Ar. 195. AvamttMtNts-Zedingungkn: Abonnements-Pret» pränumerando: vierteljährl. Z.30 Ml., monatl. l.lvMl.. wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Simelne Nummer 6 Pfg. Sonntags« Nummer mit lüufltieiietf Sonntags« Beilage„Tie Neue Well" 10 Pfg. Poft- Abonnement! 1,10 Marl pro M o» a r, Eingetragen in der Post- Zeitung»» Preisliste für l»OS unter Dr. 7878. Unter«reuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da» übrige Ausland L Marl pro Momu. 19. Inlsrg. Ite Inftrttons-GMyd beträgt für die fechSgespallene Kolonel» zeile oder deren Raum i.0 Pfg., für politische und g ewerlschaftltche Vereinsund VersammlungS- Anzeigen 20 Pfg. „Kleine Anseigen" jedes Wort S Pfg. (nur das erste Wort fett). Inserate für die nächste Nummer müssen bis i Uhr nachmittags in derExpedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen biS 7 Uhr abends, an Sonn- und gestlaAen biS 8 Uhr vormittags geöffnet. Erjcheiiii lsglich aufirr Zvonlag«. Vevlinev VolksblÄkt. Telegramm-Adresse- »Porialdrmoktrak Vrrlin» Csntralorgan der socialdemokratisthen Uartei Deutschlands. Krdalltion: S'v?. 19. Beullz-Strahe 2. Fernsprecher: Amt I. Nr. 15,0«. Freitag, den 22. August 1902. Expedition: sw. 19, Beuch-Stecche 3. Fernsprecher: Slnit I, Nr. 5131. Vatteigtnlifftll! Laut Deschlliß des letzten Parteitags findet der diesjährige in München statt. Auf Grund der Bestimmungen der§§ 7, 8 und 9 der Partei- Organisation beruft die Parteileitung den diesjährigen Partei- tag auf Sonntag, den 14. September, abends 7 Uhr, nach München in das Lokal: Schill abinger Brauerei, Leopold st r. 82 ein. Als provisorische Tagesordnung ist festgesetzt: Sonntag', 14. September, abends 7 Uhr: Vorversammlung. Konstituierung des Parteitags. Festsetzung der Geschäfts- und Tagesordnung. Wahl der Mandatsprüfungs-Kommisstoil. Montag. 15. September und die folgenden Tage: 1. Geschäftsbericht des Vorstandes. Berichterstatter: I. A u e r und A. G e r i s ch. 2. Bericht der Controleure. Berichterstatter: H. Meister. S. Bericht über die parlamentarische Thätigleit. Berichterstatter: E. 9t o f c n o tu. 4. Die bevorstehende Reichstags-Wahl. Berichterstatter: A. Bebel. 5. Arbeiterversicherung. Berichterstatter: H. Molkenbuhr. 6. Kommunalpolitik. Berichterstatter: Dr. Lindemann. 7. Der internationale Arbeiterkongreß 1993. Berichterstatter: P. Singer. 8. Maifeier. Berichterstatter: R. Fischer. 9, Anträge zum Programm und Organisation. 19. Sonstige Anträge. 11. Wahl des Vorstandes und der Controleure. Parteigenossen I Bei der Wichtigkeit der Tagesordnung des diesjährigen Parteitags— wir verweisen nur auf die Verhandlungen über die nächsten allgemeinen Reichstagswahlen— richtet der Partei- vorstand die Auffordening an Euch, die Vorbereitungen für den Parteitag— also die Wahl der Delegierten wie die Stellung von Anträgen— rechtzeitig zu bewirken. Die Anträge müssen spätestens den 2. September in den Händen des Vorstandes, Adresse: I. Auer, Berlin SW., Kreuzbergstr. 30 sein, weilii sie entsprechend den Bestimmungen des§ 8 Absatz II der Partei-Organisation im„Vortvärts" veröffentlicht werden und in die gedruckte Vorlage Anfiiahme finden sollen. Ailträge von einzelnen Parteigenossen bedürfen der Gegen- Zeichnung der Vertrauensperson oder des Vorstandes der örtlichen beztv. Kreisorganisation, falls sie zur Veröffentlichung und Beratung gelangen sollen. Die Parteigenossen, die zum Parteitag kommen, werden ersucht, von ihrer Delegation dem Vorstande und dem Lokalkomitee recht- zeitig Mitteilling zu inachcn, damit ihnen die Vorlagen und cv. weitere Mitteilungcii zugesandt werden können. Die Adresse des Lokalkomitecs lautet: L u d iv i g P i ck e I ni a n n, München, S e u d l i n g e r st r. 29. MandatSformulare sind durch das Parteibureau I. A u e r, Berlin LW.. Kreuzberg st r. 80 zu beziehe». Die Genossen, die Anträge einreichen, werden darauf auf- merksam gemacht, daß etwaige den Anträgen beigegebene Motive weder im„Vorwärts" noch in der den Delegierten zugehenden Vorlage Anfnahiue finden können. Es steht den Genossen das Recht zu, ihre Anträge selbst oder durch befreundete Genossen auf dem Parteitag mündlich zu begründen. Ein Abdruck der Motive ver- bietet sich aber aus räumlichen Gründen und um Wiederholungen zu vermeiden. Berlin. 23. Juli 1902. Mit socialdemokratischenl Gruß Der Parteivorstand. Wahlparole. Zeigte schon das Verhalten der freihändlerischen Presse gegen die Verhandlungen der Zolltarif-Konunission und ihre� thörichten Angriffe auf die sogenannte„socialdemokratische Obstruktion", wie wenig die Mehrheit der beiden freisiunigcn Parteien und ihr Rnhäugsel, der freihändlerische NationalliberaliSmuS der hausestädtischen Reeder und Exporteure, zu einer energischen Be- kämpfung der HochschutzzöNncrei gewillt ist, so liefern ihre jetzigen Versuche, eine möglichst matte, nichtssagende Parole für de» nächst- jährigen Wahllampf einzuschmuggeln, einen weiteren Beweis für ihre zollpolitische Unztiverlässigkeit. Bisher war es nur die Partei der traditionellen Mittelmäßigkeit, der Nationalliberalismus, der in seiner qualvollen Schwebe zwischen zwei Stühlen sich zur Erhaltung des traurigen Restes seines ehe- maligen politischen Einflusses gegen die Erhebung der Zollfrage, d. h. des Rufes für oder gegen den Zollwucher der Tarifvorlage, zur Wahlparole wehrte. Angelviesen auf die Gunst und materielle Unter- stützung der Großindustriellen und den von diesen gegen ihre Arbeiter bei den Wahlkämpfen ausgeübten Druck, aufs ärgste bedrängt in seinen halbländlichen Wahlsitzen vom landwirtschaftlichen Bündlertum, würde das Löken wider den Zollstachcl die völlige Auflösung des ohnehin aufs äußerste zerfahrenen Haufens der nationalliberalen Staatsmänner bedeuten, lvährend andrerseits die „Aufwühlung der Volksleidenschaften" durch die„Zoll- Hetze" doch manchen ehrsamen, kleinstädtischen Bürger, der bisher halb aus alter Gewohnheit, halb aus Gedankenlosigkeit im natioualliberalen Aufgebot phlegmatisch mittrottete, aus seiner friedlichen Ruhe aufzustöbern und zur Stimmenabgabe gegen die agrarisch industrielle Jnteressenpolitik veranlassen könnte. Begreiflich genug, daß die Wortführer des Nationallibcralismus sich gegen jede Aufrüttelung der Volksmassen durch die Wahlparole:„Gegen den Zollwuchcr I" sträuben. Viel schöner und ethischer— Iveil verschwommener— ist doch die Parole:„Für Handels- Verträge!" Für Handelsverträge sind ja alle bis auf ein kleines Häuflein der allercxtremsten Agrarier: voran die nationaNiberale Gefolgschaft des Centralverbandes deutscher Jndu- strieller, die Freikonservativen, das Centrum, die Freisinnigen um Barth und Richter— und selbst, tvie Biilow und Posadowsky mehrfach bezeugt haben, die Regierung. Mit dieser Parole sind die schönsten Wahlbündnisse möglich, dort mit Agrariern, hier mit Frei- sinnigen Richterscher Färbung; vor allem aber— und das ist für die nationalliberale Geistesverfassung ein Moment von ausschlage gebender Bedeutung— bringt sie das nationalliberale Partei- gemcngsel nicht in Opposition zur Regierung. Aber wie verschiedene Auslassungen der freihändlerischen Presse zeigen, ist eS heute nicht nur mehr der landläufige Nationalliberalismus, der sich gegen die Erhebung der Zollfrage zur Wahlparole sträubt; er findet Unterstützung bei den Freisinnigen um Barth und der Species des hansestädtischen Freihändlertums, dessen von dem früheren Reichstags-Kandidaten Laeisz verkündeter geschäft licher Moralgrundsatz„IckuuSus vult decipi*(die Welt will betrogen sein) auch, wie es scheint, seine Politik bestimmt. Als vor einigen Tagen die„Korrespondenz des HandelsvertragsvereinS" in einem Artikel die Verhandlungen der Zolltarifkommission besprach und zum Schluß äußerte, �die Hauptsache für die Gegner der Zolltarifvorlage sei,„daß dieZollfrage dieWahlplattform abgiebt" meinte der„Hnmburgische Korrespondent", das von der Aktien gesellschaft„Börsenhalle" herausgegebene Organ der hambnrgischen Reeder und Großhändler: „Wir ilnsrerseitS können nicht wünschen, daß die Zollfragc zur Wahlparole werde; die Handelsvertragsfrage eignet sich dazu un- endlich viel besser." Und ebenso erklärte am Sonntag das„Berliner Tageblatt" als Vertreter des Barthschen Freisinns in seiner Erörterung deS Kulm- bacher WahlkartellS, das es noch vor wenigen Tagen ganz natürlich gefunden hatte: „Die a l l g e m e i n e n W a h l e n Iv e r d e n, wenn nicht alles trügt, unter der Parole: Für oder ivider Handelsverträge, vor sich gehen. Und hier kann eS nicht zweifelhaft fein, daß kein Liberaler einem Vertreter des 6 Mark- Brotzolles seine Stimme geben darf." Zu verstehen ist diese Haltung. Innerlich zieht es die Herren zu den Nationalliberalen, deren erzwungene allzu agrarische Neigungen ihnen zwar etwas unbequem sind, denen sie sich aber sonst in vielen andren politischen Fragen geistesverwandt fühlen; und die Wahl- Parole:„Für Handelsverträge" gestattet ihnen die Bekämpfung der industriellen Hochschutzzöllnerei des„Centralverbandes deutscher Industrieller", der ja auch für Handelsverträge eintritt, zurückzustellen und sich im Wahlkampf unter Schonung ihrer »ationalliberalen Freunde ausschließlich gegen die Getreide-Minimal- zölle und einige andre hochagrarische Forderungen zu wenden. Zudem haben die Herren Angst vor den Wahlen oder vielmehr vor der Principienfestigkeit ihrer Wähler, denn unter diesen befinden sich, tvie ihnen erst kürzlich Posadowsky in der Zollkommission be- stätigte, gar manche, die öffentlich mit freihändlerischer Ueberzeugung hausieren, im geheimen aber die krampfhaftesten Anstrengungen machen, für daS von ihnen betriebene Gewerbe ebenfalls einen An- teil an der Zollbeute herauszuschlagen. Das unter dem Protektorat der Nürnberger Freisinnsgröße» und unter der Zustimmung der großen Mehrheit der freisinnigen Blätter zu stände gekommene nationalliberal-freisinnige Förch- heim-Kulmbacher Wahlbündnis ist keineswegs, wie die freisinnige Presse es jetzt, nach dem kläglichen Ausgang der Wahl darzustellen sucht, eine aus besonderen örtlichen und zeit- lichen Verhältnissen erklärbare Episode. Es ist der Ausdruck einer in weiten Kreisen der freisinnigen Wählerschaft vor- handenen Stimmung; und trotz deS lächerlichen Ergebnisses deS frei- finnigen Wahlpaktcs in Forchheim ist mit Sicherheit darauf zu rechnen, daß im nächsten Wahlkampf»och recht oft derartige„be- sondere örtliche und zeitliche Verhältnisse" entdeckt werden. Das Festhalten an freihändlerischen Grundsätzen findet sich in den freisinnigen Parteien nur allenfalls noch bei einigen Dutzend Politikern, Jonnialisten und Angehörigen sogenannter liberaler Berufe; die Masse der in ihr ausschlaggebenden Klein- industriellen, Exporteure, Händler und kleinen Bankiers hat, soweit sie nicht überhaupt politische Principien für unnütze Beschwernisse auf ihrer Lebensbahn erachtet, nichts von den freihändlerifchen Theorien der ehemaligen Fortschrittsgröße Julius Fauchcr und andrer Freisinnslichter kapiert. Für sie reduziert sich die „Zollfrage' auf die Besorgnis, die Annahme hoher Agrar- zölle könne verhindern, daß überhaupt Handelsverträge zu stände kommen und daß durch den in diesem Fall entstehenden Export- auSfall auch sie in geschäftlicher Hinsicht geschädigt werden. Wird ihnen die Abwendung dieser Gefahr garantiert, ist für sie die enorme Belastung des Lebensunterhaltes der unteren Volksschichten reine Nebensache. Aber die freisinnigen Herren dürften sich ebenso wie das Hanse- städtische Freihändlertum irren, wenn sie meinen, die socialdemokratische Arbeiterpartei werde ihnen das verschämte Spiel erleichtern und durch Annahme ihrer Wahlparole ihnen behilflich sein, die Gegensätze in der Zollfrage zu verkleistern. Für die Socialdemokratie ergiebig sich aus diesen Versuchen, eine falsche Wahlparole einzuschmuggeln, nur umsomehr Anlaß, in allen Wahlkreisen, wo sie mitzusprechen hat, an der Wahlparole festzuhalten: Gegen den Zoll Wucher in jeder Gestalt, den industriellen wie den agra- r i s ch e n l_ Auch ein„Fall Löhning". ' Man schreibt uns: Auf dem Gymnasium meiner kleinen mitteldeutschen Heimat- stadt genossen wir in den Oberklassen den Unterricht einer markigen und knorrigen Persönlichkeit, des Professors W. Noch heute, wo ihn längst der Nasen deckt, gedenken seiner alle Schüler mit auf- richtigem Dank und freundschaftlichen Gefühlen: er hat einen jeden von denen, die zu seinen Füßen saßen, etwas mitgegeben auf die Lebensreise, nicht nur altphilologischen Formelkram, sondern vor allem daS Streben, durch und in der Erfüllung der Pflichten gegen die Allgemeinheit die eigne Persönlichkeit auszuleben. Dieser Professor W., dessen Körperkraft durch die Strapazen von zwei Feldzügcn wenn auch nicht gebrochen, so doch erschüttert worden war, erkrankte einmal auf einer Reise in ziemlich abgelegener Gegend lebensgefährlich. Nach dem Urteile der Aerzte hatte er seine Rettung nur der hingebenden Sorgfalt und aufopferungsvollen Gewissen- haftigkeit einer Krankenpflegerin zu danken. In der Zeit einer langsamen und oft durch kleine Rückfälle wieder in Frage gestellten Geuesnng hatten sich allniählich zwischen dem Gelehrten und seiner Pflegerin, die ein schlichtes Kind aus dem Volke war, Gefühle ent- wickelt, die über Dankbarkeit und Freundschaft sehr bald hinweggingen. Professor W. hatte die Ueberzeugung gewonnen, in diesem Mädchen das Glück seines Lebens gefunden zii haben. Der schönen Hoffnimg,' das geliebte Mädchen, seine llietterin, eines Tages als sein Weib heimführen zu können, stellten sich indessen mannigfache Schwierig»! leiten und Jntriguen— siehe Fall Löhning!