkursverwalter bekundeten, daß bei einem Verkauf der Aktiva höchstens 15 Proz. hcranslämen, vielleicht aber gar nichts. Durch die Manöver der Ganner sind zahlreiche Existenzen ver nichtet. Besonders kennzeichnend für die Biiider sind Fälle, wie der eines Hüttenarbeiters, der ein kleines Anwesen hatte und um 5599 Mark betrogen wurde; ein Schiffer, der vom frühen Morgen schaffte und ein kleines Haus besaß, wurde um 9999 M. gebracht. Der krasseste Fall ist der Betrug an einer Haushälterin, die 32 Jahre lang bei einem Major bedienstct war und sich in der Zeit 7999 M. erspart hatte. Sie ist jetzt bettelarm. Weniger hart getroffen sind die vielen Pfarrer und andre. Die Staatsanwaltschaft beantragte gegen die Angeklagten je fünf Jahre Gefängnis und 19 999 M. Geldstrafe. DaS Gericht erkannte auf schuldig deS Betrugs in 24 und der Untreue in 9 Fällen. Es verurteilte beide zu zwei Jahren Gefängnis. Sechs Monate der etwa zehnmonatigen Unicrsiichungshaft wurden angerechnet. 49 Fälle mußten al» verjährt ausscheiden. Das Gericht faßte die Gaimereieii milde auf. Es nahm an, daß die Angeklagten eine Wertsteigerung ihrer Immobilien erhofften und sich eine goldne Zu- kunst träumten. Sie versuchten deshalb mit allen Mitteln sich über Wasser zu halten; man müsse sagen, daß ihre Hoffmmgen nicht un- begründet waren. Sie hätten sich vielleicht verwirklicht, wenn nicht die allgemeine Geschäftsflaue und die Bankkrachs eingetreten wären. Demnach seien die Angeklagten keine böswilligen Betrüger, denen es lediglich um die Aneignung fremder Bcrmögensstiicke zu thu» war. Sie hätten wohl gedacht, dauernd niemand zu schädigen. Wenn auch das von ihnen verursachte Unglück groß und schrecklich sei, so ließen die angeführten Umstände die Sache doch in einem milderen Lichte erscheinen._ Ein trauriges Bild bot sich gestern in einer Verhandlung, die vor der zweiten Ferien« strafkammer des Landgerichts I stattfand. Ein Mann von hoher Bildung und ehemals der besten Gesellschaft angehörend, der Dr. xb'il. Otto Ackermann, wurde in Sträfliugskleidung ans dem Zuchthanse in Sonnenburg vorgeführt. Der Angeklagte ist in äußerst kurzer Zeit zum schweren Verbrecher herabgesunken. Er ist wegen Urkundenfälschung. Betrugs und andrer Verbrechen schwer vorbestraft worden und verbüßt zur Zeit eine zweijährige Zuchthans- strafe. Es gelangte eine Nachtragsanklage wegen Betrugs gegen ihn zur Verhandlung. A. tvar vom Buchhändler W. Hoffmann als Reisender angenommen worden. Er nannte sich bald Oberreisender, Direktor und gab sich auch als Geschästsleiier aus. Das Geschäft ging schlecht und die Firma brauchte Geld. Hoffmann verschaffte sich Mittel durch Kautionsschwindeleien und wurde dicserhalb bestraft. Während seiner Verhaftung führte Ackermann das Geschäft. Im Juni vorigen Jahres suchte er einen jungen Mann als Comptoiristen. Es meldete sich der Sohn des Holzhän'dlers Lenden aus Flensburg. Derselbe wurde als Reisender zum Vertrieb der„Flottenbilder" für die Ge- fchästsfiliale in Bremen engagiert. Ackermann spiegelte dem jungen Mann vor, daß das Unternehmen, an dessen Spitze der Herzog von Ratibor stehe, dazu dienen solle, erkrankten Chinakriegern oder deren Witwen und Waisen Unterstützungen zuzuwenden. Das Komite ver- lange indefsen eine Kaution von 1990 M. in barem Gclde, die vbi einer Bank hinterlegt werden solle. Der Vater des jungen Lenden gab die Kaution her, die in die Tasche Ackermanns floß und von ihm verbraucht wurde. In redegewandter Weise suchte der An- geklagte vor Gericht seine Unschuld darzulegen, vermochte indessen das gegen ihn vorliegende Beweismaterial in keiner Weise zu ent- kräften.' Das Gericht verurteilte ihn nach dem Antrage des Staats- anwalts zu einer Zusatzstrase von sechs M o n a t e n Z u ch t h a u s und 299 M. Geldstrafe._ Versammlungen. Ter Verein zur Wahrung der Jutercsse« der Maurer Berlins und Umgegend hielt am Mtttwoch in den Bornssta-Sälen eine Mitgliederversammlung ab, in der K l e i n l e i n über Ent- Wicklung' und Ziele der deutschen Gewerkschaftsbeivegung referierte. Das Referat, in dem sich der Redner gegen die Ccntralverbände bezw. deren Tendenz aussprach und für die Vertrauensmäimer- Centralisationc» eintrat, wurde beifällig aufgeuomuien.— Hierauf referierte der Vorsitzende Gehl über die A c c o r d a r b e i t im a n g e w e r b e und ihre schädlichen Folgen. Er brachte hierbei ein vom Vorstande des hiesigen Accordniaurer-Vereins Heransgegebenes Flugblatt zur Kenntnis, in welchem die Mitglieder dieses Vereins aufgefordert werden, in Rücksicht ans die andauernde gute Konjunktur dem Herabdrücken der Preise eutgegenzuwirken, und u dem sie zur.Besserung", zur größereu„Kollegialität und Einig- keit" ermahnt werden. Der Referent kritisierte in treffender Weise das Gebaren dieses Streikbrechervereius, der auch in Zukunft sein schädliches Treiben fortsetzen will und dadurch den Maurern die Erringnng besserer Lohn- und Arbeitsbediiiguiigen ungemein er- 'chwert.'In seinen weiteren Ausführungen erörterte Gehl den Ver- lauf der Lohnbewegung in Hamburg und gab der Meinung Aus- druck, daß der Verband der Maurer, nachdem derselbe den Beschluß vom Jahre 1999 sistiert und nun die Accordarbeit zuläßt, sich nicht mehr als Gegner der Accordarbeit bezeichnen dürfte und derselbe sich seines Erachtcns nunmehr mit der ehemals so bekämpften Freien Vereinigung der Accordmaurer Haniburgs verbinden könne. In der hierauf folgenden Diskussion, in der allgemein die Accord- arbeit auf das entschiedenste verurteilt wurde, wandte sich Heller gegen die in der„Einigkeit" erschienenen Artikel, in welchen die Hamburger Accordinauer erheblich günstiger als die Verbands« Mitglieder behandelt würden, und er suchte nachzuweisen, daß die Verbandsorganisation nach Lage der Verhältnisse zu dein kritisierten Beschluß gezwungen war, daß sie aber damit noch keineswegs die Accordarbeit als berechtigt anerkannt habe. Alle übrigen Redner äußerten sich im Sinne des Referenten und erklärten sich mit dem betreffenden Artikel vollständig einverstanden.— Unter„Verschiedenem" wurde die lleberstnndenarbeit kritisiert und zwei Mitglieder, die solche längere Zeit ausgeführt haben, ernstlich gerügt. Auf Antrag des Vorstandes wurde der Ankauf der Bibliothek eines verstorbenen Ge- Nossen zum Preise von 259 M. beschlossen. Velzke VaifzLiifikett«nd DepeMvn. Vom klerikalen KriegSschanpkatz. Paris, 31. Juli. Der Korrespondent des„Standard" in Kapstadt berichtet seinem Blatte, daß sich am 9, d. M. skandalöse , wifchensälle in Durban und Kapstadt ereignet haben, an denen sich die abreisenden Kolonialtruppen beteiligten. Die Truppe» durch- zogen die Straßen, in denen sie alles zerstörte». Sie raubten die Laden aus und feuerten Revolverschüsse auf die Einwohner ab. Zolizei und Truppen intervenierten augenscheinlich auf höheren Be- ehl hin nicht. London, 31. Juli.(W. T. B.) Das Oberhaus nahm heute die dritte Lesung des Entwurfs über den Verkauf alkohol« h a l t i g e r Getränke an. Verantwortlicher Redacteur: Earl Leid in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. Hierzu 1 Beilage. «.•«' i«-"v- Sciiüit Sks„Boniiiirts" Sttlnift VMM MW i ZW, i« ........... 1 DaS NnterhaltunjiSblatt erscheint technischer Schwierigkeiten halber erst am Sonnabend. Eisenzölle. 9t. Sitzung der Z o I l t a r i f- K o m m i s s i o n. Berlin, 31. Juli. Zur Beratung stehen die znsannncngcfahten Positionen 786/90: Blech; 786, roh,' mehr als 1 ivkillimeter stark— SM.; unter IMilli- n:eter— 4,50 M.; 787, abgeschliffen, über 1 Millimeter— 5 M., unter 1 Ptillimeter— 5.50 M.; verzinnt— 5 rcip. 5,50 M.; 789, Wellblc-b jc., roh— 5 M., bearbeitet— 8 M.; 790, gepreßt— 5,50 rcip. 7 M. Die Socialdcmokratcn beantragen Zollfrcihcit. Beniner beantragt eine andre Einteilung der Positionen und Zollerhvhnngcn. Eickhoff beantragt ebenfalls Textänderungen und Zollhcrab- setzungen. Speck beantragt zu 786, den Zoll von 4,50 auf 4 M. herab- zusetzen. Beniner erklärt die Berechnungen der Regierung für unzu- treffend»iid cnipfiehlt seine Anträge. Eickhoff bezeichnet die Bcumerschen Anträge bezüglich des Roh- blechos als eine Strafe für dieses Produkt, das wegen seiner guten Veriveildbarkeit die ShmPathie Beumers nicht besitze. Die Weiß- bleche bedürfte» keiner Zollerhöhung, der jetzige Schutzzoll sei ge- nügend, denn die Wcißblechfabrikcn brächten hohe Gewinne; die Dillinger Werke zahlte» 30 Proz. Dividende. Franken(»atl.l ist gegen die Beumcrschen Anträge. Dagegen beantragt Redner Textänderungen für 786/37 und für Falz- b l e ch e 3 M., ferner für Stanzblcche 5 M. und begründet seinen Antrag. Gothein wünscht die Beibehaltung der bisherigen Zollsätze, für die Annierknng, die einen Zollznschlag von 15 Proz. für Eisenblech unter 5 Millimeter Stärke, das anders als rechtivinklig beschnitten ist. will Redner einen Zuschlag von 30 Proz. Der Tarif sollte ein- facher gestaltet werden, die Spccialisierung schaffe Ungerechtigkeiten. Spahn beantragt, die Positionen 786, 787, 788 zusammen- zufasse» und zu setzen: Blech, roh— 3M.. bearbeitet— 5 M. Hoch begründet den Antrag auf Zollfreiheit. A»S der Statistik ergebe sich, daß die Blechfabrikanten Denlschkands der Konkurrenz des Auslandes vollständig gcivachsen feien. Mit dem höheren Zoll würden die Kartelle nur neue Gewinne einheimsen. Der Staatssekretär Graf Posndoivsky ivarf mir jüngst Inkonsequenz vor, da ich gesagt hatte. die Regierung müffe bei handelspolitischen Unter- Handlungen Kompensationsobjekte haben. Er meinte, solche Ansichten stimmten mit den Anträgen aus Zollfreihcit nicht überei». Aber inen» die Negiermig grundsätzlich Handelsfreiheit durchzusetzen suchte. hätte sie nicht nötig, nach Kompcnsationsobjekteir zu greifen. Ich stehe auf dem