Ar. 194. Abonnements• Kedingungen: AbonneinenlZ-Preis prSnumerand»; Tierleljährl. 3,30 Ml., monatl. 1,10 SKl., ivücheHilich 28 Pfg. frei ins HauS. Simelns N»»»n»r 5 Pfg. Sonntags» Nummer«tft iitunnetMt Sonntags« Beilage„Die Neue Well" 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat, eingetragen in der Post- ZeilungS- PrciSlifte für 1S02 unier Hr. 7K7S. linier Kreuzband für Peuifchiand und Oesterreick)- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. 19. Jahrg. Dt« Inftrilmz-GeMift vrtrigt für die fechSgefpaliens Köllme!« »eile oder deren Raum so Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins- und BerfammlungS- Anzeigen 20 Pfg. „Kleine Anieigen" jedes Wort 5 Pfg. (nur das erste Wort fett>. Inserate für die nächste Nummer müsfen bis S Uhr nachmittagStnderExpeditionabgegeben werden. Die Srpcdilion ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abelids, an Sonn- und Festtagen bis s Uhr vormittags geöffnet. Ericheint täglich auffer Wonlags. Vevlinev Volksblatk. Telegramm-Adreffet »Sori-ildeiiiokrat Vrrlin" Centvalorgan der focialdemokratisthen Partei Deutschlands. Kedalitiva: 19, Beuth-Slrahe 2. Fernfprechert Zlmt l, Nr. 1508. Donnerstag, den AI. Angnst t99Ä. Expedition: aw. 19, Bench-Strasze 3. Aernsvrrcher: Amt I, Nr. 6IT1. Theodor Metzner. Einer unsrer Aeltesten und Besten, der Parteigenosse Theodor Mcjziier, ist Mittwochnachmittag 3'/2 Uhr unerwartet am Herzschlag gestorben. Diese Trauerkunde komnit um so tiberraschender, als unser Veteran bis in die letzte Zeit noch in voller Riistigkeit gewirkt und nicht allein in der Berliner Parteibewegnng, sondern auch draußen im Laude tapfer seinen Mann gestanden hat. Mitten im Kampfe, mitten im rühm- und erfolgreichen Streben fiir die Ideale der Partei ist unser Freund dahingegangen und erschüttert trauert namentlich die Berliner Arbeiterschaft an seiner Bahre. Metzner war ein echte? Berliner Proletaricrkind, kernfest in seinem Wesen und stets bereit, in unsrer Bewegung sich an erster, gefahrvollster Stelle zu opfern. Wie allen, denen daS Lied vom harten Kampf umS Dasein an der Wiege gesungen imirde, hat mich er ans eigner Kraft gegen ein widriges Geschick sich seinen Weg bahnen uuisscn, um daS zu werden, was er dem Pro- lctariat geivorden ist. Schiver lastete in der Zeit der Kindheit, die dem Bürgertum als die des holden träninerischcn Glückes erscheint, der Armut Bürde auf ihm, den kargen Unterricht m der katholischen Volksschule mußte er mit der Arbeit in der Fabrik teilen, zu der die Not der Eltern ihn trieb. Und diese Not heftete sich ihm an die Fersen und verließ ihn nicht bis zu seinem Tode. Es zeugt für die Tüchtigkeit des Dahin geschiedenen wie für die Neinheit der Ideale, denen er sein Leben ivcihle, daß Mehner in stetem Kampfe ums tägliche Brot auf seinem Posten blieb. Er ist, wie so mancher andre, der ans Armut und Elend heraus das Evangelium vom irdischen Glück der Welt predigte, ein Zeuge dafür, daß der Idee, für die er wirkte, eine umwälzende Bedeutung innewohnt, mit der sich nur eine Periode der Mensch- heitSgeschichte, die erste Zeit des Christentums vergleichen kann. Und als ein Mahiizcichc», im Wirken für die Ansbrcitnng der neuen, wcltbefrciendcn Lehre nicht zu erlahnien, wird sein Vorbild in uns Jüngeren fort und fort leben, lieber den Lebcnsgang uiisres Vorkämpfers, der am 30. März dieses JahrcS 72 Jahre alt geworden ist, sei folgendes berichtet: Nachdem Metzner die Schule verlassen halte, erlernte er fünf Jahre lang das Schnhinacherhandlverk, ging sechs weitere Jahre auf dieWanderschaft und wurde dann inBerlinAltgcsclle. Mitte der sechziger Jahre versuchte Mehner sich selbständig zu machen, doch der deutsche Bruderkrieg rief ihn auf die Schlachtfelder Böhmens und mit dem Traum, auf dem damals vielleicht noch goldenen Boden des Handwerks sein eigner Herr zu werden, ivar eS vorbei. Auch 1870 mußte Mehner den Krieg gegen Frankreich mitmachen. Inzwischen hatten die Lehren LassalleS auch in der Berliner Arbeiterschaft eine Kcimstätte gefunden, und Mehner schloß sich dem Allgemeinen deutschen Arbeiterverein an, dessen Bevollmächtigter er bald wurde. Er gehörte zu den ersten.Nebellen" im Allgemeinen deutschen Arbeiterverein und spielte in de» Kämpfen gegen Schweitzer eine Rolle. Zur Eisenacher Partei übergetreten, leitete er bis zu der im Jahre 1875 erfolgten Einigung deren hiesige Mitgliedschaft als Bevollmächtigter. Anch der Eisenacher Kontrollkommission gehörte er 1871/72 an. Anfangs der siebziger Jahre kandidierte er für die Partei im Wahlkreise Kalbc-Aschersleben. Was Metzner vor dreißig Jahren Ivar, blieb er bis zu feinem Tode! Die Attentatszett die Aera des Socialistcngcsctzes und die Zeit des neuen und neuesten Kurses, fand ihn stets in der ersten Reihe der Kämpfenden. Bereits in den achtziger Jahren Ivar er Mitglied der Berliner Stadt- verordneten-Vcrsamnilung, derer auch jetzt wieder angehört hat, und ebenfalls kandidierte er im Wahlkreise LebuS zum Reichstage. Inden letzten Tagen erst ist er von den Parteigenossen dcS KreiscS Schwiebnö wieder als ReichStagS-Kandidat aufgestellt worden. Auf verschiedenen Parteitagen wurde ihm das Ehrenamt eineS ControleurS übertragen. Mehner ist der einzige Berliner Genosse, der seit den sechziger Jahren biS heute als Agitator thätig war. DaS Alter zwang Mehner, sein Handwerk anfzngebcn und seit einigen Jahren finden wir ihn als Inhaber einer kleinen Gastwirt- schalt in der Sklalitzersiraßc, deren Ertrag ihn notdürftig über Wasser hielt. Die schlichte Einfachheit seines äußern LcbenSgangeS bestimmte anch seine Anschannngeu. Es ivar keiner der geistigen Borkämpfer, die den Gedanken deS Meisters iveitcr ausbauen und seine Lehren theoretisch zu vertiefen suchten. Aber er ivar mehr als ein einfacher Soldat, er war Stratege und hat als solcher mit klarem Blicke uns oft den rechten Weg gewiesen. In den inneren Kämpfen, die die Berliner Arbeiterschaft be- wogten, wenn die Frage erörtert wurde, wie der Feind am besten anzugreifen sei. galt das Wort Mehners sehr viel, und dankbar er- innen, sich die Zehntansende, die ihn kanuten, seines aus reicher Erfahrung geschöpften Rates. Dankbar wird das Berliner Proletariat auch den Toten als ein Porbild treuer, tüchtiger Pflichterfüllung chren l Proportional- Wahlsystem in Württemberg. Proportionalwahlcn werden für alle öffentlichen Körperschaften schon lange von der Socialdemokratie programmatisch ge- fordert. Die Erreichung einer möglichst gerechten Vertretung aller bei einer Wahl beteiligten Grnppen, besonders aber die Ve- scitignng aller die Arbeiterschaft von einer Vertretung a»S- schließenden nngerechten Beschränkiuig der seither übliche» Wahlfhstcme der verschiedensten Art, haben dazu die Veranlnssiiiig gegeben. Mit Ausnahme der Schweiz hat bis jetzt kein Land der Forderung der Gerechtigkeit entsprochen— ivcil die bisherigen Wahl- systeme den Regieriuige» slcts eine Majorität, ja meistens die Allein- Herrschaft der bürgerlichen Parteien und damit den ungestörten Gang der klassenslaatlichcn RegicrungSmaschiue garantierten. Wenn die w ü r t t e»i b e r g i f ch e R e g i e r u n g jetzt in ihrem den Stände» vorgelegten Gesetzentwurf ciiicr neuen Geineiudc- Ordnnilg die Stadtverordneten in den größeren Siadtgemeinden nach dem Art. 60 bc3 Entwurfs„von den wahlberechtigten Gemeindc- bürgern aus ihrer Mitte»ach dem Grundsatz der v e r- h ä l tu i s m ä ß i g e u V e r t r e t u ii g der Wähler" zu wühle» vorschlägt. so thut sie das gewiß nicht, weil die Social dcmokralie in ihrem Programm Proportionalivahleu fordert, sondern weil sie für alle Zeiten verhindern will, daß in einer größeren schwäbischen Gemeinde einmal die Verwaltung in die Hände der Socialdemokratie übergehen kann. Hätte die Re- gienuig, wie seither durch die Listenwahlen, mich in Zukmist unter ungerechter Ausschließung der Arbeiterschaft einseitige Partciherrschaft ans den Rathäusern durch Dentschparteiler erwarte» dürfen, wäre ihr sicher das Listcnivahlsystcm gerecht genug gcivesen und es tväre ihr nicht eingesallen, daS Proportional-Wahlsystem vorzuschlagen. Da jedoch in verschiedenen Städten die Berschiebniig der Bevölkerung bewirkt hat, daß der in der Social- dcmokratie vertretene BevölkernngStcil so ainvnchS, daß er nahe daran ist. bei den Gemeindewahlen die ganze Liste zur Mehrheit zu bringen und dadurch socialdeniokratischc Mehrheiten in Gemeinde- vcrivaltmigcn in absehbarer Zeit nicht zu verhindern sind, dachte zweifellos die Regienmg in der Einführung der Proporzlvahlen das geeignetste Vorbeiigniigsmittel gefunden zu haben. Es geschieht die Einführinig der Proporzwahle» sonach nicht der Socialdemokratie zu Liebe, sonder» ihr zu Leide— tvaS die Socialdemokratie als die Partei nnbedingter Gerechtigkeit und Gleichberechtigung jedoch nicht abhält, die Einjührung dieses Wahl- systcmS zu begrüßen und zu fördern. Das vorgeschagene System ist ein sehr einfaches und in seiner Durchführung und Wirlung sicher auch ganz acceptables. Die Wahlvorschläge sind nach der Bekanntmachung des Wahltags bei dem Vorsitzenden des Wahlvorstandes so zeitig vorschristsgemäß einzureichen, daß zivischcm dem Tag der Einreichung und dem Wahltag eine Frist von mindestens zehn Tagen liegt. Spätere Wahlvorschläge sind ungültig. Der Vorschlag muß von mindestens 20 wahlberechtigten Gcmciiidcbürgern nnterzeichnct sein und die Wählervercniigniig. von welcher er ausgehe, nach ihrer Parteiftellung oder ei»em sonstigen unterscheidenden Merk- mal kenntlich machen. Fiir jeden vorgeschlagenen Bewerber ist eine Gebühr von 5 M. zu errichten, ivelche jedoch im Falle der Wahl des Beiverbers wieder zurückerstattet wird. Sämt- liche Stimmzettel werden von AmtSwegen in gleicher Form ans Papier von gleicher Farbe und Beschaffenheit hergestellt und mit einem Stempel versehen. Bei der Wahl hat sich der Wähler für einen der auf den Stimmzetteln wiedergegcbcnen Vorschläge zu ent- scheiden und den entsprechenden Stimmzettel unverändert abzugeben. Jedoch ist er berechtigt, innerhalb des von ihm gewählten Wahl- Vorschlags die OrdmingSziffern nach Belieben umzuändern. Die zu be- setzendenStadtverordnelen-Stcllen werden»ach festgestellterWahl unter die Wahlvorschläge im Verhältnis der ihnen zngefallenen Stimmen- zahlen in folgender Weise verleilt: Die den cinzclncli Vorschlägen zugefallenen Stimmenzahlen werden der Reihe nach durch 1, 2, 3, 4 und so weiter geteilt und von den dabei gefundene» Wahlen so viele Höchstzahlen ausgesondert nnd der Größe nach geordnet, als Stadt- verordnete zu wählen sind. Die Wirkung dieses Systems zeigte unter Annahme des Resultats der letzten GeineinderatS-Wahl in Stuitgart im Dezember 1001 folgendes Bild. ES erhielten nach dem seitherigen System: Stimmen Sitze �äUc i>.em �oporz Socialdemokratie., 3376 3 Deutsche Partei... 1013 1 Bollspartei.... 1206 4 Bürgcrvereine... 823— Konservative.... 808—— Katholiken.... 412—— Nach dem System der Verhältnisivahlen hätten nach den Er- gebnissen der Wahlen von 1897, 1839 und 1301 zu beanspriichen: Socialdemokratie. 11 Sitze, hat jetzt 4 Deutsche Partei, 7 zu beanspruchen 4 2 1 1 12 Volkspartei. Konservative... 1,»,— Katholiken....— ,, ,,„1 Noch schlimmer ist das Verhältnis bei der Ziisainmensetzung dcS B n r g e r a u S s ch» s s e s. Unter Veriicksichtigmig der Wahlen der Jahre 1838 und 1300 hätten bei Verhältniswahlen an Sitzen zu beanspriichen: Socialdemokratie... 3. sie hat jedoch in Wirklichkeit— Sitz. Deutsche Partei.... 7...... 15 Sitze. Volkspartei...... 3,.„ 9« Die Inhaber dieser Sitze entspringen einem Mischmasch-Vorschlag der deutschen, konservativen, bürgervcrcinlichen lind ultramontanen Partei. Diese Zahlen beweisen, wie das seitherige Listenwahlsystem un- gerecht wirkt und ivie durch die Verhältniswahlen der Stärke der einzelnen Parteien Rechnung getragen wird. Dem näher Zusehenden belveisen sie aber auch, lvie nahe schon derZcitpnnkt gerückt ist, an dem die ivürttcmbcrgischeSocialdemokratiebeidciiListenwahlen anS eigner Kraft die ganze seitherige Ziisammensetzung zu ihren Gnnsten umwerten würde. 21' cini nnsre Genossen in Württemberg trotzdem dem Proporz zustimme», so beweist das nur, daß imS Gerichtigkeit mehr gilt als rnigenblickliche Vorteile. Wir können fiir ein gerechtes Wahlverfahrcn um so eher eiiiircteii, als wir bei dem Wert unsrer Ideen und Principicn für das gesamte Volk der frohen Zuversicht sein dürfen, auch mit der Proportionalwahl die Mehrheit des Volkes zu ge- ivinncn I_ zsolitischv Arbei-flchf. Berlin, den 2l). August. Eine schwierige StaatSeiiirichtung. Höchst beinerkenSiverte Mitteilungen über das EmPörnngS« Telegramm sind der„ M ü» ch e ii e r P o st" zugegangen: „Der Veröffentlichung der beiden Telegramme ist ein lebkiafter McinnngöauStausch zivischen den beteiligten Stellen in Preußen nnd Bayern vorausgegangen. Und zwar war der Hergang dieser: linmittelbar nach Eintreffen der Älnt- Ivort des bayrischen Regenten wurde von Swinemünde ans nach Berlin der Befehl erteilt, die Telegramme durch das Wolffsche Bureau veröffentlichen zu lassen. I in A n S- w ä r t t g e n Amt fand sich jedoch jemand, der Bedenken trug und dem Reichskanzler Mitteilung machte. Dieser ivar von der ganzen Angelegenheit aufS änszcrstc bctroffc»; konnte er doch voraussehe», daß eine öffentliche Bekanntgabe des GefühlsauSbruches iscines Herrn den übelste» Eindruck hervor« rnfen mußte und namentlich in Bayern als unbefugte Ein- mengnng empfunden werden würde. Die Rücksicht auf gewisse augenblickliche Stimmungen ließ Herrn v. Bülow aber trotz- dem auf ein unmittelbares persönliches Ein- greifen verzichten und auf einem Umweg versuchen, Wilhelm II. zur Aufgabe seiner Absicht z n bewege n. Die Antwort, die der betreffende Vermittler erhielt, war jedoch derart, daß der Ltcichskanzlcr jeden weiteren Versuch nach dieser Richtung als anssichtslos erkennen mußte. Um der Sache ivenigstenS das Peinliche für den Stegentcn zu nehmen, wandte er sich nun nach München mit dein Ersuchen, daß man sich d o r t mit d e r V e r ö f f e n t l i ch u n g einverstanden erklären möge. Aber anch hier war die Antwort eine ablehnende, und eine Anfrage im Jagd- hoflagcr deö Regenten lieferte kein andres Ergevnis. Die Aufnahme bei letzterein soll eine solche gewesen sein. daß Herr v. Crailsheim sich veranlaßt sah, seinem diplomatischen Stil im Verkehr mit Berlin eine bisher unbekannte Nliauce zn geben und, wen» anch vorsichtig ein- gewickelt, das Befremden über den ganzen Vorgang und die peinliche Lage, in die Regent und Regiernng dadurch ge- bracht worden, zum Ausdruck zu bringen. Unmittelbar darauf erging ein crnentcr und direkt von Wilhelm II. erteilter Befehl an das?l n s w ä r t i g e Amt, ohne jeden Verzug zur Beröffentlichnng zu schreite». Der Hinweis ans München, als Quelle, ist in Berlin beigefügt ivorden." Die Zeitungen der bürgerlich-inoliarchistischcn Parteien fordern angesichts derartiger und ähnlicher Gerüchte endliche Aufklärung über die wirklichen Hergänge, die zu der verwirrenden Veröffentlichimg des Telegramms geführt haben. Die„Voss. Ztg." beispielsweise leit- artikelt klagend über die„Zerfahrenheit in der Staats- l e i t u n g". spricht von der„Anarchie in den h ö h e r e u Regionen", fordert eine neue Organisation des Ministeriums zur Verhütung solcher Vorkommnisse, ohne sich zugleich zu verhehlen, daß eine Bcsserimg nicht einmal zu erhoffen sei. Die sorgcnrciche Klage der M o n a r ch i e g I ä n b i g e n erweckt bei Demokraten und R e p u b l i k a u.e r» aufrichtiges Mitleid. Daß anch eine StaatSeinrichtnng, deren Vortrcfslichkeit von Konscr- vativen und Liberalen als unrnitastbares Dogma verkündigt wird, so peinvolle Schlvierigleiten bereiten kann!— Socialdemokratische Knustförderiiiig. AnS M ii»che» wird berichtet, daß unser Parteigenosse Ed. Schmid. Mitglied des Miinchcncr Gemeiudekollcginms, den erfreulichen Versuch untcriiinnnt, die durch das C e n t r u in in der Abgeordnetenkammer verübte Knnstschädignng ansziiglcichen. Er hat den Antrag gestellt: „Magistrat und Gcineiiidckollcginm ivollen beschließen, eö möge in den Haushaltsplan der Stadtgemeinde ei» AiiSgabeposte» in der Höhe von vorerst 25 000 M. eingestellt werden, der dem Magistrat alljährlich neben den bisherigen üblichen Anfweiidmigen zur Förderung der Kirnst sowie zum Ankaufe moderner Kunstwerke zur Verfügung steht." In der Begründung des Antrages ivird ausgeführt: „Die letzten Wochen haben gezeigt, wie durch die Haltmig der»ltramontanen Kammermehrheit das Schaffen der Münchener Kiinstlerschaft benachteiligt und idcr Ruf Münchens als Kunst« stadt gefährdet iverden kann. Ein Privatmann hat zivar die im Lmidtage abgestrichene Summe von 100 000 M. zum Ankaufe misgezeichneter Kunstwerke der bayrischen Staaisregierimg über» geben n»d dadurch einer großen Bennrnhiguiig weitester Kreise wenigstens teilweise vorgebeugt, nichtsdestoweniger besteht jedoch für die Stadtverwaltung sowohl in idealer als wirtschaftlicher Be» ziehling die Pflicht, zur Fortentwicklnng Münchens als Kunst- Metropole auch daS Ihrige, daS heißt mehr als bisher zu t ö II u. Eine jährliche Ausgabe für Kmistzlvecke in genannter Höhe neben den sonstigen verschiedenen im Etat vorgesehenen Summen, wie ans Stiftungen usw., erscheint angemessen und im Interesse der gesamte» Einwohnerschaft gelegen." Die Empörung der Socialdeniokratie gegen den EentrnmS« bandalismus entladet sich nicht in iibcreiligcn Aktionen, die unfrncht- bare Erregung erzeugen. Die socialdemokratische Knnstfrende be- thätigt sich durch schöpferische Vorschläge und besonnenes Vorgehen in Parlamenten und Gemeindevertretungen. Es ist ein reizvolles Treffen, datz die Münchener Social- d e m o k r a t i e die Kunstförderung durchführen soll, für welche d e r deutsche Kaiser vergeblich sein eifrigstes Bemühen de- kündete.— Das Reichsdesicit. Sieht man die Endabschlüsse der Reichs-Hauptkasse in den letzten Jahre» durch, so wird die Verschlechterung der Finanz- läge im Reiche besonders deutlich. Vor zehn Jahren, im Etatsjahre 1892/V3, belief sich der Ueberschntz der Ueberweisungen über den Etat auf 7,8 Millionen Mark, der der Rcichskasse verbleibende Uebcrschns; auf 1,1 Millionen. 1893/91 waren die Ueberweisungen um 19.5 Millionen geringer als der Etatsanfatz, der Ucbcrschnsz der Rcichskasse bezifferte sich dagegen auf 11.2 Millionen, 1891/9S war der Ueberschug bei den Ueberiveisnngen 27.4 Millionen, der Reichs- lasse 7,2 Millionen, 1895/96 der elftere 26,3 Millionen, der letztere 11,9 Millionen, 1896/97 jener 27,1 Millionen, dieser 28,6 Millionen, 1897/93 29 und 25,3 Millionen. 1898 26,3 und 30.6 Millionen und 1899 jener 0,1 Million Mark, dieser 32,5 Millionen Mark. Während des ganzen genannten Zeitrannics ist es somit einmal vorgekommen, datz bei einem Endabschlusse den Einzclstaaten weniger über- wiesen wurde, als im Etat vorgesehen war, sonst haben sie stets mehr erhalten, und die Rcichskasse hat durch- >v e g mit Ueberschüssen, die stets den Etats der zweit- nächsten Jahre zu gute kommen, wirtschaften können. Mit dem Finanzjahre 1900 setzte eine andre Epoche ein. Für dieses Jahr mutzten im Endabschlntz bei den Ueberweisungen ein weniger gegen den Etat von 6.5 Millionen und bei der Reichskassc ein solches von 1,9 Millionen Mark festgestellt werde». Für 1901 haben sich nun die Fehlbeträge gar anf 1Z,S bei den Ueberweisungen und 48,4 Millionen Mark bei der Rcichskasse, in Summa auf 6Z,K Millionen gesteigert. Die Ursache des Deficits liegt bekanntlich darin, datz sich d i c V e r k e h r s e i n n a h m e n nicht in dem günstigen Matze entwickelt haben, als erwartet wurde; besonders die R e i ch s- S t e in p e l- abgaben sBörsensteuer ec) haben weit weniger gebracht als die Verteidiger dieser Steuer angekündigt hatten. Diese schlechte Finanzlage soll iiun bekanntlick nach dem Willen der Regierung durch neue Stenern kuriert werden. Hätte man aber in der günstigen Zeit besser gewirtschaftct, hätte man nicht unmätzig für Militär und Marine verschwendet, so wäre man überhaupt nicht in die jetzige üble Lage geraten. Also nicht neue Stenern gilt es zu schaffen, sondern endlich Abstriche zu machen an unnötigen und unknltnrellen Ausgaben! Will man jedoch durchaus neue Steuern— wohlan: man belaste endlich die Besitzenden, nachdem man stets die Besitzlosen und A e r m st e n geschröpft!