Ar. 184. Kdmmkmenls• frtinpnrjtn: AbonnemenlZ-Preii pränumerando: vierleljährl. Z,Z0 Mk., monall- l.lvMI.. »vöcheuMch 28 P>g. frei in! Hau». Suuelne Numw'r 5 Pfg. Eonntagi- Nummer mir ili»i>r>cri«r Ssnniazi- Beilage„Tie Neue Welt" 10 Pfg. Post- Pdonnemenl: l.iv Mark pro Mona«, Singelragen in der Post-Zeitung?» PreiZliste für 100« unter Dr. 707k>. Unter Ikreuiband fiir Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Mark, für da» übrige Auiland 3 Mark pro Mona«. 19. Inlsrg. Alt InftrtlonS'EMisr teträgt für die fechigespaltsne Koloner, zeile oder deren Raum iü Psg., für poltttsche und gewerkschaftliche Verein»- und Versammlung»-Anzeigen 20 Psg. „Kleine Anseigen" jede» Wort 5 Psg. (nur da» erste Wort fett). Inserate für dle nächste Nummer müssen bi» i Uhr nachmittag» in derExpedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bi» 7 Uhr abend», an Sonn- und gesttaAen bi» s Uhr vormittag» geöffnet. Erfchrink»Sgllch«„Her M»„k»g», Verlinev Volksblatk. Telegramm- Adresse- „Sorinldriiiokrat Derlin» C�ntralorgcrn der sorialdemokratischen Partei Deutschtands. Kedakttion: SW. 19, Beuch. Strstze 2. Fernsprecher: Amt I. Nr. 1508. Arbeitslosen-Versicheruttg und Soeialdemokratie. „Die öffeiitlichc Versicherung"(gegen Arbeitslosig- keit)„empfiehlt sich"...„Auch die beste auf Freiwilligkeit beruhende Versicherung wird immer eine unnötige Belastung herbeiführen. Die Gewerk« schaften, denen es glückt, gute Versicherungen gn schaffen, werden immer mit übergroßem Zudrang zu kämpfen haben." Auf der Tagesordnung des nächsten Parteitages steht der Punkt „Arbcitcrversichernng". Der Gegenstand ist auf Grund eines Be- fchluffcS des vorjährigen Parteitages auf die Tagesordnung gefetzt worden und dieser Beschluß ist auf einen Antrag Molken- buhrs gefaßt worden. Molkcnbuhr ist auch al§ Referent dafür berufen lvorden. Da ist zu erwarten, daß die Versicherung gegen Arbeitslosigkeit einen erheblichen Teil der Ervrtcrungen bilden wird, und da Molkeubuhr auch bereits in zwei Artikeln der„Neuen Zeit"*) seine Ansichten über diese Frage ausführlich dargelegt hat, so sind Ivir in der Lage, schon ini Voraus zu wissen, welchen Standpunkt der Referent auf dem Parteitage vertreten wird. Die zu Anfang citicrteir Sätze stammen aus den erwähnten Artikeln. Ich will nicht untersuchen, ob es richtig ist. daß die Gewerkschaften mit übergroßem Zudrang zu kämpfen hätten, wem, sie gute Versicherungen einführten; aber richtig oder nicht richtig: das Argument zeigt, wohin man geraten kann. Es gehört noch innner zu den vornehmsten Sorgen nnsrer Gewerk- schaften, möglichst viel Mitglieder zu bekommen, möglichst die Gc- samthcit der Bcrufsangehörigcn an sich zu ziehen, und nun be- koinmcn sie aus socialdcmokratischcm Munde zu hören, daß eine Einrichtung dcSlvegeii zu empfehlen sei, weil sie die Gewerkschaften vor übergroßem Zudrange bewahrt I Man könnte kein wirksameres Argunient gegen die öffentliche Arbeitsloscn-Velsicherung anführen wie das von Molkeubuhr für sie angeführte. In den gegenwärtige» Diskussionen über die Arbeitslosen- Versicherung vermisse ich namentlich eine klare Hervorhebung des wesentlichen Unterschiedes, der zwischen einer solchen Versicherung durch öffentliche Korporationen— Reich, Staat oder Gemeinde— und einer durch die Gewerkschaften unternommenen liegt. Arbeitslosen- Versicheung durch daS Reich, Staat oder Gemeinde ist nichts als eine Wohlfahrtseinrichtung. eine andre Form der Armen- Versorgung; Arbeitslosen-Unterstützung durch die Gewerkschaften ist ein gewerkschaftliches Kampfmittel, eines der Mittel, die den Gewerk- schaften zur Erhallung des Standards der Bcrnfsangehörigen dienen. Erst in dieser Unterscheidung geivinnen wir den richtigen Gesichtspunkt dafür, welche Stellung wir dazu einzunehmen haben. Für die Gewerkschaften hat die Arbeitslosen-Unterstützung keinen andern Charakter wie die Streikunterstützung; sie ist keine Wohl- thätigkeits-Lcranstaltnug, sondern sie soll den Arbeitslosen verhindern, sich, getrieben vonr nagenden Hunger, dem Unternehmer zu jedem Preise anzubieten und so auf die Löhne im allgemeinen zu drücken. Die Beitragszahlung geschieht also weniger des einzelnen Arbeits- losen, als der gesamten Arbeiterschaft des Berufs wegen; die Mit- glicdcr zahlen ihre Beiträge in dem Bewußtsein, dadurch sich selber und die Gewerkschaft kampffähig zu erhalten, damit sie um so energischer für Lohnerhöhung und Verkürzung der Arbeitszeit kämpfen können. In dieser Eigenschaft als Kanipfmitlel. als Mittel zur Stärkung der gewerkschaftliche» Organisationen liegt der hohe sociale Wert einer ArbeitSlosen-Untei-stützung, die von diese» Organisationen gewährt wird. Reich, Staat und Gemeinde»vollen nur vorhandenes Elend milder». Arbeitslosen-Untelstützung durch die Gewerkschaften ist ein Mittel zur Förderung des Fortschritts der Arbeiterklasse, öffentliche Arbeitslosen- Versicherung kann nie etlvas andres sein Ivie ein arm- seliges Pflaster auf eine Wunde am GescllschaftSkörper. aber ohne Heilwirkung. Die Gewerkschaft wird die Arbeitslosen-Unterstützung so bemessen, daß der Arbeiter nicht gezwungen ist, zu allzu ungünstigen Bedingunge» Arbeit zn nehmen, ja, sie macht eS geradezu zur Bedingung, daß der Arbeitslose nicht unter den Gclvcrkschaftssätzc» arbeitet; eine öffentliche Arbeitslosen« Versicherung wird immer mir das Allernotdürfligste gewähre» und wird zur Be- dingung machen, daß der Arbeitslose jede geeignete Arbeit annimmt. Alle Unterl'uchungen, die bisher über die Möglich- keit der Einrichtung einer öffentlichen Arbeitslose»- Versicherung angestellt worden sind, haben mir eine endlose Reihe von Schwierig- leiten aufgedeckt, die sich da austürmen und die alle ausgehen von der Schwierigkeit der Feststellung des Begriffs der untcrstütziingSberechtigten Arbeitslosigkeit. Am Ende läuft es darauf hinaus, daß auch nur ein Bruchteil Arbeitsloser unterstützt wird; ein größerer vielleicht Ivie durch die Gewerkschaften, aber immerhin nur ein Bruchteil. Damit wird schon der Zweck der öffentlichen Arbeitslosen- Versicherung, nämlich einen Notstand zu beseitigen, er- heblich eingeschränkt. Und dann der Zwang zur Arbeit. Ein einziger Vorschlag ist mir begegnet, der darauf ver- zichtet, den llnterstützten zur Annahme„passender" Arbeit zu zwingen, bei Strafe dcS Verlustes der Unterstützungsberechtigung. Vom Statistischen Amt der Stadt Zürich") wird aus durchaus arbeiter- freundlichen Gründen der Zwang zur Arbeit fallen gelassen in der Erwartung, daß die«auf das kärglichste bemessene Unterstützung" auch den auf niedrigster Lohnstufc stehenden Arbeiter veranlassen *> Nr. 17 und 18 deS laufenden Jahrgangs. ") Die Ergebnisse der Eidgenössischen Volkszählung vom 1. De- zembcr Ivvv ii, der Stadt Zürich. Bearbeitet im Statistischen Amt der Stadt Zürich. 2. Heft. Methode und Ergebnisse der Arbeits- loscnzählung im Dezember 1S00. Mit einem Anhang: Zur Frage der ArbeitSlosen-Vcrsicherung. Zürich 1S02. Buchdruckerei des Grütli- pcreins. wird, jede Arbeit anzunehmen, die ihm nur etwas mehr einbringt. Die Wirkung ist also die gleiche, wie bei dem direkten Zwange. Es ist eine der von den Gewerkschaften beabsichtigten Wirkung direkt entgegengesetzte. Hier Zwang zur Lohndrückerei, dort Ver- Hinderung der Lohndrückerei und gleichzeitig Stärkung der Gewerk- schaft, somit Förderung des Fortschritts. Molkcnbuhr sagt ja allerdings auch der öffentlichen Arbeitslosen- Versicherung»ach, daß sie die Wirkung haben werde, gewissermaße» sich selbst aufzuheben. Er hofft, durch Heranziehung der Unter- nehmer zn den Lasten der Versicherung diese an der Herabsetzung der Arbeitszeit finanziell zu interessieren und so deren Wider- stand gegen die Arbeitszeitverkürzung zu besiegen.„Zn den Hauptzwecken jeder Versicherung gehört, den Schaden, den die Ver- sicherung ersetzen muß, nicht eintreten zu lassen. Mehr als alle Moralgrundsätze trugen Haftpflicht und Unfallversicherung zur Förde- ruug der Unfallverhütung bei." So führt Molkeubuhr in diesem Zusammenhange aus. Das ist ja nicht gerade falsch, aber eS trifft nicht den Kern der Sache. Gewiß mögen Haftpflicht und Unfall- Versicherung mehr als Moralgrnndsätze die Unfallverhütung gefördert haben, aber auf eine nicßbare Wirkung von Moralgruudsätzen habe» wir unsrc Hoffnung für die Arbeitszeitverkürzung ebenso wenig gc- stellt wie für die Unfallverhütung. Die Unfallversicherung hat die persönliche Haftpflicht der Unternehmer und damit ihr persönliches Interesse an der Unfallverhütung auf ei» Minimum re- dnciert und es ist nicht die Unfallversicherung, welche die Unfallverhütung nennenswert gefördert hat, sondern die Fabrikaufsicht(siehe die nicht vorhandene Unfallverhütung in der Landwirtschaft), und erst wenn die organisierte Arbeiterschaft an der Fabrikaussicht in maßgebender Weise beteiligt sein wird, wird die Unfallverhütung so intensiv werden, wie die Technik es gestattet. Den Widerstand der Untcrnehmerklasse gegen die Verkürzung der Arbeitszeit dadurch besiegen wollen, daß man ihnen Lasten für die Arbeitslosen« Versicherung auferlegen will, heißt das Wesen des Unternehmer- Widerstandes ebenso verkennen, wie die Faktoren, die heut den socialen Fortschritt bedingen. Es handelt sich nicht darum, den Widerstand der Unternehmer gegen die Arbeitszeit- Verkürzung durch irgend welche diplomatische Finessen zu schwächen, sondern darum, die Macht der Arbeiterklasse zu stärke», damit sie den Unter- nehmer- Widerstand besiegen kann. Das Unternehmertum wird sich von den Arbeitern, die nicht stark genug sind, sich direkt die Verkürzung der Arbeitszeit z» erzwingen, auch keine drückende Steuer für lange Arbeitszeit auflegen lassen, der es dann durch Verkürzung der Arbeits- zeit entgehen könnte. Wachsende Einsicht der Unternehmer, daß ihr Interesse mit der Verkürzung der Arbeitszeit zusammenfalle, wird allerdings ihren Widerstand abschwächen. Aber das liegt auf einem ganz andern Gebiete. Das wichtigste Argument, die Einwände der Unternehmer gegen die Verkürzung der Arbeitszeit zu widerlegen, ist das, daß nach allen Erfahrungen der gntgelohnte, wohlgenährte u»d aus- geruhte Arbeiter in 8 Stunden dasselbe, wenn nicht mehr leistet, ivie der schlecht gelohnte und schlecht genährte in 10 oder 11 Stunden, daß die Industrie bei kurzer Arbeitszeit, hohen Löhneu und hochentivickelter Maschinentechnik leistungsfähiger ist und die Arbeit dabei in Wahrheit billiger ist. wie bei langer Arbeitszeit und schlechten Löhnen. Damit ist aber gesagt, daß die Verkürzung der Arbeitszeit auch nicht die Wirkung haben kann, die Arbeitslosigkeit wesentlich einzuschränken. Die Arbeitslosigkeit ist ebenso tief im Wesen der kapitalistischen Produktionsweise begründet, wie der Mehrwert und die Ausbeutung. Der Wert der ArbeitSzeit-Vcrkürznng liegt allein in der körperlichen, geistigen und moralischen Hebung der Arbeiterklasse, die dadurch immer fähiger gemacht wird zur Erfüllnng�ihrer hohen Mission, der Leitung der öffentliche» Angelegenheiten, der Befreiung der Mensch- hcit aus den hemmenden Fesseln des Kapitalismus. Die socialdemokratische Partei hat deshalb nicht den geringsten Grund, für-ine öffentliche Arbcitsloseu-Versicherung einzutreten, ganz abgesehen davon, daß sie sich dadurch zu den Wünschen der gewerkschaftlich organisierten Arbeiter in Gegensatz stellen würde. Man hat allerdings die ArbcitSIoscn-Vcrsicherung in einem Atem genannt mit der Kranken-, Invaliden- und Unfallversicherung. Man verkennt den grundsätzlichen Unterschied zwischen beiden. Kranken-, Invaliden- und Unfallversichcrimg haben die individuelle Arbeits- Unfähigkeit zum Gegenstände, Arbeitslosen- Bersicherung will einen aus der mangelhaften Wirtschaftsorganisation resultierenden Schaden durch eine Wohlfahrtseinrichtung verdecken. Arbeitsunfähige wird es, mehr oder minder zahlreich, immer geben und auch die socialistisch organisierte Gesellschaft kann die Arbeitsunfähigen eben nur unterstützen, wenn sie auch vielleicht selbst den schwächsten Kräften noch eine VerwertungSmöglichkcit schaffe» wird. Daß die Unterstützung der Arbeitsunfähigen durch die bestehenden Versicherungscinrichtungen ans einer widerwillig erfüllten Armemmtersiützung zu einem gcsetz- lichen Rechtsansprüche geworden ist. kann man immerhin als eine Kulturthat betrachten; wir können dafür eintreten ohne befürchten zu müssen, daß sie der Arbeiterklasse auf ihrem Wege irgend welche Hindernisse bereitet. Damit soll nicht gesagt sein, daß sie für die Förderung dcS Kampfes der Arbeiterklasse wesentliche Bedeutung hätten und danüt soll auch nicht gesagt sein, daß ihre gegenwärtige Organisation und ihre gegenwärtige» Leistungen unsren Wünschen entsprechen. Ohne die Bedeutung auch der vollkommensten Rechts- cinrichtnugen zur Fürsorge für die Arbeitsunfähigen zu überschätzen, können wir doch unsre Kraft dafür einsetzen, daß alle Lohnarbeiter in diese Fürsorge einbezogen werden, daß die Leistungen der Ver- sicherung bedeutend höher werde» Ivie jetzt, daß dazu weit mehr öffentliche Mittel aufgewendet werden und daß die Organisation der VersichcrungS-Eiurichtungen demokratischer gestaltet wird. Die Arbeitslosigkeit ist nur der kapitalistischen Prodnktionslvcisc eigen; in einer socialistisch organisierten Gesellschaft gicbt eS leine Arbeitslosigkeit.»Bekämpfung der Arbeitslosigkeit" ist ein falsch gc- j Expedition: 3�.19. Bentlz-Straste 3. Fernsprecher: Slint I, Nr. 5121. stellte» Ziel. Das zielt mir auf eine Begleiterscheinung, nicht auf die Ursache des Nebels. Herbeiführung der s o c i a l d e m o- k ratischen Gesellschaftsordnung ist unser Kampf- ziel. Versicherung der Arbeitslosen bringt rmS diesem Ziele keinen Schritt näher und die dafür aufgewendete Energie wäre nichts wie eine Kraftvergeudung. Die Agitation dafür wäre nur zu leicht geeignet, den Blick der Massen zu trüben und ihn von dem eigentlichen Ziele abzulenken. Durch die Schaffung einer öffentlichen Arbeitslosen-Versicherung wilrdcn neue ge- waltige Summen aufgesammelt, über die am letzten Ende doch die Staatsgewalt verfügt, den Arbeitern würden Beiträge abgenommen und damit die Koste» für die Verkleisterung der Schäden des kapita- listischen Systems der Arbeiterklaffe aufgebürdet, wobei wir nicht einmal hoffen dürften, daß den Arbeitern maßgebender Einfluß auf die Verwaltung dieser Einrichtung gewährt würde. Die Gewerk- schaften befürchten mit Recht, daß sie in ihrer Werbckraft beeinträchtigt würden durch die öffentliche Arbeitslosen- Versicherung und selbstverständlich ist ihre Forderung, ihnen öffentliche Mittel für ihre ArbeitSlosen-llntcrstiitznng zu gewähren, gänzlich aussichtslos, sobald eine öffentliche Versicherung eingerichtet ist. Lehucn wir auch die öffentliche Arbeitslosen-Versichcrimg ab. so heißt da? keineswegs, daß wir den Leiden der Arbeitslosen teil- nahmSlos gegenüberstehen sollen. Es bleibt ja immer noch die viel wichtigere Forderung der Vornahme öffentlicher Arbeiten, und wir vergeben der intcruationaken Solidarität gar nichts, wenn wir die Forderung erheben, daß bei öffentlichen Arbeiten, insbesondere Not- standS-Arbeitcn, zunächst die cinhcimischdn Arbeiter berücksichtigt werden. Auch die Pflicht zur Unterstützung Arbeitsloser durch das Gemeinwesen brauchen wir deswegen durchaus nicht zu leugnen; sie besteht ja auch in der Armenversorgung. Es muß darauf hingewiesen werden, daß diese reichlicher gestaltet wird. Wir haben ja in Landtags-Wahlprogrammcn die Forderung: Verbesserung der Armenpflege und Ucbcruahine derselben auf den Staat. Und es ist gar nichts unerhörtes, zu verlangen, daß der Armenunterstützung die entwürdigenden Ehrcnfolgcn genommen werden. In den Landtags- Wahlgesetzen für Württemberg und für Hessen besteht schon die Bor- schrift, daß eine vorübergehende oder infolge eines besonderen Not- standes gewährte öffentliche Unterstützung nicht vom Wahlrechte ausschließt. Die Berufung darauf wird nicht unwirksam sein, wenn wir verlangen, daß Unterstützung wegen Arbeitslosigkeit in keinem Falle, weder für den Reichstag noch für den Landtag oder die Ge- meinde, vom Wahlrechte ausschließen darf. Wie der prcnßisch-dcutschcn Socialreform die Versicherung gegen Arbeitsunfähigkeit als Erfüllung aller berechtigten Wünsche der Arbeiter gilt, so ist„Versicherung" jetzt ein Schlagwort geworden, daS socialen Friedensaposteln als das Allheilmittel gilt. Man versichert sich gegen Krankheit, Feuer und Hagclschlag, warum kann man sich nicht ebenso gut gegen Uebcrschwemmung und Arbeitslosigkeit ver- sichern? Und es ist iu der That ganz folgerichtig gedacht für Leutoc denen die kapitalistische Produktionsweise rmd bestehende GescllschaftS» ordnung die von Gott gesetzte Ordnung bedeutet, die nur dann und wann einiger kleiner Reparaturen bedarf, um vollkommen zn sein. Für unS liegt das Problem doch etivaS tiefer. Wir stehen auf der sicheren Erkenntnis, daß die Arbeitslosigkeit im Wesen der kapitalistischen Produktionsweise begründet ist, daß aber bei einer socialistischcn Produktionsweise, in einer socialdemokratisch ein- gerichteten Gesellschaft Arbeitslosigkeit ein unbekannter Begriff sein wird. Es kann nicht unsre Aufgabe sein, unter dem Namen Arbeits- losen-Versicherung, noch dazu mit großer Kraftentfaltung, einen gc- waltigen Apparat schaffen zu wollen, der bestenfalls nichts weiter als ein harmloses Pslästerchen auf eine schwärende Wunde am Gesellschaflskörpcr bedeuten kann, bei dem aber außerdem erhebliche Gefahr besteht, daß er der gewerkschaftlichen Organisation der Arbeiterklasse hinderlich ist und so ihren Befreiungskampf direkt schädigt, aber indirekt auch dadurch, daß die mühsam gewonnene Erkenntnis von den wahren Ursachen der gegenwärtigen Gesellschafts- schäden und den alleinigen Mitteln zu ihrer Beseitigung wieder ver- dunkelt wird. Unsre alte» GcgenwartLfordcrnngcn des unbeschränkten und gesetzlich geschützten Koalitionsrechtes und des gesetzlichen Acht- stnndentageS sind noch innner die wirksamsten Mittel zur Hebung der Arbeiterklasse und auch die wirksamsten Propagandamittel. Wenden wir an diese unsre Kraft und überlassen wir die sociale Kurpfuscherei der Versicherung gegen die Schäden des Kapitalismus denen, die den Kapitalismus wollen und die Harmonie der Klaffen daneben.