Nr. 191. Adom!tMtnl»-Dkding«ngen: «bonnemenl»>Pr»>« pränumerand»! VierteljShrl. S,Z0 Mk.. monall. 1,10 Stt., wöchexlllch 28 PIg. fret ins Hau». Simeln» Numw'r 5 Plg. Sonntag»« Nummer mir lUuntictier Sonntag»« Beilage„Die Neue Weif 10 Psg. Post. vibonnement: 1,10 Marl pro Monat, Singeiragen in der Post- Zeitung», Preisliste Ith 1008 unter»r. 7878. Unter Nreuzband für Teutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da» übrige Ausland 3 Marl pro Monat 19. Jahrg. Fi« Inserttons-GMyt KelrSgt für die fechsgespaltene Koloned» »eile oder deren Raum«0 Psg., für politische und gewerlschastliche Berein»« und Bersammlungz- Anzeigen 20 Psg, „Kleine Knielgen" jede» Wort 6 Psg. (nur da» erste Wort fett). Inserate für die nächste Nummer mästen bis 1 Uhr nachmittag» inderlirvedition abgegeben werden. Die Expeditton ist an Wochen- tagen dt» 7 Uhr abend», an Sonn- und SesttaKsn dt» 3 Uhr vormittag» geöffnet. Srschelnk täglich nuster Weit lag». Vevlinev Volksblakk. Telegramm- Adrester »Poriatdempkrat verlin» Centralorgan der socialdemokratischen Partei Deutschlands. Kedalttion: sw. 19, Veuth-SkraKe 2. ilernsprecher: Amt I Nr. ISO«. Sonntag, den 17, Augnst I90Ä. Expedition: sw. 19, Venth-Skealle 3. fferiisfirecher! Am, I, Nr.»121. Die Partei der Gerechtigkeit. Die Centrumspresse wendet sich voll Entrüstung gegen tinsre Ktittk ihrer Partei in der Witwen- und Waisen- Versichern ngssrage. Doch so lebhaft die Entrüstung, so grost die Unfähigkeit, unsre Aufdecknitg de» EentruntsschwindelS irgendwie abschwächen zu können. Hier liegen die Thatsachen so sonnenklar, daß alle Verdunkelungstalente der Schwarzen nichts auszurichten vermögen. Die.Germania', da? offiziöse Centrumsblatt, versucht eine Vcrtcidignng, die uns überaus erfreulich kommt, da sie die zu verteidigende Partei zwar wider Willen, aber gründlich blobstellt. Die„Germania- schreibt: „Dem Centrum ivar es h e i I i g e r E r n st mit seinem An- trage ans Verwendung der Zollnberschüsse für die Witwen- und Waisenversorgung. Wie bei der ersten Lesung im Reichstage nach- drncklichst hervorgehoben lvurde, geht die Centrumsfraklion von der Ansicht ans, dag cS s o c i a l p o l i t i s ch nicht zu verant- Worten ist, den breitesten Volksschichten neue Lasten, die durch die Zollerhöhungen doch nnzwcifclhast eintrete» tverden, anfztilege»— wie hoch, bleibe dabiiigejtellt—, ohne das; gleichzeitig für die Mehrbelastung eilt AnSgletch zu Gunsten der niederen Volksklasscn herbeigeführt ivird. Diese» Ausgleich glaubte die Fraktion dadurch gefunden zu haben, daß die aus den Zöllen auf die notivcndigsten landivirtschaftlicheu Verbraitchsnttikel zu gewnrtigendeu Mehreinnahmen für die Witwen- und Waisenversorgung der Arbeiter- und Hand iverkerklassen bestimmt tverden sollen. Auf der einen Seite ivird man von der Notwendigkeit überzeugt, das; der deutschen Landwirtschaft mehr als bisher durch Zollerhöhungen zu Hilfe gekommen werden müsse, auf der andren Seit« sah man vorher, das; der Konsum der Arbeiterbevölkermig unter der Zollerhöhung leide» müsse. Was lag da näher, als für die Vetivendmig der höheren Zolleiunahmen einen ModtiS zu suchen, der es ermögliche, den niederen Schichten der Bevölkerung einen Ersa» für die im Preise erhöhten notlvendigsten Lebens mittel zu schaffe»? Es war eine wahlhast socialpolitische That, daß die Ccutrumssraktiou ihren Verivendungsantrag einbrachte ein Beweis, daß die Anfsasjung von der ansgleichende» Gerechtigkeit, wie sie bisher im Centnun tradittvnell und grund« jählich herrschte, auch heute noch lebendig ist.* Wir sind der„Germania- für diese Aussührnngen überaus ver- pflichtet. Die„Germania- erklärt hier zweierlei. Erstens: Der neue Zolltarif belastet die breiten Volksschichten. Zweitens: Die Wilweit- und Waisenversicherung soll den Ausgleich für die Be- lastung bringe». So will es die„ausgleicheude Gerechtigkeit" des Centtinns. Durch das unumwundene Geständnis der Neiibelastung werden all' die zweideutig jesuitischen Schliche zu nichte gemacht, durch ivelche die EentrumSpresse so oft die klare Situation zu vertvirren suchte. Wagte doch noch soeben das leitende Centrumsblatt am Rhein, die«Kölnische V o I k s z e i t u n g die tolle Behauptung, daß die Arbeiter mittelbar Vorteile aus de» Zöllen ziehen, indem durch die Zölle„die Eriverbsstäude alle in günstigerer Lage sich befinden". Wäre diese Täuschung Wahrheit. ivoz» dann der berühmte— Ausgleich? Wenn das Centrum einen AnSgleich vorschlägt, so erkennt eS an, daß der Zolltarif dem Arbeiter nichts nützen kann weder unmitlelbar noch mittel bar—, vielmehr sie schädigen muß. Das Centrum hat sich durch seine elend demagogische Politik in der Sackgasse gefangen, aus der kein Entrinnen möglich ist. Um den„Ausgleich- zu verteidigen, muß die„Germania" das Bekenntnis ablegen, daß der Zolltarif die arbeitenden Klassen schädigt. Es muß bekennen, daß„neue Lasten unzweifelhaft ein- trete» werden". Es muß bekennen, daß„der Konsum der Arbcitrrbrvölkernng nntcr der Zollerhöhung leiden mich". Das ist das Bekciiiitulö dcS BrotwncherS! So trefflich also die.Germania" die ivucherischen Wirkungen des neuen Zolltarifs feslsteNt. so aussichtslos ist ihr weiterer Ver- such, den von ihrer Partei vorgeschlagene».Ausgleich" zu rechifertigcn. Die«Germania" rettet sich auf das schillernde Wort vom Ausgleich für die breiten Volksschichten und hofft so den zu- gestandenen Vrotivncher vor seinem Anhang zu rechtfertigen. Aber auch die Einsichtslofigkeit. in der daS Ccntrunt seine Clientel durch eine grandiose Maschinerie religiöser und politischer Bctörung fest- hielt, kann sich nicht genügen lassen am Wortklang vom Ausgleich. sondern selbst eingeivn'rzeltc Gedankenlosigkeit dringt zu der selbst- verständlichen Frage vor: Wie sieht der Ausgleich aus? Der Beautivortung dieser Frage aber geht die Cen- trrnnspreffe beharrlich aus dem Wege. Sie vertuscht weistich, daß der Ansgleichsnntrag nur die Mehrerträgnisse aus einer Anzahl von Positionen des Zolltarifs, nicht aber alle Mehrerträgnisse umsaßt. Sie vertuscht vor allem, daß der Ausgleichsantrag dem Volke nur einen winzigen B r tt ch t e i l dessen zurückgeben will, tvaS daS Volt durch die Zollerhöhtmgcn aufbringen müßte. Durch das traurige Hungeralmosen von jährlich etiva Ivo M. für er tverbs unfähige Witiven erteilt sich das christliche Gewissen deS Centrums die Absolution deS Brotivnchers. Mit der einen Hand reicht das socialpolitische Centrum dem Volke einige Bettelgroschen, ntit der andren Hand nimmt e S dem Volke durch die Verteuerung seines Konsums nicht nur zehnfach und mehr höhere Summen, sondern schädigt das Volk an seiner Nahrung, untergräbt vollends die Gesundheit der Arbeiterklasse, kürzt den Arbeitern das Leben selbst; da» Centrum schaufelt die aus- gehungerten Arbeiter vorzeitig in die Grube, um Witwen und Waisen durch Almosen zu beglücken. Das ist der Ausgleich des EeiitruinS I Die.Germania" selbst hat bekundet, wie das aller- christlichste Centrum«traditionell und grundsätzlich" die„ausgleichende Gerechtigkeit" versteht. Die unsägliche Gerechtigkeitsposse deS CentrumS würde aber nicht vollständig gekennzeichnet sein ohne eine Würdigung deS „heiligen Ernstes", mit dem, nach der„Gemtania", die Aus- gleichSforderung vertreten wird. Wenn es dem Centrum«heiliger Ernst" ist, den Zolltarif durch den Ausgleichsvorschlag zu ergänzen, so muß es auf seinem Antrag in aller Festigkeit beharren. WaS aber sagt die Centrnmspreffe über die weitere Behandlung der Angelegen- heit nach der Ablehnung in der Kommission? Die«Kölnische Volkszeitung' sagt: «Doch wir glauben kaum, daß der CentrumSantrag durch die gestrige' Abstimmung endgültig abgethan ist. Er wird in der zweilen Lesung in der Kommission oder, sofern das keine Aussicht auf Erfolg verspricht, in den Plcnarverhandlungen des Reichstages wiederkehren. Dann wird man ja iveiter sehen. In den Plenarvethandlungen hat der Antrag jedenfalls bessere Aussichten als in der Kommission, und man darf gewiß sein, daß die Freunde des Antrages im Centrum nichts versäumen werden, um ihn trotz aller Schivierigleiten endlich zum Siege zu führen." Und die„G e r m a n i a" erklärt: «Je mehr es dem Centrum. e r n st mit seinem VerwendimgS- antrage ist, um so nichr ivird es im Verlaufe der weiteren parlamentarischen Verhandlungen darauf dringen müssen, daß seinem Antrage Genüge geleistet Ivird. ES könnten doch große Ueberraschungen eintreten, ivcnn die Mehrheitsparteicn das Centrum auch in den lvciteren Phasen der Behandlung des Zolltarifs im Stiche ließen. Von diesem Gesichts- punkte aus bedauern wir auf das lebhafteste, daß die Posilion der Zolltarif-Gegncr in der Kommission durch die Ablehnung deS CcntrumSantrages verstärkt worden ist. Hoffentlich ivird das energische Auftreten dc§ Centrums aber doch noch zum Ziele führe»." Wenn cS, wie die„Germania" weiter oben schrieb, nicht zn verantworten ist, daß neue Lasten beschlossen werden ohne gleichzeitigen Ausgleich, wenn ohne den Ausgleich die Gercch- tigkeit unerfüllt bliebe, dann müßte die Centrumspresse, wäre sie nicht die Presse aller Täuschungen und aller Verlogenheiten, ohne Zandern zn dem zwingenden Schlnsse gelangen: Ohne den A»S- gleich ist der Zolltarif itnannehmbar! Diesen Schluß zieht aber die CcutrumSpresse«icht, viclnichr ist ihr der„Ausgleich" mir gerade gut, um ihre Partei auch in den ferneren Stadien der ZoNberatung die traurige Gerechtigkeitskomödie weiter spielen zn lassen. DaS Centrum ivird auch ferner mit«heiligem Ernst" auf seinem Ausgleich bestehen, es ivird«nichts versäuinen" und ein„energisches Auftreten" beweisen. Wenn aber das Cenlrum fortgesetzt das Unglück hat, daß sein Ausgleich durch die Regierung bekänipft und die übrigen bürgerlichen Parteien abgelehnt wird— dann wird cS vor seine Gefolgschaft treten, seine Schuldlosigkeit beteuern und—„mit schivcrcm Herzen" den aus- gleichslosen Zolltarif bewilligen. Die Auguren dcS CentrumS jedoch werden einander mit verständnisvollem Lächeln begegnen; ist ihnen doch höchst ungemütlich bei dem Gedanken, daß ihr„Ausgleich" wirklich znrDurchführimg gelangen könnte! Die Annahme dcS Ausgleichs — so miserabel er wäre— brächte daS Centrum in die Verlegenheit, bei der üblen Lage, in die eS die Rcichsfinanzen hat stürzen helfen, eine Reform des ReichZ-SteuerwesenS fordern zu müssen. Auch ohne Witwen- und Waisenversicherung will die Regierung die Bier- und Tabaksteuer erhöhen. Wird der Mehrertrag aus dem Zolltarif auch nur zum Teil für die neue Versicherung verwendet, so vergrößert sich die Notwendigkeit neuer Steuer» und, sofern das Centrum nicht auf die Pläne bezüglich Bier und Tabak eingehen ivill,j müßte eS sich entschließen, endlich direkte Reichs st en er n auf die Vermögenden, wie sie die S o c i a l d e m o k r a t i e seit jeher verlangt,'zuzulassen. DaS Centrum ist froh, vor dieser Verlegenheit durch Ablehnung seines.Ausgleichs" bewahrt zu bleiben. Nicht ausbleiben aber kann eS, daß die Massen der unbemittelten Bevölkerung diesen in stets künstlichere» Ueberbictungen sich steigernden CeiitruinStrug erkennen und sich voll Ekel von der Partei wenden, die den Mantel der Gerechtigkeit trägt, um maßloses Unrecht am deutschen Volke zu verüben I jPolikifche Ltebvvfichk. Äerlin, den 16. Allgust. AlS beispiellose Blainnge der Liberalen charakterisiert unser Nürnberger Bruderorgan den Ausfall der Forchheim-Kulmbacher RcichStagS-Ersatzwahl. Und daS ist sie in der That. denn während 1838 für Nationallibcrale und Freisinnige Volköpartei zusammen S273 Stimmen abgegeben wurden. sind diesmal ganze 3016 liberale Stiminen abgegeben worden l DaS die Folge der genialen freisinnigen Sammlungspolitik, die, um ija die Nationnlliberalen in die Stichwahl kommen zu Inffen, auf die Aufstellmig eines eignen freisinnigen Kandidaten verzichtete. Wie der Freisinn sich zu einer solchen selbstmörderischen EnthaltsamkeitSpolitik entschließen konnte, ist schwer verständlich. Da der nationnlliberale Kandidat 1838 mehr Stimmen erhalten hatte, als das Centrum. war doch nicht ohne weiteres anzunehmen, daß der diesmal neu auf- gestellte bündlerische Kandidat beim ersten Anlauf den National- liberalen überholen würde. Es verrät einen geradezu traurigen Mangel an Selbstbewußtsein, so jämmerlich beim Heranrücken eines Gegners die Flinte ins Korn zu werfen, wie das in Forchheini-5tnlmbach der Freisinn gethan hat. Der über alle Erwartungen große Mißerfolg der feigen Fahnenflucht, als welche sich in Wirklichkeit das klägliche Wahlbnudiiis mit den National- liberalen darstellt, hat gezeigt, wohin diese Politik der Konzentration „ach rechts führt: zur völligen Sclbstvernichtung. Der Liberalismus ist derartig auf den Hund gekommen, daß er der Unterstützung der bündlerische» Wähler bedarf, um gegen das Centrum zu siegen. Eine prächtige Konstellation zu einer Zeit, die nach den früheren pomphaften Versicherungen des Freisinns im Zeichen dcS Kampfes gegen den Brotwucher steht I Die freisinnige Presse erklärt den verblüffenden Wahlausfall damit, daß ein Teil der freisiniiigen Wähler sich unter Mißachtung der von der Parteileitung gegebenen Parole, für den National- liberalen zu stimmen, der Wahl enthalten habe. Ein andrer Teil der Wähler sei jedenfalls dieser Parole gefolgt; der trotzdem an- getretene riesige Liückgang der Nationalliberalen wird dem massen- haften Uebergang der ländlichen nationalliberalen Wähler im bündlerische» Lager zugeschrieben. Wenn diese Annahme zutrifft, so war die schwächliche Selbstanfopfernng des Freisinns erst recht eine Dummheit sondergleichen. Ob die Blamage dem Freisinn wenigstens als gute Lehre dienen wird? Ob sie den Gedanken au ein nationalliberal-frei- sinniges ReichStagS-Wahlkartell ersticken wird? Ein Teil der frei- sinnigen Presse zieht diese Lehre. So schreibt die«Berliner Zeitung": «Hoffentlich dient der Neinfall aber denen zur Lehre, die auf eine allgemeine freisinnig-iiationalNberale Verbrüderung bei den nächsten RcichstagSivahlen hinarbeiten. Der Erfolg in Kulmbach mag ihnen zeigen, daß es nicht nur ein politisches Ver- brechen ist, sich niit nationalliberalen Schildknappen der Zöllnerei zu verbinden, sondern auch im eigenen Partei-Jntereffe eine grenzenlose D u nt m h e i t." Auch die«Voss. Ztg." erhebt ihre warnende Stimme: «Für die Nationalliberalen, die in der Mittellinie die zum Heile führende Bahn erblicken, ist die Forchheimer Bahn ein schwarzes Menetekel an weißer Wand. Aber auch der Frei- sinn muß daS Zeichen zu deuten wissen. Will e r sich s c I b st nicht morden, darf er keinem Nationalliberalen die Hand reichen, der sich zn einer Verteuerung der Lebensmittel entschließt, darf es auch dann nicht, wenn es ihn locken sollte, seinem Unmut über das bilduiigsseindliche Centrum Luft zu machen." Die„Post" endlich urteilt: „Dieser Mißerfolg ist insofern von allgemeinerer Bedeutung, alL die Vereinigung aller Liberalen in dem Wahlkreise Knlmbach- Forchhcim als erster Schritt zn einem vollständigen Zusammen- gehen aller Liberale» bei den nächsten Reichstagswahle» und zwar nicht nur gegen das Centrum. sondern auch gegen den Bund der Landwirte gedacht war. In der liberalen Presse war inS- besondere die Erwartung ausgesprochen worden, daß durch diese Vercinigung unter anderm auch dem zweiten Vorsitzenden des Bundes der Landwirte, Dr. Rösicke, sein pfälzisches Mandat entrissen werde» werde. Nach dem kläglichen Fchlschlag dieses ersten Schrittes dürfte es»» Ü auch mit dem Zusammengehen aller Liberalen auf der ganzen Linie bei den nächsten Reichstags wählen gute Wege habe n." Die.Kreuz-Zeitung" zweifelt daran, daß diese Lektion die libc- ralen Illusionen von den Wunderwirkungen eines einigen Vorgehens aller Liberalen zerstören werde. Auch wir zweifeln einstweilen daran. Der Freisinu hat bisher so systematisch an seiner Selbst- Vernichtung gearbeitet, daß eS keineswegs ausgeschlossen ist, daß er auch künftig in stupider Verblendung an seinem Grabe schaufeln wird.