— entgegen. Um die Sache aufs Biegen oder Breche» zu stellen, fuhr deshalb W. eines Tages kurz entschlossen mit seiner Braut nach dem damals noch eng- lische» Helgoland und ließ sich dort trauen. Bleiches Entsetzen iii allen Philistcrkreisen I Die Mütter aller sttzengebliebenen„Heirats- i fähigen", die lauggenährte stille Hoffnungen mit einem Schlaga vereitelt sahen, fauchten vor Wut und ließen an„der Person", die den guten W. doch ganz offenbar nur durch Teufelskünste verführt habe» konnte, kein gutes Haar. Der Plan des Rachefeldzuges war bald entworfen, und es stand schon vor der Rückkehr W.s von sciner Hochzeitsreise fest, daß er gesellschaftlich geboykottct werden müsse. Den G e s ch spielte in dieser Geschichte ein Oberlehrer F., natürlich Lieutenant der Reserve, ein Aeh-Bäh-Man», der seinen Mangel an Wissen und Fähigkeiten durch mehr als ge-l wöhnliche Schneidigkeit auszugleichen oder zu verdecken suchte. So wäre wohl alles„gntgegangen" und die Sünde W.s gegen den jheiligen Kastengeist empfindlich gerochen worden, wenn �'ja, wenn damals meine Heimat über eiiien Rheinbaben verfügt hätte. Der aber fehlte, und deshalb nahm dieser„Fall" einen ganz a n d r e n A u s g a n g. Als nämlich der schneidiqe Herr Lieutenant und Auch-Lehrer die„peinliche Angelegenheit" in Gegenwart des Ministerialdecernenten vor versammeltem Lehrerkollegium der Anstalt zur Sprache brachte und seine begeisterte Rede für Thron, Altar, Autorität und Standessitte mit den fulminanten Worten schloß:„Und so glaube ich denn, meine Herren, daß leider ein Zusammenwirken mit dem s o n st so überaus verehrten Herrn Kollegen W. nicht mehr möglich sein wird"— als er dies gesagt hatte, da erhob sich besagter Ministerialrat zu den ganz ruhig und langsam herausgebrachten Worte»:„Nun ja, Herr F., dann v a r z e n P f l a n z u n g s- A r b e i t e r n zum Varzin hinauf, brau nte n alles nieder, fällten die Kokos- palinen und verwüsteten die P f l a u z u n g e n." Dieser Brief scheint unsre Vermutung, daß es sich nicht um eine von dem Gouverneur angeordnete Strasexpeditiou, sondern um einen wüsten Akt von L h n ch j u st i z handelt, zu bestätigen. Ohne daß erst Untersuchungen über die Z a h l der M i t- schuldigen angestellt wurden— der Mord wurde von einigen wenigen Eingeborenen ausgeführt— unternahmen die erbitterten Pflanzer einen Rackezug, dem z iv e i f e I l o s sehr viele U n- schuldige zum Opfer fielen. Nach einem Telegramm des„Daily Telegraph" ivnrden die Eingeborenen im Schlafe überrumpelt und erbarmungslos ohne Ausnahme niedergemctzejt. Welche Schritte gedenkt man gegen diese Lynchjustiz zu unter- nehmen?—.., Ausland. Die Eröffniing des Kap-ParlamentS ist am Mittwoch erfolgt. Fast zivei Jahre lang war das Parlament nicht mehr zusammengetreten, nachdem es im Oktober 1900 auf unbestimmte Zeit vertagt worden und infolge der Kriegs- wirren und der Boereninvasion nicht wieder einberufen ivorden war. Nach dem freiwilligen Rücktritt Schreiners halte Sir G o r d o n Sprigg die Leitung der Regierung übernommen- und während der zivei Jahre� der parlaniciitslosen Zeit ohne die Ermächtigung der Volksvertretung zu Kriegszivecken Gelder erhoben, Kriegsgerichte zur Verurteilung der Rebellen errichtet, kurz ein gesetzloses Diktatur- regiment geführt'. Die Sorge des Premierministers muß cS deshalb sein, für seine yerfassungswidrigen Handlungen die Indemnität des Parlaments zu erhalten. Trotzdem nun Sir Gordon Sprigg es mit der englisch gesinnten Loyalistenpartei dadurch verdorben hat, daß er deren Verlangen, die Verfassung der Kolonie außer Kraft zu setzen, unerfüllt gelassen hat, und er sich andrerseits auch die Sympathien der Anhänger des Afrikanderbiinds nicht erworben hat, scheint es doch, als ob seine Premierschaft einstiveilen nicht gefährdet sei. Ueber die erste Sitzung des Parlaments ivird aus Kapstadt gemeldet: Bei Eröffnung des Parlaments hielt der Gouverneur eine Rede, in welcher er ausführte, daß eine Bill eingebracht werden würde, durch welche der Eoiivcriieur und alle Beteiligten für die unter Kriegsrecht vorgenommenen Handlungen entlastet werden. Sobald dieie Bill durchgegangen sei, werde das Kriegs« recht aufgehoben werden. Unter andren Gesetzentwürfen werde sich eine Bill befinden, welche die Ermächtigung zur Aufhebung b e st i m m t e r Zölle und Steuern während eines durch Parlamentsakte festgesetzten Zeit- raunis gicbt und die Einführung von Ei n gebor nen aus Asien, mit Ausnahme englischer Unterthanen, sowie die Ein- Wanderung mittelloser Personen und solcher, die an ekelerregenden oder austeckenden Krankheiten leiden, verbietet. Der Gouverneur kündigte ferner zahlreiche Gesetzentwürfe an, betreffend Ver- besserungen auf dem Gebiete der Eisenbahnen und andrer öffentlichen Arbeiten sowie einen Entwurf, nach deni von der Kolonie eine Flotte nabgabe von 80 000 Pfund erhoben werden soll. Er führte aus, daß diese Forderung die Aufwendungen in der Vergangenheit weit über- schreite, daß die Entwickclung des Handels diese Vermehrung der Kosten aber rechtfertige. Zum Schluß ermahnte der Gouverneur die Vertreter des Volkes, die Gcsetzentlvürfe in dem Geiste der Mäßigung zu beraten. Die Gesetzgebende Versammlung nahm hierauf einstimmig und ohne Debatte eine Adresse an den König und die Königin an, in welcher ausgeführt wird, daß alle st o l z seien, diesem großen Reiche anzugehören, und bereitwillig für dessen Integrität einträten.— Oestrcich-llngar». Nach de» Jschlcr Audienzen. -st- Wien, 18. August.(Eig. Ber.) Die Offiziösen des Herrn v. Koerber malen zwar noch immer grau in grau, aber cS unterliegt nun nicht dem gcringsten Zweifel, daß der Ausgleich zwischen den beiden Regierungen zu stände kommen iv i r d. Ein der ungarischen Regierung nahestehendes Blatt giebt den Stand der Dinge folgender- maßen an: Ueber die Materien, die den Ausgleich bilden, das ist also vornehmlich das Zoll- und Handelsbündnis, ist zwischen den Ministerpräsidenten eine vollständige Einigung zu stände ge- komnien. Differenzen bestehen noch über einige wichtige Positionen des Zolltarifs, doch ist eS ausgeschlossen, daß die Verständigung daran scheitern könnte. Man kann sich übrigens unschwer vorstellen, was an dem Zolltarif die Einigung bisher verhindert hat: Herr v. Szell hat auf die Forderung der Rohstoffzölle noch nicht verzichtet, und Herr von Koerber verlangt von den Ungarn für die östreichische Industrie einen Zollschutz, den daS ungarische Land nicht bewilligen mag. Aber da es sich nur noch um Ziffern handelt, so ist die Mitte leicht zu finden und man kann annehmen, daß in der Beratung, die für Freitag anberaumt ist, der Ausgleich abgeschlossen werden wird. Unter diesen Umständen wird nun auch die Frage aktuell, welche Aussichten der zivischen den Ministern abgehandelte Ausgleich in den Parlamenten hat. Daß im ungarischen seine Annahme sicher ist, ist bei der Größe und Festigkeit der Szellschen Mehrheit sicher, denn vor einer gewaltsamen Störung durch die Unabhängigkeitspartei braucht sich die Regierung wohl nicht z» fürchten. Weitaus schwieriger liegen die Dinge in Oestreich, wo Herr v. Koerber einesteils über keine fcstgeschlossene Mehrheit verfügt, andernteils mit der unter der Asche noch immer fortglimmenden Obstruktion rechnen muß. So komisch es klingt, so wahr ist es: Die Möglichkeit der czcchischen Obstruktion ist die Kraft, die die indifferenten Parteien des Abgeordnetenhauses zur bewilligungsbereiten Partei der Regie- rung formieren wird. Was aber diese Möglichkeit selbst anbelangt, so wird zivar in den jungczechischen Blättern unausgesetzt gedroht und renommiert, aber die Herrschaften, die die„Schmach" der Auf- Hebung der Sprachen Verordnungen drei Jahre lang geduldig, ja ganz getröstet getragen haben, sind durchaus ungeeignet, Furcht und Schrecken zu erwecken; daß sie den Reichsrat„kurz und klein schlagen werden", glaubt nun kein Mensch mehr. Für Herrn v. Koerber streitet auch die allgemeine Müdigkeit: man tvill endlich mit diesem Ausgleich, der fünf Jahre lang auf der Tagesordnung steht, fertig werden.— Schweiz. Nicdcrlassnngöverbot der franz'ösischcn Kongregationen. Auf Grund des Artikels S2 der Bundesverfassung hat der Bundesrat zwölf französischeu Orden und Kongregationen die Niederlassung tu der Schweiz untersagt. Einem Teil der Orden und Kongregationen wurde eine Frist von 90 Tagen, von der Eröffnung dieses Beschlusses an gerechnet, gesetzt, um ihre Verhältnisse zu ordnen. Artikel 82 der Bundes- Verfassung lautet:„Die Errichtung»euer und die Wiederherstellung aufgehobener Klöster oder religiöser Orden ist unzulässig." Demnach können nach der Auffassung des Bundesrates nur solche Klöster und Orden bestehen, die schon vor der Einführung der neuen Verfassung vom 29. Mai 1874 in den Kantonen bestanden haben. Die Ein- Wanderung der französischen Ordcnslcute ist schon letzten Herbst er- folgt. Offenbar befürchtete der Bundesrat neue Einwanderungen aus Frankreich. DaS Nicderlassnngsverbot wurde vom Bundesrat einstimmig gefaßt. Die katholische Regierung von Freiburg hatte sich gegen die französische Ordensinvasion von Aufaug an ablehnend verhalten. Für Ausführung des Verbotes war vom Justizdepartenient eine Frist von zwei Monaten beantragt ivorden. Der Bundesrat beschloß jedoch drei Monate, um den Orden, die so lange geduldet worden waren, reichlich Zeit zur Ordnung ihrer Verhältnisse zu geben.— Frankreich. Die Brestcr Gerichtshöfe sind in voller Thätigkcit; Straf- verfahren sind eingeleitet gegen alle Personen, die während der Revolten verhaftet ivorden sind. Untersuchungen schweben außerdem gegen eine Anzahl Geistlicher und adlige Juncker des dortigen Gebietes. Der Haiiptman» Saint Rcmy ist nach Nantes transportiert worden, wo er sich vor dem Kriegsgericht zu verantworten haben ivird, die Verhandlung wird anfangs September stattfinden.— Brest, 21. August. Der Kommandeur deS XI. ArnicecorpS General Grisot hat dem Oberst des 19. Jnfanterie-Rcgimcnts be- fohlen, gegen den Bataillonskommandeur Le Roy- Ladurie' wegen Gehorsam svertveigerung ein kriegs- gerichtliches Verfahren einzuleiten.— Belgien. Humanität in Klöstern. Die Klerikalen Pflegen sich viel zu gute zu thun auf ihre segensreichen Wohlfahrtscinrichtungen, die sie zum Besten der Armen geschaffen, unter anderm rühmen sie sich auch der Hilfe, die sie an den Waisen, tvclche sie in Klöstern unterbringen, üben. Die„Etoilo beige", ein bürgerliches Blatt, bringt nun einen Arbeitsplan zur Veröffentlichung, welcher von den Waisen eines be- kannten Klosters in der Nähe von Brüssel innegehalten werden muß. Morgens 4.80 Uhr aufstehen. Messe; um 7 Ilhr eine Tasse Kaffee und ein Butterbrot. Von 7Vs— 9 Uhr Schule sKatechisnms); von 9 Uhr bis Mittag Näharbeiten; Mittagessen um 12 Uhr. bestehend aus Suppe, Kartoffeln und Fleisch; um 1 Uhr Wiederaufnahme der Arbeit bis um 3 Vs Uhr; um 4 Uhr Vesper, 1/,2 Butterbrot und 1 Glas Wasser; sodann arbeiten bis 71/e Uhr. Um diese Zeit Ivird das Abendbrot, bestehend aus einem Butterbrot und einem Glas Wasser, gegeben; um 8 Uhr müssen die Kinder ins Bett. In den Gefängnissen, so fügt das liberale Blatt hinzu, herrscht ein milderes und humaneres Regiment.— Türkei. Der bulgarische Geschäftsträger verlangte von der Pforte die F r e i I a s s u n g von sechshundert in d e n G e f ä n g- nissen von Saloniki. M o n a st i r und U e S k ü b in- haftierten Bulgaren, die auf den Verdacht hin, dem in a c c d o u i s ch e n Komitee anzugehören, verhaftet wurden. Die Reklamation ist die Folge eines Druckes der durch den macc- douischen Kongreß in Sofia erregten öffentlichen Meinung.— Ncu'kei- IT crrlzv i chtetti A» de» Parteitag richten die Genossen des 7. sächsischen Rcichstags-Wahlkreises(Meißen-Großeiihai») folgenden Antrag: Der Parteivorstand erhält den Auftrag, eine periodische wissen- schaftliche Beilage herstellen zn lassen, in der volksverständliche Artikel über die Grundideen des SocialiSmns und wichtige Zahlen über wirtschaftliche und handelspolitische Fragen veröffentlicht werden. Die Beilage soll alle» Parteizeitnngen beigegeben werden. Wo die AuS- gaben hierfür vom Verlage der Zeitung oder durch Erhöhung des AbonnementsgeldeS nicht gedeckt lverdcn können, soll sie vom Partei- vorstände unentgeltlich geliefert werden. Z» dem Bericht deS ParteivorftandeS sRr. 190 des„Vorwärts") teilt der Vorstand des Arbeitcr-Wahlvercins Mülhausen im Elsaß berichtigend mit, daß die genieinsame Liste der Socialdemo- kraten und Demokraten bei deir dortigen Gemeindewahlen mit 27 Kandidaten vollständig siegte und daß darunter 12 Parteigenossen waren. Zum Punkt Parteipresse ist noch zu bemerken, daß ver- schentlich die„Freie Presse für Oberelsnß" nicht erwähnt ist, die seit dem 1. Januar dieses JahreS in Mülhausen täglich erscheint. Sie wird in der Druckerei der„Frankfurter Bolksstimme" gedruckt und hat selbständigen lokalen Teil. Die Genossen Mühlhauscns erklären sich das Versehen des Parteivorstandes aus dem erfreulichen Unistande, daß ihre Zeitung»och keine„laufenden Beziehungen zur Parteikasse" hat. Die Gcuosse» deö Reichstags-Wahlkreises Friedeberg- Arnöwalde hiclien ihre Kreiskonferenz am Sonntag in D r i« s e II ab. Es waren Vertreter aus sieben Orten anwesend, außerdem der Genosse O b st- Schönebcrg als Kandidat des Kreises und Genosse I ö ch c l für die Agitatiouskommission. Die Organisation in diesem rein ländlichen Wahlkreise ist noch sehr schwach; die Einnahmen des Kreis-Vertraiiensmaiines Genossen Seifert- Driefcn, der als solcher wiedergewählt wurde, betrugen seit dem 1. Januar nur 83 Mark, die Ausgaben 39,80 Mark. Die Beschickung der Konferenz für den Negierungsvezirk wurde abgelehnt. Zur Provinzialkonferenz wurde Genosse Seifert gewählt. Das Mandat für den Parteitag soll einem Berliner Delegierten übertragen werden. Parteipresse. Ueber den Stand unsreS Parteiblattcs in Frank- furt a. M. wurden in der Geiieralversamuilimg des dortigen social- demokratischen Vereins ganz erfreuliche Angaben gemacht.' Die Ein- nahmen für Abonnements waren um 4000 M. höher wie vor zivei Jahren, die Inserate brachten 3000 M. mehr wie im vorigen Jahre. Dabei verringerten sich die Drnckkvsten um 4000 M.