Nr. 189. KbonnemtÄs-Kedingungkn: SbonnemenIS-Prei! pränumerando! Lierteljährl. 3,30 Ml,, monall. 1,10 M!., möchenlllch 28 Plg. frei In« Hau». Siiuelne Numw'r 5 Psg. Sonntag«- Nummer Mi» iNuNrierier Sonntagt- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Mona», Eingetragen in der Post-Zeitung«» Preisliste für IVOS unter Dr.?S7S. Unter Kreuzband fiir Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für da« übrige Autland S Marl pro Mona». IS. IrtlsW. FI« Jnfertlons-GelMd beträgt sür die fschsgespaltene Solonet« zetle oder deren Raum so Psg., für politische und gewerls chaftliche Vereins- und Versammlungt- Anzeigen 20 Psg. „Kleine Anzeigen" jedes Wort 5 Psg. »nur daS erste Wort fett). Inserate für die nächste Nummer müssen bis i Uhr nachmittag» in derExpedition abgegeben werden. Die Expedttton ist an Wochen- tagen dt» 7 Uhr abendS, an Sonn- und Festlagen bi» 3 Uhr vormittag» geösfnet. Erscheint tZglich ausser Montag». Derltner Volksblatt. Centralorgan der focialdemokratischett Partei Deutschtands. Telegramm-Adresse» »Sorialdemokrat Berlin" Redalttion: 3�. 19, Beulh-Slrahe 2. Fernsprecher: Amt I, Nr. 1608. Freitag, den 13. August 1KOÄ. Expedition: SW. 19, Beuth-SteKsle 3. Fernsprecher: Nmt l, Nr. UlZU Das Telegramm der Empörung. Wie auch die Zeitungen der verschiedenen Parteien sich zu dem kaiserlichen Telegramm der Entrüstung und Empörung stellen mögen, keine hegt so schnöde Undankbarkeit, zu verkennen, daß der kaiserliche Depeschensender jedenfalls dafür Sorge trug, daß in diesen stillen Tagen, nachdem selbst die Zollkommission ihre verdiente Ruhefrist gefunden, doch einiger Anlaß verblieb, die Leserlvelt anziehend zu unterhalten. Wenn es mit den Aufgabe» der Monarchie verbunden ist, der Oeffentlichkeit wie de» privaten Zusammenkünften reichlichen Unter- Haltungsstoff zu bieten, so hat das Telegramm an den Prinzregenten von Bayern sicherlich schon jetzt bedeutenden Erfolg gezeitigt. Anders ist es mit etwaigen politischen Wirkungen des kaiserlichen Telegraphierens. Die Presse befaßt sich höchst eifrig mit dem Telegramm, doch so mannigfaltig sie dasselbe auslegt, so vermögen doch nur vereinzelte Blätter die Hoffnung zu vertreten, als würde das Telegramm irgendwelche ernstliche politische Wandlungen in der Stellung des plötzlich der kaiserlichen Entrüstung und Empörung ver« fallenen Eentrums herbeiführen. Unter den Gegnern des Centrums bilden die Nationalliberalen den Chorus der Jubelnden. Die Nationalliberalen, deren einstige Macht im gleichen Maße verging als die Centrumsmncht emporwuchs, sind die einzigen, die un- eingeschränkten Beifall spenden. Voran die Münchner„Allgemeine Zeitung", das Blatt der am schwersten vom Centrumsdruck be- lasteten bayrischen Nationalliberalen, ergeht sich diese Presse in verzückten Huldigungen an den Kaiser. Diese Nationalliberalen ver- gessen in der Freude, daß ihr politischer Gegner getroffen werden sollte, alle die Bedenken, die gerade liberale Leute gegen die unverantwortliche, d. h. von keinem Minister gegengezeichnete persönliche Einmischung des Reichsoberhauptes in die parlamentarischen An- gelegenheiten eines Bundesstaates auswerfen müßten. Die„Täg- liche Riindschau" erreicht wohl die Höhe des byzantinischen Jubelns, indem sie das Telegramm als einen„Schuß in die Centrumsherde" feiert, die nun arg toben werde, und indem sie weiter das Telegramm als einen„Peitschenhieb für daS bayrische Centrum" kennzeichnet. Wir werden bald sehen, daß das Centrum keineswegs zu argem Toben Anlaß zu haben nieint. Die konservativen Blätter bleiben zumeist weit zurückhaltender als die uationalliberalen; die„ K r e u z- Z e i t u n g" ver- zichtet auf jede eigne Besprechung. Die„Deutsche Tages- zeitung", noch bewegt vom überzöllnerischen Verdruß, unter- nimmt sogar eine keineswegs„unciitivegt monarchische" Kritik des Telegramms, indem sie sagt: „Die Depesche Sr. Majestät des Kaisers wird nicht verfehlen, starkes Aufsehen zu erregen und in den Kreisen des bayrischen Ccntrimis tiefe Mißstimmung zu erzeuge». Sie trägt das Ge- präge impulsiver, rein persönlicher Empfindung so stark und denilich, daß es fraglich erscheinen kann, ob ihre Veröffentlichung geboten und zweckmäßig g e iv e s e n fei.... Wir fürchten, daß die Preßerörterungen, die der Veröffentlichung des Dcpescheiiwcchsels folgen dürften, wiederum beweisen werden, wie notwendig es sei, daß die Personen der Monarchen möglichst fern von den kleinen politischen Tageskämpsen bleiben." Dies Verhalten der Konservativen ist leicht zu verstehen. Sie müssen fürchten, daß sie selbst leicht einmal vom Baun- strahl der kaiserlichen Entrüstung und Empörung angewettert werden dürften, wenn sie durch beharrliche Neberzöllnerei die Vorlagen der kaiserlichen Regierung gefährden oder die Kanalvorlnge wiederum verweigern würden. Vielleicht wundern sich die Konservativen jetzt mit uns. daß das bayrische Centnim ob einer verhältnismäßig doch unbedentendeii Angelegenheit so schwer büßen muß, während der preußische König die langjährige Verschleppung und wiederholte Verweigerung eines großen Kultiirwerks durch seine eignen preußischen Konservativen nicht in entrüsteten und empörten Depeschen gebrandmarlt hat. Das C c ii t r u m tobt nicht gar arg. Die„Germania" verzichtet ans jede herbere Polemik und läßt sich daran genügen, als Antwort auf das Telegramm den bayrischen Unwillen über das Eingreifen Wilhelm II. in bayrische Dinge anzukündigen. Sie schreibt: „Es ist uns kein Fall in Erinnerung, in welchem seit dem Bestehen des Deutschen Reiches ein ähnliches Eingreifen des Trägers der höchsten Gewalt im Reiche in die i n n e r p o l i t i s ch c n Verhältnisse eines Bundesstaates stattgefunden. hatte. Wie wir unsre Bayern kennen, wird die„schnöde Undankvarkeit". welche der Kaiser der Mehrheit des bayrischen Abgevrdiieleiihnns„mit tiefster Entrüstung" vorwirft, im Bayern- lande und Volke ein mächtiges Echo wecken. Es kann bei den vielfach in Süddeutschland.' vesonders in Bayern gegen Preußen herrschenden Gefühlen nicht ausbleiben, daß dabei wen ig angenehme Worte gegen den Kaiser fallen. Und aus diesem Ginnde bedauern wir sowohl mit Rücksicht auf den Träger der Kaisergewalt. als auch im Interesse des Reiches die scharfe Kritik Wilhelm U. Noch ist das Wort vom„ p o l n i s ch e n U e v e r m u t". das der Kaiser in M a r i e n b u r g gesprochen, nicht verklungen und zuckt die Erregung in den polnischen Gemütern noch fori, und nun kommt dazu der Vorwurf der„schnöden Undankbarkeit" gegen die Mehrheit des hayrischen Abgeordnetenhauses, welche in Ausübung ihrer parlamentarischen Rechte 100 000 M. für Kuiisizwecke abgelehnt hat und gewiß nicht beabsichtigte, dadurch den Prinzregeiitcn persönlich zu oerletzen." Gewiß ist dem Cenmim Sie Sache recht peinlich. Denn seitdem es regierende Partei auch im Reiche ist. legt es besonderen Wert ans ein gutes Verhältnis zum Reichsoberhaupt, das ja auch die entscheidende Stelle fiir die von den Cenlriimsmaiinen gierig er- sehnten Aemter und Würden in Preußen und im Reiche ist. Das über die ihm widerfahrene Behandlung in kluger Zurück� Haltung bändigen, es wird sich mit einem Anstandst Protest begnügen und bald zu neuem Frieden mit dem höchsten Herrn zu gelangen verstehen. Und in diesem Streben braucht das Centrum sich nicht einmal erheblicher UnWahrhaftigkeit zu befleißigen, da es sich sagen darf, daß thatsächlich die kaiserliche Eni' rüstung und Empörung lediglich in einem verhängnisvollen Irrtum des Kaisers ihren Ursprung hat. Wie sollte denn- der Kaiser bei abermaliger und beruhigter Ueberlegung derjenigen Partei ernstlich zürnen, die sich mit hitzigster Begeisterung für die vom Kaiser angeregte und von der Regierung geforderte l 0 x H e i n z e in die Schanzen warf, die auch durch die Ablehnung der bayrischen Forderungen für die moderne Kunst gerade die klassischen Kunst- ideale des Kaisers zu schützen und zu stützen glauben durfte. Es ist ein tragikomisches Geschick des Centrums, daß es just im treucsten Dienste für kaiserliche Anschauungen den kaiserlichen Zorn auf sich ziehe» mußte. Im Gefühl seiner Unschuld wird das fromme und monarchische Centrum eine schnelle Aus- söhnnng mit dem Kaiser herbeiführen. Wenn etwa demnächst ein Graf Ballestrem seine hervorragende Fähigkeit zur Verherrlichung des Kaisers neu beweist, so wird der kaiserliche Zorn bald dahin- schmelzen. Größere politische Wirkungen kann also das Telegramm der Empörung nicht erzielen. Es teilt das Schicksal einiger früheren Aeußerungen des Kaisers, die gleichfalls zunächst die öffentliche Er- regung aufwirbelten. Haben doch— um nur an eines im Fluge zu erinnern— die kriegerischen Worte, die der Kaiser den ausfahrenden Chinasoldaten auf den Weg gab, nicht gehindert, daß später die höchste Reichsbehörde die China-Armee in Entrüstung dagegen ver- wahrte, als habe sie eine entsprechend strenge Kriegführung wirklich verübt. DaS Centrum ist die Partei der Finsternis und der Verknechtung der Geister. Wäre die centrumsfeindliche Stimmung des kaiserlichen Telegramms nicht das Erzeugnis des eiligen Augenblicks und Plötz- lichen Unmuts, könnte solche Stimmung sich zu fester und ent- schlossener Regierungsmaxime in Deutschland verdichten— so würden wir ein Ereignis von größter politischer Tragweite erleben. Aber bald wird auch die empörte Verstimmung von neuen Stimmungen fortgeschwemmt sein und das Centrum und die herrschenden Mächte sind inniger denn je zum Bunde der Welt- Verdunkelung vereint. Uebrig bleiben von dieser Episode wird allein im Bewußtsein des Volkes hier die Thatsache der schmählichen K un st- und Wisse nschaftsseindschaft des Centrums und dort die Thatsache des persönlichen Regiments im konstitutionelleii und„liberalen" Deutschland. Der„Reichs-Anzeiger" scheint eine ungehörig geringe Meinimg von der Bedeutung deS Telegrammwechsels zwischen dem Kaiser und dem Prinzregenten zu haben. Er bringt die Telegramme nicht nur nicht in seinem amtlichen Teile, sondern selbst nicht im nichtamtlichen Teile. Für das offizielle Organ der obersten Reichsbehörde existiert die Angelegenheit bisher nicht I Ist vielleicht der„Reichs-Anzeiger" der Ansicht, daß nur eine bayerische Specialangelegcnhcit vorliege, die das Reich nichts kümmere? Oder wollen die verantwortlichen Ratgeber des Kaisers vorbeugen, daß der Telegramm-Aiistansch, ge- mäß der bekannten Praxis des Reichstags-Präsidenten, nicht im Reichstage zur Besprechung gelangen kann?— an. Centrum braucht den Kaiser und darum wird es seine» Groll! zeug stattgefunden. Volikiktze UteKevfldjk. Berlin, den 14. August. Regierung und Zollparteie». Jüngst kündigte die konservative„Schlesische Zeitung" daß eine Einigung zwischen der Regierung und den Zollparteien durch beiderseitiges Nachgeben zu erwarten sei. Jetzt will das Blatt zuverlässig wissen, daß eine Nachgiebigkeit der Re- gierung ausgeschlossen sei; es schreibt: „Die verbündeten Regierungen halten nach wie vor an ihrem Widerspruch gegen die in Frage steheuden Beschlüsse entschieden fest, sie wollen nicht einmal von der Annahme der er- höhten Mindestzölle auf Getreide etwas wissen, geschweige von der Ausdehnung des D 0 p p e I t a r i f s y st e m s auf Vieh- und Fleischzölle, zumal in der von der Kommission beschlossciien Höhe, ebenso wenig von der Erhöhung des Quebra cho- z olles, die als zum Ruin der deutschen Lederindustrie führend betrachtet wird. Auch eine Wiederheraufsetzuiig der G a r n z ö l l e wird als unbedingt nötig bezeichnet, und vor allem halten die Re- gicrungen ferner daran fest, über die Inkraftsetzung des neuen Tarifs noch ihrem Ermessen zu beschließen, abgesehen von der Kompetenzfrage, besonders auch deswegen, um nicht bc- züglich des Abschlusses neuer Handelsverträge in eine Zwangslage zu geraten." Die„Schles. Ztg." giebt ihren Parteigenossen den Rat, sich der Regierung löblich zu unterwerfen. Gegenüber solchen Ankündigungen hat das Gelärm der„Deutschen Tagesztg.". der selbst die Ueberzollbeschlüffe der Kommission noch ungenügend und unannehmbar sind, keine größere Bedeutung.— Orden �„Kinderspielzeng". Der satanische Anschlag der„Umstürzler" auf die Steuerfreiheit der Orden, die sie mit dem Kinderspielzeug auf eine Stufe zu stellen sich erdreisteten, hat alle bcförderuugs- nud dekorierungssäbigeu Patrioten in angenehme Aufregung versetzt. Unerhört— Orden und Nürnberger Tand in einem Atem zu nennen! Und doch haben unter ganz ernsthaften Menschen schon ganz ernst- hafie Unierhaliiiiigen über die Verwandtschast von Orden und Spiel- Als Napoleon, der erste Konsul, Anno 1797 aus dem italienischen Feldzuge heimgekehrt war, glaubte er unter seinen Truppen die Sehnsucht nach äußeren Auszeichnungen bemerkt zu haben. Er war durchaus nicht abgeneigt, diesem Verlangen ent- gegenzukommen. „Götzendienst, Eitelkeit, mag sein! Aber diese Eitel- keit, dieser Götzendienst sind Schwächen, die jedem menschlichen Ge- schlechte eigen sind, und aus der einen wie der andren kann man große Tilgenden hervorgehen lassen." So beschwichtigte der kleine Korse, dem wohl damals schon die Cäsarenkrone vorschwebte, die republikanischen Principienreiter. Einige Jahre später brachte ihn der Anblick der besternten und bebänderten fremden Botschafter auf dasselbe Thema. Er fragte den Museumsdirektor Denon, ob er nicht auch den Eindruck der Ordenspracht bemerkt habe. Dieser pflichtete ihm bei. „Da steht man den Künstler, warf der Inspektor der poly- technischen Schule, Monge, ein; diese Kreuze, diese Sterne, diese Bänder sind Fl'itterkram, wahres Kinderspielzeng!" „Kinderspielzeug soviel, soviel Ihr wollt, wenn man sie aber liebt?" antwortete Napoleon. Obwohl er dafür allerlei ironische Bemerkungen erntete, brachte er doch bald darauf im Staatsrate den Plan der Errichtung der Ehrenlegion aufs Tapet. Als ein Redner meinte, der Orden werde zur Aristokratie, zur Monarchie zurückführen, entgegnete Napoleon: „Man zeige mir eine neuere oder alte Republik, in der es keine Unterschiede gegeben hat! Man nennt es Kinderspielzeug. Aber mit Kinderspielzcug leitet man Menschen!..." Das war vor hundert Jahren. Die„Gutgesiiinten" von beute nehmen auch keinen Anstoß au diesem Vorkommnisse. Im„Daheim", dem gesiimuugstüchtigsteu aller Familien- und Pastoren- blätter, erzählt Oberstlieutenant W. v. Bremen das Faktum, ohne eine Miene zu verziehen. sNr. 33 vom 17. 5. 02.) Wehe aber, dreimal wehe, wenn ein Angehöriger der roten Rotte sich herausnimmt, zu denken, wie der selige Monge Anno 1802. Dann gehen die Posadowsky, Arendt, Rettich, Paasche hoch wie Kuchenteig!