Nr. 196. Abomikments-DediMingen: Abonnements- Preis pränumerando: Vierteljährl. Z.S0 Mb, monatl. l,l0Mr., wöchentlich 28 Psg. frei WS HauS. Eimeine Nunim-r 5 Psg. EonntagS- Nummer mir iiiunricrier EsnntagZ- veilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Mona,. Eingetragen in der Post-ZeitungS- Preisliste für 1SOS unter Nr. 7878. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für daS übrige Ausland 3 Marl pro Mona,. Erscheint lüglich»»her Wonlag». Berliner Volksblntt. 19. Jahrg. Die Inftrti«ns-Gll-lIifr deträgt für die sechsgespaltene Kolonel» zcile oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewerkschaftliche PereinS- und VersammlungS- Anzeigen 20 Psg. „Kleine Ameigeu" jedes Wort G Psg. (nur daS erste Wort fett). Inserate sür die nächste Nummer müssen btS 4 Mir nachmittags in derExpedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen btS 7 Uhr abendZ, an Sonn- und gsstlagen bis SUHr vormittags geöfsnet. Telegramm-Adresse: »Sorialdrmokral Berlin" Centraiorgan der socialdemokratiMen Partei Deutschtands. Redalltwn: sw. 19, Beuch-Skraste 2. z?er»si>recher: Amt I Nr. ISV8. Sonnabend, den 23. Zlugnst 1902. Expedition: sw. 19, Beutll-Steasze 3. Kernlprecher: Amt I, Nr. 6131. Heilige Allianz. Wir forderten Iviederholt behördliche Aufklärungen über die dunkle Angelegenheit des russischen Studenten Kalaje n�, der längere Zeit im Polizeigefängnis zu Myslolvitz festgehalten tvorden ist und, tvie uns in der vorige» Woche aus Breslau ge- meldet wurde, schließlich der russischen Polizei in die Hände ge« liefert wurde. Jetzt bringt die„ N 0 r d d. A l l g. Z t g." die geforderte Aufklärung, eine Aufklärung, die ein Dokument ist von deutscher Schande. Die Aufklärung des Regierungsorgans deckt Zustände auf, im Vergleich zu denen alle politischen Sensationen, die augenblicklich die deutsche Oesfeutlichkeit erregen, nichts sind als winzige Harmlosigkeiten. Die„Nordd. Allg. Ztg." meldet: „Der„Vorwärts" hat sich aus Breslau melden lassen, der russische Student Kalajeiv sei„an Rußland ausgeliefert worden". Diese Angabe ist falsch. Kalajeiv ist nicht an Nußland aus- geliefert, sonder» im ordnungsmäßigen Verfahren durch die zuständige Landespolizeibehörde nach seinem Hcimats- staat Rußland ausgewiesen worden, ivcil er anarchistischer Umtriebe überführt und dementsprechend als lästiger Ausländer zu behandeln war. Es sind bei ihm anarchistische Schriften in Beschlag genommen worden, die er nach seiner eignen Aussage mit andren Drucksachen im russischen Verein in Charlotteüburg zu verteilen beabsichtigte. Wegen des Vertriebes dieser Schriften, soweit sie mit Rücksicht auf ihren anarchistischen Inhalt von den inländischen Behörden zurück- behalten sind, wird das objektive Strafverfahren eingeleitet werden. Die völkerrechtlichen Vorschriften über die Auslieferung kommen für den vorliegenden Fall nicht in Frage." Durch diese offiziöse Erklärung ist die Darstellung des„Ober- schlestschen Tagebl.", die wir in unsrer Nummer vom 13. August Iviedergaben, als falsch erwiesen. Wir hatte» diese Darstellung des freisinnigen Blattes, die von„Auslieferung" sprach und als Grund die Mitschuld am Attentat auf Ssipjagin angab, sofort als gänzlich unwahrscheinlich erkannt und bezeichnet. Wir haben vielmehr seit dem ersten Tage, als uns der Fall beschäftigte, jede Gesetzwidrigkeit Kalajews bestritten und ein formelles Aus- lieferungS-Verfahren als ausgeschlossen angesehen. Es ist darum höchst lächerlich, wenn das Ncgiernngsblatt seine Darstellung aufbaut auf der Bezichtigung, als hätten wir eine falsche Angabe verbreitet. Wir haben nur allzu richtig geahnt, ein wie unsagbar bitteres und für den preußischen Staat schmähliches Trauerspiel sich hier zugetragen hat. Wie richtig in unsren Kreisen über den wirklichen Verhalt deS Falles geurteilt wurde, zeigt die Thatsache, daß am Montag, den 11. August, folgendes Telegramm seitens eines socialdem akratischen Reichstags- Abgeordneten an den Reichskanzler Grafen v. Bülow abgesandt worden i st: „Graf v. Bülow. Reichskanzler, Berlin. Polizeibehörde in Myslolvitz bedroht den Studenten Kalajew, russischen Staatsangehörigen, mit Ausweisung und Auslieferung an Rußland, obschon Kalajeiv keineHandlung beging, die zurAuslieferung an Rußland verpflichtet. Beehre, mich Reichskanzler zu ersuchen, Polizei in Myslowitz anzuweisen. Kalajew, sofern Ausweisung erfolgt, nicht wider seinen Wille» an russische Behörde auszuliefern, sondern andern Weg über Grenze wählen zu lassen. .....(Unterschrift)." Der Absender deS Telegramms hat bisher keine Antwort vom Reichskanzleramt erhalten. Es scheint auch, als sei die Verhängnis- volle Polizeithat bereits geschehen gewesen, als das Telegramm beim Reichskanzler und preußischen Ministerpräsidenten einlief. Das kann aber die volle Schuldlnst der obersten Staatsbehörde in keiner Weise vermindern, da es ausgeschlossen ist, daß eine unter- geordnete Behörde in Schlesien, die Polizei in Myslowitz oder der Regierungspräsident in Oppeln, auf eigne Verantwortung nnd ohne Gewißheit oberbehördlichcr Zustimmung die Auslieferung des Studenten verübt hat. Darum iverfe» ivir die Schmach dieser Unthat nicht auf eine beliebige untergeordnete Instanz, sondern auf die oberste Centralbehör de des Staates, welche die Verantwortung trägt. Es ist völlig nebensächlich, ivelche Handlungen KalajewS die Ausweisung herbeigeführt haben. Wir dürfen vermuten, daß die„anarchistischen Schriften", in deren Besitz er betroffen worden sein soll, sehr harmlose Schriften waren,— wie ja erst kürzlich die Polizei in Halle in wütiger Razzia die Bibliothek und Schriften des dortigen polnischen Studentenvereins beschlagnahmte und die Oeffentlichkeit mit der Entdeckung eines gefährlichen Ver- schwörernestes überraschte, um alsbald, nach näherer Unter- suchnng des vorliegende» Materials, die Verfehltheit ihres staatSrettenden Eifers zugestehen zu müssen. Doch wie dem auch sei, es mag jetzt nicht über die politische Vernunft nnd die Moral der Ausweisung gerichtet werden, da das Recht der Ausweisung bei der heutigen Gesetzeslage unbestritten ist. Es � ist eins der hervor- ragendsten Kennzeichen der heutigen Eivilisanon, daß der Ausländer ohne jedes Rechtsmittel des Landes verwiesen werden darf, sobald die Polizei ihn als„lästig" erklärt. Die Schmach des Verfahrens gegen Kalajew beruht in der Aus- Weisung„nach seinem Heiinatsstaate Rußland". Die russische Grenzpolizei argwöhnte, daß Kalajew die Ein- führung verbotener Schriften über die russische Grenze vorbereite. Sie spionierte eifrig, einen dieser tapferen Jünglinge habhaft zu Werden, die unter unsäglichen Opfern sich mühen, ein wenig Licht in die Dunkelnisse des Zarenreiches zu leiten. Die Regierung des modernen, des ritterlichen Grafen Bülow ver- richtete der russischen Polizei den gewünschten Judasdienst. Ein Preußen, in dem noch ein letzter Rest kulturellen Wollens waltete, müßte die Bekämpfer des russischen Absolutismus als Ehren bürger grüßen. Das Preußen der heutigen Wirklichkeit verübt Schergcndienst für de» Staat aller Unterdrückungen und aller Barbareien. Unbegreiflich ist es bereits, daß der Student Kalajeiv längere Zeit und bis zum Abschnb an die russische Grenze in Polizei- g e w a h r s a m gehalten iverden konnte. Die Darstellung der „Nordeutschen Allgemeinen Zeitung" zeigt. daß ein Straf- verfahren nicht gegen ihn geführt ist. M i t>v e I ch e m R e ch t hat man den Studenten in Haft gebracht? Man durfte ihn aus- weisen, doch nicht seiner Freiheit beraubeul Kalajew ist russischer Staatsangehöriger, aber er hatte seinen Heimatstaat verlassen und war in Oestreich ansässig geworden; von dort war er nach Schlesien gekommen, nach Oestreich oder in einen andern Staat wollte er sich begeben, wcnn er dem gastlichen Preußen„lästig" schien. Aber Preuße» hat ihn „in ordnungsmäßigem Verfahren«ach seinem Heimatsstaat Ruß- land ausgewiesen". Kein Gesetz, keine Vorschrift gebietet, daß einem Ausländer, dessen Ausweisung erfolgte, eine bestimmte Grenze vorgeschrieben werden müsse, über die allein er passieren dürfe. Bei Ausweisungen unpolitischen Charakters ist es üblich, die Grenze des HeimatSstantes zu wählen, weil es dem Interesse des Aus- gewiesenen entspricht. Doch sobald der Ausgewiesene einen andern Wunsch stellt, so überläß't ihm die Praxis auch der m i n d e st c i v i I i s i e r t e n S t a a t e n die Wahl der Grenze, die er überschreiten will. In den rohesten Zeiten Bismarckscher Gewaltherrschaft galt als ungeheuerlich, was die Regierung des Grafen Bülow jetzt verübt. Wohl wurden schon oft in Preußen und andern Bundesstaaten gehässige Auslveisnngeii von Ausländern betrieben, wenn diese sich politisch bethätigten, doch der Regierung deS Grasen Bülow blieb das Abscheuliche vorbehalten, einem russischen Studenten die Freiheit der Grenze zu verweigern und ihn an die heimatlichen Häscher zu überantivorten, auf daß sie ihn in fürchterlichen Gefängnissen und in sibirischer Zwangsarbeit qualvoll zu Grunde richten. Jüngst trafen sich in Reval der deutsche Kaiser und Zar Nikolaus, der seltsame Fürst der Abrüstungsmanifeste, zugleich der oberste Beamte des Deutschen Reichs und Preußens Graf Büloiv und die Leitenden der russischen Regierung. Dort mag der russische Absolutismus Beistand gegen die schiver dräuende Gefahr der Revolution gefordert haben und man verband sich in neuer„Heiliger Alliance" zu gegenseitiger Bedienung wider die Erhebung der Völkcrl politische MebvvZicht. Berlin, den 22. August. Das Fest der Duellanten. Die Regierung des Schiv eigens, wie sie in der Löhning-Affairc sich„zurückhält", wie sie die Eutrüstungsdepeschc unerklärt läßt, so schweigt sie beharrlich zu dem skandalösen Geschehnis in Gumbinnen, zu der pomphaften Verherrlichung des von der Ducllstrafe begnadigten Lieutenants Hildebrand durch das Offiziercorps und zu dem ungesetzlichen Mißbrauch der Mannschaften bei dieser anstößigen Feier. Wohl aber kündigen endlich private Zeit ungs meld»»gen an, daß eine Untersuchung gegen die Verherrlicher des Duell- Helden eingeleitet ist. Ans Jnsterburg wird berichtet: Die„Ostdeutsche Volkszeitnng" sagt in einem Artikel, betitelt„Die Gumbinner Abschiedsfeier für Oberlientenant Hildcbrand und die Generale", sie sei in der Lage mitteilen zu können, daß die Untersuchung eingeleitet und mit aller Strenge ohne Ansehen der Person durchgeführt werden lvürde. Der Artikel fährt dann fort:„Die beiden Jnsterburger General- Majore Willich, genannt v. Pöllnitz, nnd Gronau, werden mit der Gumbinner Kundgebung in Verbindung gebracht. Dies ist nur dadurch möglich geivorden, daß zahlreiche Blätter zwei räumlich und zeitlich ganz verschiedene Abschiedsfeieru zusammengeworfen haben. Am 7. August verabschiedeten sich die Jnsterburger Artillerie- Offiziere im Kasino nn„Deutschen Hause" in Jnsterburg von ihrem bis- herigcn Kameraden. Diese Abschiedsfeier hatte einen überaus ernsten, feierlichen Charakter. Die geivechsclten Reden lvaren durchaus würdig gehalten. Es wurde kein Lied gesungen. Die sonst übliche Tafelmusik unterblieb. An dieser AbschiedSfeier nahmen die Generalmajore v. Pöllnitz und Gronau teil. In dieser Weise einem scheidenden Kameraden Lebewohl zu sagen, entsprach im vorliegenden Falle durchaus den überlieferten Pflichten. Am 9. August, also zwei Tage später, fand jene ziveite nicht nnr in nichtmilitärischen Kreisen peinlich empfundene Abschicdsfeier in Gumbinnen statt, woran ivedcr die Jnsterburger Brigadekommandeure noch der Gumbinner Generalmajor Stamm teilnahmen." Es wird sich zeigen, ob die Untersnchiing wirklich mit derjenigen Strenge geführt wird, die den Offizieren gebührt, ivelche den Gesetzesbrecher, der ein Menschenleben vernichtet, als Helden ver- herrlichen und zur feierlichen Eskortiernng desselben mißbräuchlich Mannschaften beordern.—__ Die„klerikale Soiinenfinstcrniö" in Mannheim. Aus Baden wird uns vom 21. August geschrieben: Unsre Klerikalen machen zu dem bevorstehenden Katholikentag ge- waltige Anstrengungen. Sie haben alles daran gesetzt, daß die neue, von Professor Bruno Schmitz erbaute Mannheimer Festhalle recht- zeitig so weit fertiggestellt wurde, daß die großen Veranstaltungen der Tagung darin stattfinden können. Damit steht ihnen der größte geschlossene Versammlungsraum zur Verfügung, den eine deutsche Stadt aufzuweisen hat. Nebenher hat das Mannheimer Lokalkomitee sich auch die übrigen größeren Säle der Stadt kontraktlich gesichert, vor allem in der Absicht, jede etwaige Gegendemonstration, wie man sie anfangs besonders von den liberalen„Klostcrstürniern" befürchtete, im vorhinein unmöglich zu machen. Besondere propagandistische Bedeutung legen die Macher der schlvarzen Tagung dem D e m 0 n st r a t i 0 n s u m z u g bei, der am Sonntag, den 24. August, sich durch die Straßen der Stadt Mann- heim beivcgen soll. In allen Gamn des bndischen Landes, der Rheinpfalz, Hessens, ja selbst in Württemberg und Elsaß- Lothringen, ist die Ortsgeistlichkeit seit Wochen fieberhaft thätig gewesen, die nötige Zahl von Teilnehmern für die nach Mannheim geplanten Sonderziige zusammenzubringen. Allzu schiver ist ihnen dies nicht geworden, den» eine solche Gelegenheit, zu kaum einem Drittel des normalen Fahrpreises eine vorzügliche Fahrt nach der Industrie- und Handelsmetropole am Oberrhein zu machen, bietet sich den Bauern nnd sonstigen kleinen Leute» der genannten Landes- teile nicht leicht wieder; und so ist es denn auch nicht zu verwundern, ivenn die klerikale Presse heule schon triumphierend das Gelingen jenes Umzuges verkünden kann. Sie vermag sich dabei allerdings der Befürchtung nicht zu entschlagen, daß mancher Teilnehmer an de» Extrazügen lediglich derselben billigen Fahrgelegenheit wegen die Wallfahrt nach Mannheim mitmachen, bei dem Strnßennmzug selbst aber durch Abwesenheit glänzen könnte. In eindringlichen Worten iveist man deshalb in der klerikalen Presse lvie von de» Kanzeln herab auf die„heilige Pflicht jedes katholischen Mannes" hin, nach Kräften zum Gelingen der„großen katholischen Heerschau" bei- zutragen, um Mann für Mann sich beim Dcmonstrationszng zu' stellen.! Daß dieser einen gewaltigen Umfang annehmen wird, ist nicht' zu bezweifeln. Aber was nian klerikalerseits damit beweisen ivill, i ist schlechterdings nicht einzusehen. Daß es in Baden, Hessen, j Württemberg, der Rheinpfalz und in Elsaß-Lothringen ausgedehnter Gebietsteile gicbt, die heute noch vorwiegend unter klerikalem Ein») flnß stehen, das wußte man in erster Liiiie ans den Zahlentabellen � der Reichstagswahl-Ergcbnisse, auch ohnedies. EttvaS Neues, lieber-' raschendes, Unerwartetes kann dem vernünftig Denkenden die„katho- i tische Heerschan" in Mannheim also nicht bringen. Es müßte denn! fein, daß sie wieder einmal das hervorragende Organisations-! talent der Macher klerikaler Vcrniistaltungcn offenbart: und auch! darüber braucht man sich bei der Promptheit, mit der der hierarchische Apparat der katholischen Kirche sür das politische Centrum arbeitet,! nicht lvciter