Standpunkt, Handelsfreiheit sei für deutsche Bcrhiiltuiffe geboten. Die MoNve des Entwurfs rechtfertigten die vorasnommencn Zollerhöhnngen nicht. Die Produktion'des Weißbleches sei in Deutschland' immer größer geworden, trotzdem ans England eine beträchtliche Einfuhr zu verzeichnen sei. Hier sei jeder Zoll— selbst vom Standpunkte der Echnyzöllncr— schädlich. Die Socialdemo- krate» würden für Zollfreiheit, eventuell für die beantragten niedrigsten Sätze stimmen. Äehcimrat Lusenskp erklärt, die Sätze des EntlvnrfS feien mit Rücksicht ans die englische Einfuhr eingestellt. Redner erörtert die Ein- und AuSftihrvcrhältiiisse und empfiehlt die Vorlage. Specht Die Blechindustrie bedürfe des höheren Zollschutzcs nicht. Der egoistische Standpunkt der Weißblechindustriellen kenn- zeichne sich darin, daß sie die Negi-rnng um höhere Zölle ersuchten, aber für eintretende Fälle Zollfreiheit für das von ihnen benötigte Halbzeug verlangten. DieieS Gebahren müffe schärfer beleuchtet werden' Verführe man»ach der Vorlage, würde man die Groß- industrie zum Nachteil der Kleinindustrie bevorzugen. Der Antrag Spahn scheine eine Vereinfachung herbeizuführen, aber er laße die Frage bezüglich der entzunderten Bleche offen und einzelne Blech- Produkte würden danach höher verzollt als im Entwurf. Spahn ändert seinen Antrag und fügt hinzu: verzinnt— 5 M. und tritt für die Regierungsvorlage ein. Er sc, durch einen gestrigen Vorgang geradezu abgeschreckt worden,«bändernngen an der Bor- lag- vorzuschlagen, nur Hab- er sich überzeugt, daß im vorliegenden Fälle«ine Vereinfachung möglich sei. Di- Vorlage repräsentiere eine sorgfältige und konsequente Arbeit, diese Ehr« müsse man ihr angedeihc» lassen. Darum sei jede Hineinpsuschung schädlich. Gothei» meint, der gestrige Beschluß lasse sich in ziveiter Lesung reparieren; es sei schon mancher sonderbare Beschluß gefaßt Wörde». Geheimrat Weruittth bestreitet, daß die Anträge Gothei»- Speck den gegenwärtigen Zustand aufrecht erhielten. D e r A n t r n g S p a h n>v i r d zu d e» P o, l t> o n e n ,86 bis 788 a n g e n'o»i m e n; die Annierkiing ivird mit der, von Gothein beantragten Aeuderung angenommen. Die Position 789 wird nach der Vorlage angenommen. Z» Posiiion 790 wird die Textänd-rung Eickhoffs inid der Zollsatz Golheins— 4M.— angenommen. Dann, verde» die Positionen 791/92»nd 325/26 verbunden. Gothei»»nd Speck beantrage», die Positionen 791/92 zu- fammenzusassen ivic folgt: Draht, gewalzt oder gezogen, einschließlich de« aesormle» ssatzoniiierlcns. roh, poliert. lackiert oder mit andren unedlen Metalle» oder Legiernnge» solcher überzogen 3 M. Tie Socialdcmokraten beantragen Zollfreiheit. Beniner beantragt: in den N»»nnern 791»nd 792 Draht: Nr 791 in der Slärkc von Ivcniger als 1,5 bis 0.5 Millimcler statt L50 M»i setzen 5 M., in der Stärke von weniger als 0.5 Milli- ,ü,ter statt 5 M. z» setze» 10 M. Nr. 792 in der Stärke von 4 5 Millinieter oder darüber statt 3.50 M zu setzen 5 M. in der Stärke von weiiiger als 1.5 bis 0.5 Millun-ter statt 4.50 M zu setzen lO M in der Starke von weniger als 0,5 Millimeter statt 6 3». zu setzen 15 M. n»d z» beide» Nummer» folgende«nmerknng: Als Eisrndraht ist dasjenige gezogene oder gewalzte Eisen zu bc- zeichnen, welches in Ringen gehaspelt ist. m Z u 825, Drahlseike. Stacheldraht. Drahtgeflechte,-Geivebc. -Bünten,-Körbe; Stiefeleiscn, Hafen, Kisten- inid Sarggriffe, Krampen. SchiiaNcn; Sprungfedern; Haftel, ��n, Nagel w. 1o 3». beanträgt Gothein eine andre Einteilmig und Zollsätze von 3, 5 nnd 10 M. z» 826— 4M..._.... Bcinnrr beantragt imter andrer Eiilteilung zu den Positionen 825/26 10� 15. 20 und 10 M.Zoll..,- Gras Schwerin, Herold mid Wallenborn beantragen für 791— 2,50, 3 und 4,50 M.. für 825— 10 M., f»r 826— 8 M. " Beniner begründet seine Anträge unter Bezugnahme auf die Eingaben der GrohinduslrieNeu.' Speck begründet seinen Antrag und wenoet sich gegen die Eyi- kanen, die daS Drahlsyndilat an den Konsumenten verübe. Redner verliest die Bedingungen, die das Syndikat seinen Abnehmern vor- schreibt. Benmer begründe seine Anträge mit der Einfuhr aus Oestreich.«der grade nach Oesireich sei die Ausfuhr eine weit über- wiegende. Es sei ihm, Redner, unbegreiflich, wie Antrage so begründet werden könnien. Stadthage»: Hier komme in Betracht, ob man einem raffinierten, gemeingefährlichen Kartell neue Liebesgaben zuwenden wolle zum Nachteile der Konsumenten. Die Zölle seien für diele Positionen so„„berechtigt, daß selbst Unter- nchmcr andrer Branchc» Anstoß nehmen müßten, man Hetze aus diese Weise sogar Kapitalisten gegeneinander. Su Drahtstift-Prodliktion habe großen Aiifschivling genommen. Die Ansbentmigssiicht des Drahisyndikats ivurde von der Düsseldorfer Hütten- und Eisenlverksgesellschaft in deren Bericht an den Pranger gestellt. Die Konsmnente» des Inlands würden geradezu bedroht, während für das Ausland billigere Preise gewährt würden. Das Cenlrnm unterstütze ja— mit Ausnahme des Abg. Speck— derartige Syndikate und gewähre ihnen die Liebesgaben hoher Zölle. Wie weit der TervonSmiiS der Syndikate geht, belegt Zicdner mit Beweisen aus Shndikalsbestimnrniigen, die eine Erprefiung an de» Konsumenten bedeuten. Der Gesetzentivurf Spahns würde gar nichts»ützen.lveiin er überhaupt je an den Reichstag gelange, nachdem man die Kartelle hier durch den Zolltarif erst gestärkt habe. Zölle ivirktcn also gemeingefährlich. Es kämen selbst Unternehmer nm Schutzzölle ein, die Filialen im Ausland baben nnd Gewinne bis zu 50 nnd 60 Proz. erzielen. Es sei vcrdammcnsivcrt, diesen Kapitalisten noch weitere Znivendniigen zu machen, während die Arbeiter, die von allen Genüssen des Lebens anSgeschlossen würden, durch Zölle noch schärfer bedrückt nnd ansgebeutet werden. Redner geißelt dann die Art, durch die Gewährung von Eisenzvllen höhere Getreidezölle„einknnpekn" zu wollen. Schließlich würden die Agrarier die Geprellten sein, während die Groß- industrie daS Sündengeld einstreichen würde. Der Mittel- stand iverde ebenfalls durch die Jndnstriezvlle geschädigt, so auch durch den Zoll der Position 825. Gärtner nnd andre petitionieren gegen die Belastung. Aber n o ch n i e h a b e d i e Ko m m i s s i o n den Petitionen ans dem Mittel st and Gehör ge- geben. Stacheldraht, Drahtgewebe werden auch von der Land- Wirtschaft benötigt. Auch sie iverde von den„Mittelstaiidsrettern* geschädigt. Wenn die großmächtigen Unternehmer kapitalistisch noch mehr gestärkt iverde» durcki die Zölle, werden sie die Arbeiter noch mehr iiiiterdrücken, die sich dann schwerer dagegen wehren können, da man obendrein selbst am Zieichsgericht daS Koalitionsrecht durch nenerliche Entscheidung eingeschränkt hat. Indirekt wird den Arbeitern also das KoalitionSrecht geraubt durch die Licbcögabe», die diese Zollwirtschnft den großkapitalistischen Unternehmern gewährt. Wer noch einen Rest von Ardeiter- fienndlichkeit zeigen wolle, dürfe nicht neue Liebesgaben den Millionär-Kartellen gewähre«.(Graf 5t anil» ruft: Wir sorgen mehr für die Arbeiter wie Sie!) Stadihagcu bemerkt darauf, daß mit diesen Zöllen nnd Liebes- gaben den Arbeitern Stockprügel auf den Magen versetzt würden. Wer arbciterfreundlich sein wolle, müsse für Zollfreiheit stimmen. NegierniigSrat Martin tritt für die Vortage ein. Graf Schwerin crividert dem Vorredner, es handle sich hier um unbedeutende KonlpensationSobjekte. deshalb sei er für eine bessere Ansglcichiliig der Zölle dieser Positionen zu ander». Geheimrat Blan tritt ebenfalls für die Vorlage ei». Graf Kauitz wünschte, Stadthagen hätte sich für die Gärtner verwendet, als deren Produkte geschützt werden sollten durch Zölle; ebenso hätte er der Landivirtschaft durch Schutzzölle auf deren Produkte helfen können. Redner meint, Syndikate, ivie die großen Eisensyndikale, seien nicht ungefährlich. In neuerer Zeit seien viele Ansschreitimgc» scilens der Syndikate vocgekommeii; demgegenüber bitte er die Ltegieruiig, bei Vergebung von Aufträgen diese nur an Unteriichiner gelangen zu lassen, die nicht mit Syndikaten in Ver- binduiig stäiidcn. Das gelte auch für Kohlen- n»d CoakSsyndikate. Redner' kritisiert, daß die preußische Rcgiernng oft mit derartigen Syndikaten nnterhaudle. Bezüglich der vorliegenden Positioiieii sei er allerdings der Meinung, daß mit ihnen der Regicrung Kompensationsobjekte gewährt lvürden, er könne also nicht fiir den Antrag Schwerin stimme». Franken will im Interesse der Arbeiter für die Vorlage stimmen; die emheiinische Industrie müsse geschützt werde». ES wäre besser, die Diskussion über Syndikate wird«ntcrlassen.