— « Die Stichwahl in dem Reichstags-Wahlkrcise Kulinbach-Forchheim findet am 22. d. Mls. statt._ Die Nevanchetiradeu Nndrös haben in der deutschen bürgerlichen Presse daS in der sommerlich stillen Zeit vorauszusehenden Echo gefunden. Die militaristische Presse unmcnllich bcnützt die vermutlich durch die Festlaune inspirierte thörichte Kundgebung zu der Verkündigung der ewig alten und ewig unrichtigen Weisheit, daß der festeste Hort des europäischen Vvlkcrfriedens durch den deutschen Militarismus repräsentiert werde. Als ob die deutschen Rüstungen »icht stets jenseits der LnndcSgrenzen eine wütende Nacheifernng gc- funden Hütten und als ob nicht gerade unser forcierter Wasser- Militarismus bei unsrem natürlichen Verbündeten England die in- grimmigste Eifersucht ausgelöst hätte, die unS dereinst noch einmal teuer zu stehen kommen könnte. Die Rede des französischen KriegSministerS war zweifellos so thöricht und unangebracht, wie es daS ötevanchegeschrei eineS blöden Eiieufreffers nur sein kann; allein deshalb braucht diese Kundgebung nicht wichtiger genommen zu werden, als daS Säbelgeräffel all der Boulanger-Epigonen, die seit je in Frankreich um die Gnust des »ationalistischeu Janhagels gebuhlt haben. Der europäische Frieden ist zu sehr eine Notwendigkeit für alle beteiligten Staaten, als daß er durch das Gerede eines popnlaritätslüsternen Generals er» schlittert werden könnte. Wahrscheinlich werden die Tiradcu Andrös im Ministerium wenig Beifall finden, wenn man auch den ungeschickten Versuch des Kriegsministers, der Regierung trotz des Kampfes gegen den Klerus die Gunst des nntionalislischen Spießertums zu gewinnen, vielleicht niilder beurteilen mag. Im offiziellen Deutschland hat man schon deshalb keinen Anlaß, sich über die Revaucherede AndrüS besonders aufzuregen, weil die verschiedenen KriegSerklärnngen gegen die Polen noch in aller Erinnerung sind. Wenn das offizielle Deutschland durch flammende Reden zu einem Kreuzzng wider uusre polnischen LandSlcute auffordert, so wird man eS den politisch rück- stnudigcu Schichten des französischen Bürgertums schon nachsehen müsse», daß sie den Verlust Elsaß-Lothriugeus noch immer nicht völlig verschmerzt haben. Ilnsre Chauvinisten haben also wohl die geringste Ursache, sich über den immer noch verzeihlicheren Chauvinismus ihrer französischen Gesinnungsgenossen allzu sehr zu entrüsten. Schließlich hat nur die deutsche Socialdemokratie daS Recht, dergleichen Revanche- Faufaronaden mit Schärfe zurückznweiscn. Unglücklicherweise befindet sie sich dabei durchaus im Ein- Verständnis mit ihren französischen Genossen. Erklärte sich doch erst am 11. Juni d. I. Genosse Jaurös mit aller Energie gegen die heuchlerische Hätschelung jener Revanche-Jdccn, an die man im Ernste doch nicht glaube. «Tie Stunde ist für uns gekommen, über den Miß- Verständnissen und Vorurteilen das höhere und gemeinsame Interesse u n s r e s Landes und der Menschheit ins Auge zu fassen und aus den Ver- schweignngen, der Heuchelei und den Zweideutigkeiten herauszugehen. Die berühmte Formel Gambcttas:„I in m e r darandenken und niemals davon sprechen", hat einen unheilvollen Keim gelegt. Ich sage, das; es für ein groszes Land wie das nnsrige eine Art zweifachen und z w e i d e ii t i g e n Daseins nicht geben darf, noch Fragen, von denen es spricht, und Fragen, von denen es nicht spricht. Ich sage, daß es nichts im Grunde seiner Seele geben darf, das es nicht zeigen kann und muß. Im Namen Frankreichs, und das ist, lvic ich es versiehe, eine E b r e für uns, hat sein Ver- trctcr dort den folgenden Antrag gestellt und zur Annahme ge- bracht:„Die Konferenz ist der Ä» ficht, daß die Beschränkung d e r M i l i t ä r l a st e n, die angcnblilllich die Welt bedrücken, in hohem Maße wünschenswert i st f ü r d a s in a t e r i e II e u n d moralische Wohlergehen der Menschheit." Jaurss vcrdanimte hier dieBcgüiistignng des Ncvanchcwahns durch zweideutiges Schweigen, wie wird erst sein Urteil übcr daS eindeutige Reden ausfallen! Man bekämpft den fremden Chauvinismus nicht dadurch, daß man de» eignen Chauvinismus durch heuchlerische Entrüstung nährt. Nur dadurch, daß man den Chauvinisinus im eigenen Lande entwurzelt, fördert mau ernsthaft und aufrichtig den Völkerfrieden. Diesen Kampf gegen den völkerverhetzenden Nalionalegoismus führt aber bis jetzt einzig die internationale Socialdemokralie I— Die Rückgabe Ticntsinö. Die Rückgabe Ticntsins an China ist nun endlich am Freitag erfolgt. Eine Meldung des„Bureau Lassan" ans Tientsin schildert den Vorgang folgendermaßen: »Die provisorische Regierung hat gestern die Stadt Tientsin dem Vicekönig von Tschili Dunnschikai übergeben, dessen Reise von Peking nach Tientsin sich zn einem wahren T r i u in p h z u g gestaltete. Eine große Anzahl Militärs, Beamter und Personen aus dem Bürgerstande waren zum Empfange Auanschikais erschienen. Die Mitglieder der provisorischen Re- gieriing veranstaUeten ihm zu Ehren ein Bankett. Um 5 Uhr nachmittags räumten die fremden Truppen die Stadt. Diese Uebergabe der während des Krieges usurpierten Ver- ivaltuiigsrechte ist um fast ein Jahr zu spät erfolgt. Sofort nach dem Abschluß des im September 1901 rechtskräftig gewordenen Friedensvertrages hätte die Rückgabe erfolgen müssen. Die Mächte kümmerte» sich indes nicht ini geringsten um die Bestimninngen des Vertrages, sondern übten ihre angemaßte Herrschaft ruhig noch ein weiteres Jahr lang ans, wahrscheinlich nin der nicdergeivorfencn Nation zn zeigen, wie gewissenhaft die östlichen Kulturmächte feier- lichste internationale Verträge respektieren! Höchst wahrscheinlich wäre die Rückgabe TicntsinS noch immer nicht erfolgt, wenn es nach den Ansichten Deutschlands gegangen Iväre. Deutschland war in erster Linie diejenige Macht, die die Er- füllung der durch den Friedensvertrag übernommenen Verpflichtungen am längsten hinauszuschieben versuchte; erst die h e f t i g e O p p o- s i t i o ii Amerikas und Englands veranlaßte Deutschland zur Nachgiebigkeit. Deutschland kann sich denn auch rühmen, in China die größten moralischen Eroberungen gemacht zn haben.— »*- Deutsches Meich. Der Bericht«nsrcS Parteivorstandcs findet in der gegneri- scheu Presse vielfach Beachtung. Zahlreiche Blätter geben Abschnitte daraus Ivieder zwecks Oricntierinig ihrer Leser über den Stand der socialdemokratischen Bewegung, ohne besondere Betrachtungen daran zu knüpfen. Amüsant ist, daß die„B. N. N." den Appell an die Genossen zur Wahlvorbereitung, in den der Bericht ausklingt, als einen „Angstruf" bezeichnet, während die„Nordd. Allg. Ztg." ihn einen »hochtönenden Aufruf" nennt.— Fröi»mig?cit«nd LandtagSwahlcn. Der bereits neulich von uns citierte bürgerliche Schriftsteller Siegfried schreibt in seiner Broschüre, nachdem er Kirchen als Wahl- lokale in Ostpreußen festgestellt hat:„Ich kann nur sagen, daß mich dies auf das tiefste indigniert hat, und jeder Mensch von religiösem Gefühl wird niir sicher darin recht geben, daß Kirchen sich durchaus nicht zu Wahllokalen eignen, namentlich nicht, ivenn die betreffende Wahlhandlung, wie dies bei den Abgeordnetenwablen unvermeidlich ist, zeitweise unter großer Unruhe sowie unter sonstigen für eine Kirche ganz ungehörigen Umständen vor sich geht." Uns macht die Benutzung von Kirchen als Wahllokale geringere Beschwerde. Zur Erbaiinng nnsrer hohen Berliner Kreise aber wollen wir doch feststellen, daß vor den Thoren der frommen Refidenz die Abgeordneten für Nieder- und Ober-Barnim in der S t a d l k i r ch c zu Bernau abgehalten werden, offenbar weil die vom Gesetz als Wahlort vorgeschriebene Stadt Bernau ein andres genügend ge- räumiges Lokal nicht besitzt. Ob übrigens jetzt die Siadtkirche noch ausreichen wird? Die Stadt Bernau zählte am 1. Dezember 1900 8318 Einwohner; zn den Wahlen 1913 werden sich dort mehr als 1400 Wahlinänner zu versamnieln haben. Wir bitten unsre dortigen Genossen festzustellen, ob eine solche Anzahl sich in der Stadtkirche versamnieln kann, ohne die polizeilichen Vorschriften über die Raum- Verhältnisse bei Versammlungen zn übertreten. Sollte der Bescheid ungünstig ausfallen, so sorgt vielleicht der fromme Mirbach für einen Erweiterungsbau. Eine K ö n i g s lv o r t über die geheime Abstimmung. „Bei dieser geheime» Abstinimung kann keine Jiifliienziernng auf die Wähler eintreten, die Wahlen werden vielmehr der wahre Ausdruck der H e r z e n s in c i n u n g der Wähler sei n." So schrieb 1837 König Friedrich Wilhelm III. von Preußen; seine Nachfolger in Preußen scheinen den wahren Ausdruck der„Herzens- Meinung der Wähler" lieber nicht zu hören. Freilich that auch Friedrich Wilhelm III. den oben citierten Ausspruch nur in einem Erlaß zur rheiiiisch-westsälischen... Kirchenordnung.— Tic Ehruiig deö Tuellhelden. Zu der von uns besprochenen Verherrlichnug des begnadigten Ducllhclden Lieutenant Hildebrand niacht die„Germania" aufmerksam, daß hier auch eine Verletzung des Militär- Strafgesetzes zu sühnen ist. Hat die Demonstration in der angegebenen Weise stattgefunden— mit einem Spitzenreiter und einer Eskorte in Parade-llniform, mit Helm und Haarbusch und einer Schlußeskorte— so liegt, vorausgesetzt, daß die Eskorten aus llntergevenen bestanden, ein Mißbrauch der Die n st ge Walt vor.§ III Mil.- St.- G.- B. verbietet,„die Dieustgewalt über einen Untergebenen zn Befehlen oder Forderungen, die in keiner Beziehung zum Dienst stehen, oder zu Pnvatzwcckcn zu mißbrauchen."— Zuwiderhandlungen werden kriegsgerichtlich geahndet. Der Gcrichtshcrr— Divisionskommandeur— hat, sobald er von dem Verdacht einer militärgerichtlich zu verfolgenden straf- baren Handlung Kenntnis erhält, ein Ermiltelungsversahren anzuordnen. Ist das geschehen? Wann wird es geschehen?— Stille Lynchjustiz. Eine Art stiller Lynchjustiz scheint an dem bekannten schießwütigen Freiherrn v. Stietencron auf Nieder- Weiler bei Saarburg, der durch die Erschießung eines italienischen Arbeiters auf seinem Gute im vergangenen Jahre vor ein Kriegsgericht gestellt, von diesem aber freigesprochen wurde, vollzogen worden zu sein. Der Herr scheint jetzt dem Druck der öffentlichen Meinung zu folgen, indem er feine bisherige Heimat verläßt. Sein Gut, aus Schloß� und Waldungen bestehend, ivird nächster Tage für den Preis von 450 000 Mark in andre Hände übergehen. Den armen Hinterbliebenen des Erschossenen hat der reiche' Freiherr keinerlei Entschädigung er- wiesen!— Große Schnsiicht uach Hänge-PeterS bekundet die„Post" Sie beklagt wehmütig den Sturz des große» Mannes und regt an, das» derzeitige Discipliiiarnrteil in dieser oder jener Form zn „revidieren" und den schnöde aus dem Vaterlande Vertriebenen im Triumphe wieder zurückzuholen. Welche koloniale Mission man Häuge-Petcrs übertragen möchte, ist um so weniger zn erraten, als ja der der„Post" so nahestehende Freiherr v. Zedlitz unlängst den Vorschlag gemacht hat, den ganzen von Peters dem Deutschen Reich im gehängten deutsch-ostafrikanischen Kolonialbettel an England zu ver- handeln. Die Sehnsucht nach dem brutalen Koloiiialabenteurer beleuchtet jedenfalls die Moral nnsrer Kolouialpolitiker. Peters, der nach dem Urteil der Discipliuarkammer und des Disciplinargerichtshofs in Leipzig in vollem Umfange s ch u l d i g befunden worden war, ein Negcrmädchen und eine» jungen Neger aus Eifersucht Willkür- lich aufhängen, drei andre Negermädchen ans d e m s e l b e n G r n n d e unmenschlich a n s p e'i t s ch e n zn lassen, mit einem Häuptling, der sich der von Peters brntalisierten entflohene» Mädchen angenommen hatte, widerrechtlich und frivol kriege rische Händel angezettelt und endlich falsche Berichte an dieAe- Hörde gesendet zu haben, war durch einfache D i e u st e u t- l a s s u n g noch so unerhört glimpflich behandelt worden, daß wirklich eine eiserne Stirn dazu gehört, diesen Mensche» noch als Opfer politischer Kabalen und eine Art patriotischen Märtyrers hinzustellen! Daß die„Post" abermals die Fälschung des Tncker-Vriefcs ins Gefecht führt, ist umso unverftoreiier, als in dem Pcters-Prozcß der Vertreter der Anklage, Gcheimrat Hellwig, ausdrücklich erklärt hatte. daß dieser Tnckerbrief nicht e x i st i e r e! Wenn schließlich die„Post" auch hier wieder von H u n n e» b r i e f f ä l s ch u n g e n spricht, so paßt diese freche Fälschung der Ergebnisse der famosen Hunnen- Prozesse nur in den aller Scham baren Versuch, ciucni Menschen eine Märtyrerkrone zu flechten, dessen Thaten in der Chronik kolonialer Schändlichkeiten eine erste Stelle verdienen.— Kaiser und Kunst. Ter Düsseldorfer„General-Anzcigcr" berichtet: „Vorbereitungen z n m K a i s e r b e s n ch. Die Jßor- bereitnngen zum Kaiserbcsuch sind in vollem Gange. Die Stadt wird, wie man sich bei einem Rundgange durch die Straßen, die das Kaiserpaar passieren wird, überzeugen kann, einen schönen, festlich geschmückten Eindruck inachen. Alles, was etwa st ö r c n könnte, ist entfernt. So bemerkten wir, daß über dem Portal der neuen G e m ä l d c- A u s st e l l u n g, Königs- Allcx 50, die Worte;„Freie Knust" entfernt und durch eine Guirlande ersetzt worden sind." Nachdem der Kaiser in seinem Enlrüstungstclcgramm wider das bayrische Centrum leidenschaftlich für die„freie Kunst" eingetreten ist, konnten die guten Düsseldorfer es schon wagen, die gefährliche Ausschrift bestehen zu lassen.— Noch ein paeta lauraatus. Wir nahmen gestern Notiz davon, daß der Kaiser die Widmung des neuesten Romans der in litterarischc» Kreisen Lbclberufenen Nataly v. Eschstruth huldvoll angenommen habe. Zur Keiinzcichiiung der in jenen allerhöchsten Regionen herrschenden Geschmacksrichtinig möge heute ein„Dichter" genannt sein, der sich der Huld des jugendlichen Kaisers erfreute. Der Post heißt H. G ö r l i tz e r und ist Verfasser der„Deutschen Lieder anS der Kricgsperiode 1870/71" und des„Lieder-Kaleidoskops", welch' letzteres Opus kürzlich erschienen und von dem Autor mit einem weniger lillerarhistonsch als hoshistvriographisch interessanten Bor- wort verschen worden ist. In diesem Vorwort sagt der Verfasser: „Die freundliche Aufnahme, welche meine im Jahre 1371 erschicnenen„Deutschen Lieder anS der Kriegsperiode 1870/71" nicht nur im Piibliknni, sondern auch an Allerhöchsten S t e I l e n gefunden, läßt mich hoffen, daß auch diesen Liedern bei den Lesern derselben ein ebensolcher Empfang zn teil»verde. Nicht allein, daß ich für die damalige Uebersendiing von dem Kaiser Wilhelm I. sehr huldvolle Dankschreiben erhielt, hat König Ludwig von Bayern sie seiner Privat-Bibliolhek einverleibt, und der damalige Kronprinz, spätere Kaiser Friedrich, mich einer persönlichen Vorstellimg gewürdigt, bei welcher derselbe mir den Rainen„S p a n d a n e r Hans Sachs" beilegte. Auch unsres jetzigen Kaisers Majestät g e- ruhten an allerhöchstem 16. Geburtstag im Beisei» des Prinzen Heinrich mich vorstellen zu lassen, und durfte ich aller- hvchstdemselben nicine„Deutschen Lieder" eigenhändig n b e r r e i ch e n, Wenn diesem meinem„Lieder-Kaleidoskop" ver- gönnt sein sollte, sich ebenfalls die Gunst des Lescpuvlikums zu erringen, so würde dies niir ein Sporn zu neuer Thüligkeit sein, um diesem Bändchen bald ein zweites folgen zu lassen." Der Verleger des„Lieder-Kaleidosiops" hat einige der Gedichte für so hervorragend schön gehalten, daß er sie in dein üblichen Waschzettel abgedruckt hat. Der Anfang eines dieser Mustergedichte lautet: „Wie selten sind die Stunden Vom reinen wahren Glück; Wie bald sind sie geschwunden. Und nichts ruft sie zurück. Wie oft, daß noch verschlüget Der Mensch dieselben sich, Greift zn nicht, sondern wäget Bis ihre Zeit verstrich." Man begreift nach dieser Probe, daß der alte Veteran sich tvohl getraute, mit dem Major Lanff und Phili Eulen bürg in einen Sängerwettstreit einzutreten. Wilhelm II. ließ sich diesen von seinem Vater und Großvater ausgezeichneten Dichter als Sechzehnjähriger vorstellen, dessen Verse ihn vielleicht ebenso entzückten, une Schillers und Uhlands Verse gleichaltrige Gymnasinlkollegen. Eine solche litterarische Jugend- ncigung würde wenigstens die spätere litterarische Geschmacksrichtung des Kaisers in mancher Beziehung erklären.— Deutscher Mechanikertag. AuS Halle wird uns vom 15. August geschrieben: Die Gesellschaft für Mechanik imd Optik, jene Unternehmer« Organisation, die durch das Wirken des bekannten Prof. A b b s von Jena in ihr die Oeffentlichkeit wiederholt beschäftigt hat, hielt heute im Sitzungssaal des Stadtverordneteii-Kolleginms ihre 132. Gene- r a l- B e r s a m m l u n g ab. Der Regierungspräsident ist vertreten durch den Regierungsassessor Schiele. Ferner sind Vertreter der Physik.-technischen Reichsanstalt, der württembergische» Centralstelle für Handel und Gewerbe usw. anwesend. Ueber den Zolltarif« G e i e tz-.E n t w u r f und die bisherigen Maßnahmen des Vorstandes gegenüber denselben referierte der Vorsitzende Dr. Krütz- Hamburg: Seit Jahresfrist werde die Bevölkerung durch die Ansprüche der Agrarier und die Zurücksetzung andrer Er- werbsklassen in Aufregung gehalten. Schon die vorige General- versanmilung habe gegen den Zolltarif Stellung genommen und eine Petition an den Reichstag gesandt. Die von der Regierung zur Begründung der Zollsätze vorgelegte amtliche Statistik, sei vollständig unbrauchbar gewesen. Die Gcsamtausfnhr war bedeutend höher, als angegeben wurde. Allein die Firma Karl Zeiß in Jena habe mehr Instrumente exportiert, als da insgesamt in der Vorlage vorgesehen waren. Die Zoll- freiheit' sei eine Lebensfrage und erscheine notwendig, um Repressalien des Auslandes zu verhüten. Von eineni Weit- bewerb des Auslandes könne gar keine Rede sein. Deutsch- land könne schon infolge der billigen Mechanikerlöhne erfolgreich operieren. Wenn man die deutsche Industrie schützen wolle, so sei der Zoll das aller schlechte sie Mittel. Die Abgeordneten G o t h e i n, Molkenbuhr w. seien am 7. August mit Erfolg für die Zollsreiheit gewisser wissenschaftlicher Instrumente eingetreten und der 13. Mechanikertag möge der Zolltarifkommission für den Beschluß vom 7. August den Dank abstatten. Die Ver- sammlung ist einverstanden und verspricht auch bei der Erneuerung der Handelsverträge ihren Einfluß geltend machen zu wollen. Die„Frauksurtcr Zeitung" ist„überrascht" durch die Zu- stimmung der Socialdemolratcn zu dem Centrinnsantrag betreNend Witwen- und Waiseupersicherung in der Zollkommission. Die Grunde, welche das Frankfurter Blatt vorbringt, sind die gleichen, welche die „Freisinnige Zeitmiq" schon vorbrachte, der gegenüber wir bereits die Richtigkeit unsres Verhaltens nachgewiesen haben. Es erübrigt sich daher ein nochmaliges Eingehen auf die Irrtümer der„Fr. Ztg. Das Berliner FreistiinSblatt mußte es vorziehen, auf unsre letzte Widerlegung nicht mehr zu erwidern.— Züchtige Stadtväter. Auf dem Ringe zn M h s l o w i tz wird ein Zierbrunnen aufgestellt, in dessen Mitte sich eine Amoretten- grnppe erhebt. Die' nackten Figuren erregten bei einigen Stadl- Vätern großen Unwillen und diese brachten in der letzten Stadt- verordneten� itzung eine Interpellation ein, die zn lebhasicn Debatten Anlaß gab. Die lex Heinze-Männer befürchteten durch die naturalistische AussühriNig eines sitzenden Knaben der Amoretten- grnppe die Unsittlichkeit zu fördern, besonders bei den vorüber- wandelnden Schulkindern: Deshalb beantragten sie, den Ankauf des probeweise aufgestellten Brnimeiis abzulehnen oder die„anstößigen Stellen" mit eineni Fcigenblatte zu bedecken. Beide Anträge wurden nach langer Debatte von der Mehrheit abgelehnt.