— Gegen die agrarische Anshungernng der Mafien, die der neue Zolltarif bringen soll, kann keine furchtbarere Anklage erhoben werden, als durch mehrere augenblicklich vorliegende Dokumente, die beweisen, welch unerhörten, die Volksgesundheit untergrabenden Grad schon jetzt die agrarische Volksausplünderung angenommen hat. Bekanntlich ist durch das F l e i s ch b e s ch a u- G e s e tz die Einführung des Büchsenfleisches verboten worden. Und zwar mußten natürlich die angeblich hygienischen Besorgnisse um die Gesundheit der Bevölkerung die Verteuerung des inländischen Fleisches zu Gunsten der Großgrundbesitzer bemänteln. Das amerikanische Büchsenfleisch war ein ebenso beliebtes, wie gesundes und relativ wohlfeiles Nahrungsmittel gerade der minderbemittelten Klasse. Was das Einfuhrverbot des Büchsenfleisches bedeutet, erhellt aus dem Jahresbericht des Vereins Hamburger Reeder, in dem es heißt: „Bei den Erörterungen der Ausführiuigsbestimmungen zum Fleischbeschan-Gesetz war von gewissen Kreisen in Anregung ge- bracht worden, die Einfuhrverbote für Büchsenfleisch zc. auf die Freihäfengebiete auszudehnen, um mich den Passägieren und Mannschaften der in den deutschen Freihäfen ein- und aus- laufenden Schiffe den vermeintlichen sanitären Schutz zu teil werden zu lassen. Wir haben in gegebener Veranlassung uns dahin geäußert, daß dieser sanitäre Schutz nicht er- forderlich sei, weil sich irgend welche nachteilige Folgen von dem Genüsse der in großem Umfange verwendeten ausländischen Fleisch waren, ein- schließlich des Büchsenfleisches, nicht bemerkbar gemacht hätten. Jni Gegenteil habe die Einführung deS Büchsenfleisches eine wesentliche Verbesserung der VerpflegungSverhältnisse an Bord bewirkt. In Deutsch- l a u d sei B ü ch s e n f l e i s ch in den erforderlichen Mengen über- Haupt nicht zu haben, es sei erheblich(bis zu 140 Proz.) teurer als das amerikanische und australische, und st e h e nach den ge- machten Erfahrungen an Haltbarkeit hinter dem fremden zur ü ck. Würde man die Verproviantierung der Schiffe mit aus- ländischen Fleischwaren in deutschen Häfen unmöglich machen, so würde man nur erreichen, daß sich die Schiffe im A u s l a n d e verproviantieren." Die Reeder vermögen der Schädigung durch das Einfuhrverbot durch Verproviantierung im Auslände zu entgehen; das deutsche Proletariat hingegen mag sich, wenn es ebenso wohlfeiles Fleisch essen will, an den Lendenbraten lebensmüder Droschkengäule delek- tieren I Dies Fleisch ist ja auch gesünder! Aber die Fleischeinfuhr-Verbote und Vieh- sperren beginiieu eine noch inimer intensivere Wirkung aus- zuüben, sie treiben die ohnehin unerschwinglichen Preise immer noch mehr in die Höhe. Das beweist folgende Bekanntmachung der F l e i s ch e r- I n n u n g zu Essen: Zur öffentlichen Kenntiiisnahme! Infolge der nun schon seit zwei Jahren anhaltenden, noch fort- gesetzt steigenden S ch w e i» e p r e i s e, sowie auch wegen des außerordentlich hohen und a l l e m A 11 s ch e i n nach noch nicht aufdem Höhepunkte augelangte n Rindvieh- Preises sehen sich die hiesigen Metzgermeister gezwunaen, die Preise für Fleisch- und Wiixstwaren zu erhöhen. ll»! der irrigen Meinung des Publikums, als seien die Metzger schuld au diesem Preisausschlag, von vornherein entgegen- zutreten, erklärt die unterzeichnete Innung, daß diese Teuerung eine Folge derKnappheit des Schlachtviehes ist, welche durch die gänzliche Absperrung der deutsche» Grenzen gegen die über einen viel größereu Viehreichtum verfügenden Nachvarstaateu hervorgerufen ist; denn, wie die Erfahrung beweist, ist die deutsche Landwirtschaft nicht im stände— trotz gegen- t e i l i g e r Behauptung—, den Bedarf an Schlachtvieh für das Deutsche Reich zu decken, und es ist auf eine Aendermig nicht eher z u rechnen, bis die Grenzen wieder g e ö f f n e t s i 11 d. Die Fleischer-Jiuiuug Essen. Die Fleischer-Jnnunqen andrer Städte werden zweifellos der Essener Jnnniig folgen und ebenfalls die Preise erhöhen. Die Folge der künstlichen agrarischen Anshnngcrnng der Bevölkerung wird dann Wohl allgemein eine ähnliche sein, ivie sie sich jetzt in Posen bemerkbar macht. Der„Dziennik PozimuSki" schreibt: „Ans ärztlichen Kreisen wird uns mitgeteilt, daß in der Stadt Posen eine Cholcrine-Epidruiie ausgebrochen ist. Bis jetzt wurden etwa vierhundert Fälle festgestellt, hauptsächlich in der Altstadt auf dem Alte» Markt, Wronkerstraße und in den benach- barten Strasten des Alten Marktes. Es werden von der Krankheit Kinder wie auch erwachsene Personen befallen." Und der„Volks-Zeitung" wird über die Ursache dieser Epidemie aus Posen gemeldet: „Infolge der seit einigen Wochen hier eingetretenen hoch- gradigen Teuerung vermögen sich die ärmeren Klassen ü b e r- Haupt nicht mehr zureichend zu ernähren und ninssen vielfach zu gesundheitswidrige» Nahrung smitteln greifen. Ueber die beispiellose Teuerung, die hier in Pose» herrscht, bringen ztvar fast sänitliche hiesige deutsche» und polnischen Blätter lange Artikel, aber bis jetzt hört mau nichts von einem durchaus notwendigen Eingreifen der Behörden. Taufende von Menschen nähren sich hier nur noch von Kartoffeln und Cichorien brühe, ivozn im günstige» Falle ein Stück Brot kommt." I» der That, lvenn die Zollivucher-Pläne der agrarischen und großindustrielle» Reichstagsmehrheit im Zolltarif Gestalt annehmen, ja, wenn nur die Regierungsvorlage durchgeht, wird eS bald auch in andern Städten zu Epidemien kommen, die auf die Unterernährung und de» Gebrauch gesundheitS- widriger Nahrungsmittel zurückzuführen sind. Die Lebensmittelpreise steigen, die Krise drückt je länger je mehr die kargen Löhne herab, und das Wucherkartell arbeitet mit allen Listen und Ränken an dem Zustandckonunen neuer ungeheuerlicher Mehr- belastung der darbenden Massen I— Zum Fall Löhning. Jeder neue Ta�. an dem die prcustischc Regierung zuin Falle Löhning schweigt, giebt neues Zeugnis ihrer grenzenlosen Ratlosigkeit und steigert ihre grenzenlose Blamage. Derweilen aber die Regierung also an ihrer Bloststcllung arbeitet gehen immer neue, unbcglaubigte und meist unwahrscheinliche Ge- rüchte über die Angelegenheit uinher. Zu der früheren Mitteilung, daß der Oberpräsident v. Bitter das Opfer der Rheinbabcnschcn Klugheit sein soll, erzählt jetzt die„Kölnische Volkszcitung": „In Posen sei schon vor einigen Wochen das Gerücht im Umlauf, das; Herr v. Bitter die längste Zeit Oberpräsident geivcsen sei. In polnischen Kreisen iverde erzählt, als der O b e rp r ä s i d e n t das letzte Mal vom Kaiser in Audienz empfangen wurde, habe der Monarch zu i h in gesagt:„Aber Ivie konnten Sie zulassen, daß die Verhältnisse in Posen einen solchen Charakter annahmen und die Gegensätze sich so zuspitzten?" Dies alles erscheint gänzlich un- glaubwürdig. Der Kaiser kann unmöglich der einzelnen Person des Oberpräsidenten die Schuld an einen; Zustand beigemessen haben, der vieliuehr fast ausschliesslich die Schuld der preustischen Regierung und ihrer gewaltsamen Anti-Polenpolitik ist.— Skandalöse Uebergrisse der Sittenpolizei wurden am 12. Juli durch das Kieler Schöffengericht festgestellt. Ein Kieler Blatt hatte zwei Fälle scharf kritisiert, in denen Beamte der Sittenpolizei zu Unrecht weibliche Personen festgenommen, 86 Stunden lang interniert und trotz Protestes durch den Polizei- Arzt hatten untersuchen lassen. Aus dem Urteil des Gerichts sind folgende Stellen bemerkenswert: „Es handelt sich in dieser Anklagesache um zwei verschiedene Angelegenheiten. Im erste» Falle ist das Gericht dem Zeugnis der Frau L a r s e n gefolgt. Sie hat de» S ch n tz»i a n n Böttcher um Schutz gebeten, weil sie schon von v e r- schieden e n Herren belästigt war. Sie geriet dann irrtümlich in ein öffentliches Hau? und der Schutzmann hatte die Vermutung, daß er eine Dirne vor sich habe. Die Frau hat eidlich ausgesagt. dast sie dem Schutzmann gleich ihre richtige W o h n u u g g e- n a n n t und ihm auch ihren Hausthürschlüssel gezeigt habe. Der Schutzmann hatte absolut keinen Anlas», sie für eine Dirne zu halten. Wie sollte überhaupt eine Dirne, die doch in der Straße bekannt gewesen wäre, dazu gekommen sein, den Schutzmann um Schutz vor Herren zu bitten I? Er durfte die Frau also nicht verhaften. Auf der Wache ereignete sich sodann das weitere Malheur, daß die Wohnung nicht fest- gestellt werden konnte. Es war dieS nun eine Verfehlung, d i e mit Recht gerügt wurde; es lag offenkundig eine Frei- heitsberanbnng vor. Im zweiten Falle war der Polizei- beanite nicht richtig instruiert. Im Gegensatz zu dem Kriminalkommissar Kleinschmidt hat der Herr Polizei- Präsident gesagt, daß beim Verdacht der Unzucht in Betracht zn ziehen ist, ob die betreffenden der Unzucht verdächtigen Personen auch thatsächlich Geld genommen haben. Nach dieser Bestimmung haben sich die untergeordneten Polizei-Organe nicht gerichtet. Statt dessen haben die untergeordneten Orgaue sich durchaus nicht in angemessener Weise benommen. Subjektiv war der Schutzmann nur insofern im Recht, als er falsch instruiert war. Es muß gewerbsmäßige Unzucht vorliegen, wonach sich der Schutzmann instruktionsgemäß zu richten h«t. Nach der Ansicht des Chefs der Polizei soll dies auch geschehen, aber die untergeordneten Organe haben es unterlassen und folglich einen Mißgriff begangen. Die untergeordneten Polizei-Organe haben sich somit einen Mistgriff zu Schulden kommen lassen, der noch eine weit schärfere Bchandlnng vrr- dient hätte." Wie der Vorsitzende des Schöffengerichts feststellte, hatten die Untcrbeamten nicht etiva nur fahrlässig, sondern auf Grund einer ihnen von dem Kriminalkommissar K l e i n s ch ni i d t ge- gebenen falsche» Jnstrnkliou gehandelt! Und diese Instruktion hatte besagter Kleinschmidt gegeben, trotzdem, wie der Kieler Polizeipräsident v. P ritt kam er erklärte, wiederholt vom Minister die Mah- n u n g ergangen sei. recht vorsichtig umzugehen und lieber' eine schuldige Person laufen zu iassen, als eine nnschttldjge zu verhaften. Diese Ermahnungen hat Herr v. Pnttkamer zweifellos nn Herrn Kleinschmidt weitergegeben, der sich aber darum den Teufel scherte. Klassisch war die Antivort, die dieser eifrige Sittcnkominissarius ans die Frage des Vorsitzenden, ob er denn auch Mädchen verfolgen lasse, die sich ihre Hingabe nicht bezahlen ließen.„Das wird später festgestellt", erklärte der Herr. Kleinschmidt versieht schon seit 3t) Jahren seinen Dienst in der Sittenpolizei— wie viele Personen wohl früher schon seinen falschen Instruktionen zum Opfer gefallen sein mögen?! Auch die als Zeugen eidlich vernommenen Schutzleute spielen eine eigenartige Roste. Der Verteidiger des angeklagten Blattes geißelte', ohne' dem Widerspruch des Ämtsanwalts'zu begegnen, ihr Verhalten folgendermaßen: Wir haben es heute wieder einmal erlebt, daß die Schutzleute erst wiederholt und dringend vom Vorsitzenden ermabnr werden mußten, bevor sie die Wahrheit sagen. Erst nack ganz eindringlicher Warnung vor dem Meineid haben die Beamten sich schließlich bequemt, ihre andern Zeugenaussagen widersprechenden Be- hauptuiigen einzuschränken. Und auch der Gerichtshof folgte in seinem Urteil ja nicht den beschworenen Aussagen der Schutzleute I— Koloniales. Aus N e u v o m m e c n kommen Nachrichten von einem bedrohlichen Umsichgreifen des Schwarz w a s s e r f i e b e rs. Der kaiserliche Vicegouverneur Dr. Hahl hat un Mai das Schutz- gebiet oerl.rijen. Fortwährende Malaria und schließlich E ch w a c z w a n- c f i e v e c haben ihm Las weitere Verbleiben unmöglich gemacht. Der kaiserliche Bezirksrichter Asiessor Wokff führte' die' Geschäfte des Gouvernements bis zur Ankunft des Assessors Dr. Schnee von Samoa. Bon Neu- Guinea trifft die Nachricht ein, daß der dortige kaiserliche Richter Assessor Stuckhardt infolge von Schwarz Wasserfieber im Sterben liege, während Stabsarzt Dr. D e m p- w o l f f, der im Auftrage des Geheimrats Koch in der Kolonie die Untersuchungen über Malaria fortsetzt, soeben an Schwarz Wasserfieber erkrankte. Beiderkatho- l i s ch e n Mission starb am 16. April eine M i s s i o n s s ch w e st e r am selben U e b e I. Mehrere andre Fälle, die jedoch nicht tödlich verliefen, sind in der letzten Zeit vorgekomnien. Das Schwarzwasserfieber scheint im in er häufiger aufzutreten. Das sind ja recht erbauliche Nachrichten!— Ueber das Hinterland von Kamerun, das jüngst durch die Expedition der LieuieiianlS Kramer inid Dominik„erschloffen" worden ist, liegen ebenfalls nichts weniger als rosige Nachrichten vor. Oberlientenant D o m i n i k hat bereits auf Grund seiner Beobachtungen über diesen Teil Kamemus sein Urteil dahin abgegeben, daß für d e n H a n d e l kei n e g u t en A u§ s i ch t e n vorhanden seien. Uebereiiistiiumend mit dem französischen Oberkoninnssar Gentil ist er der Ansicht, die Tripolitaner hätten im Centrinn und west- lichcn Sudan den Handel so gänzlich in den Händen, daß Fremde nur schwer und unter der Gefahr, Unruhen zu erregen, dabei festen Fuß fassen könnten. Nichtsdestoweniger darf man sich darauf gefaßt machen, daß deiniiächsi für die durch die iiiililärische Besetzung des Kameruner Hinterlandes notwendig werdende Verstärkung der Kameruner Schutztruppe erhöhte Positionen in den Kolonialetat eingestellt werden I— Siebcnundsicbzig Misthandlnngen auS„dienstlichrm Ueber- cifer". Vor dem Kriegsgericht in Fcanksurt a. M. hatte sich der Unteroffizier Georg Jäck von der 12. Compaguie des 87. Jufauterie- Regimeuts in Mainz wegen Mißhandlung von Untergebenen zu verantworten. Der Angeklagte, dem von sciueir Vor- gesetzten das Zeugnis einer sehr guten Führung erteilt wird, pflegte die ihm unterstellten Soldaten, Ivie die Beweis- aufnähme ergab, bei geringen Versehen ans die Backe z u schlagen, am Ohr'zu ziehen, ja sogar mit dem Gewehr oder Seitengewehr zu stoßen. Ein Soldat erhielt von ihm einen Fnsttritt, ein andrer Schläge mit einem Gnmuiischlauch inS Genick, doch wagte keiner der II n t e r g e b e ii e Ii, den Vorgesetzten wegen dieser Miß- haiidliingen zur Anzeige zu bringen. Erst ein Gefreiter, den der Uiitcrofsizier„schlappes Luder" genannt hatte, erstattete von den Vorgängen in der Korporalschnft Meldung. Die eingehende llniersuchiiiig ergab dann die Feststellung vo» siebenuiid- siebzig Fällen von Mißhandlung. Zu der Gerichts- Verhandlung waren über dreißig Soldaten als Zeugen geladen, durch deren Aussagen alle siebcuundsiebzig Fälle er- wiesen wurden. Der Vertreter der Anklage beantragte deshalb eine Strafe von vier Monaten Gefängnis und Degradation. Der Gerichtshof war aber der Meinung, daß per Angeklagte kei» Soldatcnschindcr sei, sondern nur„in dienstlichem Ueber- eifer" gefehlt habe. Er sah die festgestellten 77 Fälle mit Ans- nohme von zweien als„minder schwere" an. sprach daher nicht die Degradation aus und erkannte auf eine Gesamtstrafe von drei Monaten Gefängnis, wovon noch ein Monat auf die Unter- suchungshaft abgerechnet Ivurde.