— Der Schah von Pcrsic» in England. London, 18. August.(Eig. Ber.) Nach den Leitartikeln zu urteilen, mit denen die englische Presse den Schah begrützt, scheint eine gewisse Klärung im anglo-rusfischen Verhältnis bezüglich Peisiens eingetreten zu sein. Das politische England hat offenbar darauf verzichtet, ganz Persien für sich zu reklaniicren. Es schickt sich in die vollendete Thatsachc und betrachtet Nordpersien als die Einflutzsphäre RutzländS. Damit ist der erste Schritt gemacht zu einer Verständiginig zwischen England und Nutzland in Centralasien und zur Beseitigung eines Gegensatzes, anf den die deutsche Diplomatie gerechnet hat. Es wäre zwar vcr- früht, schon jetzt den Schluß ziehen zu wollen, datz nunmehr ein planmätziges Einvernehmen zwischen England und Rntzlaiid ob- walten werde, allein es sind Anzeichen vorhanden, datz beide Mächte das alte Mitztrancii, daS sie— zum Nutzen Deutsch- lands so lange auseinandergehalten, beseitigen ivollen. Das Wort Salisburhs, datz die antirussische Politik Eng- lands veraltet sei l9. November 1896), wird gegenwärtig mit besonderem Nachdruck hervorgehoben und dürfte vielleicht zum politischen Progrannn des Auswärtigen Amtes werden. Die Sonnabend-Nnnimer der„Times" begrüßt den Schah in einem Leitartikel, der lebhaft an den offiziösen Stil erinnert. Darin wird unter an denn gesagt:„Rntzlaiid hat Nordpersien dem Handel erschlossen____ Es hat dort Riesenschritte gemacht, so datz eS die Hälfte des persischen Antzenhandels beherrscht. Mit andren Worten: Rntzlaiid nimmt in Nordpersien eine ähnliche Stellnng ein wie England in Südpersicii. Der Wettbewerb zwischen den beiden Mächten in Persien darf nicht als ein Jnteressenkonflikt anf- g e f a tz t>v o r d e n.... Es wurde mit Recht behauptet, datz Asien groß genug sei für beide Mächte. Dasselbe darf auch über Persien gesagt tverden. Diese Worte sind bedeutungsvoll. Sie kündigen eine iicue Politik in Asien an. Sie bedeuten nnsres Erachtens viel niehr als die Feierlichkeiten in Reval. Gleichzeitig kommt ans dem nahen Osten die Nachricht, daß die Besetzung von Kowetst durch türkische Truppen nicht lange auf sich lvarten lassen werde. Koweyt, am persischen Meerbusen gelegen, soll bekanntlich die Endstation der Bagdadbahn werden. Beivahrheitct sich diese Nachricht, so. dürften wir bald Gelegenheit haben zu sehen, wie England und Rntzlaiid sich zu den deutschen Plänen stellen.— Aeutsches Reich. lieber de» Fall Kugel teilt unser Königsberger Bruder-Organ noch folgende Einzel- heiten mit: Der russischen Polizei lag offenbar Iveniger an der Frau Kugel, als an der Person ihres Mannes. Bon ihm erhoffte sie vielleicht wichtigere Aufklärungen in jenem Prozeß gegen andre. als die Frau zu geben im stände war. Und auf die Mittel, die sie anwandte, um seiner Person habhaft zu werden, möchten wir die deutsche Regierung ganz besonders aufmerksam machen: ES steht nänrlich fest, datz im Septenrber vorigen Jahres rris fische Gendarmen oder russische Spitzel(denn Unifornien hatten sie natürlich nicht an) bei Tage und bei Nacht auf deutschem Grund und Boden auf der Lauer lagen, um den Kugel selb st zu überfallen und mit Gewalt über die Grenze zu schleppen! Kugel wäre diesen dunklen Gestalten auch sicher zum Opfer gefallen, wenn er nicht ganz besondere Vorsicht angewandt hätte. Aber lange konnte er's nicht wagen. Bald nachdem seine Frau in Rutzlanv festgenomnien war, sah er sich gezwmigen, Nimmersatt zu verlassen und nach M e m e l zu gehen. Und zwar Knall und Fall. Die Folge war natürlich. datz der arme Man», der selbstverständlich als Proletarier nicht zlvei Wohnungen bezahlen kann, eine in Memel und eine in Nimmersatt, sein bißche» Hab und Gut in Nimni ersatt beim Hans- Wirt lassen mutzte. Die Frau ist nun endlich auch zurück- gekehrt, krank, ruiniert, nicht fähig, viel zu arbeite». Der Man», der früher Schmied tvar, kann dies Gewerbe nicht mehr ausüben, ivcil auch er kränklich ist. Er versucht sich mit ctivas Uhrmacherei zu ernähren, aber viel bringt's ihm nicht ein. So stehen die beiden nicht mehr jungen Leute da, sozusagen von allem cntblötzt, in Not und Entbehrung. Und das alles durch einen G e w a l t st r e i ch d e r r u s s i s ch e n Polizei.— Ministerielle Zollkonferenz Nr. II. Es wird dem„B. T." au§ Süddentschland gemeldet: Wie ich ans verläßlicher Quelle er- fahre, traf G r a f B ü l o w bei einer gelegentlichen Ziisaniniciiknnft mit dem b a d i s ch c n M i n i st e r Brauer in Bahreuth die Verabredung, datz im Oktober eine Ministcrkonfcrcnz der Bundesstaaten stattfinden soll, um etwaige noch vorhandene Meinungsverschiedenheiten der Zolltarif- Vorlage ans- znglrichen.— Das offiziöse Depeschcnburcan versucht eine ebenso heraus- fordernde wie törichte Eiitschiildigung der Thatsache, datz es die Er- klärung zur Löhningschcn Angelegenheit in die Provinz und in das Ausland mitteilte, während Berliner Blätter nichls davon erfuhren und so jene Erklärung erst weit später mitteilen kouilten. DaS Wölfische Bnrcan eröffnet, datz„Berliner Nachrichten" Überhaupt nicht an die Berliner Blätter übermittelt würden. Das ist eine Ausrede, eines Nbeinbaben würdig. Wenn das Bureau nicht selbst solche unbegreiflichen Unterlassungen aufhören lassen will, wird es nötig sein, auch diese Lächerlichkeit im Parlament zu besprechen und zu bejeitigen.— Die ZeitungSlcktüre dcS Kaisers. Die Besprechniigen des kaiserlichen Entrüstiings- Telegramms haben in der Presse auch die Frage wiederum wachgerufen, ans welchen Quellen sich der Kaiser über den Stand der öffentlichen Meinung orientiere. Die„Elbinger Zeitung" erzählt hierzu: „Se. Majestät las in früheren Jahren regelmäßig mehrere Zeitungen, später nur noch gelegentlich, jetzt gar nicht mehr. Der Monarch wird jetzt über die öffentliche Meinung fast ausschließlich durch Zeitungsausschnitte unterrichtet, die von e i n e ni g e Iv i s s e n e i n f l n tz r e i ch e n H o f b c a m t e n redigiert werden. Was die sogenannte„ F ü r st e n k o r r e s p o n d e n z" an- belangt, so giebt diese nur solche Pretzäntzcruiigeii wieder, die an den verschiedenen Höfen keinen Anstoß erregen können. Es fällt ihr gar nicht ein, etwa Bemerkungen ans socialdcmokratischen, freisinnigen oder süddcutsch-baiicrnbündlerischcn Zeitungen abzu- drucken. Gerade in diesen Organen aber ist das Kaiser-Telegramm an den Priiizrcgcnten aufs schärfste kritisiert worden." Es wäre ein unverschämtes Ansinncn an den Kaiser, daß er bei all seiner sonstigen politischen, diplomatischen, militärischen, künstleri- scheu Bethätigung, bei all seinen Paraden, Reisen, Toasten und Fest« reden auch noch zahlreiche Zeitungen lesen soll. Zu demselben Thema schreibt die„ R h e i n i s ch- W e st- f ä I i s ch e Zeitung":„Man sieht deutlich, wie mehrere Blätter darauf zugerichtet sind, anf den Schreibtisch des Kaisers gelegt zu werden. ES sind hauptsächlich die„Kölnische Zeitung", die Münchcner „Allgciiicine Zeitung" und die freisinnige„Wescr-Zeitung". In diesen drei Blättern stehen aiisschlictzlich Ehrunge», Verbindlichkeiten oder gar Schmeicheleien, die dem Kaiser gesagt weiden; jede Kritik von irgend welcher Bedentnng fehlt, unparteiische Ucbcrsichtcn der Pretzstinimen werden sorgsam vermieden wie im vorliegenden Fall. Das Kölner Blatt streicht z. B. ans dem Wölfische» Eitat der „Müiichencr Neuesten Nachrichten" alles heraus, was dem Kaiser nicht beistimmt."_ Wie war cS 1898? Bei der Landtagswahl 1893 wurden im Kreise Teltow-Vccskow-Charlottenburg von den in Köpenick ver- sammelten Wahlniäniiern im ganzen 3503 Stinimcn abgegeben. Die WahlprüfilligS-Koniiniision des Abgeordnetenhauses stellte fest, datz es unmöglich war. hierbei die Wahl innerhalb der gesetzlichen Vorschriften durchzuführen. Sic erklärte wegen dieser Unmöglichkeit die Wahl der zwei konservativen Abgeordneten Ring und Fetisch trotz der begaiigencii Verstöße gegen die ausdrücklichen Bestiinminige» für gültig.(Drucksachen des Mgeordnetenhauses. 19. Legislatnr-Pcriode, I. Session 1899, Nnnniier 187.) Im gleichen Jahr haben iiun im Kreis Essen-Dnisbiirg die iii Duisburg versammelten Wahlmänner im ganzen 4573 Stimmen abgegeben— gewählt wurden ein Konservativer und zlvei Nationalliberale: im Kreise Hattingen-Gelscn- kirchcn— Bochum— Dortmund— Hörde gaben die Wahlmänner in Dortmund gar 6367 Stimmen ab— gewählt drei Nationalliberale. Wir möchten mni gern erfahren, wie iiiau in diesen beiden Kreisen mit den Wahlvorschriften nmgesprnngcn ist. Nehmen wir selbst an, datz jeder Wahlniann nur 15 Sekniiden gebraucht habe, um sich jedesmal. wenn er ansgemfen wurde, aus der viel- tansendköpfigen Menge herauszulösen, an den Wahltisch zu treten und seine Abstimmniig zu Protokoll zu gebe», so wären in der Stunde 240 Stimmen abzugeben gewesen, und im letztgenannten Wahlkreise würde unter diesen allergünstigen Vornussetziiiigen die Wahlhandlung länger als 29 Stunden ge- dauert haben, wenn ohne Unterbrechnug das genainitc Tempo ein- gehalten worden wäre— ganz abgesehen vom Auszählen der Stimmen. Vielleicht entschließt sich einer oder der andere der da- maligen WahlniSiuier, über die Vorgänge einige Mitteilungen zu machen. Dabei ist noch erwähnenswert. datz in diesem damals sicheren Wahlkreise von den 2658 berechtigten Wahl- Männern(die Wahl von 20 war für ungültig erklärt worden, worüber ebenfalls in der Wahlversanimluiig entschieden werden mutzte I) nur 2439 sich an der Wahl des ersten Abgeordneten beteiligten, während bei der Wahl des dritten nur noch 1695 ihre Stimme abgaben. Statt 2678 Wahlmänner im Jahre 1898 wird der Kreis im Jahre 1903 zwischen 3500 und 3600 Wahlmänner zu wählen haben. Mögen die Behörden Vorkehrungen treffen, um im Jahre 1903 dort eine gcsetz- mätzige Wahl herbeizusühren— die Socialdeinokratie wird selbst in diesem schwer zu bearbeitenden Wahlkreise mindestens einige Wahl- Männer als Controleure entsenden. Die beiden Reichstags-Wahlkreise, die zusammen den Landtags-Wahlkreis bilden, haben 1898 an social- demokratischen Stimmen 23.3 Proz. der Wahlberechtigten und 28,9 Proz. der Wählenden aufgebracht. Dazu kommt, datz den 49 354 nationallibcralen Stimmen bei der Reichstags- Hanptwahl 47 376 Ceiitriimsstiinmcn gegenüberstanden; es ist nicht ausgeschlossen, datz sich das Centrum. das 1898 bei der Landtagswahl kaum Neimens- wert nnfgetreten ist, diesmal energischer beteiligt. Die Wahl- beteiligung bei der Urwahl war in der zweiten und dritten Klasse 1893 elbst für prentzische Wahlen autzerordentlich gering. Während an der im gleichen Jahr stattgefinidenen Reichstagswahl sich 77,8 Proz. der Wahlberechtigten beteiligten. nahmen an den UrWahlen zum Landtag teil(in Prozenten der Wahlberechtigten): Unfre Germanlsatoren im Osten. Von den Leuten, die noch vom„Reichsboten" eine„gründliche Säubern n g" der Beamtenschaft in den polnischen Landesteile» fordern, giebt die „Germania" diese anmutige Kennzeichnung: „Sollte die Regierung, was wir allerdings für unmöglich halten, auf die frommen' Wünsche der Hakatisten eingehen, so müßte jene Richtung unter den Beamten in der Provinz Posen die Oberhand gewinnen, welche selb st vor Gewalt- maßregeln nicht zu»ü ck s ch r e ck e n. um die widerhnarigen Polen zur Raison zu bringen. Solcher Draufgänger giebt es auch in der Provinz Posen. Zu ihnen zählt, wie wir von absolut zuverläjsigcr Seite hören, ein in der Affairc Löhning vielgenannter b ö h e r e r R c g i c r u n g s b e a m t e r. dessen ganze Weis- h e i t zur Lösung der Polenfrage in dem Rezept bestand,„die Polen müstte» totgeschlagen werden". Dahin führt der verblendete Rassenhaß. Den grvtztcn Schaden würden aber von der Durch- führung einer solchen Mordpolitik nicht die Polen— sondern der preußische Staat erleiden." Nachdem Minister v. Rheiubaben von diesem Ausspruch eines höheren Regierungsbeamteii entzückt vernommen, wird er ohne Zweifel schleunigst' für Beförderung und �Zrdensauszeichnung des Vortrefflichen besorgt sein.—__ Eine Bergknappen-Parade hat Wilhelm II. bei seinem Besuche der Düsseldorfer Ausstellung abgenommen. Die„B. A." giebt eine längere Darstellung dieser eigenartigen Parade, von der sie u. a. erzählt, datz sich um ihr Znsiandckonimcn der Bergmcister Engels durch„energische An- o r d n» n g" große Verdienste erworben habe. Des weiteren schildert das Blatt die'Paradeabnahme durch den Kaiser folgendermatzen: „Als der Kaiser die Front abschritt, schaute er sich die in st r a in m e r Haltung dastehenden Bergleute mit scharfem Auge an und trat bald auf diesen, bald auf jenen zu und redete einzelne Bergleute an. welche ihm durch ihre markante Er- scheiiiuiig, durch ihr ehrwürdiges Aussehen und die auf ihrer Brust gehefteten Orden und Ehrenzeichen besonders auffielen. Zuerst zeichnete der Kaiser den Vcrgnianii Böhmer von Zeche „Alma" bei Ueckendorf durch eine Aureve aus. Der Kaiser fragte den i n st r a m m e r Halt n n g Dastehenden:„Wo hast Du gestanden, Alter?"„Bei der Braiinschivciger 8. Conipagnie." änlwortete in strammer militärischer Kürze, das Auge fest auf seinen obersten Kriegsherrn gerichtet, der alte Soldat.„Daun hast Tu die Cainpagne mitgemacht," sagte der Kaiser huldvollst im Weiter- schreiten. Daun trat der Monarch anf den Bergmann Vogt von Zeche„Hansa" zu, bei dem er mit scharfem Blick auf der Brust das Düppclstnrinkreuz von 1364 erblickte.„Hast Du das Wasser keuneii gelernt." fragte der Kaiser mit leutseligem Lächeln. Bei dem Bergmann Köster von der Zeche„Bonifätins", auf dessen Brust der Kaiser das Eiserne Kreuz erblickte, fragte der Monarch: „Wo hast Tu das Eiserne Kreuz erstritten?"„Bei Gravelotte, bei der Artillerie." antwortete der Angeredete und fügte hinzu: „Wo ich das Glück hatte, dnrchziikoimncn," Datz sich eine Anzahl mehr oder minder„reichstrener" Berg- knappen auf die„energische Anordniing" eines Vorgesetzten hin dazu haben bereit finde» lassen, dem Kaiser das Schauspiel niilitärisch- strammer Uuterthniieiidcvotion zu bieten, ist für einen Kenner der Bergarbeiter- Verhältnisse nicht allzu befremdend. Eigen- artig berührt dagegen die Behauptiiiig des Blattes, datz der Kaiser die meist viel älteren Arbeiter mit„Du" an- geredet haben solle. Trotzdem unlängst ein ähnlicher Vor- fall, der sich bei der Saalbnrgfeicr abgespielt haben sollte, erzählt wurde, verinögcn wir cS nicht zu glauben, datz der Kaiser allem Brauch zuwider erwachsene Bürger ohne weiteres geduzt habe. Ab» gesehen davon, datz eine solch antiquiert laudcsvnterlich familiäre Form der Anrede in die moderne Zeit nicht hineinpatzt, würde sie ihre ausschließliche Aiuvcnduug auf Arbeiter doppelt seltsam erscheinen laffen.—_ Deiitsch-rcichSherrlicheS Schulwesen. Welch traurige Schiilverhältnisse auf den feudalen Besitzungen dcS p o m m e r n scheu Adels herrschen, zeigt wieder ein Bericht des „D. Tagcbl." aus Schmarsow, das zu einem großen Fidei- lommitz gehört, unter dem 15. August: Durch ein furchtbares Gepolter und Gel räch wurde gestern nacht der hiesige Lehrer ans dem Schlafe aufgestört. Als er sich nun nach der Ursache des Lärms umsah, fand er. daß ein großer Teil der Schulstiiben- decke, die schon feit Monaten mit dem Einsturz gedroht hatte, ii i e d e r g c st ü r z t war. Ein wahrer Segen ist es, daß dieser Einsturz der altersschwachen Decke nicht während dcS Unterrichts er- fo Igte. Unabsehbares Unglück hätte dadurch entstehen können, zumal, da der jüngste Jahrgang in den gefährdeten Bänken seinen Platz halte. Gemildert wurde allerdings die Gewalt der niederstürzenden Massen dadurch, datz das Zimmer nur 2,30 Meter hoch ist.... Der Lehrermangel in Mecklenburg wird, wie man der „V. Ztg." schreibt, zum 1. Oktober noch fühlbarer als bisher werden, da zu diesem Zeitpunkt eine Anzahl Lehrer nach andre» Bundesstaaten gehen. Ein Ersatz ist nicht zu schaffen, da von den zur Entlaffung kommenden 35 Seminaristen 26 zum Militär ein- gezogen werden. Es wird also im kommenden Winter wieder in vielen Ortschaften Halbtagsschule eingerichtet werden müssen. oder, wo dies nicht angeht, werden die Kinder ohne Unterricht bleiben, wie auf dem Rittergut Benz bei Lübtheen, wo die Schüler von Ostern 1901 biS Ostern 1902 keine Schule besucht haben. Die S ch u l p a t r o n e haben von diesen traurigen Zu- ständen pekuniär»och Vorteil, da sie das Stellengehalt ganz oder teilweise sparen._ LebenSmitteltcuernng und Epidemien. In Posen hat sich nach der„Pos. Ztg." am Freitag der Magistrat mit den Ursachen einer Brechdurchfall-Epidemie beschäftigt und hierbei die„ganz im- gewöhnlichen Teiiernngsverhältnisse" besprochen. Neben einer Reihe anderweitiger Maßregeln hat der Magistrat beschlossen, die st ä d t i s ch e u Speise- und S u p p e n a n st a I t e n sofort wieder in Betrieb zu setzen bezw. zu vergrößern, um dadurch der ärmeren Bevölkerung die Möglichkeit billiger und gesunder Er- nährnug zu geben.— Die Stuttgarter Stadtverwaltung bereitet nach einer Laffan-Mcldnug eine komniunale Abwehr der mehr und mehr steigenden Fleischvertheueruug vor. In den nächsten Tagen wird dem Geineinderat zur Weiterbehandlung ein umfängliches Schrift- Material zugehen, welches ei» Beamter des städtischen statistischen Amts auf einer dreiwöchigen Reise an den dabei mit Stuttgart verglichenen Märkten wie München, Chemnitz, Dresden und L e i p z i g gesammelt hat. Auf Grund dieser Vorbereitungen ist eine Untersnchiiiig der Ursache der Erhöhung der Fleischpreise, wie eine Prüfung ettvaiger Gegenniatznahnicn in Aussicht genommen. Hoffentlich beschränkt sich die„Abivehr" nicht ebenfalls anf Er- richtnng von Suppennnstalten. Nur eine Aufhebung der Grenz- sperren und Fleischeinfuhrverbotc kann hier wirklich Helsen. Ansscroedentlichc Vorsichtöuiahrcgcl» werden, wie die„Posen. Zeitung" erfährt, während des K a i s e r b e s u ch s in Posen zur persönlichen Sicherheit des Kaiserpaares getroffen. Bei den Aus- fahrten lvird fast immer Militär S p a l i e r bilden, während auf beiden Sejte n derStratzen solvohl hinter als auch vor dem Publikum S ch u tz m a n n s p o st en auf- gestellt iverden. Die Fremdenlisten der Hotels unterziehen Polizeibeamte einer regelmäßigen Revision, wobei streng darauf geachtet wird, datz Fremde sich h i n r e i ch e n d legitimieren könne n. Es fehlt nur noch, datz man der Bevölkerung Hansarrest auf- erlegte.— Drei MajestätSbeleidigungS-Prozeffe gab es wieder einmal vor der Düsseldorfer Strafkammer. Zwei S ch>v e st e r n aus Luxemburg wohnten, ivie uns von dort berichtet wird, bei einer Wirtin und erlaubten sich einige Redensarten über den deutschen Kaiser. Die Wirtin hörte das, lief zur Polizei und machte Anzeige. Nun hat die famose Danic die Genugthuung, zu wissen, datz die beide» Schwestern auf je 2 Monate ins Gefängnis wandern müsfen.