Ar. 185. Absmitineitts• Hedingungen: «lbonnemsnlZ-Prei» pränumerando: vierteljährl. 3L0 Ml., monall. l.ioMl., wöchentlich 2S Psg. frei tni Hau«. Einzelne Numm'p S Psg. Sonnlag«- Nummer mir KUiNrimer Sonntag«- Seilage„Die Neue Welt» lv PIg> Post. Abonnement: l.lo Marl pro Mona,. Singetragen in der Post-Zeitung»- Prettliste für»»l>L unter Sr. 707». Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da» übrige Autland S Marl pro Mona». Srscheiul läglich«ufter Zvoning«. 19. Jahrg. Die Insertwns-WMy» beträgt für die fechtgefpaltene Kolonet« «eile oder deren Raum»o Psg., für polittf che und gewerkschaftliche Verein»- und Versammlung»-Anzeigen 20 Pfg. ..Kleine Zlnselgen" jede» Wort ll Psg. (nur da» erste Wort sel». Inserate für die nächste �'»nmer müssen bit i Uhr nachmittag» m derSxpedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- lagen bt» 7 Uhr abend», an Sonn- und gestlagen bis 3 Uhr vormittag» geöffnet. Nevlinev Volksblskk. Seiegramm-Adreste: »Sorialdentolirat Vrrlin» C�ntvawrgan der socialdemokratischen Partei Deutschtands. Redalition: SW. 19, Beuch-Skraste 2. fleriisstrechcr: Zliiit I, Nr. 1508. Sonntag, den 10. Angust 190Ä. Expedition: 19. Beuch-Striche 3. Fernsprecher: Slmt I. Nr. 51S1. Ein Feigenblatt für den Wahlkampf! Als Adam und Eva im Paradiese vom Baume der Erkenntnis gegessen, empfanden sie. daß sie nackt waren, und sie nahmen ein Feigenblatt, um ihre Blöße zu verdecken. Ganz ähnliche Gcslihle, wie die Bewohner des Paradieses nach dem Sündenfall hatten, sind im Cenlrum hervorgebrochen, als es sich dazu antreiben ließ, den Wettlauf mit den ostclbischen Junkern in der Brotwucherpolitik zu unternehmen. Wie bei den ersten Menschen wohl weniger die Schlange als die in dem Menschen liegende Neigung z» Handlungen, die der Theologe Sünde nennt, die Ursache des Sündenfalls ivar, so hat das CentrilM auch seine Verführer in den eignen Reihen zu suchen. Die an der Spitze des Bundes der Landwirte stehende konzentrierte Unfähigkeit hätte dem Ccntrmn nie gefährlich werden können, wenn das Centruin eine Partei mit festen politischen und socialen Grundsätzen wäre. Aber Nuprccht-Nansern. Plötz, Klapper, Wangenheim usiv. sind nur die an die Oeffentlichkeit getretenen Vertreter der sich gegen den wachsenden Einfluß der Kapitalisten aufbäuinendeu Agrarier. Die Stimmung, ans welcher der Blind der Landwirte hervorgegangen ist, hört da nicht auf, Ivo Mutter GotteS und andre Heiligenbilder an den Wegen und an den Feldern stehen. Darum hatte Süd-- und Westdeutschland ebenso seine rebellierenden Agrarier wie Ostelbien. So wie Plötz tmd Wangen heim die Führung der konservativen Partei übernahmen und die widerstrebenden Elemente rücksichtslos bei seite schoben, so über nahm in katholischen Kreisen Graf Spee das Kommando und schrieb dem scheinbar so mächtigen Centruin die Marschroute vor. Und welche Marschroute? Das Ccutrnm, welches in den stark bevölkerten Jndustriebezirken Westfalens und des NicderrheinS die Arbeiter gebraucht, Jim als Macht glänzen zu können, suchte die Arbeiter zu fesseln mit seinen Vcrsprechnngcn auf dem Gebiete der Soeialpolitik. Manchen Wettlauf hat es kühn untcrnonnncn und eS suchte den liberalen und konservativen Parteien um einige Nasenlängen zuvor zu kommen. Nun kommt Graf Spee mit seiuem Anhang und befiehlt eine Politik, die dem Arbeiter mit einem Schlage dnS Hundertfache von dem nimmt, was ihm durch die Soeialpolitik gegeben. Mächtig und drohend steht Graf Spee mit seiner Armee. Er kann abschivenken >l»d sich jederzeit ,nit seinen ostelbischen Klasscngenossen vereinigen, sein Heer bleibt ihm treu. Bei aller Frömmigkeit erivartet der katholische Bauer doch mehr von hohen Preisen für Ackerbau erzengnisse als von der ewigen Seligkeit. Und eS ist ja auch gar nicht sicher, daß die ewige Seligkeit gleich verloren geht. In den Ncligionsstunden hat er ztvar gelernt, daß cS Sünde ist, dem Armen das Wenige zunehmen und den Hungrigen verkonimen zu lassen. Aber mancher Kirchenfllrst hat schon ein üppigcö Leben geführt, wenn die Gläitbigen vor Hunger starben, und die Kirchenfürsteil sind doch selig geivorden. Vorläufig verlangen die katholischen Agrarier ebenso tvie die evangelischen, daß Brotwuchcrpolilik getrieben wird. Die katholischen Agrarier bleiben beim Centrum, ivenn dieses den Raubzug ausführt, sonst schließen sie sich ihren ebenso frommen protestantischen Klassen- genossen an. Das Jntcresie der Kirche gebietet, daß das Cenlrum einig und stark bleibt, und darum muß das Centrnm so handeln tvie Graf Spee befiehlt. Es ist nur schlimm, daß diese Politik so kurz vor den Wahlen betrieben werden muß. Deshalb suchte sich das Centrnm, wie einst Adam lind Eva nach dem Sündenfall, ein Feigenblatt und da wollte sich kein anderes finden als die-- Witwen« und W a i s e n v e r s o r g n n g. Hier will es nun die Ironie des Schicksals, daß dieses Feigen- blatt nicht einmal ein Stück ans der socialpolitischen Rüstkammer des Centrums ist. Die Ehre, diese Frage zuerst im Reichstage angeregt zu haben, gebührt dem bekannten Scharfmacher Frhrn- v. S t u m m. Er hatte den ganz vernünftigen Gedanken, daß eS unrecht sei, Wittven und Waisen in Elend verkommen zu lassen, wenn deren Er« »ährcr an einer Bcrlifskrankheit verstorben ist, während man eine sogenannte Rente bewilligt, sobald die schädlichen Einflüsse so plötzlich herausgebrochen sind, daß plötzlicher Tod erfolgt ist. Stnn»» sagte, die Industrie kann die Lasten einer solche» Vcrsichcrnng tragen. Stumm meinte freilich, die Arbeiter können zahlen. Es ist ja eine bekannte Erscheinung, daß mit den Begriffen .Industrie" und„Landwirtschaft" die seltsamsten Spielereien ausgeführt werden. Will man Liebesgabe» oder sonstige Beute erwischen, dann will man es für die Großindustriellen und Grundbesitzer haben, sind cS aber Lasten, dann sind dieselben immer für die Arbeiter de« stimmt. Wie jetzt schon die sogenannten Arbcitgeber-Beiträge zu der Vcisichernng nur ein feststehender Teil dcS Lohnes sind, so hätten auch die von Stumm gewünschten Beiträge für die Witwen« und Waiscilversichcrung allein von den Arbeitern getragen werden müssen. Aber doch war Stumm ein bcwundcrswertcr Wohlthäter, wenn man ihn mit den brottviicherischen Socialpolitikern des Cen« tnmtö vergleicht. Nach StmnmS Rezept hätten die Arbeiter die Last allein zU tragen gehabt; nach dem Rezept des Centrums sollen dte Arbeiter neu» Mark zahle», wovon dann eine Mark au die Witwe» Uttd Waise» gegeben werden soll. Der socialpolitische Antrag des Centrums, mit welchem bei den nächsten Wahlen die Arbeiter gefangen werden solle», hat folgenden Wortlaut: In dem Zolltarif-Gcsctz folgenden§ IIa einzuschalten: „Ueber denjenigen Ertrag der Zölle aus den nach den Tarif- stellen 1.(Roggen). 2.(Weizen und«reiz), 3.(Gerste). 4.(Hafer), 132.(Rindvieh). 133.(Schafe), 135(Schweine). 136.(Federvieh), 137.(Fleisch). 132.(Butter,. 133.(Kaie). 134(Eier), 163.(Mehl) und 163. zu verzollenden Waren, welcher den DurckischnittSbetrag der Zölle aus den nach den Tarifsieueii Sa. öbn, Sbb, 9c. 25t, 25gl, 25o, 25g2, 37b, ZSb, 33c. Seck, SSe, 39t, 39g, 39h, 3Si. des Zolllariss vom 24. Mai 1S85 zu verzollenden Waren nachdem Ergebnis der Jahre 1895 bis 1932 übersteigt, ist durch ei» besonderes, spätestens bis zum 1. Januar 1913 zu verabschiedendes Gesetz zur Er- leichterung der Durchführung der Witlven- und Waisenversorgung Bestimmung zu treffen. Bis ziiin Inkrafttreten cincS solchen Gesetzes sind die Mehr- ertrüge für Rechnung des Reiches anzusammeln und verzinslich anzulegen." Die zuletzt genannten Ziffern sind die Bezeichinmgen für die zuerst genannten Gegenstände in dem geltenden Tarif. Abgesehen davon, daß nicht sämtliche Lebensmittel-Zölle ge- nannt sind— es fehlen unter anderm Buchweizen, Hirse. Malz, sämtliche Hülsenfrüchte, Gemüse, Obst, Graupen usw.— werden den Arbeitern so große Kosten aufgebürdet, daß die Witwen- und Waisenversorgung nur wie ein Brosamen erscheint, der von der Neichen Tische fällt. Doch suchen wir zuerst die Summe zu ermitteln, welche eine Witlven- und Waisenvcrsorgung kosten wird. ES fehleil zwar die genauen Unterlagen, aber nian kann doch annähernd die Summen abschätzen. Nehmen wir an, daß die Zahl der zu unterstützenden Witwen in demselben Verhältnis zu der Gesamtzahl der Witwen steht, wie die Zahl der verheirateten männlichen Arbeiter zu der Zahl der ver- heirateten Erwcrbsthätigen. Von je 133 verheirateten männlichen Erlvcrbsthätigen sind 51,5 Lohnarbeiter oder Angestellte. Würde ein gleiches Verhältnis bei den Witwen sein, dann würden von den 1895 gezählten 2 238 679 Witwen 1 137 318 Anspruch auf Rente haben. Die Zahl der Waisen schätzen wir nach den Rechnungs- ergcbnissen der Bcrufsgcnossenschaftcn. Diese hatten 1933 für 43 439 Witwen und 73 984 Waisen Renten zu zahlen. Es kam also auf jede Witwe 1.7 Waisen. Wäre dasselbe Verhältnis durchweg zutreffend. dann würden also zu den 1 137 318 Witwen noch 1 933 427 Waisen kommen. Es wären also 3 373 745 Personen zu unterstützen. Bei der ganzen Art. wie die sogen. Soeialpolitik getrieben wird, läßt sich nicht annehmen, daß den Witwen und Waisen ein zum Leben ausreichender Betrag gegeben wird, aber eine Unterstützung in der Höhe, wie die Hinterbliebenen eines Arbeiters sie erhalten, der durch Unfall getötet ist und einen Jahres-Arbeitsverdienst von 633 M. gehabt hat, würde Stimmt wohl bewilligt haben. Die Unfall-Ver sichcrungsgcsctze bewilligen den Hinterbliebenen je 23 Prozent des Jahrcs-Ärbeilsverdienstcs. Nach»insrer Annahme niüßten also an jeden 123 M. oder insgesamt die Summe von rund 3»ischcS Schmalz darf nicht verwendet werden, Die Verwendung ausländischer Konserven ist untersagt. Eine prentzische Hofgeschichte.*> i. Die Darstellung der Geschichte der Höfe— nicht zu verwechseln mit höfischer Geschichtsschreibung— hat zu allen Zeiten einen hohen politischen und geschichtlichen Wert gehabt. Seien es nun zusammenhängende Darstellungen oder skizzenhafte Aufzeich- nungen, gesammelte Briefe oder großangelegte Memoiren- werke; seien es klatschsüchtige Hofschranze», die diese Werke schrieben, fürstliche Persönlichkeilen.»velche die Langelveile höfischer Abgeschlossenheit schreibselig machte oder ernsthafte Pcrsoneir, die niit ihren Veröffentlichungen den bestimmten Zweck verfolgten, eine Geschichte ihrer Zeit und ihreS Milieus zu geben— iinmer sind diese Hofgeschichten höchst interessante Beiträge zur Geschichte der Monarchie überhaupt, die auch von unS nicht achtlos beiseite ge- schoben»verde». Die Briefe der Herzogin Elisabeth Charlotte v. Orleans über die Zustände am französischen Hof« unter Ludlvig XIV. find in ihrer köstlichen Naivetät und natürlichen Derbheit mit zu den»vichtigsten Quellen für daS Studium der französischen Kulturgeschichte an» Ende des 17. und am Anlange des 18. Jahrhunderts geivorde». Die Memoiren der Martgräfin v. Bayreuth, v.�Pöllnitz, von Leopold von Gerlach, Varnhagen v. Ense, daS alles sind»vichtige Dokrnnente ihrer Zeit. Gerade des letzteren Tagebücher bilden den schlagendsten BelveiS wie wichtig eine objektive Hof-Geschichtsschreibung ist. Varnhagens Tage- Bücher bestehen zu zwei Dritteln aus der sorgfältigen Aufzeichnung des ihn» anS Hofkreisen zugetragenen NachrichtenmaterialS über Personen und Ereignisse, und sie bilden noch heute die wichtigste, interessanteste und zuverlässigste JnfonnationSquelle über d»e Re- gienmgSgeschichte Friedrich Wilhelms IV., deren Bedeutung nur jene Byzantiner vergebens abzuschwächen suchen, denen diese freimütigen Feststellungen unbequem sind. Es reizt umvillkürlich zun» Lachen. wenn man in TreitschkeS Deutscher Geschichte. Petersdorffs Friedrich Wilhelin IV., Hans Blums Deutscher Revolution und bei vielen andren aus der Reihe strammer gesinnungstüchtiger Hohenzollern- Biographen, Varnhagen zunächst geschmäht findet, während sie her- nach desto eifriger mit seinen, Salze ihre Suppen würzen. Dr. Eduard Vehse, der Verfasser dieser Hosgeschichle, gehört längst zu den Toten. Er wurde 1302 in Freiberg i. S. geboren <- #) Vehse. Illustrierte Geschichte deS preußischen HofeS, vom Großen Kurfürsten bis zum Tode Kaiser Wilhelm I., fortgesetzt von Vehse rsckivivus. 30 Hefte a 60 Pf., 2 Bände, fein gebunden ,13.60 M. Francksche Verlagshandlung, Stuttgart. Die reinen Agrarier werden aber mit Recht die Bestimmung vermissen, daß nicht auch ausschließlich deutsch-nationales Brot- g e t r e i d e vorgeschrieben ist.— Hochverrat und Kriegsgegnerschaft. Max Lorenz bat bis zur Stunde kein SterbenSivortchen wider unsren geschichtlichen Nach- »veiS gefunden, daß der Hochverrat eine Specialität der Fürsten sei, daß insbesondere die Begründung der hohenzollerischen Haus macht daS Ergebnis fortgesetzten Hoch- und Landesverrats geivesen ist. Dafür hat der„Post'-Loreitz eine neue Entdeckung gemacht. Er hat die zu Liebknechts TodrStag veröffentlichten Erinnerungen Bebels über die 70er Vorgänge durchgelesen und daraus das offene Geständnis ennittelt, daß die Socialdenwkratie seit 30 Jahren unentwegt hochverräterisch sei. Das habe anch die Gegnerschaft der Socialdemokratie gegen das chinesische Abenteuer ertviesen. Man sieht: Dieser anschlägige Denunziantenkopf beginnt über seinem Gelverbe immer mehr sich zn Venvirren. Jetzt»vird schon daS Recht jeden Staatsbürgers, Gegner eures Krieges zu sein, als Hochverrat angesehm. Man lese: „Wenn bei der schmachvollen Erinordnng unsreS Gesandten in China sich die Socialdemokratie unter Billigung ihrer gesamten Anhängerschaft eine solche Sprache erlauben durfte,»venu Bebel noch heute die Begründung des Reiches und das Reich selbst in der Weise schmähen und den Hochverrat als Heldenthat glorifizieren darf, »vie eS in dein Artikel zu„Ehren" Liebknechts geschieht, und»venu Kautslh mit seiner„socialen Revolution" planvoll und zielbeivußt, »venn anch angeblich nur„theoretisch", die„Erzichmig zum Hoch- verrat" in die Wege leitet— kurz: wenn die Socialdemokratie in Gesinnung, Sprache und Thaten im Grunde ihre? Wesens seit dreißig Jahren immer dieselbe geblieben ist, läßt es sich dann an- nehme»», daß diese selbe socialdeniokratischc Führerschaft im Fall eines europäischen Krieges plötzlich mit den feurigen Zungen nationaler Begeisterung reden lvürde?" Zu nationaler Begeisterung ist niemand verpflichtet, wenn die herrschende Geivalt einen ruchlosen Krieg oder ei»»vahnsinnigcS Abenteuer beginnt. Gesetzt, es gelüstete in irgend einer fernen Zu- knnst einen kranken deutschen Fürsten, seinen Ruhm durch Eroberung der— Schweiz zu n, ehren, hätte die Socialdemokratie nicht die Pflicht, gegen solch Verbrechen Protest zn erheben? Solch ei» Protest hat aber nichts zn thun niit Hochverrat, er ist keine Konspiration mit den» Feind, keine Verleitung des HecreS zur Meuterei. Das ganz blöde Geschwätz der„Post" fällt vor der einen Frage zusammen': Sind die Engländer, die gegen den Bocrenkricg in aller Schärfe agitiert haben, als Hochverräter zu brandmarken? Wir sind auf die Antwort gespannt.— MilitariS»»nS n»id Familie. Eine Witwe, deren Mann in» März dS. IS. verstorben ist und deren einziger erivachsener Sohn gegenwärtig seine militärische Dienstzeit ableistet, hatte eine Rekla- mation eingereicht, ihren Sohn aus dem Dienst zu entlassen, da er zum Unterhalt der Familie uuentbchrlich sei. In dein Gesuch»var darauf hiitgeiviesen worden, daß die Reklamauti» außer einer erwachsenen Tochter, die sich als Dienstmädchen in Stellmig befindet, d r e i u» in ü» d i g e K i» d e r im Alter von 7—13 Jahren zu er- nähren hat, wozu sie wegen f a st b ö l I i g e r Arbeits- und Erwerbs nnfähigkeit außer stände sei. Ans diese Reklamation erhielt die Frau folgende Antivort: „Ihrem an da» kgl. ÄriegSminIsterinm gerichteten... Gesuche um vorzeitige Entlassung Ihres SohneS a»S dem aktiven Miliiär- dicuste kann nicht ftattgegebc»»verde». Der Reklamierte ist, da Ihre Erwerbsfähigkeit nicht völlig aufgehoben ist, Sie eine ,n o n a t l i ch e A r m e n n» t e r st ü tz n n g von 8 M. beziehe» und außerdem noch eine zur Unterstützung verpflichlete 24jährige Tochter befitzen, nicht als Ihr einziger Ernährer anzusehen. Der Unistand, daß Ihre 24 jährige Tochter sich zu verheiraten beabsichtigt, kann nicht berücksichtigt»verde»»." Diese Äblveifinig der Reklamation mag ganz reglementmäßig erfolgt sein— was freilich die Sacke selbst nur uin so schlimmer macht. Man denke, daß einer Familie der Ernährer entrissen wird, daß eine Witive darauf angewiesen ist,»nit 3 Mark monatlicher ArmemniterstützuNg»md den Zuschüssen ihrer Tochter, die das horrende Einkommen eines Dien st mädchenS genießt, sich selbst und drei Kinder jämmerlich durchzuschlagen. Daß die Tochter, die doch bereits das zur Verehelichung berechtigende Alter von 24 Jahren erreicht hat, heiraten möchte, kümmert den Militarismus ebensoivenig,»vie das Schicksal der arbeitsunfähigen Mutter und der drei Geschwister. Zu Straßburg, ja zu Straßburg, Soldaten müssen sein. Ins Wasscrmilitaristische übersetzt: Kavigare neoesse est, vivere non est!