Zlr. 180. Aboimzmenls• Sedlngungea: Abonnemenli-Preti pränumerando! «ilerteljährl. 3,30 Mk., monatl. wöchenllich 28 PIg. frei in« Hau». Simelne Nummer S Psg. Sonniag», Nummer mir«Nufirieriei! eanniag», Beilage„Di- Neue Meli" iOPfg, Poft» Nbounemeni: 1,10 Mark pro Mona», Eingeiragen in der Poft- Zeitung»» Pr«>»liste für ISO« unter Et. 7878. Unter Itreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn S Marl, für da» übrige Auiland 3 Mark pro Monat. IS. Jahrg. Fit InstrttonS'Gevlly» beträgt für die sechsgespaltene Kolon«, zeile ober deren Raum»0 Psg., für politische und geiverlschastltche BereinS- und VersammlungS- Anzeigen 20 Psg. „Kleine Anselgen" jede» Wort 5 Psg. lnur da» erste Wort seil>. Inserate sür die nächste Nummer müssen bt»» Uhr nachmittag» In oerExpebiiion abgegeben werben. Die Srpcdttton ist an Wochen- tagen vi» 7 Uhr abends, an Sonn- und SesUdAenbtSSUhr vormittag» grossn«. Ericheini täglich nuher Montag«. Devliner Volksvlstt. Telegramm- Adresset „Porlntdrmolirat vcrlin» Centrawrgan der socialdemokratischen Partei Deutschlands. Kedalttion: SW. 19, Veutli- Strafte 2. Zlertilprcchert 91m» I Nr. 1508. Dienstag, den 5. Augnst IS)0£. Expedition: SW. 19, Ventft- Strafte 3. aernsprechrr: 9li»t I. Nr. S1SI. Hoch- nnd Landesverrat für Parteizwecke. ii. In einer 1883 erschienenen Schrift.der Einfluß Frankreichs auf die preußische Politik und die Entwicklung des preußischen Staates" llvn Bruno Bauer stellt der Berfasser altenmäßig die Bündnisse, Verträge ic. fest, welche das HauS Brandenburg direkt oder indirekt mit Frankreich zum jeweiligen Schaden des D e u t s ch e n N e i ch e s eingegangen ist. Die Schrift ist offenbar von der entgcgeiigeseßteu Tendenz beherrscht wie das Werk DroysenS, aber wen» auch die Darstellung angefochten werden kann, so sind die Thatsachen, die sie aufzählt, doch nicht zu bestreiten. Greifen wir zur Erhellung unsres Themas einige heraus. 1531: Der Bruder des regierenden Kurfiirsten von Branden bnrg, der Markgraf Johann von Kliftri»,. verbiindet sich ISSl mit dem Markgraf Albrecht von Brandeubnrg-Kuliubach. dem Aurfilrst Moritz von Sachsen und mehreren andern prolestautischen Fürsten gegen den Kaiser Karl V. Albrecht von Brandenburg leitete für dieselben die Verhandlungen niit dem französischen Könige Henri II. Es kam zu einem Vertrage, auf Grund dessen die betreffenden Fürsten dem Könige von Frankreich für seine Unterstützung das Recht auf die Besetzung der Städte Metz, Toul, Verdun und Caiubrey zusprachen. Folge: Diese wichtigen Städte gehen an Frankreich verloren, die religiöse und politische Spaltung Deutschlands wird zur nnab- änderlichen Thatsache. 16VS: Die protestantische.Union', der u. a. die Markgrafen Christinn und Joachim Ernst von Brandenburg(fränkische Linie) an« gehörten und der am 3. Februar 1610 auch der Kurfürst Johann Sigismund von Brandenburg beitrat, wenden sich in der Streitfrage um die jülische Erbfolge um Hilfe an den König Henri IV. von Frankreich. Dieser sendet Substdie» nnd HilfStruppen, mit deren Unterstützung die.Union' die jülischen Lande in Besitz nimmt. Die Folge ging für Frankreich zunächst dadurch verloren, daß Henri IV. schon im Mai 1610 von Ravaillac ermordet ivurde. Aber es war ein neues Präcedenz für die. später— im westfälischen Frieden— ausdrücklich sanktionierte Berechtigung Frankreichs zur Eiumischuiig in deutsche Angelegenheiten geschaffen. Andrerseits faffe» nunnlchr die Hohenzollern auch in W e st d e u t s ch l a nfd festen Fuß. 1631. Kurfürst Georg Wilhelm von Brandenburg schließt 1631 (21. Juli) mit dem mit Frankreich uerbüildetcn König Gustav Adolf von Schtvcden ein förmliches Bündnis gegen das Oberhaupt des Deulschen Reiches. 1643. Frankreich vermittelt am 19. Oktober 1643 einen Ver trag, kraft dessen die bis dahin noch immer von den Hessen und Holländern in den Clevischen Ländern besetzten Plätze dem Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg übergeben ivnrden. 1648. Frankreich tritt bei den westfälischen FriedenSverhand lungcu zu Gunsten Brandenburgs auf. als e« sich um die Eni- schädigung desselben sür den au Schivede» überlassenen Teil Pommerns handelt. 1636. Der Kurfürst geht im Juli 1626 ein Bündnis mit Frankreich ein, durch welches ihm— außer Subfidien— die Garantie feiner Provinzen am Rhein und der Weser zugeführt wird. 1638. Kurfürst Friedrich Wilhelm stiinmt nach dem Tode des Kaisers Ferdinand III.(2. April 1657) auf Wunsch MazarinS im Interesse Frankreichs für die von dieser Macht gewünschte Beschränkung der politischen BklionSfreiheit deS künftigen Kaisers. 1661. Der Kurfürst Friedrich Wilhelm tritt 1661 dem am 15. August 1653 zu Mainz zivischeu Frankreich, Schlveden und mehreren Reichsständen— im Interesse der erstgenannten Macht ab- geschloffen— hergestellten.Rheinischen Bündnisse' bei.— 1679. Am 19. Juni 1679 wurden in einem— neben dem Frieden von St. Gcrniain cu Lahe abgeschlossenen— geheimen Ver- trage dem Kurfürst seitens Frankreichs auf mehrere Jahre Sub« fidien zugesichert. 1680. Der Kurfürst trägt 1680 Louis XIV. ein Bündnis an (das dieser aber geringschätzig ablehnt), 168Ä. Am 12. Januar 1682 ging Friedrich Wilhelm mit Frank- reich ein Bündnis ein, deffen Bestimmungen ivaren: »Frankreich solle von weiteren»ReunionS(deutschen Gebietes) Abstand uchme»: das bereits in Besitz genommen«(Straßburg am 29. September 1631!!!) aber behalten. Der Kurfürst sollte sich be« mühen, den Frieden(auf dieser Basis) zwischen Ludivig XIV. und dem Deutschen Reiche nach Kräften zu erhalten. Dafür zahlte Frank- reich Subfidien zur Unterhaltung d-s Brandenburgischen Heeres.' Was Frankreich jedesmal bei diesen Abmachungen nnd Ver- Handlungen im Auge hatte, liegt auf der Hand: die Spaltung und dadurch steigende Schwächung des Deutschen Reiche», die Erlangung der Oberherrschaft in Europa, was für damals die Weltherrschaft hieß. Daß es nicht jedesmal die Eiappe-rr-ichte, die es gerade im Auge hatte, ändert an der Natur dieser Bündnisse für unsre Frage nichts. Von feiten Brandenburgs und der Hohenzollern waren und blieben sie Nnterstütznugen einer dem Teutsche» Reich feindliche» Macht. Und thatsächlich war im ganzen das Ergebnis eine große Forderung der Zivecke Frankreichs. eine Besiegelung der Z-rstücklung Deutschlands. Es selbst ernslhaft mit Frankreich aufzunelnueii. tonnte den brandeuburgische» Herrschern damals nicht in den Sinn tominen, und wenn etwa dem großen Knrfnrsteii derartiges für die gtllunft vorfchivebte, so toaren seine Maßttahmen für den gegebenen Moment doch faktisch Reichsverrat. Ebenso die entsprechenden Maßnahmen seiner Nachfolger, denn die Pakte mit Frankreich zum Schaden der toiser- lichcu Macht in Dculschlniid hörten mit dem Kurfürst Friedrich Wilhelm II. keineswegs auf. Betont feie» hier noch die Bündnisse Friedrich II. bei' Gelegenheit der Kriege um Schuften mit Frankreich.—»Ich glaube, ich werde euer Spiel spielen, bekomme ich die Aß so teilen wir", jagte Friedrich II dem frauzösischen Gesaudteu beim Abmarsch in den ersten schlesischen Krieg,— sowie die Preisgabe deutscher Interessen 1802 und 1805 gegenüber Bonaparte. Es ist auch keine Abschwächung des sachlichen Charakters dteser Handlungen, daß die Gegner Brandcnbnrg-PreußenS eS oft nicht besser machten. Nicht die Motive, nicht die schließlichen, Welt- geschichtlichen Ergebnisse sind hier in. Frage, sondern lediglich der Punkt, ob Hoch- oder Landesverrat zu politischen Parteizwecken vorlag oder nicht. Und daß auf diese Pakte alle Kriterien des Hoch- und LnudeSvcrralS zutreffen, läßt sich gar nicht bestreiten Daß Frankreich oder vielmehr die herrschsüchtigen sranzösischen Gewallhaber schließlich geschichtlich die Geprellten waren, ist eine sehr erfreuliche Thatsache, hätte aber nicht unbedingt eintreten müssen. Die Verhällnisse zur Zeit, wo jene laudeSverräterische» Pakte geschlossen wurden, ließen diesen Ausgang nicht voraussehen Die Schaffung der prcußisch-hohenzoNcrischen Hausmacht ist das Werk fortgesetzten Hoch- und LaudcSverrals. Macht man das sittliche Urteil über solche Pakte oder ähnliche politische Maßnahmen von dem Ziel abhängig, in dessen Interesse sie unternonnuen werden oder von der Wirkung, die sie in letzter Instanz zur Folge haben, so begiebt sich gerade der heutige Ordnnngs mensch ans die schiefe Ebene, bei der alles daS. was Kautsky angeblich empfohlen haben soll, in zehnfach verstärkter Potenz als gerechtfertigt, ja höchst lobenswert erscheint. Es geht nicht a», über den laudesverräterischen Socialdemokrateu zu schimpfen und die weitsichtigen Fürsten aus dem Geschlecht der Hohenzollern zu verherrliche». Denn unzählige Male sind eS gerade die kritischen Sitliatioiicn des Deulschen Reiches geivesen, welche jene Fürsten ans nutzten, ihre Zivecke, gleichgültig ob selbstsüchtig oder ideal, zu fördern Indes dürfen unsre Gegner beruhigt sein. Wenn in frühereu Epochen nicht nur die Fürsten, sondern auch der Adel und daS Bürgertum (Ivorüber ein andermal) die laxesten Vorstellungen in Bezug au LandeStrene halle», so kennzeichnet es gerade die moderne Entlvickelung, daß in den große» Krisen der Nationen das nationale Interesse nirgends stärker gesichert>var, als beider revolutionären Demokratie. Das war schon in der großeil englischen Revolution der Fall, tcko die radikalste Partei, die der Jndepeiidenten, zugleich auch die nationalste oder sagen wir lieber l a n d e S t r e u e st e Ivar; und das zeigte sich von neuem in der großen französischen Revolution. Die Entwicklung, die sich seitdem vollzogen, wird eS verhindern, daß sich der revolutionäre PatriotismnS zum JingoiSmuS oder Chauvinismus auSwächst, die socialistische Arbciterdemokratie wird in dieser Hinsicht nicht in die Fußstapfen des weiland revolntionärcn Bürgertums treten._ Ed. B. Volitifckze Mebeeflckzt. Berlin, de» 4. August. Das Panama der Polcnpolitik. Während die Hakatistenprcsse zuerst de». F a l l L L h n i n g mit unsauberen Andeutungen und flachem Spott behandelt hatte, ist über Nacht der KriegSplan geändert worden. Man hat jetzt ein- gesehen, daß die Rechifertignngsschrift deS Posener Stenerdirektors den elendeil Zusammenbruch der Polenpolitik bedeutet, einen Zu- fammenbrnch in Gelächter und Abschen I Darum sucht man zu retten, was zu retten ist, und ist bereit, der aufgeregten öffentlichen Meinung ein Opfer zu schlachten: Der arme R h e i n b a b e n wird in die Wüste geschickt. Iveil er so unvorsichtig die Geheimnisse des Gcrmani siercns preisgegeben. Die vom Hakatistenverein abhängigen»Berliner Neuesten Nachrichten' sind eS, die das Ablenkungsgefecht gegen den preußischen Fiiianznnnister eröffnen. Sic entrüsten sich über daS Schweigen des.Staats-Anzeigers" und der»Berk. Korrespondenz die»Norddeutsche Allgemein- Zeitung" habe es sogar fertig gebracht. die Angelegenheit bisher mit keiner Silbe zu ertvähneii. Dieser letztere Umstand „legt die Annahme nahe, daß der Regierung die Erörterunx sehr unangenehm ist, und daß. wie zu erwarte» ist, Gra Bülolv, wahrscheinlich auch ivohl der Kaiser. Bericht ein- gefordert habe». Man wird sich im Lande schlverlich vorstellen können, daß ei» derartiger, Iveit über die Grenzen Preußen« und Deutschlands Aufsehen erregender Fall etwa als ein Jnternum eines„ReffortS" behandelt werde» könne.... Herr Löhning ivar nicht etwa ein schiechicr Stenerdirektor. sondern galt als tüchtiger Beamter.... Es handelt sich da um allgemeine Grundsätze, die nicht der Ressortchef. sondern die der leitende Staats- m a n n zu verantworten hat. wobei wir freilich vezweifel», daß Graf Büloiv geneigt sein wird, solche Auffassungen der Oeffentlich keit gegenüber zu vertreten." Die Pensionierung Löhnings wird geradezu für„migesetzlich" er- klärt und sogar das„Volk" zu Hilfe gerufen, das nicht dazu da sei, für derartige unmotivierte Pensioiiieruiigeii Steuern zu zahlen. Das Blatt meint, Büloiv iverde schiverlich mit Rheinbaben einverstanden sein.»Wenn aber solche Auffaffungen nicht die seinigcn sind, Ivie angenonimen iverden darf, so legt dieser Umstand von»euein die dringende Notwendigkeit nahe, für eine Einheitlichkeit im S t a n t s m i n i st e r i u m zu sorgen und zu verhindern, daß der leitende Staatsmann Grund- sätze und Auffassungen zu vertrete» hat, die nicht die seinige» sind, oder, Ivos ebenso ivenig crlvünscht sein lau», daß er derartige gravierende Dinge, die ohne ihn nicht entschieden werden sollten, erst erfährt, ivenn e» zu spät ist. seinen Einfluß dabei einzusetzen." Schließlich erinnert das Blatt daran, daß einer der hervor- ragendstril Aiutsvorgänger RheinvabcnS, der Ainanzmiiiister R o t h e r, vom gemeinen gelben Reiter über den Kalkulator hinweg sich empor gearbeitet habe. Dieser plötzliche EntrüftungSartikel ist keineswegs emstlich ge» meint, er ist nur ein durchfichtiges taktisches Manöver. Die furcht- bare Bloßstellung deS ganzen Systems soll als der individuelle Schildbürgerstreich eines ungeschickten Ministers erscheine», Man hat offenbar dringenden Anlaß, die Angelegenheit schleunigst auf einen persönlichen Fehlgriff eines gleichgültigen Ministers abzuleiten. Denn schon verlautet, daß die Schrift LöhningS nur ein erster Schuß sei. Die„VolkSzeitnng" kündigt bereits weitere Enthüllimge» zum Panama der Osiniarkenpolitik an. So habe Löhning zwei Pakcie anonymer Briefe erhalten, die eine verblüffende Aehulichkeit mit den Handschriften der Gemahlinnen eines höheren Beamten und eines höhere» Offiziers aufweise». Mag Herr Rhcinbabcn immerhin geopfert iverden, an dem System ist nichts mehr zu retten I Die GcrmanisiernngSpolitik des allerneuesten Kurses ist für immer der Schande und dem Hohn ver- fallen.—__ ThielenS Erbschaft. Die von unS eingehend besprochenen Veröffentlichungen des Vereins für Sociglpolitik über die Verhältnisse der unteren Beamten und Arbeiter der preußischen Staats- eisenbahn-Verwaltung müssen im Eisenbahn-Ministerülm doch einigen Eindruck gemacht haben. Namentlich hat die Enthüllung über die statistische Lichtscheu Thielens. der sich geweigert, für die Untersuchung des Vereins Material her- zugeben, den Nachfolger Budde unangenehm berührt. So versucht er denn die belastete Erbschaft Thielens halb und halb zu verleugnen. Er will es nicht wahr haben, daß Thielen den Antrag des Vereins ohne Gründe ab- gelehnt habe! er habe vielmehr ans die— Veröffentlichungen der Eisenbahn-Verwaltung und des Etats hingewiesen. Auch ein Grund I Man weist Leute, die größere Klarheit gewinnen Wollen, auf Veröffentlichungen hin, deren Unzulänglichkeit gerade die Notwendigkeit neuer Untersuchungen veranlaßt hat. Sucht Herr Budde so seinen Vorgänger scheinbar heraus- zuhauen, indem er ihn preisgiebt, so bekennt auch er, daß er seinen Flug in Dämmerung und Nacht zu unternehmen für geraten hält. Es sei„damals schon von verschiedenen Seiten anerkanilt",„daß derartigen Erhebungen, selbst wenn sie unter der Führung eines so angesehenen Vereins wie des„Vereins für Socialpolitik", dem auch hohe Beamte des Arbeits- Ministeriums und der Staatseiscnbahn-Vcrwaltnng angehören, veranstaltet werden, mancherlei naheliegende Be- denken entgegenstehen". Die naheliegenden Bedenken be- stehen darin, daß das Eisenbahnministerium sehr wohl weiß, daß der Schleier von den Arbeitsverhältnissen nicht hinweg gezogen werden kann, ohne daß alle Welt sich entsetzt über die Zustände. Darum müssen sie gnädig in Nacht und Grauen verhüllt werden. Aber Herr Budde hat trotz seiner Vorliebe für die ewige statistische Dänimerung doch ein warmes Herz. So versichert denn die ministerielle„Verl. Korresp.", daß der Minister„stets darauf bedacht" fei, „die sociale Lage der zahlreichen Beamten und Arbeiter seiner Vcrwaltniig nach Möglichkeit zu verbessern. Er ivird zweifcl» loö Anlaß nehmen, die ivciteren Anregungen ans diesem Gebiete die die Zimmermannsche ebenso von ernstem Wohlivollen für die Eisenbahnbediensteten, als von anfrichiiger Anerkeiinung der Leistungen der Eisenbahnen gerade auch auf socialem Gebiete, erfüllte Abhandlung schon bei flüchtiger Durchsicht bietet, ans das eingehendste zu prüfen." Herr Budde scheint sich zunächst von seinem Vorgänger dadurch zu unterscheiden, daß er gegenüber der Thieleschen Schneidigkcit es vorzieht, z u n ä ch st es mit schönen Worten zu versuchen, denen die schönen Thaten vermutlich„nach Möglichkeit" folgen, das heißt, da sie unter der Uebersckuß- und Sparwirtschast„unmöglich" sind, ausbleiben werden!— Englische Schlaglichter. London, 2. Augnst.