Ar. 183. ZUwm»ments•fröfttpnfltn: Abonnements- Preis pränumerando! vierteljährl. 3,30 Ml., monall. l.lo Ml., wöchentlich 28 Plg. frei ins Hau». Sliuelne Nuinm-r S Pfg. Sonntags- Nummer mir»lunricrier Sonntags- Leilage„Tie Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: l.IV Marl pro Mona,. Eingetragen in der Post-ZeitungS- Preisliste für IVOS unter lir. 7878. Unter streu, band für Teutschland und Oesterreich- Ungarn s Marl, für da» übrige Ausland s Marl pro Monat. Aricheittl täglich nutzer Zvonlns». IS. Jahrg. Die Knserttons-Gelmyt beträgt für die sechsgespaltene Koloneu zeile oder deren Raum 10 Pfg., für politische und gewerlschastltche Vereins- und AerfammlungS- Anzeigen 20 Pfg. ,, Klein» Auietgeu" jedes Wort 5 Psg. (nur daS erste Wort fett). Inserate sür die nächste Nummer müssen dtS 1 Uhr nachmittags in derErpedition abgegeben werden. Tie Expcduion ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und gesttazen bis ö Uhr vormittags geöffnet. Devltner Volksblatt. Telegramm-Adreste: „Korialdeurokrat vrrlin» Csntrawrgan der socialdemokratischen Partei Deutschtands. Kedatttion: SW. 19, Beuth-Strshe 2. Fernsprecher- Amt 1. Nr. 1508 Die pren�ische Regierung und die Wohnungsfrage. Wenn man die Wohnungspolitik der preußischen Regierung nach den hochtönenden Phrasen beurteilt, mit denen in Thron- reden. Ministerialerlassen und gelegentlichen Parlamentsreden auf die Wohnungsverhältnisse der minderbemittelten Volks- klassen hingewiesen und die Notwendigkeit einer Beseitigung der knlturwidrigen Zustände gefordert wird, so könnte man zu der Ansicht der gegenwärtig in Berlin tagenden Haus- agrarier verleitet lvcrden, daß die preußischen Minister kleine Socialdemokraten seien. Ein ganz andres Bild aber entrollt sich uns, wenn»vir die Herren nicht nach ihren Worten. sondern»lach ihren Thaten beurteilen. Wahrhaftig, die preußischen Hausbesitzer können ruhig schlafen. Sie können weiter die Bevölkerung ausbeuten und t»iraunisieren; von der preußischen Regierung wird ihnen kein Haar gekrümmt werden. Bereits in der Thronrede, mit der der Landtag an» 8. Januar 1901 eröffnet wurde, wird darauf Hingelviesen, daß die Gestaltung der Wohnungsverhältuisse, nanientlich in den dichtbevölkerten und überlviegend industriellen Gegenden, weitere, die verschiedensten Gebiete kommunaler und staatlicher Fürsorge berührende Maßnahmen erheische. Es»vird weiter gesagt, daß die Staatsregierung in der Erörterung darüber begriffen sei,»vclche Anordnungen im Verwaltungswege zu treffen und welche einer gesetzlichen Regelung zuzutveisen sein werden, um die hervorgetretenen Mißstände zu mildern und naincntlich dem Wohnungsbedürfnisse der minder benüttelten Älassen nach Möglichkeit abzuhelfen. Jrgeudlvelche nennens- werte gesetzliche Maßnahmen folgten diesen schönen Worten nicht. Auch die bekannten Wohuuugscrlasse vom 19. März 1901, die bei bürgerlichen Socialpolitikeru eine förmliche Bc- geisterung über die sociaipolitische Einsicht der Regierung hervorriefen. sind, bei LichW besehen, nichts als nette Redensarten, die sich auf dem Papier hübsch ausnehmen mögen, deren Uebertraguug in Thaten aber wohl noch lauge auf sich warten lassen wird. Im Grunde ge- nommen kommen sie doch nur darauf hinaus, daß die Re- gierung das Odium der Unthätigkeit auf dem Gebiete der Wohnungsfürsorge von sich auf die Gemeindevertretungen abzuwälzen sucht. Diese wieder können nicht ohne einen Schein von Recht behaupten, daß die staatliche Gesetzgebung sie hindert, einschneidende Wohnungsreformen zu ergreifen. So schiebt inimer ein Faktor die Schuld auf den andren, und den Schaden hat die Bevölkerung, insbesondere die Arbeiter- klaffe. Zu einem„energischen" Schritt raffte sich die Regierung endlich im lausenden Etatsjahr auf. Sie forderte die An- stellnng eines Wohnungsinspektors in Düffel- d o r f. Dieser Mann soll dem Regiernngspräsidenten in Düsseldorf wegen der dort besonders schwierigen Wohnung?- Verhältnisse beigegeben werden, seine Thätigkeit soll sich auf die Kontrolle der Ortsbehördeil einschließlich der örtlichen Wohnungskommissivnen, auf die Feststellung der örtlichen Wohnungsverhältnisse, auf die gleichntäßige Handhabung der einschlägigen Vorschriften im gesamten Regierungsbezirk, auf Maßnahmen zur Beffernng der Wohnungsverhältnisse und auf die Förderung der Wohnungspflege, namentlich auch des gemeinnützigen Bauwesens, erstrecken. Er wird aus der Zahl der höheren Banbcaniten entnoinmen und bezieht das fürstliche Gehalt von 3600 M.. das bis auf 5700 M. steigen kann. Dieser an»nd für sich ganz unbedeutende Schritt erschien der Regierung von„pnncipieller" Bedeutung und entflammte Herrn v. Rheinbaben zu einem Lobeshhmnns auf sich selbst. Seine Worte sind zu charakteristisch, als daß wir sie über- gehen könnten: „Ich habe als Minister des Innern den Anlaß dazu gegeben, daß die Frage dcS Erlasses eines Wohnnngsgesetzes ivicdcr in Angriff genommc» ivorden ist: denn ich halte die Regclnng der Wohnuitgsfrage für ehre der wichtigsten Aufgaben unsrer inneren Politik, eine Aufgabe, bei der sich alle Konfessionen und alle Schichten der Bevölkerung, nieine ich, die Hand reichen können. Naturgemäß darf man hierbei auch nicht schablonisieren, sondern ivird den durchaus verschiedenen Verhältnissen in Stadt und Land. i» Großstadt und Kleinstadt. Rechnung zu tragen habe». Ich hoffe, daß dieser Gesetzentwurf, der in seinen Grnndzügen bereits aufgestellt ist, denniäcbst die weitere» Stadien durchlaufen und zu einer rvesentlichen Besserung der Wohnungsverhältnisse führen Ivird. Während die eigentliche Fürsorge auf diesem Gebiete nntnr- gemäß den Nonimunen obliegen ivird, die zugleich das nächste Interesse daran haben, die sanitären und wirlschaftlichen Verhält- nisse in ihren Gemeinde» zu bessern, ist es doch mich Aufgabe des Staates, wenigstens in gewissen Grenzen, helscud hinzuzutreten, und dazu rechne ich. daß, wo ein Bedürfnis vorhanden ist, der- artige Wohnungsinspektoren geschaffen werden. Es ist ja ganz natürlich, daß in den kleineren Städten bei dem iibermicgcndcn Einfluß der Hatiö- und Grundbesitzer sich die Wohnungsreforin nicht in dem Maße wird durchsetze» lassen, als es wünschenswert ist. nnd deshalb ist es wünschenswert und notwendig, ein obrigkeitliches Organ zu schaffen, das diese ganze Bewegung überdacht und, soweit nötig, vorangeht. Es ist wnnschcnsivcrt. den Regierungs- Präsidenten in den industriell besonders wichtigen Bezirken ein Organ beizugeben, das ihnen als Berater auf diesem Gebiete dient." Von besonderem Interesse ist an der Rede des Ministers der Lorwurf, den er, allerdings nur versteckt, gegen den Ein- fluß der Haus- und Grundbesitzer erhebt. Warum zieht die Regierung denn nicht die Konsequenz aus ihren Worten und bringt einen Gesetzentwurs ein. der das Privileg der Haus- und Grundbesitzer beseitigt, die bekanntlich in fast allen Gemeindevertretungen von vornherein über die Hälfte der Sitze verfügen? Dies Privileg der Hausbesitzer ist durch nichts begründet. Mit vollem Recht bezeichnete es der Oberbürgermeister Westerburg aus Kassel am 22. Mai 1897 im Herrenhause als enie Bestimmung,„die wohl seiner Zeit, vor50, 60 Jahren ihren Wert gehabt haben mag, von der aber heute das Goethesche Wort gilt: Vernunft»vird Irrsinn, Wohlthat Plage. Die Bestimniung hat heutzutage wenig Wert mehr, und nicht nur in den großen Städten, wie in Berlin, sondern auch in mittleren Städten ist durchaus keine Garantie gegeben, daß derjenige, welcher ein Haus besitzt, nun gerade ein besonders qualifizierter Mann für die Stadt- verordneten-Versammlung sein nnisse. Ich meine umgekehrt, daß schon oft jemand, der kein Haus besitzt, nicht bloß sich nicht zum Stadtverordneten weniger qualifiziert, sondern daß dieser sich vielfach noch besser dazu eignet. Die Verhältnisse haben sich aber vollständig geändert. Es giebt sogar hier und da eine geivisse Kategorie von Personen, die viele Häuser haben, die in Häusern viel spekulieren, die ich aber gerade nicht für solche Personen halten kann, die man in die Stadtverordneten- Versammlung besonders hinciuwünschen könnte. Jedenfalls sehe ich keinen Grund, daß das Gesetz selbst dafür sorgt, daß »nindestens die Hälfte der Stadtverordneten Hausbesitzer sein müssen. Ich halte diese Bestimmung aber auch nicht mehr im Einklang mit der neuen Kommunal-Gesetzgebung, wonach die Realbesitzer besonders herangezogen werden sollen." Vor einem Vicrteljahrhundert nahm die preußische Regierung einen vernünftigeren Standpunkt ein als heute. In einem Entwurf zur Städte-Ordnung, den sie 1876 dem Land- tage vorlegte, der aber nicht Gesetzeskraft erlangt hat, wollte sie die Bevorzugung der Hausbesitzer beseitigen. Heute denkt sie anders; die Reaktion erblickt in dem Haus- besitzer- Privileg ein Mittel, den Socialdemokraten das Eindringen in die Gemeindevertretungen zu erschiveren, und deshalb will sie es verewigen. Noch vor wenigen Mo- naten, am 17. Januar, sprach sich der Fiuanzminisrer dahin aus, das Privileg der Haus- und Grundbesitzer abschaffen, hieße das Kind mit dem Bade ausschütten.„Wir können die Haus- und Grundbesitzer in städtischen Behörden nicht ent- behren, weil sie das stabile und erhaltende Element sind." So ist der Minister von dem Wert der Haus- und Grundbesitzer durchdrungen, und das, obivohl er in demselben Atenizuge eingestehen muß, daß es vorgekommen ist, daß sie auf verschiedenen Gebieten, namentlich auf dem Gebiet des Wohnungswesens, nicht so„»veitsichtig" sind,»vie es von allgemeinen Gesichtspunkten aus erwünscht ist. So lange die Regierung nicht die Beseitigung des Pri- vilegs der Haus- und Grundbesitzer in Angriff nimmt,»vird man ihren Mahnungen an die Gemeindebehörden auch nicht die geringste Bedeutung beimessen dürfen. Ja, man könnte sogar zu dem Verdacht verleitet werden, daß die Mahnungen an die Komninnen nur deshalb ergchen, damit die öffentliche Aufmerksamkeit von den Maßnahmen der Regierung selbst abgelenkt wird. Denn das, was bisher in Preußen auf deni Gebiete des Wohuungsiveseus durchgesetzt ist, ist gleich Null. Sehen»vir von der Schaffung eines Wohnungs- inspektorats für Düsseldorf ab, so bleibt an gesetzgeberischen Maßnahmen nur die lex Adickes und die Bewilligung von ein paar Millionen sür den Bau von Beaniten- und Arbeiterwohnungeu übrig. Die lex Adickes ist zu einen» Gesetz rein lokalen Charakters umgeivandelt worden, zu einen» Gesetz, das sich nur auf Frank- furt a. M. bezieht und zuden» den Interessen der Grundbesitzer so sehr Rechuuug trägt und mit so vielen Mängeln behaftet ist, daß nian es schiverlich als einen Fort- schritt auf dein Gebiete der Wohnuugsgesetzgebung bezeichnen kann. Und»vas die vom Staate errichteten Arbeiterwohuungen betrifft, so wird man aus den Verhandlungen über die ver- schiedenen Kreditgesetze den Eindruck gewouneii haben, daß die Regierung hierbei in erster Linie an sich selbst und erst zuletzt'an die Arbeiter denkt; sie will dadurch, daß sie die Uuterbeamten und Arbeiter in Abhängigkeit von sich bringt,»vie sich Graf von Hohenthäl im Herreuhause so drastisch ausdrückte, einen gewissen Einfluß auf die patriotische Gesinnung der Leute gewini»en. Mit seinein geflügelten Wort„Wes Brot ich esse, des Lied ich singe", hat Graf Hohenthäl den Gefühlen Ausdruck gegeben, die nicht nur ihn und seine Standesgenossen, sondern auch die Herren von der Regierung beseelen. Die Erziehung der Arbeiter zur Unterwürfigkeit und zur Gesinnungssklaverei. nicht aber die Schaffung'billiger Wohnungen ist es, was die gesetzgebenden Faktoren Preußens durch ihre„Wohnungsreformen" an- streben. Kaum ein einziger deutscher Bundesstaat ist auf den» Gebiete der Wohnungs- Gesetzgebung so rückständig»vie Preußen. Andre Staaten hahen wenigstens schivachc Ausätze zu Reformen aufzuweisen. Preußen aber hat nichts übrig als schöne Worte. Daß den Worten in absehbarer Zeit Thaten folgen, wagen wir nach dem bisherigen Verhalten der gesetz- gebenden Körperschaften nicht zu hoffen. Expedition: 19. Venth Ktrajje 3. Fernsprecher: Amt I, Nr. 51SI. Volitifchv VeberfiÄzt. Berlin, den 7. August. Kuhhandel-Dampfmaschine». In der Miitlvochsitzung der Zolltarif-Konimission fielen einige Schlaglichter auf den Kuhhandel hinter der Bühne. Im ersten Teil der Sitzung hatte die Konunissio» einen auffallend verständigen Beschluß gefaßt. War es bei Position 757 sGlaslvaren) den Socialdemokralc» nichl ge- lnngen, die von ihnen und der beteiligten Industrie lebhaft befürwortete Zollfreiheit für wissenschaftliche Instrumente wie Mikroskope, Thermometer uslv.) durchzusetzen, so soll nach dem am Mittivoch zu Nr, 891 gefaßten Beschluß»venigstenS ein Teil der wissenschaftlichen Instrumente zollfrei bleiben und die Wissenschast und Mechanik vor einem VerdummungSzoll bclvahrt bleiben. Als bald darauf die Debatte auf die Beratung der Zölle für Maschinen überging, gestaltete sich die Debatte der Mchrheits- Parteien zu einem Disput über die beste Art, Kuhhandel z» treiben. Der Bund der Landivirte markierte durch der Abgeordneten Hahn den Unversöhnlichen: die Schlotbaronie müsse erst die künstliche Lebensmittel-Verteuerung in der vom Groß> grundbcsitz geforderten Höhe von mindestens sechs Mark bewilligen Eine der Schlotbaronie etlvas entgegenkommendere Haltung niiint» Graf von Schwerin- Löwitz. Zu kuhhandeln sei nach zwo Nichtnugen: einmal mit der Schlotbaronie, ferner aber mit de» Regierung. Die schlecht gefütterte Schlotbaronie»vürde den bünd> lcrischen Zollwagen nicht mitziehen helfen: also erst Jndustriezoll- fntter, dann Getreidczvll-Einfnhr. Vom Centrun» trat der Abg Herold für eine ähnliche Taktik ein. Man solle lieber der. Sperling in der Hand behalten als der Taube aiq dem Dach nachstellen. Als erreichbaren Sperling wies er auf das Bündel imannehmbarcr Zollbeschlüsse betreffend Verteuerung der Lebensmittel hin. Freilich den Sperling müsse die Regierung bewilligen. Nicht mit Unrecht entgegnete ihm Hahn:>v e n n er du bündlerischen Forderungen für zutreffend halte, so sei ein Abgehen vor. diesen von seinem Standpunkt ans unverständlich. Noch unverständlicher freilich ist dann,»veshalb nur die Beschlüsse 1. Lesung und nicht auch die Vorschläge der Regierimg der Mehrheit annehmbar sein sollten Der Abg. Paasche traf daS richtige für seine Parteigenossen u n t sür die andren Mehrheitsparteien, wenn er als eigentliches Leit« motiv für die Änhhändler hinstellte: wir nehmen, was wi> kriegen können. Was wir von ansang an sagte», erhellt klar auch aus dieser Unterhaltung: Die Knhhändler haben sich über Annahme des Wucher- tarifs der Regicrnngsvorlage geeinigt. Das vorläufige Festhalten an dem einen oder andren der von der Regierung als unannehmbar bezeichneten Punkte ist Schein nnd belvußtcr Humbng. Die Mehrheitsparteien sind nur noch darauf bedacht, den Rückzug ans de» Regierungsentwurf durch Redewendungen zu verschleiern und gleichzeitig, wenn irgend möglich, auf diesem Rückzng noch ein paar Beutestücke mitgehen zu heißen.— Koinödieu der Uneinigkeit. Das demokratische Bürgertum schwelgt wieder einmal in Wonne» ränschen—»veil die Agrarier gespalten, verwirrt oder sonst was seien. Wenn Herr v. Wangenheim sich über seine Mitagrarier be> schwelt, wenn Herr Hahn wider Schlverin- Löwitz die Zunge zückt. wenn Posadowsky melancholisch an dem Zustandekommen deS Zolltarifs zweifelt— so preist der frcisinnig-demokratische Hans im Glück diese unsagbar köstlichen Funde. In das Gebiet bürgerlicher Ucbertölpelung gehört eine Berliner „Jnsormation" der„Frankfurter Zeitung", der von ihren» Bericht- erstattcr folgende Anekdote erzählt wird: „Wie denken Sie über den Zolltarif?" so wurde kürzlich ein bekannter hoher Rcichsbcamter gefragt.„Ich denke schon seit längerer Zeit gar nichts mehr darüber," ver« sicherte er, und das war ehrlich. Der bekannte hohe Reichsbcamte wird schmunzeln über die Ge- scheitheit des Frankfurter Zcitungs- Diplomaten, der auf diese Aus« strenung prompt hereinfällt und sie sogar für ehrlich hält. Welche andre Taktik könnten dann Regierung und Zollwuchermehrheit bc- folgen, als uneinig, verzagt, ratlos zu scheinen. Das ist doch das einzige Mittel, um die Zollopposition oder gar Zollobstrnktion zu erschlaffen. Freilich die Socialdemokratie ist gegen derartige „ehrliche" Geständnisse immun. Ebenso können die Agrarier gar keine andre Taktik einschlagen als die, sich uneins zu stellen. Der Bund der Landwirte ist seinem ganze» Wesen darauf angewiesen, Forderungen zu erheben, die nicht erfüllt werden können und im Interesse des Bundes gar nicht er- füllt werden dürfen. Die Ueberforderungen des Bundes dienen einmal dazu, die Regierungs- und Konipromißzölle als minder ungeheuerlich erscheinen zu lassen als sie in Wirklichkeit sind; und dann erfüllen sie den Hauptzweck: dem kleinbäuerlichen Anhang deS Bundes, der durch die Getrcidezölle geschädigt»vird, kann, wenn er nach Durchsetzung der höheren Zölle einsieht, daß es ihm»och schlechter geht, wie zuvor, von de» ö Mark-Wanderreduern des Bundes tröstend eingeredet»Verden: Ja,»venu u n s r e Zollforderungen durchgegangen wäre», dann solltet Ihr sehen! ES bedeutet einen hohen Grad politischer Beschränktheit oder— falsches Spiel, wenn das„demokratische Bürgertum" auf diese selbstvcrstäudlichc Komödie d e r II» e i n i g k e i t irgend welche Hoffnungen setzt.