(Das Blatt wird in eigner Druckerei hergestellt.) Die Druckerei erzielte ektien Reingewimi von 12 600 M. bei reichlichen Abschreibnnge». Der Reln- gewinn wurde zum Teil für Vermehrung des Maschinen- und Schrifteiimaterials verwendet. Totenliste der Partei. In R e i ch e n b a ch(Sachsen) starb der Parteigenosse Robert Göcke ritz. Der Verstorbene hat als Textilarbeiter in den letzten Jahren die Beweliuiig dieser Arbeiter in Reichenbach mit Erfolg geleitet l»>d auch als Parteigenosse stets eifrig gearbeitet. Er hat sich dadurch bei seinen Freunden ein gutes Andenken gesichert._ GewevKMMfkliches. Berlin intb Umgegend. Die Portcfeuiller der Firma Otto Matterne haben die neun- stündige Arbeitszeit sowie eine Lohnerhöhung errungen. Die Accord- arbciter erhalten Znlagen von 5—10 Proz.. die Lohnarbeiter einen Aufschlag von 10 Proz. DilitschrS Reich. Holzarbeiter-Streik in Stolp i. P. Es sind 334 Tischler im Ausstand, von denen 105 dem Holzarbeiter-Verband und 125 dem Hirsch-Dunckerschen Gewerkverein angehören. Vom Gewerbegericht ist der Wunsch geäußert, Einignngsverhandlungen anzubahnen. Die Streikenden beschlossen, dem Wunsche Folge zu leisten. Gefordert ivird: Wiederherstellung des Lohntarifs von 1898, wöchentliche Arbeitszeit von 58 Stunden. Bisher wurde K0 Stunden gearbeitet. Gtraßenbahnerstreik in Aachen. Die Zahl der Ausständigen, die am Sonntag 93 betrug, ist inzwischen auf 119 gestiegen, so daß nur noch 9 Angestellte im Betriebe verblieben sind.' Die Situation der Streikenden wird als sehr günstig bezeichnet. Die Direktion macht große Anstrengungen, um aus andren Städten Ersatzkräfte für die Ausständigen zu erhalten. Die Streikenden wenden sich an die Oeffentlichkeit mit dem Ersuchen, die Absicht der Direktion zu ver eiteln. Anfragen bezüglich des Ausstandes sind zu richten an Destmering, Lokal Frantzen, Victoriasaal. Kleinmarschierstraße. Weberstreik in Reichenbach. An dem bereits gemeldeten Streik bei Müller u. Baumann sind 45 Weber und Weberinnen beteiligt, nur 6 Weber arbeiten iveiter. Grund der Difjerenzen ist, daß die Firma für einige Artikel niedrigere Löhne zahlt, als sonst am Ort üblich sind, und daß der Zahllag vom Freilag auf den Sonnabend verlegt werden sollte. Mastregelnng organisierter Schuhmacher. In der Schuh fabrik von Ernst Aiierswald in Lößnitz sSachsen) sind die Löhne der Zwicker um 15 Proz. gekürzt worden. Gleichzeitig ivurde von den organisierten Arbeitern verlangt, daß sie aus dem Verband austreten sollen. Daraufhin haben 8 Schuhmacher die Arbeit niedergelegt. Bemerkenswert ist, daß diese Firma erst durch die Kundschaft der Arbeiter-Konsumvereine hochgekommen ist. Drechslerstreik. In der Stuhlfabrik von Bruno Schönherr in Frauenbach bei Neuhausen(Erzgebirge) ist den Drechslern ein Lohir abzug von 20 Proz. gemacht worden, weshalb sie sänitlich bis an einen Unorganisierten, die Arbeit niederlegten. Streikjustiz. Ein streikbrechender Stuttgarter Straßenbahn- führer hatte— jedenfalls in Befolgung der von uns mitgeteilten staatsanivaltlichen Anregung— sich durch denZuruf:„Streikbrecher" be lcidigt gefühlt und Strafanirag gestellt. Mit einer geringen Geldstrafe hätte diese„Beleidigung" gesühnt werden können, wemi es überhaupt eine solche iväre. Das Schöffengericht hielt die Bezeichnung„Streikbrecher nicht für eine Beleidigung und der Angeklagte' ivurde— frei- gesprochen?— O nein! Er wurde zu drei Woche» Gefängnis verurteilt, iveil er sich dadurch, daß er den Streikbrecher V Streikbrecher uannte, gegeil Z 153 der Gewerbe-Ordnung vergangen haben soll.— Es wäre interessant, wenn man erfahren könnte, ivie juristischer Scharfsinn den Zuruf„Streikbrecher" zu einer Drohung, Ehrverletzung oder VerrufSerklärung im Sinne des angeführten Paragraphen stempeln konnte. Vom christlichen GcwcrkschaftSzwIst. Der Münchener Be � schluß der ckristlichen Gewerkschaften, welcher die Kaltstellung des Zollgegners Wieber durch den Anhang Brnsts bezweckt, ist nunmehr ausgeführt worden. Der Ausschuß des Gcsamtverbandes christlicher Gewerkschaften hat die Gründung eines„Ccntralverbandes der christ � lichen Metall- und Hüttenarbeiter Deutschlands" beschlossen. Derselbe wird gebildet aus den Metall- und Hüttenarbeitern des Siegerländer Gewerkvereins und des Sauerländischen Gewerkvereins in Neheim; die Bergarbeiter, welche sdem Siegerländer Verein angehören, sollen dem Brustschen Gewerkverein christlicher Bergarbeiter Deutschlands beitreten. Der Siegerländer Verein hatte ain 1. April d. I. 8900, der Sauerländer Verein 1000 Mitglieder. Dem Wieberschen Metall arbeiter-Verband— 4700 Mitglieder— soll der Beitritt zu dem neuen Verband ebenfalls freistehen, natürlich unter der Bedingung, daß Wieber und seine Freunde auf Vorstandsäinter in der neuen Organisation verzichten. Die Generalversammlung des Sieger länder christlichen Gewerkvereiiis hat sich bereits mit diesem Plan einverstanden erklärt. So sind also Brust und seine Freunde eifrig anr Werk, den unliebsamen Gegner zu vernichten. Andrerseits werden aber auch aus den Kreisen der christlichen Bergarbeiter Stimme» laut, die sich scharf gegen Brust wenden. Die„Westdeutsche Volksztg." des Reichstags-Abgeordneteii Fusangel enthält eine Korrespondenz aus Bergarbciterkreisen des Reviers Bochum, in der das diktatorische Vorgehen Brusts gegenüber andren, Arbeitern, Arbeiterführern ,md Abgeordneten, sehr abfällig besprochen und mit Gründung eines neuen christlichen Gewerkvcreins der Bergarbeiter gedroht Ivird, der sich eng anlehnen soll an den christlichen Geiverkverein der Metallarbeiter. Die mit Brnsts Stänkcreieu unzufriedenen Bergleute wollen den Spieß umkehren und sich an den von Brust gehaßten Metallnrbeiter-Berband Wiebers anlehnen, mithin die Position Wiebers in demselben Grade stärken, ivie sie diejenige von Brust und Giesbert schwächen wollen. Das Fusangelsche Blatt ver- sichert, daß einflußreiche Bergarbeiterführer den Gedanken einer solchen Neugründung wiederholt eingehend besprochen haben, und daß, iveini endgültige Beschlüsse heute auch noch nicht gefaßt sind, sie einen uenen Gewerkverein christlicher Bergarbeiter noch vor Ablauf dieses Jahres ins Leben rufen werden, falls die Bnistschen Stänkereien nicht alsbald aufhören. Der Wirrwarr im christlichen Lager wird ja immer größer. Anölaud. Ii« Sabona(Italien) hat sich der von uns bereits gemeldete Streik der Eiseiihüttenarbeiter zn einem Generalstreik fast sämtlicher Berufsgrnppen ausgeivachsen. Außer den Metallarbeitern streiken die Arbeiter fast aller Handiverke sowie die städtischen Arbeiter und die Arbeiter des Hafens und der Schiffahrt. Der Streik der Eisenbahner von Sizilien, von dem wir dieser Tage berichteten, hat durch llnterhandlungen mit der Direktion geendet. Die Arbeiter und Augestellten erhalten in jeder Woche einen Ruhetag von 24 Stunden; die tägliche Arbeitszeit darf ins- gesamt 12 Stllnden nicht übersteigen inkl. einer Stunde für Einnahme der Mahlzeit. Der Streik der Landarbeiter von Ravenna ist beendet. Die Unternehmer hatten jedes Entgegenkominen abgelehnt; die Arbeitslosigkeit ist besonders durch die Schließung der Zucker- raffinerien.' die infolge des Streiks den Betrieb einstellen mußten, eine sehr große, so daß eine Abbröckelung zu befürchten war. Zu dem Kohlcngräbcr-Ansstand in Pcnnsylvamen wird aus New-Aork, den 20. August, gemeldet: Der große Kohlcngräber- Ausstaud geht, wenn nicht alle Anzeichen täuschen, zu Ende. Morgans heutige Ankunft soll das Zeichen zum Abschluß der Verhandlungen geben, die schon seit einigen Tagen schweben. Morgan ist für Ge- Währung einiger weiterer Zugestäudnisse an die Ausständigen, die in andren' wesentlichen Punkten ihrerseits durch ihren Präsidenten Mitchell nachgegeben haben, und die vermittelndeii Senatoren und Abgeordueten Pensylvaniens geben ihrer Hoffnung Ausdruck, daß die Arbeit schon nächste Woche, jedenfalls aber vor Ende des Monats werde Ivieder aufgcnonnnen werden können. Viel zu der Bereit» Ivilligkeit der Ausständigen, nachzugeben, haben die Entscheidungen der Richter Jackson und Keller beigetragen, ivelche erstens die Auf« forderung mit Strafe bedrohen, einem weiterarbeiteiiden Kohlengräber zum Eintritt in einen der Verbände, d. h. in diesem Falle, indirekt zum Mederlegen der Arbeit aufzufordern, und zweitens die Ausstandslager verbietet, in denen die Ausständigen verpflegt wurden, und billig ihren Unterhalt beziehen konnten, soweit sie außerhalb der Lager wohnten. Die demokratische Presse greift die beiden Richter in heftigster Weise als Werkzeuge der Gruben- Magnaten an. Morgan will den Ausstand rasch beendet wissen, weil er seine Pläne stört. Aus Indultvie und Handel. Die deutsche Rohcisenproduktion. Nach den statistischen Ermittelungen des Vereins deutscher Eisen- und Stahlindustrieller belief sich die Roheisenproduktion des Deutschen Reichs(einschl. Luxemburgs) im Monat Juli 1902 auf 705 921 To.; darunter Puddel roheisen und Spiegeleisen 107 677 To., Bessemerroheisen 37 914 To.� Thomasroheisen 437 314 To., Gießereiroheisen 123 016 To. Vom 1. Januar bis 31. Juli 1902 wurden produziert 4 719 697 To. gegen 4 603 313 To. im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Es sind demnach in den ersten 7 Monaten dieses JahreS 116 379 To. mehr erzeugt worden. Die Steinkohlenprodnktion tm Deutschen Reich betrug nach soeben veröffentlichtem amtlichen Nachweis im Juli 9 236 164 Tonnen gegen 9 415 012 Tonneu im Juli des vorigen Jahres. Von, Beginn des Jahres bis Ende Juni belics sich der Ertrag auf 60 228 861 Tonnen gegen 62 420 151 Tonnen im gleiche» Zeitabschnitt des Vorjahres Es hat also die Produktion um 2 191 291 Tonnen abgenommen. Für die einzelnen Monate ergeben sich folgende Erträge(in 1000 Tonneu): 1902 8716 8182 8177 8 751 8 555 8 611 9 236 1991 9 542 Touuen 8 490 9 206 8 455. 8 900 8 411 9 415 Januar. Februar. März.. April,. Mai.. Juni.. Juli_ Zusammen. 60 228 62 420 Tonnen Trotz dieses Ausfalls hat sich die Einfuhr von Steinkohlen aiiS dem Ausland nur sehr wenig verringert. Sie betrug(in Tonnen) 'Juli 1902 1901 Steinkohlen... 591810 576 937 Davon aus England 484 692 433 469 Dagegen betrug die Aiisfuhr Januar— Juli 1902 1901 3 418 194 3 427 759 2 774 007 2 840 535 Steinkohlen. �, Davon nach: Oestreich-Ungarn.» Niederlande. ,•* Belgien..... Schweiz..... Frankreich.... Rußland..... Freihafen Hamburg. 1902 1 382 512 423 104 485 732 180 892 86 389 62 597 55 230 48 076 Juli 1901 1 329 360 480 126 358 955 137 730 87 073 66 971 74 957 77 796 Jannar- 1902 8 529 905 2 912 256 2 388 782 1220 712 591 445 444 317 309 796 403 085 -Juli 1901 8 460 893 3 126 632 2 171 397 886 668 597 213 460 587 548 390 418 015 Golbproduktio» im Witwatersranb-Distrikt. Seit Er öffnuug des Minenbetriebes im Jahre 1887 bis zum Schlüsse des Jahres 1901 wurden auf dem Witivatersrand 23 370 271 Iliizen Gold gewonnen. Die Produktion der einzelnen Jahre war die folgende: 1887.... � 23 125 Unzen 1894., 2 024 164 Unzen 1888..... 208 122„ 1895.. 2 277 640„ 1389..... 369 557„ 1896.. 2 280 892. 1887—1889 noch. 42 000„ 1897.. 3 034 679„ 1890..... 494 817, 1898.. 4 295 609„ 1891..... 729 269, 1899,. 4 233 297„ 1892..... 1210868„ 1900.» 428761„ 1893..... 1 478 477. 1901.. 238 995„ Die Angaben für die Jahre 1887 bis 1889 sind nicht vollständig, weshalb für die nicht angegebene Produktion dieser Jahre schätzungs weise die Sunime von 42 000 Unzen angesetzt ist. Von 69 Goldminen, die im September 1899 auf dem Wik watersrand mit 5395 Stempeln arbeiteten, sind im Dezember 1901 nur 12 Minen mit 653 Stempeln im Beirieb gewesen. Anfangs Juni 1902 betrug die Zahl der arbeitenden Stempel etiva ein Viertel der früheren Zahl._ Socioiles. Kunstproletarier. Ein trostloses Bild Ivurde auf einem kürzlich in Berlin tagenden allgemeinen Chorsä» gertag von den Existenz-Vcrhältnissen dieser Gruppe von Bühneumitgliederir entworfen. Laut einer ans de» Bühneil-AImaiiachen zusammengestellten Statistik sind an allen deutschen Bühnen 2215 Chormitglieder vorhanden. Hof- und Stadt- Theater, ivelche das ganze Jahr hindurch ihre Mitglieder bezahlen. giebt es in Deutschland aber nur 16, und an diesen sind nur 900 Chormitglieder engagiert; 1315 Personen sind an Bühnen in Stellung. Ivelche im Winter nur 5'/s bis 8 Monate spielen. Von diesen Chor- initgliedern können an Sommcrbühnen nur ca. 2 bis 300 Engagement riiden, so daß im Sommer ca. 1000 Chormitglieder 4 bis 6 Monate lang ohne Existenz sind. Der Jahresverdienst der an diesen sogenannten Saisonbühnen engagierten Chormitglieder beträgt je nach Spieldauer 776—1164 M. 'ür Herren, 699—1047 M. für Damen. Trotz dieses armseligen Einkomnieiis sollen nun die weiblichen Chormitglieder laut Vertrag sich noch sämtliche Bühnenkvstüme, auch die modernen. Schmuck. Wäsche, Kopf-, Hand- imd Fußbekleidung, Tricots zc. selbst anschaffen; die männlichen außer den historische» Kostümen gleichfalls. Sie sollen 4—8 Tage vor Beginn der Spiel zeit sämtliche Proben unentgeltlich mitmachen. Der Bühnenleiter behält sich das Reckt der einseitigen Kündigung vor. Proben werden ohne Rücksicht auf Mittagszeit bis 2, 3, 4 Uhr nachmittags und abends vor und sogar nach' einer Vorstellung ab gehalten. Desgleichen am Sonn- und Feiertagmorgen. In KrankheitS ällen wird der Vertrag nach Ablauf der dritten Woche für gelöst erklärt. Bei Fehlern und Versehen oft geringfügiger Art Iverdcn Ve, ja ganze Monatsgagen vom GeHall abgezogen, und um die Altersversorgung ihrer Mitglieder bekümmern sich die meisten Direktoren nicht in, geringste». Als iveitere Schäden an fast allen Bühnen wurden eine un- genügende Bezahlimg, dienstliche Ueberbürdung, namentlich hervor- gerufen durch die Schauspiel-Stattsterie, die Doppelvorstellungen an Sonn- und Festtagen ohne entsprechende Extrabezahlung, willkürliche und unwürdige Behandlung und anstößige Kontraktklnuseln seitens mancher Bühnenleiter geschildert. Zur Abhilfe dieser Uebelstände wurde eine stramme Organisation tm„Allgemeinen deutschen Chorsänger-Verbaud" beschlossen. Es ivurde ein Agitationsfonds gebildet und durch Petitionen bei der Reichsregierung und den städtischen Verwaltiuigsbehörden soll um gesetzlichen Schutz nachgesuckr werden. Bei neuen Vertragsabschlüssen soll eine Extra-Bezahlung für zwei Vorstellungen an einem Tage und bei Spielen in mehreren Theatern an einem Abend verlangt werden, desgleichen für Statisterie im Schauspiel und deren Proben und bei Mitivirkung im Ballet; erner gegenseitiges KündigungSrccht und Gagezahlimg in KrankheitS- ällen nach den Bestimmungen des Bürgerlichen GesetzesbuckeS. Aus »er Verbandskasse, in die jedes Chormitglied 25 Pf. monatlich zahlt, oll den Mitglieder» in Streitfällen, ivelche aus den kontraktlichen und dienstlichen Verhältnissen entstehen, unentgeltlicher Rechtsschutz und, wenn nötig, auch Unterstützung gewährt werden. Der 17. Kongreß der belgischen Untersti'ltznngSvereiiie. der am letzten Sonntag in Renaix tagte, nahm eine Resolution an, in welcher die Regierung aufgefordert wird, ein Unfallverficherungs- gesetz zn schaffen. Die Höhe der zu bestimmenden Rente müsse 75 Proz. des Verdienstes des Verunglückten betragen. Außerdem müsse Arzt und Medikamente den Invaliden frei zur Verfügung stehen. Das Gesetz müsse sich auf die gesamte Industrie erstrecken. Die Parteigenossen Berlins hielten gestern abend in allen sechs Wahlkreisen je eine Versammlung ab. Es wurden die Ausgaben besprochen, welche die Konferenz für die Provinz Brandenburg und der Parteitag in München zu erledigen hat, Anträge, welche diesen Körperschaften zu unterbreiten sind, ivurden diskutiert, ferner erfolgte die Wahl der Delegierten. Indem wir uns die ausführliche Berichterstattung für die nächste Nummer vorbehalten, geben wir vorläufig folgende kurze Berichte: Erster Wahlkreis. Als Delegierte zur Brandenburger Konserenz wurden gewählt: W o l d t und B o l z m a n n; als Delegierte zum Parteitag nach München: D i e s n e r und B i t t n e r. Ersatzmann: K e n ck e l. Zweiter Wahlkreis. Ueber die Brandenburger Provinzial- konferenz referierte Genosse Zinke. Zu derselben wurden delegiert die Genoffen Köhler, Fülle und M a r k m a n n.— Zum Parteitag in München lag ein Antrag vor, der Stimm- enthaltung bei Stichwahlen und das Verbot von Wahlbündnissen forderte; derselbe ivurde abgelehnt.