(Eig. Ber.) »Ist die Stagnation Englands zu Ende oder nicht?" Diese Frage beschäftigt gegemvärtig die englischen Freiheitsfreunde, aber es ist nicht leicht, sie mit einem Ja oder Nein zu beantworten. ES sind Anzeichen vorhanden, daß eine gewisse Bewegung eingetreten ist, die Vleichgültigkeit und die sittliche Verkommenheit sind indes viel zu stark, um zu einem unmäßigen OptiiniSmnS Anlaß zu geben. Die moralische Schlaffheit der herrschende» Klassen Englands ist eine unbestreitbare Thatsache. Das VorwärtLstreben durch eine besondere Kraftentfaltung gilt als vulgär und eines Gentleman nicht würdig. General Jan Hannlion, der im Zuge nach Pretoria den rechten Flügel, die berittene Infanterie, kommandiert hatte, sagte vor der Militärkonimission aus,- daß in Offizierskreise» die Streb- samkeit als eine Unsitte gebrandmarkt Iverde. Und erst vor einigen Tageil ivurde ein höherer Offizier, der sich durch militärische Studien besonders auszeichnete, von seilten Kollegen regelrecht durchgeprügelt. Die Klag« über die Weit- und Spielsncht des Volkes ist allgemein. Sogar die Fortnightly Revieiv" gicbt dies zu. Betrübend ivirkt auch der Umstand, daß in dein geiverkschaftlich am besten organisierten D U r h a in die schlimmsten Verbrechen vorkonimen. Auf seiner Rundreise zur Ab- Haltung von Gcschivoreiicngertchtcn in der Grafschaft Durhain sagte der Richter Grantham:»Die Leute von Durham zeigten hohen Mut im siidafrikanische» Kriege und ich nahm an, sie ivnrden auch moralisch auf einer hohen Stufe stehen. Allein ich muß zugeben, daß die Grafschaft einen Mangel an moralischem Mut und ein Vorhandensein von Degradation zeigy die vielleicht beispiellos sind. Schuldig daran sind offenbar die schweren Arbeiten in den Kohlengruben und die schlechten Unterhaltungen... Die Unternehmer müßten für daS geistige Wohl der Arbeiter mehr borgen unb ihnen edlere Vergnügungen bieten, denn die Arbeiter sind es, die den Reichtum schaffe»." Nichter Grantham ist ein Utopist. Und derartiger Utopisten giebt es in England gar viele unter den gebildete» Schichten. Vorige Woche ließ ein sehr bekannter liberaler Redner, der 73 jährige H o d g s o n P ra t t, sich als Mit- glied der Socialdemokratischen Föderation aufnehmen. Er hat inindestcns 30 Jahre seines Lebens in den ideologischen und den verschiedensten fortschrittlichen Bewegungen Englands verbracht und sie mit Geld und in Wort und Schrift unterstützt. Bei seinem Lebens- ende kam er znr Ueberzengnng, daß nur der Socialismus die Gerechtigkeit und die Mcnschcnfrciheit bringen könne. Er hatte den Mnt seiner Ueberzengnng und schloß sich der revolutionärsten Organisation an. Gestern ivnrde Shackleton znm Abgeordneten für Clitheroc bestimmt. Die Presse faßt diese Wahl als ein politisches Ereignis ersten Ranges auf. Der„Dailh Telegraph" spricht schon von dein Anfang der modernen C h a r t i st e n b e>v e g u n g. Dagegen befand sich Sidueh Webb vorgestern auf einer Tribüne mit Lord Rosebery, der in einer längeren Rede für den liberalen Jniperialisinns eintrat. Robert Blatchford, der Redacteur des vielgelescnc» socialistischen Wochenblattes„Clarion", gab kürzlich eine tüchtige Agitationsbroschürc heranS, die den Titel„Britain for the British" trägt. Blatchford, der mich oft an William Cobbett erinnert, ist kein Theoretiker. Abstraktionen sind nicht seine starke Seite. Aber in direkter, schlagender Belvcisführnng, an Verständnis für die unmittcl- baren politischen Bedürfnisse der englischen Arbeiterklasse ist er unüber- trefflich. Und es ist ein gutes Zeugnis für seine Gradheit und seinen klaren Verstand, daß er den Klassencharakter der Gesellschaft begriffen und ihn in seiner wuchtigen Sprache ansgedrückt hat. Die Broschüre wurde in einer Auflage von 100 000 Exemplaren gedruckt und wird massenhaft abgesetzt. John B u r n s ivar neulich von den Bergarbeitern von Northumberland eingeladen, in einer Demonstration zu sprechen. Er fuhr zur Demonstration und hielt eine socialistischc Rede, die sogar von der socialdemokratischen„Justice" gelobt Ivird. Auch in der Socialdemokratischen Föderation, nacht sich die Ueberzengung geltend, daß die organisierten Arbeiter langsam auf- ivachcn. Es ist hier nicht der Platz, sich mit der Taktik der Social- demokratischen Föderation zu beschäftigen. Das geschieht in der „Justice", und diese Diskussion wird mit aller Energie fortgesetzt werden, bis sie die Genossen zum Nachdenken gebracht hat.— *» * Deutsches Weich. Zölle auf Handlvcrkszeug. Eine Verteuerung des Handwerkszeugs der Näherin und Hausfrau hat der Centrunisabgeordnete Dr. Spahn in der Zolltarif-Kommission beantragt. Der bestehende Zoll belegte den Doppelcentner Nähnadeln mit 60, ebenso Nähmaschinen-Nadeln mit 60 M., andre Nadeln mit 24, nnpolierte Spicknadcln mit 13, andre Nadeln und Angelhaken nüt 24 M. Der Zolltarif-Entwurf schlägt demgegenüber erhebliche Erhöhungen vor: danach sollen Nähmaschinen-Nadeln, ebenso Strickmaschinen- und Wirkniaschinen- Nadeln mit 200 M., Kratzcnnadcln, Spicknadcln, andre Nadeln und Angelhaken mit 30 M. verzollt werden. Diese. Sätze genügen aber dem Abgeordneten Dr. Spahn nicht. Er beantragt für Näh- nadeln einen Zoll von 200, für Nähmaschinen-, Strickmaschinen-, Stick- und Wirkinaschinen-Nadeln 1000 M., für Stecknadeln, andre Nadeln inid für Angelhaken 60 M. Zoll pro Doppel- ««itner! Ein netter Freund des Mittelstandes I Wilhelms II. Rufflandfahrt. Der Kaiser ist nach R e v a l gefahren, um nüt Väterchen zusammen zu treffen. Graf Bülow ist znm dekorativen Aufputz des Besuches mitgenommen Ivorden. Es wird auch eine Flottenparade stattfinden. Politisch sind derlei Visiten bedeutungslos. Diese ist nicht ein- mal von familiärem Interesse. Denn die persönlichen Beziehungen Wilhelms II. und Nikolaus II. haben bisher im ivesentlichen darin bestanden, daß der Zar eine bemerkenswerte Fähigkeit entlvickelte, mit dem deutschen Vetter nicht zusammenzutreffen.— DaS Ende der Legislaturperiode des Sleichstags. Vor einiger Zeit ging die Nachricht durch die Blätter, die Regierung be- absichtige, um Zeit fiir den Zolltarif zu gewinnen und ihn den Wahlen zu eurziehcn, die Legislaturperiode nicht fünf Jahre nach den Wahlen, sondern»ach dem Termin der ersten Einberufung des 13g8er Reichstages endigen zu lassen. Der parlamentarische Bericht der Reichstagsfraktion hatte auf diesen Plan hingeiviesen. Jetzt ent- schließt sich nun die„Nordd. Allg. Ztg." zu folgender Anmerkung: „Es dürfte dem„Vorwärts" schtver fallen, nachzmveisen,>van» uiid wo die Regierung die„Frage" betreffs der Dauer der Legislatur- Perioden des Reichstags aufgeivorfen hat." Soll das heißen, daß der Plan nicht besteht und nicht be- standen hat?— Klerikale Rache. Eine überraschende Meldung konnnt aus Mülhausen; dort war es gelungen, bei den letzten Gemeindelvahlen die klerikale Herrschaft zu stürzen und durch eine liberal-socialdemokratischc Mehr- heit zu ersetzen, die durch ein Kartell der Socialdemokratie und der bürgerlichen Linken erzielt wurde. Jetzt haben nun plötzlich zehn der bürgerlichen Kartcllleute ihre Aemter niedergelegt, indem sie als Hauptgrund angeben:„Die ausgesprochene Tendenz einer Anzahl demokratischer Gemeinderäte, eine die Interessen der Stadt und das Ansehen des Bürgermeister- amtes in gleicher Weise schädigende Nebenregierung einrichten zu wollen." Außerdem werden allerlei persönliche Konflikte lächerlichster Art als Gründe der Demissivn vorgeschützt. Den ivirklichen Grund aber hat wohl die bürgerliche„Stratzburger Post" zutreffend an- gegeben, die von einem allgemeinen gesellschaftlichen und geschäft- lichen Boykott der liberalen kleineren Fabrikanten, Fabrikdirektoren und Kanfleute durch die über den demokratisch- socialistischen Sieg Ivütende Großindustrie erzählt. Die tapferen Liberalen spielen also die Komödie der entrüsteten Denüssion, um den Zorn der Besiegten zu sänftigen. Nun, die Socialdemokraten bedürfen dieser liberalen Mannen nicht; hoffen wir, daß das Proletariat die feige Flucht mit social- deinokratischen Nachwahl-Erfolgen bcantlvorten tverde!— Eine Langfinger- Hochschnle in der Wohlfahrtskolonie. Alfs Essen ivird uns berichtet: Wiederholt gingen Notizen durch die Blätter, aus denen zu schließen war, in Essen, dem Königreiche Krupp, müsse eine „Hochschule" für Langfinger eingerichtet sein. Natürlich wurden solche Nachrichten immer dementiert. Es wäre doch zu blamabel, wenn im Kruppschen Wohlfahrtsreiche, wo die Arbeiter nach Schilderung der verpflichteten Presse ein wahres Götterleben führen müßten, eine Brutstätte von Verbrechen sich hätte entwickeln können. Und doch ist es so! Und die Vcrbrecherschule befindet sich auf einer Kruppschen— Wohlfahrtskolouie! Die ältesten Paläste der Kruppschen Vill-nkolouien bestehen ans .»mgekellerten Holzgebäuden, in denen in kleinen Wohnungen dicht gedrängt meist die am schlechtesten gelohnten und kinderreichsten Arbeiterfamilien wohnen. Daß das enge Zu- sammenwohnen in mangelhaften Wohnungen demoralisierend auf die heranwachsende Jugend wirkte, braucht nicht zu verwundern. Wie aber die Jugend auf der Kruppschen Kolonie verwahrloste, zeigen folgende Thatsachcn: Nach der Eingemeindung Altendorfs zu Essen kam auch die besagte Kolonie unter Aussicht der Essener Polizei. Diese fand Merkmale, die schließen ließen, daß die Kolonie der Wohnort vieler Taschendiebe sein müsse. Die Polizei observierte scharf und konnte in wenigen Wochen ca. 70 Spitzbube» ans der Kruppschen WohlfahrtSkolonie herausholen! Es sind fast lauter junge Burschen, die dort bei ihren Eltern wohnten. Vor einigen Wochen ist von den Burschen, die übrigens gefürchtet sind und be- sonders in der Dunkelheit das Passieren der Kolonie nicht rätlich erscheinen lassen, ein Polizeibeamter ohne die geringste Veranlassung scheußlich mißhandelt worden. Von dem Skandal dringt nichts in die Oeffentlichkeit. Wohl um das Renommee der Kruppschen Villen-Kolonien nicht zu gc- fährden, schiveigt sich die gesamte ordnungstreue Presse darüber aus.— Nltramoutane Moral. Aus M ü n ch e u, 3. August, wird uns geschrieben: In unsrcm Stadtparlameut beantragte kürzlich der ultramontane Gcuicindcbevollmächtigte, Stadtverordnete Herrmann, die Wiedereinführung von Bordellen, um die Straßen von den Prostituierten zu säubern. Besonders warm befürwortete diesen Antrag der Ultramontane Bräutigam, der sich in heftigen Ausfällen gegen die Socialdemokratie erging, die mit ihrer Pro- klamation der freien Liebe zum Teil mit schuld an der Prostitution auf der Straße sei. Als Antwort auf diese einfältigen Angriffe und zur Kennzeichnung des ultramontanen Tugendboldes druckt mm unser Münchener Partciblatt folgenden ihm zur Verfügung gestellten Original- bries ab: Euer Wohlgebore»! Ich offeriere Ihnen ein schön möbl. Zimmer mit eignem Ein- gang bei gebildeter Familie dem Hausbesitzer selbst zum Preiße von 13 Mark monntl. Vollkommen ungestört, Sie können im Zimmer auch bezüglich aller Besuche bei Tag und Nacht thim was Ihnen immer beliebt. Von Morgens 6 bis Abends 9 sind Sie fast ausschließlich allein in unserer Wohnung des 1. Stockes, da wir uns während dieser Zeit Partcer beim Geschäfte aufhalten. Reinlichster aufmerks. Bedieng dürfen Sie sich versichert halten. Ein stud. Mediziner der 2 Jahre bei uns wohnte ließ sich von mir des Nachts wenn er angeheitert nach Hauße knhm, häufig ausziehen, oder des Morgens wenn ich zur Ueberbringung seines Kofcs und Schuhe in Zimmer kahm im Uebermute die S t r ü in p h e anziehen. Ich führe das nur an, daß Sie nicht glauben, Sie würden, weil beim Hans- besitzer, bei recht überspannten Leuten Wohnung nehmen, wo Sie bezüglich Ihrer Bedienung vernachlässigt würden. Fünf Minuten näher der mediz. Gebäude erhalten Sie so schönes Zimmer nicht unter 18—20 M. Hochachtend I. Bräutigam, Hausbesitzer, Gollierstr. 17. Man sieht diese Klerikalen, die als„Politiker" so wild und ungeberdig scheinen, sind als Hausbesitzer und Ziiiiiiicrverniicter eine überspannten Unmenschen— bei Tag und Nacht!— Ausland. Der Kulturkampf in Frankreich. Am Sonntagnachmittag sammelten sich die Socialisten auf der Place de llHotel de ville und der Place du Pantheon, um auf der Place Maubert vor dem Denkmal des von der Kirche v e r- brannten Freidenkers Etienne Dolct eine Kundgebung zu Gunsten der Anwendung des Gesetzes gegen die Kongregationen zu veranstalten. Die Manifestäuten, deren Zahl auf etwa 2000 geschätzt wurde, riefen„Nieder mit den Pfaffen" und empfahlen den vcr- folgten„Schwestern" sich zu verheiraten. Das Halten von Reden wurde nicht gestattet. Nach der Kundgebung veranstalteten die Teilnehmer eine Vcr- sammlung, in ivclcher der Deputierte Tourgnol erklärte, beim Wiedcrzusammentritt der Depnticrtcnkammer werde er die Auf- Hebung aller Kongregationen und die Kündigung des Konkordats beantragen. »* » Marineminister P e l l e t a n hielt in Marseille eine giede, in welcher er ausführte: Der ewige Feind sei der Klerikalismus, welcher alle Verstellungskünste anwende.„Wir werden," so schloß der Redner,„nicht»ach Kanossa gehe», und werden nicht vcr- gessen, daß unsre Väter die Welt gegen religiöse Phantome erobert und die Menschheit mit der Freiheit beschenkt haben." i Von den Meldungen über klerikale Rebellionen in der Provinz seien verzeichnet: Firm in y(Dep. Loire). Unmittelbar nachdem ein Polizei- kommissar an der hiesigen Kongregations-Niederlassung die Siegel angelegt hatte, brach der' Pfarrer' die Siegel ab. indem' er erklärte, er sei Eigentümer des Hauses. Sodann schlug eine Frau dem Kommissar ins Gesicht. Der Pfarrer und die Frau ivurden verhaftet. Chambory. Da die Schulschwestern von Hnrnotheservolex sich lueigerten, die Thür der Anstalt zu offnen, ließ die Polizei die Umgebungsmauer niederreißen. Der RegieriingSkouimissar drang hierauf in die Schule ein und ließ die Schwestern entfernen. St. C h a in o ii d(L o i r e). Auf dem Hofe des katholischen Vereins wurde eine von etwa 2000 Personen besuchte Protest- versaminlung gegen die Schließung der Schulen abgehalten. In der Straße fand eine Gcgenkiindgebung statt. Es kam zu Zu- sammeustößen zwischen beiden Parteien, wobei drei Personen leicht verletzt wurden. Zu Kundgebungen kam es bei Schließung der Schulen in den Departements Jssre, Loire, Tarn, Ardsche, Vanclnse und in mehreren Gemeinden des Arondissemeiits Ronnue gegen die Regierungskominissare. In V i e n n e sJsore) mußte der Ncgieruiigsvertr'eter angesichts der feindlichen Haltung einer Gruppe von etwa 400 Personen, welche Steine gegen die Gendarmen schleuderten, das Feld räumen, obne seinen Auftrag ausgeführt zu haben. In M o n t b o n n e t(Jssre) brach ein Neffe des Generals Miribel zweimal die an die Schule gelegten Siegel ab. Derselbe wurde verhaftet. Frankreich. Socialistischc Mißerfolge. Bei den Gemeindelvahlen in Marseille wurde der bisherige socialistisch-guesdistische Vertreter geschlagen. Auch in Lille siegte der Progressist Bonte mit 6413 Stimmen über den socialistischen Kandidaten Ghesquisre.— England. Der deutsche Kaiser und Lord Kitchetier. In englischen Blättern wird, wie schon berichtet, mitgeteilt, daß der deutsche Kaiser den Lord Kitchener zu einem Besuch nach Deutschland eingeladen habe. Die ganze deutsche Armee, so heiße es in dem Telegramm des Kaisers, werde es als eine hohe Ehre schätzen. einen solchen Soldaten in ihrer Mitte begrüßen zu können.— Die Premierminister der euglischcu Kolonien, die gegen- wärtig in London weilen, werden fleißig interwicwt. Dieser Tage wurde Sir Edmund Barton von einer Deputation des National- Verbandes für Franc ustimmrecht besucht. Er konnte der Deputation mitteilen, daß zur Zeit den Parlamenten von Neu-Südwales und Victoria Gesetzescntwiirfe vorliegen betr. die Einführung dcS Fraueuwahlrcchtö; er glaubt.' daß die Einführung desselben in den genannten zwei Kolonien gesichert sei. Eisenzölle. 96. Sitzung der Zolltarif-Kommission. Berlin. 4. August. An Stelle Bernsteins ist G e h e r in die Kommission ein- getreten. Die Position 812 belegt F e i l e n, Raspeln bis 16 Centi- meter laug mit 40, bis 33 Centimeter mit 23, mehr als 33 Centi- Meter mit 10 M. Gothcin beantragt 15 M. und eine Anmerkung: Die Länge versteht sich mit Ausnahme der Angel. Die Socialdemokraten be- antragen Zollfreiheit. Gothein begründet seinen Antrag; die Kleinindustrie werde be- troffen. Hoch, der für Zollfreiheit eintritt, tveist auch auf die Be- dürfnisse der Kleinindustrie hiu, die die kleinen Feile»:c. gerade benötige und nach dem Tarif am schwersten belastet werde. Uhr- inncherfeilen werden meist vom Auslaiide bezogen und dem in- ländischeu Produkt vorgezogen mit Rücksicht auf ihre Qualität. Darum sei Zollfreiheit geboten. Geheimrat Luscusky verteidigt die Vorlage; er ersucht, die An- merkung Gothein ebenfalls abzulehnen. Gothein wendet sich gegen den Regierungsvertreter, ebenso Miiller-Sagan im Interesse der Remscheider Industrie, die mit den in Frage stehenden Produkten Absatz im Auslande suche. Tie Position wird nach der Vorlage angenommen; die Anmerkung Gothein wird abgelehnt. Die Positionen 813—816 werden verbunden. 