— Ein Fabrikarbeiter Vricks aus München-Gladbach stand vor einem Bild des Kaisers und erlaubte sich darüber einige Kritiken. Ein Denunziant schnappte ein paar bedeutungslose Worte auf. lief zum Kadi und das Gericht verurteilte auch diesen Majestätsbeleidiger zu 2 Monaten Gefängnis. Diese Verhandlungen fanden in vssciitlichcr Sitzung statt, ein Beweis, wie harmlos die betreffende» Aeutzeruuge» waren. Ausland. Vom französischen Kulturkampf. Der Widerstand in der Bretagne scheint beendet zu sein, ohne dast, wie die Reaktionäre es gehofft, zu großem Blutvergießen ge- kommen wäre. Wohl hatte die Baronin de Reille im Elisee gedroht, daß das Blut der Frauen in de» Straßen fließen werde, ivohl mögen diejenige», welche die fanatischen Bauern zum Widerstand auf- reizten, gehofft haben, daß die Soldaten und Gendarmen sich durch die Provokationen der Bauern zu Gewaltthätigkeiten hinreißen lassen wurden. Nichts ist indes geschehen, kein ernstlicher Zusammenstoß erfolgt. Geflossen ist nicht Blut, sondern nur und zwar in Strömen, Petro- leum und allerhand übelduftende Flüssigkeiten, die von oben herab ans die Gendarmen und Soldaten gegossen ivurde». Alles dies ertrugen Offiziere und Soldaten mit großer Geduld; Vcr- wmidete hat es nur auf seite» der Armee, die hier in diesem Falle dem Gesetz Achtung zu verschaffen hatte, gegeben. Haben sich auch die Aristokraten sehr weit vom Schuß gehalten und verleugnen sie auch den royalistischen Charakter der Bewegung, so ist doch sicher, daß sie die stille Hoffnung hegten, die Bewegung könne sich ausdehnen, und dann würden sie sicher gesucht haben, sie zn ihren Zwecken auszunützen. Dieser Tage waren die Royaliste» in Paris zu einer Feier zu Ehren der Herzogin von Orleans ver- sammelt. De la Sondiöre bemühte sich in einer Rede, die Not- wendigkcit der Wiedererrichtung der Monarchie nachzulveiscn; nur sie repräsentiere den wahren Nationalis»ms. Indem Combes die Religiösen verjage, überliefere er ihnen(den Royaliste») die Bretagne. Herr De Laregle entschuldigte das Abreißen der Siegel von Schulen und lobte die Offiziere, die lieber ihre Karriere aufgeben als gegen ihr Gewissen handeln.„Hoch Saint Remy Sodann tadelte Laregle das Verhalten einiger von ihnen, deren Reden mit ihrem Handeln nicht übereinstimme. DaS deutete auf de Man hin. der in der Bretagne zum Widerstand auf- gereizt hatte, im eutschcidcnden Momente aber den Bauern riet, nachzugeben. Rufe:„Nieder de Mun!" ertönten. Alle Redner verwahrten sich gegen den Vorwurf, daß die Royalisten in der Bretagne die Hand im Spiele gehabt hätten: Herrn de Lupes Rede aber klang doch in folgenden Worten aus: „Seien wir bereit und discipliniert. wie unser Chef(Herzog von Orleans) es ist, und eines Tages werde ich Euch das von nnsrem Chef empfangene Signal geben und werde Euch sagen: Verlangt Eure vollen Rechte! Jawohl, ich schwöre Euch, ich werde Euch zum Angriff führen oder mein Mandat niederlegen." Einstivcilen begnügten sich die Royalisten mit der Annahme einer Resolution, in ivelcher sie„Monseigneur de» Herzog von Orleans" inständigst bitten, die„Dauer ihrer Prüfung" abzukürzen und baldigst das Signal zu gebön, das dem verratenen und nieder- getretenen Frankreich den Frieden, die Gerechtigkeit und Ehre wieder- geben werde. Le ManS, 20. August. Mehrere Bauern drangen in das Schloß des Deputierten Destournelles de Eon- st a n t. durchsuchten die Schränke und banden die Dienerschaft mit Stricken fest. Die Bauern erklärten, dies nur gethan zn haben, um dem Deputierten, der für das Äongregations-Gcsetz gestimmt habe, eine Lektion zu geben'. Avignon, 20. August. Eine V e r s a m m l u n g von an» geblich 3000 Wählern hat sich für die Steuerver- Weigerung ausgesprochen. Denselben Beifall, den die klerikale Revolte, der offene Wider st and gegen die Staatsgeivalt in deutschen CentrumSkreisen gefunden hat, hat ihm auch die belgische klerikale Presse gespendet, die doch vor wenigen Wochen bei der Wahl- rechtsbewegung der belgischen Arbeiterschaft nicht laut genug Über das revolutionäre Beginnen lärmen konnte und die Regierung zur blutigen Unterdrückung der Demonstrationen aufforderte. So schreibt das klerikale Blatt„Bien Public": „Muß man es nicht verteidigen, daß, wenn ein Land zu einer derartig schlechten, ganz unerträglichen Regierung gekommen ist, wenn die Behörde in roher Weise die Rechte, welche sie beschützen sollte, ver- letzt, diese nicht mehr berechtigt ist, auf die Unterstützung der ausführenden Organe zu zählen? Es g'iebt Fälle, wo diejenigen, die sich im Besitz der Macht befinden, aufhören! eine Regierung zu sein und öffentliche Feinde iv erden, gegen die man zu dem Rechte gesetzmäßiger Verteidigung und in' noch höherem Grade zu passivem Widerstand kommen kann." Das Blatt verficht also nicht nur das Recht der R e v o l u t i o n, sondern es billigt auch durchaus die Gehorsamsverweigerung der französischen Offiziere. Man thut gut, sich diese Geständnisse des Klerikalismus zu merken.— Oestreich-llngnrn. Ein würdiger Protegö LuegerS. Aus Wien wird dem „B. T." gemeldet: Heute wurde der ehemalige christlich- sociale Landtags-Abgeordnete und Wiener Ad- vokat Dr. Anton L v b e l wegen Betruges, B e r- untre uiing und Erpressung verhaftet und dem Landesgericht eingeliefert. Löbel war 1ög6 in der Wiener Neustadt gegen den socialdemokratischen Kandidaten von den Klerikalen 'und Antisemiten gewählt: die Wahl war trotz vieler Proteste für gültig erklärt worden, obwohl über Södels Vermögen bereits der Konkurs schwebte. Bald liefen zahlreiche Strafanzeigen gegen ihn ein, die ch r i stli ch- s o c i a l e Partei deckte ihn aber jahrelang, bis er durch die Verhängung des Konkurses sein Mandat verlor und die Advokatenkammer' ihm die Amtsausübung sperrte.— Schweiz. Die Anßersihler Wahlen vor dem KantonSrat. Zürich. 18. August.(Eig. Ber.) Der Zudrang des Publikums, das meistens aus socialdemo- kratischen Arbeitern bestand, zu der heutigen Kantoiisrats-Sitzung war ein außergewöhnlich großer, und bereits um 8 Uhr morgens ivurde» die Tribunen besetzt, die bis zur Eröffnung der Sitzung um {fi/i Uhr bis auf den letzten Platz gefüllt waren. Auch der Kantons- rat war außergewöhnlich stark, ca.' 200 Mitglieder desselben waren erschienen..." Um IV�s Uhr kommt der Wahlrekurs der bürgerliche» Partei- Häupter gegen die 27 socialdemokratischen Kantonsräte in Außersihl zur Verhandlung. Referent der Kommissionsmehrheit ist Bezirks- gerichtspräsident Bueler von Meilen am Zürichsee, ein unversälschter Vertreter des engherzig-bornicrt-agrarischen Sce-Liberalismns. Er niacht sich seine Berichterstattung niöglichst leicht und verweist immer wieder auf den vorliegenden gedruckten Bericht. Seine weisen Worte, daß die Socialdemokräten nicht gewählt worden wären, wenn die Wahlagitation nicht betrieben worden wäre, werden mit Recht von der Tribüne mir Gelächter beantwortet. Er beantragte die Kassation der Wahlen. In niehr als It/zstündiger Rede zerpflückt unser Genosse O b e r r i ch t e r L a u g den Rekurs der unterlegenen und daher bc- trübten liberal-demokratischen Lohgerber, wobei er treffend immer von sogenannten Liberalen und sogenannten Demokraten redet und ferner die Grunde, uamcntlich die vielbcrufenen„moralischen" der Gegner, aus denen sie die Wahlen kassieren wollen. Er erörtert die juristische Seite aller Gründe der Gegner und kommt dann dazu, seine Ziistiminung zu geben zur Ungültigerklärimg jener Stimmzettel, welche korrigiert bezw. von dazu nichtberechtigtcu Personen an der Stimmnrne abgegeben wurden. Aber nach Abzug dieser Stimmen haben alle 27 Sociaidemokraten noch inimer das absolute Mehr und muß daher ihre Wahl anerkannt werden. Nach Lang spricht ein Mitglied der KonimisfionSmehrheit etwas von„Wahlmoral", worauf unser Genosse Luchinger ein Sünden- rcgister der Bürgerlichen in Außersihl aiifthut und wie Laug vcr- sichert, daß die 27 Sociaidemokraten wiederkommen werden, wenn man heute die Wahlen kassiert. Nun folgt die Abstiminnng. Einmütig erhebt �ich die einige bürgerliche Partei, 174 Mann hoch, für den Antrag ans Llassation der Wnblcn und nur die 12 Socinldcmokrateii, 1 Demokrat(Dr. Wattstcin) und 1 Wilder(Gerichtspräsident Schnuppe), zusammen 14 erklären,, sich für die Gültigkeit der Wahlen. Ein orkanartiges huiidcrtsliiiimigcs„Pfui der Tribüiicn- besucher beantwortet gleich einem gewaltigen Elenientarausbruch den Gcwallstreich der bürgerlichen Kaiitonsratsinchrhcit, die sehr erregt wird. Der Lciinsieder Frey- Nagcli beantragt die Räumung der Tribüne, man sei beleidigt, die angenommen wird, worauf das Tribiiiienpiiblikiini in großer Empörung über den einem Staatsstreich gleichenden Gewaltakt das Gebäude verläßt. Und unmittelbar darauf beantragt dieselbe Kommissions- Mehrheit die Anerkennung einer Wahl, in der der Gewählte ein Bürgerlicher war und der nur mit I. Stiminc Mehrheit, die ein Wähler leer einlegen wollte, aber vor d e r U r n e von einem Bürgerlichen mit dem Namen seines Kandidaten ausgefüllt wurde, gewählt worden. Die Scham ist zn den Hunden geflohen. Die Kassation der Anßersihler Wahlen ist für die Züricher und Schweizer Socialdemokratie ein Glücksfall, der den Wert eines Socialifteiigesetzes hat. So mußten einmal die Klasjcngcgensätzc, die Gcwaltthätigkeit der besitzenden und herrschenden Parteien un- verfälscht in die Erscheinung treten, um die Nebel der politischen Harmonieduselci zu zerstreuen. Die Kassation zeigt, was ist, und das bedeutet eine klare Situation. Das„Pfui!" der Tribünen wird in den Kreisen der gesamten schweizerischen Arbeiterschaft sein lautes Echo finden.— Italien. Gegen den Zwangswohnsitz. In Florenz war von 52 Ver- einen eine Versammlung einberufen, in welcher ein Protest an- genommen werden sollte gegen die Strafe des Zwangswohnsitzes. Socialistische und radikale Äbgeordncte waren als Redner vorgesehen. Die Vcrsaminlnng wurde verboten, weil die Polizei angeblich eine Störung der öffentlichen Ordnung befürchtete.— Eugland. Das Aussterben des englischen Kleinhändlers. London, 18. Anglist.(Eig. Ber.) Unter diesem Titel(Piro xassinA of the grocer) veröffentlichen die Londoner„Times" vom 18. August 1002 eine Korrespondenz, die von dem raschen Untergang des cnglisckicn Krämers berichtet. Zu diesem Resultate führen drei Ursachen: die Kooperativen,„die Groß- geschäfte, wie Iloms aaä Colonial, International Tea Company, Lipton et hoc genus omne"; ferner die selbstmörderische Kon- kurrenz unter den Krämeni.„Der Prozeß der Vernichtung vollzieht sich mit solcher Schnelligkeit, daß in vielen Distrikten bald vom Krämer keine Spur bleiben wird." Der Korrespondent erzählt weiter:„In den letzten fünfzig Jahren haben sich die Zustände im Kleinhandel voll- ständig geändert; der altfränkische Krämer mit seinen Kunstgriffen und Geheimnissen«ist zum Verkäufer von Warenpakcten geworden, so daß ein großer Teil seiner Arbeit ganz automatisch vor sich geht. Heute kann jeder zum Krämer werden, der die nötigen Mittel hat. Der Wettbewerb wurde immer schärfer und unheilvoller. Hinzu kamen die Kooperationen und die Compagnicn", die den Handel an sich rissen. So kommt es, daß die Compagnien bedeutende Dividenden zahlen, und die Krämer zusammenbrechen. Im letzten Jahre, in einer Zeit hoher Gcschäflsblüte, zeigt der Kleinhandel die höchste Zahl von Bankrotten, die je verzeichnet wurde: es kamen vor 934 Bankrotte mit einem Gesamtbeträge von 750 000 Pfd. Stcrl.(über 15 Millionen Mark.)— Richter Bighamö Urteil. Die walisischen Bergbesitzcr haben gegen das Urteil der ersten Instanz Berufung eingelegt. Sie ersuchten den Appcllationshof um Beschleunigung, wurden aber abgewiesen. Die Berufung kommt erst in 9 oder 10 Monaten zur Verhandlung. Bis dahin haben sich die Bergleute verpflichtet, keine stop äays (EinstellungStagc) anzuordnen. Zum TradcS-UnionS-Kougrest. Es scheint, daß Mr. Sam Woods, der langjährige Sekretär des Parlamentarischen Komitees, Heuer auf diesen Posten nicht reflektieren werde. Er fühle sich den konniienden Kämpfen um das Gewerkschaflsrecht nicht mehr gc- wachsen. Sein Rücktritt wird Ivohl nirgends bedauert werden. Urb er die Ergebnisse der Kolonialkonfcrcnz haben sich die Premierminister von Australien und Neuseeland, jeder in seiner Weise, ausgelassen. Der Premier von Australien, Barton, die Unterschätzung der Resultate der Konferenz fei nicht am Platze. Nur diejenigen, die Unmögliches erwartet hätten, seien enttäuscht worden. So sei es zum Beispiel noch viel zu früh für die Schaf f u n g einer Vertretung der Kolonien i ni englischen Parlament. Augenblicklich könne man durch die Regierung selbst einen weit wirksanieren Einfluß im Interesse der einzelnen Reichsgliedcr ausüben. Der extrem iniperialistische Preniierininister von Neiisccland, S e d d o n, ist dagegen durch die Konferenz enttäuscht worden. Die Konferenz sei nicht' so imperialistisch gestimmt gewesen, wie er erwartet habe. Seiner Meinung nach hätte sich die Konferenz zu sehr mit der kommerziellen Seite und zu wenig mit den impcria- listischcn Beziehungen der Kolonie» zum Mnttcrlaude befaßt. Der Handel sei gewiß sehr wichtig, aber das Z u s a m m e n h a l t e n des Reiches sei noch wichtiger. Schweden. Sehr gründliche Erhebungen zur WahlrechtSfrage läßt die schwedische Regierung veranstalten. Nachdem vor nicht langer Zeit erst 25 000 Kronen dafür ausgegeben wurden. hat sie nun auf Ansuchen des Statistischen Central'vureaus weitere 20 000 Kr. für denselben Zweck angewiesen. Was diese Erhebungen eigentlich sollen, da es doch bekannt ist, daß das schwedische Volt mindestens so gut wie irgend ein andres Kulturvolk Europas für das allgemeine Wahl- recht reif ist. ist ziemlich unverständlich.— Rußland. Der Widerstand Finnlands. Die russische Regierung niacht in Finnland in ihrer Verwüstungs- Politik eine Erhoinn'gspause. In Wirklichkeit ist sie aber schon mit der Arbeit zu Ende, denn das, was von dem alten Finnland übrig geblieben ist, läßt sich nicht mit dem Henkerbeil des Absoliitismn's wegrasieren— nämlich das finnische Volk als Sprach- und Kultur- geiiieinschaft. Diese zu vernichten würde der russischen Regierung nie gelingen, darüber sind auch die Herren in keinem Zweifel, die der politischen Organisation Finnlands den Garaus gemacht haben. Finnland giebt aber auch noch nicht die Hoffnung auf die Wiederherstellung seiner alten Rechte und Jnstitutiouen auf. Hat man ihm das BersannnlungS- und Vereinsrecht genommen, es weiß sich durch geheime Koalitionen zu helfen, die der russischen Re- gierung. da sie nicht über eine genügende Zahl finnisch fprcchender Detektivs verfügt, trotz allen Bemühungen des Generalgouverneurs, sie auszuheben.' unaufgedeckt bleiben. Die Presse ist unterdrückt, an ihre Stelle ist aber' die geheime Litteratur getreten, die. wie Thatsachen beweisen, mehr zur Stärkung- der Opposition bei« trägt als die legale Prcffe, wie sie sich unter dem Censur» knü'ttel des Generalgouverneurs entwickelte. Gegenwärtig konzentriert sich die oppositionelle Bewegung um die„Partei des passiven Widerstandes", die gegen die Petersburger Untcrdrücknngsmaßnahmen in der letzten Zeit eine rege Thätigkeit entfaltet hat. Schon der Name der Partei zeigt ihre Taktik an; sie sucht gewaltthätigen Zusammen- stößcn aus dem Wege zu geben; nicht durch Demonstrationen und öffentliche Protestversaniniiimgen will sie eingreifen, sondern ledig- lich durch Nichtbcfolgung der Erlasse der russischen Regierung. Als gesetzlich werden von ihr nur solche Verordnungen angesehen, die der finnische Senat anerkannt hat. Sämtliche Rcgierungs- akte des Absolutismus seit dem Jahre 1898 werden für ungültig erklärt. Die Partei hat eine große Preßagitation im ganzen Lande in Vcwegnng gesetzt; sie läßt unter andrem auch eine wöchentliche Revue unter dem Namen„Das freie Wort" erscheinen, das im Auslände gedruckt wird und als Schmuggelware über die Grenze geht. Die Partei sympathisiert mit der revolutionären Thätigkeit der russischen Genossen.„Wir gehen", schreibt das Organ der Partei, „Hand in Hand mit den russischen Revolutionären, da ja unser Ziel ein gemeinsames ist, das ist der Ilmstnrz des Absolutismus und der Willkür und der Sieg des Gesetzes, der durch den Willen des Volkes geschaffen wird, aber wir müssen zu diesem Ziel auf verschiedenen Wegen kommen." Das sei deswegen notwendig, meint das Blatt, weil die Finnen vor allem die Rechte verteidigen müssen, die sie schon besitzen und die die russische Regierung zu nehmen bestrebt ist; das russische Volk hat aber noch keine Rechte und keine Gesetze, denn die Ukase sind nicht als Gesetze zu betrachten. Die Partei hat auch bewiesen, daß sie unter den weitesten Schichten des Volkes nicht erfolglos wirkt. Das sah man deutlich während der Nekriitoiiaushebnng nach dem neuen Militärpflichtstatut. Die Partei hatte die Parole aus- gegeben, zu der Aushebung nicht zu erscheinen, und durch eiiie starke Massenagitation erreichte sie auch, daß von 100 Stclluiigspflichtigcu durchweg 60 nicht erschienen. Diese Ziffer würde aber noch steigen, wenn die Provinz Abo nicht in Betracht käme, wo der Bischof lebt und die Geistlichkeit noch eine große Rolle spielt. Sie beredete das Volk, sich dem Wille» des Kaisers nicht zu widersetzen. I» diefcr Provinz erschienen von 100 Stellungspflichtige» bloß 17 nicht. Alles in allem hat der Absolutismus mit dem Versuch, das neue Wehrpflicht-Gesctz eilig in Anweudung zu bringen, keine angenehmen Erfahrungen gemacht. Die Regierung will darum jetzt die Anwendung des Gesetzes auf ein größeres Zeitmaß ausdehnen.—_ 50 Soldaten beim Manöver ertrunke«. Wie aus Peters- bürg gemeldet wird, hat sich bei den große» Manövern in der Um- gegend von Petersburg ein schweres Unglück ereignet, über welches nähere Einzelheiten jedoch mir schwer zu erlangen sind. Es ist indessen bekannt, daß eine Schwadron Kavallerie bei Ausführung eines ihr erteilten Befehls in einen Fluß stürzte, wobei 50 Mann ertranken.— Asien. Eine furchtbare Hungersnot herrscht auf Java, derjenigen unter den Inseln des Malaiischen Archipels, auf der die Kolonisation der Holländer am weitesten entwickelt ist. Zwar zahlte die Javasche Bank für das Geschäftsjahr 1901 eine Dividende von Proz., so daß also glücklicherweise die Aktionäre nicht zu verhungern brauchen. Entsetzliche Schilderungen der HiiugerSuot in den Bezirken von Samarnny hat Van Kol, der vor kurzem die Gegend besucht hat, entworfen. Er iveist besonders auch auf die Zunahme der Verbrechen als eine der Folgen des Elends hin. Die entdeckten Vieh- diebstähle wuchsen in den Jahren 1898, 1899, 1900 und 1301 von 20 auf 36, 62 und 115; Mordthaten kamen 1833 und 1300 je 7, 1901 aber 11 vor.„Für 50 Cent leistet man einen Meineid und in einer Laudratsfitzung wurden 12 Zeugen auf Meineid ertappt. Und während die Eingeborenen Hunger litten, wurden verschiedene Unternehmer i n einigen Monaten reich. Die Negieruug gab Vorschüsse zur Bearbeitung der Sawahs, Bllffclochscu zum Pflügen, aber auch davon nahmen die ein- geborenen Beamten und einige Europäer einen Teil. Notarbeiten wurden ausgeführt, aber die Aermsten und Schwachen wnrden nicht zugelassen. Die Nahrungsmittel mußten zu Gunsten einzelner übermäßig teuer bezahlt werden.