zu lvundcrn. Selbst wenn cS den Klerikalen gelingt, � auf Grund der erwähnten Mittel 20, 30, ja 50 Tausend Anhänger! in Dutzenden von Extrazügen nach Mannheim zur Parade des! Ccntrnms zu schleppen: der Eindruck dieser gekünstelten Veranstaltung! wird weit zurückbleiben hinter der gewaltigen Wirkung, die beispielS- i weise die socialistischen Maifest-Aufzüge in Stuttgart, München,! Leipzig, Hamburg mit ihren Zehntauscnden von Teilnehmern, oder. gar spontane socialistische Kundgebungen von der Bedeutung der! Berliner Begräbnisfeier Liebknechts auf jedermann, auch die uns politisch Fernstehenden, machen nrnßten. s Daß die badischen Behörden die Vorbereitnngcu zum! Katholikentag in jeder Weise begünstigten, ist angesichts der der- zeitigen politischen Lage des Landes nicht weiter zu verwundern.! Wir sind natürlich die letzten, die gegen die Gewährung selbst der: weitestgehenden Bewegungsfreiheit den Machern der schlvarzen Tagung! gegenüber auch nur das geringste einzuwenden haben: die cyiiische Offenheit aber, mit der nian ihnen und der socialdemokrntischeii. Arbeiterschaft von oben herab die Rechte nnt zweierlei Maß! zumißt, muß bei jedem rechtlich Denkenden Entrüstung hervorrufen. Während der derzeitige Polizeidirektor von Mannheim der politisch! und gelverkschaftlich organisierten Arbeiterschaft bisher jeden, � auch den bescheidensten öffentlichen Umzug auf's strengste unter- sagte, kommt man den klerikalen Ordnungsstützeu bei der Vera»- staltnng ihrer„Heerschan" auf jede nnr denkbare Weise entgegen. Es erscheint sogar die Vermutung gerechtfertigt, daß die Polizeibehörde auf die Inhaber der größeren Versammlungslokale Mannheims einen Druck in der Richtung ausgeübt hat, daß sie ihre Ränmlichkeiteu vor nnd während des Katholikentages zu etwaigen Gegen- demonstrationen nicht zur Verfügung stellen. Ebenso geschieht auch von feiten der staatlichen Eisenbahnverlvnlinng lvie seitens der Mannheimer Stadtbchördcn alles, nni sich den Veranstaltern der sonntäglichen„Sonnenfinsternis" gefällig und dienstbar zu erweisen; kurz: es zeigt sich hier auch ivicder, wie die Organe des KlassenstaateS die„Gleichheit aller vor dem Gesetz" ver- stehen und zu praktizieren entschlossen sind. Wenn die«große katholische Heerschan" in Mannheim außer dieser Thatsache noch etwas andres zeigen kann, so ist es vor allem das eine, daß es im Südwesten des Reiches noch weite Gebiete! giebt, in denen für die Partei des socialen Fortschrittes nnd der geistigen Ausklärnng noch gewaltig viel zu thun übrig ist. Und auch das haben wir freilich vorher schon gewußt.— Die„Not der Landwirtschaft" versucht man auch gern durch, den Hinlveis auf das Sinken der Domänenverträge zu be- lvcisen. Es ist aber wiederholt darauf hingewiesen worden, daß die nngünstigen Ergebnisse von Neuverpachtungen nicht selten darauf zurückgeführt werden müßten, daß dem Domänenpächter, lvenn er als Bieter fiir eine neue Pachtgeriode auftrete, keine Konkurrenz gegenüberstehe. Ueber die Vorgänge bei den Nenverpachtunaeii von Domänen erfährt die Oeffentlichkeit nur selten Näheres; jetzt liegt indessen in einem Berichte der„Magdeburger Zeitung" ein charakteristischer Fall vor. Bei der Nenvcrpachtung der im Land- kreise Halber st adt belegenen Domäne W c st e r e g e I n, die einen Flächcniiihalt von etwas über 470 Hektar hat, erschien als alleiniger Bieter der jetzige Pächter, Amtsrat Wahnschaffe, nnd bot, während er jetzt 40 000 Mark Pacht zahlt, nur 23 000 Mark pro Jahr. Die Regierung zu Magdeburg betrachtete dies nicht als ein annehmbares Gebot und setzte einen zlveiten Termin an. In diesem erschienen mehrere Mitbewerber, von denen einer bis 37 000, ein andrer bis 37 500 M. bot. Der jetzige Pächter Wahnschaffe gab nunmehr daS Höchstgebot, mit 38 000 M. ab, erkannte damit also an. daß er 10 000 M. mehr zu zahlen im stände sei, als sein Gebot im ersten Termin betrug. Wären im zlveiten Termin lvieder keine Mitbewerber erschienen, so lvürde Herr Wnhnschaffe ivohl die Verlängerung der Pachtung für eine Pachtsnmme von 28 000 M. erhalten haben. Dies lvürde für ihn während der 16jährigen Pacht- Periode einen Gewinn von 180 00» M. und für die Staatsfinanzen eine ebenso hohe Einbuße bedeutet haben, während die Agrarier Gelegenheit gehabt hätten, die Notlage der Landwirtschaft selbst in der Provinz Sachsen an einem eklatanten Beispiel demonstrieren zu können.— DaS Reichöfinanzclend. Nach dem Endabschluß der Neichshanptkafse für 1301 sind in diesem Jahre bei den Ueberschüssen aus früheren Jahren 84 000 M. mehr als veranschlagt, aufgekommen. Insgesamt konnten demnach 32 684 081 M. Uebersckmß der Reichskasse aus dem Jahre 1899 für die Deckung der Reichsausgaben zur Verwendung gelangen. Dieser Ueberschuß war der größte seit einer lange» Reihe von Jahren, er war aber auch vorläufig der letzte. ES liegt auf der Hand, daß, wenn solche Ueberschüsse auS den vorletzten Jahren zur Verfügung stehen, die Aufstellung der Reichshaus- Halts-Etats leichter ist, als wenn nicht nur keine vorhanden sind, sondern auch noch Fehlbeträge aus den zweitletzten Jahren gedeckt werden müssen. Schon im Etat für 1902 konnte in die Position der Ueberschüsse aus früheren Jahren nichts eingestellt werde», dagegen niußte ein Fehlbetrag von nahezu 2 Millionen Mark unter'die Ausgaben eingereiht werden. Für den ReichsbaushaltS- Etat auf 1903 verschlechtert sich taS Verhältnis weiter. Auch in ihm wird ein Ueberschuß bei den Einnahmen fehlen, da- gegen wird unter den Ausgaben ein Fehlbetrag von nicht weniger als 48�/e Millionen Mark erscheinen. Um zu ermessen, wie sehr sich die NeichSfinanzen innerhalb zweier Jahre verschlechtert haben, braucht man nur den Etat von 1901 und den von 1903 an dieser einzigen Stelle zu vergleichen. 1901 konnten 32,7 Millionen Einnahme aus dem Ueberschüsse von 1899 bei der Etatsaufstellung verwendet werden. Bei der Aufstellung für 1903, die gegenwärtig im Gange ist, muß als Ausgabe der Fehlbetrag von 1901 in Höhe von 48,4 Millionen Mark aufgeführt werden. Der Etat von 1903 wird sich demgemäß in diesem einzigen Punkte um nicht weniger als 80,1 Millionen Mark gegenüber dem von 1901 verschlechtern.'— Wie sich Kapitalisten um die Steuer drücke». Aus der Rheinprovinz, dem Sitz weitverzweigter Sippen eines schwerreichen Schloljunkertums und gleichzeitig auch dem Schauplatz zahlreicher mehr oder minder verschleierter Steuer-Defraudationen. wird dem »Reichsboten" geschrieben. „Wer in seiner amtlichen Stellung in die Lage kommt, alljähr- lich eine Anzahl Steuerlisten durchzusehen, wird dem Artikel in der Beilage zu Nummer 192 des„Reichsbote»" über„eine Lücke im Einkommensteuergesetz" recht geben müssen. Auch auS den industriellen Kreisen des Rheinlandes kann diese Erfahrung konstatiert werden. Es kommt in Zeiten wirtschaftlichen Niederganges viel- fach vor, daß die Inhaber großer Fabriken oder andrer industrieller Unternehmungen, die ein Vermögen von Hundert- taufenden besitzen, ja, in den guten Jahren Millionäre geworden sind, in einzelnen Jahren keinen Pfennig Ein- k o in m e n st e u e r bezahlen, weil der geschäftliche Durch- schnittsertrag der letzten drei Jahre eine Unterbilanz ergab. Natürlich wird die Lebe irs weise nicht im mindesten geändert, Eqnipagcn und Reitpferde werden weiter gehalten, Feste gefeiert, Badereisen unter- nomme»; aber Steuer wird nicht bezahlt, auch keine Kommunal- und Kirchensteuer. Der Buchhalter, der Comptoirist, der Fabrikarbeiter bezahlen ihre Steuer>vie zuvor; aber hinter dem Namen des„Herrn" steht in der Steuerliste ein Punkt<.) statt einer Zahl. Ob dies ganz dem Gesetz entsprechend ist (welches§ 6, 1, 2 Jahreseinkünfte aus Kapitalvermögen, ebenso den Mietslvert des eignen Hauses als stenerpflichtiges Jahreseinkommen bezeichnet), bleibe dahin gestellt; die Herren haben doch meist eine Anzahl Aktien, deren Coupons sie einlösen und leben doch nicht bloß vom Ertrag ihres Geschäfts. Aber Thatsache ist es, daß eine Anzahl sehr reicher Leute keine Einkommensteuer zahlen, wenn der Durchschnitt der drei letzten Jahre eine Unterbilanz ergicbt." Die rheinischen Industriellen, die sich dergestalt in Zeiten minder günstiger Konjunktur trotz ihrer Millionenvermögen um das lästige Steuerzahlcn drücken, sind die Verbündeten der Agrarier im Kampf um Hochschntzzölle. durch die dem Proletariat, das auch in Zeiten der üppigsten Hochkonjunktur nicht mehr erwirbt als zur nackten Lebensfristung eben hinreicht, die notwendigsten Verbrauchs- artikel unerhört vertheuert werden I— Kratzende Kaninchen. Die Hakatistenpresse zetert gar er- bärmlich darüber, daß schon wieder in der„Ostmark" mehrere bisher in dentschem Besitz befindliche Güter von beträchtlichcrem Umfange durch„deutsche Lässigkeit und Verräterei" in polnische Hände über- gegangen und in Parzellen an kleinere polnische Kolonisten ab- gegeben worden sind. Der Kauinchen-Krcuzzug vrrmittelst der Ansiedelungsmillionen, mit denen man mit Vorliebe verschuldeten deutschen Gutsbesitzern ihre Güter zu Luxnspreisen abkauft, bc- gegnet also der erfolgreichsten Gegenwehr.— DeS Dreschgrafen Dnellprozest. Ans Glogau wird berichtet: In Sachen Ivider Graf Pnckler und den Wirtschaftsinspektor Kirchner. beide ,'zu Klein-Tschirne, wegen Heransfordernug zum Zweikampf respektive Kartelltragens, steht' am 28. August Termin vor der Straf- kammer des königlichen Landgerichts Glogan an. Pückler hatte bekanntlich den 70jährigen Sanitätsrat Dr. Neumann, der ein gerichtliches Gutachten in seiner Feldbahnzerstörnngsangelegcnhcit abgegeben hat, auf Pistolen zu forder» versucht; sein Inspektor Kirchner hatte den Kartellträger gemacht.— Wegen Misthandlnng von Untergebenen in sechs Fälle» sowie wegen Mißbrauchs der Dienstgewalt lvar der Unteroffizier Ihlow der 3. Compagnie des 87. Infanterie-Regiments in Mainz vom Kriegsgericht zu der recht gelinden Strafe von 6 Woche» Mittel- arrest verurteilt ivorden. Er hatte sich aber bei diesem Urteil nicht beruhigt, behauptete vielmehr, die betreffenden Musketiere hätten sich verabredet, um ihn hereinzulegen, und so kam die Sache vor das Ober-Kriegsgericht. Dabei ergab sich folgender Thatbestand. Am Iii. April übte die Compagnie ans dem Großen Sande Rottenmarsch, und verschiedene Rotte» wnrden vom Hauptmann zurückgeschickt, iveil sie nicht richtig Tritt gehalten hatten; init ihnen die Flügel- Unteroffiziere. Darüber ärgerte sich Ihlow und stieß die Soldaten mit den: Gewehr oder trat nach ihnen. Den Muskerier Fischbach trat er so heftig mit dem Absatz auf den Fuß, daß dieser vor Schmerz weinte und nicht mehr auftreten konnte. Als er beim Heimmarsch hinkte, drohte ihm der Unteroffizier»och, er werde ihn schon kriegen und nachexerzieren lassen. Nachher stellte sich heraus, daß der Musketier einen Bruch des Mittel- fußknochens erlitten hatte, an>v eichen, er acht Wochen lang im Lazarett daniederlag. Hier besuchte ihn Ihlow zweimal und versuchte ihn zu bestimmen, daß er aus- sagen solle, er habe sich den �uß beim Marschieren ver- staucht. Einem Musketier Opitz, den er mit dem Ge- wehr gestoßen hatte, be st eilte er auf seine Stube, damit er ihm den Helm putze. Als der Musketier kam, gab es nichts zu putzen, aber der Unteroffizier sagte zu ihm:„Wenn Sie mich melde», dann melde ich Sie auch." Der Soldat war nämlich nach dem Einrücken ohne Erlaubnis in die Stadt ge- laufen, um seinen Eltern zu erzählen, wie er von den« Unteroffizier mißhandelt worden war. Ein dritter Musketier entging nur dadurch, daß er rasch zurücksprang, einem heftigen Stoße mit dem Gewehr. Die? und noch ver- {chiedeneS andre wurde durch eine ganze Reihe einwands- reier Soff baten festgestellt. Trotzdem blieb der Unter- offizier auch vor dem Ober-Kriegsgericht dabei, daß er keinen seiner UM-"-gebenen absichtlich gestoßen oder getreten habe. Dieses aber erhöhte, da auch der Gerichtsherr Berufung eingelegt hatte, die Strafe auf vier Monate Gefängnis und sah nur deshalb von der beantragten Degradation ab, weil der Angeklagte sich bis- her gut geführt und die That in einer gewiffen durch den Dienst verursachten Erregung begangen habe.— Ausland. Der dcutsch-östrcichische Parteitag. Aus Wien wird nnS geschrieben: Es war ein normaler Parteitag, den die deutschen Genoffen in Aussig absolviert haben. Ohne aufregende Zwischenfälle, ohne sensationelle Debatten, aber ein Stück tüchttger und redlicher Arbeit. Den größten Raum»ahm die Debatte über die Parteitaktik ein. und sie war auch für die Psychologie der östreichischen Arbeiterschaft am lehrreichsten. Die lange Entfernung vom Parlament hat auf die östreichische Arbeiterklasse stark eingewirkt: einesteils als Vorteil, in- dem sie ihr die Fähigkeit zur Leidenschaft bewahrte, die Bereitschaft zu Aktionen, die in Oestreich, dem Lande, Ivo man sich eigentlich nur vor Skandalen fürchtet, auch heute nicht entbehrt werden können; andernteils als Nachteil. indem sie ihr erschwert, die nüchterne Abwägung deS im Augenblick Möglichen vor- zunehme«. Das ist besonders drastisch auf diesem Parteitage hervorgetreten, wo allen Ernstes Stimmen laut geworden sind, die verlangten, die zehn Mann starke socialdemokratische Fraktion möge den Ausgleich„verhindern", das Parlament„zertrümmern"— als ob es möglich wäre, daß zehn Leute eine», Parlament, und sei dieses selbst das zerrissene östreichische Abgeordnetenhaus, ihren Willen aufzwingen könnten! Daß die socialdemokratische» Ab- geordneten volksfeindliche Gesetze oder Mißgriffe der Verwaltung mit dem stärksten Nachdruck bekämpfen, erscheint manchem als nicht genügend: es sollte nicht bloß geredet werden, sondern es soll noch andres„geschehen". Dieser Gedankengang ist ein Niederschlag der obstruktionistischen Zeiten; da die normalen Gesetze des Paria- mentarismus in Oestreich so lange aufgehoben waren, so gewöhnen sich die Menschen— und zwar in allen Parteien— nur schwer an die Vorstellung, daß im Parlament schließlich doch das Gesetz der M e h r h e i t herrschend sei und die Obstruktion, die Aufhebung dieses Gesetzes, nur eine Ansnahmswaffe für Ausnahms- zeiten ist. Die Stellung der Partei mußte sich aber auch in dem Augenblick verschieben, wo der Schwerpunkt ihres Handelns ins Parlament— und in die übrigen Vertretungskörper— verlegt wird. Nicht als ob die Zeit der„Argumente von der Straße" auch in Oestreich endgültig vorüber wäre; aber ihre Notwendigkeit wird immer seltener und auSnahmsweiser; der Volkswille brandet eben nicht mehr allein draußen, sondern er hat auch seinen starken und lebendigen Ausdruck im Parlamente. Dieser EntwickelungSprozeß ist im Augenblick der östreichischen Arbeiterschaft deutlich anzumerken. Diese Arbeiterschaft ist tüchtig, ja bewundemngswnrdig in den, Momente, wo hochgespannte Leidenschaft vonnöten ist, aber sie ver- sagt leider sehr stark bei der nüchternen Werktagsarbeit. Der Redner aus Nordböhnien, der mit einem Anflug von Naivität gemeint hat, die Partei wisse nicht, was sie jetzt„machen" solle, hat diesen Wider- spruch recht deutlich herausgebracht. Wir haben in Böhmen alle