— Deutsches Weich. Equilette»- Politik. Die deutsch- russische Politik lvird immer schwieriger. Ohne ein sehr gediegenes Fremdwörterbuch ist es immöglich, die Ge- hcimiiisse dieses Verhältnisses zu ergründen. Mutzte man gestern wissen, was„Kotoyiercn" ist, so ist es heute nötig zu verstehen, waS „EquileUen" ist. Als Ergebnis der Nutzlandreise Wilhelms II. wird nämlich vom Wölfischen Bureau das folgende Telegramm verbreitet: R e v a l. 7. August. Ihre Majestäten der Deutsche Kaiser und der Kaiser von Rußland haben während der Entrevne alS ein Zeiche» ihrer pcrsöulichc» Freundschaft ihre Equiletten ausgetauscht. Dem Vernehmen nach sollen Eqniletten— F a n g s ch n ü r e sein. Autzcrdem hat der Graf Lamsdorf und der Baron Frederick je einen Schwarzen Adlerorden bekoinmen. Nicht uninteressant aber ist etwas, was nicht geschehen ist. Bis zur Stunde ist weder über einen Trinkspruch noch über irgend eine Ansprache ein Wort gemeldet worden. Auch die Fangschnüre wurden demnach schweigend ausgetauscht.— Vom größte» Elend. Es giebt doch noch Leute, die es an jammervollstem Elend mit den Tauseud-Hektar-Grafcn anfnehmen, ja sie noch überbieten. Das sind die Hausagrarier, die gegenwärtig auf dem Berliner NerbandStag der HauS- und Grundbesitzer der Welt ihre Not klagen. Und im Gegensatz zu solchem Uebermatz menschlichen Elends giebt es nur eine Klasse, der es ausgezeichnet geht, das sind die Proletarier und Socialdemokraten I Wenn ein Fremder in diese Versammlung treuer Staatsbürger geraten wäre und sich nach dem, was' er dort hörte, ein Bild unsrer Zustände machen wollte, so könnte er Preutzen- Deutschland für ein glückseliges Land halten, das mit Riesenschritten dem Socialismus zueilt, wobei der Social- demokratie von allen Seiten willige Gefolgschaft geleistet wird, und nur die verfolgten HauS- und Gnmdbesitzer Not leiden, welche die Kosten für alle Rcfornicn zu tragen haben, auS deren Haut Riemen für daS Volk geschnitten werden. W o h nun g sn o t— ein lächerliches Wort; nie hat es bei uns einen Mangel an Wohnungen gegeben. Höchstens kann man von einer Wohuuiigsiiot für die Hausbesitzer sprechen; denn die Mieten sind niedrig und sind beständig gefallen. In Berlin z. B. ist erst in allerletzter Zeit ein geringes Steigen bemerkbar, während sie von 1830 bis 1833 dauernd sanken. Das behaupten die Herren in vollstem Ernste und scheuen sich nicht, es in ihre gedruckten Berichte hineinzusetzcn. Das Geschrei über Wohnungsnot ist nur eine T h o r h e i t und M o d e k r a n k h e i t. die hoffentlich bald überwunden werden wird. Freilich hat sie schon zienilich weit um sich gegriffen; so ivill man jetzt— Baugenossenschaften züchten, die man durch Hergabe von Land und Geld unterstützt; sogar der Kredit des Reiches wird hierfür in Anspruch genommen. Diese Versuche sind um so gefährlicher, als wir im Reiche einen Staatssekretär haben, den Grafen v. PosadowSky, der viel weiter gehen will; in der Reichstags-Sitznng vom 6. Februar hat er gesagt, der Staat werde die Wohnungsfrage nur lösen können, wenn er sich deS Grund und BodcnS beinächtige!! Wir waren starr, als wir das hörten; einen Ministeb mit so radikalen Anschauungen haben wir und wußten das gar nicht. Schleunigst schlugen wir die Reichstagsberichte auf; ach. der edle Graf hat sich erheblich anders ausgesprochen. Er wollte nur nicht, datz Grund und Boden an Baugesellschaften zu Eigen tun» gegeben wird, welche später die Geivinne aus der gesteigerten Rente einstreichen; man solle den Boden nur im Erbbaurecht ver- geben, um den Gewinn auS dem Wcrtzulvachs der Gemeinsamkeit der Staatsbürger zuflietzen zu lassen. Wurde Graf PosadowSky von den wütenden Hausagrariern als Socialdcniokrat an den Pranger gebunden, so wurde andrerseits die Socialdemokratie belobigt, weil sie— im erfreulichen Gegensatz zu den Klerikalen und Nationalliberalen— in der Münchener Gemeindevertretung die Unterstützung gewisser Baugenossen« schaften abgelehnt habe. Aber trotzdem haben wir das Unglück, den armen Rittern von der Miete doch nicht ganz zu gefallen. Mit Befriedigung konstatierte der Vorstand, datz die Presse sich zu dem setzhaften Bürgertum jetzt freundlicher stelle; nur die socialdemokratische Presse, diese erbitterte Feindin jeden Besitzes, des Hansbcsitzes im besonderen. sei nach ivie vor feindlich; dem socialdcmokratischcn Einfluß sei die ganze Modekrankheit der Socialreform zuzuschreiben.«Wir", rief der Vorsitzende, Herr Hartwig- Dresden, pathetisch auS,„wir, die wir dem Volke Wohnnngen darbiete» und das Risiko anf uns nehmen, sie leer stehen zu sehen, müssen darüber wachen, daß diese Krankheit wieder eingedämmt wird. Man frage nur, was die Leute verdiene», die in diesen Wohnungen leben. Wenn der Arbeiter von feinem gnte» Lohne nur etwas mehr für die Wohnung ausgebe» wollte, dann wäre es um vieles besser." Nach diesen stimmungsvollen Worten war eS, datz ein Herr aus Bayern erklärte, datz es bei ihnen die andren Parteien seien, ivelche für die Baugenossenschaften eintreten; in München leite sogar der Oberbürgermeister eine solche von der Stadt unterstützte Baugenossenschaft, und gerade die Socialdemokratie habe diese Unter- stützung bekämpft. Unsre Münchener Genossen werden sich diese Genossenschaft etwas näher angesehen haben; die Herren Haus- und Grundbesitzer allerdings möchten jede Bangenosseuschaft als einen gemeingefährlichen Konkurrenten von Polizei wegen ausrotten. Sehr böse sprach sich Herr Leisel, der über die Frage der Baugenoffcnschaften referierte, über die schon gekennzeichnete Mode- krankheit, dem Liebäugeln mit der Socialdemokratie aus. Entrüstet erzählte der Herr, datz auf dein Dussel- dorfer internationalen Wohuungskongrcß rot bcschlipste Gewerkschaftler ans Hamburg erschienen seien, mit denen die Herren von der Regierung, Kathedersocialisten, die vom praktischen Leben nichts verstehen, und univissende Socialrcformer freundschaftlichst verkehrten 1 1 Ein solch rot bcschlipster Mann habe ausgeführt, Ivcnn mau gute und schöne Wohnungen baue, dann solle man auch für hohe Lohne sorgen, damit die Arbeiter diese Wohnungen auch bezahlen können. Und dazu habe ein solcher Kathedersocialist dann»och Bravo geklatscht, das sei geradezu ein Kriechen vor der Socialdemokratie. Sehr bitter üutzertc sich Herr Hartwig über die preußischen Minister, die eine grotze Schuld zur Verbreitung der Modetrantheii aus sich geladen habe», indem sie ie»e schön tluigenden Erlasse vo» sich gaben, die sie nichts kosteten, aber ohne praktischen Wen seien und nur daö Kriechen der Socialresoriiier vor der Socialdemokram befördert hätten. I» oer Beurteilung. der pratiischen Lrauchbarken de» viel- gerühmten Erlasse zur WohiiuiigSfrage mit den ichö» kllygenden Worten sind ivir Mit Herrn Hartioig ganz eiliverstanden. Wollen die preutzischen Minlster, datz etivas Praktisches und Brauchbares ge- leistet wird, so haben sie vor allem zu sorgen für Abschaffung der Dreiklassenwahlen rin Land und in den Gemeinden, für ein un- eingeschränktes Koalitionsrecht in Stadt und Land. Den unglückseligen Hausbesitzern aber können Ivir nur raten, schleunigst ihrem Elend ein Ende zu machen und unter die be- neideten— socialdemokratischen Arbeiter zu gehen, für„guten Lohn" zu rackern und für„niedrige Miete" als Mieter zu wohnen!— Wie die HanSagrarier denunzieren. Eine recht feine Denunziation leistet sich der Vorstand deS Cential-Verbandes der städtischen Haus- und Grundbesitzer-Vereine Deutschlands in seinem schriftlichen Jahresbericht. Es wird da über die Mietcr-Vcreine ge- schimpft, von denen manche die Mitgliedschaft der Socialdemokraten bewutzterlveise pflegen und als wünschenswert bezeichnen. ES heitzt dann wörtlich(S. 62): «Ja, es erscheint sogar das Zusammensein mit Socialdemo- kraten im Dresdener Mietbeivohnecverein einem andre» Vorstands« mitgliede für ganz unbedenklich, es ist dies der Stadt- verordnete, Landrichter D r. H e i u z e, Obcrlicutenant der Reserve sanch im Original fettgedruckt. Sied, des„Vorwärts"), obwohl doch sonst Reservc-Offiziere nicht vorziehe», mit Social- deniokraten in vcreinsbrüderlicher Genossenschaft zu stehen. Es steht dem Genannten auch nicht etwa die Entschuldigung zur Seite, datz er davon nichts wisse, denn das Dresdener Partei- blatt, die„Arbeiter-Zeitnng". teilte nüt, datz sich i m D r e s d e n e r Mietbewohn er verein eine ganze Anzahl Social- dcmokratc» befänden und diese damit Anwartschaft hätten, einen der ihrigen, Tischler Krüger, in den Vorstand de? Miet« bewohnervereinS, also zum Vorstandskollegen des Reserve- OffizierS, Landrichter Dr. Hehize, gewählt zu sehen. Diese Mitteilung ist überdies auch noch durch die Tagesblätler verbreitet worden, aber Herr Dr. Heinze selbst scheint sich nicht dadurch geniert zu fühle», datz er. der Reservc-Osfizier, so nahe an die Socialdemokraten herangerückt ist." Wenn man erfährt, datz der Vorsitzende des Vorstandes, der den Bericht gezeichnet hat, der sattsan» bekannte Dresdener Stadtverordnete Bamneistcr Hartwig ist, wird man sich über diese Deiumziation freilich nicht wundern.— Uebcr da« schmachvolle freisinnig-nationalliberale Zoll- witcher- Kartell in F o r ch h e i>n- Ku Ini b a ch äutzert sich endlich die„Freisinnige Zeitung". Freilich ebenso verlege» wie verlogen. Sie»neint, der augenblickliche Wahlaufruf sei anf die „augenblicklichen" Verhältnisse— Kampf gegen das Centrnm— znrückznsnhren. Auch diese„augenblicklichen" Berhälmisse ent- schuldigen nichts, sie können aber nicht einmal zu Recht angeführt werden; denn es wird bekanntlich ein ganz allgemeines liberal- freisinniges Kartell für die nächsten Wahlen geplant. Die«Vojsische Zeitung" ist geradezu begeistert, sie meint, die Presse, die in solchem Pakt etwas fände, habe ganz vergessen,„datz es autzcr dem Zolltarif»och andre Fragen giebt, die für die All- gcmeinheit von größter Bedeutung sind". Also in den andren Fragen ist der Freisinn noch— nationallibcraler ivie in dem ganz niilvesentlichen Zollstreit! Nur die freifinnig-demokrntiiche„Volks-Zeitnng" pro- testiert gegen den Handel. Das Compngniegeschäst sei für den Frei- sinn praktisch wertlos: „Die Blamage ist»inanSbleiblich. Was der Freisinn an An- sehen verliert durch das Eingehen anf dieses Geschäft nnd durch die Preisgabe seiner Kampsstcllung gegen den Zolltarif, das kann nun nnd nimmer aufgewogen iverden dadurch, datz er einem oder zwei Nationalliberalen oder vielleicht auch einem verwaschenen zoll- kompromitzlichen Freisinnigen ein Mandat verschafft. Der blutige Hohn, n»it dem die Freisinnigen ob ihrer Verbrüderung mit den nationalliberalen Zöllnern vo» konservativer wie socialdemokratischer Seite überschüttet werden, ist wohlverdient. Die traurigen Folgen für die freisinnige Partei ans diese»« Compagniegcschäft werdcn nicht nnsbleiven." Nur eine hohe Säule...1 Deutschland kein Friedensstörer. Ein Berliner Klntschblatt erfreut sich wieder einmal folgender angeblich offiziöser Inspiration: Unter Bezugnahme auf die Veihnndlungen des englischen Parlaments lvird uns mitgeteilt, datz man auch deutscher- seits bereit ist, die deutsche Besatzung aus Shanghai zurückzuziehen, wenn die Aufrcchterhaltung der Ruhe nnd Ordnnng in Shanghai nnd im unteren Vangtse-Thal gewährleistet erscheint. Voraussetzung ist natürlich, datz die a n d e r n Mächte, die ebenfalls Truppen in Shanghai unterhalten, entweder vor- angehen oder mindestens gleichzeitig denselben Schritt nnternchmen, jedoch ist bisher über die Modalitäten des Rückzugs noch nichts vereinbart. Es hat übrigens den Anschein, als ob England keineSivegS geneigt sei, den Anfang zu machen. Uebcrbanpt dürfte die plötzliche Bewegung bchnfs Zurückziehung der Truppen ans Shanghai zurückzuführen sein auf die Eifersucht der britischen Geschäftsivelt über die wachsenden Er- folge deS deutschen Handels in diesem Teile Chinas. Sonderbar: wenn die deutsche Besatzung in Shanghai nur den Zweck hat. für„Aufrechthaltung der Ruhe nnd Ordnung" zu sorgen, ivarum überläßt man dann nicht einfach England die Ansllbimg dieses Polizistendieiistes? Ncbrigens auch eine ivunderlichc Zumutung von Deutschland, daß es die Zurückzichnng seiner Truppen von der vorhergehenden Zurückziehung der englischen Truppen ab- hängig macht I Sonst bat man doch für einen derartigen Modus der Abrüstung nur kalten Hohn.— WaS ist mit der Frau Kngel geschehe«? An, 7. Juli er- hielt der Anwalt der in Nutzland festgehaltcnei» Frau Kugel, wegen deren Verhaftung Genosse Bebel seiner Zeit im Reichstage intcr- pcllierte, auf seine Beschwerde an den Minister den Bescheid, datz Frau Kngel wegen politischer Vergehen uiiter Anrechnung der Unter- iuchungShaft als Strafe für immer aus Rußland ansgeivicsen worden ist und datz die nötigen Maßregeln behufs AiiSfnhrnng dieses Befehls bereits getroffen seien. Seit diesen» Tage warien nun die Angehörigen der Frau Kugel anf deren Rückkehr aus St u tz- i a ii d vergebens. Niemand wcitz, ivas mit der Frau passiert»st. Ei» Monat ist seit der Antlvort des Ministers ver- strichen und noch ist die Frau Nicht freigelassen. Schmachtet die Frau»och im Gefängnis, oder ist sie ihren Qualen erlegen und beiseite geschafft? Ein Wunder wäre es nicht. Würde irgend ein deutscher Kanfmann i» China oder Japan so behandelt werden, wir glnube», dann würden längst einige Kriegsschiffe nach dort abgesandt sein, un, de» deutschen Staatsbürger vor de» Ueber- griffen einer fremden Macht zu schützen. Hier handelt es sich aber un» eine Arbeiterfrau, die unschuldig in einem russischen Kerker schmachtet. Da macht»na» nickt viel Aushebens. Die Frau wurde anfangs Sepien, ber vorigen JahreS in Rutzland festgenommen. Wird jemals Licht in diese Angelegenheit kommen? Wir fangen fast an, daran zu zweifeln. Bemerkenswert hierbei ist noch, datz der Gastwirt Feinstein ans Nimmersatt, dickt an der rnsfischen Grenze, ber Wirt der Kugeischen Eheleute, in derselben Angelegenheit ebensalls verhaftet war, jedoch gegen eine Kaution von 2003 Rubel freigelassen wurde. Fei» sie in hat seine Kaution nunmehr zurückerhallen. Offene Anfrage an den Herrn Landrat deS Kreises Teltow. Der LandiagS-WahIkreis Teltoiv-BeeSkow-Storkow zählte bei de» Wahl 18V8 1313 Wahlmämier; seit der Vollszählung von 1835 bis zu der vo» 1300 ha«(ick die Bevölkerung des Landtags- Wahlkreises von 504 860 auf 685 521 Seelen vennehrt. so datz für die Wahlen 1303 etwa 2610 Wahlmänner z»i erwarten sind. Sollte sem Herrn Landrat die berechnete Zahl nicht genau genug sein, io mag er veranlassen, datz die Urivahl-Bczirkseinletlnng baldigst vorgtnomnien wird) die Gemeinden iverden solcher Anregung gern Folge leisten, für Eharlottenburg liegt die Einteilung bereits vor. Jedenfalls dürfte die so leicht testzustellende Zahl von der von uns angegebenen nicht er- heblich ablveichen. Silin ist amtlich festgestellt, datz das größte Lokal der Stadt Köpenick, die als Wahlort gesetzlich vorgeschrieben ist, in Haupr- und Nebcnsaal zusammen 1700 Personen faßt, also»och nicht ä'3'. der Wnhlmännerzahl für 1303 aufzunehmen vermag. Wie fragen nun den Herrn Landrat von Teltow,>v eiche Matzregeln er zu er- greifen gedenkt, nin in Köpenick ein Lokal zu schaffe», das 2610 Personen faßt. Wir machen darauf aufmerksam, datz das Lokal ein einheitliches Ganze sein mutz; dem» für den Fall, datz der Wahlkouimissar die Wahl des eiiicn oder andern WahlmannS zu beanstaliden veranlaßt ist. hat er der Versammliing seine Bedenken vorzutragen und über die Gültig- keit des betreffenden Wahlmannmandats abstimmen zn lassen. Wollte aber der Wahlkommissar selbst aufAnzweiflung von Mandaten verzichten. ein Verfahre», das bei vorgekommeiicil Unregelmätziakeiten ungesetzlich wäre»nd die Gültigkeit der Abgcordnetcnlvahl gefährden könnte—, so»nutz die Einheitlichkeit des Lokals, ganz abgesehen von formellen Gründen, deshalb gefordert werde», damit die vom Reglement vor- geschriebene Wahl der Beisitzer durch die Wahlmänner o r d n u n g s- gemäß vorgenommen iverden kann. Die Wahl geschieht zwar „anf Vorschlag des Wahlkommissars", Ivir haben aber alle Ver- anlassnng zu' bezweifeln, datz die anlvesenden socialdemokratischen Wahlmänner die einfache Acclauiaiionswahl znlaffen iverden— um so Iveniger, Ivenn nicht einmal alle Mahlmämicr überblickt iverden können. Svllle der Herr Landrat ans irgcndwelckcn von»ms nicht zn ahnenden Gründen eine befriedigende Antwort anf»»isre offene Frage nicht er- teilen, so fordern lvir die im Teltower Kreistgg etwa vorhaiidcncn liberalen Vertreter auf. die gleiche Frage in der nächsten Sitzimg dcs Kreistages an den Hern» Landrnt zn richten. Des Dankes des Herrn Landrales für solche Anregung dürfen sie versichert sei!,, da ein Nichtziistaiidckommen der Wahl iv e g e n n n g e n ü g e n d e r Vorbereitung dem Herrn Landrat leicht eine disciplinarische Bestrafung zuziehen köimte,— Die„Germania" spinnt ihre Phantasien über das Thema „Vorivärts und Terrorismus" weiter. Sie meint, wir hätten uns in unsrer Entgegnung anf ihre erste Auslaffung zwar gegen den Vorwurf, den Tcrrorismns zu billigen, verteidigt, jedoch hätten wir»ms noch nicht von der schivcren Anklage gereinigt: kein Wort dcs Tadels gcfniidcu zn haben gegen socialdemolratische Arbeiter, die nach der Behauptung der„Gerniania" christliche Arbeiter terrorisiert haben sollen. Anlaß zum Tadel könnten ivir dock erst dann haben, wenn derartige Falle von Terrorisnnis als wahr erwiesen worden wären. Man kann uns doch nicht im Ernst zuinnte», alle Tmorisiirns- Erzählungen, die die„Germania" ihren gläubigen Lesern anftischk, ebenso gläubig Ivie diese biiiziinehnicn. Ebenso ivenig kann von nns erwartet werden, datz ivir alle derartigen Erzählungen ans ihre Wahr- heit bin prüfen; als ob es uns auch obliegen würde, die Echtheit der EentriiMsreliquien nachzuweisen! Wir können beim besten Willen nicht auf allen Klatsch mid Tratsch eingehen, dem die Berliner Centrnmsprcsse willig ihre Spalten öffnet. Dazu haben wir um so weniger Veranlassung, als ja seiner Zeit im Falle Karbe gerichtlich festgestellt worden fit, dotz das Centrumsblatt„Märkische VolkSzeitimg" eine Terrorisinus- erzählmig verbreitet hat. die der Wahrheit nicht entsprach. Karbe, der sich als der Terrorisierte aufspielte, hat vor Gericht trotz unismig- reicher Beweisaufnahmen nicht darthun können, daß er terrorisiert worden ist. Nachdem wir solche Erfahrungen gemacht haben, gelten uns die gelegentlichen Erzählungen vom Terrorismus socialdemokratischer Arbeiter, die die hiesigen Centrnnisbläiter verbreiten, als so un- glaubwürdig, datz es sich nicht lohnt, darauf einzugehen. Damit mutz sich die„Germania" schon abfinden. Bezeichnend ist es, datz die„Germania", die so viel vom TerrorisnmS der socialdemokratischen Arbeiter phantasiert, keine Worte findet, um über de» Terrorismus der blotivucherfreundlichen christlichen Gewerl. schafler gegen die zollgegnerischcn Anhänger der christlichen Gewerk- schaften zu reden. So lange sich die„Germania" über diesen für sie gewiß sehr heiklen Punkl beharrlich ansschiveigt. ist ihr Gerede über Terrorismus und Verletzung der heiligsten Gefühle Anders- denker durch die Socialdemokratie nichts als— um die aus»ms angeivandten Worte der„Germania" zu gebrauchen— elende Heuchelei.