— TyPhuS- und Ruhrepidcmic». Ans Gera wird gemeldet: Die Typhnsepidemie in der Stadt ninnnt eine bedrohliche Ausdehnung an. Die Zahl der von der Seuche Befallenen beträgt bereits 25. Ebenso nimmt in Lüdenscheid die Typhnsepidemie in besorgniserregender Weise zn. Annähernd an IVO Personen sollen bereits von der Seuche ergriffen sein. Da die Rännie des städtischen Krankenhauses zur Ausnahme der Erkrankten nicht mehr genügen. wurde die alte Schützcnhalle dafür in Aussicht genommeii. Ans Posen wird anitlich gemeldet:„Die von answärtigen Blättern verbreitete Nachricht, daß hier die Cholera oder eine choleraähnliche Krankheit herrsche, beruht auf Erfindung. In einem Teile der Unterstadt hat vor einiger Zeit Brechdurchfall grassiert, der zu zahlreichen Erkrankungen führte, gegenwärtig aber bereits im Erlöschen begriffen ist." Zu dieser amtlichen Beschwichtigungsnachncht ist jedoch eine Mitteilung der„Schles. Ztg." zu beachten, der zufolge von den Mannschaften des in Liegnitz garmsonierenden KönigS-Grenadier« Regiments, die gegenwärtig in Schwersenz bei Posen zum Re- giments- und Brigadc-Exerzieren einquartiert sind, eine größere Anzahl v o n G r c n a d i e r c n. wie verlautet, VS Manu, a n der Ruhr erkrankt und in das Posener Garnisonlazarett übergeführt worden sind.— Ausland. Dänemark. TaS Stcncrwcsen Dänemarks ist, trotzdem dort die not- wendigen Lebensmittel nicht mit Zöllen belegt sind, doch so ge- ordnet, daß die größten Lasten der imbemittelten Bevölkerung auf- erlegt werden.' Der Reichstag hat sich in seiner letzten Session bekanntlich mit einer Regierungsvorlage zur Reform des Steuer- Wesens befaßt, die sich aber nur aus die direkten Steuern bc- zieht. Von den Socialdemokraten wurde dann wiederholt darauf hingeloiesen, daß es viel zweckmäßiger wäre, mit der Reform der indirekten Besteuerung zn veginnen, weil hier die eigentliche und gröbste Ungerechtigkeit zn finden ist. Wie zutreffend diese Behauptung ist, geht aus einer Abhandlung über die Stenern in Dänemark von 187Ö— 1900 hervor, die der Chef des S t a a t l i ch e n st a t i st i s ch e n Bure ans M. Kofoed im letzten Heft der„Nationnlökonomisk Tidslrift" veröffentlicht hat. Darin werde» folgende Angaben ge- macht: Die direkten Stenern, die hauptsächlich aus Landstencr- nnd Gebände-Abgaben bestehen, ergaben 1870 ca. 9 Millionen Kronen nnd ivarc» 1900 auf 10Vs Millionen gestiegen, während die Bevölkerung um 36 Proz. gewachsen ivar. Ans den Kopf der Bevölkerung berechnet, betrugen die direkten Stenern 1870 5», 1 Kr., 1900 mir Ih-'e Kr. Bon den gesamten Staatseinnahmen ans Stenern wurde 1370 ein Drittel, 1900»nr noch ein Sechstel durch direkte Stenern aufgebracht. Die i n- direkten Stenern aber, die hauptsächlich aus Zöllen bestehen, brachte» 1870 21Vs Millionen Kr., 1900 über 51 Millionen ein. Die gesamten Staatseinnahmen aus Steuern stiege» von 1870— 1900 von 31 Millionen auf 62 Millionen Kr. Während die Bevölkerungszahl um ein Drittel zunahm, stieg der Ertrag der Staatsstcuern auf das Doppelte. Aber der Ertrag' aus direkten Steuern wuchs nur um 17 Proz., der ans indirekten Steuern mir 136 Proz.— Der Ertrag aus den eigentlichen Zöllen wuchs aber in noch stärkercin Maße. Er betrug 1870 kamn 11 Millionen, 1900 aber 33 Millionen. Die K o m in'u u a l st c n e r n ergaben im Jahre 1370 zusammen 16 Millionen Kronen, 1900 aber 35 Millioircn; auf den Kopf der Bebölkernng kanicn 1870: 9 Kronen, 1900: 14Vs Kronen. Der gesamte Ertrag der Staats- und Koinminialstcucrir betrug im Durchschnitt in dein ersten Jahrfünft jener 30 jährigen Periode pro Jahr 50 Millionen Kronen, im letzten Jahrfünft 9l Millionen. auf den Kopf der Bevölkernng berechnet 27,10 bezlv, 38,87 Kronen. Das Nativnalcinkoiniiie» wurde für Dänemark 1870 auf 500 Millionen Kronen, 1900 auf 800 Millionen berechnet. Die Staats- und Koinmunalsteucr zusammen betrugen hiervon 1870: ca. 91/» Proz., 1900; 12 Proz. Die Neichen aber zahlten nur ca. 1 Proz. ihres Einkommens au Steuern, die Armen über 10 Proz.— Nustland. Anhänger Tolstojs im Militär. Bekannt ist die Leidensgeschichte der Anhänger TolstojS, der Diichoborzeu, die dem Militarismus den passiven Widerstand entgegensetzten niid so ihre Hände vom Blutvergießen rein halten wollten. Gransame Qualen Häven sie ertragen müssen, ganze Dörfer wurden nach Sibirien verschickt, ihre Taktik hat aber bis heutigen Tages Anhänger gefunden. Jetzt wird ein neuer Fall bekannt, bei dem es sich nur den Protest gegen die Wehrpflicht eines Soldaten Iwan Labcsnij handelt nnd Über den uns das folgende Toknineut Aufschluß gicbl: Prikas an das Regiment Nr. 99. Ans der von dem UntersuchnngSrichter des 2. Teils des Warschauer Militärbezirkes ausgeführlcn Untersuchung ersehe ich, daß gegen den jungen Soldaten der 16. Compagnie des Wladikaw- kastschen Regiments. Iwan Labsanij die Anschuldigung erhoben wird, daß er am 26. Februar in der Gerichtssitzung des 6. März auf die Frage des Vorsitzenden Obersten Kartaschew, ob er sich schuldig anerkenne, geantwortet hat:„Eure Regierung verwirft die Gesetze Christi, ich verwerfe Eure Gesetze. Warum verbietet Ihr dem Untennilitär Bücher zu lesen? Ihr laßt das Volk in Gefängnisse»»nid Bergwerken schmachte». Ihr richtet ungerecht»nd falsch. Ihr schreibt das eine und thut das andre. Ich habe schon früher gesagt, daß ich den Dienst und die Befehle nicht erfüllen werde. Ich bin bereit dafür zu leiden, wenn ich auch sterben müßte. Ihr werdet ja sowieso falsch urteilen. Diese That ist in dem II. Teil§ 282 des Gesetzbuchs vorgesehen. I» Erwägung alles dessen, übergebe ich den jungen Soldaten Iwan Labsanij auf Grund der KZ 260, 262, 267 und des ersten Absatzes des K 26 des Militär-Gesetzbuchs dem Warschauer Militär-Bezirksgerichr zur Aburteilung. Hierbei verfüge ich auf Grund des Z 319 desselben Gesetzbuchs, daß der Angeklagte bis zum Urteilsspruch auf der Hauptwacht in Wnhrsam behalten Ivird. Unterschrieben: Oberst Sdsechcwski. Stabskapitän Mamaladse. Slfie». Die Aufstände im südliche» China. Aus Hongkong wird dem„Moriiiiig Leader" geschrieben:„Es ist äußerst schwierig, sich genau über die Zuftäiidc in den aufständischen Provinzen Kwangsi, K w a n a t n n, V ü ii n a n und K w e i ch o u zu informieren, da nian sich gänzlich auf die Berichte eingeborener Behörden verlassen muß, welche je nnchbcm, wie es ifineii paßt, die Lage der Dinge überireiben oder auf das kleinste Maß zurückführen. Es verlautet, daß die H a u p t st a d t v o n K w a n g s i augegriffen wurde, daß Linchow gefallen sei, und daß die R e b e l l e n ihren Vormarsch auf die K a i s c r st a d t fortsetzten. Ein Pekinger Bericht- erstatter uicldet. daß die chinesische Regierung Neigung bekunde, d e ii E r n st der I n s n r r e k t i o n zu verheimlichen. Es kann keiiicin Zweifel unterliegen, daß die Rebellen mehrere ernste Schlappen erlitten. Die wichtigste Gefangennahme bildete die des R e b e l l o n f ü h r c r s Li. Sollten diese Depeschen glaub- würdig sein, so wäre Grund für die Annahme vorhanden, daß die Rebellion sich ihrem Ende nähere, aber andre im Umlauf befindliche Gerüchte stellten dies in Abrede.— Amerika. Die tienezolanische» Wirren und die Mächte. Die Koiiimandaiiteii der vor Puerto-Cabello liegenden fremden Kriegs- schifie, nämlich des deutschen Kreuzers„Falke", des amerikanischen Kreuzers„Topeka" und des holländischen Kanonenboots„Suriname" haben im Einvernehmen mit dem Befehlshaber von Puerto-Cabello für den Fall der Eroberung der Stadt durch die Neoolutionstriippeii folgendes beschlossen: Die Forts sollen nicht den Stadtteil drschließett, worin sich das Eigentum der Ausländer befindet. Gegen die Beschießung dieses Stadtteils durch venezolanische Kriegsschiffe ivird nachdrücklich Protest erhoben. Ein etwa beabsichtigtes Bombardement soll 24 Stmiden vorher angezeigt werden. Die frenideii Kriegsschiffe behalten ihren Ankerplatz und sind zur Ein- fchiffnug ihrer Angehörigen bereit. Auch werden sie zu deren Schutze im Notfall eine Wache an Land schicken.— ftiÄg her hkutschen somlhemkrMen Arbeiter- Partei in Nestrcidj. A u s s i g a. d. Elbe. 15. August 1902. I. BormittagSsitzung. In dem schönen, reich geschmückten Saale der Arbeitcr-Turn- und Volkshalle, die im Vororte Lerchenfeld liegt, trat heute der Parteitag der deutschen Socialdemokratie Oestrcichs zur ersten Sitzung zusammen. Erschienen sind etwa 130 Delegierte. In einer Voi besprcchung, die gestern abend stattfand, war die Tagesordnung, wie folgt, festgesetzt worden: Konstituiermig dcS Parteitages. Bericht der Parteivertretung, Berichterstatter S l a r e t und Ellen bogen: Partei-Organisation, Berichterstatter S k a r e t; Wahl der Partei- Vertretung; Bürgerliche Verfälschungen der Arbeiterbewegung in Oestreich. Berichterstatter A. S ch r a ni in e l; Parlamentarische Thäligkcit, Berichterstatter E. P e r n e r st o r f e r; Parteitaltik, Be- richterstatter V. Adler; Parteipresse, Berichterstatter I. Popp; Der östrcichisch-nngarische Ausgleich. Berichterstatter Ellenbogen. Außerdem soll in einer vertraulichen Sitzung über die finanzielle Lage der Parteipresse und der Partei-Unternehmungeii berichtet werden. In der Reihenfolge der Gegenstände der Tagcsordming war eine Verschiebung notwendig geworden, weil Adler erst ani Sonuabeud zu den Verhandlungen eintreffen kann. Diese Veränderung wird gut geheißen und in Bestätigung der gestrige» Vorschläge zu Vorsitzenden P o p p-Wien und Schramme!- Aussig, zu Schriftführern W i n a r s k y- Wien, M n k i t s ch- Graz euiid Schäfer- Reichenberg gewählt. Schrammel heißt die Delegierten im Namen der nord- böhmischen Genosse» herzlich willkommen. Nachdem Popp im Namen des Kongresses gedankt, wird die Geschäftsordnung en bloc nngeiiomnien, als Arbeitszeit die Stunden von 9—12 und von 2—6 Uhr bestimmt und eine MandntspnifniigS- und eine Füufer-Kommissiou zur Prüfung eines Ausschnßantragcs aus Wien eingesetzt. Popp teilt dem Parteitage unter lebhaftem Beifall mit, daß die deutsche Bruderpnrtei wie immer zu den östreichischcn Parteitagen zwei Delegierte entsendet habe,„unscrn alten Freund Kaden" und Genossen Edmund Fischer. Kaden überbringt die Grüße der deutschen Socialdemokratie und feiert den Freiheitsgedanlcn, der die Svcialisten aller Länder eint. sLebhnfter Beifall.) Fischer verweist auf den großen Anteil, den die deutsche Socialdemokratie an der östreichischeu mit ihrer ähnlichen Entwicklung nimmt, rühmt die Energie und Kampfesfreudigkeit der östreichischeu Genossen,„im wirreu Chaos die Hoffnung OestreichS", und wünscht den Arbeiten des Kongresses den besten Erfolg.(Lebhafter Beifall.) Im Namen der czechischen Socialdemokratie heißt N e m e c- Prag die Delegierten auf heimischem Boden willkommen. Dann wird in die Tagesordnung eingetreten. Den Bericht der P a r t e i v e r t r e t u n g erstattet Skaret: Nach den Stürmen der Kämpfe um das Wahlrecht sei ein« Zeit der Ruhe eingetreten, die zum inneren Ausbau der Partei verwandt worden sei. Die Petitionsbewcgung für die Einführung einer Alters- und Invalidenversicherung sei durchaus keine Verleugnung des revolutionären Charakters der Bewegung. Redner wendet sich gegen die Sucht mancher Vertrauensleute, inimer Abgeordnete für die Propaganda verivciiden zu wollen. Abgeordnete seien der gesuchteste Artikel, gewöhnliche Referenten seien im Preise stark gefallen.(Heiterkeit.) Mit diesem Uufnge müsse endlich auf- geräumt werden. In den letzten Jahren sei an positiver Kleinarbeit sehr viel geleistet worden. Die Partei sei in zahllose kommunale Verwaltungen eingedrungen, besonders in Nordböhmen. Nicht nur die dritte, sondern auch die zweite Wählerklasse sei erobert worden, so daß es in einzelnen Orten ge- Inngcn sei. als Bürgermeister oder als Bürgermeister-Stellvertreter cincn Socialdemolraten zu wählen.(Bravo!) Der Partcikassierer Ellenbogen verweist auf den gedruckt vorliegenden Kassenbericht. Die Einnahmen der Partei seien in den letzten zwei Jahren, um 2600 Kronen trotz der ungünstigen Zeiten gegenüber der vorhergehenden Periode gewachsen. Mit diesem Er- gebnis können wir zufrieden sein. Im Name» der C o n t r o l e u r e berichtet T o m s ch i ck- Wien, daß er Kasse und Bücher in bester Ordnung gesunden habe, und beantragt, der Parteivertrctuiig Decharge zu erteilen. Dieser Antrag wird debattelos und einstiinmig angenommen. Ueber den nächsten Punkt der Tagesordnung: Die Partei- o r g a n i s a t i o n referiert Skaret. Er nennt das geltende Orgaiiisationsstatnt mangelhaft, glaubt aber, daß die Zeit zu einer gründlichen Aenderung»och nicht gekommen sei. Viele Lokalorganisationen hätten sehr verschwommene Formen. Sei ein Bertranensmann da. so wäre man schon zufrieden. Das genüge aber nicht. Die Parteigenossen müßten durch Hans- und Vezirisorganisationeii ziisammeiigehalten werden. Mit größerem Nachdruck als bisher müsse auf die Leistung der Partcibeiträge ge- halte» werden. In der Zeit des Friedens müsse zusammengetragen werden, damit die Partei nicht zur Zeit des Kampfes, der Wahlen, ohnmächtig dastehe. Die Lokal- und Bezirks-Verlrauensleute sollten engere Vcrbiuduug mit der Wahlkreisleitung suchen; dadurch würden viele persönliche Streitigkeiten vermieden werden. Dieser Streitigkeiten ivegeu schlage dicParteivertretnng dieEinsetziing einesSchiedsgerichts vor, um so die lokalen Steibuiigen einzudämmen. Es werde folgende Ein- schiebung in das Organisationsstatut beantragt: „Ueber die fernere Zugehörigkeit zur Partei entscheidet ein vom Parteivorstande zu berufendes scchsglicdriges Schiedsgericht. Die Hälfte der Beisitzer werden von denjenigen nominiert, die den Aus- fchluß beantragen; die andre Hälfte von dem durch den AuL- schlutz Betroffenen. Den Vorsitzenden bestimmt der Partei- vorstand. Gegen die Entscheidung des Schiedsgerichts steht den Betroffenen die Berufung an den Parteitag zu." Dieses Schieds- gcricht werde hoffentlich die lokalen Streitigkeiten in zuträglicherer Weise schlichten, als es bisher geschehen konnte. Außerdem beantragt der Parteivorstand noch eine präciserc Fassung der Bestimmungen über die Vertrauenspersone». Skaret wendet sich gegen zwei An- träge, die den deutschen Parteitag nur alle 4 Jahre stattfinden lassen wollen. De» Antrag Braiiuau, für Ostböhmeii eine Centrnlstelle für die Agitation zu schaffen, bittet er dein Parteivorstand zu überweisen.(Zuruf: Begräbnis erster Klasse! Heiterkeit.) Im Laufe des Parteitages solle eine Konferenz der deutsch-böhmischen Vertrauensleute statt- finden. Ihr sei am besten der Antrag der Bezirksorganisation Saaz zu überweisen, die eine praktische'Neueinteiliing der böhmischen Wahlkreise untereinander nach Agitationsdistrikten verlangt. De» Antrag der Karlsbader Genossen: der Parteitag wählt in den engeren Partei-Ausschuß auch mindestens einen als Kenner der deutsch-böhmischen Verhältnisse bekannte», in Wien wohnhaften beivährte» Genossen, bittet Skaret abzulehnen, da keine Notwendig- keit vorliege, derartige Landsmaim-Miiiister zu schaffen.(Beifall.) In der Diskussion wird vielfach ein Antrag W i n a r s k y be- sprochen, der die Genossen auffordert, der Jugendorganisation mehr Beachtung zu schenken, überall dort, tvo noch keine Vereine jugend- lichcr Arbeiter existieren, solche zu gründen, die jungen Genossen auch nach der Vercinsgründung mit Rat und Thnt zu unterstützen und dem nächsten Parteitag hierüber zu berichten. P e r Ii e r st o r s e r empfiehlt, die jugendlichen Arbeiter zunächst unter dem Titel geselliger Zusammenkünfte und Unterhaltungen zu- sainineuzubringen, so ivie es die katholischen FünglingSvereine machen. Ein solcher Unterhaltnngsäbend hat in Wien Erfolge ge- bracht. Leider fehle es aber an genügenden Kräften. Redner wendet sich energisch gegen den Antrag eines Wiener Bezirks, die Parteitage der deutschen Socialdemokratie Oestreichs nicht alle zwei Jahre, sondern seltener stattfinden zu lassen. Den polnischen und czechischen Genossen falle es gar nicht ein, sich so in den Schalten zu stellen, wie es dieser Antrag für die älteste und größte socialdemo- kralische Partei Oestreichs, die deutsche, bewirken wolle. Ein solcher Antrag sei für das nationale Empfinden der deutschen Genossen nicht sehr ehrenvoll.(Widerspruch.) Bretsch n eider- Wien: Es handelt sich hier gar nicht um den nationalen Standpunkt, sondern um eine Geld- und Zeitfrage. Die Bezirkstage, die Landeskonferenzen, der allgemeine Parteitag kosten sehr viel Geld. Der Wiener Antrag wolle die Parteileitung nur von den überflüssige» Muß-Parteitagen befreien. R e s e I- Graz hält eine gründliche Aenderung der Partei- Organisation für notwendig. Die von der Parteileitnng vor- geschlagenen Acnderiinge» genügten nicht. Steiermark habe die Wahlkreis-Organisation nicht durchgeführt, weil sie die Einheitlichkeit der Bewegung des Landes zerschlagen hatte. Eine stramme einheit- liche Organisation sei die beste. Redner enipfiehlt die Wahl einer Kommission, die die OrgauisationSfrnge zu bearbeiten habe und wendet sich dann gegen Pernerstorfcr. Wenn von nationalem Empfinden ge- sprachen werde, denke man immer an das nationale Empfinden der Deulschnatioiialcn. Der Gebrauch solcher Ausdrücke kann auf die Genossen sehr verwirrend wirken.(Sehr richtig.) (Die Mittagspause tritt ein.) In der Nachmittagssitzung wird die Debatte über die Partei- organisation fortgesetzt.' Von einigen Rednern Ivird betont, daß die Organisationen der jugendlichen Arbeiter nur mit Vorsicht ins Leben zu rufen seien und stündiger Beaufsichtigung bedürften. Lebhaft debattiert wird über den Antrag auf Einschränkung der Parteitage. Die Nicderöstreicher halten an dem Antrage der Wiener Lokalorganisation fest, während die Vertreter der andren Kronländcr in der Mehrzahl sich aus agitatorischen Gründen für die Aufrecht- erhaltung dcS jetzigen Zustande» aussprechen. B r o d- Wien fürchtet, daß die beständige Betonung des natio- nalen Moments durch Genossen Pcrncrstorfer die Organisation schädigen könnc. S e l i g e r- Teplitz wendet sich gegen Einzelheiten im Organisationsvorschlag der Parteivertretung. Es werde vorgeschlagen, die Landesorganisationcn in ganz Oestreich so cinzurichte», ivie sie in Böhmen bestehen. Das würde eine Umwälzung der Organisations- form in Steiermark, Nicderöstrcich und wohl auch in Schlesien bc- wirken. Redner schlägt eine andre Fassung vor, die diesen llcbclstnnd vermeiden würde. Gegen Pcrnerstorfcrs Acnßernngen wenden sich noch mehrere Redner. P e r n e r st o r f e r: Ich bin durchaus mit Brod einverstanden, daß in der Nationalitätenfrage das Einigende betont werden muß. Meinen Nationalismus habe ich auch zu der Zeit, als ich noch nicht offiziell zur Partei gehörte, sehr gut mit proletarischem Empfinden zu vereinigen gewußt. Ich habe zu der Zcit„ als ich ohne offizielles Mandat proletarische Interessen im Parlament vertrat, nie danach gefragt. ob es sich um czechische, polnische oder deutsche Arbeiter handelte.