Mandate verloren, besitzen in diesem industriereichen Lande noch kein Tageblatt, und man ist in Verlegenheit, was man„machen" solle! Arbeiten— ruhig, nüchtern, unermüdlich arbeiten! Zu dieser geräuschlosen Agitationsarbeit muß die östreichische Arbeiterschaft an vielen Punkten erst erzogen werden. Dieser Entwicklungsprozeß wird sich rascher vollziehen, da die eigentliche politische Arbeit immer mehr der Fraktion anheimfallen wird. Daran fehle eS schon heute nicht; die zehn Mann, die ihre Thätigkeit unter den denkbar schwierigsten Umständen begonnen haben, haben der Socialdemokratie in Oestreich ein Maß von Einfluß und Ansehen verschafft, das nicht von der quantitativen Bürde der Fraktion, sondern wirklich mir von der qualitativen Leistungsfähigkeit der Abgeordneten ausgeht. Man kann darüber nicht genug rühmende Worte sprechen, und der Parteitag hat sehr wohl daran gethan, daß er der Fraktion seine uneingeschränkte Anerkennung ausgesprochen hat. deren Wert durch die kritischen Einwürfe nicht gemindert, sondern gesteigert wird. Nicht ohne Interesse war die nationale Debatte, die sich an den Antrag der Wiener Lokalorganisation knüpfte, die deutschen Parteitage unter Umständen ausfallen zu lassen. Darauf erwiderte P e r n e r- storfcr, dieser Antrag verrate einen Mangel an Selbstbewußtsein; die Socialdemokraten andrer Nationalitäten wären nicht so rasch bereit, die Kongresse ihrer Nation aufzugeben, und es zieme dies am wenigsten den deutschen Genossen, deren Organisation in Oest- reich die größte und älteste ist. Wenn diese Beinerkimg de» Sin» hätte, daß die Antragsteller eine antinationale Demonstration verüben wollten, so wäre sie sicherlich falsch; dem Antrage lagen nur Zweck- mäßigkeitöerwügnngen zu Grunde. Aber insofern sie ausdrückt, daß ein gesteigertes Selbstbewußtsein ihn hätte nicht auskommen lassen, ist ihr eine gewisse Berechtigung nicht abzusprechen. Es ist auch gar kein Unglück, wenn das, was Pernersiorfcr sagt, einmal überflüssiger- weise gesagt wird; zutreffend bleibt es trotzdem. Es ist nun einmal so, daß in Oestreich die internationale Gesinnung kein bloß theoretisches Er- wägen ist, sondern unter Umständen jedmi Volke schwere Opfer auf- erlegt. Daß ihr Untergrund da« Bewußtsein nationaler Zusammen- geHörigkeit ist, ist ein Bestandteil unsres Brünner Programms, und ivcnn Pernerstorscr von diesem„Untergrund" wärmer redet, als es sonst üblich ist. so hält er damit den Parteigenossen die Schwierig- leiten, die aus der nationalen Verschiedenheit entspringen, nur gegen- wärtig. In« übrigen war ja ans den« Berichte über die Verhänd- lunge» des Parteitages deutlich zu erkennen, daß die einheitliche Ge- schlossenheit der östreichischen Socialdemokratie nicht im geringsten getrübt ist. In seiner ruhigen Sachlichkeit n, achte der Anssiger Parteitag den besten Eindruck. Schweiz. Der Gcwaltstreich des Züricher KgntonSrateS. Zürich, 21. August. sEig. Ber.) Die bürgerliche Presse hat mir Ausnahme der„Züricher Post" »och nicht den traurige» Mut gefunden, die politische Gaunerei des Züricher KantonSrates zu besprechen. Schämt man sich nachträglich der traurigen Rolle, de« perfiden, gewalithätigen RechtsbrnchcS, den man aus Parteihaß gegen die Socialdemokratie begangen hat? Oder hält man es für überflüssig, in der Presse noch eine Rechtfertigung der brutalen Vergewaltigung der socialdemokratische» Minderheit zu versuchen und freut sich ungetrübt seiner niederträchtige» Heldenthat? Die einzig sprechende„Zur. Post", deren Redactenr Dr. Wettstei» den Mut und das RechtSgeftthl besaß, den Staatsstreich nicht mitzumachen und dagegen zu stimmen, verurteilt in Ucbercinstiminung mit dem ausgezeichneten Juristen Oberrichter Lang und der ganzen Social- demokratie die Kassation als eine» RechtSbruch, der zu bösen Folgen führen muß. Und der RechtSbruch ist unverhüNt. schamlos begangen worden. Um ihn zu würdigen, sei zunächst darauf hingewiesen, daß die viergliedrige Mehrheit der Wahlakten- Prüfungskommission besteht aus: Obrnichter Dr. Stränli, Gerichtspräsident Burler, Bezirksrichter Ottiker und Statthalter (Landrat) Wälder, also ans Männer», deren erste Pflicht die Wahrung und Hochhaltung von Verfassung und Gesetz sein müßte. Statt dessen erklärten sie in ihrem Berichte und die Burler und Ottiker im KantonSrat, daß ernstlich kein Grund vorliegt, die Wahlen zu kassieren, aber—„wir verlassen den Rechtsboden und st eilen unS auf den Boden der Moral" und diese„Moral" hat dann dnS Recht erschlagen, eiiie saubere Moral! Richtig hätte der betreffende Redner, Bezirksrichter Ottiker, sogen müssen: wir Verlaffen den Bode» des Rechts und stellen uns auf den Boden der Gewalt— wir haben die Macht und gebrauchen sie, wie wir wollen! Dadurch hat dieser Kantonsrat bewiesen, daß er zu jeder Schandthat fähig ist und daß er ebenso bereit wäre, ein Ausnahmegesetz ä la deutsches Socialisten« gesctz zu beschließen, wie er die 27 KantonsratSwahlen kassiert hat. Von den vielen Thatsachen, die von socialdemokratischer Seite zur Jllustrierung der Wahlmoral der Bürgerlichen angeführt wurden, sei nur folgende erwähnt. Bei den Wahlen«m Jahre 1896 behielt ein Fnhrhalter in« Kreise Außersihl die Stiminzettel seiner 10 Knechte bis am Wahlsonntag mittag» 1 Uhr zurück, um dann den noch ungewaschenen und nicht sonntägig geNeideten Leuten die Frage vorzulegen, ob sie noch wählen gehen wollen. Da«im IV» Uhr die Urne geschlossen wird, mußten die Leute erklären, daß das nicht mehr möglich fei.«Nun dann werde ich, wenn es Euch recht ist. Eure Stimmen zur Urne befördern," wogegen die Leute nicht zu opponieren wagten. So erhielt der bürgerliche Kandidat die 10 proletarischen Stimmen dieser Knechte. Und solche Wahlganne! erstechen sich, von«reinen Wahlsitten", von„Wahlmoral" zu rcdenr Am Dienstagabend hielten unsre Außersihler Genosse» nach der bewährten Taktik, das Eisen zu schmieden, so lange es warm ist,«mter freiein Himmel eine von 5000 empörten Arbeitern besuchte P r o t e st- V e r s a n« m l n n g ab, in der die Genossen Greulich, Seidel und Pfliigcr den Gewaltstreich und die elende Moralheuchelei deS KantonSrates brandmarkten und mit empörten Gefühlen gegen die Zertrctnng des des Rechts protestierten. Mit stürmischer Begeisterung stimmten die Massen in das Hoch der Redner auf die Socialdemokratie ein. Vom Präsidenten der schweizerischen socialdemokratische» Partei, Genossen Albisser in Luzern, war folgendes Begrüßungstelegranm« eingelaufen: „Vorwärts zu neuem Kmnpf und neuem Sieg mit Herweghs Worten: Wir haben lang genug geliebt, wir wollen endlich hassen!" Eine Protestresolution fand schließlich einstimmige Annahme. Der Vorstand der kantonalen socialdeinokratischen Partei beruft auf nächsten Sonntag in den ver- schiedenen Teilen des Kantons 6 P r o t e st v e r s a in m l u n g e n ein. Die nächsten Wahlen finden am 31. Aug» st statt, was durchaus zu begrüßen ist, bleibt doch bis dahin der frische Ein- druck, den das kantonsrätliche Attentat auf die Außersihler Arbeiter hervorgerufen hat, ungeschwächt erhalten und so seine volle Wirkung gesichert. Frankreich. Zum Knlttirkainpf. Die klerikale Presse behauptet, daß infolge der Schließung der Kongrcgationsschulen nicht weniger als 130 000 Kinder zu Beginn des kommenden Schuljahres den Unterricht würden entbehren müssen, wenn die Regierung sich nicht szu einer gerechteren Anwendung des Kongregationsgesetzes herbeiließe. Die Behauptungen sind nicht richtig, aber selbst wenn sie richtig wäre», hätten die Klerikalen wie anderwärts auch in Frankreich am wenigsten Ursache, über eine solche momentane Kalamität zu klagen. War es doch der protestantische Unterrichtsminister Waddington, dem die französische Volksschule ihre Fortschritte zu verdanken hat. Und wurde doch erst 1882 der allgemeine Schul- zwang eingeführt! Der französische Klerus bemühte sich um die Schulbildung nur insoweit, als er dadurch die Jugend in seinem Geiste beeinflussen zu können hoffte.— Der Marinelieutenant de la Motte ist seines Amtes enthoben worden, weil er an den Kundgebungen gegen die Regierung anläßlich der Schließung der Ordensschulcn teilgenommen hatte.— England. London, 22. August. Förster, welcher sich infolge seiner Berufung in das Ministerin», einer Neuwahl für d a s U u t e r- Haus unterziehen mußte, wurde mit S333 Stimmen gegen den liberalen Kandidaten Morice. der 4442 erhielt, wiedergewählt. Lei den letzten Wahlen waren für den Negierungskandidaten 4812 Stimmen abgegeben worden.— Anerika. Ein Achtundvierziger � i«: der Person des amerikanischen Generals Franz Sigel verstorben. Sigel war einer der Führer der badischcn Revolutiö» von 1849. Nach der Niederlage der Er- Hebung flüchtete er»ach der Schweiz«nid von da nach den Ver- einigten Staaten. Hier beteiligte er sich an« Bürgerkrieg auf seiteil der Nordstaaten«nid wurde General einer deutschen Freiwilligen- Legion. Der amerikanische Kongreß bewilligte ihm für seine Dienste eine Pension. Seit seinem Ausscheiden ans dem Heere widmete sich Sigel dem Jonrnalistenberufe, und hat eine Geschichte der Revolution von 1843 geschrieben, die gegenwärtig in Deutschland gedruckt wird. Sigel hat'ein Alter von 78 Jahren erreicht.— Die von der internationalen socialistischen Zusammenkunft in Vascl gegen die Greuelthaten des russische» Despotismus be- schlossene Protestresolution, die wir in unsrem Bericht bereits erwähnten, hat folgenden Wortlaut:„Die heute am 17. August 1902 auf den« Kaserueuplatz in Basel stattfindende, von ca. 3000 Personen besuchte Zusanmrenkunst iutcruationaler Socialisten protestiert im Namen der Menschenrechte auf das allcrcntschicdenste gegen die scheußlichen Brutalitäten und Schandthateu des zarischen Regiinents und russischer Polizeiivillkür gegenüber den russischen FreiheitS- kämpfen«.— Tief entrüstet über die Greuelthaten zarischer Kreaturen, versichert die Versammlung das russische Proletariat ihrer auf- richtigsten Sympathie und Solidarität, fordert es auf zu unentwegtem Ausharren in, ernsten Kampfe, überzeugt, daß ihm und dem Socialismus der endliche Sieg gehören wird zum Segen der ge- samten Menschheit."— Polilviliche», Gerichtliches usw. — Zu 2VV M. Geldstrafe wurde der Genosse S ch ö p f l i n verurteilt, der jetzt Redactenr des neuen Parteiblattes für das Muldethal ist. Als verantwortlicher Redactenr der„Volksstimme" in Chemnitz hatte er eine Notiz aufgenommen, durch die Ritterguts- besitzer v. Einsiedel in Scharfeustcin beleidigt worden sein soll. Es war behauptet worden, Einsiedel habe seinen Diener auf der Straße geschlagen, waS sich jedoch als unwahr herausstellte. In der Urteilsbegründung erklärte der Vorsitzende, man habe bei Ansniessung der Strafe in Betracht gezogen, daß die Beleidigung gröblich sei und die Notiz in einer Arbeiterzeitung gestanden habe, offenbar in der Absicht, einen Adeligen in der öffentlichen Achtung herabzusetzen. Andrerseits habe man annehmen müssen, daß der Augeklagte von der Wahrheit der Notiz überzeugt gewesen sei, und daß in der Form der Notiz keine Beleidigung erblickt werden könne. — Daö Arbcitcrsekrctariat in Vochnm sollte als Gewerbe- betrieb behandelt werden. Wegen Richtanmelduna war der Arbeiter» sekretär Genosse Wolf angeklagt. Aus Autrag deS Staatsanwalts erkannte das Gericht auf Freisprechung. Die Beeliuer Parteivevsammlnugen, beziehungsweise die Generalversammlungen der Wahlvereine, die ain Donnerstagabeud abgehalten wurden, kamen zunächst einer Pflicht der Pietät nach. Man gedachte des plötzlichen Ablebens unsres alten Parteiveteranen ThedorMetzner, widmete ihm warm empfundene Worte des Nachrufes und ehrte sein Andenken durch Erheben von den Plätzen, lieber den weiteren Verlauf der Versammlungen gingen uns die nachfolgenden Berichte zn: Erster Wahlkreis. Die Parteiversammlung des ersten Berliner ReichStags-Wahl- kreiseS tagte in Dräsels Saal. M a n a s s e erläuterte kurz die Tagesordnung der Brandenburger Provinzial-Kouferenz. Anträge hierzu wurden nicht gestellt. Nach erfolgter Delegierteuwahl gab O p p c l einen kleinen Ucberblick über die Tagesordnung des Münchcncr Parteitags und bemerkte, daß auch hierzu seitens der Kreisleitung keine Anträge vorlägen. Dagegen ging vom Genossen M ü n z e r der Antrag ein, den Parteitag zu' ersuchen, als VerhandlungSgegenstaud auf die Tagesordnung des nächstjährigen Parteitages zu setzen: „Mutz die Socialdemokratie zur Alkoholsrage Stellung nehme»?" Nachdem Müuzer diesen Autrag begründet hatte, stellte und begründete T ä t e r o w einen Autrag auf Uebergaug zur Tagesordnung; letzterer wurde init Majorität angenomincn. Damit erledigte sich auch gleich- zeitig folgende von Münzer befürwortete Resolirtion: „Der Parteitag wolle der Parteiprcsse empfchlen, der Alkoholfrage mehr als bisher ihre Aufmerksamkeit zuzuwenden und beständig in geeigneter Weise auf die Gefährlichkeit des Alkoholismus für die klassenbeivußte Arbeiterschaft hinzuweisen." Anknüpfend au den von Oppel besprochenen Bericht des Partei- Vorstandes verwahrt Glas die polnischen Genoffen gegen den Vor- wurf, nationale Sondcrbcstrebuugcn zn verfolgen. Er hält es aber ö gut wie sicher, daß drei oberschlestsche Wahlkreise für die Partei gewonnen werden, wenn die von der polnischen Konferenz nomi- nierten Kandidaten ohne Widerspruch der deutschen Genosse» dort aiir Aufstelluiisi nelmificn. Im Anschluß hieran wünscht er, die ver« sammlnng möjie die Delegierten anweiscn, in seinein Sinne auf dem Parteitag zu votieren. Oppel, Täterow und Manasse antworteten dem Genossen Glas, indem sie es für richtiger halten, wenn den Delegierten auch in dieser Frage freie Hand gelassen wird. Ein Be schlug wurde nicht gefaßt. Zweiter Wahlkreis. Aus der Diskussion heben wir hervor, daß der Antrag an Verbot von Wahlbündnissen und Stimmenthaltung bei den Stich tvahlen von Genossen R e i m a n n mit der elenden verräterischen Haltung, welche die Freisinnigen bei alle» Gelegenheiten gezeigt, begründet wurde. In demselben Sinne sprach auch G r o h m a n n. Die Genossen WolderSki, Donath und Richard Fischer führten dagegen aus, daß wir uns doch darüber nicht wundern dürfen, daß bei Stichwahlen die Freisinnigen gegen uns stimmen, die Konservativen stehen ihnen thatsächlich näher. Wir haben bisher für den Freisinnigen gestimmt, nicht seinetwegen, sondern unsertwegen. Sicherlich können auch Situationen ein- treten, in denen wir anders verfahren; aber durch Beschlüsse uns au auf alle Fälle festlegen dürfen wir nicht. Der Antrag und die Resolution betreffs der Alkoholfrage Ivurde von Fülle begründet mit dem Hinweis auf die verheerenden Wirkungen des Alkoholisnius, der man durch Aufklärnng entgegen. wirken könne und müsse. Demgegenüber führte namentlich Genosse Fischer aus, daß der Parteitag zu gut dazu sei, um so selbst- verständliche Dinge zn besprechen, daß zu viel Saufen schädlich sei auch könne derselbe nicht berufen sein, die medizinische Seite der Frage zu erörtern, er könne sich nur mit der socialen Seite der Frage. mit den socialen Ursachen des Alkoholismns beschäftigen Diese seien allgemeiner Natur und nicht getrennt unter Alkoholfcage zu behandeln; noch schlimmer wüte z. B. die Schwindsucht, deren sociale Ursachen dieselben seien. Das Resultat der Abstimmung ist bereits mitgeteilt. Wir tragen noch nach, daß einstimmig folgende Resolution Annahnie fand: „Die Versammlung spricht ans, cS ist Pflicht eines jeden Partei genossen, das Unternehmen der Parteigenossen des 2. Berliner Reichstags-Wahlkreises, die Parteispedi tion, zu unterstützen und mit aller Kraft für das Gedeihen der für die Allgemeinheit aus agitatorischen und finanziellen Gründen geschaffenen Einrichtung zu agitieren." Dritter Wahlkreis. Die Versammlung für den dritte» Wahlkreis tagte in der Berliner Ressource, Konnnandantenstr. 