(Heiterkeit und Widerspruch.) DaS Kohleilsyndikat sei keine Gefahr für die Jndiistrie. Hahn meint. Franke» habe unrecht, ivenn er das Kohlen- syndilat als Vorbild hingestellt habe. Das Drahtstiftsyndikat habe im Aiisland bedcilteiid billiger verkauft, das müsse Mißstimiiimig hervorrufe». Wenn Redner der Meiunng wäre, daß die Regierung mit Ocstrcich und Amerika zu gülistigen HandelSverlrägen käme, könnte er sich wohl für derartige KonipcnsationSobjelte lentschcidc», aber die Situation sei ihm zu nnsicher, deshalb Iverde er für de» Antrag Speck stimme», ebenso für den Antrag Gothein; dagegen lönne er den Konipromißanirag Schwerin nicht acccptierc». In der Abstimniung wird Position 791 mit den Zollsätzen des Antrags H e r o l d'- Schwerin angenommen j Position 792 ivird ebenfalls»ach dem Antrage Herold-Schwerin gestaltet; ebenso die Positionen 825 und 826. Die Positionen 793—795, Schlaiigenröhren und andre Röhre», iverden verbunden. Zu Position 793, Schlaiigenröhren. roh 8 M., bearbeitet 15 M., beantragt Gothei» 5 nnd 10 M.; z» Position 794. andre Röhre» roh mit einem Mundstück von mehr als 2 mm 6 M. mit loenigcr als 2 mm 10 M., beantragen: Gothein 5 und 7,50 M.; Beniner 7 und 12 M.; zu Position 795, bearbeitete Röhren 12 und 20 M., beantrage»: Gothein— Streichung; Beniner 12 nnd 25 M. Die Socialdemokratcn beantragen Zollfreiheit für alle Positionen. Gothei» begründet seine Anträge. Beniner zieht, da seine Anträge bisher abgelehnt wurden, sowie im Interesse der Abkürzniig der Verhandlnngen seine zu weitere» Positionen gestellten Anträge zurück, aber den vorliegenden hält er für nötig, da der ainerjkauische Wettbewerb die deutsche Industrie bedränge. Molkenbnhr: Wenn i» den letzten Jahre» auch einige Röhren- tverke mit Verlust gearbeitet haben, dürfe man doch nicht mit Zölle» kommen, sondern hätte diese Werke ans den Klanen des Stahl- trnsts befreien sollen. Auch das Koljicnsyndikat trage au dieser Lage die Schuld. Mo» dürfe die augenblickliche Lage einer Industrie nicht als Grund für Zölle gelte» lassen. Uebrigcn« sei die Röhrenindilftne nicht tonkurrenznnsähig ans dem Weltmarkt, denn die Ausfuhr sei dreimal so groß als die Einfuhr; auch eine Wertsteigernng sei zu verzeichnen. Benmer schädige durch seinen Antrag die Fahrrnd-Jndnstrie. Die Gärtner wenden sich in ihrer Petition a»ch gegen diese Zölle. Graf Kanitz erwidere er, die Socialdeniok raten iv o l l t e n jede A u s p l ü» d e r n» g verhindern. Aber ans die einzige Ware des Arbeiters, scinr Arbeitskraft, komme kein Tchntz t» Anwendung. Zollpflichtige Ware» hätten die Arbeiter nicht zu verkaufe», könnten sich also nicht schadlos halten und würden nach allen Richtuiigen ausgeplündert, durch Lebensmittel- wie Jndustriezölle. Die Verlüinmerung des Volkes müsse verhindert werden. darum sei die Socialdemokratie auch gegen alle Lebensmiltelzölle. die den Agrariern Vorteile bringen. Aber die Gärtner und kleinen Landwirte«volle die Soeialdenio- kratie vor der AuSplündernng durch großkapitalistische Industrie- karielle behüten. auch deshalb stimme sie gegen die Jndustriezölle. die mit den übrigen Zöllen das deutsche Erwerbsleben allgemein schlechter gestalten würden. Speck beantragt zu 794»nd 795 Zollsatze von 5 resp. 3 und 10 resp. 16 M.' Graf Posadowöky bittet, es bei der Vorlage zu belassen, Redner führt KoinpensalionSgründe dafür an. Position 793 wird nach der Vorlage aiigenomme»; ebenso die Posilioncii 794 und 795 mit 14 gegen 13 Stimmen. Schluß 3 Uhr. Nächste Sitzung: Freitag 9 Uhr. ** • Berichtigung. Die persönliche Bemerkniig Stadthagens im gestrigen Bericht ist irrig wicderaegeben. Stadthagen sagte, daß Windthorst 1879 zwar für den Roheiseiizoll. aber in dritter Lesung gegen den aiigenoinmenen Antrag Stumm— b. Schalscha gestimmt hat, der die zur Debatte stehenden audreu Arten von Eisenzöllen betraf. Uolrnloss Eine neue socialpolitische Grostthat drr Berliner Stadtverwaltung. Die Deputation der städtischen Gasivcrke hat am 7. Juli d. I. eine Verfügung erlassen, nach der alle Arbeiter, welche länger als 4 Wochen krank sind, ans städtischen Diensten z u entlassen seien. Den erkrankte» Arbeitern Ivird in der letzten Kraiilheitswoche folgende vervielfältigte Mitteilimg zugestellt: „Es wird Ihnen mitgeteilt, daß Sie aus dem Dienst der städtischen Gasanstalt.... mit dem heutigen Tage entlassen sind. Sobald Sie Ihre Dieiistfähigkeit wieder erlangt haben iverden, soll Ihrer Wiedereinstellung bei vorhandener Vakanz jedoch nichts entgegen stehen." Auf der 2. städtischen Gasanstalt haben am Dienstag dieser Woche nicht weniger als 16 erkrankte Arbeiter ihre Entlassung erhalten. Unter diesen befinden sich Leute, die bereits 20 und mehr Jahre bei der Stadt beschäftigt sind. Diese unerhörte Verfügung hat natürlich eine große Erregung in den beteiligten Kreisen hervorgernfen. Die Znsichernng, welche den Entlassene» gemacht ivird, daß sie bei v o r h a n d e» c r V a k a n z nach ihrer Genesung wieder eingestellt werden können, ist praktisch fast ohne jede Bedeutung. Die Einstellung von Arbeitern Ivird in der Regel durch untere Slufsichtsorgaue vorgenommen und diese haben cS daher vollkommen in der Hand, die Wiedereinstellung mißliebiger »nd älterer Arbeiter, welche i» ihrer Leistungsfähigkeit bereits herab- gesetzt sind, unter den nichtigsten Ausreden abzulehnen. Zwar nimmt z. 83. auf den Gaswerken formell der Dirigent der Anstalt die Einstellung von Arbeitern vor, bekümmert sich aber i» Wirklichkeit gar nicht um diese, sondern überträgt seine Rechte den Platzmeistern zc. Deshalb werden auch zukünftig viele erkrankte Arbeiter nie wieder eingestellt werden, da angeblich keine Vakanz für sie vorhanden sei.— Wenn z. 83. ein erkrankter Arbeiter, welcher bereits einige Jahre ans der Gasanstalt gearbeitet hat, im Frühjahr entlassen wird, so könnte selbst bei dem besten Willen feine Wiedereinstelliuig erst im Herbst erfolgen, da in den Sommermonaten der Betrieb rcducicrt, die jüngeren Arbeiter sowieso entlassen werden, und daher auch leine Vakanzen vorhanden sind. Lei der etwa erfolgten Wiedereinstellung würden aber weiter die fraglichen Arbeiter wahrscheinlich als Ncnnngcfangcne behandelt werden nnd sie hierdurch ihrer erworbenen Rechte auf höhere Ent« lohiiung ec. verlnstig gehe».— Die erwähnte Verfügung besagt hierüber nichls. Andrerseits würde aber auch die ganze Pensionsberechtigung der städtische» Arbeiter in Frage gestellt sein. Man könnte auf sehr leichte Weise die älteren Arbeiter abschieben. Ferner— der Magistrat zahlt erst dann den dauernd invaliden Arbeitern die festgesetzte Rente, wenn die Betricbs-Krankenknffe ihre Zahlungen einstellt. DaS geschieht nach 39 Wochen. Da dann aber die fraglichen Personen bereits ans städtischen Diensten entlassen sind, so Ivird man ihre Pensionierung wahrscheinlich ablehnen. Bon der Verfügung der GaSdcpntation werden außer den Ar- beitern der Gasanstalten auch die Laterncnwärter. Gasiontrollcure, Rohrleger. Monteure usw. betroffen. Man sollte eS beinahe nicht fiir möglich halten, daß die GaS- deputalion den Mut fand, eine solche Verfügung zu erlassen. Ist doch erst kürzlich die November-Verfügnng des Berliner Magistrats, ivelche die Entlassung derjenigen Arbeiter forderte, die zu militärischen Uebungen eingezogen iverden. fast allseitig verurteilt worden I Und heute konmit die Gasdeputation»nd faßt einen Beschluß, der noch viel verwerflicher ist?! Da könnte man bald zu der Ansicht ge- langen, daß man absichtlich der Ocffcntlichkeit den Fehdehandschuh himve'rfen ivollte. Die iiiteressierten Arbeiter iverden natürlich sofort die nötigen Schritte thnn, welche zur Beseitigung dieser ungerechten Verfügung führen müssen. Der Fall Ackermann ruft in der gesamien Einwohnerschaft eine immer steigende Er- regnng hervor. Die s ch n e cke n a rti g e Langsamkeit, mit der b e h ö r d l i ch e r s e i t S an der Aufklärung dieser mysteriösen Angelegenheit gearbeitet ivird, ist geradezu nnbegreiflich; sie erinnert beinahe an russische Untersuchungen. Man ist versncht zu fragen: Liegt diese Verzögerung in»nsrcm burcaukratischcn System. oder spricht ans ihr das schlechte Gewissen? Noch verlautet amtlich nichts über die Todesursache des Verstorbenen, noch ist keine Exhnmierung der Leiche angeordnet, und noch hat die Witive keinen Totenschein, um die Angelegenheiteu mit der Sterbekasse regeln zu können l Das Kilratoriuni für das städtische Jrrcnivesen hat von der Direktion der Jrrcnaiistalt Hcrzberge zivar einen Bericht eingefordert, doch ist der- selbe angeblich»och nicht eingetroffen. Dagegen bemüht sich jetzt irgend ein Offiziosus, Nachrichten in die Presse zu lancieren, die zwar den Stempel der Ilnlvahrschciiilichkeit an der Stirn tragen, die aber doch die Meinung erwecken sollen, als sei bereits alles in schönster Ordnung. Das»Berliner Tageblatt" meldet»äinlich ganz stolz, der pein- liche Vorfall in der Irrenanstalt Herzberge habe jetzt seine Ans« l l ä r u» g gefnndcn. Wie die Untersuchung festgestellt habe, sei der Kranke in akutem A l k o h o l d e l i r i u m eingeliefert ivorden und in diesem Zustande v e r n e h m u n g s n n s K h i g an hinzutretender Herzschwäche am 16. Juki abends verstorben. In den von der Polizei bcigcgebenen Personal-Akten habe sich eine Angabe darüber, ob der Kranke ver- heiratet sei. nicht vorgcfniiden. Die AnstaHsverwaltung habe deshalb angenoinmen, er sei ledig und dann seine Beerdigung bewirkt. Da die„Beisetznng" auf städtische Kosten erfolgt sei. habe man der allgemeinen Vorschrift gemäß die Wertsachen, Geld und Uhr, zurückbehalte» und an die Armendirektion abgeführt, die bei derartigen Beerdigungen mit den Kranlenaiistaltcn abrechnet. Mithin habe die Polizei de» unaiigenchinen Borfall veranlaßt. Mit Verlaub, diese Darstellung kann schon aus dem Grunde nicht stimmen, weil sie an inneren Widersprüchen leidet. Man stelle sich vor: Am Sonnabend, den 12. Juli, begiebt sich der Mann zur Verbüßnng einer dreitägigen Haflstrafe nach der Stadtvogtei. Am Dienstag, den 15. Juli, ivird er in der Irrenanstalt eingeliefert, und zwar in akutem A l k o h o I d e l i r i n ni? I Ja,„m alles in der Welt, wo hat denn der Mann das„Alkohokdeliriuin" herbekonnnen! Er ist doch vom Sonnabend bis Dienstag gar nicht aus dem Ge- fängniS hcrausgewcsen; es hat ihm ja an jeder Gelegenheit zum Alkoholgennß gefehlt. Oder handelt man vielleicht in der Stadtvogtei mit Schnaps? I Da letzteres nicht anzimehmen ist. so bliebe noch die eutfernte Möglichkeit, daß Ackermann, kurz bevor er sich nach der Stadtvogtei begab, etiva aus Arrger über die zu verbüßende Strafe ein derartiges Quantum Alkohol zu sich nahm, daß er drei Tage daran zu verdauen hatte und schließlich infolge der auf solche Art erzeugten Alkoholvergiftung in Tobsucht verfallen iväre. Jedoch auch diese entfernte Möglichkeit löst sich in ein leeres Nichts auf. weil der Mann mit einem derartigen Generalbrand überhaupt keine Aufnahme in der Stadtbogtei gefunden hätte, sondern als ein bis zur Niiznrcchnungsfähigkeit Betrunkener»ach der ersten besten Polizeiwache befördert worden wäre. Er hätte in einem solchen Stadium der Trunkenheit auch wohl schwerlich anzugeben vermocht, was er auf der Stadtvogtei eigentlich wolle, wenn er sich wirklich im Rausche bis dahin geschleppt hätte. Ma» sieht also, diese Deliriunisgeschichte ist schon an sich nicht glaubwürdig. Nun konimt aber hinzu, daß der Vorstorbene überhaupt kein Alko h o I i k e r war. Sämtliche Nachbaren sowie seine zahlreichen Sluiidc» stellen ihm spccicll in dieser Hinsicht das beste Zeugnis aus. Er hat wohl bei schwerer Arbeit hin und wieder einen Schnaps getrunken, aber als Gcwohnheitssänfer hat ihn niemand kennen gelernt, auch ist es niemals aus solchem Anlaß zu häuslichen Auftritten, geschweige denn zn Tobsnchtsanfälleu bei ihm gekommen. Und jetzt mit einem Mal sollte der Mann an akutem Alkoholdelirimn erkrankt und tobsüchtig geworden sein?I Alle, die ihn kennen, halten dies für gänzlich ausgeschlossen.