— Der Pastor deS GcsnndbetenS. Gegen den Pastor Horst in Mansbach(Hesscn-Kaffel) ist ein DiSciplinarvcrsahrci» wegen Gesundbetens im Gange. daS jetzt von dem preutzischen KultiiS- minister Studt in letzter Instanz zn erledigen ist. Er ist in erster Instanz zur Strafversetzung sowie in alle Kosten verurteilt und, ivenn er in der Art seiner'Seelsorge fortfahre, mit Amtsentsetzung bedroht ivorden. In dem Erkenntnis heitzt es:„Es sei darauf hingctviesen, datz der Angeklagte bei einem Unglücksfall. bei' welchem ärztlicke Hilfe»ach menschlicher Ansicht unbedingt geboten war, erklären konnte, ein Arzt sei nicht nötig geivesei»: der Heiland heile heute noch Wunden aufs Gebet hin." Wie aber steht es erst um die Heilung durch gefälschten Trödel, mit dem unter de», Namen von Reliquien be« trügerisch und gemeingefährlich Humbug getrieben wird? Zum mindeste» fällt diese Heilmethode doch in das Gebiet der nichts- würdigsten Kurpstischerei. Hier aber wagt Staat und StaatSanwab' nicht einznschreiten!— Gegen den russischen Studenten, der in Myslotvitz verhaftet wurde,'iverden jetzt auch die deutschen Strafgesetze in Beivcginig gesetzt. Es ist gegen den jungen Mann ser heißt Kalajeff) Anklage ans§ 21 des Pre'tzgesetzeS(Verbreitung straffälliger Dnickschrifte») erhoben. Nach beendetem Verfahren wird er ausgewiesen, ivozn die erforderlichen Anträge schon gestellt sind. Da er zur Zeit in Lemberg Philosophie studiert, kann er sich vielleicht»ach O e st r e i ch retten. Kalajeff ist 26 Jahre alt und ivnrde vo» den Universitäten Moskau und Petersburg tvegen revolutionärer Umtriebe v e r>v i e s e n.— MajestätSbcleidignngen durch Privatbrtefe. Ans Münchei» lvird gemeldet, daß dort ei» Lyriker i» einem privaten Brief- >v e ch s e l Aeutzeriuiac» über die Kunstrede dcs Kaisers gcthan habe. Darauf habe die Etaatsamvaltschaft gegen den Poeleu Anklage wegen Majestätsbeleidigung, begangen durch einen Privatbrief, erhoben. Wie ist der Privatbrief zur Kenntnis der Staatsanivaltschaft gelangt? Die Sache klingt so dimkel, daß man fast an eine— geschickte Reklame für die Gedichtbücher des Mannes glaube» möchte.— Späte Amnestie. Der sächsische Siegiernngsantritt ist bekannt- llch nicht durch die übliche Ainncstie begleitet worden. Jetzt ist aber doch noch etivas geschehen. Das„Dresdner Journal" veröffentlicht eine Berordiiniig be- treffend die Amnestic für Personen, gegen die tvegen Ueber- t r e t u n g auf Haft oder Geldstrafe durch Strafbefehl, polizeiliche Strafverfügung oder Gerichtsurteil crkniint Ivnrde. Militärpcrsonei» wurden Disciplinnrstrafen oder durch Strafvcrfüguiig oder Militär- gerichte erkailiite Haft« oder Geldstrafen erlassen. Diese Amnestie ist ebenso verspätet wie kümnierlich. Nicht ein- mal. politische" Vergehen sind anmcstiert worden, von den Löbtauer Opfern zu schweigen.— Kein Landmann, keine Kunstsubvcntioncn. Für de» Sturz Landmann haben die bayrischen Cenlrumsleute blutige Rache ge- nonnncn. Sie habe» der iiiegicning ihr Mitziallen dadurch gründlich zu kosten gegebe», daß sie die Etatspositioii für Kunstzivrc'e in der enormen Höhe von 160 000 M. abermals striche» und damit die Position ciidgüliig zu Fall brachten. Das Centrnm halle ja für den Ausgang der Würzburger Affaire Vergeltung gelobt. Datz es seine Wut gerade gegen die unschuldige Kunst anstoble, entspricht nur dem Standpunkt der baiuvarischen Heinzeinäiuicr. Aber feige, ivie die Herren nun einmal sind, wagte» sie in ihrer ttnglichcn Opposition diesmal noch nicht einmal, ihre» ablehnenden Sländpuntt als einfachen Rnchc-Akt auszngeben, vielmehr balte der vielseitige Reallchrer Dr. Hein» den Auftrag erhalten, die Ablehnung der Position mit allerhand loknlpatriotisch- knnstkritischeu' Raisoiineinents zu motiviere». Genosse Vollinar nagelte diese Feigheit gebührend fest und erklärte, datz er sich»iit einer derartige» Handlungsivcise verkriechen würde. Würde tci5 Kunstleben vom Ceutrum abhängen, so stände es um die Kunst schlimm. Die blamable Haltung des Centrums in der Affaire Landmann ist durch sein Verhalten in der Mittwochsitzling der zweiten Kammer wahrhaftig nicht verbessert worden.— Ausland. Frankreich. Zu einer Demonstratio» gegen den neugewähltr» Ec- Meindcrat kam es dieser Tage im Stadthause zu Marseille. Es sollte die Uebernahme der Geschäfte seitens der Neugewählten statt- finden; der Saal und die Galerien waren nberfiillt. Protestrufe gegen Channot. der zum Bürgermeister gelvählt ist, wurden laut. Die Deinonstration setzte sich auf der Straße fort, so daß viele Ver- Haftungen vorgenommen werden mußten.— Vom Kulturkampf. Eine Pariser Meldung besagt: Eine Vollsmenge von über S00 Personen drang' gestern in die Schule von Clermarais ein. 23 T h ü r e n wurden eingeschlagen und die A m t s s i e g e l entfernt. Die wacht- habenden Gendarmen wurden überrumpelt und die Schwestern nahmen wieder von den Räumen Besitz. Was sagt die deutsche Centrnmspresse, die sich über die belgische WahlrechtSbewegung so sehr entrüstete, zu diesem Jnsurrektiönchen ihrer französischen Gesinnungsgenossen? Lllchrere Zeitungen druclen ein von dem politischen Bureau des Herzogs von Orlöans verbreitetes Rundschreiben ab, das die royalistischen Vereinsvorstände auffordert, zu Gunsten der Freiheit des Unterrichts und der Wiederöffnung der geschlossenen Kongregationsschulcn thatkräftige Maßregeln zu ergreifen. Das „Echo de Paris" veröffentlicht einen Aufruf von JuleS L e m a r t r e, der die Milglieder der Vaterlauds-Liga anspornt, zur Wiedereröffnung der Schulen eine Masseubittschrift zu ver- anstnlten.— L e s u e v e n, 7. August. Eine große Menschenmenge bewacht die Schule der Schwestern in Crozon. Die Gendarmen, welche die Kette zn durchbrechen versuchten, hatten keinen Erfolg und mußten sich unter dem Hohngelächter der Klerikalen zurück- ziehen. Wie nun. wenn die Gendarmen gleich der klerikalen B ü r g e r g a r d e von Löwen scharf geschossen und ein Blutbad angerichtet hätten?!— Belgien. Eiue»cur Anklage ist gegen Van Langendonck. den socio- listischen Deputierten für Löwen, erhoben wolden. Die Löwener Socialisten hatten unter seiner Leitung am 18. April Kränze auf den Gräbern der im Straßcnkampf Gefallenen niedergelegt. Die In- schriftcn, welche die Kranzschleifen enthielten, sollen gegen das Straf- gcsctzbnch verstoßen.— Italien. Die Maffia. Die Borgänge in Palenno sind im höchsten Grade bedauerlich und ein Zeichen, daß die Maffia nach ivie vor großen Druck auf die Bevölkerung ausübt. Die kleinen Geschäftsleute, in deren Fenster die Masfia-Anhängcr die Plakate ausgelegt haben, i» welchen gegen die Verurteilung Palizzolos protestiert wird, wagen— selbst wenn sie nicht damit einverstanden sind— nicht, dieselben zu entfernen. In den Straßen finden Denionstrationen statt f ein Haufen Demonstranten zog vor das Stadthaus!, um von dem Gcmeinderat einen Beschluß zu Gunsten PalizzoloS zu erzwingen. Auf ganz Sizilien sollen Versammlungen abgehalten werden. Ab- geordnete sollen in denselben das Wort nehmen und man plant sogar ein Referendum jjegen das Urteil des Bologneser Gerichtshofs herbeizuführen. Der römische„Avanti" stellt fest,'daß die Socialisten an dem Werk der Maffia, welche unter dem Vorgeben, einem an- geblich Unschnldungen helfen zu wollen, mir ihre Macht aufs neue befestigen zn will, keinen Anteil haben, aber auch die„Tribnna" warnt' die bürgerlichen Kreise, sich an diesen Tumulten der sizilianischen Maffia zu beteiligen. England. Die englische Arbeiterpartei. Shacklcton, der ncngewählte Abgeordnete von Clitheroc, hat jetzt seinen Sitz im Parlament ein- genommen. Richard Bell, Kcir Hardie und er werden den Kern der neu zu bildenden Arbeiterpartei abgeben. Alle sind Kandidaten des Laborir Representation Conntees. Wenn auch sonst unabhängig, so werden die drei doch in Arbeiterfragen zusammengehen' und gemeinsam abstimmen.— Gegen daö NnterrichtSgcsetz wird im September seitens der Londoner Gewerkschaften im Hydepnrk eine große Demonstration stattfinden. Eine große FriedenSfeier fand am Mittwochabend in der Guildhall statt, au der ungcsähr 23v e d t a, O, zusammen. AlS provisorische Tagesordnung ist festgesetzt: l. Bericht der Kreis-VerlraucnSperson. 11. Die konimendtn Wahlen. Referent: Dr. Borchardt. III. Organisation. IV. Die Presse. Referent: E. S ch r ö d e r. V. Anträge. VI. Die Stellungnahme zur Provinzialkonferenz und zum Parteitag und Wahl der Delegierte» zu denselben. VII. Wahl der KreiS-VcrtrauenSperson, Alö NcichStagS-Kaudidat für den 5. Schlcswig-Holsteinilchen Wahlkreis fJtzchoe-Steinburg) wurde auf einer am 3. August in Itzehoe tagenden WahlkreiS-Konfercnz der Genosse Paul Müller- Hamburg, Vorsitzender dcS Seemaimsverbaudes«ud Redacteur des „Seemann", einstimmig aufgestellt. Müller wurde auch mit dem Mandat zum allgemeinen deutschen Parteitag betraut. Für den dritten braunschweigischen Wahlkreis wurde Genosse C a l w e r wieder einstimmig als Kandidat aufgestellt. Vorher war über Calwers Stellung zu den Zollfrage» verhandelt und dazu einstimmig folgende Resolution angenommen:„Die Partei- konferenz des dritten braunschweigischen Wahlkreises spricht nach ein- gehender Besprechnng der Stellung ihres Vertreters, des Reichstags- Abgeordneten Calwcr, zu den Zollfragc» diesem ihr volles Ver- trauen aus." Für den dritten schleswig-holsteinischen Kreis wurde Genosse H i n s ch e« Lägerdorf wieder als Kandidat auf- gestellt. Die„Düffeldorfer VolkSzeitung" ist mit der Nr. 179 vom 4. August eingegangen, an ihre Stelle ist getreten die„Volks- z e i t u ii g", Organ für das Iverkthätige Volk am Nicdcrrhein, gleichfalls in Düsseldorf im Berlage von Wallbrecht u. Co. Es lieger� hier Streitigkeiten zu Grunde, die zwischen dem bisherigen Geschäftsführer und juristischcu Inhaber von Verlag und Buch- Handlung des Blattes, Genossen Wasser, und der Partei ans- gebrochen sind. Die dortigen Parteigenossen hatten aus geschäftlichen Rücksichten eine Aenderung in der Verwaltung des Partei- Unternehmens beschlossen und zu diesem Zweck die Handelsgesellschaft Wallbrccht u. Co. gebildet. Im letzten Augenblick rellamierte Wasser, pochend auf die juristische Form, die thatsächlich von ihm mir ver- walteten Geschäfte als sein persönliches Eigentum und verweigerte die Uebergabe der Geschäfte an die neue Firma. Die Sache endete sehr einfach damit, daß der Drucker dem Wasser persönlich keine Zeitung mehr lieferte. Es erscheint deshalb unter der neuen Firma die neue Zeitung, im übrigen unter den alten Umständen. Der mecklenburgische Landeö-Partcitag wird am 31, August und 1. September in Lübeck abgehalten lverden. Im eignen Land« dürfen unsre mecklenburgische» Parteigenossen bekanntlich keine Ver- sammlungeil abhalten. HinidstagSphantasie» eines Polizisten. Die selbst für den preußischen Osten ungeivöhnlichcu Vorgänge in D a n z i g hänge» betaniitlich enge zusammen mit dein Verhalten eines anscheiiiend sehr niifgcregtcn Pvlizeinianiies, des Kommissars Sachtze, mit dem die Danziger Parteigenossen mehrfach Differenzen gehabt haben. Daß die � Schuld nicht an den Partcigenosien liegt, beweist der Umstand, daß Sachße schon wegen Beleidigung von Partei- genossen, bcgaiigeii bei Uebcrivachung von Versammliiiigen, gerichtlich bestraft worden ist. Die Festsetzung der Polizeistnnde für das einzige Parteilokal in Danzig ans 8 Uhr abends ist znrückziiführen auf eine Versammlnng vom 3, Juli d. I., die iviedcr von Sachße überlvacht und von dicsent aufgelöst wurde, weil er nicht dulden ivollte, daß sich die Redner mit seiner Person beschäftigten. An diese Bersomni luug. iii der Sachße als Ueberwachender mit einem Revolver erschien, knüpft sich jetzt ein Strafverfahren, ivcil Sachße behauptet, mehrere Parteigenossen seien in der Versammlung mit erhobene» Fälistc» auf ihn eingedrungen und hättcii ihn zur Flucht binlcr den Tisch genötigt.'Infolgedessen ist jetzt der Genosse Grundmann vom Üiilersilch»»gsrichtcr als An- geschuldigter vernoimnen ivorden und dabei hielt ihm der Unter- suchuiigsrichter vor, daß Sachße behauptet: „Tie Socinldcinokraten trachtete» ihm schon lauge nach dem Leben. Im Wahlverein sei zu dem Ziuccke eine Verschwörung zu stände gekommen, die ihre Absicht am 3. Juli, wie er schon vor- her wußte, durchfübreu ivollte I" Dem armen Manne wäre ein recht ausgiebiger Urlaub zu gönnen, da er offenbar über— arbeitet ist. Genosse Harnisch in Dortmund hat es endlich erreicht, seine Strafe von acht Monaten in Herford antreten zu dürfe». Der Vorstand der deutsche» socialdcmokratischrn Arbeiter- Partei in Oestreich veröffentlicht in der„Wiener Arveiter-Zeituug" seinen Geschäftsbericht für den am 15. August beginnenden Partei- tag. Aus dem Bericht, der sich über zlvci Fahre erstreckt, geht hervor, daß die Thätigkeit der Partei in dieser Zeit»ichr dem ruhige» iiiiicreii Ausbau galt, daß aber dabei die Partei langsam und stetig, aber sicher vorivärts dringt und eine Position nach der andern er- obert. Namentlich in die Gemeindevcrwalliingen drang die Partei in so großem Umfange ein, daß sich der Bericht außer stände erklärt, die ciiizcliien Erfolge auszuzählen. Dabei hat die Partei vielfach unter ähnlicheii Schwierigkeiten in der Agitation zu kämpfen wie wir im Deutschen Reiche. So macht sich nament- lich die Saalnbtrciberci in derselben ekelhaften Weise bemerkbar wie bei uns. Deshalb greisen die Genoffeu i» der Not vielfach zn dem selben Mittel wie die reichsdeutschen Genossen, sie verschaffen sich durch Kauf oder Bau ein eigncs Versammlungslokal. Der deutsch- östrcichische Partcivorstand sieht sich gezwinigen, diesem Bestreben gegenüber zu größter Borsichr zu mahlieii. lieber Stand und Entwicklung der deutschen Partcipresse in Oestreich giebt diese Tabelle Aiiskiinst: Es erscheinen:' 1900 1902 Täglich........ 1 3 Wöchentlich zweimal,.. 3 3 Wöchentlich einmal... 13 20 Vicrzehntägig..... 2 2 Monatlich zweimal... 2__ 1 Zusammen... 24 29 Zugleich wird über die deutsch geschriebene G ew erks ch a ftS- presse in folgender Reise berichtet: Es erscheinen: 1900 1902 Wöchentlich einmal... 5 3 Monatlich dreimal.... 3 4 Monatlich zweimal... 6 7 Monatlich einmal.... 3 6 Vierzehntägig..... 5 6 Vierteljährlich siebenmal. 1— Halbjährlich neunmal.. 1— Zusanuuc»... 