57. Der erste Punkt der Tagesordnung:„Die Brandenburger Provinzialkonferenz", wurde ohne wesentliche Debatte erledigt. Die Delegierten wurden beauftragt, dahin zu wirken, daß die Prövinziab konferenzen innner 4 Wochen vor dem allgenieinen Parteitage statt. finden, damit die Berichterstattung Über die Verhandlungen des Provinzialtages in der Versammlung erfolgen kann, die zum Partei- tage Stellung nimmt. Die Stclluiignahnie zum Parteitag in München erfolgte in der Weise, daß der Vorsitzende Hoch jeden Punkt der Tagesordnung des Kongresses zur Diskussion stellte. Beim Bericht über die parlamentarische Thätigkeit bemerkte W. Heine, der Genosse Parvus we.rde vermutlich, wie schon in eincin Cirknlar, auch auf dem Parteitage der socialdemokiatischen Fraktion einen Vorwurf daraus machen, daß sie nicht mehr von der Regierung eine Vorlage über sofortige Einführung des gesetz. licheu Achtstundentages verlange, sondern die Forderung einer nach und nach vorzunchmcnden gesetzlichen Verminderung der Arbeitszeit, mit dem Ziel des Achlstnndcntagcs, an die Regierung richten wolle. Redner ist mit Bebel der Meinung, daß dieses Vorgehen der Fraktion praklischcr sei, wie das frühere, wo man alljährlich einfach die Einführung dcS Achtstundentages gefordert habe Punkts:„Die bevorstehenden Reichötagswahle», verantaßtcn den Genossen Protz zu einem Hinweis auf die schädlichen social. deinolratischen Gegenkandidaturen a la Solingen, denen vorgebeugt lverdeu müßte. W. Heine betonte, daß der Parteivorstand es nicht vcr- hindern könne, wenn dielGenossen in eincin Bezirk sich in zwei Gruppen spalteten. Redner wandte sich dann gegen den von einem Kreise gestellten Antrag, nirgends bei Stichwahlen für die Freisimitgcn einzutreten. So schäbig sich der Freisinn benommen habe, lünne ein solcher allgemeiner Grundsatz doch nicht aufgestellt werde» da man damit eventuell ins eigne, Fleisch schnitte.' Allerdings sei auch er dafür, daß man den Freisinnigen, namentlich denen Nichlerscher Observanz, gelegentlich mal gründlich die Zähne zeige.— L i g o tz k y niachte ans die Gefahr animerksai», die die polnischen Genossen in Oberschlesien durch Aufstellung selbständiger Reichstags- Kandidaten geschaffen haben.— W. Heine empfiehlt, besondere polnische Tele- gierte, falls solche zum Parteitage tänien, mir DiSknssionsrccht zu- zulassen, um die augenblickliche Situation nicht nocb zn verschärfen. Dem schloffen sich Ligotzty und andre au.— B. Maaß ging gleich Heine auf die Ursachen des„Polcnkonflikts" ein und erwiderte auf Ligotzkhs Verlangen einer Klärung der Verhältnisse durch den Parteitag, daß der Parteitag die Sache einer Kommission überweisen und im Plenum sich nur kurz damit befassen möge. Die polnischen Genossen müßten sich fügen, müßten an den Corpsgeist der deutschen Partei gewöhnt werden.— Heine warnte davor, bei jedem dritten Wort von„Disciplin" zu sprechen. Die Schuld werde hier bei den leitenden Personen beider Richtungen liegen. Es komme vor allem darauf an, den polnischen Arbeitern zu zelgcn, daß man sie nicht verantwortlich machen wolle für das. was ihre Zeitung geschrieben und ihre Führer gelhan hätten.— Ein andrer öteduer verlangte ein scharfes Vorgehen gegen die, die einen Keil in die Bewegung treiben ivollten. Ein Antrag, der die Sonderkandidaturen der polnischen social demokratischen Partei verwirft, wurde angenommen. Die im„Vorwärts" veröffentlichten Anträge, auf die Tages- orduiuig zu setzen:„Die Wahlrechtslämpfe in den einzelnen Staaten' und„Das Centrum", riefen eine Debatte hervor, in der Cohn be merkte, besonders wichtig und notwendig sei die Erörterung der Arbeitslosenversichernng. lieber sie bestehe in der Partei keine gc- nügende Klärung. Ganz energisch protestieren müsse' er gegen den in einem„VorivKrts"-Artikel von H. W., vermutlich Heinrich Wetzker, gemachten Vorschlag, die Arbeitslosen könnten eventuell die Armeiinnterstützmig in Anspruch nehmen.— In eincin Autrage sprach sich die Versaninilung dahin ans, daß Aeildernngen der Punkte 5 und 6 der vom Parteivorstand aufgestellten Tages- ordnnng nicht vorgenonnuen werden sollen. Genosse Heine äußerte sich schließlich noch zn der in Aussicht stehenden Erörterung der Frage einer Programmänderung, die er zur Zeit für überflüssig und unthunlich hält. Ein Antrag an den Parteitag, den Preis des„Neue Welt-Kalendcrs" ans 30 Pf. herab- zusetzen, wurde angenonunen. Vierter Wahlkreis. Die Parteigenossen des vierten Wahlkreises tagten in der „Urania", Wrnngelstraße. lieber die Brandenburger Konferenz referierte Genosse I ö ch e l. Er berichtete über die Thätigkeit der Agitationskommission für die Provinz Brandenburg und verwies darauf, daß in der Provinz ohne Berlin über 282 OlX) Unterschriften mit Berlin über 813 000 Unterschriften gegen den Zolllvucher aufgebracht worden sind. Kalender lvnrden 208 000 verbreitet, obwohl der Wahlkreis Frankfurt die Verbreitung angeblich des beigefügten Inseratenteils ivcgen abgelehnt halte. In sämtlichen Kreisen der Provinz mit Ausnahme des Sternberger und des durch den Tod deS Genossen Metzner freigewordenen Kreises SchwiebnS sind bereits die Kandidaten für den Reichstag aufgestellt. Der Redner bemängelte da» Verhalten der Bauhandlverker in der Provinz, die nach den Erfahrungen der Kommission die politische Bewegung vielfach nicht genügend unterstützen, ja sogar teilweise der Partei Schwierigkeiten bereiten. Nach einer kurzen Diskussion, in der Genosse K. S ch o l z das Vorgehen des Frankfurter KreifeS bei der Aufstellung dcS Reichstag»- Kandidaten kritisierte, wurden die Delegierten zur Brandenburger Konferenz gelvählt. In der Diskussion über den Parteitag in München empfiehlt Genosse Brückner die Aenderung der Tagesordnung desselben in dem Sinne, wie sie vom„Vorwärts" in Vorschlag gebracht ist, niit dein Hinweis, daß eine eingehende Erörterung über da? Centruin unbedingt notwendig, während die Frage der Arbeits- losen-Bersicherimg bereits vom vierten Geivertichosiskongreß ab- schließend behandelt wurde und sich der Parteitag auch auf leinen andern Standpunkt, als den der Kongreß eingenommen habe, stellen tonne.— Vom Genosse» Löwe wurde folgender Antrag eingebracht und begründet:„Die Abgeordneten der Partei werden ersucht, im Reichstage und in den' Landtagen Anträge zu stellen auf die Einführung der achtstündigen Arbeitszeit für samtliche Staats- betriebe und dieselben eingehend zu begründen". Dieser Antrag wurde angenommen. Genosse S t u m p e unterbreitete nachstehenden Antrag:„Der Parteitag möge beschließen: In unserm Partei-Organ. dem„Vorwärts" ein Fremdwörterverzeichnis ein« zurichten, um in manchen wichtigen Fragen ein leichtere» Verständnis für die Leser zu erzielen." Auch dieser Antrag wurde, nachdem der- selbe vom Genossen Stumpe ausführlich degründet und von den Genoffen Thäder, Peter und andren Rednern befürwortet war, angenommen. Hingegen lvnrde ein Antrag des Genossen K. Schmidt, welcher verlangt, daß die Einführung einer Einheitssprache als Progranimpunkt der Partei aufgestellt werden soll, abgelehnt. Hierauf Ivurden die Delegierten zum Parteitag gewählt. Fünfter Wahlkreis. Die Generalversammlung des WahlvereinS im Schiitzeiihause in der Linienstraße war gut besucht. In seinem Referat zur Brau den burger Konferenz wieS K o tz k e zunächst auf die Bedeutung der bevorstehenden Reichstags- wählen hin. Ferner erwähnte der Redner die LandtagSwahlen und den Punkt„Arbeiterversicherung", wobei auch die Frage der Koalitionsfreiheit der Landarbeiter zur Sprache kommen müsse, und äußerte zum Schluß, daß für bessere Verbreitung unsrer Provinz- presse gesorgt werden müsse.— Diskusston fand hierüber nicht statt. Auf Vorschlag des Vorstandes und der Vertrauensmänner wurde beschlossen, drei Delegierte zum Kongreß zu senden. Iii seinem Referat zum München er Parteitag hob Wels zunächst hervor, daß der Parteitag diesmal nicht theoretischen Erörterungen gewidmet sei. sondern sehr fruchtbringende Arbeit vor sich habe. Mit dem Vorschlage des„Vorwärts", die Punkte ..Centrum" und„WahlrechtSkämpfe in den Einzelstaaten" auf die Tagesordnung zn setze», ist der Ltedner einverstanden. Der Punkt „Kommunalpolitik" könne dafür eventuell gestrichen lverden. Auf den Punkt.Arbeiterversicherung" könne dagegen nicht vernichtet werden"), dieser sei vor allem für die gewerkschaftlich organisierten Arbeiter außerordentlich wichtig. Bezüglich der Maifeier wünscht der Redner, daß dieser Punkt etwas gründlicher als gewöhnlich be- sprochcn werde und die Partei zu einer andern Stellungnahme als bisher lommen möge. Darauf wurden von Frankel eine Resolution:„der Parteitag solle der Parteipresse empfehlen, der Alkohol frage mehr Auf- merksamkeil zn ividine»", und ein Antrag:„der Parteiuorstand solle die Alkoholfrage auf die Tagesordnung des nächstjährigen Parteitags setzen", eingebracht und vearündct. Hiera» knüpften sich lcbhafle Auseinandersetzungen. Friedländer erklärte, daß es keinen Soeialdeinokraten gäbe, der nicht der Ucberzcugung sei, daß die Schnapssenche bekämpft werden müsse; die Sache gehöre aber nicht auf den Parteitag; Wels meinte, daß in der Parteipress« oft genug auf die Schädlichkeit des Alkoholisnius hingewiesen werde. D a v i d s o h n trat für die Anträge Frankels ein. Beide Anträge ivurden schließlich gegen mehrere Stimmen ab» gelehnt.— lieber die Anregung von Wels in Bezug ans die Maifeier wurde unter Hinweis auf die Zweckmäßigkeit des be- stehende» Parteibeschlusses zur Tagesordnung übergegangen.— Ein von Friedländer eingebrachter Antrag: Der Parteitag solle die ReichstagS-Fraltion beauftragen, einen Initiativantrag auf Einführung dcS A ch t st n n d e n t a g e s für alle Arbeiter einzubringen, wurde angenommen.' Der Vorschlag, daß die Punkte„Centrum" n n d„W a h l r e ch t s k ä m p f e in den E i n z e l st a a t e n" auf die Tagesordnung dcS Parteitags kommen sollen und der Punkt„Kommiinalpolitik" eventuell wegfallen soll wurde angenommen: hinsichtlich der„Arbeiterverstchening wurde jedoch von mehreren Rednern erklärt, daß dieser Punkt u»- bedingt zur Verhandlung kommen müsse. Eine kurze Debatte entspann sich dann noch über die Zahl der zum Partcilag zu entscndcndeu Delegierte». Mit großer Majorität wurde schließlich der Vorschlag des Vorstandes und der Vertrauens- männer, zwei Delegierte nach München zu schicken, angenommen. Sechster Wahlkreis. Die Verfammlnng de» sechsten WahlvereinS tagte im Elablissement „Gerinania-Säle" und war sehr stark besucht. Zur Brandenburger Parteikonferenz gab Kiesel eine kurze Einleitung, an diy sich eine Diskussion nicht anschloß. Auch wurden keine Anträge gestellt. Da« gegen entspinnt sich eine sehr lcbhafle Debatte über eine geschäflS ordnungsmäßige Anfrage de« Genossen P h i l i p p s o h n, die dahin ging, daß die BezlrtSsiihrcr nicht mehr an die Randidatenvorschläge der KreiStonfcrcnzen gcbiindcn sein sollen Redner ist der Meinung, daß nach der Neuorganisation des Wahlkreises die Gründe für dieses Verfahren weg gefallen seien. Wen» dasselbe dennoch aufrecht erhalte» blieb, io würde» dadurch die Geiicialversammliing«« Mitglieder„iiber den den Löffel barbiert", yn gleichem Sinne spricht der Genosse A l t. Der Vorsitzende Freythaler stellt fest, daß Genosse Philippsohn von ganz falschen VoranSsctziingen ausgegangen ist; denn gerade im Gegenteil sei es seit der Neuorganisation üblich, daß die Namen der Kandidaten den Mitgliedern durch die Bczirksführer mitgeteilt würde». damit die Mitglieder zu denselben Stellung nehmen können. Jedensalls bestehe jetzt einmal die Organisation der Bezirksl siihrei mit den von beide» Rednern bekämpften Befugnissen und könne es denjenigen, die damit nicht einverstanden sind, über- lassen bleiben, eventuell eine Aenderung dieses Zustandes zu be mnrage». Gegen diese Ausführungen wendet sich B o r g m a u n, da dieselben die Sache nicht richtig darstellen. Die Wirksamkeit der Bezirksfühm könne nicht io engbegrenzt sein. Das sei auch nicht notwendig. Auch sei dies« Angelegenheit nicht im Statut festgelegt. Vor allen Dingen aber müsse den Mitgliedern der Generalversammlung die Verfügungssreiheit ebenso gesichert werden, wie den Bezirks- 'ührern; das sei aber bei dem in Red« stehendem System nicht der Zoll. Der Vorsitzende weist darauf hin, da' Borgmann von der Zeit des Socialistcugesetzes gesprochen habe, daß in derselben denMilgltedern überhaupt nicht« milgeteilt wurde und damit sei Borgmann ja auch einverstanden gewesen. Auch Knorr betont, daß die Genoffen der Schönhauser Vorstadt, selbst unter der Leitung Borgmanns, nie im Sinne desselben gearbeitet hätten. Genosse Späth« mahnt zum Frieden. B o r g m a n n erwidert, daß er und seine Freunde seit abren dafür eingetreten sind. daß mit dem bisherigen System der icheimniskrämerei gebrochen werde.(Zuruf: Das ist ja geschehen!> Diejenigen, die mit dem jetzigen System einverstanden sind. wissen jedenfalls nicht, wie die Sache gemacht wird. Er wisse es und halte diese Methode nicht für gilt. Dieselbe»mß notwendig z» Reibereien und Zwistigkeiten führen. Der Vorsitzende wendet sich nochmals energisch gegen die Ausführnnge» Borgmann«, der von Fortsetzung der bis- herigen Geheimniskrämerei gesprochen habe. I» Wahrheit bleibe den Bezirksführern absolut nichts unbekannt und«r könne deshalb die Ansführnng«» BorgniannS mit einem parlamentarischen Ausdruck nicht bezeichnen. ES wird sodann ein Schlußantrag angenommen. Ans der Wahl gehen die von der KrciSkonferenz vorgeschlagenen Genosicu hervor. Aus der Versammlung wurden noch W ü n s ch. Borg mann. Bartels und Alb. Werth vorgeschlagen, die edoch ablehnteu. Alsdann gab Genosse R o s e n o w da? einleitende Referat zur Stellungnahme zum Parteitage. Redner ging in fesselnder Weife auf die Bedeutnug der verschiedenen TageSordnuiigS-Pnulte des- elben ein. ") Um keine Irrtümer aufkommen der„Vorwärts" nicht vorgeschlagen Versicherung' Unser Vor Koalition» rechts verhandeln. Red. d.