— Ei» Chinakricger. Der ehemalige Chinakämpser Max Frenzel, der den Tod seines eigenen Vaters durch Fuft- tritte herbeigeführt hat, wurde vom Landgericht Bautzen zn drei Monaten Gefängnis verurteilt. DaS außerordentlich milde Urteil erscheint unverständlich. Wir haben den Fall bereits nach Mitteilungen der„Sächsischen Arbeiter-Zeitnng" und auf Grund von Angaben der Augenzeugen des Vorfalls behandelt und dabei auch erwähnt, daß Frenzel die rohe, mörderische That mit den Worten begleitete: Ich will Dir's zeige», wie wir'ö in China gemacht haben.— Vom neuen badische» Kulturkainpf. Aus Baden wird uns vom 13. August geschrieben: DaS völlige Schweigen der Regierung über ihre Absichten in der Frage der Zulassung von M ä u n e r k l ö st e r u hat das Gerücht ge- zeitigt, der neucrumiiite Kultusminister v. Däsch, der nach seiner Erklärung in der Zweiten Kammer der Eiiiführniig von Klöstern„eine Nuance freundlicher gesinnt" ist als sein Vorgänger Noll, trage sich ernstlich mit dem Gedanken des Rücktritts von seinem Posten. Diesem Gerücht tritt die Regierung jetzt in einer offiziösen Ans- lasstmg entgegen, derznfolge in der Klosterfragc sich noch alles„in der Schwebe" befinde. Die Regierung ivolle weder nach der eine», noch nach der andern Seite hin einen Entschluß fasse», sondern alle in Betracht kommenden Fragen der reiflichsten Erwägung imterziehen, sobald nach der Erholimgs- und Urlaubszcit der Gang der Staats- geschäfte erst wieder ein lebhafteres Tempo ainichine. Die Er- wägungen und Erörterungen im Schöße des Gesaiiitministerimns lvü'rdeii sich keineswegs io'kurz gestalten, wie man annehme» möchte, da die Regierung beabsichtige, vor der Enischeidung in der Klosterfrage die bei der Niederlassting von Männerorden gegebenenfalls in Frage kommenden G c in e i» d e n und wohl auch die Bezirks- röte zu Rate zu ziehen; nur falls von dieser Seite weder eine Berschäriiing der konfessionellim Gegensätze noch eine bedenkliche wirtschaftliche Verschiebung befürchtet werde, sei an ein Emgcgeu- kommen der Regierung gegenüber den kirchlichen Wünschen' zu denken. Unsres EraibteuS kann vom Rücktritt des derzeitigen Ministeriums und seiner Ersetzung durch ein liberales Parteireginient unter den gegebenen Verhältnissen keine Rede sein. Die Regierung würde sich durch einen derartigen Schritt in direkten Gegensatz zur Volksver« tretung in der Zweiten Kammer setze», in der die liberale»„Kloster- stürmer" entschieden in der Minderheit sind. Zudem befindet sich die im Lande einst so mächlige nationalliberale Partei aiigenblicklicki ini Zustande einer derartigen Zerfahrenheit, daß ein liberales Miiiisterinm in ihr auch nicht die geringste zuverlässige Stütze finden könnte. Diese zwar bittere, nichtsdestoweniger aber in den Verhältnissen bc- gründete Wahrheit führt heute auch der nationalliberale„Mann- hei m er Generalanzeiger", das Sprachrohr des Reichstags- Abgeordneten B a s s e r m a n n, seinen Gesimmiigsgeiiosten zu Geinüte, indem er ihnen die Frage vorlegt: „Ja, haben denn die Minister, denen in der Kammer bis zum allerletzten Tage ein so herzliches Wohlwollen entgegengebracht wurde, nicht einigen Anlaß, erstaunt zu sein, daß ihnen Nim doch noch so grundsätzliche Opposition gemacht werden soll. und zwar gleich vom allerschiverste» Kaliber? Können sie nicht denen, die sie der schwärzeste» Reaktion und des trostloseste» KlerikalisninS bezichtigen, mit einigem Recht erwidern:„Ihr wollt, daß wir hier in untrer Reichsccke den Kampf gegen das Centrnm fortsetzen, auf eigne Faust und im Gegensatz zur Reichspolitikl Schön, aber dann s ch a f f t u n s d o ch e r st einmal eine feste antiklerikale K a m m e r in e h r h e i t I Denn wir Minister sind nicht dazu da. parteipolitische Stecken- Pferde zu rcite», sondern das badische Land zn regieren. Dazu brancben ivir aber die Kammer, in der ihr leider nicht mehr die Mehrheit habt." Das Blatt Ivendet sich dann gegen das Bestreben eines Teils leiner Parteifreunde, durch Zureden und Drohnngeii die Minister dabin zu bringen, daß s i e das Ge'chäft besorgten und die Kloster- feinde der Notwendigkeit einer weiteren Agitation überhöben. Ans ihrem Auftreten in diesem Einzelsalle erwachse de» nationalliberalen Äulturkämpfern die gebieteriscke Verpflichtung, das badische Boll vor der drohenden Reaktion zu bewahren und mit allen Kräften dafür zu sorgen, daß die Männertlöster durch Gesetz ausgeschlossen iverden. Die Kullurkärnpfer ständen am Scheidewege, was nur selten eine augeiiehine Lage sei; wer sie scheue, müsse sie eben bei- zeiten zu umgehen wissen.— Ausland. Vom Kulturkampf in Frankreich. Nach den Versicherungen der französischen ultramontanen Presse soll sich der P a p st offen für den Widerstand des revol- tierenden Klerus ausgesprochen haben. Der Pater Le Dorö, der Generaloberst der Eudisten, habe aus Rom ein Schreiben des Kardinals Rampolla an den päpstlichen Nuntius in Paris mitgebracht, in dem ihm entsprechende Weisungen des Papstes ge- geben worden seien. Zwischen dem Vatikan und dem französischen Episkopate sei ein Einvernehmen über den zu führenden Kampf gegen die Regierung erzielt worden. Pater Dorv, der den Widerstand des Klerus noch nicht energisch genug findet, hat den Standpunkt des Papstes zu dem Konflikt dahin charakterisiert, daß der Papst als Ergebnis des Kampfes die Kündigung des Konkordats betrachte, daß man jedoch bemüht sein müsse, das ganze Odium für diese Kündigung der Regierung aufzubürden. Ob der Papst und der französische Klerus einer Kündigung des Konkordais, zu der ein auf die Spitze getriebener Kampf gegen das Ministerium allerdings führen löniitc, so gelassen entgegensieht, möchte aber doch zu bezweifeln sein, würde doch mit der Eiitstaatlichung der katholischen Kirche auch deren staai- liche S u b v e n t i o ii i e r u ii g fallen. Die jährlichen 43 Millionen. die jetzt der Staat der Kirche spendet, ivürde der Klerus trotz seines enormen Vermögens denn doch empfindlich vermissen.— Eine„sehr hohe politische Persönlichkeit" will übrigens nach dem„Echo de Paris" wissen, daß nach der Wiedereröffining des Parlaments ein Mitglied der Regierungsmehrheit einen K o in- promiß- Vor schlag zur Beendigung des Knlturkainpfcs machen werde. Den nämlich, allen mit Unterricht sich befassende« Kongrc- gationen die Ermächtigung auch ferner zu erteilen, aber nur unter der Bedingung, daß sie keine neuen Mitglieder anwerben, also auf den Aussterbeetat gesetzt würden. Was daran richtig ist und inwieweit die Regierung einem solchen faulen Frieden zuneigen würde, läßt sich einstweilen nicht übersehen. Vorläufig herischt auf beiden Seiten noch heftige Kampsstiminung, wie die neuesten Meldirngeii beweisen. Der Ministerrat beschäftigte sich am Donnerstag mit der Schließung der koligregaiiistischen Schulen im Departement Finisiire. Ministerpräsident Combes teilte mit, daß die Oberin der Kongregation der Schulschwestern ihm angezeigt habe, sie hätte zweimal die Schwestern aufgefordert, auseinanderzugehen, ihre Schritte wären aber ergebnislos gewesen infolge des Widerstandes der Eigentümer der Schulräume und eines Teiles der Bevölkerung. Aus den amtlichen Berichten und ans Privatmitteiliuige» gehe hervor, daß die Widcrstaiidsbewegmig, welche mnii zuerst als eine katholische hingestellt halte, ganz unzweideutig eine r o y a l i st i s ch e sei. Diese Bewegung habe heftige Unruhen zur Folge gehabt, welche uiiler das Strafgesetz fallen und gerichtliche Verfolgung nach sich ziehen würden. In diesem Sinne seien dem General st aatsanw alt Weisungen von seitcii des I u st i z m i n i st e r s zugegaiigen. L e S n e v e n, 14. August. Der Präfekt hat in St. Meen, Ploudaniel und Folgoöt das G e s e tz v o m 7. I u n i 1848 über die Zusammenrottungen anschlagen lassen. Chambsry. 14. August. Nachdem die an die koligregaiiistischen Schulen mehrerer Gemeinden gelegten Siegel bereits einmal vor- nichtet und wieder ersetzt worden waren, hat die Gräfin C o st a de Beauregard sie das zweite Mal in Laravoire zerbrochen. Ueber den Vorgang wurde ein Protokoll auf- genommen. L e s ii e v e n, 14. August. Die Kougregalioiisschuleu in Plön- gonvelin und in Ploumogiier sind heute vormittag mit Hilfe einer Comvagnie Infanterie geschlossen worden. Die Bevölkerung brachte Hochrufe auf die Schwestern und die Freiheit aus.— Frankreich. Der lv'/s- Stniidcntag. Die Unternehmer benutzen den Mmisterwechsel. um das Gesetz Millcrand-Colliard noch mehr zu durchlöchern. So verlangt die Handelskaminer von Troyes Modifikationen des Gesetzes besonders nach der Richtung hin, daß mehr Ausnahineii für Saisongeschäfte und für Betriebe unter freiem Himmel zugelassen werden. Auch die Fabiiianten von Verneuil wenden sich in einer Petition au die Regierung gegen das Gesetz. Bekanntlich verlangt dieses Gesetz, daß in Fabriken, wo neben erwachsenen Männern auch Frauen oder jiigcnd- liche Arbeiter unter 13 Jahren beschäftigt sind, die Arbeitszeit' nicht länger als 10'/? Stiiiidcn betragen darf. Ein großer Teil der Arbeiter hat die Petition der Fabrikanten, die nach dem üblichen Muster wie .Schädigung der mitionalcii Industrie",„Beschräiikinig der individuellen Freiheit" und dergl. gegründet ist, mit unterzeichnet. Der Korre- spondent der„Petite Rspubliqne" fügt hinzu, ein Teil der Arbeiter habe dies ans Furcht v o r E n t I a s s u n g, ein andrer Teil aber auch aus Unkenntnis gethan. Es sei notwendig, daß die französische Arbeiterschaft mehr wie bisher über die zu ihren Gniislen geichaffcne sociale Gesetzgebung aufgeklärt würde.— Andrerseits lesen wir im„Boix du Penple", Organ der französischen Gewerkschasten, daß eine Anzahl Arbeiter« Organisationen ebenfalls in eine Bewegung zum Zwecke der Abänderung des Gesetzes Millcrand-Colliard eingetreten sind. Dieselben erkennen die guten Absichten und die bereits erzielten Wirkungen des Gesetzes an.'ver- langen aber eine Ausdehnung auf die gesamte Industrie.— Italien. Verboten wurde in A l e s s a n d r i a das s o c i a I i st i s ch e Organ„Die neue Idee", weil es einen Vergleich zwischen dem Vorgehen der Grimdherren und Behörden in Apntteii und den Massalics in Galizien angestellt hatte.— England. Kindristciblichkeit in England. Die Gesellschaft für össent- liche Gesundheitspflege hat eine Statistik aiifgenomiiieii über die Sterblichkeit der Kinder unter einem Jahre. Diese Slatislit bestätigt aufs neue den unheilvolleil Einfluß der Industrie auf die Kinder- sterdlichkeit. Lancashire marschiert mit 180 pio Tausend nn der Spitze. Die Grafschaft Rntlaiid nimmt mit 79 pro Tausend das andre Ende der Liste ein. Die andern Grafschaften, welche noch eine Sicrblichkciisrate von iniier 100 pro Tausend anfweisen, sind Dorset, Witts und Oxford, alles iSnd- liche Grafschaften. Dagegen weisen die Grafschaften Kork- shire, Stnffordshire, Rotts, Marwick, Dnrham, Rorthimiberland und London eine Sterblichkeitsrate von über 160 pro Taiiiend ans. Es sind das alles Jiidnsiriegebiete, wo ein großer Teil der Mütter in den Fabriken thätig ist. Die Textil- und keramische Industrie marschieren in dieser Beziehung an der Spitze. Jedoch wurden auch eine Reihe ländlicher Distrikte mit bohen Sterblichkeitszifferu fest- gestellt und dabei gleichzeitig ermittelt, daß dort die Schuld an der Verwaltung liegt. Schlechte WohuungS- und»miieutlich Waffcr» verhältniffe werden als die Ursachen schlechterer EesulidheilsverhäUmstc angesehen.— Ueber daö Ergebnis der Londoner Kolonialkonfcrcnz giebt eine von Melbourne gekabelte Rede des ailftraiischeii Premier- Ministers unzweideutigen Aufschluß, wenigstens was die wichtigste Frage, die der R e i ch sn e r t e i d i g u„ g betrifft. Ehamberlaiiis Anträge zur Lösung derselben sind grundsätzlich abgelehnt worden. Der australische Minister erklärte, Mr. Chamberlaiii und das eng- liiche KriegSministeriuiii wie die englische Admiralität hätten ein System der Centralis.itimi durchzusetzen versucht, nach welchem sowohl die Truppen lvie die Kriegsflotte der Kolonien unter der Konliolle des eiiMchen Krieqsministeriums resp. der dortiqen Admiralität zu. Iiinftiji gestanden hätten, die Kolonien aber nicht Herren ihrer eigne» Truppen und Flotte mehr gewesen sein würden, sondern wohl Mann- schaften, im übrigen aber nur Barquoten zum britischen Marine- und Hecres-Budget zu zahlen gehabt hätten. Das sei abgelehnt. und der australische Borschlag der D e c e II t r a l i s a t i o n in der bisherigen Weise angenommen worden.— Amerika. Aiilcrikanischer Appetit aus Haiti. DaS„Bureau Lassan' rneldct ans Washington vom 14. August: Die Revolution in Haiti und die Uiiruhcn, die in letzter Zeit auch San Domingo, die andre Ncgerrepnblik auf der Insel, heimsuchten, haben die Frage der Annexion der Insel Haiti durch die Vereinigten S t a alen neuerdings in den Vordergrund der v s s e n t I i ch e n E r ö r t e r u n g gerückt, ohne daß jedoch von der Washingtoner Regierung Schritte in dieser Hinsicht gc- than würde». In madgebeudcn militärischen Kreisen ist man der Ansicht, daß der n ä ch st e Krieg, an welchem die Vcr- einigten Staaten beteiligt sein werden, sich an der Karibischen See a�b spielen wird. Der Besitz der Insel Haiti würde in diesem Falle den Vereinigten Staaten für ihre maritimen Operationen einen Stützpunkt von unschätzbarem Wert sichern, der infolge seiner nahen Lage beim Pnnaniakanal noch wertvoller sein würde, als selbst Portorico oder Dänisch-Weslindieu. Die Regerrepnblik würde ivahrscheinlich ein ebenso schtver ver- danlichcr Bissen werden, wie die Philippinen.