__ h. w. politische Mebeelicht. Berlin, den 8. August. Das Centrnm in der Klem:ne. Die Wuchcrzollpolitik des Ceutrums hat die geheuchelte Arbeiterfreundlichkeit dieser Partei in ihrem Nichts entblößt. Um aber einigermaßen den Schein zu wahren, brachte das Centrum seine Anträge über die Verwendung eines Teiles der durch die Zollvarlage ans dem Volke herausgepreßten Millionen ein. Besonders prunkte es niit dem schlauen Vor- schlage, eine Witwen- und Waisenversorgung ans den Wnchcr- zöllcn zn speisen. Am Schlüsse der ersten Lesung des Tarif, gcsetzes in der Kommission sollten die bekannten Verwendungs- antrage zur Beratung kommen, allein mit Hilfe des CentrumS, dem vor der Kennzeichnung seiner demagogischen Großthuerei bange sein mag, wurde die Beratung bis nach der ersten Lesung des Tarifentwurfs vertagt. Als nun am Freitag darüber beraten wurde, wann die erste Lesung endigen soll, wurde dies von der Frage abhängig gemacht, ob die Verwendungsanträge nach Schluß der ersten Lesung oder am Beginn der zweiten Lesung des Tarifs beraten werden soll. Die Entscheidung lag beim Centrum. Gern hätte es die Beratung verschoben, aber die Social- demokraten forderten für ihre Anträge sofortige Be- ratung. In ihrer Not verfielen die Ccntrumsführer auf die übergescheite Idee, die Entscheidung der— Regierung zuzuschieben. Spahn erklärte, die Centrumsmitglieder könnten sich erst entscheiden, wenn sie annehmenl dürften, daß der Staatssekretär des Innern der Beratung beiwohnen und die Stellung der Regierung zu den Anträgen eventuell Präcisieren könnte. Graf P o s a d o w s ky beeilte sich, dazu eine Erklärung abzugeben, bei der die Gesichter der Centrums- Mitglieder immer länger wurden. Er betonte die principielle Wichtigkeit der Anträge und versprach eine präcise Erklärung der Regierung zu diesen Anträgen, aber— nach der zweiten Lesung. Indes wäre es der Regierung erwünscht, Zeit zur Beratung und Entschließung über die etwa von der Kommission zu fassenden Beschlüsse zu gewinnen. Nun blieb dem Centrum nichts übrig, als der sofortigen Beratung der Verwendungsanträge ani Schluß der ersten Lesung des Tarifs zuzustimmen. Am Dienstag und Mittwoch wird sich die ganze Witwen- und Waisen-Freundlichkeit— die Wncherzölle dienen allerdings zur Vermehrung der Witwen und Waisen— des Centrums offenbaren können. Die Sache bereitet ihm jedoch arge Beklemmungen: die Socialdemokraten aber warten längst auf diesen Gang mit dem Centrum.— Rudolf von Beuuigscn ist im Alter von 78 Jahren in Hannover gestorben, wie verlautet an den Folgen einer Blutvcrgiflnng. Der Schöpfer des Nationalvcreins, der Gründer und Führer der nationalliberalen Partei, der ewige Ministeranwärter, der Typus der moralischen Schwäche des deutschen Bürgertums von„Besitz und Bildung'' stirbt, ein fast verschollener, müder Man», in einem Augen- blick, da der Traum des Liberalismus für immer ausgeträumt ist Selbst Bennigsen hat in seinen letzten Jahren schwerlich noch an einen Sieg oder auch nur an einen Anfschwnng des„liberalen Gedankens" geglaubt. Während er seine Augen schließt, führen seine Nachfolger, die Paasche und Hehl, das große Wort, Leute, die nichts niehr sind als Agenten niedrigster Fabrikanten- interessenten, für die die„liberale Idee" ins Wesenlose verflüchtigt ist. Die stolze nationalliberale Partei ist heute nicht viel mehr als' eine blassere Filiale des Bundes der Landwirte oder des Ccntralverbandes deutscher Industrieller. Bennigsens größte Zeit sind seine hannövcrischen OppositionS jähre. Damals war er wirklich eine Art Vorkämpfer bürgerlicher Freiheit. Seitdem glitt er auf der Bahn deS StaatSmännischen rettungslos hinab, er und seine Partei. Immer blieb er aber ein vornehmer und anständiger Charakter, dem auch seine Gegner die Achtung nicht versagten. Das hinderte nicht, daß auch ihn Bismarck als einen feilen Gcschäftspolitikcr taxierte. Erst letzthin wurde betont, daß er das freche Anerbieten Bismarcks, Hochverrat gegen angemessene Belohmmg zu üben, zurückweisen mußte. Seit 1898 ist Bennigsen aus dem politischen Leben ausgeschieden. Vielfaches Unglück— ei» Sohn wurde um seiner ehebrecherische» Frau willen im Duell getötet—- verdüsterten seine letzten Zeiten. Im Feuilleton reproduzieren Ivir eine Charakteristik Bennigsens und seiner liberalen Nichtnug, die der Schreiber dieser Zeilen vor wenigen Jahren in einer littcrarischcn Zeitschrift veröffentlicht hat.— Klerikale Revolten. Die klerikale Landbevölkerung Frankreichs fährt inunter fort, gegen die Schließung der Klöster und Klosterschulen, die. weil sie sich nicht den Bestimnmugen des VereinSgesetzcS unterworfen haben, Gewalt anzuwenden. Während die Pariser Klerikalen nach einem lächerlichen Putschversuch einstlveilen den besseren Teil der Tapferkeit gewählt haben, sind die renitenten Clerici in der Provinz mit großem Eifer am Werk, die Bevölkerung zu fanatisieren und zum gelv altsamen Wider st and gegen die Staatsgcivalt aufzureizen— wie verschiedene Vorfälle bewiesen haben, nicht ohne Erfolg. Man würde ohne jeden Skrupel den Bürgerkrieg, eine neue Vendee-Erhebung anzetteln, wenn nicht die französische Bevölkerung im allgemeinen trotz der Bertummnngs- thätigkeit der Klerus zu große Fortschritte in der politischen Einsicht gemacht hätte. Immerhin ist es wiederholt vorgekommen, daß man die behördlichen Siegel entfernte, die Gendarmen Bennigsen. Der Liberalismus hat seine Zeit in Deutschland verpaßt. Die Epoche, in der er fällig gewesen iväre, ivard von der höchst persön- lichen Regierung Bismarcks ausgefüllt. Wenn man heute den stetig »vachsenden„FeudalsocialiSmiis"' beobachtet, die Sehnsucht nach einer wirklichen Jnnkcr-Rcpnblik, in der die Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit der Agrar- und Industrie- Millionäre völlig durch- geführt ist, so erkennt man die eigentliche Tendenz des Bismarck- schen Zeitalters, die durch den Einfluß jenes bürgerlichen Libc- ralisnius nur»venig gemildert, aber jnnnerhin der Erkenntnis verhüllt wurde. Der Liberalismus hat in Deutschland stets nur antichmnbriert, der reaktionäre Konservativismus hat ihm Huld- volle, aber kurze Audienzen bcivilligt, hat ihn auch»vohl hin und wieder zu Tische gezogen und ihm kleine Gastgeschenke gespendet, im übrigen herrschte das preußische Junkertum. Als man endlich— nach Bismarcks Sturz— den Sieg des Liberalismus oben nahen lvähirte, da erkannte mair, daß unten diese appetitliche Welt- anschaunng eine verflucht gleichgültige Sache gelvorden»var, die man mit Vergnügen den Professoren nnd Konnnerzienräten überläßt. Deutschland'»vird sich vom reaktionären AdelSstaat unmittelbar in der durch die Bewegnng des vierten Standes bedingten Richtung entwickeln, indem die Zlvischenstufe, die Herrschaft des liberalen Bürgertums, übersprungen»vird. Der liberale Gedanke stirbt, bevor er das gelobte Land der Regierungsfähigkeit erblickt hat. Miguel hatte die liberalen Anschauungen seines Mannesalters noch gründlicher abgestreift als die Jiigendschwänirerei für kommunistische Propaganda der That. Seine Thätigkeit»var nichts als eiire Huldigung für die unerschöpfliche Kraft des preußischen Konservativismus. Rudolf v. Bennigsen aber, Miguels Genosse von den Tagen deS Nalionalvercins und der hannöverischen Vcr- fassungskämpse an, ist ein„Märtyrer' des Liberalismus geblieben, zu liberal, um regierungsfähig zu sein, zu liberal, um die neue Zeit zu verstehen und für sie zu ivirken. Der Ertrag seines aktions- reichen Lebens ist schließlich recht bescheiden geblieben. Die deutschen Einheitsbestrebungcn. die radikal-demokratisch begannen, um pren- ßisch- konservativ' erfüllt zu»verde», hat von Bennigsen nicht dadurch gefördert, daß er seinen Liberalismus bethätigte. sondern vielnrehr dadurch, daß er ihir, ein geborener Mittler und Versöhnungs- mann, dem Stärkereu, Bismarck, zu Liebe. zum Erfolge mäßigte und so allmählig— vergaß. Bennigsen hat nicht einnial seine bescheidene Liebliirgsfordenmg, die Schaffung von Reichsininisterien erlebt, obivohl er schon im konstituierenden norddeutschen Reichstag 1867 einen derartigen Aiitrag gestellt nnd»inennüdlich 1369, 1877. 1889 und 1892 den gleichen Gedanken vertreten hatte. Wie ein Märchen fast scheint die Erinne- rung an die Tage, da ein Drittel aller abgegebenen Reichstags- Stimmen den»rationalen Mittelparteien zufielen, da seine Partei den Ausschlag gab. Der Wahlkreis Geestenründe-Otterndorf. der Rudolf von Bennigsen 1867 in den konstituierenden norddeuffchen Reichstag sandte, ist jetzt vertreten von dem„jung-nationalliberalen' Dr. H a h n—»velcher Weg von aristokratischer idealer Begeisterung angriff, kurz die Jnsurrektioir, die Revolution proklanrierte. Und es ist äußerst interessant hierbei, daß die deutsche Centrumspresse gegen das revolutionäre Gebaren nicht die nrindesten Einlveirdnngen zu machen hat, sondern die klerikalen Revolten als etivas ganz Selbstverständliches behandelt, dieselbe Presse, die die W a h l r e ch t s d e in o n st r a t i o n u n s r e r belgischen Genossen als frechen Hochverrat bezeichnete und die deutsche Socialdemokratie»vcgen ihrer Sympathien für die Deinoustranten als Anhänger der gclvnltsamcn Revolution de nnnzierte. Und als das Rotteufciier der klerikalen Bourgeoissöhuchcn in Lölven die friedlich demonstrierenden Arbeiter dntzeudiveise niedermachte, da frohlockte die deutsche Ccutruuisprcffe über dies staatserhaltcnde Bravourthat! Rnumchr feiert das Ceutrum selb die w e i t schlimmeren Excesse, die direkten Revolte» ihrer französischen Gestinluiigsgeuossen. U»id Ivclches Wutgeheul»vird diese Presse erst erhebe»», Ivenn die st'auzösische Staatsgctvalt erst Ernst »nacht und ihre Gendarmen gleich der klerikalen Schutztruppe der belgische» Pluralmastbürger scharf feuern läßt! Um kein Mißverständnis anfkomnien zu lassen: Wir verarge» unsren Klerikalen ihre Shuipathien für ihre französischen Partei genossen nicht, festnageln»vollen»vir nur die schamlose, nieder trächtige Heuchelei unsrcr schivarzen Denunzianteusippe! Die französische Regierrmg scheint übrigens nuiunehr Ernst inachen zu»vollen. Folgende Nachrichten sprechen dafür: Paris, 8. August. Der I n st i z m i n i st e r hat die General proknratoren aufgefordert, in allen Fälle»», in denen behördliche Siegel abgelöst' oder in andrer Weise die Anordnungen der Regiernngsvertreter mißachtet»verde» sollten, fortan»nii alle Strenge gegen die Beteiligten vorzugehen.— Präsident L o u b e t wurde gestern in Rambouillet von Conibes über die zu nächst notlvcndig erscheinenden Maßnahmen unterrichtet. In einzelnen Dörfern des Departements Fiiiistere wurden vor den Kloster- thoren Barrikaden errichtet. Die Gendarmerie»vird in» Bedarfsfalle von aus Brest abkommandieriei» Abteilungen des zlvcitcn Jnfanterieregiinents unterstützt»verde»».— Die Pariser Socialisten haben zun» nächsten Sonntag eine große antiklerikale Versammlung nach dem Eon cordieuplatz einberufen.— ** « Deutsches Meich. Hundertste Sitzung der Zollkominission. Zur Feier des TageS hatte die Mehrheit vor dem Vorsitzenden einen Strauß von hundert Rosen aufgepflanzt, den dieser schiiuiuzelnd beroch. Nur äugelte er vergeblich an alle» Seiten des Bouguels. ob nicht irgend ein Sternchen fiir sein Knopfloch irgcndlvo daran hing. Aber eine derartige Bescherung»vird es»vohl erst geben. »venn— der Zolltarif fertig ist; inzwischen tröste sich Herr Rettich mit den» Strauße. Feierlich stattete er seinen Dank für die Spende ab, der folgendes, vom Abg. B cum er—»vir fordern Export- präinien für Reim blech!— verbrochenes Gedicht bei- gefügt»var: „Zum hundertsten Male die Kommission Tritt heute zur Sitzung zusammeii. Hier schlugen zum gütigen Hiimnel einpor Der Rede zündende Flammen. Du hast»ms geleitet mit freundlichen» Sinn. Zun» Dank»»in»»»» die Gabe, die dufte>»de, hin; Auch ferner benimm hier so nett Dich Als Tarif-Präside, Freund Rettich!' In seinem Dankivort äußerte Herr Rettich, daß die Ehrung auch seinem Vorgänger, dem Abg. v. K a r d o r f f gebühre, der die Vcr- Handlung Über das Tarifgesetz überaus geschickt geleitet habe. Es sei das erstemal, daß eine Komniission 100 Sitzungen abhielt, selbst die Kommission für das Bürgerliche Gesetzbuch habe nur 70 bis 80 Sitzungen zu verzeichnen. Die Zollkoinmission erreichte also den höchsten Rekord, das sei der Ausdauer ui»d Gründlichkeit vieler Mit- glieder der Konnnission zu danken. Mit sehr gemischten Gefühlen»ahm die Kommission dieses Dank lvort entgegen. das der Ausdauer und Gründlichkeit-- der Opposition so uneingeschränktes Lob zollte. Freilich suchte Herr Rettich oftinals diese Ausdauer nnd Gründlichkeit einzuschränken und rief dadurch niehrfach heftige Kämpfe hervor. Aber das iiahe Ende der ersten Lesung stimmt,»vie es scheint, die Herren sanfter. Oder Zollte die schöne Aussicht auf eine»» Orden oder auf eine Vcr- ständigung der Agrarier mit der Regierung Herrn Rettichs Diktatur- gelüste abgeschliffen haben?— sür schöne Worte und schöne Ziele zu plumpen» Demagogentuin. Auch in der Politik hat die ideale Jamben-Poesie ausgehört und ein derber Naturalis, nuS begonnen. Für die feinen Politiker der schönen Geste ist die Zeit vorüber. Der Nationalliberalismus älterer Linie,»vie ihn Rudolf v. Bennigsen vertrat, ist heute»veuiger eine bestiinmte Partei-lleber zeugung als eine Geniütsstinlinnug.' Es ist der Aristokratisnius, der >ie volle sonore Phrase liebt und die Begeistemiig für Dinge, die gethan sind. Die enthusiastischen Schlagivorte des Maimesaltcrs, die damals schon halbleer ivarcn,»varen dem Greisen zun» Inhalt eines ponipöscn Pietätsknltus gelvorden. Die guten Schriftsteller ind es nicht, die inimer von dem reden,»vas sie ge- chaffen haben. Der wahrhafte Künstler vergißt sein Werk, obald er es geschaffen; es ist für ihn abgethan. AN eine Aufmerksamkeit gehört den» Neuen, Erst-z»-schaffc»dcn Diese Nationalliberale»» aber können sich in»», er noch nicht darüber beruhigen, daß einmal das Deutsche Reich geeinigt ivorden ist, und üe vergessen die»vichtigste Forderung fruchtbarer Politik: die Un- daukbarkeit gegenüber den» Erreichten. Mit dankbarer Erinnerung an einstige Verdienste kann man kein Progrmnn» erfüllen. So gehörte Bennigsen schließlich zu den Gefiihlsreaktionärei», den philisterhaften'„Adelsiiieuschen', deren behagliches Still- leben nur durch schivüle Massenfurcht hin und»vieder bedrückt»vird. Er verlangte noch für seine Klasse eine gelvisse politische und geistige Freiheit, aber er schivännte längst nicht mehr für das Reichstags- Wahlrecht, das die Massen anfivühlt. Für die Zerstörung der Ge- »visseiiSfreihcit durch die wirtschaftliche Abhängigkeit hatte er kein Verständnis oder vielleicht sogar Vorliebe. Als nach den» Hödel- schen Attentat Bismarck den ersten labgelehuten) Entlvurf des Socialistengesctzes den» Reichstag vorlegte, meinte ei» Natioualliberalcr, die Vorlage sei angeblich gegen' die Socialdeuiokratei», in Wahrheit gegen die N a t i o n a I l i b e r a l e n gerichtet. Später aber stimmte man für dieses, die liberalen Aiischauuiige» ver- höhnende Ausnahmegesetz. Sie brauchen sich nicht mehr zu fürchten, daß solche Gesetze aiich ihnen selbst gefährlich»verde» könnten, so artig, friedlich und fügsam sind sie gelvorden. Das Schicksal Rudolf von Bennigsens und des National- liberalismus lehrt die Falschheit jener Realpolitik, die inimer nur Angenblicksersolge zu erringen im stände ist. War Bismarck der Realpolitiker der Stärke, so»var Bennigsen der Real- Politiker der Schlväche. Beide handelte»„von Fall zu Fall', beide suchten den augenblicklichen Bedarf zu befriedigen, beiden schien systematische Konsequenz unnütze Principicnreiterei. Aeußerte sich die Realpolitik der Stärke in Kriegen, An- nexionen, Konflikten, Auflösungen, so»var die Realpolitik der Schlväche ewig geschäftig in Konzessionen, Veruiittlungsvorschlägeu Halbheiten, Unifällen. Der Erfolg jener Politik ist, daß in Deutschland keine einzige politische Frage völlig erledigt ist, daß»vir noch immer von Fall zu Fall antiquierte Probien»? entivirren»lüssen. Nicht erledigt ist die nationale Frage. und ebenso sind halb vollendet, verslünimelt und verlvirrt die andren liberalen Aufgaben liege», geblieben, die längst hätten zur Ver- abschiednng gebracht werden müssei». Genosss Posadoivsky. Socialrevolutionärer Gesinnungen »vird der Graf Posadoivsky nicht nur.»vie»vir gestern mitgeteilt haben, von den Hausherren verdächtigt, auch die agrarische„Deutsche Volkslvirtfchastliche Korrespondenz' hat sich aus besonderen Gründen der öffentlichen Anklage»vider ihn angeschlossen. Graf Posadoivsky soll uänilich in der Zollkommission unfrei, Genossen Schippe!� als „Klassiker' citiert haben. Jedenfalls hat Genosse Schippe!, der selbst diesen Ehrentitel anzunehnlen viel zu bescheiden ist, nlit den Klassikern das eine traurige Schicksal gemciusan», von» Regicrungstische aus— falsch citiert worden zu sein. Wollte nun Graf Posadoivsky— n»d das scheint der letzte retlende Aus-veg— von Henry Axel B neck zun» Schutze gegen die Angriffe der vereinigten Feld- und Hausagrarier ein Wohl- verhaltuiigs-Zengnis verlangen, so»vird er auch dort ver- schlosscue Thürcn finden. De»»» als Dritter im Bunde gegen ihn erscheint das Hamburger Scharfmacher- Organ, die„Hamburger Nachrichten". Sie behaupten, daß die haniburgische Behörde in Streikfällen de»» Geist des Zuchlhausgesetzes nntunt« vermissen läßt und führen diesen bedauerlichen Ilmslaud auf die Ein- flüsse eines„socialisicrenden Reichs-Staatsselretärs' zrirück. Auf Geschosse aus diesem Lager ist Graf Kugelfang Vörden» nicht gefaßt gelvesei». Die„schönen Tage von Araujuez", un, auch einen be- liebten Klassiker zu eitleren,„sind vorüber"!