— Ein weiterer Autrag, der Parteitag soll für das Jahr 1903 die Alkoholfrnge auf die Tagesordnuug setzen, wird abgelehnt, dagegen eine Resolution, die Parteipresse möge der Alkoholfrage mehr Aufmerksamkeit zuwenden, ivird mit 161 gegen 128 Stimmen angenommen.— Zn Delegierten für den Parteitag werden gelvählt die Genoffcn M u m m e r t, Zinke, W o l d e r s k y. Die Parteigenossen des britte» Berliner Wahlkreises delegierten zur P r o v i n z i n I- K o n f e r e n z die Genossen W u s ch i ck, Klein und R o s i n. Als Delegierte zum Münchener Partei- tag wurden die Genossen Pohl, Lange und Z a I e y s k e ge- wählt. Die Parteigenossen des vierten Wahlkreises delegierten zur Brandenburger Ko ufere uz die Genossen Baader, Schuster und S e d l e r, zum Parteitag in München die Genossen Basner, Hackelbusch und T r a c z h ck. Für den Parteitag gelangte ein Antrag zur Annahme, nach dem die Landtags- und Reichstags-Abgeordneten verpflichtet werden, in den betreffenden Parlamenten die Einführung der achtstündigen Arbeitszeit flir alle staatlichen Betriebe zu beantragen. Außerdem ivurde ein Autrag beschlossen, der die Einrichtung eines Fremdwörter- Verzeichnisses für den„Vorwärts" verlangt. Fünfter Wahlkreis. In der Generalversammlung des Wahl- Vereins wurden nach einem Referat des Genossen Kotzke über die BrandenburgerKonferenz Davidsohn, Hanisch und Koch als Delegierte zur Konferenz gewählt. Zum Münchener Parteitag referierte Wels. Nach lebhafter Debatte über mehrere zn stellende Anträge wurden Zucht und Wels als Delegierte gewählt. Die Versammlung iin sechste» Wahlkreis war ungemein stark besucht. Als Delegierte zur Prodi nzialkonferenz wurden die Genosscu C. Anders, C. Mars und Joseph gewählt. Nach- dem sodann der Genosse Nosenoiv das einleitende Referat zum Münchener Parteitag gegeben hotte, erfolgte die Wahl der Delegierten, ivelche auf die Genossen Frehthaler, Ernst und Kiesel fiel. Eine sehr lange und zum Teil unerquickliche Debatte zeitigte ein Antrag, ivelcher besagte, daß gegen die Versicherung der Parteiaiigestellten auf dem Parteitag Protest erhoben werden soll. Der Antrag gelangte zur Annahme. Uehke LtaiTzvitfikett und Depesthen. Zum EntrllstuiigS-Tclegramm. München, 21. August. Die„Münchucr Allgem. Ztg." betont bei Bcsprechuua bcs Depcschcuwcchsrlö zwischen bcm Kaiser und dem Prinzregcute» noch einmal, daß die amtlichen Stellen in Bayern keine Kenntnis von ber Veröffentlichung gehabt haben und daß diese eine persönliche Angelegenheit zwischen den Be- teiligteu gewesen sei._ Berlin, 21. August.(B. H.) Der langjährige Militärattachö der türkischen Botschaft in Berlin, Oberst Hamdi Bey, ist wahnsinnig geivorden. Er wurde in der �laisem de santl zu Schöneberg untergebracht und ivird, sobald es sein Zustand erlaubt, auf Wunsch des Sultans nach Konstantinopel gebracht werden. Frankfurt a. M.. 21. August.(W. T. B.) Amtlich wird ge- meldet: Der von Fulda kommende Personenzug Nummer 894 entgleiste infolge Achscubruchcs heute mittag kurz nach 12 Uhr vor der Einfahrt in de» hiesigen Hauptpcrsoiieiibahnhof. Verletzt wiirde niemand. Wien, 21. August.(W. T. B.) Wie die Blätter aus Salz- bürg melden, ist der Friscurgehilfe Horweg aus Wien vom hohen Goell abgestürzt und alsbald verstorben.— Bei Besteigung des Seekofels(Tirol) ist der Kapuziuerpater Edmund verunglückt und heute tot aufgefunde» ivorden. Innsbruck, 21. August.(B. H.) lieber die Ortschaften Tschengelz und Prad ging ein fürchterliches llnwetter nieder. 25 Häuser von Muhrbrüchcn wurden gänzlich, 12 teilweise verschüttet. Zwei Personen sind getötet. Das Stilfserjoch und die Suldcn- straße sind zerstört; Militär ist zur Hilfeleistung dorthin abgegangen. Mcra», 21. August.(B. H.) Die Zahl der bei dem Wolken- bruch getötete» Personen beträgt fünf. Budapest, 21. August.(B. H.) In Bajacs wurde der Gast- Wirt Sctras, ivelcher gewaltsam die Licitatiou seiner Mobilien verhindern ivollte, von Gendarmen erschossen, dessen beide Brüder erlitten lebensgefährliche Schußwunden. Paris, 21. August.(B. H.) Der Koloiiialmiiiister hat Au- wcistiug gegeben, bei der Anstellung und Beförberung von Kolonial- beauitcn in erster Linie auf die Befähigung, sodann aber auch ans die Gesundheit und das moralische Vorleben derselben zu sehen. Ebenso bcabsichligt der Minister bedeutende Ersparnisse beim Kolouialbudgct vorzuuchmen. Paris, 21. August.(W. T. B.) Die gegen die siamesische Herrschaft aufständischen Eingeborenen haben im nördlichen Siam an der Grenze von Birma eine» bedeutenden Erfolg errungen� Sie haben am 25. Juli das Quartier der siamesischen Offiziere in Muauprö angegriffen und de» Kommissar, seinen Vertreter, einen Offizier und fast alle siamesischen Sekretäre sowie ihre Familie» getötet. Prinz Pre ninßte die Stadt räumen und sich nach Na» zurückziche», das die Aufsländischeu eiuzuschließc» suchen. Bis jetzt ivar die siamesische Regierung im stände, Lebe» und Eigen« tum der Ausländer zu schützen.' Brüssel. 21. August.(B. H.) Die Polizei hat umfasscudc Maß- regeln getroffen, damit bei der für heute abend zu erwartenden Ankunft des Boerengeueralö Botha keine anti-englischcn Kund- gcbungcn stattfinden. Turin, 21. August.(93. H.) Ei» uubekamites Individuum ver-, suchte in der Nacht den Ptilverturm von Sau Paolo in die Luft zu sprenge», ivurde jedoch vom Wachtposteu durch Schüsse vertrieben. New Bork, 21. August.(W. T. B.) Franz Siegel, einer dec Leiter im badischen Aufstände 1849 und General im amerikanischen. Bürgerkriege, ist gestorben. Nerantivortlicher Redacteur: Julius Kaliski tu Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Dnick und Verlag von Max Vading in Berlin. Hierzu 1 Beilage u. Untcrhaltnngsblatt. >-»» KeW in.Itriarts" KMer KMsdlM. w*--»«n« Der vierte ilitervatiomle Kongreß der LitjogrWßen, Steindrnlker und Berussgenojseu fcind vom 13. bis 19. d. Mts. im Geiverkschaftshouse zu Berlin statt. Hatten die vorausgegangenen Kongresse in London. Bern, Paris den Zweck, zunächst vorbereitend zu wirken, so galt es dieses Mal über die Thätigkeit des internationalen Sekretariats zu beraten, die Organisation desselben, wenn nötig, auszubauen und die wichtigsten wirtschaftlichen und socialen Berufsfragen zu erörtern. Es waren vertreten: Die deutsche Organisation(Delegierte Sillier, Tischendörfer, Borisch, Sahm) mit 7133 Mitgliedern: die englischen Organisationen (Delegierte Sproat. Barnes. Douglas. Schofield, Palace) mit 5810 Mitgliedern; die französische Organisation(Delegierte Pascal, Courmont) mit 2100 Mitgliedern: die östrcichisch-ungarische Organi- sation(Delegierter Miihlberger) mit 1730 Mitgliedern: die italienische Organisation(Delegierter Colombo) mit"976 Mitgliedern: die schweizerische Organisation(Delegierter Schund) mit 330 Mitgliedern und die dänische Organisation(Delegierter Henriksen) mit 193 Mit- gliedern. Außerdem war als Vertreter der belgischen Organisation van Enst und die Mitglieder des Exekutivkomitees Kelley und Harrap anwesend. Zum Präsidenten des Kongresses wurde Kelleh-Manchester, zun, Vicepräsidenten Sillier-Berlin gewählt. Als Vertreter der General- kommijsion der Gewerkschaften Deutschlands Ivar Umbreit erschienen. Wie der internationale Sekretär, Harrap-London, berichtete, hat auch in de» letzten zwei Jahren seit dem Pariser Kongreß der Vcr- lehr des Sekretariats mit den an dasselbe angeschlossenen Landes- organisationen erheblich zugenommen. Von seilen der französischen «nd deutschen Delegierten wurde der Wunsch ausgesprochen, das Sekretariat möge in wichtigen Berufsfrageu die Initiative er- greifen, Statistiken über die Lage des Berufes in den einzelnen Ländern verösteutlicheu und eine Iveitgehende Agitation zur Heran- zichung der noch nicht dem internationalen Verbände augchörigen Berufsvereine, nnineutlich in Nordamerika und Holland, cut'salten, so daß das Sekretariat allmählich der Mittelpunkt des Gedanken- austausches für die Organisationen iverde. Einen sehr großen Raum in den Verhandlungen nahm die Diskuision über die vorgeschlagenen Satzungsänderungen ein. Es wurde beschlossen, den Mitgliedern des Exekutivkomitees für die Teilnahme an den Sitztingcn desselben eine Entschädigung zu zahlen. Ebenso beschloß der Kongreß auf Antrag der deutsche» Delegation, daß die Mitglieder des Komitees in derselben Stadt wohnen müssen. Im Anschluß an die Berichte über die Streiks in Mailand und Brüssel wurde der Antrag auf Schaffung einer iiiter- nationalen Widcrstands-(Streik)Kasse eingehend erörtert. Für den Autrag sprachen die französischen und der italienische Delegierte, da gegen die deutschen und englischen Delegierten. Nach längerer Debatte, an der sich sämtliche Delegierte be teiligen, tvurde der Autrag gegen die Stimmen der Franzosen und Italiener abgelehnt, dagegen ein andrer Antrag angenommen, nach welchem das Exekutiv-Komitee ermächtigt wird, durch einstimmigen Beschluß jedem dem Sekretariat angeschlossenen Vereine, dessen Bei- träge völlig bezahlt sind, im Notfall eine Summe von nicht mehr ols S0 Pfd. Sterl.(1000 M.) zu gewähren. Dem internationalen Sekretariat wird aufgegeben, im Januar eines jeden Jahres einen vollständigen Verwaituugsbericht zu veröffentlichen. Eine diesem Berichte angehängte Tabelle soll in aus- fiihrlicher Weise statistische Angaben über die Lage der lithographischen Arbeiter eines jeden Landcs enthalten. Die Frage der zu gewährenden Reise-Unterstützung tvnrde nach eingehender Debatte durch Annahme eines Antrages erledigt, der be- sagt, daß die Reise-Unterstützung an einer andren Landesorganisation ungehörige Mitglieder vom internationalen Sekretariat gedeckt und von den Landesorganisationen von den vierteljährlich zii zahlenden Beiträgen in Abzug gebracht Ivird. Als internationale Reise- Unterstützung ist gleichmäßig pro iKilometcr(Luftlinie) 2 Pf. fest- gesetzt, wobei es natürlich den einzelnen Landesorganisationen über- lassen bleibt, ihren Mitgliedern im eignen Lande eine höhere Unter- stützung zu zahlen. In Bezug auf die Regelung des Lehrlings- Wesens wird beschlossen, dem Sekretariat eingehende schriftliche Berichte zu erstatten, die alsdann veröffentlicht werden sollen. Wie ans der sich daran anschließenden Debatte hervorgeht, wird von den Organi- sationen aller auf dem Kongreß vertretenen Länder dieser Frage das weitgehendste Interesse entgegengebracht. In der Schlußsitzung wird als Ort des nächsten Kongresses Mailand, als Sitz des internationalen Sekretariats England ge° wählt. Ein Antrag der italienischen Landesorganisation, dem Sekretär ein Gehalt zu bewilligen, das ihn in die Lage setzt, sich ansschlicß- lich den Arbeiten der internationalen Organisation zu widmen, ivird mangels genügender Mittel abgelehnt, dagegen auf Antrag der deutschen Delegierten beschlossen, das Exekutiv- Komitee zu er- mächtigen, dem Sekretär eine höhere als die bisher gewährte Eni- schädigung zu geivähren. Nach den Schlußreden der Delegierten, die sämtlich ihrer Be- friedigung über die gute Organisation und den ausgezeichneten Verlauf des Kongresses Ausdruck geben, wurden die Verhandlungen von Sillier-Berlin mit einem Hoch auf die internationale Arbeiter- belvegung geschlossen. Eine Festversamnilung zu Ehren des vierten internationalen Litho- graphen-Kongresses fand an, 18. d. M. für die Lithographen. Steindrucker und Bernfsgenossen statt, die den großen Saal des Gewerkschaftshanses bis auf den letzten Platz füllte. Nach einigen Vorträgen des Gesangvereins Senefelder nahm der Vorsitzende der deutschen Centrnlorganisation, O. Sillier- Berlin, das Wort, um seiner Freude darüber Ausdruck zu geben, daß eS den deutschen Kollegen vergönnt sei, den internationalen Kongreß hier in Berlin zu begrüßen. Gerade das Lithographcngewerbe, dessen Erzeugnisse auf dem Weltmarkt eine nicht unerhebliche Rolle spielen, hat die internationale Organisation dringend nötig. Trotzdem sei das Bestreben der deutschen Kollege» darauf gerichtet, zuerst eine starke nationale Organisation zu schaffen. Gegenwärtig zähle der Verein der Lithographen, Steindrucker und Berufsgenossen Deutsch- lands 7S00 Mitglieder, das ist die Hälfte der im Beruf thätigen deutschen Kollegen. Wie ivichtig aber die internationale Organisation sei, das habe sich nicht nur bei Lohnkämpfen, sondert, auch bei der Regelung einer ganzen Anzahl ivichtigcr Berufsfragen gezeigt.— Kelley-Manchester, der Präsident des Kongresses, weist in seiner Ansprache darauf hin, daß in England SS Prozent der Lithographen, Steindrucker und Berufs- genossen organisiert sind. Bei dem Bestreben, bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen im Beruf anzubahnen, habe nian auch niemals vergessen, die Verhältnisse der Kollege» auf dem Kontinent zu berücksichtigen. In England ist man nicht gewillt, zu außerordentlichen Maßnähmen zu greifen, der Streik wird soviel als irgend möglich zu vermeiden gesucht. Uni die Lage der Arbeiter- fchast zu verbessern, sei es vor allem nötig, die Gewerkschaften leistungsfähiger zu gestalten, was natürlich nur durch hohe Beiträge zu erreichen ist. Dazu aber lväre man in England jederzeit bereit, ebenso wie es das Bestreben der englischen Delegierten ist, auf dem Kongreß eine Verständigung unter den Vertretern aller Organisationen herbeizuführen.— Pascal- Paris wies darauf hin, daß das, was die früheren Kongresse geschaffen, auf diesem weiter ausgebaut wurde. In dem Kampfe gegen das Unternehmertum bilde die internationale Organisation eine wertvolle Macht, lvas jetzt auch von den fran- zöfische» Arbeitern anerkannt und gewürdigt werde.— Mühl- derger- Wien schilderte die Lage der gewerkschaftlichen Organi- sationen in Oestreich, wo Klerikalismus und reaktionäre Regierung gemeinsam bestrebt sind, die Arbeiter zu unterdrücken. Trotzdem gäbe es Städte, in denen die Kollegen bis zu 90 Proz. organisiert sind; in Budapest gehören 60 Proz. der Lithographen und Stein- drucker der Organisation an. Für die Schweizer Organisation sprach Schmid- Basel, für die Italiener Colombo- Mailand, der seine zündende Ansprache mit den Worten schloß: Die gewerkschaftliche Organisation ist der Grundstein unsres Heims und unsres Vaterlandes. Van E n st, der belgische Delegierte, erinnerte an die Känipfe der belgischen Arbeiter, die niemals zurückstehen, wenn es sich darum handelt, die internationale Solidarität des Proletariats zu bekunden. Die Grüße der dänischen Kollegen überbrachte H i n r i k s e n- Kopenhagen. Es sprachen dann noch der internationale Sekretär Harrap und Palace- London, der den deutschen Kollegen den Dank für de» liebenswürdigen Empfang aussprach und unter Hinweis auf die Be- dcutung der internationalen Vereinigung niit dem Rufe schloß: Die Welt ist mein Vaterland!