— Die Übrigen Darstellungen der„authentischen- Seite bestätigen nur, was die Oeffentlichkeit längst wußte. Das„Versehen" der Polizei bei der Uebersendnng der Personalakten nach Herzberge. die Knickrigkeit der dortigen Anstaltsverwaltung, die a» die Beitreibung der paar Groschen Bcerdigmigskosten mehr Gewicht legt, als ans den Scelcnschmerz der schwergeprüften Witwe— alles das sind bekannte Dinge, sie berühre» abcr'keineswegs den Kern der Sache. Worauf es vor allen Dingen ankommt, ist. die unzweifel» hafte Todesursache des Verstorbenen festzustellen; ferner anzugeben. wie und wodurch das„Versehen" der Polizei entstanden ist. Wir leben doch nicht in Sibirien, wo jemand ans rätselhafte Art verschwindet, stirbt und dann wie ein Hund irgendwo eiir gescharrt wird! Um die Exhumierung der Leiche und deren Beisetzung auf dem Geineindefriedhofe baldigst zu bewerkstelligen, hat sich die Witwe heute auch, sonderbarerweise auf Anraten des Ersten Staatsanwalts. mit einem Gesuch an den Oberbürgermeister gewandt. Die Entlohnung und Behandlung von Arbeiterinnen in hiesigen Elektricitiitötvcrkc» fordert die öffentliche Kritik geradezu heraus. Da ist zunächst die bekannte Finna Bergmann u. C o., Aktiengesellschaft, HenningSdorferstraße. deren eigentümliche Praktiken den Arbeiterinnen gegenüber erst kürzlich vor dem Gewcrbegericht enthüllt wurden. Von dem Vertreter der Firma Ivurde damals erklärt, die eigenmächtig vorgenommenen lOprozeutigeu Lohnabzüge an jedem Lohntage feien seit Einreichung dieser Klage m Fortfall gekonimen. DieS ist allerdings Thatsache. Wer nun aber glaubt, daß die Arbeiterinnen dadurch etwa besser gestellt wären, der ist gründlich im Irrtum. Es ist im Gegenteil eine Verschlechterung eingetreten. Zwar werde» die früheren Abzüge am Lohntage nicht mehr gemacht, dafür hat sich die Firma aber durch eine allgemeine Reduktion der A c c o r d s ä tz e einen noch größeren Vorteil zu sichern vcr- standen, wie dies bei deil vorherigen Abzügen der Fall war. So hat sie z. B. auf Rosen pro Hundert 5 Pf. und bei kleinen Kasten 50 Pf- pro Hundert abgezogen usw. Diese neue„Regulierung" hat dazu geführt, daß die Arbeiterinnen jetzt pro Tag 40—50 Ps. weniger verdienen, während bei dem Abzug von 10 Proz. nur 20 bis 28 Pf. in Betracht kamen. Man sieht, die Firma hat ihre eigne Art, begaiigencs Unrecht wieder gut zu machen. Wagt es min irgend eine Arbeiterin, ob des geringen Ver� dteusteä eine schüchterne Bemerkung zu thn», so poltert Meister Laude umher: Wem's nicht paßt, kann gehen! Leute genug. Der Mann ist gleich seinen Chefs der Meiiimig. daß 2.50 M. pro Tag, die bei höchster Anspannung von Kraft und Geschicklichkeit verdient iverden können, für eine Arbeiterin vollauf genüge. Doch sehen wir nnS die Arbeit selbst in der berühmte» Ab teilnng J etwas näher an. Sie ist in hohem Grade gcsundhcits schädlich: der Arbeitssaal ist ini vollen Siime des Wortes ein Dunstkasten. Eine Jsoliermasse, Compa genannt, erfüllt den ganzen Raum mit einem widerlichen, scharf beizenden Dunst, der Neuc'ntretenden fast den Atem raubt. Er hat aber auch eine andre Wirkung,»änilich die, daß er die Gesichts- und Haarfarbe der Arbeiterinnen in häßlicher Weise verändert. Sämtliche Arbeiterinnen bekommen nach kurzer Zeit eine braun-gelbe, den Mulatten ähnliche Gesichtsfarbe, die Haut wird lederartig, das Haar fuchsig. Viele leiden an Atninngsbeschwerden und Entzündungen des Zahnfleisches, die sie auf die fortwährende Einatmung der schlechten Luft zurückführen. Dabei ist die Ventilation eine sehr Mangel- hafte, weil der Ventilator»nr selten fuultioniert; auch für Waschgelegenheit ist nur ungenügend gesorgt. Und als Extrabelohuuiig für die Arbeit in solchem Raunie hat die Firma— Abzüge, Reduciernng der ohnehin schon so karg bemessenen Accord- sätze! Doch die Herren können fich's leisten, wissen sie doch, daß die allgemeine Krise ihnen Arbeitskräfte in genügender Zahl zuführt. Gefällt es einer Arbeiterin nicht länger, gut, so mag sie gehen, zehn andre stehen vor der Thür. Von ähnliche» Gesichtspunkten scheint sich auch die„ A l l g e meine E l e kt ri c i t ä ts- G e s e I lf ch a f t"(Fabrik Schlegel- st ratze) leiten zn lasse». Dort wird de» Arbeiterinnen bei neun- ftündiger Arbeitszeit 1,35 M. Lohn gezahlt, also 15 Pf. s!) pro Stunde. Die Firma ist dann so„human", Ueberstunden zn gestatten, damit einige Groschen mehr herauskommen. Eine Einrichtung aber ist dort eingeführt, die man in einer humoristischen Amvandlwig mit Fug und Recht als übermodern bezeichnen könnte, ivenn sie nicht ein so äußerst grelles Schlaglicht auf die wirtschaftliche Abhängigkeit der Arbeiterinnen würfe. Letztere müssen nämlich vor jedem Austritt nach den B e d ü r f n i s a n st a l t e n ihren Name» auf ein Blatt Papier schreiben respektive schreiben lassen, damit das Aufsichtspersonal kontrollieren kann, tvie lange eine Arbeiterin bei dieser Gelegenheit von ihrem Arbeitsplatze fort ivar. Bleistift und Papier befindet sich zn diesem Ziveck auf dem Arbeitstisch oder in Händen einer Aufsichtsperson. Nun sage man noch, daß die Unternehmer sich nicht um die lörper- liche Wohlfahrt ihrer Arbeiter kümmerten! Tie Arbeiten zur Umgestaltung der Berliner Waster- werke am Müggelsee schreiten jetzt rascher fort. In den Waldungen um Friedrichshagen ist man an verschiedenen Stellen mit der Bohrung von Tiefbrunnen beschäftigt. An der Chaussee von Friedrichshagen nach Kolonie„Rahnsdorfer Mühle" hat unweit der Unterförsterei„Müggelsee" bereits eine kleine Versuchsanlage ein- gerichtet werden können, durch die die Ergiebigkeit der erbohrten Wasserader geprüft werden soll. Das Wasser, das hier gefördert ivird, ist branchbar. aber es bleibt vorläufig unbenutzt und ivird dem Müggelsee zugeführt. Nur von den Sommerfrischlern und Ans- fliigler», die ans der„Strandpromenade" am Müggelsee lustivandeln, wird dem kristallklaren Rinnsal mancher kiihle Trunk entnommen und als willkommene Labe genossen. Die Durchführung der Magaziustraste nach der Neuen Friedrichstraße und die hiermit in Verbindung stehende Beseitigung des alten Äasernengebändes in der Alexanderjtratze dürfte voraus- sichtlich im konimendcn Jahre stattfinden, da dieser Durchbruch im Interesse einer besseren Verkehrsverbindung»ach dem neuen städtischen VeNvallnngsgebände dringend notwendig ist. Die Schwierigkeiten der vorzunehmenden Straßenverlängerung sind um so geringer, als bei der Anlegung der Stadtbahn die Verlängerung der Magazinstraße vor« gesehen und die notwendige Brücke eingebaut worden ist. Es ist zu erwarten, daß durch die Verbindung Alcxanderstraße— Neue Friedrich- straße refp. Stralanerstratze eine bedeutende Ablenkung des Wagen- Verkehrs ans der Königstraße herbeigeführt Ivird. da durch dieselbe eine nicht unwesentliche Weg- Abkürzung zwischen Spittelmarkt und Große Frankfurterstraße resp. dem Fcclukfnrler Thorviertel ge- schaffen wird. � Die Zahl der Opfer der„Große» Berliuer" ist im Monat Juli wieder erheblich gestiegen. Es wurden im Straßen- bahnbetriebe vier Personen(gegen'zwei im Vormonat) getötet, und zwar beim Ueberschreiten des Fahrdammes totgefahren der 35jährige Klempner P e tz o l d, der 10jährige Knabe S a l e w s k i und der 5jährige Knabe K leck er, während der Straßeubahn-Schaffner Brandenburg beim Rangieren totgedrückt wurde. Die Zahl der Schwerverletzten ist von 7 im Juni auf 12 angewachsen; ein gut Teil davon hat seine Verletzungen dem leidigen Abspringen während der Fahrt zuzuschreiben. Besonders auffällig war die große Zahl der Znsammenstöße im abgelaufenen Monate. Omnibusse. Fahrräder. Droschke», Lastwagen usw. sind an diesen Unfällen, die nicht immer glinipflich abgingen und wiederholt zahlreiche Personen zu Schaden brachten, beteiligt. Endlich war auch eine Explosion in einem Straßenbahnwagen zu verzeichnen, bei der zwei Fahrgäste verletzt wurden. DaS Opfer eines amerirauischeu Duells ist angeblich der Ingenieur Neinhold aus der Liescnstraße Hierselbst geworden. Der- selbe wurde am Dienstag in einem Wagenabteil erster Klasie des fahrplanmäßig um 1 35 Uhr nachts in Landsberg a. W. eintreffenden Berlin— Eydtknhnener Zuges von dem dienstthnenden Schaffner er- schösse» aufgefunden. Er hatte sich ans einem sechsläufigen Revolver eine Kugel mitten durch das Herz gejagt. Bei dem Toten wurde die Abonnements- Quittung auf ein bangewerbliches Fachblatt mit der oben angegebenen Adresse, ferner ein Zettel des Inhalts, daß der Pfarrer von Mehlsack in Ostpreußen für sein Begräbnis Sorge tragen werde, sowie folgende schriftliche Erklärung gefunden:„Um vagen Vermutungen die Spitze abzubrechen und gleichzeitig die Recherchen