— Mit frische», Kräften fängt sie an k Die„Konservative Kor- respoudenz", die eben nach sechsivöcheiitlichen Ferien neugestärkt aus den» Bade zurückgekehrt, empfängt die Ihren mit diesen» Begrüßungs- '",Clä J,»,„Hamburger Echo"»vird die originelle Forderung erhoben, in Prozessen gegen Socialdeniokrate» und Arbeiter solle das Schivur- gericht mindeste», s zur Hälfte aus Angehörigen des Lohnarbeiter- s'taiides bestehen. Das»vürde eine recht nette Rechtsprechnng»Verden; denn alsdann könnten auch andre polilische oder»virtschastlichc Gruppen eine ihnen genehme Besetzung des SchivurgcrichtshofcS verlangen! Zudem aber kennt nian den Standpunkt der Social- demokratie in Bezug auf die Heiligkeit des Eides zu genau, als daß es geraten erschiene, gerade Socialdeniokrate»» als Geschlvorcne einzusetzen. Die treue Beraterin der Landratspresse»vird wohl daran thnn, ihre nächsten Ferien den» Studiuni des deutsche» R e ch t e§ zu ividmeu. Die Rechtsprechung durch StaudeSangehörige. die„genehme Besetzung" des Gerichtshofes, ist uänilich ein aller guter feudaler. man könnte fast sagen konservativer Grundsatz, der in der Militär- gerichtsbarkeit noch heute fortlebt. Daß die„genehme Besetzung' des Gerichtshofes allerdings zu recht sonderbaren Konsequenzen führen kann, diejenige Form der Besetzung nämlich, die den herrschenden Klassen selbst genehm ist, hat man in manchen Fällen bemerken dürfen.— SlnS der Schule plaudert die„Konservative Korrespondenz'. Die„Deutsche Tageszeitung' hat jüngst bemerkt, daß von den konservativen Zollkomiiiissionsmitglicdern allein Freiherr v. Wangen- heim an der„Wahrung der für notlvendig erachteten Parität zivischen Landivirtschaft und Industrie festgehalten' habe. Dem gegenüber erklärt nun das konservative Organ: Die abivcichende Haltung,»velche Frhr. v. Wangenheini von den übrigen konservativen Komniissions- Mitgliedern bei dem Kompromiß über die Getrcidezölle cingeiioiNmen hat, beruht uiisreS Wissens lediglich auf einer Meinniigsverschiedenheit über de» zur Erreichung des genieinsamen Zieles an, ziveckniäßigsten einzu« schlagenden Weg.— Es handelt sich also iinr um eine taktische Meinungsver- schiedenheit. Im Princip sind Bündler und Konservative darin einig, zu nehmen,»vas sie kriegen.— Eine neue Polenvorlage soll kommen, und zivar schon in der nächsten Session des Landtages. Die D o in ä n e» p ä ch t e r sollen zu einer besonderen„Kultnrniission' verpflichtet»verde». Soll diese Kultnrmission etlva darin bestehen, daß die Domänen« Pächter keinen— polnischen Arbeiter beschäftigen dürfen? Das »väre eine radikale Lösung der polnischen Frage— freilich auch das Ende aller Domäncnpächterei l— Daö Zollwucherkartell der Linken in Bayern»vird nur ganz vereinzelt von freistunigen Blättern mißbilligt; zu den Ausuahmeu gehören die„ B e r l i n e r Z c i t u n g' und die, E i s e n n ch e r Tagespost", die ankündigt,„daß, Ivenn unser Partei-Orgai», »velches zur Mißbilligung des Vorgangs besonders bernfei» iväre, (die„Freisinnige Zeitung') schiveigt, die entschiedeneren Elemente innerhalb unsrer Partei auf den» Parteitag in Hamburg um so leb- hafter darüber sprechen»verde».' Nun, die„Freisinnige Zeitung' hat iuz»vischcn den Borgang-- g e b i l l i g t I Auch die« B r e s la u e r M o rg e n- Z e i t u n g' klagt über den Verrat des Freisinns, der um so thörichter ist, als daS Blatt offen eingesteht, daß der Freisinn ohne die socialdemokratische Jene Ltealpolilik der Schlväche zeigt sich schon in der Glanz- Periode Bennigsens, in der Zeil der haiinöverschen Opposition. Da- mals»vor der junge Bennigsen noch nicht geivillt, die liberale», Errungenschaften von 1848' fahren zu' lassen und, ei» streitbarer Parlamentarier, käinpfte er rücksichtslos gegen die reaktionären Maß- uahuicn des Ministers von BorrieS, des Güustlings des blinden Königs Georg. Er hat dem Minister Worte gesagt,' die heute seine Partei»vohl uur noch gegen.socialdemokratische Hetzer'»vagen »vürde. Bennigsen befehdete die reaktionäre innere nud die groß- dcutsch-anlipreußische Regierung des Königs Georg. 1859 erschien Bennigsens berühmte Erklärung, die sich für den Anschluß an Preußen aussprach und das Programm des in» selben Jahre be- gründete» Nationalvereins enthielt. In dieser Erklärung fand sich bereits das Princip der Principienlosigkeit ausgesprochen, das den raschen Aufschivung und den schnellen Ver« all des Nationallibcralisinns zur Folge gehabt hat.„Politische M e i n u n g e n", hieß es da..und Parteizwecke»verde» ich dem praktischen Bedürfnisse des AngeublickS und den» Wohle des Ganzen unterordne n." Derselbe Gedanke»vird in den» ersten Progrannn der national- liberalen Partei ausgesprochen:„Die Endziele des Liberalismus ind beständige, aber seine Forderungen nnd Wege sind nicht abgeschlossen vom Leben und erschöpfen sich nicht in Fornieln. Sei» innerstes Wesen besteht darin, die Zeichen der Zeit zu beachten nnd ihre Ansprüche zu be- ' r i e d i g e»." Getreu dieser Anschaunng hat Bennigsen üiid mit ihm der Natiouallibcralismus allezeit gehandelt, wobei Natürlich die Zeichen der Zeit nach freien» Ermessen ausgelegt»vurdcn. So gelang zwar manches, das er erstrebte, aber nichts so,»vie er es erstrebte. Der Schluß aller seiner eifrigen und redlichen Bestrebungen lies immer darauf hinaus, gute Miene zum böseu Spiel zu»Hachen und nachträglich auch das Spiel für gut zu erklären. Dieser fragmentarische Charakter rvohute,»vie gesagt, schon der erfolgreichsten nnd rühnilichstcu Periode seincrpolitischeu Wirksamkeit inne. Erstrebte nach einem deutschen Zünde unter Preußens Führung, aber Hannover sollte ein selb- ständiger Bniidcsstaat bleiben. Preußen annektierte das Königreich; gennigscn hielt das zivar für rechtlos und gewaltthätig, indessen er and sich schnell mit dem neuen Zustand der Dinge ab.' Die„große Zeit des liberalen AufichivuiigS" folgte der Aunexion. Bennigsen»vor überall und unermüdlich thälig. Immer»var er der Vermittler, der Mann der kleinen„abgehandelten' Erfolge. Das »varc» die Jahre, da die Nationalliberalen Bismarck zu den Ihrigen rechnen durften, dam, aber käme» die kritischen Zeiten der neuen schntzzöllncrischen Wirtschaftspolitik. Die Partei zerfiel inuerlich, nnd die Regierung behandelte sie als Opposition. Die Realpolitik der Schlväche begann zu versagen. Da die Partei kein Augenblicksziel mehr zu erreichen hatte, ui'id da sie»veiter liegende Aufgaben nicht kannte, begann sie merklich überflüssig zu »verde»». Die ivohlkonscrvierten de-rux recjtss der früheren Schönheit, die nationale und liberale Phrase, fanden im Volk keine Verehrer mehr, nnd die Fraktion entivickelte sich immer»»ehr zur Interessen- Vertretung des mobilen Besitzes,»vährend sie i>n Stichwahl-Hilfe nichts ist. Der Freisinn würde 16 Wahlkreise glatt verlieren, wenn die Socialdcinokratie ihn nicht unterstützt. Das �Blatt maivt folgende Rechnung auf: Im Wahlkreise Tilsit-Niedernng erhielt im Jahre 1898 bei der Hanptivahl der Konservative 7741. der Freisinnige volksparteilicher Richtung 6317, der Socialdeinokrat 3118 und der Litlhaucr 3425 Stimmen. In der Stichwahl siegte der Freisinnige mit 12 943 Stimmen über die Reaktion, ivelche 3336 Stimmen brachte. De» Ausschlag haben hier offenbar die Socialdemokraten zu Gunsten der Freisinnigen gegeben. I» Landsbcrg-Soldin ivnr das Stimmen- Verhältnis in der Haiiptwahl wie folgt:' Konservative 3316, Frei- sinnige 5133. Socialdemokraten 4343; in der Stichwahl: Konscr- vative 13 736, Freisinnige 13 336 Stimmen. Es waren also wiederum die 4343 Stimmen der Socialdemokraten, welche dem Freisinnigen den Sieg brachten. In lleekcrmündc-Nsedom-Wolliii: in der Hanptivahl: Freisinnige 4665, Socialdemokraten 3247, Anti- semiten 5348; in der Stichwahl: Freisinnige 6321, Anti- scmitcn 6182 Stimmen. In Grünberg- Freystadt: in der Hanptivahl: Konservative 6384, Freisinnige 6564, Centruin 1375, Socialdemokraten 3385; bei der Stichivahl: Konservalive 6243, Freisinnige 13 733. lind Ivie in diesen Wahlkreisen, so haben weiter die Socialdemokraten den Ausschlag für die Freisinnigen gegeben in Janer-Laiideshut-Bolkenhai», in Torgan-Liebenwcrda, in Schweinitz- Wittenberg, in Querfurt-Merieburg, in Mühlhauscn-Langensalza, in Schleswig-Eckernsörde. in Altena-Jserlohn, in Oldcnbiir'g-Lttbeck, in Meiningcn-Hildburghanscn, in Schanmburg-Lippe und in Lippe- Detinold. Man ivird wohl eben küiiftig Wahlhilfe bei den— Agrariern und Nationalliberalen suchen.— «ruppsche„WohlfahrtS-' und„Bildn»gS''-Kolonie. Aus Essen ivird uns berichtet: Wie kaum anders zu erivarten, be- zeichnet die bürgerliche Preffe die Mitteilung über die Massen- aufstöbernng von Spitzbuben auf einer Kruppschen Kolonie als un- wahr. Die u n v e r a n t w o r t l i ch e n D c in e n t i e r e r, deren Ableugiiiiiig uiisrer aus sicherer Quelle stainnienden Mitteilung gegenüber völlig belanglos sind, bestätigen nur. was«vir schon im voraus wußten; das Kruppsche Wohlfahrtsrenominee soll unter allen Umständeil geschützt werden. Wie unter dem Kruppschen Wohlfahrtsrumniel ei» Teil der heran- wachiendeii Jugend aus der Kolonie verivahrloste, dafür noch einige Beispiele. Zur Zeit wurde als Bciveis der Kruppschen BildinigS- »nd Wohlfahrtsbestrebungeii auch die Nachricht i» die Welt posaimt, Herr Krupp habe auf seine Kosten die städtische Kapelle verpflichtet, in eigens zu dem Zwecke auf den Äolouien errichteten Pavillons jede Woche Konzerte zu veranstalte». Die Thatsache stimmt. Aber der Anfang mit den„Bildiiiigskoiizertc»" war gleich vielversprechend. Die Harfeiiistiii führten am nächsten Tage Beschwerde beim Oberbürgermeister, nach der. die von der hoffnungsvollen, nicht im mi»deste>, socialdemokratisch„verseuchten" Jugend'geschlenderten Steine in das Instrument geflogen seien.' Die Harfenistin wurdc von weilerer Mitwirkung entbunden. Wenn das Orchester irgend eine bekannte Melodie ertönen läßt, dann ist bald nichts �inehr zu höreil als das Gejohle nild Gepfeife auf den Fingern, das die Jngend vollführt. Und die Musikanten sind allemal froh, wenn sie, ohne leiblichen Schaden genommen zu haben, die„Innstlicbcnde Kolonie" verlassen. Das Bild' ivird vervollständigt durch eine Anzahl Zuhöreriiinen. die in patriarchalischer Bedürfnislosig- Icit im Unterrock und Nachtjacke, Säuglinge auf den Armen, sich zum OhreiischniauS einfinden. Wer solche Bilder erschaut, denkt anders von den Kruppschen Wohlfahrtsseginnigeii, als vorbeifahrende Minister und hohe Pcrsön- lichkeiteu.— Eine Kostanfbesscrnng i« Form einer Verordnnng ist den deutsche» Baterlaiidsvcrtcidigeni verabreicht ivorden. Eine Vorschrift für den Betrieb und die Verwaltung der Truppenküchen ivird be- kaiiiit gegeben, mit deren Stilisierniig offenbar einer der Armee- Feinschmecker betraut worden ist. Schon die Lektüre ist ein Genuß. Da heißt es u. a.: Sodann erfordert der Küchenbctrieb unausgesetzt Achtsamkeit und Ueberlcgung. Ilm die Speisen ivohlschmeckcnd herzustellen. müssen sämtliche Zuthaten zur rechte» Zeit— iv e d e r z u f r ü h noch zu spät— auf das Feuer gebracht iverde». Dieses ist gehörig zu beachten, damit die Speisen nicht zu lange oder z» stark, aber auch nicht zu kurze Zeit oder zu' ivcnig kochen. Salz und Gewürze sind nie im II e b e r- maß a» z u iv e n d e», da hierdurch die Speise» leicht verdorben werden. Damit die Mannschaften die Speisen ihrem Geschmack cntsprecheud nachsalzen können, ist sür Bereitstellung von Salz ans den Küchenvorräten Sorge zu tragen... Truppen- küchen haben de» Zweck, den Unteroffiziere» und Mannschaften eine gute und ausreichende Beköstigung, bestehend aus Morgen-, Mittags« lind Abendkost zu gewähren. übrigen keinerlei allgemein gültige Dogmen anerkainite. Wie die Existenz der Freisinnigen in dem Gegensatz zu Bismarck ivcsentlich beruhte, so zog der Nationalliberalismus seine Kraft aus der Feindschaft des Unternchmertunis gegen das Proletariat. Und die Jüngeren versuchten es mit der agrarischen Demagogie, weil sie des Volkes bedurften. Der alte Nationalliberalisnins, dieser politische Epikiiräisinus, der den Augenblick genießt, ohne sich um den peinlichen Ernst von Principien zu küinuiern. ist durch die lockere Lebensweise frühzeitig alt gcivordc» und erschöpft. Die Jbcalistcn und Doktrinäre sind von den Realpolitikern nnd Erfolgsstrebcrn überivuiiden. Rudolf von Bennigsen, der als Politiker ein Halber geivesen ist, gehörte zu jener aussterbenden Gattung glänzender Parka- m e n t a r i c r, die ihr Handivcrk als Kunst betreiben. Den Mann mit den iveiten Gesichtspunkten und dem staatsmäunischen Blick nannten ihn die Parlamentsstammgäste spottend. Bennigsen führte gern aus der Enge der paar Verhandlniigsspecialitäten hinaus in die große Welt der geistigen nnd künstlerischen Dinge. Er malte historische Perspektiven und verfolgte die EntWickelung unserer Kultnr. Die hervorragenden Erscheinungeu des Tages studierte er und ver- arbeitete sie in seiner Weise. Freilich»lachte er auch hier den Ein- druck des Dilettantischen. seine Konstruktionen waren willkürlich, subjektiv nnd entsprachen nicht den realen Zusamincnhäilgen, und sein Wissen zeigte nicht selten merkivürdige Lücken. Rudolf von Bennigsen liebte es, Gruppenbilder zu stellen. Er hatte das Talent nnd den Trieb des Regisseurs. Seine Sehnsucht »var es, widerstrebeilde Massen nach einem hübschen, leicht gefälligen Muster harmonisch zu gliedern. Nach einem gcsällige» Schlagwort suchte er wirkungsvolle Sceneil z» arrangieren. Der Geist Anton von Werners oder ThnmainiS wohnte in ihm. Der Rütlibnnd. den er anläßlich des Volksschnlgcsetzes arrangierte, ist noch in Erinne- rnng. Und der Traum seines abwärts steigenden Lebens ivnr die Einigung des gesamten Bürgertums i» liberaler Uni- formicrung als Schntzivchr gegen die proletarischen Massen. Ein Train»! Wir haben nie eine Blütezeit liberaler Kultur gehabt, nie eine üppige Renaissance bürgerlicher Bildung und bürgerlichen Besitzes. Und Rudolf v. Benliigsen hat nichts gethan, um einen solchen Sieg des liberalen Bürgertums Herbeizuführen. Vor einigen Jahren noch sprach er gelegentlich von der geradezu beschämende» Zurückstellung kultureller Aufgaben, er selbst aber fand wieder nur die schöne Geste, nicht die entscheidende That. Der Liberalisnins hat in Dentschland seine Mission nicht erfüllt. Die schivächliche Sehnsucht Rudolf v. Beiiiiigsens zerrieb sich an der kautigen Energie Bismarcks. Es ist heute nichts liberal im Nationalliberalismus außer dem Wort. Die paar Alten ans der Bcnnigscn-Zeit aber, die heute noch hie und da in seinem Geiste wirken mögen, leben nach dem Worte Goethes: „... nun erzählen sie das alte Märchen immer fort; man hört bis zuni Ueberdruß, sie hätten sich einmal frei gemacht und wären frei geblieben; und nun sitzen sie hinter ihren Mauer», eingefangen von ihren Mauern, eingefangen von ihren Gewohnheiten und Ge- setzen, ihren Fraubasereien und Philistereien.. Auch des KaisergeburtStagsessen wird in besonders liebevoller Weise gedacht. Ferner soll eine militärische Küchendemokratie ein- gerichtet und die Kiicheiiverwaltmig einer gemischten Kommission übertragen iverden, der offenbar»ach Vorbild der Beisitzer bei Kriegsgerichten auch Gemeiile angehören solle». Da aber auch in dieser Suppe daS Haar nicht fehlen kann, heißt es, daß der Vorstand den„täglichen Kopfsatz nach Maßgabe der verfügbaren Mittel" festzustellen habe. Es wird sich empfehlen, diese Weisheiten des Küchenbrahminen den Mannschaften unter Hinweglassung der von»ns beanstandeten Stelle nach den Mahlzeiten als Dessert vor- zulesen.—_ Die eine reaktionäre Masse. In Sachsen ist die reinliche Scheidung: hie Reaktion, hie Social- demokratie, schon so ziemlich durchgeführt. Das„Vaterland", das Organ der konservativen Partei deS Königreichs Sachsen, bekundet durch Nachdruck seine Zustinimung zu einem Artikel des„Großen- hainer Tageblattes", in dem es ü. a. heißt: Mancher sagt: Gerade diejenige Ordiiniigspartei, welche in meinem Wohnort herrscht, paßt' mir nicht. einer ander» ivürde ich mich anschließen. Soll man das glauben? Wenn die Enlschuldiguiig auf Ehrlichkeit beruht, daiill ist sie trotzdem nicht' mehr lvert, als jener faniose deutsche Eigensinn, den es früher einmal gab... Daß das Nichtsthun zweifellos ein großes Unrecht ist, liegt doch auf der Hand. Um nun auf di'e Partei-Unterschiede z» r ü ck z« k o m m e», ist es doch bei einigerniaben gutem Willen allemal möglich, sich wenigstens einer Ordniings- Partei anzuschließen. Also man mag Konservativer oder Reformer oder Nationalliberaler oder Fortschrittler sein iv ollen, das steht jedem frei... Darum ist cö in der Regel das richtigste, wen» man von vornherein einer solchen Ordnnngs- Partei als Mitglied beitritt, welche im eigne» Wahlkreise durch eine» Verein vertreten wird. Dieser Vorschlag ist keineswegs neu. Er spricht nur das ans, ivas in der Praxis längst in Sachsen als Regel gilt. Im Dresdener Stadtverordueten-Kollegium z. B. sitzt ei» Politikus, der früher als strammer FreisinnSmaun belnnut war. Eines TngeS bat er den Vorstand des freisinnigen Wahlvereius. dessen Mitglied er ivar, ihm zu gestatten, auch dem—— konservativen Wahlverein als Mitglied beitreten zu dürfen. Die Bitte wurde ihm vom Vor- sitzenden abgeschlagen, ivas den Stadtberordneteii so erzürnte, daß er a»S den freisinnigen Wahlverein aus- und in den konservativen e i ii trat. Derselbe principientreue freisinnige Vereins-Vorsitzende ist min aber auch schon seit Jahr und Tag Mitarbeiter der Dresdener Hausbesitzer-Zeitung, wo er mit dem vielgenannten Reformer Bau- meister Hartwig. Vorsitzenden der deutschen Hausbesitzer-Vereine, in der Verunglimpfung der Socialdemokratie und in der Verspottiing aller fortschrittlichen Gedanken ivetteifcrt. Trotz des Kartells geht aber die gesammelte Bourgeoisie nur mit großer Bangigkeit in die kommenden Reichstags- wählen. In einem Ausruf des„Vaterlandes" heißt cs: „Es ist doch ivnhrhaft beschämeiid, wenn auch sehr begüterte Konservative jährlich nur 1 Mark für ihre politische Partei zum Opfer bringen, während selbst die ärmsten S o c i a l d e m o- k r a t e n f ü r i h r e S a ch e w e s e n t I i ch m e h r zusteuern pflegen... Wenn die bisherige Lauheit so fortdauert, so wird dies nur die Wirkung haben, daß niemand niehr mit den Geschäften des Vereins und der Partei überhaupt zu thun haben will, dann wird man den Gegnern einfach d a S Feld räumen, bis man erkennt, daß dies auch nicht geht und nun mit dem politischen Vcreinsleben m ii h s a ni wieder von vorn anfängt." So elend fühlt sich das Kartell!