— Erst in vorgerückter Nachtstunde schloß der Vorsitzende B o r i s ch- Berlin die Versammlung mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf die internationale Solidarität der Arbeiter. Berliner Partei-Angelegenheiten. Rixdorf. Arbeiter, Parteigenossen I Seht die Wählerlisten nach l Die Liste der stimmfähigen Bürger für die Stadt- verordneten-Wahlen liegt vom IS.— 30. August er. an den Wochentagen während der Geschäftsstunden von 8—3 Uhr und an den Sonntagen von 8—10 Uhr vormittags im Rathause, Erkstraße 29, 1 Treppe, Zimmer 11(Wahlbureau), zur Einsichtnahme öffentlich aus. Einwendungen gegen die Richtigkeit der Liste können inner- halb der oben' angegebenen Frist schriftlich oder zu Protokoll erhoben werden. Da in diesem Herbst die E r g ä» z u n g s- Wahlen für die Stadtverordneten stattfinden, ist es jedes Parteigenossen Pflicht, die Wählerlisten nachzusehen. Diejenigen, tvelche nicht in der Lage sind, die Listen selbst nach- zusehen, wollen ihre Adresse in folgenden Zahlstellen abgeben nnd sich innerhalb der Frist nach dem Resultat erkundigen. 1. Köppke, Karlsgartenstr. 1. Restaurant. 2. Rctzera», Hermannstr. SV, Eig.> Gesch. 3. Zibell, Reuterstr. B4a, Rest. 4. Balzer, Steinmctzstr. 126 5. Hermann, Kirchhofstr. 1, Cig.-Gesch. 6. Preil. Rosenstr. 24, Rest. 7. Beetz. Knescbeckstr. 13S, Rest. 8. Faber, Wißmannstr. 10, Rest. 9. Preßler, Ziethenstr. 69, Rest. 10. Günther, Kopfstr. 39, Cig- Gesch. 11. Schmidt. Mainzerstr. 6, Rest. 12. Schulz. Bergstr. 81, Rest. 13. Grunewald, Richnrdstr. 112, Rest. 14. Jähnke, Kottbnscr Damm 88, Cig.-Gesch. 16. Heinrich, Schönweiderstr. 16, Rest. 16. Fritz Hoppe, Berlincrstr. 14, Restaurant. Da übermorgen der letzte Sonntag ist, an welchem die Listen auslicgen, so versäume niemand, sie nachzusehen oder die hier an- geführten Parteigenossen mit der Durchsicht zu beauftragen. Grüna«. Socialdcmokratischer Wahlverein. Sonnabend 9 Uhr Mitgliederversammlung bei(Seite. Gäste und Frauen habe» Zutritt. UoKstles. Unser Parteigenosse Metzner Ivar noch am Tage vor seinem Tode durchaus rüstig. Dienstagabend hielt die Agitationskommission für die Provinz Brandenburg in Metzners Lokal eine Sitzung ab, nnd ein Mitglied der Kommisston berichtet über eine Unterhaltung mit dem Veteranen: Wir plauderten vor Beginn der Sitzung über den Münchener Parteitag und über andre Ereignisse der Gegenwart und allzu schnell verflog die Zeit. Als die übrigen Genossen sich einfanden, brach Metzner die Unterhaltung ab nnd mit einem Eifer, der einem jungen Manne alle Ehre gemacht hätte, ordnete er das Vereinszimmer, bestieg den Stuhl, um daS Licht anzuzünden und sorgte für unsre Bequemlichkeit. Als sich herausstellte, daß an drei znsammenstehenden Tischen nicht genügend Platz Ivar. da hatte er. ehe wir uns noch überlegten, was zu thun sei, einen Tisch ergriffen nnd zu den andren gestellt. Jetzt war er ganz Wirt. Von Zeit zu Zeit erschien er auf der Bildfläche, und ohne unsre Verhandlungen zu stören, sorgte er für Stoff, wo solcher bereits ausgegangen war. Und als ich eine halbe Stunde darauf nach dem Schankraum ging um mir ein Geldstück wechseln zu lassen, da überließ er die Bedienung der Gattin, der Tochter und dem Schwiegersohn, um noch einen Vortrag bei den Bauarbeitern zu halten. Später erschien er wieder, um weiter bei seinem Alter die müh- same Arbeit des Gastwirts auszuüben. Endlich war die Sitzung zu Ende und unter Scherzworten nahm Metzner von uns Abschied. Wenige Stunden später hatte sein Herz zu schlagen aufgehört: ein arbeitsreiches Leben war plötzlich zu Ende. Die Berliner Arbeiter- schaft wird ihres Vorkämpfers nicht vergessen I Die Beerdigung nnsrcö Partelgenoffe» Metzner findet Sonntagnachmittag 2 Uhr vom Trauerhanse, Skalitzerstr. 59, ans nach dem Friedhof der Freireligiösen Gemeinde in der Pappel-Allee statt._ Die Ehrenjungfrauen. Der Oberbürgermeister hat dem Stadtverordneten-Vorsteher Herrn Langerhans folgendes Schreiben zugehen lassen: Bei der Begrüßung des Königs von Italien am 28. August am Brandenburger Thor ist die Teilnahme von Ehrenjnngfranen in Aussicht genoinmen. Euer Hochwohlgeboren ersuche ich ergebenst durch Rückfrage festzustellen, welche Damen ans den Kreisen der Herren Stadtverordneten als Ehrenjungfrauen an der Be- grüßnng teilnehmen wollen und niir das Verzeichnis derselben möglichst bald znkommen zu lassen. Für die Toilette wird weißes Kleid ans beliebigem Stoff mit vorgesteckten frischen Blumen, aber ohne anderweitigen bunten Schmuck, und helle Handschuh erbeten. Nähere Mitteilungen über die Zeit der Aufstellung und die Abholung werden den Beteiligten direkt zugehe». Bei der Begrüßung des Kaisers von Oestreich vor zwei Jahren wurde eS von der auf Nasscureinheinheit geaichten nationalen Presse ehr übel vermerkt, daß auch Töchter Israels sich am Brandenburger Thor in der Ehrenjungfranschaft sonnten. Hoffentlich ist die Einigkeit der ftaatSerhaltcnden Elemente diesmal stark genug, um nicht wieder eine derartige mißgünstige Erörterung aufkommen zu lassen. Wie man Statistik mackit. Die Beantwortung der von der Reichskommissio» für Arbeiterstatistik herausgegebenen Fragebogen über die Arbeitszeit in gewerbliche» F u h r b e t r i e b e n ist in Berlin vergangene Woche erfolgt. Wie dies zum Teil geschehen ist, darüber teilt uns der Vorstand des Verbandes der Handels-, Transport- und Verkehrsardeiter folgendes mit: Trotzdem amtlich vorgeschrieben war, daß die Kutscher in den Fuhrwerksbetrieben unter sich einen Kollegen ernennen sollten, der die Fragebogen aus- rille nnd unterschreibe, ist nach dieser teilweise nicht gehandelt worden.'Vielmehr haben verschiedene Fuhrhcrren die Bogen selbst ausgefüllt und einen ihnen genehmen Kutscher zur Unterschrift heran- gezogen. Auf diese Weise wurde in einem Fuhrbetriebe in der GreifSwalderstraße die tägliche Arbeitszeit als neunstündig be- zeichnet. In Wirklichkeit haben die Kutscher dort aber von morgens 6 Uhr bis abends 9 Uhr zu arbeiten und zwar ohne nennenswerte Pausen. Sollte eine ähnliche Ausfüllung der Fragebogen auch in andren Betrieben beliebt worden sein, so werden die Erhebungen von den Verhältnissen im Fuhrbetriebe ziemlich an Wert verlieren. Die Gärten Berlins sind zwar nicht sehr zahlreich, aber sie sind doch noch zahlreicher, als in der Siegel angenommen wird. Eine Zählung der Gärten hat in Berlin zuerst bei den Bevölkerungs- aufnahmen von 1871 und 1876 und dann erst wieder bei denjenigen von 1896 rmd 1900 stattgefunden. Von 1896 zu 1900 ist sogar noch eine Vermehrnng der Grundstücke mit zugehörigem Garlen ein- getreten, von 6883 auf 7609 oder im Verhältnis zur Gesamtzahl der Grundstücke von 28,7 auf 29,6 Proz. Im einzelnen vermehrten sich die Grundstücke mit Hausgärten von 3737 aus 4232, die mit Vor- gärten von 2068 auf 2131, die mit Hans- und Vorgärten von 1078 auf 1146. Zugenommen hat freilich nur die Zahl der kleinen Gärten (abgesehen von den allerwinzigsten, nur bis 10 Quadratmeter großen „Gärten", deren Zahl von 371 auf 321 zurückging). Die Gärten von mehr als 200 Quadratmeter Größe haben sich beträchtlich vcr- mindert, von 1968 auf 1730. Besonders die größten Gärten sind verhältnismäßig sehr viel seltener geworden. So verminderten sich die über 600 Quadratmeter großen Gärten von 971 auf 817, von diese» die über 1000 Quadralmeterfgroßen von 619 auf 419, von diesen wieder die über 2S00 Quadratnieter großen von 266 auf 182. Am spärlichsten sind die Gärten natürlich in den inneren Stadtteilen zu finde», am zahlreichsten in der Tiergarten-Vorstadt, wo 1900 volle drei Viertel aller Grundstücke ihren Garten hatten. Die Konzerte für Schnlkinder, die von der„Litterarischen Vereinigung" des„Berliner Lehrcrvereins" geplant sind, werden wahrscheinlich schon Ende September beginnen. Zunächst sind Sonn- abend den 20. September und Sonnabend den 27. Septeniber in Aussicht genommen. Es wird auf Beteiligung der Gemeindeschul- linder wie der Schüler und Schülerinnen der höheren Schulen ge- rechnet. DaS Eintrittsgeld, das zur Deckung der Unkosten erhoben werden mutz, wird gering sein. Da der Leiter der Konzerte(Musik- dircktor Batike) sowie sämtliche Mitwirkende keine Vergütung be- anspruchen, ist fast nur die Saalmiete zu decken. Im Pevgamon-Museum ist seit der Eröffnung(18. Dezember vorigen Jahres) weiter mit großem Eifer gearbeitet worden. An dem großen Fries des Gigantenkampfes stehen an der Wand über dem GcsimS die Namen der einzelnen Gestalten. Auch der TelephoS- Fries ist jetzt mit knappen Angaben unter den einzelnen Teilen vcr- sehen. Ebenso sind am Umgang die Skulpturen und Architekturstiicke durch Inschriften auf dem Sockel bezeichnet. Auch im Lichthofe ist bei jedem Architektnrstiick die Zugehörigkeit, die Zeit des Baues und, wo man ihn kennt, auch der Architekt angegeben. Im Vorraum sind auf zwei Tischen unter Glas eine Zeichnung von Richard Bahn und ein Aquarell von Chr. Wilberg aus- gelegt. Bohn, der unter Hnmann an den Ausgrabungen mitwirkte, giebt eine Ansicht und den Grundriß der Hochburg, des Marktes lind des Theaters von Pergamon: das Wilbcrgsche Aquarell(1879 im April gemalt) stellt das heutige Pergamon in seiner landschaft- lichen Umgebung dar. Das Museum erfreut sich eines sehr regen Besuches. Frnhverkehrökarte» der Hochbahn. Zu dem von uns bcr». öffenilichten Artikel vom 13. d. M., betreffend die Verausgabung der Frühverkehrskarten auf der elektrischen Hoch- und Untergrund- bahn teilt uns die Betriebsverwaltung dieser Bahn zur Be- richtigung Folgendes mit:„Es ist unrichtig, daß wir kürzlich eine Verfügung erlassen haben, nach welcher unsren An- gestellten strengstens untersagt ist, unsre Fahrgäste darauf aufmerksam zu machen, daß die Fkühvcrkchrskarten um 5 Pf. billiger sind als dieggcwöhnlichc» Fahrkarten. Seit Einführung der Frühverkchrs- fahrkarten, am 16. Juni d. I., haben wir bis jetzt durch gedruckte Bekanntmachungen auf unsren sämtlichen Haltestellen an den Fahr- kartenschaltern nndden Bekanntmachnttgstafeln auf den Bahnsteigen, auf die Verausgabung solcher Fahrkarten und deren Preise hingewiesen. Gleichzeitig mit der Einführung und nicht erst jetzt, haben wir in einer Verfügung an unser Personal folgendes bestimmt:„Diese Fahr- karten berechtigen nur zur Fahrt in den durch Schilder mit der Auf«,! schrift„Frühzng" kenntlich gemachten bis 8 Uhr morgens von den Endpunkten abfahrenden Zügen, sind nur an Werktagen gültig und nur auf Verlangen zu verabfolgen." Zu letzterer Anordnung sahen wir uns aus nachstehenden Gründen veranlaßt: 1. Können«msre bis 8 Uhr morgens verkehrenden„Fcühziige" mit einer FrühvcrkehrS- oder einer gewöhnlichen Fahrkarte benutzt werden und müssen wir die Wahl unsren Fahrgästen überlasse». 2. Da unsre Fahrkarten zur zeitlich unbeschränkten Benutzung gültig sind, sind wir verpflichtet, zu alle» Tageszeiten Karten jeder Sorte zu veranZgaben, nnd können wir aus diesem Grunde keine Anweisung treffen, bis 8 Uhr morgens lediglich Frühverkehrskarten zu verabfolgen. Hiernach ergiebt sich für die Fahrgäste die Wer- pflichtnng, die Sorte der gewünschten Fahrkarten bei der Anforderung selbst zu bezeichnen. Wegen Zurücknahme und Umtausch gelöster Fahrkarten besteht seit Eröffnung des Betriebes für die Fahrkarten-Ausgebe- rinnen durch ihre Dienstanweisung zur Sicherstellnng der auszuübenden Kontrolle zwar die Borschrift, daß außer bei Betriebsstörungen eine Z u r ü ckn a h m e einmal verkaufter Fahrkarten nicht stattfindet. Je» doch ist an keiner Stelle und auch nicht durch mündliche Instruktion' Verbote» worden, eine soeben gelöste und noch nicht ge- l o ch t e gewöhnliche Fahrkarte gegen eine Frühverkehrskarte um» z n t a n s ch e n, obwohl es Sache eines jeden Fahrgastes ist, sich vor Lösung einer Fahrkarte mit dem aushängenden Tarif und den be-' züglichen Bekanntmachungen vertraut zu machen, unter welchen die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel wie der Hochbahn, qe» stattet ist. Zu dieser Zuschrift haben wir zu bemerken, daß zwar nicht von der Direktion, wohl aber von übereifrigen Beamten, die offenbar der Leitung einen Gefallen zu thun glaubten, eine Weisung wie die gesckiilderte an die Fahrkartenverkänferin ergangen ist. Daß die Direktion eine solche ungehörige nnd verwirrende Maßnahme desavouiert, ist erfreulich. Gegen die Richtigkeit der Gemeinde- Wählerliste, die vom 16. bis 30. Juli 1902 von etwa 600 Personen eingesehen worden ist. sind nur von 2 Personen anscheinend begründete Einsprüche erhoben worden. Die eine Person ist nicht in die Liste aufgenommen worden, weil sie nach polizeilicher Meldung nicht wahlfähig sein soll. Die zweite Einwendung ist von einem Musiklehrer gegen die Ein- tragung eines ArzteS erhoben worden, der inzwischen nach Charlotten» bürg verzogen ist. Die Stadtverordneten haben nun über diese Einsprüche zu befinden. Vermächtnis. Das verstorbene Frl. Martha Lötvcnstein hat der Stadtgenieinde Berlin 30 000 M. vermacht zum Zweck der Errichtung einer„Rudolf Löweustciu-Stiftnng". Die Zinsen des Kapitals sollen zum Druck des bekannten Werkes:„Kindergarten von Rudolf Löwenstcin" verwandt und dieses Werk als Volksausgabe teils ver- kauft, teils an die Waiseuhänscr und Volksschulen als Präniien usw. verteilt werden. Ferner sollen besonders befähigte Kinder ohne Unterschied der Konfession die Mittel aus den Zinsen erhalten, sich höher bilden zu können. Der Magistrat hat das Vermächtnis an- genommen und ersucht die Stadtverordneten-Versammlung um ihre Zustinimung. Auch ciu Gesangbuch. Mit der Frage der Couplet- Censur beschäftigte sich der Verein der Berliner Varietö- und Konzerthans- Inhaber in seiner letzten Sitzung. Es wurde mitgeteilt, daß der Verein, im Einverständnis mit der maßgebenden Behörde, ein so» genanntes Ccnsurbuch herausgegeben hat. Es ist dies eine Samm- Iling von 423 der am»leisten gesungenen, von der Ccnsurbchörde einzeln genehmigten Couplets, die später erlvcitert werden soll. Eine �dreigliedrige Kommission soll das zunächst in einer Auflage von ,400 Exemplaren erschienene Buch dem Polizeipräsidium unterbreiten und Auskunft über die Zahl der Pflicht-Exemplare und andre Censur- fragen erbitten. Erheb», ige» über die Versorgung Berlins mit Milch sind der„Vossischen Ztg." zufolge im Kreise West-Havelland durch den Landrat angeordnet worden,„da unzweifelhafte Mißstände es i wünschenswert erscheinen lassen, nicht bloß über die Formen des Handels mit Milch und Sahne in Berlin selbst, sondern auch draußen, am Erzcugungsort der Milch, gcnanercn Aufschluß zu erhalten, um 'so die geeigneten Unterlagen für eine bessere Kontrolle dieses iHandels sowohl an der Stätte des Verbrauchs, wie an der Er- izengung zu gewinnen." Für diese Erhebungen sind zwei verschiedene Fragebogen an die Magistrate. Gemeinde- und Gutsvorstände ver- �sandt worden. Einer behandelt die direkten Lieferungen an Berliner tSelbstverbraucher, der andre die Lieferungen an Händler, an die Milchcentrale usw. in Berlin. Die Amtsstellen sind ersucht, die sorgsame Ausfüllung der Fragebogen zu veranlassen und die ausgefüllten .'Bogen mit einem Bericht über die bei der Ausfüllung gemachten Wahr- nehmungen an den Landrat zurückzuschicken. Die einzelnen Fragen fordern Auskunft über die Namen der Milchlieferer(Molkerei oder Privatperson), der Empfänger, in Berlin, die Durchschnitts- menge und Durchschnittspreise der Vollmilch, Magermilch und Sahne sab Hof, Bahnstelle oder in Berlin). Ferner soll gesagt werden, ob der Vollmilch Magermilch zugefügt oder Sahne entzogen wird, um sogenannte Marktniilch herzustellen, ob der Milch vor dem Versand im Sommer Eis zugesetzt wird und ob der Landwirt dem Händler soder der Centrale usw.) einen Mindestfettgehalt und welchen garantieren muß.