813, Bohrer, Zangen. Scheren, Stemmeisen, Hobeleisen, Maschineumesser. Schneid- zeuge ec. 20 M.; 814, Reibahlen, Meßwerkzeuge 2C. 40 M.; 815, Hämmer bis 10 Kilo, Aexte, Beile, Hacken, Wiege- und Hackemeffer, Schraubschlüssel und-Zwingen, Bohrwinde» ec. 13 M.; 816, anderweitige Geräte, z. B. Pflüge, Kultivatoren, Grubber, Kartoffelgraber, Eggen, Handrechen, Pferderechen, Wagen, Bügeleisen, Ticrfallen, Riemeuspanner zc. über 3 Kilo 10 M., unter 3 Kilo 13 M. Gothcin beantragt fzn 813 12 M.; zu 814 12 M.; zu 815 10 M.; zu 816 andren Text und Sätze von 6 resp. 10 M. Die Socialdemokraten beantragen Zollfreiheit. Gothein geißelt in seiner Begründung diese Art von Mittel- stands-Politik, die die nötigsten Handlverkzeuge der Kleinhandwerker verteuere. Molkcnbnhr verurteilt die Verteuerung der Handlverkzeuge, die den Standpunkt des Kleiuhandiverks bedränge. Der Konsumenten- standpnnkt komme auch.hierbei in Betracht; denn die betreffenden Werkzeuge tverden von den Massen verbraucht. Dabei komme in Betracht, daß Deutschland dcrgl. Waren massenhaft exportiere, also die inländische Produktion geschädigt statt geschützt würde durch den Zoll. Bezeichnend sei, daß man die Geräte und Arbeitsmittel der Landwirte so schwer belaste und damit den kleinen Bauern wieder das Leben schwer mache. Franken giebt die Erklärung ab, daß er für die Erhöhung der Zollsätze nicht' zu haben sei, wenn er auch keine Herabsetzung unterstütze. Gcheimrat Lnsensky tritt für die Vorlage ein; es handle sich hier um hochwertige Erzeugnisse, die einen Zoll leicht vertrügen. Miiller-Sagan bekämpft diese Ansicht; umgekehrt sollte die Produktion dieser Artikel freigegeben werden. Redner hat Zuschriften erhalten, die seine Ansicht unterstützen. Gothcin widerspricht dem Regierungsvertreter ebenfalls. Die Position 813 wird»ach der Vorlage angenommen; ebenso 814, 813 und 316. Verbunden iverden 813/19, Spindeln aller Art 10 M.; 819, A n s r ü st u n g s g e g e n st ä n d e für Spinn- und Webemaschinen 23 M. Gothein beantragt zu 818, Spindeln, roh 6 M.; bearbeitet 10 M.; zu 819, Webschäfte-c.. roh 3 M.; bearbeitet 12 M. Die Socialdemokraten beantragen Zollfreiheit. Spahn beantragt zu 819— 15 M. und begründet den Antrag mit den ungenügenden Angaben der Motive, die keinen Grund für die Erhöhung der Zollsätze erkennen ließen. Gothein kritisiert scharf diese Zollerhöhungen, die nach keiner Seite berechtigt wären. Geyer findet die Motive nicht nur dürftig, sondern widerspruchsvoll, und nimmt Veranlassung, an diesen Positionen nachzuweisen, wie auch sie denArbcitern zum Nachteil gereiche». Jede Verteuerung derMaschinen wirke lohiidrückcud. Man mache den Socialdemokraten wegen ihrer Anträge auf Zollfreiheit den Vorwurf der Inkonsequenz, inkonsequent handelten aber die, die gegen Zölle auf Rohstoffe seien und dann doch für Zölle auf Halb- und Hauzfabrikate stimmten; würden diese letzteren abgelehnt, müßten auch die Zölle auf die Rohstoffe fallen. Die weiteren Vorwürfe, daß die Socialdemokraten den Konsumenten- standpunkt bevorzugten, seien thöricht. Die„Post" schreibe gar, daß endlich eine Umkehr in der Socialdemokratie eintrete, und schreibe dies zumTeil auch denAusführungcnVerustcins in der Kommission zu. Allein Bernstein habe nur gesagt, daß der Koiisumeiiteiistandpunkt nicht einseitig vertreten werden könne. Das thäten die Socialdemo« kraten in der Kommission nicht. Die Produzenten der Spinn« Maschinen seien Konsumenten der vom Ausland bezogenen Spindeln, wie die Masten von Arbeitern und Bauern Konsumenten von Hobeln. Sägen, Messern. Hämmern, Sensen, Sicheln zc. zc. seien und als solche vor der Verteuerung dieser Waren geschützt werden müßten. Durch die Verbilligung, wie Redner befürwortet, werde die Produktion gestärkt, man ermögliche ihr, die Waren wohlfeiler herzustellen, dadurch die Kaufkraft des eignen Volkes zu schonen und so werde die Möglichkeit eines stärker zunehmenden Konsums geschaffen. Nur so' könne die inländische Produktion gestärkt werden. Die Verteuerung durch Zölle bewirke das Gegenteil und powere das ganze Volk aus. Es sei ihm, Redner, unbegreiflich, Ivie man das Ausland so begünstigen könne, wie durch dieses Zollsystem, das zur Berschlendernng von Waren an daö ZluSland führe, die sogar noch vom preußischen Handels- minister verteidigt Ivorden sei. Diese volkswirtschaftlichen Aiischaunngen der Rcgicrniig würden die Wähler in andrer Weise zu würdigen wissen als der Handelsminister annehme. Man begünstige das Ausland auf Kosten der eignen Nation, das nenne man: Für das Ausland arbeiten! Vor der verschiedenartig betriebenen Aus- beutung wolle die Socialdemokratie das Volk bewahren, deshalb auch würden die Anträge auf Zollfreiheit gestellt. Die Mehrheit wisse sehr wohl, daß die Erhöhung der Zölle die Warenpreise vcr- teuere, sie gebe also wider besseres Wissen vor, die Produksion stützen und die nationale Arbeit schützen zu wollen. (Der Vorsitzende rügt den Ausdruck: Wider beffercs Wissen.) Geheimrat Lnsensky tritt für die Vorlage ein. Miiller-Sagan meint, die principiellcn Ausführungen ieS Abg. Geher richteten sich wohl unter der Adrcffe der Freisinnigen mehr gegen Bernstein, der vorige Woche ja hier gesagt habe, daß der Konsmnentenstandpnnkt nicht allein vertreten werden dürfe. Die Ausführungen des Vorredners über das Verfahren gegenüber dem Auslande gäben ihm keine Bernulasinng zu Anssetzunge». Stadthagen erklärt, Geyer habe sich nicht gegen die Frei- sinnigen gewendet, sondern gegen die Vorwürfe, die uns wegen der Anträge auf Zollfreiheit gemacht ivurden. Auch Bernstein stehe auf dem Standpunkte, den Geyer hier erörtert habe, nur suche man in der Presse zc. die Benisteinschen Ausführungen umzudeuten. Die Position 818 wird nach der Vorlage angenommen, Position 819 dagegen nach dem Antrage Spahn abgeändert. Die Positionen 822—824 und 831 werden ebenfalls verbunden: Patentachsen, Wagenfedern, Schlitt- und Stollschuhe. Die Socialdemokraten beantragen Zollfreiheit. Gothein beantragt Zollherabsetznngen. Stadthagcn tritt für Zollfreiheit ein und weist ans die auf- fälligen Widersprüche der Motive hin. Auch hier äußere sich die Schädlichkeit der Zölle in markanter Weise. DiePosionen werden sämtlich nach derVorlage a n g e n o m m e n. Die Positionen 827/28 werde» ebenfalls verbunden; 827, Ge- schnittene Näiwl sAufzwickstiste) über 20 Millimeter 12, unter 20 Millimeter lain; 20 M.; 828, Ofenrohre, Büchsen, Kasten, Badewanne», Striegel. Haus- und Küchengeräte, Rolllädcn, Kofferbiiqel, Glocken ic.. voh 6 Bi., bearbeitet 10 M, Gothciu beantragt zu 827— 5 M. und begründet diesen Antrag. Regrerilngsrat Marti» bekämpft diesen Antrag. . Hoch tritt für Zollfreiheit ein. Die Fabrikation von Anfzwick- stiften würde nur von einigen wenigen großen Fabriken betrieben, denen durch Zollerhöhnng die Kartellierung äußerst erleichtert werde, während andrerseits die Verbraucher die Kosten tragen mühten. Miiller-Sagan wendet sich gegen den Negieningsvcrtreter. Die Positionen werden nach der Vorlage angenommen. Verbunden werden die Positionen 829/830, 829, Ketten, roh. zur 51 e t t c n s ch l e p p s ch i f f a h r t 3 M., andre Position 836. feine Schneidwarcn sMesser, Scheren zc.j, Perlen, Schmuckschnallen, Fingerhiite, Korkzieher, Nußknacker, Stahlkugeln, Knöpfe zc„ roh— 15 M., bearbeitet 24 M. Gothein beantragt eine andre Differenzierung, dazu Zollsätze von 6, 8, 10, 15 und 24 M. Die Socialdcmokratc» beantragen Zollfreihcit. Molkcnbnhr: Die Industrie feiner Schneidivaren in Solingen konkurriere mit Sheffield zc.; er bedürfe keines Schutzzolls. Eine Industrie, die gute Löhne zahle, bleibe konkurrenzfähig, das sollten die Industriellen überhaupt beherzigen. Geheimrat Wermnth erklärt, die Solinger Industrie sei mit dem Entwurf einverstanden. Die Position ivird nach der Vorlage an- g e n o m m c n. Verbunden werden 838, Schirmgestelle 24 M., 839, Federn, Blankscheite 20 M., und 840, Schreibfedcrn 90 M. Die Socialdcmokrate» beantragen Zollfreiheit. Gothein beantragt zu 840 60 M. Stadthagen: Die Erportindnstrie dürfe nicht unterbunden werden durch Zölle, wie es thatsächlich bezüglich der Position 839 geschehe. Die Konfektionsindustrie werde be- lastet. Bei Position 840 Schreibfedern, für die der Zoll von 60 auf 90 Mark erhöht Ivird, käme die Einfuhr weit niehr in Betracht, als die Stimmen einiger Interessenten, die Geschenke haben wollen. Drei Viertel des Bedarfs ivird vom Ausland gedeckt, das beweise die Notwendigkeit der Einfuhr. Fast ausschließlich deckt Großbritannien unsren Bedarf: diesem frei- händlcrischcn Lande gegenüber müsse Rücksicht geübt werden; man dürfe sich nicht wunder», wenn solche Zollerhöhnngen die zöllnerische Unvernunft auch in England hervorrufen würde, Deutschland würde unendlich geschädigt, wenn England Gegenschläge belieben tvürde. Lächerlich sei es, wenn Interessenten verlangten, es solle in den Schulen darauf gesehen tvcrden, dah nur Schreib- federn deutschen Fabrikats verwendet würden. Geheimrat v. d. Borght tritt für die Vorlage ein. D i e P o s i t i o n c n werden s ä m t l i ch n a ch d e r V o r- läge a n g e n o m m c n. Schluß 1/i7 Uhr. Nächste Sitzung: Dienstag 9 Uhr. Z» der Kandidatcnfrage in Oberschlesien. In der«Gazeta Robotnieza" vom 2. August findet sich folgende Erklärung: Die Beschlüsse der Konferenz der poliiisch-socialistischen Partei in Oswiccim ani 13. Juli betr. die Anfstellnng der Kandidaten für die nächsten ReichStagsivahlen in acht polnischen obcrschlesischen Wahl- kreisen haben weder den hiesigen deutschen Genossen noch dem Eentralorgan der deutschen Socialdcniokratie gefallen. Ein am 11. Juli zur Verständigung mit dem Partcivorstande nach Berlin gesandter Delegierter erklärte nach der Rückkehr am Freitag. den Ii. Juli,' den hiesigen Genossen, daß Dr. Winter eine Einladung an den Vorstand geschickt habe, dah dieser zur deutschen Konferenz Gäste schicke. Ferner erklärte der Delegierte, dah der Vorstand den Wunsch ausgesprochen habe, Dr, Winter zur Konferenz einzuladen. Wegen der Form, in der Dr. Winter die obige Einladung an den Vorstand geschickt hatte und wegen seines gegnerischen Standpunktes gegen die sociakistische Organisation des polnischen arbeitenden Volkes beschlossen die hiesigen Genossen, den Dr. Winter zur Oswiecinrer Konferenz nicht einzuladen. Um fernere Mihvcrständnisse auszuschliehen, erklären wir, daß Kandidaten der polnisch-socialistischen Partei sindi für Kreuzburg- Rosenberg Genosse Berfns, „ Oppeln'„ Trombalski, „ Gr. Strehlitz-Kosel„ Binischkiewicz, « Lublinitz-Tost-Gleiwitz„ Bcrfus, „ Beuthen-Tnrnowitz„ Broja, „ Kattowitz-Zabrze„ Moralvski, „ Plch-Rybnil„ Broja, „ Ratibor„ Morawski. Ferner erkläre» wir, daß die polnischen Teile des preußischen Gebietes das Arbeitsgebiet der polnisch- socialistische» Partei sind, daß in Kreisen, in denen die polnische Bevölkerung überwiegt, nur die polnisch-socialistische Partei das Recht hat, Kandidaten aufzustellen. Die Pflicht der deutschen Genossen, als der Minderheit in den obigen Kreisen, ist es, bei der praktischen Arbeit vor der Wahl die Kau- d i d a t u r e n der Polen zu u n t e r st ü tz e n und nicht Gegenkandidaten a u f z u st e I l e n. Endlich erklären wir, dah sowohl dem Vorstände als auch den Genossen in Oberschlesien nichts von einer Einladung eines Ver- tretcrs der polnisch-socialistischen Partei zur deutschen Konferenz im August bekannt ist, wovon in einer der letzten Nummern des„Vor- wärts" berichtet wird. Niemand hat eine solche Einladung erhalten. Für die Ceiitral-Agitationskommission in Oberschlesien: Adam Woycicchowski, Sekretär. Die Central-Agitationskommission der polnischen Socialisten hat eigentümliche Anffassnngen von der Art, die Pflichten andrer fest- zusetzen. Welche Pflichten die deutschen Socialdemokraten haben, das kann jedenfalls nicht durch eine einseitige Erklärung der polnischen Socialisten in Oberschlesien bestimmt werden. Im übrigen bestätigt die Erklärung mir die Darlegungen des Genossen Winter, daß er, entgegen den Angaben des Vorstandes der polnisch-socialistischen Partei, nicht zu der Konferenz in Oslviecim eingeladen worden ist. Auf die Absicht einer Ver- ständignng läßt das nicht gerade schließen. Die für die Nichteinladung Winters angegebenen Gründe sind ganz hinfällig. Die Form der Einladung, die Winter an den Vorstand der polnisch-socialistischen Partei gerichtet hat, hat bei diesem keinen Anstotz erregt; was aus der Thntsache hervorgeht, dah dieser die Znzichnng Winters zur Oswiecimer Konferenz gewünscht hat. Die angebliche Gegnerschaft Winters gegen die„socialistische Organisation des polnischen arbeitenden Volkes" dürfte sich darauf reduzieren, daß Winter die Wahrung der Interessen des arbeitenden Volkes, gleichviel ob polnischer oder deutscher Nationalität, vor allen Dingen in der einheitlichen Organisierung desselben sieht, Die Kandidatenliste der polniseben Socialisten ist übrigen schon wieder revidiert. Wahrscheinlich infolge der Erklärung Winters, daß seine Aufstellung durch eine Konferenz über die 51öpfe der organi- sicrten Genossen des Kreises hinweg hinfällig sei, ist Berfns an seine Stelle gesetzt worden. Ob sie'nun endgültig ist, muh abgewartet werden. Bekanntlich hat der Vorstand der polnisch- socialistischcn Partei in Nummer 168 des„Vorwärts" erklärt, dah die Mitglieder dieses Vorstandes die ihnen angebotenen Kandidaturen abgelehnt hätten. Sollte Berfns sich so schnell anders besonnen haben?' Schlichlich sei bemerkt, dah, wie Genosse Winter uns mitteilt. es Schuld des zur deutschen Konferenz cingeladencn Genossen Merkowski ist, wenn ivcder dem Vorstände der polnisch-socialistischen Partei noch deren Mitgliedern in Oberschlesien etwas von der Ein- lndnng Merkowskis zur Konferenz inisrcr Parteigenossen in Oberschlesien bekannt ist. Uebrigens ist auch diescin Uebcl bereits ab- geholfen.'_ Sie wollen ihn nicht habe». Genosse Hacnisch in Dortmund hatte vor mehreren Tagen von der Staatsanwaltschaft die Auf- fordernng erhalten, sich zur Verbühnng einer Strafe von 8 Monaten Dienstag, den 29. Juli, im Gefängnis zu Münster einzustellen, Wenige Stunden vor der Abreise erhielt er durch besonderen Boten der Staatsanwaltschaft eine neue Zuschrift des Inhalts: Ihre Gefängnisstrafe wollen Sie vorläufig nicht antreten, da sie voraussichtlich nicht in Münster— wie mitgeteilt war—, sondern in Herford verbüßt werden wird. Die Entscheidiing hierüber steht noch ans. Sie werden binnen kurzem weitere Benachrichtigung erhalten. Genosse Haenisch will aber nun seine Strafe antreten; ganz abgesehen davon, dah es kein Vergnügen ist. sich ziveimnl auf den Antritt einer solchen Strafe vorzubereiten, hat Haenisch ein persön- liches Interesse daran, spätestens Ende März nächsten Jahres wieder in Freiheit zu sein. Er ist deshalb persönlich bei der Staatsanwalt- schaft gewesen, doch dort erklärte man ihm, nichts thun zu können; es finde darüber vorläufig noch ein Schriftwechsel zwischen der Ober« staatsanwallschaft in Hamm, den Regiernngen in Münden und Münster und den betreffenden Gefängnisvcrivaltnngcn statt._ Ist denn Haenisch ein so bedenklicher Gefangener, dah keines der Gesängnisse ihn haben will? Daö internatiouale socialistische Burea» veröffentlicht in französischer Sprache eine Zusammenstellung der Tagesordnungen und der Beschlüsse der internationalen Kongresse in Paris 1889, Brüssel 1391, Zürich 1893, London 1896 und Paris 1900. Die Broschüre ist gedruckt in dcr.Vokksdrnckerci in Gent. Der Streik der galizischen Landarbeiter. Die Regierung gegen die Bauer». -st- Wien, 3. August. Die Schlachzizen waren nicht ver- geblich bei Herrn v, Koerber. Vorige Woche weilte in Wien eine Deputation galizischer„Edclleute", die gekommen war, um von dem Ministerpräsidenten Gcwaltmahregcln gegen die aufrührerischen Bauern zu erwirken. Einem Wunsche solcher Herren, den wahren Herren Oestrcichs. konnte Herr v. Koerber natürlich nicht wider- stehen, und so hat er dem galizischen Statthalter, dem Schlachzizen Grafen P i n i n s k i— beiläufig bemerkt dem Musterexemplar eines faulen, nichtsthuerischen Dilettanten, dein das Arrangement ästhetischer Thec- Abende mehr Sorge bereitet, als der ganze Feldarbciterstreik— die Ermächtigung erteilt, den Bauern mit Feuer und Schtvert zu drohen. In jeder Gemeinde des ungeheuren Streikgebietcs wird es heute zu lesen sein, dah weitere Gewaltthätigkeiten der Bauern„die B e r h ä n g u n g strenger, außerordentlicher Mahregeln zur Folge haben würden". Nun ist es wahr, daß der östrcichischcn Regierung viele Gcwaltmahregeln zur Verfügung stehen, aber sie alle sind dieser Bewegung gegenüber macht- und wirkungslos. Mittels des Ge- sctzcs über den Ausnahmezustand kann die Regierung alle staatsbürgerlichen Rechte und Freiheiten suspendieren. Aber was verschlägt's den Bauern, dah ihnen die Prehfreiheit, die Vereins- freiheit„genommen" wird? Sie haben weder Zeitungen noch Vereine. Und was die arme Versammlungsfreiheit betrifft, so hat sie in Galizien für die Bauern ohnedies nie existiert, und jetzt jagt der Gendarm die Streikenden auch ohne„Ermächtigung" auseinander. Oder die Sicherheit der Person? Man verhaftet in Galizien jetzt jeden, der unbequem ist oder nur im Verdachte steht, den Bauern zu helfen; ganz trocken meldet cS das amtliche Telegraphenbureau Tag für Tag. so und so viele„Agita- loren" sind dort und dort verhaftet worden— als ob Agitiere» eine vom �.Strafgesetz verbotene Thätigkeit wäre.... Herr v. Koerber kann freilich auch das Standrecht verkünden lassen, er kann in jedes Dorf den Scharfrichter schicken, aber da alle Dörfer voll von Gen- darmen und Soldaten stecken, die ohne die geringste Nottvendigkcit auch jeden Tag schießen, so ist der Galgen wirklich eine Ueberflüssigkcit. Ausnahmemahregeln für Galizien! Das Land ist in ein Heer- lager verlvandelt, für die Verhafteten sind eigne Gerichte bestellt, die wie im Mittelalter von Ort zu Ort ziehen und„Recht sprechen" im Auftrage der Schlachzizen; und da hat der aewissenlose Ministerpräsident die Verwegenheit, mit.außer- ordentlichen Maßregeln" zu drohen k Wieder einmal offenbart sich die unsäglich erbitternde und beschämende Thatsache, daß die galizischc Schlachta, dieser Haufe von Schmarotzern, die die Bauen, ausbeuten und verelenden lassen, um in den Spielhöllen Europas als Graiidseigiieurs» auftreten zu können, bah dieses adlige Gelichter über den Staat verfügt und alle Gewalten der Verwaltung zu seinem Vorteil dienstbereit findet. Was Herr v. Koerber da gethan, ist eine Schande für ihn— würdig der Schüsse in Trieft und in Lemberg, mit denen er seine erleuchtete StantLknnst schon früher bewiesen. Die Drohungen der Regierung haben keinen andren Zweck, als die Bauern von der Fortsetzung des Streiks abzuschrecken. Die Einschüchterung wird mit den pliimpesten Mitteln betrieben, und wenn sich die Grundbesitzer bcschlveren, dah die„Agitatoren" den Sinn der Bauern mit Märchen bethören, so treibt es der Ober- Schlachziz von Galizien nicht besser. Mit unverkennbarer Tendenz wird in dem Einschüchterungs-Schriftstück von Herrn v. Koerber als von dem Präsidenten des Ministeriums„Seiner k. und k. Majestät" gesprochen: die Bauern, die nicht so sorgfältig zu unterscheiden pflegen, sollen zu der Meinung verführt werden, der- jenige, der sie verwarnen und ermahncn lasse, seider Kaiser selbst. Was ficht die ruthenischen Bauern die Suspension der staats- grnndgesetzlichen Freiheiten an? Aber er mnh erschrecken, wenn er von der„Verhängung strenger, in den Gesetzen begründeter, außer« ordentlicher Maßregeln" liest; in seiner Einfalt liest er das als An- kiindigung. daß jeder, der sich der Arbeit iveigert, zu mindest ein- gesperrt werden wird. Auf diese Einfalt spekuliert der Erlaß; seine Absicht ist, die hungernden Bauern zurück ins Elend zu jagen. Auf diesen Hungerstreik, der den unermeßlichen Jammer eines ganzen Volkes ans Tageslicht bringt, hat die Regierung Koerber keine andre Antwort als, daß kein Gesetz bestehe, das die Bauern vor Ausbeutung schütze I Eine plninpe Erdichtung, voll- kommen falsch und nur zur Bethörung ersonnen nennt die Kund- machung des Statthalters den aus der Verzweiflung entstammenden Glauben der Bauern, daß es ein Gesetz giebt, das die Höhe der Löhne für Feldarbciter normiert! Nein, so ein Gesetz be- steht wirklich nicht in Oestreich, die Schlachta kann dem Bauern den letzten Blutstropfen auspressen, und wenn sich die Bauern zusammenrotten, um gegen die Schlange ihrer Qualen das Gesetz ihrer Krafb zu stellen, so zersprengt sie der gerechte Staat, hetzt die Soldaten wider sie und öffnet weit die Thore der Gefängnisse. Das ist Kultur in Galizien und das ist Recht in