— lieber ei»»en Kolonialskandal im K o n g'o st a a t e berichtet die„Deutsche Kol.-Ztg." nach der englischc» Zeitschrift„Westafrita". E« handelt sich diesmal nicht um einen jener bestialischen Geivalt- alte gegen Eingeborene, die im Kongostaat an der Tagesordnung sind, sondern mn die Vergelvaltigung eines»veißen Händlers durch eine von dem Kongostaat privilegierte Handelsgesellschaft. Diese, die Katanga- Gesellschaft, hatte entgegen den intcr- nationalen Verträge», ivoiiach der Handel im Kongostaat vollständig frei sein und der Staat selbst keinen Handel treiben soll,»nit dem Staat«inen Vertrag abgeschlossen, wo- und starb 1870 in Neustriesen. Von seinen Werken ist das be« dentendste und bekannteste, die groß angelegte„Geschichte der deutsche» Höfe seit der Reformation, die er in 48 Bände» in der Zeit von 1861—1368 in Hamburg erscheinen ließ. Mit der Ge- schichte de» preußischen HofeS begann er, schilderte danach die übrigen denlschen Fürstcnhöfc und endet« mit der Schilderung der kleinen deutschen Höfe, der Mediatisterten und der geistliche» Höfe. In diesein große» Werke hat Vehse nicht bloß mit beivunderimgS- würdigem Fleiß« ein geradezu ungeheures Material zusammen- getragen, sondern dasselbe auch ungemein reizvoll und anziehend zu ordnen verstanden. Eine lebendige Schilderung, kurzivcilige Ver- streumig einer Menge Anekdoten, Briefstelle», Tagebuchblätter über die einzelne» Abschnitte, plastische« Herausarbeiten der verschiedenen historische» Persönlichkeiten,»nachen die Lektür de« Werkes höchst interessant. Sein Hauptvorzug aber liegt in der strengen historischen Wahrhaftigkeit. Zivar hat Vehs« auf kritische Schärfe verzichtet und eben nur geschildert. Aber bei dieser Schilderung drückt er sich um nichts herum, er verschweigt, er bemäntelt nichts; mit schonungsloser Offenheit führt er seine Thatsacheu vor und manchmal sind diese einfach hingestellten Thatsachen weit wirksamer»vie lange kritische Erörterungen, die der Leser eben nur als das Urteil eines Einzelnen auffaßt. DaS Werk VehseS ist aus dem Geiste seiner Zeit geboren. Als eS entstand,»vor das gebildete Bürgertmn der Monarchie nicht durch- aus günstig gesinnt und die„Gelehrtenrepublit"»var»nehr als eine bloße Phrase. DaS Bürgertum lag noch nicht auf dem Bauche sondern stand in voller Opposition da und übte seine kritische Schärfe an der Monarchie. Man vergnügte sich an der schonungslosen Offenheit solcher historischen Datstellung»nd blätterte sie begierig durch. Heule tst dies ander» geworden. DaS Bürgertum»vard zur herrschenden Klasse und seine Historiker tragen nur den veränderten Verhältnissen Rechnung,»venn sie i» der lange» Reihe der verstorvenen Häupler deutscher Höfe nur heldische Größe, Tugend und Halbgottheit sehe». Die bürgerliche Historik ist zu ei»em byzantinische» Sammel« surium von Knechtseligkeit, Verloaenheit und Krittklosigkeit herab- gesunken. Der Geist de« Unteroffiziers ist den historischen Werke» von heute aufgedriickt und der Horizont ihrer Verfasser geht nicht hinaus über die Kaserne. Dabei schreiten diese Historiker mit der gewichtigen Miene der Zunflgelehrsamkeit einher und ihr höchste» Glück ist es.»venn sie auf das Titelblatt ihrer We�e setzen können, daß sie „amtliche Quell«»»" benutzen dursten, von denen sie dann de» bekannten „loyalen" Gebrauch machen, so daß man anS dem Wusi byzantinischer Phrasen mühevoll die historische Wirklichteit herausschälen oder er- raten muh. Vehse hat diese Zucht noch in ihrer Entstehung gesehe» und im Vorwort seines Mrkes spöttelt er über„den sichern stolze» Kteifstiefelschrtlt", mit dem„viele der hochgelehrte» Herren nach ihr gegen eine hohe Gewinnhcteilignng des Staates innerhalb eines gewissen Gebietes das Monopol des Kantschukhnndels ver- liehen wurde. Zu den Händlern, die bisher in dem betreffenden Gebiet Kautschukhandel getrieben hatten und denen nunmehr schleunigst mittels�Anslveisung das Handwerk gelegt»vurde, gehörte anch ein O e st r e i ch e r Namens N a v i n e k, der' für eine d e n t s ch e Firma, Ludwig Deuß u. Co., gearbeitet hatte. Auf diesen Händler, der sich auf englisches Gebiet begeben hatte, lvnr im» die Katanga- Gesellschaft anS bestimmten Ursachen nicht gut zu sprechen, sie fahndete deshalb auf ihn und nahm ihn auf einem englischen Schiffe unter Verletzung der englischen Grenze gefangen. Rävinck »vurde zu einem Jahre Gefängnis verurteilt lvegcn angeblich im- berechtigten Handels mit Kautschuk und Elfenbein und des Ver- triebes von Feuerwaffen. Außerdem»vurden ihm seine Waren, deren Me»ige die Firma Deuß u. Co. auf 30 000 Kilograinm Kaut- schnk allein schätzt.>v e g g e u o n» m e n. Dann»vurde er einer Abteilung eingeborener Soldaten übergeben, die ihn nach Borna an' der Mündung des Kongos zur Ver- büßnng seiner Strafe bringen sollten. Vor Kummer und Acrger und n Itter der rohen Behandlung der eingeborenen Soldaten ist R a v i n e k a u f d i e s e r R e i s e'g e st o r b e n. Möglicherweise wird diese neueste Grenelthat des Kongostaates die drei Mächte, die an der Affaire beteiligt sind, Oestreich, Deutsch- land und England, diesmal zu einem Einschreiten veranlassen,»vozu diesen„Kuliurstaaten" die noch i o bestialische Nieder- metzeln ng zahlloser Eingeborener bisher keinerlei Anlaß gab.— Ter General als medizinischer Obergutachter. In der Erfurter„Tribüne" lesen»vir in einer Korrespondenz ans Weiße nsee: „Ein neu es Verfahren bei der Aushebung ist am hiesigen Orte,»vahrscheinlich zum ersteiimale, erprobt»vordcn. Zn der vor einiger Zeit stattgehabten Musterung erschien,»vie»vir erst jetzt erfahren, u. a. ein Mann mit einer ziemlich breit gedrückten Nase und»vurde deshalb von dem anwesenden Arzt für untauglich erachtet, jedenfalls»vcil nach Ansicht des Dokiors der Mann beim Laufen nicht genügend Luft durch die Nase bekommen kann. Der mit anwesende General schien dieses nicht für wahrscheinlich zn halten und befahl einem der anwesenden Gendarmen, den Mann mal ein bißchen zu exerzieren, damit er mal ordcnllich»varm würde. Selbstverständlich kam der Gendarm dem Befehl nach, führte de» Aushcbungspflichiigen in den Garten, und nun ging's los: An den Zaun,»närsch, marsch usiv., bis der Mann»chweitztricfend dem General»vicder vorgeführt»vurde und dieser»n» einsehen mußte, daß der Mann nicht Soldat»verde» konnte.— Dieses Verfahren scheint ein ganz neueS zu sein, denn früher»vurden doch die Leute von dein Doktor allein untersucht, neuerdings scheinen auch die Ge- nerale mit zu untersuchen. Aber Ivo soll ein solches Verfahren, für dessen Berechtigung tvir keinerlei gesetzliche Bestimmungen kennen, hinführe»? Was' lväre geschehen, wenn dem Gestellungspflichtigen durch solch nngeivohnte Aiistrengungei» ein körperlicher Schaden erwachsen»värc? Wer hätte dcii Mann oder dessen Eltern c»t- schädigt?— „Meuternde" Soldaten! Vor einigen Tagen wurden zwölf Soldaten der 3. Comvagnie des 4. Gardcregimcnis zu Fuß iniler starker Bedeckung zur Verbüßinig einer mehrmonatlichen FrcihcitS« strafe nach dem F e st n n g s g e f ä n g n i S in Spandau traiis- poriiert. Die Freiheitsstrafe hatten sich die Zwölf wegen Meuterei zugezogen. Diese wurde in folgeiidcin Vorfall erblickt: Während der Ilebung in Döberitz wurde Ende Mai eine" scharfe Patrone auf dem Platz gefunden, die nur von dem Scharfschießen der dritten Compagnie herrühren konnte. Der Hauptmann Graf von Schlitz wollte den Soldaten feststellen, zu dessen Bestand die Patrone gehört hatte. Auf seine Aufforderung trat aber niemand vor, so daß der Soldat, dem die Patrone gehört hatte, nicht ermittelt werden konnte. Die Folge war, daß nach dem Ein- rücken in den Standort Berlin die Compagnie zur Strafe am ersten Sonntag uni 10 Uhr abends in der Kaserne sein sollte. Dagegen hatte sich das Dutzend Soldaten aufgelehnt, daS erst um Mitternacht geschlossen bei der Kascrnciiwache eintraf. Auf die Meldung deS wachthabenden Unteroffiziers wurden alle bis zur Aburteilung in Haft genommen. Das Gericht hat gegen drei Gefreite ans je vier Monate, gegen neun Gemeine auf je drei Mo»iate Festung er- kannt. Ter gesundhcitstählende MilitarisinnS. lieber die G e i st e s- k r a n l h c i I im Heere hat Dr. Ewald Stier in der„Allg. Zeit- schrift für Psychiatrie' beachtenswerte Thatsachen und statistische Angaben über daS Vorkommen der schweren Formen von Nerven- und Geisteskrankheit in den Heeren der verschiedenen Staaten Europas veröffentlicht. Zunächst geht er dabei auf die inifraglich große Be« deutiing der Geschlechtskrankheiten als Ursachen der Rücken- marlschwindsncht und Gehirnlnhmimg ein. Nach seiner Unter- snchmig hat sich dieser Zusammenhang namentlich gezeigt in den Heeren Frankreichs, Englands und Deutschlands. UcbrigcnS ist derselbe Nachweis auch schon früher von Dr. Ricger in Würzburg für Deutschland und von Dr. Wickle für England geführt worden. Dr. Stier bemerkt jedoch, daß in vielen, wenn nicht in allen Fällen, noch andre Ursachen hinzukommen, nämlich der A l k o h o I m i ß» brauch und in geringcrem Umfang die Folge von Ver- l e tz n n g e n. Die männliche Hysterie Ivar in den europäischen vom Fach und Leder einhergehen, indem sie in ihren Büchern den Gang der Weltbegebciihettcn bis auf die Milbenspaltiing auseinanderlegen und ihre gelehrten AnSlaffniigen mit den blendendsten Eitaten„ans den Quellen", sogar auch „archivalischen Quellen" für ihr Publikum belegen, lvähreiid die Dinge, die sie beschreiben, oft ganz anders zusammenhängen." Die Franckhsche Bcrlagshandlung hat von dem großen Werke zunächst die Geschichte des preußischen Hofes neu herausgegeben und sie durch einen Historiker, der sich mit' dem Pseudonym: Vebse redivivus deckt, vis ans die Neuzeit, soweit sie abgeschlossen hinter uns liegt, also bis zum Tode Wilhelms I., fortsetzen lassen. Zugleich hat sie es mit reichem bildnerischen Schmuck versehen, interessanten historischen Porträts, darunter zahlreiche Visher nirgends veröffcnt- lichte Tafeln, Beilagen, Autographen, Falsimiles, Kcirrikatnrcn usw., nach seltenen sehr mibekannten Originalen. Die bedeutende Bibliothek des Berliner Kunsthändlers Ernst Frensdorf hat hierzu viel Material geliefert. Beim Durchblättern merkt man dem Werke gar nicht an, daß es sich um die Neilherausgabe eines GeschichtSwcrkes handelt, über welches nun schon ein halbes Jahrhundert dahingeranscht ist. so frisch und lebendig liest sich das Ganze. Turmhoch erhebt sich die Behseschc Darstellmig über die byzantimsch-militaristische Geschichtsschrcibcrei von heute. Dafür wird Vehse denn auch von den Vertretern der letzteren genau so wie Variihagen gescholten, wegen„Vorliebe für das Pikante und Anekdotenhafte", als„unkritisch und skandalsüchtig" und waS dergleichen gesinnungstlichtige Urteile mehr sind. Es ist erfreulich konstatieren zu können, daß die NenheraiiS- geber dem ausgesprochenen Grundsätze VehseS,„gewiff-nhaft nach Wahrheit zu forschen, nichts zu verschweigen und nichts zu bemänteln", treu geblieben sind, den Vehse im großen ganzen uiweränderr ver- öffeiitlicht Hai und namentlich nicht, wie das so oft bei Neu heran«. gaben gescvieht, unangenehme Slellen rücksichtsvoll unterdrückt hat. Die interessante Vehscsche Darstellung ist unverändert erhalten ge- bliqben und von Vehs« redivivus auch ans die neuere Zeit über- tragen worden. So ist das ganze Werk eine höchst wertvolle Ge- schichte deS preußischen Hofes. In der Schilderung der RegiermigSzcit des sogenannten Großen Kurfürsten, womit das Werk anhebt, lieft sich höchst interessant, wie die Frnnzöselei mit all ihren Folgen am Berliner Hofe einzog. Der Kurfürst legte seine iiiederländisch-spanischen Kleider ab, zog das französische Hofkleid an und setzte die Perücke ans. Der Hos thal es ihm gleich, und da Pariser Sitte Trumpf war. reiste bald jeder Adlige erst nach Pari!, wenn er am preußischen Hose sein Gluck machen wollte. So lernten die vervauerien preußischen Junker„weltmännische Manieren", und am schnellsten leniten sie Spielen, Saufen und II»- sittlichkeit. Der Kurfürst mußte deshalb, um seinen Hof nicht völlig Heereil noch vor einem Vierteljahrs»ndert eine seltene (Irsch einlliijl, ober jetzt ist sie nicht ungewöhnlich, namentlich in den Heeren von Mitteleuropa.— Ccntrnm und Schule. Aus der Pfalz wird unS geschrieben: In der alten Barbarossa- stabt Kaiserslautern tagte diese Woche die XV. General- Versammlung des bayrischen Lehrervereins. Es mögen nahe an die 3000 Volkserzieher anwesend gewesen sein. Als Ber- treter der socialdcmokratischcn Fraktion des bayrischen Landtags wohnte Landtags- Abgeordneter H u b e r» Ludivigshafen den Ber- Handlungen bei. Das Centrum war zu den Verhandinngen nicht eingeladen worden. Was den Verhandlungen den Stempel aufdrückte, das war die ausgesprochene Feindschaft wider das Centrum, die bei jeder Gelegenheit, Ivo sich ein Anlaß bot, demonstrativ bekundet wurde. Anlaß genug zur Befehdung hat das Centrum im Landtage den Lehrern genug geboten. Gleich die Begrüßungsrede des Bürgermeisters der Stadt Kaiserslautern, Dr. Orth, war auf den Centrumston gestimmt. Demonstrativer Beifall folgte der Verkündung des Abstimmungs- resnltates über den erfolgten Anschluß an den deutschen Lehrervcrein, ein Beschluß, über den sich das Ccntrnm ebenso schwer ärgern wird, als wie über die ablehnende Haltung der Versammlung gegenüber einem Beschlüsse des Landtages, mit Hilfe der Lehrerkassen und des den Lehrern vorcuthalteuen Betrages von zwei Millionen Mark,— die ihnen ursprünglich als Aufbesserung versprochen aber nicht aus- bezahlt worden waren,— eine allgemeine Unterstützungskasse für die Lehrerhinterbliebenen zu gründen. Die Lehrer lehnten diese Zu- mutung, ihre Kassen auszuliefern, einstimmig ab, und mit tosendem Beifall wurde diese Absage an das Centrum aufgenommen. Leider ließ man sich auch reizen, diese Feindseligkeit von der Sache auf die Person zu übertragen, indem man den Berichterstatter des in Kaiserslautern erscheinenden ultraniontanen Blattes unhöflich behandelte. Von den Vorträgen verdienen erwähnt zu werden derjenige des vom„liberalen" Magistrat der Hauplstadt München gerüffelten jungliberalen Lehrers Ernst Weber-München über, D i e K» n st in der Schule und die künstlerische Bildung der bayrischen Volks- schullehrcr", sowie derjenige von Wagner- Kaiserslautern über »VolksbildungS-Bestrebungen". Die nächste Hauptversammlung findet in RegenSburg statt. TrtS beschämte Centrum. Der klerikale Tobsuchtsanfall, dem die staatlichen Ausgaben für Kunstzwecke zum Opfer fielen, hat nun doch nicht erreicht, was er bezweckte. Ein Mitglied der Kammer der Jlcichsräte hat nämlich, wie aus München telegraphiert wird, der Regierung die Summe von 100 000 M. zur Verfügung gestellt zur Erwerbung ausgezeichneter Kunstwerke, insbesondere für die Knust- sammluugen des Staates. Der Prinz-Negent erteilte die Genehmigung zur Annahme der Schenkung. Sehr schlau ist daS Centrum in dieser Frage nicht verfahren. Diese Art der Budgetverweigerung war nichts als eine Art blöder und bornierter Gehässigkeit, die nur geeignet war, den Centrnms- ekel zu verschärfen.— Der Mitlhauser Gemeindet ntS- Streik. An« Elsaß- Lothringen wird un» geschrieben! Die oberelsässische Industrie- wetropol» Mülhausen steht, nachdem kaum zwei Monate seit den allgemeinen GemeinderatSwahlen verflossen sind, abermals vor ei»em schweren kommunalen Wahltampf. Der Grund hierfür liegt, wie schon berichtet, in dem Masse nrücktritt von 10 sogenannten unabhängige» Stadträten, fast durchweg Vertretern der früheren. von Großindustriellen und Klerikalen beherrschte» »Mairiepartei". Die geheime Abficht war, die Negiening zur Auflösung de« gesamten Gcmeinderats und zur Einsetzung einer annlichen Ver- waltungskommission zu bestimmen, bei deren Zusanuneusetzuug sie in erster Linie berücksichtigt zu werden hofften. Hierbei halte» sie aller- ding« die Rechnung ohne den Wirt gemacht; denn die Regierung mischte sich bisher lediglich insoweit in die konnnunaleu Wirren Mülhausens, als sie einen der Beigeordneten mit den Funktionen des zurückgetretene» Bürgermeisters betraute, im übrigen die Sache ihre» Gang gehen läßt. Es habe» also in Mülhausen denmächst Ersatzwahlen für die 10 ausgetretenen Geincinderatsmitglieder stattzufinden, da die Gemeinde-Ordnung solche vorschreibt, sobald nichr als der vierte Teil der Sitze des Kollegiums(hier 86) erledigt ist. Wie diese Wahlen ausfallen werden, davon gab eine Massenversanimlnug der Mülhanser Bürgerschaft am Mittwoch einen Vorgeschmack, indem von den 1200 Erschienenen einstimmig eine Resolntio» angenommen wurde, in der da» Verhalten der demissionierenden RatSmitglieder, die in der Stadtverwaltung ohne geultgeuden Anlaß eine schwere KrifiS heraufbeschworen hätten, aufs schärfste verurteilt wird. Die focialistisch-demokratische GemcinderatSmehrheit beabsichtigt jetzt, in Mülhausen mit dem System der Ehrenbürgermeister zu brechen und die erledigte Stelle zur Besetzung durch einen b e r u f s- mäßigen VerwaltungSbeamteu auszuschreiben.