— Vermutlich werden derartige Erhebungen in allen an der Milchlieferung nach Berlin beteiligten Kreisen vor- genommen werden. Ei» skandalitser Anblick bietet sich den Passagieren der Vorort- züge zwischen dem Alexanderplatz und Bahnhof Jannowitzbrücke. Bekanntlich hat der Tierschutzverein hier sein Tierdepot. Neben den Hundezwingern sieht man auch einen offenen Schuppen, in welchem ständig ein hoher Berg toter Hunde, Katzen, hin und wieder auch toter Esel liegt. Der Anblick ist so widerwärtig, daß empfind- same Personen, besonders Frauen, vor Ekel krank werden können. Offenbar werden hier die eingefangenen und nachher vergiftete» Tiere bis zur Beseitigung untergebracht. Sollte es dafür keinen andren Platz geben? Oder kann der Schuppen nicht verdeckt werden? Einer Dame wurde von dem Depotbeamten auf eine Vorstellung geantwortet:„Das ginge nicht, dann wäre es vor Geruch nicht auszuhalten." Es ist aber trotzdem eine Aenderung dringend geboten. Etwas mehr Menschenschutz, verchrlichcr Tierschutz- Verein! Eine kleine Lektion erhielt vom Gewerbegericht am Donnerstag der Gipsfigurenfabrikant Franci. Bereits in Nr. 191 des „Vorwärts" haben wir berichtet, wie drei junge galizische Arbeiter von ihm behandelt wurden. In derselben Sache stand jetzt zum fiinftenmal Termin an. Die Zeugin, wegen derer die bisherigen Termine immer wieder ausgesetzt wurden /war diesmal zur Stelle, doch konnte sie zu Gunsten Francis absolut nichts aussagen. Dieser versuchte jetzt eine abermalige Verschleppung der Sache zu erzielen, indem er zwei neue Zeugen angab. Das Gericht lehnte die Ladung der Zeugen sowie den Antrag auf Vertagung jedoch rund weg ab. Hierauf leisteten die drei Kläger den ihnen zu geschobenen Eid darauf, daß sie noch Lohn zu fordern hatten, resp. kein Essen bekommen hatten. Infolgedessen wurde Franci verurteilt, an Stanislaus Reichert 24 M., an Franz Reichert 21 M. und an Haber 14 M. zu zahlen; auch hat der Beklagte die Kosten zu tragen. In der Urteilsbegründung wurde gesagt: Es sei als erwiesen zu betrachten, daß St. R. 10 M. und F. R. 7 M. nick- ständigen Lohnes nicht erhalten hätte, ebenso daß H. an einem Tage nichts zu essen bekommen habe. Alle drei stien deswegen berechtigt gewesen, das Arbeitsverhältnis aufgegeben. Als zu forderndes Kost- geld für 14 Tage sei in Anbetracht der ganzen Lebensart der Kläger 1 M. pro Tag festgesetzt worden. Die Kläger wollen, sobald ihnen dies Geld ausgezahlt ist, wieder nach ihrer galizischen Heimat Pilgcni, weil sie hier keine Arbeit bekommen können. In der Baakcschen Mordsache haben die Nachforschungen der Kriminalpolizei ergeben, daß von allen bisher verdächtigten Personen nur eine festgehalten zu werden verdient. Schon mehrere Wochen vor dem Mord hat sich in der Jungfernheide und in Plötzensee, besonders auch in der Umgebung des Johannis-Kirchhofs ein Mann umhergetrieben, der spielenden Mädchen gemeine Anträge stellte, sie auch verschiedentlich aufforderte, niit ihm in die Schonung zu gehen. Da ihm sein Vorhaben nicht gelang, so sah er den kleinen Mädchen zu, ivie sie sich in Hängematten und Schaukeln wiegten und entblößte sich dabei. Auch am Mordtage zwischen 4 und 6 Uhr wurde er noch gesehen. Seitdem ist er von der Bildfläche verschwunden und trotz aller Be- obachtungen der bekannten Sitllichkeitsverbrecher und Müßiggänger und ungeachtet vieler Vernehmungen nicht aufzufinden gewesen. Dieser Man» ist vielleicht der Mörder der Elisabeth Baake. Er ' wird von einer großen Zahl von Zeugen übereinftimmcud als ein Mann von mittelstarkem Körperbau beschrieben, der etwa 1,76 Meter groß ist, einen dunkele», starken, mit den Enden nach oben gebürsteten Schnurrbart hat, oft schlecht rasiert ist, aber auch in rasiertem Zustand durch die dunkele Färbung einen starken Bartwuchs erkennen läßt. Der Mann ist mager im Gesicht, hat eine fahle Blässe im Gesicht und dunkles Haar. Sein Gang ist laugsam, fast schleppend. Sein Anzug bestand aus einem steifen, schivarzcu Filzhut, weißer Wäsche, grauen oder auch schwarzen Beinkleidern, einem braunen Sommcriiberzieher mit Sanimetkragcn und schwarzen Stiefeln. Friedhossbesucher, Spaziergänger usw. werden gebeten, etwaige Angaben über einen solchen Menschen im Zimmer 38 des Polizeipräsidiums niederzulegen. Außerdem aber werden Frauen und Mädchen, denen schanilose An- träge gestellt wurden, die solche aber zur Anzeige zu bringen sich gescheut haben, dringend gebeten, dies nachträglich zu thun. Zu drin Mord- und Selbstmordversuch in der Bödicker- straße ist mitzuteilen, daß der Thatbestand immer noch nicht richterlich festgestellt werden konnte. Man weiß auch heute noch nicht, ob der Untergrundbahnschaffncr Paul S ch m i d t seine Wirt- schafterin und dann sich erschossen hat oder ob die un- verehelichte Amanda Lüdersdorf die Bluuhat vollführte. Schmidt wurde jetzt als völlig geheilt aus dem Krankenhause ent- lassen und kann durch den Richter vernommen werden. Seine Ent- lassung erfolgte auf die allerdings nicht bindende Aussage des Mädchens hin, daß nicht Schmidr, sondern sie, die Lüdersdorf das Verbrechen begangen habe. Wie sich inzwischen ergeben hat, wurden in der Schmidtschen Wohnung nicht drei, sondern fünf Schüsse abgegeben. Der voll geladen gewesene Revolver zeigte bei der Fest- stellung des Thatbestandes nur noch eine Patrone in der Trommel. Schmidt hatte aber nur eine», die Lüdersdorf zwei Schüsse erhalten. Die beiden noch fehlenden Geschosse wurden in der Wohnung eut- deckt; das eine war in einen Thürpfosten, das(andre in eine Wand «ingedrungen. Ein Bauungliick ereignete sich auf dem Gnmdftück Gubener- straße 38. Dort führt der Bauunternehmer Bothe �auS Pankow einen Renbau aus, der bis zum Parterre gediehen ist» Da es diesem Herrn anscheinend nicht sehr auf solide und gute Bauausführung an- kommt, so läßt er die Arbeit von den Maurern in Accord ausführen. ilBei einer Besichtigung der Unglücksstelle durch ein Mitglied der Verbandsleitung der Maurer, bei welcher der Unter- nehmer sowie sein Polier zugegen war, zeigte es sich, daß die Arbeit geradezu leichtfertig ausgeführt war. So konnte festgestellt werden,' daß. trotzdem schon eine Rüstungshöhe im Parterre aus- geführt worden, die Kellerträger im Quergebäude noch vollständig unabqedeckt waren. Die darin stehende Rüstung stand noch voll- ständig, während die notwendigen Steifen fehlten. Diese werden •ion den Trägern abgerutscht und in den Kellers gefallen sein. Ein Zeichen, daß die Steifen, anstatt auf lang. liegenden Rüstbrettern, glatt und unbefestigt auf den eisernen Trägern gestanden haben. Der Maurer Krys, Friedrichsfelderstr. wohnhaft, war auf einer solchen Rüstung beschäftigt, auf welcher zwei mit Mörtel gefüllte Kalkkästen und ca. 360 Mauersteine lagerten. Auf bisher unaufgeklärte Weise, angeblich weil ein kurzer in die Thür. öffnung gespannter Riegel gebrochen sein soll, stürzte die Rüstung zusammen. Der Maurer fiel durch die unbedeckten Kellerträger bis iii den Keller hinab, ihm folgten die gesamten Steinmasscn sowie die vollen Kalkkästen. Der Verunglückte wurde vollständig verschüttet und verstarb nach einigen Stunden. Augenblicklich ruhen die Arbeiten auf dem Bau. Wenn nun bei diesem Zusammenbruch der Rüstung auch der Accordarbeit nicht allein die Schuld beizu messen ist, so steht doch fest, daß die Accordmanrer auf die Güte der Rüstung beinahe gar keinen Wert legen. Die Hauptsache ist, daß möglichst viel Steine verarbeitet werden I Eine kleine Entgleisung auf der Hochbahn hat gestern früh UM 9 Uhr bei dem Stellwerk des Bahnhofes Warschauerbriicke statt. gefunden. Ein von Westen einlaufender Zug. in dem noch drei Fahrgäste saßen, sprang teilweise aus den Schienen und blieb an der Strecke stehen. Die Ursache der Entgleisung kann erst durch die eingeleitete Untersuchung ermittelt werden. Weder die Fahrgäste noch das Personal haben irgendwelche Verletzungen davongetragen. Dagegen ist ein geringer Materialschaden zu verzeichnen. An einem Wagen wurden die(Sprungschienen verbogen und die Puffer aus ihrer Lage gebracht. Der Betrieb erlitt nur auf der Strecke zwischen dem Stralauer Thor und der Warschauer Brücke auf die Zeitdauer von anderthalb Stunden eine Unterbrechung. Auf einen Irrtum beruht die Meldung des Fenerbericht. erstatters über die angebliche Verhaftung des Restaurateurs Hellmut Peters vom„Moabiter Gesellschaftshaus". Das Feuer in diesem Lokal, das offenbar angelegt ist, kam dem Wirt ebenso überrascht wie den Gästen, die' als Mitglieder eines Gesangvereins zur Geburtstagsfeier bei ihm versammelt waren. Allerdings wurde Herr Peters nach der Polizeiwache sistiert, jedoch erfolgte bereits nach einigen Stunden die Entlassung, als sich evident seine Schuld losigkeit herausgestellt hatte. Rätselhaft erscheint der Selbstmord einer Amerikanerin. der 30 Jahre alten Kaufmannsfrau Johanna I a k o b s o h n, die in Begleitung ihres Mannes am Dienstag aus New Jork hier in Berlin eintraf und in einem Gasthofe der Klosterstraße Aufenthalt nahm. Gleich in der nächsten Nacht nahm sie dort Gist und wurde morgens von dem Mann beim Erwachen röchelnd im Bett gefunden. Ein sofort hinzugezogener Arzt ließ die Schwerkranke nach einer An stalt bringen. Die Hilfe kam indeß zu spät; Frau I. erlag dort der Wirkung des Giftes. Ueber die näheren Verhältniffe der Leute und den Anlaß zur That ist bisher nichts Zuverlässiges bekannt ge worden. Eine a«S fünf Personen bestehende Spielegesellschaft ist gestern in der Engrosmarkthalle in der Neuen Friedrichstraße auf gehoben worden.' Fünf Fleischer hatten sich zu einer Spieler gesellschaft vereinigt, die sich jede» Morgen nach der Gallerte zurückzog und in einer stillen Ecke der nur wenig beliebten Gänge „tippten". Die Kriminalpolizei, welche hiervon Kenntnis erhielt. ließ die Verdächtigen beobachten. Gestern früh drangen Beamte über verschiedene Treppen nacb der Gallcrie vor und es gelang ihnen auch dort, die Spielergesellschaft auf frischer That zu ertappen. Die Karten sowie eine nicht unbeträchtliche Barsumme wurden mit Beschlag belegt und die Harzardeure nach der Polizeiwache gebracht. von wo sie nach Feststellung ihrer Personalien wieder entlassen wurden. I« Aus den Nachbarorten. Spanda» ist bekanntlich ein socialdemokratischer Stadt verordneter, der inzwischen sein Amt niedergelegt hat, vom dortigen Schöffengericht wegen Diebstahls zu acht' Tagen Gefängnis verurteilt lvordei/ weil er des Nachts in der Trunkenheit einen Stiefel, der als Aushängeschild diente, von seinem Platz entfernt und mit nach Hause genommen hatte. Gegen dies befremdliche Urteil hatte der Verurteilte Berufung ein- gelegt. Die Strafkammer am Landgericht II sah den Fall mit ivesentlich andren Augen an als das Spandauer Gericht; das Urteil erster Instanz wurde' aufgehoben, in der DiebstahlSanklage erfolgte Freisprechung, und der Angeklagte wurde nur wegen groben Unfugs zu 20 Mark Geldstrafe verurteilt. DaS Unwetter» welches Mittwochnachmittag nach 5 Uhr in Berlin und den Vororten niederging, hat in den: nördlichen Teil der Mark Brandenburg bedeutende» Schaden angerichtet. So wird uns aus Ebers Wälde berichtet, daß dort infolge des Gewitters eine Katastrophe eintrat, ähnlich derjenigen, von welcher Berlin im April heimgesucht wurde. Ein Wolkenbruch setzte viele Straßen unter Wasser, so daß man diese nur mit Hilfe von Fahrgelegen- heiten benutzen konnte, welche denjenigen glichen, die im April hier in Anwendung kamen. Großer Schaden wurde be- sonders durch den orkanartigen Sturm verursacht. Auf der Weiden- damm-Promenade, in dem Stadtwall beim Wasserfall wurden alte Bäume wie Strohhalme niedergebrochen. In dem Kanfhause Laro wurde eine große Schaufensterscheibe von dem Luftdruck in tausende von Stücken zertrümmert und der Inhalt deS Schaufensters nach allen Winden geschleudert. In Privatgärten und namentlich in den Forstgärten hat der Orkan furchtbar gehaust, dort ist kein Baum mehr vorhanden. Der Schaden, der verursacht wurde, ist zur Zeit nicht übersehbar. Die DiSciplinar- Untersuchung gegen den Gemeinde- Vorsteher von Brit?» Regling, welcher beschuldigt worden ist, eine Gratifikation von 1000 M. von einem Grundbesitzer anläßlich eines bedeutenden Tcrrainverkaufs angenommen zu haben, hat noch zu keinem Ergebnis geführt. Es haben verschiedene Vernehmungen durch den Landrat v. Stubenrauch stattgefunden, doch ist der Nach- weis, daß der Gemeindevorsteher Regling in seiner amtlichen Eigen- schaft den Verkauf des betreffenden Grundstücks gefördert habe, nicht erbracht worden. Die TiSciplinar-Untersuchung ist zwar noch nicht beendet, doch führt Herr Regling die Geschäfte der Gemeinde Britz weiter. Auch sein Sekretär Baar, der ebenfalls 500 M. erhalten haben soll, ist seines Amtes nicht enthoben worden, weil der Beweis einer aintSwidrigcn Handlung auch bei ihm nicht erbracht ist. AuS Rixdorf. Am 17. Juli teilten wir mit, daß die Frau Bromberger aus der Treptoiverstr. 