24 26 Die Strafen, womit unsre Genoffen dcntscher Zunge in Oestreich belegt wurde», betrugen nach einer allerdings liiivollständigen Zu« sammeiistelluiig drei Jahre,»euii Monate schweren Kerkers und vier Jahre, drei Monate, zehn Tage einfachen sowie verschärften Arrests. Die Geldstrafen belicfen sich insgesamt auf 8870 Kronen. Dazu kommen aber die Vergnügungen der Ccnsnr. Unsre politische Parteipresse verfiel, soweit'ans der sehr ungenügenden Berichterstattniig zu ersehen, in der Berichtsperiode hiiiiderlsiebzehn- mal der KonstSkation. Darunter ivnrdc das oberöslrcichischc Organ „Die Wahrheit" sLinz) allein achtunddreißigmal konfisziert. Der Parteikassirer verzeichnet in seinem Bericht eine Einnahme von 60 758 Kronen und eine Ausgabe von 54 360 Kronen, wovon 42 036 Kronen auf Agitation entfallen. Die Arbeitsverhliltmße des Personills der Wintr SirchnWe«. ii. Mit der Sonntagsruhe des Straßenbahnpersonals ist es sehr schlecht bestellt. Da der Verkehr an den Sonntagnachinittagen regelmäßig ei» sehr starker ist, so wird nicht nur das ganze ständige Straßenbnhnpersonal zum Dienst hcrangezogen, sondern es werden auch Handwerker und fremde Arbeiter zur Aushilfe geiioinuien. Für diesen Aushilfcdienst iverden geivöhulich 2.50 M. gezahlt; nur bei Siemens u. Halske giebt es mehr als den gewöhiilichc» Tagelohn, nämlich 4 M. DaS eigentliche ständige Straßenbahnpersoiial halte bis zum Ausbruch des Streiks fast niemals einen ganz freien Sonn- tag, im allgeincincn höchstens einmal im Vierteljahr. Das Fnhrpersonal hatte zwar öfter einmal SonntagSbormittagS frei, da der Verkehr ge- wohnlich erst auf den Mittag anschwoll; indeffen hatte dann der Dienst am Sonnabend vorher meist bis in die späte Nacht hinein gedauert. Durch den Streik sind die Verbältnisse insofern gebessert worden, als fortan jeder Angestellte ivenigsteiis alle sieben(I) Wochen einen freien Sonntag haben soll. Es darf aber nicht unerwähnt bleiben, daß das Fahrpersonal an den nicht freien Sonntagen sogar noch 1—2 Stunden länger arbeiten muß, als an den Wochentagen, da Sonntags fast allgemein eine Doppeltonr mehr gefahren wird. Als Ersatz für die Sonntage werden freie Wochentage gewährt, in- dessen auch nicht in dem Maße wie es billig erscheint, glicht einmal e i n freier Tag in jeder Woche wird gcivährt, bei Siemens und Halske und bei der Kontinentalen Gesellschaft iverden immer mir 3, bei der Großen Berliner Straßenbahn für Stallleute auch mir 3, für das Streckenpersonal nur 2 freie Wochentage im Monat gewährt. Die noch in der Probezeit befindlichen, noch gegen Tagelohn be- schästigten Angestellten letztgenannter Gesellschaft, also fast die meisteir Stallleiite, Wagenwäscher und Bahnreiniger, haben überhaupt keinen Anspruch auf freie Tage. Vor dem Streik sollte das pfahrpersoual der Großen Berliner Straßenbahn allerdings vier freie Tage im Monat haben, indeffen wurde» es in letzter Zeit mir zivei bis drei, und noch dazu wußten die Leute nie vorher, an welchem Tage sie frei hätten. Während nämlich bei den übrigen Gesellschaften bestimiiiungsgeniäß jeder achte resp. jeder neunte oder zehnte Tag frei blieb, hieß es hier mir, daß vier freie Tage gewährt werde» können. Die Hofverwalter koiinteii die freien Tage nach Belieben über den Monat verteilen, und so kam es, daß dieselben bald am Anfang, bald am Ende des Monats lagen, bald gleichmäßig über den ganzen Monat verteilt waren. Infolge des Streiks wird jetzt jedem An- gestellten der Großen Straßenbahn in jeder Woche ein freier Tag gcivährt, der innerhalb sieben Wochen auf einen Sonntag fallen»inß. Sollte die Finanzlage der Gesellschaft es wirklich nicht erlauben, daß de» Angestellten mehr trete Sonntage gewahrt werden? Werfe» wir min eüieu Blick auf. die Bezüge der Angestellte». Die Lehrlinge für d e n F a h r- u n d S ch a f f» e r d i e n st erhalten während, der.Lehrzeit überhaupt keine Vergütung. Sonst beziehe» die Aiigestelltcn.getvöjfjiilich in den ersten fünf bis sechs Wochen nach der Aniiahiiie oder nach beendeter Lehrzeit Tageloh»; freie Tage werden dann nicht mit vergütet, oder vielmehr, die Leute verlange» leine freien Tage, da sie mit dein geringen Lohn nicht auskommen. Infolge des Streits sollte» bei der Große» Berliner Straßenbahn alle Neueiugestelltcn »ach sechsmonailichcr Probezeit fest angestellt werden; sie sollen dann mich die freien Tage mit vergütet erhalte». Der Tagelohn beträgt geivöhulich 2.50 M. für jeden Arbeitstag im Rahmen des gewöhnlichen Die»stpla»cs. Gehalt sowohl wie Tagelohn fallen jedoch fort beim Ausbleibe» vom Dienste an Tage», welche nicht nach dem allgenicineil Dienstpläne sowieso frei wären. Muß also jemand, der schon die übliche Anzahl von freien Tage» gehabt hat, wegen plötzlicher Familicii-Ereigniffe den Dienst versäumen, so wird ihm dieser Tag vom Lohne abgezogen. Bei tadelloser Führung kann das Gehalt im Laufe der Jahre erhöht iverden. Bei den C o n t r o l e u r e» der Großen Berliner Straßen- bahn steigt eS in 20 Jahren von 103 auf 150 Mark monatlich. Das Monatsgehalt der Schaffner steigt bei der Charlottciibiirger Straßenbahn in acht Jahren von 80 ans 90 M., das der Führer in zehn Jahren von 90 aus 105 M. Bei Siemens u. HalSke haben sie alle gleich mit 90 M. angefangen. Bei der Komineiilalcn Gesellschaft ist jetzt das Anfaiigsgehalt stir Führer und Schaffner nach der Probezeit ans 81 M. festgesetzt worden. Bei der Großen Berliner Straßenbahn betrug vor dem Streik für Führer nild Schaffner das Anfaiigsgehalt 78 M., es stieg»ach zwei Jahren auf 31 M.»ud dann von Jahr zu Jahr um 3 M. bis auf 00 M. nach fünf Jahren; von da ab gab es alle zwei Jahre 3 M. mehr, bis 100 M. nach etiva zwölf Jahren. Jetzt ist folgende Skala feslgcsetzt worden: im erste» Halbjahr 85 M.. nach einem halben Jahre 90 M.,»ach zwei Jahre» 95 Rt., nach fünf Jahre» 100 M., nach 3 Jahre» 105 M.,»ach 10 Jahren 110 M., nach 12 Jahren 112 M., nach 15 Jahren 115 M.,»ach 17 Jahren 118 M. und nach 20 Jahren 120 M. Die Direktion rechnet bei der Gehaltsbemessung offenbar auch init de» T r i n'k g e l d e r». die sich auf 30—45 M. ii» Monat bemessen sollen. Mit den Trinkgeldern stellt sich der durchschnittliche Mouatsverdienst der Schaffner ans 125 M., der der Kutscher und Führer, die noch geringe Kilometergelder erhalten, auf 105 M. Stallte ute, Bahnreinger, Weichensteller und Reiniger stehen fast alle im Tagelohn; sie erhalten bei der Großen Berliner 3—4 M. pro Tag,' bei der Charlottenburger Straßenbahn 35— 50 Pf. pro Stunde bei 10 Stunden Arbeit, bei der Kontinentale» Gesellschaft 80 Pf. pro Stunde, bei Sicincns n. Halske Dagegen monatlich 90 M. Vorleser verdienen durchschnittlich ganze 50 M. im Monat, Wagenwäscher erhallen bei der Großen Berliner Straßenbahn pro Tag 2,50 M., bei der Charlottenburger Gesellschaft 81— 84 M., bei Siemens». HalSke 90 M. im Monüt. Bei„guter Führung" erhalten die Straßenbahner noch Wcihnachts- gratifikatioiie» oder Dienstprämien. Die Ersparnis durch die Liefenmg der Dienstuuiform fällt kaum ins Gcivicht. Deichen berechnet sie für das Fahrpersonal auf 40, für das Strcckenpersonal auf 25 M pro Jahr. Bon diesem fürstlichen Einkommen gehen für„Vergehen gegen die Dienstordiiiing, für Nichterfüllung chrer Dienstobliegeliheilen sowie für sonstige Iluregelmäßigkeiten"»och Strafgelder ab, lvähreud für Beschädigungen des Belriebsmaterials iusolge„groben Versehens" weitere Abzüge gemacht werde». Unter Berückstchtigung aller erwähnten Einnahmen und Aus- gaben stellt sich das Einkommen der Straßenbahner solgendermatzen: Jahres« per bei.. Arbeits- einkomme» Arbeitstag tage» Controleure.... 1700 M. 5.31 M. 320 Schaffner..... 1600„ 4,90„ 326 Führer u, Kutscher.. 1350„ 4,14„ 326 Strcckenpersonal... 1100„ 3,23„ 340 Stallleiiie..... 1000„ 2,94„ 340 Wagenwäscher.... 960„ 2,80« 340 Vorleger...... 620„ 1,80„ 340 Bei der Eigenart und der Anstrengmig ihres Dienstes ist es nicht iviiiiderbar, daß die Straßenbahuer, de» Veröffeiitlichunge» des statistischen Amtes der Stadt Berlin zufolge, unter allen im Verlehrs- gewerbe Verliiis thätigeu Personen die höchste Krankheitsziffer aufweilc». Die meiste» Erkraiikmige» treffen das Fahrpersonal, und unter diesen stehe» wieder die Führer elektrischer Wage» au der Spitze. Bei der schnelle» Fahrt sind die AtnnmgSorgaue der Führer einem starken Luftdruck ausgesetzt, der namentlich im Winter von nachleiligem Einfluß sein kanim. Fast alle Führer, Kutscher imd Schaffner klage» über rheumatische Leide». Bor allem leiden die Augen unter der Ziiglnft; es giebt nur wenige Führer, welche nicht schon entzündete Augen infolge der Zugluft gehabt hätten. Fast noch größer ist die U n f a l I s g e s a h r. Im Jahre 1896 Ivarcn bei der Straßenbahn-BerufSgenoffenschaft 8 Betriebe mit 12 860 Personen versichert. Zur Anzeige waren 571 Unfälle gelaugt. Bei der Großen Berliner Slraßeiibahn allein sind im Jahre 1899 an Körpervcrletznngen aus Betriebsimfälleu 440 Mitglieder in 6460 Krankheitstagen, bei der Neuen Berliner Pferdcbahn-Gcsellscvaft 24 Mitglieder in 540Kra»kheitötagen kassenärztlich beyaudelc worden. Die Größe der Unsallsgefahr kann auch daraus beurleill werden, daß in einem einzigen Jahre<1898) i» Berlin allein 4409 Zusammen- flöße andrer Fuhriverke mit Straßcnbahmvagen stattgefnnbc» haben. Stehen doch auch in der Unfallstatistik des Deutschen Reichs die VerufSgeiiossenschaften der VerlehrSgewerbe an der Spitze aller andren Benifsgciiosicnschaften l Die meisten Unfälle sollen die Wagenführer zu erleide» haben. Wenn auch infolge des Streiks die Straßenbahner in der- schiedcnen Punkte» eine Anfbesjeriing ihrer Lage erfahren haben, so bleibt doch»och vieles zn ivüiische» übrig. Vor allem ist eis not» ivendig, daß die geictzgebcnde» Kürperschafte», ivie es der letzte Kongreß der Gciverkschnfteii Deutschlands gefordert hat, Bc- stiinniungen treffen,>n denen klar zum Ausdruck gebracht wird, daß die Straßenbahn- Angestellten der Gewerbe- Ordming»»lcrstehcu, und ferner daß Bestimmungen eingesührt iverden, welche den An- gestellten die AnSNbung des KoalitionSrechts in der Praxis garem- tiere». Ist doch anlätzlich der Bewegungen der letzten Jahre seitens der Gerichte soivohl als auch von Mitgliedern der Regierungeu einzelner Bundesstaaten der Auffassung Raum sgegeben worden, das; die Straßen- bahner der Gelverbe-Ordnung nicht unterstehen! Wenn man sich Iveiter die offene Parteinahme der preußischen Regierung für die mächtigen Gesellschaften anläßlich des Berliner Streiks ins Gedächtnis ruft und wenn man sich erinnert, in welcher Weise der friihere Minister von Thielen den Unternehmern in Hannover zu Hilfe gekommen ist, so ivird man die hohe Bedentnng der vom Gciverkschaftskongretz auf- gestellten Forderung ermessen können. Bevor die Straßenbahner an eine wirkliche Beseitigung der in ihrem Betriebe herrschenden Miß- stände denken können, müssen sie sich endlich das volle, unein- geschränkte Koalitionsrecht erkämpfen. Nur dann werden sie sich ans den Fesseln des von der Regierung in jeder Hinsicht unterstützten und gehätschelten Unternehmertums befreien und sich zu einer menschen- würdigen Existenz aufschtvingen können. Ans Indnltvie und Hnndel. EisrnanSfuhr Deutschlands in den ersten 6 Monate» ZAVit. Wie stark sich unter dem Einfluß der Krise die Ausfuhr von Eisen und Eisentvaren aus dem deutschen Zollgebiet entwickelt hat. lehrt ein Vergleich der Exportziffern des ersten Halbjahrs 1V02 mit denen des gleichen Zeitraums in ISlH. Während im ersten Semester 1901 der Wert der Eiscnausfnhr nur 240 Millionen Mark erreichte, überstieg er im ersten Halbjahr 1902 den Betrag von 2g4l/s Millionen Mark. Besonders beteiligt an dieser Exportzunahme waren t Erstes Halbjahr 1902 1901 Riillionen Mark Eck- und Winkeleisen......... 18.4 16,8 Eisenbahnschienen.......... 16,6 8.9 Stabeisen............. 18,3 14,4 Luppeneisen, Rohschienen, Jngots.... 21,0 3,9 Platten und Bleche, roh........ 16,7 14,8 Grobe Eisentvaren: nicht abgeschliffen, gefirnißt verzinkt.. 40,2 33,8 abgeschliffen, gefirnißt, verzinkt... 31,0 24,9 Uahrräder............. 9,7 7,6 Kontincntale Gesellschaft für elektrische Unternehmungen. Wie die Schuckect-Gesellschast, veröffentlicht jetzt auch ihre Tochter- gesellschaft, die Kontinentale Gesellschaft für elektrische Unternehmnnge», ihren Geschäftsbericht.„Auch in dem abgelaufenen Jahre/ heißt es darin,»wurde das geschäftliche Ergebnis durch die Einstellung einerRcihe von Effekten zu dein Kurse vorn 31. März d. I. erheblich beeinträchtigt. Die Entivicklung unsrer Ilnternehrnungcu ist bei einer Anzahl hinter den Voraussetzungen zurückgeblieben, wenngleich die Ergebnisse unsrer Betriebe im allgemeinen im Steigen begriffen sind. Da sich bei der Mehrzahl der Unternehnnnigen die weitere Entwicklung noch nicht übersehen läßt, haben wir dieselben, so iveit nicht Börsen- uotizen irr Frage kommen, z» den Gcstehnngswcrtcn eingesetzt. Wir behalten uns aber vor, zu geeigneter Zeit, je nach dem Stande der einzelnen Unternehmungen, eine Acndernng der Buchwerte eintreten zu lassen." Damit ivird indirekt bestätigt, daß die Bilanzanfstellnng, welche die Direktion bietet, die wirkliche finanzielle Lage der Gesellschaft keineswegs klarlegt; denn erstens ist der Kurs vom 31. März d. I. für viele der Effekten sicherlich zu hoch, zumal gerade der beste Teil des Effekten besitzes, z. B. bis ans einen geringen Rest der Besitz an Aktien der Hamburger ElektrieitätSlverke, veräußert worden ist. und zweitens sind die Gestehnngslosten der von der Gesellschaft gegründeten Unter- nehmungen natürlich weit höher, als die effektiven Werte bczw. als die jetzigen Verkaufspreise, befinden sich doch, wie der Bericht trotz aller optimistischen Färbung erkennen läßt, nnr tvenige dieser Unter- nehinnngcn in einer einigermaßen günstigen Geschäftslage. Trotz dieser Uelicrbeivcrtung der Aktive» schließt das Geschäfts- jähr 1901/02 nach Verbrarich der Reserven(439188 M.), ivie schon mitgeteilt worden ist, mit einem Verlust von 739 183 M. Unter den Aktiven beziffern sich die Effekten ans 22 563 198 M. gegen 16 780 693 im Vorjahr, während das Konsortialconto von 24 623 475 im vorige» Jahr auf 17 408 033 M. in diesem Jahre zurückgegangen ist: eine Verschiebung, die sich zu einem ivesentlichen Teil daraus erklärt, daß mehrfach Uebertragungen vom Konsortialconto auf das Effektenconto stattgefunden haben. Das Conto„Unternehmungen in eigner Verwaltung" erscheint mit 17 461 482 M.(12 690 093), Debitoren(meistens Guthabe» bei den Untergesellschaftcn und Werken) mit 10 784 111 M.(12 824187); unter den Passiven sind die Kreditoren ans 23 923 927 M. gesunken (29 219 086 i. V., die Verringerung entstand aus Rückzahlungen); darunter befinden sich 20Vs Millionen Mark Bankkredit; der Rest besteht ans Bankguthaben der Untergcsellschaften. Roheisen-Produktion der verschiedenen Länder. Trotz der gewaltigen Zunahme der Roheisen-Erzeugung i» den Vereinigten Staaten im Jahre 1901 gegen die Jahre 1900 und 1899 bat, wie ans der folgenden Zusammenstellung ersichtlich ist, die Roheisen- Produktion der Welt abgenommen. Es prodncierten(1000 Tons): 1899 1900 1901 Vereinigte Staaten.. 13 665 13 735 13 802 Deutschland..... 8 029 8 352 7 786 England...... 9 305 8 908 7 762 Rußland...... 2 613 2 831 2 784 Frankreich...... 2 574 2 700 2 400 Belgien....... 1 220 1 161 765 Oestreich-Ungarn... 1 427 1 309 702 Schweden...... 493 520 513 Spanien...... 296 294 318 Kanada....... 94 86 274 Japan....... 20 22 25 Italien......_•_ 19 20_ 16 Zusammen.. 39 755 39 938 39 147 Es ergiebt sich also für 1901 gegenüber den beiden Vorjahren eine Abnahme von 791000 Tons rcsp. 608 000 Tons. Eine starke Prodnktions-Zunahme zeigt nnr Amerika mit 2 067 000 Tons resp. 2 137 000 Tons, während die Erzeugung Englands. Deutschlands, Oestreich-Ungalus und Belgiens im letzten Jahre einen nicht mibe- deutenden Rückgang erlitten hat. Ankenhandel Kanadas. In den, mit dem 30. Juni 1902 abgelaufene» Fiskaljahr 1901/02 stellte sich der Wert der Einfuhr Kanadas auf 40 588 000 Pfd. Sterl.. d. i. 4 200 000 Pfd. Sterl. mehr als im vorhergehenden Jahre; die Ausfuhr bewertete sich auf 42 345 000 Pfd.' Sterl. oder rund 3 000 000 Pfd. Slerl. höher als in« Fiskaljahr 1900/01._ Ans dev FvÄnrnbemegttng. Eine internationale Konvention zur Unterdrückung dcS Mädchenhandels— das dürfte das Resultat sein der lürzlich in Paris abgehaltenen internationalen Konferenz. Das Endpiotokoll der Konferenz, das erst jetzt veröffentlicht wird, enthält Vorscbläge, nach welcher Richtung hin die Gesetzgebung der beteiligten Länder sich zu bewegen hat. Zu bestrafen ist danach jeder, der. um die Leidenschaften andrer zu befriedigen, eine minderjährige grau oder Mädchen verleitet, verdingt oder entführt, selbst wenn dieS mit Ein- willigung der betreffenden Person geschehen ist und auch dann, wenn die einzelnen Handlungen in verschiedenen Ländern begangen sind. Nach dem 2. Artikel sollen anch diejenige» bestraft tverde», welche mit Hilfe von Fälschung oder durch Anwendung von Gewalt voll- jährige Frauen oder Mädchen zu oben bezeichneteu Handlungen ver- leiten usw. Es wird empföhle», die Gesetzgebung in den beteiligten Länder» in übereinstimmender Weise zu gestalten und sodann eine Konvention herzustellen, die von den Gesandten der Konventions- länder in Paris zu unterzeichnen ist. GeioevKVäZÄfUikizes. Berlin und Umgegend. Gewerkschafts- Konferenz. Am Dienstag fand im Gewerk- schaftshause eine Konferenz von Vertretern und Leitern der geiverk- schaftlichen Agitations-Äominissionen und Ganvorstände der Provinz Brandenburg statt. Vertreter waren die Buchbinder, Bildhauer, Bäcker, Fleischer, Holzarbeiter, Handels- und Transport- Arbeiter, Maurer, Metallarbeiter, Schneider, Tabakarbeiter und Textilarbeiter. Es handelte sich um die Erörterung der Frage, wie eine nähere Fühlung zwischen den einzelnen i» der Provinz vorhandenen Geiverk- schaften zum Ziveck der gegenseitigen Unterstützung bei der Agitation herbeigeführt werde» könne. Nach eingehender Aussprache einigte man sich dahin, daß von der Einrichtung einer Centralstelle vorläufig noch abgesehen, aber den auf der Konferenz nicht vertretene» Geiverk schaften Gelegenheit gegeben werden soll, sich zu dieser Frage zu äußern. S t n s ch e, Mitglied des Holzarbeiter-Verbandes(Adresse: Engel-Ufer 15 1, Zimmer 11), wurde beauftragt, innerhalb drei Monaten eine ziveile Konferenz einzuberufen und jede auf diese Am gelegenheit bezügliche Auskunft zu erteilen. Zur Lohnbewegung der Dachdecker. Einen recht erfreulichen Fortschritt hat iviederum die Lohnbeivegung der Dachdecker zu ver» zeichnen, denn einerseits wird die Zahl der Ausständigen innner kleiner, andrerseits sieht ivohl die Unternehmerschaft ei», daß sie dem geschlossenen Vorgehen der Gcsellenschaft nicht standhalten kann. Infolgedessen wird auch die Zahl der gesperrten Firmen immer geringer. Die Zahl der Ausständigen beträgt nnr»och 42. Von den in den Ausstand getretenen Dachdeckern sind Streikbrecher nicht zn verzeichnen, obwohl sich einige Firmen die größte Mühe geben, Arbeitswillige bcranzuziehcn.— Noch nicht bewilligt habe» folgende neun Firmen: Neu in e i st e r(Rödel), Bendlerstr. 22; P e t r u s ch k e, Fischerbrücke 17; Lietz, Koltbuser User; Henning, Ackerstr. 11; Schenk, Charlottenbnrg; Meyer u. Sohn, Klopstockstraße; Lindenberg, Paulstraße; M u s ch i ck. Kreuzbergstr. 10 und H e r r m a n n, Prinzen-Allce.— Die Kollegen werden dringend ersucht, in diesen gesperrten Firmen nicht in Arbeit zu treten. Die Lohnkommission. Der Vertrauensmann der Asphaltenre schreibt uns: Die Hilfs- arbeiter der Firma Rödel forderten eine Lohnerhöhung von 35 ans 40 Pf. und nicht, wie es in dem gestrigen Bericht heißt, von 32>/s auf 35 Pf. Im übrigen ist der Stand nnsrer Angelegenheit der denkbar günstigste. Die Zahl der sich den Ausständigen Anschließenden wächst von Tag zu Tag und belänft sich heute auf ca. 40 Mann. Davon sind ungefähr 10 anderweitig in Arbeit getreten, einige haben sich nicht zur Kontrolle gemeldet, so daß uns heute ein Bestand von 13 Personen verbleibt. Achtung, Putzer! Wir sehen uns veranlaßt, hier nochmals den Beschluß vom 9. Juli d. I., wonach vom 4. August ab auf keiner Bau st eile mehr der Träger im Accord- Verhältnis der Putzer stehen darf, in Erinnerimg zu bringen. Wie uns mitgeteilt wird, haben auf verschiedenen Bauten die Kollegen noch nicht den Mut gefunden, diesen Beschluß zur Durch- sührung zu bringen. Wir erwarte», daß nunmehr sofort daS Versäumte nachgeholt wird. Anch sind in letzter Zeit nicht alle Verträge an das Bureau eingeschickt worden. Dies muß ebenfalls umgehend geschehen. Gleichzeitig geben ivir bekannt, daß im Laufe der nächsten Woche eine Bandcpntierten- Sitzung stattfindet, und bitten wir, Ivo dies noch nicht geschehen. Außen soivohl wie Innen sofort einen Deputierten zn wählen, damit jeder Bau vertreten ist. Die örtliche Verwaltung. Karton-Branche?