„Voriv." zu lassen, sei bemerkt, daß hat, den Punkt„Arbeiter uia" von der Tagesordnung de« Parteitages abzusetzen. erschlag(Nr. 17a vom 31. Jim) ging vielmehr dahin, der , möge über„Arbeiterversicherung und In der Diskussion gab Metzle dem Wunsche Ausdruck, daß, entsprechend dem bisherigen Charakter der Partei, uusre Angelegen« heilen stet« in der breitesten Oessentlichkeit behandelt werden mögen, der nächste Parteitag also keine„geschlossene Sitzung" wieder ab- halten möge. Die Stellung der Partei bei Stichwahlen zwischen bürgerlichen Kandidaten würde am besten dahingehend entschied«» werden, daß man alle bürgerlichen Parteien sich selber überlaßt, da die Freifinnigen bewiesen haben, daß sie nicht zuverlässiger sind, als alle übrigen bürgerliche» Parteien. Auch in der Maifeier möge der Parteitag endlich ein« entschiedenere Stellung und zwar im Sinne der allgemeinen ArbeitSruhe einnehmen. ES ging sodann folgender Antrag ein: „Der 840. Bezirk beantragt, die Delegierten zum Parteitage zn beaustraaen. Protest gegen die Maßnahmen des Parteivorstandes betreffend die Versichmmg der Partei-Angestellten einzulegen." Zur Begründung diese» Antrages führt Kröhn aus: Die Preß- kommisfion habe nicht das Recht gehabt, ohne die Znstimniung der Parteigenossen einzuholen, ihrerseits die Ziiftininiimg zu der Versicherung der Partei-Bngestellten zu geben. Es sei nun das erste Mal, daß derartige Anforderungen von Parteiwcgen an uns gestellt werden. In Berlin erhielten aber die Partei-Angestellten verhältnismäßig gute Gehälter, so daß die Antragsteller erstaunt gewesen seien. daß die betreffenden Genossen»och mit solchen Anforderungen lommen konnten. Wenn der Gewerkschaftskongreß für die Gewerkschafts- Angestellten ähnliches beschlossen habe, so sei da« etwas ganz andre«; da ist eine feste Organisation vorhanden mit Leistungen und Gegen- leistungen. Anders' liegen die Dinge in der Partei. Hier ist keine ieste Organisation und keine sichere Einnahmequelle. Bisher sei es der Stolz der großen Masse der Parteigenossen gewesen, die Arbeiten für die Partei unentgeltlich zu machen. Ans dieser nnbezahlten Arbeit seien die Ueberschüffe der Parteikasse hervorgegangen, die nuninehr für die Versichernng der Angestellten in Anspruch ge« nommen werden. Die Angestellten können die Beiträge von ihren Gehältern selber zahien. Nötigenfalls zahle man den- selben anständige Gehälter. Gerade jetzt in der Zeit der Krise herrscht unter den Arbeiten» eine_ groß« Erbitterung wegen dieser Sache, so daß es besser sei, die Partei- genossen' mit solchen Kleinlichkeiten zn verschonen, die man nur als „feine Bettelei" bezeichnen muß. Und haben wir denn schließlich eine Garantie dafür, daß die Kinder der Partei-Angestellten, die wir mit nnsern Geldern unterstützen, später in die Fnßstapfen ihrer Väter treten? Und wenn dann noch solche Dinge passieren, wie jetzt in Stuttgart, wo der Gemcindevcrtrcter Genosse Kloß für«ine Gratifikation an die Polizei stimmt(für ihre Thätigkeit während deS Straßenbahnerstreiks), dann kann man es den Parteigenossen nicht verargen, wenn sie nicht geneigt sind, für solche Genossen auch noch Beiträge zn zahlen. Wenn schon Gelder für persönliche Zwecke ausgegeben werden sollen, dann solle man dieselben dazu verwenden, einigen Genossen in den schwärzesten Gegenden eine unabhängige Existenz zu schaffen. � Genosse Cohn spricht gegen den Autrag, den der Antragsteller zum Teil mit demagogischen Mitteln begründet habe. Selbst wenn man für Berlin gelten lassen wollte, daß die Gehälter auskömmliche seien, was auch noch nicht durchweg der Fall ist. so gilt das aber für die Provinz in keiner- Weise. Es muß den Angestellten der Partei ohne weitere« zugestanden werden, dc� sie den übrigen Parteigenossen an Opferwilligkeit und Idealismus in keiner Weife nachstehen. ES kommt aber Hinz», daß die Thätigkeit insbesondere als Parteiredactenr eine bei weitem ge- fährlichcre und aufreibendere ist, als die bei bürgerlichen Blätteni. Es gilt hier das Wort: Biel Lärm nm Nichts. Nach den Be« rcchniingcn KröhnS handelt es sich für Berlin»m eine Ausgabe von 1300 M. Und seit wann stellen wir uns auf den Standpunkt, daß wir sagen: Wir wissen nicht, ob die Kinder deS Parteigenossen uns daS decken werden, was wir dem Vater gctha»? I Der Mnnchener Parteitag wird über den An- trag sicher zur Tagesordnung übergehen. Wir haben den Be- weis zn'liefern, daß wir auch als Arbeitgeber besser sind, als die bürgerliche» Arbeitgeber.— Bartels: Im Gegensatz zu Kröhn bitte ich Sie. nicht bloß A zu sagen, sondern in Bezug auf die Partei- Angestellten daö ganze soclalpolitische A-B-C durchzugehen. Der Standpunkt der Antragsteller Ist mit den Prineipien der Partei in keiner Weise zu vereinbaren.— Wetzker lRedactenr de?„Vorwärts") verliest zunächst ein Schreiben des Genossen Kloß, in welchem der- selbe sciuc Stellungnahme in der GratifikattonSsache zn erklären sucht. Die Abneigung gegen die in Rede stehende Versicherung erkläre sich vielleicht aus der Neuheit der Sache. ES ist aber nicht zutreffend, wenn gesagt wird, die Kosten der Versicherung sollen aus den Ucber- schüsse» der Partei bestritten werden. Di« Kosten sollen vielmehr miS den Ueborschiisscn des geschäftlichen Unternehmens Vorwärts gedeckt werden. Auch sind die Kosten nur wenig mehr als halb so hoch, wie Kräh» annimmt. Dieselben belaufen sich auf ungefähr deS Gesamtetat» des„Vorwärts". Die Parteigenossen abonnieren doch den„Vorwärts" auch nicht, um Ueberichiiste zu ermöglichen, sondern um ihren Bedarf an politischer Lektüre zu decken. Die ganze Sache wird überhaupt verkannt. Für den Angestellten handele e» sich doch nm seine Berufsarbeit. Diese Berufsarbeit müsse von der Thätigkeit als Agitator und Parteigenosse getrennt werden. In seinem Schlußwort wendet sich Mröh n gegen Cohn, dem er vorwirft, daß er von der Kleinarbeit in der Partei keine Ahnung habe. Auch der nichtangcstellte Partei-Angehörige schwebe in steter Gefahr, als VcrfannnlmigSrcdncr vom StantSanivalt gepackt und be- straft zu werden. Die Redactenre mögen sich eventuell de» freien Hilfskassen anschließen, wo sie sich ebenso versicher» könnten, wie die Arbeiter das auch thun müssen, um sich und ihre Familie llWN die Wechselfällo des LebenS zu schützen. Die jetzige Organisation derselben atme den stärksten Kastengeist. Wenn die Versicherung eintreten soll, dann wollen wir zuerst daran denken, alle die Parteigenossen zn ent- schädigen, die jetzt die Arbeiten für die Partei umsonst oder für ein Geringes anSführcu. Aber wo solle» dann die nötigen Gelder her- koinnicn, ivenn wieder mal ein Ausnahmegesetz oder Achnlichcs kommt? Wer sorgt für die Familie de« Arbeiters, wenn dieser ms Gefängnis wandert? ES wird sodann der Antrag der Genossen dcS 840. Bezirks mit erheblicher Mehrheit angenommen, ebenso ein Antrag Güttin an», welcher besagt, daß die PreßkommissionS-Milglieder die Befugnis erhalte», sich bei wichtigen Angelegenheiten erst der Znstiinmung der Genossen des Kreises zu versichern. Bei der Frage der Versicherung habe Genosse Bebel als Mitglied dcS Parteivorstandes die gcgenteillge Ansicht vertreten. Weiter gelangt ohne Debatte die nachstehende von Koselowski empfohlene Resolntlon zur Annahme: „Der Parteitag empfiehlt der Parteipresie, der Alkoholfrage mehr als bisher Aufmerksamkeit zuzuwenden und beständig in geeigneter Weise auf die Gefährlichkeit de» AlkoholiSmuS für dte'klassenbeivnßte Arbeiterschaft hinzuweisen." Dagegen wurde ein Antrag, dem Parteitag zu empfehlen, die Mkoholfrage auf die Tagesordnung des nächstjährigen Parteitages zu setze», abgelehnt. ES folgten dann die Wahlen der Delegierten. Hiermit fand die Versammlung zn vorgerückter Stunde ihren Abschluß. Ans Indttptviv nnd Hnndel. Bcrgwrrkögcscllschaft„Hibernia." Der Bruttogewinn betrug im Juli 641 278 M. gegen 678 821 M. im Juni und 884 834 M. im Juli letzten JahreS. Für die Zeit vom 1. Januar bis Ende Juli beträgt der Gewinn 4 7S0 348 M. gegen v 962 403 M. in 1001 und 6 158 098 M. in 1900. Deutsch- luxemburgische Bergwerks-«ud Hittten-«ktien- acsellfchnft(Differdingen-Danncnbaum). Der soeben veröffentlichte Abschluß der Gesellschaft crgiebt einen Ueberschuß von 2 722 809 M. Siervon gehen ab: für Steuern. Zinsen der Hypotheken-Obligationen. rundschädeme. 807491 M., Abschreibungen m Höhe von 1778858 M zusammen 2 980 947 M, so daß als Gewinnüberschnß 386 491 M verbleiben, von denen 0 Proz. mit 18823 M. dem gesetzliche» Reserve- fonds fiBerluiefcn werden, während der Rest von 319638 M. auf neue Rechnung vorgetragen werden soll. Ueber die Geschäftslage der Gesellschaft und'zugleichs des Gesamt Hüttenbetriebes heißt es im Bericht: „Die Krisis ist auch gegenwärtig noch nach keiner Richtung hin überwunden. Abgesehen aber von den allgemeinen Verhältnissen, lagen die Specialverhältnisse des Werkes außerordentlich schwierig Ein geordneter einheitlicher Betrieb ist zwar auch während der Zeit der Liquidation aufrechtznhaltcn versucht worden; immerhin legte aber die Geschäftsführung unter Verantwortung des Gerichts erheblickie Be schränknngen auf. Die Abnahme großer Quanten wurde von den Bezugsverpflichteten teillveise bestritten, teiliveise verweigert, und die gegen die bei Notverkäufen erzielten Preise entstandenen Differenzen konnten in keinem Fall ganz, in manchen Fällen nur zum geringen Teil eingebracht werden.... Infolge der durch die Hochkonjunktur vorgenommenen Erweiterung vieler Werke und der dadurch gesteigerten Produktionsfähigkeit kann die Kaufkraft des Inlandes mit der vermehrten Produktion nicht Schritt halten, und diejenigen Werke, welche, wie das der Gesellschaft, bisher vorzugsweise Halbzeug angefertigt haben. Ivaren für einen sehr großen Prozentsatz ihrer Fabrikation auf Absatz ins Ausland angewiesen.... In welchem Umfang für die Zukunft darauf gerechnet iverden kann, daß das Ausland besonders mit Ruh ficht auf die ungeheure EntWickelung der Stahl- und Eisenindustrie in den Vereinigten Staaten, die deutsche überschüssige Produktion auf Nehmen kann, läßt sich nicht übersehe». Bisher ist der schwierigen industriellen Lage des Innern die glänzende Aufnahmefähigkeit deS Auslandes, besonders der Vereinigten Staaten, zu Hilfe gekommen, und wenn sich bislang eine wesentliche Abschwächung der Situation in den Vereinigten Staaten nicht hat fest- stellen lassen, so wird man nach allgemeinen Erfahrungen doch auf eine solche über kurz oder lang zu rechnen haben. Riesenschiffe. Auf der Bclfaster Werft von Harland u. Wolff ist dieser Tage das größte Schiff der Welt, der Dampfer„Cedric", ein Schwesterschiff des von derselben Firma erbauten Dampfers „Celtic", vom Stapel gelassen. Das neue Schiff hat bei einer Länge von 700 englischen Fuß(1 Fuß— ca. 30 Centiinetcri, einer Breite von 75 und einer Tiefe von 49 Fuß 38 000 Tonnen Deplacement („Ccltic" 36 700 Tonnen,„Great Eastcrn" 32160 Tonnen und ein modernes Schlachtschiff ca. 14000 Tonnen). 1392 Stahlplatten und 168 000 IV-Möllige Nieten wurden zum Bau verlvandt. Das Schiff bekommt 9 Decks, Schlingerkiele, Nuderapparat usw. nach neuesten Systeme». Es ist eingerichtet für 2900 Passagiere. Die Mannschaft umfaßt 335 Köpfe, davon 64 vor dem Mast, 92 im Maschinen- und Heizranm, 179 Steivards usw. Die Maschinen sind ausbalancierte vierfache Expansions-Maschinen. Der Größe und den« Tonnengehalt nach folgen jetzt auf» einander: Maße in engl. Fuß Brutto Länge Breite Tiefe Tons „Cedric"..... 700 75 49 20970 „Celtic"..... 700 75 49 20 880 „Kaiser Wilhelm II." 709 73 40 19 500 „Oceanic".... 705 68 49 17274 „Deutschland"... 661 67 40 16 502 „Cedric".„Celtic" und„Oceanic" sind englische Dampfer, der „Kaiser Wilhelm II." gehört dem Norddeutschen Lloyd,„Deutschland" der Hainbnrg-Amerika-Linie. GrtvsvKMslfWdjezs» Berlin imb Umgegend. Der Streik in der Allncrschcn Maschinenfabrik ist znr Zu- friedenheit der Metallarbeiter beigelegt. Den Streikenden wurde eine Lohnznlage von 5 Pf. pro Stunde belvilligt. Achtung! Klempner. In der am Sonntag, den 24. August, vormittags 10 Uhr. stattfindenden Versammlung der Klempner hat der Vorstand der Berliner Klempncrinnung sein Erscheinen zugesagt. Es gilt nun durch fzahlreiches Erscheinen den Unternehmern zu zeigen, daß tvir gewillt sind, unsre Lage zu verbessern und unsre Lohnbetvegnng durchzuführe». Jeder Kollege ist verpflichtet, die Versammlung zu besuchen, besonders diejenigen, tvelche bei Jnnungsmeistern arbeiten. Im Auftrage des Gesellenausschusses: Karl Weitzel. Der Streik der Arbeiter von Nitsche u. Günther in Rathenow, Ivelcher nun bereits fünf Wochen ivährt, dauert unver- ändert fort und wird mit dem Ende der»ächstcn Woche die an- gekündigte Erweiterung durch die Goldarbeiter erfahren. Auch bei den Glasschleifern ist die Neigung vorhanden, in den allgemeinen Ausstand mit einzutreten, so daß die Möglichkeit vorliegt, daß schließ- lich der ganze Betrieb zum Stillstand kommt, lvenn nicht bald die streitenden Teile zu einer Verständigung gelangen. Znr Zeit sind denn auch wieder dahingehende Unterhandlungen mit der Firma angebahnt. Der Zuzug von auswärts hat jetzt sehr merklich nach« gelassen, nachdem von der Streikleitung alles mögliche geschehen ist, die Belvohner der weitesten Umgebung Rathenows von der Lage am Orte in Kenntnis zu setzen. 