48 sich vergiftet habe. Wie sich erst jetzt'herausgestellt hat, ist Frau Bromberger an einer Krankheit der Luströhre gestorben. Auf Wunsch deS Ehemanns bringen wir diese Richtigstellung. Lichtenberg. Eine Entscheidung, die Aufsehen erregen dürfte. fällte heute das Schöffengericht. Ein Eigentümer hatte sich geweigert, den Bürgcrsteig vor seinem Grundstück zu reinigen, weil seiner Mei- uung nach die Gemeinde dazu verpflichtet sei; in Berlin bestehe aller- dings eine Observanz, wonach die Eigentümer die Bürgersteige zu reinigen haben, in Lichtenberg habe sich eine solche Observanz aber nicht' gebildet. Das Schöffengericht forderte alte Akten ein, vernahm den ehemaligen, jetzt 84 Jahre alten Schulzen Drawiel der Gemeinde Lichtenberg und gelangte darauf zur Freisprechung des An- geklagten, iveil die Gemeinde in Lichtenberg die Bürgcrsteige und Straßen zu reinigen und mithin auch für Unfälle auf der Straße zu haften habe. Eine abweichende Observanz zu Ungunsten der Eigentümer habe sich nicht gebildet. Ein unfittlichcs Attentat ist vorgestern auf der Schützenwiese in Steglitz auf die elfjährige Tochter des Arbeiters Blümel versucht lvorden. Der Thäter entkam. Hierzu wird noch berichtet, daß die Berliner Kriminalpolizei deswegen sofort dort eingriff, weil die Mög- lichkeit nicht ausgeschlossen war. daß der Mörder aus der Jungferiihcide in Frage komme. Das ist aber nicht der Fall. Festgenommen wurde da- gegen der Gastwirt Reinelt aus Charlottenbnrg, der auf der Schützeniviese einen Ausschank betreibt; und der obdachlose Arbeiter Biliska, der als Raufbold bekannt und wegen Körperverletzung bestraft ist. Beide wurden dem Untersuchungsrichter vorgeführt, weil sie den sich in Steglitz umhertreibenden Sittlichkeitsverbrccher kennen müssen, zumal da er bei dem Gastwirt verkehrt und weil sie ihm zur Flucht vcr- halfen, obgleich ihnen gesagt wurde, daß er die That begange» habe. Der Verbrecher hatte das Kind durch Süßigkeiten angelockt und in strafbarer Weise berührt, so daß das Kind uin Hilfe schrie. I» Potsdam sind die Zustände auf dem dortigen Bahnhof ganz unhaltbar. Besonders der tödliche Unglücksfall, den der Hilfs- packmeister Archen hold vor einigen Tagen erlitten hat, beweist, daß Wandel geschaffen iverden must Ein dortiges Lokalblatt mißt die Schuld an dem Unglück der Unachtsamkeit des Getöteten zu und hält den Beamten ob ihrer Leichtfertigkeit eine Strafpredigt. Wie wenig eine solche Predigt angebracht ist, beweist die That- fache, daß der alte krähwinkelhafte Zustand»och besteht, daß ein Bahubeamter mit der Glocke ein Zeichen giebt, wenn ein Zug herangcbraust kommt. So auch in dem hier erörterten Fall. Es führen drei Geleise über die Strecke; während auf dem zweiten Geleise ein schwerer„Kieszug" solchen Lärm machte, daß die auf dem dritten Geleise ladenden Arbeiter das Glockeiizeichen nicht hörten, lief Archenhold, um im letzten Augenblick diesem Zuge auszuweichen, gerade der rangierten Maschine eines Wannseezuges entgegen. Wann wird endlich der Umbau des Bahnhofes vor- genommen iverden?_ Gerichts-Beil Der Großschlächter alö Sportsinai»,. Betrügereien im größten Maßstabe führten gestern den Großschlächtermcister Gustav Jä nicke vor die ziveite Fcricn-Strafkamnier des Landgerichts I. Der Augeschuldigte war geständig. Er betrieb seit dem Jahre 1836 einen Fleischhandel in, großen, der bald einen solchen Aufschwung nahm, daß er einen Umsatz von jährlich anderthalb Millioncn er- zielte. Zu seinen Hauptabnehniern gehörte der Hofschlächtern, erster Hefter in der Leipzigerstratze. Das Geschäft zivischen der Firma und dem Angeklagten wickelte sich in der Weise ab, daß ein An- gestellter von Heffter des Morgens in der Frühe an dem Stande des Angeklagten in der Central-Markthalle die Bestellung aufgab und die verschiedenen Posten auf einen Zettel schrieb, den der An- geklagte erhielt. Des Vormittags wurde dann die Ware nach dem Hefterschen Geschäft gebracht. Dort ivurde jeder Posten geivogen und das Gewicht auf dem erwähnten Zettel notiert, der in den Händen des Angeklagten blieb, damit er am Schlüsse der Woche seine Rechnung danach ausstellen konnte. Ware und Gewicht wurden im Hefterscheu Geschäft in das sogenannte Annahniebuch eingetragen. Würde nun bei der Abrechnung das Abnahmebuch zu Rate gezoaen worden sein, so hätte eine Differenz leicht entdeckt iver eu können. Der Angeklagte merkte bald, daß dies nicht gesc ih, sondern daß man ihm blindes Vertrauen schenkte und ♦ ue vorgelegten Rechnungen blindlings bezahlte. Diesen Unihri„d benutzte er zu schweren Betrügereien. Schon vor Jc?�/, fing er an, weit mehr Ware in Rechnung zu stellen, als er gel~™ rt hatte. Im April d. I., als Jänicke einen Betrag von 2000! zu viel in Rechnung gestellt hatte, wurde sein unredliches Verhalten»tt- deckt und festgestellt, daß der Angeklagte die Firma im Laulil�cr Jahre um ISSOOO M. geschädigt hatte. In gleicher Weise z�irde der Wurstfabrikant Otto Seemann von dem Angeklagieg�- um 26 500 M. geschädigt. Dieser Zeuge gab vor Gericht als Euthexildi- gung für' seine Vertrauensseligkeit an, daß er nicke für' seinen besten Freund gehalten habe. Dieser""'habe ihn beinahe geschäftlich ruiniert. Der Angeklagt« ivar ein eifriger Anhänger des Reuusports, im Jahre 1839 hatte er zehn Pferde in seinem Ren» st all. Diese Leidenschaft muß viel Geld verschlungen haben, �enn nach der Verhaftung des Angeklagten wurde über sein Vermögen der Lkonkurs verhängt. Den Gläubigern können nur 16—18 Proz. in Aussicht gestellt werden.— Staatsanwalt L i e b e n o>v vcr- kaunte nicht, daß die Geschädigten es an der allgemein üblichen Kontrolle hätten fehlen lassen und dadurch dem Angeklagten das strafbare Treiben sehr erleichtert hätten. Bei dem hohen Betrage und dem überaus großen Vertraueusbruch halte er aber dennoch eine schivere Strafe für angemessen und beantrage f ü u f Jahre u ch t h a n S lliid zehnjährigen Ehrverlust. Der Verteidiger, .ustizrat Wronker, mußte sich darailf beschränken, dem Angeklagten mildernde Umstände zu erwirken, die dem Angeklagten auch zugebilligt wurden. Das Urteil lautete auf fünf Jahre Gefängnis. Wege» Vergehens gegen die Gewrrbe-Ordnung ivar gegen die beide» Inhaber der Konfektionsfirma Landau u. Bandmann eine Polizcistrafe von je60M. festgesetzt worden. Am 7. Mai cr. war, der Firma ein dringender Auftrag zu teil geivorden, der angeblich nur unter Zuhilfenahme des darauffolgendeuHimmelfahrtstages ausgeführt iverden konnte. Aus diesem Grunde beantragte Herr Landau am Vorniittag deS 7. Mai bei der zuständigen Polizeistelle die Ge- nehmigung zur Beschäftigung des Arbeilspersonals am HimmelfahrtS- tage. Da ihm eine derartige Genehmigung schon wiederholt erteilt worden war, so nahm er an, daß sie ihm auch im vorliegenden Falle nicht versagt iverden würde. Ohne daher die Entscheidung ab- zuivarten, traf er alle Vorbereitungen zur Arbeit am HimmelfahrtS- tage, bestellte die Arbeiter und ging seinen Geschäften nach. Am Nachmittage des 7. Mai traf nun wider Erwarten ein ablehnender Bescheid von der Polizei ein. Da Herr Landau abwesend Ivar, ge- langte der Bescheid in die Hände des Herr» Bandniann. Dieser küminerte ich' nicht darum, setzte sich ivcdcr mit seinem Gesellschafter in Vcr- bindung, noch traf er im Geschäfte irgend welche, den Umständen entsprechende Aiiordiiungen. Am Himmelfahrtstage wurde daher die Arbeit morgens 8 Uhr aufgenommen, bis sie uin 9Vs Uhr auf polizeilickien Befehl wieder eingestellt iverden mußte. Die beiden Geschäftsinhaber hatten gegen den polizeilichen Strafbefehl Einspruch erhoben in der Hoffnung, eine Herabsetzung der Strafe z» erzielen. Das Schöffengericht sah sich hierzu nicht veranlaßt, sondern bestätigte den Strafbcfchl. .Persone», welche an Gcrichtsstelle ihrer Zeugen Pflicht genügen, wüste» ganz energisch in Schutz genommen iverden". Mit diesen Worten begründete gestern der Vorsitzende des Schöffengerichts eine Straffestsetzu'ng, die ganz erheblich über den Strafantrag deS Staatsanwalts hinausging. Es handelte sich hierbei um folgende Augelegenheit: Am 3. Juni o. I. wurde eine Frau Bertha Adolfs in einem Prozesse als Zeugin vernommen, in welchen, unter andern auch die unverehelichte Anna Kühn angcklagt war. Nach Beendigung der Gerichtsverhandlung beschimpfte die Kühn die Frau Adolfs auf dem Korridor des Gerichtsgebäudes Wege» der von ihr gemachten Aus- age aufs gröblichste.' Frau Adolfs that, als beachte sie eS nicht und verließ ruhig das Gebäude, um mit der»ächstcn Fahrgelegenheit nach Hause zu fahren. Die Kühn verfolgte sie aber und zivar in Gesellschaft ihrer Freundin Therese Mittelstedt, holte sie an der Haltestelle der Straßenbahn ein, stieß sie hier mit der Krücke ihres Regenschirmes in den Rücken und hieb unter Schimpfivorten mit dem Schirm auf sie ein, tvobei sie von der Mittelstedt thntkräftig unterstützt wurde. Wegen dieses Ueberfalls und ivegen der Beleidigungen beantragte der Staatsanwalt gegen die Kühn fünf, gegen die Mittelstedt drei Tage Gefängnis. Der Gerichtshof erkannte indessen unter der angeführlen Begründung auf drei Woche», beziehungsweise eine Woche GefäugniS. Die ärztliche Behandlung mit Röntgrn-Ttrahlen ist vor der Strafkammer Hannover in einem bestinimten Fall für trafbar erachtet worden. DaS„Berliner Tageblatt" belichtet larüber: Angeklagt war der in weiten Kreise» als Spccialisl in Röntgeii-Strahlenbehandlinig bekannte und anerkannte Dr. S ch ü r- maher, hier. Derselbe hätte eine juiige Dame, die an Bart- wuchs litt, nach der bekannte» Methode zur Vertilgung der Haare durch Beleuchtimg mit Röntgen-Strahlen in drei verschiedenen Perioden behandelt, zunächst mit Erfolg ohne schädliche Begleit- erscheinungen. In der dritten Behandlungsperiode hatte nun der Angeklagte, als die auch bei der früheren Behandlung auftretende. hinterher aber jedesmal wieder verschwundene charakteristische Rötung der bestrahlten Stelle sich zeigte, die Bestrahlung noch ein- oder zwei- mal vorgenomm nr. Als nun in weiter Fol�e sich stärkere Ver» lirciinuligSerscheiirnigei� Zeigten, die uon dein Kinn ciuch auf die vorderen Hüls- und o'iercn Brustpartie» übergriffen, mehrere Monate ondanerten, eiterten und häßliche entstellende Narben zurückließen, lvnrde Dr. Cchürmaher von der Patienlin sowohl für die Cut- stehung der Vcrbre unmg als auch für den bösen Verlauf des Hcilniigtprozcsscs verantivortlich gemacht und, nachdem er eine »amhaste Schadenscriatzforderung abgelehnt, bei der Staatsanwaltschaft denunziert. Diese versetzte den» auch den Dr. Schürmayer in Anklage- zustand unter der Beschuldigung der fahrlässigen Ämperverletziing. Die ärztlichen Gutachten waren unklar und widersprechend; der Angeklagte niachte für den schlimmen Verlauf des Heilnngsprozcsses seine Kollegen verantwortlich, welche die Kranke nachträglich mit Karbol und Ichthyol behandelt habe». Er beantragte die Einholung weiterer Gutachten von Spccialisten. Das Gericht ging indeS anffälligerivc'se nicht darauf ein, sondern kam trotz der zweifelhaften Haltung der Gutachten zu einer Verurteilung des Dr. Schür- maycr zu 300 M. Geldstrafe. Vevsnttnttlttngen. Ter socialdcmokratischc Wahlvercin für Schöncberg hielt am 19. d. M. seine lMitgliederversammlung in Obsts Festsäten ab. Genosse Wollhcim hielt eine» Vortrag über:„Das Erdinnere und die vulkanischen Ausbrüche'. Die Genossen Obst und Dänmig gaben den Bericht von der Generalversammlung des Central-Wahlvcreins und war die Versammlung mit dem Verlauf derselben zufrieden. Unter Vereinsangelegenheiten niachte der Vorsitzende darauf auf- »icrkimn. daß die Wählerlisten vom 15. bis 30. August im Wahl- bnr«,u Fenrigstr. 03—34 ausliege», und ersuchte die� Genossen. dieselben einzusehen. Des iveitercn machte derselbe auf unser «Fest am 31. August und auf die Bezirkssitzungcn am tämber aufmerksam.' cinlckcndorf. Im Mustersche» Lokal fand am Mittwochabeiid dI, Monatsversammlnng des Wahlvereius statt. Vor Eintritt in die --I-.geSordnung mußte der Vorsitzende leider die betrübende Mit- lei lmig machen, daß unser alter Vorkämpfer Theodor Metz n er, daw den Vortrag übernommen hatte, nachmittags plötzlich am 'Herzschlag verstorben sei. Die Anivescnden erhoben sich zn E>hrc» des Toten von ihren Sitzen. Mit großer Zvtehrheit bc schloß darauf die Versaninilung, daß die anwesenden Frauen iu.r Saale, in dem sie abgesonderte Plätze hatten, auf jede G efahr hin bleiben sollten; darauf wurde vom überwacheiidcn Gcn- di unten die V e r s a in m l n n g a u f g e l ö st. Um jedoch die Er- le digung der Parteigeschäfte zu ermöglichen, hatte der Vertrauens- t arm in einem andern Lokale eine öffentliche Versammlung ein- t rufen. Nachdem die„Aufgelösteil' dahin übersiedelt waren, ent- s rnn sich zunächst eine lebhafte Debatte über das Vorgehen des 1 rtranensmannes. Nach Beendigung derselben ivurdcn' zu Dele- ' üen für die Krciskonferenz' gewählt: für Rcinickendorf-West ' ieidemantel. für Ost Schumacher und Osse. für hclmsruh L ü ck._ Produkteninarkt vom 21. August. Getreide. Arn heutigen Ge- t.-Frühmartt entwickelte sich im Anschluß an festere Auslandsmeldimgeu zic jch lebhaftes Geschäft bei>/, bis 3/t M, höheren Preisen für Weizen- uniRoggenlieferungen. Mittags zeigten sich die Nehmer mehr zurück- bal� va die Prognosen der Wetlcrwarten wieder günstiger lauten. Vi ch angeboten war stumpfer Jnlandöroggcn, de» jedoch die Mühlen »U!.»gern kaufen. Trockene Ware erzielte«inen Toncuprcis von 14a M. M;h[( etwas höher gehalten. Slin Fnttermarkt waren Hafer und Mais et oa'/H. gebessert. Rüböl stellte sich 1t) Pf. hoher als gestern.— Schluß so c Getdc: Weizen und Roggen weiter anziehend. »st. Spitus blieb ohne Notiz. Marktpreise vv»«crllu »ach arinilllmigcn de« Welze«, gut D.-Etr „ uütlel. . gering siNoggev. gut „ iniltel „ gering ♦Gerste, gut . mittel . gering ♦Haser, gut , millel gering Rl chtflroh Heu E> bleu Speifebohnen! Linsen H ab Bahn. ♦ frei Wage» rrnd ab Bah». 14, 4b 14,23 14,01 1b, 50 1b, 10 14,80 20,00 18 90 17,80 6,32 7- 40- 60,- 60,- 14,24 14,02 13,80 15,20 14,90 14,60 19,- 1790 16,90 4,66 4,70 25,— 25,— 20,— am 20. August 1902 kgl. Polizetprästdirnu«. Kartosseln,»c»e,D-Ctr. Rindfleisch, Keule 1 kg do. Bauch. SchwetneNcisch» Kalbfleisch Haimnclsseisch Butter Eier Karpfen Aale gand«, Hechle Barf che Schleie Bleie Krebse 60 Srst.t 1 Irg per Schock 4- I 20 110 1 30 1,20 1,30 2- 2 60 1,40 1 40 140 1,40 0,80 1 20 0,70 3,- Schrifteu-Eingang. Biographien russischer Revolutionäre. V. Nikolaj Jwanoivitsch K t b a l t l ch i t s ch. Ausgabe deS Allgemeinen Jüdischen Arbeiterbundes in Ltttauen, Polen und Rußland. London, August 1902. Verlag A. Nathanson, 13' �ie Leb�nSverhältnisse der bremischen Arbeiter. Bearbeitet vom Arbeiterlekretariat Bremen. Selbstverlag. Histoli?« de rinqulsitlon an Bioyen- Age(Geschichte der Inquisition im Mittelalter) xar Lonry Lsiarlss I-oa. Traduit sur l'exemplaire, revu et oorrige de l'auteur par Salomon Keinach, membre de l'Institut. Bd. m. Paris Socists Nouvelle de Librairie et d'Edition. Preis 3,50 Fr. Wettnil und Menschheit. Herausgegeben von HanS Krämer. Hcst 8 und 9. Deutsches Berlagshaus Boag u. Co. Feige Väter— Herzlose Mütter. Bon Karl Heinrich O t t o. Hauskunst-Berlag. Otto Schulze-Kölne Darmstadt 1902. Preis 1,00 M. Briefkasten der Redaktion. Tie jm istische Sprechstunde findet täglich mit Ausnahme de» Sonnabends uon 7'/, bis«Vs Ubr abends statt. «3«. K. M. I. New, vor nicht langer Zeit nur s-chS Stufe«. II. In einzelnen Staaten des Reiches steht das Schulwesen höher. Mängel: Die zu starke Klasscnftequenz, die fliegenden Klassen, das Fehlen der achtelt Stufe. Traurig ist die Ablehnung der Unentgelttichkeit der Lernmittel, der Beköstigung w. Auch die Frage der Schulärzte wartet ihrer Lösung, von vielen andern Uebelständcn— z. B. den veralteten Lehr- und LekiionSplänen— des Raumes wegen hier ganz zu geschweige». 