Nr. 198. AbomttmeMs-Kedwgnngt»: abonnementS- Preis pränumerando; vterieljährl. ZL0 MI., monatl. l.10 MI.. wiichenlltch SS Psg. frei in« Hau». Stiuelne Numw-r S Psg.«onniag». Nummer mi« iNuNricrier Sonnt-ß!» Beilage„Di- Neue Well" 10 Psg. Post- abonnement: l.lv Marl pro Monat. Eingetragen in der Pos»- Zeitung», Preisliste für liwL unter Er. 7878. Unter»reujband für Deutschland und Lesterretch- Ungarn 2 Marl, für da» übrige Autland 3 Marl pro Mona», 19. Jahrg. Erscheint täglich«»ljer Woiilag». Vevltnev VolksltlAtk. Fit DnstNtims-Gelioyl »«tragt für die sechsgespaltene Koloned, zetle oder deren Raum so Psg., für polittfche und gewerlschaftltche Verein«- und VersammlungS-Anzeigen 20 Psg. „Kleine Anfeigen" sede« Wort 5 Psg. (nur da« erste Wort feit). Inserate sür die nächste Nummer müssen bi« i Uhr nachmittag« in derExpedition abgegeben werden. Die Erpcdtlton ist an Wochen- tagen dt« 7 Uhr abend«, an Sonn- und sZestlazen btSSUhr vormittag« geöstntt Telegramm- Adresse i „Sorialdrmvkrai verlin« Centralorgan der socialdemokratischen Partei Deutschlands. Redalitivn: SW. 19, Veullz- Straße 2. ffernfprecheri Amt 1. Nr. 1508. Dienstag, den Ä9 August 199Ä, Expedition: sw. 19, Ventil-Straße 3. Fernsprecher! Amt I. Nr. 5121. Znr Agrarfrage in Irland. An verhältnismäßig kurzer Zeit hat die unionistisch konservative Regierung Englands in der bisher festesten Burg des irischen Unionismus, im loyalen Ulster, bei Nachwahlen böse Niederlagen erlitten. Ende Januar dieses Jahres schlug in East Down bei Belfast ein Kandidat des nordirischen Pächterbundes den offiziellen Kandidaten der konservativen Partei, und am 18. August ist in Süd Belfast der Kandidat dieser regierungstreuen Partei gegen einen Vertreter des protestantischen Bundes unterlegen. Wenngleich in jedem Falle der gewählte Kandidat ebenfalls sich zum Uniouismus bekennt, ist der Ausgang der be treffenden Wahlen doch oder gerade um so mehr bezeichnend für die sich im Regierungslager vollziehende Zersetzung. Tie Regierung, der im Januar die unzufriedenen bäuerlichen Pächter eine Niederlage bereiteten. hat sich jetzt durch ihre Vtogelei mit dem Klerus in der Unterrichtsfrage einen großen Teil der städtischen Bevölkerung Nord-Jrlands entfremdet, die leidenschaftlich protestantisch bez. antiklerikal ist. Die Wahl in Süd Belfast war ein vernehmlicher Protest gegen die zur Zeit von der Regierung betriebene Abänderung des Unterrichtsgcsetzes, bei der die Verwirklichung einiger Reformen durch Festigung der znr Zeit von kirchlichen Verbindungen geleiteten Elementar- schulen erkauft werden soll. So wichtig diese Protestbewegung als Symptom der ab- nehmenden Popularität der Regierung ist, so bleibt für Irland doch die Agrarfrage das Hauptproblem. Sic scheint jetzt wieder einmal in ein neues Fahrwasser rücken zu wollen, daher mag eine Beleuchtung der derzeitigen Sachlage wohl am Platze sein. Tic bemerkenswerteste Erscheinung in der irischen Agrar- bewegnng ist die Agitation der Pächter Nord-Jrlands für den Zwangs- Auskauf der Landlords. An der Spitze dieser Bewegung steht der Abgeordnete für Süd-Tyrone, T. W. Russell, der von 1890—1800 dem Ministerium Salisbnry als parlamentarischer Sekretär für das Lokalvcrwaltnngs-Miuisterium angehörte, dann aber sich von ihm lossagte und nun als„Wilder" im Parlanicnt und außerhalb des Parlanients für den Auskauf der irischen Landlords agitiert. Im Grunde tritt er da in keiner neuen Rolle auf, denn Bauernagitator stvar er immer. Schon das irische Landankaufs-Gesetz von 1896 war wesent- lich sein Werk. Dies Gesetz ist zwar den bäuerlichen Pächtern etwas günstiger als die früheren Landankanfs-Gesetze, beruht aber wie diese auf dem Princip der Freiwilligkeit, r.oS heißt, es tritt nur vi Kraft, wo Landlord und Pächter zugleich gewillt sind, ans einer Pacht einen Kauf zu niachcn. Das kommt aber verhältnismäßig selten vor, weil nach dem Gesetz bei Anrnfnng her Behörden bei Festsetzung des Kauf- Preises die von den Landhöfen normierten Pachtsätze zu Grunde gelegt werden, diese aber in den Augen der Land- lords heute viel zu niedrig sind und nach ihrer Ansicht über kurz oder lang werden erhöht werden müssen. Die irischen Landhöfe sind auf Grund des Gladstoneschcn Bodcngesetzes von 1881 staatlich eingesetzte Kommissionen, die befugt und verpflichtet sind, zu untersuchen, ob Pachtsätze, über die Beschwerde erhoben wird. den Grundsätzen der Billigkeit entsprechen, und, wenn dies nicht der Fall, sie in billiger Höhe zu normieren haben. Die Dauer der so von Staats wegen norniierten Pachtsätze ist fünfzehn Jahre; ist dieser Terniin abgelaufen, so findet auf Antrag ein neue Abschätzung und entsprechende Normierung statt. Von 1881 bis 1890 find auf diese Weise in 328 720 Fällen. die ein Gebiet von 9 860000 Acres(etwa 2'/» Millionen Hektar) Land betreffen, gerichtliche Pachten festgesetzt worden. Und zwar ist dabei der Gesamtbetrag dieser Pachten von 6 725 000 ans 5 326000 Pfund Sterling, d. h. um ÄO,8 Prozcut herabgesetzt worden. Dies war aber nur der Anfang. Seit 1896 sind eine große Anzahl der Pachtsätze, die in der ersten Zeit nach Schaffung des Gesetzes von Landhöfen festgesetzt worden waren, einer zweiten Abschiitznng unterzogen und da aufs neue herabgesetzt worden, was sie im Turchscknntt auf mehr als 4.0 Prozent unter den ursprünglichen Satz ge- bracht hat. Es ist vielfach die Ansicht verbreitet, daß diese Er- Mäßigungen, die für die irischen Landlords Ausfälle an Ein- kommen bedeuten, welche ihnen die Lage der notleidenden preußischen Grundbesitzer als ideal erscheinen lassen, prozentual nicht größer sind, als sie anderwärts im britischen Reich auch bei freiem Verkehr in Pachten stattgefunden haben. Dies wird aber von Sachkundigen lebhaft bestritten und stimmt auch nicht mit den Ergebnissen überein, zu denen eine Königliche Untcrsuchnngskomniission gelangte, die in den Jahren 1898/1899 unter deni Vorsitz eines höheren Richters, Sir Edward Fry, über die Praxis der Landhöfe zu befinden hatte. Auch darf man nicht vergessen, daß der Preisfall der agrarischen Produkte Irland weniger schwer getroffen hat als England, da hier der Bau von Weizen— dem er am fühl- barste» geworden— schon seit der Aufhebung der Kornzölle so gut wie verschwunden war. Es ist mit ziemlicher Sicher- heit anzunehmen, daß im großen und ganzen die Landhöfe den Bauern günstigere Bedingungen gebracht haben, wie die freie Konkurrenz.'Womit jedoch durchaus nicht gesagt ist, daß die von den Höfen normierten Ermäßigungen übertrieben, die neuen Pachtsätze, wie die Landlords behaupten,»unbillig niedrig" seien. Ganz im Gegenteil. Die Sache ist vielmehr die. daß die Pachtsätze in Irland von jeher ganz unbillig hoch gewesen sind und, bei der großen Zahl von Bauern aller Art und der damit verbundeneu starken Nachfrage nach Land, durch die freie Konkurrenz allein überhaupt nicht auf einen billigen Satz zu bringen waren. Wenn aber das 1881er Gesetz und die auf Grund seiner geschaffenen Landhöfe so die Renten auf einen Satz gedrückt haben, der erheblich unter dem Marktwert liegt, und wenn sie außerdem dem Pächter eine Art Besitzrecht auf das Pacht- gut zugesprochen haben, kraft dessen das Pachtverhältnis zu einem Anteil am Eigentum wird, so haben sie zwar die Landlords rebellisch, die Pächter aber nicht zufrieden gemacht. Und das ist begreiflich genug. Die Landhöfe folgen bei der Festsetzung billiger Pachtsätze als gute Ricardionare dem Princip, daß Rente der Ueberschuß des Verkaufspreises über den Produktionspreis sei. Hat daher ein Pächter durch gutes Wirtschaften es dahin gebracht, den Produktionspreis der Erzeugnisse seines Pachtgnts zu erniäßigen, so kann er sicher sein, bei der nächsten Pachtfixicrnng schlechter zu fahren wie diejenigen Pächter, die sich dem Schlendrian ergeben. Je weniger der Pächter taugt, um so niedriger, je besser er wirtschaftet, uin so höher der Pachtsatz, daS ist die allgemeine Klage. Auch die Landhöfe gaben so den Bauern nicht die Sicherheit, die sie zu haben wünschen und auf die sie Anspruch zu besitzen glauben. Denn beim irischen Bauer ist die Vorstellung noch sehr stark, daß der Grund und Boden ehedem Stanimcscigentum war und den Stammhäuptern seiner Zeit zu Unrecht als Privateigentum zugesprochen wurde Das Gesetz hat ihn. wie ein Kritiker desselben sich ausdrückte, zum Landlord ins Bett gelegt, und nun stört ihn der Bctt genösse und er will ihn herausheben. Daher die Popularität der Agitation für den Zwang?. auskauf. Sie wird erhöht durch die Vorteile, welche die gegenwärtige Ankaufsgesetzgebung den Bauern darbietet Das Gesetz von 1896 bedeutete für sie in dieser Hinsicht einen erheblichen Fortschritt. Während der Preis für den Boden im Durchschnitt selten über das zwanzigfache deS jährlichen Pachtzinses hinanSgeht, sind die Abzahlungsfristen sür den vom Staat geleisteten Kaufvorschuß von 49 auf 70 Jahre und darüber verlängert worden, so daß die Raten für Abzahlung und Tilgung zu sammen gewöhnlich niedriger sind als die alten Pachtsätze Ein drastisches Beispiel dafür bietet ein zu einer gewissen Berühmtheit gelangter Ankauf. Er war bewirkt worden vom Hilfsamt für die bevölkerten Bezirke West-JrlandS. Dieses Amt, dem für den Ankauf von Gütern und ihre Wieder Veräußerung in leistungsfähigere Kleinbauern-Stellen an die bisherigen Pächter die gleichen Bestimmungen vorgeschrieben sind wie den Landhöfen für die Kaufvernütteluug, hatte ein großes Grundstück, das dem Lord Dillon(nicht mit dem Abgeordneten Dillon zu verwechseln) gehörte, preiswürdig angekauft und so ausparzelliert, daß die früheren Pächter für jede 20 Sh.. die sie bisher als Pachtgeld hatten bezahlen niüssen, nur noch 13 Sh. und 4 Pence als K a u f g e l d zu zahlen haben. Man kann sich leicht denken, wie das auf die Bauern in der ganzeH Gegend zurückwirkte. Die Pächter des Lord de Freyne, dessen Grundbesitz an dem bisher Dillonschen angrenzt, boten alles auf, den Genannten zum Verkauf seines Gutes zu drängen, und verweigerten schließlich die Zahlung der Pachtzahlungen, wofür sie jetzt unter großem Sturm der übrigen Bevölkerung mit Gewalt ausgetrieben werden. Die Friedeusmaßregel hier trieb dort zum bittersten agrarischen Kampfe. Und solche Beispiele findet man durch ganz Irland zerstreut. Im ganzen sind bisher auf Grund der verschiedenen LandankausS-Gesetzc gegen 50 000 Bauern aus Pächtern in werdende Eigentümer verwandelt worden,') eine ganz ansehw liche Zahl, der aber noch siebenmal soviel Pachtbaucrn gegen überstehen. Was die Wirkung der Verwandlung von Pächtern in Be> itzer in Bezug auf die Bodenbewirtung anbetrifft, so lauten die meisten Stimmen darüber günstig. Indes werden auch verschieden üble Wirkungen berichtet. Eine solche ist es z. V., daß die Bauern, sobald sie nur in de» Besitz ihrer Parzelle gelangen, auch sofort mit dem A b- holzen beginnen. Die Entwaldung Irlands hat einen besorgniserregenden Unifang angenommen. Andre Wirt- schaftliche Nachteile werden sich vielleicht noch im Laufe der Zeit herausstellen— von der socialpolitischen Seite der Frage ganz abgesehen. Aber vorerst geht es den neuen Besitzern im ganzen gut, werden ihre Güter besser bewirtet als zur Zeit der Erpachtnng, und hat so die Agitation für die allgemeine Verwandlung der Pächter in bäuerliche Eigentümer, dieser seit Generationen in Irland als Ideal hochgehaltene Gedanke, durch das von der konservativen Regierung geschaffene und ins Werk gesetzte Landankaufs-Gesetz von 1896 eine mächtige Förderung erhalten. Den Bundesgenossen dieser Regierung, der irischen Land- lordklasse, ist daS höchst unangenehm. Für sie würde der Zwangskauf, wie die Bauern ihn verstehen, d. h. auf Grund- läge der von den Landhöfen norniierten Renten, weitere schwere Verluste bedeuten. Wie oben bemerkt, wird der Kauf- ') Bis zum 81. MSrz 1000 waren 52 426 Kanfoorschilsse im Betrage von ziisanune» 372 Millionen Marl bewilligt worden, ein Durchschnitt von rund 7000 Marl. preis jetzt selten auf mehr als das Zwanzigfache des Pacht- satzes bestimnit, nieist aber noch darunter. Davon gehen noch allerhand Kosten, Provisionen ic. für abzulösende Real- lasten ab, so daß für eine Pacht von �sage 100 M. jährlich selten ein höherer Kaufpreis als 1600— 1700 M. herauskommt. Legt der Enipfänger ihn in ganz sicheren Papieren an, so macht er heute knapp 50 M. Zinsen, wo er früher nach Abzug aller Kosten vielleicht 90 M. einnahm. Für die Masse der mittlere» Grundbesitzer, die das Gros der irischen Landlords bilden, bedeutet das den wirtschaftlichen Ruin. Indes die Agitation ist einmal im Gange, und die irischen Nationalisten sind nicht die Leute, sie einschlafen zu lassen. Von den Austreibungen ans den Gütern des Lord de Freyne wurde oben schon gesprochen. Ihr Ende läßt sich noch gar nicht absehen. Inzwischen haben aber die Landlords immer größere Angst bekommen, und so wird seit einiger Zeit von allerhand MittclSpersoiic» für Konferenzen zwischen Vertretern der Landlords und denen der Pächter agitiert, um irgend einen Kompromiß zu stände zu bringen. Nach englischen Blättern hat diese Agitation hier und da Anklang gefunden, waL nicht ganz unwahrscheiulich ist. da die Jrländer niemals den Sper- ling ob der Taube auf dem Dach verschmäht haben, und es sich bei dem erstrebten Kompromiß offenbar darum handelt, den Staat, d. h. den britischen Steuerzahler, das Streitobjekt zahlen zu lassen, über das Landlord und Pächter sich jetzt in den Haaren liegen. Wie die Jrländer zu keiner Zeit Anstand gcnomnien haben, in Bezug auf das llnterrichtswesen ihrem Klerus zu Liebe mit den reaktionären Hochtories gemeinsame Sache zu machen, so fragen sie auch in ökonomischen Dingen nicht nach allgemeinen Principien, wo dem Itcich gegenüber die Sonderinteressen Irlands in Frage kommen. Sie hoffen zudem, die Aussichten ihres nationalen Kampfes zu erhöhen, je mehr Angehörige der jetzigen Landlordklasse sie auf ihre Seite ziehen. Schon jetzt machen in der Steuerfrage viele irische Laudlords mit den Bauern gemeinsame Sache gegen den Staat. So steht die Regierung, deren Weisheit darin besteht, die Parteigruppen abwcchselungswcise gegeneinander auszuspielen, vor einer Situation, wo sie immer mehr in die Lage gerät, abwechselnd von einer Gruppe nach der andern ausgespielt zu werden. Ed. B. politische Mvbevlrchk. Berlin, den 25. Anglist. Die diesjährige CentrnmSparade in Mannheim ist am Sonntag durch einen großen Festzng er- öffnet worden, an dem sich gegen 20 000 Personen beteiligten, darunter die Dcpntntio»en von 170 Vereinen. Daß auch in dem durch einen s o c i a l d e m v l r a t i s ch e ii Abgeordneten im Reichstage ver- tretencn Mannheim ein solch imposanter Festzng zu stände kommen würde, war»ach der ungeheuren Agitation, die die CcntruniSprcsse nnd die CeiitrilinSorgniilsationcn seit mehreren Wochen entfaltet hatte», keinen Angenblicl zweifelhaft. Wenn daher in der Bc- grüßungSversanimlung deZ Katholikentages ein Redner erklärte, es sei eine Kühnheit gewesen, de» Katholikentag in einer Stadt wie Mannheim abzuhalten, und seiner Genugihuung darüber Ans- druck gab, daß der Versuch trotzdem geglückt sei, so war das nur eine demagogische Phrase. DaS Centn»» versteht sich so meisterhaft auf die politische Regickniist, daß eS in dem kleinsten Landstädtchcn seine jährliche Parade abhalien könnte. Der herbeigeströmte» Land- bevöllernng mag ein so.cheS Massciiansgebot ja auch imponieren, dem Gegner imponiert cS weniger, weiß er doch ohnchi» gut genug, daß daS Centrnm nächst der Socialdcmokratie noch immer die stärkste Partei DenlschlandS ist. Die Teilnehmer des FcstzngcS begaben sich nach der Festhalle und drei kleineren Lokalen, wo bekannte CcntniniSgrvßen Festansprachen hielten. In der Fcsthalle sprach der Reichstags« und LandtagS-Abgeardnete Dr. S ch ä d l e r. Der Inhalt seiner grob- demagogischen AnSsübrnngen ivar der folgende: Ein solch' gewaltiger Arbeiterfestzug ist wohl noch niemals d a g e>v e s e». Ich hätte aber gewünscht, daß die Herren Bebel»»d V o l l m a r den Festzng gesehen hätten, dann würden diese Leute einsehen, daß cS eine n n w a h r e Behauptung ist, daß alle Arbeiter der rote» Fahne folge». (Rufe: Niemals 1) Wer diesen Festzng gesehen hat, der wird zu der Erkenntnis kommen, daß trotz aller VcrfnhriingSkünste noch Tausend, ja Hunderttausende von Arbeitern der Fahne deS Kreuzes folgen. Einzig und allein die Kirche kann dem Arbeiter helfen. Der Staat hat nur Kanonen und S t e u e r z e t t e l. Was Ware» denn die Arbeiter, als die chri st liche Kirche noch nicht b e st a ii d? Ich brauche bloß daS Wort Sklaverei auszusprechen. Die Kirche hat die K e t t e» der Sklaverei gebrochen und die Arbeiter zu freien, gleichberechtigten Menschen gemacht. Die Kirche hat die Arbeit geadelt. Gott selbst hat im MenschheitZgeivand sich als Arbeiter gezeigt und � dadurch den Arbeiter neben Päpste und Bischöfe, Kaiser nnd Könige gestellt. Ans diesem Grunde fordern wir die Riickberufung unsrer Orden als Vorbilder der Arbeit. Die Kirche hat für die Arbeiter bedeutend mehr gethan als alle Ar- b e i t e r a g i t a t o r e n zusammen. Sie hat die«»griffe, die gegen sie gerichtet wurde», gewiß nicht verdient. EnvaS hat allerdings die Kirche»och niemals gethan und wird es auch nicht thu»: Sie hat die Arbeiter noch» i e in a l s aus- gebeutet, noch»iemals belogen oder betrogen. (Stiirmischcr Beifall.) Dieses traurige Geschäft ivill die Kirche andern überlasse». Die Kirche sagt den Arbeitern uichl, daß das ffi fl r a t i c 8 mif Erden sei. bn& dnS h ö ch st e Out des MeusSen Wcii� imb Genutz sei. Die Kirche snqt auch den Arbeitern Juait, tirtu eö nur dndnrch besser ivcrdcn kann, wenn alle �?. 6" Kopf q c st e I l t werde. Die Kirch- will volle Gerechtigkeit. � Der Arbeitgeber soll vor dem Arbeiter keinerlei -Vorzug gcnictzen. Die Kirche ivill, dntz der Arbeiter einen ans lv in in Ii ch e n Lohn erhält, der zur in c n s ch c n>v ü r d i g e u ii t c r h a l t n» g seiner Familie ausreicht. Für einen solch ans ivinuilichen Lohn hat die Kirche gekämpft, noch lange ehe da eherne L o h n g e s e tz erfunden war. haben dies öde Geschwätz, in dem jeder Satz eine grobe Uinlchtigkeit ist, nur wiedergegeben, um das geistige Niveau des Katholikentages gleich von vornherein zu charakterisieren. Als ob je ein Socinldcmokrat behauptet hätte, datz die Social- demolratie alle Arbeiter umschlietze, als ob nicht gerade der Kampf gegen den verblödenden Einflutz des Centrums ans noch breite Arbciterkrcise stets als eine der vornehmsten Aufgaben unfrcr Propagandistischen Arbeit bezeichnet Ivordcn tväre!