— II. I III............... JJJ dem„Pariser venusberg" ähnlich zu machen, jene» seltsame Dekret „über daS Reisen in» Ausland" erlassen. Er muß darin seinen Junkern bescheinigen, daß ihre Söhne in der Ferne sich eifrigst Mühe gegeben hatten, daS Schlechte möglichst rasch z» erlernen,„ein großes Geld in der Fremde uunütziglich verzehret und durchgebracht, indem sie sich allerhand Eitclkcilen ergeben, dem Debauchieren, Spielen und ander» Wohllüste» nachgegangen". Welcher Art diese Wohllüste gewesen sein können, die die Junter in Paris lernten, erfährt man ans de» Briese» der„Liselotte". Elisabeth Charlotte von Orleans, geborene Pfalzgräfin, welche diese an ihre Verwandte» schrieb. Diese würdige Dame war mit dem Bruder Ludwigs XIV. verheiratet»nd kannte das Pariser Hofleben vorzüglich. Sie schreibt:„Die Leute von Qualität sind in diesem Lande viel ärger debauchiert als die gemeinen Leute. Die Weiber spreche» mehr Wüsttreien als die Mannsleute, Haltens weder vor Schande noch vor Sünde. In Paris sind wenig»»schuldige Divertissements; alles Fleisch dort hat seine» Weg verkehrt. Man vexiert die junge» Kerls hier. daß dieser n»d jener verliebt von ihm ist, eben wie man in Deutschland eine ungc« heiratete Jungfer vexiert. Was noch mehr ist, die Weibsleute sind ineinnndcr verliebt, welches mich»och niehr ekelt, als alles... Wer nicht spielt, zu dem kontint man nicht. Der Graf v. Rnfsau hat 20000 Franke» vcripielt mit etlichen Damen hier, ich glaube, sie habe» shil ein wenig beschissen, mit Verlaub, denn sie haben die Reputation ivohl zu spielen lönne». Das Saufcu ist gar geniciu bei die Weiber hier in Frnntrcich und Madame de Mazarin hat eine Tochter hinter- insiflt, so es auch meisterlich kann, die Marqnise de Richelieu. Zu allein Unglück sausen die Damen hier mehr als die Mannsleute und mein Sohn, der Regent, hatte eine verfluchte Maitresje, dl« säuft wie ein Bürstenbinder, ist ihn, auch gar nicht treu... Wir habe» hier vergangenc Wochev e i Filipinos er« schieße» lieh, zu siebzehn Jahre» Gefängnis zu verurteilen, während sie die t a u s e» d f a ch ärgeren Mordbuben Waller und Smith freisprachen resp. zu einem„B e r w e i S' verurteilte» I— Der Laudarbeiterftreik in Galizien. Krakau, 8. August.(Eig. Ber.) Eine blutige Husarcuattacke.» AuS Ubinie(Bezirk Kamionka) meldet„NapmZd": Am 6. d. M. versammelten sich die Banern am Bahnhof und erwarteten in vollster Ruhe da« Ankomme» des Abg. Breiter. ivelcher ztvlschcn de» Streikenden und dem Gutsbesitzer vennittel» sollte. Nicht weit von der Gruppe der Streikenden stand eine H u s a r e n- A b t e i l u n g unter dem Kommando eines Offiziers. Plötzlich, ohne irgend welchen Anlaß(denn die Bauer» verhielt»» sich sehr ruhig) forderte der Offizier die Leute in der für sie u n« ver st ä n blichen deutschen Sprach« auf, auseinander- zugehen. Ehe die Leute begriffen, um was es sich handelte, und ehe sie sich«»tfernen konnte», stürzten die Husaren mit gezogenen Säbeln auf die Menge los. Die Attacke ivar fürchterlich. Di« Husareil ritten sogar die Frauen und Kiitder nieder, und hieben mit den Säbeln ans alles ein, was ihnen in den Weg kam- Unter gellendem Geschrei stob die Menge anselnandcr. Die Bauern flüchteten In ihre Häuser uild Obstgärten. Die Husaren ver- folgten die Fliehenden. Der Offizier verfolgte einen Ar- bciter bis zu seinem Hause, stürzte t» sein Zimmer und versetzte ihm dort d r e i H i e b e. so daß der Unglückliche ohnmächtig zu- sanimcnbrach. In einem andern Hanse erbrachen die Husaren die Thür und die F c» st e r imd stürzte» anf eine im Zimmer versammelt« Familie mit den Säbeln lv». Eine Frau sprang, um der verwilderten Soldateska zu entkommen, mit ihrem Kinde an der Brust zum Fenster hinaus, wobei sie schwere Verletzungen erlitt. Etwa zehn Personen sind durch die Sälbelhiebe chwer verletzt, ein Kind wurde von den Pferden zu Tode getreten. Polizei und Justiz. Dem„Naprzod" Ivird aus Buezaez gemeldet: Im Genchtsbezirk MonasterzySka. wo die Ernte erst jetzt be« ginnt, nimmt der Streik große Ausdehnung an; im Dorfe Wyczolki wurde» der Gemeindevorstcher und die Gemeindc-Ausschüffe, wie auch das ausständige Hofgesinde verhaftet, an einen Wagen gekettet und unter DragoncreSkorte dem Gerichte ein- geliefert. Die Behörden behelfen sich sehr gut auch ohne formellen Ausnahmezustand: Im ganzen Bezirk Buczacz konfizeiereu die Gendarmen den Bauern Slreikbroschüren und geschriebene Lohntarif-Eutwürfe und verhaften die Streikenden massenhaft. Die Verhafteten werden von de» Gerichten ohne Verhör freigesprochen nur auf Grund der schriftlichen Anzelgen der Gendarmen, denn diese Anzeigen lauten stereotyp:„Der verhaftete N. N. hat eine Streikbroschüre vorgelesen niid zum Streik aufgefordert," worin selbstverständlich kein strafbarer Thatbestand erblickt werden kann. Daß die Bewegung keine» nationale» Charakter hat. daß sie u i ch t— wie von iutcr- essierter Seite behauptet wird— eine Revolte der Ruthe, teil gegen die Polen ist, beweist solgeude Thatsache: In B u s k, auf dem Gute de« gewesenen Premicnmiiisters Grafen Kasiinir Badem, streiken nur polnische Bauern. Die ruthenischen, meistens mittlere Grund- besitz«, halte» sich vom Streik fern. Die Streikbewegung in Rnssisch-Podolken. Der Lemberger„Prceglord" meldet aus angeblich glaub- würdiger Quelle, daß sich unter den Bauer» iu Nussisch-Podolien und zwar in den Ortschaften, welche an der galizische» Grenze liegen, eine ähnliche Streikbewegung ivie in Galizien bemerkbar macht. Die russischen Behörden strengen schon jetzt alle Kräfte an, um diese Be- weguiig im Keime zu unterdrücken. Aus Kumienice podolski wurde der Gendarmerie-Oberst delegiert,] ivelcher alle im Grenzpasse liegenden Ortschaften bereist und schon viele Haussuchungen vorgenommen hatte. Durch diese Re Visionen sollen die Behörden ans die Spur einer geheimen Agitation unter den dgrtigen Bauern gekommen sein. In Zielona wurde eine große Anzahl von Broschüren vor- gefunden, weshalb mehrere Bauern verhaftet worden sind. Der erwähnte Gendarmerie-Oberst forderte zu sich alle Ge meindevorstände und Landkommissäre von der ganzen Gegend und machte sie für alle eventuellen„Excesse" der Landarbeiter persönlich verantwortlich. »» n Der Wiener„Arbeiter-Zeitung" wird geschrieben: Im„Surher Lwowski" veröffentlicht der polnische demolratische Landtags- Abgeordnete Stapinski einen Artikel, in dem er sich sehr scharf gegen die Drohung nnt dem Ausnahniezustand ausspricht. Er schreibt u. a.:„Ich erachte es für meine Pflicht, gegen die un- begründeten Forderungen der Schlachzizen zu protestieren und die Re gierung vor der Einführung des Ausnahmezustandes zu warnen. Au Grund persönlicher Wahrnehmungen, die ich auf demGebiete der stärkste» Streikbewegung, in Bnczacz, Czortkow, Husiathn, Trembowla und Tarnopvl, gemacht habe, und in Uebereinstimmung mit der Meinung der polnischen Intelligenz dieser Bezirke erkläre ich ganz entschieden� daß die Erfüllung der Wünsche der Deputation der Großgrundbesitzer ungerechtfertigt, über alle Maßen schädlich, ja direkt gefährlich wäre.... Ich erkläre ferner, daß dort, wo die Behörden und die Interessenten mit Takt eingriffen, der Streik keinen Augenblick ge fährlich war— weder für da« Vermögen noch für das Leben jemandes, und daß das„normale" Strafgesetz vollkommen zur Ver Hinderung von Ausschreitungen hinreicht...." NÄvtoi �Mst�rirtzken. Reichstags- Kandidat für Leipzig Stadt wird vom Wahlverein des Kreises der Genosse M o t t e l e r in Vorschlag ge bracht. Bei der vorigen Wahl kandidierte Genosse Conrad Schmidt. Als Delegierte des Kreises für den Münchener Parteitag wurden vorgeschlagen die Genossen Richard Beyer. Franz Mehring und Julius Motteler. Die endgültige Wahl erfolgt in ge- meiusamer öffentlicher Parteivcrsammlung für die beiden Leipziger Wahlkreise, die nächsten Dienstag stattfindet, doch ist nicht daran zu zlveifeln, daß die Vorschläge des WahlvcreinS accepticrt werden. Eine hohe Ehre ist der Stadt Forst(Lansitz) zu teil ge worden: Es ist ihr militäramtlich bescheinigt worden, daß sie dlirich weg socialdemokratisch gesinnt sei. Am Montag sollte im Feldschlößchen, dem größten Lokal der Stadt Forst, das Musikcorps des 1. Ostpreußischcn Grenadier Regiments koncertiercn, und der Wirt hatte bereits alle Vor bereitungcn zum Empfang der Gäste getroffen, als gänzlich unerwartet vom Kapcllineistcr eine Depesche eintraf, die den Riicktritt von dem eingegangenen Kontrakt meldete, da über das Lokal der Militärbohkott verhängt sei. Diese neueste Eröffnung veranlaßte den Wirt, an zuständiger Stelle imchzrifrage» seit ivann dieser Boykott bestehe und da erfuhr er, daß von einem Militärbohkott bezüglich seines Lokals bis dato überhaupt nichts bekannt ist. Wie nun«nsrein dortigen Partciblatte von andrer Seite mitgeteilt wird, soll der Kapellmeister von der Kommandantur den Befehl erhalten haben, den Kontrakt in Forst zu lösen, weil die Stadt socialdemokratisch verseucht sei. Es giebt zwar in Forst eine Anzahl Jndnstriebarone, die sich ja gewiß nicht zur Socialdemokratie rechnen und über diese Kenn- zeichnung der Stadt nicht sehr erbaut sein iverden, aber die Militär- behörde ist offenbar auch der ganz richtigen Ansicht, daß die paar Leute für die Charakteristik der Stadt nicht in Frage kommen. Nichtö für Piicklcr. Vor der Strafkammer in B r i e g standen die Genossen Baude und F i n st e r. Sie hatten Berufung ein- gelegt gegen ein Schöffengerichtsurteil, durch das sie wegen Ueber tretung der Straßenp.olizei-Verordnung zu je 21 M. Geldstrafe ver- urteilt ivorden ivaren. Sie sind nämlich während eines Streiks auf der Straße auf und ab gegangen, um die Streikbrecher zu beobachten. Ein Polizist wies sie von der Straße weg. weil er nach seiner beeideten Aussage annahm, daß sich die Streik- brecher durch die Anwesenheit der Beobachter belästigt fühlen könnten. Der Weglveisung sollen die Angeklagten nicht Folge geleistet haben. Das Urteil des Schöffengerichts wurde aufrechterhalten. Während der Vernehmung der Angeklagten sagte der Gerichts Präsident zum Genossen Baude: „Glauben Sie etwa, mit Ihrem scheinheiligen Gesicht mich dumm machen zu können, Vcrchrtcster? l" Baudcs Autlvort war— Schweigen. Graf Pückler sollte einmal Gelegenheit nehmen, diesem Herrn Richter— in die Hände zu fallen; er hätte das Zeug dazu, auf solche Anrede— nicht zu schlveigen. Poliieilichrs, Gerichkliches usw. — Ein Belcidigungöprozcff von bedeutendem Kaliber steht dem verantwortlichen Redacteur der„Breslaucr Volkswacht", Genossen Bruhns bevor; er soll in einem einzigen Artikel durch Behaup- tung nicht erlveislicher Thatsachen zlvei Amtsvorsteher, einen Amts- richter in Oberschlcsien und das Landgericht in Benthen beleidigt haben. Außerdem ist er angeklagt wegen Beschimpfung von Reli- gionscinrichtuugen. Er soll nämlich die A a ch e n e r R e l i q u i e n beschimpft haben, über deren Echtheit selbst ihre Hüter bedenkliche Zweifel haben._ Nus Indttpkvie Handel. Rheinische DiSkoutogcsellschaft. In der heutigen außer- ordentlichen Generalversammlung der Aachener Diskontogesellschaft ivurde die Tagesordnung ciustimmig angenommen. Damit ist die Erhöhung des Grundkapitals durch Ausgabe»euer, auf die Inhaber lautende Aktien von je 1000 Mark um 10 Millionen Mark beschlossen tvordcu, zur Herbeiführung einer Verschmelzung nnt der „Bank für Rheinland und Westfalen" in Köln und der„Koblenzer Bank" in Koblenz solvie zum Ankauf des Bankgeschäftes von „Goetknyseu und Lynweilcr" in Viersen und zur Erhöhung des Be- triebskapitals. Der Name der Gesellschaft wurde umgeändert in „Rheinische DiSIontogesellschaft." Rheinisch- westfälisches Kohlcnsyndikat. Im Monat Juli betrug die rechnungsmäßige Beteiligung der im Syndikat vereinigten Zechen 5 416 789 Tonnen gegen 5 005 633 Tonnen im Juni d. I. und 5 107 130 Tonnen im Juli vorigen Jahres. Die Förderung belief sich im abgelaufenen Monat auf 4 151 142 Tonnen gegen S 978 596 Tonnen im Monat Juni d. I. und 4 406 283 Tonnen im Monat vorigen Jahres. Gegen die Beteiligungszisfer ist demnach die Förderung im abgelaufenen Monat um 23,37 Proz. zurückgeblieben, während im Vormonat nur eine Minderförderung von 20,42 Proz. und im Juli vorigen Jahres eine solche von 13,72 Proz. zu verzeichnen Ivaren. Eisen- und Stahlwerk Hoesch iu Dortmund. Der Abschluß für 1901/02 weist einen Rohgewinn von 2 646 357 M. lim Vorjahre 4 048 576 M.) aus. Hiervon'werden 2 323 534 M.(2 398 804 M.) zn Abschreibungen verwandt. Von dem verbleibenden Reingewinn von 322 822 M.' sollen nach dem Vorschlag des Vorstandes 200 000 M. zu einer außerordentlichen Abschreibung auf das Erzbergwerk Reichs- land verwendet und 122 822 M. vorgetragen werden. Eine Dividende kommt nicht zur Verteilung. GeivevItlAzctftliifzes. Berlw und Umgegend. Der Streik auf den„Niles Werkeu" hat jetzt sämtliche dort bisher beschäftigten Arbeiter in Mitleiden- schaft gezogen. Nachdem außer den streikenden Drehern und Formern auch die Schlosser und Modelltischler die Arbeit niederzu- legen gezwungen waren, sind am Sonnabend auch die letzten paar Schieber noch entlassen worden. Ja sogar das Dutzend Arbeits- willige hat man sich dort vom Halse geschafft. Sie wurden per Dampfer— natürlich unter der nie fehlenden polizeilichen Bedeckung — nach Berlin befördert. Ob ihnen hier im Arbeitsnachweis-Bureau der Kühneniänner eine ähnliche„Herberge zur Heimat" errichtet ist wie auf dem Werke selbst, konnte leider nicht ermittelt werden. Thatsache ist, daß der ganze Betrieb stille steht. Was die Direktion zu diesem ungewöhnlichen Schritte veranlaßt hat, ist nicht ganz klar. Doch mag dem sein wie ihm wolle, die Arbeiter werden die Augen offen halten, um etivaigen Schachzügen der Kühnemänner mit den erforderlichen Maßnahmen zu begegnen. Bis dahin ist nur eins notwendig, nämlich den Zuzug fernzuhalten. Deutsches Reich. Arbeiter, Parteigeuoffeu! In der Kautabak- Achtung! Industrie Nordhausens drohen neue Konflikte. Die bekannten acht Fabrikanten, welche seiner Zeit den SchiedS- fpruch nicht anerkannten, Planen wiederum Maßnahmen g-gen die Organisation. Da dieselben mit größter Heimlichkeit betrieben werden, so ist Aus der FrKurnbeiurgung. Achtung Frauen! Dienstag, den 12. d. M., abends 8�/2 Uhr, große öffentliche Kreisversammlnug für Frauen und Männer in S ch ö n e b e r g., bei Obst. Meininger- und Martin Lutherstr.-Ecke, mit der Tagesordnung: Vortrag der Genossin Klara Zetkin über Arbeiterinnenschntz und Arbeiterinnenschutz-Henchelei. Wahl der Delegiertin zur Provinzialkonferenz, Frauenkonfereuz und Parteitag. Besonders möchte ich die Frauen bitten recht zahlreich zu erscheinen. Die Kreisvertrauensperson Frau Marie Thiel, Tcmpelhof, Friedrich Wilhelmstr. 17. Rixd orf. Die nächste Versammlung des Frauen- und Mädchen- Bildungsvcreins Rixdorf findet Dienstag, den 12. August, abends S'/j Uhr, bei M e r z i e r, Steinmetzstr. 