'lrentsche« Reich. Zur Lohnbewegung der Hamburger Maurer schreibt der „Grundstein" in seiner neuesten Nummer: Die ausgesperrten Maurer von Hamburg und Umgegend stehen fast alle tvieder in Arbeit. Auf 106 Baute» Ivird 9 Stunden gearbeitet, 1272 Gesellen erhalten 70 Pf. und mehr Loh». Wahrscheinlich wird im Laufe dieser Woche iiber die Bauten einiger I n n n n g s in e i st e r aufs neue die Sperre verhängt, um die Lohnbewegung zu beleben und dem Ziel, die nennstündige Arbeitszeit und 70 Pf. Stundenlohn allgemein znr Anerkennung zu bringen, näher zu kommen. Der Zuzug von Maurern und Bau- orbeitern ist daher nach wie vor fern zu halten. Die Bauthätigkeit in Hamburg-Altona läßt nichts zu wünschen übrig und die Nachfrage nach Arbeitskräften wird voraussichtlich in den nächsten Wochen noch stärker iverden. Aussperrung der Klempner in Hamburg. In den letzten Tagen hat ein etwas verstärkter Zuzug von Arbeitswilligen, nament- lich aus Holland, stattgefnnden, doch gelang es in den meisten Fällen, die unter allen möglichen Vorspiegelungen nach Hamburg gelockten Leute wieder abzuschieben. Zum Ausstand der Aachener Straflenbahu-Angestellte» wird uns geschrieben: Das Werkstättenpcrsonal, das zu Fahrdiensten herangezogen worden war, hat fich getveigert, weiter Arbeitswilligen- dienste zu leisten. Die Direktion lehnt nach Ivie vor eine Einigung ab. Die Polizei untersagte dem Wirt, bei dem die Ausständigen ihre Geschäfte besorgen, sein Lokal morgens vor 8 Uhr zn öffnen und abends nach 8 Uhr offen zu halten. Der Straßenbahn-Gesellschaft tvurden Schutzleute , n großer Zahl zur Verfügung gestellt. Die Haltung der Streikenden ist sehr besonnen. Die Bevölkerung steht durchaus auf ihrer Seite. Vor dem DirektionSgebäude kam es an mehreren Abenden zu laute» Kundgebungen, ivoran sich Tansende beteiligten. Die Ausständigen blieben den Kundgebungen fern. Der Obcrbürger- meister ist um seine Vermittelung angegangen worden. Eine im Beisein des Vertreters des Regiernngspräfidenten versuchte Einigung blieb erfolglos. Die Direktion bcharrt auf dein Herrenstandpunkt. Die Kölner Bau-HilfSarbeiter haben am Donnerstag unter den von den Unternehmern gebotenen Bedingungen die Slrbeit wieder aufgenommen. Sie hatten ursprünglich 40 Pf. Mindest-Stundenlohn gefordert und Ivaren dann auf 38 Pf. hinuntergegangen. Die Unternehmer haben 36 Pf. sofort zu zahlen und 38 Pf. vom 1. April 1903 an. ferner die geforderte lOstündige Arbeitszeit zu bewilligen sich bereit erklärt. Vor dem Ausstande lvar eine 10V2- und 11 stündige Arbeitszeit bei einem Stundenlohn von 28 bis höchstens 35 Pf. üblich. Die Arbeiter haben an die Unternehrnerorganisation, den Kölner Baugewerlenverein(Freie Innung) nun noch den Antrag auf Vereinbarung eines gemeinsamen Tarifs gestellt._ Ausland. Der Generalstreik in Sabona(Italien), von dem wir gestern berichteten, ist bereits mit einem vollkommenen Siege der Arbeiter beendet. Im Loiregebiet ist die Gefahr des Ausbruchs eines all- gemeinen Bergarbeiter st reiks noch nicht beseitigt. Be- kanntlich wollen die Unternehmer die vor mehreren Jahren be- Ivilligten Prämien abschaffen; der Vorsitzende der Bergarbeiter- Organisation hat nun heransgerechnet, daß zu dieser Maßnahme kein Grund vorliege, da die Ueberschüsse der Bergwerksbesitzer die gleichen geblieben seien. Der Präfekt bemüht fich zu vermitteln. Der Schwedische Bergarbeiter-Verband hielt vorn 16. bis 13. August in Falun seinen achten Kongreß ab. Der Verband hat im verflossenen Jahre mehrere durch Lohnherabsetznngen verursachte schlvere Kämpfe erfolgreich bestanden. Trotz der durch diese Konflikte notwendig gewordenen Extrabeiwäge nahm die Mitgliederzahl um 300 zu. Der Sitz des Verbandsvorstandes tvurde nach Malmberget verlegt, als Vertrauensmann des Verbandes wurde C. L. Lundberg gewählt._ Sociales. Innere Wanderungen. Gelegentlich der Volkszählungen vom I. Dezember 1871, 1880, 1890 und 1900 ist unter andrem in Preußen auch die Zahl derjenigen Personen festgestellt tvorden, tvelche in der Znhlgemeinde, dein Zählkreise, der Zählprovinz, dem preußischen Staate, dem Deutschen Reiche und dem Auslande geboren waren. Durch die Vergleichnng der Zähl- und Geburtsbevölkcrung gcivinnt man einen Ueberblick über das Ergebnis der Wanderungen innerhalb bestimmter Gebiete und somit über den Umfang der Seßhaftigkeit und Beiveglichkcit der Bevölkerung überhaupt. Von je 10 000 Personen waren nun nach der„Stat. Korr." gebürtig aus 1871 1880 1890 1900 der Zählgemeinde..... 5680 5763 5375 5094 dem Zählkreise überhaupt.. 7628 7449 6972 6536 der Zählprovinz überhaupt.. 9250 9120 8809 8390 dem Deutschen Reiche überhaupt 9923 9922 9916 9873 dem Auslande...... 77 78 84 127 Von je 10 000 männlichen Personen waren gebürtig ans 1871 1880 1890 1900 der Zählgemeinde..... 5722 5795 5427 5112 dem Z.ihlkreise überhaupt.. 7480 7341 6872 6413 der Zählprovinz überhaupt..9118 9010 8673 8242 dem Deutschen Reiche überhaupt 9911 9912 9907 9846 dem Auslande...... 89 88 93 154 Von je 10 000 tvciblichen Personen waren gebürtig aus 1871 1880'1890 1900 der Zählgemeinde..... 5640 5732 5324 50/6 dem Zählireise überhaupt.. 7771 7555 7069 6650 der Zählprovinz überhaupt.. 9376 9226 8936 8533 dem Dculschcn Reiche überhaupt 9935 9932 9925 9893 dem Auslande...... 65 68 76 108 Während der letzten drei Jahrzehnte hat unter je 10 000 Personen bei den bei den die Zahl der Männern Frauen »in um im Geburtsorte Ermittelten, 610 564 im Geburtskreise Ermittelten... 1062 1121 im der Gcburtsprovinz Ermittelten. 876 843 abgenommen. Die Seßhaftigkeit hat sich mithin innerhalb des ge- dachten Zeitraums bei beiden Geschlechtern nicht unerheblich uer- mindert. Die Abivandcrnng aus dem Geburtsorte und der GcburtS Provinz ist bei den Männern, die Abwanderung dagegen aus dem Gcbnrtskreise bei den Frauen stärker geworden. Den ganzen Umfang der inneren Wanderungen stellt daS aller dings nicht dar, weil cS nur Anfang und Ende einer Wanderung am Zählnngstage erfaßt, nicht aber die Bewegung selber. Immerhin zeigen die Zahle», daß die Vevölkernng seit 1871 erheblich betvegc licher geivordeu ist. ArbcitSnachwcisc innerhalb der preußischen StaatSeifenbahnen. Der Eisenbahnminister hat an die Direktionen folgende Ver fügnng gerichtet; Nach den auf den Erlaß vom 25. Juni d. I. erstatteten Berichten haben sich die Arbeitsansgleichstellen im allgemeinen als zwech entsprechend erwiesen; es ist dadurch gelungen, den weitaus größten Teil der an einer Stelle cntbchrlich gewordenen Arbeitskräfte in verhältnismäßig kurzer Zeit an andren Stellen wieder unterzubringen. Es erscheint daher erforderlich, die mit dieser Einrichtung gemachten Versuche fortzusetzen. Auch die königlichen Eisenbahndirektionen, die Ausgleichstellen bisher nicht errichtet haben, weil nach den Berichten die Unterbringung entbehrlich gewordener Arbeitskräfte durch unmittelbares Be- nehmen der Dienststellen untereinander möglich gctvesen ist, oder weil aus andren Gründen ein Bedürfnis nicht vorlag, wollen die Frage erneut prüfen und nötigenfalls mit der Einrichtung solcher Stellen vorgehen. Im übrigen ist die Zahl der«usgleichstellcn in den einzelnen DirektionSbezirken außerordentlich verschieden, in einzelnen Bezirken ist sie anffaNcnd groß. Es ist daher z» prüfen, ob in dieser Hinsicht nicht über das wirkliche Bedürfnis hinaus- gegangen ist._ Revoltierende Lohndrücker. Ein bürgerliches Blatt meldet vorn 20. August ans Zeven (L.-G. Stade): „Eine arge Revolte fand gestern und vorgesteni in Burgsittensen seitens der rnssisch-polnischen Arbeiter statt. Es kam zu heftigen Scenen und Ausschreitnngcn. so daß die Gutsverwaltnng polizeiliche Hilfe requirieren mußte. Den Bemühungen der alsbald erschienenen sechs Gendarmen gelang es, die aufgeregten und erbitterten Leute zu beruhigen und zur Wiederaufnahme der Arbeiten zu bewegen. Sechs der'schlimmften Krakehler— fünf Männer und eine Frau— wurden nach Zeven in Untersuchungshaft abgeführt. Ursache der Revolte sollen Lohnstreitigkeiten sein." Es scheinen danach die Löhne, die die Rittergutsbesitzer für angemessen halten, selbst den rnssisch-polnischen Arbeitern nicht zu genügen. Man wird daher chinesische Kulis holen müssen, um der Not der„Landwirtschaft"(lies Junker) abzuhelfen. Tie Tabakarbeiter- Genossenschaft Hamburg hielt am 19. Angnst ihre halbjährliche Generalversannnlnng ab. Ans dem Bericht des Geschäftsführers v.Elni dürften folgende Mitteilungen von all- gemeinem Interesse sein: Der Gcsamtabsatz im ersten Semester 1902 betrug 3585431 Cigarren, gegen 1901 ein Mehr von 1 143552 Cigarre». Der Wert der Cigarren betrug im ersten Halbjahr 1902 146 936,70 M. gegen 101 872,27 M. im Vorjahre, mithin eine Znnahine von 45 064,43 M. Bon diesem Mchrabsatz entfallen ca. zwei Drittel— über 30 000 M. auf Konsumvereine, ca. 10 000 M. auf Läden in Berlin und der Rest von 4500 M. auf das Geschäft im übrigen Deutschland. Der Geschäftsführer betont, daß die Gc- nossenschaft mit diesem Resultat namentlich deshalb sehr zufncde» sein könne, weil der durchschnittlich erzielte Preis für jedes Mille Cigarren von dem Mehrabsatz 40 M. betrug, an billigen Sorten wurden mehr abgesetzt 302 Mille, an Sorten mittlerer Preislage 613 Mille, in höherer Preislage 228 Mille. Der erfreuliche Fort- schritt der Tabakarbeiter-Genossenschaft gerade in der Zeit, wo in- folge der allgemeinen Zdrifis der Absatz von Privatfirmen erheblich zurückgegangen ist, läßt jedenfalls darauf schließen, daß die Fabrikate der Genossenschaft sich bei ihrer Kundschaft allgemeiner Anerkennung erfreuen._ Arbeitsamt nud höherer ArbeitSrat in Italien. Die letzte Ausgabe der„Gazetta Ufficiale" veröffentlicht den Text eines Gesetzes betreffend die Errichtung eines besonderen Arbeitsamtes und eines Höheren Arbeitsrates, das nunmehr bereits in Kraft getreten ist. Als die hauptsächlichsten Aufgaben des Amtes. welches an das Ministerium für Handel, Gewerbe und Ackerbau angeschlossen ist, find folgende vorgesehen. Die Sammlung und Ver- öffentlichung von allen die Lage der Arbeiter betreffenden Thatsachen, Statistiken usw. von Italien und dem Ausland, besonders solcher Länder, nach welchen der Strom der italienischen Auswanderer geht. In Sonderheit hat das Amt zu ermitteln die Löhne, das Verhältnis zwischen Kapital nnd Arbeit, den Umfang der Arbeitslosigkeit, der Streiks, Unfallstatistik usw. Ferner find die Arbeitergcsctzc des In- und des Auslandes zu studieren und zn veröffentlichen; das Amt hat Untersuchungen anzustellen, mit welchen der Minister, sei es ans eigner Initiative oder ans Verlangen des Höheren Arbeitsrats, es beauftragt. Der Höhere ArbeitSrat gilt alS der Beirat des Arbeitsamtes; er hat die gleichen Fragen zu erörtern, Anregungen zu geben, Gesetzentwürfe vorzubereiten usw. Diese Körperschaft bcstehi aus 43 Mitgliedern; der Handelsminister führt den Vorsitz. Außerdem sind siebe» Regierungsvertreter der verschiedenen Ressorts als Mit- glieder hinzugezogen. Die andren Mitglieder verteilen sich wie folgt: die Deputiertenkammer, Handelskammern, landwirtschaftliche Vereine, Unterstützungsvereine. Genossenschaften und die Volksbanken stellen zusammen 22 Delegierte; 14 wurden ernannt durch die Regierung nnd zwar 2 als Experten, 5 Unternehmer nnd 7 Arbeiter. — Das Arbeitsamt giebt monatlich eine Zeitung heraus, in welcher die Resultate der Erhebungen und die sonstigen Arbeiten veröffentlicht werden; dieselbe wird den Arbeiterorganisationen frei zur Wer- fügnng gestellt. Den Mitgliedern nnd Beauftragten des Amtes steht richterjiche Autorität zu; Änsknnftsverweigerung ist mit einer Strafe 0011 5—50 Fr. bedroht._ Au die Parteigenossen! Morgen, Sonntag, wird unser Veteran Theodor Metznc» zu Grabe getragen. Das Leichenbegängnis niniint nachmittags Punkt 2 Uhr vom Trauerhause. Skalitzerstrasze ö'l. aus seinen Anfang. Der Trauerzug bewegt sich nach dem Friedhof der Freireligiösen G e m e i n d e in der Pappel- Allee. Näheres über die Str.hen, durch welche der Zng geht, wird in der Sonntagsnnnimer bekanntgegeben. Die Ordnung des Zuges ist folgende: Dem Leichenwagen voran gehen die Parteigenossen des vierten Wahlkreises. Hinter dem Leichenwagen fahren die Familien-Angehörigen. Hierauf folgen: 1. Parteileitung, Reichstags-Abgeordnete, Redaktion und Expedition des„Vorwärts", Stadtverordnete, Vertrauensleute. auswärtige Delegierte, 2. sodann die in den Wahlvereinen organisierten Partei- genossen derart, daß der erste Wahlkreis den Anfang bildet und der zweite, dritte, fünfte und sechste Wahlkreis, sowie die Genossen aus Teltow-Veeskoiv und Nieder-Barnim folgen. Die Parteigenossinnen schließen sich ihren Wahlkreisen an. Sodann folgen und bilden den Schluß ft. die Gewerkschaften. Die Anfftellung erfolgt an folgenden Sanimelplätzen: Die unter 1. genannten Gruppen stellen sich vor dem Trauerhause hinter dem Leichenwagen aus. Die Parteigenossen des vierten Wahlkreises, welche dem Leichenzuge vorangehen, plazieren sich gegenüber dem Trauerhause an der Garten- niauer. Die Wahlkreise stellen sich in der Zeughofftraße auf, die Gewerkschaften in der Görlitzer- und Lübbenerstraße. Der Zug wird rechts und links durch Ordner geleitet, die an einer roten Armbinde kenntlich sind; es bedarf wohl weiter keines Appells, die Anweisungen dieser Parteigenossen strikte zn respektieren. So bald sich der Leichenzug in Bewegung gesetzt hat. schließen sich die Gruppen in Reihen von sechs Personen in der angegebenen Folge dem Zuge an. Um die Ordnung aufrecht zu erhalten, kann es nicht ge- stattet werden, daß unterwegs in den Zug Gnippen eintreten. Auf dem Friedhofe kann nur eine beschränkte Anzahl Personen Platz nehmen, es werden daher zur eigentlichen Leichenfeier nur bestimmte, vorher auszuwählende Deputationen zugelassen. Die Masse der Parteigenossen betritt den Friedhof nach der Leichenfeier von der Pappel-Allee aus und verläßt ihn am Ausgange an der Lychenerstraße. Parteigenossen! Was Theodor Metzner uns war, braucht an dieser Stelle nicht von neuem gesagt zu werden. Ihr alle kennt ihn, den unermüdlichen Vorkämpfer, den lebensfrischen Agitator, der bis zum letzten Augenblick für die Partei känipste und wirkte. Ihm, deni schlichten Mann aus dem Volke, der sein Leben lang den Idealen des Prole- tariats aus innerster Seele treu geblieben, ihm gilt es, am Sonntag ein ehrendes Begräbnis zu bereiten I Eine zahlreiche Beteiligung am Leichenbegängnis steht in sicherer Aussicht. Thue da ein jeder was er vermag, um pünktlich zur Stelle zu sein nud die Ordnung des Zuges musterhaft aufrecht zn erhalten. Ein jeder lvird sich be- mühen, der Würde der Partei, dem Ernst der Feier Geltung zu verschaffen. Parteigenossen I Folgt Mann für Mann unserm wackeren Vorkänipfer zur letzten Ruhestätte! Die»Vertrauensleute von Berlin und der Umgegend. Zfrijke Utaifujidifc««nd Depeschen. Auf Kosten Wilhelm II. Homburg, 22. Anqnst.(W. T. B.) Der Kaiser befahl die Ausführung eines Denkmals znr kriiineriing an das 1866 erloschene LandarafenhanS. welches die städtischen Körper- schaften Hoinbnrgs seiner Zeit wegen der Größe ab- gelehnt hatten, auf seine eignen Kosten, nnd teilte dieses dem Oberbürgermeister nnd dem Landrat persönlich mit. Ueber den Platz wird heute Entscheidung getroffen werden. Militärische Obstrnktio». NantcS, 22. August.„ud 9� vorm. svom Schles. Bhnh.), um 1020, 1040 (IL22 Schles. Bhnh.), 12« l26, l51, 2'».(nur bis Friedrichshagcn) sg>4) 3°,(S38) 32ä sbis Friedrichshage»), 3" sö38 nur bis Friedrichshagen); von Er kn er 432 nachm., und b02(bis Schles. Bhnh), 6«, 550, 708, 728� 904� 928 und 1036 abends(letzterer nur bis Schles. Bhnh von Friedrichshagen 705, 742, S32, 938(nur bis Schles. Bhnh.) und 1034 abends. Auf der Stadtbahnstrecke„ach Potsdam gehen ab vom Schlesischen Bahnhof: lO23. 12° vorm., 1238, l48, 224, S52, 045, 7,0„ud 818 nachm., nnßerdem nur bis W a„ n s e e S48 und ö53 nachm.; von Potsdam 1202, l38, 217, 307, b17, 807, ö05 und lO40 nachm., anberdem von W a n>, s e e 633 und 738»achm. Endlich ver- kehren zwischen Schlesischen Bahnhof und Spandau die folgenden Sonderzüge: 128® 212, 308, 429. 