— Amerika. New Dork, 20. August. Eine Depesche des„New Dork Herald" äuS Willemstad vom 19. August besagt: Deutschland, England und Frankreich haben vereint gegen die B l o ck a d e der v e n e z o l a n i s ch e n H ä f e n E i n j p r u ch erhoben. Venezuela wird morgen Antwort geben. Eine Erinncrung an Max Kegel wird der bevorstehende deutsche Parteitag bringen. Unter den Liedern, die beim Kcllerfest im Hacker-Keller zum Vortrag kommen werde», befindet sich auch der berühmte Gesaug der Girondisten. Die dichterische Uebertragung ins Deutsche rührt von Max Kegel her. Sie ist zwar bereits in der Mitte der achtziger Jahre entstanden und war für eine Sammlung von Freihcitsliedern aller Völker bestinimt, die damals in München beabsichtigt war. Jedoch kam dieser Plan niemals zur Ausführung, und Kegels Dichtung wird deimiächst zugleich zum erftcumal und als letztes seiner Werke öffentlich vorgetragen. Der Arbeiter-Sänger- bmid wendet dem Studinni und dem künstlerischen Vortrage des Liedes, das in Kegels Bearbeitung den Titel„Freiheitsgosang" trägt und wohl bald in den Liederschatz aller Arbcitcr-Gesangvcreine über- gehen dürfte, besondere Sorgfalt zn. Für de» Wahlkreis Gnben-Lübben tagte die Kreiskonfererenz am Sonntag in Guben. Sie war hauptsächlich von Parteigenossen aus Gnbc» besucht. Die Agitatioiiskonimissioii vertrat zugleich der Kandidat des Kreises, Genosse K o tz k e- Berlin, und als' Vertreter der„Märkischen Volksslinime" war Genosse Eberhard- Forst er- schienen. Die Organisation im Kreise ist noch sehr schwach, doch macht sie nnverkennbare Fortschritte. Der Ceutral-Wahlverein zählt 201 Mit- glicdcr, seine Einnahmen betrugen 745 M., die Ausgaben 540 M. Die „Volksstimme" wird in 263 Exemplaren abonniert. VcrsainnilnngS- säle giebt es leider mir in Guben, Fürstenberg und Neuzelle. Beschlossen wurde die Beschickung der Konferenz für den Re- gierungsbczirk. Zur Provinzialkonferenz wurden die Geiiofscn Häiichen-Gliben und Wagner-Lübben delegiert. Die Vertretung des Kreises auf dem Parteitage wurde in Rücksicht auf die Kosten dem Genossen Eberhard-Forst mit übertragen. Bei der Stadtverordnrteuwahl in Velbert wurde der social- demokratische Kandidat mit 286 Stimmen gewählt. Der gemein- sanie Kandidat der Freisinnigen und Ultramontanen erhielt nur 196 Stimmen. Poliiriliches. Gerichtliches»Nu. — Wegen ungünstiger wirtschaftlicher Verhältniffe verbot das Landratsamt in Harburg das diesjährige Bilndes-Sängerfest des Liinebiirg-Harbnrger Arbciter-Sängcrbiindes und der Siegierungs- Präsident in Lüneburg schloß sich dieser Begründung au.' Es geht doch der Polizei wahrhaftig gar nichts an, ob die Sänger die Mittel zn einem Vergnügen haben oder nicht; es muß doch sehr an guten Gründen zuni Verbot des Arbeiterfestes mangeln, ivenn man zu einem so fadenscheinigen greift. — Einen festrn VeikanfSstand soll der Zeitungshäiidler Genosse Paul Grieß in Magdeburg eingenoinnieu haben, obwohl er nur die Erlaubnis zum Zeitnngsvcrkauf im Umherziehen hat. Deshalb wurde er mit 5 M. Polizeistrafe belegt. Das Schöffen- gericht, das Grieß anrief, war derselben Meinuug, wie die Polizei; es erklärte: Grieß habe eine feste Verkaufsstelle eingenommen, denn bicfcS sei schon der Foll, ivenn der Verkäufer nnf einer kurzen Strecke mit seinen Waren hin und her gehe. Durch solches Hin- und Herrchen sowie zcitwciscs Stehenbleibe» werde der Verlehr an einer belebten Stelle iinmcr gestört. Die Strafe wurde auf 3 W. herabgesetzt. Aus Jtitfciijfvtc und TZandel. HLrdcr Bcrgtvcrkö- und Hiittcnverein. In der gestrigen Sitzung des AufsichlSratcs wurde der Abschluß für das Geschäftsjahr 1901/2 vorgelegt. Derselbe ergicbt»ach Verwendung von 430 000 Mark aus de». Conto für Vczugsverpflichtnngen einen Bruttogeivinn von 2 048 013.60 Mark, welcher ganz zu Abschreibungen verwendet wird. Da von der im vorigen Jahre vorgenoinmeiicn Rückstellung für Bezugsvcrpflichtnngcn im Betrage von 500 000 M. ca. 43 000 M. verbraucht sind, die vonr obigen Bruttogeivinn in Abzug konunen, schrnmpst dieser auf 1618 013 M. znsannncn. Dagegen betrug im vorigen Jahre der Rohgcwinn 5 900 186 M.. von dem nach Vor- nähme einer Abschreibung von 2 048 013 M. und der obigen Rück- stcllnng von 600 000 M. auf die Vorzugsaktien eine Dividende von 10 Prozent und auf die Stammaktien eine solche von 5 Prozent vcr- teilt wnrde. Die„Wisscncr VergwerkS-Hiitteiiacsellschaft" erzielte im setzten Geschäftsjahr eine» Rohgewinn von 1518 453 M., wovon 520126,50 M. zu Abschreibungen' verwendet werden. Dem Hochofen- Erneuerungsfonds sollen 75 000 M. zugewiesen und dem Reserve- fonds 92 333 M. überwiesen werde». Von dem nach Hinzufügung eines GewinnvortrageS von 176 583 M. verbleibenden Reste im' Be- trage von 889 382 M. soll der ain 30. Oktober d. Js. stattfindenden Generalversammlung vorgeschlagen werden, eine 12'/sprozcntige Dividende zu verteilen, so daß ein Saldo von 413 382 M. als Gc- tvinnvortrag verbleibt. Die Arbeiterentlassiinge» im rheinisch- tvcstfälischen Industriegebiet nehmen nach einer Meldung der„Voss. Zjtg." noch fortwährend zu. Auch in der Kruppschen Guststahlfabrik niacht sich die schlechte Konjunktur sehr bemerkbar. Nachdem jüngst erst in einzelnen Betrieben mehrfach Arbeiterentlassungen vorgenommen Ivorden waren, mutzte nunmehr wiederum in einer Werkstatt 50 Arbeitern die Kündigung überreicht iverdcn. Ebenso wnrde zahl- reichen Arbeitern auf dem Bochumer Verein in der Gcschotzdrcherei soivie in den sogenannten Kanonenbndc» die Arbeit aufgekündigt. Auch in den« bergischen Lande niacht sich der Arbeitsmangel empfindlich bemerkbar. Die Mcsscrschlcifercicn beschlossen, bei der Verminderung der Arbeitsstunden keine Lehrlinge niehr einzustellen. Die Halbjahrs-Bilanz der östreichifchcn Kreditanstalt, die soeben veröffentlicht wird, ergiebt einen Rohgeivinn von 7 613 069 Kronen, der sich aus folgenden Erträgen zusammensetzt: Gewiun auf Effekten, Konsortialconto und Konrmanditen 735135 Kr.(gegen das Vorjahr 134 544 Kr.), an Zinsen 4 718 734 Kr.(— 637 217 Kr.), an Provisionen inkl. Provisionen auf Waren 1 595 335 Kr.(—16 071 Kr.), an Devisen 306 668 Kr. (— 59 088 Kr.), an Realitäten- Erträgen 97 723 Kr.(— 6391 Kr), an Dubiose»»Eingängen 9980 Kr.(—11 171 Kr.), an unbehobencn Dividenden 1728 Kr.(4- 203 Kr.), an Gewiniivortraa 147 766 Kr. (- 67 434 Kr.) Die Gesamtsumme der Lasten belänft sich auf 3 326 367 Kronen nnd setzt sich aus folgenden Posten zusammen: Gehalte 1 490 382 Kr.(— 9245 Kr.), an Spesen 679 486 Kr.(-1- 95 134 Kr.). an Abschreibungen 47 346 Kr.(-1- 1526 Kr.), an Steuern 1001 676 Kr.(— 161 231 Kr.), an Beitrag zum Pensionsfonds 100 000 Kr.(unverändert), an Verlust auf verschiedene Forderungen 7477 Kr.(- 280 Kr.).' Der Reingewinn belänft sich denmach auf 4 236 702 Kronen, bleibt also gegenüber dem Ergebnis des ersten Halbjahrs 1901, das einen Gewinn von 4 875 274 Kronen brachte, um 588 573 Kronen zurück. Das Gefamiresultat bleibt etlvaS hinter den Ertvartlniaen der letzten Wochen zurück, entspricht aber im ganzen den früheren Schätzungen, die den Ausfall gegenüber dem Vorjahr auf circa 600000 Kronen veranschlagten. Der Rücktritt dcS Präsidenten des StahltrnstS, des Herrn ChärlcS W. Schivab, wird durch eine New Uorker Laffan-Mcldung bcftäiigt. Der Grund des Ltücklritts soll angeblich in Schwabs Gesundheit zu suchen sei», die Freunde Morgans aber machen gar kein Hehl daraus, datz die ivirkliche Ursache in der Ungehaltenhcit Morgans über die langsame Art zu suchen sei. mit welcher Herr Schivab Morgans Bemühungen um den Schiffahrtsring in Amerika lvähreild Morgans Abwesenheit gefördert habe. Letztere habe sogar Morgans vorzeitige Rückkehr nach Amerika provociert. GemovKpiisZÄftliifzvs. Berlin nnd Uingegend. Altgeselle»-Konferenz. Eine Konferenz der Altgesellen nahezu sämtlicher Innungen Berlins tagte am 14. August im Gelverkschaftshanse. Die Konimission der Gescllenausschüsse hatte dieselbe einberufen, NM ein weiteres einheitliches Vorgehen gegen die Errichtung cineö E i n i g u n g S a nr t s im A n s ch l n h a n das J.'n nnngS-Schiedsgericht zu beraten. Von verschiedenen Seiten wurde Klage geführt, datz die Vorstände der ineisten Jnnnngcn, in denen der betreffende Statntenentwnrf bereits ver- handelt ist, den Gesellcnvertretern chcnselben nicht vorher zur Information vorgelegt, sondern erst in der Quartals- Versammlung zur Kenntnis der Jutcrcssenten gebracht haben, jedenfalls in der Absicht, durch ein solch beschleunigtes Verfahren eine eingehendere Kritik zu verhindern, was ihnen ja zum Teil auch gelungen ist. da eine ganze Reihe von Gesellcnausschüssen sich aus Unkenntnis mit dem Entwurf eiuverstaiideii erklärt hohen. Wo dies noch nicht gc- schehen ist, haben die Gescllenausschüsse den Entwurf nunmehr ein- znfordern und gegen die bezüglichen Bcstimniungeu bei der G e w e r b e d e p n t a t i o n Protest e i n z u l e g e». An der Diskussion beteiligten sich auch�die Vertreter einiger auf christlicher Grundlage organisierter Gesellenausschüsse in durchaus zustinimeuder Weise. Lebhafte Entrüstung rief ein Antrag hervor, den der Central- ausschutz der vereinigten JunungSvcrbande dem Reichskanzler, dem Staatssekretär des Jiincrn und dem prentzischcn HaiidclSmiiiister überreichen will. Die Herren JniiuiigSmeister fühlen sich— natürlich I— belästigt durch die Polizei, welche die Betriebe hinsichtlich der Jnnehaltung der Arbeiterschutz-Bestimmungen kontrolliert. Ob- gleich allgemein bekannt ist, datz die kontrollierende» Beamten gewitz nicht zu strenge gegen die BetricbSinhabcr vorgehen, möchten sie sich auch diese rücksichtsvolle Aufsicht vom Halse schaffen. Deshalb be- antragen die Jnnungsvorftände: .Die Beauftragten der Innungen mit allen Befugnissen der Gewerbe-AufsichtSbc'nintcn bezüglich dcS LehrlingsivcsenS � zu beauftragen, sodah der Gewcrbe-Jnspektion lediglich die Beaufsichtigung der maschinellen Schntzvorrichtungen obliegt.(§ 94o und 139b D. R.-G.-O.)" Dieses dreiste Verlangen fand seitens der Teilnehmer der Konferenz eine ebenso scharfe wie wohlverdiente Kritik. Schlietzlich wurde noch mitgeteilt, datz in nächster Zeit eine ge- meinschaftliche Sitzung sämtlicher Jnnungsschiedsgerichts-Beisitzer zwecks RechlSbelehriing stattfindet, und datz alle Uebergriffe der Jnnungsvorstände an die Adresse der Kommission: O tt o W e lS. E n g e l- U f e r 15, Zimmer 35. zu berichten sind. verantwortlicher Redacteur: Julius Kaliski in Berlin. Für den Deutsches Reich. Daö Ende deö Hamburger DrofchkenstreikS. Wie wir schon gestern kurz mitteilten, ist die Beendigung des Streiks am Dienstag beschlossen ivorden. Jedoch wird der Betrieb nicht bedingungslos nnfgcnonnnen. sondern cS wird erwartet, datz die neue Droschkcnordnimg den Wünschen der Interessenten gemätz und unter Hinznzichnng ihrer Vertreter umgeändert wird. Der Antrag, den die Versammlung zu diesem Punkt nnnabm, lautet: „Unter der Voraussetzung, datz der Senat die Znsichcruiig giebt, datz die Verordunng zurückgezogen resp. für ungültig erklärt wird und der Senat ferner verspricht, datz an der Äusarbcitung einer nenen Verordnung die beteiligten Vereine der Fuhrhcrren und Kutscher durch die Füilfzehiier-Koniinission hinzugezogen werden, heben die heute Versammelten den Streik auf, treten jedoch zu geeigneter Zeit sofort wieder in den Ausstand ein, wenn der Senat den berechtigten Wünschen der Interessenten nicht Rechnung trägt." Der„Hambnrgischc Korrespondent" will von„gut unter- richtctcr Seite" erfahren haben, datz der Centralvcrband der Handels-, Transport- und Vcrkehrsarbeiter eine Fortsetzung deö Streiks be- absichtige, in den auch die Slratzcubahn-Angcstcllten hineingezogen werden sollten. Diese Meldung klingt sehr unwahrscheinlich. Dem Central- vorstande des genannten Verbandes ivar bis zum Mittwochabend von einer derartigen Absicht seiner Hamburger Rkitglieder nichts be- kannt. Tic Hniiiburgcr Polizei, deren Vorgehen gegen Streikposten beim BauarbeitcrauSstaiid oft Gegenstand der Kriiik gewesen ist, hat iinnmchr auch vor Gericht eine recht deutliche Abweisung er- fahren. Das Hamburger Schöffengericht hatte sich ani Sonnabend mit dem folgenden Fall zu heschäfligen: In einer Juni- nacht um 2 Uhr ging der Bauarbeiter K. in einer völlig menschen- leeren Stratze vor einem Hotel, in dem sich ein Massenquartier von Arbeitswilligen befand, auf und ab. Ein Schutzmann trat an ihn mit den Worten Hera»:„Sie scheinen hier Patrouille zu gehen. Das dürfen Sie nicht. Scheeren Sie sich hier wegl" Sodann kam noch ein Wachtmeister hinzu und schrie laut: „Was haben Sie nachts auf der Stratze zu lhun? Bringen Sie den Kerl an Wache!". Datz der Angeklagte de» Verkehr nicht gestört hatte, mutzte der als Zeuge vernommene Schutzinann zugeben. Er fühtte zur Rechtfertigung seines Einschreitens an, er habe den Auftrag bekommen, datz sich niemand in der Nähe des Hotels aufhalten solle, damit die dort unter- gebrachten ca. 90 Arbeitswilligen nicht belästigt würden. Das Gericht konnte diesen Grund nicht als ausreichend für die Ver- Haftung, und noch viel weniger für die Vcslrafniig des An- geklagten auschen. ES sprach denselben vielmehr frei und stellte fest, datz die Festnahme deS Angeklagten nicht auf Grund der Stratzeiiordnung erfolgt sei, die auf de» vorliegenden Fall gar nicht passe. sondern auf Grund eines gesetzwidrigen Verhaltens des Schutz- manne s', zu dem dieser auf Grund seiner Instruktion gelangt sei. Aus diesem Grunde rechtfertige sich auch die Aufcrlcginig der Kosten der Verteidigung nnf die Staatskasse. Nach diesem Mitzerfolg würde die Hamburger Polizei gut thun. nicht nach Lorbeeren im Kampfe gegen streikende Arbeiter zu suchen. Wcberstreik. In der Weberei von Müller u. Banmann in Neichenbach ist ein Streik ausgebrochen. Wieder eine Maffregelung. Die Thüringer Porzellan- fabrikanten scheinen jetzt planinntzig gegen die Organisation der Porzellanarbeiter vorzugehen. In der Fabrik von Pfeffer in Gotha wurde ein Brenner, der Vorsitzende der dortigen Filiale des Porzellaiiarbcitcr-Bcrbandcs, aus nichtigen Gründen entlassen. Die Arbeiter sind überzeugt, datz es sich um eine Matzregelniig handelt, denn der Fabrikant hatte schon vorher geäntzert. datz er die organisierten Brenner nach und nach entferne» wolle. In einer Verhandlung mit den Arbeitern gab der Fabrikant diese Ansicht auch zu. er meinte aber, datz er sie„nicht so schnell" ausführen werde. Die Arbeiter kamen zu der gewitz zu- treffenden Ansicht, datz es nicht in ihrem, sondern im Jntcrcssc des Fabrikanten liege, wenn er für die beabsichtigten Matzrcgclnngcn ein nicht so schnelles Tempo wähle. Die Brenner sollen nämlich erst die an ihre Stelle tretenden Ersatzkräfte anlernen, sich auf diese Weise selbst überflüssig machen, um dann auf die Stratze gesetzt zu werden. Dieser„mcnschenfrenndlichen" Absicht kamen die Brenner dadurch zuvor, dptz sie die Kündigiing einreichten, die am 23. August abläuft. Die Metallschläger i» Fürth, soweit sie dem Deutschen Mctallarbciter-Vcrband angehören, haben beschlossen, in Zukunft mir 48 Stunden wöchentlich zu arbeiten. Die Schlügcrmeisler haben den gleichen Beschlutz gcfatzt. Bisher wurde in der Metallschlägerei oft 12—13 Stunden täglich gearbeitet, während die Silber- und Goldschläger schon seit längerer Zeit den Nchtftundcntag haben. Ausland. Ter Streik in den Carbid- nnd Chloratfabrikcn in Alby (Schweden), woran ca. 200 Arbeiter beteiligt waren, ist nun bei- gelegt. Mit den llntcrnchmcrn ist ein llcbcrcinlouimen getroffen worden, das auf ein Jahr gelten soll. Sociales. PrentziscsieS Schulwesen. Tic„Statistische Korrespondenz", die kürzlich die Ergcbiiisfc der prentzischcn Volk-Sschulstatistik mitteilte, hat offenbar Auftrag erhalten, die Kritik, die an diese Ergebnisse an- knüpfte und den kläglichen Znstand des VolkSschulwcsenS beleuchtete, in irgend einer Weife abzuschwächen. Nach beliebter Methode thut sie das nun, indem sie— zusammenzählt. Für ein Kind jährlich 43 M.. für 5'/» Millionen Kinder in 8 Schuljahren 2,1 Milliarden; und da das noch innner nicht zieht, so werde» noch die Ausgaben der— Eltern für die leibliche Erhaltung der Kinder hinzugerechnet. „Und wenn man dazu noch die vor der Schulzeit entstandenen Kosten rechnet, so kostet eine gegenwärtige Generation, soweit sie ihre Erzichnng und ihre Bildung in der Volksschule abschlietzt, bis zum vollendeten 14. Lebensjahre mindestens 6 Milliarden Mark, eine Zahl, die keineswegs auf grotzc Genauigkeit Anspruch erhebt, in- dessen doch für viele einiges Ueberraschcndc haben wird." So lautet der SchUitz der Renoinmienioliz. So macht man eS ja auch bei der Arbcitcrversichcrung. DaS ist alles natürlich Unsinn. Für die Beurteilung dessen, was ein Gcmcinwcicn für seine Schulen leistet, kommen nur Aufwendungen ans öffentlichen Mitteln in Frage nnd will man ein Urteil darüber haben, ob der Volksichnlc die nötige Sorgfalt zugewendet wird, so ist die Vergleichung mit den Leistungen für die höheren Schulen ein wertvoller Matzstab. Und da ist die„Stalistifche Korreipoudenz" ehrlich genug znzu- gesichen, datz für einen Schüler höherer Lehranstalten jährlich etwa das Fünffache dessen aus öffentlichen Mitteln aufgewendet wird, was für einen VolkSschnlcr ausgegeben wird. Dazu kommt, datz die Schüler höherer Lehranstalten nicht nur 8, sondern 9 und 12 Jahre die Schulen besuchen, abgesehen noch vom UniversitätSbcsnch. Wert legt die„Statistische Korrespondenz" auch auf die Feststellung, datz die Aufwendung«!! für die Volksschnic pro Kopf der Be- völkerung von 4.11 M. im Jahre 1880 auf 7,83 im Jahre 1901 gestiegen sind. Wir möchten dies durch die Feststellung ergänzen, datz die Anfwcndmigen des Reiches für militärische Zwecke pro Kopf der Devölkernng von 10�/« M. im Jahre 1880 auf 18 M. im Jahre 1901 gestiegen sind. Fügen wir noch die Meldung hinzu, datz abemials ein preutzischeS Schulhaus— das dritte iniierbalb weniger Wochen— wegen Baufälligkeil eingestürzt ist. Da« geschah in Schmarsow, Regierungsbezirk KöSIin. Fürsorge-Erziehung in Preutzeu. Auf Grund des am 1. April 1901 in Kraft getretenen Gesetzes vom 2. Juli 1900 sind, teuteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlm. Druck und Verlag von Max wie der Landesrat Schmidt(Düsseldorf) im„Prcutzischen Vcr- ivaltimgs-Blatt" berichtet, bis zum 31. März 1902 nicht weniger alS 7932 Minderjährige der Fiirsorgc-Erzichimg überwiesen ivorden. Da am 31. März 1901 1l 037 Zöglinge vorhanden waren, die ans daS sogenannte Zwangserziehmigsgcsetz zur Anwendung gebracht worden war, beziffert sich der Gcsamtbeftand an Fürsorgezoglingen bereits auf nahe 19 000 Minderjährige. Tc» Tod eiiicS fünfjährigen Knabe» sollte der Kutscher Wilhelm Treiber, welcher gestern vor der ersten Ferien-Straf- kammer des Landgerichts I stand, durch Fahrlässigkeit verschuldet haben. Am Nachmittage dcS 30. September v. I. fuhr der An- geklagte mit einem Gefchäftswagen durch dieBantzenersiratze. Es wurden dvrt Pftostcraiisbesseriiiigeii vorgenomincn und eine Sckar Kinder be- Instigte sich damit, über einen Sandhaiifen zu springen. Der Angeklagte fuhr keineswegs schnell, aber dennoch vermochte er nicht, das Pferd rechtzeitig znni Stehe» zu bringen, als der fünfjährige Knabe Willy Schräder, der soeben über den Saiidhaufeu gesprungen war, ohne auf das sich nähernde Fuhrwerk zu achten, unmittelbar vor dem Pferde stehen blieb. Der Knabe wurde iimgestotzcn, überfahren und verstarb auf der Stelle. Der Gerichtshof konnte auf Grund der stntlgchabtcn Beweisaufnahme nicht zu der llcbcrzengimg gelangen, datz dein Angeklagten eine Fahrlässigkeit zur Last zu legen sei und sprach ihn deshalb frei. In dem am verflossenen Sonnabend veröffentlichten Bericht über den Landfriedensbrnchsprozetz war irrtümlich mitgeteilt Ivorden. datz die Maurerehefran Haase durch die gegen sie stattgehabte Exmission den Anstoß zu dem Kraivall gegeben habe. Die Frau hietz nicht Haase, sondern Bartels. Ans drv Lümienbenieanng. Nixdorf. Am 12. Angnst hielt der Frauen- und Mädchen- Bildnugsverein Ripdorf bei Mercicr, Steinmetzstr. 113, feine Mit- glieder-Versaniinlung ab. in welcher eine mit regem Interesse anf- genommene Vorlesung über:„Welchen Wert hat die Bildung für die Arbeiterin" stattfand._ VcvfÄ mmltnt gen. Eine gntbesiichtc Versamuilung deö WahlvereiiiS für den vierte» Rcichötagö-WahlkreiS fand am Dienstag bei Granmann in der Naunynstratze statt. RcichSlags-Abgeordnetcr Otto An trick hielt einen Vortrag über„Etwas aus der V n l o w s ch e n H e im a tp o l i t i'l." Der Redner hatte es sich zur Aufgabe ge- macht, die wirtschaftliche Seite der sogenannten Heiinatpolitik des Reichskanzlers zu imlersnckie» und zu zeigen, wie der neue Zolltarif, wenn er Gesetz wird, anf Industrie nnd Handwerk und für die Arbeiter als Produzenten wirken würde. Zum Schluß führte der Referent aus, daß selbst in Arbciteikreiscn noch großer Mangel an Anfkläriing über diese Zollvorlage herrsche, die, von welcher Seite maii sie auch betrachte, als ein Unglück für die Arbeiter erscheine; und äiitzcrte ferner den Wunsch, datz in den Wahlvercinen nnd Gewerkschaften mehr wirklich aufklärende Referate gehalten werden möchten.