— Nochmals die Hutzölle. Der„Korrespondent für die Arbeiter und Ar- b e i t e r i n n e n d e r Hut- und F i l z w a r e n- I n d u st r i e' antwortet ans nnsre Ansführungen über die„Hutzölle' in Nr. 17S des„Vorwärts'(vom 30. Juli) mit einem längeren Artikel, gegen dessen Schlusz er sich sogar zu der Drohung versteigt, dag irenn die socialdcmokratischen Abgeordneten nicht für die Hutzoll- fordenmgen der Hutmacher eintreten wurden, letztere„durch die Hilfe ü n s r e r p o I i t i s ch e n G e g n e r' das zu erreichen suchen würden, was die eigne Partei versage. Ilni die Schntzzollbedürftigkcit der Haarhiit-Jndustrie darzuthun, kommt der„Korrespondent' nochnials ans den Rückgang dieser Industrie in Deutschland zurück, und schreibt diesen in erster Reihe der 187g er Schwenkung der deutschen Zollpolitik und in zweiter der raschen Entwicklung der Wollhut-Jndustrie zu. In Bezug auf die erste dieser Ursachen heistt es: „Tie Hauptursache dcS Rückganges der Haarhut- Industrie liegt zweifellos in der 1�78/1�8« von Bismarck iuanguriertc» Schutzzollpolitik. Das Ausland antwortete Deutschland mit Kainpszvlleii und Schutzzöllen zur Kräftigung der eignen Industrie. Wie schlecht die deutsche Hanrhut-Jndiistrie bei dieser Schutzzollpolitik weggelomnien ist, das lägt sich am besten an der Höhe der Zölle in Deutschland und dem Ausland ermessen. Wir haben in Deutschland auf Haar- und Wollfilzhüte einen Eingangszoll von 180 M. pro 100 Kilogramni. Die Wirkung des Zolles ist folgende: Ein leichter teuerer Haarhnt, 100 Gramm schwer, im Engrospreise von ö— 7 M. kostet 18 Pf. Zoll oder 2—3 Proz. des Wertes. Ein schwerer billiger Wollhut 175—200 Gramm schwer im Preise von 2—3 M. kostet 31—36 Pf. Zoll oder 10—18 Proz. des Wertes. Daß ein so nnnimaler Haar- Imt-Zoll— mit diesem haben wir es nur zu thun— für Hüte, die im Detail für 3—10 Mark das Stück verkauft werden, ohne Bedeutung ist, das versteht sich von selbst. Die Einfuhr von Haarhüten in Deutschland war fast zollfrei. Hingegen setzte das Ausland, namentlich die Länder, nach welchen die deutsche Haarhut-Jndustrie exportierte, EingangSzölle in einer Höhe fest, die eine fernere Einfuhr unmöglich machten... Ihre(der Haarhut-Jndustrie) Absatzgebiete im Auslände auf dem Weltmärkte hat sie verloren und ebenso den größten Teil des Inlandsmarktes infolge der günstigen Einfuhrbediiigungen in Deutschland. Wie eine derart auf den Hund gekommene Industrie mit England konkurrieren soll, das keinerlei Zölle ans Roh- Material hat, oder mit Ländern, die sehr billige Arbeitskräfte haben, daS ist ein Preisrätsel des„Vorwärts". Die deutsche Haarhut-Jndustrie ist durch die Schutzzoll-Politik so ge- schwächt worden, daß für sie der Freihandel die letzte Oelung bedeuten würde. Hier hilft nur Zollschutz auf längere Zeit.' Wir sind völlig einverstanden mit dem„Korrespondenten"— und haben'dies auch in Nr. 175 erklärt—, daß die Hnarhnt- Jndustrie sich in einer ungünstigen Lage befindet, daß das Ver- hältniS zwischen Ein- und Ausfuhr sich verschlechtert, und drittens, daß neben dem Aufschwung der Wollfilzhnt-Fabrikation zu dem Riick- gang der Einfluß der BismarckschenZollpolitikaufden Export beigetragen hat. Total unrichtig ist es aber nach unsrer Meinung, wenn der „Korrespondent' ans diesen Thatsachen ohne weiteres folgert, es müßten deshalb die Zölle auf Haarhüte um das Mehrfache erhöht werden, und eine solche Erhöhung könne dem betreffenden Industrie- zweig seine frühere Stellung wieder verschaffen. Wie der„Korrespondent' selbst zngiebt, hat die Bismarcksche Schutzzollpolitik die Folge gehabt, daß das Ausland mit Kampfzöllen antivortete und diese de» deutschen Export erschwerten. Seltsamer- weise schließt der.Korrespondent' aber daraus nicht, daß die Schutzzollpolitik revidiert werden, sondern daß sie verschärft werde» ninß, d. b. daß die Zölle weiter erhöhtwerdenmüssen. Allcrdingseincall- gcmeine Erhöhung fordert der Korrespondent nicht, nur für eine einzelne Branche; aber daß die für die Haarhut-Fabrikation beantragte Ver- vicrfachnng des Zolles nur dann Anssichl auf Annahme hat. wenn andren Industriezweigen ebenfalls Konzessionen gemacht werden, ist selbstverständlich. Und nicht weniger selbstveiständlich ist, daß anch jetzt, wie 1879/80, die Länder, deren Export sich vom deutschen In- landsmarkt abgeschlossen sieht, niit Gcgenzollmaßnahmen antworten werden. Vielleicht denkt der„Korrespondent'— nur von diesem Gesichts- Punkt aus ist seine Argumentation konsequent—, die Repressivmaßregeln werden nicht den Export der Hntinduflrie, sondern den irgend welcher andren Industriezweige treffen, und ob in diesen die Arbeiter durch die Schutzzollpolitik geschädigt würden, ginge die Hut- niachcr nichts an, zunächst kämen sie selbst. Von diesem engsten Julecessenstandpunkt aus haben zwar amcrikanischc Gclverkschaftcu im letzten Jahrzehnt mehrfach zur Hochschntzpolitik Stellung ge- nomineu; in Deutschland war bisher diese Sorte von Gcwerk- schafts-EgoismnS unbekannt. Die socialdcmokratische Arbeiterpartei, deren Aufgabe die Vertretung der Gcsaintintercsseu der Arbeiterschaft ist, kann jedenfalls diesen Weg nicht beschreiten; sie kann nicht, um den Arbeitern einer Branche lohnende Beschäftigung zu sichern, schntzzölliierischcn Forderungen zu- stiinmcii. deren Folge eine Verminderung der Beschäftigniig in andern Branchen sein würde. Wird solche Polilik als berechtigt anerkannt, dann können z. B. auch die Arbeiter in Gcschützgießcrcicn verlangen, daß ans Kosten der großen Masse die socialdcinokratischen Abgeordneten für die Vermehrung der Artillerie eintreten. Doch sehen wir hier von der Rückwirkung auf andre Industrie- zweige ganz ab und betrachten ivir die Hntzölle rein für sich. Be- laniitlich hat die schutzzöllnerischc Mehrheit der Zolltarif-Kommisston sich für die beantragten Zollerhöhungen auf Haarhüte entschieden; nehmen wir also an, der Tarif würde Gesetz; was würde die Folge sein? Die Einführung von Haarbülen kam bisher vornehmlich aus Oestreich. Großbritannien und Italien; die Ausfuhr ging nach den Niederlanden, den Philippinen und Norwegen. Anch die Woll- filzhüte wurden bisher hauptsächlich ans Großbritannien, Italien. Oestreich und ans der Schweiz eingeführt, doch überstieg die Ausfuhr nach den letzten beiden Ländern die Einfuhr. Die wahrscheinliche Folge einer Erhöhung der Zölle auf die aus diesen Staaten kommenden Haarhüte wird sein, daß die betreffenden Regierungen die Zölle auf Wollfilzhiite erhöhen, vielleicht würde die Schweiz auch mit Zollerhöhungen auf Danien-Filzhüte zc. antworten; aber nehmen wir selbst an, ihre Repressivmaßnahmen richteten sich gegen ganz andre deutsche Exportartikel, so bliebe als Resultat der Annahme des Zolltarifs immerhin noch eine Verteuerung der zurf Hutfabrikatiou benutzten Rohstoffe, W e r k z e u g e, Maschinen zc. Was auf der einen Seite durch Erschwerung' der Einfuhr gewonnen würde, ginge auf der andren Seite mehr' oder weniger der Hutindustrie durch Erhöhung der Produktionskosten und Verringerung der Konkurrenzfähigkeit auf dem Auslandsmarkt ver- lvren. Und daß die Billigkeit der Roh- und Halbstoffe nicht ohne Bedeutung ist, gesteht auch der„Korrespondent" zu. denn er führt die Konkurrenz, die England trotz seiner höheren Löhne dem deutschen Fabrikat auf dem deutschen Inlandsmarkt macht, darauf zurück, daß dieses„keinerlei Zölle auf Roh- Material" hat. Dazu kommt, daß die beantragte Zollerhöhung die Preis- differcnz zwischen den Haar- und Wollfilz-Hütcn noch mehr er- weitert. Bislaug betrug der Zoll auf Haarhüte ungefähr 20 Pf. per Stück, der neue Zollsatz beträgt 70 Pf. resp. 1 M. Die guten Haar- büte, die bisher im Detailhandel 8—10 Mark kosteten, würden also dann noch um etwa eine Mark teurer werden. Zieht aber der kleine Mann schon beute vor, anstatt des teuren Haarhutes sich einen billigen Wollfilzhnt zu 3, 4 Mark zu kaufen, wird er dann noch viel weniger sich einen Haarhut leisten. Schon diese Darlegungen zeigen, wie haltlos die Folgerung ist: die Haarhut-Jndustrie geht zurück, die Einfuhr steigt, die Ausfuhr nimmt ab— folglich muß der Zoll vervierfacht werden. Außer dem Rückgang der Branche kommen die internationale» Produktions- und Handelsverhältnisse und die Wirkung des Zolls ans diese in Betracht. Der.Korrespondent' wirft allerdings dem „Vorwärts" wiederholt seine grobe UnkeiintiiiS vor, ohne auch nur eine einzige Unrichtigkeit nachweisen zu können— allem Anschein hält er die Redaktion des„Vorwärts" deshalb nicht für Urteils- berechtigt, weil sie nicht ans Hutmachern besteht. Zum Schluß möchten wir uns noch gegen die Behauptung wenden, wir hätten gesagt, der Verfasser des Artikels in Nr. 28 des„Korrespondent'„könne eher ein behäbiger Hutfabrikant, wie ein Hutmachergehilfe sei n", und mit der„schoflen U n t e r st e l l u n g' gearbeitet, als gebe der„Korrespondent"„mir das Sprachrohr der Fabrikanten ab". Diese Ausdrücke sind nichts als Erfiiidiingen des Artikelschreibers. Der betr. Satz lautete wörtlich:„Zugegeben kann Iverden, daß die Lage der Haarfilzhutbranche keineswegs günstig ist, aber nicht weil, wie der „Korrespondent" der Darstellung des Vereins deutscher Hulfabrikanten nachspricht, die deutsche Haarhntmacherei seit 20 Jahren vom Auslande niederkonknrriert wird, fondern größtenteils deshalb, weil der Woll- filzhnt infolge seiner größeren Billigkeit immer beliebter wird." Daß seine Argumentation eine recht bedenkliche Aehnlichkeit mit der der Unteriiehiiier, besonders mit der Eingabe des Vereins deutscher Hutfabrikanten hat. wird der„Korrespondent' nicht bestreiten können, ziirückzuuchmen. hätten wir höchstenfalls, daß es nicht der ganze Verein der Hutfabrikanten ist, der diese hochschntzzöllnerischen Wege wandelt, eine Minderheit hat sich für Beibehaltung des bisherigen Zollsatzes für Haarhüte und Herabsetzung deS Zolls für Wollfilzhüte auf 20 Pf. pro Stück ausgesprochen.— IPavfei-Hailiviriitcw« Mit der Agitation unter der polnischen Bevölkernng be- schäftigt sich in bis jetzt zwei Artikeln die„Leipziger Volkszeitung". Die Erörterung ist darauf zugespitzt, daß es uns noch so gut wie vollständig an leichtfaßlicher Agitativuslittcratur in polnischer Sprache mangelt und daß wir eincS gut geführten polnischen Organs im- bedingt bedürfen. Eine kleine Minderheit der besser situierten Ar- beiter in Oberschlesien und Posen verstehe zwar deutsch, aber die große Masse der Arbeiter sei polnisch. „Versteht der polnische Arbeiter häufig auch deutsch, so wirkt auf ihn selbstverständlich die ihm in fremder Sprache mündlich oder schriftlich gebotene Agitation unvergleichlich schwacher, berührt ihn viel weniger, als wenn sie ihm in der heimischen Form seiner eignen Sprache geboten wird. Dies verstand sich auch das Centrimi sehr ivohl zu nutze zu machen, indem es z. B. ni Oberschlesieu eine ganze polnische populäre Presse in seincin Sinne geschaffen hat. Wollen wir die oberschlesisweii Wählermasse» dem Centnim, die Posencr Wählermasscu den„Polen" streitig machen, dann müssen wir gleich ihiicu mit polnischem Wort und polnischer Schrift in die Massen dringen." Es wird dann darauf hingewiesen, daß die Gewerkschaften schon seit Jahresfrist ein polnisches Gewerkschaftsblatt geschaffen haben, während die Partei den gleichzeitig gefaßten Beschlutz der Schaffung eines polnischen Partciblattes noch immer nicht ausgeführt habe. Die niit der Gruppe der polnischen Socialisten gemachten ungünstigen Erfahrungen dürften nicht dazu führen, denjenigen die Partei- unterstütznng zu versagen, die mit der deutschen Socialdcmokratie auf vollkommen gciueinsamem Boden stehen. „Als der Erscheinungsort eines solchen für alle polnischen Gegenden Deutschlands bestimmten Parteiblaltes ergicbt sich von selbst die Stadt Posen, und die dortigen Genossen haben bereits, um die praktischen Möglichkeiten auszuprobieren, aus eignen Kräften anfangs Juli ein polnisches Partei-Organ,„Gazeta Ludowa' (Volkszeitung), geschaffen. Das Blatt, das von Anfang an in politischer und litterariicher Hinsicht die früher von der Partei unterstützte„Gazeta Robotnicza" iveit hinter sich gelassen hat und sich auch neben der bürgerlichen Posener Presse sehr wobl sehen lassen kann, erscheint nun einstweilen unter größten persönlichen Opfern der dortigen Genossen. Ohne eine regelmäßige Unterstützung seitens der Partei kann sich das Blatt selbstverständlich in der ersten Zeit nicht halten. Es kam nur darauf an, die Möglichkeiten der technischen und redaktionellen Herstellung sowie der Verbreitung zu demonstrieren, und dies ist den Posener Genossen glänzend gelungen. Nun ist es au der Partei, dem bereits existierenden polnischen Parteiblatte dieselbe Unterstützung zu gewähren, die sie im Laufe von zehn Jahren einer ganz verfehlten und verkehrt geleiteten polnischen Zeitung gewährt hat, eine Unterstützung, wie sie die inanchinal der Engherzigkeit und des Formalismus beschuldigte Gencraltomiilisfion der Gewerkschaften in freigebigster Weise dem polnischen Gewerlschaftsblatte gewährt." Soweit die„Leipziger Volkszcitnng". An sich ist es ja durchaus zutreffend, daß wir des polnischen Wortes und der polnischen Schrift bedürfen, um die Masse der polnischen Arbeiter zu gewinnen und daß dabei für uns nur eine unanfechtbar socialdcmokratische, allen specifischen Nationalismus verwerfende Agitation in Frage kommen laun; aber das ist doch nur die eine Seile und der Anfang der Sache. Sind die Sprachschwierigkeiten überwunden, dann stehen wir den p o I n i s ch e n Anhängern des Ceiitrnnis ähnlich gegenüber wie seinen deutschen Anhängern und nicht anders ist es mit den Anhängern der Polengrnppe. Und da muß doch darauf aufmerksam gemacht werden, daß auch das Centrum die Mehrzahl seiner Anhänger unter der deutschen Bevölkerung hat und daß die Zahl der deutschen Centrnmswähler selbst dann noch eine bcaäitlichere Größe ist wie ihre polnischen, wenn man diesen sämtliche Wählern der Polengrnppe hinzuzählt. ES läuft also die Frage der Agitation unter der polnischen Bevölkerung auf die Frage der Vekänipfnng des Centrums hinaus und diese Frage ist wichtiger, wie die verhältuismätzig leicht zu überwindende Schwierigkeit der Sprachverschiedenheit. Also erst die Centruinsfrage; dann ist die Frage der Gewinnung auch der kleineren polnischen Anhängerschaft des Ceiitrniiis wohl leicht zu lösen. Im socialdcmokvattschen Verein fiir de» S. harnbnrgischrn Wahlkreis wurde beschlossen, 2500 M. an die Parteihauptkasse ab- zuliefern. Sodann beschäftigte man sich mit dem Parteitage. Folgende Anträge wurden angenommen: Beantragen: „daß auf dem Parteitag mir die von den Parteigenoffen ge- wählten und mit Mandat versehenen Delegierten stimmberechtigt sind.' «Der Parteitag möge beschließen, daß die Fraktion bei Be- ratung der Arbeilerversichernngs-Gcsetze dafür eintritt, daß alle Personen, welche gegen Gehalt oder Lohn beschäftigt sind, der Versichernngspflicht unterliegen, wenn der Verdienst 2000 M. pro Jahr nicht übersteigt." Eine längere Debatte entspann sich Über die Eiiirichtung der Pensionsanstnlt für die Partci-Angestellten, da von einem Redner Einwendungen gegen die bereits beschlossene Leistung von Beiträgen ans den Mitteln des Parteigeschäfls gemaäit wurden. Elm als Mitglied der Prcßkommission begründete in längeren Anssührungen die Berechtigung und Notwendigkeit dieser Beitragsleistung und ihm schlössen sich sämtliche übrigen Redner an. Auf der KreiSkonferenz dcö Wahlkreises Bielefeld-Wiedcn- brück wurde von einer erfreulichen Zunahme der organisierten Ge- nofsen im Kreise berichtet. Die Einnahmen des Vertrauensmannes betrugen inklusive 1202,81 M. Knsscnbestand 2459,51 M., die AuS- gaben 316.91 M. An die Hanptkasse in Berlin wurde nichts ab- geführt. Ein Antrag, 300 M. an die Hauptkasse zu zahlen, wurde abgelehnt mit der Begründung, daß man das Geld zu den Wahlen brauche» werde. Dagegen wurden der„Volkswacht" 500 M. über- wiesen. Infolge eines Streites um die agitatorische Thätigkeit des Redacleurs, der in zwei Kreisen ReichStags'-Kandidat ist, wurde beschlossen, daß die Preßkonimission nicht berechtigt ist, dem Redacteur für feine auswärtige Thätigkeit Gehaltsabzüge zu machen. RcichStagskandidainveu. Fiir den Wahlkreis Anhalt II wurde der bisherige