613, 733, 807, S25, 909 und 959 abends; in umgekehrter Richtung ab Spandau I83, ä88, 525 72G s34, 901, 932 und II21 abends. Den 3 Uhr- GeschiiftSschluß an Sonnabenden haben auf das Ansuchen der Ortsgruppe Berlin der Allgemeinen Vereinigung deutscher Buchhandlungsgehilfeu während des Sommers eine große Anzahl Berliner Verlagsgeschäfte eingeführt. Unter Einrechnung der Firmen, deren tägliche Arbeitszeit nicht über S Uhr währt, schließen jetzt 175, darunter die meisten bedeutenden Berliner Buchhandluugsfirmen, ihre Comptoire Sonn abends u», 5 Uhr, zum Teil auch schon früher. Wte Aufläufe entstehen können. Am Donnerstagnachmittag spielte sich in der Alexanderstraße, in der Gegend des berühmten Arbeitsnachweises der Tischlerinnung ein seltener Vorfall ab. Der Tischlermeister S ch ä d s fühlte sich, aus wer weiß welchem Grunde, durch zwei daselbst postierte Controlenre des Holznrbeiter-Verbandes belästigt. Im Vollgefühl seiner iniiuiigsnicisterlicheii Macht ließ er de» eine» zur Wache sistieren. Da die Kontrollposieii auf der Polizeiwache bekanntlich schon fast ganz heimisch geworden sind, ,'o nah», die Persoiialfeststellung des Sistierten auch nicht viel Zeit in Anspruch, er ivurde bald wieder entlassen. Doch Herr Schäds war mit der einen Sistierung noch nicht zufrieden, er wollte auch den z, veite» Uebelthäter fasse». Zu diesem Zweck holte er ein ganzes Aufgebot von Schutz leute» zusammen und versuchte mit diesen daS Kuckcnburgsche Wirtschaftslokal. in dem er de» Verfolgten verinutete, durchzustöbern. Als der Wirt aber erklärte, daß der Gesuchte daselbst nicht mehr an- wesend sei, gingen die Schutzleute wieder vor die Thür. Herr Schäds aber konnte sich nicht enthalten, auch»och Flur und Treppen des Hauses nach den, verhaßten„Streikbruder' persönlich abzusuchen. Mit diesem edlen Vorhabe» hatte er jedoch wenig Glück, denn noch ehe er seine Spürarbeit beendet hatte, wurde er von dem Hauswirt ziemlich energisch zun, Hanse hinauskomplimentiert. Während dieses Vorfalles hatte sich auf der Straße eine gewaltige Menschenmasse angesammelt, die neugierig fragte, was den» eigentlich Fürchterliches passiert sei. Der Anblick der vielen Schutz- lcüte und des erregten Tischlermeisters konnte auch thatsächlich die Passanten auf den Gedanken bringen, als handle es sich mindestens um die Festnahme eines Mörders oder sonstige» Verbrechers. Als die Leute schließlich über de» eigentlichen Sachverhalt aufgeklärt wurde», konnte mau aus ihren Reihen Aussprüche höre», die gerade nicht wie Schmeicheleien für den Herrn Jimuugskrauter und die so Überaus hilfsbereite Polizei klangen. Ans diesem Vorfall ersieht man aber wieder einmal, wie bereitwilligst sich die Polizei in den Dienst der Innung stellt. Einen Absturz vom Gerüst erlitt am Donnerstagmittag um 12 Uhr der 32 Jahre alte Maurerpolier Roll, der an, Nord-Ufer 13 wohnt und auf eine», Neubau in der Bcrliuerstraße zu Neinickendorf beschäftigt war. Er trat fehl und fiel aus der Höhe des erste» Stockes herunter. Roll trug erhebliche Verletzungen an Kopf und Gesicht davon, so daß er in einen, Koppschen NettungSwage» nach Berlin in die königliche Klinik gebracht werden mußte. Ueber elektrische Explosionen wird aus Charlottenburg ge- meldet: Vor etlva zwei Monaten explodierte durch Kurzschluß an der Kaiser Wilhelin-Gcdächtniskirche eine Anschlagsäule, die völlig ans- brannte. In den Säulen liege» die Ein- und Ansschaltiingcn der Elektricitätswerke CharlottenburgS. Kürzlich wiederholte sich dies Schauspiel am Savignyplatz, wo a» der Einmündung der Carmer- straße eine Anschlagsäule steht. Von hier aus zieht sich in die Carmerstraße hinein eine Droschken-Haltcsicllc. Plötzlich, kurz nach Ei»- schaltung des Stromes für die elektrische Beleuchtung der Umgegend, er- folgte die Explosion, die das Dach der Säule unter einer starke» Rauch- entwicklung sprengte und die Säule selbst in Brand setzte. DicPfcrdc der dort haltenden Droschken wurden„»ruhig; die Kutscher hatten Mühe, ihre Gc- spanne zu halten und auf der andren Seite der Straße wieder Ausstellung zu nehme». De», neuen, ebenfalls durch Kurzschluß entstandene» Fall liegt angeblich ein Versehen zu Grunde, insofern ein angeschnittenes Kabel nicht ordnungsmäßig gemeldet wurde. Bei der hohen Spannung der Kabel— 3000 Volt— kann als ein Glück bezeichnet werden, daß auch diesmal kein größeres Unglück geschah, als daß die Ab- nehiner des elektrischen Lichts im Dunkel» blieben. Ergriffen wurde a», Donnerstag der 31jährige Bureau- Vorsteher Wilhelm Hein, der dem Rechtsanwalt Dr. G., bei de», er angestellt war, mit 1209 M. in Papiergeld durchgegangen war. Bei der Festnah», e hatte er keine Mittel mehr; er lvill das Geld in Ge- sellschaft von Kellneriniieil verpraßt haben. Einer Markthallcii-Diebcsbandc ist die Kriminalpolizei auf die Spur gekommen. Wie wir bereits mitteilten, wurden in der Eugros-Markthalle Fleischdiebstähle verübt; die Art und Weise, wie sie ausgeführt wurden, führte zu der Annahme, daß die Thäter in der Markthalle fclbst zu suchen seien. Die Polizei stellte fest, daß ein unter de», Namen„Seidcnkarl" bekannter Ablrager, der schon wegen Eigentunwergehens vorbestraft ist, bei eine», Engros-Schlächtcr in der Halle angestellt ist.„Seidenkarl" wurde infolgedessen beobachtet. Gestern bemerkte ei» Schntznian», wie der Verdächtige aus einem fremden Scharren Fleisch holte und es auf einem auf der Straße hallenden Wagen eines Schlächters verlud. Der Dieb wurde sofort i» Haft genommen und auch der Eigentümer des Wagens unter dem Verdacht der Hehlerei sistiert. Obgleich„Seideukarl" behauptet, daß in dem festgestellten Falle ein Irrtum vorliege und Diebstahl nicht beabsichtigt war, scheint die Behörde doch Anhaltspunkte dafür gewonnen z» haben, daß der Festgenommene der Leiter einer aus Gesellen und Abträgern bestehende» Diebesbande sei. Es haben dementsprechend am gestrigen Tage Vernehimmgen stattgefunden. Ob der Schlächter- meister, auf dessen Wagen die Ware geladen wurde, als Hehler in Betracht kommt, erscheint fraglich, da es nichts Seltenes ist, daß Diebe gestohlene Fleischteile auf die Wagen völlig unbeteiligter Personen vorübergehend legen. Sittlichkcitspcrbrechc» und kein Ende. An, Donnerstag wurde wiederum ein junger Mensch eingesperrt, der schon vor etwa zwei Jahren siebe» Monate Gefängnis wegen Sittlichkeitsvergehen erlitten hatte. Er ist der 29 Jahre alte Arbeiter Karl Schütte aus der Schenckendorfstr. 4, der auf dem Tempclhofer Feld abgefaßt wurde, als er mit Knaben i», Alter von acht bis zehn Jahren seine Schandthaten verübte. Einzug der Mieter in das Ha»S Holstcincr Ufer 10. Gestern vormittag wurde von der Baupolizeibehörde das Hinter- gebäude des vom Einsturz bedrohten Hauses Holsteiner Ufer 19 freigegeben und den Mietern gestattet, es wieder zn beziehen. Das Vorderhaus dagegen darf lvegen der immer noch bestehenden Gefahr »och nicht bezogen werden, nur die im Erdgeschoß bestndliche kleine Wohnung des Portiers ist ebenfalls freigegeben. Banunglück. Man schreibt uns von gewerkschaftlicher Seite: Schon wieder hat sich am Donnerstagvormittng infolge ungenügender Schutzvorrichtung ein Baunnfall ereignet. Auf de», vom Maurer- meister Weile ansgeführten Neubau in der Königstr. 41 glitt einem Steinträger bei de», Bemühen, die ausgeworfenen Steine seines Kollegen vor dem Herabfallen zu schützen, die Mulde aus der Hand »ud fiel aus der Höhe der dritten Etage dem untenstcheiiden Polier des Baues auf den Kopf. Er trug eine klaffende Kopflvunde davon und mußte sofort nach seiner Wohnung geschafft werden. Wäre die, an der Front des Haufes stehende ver- bundeue Rüstung, wenigstens solveit es das Heranfwinden der Sandsteine erlaubt, abgedeckt gewesen, so hätte sich der Unfall u„- möglich ereignen können. So bedauerlich der Unfall a» sich ja nun ist. so darf doch nicht nnerlvähnt bleiben, daß die Maurer des Baues wiederholt an den Polier herantrete»»mßten, bevor er auf dem Hofe des Baues ein Schutzdach errichten ließ. Jetzt mußte er nun an seine,» eigenen Leibe spüre», wie dringend notwendig es ist, durch Anbringung von Schutzdächern resp. Schutzvorrichtungen Leben und Gesundheit der Arbeiter zu schützen. Der Fricdrichö-Brrciu(ehemalige Zöglinge des Rummels- bnrger Waisenhauses) begeht auch jetzt luisder sein Sommerfest in den Parkanlagen der Rummelsburger Anstalt. Das Fest findet am Sonntag, den 24. August, von nachmittags 3 Uhr ab statt. Freunde und Gönner dieser Vereinigung sind dort gern gesehen. Theater. Das„Metropol-Theater" beginnt an, Sonnabend sein neues Spieljahr, das fünfte untcr der Leitung des Direktors Richard Schul tz. Zur Erstaufführung gelangt die bereits angekündigte Aus- stattungs-Posse mit Gesaug und Tanz„ Berlin bleibt Berlin" von Julius Freund, Musik von Erik Meyer« Helinund. Die Novität, fünf Bilder enthaltend, die in einem Schuh-Bället,„Das Fest der Reklame", gipfeln, ist vom Direktor Schultz insccuicrt. Das vorletzte Bild,„Bei Schramm in Wilmersdorf", bringt„als besondere Ueberraschung das Auf- treten der„Original-Schrammelu" auS Wien.— Jill„Ce,ltral-Theater" wirkt bei der heutigen Erstaufführung der Poffe„Die schLne „Sünderin", die mit durchweg neiieii Gesangseinlagen von Julius Einöds- hofer und Max Schniidt versehen ist, am Sonnabend u. a. auch ein Damen- chor von 3v Personen bei den AiiSstatttingsscenen mit. Insbesondere auch bei den„Lebenden Ansichtskarten". Den Schlnh dieser neuen Serie bildet eine Karte„Gruß der Saharet", die von Hella Bernitt getanzt wird.— Im„Carl Weiß-Theater" gelangt„Eine Paria", Lebensbild in S Akten imd 7 Bildern mit freier Benutzung des gleichnamigen Romans von Ernst Ritterfeldt, am Dienstag, den LS. dS. Mts., zur ersten Ausführung._ Aus den Nachbarorten. Die«neraulckliche Angelegenheit der Charlottenburger OrtSkraukeukaffe gestaltet sich infolge des unglanblichc» Benehmens ihres Vorsitzenden immer vertvickelter. Jetzt hat Herr Sabor der „Volksiiimlichen Zeilschrift für praktische Arbcitcr-Versicherung" eine Art R e ch t f e r t i g n 1, g s s ch r e i b e» zugehen lasse». Herr Sabor »lacht darin den entlassenen acht Personen zun, Vorwurf, daß sie dem„Gleichheitsprineip Geltimg verschaffen" wollen und sich bei ihren Forderungen hinter Komiuissioiie», Wahlvereiuen und Kartellen versteckt hätte». Diesem Treiben, so fährt Herr Sabor fort, mußte ein Ende gemacht und„ein E x e», p e I st a t n i e r t" werden, um nicht bei den„wirklichen" Verivaltungsbeamte» der Kasse den Gedanke» aiifkonuncir zu lassen, daß ihnen ein Schutz gegen die gefähr- l i ch e n B e st r e b„ n g e» der gedachte» unteren Angestellten seitens des Kassenvorsiaudes nicht gewährt werde.... Diesen Bestrebuiigcn ftchen die lv i r kl i ch e»1 B e r« w a I tgi n g s b e a m t e n der Kasse„selbstverständlich" fem, die ihre wirtschaftlichen und socialen Interessen nicht durch einen „A rb e ite raus ich u ß" vertreten lassen, der zwar bei den Arbeitern" angebracht ist, die sich gegen„kapitalistische Ausbeuter" koalieren, sicherlich aber nicht bei den Beamten einer öffenllichen Verwaltung. So Herr Sabor. Auch wer im Interesse des Friedens und Gedeihens der Kasse eine gütliche Beilegung der Angelegenheit wünscht, wird sich sagen müssen, daß eine derartige Behandlung des Streitfalles sehr den Scharsinacherpraktikcn ähnlich sieht und in einer Krankeukassc ebenso »»angebracht ist wie in einer Fabrik. An, 25. August findet die vo» einer Anzahl Delegierten beantragte außerordentliche General- Versammlung der Kasse statt. Es dürfte bekannt sein, daß dse gemäß- regelten Beamten gegen Herrn Sabor einen EntschädigtzflgSprozeß angestrengt haben. Die Getoittcr der letzte» Tage haben au verschiedenen Orte» der Mark Brandenburg recht erheblichen Schade» angerichtet, Bc- sonders heftig traten sie im Havcllaiide auf, da dort zahlreiche Blitz» schlage Gebäude„ud Menschen trafen. In G ö r z k e traf ein Blitz- schlag die Werkstatt des Thonwarenfabrikante» Ludwig, durchschlug die Decke, demolierte das Arbeitsgerät und betäubte de» Töpfer- gesellen Her», au» Rehfeld. Ii, T» ch e i m erschlug der Blitz im Stalle des Ackerwirts Britzke zwei Stück Riudbich und äscherte den Dachstuhl ein, wobei 159 Centner Heu verbräm, tcn. In Werder au der Havel wurde der Schoriistei» der Vereinigten Brauereien vom Blitz getroffen, wodurch Putz und Steine losgelöst wurden, die beinahe) einem Arbeiter ans den Kopf fielen. In Möthloiv wurde durch Blitzschlag eine Scheune des Büdners Quast eingeäschert, wobei die gesamte Ernte, 5 Rinder und 2 Schweine verbraiuitc». Eine eiustürzeude Giebelwand zerschmetterte einen, Knecht eine» Fuß, I» P r e n> n i tz schlug der Blitz von der Mebes» scheu Windmühle eine» Flügel ab, auch traf er in der Nähe von Rathenow verschiedene Bäume, der Sturm deckte viele Dächer ab und der Hagel vernichtete ganze Fluren. In M ö g e l i n ivar das Gewitter am Dienstag von einer Windhose begleitet, welche eine ganze Anzahl Pappeln»md Obstbäume entwurzelte. In Böhne ivurde die Großmagd des Gutsbesitzers Dalchau, Marie Krüger, von, Blitz getroffen und besinnungslos itiS Krauke»haus gebracht. Ii, D a m ui e brannte infolge Blitzschlages eine Scheune und ein Stall des Bauern Hcidcpriem nieder. Im ganzen Havellande hat die ans den Feldern lagernde Ernte durch den Gewitterregen ungemein gelitte». Pankow. Die Gemeiudevertretuiig beschloß, zur Begleichung des Kaufpreises für das Ricselgut M Ü h l e n b e ck ein D a r I e h i, in der Höhe von 829 999 Mark von der Kur- und Nenmärkischen Ritterschaftsbank zu entliehinen. Das Kapital wird mit 34/2 Proz. verzinst bei V2 Proz. Amortisation, ivelche erst am 1. April 1995 beginnen soll.— Die Anstellung eines ersten Standesbeamte» owie die Einstellung eine? Sekretärs für Ar nie» fachen wurde abgelehnt, da für den Standesbeainten das Bedürfnis nicht so dringend erscheint und anstatt eines Sekretärs ein Assistent eingestellt werden soll. Zwei Legate in der Höhe von 11600 Mark wurden von der Gemeinde angenommen. Zur Verwaltung des angekauften Gutes Miihlenbeck wurde eine Kommission gewählt, welcher auch der Genosse Freiwaldt angehört. eine evenfalls als ansah, daß sie diente. Hiervon Gvvirfzks-Rettung. Ein böser Fall von Milchplautscherri führte gestern den Milchhändler Heinrich Krüger vor das Schöffengericht. Am 5. April d. I. ivurde in dem Geschästslokale des Angeklagten in der Franseckistrasze eine polizeiliche Milchrevision vorgenommen. Der Polizeiwachimeistcr fand in am Boden stehenden Gefäßen vorzüg« liche Vollmilch vor, auf dem Ladentische aber, zum Verkaufe bereit, -'"-k-"-!-1»„Vollmilch" bezeichnete Flüssigkeit, der er sofort nicht einmal die Bezeichnung„Milch" ver- Ivaren 14 Liter vorhanden. Nach dem polizeilichen Gradmesser zeigte die Flüssigkeit ein so geringes specifischeS Gewicht, daß es beinahe zivei Grad unter dcni vorgeschriebenen Normalgewicht zurückblicb. Es wurde vorschriftsmäßig eine Probe entnommen und dem Gerichts- chcmikcr Dr. Jnckenack zur Untersuchung übergeben. Dieser stellte fest, daß die Milch mit 10—15 Proz. Wasser verdünnt Ivar, und daß sie demzufolge auch einen entsprechend geringeren Fettgehalt hatte als vorgeschrieben ist. Außerdem begutachtete Dr. Juekcnnck, daß die fragliche Milch ein solches Aussehe» gehabt habe, daß der Angeklagte, der seiner Angabc nach bereits 15 Jahre Milchhändler ist, ohne weiteres hätte erkennen müssen, daß die Milch den polizeilichen Vorschriften nicht genüge. Der Angeklagte schob alle Schuld auf die Lieferanten, für ivelche die Milchhändlcr büßen müßten. Der Gerichtshof schenkte diesen Angaben keinen Glauben, sondern Ivar der Ueberzeugung, daß Krüger die Nkilch wissentlich selbst verfälscht habe. Da er bereits wegen desselben Vergehens eine Vorstrafe erlitten hat, lautete das Urteil auf 60 M. Geldstrafe, event. 