113, statt. Eine Genossenschaftsküche wolle» Frauen in Amsterdam begründen. Im April d. I. wurde in einer Versamiuluug eiiie Kom- Mission zur Vorbereitung des Unternehmens gewählt. Diese hat nun ihre Arbeiten beendet. Sobald die erforderliche Mitgliederzahl gewonnen und eine Summe von 1500 Gulden vorhanden, ein täg» iicher Absatz von ca. 180 Mittagessen sicher ist, soll das Unternehmen ins Leben treten. Der Genossenschaft sollen hauptsächlich Frauen augehören und auch die Leitung und Verwaltung soll in Händen von Frauen liegen. Etwaige Ueberschüsse sollen, soweit sie nicht zum Ausbau des Unternehmens dienen, hauptsächlich im Interesse von Be- strebungen, an denen Frauen unmittelbar beteiligt sind, verwendet werden. Ucbcr Mädchenhandel iu China berichtet die Zeitschrift „Ost-Asien"(V., Nr. 51): In China befinden sich manchmal viele kleine Mädchen auf dem Markte und werden zu 3, 5, 7 Taels ic. anzunehmen, daß die Fabrikanten im Verein mit einer Änzahl ausgeboteu. Reiche Käufer erwerben 6-10 Mädchen auf einmal williger Elemente unter ihren Arbeitern ein in ihrem Interesse V f'>"b lassen ihnen einige Jahre lang eine gute Erziehung angede.hcn. haltenes Flugblatt oder sonstige Erklärungen in der bürgerlichen Presse erlassen, um ihren in letzter Zeit geschmälerten Profit bei den Konsumenten des Nordhäuser Kautabaks wieder zu steigen,. Insbesondere richtet sich jetzt der Haß der acht Fabrikanten gegen die infolge der vorjährigen Aussperrung gegründete Kautabak- arbeiter-Genossenschaft, welche als Stütze der hiesigen Organisation gelten kann. Wir werden zur gegebenen Zeit üher die hiesigen Ver- Hältnisse und die zu Tage getretenen Maßnahmen mit den Namen der betreffenden Firmen weiter berichten. Arbeiter, seid auf dem Posten und laßt Euch von den acht Unter- nehmern, welche das Koalitionsrecht beseitigen wollen, nicht täuschen. Das Ge Werlschaftskartell Nordhausen. Die Aussperrung im Hamburger Baugewerbe. Die Zahl der Ausgesperrten nimmt jetzt schnell ab, so daß bald wieder normale Zustände herrschen werden. Die Maurer zählten am Freitag noch 57, die Zimmerer 33, die Bauarbeiter 219 Ausgesperrte. In den Nachbarorten, mit Ausnahme von Harburg, sind fast alle Aus- gesperrte wieder in Arbeit. In der AuSsperruug der Hamburger Klempner hat sich im allgemeinen nichts geändert. Etwa 250 Arbeitswillige haben die Unternehmer von auswärts herangezogen. Ausgesperrt sind 925 Klempner und 56 Hilfsarbeiter, die sämtlich unverdrossen Kanipf aushalten. Eine gerichtliche Korrektur polizeilichen Vorgehens. Vor dem Hamburger Schöffengericht wurde gegen einen Zimmerer ver- handelt, der durch einen Polizeibeamtcn von einem PI. tz vor dem Bahnhofe gewiesen worden ist, und dieser Aufforderung nicht sogleich Folge geleistet haben soll. Von Interesse ist die Zeugenaussage des betreffenden Polizeibeamten. Er bekundete: Wir haben die Instruktion erhalten, Bau Handwerker fort- zuweisen. Demnach hat also die Hamburger Polizeibehörde gegen die ausgesperrten Bauhandwerker eine Ausnahme- b e st i m m u n g erlassen, die nichts Geringeres bedeutet, als ein Hintertreiben des gesetzlich erlaubten Streikposten- st e h e u s. Das Gericht verurteilte zwar den Angeklagten, weil er der Weisung des Beamten nicht gefolgt sei, es setzte jedoch die polizeilich verfügte Strafe von 20 M. auf 5 M, herab und sprach bezüglich des Rechtes der Streikenden eine Ansicht aus, die zwar selbst verständlich ist, die aber mit dem Polizeigeist, besonders auch dem in Hamburg waltenden in Widerspruch steht, und von deutsche» Gerichten nicht immer so rückhaltlos ausgesprochen wird. In der Urteilsbegründung sagte der Richter: Mau dürfte nicht den Streik als Erschwerungsgrund benutzen. Im Gegenteil: der Anlaß zu der ganzen Affaire, die Bewegung der Bauhandwerker, sei ein ganz legales Vorkommnis. Der Streik 'ei erlaubtes und berechtigtes Mittel der Arbeitnehmer, und erlaubt und berechtigt sei es auch, wem, die Arbeiter in solchen, Streik bei den Bahnhöfen etwaige Arbeitswillige erwarteten und sie zu überreden 'uchten, mit ihnen gemeinsame Sache zu machen. Man könne also uimöglich sagen, weil eine solche Uebcrtrctung beim Streik begangen ''ei. müsse sie härter bestraft werden. Sie dürfe vielmehr nicht chärfer bestraft werden als jede andre Uebertretnng. Möchten nur alle Richter, und namentlich alle Polizeibehörden ich diese selbstverständliche Auffassung zu eigen machen. Der Streik der Maurer iu KöuigSbcrg i. Pr. ist jetzt be- endet. Es ist eine Einigung zu stände gekommen, dahingehend, daß die Maurer für dieses Jahr 48 Pf„ für das nächste Jahr 50 Pf. Stundenlohn erhalten. Die VertragSbestimniuuge», welche Anlaß zu den, erneuten Ausbruch des Konflikts gegeben hatten, sind so ab- geändert worden, daß beide Teile daniit zufrieden sind. Bezeichnend ür die Unternehmer ist es, daß sie noch im letzten Stadium des Streiks, wo es sich in der Hauptsache nur noch darum handelte. ob ein Pfennig Stundenlohn mehr oder weniger bezahlt werden soll, 250 Italiener mit einen, Kostenaufwande von 7600 M. aus Halle und Dresden kommen ließen. Die Streikbrecher sind nun überflüssig, die Unternehmer sind selber froh, daß sie die so teuer erkauften Ransreißer wieder los werden. Christliche Former gcmaffregelt. In ColonuowSka im Kreise Oppeln, in einer der Obcrschlesischen Eisenbahnbcdarfs-Aktiengescll- chaft in Friedenshütte gehörigen Eisengießerei, streiken 46 Former wegen Verweigerung des Koalitionsrechts durch die Hüttenverwaltnng. Die Streikenden sind in, christliche» Arbeiterverein in Beuthen organisiert. Also selbst gegen die christliche Organisation richtet sich der Haß der Unternehmer. Das muß doch den christlichen Arbeitern die Augen darüber öffnen, daß alle Unternehmer, mögen sie nun christlich sein oder nicht, ihre wirtschaftlichen Gegner sind. Wegen fortgesetzter Maßregelung der Fabrikkommission sind in der Döringschen Holzwarcnfnbrik in Lauf(Bayern) Differenzen ausgebrochen. Zuzug ist fernzuhalten. Ausland. Wirtschaftliche Kämpfe der Arbeiter in der Schweiz. Die Maurer und Handlanger in Frei bürg haben ihren Streik erfolgreich beendigt. Es wurden Lohnerhöhungen von 5 bis Cts. pro Stunde für die Maurer nnd Handlanger erzielt, ferner die regelmäßige 14tägige Lohnzahlung, während vorher unregelmäßig monatlich oder erst nach 5, 6 Wochen, ja sogar erst nach zwei Monaten den Arbeiter» ihr Huugerloh» ausbezahlt worden war.— In Genf erzielten die Straßenbahn-A» gestellten einen Minimal- lohn von 38 und einen MaxiinallohnvonbOCts.pro Stunde. Der neueTanf gilt vom 1. November 1902 bis 31. Dezember 1906.— Der gedruckte Bericht der Berner Kantonsregierung über ihre Belagerungs« Wirtschaft in Biel ist auf Antrag unsres Genoffen Zgraggen vom Kantonsrat einer Kommission zur Prüfung überwiesen worden. Der Regierung wäre die sofortige Billigung ihrer Maßnahmen lieber ge: Wesen.— In L u ga n o streiken die Bäcker und die Maler. Letztere fordern den Zehnstundentag, Lohnerhöhung und Abschaffung der Accordarbeit. Die streikeuden Bäcker beabsichtigen die Gründung einer Genossenschafts-Bäckcrei. Die schönsten der Mädchen werden entweder die Konkubinen des Eigentümers oder ivie jede andre Ware weiter verkauft und mitunter mit 1000—10 000 Ta-els bezahlt. Wie wir hörten, ist die Frau eines Direktors der Eisenbahn in China ein solches Mädchen gewesen und für 10000 Taels angekauft worden. Die Kaiserin- Mutter von China ist früher bekanntlich auch ein solches Mädchen gewesen. In Deutschland und besonders in Preußen ist man denn doch schon etwas gesitteter. Da kann bekanntlich nicht einmal eine ehr- bare Feldwebelstochter Geheime Obcrmandarinin werden, geschweige denn ein als Sklavin verkauftes Mädchen; und nun gar Kaiserin? Vevscrnkinlungrn. Zweiter Wahlkreis. Ucber Arbeitslosen-Vcrsicherung sprach am Donnerstag Dr. B o r ch a r d t im Wahlverein für den ziveiten Berliner Rcichstags-Wahlkreis. Auf Verlangen des über- lv achenden Beamten mußten sich die drei Frauen, die an der Versammlung teilnehmen wollten, weil kein abgesonderter Raum zu finden war, auf die Bühne begeben. Von hier aus konnten sie dann, ohne daß Gefahr für die Sicherheit des preußischen Staates in Anzug war, den Vortrag über Arbeitslosen-Versichcrung an- hören. Dr. Borchardt knüpfte an einen Artikel Molkenbuhrs in der„N.J." im an, worin dieser für eine allgemeine Arbeitslosen-Versicheruug von Reichs wegen eintritt, und wies auf die vielen Schwierigkeiten hin, die einem solchen Plan entgegenstehen, und besonders auch darauf, daß bei den gegenwärtige» politischen Machtverhältnissen jene Reichs- Versicherung wahrscheinlich nicht so eingerichtet werden würde, wie es im Interesse des gewerkschaftlichen Kampfes gefordert werden muß, daß z. B. Arbeitslose, um nicht der Unterstützung verlustig zn gehen, genötigt werden könnten, Streikarbeit anzunehmen, und die Gewerk- schaftcn in ihrer Kampfstellung dem Unternehmertum gegenüber geschwächt würden. Zweckmäßig sei es, wenn an die von den Arbeitern geschaffenen Einrichtungen angeknüpft würde und zu den Arbeitslosen- Unterstützungen der Gewerkschaften vom Reich oder von den Gemeinden Zuschüsse gewährt werden, wie das bereits in einigen belgischen Städten der Fall ist. Wenn auch vom Reich in dieser Hinsicht vorläufig nichts zn erwarten fei, so könne man doch annehmen, daß infolge der mit der Krise eingetretenen großen Steigerung der Armenlasten einzelne Kommunen in nächster Zeit dazu kommen würden.— Den, mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrage folgte eine rege Diskussion, wobei unter andcrm auf mangelhafte Einrichtung der Arbeitsvermittelung namentlich in der Provinz, und auf die schlechte Behandlung, die die Arbeitslosen häufig erdulden müssen, hingewiesen wurde. Eine der des Referenten entgegengesetzte Meinung Hinsichtsich der Arbeitslosen- Versicherung äußerte Genosse Fülle, der für den Plan Molkenbuhrs eintrat und nicht der Ansicht ist, die Gewerkschaften könnten Schaden da« durch leiden. Eine vom Verband der Hafenarbeiter und BcrufSgeuosseu zu Donnerstag nach der Tegelerstratze 55/66 einberufene öffentliche Versamnilung, in der auch Schiffer nnd Bootsleute erschienen waren. beschäftigte sich mit den Mißständen in diesem Berufe. Nach den Ausführungen des Referenten herrschen in den meisten Berliner Häfen und am Flußlauf in hygienischer Beziehung höchst nützliche Zustände. Der gänzliche Mangel oder die geringe Zahl von Bedürfnisanstalten, sowie das Fehle» der Brunnen mit trinkbarem Wasser, bilde eine wirkliche Notlage für alle Schiffer. Am Potsdamer Hafen ist z. B. kein Brunnen vorhanden, ebenso fehlen Bedürfnisanstalte». Die gleichen Mängel besitzt der Nordhafeu. Die Hafenarbeiter sind daher auf Gastwirtschasten usw. angewiesen, um ihre Bedürfnisse zu befriedigen, was unnötige Geldausgaben im Gefolge hat. Sind nun, was häufig der Fall, keine Wirtschaften in der Nähe, so sind die Arbeiter geziviingen, das Wasser zu verunreinigen, wodurch sie sich Strafen bis zu 6 M. zuziehen können. Der Mangel an gutem Trinkwasser zwingt den Schiffer, das Flußwasser zum Kochen usw. zn benutzen, und so liegt die Gefahr vor, daß Seuchen daraus entstehen können. Der Hafenarbeiter hat fortinährend mit Arbeitslosigkeit zu kämpfen, im günstigsten Falle hat er 7 bis höchstens 8 Monate im Jahre Arbeit und zwar schwere, harte und gefahrvolle Arbeit, dabei reicht der Loh» kaum zum Notdürftigsten aus. Die Versicherung in Krankheitsfällen. Invalidität usw., was andre Arbeiter schon längst haben, existiert bei ihnen nicht. Wird ein Arbeiter längere Zeit krank, muß er sich Armen- Unterstützung erbitten. Ein Uebelstand ist die Höhe der Ufer in den meisten Häfen, die die Löschung der Ladung sehr erschwert. Der einzige Hafen mit niedrigem Ufer ist der ani Urban; daselbst befinden sich auch 7 Brunne» nnd 4 Bedürfnisanstalten. Uni allen den Uebelständc» abzuhelfen, ist es nötig, so schließt Redner, daß sich die Schiffer au die Stadtverwaltung und den Landtag beschwerdeführend wende»: in letzterem werde man einen Abgeordneten für die Sache der Schiffer zu gewinnen wissen. Nach längerer Diskussion gelangte eine Resolution zur Annahme, die den Verband beauftragt, zur Beseitigung der angeführten Uebclstäude an die Stadlbehörden und den Landtag Eingaben zu richten und diese zu begründen. Uetzko und Drpef-lszen. Von der englischen KrönuugSfeier. London, 9. August.(W. T. B.) Während der Festzug durch die Straßen zog, scheuten die Pferde eines Wagens, in dem die Gattin eines Pairs saß, und gingen durch. 10 indische Soldaten, welche Spalier bildete», zwei Polizisten und zwei Zuschauer wurden verletzt und in ein Krankenhaus gebracht. Zur NeutralitätScrklärnug Dänemarks. Kopenhagen, 9. August.(W. T. B.) Der Dänische Friedens- verein hat auf eine an den Konseilpräsideuten Deuntzer ge- richtete Adresse, die Regierung möge dafür sorgen, daß Dänemark möglichst gleichzeitig mit Schweden und Norwegen sich den übrigen Mächten gegenüber priucipirll und dauernd neutral er- kläre, die Antwort erhalten, daß das Ministerium seine Auf- merksamkeit der Angelegenheit zuwenden nnd die erste günstige Gelegenheit zur Lösung dieser Frage benutzen werde. Sevilla, 9. August.itcr den heutigen Verhältnissen daher selbst dann nur annähernd richtige Resultate, wenn ein normaler, angeregter Geschäftsverkehr vorhanden ist, und Spekulation und Kontcrmine sich ziemlich das Gicichgcivicht halten, da die Börse den Einflüssen der wirtschaftlichen Atmosphäre nicht frei ausgesetzt ist. sondern diese Einflüsse vielfach ""Ji, e',1Cl: durch knustliche Maßnahmen abgeschwächten oder verstärkten_ Druckkraft gelangen. Noch mehr aber verliert die Funktion der Börse als Wirtschaftsbarometer an Zu vcrläiftgkeit, wenn, wie dies gcgeutvärtig der Fall ist. da? Kunden Publikum sich völlig zurückhält, die Umsätze auf ein kärgliches Minimum zusammenschrumpfen, und in der allgenicinen Geschäftslosigkeit schon kleine Käufe und Abgaben beträchtliche Kursschwankungen zur Folge haben. Findet sonst m der bunten Masse der Umsätze zwischen den verschiedenen stimulierenden und niederdrückenden Faktoren immer» hm ein gewisser Ausgleich statt, so gewinnen, je schwächer der Verkehr wird, desto niehr rein zufällige Momente Eiiifluß auf die Kursgestaltung: subjektive Meinungen ciuzclner und leere Gerüchte. Die Börse wird im weitesten Maße sogenamitcn.Impressionen' zugänglich�: an die Stelle thatsächlicher, wirtschaftlicher Einflüsse tritt ein wechselndes bloßes Meinen und Bermuten. Das Börsentreiben des letzten Halbjahres liefert dafür mannig fache Belege, beruht doch ein großer Teil der bedeutenden KurSstcigc M W>WM.......... verheißene Aufschlvung sich bald emstellen müsse. Besonders deutlich aber zeigte sich der (Linstuh, den daS subjektive Meinen und die durch dieses vernnln�ten kleinen Käufe und Angebote auf den Kursstand erlangt haben, in letzter Woche. Obgleich keinerlei Faktoren vorhanden waren, die»ach dem JnhrcsabschlußergebniS des Bochumer Gußstahlvereins und der Schlickert- gejellschast und den ungünstigen Ziffern über die Lage des tvcstfälischcu Kohleumarktc» Anlaß zu einer freundlichen Auffassung der Wirtschaft- licheu Situation boten, gingen doch a>n vorigen Sonnabend verschiedene leitende Kohlen-, Hütten- und auch einige Bankaktien bis zu2— gVeProz. in die Höhe, allein deshalb, weil einige Kaufaufträge vorlagen, die zu Zeiten flotten Geschäftsganges kaum sonderlich beachtet worden wären. Als dann mir Montag, geweckt durch die Nachfrage des Sonnabends, Montauiverte etwas stärker angeboten wurden, sielen diese Werte wieder, um hinterher auf die Meldung, daß der Eiscnbahnminister die Frachten für Eisenerze ermäßigt habe, erneut anzuziehen. Am Dienstag zunächst völliger Mangel an Kauflust und als Folge davon ein leichtes Nachgeben der Montanwcrte, darauf, als sich einige Nach frage einstellte, ein neues Aufsteigen der Kurse. Am Mittwoch infolge zunehmender Vcrkaufslust wieder eine Ab schwächung, die sich in de» letzten drei Tagen, da der amtliche Be richt über die Düsseldorfer Börse vom Donnerstag verstimmte, iveitcr fortsetzte und gesteni und heute auch auf den Balikenmarkt übergriff, s» daß die Kurse der leitenden Montanwerte heute ungefähr auf gleicher Höhe stehen wie vor acht Tagen, teilweise, wie z. V. Konsolidation und Harpener. sogar mehrprozcntige Abstrich» erlitten haben, während die Aktien der großen Banken durchweg 1—2 Prozent niedriger notiere». Daß unter derartigen Verhältnissen, wo leichte Neguugcu der Kauf« oder Verkaufslust, die ihrerseits wieder von zufälligen Stimmungen abhängen, zu Verursachung nicht unbeträchtlicher KurSschwonkungen hinreicheu, der Wert des Kursstandes als eines wirtschaftlichen Wetterkundigers, ein höchst zlveifclhafter ist. braucht nicht erst belvicsen zu werden. In de» Börsenberichten werden aller- dingS durchgchcnds für alle Schwankungen irgend welche Gründe genannt; doch sind diese Gründe meist nach dem Princip fabriziert, daß, da alles seinen Grund hat, auch das Fallen und Steigen der Kurse einen haben muß. Und an AiiSwahl fehlt es nicht, finden doch an jedem Tage da oder dort auf den Geld- oder Industrie- Märkten größere oder kleinere Verschicbungen statt. Die Sache ist nur die, daß, wenn nian diese oft nachträglich hervorgcsuchtcn Gründe und