Vertreter dcS Kreises, Genosse Albrecht, wieder als Kandidat proklamiert. Die Kreiskonferenz fiir den Wahlkreis Worms stellte ihren bisherigen Kandidaten Berthold-Darmstadt wieder auf. Die öffentliche Parleiversammliing für die beiden Leipziger Kreise acceptierte für Leipzig-Stadt den Borschlag des Kreisvereins, den Genossen Motteler als Kandidaten aufzustellen, und proklamierte für Leipzig-Land wieder die Kandidatur des Genossen Geyer. Totenliste der Partei. Im Dienste der Partei venmglückte in M ü n cki e n der Schmiedemeistcr Georg Mayer. Von der Sektion Müiichcn-West als Fahnenträger gewählt, marschierle er am Sonntag an der Spitze des Festznges zum Arbeiter-Sommerfeste nach Holznpfclkreulh. Auf dem Rückmarsch stieß er in der Dunkel- heit mit solcher Wucht gegen einen„sinnreich" mitten im Wege auf- gestellten Pflock, daß er sich vor Schmerz krümmte und in das nahe Bahnwärterhäuschen verbracht Iverden mußte, von wo der Verletzte von der Rettniigs- Gesellschaft nach seiner Wohnung gebracht wurde. Der herbeigerufene Arzt konstatierte eine komplizierte Darmqnetschnng, die, weil der Brand eintrat, eine Operation not- wendig machte, deren Folgen der Verunglückte nunmehr unter qual- vollen Leiden erlag. Mayer erreichte ein Alter von 49 Jahren und hinterläßt eine Familie mit sieben zum Teil noch unmündigen Kindern. In Mayer verliert die Partei einen überzeugungstreuen Mitkämpfer, feine Berussorgaiiisation einen klassenbewußten, opferwilligen Kollegen. Ei» tragisches Geschick hat den Genossen L. T ä n d l e r in Bramsche ereilt. Von Verzweiflung getrieben, hat er seinem Leben durch Erhängen ein Ende gemacht. Iii dem alten Tändler verliert die proletarische Bewegung in Bramsche einen ihrer Veteranen. Er ist einer von denen, die an der Seite von K. Sostmaiin, W. Wicmann, Lassalle und einigen andern Ende der 60er und Anfang der 70er Jahre die Jbecn des Socialismus in Bramsche ausgestreut haben. Er blieb dem Banner, welches sich die Proletarier im Jahre 1873 als das Panier des Socialismus weihten, treu bis zu seinem Ende. Er gehörte zu denen, die seitens der Arbeiterschaft im vorigen Jahre in den Schulvorstand gewählt wurden. Mit regem Eifer und warmen Jutcr- esse war er dort bis vor kurzem thätig. Am Mittwochnachmittag wurde Max Kegel zur Erde be- stattet. Dem verstorbenen Freiheitssänger die letzte Ehre zu er- weisen, hatten sich die Münchencr Parteigenossen, namentlich die Arbeitersänger in überaus großer Anzahl eingefunden. Auch zahl- reiche bürgerliche Journalisten und Schriftsteller gaben dem in allen Kreisen beliebten und angeichenen Kollegen das letzte Geleit. Am Grabe hielt Ed. S ch m i d eine ergreifende Gedächlnisrede. Kränze wurden niedergelegt für den Pnrteivorstand in Berlin, von der Re- daktion deS„Wahren Jakob", vom Genossen L v w e n st e i u für Redaklion und Verlag der„Fränkischen Tagespost", für die Partei- genossen in Leipzig-Stadt und-Land, für die Genossen des vierten sächsischen Reichstags-WahlkrciseS(Kegels engere Heimat), Genosse Lewy-Mannheiin, von Redaktion und Verlag der„Münchener Post", vom Arbeitcr-Sängerbnnd München und Augsburg, solvie von zahlreichen Münchener Arbeitervereinen. Für den Münchcner Joilriialistcn- und Schriststcllervercin, dessen Vorstandsmitglied Kegel lvar, legte Redacteur Präger einen prachtvollen Kranz nieder und rühmte tiefbewegt die Kollegialität Kegels, der sich durch seine Bescheidenheit und Uneigennützigkeit die Dankbarkeit aller Kollegen ohne Unterschied der Partei erworben habe. Der Arbeiter-Sänger- bund, der die ernste Feier durch einen Trauerchor eröffnet hatte, widmete dann noch dem dahingeschiedenen Volksdichter Pfeils Lied: Ein Sohn des Volkes als letzten Grntz. Von der lettischen Socialdcmokratie. Die lettischen Ge- nosscu haben den bisherigen Herausgeber der lettischen„Social- demokratischen Bibliothek' in London zu ihrem ständige» Vertreter ini Auslände bestimmt und bitten, die von ihnen herausgegebene periodisch erscheinende Zeitschrift, den„Socialdemokrats", als das offizielle ausländische Organ der lettischen Socialdcmokratie zu be- trachten. Die ausländischen socialistischen Organisationen mögen sich von nun an in Sachen der lettischen Socialdemokratie an die„Locial demokrate biblioteka" 35, Blythe Vale, Catford, London L. R, England, wenden. M der HtilbeWlW der ziivillldtlt-Vttslihmlllgg- llllstittte». Bekanntlich haben die Invaliden- Versicherungsanstalten das Recht, einen Versicherten, der so erkrankt ist, daß als Folge der Krankheit Invalidität zu besorgen ist. zur Abwendung dieses Nach- teils in ärztliche Behandlung zu geben. Dasselbe kann geschehen, wenn begründete Annahme vorhanden ist, daß der Empfänger einer Jnvalideurente bei Durchführung eines Heilverfahrens die Erwerbs- fähigkeit wieder erlangen werde. Die Arbeiter legen mit Recht großen Wert darauf, daß die Invaliden- Versiche- rungS- Austalten von der Befugnis zur Durchführung eines Heilverfahrens in allen geeigneten Fällen Gebrauch nmchen. Denn unter allen Umständen ist es besser, daß dem Arbeiter. wenn irgend möglich seine Erwerbsfnhigkeit erhalten bezw. wieder- gegeben wird, als daß man ihn der Hilflosigkeit Überläßt und dann mit einer völlig ungenügenden Rente abfindet. Aus diesen Gründen ist es wichtig, zu erfahren, in welchem Umfange und mit welchem Erfolge die Jiivalideii-Versichernngsanstalten die gesetzlich zulässige Heilbehandlung thatsächlich durchgeführt haben, Hierüber giebt uns Auskunft die soeben vom Rcichs-VersichcrungS- amt veröffentlichte„Statistik der Heilbchandlnng bei den Ver- sichcriliigsanstalten und zngclaffenen Kassencinrichtnngen der In- validenvcrsicheruiig für die Jahre 1897—1901". Nach dieser Statistik sind in Heilbehandlung genommen worden: im Jahre 1897... 10 564 Personen «„ 1893... 13753 „ 1899... 20039 „ 1900.,. 27 427 . 1901... 32710 So viel steht also fest, daß von Jahr z» Jahr eine größere Zahl von versicherten Personen in ärztliche Behandlung gegeben wurde, Auf der andren Seite erstreckt� sich aber anch die Invaliden« versichernng im Lauf der Zeit auf einen immer größeren Kreis unsrer Bevölkerung, und damit wächst anch die Zahl derjenigen Per- 'onen, für welche die Heilbehandlung eintreten kann. Außerdem muß berücksichtigt werden, welche Sorgfalt auf die einzelnen Fälle verivendet wird. Wir lassen daher noch den Kostenanfwand für die Heilbehandlung folgen, der nach Abzug der Erstattungen seitens der Kraiikcnkasseu. Geniciiideil usw. auf je' 100 000 M. der Einnahmen entfallen. Er betrug: im Jahre 1897...;. 1 623,66 M. „ 1898..... 2139,50, »« 1899..... 2 798,23, .» 1900..... 4 076,83. .. 1S01..... 4 937,36„ ufitdö bier haben wir von Fahr zu Jahr eine Steigerung, die ober im letzten Jahre erheblich qe ring er ist als im Vorjahre. Im allgemeinen scheint also der Eifer der Jntialiden-Versichcrungs- Anstalten für die Durchführung der Heilbehandlung sich schon etwas abgekühlt zu haben, Wenn wir nun das Verhalten der einzelnen Anstalten auf diesem Gebiete näher betrachten, so finden wir ganz erhebliche Unterschiede. Am meisten leistet das Grostherzogtum Hessen, das auch im letzten Jahre wieder einen erheblichen Fort» schrrtt aufweist. Dann folgt Baden, das im vorigen Jahre»och die erste Stelle eingenommen hat, in der letzten Zeit aber zurück- geblieben ist; dann folgen die Hansestädte, ebenfalls mit einem ganz minimalen Fortschritt im letzten Jahre; dann Württemberg,' das sogar gegenüber dem vorigen Jahre einen Rückschritt gemacht hat, und dann erst— Verlin. Der verhältmsmäsjig tiefe ©tano der Versicherungs- Anstalt in Berlin ist umsoiveniger begreiflich, als gerade in diesem Bezirk die Verhältnisse eine recht weit gehende Fürsorge für die Arbeiter nicht nur erfordern, sondern auch erniöglichen. Freilich, die andern preußi- fdjen Versicherungsanstalten bleiben selbst hinter der Berliner noch weit zurück, nur die Anstalt in Hannover steht fast ans der gleichen Linie wie die in Berlin, ja im vorigen Jahre war sie sogar der letztere» voraus. Die Anstalt in Posen hatte in de» Jahren 1898, 1899 und 1900 den höchsten Kostenaufwand für Heilbehandlung von ollen preußischen Anstalte», im letzten Jahre sind aber ihre Leistungen für die Heilbehandlung so zurückgegangen, daß sie jetzt bis an die dritte Stelle heruntergekommen ist.— Auch Elsaß- Lothringen leistet wenig, noch weniger das gelobte Mecklenburg, am wenigsten aber Bayern, das den traurigen Ruhm in Anspruch nehmen kann, daß es noch in jedem Jahre die Anstalt mit den geringsten Leistungen für die Heilbehandlung gestellt hat. Im Jahre 1898 war dies die Anstalt für Unterfranken' und Aschaffenburg, und in den drei letzten Jahren ist eS die für Niedcrbayern gewesen. Obgleich die letzte Anstalt ihre diesbezüglichen Leistungen vom Jahre 1899 auf 1900 verdoppelt und vom Jahre 1900 auf 1901 verdreifacht hat, belauft sich die dafür im letzten Jahre ausgegebene Summe doch noch auf nur 479,96 M. pro 100 000 M, der Einnahmen, gegen 10 669,70 M. bei der Anstalt für die Hansestädte. Nun genügt aber das, was in den Hansestädten geschieht, bei weitem nicht, wie sehr müssen mithin die Leistungen für die Heil- behandlung in den andern Bezirken hinter dem thatsächlich vor- handenen Bedürfnis zurückbleiben l Diese Beobachtung sollte eine Mahnung für die Arbeiter und namentlich auch für die Arbeiter- Vertreter bei den Versichernngsanstalten sein, alles zu thun. um eine viel größere Leistung ihrer Anstalten auf diesem mächtigen Gebiete zu erzielen. Hierbei können sie sich mit gutem Gewissen auf die bisherigen Erfolge der Heilbehandlung berufe», die durchaus günstig sind. Denn im letzten Jahre wurde bei Abschluß des Heilverfahrens in circa drei Viertel aller Fälle ein Heilerfolg erzielt, so daß Jnva- lidität in absehbarer Zeit nicht zu besorgen war. Freilich ist dieser gute Erfolg nur zu oft nicht von Dauer gewesen. Der Arbeiter kommt ivicdcr, nachdem er„geheilt" ist, in seine frühere» traurigen Ver- Hältnisse zurück, er mnß ivicder seine aufreibende Arbeit aufnehnien und Entbehrungen aller Art ertragen. Kein Wunder, daß über kurz oder lang seine Kraft von neuem erschöpft ist. Trotzdem wirkt auch für diese unglücklichen Arbeiter die Heilbehandlung segensreich, zumal wenn sie zur richtigen Zeit wiederholt wird. Jedes Jahr, das dnrch eine Heilbehandlung einem Arbeiter ge- Wonnen werden kann, mnß ihm auch wirklich gewonnen werden. Dieses einfache Gebot der Gerechtigkeit wird leider noch immer von den Jnvalidcn-Vcrsicherungsanstaltcn nicht genügend erfüllt. DcS- Halb müssen die Arbeiter diese Anstalten immer wieder und immer dringender an die Pflicht zur Durchführung der Heilbehandlung in allen geeigneten Fällen erinnern. JWznftl irtzvs. 6. Verba»dötag der Fabrik-, Land-, Hilfsarbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands. Offenbach a. M,, 13, August. Es wird in die Beratung des Punktes 3a:„Das Ergebnis der Arbeitslosen- und Kranken st ati st ik" eingetreten. Vorstandsmitglied S a ck-Hannover referiert darüber kurz unter Hin- weis auf die gedruckte Vorlage. Bei Aufnahme der Statistik im Januar 1901 gingen nur Sll Proz. der ausgegebenen Fragebogen ei» und eS beteiligten sich nur 53 Proz, der Mitglieder daran. Jedoch würde das Endergebnis kein andres gewesen sein, als wie das vor- liegende. Die Statistik ergab, daß auf das Mitglied im allgemeinen 1 Woche 5 Tage und auf das arbeitslose Mitglied 7 Wochen 1 Tag Arbeitslosigkeit entfällt. Eine Besserung der Statistik ist auch durch die Ernrittelung des Arbeitsverdienstes erfolgt, welche u, a, ergab, daß wir 700 Kollegen hauptsächlich in landlichen Kreisen haben, die noch unter 10 Mark verdienen. Eine weitere Fortsetzung der Arbeitslosen-Statistik, wie sie ein Antrag Rothenburgsort ver- langt, wäre nur wünschenswert, falls die Arbeitslosen-Uulerstützuug abgelehnt würde. Als Abschnitt b des Punktes 3 kommt die E i n f ü h r u n g der A r b e i t s l o s e n- U n t e r st ü tz u n g zur Verhandlung, worüber auch Sack referiert. Als Gründe dafür, daß der Vorstand dies- mal selbst den Antrag auf Einführung der Arbeitslosen- Nnterstütziing stellt, sei zunächst die große Fluktuation der Mitglieder und dann noch daS größere Umsichgreifen des Eingehens von Unterstütznngsgesuchen, die der Vorstand nicht ganz abweisen könne. angeführt. Daß der Kampf- charakter der Organisation nicht verwischt werde, gehe daraus bervor, daß, seitdem der Fabrikarbciter-Verband Unterstützungen einführte, die Summen für Streikunterstützungen fortwährend gestiegen seien, Es müssen Mittel und Wege gefunden werden, um eine größere An- hänglichkeit an die Organisation zu schaffen, denn bei der Erringung besserer Arbeitsbedingungen müsse man die große Masse schon hinter sich haben und auch beizeiten für genügende Mittel sorgen. Gerade in der Zeit des wirtschaftlichen Niederganges müsse man an den weitere» Ausbau der Organisation denken. Es folgte eine eingehende Diskussion, an der sich eine große Zahl von Rednern beteiligten, die zum Teil für, zum Teil gegen die Einführung der Arbcitslosen-Unterstützung sprachen. Am Schluß der heutigen Sitzung Ivar die Debatte über diesen Punkt noch nicht beendet. Verli» und Umgegend. „Wir find die Herren aus der Gartenstraße." In welchen Anschauungen sich die Berliner Kühnemänner be- wegen, voir was für Auifassungen sie sich in Bezug auf die Arbeiter- bewegung leiten lassen, davon hier eine kleine Probe. Am Montag dieser Woche, wurde de» Streikenden der„Nilcs- Werke" durch den Direktor B l u m e n l h a l mitgeteilt, daß am Mittwochnachmittag die Vertrau enskam mi s s i o n des Eise nindu st riellen- Verbandes auf dem Werke an- wesend sein werde, um die Streitigkeiten zu untersuchen: «s möge ebenfalls eine Kominission der Streikenden da- selbst erscheinen. Da im Streik stehende Arbeiter selbst- verständlich immer zu Verhandlungen bereit sind, so wurde auch hier eine Kommission beauftragt, den stattfindenden VerHand- lungen niit beizmvohnen. Die Verhandinngen nahnien jedoch einen andern Verlauf, als>vie die Kühneniänner erwartet haben mochten. Herr K ü h n e in a n n. der persönlich anwesend iv a r, leitete die Verhandlungen in der Meinung, daß die Arbeiter nur ihre Wünsche vorzutragen hätten, und die Vertraucnskommission dann darüber entscheidet, ob diese Wünsche berechtigt sind oder nilbt. Verantwortlicher Redacteur: Julius Kaliski in Berlin. Für den Jnserc Die Arbeiter aber dachten anders. Sie verlangten, daß. wenn eine Kommission des Unternehmer-Verbandes zu den Verhandlungen hinzugezogen werde, auch ein Vertreter der Arbeiter- organisation, in diesem Falle des Metallarbeiter-Verbandes daran teilnehmen solle. Davon wollte Herr Kühnemann aber nichts wissen und erklärte:„So etwas machen wir grund- s ä tz l i ch nicht. Mit Leuten, die Versammlungen einberufe«, 20 Pf. Eintrittsgeld erheben und sich davon mästen, verhandeln wir nicht".