— Eine bösartig icdncrische Eutgleisnng ist aber geradezu die Wendung, datz nur die 5lirche den Arbeitern helfen könne, da der Staat nur Kanonen und S t c u e r z e t t e l habe. Als ob nicht gerade das C e n t r Um als die regierende Partei dafür verantwortlich wäre, datz der Staat nur für Kanonen Milliarden bewilligt, während er für svdalpvlitische Aufgaben kein Geld übrig hat. Wem anders verdanken ivir denn die Fünf-Milliarden-Mariuevorlage, als gerade dem Centn»» Iliib Ivelche Blasphemie, die Arbeiter an die Kirche zu verweisen Was hat denn die katholische Kirche in den Ländern, wo sie seit je niigemesseneii Einflutz ausübte, für die darbenden Volksschichten, das Proletariat, gelhan? Wann hat sie dem hungernden Volke in Italien und Spanien einen«auskömmlichen Lohn", einen »menschenwürdigen Unterhalt" der Familie verschafft? Hat die katholische Kirche nicht st e t s e r st dann eine heuchlerische Thätig keil für die Arbeiterschaft entfaltet, wenn die Socialdemö k r a t i e durch ihre Thätigkeit ihr die Arbcitermaffe» zu entfremden drohte? Wann sind zum Beispiel in Deutschland katholisch G e w e r t V e re in e gegründet worden?DerSlteste katholische Gciverb verein, der Verein christlicher Bergarbeiter, wurde 1894 begründet, ältere Organisaliousversuche liefen— vergleiche das Handwörterbuch der Staatswissenschaften— in der Hauptsache auf eine religiöse Beeinflussung der sich mehr und mehr von der Kirche abwendenden Massen hinaus. Auch in dem erzkatholischen Belgien suchte die Kirche erst dann Gewerkschaften zu schaffen, als die S o c i a I i st e n ihr darin längst vorausgegaugcii waren. Nicht anders war es in dem katholischen Spanien, und so überall. So sieht die Thätigkeit der Kirche für die Arbeiter aus! Eine g r o b e F ä l s ch u n g der geschichtliche» Thatsachen ist es auch, zu behaupten, die Kirche habe die Sklaverei abgeschafft. Nicht das Christentum bereitete der Sklaverei ei» Ende, sondern der Mangel an Sklavenmatcrial. Waren doch die christlich gewordenen germanischen Stämme so sehr von Avarc» und Magyaren, Nor mannen und Sarazenen bedrängt, datz sie viel mehr Aussicht hatten selbst als kriegsgefaugene Sklaven fortgeschleppt zu werden, als Sklaven zu machen. Datz die Kirche die Sklaverei nicht ver- dämmte, beweist z. B. die Bulle Papst Nikolaus' V. vom L. Januar 14ö4, in der es ausdrücklich erlaubt wurde,«alle Sarazenen, Heiden und andre fremde Christen in ewige Sklaverei z« bringen", und Clemens V. dehnte dies titecht sogar auf alle Ketzer aus I Blau sieht, wie ivenig Dr. Schädler die Wahrheit respektierte. Er erntete natürlich trotzdem stürmischen Beifall. Die Centrums» arbeitet sind noch kritiklos. Allzu lauge wird auch das freilich nicht mehr dauern. Die Socialdcmokratie wird dafür sorgen, datz auch in diese Kreise jene socialpolitische nud historische Kenntnis eindringt, vor der die plumpen Dcmagogcnmätzchen der Centruinsführer nicht mehr standhalten.— Die CentriliiiSiiicdcrlage in Forchhrim wird den Arran- fleure» der jManiiheimer Ceutrumsparade wenig gelegen kommen. Denn ist auch der Sieg des liberalen KompromitzmischmascheS nichts weniger als glänzend, so ist die Niederlage des Centrums darum nicht weniger unzweideutig und enipfindlich. Die endgültige Fest stellung des Wahlergebnisses ergab für F a b e r(natl.) 9400 und für Zöllner FC.) 8498 Stimmen. Der Natioualliberale hat also mit einer Mehrheit von 900 Stimmen gesiegt. Dabei ivar die Wahl beteilignng erheblich stärker als bei der Hanptwahl, wo insgesamt nur IS 600 Stimmen abgegeben wurden, während diesmal 17 900 St., also 2300 Stimmen mehr, fielen, so datz das Centrum seine Nieder läge nicht einmal mit der Lässigkeit seiner Wähler bemänteln kann. Es ist kein Zweifel, datz die Centrumsstimmen seit 1887, wo das Ccntrum in der Hauptwahl 8778 und in der Stichwahl 10 865 St. erhielt, ganz erheblich zurückgegangen sind. Die Liberalen freilich, die es 1887 auch bereits auf 10 020 Stimmen brachte», haben eben- falls keinen Grund zum Renommieren. Namentlich ist die Schmach nicht zu tilgen, datz der«liberale" Kandidat auf agrarischen Krücken ins Parlament hinkt.— Noch einen Löhning-Fall erzählt die„Vossische Zeitung": „In einer Stadt Ostpreutzens wirkte ein Ober- b ü r g e r m e i st e r 16 Jahre hindurch in tadelloser Amtsführung und niit grotzem, durch seine Wiederwahl und deren Bestätigung anerkanntem Erfolge. Vor etwa drei Jahren verlobte er sich mit einer an einer dortigen städtischen Schule angestellten Lehrerin. Kaum war diese Verlobung erfolgt, so erklärte der RcgicrnngSpräsidcnt Hegel, ein Schwager des Ober- Präsidenten v. Bitter in Posen, dem Stadtverordiieten-Vorstehcr. nach dieser Verlobung sei die Stellung deS Qberbürgcr- uieisters»«haltbar. Diese Aentzermig kam auch der Braut des Oberbürgermeisters zu Ohren. Diese Dame, eine Witwe mit fünf Kindern, die nach dem Tode ihres ersten Gatten sich und ihre Familie ohne jedes Vermögen von ihrer Arbeit ernährte, hatte den Edelmut, um in die anitliche Laufbahn ihres Bräutigams keine Störung zu bringe», ihm nicht nur sein Wort zurückzugeben, sondern auch noch durch Dritte besondere Bemühungen anzustellen, damit der Oberbürgermeister diesen Verzicht annehme. Dieser aber, ei» Mann von unabhängiger Gc- siunung und ein Ehrenmann, dachte nicht daran, den anS innerster Neigung geschlossenen Bund zu lösen, und heiratete seine B r a u t. Alsbald nach Vollziehung der Ehe wurde dem Ober- bürgermeister vom Regierungspräsidenten Hegel cine DiöciPlinar- „utcrsnchung angekündigt, falls er nicht in feine Pensionierung willige. Der Oberbürgermeister hatte aber schon mit Rücksicht darauf, datz in Folge der Aeutzerung des Ncgieruugspräsideuten zu dem Stadtverordncten-Vorsteher auch gewisse«Honoratioren- kreise" von den Staudesbedcnkcn des Herrn Hegel befallen wurden — man muh es erlvägen, welches Aufsehen es in einer Mittelstadt erregt, wenn ei» Heiratskandidat von Stand und Würden statt einer der vielen heiratsfähigen und heiratslvilligcn Honoratiorentöchter eine arme Witwe heiratet, s e i n e P e n s i o n i e r u n g selbst b e- antragt und willigte, um sich aller Fesseln widriger Vorurteile zu cutledigen, in seine Pensionierung." Auch dieser Fall erfordert durchaus amtliche Aufklärung. Das Verfahren des Regierungspräsidenten Hegel in Gumbinnen, der noch jetzt in demselben Amte ist, wäre gänzlich ungesetzlich. Unver- ständlich ist es auch in diesem Falle gleich wie in dem Falle Löhning, datz ein Antrag auf Pensionierung bewilligt Iverde» konnte wegen der uustandesgemätzen Verehelichiiug des Oberbürgermeisters, d. h. ohne gesetzlichen Grund. Die Steuerzahler dürften keinerlei Neigung haben, hohe Pensionen aufzubringen für Personen, die durchaus arbeitsfähig und arbeitsbereit sind, aber in der Wahl ihrer Ehefrauen nicht den Anforderungen eines blöden Kastengeistes gehorchen.— Zur Fleischnot. In P o s e n ist die Fleischnot so grotz, datz selbst der Oberbürgermeister W i t t i n g eine Audienz beim Land- wirtschaftsminister erbeten hat.Znm ihmKdie Lage vorzustellen. Der Landwirtschaftsiniuister Herr v. P o d b i e l s k i zog zu der Be- sprcchung, die am Montag stattfand, zu seiner Hilfe einige agrarische Bichvcrteuerungs-Wortführcr Hinz». Das Ergebnis der Unterredung war. datz durch Verinittelnng der Centrale für Viehverwertung grötzere Viehtransporte zu billigeren Preisen nach Posen geleitet werden sollen. Die Oeffnung der Grenze lehnte der Minister ab. Mit dieser, wie üblich auf angebliche veterinär-polizeiliche Gründe gestützten Ablehnung der Grenzöffmmg hat der Minister auch die Möglichkeit einer tvk i l d e r u ii g der F l e i s ch u o t für d i e ü b r i g e n L a n d e s t e i l e afb g e l e h n t.— Die S o c i a l d e m o k r a t e n in Fürth werden in den nächsten Tagen im Gemciudekollegium und Magistrat de» Antrag stellen, die städtischen Slnfschläge anf Fleisch aüfzuhebc», nud zwar in Gemeinschaft mit der Stadt Nürnberg, niit der sofort in Ver- Handlungen eingetreten iverde» soll, da beide Städte wirtschaftlich von einander abhängig sind.— Böses Gewissen. Die„Krcnz-Zlg." renommiert, datz sie der soejaldemokratjschen Wahlagitation Hilter der Parole«Gegen den Zollwucher in jeder Gestalt, de» industriellen, wie den agrarischen mit Gelassenheit" entgegensehe. «Im Interesse des Gemeinwohles und der Staats- e r h a l tu n g freilich ivürdcn wir wünschen, unsrs Wählerschaft von allen diesen verhetzenden Parolen verschont und statt dessen eine nationale„Wahlplattform" er- richtet zu sehe n." Die nationale.Wahlplattform" errichten ja doch die«staats erhaltende» Parteien" in Gestalt ihrer Brotwncherparolc. Diese „Wahlplattform" hätten die zollwncherischen Parteien schon längst errichte» können, wenn sie nur nnsre Fordening der Auflösung des Reichstags zum Zweck der Volksabslimniimg unterstützt hätten.— Katholische Töchtcrlcktiire. Welch miglaublickier Blödsinn durch die katholische Presse verbreitet wird, beweisen allerhand litte ra tische Knriosa. die die«Rh.-westf. Ztg." aus dein Wust der»nr in internen katholischen Kreisen verbreiteten Presse ausgräbt. Ans dieser Presse erfahren ivir, datz der leibhaftige Gottseibeiuns noch immer sein llmvesen treibt und namentlich fromm latholischen Gemütern allerhand Schabernack spielt. „Teuflischer Spuk", so hciht es da, spielt besonders in einer ,,M o n a t s s ch r i f t für Töchter katholischer F a m i l i e ii". die in München erscheint und sich«Der Marie n böte" nennt, eine grotze Rolle. Bor längerer Zeit wutzte dies Blatt z» erzählen, datz der T e u f e I in einem Pensionat Wachskerze» v o in A l t a r habe verschwinden lassen, die K o p f ki s s en mit Wasser gefüllt, G e g c n st ä n d c im Zimmer umhergeworfe u n n d in i t» n s i cki t- baren Händen Ohrfeigen ausgeteilt habe. „Nach viel Gebet und Segnungen sowie E n t f e r n n n g einer Kandidatin, die aus einer F r e i in a u r e r f a in i l i e stammte und selbst vielleicht nicht fest im Glauben stand, kam tvicdcr Friede in die geäugstigte Gemeinde." Wahrscheinlich hat der Teufel nacki dem Gcuutz derartiger Kaplnusblältcr den begreifliche» Aulatz gefühlt, unsichtbar Ohrfeigen auszuteilen. Beelzebub würde sich dnrcki öftere Ausführung solcher Teufeleien mibesircitbnre Verdienste erwerben.— Durch drei Offiziere verübte Miffhandlungcu fanden vor dem Kriegsgericht in Chemnitz eine äntzerst milde Be- urteilung. Der 23jährige Offizier Ernst Günther vom 6. Feld- Artillcrie-Rcgimcnt Nr. 68 in Riesa hatte am 4. Aiignst er. das Turnen zn bcanfsichtigen. Hierbei versetzte er nach der Anklage einem Kanonier einen Tritt ins Gesätz imd einen S t o tz mit der Faust ins Genick. Dann sagte er zu ihm:„Ich lasse Dich stehe», bis Du krepierst. B e r b r e cki c r. Soldat 2. K l a s s e; ich iv e r d e dafür sorgen, datz D» in die A r b e i t c r n b t e i l n n g komm st." Der Angeklagte gab au, datz er sich auf die Vorgänge nickit mehr besinnen könne; er iviise nur, datz er de» Man» in die vorschriftsmätzige Stellung gebracht habe. Auch habe er ihn nicht beleidigen ivollcn. Das Gericht crackitcte zwar Mitzhandlung und Beleidigung als erwiesen, sah die Fälle aber als„minder schwer" an und erkannte nur vierzehn Tage Stubenarrest. Die obige Aentzermig ivnrde nicht als Beleidigung, sondern als vorschriftswidrige Behand- lung ausgelegt/—' Ter Lieutenant Karl Müller ist wegen Mitzhandlung' Untergebener bereits zweimal vorbestraft. Am 7. August er.' hat er wiederum einen Soldaten geschlagen. Er null über die Nachlässigkeit des Mannes in solche Erregung geraten sein, datz er ihm eine Ohrfeige versetzt hat. Er entschuldigte sich mit seinen überreizten Nerven. Trotzdem der Fall wegen der Vorstrafen schwieriger lag, wurde er als minder schtver erachtet und mit drei Wochen Stnbenarrest geahndet.— Die dritte Anklage betraf den Fenerwcrkshanptmann Otlo Rapp von der Kommandaiitiir i» Zeilhai». Dieser bedachte seinen Burschen mit schriftlichen Straf- arbeiten und rief ihm einmal zu:„Halten Sie die Schnauze, sonst h a u e i ch I h» e n ei» paar runter!" Einen Unteroffizier lietz er über eine Stunde„stillstehe» einer tiefen, kommt, dntz datz dieser unwohl wurde imd ßdeii Krampf in de» Beinen bekam. Diese Art der Behandlnng sah aber das Gericht nicht a lfs Mitzhandlung au.' Die Anordnung der schriflliche» Strafarbeitcn wurde als Mitzbrauch der Dienst- geivalt erachtet. Die Redensart gegen den Burschen erschien dem Gericht nicht als Bfe l e i d i g n n g. sondern als Mitzbrauch der Dieustgewalt. Es sei nur e i n e R e d e n s a r t. w i e s i e bei militärischen Vorgesetzten manchmal unter- lause! Das Gericht erkannte ans drei Tage Stubenarrest.— KricgSgerichtSurtcile gegen„Gemeine". Das Obcrkricgs- gericht der Ostsecstation verurteilte den Matroseuartillcristcn Hein wegen Bedrohung eines Vorgesetzten zu einem Jahr Gefängnis. Hein war von einem Obermaaten dem Conipaguiechef gemeldet worden, weil er sich gegen einen Befehl des Obermaaten renitent gezeigt hatte. Der Conipaguiechef drohte Hein mit soforiiger Abführung, falls er sein dienstwidriges Verhalten fortsetze. lieber die Anzeige des Obermaaten erbittert. soll Hein beim Weitermarsch die Drohung ausgesiotze» haben:„Wemi ich eine Patrone hätte. würde ick den Hmid totschictzcn." Für diese allerdings despektierliche, aber doch nur hohl renommistische Aentzermig nrnrde der Matrose zu einem Jahre Gefängnis verurteilt. Ein Urteil, das um so schiverer erscheint, ivenn man es mit den Urteilen vergleicht, die gegen Vorgesetzte zmveilcn wegen etlicher u n d e r t diseiplinwidriger t h ä t l i ch e r M i tz h a n d l n n g e n ge- ällt iverde». Auch darf bei Beurteilung des Falles nicht vergessen werden, datz bei Marinemannschaften, bei denen infolge des engen nsammenlebens mit ihren unteren Vorgesetzten an Bord ein Grad von kameradschaftlicher Vertraulichkeit entsteht, der bei der Linie ganz unbekannt ist, DiSciplinwidrigkeiien milder beurteilt lverden müssen und auch beurteilt zu werden pflegen, als bei der Landarmee.— Ausland. Die Regierung in Nöte». London. 23. August.(Eig. Ber.) Obwohl die parlamentarische Nachivahl in Sevenoaks mit einem Siege deS Rcgierungskandidaten endete, so hat doch der erhebliche Rückgang der konservativen Stimmcnzahl die allgemeine Ansicht bestärkt, datz eine Auflösung d e S Parlaments nicht lauge auf sich ivarten lassen iverde. Die innerpolitische Lage, ivie sie durch den Rücktritt Salisburys und die Erhebung Balfonrs zum Premierminister geschaffen wurde, hat eine gewisse Aehnlichkeit mit der Lage vom Jahre 1894, als Gladftone zurücktrat und Rofebery Platz machte. In beiden Fällen haben es die Nachfolger nicht ver- macht, das Prestige der Regierung aufrecht zu erhalten. Die hi« Nachwahlen: Nord-Leeds, Clitheroe, Belfast und Sevenoaks zeigennd schon früher im„Vorwärts" hervorgehoben wurde, eine Schwenk?...,, nach links. Jedoch darf man diese Schwenkung nicht zn optimistisch beurteilen. Denn abgesehen von Clitheroe haben wir es nur mit einer der periodischen Pendelsch'.vingmigen zu thu», bei denen von inneren Umwälzung keine Rede sein kann. Hinzu der Liberalismus jetzt immer mehr ins Fahrwasser Roseberys gerät. Die liberale Parle! gewann an Vertrauen, seit- dem durch den Mund Roseberys erklärt wurde:«Das Empire ist heilig." Wann die Auflösung des Parlaments erfolgen dürfte, ist sehr schwierig zn sagen. Für eine Auflösung in den nächsten sechs Monaten sprecken mehrere Umstände: die fortschreitende politische Organisierung der Arbeiter; das Ende des südafrikanisches Krieges; das sichtbare Verlange» des Landes nach einer andern Regiernng. Die herrschenden Klassen sind viel zu klug, mn die politische Slrönmng unter den Arbeiter» verstärken zn helfen. Und dies würde geschehen, wenn die konservative Partei noch weiter am Ruder bliebe. Ferner ist zu bedenken, datz die Demobilisierung der südafrikanischen Armee mindestens 70 000 Proletarier auf den Arbeitsmarkt iverfen und dadurch die Arbeits- losigkeit und die allgemeine Unzufriedenheit verschärfen tvird. Es ist nicht wahrscheinlich, datz die herrschenden Klassen warten würden, bis dieser Zustand eine radikale Stinimung im Lande erzeugt. Schlietzlich gicbt es in der konservativen Partei zahlreiche Elemente, die mit der Vetternwirlschaft der Regierung unzufrieden sind und bei jeder Gelegenheit in Revolten ausbrechen. Das Land ist also reif für eine Schwenkung. Sie kann schon in den nächsten sechs Moiiaien erfolgen, aber auch erst nach einem Jahre. Der Zeitpunkt hängt bis zn eineni gewiffen Grade von persönlichen Stiminiingen und Berechnungen der Minister ab; in der Haupt- fache aber von den Verhandlungen der liberalen Partei mit den Jrländcrn. Denn sind die Liberalen der Hilfe der irischen Honiernler nicht sicher, so dürfte auf den Bestand einer liberalen Regierung nicht zu rechnen sein. Nun herrscht gerade in diesem Punkte bei den Liberalen noch viel Unklarheit und Un- einigkeit. So lange aber diese Frage nicht geregelt ist. werden die liberalen Führer es sich ivohl überlegen, eine» ernsten parlamen- tarischen Kampf gegen die Regierung in Scene zn setzen. Die Stellung der liberalen Partei zn den Iren ist der Schlüssel zu der gegen- Ivärtigeu iiinerpolitischen Lage Englands.— Frankreich. Eine Rede de» JustizininistcrS Vallö. Am Sonnabend hielt der Justizminister in Chalons sur Marne eine Baukettrede, in ivclchcr er die Matznahmcn der Regierung gegenüber den Kongregationsschnlen verteidigte. Er sagte etwa: Ganz besonders habe sich die Negiermig die Aufgabe gestellt, die Vercinsgesetze gegen die Ordeiisgesellschaften zur Durchführung zu bringen. Wir haben das Schauspiel erlebt, datz, je mehr Gesetze gegen die Koiigrcgatioiicn gemacht ivorden sind, desto mehr diese versucht haben, sich denselben zn entziehen. Seit 100 Jahren hat es keine Regiernng in Frankreich gegeben, die nicht Gc- setze gegen die Kongregationen gemacht hätte und auf der andren Seite keine Kongregation, die nicht versucht hätte, diese Matz- nahmen illusorisch zu machen. So habe mnii auch, als das Gesetz von 1901 verkündet tvurde, ohne Scheu erklärt, datz dieses toter Buch- stabe bleiben, datz niemand cS wagen iverde, die Ordensschuleu zu schließe». Jetzt aber hat man gesehen, datz es der Regierung ernst ist, dem Gesetze Gehorsam zu verschaffen. Hinter der Agitation gegen das Gesetz stehen alle Feinde der Republik vereinigt; es ist ihnen aber nicht gelungen, den Frieden des Landes zu stören. Gegenüber dem reaktionären Block steht ein stärkerer, der Block der Demokraten und Republikaner. Anf das allgemeine RegierungSprogramm übergehend, kündete der Minister die feste Absicht der Regierung an, die zweijährige Dienstzeit zur Einführung zu bringen. Ferner werde das E i n k o m m e n st e p e r- G e f e tz so umgeändert, datz die Un- gerechiigkeiten des jetzigen beseitigt würden. Wir haben ferner die Verpflichtung übernommen, die A r b e i t e r v e r s i ch e r u n g zur Durchführung zu bringen. Wir kömien nicht versprechen, ob wir diese Aufgabe in der so schon sehr belastete» Legislaturperiode werde» lösen könne», sicher aber ist, datz ivir diese Gesetzgebung auf oinett Punkt bringen iverde», datz ihre Erledigung nicht mehr zu umgehen sein wird.