— Ausland. Ein Konflikt Frankreichs mit Siam ist die neueste Sensation a»S der ostasiatischen RonfliktSzone. ES soll sich dabei um einen Grenzkonflikt handeln und Siam soll das Karnickel sein. Wie gemeldet ivird, soll der französische Geschäfts- träger in Bangkogk, der Vertreter KlobnkowSkiS, um seine Ab- bernfnng ersucht haben, Iveil er in der Erfüllung seiner Amtspflichten auf Schwierigkeiten stoße. Es soll sich um die Fkogc der Aufrecht- erhallung der Neutralität in den vom fraiizösisch-sinniesischen Ver- trage des Jahres 1833 bezeichneten Gebieten handeln. Nach dem Art. 3 jenes Vertrages darf Siam in den Provinzen Battambang nnd Sien Reap sowie in einer 25 Kilometer breiten Zone des Ivestlichen Mekougnfers weder befestigte Posten errichten noch militärische Besatzungen unterhalten. Als Bürgschaft für die Durch- führnug des Vertrages, der noch verschiedene andre, politisch und handelspolitisch'wichtige Bestimmungen enthält, hat Frankreich im Jahre 1833 die siamesische Hafenstadt Tschantabun besetzt und hält sie bis zur Stnude noch militärisch fest. Französischerscits ivird nun behauptet, daß Siam in letzter Zeit diese Neutralitäts- k l a n s e l iviederholt a b s i ch t l i ch verletzt habe, ja daß diese Verletzung geradezu zu einem S y st e m geworden ist. Zudem glaubt man in Frankreich Anhaltspunkte dafür zuhabe», daß Siam von England und Japan dazu ermutigt werde, den Franzosen die im Vertrage von 1833 erzielten Errnngenschafteii allmählich wieder zu entreißen. Einstweilen scheint eine Ausgleichung der Differenzen aus dem bequemeren und gefahrloseren Wege diplomatischer Vcrhandliingen noch nicht ausgeschlossen zu sein, denn, wie der„Matin" erfährt, hat die französische Regierung eine beruhigende Erklärung über die H a l t u n g E n'g l a n d s in dem zwischen Frankreich und Siam schivebenden Streite erhalten. Das Blatt meint, es sei zunächst ein Einlenken S i a m s zu erwarten, welches ivohl ivisse, daß Frankreich in Hinterindien über genügende Streitkräfte verfüge, um allen Unitrieben Siams ein rasches Ende zu bereiten.— Belgien. Eine kleine Revanche nahm die Löivencr Bevölkerung an dem Lieutenant Coen, dem bekannten Offizier der Bürgergarde, der bei den Aprilinirnhen das Kommando zum Schießen gab. Man hatte während der Nacht an sein Hans angeschrieben:„Mörder der Wahl- rechtskämpfer." Mit dem Staatsanivalt, der die Anklage gegen die .Aufständischen" vertreten hat, ist man etivas glimpflicher verfahren; an seinem Hause stand geschrieben:„Narr." während man an die Mauern des Hospitals(dort, Ivo die Schießerei stattfand) an- gesHrieben hatte:„Die Gemordeten." Alles ,iies ist in großen Rieienbuchstaben und mit Farbe geschrieben; eine Anzahl Soldaten bemühten sich stiiiidenlaiig, die Inschriften zu beseitigen.— Italien. Polizcistiickchen. Die Soeialisteii von Orvieto(Italien) feierten am vergangenen Soimtag im benachbarten Ficnlle den Sieg, den sie ani 6. Juli' bei den Kommiinalivahlcn errungen hatten. In einem geschlossenen Ranme hatten sich etwa 333 Personen versammelt, unter ihnen befand sich auch der Abgeordnete Ciccotti. Durch Provokation der Chrisllich-Demokrateii und des starken Polizei- Aufgebots wäre es bald zu Schlägereien gekommen. Ciccotti beruhigte in einer Rede seine Parteigenossen, da diese Rede aber mit einigen Angriffen auf das in Italien herrschende System schloß, wurde er verhaftet und abgeführt.— England. Die Krönungsfeier Eduards VII., die am Sonnabend stattfindet, ivird ohne sonderlichen Pomp von statten gehen. Die derzeitige KrömingSfeier, die durch die Erkrankung des Königs vereitelt ivurde, sollte mit einem enormeii deloratiuen Aufwand begangen iverden. Die Verschiebung dieses Riesenjahrmarktes, die für eine Unzahl spekulativer Geldsack- Patrioten gewaltige finanzielle Verluste mit sich brachte, hat die Kärnevalsstimmuttg derartig abflauen lassen, daß die nunmehrige Krönung sang- und klanglos verlaufen ivird. Die Geschäftsleute haben genug an dein einmaligen Reiufall, und die gafflustigen Provinzler haben die kostspieligen Krönnngsauiüsements ebenfalls nach dem Maße ihres Geldbeutels genossen. London sieht 'diesmal trist und werktäglich ans. Der Hof aber motiviert das Unterbleiben des Festrummels mit der ernsten Stimmung des Volkes lvegen der kaum überstandcnen Todesgefahr des Königs. Als ob der famose Prinz von Wales seit dem Tode seiner Mutter mit einem Male der Fetisch der Nation geivordc» wäre! Eduard VII. selbst wendet sich mit einem geschmackvollen Aufruf „ A u m e i n Volk" an das Publlkilin, in dein es heißt: am Vorabend seiner Krönnng, dein feierlichsten und w i cht i g sie n Tage seines Lebens, liege es ihm am Herzen, seinem Volke im Mutter- lande sowohl wie in den Kolonien und Indien seinen herzlichsten Dank anszusprechen für die Teilnahme, die es gezeigt, als er in Lebensgefahr schwebte. Der König erwähnt in der Botschaft dann die bewundernswerte Geduld(!), mit welcher die Iliigelegen- hciten, die Störungen und die En tt ä u s ch n n g e n, welche die Vertagung der Krönnng verursacht hatte, vom Volke ertragen wurden, und spricht der g ö t t l i ch e n Vorsehung seinen tiefsten Dank ans, daß sie sein Leben erhalten und ihm Kraft gegeben habe, seine b e d e ii t s a m e n P f I i ch t e ii als H e r r s ch e r des großen britischen Reiches zu erfüllen. Eli.vas zu salbungsvoll für die minder pathetische. Vergangenheit des Königs und den nüchternen Geschmack„seines Volkes" 1— Der Lmldarbeiterstreik in Galizien. Krakau, 7. August.(Eig. Ber.) Dir Gesamtlage im Strcikgcbictc. Nach den neuesteii Berichten wird es in den einzelnen Bezirken. allmählich ruhiger; die Streikbeivegniig breitet sich nicht mehr ans, da die Ernte im ganzen Lande schon zu Ende geht. In den Bezirken, wo die Grodgrundbesitzer die Forderungen der Streikenden nicht berück- sichtigen wollten, dauert der Streik dagegen in vollem Umfange fort, trotz der Anstrengungen der Gutsbesitzer und der Bezirkshauptleute, die Streikbewegung zu unterdrücken. Die Arrestlokale sind mit den verhafteten Bauern so überfüllt, daß die Arretierten— z. B. in Husiatyn— im GefängniShof verweilen müssen. Dank der ausgezeichneten Organisation der Streikenden enden die Streiks größtenteils mit dem Siege der Landarbeiter; tagtäglich kommen neue Siegesnachrichteu. Die Streiks sind ausgebrochen auch beim Grafen Casimir B a d e n i, ehem. Ministerpräsidenten und Grafen Stanislaus B a d e n i, ehem. Landesniarschall. � Beamte als„Friedeuöstifter". Im Bezirk Z l o c z o w hielt der Sekretär der Bezirks- h a n p t in a n n s ch a f t Slonecki eine Ansprache an die streikenden Bauern von Harbuzow, worin er imuniwundeti erklärte, er habe den Gutsbesitzern verboten, irgendivelche Kon- Zessionen zu machen, die Bauern müßten die Herren bitten, sie auf Grund der bisherigen Bediuguugen zur Arbeit wieder auf- zunehmen. In einem öffentlichen Lokal äußerte er sich:„U n s r e Pflicht i st es. nirgends einen Ausgleich z u z u'- lassen, die Bauern zu unterdrücken und ihren Haß gegen die Streikkomitees zu wenden". Streikjustiz. Der BezirkShauptmanii von Husiatyn D ü l tz verurteilt die Bauern ohne Protokoll, ohne Zeugenverhör auf Grund des be- rüchtigten Prügelpatents vom Jahre 1854. Das Gericht sprach mehrere vom Bezirkshauptmann eingelieferten Bauern frei, da cs sich herausstellte, daß an der Anzeige d e S BezirkShauptmannS kein wahres Wort w a r I Der Sekretär der Bezirkshauptmauiischnft H o r z i e a kam ins Dorf Wasylkoivice, Ivo er, vor einem Stall stehend, einen Mann zu 14 Tagen Arrest verurteilte, weil— der Manu einer B e r s a ni in l u n g beigewohnt hat! Eiu blutiger Ziifaniiiieiistost. Das rnthenische Blatt„Dilo" berichtet aus I a k t o r o Iv(Bezirk Przemyslauy): Die Bauern sendeten zum Gutsbesitzer Delegierte. um einen Ausgleich zu stände zu bringen. Der Gutsbesitzer verhandelte mit den Delegierten im Freien; 33 Schritte weiter standei' die Bauern und hörten schweigend den Verhaudlungen zu. Plötzlich tauchte eine Abteilung Husaren auf, ritt mitten durch den Haufen und stellte sich im Hofe auf. Die Bauern verhandelten weiter. Auf einmal, ohne vorherige Aufforderung, ritten die Husaren in die Menge von zivei Seiten iiud be- gauneii mit den Säbeln wütend d r e i u z u h a u e», obwohl absolut kein Grund dazu vorhanden ivar. Sie schonten ivedcr Weiber noch Kinder. Sogar diese, welche sich hinter der Umzäunung versteckt haben, wurden mit Säbelhieben blutig geschlagen.—'Tödlich verivundet wurden zwei Bauern im Augenblicke, als sie sich durch die Umzäunung flüchten ivollten. Sechs Bauern wurden schwer vertvundet und sehr viele leicht.— Im ganzen Dorfe herrscht große Erbitterung. Eiu neues Beispiel von der verlogenen Berichterstattung des offiziellen östreichischen Korrespondeuzbureaus bringt die Wiener „Arbeiterzeitung". Sie schreibt: Das Korrespondeuzbureau hat vor einigen Tagen erzählt, daß in Pietrhcze(Bezirk Zloczoiv) die Streikenden iii die Kanzlei deS Gemeindevorstehers drangen und von ihm forderten, er soll ein au- geblich vom Kaiser erlassenes Gesetz über die Höhe der Löhne vor- legen. Als Anstifter dieser AiiSschreituiig sei der NniversitätShörer Kost Taniaczkiewicz verhaftet worden. Der ehemalige Abgeordnete Pfarrer Daniel Taiiiaczkieivicz, der Vater des Verhafteten, stellt in einer Zuschrift an daS„Slowo Polskie" diese Angabe richtig. Er schreibt:„Mein Sohn kam nach Pietrhcze zu einer Zeit, wo die Kommission, die zur Untersuchung des Vorfalles dahin entsendet ivurde, schon in Pietrycze ivar. Er ivurde lvegen„Agitation für den Streik" verhaftet. Das Korrespoiideiizbureau hat also wieder einmal gelogen. Es wäre doch endlich au der Zeit, daß das Korrespondenz- bureau seine Korrespondenten darüber belehrt, daß sie staatliche Beamte und nicht Angestellte der Schlachta sind, lieber diese Wirtschaft wird im Parlament ivohl noch gesprochen iverden. Aus Lemberg meldet„Wolfis Telegraphen-Bnreau": Eine Kurrende des römisch- katholischen Erzbischofs Bilezewsst fordert die Geistlichkeit auf, auf die bethörte Laudbevölkeriing be- ruhigeud eiuzuwirkeii und gleichzeitig die Arbeitgeber zu bewegen, wenn möglich, dem arbeitenden Lundvolke billige Zugeständiiisse zu machen.__ Ju einer grosteu Paiteiversainnilnug in Miincheu, die von 1833 bis 2333 Personen besucht ivar, erstatteten die socialdemo- kratischen Abgeordneten Münchens für Landtag und Reichstag Bericht über ihre Thätigkeit. Ad. Müller und Franz Schmitt sprachen über den Landtag, V o l l m a r über den Reichstag. In der Diskussion stellt B r e i i e u b n ch die Anfrage, ob die Fraktion mit dem Standpunkt, den Genosse Löwensteiii in seinen Wahlrechts-Artikeln eiiigenommeu, cinvcrstnnden sei, und ob nicht die Besürchtung naheliege, daß. weuu sich die Fraktion nicht für ge- buuden halte, die Zweidrittelmehrheit für ein event. Wahlgesetz nicht zu stände komme. V o l I m a r erklärte darauf, der Aufsatz des Genossen Löwen- stein sei dessen eigner Initiative eiitspiiingen nnd keine Frnktions- arbeit, aber er entspreche' genau dem, ivaS der Fraktioiisrediier Segitz auch im Plenum erklärt habe. Es sei selbstveiH'äudlich, daß die Socialdemokratie sich dem in Aussicht gestellten Eutivnrfc gegenüber ihre volle Freiheit gesichert habe, ebensogut, ivie die andren Fraktionen es betont hätten. Die Ziistiimuiing zur Resolution sei erfolgt und nötig gewesen, um die Sache überhaupt in Fluß zu bringen und die Regierung zur Vorlage eines Gesetzes zu zwingen. Einstimmig univbc bnrnuf folgcnbe, von T i m m kurz bkgrstndcte Nesoliitioii nngenomnicn:.Die heutige öffentliche Wühlervcrsommlmig rnlart sich mit der Thätigkcit der Miiucheiier socioldcmokrntischeii »lbgeorducten im bayrischen Lcmdtng und des Gcnoffen v> Vollmar »ni deutschen Reichstag vollständig einverstanden. Sie drückt ihren Vertretern die volle Anerkennung aus. Die Versainmlnng erkennt beionders an. dag ihre Vertreter in der schlvebcnden Wahlrechts- frage eine für den Fortschritt der WahlrcchtScntwicklnng in den dentichcn Bundesstaaten geschickte und fördernde Taktik eingeschlagen haben." AlS niigemrsskile Bcfchäftignng für focialdemorrntifchc Redacteure sieht man im Bremer Gefängnis das Flechten von Fngmatten an. Der 60jährige Genoffe Holtmann, Redactcnr der .Böttchcr-Zeitnng", der tvegen PrehvergehcnS vier Wochen darin �u- zubringen hatte, ivurde mit dieser Arbeit beschäftigt. Infolgedessen Maren ihm. als er wieder das Licht der problematischen deutschen Freiheit erblickte, die Hände stark aiigcschiuollcn. Das ist so der Brauch im deutschen Land. Man muff schon ein sehr groffer Bankschivindlcr sein, oder im Duell ctlva einen kaltblütig niedergeschossen haben, hin im Gefängnis anständig behandelt zu werden. Die Leute von der Presse � sind in Deutschland leine !o»ii»a»dler«ndcn Generale. Totrnlistc der Partci. In seiner Heimat Osterfeld bei Eckern» forde starb kürzlich der Schuhmacher Christian Carsten se», der, so lange er konnte, in\ e I als Paricigcnosie eine eifrige Thätigkeit entfaltet hat. Er ivar bis zum vorigen Jahre dreimal einer der drei Vcrtraueiisleutc für Kiel, vertrat in diescni Jahre noch seine Gewcrk- schaft auf ihrem BerbandStng und widmete feine letzten Kräfte dem siegreich verlaufene« Kieler Schuhinacherstreik. Die Arbeiter Kiels verlieren in ihm eine» guten Freund und Berater, die Gewerkschaft iml> die Partei einen tüchtigen Kämpfer, der stets in der vordersten Reihe stand nnd dessen Flciff und Gcivisscnhaftigkcit allen Aufgaben gerecht wurde. Pnllirlllches, Gevlchillchcs»slv. — Einer anei kenncnSwcrtc» Offcnhcitibcflciffigt sich die Polizei in Neustadt O.-S. Dort sollte in einem Saale eine öffentliche Bcrsannninng der Textilarbeiter stattfinden, in der über den Wert der Arbeiterorganisation gesprochen werden sollte. Kurz vor Beginn der Versammlung erhielt jedoch der Einbcrufer ein Schreiben des Saalbesitzers dieses Inhalts: Herrn Karl Memel hier. Nachdem mir von der hiesigen Pollzeivcrwalluiig eine mich in -jeder Beziehung geschäftlich beeinträchtigende Vcrsiignng zugegangen ist. bedauere Ihnen zu Ihrer hentigen sowie künftige» Versamm- lungcn mciiicn Saal nicht geben zu können. N e u st a d t O.-S., den' 2. August. Hochachtnugsvoll Max P u 1 S» e r. Die Verfügung der Polizei an Herrn Pnlsner hat folgende» Wortlaut: D��°Uz«°erwalt>"'g. Neustadt O.-S.. den 1. August 1902. Durch Verfügung vom 26. Mörz 1901— J.-Nr. 2044— ist Ihnen die tviderrufliche Erlanbiiis erteilt worden, in Ihrem rechts vom HailScingange belegenen Schanklokale das Verweileii Ihrer Gäste über die Polizcistnnde hinaus zu dulden. Diese Verfügung wird hiermit für diejeiiigen Tage, an welche» i» Ihrem Saale öffentliche Versammlungen statt- finden, zurückgenommen, so daff Sie an diesen Tagen Gäste nur bis 10 llhr abends dulden dürfen. Engel. Die Polizei in Neustadt hat sich dadurch ein besonderes Ver- dienst erworben, daff sie ohne Umschweife sagt, zu welchem Zwecke sie die Polizeistunde handhabt. Anderwärts ist die Polizei schämig geniig, für ihre die Arbeiterbewegung treffenden Maffregeln irgend einen Scheingrnnd anziigeben, der die Anfmeiksainkeit von dem wahren Ztvcck ablenke» soll; die Nenstädtcr Polizei sagt aber rund hcrnns, ivorauf cS ihr ankonimt: auf Verhinderung der Arbeiter» Versammlung. DaS VersammlnngSgcsctz soll zwar Versammtiingen vor der Willkür vorheriger polizeilicher Verbote schützen, solch ein juristischer ZwiriiSfadeii geniert aber unsrc Polizei nicht. Unter dem Scheine des Rechts thut sie doch, was ihr beliebt. — Zn 20 Mark Geldstrafe wurde der Redacteur der.Alten- bnrger VolkSzeitung", Genosse Pohle verurteilt, Ivcil er einen Knopffabrikauteu in Schniölln beleidigt haben soll. Ans«itb KZondel. Die ElbschiffahrtS-Gcscstschastcn haben, ivie die„Hanibiirgcr Nachrichten" initteilen. neue BefrachtuiigSbediiigiingen, die am 16. d. M. in Kraft treten sollen, herausgegeben. Die Bediugmigen vom 1. April 1900 treten am gleichen Tage auffcr Kraft. Zur Charakteristik des SyndikatSwcsrnS liefert ein Rund- fchrcivcn des Verbandes deutscher Drahtwalziverke einen intercffanten Beitrag. ES hcifft darin:.Zur Regelung der AnSfuhrvergütnng ist in Düsseldorf eine Abrechnnngsstelle für die Ausfuhr ins Leben gc- treten. Alle Anträge auf Gewährung von AnSfuhrvergiitung sind daselbst fernerhin an diese Stelle' zu richten. Im allgemeinen gilt der Grundsatz, daff AnSfuhrvergütiing nur gewährt wird, Iv e n n Kohlen und der gesamte Roh- st o f f nur vom R h e i u i s ch- W e st f ä l i s ch c n Kohlen« Syndikat, Roheisen- Syndikat und Halbzeug- Verbände, Walzdraht nur vom Verbände deutscher Drahtwalzwerke bezogen wird. Ein weiterer Grundsatz ist, daff der die Ausfuhrware liefernde Industriezweig zur Aufrechtcrhaltuug und Hebung seiner Ausfuhr der Iliitcr- st ü tz u u g bedarf und dies Bedürfnis nachweisen kann. So iveit Rohstoffbezuge in Frage koiiinien, tritt die darauf entfallende Vergütung nur von Verband z u Verband ein. Danach würden Walzdrahtbezieher für ihre NnSfnhrtvare Anspruch erlangen können, nickt aber die Bezieher von gc» zogenem Draht für die daraus hergestellte Anisnhrware, denn sie kaufen den Draht freihändig ein, und die Abrechnungsstelle hegt die Ansicht, daff bei dem Gcsckäflsabscklnff die Vergütung bereits im Preise gewährt ist. und daff jedenfalls bezüglich der VnkaiifSprcisc jeder PrüfungSmaffstab