(!!) Darauf erwiderten ihm die Arbeiter, wenn ein Vertreter ihrer Organisation nicht hinzugezogen tverden solle, dann könnten sie auch nicht mitVertretern derUnternehmer-Organi» sation verhandeln, sondern nur mit ihrem Arbeitgeber, d. h. mit der Direktion der„Niles-Werke". Die einfache Logik dieser Darlegung konnte Herr Kühnemann augenscheinlich nicht kapieren. Er sah die Arbeiter groß an und sprach dann die geradezu klassischen Worte:„ W a s m e i n e n S i e! Wir sind die Herren aus der Gartenstraße! Wir sind die Unparteiischen(?) und werden prüfen, ob die Firma vielleicht einen Fehler gemacht hatl* Schlagfertig erwiderte» ihm jetzt die Arbeiter: Wenn es den Unternehmern um eine Prüfung der Differenzen von wirklich unparteiischen Leuten zu thun sei, weshalb sie dann vor einigen Wochen nicht vor dem Einigungsamt des Berliner Ge Werbegerichts erschienen wären!— Die Erinnerung an das vertrakte Einigungsamt schien Herrn Kühnemann recht peinlich zu sein; er wußte sich nicht anders zu helfen, als daß er verlegen erklärte: ein Erscheinen vor dem EinigungSnmte sei ausgeschlossen, weil ein solcher Schritt den Grundsätzen des Unternehmer-Verbandes zuwiderlaufen würde. Da beide Teile auf ihrem Standpunkte verharrten, so war ein Eintreten in die eigentlichen Verhandlungen gar nicht erst möglich, Ohne die schwebenden Differenzen auch nur gestreift zu haben, ging nian auseinander. Hierbei konnte sich Herr Kühnemann nicht c»t- halten, den Arbeitern noch nachzurufen: Sie möchten sich vor- sehen; noch sei dieser Streik nur ein Funke, er könne aber gar zu leicht zu einer großen Flamme werden. Wahrscheinlich spielte der Mann damit auf die von seinem Sekretär zum 15. August an- gekündigte große Dreher- und Formeraussperruug an. Nun, sollte der Fnuke wirklich zur Flamme werden, dann weiß auch jeder Metall- arbeiter, wer den Blasebalg dabei gezogen hat. Die Lohnbewegung der Dachdecker ist jetzt so gut wie be- endet. Iii der Versammlung am Mittwoch konnte von der Lohn- kommission die Mitteilung gemacht werden, daß auch die Haupt- firma des Berufes N e» ni e y e r(R o e d e l) die Forderungen der Gesellen in den wesentlichsten Teilen anerkannt hat. Demnach verpflichtet sich die Firma, einen Stundenlohn von 65 Pf, zu zahlen, die Streikenden wieder einzustellen und Maßregelungen nicht vor- zunehmen. Auch sollen die Hilfsarbeiter, die sich mit den streikenden Gesellen solidarisch erklärten, wieder beschäftigt werden; jedoch wird die Forderung der letzteren auf 40 Pf, Stundenlohn erst vom 1. Oktober ab bewilligt, während die sofortige Lohnerhöhung bis dahin 2Vs Pf, beträgt, also eiueni Stundenlohn von 37Vs Pf. entspricht. Entschiede» verweigert wurde von der Firma die geforderte Entlassung der„Arbeitswilligen". Die Versammlung be- schloß nach längerer Debatte, daß die Arbeit bei der Firma Neu- ineiher(Roedcl) am Donnerstagmorgen auch ohne die Bewilligung der letzte» Forderung wieder anfgcuonimen werden kann. Damit beschränkt sich der Ausstand der Dachdecker nur noch auf einige kleinere Firmen, die aber höchstwahrscheinlich nach dieser Wcndnug der Dinge nur wenig Schwierigkeiten machen werden. Auf der Stralauer Glasfabrik wurde den Glasarbeitern am 8. d. M, eine Lohn red uktion von 5 Proz. angekündigt, welche vom 22. August an in Kraft treten soll. In einer Versammlung, die am Sonntag stattfand, wurde der Lohukommission der Auftrag ge- gebe», weitere Verhandlungen mit der Direktion einzuleiten, um die Reduktion, wenn irgend nivglich, rückgängig zu»rächen. Deutsches Reich. Die Bäckcr-Juniinge««Germania" hielten dieser Tage ihren Verbandstag in Köln ab. Natürlich verlief die Zusammenkunft nicht, ohne daß die Bäckernicister Beschlüsse faßten, die sich gegen die Bewegung und die Interessen der Bäckerei-Arbeiter richten. Das bekannte Schmerzenskind der„Germania", der Streikabwehrfonds, dessen zwangsweise Einführung als Einrichtung der Innung bekannt- lich von der Behörde als ungesetzlich untersagt worden ist, wurde dadurch am Leben erhalten, daß jedem Jnnungsmitgliede der Beitritt zu diesem Fonds freisteht, derselbe also keine obli- gatorische, sondern eine fakultative Einrichtung ist. Damit glaubt man die gesetzlichen Bedenken beseitigt zu haben. Der Fonds, der zur Zeit den Betrag von 182 911,59 Mark aufweist, soll zur Abwehr„unberechtigter Forderungen" und „frivoler Streiks" der Gesellen dienen. Unberechtigt und frivol ist nach Ansicht der Bäckermeister natürlich jede Bewegung, die die be- kannte elende Lage der Bäckerei-Arbeiter verbessern, und gewisse „patriarchalische" Zustände beseitigen will.— Wo Bäckermeister versammelt sind, da wird nach bekannter Geivohnhcit auch gegen den doch gewiß recht unzureichenden Arbeitcrschutz im Bäckergewerbe protestiert. So geschah es auch auf diesem VerbandStag. Durch Annahme einer Resolution verpflichteten sich die Bäcker- mcister,„mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln für eine Milderung resp, Aufhebung der Bnndesrats-Verordinmg vom 4, März 1896 einzutreten."— Daß paritätische Arbeitsnachweise nicht nach dem Geschmack der Bäckermeister sind, und unter allen Umständen an den Jnnungsiiachweiscn festgehalten werde» soll, wurde auch dnrch einen Beschluß bestätigt.— Schließlich machte der VerbandStag den Fackivercincii der Mcistersöhne ein Kompliment. Es winde beschlossen, die Bildung der Fachvcreine der Meistersöhne, die im Interesse des Bäckerhandwerks liegt, in jeder Beziehung zu unterstütze».— Warum auch nicht. Die Meistersöhne werden ja keine„nnberechtigten und frivolen Forde- rungen" stellen und können deshalb von den Jnnungsmeistern, die önst gewiß keine Freunde von Gesellenorganisationen sind, unterstützt werde». Den letzteren will man ja mit dem Streikabwehr-Fonds begegnen, was jedoch den Fortschritt der Bewegung der Bäckerei- Arbeiter nicht hindern wird. Den Beschluß gegen die Accordarbeit seiner Mitglieder hat auch der Zweigverein des Centralverbandcs der Maurer zu Erfurt nach dem Vorbilde in Hamburg aufgehoben. Bisher wurde dort [edes Mitglied, von dem Accordarbeit festgestellt wurde, auf zwei Jahre aus dem Verband ausgeschlossen. Jetzt, hauptsächlich wohl durch die Furcht vor der Arbeitslosigkeit in der Krise, haben sich aber o zahlreiche Mitglieder— sogar in Kolonnen— zur Accordarbeit hergegeben, daß es der Organisation als eine Notwendigkeit erschien, vorläufig den angegebenen Beschluß aufzuheben. Tariffälscher. Die Leipziger Töpfer hatten am 16. Juli mit der Innung einen auf 2 Jahre geltenden Tarif abgeschlossen. Jetzt haben die Töpfergehilfen die Euldeckung gemacht, daß der JnnungS- meister. welcher den Vorsitz im Tarifausschuß führt, im Verein mit vier andren Unternehmenl einen besonderen Tarif mit einigen Mit- gliedern der in Leipzig bestehenden Sonderorganisation der Töpfer abgeschlossen hat. Dieser Tarif, der in manchen Punkten für die Arbeiter ungünstiger ist, wie der Jnnuugstarif, ist so hergestellt, daß er äußer- licki dem letzteren vollkommen ähnlich sieht..Der Vorsitzende des Tarif- ausschusses, der zugleich Kassierer der Innung und Leiter des Arbeitsnachweises der Innung ist, hat den falschen Tarif— wie behauptet wird— anstatt des echten Tarifes abgegeben. Als eine Fälschung kennzeichnet sich das Machwerk auch dadurch, daß es die Unterschrift eines Jnnungsmeisters enthält, der behauptet, seine Unterschrift nicht dazu hergegeben zu habe». Die Herstellung und Verbreitung des falschen TariseS wiro vom Obermeister der Leipziger Töpferinnung ebenso verurteilt, wie von den Arbeitern. Die letzteren fassen die geschilderte Manipulation als Urkundenfälschung auf und wollen Anzeige bei der Staatsanwaltschaft erstatten. enteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von ivtax In der Glacelcderfärberei von Kippermann u. E o. in H a y n a u befinden sich 14 Lederzurichter im Ausstände, weil ihnen die Accordlöhne keinen ausreichenden Verdienst ermöglichten. Ver- Handlungen hatten keinen Erfolg. Neuerdings hat die Firma 25 von ihr beschäftigte Handschuhmacher entlassen, weil angeblich für diese infolge des Zurichterstreiks kein Material vorhanden ist. Die Hand- schuhmacher behaupten jedoch, sie hätten noch Arbeit für zwei Wochen. Es scheint somit, als wolle der Fabrikant durch Aussperrung der Handschuhmacher einen Druck auf die ausständigen Zurichter ausüben. Ausland. Der Streik der galizischen Landarbeiter. Aus Krakau wird uns geschrieben: Wie bereits früher gemeldet, wurden vielen Gerichten die Streit« Prozesse abgenommen und speciellen, eigens dazu delegierten Richtern anvertraut.' Das Hauptquartier dieser Ausnahmerichter befindet sich in Tarnopol. Von dort gehen täglich dicke Berichte nach Lemberg. Gegen den Gerichtsrat Bociurkow, Zaleszczyki ist eine Disci- Plinar-Untersuchung von Anits wegen eingeleitet worden. Man wirft ihm vor, daß er den Streikenden mit Rat und That geholfen hat. Das ganze höchst eigentümliche Verfahren wird wohl im Parlament zur Sprache kommen, Die Streikprozesse haben bereits ihren Anfang genommen. De» 11. August fanden in Z b a r a z mehrere Verhandlungen statt, die meistens mit dem Freispruch der Angeklagten endeten. Zuerst traten vor die Gcrichtsschranken 10 Bauern aus Lobnczko und Ledwanka, darunter 3 Dorfvorsteher, angeklagt der Uebertretung des KoalitionS- qesetzes in fünf Fällen, Der Richter sprach die Angeklagten frei. Es wurden auch freigesprochen die Bauern ans Sieniawa und Szyly. Die Verteidigung führte der Reichsrats-Abgeordnete Dr. Kos. Die Untersuchung gegen die Genossen Ostapczuk und S z m i g i e l s k i, welche wegen Aufreizung zum Klassenhaß angeklagt waren, wurde eingestellt. Diese Freisprüche erregten höheren Orts wahrscheinlich Mißfalle». Die Akten einer Streiksache der Bauern aus Czcrnichowice wurden dem Kreisgericht in Tarnopol übergeben, trotzdem Czernichowicc im Gerichtssprengel Zbaraz sich befindet. Der Wiener„Arbeiter- Zeitung" wird aus Lemberg ge- schriebe»: Der große Kampf der Bauern geht seinem Ende entgegen. In wenigen Tagen ist die Ernte vorbei und dann wird in ganz Galizie» wieder„Ruhe und Frieden" herrschen. Die Schlachzizeupresse sucht jetzt der Welt einzureden, daß die Bauern den Streik verloren haben, indem sie auf die paar tausend Streikbrecher hinweist, die die Großgrundbesitzer aufgebracht haben. Aber bei diesem Streik, an deni gewiß 100 000 Bauern teilgenommen haben, konnte die relativ kleine Zahl von Streikbrechern natürlich gar nicht in das Gewicht fallen. Wenn man das Gesamtergebnis ins Auge faßt, kann man ruhig sagen: Der Streik endei mit einem riesigen Erfolge der Streikenden. Mit einem moralischen Erfolge; sie haben durch viele Wochen durch ihre musterhafte Disciplin die Bewunderung der ganzen Ocffentlichkeit erregt; aber auch mit einem großen inateriellen Erfolge, denn in der überwiegenden Anzahl der Gemeinden wurde der Streik mit nicht unbedeutenden Lohnerhöhungen beendet, und selbst dort, wo die Bauern, dem Drucke der Schlachzizcn und Bezirks- Hauptleute nachgebend, die Arbeit wieder aufnahmen, wurden ihnen die Löhne erhöht. Die Zahl der Gemeinden, wo der Streik ganz verloren ging, ist verschwindend klein. Sociales. In der amerikanische» Schuhindustrie hat sich in den 10 Jahren von 1890 zu 1900 eine starke Konzentration vollzogen. Während das angelegte Kapital 1890 erst 95,3 Millionen Dollar betrug und 133 690 Lohnarbeiter in der Industrie beschäftigt wurden, stieg die Zahl der Arbeiter auf 142 922 und das angelegte Kapital auf 101,8 Millionen Dollar; die Zahl der Fabriken und Werkstätten aber sank von 2082 auf 1600, also um fast ein Viertel. Zudem steigerte sich die Masse der erzeugten Schuhwaren um 26 Proz., ihr Geldwert um 18 Proz.; er betrug 1900: 261 Millionen Dollar. Dabei ist aber weder die Lage der Industrie noch die der Arbeiter günstiger geworden; es vollzog sich nämlich eine außerordentliche Steigerung des Preises der Rohniaterialien, nämlich um fast 43 Prozent. Die Vermehrung der Arbeiterzahl ist ausschließlich auf Ver- mehrnng der beschäftigten Frauen und Kinder zurückzuführen; während die Zahl der erwachsenen männlichen Arbeiter(16 Jahre und darüber) von 91 406 auf 91 215 herabging, stieg die Zahl der erwachsenen Arbeiterinnen von 39 849 auf 47 186 und die der Kinder von 2435 auf 4521. Selbstverständlich ist, daß bei dieser Sachlage die Gesamt- summe der Löhne nicht stieg; sie fiel vielmehr zwar von 60,7 Millionen auf 59,2 Millionen Dollar. Aber auch die Jndividuallöbne fielen; es sank der Durchschnittslohn der Männer von 513 auf 475 Dollar, der der Frauen von 336 Dollar auf 319 Dollar und nur der Lohn der Kinder stieg von 151 Dollar auf 178 Dollar. Trotzdem ist der Lohn der amerikanischen Schubarbeitcr ersichtlich noch erheblich höher wie der der deutschen; muß sich doch mancher erwachsene deutsche Schuh- arbeiter nnt Löhnen begnügen, wie sie hier als Durchschnitts- löhne der Kinder angegeben sind: 747 M., den Dollar zu 4,20 M. gerechnet. Auch der Kapitalgewinn ist bei dieser Sachlage erheblich znrückgcgaugen; er sank von 26,3 Millionen auf 13,7 Millionen Dollar. Uchte Machvichten und Depeschen« Reichstags- Ersatzwahl Dorchheim- Kulmbach. Wie die „Franks. Ztg." meldet, sind bis jetzt gezählt für Faber(natl.) 2781, Zöllner(C.) 2727, Weilnböck(Bd. d, Lw.) 1385 und Deinhardt(Soc.) 1360 Stimmen. Vom Kulturkampf. PariS, 14. August,(B H.) Ministerpräsident Eombes hat der Mnttcrkongregation der Weißen Schwestern in St. Brienne bekannt gegeben, daß, falls sie nicht die ihr unterstehenden Schulschwestern zum sofortigen Verlassen der Schulen anhalte, die Kongregation auf- gelöst werde. PariS, 14. August.(W. T, B,) In Plondaniel hei LeSneven sperrten die Landleute die zu der Schule der Nonnen führenden Wege mit Stacheldraht ab und legten vor der Thüre des Gebäudes einen tiefen Graben an, den sie mit Wasser füllten. Krane»- Wahlrecht. Sidney, 14, August.(W. T. B.) Beide Kammern von Neu- Südwales haben die Vorlage betreffend das Wahlrecht der Franc» angenoutme»._ Bonn, 14, August.(B. H.) Bei Nieder- Dollendorf ertrank hcnte nnttag ein Vater mit seinem 5lii>de. Der Mann hatte seine beiden Kinder in einem Kinderwage» auf eine Kribbe gefahren, wo der Wagen umkipple und die beiden Kinder ins Wasser fielen. Der Vater, der sofort»achsprang, verschwand in den Wellen; ei» Kind wurde von einem Arbeiter gerettet. London, 14. August.