—_ Vom Kulturkampf. In den Generalräten(Vertretungen der Departements), deren Tagung im Laufe der vergangene» Woche begann, ist die Abstimmmtg für oder ivider die Haltung der Regierung ganz zu Gunsten der« selben ausgefallen.„Le Temps" behauptet zwar, datz von den 87 Generalräten nur 42 für die Regierung gestimmt hätten, hierzu ivürden voraussichtlich noch zwei kommen, die zur Zeil noch nicht tagen. Ganz anders faßt selbst Paul de Cnssagnac die Abstimmung ans; er gesteht in der„Autoritö" z», datz die Abstimmung eine Niederlage für die Klerikalen gebracht habe. 41 hätten sich für die Negierung ausgesprochen, nur zehn Generalräle hätten mehr oder iveniger schüchtern die Freiheit des Unterrichts betont und die Wiedereröffnung der Schulen verlangt. Die andren Generalräte hätten sich hinter Nebenfragen ver- schanzt, so datz die von den Reaktionären angeregte Protestbeivegung iimerhalv der Generalräte einen kläglichen Ausgang genommen habe. * Gegen den Bauern Sansset, der in Saint Meens durch Steinwürfe de» Polizeikommissar ziemlich schwer verwundete, ist die Unter- siichmig eingeleitet; er wird in Haft behalten.— Auch gegen die adligen Aufhetzer und Siegel-Abreitzer wird energisch vorgegangen. Herr de Pressac ivnrde zn 50 Fr. Geldstrafe verurteilt, iveil er trotz dreimaliger Anfsorderuiig eine bewaffnete Gruppe nicht verlassen hatte. Iii Moiitreuil wurde Herr d'Hautefcuille wegen Loslösmig eines Siegels zu sechs Tagen Gefängnis, ein andrer Herr z» 200 Fr. Geldstrafe verurteilt. Ein Herr du Fretay. Besitzer der Schule von Ploarec, hat den Präfekten von Fiiiistere wegen Schließung der Schule zu 2000 Fr. Schadensersatz verllagt.— Belgien. Das Gesetz betreffend die Schließung der Spielhölle», welches von» Senat und der Deputierteukammer längst votiert ist. und gegen dessen Unterzeichnung der König sich bisher sträubte, wird demnächst doch in Kraft treten. Der König har in die Unterzeichnung gewilligt und soll das Gesetz mit dem 10. Oktober Geltung erlangen. So haben die Besitzer der Spielbanken und die Croupiers doch noch einmal eine gute Ernte gebäht.— Gegen den socialistische» Deputierten Mansart, Bürgermeister von La Louviore, ist die Untersuchnng eingeleitet, weil er sich während der April- Aufstände geweigert halte, Truppen in kommunalen Gebäuden unterzubringen.— Spanien. Barcelona, Lv. August. Gestern fand ein großes Meeting statt. in welchem gegen die V e r h ä n g u n g deS B e I a g e r u n g s- zustand es protestiert wurde. Die Regiernng' ivnrde von niehreren Rednern in heftiger Weise angegriffen. Dem Minister- Präsidenten soll eine Petition zu Gunsten der Wiedereinführung der Verfassimgsrechte durch eine Deputation überreicht werden. � Unter der Arbeiterbevölkerung nimmt die A uS st an d s- B c- qunc, aiw.eblich immer mehr zu. Wie eS heitzt, werden als ste die Zimmerleute, darauf die Nollkutscher und dann nach und uach alle übrigen Gewerkschaften in den Ausstand treten. Unter den Straßenbahn-Angestellteir herrscht ebenfalls große Unzufriedenheit, auch diese beabsichtigen durch einen Ausstand eine Besserung ihrer Lage zu erzielen.— Asien. Die Ermordung zweier Missionare wird jetzt anscheinend zuverlässig aus Peking geineldct. Die in T s ch e n t f ch a u, Provinz H u n a n, ermordeten englischen Missionare Bruce und tkcivis halten erst kürzlich bei ihrer Rückkehr auf ihre Station an freunde geschrieben, daß die chinesische Bevölkerung freundliche Ge- sinnungen� gegen sie hege. Die Unruhen wurden durch den unter den Chinesen herrschenden Glanben verursacht, die Missionare hätten durch geheime Mittel den Ausbruch einer Cholcraseuche veranlaßt, die unter den Chinesen zahlreiche Opfer forderte. Die erregten Volksmassen stürmten die Mission, erschlugen die Missionare mit schwere» Instrumenten und verwundeten auch die chinesischen Diener der Missionare. Der Präsideur des Auswärtigen Amtes. Prinz T s ch i n g, drückte dein britischen Gesandten Sir Ernst Satow sein Bedauern über das Vorgefallene aus und vcr- sprach die B e st r a f n» g der Rädelsführer. Das britische Kanonenboot„Snipe" hat eine Abteilung Matrosen gelandet, die zur Feststellung des Thatbeslandcs an den Schauplatz der Unruhen ab- gehen. Sie werden dorthin von chinesischen Truppen geleitet. Nckchötagö- Kandidaturen. Für Liegnitz-Goldberg wurde Julius Bruhns ivieder als Kandidat ausgestellt, für den 18. sächsischen Kreis Wilhelm Stolle und für Hamburg III. Wilhelm Metzger. Die Kreiökonfcrcnz für Königsberg(Ncnmark) fand am 17. August in Zellin statt. Für die Agitationslommission war Genosse Wescnitz erschienen, ebenso ivar der Kandidat des Kreises. Genosse Görke, anwesend. Die Einnahme im Kreise betrug 200, iO M., Ausgabe 181,20 M., Bestand 49,20 M. Verbreitet wurden an Agitationsschriften: Kalender„Der Märkische Landbote" 12 000, die „Fackel" in einer Auslage von 11 000 Exemplaren. Die„Märkische Volksstimnie" wird in 38 Exemplaren im Kreise gelesen. Zum Parteitag in München wurde Genosse Görke als Delegierter gewählt. Zur Provinzialkonferenz Ivnrden die Genossen Z-clsm'ann-Ncudamm, Ebel-Bralitz und Schuhrc-Alt-Blessin als Delegierte gewählt. Zun» Kreis-VertraucnSmann wurde Genosse Fclsman» einstimmig wieder- gewählt. Nach Beendigung der Konferenz erstattete der Vorsitzende des Wahlvercins Bericht über die Thätigkeit desselben. Die Mit gliederzahl beträgt 248. Der XIII. Parteitag der socialdcmokratischcn Partei der Pfalz fand am 23. und 24. August unter starker Beteiligung in Kaiserslautern statt. Vertreten waren 47 Orte. Ans dcni Bericht des GauvorstandeS ging hervor, daß die Thätigkeit, die der Gauvorstand ini abgelaufenen Jahre entfaltet, mehr dein inneren Parteilebe», der Förderung der Organisationen gewidmet ivar. Der fichtbare Erfolg dieser Thätigkeit dokumentiert sich in der Zunahme der organisierte» Parteigenossen. Jetzt zählt die Partei in öl Organisationen ruud 3600 organisierte Mitglieder. Ter Zuwachs beträgt 800. Die Einnahmen desGauvorstaudes betragen 3178 M.. die Ausgaben 1921 M. An die Partciknsse in Berlin wurden 450 M. abgeführt. Gleich erfreulich wie der Thäliglcilsbericht des Gauvorstandes lautet der Geschäftsbericht des Partci-Organs, der„Pfälzischen P o st", deren Auflage sich seit Jahren, wenn auch langsam, so doch stetig erhöht. Auch im abgelaufenen Jahre ist ein Wachsen der Abonnentenzahl»in 100 zu verzeichnen. Das finanzielle Ergebnis des abgelaufenen Jahres ist ein hocherfreulichcS. Dein PrcßfondS konnte Iviederum ein erklecklicher Betrag überwiesen Ivcrden. Die Gehälter der Angestellten der„Pfälzischen Post" ivnrden ent- sprechend den Forderungen des Vereins Arbeiterpresse geregelt. Die völlige Selbstäiidigniachuiig der„Pfälzischen Post"— sie wird bis zur Stliiide in der Druckerei der Mannheimer„Volksstimme" hergestellt, mit der sie auch den politischen Teil geuicinsam hat, welches Verhältnis neben mancherlei Unannehmlichkeiten auch Annchmlich» leiten für beide Teile hat— wird zurückgestellt bis zuin Eintritt günstigerer Zeiten. Die Debatten ergaben eine erfreuliche Ueber- sinstimmung der Genossen mit der Haltung, die der Gnnvorsland so wohl in der Preßfrage, als auch in der Betreibung der Agitation ein genommen. Genieindeluahlcn in Bayern. Der socialdemokratischc Verein in Erlangen bcichloß beim Magistrat um die Wiedereinführung der Bezirkswahlen nachzusuchen, damit es der Arbeiterpartei erinög- licht werde, auf deni Rathause vertreten zn sein. Dieser Wahlmodus bestand früher schon bis zum Jahre 1899, wurde aber von der liberal- freisinnigen Mehrheil beseitigt, als die Gefahr auftauchte, daß einige Socialdemokrate» gewählt würden. Die Versammlung lehnte es einstimmig ab, mit irgend einer andren Partei ei» Kompromiß abzu- schließe», sondern beschloß selbständig in den Wahlkampf einzutreten. Im Socialdcmokratischcn Verein z» Offcnbach a. Main besprach man ani Sonnabend die Tagesordnung der am 7. September in Worms stattfindenden Hefsischen Landeskonferenz. Dabei wurde angeregt, eine 50 prozentige Erhöhung der Beiträge zur Landcskasse eintreten zu lassen, da auf die Dauer mit dem bisherigen Beitrag nicht auszukomme» sei. Ferner wurde ein Antrag zum deutschen Parteitag lebhaft besprochen, der verlangt, daß unsre Partciprcsse sowie die„Neue Welt" und die„Hütte" der Gesundheitspflege, Kindcrerziehnng wie Hauswirtschaft ihr Augcuwerk zuwenden möchten, damit die Frauen geneigter für unsre Presse gemacht und sie dadurch der in dieser Beziehung Vieles bictendcn bürgcr- lichc» Presse abwendig gemacht würden. Vom Genossen Scheide- mann wurde darauf hingewiesen, daß dieser Vorschlag wohl erwägens- wert, sei. aber doch zu weit ginge. Da die Partcipresse im allgemeinen gegen früher bezüglich des Feuilletons und llnterhaltnngsstoffcS mehr biete und sich erheblich verbessert habe, so könnte die„Neue Welt" ihren unterhaltenden Teil einschränken und im Sinne des oben an- gedeuteten Wunsches wirksam sein. Ein Beschluß wurde nicht gefaßt, sondern dem Antragsteller, Genosse» Weinschitd, der vom Kreis Osfenbach-Dieburg zum Parteitag nach München mitdelegiert wurde, überlassen, diesbezügliche Anregungen auf der Wormscr Landes- konferenz wie dem Parteilag zu geben. Der in letzter Zeit mehrere Versammlungen der Offenbacher Organisation beschäftigende, aber ab- gelehnte Auslchlnß des Genossen Streb ivegen Parteivcrrats wurde auf der am vorigen Sonntag in Bürgel staltgefundenen Kreiskonferenz dem Parteivorslande überwiesen, der nach 8 2 des Organisations- stotuts ein Schiedsgericht installieren soll, Ivas diese Angelegenheit definitiv erledigt.' Große Auseinandersetzungeu gab es am Sonn- abend auch über ein Wicderaufnnhnie-Gesuch des in früheren Jahren im hiesigen Kreise agitatorisch lhäligen Genossen Galm, der wegen mehrfacher Verfehlungen seiner Zeit aus der Partei aus- geschlossen wurde. Trotz mehrfacher warmer Besürwortung wurde diese Aufnahme aber abgelehnt. Mit dem Ausschluß einiger Streik- brecher im Ausstände bei der Aktiengesellschaft für Schriftgießerei und Maschinenbau ivird sich die nächste Versammlung des Offenbachcr Vereins zu beschäftigen haben. Nürnberg, 24, August. Zn unfrem Bericht über die Versamm- lung des Socialdemokralischen Vereins müssen wir zur Vermeidung von Mißverstäiidnisfen noch nachtragen, daß Genosse Dr. Braun in seinen Aussührungeit über die Beschickung der Frauenkonferenz sagtet In dieser Versamnilung konnten auf Grund der samosen bayrischen Vereinsgesetzgebung Frauen nicht erscheinen: es ist uns deshalb aus formalen Gründe» nicht gut möglich, hier eine Frau als Vertreterin der Arbeiterinnen zu delegieren. Zu de» Führern der Londoner Ztveigverciue der Unabhängigen Arbeiterpartei gehört jetzt auch Mrs. Cobden-Sanderson. eine Tochter Richard Cobdens. In einer Geheiuidrncterei in Rußland ist eine neue Nunimer des Ccntralorgans des„Allgemeinen Jüdischen Arbeiterbnndes in Litauen, Polen und Rußland"—„Die A r b e i t e r st i m m e" Nr. 27— soeben erschienen. Die Zeitung hat folgenden Inhalt: I Demonstrationen und bewaffneter Widerstand; 24 Stunden unter der Erde sim Gefängniskarcer); Feuilleton, Des Sultans Jammer thumoristisches Gedicht); Ssipjagin und von Plchve; Wie müssen tvir auf körperliche Züchtigung antworten? Unsre Mai-Chronik— zivci Geheim- cirlulare und Berichie über Mai-Demonstrationen in Warschau, Wilna, Riga. Dwiiisk, Minsk, Kowna, Bcrdytschew, Witcbsk, Hömel, Lodz, Bialystok, Grodna. Mohiletv, Borstenarbeiter und Gcrbcrroyon; Die schändlickie Bestrafung in Wilna und Minsk; Welche Antivort hat die zarische Regierung auf ihre Greuclthaten erhalten? Die Bauernunrnhen im Gouvernement Poltaiva; Briefe aus dem Moskauer Etappcngefängnis und ans dem Gefängnis in Kiichineiv; Opfer des russischen Zarismus; Die Hinrichtung unsres Genossen Hirsch Leckert; Kassenbericht des CentralkomitccS vom 1. Februar bis zum 1. Juni 1902. Totcnlistc der Partei. Am Sonnabend verstarb im Alter von 86 Jahren der älteste Parteigenosse Quedlinburgs, F r i e d r i cki M e i e r. Er war keiner von denen, die sich rednerisch hervorthun konnten, aber im engen Kreise, in der Agitation von Mund zu Mund, war er desto rühriger. Trotz seines hohen Alters beteiligte er sich noch an allen Parteiveranstaltniigen. Die Qucdlin- burgcr Parteigenossen werden ihm ein treues Andenken bewahren. Aus Ittdlistviv nnd Handel. Die Einschränkung des CoakSsyndikatö wird, laut„Rhein.- Wests. Ztg.". für Scpiember von 33 auf 27 Proz. ermäßigt, die Um- läge vo»'3>/2 auf 4 Proz. erhöht. Zur AnöfuhrpraxiS dcS HalbzengverbandeS erhält die „Rh.-Westf. Ztg." eine Zuschrift aus industriellen Kreisen, die einen weiteren Beitrag zu den Klagen der deutsche» Fabrikanten eiserner Fertigwaren liefert, daß ihnen durch die niederen Preise, zu welchem der Verband im Auslande seine Er- zeugnisse absetzt, der Konkurrenzkampf mit der dortigen Fertigwaren- Industrie außerordentlich erschwert wird. So heißt es z. B. in dem Schreiben: „Halbzeug wird nach dem Auslande bis zu 15 M. unter Inlandspreis verkauft und dadurch de» Walzwerken in Belgien und England Gelegenheit gegeben, mit Walzprodukten aus deutschein Rohstoff deutschen Walzwerken empfindlichen Wettbewerb zn bereiten, ei» llebelstand, der schon häufig beklagt worden ist, dem aber nicht eher abgeholfen werden wird, bis der Halbzeng-Verband die Behandlung des Exports ebenfalls in die Hand genommen hat und dann das Geschäft nach nationalen Principien handhabt. Lieber sollte der Verband den deutsche» Werken einen größere» Posten zu Ausfuhr- zwecken so billig überlassen, wie ihn das Ausland bezieht, als das Ausland zn bevorzugen und dem heimischen Arbeiter Gelegenheit zur Beschäftigung zu entziehen. Es ist begreiflich, wenn in den Kreisen der Halbzeug-Vcrbrnuchcr sich eine Mißstimmung gegen den Halbzeug- Verband bildet und Iveiter ausdehnt. Man bat diese Mißstimmung zu dämmen gesucht durch die endliche Bewilligung von Ausfuhr- Vergütungen, durch die aber der Fertigindustrie des Geschäfts »»gemischte Freude nicht zu teil geworden ist; im Gegenteil hat sie mehr Enttäuschung gebracht als Befriedigung. Dadurch, daß auch Halbzeug Ansfuhrvergütnng genießt, wird die billige Abgabe ans Ausland erleichtert und der eigentliche Fabrikant fertiger Ware gelangt gar nicht in den Genuß, obwohl doch in seinem Produkt die meiste nationale Arbeit e»t- halten ist. Die inländischen Schranbenfabrikanten beziehen z. B. keine Ansfnhrvergütnng, die belgischen Fabrikanten aber haben billige Kohlen, billiges Halbzeug ans Deutschland, können von deutschen Werken sogar Stabeisen so billig beziehen, daß der Preisunterschied mehr ausmacht als die AuSfiihrvergütuug für Stabeisen beträgt, es ist sogar beobachtet worden, daß die Auslandspreise seit Bewilligung der Rusfnhrvcrgütnng und wahrscheinlich auch wegen derselbe» ge- stinken sind; das falsche Systcin hat also dazu geführt, den deutschen Absatz im Auslande zn unterbinden statt ihn zu fördern." Rußlands Außenhandel. Die gesamten Handelsumsätze des europäischen Rußlands erreichten in den ersten vier Monaten des Jahres 1902 einen Wert von 369 384 000 Rubel gegen 344 518 000 Rubel im Jahre l90l. Die Ausfuhr gestaltete sich in den erste» vier Monaten der letzten drei Jahre in den einzelnen Warengruppen, wie folgt: Lebens- Rohstofle und Halb- Vieh Fabrikate Zusammen wltt-l fabrilate Tausend Rubel 1900.. 84 915 84 344 307 61083 169 436 1901.. 95 858 83 903 337 53 210 163 857 1902.. 128 347 87 292 283 47 936 157 793 AnS diesen Zahlen ist ersichtlich, daß der Export von Lebens- Mitteln am meisten gestiegen ist, während zugleich die Ausfuhr von Rohstoffen und Halbfabrikaten gegen 1901 um 3 Proz., die der Fabrikate um 21,6 Proz. zurückgegangen ist. Die Einfuhr erreichte in den einzelnen Warengnippen die nach- stehenden Wertziffern: Lebens. Rohstoffe .... und Halb- Vieh Fabrikate Zusammen mittel flibrikate Tausend Rubel 1900., 23 702 63 562 5 235 5 597 159 309 1901.. 26 407 73 519 5 072 6 212 180 661 1902.. 22 282 71265 7103 4 871 211591 Die Abnahme der Einfuhr zeigt sich bei allen Warengruppen, mit Ausnahme der Rohstoffe und Halbfabrikate, deren Einfuhr um 3 389 000 Rubel oder 4.1 Proz. gestiegen ist; die Abnahme beträgt bei den Lebensmitteln 4 125 000 Rubel oder 15,5 Proz., beim Vieh 54 000 Rubel oder 16 Proz. und bei den Fabrikaten 5 274 000 Rubel oder 10 Proz._ GemeMMz?tfkliches. Berlin und Ningcgcnd. Der Streik in den Niles-Wcrkcn. Mit Bezug auf de» Versamnilluigsbericht in Nr. 194 des„Vor- wärts", wo der Streik auf den Niles-Werkcn in Ober-Schöneweide behandelt wurde, erhalten wir von der Direktion der Nikes- Werke eine Zuschrift, um deren Veröffentlichung wir unter Berufung auf das Preßgesetz ersucht werden. Obgleich die Zuschrift der Direktion den Rahmen einer preßgesetzlich zulässigen Berichtigung weit über- schreitet, bringen wir sie vollinhaltlich zum Abdruck. Sie lautet: Die Deutsche Niles-Werkzeugniaschinen-Fabrik. kurz Niles-Werke genannt, ist nicht von einem amerikanischen Konsortium, sondern von deutsche» Firmen gegründet worden. Unter dem Prämiensysteni wurden mindestens dieselben Löhne gezahlt wie anfangs, nur war den fleißigen Arbeitern Gelegenheit gegeben, sich außer dem Lohne noch eine Prämie zu verdienen. Unsre Arbeiter zeigte» leider wenig Neigung, die für die anzufertigenden Arbeiten sehr reichlich bemessenen Zeilen zu reducieren und sich so Prämie zu verdienen, begnügten sich vielmehr größtenteils mit dem hoch bemessenen Stundenlohn lDreher 50, 55, 60 reich, 65 Pf.). Die Folge davon war, daß wir viel zu teuer fabrizierten und daher ge- nötigt waren, Accordarbeiten einzuführen. Bei Festsetzung von Accordcn in einer neue» Fabrik laufen natürlich Irrtümer unter, sowohl zum Schaden der Arbeiter wie zum chadcn der Fabrik. In ersterem Falle verlangten die Arbeiter eine Anfbcsscruilg, die auch gewährt wurde, in letzterem Falle erklärten sie jedoch jede Reducierung zu hoher Accorde für ein Herunterschneiden. Daß die Arbeiter(Dreher) unter dem Accordsyslcm nur 30, 40 höchstens 45 Pf. verdient hätten, ist ausweislich unsrer Lohnlisten eine krasse Unwahrheit. Alle besseren Dreher haben durchschnittlich 60 Pf. pro Stunde verdient, es befinden sich jedoch auch Leute darunter, welche auf 70 und sogar 80 Pf. pro Stunde gekommen sind. Einige Arbeiter der Gießerei sind für leichtere Formarbeiten an- gelernt worden, niemals aber ist es uns in den Sinn gekommen,! die gelernten Former entbehren zu können. In der Drehelei sind Arbeiter nicht angelernt worden. In rumänischen Blättern ist nie annonciert worden; ob irgend ein Arbeiter vorher in Bukarest gearbeitet hat, wissen wir nicht. Die Dreher haben nicht einen festen Stundenlohn von 50 Pf.'gefordert, sondern Beibehaltung der ersten Accordsätze bei einem garantierte» M i n d e st v e r d i e n st von 50 Pf. pro Stunde. Nur um die Augelcgeuheii friedlich zu ordnen, hat die Direktion einen M i n d e st V c r d i e» st von 40(nicht 45 Pf.) pro Stunde garantieren wollen, obgleich eine Garantie dem Sinne der Accordarbeit vollkommen widerspricht. Ersatz für die streikenden Dreher konnten wir nicht finden, da die Arbeitswilligen durch Ucberredungen, Drohungen und Mißhand- Inngen seitens der Streiker und ihres Anhanges imnier wieder zum Aufhören gezwungen wurden.