Oestreich! Es ist schwer, dem begriffstutzigen Europa klar zu machen, was für ein Staat dieses Oestreich und welches Land dieses Galizien ist, dessen Beherrscher sich anmaßen, über das Unrecht der andren Staaten zu Gericht zu sitzen. Aber die galizische Schlachta sorgt mit ihren Thaten dazu, daß Europa diese Klarheit gewinne. Der Landarbeiterstreik i» Galizien. lieber den Umfang des Streiks liegen folgende Nachrichten vor: Es wird jetzt bereits in 21 Bezirken gestreikt, Im Bezirk Brzezany breitet sich der Streik noch immer aus. Der Streik ergreift nun auch den Bezirk Kolomea. Die Bauern verlangen daselbst die zehnte Garbe, also so viel, als in andren Bezirken bisher schon gezahlt wurde. Jetzt erhalte» sie die 14. bis 15. Garbe. Als der Streik ausgebrochen war, kamen sofort Gendarmen aus Kolomea. In Korszow wurde ein Bauer verhaftet, weil er die Banem von Laski vom Beginn des Streiks verständigte. Auch aus dem Lcmberger Bezirk werden einige neue Streiks gemeldet. Im ganzen Gerichtsbezirk Gliniany tvürden alle Streiks mit dem Siege der Streikenden be- endet. Die Gendarnien verhinderten hier die Versammlungen, in denen das Resultat der Verhandlrngen mit den Herrschaften mitgeteilt werden sollte. Im Bezirk Czortkow steht die Arbeit in allen Gemeinden mit Ausnahme der lvenigcn Gcmeiden, in denen die Forderungen der Bauern bewilligt wurden. Auf den Gütern des Abgeordneten Arthur Ciclecki in Hadynkowce, und des Abgeordneten Stmiislans Rndrow in Szwnjkowce streikt auch das ganze Hof- gesinde. AuS Tarnopol wird berichtet: Seit mehreren Tage kommen mit jedem Zuge Mazuren und Huzulen hier an. die entweder mit den Lokalbahnen weiterfahren oder in Wagen in die Gemeinden des Tarnopolcr Bezirkes verschickt werden.' In die südlich gelegenen Orte werden die Arbeiter auf andern Routen befördert. Die Zahl der fremden Arbeiter soll sich bereits auf taufende belaufen. »* Wir haben schon öfter auf die tcndenziöfe Berichterstattung hin- gewiesen, welche die Telegraphenbureaus über den Landarbeiterstreik verbreiten. Allen voran steht in dieser Hinsicht das offizielle östreichische„Korrespondenz- Bureau", das den meisten bürgerlichen Blattern als Nachrichtenquelle über den Streik dient. Wie un- verschämt das„Korrespondenz- Bureau" seine Fälschungen betreibt, um die öffentliche Meinung irre zu führen, das zeigt ein Vergleich der von diesem„Korrespondenz- Bureau" über das Telegramm der ruthenischen Abgeordneten an den Miiiisterpräsidenten verbreiteten Mitteilung mit dem Wortlaut dieses Telegramms. Dieses ist in dem Bericht unsres Krakauer Korrespondenten in der SonntagSnnnimer enthalten, während wir in der Soiinabendnnmmer von der denselben Gegenstand betreffenden Nachricht des „Korrespondenz-Bureans" Notiz genommen haben. Die Meldung des „Korrcfpondenz-Vurcans" erweckt den Anschein, als forderten die Abgeordneten die Entsendnng von Beamten mit außerordentlichen Vollmachten gegen die' Streikenden, weil diese sich Ansschrcitinigen zu Schulden kommen liehen. Die Nachricht besagt also gerade das Gegenteil von dem, was in dem Telegramm der Abgeordneten klar zum Ausdruck kommt. Die' Abgeordneten wünschen eine Belehrung der Behörden und Beamten dahin, dah diese sich aller Provokationen und einseitiger Interventionen zu Gunsten der polnischen Groß- grundbesitzer zu enthalten haben, und die mit außerordentlichen Vollmachten in das Streikgebiet zu sendenden Beamten sollen kon- trollieren, ob die oben gewünschten Anordnungen auch ausgeführt werden. Das ist also eine Maßnahme zu Gunsten der Streikenden, die das„Korrespondenz-Bureau" in das Gegenteil verkehrt hat. Weiter kann die Verlogenheit kaum getrieben werden. Ans Fndnflvio nnd Handel. Eisenbahliniinistcr Budde hat der„K. Z." zufolge zur Unter« stützniig des Eisenerzbergbaues an der Lahn, Dill und Sieg sotvie im Bezirksamt Brilon eine weitere Ermäßigung der Eisenerzfrachte» für Transporte nach der Ruhr, Saar, nach Lothringen. Luxemburg und dem Aachener Bezirk eintreten lassen, welche 2V2 M. für je 100 Kilometer Entfernung betragen. Gegen die Standard Ott Company hat sich vor einiger Zeit in Stettin ein kanfmäiniischer Provinzialverband gebildet, dessen besonderer Zweck es ist, die Bestrebungen der Standard Oil Co. zu bekämpfen, die darauf gerichtet sind, unter Umgehung des Detail- Handels größeren Petroleumverbraucherern, z, B, Fabrikbesitzern, Landwirten ec,, direkt ans den Petroleum-Niederlagen der Gesell- schaft Petroleum von gewissen Mengen an zu liefern. Nach der „Ostsee-Zeitnng" hat dieser Verband jetzt an den Eiscnbahndirektor in Stettin eine Eingabe gerichtet, die sich gegen die Herstellung von Pctrolenmtanks auf dein Gelände der preußischen Staats- bahn durch die Deutsch-Amerikanische Petroleningesellschaft wendet. „Die pommerschen Kolonialwarenhändler," heißt es in dieser Ein- gäbe,„mit. ihren Kollegen im Reiche, denen zur Zeit gar keineMittcl zur Verfügung stehen, diesem neuen Angriff auf ein bisher von ihnen unbestritten beackertes Absatzgebiet zu begegnen, sehen in dem Vor- gehen der genannten Petroleumgesellschaft den ersten Schritt, die iioih vorhandenen wenigen Petrolenmgescllschaften von den dentschen mrUtn z» verdrängen, um nnch erzieltem Erfolge und niit der (gleichzeitigen Vernichtung des ZwischenhundelS den Konsumenten um o sicherer den Petrolennipreis vorschreiben zu lüiiiie».* ES ist begreiflich, dos} den pommerschen Koloninltvarenhändler» onS Vorgehen der amerikanischen Standard Oil Co. nicht paßt, deren Plan eS ist, an den gröberen Bahnstationen Petroleumtanks anzulegen und von diesen aus selbst durch Tankwagen den Vertrieb an die größeren Konsumenten zu übernehmen. Eine andre Frage aber ist e§. ob eine solche Einrichtung nicht im Interesse vieler Konsumentenkreise liegt. Allerdings ivird der Nutzen, der an« dieser llmgchuiig des Detailhandels entspringt, sicherlich auf die Daner nicht den Konsumenten, sondern, sobald die Neueinrichtung sich bewährt, der amerikanischen Petrolenm-Gesellschast zufallen! doch ist ohnehin ziemlich sicher, datz. nachdem jetzt das lange geplante Kartell zwischen den vier größten Petrolenm-Gesellschafte» der Welt zu stände� gekommen ist, der Pctrolcumpreis bald erhöht werden wird. Die Ueberlassnng des Kleinverkaufs an die Kolonialivaren- bändler in bisheriger Weise vermag daran nichts zu ändern; im Gegenteil es ist nichr als wahrscheinlich, daß zu dem Aufschlag der Staudard Oil Co. dann noch ein er- höht« Aufschlag der Kleinhändler hinzutreten würde. So wie der Provinzialverband bisher die Agitation geführt hat, kommt diese vorwiegend der russischen Nobel-Gescllschaft und den Rothschildschen Naphtawerken zu gute. Zu einer Begünstigung dieser Konkurrenten der Standard Oil Co. liegt aber nicht die geringste Veranlassung vor. Sie verfolgen genau dieselben Monopolbestrebungc», wie die amerikanische Gesellschaft, und das zu stände gekommene Kartell ist in erster Reihe ihren Bemühungen z» danken. Goldexport der Vereinigten Staate» von Amerika. Die Goldausfuhr aus dem Gebiet der nordamcrikanischen Union hat in der vergangenen Woche eine größere Ausdehnung erreicht, als all- gemein angenommen worden ist. Sie bclief sich ans 4S42bo8 Dollar, wovon 4 875 000 Dollar nach Europa gingen. Die Silber onsfnhr betrug 692 823 Dollar. Davon gingen 690845 Dollar nach London. Kolileuproduktlo» der Vereinigte» Staaten. Nach den beim Vergamt(Geological Survcy) in Washington eingegangenen Br richten über 97 Proz. der amerikanischen Kohlengruben betrug die Kohlengewinnung der Vereinigte» Staaten von Amerika im vorigen Jahre 292 240 758 Shorttons(1 Shortton l— 2000 Pfund oder 907,18 Kilogramm) im Werte von 348 313 831 Dollar gegen 269 881 827 Shorttons inr Werte von 306 891 364 Dollar im Jahre 1900. Es hat demnach eine Steigerung der gesainten Kohlenpro- dnklion iin Gebiete der Union der Menge nach um 22 358 931 Shorttons oder 8,28 Proz. und dem Werte nach um 41 922 467 Dollar oder 13.64 Proz. gegen das Borjahr stattgefunden. Auflenhaudel Kanadas im NcchnnngSjahr 1901/02. In dem mit dem 30. Juni 1902 abgelaufenen Fiskaljahr 1901/02 stellte sich der Wert der Einfuhr Kanadas auf 40 558 000 Pfd. Stcrl., das ist 4 200 000 Pfd. Sterl. mehr als im vorhergehende» Jahre, die Ausfuhr bewertete sich auf 42 345 000 Pfd. Sterl. oder rund 3 Will. Pfd. Stcrl. höher als im Fiskaljahr 1900/01. Gemevk sjszsifkl Verlin und Umgegend. Der Streit ans den NileSwerken in Ober-Schönclveide hat eine eigentümliche Wendung genommen. Nachdem seitens der Firma alles versucht war, um die streikenden Kollegen zu unter drücken, gesteht die Direktion mit ihrer neuesten Maßnahme ein, daß sie von den streikenden'Kollegen matt gesetzt ist. Alle unsre Vcr öffentlichuiigeii. wonach die Firma mit den Streikbrechern nichts an- fangen kann, sind zutreffend geivesen. Wohl hatten sich ca. 20 Mann gefunden, die auf dem Werk schliefen und sorgsam vor jeder Be- rührung mit der Außenivelt und den Schlossern, Formern usw., die noch auf dem Werk arbeiteten, gehütet wurde». Aber diese 20 Mann waren alles andre, nur kein Ersatz für die streikenden Dreher. Km Sonnabendabend nun hat dies auch die Firma eingestanden, Indem nämlich den circa 300 Mann, die außer den Drehern»och auf den, Werk arbeiteten, erklärt lv u r d e, sie müßte» a u f u» b e st i m in t e Zeit aussetzen. Wer hat die Verantwortung dafür zu tragen, daß der Streik der 51 Dreher derartige Dimensionen angenommen hat? Für jeden, der objektiv urteilt, kann eS gar keinen Zweifel gebe», daß es die Kühnemänner sind, die die volle Verantwortung hierfür zu über- nehmen haben. Die Forderungen der Arbeiter waren keine unbilligen. Bei den höchsten Ansprüchen, die an die Leistungsfähigkeit der Arbeiter gestellt wurden, verlangten diese einen garantierten Stundenverdienst von 50 Pf. Eine gewiß nicht unbescheidene Forderung. Die Direktion konnte das von vornherein zugestehen. DaS wird bewiesen dadurch, daß den Streikbrechern 50 und 60 Pf. gegeben werden und dazu frei schlafen und essen. 40 Pf. hatte DirektorHeß derKommission versprochen, bevor die Sache dem Niiternehmer-Dcrband gemeldet war. Nachdem daS letztere geschehen, ivar ja für den Direktor jedes iveltere Zu- geständnis uuniöglich. Direktor Heß erklärte einer später vorstellig werdenden Kommission, er habe sich für das ZngeftäudniS von 40 Pf. bereits eine Rüge des Untern eh mer-VerbandeS zugezogen. Nicht etwa, weil 40 Pf. zuviel sind, sondern weil der Direktor überhaupt etivaS zugestanden hat. Hier kommt wieder der krasse unversöhnliche Standpunkt der Kühnemänner zum Ausdruck, wonach es Zugeständnisse an die Arbeiter überhaupt nicht giebt, hauptsächlich dann nicht, wenn die Arbeiter gemeinsam etwas fordern. Die Arbeiter haben sich inil dem zufrieden zu gebe», was ihnen seitens der Unternehmer gnädigst gegeben wird. Die Frag«, ob die Forderungen der Arbeiter berechtigt sind oder nicht. scheidet vollständig ans. Di« Folgen dieses verbohrten und protzen- haften Verhaltens sind, daß jetzt das ganze Werk in Ober- schöne lveide stille steht. Uns kann nian nicht verantwortlich machen für die Folgen. Wir werden selbstverständlich auch unter der veränderten Situation fortfahren und alles daran setzen, daß dieser Streik zu Gunsten der Arbeiter beendet ivird. Hierbei erivarten wir, so lvie bisher, auch fernerhin die Mit- arbeit aller Metallarbeiter. Deutscher Metallarbeiter-Verband, OrtSverwaltrnig Berlin. Die GinigungSverhaudlniigen zwischen de» streikende» Glektroinontenreu und der Firma Hardege» fanden an, Montag vor dem Gewerbegericht ihren Abschluß. Eine Einigung wurde nicht erzielt. ES handelt sich bekanntlich um die von den Arbeiter» geforderte Sicherstellnng einer ständige» Vergütung von Fahrgeldern und Wegzeiten, wie sie bei andren Firmen schon längst gezahlt werben, die aber von der Firma Hardegen trotz vor- heriger schriftlicher Anerkennung«igen», ächtig wieder in Kbziig gebracht worden sind. Ferner dringe» die Monteure auf Abschaffung von Arbeiten gegen Pauschalrntschädignng. Ingenieur Wöhlerl bekundet als Sachverständiger, daß bei der Firma Siemen« u. Halske nicht in Accord, geschweige denn gegen Pauschal- entschädtgung, sondern nur in Stundenlohn gearbeitet»verde, mich »verde» Fahrgeld»md Wegzeiten vergütet. Herr ZopPke. der ebenfall« als Sachverständiger fungiert, fiihrt dagegen an: Firmen, die auf Schivachstrom arbeiten, könnten da« Accordsysten, nicht entbehren; seine Firma vergüte den Stundenlöhnern allerding« die Wegzeiten und Fahrgelder. den Accord- orbeiiern«der imr Fahrgeld, wenn sie«ußerhalb Berlin« beschäftigt seien. Herr Hardegen stellt die Sache so dar, alS könne er die Forderung deshalb nicht bewilligen, weil dadurch seiner Firma zu große Unkosten erwachsen und diese infolgedessen nicht konkurrenzfähig bleiben würde. ' Nach reichlich vierstündiger Verhandlung erklärte der Vorsitzende, e§ sei zu seinem lebhaften Bedauern zu keiner Einigung gekommen, das EinignngSamt habe deshalb einen Schiedsspruch fällen müssen. Der Spruch lehnt sich in, wesentlichen an die Ausführungen des Ncgicrungs-Banmcisters Z o p p k e an, soweit sich diese auf die Vergütung von Fahrgeld und Wegzeiten beziehen, und erklärt die Vergebung von Pan schalarbeiten als unzulässig. Zur Schlichtung von Differenzen wird die Ein- setzung einer Schlicht,», gstoinniiisio» empfohlen, die aus je zwei Vertreten» der Arbeiter und des Arbeitgebers und einem»nparieiische» Obmann, der eventuell vom Vorsitzenden des Gewcrbegerichts ernannt wird, zu bestehen hat. Beide Parteien haben binnen acht Tagen eine Erklärung abzugeben, ob sie sich diesem Spruch fügen wollen oder nicht. Der Streik der Dachdecker neigt sich innner mehr zu Gunsten der Gesellen. Der Beschluß der vorige» öffentlichen Versammlung, überall, Ivo der Lohn von 65 Pf. pro Stunde vom Freitag, den 1. August, ab nicht gezahlt wird, die Arbeit niederzulegen, wnrde bei der Firma W. Nenmeister(J»h. Rödel) und mich noch bei andern Finne» ausgeführt.— Bei der Finna Neumeistcr legten 56, bei den ander» kleinen Finnen 37, insgesamt 93 Dachdecker die Arbeit nieder.— Von diesen hat ein Teil zu neuen Bedingungen die Arbeit wieder anfgenommen, einige sind abgereist, so daß sich nur noch 66 Kollegen im Ausstand befinden. Lohnkommiision der Berliner Dachdecker. Der Vertraneniman» der A S p h a l t e u r e teilt u»S mit. daß 25 Arbeiter dieses Berufes bei der Firma Nenmeister am Montag die Arbeit niedergelegt haben, nin den streikenden Dachdeckern nicht in den Rücken zu falle». Die ASphnltcure forder» eine Erhöhung ihres Stundenlohnes von 35 auf 40 Pf., der Geschäftsinhaber wollte aber erst vom 1. Oktober ab 37'/? Pf. zahlen, womit die Arbeiter nicht einverstanden sind. Achtung Klempner! Es werden von, Unternehmcrnachtveis Klempner nach Hamburg gesucht. Bekam, ilich sind dort die Klempner durch Beschluß der Jnnnng ausgesperrt. Wir ersuchen die Kollegen dringend, kein Arbeitsangebot nach Hamburg anzu- „eh in e n. DeS weiteren ersuchen wir alle Metallarbeiter, bevor sie irgend welche Arbeitsangebole»ach außerhalb annehmen, immer erst nach nnsrem Bnrean zu komme». Es ist daS notwendig. weil in einer ganzen Anzahl von Siädten Differenzen bestehen. Deutscher Metallarbeiter-Verband OrtSverwaltmig Berlin. Lohntnrif der Maler. I» der Mitteilung, die wir in der Sornitagmninncr an dieser Stelle brachten, hat der Drnckfehlertenfel .diejenigen Malergchilfen" i»„die jungen Malcrgehilsen" verwandelt und dadurch zu Irrtümer» Veranlaffnng gegeben. Um solche zu vermeiden, wiederholen nur die Lohnsätze des Tarifs: Vom 1. Oktober d. I. a» erhalte» alle Malergehilscn. die länger als zwei Jahre ihre Lehrzeit hinter sich haben, eincii Mindest stundenlohi, von 53 Pf., und vom I.April nächsten JahreS ab 55 Pf Malergehilfen, tvclchc noch in den beiden ersten Jahren nach voll endet« Lehrzeit stekic», soivie die Anstreicher erhallen vom 1. Ollober an 48 Pf., von» 1. April ab 50 Pf. Tie Firma Siegfried Lacks vormals Max Findrisen Nach folger. HolzbearbeitungS-»nd Kistenfabrit, Stralaucrstr. 58. ersucht uns unter Berufung auf da« Preßgcsctz INN Abdruck des Folgenden: »In der SonntagSansgabe Ihres geschätzten Blattes bringen Sie im rcdaklioncllen Teil unter.Achtung Kisiemnachcr, mit.die Lohn- Kommission" lnUcrzcichiict. die den Thatsachcn nicht cntjprechcndc Notiz, daß in meiner Fabrik Differenzen zwischen de» Arbeitern und mir ausgebrochen jcien Dies beruht auf Unwahrheit, ich habe lediglich vier Arbeiter entlaffcn, weil sie gegen die Arbeitsordnung, und zwar gegen 8 6 derselben dadurch verstoßen haben, daß sie ohne mein Vorlvisse» die Fabrik ohne Entschnldignng einfach lvährcnd der Arbeitszeit ver- lassen haben." In Vorstehendem bestätigt die Firma, daß in ihrem Betriebe etwas vorgegniigei, ist, ivaS die Lohnkommissio» der Kistemnacher zu ihrer Warnung vor Zuzug nach der genannten Fabrik veranlaßt hat. Ob man das als Differenzen bezeichnen will, darüber werden natürlich die Ansichten des Fabrikanten von denen der Lohnkonimission abweichen. De» beteiligten Arbeiter» ivird eS nicht schwer sallen, selber zu entscheiden, ob die Warnung der Lohnkommiision hinfällig geworden ist. nachdem die Firma die Ursachen derselben bekannt gc gebe» hat. Der Meurrrstrcik i» Potsdam ist beendet. ES gelang den Sireilenden nicht, ihre Forderungen durchzusetzen, sie haben die Geltendmachung derselben auf eine gelegenere Zeil verschoben. Die Unternehmer fühle» sich so sehr al« Herren der Situation, daß sie nur solche Maurer einstellen wollen, die a u S dem Verband austreten. Natürlich findet dies brntale Verlange» fast keine Beachtung. Das einfache Machtgebot der Unternehmer genügt aber nicht, un, die Arbeiter zum treulosen Verrat an ihrer Organisation zu veranlassen, und da die Herren ihre Bauten nicht selber fertig stelle» könne», so bleibt ihnen nichts übrig, als schließlich, ivenn auch mit saure», Gesicht, die Organisierten cinziisteNen. Die auswärtigen Maurer werden ersucht, Potsdam zu meiden, denn bis jetzt sind die Verhältnisse noch nicht geregelt. Deutsches Reich. HcizuiigSmontcure. Die Firma G e br ü d c r Körting in a n» o v e r will bei den Kccordpreisen für Heizungsaiilagen 50 Proz. abziehen. Wir ersuchen alle HeizniiaSmoiitenrc. die Filialen dieser.Wellfirma" streng zu uieiden und besonders den Zuzug nach Hannover fern zu halten. Deutscher Metallarbeiter-Verband Vcrlvaltuiig Hannover. Auf der Suche»ach Arbeitswillige» befinden sich die ii b e n e r M a n r e r m c i st c r. Sie haben ihre Agenten nach Böhmen gesandt und lassen daselbst alles aniverbeii, was sie an Streikbrechern bekommen können. Groß war die Ausbeute bis jetzt nicht. AnS der Gegend von Reichenberg in Bobinen sind 20 Arbeitswillige nach Guben gekommen, von denen 7 schon wieder abgereist sind. Während die Gubener Maurermeister ihre» bewährten Arbeitskräften nicht mehr als 35 Pf. Stiindenlohii zahlen wollen, bieten sie den Streikbrechern, ohne deren Leistimacn zu kennen, 40—46 Pf.