— Der Vortrag fand lebhaften Beifall. Unter Vcrciiisnngelegeiiheitcn teilte der Vorsitzende Hoffmanii mit. datz die Verhandlungen mit dein Arbeitcr-Sängerbund dahin geführt haben, datz vom Sängerbund ein Obmann für jeden Kreis eingesetzt wurde, mit dem in Zukunft die Abmachungen bei Festlich- leiten usw. zu treffen sind.— Das Lokalkommissions-Mitglied Beer forderte zu vesserer Verbreitung und Benchtnng der Lokaliiste auf.— Der Vorsitzende machte auf die am 7. September ftatlfindende Urania-Vorstclliing aiifincrksani.— DaS Ableben deS Putzers Prüfer ehrte die Vcrsaimnlimg in der üblichen Weife. Sattler. Am Dienstag fand in den Arniinhallen eine gut besuchte Versanimliiiio der Sattler statt. Unter anderm stand die Einführung der Arbeitslosen-Unterstützimg für Berlin znin 1. Oktober 1902 auf der Tagesordniing. Zur Zeit haben bereits einzelne Branchen die Arbcilsloscn-Uiiicrstütznng für sich eingeführt. Es ivird iiiin gewünscht, im Unterstützuiigswesen für Verlin eine Einheilliäikeit zu schaffen. Nach langer Diskussion kam die Versaniinliing in Rücksicht auf die zu Ostern staltfindende Gciicralversanimlung, anf welcher auch die ArbeitSlosen-Unterftützimg auf der Tagesordnung steht, zu dein Beschlutz. von einer Einführung zum Oktober d. I. abzusehen. Um jedoch den Branchen-Verhältnisscn bezw. den Lokalkaffen Rech- niing zu tragen, soll diese Frage erst nochmals in den cinzeliien Branchen-Veriamnilnilgen dcraten und in einer der nächsten Vcr- samnilung endgültiger Beschluß gefaßt werde». Der Jlltcrcssciivcrciu der Kistciimachcr iinhni in einer am l8. d. M. abgehalienen Gcneialvcrsaiiiinlung die Abrechnung vom letzten Quartal entgegen. Die Einnahme inklusive alter Bestand betrug 3080,10 M., die Ausgabe dagegen 3132,46 M., davon entfallen allein für Streik- und MatzrcgclnngSnnterstützung 2832,— M. Dem Kassierer wurde einstimmig Entlastung erteilt. Beschlossen wurde, im Südosten und zwar Reichenberger- und Lausitzerstratzen-Ecke im Lokal von Ticdcman», eine Zahlstelle zu er- rilbtcn. Bls Beitragsamiiilcr wurde Schwanherz gewählt, derselbe kassiert alle Soiinabcndabciid von 0— 8 Uhr. Criitralveiband der Eivilmnstker Deutschlands(OrtS-Ber- waltiing Berlin). Am 15. August fand eine autzcrordcntliche Mit- gliedcrvcrsammlinig stalt, in welcher die Wahlen der Delegierten zum Berbandstage, der am 10. September 1902 in Hamburg tagt, voll- zogen wurden. Gewählt ivurden die Kollegen: Tietz, Knminer und Blanschefski, zum Ersatzmann Kollege Loppe. Zur Stärkung der Lokalkasfe soll vom 1. November 1902 ab 5 Pf. OrtSansschlag pro Woche erhoben werden. Der Hilfsverein blinder Musiker ist laut Beschlutz des Hauptvorstandes angewiesen worden, sich aufzulösen, da sein Bestehen iiincrhalb der OptSverivaltnng Berlin gegen§ 13a des VerbnndSstatntS vcistötzt. Der Verein blinder Musiker ist dicsciu Beschluß inzwischen nachgekommen. Uohke Mschvichken und Depesichru. Mainz, 20. August.(B. H.) Ein scheußliches Verbrechen Ivnrde gestern iiachmiliag auf offenem Felde in der Nähe von Bretzenheim verübt. Fünf junge Burschen überfielen ein geistig nicht ganz normales Mädchen im Alter von 13 Jahren, warfen sie zu Boden nnd vergewaltigten sie. Der Gendarmerie gelang es bereit?, drei dieser Burschen zu ermitteln. Vozen, 20. August.(B.H.) Der Berg Rodesa zeigt bedenkliche Sprünge. I» den uiiilicgendc» Ortschaften herrscht große Bestürzung, da ein Bergsturz befürchtet wird. Paris, 20. August.(B. H.) Der Präfekt von Brest hat dem Kabinetlschef seinen amtlichen Bericht über die Vorgänge in St. Mven, Folgoet mid Ploudaiiiel zugesandt. Der Präfekt befürwortet darin die gerichtliche Verfolgung gegen eine Zlnzahl Royaliftc» wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt. Unter den Be- treffenden befinden sich u. a. der Priester Dalin und ein früherer Artillerie-Osfizier. New Zjork, 20. Angnst.(SQ. H.) Die„PittSbnrger Post" er- klärt, datz infolge des Kohlettinaugels ehestens 50 000 Zlrbcltcr im Eisenbetrieb entlassen werden. New Bork, 20. August. jW. T. B.) Die kolnnibische revoln- tionnre Junta erklärt, sie habe die Nachricht erhalten, datz die Rcgicrungstruppcn in Agnadiilcc, 0 Generäle und 3000 Mann mit viel Munition, sich den Ztusständischc» ergebe» hätten, die ihre» Marsch auf Panama richteten. New Bork, 20. August.(W. T. B.) Ein Telegramm aus Guayaqnil meldet, datz die Stadt BodegaS(Ecuador) durch eine FeuerSbriilist zerstört sei. Bnding in Berlin. Hierzu 1 Beilage u. lliiterhaltiliigSblatt. Pt. 194. 19. JadrMg. Kilm i>cs.Amiirls" Krim UcksblÄ. ,.M,» Zur A lkohol frage. Wein, Vier und Bruimtivein, das sind die Getränle, die unter de» Gcnichmitteln des Menschen die nrösite Rolle spielen. Alle drei eiitftehcii im wesentliche» auf dieselbe Weise: eine zuckerhaltige Flüssigkeit, der Sast der Weintrauben oder andrer Früchte, eine Abkochung von geleimter Gerste, von Zlarloffcl», Roggen jc., wird der Einivirkung des Hesepilzes, der Gärung überlassen. Der Alkohol, der durch diese Gärung entsteht, ist der wirksame Stoff in allen berauschenden Getränken. Ihm verdanken sie ihre Wert- schätzung, ihm verdanken sie aber auch die furchtbare Wirkung, die ihr Geiuisz für den Menschen zur Folge hat. Denn, daß der Alkohol- gemisz die Ursache unendlichen Elends in gesundheitlicher, sittlicher und materieller Beziehung ist, ist eine Thatsache, die kein Mensch, der mit offenem Blick in das ihn umgebende Leben sieht, übersehen kann. Der Alkohol gehört zu den betäubenden Gitten, ebenso wie das Morphium und das Chloroform. Während aber das Gesetz den freien Handel mit Morphium und Chlorofornt verbietet, ihre» Verkauf auf die Apotheken beschränkt und von einer schrift- licheii ärztlichen Verordnung abhängig macht, kann man den nicht weniger gefährlichen Alkohol ohne weiteres an jeder Straffen- ecke kaufen. Und so ist eS möglich, dah jeder Bewohner Deutsch- lands, Frauen und Kinder, alle mitgerechnet, jährlich durchschnittlich 11,2 Liter reinen Alkohols zu sich nimmt. Dabei kommen von den einzelnen Getränken im Durchschnitt auf den Kopf der Bevölkerung 110 Liter Bier, Liter Wein und etwa lö Liter Schnaps. Der Branntwein- Verbranch ist in den letzten 10 Jahren bei uns auf derselben Höhe geblieben, der Bierverbrauch aber gewaltig gestiegen. von 90 Liter im Jahre 1S7ö auf 110 Liter im' Jahre' 1895. In Berlin kamen 1901 auf den Kopf der Bevölkerung 209 Liter Bier! Die unniittelbareii Folgen des Alkoholgennsscs zeigen sich im körperlichen und geistigen Anstände des Einzelnen. Die heitere Sorglosigkeit, die lärmende Fröhlichkeit, der Thatendrang und die lintcrnehmungslnst, die sich des Menschen nach dem Genüsse weniger Glas Bier bemächtigt und die, mit der Wirklichkeit nicht im Ein- klang stehend, ihn seine Fähigkeiten oft verhängnisvoll überschätzen läfft, sie sind die ersten Zeichen der Alkoholvergiftung, also eines krankhaften Znstandcs. Dann kommt der vorübergehende Rausch, jene Geisteskrankheit, die wir alle kennen; der geistige Zustand des Gewohnheitstrinkers, dessen Gehirn nie frei von Alkohol- einfluff ist; Sanferwahnsinn und andre Geistes- und Nervenkrankheiten. Ungefähr der dritte Teil der in den Irrenanstalten versorgten Kranken verdanken ihr Leiden dem Alkoholgenuff. Bis zu zwei Drittel aller Erkrankungen an Epilepsie find nach Tnczek alkoholischen Ursprungs, sei es, daff die Krank- heit direkt durch den Alkoholgcbranch entstanden, sei es, daff sie bei vorhandener Anlage durch ihn ausgelöst ist. Neurasthenie und Hysterie, zumal bei Männern, sind ebenfalls in vielen Fällen auf denAlkoholals alleinige odcranslvscndeUrsache zurückzuführen. Nerven- cntzündnng und Mnskellähmung sind die häufige Folge seines Gc- nnsseS; auch das bekannte Doppcltsehen der Betrunkenen ist die Folge einer vorüber gehenden Angeimmskellähmuiig. Den Geistesstörniigen eng verwandt sind Selbstmord und Ver- brechen. Strich sie zeigen nur den Eirrflnh des Alkohols. Während die Zahl der Selbstmorde in Ländern mit steigendem Sllkoholverbrarich, z. B. in Belgien»ind Frankreich, steigt, sinkt sie in Länder», in denen, wie in Norwegen und Schwede», der Alkoholkonsmn abnimmt. Unter den Verbrechen sind besonders die Gewalt- und Roheitsverbrcchen zum groffen Teil ans den Alkoholgenuff zurückzuführen. Aschaffen- brirg weist darauf hin, daff in Deutschland die Landesteile mit den nieiste» gefährlichen Körperverletzungen, nämlich Bamberg mit 317, Obcrbayern mit 325, Niederbaycr» mit 360 mrd die Pfalz mit 421 anf 1 Million ftrafmündige Civilpersoncn swährend der Durchschnitt für das Deutsche Reich 163 beträgt!) den drei Mittel. Punkten des Schnaps-, Bier- und Weinverbrarrchs errt, sprechen. L o e f f l c r fand in Wie» bei einem kleinen, aber zu- vcrlässigeir Material, daff bei 2S8 Personen, die tvegcn Widerstandes verurteilt waren, in 198 Fällen Betrunkenheit zur Zeit der That nachgewiesen war. ebenso in 75 Fällen von 130 wegen schwerer 5türpervcrletznng Verurteilten. Kraepelin konnte mit Recht den Rausch die gemeingefährlichste Geisteskrankheit nennen, als er nach- gewiesen hatte, daff im Heidelberger Bezirke mit etwa 650 000 Einwohnern in eine m Jahr durch die Wirkung des Alkohols 21 Menschen eines gewaltsamen Todes verstarben und 54 Menschen schwere, zum Teil lebensgefährliche Verletzungen erlitten. Die Wirkung des Sllkohols auf den Körper zeigt sich in Krank- Helten der verschiedensten Organe: Geringfügiger Rachen- und Magen- katarrh und tödliche Lcberverhärtnng»nd Niereiientzündnng, nn- bedeutende Störung der Herzthäligkeit und schwere Entartung des Herzmuskels und Verkalkung der Blutgefähe u.a.m. ES giebt fast kein Organ des Körpers, das nicht leichte und schwere Störungen durch den Alkohol erfahren könnte. Dazu kommt, daff der Alkohol, auch wen» er selbst nicht unmittelbar Krankheit erzengt, doch stets die Wider- ftandsfähigkeit des Körpers gegen andre Krankheiten herabsetzt. In Ivie vieleir Fällen der Alkoholgenuff auS diesem Grunde den Eintritt des Todes beschleunigt oder zur Ursache des Siechtums wird, ist gar nicht festzustellen. Es genüge zu erwähnen. daff»ach einer sorgsältige» schweizerischen Statistik von de» Männern. die über 20 Jahr alt sind, je der Zehute mittelbar oder unmittelbar an Sllkoholismus stirbt. Wir dürfen diese Erfahrung auch für Deutschland als gültig annehmen, den» der Sllloholverbranch auf den Kopf der Bevölkerung in Deutschland übersteigt noch den in der Schweiz. Wenn der Alkohol so wirkt, so ist es natürlich, daß er auch bei der Entstehung der schlinrmsten Formen der Slrmut eine Rolle spielt, ebenso gut wie Krankheit und Verbrechen cB an sich thun. Und ebenso ivie der Alkohol durch Verringerung der Widerstands- fähigkeit des Körpers die Wirkung der Krankheiten stärker hervor- treten läßt, so wird der AlkoholismnS auch bei Armut, die ans andren sociale» Gründen besteht, verschlimmernd wirken. Die statistischen Angaben über diese Zusammenhänge sind leider so unsicher und so verschieden, daff sie uns kaum ein klares Bild gewinnen laffcn können. Man hat»nn in bürgerlichen Kreisen versucht, alle Slrmut als die Folge des Sllkoholismus hinzustellen, aber die Nn- Wahrheit dieser Erklärung liegt anf der Hand. Lohn- kämpfe, Arbeitslosigkeit infolge von Handelskrisen, zum groffen Teil auch die Wohmmgsverhältnisse usw. haben mit dem Alkohol nichts zn thun. Man bat aber auch die umgekehrte Er- klärung gegeben und den Sllkoholismus ans dem Pauperismus abgeleitet. Das ist jedoch auch nicht richtig, denn bessere Lebensbedingungen bedingen allein noch keine Abnahme des Sllkoholverbrnnchs. Die Entwicklung des Sllkoholismus zeigt sich vielmehr von den materielle» Verhältnissen nicht direkt ab- hängig. Tie Dinge lassen sich hier nicht ans eine einfache Fomiel bringen. Mit Anspruch auf Allgemeingültigkeit zn sagen: hohe Löhne— hoher Alkoholverbranch, ist ebenso verkehrt, ivie: niedrige Löhne— hoher Alkoholverbranch. Im allgemeinen ist jedoch bislang die Besserung der wirtschaftlichen Lage von einer Steigerung dcS Alkoholvcrbranchs begleitet gewesen.„In Holland zeigen sich die reichsten Provinzen Nordholland, Siidholland und Utrecht mit einer durchschnittlichen Ausgabe von 8 Gulden für Fleisch— pro Kopf und Jahr— den höchsten Alkoholkonsum von 10—12 Liter Schnaps, die armen Provinzen. Seeland. Nordbrabant und Limburg, mit einer durch- schnittlichen Ausgabe von s'/e Gulden fürFleisch, den niedrigsten Schnaps- onsum von 3— 7 Liter; und Bier spielt ja m Holland keine so große Rolle" sD e l b r ü ck). Aber ebenso gut kommen die umgekehrten Verhältnisse vor. H e r k n e r fand in der Fnbrikstadt Reichenberg in Böhmen, daff 7'/e Liter absoluter Alkohol anf den Kopf der gut gelohnten Bevölkerung kamen; in Trantenau dagegen kanien bei äußerst ungünstigen Lohn-»nd entsetzlichen Wohnuiigsvcrhältnisscn 15.2 Liter Alkohol anf den Kopf. Weit furchtbarer und wichtiger jedoch als die direkte Wirkung des Alkohols, die das trinkende Individuum selbst und die Gemeinschaft, in der eS lebt, treffen, sind die Alkoholfolgen, die erst in der Nach- kommcnschaft der trinkenden Gesellschaft zn Tage treten. Denn leider ist der Einfluß des Alkohols nicht mit dem Tode des einzelnen Trinkers erschöpft; der Alkoholgenuß ist vielmehr die >v i ch t i g st c U r s ach e neu auftretender, allgemeiner Entartung, die sich in körperlichen Miffbildungen, geistigen und nervösen Störungen oder Anlagen dazu, mid bei den Frauen noch in besonders verderblicher Weise in der Unfähigkeit, ihre Kinder zn stillen, zeigt. Die llnsähigkeit'der Frau, ihr Kind zn stillen, wird ohne Ausnahme vererbt. Wenn aber diese Unfähigkeit bei einer Frau, deren Mutter noch stillen konnte, neu austritt, so ist, wie Bunge fand, die einzige erkennbare Ursache hierfür der Alkoholismus des VaterS. In den nntcrsnchtcn Fällen dieser Art ist der Vater st e t§ zur Zeit der Zeugung der Tochter ein Trinker gewesen! Wir wolle» uns nur daran erinnern, daß das Sängen der Nachkommen das charak- tcristischc Merkmal der höchsten Klasse des Tierreiches bildet, und ivir werden dann ermessen, zu welchem Grade der Entartung die Knlt'"''"enschheit durch den Alkohol, der dieses Merkmal beseitigt, hingeführt wird. Epilcktiker sind nach den verschiedenen Angaben in 20—50 Proz. Kinder von Trinkern, Verbrecher in 30—50 Proz. Bei Kindern mit angeborenem Schwachsinn(Idioten) waren nach Untersuchungen in Bicstre in Paris in 75 Proz. der eine oder beide Erzeuger Alkoholiker. Selbst der gelegentliche Rausch kann den Schwachsinn des im Rausch erzeugten Kindes verschulden. Man hat schon längst die besondere Schädlichkeit des Alkohols für den werdenden Menschen, für das Kind, zn erkennen geglaubt, und überall tönt Eltern und Erziehern der warnende Ruf entgegen: gebt den Kindern keinen Alkohol. Slber daß der gcschlechtsreife Erwachsene in den Keimzellen des eignen Körpers das werdende Kind beherbergt und durch seinen Alkoholgenuß diesen zartesten Organismus und in ihm die kommende' Generation schädigt, daran denkt kaum jemand. Die Vergiftung der Keimzelle» mit Sllkohol, das ist, wie Bunge einmal sagt, das wirkliche Verbrechen gegen das keimende Leben, und B e z z o l a hat auch Recht, wenn er anf Grund seiner statistischen Untersuchungen sagt: „Jeder Tropfe» Sllkohol beim Erzeuger bedeutet einen Tropfen Dummheit beim Erzeugten." Die' Entartung aber, die in der ersten Generation, die von einem Trinkex abstammt, anf eine Familie beschränkt ist, breitet sich in den folgenden, mit der Ver- Mischung der Geschlechter, mehr und mehr avs. Es entsteht eine allgemeine M i» d e r tv« r t i g ck e i t. Es ist selbstverständlich, daß sich die Degeneration in den Volks- kreisen am stärksten und am ehesten bemerkbar macht, in denen ihr die meisten andren Ursachen, die zu einer Schädigung des Körpers und dcS Geistes führen, zu Hilfe kommen, und daß alle diese Ursachen in den Schichten, die jetzt social am tiefsten stehen, am meisten wirken,„bedarf auch keines weiteren Beweises. In der Arbeiterschaft wird sich daher die Entartung crzenglltde Wirkung des Sllkohols am meisten zeigen. Und doch hat' gerade die Slrbeiterschaft von allen Klaffen das höchste Interesse daran, daff eine körperlich und geistig anf der Höhe der Leistungsfähigkeit stehende N a ch k o m ni e n s ch a f t ihr Erbe antrete und ihr b e- g o n n e u e s Werk fortsetze. Lassen wir den Alkohol wie bisher weiter wüten, so kann wohl die Zeit kommen, in der das Ideal einer harmonischen und solidarischen Gesellschaftsordnnng sich nicht wird verwirklichen lassen, weil die Menschen, die eine zu- nehmende Degeneration für die Rolle der Arbeitssklaven tanglich werden ließ, sich nicht anf einmal zur freien Persönlichkeit erheben können. Hier liegt der Grund, der die Arbeirerpartei als Partei zwingen muff, sich mit der Alkoholfrage zu beschäftigen. Wie wird aber die Alkoholsragc gelöst? Die Hoffnung, daff mit der Ueberwindung des Kapitalismus auch der Sllkoholismus verschwindet, ist nach dein Vorhcrgcsagtc» trügerisch. Der Sllkohol ist vielmehr ei» Gift, das, so lange es überhaupt von Mcnschcn gewohnheitsmäßig genossen wird, auch immer als Gift ans sie wirken wird, ohne Rücksicht auf die jeweils herrschende Wirtschaftsordnung. Dein Sllkoholismus muff man also direkt zu Leibe gehen! Und in der Beseitigung des Sl l k o h o I g e n n s s e s überhaupt in» ff jeder ohne iveilcrcS das einfachste, sicherste radikale Mittel erkennen. Unter dem Einfluff der Trinksitten jedoch, von deren tyrannischer Herrschaft sich nnr der ein rechtes Bild machen kann, der sich ihr ciUzogcn hat, verteidigen die meisten den mäffigen Gcnnff der berauschenden Getränke alL etwas Unschädliches und sogar Nütz- liches»nd glauben i» der'Empfchlnng der Mäßigkeit und in der gelegentlichen Beeinflussung der Gesetzgebung ein tvirksamcS Mittel gegen das Sllkoholclend zn haben. Aber was ist„mäßig"? Mäßig ist gewöhnlich immer da?, waS man selbst trinkt, und eine Mahnung zur Mäßigkeit bezieht der einzelne nie auf sich, sondern stets auf den andern! Es ist keine Möglichkeit, den Begriff der Mäßigkeit irgendwie gültig zu bestimmen. Wenn man auch Bier und Wein im allgemeinen nicht des Geschmackes, sondern der Sllkoholivirknng wegen trinkt, so ist es doch möglich Bier und Wein so mäßig zn trinken, daß sich von der Alköbolwirckuug nichts zeigt; man trinkt vielleicht täglich einen Efflöffel Bier oder einen Fingerhut voll Wein. Aber das kommt praktisch nicht vor; das thun die Mcnschcn nicht; ein solcher Sllkohol- gennff wäre ganz zwecklos, und nnr ein völlig verschrobener Mensch würde vielleicht einmal diese Mäßigkeit üben, um die theoretische Möglichkeit eines unschädlichen regelmäßigen Blkoholgcnusie« zn beweisen. Diese wird ja aber auch von niemand bcsiritlcn; es behauptet, kein Mensch, daff Spuren und kleinste Mengen von Alkohol uachweiSIich schädlich sind, eben so wenig wie Spuren andrer Gifte Unheil stiften. Wenn Mäßigkeit im Gcnnff wirkungsloser Alkoholnicngcn bestände, so würde sie wohl nicht die Verteidiger finden, die sich den Gründen für die Enthaltsam- keit im inneren Herzen nicht verschließen können, aber doch mit allen Mitteln für ihr eines Glas Wein, für ihren einen Schoppen Bier kämpfen. Ohne Alkoholwirknng macht die Mäßigkeit den Kenten keinen Spaß und kein Vergnügen, ohne sie entsteht nicht das behagliche Gefühl des künstlichen SelbsivergesienS und die Erleichterung des gefellichaftlichen Vcrckchrs unter Mcnschcn, die sich sonst nichts z» sagen haben. Wir Nüssen mich, daß eS einem erwachsenen Menschen wohl keinen dauernden Schaden bringen wird, wenn er dann n n d wann, etwa jeden Sonnabendabend, ein oder zwei Glas Bier trinkt, wenn er sich nach ihrem Gcnnff der Ruhe hingeben und am Sonn- tag ausschlafen kann. Hat der Mensch keine verantwortungsvollen Pflichte» mehr zu vcrricvtcn, so schadet die Beeinträchtigung seiner Leistungsfähigkeit vielleicht niemand direkt, und er selbst wird in ausreichend langer Ruhe sich auch von