fehlt, ob so villige Preise bei geschloffenciii Vorgehen für die deutsche Industrie oder de» in Betracht kommenden Geschäftszweig notwendig waren bczw. sind. Der Anspruch tritt auch bei Verbänden nicht allgemein ein, sondern die Abrechnungsstelle behält sich vor, rückwirkend vom 1. A p r i l d. I. a b i n j e d e m einzelnen Fall nach Anmeldung f c st z u st e l l e u, ob ein Anspruch z» gewähren oder zu versagen ist. Der Annicldnnn sind deshalb für jeden cinzclueu Posten NecknniigSabschristen bei- ziisüge», und die Abrechnungsstelle behält sich das Reckt vor, durch einen ihrer Beamten bei denisenigen. wctckcr Anssnhrvcrgütinig beziehen will, Einsicht in sämtliche einschlägige» Bücher und Brief- fchaftcn zu nehme», deren Vorlegung danack zur Pflicht wird.' Kennzeichnend ist. daff nicht nur der Verband der Trahtwalz- Werke jede Verpflichtung zur Gewährung einer AnSfuhrvergütiing ablehnt, sondern daff er auch seine Abnehmer zur Bildung gleich- artiger Syndikatsverbände zu zwingen sucht, denn Fabrikanten, die nicht ihren Bedarf an Kohle». Roh- und Halbsloffen ccn Syndikate» beziehen oder nicht selbst ciner derartigen Vereinigung angehören sind von vornherein von jeglicher Vergügung ausgeschlossen. Vom CoakSkohlcnniarkt schreibt die»Rh. Westsäl. Ztg.": Der Absatz in Cvakskohlcii und F-einkohlen bei den SyndikatSzcchcii hat sich nunmehr soweit gebessert, daff diese Sorten jetzt wieder im Rahmen der Herstellung gute Unterlniis! finden. Die Lagerbcstäude auf den Zechen branchleu deshalb im Gegensatz zu den meisten andren Sorten nicht mehr vergröbert zu werden. Bekanntlich sind bereits seit längerer Zeit regclmäfftg erhebliche Posten Feinkohlen in das Ausland abgestoben worden.' Vorräte darin sind aus dem Grunde auf den Zechen bereits seit einigen Wochen mir noch vereinzelt vorhanden: in fast allen Fällen beschränken sich diese Bc- stände lediglich auf die für den regelmäffizcii Fortgang der Ver- kokiings-Alistalten erforderlichen Mengen._ Verantwortlicher Redacteur: Julius Kaliski in Berlin. Von andrer Seite wird dle Lage illtgünstiger geschildert, als in der obigen Mitteiliing des ZechenblalteS. Ruflland und die Brüsseler Znckerkoiivention. Nach einer Petersburger Meldung der.Daily Mail" weigerte sich England, an einer neuen Konferenz über die Zuckcrfrage teilznnehiiien. Der Korrespondent will wissen, daff die andren Mächte nicht die gleiche Haltung wie England eimiehme» werden. Die Elsciibahne» Britisch-JndienS. Am 31. Dezember 1901 betrug die Gesamtlänge der in Britiich-Jndien im Betrieb stehende» Eiseiibahnstreckcn 25 373 englische Meile». Hiervon wurden 576 Meilen ini Laufe des Jahres neu eröffnet. Im Jahre 1901 wurde der Bau von Eisenbahnen mit einer Gesamtlänge von 715 Meile» gcnch- migt, so daff Ende des JnhreS eine Strecke von insgesamt 2126 Meilen in der Herstellung begriffen war. DaS Kapital, welches bis zum 3t. Dezember' 1901 in Indien in Eiseiibahne» angelegt war, bezifferte sich auf 228 893159 Pfd. Eierl. Der Eisenbahn- Betrieb brachte dem Staate einen Gewinn von 1 361 313 Pfd. Sterl., während im Jahre 1900 nur ein Ueberschiiß von 459 343 Pfd. Sterl. und im Jahre 1899 sogar ein Verlust von 81 940 Pfd. Sterl. zu verzeichnen war. Amerikanischer Auftrag anf deutsche Eisenbahnschiene». Die Ilnioii Pacificbahn bestellte 30 000 Toiiucn Stahlschiciicii in Dentschlaiid, lieferbar an die Pacificküste, da die ai»crikaiiischc>i Walz- werke gröbtcntcils für die erste Hälfte des nächsten Jahres Ansträge nicht mehr annehme»._ GvweMMnftliches. Berlin und Ilmgcgcnd. A» die organisierten Arbeiter Berlins und der Vororte! lieber ein Jahr führen wir den Kampf nm unsre Lohnerhöhung. Von de» Arbeitgeber» wird alles angewandt, den Lohn herabzn- drücken. Arbeiter, an Euch liegt es. inis moralisch z»»ntei stützen. Zeigt, dab Ihr gewillt seid. Eure Solidarität auch den wirtschaftlick schlecht gestellte» Arbeitern zlikommen zn lassen. Z» diesem Zweck führten wir die gelbe Kontrollkarte ein. Fragt bei Jnaiispruchnahme von Barbiergeschästc» nach der Kontrollkarte, denn n»r diese dient als AiisweiS dafür, das! die Fordernng der organisierte» Ge- Hilfen bewilligt ist jlmiseiide Woche muff gestempelt sein). Arbeiter, nur durch fortgesetztes energisches Frage» nach der Kontrollkarte ist eS uns möglich, nnsre Forderung hochzuhalten. Die AgitatiönSlommissioii der Barbicrgehilfcn. Schuhmacher! Seid ans der Hut, wenn Euch i» hiesigen Zeitungen Jiiscrate der Firma E b c r l c». Trci binaiin i» Dresden begegnen, welche Krsatzlräfte für die 50 Ausgesperrten sucht. Haltet den Zuzug fern. Die Hilfsarbeiter i» den Töpfereien Bestens habe» be- schlöffe», in eine Lohnbewegung»inziitrelen. Der bis zni» Oktober dieses JahreS gültige, mit der Töpferinnimg vereinbarte Tarif ist bereits gekündigt. Der Vorsitzende der Jiimnig hat erklärt, daff letztere gewillt ist, in BerhanMimge» über Vereinbarung eines neuc» Tarifcs emzlitrcte». Der Lohn beträgt mit AiiSnahme einiger Ab- Weichlinge» 15 M. flnkniipfend a» die bestchendrn Löhne werde» gefordert 10 Proz. Lohnerhöhnng für sämtliche Hilfsarbeiter bei Bei- bchaltniig der zchiistündigcn Arbeitszeit. Deutsches titeich. Eiu deutscher Tischlcinicistcr-Strcikpcrcin ist soeben gc- gründet Ivorden. Nicht daff die Tiichlermeister zur Veränderung selbst einmal streiken wollen das fällt ihnen natürlich nicht ein. Sic wollen sich vielmehr gegen die Streiks der Geselle» schütze» und ein- ander i» der Abwehr des.ziinchmciide» Terrorisnins der Gesellen" beistehen.„Arbeitgcber-Schntzverband deS deutsche» T i s ch I e r- I ii» ii n g s v e r b a Ii d e s", das ist der lange Name vo» Herrn NabardiS jüngste», Kinde, welches am 5. d. Mts. in Düsseldorf ans dem 19. Vcrbandstage des Bundes deutscher Tischler- Jnnnngeii das Licht der Welt erblickte. Mit dem Worte Tcrrorismns wird in Uiiteriichmeilreisen nnd in der Unternchiiici presse viel Unfug getrieben. Jeder Slreil, jede Lohnbewegung, ja jede Fordernng der Arbeiter erscheint jeiicii Leuten als TerrmiSinns. Um sich als die von den.unverschämten" Ar- beiter» Gepeinigten und Drangsalierten hinzustelleli und die öffentliche Mcinniig» für sich einzunehmen, reden die kmiipflnsiigen Jmnmgsbrüdcr vom TerrorismnS der Gesellen. Sie sollten doch so ehrlich sein und offen sagen: Wir gründen cincii Kampfvcrein zur Wahnnig»iiser Jiilercsseii gegenüber den Arbeitern nnireS Gewerbes. Damit wäre das Kind beim rcchicn Namen genannt. Der Sckntzvcrbaud bezweckt ja dock nichts andicS, als— wen« eS mir möglich wäre— die Arbeiier an einer Berbesternug ihrer Lohn- und Arbeitsverhältnisse zn hindern. In Düsseldorf wurde freilich gesagt, der Sckntzverbniid solle seine Mitglieder gegen ungcrccktferligte Ausstände der Gesellen möglickst schützen, und ihnen den aus solchen Ansständcii verursachten Schaden vergüten.— Ja, giebt es den» nach Ansicht der JiiniingSmeister überhaupt gerechtfertigte Ausstände? Halten sie nickt jeden ÄnSstand für migerechlfertigt? Den Lärm möchten wir höre», wenn ein vom� Streik betroffener Meister von scincn JnnungSbrüdcrn Schadensersatz ver- langt, aber znriickgcwicscn wird inil der Begründung, dieser Streik sei kein ungerechtfertigter. Die Aussicht auf Schadensersatz beim Streik ioll auch wohl nur ein Lockmittel für die Kleinmeister sein, deren Gefolgjchasl sich die wortführeiidc» Groffunternchnier sichern wollen, um ihre Interessen zun, Schade» der Kleinnicistcr und der Arbeiter gleichzeitig zu vertreten. Die Groffcn werden sich hülcii, ihre Verbaiids-Slrcikkasse io ausgiebig zu süllen, daff jeder Meister, bei dem gestreikt wird, schadlos gebalten werde» taini. Der Berliner Obermeister Rahardt ist zuin Vorsitzenden des Schiitzvcibaiidcs beslimmt worden. Herr Rahardt ist in Düsseldorf, wie mau das von ihm gewohnt ist, auch noch in andrer Hinsicht als schneidiger Kämpfer gegen die Arbeiterbewegung anfgctrclen. Er er- klärte sich als e n l s ch i e d e» e n Gegner paritätischer Arbeitsnachweise, denn'die Arbeitsnachweise der Arbeitgeber seien ein H a» p t ka m p f m i t t e l gegen.miberechligte" Forderungen der Arbeiter. Nach diesem Griind-atz handeln ja Herr Rahardt nnd die übrigen JnnnngSgröffen in Berlin schon seit längerer Zeit, ohne daß sie damit den gewünschten Erfolg erzielt haben, Die Kämpfe um den ArbeilSnacklveis in Berlin haben gezeigt, daff cS den Scharfniackeni im JnmmgSvorftande doch nicht gelingt, mit der Arbeiterorganisation, dem Holzarbeiter'Vcr- b a» d fertig zu werden. Dieser Erkenntnis entspringt denn wohl die in Düsseldorf Migenomincnc Resolution, welche verlangt, daff die S t r a f b c st i m m n n g e ii des§ 153 der Gewerbe- Ordnung erweitert'und besonders das Streik- x o st c» st e h c Ii b e st r a s t werden soll. Natürlich, wenn die eigne Krakt der JnmmgSheldcn nickt mehr ausreicht, um die Arbeiterbewegung iiiedcrznhallcii, dann soll die Gesetzgebung den Nntemehmem dienstbar gemacht werden. Daff die Bäume der Holzindnslriclleii nicht in den Himmel wachsen, dafür werden ja die Vertrete, der Arbeiter sorgen. VcrbandStage. In nächster Zeit halten verschiedene Central- verbände ihre Generalversaniinlungen ab. Die deS F o b r i l-, Land- und Hilfsarbeiter- Verbandes beginnt am 10 August in Offenhack: der Verband der S ch n e i d e tagt in München vom 24 August an. gleichzeitig findet auch ei» Schneider- longrch statt. Am 31. August hält>ii Berlin der Verband der B u i r a ii- A n g e it e l l t e ii icine erste Gciieralversammlniig ab. Der l�- n ter nationale Kongreß der Lithographen lnlt am 16. August in Berlin zuiammen. Ausland- Eine Amsterdamer Polizcivrrordnnng gegen das Streik- postrnstchrn. Der Polizeipräsident von Ainsterdam hat eine Ber- ordiiung crlasien wodurch die Polizeibcamten angeivieirn werden. Leute die Streikposten stehen, von ihrem Platze fortznsühren und bei Widersetzlichkeit sofort z» verhaften. Diese Verordinmg, die mit den geltenden Gesetzen im Widerspruch steht und nicht« weiter als Für den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und 5 eine Mayregel zu Gunsten des Unternehmertums ist, hat selbst verständlich bei den organisierte» Arbeilern große Erbitiernng hervor- gerufen. Ans diesem Anlaß hatte das Amsterdamer Gewerlschafts« kartell am Miltwochadend eine Versammlung veranstaltet, die, trotzdem daS„Nationale Arbeite rsekretariat" die Beteiligung abgelehnt hatte, aufferordentlich stark besucht war. Angesichts jener gesetzwidrige» Polizeimaffregcl wiesen besonders die Genossen Polak und Troclslra auf die Notweudigleit der politische» Bethätignng der Arbeiierklasse hin. Nach Annahme einer Protestresolution wurde ein Umzug durch einige Straffen der Stadt veranstaltet. Streiks iu Italic». In der Umgebung von N a v e n n a st r e i k e n die Landarbeiter und die kleinen Rübenbanern. Eine Anzahl Zuckerfabriken muffte de» Beiricb einstellen; einige Brandstiftungen, welche in der Gegend vorkommen, solle» angeblich von de» Streikenden verübt worden sein. Die Kutscher nnd Hansdiener der Spedition S- geschäfte von Mailand haben, nachdem die Uiitenichmcr versprachen, den größten Teil ihrer Forderungen aiizuerkciiiicn, die Arbeit wieder anfgcnommcn. D e r M a u r e r st r e i k i n F l o r e n z endete mit eniem voll- komuieiien Siege der Arbeiter. Tie Bergleute vo» Anzin(Frankreich) streiken, nm sich gegen Lohiiredukiionc» z» wehren. Sie waren an die Föderation der Berg« lente dcö Pas de Calais hcraiigetrcten mit dem Verlange», diese möchten mit ihnen in den Generalstreik eintreten. Dies lehnte die Föderation ab, und so streiken die Bergleute von Anzin in der Zahl von eiiva 2000 allein.— Die Bergleute vom Loiregcbict stehen mit den Conipagnicn in Unterhandlung. Sie verlangen, daff die Ab- machungen,"welche seiner Zeit zwischen der Unteinehmer- und Arbeiterorganisation abgcschlosse» worden sind, weiter zn bestehen haben, weil die Unteniehmer den Vertrag zu spät gekündigt. Nus der FLÄttrnbeiocnttttg. Die holländische„Bereinig, mg für Fraiienwahlrecht" ver» breitet ein Flnglntt. worin erklän ivird, daff es am besten sei. wenn die Frauen das Wahlrecht zu denselben Bedingungen sordern, imtep denen es gegenwärtig die Männer in Holland besitzen, und trotzdem nicht weniger eifrig für das allgemeine Wahlrecht kämpfe». Dem- gegenüber stellt„Hct Boll" folgende Berechnung anf: Gegenwärtig sind ca. 600 000 Wähler zur niederländischeii Zweiten Kammer vor- Händen, wovon elwa 150 000 dem Arbeiterstand angehören, nniidesiciiS 500 000 Arbeiter sind vom Wahlrecht ausgeschlossen. Man kann ivohl aiiiichmcn. daff, wenn den Frauen das Wahlrecht nach den jetzt geltenden plntokratischen Besiimmmigen zuerkannt würde. die Zahl der Wähler ans der besitzenden Klasse wahrscheinlich ver- doppelt würde, was bei der Zahl der Wähler aus der Arbeiterklasse jedenfalls nicht stattfinden würde und somit jene Maßregel nur zur Stärkung der bestehenden Klassenberrschast dienen könnte. Nicht mit Unrecht'nennt„Het Volk" jene„Bereiiiigung für Fraiienwahlrecht" „minder zuverlässige Bimdesgenosscil" im Kampf für daS allgemeine Wahlrecht._ V evfn mml« n jgen. Lichtenberg. Eine auch von Frauen reckt zahlreich besuchte Versauimlung der Genieindewähler hörte mit größter Anfmerksamkeit einen Vortrag dc§ Genosse» BriniS-Verliii über die Aufgaben der socialdcmokratischcii Gcmeindebertreter. Oswald Gran er erstattete de» Bericht für das Wahlkomitee und sodann de» über die Thätigkeit der socialdemokratischen Gemeinde- Vertreter in Lichtenberg. Die Versammlung bekundete durch lebhaften Beifall ihr Einversiäiidnis mit der Thätigkeit der socialdemokratischen Gcmcindcvertreler. Eine Resolution folgenden Inhalts fand ein« stimmige Annahme: Die Versaminlmig verpflichtet sich, mit allem Nachdruck für die Wahl socialdemokratischer Gemcindcvcrtrctcr ein- zutreten und am Dienstag, de» 12. Anglist, für die anfgcstelltcii Kandidaten Zipter und Kleiber einziitrdcil. Tie Versammlung erwartet, daff die socialdcmokratische Fraktion der Gcmciiide-Ver- ordneten in Lichtenberg nach wie vor sür die Interessen der Allgemeinheit rücksichtslos eintreten wird. DaS ablehnende Verhalten der social« demokratischen Gemciildcverordiictcii gegenüber den geforderten 80 000 M. aus dem Sleucrsäckel zum Bau einer Kirche billigt die Veriaillinkulig. Sie erwartet, daff die Gemeindevertretung die Gc- »chmigniig einer Anleihe zu diesem Zweck versagen wird.— Mit der Aufstellung der Genossen Zipter und Kleiber erklärte sich die Ber- sammlmig eiiiverstande». Zur Teilnahme an der Wahlarbcit auf- fordernd, schloff der Vorsitzende die zu de» beste» Hoffuunaeil auf den Ausgang der Wahl berechtigende Versammlung. Utfzte Mschvichken und Depeschen. Berlin, 8. August./e monatiger Dauer heule nachmittag gcschlosscn worden. Tirdcuhokcn. 8. August. lW T. B.) Bei Aumetz ist heute vormittag seitlich von der Chanssee zwischen Deutsch-Oth nnd Anmetz die Erzgrube St. Michel eingestürzt, wobei vier Personen, welche bei der Grube beichäfligt waren, verletzt wurde». Daff zur Zeit deS Unfalles noch mehr Arbeiter in der Grube gewesen sind, glaubt man nicht. Der Eisenbahndamm scheint etwas gerutscht zu sein, auch erhielten einige Häuser Risse, so daff vorsichts« halber die Räinnnng derselben angeordnet wurde. Der kaiserliche Baural sowie die Gerichtsbehörden begaben sich sofort von Dieden- hofcn noch der Uiisallstelle. Brüffcl. 8. Angnst.(W. T. B.)„Petit Bleu" zufolge ist der Bacren-Geiieral Lukas Meyer an einciii Herzleiden, von dein er auch während des Krieges mehrmals befallen war, plötzlich hier gesto eben. London, 8. Angnst.(B. H.) Die Mitglieder der irischen Partci haben London verlassen, nni morgen in Dublin an der Knndgebniig gegen die KrönnngSfcicr teilzmichmcn. lerlag von Max Badiug in Berlin- hierzu I Beilage. Pf. 184. 19. Iilhfgaug. Crilngr in JmiüWs" Krim UÄsdlÄ SovNllbtvd. 