— Daß der Verband Berliner Metall- industrieller eine Aussperrung von 25 Proz. aller Metallarbeiter an- gedroht habe, ist nicht wahr. Im' Gegenteil, der Verband hat klar und deutlich zu erkennen gegebe», daß er die Angelegenheit in Güte erledigt zn sehen wünsche und nur vor der Folge eines Kampfes gewarnt. Den Formern wurde gleichzeitig mit allen übrigen Arbeitern mitgeteilt, daß neue Arbeit nicht vorgegeben werde, sie erklärten darauf, lieber gleich aufhören zu wollen. Wir haben infolgedessen die Former niemals als Streiker betrachtet. Weshalb dieselben sich jetzt als solche gerieren, dürfte nicht schwer zu ergründen sein. Hochachtungsvoll Deutsche Niles-Werkzeugmaschinen-Fabrik Koscgarten. Blumenlhal. Nach vorstehender Darlegung der Direktion geben wir der in Frage kommenden Arbeiterorganisation, dem Metallarbeiter- Verband das Wort zu einer Gegenänßernug über die in dem vorstehenden Schreiben berührten Verhältnisse, die hiernach doch in einem andern Lichte erscheine», als die Direktion es hinzustellen sucht. Die uns zn- gegangene Entgegnung lautet: Die Firma legt Gewicht darauf, nicht als amerikanische, sondern als deutsche Firma zn gellen. Das wird auch schon in den Broschüren, die seitens der Firma vor einiger Zeit herausgegeben sind, behauptet. Aber in genannter Schrift werde» nur ein Teil der Gründer angegeben und zwar die deutschen. Wer sonst noch hinter dem Unternehmen steht, wird verschwiegen. Nun ist es doch klar, daß eine amerikanische Werkzeugmaschinenfabrik nicht ohne weiteres alle gegenwärtigen und spätere» Patente»ebst sonstigen Einrichtungen einem deutschen Iluternehmcn überläßt und sich verpflichtet, derartige Maschine» nicht»ach Deutschland zu importieren. Die Dinge stehen vielmehr so. daß das Stammgcfchäft in Hamilton im Verein mit deutschen Uuternehmeni das Werk gegründet hat. Die Deutschen gaben das Geld und den Name» her, im übrigen ist das Werk eine Filiale des amerikanischen Stammgeschäfts. Das Werk hatte, wie alle Neugrüudnngen dieser Art, bei Er- öffuung darauf zu sehen, daß erstklassige Kräfte bei ihm in Arbeit traten. Um das zn erreichen, zahlte man einigermaßen angängige Löhne. Nun wollte man aber die Löhne und Accord preise wieder drücken und führte zu dem Ziveck das Prämien- st) stein ein, das sich bei der Fi rinn Löwe(Löwe ist auch am Werk beteiligt) zum Preisdrücken so sehr bewährt hat. Die Worte vom fleißigen Arbeiter dem man Gelegenheit geben wollte mehr zu verdienen, sind nichts als Phrasen, um den wahren Grund zn verschleiern. Die Arbeiter sind einmal bei Löwe mit dem Prämie n s y st e m g r ü n d- l i ch hereingefallen und scheu sich deshalb vor. Daß aber deshalb die Firma zu teuer fabriziert, ist eine beweislose Be- Häuptling. In Wahrheit liegt es wohl daran, daß die Fabrik, be- sonders zu Anfang, einen ungeheuren V e r w a l t u n g s« apparat hatte, der in keinem Verhältnis zu den dort thätigen Arbeitern stand. Bei dein Versuch, den die Firma vorigen Herbst machte, um die Löhne aller Arbeiter um 15—20 Proz. zu drücken, ist ja die Firma nicht zu ihrem Ziel gekommen. Nu» kam, was »vir voraussahen, nämlich man nahm sich die Arbeiter einzeln vor. Abzüge waren seit v o r i g e in H e r b st an der Tagesordnung. Viele Arbeiter haben wegen dieser Ab- zügc im Laufe der letzten Monate ihre Entlassung genommen. Daß eine ganze Reihe von Arbeitern so niedrig bezahlt wurden, daß nicht der Abschlagslohn von 50 Pfennig verdient werden konnte, k a n» j e d e r Z e i t bewiesen werden. Daß darunter Arbeiten waren, die bei dein von der Firma fest- gesetzten Preise nicht mehr als 30—40 Pfennig pro Stunde ein- brachten, kann ebenfalls bewiesen werden. Wäre' das nicht der Fall, warin» sträubt man sich dann gegen den Verdienst von 50 Pfennig pro Stunde? Warum ivill man nur 40 Pfennig geben? Und warum i a nr die Firma nicht zum E i n i g n n g s a m t, w e n n die Arbeiter so sehr Unrecht hatten? Richtig ist. daß nicht ein Stundenlohn, sondern ein garantierter Stundenverdienst von 50 Pfennig verlangt wurde. Das heißt nicht mehr und nicht wenigcr, als daß den Arbeitern, die den höchsten Anforderungen in Bezug auf Leistungsfähigkeit genügen mußten, der eingeschriebene Stundenlohn garantiert werden solle. Ob das dem Sinn der Accordarbeit widerspricht, mag dahingestellt sein. Unbillig ist doch wohl das Verlangen der Arbeiter nichff wenigstens eine kleine Unter- läge für ihren möglichen Verdienst zn haben. Daß Ersatz für die streikenden Dreher nicht zu finden war, ist uns ja bekannt. Aber die von der Firma angegebenen Gründe treffen nicht zn. Warum hat sie denn die Arbeitsivilligen wieder entlassen, die auf dein Werk schliefe»? Die kauicn doch mit den Streikenden nicht zusaminc». Die Wahrheit ist, daß die vor- h a n d e n e» A r b c i t s w i l l i g c n nichts l e i st c n konnten, » n d darum das Aufhören. Daß in Bukarest nach Arbeits- willigen inseriert ist, ivurde uns mitgeteilt von Drehern, die von Bukarest hierher kamen. Was weiter vom Verband der Berliner Mctallindnstriellen be- richtigt wird, trifft auch nicht zu. Nicht einmal, sondern mindestens ein halb Dutzendmal ist von Herrn Kleffel den Arbeitslosen und Streikposten gegenüber mit der Aussperrung gedroht worden. Auch ist es Thatsache, daß Herr Kühneman» von dem Funken sprach, der zur Flamme werde» könne. Der Ausstand der Former ist darauf zurückzuführen, daß die Firma den Formern gegenüber nicht korrekt verfahren ist»ach dem letzten vor vier Wochen stattgefnndencn Streik. Die Firma hat alle Fornier entlnssc» ivegen nugeblichem Mangel an Arbeit und TagS darauf neue Leute eingestellt. So sollten die alten Leute hinaus- geschoben werden, um mit den jungen Arbeitern dann besser experi« mcnticren zu können. Zu ergründen gicbt es da weiter gar nichts. Die streikenden Arbeiter sind jederzeit bereit, mit der Direktion zn verhandeln, und da der Unterschied zwischen dein was gefordert ivird und dem was man bewilligen will, nur ein gradueller ist, kann bei einigerinaßen gutem Willen eine Verständigung nicht schwer sein. D e» t sch e r M e t a ll a r b e i t e r- V e r b a» d. Ortsverwaltung Berlin. Achlnttg, Gärtner k Bekanntlich hat die Generalversammlung deZ„Allgemeinen Deutschen Gärtncrvercins" den Anschluß an die moderne Gewerkschaftsbewegung abgelehnt. Kollegen, Ihr seht hieran, daß es für uns keine Frage mehr sein kann, wie wir uns organisieren niüssen. Es muß jetzt jedem zielbewußten 5kollcgen klar sein, daß es für uns nur eine Organi- fation giebt, die in Wirklichkeit die Interessen der arbeitnehmenden Gärtner und Gartenarbeiter vertritt, und das ist die Deutsche G ärt» e r- V er e in i g u n g, die sich bereits an die modernen Gewerkschaften angeschlossen hat. Darum ergeht auch heute wieder der Ruf an Euch: Organisiert Euch, tretet der Deutschen G ä r t n e r- V e r e i n i g u n g bei. Der Zahlabend derselben findet alle Sonnabend bei F. Wille, Linien str. 217, statt. Daselbst werden auch neue Mitglieder aufgenommen. Deutsche Gärtner-Vereinigung(Sitz Hamburg). I. A.: Der Verlrauensniann für Berlin: Walter Kwasnik, W. 62, Keithstr. 3. Die Banklcmpncr Snlicn am Sonntag bcschlosscn, ihre Forde- rniigen den Meistern am Montag sgestcr») einzureichen und di« Mitt- ivoch einer Antwort entgegenzusehen. Von der Antwort der Arbeit- gebcr lvird es abhängen, welche Beschlüsse in der am Mittwoch statt- findenden Klempnerversammlung gefaßt werden. Denlsche» Netch. Znin?lache»er Strastcnbnhner-AuSstand lvird uns ge- schrieben: Die unter dem Borsiß eines Bürgernieisters als Vertreter des Aachener Oberbürgermeisters und unter Beteiligung polizeilicher und andrer Amtspersonen abgehaltene E i n i g u n g§ v e r h a n d- lung verlief ergebnislos, weil die Ztleinbahndirektion die Maßregelung von acht Wortführern nicht wieder aufheben und von den 122 Ausständigen nur 72 z u n ä ch st wieder einstellen will. Die Maßregelungen sind bekanntlich die Haiiptursache der Arbeitseinstellung, und eS ist begreiflich, daß der Ausschuß der Streikenden auf deren Nückgängigmachnng nicht verzichten wollte. Die Aachener Einivohncr stehen mit ungewöhnlicher Einmütigkeit auf feiten der Angestellten. Eine von 600 Personen besuchte Versammlung stellte sich vollständig auf die Seite der Streikenden und beschloß, so lange die Straßenbahnivagen nicht zu benutzen, bis das alte gutgcschulte Personal ivieder an Stelle des jetzigen zum Teil u»- fähigen und den gesetzliche» Vorschriften nicbt genügenden fährt Am Sonnabend fuhren einschließlich der Stolberger Strecke nur 21 Wagen. Die Zahl der Ausständigen hat sich bisher stets vermehrt? nicht ein einziger ist zum Streikbrecher geworden. Die Aus ständigen gehören sämtlich dem Centralverband der Transport» iind Verkehrsarbeiter an. Auch eine Versammlung von Kleinbahn Abonnenten stellte sich auf die Seite der Ausständigen und ver- anstaltete eine tchristliche Eingabe an die Direktion und an den Negiennigspräsidenten. Der Streik der Ziinmcrcr bo» Coblcnz nnd Umgegend ist nach zwölfwöchcntlicher Dauer nunmehr als beendet zu betrachten Die gestellten Forderungen: zehnstündige Arbeitszeit und 40 Pfg Stundenlohn sind durchweg erreicht worden. Auch bezüglich der Forderungen für jugendliche Arbeiter sind zufriedenstellende Ver cinbarungen getroffen ivorden. Steinsetzer. Bei der Firma Löhrle in Stargard i. P haben die Steinsetzer wegen Maßregelung die Arbeit eingestellt. Zu- zug ist fernzuhalten. Ausland. Ein Kattnttdrinkcr-Streik ist in Leiden ansgebrochc». Diese Arbeiter verdienten in der letzten Zeit nur 3 Gulden pro Woche und erklärten nun, daß sie lieber ohne Arbeit sein, als bei der Arbeit verhungern wollteii. Der Streik ist deshalb von besonderer Bedeutung, Iveil Leide» für die Arbeiterbewegung bis jetzt eine tote Stadt war, Ivo der Klerus eine unumschränkte Herrschaft ausübte.— Der Bergarbeiter-Verband de» Loire-DcpartcinentS bc schloß eine frühere Abhaltung des ursprünglich auf de» 24. Dezember einzuberufenden Bergarbeiter-Kongresses zu verlangen nnd auf diesem die Frage deS AnSstandeS zu besprechen. Ter Storwcgisrhc Vuchbinder-Vcrband hielt vom 8. bis 10. August in Kristiania seine zweite LandeSvcrsanmilung ab. Ter Verband hat sich in den letzten Jahren beständig weiter entlvickelt. Die LandcSvcrsaimnIung nahm eine Resolution an, in der eine Rc- Vision deS HandwerkSgeietzes, besonders der Bestinunungen über daS LchrlingSwesen gefordert wird. Ferner erklärte sie, daß es Pflicht der Mitglieder sei, die socialdemokratischc Presse zu unterstützen. AIS Verbandsvorsitzender wurde A. Gnndersen gewählt. Znm Kohlenarbeiterstreik in Pcnnsylvanieu wird berichtet: Die Unterhandlungen zur Beilegung des AnSstandeS scheinen jetzt endgültig gescheitert zu sein, denn Mr. Morgan läßt plötzlich snachden, er erst vor wenigen Tagen den Bischof Pottcr und den Senator Hanna mit der Beilegung erneut betraut hatte) ankündigen, er könne weiter nichts thun uiid werde sich nun nicht mehr in den Aus stand mischen._ Sociales. Tic herrliche preußische Volksschule. In einer Gerichtsverhandlung schilderten. wie der.Magdebnrgischen Volksstimme� berichtet wird, der Lehrer Dcumichen auS Wolferode bei EiSlebc» sowie der Schulinspektor Pastor Göbelein die Zu stände in der dortige» Schule in lieblichster Weise: Bei der letzten Einschulung hätten wegen Platzmangels 47 Kinder znrückgcwicsen werden müssen. Die RcgiernnaS- bestiininimgen bezüglich des Raumes nnd der Luft für die Kinder Ivürdcn nicht beobachtet. Für 80 Kinder sei nur Platz in den Klaffen, aber SS Kinder würden untergebracht. Mit Recht meinte der Lehrer, eS sei gar kein Wunder, wenn er sich in solcher Klasse nicht nichr zurecht finde. Trotz ihrer Kenntnisse könnten die Kinder nicht versetzt werden, weil in de» oberen Klassenauch kein Platz sei. Wenn Platz werde, sage der Schub inspektor:{„Jetzt können wir wieder versetzen!' Pfarrer Göbelein bekundete ebenfalls, daß in dortiger Gegend die Kinder wegen Raummangels größtenteils erst mit dem 7. Jahre ein geschult würde». Bei den Versetzungen der Kinder verfahre er sehr liberal. Er gehe nicht so genau nach den Kcnntniffen. sondern mehr nach dem Alter und strebe danach, daß möglichst alle Kinder ans der ersten Klasse konfirmiert werden. lieber solche Zustände glaubt man die Oeffentlichkeit hinweg- täuschen zu können durch Mißbrauch der Statistik, dadurch, daß man dem königlich preußischen Statistischen Bureau anfgiebt, durch AdditionSknnststücke die Welt mit großen Zahlen zu blenden. Ter englische ZlrbcitSmarkt. Nach der. Labour Gazette' zeigten die berichtenden Gewerkschaften im Monat Juli vier Prozent Arbeitslose. Von Lohnänderungen wurden 293 911 Arbeiter betroffen. Das Resultat dieser Aenderungen ivar eine Lohnherabsctzung von 60 Pf. pro Kopf und Woche.— GeuosseuschastS-AnSstellung in England. Die JahreS-AuS- ftellnng von i n den Genossenschaften hergestellten Waren wurde letzte» Mittwoch ini Kryftallpalast. London, eröffnet. Der bc- kannte Vcrgarbeitcr-Vertretcr Mr. F e n w i ck hielt die EröffnniigS- rede, in der er sagte, daß die freiwillige Kooperation die beste Form des Socialismns fei. Der britische Charakter sei der Gewalt ab- geneigt. England werde„durch friedliche Evolution zum Ziele des kolleklivcn Altruismus konimcu." Ebenso sei die Gewinnbeteiligung ein Schritt vorwärts zu diesem Ziele. Fcnwick kann bekanntlich seinen AllrniSninS mit dem Niederschlagen der Achtstunden-Bill wohl vereinigen. KreiSkonferenz für den RcichStagS-WahlkreiS Nicder-Barnim. abgehalten am Sonntag, den 24. August, im Lokale der Witwe ThvmaS zu R e i n i ck e n d o r f- W e st. Vor Eintritt in die Tagesordnung ge- dachte der Kreis-Vertrauensmann F r e i w a l d t- Pankow in warmen Worten des im Rieder-Barniiner Kreise besonders thätig gewesenen Genossen Metzner, dem zn Ehre» sich die Anwesenden von ihren Sitzen erhoben. Darauf wurden ins Bureau gewählt: Freiwaldt» Pankow, H a u s ch i l d t- Weißensee und O e l k i n g- RnmmelSburg. Laut Bericht der Mandats-Prüfungskonimission nahmen an den Be- ratungen 66 Personen teil und zwar waren delegiert au«: Oranienburg 2, Ncuenhagen 2, RummelSbnrg 5, Reinickendorf 4. Pankow 4, WaidmaimSlust 4,' Weißenfee 6. Lichtenberg 6. Friedrichs- Hagen 3. Stralau 3. FriedrichSfelde 2. Ober- Schöneiveide 2, Bernau 2, Erkner 1. Außerdem waren anwesend 12 Bezirks- Ver- trauenSlente, 2 Revisoren, 2 PreßkommissionS-Mitglieder, 1 Mitglied der Agitationskoimnission, der Obmann der Lokalkommisfion, der Kreisvertrauensmann und der Abgeordnete deS Kreises, Genosse S t a d t h a g e n. Dieser hielt das Referat über die bevorstehenden Reichstags- wählen. Er wies vor allem auf die groß« Bedeutung des kommenden Wahlkampfcs bin, der ganz unter der Devise„Gegen den Brotwucher" ausgefochten werden müsse. Zum Schluffe seiner wirkungsvollen Ausführungen ermahnte er die Genossen, beizeiten in die Wahlagitation einzutreten, weil auch die Gegner kein Mittel un- versucht lassen werden, uns den Kreis wieder zu entreißen. Be sonders müßten die Genoffen es sich angelegen sein lassen, den kommenden Herbst und Winter zu einer intensiven Landagitation anSznmiyen, damit die Socialdemokratie diesmal nicht nur den Sieg erringe, sondern auch einen namhaften Stinimenzuwachs zn ver zeichnen habe.— Nach den: beifällig aufgenommenen Vortrag wurde Stadthagen ein st immig wieder als Oeichs tags-Kandidat für den Kreis aufgestellt. lieber die Brandenburger Provinzialkonferenz sprach Tanbmann- Weißensee. Redner geht unter andrem kurz auf den Stand der Provinzialpresse ein. Ferner bedauert er das nnergnickliche Verhältnis zwischen Gewerkschaften und Partei an mehreren Orten und unterzieht den Antrag der Genossen zu Frank furt a. O., der die Abhaltung von selbständigen RegicrnngsbezirkS Kouscrenzcn bezweckt, einer abfälligen Kritik. An feine Ansfühningen schließt sich eine lebhafte, umfangreiche Diskussion. H o l z h ü t t c r Fricdrichshagen wünscht«ine Vermehrung und bessere Ausgestaltung der Provinzialpresse. In Anbetracht des großen agitatorischen Wertes der Presse dürfe man mit Geldmitteln nicht knausern, sondern man solle dahin streben, daß möglichst allen Bezirken der Provinz eine Partei zeitung zugänglich gemacht werde. Doch dürfe unsrc Presse nicht immer so einseitig gehalten sein, waS auch für den„Vorwärts' gelte. S ch u m a n n« Weißenfee und G i r b i g- Stralau sind erstaunt darüber, daß es noch Gewerkschaften gäbe, die der Partei entgegen arbeiten. Grauer- Lichtenberg führt dieses Verhältnis auf die Indolenz der betreffenden Gcivcikschaftsfiihrer zurück, polemisiert dann gegen die Anffassung Holzhütters betreffs der Presse und wendet sich gegen die von Frankfurt beantragten BezirkSkonfcrenzcn weil sie ans dem Bestreben entspringen, sich der Mitwirkimg der Agitationskommission zn entziehen. P i n s e l e r- FricdrichSfelbc ist der Ansicht, die AgitationSkommisfion hätte mehr thun müssen um die Gewerkschaften der verschiedenen Orte von ihrem parteischädigenden Standpnnkte abzubringen. Hierauf führt Stadthagen aus: Es sei endlich einmal an der Zeit. offen auszusprechen, daß eS sich sowohl bei den Differenzen mit den Gewerkschaften, als auch mit denen der Frankfurter Geiiossen lediglich um Quertreibereien einzelner Personen handelte, die Masse stehe solchen Dingen gänzlich ferne. Unter den Gewerkschastslritern gebe eS Leute, die irgend ivelche revisionistischen Redensarten falsch ver- standen hätten und oeshalb künstlich einen Gegensatz zwisebeii Gewcrk schaften und Partei zu tonstruieren suchen. Redner ivarnt dann vor unvorsichtigen Zeitungsgründlingen und sonstigen geivagten Experi menten. Die häßliche Eliquenwirtschaft habe sich wohl am drastischtcn bei der Anfftellung des ReichstagS-Kandidaten gezeigt. Mit dieser Wirtschaft müsse die Piovinzialkonfcrcnz energisch aiifräunien. H e l b i g- Bernau meint, au-h in Bernau gäbe e§ Leute, die. wenn sie in Berlin arbeiten, sich als große Parteigenossen gerieren. die aber, sobald sie in Bernau seien, mehr gegen als fiir die Partei agitieren. Im übrigen wünscht er, die Delegierten möchten auf der Konferenz dahin wirken, daß der„Vorwärts' in dem benachbarten Bernau vom Spediteur auch für 1,10 M. pro Monat geliefert werde,»nd derselbe nicht, wie jetzt, den Gcnoffcn 1.24 M. ab- nehmen könne. Nach einigen Schlubbemerkmigen TaubmannS wurde zur Wahl der Delegierten geschritten. Gewählt wurden: Pinseler- FriedrichSfelde, Freiwaldt» Pankow und K r a m m- Friedrichs Hägen. Anträge zur Provinzialkonferenz stellt« die Veriamm lung nicht. Hierauf behandelte Stadthagen in einem zweiten Referat die Tagesordnung des M ü n ch e n e r Parteitages. Eine DiS kusfion wurde nicht beliebt, ebenfalls verzichtete die Konferenz auf die Stellmig selbständiger Anträge. Zu Parteitags- Delegierten wurden gewählt: Freiwaldt- Pankow und Grauer- Lichten- berg, als Ersatzmann: Tanbmann» Weißensee. Eine kleine Debatte entspann sich noch beim Punkte„Lokal» frage', über den R i e b e- FriedrichSfelde berichtete. Schließlich wurden der Lokalkonimission folgende Anträge zur Berücksichtigung überwiesen: 1. Am Kopf der Lokalliste ist fortzulaffen:„Alle Lokale, die keinen Saal haben, sind frei'. 