(Sehr richtig!) Auch ich glaube, daß wir echte Internationale sein müssen, wenn auch nicht vom Schlage derer, die da glauben, die Jnternationalität fordere von dem Einzelnen, daß er seine Nationalität zurückstellen, daß er national oder antinational sein müsse. Ich bin international im Sinne der Verbrüderung der Völker, um mit Hilfe dieser Vcrbiüderung die Nationen erst frei zu machen und zu großen Volksgruppen zu gestalten. Der Antrag N e s e l ans Einsetzung einer Kominission zur Aenderung der Organisation wird abgelehnt. Die weitere Abstimmung ergiebt die Annahme aller Anträge der Partcivertretmig. Angenommen wird weiter noch der Antrag WinarSki(Organisation der jugendlichen Arbeiter) und ein Antrag auf Organisation der Tabakarbeiterinnen. Alle übrigen Anträge werden abgelehnt. Schluß 6�/» Uhr. Anfsig, 16. Angnst. In der heutigen Sitzung des Parteitags referierte zunächst Ellenbogen über den ö st r e i ch i s ch- n ngarischen Ausgleich. Die Resolution, welche vollständige politische und fiskalische Trenmmg beider Reichshälften fordert, wird einstimmig an- genommen. Ueber die parlamentarische T h ä t i g k e i t berichtet Pernerstorfer, über die Taktik Adler. In der Debatte wird teilweise Kritik geübt wegen angeblicher Unthätigkeit der Fraktion amd Nichtanwendung der Obstruktion. Morgen Fortsetzung. Ferner wurde die alte Parteileitung wiedergewählt. Ans Fttduflvie und Herndel. Roggen-Hanffe«nd Getreide-Ernte. Im Gegensatz zur Stagnation des Geschäftsverkehrs an der Fondsbörse hat sich an der Produktenbörse oder genauer am Roggenmarkt während der beiden letzten Wochen eine Hansse entwickelt, die allerdings gestern und heute infolge der etwas besseren Witterung bereits eine Ab- schwächnng erfahren hat. In der Annahme, daß die Roggenernte wie gewöhnlich verlaufen werde, haben Landwirte und Händler für Anfang Äugust Lieferungen abgeschlossen, die sie vielfach, da die regnerische kalte Witterung die Ausreife nnd Hcreiiibringimg der Ernte um einige Wochen aufgehalten hat, nicht einznhalten vermochten. Die Folge war eine Stockung der Zufuhren, steigende Nachfrage nach sog. verfügbarer Ware nnd ein weiteres Anziehen derRoggen- niid Roggcnmehlpreise, von dem auch die nächsten Liefen», gsiermine profitierten, da auf ein Hereinkommen größerer, dem Bedarf entsprechender Mengen in den nächsten Wochen kaum mehr gerechnet wird. So stiegen z. B. seit Beginn des Angnstmonats die Preise für Septeinberlieferung um ca. 7 M. pro Tonne(20 Centncr), für Oktoberlieferung um 6 M., nnd für Roggenmehl um ca. 1,70 M. pro Doppelcentner. Der Roggenernte, die nach den letzten amtlichen Saatenstands- berichten ein gutes Endergebnis versprach, droht, wenn nicht in den nächsten Tagen trockenes, warmes Wetter eintritt. ein recht mißlicher Ausfall; denn nur in Süd- und Mittel- Deutschland ist der größte Teil bereits eingefahren, in den eigentlichen Roggenban-Gegenden. in Nord- und Ostdeutschland lagert noch vieler Winterroggcn auf den Feldern, oft steht er sogar noch in Halmen, und es besteht die Befürchtung, daß er unter der Einwirkung der naßkalten Witteiuiig auSwächst. Immerhin dürfte die Ernte in quantitativer Hinsicht noch ein besseres Resultat er- geben, als in qualitativer. Bisher ist unter den an den Markt ge- kommenen Sorten vollansgereifter, trockener, leicht mahlfähiger Roggen recht selten, selbst in wenig beschädigtem, nicht ganz trockenem Roggen ist das Angebot schwach; die größere Menge, die zum Ver- kauf gelangt, besteht in stumpfer oder sogenannter„klammer" Ware. Eine Teuerung ist deshalb nicht zu befürchten, denn nach den eingelaufenen Berichten ist in Rußland die Roggenernte besser aus- gefallen, als nach früheren Mitteilungen erwartet werden konnte. Im Wolgagebiet und in den östlichen Gegenden des Schwarzen Meeres bat der Winterrogen zwar ebenfalls bcträchtliib unter dem naßkalten Wetter gelitten; aber im Süden und Südwesten, teilweise auch im Centraigebiet, ist der Ertrag im ganzen ein weit bedeutenderer, als in den letzten Jahren. Dazu kommt, daß die Qualität eine bisher kaum erreichte sein soll. Ebenso hat auch die lltoggenernte in Ungarn einen guten Ertrag gebracht. Nach vorläufiger Äbschätznng dürfte er sich auf 13,60 Millionen Doppelcentner belaufen gegen 11,27 Doppel- ccntner im Vorjahr.e Noch bessere Resultate verspricht die Weizenernte. Deutschland kann auf eine gute Miltelcrnte rechnen; in Ungarn wird der Ertrag auf beinahe 45 Millionen Doppelcentner gegen 33,7 im vorigen Fahr geschätzt; in Rußland, wo der Sland der Weizenfelder nur in den südöstlichen Gegenden, in einigen Teilen der Centralgouverne- mcnts nnd in Polen als nicht befriedigend geschildert ivird, ist eben- falls eine beträchtlich über den Durchschnitt stehende Ernte zu erwarten, und auch in den Vereinigten Staaten hat der Winter- Weizen, der bis auf wenige Distrikte fast überall eingebracht ist, ein größeres Quantum ergeben, als noch vor wenigen Wochen herauskalknlicrt wurde. Nach amtlicher vorläufiger Schätzung stellt sich der Ertrag auf über 380 Millionen Bushel(1 Bushel— 35.24 Liter), rechnet man dazu das z» erwartende Ergebnis ans dem Frühjahrs- bezw. Sommerweizen mit ca. 300 Millionen Bushel, so ergiebt sich ein Gesamterlrag von rund 680 Millionen Bushel, nach der Schätzung des bekannten Sachverständigen Snow dürfte die dortige Weizen- Ernte sogar 715 Millionen Bushel erreichen. Die diesjährige Wcizeneriite wird also voraussichtlich hinter der vorjährigen, der günstigsten, die bisher die Union gehabt hat, nur um circa 10 Proz. zurückbleiben. In den letzten Tagen haben bereits die Verschiffungen nach den europäischen Häfen ihren Anfang genommen. Der Jahresbericht der Handelskammer zn Hagen für 1901, der soeben erschienen ist, stellt an der Hand der Arbeiter» statistik einen beträchtlichen Rückgang der für den größten Teil des Bezirks ausschlaggebenden Eisen- und Stahlindustrie fest. Während die Zahl der Betriebe sich gegen das Vorjahr fast gar nicht verändert hat, ist die Zahl der Arbeiter von 21 546 auf 19 909, um 1637 Köpfe oder 7.6 Proz. gefallen. Sie ist damit beinahe ans diejenige des Jahres 1898 zurückgegangen, und der Beschäftigungsgrad war sogar noch erheblich ungünstiger. In manchen Fabriken wurden nicht volle Schichten gearbeitet, in andren mußten Feierschichten eingelegt werden. Arbeiterciitlaffnngeii in größerem Umfange konnten zwar vermieden werden, dagegen griffen viele Fabriken zu Lohnherabsetzungen. Jnr Lage der ElektricitätS-Jndnstrie bietet der von der Züricher„Bank für elektrische Unternehmungen" soeben veröffentlichte Jahresbericht eine Reihe intcrcssaiiter Ausführungen. Da die Bank nichts weiter als eine von der Allgemeinen Elektricitäts-Gescllschaft abhängige Gründung ist, deren Zweck in der Aufgabe besteht, die von dieser Gesellschaft neuerrichteten Untcrnehinnngcn zur Verwendung elektrischer Energie zu finanzieren, so darf man annehmen, daß die im Bericht enthaltenen Darlegungen zugleich die Ansichten der All- gemeinen Eleltcicitäts-Gcsellschaft über die gegenwärtige Geschäfts- läge wiedergeben. In dem Bericht heißt es: Der Rückschlag auf dem Gebiete der Elektricitätsindnstrie hat im Berichlsjahre weitere Fortschritte gemacht, und cS ist noch nicht ab- zusehen, wann die rückläufige Bewegung einem Aufschlvunge weichen wird. Spccicll das Unternehinergeschäft, das für Institute wie das unsrige in erster Linie in Betracht fällt, hat an Umfang noch mehr eingebüßt. Zweifelsohne trägt daran die allgemeine Depression der wirtschaftlichen Lage in Europa, welche durch den nngcwissen Aus- gang der Berhandlnugen über den Abschluß neuer Zoll- und Handelsverträge noch' verstärkt wird, eine Hauptschuld. Daneben wirkt aber mit, daß die Anlagen auf dem Gebiete der elektrischen Ccntralstationen und Straßenbahnen, soweit es sich wenigstens um gerechtfertigte Projekte handelt, in den hierfür einstiveilen in Be- tracht fallenden Ländern zum gntcik Teil bereits ausgeführt sein dürften. Eine weitere Bcthätignng nach dieser Richtung wird sich also entweder auf entferntere, politisch und Wirtschaft- lich weniger entwickelte Länder erstrecken odör durch eine Verbilliginig der Anlagckosten nnd dcS Betriebes die Vorteile der elektrischen Beleuchtung und Traktion auch solchen Gemeinwesen zugänglich zn machen suchen müssen, die man für derartige Ein- richtnngen bisher nicht als genügend lohnende Objekte betrachten konnte. Und was die Ausdehnung elektrischer Einrichtungen im Bcleuchtimgs- nnd Traktionswesen auf wirtschaftlich minder entwickelte Gemein- Wesen anbetrifft, so scheint man auch da sck an jetzt oft bis an die äußerste Grenze des Berechtigten gegangen zu sein. So lange die ElektricitätS- nnd deren Hilfsgesellschaften über. Ivie es damals schien, unerschöpfliche Geldmittel' verfügten, wurden die ihnen sich bietenden Unteriichmungen häufig mit einem den thatsächlichen Ber- Hältnissen widersprechenden Optimismus eingeschätzt, nnd die an der Erteilung von Konzessionen interessierten Organe nahmen nicht selten zum eignen Nachteil keinen Anstand, Bewerber nur deshalb zu bevor- zugen,' weil sie glänzende Zugeständnisse machten und hohe Erträge in Aussicht stellten." Zur Verminderung des Wettbewerbes und Erhöhung des jetzigen Preisniveaus wird weiterhin die Zusammenschließnng der größeren Gesellsckiastcn zn einem Trust oder Kartell nnd die Stillsetzung einer Anzahl Werke empfohlen: das bekannte Rezept, durch das die Unter- nehmer. nachdem sie zuerst wild darauf losproduzierr nnd-gegründet haben, hinterher die ans der Ueberproduktion ciitstandenen Schäden von sich abzuwälzen suchen: „Vielleicht wird auch für u n s r e europäischen E l e k t r i- citätS-Gesellschaften ein engerer Zusammen- s ch I n ß nach amerikanischem Vorbild zur Not- w e n d i g k e i t, bei dem die weniger günstig produzierenden Anlagen einstweilen zum Still- stand verurteilt werden könnten, bis die Ver- Hältnisse sich wieder gebessert haben werden. Aber wenn auch verschiedene Gruppen ihre Interessen vereinigen, so. wird eine durchgreifende Besserung erst allmählich und in dem Maße eintreten, wie die heutigen Anwendungsarten der elektrischen Industrie auf neue Gebiete sich erweitern." Neue Anleihe. Wie ans Stockholm berichtet wird, hat ein Konsortium, bestehend aus Stockholms Privatbank, der Finnlandbaiik, der Vereinsbank von Finnland, der Privatbank in Kopenhagen, der Landniannsbank in Kopenhagen, der Norddenlschen Bank in Hain- bürg, M. M. Marburg in Hamburg, Gebr. Bethinann und Erlanger Söhne in Frankfurt am Main, eine vierprozentige vom Staate garantierte Obligationsanleihe im Betrage von 15 000 800 finnischen Mark mit dem Hhpothekcnverein Finnland abgeschlossen. GewevKftsxAfZlilsxes. 6. Vcrbaiidötag der Fabrik-, Land-, Hilfsarbeiter nud Arbeiterinnen Deutschlands. O ff c nb ach n.M., 15. August. Zunächst werden die Anträge erledigt, welche Unterstützinigen der Opfer der Maifeier verlangen. Brey ersucht die Sache so zu regeln, wie dies bei den Metallarbeitern geschehen ist, vorausgesetzt, daß die Arbeitsloscn-Untcrstütznng in der llrabstimmnng Annahme findet. Dadurch kämcn derartige llnterstütziingeii auf das Conto dieses Untersttttzuiigszweiges. Außerdem sei doch jedem anempfohlen, nur zu feiern, wo dies ohne große wirtschaftliche Schäden ge- schehcn könne. Die Gewerkschaften hätten keine Veranlassung, weiter zu gehen, als die Veranstalterin der Maifeier. die politische Partei, gehe. Die Debatte darüber bewegt sich fast durchgängig im selben Sinne. Der Beschluß des Verbandstages in dieser Sache geht dahin, daß infolge der Maifeier Gemaßrcgelte vom dritten Tage der Rkaßregelmig a» Arbeitslosen- Unterstützung erhalten sollen. Nunmehr kommt man zum Punkt 4: S t a t n t e n b e r a t u n g. Zu einer recht ausgiebigen Anseinandersetziing geben eine An- zahl Anträge Anlaß. die eine Erhöhung der Ä ei t r ä g e i n verschiedener Höhe verlnngen und zum Teil auch den Wegfall aller Exknsteaeril vczwecken. Die Abstnnnning über die Beitragserhöhungen haben folgendes Resullat: Zunächst wird beschlossen, daß bei Annahme der Arbeits- losen-Ilnterstützung den Zahlstellen 20 Proz. der Einnahmen ver- bleibe» i bei Ablehnung dieser Unterstützung tritt eine Erhöhung dieses Prozentsatzes auf 2ö ein. Weiler wird für diese» Fall noch der Eventualbeschlust gcfastt, den Beitrag für männliche Mitglieder von lS auf 20 Pf., und für weibliche Mitglieder von TVa auf 10 Pf. zu erhöhen, wobei die Streik- und Exlramarken in Wegfall kommen. Die Beitragserhöhung beginnt mit dem 1. April 1903. Z» Beginn der Nachmitiags-Sitznng wird festgestellt, dast unter Aufhebung eines gestrigen Beschlusses als beschlossen gilt, das; bei Einführung der Arbeitsloscn-Unlerslutzung der Beilrag für männliche Mitglieder 25 Pf. und für weibliche Mitglieder IS Pf. pro Woche beträgt unter Beibehallung der jetzigen Streik- und Extramarken. In der S l a t u t e» b e r a t u n g wird fortgefahren. Den Zahl stellen wird die Ermächtigung erteilt, untcr Znstimntung des Haupt. Vorstandes Extrasteuern einzuführen, jedoch unter Ausschlutz für Zwecke betr. Gründung von örtlichen Uiiterstützruigskassen. Bei Ver- weigernng dieser Extrabciträge kann Ausschluß erfolgen. Nach längerer Debatte wird beschlossen: Während iiachgewiesener Arbeitslosigkeit, sowie bei arbeilsuusähigen Kranken ruht die Beilragspflicht für drei Monate, in besonderen Fällen kann Beitragsbeireiung auf Antrag eines Mitgliedes durch den Vorstand für sechs Monate ge- währt werden. Invalide Mitglieder solle» einen Beilrag von 10 Pf. bezahlen und dafür den.Proletarier", Umzugsgeld. Sterbegeld und LtechtSfchutz erhalte». Die Gcmastrcgcltcn-Unterstiltziing soll 13 Woche» gewährt werden. Dem Vorstand ist freie Hand gelassen, bei Mitgliedern. welche eine besonders rege Berbaudsthätigkeit entsaltel haben und geniaßregclt werde». Ausnahmen zu mnchc». Die Bestimmung, daß der Kassierer 150 M. Kaution zu stellen hat, wird gestrichen. Die Dclcgicrtenwahl zu den Verbandstagc» soll in Zuknnft so erfolgen, daß Zahlstellen von 500 Mitgliedern einen Delegierten inählcn können. Orte, an denen mehr wie 500 Mitglieder sind, können nur auf je 800 iveilere Mitglieder einen Delegierten mehr wählen i kleinere Zahlstellen werden zu Wahlkreisen von 500 Mit gliedern vereinigt. Zum Streikreglement liegen verschiedene Anträge vor. die Strcikunterstütznng schon vom ersten Tage an zu zahlen, was von» Vorstand als unmöglich erklärt wird, da hierzu die finanziellen Mittel nicht ausreichen. Die Debatte über diesen Punkt ist eine recht lebhafte und endet damit, dah der Antrag aus Gewährung der Streikunterstützung vom ersten Tage ab mit 32 gegen 27 Stimmen abgelehnt, dagegen ein Autrag angenoinmen wird, die Streikunterstützung nach Ablauf der drei ersten Werktage zu zahlen._ Berlin imd Umgegend. Die Bauarbeiter haben in ihrer Lohnbewegung auch im Laufe dieser Woche einige Erfolge zn verzeichnen. Ander verschiedenen kleineren Unternehmern hat auch die Firma Weile auf zwei Baute» bewilligt, so dast ca. 80 Mann mehr lvie bisher zu den neuen Be- dtiigungen arbeiten. In der Fleischcrci- Maschinenfabrik von ANnrr, Heide- strastc legten am Donnerstag samlliche daselbst brschästigte» Metallarbeiter die Arbeit nieder. Der Fabrikant halte mehrere Arbeiter, die bei ihin wegen eingerissener Midstände vorstellig wurden, entlassen, weshalb sich die übrigen init ihnen solidarisch erklärten. Deutsches Nclch. Hamburger Droschkenkutscher- Streik. Die polizeiliche Droschkeuorduiuig, tvelche die Ursache des Streiks ist, bildete schon feit längerer Zeit den Gegenstand von Eingaben der Droschkenbesitzer und Kutscher an die Polizeibehörde, die letztere aber zeigt sich allen Wünschen und Vorstellungen der Interessenten gegenüber unzugänglich. Noch vor Ivenige» Tagen sagte der zuständige Polizeirat zu einer Kommission, die ihm die Wünsche der Kutscher vortrug:„Sie haben überhanpt nichts anznnehmen oder abzulehnen, sondern einfach das anSznführe», ivas wir verlangen." Dieses schroffe Verhalten erregte allgemeinen Uinvillen. Der Streik wird sowohl von den Droschken- besitzern wie von den Kutschern mit großer Einmütigkeit durchgeführt. Nur die unnuinerierten Droschken, welche Aerzte und sonstige feste Kunden befördern, sind im Betriebe, während die numerierten Droschken, etwa 1000. dem Verkehr entzogen sind. Dieser Umstand macht sich dem reisende» Publikum recht»n- angenehm füh'bar. So herrschte beispielsweise am Freitag früh eine große Verivirrnng am Hafen, besonders unter den Fremden', die mit dem Salondampfer„Cobra" nach Cuxhaven, Helgoland und Sylt abfahren wollten. Von den Hotels und Logierhäusern traf das Gepäck mit schottischen Karren an den St. Pauli-Landungsbrücken ein. Es gab dort oft ergötzliche Sccnen. Hier war das Gepäck von einem Hotel eingetroffen, aber es fehlten die Eigentümer, dort waren Passagiere angekommen, denen tvieder ihr Gepäck fehlte. Es ging alles lvirr durcheinander, und es gab ein Hin- und Hergefrage. Schließlich fuhr die„Cobra" ab und mußten viele Passagiere zurückbleiben, die wohl ei» Billet für die Fahrt gelöst, jedoch zu spät an dem Ponton erschienen waren. Manrerstrcik in Barme». Die Zahl der Streikenden ist bereits auf 400 gestiegen. Infolge der schroff ablehnenden Haltung der Unteriiehincr ist die Arbeit fast überall einmütig niedergelegt worden. In Vohwinkel bei Elberfeld haben die Maurer gleich« falls die Arbeit niedergelegt. Sie verlangen den in Elberfeld üblichen Stundenlohn von 46 Pf. Der Manrerstrcik in Köln nimmt bis jetzt einen günstigen Verlauf. 