ihre Wirkungen betrachtet, man findet, daß für daS wirtschaftliche Leben ganz belanglose Gründe vielfach beträchtliche Wirkungen erzielen, während andrerseits weit wichtigere Gründe gar keine Beobachtung finden. So vermochten z. B. vorgestern, obgleich Wien feste Haltung meldete, die New Aorker Börse am Mittwoch relativ günstig abgeschlossen hatte und am Londoner Minenmarkt eine leichte Erholung eintrat, weder Montan- noch Bantwerte ihre Kurse zu behaupten— angeblich weil der Wochenbericht des„Jron Age' über den amerikanischen Eisenmarkt eine Verschlechterung der dortigen Lage erkennen lasse. Thatsächlich aber zeigt der Bericht, der sich übrigens diesmal noch niehr als sonst die Unklarheit der belgischen Orakel zum Vorbild genommen zu haben scheint, nichts, was nicht ohnehin durch die verschiedenen Mitteilungen bekannt gc- ivorden war; ja die Angabe, daß eineBestcllnng niif3l)lX>0TouncilStahl- schienen wahrscheinlich an eine deutsche Firma vergeben sei, würde, wenn gestern zufolge geringer Rückkäufe der Kurs ciuifler Montan- werte angezogen hätte, sicherlich zur Motivierung dieser»Kurs- bcfferung" verwendet worden sein. Die Ursache der sonderbaren Rätsel, die seit einiger Zeit die Börse dem aufgicbt, der an der Anschauung festhält, daß in der Auf- und Abwärtsbewegung der Kurse die Schwauklmaen der wirtschaftlichen Situation zuni Ausdruck gelangen, liegt auf einem andren Gebiete, nämlich darin. daß in der heute den Verkehr an der Börse beherrschenden Stagnation, dein voll« ständigen Rückzug des Kundenpnblikums und der Ueberlassung des Operationsfeldes an die berufsmäßigen Spekulation, die Börse mehr und mehr die Fähigkeit verloren hat. Veränderungen des WirlschaftS- Marktes mit einiger Sicherheit zu registrieren. Eine Thatsache. au« der sich als weitere Folge ergiebt, daß es eine Illusion ist, an- zunehmen, der heutige Kursstand der Judustriewerte entspräche ihrem effektiven Werte. Zu den Kuriositäten des BörsentreibenS in den letzten Wochen gehört auch die Kursbewegung der Schuckert-Aktien. Vor drei Wochen standen sie 101,25, heute stehen sie 9(1 Proz. Und doch fällt in die vorige Woche der Geschäftsbericht dieser Elektricitätsgesellschaft. der sicher- lich nicht geeignet ist. die Ueberraschung. welche die erste Mitteilung über den Jahresabschluß verursachte, zu mildern, trotz seiner breiten Ausführung über die Vermehrung der Aufträge; denn nicht nur ist es recht fraglich, ob die Rohstoffe, fremde und eigne Fabrikate, die am 31. März mit 14.8 Mill. Mark ldaruntcr eigne Fabrikate mit 9.3 Mill. Mark) zu Buch standen, sich zu diesem Wert realisieren lassen werden, sondern es besteht anch, wie die Mitteilungen über das Effektenconto zeigen, der Besitz der Gesellschaft an Effekten zum größten Teil in Werten von Tochtcrgründungen, die durchweg recht geringe Aussicht auf Rentabilität bieten. Darunter befinden sich 28 820(XX) M. an Aktien der Kontinentalen Gesellschaft für elektrische Unternehmungen, die mit 50 Proz., also 14 41()0M. in die Bilanz eingestellt sind: ein Betrag, der nach dem Geschäftsbericht der Kontinentalen Gesellschaft, wenngleich deren Aktien zur Zeit an der Börse über öl) Proz. notiert werden, noch immer entschieden zu hoch ist, da der Wert der eigenen Unter- nehmungen dieses Ablegers der Schuckert-Gesellschaft einfach nach den Gestehungskosten berechnet ist. Dazu kommt, daß der Effekten- besitz wie die Forderungen des Debitorenconto(22,56 und 16,78 Millionen Mark) ziimeist ans Aktien der gegründeten Tochter- gesellschaften und Guthaben bei solchen Gründungen bestehen, und zwar ist der Wert dieser Effekten zu den Kursen vom 31. März eingestellt worden. Das entspricht zlvar der Usance bei der Aufstellung der Bilanzen, ergiebt aber trotzdem, solveit der Stand der betreffenden Unternehnmngen ein Urteil gestattet, eine entschiedene Ueberwertung. Leider lasten sich die einzelnen Beiträge, mit denen die Kontinentale Gesellschaft bei ihren Gründungen beteiligt ist, nirgends feststellen, da der Vorstand— im Gegensatz zur Schuckert-Gesellschaft, die eine Uebersicht über ihren Effcktcnbesitz gicbt— in weiser Beachtung des Sprichworts: „Was einer nicht weiß, macht ihn anch nicht heiß' sich jeder näheren An- gäbe über die einzelnen Posten der Effekten-, Konsortial- und Debitoren- Coiite» enthält, ebenso wie über die für die Unternehmungen in eigner Verwaltung angesetzten Summen. Gerade diese Zugeknöpstheit des Berichts läßt aber„tief blicken", den» Vorteilhaftes würde der Vorstand schiverlich verschwiege» haben. Rechnet man hinzu, daß nach Abzug der Verluste der Schuckert- wie der Kontinentalen Gesellschaft nur ällßerst geringe Rückstellungen verbleiben, und daß die erste Gesellschaft für die Bankschulden der letzteren bis zur Höhe von 36 Millionen Mark haftet, so erscheint der Rückgang der Schuckert-Aktien um ca. 16 Proz. als zienilich belanglos, noch mehr aber die Kursbewegung der Aktien der Kontinentalen Gesellschaft für elektrische Unternehinungen, denn diese haben sich von dem Fall nach der Veröffentlichnng des Jahres- abschlnsscs bald erholt und stehen heute auf ungefähr gleicher Höhe, wie vorher. Uebcr die Lage der rheiuisch-westfälischcn Eisenindustrie cirkullren wieder in der Presse recht verschiedene Angaben je nach dem be- sonderen Standpunkt der Berichterstatter und ihrer Stellung im industriellen Getriebe. Im ganzen zeigen diese Berichte aber doch. daß der Roheiseumarlt noch keine Aussichten auf baldige Besserung bietet. Einige Werke haben zwar größere Aufträge aus dem Ausland erhalten, aber für die Gesanitproduktion fallen diese Bestellungen wenig ins Gelvicht. Besonders die reinen Hochöfen, die nur Roh eisen zum Verkauf produzieren und nicht selbst weiter verarbeite» stecken in andauernden Absatzschtvierigkciteii. Vornehmlich nach Pnddel eisen ist die Nachfrage gering, während Gießerei« Roheisen etwas leichter Absatz findet. Auch die Halbzengproduktion arbeitet zu einem wesentlichen Teil für den Export, aber zu Preise», die durchivcg nm 26 bis 25 Mark pro Toniie niedriger sind, als die Preisfestsetzungen deS Verbandes Die Folge ist, daß durch diese Preisunlerbietungen die ausländischen Konkurrenten der dentschen Werke, die Fertigware für den Welimarkt liefern, in den Stand gesetzt iverden, mit ihren deutschen Rivalen erfolgreich zu konkurrieren, da sie das von ihnen verarbeitete Halbzeug iveit villiger zu verkanfeil vermöge», wie der deutsche Fabrikant. So ivird z. B. den deutschen Draht- und Drahtlvarenfabrikanten der Export dadurch wesentlich erschwert, daß die ausländischen Fabriken ihrer Branche deutsche Stahltnüppcl zn weit niedrigeren Preisen angeboten erhalten, als sie. Auch die Feinbleche verarbeitenden Werke haben, tvie dieser Tage die„Köln, Ztg." berichtete, bei ihrem Export unter den dilligen Auslandspreisen deS deutsche» Fcinblech-SyndikatS zn leiden, da die vom Syndikat getvährte Ausfuhrvergiltimg von 15 M. auf die Tonne Rohgewicht der von ihm gekaufte» Bleche die Differenz zwischen den Inlands- und Auslandspreisen nicht deckt, sondern letztere noch immer um 26—24 M. niedriger sind. Auf dem amerikanischen Eisemnarkt läßt sich eine weitere Ab chwächung der Nachfrage konstatieren. Allerdings würde es im- richtig sein, von einer Stockung des Absatzes zn sprechen. Nohcise» üidct willige Abnahme, da die Noheisciiproduttion infolge deS Ans tandeS der Arbeiter in den Ailthrazit-Bergiverken und des Mangels a» Cooks hinter dem Bedarf zurückgeblieben ist, und ebenso besteht nach Baustahl, Schienen, Röhren lebhafte Nachfrage; dagegen macht 'ich auf dem Rohstahl-, Draht- und Feinblechmarkt eine Ver minderllng der Aufträge bemerkbar,»md ferner hat in kleinerer Fcrtigivarc der Absatz beträchtlich nachgelassen. Auch die Geldknappheit des amerikanischen Marktes zeigt nach dem letzten Ausivcis des New Dorker Nationalbanken-Ver bandeS eine weitere Steigernng. Der Barvorrat hat iviederum um 766 066 Dollar abgenommen; der Notcnbestaiib und die Vorschüsse sind gewachsen. Einen inleressantcn Beitrag zur Eharakteristik der Lage deS amerikanischen Geldmarktes bietet eine jüngst von Vradstreet veröffentlichte Zusammenstellung der Summen der Bankabrcchmmgen in den 86 Imchtigsteii Städten der Vereinigten Staaten von Äntcrika für daS erste Halbjahr 1962. Danach' gestalteten sich, auf die verschiedenen geographischen Bezirke des Landes verteilt, die Abrechnungen im Vergleich zum Vorjahr olgcndermaßc»: Summe der Abrechnungen für Januar bis Jnni 1962 1961 Zu- oder Ab- in 1666 Dollar Nen-England.. Mittelstaaten.. Westen, mittlerer. Nordwesten... Südwesten.,. Süden.... Aeußerfter Westen g 961 366 41 283 396 1 928 586 5 291 233 2666 431 1 555 626 1 182 615 57 197 587 4 173 222 49 606 669 1 726 656 4 625 545 1 742 365 1 566 863 1,662 885 63 778 684 nähme 1962 in Prozent — 5.1 — 15,7 + 11.4 + 14.4 4- 14,8 + 3,2 + 17,9 — 16,3 Vereinigte Staate». Dieselben ohne New York..... 26 286 755 19 643 431+ 6,5 Der Rückgang der Gesanitabrechnungen in der ersten Hälfte von 1962 gegeiiülier dein gleichen Abschnitt des Vorjahres um 6586 Millionen Dollar beruht demnach in der Hauptsache auf der Ab- »ahme des Bankgeschäftes in der Stadt New Kork. Dort lag der Umsatz in Papieren während der ersten sechs Monate des laufenden Jahres danieder, die Aktienverkällfe erreichten nur die Hälfte ihrer Höhe vom Vorjahre, und anch die Bondsverkänfe blieben um 10 Proz. gegen die vorjährigen zurück. Daher lonnte Neiv Jork von Januar bis Juni 1962 nur eine Ab- rechnullgssumme von 36 911 Millionen Dollar gegenüber einer olchen von 44 735 Millionen Dollar in den entsprechenden Monaten von 1961 erreichen, hatte also einen Ausfall von 7824 Mill. Dollar oder mehr als 17 Proz. zu verzeichnen. Ob dieser Geldmangel jedoch einer Krise entgegentreibt, ist immerhin noch fraglich. In' wenigen Wochen werden die großen Getreidc-Versendungen beginnen, die neue Mittel ins Land bringen. _ Tat. Sorinles. Der Baunrbeiterschntz in Berlin. Durch Polizeivcrordnung war bekanntlich bestimmt worden, daß auf Neubauten bei Dacharbeiten Schutzrüstungelt anzubringen sind, die nicht mehr als 1,56 Meter unterhalb des HauptsimscS angebracht, 56 Meter breit, mit einer Schutzwehr von 1 Meter Höhe und einem Fußbrett von 6,56 Meter versehen sein müssen. In letzter Zeit hatten namentlich die Dachdecker über das Fehlen dieser Schutz- rüstung besonders an öffentlichen Gebäuden zu klagen. Auf die vielen Beschwerden, die unablässtg bei den zuständigen Bau-Jnspeltioncn von den Arbeitern eingereicht U'urden, kam endlich ein Bescheid in Farm einer Karte, daß diese Bestimmung des Polizei-- Präsidenten außer Kraft gesetzt sei. Darauf wandten sich die Bcr- treter der Arbeiter unterm 9. Juli mit einer Eingabe gegen die Außerkraftsetzung der Bestimmung, die für die baugcivcrbl'.chen Arbeiter von ganz besonderem Wert ist, an den Berliner Polizei-Präsidenten und baten um Aufklärung über die Angelegenheit. Denn in der Preffe war eine Bekanntmachmig über Aufhebung der Verordnung nicht erfolgt, ebenso war den beteiligten Berufs- Vertrauenspersoncn keine Mitteilung gemacht Ivorden. Am 26. Jnli d. I. erfolgte dann diese Antwort: „Auf die Eingabe v. 9. Juli er. wird Ihnen mitgeteilt. daß in betreff der Schutzvorrichtungen bei Dacharboitcn usw., gemäß Nr. 14 der allgemeinen baupolizeilichen Vorschriften, die Vorschriften der §§ 30, 31 n»d 32 der revidierten Unfallverhütungs- Vorschriften für die nordöstliche Bangewerks-Bernfsgenosscilschaft. vom Reichs-Ver- sichernngSamt genehmigt unterm 17. Dezember 1398. zu be- ���Jm"übrigen ist die Ban-Polizeibehörde auf Grund der Vor- fchrift des§ 12 Nr. 8 der Baupolizei-Ordnung für Berlin vom 15. August 1897 befugt, im Einzelfalle nach Bedarf andre oder weitere Schutzvorrichtungen anznordnen." Das bedeutet eine wesentliche Lerschlcchterlnig des Schutzes für Leben und Gesundheit der baugeiverblichcn Arbeiter. Wer von den Arbeitern kennt die Unfallverhiitniigsvorschriften? lind Hüngen die- selben auf den Bauten aus? Bei den Kontrollen, die von den Arbeitern vorgenommen sind, wurde festgestellt, daß es selbst in Berlin noch eine ganz bedeutende Anzahl bon Unternehmern giebt, die a»f ihren Bauten ü b e r h a u p t k e i n e Unfallverhütungs- Vorschriften aushängen. Wir bringen die Borschriften den Arbeitern zur Kenntnis. Für Ba'uklempiier, Dachdecker, Bauglaser unb B a«»> a l e r:•,„. t, § 30. Bei steilen— eingeschaalten oder schon euigedcckten— Dächern ist darauf zu achten, daß die darauf arbeitenden Gesellen oder Arbeiter nsiv., sofern sie ohne Rüstung arbeite», stets durch ein Tan usiv. vor den, Herabfallen geschützt sind. Dasselbe muß auch geschehen bei Dächern, deren Neigung bis 25 Grad herunter- geht,' tvciin bei Verlegung oder Reparatur der Dachrinne ei» Herantreten bis dicht an die Traufkante erforderlich wird, und ebenso bei ganz flachen Dächern, wenn daS abzudeckende Hanptgesims bei der sogenannten Attila tiefer liegt als die Oberkante der Front- wand. § 31. Nen-Eiiideckungcn von Glasdächern dürfen nur ausgeführt werden, weint sich unter denselben Gerüste befinden, welche mit Brettern fest abgedeckt sind.„,. Reparaturen von Glasdächern dürfen nur von sicher befestigten Leitern ans vorgenommen werden, und müssen die damit Beschäftigten in jedem Falle'durch ei» um den Leib befestigtes Tau gegen Hinafc fallen gesichert sei». � § 32. Vorstehende§§ 30 und 31 werden außer Kraft gesetzt! (soweit sie sich ans Dächer mit einem Neigungswinlcl von mehr als 25 Grad beziehen), wenn Arbeiten an solchen Dächern ausgeführt- werden, welche„ a) mit haltbaren Schutzgittern(Schneefangen ans Elsen oder genügend starke» Bretter») von mindestens 25 Centüneter Höhe verschen sind, b) in der Nähe der Schornsteine zum Begehen des Dachest Laufbohlen haben und o) bei über 35 Grad Neigungswinkel in genügender Anzahl mit' Leitcrhaken versehen sind. Hierzu ist zn bemerken, daß es den Dachdeckern und Bau- klempnern oft nninöglich ist. selbst wenn ein Sichcrheitsgürtel nebst Tau vorhanden ist, denselben bei der Arbeit zu benutzen. Aber bei den im Dezember 1961 kontrollierten Banten, etwa 86 an der Zahl, wurde festgestellt, daß nur ans II Proz. derselben Sich erh eits- g ü r t e l vorhanden waren, von denen etwa 3 Proz. sich noch in schadhaftem Zustande befanden. Wieviel Menschenleben sollen noch vernichtet werden. che sich die preußische Regierung herbeiläßt, ein einheitliches B a u a r b e i t e r s ch n tz- G e s e tz zu schaffen?_ Wir meinen, was in Bayern, i» Sachsen und Baden in verhältnismäßig kurzer Zeit geschehen konnte zum Schutze der baugewerblichen Arbeiter, das dürfte in Preußen, als im größten Bundes- st a a t e. wo 800 666 baugewerbliche Arbeiter in Frage kommen, ebenfalls möglich sein. Die Arbeiter dürfen in ihrer Agitation für den Bauarbeiterschutz nicht erlahmen, sonder» müssen energischer ivie bisher dafür eintreten.