9. Augllß l992 Maschinenzölle. Ivo. Sitzung der Zolltar>f-Komnrission> V e r l i n. 8. Bugiifl A» Stelle Gehers ist Bernstein in die Kommission ein» getreten. Gothcin lindert und begründet seine Anträge zu den Positionen 894, 994 und 996. Dcntschlnnd sei doS Hauptcxportland uoii Moschincii, wenn cinch Amerika in Bezug ans Inndwirtschafiliche Meischiiic» n»s voraus war. Der deutsche Werkzeiiginaschincnbau werde auch nicht hinter dem amerikanischen zurückbleiben, die Aus- fuhr sei stark gestiegen. Die Zvüc wirkten geradezu lähmend auf den Unternehmungsgeist, es gäbe viele Industrielle, die mit Kuh- Hand auf die Zölle verzichten würden. Redner geht näher auf die technische Entwicklung der Maschineuindustrie ein. Die Regierung hat nur die Interessenten gehört, sie hätte die Importeure auch hören inüsse». Die Kommission habe demgegenüber die Interessen der Allgemeinheit zu vertreten. Bcumcr bestreitet, dah die Werkzeugmaschinen-Branche der- sumpfen werde, wen» keine Einfuhr stattfände. Redner verteidigt seine Antrage. NegiernilgSrat Völker tritt für die Vorlage ein. Gchciinrat Wcrinuth hebt den handelspolitischen Wert dieser Zone hervor, will aber seine Ausführungen als vertrauliche betrachtet wissen. Molkcnbnhr giebt zu, dah Deutschland in mehrere» Fällen deii� amerikanischen Werkzengmaschi nenbau nbcrlroffen habe, aber die Gründe, �die er für den Vorspmng Amerikas angegeben habe, seien nicht berücksichtigt worden. Erstens sei Amerika i in m et n o der A n z j c h n n g s p n n k t für die t!! ch t i g st e n Arbeiter Ansierdcm crzcnge die revolutionierend fortschreitende Industrie Amerikas immer neue Werkzeuge, an deren Stelle auch »nie Maschinen erfnnde» würde». Redner wendet sich dann gegen BcnmerS lveitcre AuSführnngc» und weist auf das Knriosi»» hin, dag durch die Gcivichtsstaffclnng Maschincnfabrikanten dazu verführt wurden, Maschinen um einen Doppclcentncr schivercr zu machen, da sie dann als so viel schwerere Maschinen 1599 M. weniger Zoll er- fordern. Das müsse zu einer Aendcrnng führen. Miillcr-Sagan polemisiert gegen Beniner. _ Graf Kanitz stellt den Ausführungen dcS Gcheimrat Wcrmnth schwere Bedenken gegenüber, spricht seine Ansicht über die Gestaltung der VcrtragStarife ans und erinnert an das Wort des Reichskanzlers, dag die Negicrinig nur auf denr Boden voller Rcciprocität mit allen Staaten, auch mit kern Vereinigten Staaten von Nordamerika vcr- handeln wolle. Sledncr bezweifelt, das; man mit Amerika zu einem giiiisligeii Abschlusi gelangen werte. Pansche bestreitet Golhein, dah die deutsche Industrie die Kon- knrrcnz Amerikas nicht zu befürchten habe. Zum Teil stimme er den Kanitzichen Ausführungen zu. � Gothel» geht weiter auf die Entwicklung der amerikanischen Maschineuindustrie ein. Die Positionen werden sämtlich nach der Vorlage angenommen. Zur Beratung verbunden werden die Positioucn 895, Nähmaschinen. Kurbelstick- und Strickmaschinen für den Handbetrieb, ohne Gestell, Kopfe mich Teile davon 35 M.; 898 diese Maschinen mit Gestell oder für motorischen Betrieb 20 M, und 897, Gestelle und Tischplatten oder Tische dazu— 5 M. Die Socialdcnlokratc» beantragen Zoklfreihcit. Gothcin beantragt zu 895— 5 M.. zu 896— 24 M. und 897 zu streichen. Vcrnstein hebt die Entwicklung der deutschen Nähmaschinen- fabrikation rühmend hervor, die bewiese» werde durch die grohe, tvachicndc Ausfuhr. Aber auch der inländische Bedarf greife mehr als früher zii deutschen Fabrikaten. Unter solchen Umständen dürfe dieses Werkzeug vieler ärmerer Leute nicht durch Zölle verteuert werden. Redner erörtert die schweizer und amerikanischen Industrie- Verhältnisse. Graf PofadotvSky geht ans die Vertragsverhältnisse mit Amerika ein. Molkcnbnhr geht zunächst auf die Fabrikationsverhältnisse in Dentschiand näher ein; zuerst seien schwere Fehler gemacht worden, spater sei eine solidere Methode beliebt ivorden, ivonach auch das deutsche Produkt mehr Aufnahme im Jnlande fand. Durch die Vcr- zollung der Strickmaschinen werde die Strumpfwaren- Industrie, ipcciell in Sachsen, geschädigt. Dort, wo die Hausarbeit stark vor- Hauben sei, vertenre man den armen Arbeiterinnen die Maschine, die sie selbst anschaffen müssen. Die Positionen werten sämtlich nach der Vorlage a n g r n o n> n» e n. Berbwidcn werden die Positionen 893—992, Maschinen für Weberei, Wirkerei und Stickerei. 898, Maschinen mit Kratzciibcschlägcn 29 M.; 899, Spinn- und sZwirncrci-Maschinen 6 M.; 909, Webstühle 5 M.• 991, Wirk- und Stickmaschinen, Gar- diiien-, Spitzen- und Tüllmaschinc» 19 M.; 992, Apprelurmaschnien 6 Mark. Die Socialdeinokratc» beantragen Zollfrciheit. Gothcin beantragt zu 899, alle Maschinen in dicke Position zn rangieren und 3 M, Zoll festzusetzen, 999''91 zu streichen und z» 992- 3 M, Zoll."-> o« �° Stadthagc» hebt die schädliche Wirkung der Verzollung dieser Maschinen für die Tcxliliiidnstrie hervor. Die Tcxtilarbciler-Ver- hältnissc würden durch diese Zölle noch verschlechtert, denn die deutsche Texliliiidiistric sei auf englische und schweizer Maschine» angewiesen. Die Motive des Entwurfs rechtfertigten Zolle nicht, geschweige denn eine Erhöhung derselben. Sie geben zn, daß ans- kändische Webstühle vorwiegend bei kleinen Webern Auf- stcllung finden, und damit werde bestäligt, daß die Klciuivebcrci durch die Zollerhöhuug noch schlechter gestellt werde als bisher. Redner geht näher auf die Textil- arbeiter- Verhältnisse ei», deren' Tiefstand auch eine der llr- fachen sei, die ein stärkeres Aufblühen unsrcr Jndnslrie verhindern, Er bitte dringend, bei der vorherrschenden Arbcitsstillc in der Textil- industrie nicht»och verderbenbringender zu ivirkcn durch Zoll- crhöhnngcn, sondern die Zölle zu beseitigen auf Webstühle sowohl wie auf die Wirk-, Strick- und Stickmaschinen. Der Zoll auf Appreturinnschinen treffe zum Teil den Mittelstand direkt. BeiderZoll- belastung dieser Maschinen zeige sich, ivie der Staat ruinierend auf die Industrie des eigeiien Landes wirke. Man sollte die hundertste Sitzung der Kommission mit der Annahme des Antrages auf Zollfrciheit krönen. Gothcin weist auf die Ncberlcgenheit der Schweiz und Englands in der Produktion von Textilninschiiien hin. Trotzdem habe auch die deutsche Industrie einen Anfschivung zu verzeichnen, die Erhöhung der Zölle sei unbegründet. Mit Appretunnaschincn versorge aber die deutsche Industrie das Ausland, diese Industrie sei geradezu Exportiiidnstrie. Regicrungsrat Völker tritt für die Vorlage ein. Die Positionen iverden sämtlich nach der Vorlage angenommen. Position 995. D a NI p f d r e s ch n> a s ch i n e n und Mäh- Maschinen 9 M. Die Socialdrniokraten beantragen Zollfreihcit. Gothcin beantragt 3 M.. Beniner 12 M. Herold und Graf Schtveri» beantrage» für Mähmaschine» 5 M. Herold: ES liege kein Grund vor, den alten Zollsatz zu beseitigen. Mähmaschinen würde» hauptsächlich aus Amerika und England ein- geführt, die deutsche Industrie könne durch den Zoll dagegen nicht geschützt werden. Gothcin wendet sich gegen den Heroldschen Antrag. Gtadthage» zeiht das Centrnm der Inkonsequenz, da? hier die Zollerhöhung ablehne und darauf hinweise, daß die betr. Maschinen aus Amerika und England kämen. Entgegengesetzt lege dasselbe Centrum Zölle auf Maschinen für die Industrie, die auch aus Amerika und England konnncn, wie bei den vorher beratenen Positionen. Immer sei ei» Klagelied über die kleinen Landivirte angestimmt ivorden, aber gerade diese würden durch den Zoll gc* schädigt. Die landwirtschaftlichen Maschinen erleichtern auch der kleinen Landivirtschaft das Leben, v. Wangcnhrii» habe am 16. Mai 1999 im preußischen Abgeordnetenhaus gesagt:„Wenn heute der ländliche Arbeiter nicht daö Uugliick hat, eine lieber- liche oder kranke Frau zu besitzen, dann können die Leute sämtlich erhebliche Ersparnisse wache» nnd thun rö auch." Die Feststellung der Löhne ländlicher Arbeiter stelle dieie Behauptung ins rechte Licht' deun die Löhne bclragcn ca. 499 und 599 M. Durch diese Zölle werden aber die Kleinbesitzer und die Arbeiter geschädigt. Die Gründe Herolds sprächen für Zollfreihcit. Sei denn das Deutsche Reich so arm, daß es ans diesen Zoll auf laudivirtschaftlichc Maichiuen nicht verzichten köiiue? Handelspolitisch sei der Zoll wertlos, finanz- politisch ohne Bedeutung, ivaö bleibe da für ein Griuid»och übrig, diese Geräte zu belasten, Gcheimrat Wcrinuth tritt für die Vorlage ein. Herold ändert seinen Antrag. Dampf-Drcschmaschincn würden in Deutschland zahlreich angefertigt, der Zoll werde diese Maschine» nicht vertcuer». danini sei er für Verzollung. Hahn wird für de» Antrag Gothcin in erster Linie, im Fall der Ablehnung für den Antrag Herold stimmen. Redner beiont, daß dem Abg. Herold von zwei Seiten Inkonsequenz vorgeworfen worden sei, iliid freut sich, daß ihn dieser Vorwurf nicht treffen könne. Herold habe ihm vorgeworfen, daß er für Ermäßigung der Jndustriezölle gestimmt habe, heute beantrage Herold selbst eine Herabsetzung der Tnrifiätze. Stadthagen habe die ländliche» Arbcitcrverhältnissc nicht richtig dargestellt. Rediicr bespricht aiilerikaiiische Verhältnisse nnd meint, Amerika müsse exzeptionell behandelt und mit Kampfzöllcn angefaßt werden. Gras Schwerin erklärt, der Vorwurf der Jnkoiisequenz sei nicht berechtigt, die Verhältnisse müßten von Fall zu Fall beurteilt werden, Eher könnte dem Abg. Hahn Inkonsequenz in feiner Stellung znr Jiidnstrio vorgeworfen iverden, der er nur bedingungsweise Vc- lvilligungen machen wolle. Der Antrag Herold zu 995 ivird angenommen. Unterabschnitt B.; Elektrotechnische Crzengnisse.A Verbimdc» werden die Postlionen 997—911. Dynamo- Maschinen zc., 997, unter 5 Doppeleentner 9 M., von 5—30 Doppel- cciitner 7 M., über 30 Doppclcentncr 6 M.. 908 Elektricitätssammler 6 resp. 24 M.; 909 Kabel zc. 8 M.. 910 Bogenlampen 40 M.; Gehäuse dazu zc. 20 M.; 911 Elektrische Glühlampen 120 M. Die Socialdewokratc» bcantrageu Zollfrciheit. Gothcin beantragt zu 997— 6 M., 993— 4 resp. 16 M., 911— 49 M. Gothcin beruft sich auf den Ausspruch des Grafen PofadowSky, der die elektrische Industrie Dentschlands als eine solche bezeichnet habe, die die Industrie aller Länder weit übertreffe. Sei dies der Fall, ivozn dann Zölle auf ihre Produkte? Bernstein: Die denlschc Industrie beherrsche vollständig den inländischen Markt; außerdem überwiege die Ausfuhr in starkem Maße die Einfuhr. Redner spricht über die Monopolisierung dieser Industrie durch Kartelle und die Schädlickikeit solcher Vorgänge; ferner über die Unsicherheit, dergleichen Zollsätze als KompenfationS- objekte zu behandeln. Pansche beantragt zu 911— 80 M. nnd begriindet diesen An- trag mit KompcnsationSzwcckcii. Graf PofadowSky: Andre Staaten hätten höhere Zölle, dem gegenüber sei ein Zoll nötig. Position 997 ivird nach der Vorlage angenommen, ebenso die Anmerkung, ferner Position 998. 999 und 919; zu 911 wird der Antrag Pansche aNgeuoinmen. Unterabschnitt E.: Fahrzeuge. Die Positionen 913 bis 915 iverden verbunden. 913, Fahrzeuge zum Fahren ans Schiciicmvegen. in Pcrbilidnng mit Antriebs Maschinen 19 M.; 914, ohne AntricbSmaschincn, Giiterwogen 5 M., Personenwagen ohne Leder« oder Polstcrarbeit 7,59 M., mit Leder- zc. Arbeit 12 M.; 915, Fahrzeuge, nicht zum Fahren auf Sckiieiic» gclciscn,»»ter 50 Kilo 150 M„ bis 1 Doppeleentner 120 M., bis 2V2 Doppclcentncr 90 M,. bis 5 Doppeleentner 60 M., bis 10 Doppeleentner 40 M., über 10 Doppeleentner 20 M. Die Sorialdcmokratc» beantragen Zollfreiheit. Gothel» bcaiilrnat zu 913— 8 M., zn 914 Zölle von 2,59 M., 4 M„ 4,59 M, nnd 5 M. Hoch tritt für Zollfrciheit ein. Die Positionen iverden sämtlich nach der Vorlage angenommen, ebenso die Anmerkung. Schluß Vs4 Uhr. Nächste Sitzung: Montag 12 Uhr. UoTtKlos. Tie Verschleppung der Exhnniicruug Ackermanns. Der Fall Ackermann birgt eine Fülle der Rätsel. Rätselhaft ist nicht nur, das; Ackermann, eine allseitig als diirchails nüchtern ge- fchildertePerföiilichkeit, an aklitcm Alkohol-Dtlirinm verstorben fein soll, räifelhnft ist nicht nur, daß es soivohl die Stadtvogtei als die Irrenanstalt Herzberge nuierließen, der Frau des Er- krankten resp. Verstorbenen irgend eine Mitteilung zu machen, sondern rätselhast ist cS neben verschiedenen andrem Rätsel- hafte» auch, daß daS betreffende Tcceriiat dcS Magistrats trotz aller Bitten der Witwe und trotz aller ivkahnunge» der Presse so gar kein Verständnis dafür bewies, daß die Exhnmicrung der mit so»in- begreiflich sorgloser Gleichgültigkeit verscharrten Leiche so rasch als möglich erfolge» mußte. Eine foforiige Exhnmiernng nnd Obduktion der Leiche hätte zwar die»»verantwortliche Nachlässigkeit nicht wieder gut»lachen könne», allein sie hätte wenig- stciis einigen gute» Wille» bewiese»»nd von vornherein den Verdacht zerstört, daß im Falle Ackermann nicht alles eiiiwaiidsfrci ziigcgniigc» wäre. Allein der Magistrat gefiel sich in einer bnreaukratischcn Laiigsamteit, die angesichts der ganzen Lagerung des bedauerlichen Vorfalls absolut Unverstand- iich ist. Bereits in seiner Nummer vom 27. Juli hatte der„Vorwärts* den Fall Ackermann der öffentlichen Kritik unterbreitet, die alöbald daS herbste Urteil fällte und das höchste Erstaunen äußerte. Nur die S t a a ts a n iv a Iis ch a f t, der die Stadtvogtei direkt unter- stellt ist, und der Magistrat, der für die Vorgänge der Irrenanstalt Herzbcrge i» letzter Instanz die Verantwortung trägt. rührten sich nicht. Erst als die Witwe sich persönlich an die Staatsanwaltschaft wendete, versprach man Recherchen, deren Resultat freilich nur das war, daß am 31. Juli der OberstnatSanivalt Jscnbicl Frau Ackermann mitteilte, daß er in der Sache etwas Weiteres nicht thim iverde. Nunmehr begab sich Frau Ackermann akSbald in Begleitung des socialdemokratischen Sladtverordneten Hintze nach der Irren« dcpntation im Nathans, Ivo sie an diesem Tage weder den Stadt- rat Straßniaim, dessen noch Stellvertreter Herrn Friedet spreche» konnte. Auf Drängen HintzcS wurde wenigsteiiS daS Anliegen der Frau Ackermann zu P r o t o k o l l genommen, nämlich erstens einen Toten- schein mit A n g a b e der Todesursache sowie AiiSkrmft darüber zn erhalten, warnni man sie ohne jede Nachricht über das tragische Ende ihres Mannes gelassen habe, zweitens schleunigst die Exhnmiernng der Leiche und deren Ueberführnng nach dem Dankeskirchhofe zn ge- statten. Als Frau Ackermann am 3. Slugnst noch immer vergebens auf eine Nachricht harrte, begab sie sich abermals nach dem Rat- Haus, wo sie diesmal den Vertreter des Stadtratss Dr. Straßmann, Herrn Stadtrat Friedet, sprechen konnte, der ihr die beruhigende Versicherung gab, daß bereits alles znr Exhumierung Erforder- liche angeordnet sei. Als trotzdem die Witwe auch am 7. August noch keinerlei weitere Mitteilungen erhalten hatte, begab sich Genosse Hinye zu Herrn Fricdel. nm den schncckenartigen Verlans der Sache ein wenig beschleimigen zu helfen. Herr Stadtrat Friedel versah Genossen Hintze mit einem Aktenstück, in dem erklärt wurde, daß der Jrrendecernent die E x h n m i e r n n g empfehle nnd gegen eine Seciernng der Leiche nichts eiiiznw enden habe. Genosse Hintze begab sich mit dieser Auskunft zum Amt(» Vorsteher von Friedrichsfelde, der seinerseits die Ausgrabung der Leiche aus den 11. August ansetzte, dagegen eine Seciernng mit der Motivierung verweigerte, daß ja auch die Staats- anwaltschast eine»ochnialige Obduktion abgelehnt habe. Die Leiche wird also endlich am nächsten Montag exhumiert und am nächsten Mittwoch, den 13. August, nachmittags 4 Uhr abermals der Erde Übergeben werden, Eine Obduktion soll also nicht stattfinden I Aber mich die Exhlimierung der Leiche wird dank der wunderbaren Langsamkeit. mit der das Dccernat des Berliner Magistrats die Angelegenheit behaiidclle, erst mehr als 14 Tage später erfolgen, als der Vor- gang durch den„Vorivärts* der Oeffentlichkeit nnd damit doch wohl auch dem Magistrat belannt gegeben worden war. Dieser rühm- liche Eifer dürfte wohl im Stadtverordiietcn-Kolleginnr seinerzeit noch ganz besondere Aiierkennung finden.— Daß aber das Verhalten der Stadtvogtei soivohl wie der Irren« aiistalt Herzberge ein ganz niieiitschuldbare's war, geht ans folgenden, dem Genossen Hintze mitgeteilten amtlichen Aktenstücken hervor, die beweisen, daß man in beiden Anstalten die Personalien Ackermanns ganz g e n a u k a n n t e. Sie lauten: Der Beerdigung des am 16. Juli 1992, nachmittags 8V? Uhr, Hierselbst, Irrenanstalt Herzberge, verstorbenen Brenn- Materialien Händlers Gnstav Ackermann, 34 Jahre alt, stehen polizcilichcrscits Bedenken nicht engcgcn. Lichtenberg, den 13. Juli 1992. Der Amtsvorsteher: Totenbuch 1220. I, A.: Böttcher. Stempel: (Amt Lichtenberg, Kreis Niedcrbarnim.) Kgk. Standesamt. Register Nr. 487/1902. Gültig zum Zwecke der Beerdigiwg. Veschcliiignng über Eintragung eines Sterbesalls. 1. Vor- nnd Zunahme sowie Stand des Verstorbenen: Gustav Ackermann, B r e n i> m a t e r i a l i e n h ä n d l e r. n. Alter: 34 Jahre. III. Sterbcort: Herzberge, in der Irrenanstalt Herzberge. IV. Wohnung: G e r i ch t st r a ß e 6t. V. Sterbetag und Stunde: 16, Juli 1992, nachmittags 8l/2 Uhr. VI. Todesart: Delirium— Herzschwäche. VII. Religion: Unbekannt. Lichtenberg, 17. Juli 1991. Der Standesbeamte: Stellmacher. Kostenfrei Stempel: (wie oben.) Man kannte also ganz genau die Personalieii Ackermanns— trotzdem erfuhr die Witwe erst am 2l>. Jitli bei ihrer Person« l i ch e n Nachfrage in der Anstalt, daß ihr Mann bereits vor vier Tagen verstorben und bereits begraben seil Am 11. slugnst erfolgt die Exhumierung vielleicht hat sich bis dahin die Staatsanwaltschaft doch noch eines Besseren besonnen und die Seciernng angeordnet. Noch ist Zeitt Der Fall Nckermann in der Magistrats- Sitzung. Man meldet, anläßlich des bekannten Falles Ackermann in Herzberge beschloß heute der Magristrat, dem Polizeipräsidium von dem bei dem Ueber- weisimgsschrei'ben vorgefallenen Versehen Mitteilimg mit dem Er- snckien zn machen, daß die P e r s o n a l i e n bei Uebcrweisnng von Patienten an die Kranken- und Irrenanstalten genau, nament, licki soweit es sich um die Angehörigen handelt, ausgefüllt iverden. Äußerten: werden die sämtlichen st ä d t i s ch c n K r a n k e n- und Irrenanstalten aufgefordert iverden, der F e st st e l l u n g der Personalien die allergrößte Aufmerksamkeit zu« zuwenden. Bei Todesfällen sollen die Angehörigen sofort davon benachrichtigt werden, daß, falls sie die Beerdigung nicht selbst innerhalb drei Tagen bewirken, diese von seiten der Stadt Berlin auf den: Gcincindcfriedhof zu Friedrichsfelde erfolgen werde. Bekanntlich waren von der Stadtvogtei der Irrenanstalt Herz- berge die P e r s o n a I i e n z n g I e i ch n: i t A ck e r::: a:: n s e l b st eingeliefert worden. Die Stadtvogtei trifft also nur daS allerdings nicht minder schwere Verschulden, der Frau dcS Jnhaftieriten keinerlei Nachricht gegeben zn haben. Daß der Magistrat an die städtischen Kranken- und Irrenanstalten die Amveisniig ergehen lassen muß. bei T o d e S f ä I l e n die An- gehörigen sofort zu benachrichtigen, enthüllt eine bisherige Praxis, die man nicht für möglich hätte halten sollen! Um SlnSdrhnnng der Tonutagörnhe ans Thcalcr-Untcr- nclimnngc» bemühen sich T h c a t e r a n g e st c l l l e in einer an den Polizeipräsidenten gerichteten Petition. ES heißt darin: Häufig genug sind neben den jetzt allgemein cingcführtei: Nachmittagsvorstellungen noch Proben am Vormittag, so daß als- dann von irgend welcher Heiligung resp. Ruhe Sonntags und Fest- tags nicht die Rede sei» kann! Als nach dem großen Wiener Riiigiheat.'r-Braiid sämtliche Nachmittagsvorstellungen cmS fcuer- polizeiliche» Rücksichten verboten wurden, ging kein Direktor dcS- halb zu Grunde; weshalb also jetzt, in einer Zeit, Ivo in jedem andern Berns die Sonntagsruhe durchgeführt ist, gerade dem Theater die besondere Ansnütznng der Sonntage gestatten?