2. Zwecks Vereinfachung und größerer llcbcrsichtlichkcit ist folgende Aciidcrung in der Lokalliste vorzunchmcn:„Die freien Lokale in Berlin sind nicht mehr namentlich aufzuführen, sondern so tvie in den Nachbarkreisen Teltow-BeeSkow, Nicdcrbarnim, PotSdam-Ostbavelland. Stehen nur wenige Lokale der Partei nicht zur Verftigung, so ist zu setzen:„Sämtliche Lokale frei, außer N. N..-c.' Den Antrag 1 hielt die Konferenz deshalb für zweckmäßig, weil der betreffende Pasius in den ländlichen Bezirken zu Mißhelligkeiten geführt habe. Ein Antrag O e l k i n g- Rummclsburg, von der Lokalkonimission die Freigabe der„Philharmonie' zu fordern, wurde gegen sechs Stimmen abgelehnt. Damit war die Tagesordnung erschöpft.___ Tic Lohnbewegung der Bauklempner. Eine sehr zahlreich besuchte Klempnerversamnilnng, an der auch Vertreter der Arbeit- gebcr teilnahmen, tagte am Sonntag in Kellers großem Saal. Zn- nächst berichtete Weitzel, der Vorsitzende des GesellenaiiSschustcS. Über die Verhaiidlmigen nnt dem Vorstand der Innung. Dieser hat sehr wenig Entgegenkommen gezeigt und beabsichtigt, wie der Redner meint, die Sache zu verschleppen. Mit Abschaffung der Accordarbeit sind die Meister nicht ein- veistanden; das Einzige waS in dieser Hinsicht geschehen könne. wäre die Ausstellung eines cinbcitlichcn Tarifs. Die Festlegung eines MinimallohneS sei ihrerseits, so erklärten sie. auf absehbare Zeit nicht zu erwarten, dazu gäbe eS zu viel minder- wcrtige Arbeitskräfte. Im allgemeinen, meinte der Vorstand, müsse der Innung mehr Zeit gelassen werden, um eine endgültige Etil- scheidnng zu treffe».— Hieran anknüpfend kiitisierte Cohen das Verhalten deS JlUiungSvorstandeS nnd wies auf einen Artikel der „Berliner Klenipner-Zcilung' hin, worin den Führern der Gehilfen vorgeworfen wurde, sie wollten keine Tarifabmachnngcn und hätten ein Interesse an der Uneinigkeit im Gewerbe. Jetzt zeige es sich deutlich, führte der Redner au«, daß die Meister keinen Tarif wollen und daß jener Artikel ihres Organs nur darauf berechnet sei, Uneinigkeit in die Reihen der Arbeiter zu bringen. Der Ober m ei st er Bergcr von der Kleinpner-Jnnung nahm dann das Wort und verwahrte sich gegen de» Vorwurf der Verschleppung. Der Zeitrauni für die Entscheidiing sei zu kurz, eS müsse erst eine allgemeine Versammlinig der Meister innerhalb und anßeihalb der Innung einberufen werden. Festsetzung cineS MinimallobneS fei gar nicht möglich. Ab- chaffung der Accordarbeit sei auch nicht durchführbar. Wo bleibe denn da die Kalkulalion der Arbeit, wenn die Accordarbeit ab- geschafft werde! Von allen Forderungen möchte der Obermeister nur die Durchführmig der gesetzlichen Schutzrüstungen annehmen; den Erlaß deS Polizeipiäsidenten, wodurch die Berordnimg von 1897 aufgehoben wurde, erklärte er für sehr rätselhaft. Die Ver- antwortnlig für den Artikel der„Berliner Klempner- Zeitung' lehnte er ab, die Innung hätte keinen Einfluß auf daS Blatt. Im übrigen warnte der Redner die Gehilfen vor einer Katastrophe.— Cohen wie« in seiner Er- wtdenmg darauf hin. daß jetzt trotz der Accordarbeit einzelne Meister nicht zu kalkulieren verstchc», daß z. B. eine Firma eine Arbeit für die Hälfte, und weniger als die Hälfte des Preises übernommen hat, den andre dafür verlangten. Solcher Schmutzkonkurrenz könne gerade durch Festsetzung eine» MinimallohneS entgegen gewirkt werden. Daß Kalkulation bei Lohnarbeit möglich ist. beweise der Umstand, daß die Accordarbeit in Hamburg im Klempnergeiverbe bereis seit 1900abgeschafft ist. Nach einer weiteren DiSknision wurde einstimniig beschloffcn. am Montag früh in allen Werk st ätten dieForderungen einzureichen und bis spätestens Mittwochabend Bescheid zu verlangen. Der Agitationskommission wurden df« Funktionen einer Lohnkommission übertragen. Am Mittwochabeid soll wieder eine Vcrsaminlung bei Keller in der Koppcnstraße statt. finden. Alle Bewillignngen und Ereignisse, die auf die Lohnbewegung Bezug haben, sollen im Bureau gemeldet werden. Tie Mitgliedschaft Berlin deS Tentschc» Hafenarbeiter- Verbandes hielt am 20. August bei P. Forlanier. Tegclerstr. 55 56, ihre ordentliche Geiieralverfamnilung ab. AIS Delegierter zur Ge- werkschaflskommission wurde Joho einstimmig wiedcrgeivähtt. In den Vorstand wurden gewählt: Gielow, erster Voisitzcnder; Hoppe, zweiter Vorsitzender; Beycrsdorf, erster Kassierer; Fortanier, zweiter Kassierer; Joho. erster Schriftführer; Braatz, zweiter Schriftführer; Revisoren: Hcndlaß, LncaS, Glienicke. Ter socialdcm akratische Wahlverein Charlottcnburg hielt am 21. d. M. seine regelmäßige Mitglicdervcrsanimlnng ab. Bevor in die Verhandlungen eingetreten wurde, ehrte dieselbe das Hin- scheiden nnsrcs Parteiveteranen Theodor Mehner durch Erheben von den Sitzen. RcickiSlags-Abgeordiieter Fritz Zubcil hielt hieraus einen sehr beifällig anfgenommenc» Vortrag über die Liebcsgabcnpolitik. Den Bericht über die Gencralversannnlnng deS Ccntral-WahlvcrcinS erstattete» Bunge und Förster, letzterer bedauert, daß die Prcßkoinmission in derselben nnvcrtretcn blieb Pagcl regt an. die Generalversammlung des Central-WahlvereinS sür die Folge erst nach Bekanntwerden der Parteitags-Tages- ordnnng' abzuhalten, damit den Orlsvcrcinen die Möglichkeit gc> laffcii ivird, dieselbe zu besprechen nnd ihre Delegierten eventuell dahingehend zu bcanftragcn. Eberhard hält dem entgegen daß die Anträge zur Provinzialkonferenz bis zum 18. d. Mls eingereicht werden mußten, und dennoch die General- versainnilung nicht später abgehalten werden konnte. lieber den Antrag deS Genossen v. Oppel ging die Versannn- lung nach Verlesung desselben zur Tagesordnung über, da auch die Gcneralvcrsannnliing des Ccnlralvcreins denselben ablehnte. Unter VereinSangclegenhcilc» teilte der Vorsitzende mit, daß dei Vorstand dein Antrag Förster, welcher den Ausschluß des Mit- gliedcs Wilhelm Sabor aus dem Wahlverein fordert, ein- stimmig stattgegeben hat, welchem Beschluß die Versainnilung gegen zwei Stinmien beitrat. Zuin Schluß ließen sich 13 Genossen auf- nehmen. Stralau. Ani 17. August hielt der socialdemokratischc Wahl- verein sür den Bezirk Stralau seine Generalveisamnilung ab. Dei Kassenbericht ergab eine Einnahme von 185,97 M. nnd eine Aus- gab« von 70,56 M. Verichtigung. In dem Bericht der Versainmluiig des 5. Kreisel ist irrtümlich mitgeteilt, daß meine Anregungen betreffs der Mai- feier durch llebcrgang zur Tagesordnung erledigt worden wären Dies ist nicht der Fall, fast alle Redner waren mit mir einverstaiidcr und hat eine Abstimmung über den„Antrag', zur TageSordnunc überzugehen, nicht stattgefunden. Ein Antrag auf Schluß der DiS- kttision hatte die Abstimmung, die zweifellos zu Gunsten meiner An- rcgnngcn ausgefallen wäre, verhindert. Einen bestimmten Antrac hatte ich überhaupt nicht gestellt. Otto W e l S. Berichlignng. Ter Bericht über die Generalversammlung de, sechsten Wahlkreises ist insofern ungenau, als er gerade denjcnigcr Teil meiner Anssührungeu, auf den es hauptsächlich au- k o m m t und der für jeden die Berechtigung zur Oppositioi erkennen läßt, weggelassen hat. Ich habe mich dagegen gewandt, daß die Bezirksführei gezwungen sein sollen, für die Beschlüsse dei Bezirksführer-Ko ufere n z auch dann einzutreten wenn sie i n d e n K o n f e r e u z c n g c g e n d i e B e s ch l ü s s i gestimmt haben. Dieses Eintreten heißt, daß sie in de» Gcncralvcrsamnilnngcn gegen ihre eigne Ucbcrzcugung stimme» müssen, wenn sie sich nicht eines sogciiauntcn DiSciplinbruchi schuldig machen wollen. Da im Statut deS Wahlvereins kein Won von einem solchen Zwange steht, so habe ich dieses Verfahren ali statutentvidrig b e z e i cki n e t. Ich bin also für die Ver- f ü g n n g s f r e i h c i t der B e z i r l s f ü h r e r in den General- Versammlungen eingetreten. Ferner habe ich ausgeführt, daß, wenn dieses System so geHand. habt wird, es innucrfort zu Reibereien führen muß. die im Jntcresst deS Friedens vermieden werden sollten. H. Lorgmann. Ueltke Nschvichken und Dcpeschene Eine Rede Wilhelm II. Berlin, 25. August.(28. T. B.) Der Kaiser hielt bei einem Dinci an die Vertreter der Prov. Brandenburg folgende Ansprache:„Ich freui mich, die Märkcr wieder um mich versammelt zu sehen, denn ick habe das Gefühl, daß alleS, was das Land geworden, nnd wa£ das Reich geworden, schließlich beruht auf einer festen Säule, und diese Säule ist die Mark. So wünichc ich denn von ganzem Herzen, daß es meinem Hanse auch fernerhin beschieden sei, treue, zuverlässige, gehorsame«ud pflichttreue Uuterthaue» zu haben, wie die Märker eS von jeher de» Hohenzollern gewesen sind.' Zur Flclschnot in Posen. Berlin, 25. August.(W. T. B.) Ueber daS Ergebnis dei Besprechung, ivelche heute bei dem LaiidivirtschaftS-Miuister mii Vertretern der Pofener Stadtbchördcn. dem Vorsitzenden der dortigen Landivirtschaftskainiiier und dein Vorsitzenden der Centrale fni Viehverivcriniig ftattgefniidcn hat, ivird uns mitgeteilt, daß der LandwirtschaftS-Minister erklärte, die Ocffniiirg der Grenze auS vetcriuärpolizeilicheu Gründe» nicht konzedieren zu können, daß die Centrale für Vichverwertung es aber über- »ommeii hat. dafür zu sorgen, daß während der bevorstehenden Mcnschciiaiihäufung in Posen eine reichliche Zufuhr vo» Schlacht- vleh, namentlich von Schweinen, dorthin stattfinde. Katholikentag in Mannheim. Mannheim, 25, Anglist. a ch e r g e iv e r t S und noch eine einfache Fahne in den Farben schwarz- rot- gold. Sie war 1843 zur Revolutionszeit vom Gcwcrk angeschafft worden und fand beim Leichenbegängnis die richtige Verwendung. Ebenfalls hatte der Lese- und D i S k n t i e r k l u b Südost feine Fahne in den Zug ein- gereiht; von andren Feldzeichen, wie man wohl sagen darf, bemerkten wir das Banner des Vereins der Handels» und Transportarbeiter. Hinten auf dem Hose des Hauses Skalitzcrstr. 69 hatte fich in- zwischen der G e s a n g v e r e i n S ü d o st aufgestellt, um den schmuck- losen Holzsarg mit einem Trauerliede zu empfangen. Em viertel nach zivci Uhr setzte sich der Leichenzug in Bewegung. Gleich hinter dein Wagen gingen der Parteivorstand, die Verlranens- Icnte der Partei, die socialdemokratische Stadtvcrordnetcnsraktion, die Stadträte Kalisch und Wagner, die liberalen Stadtverordneten Cassel, Roscnow, Gerkc und Dr. Glntzel, sämtlich mit der goldenen AmtSkctte geschmückt, die Redaktion und Expedition des.Vorwärts", partcigcnöjsische RcichslagS-Abgcordncte, foivie Delegierte aus dem RcichStagS-Wahllreife SchwiebnS. Sodann folgten in Wagen die Familienmitglieder des Toten und nähere Freunde von ihm und hierauf marschierten im langen, langen Zuge, die Mitglieder der Wahlvereine Berlins und der Vororte, denen sich die gewerkschaftlich organisierten Parteigenossen angereiht hatten. Im Gegensatz zu den l>cl Liebknechts Leichenbegängnis getroffenen Auordnungen hatte die Behörde diesmal gestaiict, daß Kränze mit roten Schleifen im Zuge getragen werden durften, doch mußten die Schleifen mit Flor umhüllt sein. Auch sonst verdient anerkannt zu ivcrden, daß die Polizcibcamtcii, unterstützt von den parteigenösstschcn Ordnern, mit Takt und Geschick alles thatcu, um dem Trauerzuge bei dem starken Slraßcnbahnbctricbe freie Bahn zu schaffen. An die L'/e Stunden dauerte cS, bis auf dem Wege durch die Warschaucl-, Petersburger-, Elbinger- und Tanzigerstraße der Fiiedhof in der Pappclallee erreicht war. Hatte sich schon im Südosten ei» stattliches Spalier gebildet, so standen in den Straßen der Schönhauser Proletariervorstadt die Massen in dichten Reihen, um ehrfurchtsvoll den Toten zu begrüßen. Rur eine kleine Zahl der Leidtragenden konnte bei der L c i ch c n f c i c r auf dem Friedhofe zugegen sein..Ein Sohn des Volkes wollt' er sein und bleiben." Mit diesem einem jeden von uns anö Herz gewachsenen Liede begrüßte der Gesaiigvcrciu Norddeutsche Schleife den Sarg und mit denselben Worten leitete Parteigenosse W a l d e ck M a n a s s e die Trauerrede ein. »Nicht nur die Familie, so sagte der Redner weiter, wir alle haben ihn verloren, und viel ist mit ihm dahingegangen. Nie- mand hat erivartet, daß unser Theodor so schnell von uns scheide» werde, er. der bis zum letzten Tage ein Muster jugcndsrischen Wirkens war. Und doch wird dieser Tod. der uns wie ein Blitz ans Heilerin Himmel kam, unsreni wackeren Mitkämpscr willkommen gewesen sein. Oft sagte er, daß er zu sterben wünsche wie Lieb- knecht gestorben ist und dieser Wunsch ist ihm in Erfüllung ge- gangen. So ging er nach seinein Willen von uns, nicht im Leben schon ein siecher Mann, sondern gleich der Sonne, die am Himmel her- niedersinkt und durch ihr Abendrot noch die Welt mit schönem Schein verklärt,»in Lebenswerk hiiiterlasseiid, das u»S noch lange in lieber Erinnerung bleiben wird. Wenn einer der Großen dieser Erde pomphaft zu Grabe ge« tragen wird, so zieht kalte, gefühllose Schaulust die Menge auf die Straße. Anders bei dem Manne, der aus d'in Volke hervorgegangen und dessen Leben ein Kampf für die idealen Güter seiner Leidensgefährten geivescn ist. Ihm giebt das Volk mit vollem Herzen daS letzte Geleit und ehrt dankbar in ihm den Kämpfer sür die Befreiung aus Schmach und Not. Unser toter Freund hat gleich seiner Gattin nie da? herrliche Wort Mutter aussprechen dürfen; ein Findling, wurde er im Waisenhanse erzogen. Durch langes Weh und schmerzensreiche Kämpfe hat sein Weg hindurchgesührt. und doch war eine sonnige Lebenslust ihm eigen, und doch hat er. selbst wenn er einmal grollte, als wahrer Edelmann gern auch dem Gegner Achtung und Anerkennung gezollt. Selten verstand einer wie Metzner. zwischen Theorie und Praxis die Brücke zu schlagen und die Lehre» iinsrer großen Denker dem Volk ins Herz zu pflanzen. Daß unser teurer Freund mit selbstloser Begeistermig den Ideen nachlebte, die er als richtig anerkaniite. weiß am besten die Freireligiöse Gemeinde, der er lange Jahr« ein eifriges Mitglied war; alle die Acmter und Ehren, die ihm vom Volke zn teil wurden, hat er nicht als Ziele eitlen Ehrgeizes aufgefaßt, sondern in wackerer Pflichterfüllmig so verwattet, daß er zu jeder Stunde und ohne Groll sie in die Hände seiner Mandatgeber zurückgegeben hätte, wenn solche» von ihm verlangt lvordcn wäre. So trifft auch auf unsren Toten daS Dichterwort zu:.Er lvar ein Mann, nehmt alles nur in allem." UiiS aber ziemt eS. fein Wirken dadurch zu ehren, daß wir uns der Familie annehmen und im Sinne unsreS Freundes weiter kämpfen. Kein besseres Gelöbnis können wir uns hier am Grabe geben, als seinen Weg zu wandeln, trachte jeder wie er. ein Sohn des Volke« zu sein und zu bleiben!" Der Sarg wurde hierauf zu Grabe getragen und ein stimmnn gs- voller Gesang beschloß die Feier. ES ist miS unmöglich, alle die Kranz- u ii h B l u m e n s p e n d e n aufzuzählen, die von partcigcnössischcn und gewerkschaftlichen Organisationen, wie von persönlichen Freunden jetzt am Grab- niedergelegt wurden. Der Parteivorstand, die Parteicontrolcure. die Vertreter der Wahlvereine und Wahlkreise Berlins und der Umgebuug, Abgeordnete auS dem Kreise Schwiebu«, Delegierte der venchiedensteii Fabriken, die Gewerk- schaften ivohl ohne Ausnahme, sie alle häuften Kranz auf Kranz als letztes Zeichen der Liebe und dc§ BertranenS, das Theodor Mehner überall genossen. Keine der vielen Widmungen auf den Kranzschleifen faßt wohl schöner Metzners Wirke» in Worte zusammen als die ihm von der Freireligiösen Gemeinde iuS Grab mitgegebene Strophe: Die Freiheit, sie war Dir kein leerer Schein, Der lcnchtend-reinen Wahrheit galt Dein Streben, Freiheit und Wahrheit sollten im Verein Nach Deinem Siim uns rechten Adel geben, Nicht nur der Körper sollte sich allein Aus Schmach und Not und Kettendruck erheben, Daß frei der Geist, der Glaube sonder Zwang. DaS war das Ziel, worauf Dein Wirken drang 1 Verlitter Partei-Attgelegetthelten. Die Kranzschleifen, welche von den Parteigenossen zu Mehners Leichenfeier gespendet wurden, sind in geschmackvollem Arrangement von heute ab acht Tage lang im Lokal der Witlve Metzner, Skalitzer- straße 69, öffentlich ausgestellt. Erster Wahlkreis. Da uns Herr Thienie, Inhaber der „Kurhalleii" am Bahnhof BeNevue, den Saal verweigert hat, findet die Versamnilung am Donnerstag, den 28. d. M., in Cohns Fest- säleu, Veuthsir. 20, statt. RcichStags-Abgeordnctcr Fritz Kmiert spricht über:»Die Notwendigkeit der Wcltlichkeit niisrcs gesamten Schulwesens, eine socialdemokratische Programmfordermig". Lr-eialdemokratischcr Wahlverci» für den 6. Ocrliner Reichstags- Wahlkreis(Moabit). Infolge plötzlichen Absageiis des Refcreutcn kann die für heute abend geplante Versammlung nicht stattfinden. Dieselbe findet mmmehr am Donnerstag, den 28. August, abends 8'/» Uhr, in den A rm i n i u S« H a l l e n, Bremcrstr. 72/73, slatt. Tagesordnung: 1. Vortrag des ReichStags- Abgeordneten Fritz Zubcilüber:.Die Technik der preußischen Landtags- wählen". 