51 Unternehmer, die zusammen wenigstens 150 Bauten in Arbeit haben, bewilligte» die Forderungen. Von den Bauhilfs- und Erdarbeitern sind 600 im Ansstand. Eine Anzahl, die noch nicht genau festgestellt werden kann, arbeitet zu den geforderten Bedingungen. Die Aussichten der Streikenden werden als sehr günstig bezeichnet. Schuhmacher. In Weißenfcls dürfte es wahrscheinlich zu einem Ausstand komnien. In zwei dortigen Schuhfabriten bestehen Differenzen. Verhandlungen zur Beilegung derselben hatten keinen Erfolg. Bei der Firma Jschner haben sämtliche Handzwlcker gekündigt. Ausland. Der Fcldarbeiterftreik in Gakizie». In den Bezirken Zloczow, Przemyslam und Buczaez Ist der Streik vollkonnncii beigelegt.— Fast in sämtlichen vom Streik be- rührte» Gemeinden des Bezirkes Hustathn arbeitet die Ortsbevölkerung bereits, so daß der Ausstand auch hier als beendet be- trachtet werden kann.— Im Bezirke Kamionka schreitet die Bcffernng der Lage fort. In Zelechoiv ivielki und»mly wurde ein Ausgleich erzielt. In Wolica dcremlanska, Sokole und Dzicdzilow arbeiten fremde Bauern, ohne von den Streikenden gehindert zu werden. AnS Dzicdzilow wurde die Militärassistenz zurückgezogen. Wirtschaftliche Kämpfe in der Schweiz. Die Böttcher in Bevcy am Genfer See haben wegen Ablehnung der von ihnen auf- gestellten bescheidenen Lohnforderungen seitens der Meister die Arbeit eingestellt.— In St. Gallen stehen die Schmiede und Stellmacher in einer Lohnbewegung mit folgenden Forderungen: Zchnstimden- tag(heute wird noch 11 bis 13 Stunden gearbeitet), Lohufestsetziiiig 14 Tage nach dem Arbeitsantritt, achttägige gegenseitige Kündigung, Ve Stunde früher Feierabend an den Vorabenden von Sonn- und Festtagen, Lohnzuschlag von 25 Proz. für Ueberstunden und 50 Proz. für Nacht- und Sonntagsarbeit, Versicherung der Arbeiter gegen Unfall. Abschaffung des Kost- und Logiszwauges beim Meister. Da diese die Forderungen ablehnten, wurde die Regierung um ihre Ver- Mittelung angegangen.— Die Bahnarbeiter an der Linie Saigne- lsgier-Glovelier errangen eine Erhöhung des Stundenlohnes um 2 Centimes. Berliner Partei-Angelegenheiten. Krciökonscrcnz für de» RcichStagS-Wnhlkreiö Nicder-Barnim. Die Kreiskonferenz findet am Sonntag, den 24. August, nach- mittags 2 Uhr, im Lokale der Witwe Thomas, Reinickendorf- West, Eichbornstraße, statt. Die Tagesordnung lautet: 1. Die bevorstehenden Reichstagswahlen. Referent: A. S I a d t h a g e n. 2. Aufstellung eines Reichstagskandidaten. 3. Die Provmzialkonferenz für Brandenburg und die Wahl von Delegierlen hierzu. 4. Srellungnahme zum Parteitage und Wahl von Delegierten. 5. Lokalfrage. k7B. Die Genoffen werden ersucht, die jjij 6 und 7 zn beachten) die Delegierten müssen mit Mandaten versehen sein. I. A.; Der Kreisvertrauensmann. Georg Freiwaldt, Pankow, Florastr. 36. Teltow- BeeSkow- Storkow-Charlottenbnrg. Wir machen die Genoffen nochmals auf das heute tu Sieglitz, Etablissement Birkenwäldchen, stattfindende V o 1 l s s est aufmerksam. Rixdorf. Die Liste der stimmfähigen Bürger für die Stadt- verordnetenwahlen liegt vom 15.-30. August er. an den Wochen- lagen wäbrend der Geschäflsstunden von 8—3 Uhr und an den Sonntagen von 8—10 Uhr vormittags im Rathause. Erksiraße 29. 1 Treppe, Zimmer II(Wahlbureau), zur Einsichtnahme öficntlich aus. Einwendungen gegen die Richtigkeit der Liste können inner- halb der oben angegebenen Frist schriftlich oder zu Protokoll erhoben werden. Da in diesem Herbst die Ergänz un g S- wählen für die Stadtverordneten stattfinden, ist es jedes Parteigenossen Pflicht, die Wählerlisten nachzusehen. Diejenigen. welche nickt in der Lage sind, die Listen selbst nack- zusehen, wollen ihre Adresse in folgenden Zahlstellen abgeben und sich innerhalb der Frist nach dem Resultat erkundigen, fl. Kopple Karlsgartenstr. 1. Restaurant. 2. Retzeran, Hermannstr. 50, C>g.> Gesch. 3. Zibell, Reuterftr. 54a, Rest. 4. Balzer, Steiumetzstr. 126. 5. Hermann, Kirchhojstr. I, Cig.-Ges. 6. Preil, Nosenstr. 24, Rest. 7. Beetz, Knesebeckstr. 135, Rest. 8. Fabcr. Wißmannstr. 10, Rest. 9. Preßlei. Ziethenstr. 69. Rest. 10. Günlher, Kopfstr. 39, Cig.« Geich. 11. Schmidt. Mainzerstr. 6, Rest. 12. Schulz. Bergstr. 81, Rest. 13. Grunewald. Richardstr. 112, Rest. 14. Jähnke, Kottbuser Dainm 88, Cig.-Geich. 15. Heinrich, Schöniveiderstr. 15, Rest. 16. Fritz Hoppe, Bcrlinerstr. 14. Rest. Schöncbcrg. Dienstag, den 19. August, abends 8�2 Uhr, im Obstschen Lokale. Mciningerstr. 8: Versammlung des Wahlvercins. Siehe Inserat in heutiger Nummer. Wilmersdorf. Mittwochabend 3'/s Uhr findet im Louifenpark, Wilhelni-Aue 112, eine V o l k s v e r s a»i»> l u n g statt, in der Gc- uossiii Ida A l l in a» it über Ehe, freie Liebe und Socialdemokrnlie spreche» wird. Glcickfalls mache» wir den Parteigenossen auf die am Moniag stattfindende Flngblattverteiliiiig aufmerksam. FricdrichSscldc- KarlShorst- Mohlsdorf. Den Mitglieder» des Socialdemokratischen Wahlvereins zur Kcnnlnis, daß Dienstag, den 19. d. M., abends 8�/2 Uhr. bei Haberland. Wilhelmstraße 33, eine öffentliche Versammlung stattfindet. Die Tagesordnung ivird in der Versammlung bekannt gemacht. Das Erscheinen aller Mit- glicder mit ihren Frauen ist erwünscht. Für letztere ist die Bühne reserviert. Der Vorstand. Köpenick. Dienstag ist bei Stippckohl, Schönerlinderstraße 5, Versammlung des Wahlvereins. Johannisthal. Die Versammlung des Wahlvereins findet am Dicnstagabend 8'/S Uhr, in Raus Lokal, Parkstr. 12/13. statt In Zehlendorf findet am 19. Augnst, abends 8 Uhr. bei Giese. Teltowerstr. 23, eine Versammlung statt. in der Genosse Georg Bernhard über:„Die Börse und die Arbeiter" sprechen wird. Gvvichks-Ävitung. Der Kaffeubote Wagner. Eine schnelle Justiz ist gegen den Kassenbotc» Friedrich Wagner zur Anivendung gekommen, ivelcher vor kurzer Zeit die Aussehen erregende Veruntreuung zum Nachteile der Seehmidlung beging. Gest er» schon wurde Wagner der zweiten Ferien-Strafkammer des Landgerichts I ans der Üutersuchiiiigshaft vorgeführt, um sich lvcgcii der Strafthat zu veraiilwortcn. Der An« zektagte erschien im eleganten Gejellschaftsanzug. Er machte folgende Angaben. Er sei 35 Jahre alt. Nachdem er als Unteroffizier bei den Dragonern abgegangen und dann Schutzmann geworden, ivobei ihm eine früher erlittene Gefängnisstrafe von drei Tagen nicht hinderlich gewesen sei. An, 15. Juni 1901 habe er eine Stellung als Nachtwächter bei der See- Handlung erhalten, die er bis zum 10. April d. I. inne hatte. Dann habe man ihn zum(Kaffenboten gemacht. Er bezog ein Gehalt von 1500 Mark und WohunngSgeld-Entschädigiiiig. Schon von seiner Militärzeit habe her er mit Schulden zu kämpfen ge« habt und seine Verpflichtungen seien ihm vollends über den Kopf gewachsen, als er angefangen habe, sich dem Rennsport zu ergebe» in der Hoffnung, seiiie Verhältnisse dadurch zu besser». Er habe nicht selbst die Rennplätze besucht, sondern andere beauftragt, für ihn Wetten einzugehen. Einem Schankivirt L. sei er dadurch nach und»ach 115 Mark schuldig geworden. Dieser habe ihn besonders gedrängt und wiederholt gedroht, daß er zur Seehandlung gehen würde, um auf sein Gehalt Beschlag zu legen. Am Morgen des 22. Juli erhielt der Angeklagte von seinem Vor- gesetzten Wertpapiere zum Gesamtbetrage von 78 000 M. mit dem Änftrage, dieselben bei verschiedenen Banken gegen bares Geld um- zusetzeii. Er hatte diese Aufgabe soweit erfüllt,� daß er 55 530 M. in bar in seiner Tasche hatte. Da habe er die Straße passieren müssen. in welcher sein Gläubiger wohnte. und ihm sei plötzlich die unglückliche Idee gelommen, denselben zu besuchen und ibn von deni einkassierten Geld zu befriedigen. Er habe dies zur Ausführung gebracht nnd dabei im Lokale mehrere Cognacs und Gläser Bier getrunken, um sein Gewissen zu betäube». Er habe gewußt, daß er seine Stellung anfs Spiel gesetzt hatte. Nun sei er von einem förmlichen Tanniel ergriffen ivorden, und er habe kaum gewußt. Ivas er that, als er nach der Post in der Oranienburgerstratze gegangen sei und dort je 1600 M. an seine Frau und a» seine beiden Schwäger, deren Schuldner er ebenfalls war, abgeschickt habe. Dann ci er von Lokal zu Lokal gegangen. Gegen 2 Uhr nachmittags habe er einem Dieustmann seine vcrjchlosieue Tasche, welche noch etiva 22 000 M. Wertpapiere enthielt, mit der Weisung, dieselbe nach der Seehaudluug zu bringen, aber erst nach 3 Uhr abzugeben, wenn die Bureaus bereits geschlossen seien. Er sei daim niit etiva 52 000 M. in Papiergeld in der Tasche, mit der elektrischen Bah» nach Tegel und von dort per Dampfer nach Tegelort gefahren. Vor längerer Zeit habe er in den Zeitungen gelesen, daß ein Dcfraudant Papiergeld in Selterwasserflascheii verpackl, ini Gninewald vergraben hatte. DieS habe er nachahmen wollen. Er habe aus einem Lokale eine solche Flasche mitgenommen, sie im nahe gelegenen Walde geleert, mit Tansendmarlscheinen vollgepfropft nnd dann in der Erde verscharrt. Am Abende sei er wieder in Berlin gewesen nnd habe in einem Gasthofe am Stettiner Bahnhof über- »achtet. Am folgenden Tage wieder ein ruheloses Umherirren, bis er dann am Borniittag dcö 24. Juli seinen von Anfang au gehegten Plan, sich selbst der Staatsanivaltschaft zu stellen ausgeführt habe. Wie er dazu gelommen sei. bei seiner ersten Vernehmung die falsche Angabe zu machen, das Geld sei ihm in der Nacht vorher i» der Jimgseriiheide von einem Franenziminer gestohlen Ivorden, wisse er nicht, er müsse wohl nicht zurechnungsfähig gewesen sein. Er habe schon, als er noch Tegel fuhr, die Absicht gehabt, das Geld der Seehandlung ooieder ziizustellen. aber angenommen, dies werde ihm eher geglaubt, wenn er das Versteck selbst oerrate. Bekanntlich ist das Geld dori gefunden worden und die See- Handlung mit einem Schaden vonsuu: 2517 M. davongekommen. Der Staatsanwalt nahm an. daß der Angellagle das Geld versteckt halte, um nach seiner Bestrafung davon zu leben. Er beanlragle eine Gelang nis st rase von vier Jahren und Sjährigen Ehr» Verlust. De: Verteidiger. Relerendar Winke als Vertreter des Rechls- anwalts Dr. Schwmdi. plädierte für eine niedrigere Sirafe. Das Urteil lauteie aus 3 Jahre Gefängnis. Vevsammluttgen. Ccntralverblnid der Handels-, Transport- und Verkehrs- arbeiter. Die Verivallungsstelle I hielt am 13. d. M. ihre ordeniliche Generalversammlung für das II. Quartal ab. Der Kassen- berichl ergab inklusive des Bestandes vom l. April 5139,95 M.. eine Einnahme von 22 739.24 M. Die Ausgabe betrug 17 724.55 M. Für Krankeminterstütziing und Bcerdigmigsl-eihilfe iviirden allein in dem Onarlal verausgabt 3294.35 M.. für örtliche Arbeitslosen-Exlra- Unterstützung 504.45 M. Die Agitation gestaltete sich recht rege, im letzten Quartal wurden allein 831 neue Mitglieder anfgeiionimen, hierzu kommen noch von den übergetretene» Mineralwaffcrarbeiter- Verein und dem Verein der Leitergerüstbauer 160 Kollegen, so daß die Zunahme der Milglieder 991 betrug. Nach kurzer Diskussion zu dem Bericht»nd nachdem der Kassierer entlastet ivard, wurde der Arbeitsnachweis-Bericht gegeben. Nach demsellic» Ivarcn 331 Stellen- lose zu verzeichnen. Verlangt wurden 505, und zwar für fest 375, zur Aushilfe 130. In Stellung gingen 250. hiervon ivarcn 140 feste und 110 Aushilfestellen. 255 Siellen konnten nicht besetzt ivcrdcn, iveil bei den meisten hiervon der Lohn ein zn niedriger ivar, auch teiliveise die gewilttschlcn Kräfte nicht vorhanden waren. Der Lohn betrug bei den besetzten Stellen in Deutschland für Hansdiciier 20,12 M.'pro Woche, für Kutscher 22,65 M.. für Arbeiter 22,44 M., für Miiieralivaffer-Arliciter 20,80 311, Nixdorf. Der socialdemokratischc Wahlverciu hielt am 13. d. M. bei Klemke, Bergstr. 137, seine regelmäßige MitgNederversammliuig ab. Dr. Bruno Borchardt referierte über„Arbeitslosen-Vcrsicheriiug durch das Reich oder die Gewerkschaften". Auf den Vortrag folgte eine lebhafte Diskussion. Hierauf gab Böske de» Bericht von der KiciS-Gencralversammluiig. lieber diesen Punkt fand eine Diskussion nicht statt.— Neu aufgenommen wurden 62 Mit- glieder. Die Aufnahme eines Mitgliedes wurde beanstandet. Die Genossen, welche nicht Preußen sind, werden ersticht, ihre Aufnahme in den preußische» Staatsverbaiid baldmöglichst nachziisiichen. Formulare hierzu sind beim Kassierer Sticler, Prinz Handjcrystr. 4. zn haben. Im Schmargcndorfcr Wahlverei» erstattete Seeg er Bericht von der Geiieralversannnlung, der allgemeine Zustimmung fand. Beschlossen iuurde, die„Neue Zeit" für die Bibliothek zu abonnieren. Die Leihzeit der Bibliotheksbücher wurde auf drei Monate verlängert und ein Antrag, die Bibliothek zu vervollständigen, dem Vorstand überwiesen. Die Bezirksführer ivurdcn im Hinblick ans die bevorstchcnden Reichstags-»nd Landtagswablen z» eifrigerer Thätigkeit aufgefordert. Am 26. August findet eine öffentliche Volks- Versammlung statt, in der Genosse Z n b e i l referiert. Wilhelmsruh. Eine öffentliche Versammlung fand ain Donnerstagabend hier stalt. In derselben erstattete der Gemeinde- Vertreter Kreuz Bericht Über seine Thätigkeit. Danach ivnrde die von ihm beantragte Griindivertsteuer abgelehnt: dasselbe Schicksal hatten seine Anträge ans Aufbesserung der Gehälter des Gcmeiude- dieuers und der Nachtwächter(bisher 360 M. jährlich!).— Redner führt bittere Klage über de» Gemeindevorsteher, der erst die Wahl von Kommissionen herbeiführt und dann deren Beschlüsse, wenn sie ihm nicht gefallen, einfach annulliert, und erwähnt, daß ein Grundbesitzer erst eiucn großen Spielplatz geschenkt, denselben aber kurz vor der Auflsssung gegen eine Enlschädiguug von 500 M. wieder zurückgenoinmen und für fast 7000 M. verkauft hat. Redner schloß mit der Aiisforderiing, bei der nächsten Gemeindeivahl Männer zu wählen, die für die Abstellung der jetzigen Mißstände energisch eiiitrcten. In der Diskussion»nd unter Per- schiedeiieni kamen noch mehrere Mißstände zur Sprache. Uetzte Ltachvichken und Depeschen. Hamburg, 16. Augnst.sos- An Hit MnkcnWn-Mitgliehtr Berlins und der Bororte. Wir weisen nochmals die Krankenkasseu-Mitstlieder dnranf hin, dak die Prinzcn-Apothekc, N., Prinzcn-Allcc KS(Pöscnhngc»), und die Luisen-Zlpothckc, Ii., Rügenerstr. 21(Brandes) den Krankenkassen eine» N e z e p t u r- R a b a t t von 20 Pro z. ge- währen und deshalb im Bedarfsfalle thnnlichst zu bevorzugen sind. Ferner veröffentlichen wir nachstehend die erweiterte Liste der Rezept- Sammelstellen. Berlin Ii. E. Fischer, Lothringerstr. 26. W. Kapell, Brunnen-- strage 118. R. Nichter, Reinickendorferstr. 61. R. Saysfarth, Schön- honser Allee 41a. H. Schulz, Müllerstr. 166a. L. P. Wannske, Wörtherstr. 12. Wenk, Chausseestr. 7. A. Wohlgemuth, Acker- straffe 6g. Berlin V. M. Eckert, Culmstr. 1. E. Marx, Potsdamerstraffe 83a. Berlin UV. H. Bardorf. Gotzkowskystrnffe 30. H. Bischoff. Beussclstr. 31. F. Kühne, Alt-Moabit 46. Pankow. Buchman», Miihlenstr. 17. Nosemann, Brehme- straffe 6ö. Charlottcnburg. Kassenlokal der Orts-Krankenkosse Charlotten- bürg, Nosinenstr. 3. P. Habermann. Pestalozzistr. 28. H. Munter, Danckelmannstr. 2. Renmann Söhne, Berlinerstr. 103. A. Höritjch, Berlinerstr. 56. Schöucberg. Kassenlokal der Orts-Krankenkasse Schöneberg, Hauptslr. 8. H. Hohe. Sedanstr. 82. O. Richter. Gleditschstr. 52.' Friedenau. Lorenz, Uhnnacher, Rheinstr. 55. Alle nicht eiligen Rezepte sollten diesen Sainmelstellcn über- wiesen werden. Die Kassenmitglieder erhalten dann ohne Ver- auslagung des Betrages die Arznei frei ins Haus geliefert: es bleiben ihnen also so die Abholung der Arznei und die vorläufige Vcrauslagnng des Betrages erspart. Zugleich aber erwächst der Kasse— und dannt doch auch den Kassenmitgliede'rn— ein Vorteil, da auch auf die dort abgegebenen Rezepte ei» Rabatt von 20 P r o z. gewährt wird. Die Apotheken von Vösenhagen und Brandes, Ivelche bisher allein den berechtigten Forderungen der Krankenkassen entgegen- gekommen sind, verdienen die Unterstühung der Krankenkassen- Mitglieder auch insoweit, als sie auch bei Deckung des F a in il i e» b e d a rfs thunlichst zu berücksichtigen find. Auch hierfür können die Sammelstellen benutzt iverden.' Centralkommission der Krankenkasse» Berlins und der Bororte. UokKles. Das Elend der Gipsfignrenhändler. Die Sklaverei, der die armen Ausländer preisgegeben sind, welche hier mit GipSfignren handeln, wurde gestern in einer Ver- haitdlung vor deni Gewcrbegericht beleuchtet. Gegen den GipSfiguren- fabrikanten Fra nci, Lothringerstr. 