den Vergiftnngsshmptomcn wieder völlig erholen können. Wir wissen aber ebenso gut, das eS bei uns einen solchen mäßigen Alkoholgcnnh nicht giebt und nicht geben kann, wenigstens nicht für die Allgemeinheit. Die Sitte, berauschende Getränke zu genießen, durchzieht unser ganzes Leben: bei der Arbeit und bei der Erholung stoßen wir auf sie. Wer aufrichtig ist, wird gestehen müssen, daß die Trinksitte nicht den mäffigen. sondern den unmäßigen Genuß dcS Alkohols verlangt, und der. der glaubt, mit Mäßigkeit den Riesen Alkoholismus besiegen zu können, inützte gegen die T r i n k s i t t e» ebenso radikal vorgehen wie die Sibstinenten. Natürlich dürfen sie keinen Unterschied machen, ob eS sich nun um Wein und Champagner beim Mahle der oberen Zehntausend oder um die Schnapsfläsche handelt, die im Kreise der Erdarbeiter herumgeht. Wie kann aber der, den gesellschaftliche Pflichten— und dies» sind schließlich in allen Volkskreiscn ausschlaggebend �— unter die Herrschaft der Trinksitten zwingen, gegen dieselbe Trinksitte, der er sich selbst unterwirft, erfolgreich ankämpfen? Die die Mäßigkeit ver- tcidigen, verteidigen entweder, durch einen schwer verständlichen Doktrinarismus dazu geführt, etwaS ganz WirkungS- und Wert- loscS, an dem kein Mensch ein Interesse hat; oder sie wollen vor allen Dingen sich selbst ihreS Alkoholgennsscs nicht berauben und verschließen sich daher hartnäckig der Einsicht, daff ihre„Mäßig- keit" die Ursache der Unmäffigkeit und des Verderbens andrer sein kann und wird; oder sie verteidigen endlich aus Unkenntnis oder bösem Willen direkt die Unmäffigkeit. Selbst wenn der mäßige Alkoholgennß einen wirklichen Vorteil brächte, so würde man sich doch ernstlich überlegen, ob nicht die Rücksicht anf das Geschick der Mitmenschen und der kommenden Geschlechter auch von dem, der das Glück hat, wirklich und stets mäßig bleiben zu können, die Enthaltsamkeit forderte. Slber wenn Ivir sehen, was die landläufige Mäßigkeit ihren Jüngern schenkt, wie sie ihnen statt wirklicher Lebensfreude und Begeisterung nur ein dumpfes Philister- hafteL Wohlbefinden verleihen kann, das die höheren und edleren Regungen und Fähigkeiten deS Menschen erstickt, das sie in der groffen Maffe gleichgültig macht gegen ihre eigene Lage und sie gegen die Not des Mitmenschen abstumpft. dann kann es nicht zweifelhaft bleiben, welche Stellung wir der Mäßigkeit gegenüber einnehmen müffen. Wir können uns nicht darauf be- schränken, das Unkraut über der Erde abzuschneiden, sondern wir müffen eS mit der Wurzel ausreißen und vernichten. In der Stellung, die der Mensch zur Alkoholfrage einnimmt, offen- bart sich oft sein ganzes Verhalten zur Menschheit. Die Verstandes- mäßige Erkenntnis lenkt unser Handeln nicht; die Richtung, die wir unsrem Willen geben, ist ausschlaggebend. Hst das Leiden der andren mein Leiden, und ihr Glück mein Glück, so ist der Weg vor- gezeichnet. Die Bedenken, die gegen die Abstinenz vorgebracht werden, schwinden in nichts zusammen'; auch die, die am wichtigsten erscheinen, die vollswirtschastlichenSchwierigkeiten, erweisen sich bei näherer Prüfung als ganz hinfällig. Die Verteidiger derMäffigkeit sagen: was soll aus dem Kapital werden, das in der Alkoholindustrie angelegt ist, was ans den Arbeitskräften, die in ihr Beschäftigung und Lebensunterhalt finden? Sie vergessen dabei, daß es sich um eine Entwicklung handelt, wie sie ähnlich doch schon mehrfach vorgekommen ist. Die Eisenbahnen haben die Fuhrleute überflüssig, die mechanischen Web- slühle haben die Weber brotlos gemacht. Und doch fällt es keinem Menschen ein, in diesen Dingen den Fortschritt verkennen zu wollen; und das Elend, das' den Fortschritt begleitete, hängt nicht von dem Forlschritt als solchem ab, sondern von andern un- vollkommenen Zuständen. Wer zerbricht sich den Kopf darüber, wenn er für eine Verringerung der stehenden Heere oder für völlige Abrüstung eintritt, was dann ans den beschäftigungslosen Offizieren und Soldaten oder aus Krupp und den Arbeitern in den Waffen- fabrike» werden soll? Wünschen wir, daß uns die Kriege immer erhalten bleiben, damit nnr die Arbeiter des Kriegshandwerks nicht brotlos werden? Dazu kommt, daff ja die plötzliche Einführung einer wirklichen Mäßigkeit fast dieselbe wirlschaftliche Umwälzung wie die der völligen Enthaltsamkeit zur Folge haben würde. Wem: das deutsche Volk'forlfahren wird, jährlich 3 Milliarden Mark für alkoholische Getränke auszugeben, dann kann doch im Ernst keiner von einer„Mäßigkeit" sprechen. Nehmen wir aber an daß die Empfehlnngen der Mäßigkeit es wirklich vermöchten, die Ausgaben für den Sllkoholgenttß von drei auf eine halbe Milliarden herabzndriicken, wäre dann die wirtschaftliche Revolution, die fünf Sechstel der Alkoholindnstric vernichleu muß, so viel ge- ringcr, als wenn die ganze SIlkvholindnstrie aufhörte zu existiercu? Hier sieht man so recht, daff die Verfechter der Mäßigkeit, wenn ihnen der Kampf gegen, den Alkoholismus wirklich ernst ist. genau dasselbe, allerdings nur eingebildete wirtschaftliche Unglück hcranfbcschwören wie die Abstinente», und daß sie die Interessen des jetzigen Arbeitsmarktcs, die sie uns gegenüber als unantastbar hinstellen, selbst in Wirklichkeit fast ebenso wie jene au- greifen müßten. „Die theoretischen Gründe für die Mäffigkeit gegen die Enthaltsamkeit sind schon längst nichts andres als nur Scheingefechte, um einem unwilligen Willen einen halbwegs anständig aussehenden Rückzug zn sichern." Die neue Zeit jedoch fordert ganze Menschen I Ein wirklich freies Geschlecht kann nicht entstehen, wenn wir uns daran gewöhnen, miste eigne Persönlichkeit, sei es auch nur für � kurze Zeit und in noch so mäßigem Alkoholrausch, aufzugeben. Freilich gehört oft Mut dazu, stets sich selbst, seinem unverfälschten Selbst, gcgenüberznstchen. ES ist begncm, das Gefühl dcS Unbefriedigt- feinS und dcS Zweifels mit einem Glase Bier zn be- seitigcn; es kann verlockend sein, das Elend, das uns nmgicbt, im Sllkohol zu vergessen und im Tnnniel der Ver- giftung die Welt in rosigem Nebel zn sehen und sich als ihr freier Herrscher zu träumen. Sl b e r d n r ch V e r g e s s e n k o m m t man nicht weiter! Das Vergessen lähmt unsre Kraft, der Sllkohol hält uns anf im Vorwärtsschreiten. Wie viele stehen noch gleichgültig den großen Bewegungen der Zeit gegen- über? Wie viele könnten ganz anders ihre Kraft gc- brauchen, wenn sie nicht im Alkohol ihre vornehmlichste Freude suchten und fänden? Ja, wenn ein unerbittliches Natur- gcsetz für immer eine Aendernng nnsrer jetzigen Verhältnisse un- möglich machte, wenn es immer so sein müßte, daß mir eine geringe Zahl sich als wirklich freie Menschen fühlen dürften, während die große Menge stets zum Geschick der Arbeitssklaven ver- urteilt wäre, ja, dann wäre es nur barmherzig, der Menschheit den betäubenden Trank des VcrgcffenS und des Rausches zn reichen. Sie müßte ja sonst verzweifeln, wenn sie stets ihr unabänderliches Geschick klar vor Angen hat und doch an ihm nichts ändern kann. Wenn wir aber glauben, daß Sonne, Luft und Erde für alle da sind, daff miste Arbeit die Bedürfnisse aller befriedigen kann, dann dürfen wir nicht ruhig zusehen, wie der Alkohol die Kräfte des Volkes lähmt und aus seinen Nachkommen ein entartetes Geschlecht macht. Mag sich auch mancher für den Sluaenblick unzufrieden und unglücklich fühlen, wenn er stets der Wirklichkeit ins Slntlitz blickt, diese Unzufriedenheit wird erst recht ein Sporn sein, alle Kräfte dem Fortschritt zu weihen, und an Stelle des dumpfen Glücks der Be- täubimg wird bald das sonnenhelle Glück bei. ihm einziehen, das nnr das Bewnfftsein schaffen kann. für eine groffe Idee, für Menschenfreiheit und Würde, alle Kräfte einzusetzen, um einem glück- lichen Geschlechte die Wege zu bahnen. Dr. med. G e o r g Ke ferst ein. Berliner Partei-Angelegenheiten. Heute, Donnevötagabcnd, S'/a Uhr finden in sämtlichen Berliner Wahlkreisen Parteivcrsaiii»Illingen resp. Gciicralversaiiiittlttiigcn der Wahlvcrrine statt, in welchen die Socialdemokratie Berlins zur Brandenburger Parteikonferenz und zum München« Parteitag Stellung zu nehmen und die Delegierten zu wählen hat. Die Wichtigkeit dieser Tagesordnung macht es den Genossen und Genossinnen zur Pflicht, in diesen Versammlungen zahlreich zu erscheinen. Die Lokale sind im Inseratenteil der Dienstag- und Mittwoch-Niimiiier bekannt gegeben. Die Vertrauensleute Berlins. Zur Lokalliste. Den Parteigenosse» zc. die Mitteilung, daß das Lokal von August S t c e h r(früher Poseidon), Hasselwerder straße in Nieder- Schöuetvcide, der Arbeiterschaft zu Versamm-- lungen 2c. zur Verfügung steht.— In Borsigwalde sind die Lokale von Mönch und ll h l m a n n frei, dagegen Körner gesperrt.— Das Lokal W a l d h n»§(Jnh. Müller)' in Oranieubnrg- Sand- Hausen steht der Arbeiterschaft nicht mehr zur Verfügung. Die L o k a l k o in ni i s s i o n. Charlottenburg. Heute, Donnerstagabend, findet im Volks- hause. Rosinenstr. 3, die Versammlung des Wahlvercins statt, worauf lvir die Mitglieder besonders aufmerksam machen. _ Der Vorstand. UokKles. Von den Kindern, die„nicht spiele» wollen". u»srer Erörterung der Streitfrage, ob die Berliner Kinder wirklich, wie ihnen so oft nachgesagt wird,„nicht spielen wollen", haben wir verschiedene Zuschriften erhalten, in denen der von uns vorgetragenen Anficht durchaus beigepflichtet wird. Die Kinder wollen sehr gern spielen, wenn ihnen mir eine passende Ge legenheit und eine zweckmäßige Anleitung geboten lvird— das ist der Gedankengang, der übereinstimmend in den Zuschriften ausgeführt und durch Beispiele ans eigner Erfahrung begründet wird. Wenn die Fachkreise, Schulverwaltung und Lehrer- schaft, nur etwas mehr Fühlung niit den Eltern suchen wollten, so könnte das unsres Ernchtcns viel zur Klärung der strittigen Frage beitragen. Von dem T u r n v e r e i u„F i ch t e", der in den diesjährigen Sommerfericn zum erstemnal einen Versuch mit der Ver- a n st a l t u n g von K i n d e r s p i e l e n gemacht hat, ist unS jetzt eine sorgfältige Statistik über die Beteiligung zugegangen. An den sechs Sonntagen vom 6. Juli bis zum 10. Augnst haben auf den drei vom Verein benutzten Spielpätzen im ganzen 2703 Knaben und 2414 Mädchen, zusammen 5119 Kinder' gespielt. Das ist ein schöner Erfolg, der in in der That zur Wiederholung des dankenswerten Versuches ermuntert. Am stärksten war die Be- teiligung auf dem vom Nordost-Bezirk benutzten„Sportplatz Friedrichshain", auf dem sich 2079 Kinder einfanden. Ans dem Südostbezirk spielten 1728 Kinder auf dem städtischen Spielplatz im Treptower Park, aus dem Nordbezirk 1312 Kinder auf einem freien Platz in der ettvas abgelegenen Jungfcrnheide. An den einzelnen Sonntagen spielten, wenn die Zahlen der drei Plätze zusammengefaßt werden: am 6. Juli 575 Kinder, am 13, Juli 886, am 20. Juli 856, am 27. Juli 828. am 3. August 689, am 10. August 1285.(Am 10. August schloß sich an die Spiele ein ge- sclliges Beisamnicnsein der Eltern.) Das Interesse hat. ivie man sieht, bis zu Ende vorgehalten— zweifellos deshalb, weil an Leiter» und Leiterimien kein Mangel war und diese durch t h ä t i g e An- teilnähme die Spiele anregend gestalteten. Durchschnittlich kamen auf jeden Leiter 7 Knaben, auf jede Leiterin 10 Mädchen. Unter solchen Verhältnissen läßt sich allerdings eine lebendige Beziehung zwischen Erwachsenen und Kindern herstellen. Unsere Schnlverivaltnng macht es sich leichter; sie stellt auf jeden für die Spiele freigegebenen Schulhof je einen Lehrer, der nicht mitspielt, sondern nur auf- paßt"— aber der Erfolg ist dann auch danach. Sehr bewährt hat sich bei den Spielen des Vereins auch die Sonderung der Kinder nach Altersklassen. Infolge dieser Einrichtung hat selbst bei den Allerkleinsten das Interesse bis zuletzt angedauert. Ans den Schul- Höfen. pflegen gerade die jüngeren Kinder bald wegzubleiben, weil sie— trotz der Anwesenheit des„Aufpaßers"— von den älteren um- gerannt werden. Beim Verein„Fichte" ging übrigens daS Alter der spielenden Kinder sogar bis zu drei Jahren hinab. Einen ähnlichen Versuch wie dieser Verein hat— wenn auch in geringerem Umfange— der Moabiter„Verein für Gesundheitspflege des Volkes" geniacht. Er hat in den diesjährigen Sommerfericn die Kinder der Mitglieder des dortigen Konsumvereins nach der Jnngfcrnhcide geführt und Bewegungsspiele mit ihnen veranstaltet. Auch dieser Versuch ist, wie uns der Verein mitteilt, v o l l g e g l ü ck t. An sechs Spaziergängen, die an Wochentagen unternommen wurden, nahmen 410 Knaben und Mädchen im Alter von 6—14 Jahren teil. Ueber die Zahl der Leiter und Leiterinnen ist nichts angegeben, sie soll aber ausreichend gewesen sein. Dieses Vorgehen zweier Arbeitervereine dürfte die Schul- Verwaltung und auch die Lehrerschaft doch etwas nachdenklich stimmen. Die Lehrer, die sich der Spiclfrage gegenüber nocki immer fast ganz unthätig verhalten, werden siw vielleicht eines Gefühls der Beschämung nicht erwehren könne», wenn sie sehen, wie die Arbeiterschaft selber die Sache in die Hand nimmt, da sie von den berufenen Judenderziehern im Stirb gelassen lvird. Die Schul- Verwaltung aber wird hoffentlich einsehen, daß sie sich mit ihren immer noch nicht abgeschlossenen„Versuchen" nachgerade lächerlich zu machen anfängt. Erfahrungen eines Schularztes. Der Schöneberg er Schularzt Dr. Hüls hatte aus seiner amtlichen Thätigkeit in seinem letzten den Gemeindebehörden erstatteten Jahresbericht recht eigenartige Beobachtungen und Erfahrungen mitgeteilt, die keines- lvegs geeignet waren, das Volksschulwesen Schönebergs in günstigem Lichte erscheinen zu lassen. Einiges daraus war in der Tagespresse iviedergegeben worden und war dann auch in die„Zeitschrift für Schulgesundheitspflege" übergegangen. Das ueueste Heft dieser Zeitschrift<1902, Nr. 7) bringt nun eine Zuschrift des Herrn Dr. Hüls, in der jene Zeitungsnotiz als„ziemlich ungeuan und zu irrigen Schlußfolgerungen verleitend" bezeichnet lvird. Man solle nicht glauben, daß es in den Schönebcrgcr Schulen in gesundheitlicher Hinsicht besonders schlimm aussehe und daß die Gemeindebehörden Schönebergs wenig Verständnis für die Schnlgesundheitspflege besäßen. Die geschilderten hygienischen Mißstände fänden sich nur in den älteren Schulen, seien aber nicht schlimmer als in den älteren Schulen Berlins und Charlotten- burgs und noch nicht so. schlimm wie z. B.„in einer soeben erst in dem reichen Wilmersdorf erbauten Schnlkaserne". An dem Entgegenkommen der Schöneberger Schulverivaltung gegen die be- rechtigten Förderungen der Schulärzte könnten sich die meisten Ge- meinden ein Muster nehmen. Die erkannten hygienischen Mißstände seien,„soweit das möglich gewesen sei", sofort beseitigt worden. „Mein Jahresbericht", sagt wörtlich Herr Dr. Hüls,„lvar nur fiir die Gemeindebehörden, aber nicht für die Oeffentlichkeit bestimmt, und deshalb lvaren alle r di n gs die be st ehe n de n Miß st ä n de etwas kratz hervorgehobe n." Das ist ja eine merkwürdige Richtigstellung, die der Herr Schul- arzl da dem schulhygienischen Fachblatt hat zugehen lassen! Sie sieht beinahe wie eine Abbibte ans. Ja, ja, man macht schon Erfahrungen, wenn man Schularzt ist! Ueberraschend ist, nebenbei bemerkt, das Geständnis des Dr. Hüls, daß sein Bericht„deshalb", weil er nur fiir die Schöneberger Gemeindebehörden, aber nicht für die Oeffentlichkeit bestimmt war, die bestehenden Mißstände„etwas kraß" hervorgehoben habe. Der Eifer, mit dem Herr Dr. Hüls die Gemeindebehörden und besonders die Schulverwaltung Schönebergs auf Kosten andrer Orte herausstreicht, erscheint nicht ganz ungefähr- lich. Wenn nur nicht hinterher noch die Gemeindebehörden von Berlin, Charlottenburg und Wilmersdorf dem eifrigen Schöneberger Schularzt auf den Köpf kommen! Das Ausland in Berlin. Die Gruppierung der Berliner Be- völkernng nach der Staatsangehörigkeit ergiebr für die Volkszählung von 1900, nach den jetzt abgeschlossen vorliegenden Znsamme»- stellungen deS Berliner Statistischen Amts, 35 142 Ausländer(ivovon allerdings 8672 im Deutschen Reich geboren sind) unter 1888 888. Einwohnern. Bei der Volkszählung von 1895 waren hier unter 1 677 304 Einwohnern nur 27 103 Ausländer(wovon 7678 im Deutschen Reich geboren waren) ermittelt worden. Die Ausländer lvaren 1895 gleich 1,62 Proz., 1900 dagegen gleich 1,86 Proz. der Berliner Bevölkerung. Ihre Zahl ist im letzten Jahrfünft um fast 30 Proz. gestiegen, während die reichSangehörige Bevölkerung Berlins sich in demselben Zeitraum nur um 12>/z Proz. vermehrt hat. Bei der Zählung von 1900 lvaren lveit über die Hälfte aller Ausländer Staats angchörige von Ocstreich- Ungarn, 16 863 von Oesireich, 2897 von Ungarn. Auch Rußland war mit 4167. einem Neuntel aller Aus länder, noch ziemlich stark vertreten. Es folgten dann die Vereinigten Staaten mit 1632(oder mit 1794, wenn die nur mit„Amerika" be zeichneten Karten hier mitgezählt werden), Großbritaunicn mit 1490. Italien mit 1336, die Schlveiz mit 1265. Schlvcdcn und Norwegen mit zusammen 1238, Dänemark mit 1134, die Niederlande mit 603. Fraickreich mit 522 usw. usw. Gegen 1895 haben sich in Berlin besonders stark die Staatsangehörigen Oesireich- Ungarns vermehrt. diejenigen Oestreichs von 11767 um 5096, d. i. üm 43>/3 Proz., diejenigen Ungarns von 1601 um 1296, d. i. uiii fast 81 Proz. Die russischen Staatsangehörigen(1395: 4338) haben sich etlvas(um 171. vermindert, dagegen sind die übrigen Staaten meist mit höheren Zahlen als 1895 vertreten. Der Magistrat und seine Ricselgütcr. Man schreibt uns aus dem Bureau des Verbandes städtischer Arbeiter:„Eine für weite Kreise recht erfreuliche Nachricht durchläuft die Tagespresse „Auf Vorschlag des Oberbürgermeisters Kirschner lvird der Magistrat in diesen Tagen die städtischer Ricselgütcr besuchen und deren Ein- richtuiigeii besichtigen. Zunächst in Aussicht genommen sind die nörd lichen Rieselgüter Buch, Blankenburg, Malchow usw. Die Besichtigungen finden nachmiitags statt und sollen auch auf die Heim stätten, Neubauten in Buch uslv. ansgcdchnt iverden." Wir sind die letzten, die solche Besuche nicht zu würdigen wissen Bei dieser Gelegenheit sehen die Herren sich hdffentlich auch einmal die A r b e i t e r z u st ä n d e auf den Gütern genau an. ebenso ist die Lage der Nieselwärter einer Betrachtung wert. Die Arbeiter der Nieselgüter haben sich bei ihren Vorgesetzten bisher vergebens um Besserung der mannigfachen Mißstände bemüht, vielleicht können sie bei der sich ninnuehr bietenden Gelegenheit ihre nur zu berechtigten Wünsche erfolgreich an den Mann bringen. Die Ferien der städtischen Zlrbciter. Eine Verfügung, die in dieser Frage einige Klarheit bringt, kommt ans dem Nathausc. Sie lautet: In Ergänzung unsrer Vcrsiigung vom 28. Juni 1902, betr. die regelmäßige Gewährung von einer Woche Urlaub an die Arbeiter der städtischen Gaswerke, welche mindestens zehn Jahre in unsren Diensten stehen, wird angeordnet, daß Iliiterbrechinige» der zehnjährigen Arbeitszeit— wie auch im Z 2 des Gemeinde- Beschlusses vom 1. Mai 1901 über Rnhegeldbewillignug bestimmt ist.