— Von den 841 Streikenden befinden sich mir noch 163 in Gilben, die übrigen sind abgereist. Die Adresseuschrelber t» Hamburg beabsichtigen,«ine Orga- nisatio» für diese» Berns zu gründen. Sie haben deshalb im.Hani- bnrger Echo" eine» Kufruf erlasien, ivorin die schon öfter geschilderte» Mißstände im Berns der Kdrcssenschreiber beleuchtet iverdc». Die Zahl derer, die in Hamburg ihren Eriverb durch Adressenschrcibc» uchen, wird auf 400 bis 500 geschätzt. Ausland. Den Bergleuten deS LairegebieteS war durch de» Schieds- pruch JmirSS»nd deS UnternehiuerS Gcniier. welcher den Streik von 1900 beendete, eine Prämie zugesichert. Die Bcrgwerks-Gesell- chaften des ganze» LoiregebieteS haben jetzt angekündiat. daß die Prämien mit dem 16. August aufgehoben seien! ihr Beschluß stützt ich auf die niedrigen Kohlenpreise. In de» nächsten Tagen iverden die Bergleute hierzu Stellinig nehmen,»nd es ist nicht aus- zeschloffen, daß eS zu einer Bewegung gegen diese Lohnherabsetziing ömmt. 400 Zündhslzarbetter in Beuersborg in Schweden haben die Arbeit eingestellt, weil die Löhne um 10 Proz. herabgesetzt und die Arbeitszeit verlängert werden sollte. Drangsalkernng der proletarischen Frauenbewegung in Oestreich. Man schreibt Nils: Mit vieler Mühe imd Ueberwindnng vieler Schwierigkeiten ist es gelungen, eine Fachorganisalioii der Tabakarbeitcrinnen zu stände z» bringen. Um raschere Erfolge für die Arbeiterinnen zu erziele» und um de», Unternehmer Staat(die Tabakindustrie ist m Oestreich Staatsmonopol) mächtiger gegenüber- treten zu können, hat die zu Pfingsten dieses Jahres statlgcfundeiie Reichskonferenz der Tabakarbeiterinnen beschlossen, einen Reichs- verein zu gründen.' Die Vorarbeiten wurde» gemacht, die Statnien eingereicht, von der niederöstreichischen Staathalterei aber— nicht genehmigt. Die Bestimmungen Über das Uiiterstützungsiveseii sind der löblichen Behörde nicht klar. Das ist das iieneste Motiv für die Ziirnckwcisuiig gewerkschaftlicher Statuten in Oestreieb, womit man meint, die Ärbeiterbeivegmig hindern, den Klassenkainpf ans- halten zu können. Die Arbeiterinnen werden selbsiversländlich nicht zurückweichen sondern alle zu Gebote stchcnden Rechts, niUcl ergreifen. Aus dev Fv«tt*nbeniig dem Haiidelsininister von eincni jeden dcrarligcu Statut ein Exemplar vor- gelegt iverden. Dies ist aber nur„ganz vereinzelt" geschehen. Trotz- dem mag die preußische Regierung nicht glauben, daß so wenig Koinuniiialverlvaltliiigen von jener, ihnen i», Jntereffe einer ernst« haften Durchführung der gesetzlichen Sonntagsruhe erteilten Be« fiignis Gebrauch geniucht habe». ES iverden daher die RegierungS- präsideiilc» iioäi einmal ausdrücklich beauftragt, bis zum 1. Dezember die i» den 10 Jahren erlasse»?» derartigen Statiite» der Re- gicnnig mitzuteilen und dabei z» berichten, ob der Erlaß solcher Stalntcii auch noch für andre Gcmeiiideu usiv. in absehbarer Zeit zu erivarten ist. Für Spinnereien besieht seit dem Jahre 1393 die Be« güiistigung, daß sie die. für jugendliche Arbeiter vorgeschriebene Nachniittagspause am Soniiabend soivie am Vorabend der Fest- tage niiter gewissen Bedingungen nicht eiiiznhalte» brauchen. Diese Begünstigung gilt bis zuin 1, Januar 1904. DaS preußische Handels- ministcrin», will sich jetzt an die Aufgabe machen, zu prüfen, ob de» Spiinicrcien diese Begünstigung über de» vorgeschoncn Endterinin hiiians geivährt iverden soll. Nun loinite aber bereits bei den im Jahre 1893 aiigcstcllten Erhebungen ein„allgemeines zivingendes Bedürfnis" für de» Erlaß der AuSnahmevorschrifteii nicht aiierkainit werden. Aus diesem Grunde erwartet der HaiidclSmiiiister, daß »innnehr.»ach dem Ablauf von nahezu weitere» 10 Jahren, mich die Spiiinerei-Jndustrie mit den bestehenden gesetzlichen Vorschriften anSkoinmt. Falls daher nicht zwingende Gründe für jene Begüiistiglnig nachgewiesen iverden. ivird die Enicuerinig der Beguiistigiing„nicht in Aussicht zu nehmen sein", zumal auch ohnedies die höheren Vcr- ivaltinigSbeböide» de» etwaigen Bedürfnissen eiiizeliier Betriebe Rechmiug tragen könne». Die RegiernugSpräsideiilen sollen daher binnen vier Monaten nach Anhörimg der Gciverbe-Aiissichtsbcamtcn darüber beiichteii, ob in ihrem VerivaltimgSbezirk besondere Um- siniide hervorgeireten sind, welche die weitere Gewährung jener Be- güiistignng dringend geboten erscheiiici, lasse».— Bei den Erörteniiigeii über die Ausdehnung der gesetzlichen Arbeilerschutz-Beslinmiiingen für Fabriken auf die Werkstätten mit Motorbctrieb ist angeregt worden, daß die Bestiinniung über die Beschäftigung von Arbeiterinnen und jugcnd- l i ch e n Arbeitern in G» ni in i w a r e n- F a b r i k e n auch für die der Anfertiginia von Gummiwaren dienenden Motor« werkstatle» zur Geltung gebracht werden. Bevor der Mi- nisicr hierzu Stellmig nimmt, will er sich Klarheit darüber verschaffen, ob sich nach de» bisherigen Erfahrungen die Bestimmung in ihrer jetzigen Fassimg als ausreichend ciiviescn hat. Dem Minister erscheint eS nicht ausgeschlossen, daß auch in andren BetriebSziveigen, insbesondere in den Bandageusabrike» und den Motorwcrkstättcn der Baiidagisten. ähnliche Beschäftigungen anstößiger Art vorkommen. von denen die geschützten Persoiicu ans sittlichen Rücksichten sernzu- halten seien. So ivird in den Jahresberichte» der Gewerbe-Aiifsichts- bcamten für das Jahr 1901(Seite 44) mitgeteilt, daß in einer Bmidagenfabrik die Beschäftigung von Arbeiterinnen unter achtzehn Jahrcii mit dem Nähen von Suspensorien zu llnzntrnglichkeiten geführt habe. Es lvird ferner zu ertvägen sein, ob die Bcschäftignng von Arbeiterinnen und jugendlichen Arbeitern mit der Anfertigniig von sogenannten Pcssaricn nicht ebenfalls ans- drücklich zu untersagen ist. Hierüber ivollen die RegierungS- präsideiideiiten die Gewerbe-AiifsichtSbeamtei, hören und dann ein Gutachten abgeben. Da sage man noch, daß unsre Socialpolitik stillstehe, während doch über jeden Quark die tiefgründigsten Uiitersuchiingcn angestell' iverden. Das Proportional-Wahlsystem zum nach dein Vorgange in Göppingen auch in ivorden. Gewerbegericht ist G m und eingeführt Netzke Nachvichken und Depeschen» Vom französischen Kulturkampf. Chambäry(Dep. Savotie»), 4. Augnst.(W.?. B.) Zwischen« jälle ereigneieu sich bei der Schließinig geistlicher Schulen in Saint Pierre und Albiguy. Die von de» behördliche» Maßnahmen betroffenen Schulschwestern treffen jetzt aiiS den verichiedeneii Orten deS Bezirks hier ein, wo sie von ihren Anhängern lebhaft be- grüßt werden. Bei diesen Knndgebinigcn ist es mehrfach zu Schlägereien gekommen. PartS, 4. August.(B. H.) Ter Bürgermeister und beide Schöffen von Anan sind ihrer Pemter entsctit ivorden, iveil sie einen Brief veröffentlichten, in dem sie gegen die ministerielle Verfügung betreffs des Vereinsgesetzes protestieren. Osnabrück, 4. Augnst.(B. H.) In der Nähe von Ibbenbüren wnrde an einein 17 jährige» Mädchen ein Lnstniord verübt. Der Mörder ist geflüchtet. Frankfurt a. M., 4. Augnst.(B. H.) Der Kassierer eines hiesige» Bankinstilnts, Karl Friedrich. hat Selbstmord begangen, nachdem er seine Firma im Laufe einiger Jahre>»» 39 000 M. geschädigt hatte. Leipzig, 4. Aiigiist.(B. H.) Das acht Jahre alte Schnlmädchen Anna Klein wurde heute völlig nackt und in einer Kiste verpackt im Hose de« Grundstückes Salzgäßchen Nr. 2 tot anfgefinidc». Aiischeinend liegt Lustmord vor. Der Thnter ist noch nicht bekannt.(Frkf. Ztg.) Zermatt, 4. Augnst.(W. T. B.) Seit Montag voriger Woche wurde hier ein G e r i ch t S a s s c s s o r ans Berlin, der einer Aenßernng zufolge Edelweiß suchen gegange» war, vermißt. Nach langen vergeblichen Nachforschungen tvurde beute beim Durch- uchen der Z»»ittflühc seine zerschmetterte Leiche, von der der Kopf abgerissen ivar, an einer senkrechte» FelSivand unter dem Hohlicht hängend entdeckt und unter großen Schiuierigkeiten geborgen. Er war niehrere hundert Meter vom Hohlicht abgestürzt. «erantwortltcher Redacteur: Julius«aliskt in Berlin. Für den Slnieratentell verantwortlich: Th. Glocke m Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin.»««reu 1 Beilage u. Unterhalt, iiigsblatt» 9». W.'S. mm. Keükße Ses, JetiBitla" KerliilN Mllisblstt. siM°s. s A-g..»'Svs. Berliner Partei-Ilttgelegenheiten. Dle Lokallistc für Dcrttn>md Umgegend. die neu her ausgegeben worden ist, ist bereits der So»ntagzn ummer unires Blattes beigefügt worden. Die folgenden Geleitzeilc». die durch ein redaktionelles Verfehen erst in der heutigen Nummer gebracht werden, werden hoffentlich nichtsdestoweniger die gebührende Neherziguiig finden. Bei der Wichtigkeit der Lokalfrage erwächst' de» Parteigenossen die dringende Pflicht, die Lokalliste streng au beachten. Den Saalabtrcibcreien und Berwcigcrungen gegenüber, die in Berlin teilweise noch versteckt, in den Vororten dagegen oficir betrieben werden, bleibt uns kein andres Mittel übrig! als die L o k a l f p e r r e i und diese dort, wo nötig, durchzuführen, muj; das Bestreben aller Parteigenossen sein. Arbeiter. Parteigenossen, besucht daher bei Ausflügen. Vergnügungen zc. nur solche Lokalitäten. welche auf derLifte verzeichnet stehen. Bor allen Dingen erwächst aber den Vorständen von Arbeitervereinen die Pflicht. beim Abschluß von F e st l i ch k e i t e n und Partien auf daS strengste die neue L o k a l l i st e zu beachten. Die Vorstände wollen in solchen Fällen auch darauf sehen, daß in den Verträgen mit dem Wirt eine Älansel Plah findet, wonach für den Fall, daß das Lokal für Arbeiterversammlungen später verweigert werden sollte, der Vertrag seine Gültigkeit verliert. Verschiedene Vorkomnr- nisse der letzten Zeil lassen eine Bestimmung dieser Art dringend ratsam erscheinen. Ebenso ist eS Pflicht der Vorstände und Komitees, dafür nach Möglichkeit zu sorgen, daß bei Mehrbedarf an Bedienungspersonal der Stellennachweis des Verbandes deutscher Ga st Wirtsgehilfen«OrtSverwaltung Berlin" An der Stadtbahn 39, I, Telephon-Amt 3 1813, Berücksichtigung fintvet.■ Thnt ein jeder seine Pflicht, so kann der Erfolg nicht ansbleiben. Lokale, die keine Säle haben, sind für den Verkehr frei. Die Lokalkommission. Nchtung, Parteigenosse». Gewerkschaften und Vec« eine. Am Donnerstag, den 2l. August, abends, finden in Berlin die P a r t e i- V c r i a m m I u n g e n zwecks Wahl von Delegierten zur Brandenburger Proviuzial-Kouferenz und zum Münchener Partei- tag statt. Wir Hilten, an diesem Tage andre Versammlungen nicht einzuberufen. Die Vertrauensleute.' Erster Wahlkreis. Ucber«das ka p i t a l istisch e System vor Gericht" spricht Genosse Georg Bernhard heute Dienstag, abends b'sg Uhr, in einer Volksversammlung in den „D r ä s e l s ch e n F e st s ä l e n". Neue F r i e d r i ch st r. 35. Zahl« reichen Besuch erwarte» Die Vertrauensleute. Zweiter Wahlkreis. Am Donnerstag, den 7. d. M., abends 8V2 Uhr, spricht Genosse Dr. Borchardt über.Arbeitslosen- V c r s i ch e r n n g" in der Wahlvereins-Versammlnug bei Habel, Bergmannstr. 5/7. Die Genoffen der Friedrichstadt tverden besonders ersucht, diese Berfammlung zu besuchen, da uns dort kein größeres Lokal zur Verfügung steht. Wahlvcrcin für Mariendorf»ud Umgegend. Dienstag, den 9. Anglist, abends 8>/2 Uhr, bei Adel, Tcmpelhof, Germania» straße: Versammlung. Vortrag des Genossen H. Laninie über den Wert der Bildimg. Zahlreicher Besuch erwünscht! Ter Wahlvcrcin für NowaweS-Ncuendorf hält am Mitt« woch, den 6. d. M., seine nächste Versammlung im Lokal von O. Hiemke, Wallslraße, mit folgender Tagesordnung ab: 1. Geschäft- liches. 2. Kommunales. 3. Bericht von der Vorstandssitznng deS Ecntral-Wahlvereins. 4. Unser Sommerfest. 6, Verschiedenes. Lirfmles. „Höflicher" Freisinn. Dem Berliner Freisinn ivird sich uächslenS eine iieiie Gelegen- hcit bieten, seine bckannle.Höflichkeit gegenüber befreundete» Fürstcu" in ihrem ganzen Glänze zu zeigen. Der König von Italien kommt nach Berlin— da erwächst dem Magistrat nnsrer Neichshanptstadt und der freisinnigen Mehrheit der Stadt- verordneten-Vcrsainmliing wieder einmal die angenehme Pflicht, Ehrenpforten zu bauen, am Brandenburger Thor anzutreten, Dienerchen zu machen usw. Die F r e i s i n n S m a n n ckn werden sich ziveifelloS auch dies- nial nicht lumpen lassen; sie werden die dankbare Auf- gäbe, die ihnen hier gestellt ist, wieder mit belvährter Eleganz Nene Neise-Eindriicke aus Rußland. Ich fuhr von Warschau nach Moskau. ES war Mitte Juli. Der reichliche Negen dieses Sommers machte den Boden fett. Die Gegend war in ein saftiges Grün gekleidet. ES war ein ganz andres Bild wie im Frühling 1899, als ich durch die gleiche Gegend reiste, um daS Himgergebiet zu erreichen. Damals war es eine große Sand- wüste— Staubwolken erfüllten die Luft, legte» sich auf HauS, Flur und Wald, und trotzdem die Doppelfenster der Eisenbahnwagen heruntergelassen tvaren, sahen wir alle anS, als wenn man über uns einen Sack Mehl ausgeschüttet hätte. Jetzt war die Luft spiegelrein und der leichte Windhauch brachte durch das offene Fenster den würzigen Geruch des abgemähten Grases und die feuchte Wärme des Walde?. .Ist das Wetter gut. so gedeiht bei uns— daS Ilnkrant I" Also ließ mein Conpänachbar vernehmen, ein russischer Gutsbesitzer. Die Landjnnkcr haben in der ganzen Welt einen derben Zug. Ihre Siede ist scharfkantig. Sie kennen keine Niiancen. Wenn aber erst die russischen Agrarier schwarz malen, so gebrauchen sie gleich das Tccrsäßchcn, aus dem sie sonst die Wagenräder schmieren. Die Kornfelder waren gewiß sehr niirein. Stellenweise glichen sie mehr einem Gestrüpp, als einem Getreidefeld. Doch mehr als das überraschte das an das westeuropäische Landbild gewöhnte Auge der schwache, spärliche Halmlvuchs. In Mitteldeutschland stand um diese Zeit der Weizen überinanneshoch, die schwere Frucht neigte die dichten, nndurchdringlichen Halnircihcn, und das Ganze war ein wogendes gelbcL Meer. Schon das östliche Deutschland fiel dem- gegenüber gewallig ab. Ostpreußen ist nun gclviß kein Paradies, aber im Vergleich zu Rußland ist eS ein hoch kultiviertes Land. Gleich ans der andren Seite der Grenze, hinter der Schützenlinie, die— je 200 Schritt Distanz von Mann zu Mann— das Zaren- reich vor Westeuropa bewacht, beginnt der Unterschied. Armselige Felder, und auch diese äußerst selten. Endloses Oedland, mit Gras und Gestrüpp bewachsen, wilde Weiden, vicls seltener schon Wiesen. Je mehr man in das Innere des Reiches dringt, werden die Kornfelder häufiger, wogegen die Wiesen verschwinden. Als ich etwa eine Woche später durch die gleiche Gegend zurück- fuhr, war man schon hier»nid da emsig daran, das niedrige, spär- lichc Korn abzumähen. Irgend«ine kleine Parzelle Ivurde von zwei laugen Reihen Frauen, die sich parallel gegenüberstanden, in Angriff genommen. An einer Ecke des Felde? ein Ausseher zu Pferde. Die sich einander langsam nähernden Reihen in bunten Kleidern— rot. vla«, gelb— boten ein pittoreskes Bild, zugleich, in dem angen- fälligeu Mißverhältnis zwischen der Zahl der Arbeitenden und der AtbcitSfläche, ein Bild der Schwäche. Wie 1899, sah ich auch diesmal abgeriffeue Strohdächer und ver» sallene Hütten. Der Ruin der Baueniwirtschaft hat sichtlich weitere lösen, schon werden, so meldet eines ihrer Blätter, im Schöße der städtischen Körperschaften Erwägungen über daS Wie gepflogen. Die Sladtverordneten-Versammluiig hat zwar noch bis End« dieses Monats Sommerferien. aber der Herr Oberbürgermeister wird seinen Urlaub abkürzen und in etlichen Tagen nach Berlin zurücklehre», um das Erforderliche zu veranlassen. Er und seine Kollegen tm Magistrat iverden ja auch ohne die Stadtverordneten« Versammlung wissen. ivaS der Berliner Freisinn feiner Ehre schuldig ist. Im übrigen sind sie des vollen Beifalls der freisinnig- patriotischen Siadivcrordnelen-Mehrheil im voraus gewiß und dürfen mit Sicher- heii daraus rechnen, daß ihnen von dieser Seile begeisterte Zu- stimnuiiig zu teil wird, wenn sie hinierher um nachlrägiiche Bewilligung der anfgewendeten Milte! ersuchen. Früher pflegten bei solchen Fürstenempsängen die Herren vom linlcii Flügel des Berlinei Freisinns über byzantinisches Ge- bahren, über Entartung des KommunalllberalrsmnS zu jammern, Heute haben die sogenannlen Kommunaldemokraten der.Neuen Linien' gegen den höfischen Eifer ihrer feindlichen Brüder von der .Alien Linleir nichts mehr einzuwenden. Seit ein paar Jahren machen sie dir Dienrichen lustig mit. Als im Frühjahr I9v erblichen Fnhiverks- betrieben beschäftigten Personen für alle in Berlin vorhandeiieir Betriebe des FuhrgewerbeS, in welchen mehr als 20 Hilfspersonen im Fahr- oder Stalldieiist beschäftigt iverden, sowie für die übrigen, geivcrbliches Hilfspersonal im Fahr- oder Stall- dienst beschäftigenden Betriebe des FuhrgewerbeS, welche in den Bezirken des 8., 137., 56., 53., 09. und 101. Polizei- Reviers liegen, Fragebogen zur Ausgabe gelangen, und zwar für die Hälfte der Betriebe an die Arbeitgeber, für die andre Hälfte an je einen Arbeitnehmcr. Die Scheidmig der Betriebe zu diesem Zwecke geschieht in der Weise, daß die Betriebe mit mehr als 20 Hilfspersonen unter einander und die übrige» Betriebe innerhalb eines jeden der vorerwähnten Revierbezirke in die Reihenfolge ge- bracht iverden, welche der alphabetischen Reihenfolge der Anfangs- buchslaben ihrer Firmen entspricht, und daß aiSda»» bei der ersten Häifte dieser Reihen die Fragebogen den Arbeitgebern, bei der zweiten den Arbeitnehmern zugeivicse» iverden. In Betriebe» mit mehreren Arbeitnehmern habe» die letzteren sich darüber zu einigen, wer von ihnen den Fragebogen behnss Bcantlvoriuiig in Empfang nehmen soll. In Ermangelung einer solche» Einigung wird der Fragebogen dem schon am längsten im Beiriebe thntigcn Arbeiinehnier ausgehändigt werden. Die Fragebogen Iverden am 15. August d. I. ivieder abgeholt iverden. Ich ersuche, sie bis dahin mit größter Sorgfalt ansznfüllen. aufnehmen zu können, ivozu brauchen Sie dann höhere Industrie- zölle?"