(W. T. B) Reuters Bureau erfährt: Die Kolonialkoufercnz hat vereinbart, daß die Kolonie» die folgenden Jahresbeiträge für die Marine leisten: Australien 200 000 Pfd. Sterl., die Kapkolonie 50000, Neuseeland 40 000 und Natal 35 000 Pfd. Mit Canada werde ein specielles Abkommen ge- troffen werden. Washington, 14. Angnst.eBank gezahlt! Der Angeklagte behauptet hierauf, die Bewilligung der frag- lichen.Abfindungsrente" fei nicht. Ivie statutarisch vorgeschriebe», von der Generalversammlung ausgesprochen, sondern dnrch gegenseitige Be- arbeitnng der AnfsichtSräte unter der Hand bewerkstelligt worden. Anchssei es zum mindesten doch sehr auffällig, daß Direktor Kopie i» der Angelegenheit mit derSparbank„lediglich um Ruhe zu bekommen" sein ganzes verfügbares Kapital an die Bank gezahlt hat. Nach be- endetcr Zengenvcriichniiliig schied der Staatsanwalt zivci Be- leidignngssälle aus der Anllage ans, beantragte aber ivegen zwei andrer Fälle eine Gefängnisstrafe von 6 Wochen. Der Vertreter der Bank beantragte als Nebenkläger, den Angeklagten außer der Gefängnisstrafe auch noch zur Zahlung einer Geldbuße von 3000 Mark an die Bank zu verurteilen. Die Verteidiger plädierte» für eine geringe Geldstrafe wegen der in einem Briefe des Angeklagten cnthaltcnen formalen Beleidigungen, im übrigen aber hielten sie den Wahrheitsbeweis ini wesentliche» für erbracht und bezeichneten die Zustände bei der Bank denn doch als keineswegs zweifelsfrei. Nach vierstündiger Verhandlung lautete das Urteil wegen der thaisächlichen Beleidigungen ans 6 Woche» Gefängnis; iveitcre Ansprüche der Nebciillägcr wurden jedoch zurückgewiesen, weil das Gericht de» Eindruck gewonnen hat, daß einige Behauptungen deS Angeklagten doch nicht als völlig un- begründet anzusehen sind. Ter Maskenball im„König von Portugal". Eines schweren Vertrnuensbriichs hat sich der Diener Engen Bartels schuldig gemacht, tvclchcr gestern unter der Anklage des Diebstahls vor dcr ersten Ferien-Strafkammer des Landgerichts I stand. Bartels stand seit kurzer Zeit in den Diensten dcö KonimerziematS als dieser mit seiner Familie eine Reise nach dein Süden unteriiahm. ohne de» Angeklagten mitzunehmen. Er verlebte hier beschauliche Tage, von häufige» Vergniiguiigen nnierbrochen. Am 7. März sollte ei» Maskenball im Hotel zum„König von Portugal" stattfinden. Ter Angeklagte hatte daS Verlangen. daran teilzunehmen, aber keine Mittel, sich eine so kostbare MaSkcngarderobe leihen z» können. wie er sie zu haben wünschte. Da kam er ani eine ver- wegeile Idee. Tie Hansdame, Ivelche in Abwesenheit der Koinmerzien- lätin dem Hansstande vorstand, hatte auch deren Schlüssel zum Kleiderschrank in Verwahrung. Der Angeklagte wollte auf dem Maskenball als elegante Dame auftreten. In Abwesenheit der Hausdame nahm er den zu», Kleiderschrank gehörigen Schlüssel fort, öffnete der Schrank und nahm unter dem Inhalt eine Auslese vor. Es waren nicht die schlechteste» Stücke, die er aussuchte und mit auf sei» Zimmer nahm. Als er eine» der kostbaren Spitzenröcke anprobierte, zerrißderselbe. DerAngcllagte brachte ihn»ach dem Schrank zurück, die übrige» Sacken brachte er nach der Wohnung seines Freundes, deS Masseurs D., wo er sich auch nm Abend des MaSken- Kalles ankleidete. Nack dnrchichwännter Nacht zog er sich wieder in der Wvhmuig seines Freundes iim nnd ließ die Danienkleider dort. Nach einigen Tagen entdeckte die Hansdame, daß die Kleider fehlten. Sie machte der Kriminalpolizei Anzeige. Als ein Beamter den Angeklagten verhörle, gab dieser an, wo er die Kleider gelassen und wozu er sie benutzt halte. Man ließ die Garderobe holen. Die Kleider sahen bö« ans, sie waren teilweise zerrisse» und beschmutzt. Der Angeklagte eiitschnldipte sich vor Gericht damit, daß er auf dem Maskenball angetrunken gewesen sei »Nd in diesem Zustande die Kleider nicht so habe in Acht nehmen können, lvie er es gewollt. Durch die Belveisanfnahmc wnrde fest- gestellt, daß die Sachen einen Wert von über 2000 M. gehabt hatten und nun fast wertlos geworden waren. Als der Staatsanwalt eine Gc- fängnisstrnie von 3 Wochen Ivegen Diebstahls gegen den Angeklagte» beantragt hatte, erhob der letztere de» Einwand, daß er doch n»« möglich wegen Diebstahls verurteilt werde» könne, denn er habe doch nicht die Absicht gehabt, die Kleider behalte». Nur ans Nachlässigkeit habe er verabsäumt, sie rechtzeitig wieder an Ort»nd Stelle zu bringen. Seiner Ansicht nach könne er nur ivegen Sachbeschädigung verurteilt werde». Der Gerichtshof trat dieier Ansicht bei. Es liege kein Diebstahl, sondern Sachbeschädigung vor und dieserhalb sei der Angeklagte mit einer Gefängnisstrafe von vier Monaten belegt worden, denn seine Handlungsweise er- fordere eine strenge Sühne. Versammlungen. Die Protcstbcrsanimlling der städtische» Arbeiter Berlins. die am Mittwoch im Geweikschaftshaiise tagte, Ivar ungewöhnlich stark besucht. Trotzdem die Tische entfernt wurden, war der große Saal samt den Galerien bis auf den letzten Platz gefüllt nnd viele konnten, da schließlich die polizeiliche Nbjperrnng erfolgte, überhaupt keinen Einlaß mehr finden, lieber die iieueste socialpolitische Groß- that der GaSwerks-Vcrwaltnng und deren Einfluß auf die Lage der städtischen Arbeiter referierte der Verbandssekretär H e r m a» n Schubert. Nach den Anssührnngen des Referenten hat die be- kannte Verfügung, wonach alle Arbeiter, welche länger als vier Wochen krank sind, ans städtische» Diensten entlassen werde» sollen, eine ungeheure Erregung unter den beteiligten Arbeitern hcrvorgernfe». Wenn auch nachträglich mitgeteilt worden ist. daß die Eiiilassiing nur eine fornielle sein soll und die Verfügung lediglich ans verwaltnngStechnischen Gründen veranlaßt ist, so ist doch durchaus keine Garantie gegeben, daß damit nicht der schlimmste Mißbrauch getrieben wird. Es ist gar keine Gewähr vorhanden, daß die Wieder- einstellnng nicht ans irgend welchen Gründen abgelehnt wird bei solche/�lrbeitern, die sich vielleicht etwas mißliebig gemacht haben oder Wotge ihres Alters nicht mehr so leistmigsfähig find. Diese Befürchtung ist nm so berechtigter, als die Verfügung eine verschiedenartige Interpretation zuläßt und der Willkür unterer Borgesetzter keine Schranken setzt. Es kommt hinzu, daß die Einstellnng von Arbeitern ziimeist nicht selbst durch den Dirigenten der Anstalt, sondern durch untere Beamte vorgeiiommen wird. Es ist auch nickt bestinimt, daß die Wiedereiiistcllung erfolgt, bevor die Frist bezüglich der Reliktenversorgimg abgelaufen ist. und ob sie zu denselben Bedingungen erfolgt oder ob diese Arbeiter als Neu- eingestellte betrachtet Iverdeii, dadurch diese ihre dnrch die jähre- lange Thätigkcit wohlerworbenen Rechte verlieren. Auch dadurch würde, wenn nicht überhaupt die Wiedereinstellung der ältcrcii Arbeiter vermieden wird. die ganze Pensionsberechtigung der Arbeiter einfach illusorisch gemacht werden.— Unter den infolge der Verfügung Entlassenen befinden sich Arbeiter, die mehr als 20 Jahre in dem Betriebe thälig waren nnd bei der über- aus geiundhcitsschädliche» und sehr anstrengenden Beschäftigung ihre Gesundheit vollständig ruiniert haben. Die E n t I a s j n n g s- scheine, welche den Arbeitern zugestellt wurden, haben übrigens einen sehr verschiedenen Inhalt. Während es in dem einen heißt, daß bei wieder erlangter Dienstfähigkeit die Wieder- e i n st e 1 1 n n g sofort und zwar n n t e r' d e n s e I b e n V e- dingungen erfolgt, heißt es in einem andren, daß der Wieder- einstellnng nichts entgegen steht, wenn Vakanz vor- Händen i st. Allerdings ist unterm 6. August eine ergänzende Verfügung zu der bekannten vom 9. Juli, die übrigens nicht von der Gaswerks- Depntation. sondern generell vom Oberbürgermeister erlassen war, de» in Betracht kommenden Verivaltnngen zugestellt worden. In dieser ergänzenden Verfügung beißt es, daß die Dienstunfähigkeit, ivenn sie nicht länger als 13 Woche» dauert, bei der Pcnsions- bemessnng nicht in Änrcchnnng kommt, und daß den Arbeitern auf den Entlassungsscheinen mitgeteilt werden soll, daß nach wieder erlangter Dicnslfähigkeit die Wiedereinstellung unter den bisherigen Verhältnissen sofort erfolgt, wenn nicht besondere Um- st ä n d e dem c n t g e g e n st e h e». Ter Referent verweist darauf. daß auch diese ergänzende Verfügung durchaus nicht geeignet ist, die Befürchtungen der Arbeiter aufzuheben, zumal sich schließlich doch recht leicht„besondre Umstände" ans- findig machen lassen, um in der Lage zu sein, mißliebig gewordene nnd ältere Arbeiter ans de» städtischen Diensten zu be- seitigen. Er empfiehlt, daß zunächst die direkt beteiligten Arbeiter- ansschüsse bei der Tcpntaiion nm sofortige Zurückzichnng der Vcr- fügnng vorstellig ivcrden nnd sollte dies fruchtlos sein, so soll die Berliner VerbandSleitimg gemeinsam mit allen ArbeiteraiiSfchüffen beim Magistrat und den Stadtverordneten für die Aufhebung wirken. Das Referat wnrde mit stürmischem Beifall aufgenommen. An der Diskussion beteiligten sich die Stadtverordnete» E. Wurm und Fr. Z u b e i l. Die Anssührnngen dieser Redner, die ans den Mangel an socialem Verständnis in nnjrer städtischen Verwaltung himvicsen, das manchcstcrliche Gebahren derselbe» einer sehr treffenden Kritik unterzogen und de» städtischen Arbeitern ihre Unterstützung zu- sickicrle», wurden von den Versammelten wiederholt durch levhafle Zuslimmungskuiidgebinigeii niilerbrochcu. Genosse Wurm teilte außerdem mit, daß diese Verfügung der Gasiverks-Dcputation nickt unterbreitet worden ist und er als Mitglied der Dcputnlion aucv eist dnrch den„Vorwärts" davon RemitniS er- halten hat. Er habe sich deshalb an den Verwaltungs- d i r e kt o r Herrn Fürst gewandt, der ihm mitteilte, daß es bis- her nicht üblich gewesen sei. daß solche Verwaltungsmatznahmen der Deputation vorgelegt würde». Herr Fürst habe dann ver- sickert, daß die Wicdereinstelliliig der formell entlassenen Arbeiter nicht mir bei vorhandener Vakanz erfolge» soll, sondern daß die Arbeiter auf ihre Wiedereinstellung ei» Recht haben. Sie darf auch nicht verivcigert werden ivegen Platzmangel, dadurch daß die Stelle niittlerweile anderweitig besetzt woroen ist,»nd es soll den Arbeitern ausdrücklich mitgeteilt werden, daß sie keine Einbuße bei der Pensions- berechtigiing nnd bei der Festsetzung der Rente erleide» und daß fie unter denselben Lohn- undArbeilSbed'inglingcn wieder eingeslclltwerden. Auf die Anfrage, ob d cr Beschlnß der Stadtveroi dneten-Versanimlmig vom 5. Juni, woiiach den erkrankten Arbeiter» für die Daner von 6 Wochen ein Lohnzuschlag gezahlt werde» soll, nocki nickt in Kraft getreten ist Nnd mit deni die Verfügung in Widerspruch steht, wnrde von Herrn Direktor Fürst erklärt.' daß seiner prioate» Kenntnis nach der Magistrat dem Beschluß wohl beilretcn wird, was aber bisher noch nicht geschehen und demzufolge auch nocki keine derartige Berfügmig an die Verivaltnngen ergangen ist.— Genosse Wurm gab schließlich der Meinung Ausdruck, daß»ach diesen Erllärungeii die Bcfürchinngen, die an die wit Rcck't kritisierte Verfügung geknüpft werden, anscheinend nicht zutreffen. Sollte aber ein Beamter nicht in dem Sinne verfahren und der mitgeteilten Auslegung zuwiderhandeln, so müßte natürlich sofort die Organisation davon benachrichtigt werde», damit diese das weitere oeranlassen kann. Selbstverständlich muß aber für Aufhebinig dieser unklaren Verfügung gewirkt werden, denn sie ist ztim mindesten ganz überflüssig nnd offenbar bestehe» bedeutende Unklarheiten darüber in den verschiedenen Verwaltungszweigen. Die von»Iis bereits gestern mitgeteilte Nesolntion wurde e i n st i m m i g a n g e n o m ni e n nnd hierauf die imposante Ver- sammlung mit einem begeisieriiden Hoch auf die Organisation ge- schloffen. ?!eu-Wcifiensee. Am 12. d. M. sprach Emil Rosenow i» einer Protestversainmlnng über Rcichs-Socialpolitik und Komiinmalpolilik. Folgende Resolnlioii ivnrde einstimmig angenommen:„Die ver- sammelten Arbeiter und Arbeiterinnen erheben energischen Protest gegen den Beschluß der Gemeindevertretung vom 16. Juni d. I., das G e w e r b e g e r i ch t erst am 1. Januar 1 90 3 in Kraft treten zu lassen. Die VersaninteUen lömien nicht einsehen, daß ein bestehendes ReichSgesctz ohne weiteres auf ein ganzes Jahr von einer Gemeinde- Vertretung ausgeschaltet wird. Die Versammelten erWarle», daß obiger Beschlutz aufgehoben wird und das Gewerbegcricht spätestens am 1. Oktober 1902 in Kraft tritt. Im verneinenden Falle sehen sich die Versammelten und zugleich die gesamte Arbeiterschaft von Neu- Weitzensce als Bürger zweiter Klaffe degradiert. I» der Diskussion sprach nnter andern der Bevollmächtigte des Holzarbeiler-VerbandeS(Zahlstelle Weitzensce). Er berichtete über eine» hiesigeii Streik einer Werlstatt, in der bisher 16 Tischler beschäftigt waren, wo sich jetzt 3 Arbeitswillige gefunden haben, die sich der größten Gunst der hiesigen Polizei erfreuen nnd täglich morgens nnd abends ans dem Möbelwage» von Hahn und Metzkow von und zu ihrer Arbeilsstälte transportiert werde». Lichtenberg. Der socialdemokratische Wahlverein beschäftigte sich DirnStag mit dem bevorstehenden Parteitag. Liesegang und Grauer leiteten die Debatte ein. Im Verlauf derselben wünschte Elias, der Parteitag mö�e in Zukniift nur in Mitteldeutschland ta-,en. Wolff befürlvortete, der Parteitag möge eine präcisere Stellung'zur Maifeier eiimehme». Die Delegierten zur Äreislonfcrenz mit diesen Aufträgen zu versehen, lehnte die Versammlung nach längerer Debatte ab. Dagegen sollen die Delegierten für Beibehaltung der veröffent- lichten Tagesordnung des Parteitages auf der Konferenz eintreten. Einen Antrag zur Kreiskonfcrenz, Ivelcher die Abhaltung eines preußischen Parteitags fordert, lehnte die Versammlung cid. Als Delegierte wurden die Genossen Nöszler, Kreil, Liesegang. W. Schulz, Licbennann, Ladewig und Adlerstein gewählt. Für das Kommrinalwahl-Komitee berichtet Grauer, daß von 1880 eingeschriebene» Wählern nur 330 abgestimmt haben; alle Stimmen fielen auf die Genosse» Zipter und.Kleiber. Die Gegner beschränkten sich auf das Einbringen von Protesten. Die Thntsache, daß Mit- gliedcr des Wahlvereins nicht geivählt haben, wurde scharf gerügt und dem Vorstande zur Untersuchung überwiesen. Dem Wahl- ' koinitee wurden noch 100 M. zur Verfügung gestellt. Allgemeine Kranken- und Sterbekasse der Metallarbeiter, Filiale R u m m e I s b u r g. Sonnabend, abends 8Vj Uhr, bei Gustav Tempel, Borhagen. Ecke der Bahnhofstrahe, Mitgliederversammlung. Die Mitgliedschaft Berlin des Dentschc« Hafenarbeiter- Berbandes hält über ganz Berlin Agitationsverfammlungen ab.— Die zweite findet am Freitag, den 15. August, abends B/z Uhr. im Charlottenburger Volkshanse. Rosineustr. 3, statt. Wir ersuchen alle Parteigenossen. die mit Haseuarbeitcru und Schiffern zusammenkoinmen, daraus hinzuweisen._ Eittstegangexe Druckschriften. Von der»Hütte". Zeitschrift für das Volt und setne Jugend(Dresden, Verlag H Wallfisch), ist soeben das zehnte Heft erschienen. Aus dem Inhalt des Heftes heben wir hervor: Die Mutter. Novelle von Georg Freiherrn von Ompteda.(Schlufj.) Himmelslrauer. Gedicht von Nikolaus Lenau — Die Wanderzeit. Von Adolf Braun.-�Die Entstehung der Sächsischen Schweiz. Von Wilhelm Bölsche.