34, einen Italiener, klagte» drei junge Galizicr Namens Haber und Franz und Stanislaus Reichert auf Zahlung rückständige» Lohnes und Herausgabe ihrer geringen Habseligkeiten. In dieser Sache>var bereits dreimal Termin an- gesetzt worden, doch konnte bisher nie in die Verhandlung eingetreten werde», weil eine vom Beklagten angegebene Zeugin von der Post nicht zu ermilteln war. Auch diesmal wurde der Termin aus dem- selben Grunde auf den 2l. August vertagt. Das Gericht neigte zwar der Meinung zu, daff die Zeugin überhaupt nicht existiert, sondern vom Beklagten nur darum iinnicr Ivicder angegeben ist, u m d i e S a ch e bis zurAbreise der junge» Ausländer zu verschl eppcn. Doch uni die Rechte des Beklaglen in keiner Weise anzutasten, soll noch einmal der Versuch gemacht werden, der Zeugin habhaft zu werden: gelingt es nicht, so verliert dieses Beweismittel seine Gültigkeit. Aus der Verhandlung selbst ging folgendes hervor: Der„Figurri"-Franci holt sich von Zeit zu Zeit jugendliche Leute aus Galizien oder aus sonst einer rückständigen Gegend her, weil er in Berlin keine Arbeiter bekommen kann; die wenigen Berliner, die es bei ihm versuchten, sind ihm schon in den ersten Tagen wieder entlaufen. Damit die Ausländer es nicht etwa ebenso machen, schließt er schon in deren Heiniat einen Kontrakt mit ihnen ab. An dies Ding halten sich die Leute dann ans Furcht gebunden, obwohl ein im Auslande geschlossener Arbeitsvertrag in Deutschland überhaupt keine Gülligkcit hat. Nach dem Kontrakt haben sich die Leute auf die Dauer von zwei Jahren bei ihm verpflichtet, sie geloben Fleiff und Gehorsam und erhalten dafür Kost und monatlich 10 Mark Lohn(I) Wenn sie als Hausierer verwandt werden, so sollen sie noch eine kleine Provision bekommen, d. h. falls sie für mindestens 40 M. Figuren in der Woche verkaufen. Von dem kärglichen Ver- dienst ivird ihnen noch nach und nach eincKantion von 20 M. einbehalten. So sehr der edle Italiener nun auch auf die Erfüllung der von den Arbeitern übernomnicnen Verpflichtungen achtet, so wenig kümmert er sich um seine eigenen Zusage». Die Leute müssen bei ihm hungern, daff ihnen die Schwarte knackt. Das Essen besteht zur Hauptsache aus armseligen Wassersuppen ni i t einigen M a c c a r o n i d a r i n n n d t r o ck e n c ni B r o t. N u r s e l t e n g i e b t es einen Bissen Fleisch. Betten e x i st i e r e n nicht, vielmehr schlafen die Leute auf dünnen, klumpigen S t r o h s ä ck e n in einem st i n k i g e n Stalle.' Bei der elenden Bezahlung sind sie natürlich kaum in der Lage, sich die nötige Kleidung, geschweige dann noch Effiunren zu kaulen. Dabei bezahlt Franci keinerlei gesetzliche Beiträge für seine Arbeiter. Sie sind in keiner Krankenkasse, haben keine Invaliden- karte, ja sie sind nicht einmal polizeilich angemeldet. Mit gröffler Mühe brachte der Vorsitzende ans den Leuten die Einzelhcilen ihrer Klage heraus. Danach sind sie vom 20. Februar bis zum 26. Juli bei dem Beklagte» gewesen und sind dann fort- gelaufen, Iveil er den Brüdern Reichert 7 und 10 M. einbehalten haben soll, was er jedoch bestreitet. Gerade die vorerivähnte Zeugin soll betundeii, daß er ihnen ihren Lohn bereits bezahlt hat. Der Haber ist ebenfalls ausgerückt, weil ihm sein Arbeitgeber z w e i Tagelang nichts z u e s s e n gegeben h a t t e, als er zu wenig Figuren verkauft hatte. In einem der letzten Termine ist der Beklagte bereits angewiesen worden, den von allen Subsistenzmitteln eutblöfften armen Teufeln sofort je 2 Mark 5V Pfennig aus- zuzahlen. damit sie wenigstens einige Notgroschen in der Hand hatten: im übrigen haben sich die Hausbewohner ihrer ein wenig angenommen, haben sie durchgefüttert und ihnen auch Schlafdecken gegeben, wenn sie sich des'Nachts in einen leeren Winkel des Stalles verkrochen. Wie sie sich bis zum 21. August, dem Tage des neuen Termins durchschlagen wollen, wissen sie nicht. Dieser skandalöse Fall wird die Behörden hoffentlich veranlassen, sich die Züslände bei ähnlichen Unternehmern einmal genauer anzusehen. Die neue» Vorschriften für den Geschäftsbetrieb der Trödler und Kleinhändler mit Garnabfälle», welche der Handels- minister jüngst erlassen, Iverden jetzt amtlich publiziert. Danach sind künftig alle Ein- und Berkaufsgeschäfte.unmittelbar nach Äbschlnff des Geschäfts mit Tinte in deutscher Sprache und in deutschen oder lateinischen Schristzeichen v o l l st ä n d i g ein- zutragen". Den Polizeibehörden wird ferner die Befugnis ge- geben, anzuordnen, daff„ z>v e i Geschäftsbücher gleichzeitig qesührt werden, von denen das eine für Eintragungen an den geraden, das andre für Eintragungen an den ungeraden Tagen des Monats bestimmt ist" und ferner, daff im Geschäflsbuche Unter- a b t e i l u u g e n eingerichtet werden, welche den Gegenstand, die desonderen Kennzeichen und etwaige Buchstaben und Zahlen derselben deutlich angeben. In Ausführung der letzteren Vorschrift bat die königl. Regierung bestinmit, daff namentlich die in Wäsche, Bücher» w. befindlichen Buchstaben sMonogramme, Nainenszügef, sowie die in Uhren u. a. Wcrtgegenständen angebrachten Zahle n (Fabriknummern zc.) eingetragen werden müssen. Durch eine englische Schwindlcrgcscllschaft sind zahlreiche Sammler von Ansichtspostkarten hineingelegt worden. Ende vorigen Monats erschien in hiesigen und auswärtigen Zeitungen ein Inserat, in welchen! eine Continental Publishing Company, London an- läfflich der Krönungsfeier am 9. Anglist Ansichtspostkarten anbot. Die Ansichtskarten sollten den Auftraggebern frankiert und adressiert mit einem Gruff von der Krönnngsfeier am 9. August übersandt werden. Aufträgen waren die Kosten für die Karten in Briefmarken beizufügen und, da der Preis für eine Karte nur 25 Pf., für eine ganze Serie von 15 Stück 3 Mark betrug, so lieffe» sich eine groffe Anzahl hiesiger Sammler zur Einsendung des Geldes verleiten. Die Continental Company hat es jedoch vorgezogen, die Aufträge nicht zu erfüllen und ihr wahrscheinlich nur zum Empfang der Gelder eingerichtetes Bureau sofort nach dem Krönungstage' zu räumen. Wenigstens kommen dahin gerichtete Beschwerdckarten als unbestellbar zurück. Telephon»nd Ringdallcs. Eine anitliche Hindcutung auf das nahende Ende des M i l ch k r i e g e s bringt der soeben er- schienene Nachtrag zu dem F e r n s p r e ch e r- V e r z e i ch n i s, das in der Rubrik„zu streichen mit sämtlichen Angaben" die Centrale für Milchverivertung anführt. Von den 36 Anschlüssen, welche die Centrale in Berlin unterhielt, sind nicht weniger als 30 gestrichen worden, und ebenso sind von den Anschlüssen Charlottcnburg, Rix- dorf und Schöneberg nur je eine Teilnehmerstelle in Charlotten- bnrg und Rixdorf erhalten geblieben.— Der Nachtrag enthält diesmal noch eine ungewöhnlich groffe Anzahl von Aenderungen. Die Liste der zu ergänzenden Berliner Teilnehmer nmfafft nicht weniger als 29 Seiten, während die zu streichenden Anschlüsse auf 9 Seite» aufgeführt sind. Sehr zahlreich sind auch die vorzunehmenden Aenderungen, deren Lifte nicht weniger als 20 Seiten umfaßt. Nene öffentliche Fernsprcchstcllen sind geschaffen worder» auf den Postämtern in Plötzensee, Gr.-Lichterfelde sKndetten- anstalt) und der Postagentnr in Reinickeiidorf-Schöiiholz. AnS dem Fernverkehr sind ausgeschlossen worden die Ortschasten Gramm (Schleswig), Nieder-Aastrup, Schcrrcbek und Zechliner Hütte. Da im Monat Oktober eine Neuausgabe des Teilnchiner-Verzeichnisses staltfinden soll, sind Anträge auf Aendcrnngen zc. bis spätestens 11. Oktober schriftlich an die kaiserliche Obcr-Postdirektion C2 zu richten. Znm Schutze für die Kellnerinnen hat das Polizeipräsidium eine neue Verfügung getroffen. Hiernach ninff jeder Kellnerin in der Woche eine 24ftiindige niiniiterbrochene Ruhepause, ferner eine zweite 6stiindige Ruhcparise gewährt werden. Die 6stüiidigc Pause muff innerhalb der Zeit von 8 Uhr früh bis 11 Uhr abends bewilligt iverden. Da die Kellnerinnen in Rücksicht auf den ihnen durch diese Beslimniungen entgehenden Verdienst sich vielfach weigern sollen, freie Tage anzunehmen, sind die Gastwirte bei Strafandrohung an- gewiesen, für die Durchführung der neuen Vcstiinniung Sorge zu tragen und in einem Buche die Tage der bewilligten Ruhepausen zu notieren. Diese Bücher sind revidierenden Polizeibcamten auf Verlangen vorzulegen. Gegen eine Erschwerung der Müllabfuhr hat die Wirt- schaftsgenossenschaft Berliner Grundbesitzer, die aus mehr als 8200 Häusern das Müll abfahren läßt, beim Polizeipräsidium Beschwerde erhoben. Verschiedenen Hausbesitzern ist nämlich von der Polizeibehörde aufgegeben worden, auf ihren Höfen ge- nügend groffe Müllbehälter je für Abfälle und für Asche auf zustellen, wie dies im K 37 der Vaupolizei-Ordninig vorgeschrieben ist. Bisher sind die Müllbehälter bekanntlich für Abfälle n n d Asche benutzt worden, was allerwärts von der Polizei stillschweigend ge- duldet worden ist. Die Petenten weisen mit Recht auf die Unbillige keit und Ilndiirchsührbarkeit der Neuerung hin; denn die Hausbesitzer können ihre Mieter nicht zwingen, Abfälle und Asche in besonderen Eimern zu sammeln und gesondert in die dafür bestimmten Müll- behälter zu schütten. Eine neue Berliner Doktorin ist soeben bei der Philosoph!- scheu Fakultät promoviert worden, Jane B. Sherzer ans Franklin im Staate Ohio. Die„virgo clarissiuia et doctissirna"(angesehene und gelehrte Jnngfrau), wie es etwas volltönend ans dem Diplom heißt, hat sich in Berlin sechs Semester dem Studinm der englische» Philologie getvidmet und eine Arbeit über„Dlie ile of ladies" geschrieben, eine mittelalterliche Dichtung, deren Text die Dame dein- nächst gesondert herausgeben will. Das Gedicht enthält zwei phantasiereiche Träume und hat nach Annahme von Professor Brandl Beziehungen zur Vermählung Heinrichs V. mit Katharina von Frank reich. Frl. Dr. Sherzer erwarb schon 1893 den Titel„Baciielor of Philosophy" von der llniversität Michigan, der sie im ganzen fünf Jahre angehörte. Bisher haben in Berlin Damen nur bei der philosophischen Fakultät den Doktorgrad erworben, im ganzen vier, »nd darunter drei Amerikanerinnen. Zum Mord in der Jungfcrnheide ist es von Wichtigkeit, daff sich ein Radfahrer meldet, der am 12. d. Mts., nachmittags zwischen 4 und 5 Uhr am Spandauer Schiffahrtskanal ein etwa 12 jähriges ansprach und ihm drohte, daff er beim Schulrektor Anzeige er- statten würde. Der Radfahrer hatte beochachtet, wie das Mädchen beim Sammeln von Holz von einem Mann in unerlaubter Weise berührt wurde, ohne ernstlichen Widerstand zu leisten. Der Radfahrer hat sich die Adresse des Kindes aufgeschrieben. Eine Beschreibung des Mannes ist nicht vorhanden. Das Kind bestritt die Berührung und gab an, auf den von Haselhorst mit Gras heimkehrenden Vater warten zu wollen.— Ein zweites Mädchen Anna Sommer wurde nicht lange vor dem Mord am Johanniskirchhof, wo es ein Grab begossen hatte, von einem Mann aufgefordert, ihm ein Grab mit ihrer Raune zu begießen. Das anfangs willfährige Kind sollte aber erst mit in die Taunenschoniing kommen, wo noch Blumentöpfe vor- Händen seien. Darauf entfloh es, wurde aber noch bis in die Nähe der über den Kanal führenden Brücke verfolgt.� Seitdem hat das Mädchen den Mann nicht mehr gesehen. Diese Sache ivar gleich anfangs bekannt, die Nachforschungen nach dem Mann blieben aber erfolglos. Der Mann trug einen nach oben gedrehten Schnurrbart, eine helle, nicht mehr ganz saubere Reisemütze, einen dunklen Rock und helle Beinkleider. Er war mittelgroß. Eine llhrkctte trug er nicht. Daff ini Publikum bezüglich des Thaters allerhand Vermntungen auftauchen, ist einleuchtend. Eine wunderliche Geschichte wird uns ans der Kommandantenstraffe gemeldet. Dort verkehrte im Lokal von R. ein stellungsloser Kaufmann Schmidt ans der Marknsstraffe. Dieser Tage hieß es von ihm. daß er in der Jungfernheide neben andern Personen aufgegrissen und verhaftet worden sei. Am Freitag- abend ließ Schmidt sich wieder in der Restauration sehen und er- zählte den ihm bekannten Gästen, er sei des Mordes verdächtig in der Heide von Gendarmen aufgegriffen und nach der Revierwnche in der Lindeiistrnße gebracht worden, Ivo man ihn einige Tage festgehalten habe. Klang diese Mitteilung schon den Gästen merkwürdig, so noch niehr die weitere Erzählung, daff man ihn. den Kaufmann, mit einem Arbeiter Schmidt verwechselt habe. Als der Mann auf die Unwahrscheiulichkeiten in seiner Erzählung aufmerksam gemacht wurde, lief er, nach Erzählung der Gäste, ver- stört davon und hat sich seitdem nicht wieder blicken lassen. Eine Nachfrage in der Revicrwache ergab, daff dort kein Kaufmann Schmidt in Haft gewesen ist. Auf der Wache gaben die Beamten von diesen Wahrnehmungen dem Polizeipräsidinm Kenntnis. Tie Beerdigung der ermordeten Elisabeth Baake findet heute(Soimtagnachiinttag) um 4 Uhr auf dem Johaimiskirchhof nahe an der Mordstätte vom Plötzenseer Anstaltsfriedhof aus statt. Die Einsargung der kleinen Leiche wurde bereits am Sonnahendmittag vorgenoinnien.— Der kriininalistische Stand der Angelegenheit hat sich kaum verändert. Am Sonnabcndiinchmittag wurden verschiedene Frauen und Kinder Männern i» Plötzensee gegenübergestellt, um die Persönlichkeit zu ermitteln, die sich in der letzten Zeit in jener Gegend an kleine Mädchen herangedrängt hatte. Zu ihnen gehörte auch ein Kolporteur aus Charlottenburg, der sich auffällig benommen hatte. In keinem aber konnte der gesuchte Mensch erkannt werden. Ucbrigeus haben, wie berichtet wird, Vernehmungen der Kriminalpolizei neue Anhaltspunkte für Maffnahmen während der Nacht zum heutigen Sonntag ergeben. Das Schicksal der Schönholzer Haide. Infolge der Proteste, Ivelche in großer Zahl von den beteiligten Vororten gegen die Ab- Holzung des Schönholzer Forstes an den Landwirtschaftsminister v. Podbielski gerichtet worden sind, beabsichtigt, einer uns zu- gehenden Mitteilung zufolge, die Forstverwaltung jetzt, mit den in Frage kommenden Vorortsgenieinden in Verhandlungen einzutreten, uni ihnen ein etwa 30 Morgen umfassendes Grundstück, etwa ein Fünftel der Haide, unentgeltlich zur Verfügung zu stellen, sofern die Gemeinden die Unterhaltiingspflicht des betreffenden Haidelandes zu übernehmen bereit sind. In den Vororten, mit Ausnahme von Pankow, hält man dieS Angebot für durchaus ungenügend. Ter Zunftzopf. Der Polizeipräsident hat das Ersuchen der Berliner Malerinnung, bei Ausstellung von Jnvalidenkarten nur dann deren Inhaber als„Gesellen" oder„Gehilfen" zu bezeichnen, wenn er die Gesellenprüfung abgelegt hat, abschlägig beschieden. Die Ablehnung ist insofern von Bedeutung, als anderwärts Junmigen und Haiidlverkskammer» mit gleichen Anträgen Erfolg hatten. Zur Kontrolle der Haltekindcr. Der Polizeipräsident macht bekannt: In Berlin bedurften bisher der sogenannten„Haltekinder- Erlaubnis" nur diejenigen Personen, die noch nicht vier Jahre alte Kinder gegen einmalige Abfindung oder dauernde Teilzahlring in Pflege nehmen wollten'. Durch die Polizeivcrordiinng vom 13. August 1902 ist diese Vorschrift dahin erweitert, daff die polizeiliche Erlaubnis, die übrigens mündlich oder schriftlich bei dem Wohiinngsrevier des Antragstellers nachzusuchen ist und mit dem Wechsel der Wohnung erlischt, von nun an immer erforderlich ist. wenn es sich um Kinder bis zum vollendeten sechsten Lebensjahre handelt. Auch die Polizei- liche Aufsicht über die Haltekinder, die gegenwärtig namentlich durch die polizeilichen Artssichtsdanien ausgeübt wird, ist durch diese Verordnung auf die Haltekindcr bis znm vollendeten sechsten Lebens- jähre, also bis zum Beginne der Schulpflicht ausgedehnt worden. Diejenigen Haltefrauen, welche zur Zeit die Erlaubnis zur Aufnahme von Haltekindcrn besitzen, können ans Grund dieser Erlaubnis auch Kinder zwischen dem vierten und dem sechsten Lebensjahre gegen Entgelt in Pflege haben oder nehmen. Wer gegenwärtig ohne diese Erlaubnis Kinder Über vier und unter sechs Jahre gegen einmalige Abfiiidnng oder dauernde Zahlung von Kostgeld in Pflege hat, soll nicht gehalten sein, für das zur Zeit in Pflege befindliche Kind mih die jetzige Wohninig die nach der erwähnten Polizciverordnnng er- forderliche polizeiliche Erlaubnis nachzusuchen. In beiden vor- genannten Fällen sind aber die betreffenden Kinder bis znm 1. September d. F. dem zuständigen Wohnrevicr namhaft zu machen. Die Erlau bniScrteilnng erfolgt nach wie vor stcmpel- und kostenfrei. Ein Ban-Unfall ereignete sich am Freitag ans dem Bechstein- scheu Grundstück in der Johannisstraffe 6—7. Man schreibt uns von gewerkschaftlicher Seite darüber: Dort Ivird die Hoffassade von einem Leitergerüst ans repariert. Diese Arbeiten werden von der Firma W ü r g a l l». Martin ausgesührt. Der Maurer H. R a a b e, Kottbuser Dannn wohnhaft, Ivar in einer Höhe von über nenn Metern damit beschäftigt, einen Mörtelkasten, der ihm von seinem Kollegen von oben zugereicht wurde, abzunehmen, als er ausglitt und auf den Hof fiel. Glücklicherweise lag gerade an dieser stelle ein Haufe» Erde und Schutt, sonst wäre der Verunglückte wohl kaum mit dem Leben davongekommen. Die Ursache des Unglücks wird dem Umstand beigemessen, daß das etwa zehn Zoll breite Brett, auf welchem Raabe stand, nach oben bninnkantig, also nach anffen abschüssig war, so daff der Maurer sich nichr schnell genug an der etwa 1 Meter höher angebrachten Brüstnngslntte fest- haften konnte. Wir meinen, wenn es schon an und für sich recht gefährlich ist, auf solch schmaler Rüstung größere Arbeiten auszu- führen, so sollte man doch mindestens darauf achten, daff die Unfall- gefahr nicht noch dadurch erhöht wird, daff solche schlechten Bretter benutzt werden. Auch dieser Fall zeigt wieder, wie dringend nötig eine strenge Kontrolle auf die Beschaffung der Rüstungen ist. Rabe erlitt einen Armbrnch und innere schwere Verletzungen. Er be- findet sich im 48. Lebensjahre und hat noch zwei unerzogene Kinder. DaS jüngste Opfer des BlttchcrplatzcS, der 50 Jahre alte Schlosser Karl Keffner vom Kottbuser Ufer 45, ist im Krankenhanse am Urban seinen Verletzungen erlegen. Am Montagnachmittag hatte er einer Nichte aus Gesälligkeil einen Sack Kartoffeln nach der Möckernstraffe getragen. Auf dem Rückwege wurde er vom Omnibus 279 über Brust und Unterleib gefahren. Strastcnspcrrnng. Die Burgstraffe vom Mühlendamm bis znr Königstraffe wird behufs Ausführung von Reparäfttr-Arbeiten a» dem Widerlager der Miihlenweg-Brücke voni 18. d. Mts. ab bis auf weiteres für Fuhriverke und Reiter gesperrt. Im Zoologischen Garten ist ein eigentümliches Tier ans Australien eingetroffen, welches in den naturgeschichilichen Werken gewöhnlich als Beuteldachs erwähnt wird. Es heißt nnt seinem ivissciischaftlichen Namen Peramelee obesula Geokfr,, bewohnt Ncn-Südwales, lebt wie der Igel, hat auch ungefähr das Gebiß eines solchen, unterscheidet sich von ihm aber sehr wesentlich dadurch, daff es statt der Stacheln auf dem Rumpfe Borste» trägt, und daß es einen kurzen, nackten Schwanz besitzt. Es erinnert in seiner äußeren Erscheinung etwas an den Borsteingel von Madagaska, der Übrigens in deniselben Hause, gegenüber dem Cisbärzivinger einen Glaskasten bewohnt, aber fast seit Jahresfrist in Schlaf ver- stinken, die Nahrung verschmäht. Mit einem Dachs wird niemand dieses zu den Beuteltieren gerechnete Geschöpf vergleiche»; es besitzt auch keinen Beutel, wohl aber Beutclknöchen. Man köniitc das Tier als australische S p i tz r a t t e bezeichnen, da es ein spitz- schnauziger Insektenfresser mit eine»! Ratlenlörper ist. Es lebt von Kerbtieren, verschmäht aber auch Früchte nicht, hoppelt wie ein Kaninchen und kann sehr weite Sprünge machen, weil die Hinter- deine auf einer sehr langen Fuffwnrzel ruhen. Die Besucher der Treptow-Steruwarte haben in dieler Woche jeden Abend zu interessanten Beobachtungen mit dem Riesen-Refraktor Ge- iegenheit. Der Mond steht abwechselnd mit Jupiter und Saturn aus dem Programm. Sonntag, den 17. d. Mts., nachmittags 5 Uhr, wird der Vortrag„Die Bewohnbarkeit der Wellen" wiederholt; um 7 Uhr spricht Herr Direktor A r ch e n h o l d über„Vulkanismus auf dem Monde und der Erde". DaS Paffagc-Dheatcr schlicht mit der heutigen Sonntagsvorstcllniig des Augustprogramms die diesjährige Saison. Die Eröfsnung der Winter- saison ist für den 30. August in Aussicht geilomuien. Aus de» Nachbarorten. Der Schöneberger Kousiiniverci» hat in seiner anfferordent- lichen Generalversanimlung am Donnerstag den Anschluß an die „Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend" definitiv beschlossen. Zur Zeit wird die Genossenschaft gebildet von den Berliner Vereinen„Nord" und„Süd" und dem' oben- genannten Konsumverein. Zu Liquidatoren wurden, um der gesetzlichen Form zu genügen, die Genossen Meiling, Reiche nnd Kuhlmey gewählt. Da das neue Geschäftsjahr infolge der Vereinigung am 18. August begtimt, nicht wie bisher am 1. Oktober, so müssen die im Besitz der Genossen befindlichen Dwidendcnmnrken umgehend in den Verkaufsstellen zur Ablieferuiig gelangen. Im übrigen hat sich an den bisherigen Verhältnissen nichts geändert, die Entwictelung des genossenschaftlichen Gedankens schreitet auch hier langsam und sicher vorlvärts, so daß bereits mit dem 1. November eine ganz be- deutende Bergröstcrung der Räumlichkeiten der ersten Verkaufsstelle in der Apostel Panlusstr. 