'W'' durch die Die Pferdebahn >ie Prinzenstraße wurde 1875 Tornow. eröffnet. O. G. Wie schwer der große Zeiger der Berliner Nathausiihr ist, darsiber hat uns selbst der zuständige technische Beamte des Rathauses keine Auskunft geben können. Wir wolleu's aber mit einer Berechnung versuchen. Der Zeiger ist T/2 Fuß laug und dürfte eine durchschnittliche Breite von >/., Fuß haben. Sein Flächeninhalt wäre dann etwa">/t Quadratfuß. Von dem Knpfereisenblech, aus dem er verfertigt ist, soll ein Quadratsuß 8 Pfund wiegen. Danach müßte» rs« Quadratsuß ein Gewicht von 30 Pfund haben. Ob's stimmt? C. IVO. Alloholsreie Obstweine giebt es nicht, da bei der Gärung Alkohol entsteht. Um einen guten Johannisbeerwetn zu erhalten, giebt man zu 6 Liter ausgepreßten Saft 18 Pfund Zucker, mit 6 Liter lauem Wasser aufgelöst, in ein wciugrünes Fäßchen, den Rest in Flaschen zuui Nachfüllen. Nur leteht beb eckt, läßt man den Saft bei 12—15 Grad Wärme wie Wein ausgärm und füllt das Fäßchen täglich aus den Flaschen voll. Nach der Gärung vollgefüllt und fest geschlossen, läßt man es ruhig im Keller bei zettweisem Nachfüllen bis Februar liegen, worauf man den Wein in Flaschen füllt, gut verlorkt und verflicht. Alter Abonnent. Ganz ohne Kosten werden Die Ihren Sohn wohl keinem der sogenannten besseren Bcnise zuführen können. Wege» des Lehrerberufes wenden Sie sich an das Seminar für Stadtschnl-Lehrcr, Berlin, Friedrichslr. 229(am besten zunächst in mündlicher lltücksprache). Ob„ein größeres Bank- oder Exporthaus' den Jungen nehmen würde, erscheint fraglich, da er nur Volksschulbildung hat. H. H. I. Nein.— H. 20. 1, Rein. 2. Wenden Sie sich an einen der Vorsitzende» deS WahlvercinS, Schneider, Blumeiistr. 48, oder Franke, Zorndorferstr. 8, vorn Part.— A. B., Namiynstr. Die Reisekosten müssen Sie selbst tragen.— F. G. Die Vcrpflichtting zur Alimentenzahlung fällt fort, wenn nachgewtesen wird, daß innerhalb der Empfängniszeit die Mutter mit verschiedenen verkehrt hat. 2. Etwa 18—25 M.— H. N. 16. Die Eingabe wäre von Fall zu Fall au den Rektor zu richten.— A. s. 1. Sachs. 2. Nein. — M. K. 9. 1. Liebknecht wohnt an der Spandaucr Brücke 8 Heine Alt Moabit 10b. 2. Gebunden mit Führer 5 M. 50 Ps.— Will). 14. I.Nein. 2. Am 30. September 1930.- Streitender Nianrer. 1. Nein. 2. Ja. — F. B. S. 1. Der Gerichtsvollzieher pfändet aus Grund des� ihm übcrgebeuen vollstreckbaren Urteils. 2. Es braucht keine Zahlniigsaufforde- rung der Pfälidung vorangehen. 3. Das hingt von dem Wortlaut und In- halt des Urteils ab. 4. Stein. 5. Solche Umschreibung ist wertlos, weil sie ungültig und strafbar ist.- 7878. Die Rechtsprechung steht ans dem Standpunkt: Sie sind zur Etureichung verpflichtet. Die Berufung hatte nur dann Aussicht auf Erfolg, wenn kein VorstandSbeschluß vorliegt und die Berusung sich ans die andren BorstandSmitgltedcr als den Vorsitzenden beschränkt. Neuendorff. 1. Die Angelegenheit ist für die Ocsseutliehkeit ohne entercsse. 2. Ja,§ 175.- A. R. 17. Ihre Klage hat Aussicht ans rfolg. Das JnnnngS- Schiedsgericht ist zitstiindig.- Hans P. 1. und 2. Nein.— G. Rh. 5. 1. Ja. 2. Nein.— Giehm. Zu dem eigenmächligeu Borgehen war der Nachbar und Amts- Vorsteher nicht berechtigt. Bestrafung kann nur einketen, wenn bei der Staatsanwaltschaft Strafantrag gestellt wird. Nach Lage der Dinge dürste es ratsam sein, bis nach Entscheidung des Civilrechtsstreits mit strafrecht- lichem Vorgehen zu warten. Darüber kann der Anwalt, der die Sache vcr- tritt, am besten urteilen. An ihn soll sich der Bauer vor weiteren Schritten wenden.— R. M. 24. Die Beantwortung Ihrer Fragen hängt von dem Wortlaut Ihres Vertrages und des Schreibens des WirteS ab. Sprechen Sie mit beiden in der Sprechstunde vor oder senden Sie eine Absehrist unter Wiederholung der Fragen ein.— V. S. Leiber nicht. — C. N. 1853. 1. Sie hasten nicht für die Schulden. 2. Die Kosten können Jhuen zur Last gelegt werden. 3. Die Erben können sich gegen volle Hastimg durch Verzicht, JnventarSerrichtnng u. dergl. schützen.- ff. S. Im Jahre 1906.- M. T>., G. 20. Nein.- Rixdorsev Jähn. 1. Ja. 2. Vom 1. Januar zum 1. Januar, also für das Kalender- jähr, ist der Mietsstempel zu zahlen.- P. A. 50. Beim Jnmings- Schiedsgericht müssen Sie Bettreibung beantragen.— 6 Regen llbedeckt 1, bedeckt 3« Sö «tz, 11 16 14 {für deiJnhalt der Inserate übcriiiuu die Sicdaktio» dem Pnblikniv gegenüber keinerlei zeuntwartnng Wetttev. Freita�den 22. August. OprriehnnS. Lohcngrin. Anfang 7»/-. Uhr. Schaiu'ptelheS. König Heinrich der Viert«. 2. itl. Ansang 7>/, Uhr. Neues Oper'Ddeater l.nroll). Boccaccio. Anfang T/, llfir. Int Ltedersplhnns: Offenbach- Cpclus.©;oih«a.— Die vcr- wanbelteKatz— DerRegiments- zaubern. As""« 8 Uhr. TrutscheS. DerBiberpelz. Anfang � 7V, Uhr. Lessiug. Dam« Kobold. Anfang 7'/, Uhr. Berliner. Alt-H.delbcrg. Anfang T'2 Ubr. Ivcsten. Die Bra�otterie. Anfang 7'/- Uhr. lenes. Ledige teute.«iifang Do>p°lgäligcr. Vor- 8 Uhr.) der Hähz-It. Aiifang �'mfang�Ubt, f.!«« Schwester. «arl Weist.'"hr. Anfang 8 Gefall ne Mädchen. Friedrtch-Wie.sA A-«-.»- 511»... Wolzogens BuH»« (Ueberbrettl.) eo Th"»". Kleines. Serenikst�ling � uhr. Anfang 8 Uhr. us. Fi m Muni. Neichshalle». Sielt,.. Anfang 8 llhr.»ang«. �--wrilälen- fA"' �'<>ch"'lttagS Vassage. Paiiopiiknin. täien-Vorstetiiuig.«p'c'a"' Urania. Taubenftr. 48/4,» Theatersaal.) Abends« uhr. Die deutsche Ostseeküste. y Jnvalideustrnste S7/02. Täglich: Sternwarte. Ilottdnsei-ati'. da, Station der Hochbahn. Täglich im Garten, bei un- günstig. Witterung tmSaal: lloirnianna Nordiitiitslht Länger und Konzert. 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Den SangcSbrüdcrn des Männ-r- Gesangvereins„Vorwärts Süd-Ost' hiermit zur Kenntnis, daß unser Bcr- einSwirt, Genosse i mim am SO. d. M. nachmittags 3>/z Uhr am Herzschlag verstorben ist. Ehre seinem Andenken l Die Sangesbrssder werden ersucht, sich am Sonntaavvrmittag 11 Uhr bei Ed. Seiler, Ekalitzerstr. 83, ein- zufinden. Der Borftand. W&WBMd Thüringer Rotwurst k Pfd. 55 Pf. „ Flelschwurst„ 65„ Hall Zwlebelleberwurst„ 55„ Braunschw.Kalbsleberw„ 89„ Mettwurst u. Polnische„ 65„ Braunschw. Mettwurst„ 85„ Schlackwurst u. Salami JOS„ do. Echte Thflrlnger„ 135„ Ostp.Landsch.l. g.u. halb.„ 100„ Dellk-Schink. o.Knoch.„ 115„ Schlnkenspeck.... 90„ Paul ICläftn, Chauascestr. 27. Ostbahn-Park. Am KUstrlnerplatz, RUdersdorferstr.TI. Hermann Imbs. Täglich: Cr. goiwrt Theater- ttitH Spetjalttitten- Vorltellimg. FUr Restaurateure! Saal mit Konzession filP Yersaniinliingcii und öffentlichen Tanz, Stehbierhalle und Kegelbahn eingerichtet, sofort zu vermiete». 48S8L Reich, Gr. Frankfnrterstraße 43. 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Montag, de» 25, August 1903, abends 8V2 Uhr, bei Strainii,, Ritterstrafte Nr. 133- Branchen-Versammlung. Da die Tagesordnung eine sehr wichtige ist, ist das Erscheinen aller Kollegen notwendige 87/13 Mitgliedsbuch legitimiert._ Die Kommission. Verband der Sattler. OrtsTcrwaltnng Berlin. Bureau: Gewerlschaftshaus, Engel-Ufer 15. Zimmer 30. Fernsprecher: Amt 7 Nr. 1959. Branchen- Bersammlungen. ««irr-BmA»SÄ'-s"*''"" Sonnabend, 33. August, abends 8Vz Uhr, bei B. Bnske, Grenadierstr. 33. Dienstag, 36. August, ab. 8«/. Uhr, im Gewerlschaftshaus, Engel-Ufer 15, S. 7. lt. MtWrt'l'.NrrtItis»» Sonnabend, 33. August, abends 8V2 Uhr, im JvlllUlll-'/OliUlUjl' Gewerkschaftshaus, Engel-Ufer 15, Saal 7. g,ÄÄÄfM8.'',w'- ,ei ei[(«iniikl=9tiiniie ÄS, S'' Stftinn 6j«rliilt(«tatj Die Tagesordnungen werden durch Handzettel bekannt gegeben. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht 167/11 Bio Ortsrerwaitnnx, Achtung: �WU WW" Achtung! i.ineleWlWi' rnill seWlcluisIiel'. Dienstag, de» 36. August er., abends 8»/- Uhr, im Gewerkschaftshaus, Engel-Ufer 15, Saal 3: Orosse öffentl. Tersaminlun�. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Kollegen A. Hess:„Die Entstehung und Fabri- kation des Linoleums." 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Zahlreichen Besuch erwartet Der Vorstand. Sonntag, den 14. September 1903: VorstellttW in der Umin: lOöÖ Me hentscher Knltnr. Eröffnung 1 Uhr.— Beginn der Vorstellung 3 Uhr. Blliets a 60 Pf. sind im Bureau sowie bei den bekannten Kollegen zil haben. Das Vergnügungskomitee. I. A.: v. TusoWi», Langestr. 103. Berichtigung. Die in der Nr. 130 des„Vorwärts" unter der Versammlungsanzeige der Putzer befindliche Notiz betrifft nicht, wie vielfach von den Genoffen angenommen ist, den Putzer Otto Bielicke aus Zehlendorf, sondern das Baugeschäft von W. Bielicke, Sedanstr. 1, in Schöneberg. 134/12_ Die»rtllche Yerwaltang. ilttlifliiii der Da«-. Erdlind grmrdlichen Vilssardriter DeilMlands. (Zahlstelle Berlin III.) Sonnabend, SS. August, im Berliner Prater- Theater, Kastanien-Allee 7—9: 43/9 Qtossss Sommerfest. Auftreten sämtlicher Specialitäten. Anfang 4 Uhr. Ende? Billets a 25 Pf., an der Kasse 30 Pf. Die Kaffeeküche ist de» geehrten Damen von 3 Uhr an geöffnet. Um zahlreichen Besuch bittet_ Das Komitee. Tegel— Tegelort— Jörsfelde. Dampfer- Linie von Osnl Holt-!. Bequem eingerichtete große und kleine Danipfer. Billigste Preise. Tegel— Tegelort, Restaurant„Zum Schwan" und zurück 15 Pf. Tegel— Jörsfelde und zurück 20 Pf. falte mich allen Freunden, Bekannten und Ausflüglern bestens empfohlen. C. Holtz. Möbel-Fabrik d. Lager kompletter Wohnungs-Einrichtungen zn Fabrikpreisen— Eigne Werkstatten— empfiehlt Julias Apelt, Skalitzerstr. 6, am Kottbuser Thor.[4833L* Anzug-, Paletot-, Hosen-Stoffe. Ränmunas-Ausverkauf!!! Die Bestände unsres Ladengeschäfts Spsnd!s»>e�sKr>. 33/35 werden wegen Aufgabe des Ladens bedeutend unter Preis ansverknuft.(47788* Bpeniiei*& Co. nni) VersM-LM W: iihugflr.Jtö I. Reste spottbillig. Ctiitral-Kranken- n. Steche- Klijse kt Mschter u. andrer gewerblicher Arbeiter. (E. H.-K. Nr 3, Hamburg.) Verwaltung Berlin D(Moabit). Sonntag, den 34. August, vormittags 10 Uhr, in der Brauerei Patzenhofer, Abteilung Moabit, Turnistr. 25/20(kl. Saal): Mitglieder-Bechiiimlnilg. Tages-Ordnung: 1. Kassenbericht vom 2. Quartal. 2. Verschiedene Kassenangclegenheiten. Mitgliedsbuch legitimiert. Um zahlreiches und pünktliches Er- scheinen ersucht 182/5 Tie Ortsverlvaltung. D-- Allgem. Nrtö-Kranken- kasse für Rixdors Frist einen 274/15 Bnremabeamten für den Abfertigungsdienst anstellen. Bewerbungen sind bis Mittwoch, den 27. August, mittags 12 Uhr, bei Herrn G. Ostermann, hier, Erkstr. 0, einzureichen. Rixdorf, den 21. August 1902. Der Vorstand. Ats-AmkenkO der Nadler nnd Tiebnillcher. Zum I.Oktober d. I. ist die Stelle des zu vergeben. Bewerber, welche auf dieselbe als Nebenbeschäftigung(Gehalt 45 M. monatlich) reflektieren, werden ersucht, selbstgeschriebene Offerten bis zum 1. September im Kaffenlokal, Alte Jakobstr. 09, einzusenden. Kassen- Mitglieder bevorzugt. 1b59b Der Vorstand. 21ahlsteiie Berlin. Sonntag, de» 31. Angnst 1903, vormittags 10 lkhr: BliigBieeiep- yersommBong in de»„Arminhallen", Kommandantenstraffe 30. Tages-Ordnung: 1. VerbandSangelegenheiten. 2. Die Erweiternng unsrcr Bibliothek. Z. Abrechnung vom 19. Stistungssest. 254/19 Die Mitglieder werden dringend ersucht, recht zahlreich und pünttlich zu erscheinen.— Gäste sind willkommen.— Neue Mitglieder werden auf- genommen._ Der Vorstand. Tifchler-Berein zu Berlin. Sonnabend, den 33. August, abends 8>/z Uhr, Melchiorstraste 15: Versammliing"KW Tages-Ordnung: 1. Vereiusangclegenheiten. 2. Erledigung zweier Unterstützungsgesuche. 3. Bezahlung der Beiträge. 199/4 Regen Besuch erwartet Der Vorstand. AchMg. Modelleure. Autrugerl� Sonnabend, den 33. Angnst, abend? 8 Uhr, in de» Arminhaven, grosser Saal. Kommandantenstraste 30: Sasaanmenkiinft. 20/20 Die Modelleur-Kommission. 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Tempelhofer Feld, nach Grostbeeren. ÜBT- Ain 13. September er., Stiftungsfest 13/1 im„Böhmischen Brauhaus". Sonntag, den 24., früh 0 Uhr: Brücke and. Beusselstr. nach Heiltgensee. Sonntag, den 31., früh 7 Uhr: am Kriminal- gericht nach Rüders- dorser Kalkberge.— Nächst« Bersamm- lnng: Mittwoch, den 3. September, Waldstr. 8. Gäste willkoinmen. prämiiert mit der goickenen Medaille. raFt-Rothwein FtieBluhiPine Kranke arzMich eupFohlen BISO LuiM. überall ED H allen In allen Apotheken, Droguen- Handlungen, Dellkatess- u. Kolonialwaren- Geschäften.* Dr. Simmel, Prinzenstr. 41. Specialarzt für 31/9* Baut- und Barnleiden. 10—2, 5-7. Sonntags 10-12, 2-4. To�es-tAnzeige. I Allen Verwandten, Bekannten I und P-. teigenossen zur Nach- richt, da> mein lieber Manu, unser gut Vater, der Schankwirt Theodor Metiner am Mittwoch, den 20. d. M., nachmittags 3t/z Uhr plötzlich am Herzschlag verstorben ist. Dies zeigen hiermit tiebe- ttübt an Die trauernden Hinterbliebenen Marie Metzner nebst Kindern. Die Beerdigung findet statt am Sonntag, de» 24. August, nachmittags 2 Uhr, vom Trauer- hause Skalitzerstr. 59 nach dem Begräbnisplatz derFreireligiöien Gemeinde, Pappel-Allee. s155l!b LoeisIäemoki'Ätiseller �Valüverem für den 4. Bcrl. ßeiclistags-Wahlkreis. (Süd-Osten.) Todes" Anzeifle. Am Mittwoch, den 20. d. M. starb unser hochgeachtetes Mitgiirü, der Stadtverordnete, mdlsbil tedor Mm am Herzschlag. ai Ehre seinem Andenken! r Die Beerdigung findet am Sonn- tagnachmittag um 2 Uhr vom Trauerhause Skalitzerstr 59 aus nach dem Freireligiösen Friedhof in der Pappel-Allee statt. Um zahlreiche Beteiligung ersu cht 244/2 Der Vorstamk Ii. Wahlkreis Südost. Todes-Anzeige Den Parteigenossen zur Nack ht, daß am Mittwoch, den 20. d.; s,, unser alter Vorkämpfer, der k>l\ verordnete T .5/11 ntag- hause verstorben ist. Die Beerdigung findet S nachmittag 2 Uhr vom TrIW Skalitzerstr. 69 aus statt. ,, Um zahlreiche Beteiligun,.„ Die S8ertn»icic£Hi'" Orts- Kranken?�, her Sattler zu Berlin m,,» Am Dienstag, den 19,;�®- w1 starb das Mitglied Aai, (Werkstelle Schmidt, Die Beerdigung finss' abend, den 23. d. von der Leichenhalle defuftwqu'gs. Strf'i'LIL": (Konkm'NinasrJ1 � kauf) für Schloff; Klempner. Ma�neZffbr� __'ltbelan ate"M , Bettfesrn-Labrik 6«rfü o I f*.*'•* d. ißfb. Äi: 1 6»r)uali�t jot ntn grab«***.'ennungsschr. —.. ftäc/tsti) Anzeigen in den Annahmestellen* f wr*.-* bis 2 Uhr, für die Vorortel3��' \ der flauptexpedition Berf 4- Uhr an ge 71 o m jn------ r Kr wo» W'6 Jedes Pfennig. Wort: Nur das erste Wort fett, Worte mit mehr als BucJistaben zählen doppelt. $€Ieine ßnzeigen. Verkäufe. Gardinenhaus GrobeFranksurter. straße 9, parterre._ t37* Vorjährige elegante Herren-Anzüge und Sommerpaletots aus sciilsten Stoffen 25—40 Mark. Verkauf Sonn- abend nnd Sonntag. 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