(*. L. Die Muttersprache der Einwohner des Dentschen Reiches. Nach der Bolkszählung vom 1. Dezember 1900 gab es im Deutschen Reich« 4 231 129 Personen, deren Muttersprache nicht die dentschs war. Die Mehrzahl derselbe», nämlich 3 686 489, hatten polnisch zur Muttersprache. Dann folgt französisch mit 211 679 Personen, m a s» r i s ch mit 142 049, dänisch oder norwegisch mit 141 661, l i t t a u i s ch mit 106 365, k a s s u b i s ch mit 100 213, >v e n d i s ch mit 93 032 usw. Außerdem gab es noch 252 918 Personen, die'neben der deutschen noch eine fremde Mutterspracho hatten. Darniiter hatte wieder die polnische Sprache die weit überwiegende Mehrzahl der Angehörigen, nämlich 169 634, dann die wendische 28 779, die m a s u r i s ch e 16 893, die französische 9356, die l i t t a u i s ch e 9214 usw. Loimtes. Ostelbische Lehrergehälter auf Berliner Rieselglltern. Die kürzlich wieder einmal von uns aufgeworfene Frage, ob nicht für die Lehrerstellen der Berliner Riesel- güter die Gehälter endlich auf eine angemessene Höhe zu bringen seien, ist vor einigen Monaten anch an die Stadtverordneten- Versammlung gerichtet Ivorden. Allerdings handelte es sich dabei nicht, wie eine magistratsoffiziöse Mitteilung dieser Tage zu erzählen wußte, um einen vom Magistrat ausgehende» Vorschlag, zu dem die Stadtverordneten Stellung zu nehmen gehabt hätten, sondern nur um— eine Anregung von socialdemokratischer Seite. In dem zur Vorberatung des StadthanShaltS-EtatS für 1902 eingesetzten Stadtverordneten-Ausschilb war von unsren Vertretern ein Antrag gestellt ivorden, der für die Lehrer der Riesel- güter eine Gleichstellung mit den G e m e i n d e s ch u l- lehrern Berlins, eventuell durch Zuschüsse zu den Schul- beitrügen, forderte. Dabei war besonders Bezug genommen worden ans daS Gut Diedersdorf, das eben erst neu in den Besitz der Stadt Berlin übergegangen war. Der Antrag wurde abgelehnt. Im Plenum wurde dann bei der zweite» Lesung des Etats diese An- gelegenheit bon dem socialdemokratischcn Redner noch einmal! gestreift, und zwar aus Anlaß deS Streites um die Kirche in Buch, für deren Reparatur der Magistrat 5566 Mark ausgeben wollte, während er als Kirchcnpatron! nur zu einem Beitrag von 461 Mark verpflichtet tvar. Im Ausschuß hatten unsre Genossen die Sircichuiig der über den Patronatsbciirag hinnnsgeheilden 5639 M. durchgesetzt, im Plenum aber wurden von der freisinnigen Mehrheit die 5566 M. v o I l b e- willigt. Unser Redner hob unter Hinweis auf die Gehälter de» Rieselgut-Lehrerstellen hervor, daß der Berliner Magistrat auf den Nieselgütern für die Schule genau so Patron ist wie für die Kirche, daß er also für die Schule ficr seine Pntronaispflicht mindestens ebenso hinausgehen dürfe und müsse, wie er es hier für die Kirche thu» wolle. Der Freisinn indes, unbekümmert um die in seinem Verhalten liegende Inkonsequenz. gab freigebig der Kirche, was er knickerig der Schule vorenthalten zu müssen glaubt. Soviel über die Stellung, die die Stadtverordneten- Dcrsannn« lung zu den beschämend niedrigen Gehältern der Rieselgut- Lehrer- stellen bisher eingenommen hat. Was den Magistrat angeht, so wird zu seiner Verteidigung angeführt, daß er nicht allein über die Hohe dieser Gehälter zu bestimmen habe; auch den Dorfgemeinden, die mit den Gutsbezirken zu.Schul» gcmeiuschaften" vereinigt seien, stehe ein Mitbestimmungsrecht zu. In der Form ist das durchaus zutreffend, in der Sache aber hat diese Antwort nur die Bedeutung einer kläglichen Ausrede. Gewist, unter den augenblicklich bestehenden Verhältnissen setzt der Magistrat die Gehälter nicht allein fest und kann mit- hin für ihre geringe Höhe nicht allein verantwortlich gemacht werden. Aber was hindert denn den Magistrat, die bestehenden Verhältnisse zu ändern?! Wenn er es nicht für angängig hält, den Lehrern der Nieselgüter für Rechnung der Stadt Berlin «ine besondere Zulage zu geben, so bleibt ihm immer noch ein andrer Weg, auf dem sich Abhilfe schaffen lieste: Warum löst er nicht die rhu einengende Schutzgemeinschaft mit den Dorfgemeinden? Warum verlvandelt er nicht die Rieselgut- Schulen in Kommunal- Anstalten der betreffenden Guts- bezirke? Für die Schule in Hcinersdorf(bei Osdorf) ist das im vorigen Jahre von der Stadtverordneten-Versammlung thatsächlich beschlossen worden. Ei» gleicher Beschluß war schon 14 Jahre voichcc gefaßt worden und hatte auch die Zustimmung der Regie-' rung gefunden, aber die Vermögens- Auseinandersetzung mit der Kirche hatte die Ausführung bis jetzt verzögert. Grund der Um- Wandlung war der Wunsch gelvese», der Stadtgemeinde eine„an- gemessene Einivirkuiig" auf das Schulwesen im Gutsbezirk Osdorf zu sichern, die ihr infolge besonderer, geschichtlich gewordener Ver- Hältnisse hier fast gänzlich versagt war. Interessant ist. wie der Magistrat in seiner Vorlage vom 10. April 1888 diesen Wunsch be- gründete. Durch die Umwandlung werde eS der Stadtgemeinde ermöglicht, in die Verwaltung der HeinerSdorfer Schule' bestimmend einzugreifen. Erst dann würden Verbesserunge» möglich, die angebahnt werden müßten,„wenn sich die Stadtgemeinde nicht dem Vorwurf aussetzen wolle, daß sie ihre Fürsorge für die Schule hier im Weichbilde anders bemitzt als da. wo sie Besitzerin eines Gutes i st So schrieb der Berliner Magistrat im Jahre 1388. Damals hatte er noch die Empfindung, daß er mit Recht für die Rück- ständigkeit der Schulvörhältnisse auf den Nieselgütern verantwortlich gemacht werden kann. Im Jahre 1902 aber ivird auf den Vorwurf. daß auf den Berliner Ni eselgütern wahrhaft oft- elbische Schulverhältnisse herrschen, vom Rathause aus die dreiste Behauptung verbreitet, es lasse sich nichts da- gegen thun. Preußische Reliquien. Nicht allein die katholische Kirche. sondern auch die preußische Monarchie stellt Reliquien sonderbarer Art aus. In hiesigen Blättern findet sich folgende Beschreibung über Neuheiten im Hohenzollernmnseum: ... Da sieht man das weißseidene, mit einem Spitzen-Uebcr- Wurf versehene Kleidchen, das H e m d ch e u und die kleine Mütze, welche Kaiser Friedrich III. bei seiner Taufe trug. Da- neben liege» die violettseidenen, mit einer 5troue bestickten Schuhe des Täuflings in einem Glaskasten auf blauseidcnem Kissen, und Kaiser Friedrich war es selbst, der auf einem Zettel die Worte bei- gefügt hat:„Kasten, in welchem sich die ersten Schuhe des Prinzen Friedrich Wilhelm Nikolaus Carl befanden." Bestickte Tauf- und Taschentücher mit Wappen. Krone und Juitialeu sind als weitere Erinnerungen aus jeuer Zeit beigefügt. Wir in unsrer republikanischen Verborthcit können imS kein rechtes Bild davon machen, ob die ausgestellten Hemdchen, Kleidchen, Mützen und Taschentücher eines fürstlichen Kuäbleins zur Be- festiguug monarchischer Anschauungen bcitrnqen. Aber es muß ja wohl so sein. Fcrienende. Nun ist's mit den Schulferien wieder vorbei. Wie lang erschienen die fünf Wochen an ihrem Beginn— wie kurz erscheinen sie jetzt, wo sie zu Ende sind I Haben sie ihren Zweck erfüllt? Haben sie der Schuljugend die gehoffte, nottveudige Erholung und Kräftigung gebracht? Diesmal hat's ja damit leider etivas gehapert. Das Wetter dieser fünf Wochen war kein rechtes Ferienwetter— kein Wetter, wie man es erholungsbedürftigen Großstadtkindern für ihre Sommer- ferien wünschen muß. Es waren darin nicht allzu viele Tage, an denen man einmal einen weiteren Ausflug unternehmen konnte, ohne einen tüchtigen Regenguß befürchten zu müssen. Nur zu oft war es so regnerisch und kalt, daß den Kindern selbst der Besuch benachbarter Parkanlagen oder auch nur das Spiel auf der Straße unmöglich lvar. So mancher Sommcrferientag mußte da in der Stube hin- gebracht werden. Was in solchen fünf Ferienwochen, wenn sie nicht vom Wetter begünstigt sind, an Erholung verpaßt wird, welcher Gewinn an neuer Kraft uusreii durch die Schiilstnbeuluft schlaff geivordcnen, durch den llnterrichtsdrill erschöpften Kinder» entgeht, daS sollte nicht unterschätzt werden. Die Schule pflegt die Einbuße, die die Kinder er- leiden, sehr bald zu spüren, wenn sie ihre Arbeit wieder aufnimmt. Die Stadt»nd ihre Arbeiter. A»? gewerkschaftlichen Kreisen schreibt man unS: Ueberaus berechtigt scheinen die Klagen der Ar- beiter des städtischen S t e i n d e p o t s in der P a n k st r a ß e be- .züglich der Zustände auf den dortigen Aborten zu sein. Wie u»S voii den dort Beschnftigten wiederholt mitgeteilt wird, sind für die Arbeiter— 80 an der Zahl— zwei Aborte vorhanden, die wöchentlich nur einmal und häufig nicht gründlich gereinigt werden. Dazu kommt noch, daß sie auch von den vielen Kutschern und deren Helfern benutzt werden. Es erscheint daher wohl nicht unbillig, wenn die städtischen Arbeiter die sofortige Beseitigung dieses ungesunden Zustandes verlangen. Bedenkliche Krankeukasscit. Das kgl. Polizeipräsidium teilt mit: 1. Der„Sanitas", Vaterländischen Kranken- und Stcrbekasse, E. H. Nr. 137 zu Berlin SW. 12, Charlottenstr. 97, II, deren Weitragseiunahmen zur Deckung ihrer Ausgaben einschließlich der Rücklagen zur Ansammlung des gesetzliche» Reservefonds nicht aus- reichten, so daß für diese Zwecke Schulden gemacht werden mußten, ist durch Erlaß des Herrn Oberpräsidenteii der Provinz Branden- bürg vom 23. Juli d. I., da sie es unterlassen hatte, eine dem Be- dürfnis der Kasse entsprechende Abänderung der Beitragssätze herbei- zuführen, nunmehr zwangsweise eine Gesamterhöhimg der Beiträge um 75 Proz. ihres gegenwärtigen Betrages auferlegt worden. L. Gegen die„Fürsorge� Volks-Krankenkasse, E. H. Nr. 138" zu Berlin NW. 6, Schiffbanerdamm 15, ist wegen wiederholten un- begründeten Ausschlusses von Mitgliedern die Klage aus Schließung bei dem hiesigen Bezirksausschuß erhoben worden. Viel Geschrei und wenig Wolle. Ein neue? Anarchisten- blatt„Der Föderierte" hat soeben in Berlin zu erscheinen be- gönnen. Herausgeber ist im Auftrage der sogen.„Föderation revolutionärer Arbeiter Deutschlands' der frühere Redacteur des„Socialist". Cigarrenfabrikant Oskar Witzle. Das Blatt will das Hauptgewicht auf den wirtschaftlichen Kampf legen und für die Ausbreitung des Genoffenschaftswesens Propaganda machen. Gleichzeitig ist auch die Centralleitung der revolutionären Föderation, die sich in Feuerbach bei Stuttgart befand, nach Berlin verlegt worden. Hinrichtung. Im Hofe deS Gefängniffes zu Plötzensee ist gestern früh 6 Uhr die Hinrichtung deS Raubmörders Albert Jänicke, der wegen Ermordung der Dachdeckerfrau Rühlicke in Schöneberg im Januar d. I. zum Tode verurteilt worden ist, durch Enthauptung vollzogen worden. Hinrichtungen sind ja unter dem neuen Kurse nichts Neues. Die Staatsanwaltschaft hat sich diesmal insoweit den Dank gesitteter Kreise verdient, als sie die Sensation»- presse nicht in die Lage brachte, schon im Voraus auf das schauerliche Ereignis aufmerksam zu machen. Nach einem Revolverattentat auf seine Fran verhaftet wurde der Arbeiter Arthur Hauptmann aus der Frankfurter Allee 38. Hauptmann schoß nach einem Streit mit seiner Frau, die sich aus Angst vor seinen Mißhandlungen aus der Wohnung auf den Flur geflüchtet hatte, von der Treppe aus mit einem Revolver auf die Unglückliche, glücklicherweise ohne sie zu treffen. Der Unhold wurde alsdann der Kriminalpolizei zugeführt. Zeugen gesucht. Am Sonntag. 3. August, abends 10l/2 Uhr, stürzte ein junger Mann in Nieder-Schönhausen vor dem Grundstück Lindenstraße 22, unweit der Pankebrücke, in eine auf dem Bürger- steige befindliche ca. 1,6 Meter tiefe Grube, welche weder durch die vorgeschriebene Laterne, noch sonst ein Warnungssignal kenntlich ge- macht war, und erlitt dadurch einen Unterarmbruch. Die beiden Herren, die dem Verunglückten beim Hinausklettern aus der Grube Hilfe leisteten, werden um Angabe ihrer Adresse an Arthur Seidel, Berlin N. 24, Artillcriestr. 22, gebeten. DaS bei dem BootS-Uufall am verfloffenen Sonntag bei Treptow ertrunkene junge Mädchen ist als die Tochter des Schau- buden-Besitzers P. aus Gera rekognosciert worden. Die Leiche ist nach Gera übergeführt worden.—'Wie bereits mitgeteilt, ist seitens des AmtsvorsteherS eine Untersuchung gegen den Führer des Dampfer?„Lydia" eingeleitet. Dem Kapitän des Dampfers, eines Schleppers, welcher Sonntags als Passagicrschiff auf der Oberspree verkehrt, wird zum Vorwurf gemacht, daß er das Unglück durch eine plötzliche Kursänderung herbeigeführt und den Tod des jungen Mädchens noch ganz besonders dadurch veranlaßt habe, daß er, ohne sich um das von ihm umgerannte Boot und dessen mit den Fluten kämpfenden Insassen zn bekümmern, weiter gefahren sei. Einbrecher statteten gestern nacht dem Hause Tresckowstr. 9 einen Besuch ab. Bewohner des Hauses wurden in der Nacht gegen 3 Uhr durch ein Geräusch aufgeschreckt und entdeckten dann, daß Diebe in dem im Hanse befindlichen Schuhmacherladen eine Scheibe eingedrückt hatten. Einer der beiden Einbrecher entkam, der andre jedoch, der als ei» in der Nachbarschaft wohnender Lithograph N. ermittelt wurde, konnte zur Nevicrtvache gebracht werden. Es wird erzählt, daß der noch im jugendlichen Alter befindliche Manu aus Not zum Dieb geworden ist. Er vermochte hier keine Beschäftigung zu finden; eine ihm in Ungarn angebotene Stellung konnte er jedoch nicht annehmen, da die Militärbehörde ihm den Auslandspaß ver- weigerte. Die Mutter des Einbrechers begab sich, als sie von der Handlungsweise ihres Sohnes hörte, zur Wache, und mußte von dort ohnmächtig durch Schutzleute in ihre Wohnung zurückgebracht iverden. Zn dem LiebcSdrama in der Bödikerstraße wird weiter mitgeteilt, daß beide Personen noch am Leben sind. Die Lüdersdorf, bei der ein operativer Eingriff stattgefunden hat, liegt noch in bewußtlosem Zustand danieder und bietet wenig Hoffnung ans Wiederherstellung. Eine Kugel hat ihr den Darm zerrissen. Schnndt ist dagegen nicht lebensgefährlich verletzt und die Kugel ist nicht im Kopfe sitzen geblieben. Z» einer Schlägerei zwischen Angestellten der Straßenbahn und Zuhältern kam es am Somiabcnduachmittag um 3 Uhr an der Ecke der Bad- und Pankstraße, auf dem Gesundbrunnen, Ivo sich die Haltestelle der Straßenbahn befindet. Etwa ein Dutzend Zuhälter belästigten die Beamten der Straßenbahn, ein Wort gab das andre, und schließlich wurden Schaffner und Kutscher mit den Gegnern Hand- gemein. Bon den letzteren wurden zwei verletzt, anscheinend mit den Stangen, die zum Stellen derWeichen dienen. Die schwersten Wundeii ani Kopf trug der Arbeiter Julius Gutsche aus der Badstr. 6/6 davon, der auf der Unfallstation nur einen leichten Notverband erhielt und dann be- wußtloS in einem Lückschcn Rettungswagen nach der Charitö be- fördert werden mußte. Weniger erheblich' wurde Karl Leopold ver- letzt, der nach Anlegung eines Verbandes entlassen werden konnte. Durch den Vorfall und das Verhalten der Zuhälter war ein Auflauf eutstanden. Polizei mußte aufgeboten werden, um die Unfallstation abzusperren und die Ruhe wieder herzustellen. Den ursprünglichen Anlaß gaben zwei Führer von Steinwagen, die vor der Straßenbahn her auf den Schienen fuhren und der Straßenbahn nicht nur nicht Raum gaben, sondern die Bediensteten obendrein noch verhöhnten. Zu den Kutschern gesellten sich später die Zuhälter. Im Fasaueugehcge des Zoologischen Gartens sind mancherlei bemerkenswerte Vögel neu eingetroffen. Vor allem ziehen einige asiatische Arten die Aufmerksamkeit auf sich. Da sind zunächst zwei mantschurische Ohrfasane, große Fasauhühucr mir dachförmig gebildetem Schwanz, nackten Gesichtsseiten und merk- würdig zerschlissenen Federn, die hinter der Ohröffnung ein weißes Büschel bilden und auf der Schwauzfirste zn einem wallenden Schweife ausgebildet sind. Diese fremdartig aussehenden Vögel bewohnen die GebirgSwäldcr Chinas und sind in mehren Arten bis zur Mongolei nach Norden und bis in die Vorberge des Himalaya und das tibetanische Hochland nach Westen verbreitet. Auw von einer andren für dieses Gebiet eigentümlichen Gattung, den Keilschwanz-Fasanen, Pucrasia, ist ein Vertreter vorhanden, der durch einen Schopf schmaler Federn auf dem Hinterkopfe ausgezeichnete Schopf- Fasan, IPrucasianipaleiisiL, aus dem Himalaya. Von Amerika sind ebenfalls mehrere hübsche Hühnervögel angekommen, die rotkehlige Schopfwachtcl. Or'sortz-x pictus, aus Kalifornien, zwei kleine r o t f l ü g e l i g e G u a n Ii ü h n e r, Ortalis garrula, aus Mexiko und ein Paar deS Darrels H o ck o. So ist nun das Fasauengehege mit einer Fülle von schönen und intereffanteu Arten besetzt, die in den hübschen, mit frischem Grün gezierten Gehegen sich sehr vorteilhaft darstellen. Die Sttlllcben-Bclkcu dcS Berliner ZlquarinmS mit ihrer stets wechselnden und durch neue Zuführungen sowie durch die höchst eigentümlichen Arten der Fortpflanzung und Vermehrung sich er- gänzcnde Besetzung stellen den Besucher vor manches Rätsel. Zu den geheimnisvollsten Lebewesen gehören verschiedene weiße, gelbe, rote und braune Gebilde, welche der Beschauer ohne weiteres als pflanzliche Geschöpfe oder Teile von solchen ansehen wird. Wenn er auch für's erste die reizenden bunten Blumenpolypen für Gewächse hält, so belehren ihn doch bei aufmerksamer Betrachtung gewisse Be- wegimgen ihrer Fühlerkränze dahin, daß sie ihm nun wenigstens als UebergangSgliedcr vom Pflanzen- zum Tier- reich erscheinen. Aber bei jenen erstgenamuen Gebilden, die so einfach in Gestalt von finger- bis handlangen Fichtenzapfen ans ihrer felsigen Unterlage in die Höhe ragen, wird ihm dieser Gedanke nie kommen, und doch stehen diese Geschöpfe nach ihrem inneren Bau und ihrer Entwickelung viel höher als die Blumen- Polypen, denn sie zeigen darin sogar eine merlwürdige Aehnlichkeit mit den Wirbeltieren, während allerdings der sie umhüllende Mantel betreffs seiner Masse chemisch in den wesentlichen Eigenschaften dem Pflanzenzcllstoff gleicht Diese Manteltiere oder �soickien regen immer von neuem zu Untersuchungen und Forschungen an. Treptow- Sternwarte. Die Plattform der Treptow-Sieniwarte ist in der ganzen Woche für die Besucher zur Beobachtung der Sternschnuppen freigegeben. Sonntag, den 16. dieses, wird Direktor Ärchenhold um b und um 7 Uhr über„Dir diesjährigen Sternschnuppenschwärme" unter Vor- führung zahlreicher Lichtbilder sprechen. Es bietet