(Mitglieder des deutschen Buchbinder-Verbandes.) In der öffentlichen Versammlung vom 4. d. M. wurden als Branchen-BertrauenSpcrsonen gewählt: Adolf Myski, Friedrichs- berg, Blumenthalstr. 43, Ii. Frau Haberstroh, Berlin, Lietzmann- straßc 26.— Alle Anfragen sowie Beschwerden über Werkstuben- Angelegenheiten sind nur an die vorstehend angeführten Adressen zu richten. Deutsche» Reich. Dem Gewerkschaftskongreß lag an seinem letzten Verhand, lnngstage bei dem Gegenstand:„Stellung der Gewcrkschaftskartelle in der Getverlschaftsorganisation" unter andern folgender vom Buch- druckervcrband(Ortsverein Geestemiindc-Bremerhaven-Lehe) gestellte Antrag vor: „In den Gewerkschaftskartellen können nur Mitgliedschaften derjenigen Ccntralorganisationcn vertreten sein, lvelche von der Generälkommission der Gewerkschaften Deutschlands anerkannt sind." Hierzu beantragte Knoll: „Den letzten Satz des Bnchdrnckerantrages so zu fassen: Zu den Getverkschaftskartellen sind Mitgliedschaften der von der General- kommission anerkannten Organisationen unter allen Umständen zu- zulassen." Im Protokoll des Gewerkschaftskongresses wird(S. 238/239) gesagt, daß der Antrag Knall angenommen, der Antrag der Buch- drnckcr abgelehnt worden ist. Dazu tvird im Protokoll bemerkt: „Ursprünglich wurde dieser Antrag— wie sich später herausstellte, durch ein Verschen— angenommen. Die in der Nachmittagssitzung erfolgte Wiederholung der Abstimmung zeitigte das oben angegebene Resuitat." Hierzu hat der„Korrespondent" für Deutschlands Buchdrucker nnd Schriftgießer" die Bemerkung gemacht:„Diese nachträgliche Korrektur ist eine willkürliche, denn nirgends findet sich im Protokoll auch nur eine Zeile, daß eine erneute Abstimmung vorgenommen worden ist." In der soeben erschienenen Nummer 31 des„Korrespondenz- blattes" der Generälkommission nimmt Th. Bömel burg zu dieser Angelegenheit das Wort. Er sagt: Dem Bureau des Kongresses wird hier(durch die Bemerkung des„Korrespondent") der Vorwurf gemacht, eine willkürliche Korrektur des Protokolls vorgenommen zn haben. Dieses ist aber keineswegs der Fall und daher der Bürlbnrf selbst unberechtigt. Bei der Abstimmung wutde zunächst über den Antrag der Buch- drncker nnd dann über den Antrag Knoll abgestimmt. Dieser Ab- stimmungsmodus war nicht richtig. Nach dem Wortlaut des Antrags Knoll hätte erst über diesen abgestimmt werden müssen nnd nach Annahme desselben war dann der Buchdrucker-Antrag erledigt. Hierauf durch Knoll später aufmerksam gemacht, machte ich in der Nachmittags- Sitzung eine diesbezügliche Mitteilung nnd schlug vor. die Abstimmung zu wiederholen. Der Kongreß stimmte meinem Vorschlage ohne Diskussion zn. Der Antrag Knoll, über welchen nun, wie es richtig war, zuerst abgestimmt wurde, fand Annahme, und damit war der Antrag der Buchdrucker erledigt. Nach erfolgter Abstimmung habe ich dann den Protokollführer angewiesen, im Protokoll einen entsprechenden Hiniveis ans die erste Abstimmung zu machen. Daß dieses im umgekehrte» Sinne gc- schehen, ist nicht Schuld des BureanS. Ferner bemerkt Legten, die vorstehende Erklärung BöinelbnrgS werde durch den Protokollführer als richtig bestätigt, dieser habe aber aus praktischen Gründen vorgeschlagen, den betreffenden Passus im Protokoll so abzufassen, wie er auf Seite 259 desselben enthalten ist, und Legicn habe, obgleich er formale Bedenken gegen den Vorschlag hatte, demselben zugestimmt. Es handle sich also nicht um eine willkürliche Aenderung des Protokolls, sondern um den Versuch, die Vorgänge so wiederzugeben, daß für den Leser des Protokolls, der den Verhandlungen nicht beigewohnt hat, ein Irrtum bezüglich des Schicksals eines Antrages nicht aufkommen kann. Durch die vorstehend wiedergegebenen Erklärungen dürfte die Angelegenheit wohl klar gestellt und die Annahme des Antrags Knoll außer Ztveifel sein. Achtung! Lederarbeiter. In der Glaceleder- und Handschuh- fabrik von Kippermann in H a h n a u(Schlesien) haben die Zn- richter die Arbeit niedergelegt. Alle gütlichen Berhand- Inngen unter Assistenz eines Mitgliedes des Centralvorstandcs scheiterten an dem Starrsinn der dort maßgebenden Personen. Die Färber und Handschuhmacher dieser Fabrik dürften voraussichtlich in den nächsten Tagen ebenfalls arbeitslos werden. Grund zu der Arbeitseinstellung ivar schlechte Behandlung nnd vor allen Dingen der allen Verhältnissen hohnsprechende Verdienst von 10— 12 M. bei 60—70 stündiger Arbeitszeit. Wir bitten deshalb Zuzug von Leder- arbeiiern nach Hayna» zu verhindern. Centralvorstand des Lederarbeiter-Verbandes. Der Zimmererstreik in Posen ist mm auch beendet. Dir Arbeitgeber haben den vom EinigungSamt gefällten Schiedsspruch anerkannt, so daß für das laufende Jahr ein Stundenlohn.rn 43—44 Pf., für das nächste Jahr von 44—45 Pf. gezahlt ivird. Vor dem Streik erhielten die Zimmerer Klasseulöhne von 39—41 Pf. Neben der Lohnerhöhung ist es ferner gelungen, den korporativen Arbeitsvertrag zur Einführung zu bringen und die Anerkennuug der Organisation durchzusetzen. AnSland. Ter Streik der galizischen Landarbeiter. Eine kurz gefaßte, anscheinend durchaus zutreffende Daist ng der Vorgänge im Streikgebiet giebt eine Depesche, welche die rnthenischen Abgeordneten am 5. d. M. an den Ministerpräsidenten v. Koerber gesandt haben. Sie lautet: Die Androhung des Ausnahmezustandes ist unbegründet und zivccklos. Unbegründet, denn die streikenden Bauern, Ruthenen und Polen, haben mitAnsnahmevereiiizelterHiiiderungenarbeilender Bauern, namentlich auswärtigen Zuzugs, nirgends die öffentliche Sicherheit gestört, nirgends die Großgrund- bcsitzer gefährdet. Vielmehr herrscht bis jetzt trotz aller Provokationen eine bei einem so ausgedehnten Streik geradezu beispiel- lose Ruhe. Die Androhung des Ansnahniezustandes ist aber auch zwecklos, denn schon jetzt herrscht für die Bauern der Ans- nahmeznftand. Ohne jede Ursache wird Militär in ganz ruhige Dörfer geschickt und dort auch nach beendigtem Streik belassen. Die Soldaten werden nicht im Herrenhofe, den sie beschützen sollen, einquartiert, sondern unter Gewaltanwendung bei den armen Banern. Das Korrespondcnzburean hat über angebliche Unruhen tendenziös entstellte, übertriebene Berichte veröffentlicht. Im Gegen- satz zu diesen Darstellungen sind nicht die Bauern die Gewalt- thatcr und Verbrecher. sondern sie sind die Verfolgten. In Jakloroiv(Bezirk Przcinhslany) zum Beispiel, Ivo nach dem Kvrrespondenzbnreau die Bauern Geivaltthaten verübt haben sollten, ivurden durch eine unerwartete Husaren- attacke zwei B an er» lebensgefährlich, sechs schwer verletzt, lleberall werden massenhafte Arretierungen vorgenommen. die nnr den Ziveck haben, die Streikenden einzuschüchtern. Die Bezirkshauptmannschaft hat zahlreiche Bauern zu Arreststrafeu verurteilt nnd ivcigcrt sich, einen Rekurs entgegen zu nehmen. Die Bauern müssen die Strafe sofort abbüßen. Sogar solche Bauern, die bei Gericht freigelassen wurden, da sie kein Delikt begangen, werden nochmals verhaftet. Ruthcnische Geistliche, Richter nnd Beamte der BezirkShaiipt- Mannschaft mischen sich in den Streit im Interesse der Großgrund- besitzer. Wir bitten Eure Excellenz, unbefangene, gerechte B e a m t e d e s Ak i n i st e r i u m s h i e r h e r z u entsenden. Dann wird sich die Richtigkeit unsrer Darstellung glänzend er- weisen. Romanczuk. B a r w i n s k i. O l e s n i ck i. M o h y l n i ck i. Den neuesten telcgraphischen Meldungen zufolge scheint es, als ob die Streikbewegung in Abnahme begriffen ist, und die Arbeiter ihre Forderungen in einer Gemeinde nach der andren durchsetzen. Mit dem Generalstreik der schwedischen Arbeiter nnd seinen Folgen befaßten sich am Montag zwei Versammlungen der Arbciterkonnnuiie Stockholm, die in den beiden größten Sälen des Volkshanses tagten. Den Hauptpunkt der Verhandlungen bildete der aus dem Generalstreik hervorgegangene große Konflikt mit der Maschinenfabrik„Separator" in Stockholm, dessen Beilegung nach Meinung cincS Teils der Beteiligten unter zu ungünstigen Bedingungen herbeigeführt wurde. Hjalmar Branting, der mit demonstrativem Beifall begrüßt ivurde. wies in einer längeren Rede nach, daß thatsächlich keine bessere Lösung eincS Konfliktes möglich war. Sodann berichtete L i n d q u i st, der Vorsitzende der„Landesorganisation der Gewerk- schaften", über die Verivendung des Generalstreikfonds. Die Haltung dcS vollziehenden Ausschusses der Arbeiterpartei wurde von beiden Versammlungen gutgeheißen. Der Ausstand in den Kohlengruben PcnnsylvanienS— so meldet das„Bureau Laffan"— verläuft ruhig und ordnungsmäßig mit alleiniger AiiSnahine des Shenandoah-Distrikts, Ivo die Führer des AnsslandcS die Leitung der jüngeren Elemente, besonders der ilavischen und ungarischen Arbeiter verloren zu haben scheinen. General Gobi» hält einen die Stadt Shenandoah beherrschenden Hügel mit 1600 Manu Milizen besetzt und hat auf Autrag der Stadlvüter die Polizei in die Hand genommen, da jene sich der Lage nicht mehr geivachseu sühlten. Der Präsident der Bergarbeiter-Union, Mr. Mitchell nnd die lokalen Ausstandsführer haben vergeblich alles aufgeboten, die unruhigen Elemente zur Ordnung zu rufen. Selbst die Drohung, jene aus der Union auszuschließen, blieb fruchtlos. Vevsttntntl n ngvn. Steglitz. I» der Versammlung des socialdemokratischen Wahl- Vereins ividmete zunächst der Vorsitzende nusrem am letzten Freitag zur letzten Ruhe bestatteten Genossen W i l h e l m Essers einen warm cnipfniidcncii Nachruf. Der Vortrag des Genossen G ö rbc r über„Die Entwickelimg der alten Knltnrstaaten" wurde beifällig aufgenommen.— Nach einer Besprechung der zur General- Versammlung des Central- Wahlvereins gestellten Anträge wurden die Genossen G ö r b e r und L e i m b a ch als Delegierte gewählt.— Der Vorsitzende gab noch bekannt, daß Formulare zn Anträgen zwecks Aiifnahnie in den preußischen Staatsverband beim Kassierer Aernse e, Friedenau, Kirchstr. 15, zn haben sind. Uelzke UaifjvidjJctt nnd DrpclÄzen. Pom Kulturkampf. Nantes, 7. August.(W.T.B.) DerGencralrat des DepartemcnlS- Loire Jnföricure nahm heute mit 34 gegen 8 Stimmen trotz deS Protestes des Präfekten. der den Sitzungssaal verließ, eine Tagesordnung an, durch die er gegen die Schliekniig der geistlichen Schulen protestiert und sprach einstimmig de» Wunsch aus. daß die Schule», die es beantragen werden.' sofort ivieder eröffnet werden. Der Senator Ponibriand er- klärte, man werde verlangen müssen, daß das Ministerium in An- klageznsiand versetzt werde. Der Gcncralrat bewilligte sodann einen Kredit von 500 Fr. für bedürftige Schwestern. Königsberg i. Pr.. 7.«ugnft. Es sei wnnderbar, wie Beniner den„Segen der Zölle" verteile. Selbst in die Taschen der Arbeiter solle' davon etivaS kommen. Das sei aber stark zu bezweifeln, obgleich höhere Löhne die deutschen Arbeiter sehr gut brauchen könnten, und durch höhere Löhne auch die Leistniigssähigkcit der Industrie gesteigert tverde, wie Amerika und England uns darin gute Beispiele liefern. Man möge auch auf dein Gebiete der S o c i a l p o l i t i k vorgehen, die Arbeiter vor Ausbeutung mehr schützen, das stärke die Industrie und ermögliche es, die zum Teil höher cntivickelte Technik Anierikas in dieser Jndustriebranche zu erreichen. Zölle erschiverten mir diese Möglichkeit, auch deshalb beantrage die Socialdemokralie Zollfreiheit. Geheimrat Werninth tritt für die Vorlage ein. Die Regierung sei de» Wünschen der Interessenten entgegengekommen, aber die Beumerschen Forderungen seien nicht zu erfüllen. Bayrischer Bundesratsbevollmächtigter Staatsrat v. Stengel: Nürnberger und Augsburger Maschinenfabrikanten seien an die Negicrnng herangetreten, doch für höhere Zölle auf Maschinen ein- zutreten, aber die bayrische Regierung beschcide sich bei dem Ent- wurf. Aber er ersuche, nicht die Anträge anzunehmen, die auf eine Herabsetzung des ZollschntzeS abzielten. Hahn: Die in Frage stehende Industrie ernähre viele Tanscnde von Arbeitern und zwar gut. Außerdem werfe die Industrie viel zum Wohle der Arbeiter ans, z. B. Krupp. Der Landwirtschaft sei an der Prosperität der Maschineli-Jndustrie viel gelegen, deshalb sei er für Zollschntz, aber in bisheriger Weise. Unbegreiflich sei eS ihm. wie die Socialdcmolraten auch hier Anträge auf Zollfreiheit stellen könnten, die doch die Arbeiter schädigten. Redner polemisiert gegen Gothein, für dessen Antrag er aber stimme» will.. Wem» die laud- wirtschaftlichen Zölle höher gestellt wären, würde er gern für den Antrag Vcnmcr stimilieil, io aber iverde er. wenn auch mit schmerzlichen» Bedauern, für den Antrag Gothein sliinmcn. Graf Posadowsky iritt dem Vorredner entgegen, der es so darstelle, als ob es sich bei der Abmessung von Zöllen»in ein Kompensationsgeschäft zwischen Industrie und Landwirt- schast handele.(Zuruf: Stimmt!) Das könne nie eintreten und er bitte den Abg. Hahn dringend, doch diese gegen die Industrie ge- richteten Anssnhrnngen zu Unterlasten. Es handele sich bei dem Abschluß des Zolltarifs darum, die Interessen der Konsumenten ebenso zu wahren, wie die der Produzenten. Niemand könne sagen, daß mit de» Zöllen auf landwirtschaftliche Produkte die Landivirt- schast nicht geschützt sei. Redner berührt dann die amerikanischen Jndnstricvcrhältnisie. Graf Schwerin erklärt gegenüber früheren Acnßernngeu Müller- Sagaus, warum er und seine Freunde nicht für die Anträge ans Herabsetzung der Jndustriezölle gestininit habe. In der Tagcspresse sei gar gesagt worden, daß er und seine konservativen Freunde dabei nicht die Interessen der Lnndtvirtschaft so wahrnähmen, wie der Abg. Hahn. Letzterer verfolge niit ihnen den Wunsch, zu günstigen Handelsverträgen zu kommen für Landwirtschaft und Industrie. Wollte man dabei einen exklusiv landtvirischaftlichen Standpunkt einnehmen, müßte doch trotzdem ein günstiger Ausgleich für Land- Ivirtschaft und Industrie gefunden werden. Redner ersucht die Re- giernng, von den ihr gewährten Kompensationsobjekten den iveiteste» Gebranch zu machen. Redner wird gegen die Erhöhungsanlräge Beniners stiminen. Herold: Hahn habe wieder Ausführungen g e in a ch t. iv i e i in in e r, die auf die landivirtschaftlichen Zölle Bezug nehmen. Wen» alle so stimmen wollten in der Kommission und im Reichstag, wohin sollte das führen. Wenn man allein stehe, wie Hahn, habe inan keine Verantwortiing, dann könne man auch dnrcki die Presse ins Land hinansschreicn, was für grosic Thaten man in der Kommission vollbringe. Hahn, der sich als Vertreter der Landwirtschaft aufspiele, müsse doch auch die Vcrhällnisse der Jndnstric berücksichtigen. Redner appelliert an die Mehrheitspartcicn, geschlossen und einig vorzugehen Die Mehrheit habe die iveiteste Rücksicht auf die Wünsche der Re- gierung genommen, die Regierung solle, nun ihrerseits suchen, die Differenzen beseitigen zu helfen. Er, Redner, stimme diesem Teile der Vorlage zu. Graf Posadowsky erklärt, er habe sich nur gegen de» Eindruck kehren wollen, als ob die Vorlage Interessen dicuen solle im Sinne des Abg. Hahn. Wenn die Zeil gctoninie» sein werde, Iverde die Regierung in klarer Weise ihren Standpunkt zu den Beschlüsse» dar- legen. Gothein will den Streit zwischen den Agrariern nicht berühre», es stehe für ihn fest, das? beide Teile die Lebensmittel ver- tcuern wollen. Redner polemisiert dann gegen mehrere Redner. Hahn erwidert dem Staatssekretär, er, Redner, nehine seine Stellung zum Zolltarif nicht ans taktischen, sondern aus materiellen Gründen. Die Regierung solle nach seiner Meinung allerdings nicht einem Kompromiß zwischen Landwirtschaft und Industrie bedingungS- loS zustimmen, aber der Reichskanzler habe doch nrchrfach erklärt, bei festlichen und nicktfcstlichen Gelegenheiten, wir sollten den Tarif an- nehmen, wie er ist. Man müsse sich aber doch fragen, ob er den Jnlcresse» der Landwirtschaft genüge. Hätte die Regiernng eine» Doppeltarif vorgelegt, dann wäre die Lage klar; daß dies nicht der Fall, daran sei also die Regierung schuld. Herold crividcre er, daß mit ihm sehr viele Männer den Mut hätten, für höhere Gctreidezölle ein- zutreten. Er habe nicht die Absicht, nichts zu stände kommen zu lassen, es komme nun darauf an. wie die Regierung sich zu den Forderungen der Landwirtschaft stelle. Herold have seine eigne Stellung nicht verbessert durch die persönlichen Angriffe gegen ihn. Graf PosadowSky ersucht den Vorredner, seine Erklärungen nicht extensiv auszulegen. Müller-Sagan wendet sich gegen den Grafen Schwerin und Hahn i die Taktik der agrarischen Schreier sei eine demagogisch e. D i e G r a f c n K a n i tz n n d S ch>v e r i n seien g o u v e r n c- mental, Hahn o p p o s i t i o n e l l- b ü n d l e r i s ch. Man müsse noch abwarten, wie die Verständigung hinter den Coulissen sicki vollziehe. Ans den Reden Hahns höre ei nur das Bedauern, daß er nicht zugezogen werde. Paasche wendet sich ebenfalls gegen Hahn und erklärt, er und seine Freunde würden nchnic», was nach de» Angaben der Regierung erreichbar sei. Was verstehe man unter Parität? Der Zoll ans Weizen betrage 50 Prozent deö Preises, der Zoll ans wichtige Jiidnslrie-Artikel betrage nur 20 Proz. des Preises, da könne man doch nicht, wie Hahn, von Tis- Parität reden. Man solle eine Eiuigimg nicht nnmöglich machen; er, als wahrer Freund der Landwirtschaft, werde alles thun, um das Tarifwerk zu stände z» bringen. Die Position 892 ivird nach der Vorlage angenonimen; in Position 893 werden die Dampfpfliiglokomotiven gestrichen, im übrigen »ach der Vorlage angenommen, ebenso Position 903. Dann werden die Positioiicil894, 904 und 906 verbunden. Diese Posilionen legen Zölle nach Geivichtsabstufimgeii(894) auf Dampf- Maschinen aller Art, auch in Berbindung niit Dyiiainomaschineii. Pumpen. Hämmern, Kälte-Gcbläse- und Fördermaschinen; ferner aus Bagger, Rahmen und Krahne». 