2. Diskussion. Um rege Beteiligung ersucht der Vorstand. Obcr-Schönewcide. Morgen Mittwoch, abends SVj Uhr, findet bei Kaufholt eine Versammlung des WahlvercinS statt. Die Juseratcnbühne. ES ist erreicht. Die Reklame, die bisher nur bescheiden den Vorhang zierie, hat kühn den befreienden Schritt gewagt und sich die iveltbcdciilcnden Bretter selbst erobert. Das Metropol- Theater war eS. wo die bahnbrechende That sich am Sonnabend vollzog. Wenn bisher der Berliner nebst Gattin ans dem Morgen- schluminer erwachte, nach dem Leib- und Magenblatt griff und statt der erhofften Morde und SittlichkcitSvcrbrechen nichts als Inserate zum Kaffee vorgesetzt erhielt, war er im gewissen Sinne enttäuscht. Inserate, schwarz auf weiß, aus Wind und schnöder Druckerschwärze fabriziert, das mußte jeden, der nicht zufällig einen Hut, eine Stellung oder eine LebeiiSgefähr'tin brauchte, zum Sterbe» anwidern. Und nicht minder langweilig war es, wenn daS Auge im Theater verdammt war. eine Viertelstunde lang unausgesetzt den geschmacklosein Reklamevorhang anzustarren. Das ist seit Sonnabend anders geworden. Sclbstbcrständlich konnte der erste Schritt noch keinen uiibestiittenen Sieg bringen, aber dieser Schritt ließ die kühnsten Erwartungen rege werden. .Berlin bleibt Berlin" heißt der nichtssagende Titel der Aiisstattiingsposse, mit der die neue Saison im Mctropol-Thcater eröffnet wurde..Jandorf bleibt Jandorf" wäre stiiiimimgSvoller und programmatisch klarer gewesen. Im ersten«nd zweiten Bilde kam wie früher der altgewohnte Trubel mit Thomas, Bender, Frid- Frid und Hilniniel an der Töte. Nur daß Bender sich hatte schwarz anmalen und als radfahrender Neger ein mit englischen Brocken ver- liieilgtcS Deutsch parlieren müssen. Einige Damcn, darunter Frau Jmiler-Schatz vom verwandten Thalia-Thcaler debütierten mit über- wältigendcm Erfolg. Dann wurden der Sportparstz« Friedenau nud da§ jedem liebebedürftigen Jiiiigliiig am Herzen liegende Lokal von Schramm iiilt dem WilnierSdorfer Kirchturm im Hintergründe überaus verführerisch auf der Bühne vorgeführt. DaS war der erste, noch schüchterne Anfang der Bühnenreklame. Die eigentlich revolntio- liierende That jedoch kam im Schlußbilde und wurde durch daS nie versagende Ballet zu glänzender Wirkung gebracht. Vier Balletcnscii schweben heran, phantastisch als KonfcktionS- damen in Rot ausstaffiert. Sie heben das Köpfchen in die Höhe lind nnicr jedem der vier Hüte leuchtet der Name Jandorf hervor. DaS Kleeblatt macht feine PaS nach rückwärts, von einem Scioptikon aufs neue»>it dem Namen der Wellfirma bestrahlt. Jetzt tänzeln die Damen dicht vor die Rampe, heben das oberste Röckchen in die Höhe. und auf den Ilnterklcidcr» glänzt abermals in besonders wirkniigsvoller Schrift der Name Jandorf. Neue Abwechslungen in derselben Couleur bieten dann daS zweite, dritte Unterröckchen, bis endlich auf den am Schluß wirkuugSboll zur Schau gestellten drallen Schenkeln der vier Damen die Lniliale» A. I. sichtbar werden. Mit gleickicr Geschicklichkeit wurde für Adam, Marliewicz und und eine Anzahl andrer Geschäftshäuser Reklame gemacht. DaS prägt sich iuS Gedächtnis dcS Publikums ei», ist schmack- hafter als die ZeitungSrcklame und kommt am Ende oarnicht ei»« mal lenrcr. Einige altfiänkische Pedantc» zischten ob der Neucriing. Die Opposition lvurde von der selbstlos am Gedeihen der Berliner Judilftrie interessierten Masse der Besucher in Grund und Bode» applaudirt. Der im Mclropol-Thcater so siimreich in die That umgesetzte Gedanke ist nach diesem ersten, bedentuiigsvolleil Siege selbstverständ- lich lveitcr auSzilspilmcn. AnSvcrkäilfc, neu eingeführte Waren können gar nicht großartiger als durchs Ballett bekannt gegeben werden. Schanfeiisterdekolatcur lind Jnscrateliageut schwingen sich in die Aetherhöhe» poetische» Schaffens empor, stützen den Dichter, lveiiii die Kraft seiner Lenden versagt und öffnen ihm im hohen Gedanken- fing neue, niigeahnte Welte». Kein Dramenschreiber braucht mehr zu hungern, denn das Ansehen, das Interesse der Firma erheischt eine anständige Honorierilng. Aber auch der Thcatcrdirektor kann sich fortan ciiiem sorgeilfreien Leben hingeben, denn wenn die Kosten der Ausstattung doppelt und dreifach von den ersten Geschäfts- firmen gelrage» werden, fällt der weseiitlichste Teil des Risikos fort. Auch ist jedem Dichtcrwerk der iiene» Gattimg von vornherein der Erfolg gesichert, deilii erstens lvird das Prcnilereiipllblikiu» fortan fast ausschließlich auS den kontraktlich zum Applaus verpflichteten Angestelllen der interessierten Geschäftshäuser bestehen unb zweitens wird die Kritik sich hüten, die hervorragendsten ZeltvngSiilser-nten geschäftlich zn schädigen. Allerdings vesteht die Möglichkeit, daß nilsre großen Waren- Häuser die Theater aufkaufen, sie tagsüber als Berka»fSräiline bc- nutzen nud abends.Hamlet' und.Lohengrin" vielleicht gar in GratiSvorstelliingeii dergestalt anfführen, daß der Meterpreis dcS GardcrobenstoffcS den Kostümen in großen Letter» angeheftet ist. Aber diese Gefahr geht einzig die Theaterdirektoren an, die heute schon Geschäftsleute genug sind, um sich auch in veränderte» ProdiiktionSbedinglliigen zurecht zn finden. Bemerkt sei. daß einige Blätter sorgenvoll an der Neuerung herumnörgel». Ohne Ursache, wie uns dünkt. Noch nie hat eine gut geleitete Firma das für Reklame ausgegebene Geld zu bereuen brauchen und auch fortan lvird in der Geschäftswelt der Wert des ZeitungSiilserats nicht unterschätzt werden. Der Roland-Brmmen auf dem Keniperplatz ist gestern in Gegenwart des Kaisers enthüllt worden. Die.Tägl. Rundschau" bringt über dies Ereignis einige recht hübsche Mitteilniigen. Nach dem genannten Blatte wandte sich der Minister des Innern Freiherr v o n'H a m m e r st e i n zur Gruppe der I o u r n a I i st e n mit den Worten:.Ach, das ist lvohl die hohe Presse— Sie sind Ivohl schon bei der Arbeit. Na, machen Sie nur recht hübsche Berichte." Der Minister mag offenbar an das Wort des Kaisers von den koniinnndiereiiden Generalen gedacht haben, denen jenseits der grauen Wasserwüste die Jonrnalisten gleich sein solle». Alle Leutseligkeit deS Ministers wird aber die braven deutsche» Richter nicht abhalten, bei passender Gelegenheit auch wieder einmal einen liberalen, land- dündlerischen oder antisemitischen Mann von der„hohen Presse" bei Rlinisiitsch und blauem Heinrich einige Monate einzusperren. Weiter meldet die.Tägliche Rundschau":.Der Kaiser betrachtete lauge zuerst daS Ganze und dann alle Einzelheiten. Lachend zeigte er mit dem JntcrimS-Marschallstab ans launige Teile, zum Bei- spiel auf das alte Berliner Wappen, bei dem der heraldische Adler auf dem Bären sitzt, auf die Froschgruppen und ans einzelne originelle Wappen. Er spendete dem Künstlcr reiche Anerkennung unb übergab ihm den Roten Adler-Orden dritter Klasse mit der Schleife.' Dann rief Herr v. LueanuS den Oberbürgermeister Kirschner zum Kaiser, der dem Stadthaupt persönlich den Kronen-Orden zweiter Klasse überreichte. Der Ober- bürgermeister dankte dem Kaiser für den Brunnen und der Monarch verweilte mit Herrn Kirschner vor dem Werke lange in angeregter Unter- haltiuig. Scherzend zeigte er ans das vergoldete Relief der beiden' streitenden Frauen und meinte, eS gebe wohl heute noch Per- sonen, die es auch so machten. Bei der Betrachtimg der Steinflgiir bemerkte der Kaiser, daß leider von dem alten Berliner Roland keine Abbildung mehr vorhanden sei." So die„Tägliche Rundschau". Den alten Berliner Roland soll bekanntlich Kurfürst Friedrich II. in die Spree gestürzt haben, als er 1442 die Selbständigkeit der Städte Berlin und Cölln vernichtete. Zum Dank dafür haben die Berliner des 19. Jahrhunderts diesem Kiirfürsten auf dem Rathaus« ein Denkmal gesetzt. Ter italienische Besuch. Der Polizeipräsident erläßt folgende Bekaiintmachung: Aus Anloß des Einzliges Sr. Majestät des Königs von Italien nm 23. d. Mle. und der an dieseni Tage um 10 Uhr vormittags im Zenghaiise statlfindeiideii Fahiieii-Nagelimg und«Weihe werden folgende Verkehrsbeschränkniigen erforderlich; Etwa von TVe Uhr vormiitagö ab werden gesperrt: für jeglichen Verkehr Kaiser Wilhelm- Brücke, Lustgarten, Schloßbrücke, Schloßfreiheit, Fahr- dämme der Plätze am Zeug- lind Opernhaus«, Fahrdänune, Mittel- pronicnadc und Reitweg der Straße Unter den Luide». Nach Bedarf die Vürgersteige der Plätze am Opern- nnd Zeughanse und der Straße Unter den Linden, solvie die Ucbergänge der Charlotten-, Friedrich- und Wilhelm« bezw. Neuen Wilhelnistraße. Später wird der Verkehr über den Potsdamer Platz, durch die Bellevuestraße, über den Kempcrplatz, durch die SiegeS-Allee, den östlich dieser be« legencii Teil der Charlotteiibnrger Chaussee lind über den Platz bor dein Brandenburger Thor zcilweiie abgelenkt oder»nterbrochen werden.— Anläßlich der am Abend staUfiiidciiden Gala-Oper wird der Fährverkehr aus der Südseite der Straße Unter den Linden und vom Dciiimal Friedrichs des Großen bis znin Schlosse hin nach Bedarf abgelenkt oder gesperrt ivcrden. Die Allfsichtsbeamten sind von mir angewiesen worden, dem Publikum auf den von der Sperrung nicht berührten Bürgersteigen die Teilnahine an den Einzngsfeierlich- leiten, soweit eS die VcrkchrSverhältnisse gestatten, zu ermöglichen; ich richte aber an die Eimvohiierschaft die dringende Bitte, den im Jiitcrcsse der Sicherheit des Verkehrs ergehenden Anfforderungen der Allfsichtsbeamten willig Folge zu geben, insbesondere die Fahr- dämme frei zu halten, sowie rechts zu gehen und rechts auSzu- weichen. ES ist ja nicht daran zn zweifeln, daß trotz aller Absperrungen die liebe Neugierde ihre Befriedigung sühnen wird. Für daS Schillcr-Theater, das mm auch kurz bor seiner Wiedereröffnung steht, ist dieser Zeitpnilkt von besonderer Bedeutung. ES tritt bekanntlich mit Beginn des nächsten Spieljahres in eine »ene Phase der Entivickllmg und wird damit eine wesentliche Er- Weiterung seines WirkiingSkreises erfahren. Nebe» dem Schiller- Theater im Osten wird es nun ein zweites Schiller-Theatcr im Norden geben, das sich in den Räumen des bisherigen Friedrich- Wilhcl», städtischen Theaters etabliert hat. Diese Verdoppelung lvird durch die Vezeichimiigeil: Schillrr-Thealer 0 lWallncr- Theater)»nd Schillcr-Theater U(Friedrich WilhcllnstädtischeS Theater) gekeiiiizeichiiet werden. Aenßerlich getrennt, werde» die beiden unter einer Direktion stehenden Bühnen in ihren, Betriebe aufs engste berbiniden sein. Die Prineipien, die bisher für die kniistlerlsche Leitung und die Organisation de§ Schiller- Theater« im Osten bestimnieiid ivaren, iverden cS nun auch für das Schillcr-Theater im Norden sein. J» beiden Theatern ivcrden die gleichen Stücke, von den gleiche» Kräften dargestellt.'ziir Aufführniig gelangen. Da in beiden Häusern täglich gespielt wird, iiinßtc der Personalbestand verdoppelt ivcrden, und die Besucher der beiden Schillcr-Theater werden somit neben den Kräften dcS bisherigen Künstlcrpersonals eine große Zahl von»eil geivoiiuciie» Darstellern keniicn lernen.— Die Eilitrittpreise sind für beide Theater dieselben, und auch der AbolnienlentS-ModnS. der sicki im Schillcr-Theater 0. in einer Reihe von acht Jahren so bewährt hat, wird in gleicher Weise im Schiller- Theater bl. in Kraft irctc». AbonncinentS-Niiineldniigen werden bis auf weiteres für beide Häuser im Schiller- Theater 0.(Wallner- Thcatcr) rutgegeiigenoinnlen. Die Tageskasse im Schillcr-Thealcr O. (WaNilcr-Thcalcr) lvird zur Elltgegennahme vo» Billet« Bestellungen siic die ersten Voislegiingen vom Montag, den 26. d. M.. an geöffnet sein, die Tageskasse im Schillcr-Theater 1�.(Friedrich Wilhelm- städtisches Theater) vom Donnerstag, den 28. d. M. an. I» beiden Theatern sind die Kassenstiinden von 10—2 llhr vormittags. Die erste Vorstellung im Schillcr-Theater t).(GrillparzcrS„ S a p p h o") findet Soiuiabelld, den 30. Anglist, statt. DaS Schillcr-Theater N. wird am Mittwoch, den 3. September, mit einem Werke Schillers. nnd zwar mit der„ V r a n t v o n M e s>' i n a" eröffnet werden. Ter Verkehr der Hochbahnstatioiien. Der Verkehr auf der eleltrischen Hoch- nnd Untergrimdbahli verteilt sich»ach einer sorg- fältige» Vcrkehrszählimg, wie sie die Betriebsberivaltiing vor- genommen hat, auf die cinzelnen Haltestellen folgenderiiiaßen: In Betracht gezogen ist lediglich der Verkehr, wie er sich im Durchschnitt an den Werktagen einer Woche abspielt. An der Spitze aller Halte- stelle» steht»aturgemäßidcr Potsdainerplatz mit über 9000 abgcgcbeiicn Fahrkarten. Durchschnilttich langen dort 9044 zahlende Fahrgäste täglich au. Au zlveiter Stelle steht der Zoologische Garten mit fast ebensoviel Verkehr. E« werden dort 8548 Fahrkarten täglich im Durchschnitt ab- gegeben. Aber auch die Oststrccke steht nicht erheblich gegen de» Verkehr im Weste» zurück. Auf der Haltestelle HallcschcS Thor werden täglich fast 7000 Karten ahgcgebc». genau im Durdj- schnitt 6756. A» vierter Slelle kommt die Bülotostraße mit 3856 Karte». Aiuiähernd ebensoviel haben Wiltenberg-Platz mit S661 Karten, NoNendorfplcch mit 3247. Kottbuser Thor mit 3226 Karten. Siralancr Thor, das bei der Zählung noch End station war, hatte 2S83 abgegebene Karten. Fast 2cx)0'ankoinmcnder Fahrgäste zahlen Schlesisches Thor und Möckernbrücke, über 2000 Oranienstraße. Die Venutzung der zweiten Klasse, die im allgemeinen den sechsten Teil des gesamten Verkehrs ausmacht, steigt auf einzelnen Haltestellen bis fast zu einem Drittel. Nnter dem Verdacht, de» Mord bei Plöstensec begangen zu haben, wird gegenwärtig im Potsdanier Gerichtsgefängnis der 80jährige Malerg e Hilfe Lcmmer aus Gumbinnen fest! gehalten. Am 47. August wurde er von dem Gendarm Regelin in Nowawes als Landstreicher verhaftet. Es stellte sich heraus, daß Lcnimer au seiner Weste erhebliche Blutspurc» hatte, auch ein voll- ständig zerkratztes Gesicht aufwies. Beides soll von einem Sturz von einer Treppe herrühren, doch glaubt man seinen Angaben nicht recht, weil Lcmmer für den Mordtag, den 14. August,' sein Alibi nicht nachweisen kann und es festgestellt wurde, daß derselbe, von Sonnenburg kommend, zu der fraglichen Zeit in der Umgebung von Plötzensee gewesen ist. Leimuer, welcher in Nowawes uinher- vagabondierte, lebt von seiner Frau, die in Spandau wohnt, schon seit Jahren getrennt. Chinafritnz. Durch einen Schnitt in den Hals wurde die nn« verehelichte Martha T r o n e t e, ivie erst jetzt zur Anzeige gc- kommen ist, von einem Mann schwer verletzt. Das Mädchen, das unter polizeilicher Aufsicht steht, benutzt zu ihren Zusammenkünften eine Wohnung in der Mnlackstraße. Hier traf sie in der Nacht zum 23. Juli mit einem Mann zusammen, der ihr plötzlich einen tiefen Schnitt mit einem Messer in den Hals beibrachte, ehe sie sich defsen versah. Die Veranlassung dazu ivar ganz eigenartiger Natur. Die T. sollte am 28. Juli in einer Gerichtsverhandlung als Zeugin auftreten, und der Zuhälter„Chiuafrnnz"— den Beinamen hat er ivegcn seiner T e i l u a h in e am chinesischen Feldzug— hatte allen Grund, ihre Aussage zu fürchten. Die Kriminalpolizei vermutet nun, daß in Zuhälterkreisen das Er- scheinen des Mädchens vor Gerichts verhindert lverden sollte und zu diesem Ziveck das Attentat angezettelt wurde. Die T., die sofort eine Unfallstation aufsuchen mußte,»ahin trotz der Verimmdung den Termin war und mußte dann in einem Kranken- Haus Aufnahme finden. Die Anzeige unterblieb zunächst auf Be- treiben der Wirtin, die ihre Wohnung zu den Zusammenkünften hergab, ist aber jetzt erfolgt. Die Verletzte ivill den Thäter, dessen Beschreibung sie gegeben hat, sofort wieder erkennen. Sittlichkcitöverbrcchc». Eine kaum glaubliche Dreistigkeit be- wies am Sonntag ein Lüstling in dem von Ausflüglern stark be- suchten Vorort Schönholz. Der Bursche, ivclchcr sich schon uiehrere Tage daselbst herumgetrieben haben soll, hatte beim Restaurant„Borussia- Park" ein kaum fünfjähriges Mädchen mit Obst an sich gelockt und in die nahe gelegene Heide verschleppt, Ivo er sich an dem Kinde vergehen wollte. Sein Treiben war indes von Besuchern des Lokals beobachtet worden, welche ihn unbemerkt verfolgten und dingfest machten, so daß der Unhold nicht zur Ans- führuug seines abscheulichen Plaues kam. Nachdem er eine Tracht Prügel vom empörten Publikum erhalten, wurde der Bursche verhaftet.— Wegen Blutschande wurde gestern der 26 Jahre alle Arbeiter Friedrich Birkhahn aus H e i l i g e u s c e verhaftet Er hat bis vor zwei Jahren zu seinen drei Schwestern, von denen die älteste jetzt 17, die jüngste 14 Jahre alt ist, unerlaubte Be- ziehungen gehabt. Selbstmord a»S Eifersucht. Vor den Augen Hunderter von Zuschauern machte gestern nachmittag in der Nähe des Restaurants Withclmsgarieu bei Ober-Schöneweide ein jmiges Mädchen den Versuch, sich in der Spree zu ertränken. Die 22jährige Arbeiterin Bertha Richter hatte mit ihrem Bräutigam, dessen Freund und der Schwester des letzteren einen Ausflug mitcrnommcn. Wicderholcntlich kam es hierbei zwischen ihr und ihrem Bräutigam, der sich angeblich zu sehr mit der Schwester seines Freundes beschäftigte, zu Eiscrinchts sccnen, in deren Verlaufe das Mädchen mehrfach mit Selbstmord drohte. Als sich die vier jungen Leute am Sprec-Ufer in der Nahe des genannten Restaurants befanden, lief die R. etwa 8 Meter weit in das Wasser hinein und tvarf sich, da ihr die Finten auch hier nur bis zur Brust reichten, nieder. Augenzeugen gelaug auch, die sich heftig gegen Rettung Sträubende an das Ufer zu ziehen. Das Bad scheint auf das Liebespaar versöhnend gewirkt zu haben, dcnii es hcgnb sich sofort nach dem Bahnhof Johannisthal. Mit 2500 Mark entwendeter Gelder ist der 25 Jahre alte Comptorist Emil Kaufmann aus Elberfeld entflohen. An scheinend treibt er sich in Berlin umher. Er ist mittelgroß, trügt einen kleinen Schnurrbart, einen dunklen Anzug und gelbe Schnhc. Verloren gegangen sind Sonnabendabend zwischen 11 und 12 Uhr in der Rügenerstraße die zivei Mitgliedsbücher des Verbandes der Möbelpolicrcr Nr. 219 und 329. Der Finder wird gebeten, die Bücher bei Maaß, Brunnenstr. 96, abzugeben. Etwaige Unkosten werden vergütigt. Orgelkonzert. Der Orgelvortrag w der Marienkirche am Mittwoch, de» 27. August, mittags 12 Uhr, wird ausgeführt von Herrn Musikdirektor Dienel, Fräulein Margarete Heinrich, Fräulein Margarete Henning, Fräulein Lucie Oelschlägcr, Herrn Fritz Grosse, Cellist, und Herrn Schwießeliuann. Bach, Händel, Mendelssohn, Becker, Rheinberger, Dienel u. a. sind auf dem reichhaltigen Progranu» vertreten. Der Eintritt ist frei. Ter„Berel» von Freunden der Treptow-Stcrnwarte lE.