„Man lasse endlich auch den Thcaternngestellten die Segnungen der Sonntags« ruhe zu teil Iverden und beseitige wenigstens die Nachniittnqü- vorstellungerr nnd Proben an Sonn- nnd Festtagen ans Grund öcS Gesetzes über die Somitagsrnhc." Uns erscheint eine derartige Ausdehnung der Sonntagsruhe weder zweckmäßig noch gesetzlich zulässig. Die angestrebte Maßnahme wäre ebenso wenig zn befürworte», wie etwa die Schließnng der Museen und der Konzcr(lokale an Sonntagen. Wohl aber sollte» die Theateraiigestclllcn durch Organisation dahin streben, daß ihne» an Wochentagen schichtweise eine entsprechende Rnhesrist gewährt werde. Ii: andrer Weise suchen die Chorsänger ihre sociale Lage zn bessern. Auf der kürzlich hier in, Restaurant Friedrichshof av- gehaltene» Delcgiertcnversaminlnng des allgemeinen deutschen Ehor- sänger-Verbandes wurden Rcsolntione» angenommen, welche be- zwecken, das gesamte Chorsänger-Angebot in der Engagements- vcrmittliingS-Agentur des Chorsänger-Verbandes zn vereniigen. und Ivrlche die Errichtung von Chorschulci: seitens der Theatcrtircktioneu verurteilen, weil dadurch, wie angeführt wurde, die BerufS-Chor- sänger geschädigt werde». Die wichtigsten der von der Delcgiertenbersmumlung gefaßten Beschlüsse sind folgende: Bei neuen Vertragsadschlüsien soll eine Extrabczahlung für zivei Vorstellungen an einem Tage und bei Spielen in mehreren Theatern an einem Abend, für Statisterie im Schauspiel und deren Proben und bei Mitwirkung im Ballett der- langt werden, ferner gegenseitiges Kiindigungsrecht im ersten Wer- tragSmouat und Gagezahlung in Krankheitsfällen nach den Bc- stimmungen des Bürgerlichen Gesetzbuches. Es wurde ferner eine Verbandskasse gegründet, in die jedes Chormitglied monatlich 25 Pf. zahlt. Aus diesem Fonds soll den Mitglieder» in Streitfällen, welche aus de» kontraktliche» und dienstlichen Verhältnissen entstehen, un- entgeltlicher Rechtsschutz und. wenn nötig, auch Unterstützung gewährt werden. Grundbesitzer- Patriotismus. Der Bund der Berliner Grundbesitzer-Vcreine bat ans Anlag des zur Zeit statt- findenden Hansbesitzer-Tages am Fuße des Kaiser Wilhelm-Denkmals einen mächtigen Kranz niedergelegt, auf dessen schwarzer Atlas- schleife die Worte:.Dein Andenken unsres großen Kaisers" stehen. Wahrscheinlich nehmen die Hansbesitzer an, daß ihr Kranz eine Schmeichelei für den»großen Kaiser" bedeutet. Der Besuch deS Königs von Italien in Berlin spielt in der Presse immer noch eine hervorragende Rolle. Heute liest die im Monarchismus besonders trainierte„Kreuz-Zeitmig" dem Freisinn die Leviten, weil er, so meint das Kamarillcnblatt, infolge LiebäugelnS mit der Socialdemokratie in xnncto Königstrcue nicht mehr ganz stubenrein ist. Fröhlich und»vohlgemui hat sich inzwischen der Ma- gistrat an die monarchische Feuerprobe herangemacht. Er kam in seiner gestrigen Sitzung aber nicht über die Vorarbeiten hinaus und vertagte, obgleich Stadtbaurat Hoffmann schon im Geiste die Aus- schmückung des Brandcuburgep Thores fertig hatte, die Erledigung der Angelegenheit bis zur Rückkehr des Oberbürgermeisters. � Bis dahin wird hoffentlich noch Zeit fein, sich bei der Haupt- Person, nämlich bei dem König von Italien selber, zn erkundigen, wie er sich zu der Frage der Ausschmückung stellt. Kürzlich brachten die Zeitungen einen Artikel zum Ruhme des Königs Victor Emaunel II., worin zu lesen war, daß dieser Monarch zn einfachen Sitten erzogen sei und sich allem pomphasten Blendtverk abhold zeige. Trifft diese Meldung z», so müßte der König sich mit höflichen Worten den geplanten Aufwand verbitten und bei näherer Kenntnis der Dinge den Berliner Magistrat ersuchen, das dafür angesetzte Geld als Grundstock für jene socialpolitischen Maß- nahmen zu verwenden, worin sich die erste Stadt des Deutschen Reiches zu ihrer Beschämung bekanntlich von so manchem kleineren Ort überholen läßt. Bei seiner so oft von ihm beteuerten strammen KönijZstreue würde der Konimunalfrcisinn sich in solchem Falle vielleicht nicht ganz so taub zeigen, als wenn ihm die Wahrheit aus socialdemokratischcm Munde gepredigt wird. Kinderspiele. Als Abschluß der diesjährigen, vom Turnverein „Ficht e" veranstalteten Kinderspiele werde» am Sonntagnachmittag die Spiele in Gestalt eines Kinderfestes veranstaltet werden. Der Turnverein.Fichte" bittet nun alle Eltern und Vormünder, die Kinder zu begleiten, da vorher ein allgemeines Kaffeekochcn statt- finden soll. Treffpunkt für den Nordost-Bezirk: Landsbcrgerplatz am Kriegerdenkmal. Spielplatz: Sportplatz Friedrichshain. Südost- Bezirk: Treffpunkt: Oberfreiarchen-Brücke am Schlesischen Busch. Spielplatz: Turnplatz des Vereins in Treptow. Nord-Bezirk: Treffpunkt: Bahnhof Bcusselstraße. Spielplatz: Jungfernhcide. Abniarsch für alle Bezirke Punkt 2Vr Uhr nachmittags. Eine begreifliche Erregung herrscht bei den städtischen Arbeitern über die von uns gekennzeichnete ganz engherzige Verfügung der G a s w e r k c- D e p u t a t i o n. Sämtliche 24 Berliner Filial- vorstände beschlossen einstimmig, am kommenden Mittwoch gegen diese willkürliche und jeder Gerechtigkeit hohnsprechende Maßnahme zu protestieren. Hoffentlich wartet die Deputation die moralische Vernrteilnng nicht erst ab, sondern zieht so rasch als möglich diese» Wcchsclbakg freisinniger Arbcitcrfrenndlichkeit zurück. DeS Drfrandantc» Ende. Im Hotel erschossen hat sich gestern abend der 31 Jahre alte Kaufmann Felix Göbel aus der Kaiser Wilhelmstraße 27. Er war seit einem Jahr bei der Geiioffenschasls- bank als Kassierer angestellt und hat das ihm geschenkte Vertrauen in der Weise gemißbrancht, daß er 25 000 M. unterschlug. Ms er die Sache nicht verdecken konnte, verschwand er am Mittwoch ans seiner Wohnung, um gestern in einem Hotel in der Charlottenstraße seinem Leben durch Erschießen ei» Ende zir machen.— Im Anschluß hieran ivcrden noch folgende Einzelheiten berichtet: Als Göbel, ber unverheiratet ist und bei einer KarifmannSfaniilie ivohnte, von hier verschwand. hatte er den Koffer gepackt und der Wirtin vorgeredet, daß er Urlaub erhalten habe und nach Düsseldorf reisen werde. Anstatt nach dem Bahnhof begab er sich nach dem Gasthof, Ivo er als ein Fremder ans Magdeburg einkehrte, lieber die Unterschlagnngen teilte er dem Direktor der Gcnoffenschaftsbank des Stralancr Stadtviertels Berlin in der Kaiser Wilhelmstraße 10—11 mit, daß sie seit dem Monat Februar vorigen Jahres stattgefunden haben. Er habe gehofft, durch eine von einem Onkel zn erwartende Erbschaft das fehlende Geld decken zu können, diese Hoffnung sei aber fehlgeschlagen. Ein zweiter Brief, den Göbel hinterließ, ist an eine seiner Bräute— Emma B. — gerichtet. Er enthält die Mitteilung, daß Göbel sich das Leben nehmen müsse, weil er infolge seiner Ausgaben für die Bräute einen zu tiefen Griff in die. Geschäftskasse gethan habe. Im übrigen wünscht er dem Mädchen, das krank ist, baldige und ganze Genesung. Die Unterschlagungen hatte Göbel durch falsche Eintragungen zu verdecken verstanden, so daß sie nicht bemerkt wurden. Erst als der ungetreue Kassierer nicht nichr ins Geschäft kam, schöpfte man Ver- dacht und stellte einen Fehlbetrag fest. Zur Warnung für Ministertöchter. In einer Aschinger- Bierqnclle bestahken wurde, wie die„Deutsche Tageszeitung" meldet, gestern die hier bei Bekannte zum Besuch weilende Tochter eines dänischen Ministers. Das junge Mädchen hing ihren Mantel, in dessen äußere Tasche sich das Portemonnaie mit etwa 400 Mark und zwei Rückfahrkarten nach Kopenhagen befanden, in unmittelbarer Nähe des Platzes von zwei Männern auf, die bald darauf sich haftig entfernten. Als später die Dame bezahlen wollte, ivar das Portemonnaie. das sie beim Anhängen des MantclS noch fühlte, verschwunden. Höchst wahrscheinlich haben es die beiden entwendet. Die Dame unterhielt sich mit ihrer Begleiterin dänisch; cS fiel also den Gaunern leicht, sie als Fremde zn erkennen und zu rupfen. Zum Glück kann die Lestohlcne den Verlust verschmerze». So geht es aber, wenn man zum Volk hcrnicdersteigt. Einer preußischen Ministcrtochtcr darf es nicht passieren, daß sie sich bei Aschingcr bcstehie» läßt, sie muß sich für solche Zwecke schon an ein Hotel ersten Ranges kalten. Den» wenn es herauskäme, daß die Dame in des Volkes Menge ins Gedränge gekommen wäre, so gäbe es eine» neuen Fall Löhning.' der Pavo müßte sein Amt quittieren, eine M i n i st e r k r i s e erschütterte den Staat und das unglückliche Mädchen vertrauerte den Resi ihrer Tage in dem entehrenden Bewußtsein, das ganze Perrnckeinnacheram: mit Schimpf und Schande bedeckt zu haben. Und das einzig um eines Zehn- pfennig-Brvlchens willen. Ein Baunufall. bei welchem ein Arbeiter schwer zu Schaden kam. trug sich am Donnerstagvormittag gegen 11 Uhr ans dem Neu- bau Joachim Friedrichstr. 47/48 in H a l e n s e e zu. Ben der Ver- bandsleitung der Maurer wird uns hierüber berichtet: Ter Vau wird von der Firma Mittag ausgeführt: der zum Mauern benutzte Mörtel wird durch einen Fahrstuhl befördert und oben von Arbeitern der Firma Rietsch u. Co., Kopenhagenerstraße, vermittelst eiserner Kästen, welche durch Riemen am Körper des Arbeiters befestigt werden, nach den Arbeitsstellen der Maurer getragen. Der Arbeiter Adam aus der Seestraße trug mit' seinen Kollegen den Mörtel auf eine sogenannte Kipprüstung. Als Adam mit seiner Last die zur Rüstung führende Treppe besteigen wollte, zog ihn, wahrscheinlich als er' stolperte, die Last nach hinten. A. fiel rück- wärts von der Rüstung durch ei» Fenster in den Lichlschacht und von hieraus auf die Abdeckung in der Balkcnhöhe der letzten Etage hinab. Dies Unglück konnte nur bei der Anwendung des eisernen Kastens, welcher an Riemen getragen wird, passieren; der Kasten niachte es dem Verunglückten unmöglich, sich rechtzeitig von seiner Last zu befreien. Adam schlug mit dem Kopf zuerst auf und trug schwere Verletzungen davon. Er wurde sofort in einer Droschke nach der Unfallstation gebracht, wo schwere Berstanchungen der Gliedmaßen konstatiert wurden. Nach Ansicht der beteiligten Arbeiter ist das Un- glück weniger der niangelhaften Rüflung als vielmehr der Hetzjagd bei der Arbeit zuzuschreiben; die Arbeiten werden von den beteiligten Arbeitern im A c c o r d ausgeführt. Abgesehen davon, daß dielAccord- arbeit an sich schon ein Hasten und Jagen bewirkt, wird die Treiberei bei der Firnra Rietsch u. Co. noch verschärft durch einen Vorarbeiter, welcher für sein Handwerk, die Leute zn verschärfter Thätigkeit anzustacheln, pro Tausend transportierter Steine 5 Pf. extra erhält. Die Arbeiter dieser Firma stehen alle der Organisation fern und«S muß leider konstatiert werden, daß schon aus unzähligen Bauten, wo organisierte Bauarbeiter zum Zwecke der Aufbesserung der Lohn- und Arbeitsbedingungen die Arbeit niederlegten, es die Arbeiter dieser Firnia waren, die ihren streikenden Arvcitsbrüdern die Forderung illusorisch»rächten, indem sie die Plätze besetzten. Wann endlich werden auch die Arbeiter dieser Branche einsehen, daß durch die O r g a n i s a t i o n Leben und Gesundheit der Arbeiter gesichert und diese entwürdigenden Zustünde beseitigt werden? Ein weiterer Unfall ereignete sich am Donnerstag- nachmittag auf dem von der Firma Goctsch ausgeführte» Ausbau Lindensträße 69. Der Maurer Ferdinand S e e g e r bestieg»nt einigen Mauersteinen eine Leiter zn einem höheren Bockgerüst. Sce'gcr verlor infolge eines Fehltritts das Gleichgewicht, stürzte ab und zog sich eine schwere Kopfwunde zu. Er wurde auf der Unfall- station verbunden und»Uttels Droschke nach Hanse gefahren. Ob erweitere innere Verletzungen erlitten hat, ist noch nicht festgestellt worden. Zur Verrohung der Jugend. Ein großer Exzeß, bei dem die Schutzleute blank ziehen mußte», spielte sich gestern nachts in der Friedrichstraße ab. Der 20 Jahre alte Student Karl S ch w a h n belästigte unausgesetzt die Vorübergehenden und rannte an der Weidendammer Brücke mutwillig den Maler Konrad Hagen an, ohne sich zu entschuldigeu. Als er sein Treiben fortsetzte, geriet er vordem Hanse Friedrichstraße III mit mehreren Männern in Streit und schoß, als Hagen ihm den Stock, mit dem er um sich schlug, fortnehmen wollte,' einen Revolver ab, dessen Geschoß dem Hagen in die Brust drang. Während dieser schleunigst die Universitäts- klinik aufsuchte, flüchtete Schwnhn in eine im Hanse befindliche Schankwirtschaft. Die Schutzmänner nmßtcn ihn nrit Gewalt aus deni Lokal herausholen, da er ans Furcht vor der drohenden Menge sich sträubte, den Beamten zu folgen. Als die Bennnc» mit dein Studenten die Straße betraten, schlugen die Draußcnstehenden auf ihn ein, so daß die Schutzleute, die ebenfalls Schläge erhielten, die Angreifer mit der blanken Waffe abwehren mußte», worauf Schwahn nach der Wache des 6. Polizeireviers gebracht und später dcr Kryniiialpolizei zugeführt wurde. Ei» Licbcödraiua bat sich gestern morgen um 5 Uhr in der Bödikerstr. 6 abgespielt. Der am 9. April 1870 geborene Schaffner bei der Sprec-Tnnnclbahn P a n l S ch in i d t lernte die 1883 ge- borene, unverehelichte Amanda Lüdersdorf vor Jahresfrist kennen. Die beiden verlobten sich, mieteten eine Wohnung, richteten sich ein und wollten am 17. v. M. heiraten. Plötzlich änderte aber Schmidt seine Absicht und erschien nicht zur Trauung, sondern suchte Verivandte in Fürstcnwalde auf. Seine Braut blieb in der Woh- iiung. Dorthin kehrte auch Schmidt späier zurück.- kümmerte sich aber nicht nrehr um das Mädchen, das sich durch Nähen ernährte. Gestern morgen hörten Hansbelvohner nun mehrere Schüsse in der Schmidtschen' Wohnnng. Bald darauf ging Schmidt fort, knn» aber schon nach kurzer Zeit zurück. Er ivar beim Antreten seines Dienstes vom Controlcnr zurückgewiesen worden, ivcil er blutbesudelt war. Dxr Controlcnr folgte ihm auch nach der Wohnnng, erhielt aber hier erst Einlaß, als er mit dem Hans- Verwalter solche» dringend forderte. Die beiden Männer sahen nun ini Zininrer und in der Küche Blutlachen und fanden daS Mädchen röchelnd in der Küche vor. Ein Arzt stellte fest, daß die Lüdersdorf einen Schuß in den Kopf und einen in den Unterleib erhallen hatte. Dem Schmidt selbst ivar eine Kugel vom rechten Ohr in den Kopf gedtungen. Er behauptet, daß leine Braut erst ans ihn und dann auf sich geschossen habe. Das Mädchen dagegen sagte in eiiicnr lichten Augenblicke aus. es sei in der Küche beim Zerkleinern von Holz beschäftigt gelvescn. Da habe Schmidt plötzlich zweimal ans sie und dann auf sich selbst geschossen und sei hierauf fortgelaufen. Die beiden schwer Verletzten wurden im Lnckschen Wagen als Polizei- gefangene nach der Charits gebracht. Im Fahrstuhlschacht des Hauses Wcidenweg 35 lvurde gestern früh die seit Miltlvoch vermißte 71jährige Witive RöSlingcr auf- gefunden. Zum Glück hatte der Fahrsluhlsührer die alle Frau in dcnr Schacht entdeckt, bevor er den Fahrstuhl in Bewegung setzte, da sonst der Tod der Greisin die unausbleibliche Folge gewesen lväre. Die alterSschlvache Frau hatte sich am Mittlvoch aus ihrer Wohnnng entfernt und muß bis zur Dunkelheit in den Straßen uiuhcrgeirrrt sein. Wie sie in den Fahlstuhlschacht, in dem sie die ganze Nacht zugebracht haben»inß. gelangt ist, konnte nicht festgestellt werden. Ihr Schwiegersohn hatte bereits bei allen Polizeirevieren, Kranken- Häusern und Unsallstatioiien Nachforschungen angestellt, und so konnte die Persönlichkeit der Vermißten festgestellt werde», als mau sie nach ihrer Auffindung nach der Unfallstation in der Warschauer- straßc brachte. Von hier wurde sie»ach dem Krankenhause am Friedrichshain gebracht. Einer Gefälligkeit zum Opfer gefallen ist der 38 Jahre alte Hausdiener Karl Bernau ans der Bergstr. 55 zn Nixdorf. Er ivar auf dem Gnindstück Riitersir. 11 in einem Eisenkdarenlager beschäftigt. Während es stark regnete, bemerkte er, daß auf dein Glasdach eines Schuppens, der gar nicht zn seinem Geschäft gehört, keine Decke lag, so daß der Regen aus Maschinen fiel. Er kletterte vis an das Dach, um eine Dccke'übcr. das Dach zu werfen, und ist vermutlich infolge Abgleitens herunlergcstürzt. Man fand ihn auf dem Fußboden bc- wußtloS und mit einer schweren Kopfwunde. Im Krankenhaus am Urban, wohin er gebracht wurde, starb er an Schädelbruch. Hoffenilich gelingt es den Hinterbliebene», sich von der Berufs- genoffenschaft eine Unfallrente zu erkämpfen. Arbeiter-Bildungöschnlc Berlin. Sonntag, den 10. Äugnst, Dampferfahrt n>it Musik nach Ziegcnhals am Crossiii-Sce sRestaurant. SportShaus", Inhaber Max Mörschel). Für fortgesetzte Ablvechsllmg ans dein Dampfer wie ans dem Lande is! bestens gesorgt. Keine Mühe ist geichent, um diese Partie zn einer recht interessanten zu machen. Billets a 1,25 M. sKinder frei) sind bis Sonnabendabend in beschränkter Zahl im Cigarrcngeschäft von Heisch, Engelnfer 15, bei Elsncr. Schornsieinfegergasie 1. Königs. Hasen- beide 50. iind abends im Restaurant deS Geivcrkschaflshanses, event. Soiuirag früh ani Dampfer zu haben. Die Abfahrt finde! früh 7»,-4 Uhr von der Jannowitzbrücke lSchultheiß-Nestanrant) ans statt. Wer mitkommen will, beeile sich. Billets zn holen. Aus den Nachbarorten. Lichtenberg-FricdrichSbcrg. Am Sonnlag früh verbreiten die Geuossc» eine Einladnng au die Sf o in in u n a I w ä h l e r des zweiten Koninnmal-WahlbezivkS. An die Parteigenossen ergebt das dringende Ersiichcn, sich an dieser Wahlarbeit zn beteiligen. Trcsi- Punkt 7Vr— 8 Uhr bei Franke, Wilhelniftr. 83; Häusler, Pfarrstr. 43, und Zimmerina»», Nnnnnclsbnrgerstr. 