sich auch gleichzeitig Gelegenheit, während der ganzen Woche in den frühen Abeudstiiiiden schon von 8 Uhr an den Mond zu beobachten. Es ist erwünscht, daß sich mäg- lichst viel Amateur-Photographen an den Aufnahmen der Stemschnuppeir beteiligen. Nähere Anweisungen werden von der Direktion der Trevtow-Sternwarte ausgegeben Am Sonntag, Montag und Dienstag wird die Brahe Berliner Sttahenbahn biS nachts 1 Uhr Extra- wagen von und nach Treptow verkehren lassen. Ans den Nachbarorten. Ueber die Eingemeindung von Gebietsteilen SchönebergS in Charlottenburg gegen Austausch von Gemeindegebiet sind die Verhandlungen, welche bereits vor längerer Zeil augeliiüpft sind, noch nicht zum Abschluß gebracht worden. Bis jetzt sind nur an der Augs- burger- und Passai'ierstraße zwischen den beiden genannten Städten die Verwaltnugsgrenzen anderweitig geregelt. Die Haupt- umgemeindung bezieht sich auf das der Stadt Schön eberg gehörige, etwas über 11 Hektar große Gelände, welches vom Charlottenburger Areal vollständig umschlossen ist und zwischen dem kgl. Schloßgarten und der Spree ungefähr an der Stelle liegt, wo sich die Hamburger Eisenbahn von der Ringbahn abzweigt. Es besteht teils aus eisen- bahnfiskalischem Gelände, teils aus Wieseuland und aus der stnat- lichen Wasserbau-Verwaltuiig gehörigen Gewässern. Diese einge- schloffenen Ländereien sollen in Charlottenburg eingemeindet werden, und als Entschädigung will Schöneberg an der Charlottenburger Grenze Regulierungen' bornehmen, die sich außer auf die bereits obengeuanuten Straßenzüge noch auf die Geisbergstraße und auf die Ecke der Motz- und Ziethenstraße au der Zwölf-Apostelkirchc be- ziehen, Ivo die Grenze der beiden Städte mitten durch das Eckhaus geht. Die Umgemeindung ist auch Ivegen einiger jonderbarer Kana- lisationsverhältnisse notwendig. Lichtenberg. Auf dem benachbarten Gelände Boxhagen wird demnächst eine größere Beamtenkolonie entstehen. Der Beamten- WohnungSverein hat einen großen Baukomplex käuflich erworben, das Land liegt auf dem der Bebauung neu erschlossenen Gebiets- teile von RummelSburg. Die Straßen 23 und 29 begrenzen das 1 Hektar 64 Ar 93 Quadratmeter große Grundstück an der Sonntagstraße. Der Verein ivill dort durch Errichtung größerer Mietshäuser seinen Mitgliedern billigere Wohnungen verschaffen. Kommunale Zustände in Tegel. Ein eigenartiger Diebstahls» Prozeß, bei dem der Tegeler Gemeindeverordnete Gastwirt K u l i» a und der Arbeiter Müller auf der Anklagebank Platz nehmen mußten, kam vor dem Schöffengerichte zur Verhandlung. Der Sache lag eine Denunciation zu Grunde. In Tegel ward im vorigen Winter längere Zeit über ungenügende Straßenbeleuchtung geklagt worden. Man erzählte sich allgemein im Orte, daß die Oeffiumgen der Düsen verengert toorden seien, um zum Vorteil der Gasanstalt weniger Gas ausströmen zu lassen. Um feststellen zu können, inwieweit diese Gerüchte auf Wahrheit beruhen, ließ sich der Gemeindeverordnete Kulina, ein in Tegel allgemein an- gescheucr Mann, von dem Arbeiter Müller einige Düsen alter und neuer Konstruktion besorgen, die er dann im örtlichen Haus- und Grund- besitzerverein vorlegte. Es zeigte sich, daß die Gasanstalt thatsächlich iu der erwähnten Weise eine' wenig angebrachte Sparsamkeit ent- wickelte. Der überwachende Gendarm erstattete dem Amtsvorsteher Bericht über die Sitzung und die Folge war. daß gegen Müller ivegen Diebstahls der Düsen, gegen Kulina wegen Verleitung zum Diebstahl Anklage erhoben ivurde. Das Gericht sprach beide An- geklagte frei, doch wurde der Arbeiter Müller, der zur Aufdeckung der sonderbaren Spnrmethode beigetragen hatte, vom Gaswerk sofort entlassen. Der Prozeß zeigt, wie vor den Thoren Berlins Gemeinde- verordnete behandelt werden, die Interesse für kommunale Fragen bekunden. lllnS Alt-Weistensce wird uns mitgeteilt, daß die Gemeinde» Vertretung beschlossen hat, nach einem Vortrage des Ingenieurs Bruch Projekte niifertigcu zu lassen zur Herstellung einer Be- und Entwässerung des hiesigen Ortes nach dem biologischen Ver- fahren der Firma Bruch u. Schlee. Die Herstellungskosten der Gesamlaulnge sollen sich auf ca. 250 000 M. belaufen. In seinem Vortrage berührte der Referent auch die Kaualisationsaiilage von Nen-Weißeusee und erklärte, daß eine Neuregelung derselben un- vedingt notwendig sei» ivcrde, da bei der Neuanlage nicht auf das rapide Steigen der Einwohnerzahl solvie die Anlage verschiedener Industrie- Unternehmen Bedacht genommen sei. Diese Regelung iviirde der Gemeinde Neu- Weißensee 460 000 M. kosten.— Ferner wurde eine Klageaustreiiguug gegen Neu-Weißensee bis auf iveitcres vertagt; es soll versucht werden, auf gütlichem Wege zur Eiuignng zu gelangen. Hiernach handelt es fich um einen Vertragsbruch, und zwar insofern, als es die Gemeiudevertrettmg von Neu-Weißensee abgelehnt hat, auf Antrag ein Grundstück der alten Gemeinde au die Wasserleitunq anzuschließen. Nach dem Vertrag ist Neu-Weißensee hierzu verpflichtet, und es kann der Vertrag erst nach zweijähriger Kündigung aufgehoben werden.— Die Jahres« abrechuuug von 1901 ergab eine Eiiuiahme von 104 958,34 M.. die Ausgabe'betrug 74 071,79 M., somit erfolgte eine Ueber« schrei binig für' 1902 von 30 886.55 M.— Nunmehr wissen auch wir. aus welchen Gründen die Krankenversicherung der H a u s i n d u st r i e l l e u vom Kreisausschuß abgelehnt worden ist. Dies geschah, weil das Reich ein Gesetz am I. Januar 1903 in Kraft treten lassen will, wenigstens hat der Herr Gemeindevorsteher soviel aus dem Schreiben des Landrats eiitiiommeii. Gegen fünf Stimmen wurde die Krankenversicherungs- Pflicht der Hausindiistrielleil der Zukiinft überlassen. Nach amtlicher Untersuchung soll Alt-Weißeusee nur 4— in Worten vier— Per- soneu als Einwohner zählen, tvelche Hausindustrielle find. Schon deshalb lohnte es sich nicht,«in Ortsstatut zu erlassen. AuS der Untersuchungshaft entlassen wurde nun mich der Restaurateur Georg Wehe iu Spandau zufolge telegraphischer An- ordnuiig der Berliner Staatsanwaltschaft. Sein mit ihm gleichzeitig verhafteter Schivager war schon bald nach der Verhaftung auf freien Fuß gesetzt worden. Das Uiltersuchuiigsverfahren scheint somit ab- geschlossen z» sein, da die Staatsamvaltschaft die Verdunkelung deS Thatbestandes nicht mehr befürchtet. Eine Nevolverspielerci hat in KönigS-Wusterhaufen zu einem traurigen Ende geführt. Zwei Barbierlehrlinge, Georg Schenk und Karl Gollach. fanden Vergnügen darin, sich gegenseitig die Revolver vor das Gesicht zu halten, um zu sehen, tver von beiden beim Abdrücken des Hahnes nicht mit den Wimpern zucken iviirde. Die eine Schußwaffe war jedoch geladen. Plötzlich ging der Schuß los und traf den Lehrling Georg Schenk in den Kopf, so daß er schtver verletzt ziisaiumeiibrach. Der Bedaiicrusiverte ivurde in das Krankenhaus geschafft, au seinem Aufkommen wird gezweifelt. Guv idjfcs Neues von der Spandnuer Poltzci. Man schreibt uns! Das Kapitel von der Spandauer Polizei ist neuerdings um ein weiteres Blatt bereichert worden. Vor einigen Jahren bekam einer unsrer Genossen davon Wind, daß der Polizei-Jnspektor Linda» den Polizeisergeanten Theucrkmif auf der Wache mit einem Knüppel verprügelt haben soll. Die Sache ivanderte nach der„Brandenburger Zeitung", fand bei dieser auch Aufnahme, ohne daß von feite» der Spandauer Polizeibehörde ein Dementi erfolgt wäre. Nach einiger Zeit stand in der Stadtverordneten-Versammlung zu Spandau eine Vorlage zur Beratung:„Erstattung von ca. 163 M. an den Polizei-Jnspektor L", welche dieser für ärztliche Operationen an seinem— Daumen verausgabt haben sollte. Erregte es schon daS Mißfallen der Stadtverordneten, daß der wohlsituicrte Beamte eine solche Erstattung in Antrag bringen konnte, so rief die Ursache der Daumcnverletzung noch mehr Verwunderung hervor. Ein socialdcmokratischer Stadtverordneter hielt es für seine Pflicht, den Oberbürgermeister Költze, in seiner Eigenschaft als Polizeichef, darüber zu befragen, ob die Damnen- Verletzung etwa mit der„Prügel-Affai r e" im Zusammciihaug siehe. Herr Költze erwiderte hierauf, daß es nach dem ihm er- statteten Bericht unrichtig sei, daß Lindau den Theuerkauf verhauen habe! Theuerkauf— der wohl etwas zuviel dem edlen Naß zu- spreche—hätte nur„zufällig" einen Schlag von seinem Vorgesetzten abbekommen, als dieser gerade dabeiwar, einen renitenten Arrestanten(mit dem Stock!!) zur Ruhe zu bringe»! Uebrigens solle sich die Frau d e s T h. bald darauf bei dem Inspektor' für das an ihrem Manne angeivandte Rezept bedankt haben. Dieser ganze Vorfall wurde»un im Frühjahr d. I. in dem be- kannten Polizeibeleidigungs- Prozeß unsrer Genoffen Pieper und> Kr. 185. 19. 2. Sriluoc des Jiimärts" Wim loMlott. 10. Anguß 1902. Den Kraitkenkaffen Berlins und der Vororte sowie deren Mitgliedern ijnr Kenntnis, dah ivir von nun ob folgende Nezept-Sammelstellen zunächst für Berlin-Nord und Pankolv eingerichtet und um einige vermehrt haben: 1. Fischer, Lothringerstr. 26. 2. Kapell, Bruiinenstr. 118. 3. Richter, Reinickcndorferstr. 61. 4. Schultz, Müllerstr. 166 a. 5. Wenk, Chausfeestr. 7. 6. Wohlgemuth, Ackcrstr. 69. 7. Buchinnnn, Mühlenstr. 17 in Pankow. 8. Rosemann, Brehmestr. 6S in Pmikoiv. Wir ersuchen die Mitglieder der Krankenkassen, alle nicht eiligen Rezepte in diesen Sammelstellen abzugeben. Die Rezepte brauchen hier nicht mehr>vie bisher von den einzelnen Personen verauslagt oder bezahlt zu werden, da HerrBvsenhagen(Prinzen-Apotheke), Prinzen-Allee 69, den Krankenkassen laut Vertrag wieder den Kredit und ebenso 2g Proz. Rabatt gewährt. Die Medikamente werden den Mitgliedern dann kostenlos in die Behausung zugestellt. Jedes Mitglied weiss, daß es bei der Anfertigung von Arzneien hier bedeutende Ersparnisse an den teueren Arzneikosten für die Kassen und somit auch für sich selbst machen kann, Ersparnisse, die ihm an andrer Stelle wieder zu gute kommen. Daher ersuchen wir nochmals, von dieser Einrichtung recht regen Gebrauch zu machen. Die Centralkommission der Krankenkassen Berlins und der Vororte. Berliner Partei-Angelegenheiten. An die Parteigenossen der Provinz Brandenburg! Die diesjährige Provinzialkonferenz für Branden- bürg findet am 31. August(mittags 12 Uhr) und 1. Sep- tcmber in Berlin, Geiverkschaftshaus, Engelnfer 15, statt. Die provisorische Tagesordnung lautet: 1. Bericht der A g i t a t i o u s k o m m i s s i o n. Referent Hermann Schubert. 2. Bericht der einzelnen Kreise. 3. Presse. Referent Max Kiesel. 4. Reichstngswahlen. Referent Arthur Stadt- Hagen. 5. LandtagSwahlen. Referent Leo Arons. 6. G e m e i n d e>v a h l e n. Referent Waldeck Manasse. 7. Arbeiter-Versicherung, besonders der l ä n d l i ch e n. Referent Arthur Stadthagen. 8. Anträge. Wir machen darauf aufmerksam, daß event. Anträge zur Pro- vinzialkonferenz bis spätestens 2V. August in dem Besitz der Agitationskommission(z. H. des Genossen Carl Dimmick, Berlin 3. 42, Louisenufer 11) sein müssen. Gleichfalls ersuchen wir dringend, die zugestellten Frage- bogen bis dahin an uns abliefern zu ivollen. Mit Parteigruß �Die Agitationskoni Mission für die Provinz Brandenburg. Die Parteigenossen des Wahlkreises Teltow- BccSkow- Storkow-Charlottcubnrg werden darauf aufmerksam gemacht, daß di- Generalversannnluug deS Central- Wahlvereins am heutigen Sonntag, vormittags iv Uhr, im Volkshans, Charlottenburg, Rosinenstr. 3, stattfindet. Auf der Tagesordnung steht u. a. die Be- ratung der Anträge zur Brandenburger Provinzialkonferenz und zum Parteitag. Gäste haben Zutritt. Für Frauen ist die Galerie reserviert. Der Vorstand. Achtung, dritter Wahlkreis! Heut, Sonntag, den 16. August, veranstaltet der Wahlverei» einen Familieuausflug nach Kiekeinal, Lokal von Jvert. Rege Beteiligung crtvartct Der Vorstand. Lichtung! 3. Wahlkreis. Den Parteigenossen zur Nach- richt, daß ain Dienstag, den 12. August, abends 7 Uhr eine Flug- b l a t t- V e r b r e i t u n g, die Partcispedition betreffend, stattfindet. Alle Genosse», tvelche sich bestimmten Bezirksleitcrn noch nicht zur Verfügung gestellt habe», werden ersucht, sich in folgende» Lokalen einzufinden: Schnieder, Admiralstr.il; Krüger, Nauuyn- straßc 54a; Flick, Simeonstr. 23; Zacharo Ivski� Braudenburg- straße 49; Stra m in, Ritterstr. 123; Grau, Kürassierstr. Iva; Wiv. Winips, Prinzenstr. 73, Keller; Bohn, Auncnstr. 37, Keller; Richter, Fraiizstraßo 1; B i e b e r st c i n, Adalbcrtstraße 61; L a d e tv i g, Kommandantcnstr. 65. Der Vertrauensmann. Achtung, 0. Wahlkreis. Den Parteigenossen der Rosenthaler Vorstadt und des Gesundbrunnens zur Kenntnis, daß am 31. August im Marienbad, Badstraße 35/36, ein H e r b st- B e r g n ü g e n stattfindet, bestehend aus Theater, Konzert, Gesangvorträgcn und Tanz. Die Billets kosten nur 20 Pf. Kommnnalwahl in Lichtenberg. Am Dienstag, den 12. d. M., von vormittags 11 Uhr bis abends 8 Uhr ist die Wahl zur Gemeinde- Vertretung,.' Wahllokal: H. Gürsch, Krouprinzeu-Garten, Frankfurter Chaussee 86. Zu wählen sind zwei angesessene Genieinde- Vertreter. Vom socialdcmokratischen Wahlverein sind aufgestellt die Genossen H. Z i p t e r und Paul Kleiber. Der Wahl- bezirk umfaßt folgende Straßenzüge: Augustastratze, Bahnhof- straße, Eitelstraße, Heinrichstraße, Jrenestraße, Margarcthcn- straße, Friedrichstraße, Prinzen-Allee, Sophicnstraße, Wilhelmslraße, Parnllelwcg, Frankfurter Chaussee 116—178, Eckertstraße, Pfarrstraße, Wiesenweg, Verl. Lessingstraße nnd Rnmmelsburgcrstraße. Wähler sind auch die Einwohner, die aus diesem Bezirk verzogen sind, sofern sie am 15. Januar dort gewohnt haben und in der Wählerliste ein- gezeichnet sind. Die Genossen, die in einem andren Bezirk oder nach Berlin verzogen sind, erhalten keine besondere Einladung. Thue jeder seine Pflicht! Das Wahlbureau, wo sich die hilfsbereiten Ge- nosscn niclden mögen, befindet sich Frankfurter Chaussee 83 bei Schmidt. Das Wahlresultat wird am Dienstagabend bei Höflich vcr- kündet. Lichtenberg-Friedrichsbcrg-WilhelmSberg. Der Wahlvercin hält am Dienstag, den 12. August, abends 8�/, Ühr, im„Schlvarzen Adler" sE. Höflich), Frankfurter Chaussee 120, eine Versammlung ab. Reichstags- Abgeordneter E. R o s e n o>v spricht über„Die politische Lage und der bevorstehende Parteitag der deutschen Socialdcmokratie." Als 2. Punkt steht auf der Tagesordnung die Bekanntgabe des Wahl- resultats von der Gcmcindevertreter« Wahl und ferner die Wahlen der Delegierten zur KreiSkonfercnz. Den Frauen ist die Galerie reserviert. Der Vorstand. Der Schmargcudorfer Wahlvcrein hält am Dienstagabend 8Vs Uhr, im Wirtshaus Schmargendorf, Warnemünderstr. 6, eine Versammlung ab, zu der auch Gäste Zutritt haben. Tagesordnung: Bericht der Delegierten von der Generalversammlung deS Central- Wahlvereins. Wahlvercin Bezirk Pankow. Dienstag, den 12. August, abends 8�s Uhr M i t g l i e d e r- V e r s a m m l n n g bei Großkurt, Berlinerstrntze 27. Tagesordnung: 1. Vortrag eines Ingenieurs über verschiedene Kaiialisations-Systeme. 2. Verlegung deS Vereinslokals. Gäste lvillkommcn. Groß- Lichtcrfeldc. Der Wahlverein hält an, Mittwoch, den 13. d. M. im Lokal von Richter, Chausseestraße 104, seine regel- mäßige Monats-Versammlung ab. Tagesordnung: Abrechnung vom Sommerfest. Ausschluß von restierenden Mitgliedern. Unterzeichnung der Anträge zum Austritt aus der Landeskirche. Die restierenden Mitglieder werden ersucht, bis dahin ihre Beiträge zu begleichen. Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Bcrniitivortnug. DslVÄkvV. Sonntag, den 10. August. Renes Qvern- Theater lKroll). Die Geisha, oder: Eine japanische Theehausgeschichte. Auf. 7'/, Uhr. Montag: Die Fledermaus. Im Liederspielhaus: Offcnbach- Chclus. Dorothea.— Die ver- wandelte Kayc.— Der Regiments- zaubercr. Anfang 8 Uhr. Montag: Dieselbe Borstellnna. Deutsches. Es lebe das Leben. Anfang B/, Uhr. Nachmittags 2'/, Uhr: Rosen- montag. Montag: Die versunkene Glocke. Lessing. Dame Kobold. Ansang 7-/- Uhr. Montag: So leben wir. Berliner. Alt-Heidelberg. Anfang 7'/, Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung- Westen. Die Brautlotterie. Ansang 7'/, Uhr. Nachmittags 3 Uhr zu halben Preisen: Die Fledermaus. Montag: Der Bettelstudcnt. Mctropol.