-B.)" besichtigt am Sonntag, den 3l. August, mittags 12 Uhr, unter Führung von Herrn Dr. Z a ch e die„Geologische Wand" i ni H u in b o l d t h a i n. An Ort und Stelle findet ein Vortrag statt; von 2—5 Uhr nachmittags wird mit dem Riesen-Refraktor ans der T r e p t o w- S t e r n w a r t e die Venns beobachtet, welche jetzt als schmale Sichel zu sehen ist. An- Meldungen zum Verein nimmt das Bureau der Treptow-Steruwarte entgegen. Frilcrbcricht. In den letzten 24 Stunde» hotte die Wehr mehrere kleine Brände abzulöschen. Sonntoguachmittog 1 Uhr wurde sie nach der Komniaudauteustraße 63 gerufen. Hier war in einer Marquise ein kleines Feuer entstände», das in der Hauptsache mir Gerümpel zerstörte. Kleiduugsstücke und Möbel gingen kurz darauf in der Flensburgcrstraße 53 in einer Schlasstnbe in Flammeu auf. Abends 9 Ubr hatte die Wehr in der Swinciuünderstraße 39 einen Brand abzulöschen, der den Fußbodcu und die Balkenlage ergriffen hatte. Kurz vorher hatte» Plan-Ufer 25 Gardineu, Fensterzc. in einer Wohnung Feuer gefangen, dessen Ablöschung indes bald erfolgen konnte. Niedergedrückter Ranch war der Grund einer Alarniierung, die gegen 7 Uhr nach der Allen Jakobstr. 61 erfolgte. Ein Küchen- brand mußte in der Nacht zum Sonntag in der Gontardstr. 2 be- seiligt werden. Sonnabendabend gegen 10 Uhr waren in der Friedrichstr. 35 Regale, Kisten ec. in einein Laden i» Brand geraten, doch gelang es der Wehr, die Flammen in kurzer Zeit zu er- sticken. Außerdem hatte die Wehr in der Zwischenzeit noch Alarmierungen von der Audreasstr. 16 und der Orauicnstr. 119 zn verzeichnen,' die jedoch nur auf geringfügige Anlässe znrückznführen waren. Aus den Nachbarorten. Der Raubmord in Potsdam. Wie ans Potsdam gemeldet wird, ist der Maler Otto Wagner ans N e u e» d o r f bei Pots- dam, der Vater des letzten Dienstmädchens der Justizrätin Jßmer, wegen dringenden Verdachts, den Mord an der Frau begangen zu haben, von der Kriminalpolizei verhaftet worden. Bei seiner Festnahme machte Wagner einen Selbstmordversuch, verwundete sich jedoch nur leicht. Die Verhaftung Wagners, der am 27. Juni 1860 zn Berlin ge- boren ist, erfolgte, wie' weiter berichtet wird. Sonntagvormittag. Seine Tochter hatte bei der Ermordeten einen Tag gedient und war in Unfrieden wegen schlechter Behandlung und mangelhafter Kost aus dieser Stellung geschieden. Das war der Polizei bekannt ge- worden, und am Sonntagmorgen begaben sich mehrere Potsdamer Kriminalbeamte nach der Wohnung des W. Einer der Beamten be- merkte auf dem Hofe des Grundstückes an einem Pfahl Blutflecke wie wenn jemand sich die blutbesudelten Hände abgewischt hätte. Wagner, der jegliche Schuld leugnete, wurde dorthin gesührt, be� hauptete jedoch, daß dies Rostflecken seien. Ehe die Beamten ihn verhindern konnten, zog er, angeblich um sich die Flecke abzukratzen sein Taschenmesser und stieß sich die lange Klinge blitzschnell in den Unterleib. Er vermochte jedoch noch ziemlich festen Schrittes nach dem Amtsgefänguisse Nowawes zu gehen, brach aber vor dessen Thür ohn mächtig zusammen. Er wurde nun nach dem Oberlin-Krnnkenhause gc schafft. Unter Wagners Arbeitszeug wurde ein Etui gefunden, worin sich die goldene Uhr der Toten befand. Der Maler, der in zweiler Ehe lebt und in letzter Zeit arbeitslos war— sein jüngstes Kind ist erst vier Monate alt— ist ein übel beleumundetes Subjekt, der sich von seiner Frau, einer Wäscherin, ernähren ließ. An dem Mordtage will W. angeblich nach Berlin gefahren sein, um Arbeit zu suchen wenigstens hat er dies verschiedeneu Einwohnern von Nowawes erzählt, wahrscheinlich um sich so ein Alibi zu verschaffen. In einem lichten Augenblick hat W. im Krankenhause erklärt, daß er die Uhr von einem Kameraden geschenkt bekommen habe, dessen Namen er jedoch nicht nennen wollte. Die Höhe der geraubten Summe hat bisher infolge der eigen artigen Gewohnheiten der Frau Jßmer noch nicht ermittelt werden können. Dem Maler Wagner werden auch noch andre Strafthaten zur Last gelegt, die gleichfalls die Ermordete betreffen. Seitdem die Tockiter Wagners bei der Justizrätin im Dienst war, wurde bei ihr dreimal eingebrochen. Diese Einbrüche dürfte der Vater verübt haben, da er wußte, daß bei der Einsiedlerin etwas zu holen war. Frau Jßmer schlief deswegen in der Nacht schon nicht mehr, sondern paßte, in einen Schlafrock ihres verstorbenen Mannes und niit einer Pfeife versehen. auf jedes Geräusch. Merkte sie etwas, so pfiff sie laut zum Fenster hinaus. In der Mordnachl muß sie dennoch überrumpelt worden sein. Auf dem Bahnhof Schnlzendorf ist Sonnabendabend 10 Uhr der Malergehilfe Paul Adler beim Verlassen des Zuges schwer verunglückt. Adler, der Dunckerstr. 15, Hof, 2. Stfl., 2 Treppe» rechts wohnt, wollte mit einem Kollegen und seinen beiden Söhnen von denen der älteste 18, der jüngste 15 Jahre zählt, seinen Schwager in Heiligcnscc besuchen. Man benutzte die Krcminenrr Bahn und stieg an'■ dem Bahnhof Schulzendorf ans. Adler war noch auf dem Trittbrett, als der Zug sich bereits wieder in Bewegung setzte; der Unglückliche fiel herab und kam nnter die Räder des Zuges. Er wurde schwer vcr- letzt hervorgezogen. Die Insassen des Wagens schreiben das Unglück einzig dem Unistande zu, daß der Zug bereits nach ganz überraschend kurzem Aufenthalt wieder in Bewegung war, obgleich der Stations- Vorsteher hätte bemerken müssen, daß die Passagiere durchaus noch nicht den Wagen verlassen hatten. Es wurde aus Tegel ei» Arzt herbeigerufen; als der Herr auf der Unglücksstätte ankam, stellte sich heraus, daß weder Verbandszeug noch sonstige Hilfsmittel Vorhände» waren, der Arzt mußte darauf wieder zurückkehren, um das Notiveudigstc herbeizuholen. ES verging so wohl eine Stunde, bis dem Verunglückten die erste Hilfe zu teil ivnrde. Er blieb während der ganzen Zeil bei Besinnung und jammerte vor Schmerzen. Weinend umstände» ihn seine beiden Kinder. Als Adler endlich verbunden war, wnrde er mit dem halb zwölf nach Berlin fahrenden Zuge zurückbefördcrt und nach der königlichen Klinik in der Zicgelstraßc gebracht. Hier wurde ihm sofort der völlig zerschmetterte linke Fuß abgcnonimen. Hoffentlich giebt eine Uiitcrsuchnng Aufklärung dar- Über, wem die Schuld an dem cutsctzlichcn Unglück zuzuschreiben ist. Daiiipfer-Zusaiiimcnstost ans dem Tegeler See. Noch ist die„PriinnS"-Katastrophe von der Elbe in frischer Erinncrnug, und schon wieder ist von einem ähnlichen Unglück, wenn auch von iveniger Bedeutung, z» berichten. Es war, wie uns von beteiligter Seile gemeldet wird, am S o n u a b e u d a b e n d �Ai9 Uhr, als der dem Schiffseigner Karl Holz in Tegel gehörige, einige 60 Per- sonen fassende Dampfer„Grebin" von Tegclort nach Tegel sBoll werk) seine Fahrt machte. Alle L i ch t e r waren v o r s ch r ifts- mäßig angezündet, so daß das Schiff deutlich erkennbar war. In der Nähe der kleinen sog. LiebeSiniel" steuerte der von Tegel her kommende, der Spandaner Danipsschiffahrls-Geiclllchaft gehörige Ricscildaiiipfcr„Replim" nach der enge» stelle am Schaisenberger Wehr zn. Vorichrislsmäßig gab angesickils des clltgcgeukoiiiliieiidcii Schiffes der„Grebin" ein Signal, aber„N e p t n u" a n t iv o r t c t e zunächst nicht; ciiicn Moment daraus gab letzterer ein entgegen- gesetztes Signal, als der„Grebin" erst gegeben hatte, und dieser mußte ein gleiches Signal zurückgeben und auch e n t gegen seinem e r st e n Zeichen den Kurs ändern. Der „ N c p t Ii n"- F Ü h r e r will das e r st g e g e b c n e Signal nicht gehört haben. Jnfvlge dieser verschieden ver- standeiien Signale gerieten die beiden Schiffe nun an- einander, indem der„Grebin" v o m. N c p t u n" s ch r ä g a n rechter Seite vor d c r M a s ch i n e scharf angerannt und leck wnrde. Die acht im„Grebin" im Vorderteil sitzenden Passagiere(die Kajüte war zum Glück leer geblieben) wnrdcii über- ciiiandergelvorfen. sie gerieten in begreifliche Anfregimg lind riefen um Hilfe, die auch sofort vom„Neptun" geleistet wurde. Alle ocht Personen sowie die drei Schiffsmaimschaftcn, Führer Heidcnreich, Heizer und ein Bedienuiigsinaiiii. wurden ans den„Neptun" gcnomnien. Bevor dieses noch geschah, hatte man natürlich angesichts des drohenden ZujammeiiftoßeS Gegendampf gegeben, doch bei der schnellen Fahrt ohne besonderen Erfolg. Es sollte nur noch ver- sucht werden, den sinkenden„G r e b in" mittels Bugsier- l.cineu an Land zu setzen, aber vergeblich, die Taue rissen und innerhalb 5—8 Minute» war das Schiff in dem 10—15 Meter tiefen Wasser versimken. Die Passagiere des„Grebin", die nach Tegel wollten, wurden von„Neptun" nach Tegelort gebracht und abgesetzt, wo sie von erlittenem Schreck sich zllliäcbst erholen liiußten. Körperlichen Schaden scheint nieinand erlitten zu haben, doch ist der Verlust verschiedener Klciduiigs- und Schmuckgegeiistände sowie Geldtasche des Heidcnreich zu beklagen. Die V e r u e h m n n g der Schiffsmaiuischaflen seitens der zuständigen Behörden ist bereits erfolgt, und die Hebung des„Grebin" soll baldigst in die Wege ge- leitet werden. Gevichk-s-�eikunA. Der Zeuge Liibke. Eine unsaubere Geschichte beschäftigte gestern die 7. Ferienftrafkaniiiicr des Landgerichts I in längerer Sitzung. Unter der Anklage der versuchten Erpressung, der verleumderischen Beleidigung und der w i s s e u t- l i ch falschen A ii s ch u l d i g u ii g hatte sich der Buchbinder c r n h a r d Schmidt, wegen der beiden ersteren Vergehen dessen Ehefrau Bertha Schmidt zu verantworten. Im Januar d. I. war der Ehemaiin Schmidt längere Zeit im Kraukenhnuse. Seine Fannlie geriet in Rot, worauf die Ehefrau Schmidt sich mit der Bitte um Unterstützung au die Arnienkonunissiou wandte. Der Juwelier Lübke er- hielt als Vorstandsmitglied der Armcukommission den Auftrag, sich über die Verhältnisse der Billstelleriii zu erkundigen und besuchte sie zu diesem Zwecke in ihrer Wohunng. Als Schmidt aus dem KraiikeiihauS herauskam, erhielt er Mitteilung von diesem Besuche und sein noch schulpflichtiger Sohn knüpfte hieran Angaben, aus denen Schmidt den Schluß ziehen zu müssen glaubte, daß zwischen Lübke und seiner Ehefrau unlautere Sachen v o r g e k o in m e n seien. Wie Schmidt vor Gericht erklärte, will er von seiner Ehefrau das Geständnis erhalten haben, daß sein Verdacht gerecht- fertigt sei. Die Ehefrau Schmidt richtete dann im Austrage ihres Ehemannes au Lübke ein Schreiben, worin sie ihm mitteilte, daß ihr Ehemaun von dem Vorgefallenen Keimtuis erhalten. Er möge Schritte thun, einen Vergleich mit ihm herbcizusührcn. den richtigen Weg werde er schon finden. Der Adressat war nicht wenig erstaunt über den Inhalt des Schreibens. Er ließ die Ehefrau Schmidt zu sich kommen und bat um Aufklärung. Das Ende der Anseinander» etzung war, daß Frau Schmidt ein ihr von Lübke dikiiertcs Schreiben aufsetzte, worin sie erklärte, daß zwischen ihnen nichts vorgekoimncu 'ei, was daS Licht der Oeffcutlichkeit zu scheueu�brauche. Der Ehe- mann Schmidt wollte sich hiermit nicht begnügen. Er bat durch den juristischen Briefkasten einer hiesigen Zeitung unter Darstellung des Sachverhalts um Rat. wie er sich zn verhalten habe und erhielt die Weisung, beim Magistrat Anzeige zu machen, wenn er es mit gutem Gewissen thun könne. Schmidt erstattete mm nicht bloß beim Magistrat, sondern auch bei der Staatsanwaltschaft Anzeige. Es wurden Ermittelmigen augestellt, die zu Gunsten des Juweliers Lübke ausfielen und darauf die Auzeigeudeu zur Berantworlnug gezogen. Die Verhandlung fand unter Ausschluß der Oeffentlichkeit statt. Wie aus der Urteils- verklilidiguug bervorging, hatten die Angeklagten, die vom Referendar Wittke, als Vertreter des Rechtsauwalts Dr. Schwindt, verteidigt wurden, ihre Bezichtigungen aufrecht erhalten, der Zeuge Liibke hatte aber unter seinem Eide bestritten, daß ein wahres Wort au der Sache sei. Der Gerichtshof hatte dem Zeuge» Lübke Glauben geschenkt. Mit Rücksicht darauf, daß der Zeuge sich die schweren Uuaiuiehmlichkeiteu bei Ausübung eines Ehren- amtes zugezogen hatte, verurteilte der Gerichtshof den Augeklagten' Ehemann Schmidt zu e i u e m I a h r e Gefängnis bei sofortiger Verhaftung, die Ehefrau Schmidt zu einem Monat Gefängnis. Der Staatsanwalt hatte je sechs Monate be- antragt. Das Urteil soll durch eine hiesige Zeitung veröffentlicht werden. Vevmifrhkes« Eisenbahnnnglück. Ans Ma g d e b u r g wird vom Montag früh berichtet: Der Schnellzug 9, welcher heute morgen von Braun- schweig mit 10 Minuten Ver'ipätung abging, ist gegen 6 Uhr bei S ch an delah entgleist, vermutlich durch Rodreifenbruch. Die beiden Maschinen liegen quer über den Geleisen, der Gepäckwagen ist zertrümmert. Beide' Geleise sind gesperrt. Der Verkehr wird durch Umsteigen aufrecht erhalten. In Steinheid, Sachsen- Meiningen, sind Soiuitagabeud durch eine F c u e r s b r u u st 13 Wohnhäuser mit Nebengebäuden ein- geäschert worden. 22 Familien, meist arme Arbeiter und Glasbläser, sind obdachlos geworden. Grubeuuugliick. Im Wctterschachte der Gabrieleuzeche in Karwin bei T r o p p a u erfolgte Souutagmittag eine Explosion schlagender Wetter. Von sechs daselbst beschäftigten Maurern wurden vier schwer verletzt zu Tage gefördert; zwei werden vermißt. Das Schachtgebäude ist demoliert.— Nach weiteren Mcldimgcn aus Karwin wurden infolge der Explosion in der Gabrieleuzeche zwei Mann getötet, drei schwer verletzt und drei ver- schüttet. Das Maschinengebäude des Wetterschachtes ist zerstört, der Ventilator und die Grube sind unversehrt. Eingegnttgene Druckschriften. Don der„Reue» Zeit"(Stuttgart, Dietz' Verlag) ist soeben daS 47. Heft des 20. Jahrgangs erschienen. Aus dem Inhalt des Heftes heben wir hervor: Das östreichische Chaos und seine Entwirrung. Bon Max Adler.— Bischof Ketteler als socialpolitiker. Eiu Beitrag zur ultra- montankn Arbeitcrpolitik. Von August Erdmann.— Die Untersuchungen über die Lage der Angestellte» und Arbeiter in den Verkehrsgewerben. Von Max Gruuwald.— Notizen: Schulen für nervenkranke Kinder?— Fenillelon: Maurice Maeterlinck. Von Henriette Roland Holst.(Fort- sctziing.) Die„Nene Zeit" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch- handluliacu, Poftaiistalten und ÄolPorteure zum Preise von 3,25 M. pro Quartal zu beziehen. In der Zeitungspreisliste der Postanstalten ist die „Nene Zeit" unter Nr. 5389 eingetragen, jedoch kaiui dieselbe bei der Post nur pro Quartal aboimiert werde». Das einzelne Heft lostet 25 Pf. Probenummerii stehen jederzeit zur Versügung. Von der„Gleichheit", Zeitschrift für die Jntcresien der Arbeiterinnen (Sluttgart, Tiep' Verlag) ist uns soeben die Nr. 18 des 12. Jahrgangs zu- gegangen. AnS dem Inhalt dieser Nummer heben wir hervor: Anfrnf der Bertranensperion.— Zur Frauenkonferenz in München.— Die Organisation der Wiener Heimorbeiterinncn. Von Adelheid Popp.— Die Frauenorganisation in den Gewerkvercineu. Von Fanny Jmle.— Ans der BcwegiNig.— Fenisicton; Ein ArbeitSsport. Bon Engenie Jacobi.— Notizcnteil: Frauenarbeit auf dem Gebiet der Industrie, des Handels und Verkehrswesens.— Gcwerlschastliche Arbeiterinneuorgaiüsatioii. — Sociale Gesetzgedung.— Frauciisiiuunrccht.— Franeubewegiuig.— Adrrssevverzeichms der Bcrtraueuspersoii der Genossinnen. Die„Gleichheit" erscheint alte 14 Tage einmal. Preis der Nummer 10 Pf., durch die Polt bezogen(eingetrageil in der Rcichspost-ZeitungSliste für 1902 unter Nr. 3051) betragt der AboniiemciitsprciS vierteljährlich ohne Bestellgeld 55 Pf.; unter Krenzband 85 Pf. Der„Wahre Jacob" hat soeben die Nr. 18 seines 19. Jahrganges erscheinen tasicn. Wiederum muhte er einem verstorbene» Parteigenosse» von der allen Garde einen Nachruf widmen, und zwar einem, der ihm be- sonders nahe stand, seinem alten Mitarbeiter Max Kegel, besten in würdiger Weise gedacht wird. Dem Aussah ist ein wohlgelungenes Porträt desselben beigegeben. Aus dem sonstigen Inhalt der Nummer heben wir die beidrn farbigen Bilder„Die Klinstfördrrcr in München" und„Eine schwere Prüsinig", sowie die Jlluslratwncii„Aus England",„Warum fischen diese Leute?" und„Pfarrerököchinnen beim Stellenwechsel" hervor. Der textliche Teil der Nummer bringt noch die Gedichte„Rudolf von Bennigsen", Frei ist der Bursch".„Fnrsten-Entrevnen",„Das Kinderspielzeug",„Kultur- arbeit",„Miuiftcrpech",„Ter Parteilose" und ausser einer Anzahl kleinerer satirischer Prosabeiträge noch die Novellen„Der Kinderglaube" von Dr. Ludwig Frank und„Kinder" vou Clara Müller. Der Preis der 10 Seilen starken Nummer ist 10 Pfeunig. Vlnrklprelsc vou Berlin um 23. Slnstiift 11)02 nach Ermilllungc» des kgl. Polizeipräsidiums. 14,55 14,49 14,44 15,50 15,10 14 80 20 00 18 90 17 80 5,32 7,- 40,— 50,- 60- 14,50 14,45 14,40 15 20 14 90 14,60 19,- 17,90 16 90 4,32 •j5,— 25,— 20,— jkartossel», neue, D-Ctr. Rindsscisch, Keule I kg da Bauch. Schlveiuesteisch. Kalbfleisch„ Hammelflellch Butter Eier Karpfen Aale Zander Hechle Barsche Schlei« Bleie Krebse 60 Slli.t 1 kg per Scho.l 7- 1 80 1 50 I 80 1,80 I 80 2 60 4 80 2,20 2 60 2 80 2 40 1,80 2 80 1.40 18- 4- I 20 110 I 30 1,20 1 30 2,— 2 60 1,40 I 40 140 1,40 0,80 1 40 0,70 3,- Welzev, gut D , millel , gering tJwfliK», gut mittel . gering Geiste, gut , mittel . gering Hafer, gut , millel grlillg Richiflioh Hell Eil sen l risctohnen LlN'en ch ab Bahn. • frei Wagen und ab Bahn. Prodiiktcnmarkt vom 25. August, Getreide. Im Einklang mit den höheren Privatmeldungen aus Nordamerika, sowie unter Eiinoirkimg dcs sehr kleincn Warenangebotes verkehrte der Getrcidefrühmackt in recht fester Haltung Mittags wurde die Tendenz jedoch wieder etwas schwächer auf inatleres Oestreich-Ungarn. Das Wetter macht, obwohl es seit vor- gestern nicht gelegne: hat, noch immer einen veränderlichen, unzuverlässigen Eindruck, doch neigt Ulan an der Börse vorwiegend zu der Annahme, daß grössere Niederschläge für die nächste Zeit nicht zn erwarten sind. Die Preise stir Weizen, Roggen und Mehl waren gur behauptet, das Geschäft lag ausserordentlich still. Hafer und Mais blieben lest, da die Anlünfle zur Deckung des vorhaiideiien Bedarfes nicht ausreichen; Lieferungen waren schw ach behauptet. Rüböl nachgebend. Spiritus ging gegen letzte Notierung um 60 Pf. zurück. Mit 38,70 M. wurden 70er loko, wie auch Scptemberliefemngen gehandelt. Schluß für Getreide: Nach vorübergehender weiterer Abschwächung erholt._ Briefkasten der Redaktion. Wir bitten bei jeder Anfrage eine Chiffre(zwei Buchstaben oder eine Zahl) anzugeben, uiitcr der die Antwort erteilt werden soll, und die letzte Aboiuiementsqliiitnng beizulegen. Fragen ohne solche lverden nicht bcant- wortet und schriftliche Antwort wird nicht erteilt. Tte j»> isltiche Sprechsinudr findet täglich mit AnZnahmx dos Sonnabends vo»?>/- bis 9'/, Uhr abends statt. M. 2.<9. Unterstützuiigsbund der Schneider, Bureau Eugel-User 15, Gewcrkschaftshaus. Mehrere Parteigenasseu. Zinn„Fall Löhlimg". Auf anonyme Anfragen können wir Antwort nicht erteilen. K. G. 1. und 2. Au das Direllvrat des Museums der landwirlschaft- lichcn Hochschule zu Berlin, Jnvalidenstr. 