—„Wir brauchen den Absatz— antwortete er—, der Markt muß uns gesichert werden, erst da»» können ivir billig produzieren." Auf meine Vorhaltungen, daß erst die billige aus- ländische Einfuhr de» rnsstschen Markt geschaffen habe, daß Rußland nie in die Lage gekonimen wäre, eine Maschine zu gebrauchen, wenn es von Anfang an selbst diese Maschine hätte produzieren müssen, daß auch jetzt die russische Maschiiieninduftrie ohne die ausländischen Werkzeug, iiaschinen nicht existieren könne und daß eine Monopoli- sterung des inländischen Marktes nicht zu einer Berbilligung. sondern zu einer Vertenernng der Produktion führen ivcrde, wußte er keine Antwort. Um das Bild z» vervollständige», will ich hier noch eine Unter- redrnig angliedern, die ich unter andren Umständen mit einem höheren russischen Offizier geführt habe. Dieser erzählte erst von einem Borfall, der kürzlich in Warschau passierte. Ans dein UebnngSplatz der Artillerie gab ein Geschütz einen Fehlschuß»nd tötete und verwundete mehrere Personen von den Zuschauern. Wie kani denn das? Das Geschütz Ivar erst auf feste Ziele gestellt. Plötzlich kam das Kommando, ans bewegliche Ziele zu schießen. Man vergaß aber, das Visier auf ein näheres Ziel zu richten. Nienimid sah nach, das Geschütz rückte vor, der Schuß krachte und traf iveit über die geschützte Linie hinans. Um diese Heruni sannnclt sich aber stundenlang eine Menge armer Leute, die auf das Schuß- sigiinl ivarten, um sich auf das Feld zu stürzen und die Trümmer der Geschosse zu sammeln— für diese zahlt nämlich die Arincc- verlvaltmig einen beslimmten Preis. Da riß denn das Geschoß gleich eine» Hansen Menschen nieder.»Im Kriege ist es egal, da schießt»ran auf den Feind, ob eS mm iveil trifft oder nahe, eS trifft den Feind; rmd trifft es überhaupt nicht, io ist es auch kein Schaden, im Frieden aber ist es anders I" Eine Lehre, die man auch anderSivo zu beherzigen hätte. Darüber befragt, ob es denn nicht immerhin für das Militär ein peinliches Gefühl wäre, wenn es gelegentlich gegen einen VolkSanflauf vorzugehen hätte, aniworlele der Offizier, daß daS bis jetzt doch eigentlich nur Sache der Kosaken ivar. Immerhin sei ihm ein Fall bekannt, wo es zu geivisseii Reibereien zivischen der Civil- und der Militärbehörde kam. Die Civilbchörde beklagte sich darüber, daß die Militärbehörde lange säumte, ihrem Verlangen nach be- waffueter Macht Folge zu leisten, die Militärbehörde aber behauptete, daß dieses Verlange» überhaupt überflüssig ivar. Gegenüber den aufständischen Bauern im Goiivernement Poltaiva habe man aller- dings Militär anivenden müssen. Ucbrigens habe sich herausgestellt, daß die Bauern zum Teil mit Militärrevolvcrn beivaffiiet waren. So haben wir denn wieder das alte Bild des Zarenreichs: die untergehende Landivirtschaft, die aufblühende Industrie und die Anarchie der politischen Zustände.?arvus« Eine zwctte gvoste Protestkmidgebima gegei» die Shxodal- veschliisse und die sich bnrmif gliindenden Vorschiige zur Gasthnus- reform wollen die Berliner G n st>v i r t e v e r e i n e im Lause des Monats September veranstalten. Es soll besonders da- qcgen Verwahrung ciugelclst Iverden, das; man die Zahl der Scbauk- statten rein schematisch, ohue Rücksicht auf das wirklich vorhandene Bedürfnis beschränken will. In dem sogen. Trunlsuchtsgesetz-Entwurf ist bekanntlich beantragt, in Städten unter 50 000 Einwohner» künftig nur eine Schankstätte höchstens auf 800, in Städten über 50 000 eine Schankstätte auf 500 Seelen zuzulassen. Bei Durchführung dieses Vorschlages müszteu nahezu drei Viertel der Berliner Gastwirtiebaften geschlossen werden, da in der Rcichshauplstadt 19 180 Schankstätte», je eine auf 133 Einwohner vorhanden sind. Dabei weist Berlin noch nicht die verhältnismäßig stärkste Schnnkstättenzisfer auf, da zum Beispiel in Hamburg ein Ansjchank auf nur 128, in Bremen gar mir auf 113 Einwohner kommt. Daneben gilt die Opposition der Gastwirte besonders der geplanten Beschränkung der Llonzessions- daner, sowie dem zwangsweisen Schluß der Lokale in den Kirchen» stunden au Sonn- und Festtage» und in der Zeit vor 6—8 Uhr morgens. Ein sauberes Ehepaar konnte in der Nacht zum Sonntag wegen Beihülfe zu Verbrechen gegen die Sittlichkeit und wegen ge- werbsmäßigcr Kuppelei von der Polizei aus der Wohnung heraus verhaftet Iverden. Die Handelsmann W.'schcn Eheleute waren zu der Ucberzeugnng gekommen, daß es etwas Besseres geben müsse, als sich durch Arbeit mühsam zu ernähren. Sie mieteten sich in der Müllerstraße eine Wohnung, um sie für Liebespaare mit großem Gewinn herzugeben. An männlicher Kundschaft fehlte es nicht. Um nun hübsche Mädchen zu beschaffen, suchten sie Tanz- bilden auf, befreundeten sich mit ihren Opfern, verschleppten die Ahnungslosen in die Wohnung zu den Männern und legten selbst Hand mit an, um den Widerstand der überlisteten Geschöpfe zu brechen, Anzeigen wurden aus Scham nicht erstattet, aber nach und nach kam der Polizei etwas zu Ohren. Auf Grund von Be- obachtungcn konnten endlich am Sonnabend zwei Mädchen erwischt werden, die bekundeten, daß ihnen unter Mitwirkung der Eheleute Gewalt angethan sei. Das führte zur Verhaftung. Die Wohnung wurde behördlich geschlossen. Der Buchhalter Nlbrich von der städtischen Sparkasse hat bei seinen bisherigen Vernehmungen die Nennung seiner Mit- schuldigen verweigert. Er behauptete zuerst, Mitschuld'ige überhaupt nicht zu besitzen, gab aber später z», daß von ihm Beauftragte das Geld von der Sparkasse abgehoben haben. Die von II. veruntreute Summe, welche sich übrigens nur auf 8000 M. beziffert, hat der Buchhalter auf Rennbahnen und beim Spiel verloren. Ei» vielseitiges DicbcS- und Liebespaar wurde von der Kriminalpolizei hinter Schloß und Riegel gebracht. Dem Groß- kanfmann Mr. Müller ans Südafrika wurden zur Nachtzeit aus einem Zimmer, während er sich im Nebenzimmer befand und alle Thiircn verschlossen waren, eine Brieftasche mit 5000 M. und mehrere Brillant- ringe gestohlen. Der völlig rätselhaft erscheinende Vorgang wurde der Behörde angezeigt, deren Nachforschungen den folgenden Thatbestand ergaben: Mr. Müller hatte hier die ihm aus Afrika her bekannte unverehelichte Hänisch getroffen und ließ sich auf ihren Vorschlag bestimmen, in einem Privathotct der Friedrichstraße zwei nebeneinander liegende Zimmer zu mieten. Ein drittes anstoßendes Zimmer hatte Mr. William Wclsh inne, der als der Geliebte der Hänisch erkannt wurde. Diese war die frühere „Braut" eines hiesigen sehr angesehenen Finanz-Aristokrnten, wurde von ihm nach Beendigung des Brautstandes mit einer größeren Summe abgefunden und wollte mm ihr Glück in Südafrika ver- suchen. Dort lernte sie Welsh kennen, der in Pretoria vor Ausbruch des Krieges eine Boxerschuke leitete. Er war von England einge- wandert. Welsh gab die Schule auf, verbrauchte mit der Hönisch das Geld,»ahm dann an dem Krieg teil und kehrte schließlich mit der Geliebten dem schwarzen Erdteil den Rucken, nni wieder in Berlin aufzutauchen. Die H. hatte sich bei Mr. Müller befunden, der seiner Gewohnheit gemäß Nock, Weste und auch seine Ringe abgelegt und die Brieftasche sorglos auf einen Tisch geworfen hatte. Die Hänisch hatte ihn auf kurze Zeit in das zweite Zimmer gezogen. Als beide zurückkehrten, war der rätselhafte Diebstahl geschehe». In Frage kamen nur Wclh und die Hänisch, zumal da die VerbindungSihiire zwischen den beiden Wohnungen nur von der Welhschcn Seite ab- geschlossen war. Verdächtigt' wurde W. dadurch, daß ein Schrank. der in seinem Zimmer vor der Vcrbindungsthüre stand, nicht genau an derselbe» Stelle stand als vorher, und daß ein Stückchen des Vorhanges in die Thür eingeklemmt war. Dagegen wies er nach, daß er die Nacht hindurch in einer Bar mit einer ganz kurzen Unterbrechung gesessen und an- getrunken fortgegangen war. Trotzdem wurden beide festgenommen. Eine Durchsuchung ergab nichts. Als W. nach einer gcmeinschaft- lichcn Vermessung hinausgeführt wurde, flüsterte er der Geliclnen etwas zu. Dies wurde bemerkt, und bei wiederholten Verhören räumten beide de» vorher verabredeten Diebstahl ein. Zu seiner Ausführung hatte der kurze Zeitpunkt genügt, während welches W. sich aus dem Lokal entfernt hatte. Die Beute hatte er hinter einen töffentlicheu) Schankastc» in der Charlottcustraße geschoben, um sie später abzuholen. W. ist ein bereits bestrafter Mensch und hat auch noch ein Conto zu begleichen. Ans Gram über den Tod ihrer einzigen Tochter hat sich am Sonnabend die 48 Jahre alte Wilive Franziska Laube am Slralauerplatz 15 mit Morphium vergiftet. Seit dem vor vier Jahren erfolgten Tode des Mannes ernährten sich Mutter und Tochter durch seine Handarbeilen, die ihnen ein gutes Auskommen sicherten. Die Tochter folgte dem Vater im Monat Februar nach einem kurzen Leiden. Darüber hat sich Frau Laube nicht zu beruhigen vermocht. Nachdem sie das lebensgroße Bild der Tochter neben sich aufgestellt hatte, tötete sie sich in ihrem Bette. Auf einem Zettel vermachte sie vorher der St. Georgen- gemeinde 1000 M. zur Pflege und Erhaltung des eignen und des töchterlichen Grabes. Außerdem schenlte sie einer Reihe von Bc- kannten Andenken ans der Häuslichkeit. Die Polizei hat das in zwei Sparkassenbüchern angelegte Geld vorläufig beschlagnahmt und die Wohnung verschlossen. Das Opfer der groste» BootSkatastrophe auf dem Zeuthcner See, bei welcher bekanntlich neun«egelbootc kenterten, der Handlungsgehilfe Moses, wurde gestern auf dem Jüdischen Be- gräbnisplatz in Weißensee beigesetzt. Moses ist nicht, wie die Ob- dnktion der am Donnerstag gelandeten Leiche ergeben hat, ertrunken, sondern einem Herzschlage erlegen. Der 29jährige Adolf Moses war bei der Bootsfahrt von einem 16jährigen Handlnngslehrliiig. der in demselben Geschäft lernt, in welchem M. angestellt war, begleitet. Als das Fahrzeug kenterte, befand sich sofort ein Nettnngsvoot in seiner Nähe, dessen Insassen sich bemühten, Moses aus dem Wasser zu ziehen. Der Kaufmann widersetzte sich jedoch diesen Bemühungen, und schwamni mit der Aufforderung, nur den Lehrling zu retten, welcher Nichtschwinimer sei, denr Ufer zu. Als die Bergung des jungen Mannes gelungen, war M. schon weit von dem Boot entfernt und hatte bis zum Lande nur»och etlva fünfzehn Meter zurückzulegen, so daß man auch ihn in Sicherheit glaubte. In einer Entfernung von zehn Metern von» Ufer aus verschwand Moses plötzlich iii den Fluten. Wie bereits erwähnt, hatte ein Herzschlag seinem Leben ein Ende gesetzt. Nach einem Gerücht soll bekanntlich noch eine zweite Person bei den Unfällen auf dem Zeuthcner See den Wassertod gefunden haben. Nicht weniger als neun Familien, welche Angehörige vermissen, haben bei den zuständigen Behörden Nachfragen gehalten, doch gewinnt es immer mehr den Anschein, daß sich die Zeugen jener Katastrophe geirrt und der Unfall erfreulicher- weise ei» zweites Opfer nicht gefordert hat. Ertrunken ist am Sonntagvormittag bei der Abtei Treptow eine zwanzigjährige Dame, welche mit ihrem Begleiter, einemjgleich- altrigen Seminaristen, auf der Spree in einem Nuderboot fuhr. Der Dampfer„Lydia" brachte das Boot zum Kentern. Während es gelang, den Herrn zu retten, geriet die Dame unter den Kiel des Dampfers. Die Ertrunkene stand unmittelbar vor dem Lehrerinnen- examen. AuS Furcht vor dem Jrrenhause bat die 42 Jahre alte Frau Käthe P. aus der Wilhelmstraße 21 am Sonntag Hand an sich gelegt. Das Ehepaar halle mit den drei Kindern im Alter von 9 bis 14 Jahren einen Ausflug verabredet, und der Vater war nüt dem Sohne bereits am Vorniittage voransgcfahren. Die Mutter mit den beiden Töchtern sollte am Nachmittag folge». Frau P. schickte indes die Kinder allein, sie selbst blieb zu Hanse. Bei der Heimkehr am Abend wurde sie von den Kindern und dem Manne in der Stube als Leiche angetroffen. Sie hatte den Kronleuchter ab- genonimen, an dem Haken eine Zuckerschnnr befestigt mid sich mitten ini Zimmer erhängt. Der Tod war schon mehrere Stunden vorher eingetreten. Frau P. zeigte seit längerer Zeit kleine Zeichen von Verfolgungswahnsinn. Ihr Zustand verschlimmerte sich immer mehr und sie war selbst überzeugt, daß ihre Ucberführuug nach einer Irrenanstalt schließlich unausbleiblich sein werde. Nach eignen Aeußerungen wollte sie aber lieber vorher aus dem Leben scheiden, und hat diese Absicht gestern ausgeführt. Im Dienst verunglückt ist am Sonnabend der Schutzmann Prowitsch aus dem 68. Polizeirevier. Während er Straßendienst hatte, stürmte ein einspänniger Geschäftswage», dessen Pferd durchging, von der Prenzlauer Allee her auf ihn zu. Nachdenr der Kutscher am Prenzlauer Thor von dem Gefährt auf die Straße geflogen war, fiel der Beamte dem Pferd in die Zügel und brachte es glücklich zuni Stehen. Er konnte aber nicht hindern, daß er von dem Scheerbaum, der sich vom Wagen gelöst hatte, einen Stoß an die rechte Körper- seite erhielt. Der Schutzmann ist zunächst dienstunfähig geworden, der Kutscher mit kleinen Abschürfungen davongekommen. Auö Verzweiflung vergiftet hat sich der 33 Jahre alte Maurer- Franz Döring aus der Manteuffelstraße, der auf einem Bau nahe der Fennbrücke beschäftigt war. Seine ans der Ehefrau und zwei Kindern besiebende Familie befindet sich in einem Kraukenhanse. Das hatte er sich so zu Herze» genommen, daß er auf der Straße kurz nach Feierabend in selbstmörderischer Absicht Salzsäure trank. Die Polizei brachte ihn nach dem Moabiter Krankenhause, wo er der Wirkung des Giftes erlegen ist. Ein Berliner Straßeubild. Eine eigenartige Scene, die eine große Menschen-Ansammlung zur Folge hatte, spielte sich gestern in der Demminerstraße an der Brunnenstraße ab. Ein etwa 7 jähriger Knabe passierte, zwei Pakete tragend, die Straße. Da sich an dem einen derselben der Bindfaden gelockert hatte, setzte er beide Pack an die Erde, um die Schnur wieder in Ordnung zu bringen. In diesem Augenblick ging ein Arbeiter vorbei, welcher eines der Pakete an sich»ahm und in einen mitgcfübrtcn Korb steckte. Auf das Ge- schrei des Kindes trat eine Frau hinzu, welche den Arbeiter zur Heransgabe des Päckchens aufforderte, Ivas dieser jedoch niit der Er- klärnng verweigerte, cS gefunden zu haben. Während die beiden lebhaft parlamcnticrtc», schlich das Bürschchen an den Arbeiter heran, öffnete, ohne daß dieser etwas bemerkte, den Korb und nahm aus demselben wieder das Paket heraus. Der eigenartige Finder forderte einen hinzukommenden Schutzmann auf, den fliehenden„Dieb" zu verfolgen, und wurde schließlich, da er sich renitent benahm, unter großem Jubel der Angesammelten selbst nach der Polizeiwache sisticrt. Ei» schwerer Straßcnuufall, bei welchem die aufgeregte Menge an dem angeblich Schuldigen Lynchjustiz übte, ereignete sich heute vormittag in der Elbiugerstraße. Der in dein Hanse Nr. 6 wohnhafte Schnlknabe Max Friedrich spielte an der Bordichwelle und wurde durch einen Mörtelwagen der Firma Wcidncr aus Stralau umgerissen. Er fiel unter die Räder, die ihm über die Beine gingen. Schwer verletzt wurde der Knabe dem Rraukenhans am Friedrichs- Hain zugeführt. Da der Kutscher, wie Augenzeugen beobachtet haben wollten, geschlafen und somit das Unglück verschuldet hat, wandte sich die Wut gegen diesen und mehrere Kutscher schlugen mit ihre» Peitschen auf ihn ein. vis ein Schutzmann ihn befreite. Im Zlpollo-Thcatcr trat der viclgcfeicrte Robert Stcidl nach längerer Gastspiel-Abwesenheit zum erstenmal wieder vor dem Berliner Publikum. Er mimte den famosen Lieutenant Leonidas i» Lst ii ck e s unverwüstlicher Operette„Lysistrata" mit gcwohnter Vcrve und erntete endlose Beifallsstürme des vollbesetzten Hauses und eine erkleckliche Zahl von riesigen Lorbeerkränze».— Reichen Beifalls erfreuten sich auch die Künstler, welche im Specialitätenleil des Abends auftraten. Die sechs Senncts mit ihrer burlesken Nummer„Vor dein Afienhause im Zoologischen Garten" produzierten ein dlon xlu8 ultra fidclcn Stumpfsinns, der wahre Hcitcrkeitsorkane entfesselte. Als ein Athletenpaar ersten Ranges bewährten sich G e o Serra und Bella Rosa, die ihre erstaunlichen Kraftleistnngeu mit bewundernswürdiger Eleganz exekutierten. Ileberhaupt ist das augenblickliche Programm ein ganz vorzügliches, das dem Apollo- thcaler volle Häuser sichern wird. Ans de» Nachbarorten. Schöncberg. Nachdem das Kind hineingefallen, deckt man den Brunnen zu! Zu dem von uns bereits gemeldeten Unfall an der Endhaltestelle auf dem Victoria Luiseplatz in Schöneberg, welcher den Tod des Straßeubahn-Schaffners Brandenburg zur Folge hatte, wird uns noch geschrieben: Die Untersuchung über die Ursachen des Unglücksfalls, die von der Schönebcrger Kriminalpolizei geleitet wird, ist noch im Gange, nachdem bereits vorige Woche schon ein Lokaltermin ftaltgcfnnden hat. Mit dem StrnßeubahnwageuNr. 