27 erfolgen wird. Die Heiligkeit des Eigentums. Gegen den Bandes Teltow-Kanals haben allein von den Anwohnern des Teltower Sees nicht weniger als 23 Protest erhoben. Etwa die Hälfte der Protestler ist in Seehof bei Teltow resp. in Trebbin, die Übrigen in Berlin, einige in den Vororten wohnhaft und unter den Berlinern, die am Teltolver See eine Villa ihr eigen nennen, befinden sich angesehene Bankiers, Kaufleute, Hotelbesitzer, Rentiers, Fabrikanten zc„ auch eine Frau Direktor M a m r o t h, geb. Sabersky. eine Frau Dr. Mainzer und zwei Studenten Ernst und Fritz S a b e r s k y. Die Leutchen erheben Anspruch auf Erhaltung des Sees in seinem natürlichen Umfange als einen Bestandteil ihrer Grundstücke, indem sie behaupten, daß das Vorhandensein des Sees für sie beim Erwerbe ihres Eigentums die maßgebende Ursache ge- Wesen sei und ihre Grundstücke ohne den See resp. mit einem in einen tiefer gelegenen Kanal ningetvandelten See, nicht mehr den früheren Ztvecken dienen könnten. Sie protestieren daher gegen die Inangriffnahme des Kanal« bau es am Teltowsee als einen Eingriff in ihre dinglichen Rechte. Der Kreis Teltolv will aber den Wasserspiegel des Sees um etlva drei Meter senken und dessen Fläche erheblich verringern, er beansprucht ferner das Recht, die Haltung von Kähnen, Segel- oder Ruderbooten selbst zu gestatten, solvie den See zur Durchführung der in den Kanal geleiteten(geklärten) A b>v ä s s e r der oberhalb de-Z Sees liegenden Gemeinden zu benutzen(ivodnrch die Qualität des Eises verringert wird) und schließlich beansprucht der Kreis auch das alleinige Fischereirecht,— alles Befugnisse. die bisher de» A n- Ii e g ern vertraglich zustanden. Leider werden alle diese schönen, verbrieften Rechte dem Wasservcrkehr geopfert werden müssen: die E n t e i g n n n g s- K o m m i s s i o n der kgl. Regierung zu Potsdam hat bereits zur Abschätzung der Rechte der zu entschädigenden Grnud- besitzer einen Termin anberaumt. Die BctriebServffnnng der Eifenbahnstreckc Wildpark— Nauen kLinie Treuenbrietzcn— Nauen) findet am 1. September d. I. statt. Es sei bei dieser Gelegenheit darauf aufmerksam gemacht, daß die an der Strecke Wildpark— Nauen gelegenen Stationen Satz- k o r n und Bredow vom Tage der Betricbserösfnung ab für den Privat-Dcpeschenverkehr mit vollem Tagesdienst einr gerichtet sein werden. Ei» Angebot wegen Erwerbung der Habclinfel PichelS- Werder war kürzlich von einem Berliner Baulier an den Minister für Landwirtschaft, Domänen und Forsten gerichtet worden. Die Insel, welche zuni Grunewald gehört, ist uugesähr 300 Morgen iiroß. Der Bankier hatte sich auch bereit erklärt, das für die Heer- traße Berlin— Döbcritz erforderliche Land auf der Insel kostenfrei herzugeben. Das Angebot, dem ein Preis von mehreren Millionen Mark zu Grunde gelegt war, ist zum Glück ablehnend beantivortet worden. Von einer Lokomotive überfahren ivnrde auf dem Bahnhof in Potsdam in der Nacht zu gestern der Hilfs-Lademeislcr Ader- hold aus Nowawes, welcher eben einen Eilgütcrzug abgefertigt hatte und das Geleise überschritt, als gerade die Maschine eines Wanusee- bahnzuges einhcrgefahrcn kam. Adcrhold erlitt so schwere Ver- tetzungen an den Beinen, Annen und am Kopf, daß er schon ngch wenigen Stunden, nachdem man ihm»och den linken Uuterschcukel amputiert hatte, verstarb. Er war 45 Jahre alt und hinterläßt eine Witwe und eine 22jährige Pflegetochter. Theaterfpielplan für die kommende Woche. Königliches Opernhaus. Freitag: Lohengrm. Sonnabend: Zar und Zimmermann. Sonntag: Carmen. Königliches Schauspielhaus. Freitag: König Heinrich IV. 2. Teil. Sonnabend: Die Journalisten. Sonntag: König Heinrich IV. 1. Teil. NeueS köuigl. Operntheater. Sonnlag: Der Vogclhändler. Mon- tag: Die Fledcimaus. Dienstag: Das süße Mädel. Mittwoch: Die Geisha. Donnerstag: Die Puppe. Freitag: Boccaccio, Sonnabend: Die Jlederiiiaus. Soniitagnachniiitag: Die Geisha. Sonntagabend: Die Puppe. Deutsches Dheater. Sonntag: Es lebe das Leben. Montag: Die Weber. Dienstag: Es lebe das Leben. Mittwoch: Lebendige Stunden. Donnerstag: Es lebe daS Leben. Freitag: Der Biberpelz. Sonnabend: Die Weber. Sonntagnachinittag: Rosenmontag. Sonntagabend: Die Jüdin von Toledo. Lessing- Theater. Sonntag: So leben wir. Montag: Dame Kobold. Dienstag: Flachsmann alS Erzieher. Mittwoch: Dame Kobold. Donnerstag: So leben wir. Freilag: Dame Kobold. Sonnabend: Johannis- feuer. Sonntag: Dame Kobold. Theater des Westens. Sonntag: Der lustige Krieg. Montag: Die Brautlottcrie. Dienstag: Der lustige Krieg. Mittwoch: Undine. Donnerstag: Der lustige Krieg. Freitag: Die Brautlottcrie. Somiabend: Der Zigcuncrbaron. Sonntagnachmittag: Der Waffenschmied. Sonntag- abend: Der lustige Krieg. Berliner Theater. Allabendlich: Alt-Heidelberg. Residenz-Theater. Allabendlich: Nach der Hochzeit. Sein Doppel- ganger. SieiieS Theater. Allabendlich: Ledige Leute. Stpollo-Theater. Lysistrata. Specialitäten. Wintergarten. Specialitäten. Kleines Theater.(Schall nnd Rauch.) Dienstag: Frau MImi. Licbcsträume. Mittwoch, DoiwerStag, Freitag, Sonnabend: Serenissimus. Frau Minii. Sonntag: Serenissimus. Schöne Seelen. Buntes Theater. Täglich: Uebcrbrcttl. Urania. Täglich: Die deutsche Ostsec'üste. Slrbcitcr-Snmaritcr-Kolonue.(Gegründet I8K8.) Montag, den 18. August, adendS 9 Uhr, in der Filiale, Bninnenstr. 41, bei Lietzke: Vortrag über Transport Verungliickter und Erkrankter. Nach dem Vortrag praktische Ucbnng(Transport).— Hinte, Sonntag, den 17. Angttst: Grobes Sommerfest zum Beste» der Samariter-Kolonne in Wernaus FcstlolaI, Schwedterstr. 23.(Siehe Annonce.) Vwmisrlzkos« Dainpfcv-Zusanimciistoß ans dem Rhein. Aus Uerdingen wird berichtet: Frcitagadcnd um 10 Uhr stieß auf der Rückfahrt von Düsseldorf nach hier der Rheiudainpscr.Prinzeß Victoria" mit dein Seedampfer„Köln" bei Kaisersivcrt zniamnien. Drei M ä d ch e n a n S U e r d i» g e n fielen über Bord und ertranken. Ein Maschinen-Tcchiiiker aus Uerdingen verunglückte infolge Explosion der Kessclrohre. Ein anderer Dampfer nahm die Fahrgäste der.Prinzetz Victoria" auf und brachte sie nachts nach Uerdingen. Ei» gräßlicher NngllickSfall wird ans Antwerpen vom 15. August gemeldet: Während eines ans Anlaß städtischer Festlich- leiten veranstaltete» Fackelzuges wurde ein im Festzuge befindlicher Wagen, welcher den Winler darstellte, vom Feuer erfaßt. Von fünf Frauen, welche sich in dein Wagen befanden, ist eine völlig ver- bramit, die andren vier erlitten Brandwunden. Eiscnbahnunfälle. Ans L a s k o w i tz in Schlesien wird tele- graphicrt, daß dort Freitag früh der Schnellzug 01 bei der Einfahrt in den Bahnhof mit allen drei Wagen ans unbekannter Ursache ent- gleiste. Personen sind n i ch t v c r l e tz t, der Materialschaden ist unerheblich. Der Betrieb wurde nicht unterbrochen.— Freilag entgleiste vor der Station Czerepkoutz aus bisher nnbckanntcr Ursache ans offener Strecke der Personenzug Nr. 314 teilweise. Mehrere Wagen stürzten um. Siebzehn Reisende lvurden verletzt. Der.Personenverkehr wurde durch Umsteigen aufrecht erhalten. Der Güterverkehr war unterbrochen. Briefkasten der Redaktion. Tie juristische Speechsinude findet täglich mit AnSuahme des Sonnabends von B/i bis O'/j Uhr abends statt. R. 25. Wohnmici,' Hciziilig?c. wird allen Männern in folgenden Stistmigen gewährt: 1. Nilolans-Bürger-Hospital, Gr. Franlfurterstr. Zl, Vorsitzender des Kuratorinmö Stadtrat Kochhann, Bauhosstr. 7. 2. Reuter- Stiftung(Asyl für Kauflcutc) Schnlstr. 91/96, Vorsitzender Stadtrat Heller, Rathaus, Zimmer 85, Hospital zum heiligen Geist, Voisitzcndcr Stadtrat Haak, Klostcrstr, 68. Alteröversicherungs-Aiistalt der Kaiser Wilhclin- und Augusta-Stistnng, Vorsitzender Stadtrat Haak, Klosterstr, 63. Städtisches Friedrich Wilhelms-Hospital, Bureau: Rathaus, Zimmer 86/88. Näheres ersah ren Sie durch Anfrage bei den Vorsitzenden. Linke. Meinen Sie die»Märkische Vollszeitung", CentrumSorgan, oder die socialdemokratische„Märkische Volksstimine"? P. M. Es könnte Nachdienen in der Ferienkolonie eintreten. Der Betrcffciide thnt daher gut, bis nach zurückgelegtem 42. Lebensjahr Deutsch- land zu meiden.— M. N. 53. 1. Nein. 2. Die Eheiran kann Heraus- gäbe ihrer Sachen verlangen, rvciituell aus Herausgabe klagen,— G. Kl. Zur Zahlung der Stenern ist auch der arbeitslos Gewordene vcrpstichtet. Er kann aber ein Gesuch um Niederschlagung oder Stuiidniig der Steuer an die Steuerdeputation richten.— I. K. 33. Ja,— 31. W 11. I. und 2. Das ist in den einzelnen Fällen verschieden.— N. S. I. Drei bis sechs Mark.— W. 1KV. 1. und 2. Eine Klage wäre nicht ohne Aus- ficht auf Ersolg. 3. Eine Strafanzeige ivviite Einschreiten der Staatsanwaltschaft herbeiführen. Konfirniniideniiiiterricht. Sie sind im Recht.— C. K. 1. Wenn aus dem bisherigen Verhallen der zilsainiiieil Spielenden zu ciitnehinen ist, bah der Schuldner aus der Kolonne nicht ausscheiden, sondern dag ihm trediliert werden solle, so ist er Mitspieler geblieben, nimmt also auch am Gemimi teil, selbst wenn er den auf ihn cntsallendcn Teil noch nicht ge- zahlt hat.— 13. Wenn Sie nicht erscheinen, auch nieinaiid mit ihrer Vertretung bevollmächtigen, so werden Sie dem Klageantrag eiitspiecheird perurteilt.— W. T. ö7. Tie Verjährungsfrist beträgt ö Jahre. Straf- anzeigen sind an die Polizei oder an die Staatsanwaltschaft zu richten. — R. R. Attersrente kann nach zurückgelegtem 70. Lebensjahre ver- laugt werden.— E. H. 100. Nein, aber vom Wirt. Sic könnten also erst zum Quartalstag einziehen.— 1000. Nonnyusiraste. Nein. — G. B. II. Sind Sie nach dem 39. September 1374 geboren, so ist nur der Standesbeamte zur Erteilung ihres Gebnrtszeiignisies berufen. Im übrigen l. und 2.: Ja.— H. W. Auf Herausgabe sämtlichcr Sachen könnten Sic' sin Gericht klagen; zuständig ist bei einem Wert über 309 M. das Land: t, sonst das Amtsgericht.— C. Winter. Ihre Anfragen können ohne KcniitniS des Erkeiintniffes, durch daS das Pflichtteil erstritten ist, oder der Urkunden, durch welche das Pflichtteil festgestellt ist, nicht beantwortet werden.— X. 1). Z. Jawohl. — Nord 105. Der Koniektionsbetrieb unterliegt nicht der Unfallversicherung. Ans Jiivalidcnreiite würden Sic nnr Anspruch hoben, wenii Sic dauernd erwerbsunfähig sind.— H. 65. 257. 1—3. Da nach Ihrer Darlegung kein fester Woctieiilohii vereinbart ist, so ist die Kiebcrei zutreffend. 4. Nein.— M. B.<50. 1. Solche Eingabe ist zweckmähiz. Uebrigens ist eine An- erkennung überhaupt nicht erforderlich, da das Kind in der Ehe geboren ist. Die Bedenken des Richters smd hinfällig. 2. Nein. 3. und 4. Der Rechts- anwalt hat recht. Sie irren in der Annahme, daß die Zinsenzahlung die ihr beigeineffeue Bedeutung habe. Es wird Todeserklärung erforderlich werden, b. Das können Sie halten wie Sie wollen.— N. P. 312. Nein, WitterungSübersicht vom IC. August 1902, inorgcuö 8 Uhr. Stationen Swinemde. Haniburg Berlin Franlf./M, München Wien ä'1 I« Mtz, Stationen L E S E r 768 SSO 7L1OSO 13 II 16 13 Haparandctz 741 O 12 Petersburg 7ö2S 14 Eork 11 Aberdeen 14 Paris 12' Weiter-Proguoie für Toiintag, be» 17. Angust 1902. Wärmer, vielfach heiter, bei mähigen südlichen Winden und etwa! W-Ner I 6 Regen 3 bedeckt 36-deckt 1 wolkenl öft E« i" 17 Neigung zu Gewittern. Berliner Wetterb u reo n. Uür den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Berantwortung tSTfjrafcv. Sonntag, den 17. August. Neues Opern- Theater fKroll». Der Vvgelhäiidlcr. Ansang 7V2 Uhr. Montag: Die Fledermaus. Im Licderspiclhans: Offcnvach- Cyckns. Dorothea.— Die ver- wände eKatze.— DerRcgimciits- zauber c. Anfang 8 Uhr. Deutsches. Nachmittags 2� Uhr; Die versunkene Glocke. AbmdS 7Vj Uhr: Es lebe das Leben. Montag: Die Weber. Lessing. So lebe» wir. Anfang 71/2 Uhr. Montag: Dame Kobold. Berliner. Alt-Heidelberg. Anfang 7'/- 0 Hr. Montag; Dieselbe Vorstellung. Westen. Nachmittags 3 Uhr zu halben Preisen: Zar und Zim- meri iaiin. Abends 71/, Uhr: Der lustige Krieg. Montag: Die Brniitlotterie. Pletropol.(Marwitz-Oper.) Die verkaufte Braut. Anfang 8 Uhr. NeueS. Ledige Leute. Anfang 8 Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Residenz. Sein Doppelgänger. Vor- her: Nach der Hochzeit. Ansang 8 Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Thalia. Er und seine Schwester. Anfang 71/, Uhr. ff Montag: Dieselbe Vorstellung. Varl Weist. Nachmittags 3 Uhr: Der Dänion. Abends 8 Uhr: Gefallene Mädchen. Montag: Gefallene Mädchen. Mriedrich Wilhcliiistädlisches. Specialitäten-Vorstellung. Ans. 7i/, Uhr. Secessiou. Silbersteins Flitter- wachen. Anfang 8 Uhr. Wolzogens Buntes Theater. (Ueberbrettl.) Anfang 8 Uhr. Apollo. Lysistrata. Spccialitäten- Vorstellung. Anfang 7i/, Uhr. Sieichshallen. Stettiner«änger. Anfang 7 Uhr. Passage- Theater. Specialitäten- Vorstellung. Anfang nachiiiitlags 3 Uhr. Passage- Panoptikum. Speciali- täteii-Borstellmig. Ilrauia. Taubeustr. 48/49.(Im Thcatersaal.) Abends 8 Uhr: Die deutsche Ostseelüste. Jnpnlidenflraste 57/02. Täglich: Sternwarte. »IWlUIII»,»»»—»— IM« Tauben-Strasee 48/49. im Theater um 8 Uhr: Die deutsche Ostseekuste. r»WM Unter den Isi 1 n d c n<18 u. IHlngnns: Schudowutr. 14. Heuts Sonntag Eintrittspreis: IST 50 Pf. Keichhaltigste Ausstellung der Welt an lebenden Seetieren, Reptilien etc._ 33,9 CASTANS, Panoptikum Friedrlch-Strasse 165. Das berühmteste Wachs- j figuren- Kabinett der Weit.] Beachtenswerte Neuheit: Lebende Bilder, ausgeführt v. einem Ensemble| junger, schöner Damen. Apollo- Theater und Konrert-Garten. Um 7'/, Uhr; Die grosaavtlgen neuen Speclullttlten. Um 8i/, Uhr: Lysiistrata Leonidas.... Robert Steldl. Kasseneröffnung 6 Uhr. Konzert 6i/t Uhr. Passage-Theater. Eente letzte Torstellang. i Alice Markert.j Darstellerinkom. Volkstypen. I j Klnematograph; Krönungsbllder. f 16 erstkl. Nummern. Wiedereröffnung 30. August. c arl Weiss-Theater. ülrohe Franksurterftr. 132. Nachmittags 3 llfir. Kleine Preise. I>cr lliimon. Schauspiel in 7 Bildern. Abends 8 Uhr: Gefallene Mädchen. Berliner Sittenbild in 4 Akt. v. Schäfer. Morgen: Gefallene Mädchen. Im Garten: Nene Specialitäten. Anfang 4 Uhr._ Thalia- Theater. Orcsdenerstrastse 72— 73. Novität! Ansang 71/- Uhr. Novität! lr und seine Schwester. Posse mit Gesang und Tanz in 4 Bildern von Berich. Buchbinder. Guido Thielscher. FrlU Helmerding. Gerda Walde. Herbert PaulmUller- August Reiff._ Ülfitfopol-Ileatfir Morwltn-Opor. Anfang 8 Uhr. Letzte Opern- Vorstellnng. Die verkaufte Braut. Kom. Oper in 3 Akten v. Smetana. Die Natronaltänze ausgeführt von 16 Damen. Schlust der Morwltz-Oper. Vrllter-Thtllter Kastanie»- Allee 7—9. Tagllcli: Johanniszauber. Operetten-Burleske in 4 Bildern. Eugen Mllardo, Tanzhumorist.— Cirkus Loyal.— Leodiskas Kakadus, lomische Recktnrner,— The Elrados. Mdm. Georgette, Feuer- tl. Flammentanz.— Lebende Photographien. (Neue Serie.)— Konzert. Ausaug 4 Uhr. Eintritt 39 Ps., numerierter Platz 59 Pf. Kalbo. Ostbahn-Fark. Am Kflstrlnerplatz. Rüdersdorferstr.Tt. Hermann Imbs. Täglich: Gr. Soiwrt, Theater- und ZpectaMiitell- Vorstellung. ZOOIOCISCHER GARTEN SO Pf. Heute Sonntag Entree: Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Nachmittags ab 4 Uhr: Grosses Militär-Konzert. 3 Musikcorps. S?- Fröbels Allerlei Theater sr. Puhlmenn, Schönhauser Allee 148. PST* Heute Sonntag; Große Extra-Vorftcllnilg der neu engagierten * Speclnlitiitcn."TRS Um tzl/, Uhr das humorvolle, grogc Gesangs-Volksftück ljiisieg Goldjimgre. Dazu der erfolgreiche August- Spielplan mit dem schlagfertigen Blitzdichter«Hto Waldemar. Im Saale: Gr.«all. Anfang 4 Uhr— Entree 30 Ps. kvivlisksllvn. Tilgllch: SteUiuer Sänger Anfang: Wochentags 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr TageSkaffe 11— 1>/,Uhr CS** SlS 0-= Possage-Panopticuml Von Montag ab: Grosse Variete-Vorstellung Im kleinen TheatersaaL Pariser Harlonetten-Theater. DsageWntr"*111�6�111116. Arab. Fakir u. Feuermentch. Grossart. Ausstellung lebensgr. Gruppen und Scenen, Anatomisches ülnsenin| etc. etc. I Entree ToSS' 50 Pf. I Sctaizer Garten Am KünigsLhor 4292L» Am Fricdriclisliuin a«r Täglich;-�iSQ Thettter- iiiiti Sptciiitltliteil- Mstelliisg. Täglich bis 7 Uhr: Freier vamentanr. Jeden Abend 19 Uhr: Die Ballettschnle. Grobe Geiaiigspoffe mitTanz v. Anno. Wintergarten. Heute und folgende Tage: Maud Griselda, Hunde-Dresseuse. Les Silvas, Portugiesische Leiter- Equilibristen. Josle de Witt, Amerikanische Sängerin und Geigerin. Die Vlcentinas, iiollschuhläufer. Rofix, athletische Produktionen. Karl Meister, Tenorist vom k. k. priv. Carl-Theater in Wien. Helene Gerard,„Hohe Schule vor dem Dogcart". Sari Fedak, Sängerin vom Ungar. 