(Fortsetzung)- Die Albigenser. Freie Dichtungen von Nikolaus Lenau.(Fortsetzung.)- Im Hamburger Waisenhause. Eriunerungen eines ehemaligen Zöglings.(Fortsetzung)— In Borgheim. Märchen von Jonas Lie.- Nikolaus Lenau.- Drei Tote — Kunstbeilage: Lilienstein._ VermiMkes. Die Kälte. In ganz Mitteleuropa herrscht gegcilivärtig eine ungewöhnlich niedere Temperatur. Am Brocken'wurde, wie nnsre Leser ivissen, Schneefall beobachtet. Telegramme melden von kalter Witterung in den östreichischen Alpen und vornehmlich in Ober st eier mark, wo starker Schneefall cingetreten ist. Das Gleiche wird jetzt aus der Schweiz und Ostf rank reich gemeldet: Zürich. 14. August. Aus alle» Teilen der Schiveiz iverden»euerdingS starke Schneefälle gemeldet. In der Nähe von Luzern reicht der Schnee bis an die Thäker. Remiremont. 14. August. Die Gipfel der umliegenden Berge sind mit Schnee be« deckt und ans den meisten Ortschaften wird' über heftiges Schnee- gestöber berichtet. SchiffSzusanuiicnstöße. Zwischen einem Schleppdampfer und dem Hafendampfer„Saliguh" fand ein Zusammenstoß statt infolge Bruches des Schleppkabels. Der Zusammenstoß, der bei heftigem Sturme erfolgte, hatte bei beiden Schiffen große Lecke zur Folge. Der Kapitän des im Schlepptau befindlichen Hampfers ist ertrunken, die übrigen Mannschafte» konnten gerettet werden. Der Torpedobooiszerstörer„Succcß" stieß Mittwochnachmittag im Solcnt mit einem Kohlenschiffe zusammen und erlitt Beschädigungen am Bug. Ei» fürchterlicher Wirbelsturm suchte in der Nacht des ver- flosscnen Sonntag die Mitteldistrikte bon New-Jersey heim und richtete beträchtlichen Schaden i» Trenton, dcrHmtPtstadt des Staates, und andern Orten an. In Madison wurden von der Gewalt des Orkans auf dem dortigen Friedhofe 77 Särge bloßgelegt. Vierzig Leichen wurden wiedererlangt; die in den übrigen Särgen befind- sich gewesenen iverden noch vermißt. Der Tornado ivar von Negen- güssen begleitet, die seine Geivalt stelleniveiße milderten. Unweit Trenton wurde eine große Töpferei zerstört i der dadurch verursachte Vermögensschaden ivi'rd ans 20 000 Pfd. Sterl. veranschlagt. Menschen- lebe» sind nicht zu beklagen, aber sieben Personen wurden mehr oder minder verletzt._ Markipreife von«erli» am IS. August IOOÄ nach Ennillliiiigen des tgl. Polizeipräfidiums. Weizen, gilt D.<er loco 33.30 M. Schluß für Getreide: Weizen V«— Va M. niedriger. Briefkasten der Redaktion. K. Ivo. Das Vereinslokal der hiesigen Skandtnavtscheii Vereiiiig>mz ist Stallschreiberstr. 5 Ivo. B. B. Ein Unfallverletzter, der infolge andersartiger Be- schäftigung mehr als andre verdient, behält trotzdem dieselbe Rente, so lange als sein Zustand derselbe bleibt. Bessert sich aber sein Zustand, so ist es nicht seine Sack)«, das zu melden, sondern Sache der Verufsgeiiossellschast, die Acndcriing des Zlistandes nachzuweisen.— A. T. 31. Sie müssen zahle».— Johanna»50. Wen» nicht die Einigung dahin gegangen ist, auch die vereinbarten Gebühren zu zahlen, so sännen Sie nichts ausrichten. — S. St. 1. New, Ihre Einwilligung kann als genügend erachtet werden. Evcutnell beantragen Sie Einsetzmig eines Pflegers. 2. Eine Pflegschaft wird für einen bestimmten Kreis von Geschäften, z. B. zwecks Abschlusses eines Vertrages mit dem Vater, zwecks Allstettling eines Prozesses eingesetzt. — K. M. 10. 1. Die Gemeinde. 2, Ihrerseits sind weitere Schritte nicht erforderlich.— I. P. 23. 1. Sie mußten beim Amtsgericht auf Zahlung klagen, 2. Nein. 3. Es kann wegen Alimente der Lohn gepfändet werden. — E. W. 1.— 3. Ncül. Ein Ehegatte kann nur dann wegen Geistes- krankheit auf Scheidung klagen, wenn des andren Ehegatten Geisteskrankheit während der Ehe miudestens 3 Jahre gedauert und einen solchen Grad erreicht hat, dah die geistige Gemeinichaft zwischen den Ehegatten aufgehoben, auch jede Aussicht auf Wiederherstellung dieser Gemeinschaft aus- geschloffen ist.- Th. B. 13. Ja: indes gilt auch ein eyva mündlich vereinbarter Kündigungsstislausfchlnß.— M. Wolff. 1. Falls Sie nicht die preussische Staatsangehörigkeit erworben haben, bedürfen Sie der Zustimmung Ihrer bayrischen Heimatsbehörde. 2. Ja. Witter», igsnbersicht vom 14. A»g»st IVOS, morgens 8 Uhr. 14 13 14 14 Wetter-Prognose für Freitag, de» 13. Angnst 15)02. Zunächst ziemlich heiter, am Tage wärmer bei mässigm siidlichen Winden, später neue Trübung und etwas Regen. Berliner Wetterbureau. !SK -r- »li 5 ä «s, 133 Für de» Inhalt der Inserate übernimmt die Nedakiion dein Publikum gegenüber keinerlei Berantwortnng. TJjrsrfvv. Freitag, den 15. August. AeneS Oper»> Theater«Kroll). Die Puppe.(I-o. xcmpes.) Anfang 7»/, Uhr. Im Liederspielhaus: Ossenbach- Cyclus. Dorothea.— Die ver- wandelte Katze.— Der Regiments- zauberer. Anfang 8 Uhr. Deutsches. Roscnmontag. Anfang 7V, Uhr. Lessing, lieber den Wassern.— Die Medaille. Ans. 7l/z Uhr. Verliner. Alt-Heidelberg." Anfang 7-/, Uhr. Westen. Die Brautlotterie. Ansang 7>/, Uhr. wtriropol.(Marwitz- Oper.) Der Barbier von Sevilla. Sl»f. 8 Uhr. VlciicS. Ledige Leute. Anfang 8 Uhr. al.— leodlskas Kakadus, komische Recktiirner.— The Elrados. Mdm. Georgette, Feuer- u. Flammen» tanz.—, Lebende Photographien. (Neue Serie.)— Konzert, Ansang 4 Uhr. Eintritt 30 Pf., numerierter Play 50 Ps. lialbo. CASTANS Panoptiknm Frledrlch-Strasse ISS. Das berühmteste Wachs-! figuren- Kabinett der Welt. Beachtenswerte Neuheit: Lebende Bilder, ausgeführt v. einem Ensemble| junger, schöner Damen. ipolio- Theater und Konzert-Garten. Um 8 Uhr: Die grossnrtlgcn Mpccinlit Ilten. DSP- Um 9 Uhr:--VG Lysistrata Kassenoröffnung 7 Uhr. Sciiwsizer Garton Am Königs I i! oe 42021'» Am I eiedi ielmlinin DV- Täglich:"9(3 Theater-«nii Lzittialitäteil- Baritelluilg. Täglich bis 7 Ubr: Freier oamenianz. Jeden Abend 10 Uhr: Die Ballettschule. Grosse Gcsaugsposse mitTanz v Anno. �ommertliealei' Badsir. 3S/36. Gesii»dbr»li»«n. Sonnabend, den in. August 1902: I. international. Volksfest sowie das erst klaisige Specialitäten-Programm. Aufstieg des Riesen-Balionö Felle. Zum Schlub: Der Brandstifter. Entree 20. Bons und Vorzugs- billcts haben Giilligkeit. «»»«» 99—»»««» 6. Wahlkreis(Sciiöniiauser Vorstadt). Am Sonntag, den 47. Anstiist er., im Lokal„Jägerhaus", Schönhanser Allee 103: Großes Garten-Fest veranstaltet von den Zlartelgenosseu der Schönhanser Darßadt. Im Saale DunzE. Bei eintretender Dunkelheit: Alidruuuung des ■fenorwepks, welches beim Somnterfest(20. Juli) wegen Iiegenwetter nicht abgebrannt werden konnte.— Fackel-Polontiiise. (Stocklaterue 5 Pf.)— Anfang des Konzerts 3 Uhr.— Entree 40 Pf. Tie Kaff eck« che ist von S Ilhr an geöffnet. Ilm zahlreiche Betelligmig ersucht 1129b!>n» Komitee. W. Noicks Theater. I lHrilnn»nstrasse■. TJlgllcli Vorsteäliing. Dag tanzende Berlin. Posse mit Gesang und Tanz von Leopold Elp. Nur feine Mänuer! Burleske mit Gesang von Gericke. Im Saal: Vauxks-Aa�ckeu. Täglich nachmittags 5 Uhr: iitäs'üaHSI'IiaaM MM- Entree 1 M.,"98 ab C Uhr abends 50 Pf., Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. c arl AVeiss-Theater. Gräfte FrniitFurtci'ftr. Ii)«. Benefiz für Frl. H e d d a. Das Schloss am Meer. Schauspiel in 5 Alien v. O. Walther. Morgen: üicfaüene Mädchen. Sonntagnachmittag: Der Dämon. Im Garten: Neue Speeialttälen. Anfang° Ubr.__ FröbeJs-«» Allerlei Theater fr. Puhlmann, Schönhauser Allee 14«. Heute Freitag, de» lö. August: stlbschieds-Benesiz-Borstellliiig für den Verwalidluugsküllstler ZM- t.» vi».->»». 98 Neu! Das bunte Theater. Neu! 30 Personen werde» in dieser Nummer von Gart Braun allein dargestellt. Etumaliges Austreten des Direktors WIM. Fröbel. Im Saale: Gr. Ball. Ansang 3 Uhr.— Entree 30 Pf. Morgen Sonnabend: Verein. 08th?.hll'?arh. Am Kllstrlnerplatz. lllidersdorkerstr.kl. tlermann!mvs. Täglich: Gr. fmmt, Tlieater- und Specialttäten- Borstellung. SsiuHmtonvi Koltitnaeratr. du, Station der Hochbahn. Täglich im Garle», bei uil- günstig. Witterung tlnSaal: Holl'», 91,1, IM NölAeMe Siiilger und Konzert. Sonntag, Monlng und Donnerstag nach der Soiree: Tanzkranzchr». Tanz frei! Anfang Sonntags 3 Uhr, Eiitree3» Pf., ab 9 Ubr 20 Pf. Anfang Wochentags 6 Uhr. Entree 30 Ps., ab 9 Uhr 20 Psg. Borntwil Rose-Theater Gesundbrunnen, Badstr. 58. WaS sagen Sie nttit? Ltrlmme'sbMll. kM ist der gröftte Schlager ge- »norden l MM- Anfterdem da? grofte Tenfations-Programm.'98 Anfang 4 Uhr. Entree 30 Pf. Vorzugskarten haben Gültigkeit. Kaffeeküche.— Ball. Ab 16.; Der phänomenale Ver- wandlungskünstler Garl Braun stellt 36 Personen dar. iinterplen. Wleder-Ei-Offnniifr: Sonnabend, 16. Aug. 15)02. Haud Grlselda, Hunde-Drosseuse. Les Silvas, Portugiesische Leiter- Equilibristen. Josts de Witt, Amerikanische Sängerin und Geigerin. Die Vlcentinas, Kollschulilänfer. Roflx, athletische Produktionen. Karl Meister, Tenorist vom k. k. j-riv. Carl-Theater in Wien. Helene Cerard,„Hohe Schule vor dem Dogcart". Sari Fedak, Sängerin vom Ungar. Theater in Budapest. Die Kelllno-Truppe, Span. Akrobat. Clnndinu l'olaire, Pariser Sängerin. W. C. Flelds, komischer Jongleur. Olco de 91<1 rode, Tänzerin von der grossen Oper in Paris a. G. in der Tanzscene„Das verschleierte Bild." „Biograph". SftT" Der Vorverkauf findet täglich an der Kasse des Wintergartens in der Zeit von 9 Uhr vorm. bis 6 Uhr nachm. statt. Re ichshaSI e n. to? TJigllcb; " Stetlinei'lSiinscr Ansang; Wochentags Sicht, Sonntags 7UHr Tageskasse 11— 1>/,N JS-SSg T e SR � JLAÜIi Max Kiiems Sommer- Thealer. Huttcnlicldc 13—15. I Artistischer Leiter: Gust. Bock Täglich s Gr. Konzert, Theater- u. iSiiecialitäteii-Vorstellung Jeden 1. und 15. d. Monats: Wechselndes Programm! Donnerstag: Kitte- Tag. Arb.-Radf.-Verein „Berlin". Sonntag, 12 Uhr, Hallr>ä)es Thor: Nach Sie g l i ft (Parteifeft). Coratafalwt von Lichterselde, Ehanssrestr. 104. Abfahrt von daselbst U/s Uhr. Starke Beteiligung erwünscht. Donnerstag: keine Versanimlung. 12/20 Für die viele» Beweise herzliche Teilnahme und zahlreichen Kranz- speudeli bei der Beerdigung meines lieben Mannes Knill Sclimldt sage ich allen Verwandten, Freunden und Bekannten, insbesondere Herrn Tischlermeister Noack sowohl wie seinen Kollegen meinen tiesgesühltesten Dank. 1434b Ww. Anna Schmidt, Warschauerstr. 28. Am 13. Augnst, früh 4 Uhr, ver- starb nach langen schweren Leihen unser lieber Sohn, Vater und Bruder, der Gürtler 1432b Fran* Tischler. Die Beerdigung findet am Sonn- tag, den 17. Augllst, nachm. 5 Uhr, von der Leichenhalle des Heiltg-Kreuz- Kirchhofs, Marieudorf, Feldstrasse, aus statt. Die tranernden Hinterbliebenen. Für die reichen Kranzspenden sowie rege Teilnahme am Begräbnis meines lieben Mannes tage ich allen Ver- wandten, Freuilden und Bekannten, insbesondre den Kollege» der Firma Siemens u. Halske, meinen verbind- lichften Dank. 124Sb Berlin, den 14. August 1902. 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Au dieser Versannnlung sind die Kollegen von Kunitz, Mariannenplatz 12, und Moerstedt, Flemmingstr. 7. besonders eingeladen. s119/3 Die Wichtigkeit der Tages-Ordnnng macht den Besuch aller Bau-Klempner Berlins und Umgegend erforderlich. Die Örtsverwaltung. Uerein der Zimmerer Berlins und Umgegend. Sonntag, den 17. August, vormittags 10 Uhr: AfliKgHerßsp- Versammlung in Cohns Festsälen, Beuthstr. 20, I. Tages-Ordnung: I. Vereinsangelegenheiten. 2. Vortrag über:„Vultanausbrüche und Erdbeben." Referent: Dr. Rudolf Steiner. 3. Verschiedenes. Zu recht zahlreichem Besuch ladet ein. Der Vorstand. Sonnabend, den 2Z. August 1902: Feier des 9. Stiftungsfestes in den Gesamträumen der Brauerei FriedrichShain(früher Lipps), am Königsthor, unter gütiger Mitwirkung des beliebten„Berliner Ulk-Drio". Zyeftrede gehalten vom Genossen Paul Jahn. Bamen-llehermselmiiz!: und Klnder-Belnstlgang. Um 1 Uhr: Graste Kaffeepause. Die Musik wird von Mitgliedern der Freien Vereinigung der Civil. Bcrussmusiker ausgeführt. Anfang 8 Nhr. Herren-Billet 5v Pf. Damen-Billct ZO Pf. Billets sind in sämtlichen Zahlstellen und im Bureau, Dragonerstr. 15, zu haben. 257/17 Die Mitglieder mit ihren Damen sowie Freunde und Gönner sind frciiudlichft eingeladen. Das Komitee. IeiitslherHlilDrbtlttt-Vttbllltd. Heute, Freitag, abends S1/. Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel-User 15: SitsUmK der Orts-Verwaltung. Sonnabend, den 16. Angnft 1902, abends 8'/2 Uhr, LlMliöiiMMiiilU der Bürsten- n. Pinselmaclier im Gcwerkschastshanse. Die Tagesordnung wird in der Versammlung bekannt gegeben. 87/11 l>le Konmiission. Holz- u. Breiterträger n. Brettsclineider Berlins und Umgegend. Sonntag, 17. Angnst, vorm. lO'/e Nhr, Llöuigstadt-Kastno, Holzmarktstr. 72: KKliglieller»Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Abrechnung der Lohnkommisflon. 2. Vereinsaiigclegenheiten und Verschiedenes. lg/g Billets zum Stiftungsfest werde» ausgegeben."WQ Um zahlreiches Erscheinen ersucht der Dsi- Vorstand. P. Karnal. Achtung! Bananschlilger. Achtung! Die Versammlung der Vereine der Bananschläger Charlottenburgs und Berlin Norden findet am Sonntag, den 17. August, vorm. 10 Uhr, bei Hagen statt. T.-O.: 1. Ausnahme neuer Mitglieder. 2. Beratung der Verbandsstatuten. 3. Vereinsaugelegenheiten. 4. Verschiedenes. 33/16 Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Vorstand. legel— Tegelorl— Jörslelde. Dampfer- Linie von Varl Iholtz, Bequem eingerichtete große und kleine Dampfer. Billigste Preise. Tegel— Tegelort, Restaurant„Z»i» Schwan" und zurück 15 Pf. Tegel— Jörsfclde und zurück 20 Pf. Halte mich allen Freunden, Bekannten und Ausflüglern bestens empfohlen. 47911! C. Hol tz. I Anzug-, Paletot-, Hosen-Stoffe. Riill m u ngs-A usverkanf!!! Die Bestände unsres Ladengeschäfts Lpandauersir. 33/35 werden wegen Aufgabe des Ladens MB- bedcntcnd unter Preis ansverkaiift.[47782* Brenner& Co. ßnpiMiii) Vcrsand-LM if|t: Königstr. 46 1. 1 Reste Möbel- Fabrik u. 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Vermehrung der Anzahl der Kassenarztstellen sowie allgemeine Regelung der Gehaltsverhältniffe der Kassenärzte. 2. Festsetzung der Bestimmungen über die zahnärztliche Behandlung der Kassenmitglieder. 3. Die Erhöhung der Kassenbeiträge. Berlin, den 12. August 1902. Her Vorstand. poppe, llmuelmar, Vorsitzender. Schriftführer. fGroße Ketten 12 I(Oberbetr, Un>-rd«U. zwei Mss-n) mit I gereinigten neue» Feder» b-t «ufta» Luftig. Berit»..,Prin,en. ! ftr-ß- 40. Preieliste l-ft-nft-. Biel« V ttuerkeunungokebreib«». � s. b'lasvhe M. 0,75, 1,50, 2,00. General-Depot für ganz Deutschland: Robert Paul A Opitz, Berlin S. 53. 4819S* Manrcrfilz vorrätig Hutgeschäft Potsdamerstrahe Kl. l24gK* meiner nudi neuen Entwürfen mit allen modernen Einrichtungen ausgestatteten neaen tferkaiifs- mul Versand-Räume der künstlerisch vollendeten T""rt Emil Left vre Benin s. Oranienstrssse 158. der nenerbante ca. 45 Reter lange Teppichsaal. 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