nach der Ursache meines Selbstmordes als vergeblich'hinzustellen, erkläre ich, daß ich ein Opfer des in bc- kannter Weise auszuführenden amerikanischen Duells bin und niich verpflichtet habe, bis Mitternacht am 23. Juli mich in das bessere Jenseits zu befördern." Die Fahrkarte des Toten lautete nur bis Küstrin, es ist also anzunehmen, daß der Selbstmord schon dort verübt worden ist. Die Leiche wurde einstweilen beschlagnahmt. Ei» aufregender Vorfall, bei welchem drei Personen in äußerster Lebensgefahr schwebten, ereignete sich gester» in der Friedenstraße. Gegen 3 Uhr nachmittags ivollten zwei vom Friedrichs Hain kommende Damen in der Nähe der Büschingstraße den Fahr dämm überschreiten, als ein Radfahrer herangerast kam und die beiden Paffantinnen anfuhr. Die zwei Damen stürzten zu Boden und über sie hinweg der fahrlässige Radfahrer und alle drei fielen nebeneinander auf das Straßenbahngeleise, auf welchem ein Ringbahnwagen in voller Fahrgeschwindigkeit herangesaust kam. Der Wagen war kaum l'/s Meter von der Unfallstelle entfernt und eine Katastrophe, bei welcher die drei Personen ihr Leben einbüßen mußte». erschien unvermeidlich, aber Straßenbahnfahrer Scholz, vom Bahn- Hof Ackerstraße, welcher den Ringbahnwagen bediente, warf jedocki blitzschnell die Stromkurbel um und brachte den schweren Waggon augenblicklich, unmittelbar vor den auf den Schienen liegenden Personen, zum Stehen. Durch das gewaltsame Bremsen waren zwar die Passagiere des Straßenbahnwagens von ihren Sitzen ge schleudert worden, doch kamen sie ohne Verletzungen davon. Der tvackere Wagenführer, der durch eine ungewöhnliche Geistesgegenwart ein schweres Unglück vermieden hatte, geriet nachträglich in eine der artige Aufregung, daß er den Wagen nicht weiter führen konnte und sich ablösen lassen mußte. Erschossen hat sich in der Kunstwerkstatt des Bildhauers Böse am Mittivochmittag der 63 Jahre alte ehemalige Holzbildhauer Bernhard Mrowetz' aus der Litthauerstr. 8. Mrowetz, der aus der Gegend von Ratibor stammt, hatte bis vor vier Jahren in Liegnitz ein Holzbildhanergcschäft, indem er mit 11 Gehilfen arbeitete. Dann zog er nach Berlin, um sich zu verbessern, nmßte aber tvegen zu« nchmcnderNervcnkrankhcit vor einem Jahre sein Geschäft ürderMemeler straße ausgeben. Ohne Wissen seiner Angehörigen und obivohl er gar nicht darauf angewicsen war. sprach er bei dem Bildhauer Böse in der Knust Werkstatt in der Klosterstr.76 uud auch in der Privatwohnung wieder holt um Unterstützung vor. Nachdem er vorgestern mittag zunächst bei der Gattin des Künstlers in der Wohnung gewesen war, begab er sich in die Knnstivcrkstatt und hielt sich hier einige Zeit auf, um, wie er de» Gehilfen und dem Hausdiener sagte, auf Herrn Böse zu warten. Als sich dann die Gehilfen einen Augenblick von ihm ab- wandten,»in sich zum Mittagessen anzukleiden, trat er in eine Nische zurück und tötete sich durch eine» Nevolverschnß in die rechte Schläfe. Ein Arzt konnte nur noch den Tod feststellen. Der alte Mann scheint geistig nicht mehr zurechnungsfähig gewesen zn sei». Bon der Staatsanwaltschaft beschlagnahint worden ist die Leiche des 52 Jahre alten Tischlers Karl Aösche ans der Kleinen Frankfurterstraße 23'24. Bösche war seit 16 Jahren Witwer und wohnte seit 6 Jahren bei einer Witwe. Am vergangenen Sonuabeiid sing er abends aus und besuchte bis 2 Uhr mehrere Schankwirt- chaften. Als er dann in seine Wohnung gehen wollte, bemerkte er erst, daß er den Hausschlüssel vergessen hatte, und da auch der Wächter zu dem Hanse keine» Schlüssel besitzt, so nmßte er bis 5 Uhr draußen bleiben. Seiner Wirtin fiel sofort auf, daß er blaß ivar, und als er um 10 Uhr Blut brach, brachte sie ihn nach dem Krankenhaus am Friedrichshain. Hier stellten die Aerzte fest, daß die Speiseröhre und wahrscheinlich auch der Riagen durch eine ätzende Säure ver- bräunt war. Bösche starb schon am folgenden Tage. Da er sowohl seiner Wirtin als auch den Aerzten gegenüber bestritt, etwa in selbst- mörderischer Absicht Gift genommen zu haben, so wird jetzt unter- »cht, ob ihm vielleicht jemand„im Scherz" eine Flüssigkeit in das Bier oder den Schnaps gemischt hat. Bau-Unfall. Am Sonnabend verunglückte der Maurer Karl Riese auf dem Bau Lausitzerstr. 24, ausgeführt von der Firma Garbe. R. ivar im Keller des Neubaues damit beschäftigt, eine Wand hoch- zumauern. Da derselbe von seinem Stand ans die Arbeit nicht mehr regelrecht ausführen konnte, so benutzte er eine Schiebckarre als Fußrnstnng. Die Karre scheint nun bei Benutzung als Gerüst umgeschlagen zu sein; R. fiel dabei heraus und brach sich drei Rippen. Zum Unglück mußte er ca. Stunde in seinem hilslosen Zustande liegen, bevor der Unfall bemerkt wurde. Er wurde sodann per Droschke nach Hause gefahren. R. ist verheiratet und hat 3 kleine Kinder. Möge dieser Fall die Bauarbeiter anspornen, vor allen Dingen für gute Rüstung Sorge zu tragen und bei Verweigerung des dazugehörigen Materials ihrer Organisationsleitung eventuell Anzeige erstatten, damit solche Fälle vermieden werden. Zu dein Selbstmord des Vureaudieners Sterz ivird uns von einem nächsten Verwandten desselben mitgeteilt. daß sich Sterz keineswegs tvegen gemachter Schulden, ssondern lediglich wegen uu- glücklicher Familienverhältnisse das Leben genommen habe. Fenerbrricht. Ein großer Dachfluhlbrand wütete Donnerstag- nachmittag in der Bergmannstr. 6S. Er kam gegen 4 Uhr zum Aus- bruch und griff so schnell um sich, daß bei Ankunft der Wehr bc- reits der gesamte Dachstuhl brannte. Brandinspektor Rein- Hardt ließ daher auch sofort mit vier mir Dampfspritzen verbundenen Rohren Über zwei mechanische Leitern hinweg angreifen, um dem Feuer den Weg zu verlegen, Ivos auch in ver- hältnismäßig kurzer Zeit gelang. Früh 2 Uhr erging eine Feuer- nieldnng vom Central- Theater in der Alten Jakobstraße. Es rückten darauf nicht weniger als sieben Löschzüge au, die indes sofort wieder umkehren konnten, da sich heraus- tellte, daß der Hausmelder böswillig gezogen war. Auch in der Pappel-Allee wurde rmi dieselbe Zeit der öffentliche Feuermelder böswillig gezogen. In beiden Fällen konnten die Thäter leider nicht gefaßt werden. In der Rnrfürstenftraße 167 brannten Möbel und i jardinen. Alte Jakobstr. 133 Oel ini Keller uud Oranienstr. 60 ein rtosten Preßkohlen. Aus den Nachbarorten. Welchen Zuschlag zur Staats- Einkommensteuer erhebe» die Berliner Vororte? Ans einer Zusammenstellung über den Zuschlag zur Staats-Einkommenstcuer seitens der Berliner Vororte ergiebt sich, daß von den drei städtischen Vorortsgemeinden Charlottenburg den niedrigsten Zuschlag aufweist, nämlich S7 Proz. Dagegen erhebt Schöneberg 100 und Nixdorf 150 Proz. In den ländlichen Vorortsgemeinden weist der Zuschlag noch größere Schwankungen auf; er beträgt in Britz 233�z Proz., in Friedenau 100 Proz., in Friedrichsfelde 120 Proz., im Grunewald 15 Proz. und 39 Proz. Krcissteuer, in Lankwitz 125 Proz., in Lichtenberg 125 Proz., in Groß- Lichterfelde 125 Proz. einschließlich 39 Proz. Kreissteuer, in Niederschönhausen 130 Proz.i in Pankow 120 Proz. einschließlich 30 Proz. Kreissteuer, in Reinickendorf 165 Proz., in Niimniclsburg 160 Proz. einschließlich 33>/z Proz. ÄreiSsteuer, in Schmargendorf 150 Proz., in Steglitz 100 Proz. und 39 Proz. Kreis- stener, in Stralau 120 Proz., in Südende 104 Proz., in Tempelhof >20 Proz., in Treptow 100 Proz., in Nen-Weißensee 170 Proz. ein- schließlich 30 Proz. Kreissteuer. in Wilmersdorf 90 Proz., in Zehlen- dorf 92 Proz. und 39 Proz. Krcissteuer. Stadtväter auf Reisen. Eine außerordentliche Sitzung der Charlottenburger Stadtverordncten-Versammlung war für den gestrigen Mittwoch einberufen tvorden, da dem Magistrat daran lag, einige dringende Angelegenheiten in erster Linie eine Nach- bewilligmig von' 27100 M. für den Krankenhaus-Neubau, noch während der Ferien zn erledigen. Da die»leisten Stadtverordneten zur Zeit auf Reisen sind, erschienen zu der außerordentlichen Sitzung nur 18 Stadtväter, so daß die Versammlung beschlußunfähig ivar. Die Sitzung wird deshalb für den nächsten Mittwoch wieder einberufen werden und kann dann, den Bestimmungen der Städte-Ordnung entsprechend, ohne Rücksicht auf die Zahl der Anivesenden ihre Be- schlüsse fassen. Gefundene Marke». In der Gastwirtschaft des Hernr Beruh. Lange in Friedrichsberg. Wartenbergstr. 