— durch Arbeitshinderungen von kürzerer Dauer, ivie z. B. Krankheiten Betriebsstörungen, Ableistung der militärischen Dienstpflicht zc., bei der Berechnung der Gesamtdauer des Arbeitsverhältnisses keinen Einfluß haben sollen, sobald die Wiedercinstellung sofort nach Auf- hören der Behinderung erfolgt. Bei allen Arbeitern ist die etlva in andren Verwaltungszweigen der städtischen Gaswerke zugebrachte Beschäftignngszeit in Anrechnung zu bringen. Vielleicht kommt man, nachdem diese anerkennenswerte Ver- r.gung erlassen worden ist, ganz allmählich dazu, auch solche Arbeiter, die luenigcr als zehn Jahre in städtischen Diciisten stehen, als fcrientvürdig anzuerkennen. Jmmcr langsam voran, vor allem in Fragen der Socialpolitik! In der Sitzung der städtische» Hochbau-Dcpntation am Mittwoch unter dem Vorsitz des Stadtrats Na ms lau legte Stadt- baurat Hoffmaun verschiedene intercssaMe Ban-Entwürfe vor. Die Deputation genehmigte die besonderen Entwürfe und Kostenanschläge ür die Tiefbrniiiicn-Anlage bei der städtischen Volks-Bade- i n st a l t in der Oderbergerstraße, soivie zum Bau eines zweiten Hauses ur sieche Männer bei der Irrenanstalt Herzberge im Gesainl betrage von mehr als 200 000 M. Auch der Vorentwurf für den Bau der s e ch st e n städtischen Volks-Badeanstalt in der Gerichtsstraßc, die zwei große Schwimmbassins, eins für Männer und eins für Frauen erhalten soll, während die jetzigen städtischen Badcaiistalte» mir ein Schwimmbassin haben, wurde genehmigt. Ferner stimmte die Deputation den Entwürfen für den Umbau der beiden Feuer w ach e n in der Tnrnistraße 22 in Moabit und in der Memcler- 'traße 39 zu. Noch etlvas auS der städtischen Jrrcuaiistalt Herzberge. Zur lvcilercn Beleuchtung der Zustände, die in den städtischen Irren- anstalten herrschen, teilt uns ein Leser eine Erfahrung mit, die er mit der Anstalt Herzberge gemacht habe. Die Sache hat zlvar bei ivcitem nicht die Bedeutnng der Fälle Ackeriiiann und Both, aber eigentümlich berührt auch sie. Eine Insassin der Anstalt Herzberge war, wohl wegen Raummangels, an die Privatanstnlt von Dr. Oestreicher in Niederschönhausen überwiesen worden und war dann am 10. April hier gestorben. Den Angehörigen lvar über den Tod keine Nachricht zugegangen. Der Sohn erfuhr erst am 20. April, als er seine Mutter besuchen wollte, daß diese bereits gestorben und beerdigt sei. Auf Befragen teilte ihm der Anstaltsarzt mit. der gerichtliche Vormund der Verstorbenen habe rechtzeitig eine Todes nachricht erhalten; man habe angenonimcn, dieser werde die An gehörigen benachrichtigen. Der Sohn erhielt dann nachträglich von der Direktion der Anstalt Herzberge eine vom 26. datierte, aber erst am 3. Mai der Post übergebcne Benachrichtigung. Unsres Erachtens darf sich die Anstaltsdirektivn in solchen Fällen nicht darauf beschränken, lediglich die Vormünder der verstorbenen Patienten zu benachrichtigen. Es gehört nicht zu den Obliegenheiten deS Vormundes, den Briefträger der Anstiiltsdirektion zu machen. In dem vorliegenden Fall hätte die Direktion sehr wohl auch den Angehörigen eine Mitteilung zukommen lassen können. Von der Heiligkeit der Familie, die doch sonst von Amt» wegen so oft als deS Schutzes würdig bezeichnet lvird, scheint niail in der Irrenanstalt Herzberge nicht viel zu halten. In Berliner clektrotechilischen Kreisen macht, wie der „Franks. Ztg." geschrieben wird, eine neue Erfindung von sich reden. Es handelt sich um eine Schutzkleidung gegen die Gefahren der elektrischen Hochspannung, eine Erfindung des Professors Artemielv, eines früheren Schülers der Berliner Technischen Hochschule. Kürzlich wurde die Erfindung von Ariemielv selbst im �örsaal der Technischen Hochschule deinonstriert. Gelegentlich der ortsetznng der Versuche im Hochspannungs-Laboratorinm der Firma icmenS u. Halske hat sich die Erfindung aufs glänzendste bewährt. Während man bisher die an Hochspaiinniig führenden Drähten und Apparaten arbeitenden Personen mit Isolatoren, also schleckiten Leitern umgab, kam Artemielv auf die Idee, es gerade umgekehrt mit guten Leitern zu versuchen. Er ging dabei von der Thatsache aus, daß der elektrische Strom sich stets den besten Leiter wählt und den weniger guten Leiter nicht berührt. Er konstruierte daher aus einem Brouzegcwebe einen Anzug, der ihn vollständig einschließt, und begann dann im Laboratorinm seine Experiineiite. Statt sich, wie es bisher üblich lvar, mit Gllmlliihniidschnhen und Stiefeln möglichst zu isolieren, d. h. sich in einen schlechten Leiter zu hüllen, wählte er zu seiner Schutzumhüllnng gerade ciiicn guten Leiter, darauf vertrauend, daß der elektrische Strom diesen Leiter anNehinen und den schlechteren, den menschlichen Körper, verschmähen werde. Seine Versuche im kleinen fielen so zu seiner Zufriedenheit aus, daß er zu größeren Spannungen überzugehen beschloß. Er kam deshalb nach Berlin und trat mit Siemens u. Halske in Verbindung, in deren Charlottenburger Werk die Versuche kürzlich vor einer geladenen Gesellschaft stattfanden. Mit seinem Geivebe bekleidet, zog Artemielv aus Hochspannungsleitnilgen von 150 000 Volt meterlange Funken und ganze Feuergarben, nahm die beiden Pole der Leitung ruhig in die Hände und ließ den Strom durch sich, d. h. durch seine Kleidung hindurchgehen. Ferner hielt er einen Strom von 200 Ampere eine ganze Weile, 450 Ampörc vorübergehend aus, wobei er nur an den Stellen, an denen der Strom eintrat, ein mäßiges Gefühl der Er- lvärillnng empfand. Taö Lied voi» braven Man». Unter dieser Stichmarke brachte der„Vorwärts" in Nr. 249 vom vorigen Jahre eine Notiz über einen Unglücksfall in Groß-Lichterfelde, bei welchem der arbeits- lose Arbeiter Heibert aus Steglitz den durchgehenden Pferden eines Branerluagens in dem Augenblick in die Zügel gefallen lvar, als die Gefahr vorlag, daß eine auf dem Luisenplatz spielende Kinderschar überfahren werden konnte. Leider mußte der mutige Mann diese That nach einiger Zeit mit dem Leben bezahlen. Der„Vorwärts" knüpfte damals an seine Mitteilung die Befürchtung, daß wohl kaum eine Körperschaft für die Hinterbliebenen des Armen eintreten � würde. Das hiesige Arbeitersekretariat nahm daraufhin die Sache in die Hand, und hat jetzt diesen Unfall mit vieler Mühe beim Schiedsgericht fürArbeiterversichernng, unter Vorsitz des Reg.- Rates Tiibbcn, als v e r s i ch e r u n g s p f l i ch t i g e n B e t r i e b s- unfall zur Anerkennung gebracht. Es wurde angeführt und anerkannt, daß nach der Spruchpraxis des R ei ch s- V e r s i ch e r u n g s- a m t e s es nicht durchaus erforderlich sei, daß der Verletzte in einem Betriebe gearbeitet haben müsse; es sei schon genügend, wenn er ein nützliches und förderliches Werk verrichtet habe, zu welchem er die Zustimmung des Unternehmers gehabt, oder später erlangt habe. Der Vernuglückte hatte, so wurde angenommen, nicht allein mit seiner anfopfernden That die Gefahr von den spielenden Kindern abgelvandt. er hatte auch Gut und Eigentum der Brauerei geschützt, und darin liege das Nützliche und Förderliche des Werkes. Die nach- trägliche Znstiinmung des Unternehmers lvar darin zu erblicken, daß der' Direkior der Bö'tzow-Brauerei der Witive mit ihren 5 kleinen Kindern nach dem Tode des Mannes eine Summe von 500 M. überwiesen hatte. Eine Spruchpraxis ivie die hier zur Anwendung gekommeiie verdient gewiß hohe Anerkennung. Aber es darf nicht vergessen werden, daß sie nur ein Notbehelf ist und daß Fälle genug eintreten, Ivo eine Enlschädignng auf Grund des bestehenden Unfall- versichernngsgcsctzes unmöglich ist. Das Gesetz bedarf daher dringend einer Ergänzung. Die Zluklagc gegen die beiden früheren Direktoren der P o in m e r s ch e l'i H y p o t h e k c n b a n k. Kommerzienrat Schultz und R o in e i ck, lvird gegenwärtig bearbeitet, nachdem die Vor- »ntersuchnng seit etlva Monatsfrist abgeschlossen ist. Die mühevolle Bearbeitung des Materials zur Anklageschrift ist dem Staats- anivalt Dr. Beeck zugefallen, der auch im Sande»- Prozeß die öffentliche Anklage vertreten hat. Es wird ivohl noch einen Monat dauern, che er seine neue Aufgabe vollendet hat. Die Verteidignng von Schultz führt Jnstizrat Wronker, die von Nomeick Justizrat Sello. Ter diesjährige Wiutcr-Fahrplan der kgl. Eisenbahndirektion Berlin ist soeben im ersten Entwnrfe erschienen. Derselbe bringt, abgesehen von den regelmäßig im Winter eintretenden Zug- Verschiebungen, die nachfolgenden wichtigen Aenderungen: Der vier- geleisige Ansban der Strecke Berlin(Stadtbahn)-Erkner, welcher iuit dem 1. Oktober d. I. in Betrieb genommen wird, ermöglicht es. daß täglich bis F r i e d r i ch s h a g e n zwei und bis E r k n e r 18 neue Züge verkehren können; auf der Strecke Erkner-Fürsten- walde'(Erkner ist für weiter kommende Fahrgäste Umsteige- station) lvird die Zahl der Züge um sechs vermehrt werden. Es werden danach zwischen Charlottenburg bezw. Schle- sischer Bahnhof und Erkner nicht weniger als 40 Züge und bis F ü rst e n w a l d e 15 Züge verkehren und ebenso viele in umgekehrter Richtnng. Ferner werden auf der Vorortstrecke Berlin(Stettiner Bahnhos)-Oranienburg die Züge um zwei vermehrt und auf der Stettiner Vorortstrecke mehrere Züge von Blankenburg bis Bernau durchgeführt werden. Neu auf- genoinmen ist der Fahrplan fiir die Strecke Wildpark-Nauen, welche, wie gemeldet, bereits am 1. September dieses Jahres fiir den Betrieb eröffnet wird; auf derselben verkehren auity nach dem 1. Oktober die bereits mitgeteilten acht Züge, von denen nur einer. Zug Nr. 538, eine Veränderung erfahren wird(Abfahrt von Wildpark 122», �„statt 1� nachmittags). Der Fahrplan der Fcrnstrecke Charlottenburg- Berlin-Sommerfeld ist nicht geändert worden.— Die Arbeiter-Fahrkarten sind im Stadt-, Ring- und Vorort- Verkehr an Arbeitstagen zu allen Zügen während des ganzen Tages kanfbar; Arbeiter- Wochen karten dürfen auch an Sonn- und Festtagen benutzt werden, wenn diese Tage nach der Arbeits-Einteilnng als Arbeitstage anzusehen sind.— Für den Verkehr der Stadt- und Ringbahn sind außer den fahrplanmäßigen auch Bedarfs-Züge vorgesehen, welche bei stärkerem Verkehr abgelassen werden. Eine heftige Explosion erfolgte Mittlvochiiachmittag 5 Uhr in der Friedrichstr. 23. Hier befand sich auf dem Hofe ein 600 Liter haltendes Pelrolenmfaß des Großdestillateurs Mosel. Das Faß war bis auf wenige Liter geleert und sollte in den Keller transportiert iverden. Bevor dieses geschah, machte sich der 13 jährige Hausbursche Masels an dem Fasse zu schaffen und hielt ein brennendes Streichholz in das Spundloch. Im Innern des FasscS hatlen sich aber Gase angesammelt, die hierbei Feuer fingen. Mit einem doiinerähnlichen Knall flog der Faßhoden heraus und eine Feuersänle stieg bis zum zweiten Stockiverk empor. Von der Er- schütterung wurden zahlreiche Fensterscheiben zertrümmert. Die Fenerivehr rückte ans die Meldung„Mittclfeucr" in großer Stärke heran, konnte jedoch sofort wieder umkehren, da das Feuer mit der Hauslcitnng bereits abgelöscht war. Der unvorsichtige Hausbnrsche hat nur nnbedenteudc Brandwunden davongetragen. Reiche Beute machten Einbrecher, welche in der gestrigen Nach! der Wohnung des Apothckenbesitzers Dr. v. Walk, Köpnicker- straße 119, Ecke Michaelkirchstraße, einen Besuch abstatteten. Der Apotheker befindet sich mit seiner Familie auf Sommerivohnung und daher lvar die hiesige Wohnung unbeaufsichtigt. Die Gefahr eines Einbruches schien um so weniger vorzuliegen, als die dem Be- toblenen gehörige Luisenstädtische Apotheke sich in demselben Hause befindet und dort auch in der Nacht stets jemand anwesend ist. Die Diebe erbrachen die Korridorthür zu der Wohnung und drangen dann in die Wohnung ein. Hier öffneten sie gcivalt- am einen Silberschrank, ivclcher einen großen Vorrat enthielt. Außerdem stahlen sie die Schmucksacheii der Frau v. W., die in einem Vertiko aufbewahrt wurden. Nach gethaner Arbeit veranstalteten die Diebe ein Zechgelage an Ort und Stelle und begossen den ge- woimeuen Raub höchst frugal mit Sekt, von dem sie 6 Flaschen, die äe in der Speisekammer gefunden, leerten. Die Einbrecher, welche eine Beute im Werte von 3000 M. mit sich nahincn, müssen sich mehrere Stunden hindurch in der Wohnung aufgehalten haben, aus welcher sie sich erst am Morgen, nachdem das Hans geöffnet war, entfernt haben. Bis jetzt ist es der Kriminalpolizei noch nicht ge- lungen, der„schweren Jungen" habhaft zu werden. Ilutcr dem Verdacht der Brandstistnng wurde gestern abend der Inhaber des Moabitcr Gcsellschaflshauscs, Hellmuth Peters, Alt-Moabit 80/81, verhaftet. Peters feierte mit einer größeren Ge- ellschaft im Gartensaale seinen Geburtstag, als im Dachgeschoß des Vorderhauses abends gegen 10Vs ilhr Feuer ausbrach. Der Brand wurde erst bemerkt, als die Flammen schon daS leichte Pappdach durchschlagen hatten. Die nach wenigen Miiiutcu eintreffende Fenerivehr stellte mehrere Brandherde fest, die mit Petroleum getränkt waren. Der Hanptbrandherd lag in der Schlaf- lube des Peters. Da dieser der Brandstiflnng stark verdächtig schien, wurde er von der Geburtstagsfeier weg verhaftet. Das Feuer konnte mit einem Rohr abgelöscht iverden. Glücklicherweise kam es zu einer Zeit aus, als die Kellner und Dieustiiiädchen, die im Dachgeschoß ihre Schlafstnbeu haben, noch nicht zur Ruhe gegangen waren, da sie sonst in höchster Gefahr geschlvebt hätten. «i«, � Hochstapler. Von der Krimiiicilpolizn festyeiioiume» und der Staatsanwaltschaft I hier wegen Betrugs vorgeführt wurde der Jteiscncc Theophil Br.. der unter dem Namen Thilo vom Rhein für das angeblich von ihm begründete, in Wirklichkeit aber gar nicht exlftiereiide Annec- und Marine- Vorbereitungsiustitut in allen gröberen Zeitungen Propaganda machte und auch Jnstitutsprospekte veriandte. ,n ivelchcn als Vorstandsmitglieder Nnnien bekannter hoher Militärs fingiert waren. Obwohl dem Institut nach dem Proipekl gronere Geldmittel zur Verfügung stehen sollten, lieh sich Ar. gleich ber der Ailmeldnng der Zöglinge, deren Eintritt erst An- fang Oktober d.& erfolgen sollte, eine nicht unbedeutende Anzahlung machen. Auf diese Weise ist eine große Anzahl von Personen. welche ,hre Söhne für das Institut angemeldet hatten, geschädigt worden.--->>?.> Straficusperrniig. Die Swinemünderstraße und zivar:-r) vom Zionskirchplatz ausschließlich bis Granscerstraße einschließlich Kreuz- damu,, b) von Rheinsbergerstraßc einschließlich Kreuzdamnr bis Bernanerstraße ausschließlich Kreuzdanim, o) von Bernauerstraße ausschließlich Kreuzdanini bis südliche Straße am Vinetaplatz aus- schließlich Krenzdainm. beide Dämme, ä) von der nördlichen Grenze des ehemals Mackschen Grundstücks bis Rügencrstraße einschließlich Kreuzdamm, wird behufs definitiver Umpflastenmg vom 1. k. M. ab bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Ei» großer Fest- und VersaminluugSsaal. der 4600 Personen sagen wird, soll auf dem Terrain der„Neuen Welt" in der Hasen- Heide erbaut werden. Bauherr ist der Besitzer der„Neuen Welt" und der„Gcrmania-Säle" in der Chansseestraße, Herr Arnold Scholz. Ans den Nachbarorten. Die Charlottenburger Rieselfelder als TyPhnSherd. Ii, der letzten Zeit kamen bei den auf den Charlottenburger Rieselfeldern beschäftigten Arbeitern und Arbeiterinnen mehrfach Fälle von Typhus vor, bei deren Untersuchung ein Zusammenhang zwischen Beschäftigung und Erkrankung festgestellt wurde. Ein Verkehr zivischen den de- treffenden Familien hatte nicht stattgefunden, eine infektionsverdächtige gemeinsame Bezugsquelle von Nahrnngsmitteln war auch nicht nachweisbar, ebenso war eine Brnnncnvcrseuchnng ans- geschlossen. Alle Erkrankst!» hatten nur das' Eine ge- meinsam, daß sie auf den Rieselfeldern thätig waren. ES wurde vom Kreisarzt D r. Au st in' Nauen f e st g e st e l l t, daß die Infektionsquelle auf der A r b e i t s st ä t t e zu suchen ist. Eine weitere Annahme, daß die Ansteckung auf den Rieselfeldern zu suchen ist, bildet der Betrieb der Rieselfelder selbst. Das Personal muß dort während der Berieselung in Schlamm und Niesclwasser stehend arbeiten; auch sind die Arbeiter in der Mehr- zahl gezwungen, die Mahlzeiten auf der Arbeitsstätte einzunehmen, ohne daß sie Gelegenheit haben, ihre Hände von dem an- haftenden Riesclwaffer zu säubern. Die Wasserversorgung ist schivierig, meist müssen die Arbeiter, wollen sie kein Drainwasser trinke», dursten, weil gutes Trinkivnffer nicht vorhanden ist. Um einer größeren Epidemie vorzubeugen, empfiehlt die„Acrztliche Sachverständigeii-Zeitung" eine genaue Instruktion der Riesclarbeiter darüber, daß die Uebertragung der Typhnskcime nur durch gründ- lichste Sauberkeit vermieden werden kann. Zur Durchführung dieser Reinlichkeit muß vor allen Dingen den auf de» Feldern beschäftigten Personen gutes Trink- und Waschwasser zur Verfügung gestellt werden. Die Stadt Charlottcnbnrg hat sich bereit erklärt, die von der Regierung cnipfohlcnen Aenderungen vorzunehmen. Neber einen Mord und Selbstmord wird der„Volks-Ztg." aus Spandan berichtet: Der Schlächter Alfred Genrich aus Breslau erschoß seine sechzehnjährige Geliebte Ida Dröscher und sich selbst. Die Eltern des jungen Mädchens mißbilligten das Verhältnis. In Zrhlrudorf ist vor kurzem ein„Verein zur Genosscnichafts- gründung" ins Leben gerufen worden, der jetzt bereits S00 Mitglieder zählt. Der Verein bietet heute schon seine» Mitgliedern beim Einkauf von Preßkohle» und Petroleum bedeutende Vorteile. Bemerkt sei, daß die letzte Versammlung des Vereins, die der Vor- stand irrtiinilicherweise angemeldet hatte, vom überivachenden Gen- darin mit Auflösung bedroht ivnrde, als die Polizeistunde eintrat. Durch das Eingreifen des Genossen Köster ivurde diese ungesetzliche Maßnahine verhindert. Der von Herrn Knrth-Charlottenbnrg gc- hgltene Vortrag Über die Einrichtungen des Leipzig-Plagwitzer Konsumvereins fand regen Beifall. ZlnS Spandau schreibt man uns: Eine Gerichtsverhandlung soll sich ans einer„Unbotmäßigkeit" entspinnen, die sich einer unsrer Genossen im S p a n d a u e r Stadtparlament angeblich gcgeir den Regicrungspräsidenten von Potsdan, hat zu Schulden kommen lassen. Den Anlaß hierzu gaben die weithin bekannten, tiefgehenden Differenzen zwischen den bürgerlichen Stadträten in Spandau »nd der socialdcmokrntischen Stadtverordneten- Fraktion. Der Regierungspräsident>var von unsren Genossen darum angegangen worden, in die konimnnalcn Angelegenheiten Spandans als Anfsichtsinstanz einzugreifen, er zeigte sich aber allen Bc- schivcrden unsrer Genossen gegenüber wenig entgegenkommend. So zu», Beispiel entsandte er im vorigen Jahre auf die tele- graphische, naturgemäß nur sehr kurz gehaltene Beschwerde unsres Genossen Riegcr in der Angelegenheit der vom Magistrat ans die Straße gesetzten obdachlosen Familien zivar sofort einen Kommissar zur Untersuchung des Thatbestandcs»ach Spandan. Dieser Kommissar erledigte seine Mission dadurch, daß er sich vom Magistrat informieren liefe, der Herr hielt es aber nicht für notwendig, den socialdemokratischen Beschwerde- f ü hier zu einer mündlichen Begründung der Beschwerde zu veranlassen, um so ein richtiges Bild von der Sachlage zu be- kommen: auch unterließ er die bereits angekündigt gewesene per- s ö n l i ch e Besichtigung des provisorischen Obdachlosen-Asyls. Irgend ein Bescheid ist auf diese Beschwerde bis heute nicht er- gangen. Eine weitere socialdemokratische Beschwerde wurde vom Regierungspräsidenten im wesentlichen als unbegründet bezeichnet. Waren unsre Genossen über eins solche Behgndlüllg ihrer durchaus ernst und sachlich gehaltenen Beschwerde in jener Stadtverordnetensitzung schon erregt, so steigerte sich diese Erregung, als der Stadtverordneten- Vorsteher den Versuch machte, eine Aussprache über jenen Bescheid unmöglich zu mache», indem er auf die„vorgerückte Zeit" und die —„drückende Luft im Saale" hinlvies. Hiergegen protestierte unser Genosse R i e g e r heftig und gebrauchte hierbei einen sehr I a n d l ä u fr g e n Ausdruck, durch den sich der Herr Re gieriuigs-Präsident beleidigt fühlte. Wegen öffentlicher Beleidigung ist gegen den unbotmäßigen Socialdcmokraten jetzt An- klage erhoben tvorden. Termin zur Hanptvcrhandlung ist von der ersten Strafkainmer des Landgerichts II in Berlin auf den 21. Oktober anberaumt. Man kann darauf gespannt sein, ivas in Preußen einem in berechtigter Ausübung seines Anites höchstenfalls etivas ausgerutschten socialdemokratischen Stadtverordneten alles passieren kann. Johannisthal. Mit dem Ankauf eines Grundstücks zur Anlage einer durch den Bau der Kanalisation nötig gewordene» P n m p- st a t i o n beschäftigte sich die G e m e i n d e v e r t r e t u» g in der letzten Sitzung. Die hierzu gewählte Kommission, bestehend aus den Vertretern K u h r t, Mann und Schmidt, empfahl de» Ankauf des Morgen großen Freibrodtschen Grundstückes in der Köpnicker- straße zum Preise von 22 600 M. Das darauf befindliche Vorder- Haus verzinst die Kanfsumme, und das Hinterland bietet noch Platz zu den erforderlichen Baulichkeiten. Ein weiteres Angebot war von dem Vertreter der v. T r ii tz s ch I e r s ch e n Erben dem Gemeindevorsteher v. Trützschler erfolgt, dieser Herr verlangt für das hinter dem Hennebergschen und dem sogenannten Backofen- grundstück gelegene Hinterland den Preis von 30 M. für die Rute, knüpft aber hieran die Bedingung, daß seine Einschätzung zur Grund- wertsteuer auf die Dauer von sechs Jahren festgelegt iverde und zwar in der Höhe, wie sie von dein Krcissyndikus iin Vergleichs- Ivege vorgeschlagen ist. Diese Snimne erreicht aber nur die Hälfte des von der Einschätzungskommission nach dem bereits erzielten Kaufpreise festgesetzten Wertes des gesamten Besitztums der Trützlerschen Erben in Johannislhal. Der Wert war von der Einschätzuugskpmmission auf etwas über 1 Million Mark festgestellt worden 1 der Prozeß darüber ist noch nicht entschieden. Kurz vor der Sitzung bot nun Herr v. Trützschler auch den übrigen Teil des Terrains bis zur Straße A in der Gesnmtgröße von drei Morgen zu demselben Preise an. Wenn nun auch der Preis ein annehmbarer ist, so iverden die Kosten durch die Anlage einer Straße sehr hoch iverden. Aber noch zwei weitere Bedingungen machen das gesamte Trützschlcrschc Angebot nnnunchmbar und kenn- zeichnen die Behauptung des Vertreters v. Trützschler, daß sein Angebot nur im Interesse der Gemeinde liege, recht treffend. Der Herr verlangte nämlich noch eine weitere Herabsetzung des veranlagten Einkommens um 100 000 M. unter den Vergleichsvorschlag und außerdem für sich das Recht, jederzeit gegen die Einschätzung rekla- niieren zu können, während die Gemeinde sechs Jahre gebunden sein soll; ein Verlangen, welches von der Gemeindevertretung e n t- s ch i e d e»' a b g e l e h ii t wurde; in unbestimmter Form erklärte sich nur der Schösse M i t f ch i n g, der G e m e i n d e v o r st e h e r und der Vertreter R e h b e i n dafür. Die Gemeindevertretung bc- schloß denn auch den Ankauf des Freibrodtschen Grundstückes, um in der Besteuerung des Trützschlerschcn Grundbesitzes. der durch die Anlage der Kanalisation bedeutend gewinnt, freie Hand zu bc- halten.