(Morwitz-Oper.) Der Troubadour. Ansang 8 Uhr. Nachmittags 3 Uhr zu halben Preisen: Undinc. Montag: Die verkaufte Braut. Neues. Ledige Leute. Anfang 8 Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Carl Weist. Gcsallene Mädchen. Hieraus: Sie. Anfang 3 Uhr. Nachmittags 3 Uhr(ermäßigte Preise): Die Viper. Montag: Dieselbe Vorstellung. Ariedrich-Wilhelmstiidtischee. Specialitäten- VorsteNung. Auf. 7V, Uhr. Secefsion. Silbersteins Flitter- wachen. Ansang 8 Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Wolzogens Buntes Theater. (Ueberbrettl.) Anfang 8 Uhr. Apollo. Lyststrata. Specialitäten- Vorstellung. Ansang 7»/, Uhr. Reichöhalle». Stettiner Sänger. Ansang 7 Uhr. Passage- Theater. Specialitäten- Vorstellung. Anfang nachmittags 3 Uhr. Passage> Panoptikum. Special! täteii-Vorstellmig. Ilrnnta. Tanbenslr. 48/lv. Theatersaal.) Abends 8 Uhr: Die deutsche Ostscelüste. Jnbalidenstraste S7/6Ä. Täglich: Sternwarte._ Urania. Tauben-Strasae 48/49. Im Theater um 8 ühr: Die deutsche Ostseekuste. Heute M- Sonntag»feCp Entroe: Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Nachmittags ab 4 Uhr: Grosses litar-Koozert. 3 Musikcorps. Ipolio- Theater Hm 7 Vi ühr: Die vorzüglichen neuen Specialitäten. Um 8Vj Uhr: KasseneröfEmmg 6 Uhr. Konzert 6Vj Uhr. Anfang der Vorstellung 7V, Uhr. IPassage-Paiiopticuni I" Neueste Illusion,[die wahrsagende Wunderspinne. Arab.Fakler- n. Feuermenschen. Pariser Marionetten-Theater. Passage-Theater. Das Elite August-Programm. Alice Markert. in ihren kom. Volkstypen Willi Prager, prolongiert. Am 17. August: Sclilamts der Saison. CASTANS Panoptikum Frledrlch-Strasse 165. Das berühmteste Wachsfiguren-Kabinett der Welt. Beachtenswerte Neuheit: Lebende Bilder, ausgeführt v, einem Ensemble junger, schöner Damen. c arl Weiss-Theciter. Graste Franksnrterstr. 133, Nachmittag 3 Uhr. Parkett 60 Pf. Die Viper. Schauspiel in 7 Bildern. Abends 8 Uhr: Gefallene Mädchen. Berliner Sittenbild in 4 Akt.v. Schäfer. Hieraus:„Sie". Nachtscenc in I Akt von Schätzler-Perasini. Im Garten: Nene Specialitäten. 4 Uhr. Fröbels Allerlei Theater fr. Puhlmann, Schönhauser Allee 148. Ganz Berlin amsiert sich! Kommen! Sehen! Hören! Staunen! ZjtF' Letztes Sonntags-Auftreten des unvergleichlichen Carl Itraun. IVU Dazu die einzig dastehenden IS Kniiftstenie'. Um 8 Uhr: Das große Volksstück Unser tioldjangc. Im Prachtsaal:«Sr. Ball. Anfang 4 Uhr.— Entree 30 Pf. Freitag: Abschieds-Bcnefiz für Carl Braun. Auftreten des Direktors Wim. Fröbel. IUGtropoi-Theater Morwltz-Oper. Anfang[8 Uhr. Nachmittags 3 Uhr letzte Vorstellung oei(halben Preisen: lliidlne. Abends 8Uhr: Franceschina Prevostl. Der Troubadour. Montag; Die verkaufte Braut. Dienstag: Der Waffenschniied. Mittwoch: Franceschina Prevostl. Travlata.__ Letzte Opern-Woche. Vratkr-TIieattt Kastanie» Allee 7—9' Täglich: Johtmmszauber. Operetten-Burleske in 4 Bilden! von W. Gcricke. Musik von Schmidt. Hedwig Döring, Kostüm-Soubrette.-- Eugen Mllardo, Tanzhumorist.— Cirkus Loyal,— Leodlskas Kakadus, komische Reckturner.— The Elradot. Mdm. Georgette, Feuer- u. Flammentanz.— Lebende Photographien. (Neue Serie.)— Konzert. Ansang 4 Uhr. Eintritt 30 Pf., numerierter Platz 50 Pf. Kalbo. Sommertheater IVIaEnienbad Badstr. 35/36, Gesundbrunnen. Neu! 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Ziehung 2. Klaffe 207. Kgl. Preuff. Lotterie. Ziehung oom 9. August 1902, nachmittags, k Nur hie Gewmae über 116 Ml. iiuo de» v«re>je»de» st NuPiuer» i» atiammeru deigejügt. .ü-[Ohne Gewähr.) * 82 123 209 40 75 81 99 492 514 19 32 78 869 915 89 1 231 2312 51 61 407 507 845 3264 314 18 648 707 83 848 908 4057 70 536 016 22 30 833 5058 269 321 37 555 89 678 82 6208 364 466 529 97 709 42 7042 169 753 8108 17 208 320 51 65 895 925 82 0185 347 403 662 725 35 84 10154 355 497 577 602 820 11150 237 485 94 514 45 852 1 2123 64 581 745 87 819 31 43 988 1 3119 337 83 443 97 713 90 825 961 14131 83 335 93 525 892 996 15UU8 346 761 841 966 1 6027 193 294 314 66 74 708 28 60 873 971 17191 302 6 93 553 65 94 667 76 726 82 1 8126 262 68 525 615 753 64 874 19 U0 81 82 238 354 513 641 779 92 866 69 86 952 71 20316 22 58 5(13 18 634 727 877 948 2 1004 60 159 272 98 339 60 594 638 747 945 22198 361 657 841 902 2 3029 95 127 274 395 498 653 55 712 84 999 24127 31 472 601 51 88 97 759[2001 922 96 25142 231 47 358 537 SS 58 64 76 642 702 23 51 835 57[3001 979 94 26037 82 522 47 856 956 27125 64 296 446 884 947 99 28018 25 194 309 66 703 806 80 984 2 9073 118 32 202 360 98 425 548 67 849 „ 36056 94 110 75 219 407[200] 79 566 604 31 37 728 »87 3 1248 354 79 88 471 711 818 933 3 2237 62 456 63 536 63 667 720 987 3 3022 23 208 68 348 551 680 34163 570 600[300) 27 41 80 84(200) 853 62 3 5032 239 58 325 26 444 700 19 43 58 848 927 63 36108 243 606 640 708 884 914 98 37103 62 266 424 33 590 918 55 38002 37 118 202 454-83«83 958 39077 93 109 22 2So 3-2 412 538 721 831 62 911 34 „.«6003 132 281 383 499 543 610 861 4 1040 126 835 74 939 51 52 42065[200] 212 49 316 579 619 787 43194 2o3 676 742 945 4 4029 216 379 415 40 532 48 (04 51 67 802 30 923 98 4 5074 79 131 58 560 831 «6042 89 184 211[3001 328 70[3001 414 19 97 539 616 48 51 762 71 941 47065 108 41 221 659 925[200] 27 92 4 8364 448 623 714 807 70 90 682 49140 497 523 56102 75 238 453[200] 71 518 77 695 786 873 950 51131 220 43 388[500] 96 400 7 53 79 737 99 853 52089 168 364 99 410 541 616 54 792 5 3010 226 472 99 590 850 75 943 86 5 4019 48 87 252 53 564 945 55020 236 309 81 408 59 SS 532 615 22 38 98 868 5 6048 60 347 517 752 97 831 98 913 5 7055 376 757 5 8004 145 292 410 525 641 57 78 730 41 60 922 92 59150 4S6 500 41 52 699 814 24. x" 66108 48 51 75 229 37 436 688 61145 57 306 49 440 636 787 906 62001 9 509 74 90 720 920 63011 140 69 88 259 307 066 669 969 6 4230 57 520 33 698 714 63 907 23 6 5081 349 451 694 807[200] 933 66104 210 17 67 365 495 576 616 20 709 51, 975 67108 347 51 467 606 825 58 68114 230 81 88 471 80 541 610 63 745 928 72 95 6 9004 35 120 40 293 311 85 402 518 612 737 857 903 70165 273 378 98 517 63 643 50 55 82 936 7 1360 478 595 713 851 917 7 2042 57 247 302 IS 441 680 849 69 908 39 7 3057 190 271 371 95 555 743 803 981 74150 299 436 75 96 581 628 32 729 808 14 922 7 5053 55 224 83 509 16 007 715 52 937 7 6240 452 64 68 595 705 909 40 91 77001 27 33 53 55 100 48 85 293 300 2 62 509 857 909 31 78086 216 384 79069 162 65 380 95 98 477 565 668 702 21 68 814 965 86024 153 317 33 85 452 525 81 676 773 939 47 81065 118 34 416 646 794 814 82036 72[200] 522 618 845 935 83156 246 47 374 404 78 569 654 80 795 996 84120 267 82 375 430 43 552 627 724 60 86 806 15 73 8 5169 202 318 465 812 960 8 6015 328 67 .68 586 672 706 93 828 95 8 7008 280. 580 81 638 767 85 802 19 908 60 8 8086 127[200] 245 343 597 684 735 809 8 9027 110 679 864 73 96042 180 252 462 712 48 803 36 954 74 9 1049 70 162 264 424 593 620 789 823 920 9 2054 236 325| 555 71 87 613 81 96 996»3098 112*38 46 5T 61'238 66 340 406 618 87 758 94171 78 405 23 537 72 731 [3000] 850 931 95079 226 28 67 366 409 21 559 62 649 801 37 52 94 930 9 6066 147 205 22 88 418 65 850 97028 136 360 470 552 58 937 52 02 9 8236 743 912 54 99145[2001 63 376 424 86 534 91 611 52 773 106155 332 488 711 21 24 161072 358 536 679 785 828 162350 74 533 703 970 103159 482 555 80 767 860 965 164036 127 28 408 55 71 722 860 996 165044 177 85 365 429 799 880 90 922 38 79 166054 75 99 167 75 278 482 99 535 753 978 X 67 103 6 89 325 79 552 688 744 1 08053 75 89 149 88 312 46[2001 82 480 656 732 929 48 1 69048 228 343 55 455 500 59 63 712 812 116059 94 168 233 46 358 02 73 519 60 637 73 80 707 41 63 889 990 111117 273 485 513 19 93 615 736 921 92 112109 25 251 78 310 54 98 89 456 511 709 35! 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I zu 10 Odo Mar!. I zu 60. a Mar!, 3 zu 3000 Bit, 8 zu i960 Bit, 16 zu 609 Bit Verantwortlicher Redacteur: Jnliuö Kaliski in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Tb. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Mar Bading in Berlin. pt. i85. i9. laut«. 3. feip Kes„Dmiirts" fnlmtt AldsblM SN«« w A-s«?'M. VorsÄMMlunsen. Tcr H->i5flrbcitcr-Vcrband hielt am Mittwoch bei Keller seine ordentliche Gcneralversammluun ab. Der Rendant Micke erstattete zunächst den Kassenbericht vom II. Quartal. Die Einnahme der Hanvt- lasse beträgt 72 768.45 M., die Ausgabe dagegen 128 476,27 M., die Differenz von 55 707,82 M. bleibt als Guthaben der Lolalkasle stir das nächste Quartal borgezeichnet. An Unterstützung für die im Kampfe gegen den JnnungSnachweis arbeitslos gewordenen Kollegen sind im ganzen rund 166(XK3 M. verausgabt. Trotz dieser enormen Ausgabe ist der Bestand der Lokalkasse von ca. 120 000 M. des ersten Quartals auf 135 372,37 Wt. am Schlüsse des zweiten Quartals gestiegen. An Mitgliedern zählt die Filiale gegenwärtig reichlich 12 000. Dem Rendanten wurde einstimmig Decharge erteilt. Hierauf gab Glocke den Vorstandsbericht. Abgehalten sind 1 Generalversammlung, 4 Ausfchustsitzuugen»md 17 VerivaltungS- sitznngen. Rechtsschutz wurde in 23 Fällen beansprucht; in 79 Werk- statten mußten Abivehrstreiks durchgefochten werden, doch verliefen die meiste» davon ungünstig. Etilem Antrage der Bautischler, die Genehmigung zu einer Lohnbelvegnng zu erteilen, konnte angesichts des Kampfes um den Arbeitsnächlvcis nicht entsprochen werden. Letzterer selbst werde in der bisherigen Form unermüdlich weitergeführt. Dadurch, daß- die--ledigen Kollegen ab- gereist sind, ist die Zahl der zu Unterstützenden auf 370 gesunken, wodurch eine merkliche Miuderbelastnng der Kasse herbeigeftihrt wurde. Vor ungefähr 14 Tagen hat Herr Dr. Freund den Versuch gemacht, eine Einigung mit der Innung herbei» zuführen betreffs Errichtung eines paritätischen Arbeitsnachweises. Es hat deshalb auch eine Sitzung im Alters- und Jnvaliditäts- gebäude stattgefunden, sie ist jedoch resultatlos verlaufen, weil die Meister den paritätischen Nachweis gewissermaßen nur auf Probe eingeführt haben wollten. Ein unangenehmes Vorkommnis sei die Angelegenheit mit dem Beitragsammler Dannenberg. Dieser hat sich in Hamburg bei Jean Holze Marlen anfertigen lasten für einen gar nicht exjstjerenden Holzarbeiter-Gesnngvercin, und hat dann diese den Verbaudsinarken täuschend ähnlichen Dinge den Mitgliedern anstatt der echten Marken ins Verbaudsbuch' geklebt. Durch die stets sehr' fett' mich. geführte Abstempelung sei die Inschrift der falschen Marken fast ganz mit Stempelfarbe bedeckt worden, so daß dieser Betrug jahrelang unentdeckt getrieben werden konnte. Die Höhe der Summe, um die der Verband auf solche Weise geschädigt ist, könnt« bis jetzt noch nicht genau ermittelt werden. Dannenberg ist der Staats- anwaltschaft angezeigt. Sodann erstattet Mnaß verschiedene Berichte. Auf dem Arbeitsnachweis des Verbandes liefen 1074 Adressen von 881 Meistern ein; 2920 Kollegen meldeten sich als arbeitsuchend, besetzt wurden 639 Stellen.— Die Werkstatt- Kontrollkommission, die 163 Mitglieder zählt, hat 526 Werlstatt- und 76 geschäftliche Sitzungen abgehalten. Eingeladen ivaren hierzu 1506'Werkstätten, in denen 15 271 Kollegen ivaren. Als Arbeitsbermittler wurde M a a ß einstimmig wiedergewählt...... Die Bibliothek wird fleißig benutzt; sie ist 1830 Bände stark und repräsentiert einen Wert von 5500 M. Hierzu wird gewünscht, bei Neuanschaffungen die Jugendlitteratur mehr wie bisher zu berücksichtigen. — Betreffs der Thätigkeit des Gauvorstandes verweist S t u s ch e auf den demnächst erscheinenden ausführlichen Bericht in der„Holzarbeiter- Zeitung", weshalb von einem eingehenden Bericht in der Versammlung Abstand genommen wird.— Nachdem die Versammlung noch einige Ausschlüsse sanktioniert hatte, gelangte ein Antrag des Vorstandes zur Annahme, wonach die Arbeitslosen- llnterstützuug in Zukunft 15 Wochen gezahlt werden soll, über eine weitere Unterstützung jedoch die Verwaltung von Woche zu Woche zu beschließen hat.— Das Resultat der vorgenommenen Ergänzuugswahlen für die Orts- Verwaltung ist folgendes: Zweiter Bevollmächtigter: Neu mann; Revisor: Oskar Schmidt; Beisitzer: Weißleder. Klingner und Schmidt stehen zur Stichwahl. Socialdrmokratischer Agitationsveretn für den Reichstags- Wahlkreis Züllichau- Schwiebns- Kroge»- Sommerfeld. Dienstag, 12. d. M., abends 8'/- bei Lerche, Rüdersdorferstr. 3. Wegen der wichtige» Tagesordnung ist eS Pflicht eines jeden Genossen aus dem Kreise zu er- scheinen. Slrbeiter-Samariter-Kolonne.(Gegt-ündet 1888.) Montag, den II. August, abends 9 Uhr, in der Centrale, Dresdencrstr. 45: Vortrag über „Transport Verunglllcktcr und Erkrankter". Nachdem praktische Hebungen (Transport). SlNgemeiue Familieu Stervc-Kasse. Heute Zahltag: Ackerstr. 123 bei Diele, von 3-6 Uhr. rren-ppori Fernspreeher; in» l, 1571. Berlin W., linier den Linden I. Clro-Conlo: Denlsche Esnk. Was sind Ausschuss- Cigarren? Mit grösster Sorgfalt werden beim Sortieren dl eeim sortieren Nie gleichen Farben ausgesucht. Als Aus- schuss werden diejenigen Cigarren abgesondert, die infolge der Fehlfarben ungünstig abweichen. Solohe Cigarren werden mindestens ein Drittel billiger gehandelt. Die Farbabweichungen des Tabakblattes werden dadurch hervorgerufen, dass es nach einem Regen von der tropischen Sonne beschienen und dadurch gefleckt wird. So nur äusserlich gefleckte Cigarren beeinträchtigen die Qualität durchaus nicht. Alle Sorten sind nur leichte, milde bis mittelkräftige Fabrikate aus nur überseeischen Tabaken, unsortiert, diverse Formate und Farben, genau wie dieselben vom Arbeitstische kommen; Farbenauswahl kann dabei nicht berücksichtigt werden. Diese Hamburger und Bremer Aussohuss- Cigarren, nach Preislagen sortirt, verkaufe ich nur in mit Preis bedruckten Hüten pro 10 Stück für 3«, 35, 4«, 45, 60, 55, OO, 05, 70, 75, 80, 85. OO Pfg., 1.-, 1,»0, 1,35. 1.5t), 3,— Mk. Die Qualitäten des 60—65 Mk. Sobuss entsprechen meinen 100 Hk.-Cigarren reiner Farbe. Bei den höheren Preislagen ist der Unterschied noch grösser, Vergleichen Sie, bitte, sorgfältig prüfend, die von Ihnen bisher in derselben Preislage gerauohtenCigarren, und Sie werden meinen Aus- schuss-Cigarren stets den Vorzug geben müssen. Um diese Preisermässigung auch bei Iniportii-tea Oigurren zu erzielen, wies ich meinep Havana-Vertreter an, für mich 8csr«in«ia» aufzukaufen. Ein Poston davon ist stets am Lager und offerire ich hiervon pro Mille a SO, 85.»5. 105, II«, IIS, 125, ISO, 135, 140, 145, 155, 1«0, 170, 185, IVO, 105, *00 Mk. Da der Lagerbestand permanent wechselt, und ich nur solche Pöstchon bekomme, wie selbe von Fall zu Fall erhältlich sind, kann ich bestimmte Marken nicht angeben, doch sind es durchwag nur Fabrikate renommirter Firmen. Alle diese Havana- Cigarren sind mit dem Hamen der Fabrik rosp. der Fabrikanten vergehen, in Original- 100-Stück-Packung c.laro, Colorado olaro u, coloradoFarben (Cuba- Oodernkisten) normal gross, mit dem echten Export- labol-(Banderolle) Stempel u. der Schutzmarke der Union de Fabricantes de Tabaoos (U. F. T.) Habana beklebt, so dass eine Fälschung od. Unterschiebung nicht echter Ha- vana• Cigarren vollkommen ausgescidossen ist.— Weil Segundas die ausgelesenen Fehlfarben aus besseren Partien und diese um die Hälfte billiger sind, bietet sich hierfür Hnport-Rancher, welche auf guten Tabak Wert legen, eine Chance, echte Havana- Cigarren preiswert zukaufen. Eambnrger and Bremer SpeolaMUsrken. Reise Farben. Riebt Änssdbnsa MWUWM- MWDM-' SSte-Qewloh» MW Et MO«naaa. ■ Klgtealuhalt IOU BtOok Um» IIA um. H. Kette-Gewicht 100 St. 685 Onua. in.tAninh.n im nt*,Or hinge 109 um. MO Riftrie 3.50 M. Kette Gewicht 100 St. 680 Ununm. Uaa» 113 ROT. Kisteahihalt 100 StCet........... 100 Stück 4.O0 iL j Kette-Gewteht 100 St. 630 Orunn. JJLrtg* JtD tm. KIMenlnlielt 100 stach............. 100 Btüot 4.80 K., Kette- Gewicht 100 St- 680 Gramm. Klatenlnhelt 100 Stach. Uns« 138 nm. 100 stach 6XX> K.\ Kette Gewicht 100 8t. 530 Gramm. Uuge 12« Kistenilnlm't 100 Stück............ N» Stack«. La/Fiop/ Kitte-Gewicht Mo B». at» Gramm. KleUnJahalt 100 Btaok...... Liegt OO am. 100 Stück 8.00 K. Wctto-O-.wIcBt 100 St,«00 Gramm. Liege VH mm, Kletenlnhalt 50 atflek............. IQOStaok 8.O0K.- imuMM tmmm Kotto-Oewtubt H» St. 540 Gramm. Läoge 160 mm. Kleteoinhalt MO Stock............ HOStOok G.GO IL "wart K»tto-Gewicht KB 8L 660 Gramm. Unge Ittnail Kl.tentnhalt 50 StUck........... 100 Stack 10.00 H, � Kette-Gewteht IM 8t, 570 Gramm. Urngt 122nm.> Kieteniahalt SO Sttok............ KO Stock ItLOG IL «9112/ GarcU tum Kcttc-Gewtobt 100 St, 600 Gramm. Ketto-Gcwtabt 100 St, 600 Gramm. IMmme 143-ipxa. Kiatcnlnh.tt IM Steck............ lOOLttlckN.«»»»�.. 00 M.' Kette- Gewicht 100 St&Tu Gramm. Läocs 130 nun. Kletenliihelt 100 St Sek..,......... Ivo stech G.50IL:s Ketto-Gewloht 100 SL u Utemm. Liege 115 mm. r Klateplnhalt It» Stack........... 100 Stück y.OO M. Kctto-Oewteht KW bt MO Gramm. . 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