67, sind, wie unS Herr Lange mitzuteilen bittet, 100 Marken a 15 Pf. des Vereins der in Gemeindebelrieben beschäftigten Arbeiter und Untcrangestellten als gefunden abgegeben worden. Der Verlierer wird gebeten, die Marken abzuholen. An dem gleichen Strick erhäng« haben sich vorgesteni Vater und Sohn in dem Dorfe Göttin bei Potsdam. Dem Büdner Albrecht dortselbst war kurz vor Pfingsten seine Frau gestorben. wie verlautet durch Erhängen. waS sich der 61jährize Mann ebenso zu Herzen nahm, tvie sein 27jähriger Sohn. Letzterer wollte nun in den nächsten Tagen heiraten, um wieder eine weibliche Person im Hause zu haben, doch scheint er den Tod der Mutter noch immer nicht überwinden gekonnt zu haben, so daß er sich in der Wohnung erhängte, als sein Vater abwesend war. Als dieser darauf nach Hause kam und den Sohn als Leiche vorfand, löste er den Körper aus der Schlinge und erhängte sich selbst an dem gleichen Strick. Ter rechte Arm fast gänzlich abgeschnitten wurde in dem havelläudischeii Dorfe Wolsier einer polnischen Schnitterin von einem Arbeiter. Derselbe war mit der Polin beim Mähen auf dem Felde in Streit geraten, tvobei er mit einer haarscharfen Sense auf die» selbe eindrang und dabei drohte. ihr den Kopf abzuschlagen. Die» hätte der rohe Patron wahrscheinlich amb ausgeführt, wenn da« Mädchen nicht zur Abwehr den Arm erhoben hätte, so daß die Sense ihn mit ganzer Wucht traf und ihn fast vom Körper trennte. Der ll-belthäter. der über seine That nicht die geringste Reue zeigte, wurde verhaftet._ Vevsttmmlungeu. Ter Schmargendorfer Wahlvereiu nahm in seiner General» Versammlung am 29. Juli den Vorstands- und Kassenbericht entgegen. Itach demselben haben bei den Gemeindewahlen im März und Mar die Mitglieder des Vereins ihre Schuldigkeit voll erfüllt, jedoch sind unS durch die Lauheit der nicht organisierten Genossen Schlappen bereitet worden. Durch rege Agitation stieg die Mitglicderzahl von 34 auf 44 und wurde eine imposante Maifeier erzielt. Die Ein- nahmen im letzten Quartal betrugen 50,05, die örtlichen Ausgaben 27,50; der lleberschuß von 22,55 wurde der Centralkasse überwiesen. Den Delegierten zur Generaloersainmlung des Ceiilral-Wahlverein« ivurde empfohlen. für eine Abänderung in der Lokalliste im Sinne der kleinen Ortschaften zu stimmen. Vermiskszkes. Eine Windhose in Nicdcrbayern. Ans München wird der „Franks. Zeitung" vom Mittwoch gemeldet: Vorgestern wurden die niederbayerischen Gemeinden Ahrem und Nieder-Aischbach während cincs Sturmes mit Hagelschauer von einer Windhose heimgesucht. Die Zerstörung erstreckt sich nach dem„Kurier in Nicderbayern" in Ellipsenform, init einem Längsdurchmesser von etwa 4 Kilometer. Viele Bäume und Telegraphenstangen wurden abgedreht und 26 An- wesen mehr oder minder arg zugerichtet. Zwei Personen, die am Rande der Windhose sich befanden, wurden förmlich in einen Acker hineingetragen. Das citierte Blatt berichtet: Ein Haus wie nach einem Brande, lein Fenster, kein Fensterstock, die Mauern von Wasser durchtränkt, der Dachstuhl verschwunden, die U-berrcste des Ganzen jeden Augenblick dem Einsturz preisgegeben, stellt sich ein Anwesen dar, daS in der Nähe der Bahn liegt.' Der Dachstnhl dieses Hauses liegt in seinen Trümmern 12 Meter entfernt auf freiem Felde, und die sämtlichen Trägerbalken des Dachbodens wurden etwa 6 Meter vom Hanse fortgeschleudert. Das Dach eines Stadels wurde durch den Wind auf das Dach des Wohnhauses getragen und demolierte dieses. Ver- schiedene Städel sind förmlich wegrasiert oder zu Boden gedrückt. Ställe, Oekonomiegebände usw. sind bis zur Uubrauchbarkeit zerstört. Der Bahnverkehr war zlvei Stunden unterbrochen. Eisenbahn- Nngliick. Wie die.Flensburger Norddeutsche Zeitung" meldet, fuhr ein mit Eisenbahnschienen beladcner Wagen in einen auf dem Flensburger Bahnhof stehenden anS Satrup«ingetroffenen Perfonenzng hinein, deffen Insassen die Wagen eben verlafsen hatten. Ein Wagen des Zuges wurde zertrümmert, ein andrer aus dem Geleise geworfen. Zwei Bahnbeamte wurden erheblich verletzt. Untersuchung ist eingeleitet. Dynanntexplosion in einem New Horker Tunnel. In der im Bau befindlichen Tuuuelbahn unter der Park Avenue in New Jork and wiederum, wie uns ein Kabeltelcgramm meldet, eine Dhuamit« explosion statt, die zweite in diesem Jahre. Die Explosion ging fast an derselben Stelle vor sich wie die im vergangenen Januar unter der Avenue selbst. Alle in der Nähe liegenden Häuser erlitten starke Erschütterungen, überall wurden die Fensterscheiben eingedrückt und eine allgemeine Panik in der Park Avenue und deren Umgebung hervorgerufen. Bier Arbeiter wurden durch die Wucht der unter- irdischen Erplosion von der Oberfläche der Straße gerade über der Explosionsstelle zwanzig Fuß in die Luft geschleudert und erlitten 'chwcre. zum Teil lebensgesährlichc Verletzungen. Von Bienen getötet wurden in Reichenbach(Baden) 2 Pferde; der Fuhrmann wurde so bedenklich zugerichtet, daß sein Leben sehr gefährdet erscheint. Der Zugführer Schmit in Mühlburg ließ nämlich durch den dortigen Fuhrmann Pflästerer-Wirt eine Anzahl Bienen- töcke nach Neichenbach bringen. Beim Abladen wurde an einen Stock gestoßen, er fiel um, infolgedessen wurden die Bienen wild und stürzten sich auf Fuhrmann und Pferde, die natürlich»ach allen Seiten ausschlugen, den ganzen Wagen mit 20 Stöcken umwarfen und das Bienenvolk dadurch erst recht aufregten. I» ganzen Klumpen hängten sich die Bienen an die Pferde, die noch eingespannt waren und dadurch nicht flüchten konnte»; von Menschen wagte sich längere "eit auch niemand in die Nähe, um die Tiere loszubinden, und dem isuhrmann saßen die Biene», wie ein dichter Bart, an Backen und Hals. Schließlich gelang es dem Eigentümer der Bienen, die Pferde loszumachen, aber es war schon zu spät. Sie rannten zwar noch davon, wälzten sich vor Schmerz ans dem Boden, allein eineS ver- endete nlsBntb auf dein Platze und daS andre Pferd kurz darauf in» Stall, während der Fuhrniaun in einem entsetzlichen Zustande ins Spital nach Karlsruhe gebracht wurde. Ländlich, sittlich. In einem Orte dc§ Kölner Landkreises haben die jungen Mädchen feit einiger Zeit viel Schlimmes auszustehen unter den Uzereien der männlichen Jugend, ohne daß sie eigentlich Veranlassung zu den Spötteleien gegeben hätten. Der einzig Schuldige ist der Herr Küster. Dieser würdige Mann, über den allerhand nicht gerade ehrenvolle Redereien umgehen, hielt eines Morgens nach der Frühmesse ein junges Mädchen in der Kirche zurück; er führte sie zum Weihwasserkessel und knöpfte ihr die Taille auf; dann besprengte er dem Mädchen die Brust mit dem heiligen Naß und sprach dazu: ,/äo nun wächst es besser." Während die Eltern des Mädchens und überhaupt die hiesigen Bürger sehr empört sind über das Verhalten des Küsters, faßt die Jugend die Sache lustig auf, und wo sich ei» Mädchen sehen läßt, werde» ihm die Worte des Küsters nachgerufen. Die Anzeige der Eltern des Mädchens ist vor Gericht durch einen Vergleich erledigt worden; der Kirchenvorstand hat sich bemüht, die Kirchenbehörde in Kölimzuin Einschreiten gegen den Küster zu ver- anlassen, aber vergebens. Innerhalb der Gemeinde giebt es zwei Parteien, von denen die eine dein Küster als Rückhalt dient, und wie es scheint, ist sie die einflußreichere, so daß unter ihrem Schutz der Küster es sich nach wie vor iit seiner Stellung wohl sein lassen darf. Tie Cholera. Aus Petersburg wird vom Donnerstag, 31. Juli, gemeldet: Wie amtlich bekannt gegeben wird, sind in Jnkou vom 6. Juni bis 18. Juli an der Cholera 834 Personen erkrankt und 65l) gestorben, in Charbin seit dem Beginn der Epidemie 1463(darunter 468 Russen) erkrankt und 839(darunter 221 Russen) gestorben. In Mulden sind vom 11—19. Juli 76 Personen erkrankt und 49 gestorben. In Port Arthur sind vom 3.-22. Juli 199 Erkrankungen(darunter 27 von Europäern) und 67 Todesfälle vorgekommen. In Kiri»»iuunt die Cholera zu, dort sterben täglich gegen 50 Personen. In Chailow sind 20 Erkrankungen und 17 Todesfälle vorgekommen. In Jtschou an der koreanischen Grenze kommen täglich etwa 50 Erkrankungen von Chinesen, in Sachckedsy am Jaluflusse koinmen täglich etlva 30 Todesfälle vor. Cholerafälle tvurden außerdem ver- zeichnet in Liaojang, Sinminting, Fintschwangtschen und in be- deutender Zahl in Ascheche und Zizichar; auf den Dampfern auf dem Amur und Ssungari sind 9 Cholerafälle vorgekommen. Die Zahl der Erkrankungen und Todesfälle betrug in der Station Mandschurin vom 13.' bis 27. Juli 38 bezw. 15, in Blajolvjeschtjchausk bis zum 27. Juli 27 bezw. 12, am 28. Juli 14 bezw. 10. In einem Kosakendorf am Ussuri erkrankten 5 und starben 2 Personen. Auch im Trausbaikal-Gebiet herrscht die Cholera; dort sind auf Eisenbahn- Stationen bisher 8 Personen erkrankt. Briefkasten der Redaktion. Die iurlstlsche Sprechstunde findet täglich mit Zlusuahme des Sonnabends vo» 9Vi bis tt>/- Uhr abends statt. M. N. 90. Wenden Sie sich an den Borsttzenden des Vereins 53«; liner Buchdrucker und Schriftgiesier, Herrn Albert Massini, Ritterstr. 88. G. L. 83. Fragen Sie an bei Herrn Wiiiller in Ripdorf, Kirchhof- strahe 46, II.— Vergehen Sie lünftig nicht das Porto. M. S. 1SI. 1. In Allenstein 2. Preis ungefähr 8 M. 3, Näheres erfahren Sie im Neisebureau aus dem Schlesischen Bahnhofe. Friedrich Joachim. Da müssen Sie den ollen Kurfürsten schon selber fragen, warum er sich nicht in der Familiengruft hat begraben lassen. M. P. Wir lehnen es ab, auf diese Frage im Briefkasten zu ant- Worten. Der Verein ist die einzig zuständige Instanz; an den wenden Sie sich. A. B. 68. Wir brachte» den Vorfall nicht, da er unS zu unerheblich erschien. Trotzdem besten Danl! T. 32. Leider steht Jbrem Bater ein Recht aus Rente nicht zu; für ihn mühten mindestens 266 Marlen geklebt sein.— W. K. 100. Nein, nur Ihre Braut könnte die Herausgabe verlangen.— W. I. 100. 1. Nichts. 2. Das Pfandrecht des Wirts geht vor, heißt nicht: dieser kann den Berkauf durch einen ander» Gläubiger hindern, sondern zunächst er er- hält Befriedigung aus dem Verkauf. 3. Durch falsche Angaben könnten Sie sich llnannehuuichkeiten zuziehen; Sie könne» aber jede Antwort ablehnen. — W. St. Ihr Vorhaben hat kaum Aussicht auf Erfolg.— A. L. 17487. Dafür giebt es keine besonderen Borschriften. Das Gericht kann jeden mit kausnläniiischen Kenntnissen Ausgerüsteten als Sachverständigen, Bücherrevisor u. dergl. annehmen.— Sophie, Admiralstr. 17. Falls nicht schon ein Erkenntnis vorliegt, können Sie mit Aussicht ans Erfolg klagen. — R. I. Solche Anstalt ist uns leid« nicht bekannt.— R. W. 89. Ja. — I. P. 21». Falls die Ehe in Berlin geschlossen ist, leben Sie außer Gntergemeinschast.— Wienerin. Mit 24 Jahren.— E. Sch. 136. Wenden Sie sich mit der Bitte um Anskuust direkt an das Reichs-Marine- Amt.— I. K. 68. 1. Nein. 2. Das Gewerbegericht, Zimmer- straße 95, ist zuständig.— Br. 100. Bis ani 15. hätten Sie zum ersten zu kündigen.— 36. M. S. Ihne» steht als Arbeitnehmer vierzehn- »ägige KsindignngSfrist zu; zuständig ist das Gewerbegericht.