10 Tage Gefängnis. Ein hoher Triumph ist der Heiligkeit deö Eigentums vor der Strafkammer zu H a l l e a. S. bereitet worden. Die Angeklagte, Arbeiterin Minna Traviel, hat das Unglück, vorbestraft zu sein: sie entwendete im Monat Mai in bitterster Not— ihr kranker Mann kouute nichts verdienen und die Sorge für die Familie ruhte völlig auf ihren Schultern— auf der Seebener Flur aus eineni Schuppe» der ivohlhabenden Gebrüder Nagel für 5 Pfennig Brauukohlenschutt, um für die Familie Essen bereiten z» können. Die unglückliche Frau ivurde deshalb zu 3 Monaten Gefängnis verurteilt, weil sie rückfällig war und die heilige Ordnung diese Strafe verlaugte. Der Spruch:„Ihr laßt den Armen schuldig werde», dann überlaßt ihr ihn der Pein", wird wohl so lange die bürgerliche Gesellschaft besteht, seine Berechtigung behalten. �reircligiöse Gemeinde. Sonntag, den 2i. August, vornnttags S3/, Uhr, in der Aula der«9. Geuleindeschule, Kl. Frankfurter st r. 6: Versammlung. Freireligiöse Vorlesung. Um lOV« Uhr vormittags ebendaselbst: Bortrag des Frl. Ida Altmann:„Die Heiligkeit des Feuers". — Gäste, Damen und Herren, sehr willkommen. Allgemeine Kranken- und Tterbekasse der Metallarbeiter. (E. H. 29, Hamburg). Filiale 5. Mitgliederversammlung am Sonnabend. den 23. d. M., abends 8Vj Uhr, im Rosenthaler Hos, Rosenthalerstr. 11/l2. NermiMkes. Ueber einen Raubmord wird aus Hamburg berichtet: Einbrecher drangen heute früh vier Uhr in das in der Eckern- förderstraße belegene Hotel„St. Pauli Hof" ein. Durch das Geräusch erwachte der dreißigjährige Hausdiener. Als er den Einbrechern gegenübertrat, wurde er sofort überfallen und durch zahlreiche Messerstiche ermordet. Darauf flüchteten die Mörder, ohne Beute gemacht zu haben. Cholera und Pest. Nach einer amtlichen Mitteilung aus Petersburg läßt die Cholera im A m u r g e b i e t, im Kwantung- gebiet und in der Mandschurei merklich nach; nur in Mulden nimmt die Zahl der Erkraukungeu nicht ab; in Chabarowsk nimmt die Seuche dagegen zu. Auf der Station Baikal der sibirischen Eisenbahn ist eine ärztliche Beobachtungsstelle errichtet worden; die Reisenden welche zuerst in Mhssowoja am Ostuser des Baikalsees untersucht wurden, werden zum ziveiteumal untersucht.— In Odessa sind seit dem Auftreten der Pest bis jetzt im ganzen neun pestverdächtige Erkrankungen vorgekommen, von denen ein Fall tödlich verlief. Sieben Pestverdächtige, wellbe sich in einer Absonderungsbaracke be- fanden, sind teils genesen, teils in das städtische Krankenhaus ge- bracht worden, da die verdächtigen Anzeichen schwanden. Marktpreise von«erll» am 21. August IiH»2 »och Ermllllmige» dcS kgl. PolizeipräsidiinuS. Welze», gut?>.-Elr „»Uttel „ gering fltogge», gut „ Nüttel .. gering »Gerste, gut „»Uttel gering �Haser, gm »nliel gering Bichl st roh Hell Elb se» Sl elfekohliiil Linse» st ab Bahn. * frei Wage» und ab Bah». Produktenmarkt vom 22. August. Getreide. Am heutigen Ge- treidemarkte setzte Roggen aus den bekalniten Gründen wieder sehr fest ein und konnte im späteren Verlaufe des Verkehrs noch weiter anziehen. Die Lieferuiigspreife stellten sich ungefähr IV, M. höher als gestern. Es wurden vielfach Septemberdeckungen vorgenommen, die bei der großen Zurückhaltung der Abgeber auf Schwierigkeiten stieben. Auch das effektive Angebot, na- mentlich von guter, trockener Ware, bleibt knapp. Weizen war ruhiger, doch zogen die Preise auf höheres Amerika durchschnittlich V- M- an. Die wieder besser lautenden Wettctprognosen fanden keine Beachtung, obwohl das Baro- meter seit gestern thatsächlich bedeutend gestiegen ist. Roggenmehl war vorne 30, für spätere Lieferungen 15 Pf. gebeffert. Am Futterniarkte war namentlich Mais sehr sest, loco 2, Lieferungen IV- M. höher gehalten. Die Zufuhren sind schwach, die amerikanischen Forderungen um 3—4 M. erhöht. Hafer-Lieserungen zogen V- M. an, Loco-Haser blieb unverändert.. Rüböl verkehrte zu gestrigen Preisen. Spiritus wurde nicht gehandelt. Briefkasten der Redaktion. E. H., Köpenick. Zuständig für den Umtausch der Klebekarte ist die Stelle, in deren Bezirk sich die Arbeitsstätte besindct; die Stelle, in deren Bezirk der Wohnort liegt, ist jedoch auch zur Ausstellung und zum Umtausch berechtigt.— F. G. ä. Gegen die Verfügung kann der Wirt verwaltungs- gerichtliches Verfahren mit Aussicht auf Erfolg einleiten. Zur Anbringung des Schildes bedarf er vielleicht nach dortiger Baupolizei- Verordnung polizeilicher Genehmigung; diese mub ihm erteilt werden.— B. N. Wenn weder mündlich noch schriftlich Rückerstattung vereinbart ist, sind Sie dazu nicht verpflichtet.— H. P. 1902. 1. In Berlin an den Polizeipräsidenten, in der Provinz an den Landrat. 2. Nein. 3. Fiskus bezeichnet den Staat, beziehentlich die Gemeinde, als Inhaber von Vermögensrechten; Steuer- fiskus ist der Staat beziehentlich die Gemeinde, soweit er sich mit Ein- ziehung, Verwaltung unv. der Steuern befaßt.— M. W., Ripdorf. Ja. — P. W. Joh. 1. Eine Klage beim Gewerbcgericht hat Aussicht aus Erfolg. 2. Nein: wenden Sie sich an das Polizeipräsidium. 3. Wenden Sie sich an den Magistrat, Markthallen-Kuratorium.— K. H., C. S. 8., M. 15, 40; Nein.— Schöneberg 100. 1. Sie würden auf Zahlung und Ausstellung des Zeugnisses beini Amtsgericht mit Aussicht auf Erfolg klagen können. 2. Zinsenrückstände verjähren in 4 Jahren. Zur Unter- brcchung der Verjährung genügt ein Anerkenntnis Ihres Vaters von 4 zu 4 Jahren. 3. Sie haben recht: unendlich oft lehrt die Frage wieder, ob zwischen lebenslänglich und zeitlebens ein begrifflicher Unterschied vorhanden ist. Ein solcher Unterschied liegt nicht vor. 4. Mit jedem Jahr, bei Be- sprechung des preußischen Etats, wird der finanzielle Stand der Stadtbahn dargelegt.— Charlotte S. Ja, jedoch nicht aus seinem HeimatSort und nur unmittelbar nach dem Zuzug.— Rungestrafte. Sie sind zur Zahlung der Steuer verpflichtet.- Y. B. 99. Das trifft nicht zu. — F.hig 7,50, 3M.75 Weiße Lederhoseu... 4,50, 2 M. 75 Zwmihoseu, festu. schbil, 3,— IM. 75 Die Preise gelten für normale Größen. Buer Sohn En gros. Export. En detail. Chausseestr 24a 25. Brilckeustr.il. Gr. Frankfurterstr. 20. Die 19. Preisliste 1902 wird kosten- los und portofrei zugesondt. Bei Bestellung von Hosen ist die Bundweite und die Schrittlänge, bei Jacketts inid Mänteln die Brnstweitc anzugeben. 4433L� — Verfand von 20 M. an fräncp.— .�ommerrrieslet- IVIarienbacl Badstr. 35/36, Gesiindbrullnen. Täglich: Tos groftartige Programm l Zum Schluß- Sensationell I Der Brandstifter. WIII> Reinhold: Dir. R. Wagner. Entree 20 Pf. Vorzugskarten haben Gültigkeit. Hr. Schiinemann, Specialarzt für Haut-, Harn- und Frauenleiden, Seydelstr. 9. V, 1 2— V23, Va6— Vz8, Somit. 9-11. Patenlanwalt Dammann, llorltxplatz 57. Ailskunst bis abends neun. s4539L* N,.ns,o.An-«gs von 12 27 M. � 1- E�ÄttZttge«ach Mass VON 25 Mk. an M. Schulmeister, Zcdnelilei'nieislei', Dresdenerstr. 4, am Kottbuser Thor. Hauptsirasse 143 ächöneberg. Verein socialdemokratischer Gast- nnd Scliankvvirte Berlins nnd Umgegend. An: 20. 5, M. verstarb plötzlich unser„Alter". Mitglied und Kollege r, Die Beerdigung findet Sonntag- nachinitlag 2 Uhr vom Traiierhause Skalltzerstraße öS aus nach dem Be- gräbnisplatz der Freireligiösen Ge- »icinde stait. Um rege Beteiligung ersucht fiS lfi Idee Veestnnd. 80eialdemokratisei>er Walilverein für den 4. IZerl. keiekstaxs-�Vaklkreis. (Siäd-Osten.) Den Genossen zur Nachricht, bafi nnser Mitglied Kmiil« t!zei>d!SI!ei' (Stadtbezirk 88) verstorben ist. (fhre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Sonntag- vormittag um 9V2 Uhr vom Krankenhause am Urban aus nach dem Central-Friedhofe in Friedrichsfelde start. Um rege Beteiligung ersucht __ Ter Aorsta nd. Allen Freunden iind Bekannten die traurige Nachricht, dast mein lieber Mami, unser guier Vater, Bruder und Onkel, der Kistenniacher Hermail» Berndt NM 20. August nach langen, schweren Leiden sanft eutschlascn ist. Dies zeigen ergebenst an Die trauernde» Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 24. August, mittags 1 Uhr, von der Leichenhalle des Emmaus-Kirchhofs auS statt. 15716 Wahlverem für Weißensee und ttingegend. Freitag Nacht verstarb nach kurzer Krankheit unser treues Mitglied, der Zimmerer sl8/2 August Lange. Wir werden sein Andenken in Ehren halten. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 24. August, nachmittags 41/2 Uhr, vom Trauerhause Streustr. 124 aus !tatt. Um zahlreiche Beteiligung er- ucht Ter Borstand. Allg.KrllM- n.Sterbe- lasse der Metallarbeiter. (Filiale Rixdorf.) Den Mitgliedem zur Nachricht, dast das Mitglied Gustsv Promnitz am 20. August verstorben ist. Die Be- «rdigung findet Sonntag, den 24. d.M, nachm. 3Vi Uhr, vom Krankenhaus St. Urban nach dem alten Jakobi- Kirchhos am Rollkrug m Ripdorf statt. Um rege Beteiligung ersucht 1582b Tie Ortsverwaltnng. Heute Sonnabend: Mige GesellsÄfts- Fahrt nach Heringsdorf. Bansin, Ahl- deck, Swinemünde, mit vorzüglicher Verpflegung. Preis M. 14,75, nur Schiffskarte M. 2,00, 1,50, 1,25. Ab- fahrt Stettiner Bahn abends 10 Uhr. Billets werden bis vor Abgang des Zuges reserviert. 158öb Friede. lN iiiler A Tanzigerstr. 13 Co., Altes SchOtzenhaus, I.lnien- Strasse 5 empfiehlt seine Säle. 1454b Sonnabende im November rc. frei. Dentzeber Metaliarbeiter-Verband Berwaltnngsstelle Berlin. Todes-Anzeige. Am Donnerstag, den 21. August er., verstarb unser langjähriges Mitglied, der Schraubendreher Gustav Eisenblätter. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Sonn- tag, 24. August, vormittags 11 Uhr, vom Urban ans nach dem Friedhof in Fricdrichssclde statt. Zahlreiche Beteiligung erwünscht. 119/14 Tie Ortsverwaltung. Allen Freunden und Bekannten, die traurige Nachricht, daß uns der Tod meine liebe Frau, unsre geliebte unvergeßliche Mutter 154Kb Malhilde Linke am 21. d. M., vormittags 51/2 Uhr, nach kurzem Krankenlager im Alter von 51 Jahren entrissen hat. Die Beerdigung findet Sonntag, den 24. August, nachmittags 1 Uhr, vom Trauerhause, Mühlenftr. 85, aus nach dem fiiidti'chen Friedhof in Friedrichsfelde statt.— Um stille Teilnahme bitten der tiefbetrübtc Gatte . Heinrich Linke nebst Kindern. 40. Lebensjahre verschied heute m nachmittag 51/2 Uhr meine ge- Ii liebte Frau, Schwägerin u. Tante\ Mathilde geb. Bätimel nach sehr langen aber in Ge- duld getragenen Leiden. Schmerzersüllt bittet um stille Teilnahme Der trauermde Gatte' bla» Sablmon. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 24. August, von der Halle des Renen Jakobi-, Kirchhofs ander Britzer Chaussee statt. l588b Für die innige Teilnahme 1111», zahlreichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Ma,,,,-- des Putzers ileinrlch Prüfer' fuge allen Verwandten, Freunde,,„„x Bekannte», sowie dem Ceuiralvx. ba! d der Maurer(Putzer), dem verein der Putzer und dem Wablverein Süd-Oft, auch für die n.at« elle Un.erstützung, während de? lan«. Krankheit meinen herzliche,. Dank Du trauernden.Sinterbliebe..-.. Konsinn-Cenossenscliaft von Adlersliof n. IM (E. G. m. b. H.) Sonnabend. 80. Ang. lOOS abends 8 Uhr im Lokale des Herrn Becker ffr. Stippekohl), Sldlershof.Opveiistraße• Außerordentliche Geuerat-Uttsantutlmtg Tages-Ordnuiigi 1. Antrag des Auffichtsrats betr. Statuten-Aenderung: Im§ 25, Abs. 2 hinter dem Worte„gewählt" einzuschalten:„Die Aiutsdaner der angestelltenVorstandSmitglieder gilt so lange, bis das Vertrags- Verhältnis vom Aufsichtsrate ge- löst wird". 2. Genehmigung des Anstellungs- Vertrages mit dem Geschäftsführer eventuell Wahl desselben. 3. Erössnung einer Verkaufsstelle in Alt-Glienicke. Ohne Mitgliedsbuck oder Legiti- mationskartc kein Eintritt. Am 31. August bleibt die Verkaufs- stelle der Inventur wegen gelchlossen. Die Ablieferung der Dividenden- marken muß in der Zeit voiii 1. vis 0. September erfolgen, später ab- gelieferte Marken kommen nicht zur Berechnung. 128/10 Der Torstand. Hermann Hildebrandt, Wilhelm Kohl, Otto Woltersdorf. Der Anfsiclitsrat. Paul Baumann. ftiltltit f Unverfälscht. Deutscher JjU II 1 ♦ Bienenhonig, best. Qualit. veri.die lOPfunddoie zu 8,50M., 5Psd. 4 M. franlo. Garant. Rücknahme. EDnjl JVordluli, Bahnhof . neu, Allgilstfehn, Oldcnbg. Deutscher Metallarbeiter-Verband. Verwaltungsstelle Berlin. Bureau- Engel-Ufer 15, Zimmer 1—5. Fernsprecher: Amt VII, 358. Sonntag» Von S4. Angult» norniittngs 10 Ahr» iu Völlers Foltsölen» Votipenltvotze Vv. S9: Beschließende Bersanimlung der Klempner Berlins u. llmg. Tages-Ordnung: 1. Bericht über die Verhandlung mit dem Vorstand der Klempner-Jnnung. 2. Diskussion. 3. Eventuelle Beschlußfassung über die Frage:„Wann stellen wir nnsre Forderungen?" Zu dieser Versaiiimliiiig hat der Vorstand der Klempner-Jnnung sein Erscheinen zugesagt. Kollegen! Wir sollen den Beweis erbringen, daß eine genügend große Zahl von Klempner», die bei Jiinungsmeistern arbeiten hinter unsern Forderungen stehen. Deshalb inuß jeder Kollege zur Stelle sein._ 119/12_ Die Ortsverwalnng. Verband der Möbelpolierer. Montag, de» 25. Angnst 1SV2, abends 8'/2 Uhr: DM"\ �PfSSftBBlVVfiltlllB�"1* Adniiralftrafte Nr. 18 c. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Rudolf Steiner über:„Erdbeben und Villkanausbrüche." 2. Diskussion. 3. Bericht über Differenzen in einzelnen Werkstcllen. 4. Verschiedenes. 148/19 Die Kollegen werden ersucht, ihre Frauen»litzubringen. Her Torstand. ittttiliiid der Miiiiiltrn n. Mm sowie Berufsgenoffe» Teutschlands. (Tersvaltungsstelle Berlin und Umgegend.) Sonntag, den 21. Singlis» 100S. nachmittags 5 Uhr. in Frankes Festfitten, Sebastianstraste 39: VevsLtintttluttg.-am Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Ingenieur Sattler über: Präcistons-Schinier- apparaie. 2. Verschiedenes.— Die Versammlung wird bestimmt um 5 Uhr eröffnet. 138/18 Die Ortsverwaltnng. Neu eröffnet! Berliner Geselischaftshaus, 16 Liclitenbergerstr. 16, (dicht an der _, Landsbergerstrasse). Hiermit mache einem geehrten Publikum die ergebene Mitteilung, dass ich das frühere AIA? iltolxmaiinsche Etablisseiiient, Lichtenbergerstrasse 16, übernommen und nach vollstlindlgcr glänzender L'ingestaltung und Renovierung unter obiger Bezeichnung eröffnet habe. Meine eleganten Festsäle mit der griissteu Privat- Theaterbüline Berlins halte Tereiuen und Oe- sellscliaften sowie zu Hoelizciten bestens empfohlen. Behagliche Vereinsräumlichkeiten, vorzügliches Kerkau- Billard zur Verfügung. Bestellungen nehme jederzeit entgegen. 4850L* Hochachtungsvoll; Alfred Inner. 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Goltz». Breutmann, Holzmarttstr. 11. Hülscbeck, Kroll u. Co., Warschauer- straße. Die Ortsverwaltnng. Allitiiiig! Holzarbeiter. In der Möbeltischlerei von E. Sellien, Weisteusee, KBnlgs- chaussee 74, habe» sämtliche Gesellen wegen Lohndifferenzen die Arbeit niedergelegt. Zuzug ist streng fernzuhalten. 87/14* Die Orlöverwaltuug. Leistung! lisekicr! Folgende Werkstätten sind gesperrt: Hnlsenbeck, Kroll». Co., War- schauerstraße. Lux n. Gngdrecht, Görlitzer Ufer. Wolf. Waldemarstr. 27 u. Bethanien- User 6. Goltz u. Breutmann, Holzmarkt- straße 11. 138/12* Alb. Schultz. Krautstr. 18/19. Ter Fachverein der Tischler. Verantlvortlicher Redacieur: Julius Kaliski in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich! Tb. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Badiua in Berlin.