47. Das Wablbnrean be- siiidet sich an» Dienstag, den 12. August, als dem Wahltage, bei Schmidt, Frankfurter Chaussee 83; Genossen, die sich zur Vcrsügnng stellen können, werden ersucht, sich dort um 10 Uhr früh einzufinden. Das Wahlkoinitec. Lichtcuberg.' Ein Eldorado für die Steinsetzmeister verspricht Lichtenberg zu iverden. Die Ceiiientbau-Aktieiigesellschaft sucht für den Rest ihrer Terrains am Bahnhof Lichtenberg-Friedrichsfelde, der demnSchst Endstation der Stadtbahn ivird, die Pflasterkom'ense nach. Die Lichtenberger Terrain-Aklicilgesellschaft am Ende der Frankfurter Chanssee. von' der die Berliner Lokalpoeten fange», daß ihre Aktien mir als Drachenpapiere steigen würden, �schließt nicht iveniger als sieben Straßcnzüge durch Pflasterungen auf. Daneben hat die Gemeinde soeben vier große Straßenzüge zur Neupflasterung vergeben, die noch in diesem Herbst fertiggestellt werden müssen. In eigner Regie zu pflastern, lehnt die Genreinds noch ab. Eine' öffentliche Submission zeigte folgende Erscheinung: Die Zuschlagsforderung betrug für die Eldenaerstraße 93 937 M., die Höchstforderung 126 000 M. Eine höhere Forderung(131 000 M.) stellte sich bei der'Nachkalkulation in Höhe von 30 000 M. heraus, diese Snnnne ivar bei der Addiernng verrechnet ivorde». Ein Beweis recht geiviffcnhafter Geschäftspraxis. Die Pfarrstraße ivnrde mit 83 340 M. vergeben, lvährend die Höchstforderung mit 106 780 M. abschloß. Die Gürtelstraße erfordert nach dem Zuschlag 57 634 M., lvährend die Höchstfordernng 79 152 M. betrug. Die Oderstraße lvurde vergeben mit 21 099 M., die Höchstfordernng betrug hier 27 591 M.' Diese öffentliche Ausschreibuug, an der sich an 30 Firmen be- teiligten. Ivird hoffentlich auch der Gemeinde Lichtenberg dei» Anstoß geben, Nim endlich die Gemeindearbeiten durch die Gemeinde ans- sühren zu lassen. Spandan. Der Parteigenosse Wehe, welcher bekanntlich ivegen einer unbesonnenen Handlung in Untersuchmigshaft genommen worden ist, hat sei» Mandat als Stadtverordneter niedergelegt mid dies beiden städtischen Körperschaften schriftlich angezeigt. Gegen de» flüchtig gewordenen Konkursverwalter Hegert ans Spandau ist, ivie»och erinnerlich sein dürfte, auch der Verdacht laut geivorden, daß er die Mutter seiner Frair durch Gift«ms den» Wege geräumt habe, um sich in den Besitz ihres Vermögens zu setzen. Die Leiche seiner Schiviegermutter wurde auf dem jüdische» Friedhofe in Weißensee zu Obdüktionszlvecken exhumiert. Bei der Leichcnöfflnlng konnte die Todesursache indes nicht mit unbedingter Gelvißheit festgestellt werden. Um die Todesart vollkommen auf- zuklären, sind einzelne ilinere Teile der Leiche zur chemischen Unter- suchuiig überwiesen worden. Das Ergebnis der letzteren steht- uoch aus. Friedrichöfelde. In der Klagesache wegen UngültigkeitS-Erkiä- rung der Gcnieiiidevertrcter- Wahlen sind»nsre Parteigenossen aus formellen Gründen vom Kreis- Ausschuß in der Verhandlung am Miltlvoch abgewiesen worden. Nachdem Erklärungen und Gegen- crkläruiigen m dieser Sache zwischen den Parteien seit Monaten ergangen waren, beantragte der Landrat v. Tresckow, die Klage ab- zuweise», iveil neben dem Geineinde- Vorsteher nicht auch die Ge- »leindc-Vertretimg beklagt ivar.— Weitere Schritte unsrerseits hänge» von einem juristischen Gutachten ab. Gevittzks Mit der berüchtigten„Allgemeinen BolkS-Krankenkaffe, eingetragene Hilfskasse in Liquidation", welche seit beinahe drei Jahren'die Gerichte beschäftigt, hatte sich gestern wieder einmal das Schöffengericht zu befassen. Diese Kasse, welche gegen 20 000 Mit- glieder zählte, geriet bekanntlich in finanzielle Schwierigkeiten, ans welchem Grunde im Sommer des Jahres 1899 die Gcncralversammlnng den Beschluß faßte, die Kasse anfzulösen, eine Liqnidationskominission zn ivählen und den bisherigen Vorsitzenden der Kasse, den Fleisch- beschmier Gustav Schiele, zum Liquidator zu bestellen. Diese Liquidationskoimnission beauftragte den Rechtsanivalt Wolfenstein »lir der Einziehung der Autzeilstäiide, und der Rechtsanivalt führte auch verschiedene tausend Mark an Schiele ab. Schiele verwendete die eingegangenen Gelder zur Decklmg von Gchaltsforderungen. Mobiliärmiete. rückständige» Zinsen und zur Zahlung einer Proviston. Diese Deckung bildete die Grundlage der gestrigen Anklage gegen Schiele, die wegen Vergeben gegen die 31, Abs. 2, nnd 34 des Gesetzes vom 7. April 1876 und 1. Juli 1884 erhoben worden war, weil die eingegangenen Gelder in erster Linie für die Forderungen von Mitgliedern auf Krankcililiitcrstütznngen, die ihnen statutenmäßig zustanden, hätten verivendet werden müssen. Bei Beurteilung der Schuld- frage ivar nun der Umstand von maßgebendem Cinfluffc, daß im Jannar 1800 der Beschluß der Geiieralversaminluiig, die Auflösung der Kasse betreffend, vom Landgericht als unz»lässig erklärt nnd dem« zufolge aufgcbobcn worden ivar. Schiele trat nmimehr von seinem Posten zurück, an seine Stelle trat ein Andrer, der die Geschäfte der Kaste so lange führte, vis sie durch Urteil deS BezirksansschufseS von? 26. Juni 1900 geschlossen ivnrde. Die Rechtsfrage war nnn die, ob Schiele als damaliger zu Unrecht siingierenden Liquidator für seine stalutcnividrigcn Handlniigen bezüglich der Vcrivendnng der Äassengelder strafrechtlich verfolgt iverden könne. Der Gerichtshof verneinte diese Frage und sprach demzufolge den Angeklagten frei. Nunmehr schwebt noch ein Civilprozeß Schieles gegen die „Allgemeine Volks- Krankenkasse", welche erst jetzt»ach Erledigung� des gegen ihn geführten Strafprozesses seinen Fortgang nehmen kann. VermipjzteS. Erfolge der Funkcutelegraphie. In der letzten Woche haben in Sund höchst inlerefsante Versuche seitens der däuischen Marine mit der Funlentelcgraphie, System Braun, Sieuiens u. Halske statt- gefunden. Die tclegraphischc Verständigung erfolgte zivischen den beiden Panzerschiffen„Helgoland" nnd„Hcrlns Trolle" ans eine Entfcriiilng bis zu 120 Kilonieter mit vollkonnncner Sicherheit. Das dänische Marincamt hatte nur ei» sicheres Signalisieren auf eine Strecke bis zn 70 Kilometer verlangt. Es handelte sich bei de» Versuchen nicht nur iim Uebertragimg von znsainmenhänaclideii Wörtern oder Sätze», sondern»m die Verständigung mittels ein- zelncr bei der Marine eingeführten Signalbuchstabcn nnd Chiffern, die ein tadelloses Fnnkliomercn der Apparate verlangt. Die be- hördlichen Organe haben sich über das Resultat der schwierigsten Experimente sehr anerkennend ausgesprochen. Jnristcndcntsch. Professor Dr. Otto Fischer zu BreSla» läßt sich hierzu in der„D. Jur.-Ztg." folgeiiderinaße» anS:„Schon seit einiger Zeit empfinde ich es mit Bedauern, daß das meiner Anfsaffnng sprnchlvldrig gebildete Wort„diesbezüglich" in die Schriftsprache der Behörde» nbcrnouimcn ist. In einer mir soeben zugehenden Reichsgerichts- Entscheidung finde ich aber die Ncnbildnng eines Wortes, die mir»och iveniger sprach- gemäß zu sein scheint. In einem Urteil des Reichs- Gerichts vom 25. Juni d. I. heißt cS:„Die Revision ist durch dies- gerichtliches VeriäumniSnrtcil znrückgciviesc»." Bei dem großen Einfluß, den die Sprache des Rcichc-gerichtö auf die Sprache der übrigen Gerichte und die Juristennzell überhaupt ausübt, wäre es ivohl zn enipfehle», mit der Neubildung solcher Wörter sehr vor- sichtig zn sein." Arbeiter-Risiko. AnST rieft wird berichtet: Beim Sprenge» einer Mine in einem Steinbruch dei Sistiana fanden infolge AuSströmciiS von Gas sieben Personen durch Ersticken ihren Tod; vier Personen wurden gerettet. Die Cholera. Die„Rowoje Wremja" meldet ans Wladiwostock: In allen Slädlen an der oslchinesisckicn Bah» von-Jnkan bis Zizikar und Chailar kommen noch zablrciche Choleräfälle por. In Wladiwostock hat sich bisher die Cholera nicht gezeigt. In dein östlichen Teil des Küstengebietes»»d den Dörfern an der Ussnribahn trägt die Ehclcra keinen epidemischen Charakter.__ Brieskaflrn der Redaktion. Di« tinlstischc Spi-echlinndc findet täglich mit ZlnSilahinr de» Sonnabends von 7»/, bi»»>/, Illie abends iiatt. Portier lO. Das Amtsgericht ist zusländig.— Rnmmelsburg. Berlin, Friedrich Karl-User 5.— K. BS. 65. Stein; ausköunnllche Ali- nienie sind zu zahle», also etwa 18 biS. LS M monatlich.— P. L. Gollnow. Das Ober- Bertvaltungsgericht hat entschieden, eine solche Pflicht bestehe. S. 34. Sic haben das Recht, Einsicht in das Testament zu nehmen und Mschrist zu begehren.— H. B. Rixdorf. Bis am Fünfzehuten ist bei monatsweise gemieteten Wohnungen zum Ersten zu kündigen.— Tchorchs. Nein. Sollte dennoch gepfändet werden, so kann Ihre Frau mit Aussicht auf Erfolg Nagen.— F. Z. I. Wenn Ihr Anlagekapital üOOO oder Ihr Iahresoerdienst 1500 M. übersteigt, ja. 2. Sie sind im Irrtum. 3. Ja. Selbstmordversuch. 1. Selbstmord wurde durch die kirchlichen Bc- sirebuiigen seit etwa dem 17. Jahrhundert mit entehrendem Begräbnis, Exekittion gegen den Leichnam, Einziehung eines Erbschaftsteils in einigen Ländern bestraft. Seit dem bayrischen Strafgesetzbuch von 1813 kennt ein deutsches Strasgesehbuch Strasen gegen SelbsNnörder nicht mehr. Anstiftung und Beihilfe zum Selbstmord sowie Selbstmordversuch wurde bis zur Ein- sühmng des ReichS-StrafgesetzbuchS in einigen Länder», z. B. in Braun- schweig, Thüringen, Baden, Sachsen, mit Strafe bedroht. DaS Strafgesetz- buch des Deutschen Reiches kennt derlei Strasthaten nicht mehr. Dadurch ist aber die Frage nicht entschieden, ob nicht unter Umständen in einer An- stiftung zum Selbstmord Mord oder ein andres Delikt(z. B. Erpresiung) liegen kann. Diese Frage ist zu bejahen. 2. Der Arbeiter-Notizkalender ist soeben erschiene». Boraussichtlich werden Ihre Wünsche berücksichtigt sein. Wetter-Prognose für Sonnabend, de» it. Angnst IftVS. Etwas kühler, zeitweise heiter, aber sehr veränderlich mit Gewitter- regen und mäßigen westlichen Winden. Berliner Wetterb»reau. Stationen Swinemde. Hamburg Berlin Franks./M. München Wien -- 2 Z« 758 W 758 SO 750 WSW 760 jSW 763 W 762 Still Witter 3 wolkig INebel Iwolkig 4heiter 2hlb.bed -hlb.bed sTi --■* ill Stationen 16 sHavarandäs 756N 14 Petersburg—!— 17 Cork 760 NNO 19 Aberdeen 20 Paris 761SSW 21! Witter «öS -- j, u Zeö w?, 2.wolrig l�bcdeckt 2 hlb.bed 13 13 Ts Für den Inhalt der Inserate überniniuit die Slcdaktio» dem Publik»», gegenüber keinerlei Bernnttvortnng. t£Ijenfev. Sonnabend, den 9. August. WnieS Opern> Tlieatrr tZtroll). Die Puppe. Anfang VI, 116t. Im Liederspielhaus: Offenbach- Cyclus. Dorothea.— Die vcr- wandelteKatze.— Der Regiments- zauberer. Anfang 8 Uhr. Deutsches. Es lebe das Leben. Anfang V/, Uhr. Lessing. Dame Kobold. Anfang vj, Uhr. Berliner. Alt-Heidelberg. Anfang ?>/.. Uhr. Westen. Das Nachtlager in Granda. Ansang?>/, Uhr. Melropol.(Morwitz-Oper.) Emani. Anfang 8 Uhr. Neues. Lcdige Leute. Anfang 8 Uhr. Carl Weist. Gefallene Mädchen. Hieraus: Werkzeug der Vorsehung. Anfang 8 Uhr. Ariedrich-Wllhel», städtisches. Spccialitöten- Vorstellung. Ans. 7»/, Uhr. Secession. Silbeisteins Flitter- Wochen. Anfang 8 Uhr. Wolzogcns BnntcS Theater. (Ueberbrettl.) Anfang 8 Uhr. Slpollo. Lysistrata. Specialitälen- Vorftelluug. Ansang 8 Uhr. vlelchshallcn. Steltiner Sänger. Ansang 8 Uhr. Passage- Thealer. Specialiläten- BorsteNnng. Ansang nachmittags b Uhr. Passage< Panoplikn»,. Special!- »äliu-VvisleUnug. Urania. Taubenstr. 48/4».(Im Theatersaal.) AbeudS 8 Uhr: Die deutsche Ostseelüste. Jnvalidenstrasie S7/VÄ. Täglich: Sternwarte._ Metröpol-Iiißater Mortii te-Opcr. Abends 8 Uhr; Fidel io. Sonntagnachmittag 3 Uhr bei halben Preisen, letzte Nach- jnittags-Vorstellung: Undinc. Abends 8Uhr; Francesclilna Prevostl. I>cp l'roabndoiip. Montag: J>Ie verknnfte gjAy Letzte Opern- Woche. Apollo- Thealer und Konzert-Carten. Um 8 Uhr: Die neuen Kpeclali täten. Um 9 Uhr:" I�yisistrata Ltn. Leonidas.. Robert Steldl. Konzert 7 Uhr. Anfang der Vorstellung 8 Uhr. fjarl Weiss-Theater. tttroste Frantsuetersir. 132. Abends 8 Uhr: Gefatleue Mädchen. Berliner Sittenbild in 4 Akt. v. Schäfer. Hieraus:„»le". Nacktseene in 1 Akt von Schätzler-Perasini. Sonntagnnchmittng 3 Uhr: Die Viper. Abends:GesallcueMädche» und„Slie". Im Garten: Sommernachtssest. Specialitälen. Aufaug b Uhr. FröbeEs Allerlei Theater fr Puhlmann, Schönhauser Allee 148. Gr. Elite Abend. Kommen! Sehen! Hören! Staune»! Karl Braun 4> Otto Waldemar Lou et Georges<1 Les Fougeres& Chtlelon IlG neue erstkl. Nummern iPassage-Panopticum. Mlole» Pariser Marionetten-Theater, I Arabischer Fakleru.Fenermensch. Mml Bliulirbeiter Berlins n. Hing.! Alliium! Verband der Bau-, Erd- u. gewerbl. Hilfsarbeiter Deutschlands. Sonntag, den 10. August 4 SOS, vormittags 40 Uhr Zwei große kombinierte Mltglieder-Versnmmlnngen. 1. Versammlung aller in Accord beschäftigten Kollegen(Steinträger) in Cohn« FcNtsälcn. Benthstr. IO. Tages-Ordiiung: 1. Der neue Lohntarif und wird derselbe innegehalien- 2. Diskussion. 3. Berbaiidsangelcgenheitcn. 2. Versammlung aller in Lohn beschäftigten Kollegen in Bnggenhngenn Ftablisscment am Horitcplatz. Tages-Ordnung: 1. Unfte Lohnbewegung und wie sind die durch sie errungen« Lohnausbesierungen zu behaupten? 2. DiS- kussion. 3. Verbandsangelegcnheiten.. 43/7 Jeder agitiere für guten Besuch dieser Bgrsaniinlungen. Der wichtigen Tagesordnung halber ist daS Er- scheinen sämtlicher Kollegen erforderlich. Verbandspapiere legittmieren. IMe VcrbnndKleitnng. I. A.: H. Hcidemann. Täglich nachmittags ab ö Uhr: liitär-Doppel-Konzeit ggf." Entrcc 1 M.."WS von O Uhr nachmittag ab 54> Pf., Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Vrattr-Atoter jlastanic»- Allee 7— S. Täglich: Johänniszanber. Overetten-Biirleske i» 4 Bildern von W. Gericke. Musik von Schmidt. Hedwig Döring, Koftüm-Sonbrette.— Eugen Mllardo, Taiizhumorist.— Cirkus Loyal.— Leodlskas Kakadus, komische Recklnrner.— The Elradot. Mdm. Georgette, Feuer- u. Flammeu- tanz.— Lebende Photographien. (Neue Serie.)— Konzert. Ansang 4 Uhr Eintritt 30 Ps., unmerierter Platz 50 Pf. Kalbo. Sommertheater BVRarienbad Badstr. 35/36, Gesundbrunnen. Neu! Täglich: Neu! Groszstadtleben. Gr. Andstaltunasposse in 2 Bildern von Reichard. Musik von Schmidt. la Specinlitäten. Elltre« 20, 30 und 50 Pf. Sonntags: ESillle Empfehle meine Räumlichleilen den verehrten Vereinen»nd Gewerkschaften bestens, billigste �Bedingungen. Blebard tVagner� Uax KHems Sommer- Thealer. llaBenbcldc 18—15. Ar tistischer Leiter: Gust. Boch, Täglich: Gr. Konzert, Theater- u. Siiecialitälen-Vorstellung Jeden 1. und 15. d. Monats: Wechselndes Programm! Donnerstag: l iite-Tag. Bernhard Rose-Theater Gesundbrunnen, Badstr. S8. DaS grobe Weltstadt-Programm Um 8 Uhr: Lerliilivie'sbantli.kl'lillii. Gr. Posse mit Gesang in 2 Bilder» von L. Ely. Musik v. R. Thiele. Ansang 4 Uhr. Entree 30 Pf. Borzugskatten haben Gültigknt. Kaffeeküche.— Ball. Dienstag, de» 12. August: Benefiz für Karl Lohrmann und Waldi JasinSkn:..Der Bettel- student von Berlin"._ MslimMMdeiter-BerblO. Somitag, den 40. August, vormittags 40 Uhr, bei Schössler. Stromstraftc 28: Bezirks Ukrsommlmlg für MooM. Tages-Ordirung: 1. Varttag des Kollegen Koblenzer über die Entwickelung Berlins. 2. Dislussio». 3. Verbandsangelegenheiten und Verschiedenes. 87/6 Zu dieser Versammlung ist der Kollege Wasserzier extra eingeladen. Deutsch. IVIetallarbeiter-Verband VciMvaltnngsstolle Berlin. Burean: Engel-Nfer 15, Ziinmer 1-5, Telephon Amt 7 Rr. 353. Sonntag, den 40. Angnst 4902, vormittags 40 Uhr: Allgemeine Nerlammlnng litt kaö-, Wiisscr-, Heijuugs-Röhflegtr unh Ethilst» im Öewerkischartiihanite, Engel-Ufer 15, Saal IV. TageS-Ordnung: 1. Bortrag dcS Genossen W a r n st über:„Das Unfallversichcrunzs- Gesetz." 2. Diskussion. 3. Verbaudsangelegenheile». Montag, den 44. Angnst 4902, abendö 7'/» Uhr: Uersammlnug aller in her Metalli'lhraübeilhraiiche btschästigtell Persoiltil im Lokale von(Jeanmann, Nanuynstraße 27. Tages-Ordnnng: 1. Bericht der Agitationslommiision über die aiifgcnommcne Statistik. 2. Thätigkeit der AgitationSkommiii-.vn. 3. Ergänzungswahlcu. 4. Werk- statt- und Verbandsangelegenheiten. 118/17 Montag, den 44. Angnst 4902, abcndS 8V2 Uhr: Bezirks-Versammlung für Rummelshurg bei R-indaer, TürrschmidtstraHe 37. Zahlreiche» Besuch erwartet_ Die Ortsvcrw'altnng. Velbakh her Wchaliem. Montag, den 14. Angnst, abends 8>/z Uhr, Hnssitenstraste Nr. 40 VovllälmmUmg. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Kiesel auö dem Gcdidit:„Der Mann mit der Hacke.- 2. Diskussion. 3. VcrbaudSangelcgenhcitc». 4. Verschiedenes. Die Kollegen werden ersucht, ihre Frauen mitzubringen. 146/17 Bcr Vorstand. Ostbahn-Park. Am KUetrtnerplatz, RUderidorferstr.TI. Hermann Imbs. Täglich: Gr. Konzert, Theater- nnd Spetialitnten- Borstellnng. chshsllv n. >7 Täglich: SÜeüiiier&inxcr. Anfang: Wochentags 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. Tageskasse 11— 1>/,Uhr 'SI6S s Treptow. Köpnicker Landslr. 27, empftehlt sei» Lokal nebst kleinem Saal, 250—300 Personen sasiend, sowie grossem schattige»«tarten zu jeder Art von Icstlichkciten. Einige Sonnabende für Sommer- seste 2C. sind noch zu oergebeil. Glas Bier VioLiicr 10 Ps. ff. Weibbier. 482L* R. Hoillsvein. Todes-Anzeige. Am Mittwoch, den 6.'d. M. ver- starb nach langen schweren Leiden unser Kollege s13Z0b Idols Raminsky. Ehre seinem Andenken. Die Bcerdigung findet am Sonn- tag, nachmittags 4 Uhr, von. der Leichenhalle des Heiligen Krcuz-Kirch- Hofes in Mariendorf aus statt. Die Kollegen der Planokadrllr R. Görs& Kallmann. Allen Verwandten mid�Bekanttteii hiennir die traurige Nachricht,, dag am Mittwochabend 6 Uhr meine liebe Frau Hedwig Gädicke geborene Honinth nach kurzem Leiden verschieden ist. DieBcerdigmig findet am Sonntag- »adimittag 4 Uhr von der Halle des Em»ia»s-Kird)hofeS a»S statt. l'anl tzüädiehe. Für Manrer und Zhuincror, welche sich im Zeichnen,- Veranschlagen:c. zum Polier ausbilde» wollen, bietet sich jetzt zu Beginn eines neuen Kursus hierzu die giinstigstc Gelegenheit. 47V2L v. Kai-caei, Maurermeister, Berlin NW., Bcusselstrabe 71, II." KotthusorNtr. 4 a, Station der Hochbahn. Täglich im Garten, bei»n- günstig Vittcrimg imSaal: dioU'zx-riiiii, Nardheiitsilze Tiiitgtr »nd tioiizevt. Sonntag, Montag»nd Donnerstag nach der Soiree: Xanzkränzchc», Tanz frei l Anfang Sonntags 5 Uhr, Eutrcc30 Pf., ab 9 Uhr 20 Ps. Ansang Wochentags 6 Uhr. Entree 30Ps., ab 9 Uhr 20 Pkg. Waldschlößchen Bnlriisidoct'ei' Siiihle 8 Miiutteu vom BaHichos RaHnsdors und 10 Minuten vom Müggelsee. Herrlich Im Walde und am File»» gelegen. Für Vereine, Fahrlhen sowie Familien besonders empfohlen. Tanz- saal u. Hallen, tOOO Personen fassend. 3 elegante Kegelbahnen an Vereine zu vergebe». 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