—?). Nein. — DienstUlädchc». Nein. Eine Krankenversicherungs- Pflicht der Dienst- mädchen desteht nicht. Sechs Wochen hindurch, aber nicht über die Beendi- gung des Dieustverhältnisies hinaus, hat die Herrschaft für Kur- und Pflege- losten zu sorge«.— Danuenbaum 72. 1. Etwa Spiegelspüid, Vertiko, Spiegel und die Bilder. 2. Ein Verlauf wäre nutzlos. 3. Gegen das Borge- recht Ihrer Frau könne» Sie sich durch eine Eiutragnng im Güterrechts- Register schützen. Beispiele für solche Anträge finde» Sie S. 225 Nr. 20 und 21 des dem Arbeiterrecht beigefügten Führers. Dies Buch liegt in den öffentlichen Lesehallen aus.— Grüner Weg 66. Sie sind im Irrtum. Wttterungsübcrsicht vom 31. Juli 1902. morgens 8 Uhr. s � ?" gö Stationen £S o£ ig ol 8- 15 Haparanda 756N 12 Petersburg—!— 13 Cork 766 N 16 lAberdeen— l— 17 Paris 763 N 18 Wetter 4bedeckt �heiter 3hlb.bed es 53 r- � i" iä «s- 12 14 15 Wetter-Prognose für Freitag, den 1. Slugust 1902. Kühl und ziemlich trübe mit leichten Regensälleu und schwachen nord, westlichen Winden. Berliner W e t t e r b n r e a u. Für be» Inhalt der Inserate übernimmt die Sicdatiio» dem Publir»»» gegenüber keinerlei Beranttvortuiig. Thenkrv. Donnerstag, den 31. Juli. vieucs Qpcru- Theater iZtroll». Das süße Mädel. Slnf. 7>/, Uhr. Im Liederspielhaus: Osseiibach- CycluS. Anfang 8 Uhr. Deutsches. Die versunkene Glocke. Lessing, lieber den Wassern. Hieraus: Die Medaille. Berliuer. Mt-Heidelberg. Weste». Die Brautlottcrie. Anfang 7'/- Uhr. Vietrovol.(Marwitz- Oper.) Die verkaufte Braut. Anfang 8 Ubr. Wciic*. Ledige Leute. Anfang 8 Ubr. Varl Weist. Der Dämon. Hier- auf: Sie. Anfang 8 Uhr. Friedrich-WIthrlmüädtisches. Der Zerrissene. Ansang 7>/z Uhr. Seeessiou. Silbersteins Flitter- Wochen. Anfang 8 Uhr. Wolzogens Buntes Theater. (Ueberbrettl.) Anfang 8 Uhr. 9(pollü. Lhsistrata. Specialitnten- Vorsteltung. Ansang 7 Ubr. Oieichshalieu. Stettincr Sänger. 'Ansang 8 Uf)j. Passage- Theater. Specialitäten- Vorstellung, tzlnfang nachmittags 5 Uhr. Passage- Panoptikum. Speciali- lälen-Borstcllnng. Urania. Taiibeustr. 48/49.(Im Thcalcrsaal.) AbeNdS 8 Uhr: Die deutsche Ostsceküste. Juvalidruftraste 37/62. Täglich: Sternwarte. IHktniiioI'IIikiitks Anfang 8 Uhr. STorwltz-Opci'. Die verkaufte Braut. Korn. Oper in 3 Akten von Srnetana. NntionaJ tanze von 16 Tänzerinnen. Sonnabend; FranceschlnaPrevostl: I»cr Troubadour. Sonntagnachmittag 3 Uhr bei halben Preisen inerWafTenKcli mied. Abds. 8 Ubr; Ernani.(Der Bandit.) pari Weiss-Theater. Groste Frautfurterstr. 132. Täglich abends 8 Uhr: Der Dämon« Hierauf:, 81«". Nachtscene in 1 Zlkt von G. Schätzler-Perastni. Sonntagnachi». 3 Uhr: Die Grille. Im Garten: Neues Specialitäten- Programm. Anfang 5 Ubr. ilpoüo- IMer und Konzert-Garten. Um 8 Uhr: Ken« brillante 8peciuli tUten. Um 9 Uhr: Lysistrata Ueonidas: Robert Steldl. 6 Sennets.— Bella Rosa u. Serra.— The 3 Satours.— Llana Lelschner etc, Kasseneröffnung 7 Uhr. _ Anfang 8 Uhr. W. Hoacks Tktater. Brnimenftraß« m. TöM Wlittt- n. Cpecill- litateü-VorsttllW. Gediegene Gesellschaft. Nur keine Männer! «urleSke mit Gesang und Tanz von Gevicke. Im Saal: T«»a!brii»«el>en. Urania. Tauben-Strasse 48/49. Im Theater um 8 Uhr: Die deutsche Ostseeküste. Täglich nachmittags ab 5 Uhr: iütär- Doppel-Konzert. Gastspiel der Kapelle des König). Bayrischen 21. Infanterie-Regiments, kgl. Musikdirektor Jul. Schreck. Elitree 1 M., v. O Uhr ab 5« Pf. Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Passage-Theater. Das Elite August-Programm. lÄlice Markerl. Darstellerin komischerVolks- typen. Will y Prager (Prolongiert!) 16 neue erstkl. Nummern. Passage-PaDopticum. HoIch Pariser Marionetten-Theater. Arabischer Fakleru. Feuermensch. NftBBlSSOUCi KottbiiHcrutr. 4ii, Station der Hochbahn, Täglich im Garten, bei uu- günstig. Witterung imSaak: ■l»ir>ii>iritiH NolMMt Tliilgtt ff und Konzert. Sonntag, Montag und Donnerstag nach der Soiree: Tauzkranzchen, Tauz frei! Anfang Sonntags 5 Uhr, Entrce3v Pf., ab 9 Uhr 20 Pf. Ansang Wochentags 6 Uhr. Entrec 30Pf., ab 9 Uhr 20 Psg. Reichshallen. Tliglich: SteUiner Säuger. Anfang: Wochentags « Uhr, Soiinlags 7Uhr. Tageskasse 11— 1'/, Uhr Arn Kdnigstlior 4202Ü* Am Erledrlclutliain gtp" Täglich:"VC Thtliter- iiild Specililitättil- Torstellililg. Täglich bis 7 Ubr; Freier Damenlanz. Jeden Abend 10 Uhr: Die Ballettschnle. Große Gesangsposse mit Tanz v.Anuo. CmAN8 Panoptikum Frledrlch-Strasse 165. Das berühmteste Wachsfiguren-Kabinett der Welt. Beachtenswerte Neuheit; Lebende Bilder, ausgeführt v. einem Ensemble junger, schöner Damen. ErObels Allerlei Theater früher Pnlilmann-Wgj Schönhauser Allee No. 148. Heule Freitag, den 1. August: Abschieds- Benestz für den Regisseur _ Carlos Duchow. ZW- Neuer Spielplan."SpQ Einmalige Aufführung; Durch Feuer u»d Wasser. Volksstück m.Gesang in 3Akl. v.Duchow. Bei ungünstiger Witterung findet die Vorstellung im Saale statt. Ansang 3 Uhr.— Enttee 30 Pf. Demhard Rose-Theater Gesundbrunnen, Badstr. 58. Das große Weltstadt-Programm. Um 8 Uhr: Btrlinlvie'sbMü.krulht. Gr. Posse mit Gesang in 2 Bildern von L. Elh. Musik v. R. Thiele. Anfang 4 Ubr. Enttee 30 Ps. Borzugskarten haben Gültigkeit. Kaffceküche.— Ball.— Mittwoch, 6. August: Croesee Gartenfest. Dienstag, den 12. August: Benefiz für Karl Lohrmaun und Waldi JasinSky:„Der Bettel- studcnt oo» Berlin"._ Vrater-Thelltn Kastanien- Allee 7—9. Heute Freitag, den I. August: Benestz für den artistischen Leit« Arthur Seelen. Einmalige Ausführung: Lumpacivagabundus. IWIzil Braun, Kostum-Soubrelte.— Eugen Mllardo, Taiizbumonst.— Cirtns Loyal.— Leodlskas Kakadus, komische Reckturner.— The Elrados. Mdm. Georgette, Feuer- u. Flammen- tanz.— Lebende Photographien. (Neue Serie.)— Konzert Ansang 4 Uhr. Eintritt 30 Pf., numerierter Platz 50 Ps. Italbo. Milchkuranstalt Schweigerbof j NW.. Emdanepetp. 40/41 liefert in alle Stadtteile und die westlichen Vororte frei Küche: 1 Ltr. Kindcrmilch 35—50 Pf. 1„ Vollmilch i. Fl. 20 Pf 3.„„„ a 18 Pf. Prof. Gaertners Säuglingsmilch trinkfertig und sterilisiert. Ventand n. ganz Dentnchl. Ceiltral-Krilnktil- u. Tterbe- |C her Tischler it. andrer gewerblicher Arbeiter (E. H. 3, Hamburg) ILahtatelle Steglitz. Unser Mitglied Wilhelm Essers verstarb an der Proletarierttankheit. Ehre seinem Andenfen. Die Beerdigung findet heute, Freitagnachmittag 6 Uhr von der Leichenhalle in Steglitz aus statt. Um zahlreiche Beteiligung bittet Die Orisverwaltung. Max Kliems Sommer- Theater. HuHcnheide 13—15. Artistischer Leiter: Gust. Bock. Täglich i Gr. Konzert, Theater- u. Specialitäteii-Vorstelluno Jeden 1. und 15. d. Monats: Wechselndes Programm! Donnerstag: Elite-Tag. Sommertheater Marienbad Badstr. 35/36, Gesundbrunnen. Neu! Täglich: Neu! Grotzstadtleben. Gr. Ausstattmigsposse in 2 Bildern von Reichard. Musik von Schmidt. la Specialitäten. Eutrec 20, 30 und 50 Pf. Sonntags: Bslla Empfehle meine Räumlichkeiicn de» verehrte» Vereinen und Gewerlschafte» bestens, billigste Bedingungen. Richard Wagner. Ostbahu-Fark. Am KOstrlnerplatz. RUder$dorferstr.7l. Hermann Imbs. Täglich: Gr. Konzert, Theater- und Specialitäten- Vorstellung. .Arbeit.- Nadtahrer- Verein„Berlin". M Sonntag 8 Uhr früh und VZ Uhr mittags Schief. Brücke zum Arveiter- Sportfest in Friedrichöhagen. Die Dekoration der Räder erfolgt in Köpenick, Müggcl- heimerstraße 29 bei Zeidler. Blumen- dekorativ» daselbst vorhanden. Abfahrt von Köpenick zum Korso vom genannten Lokal pünktlich V«3 Uhr. Beginn des Korsos 3 Uhr. Die Abrechnung der Billets hat am Festtage bis nachmittags 4 Uhr im Festbureau beim Genossen Kademann stattzufinden. In dessen Wohnung, Adalbertstt. 3, können sich bis heute abend»och arbeitslose Mitglieder melden. 12/17 Nächste Vereins- Versammlung Donnerstag Andreasstt. 26, in welcher die noch nicht erneuerten Bundes- karten abgehoben werde» müssen. Gro�e Ketten IS (Otccbett, Umcrbett, perl Alflen) mit gereinigten neuen Kedeen bei Gustav Lustig. Berlin V-ttuea. straße 46. Dceteliste toflenftei. Biel« V Anerkennung schreibe». � Socialdemokrat. Wahlverein Charlottenvurg. Am Sonntag» den S. August 4902, im„Bolkshanse". Rosinenstraße 3: Großes Sommer-Fest bestehend in Sinsenit-Konzert, Cesallg nni) kmisllie» Vorträgen. Austreten des beliebten Berliner Illk-Trlo. Die Kaffeckttchc ist von 3 Uhr an geöffnet. Anfang des Konzerts 4 Uhr.— Entree 2V Pf. Herren, die am Tanz teilnehme», z a h l e n 50 P f. n a ch. 250/14 Der Vorstand. Partei-Speditionen: Berlin zweiter Wahlkreis: Hermann Werner, Mittenwalder- straße 30, v. pari.— Vierter Wahlkreis O.: Robert W e n g e I s, Gr. Frantsurierstt. 133, Hof pari.-««.: Paul Böhm, Lausitzerplatz 14/15 (Laden).— ißieohster Wahlkreis(Itloahlt): Karl Anders, Salzwedettrstraße 8, im Laden.- Wedding und Oranienburger Vorstadt: Emil Stoltzeuburg, Wicsenstraße 41/42.-«esnnd. brnnnen, Belnlekendorf(Ost lind West), Wilhelmsruh und SchOnholz: Hermann Raschle, GrüntSalerstt. 65.— Böse». thaler und stiehÄnhanser Vorstadt: Karl Mars, Kastanien- Allee 95/96.— 4!harlotte»bnrg: Gustav Scharuberg, Sesen- heimerstraße I, Ecke Goeihestraße, vorn l.— Oentseii- Wllmersdort: W N i ck c l,' llhlaudstr. 108, pari.— Prledrlehsberg-Prledrlehs- ielde: Oswald Grauer, Berlin O., Franksnrier Allee 197.— Grünau: Gustav M i e r s, Köpenickerstraße III.— Blxdorf: Ostermann, Erl- straßc.6.— 8>el»ii»eherg: Will). B äu ni l e r, Martin LutHerstr. 51, Laden. — Ober-Schünewelde; Ernst K a u f h a l d, Wilhelininenhofstr. 18, — Hlleder-iSehünewelde: B o n a k o w s k y, Berlinerstraße 8.— Johannisthal: Paul Manu, Friedrichstrabe 39, I.—.Adlers» hof: Gustav Hitze, Hackcnbergstraße 8.— liOpenlek: Friedrich W oick, Grünstraße 29.— Prledenan- Steglitz: H. Bernsee, Kirchstr. 15 in Friedenau. Bestellungen nehmen entgegen in Steglitz: H. Mohr, Düppeistraße 8, und Fr. Schell Hase, Ahornstraße 15a.— Baninschulenweg: Stock, Ernststrabe 2, II.