__ NevZÄmmlttttigvtt. Ter Streik in Obcr-Schöurwcide und das Hcrrrnrccht der Kühneniänncr, so lautete das Thema, mit dem sich am Dienstag drei öffentliche Metallarbeiter- Versammlungen bc- schäftigten. Die hierzu benutzten Säle im GewerkschaftShanse, Kösliner Hof und Kronen-Brauerci waren bis auf den letzten Platz besetzt, ein Zeichen, welche Bedeutung die Berliner Metallarbeiter d e ni Streik in den N i l e s- W c r k c n und der dadurch cnt- standencn Situation beimessen. Von den Nefereuten Cohen, Schefflcr und W i e s e n t h a I wurden die Ursachen des Streiks und dessen bisheriger Verlauf sowie das Eingreifen und überaus brüske Benehmen der Vertrauenskommission des Berliner Metall- indnstricllen-Vcrbandcs in etwa folgender Weise geschildert: Vor ca. 3 Jahren ist von einem amerikanischen Konsortium mit Beteiligung deutscher Aktionäre die hier in Betracht kommende Werkzcng-Maschinenfabrik unter dem Namen„Nilcs-Werke" ge- gründet worden. Anfangs zahlte das Werk gute Löhne, bald ober wurde das amerikanische P r ä m i e n s h st e m eingeführt, d. h. für eine bestimmte Arbeit setzte man eine gewisse Sluudenzahl fest, Wurde die Arbeit jetzt früher als zu der im voraus bemessenen Zeit fertiggestellt, so erhielten die Arbeiter für jede ersparte Stunde eine Vergütung von 16 Pf. Solange dieses System auf amerikanische Art ge- handbabt wurde, konnten sich die Arbeiter mit demselben leidlich be- freunden, doch bald modeltedieDirektiondasSystem auf deutsche Art um. Sie hatte bald herausgefunden, was die Arbeiter zu leisten vcr- mochten, und wußte ganz genau, wie lange Zeit jede Arbeit bei äußerster Kraftanstrcngung den Arbeiter in Anspruch nahm. Die Folge war, daß der Stundenlohn mitsamt dem Prämiensystem ab- geschafft und an deren Stelle die Accordarbeit eingeführt wurde. Hierbei waren die einzelnen Accordsätze aber dermaßen niedrig bc- messen, daß die Arbeiter ihren früheren Verdienst auch nicht annähernd mehr zu erzielen vermochten; sie brachten es nur auf 30, 40, höchstens 46 Pf. pro Stunde. Diese Abzüge führten nun zu fortgesetzten Differenzen, deren Schlichtung sich die Orts- Verwaltung des Mctallarbciter-Verbandcs mehrfach angelegen sein ließ. So hatten u. a. schon einmal die Former drei Tage lang die Arbeit eingestellt, nahmen sie aber wieder auf, tvcil die Direktion eine baldige Beseitigung der Mißstände versprach. Seitdem hat die Di- rektio'n auf alle Beschwerden der Arbeiter stets nur Versprechungen gemacht, aber nicht eine einzige gehalten. Die Arbeiter wurden ver- tröstet, ihre Forderungen teilweise anerkannt— doch alles blieb beim alten; ja, die Abzüge niehrten sich sogar noch. Nun mochte die Direktion wohl einsehen, daß sich die Arbeiter derartige Praktiken auf die Daner nicht gefallen lassen würden, deshalb bemühte sie sich, uu- gelernteHilfsarbciter von den qualifizierten Arbeitern anlernen zu lassen, imr letztere, als die unbequemen Dränger und Mahner, nach und nach abschieben zu können. Die Metallarbeiter sahen jedoch bald, worauf dieser Plan hinauslief. Als alle gütlichen Vorstellungen nichts nutzten. da forderten die Dreher einen festen Stundenlohn von 60 Pf., und als dieser nicht bewilligt wurde, legten sie sämtlich die Arbeit nieder; ihnen folgten kurze Zeit darauf die Former. � Nun machte das Werk die kostspieligsten Versuche, Arbeitswillige heranzuziehen. Sogar in rumänischen Blättern wurden solche gesucht. Es fanden sich auch einige ein, n. o. ans Bukarest, doch wurde ein Teil von den Streikenden zur Heimreise überredet, ein andrer Teil aber war für das Werk nicht zu gebrauchen. Da es auch dem berühmten Arbeitsnachweis des Metallindustriellen- Verbandes trotz aller Be- mühungen nicht gelang, das Werk mit Arbeitswilligen zu besetzen, so mußte dieses seinen ganzen Betrieb e i n st e 1 1 e n. Sämt- liche Arbeiter der andren Branchen wurden, weil sie ohne Dreher und Former nicht verwen dbar waren, entlassen. Die ganze Besatzung der Niles-Wcrke besteht zur Zeit nur aus Direktoren, Schreibern und Meistern. .Während der Da �er des Streiks hat es nun seitens der Aus- ständigen keineswegs an Einigungsversuchen gefehlt. Gleich anfangs setzte sich die Lohnkommission mit Herrn Direktor H e ß in Ver- bindung. Dieser aber wollte nur 45 Pf. anstatt der geforderten 60 Pf. bewilligen. Sodarn machten die Streikenden den Vorschlag, das Einigungsamt des Gewcrbegerichts anzurufen. Herr Direktor Heß erklärte jedoch, er sei nicht mehr in der Lage, sich aus Unterhandlungen einlassen zu könne t, weil der V e r b a n d der Metallindustriellen die Sache bereits in die Hand genommen habe, und dieser lehne jegliche Verhandlungen vor d e m E i n i g u n g s- amte principiell ab. Uebrigens sei ihm selbst schon eine Rüge erteilt worden, weil er ohne Wisse» der Verbandsleitnng mit den Streikenden nnterbandelt und diesen eine Zusage von 45 Pf. Stundenlohn gemacht habe. Hierauf nahm der Streik seinen Fort- gang, bis die Leitung des Unternchiner-Vcrbandes die Ausständigen ailffordcrlcn, ihrerseits eine Kommission zwecks Unterhandlung zu ernennen: ein noch nicht dagetvesener Fall. lWie diese Verhandlung ausgelaufen ist, darüber haben wir bereits in Nr. 18S dcs„Vorwärts" berichtet.) Daß keine Einigung zu staube kam, ist lediglich die Schuld der„Herren aus der Gnrtenstraße". Trotzdem haben diese Herren Veranlassung genommen, den an und für sich nur unter- geordneten Streik in den Niles-Wcrken als Unterlage für einen groß äiigclcgtcn, äußerst kühnen Kühnemänner-Plan auszunutzen. Und gerade hierin liegt die Bedeutung des Streiks für die gesamten Metallarbeiter. Die Äühncmänncr haben nämlich angedroht, falls dieser Streik nicht bald beendet werde, m i n d e st e n's 2 6 Prozent der g e- samten Berliner Metallarbeiter auszusperren. Das wären etwa 12— 16 000 Mann. Zuerst sollte die Aussperrung schon am 1. August erfolgen, dann wurde der Termin anf den 16. Angnst verschoben, doch noch ist der„Funke" nicht zur„Flamme" geworden. Ob der Plan thatsächlich zur AnSführnng kommen wird, weiß man noch nicht; jedenfalls heißt es, die Augen offen halten. Doch möge kommen was da wolle: Eine Herrschaft, wie sie die Berliner Stümmlinge anstreben, kann es nicht geben. Um des lieben Friedens willen haben sich die Metallardeiter schon jahrelang die unerhörtesten Uebergriffe des Unternehmer-Verbandes gefalle» lassen, doch niemals werden sie es dulden, daß sie von den Arbeit- gebern als Knechte behandelt werden.— Die Referate wurden mit stürmischem Beifall aufgenommen. Sämtliche Diskussionsredner äußerten sich in teilweise scharf zugespitzten Wendungen gegen die Anmaßungen der Kühnemänner und gaben übereinstimmend der Meinnng'der Versammelten Ausdruck, der geplanten Aussperrung kalten Blutes entgegen zu sehen. Folgende Resolution fand einstimmige Annahme: Die versammelten Metallarbeiter erkennen an, daß der Kampf in Ohcr-Schöncwcide von großer Bedentnng für die organisierte Arbeiterschaft ist. Die Versammelten sind sich sehr wohl bewußt, daß es gilt, gegen einen mächtigen Gegner zu kämpfen, dem großer Einfluß und reiche Geldmittel zur Verfügung stehen, dem jedes Mittel recht ist, um jede selbständige Regung der Arbeiter zu unterdrücken. Aber, aus der Erkenntnis heraus, daß auch die Arbeiter. wenn sie organisiert und einig sind, eine Macht darstellen, mit der auch der llnternehmcr rechnen niuß, nehmen die Berliner Metall- arbciter, wenn es die Unternehmer wünschen, den Kampf ans und verpflichten sich, mit allen zulässigen Mitteln den für die Meiallarbciter-Bcwegung bedeutungsvollen Streik zu unterstützen. Ferner wurde noch folgender von Mitgliedern des Hirsch-Duncker« scheu Gewcrkvereins gestellter Znsatz angenommen: Gegenüber dem gewaltthätigen und herrschsüchtigen Vorgehe» des IIutcrnchmcr-Vcr'bandcs ist es die heiligste Pflicht der Haupt- sächlich hier in Betracht kommenden Organisationen als Metall- arbeitcr-Verband, Gewerkverein der Maschinenbauer und Metall- arbeiter und Mctallarbciter-Gewerkschaft allen Hader beiseite zu lassen und geschlossen vorzugehen, um dem Unternehmertum zu zeigen, daß auch die Arbeiterschaft einig und geschlossen demselben gegenübersteht, um ihr Recht als gleichberechtigter Faktor z» wahren. Verband deutscher Barbiere. Friseure und Perückenmacher (Zweigvercin Berlin). Donnerstag, den LI. d. Mts., abends 10 Uhr, Ver» sa»»nlung bei Bauer, Rasenthalerstr. 57. Gäste haben Zutritt. Tentral-Kraiiken-»nd Sterbekasse der Tischler.(E. H. Nr. 3, Hamburg.) Die Mitglieder der Ortsverwaltungen Berlins und Vororte versminneln sich am Freitagabend 8i/, Uhr im Gewerkfchastshause, Saal 7. Wetter-Prognose für Donnerstag, den 21. Angnst 1902. Etwas kühler, zeitweise heiter, aber sehr veränderlich mit leichte» Regcnfällen und ziemlich frischen westlichen Winden. � Berliner W e t t e r b u r e a u. Allen Freunden und Belannten die traurige Nachricht, dag am 17. d. Mts. mein Mann slbZöb Karl Bade verstorben ist. Die Beerdigung stndetDonnerS- tag. den 21. d. Mts., nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des 1 städtisch.Friedhoscs in Friedrichs- fclde aus statt. Die trauernde Gattin Mario Bade. zitliWS-SrankellkiHt der Tischler Inmmg. AußcrordruMe Grnerlii-Zlersammllnlg der Vertreter der Kassenmitglieder und der Jnnungsmitglieder am Donnerstag, de» 28. Angnst, abends SV, Uhr, im Gewerlschaftsbause, Engel-Ufer 15. Da geS-Ord iiung: 1. Genehmigung zu der vom Vor- stand vorgenommenen Aenderung zu dem am'28. November 1001 von der Geueralversauinilung beschlossenen Statiltennachtrag, da dieser in derbe- schlostenen Fassung seitens des Polizei- Präsidiums nicht genehmigt ist. 2. Verschiedenes. Um pünktliches Erscheinen wird ersucht. 1542b Her MtW, BllliMlM! Freitag, den 22. Angnst er., abcndS T1/2 Uhr, im Nestanrant Schulz, Grenadierstrastc Nr. 33: Oeffentliche Bersammlnng. Tages-Orditung: 1. Vortrag. Referent wird in der Versammlung bekannt gegeben. 2. Diskusston. 3. Verschiedenes. zz/l7_ Per Elnberwfer. Rabalt- Spar- Verein„Söd-flsl". Kottbnser Ufer-i-lo.. Aloutag. den 25. Aiigust. abends 8 Uhr, iM„Märkischen Hof", Zldmiralstraste Nr. 18»; Telegierten-Versammlnng. Tages-Ordnuiig: 1. Bericht vom ersten Halbjahr. 2. Wahl des GeiamtvorstandeS. 3. Bc- stellung der juristischen Person(ß 18, Abs. 3 des Statuts) und Genehmigung des Vertrages 4. Wahl einer Beschwcrdckominisfioii. 5. Bestimmung dcb Publitationsorgans._ 126/11 Der Borstaiid. 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Novität! Ansang 71/z Uhr. Novität! Er und seine Schwester. Posse mit Gesang und Tanz in 4 Bildern von Beruh. Buchbinder. l-uläo Tblelecbor. Fritz Helmerding. Gerda Walde. Herbert Raulmüller. August Reiff. Morgen und folgende Tage: Er und seine Schwester! Ilranla. IUßtropol-TliGater Tauben-Straese 48/48. Im Theater um 8 Uhr: Die deutsche Ostseeküste. CASTANS Panoptikumj Frledrlch-Strasie 16S. Das berühmteste Wachs- 1 fig.uren- Kabinett der Welt.[ Beachtenswerte Neuheit: Lebende Bilder, ausgeführt v. einem Ensemble 1 junger, schöner Damen. Sonnabend, den 23. August 1902: Zum erstenmale: Berlin bleibt Berlin. Grosse Ausstattungsposse mit Gesang und Tanz in 5 Bildern von Julius Freund. Musik von Erik Moyer-Helmund. Hauptrollen: Emil Thomas a. G, Josef Joseph). Henry Bender. K Flora Sldlng. Hansl Reichsberg. Wlnl Grabitz, Im 6. Bilde; Grosses Rnllett: Das Fest der Reklame. Anfang r/,8 Uhr. Bauchen gestattet. WS Apollo- Theater und Konzert-Garten. Um 8 Uhr; Die grossartigen neuen Specialltütcn. Um 9 Uhr: Passap-Fanopticum. Varlst�- Vorstellung Im kleinen Theatersaal. Ital. Konzert-Gesellschaft( Pariser Marionetten-Theater.| tagender Wunderspinne. Arab. Fakir u. Feuermensch. Entree 50 Pf.| Lysistrata Leonidas... Robert Steldl. Kasseneröffnung 7 Uhr. Gasino- Theater. Lothringcrstr. 37. Eröffnung: Sonnabend, den£3. August, mit buntem Programm und dem berühmten VolkSstück Ehrliche Arbeit von �VIIBeu. Passage-Theater. Wegen umfassender Renovation I | geschlossen. Wiedereröffnung:| Sonnaheud, 30. August. Täglich nachmittags 5 Uhr: Play 50 Pf. Ulllltt-TilkOttt Kastanien- Allee 7—9. Tilglich: Johamliszattber. Operetten-BnrleSke in 4 Bildern. Eugen»llardo, Tanzhltmorist.— CirlllS Loyal.— Leodlskas Kakadus, komische Reckiurller.— The Elrados. Mdme, Georgette, Feuer- it. Flammentanz.— Lebende Photographien. (Neue Serie.)— Konzert. Anfang 4 Uhr. Eintritt 30 Pf.,»nmerierier ■Hatenhelde 108-114 Xeue Welt Arnold Scholz. DouuerSlag, den 31. August 1903; «Elite- Monstre- Feuerwerk. Die Schlacht bei Wörth. Grosses Militär-Konzert. Hoboisten-Corps S. St. H. des GrohherzogS von Mecklenburg-Sirelitz unter persönlicher Leitung des Grobherzoglichen ivinsidirettors»ugo Hofftnann. Gala- Speeialitäten- Vorstellung. Ansang des Konzerts 8 Uhr, der Vorstellung K Uhr. Eintritt SO Pf. Billeis im Borverlauf a 40 Pf. sind in den mit Plakaten belegten Handlungen zu haben. Montag, den 25. August cr.: Htsnefl- HofTinann. Freie VolksbQhne. I. Serie, l./S. Abteilang: Sonntag, den 31. Angnst, nachmittags 2�/. Uhr, im Metropol-Theater: Joliii Oabricl Borkmiinn. Schauspiel in 4 Aufzügen von Henrik Ibsen. Insoeniert vom Direktor Adolf Stelnert. ' Die mitgliedskartcn für die Saison 190�/3 müssen aus den Zahlstellen abgeholt werden Die Ditgllcder werden dringend crsnclit, die In den Zahlbtcllcn aufliegenden Fragebogen betreffs obligatorischer Eliirtllirnng des UUlmen- heftes etc. ansziiCUllou. Kalbo. iilitar-Doppel- Konzert. Ostbahn-Park. C arl Weiss-Theater. tllruffe Fiankfnrtcrstr. 132. Gefallene Mädchen. Berliner Sittenbild in 4 Akt.v. Schäfer. Anfang 8 Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Im Garten: Neue Specialitäten. Anfang 5 Uhr. Lommertircater Mapienbad Badstr. 35/36, Gesuuddnmuen. Täglich: DaS grostartigc Programm k Zum Schlub: Sensationell! Der Brandstifter. Willy Relnhold; Dir. R. Wagner. Entree St» Pf. BorzngSkarten haben Gültigkeit. Lntroe 1 M.,"9(3 ab O Uhr abends 50 Pf., Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Kleines Theater (Schall und Rauch) 33/14 Unter den Uinden 44. Anfang 8 Uhr. Serenissimus-Zwischenspiele. Mnieniinelit. Krün Sliinl. I.lebef triiiiine. Am KUstrlnerplatz. RUdersdorferstr.7l. Hermann Imbs. Täglich: Gr. fwiunt, Thtilttr- und Spetlililtitteil- Vorsteüung. fnLkels Allerlei Theater fr. Puhlmann, Schönhauser Allee 148. Heute sowie täglich: Cmiz Lttli» milüfittt ftd)! Austreten der mit ftürmischem Beifall und Jubel aufgenoinmeueit neuen lSpeclnlltttteu. Neu! Die S Oilentsterne. Neu! Lowes u. Lola. John, mod. Jongleur. Um 8V, Uhr: Das grobe BollSstück Uitfer tZoId�uugc. Um 10 Uhr: Der schlagfertig« Blitz- dichter Otto Waldeninr. Im Saale: Gr. B»U. Anfang S Uhr- Entree 3« Pf. Sonnab.: Nationaldank f. Veteranen. Wiiitergarten. Maud Grlselda, Hunde-Dresseuse. Les Silvas, Leiter- Equilibristen. Joste de Witt, Sängerin u. Geigerin. Die Vlcentlnas, Bollschuhläufer. Roflx, athletische Produktionen. Karl Meister, Tenorist vom k. k. priv. Carl-Theater in Wien. Helene Gerard,„Hohe Schule". Sari Fedak, Sängerin vom Ungar. Theater in Budapest. Die Kelllno-Truppe, ital. Akrobaten. Clnudine Kolalre, Pariser Sängerin. W. C. FleJds, komischer Jongleur. Achtung! Mitglieder, die als Ordner fungieren wollen, können sich für die neuen Abteilungen beim Kassierer schriftlich melden. tfwesclmftslente werden besonders auf den Inseratenteil unsrer Monatsschrift aufmerksam gemacht. Bestellungen sind direkt an untenstehende Adresse zu richten. 229/19 Der Vorstand. I. A.: G. Winkler, Rixdorf, Kirchhofstr. 46, II. CieiseliäcBBaftisitfaDrten nach Hcriiigödorf, Paiisiu» Ahlbeck und Swincmiilidr. ' Abfahrt Stettiner Bahn: Sonnabendabend 10 Uhr. Sonntags zurück. Preise m. Verpflegung 14,75 M. Hur Schlflskartsn: 2,—, 1,50 u. 1,25 M Fahrkarten werde» zugesandt. lölSb Arrangeure für GefellschaftSfahrteit: Krlcdrlcl» Tliillcr Co., Berlin N. 58. Tanzigerslr. 13. Arnold Scholz. K Ghausseestr. 103. Sonntag, den 24. August 1902: Eröffnung der Winter-Saison. Gula-Spechilitäten-Vorstellung. Sensationelles Programm. Anfang 7 Uhr. 48628 Eintritt SO Pf. Cleo de Merode Tänzerin v. d. gross. Oper in Poris. „Biograph". M. Colins Festsäle, Bentli-Strasse 30. 4849»* Einige Sonnabende und Sonntage für die bevorstehende Saison noch zu vergeben. Morlt/. Cohn. W. Hoaclis Theater. Brunnenstrab« 18. TUgllch: Theater- nnd SpeclalltiUcn-VorftcIlnng. Jas taiiifiiöf Bnliii. Poste mit Gesang und Tanz von Leopold EIy. Im Saal: Tan-krunzehea, Berntiard Rose-Theater Getundbrunnen, Badstr. 58. Sensationell I Ter phiiuoutenale Ver- waiidlungökiinstler OttR'I ttR'ttLRIR ! mit srineiit Bunte» Theater »vorm er 36 Persoiten darstellt. Anuacrdein dnu neue Kicscn-Progranuii. Ansang 4 Ubr. Entree 30 Pf. Vorzugslarten haben Gülligleit. Kasseeküche.-- Ball. Ein Haiipttag: Dlenistng. L6. Angnat. l8«»sso«ei Kotthnaerstr. 4n, Station der Hochbahn. Täglich im Garte», bei uu- günstig.Wiiterung imSaal: Iloffoin»»« Nuriilitiitslsit Liiiigtr und Konzert. Sonntag, Moniag und Donnerstag»ach der Soiree: Tanzkräuzchen. Tanz frei! Anfang Sonntags 5 Uhr, Entree 30 Pf., ab 9 Uhr 20 Pf. Anfang Wochentags 6 Uhr. Entree 30 Pf., ab 9 Uhr 20 Pfg. ke iivkskslle n. f-jz? Titglich i " Stettincr Sänger. Anfang: Wochentags 8 Uhr, sonntags 7 Uhr Tageslafle 11— U/zUhr klmlm Garten Am Kbniguthor 42028* Am Krlcdrlchshaiu 09" Täglich:"�Q Thtater- uiili Tvttialitiittil- Vorsttlliiilii. 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