2132, der sich auf bisher nicht aufgeklärte Weise in Bewegung gefetzt und den genannten Schaffner beim Umlegen der Kontaktsinnge gegen den Wagen Nr. 1750 gedrückt hatte, wurden verschiedene BewegungS- proben angestellt. Eine Fahrlässigkeit des Personals dürfte schwerlich zu konstatieren sein, da nach de» eignen Angabe» des Fahrers des erste«» Wagens derselbe nach seiner Ausschaltung bereits gegen zwei Minuten festgestanden halte. von de» Augenzeugen aber keine Bewegung wahrgenommen wurde. Allgemein neigte man vielmehr der Ansicht zu, daß nur durch die erbärmlichen Rangierverhältnisse der tödliche Unfall herbei- geführt ist. Ei» glattes Rangieren der Wagen ist an der Haltestelle gar nicht nröglich,' da die Oberleitnngsdrähtc, die dort ihr Ende erreiche», nicht die gehörige Länge zum Um- legen der Kontaktstange besitze». Trotzdem die Straße» und Geleisschienen vorhanden sind, ivollte die „Große Berliner" augenscheinlich„sparen". Nachdem nun das Unglück geschehen ist, sind die Leitungsdrähte plötzlich verlängert worden. Man scheint also an jener Stelle diesem Uebel die Schuld mit beizinnessc». Uebrigens ist dem zur Recheiijchast gezogene» Beamten das beste Zeugnis seitens der Direktion ausgestellt.'derselbe auch iveitcr im Dienst belassen worden. Der vernnglückle Schaffner wurde am Somiabend unter großcr Beteiligung auf dem alten Zivölf-Apostel-Kirchhof beerdigt. Eine Sammlung für die Hinterbliebenen unter den Kollegen hat gegen 1000 M. ergeben. Außerdem hat, wie wir hören, die Straßenbahn- Verwaltung sich bereit erklärt, für die Witive und deren zwei Kinder zu sorgen. Bau-Unfall. Auf dem Schulhaus-Neubau in der Hohenstaufen- straße in Schöueberg ist am Freitag schon der vierte Unfall passiert. Der Arbeiter D i o m, Haupistr. 99 in Schöueberg wohnhaft, bestieg mit einer Last Kalt die Leiter zur zweiten Etage. Kurz nachdem er die abgedeckte Rüstung verlassen hatte, rutschte er infolge eines Fehl- trittes von der Sprosse ab und trat mit einem Fuß durch. Hierbei hatte er das Unglück, sich das rechte Schienbein zu brechen. Die Mulde Kalk mußte er infolge des Unfalles fallen lassen, glücklicher- weise den hinter D. aufst'eigendcu Wasserträger nicht verletzend. D. wurde per Droschke nach der Unfallstation in der Nollcudorsstraßc und von da nach Hause gefahren. In diesem Fall ist nicht wie bei den vorigen Unfällen die Bauleitung verantwortlich zu machen, da seil den letzten Meldinigen an dieser Stelle sich vieles gebessert hat. Aus Rixdorf. Auf dem Neubau Fuldastraße 1/2 schwer zu Schade» gekviumcu ist der Bauarbeiter Johan» Doßinann auS der Ziethenstraße 77. Der Bau wird von dem Baumeister Bachur in Schöueberg. Wiuterfeldtstr. 23. ausgeführt. Beim Hinaufziehen eiserner Träger nach dem ersten Stockwerk wurde Doßniaun von einem Träger, der umgedreht werden mußte, getroffen und fiel infolge- dessen auf die' l'/s Meter tiefer liegende Zwischcnrüstung hinab. Er erlitt dabei eine schwere Riickgraiverletzinig und mußte daher nach dem Krankeiihaus Am Urban überführt iverden.— Der in einer Eisengießerei beschäftigte Lehrling Jacobi aus der Walter- straße 17 geriet mit der rechten Hand in eine Presse, wobei ihm 4 Finger total zermalmt wurden, sodaß deren Amputation erfolgen mußte'.— Au der Ecke der Sleimnetz- und Weisestraße hatten gestern unbefugte Hände den eisernen Deckel eines KanalisalionsschachteS aufgedeckt und bald hatte sich eine Kinderschar an dem Kaualschacht versammelt, welche in die Tiefe schaute. Plötzlich Ivarf ein noch nicht crmitteller Knabe den Deckel zu, ivobei der neunjährige Sohn des Kopfstr. 27 wohnhaften Arbeiters Waschkow'ski, der eine Hand auf den Rand des SchachleS gelegt hatte, schwer verletzt lvnrde. Der Deckel zerschmetterte denr unglücklichen Kinde nämlich die ganze Hand, sodaß es fraglich erscheint, ob dem Kleinen durch ärztliche Kunst dieses Glied wird erhalten werden können. Kouimnnalwahl in Lichtenberg! Mit dem Schluß der Session in der Gemeindeverwaltung ist auch die Ruhepause des seit der Hauptwahl zur Gemeindevertretung im März 1901 in Thätigkeit be- findlichen Komnnmal-Wahlkomitees imsrer Genossen zu Ende! Im genannten Zeitraum mußten die Wähler dreimal an die Wahlurne gerufen Iverden. Nunmehr ist es den Lichtenberger Gemeindewählern beschiedcn, zum viertenmal zu wählen. Nachdem es der Hausbesitzer-Majorität unter Führung der „freisinnigen" Plonz-Gesellschaft in der Gemeindevertretung gelang. unsre beiden Genossen Kette und Weißfluck, weil diese angeblich nicht„wirkliche" Hausbesitzer seien, hinaus zu stimmen, sollen am Dienstag, den 12. August, die Ersatzwahlen statifiiide»! Unsre» Gc- nossen ist es cieluiigcn, zlvei Hansbefitzer zu finden und sie werden sie mm am Doimerstag.i den 7. August, in einer öffentlichen Ver- sammlmig den Wählern präsentieren! An den Wählern wird es liegen, ob das eigentliche Vorhaben der Majorität, die Arbeiterschaft' noch rechtloser zu machen, als es die Laiidgcmeiiide-Ordmiiig schon Ihut, gelingen soll. Hoffen wir, daß sich zu den Niederlagen des freisinnigen Klüngels, die hier Schlag auf Schlag folgten, eine neue gesellt! Eine recht frivole Handlungsweise liegt, ivie jetzt festgestellt wurde, dem Beginnen der beiden Potsdamer Fischersöhue zu Grunde, von denen nian annahm, daß sie in der Nacht zum Freitag auf der Havel beim Fischfang ertrunken wären, weil man den leeren Fischer- kahn an der Glienicker Brücke treibend angetroffen hatte. Die beiden jungen Leute, Bruno Ebel und Ernst Vetter, haben absichtlich den Kahn dem Spiel der Wellen überlassen, weil sie dadurch den Anschein erwecken wollten, als sei ihnen ein Unglück zugestoßen, während sie die Gelegenheit benutzten, um entweder ins Ausland zu flüchten, oder sich mit einer größeren Summe Geldes, die sich Vetter von der Sparkasse geholt hatte, in Berlin vergnügte Tage zu machen. Erst nachdem man durch Fischer die Havel hatte abfischen lassen, um nach den angeblich Ertrunkenen zu suchen, wurde bekannt, daß die beiden Fischer, an- gethan mit ihrem Soimtagsanznge. in einem Lokal an der Havel gesehen waren, bevor sie verdufteten. Ebel hatte sich wiederholt dahin ausgesprochen, daß er wieder nach Amerika, woselbst er schon einmal gereist war, zurückkehren ivollte. Ernst Vetter, der zum Herbst Soldat werden sollle, scheint von Ebel verführt zu sein, mit ihm gemeinsam die Flucht zu ergreifen und zum Zwecke der Täuschung die Manipulation mit dem Kahn zu machen. GeviMs-Teilung» Ter beleidigte AmtSvorstchcr vo» Zerpcnschlense. Vor der zweiten Fcrien-Strafkammer des Landgerichts II. Berlin stand am Montag der Spediteur und Handelsmann Erdinn n n auS Kienitz bei Zerpenschlense unter der Anklage der ö f f e n t- l i ch e n Beleidigung deS Amtsvorstehers S e e g e r von Z e rp e» f ch l e u s e, den er in der Kneipe einen Schivrndler »nd Betrüger genannt hatte. Erdmann war vom Schöffengericht Liebenwaide zu vier Wochen Gefängnis ver- urteilt worden und hatte dagegen Berufung eingelegt. Beide, Erdmau» und Sccgcr, haben' im vorigen Jahre' durch eine s o c i a I d s m o k r a t i s ch e V e r s a m m l n u g viel von sich reden gemacht. Da die Gastwirte von Zerpenschlense auS Furcht vor dem Herrn Amtsvorsteher ihre Räume nicht zu Versammlungen von Socialdemolrateu hcrzngeven wagten, so hatte Erdmann sein Grundstück für eine solche Vcrsnimnlnng zur Bcrfügiuig gestellt, die nun unter freiem Himmel abgehalten wnede. Der Herr Aintsvorftchcr aber hatte, kurz entschlossen, mit einer Musikkapelle das Nachbargnmdstück besetzt und von hier ans durch den Vortrag patriotischer Lieder die Ver- sammelten ans seine Art zu unterhalten gesucht. Wenn auch die Feindschaft, die zwischen Erdmann und Sccger besteht, nicht erst von jener Bersaiinnlmig ausgegangen ist, so soll sie durch diese doch zum mindesten verschärft worden fein. Die Beleidigung SeegcrS hatte das Liebenwalder Gericht namentlich deshalb mit der harten Strafe von 4 Wochen sühnen zu müsieu geglaubt, weil hier ein mit öffentlicher Autorität ausgestatteter Beamter vernnglimpst worden sei. Erdmann versuchte nun vor der Berufinigsinstaiiz seinerseits den Nachweis zu führen, daß er Grund gehabt habe, den Herrn«mtsvorstehcr für einen Schwindler und Betrüger zu erklären. Er spielte auf ein Disciplinarverfahrcii an, das gegen Seeger eingeleitet luorden ist, und brachte ein paar Vorkommnisse ans seiner Amts- führnng sowie aus seinem Privatleben zur Sprache. Der Vor- sitzende, Landgcrichtsdirektor Köster. unlerbrach den Angeklagten mit der kühlen Erkläruiig, �daß er kein Verlangen danach habe,„daS ganze Sündenregister des Amts- Vorstehers vortragen zu lasse n". Es ergab sich indes. daß ans nähere Erörterung der behaupteten Vorkommnisse doch nicht verzichtet werden konnte, weil sich nur von ihnen ans verstehen ließ, wie Erdmann zu seinem herben Urteil über Sccger gekommen war, Da ei» wichtiger Zeuge fehlte und überdies der von Erdmann ge- ladcne Gendarm Bedenken trug, ohne Genehmigung seiner vor- gesetzten Behörde über den Herrn Amtsvorsteher Zeugnis abzulegen, so verfiel die Sache der Vertagung. Zum nächsten Termin sollen unter andernr auch die Allen des DiScipliiiarvcrfahrcnS gegen Seeger vorgelegt iverden._ VevlZttnnNu ugvu. Die Berliner Zahlstelle deS Deutschen Bnchbiudcr- Verbandes hielt am Mittwoch im Gewerkschaftshanse ihre General- Versammlung ab. Zunächst erstattete B r ü ckn e r den Geschäfts- bericht. Im veiflosscuen Quartal haben 2 Mitglicdcrversamm- klingen, eine ordentliche und eine außerordentliche Gencralversammluiig, 2 kombinierte Sitzungen und 12 VorstandSsitzimgen stattgefunden. Von der Thätigkeit der Brancheii-Bertraueiismäinier wurde unter anderm folgendes berichtet: Eine Konfcrciiz von Vertretern der Contobncharbeiter Deutschlands hat über die Einführimg eines einheitlichen Lohntarifs für das ganze Sieich beraten. Hier wurde eine Berliner Kommission, die sich nüt der Ausarbeitung eines Tarif- enlwnrfs befaßt, gewählt: in der Goldschnittbraiiche fanden fünf Komniissionssitzlmgcn statt zwecks Ansurbeitimg eines Tarifs. Fast in allen Branchcn'ivird über schlechten GeschäfiSgang geklagt.— Die Zahlstelle halte am Schlüsse deS Quartals 1869 männliche und 1424 weibliche, zusammen also 3293 Mitglieder; das ist eine Ab- »ahme um 29 gegenüber dem vorigen Quartal, die aber lediglich durch den schlechten Geschäftsgang verschuldet wurde. Im verflossenen Quartal sind, was bisher nie der Fall war. mehr Mitglieder ab- gereist als zugereist.— Dem Kassenbericht ist folgendes zu entnehmen: Die Ab- rechmmg der Centralkosse weist eine Bilanzsumme von 10 998.06 M. aus. An die Berbandslasse wurden 2000 M. gesandt und für Arbeits- losen- Unterstützung 3885,65 M. verausgabt. Die Lokalkosse hatte eine Gcsainteiiiiiahiue von 5461.64 M.. eine Ausgabe von 2529.51 M.. so daß ein Bestand dort 2982,13 M, bevHeidf. s;et Vxira-FondS ist infolge einer Einnahme von 1027,70 M. avf 9588,04 M. angewachsen.— Die Mai- Sannnlnng hat 630,40 M. ergeben, wovon 264,35 M. verausgabt wurden, so daß ein Ueberschuß von 366,05 M. vorhanden ist, der zur Unterstützung von in Not geratenen Kollegen verwandt werden soll.—" Dem Kassierer wurde einstimmig Dccharge erteilt.— Der Bericht über den Arbeitsnachweis erstreckt sich auf zwei Quartale. Im ersten Ouarial d. I. meldeten sich 561 männliche und 444 weibliche Kollegen arbeitslos; verlangt wurden 182 männliche und 354 weibliche; ein- gestellt 133 männliche und 255 weibliche. Im zweiten Quartal meldeten sich 547 männliche rnrd 465 weibliche Kollegen arbeitslos; verlangt wurden 143 männliche, 293 weibliche; eingestellt 97 männliche, 194 weibliche und 108 männliche und 64 weibliche zur Aushilfe auf zwei bis drei Tage. Der Geschäftsgang hat sich also seit dem ersten Quartal noch verschlechtert. An diesen Bericht schloß sickt eine lebhafte Debatte, wobei unter anderm erwähnt wurde, daß man sich in der Innung mit dem Plan befaßt, einen eigenen Nachweis zu gründen, daß aber ein großer Teil der Meister mit de» Leistungen des Vcrbandsnachweises sehr zufrieden ist.— Die B i b Ii o t h e ks k a ss e hatte eine Einnahme von 123,45 M., eine Ausgabe von 123,15 M. Der Bücherbestand ist von 979 auf 990 Bände angewachsen. Die Bibliothek wurde 889 mal benutzt.— Mit großer Majorität beschließt die Versammlung, der Biblwthekskasse 100 Di. für Neuanschaffungen zu überweisen. In die Bibliothekkommission wurde Fräulein ilnger gewählt.— Ferner werden gewählt: als zweiter Bevollmächtigter der Zahlstelle Julius Krause, als Revisoren Alb. Hoffmann und Siemer, als Hilfs- kassierer Schumann, in die Bnchbinder-Agilationskommijsion Deich- mann. In die Rechtsschutzkommission wurden die bisherigen Mit- glicdcr Lemser, Dust, Bergmann. Bäßlcr und Scholz wiedergeivählt. — Des weitern wurde noch beschlossen, daß außerordentliche Unter- stiitzungcn und Darlehen nur solchen Mitgliedern, die mindestens 1 Jahr dem Verband angehören, gewährt werden können. Die Maurer CharlottenburgS hielten am 29. Juli eine gut besuchte Dlitgliedcrversammlnng ab, in Ivelcher der Kassierer Mielitz die Abrechnung vom zweiten Qnnrtal 1902 bekannt gab. Die Haupt- lasse hatte eine Einnahnie von 4874,10 M. Die Einnahme der Lokalkasse belief sich ans 468,93 M., dem steht eine Ausgabe von 296,12 M. gegenüber, so daß ein Kasscnbcsland von 172,81 M. ver- bleibt. F. Busse erklärte sich bereit, als Bevollmächtigter der Zahl- stelle weiter zu fungieren. Britz. Eine sehr stark besuchte Versammlung tagte am 28. Juli in Pürschcls Gesellschaftshans. Genosse Zubcil referierte über Zeit- und Streitfragen im Reichstage. Brausender Beifall lohnte den Redner. Ucber das Verhalten der beiden Gemeindc-Vertrcter Dorn und Jenner führte Genosse Händel aus. daß die Britzer Genossen über die Thäligkeit der Herren Dorn nnd Jeimer, als diese noch allein die Socialdemokratie im Ortsparlament zu vertreten hatten, keine oder nur eine sehr geringe Kontrolle ausüben konnten. Dies änderte sich aber, als die Genossen Weniger und Kreuschuer in de» Gemeindcrat eintraten. Dies scheinen die beiden auch wohl gewußt zu haben. Denn sobald es bekannt wurde, daß Genosse Weniger aufgestellt werden sollte, machten sie die schärsste Opposition gegen ihn, die auch heute noch fortgesetzt wird. Infolgedessen sei ein einheitliches Vorgehen im Gemeindcrat unmöglich und setze die socialdemo- krntische Vertretung dem Gespött der Gegner nnS und diese seien Jenncr sowieso nichr ans Herz gewachseii als die Arbeiter. Deshalb habe er auch im Grundbesitzcr-Vcrcin Bericht über seine Thälig- kcit erstattet, während der Wahlverein ohne Bericht geblieben sei. Dorn habe in diesem Jahre überhaupt erst einer Sitzung bei- gewohnt, angeblich ans Mangel an Zeil. Verschiedene Acnßerungen lassen abersdaranf schließen, daß es nur Animosität gcgcnsdcn Genossen Weniger und die Mitglieder des Wahlvercini-Vorstandcs sei, die er als dumme Jungen hinstellte. Ferner sei es sehr zu tadeln, daß die Herren nicht einmal die socialdemokratische Presse lesen. Selbst der verbissenste Gegner könne dieselbe nicht mehr schmähen, als es von diesen beiden Herren gethan würde. Unter diesen Umständen sei es am besten, wenn die Herren ihr Amt niederlegen, wozu sie von dem Wahlverein schon aufgefordert seien. Dorn habe sich zwar hierzu bereit erklärt, habe aber seit 9 Wochen sein Versprechen nicht eingelöst. Jenner weigert sich und will sein Mandat gegen den Willen seiner Mandatgeber weiter ausüben. Die Herren versuchten nun sich zu verteidigen, konnten aber die angeführten Thatsachen nicht aus der Welt schaffen und wurden von Zubeil und Siegcrist gründlich abgeführt. Als Herr Jenner zum zweitenmal das Wort nahm und über seine Ansführnngen ein all- gemeiner Heiterkeitsansbrnch erfolgte, löste der überwachende Gendarm die Versammlung wegen eingetretener Polizeistunde auf, so daß diese Angelegenheit nicht erledigt werden konnte. Infolgedessen findet die Fortsetzung der Ver- sammlung, in welcher Zubeil wieder referiert, am Freitag, den 3. August, abends 8>/s Uhr, in demselben Lokale statt. Ceutralvereiu der Bureau-Aiigcstellten Deutschlands.(Mit- gliedschaft Berlin.) Dienstag, den 5. August 1902. abends 9 Uhr, Rosen- thalerstr. 57, bei Bauer, Mitgliederversammlung. Gäste willkommen. Eingegangene Druckschriften. Von der„Neuen Zeit"(Stuttgart, Dietz' Verlag) ist soeben das 44. Heft des 29. Jahrgangs erslbieuen. Aus dem Inhalt des Heftes heben wir hervor: Franyois Vidal. Ein französischer Socialist des JahreS 1848. Bon Paul Louis.— Herrnhut und sein KonlMnnismuS. Bon einem Herrn- huter.— Aus dem badischen Landtag. Von Emil Eichhorn-Mannheini.— Ein nationaler Kampf in der Türkei.(Aus Anlaß der Weihe Firmilians.) Bon Milornd Popovitsch.— Baucoutroleurc aus Arbeiterkreisen. Bon Otto Streiiie.— Wirtschaft und Kunst. Bon Friedrich Hertz.— Litterarische Rundschau: Jahrbuch der bildenden Kunst, 1992. Die„Neue Zeit" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch- haiidluugcn, Postaiistalten und Kolporteure zum Preise von 3,25 M. pro Quartal zu beziehen. In der Zeitungspreisliste der Postanstalten ist die „Neue Zeit" unter Nr. 5389 eingetragen, jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. Das einzelne Hest kostet 25 Pf. Probenummern stehen jederzeit zur Berfiigimg. „Der Arbeitsinarkt", Halbmonatsschrist der Centralstell« für Arbeits- markt-Bcrichte(Herausgeber Dr. I. Jastrow, Berlin, Berlag von Georg Reimer). Die als Organ des„Verbandes deutscher Arbeitsnachweise" erscheinende Zeitschrist enthält in Nr. 21 des 5. Jahrganges unter anderm: Tagesordnung der Verbandsversannnlung und Arbeitsnachweis-Konserenz. — Sitnationsberichte ans einzelnen Gewerben: Bergbau(Arbeiter- entlasiungen und Förderung im Ruhrkohlen-Bergban. Niedergang im niedcrschlesischen Kohlcnbezirk); Brauereigewerbe(Umfrage über Brauerei- arveitcr im München).— Sitnationsberichte ans Plätzen und Lä..dern: Gotha.— Slaiistisches Monatsmaterial: Internationale Streikstatistik.— Börsenkurse.— Mnrkenerlös der Landes-Bersicherungsanstalteii.— Hans- haltskosteii. Konsum: Rückgang des Fleischverbrauchs in München.— Lebensmittelpreise im Juli. „Dos Gewerbcgericht�, Monatsschrift des Verbandes Deutscher Ge- Werbegerichte.(Verlag von Georg Reimer in Berlin.) Die Zeitschrift enthalt in Nr. 11 des 7. Jahrganges außer der Rechtsprechung in deutschen Gewerbegerichten und Berusungsgerichten(Chemnitz, Frankfurt am Main, Charlottenbnrg, Sotingen und Elberfeld), andern deutschen Gerichten(Landgericht Düsseldorf), ausländischen Gewerbegerichicn(Graz) u. a.: Der Arbeitsvertrag der Seelente. Von Mag.- Ass. Dr. Luppe.— Tie Baubude. Aon Amtsrichter Fr. Bmchardt.- Versaffimg und Ver- fahren: Ausschließung der Anwälte von den Gewerbsgerichten.