904, Maschinen zur Bcorbeitmig reu Metallen, Hölzern oder Steinen; Dnnipf- und hydraulische Schmiedepresfen, Nielinafchiiieu und mechanische Hämmer. 906. Andre nicht besonders genannte Maschinen. Die Zölle variieren von 3,50 M. bis zu 100 M. Die Socialdemokratcn beantragen Zollfreiheit. Gothcin beantragt eine Nr. 894»., Wasserräder, Bagger zc. 2,50 M.; 904 zu streichen; zu 906: andre Maschinen aller Art, einschließlich der Pninpen, mechanisch bewegten Hämmer,_ der Maschinen zur Bearbeitung von Metallen, Hölzern� und Steinen, Ventilatoren, Lilfldrnckmnschincii und Werkzengniaschinen: über- wiegend aus Gußeisen 3 M.. überwiegend ans schmiedbarem Eisen 5 91., überwiegend aus andren iiNedlen Metallen 8 M. Beniner beantragt Zollcrhöhungen gegen die Sätze des Eni- Wurfs bis zu 100 Prozent. Molkenbuhr führt in längerer eingehender Rede ans, das; die deutsche Maschinenindustrie eine ehrenvolle und konkurrenzfähige Stellung auf deni Weltmärkte eiiminnnt und ihre Entivickelnng nicht durch Zölle gehemmt werden dürfe, denn sie dürfe nicht rasten, um nickst zu rosten. Redner geht näher auf die Produktion lniidwirtschaftlichcr Maschinen, speciell in Amerika, ein, woselbst die fortgeschrittene Industrie der Landwirtschaft durch diese Maschinen große Vorteile brachte. Dann kritisiert er die Staffelung des Gewichts der Maschinen und der danach bemessenen Zölle, und weist durch Berechnungen nach, wie unsinnig diese Zollanfslellung sei, die beionders auch die Landwirtschaft belaste. Gothein habe vor- hin betont, daß trotz frühester Bestellnng ein Fabrikant die von ihm benöligte Maschine nicht erhallen konnte wegen zu großer Veschäftigimg der Industrie, das � werde in Zeiten der Prosperität mehrfach vorkommen, man müsse sich doch dann an das Ausland wenden. Wenn wir die Industrie schützen wollen, thun wir besser, sie vor Kartellen zu schützen, statt sie durch Zölle zu behindern,. Ein Vertagungsantrag findet Annahme. Schluß Vil Uhr. Nächste Sitzung: Freitag 9 Uhr. Berlitter Partei-Nngelegettheite». Achtung, Parteigenosse» im dritten Wahlkreise! In der Parleiversamnilung, welche am 27. Juni d. I. im GewerkschaftShmist tagte, wurde einstimmig beschlossen, im dritten Berliner Reichstags- Wahlkreise eine Parteispedition für den„Vorwärts" einzurichten, resp. den Vertrieb sämtlicher Parteilitteralur in eigne Hand zu nehmen. Parteigenossen I Die Vorbercitnngen sind jetzt soweit gediehen, daß die Parteispcdition ihre Thätigkeit am 1. September begiimeii kann. Zum Spediteur wurde der Genosse St. Fritz, Orauieu« straße 157, IV. gewählt. Das Geschäftslokal der Spedition befindet sich Prinzcnstr. 31 Hof parterre. Es ist Pflicht aller Genossen des dritten Kreises, dahin zu wirken, daß der„Vorwärts" zc. im Kreise immer größere Ver- brcitung findet, und durch nnsre Spedition bezogen wird. Partei- genossen, unterstützt uns und agitiert für unsre Pnrtcispedilion! Aboniiemciits-Amiielduiigcn nehmen außer dem Spediteur, die Z a h l st e l l e ii des Wahlvercins, sämtliche bekannte Genossen und der Unterzeichnete entgegen. Der BertranenSmanu. Franz Hoch, LO. 26 Admiralstr. 7 IV. Zum dritten Wahlkreise gehören folgende Straßen: Adalbert- straße 24—66. Admiralstraßc. Alexandrincnstraße 14—117. Alte Jakobstraße. Annenstraße. Bethanien Ufer. Beuthsti�ßc. Branden- biirgstr. 17»— 63. Britzerstraße. Buckowerstraße. f Briickenstraße. Dresdenerstr. 6—136. Elisabeth-Ufer. Engel-User/, Fcilnerstraße. Fürstenstraße. Franzstraße. Hollmannstraße. Jacobikirchstraße. Jnselstraße. Joscfstraße. Kaiser Franz Grenadier-Platz. Koin- mandnntcnstraße. Köpnickerftr. 30—142. Kotlbnscr Ufer 46—65. Kllrassierstraße. Kurstraße 26»— 29. Kleine Kurstraße 13—18. Leipzigerstr. 56—68. Luisen-Ufer 1—46. Liickanerstraße. Mathicn- straßc. Melchiorsiraße. Michaclkirchstraße und Platz. Naiiiiyustraße 34—58. Nenndcrstraße. Nenenburgerstraßc. Nene Grünstraße. Nene Jakobstraße. Ncu-Kölln o./W.' Nene Noßstraße. Oberwasser« straße. Ohmstraße. Oranienstr. 42—165. Prinzcnstr. 16—102. Prinzessiiinenstraße. Neichenbergerstr. 1—14 und 175—185. Ritter- straße. Rungestratze. Sebastianstraße. Scydclstraße. Skalitzcr- stratze 1—13 und 137—147». Simeoiistraße. Schäferstratze. Schnöd. straße. Stallschreiberstraße. Splittgerbcrgasse. Spittclniarkt. Waldemarstraße 24—46. Wallstraße. Wnsterhansciicrstratzc. Die Parteigcnoffen dcS Wahlkreises Teltow- BecSkow- Storkow-Charlotteiibnrg werden darauf aufmerksam gemacht, daß die Generalversammlung des Central-Wahlvercins am Sonntag, den 10. d. M., vormittags 10 Uhr, im Volkshaus, Charlottcnburg, Rosinenslr. 3, stattfindet. Auf der Tagesordnung fleht u. a. die Be- ratnng der Anträge zur Brandenburger Proviiizialkoiiferenz n»d zum Parteitag. Gäste haben Zutritt. Für Frauen ist die Galerie reserviert. Der Vorstand. Britz. In Püschels Gesellschaftshaus, Chanssccstr. 97, ist heute, Freitagabend 8V. Uhr, eine öffentliche V e r j a m m l n n g, in welcher das Verhalten der Gemeiiidevcrtrelcr Dorn und Jenuer und ein Vortrag dcS Genossen Reichstags- Abgeordneten Z u b e i l auf der Tagesordnung steht. Köpenick. Den Parteigenossen zur Nachricht, daß ani Sonn- abend, den 9. Anglist, im Lokale von Rcichclt, Lindeiistrasje, das Stiftuiigsfest des socialdeniokratischen Wahlvereins flattfindel. und werden die Parteigenossen aufgefordert, sich recht zahlreich zu be- teiligrn. Die Knffeelüche ist von 2 Uhr nachts geöffnet und kostet der Liter 60 Pf._ Poksles« Nochmals dir Jrrenaiistalt Hcrzbergc. Die lieblichen Z»« stände in dieser„Musteranstalt" haben durch den sciisalioiiellen Fall Ackermann, als auch durch das Vorkommnis mit dein Bildhauer Mollenhancr eine Beleiichtinig erfahren, die keineswegs geeignet ist, das ohnehin schon so geringe Zutrauen des PiiblikumS zu der Ver- Ivnltung zu erhöhen. Bis jetzt handelte es sich jedoch nur NM grobe Nachlässigkeit und»m die dorr übliche, mehr wie einfache Buch« führmig. Der Fall aber, über den wir heute zu berichten haben, erinnert lebhaft an die vor einigen Jahren ans Licht derOeffentlich- keit gezogenen Praktiken der„berühmten" Alexia ner-Br über im Kloster zu Mariaberg. Auch Herzberge hat feinen„Bruder Heinrich", glücklicherweise sitzt er jetzt hinter Schloß und Riegel. Der Vorgang ist folgender: Im April d. I. war der seit circa l>/2 Jahren in der Anstalt internierte Kanfmaiin G u st a v B o t h daselbst plötzlich verstorben. Anstatt nun die hier wohnhaften Verwandten des Verstorbenen sofort zu benachrichtigen, verschwieg die Direktion einfach den Vorfall— ganz so wie später in der Affnire Ackermann. Nun war aber, wer weiß durch welchen Zufall', eine kleine, niischeinbare Notiz in ein hiesiges Lokalblatt gekomiiicii, die da meldete, ein Kanfmaiin B. sei in der Irrenanstalt Herzberge infolge Mißhandlung durch einen Wärter gestorben. Kein andres Blatt hatte die Notiz übernommen, wahrscheinlich weil sie allgemein übersehen war; zufällig aber wurde sie von einer Ver- wandten deS B. gelesen. Diese überkam eine dunkle Ahnung, sie teilt ihre Vermutungen den übrigen Bcrwaudtcii mit, und gemeinsam erkundigen sie sich bei dem Blatte danach, wer wohl dieser in der Notiz angegebene B. gewesen sein möge. Die Ncdakiioii fomtte jedoch keine Auskunft geben, weil ihr die wirklichen Namen der in sollbcn kleinen Privatnachrichten bezeichneten Personen viel- fach selbst unbekannt sind. Im übrigen fühlt solch ein Blatt ja auch nicht das Bedürfnis, etwaige» Mibständen ans den Grund zu gehen— dadurch konnte ja irgendivo Anstoß erregt werden— sondern eS be- richtet ohne jede» Kommentar eine Neuigkeit, iveil eS eben eine Neuigkeit ist. und damit fertig. Als die Erkundigungen hier also rcsultatloS m.->ren. gingen die Verivandten zur Direktion der Irrenanstalt Herzberge. Der AnSkunft erteilende Beamte— nach Ansicht der Leute war eS der Direktor— sagte ihnen jedoch ziemlich kürz: Sie möchten sich nicht um derlei Preßnotizen kümmern: was in den Zeitungen stehe, sei meistens Unsinn; übrigens, ivenn in der Anstalt jemand gestorben sei, so wäre dies ein Amtsgeheimnis, Auskunft darüber könne nicht erteilt werben. Erst nachdem die Verwandte» Boths energisch ihr« Angehörigen- rechte betonten, ivnrde ihnen erklärt, daß der Tote thatsächlich' der Kaufmann Both sei. DaS war aber auch alles, was sie erfahren «mitten; über die Todesursache selbst blieben sie vorläufig im tuiklareiLj Um aber Licht in die Sache zu bringen, wandten sie sich mit einer Anzeige an die Staatsamvallschaft. Schon nach wenigen Tagen erhielten sie vom Untersuchungsrichter am Landgericht II nachstehendes Schreiben: Auf Ihre Anfrage vom 2g. Mai 1902 erhalten Sie zum Be- scheide, daß gegen den Krankenpfleger Friedrich Wilhelm Max K r i st e n aus Herzberge Voruntersuchung geführt wird und Haftbefehl erlassen ist, weil er zu Herzbcrge am 10. April 1902 den Kaufmann Gustav Both vorsätzlich körperlich mißhandelt hat mit dem Erfolge, daß durch die Körperverletzung der Tod des Both verursacht w o r d e n i st. Unterschrift. Später erfuhren die Verwandten des unglücklichen Kaufmanns Both dann, daß dieser von dem«Krankenpfleger' Kristcn auf dem Klosett mißhandelt lvorden war.— Als vor einiger Zeit der Reichstags- Abgeordnete A n t r i ck die Zustände in den städtischen Zkrunkenhäusern einer sehr berechtigten Kritik unterzog, da beulten verschiedene Herren der Stadtverwaltung förmlich vor Wut über die«gänzlich un« berechtigten socialdcmokratischen Angriffe'. WaS werden sie jetzt sagen Z Wird Abhilfe geschaffen werden. Die GehcimiSkrämerei im Fall Ackcrman». Die seltsame Geheimniskrämerei, die man von allem Anfang an kn der Affaire Ackermann beobachtet hat, scheint man bis zum Ende beobachten zu wollen. Ackermann wird nunmehr endlich exhumiert— nicht obdncicrt— werden, aber auch dieser Akt soll unter peinlichstem Ausschluß der Ocffentlichkcit vorgenommen werden. Eine Korrespon- denz, deren sich der Magistrat mehrfach bediente, mn abwiegelnde Nachrichten über die mysteriöse Angelegenheit mit wohl- berechneter UnVerantwortlichkeit in die Presse zu lancieren, bringt auch jetzt wieder die Mitteilung, daß die Zeit der Exhnmierung streng geheim gehalten werde und daß das Ansuchen verschiedener Zeitnngs-Berichterstatter, dem Vorgang beiwohnen zu dürfen, mit nachdrücklichster Entschiedenheit abgelehnt worden sei. Die Kor- rcspondenz fügt hinzu, daß man damit die Spekulation einer gewissen illustrierten Sensationspresse zu durchkreuzen beabsichtigt habe, die wahrscheinlich in bekannter Manier den Vorgang für sensationelle Illustrationen habe verwerte» wollen. Man schützt also gewissermaßen einen Akt der Pietät gegen die unglückliche Witwe vor, während es sich in Wirklichkeit nur um konsequente Weiterübung der auffallenden Geheimniskrämerei handelt, die man behördlicherseits dem nach gründlichster Anfhcllnng geradezu schreiendelr Falle gegenüber beobachtet hat. Freilich, auch die Zulassung der Vertreter jener Presse zu der Exhumierung würde den dunklen Fall in keiner Weise gelichtet haben. Eine nochmalige Obduktion wäre das mindeste gewesen, was man der öffentlichen Meinung hätte koncedieren müssen. Und diese Obduktion hätte bereits viel früher, gleich im erste» Stadium der Affaire, erfolgen müssen. Dürfte doch zctzt der Zersetzungs- Prozeß der Leiche bereits derartig vorgeschritten sein, daß äußerlich auffallende Male kaum noch zu erkennen sein dürften. Andrerseits wird die Verweigerung der Obduktion durch derartige Erwägungen keineswegs entschuldigt. Besser eine späte Obduktion als gar keinel Ferner Iväre unbedingt zu verlangen, daß sowohl die für die Stadt- vogtei verantwortliche Oberbehörde, wie die der Irrenanstalt Herz- berge endlich einmal eine ofsiziclle Darstellung des Vorganges gäbe. Eine solch detaillierte, chronologische Darstellung des Vor- gangs, die die protokollarischen Aussagen der Aufseher und Kaliaktoren der Stadtvogtei, der Wärter der Irrenanstalt, sowie die Gutachten der Gefäugnisärzte und der Irrenärzte enthalten müßte, vermöchte allein jene Geriickite verstummen zu machen, die in Berlin im Um- lauf sind. Die Beschwichtigungsnotizen der offiziösen Handlanger geniigen nicht. Denn abgesehen von der Unverantwortlichkeit dieser Auslassungen stehen deren Angaben auch mit den wirklichen Thatsachen im schroffsten Widerspruch. So die Behauptung, daß Ackermanns Personalakten nicht sofort der Irrenanstalt mit- gesandt worden seien. So die Behauptung, daß Ackermann an, Alkoholdelirium verstorben sei. Möglich, daß die Aerzte die Anzeichen einer solchen Todesart festgestellt zu haben glaubten, allein diese Diagnose erscheint bei dem Lebenswandel Ackermanns durchaus uu- wahrscheinlich. Wie wir erfahren, stellten die beiden Wärter, die Ackermann in Herzberge nach seiner Einlicferung in eine Isolierzelle brachten, an Schulter und Arm des Erkrankten starke blutnnterlanfcne Male fest, was sie auch dem Arzte mitteilten. Diese Male brauchen an sich keineswegs als Zeiche» einer vorhergegangenen Mißhandlung an- gesehen zu werde», immerhin läßt dieser llmstaud es doppelt geboten erscheinen, daß endlich eine offizielle und aktenmäßige Darstellung des so viel und so erregt erörterte» Vorganges erfolgt. Die Geheimniskrämerei, die man bisher beliebte, ist hier wirklich Nicht am Platz I__ Von de» städtischen KanalisationSarbeitcrn geht uns folgende Beschwerde zu:«Laut Beschluß des Magistrats sollen alle Arbeiter, welche über 10 Jahre bei der Stadt beschäftigt sind, einen kurzen Urlaub erhalten, wenn ein solcher von der betr. Deputation bei dem Magistrat beantragt wird. Ein Teil der Betriebe hat in anerkennenswerter Weise von diesem Recht Gebrauch gemacht und zur großen Freude der Arbeiter dafür Sorge getragen, daß ihnen bei ihrer schweren Arbeit eine Erholung gewährt wird. Anders dagegen die Kanakisations-Deputation. Trotz- dem diese früher einmal, als der Beschluß des Magistrats noch nicht bestand, dafür eingetreten ist, daß den städtischen Arbeitern der Kanalisation ein Urlaub bewilligt werde, läßt sie jetzt nicht das geringste von sich hören. Ja, wie anS den Aeußernngen eines höheren Vorgesetzten hervorzugehen scheint, soll in diesem Jahre überhaupt kein Urlaub gewährt werden und zwar. weil zu diesem Zwecke Mittel im Etat nicht eingestellt sind. Abgesehen davon, daß nach der Verfügung des Magistrats sich leicht Mittel und Wege finden ließen, um den Männern, welche die ungesundeste und wider- wärtigste Arbeit zu verrichten haben, die Erholung zu sichern. ist es gar nicht notwendig, besondere Geldmittel dafür auszugeben. Die Arbeiter sind ja gerne bereit, die Arbeit der Beurlaubten mit zu verrichten, ähnlich so, wie die? bei den Heizern und den andren Angestellten desselben Betriebes bereits geschieht. Es liegt also nicht das geringste Hindernis vor. Hier könnte die KanalisationS-Deputation, ohne Kosten auf sich zu nehmen, zeigen, daß ihr die Gesundheit der Arbeiter höher steht als der Bgreansialismus im Roten Hause. Bisher bot vielen Herren in den Deputationen der angeblich hohe Kostenpunkt die willkommene Handhabe, sich gegen den Urlaub zu wenden. Dieser Grund ist ihnen genommen. Ist nur ein wenig Sympathie für die Angestellten vor- Händen, so muß die KanalisationS-Deputation so rasch als möglich einen Urlaub gewähren. Dies erfordert die Gerechtigkeit. Rudolf Vlrchow wird, wie die«Tägl. Rnndsch.' meldet, feine Lehrthntigkeit nicht wieder aufnehmen. Wenn in der letzten Zeit wiederholt davon die Rede war, daß das Befinden des greisen Gelehren langsame Fortschritte zum Besseren mache, so war dies, wie dem Blatte mitgeteilt wird', leider eine allzu optimistische Darstellung. In den dem Gelehrten nahestehenden Kreisen ist man sich heuje bereits darüber klar, daß Birchow seine Lehtthätigkeit nicht wieder aufnehmen wird. Obwohl der Beckenbnich, den der Gelehrte sich seinerzeit zugezogen, vollständig geheilt ist, läßt doch sein allgemeines Befinden seit langer Zeit sehr viel zu wünschen übrig. Dazu kam noch, daß Vlrchow kürzlich das Unglück hatte, abermals zu stürzen. Als er eine Ausfahrt machen wollte und im Begriff war. den Wagen zu be- steigen, bäumte sich das Pferd plötzlich und der Forscher stürzte nieder. Wie es scheint, hat dieser neuerliche Unfall sehr bedauerliche Folgen gehabt, den» das Befinden dcS berühmten Gelehrten läßt von diesem Tage an sehr viel zu wünschen übrig; zwar liegt keine ausgesprochene Erkrankung vor, aber da? Allgemeinbefinden, uament- lich die Herzthätigkeit, ist derartig, daß BirchowS Umgebung ernste Besorgnisse hegt, die leider auch die wiederkehrende» kurzen Besse- rungen nicht zu beseitigen vermögen. Die neueste internationale wissenschaftliche Ballonfahrt wurde von Berlin ans gestern morgen auf dem Gelände des Luft- schiffer-BataillonS in Reinickendors-West unternonimen. An ihr »ahmen die Herren Dr. Lincke und Dr. Marten, Assistenten am Meteorologisch-magnetischen Observatorium z» Potsdam teil. Der Ballon hob sich langsam und war bei dem herrschenden Nebel bald in nord-nordöstlicher Richtung verschwunden. Die Fahrt hat neben den gewöhnlichen meteorologischen Beobachtungen die Aufgabe, Versuche mit einem Apparat anzustellen, der dazu dienen soll, bei Unsichtbarkeit der Erde den Weg deS Ballons zu bestimmen, und nach Angaben des verstorbenen Professors Eschenhagen vom Potsdamer Observatorium hergestellt ist. Außerdem wurde ein Stanbzählcr mitgenommen, um die Anzahl der in der Luft