— Aien-Welssen» »ce: Heinrich Bach m an», Lchderstraße 5, Ecke Friedrichstraße.— Itnuiniclsbnrg: Forgbert, Prinz Aibertstr. 5a. Außerdem ist sämtliche Parteilitteratnr sowie alle loissenschaftlichen Werke dort zu haben. Auch werden Inserate für den„Vorwärts" entgegengenommen. Sm~ Bitte ansschneldon!"TRI Dampfer- Extrafahrten. Sonnabciid, de» S. August: Gr.Promenllt>tnsllhrt"mMilfik»a»A!lösldltstllr!llHirslsigllrtell Abfahrt 9 Uhr abends.— Im Saale: Grosser Ball. Fahrpreis für Hin- und Rückfahrt 50 Pf. Sonntag. 3. Aug..»ach Friedrichshagru». WolterSdorferSchlense. Abfahrt 9 Uhr morgeiis und 3 Uhr nachmittags. Rückfahrt vo» Woltersdorf« Schleuse 7 Uhr abends. Anherdem ab Friedrichshagen lU/. Uhr abends. Fahrpreis: Woltersdorf Hin- und Rückfahrt 1 M., einfach 75 Ps.; nach Friednchshagcn 75 Pf., einfach 50 Pf. 4736L» s- Abfahrt in Berlin: An der Siralaner Brücke 5."TSUS G. Kaimt, Stralau. Onnse Gänserümpfe, Gänseklein, Gänseleber, Gänse- stückenfleisch, geräuch. Gänseroiibrüste, prima Qualität, täglich frisch zu den billigsten Tagespreisen. ___ Markthalle KODIl Dttsdenerstr. (Sitmih 72 Stand 72. Markthalle Wnbchlstr. Stand 4, 5 und 6. Markthalle Medding Stand 8t und 82. Arbeiter-Sportfest in Friedrichshagen Ii Sonntag, 3. August. Billets an der Taaeskasse« DenWr DolBrbttttr-UMnd. Heute, Freitag, abends«V- Uhr, im««werkschaftshaus, Engel-User 1b: 'Verband der Bau-, Erd- und geVerblichen Wlfsarbeiter Ventschlands. «Zahlstelle Berlin III.» Sonntag, de» 3. Angust. vorm. tO Uhr, bei Herrn Nofe, Badstr. 68 1 Mitglieder- V ersammlang T a g es-O r d nu n g: 1. Vortrag des Genossen C. Kobleimer tiber:„Die Auswüchse des Subuiisstonswesens. 2. Diskussion. 3. Verdandssachcn. 43/4 Regen Besuch erwartet vi«»«tsvervnltnns. Die Mitglieder haben Buch und Karte den Thürkontrolleuren vorzulegen. Central- Kraitekasse der Maurer „Grundstein zur Einigkeit". Sonntag, 3. An.,»st, vorm. 10 Uhr, im GcwerkschastShanse, Engel-Ufer 15;' Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Kasten- und Revisionsbericht vom 2. Quartal. 2. Bericht von der Gencralversamullung. 143/3 3. Kastenangelegenheiten. Die OrtsTcrwaltnng. ßaüfiandfferker-Kranleiiliasse für Betlin n. Uoig. (Eingeschriebene Hilfskaste Nr. 118.) Sonntag, 3. August, vorm. Piiijkt 1«1 lthr, im Saale des Herrn Hoffmann, Alexanderstr. ii7«: Mitglieder-Versammlung. Tages-Ordnung: I. Abrechnung vom 1. und 2. Quartal 1302 sowie Revlsionsbericht. 2. Neuwahl siimtlicher HilfSkassiercr. 3. Innere Kasscnangelegcnheiten. 38/7 N.iä. Die Versammlung wird pünktlich eröffnet. DM- Mitgliedsbuch legitimiert."WffZ v«« Verntanck. Mbel- il. Pslsiewilreil-Ftlbrik von A. Schulz, Reicheubergevstr. 5, empfiehlt Einrichtungen von 5}Z0 bis 10 000 M. 4489C» Anerkannt gediegene Arbeit, billige Preise, coulantesle Zahlungsbedingungen Verband der Bau-, Erd- u. gewerbl. Hilfsarbeiter Dcatschlands.— Zahlstelle Berlin I. Sonntag, 3. August, vorm. 10>/2 Uhr, tu Graumanns Festsälen, Naunynstr. 27: Mitglieder-V ersammlimg. Tages-Ordnnng: I. Die augenblickNiche Lage im Bangewerbe. 2. Diskussion. 3. Verbands- angelegenheiten. Mitglieder, welch- im Besitz von Billets zum Stiftungsfest sind, werden ersucht, damit abzurechnen. 43/5 _ Die Ortsvcrrvaltnng. Verein der Bananschläger Berlins und Umgegend. Sonntag, 3. Angust» vorm. IOVo Uhr, im Gewerkschaftshause, Saal I: 19" vctscriiitnlutig."VE Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Reichstags-Abgeordneten Rosenoir. 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegenheiten. Aufnahme neuer Mitglieder.— Mitgliedskarte legitiniiert.— Beiträge werden nur zwischen bis 11 Uhr angenommen. 33/16 Der Verstand. vanhsaxnng. Für die vielen Beweiie innigster Teilnahme an der Beerdigung imfres lieben Vaters und Schwiegervaters Bndeir Dlnsener sagen wir den Herren Kollege» und dem Herrn Obermeister Richter, ins- besondere der Firnia Bntzke und dem MetaNarbeiter-Verband unsren herz- lichstcn Dank. 12106 Karl Bchreud und Fra» Johanna geb. Linsener. Dr. Limmel, Krtutonstr. 4l. Specialarzt für 31/9* Bant- und Harnleiden. 10-2, 5-7. Sonntags 10-12, 2-4. 30 Mark hochfeine Sommerpaletots. 30 Mark hochelegante Herrenanzüge. iL Mark hochelegante Beinkleider. Anfertigung nur nach Mast. GuterSlost, tadelloser Sttz. s472ll.» 14 Krauseiistraste 14, i Tr.. Tel-Amt I Nr. 3708. 1 Tr. Elektromonteure und Bernfsgenossen Freitilg, den 1. Altguß, devds n Uhr, im grchtn Saiile des CemerkithtlstShiliiies, Engel-User 16: Grvhe öffentliche Versammlung. TageS-Ordnung: I. Warum streiken die Elektromonteure der Firma Hanl Hardegcn& Co.? Referent Kollege Holz. 2. Diskussion. Der Kinbcrnrer. Wlihlnereiii Steglitz. Todes-Anzeige. Hiermit zur Nachricht, daß iinser langjähriges Mitglied 203/7 Villi. Essers Mittwoch miitagS entschlafen ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdiguug findet am Freitag, nachmittags 6 Uhr, von der Leichen- halle des Steglitzer Friedhofes auS statt. Der Vorstand. Centralvevband der Atanrer etc. (EsdlsteUeo LerUo und Umgegend.) In Ausführung dcs Gcnercilversammlungs-Beschlusscs vom 13. Januar d. I. ersuchen wir alle Mitglieder des Verbandes, dafür Sorge tragen zu wollen, dah am Montag, den 4. August, auf allen Bauten eine allgemeine Kontrolle der Mitgliedsbücher vorgenommen wird. Zu diesem Zweck hat jedes Mitglied am Montag sein Berbandsbuch mit nach der Baustelle zu bringen. Die Baudeputierten-Listeu sind am Sonnabend, den 2. August, abends, in allen Verkehrslokalen erhältlich. Die Baudeputierten Iverden ersucht, die Liste genau mis- zufüllcn und bis Mittwoch, den 6. Allgust an das Bureau einzusenden. 140/13 Die Vcrbandslcitnng. F. A.: Karl Panser, Eiigel-Ufer 15, III. Verein M Wiihrnng her Interessen der Manrer Berlins mib llmgegcnd. Am Dicnstog, den 29. Zuli, starb nach langem schweren Leiden das Mit- glied. 130/2 Ml/ielin 8eliinidt. Ehre seinem Andenken. Die Beerdigung stndet Freitag, den 1. August, nachiuiltags 2 Uhr, vom Lazarus-Krankeiihans, Bcrnauerstrabe, nach Nieder-Schönhausen statt. Rege Beteiligung der Mitglieder erwartet Ter Borstand. Sektion I(Brauer). Das Mitglied Vildelm Urban, zuletzt in Schiiltheisi- Brauerei (Schöneweide), ist am 23. Juli im Garnisonlazarett an Gehirn-, »schütterung gestorben. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet mit Fahne und Mustk am Freitag, den 1. August, nachm 3 Uhr, von der Leichenhalle des Dorotheen- städtischen Kirchhoses, Liesen- strahe 9, ans statt. 1202b Der Vorstand. Freunden und Kollegen zur Nach- richt, dah ich am 1. August Pankow. Gottschalkstr. 10. ein I, o b a i übernehme. Bereinszimmer bis 30 Personen. Biebard Biebter, Sletlinerslr. 23. 12096 Am Lager befinden sich: Manufakturwaren Trikotagen torsrttS, Strümpfe Damen- u. Herrenwäsche Krawatten Spitze» Teppiche Gardinen Tischdecken Kurzwaren, Schürzen Schreibwaren Galanterte- n. Lcderwaren W der Waren aus der Translatenrschen Konkursmasse bestehend aus sämtlichen Artikeln des täglichen Bedarfs. Der Berkauf beginn, am SoNNabelld, 3. ANgttst 50., in d-n Parterre-Räumen d-S Hauses, ��0115�559, Ältlttlllitllssk» 54. Die Preise sind außerordentlich niedrig bemessen, da das große Warenlager in . gllilz kürzet' Zeit vaWildig geriillmt s°>" muh. G Am Lager befinden sich: Gariderte n.«»garnierte Hüte Sonnen- u. Regenschirme Herrenhnte Schuhware« Tapisserie Tamenblusen Knabe»- Waichanzüge Kindertleidchen Haushaltartikel Spielwaren Bettfrdcr» zc. /s Die«rmässtgtcu Preise fiild nebe» de» früheren auf den PreiSzetteln vermerkt. Jedes f!r Pfennig, Wort: Mtr das erste Wort fett, Worte mit mehr als 16 Buchstaben zählen doppelt, kleine ßnzeigen. Aitzpinm fl/lZtft f/tzit A ummer werden in den Annahmestellen für Berlin bis 2 Uh r, für die Vororte bis 1 ührt ' i7i der Hauptexpedition BeuthstT.3 bis 4 Uhr anrfenommen. Verkäufe. Restauration, voller Schank, billig verkäuflich Näheres Schoppon, Benstel- strahe 79.___ j�l* BanfteUe, Borort, 10 Minuten vom Bahnbof, gesunde Lage, verlause wegen Krankheit. 3—8 Mark die Rute. Idars in Zepernick 1195b* WaldParzeUen. an Wiese und Master, verkans. 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Stepperin und Rumpsarbeilerin aus Eapeö verlangt Rosenbauui, Fsirslenwalderftrahc IIS._ Kartouarbeiteriniien, geübte, verlangt Iah». Alte Jalobstrahe 87. Geübte Plätterin wird dauernd iür die ganze Woche verlangt. Preihing, Reinickendorf- Schönholz, Win tcrstrahe 19.__ 1215b Mädchen zum Ausziehen von Bildern aus Glas und zum Liniieren sucht Rohde, Reichenbergersttahe 156. Im Arbelismartt durch besondere» Teuck hervargeliobeit» Anzeigen koste» 4» Bk. p>- Zeile _' jL Mm! yolMbeittt! Gesperrt sind solgende Wertftälte» für Tischler, Maschinenarbeiter und Polirer: A. Schulz, Krautstr. 18/19. Eulmeluth, Dieffenbachstr. 33. Kimbel u. Friedrichien, Jorlstr. 43. Kimbcl u. Friedrichien, Korkstr. 59. Ferdinand Wolf, Waldemarstr. 27 u»o Lethanien-Uier 3. «3/3* Tie Ortsverwaltnug»_ Acbtung! Achtens� Elektromonteure. Bei der Firma l'uul Har- degen& Co., Elisabelhuscr 5/6, sind abermals Lohnrcduktionen oor- genoimnen worden, und befinden sich daher die Glettromonleure im Streik. � Zuzug ist fernzuhalten 68/8. I»ie Coliiikoniniission. Abonnementsbuchhalter und Bücherrevisor hat»och clnige halbe Taa« in der Woche srei, die im ganze» oder einzeln, aus Wunsch im«doi>»-»l-»r, zu vergeben stnd Borteilhast sür llieschästsinhaber. die wegen Mangels an Zeit ihre Bücher selbst nicht sühre» können, sich aber auch einen stiindigen, teuren Buchhalter nicht hatte» wollen. Feinste Berliner Referenzen, sirengste Dtskretion, Honorare mähig Cniil Colin, Schivartzkopfsstr. 1, I- Berautwortlicher Redaueur: Carl Leid ü, Berlia. Für iui Iuierateuteil verantwortlich; Tb.«locke tu Berlm. Druck uod Verlag von Mar Bading in Berlin.