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Au» Sonntag, den 17.«ngust cr.. in, Lokal„Jägerhaus", Schönhauscr Allee 103: Großes Garten-Fest veranstaltet von den Vatteigenossell der Schönhauser Dorstadt. Im Saale Tanz. Bei eintretender Dunkelheit: Abbrennnng des Fenerwerks, welches beim Sommerfest(20. Juli) wegen Regenwetter nicht abgebrannt werde» konnte.- Grosse Fnckcl'- Polonaise. (Stocklaterne 5 Pf.)- Anfang des Konzerts L Uhr.- Entree 1v Pf. Tic KaffccNichc ist von S Uhr au geöffnet. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 1t2Lb vns Komitee. •O*«« 9®««« 99999 AM»g: 6. Wahlkreis. AStung! Am Sonntag, den ZI. August er., im Lokal„Marienbad", Badstrabc 35/30: Gr. Gerbstvergnngen veranstaltet von den socialdemokratischm Parteigenosseil der Rosenthaler Vorstadt ilud Gesundbrunnen bestehend in Konzert, 8peeialitjiten und Gesangs-Anf- führnngen.— Bei eintretender Dunkelheit grosse Kinder- Fackelpolonaise. Jedes Kind erhält eine Stocklaterne gratis. Tanz in beiden Sälen(Herren, welche daran teilnehmen, zahlen 50 Pf. nach).— Billet 20 Pf. Knsscnerössnnng 2 Uhr. Anfang des Konzerts 4 Uhr. Die Kaffecküche steht den geehrten Damen von 2 Uhr an zur Verfügung. 219/18 l>us Komitee. 99999 999999999999999 mm PllckUiichil! mm Neue Welt, Hasenhcide 108— 114, Dienstag, den 19. August, nachmittags von 2 Uhr an: S o eti iii@ i*" F e s t verbunden mit Großem Brillant-Fenerwerk arrangiert vom Verblillde der Bölkcr"".» Gtslingotrein„Morgtilgrüiitü" (M. d. Arb-S.-B) Neue Welt, gröbtcS und schönstes Garten-Etablistenient der Reichshanptstadt. Beste Gelegenheit zur Belustigung für Jung und All. Beginn deZ Konzerts nachm. 4 Uhr, der SpecialitätcwBorstellnng nachm. 5 Uhr. Bei unschönem Böetter sindet das Jcit in, Theaterfaale statt. Für Kinder: Originelles Kaspcrle-Theater. Begimi des Feuerwerks abends bald nach 8 Uhr. Die Kaffcclüchc steht den geehrten Damen von nachmittags 2 Uhr an zur Verfügung. Entree 30 Pf. Kinder in Begleitung Erwachsener frei. Herren, die am Tanz teilnehmen, zahlen 50 Pf.»ach. Um fteundliche Untersttihung biitet 1S00b Der Vorstand des Verbandes der Völker. Stiiiiimtei:-Kslonne für Arbeiter und � Arbeiterinne». Sonntag, den 17. Augnft IVOS In Weninils Festlokal, Schwcdtcrstr. 23: CJposses zum�B-st-u Utcheitev-Somariter-Kolojme bestehend in Theater u. Spccialitätcn-Vorstellnng, Kinderbelnstigniigen aller Art. Im gr. Saale TA.V X. Herren, welche daran teilnehmen, zahlen 50 Pf. nach. Die Kaffecküche ist von 2 Uhr ab geöffnet. Einlablartcn a 25 Pf. find bei den Mitgliedern zu haben. 261/9* DtliWr Hchllckittt-BttbM. VQvkeltlrodettlegev! Am Montag, den 18. August, in der„ttrvncn-Vranerci", Alt-ivloabit 47—49: Kr. Kammer-Vergnüge» bestehend in Kollzert, Thtll!ervorstt!!ltilg. Zoinmerillichssbllll Liindcr-Fackelpvlonaife(Stocklalerue gratis). Sonstige Belustigungen aller Art. Die Kaffceknche ist von 3 Uhr ab geöffnet. Enlree intl. Tanz 50 Pf.(87/10) Anfang 4 Uhr. Tabberls Waldschlösschen a. ü. Oberspree. 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Seit 27 Jahren Mitglied unsres Vereins, war er stets bestrebt, für die Jnlercssen desselben zu willen, und werden wir ihm ein treues An- gedenken bewahren. 1445b Die Beerdigung findet Sonntag- nachmittag 5 Uhr aus dem Heilig Krenz-Kirchhof, Marieirdorf, statt. Gesangverein IValdkapclle. ftj—nj iL'�BMaitwmitemHa Arbtitermtrettt-Veml! Berlin. Am 13. d.Mts. verschied unser lang- jähriger Kollege, der Gürtler kränz'kisedler. Die Beerdigimg findet am Sonntag, den 17. d. Mts.,I nachm. 5 Uhr, von der Leichenhalle des Heil. Kreuz- kirchhoss, Maricndorf, Fekdstrahe, statt. Um rege Beteilig»»» ersucht 53/8 Der Vorstand. nnBBnoBBza» Deutscher Metallarbeiter- Verhanö Verwaltungsstelle Berlin. Totrrs- Anzvigv. Den Kollegen zur Nachricht, unser Mitglied, der Gürtler daß k™? Tischlei' am 13. d. M. gestorben ist. Ehre seinem Andenken. Die Beerdigung findet statt ani Sonntag, den 17. Anglist,»achmittagS 5 Uhr, von der Leichenhalle des Heiligen Kreuzkirchhoses in Marien- dorf, Feldstrabc, ans. 119/5 Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverioaltnng. Deutscher Metallarbeiter- Verhaul! Verioaltungsstette Berlin. Todes-Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß nnfer Mitglied, der Silberarbciter Nknri Metscher verstorben ist. Ehre feinem Andeuten! Die Beerdigung findet statt am Montag, den 18. Augnft, nachmittags 4 Uhr, aus dem alten Jakobi-Kirchhos. Rege Beteiligung erwartet US/7 Die Ortsverwaltung. Todrs Ktttzvtgr. Am Montag, den 11. August, ver- starb durch Ueberfahren unser lang- jähriges Mitglied, der Schlosser Karl Ketzner. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mon- tag. de» 18. Augnst, nachmittags 6 Uhr, von der Leichenhalle des Thomas-Kirchhofes in Rixdors auS statt. Um rege Beteiligung ersucht 119/8 Die Ortsverwaltniig Puiiksngong. Für die so grobe Beteiligung bei der Becrdigllng unsrer un- vergebliche» Eltern, sowie Kranzspende» und BeileidSadreffen sagen wir alle» unsre» herz- lichen Dank, besonders dein Chormeistcr und Komponisten Gerrit Voigt-Driesen mid dem Gesangverein„Bremmbor." Carl und Emil Pottglesssr 114666 als Kinder. Von der Reise zurück:(119/17* IM'. Frcmid Specialarzt für Haut- und Harnleiden, Nosenthalerstr.42(a.HackeschenMarkt). Sprechstmiden von nun an: 9- 10, 1-3, 6-7, Sonntag 10-11. Von der Reise zurück(33/13 Dr..1. Liiientlial Specialarzt für Hantkrankhcitcn, _ Kommandaiitcnstrabc 46. Von der Reise zurückgekehrt Dr.-Jutrosmsld. 119/18 Von der Reise zurück Dr. Mred Pinkuss, Frauenarzt, _ Polsdamerstr. 86 b. 33,'S* u. iu. u. HjjhlltMgtllts!»! i otf 75 Pf. sranco 1,0 Landpartie- Vereins- Verlosungs- Gegenstände. Lampions, Paplermützen, Radau- Instrumente in hervorrag. Auswahl. Aussergewöhnllch billig, z. B. transparente Stocklaternen Dutzend 45 Pf. Bernhard Keillch. 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Mariannenplatz 12, und Moerstedt, Flemmingstr. 7, besonders eingeladen.[119/6 �!W' Die Wichtigkeit der Tages-Ordnung macht den Besuch aller Bau-Klempner Berlins und Unigegend erforderlich. Tie Lrtsverwaltung. Sotialdtmokrattscher Mtihlvereln surdtll�.Bttl.Reichgttlgg-WahlkreisiZstliljsteit). Dienstag, den 1». August 1S0S. abends 8Vz Uhr: PIT ¥ertüamiiMl niBg'"MI bei Gi-anmann, Naunynstrahe 27. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Reichstags- Abgeordneten Genossen Otto Antrick über: Etwas aus der Büloivsche» Heimatspolitil. 2. Diskussion. 3, BereinS- angelegeicheiten. 243/20 Znlilieiche» Besuch erwartet__ Der Vorstand.' Socialdeiolratisclier Wahlverein für den secltsten Berliner Reictistags-Walilkreis. Donnerstag, den 21. August, abends 8'/- Uhr: lliismrditliGliB Gßfiersl-Versmilyoi in der„Germania", Chaussccstr. 103. Tages-Ordnung: I. Die Brandenburger Provinziallonferenz und Wahl von Delegierten zu derselben. 2. Der Parteitag zu Dtünchen und Wahl von Delegierten zu demselben._ 248/20_ Per VorBtand. MuWnstrumentemrbeiter- Fachverei«. Montag, den 18. Zlugnst, abends 8�s Uhr bei G r a u IN a n», Nnnnynstrasje 27: hnnemlliiitllclie IZeliei'sI-Vei'nWlnIiliig. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Mermuth über »Die revolutionären Kämpfe der Zukunft." 2. Diskussion. 3. Antrag der Telegiertenversammlung. 4. Vereinsangelegenhcitc». 141/18 Mitgliedsbuch legitimiert. Der Vorstand. DV Sonnabend, de» 13. Teptember 1»02."WS „Sansaonci", Kottbuscr.tr. 4a: 20. Stiftungs--Fest des Fachvereins der MusikinstrumenlenarbeHer Uerlin» und Ilnig/cscnd. Vorstellinti von Minnuiib RordbenOen Siinlittn. r r o I o e;. Illtul» kii»jr des SÄngcrkreises der Jlnsik- instrumentcnarbciter. Dirigent: Herr Richard Lange. Nach der Vorstellung:_ MT Orosser Ball. Ansang 8'/; Uhr. Programm frei. Billet 30 Pf. Sr&~ Billets sind bei sämtlichen Vorstandsmitgliedern sowie in den Zahlstellen bei Orundmann, SO-, Naunynftr. 78, Schwarzer, O., Frankfurter Allee 9!), Krusemark, Rirdorf, Jägcrstr. 69 zu haben._ Zweigvereitt Bcrlitt. Stttiott! sBratier). Sonntag, den 17. August, nachmittags 2 Uhr, im Gewerkschaftshanse, Engel-Ufer 15, Saal I: Monats- Versannttlnng. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genoffen Georg Davidsohn über:„Proletarische Dichtungen der Neuzeit." 2. Abrechnung der letzten Dampferpartie. 3. Innere Vereinsangelcgenheitcn. 4. Verschiedenes. Zahlreiches und pünktliches Erscheinen erwünscht. Ter Vorstand. NB. Mitglieder werden in dieser Versammlung aufgenommen; Bei- träge können bezahlt werden. Die bereits umgeschriebenen Mitgliedsbücher werden ausgegeben, ebenfalls Statulenbücher. Die Vertrauensleute werden ersucht, dahin zu wirken, dab alle bis jetzt noch nicht umgetauschten Bücher in dieser Versamnilung zum Umtausch abgegeben werden. 41/0 Ferner findet die Ausgabe der Billets(a KO Pf.) zu der am Sonntag, den 31. August er., nachmittags 2 Uhr, stattfindende» Urania-Vorstellung statt. Aufgeführt wird das Stück:„Die deutsche Ostieeküsle". D. O. AM«»! Kistenmacber. AM»»! Montag, de» 18. Angnst, abends 8'/z Nhr, iin Lokale des Herrn Kussku, Ändreaß Fcstsale, Andreasstr. 21: Oeneral- Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Abrechnung vom letzten Quartal. 2. Gewerkschaftliches. 3. Anträge des Vorstandes. Da in dieser Versammlnng wichtige Anträge erledigt werden, ist es Pflicht eines jeden Mitgliedes zu erscheinen.— Mitgliedsbuch legitimiert. __ Ter Vorstand. I. A.: iiarl Juckel. Achtung:"AR Achtung: Stuccateure! Die durch Handzettel und Annonce im Fachorgan zum Montag ein- vernfene Bersanimlung findet nicht im Saal 7, sondern Im Saal 1, also im Hauptgebäude des Gewcrkschaftshauses statt! Es ist also Rain» genügend vorhanden und erwartet zahreichen Besuch, besonders aller Werkstattarbeitcr 173/10 Per Vorstand. freie Volksbühne. I. Serie, 1. 2. Abteilung: Sonntag, den 31. Angnst, nachmittags 2'/! Uhr, im Metropol-Theater: Joliii Oabrlel Borkmann. Schauspiel in 4 Aufzügen von Henrik Ibsen. Insceniert vom Direktor Adolf Steinert. SV Die mtglledskartcn für die Saison 1902/3 müssen aus den Zahlstellen abgeholt werden Der Angnst-Beitrag ist laut Statut bis spätestens zum 20, August zu entrichten, da nach diesem Termine die Mitgliedskarten, die nicht abgeholt werden, andern eltig an nene Mitglieder vergeben werden. Pie Mitglieder trerden dringend ersnebt, die in den ZnlilNtcIIen aiislicgenden Fragebogen betrefls obligatorischer Fintuhrung des Bahnen» heftes etc. uiisxnfUIIcn. Achtung! Mitglieder, die als Ordner fungieren wollen, können sich für die neuen Abteilungen beim Kassierer schriftlich melden. Citeschäftsleute werden besonders auf den Inseratenteil unsrer Monatsschrift aufmerksam gemacht. Bestellungen sind direkt an untenstehende Adresse zu richten. 229/18 Per Vorstand. I A.: G. Wlnklcr, Kixdorf, Kirchhofstr. 40, II. Deutsch. IVIetallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Burea»: Engel-Nfer 15, Zimmer 1—3, Telephon Amt 7 Slr. 353. Sonntag, den 17. Angnst 1902. vormittags 10 Uhr: Versammlung der Feilenhauer bei Sachse, Lindowerstrahe Nr. 26. Tagesordnung: 1. Vortrag des Kollegen Wnschick: Welche Aufgaben haben die Metallarbeiter für die Zukunft zu erfüllen? 2. Diskusfiou. 3. Verbands- augelegcnheiten._ Montag, den 18. August er., abends 8Vz Uhr, im Gewerkschaft?- Hanse, Saal 5. Engel-Ufer 15: i@r Det snttiittlnng"Wg der Mechaniker, Uhrmacher und Optiker. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Kollegen Fawlowitseh über:„Börne." 2. Diskussion. 3. Verbands-Angelegcnheiten. 119/4 Zur Beachtung! Treffpunkt für Mechaniker jeden Sonnabend im Restaurant des Gewcrkschaftshauses._ Tic Lrtsverwaltung. Centraiverband d. lanrer (Sektion der Rabltxpntzer). Mittwoch, 20. August, abends 8'/s Uhr, in den Arminhalle«, Kommandantenstraße 20: BVSitglieder-Versammlung. Tagesordnung: I. Vortrag. Referent Herr Max Kiesel. 2. Diskussion. 3. Ver- bandsangclegenheilcn. 262/9 Per Vorstand. Deutscher Holzarbeitei'-Vei'banti. Zahlstelle Berlin. Montag, den 18. Zlugnst, abends 8 Uhr, im„Miipkischen Hof", Admiralstrahe 18 e: Bezirks-¥ ersammlnng der Bezirke Süden nnd Süd-Osten. Tagcs-Ordnung: 1. Vorttag des Genossen Pr. v. Oppell-Kapstadt, Distriktsarzt a.D. über:„Welche Aussichten hat der deutsche Arbeiter in Süd-Afrika. 2. Dis- lussio». 3. Vcrbandsangelegenheiten.— NichtMitglieder und Frauen haben freien Zutritt. 76/2 Es wird ersucht, pünktlich zu ersd>einen. Die Ortsverwaltung. Berliner Konsnm-Verein. (e) Central- Verwaltung: Krautstr. 7._ E) VcrkaursHtellen: Abteilung 1, Luiseustadt. Michaelkirchplatz 4. Abteilung II, Osten. Krautstraße 7. Zorndorferstraße 59. Liebigsttaße 7. Abteilung V, Lichtenberg. Frankfurter Chauffee 48/49. Mainzerstraße 4. Abteilung VI. Stralau. Stralaucr Alice 17 f. Abteilung III. Moabit. Rostodersttaße 21. Benffelstraße 56. Emdcncrsttaße 45. Abteilung IV, Nummclsburg. Tiirrschnlidtstraße 6. Eintrittsgeld 20 Pf. Geschäftsanteil 10 Mark. Abteilung 1,„Luisenstadt". Donnerstag, de» 21. August 1902, abends 8Vz Uhr: KZvieZSiSrZss'» WersammSung im„Dresdeiter Garteu", Dresdeuerstr. 45. Tages-Ordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Abteilungsangelegenhciten. Gleichzeitig machen wir unsre Niilglicder auf das am Tonntag. de» 24. August» auch im„Dresdener Garten" stattfindende Familienfest ausmertsam. Der Abteilungevorstand. SvkSnekeng. SocialdemoUrati scher Maljlvereitt. Dienstag, de» 19. Angnst. abends 8'/2 Uhr, im Obslschen Lokale, Meiningcrstr. 8: VSrvZns> V�rsArnmlanK. Tagesordnung: 1. Vorttag des Genossen üÄollhcii»: Das Erdinnere und die vulkanischen Ausbrüche. 2. Diskussion. 3. Bericht der Delegierten von der Generalversammlung. 4. BcreinSangelegcnhciteit. Frauen als Gäste haben Znttitt. Ter Vorstand. Am Sonntag, den 31. Zlugnst. oeranfialtet der Wahlverein ein Volksfest in den Obslschen Lokalitäten, woraus wir schon jetzt aufmerkjam machen.(15/12)_ D. O. F. Budes Yolksprlen, Friedrichsfelde, Prlxo!n3o,Ilce Ecke Wilhelmstrabe. Endstation der Straßenbahn. Schönstes Lokal im Ort Grober schattiger Garten». Spielplatz Jeden Sonntag: kamlllen-�olree der beliebten Kummerschen Quartett-Sänger und Humoristen. Im Saale: Grostcr Vall. Kaffeeküche. Borzüglid>e Spellen u. Gelränke, ff. Weiße. Geseliidiaslen n. Vereinen bestens einniohlen. Eintritt frei. f. Bnbe. Cafe Bellevne am See. Rummelsburg am See. 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August!! der Waren ans der Ii auzlaleurzehen Konkursmasse Scllfinelieri Colonnenstrasse 54, da das Lager bis zu diesem Tage geräumt werden muss, zu ganz ausserordentlich billigen Preisen VeranNvortlicher Redactenr: Julius Kalis« m Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Xh. Glocke m Berlin. Druck und Verlag von Mar Badina in Berlin. at. 191. i9. 2. KkllU ilts„pttlüiittS" Knlim KIKsdIÄ. Sonnliig, 17. lnplt 1992. Sociales. Preußische Schulpnläste. An seinem eignen Leibe konstatierte dieser Tage ein löniglicher Banrat die Bmifälligkeit einer Schule auf dem Gute Jäglacl im Kreise Nastenburg. Wie der.Hart. Zig." ge- schrieben wird, ist das dortige Schulhaus schon seit Jahren baufällig. Der zuständige Kreisarzt bezeichnete das altersmiide Gebäude als gesund- heitsgefährlich. Darauf erschien der Kreisbauinspektor ans Rastenburg und erklärte das Schulgebäude für„tadellos". Auf eine nochmalige Beschwerde des Lehrers erschien ein königlicher Baurat aus Königsberg, um das Schulhaus eingehend z» untersuchen. Trotz Warnung des Lehrers betrat der Herr die Decke des morschen Bodenranmcs. Kam» holte er einige Schritte gethan, als mit lautem Schall ein Teil der Decke ms Schlafzinimcr herabstürzte und der Baural in der durchbrochenen Stelle stecken blieb; er konnte erst mit Hilse des Lehrers aus dieser gefährlichen Situation befreit werden. Die Arbeitergenossenschaft„vo llsgereail"(Die Morgenrötes in Amsterdam erössnet am 17. August ihre erste Bäckerei.„Do Dageraad" will nicht nur seinen Mitgliedern Vorteile bieten, sondern das Genossenschaftstvesen auch für die Arbeiterbewegung nutzbar machen, wie das in Belgien der Fall ist. 10 Proz. des Gewinns sollen für ein Volkshans in Amsterdam verwandt werden, 6 Proz. soll das Personal erhalten und von dem Rest werden 33 Proz. zu Gunsten der Arbeitcrbcivegung verwandt und zivar so. daß ein Viertel davon der socialdemokratischen Partei, drei Viertel den Gewerkschaften überwiesen werden.— Die meisten holländischen Genossenschaften, und besonders die Amsterdamer suchen gegen- wärtig einander in immer höheren Dividenden zu überbieten. An diesem Wetlstrelt will sich selbstverständlich„De.Dagsraad" nicht beteiligen._ Aus dev FvÄurnbctuvnung. In die badische Fabrikinspcktion ist Frl. Dr. pbil. Marie Baum als Nachfolgerin des Frl. v. NichtHosen berufen worden. Frl. Baum ist bisher bei der Aktiengesellschaft für Anilinfabrikation in TreSkotv(Neu-Nuppin) beschäftigt geivesen. Verein der Plätterinnen, Wäsche- und Krabattenbranche. Im Volkshause in Charlottenbnrg. Nosinenstr. 3, spricht am Montag Kollege Zenker. Da es sich um eine wichtige Versammlung handelt, werden die Kolleginnen und Kollegen zu recht zahlreichem Erscheinen anfgesordert. Anjiige ReiHniaUixste Answalil in den ncnesten Moden nnd ver- scliiedensten Webarten, sowie Kammgarn, Satins, Cheviots, Ripsgarn, Drapes, Meltons nsw. 33, 30, 27, 24, 21, 18, 15, 12, Jeder Käufer eines Einsepungs-Anziiges erhält reizende Beigaben umsonst. Billigste S©]!idles,-AMg-®Bs©t©, soweit der Vorrath reicht: Mk. Baer Sohn 4844L Special-Hans grössten Maassstabes. Fabrikation und Maass-Anfertigung. Cliaussee-Str. 24-25. 11 Brücken-Slr. 11. Cr. Frankfarler Sir. 20. Hordhäuse� 1 filtenlwle CoBrnnc),Ltr.-Fl. nur 1 M.. Ta-Liqueure, Rum, Eiercognac. 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