schwebenden Staubteilchen zu bestimmen, deren Einfluß auf die Verdichtung des Wasserdampfcs bekannt ist. Um 3 Uhr morgens, gerade zu der Zeit, als das schwere Gewitter niederging, ivar bereits ein unbemannter Ballon nach dem System des Geheim- rats Aßmann vom Meteorologisch-aeronantischen Observatorium aufgelassen, während der„Meteor', mit welchem die Herren fuhren, sich um 8.5 morgens in die Lüfte erhob. Ihm folgten um 9,10 der MilitnrbaNoii«Falke' mit den Herren Oberlienteuant Hildebrand und Lieutenant Kirchner, die in. Auftrage des Lnftschiffer-BataiNons' photographische Anfnahmen machen wollten, sowie um 11 Uhr der Militärballon„Geier' mit den Herren Obcrlicutenant v. Herwarth und Lieutenant v. Kaiser. «Ju mäßigen Grenze»'. Der Besuch des König? von Italien in Berlin soll, nach den jetzt getroffenen Festsetzimgc», am 28. August stattfinden. lieber die Ausschmückung der Straßen, be- sonders der„Linden', sowie über die Begrüßung des Gastes, die am Brandenburger Thor erfolgen soll, wird der Magistrat nach der für den 11. August zu erwartenden Rückkehr deS Oberbürgermeisters beschließen. Die«Berliner Zeitung", das Organ der links- freisinnigen Stadtverordneten Ullstein und Perls, bemerkt hierzu: «Hoffentlich hält man die Ausschmückung Ivenigstens in mäßigen Grenzen, damit der Steuerzahler bei diesen schlechten Zeiten nicht zu arg bluten muß.' Gegen die Ausschmückung an sich hat das Blatt also nichts einzuwenden. DaS ist allerdings begreif- lich, nachdem die«Neue Fraktion der Linken' in der Stadt- verordneten- Versammlung im Frühjahr 1900 die Mittel zur Aus- schmückung der Straßen beim Besuch des Kaisers von Oestreich be- willigt und im Sommer 1901 zur Begrüßung der Königin der Nieder- lande ihren Vorsitzenden»ach dem Brandenburger Thor geschickt hat. Seitdem muß sich bei diesen.Kommnnaldemokraten' auch der AuS- druck deS Unmutes über die Vergeudung der Stcuergroschen oder gar über den Byzaiitinisnms deS Kommunalfreisinns«in mäßigen Grenzen' halten. Ter gestohlene Dampfer des Berliner Ruderklubs«Wicking' ist wieder aufgefunden worden. Eine Anzahl Mitglieder des Klubs imternahmcu eine Entdeckungsreise und fanden den Dampfer im Rnmmclsburger See an der Küste liegend. Die.Wickinger' steuerten auf den Dampfer zu und bemerkten, wie zwei Männer denselben schleunigst verließet« und»ach Nununelsburg zu flüchteten. Bei der sofort vorgenommenen Besichtigung des Dampfers wurde ein großer Handwerkskasten, der einen Wert von mindestens 600 Mark repräsentiert, vorgefunden. Der Kasten, ivelcher von den Räubern zurückgelassen wurde und zweifellos von einem Diebstahl herrührt, enthält alle für Dampfer-Schiffahrt nötigen Werkzeuge, Schrauben sc., sowie Einbrccherwerkzcnge. Die Kohlenvorräte ivare» erneuert und der Dampfer frisch angeheizt. Vermutlich wollten die Diebe bei Ankunft der Ruderer gerade abgefahren, um einen Raub- zug nach Ortschaften der Obersprce zu nehmen. Die bisherigen Nachforschungen nach den beiden Burschen, ivelche zweifellos Fach- lente, vcrnmtlich Heizer und Steuermann find, waren bisher erfolg- los. Ebenso wenig konnte der Eigentümer des Handwerlskastens ennittelt. noch festgestellt lverden, wo die Erneuerung des Kohlen- vorratS stattgefunden hat. Wahrscheinlich ist auch dieser gestohlen. Zu de» Souderzügc»»ach der Düsseldorfer AuSstellnua flS. und 28. d. Mts. abends lOVe Uhr ab Lehrter Hauptbahnhof) lverden nachfolgende Rückfahr- Karten mit zehntägiger Gültigkeil ausgegeben: B e rl i n< Düsseldorf: 36,30 M. II. bezw. 25,50 M. III. Klasse. Stendal. Düsseldorf: 29,10 sll.). 20,40 M.(III.), Hannover- Düsseldorf: 19.10(II). 13,40 M.(III.), Minden- Düsseldorf: 14,80 bezw. 10,40 M.. Bielefeld- Düsseldorf: 11,00 bezw. 8,30 M.— Der Fahrkarten- Verkauf ist bereits eröffnet und findet bis 14. bezw. 21. d. M. abends 6 Uhr statt: auf dem Lehrter Hauptbahnhofe(9 bis 12 Uhr) vonnittags). Bahnhof Friedrichstraße (3 bis 6 Uhr nachmittags), im Amtlichen Reise-Bnreau(Potsdamer Bahnhof), sowie auf den übrigen H al t e stationen des SonderzugeS (während der Dienststunden). Die Rebhühnerjagd wird nach einer amtlichen Bekannt- machung am 18. August eröffnet. Die Jagdzeit dauert biS zum 14. Dezember. Eine Versandung der Spree ist auch unterhalb der Weiden- dammer Brücke eingetreten. Dort befinden sich auf dem linken Ufer nahe der Brücke zwei Dampferhaltestellen, an denen wegen der Ver- saudung die Dampfschiffe in der letzten Zeit kaum noch anlegen konnten. Daher sind jetzt Dampsbaggcr aufgestellt worden, die dem Uebelstaud abhelfen sollen. An der Schwelle deS GrabeS hat der 68 Jahre alte frühere Postschaffner Karl Engel aus'der Uferstr. 8» einen Selbstmordversuch begangen. Er leidet seit mehreren Jahren an der Zuckerkrankheit und an der Wassersucht nud kann daS Liegen im Bett nicbt mehr aushalten. Die schweren und unheilbaren Leide» haben ihm den Gedanken an eine Abkürzung des Lebens eingegeben. Gestern morgen wußte er seine Frau zu einem Gang nach einer Bade-Anstalt zu bestimmen. In dieser Zeit durchschnitt sich der hinfällige Mann mit einem Brotmesser die Pulsadern an beiden Handgelenken. In bedenklichem Zustande brachte ihn seine Frau nach der Charitö. Auf de»! Ttraßenbahu-Tcpot in Tegel erschossen hat sich gestern, DonnerStagvormitlag. gegen'/slV UHr der auf diesem Bahn- hos bedienstet gewesene Straßenbahnfahrer Mllnchenhagen, der in der Antoniusstraße in Tegel wohnte und dortielbst ein kleines Eigentum besaß. Münchenhagen, ein 32 jähriger Mann, pflegte ge- wohnlich die»Dicke Pauline', den polizeilichen Gesaugenen-Transport- wagen, zu fahren. Gestern jedoch begann sein Dienst etwa? später und zum Antritt desselben kaur er gegen>/2 10 Uhr vormittags»ach dem Depot. Nachdem er noch verschiedene Kollegen begrüßt und init diesen geplaudert, begab sich der Fahrer in eine» Wagcnschuppe» und wenige Augenblicke später wurden die Beamten durch einen lauten Knall erschreckt. Sie eilten in dem Wahn, daß eine Explosion stattgefunden, in den Wagenschuppen hinein und fanden hier München- Hage» in einer Blutlache bereits leblos vor; er hatte sich durch einen Schuß in die rechte Schläfe getötet. Die Veranlassung zu dem Selbstmord dürfte in Krankheit und Schulden- Ueberlastung zu suchen sein. Am Grabe der Mutter erschossen hat sich gestern vormittag auf dem Georgenkirchhof in der Landsberger Allee der 34 Jahre alle Braucrei-Arbeiter Fritz Hantel a»S der Pallisadenstraße 71. H. war seit 10 Jahren verheiratet und hatte zwei Kinder von acht und süuf Jahre». Viermal halte er seine Familie verlassen, das letzte Mal lehrte er vor 10 Wochen nach einer sechsmouatlichen Ab- lveseuheit zurück. Fcucrbericht. Donnerstagnachmittag 5 Uhr kam Weidenweg 33 ein Dachstuhlbrand aus, der mehrere Bodenkammern und einen erheblichen Teil des Dachstuhles einäscherte. Die Wehr hatte längere Zeit mit zwei Rohren Wasser zu geben, um die Flammen z» ersticken. Kurz vorher brannte Petersburgerstr. 10 ebenfalls der Dachstuhl, doch konnte das Feuer von der zeitig erschienenen Wehr noch gelöscht werden, bevor es größere Ausdehnung erlangte. Mittag« erfolgte böslvilliger Alarm liach Jandorffs Warenhaus in der BIwneustr. 42. AuS den Nachbarorten. Die Aufsehe» erregende Slffaire des Steglitzer Kirchen- und SchuldicuerS Gottsried Fritze, welwer, wie seiner Zeit aus- führlich gemeldet,»verführt wurde, die Opferstöcke der dortigen evangelischen Kirche jahrelang beraubt zu haben, wird, wie wir erfahren, am 12. September d. I. vor der ziveiten Ferien-Stras- kanmier des Landgerichts II Berlin verhandelt werden. Die Anklage lautet ans Kirctiendieb stahl, ei» Verbrechen, das nach 8 243 des Strafgesetzbuchs mit besonders schweren Strafen geahndet wird. Die Verhaftung des ungetreuen Kirchendieners, der am Orte eine sehr angesehene Position einnahm, mit seiner Familie auf großem Fuße lebte und allgemein für einen vermögenden Mann galt, er- folgte am Sonntag', den 11. Mai d. I. in der Kirche selbst durch de» Steglitzer Amtsdiener Hinz, der, hinter der Kanzel versteckt, be- obachtet hatte, wie Fritze nach Beendigung eines Tausaktes die Opferbüchse, in welche die Teilnehmer an der kirchliche» Handlung soeben Opfergaben gesteuert hatten, mittels Nachschlüssels öffnete und den Inhalt in seine Tasche steckte. Fritze, welcher im 59. Lebens- jähre steh! und mehr als 30 Jahre das Doppelamt eines Kirchen- und Schuldieners in Steglitz versehen hat, das ihm ei» bedeutendes Einkommen brachte, wurde dann, nachdem er in der Hauptsache seine Schuld eüigestauden, vorläufig auf freien Fuß gesetzt und zog»ach Berlin. Immer langsam voran. Recht gemütlich arbeitet der Kreis- ausschuß für' den Teltoiv-Charlottenburger Kreis. Gegen die Gültigkeit einer im März erfolgten Gemeindewahl war, wie man un« aus Schmargendorf schreibt, rechtzeitig Einspruch erhoben worden. Am 10. Juni wurde über die Angelegenheit verhandelt und die verklagte Partei erlitt dabei eine Niederlage. Jetzt, nach säst acht Wochen, ist aber den Klägern noch nicht das Urteil zu- gegangen. Um so gründlicher wird hoffentlich seine Abfassung aus- falle». Eine amtliche Nenbenennung der Wasserstraßen ist im Regierungsbezirk Potsdam vollzogen worden. Die neuen Namen bezeichnen im allgemeinen kleinere Abschnitte wie bisher. Die Spree heißt von der Mündung aufivärts bis zur Charlottenburger Schleuse „Untere Spree', von da bis zur Stralaner Eiseubahnbrücke.Berliner' und alsdann„Köpenicker Spree'. Die Havel beißt aufwärts von Brandenburg„Brandciibnrgsr', von da bis zum Jungfcrusee„PotS- damer Havel". Von der Sacrower Fähre bis Schildhorn dehnt fich dann die.Kladower Seenslrecke' ans und darauf folgen unterhalb der Spaudauer Schleuse die.Pichelsdorfer' und oberhalb die „Spaudauer Havel'._ GcLirlzks�etkunlg. DaS Gespenst. Vorsitzender deS Schöffengerichts zu dem wegen Körperverletzung und Beleidigung angeklagten Arbeiter Meier:«Sie sollen ja ibren Nachbarn, den Rentner Lehmann, arg zugerichtet haben.— A n g e k l.: Herr Jerichlsbof. Rentjeh is er nu jcrade»ich, er is bloß Rentenempfänger. Un mit det Zurichten is et ooch man halb so schlimm. Dcrf ick»ich mal vordrajen, wie sich die janze Jeschichte abgespielt hat?— Vors.: Ja, wenn Sie sich kurz fassen können.— Ä» g e k I.: Det kann ick janz hervorragend. Also am 17. März hatte meine Frau Jeburtstag. Als ick abends von de Arbeet dodmiide nach Hause konmie, sagt meine Frau zu mir:„Du Willem, ick habe Deinen Freind Pose im seine Jeliebte injeladen un die bringen noch eencii Freind mit'n Leierkasten mit, wollen wir uns»ich'n ver- jniegten Abend machen?' Allemal, sage ick. un als verehelichter Jatte jreife ick in die Tasckie un schmeiße een Markstück uf'n Disch im sage, det sie Rum nn Zucker holen un uns eenen steisen Punsch machen soll. Is jut, der Besuch kommt, Ivir drinken k» der Leier- kasteiimann spielt nn wir jeraten in eene jroße Lustigkeit. Wjr armen Leite müssen die Jeburtsdage uf nnsre Art feiern. Als mal eenen Oojenblick Ruhe is, kloppt cener von draußen an dje Dhiere. Wie rufen alle„rin!' und die Dhiere seht uf. Us'n Flur stand eene menschliche Jestalt in Unterhosen un mit'ne Nachtmütze uf. in eene Hand hielt er vorne den Schlafrock zusammen. Sie köiiucu fich ivohl denken Herr Jerichtshof, det wir uns alle jraulte», besonders meine Nieke, denn die is immer sehr fürchterlich. Sie fing ooch jleicki au zu brüllen: Herr meines Lebens, Willem, da wandelt ecuer Nacht I' Ick aberscht faßte mir'» Herz uu denn eenen handlichen Knüppel un will damit den Jeist jerade eenen in't Profil jcbcu, nn fange au„Alle juten Jeister'— da sehe ick zum Jlück, det et mein Nackibar von unten is. mit dem ick von vorne rin in die innigste Feindschaft jclebt habe. Nu mußten wir alle wieder lachen, un mein Freind Pose flüstert mir leise zu:«Du»ölige ihn rin:' Ick in meinem juten Herzen dhtze det ooch, u» richtig, er tritt über unsere Schwelle. Erst mackite er ja allerlei Fisemetente» und quasselte wat von nachtschlafende Ruhe- störuug, als aber meine Rieke ihm mit'» Kuix een Jlas Punsch anbot, da nahm er det au un drank et aus. Pose'n seine Jeliebte Ivar ooch sehre nett zu ihm un als der Leierkasten dann«Komm herab von de Tonne Therese' spielte, da dauerte deS nich lauge, bis der Herr Rentjeh im kurze» Zeuge mit ihr herum- hopste. Sein Schlafrock jing davei vorne auseiiiaiider nn det sah putzig aus. Mein Freind Pose wurde aber eiserflcckig un ick wußte nicht recht, Ivat er vorhatte, als er unbemerkt den Einmer aus die Kieche holte un ihn in die Ecke stellte. Als der Dauz dann zu Ende war, sagte Pose zu ihm: Nu nehmen Sie doch een biske» Platz, Sie sind ja aus Luft und Atem. Un stellt ihm ccnen Stuhl hin, uiijesähr zwee Schritte vor den Emmer. Un Lehmann setzt sich. Aber Pose hadde sich uiijlücklicherivcise eenen Stuhl erwischt. der bloß drei Beeue hatte, un als Lehmann sich setzte, ließ Pose den Stuhl los uu Lehmann fiel so nachdrücklich uf seinen— nf'n Erdboden, det er seine Bcene mit die Unterhosen hoch jejen die Decke streckte. Un. wat det Schlinmiste war, er ivar mit'n Kopp in'n Emmer jefallen uu hatte ihn um- jestoßen. Er prustete nich schlecht, denn sein Jesichte war total naß im ooch en bisken schmutzig jeworden. Er merkte Unrat— det sie ihn schikanieren wollten uu wollte uffspriugen un raiislaufen. Aber det litten wir nich. denn meine Frau mit ihrem juten Herzen inceule, er könne sich nf'n Dod erkälten und mußte erst mit Reinlichkeit be- haftet wer'». Wir hielten ihn feste un ineiiie jute Rieke nahm eenen Lappe» uu fuhrwerkte ihm damit iiüt Jesichte rum. Aber zum Unglück war et der Lappen, Ivo sie den Puiischtopp mit aus'n Ofen genommen un denn unten den Ruß mit abjewischt hatte. Na, Lch- mann sah nu nett ans, det muß ick sagen. Wir mußten alle lache». ob wir wollten oder nich, mein Lehniann sprang aber uff wie'» jereizter Löive uu et wäre vielleicht zu eener Schlägerei jekommen lucuii„ich zufällixi die Lcinipe ansjejnnnen wäre. In die Dunkelheit hatte ick aber die Jeistesgecienlvart, ihn nach die Dhiere hinzuleiten, und da iZ er denn in seine Wohnung jejangen.— Vorsitzender: Aber Mann, Sie haben ihn ja die Treppe hinuntergeworfen I — A n gel l a gier(erstaunt): Ach,>vat ick höre I Sollte er wirklich jcfallen sind? Aber det kommt davon, det die Bankommission det leidet, det so jebaut ivird, det die Treppe frei zur Dhiere rinlooft. Ick kann'S mit'n körperlichen Eid de- schlvörcn, det ick ihn bloß loSjelassc» habe. Denn ivarum sollte ick ihn»ich loslassen? Mir scheint er»ich jerade zu lieben un ick habe ooch kccncn Narren au ihm jesressen. Ick ließ ihn los. weil ick dachte, es wäre»och'n Spatinm da, aber wenn keen Spatium mehr vorhanden war,'wat konnte ick dafor? So erzählte er, der Brave, und sein Gesicht troff dabei förmlich von Biederkeit und Treuherzigkeit. Die Betveisaufnahrne ergab aber, daß man dem bcdancrns- werte» Zeugen Lehmann wirklich aufs schlimmste mitgespielt hatte, Der Angeklagte soll 80 M. Strafe zahlen. Sociases. Eiiic» Beitrag zum östrcichischcn KoalitiouSrechte liefert der Bericht dcS Vorstandes der deutsche» socialdemokratischen Arbeiter- Partei an den Parteitag. Oestreichische Gcwerkschaften hatten be- schlössen, ArbcitSIoscn-Unterstiitznng für ihre Mitglieder einzuführen. Das Ministerium des Innern hatte dazu die Genehmigung versagt. Wie das möglich ist und womit man das in Oestreich begründen kann, darüber giebt die Entscheidung des angerufenen Reichsgerichts die beste Auskunft. Das in dem Bericht mit Recht als historisches Dokunicnt bezeichnete Schriftstücke folgt hier wörtlich: „Nach dem Erlaß des k. k. Ministeriums des Innern voni 13. April 1901, Z. 10 466, stellt sich die Bestimmung des Z 2, lit. b, der vorgelegten Statuten im Zusammenhalt mit jener' des 8 17 insofern als gesetzwidrig dar, alsmangclSjederUnterscheidung zwischen ordnungs- mäßigem und gesetzwidrigem Austritt aus der Arbeit die Unterstützung auch solcher arbeitsloser Bereinsmitglieder im Rahmen der statuten'- mäßigen Vcrcinslhätigkcit gelegen wäre, die die Arbeit ohne Ein- Haltung der gesetzlichen oder vereinbarten Kündigungsfrist verlassen haben. Nach der Ucberzcugnng des k. k. Reichsgerichts ist diese Auf- fassung begründet, denn in, 8 2, Iii. b, wird unter den Zwecken des Verbandes angeführt:„Unterstützung seiner Mitglieder in Fällen der Arbeitslosigkeit." Eine Unterscheidung innerhalb dieser Fälle wird daselbst nicht gemacht, somit muß angenommen werden, daß nach dieser Statuteubcstinimung der Verein seine Mitglieder in allen Fällen der Arbeitslosigkeit, somit auch dann zu unterstützen hätte, wenn die Arbeitslosigkeit die Folge eines gesetzwidrigen Aus- tritts auS der Arbeit sei» würde. Die Richtigkeit dieser Ans- fassung crgiebt sich aus dein§ 17 der Statuten, und zwar deshalb, weil dieser Paragraph das bezügliche Recht der Mitglieder nur in der Richtung einschränkt, daß das betreffende Mitglied nicht muttvillig aus der Arbeit ausgetreten sein darf. Es de- darf nun Iveiter keiner Ausführung, daß die Begriffe„mut- williger Austritt" und„gesetzwidriger Austritt" sich'nicht decken, daß cS zweifellos Fälle geben kann, in denen der Austritt gesetzwidrig ist. ohne daß er im Sinne des§ 17 als muttvillig bezeichnet tverden könnte. Da sonach bei Bestand des§ 17 der Statuten statutenmäßig der Verein laut Z 2, Iii,, b, die Unterstützung, auch in Fällen solcher Arbeitslosigkeit zu gewähren hätte, die die Folge eines gesetzwidrigen, nicht nur mutwilligen Austrittes ist, so i st d i e s e Statuten best immungzweiffellosgeeignet.gesetz' widrigen Au stritt zu erleichtern undzübefö'rdern. weshalb sie als rechtswidrig(§ 873 a. b. G.-V.) bc- zeichnet werden muß."