— Eiingungöämtcr: Eimgungsamt der Innungen in Berlin.— Recht des Arbeitsvertrages:§ 616 in der Berliner Stadwerordneien-Versammlung.— Allgemeines: Genehmigung kurzgefaßter Gewerbegerichts- Statuten.— Lippisches ZiePer-Eewerbegericht.— Neue Formulare für die Gewerbe- gerichts-Stntistik in Preußen. Ter„Süddcntsche Postillon" feiert in der 16. Nummer das An- denken Manfred Wittichs, einer echten wahren Poetennatur. Wie ein fahrender Sänger der alten Zeit ging er durchs Leben, immer arm wie eine KitchenmauS, aber von uttverwüstlichem Humor, sagt Ernst Klaar in ieinem vortrefslichen Nachruf. Diese» ziert cin Bildnis Wittichs, sein Töchterchen Hilde aus dem Knie; hier spricht ein Glück und eine Sceligkeit aus den Zügen nnsres tapferen liederreichcn Barden, wie sie ihm'eine Kanipfgenossen niemals zugetraut hätten. Dies Porträt ist sicher eines der besten Bilder, die von Millich existieren. Auch itachgelassettc Beiträge von Wittich bietet die Nummer. Arbeitersekretariat Bremen. Zweiter Jahresbericht. Geschäftsjahr 1991. Selbstverlag. Vevmifchkes- Sammlungen für die Opfer der Hamburger Dampfer- katastrophe, die zum größten Teil der organisierten Hamburger Arbeiterschaft angehörten, hat das„Hamb. Echo" veranstaltet, das Ergebnis derselben macht der Hamburger Arbeiterschaft hohe Ehre. Auch das Bnndespräsidtum des Württembergischen Arbeiter-Sänger- büNdeS veranstaltet unter den Bnndesvereinen des Landes zur Unter- stützung der Hinterbliebenen der bei dem Schiffsnnglück umgekom- menenen Mitglieder des Gesangsvereins„Treue" in Eilbeck eine Gcldsammlnng. Er bringt dadurch die Sympathie mit den Unglück- lichen und die proletarische Treue und Sotidarität zum wirksamsten Ausdruck.— Neuer Einstnrz i» Venedig. In Venedig fand eine nette Katastrophe statt. Die Lufterschütterung eines Blitzschlages bewirkte den Eiitstnrz des großen Settenfensters und eines Teiles der Säulen der Basilika S.S.' Giovanni e Paolo. Die Bevölkerung ist hierüber sehr erregt; es wurde sofort eine Utttersnchnng eingeleitet. Giovanni e Paolo ist eine der prächtigsten Kirchen Venedigs. Ferner wird vom 4. Aiigust gemeldet: Die Anzeichen, daß der Palazzo Reale durch den Einsturz des Campanile in bedrohlicher Weise in Mitleidenschaft gezogen wurde, mehren sich. Schon in den letzten Tagen wurde eine Erweiterung der Mauerrisse bemerkt, und eiserne Träger, ivelche die Mauerteile zusammenhalten sollten, brachen. Gestern morgen fand man auch an der zweiten Säule, vom Campanile aus gerechnet, Sprünge; im dritten Bogen fand man Marmorschild und Gesimse gebrochen. Der Sprung reicht bis zum Dach. Lautes Krachen hatte nachts die Aufsichtsorgane auf- mcrksam gemacht, daß sich neue Risse bilden. Eisenbahnunglück. Corunna, 4. August. Ein Eisenbahn- zng fuhr bei der Einfahrt in den Bahnhof infolge Versagens der Bremsvorrichtung gegen eine Mauer. Eine Anzahl Per- s o u e n wurde verletzt. Briefkasten der KedaKkum. Di« jtitistische Sprechstiinde findet täglich mit NtiSitahme des Sonnabends von?>/, bis UV,>>br abends statt. Jürgen Wüllentveber. Die 25 Pfeimig- Sonntage in der Großen Berliner Kunst- Ausstellung finden am zweiten und letzten Sonntags jedes Monats statt.— Die Redaltion wäre sehr inimssiert, diese Adresse selbst zu At. 41. wissen. Karl B. W. M. k Ihre Fragen sind durchweg mit Nein zu beantworten.— Der Sirafbesehl ist berechtigt.— H. K. SO. Der Miets- stempel ist für Sie richtig berechnet.— Elba. 1. Die Betreffenden haben kein Wahlrecht, weil sie nicht Mitglieder der Kasse sind. 2. Wenn 7 Arbeits- tage vorliegen, werden 7 Tage berechnet.— Glcditschstr. 17. Etwa zwei Spinden und den Regulator.— Paul in W. Die zweijährige Frist läuft nicht, weil innerhalb derselben Unterstütziing gezahlt wurde. Die Annendirektion ist formell im Recht. Wegen Berlnttgenittg der Frist und Zurücknahme der Bersügung müßte der Betresseiidc sich an die Armen- direktton wenden.— E. B. 49. 1. Ja. 2. Nein.— S. W. Nein Witteritugsüberstcht vom 4. August 1993, morgens 8 llhr. Stationen Swinemde. Hantbnrg Berlin Frankf./M. München Wien -- s a« 759 SW 759 SSW 769 SSW 762 SW 765 O 764 W gl Weller 3 bedeckt 2bedcckt Iwolkig 2 wolkig Zwolkenl aiiuulfctti ÄK c» »l! Stationett LL £s 1« 2 c § S Haparanda! 7g9NO Petersburg 758NO . Cork 75gSO 15|Aberdecn— I— 14.Paris 762© 17(| Wetter-Prognose für DienStag. den 5. Angnst 1992. Etwas wärmer, zunächst ziemlich trübe mit leichten Regenfällen und schwachen südwestlichen Winden; später vielfach heiter. Berliner Wetterb urean. ktzür den Jiiliatt der Inserate tiberttiimtu die Nedakiivn dem Pnblikiini gegenüber keinerlei BeraiitNtortnng. T IjcirU'v. Dienstag, den 5. A n g u st. NeucS Opern- Theater«Kroll). Boccaccio. Auf. 7>/, II Kr. Im Licderspiclhaus; Ossenboch- Cyclus. Paimpol und Perinctte. Der Regimentszanberer. Fritzchett und Lieschen. Anfang 8 Uhr. TentsclteS. ES lebe das Leben. Aitsang 7V? Uhr. Lessitig. Sa leben wir. Berliner. Ali-Heidclbcrg. Westen. Die Bratitloiierie. Ans. 7'/- Uhr. Metropol.(Morwitz-Opcr.) Die verkaufte Braut. Anfang 8 Uhr. Neues. Ledige Leute. Anfang 8 Uhr. Eabl Weist. Der Dämon. Hier- auf: Sie. Anfang 8 Uhr. Ariedrich-WilhelmsindtiKticS. Der Zerrissene. Ansang 7»/, Uhr. Scccssioii. SilbersieiiiL Flitter- wachen. Anfang 8 Uhr. Wolzogens Buntes Theater. (Ueberbrettl.) Anfang 8 Uhr. Sipolto. Lhsistrata. Specialitäteu- Borstelliiiig.'Ansang 8 tUir. Neichsballen. Stetinier Sänger. Anstma 8 Uhr- Passage- Theater. Spccialilnieii- Vorflellttttg. Anfang nachmittags 5 Uhr. Passage- Pauopttknin. Speciali- läteii-Vorsiellnitg. llrania. Tanbeastr. 48/19.(Im Theaicrsaal.) Abends 8 Uhr: Die deutsche Ostsccküstc. Jnpaiidenstraste 57/62. Täglich: Stertnvarte._ lietropI-Wer Morwltz-Opcv. Abends SUltf: Die verkaufte Braut. Kont. Oper in 3 Akten v. Smetana. Kationaltänze v. 16 Tänzerinnen. Mittwoch: Franceochina Prevosti. Carmen. Donnerstag: lirnani. (Der Bandit.) fc.— Vorletzte Woche. Apollo- Theater und Konzerl-Catten. Um 8 Uhr:»ie ncacn SSpccialttliton. Um 9 Uhr:"T Lysistrs Ltn. Leonidas.. Robert Stoidl. Konzert 7 Uhr. Anfang der Vorstellung 8 Uhr. rama. Tauben-Strafese 48/49. Im Theater um 8 Uhr: Oie deutsche Ostseekuste. CASTANS Panoptikum Frledricli-Strasse 165. Das berühmteste Wachsfiguren- Kabinett der Welt. Beachtenswerte Neuheit: Lebende Bilder, ausgeführt v. einem Ensemble junger, schöner Damen. Täglich nachmittags ab 5 Uhr: ilitär- Doppel-Konzert. Gastspiel des könlgl. Bayrisotien 21. Infanterie-P.eglments. Kffl- Musikdirektor Jul. Schreck. Knti'ce 1 M., v. O Uhr ab SO Pf. Kinder unter 19 Jahren die Hälfte. c arl Weiss-Theater. Grosse Frankstirlerftr. 132. Abends 8 Uhr: Oer Oämon. Schauspiel in 7 Bilder» von Ernst Riiterfeldt. Hierauf:„Sie". Nacht- scciie in 1 Alt von Schätzler-Perastni. Im Gatten: Neues Specialitälen. Programm. 5 Uhr._ Ostbahn-Park. gm Küstrlnerplatz. RUder8dorfer8tr.7I. Hermann Imbs. Täglich: Cr. goiüftt, Thmter- imb Spttiiititiiteii- Vorfteliung. Passage-Tlieatep. Das Elite August-Programm. ilice Markertl | Darstellerin komisoherVolks- 1 typen. j Willy Pragei*] (Prolonglcrt!) (IG nene crstkl. Nummern, irassage-PanopticuiP.i Diolcs Pariser Marionetten-Theater. J Arabischer Fakieru.Feuermensch. I Vrater-Theattt Kastanien- Allee 7—9. DU-pIlrli: Johauniszatlber. Operetten-Burleske in 4 Bildern von W. Gericke. Musik von Schmidt. Hedwig Döring, Kostiim-Soubrette.— Eugen Mltardo, Tanzhumorist.— Girfiiu Loyal.— Leodiskas Kakadus, koniische Rcckturner.— The Elrados. Mdm. Georgette, Feuer- u. Flammen- tanz.— Ncbcnde Photographien. (Neue Serie.)— Konzert. Ansang 4 Uhr. Eintritt 39 Pf., iiiimerierier Platz 59 Pf. Kalbo. Fröbels Allerlei Theater fr. Puhlvann, Schönhauser Allee 148. Eliltz Betlilt amöficrt sich! Kommen! Sehen! Hören! Sionnen! Karl Braun Ä» Otto Waldemar tt- Lau et Georges$ Les Fougeres tö Christon W Flora-Truppe# DM- Lebende Bilder. IPO Unser Uiwldjungc. Großes Wolksstück mit Gesang. Täglich: Gr. Ball. Anfang 5 Uhr— Entrce 39 Pf. Am 15. August: Karl Brann-Bcncfiz. Max Kliems Sommer- Theater. Hascnlicidc 13—15. Artistischer Leiter: Gust. Bock. Täglich s Gr. Konzert Theater- u. Specialitäten-Vorstellung Jeden 1. und 15. d. Monats; Wechselndes Programm! Donnerstag: Elite- Tag. Hasenheide 108/114. Arnold Scholz. Heute Dienstag, den 5. August: 4779L Gr. Gala-Speeialitäten-Yorstellung. � Gratis-Vertens eines lebenflen Ponnys. Anfang des Konzerts 5 Uhr, der Vorstellung 6 Uhr. Eintritt 30 Pf.' Kaffeeküche. Ät 3 Kegelbahnen.& Russische Rutschbahn. Morgen Mittwoch: fcsüj?- OrostscH Erntefest."HWV Avis; Motttag, den 25. August: Benefiz für Herrn Hoffmaiin. W. Noacks Theater. Brniineuftiaß« 16, Tägltch Vovstellnng. Das tanzende Verlin. Posse mit Gesang und Tanz von Leopold Ely. Nur keine Männer! Burleske mit Gesang von Gericke. Im Saal: Danzlirilnzcken. m Bernhart! Rose-Theater Gesundbrunnen, Badstr. SS. Das große Weltstadt-Prograinm.! Um 8 Uhr:! Btrliilniie's batitil.krttcht. Gr. Posse mit Gesang in 2 Bildern I von L. Elp. Musik v. R. Thiele. Anfang 4 Uhr. Entrec 39 Pf. Vorzugskarte» haben Gültigkeit. Kaffecküchc.— Ball.— Mittwoch, 6. August: Grosses Gartenfest. DicuStag, den 12. August: Benefiz für Karl Lohrmann und Waldi Jastnöky:„Der Bettel- fiudent van Berlin"._ 1 Sanssouci Kottbnscrstr. 4 u, Station der Hochbahn. Täglich im Garten, bei un« güiistig.Witterung imSaal: ElofTniaiuiM Nörddeiitsche Siiiiger und Konzert. Sctmtag, Montag und Donnerstag nach der Soiree: Tanzkränzcheu, Tanz frei! Ansang Sonntags 5 Uhr, E»tree39 Pf., ab 9 Uhr 29 Ps. Ansang Wochentags 6 Uhr. Entrce 39Ps., ab 9 ilhr 29 Pig. «»5kt»Ikr«mk»f n. S»tU»°�r«lrt Merl littieß imter�nrastlebUgabrtt .•eilisel Ife HOssner,. taUrRmUHtihe» 1.6.«atal-g- stet. Am Ktfnigstlior 42029* Am Eriedrlclishaln DtzH? Täglich: Theater- tiild Specialitiiteil- Borsteslililg. Taglich bis 7 Uhr: Freier Damentanz. Jeden Abend 19 Uhr: Die Ballettschnle. Große Gesangspofse mit Tanz v. Anno. Lommerriieater Marienbad Badstr. 35/36, Gesundbrunnen. Neu! Täglich: Neu! Großstadtlebee». Gr. Ausstaltiittgspossc in 2 Bildern von Reichard. Musik von Schmidt. Iis SnecliUltUteii. (Sittree 29, 39 und 59 Pf. Sonntags: ISsII» Empfehle meine Räumlichkeiten den verehrten Vereinen und Gewerkschaften bestens, billigste Bedingutigen. Richard Wagner. vivksksllv n. Täglich: Stettincr Sänger. Atisang: Wochentags 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr Tageskasse 11-1'/, Uhr Dr. med. Schaper homöoja, Arzt u. Spez.-Arzt f. Haut- u. Harnleiden, FrauenkranJch eiten. Königgrätzerstr. 27. Spr, 2-1. 4-7. Dr. Simmel, Prinzenstr. 41. Specialarzt für 31/9» Hant- nnil llnrnlciilen. 10-2, 5-7. Sonntags 10-12, 2-4. :% PsM wt 50 Ii. ' Itackware 6 Stiirt für 19 Pf. Albreclits Vilckcrclcu: Wraiigeisirasse 9, KrantstraKe 19, stalkensteinstr. �8, Laitsihcrstr. 3. Kranz-«Ith Vlümeilbhlijerci noit Robert Meyer, mir Mamiuieil- Straße 2. Dereins-Kränze, Palmen- n Blniiieii- Arraugeinciits, Bougnets, Guirlanden usw. werden fein n. preiswert geliefert Ifiieli-pellmaa empfiehlt sein Lager in Bruobban» dagen, Leibbinden, Geradehaltern, Spritzen, Suspensors, sowie sSmtl, Artikel zur Krankenpflege. pfT" Eigne Werkstatt. Licfcratii f.Oris-tt, Hilss-Krankcnlasscn Berlin 9., sZ762L« 30. Nttteil-Slmße 30. 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Abwechselungsreiohes Programm.— Abfahrt früh 71/, Uhr von der Jannowitz-Brücke(Schultheiss' Restaurant). Biliets a 1,35 M.(Kinder frei) sind zu haben bis Donnerstag, den 7. August, bei Raul, Barnimstr. 42; Gottfr. Schulz, Admirai- strasse 40a; Krause, Müllerstr. 7a; Vogel, Demminerstr. 3-; Borsch, Engel-Ufer 15. sowie bei den Vorstandsmitgliedern. SocialdemoKrat. Wahlverein für den 4. Berliner Reidistags-Watilkreis(Osten). Dienstag, den 5. August, abends 8 Uhr, Grosse Franbfnrterstr. 117; MT ¥ei,isammlang>.-HW _ TageS-Ordnung! 1. Vortrag des Schriftstellers Dr.»udolk Steiner. S. DiSluffion. Um zahlreichen Besuch ersucht 243/18' 3. Verschiedenes. vor Vorstand. Central-Verband der Maurer Deutschlands ZweiflYereln Berlin, Sektion der Patzer. Mittwoch, den 6. August, abends 7 Uhr, in den Arminhallen, Kommandantenstr. 20 IVIitgslieder« Versammlang;. TageS-Ordnung: .. ,.l- Abrechnung vom II. Quartal 1902. 2. Situationsbericht und»Wie weit ist die Resolution I vom v. Juli d. I. zur Durchführung gebracht? 3. Verbandsangelegenhciten. Um zahlreiches und pilultlicheS Erscheinen der Mitglieder bittet 13/419 I>le Oftllcho Verwaltung. I. 9t.: H. Neumann. KB. Unter allen Umsiiwden ist der Bau WilhelmShafeucr- und Quitzowstr.-Ecke. Ausführender Bielicke, zu meiden. Daeildeeker Deriins u. Umgegend Dteustag, den 5. Zlugiift ct.. abends 8»Hr, im„Üngllsohen Garten", Alexanderstr. Z7e: Oeffeutliche Versammlung. KAm Sonnabend, den 2. August, verstarb nach 13monatliche»l Leiden mein innigstgeliebter Bruder Kermaun GrUnhofT. Dies zeigt tiefbetrübt an s47S?L Die trauernde Schwester Frau JEmma Wlchmann. Für die überaus zahlreiche Beteili- gung bei der Beerdigung unsreS un- vergeblichen Sohnes 47oSL Nox villan sagen wir allen Freunden und Be- kannten, insbesondere den Mitgliedern des TurnoereinS„Fichte" sowie dem Arbeiter-Personal der Firma Böhme uusem herzlichsten Dank. Die tranernden Hinterbliebenen. TageS-Ordnung. Bericht der Kommission über den Stand unsrer Lohnbewegung. »4/5 Der JSlnberuk« er. Verband der Möbelpolierer. Morgen: Sttillllg der Vertrsuevsmälluer. Für«sten: Slbends 7 Uhr Blumeuftr. 38. 146/16 » Südosten: Abends 7 Uhr Sfalitzerstr. SS. . Norden: AbeudS 8»/, Uhr Brunne, istr. SS. Jede Werlstatt mub vertreten sei». Der Vorstand. Aus die Erklärung der Firma Kahnt u. Herher in Nr. 178 dieses Blattes erttäre ich, daß nicht ich. sondern die Firma Kahnt u. Herher die Vereinbarungen nicht eingehalten bat. Ich bin gern bereit, den Beweis dafür anzutreten.«lül'SCKel. *1568_ Amt I Nr. 5121. Anzug-, Paletot-, Hosen-Stoffe. Ranmungs-Ausverkauf!!! Die Bestände unsres Ladeiigeschäfts SpsneSsusi'S�ß». 22/23 werden wegen Aufgabe des Lodens zMffl bedeutend unter Preis ansverkauff.(4778t* Brenner& Co. ßiiirotMiiib LtrsM-Lagcr W: Köuigstr. 46 1. liestv sziottKiNNK-. Xen l Berliner Schweiz Irden Dienstag 2 Uhr: Kxtr»fahrt mit Musik der Dampfer-Gesellschaft„Stern*. 4S47L* er, Etablissement SÜd< 75 Waldemarstrasse 75. 46958* Mehrere Sonnabende sind noch zur Herbstsaison zu vergeben. Zlicilildcmoliriilischer Mhiormii für den ö. Bnliiter Rtillisi«s-Zvahil!rtis. Dic»«Stag, den 3. August, abcudö 8'/e Uhr, im Lokal von Wwe. Schirm, Badstrahe Nr. ID: ZW- Versammlnag--MZ Tages-Ordnung: L Vortrag des Stadtverordneten Urltz Wllke über: Praktische Winke zur Landagitation. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 248/17« per- Gäste- auch Damen als Zuhörer- Ivilllommen.--VG Zahlreichen Besuch erwartet_ Der Vorstand. Wliumit«IiirmMtN Ecke" /�It»SOxksg«n Klo, LL, LeKe Lgiinhotstrssse. (2 Minuten bis Bahnhof Stralaii-Rummelsburg.)_ 47458* ßty Die Kegelbahnen sind erUfTuct.-Mß Um geneigten Zuspruch bittet ClllSiSV Tettipel, Fordern Sie in den Tabakhandlnngen BänisoKen Feinste Marke 5»nd 10 Pf. Schleifen. Nur echt, wenn sich im Tabak der Firmenzcttcl mit Knktr bcsindet. 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H. Kurulckcr, Lethrlngerstr. 8, am Prenzlauer Dhar.* �teppdeelik billig8t�PMjk°7r.«etSS �anco�mil Lefhre,B%liD Deutscher Holzarbeiter-Verband. Mittwoch, C. August, abends 8Vi«Hr. bei Keller, Koppenstr. LS: Gettevoil�Vovsettttlnlung. TageS-Ordnung: 1. Kaflenbtticht vom II. Quartal. 2. Bericht des Vorstandes, des ArbeitSvermittlers, der Werkstatlkontrollkommission, des Gauvorstandes. 3. Ersatzwahlen für die Ortsverwaliung. 4. Wahl des SlrbeitsvermUtlers. 5. Anträge._ 67/3 @M- Eintritt nur mit Mitgliedsbuch.*93 Die Mitglieder werden ersucht, zahlreich und pünktlich zu erscheinen. Dl« OrtsvcrnaUnng. Musikiustrumenten-Arveiter. Der Genernloersaminlung wegen kanu die für diesen Tag angesagte Versaminluiig erst am 13. August stattfinden. Dl« Kommission. Dienstag, den 5. Augnst, bei Sclimidt, Gartenstr. 13: VvenckenVorpAMtnlung. TageS-Ordnung: 1. Die Differenzen unsrer Kollegen bei Altmanu in Marienfelde 2. Verbandsangelegenheite». 8. Verschiedenes. BtT" Die Vertrauensleute werden ersucht, für die Versammlung besonders zu agitieren._ Der Obmann. Deutsch. Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Burea»: Engel-Ufer 15. Zimmer 1—5, Telephon Amt 7 Skr. 353 Mittwoch, den 6. August 1902. abends 80z Uhr Koufereoi der Vertrauensleute des Ostens bei Gold, Gr. Crankfnrterstr. 133. 118/14 Mittwoch, den 6. August 1902, abends SVz Uhr Konferenz der Vertrauensleute des Westens bei Knnike, UUlowstr. 59. Zahlreichen Besuch erwartet Die Ortsverwaltnng. Arbeiterliertreter-BereiilVerliit Donnerstag, den 7. August, abends 80s Uhr General � Verlmzunlimg im GewerkschaftShanS, Engel-Ufer 15. TageS-Ordnung: E3/7 1. Bericht des Vorstandes. 2. Bericht des Kassierers. 3. Neuwahl des Borstandes und der Revisoren. 4. Verschiedenes. Zahlreidies und pünktliches Erscheine» dringend erwünscht. Der Vorstand. I. A.: E. Warnst. Achtung! Achtung! Bauarbeiter.(Steinträger.) Der Bau Oldenburgstr. 15, verlängerte Ottostrahe, Unternehmer Thled» ist für organisierte Kollegen gesperrt.— Zuzug ist streng fernzuhalten. Dl« Dolinkonimlsslo» beider IClclitnngen. 43/6 I. St.; Karl Heidemann. Hermann Norget. s Pfennig, Jedes Wort. A'ut das erste Wort fett. Worte mit mehr als 16 BucJistaben zählen doppelt, l€!eine ßmeigen. Anzeigen in den Annahmestellen für Berlin bis 2 Uhr, f ür die Vororte bis 1 Uhr, in der Hauptexpedition Beuihstr.3 bis 4 Uhr angenommen, Verkäufe. Restanration. voller Schank, billig verkäuflich Näheres Schoppan, Beuffei- strahe 79. 1-81« GarMnellhaus Grobe Krnnksurter. sirnhe 9, parierte.+37* Herrenanzüge, Paletots, elegante Ausssihrnng, geringe Teilzablnng. Kurzberg, LandsbergerstrabelZ. l2l5K« Porjährige elegante Herrenhosen aus selnsie» Stoffe» 9—12 Mark. Verlaus Sonnabend»itd Sonntag. Versandhaus Germama, Unter de» Linde» 21, ll._ 124211* Weiche Herrenhüte, gute Qualität, Stüd 95 Psennig. Besiere Sachen enorm billig. 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Druck und Lerlag von Mar Babing i» Berlin.