_ Versa»nntlunZVN. TaS kapitalistische System vor Gericht lautete das Thema, Uber das Genosse Georg Bernhard an, Dienstag in einer von den Vertrauensleuten des ersten Wahlkreises ciuberufeiie» Volks- Versammlung bei Dräsel, Neue Friedrichsiraße, referierte. Der Redner besprach namentlich die politische Bedeutung der großen Bankprozcsse in Berlin und Leipzig und das Gebahren der kapitalistischen Presse über den Verlaus derselben. Er verwies hierbei unter andern, darauf, daß eS kein Zufall ist, wenn insbesondere die Börsenpresse sich sehr unzufrieden geberdet und über das niedere Strafmaß zetert; eS geschieht dies aus Wut darüber, daß nicht nur Gesellschnftssäulen ersten Ranges, vornehmste Stützen der heutigen Gesellschastsordmmg blamiert und bloßgestellt, sondern daß das ganze kapitalistische System gekennzeichnet und verurteilt tverden mußte. Durch das Geschrei der K'apitalistenpresse tvcgen der zn geringen Strafe soll lediglich nach dem bekannten Rezept„Haltet den Dieb" vcr- schlciert werden, daß daS, was die Exner, Sande», Schmidt:c. ge- than haben, auch heute»och von hundert andren, die sich im Besitz von Titeln und Würden befinden, täglich straflos gcthan ivird. Der Redner gab schließlich der Meinung Ausdruck, daß die schwere Krise, die über Deutschland hereingebrochen und unter der leider die Arbeiterklasse am schlimmsten zu leiden hat. der Socialdcurvkratic Waffen in die Hand gegeben, wie sie sonst nicht vorhanden waren. Nicken von denen, die in den Zeiten der günstigen Konjnnknir nicht daran glaubten, daß die Gcscllschafisvcrhnlliiisse so miserable sind, ist durch die Krise erst die ganze Verwerflichkeit der kapitalisiischen Gesellschaftsordnung klar vor Augen geführt worden und sie werde» für den SoeialismuS gewonnen werden. Eine Diskussion über den mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrag wurde nicht beliebt. Nachdem der Vorsitzende O P P e l zum Anschluß an den Wahlverein anfgefordert, erfolgte der Schluß der sehr gut besuchten Versammlung. Wahlverein für de» vierten ReichstagSwahlkrelS(Osten). Eine stark besuchte Versammlung tagte am Dienstagabend im großen Saale des Lokals.Königsbank'. Dr. R. Steiner sprach über:„Die Ursachen der sErdbebcn und Vulkane." Der äußerst interessante Vortrag wurde mit lebhaftem Beifall aufgenommen. Eine Diskussion wurde nicht beliebt. Unter Verschiedenem machte der Vorsitzende bekannt, daß am 21. August für Berlin die öffentlichen Pnrteiversammlungen stattfinden, in welchen die Dele- gierten für die Brandenburger 5tonferenz und für den Parteitag ge- wählt werden. Mit der Mahnung, daß jeder einzelne seine ganze Kraft für die Agitation zur Erftarkung deS Wnhlvereins beitragen möge, damit die Arbeit für die Landtags- und Reichstagswahlen in geeigneter Weise für das nächste Jahr vor sich gehen könne, schloß der Vorsitzende die sehr stark besuchte Versammlung, der viele Frauen beilvohnten. Praktische Winke für die Landagitation gab der Stadt- v e r o r d n e r e W i l l e in der Versammlung des Wahlvereins für den sechsten Wahlkreis, die am Dienstag in der Badstraße 19 tagte. Man müsse vor allem ettvas von den Hantierungen der Landleute verstehen, wenn man mit Erfolg unter ihnen agitieren wolle, führte der Redner ciulcitcnd aus. Er zeigte dann a» manchen Beispielen, wie viel Anknüpfungspunkte es in der Landagitation sür denjenigen Genossen giebt, der mit den Verhältnissen genügend vertraut ist und mit den Landlenten zu verkehren' versteht. Ans die Großbauern sei kein besonderes Gewicht zu legen, die große Masse der Landbevölkerung, die ihrer wirtschaftlichen Lage nach zu uns gehört, sei nicht schwer zu gewinnen. Anknüpfend an den mit Beifall a»fgeno»i»ienen Vortrag machte der Vorsitzende darauf aufmerksam, daß auch in Berlin noch viel Agitation und Aufklärung notwendig ist, er forderte zur Unterstützung der Organisation und der Presse aus und wies auf die am 21. August stattfindenden Parteiversaminlungen hin. Rnmmelöbnrg. Am 80. Juli hielt der socialdeinokratische Wahlvercin von Nunnuclsbura seine Geucralversannnlung ab. Zn Ehren des verstorbenen Genossen Heinze erheben sich die Anwesenden von ihren Plätzen. Den Kassenbericht giebt der erste Kassierer Bitterhof. Demnach betrugen die Einnahmen einschließlich des alten Bestandcs 654,b2 M., die Ausgaben 539,78 M., bleibt ein Bestand von 114,74 M. Die Zahl der Mitglieder beträgt 332. Darauf wird dem Kassierer einstimmig Decharge erteilt. Der Bibliothekar Hoog giebt bekamit, daß im verflossenen Quartal nur 44 Bücher gelesen wurden, Strafgelder gingen 2,10 M. ein. Zur Ergänzung des Vor- standcs werden die Genossen Tornow und Müller als Beisitzer ge- ivählt. Als Delegierte zur Kreiskonferenz werden Rosenkranz, Oehlking, Bitterhof, Niel und Prüfer gewählt. Unter Kommunales berichtet Gebauer über die wichtigste» Beschlüsse, welche in der Genrcindcvertretuiig gefaßt sind. Einer der wichtigsten ist, daß das Amt des Schulinspektors nicht ivie bisher vom Geistlichen, sondern vom Rektor in Gemeinschaft mit einer Deputation ausgeübt wird. Ferner Ivurde seitens nnsrer Genossen Ritter und Gebauer in der Gemeindevertretung der Antrag gestellt, bei der in Boxhagen zn erbauenden Schule die Einrichtung zn Brausebädern für die Kinder zu treffen, was denn auch. obgleich die bürgerlichen Vertreter die verschiedensten Argumente dagegen anführte», angenommen tvurde. Der Bericht Gebauers würde durch Ritter in einigen Punkten ergänzt. Unter Vereins- angelegenhciten giebt Genosse Rick bekannt, daß sich ein Verein der Samariterlolonne von Runmielsburg und Umgegend gebildet habe. Der Vorsitzende desselben, Genosse Schmidt, ersucht die Mitglieder des WahlvcreinS um rege Teilnahme. Ireircligivie Gemeintr. Sonntag, dm 10. August, vormittags 3»/« Uhr, in der Aula der 09. Gemeindeichule, Kl. tzranlsurter str. 0: Veriaminlung. Freireligiöse Vorlesung. Um 10�/, Uhr vormittags ebendaselbst: Vortrag deö Herrn Professor Dr. Albert Gehrte:„Die Müh- seligen und Beladencn."— Eöste, Tamm und Herren, sehr wiltlvmwm. VermisMes- Schwere Gewitter sind Donnerstag früh im Westen Deutsch- lands niedergegangen. In der Umgegend von Mainz hat das Unwetter in den Weinbergen große Verheerungen angerichtet, in Frankfurt a. M. erlitten Häuser und Bäume Beschädigmigen und aus Altena in Westfalen wird über einen Wirbelsturm mit Wolkenbrnch berichtet. Der Mörder des Schnliuädchcnö Anna Klein in Leipzig ist von der dortigen Polizei ermittelt und verhaftet worden. Am Sonntagiiachmitlng war die ruchlose That geschehen, und seit Mitt- woch ist der Mörder in Haft. Der Verhaftete, der die That ein- gestanden hat, ist ein 20jähriger junger Mann, ein Optiker Wilhelm Grabich; sei» Vater ist ein angesehener Manu i» Leipzig und Inhaber eines optischen Instituts.' Grabich hatte, wie wir fchon berichteten, an dem Schnlmädchen Klein ein SitilichkcitS- verbrechen begangen, das Kind erdrosselt und die Leiche in eine kleine Kiste gepreßt,' welche später im Hofe eines Hauses des Leipziger Salz- gäßchens aufgefunden wurde, lieber die Art und Weise, wie die Ermittelung des Verbrechers geschah, berichtet das dortige„Leipziger Togebl.":„Durch die schnellen und zuverlässigen Mlltellnngen beS Inhabers der Firma E. W, Bernd, Reichsstraße. und dcS bei dieser Firnia angestellten Herrn Böhme gelang es, mit aller Bestimmtheit festzustellen, daß die Kiste aus dem Berndschc» Geschäft stammte und sich zuletzt in einem Sonterrainramne des optischen Geschäfts von Grabich, Nikolaistraßc 11. befunden f|atte. Weitere Verdachts- spurcn ergaben, daß in diesem Räume die That verübt worden sein mußte. Da niemand anders einen Schlüssel zn dem Soutexrainraum besaß, als der älteste Sohn des GeschäflsinhaberS. der zwanzig- jährige Wilhelm Grabich. der. während die Elter» zur Erholung in den Alpen weilte», dein väterliche» Geschäfte vorstand, so mnßte sich der Verdacht, die entsetzliche That begangen zn haben, ans diesen richten. Niemand, am allerwenigsten die Angestellten deS Grabichschen Geschäftes, hätten dem jungen, ruhig und bescheiden auftretenden Menschen die That zugetraut. Bei der Vernehmung verwickelte er sich aber in Widersprüche, und bald wurden die Beweise, die gegen ihn sprachen, geradezu erdrückend, so daß Mittwochvormittag 11 Uhr seine Verhafluug erfolgte. Nachmittag legte dann der Mörder ein umfastendes Geständnis ab. Eisenbahnunglück. Auf der St. Pa»l-Eise»bahn(Vereinigte Staaten von Amerika) erfolgte gestern in der Nähe von Rhades (Joiva) ein Zusammen st o ß zweier Züge, wodurch 13 Personen getötet und 20 verletzt wurden. Ueber die Cholera wird aus Blagoweschtscheusk vom Donnerstag berichtet: Vom 22. Juli bis 3. August erkrankte» au Cholera 161 und starben 101 Personen. Es herrscht Mangel an Aerztcn und Desiiifeklionsinitlclii. Briefkasten der KedaKkion. Tie sinislliche Tpeeckiiiunde findet täglich mit Zlusnghme de» Sonnabends von?>/, bis l»>/-»br abends statt. Streitende. Galileo Galilei. Das„E pur si muove"(Und sie — die Erde— bewegt sich doch) hat die Nachwelt dem durch die In- quisitions-Torturen innerlich gebrochenen GreiS in dm Mund gelegt. Ge- sprachen hat er die Worte nicht, Zwischen streitenden Kollegen. Gnstav. 1. Die zweijährige Dienstzeit bei den Fuss huppen ist durch Gesetz vom 3. August 1893 sür die Zeit vom I. Oktober 1893 bis zum 31. März 1899 eingcsührt und durch Gesetz vonr 2h. März 1899 bis zum 31. März 1904 verlängert worden. 2. Die genauen Zahlen wissen wir nicht; die erreichte Höfte überstieg 8000 Meter. 3, ErftickiingSericheinuiigen können nicht sosort eintreten, sondern erst nach Verbrauch eines Teils des in der miteingeschlossenen Lust enthaltenen Sauerstoffs. H. P. Der deutsche Kaiser bezieht kein Gehalt. Dagegen erhält er als König von Preußen eine Civilliste, deren Höhe seit 1868 nicht ganz 121/« Millionen Mark jährlich beträgt. Bald nach dem Regieruvgs- antritt Kaiser Wilhelms II. wurde sie um 3Va Millionen erhöht; sie beträgt jetzt 15 719 290 M. Kanterling, Schöneverg. In Lyck stehen leine Dragoner, wohl aber Ulanen nnd Jnianterie. R. N.. Ilrdanstraste. Sie können gegen Ihren Wirt ans Beseitigung des MibstandeS und Schadensersatz beim Amtsgericht klagen.— Abonnent Schönleinstraste. Der Wirt ist im Unrecht. Jftr Vertrag läuft weiter.— SS. Moser. 1. Nein. 2. Der Pflichtteil ist die Hülste des geseSttchm Teils. Hwterläßt der Vater 3 Kinder und seine Witwe, so würden auf jedes der Kinder'/< entfallen. Das Pflichtteil beträgt mithin Vz der Erbmasse, in Ihrem Falle also 1500 Mark. 3. Von 12 000 Mark.-«10. 1-3. Das ist möglich. 4. In 10 Jahren.— E. SÄ. C. Ihre Frage, ob Reichstags- bcschlüsse annulliert sind, ist lmverstäiidlich. Zur GiUtigleit eines Gesetzes ist ein nberctiistunmender Bcschlnst des Reichstags und des Bundesrats erforderlich und ausreichend— X. Z.«88. Sie sind in Ihrem Recht. — Brak 3. Wiederholen Sie Ihre Anfrage unter Ergänzimg des Haupt- sächlichsten sür die Beantwortung in Betracht kommenden Umstandest welchen Landes Kinder sind die in Betracht Kommenden?— ÜÄ. Kleine, aber zum Dienst mit der Waffe»»taugktch machende körperliche Fehler. — A. 7. 1. Abschrift des Prolololls hat der Gläubiger zu verlangen. 2. Da Sie die Konzession habe», so lvnnen Sie auch als Firma Ihren Namen setzen. Daraus würde aber auch gefolgert werde» lönnen, daß Ihre Frau nur scheinbar daS Geschäft führt und deshalb die GeschäftSeinkünste und auch daS Vermögen Ihrer Frau dem Zugriff Ihrer Gläubiger unterliegt. —(£. P. 33. Sie leben mich ohne besonderen Vertrag außer Güter- gemeinschast. Das Vermögen Ihrer Frau hastet also sür Ihre Schulde» nicht. Um das Eigentum Ihrer Frau nach Möglichkeit sicher zu stellen, empfiehlt es fich, einen Bertrag der Art zu schließen, wie Sie ihn S. 223 9fr. 22 des dem„Arbeiterrecht" beigefügten Führers finden. Das Buch liegt in den öffentlichen Lesehallen aus.—(?. P. 32. Ja, aber die praktische Ausführung ist ohne Bsrinittlimg dcS Vormundschaftsgerichts schwierig.— 5t. S. Ihr Sohn ist noch heute militärpflichtig,«ie thun am besten, beim Beztrkskommando anzufragen, wo im Ausland er sich untersuchen lassen tan».— Sä W3, 13 17 18 Wetter-Prognose sür Freitag, den 8. August 1903. Ziemlich warm und schwül, zeitweise heiter, aber sehr veränderlich mit Gewitterregen und mäßigen südivestlichen Winden. Berliner Wetterb»rea«. Deutscher Holzarbgiter-Maiul. Heule, Freitag, abends 8Vz Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel-Ufer 15: Äei' Orts-VerwaUung. AMmig! Einsetzer.-Muml Tonntog, den 1«. d. M.. vormittags 10 Uhr, findet in den bckannteil Lokalen die knu»'««n�z»»ul:lrv statt. Die Kollegen deö 5. Bezirks (Westen) treffen sich Bülowstr. 59 bei 0»Ier Vors Deutsch. Metallarbeiter-Verband VerwaUcmjjsstcüc Berlin. Bureau: Engel-Ufer 13, Zimmer 1—3, Telephon Amt 7 Ar. 353. Freitag, den 8. August, abends S'/e Uhr der erweiterte» Ortsverwaltlillg im GewerkschaftShauS, Saal I. Sonnabend, den 9. August, abends 8V» Uhr Konferenz der Vertrauensleute des Nordens bei Dicke, Ackerstr. 133. 118/16 Zahlreichen Bestich erwartet VI««»rt»v«rvi»Itnng:. Jf Wir beehren uns mitzuteilen, dass unser circa 1500 Personen fassender iiar Saal"WU vorannftiehtllch bis znm Herbst fertiggestellt sein wird. Wegen Sanlbestellnngen wolle man sich direkt an nnsreu Ocbouoiu Herrn Hob. l-lebing wenden. Berlin, Anfang August 1902. 32/6 Branerei Königstadt Acl-ßes. Schönhauser Allee 10-11. r Tegel— Tegelort— Jörslelde. Dampfer- Linie von Oanl BtaHÄiz. Bequem eingerichtete große und kleine Dampfer. Billigste Preise. Tegel— Degelort, Restaurant.,Zam Schwan" nnd zurück 15 Pf. Tegel— Jörsfclde und zurück 20 Pf. Halte mich allen Freunde», Bekannten und Ansflnglern bestens empfohlen. 479 IL C. Holtz. inzug-, Paletot-, Bosen-Stoffe. Rlinmunqs-Ausverkanf!!! Die Bestände unsrcs Ladengeschäfts 23/23 werden wegen Ausgabe des Ladens Sjnj- bedeutend nnter Preis au!«verl.anft.[47788» BrenneB«& Co. EMS- M ArsM-Lllger jtjst: Kömgstr.�6 1. M Reste spottbillig. Prämiiert mit der goldenon Medaille. Kraft-Rotwein für Itlnturiue und Kranke ilrzf lieh empfohlen. 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Bitte Postkarte. « ß » I) I _ r TU weltbefannfe"WS Bettsedcrn-Labrik Gnstat>L»stig,BerlIn8.,Prw,ni- ftraftc*0,»rrftntrt gegen Nachnatime garout.nene Neltsedern d. Psd. 5b Ps., | chinesische Halddauneu d. Psd. M.!,25, ;»esserc(nnblxiimii&. Pst. M. l,7B,i «»rtzigliche Daunen d. Psd. M. 2,85. •— Klon diesen DaUBcnscnila'» 3 bill Psnnd zu IN grotea Ctcrbctt. Verpa-tung frei. Preidl. u. Proben grati«. Siele AnerlemuingSschr. Würzburger Hübneraugenmittei von Dr. H. Enger.— Gegen 30 Pfeniitg aus 10 Ps. Anweisung frei. Ohne Zweifel die bequemste».»virksamste Hilfe. Der Schmerz ist i» 3 Min. fort, das Hühnerauge selbst in 3 Tagen.(Enthält Salicylsänre n. indischen Hanfextrakt.) Dn. H. Utiges* IN WUrzhurg. Hanptdepot in Berlin(20 Pf.): Salomon-Apctheke, Charlottenstraße. 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Ansang 8 Uhr. Neichshallen. Stettiner Sauger. Ansang 8 Ubr. Passage- Theater. Specialitäten- Vorlleunug. Anfang nachmittags 8 Uhr. Passage- Panopttknu,. Special!- tülen-Vorftcllung. Urania. Tanvensir. 48/ktt.(Im Theatersaal.) Abends 8 Uhr: Die deutsche Ostscelüste. JnUalidenslrasse S7/ii!i. Täglich: Sternwarte. HktWl'IllkM Blorivltz-Oper. Abends 8 Uhr: Franceschina Prevosti: J>cp K arbler von Hiovilla. Sonnabend; JbHdelio. Sonntagnachmittag 3 Uhr bei halben Proisen, letzte Nachmittags- Vorstellung: Untline. Abends 8 Uhr: Franceschina Pravostl. l>ei" Tronbudonr. Montag: I>ie verkaufte Braut._ DV" Vorletzte Woche. Ifraiila. Tauben-Strasse 48/49. Im Theater um 8 Uhr: Die deutsche Ostseekiiste. CASTANS Panoptikum Frledrlch-Strasse 163. Das berühmteste Wachsfiguren- Kabinett der Welt. Beachtenswerte Neuheit: Lebende Bilder, ausgeführt v. einem Ensemble junger, schöner Damen. Passage-Theater. Das Elite August-Programm. | Alice Markert.! j Darstellerin komischerVolks- 1 j typen. 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August: Karl Braun-Benefiz. Sommertheater PJa�ienbad Badstr. 35/36, Gesundbrunnen. Neu! Täglich: Neu! Groszftadtleben. Gr. Slusstattnngspoffe in 2 Bildern von Reichard. Musik von Schmidt. Ra SpecialitUten. Entree 20, 30 und 50 Pf. Sonntags: BaBIa Empfehle meine Räumlichkeiten den verehrten Vereinen und Gewerkschaften bestens, billigste Bedingungen. Richard Wagner. Täglich nachmittags ah 5 Uhr: jel-Kmert Untree 1 M.,-MtZ von O Uhr nachmittag ab SO Pf, Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Uiatfr-tUeatfr Kastanien- Zlllee 7—U. TUglich: Johanniszauber. Operetten-Burleske in 4 Bildern von W. Gericke. Musik von Schmidt. Hedwig Döring, Kostiim-Sonbrette.— Engen Milardo, Tanzhumorist.— Cirkus Loyal.— Leodlsltas Kakadus, komische Recktnmer.— The Ehados. dl dm. Georgette, Feuer- u. Flamme»- tonz.— Lebende PHolograpbien. (Neue Serie.)— Konzert. Anfang 4 Uhr. Eintritt 30 Ps., nunierierter Platz 5« Pf. lialbo. W. Noaclis Ttieater. Zsriinneustrkhe HL Tliglich Vorstellung. 5ö0 tdiueiiDe Bttil». Posse mit Gesang und Tanz von Leopold Elp. Nur keine Männer! BurleSle mit Gesang von Gericke. Im Saal: TanaikränsBeben. MM Garten Am Kiinigstlior 4202L* Am Fricdrlclishain NM" Täglich:-T&ü Theater- und Suecialitiiteil- Parstelluilg. Täglich bis 7 Uhr: Freier Damentanz. Jeden Abend 10 Ubr: Die Ballettschule. Grobe Gesangsposse mit Tanz v. Anno. °Üai Kllems1 Sommer- Theater. Nascnheldc 13—15. I Artistischer Heiter: Gust. Bock.] TägSich: Gr. Konzert, Theater- u. fSiiecialitäteii-Vorsteliungj Jeden I. und 15. d. Monats: Wechselndes Programm! Donnerstag: Elite- Vag. Bernhard Rose-Theater Gesundbrunnen, Badstr. 58. | Das grobe Weltstadt-Programm.| Um 8 Uhr: Mrlinme's haiitn.frodt.j 1 Gr. Posse mit Gesang in 2 Bildern f 1 von L. Ely. Musik v. R. Thiele. Anfang 4 Ubr. Entree 30 Pf. Vorzugskarten haben Gültigkeit. Kaffeeküche.— Ball. Dienstag, de» 12. August: Benefiz für Karl Lobrmann und Waldi Jasinsky:„Der Bettel- student von Berlin". ..Zlnser täglich Wo!" 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