42. Rod. Mahlte. Ihre Aufrage wird am besten mündlichen in unsrer juristischen Sprechstunde beaniwortet. Cefimrficr. Ausländer(Nichtdeutsche) haben kein Recht auf Naturalisation. Ihre Naruralisation hängt von der Entscheidung der Regierung(in der Provinz vom Regierungspräsidenten, in Berlin vom Polizeivräsidcnten) ab. An dieselben Stellen sind Anträge auf Naturalisation zu richten, können auch in Berlin zu Protokoll der Revierpolizei erklärt werden. Die Naturalilationsurkunde kostet 50 Mark.— M W. Nein. — B. u.(äö. H. 31. Eine Maximalfrist für die Dauer eines Lehrvertrages besteht nicht. Die getroffene Vereinbarung ist gültig.— W. Zl. 10. Ja. — Conrad HS. 1. Legen Sie im Termin die Verhältnisse klar und wider- iprechen Sie dem Berlaugen auf Leisrnng des Eides.?. Ja. 3. Nein. 4. Ja. — E. Nt. Z. la. Ja. Ib. Darüber besteht Streit. Das Ober- Verwaltungsgericht hat die Frage bejaht. 2. 6 Wochen zum Quartals- erstea. 3. Die Textansgaben der Gutteutagschen Taschensammlung iiber die Versicherungsgcsctze sind zu empfehlen.— Pankow. Nein. — A. 10O. Für die auf ein Jahr vereinbarte Mietszeit hat der junge Mann auch dann Miete zu zahlen, wenn die Miete in monatlichen Raten gezahlt werden sollte. Zuständig für eine Klage auf Zahlung der Miete ist das Amtsgericht.— G. M. Die Unterhaltspssicht des Ehemannes besteht feiner Ehefrau gegenüber nicht, wenn diese ohne Grund gegen den Willen des Ehemannes getrennt von ihrem Ehemauu lebt. Ebensowenig hat in solchem Falle die Armciiverwaltung das Recht, Ersatz der Armen- unterstübung zu verlangen.— Beschränkt. Nein.— W. Z. Leider. — at. B. Ja. Die Sachen der Frau hasten nickt für ihres Mannes Schulden. Es ist aber praktisch, die Rechnung für die von der und für die Frau gekauften Sachen auch auf ihren Namen ausstellen zu lassen, um den Beweis des Erwerbes zu erleichtem.— B. D. K. 1. Ja. 2. Für Strafverfahren beansprucht der FiSkuS, abgesehen vom Ersatz freier Auslagen für Schreibereien, Zeugengebnhren u. dgl., für das Verfahren in erster Instanz: im Falle einer Geldstrafe oder Freiheitsstrafe von 1—20 M. einschlteblich oder 1—10 Tagen einschliesslich: 5 M., mehr als 20— 30 M. oder 10 bis 14 Tagen: 10 M., mebr als 30-60 M. oder 14 Tage bis 4 Wochen: 20 M.,. mehr als 60-150 M. oder 4 Wochen bis 6 Wochen: 30 SR., mehr als 150-300 M. oder 6 Woche» bis 3 Monaten: 45 M. usw. 3. Zur Verbüssung der Haststrafe erhält man eine Einladung, gewöhnlich nmsasst in derselben die Antrittöfrist 10 Tage.— X. Nein. — C. T. Ist nicht etwas andres vereinbart, so betrögt die rechtsanwalt- liche Gebühr für Vcrtrelung in einer Privatklage 12 M., für die Vertretung im Vorverfahren 6 M. Für eine Beweisansnahme treten 6 M. hinzu. Diese Gebühren werden für jede Instanz erhoben, die Anzahl der Termine ist einstuhlos.— F. I. Den Gewerbebetrieb niussten Sie anmelden. Ge- Werbesteuer wird nicht erhoben. wenn der jährliche Ertrag des Gewerbes unter 1500 und das Anlage- und Betriebskapital unter 3000 M. beträgt. — Ungliilktich. Diebstahl, der von einem Ehegatten gegen den andern begangen ist, bleibt straflos. Der Ehemann ist verpflichtet, seiner gc- trennt von ihm lebenden Ehefrau vollen Unterhalt zu ge- währe», wenn die Trennung niit seiner Zustiinmung erfolgt ist. Daß Einverständnis vorliegt, mühte die klagende Ehefrau beweisen. — Martha Drechsler. Die Unfallrente ist nnpfändbar. Die Berufs- genosscnschaft hat kein Recht, ohne gerichtliche oder behördliche Anordnung einen Teil der Rente eiuzubehalten. Dte Auszahlung der Unfallrcuten erfolgt durch die Postanstaltcn.— R. P. 31. 1. Von der Fälligleit, also vom ersten Tage des zweiten Quartalsmonats ab, ist Mahnung in Steuer- lachen zulässig. 2. Wenden Sie sich an Ihren Botschafter. 3. Di- Natural,- sierung wird durch das Polizeipräsidium an Ausländer erteilt. Sie mussten sich also an dieses oder au das Polizeirevier wenden. Em Recht auf Naturalisierung habeir Sie als Ausländer nicht. Dass Sie naturalisiert werden, ist nicht unwahrscheinlich.— Wette. 1. und 2 Nein. 3. Ja. _ H. Bmviü. Das Gesetz über die Freizugigleit datiert vom 1. November 1862, die Gewerbe- Ordnung vom 21. Jum 1863. Wittehuiigsübersicht vom 25. August 1902, morgens 8 Uhr. Stationeu Swinemde. Hamburg Berlin Frau lf./M. München Wien S- -- 2 S e- Wetter öS Stationen 758 SO 758 iSBSSS 758 SSO 760 W 762!®2S 762 Still I 4 bedeckt 1 wolkenl 2'heiter 4 bedeckt' 16 Haparandch 760SW 2 bedeckt 15 Petersburg 767W 2 wollig 17 Cork 764NNW llbcdeckt 17 Aberdeen— I—, 2 heiter 18 Paris 7g3WNW 2bedclkt ...,_____— �wollenl 14 i|| I Welter-Prognose für Dienstag, de» 2K. August 1902. Etwas kühler, vorherrschend wolkig mit leichten Regensällen »lässigen westlichen Winden. Berliner Wetterbureau Wetter eäR Z.» cei ws, 11 12 14 13 und Für den Inhalt der Juierale übernimmt die Rrdaktiv» dem Publikum gegenüber keinerlei Bera»t>»ortu»g. Thrntrv. Dienstag, den 26. August Opernhaus. Bajazzi.(I'a'diaoci.) Aschenbrödel. Anfang 7»/, Uhr. Schauspielhaus. Ein Sommer- nachts lraum, Anfang 7H(, Uhr. KcueS Oper»- Theater inevll». Die Fledermaus. Auf. 7>/,»br. Im Siederspielhaus: Offenbach- Cyclus. Fritzchen iind Lieschen. - Dorothea.- Der Regiments- zäiiberer. Anfang 8 Uhr. Deutsches. Die Weber. Anfang 7V- Ubr. Lefsiug. Flachsmann als Erzieher. Anfang 7l/z Uhr. Berliner. Alt-Heidelberg. Anfang 7V- Uhr. Weste,,. Die Brautlotterie. An- fang 7»/, Uhr. oiriics. Lcdige Leute. Anfang 8 Uhr. Nesideuz. Sein Doppelgänger. Vorher: Nach der Hochzeit. Ansang ly. Ubr. Thalia. Er und seine Schwester. Anfang 7l/2 Uhr. Carl Weist. Eine Paria. An- sang 8 Uhr. Friedrich TL il Helm städtisches. Spscialitäten- Vorstellniig. Ans. 7bi Uhr. Secesfion. Silberstems Flitter- wachen. Anfang 8 Uhr. Wolzogrils Buntes Theater. kNcberbrettl.) Anfang 8 Uhr. Kleines. Eereiiiffiliius. Frau Mimi. Anfang 8 Uhr. Apollv. Lhsistrata. SpecialUäien- Borstellung. Anfang 8 Uhr. Wintergarten. Specialitätc». An- sang 8 Uhr. Meiropol. Berlin bleibt Berlin. Anfang 8 Uhr. OieichShaUe». Stettiner Sänger. Ansang 8 Uhr. Passage- Thenier. Epecialiläten- Vvrstelliing. Ansang nachmittags 5 Uhr. Passage- Pauoptitum. Specials- inten-Vvrstellnng. llrauia. Taubeustr. 4kj/49.(Im Theatersaal.)'Abends 8 Uhr: Die deutsche Ostseelnste. Jtivalidcnstraste l»7/02. Täglich: Sternwarle. faii Weiss-yiieater. Graste Frauksurterstr. 132. &Sp:~ 3 um er st enmale: ZLZiit« Lebensbild in 5 Allen und 8 Bildern von Ernst Ltitterfeldt. Anfang 8 Uhr. Morgen und folgende Tage: lllno Paria, Im Garten: Letzte Specialitäteu- Wöche. Anfang 5 Uhr. TMiA-Meater. Di'eudeiiei'titraHsc 72— 73. Novität! Anfang 7Vz Uhr. Novität! Lruttli Leine Leimesier. Posse mit Gesang und Tanz in 4 Bilder» von Beruh. Buchbinder. CuUlo Thielscher als Orchester-Dirigent. Juc 2. Akte: Kitzel-Couplet. pritr 1I«I»ierlIl»g. Oerlla IValäe. Herbert?»ulmllll«r. ängast Reiff. Morgen und folgende Tage: Er und seine Schwester. Nach vollenlieter umkaesenäer Renovation Wli'iill'iianT der Wlntcr-Mnison Sonnabend, 30. Augnst, abends 8 Uhr. Ostbahn-Park. Am Küstrlnerplatz. RUdersdarferstr.?!. Hermann Imbs. Täglich: Gr. iomert, Chenter- «nii Spttialttitten- Aorjtejiullg. IJs�aBiia. Tauben-Strasse 48/49. Im Theater um 8 Uhr: Die deutsche Ostseeküste. castans, Fanoptiknm| Frledricli-Strasse 165. Das berühmteste Wachsfiguren- Kabinett der Welt.| ßeaclitenswerte Neuheit: Lebende Bilder, ausgeführt v. einem Ensemble| .junger, schöner Damen. Täglich nachmittags 4 Uhr: lir-Doppel-Konzert __ Kiitree IM, ab ü Uhr abends 50 Pf.. Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Morgen beginnt Gastspiel der Banda masfeale dl Palermo. |Fe$S9ge-Peniipticuni.j V apiüt�• Vorstcllnng im kleinen Theatersaal. I(tal. Konzert-Gesellschaftl ! Pariser Marionetfen-Theater.| �agmrde" �UNdCSpiNNC. Arab. Fakir u. Feuermensch. Wintergarten. Maud Griselda, Hunde-Dresseuse. Les Silvas, Leiter- Equilibristen. Josle de Witt, Sängerin u. Geigerin. Die Vlcentlnas, Eollschuhläufer. Roflx, athletische Produktionen. Karl Meister, Tenorist vom k. k. priv. Carl-Theater in Wien. Helene Gerard,„Hohe Schule". Sari Fedak, Sängerin vom Ungar. Theater in Budapest. Die Kelllno-Truppe, ital. Akrobaten. Cluiicline i'oluire, Pariser Sängerin. W. C. Fields, komischer Jongleur. Cieo de Merode Tänzerin v. d. gross. Oper in Paris. „Biograph", Apollo- Thealer und Konzert-Garten. Um 8 Uhr: Die vorzQglichen Speclalltäten und die komische Pantomime: Sceue vor drin Aficnhause im Zuologischcit Gurten. Um 9 Uhr: Lysisfrata Leonidas. Robert Stetdl. Kasseneröffnung 7 Uhr. Sommertheater fWapienbad Badstr. 35/36, Gesundbriinne». Täglich: Das grostartige Programm Zum Schluss- Sensationell! Der Brandstifter. Willy Reinhold: Dir. R. Wagner. Entree 20 Pf.,.. Vorzugskarten haben Gültigkeit. I.uiLkN-l'deAter. Reichenbergerstrasse 34. Drei Minuten vom Äolcbuser Thor. Direktion: Ludwig Rosenkeld. Freitag, den 29.-Anglist 1902: Mtumjjs- � Stene VurMiing L»»st. -«is Schauspiel In 4 Akten von M. A. Siemacek, deutsch von Milada Fürth. Billet-Vorverkaus täglidi von 10 Uhr vonnittags bis 7 Uhr abends an der Tbeaterkasse. NlÜlillllll-ülkM Heute: Betlin bleibt Berlin. Grosse Ausstattungsposse mit Gesang und Tanz in ö Bildern von Julius Freund. Musik von Erik Meyer-Heimund. Emil Thomas a. G. Josef Josephl. Henry Bender. 4> Flora Sidlng. Hansl Relchsberg. Wlni Grabitz. Anfang 8 Uhr. DOT" Rauchen gestattet."TSff) maasm Max Kliems Sommer- Theater HriKenhcidc 13—15. lArtistischer Leiter: Gust. Bock. Täglich: Gr. Konzert, Theater- u. jSpecialitäteii-Vorstelkinij Jeden 1. und 15. d. Monats: Wechselndes Programm! Donnerstag: äülite- 1»zx. LSWWTZZW kMm Gortesi Am KönigHtlior 42029* Am FricdrlcliMliain SMF* Täglich;-Tm Heater- mrä Spttiiililattii- Äsrstelluug. Täglich bis 7 Ubr: Freier Damentanz, Jede» Abend 10 Uhr: Rosen- Dienstag. Grosse Passe m. Gesaug in 1 Alt v. Elh. Wichtig für Hausfrauen! staallich gepriist»nd gesetzlich geschätzt 4- anerkannt bedeutende Ersinduiig, ist(138 V(!r2lii|ll(l)8te tUaSCl)' Material für Leinen-, Baumwoll- und Aoll- IHÜCfhe„ nreist die Wäsche, die �arbe bimter lVttaUlt» l o I y.-t 11 1 II n ,,„d Hände nicht i», geringste» n„. WollsaÄen erbätt es seine»ailirliche Weichheit. I'<>> y-<>> 1 1 i» beirtrtt arakie Ersparnis an«eise. Zeit, Kohlen»nd Bleiche. Die Arbeit des Wassens:oird so wesentlich erhidderl. dass lein bestehendes Aasthouloer mit!hin in ilonbirre», treten kann. Beim Tiodncn der Wilsche oollckeht stch die Bleiche. I'<»! y s u I e I» findet die ancgedebnteste Zlnwe»d»!ig bei alle» häilslicho» Reiilignugsarbcite».»»>» Reinigen von Küchen- geräthen und Porzechm. SllaZ. Fubboden. Thflrcn». s. w. I-» I.-i» 1 1>» leistet UnIiberirelklicheS. ein Versuch nderzeugl: es kann den QauSsranen nicht genug ali dai Beste und Borlheilhasteste eintzsohlen werden. kollct nur 2S'Pfennig das Packet, in Droguen-, ikokonialivliaren- und Seisenhandlnngen erhälllcch. polxsulkia GeneralveNrieb für Verlin und Vororte: iwß& Puniiisp, Berlin HO., Keiie Königstr. ßO. Vlaler-TIieater Kastaiiicii- Zlllee 7—9. 'rasNeli: Johaitttiszattber. Opcrettcn-Burleske in 4 Bildem. Fugen»lklardo, Tanzhumorift.— Cirkuö Loyal.— Leodlskas Kakadus, lomische Sieckttirner.— The Flrados. bldme. Georgette, Feuer-«. Flamnien- tanz.— Lebende Photographien. 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Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser langjähriges Mitglied HI infolge eines Unfalles ans dem Neu- ba» i» der Gosslerstraße am 19. d. M. verstorben ist. Die Bccrdignng findet Mitiwoch, den 27. d. M., nachmittags 4 Uhr, voir der Leichenhalle des Pius-Kirch- Hofes in Hohen- SchSilhanscn, Bcr- liiierstrasse, aus statt. Um rege Beteiligmig ersucht Ber Vorstand. Danksagung. Für die innigste Teilnahme und überreichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines unvergeblichen Mannes, nnsrcs guten Vaters, Schwicger- und Grossvnters sagen wir allen Parteigenossen, Deputationen, Gewerkschafien, den Kranzspendern der Fabriken und Werkställen von »ah und fern den herzlichsten Dank. Insbesondere sagen wir auch für die trostreiche» Worte des Genossen Manasse am Grabe sowie den Gesang- vereinen �„Vorwärts" und„Norddeutsche Schleife" für ihre wirkungs- vollen Vorträge utisren itiefgesühltelt Dank. 4896L Die traiiernden Hinterbliebene». Marie Tletiner nebst Töchtern, Schwiegersöhnen und Enkelkindern. DnnltsÄgung. Allen Freunden und Bekannten für die herzliche Teilnahme und vielen Kranzspenden bei der Beeidigung meines lieben Mannes, des per- unglückten Zimmerpoliers Franz llclnc, insbesondere den Herren Bauunternehmern, Meistern, sowie den Kollegen und dem Baupersonal des Baues herzlichsten Dank. 1666b Witwe Louise Heine. Banlisagnng. Für die zahlreiche Betciligniig bei der Beerdigung meines lieben ManneS Gustav Proninitz spreche ich allen, besonders dem Berliner Männer- Gesangverein, meinen Dank ans. Die trauernde Witwe 1661b Marie Promnitz. Dr Simmel, Prlnzonstr. 41. Specialarzt für 31/9* Haut- und llarnlclden. 10-2, 5-7. Sonntags 10-12, 2-4. Prämiiert mit der goldenen Medaille. raFT-Rottiwein FunBlularme u.Kpanke arzUiclv eppFohlfin. Filsd uml Überall' zu . hob CO In Apotheken, Droguanhandlung., Da- likatess- u. Kolonlalwarengeschäften. Dr. med. Schapen homöop. Arzt u. Spez.-Arzt f. Haut- u, Harnleiden, Frauei i A'i'an kh eiten, Königgrätzerstr. 27. Spr. 9-1. 4-7. Dr. Sehünemann, Specialarzt für Haut-, Harn- und Fraueuleide», k8ez'deistr. O. '/2t2— V23, V-B-VsS, Sonnt. 9-U. Deutscher Metall arbeiter Derb and Verwilltnilgskeile Berlin. Bureau: Eustel- Ufer IS, Zimmer 1—3. Fernsprecher: Amt VI», ZZZ. Mittwoch, de» SV. August 1902, abends 8*1« Uhr, bei Keller, Koppenftrahe Nr. ÄS: Gr. allgemeine Klempner- Dersammlnug. Tagesordnung: Der dvv Uohnbeaurgung. 119/1? Kollegen! Es bedarf wohl nur des Hinweises auf die wichtige' Tagesordnung, um jeden Klempner xu veranlassen, in dieser Versammlung zu erscheine».____'_ Tie Ortsvcrwaltung. Möbel Bartsch. Wem wäre die Möbelfabrik für bürgerliche Wohnungseinrichtungen RlUlöll OüffSCil, swisoKlfe�n"fn�Ssle7?�?�! Platz, nicht bekannt? Grösste Auswahl in meinem extra dazu erbauten, 4 Etagen hohen Fabrikgebäude. Empfehlenswerte Einkaufs- quelle für BpailtlßUtß, Solide und gediegene Einrichtungen für 200-300-400-500 biß 10 000 Mark stets zur Ansicht vorrätig. 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Tages- Ordnung: 1. Vortrag deS Kollegen«elieirier über:.Staatliche Arbeitslosen- Deriicherimg." L. Diskussion und Verbandsangelegenheit. 119/1« «.?Antflen! �ssikicrt für regen Besuch. Die Versammlung wird pünktlich enimiet._ Die Ortsverwaltnng. Verliaoil der Fatiril-, Land-, HilfsarliBitar Deutscher Holzarbeiter-Verband | UUIIU I lind Arbelterinnen Deutschlands.(Zahlstelle Berlin.) Am Mittwoch, den 27. August, abends S'/s Uhr, bei Raube, Kolhergerstr. 23: TageS-Ordnung: 1. Bericht des Delegierten vom VerbandStage. 2. VervandZangelegen- Heitel». 3. Verschiedenes.«4/17 Vollzähliges Erscheinen der Vertrauensleute(Hilfskassierer) wird er- wartet. Gäste haben Zutritt. Ausnahmen werden in der Versammlung ge- macht._ Die Ortsverwaltnng. M. Coli ii ü FestsäTc� 48492* Einige Sonnabende und Sonntage für die bevorstehende Saison noch zu vergeben. Morita Cohn. Benth-Strasse 30. inzug-, Paletot-, Hosen-Stoffe. Riiumnngs-Ausverkaus!!! Die Bestände unsrcs Ladengeschäfts Donnerstag, 88. Rugust, abends 8'/4«hr. iin„Englische» Garten", Alexanderstr. 87 o: Bwlieii-Yemiiliiiig der Ladsotisctiler. Tages-Ordnung: 1. Vortrag deS Kollegen Bööke über„Arbeiterorganisation und Unter» nehmer-Organisation-. 2. Branchenangelegenheiten. 3. Verbandsangelegen- betten und Verschiedenes... Die Werkstatt-Kontroükoinnilssion. Dienstag, den 86. Aiignfi. abends 8 Uhr. in« Gewerkschaftshause, Engel Ilfer 15(Saal V): Bwlten-Yemnlig der Jaloysie-Arlreiter. Tages-Ordnung: 1. Vortrag(Referent und Thema werden in der Versammlung bekannt gegeben). 2. Disku sion. 3. Brancheiiaiigelegeiiheit. Der Obmann. D. Dobersteins Festsäle, Pi*lnzcnstr. 04 und Wassorthorstr. 68, sind noch an Sonnabenden z» VereinS-Festlichleiten und an andern Tagen S» Versammlungen zu vergeben. Bestellungen erbitte Prinzenstr. 94 abends ......'■"_»1»! von 8 Uhr ab. 4838S* D. Doberstein. iverden wegen Aufgabe deS Ladens ÜQT" bedeutend unter Preis an, verkauft. s4778L* Ks'SNNVf& COl Engros- mtii BcrsM-LiMr jfjt: Rönigstr. 46 1. 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Mittwoch, de» 87. Angnst ISO», abends 8'� Uhr: MU" Mltgslieder-VersaEnniSungslBii tu den Borussia-Sälen, Ackerstrasze<»/7. Tagesordnung: 1. Vortrog deö Genossen Dr. KudoilSteinerüber:.Erdbeben und Vnlkan- auSbrnche.« 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Das Erscheinen sämtlicher Mitglieder erwartet Der Vorstand. Bruch-iPollfliann empfiehlt fein Lager in Bruchban- dagen, Leibbinden, Geradehaltern, Spritzen, Suspensors, sowie ssmtl. Artikel zur Krankenpflege. SKignc Werkstatt. s.Orts- u. Hilss-Krankenkaffen Berlin C.,[37622* 30. linien-Straße 30. Kmz- idtb �liniKiibiHbctci höh Robert Meyer, iinc Narillltm.Ztche 2. VereinS-Kränze, Palmen- u. Blumen. jlrrangcmeiiiS, Bonquetö, Guirlanden nfw.»verde» fein u. preiswert geliesert Patentanwalt Dammann. ZMoritspIatü! 57. A»Sku»st bis abends ncmi.(45398* gteppdecken iöJabrik0.rtara?,ne"158 1 fcÄEmil Lefö?re,BesUn Stock- and Cellnloid- Arbeiter. Mittwoch, den 87. August, abends 8 Uhr. im Gciverkschaftshause Engel-Nfcr 15(Saal VII): �| � Brancben-VersaMiBiilnisg: � Tages-Ordnnng: 1. Vortrag deS Genosse» Waldcck Manasse über:„Pfaffen und Soldaten". 2. Diskussion. 3. Bericht des Gewerbegerichts- Beisitzers. 4. Vorschläge zu demselben. 5. Werkstattangelegcnhciteu und Verschiedenes. Kamm- u. CellHfoidhaarschmock-Arbelter. Dieustag, den 86. Angnst, abendS 8»/, Uhr, tm Gctverkschaftshanse, Engel-Ufer 15(Zimmer 10): Kratichen-Uersammlung. Tages-Ordnung: 1.«Die Innung und die Sperre bei Sireid)". 2. Vcrbanbsangelcgcn- Heitel». 3. Verschiedenes. Recht zahlreichen Besuch erwartet Die Kommission. Mufikiustrumenteu-Arbeiter. Mittwoch, den 87. Angnst, abends 8V- llh»'- in» Getocrkschaftöhanse, Engel-Ufer 15(Saal III): BA'anQbon-VQA'saiuaAiaog. Tages-Ordnung: 1. Vortrag. 2.„Der 60 Pf-Beitrag in der Zahlsiclle Berlin und wit stellen wir uns dazu?" Rcserent: Kollege Exner. 3. Dislussiou. 4. Vcrbandsaiigelcgenhciten»»nd Vcrfchiedei»es. ZW?- In dieser Versammlung müssen sämtliche Fragebogen ans- gefiiUt zurückgegeben werden. Zahlreichen Besuch erwartet Die Kommission. Achtttug, Parkettleger! Mittwoch, de» 87. August, abends 8 Uhr, in» GcivcrkschaftShanse, Engel-Ufer 15. Saal V: Vevkttttt nrl u g. Tagesordnung wird in der Versammlung bekannt gemacht. Die Koinmissionsmitglieder»verden ersucht, Punkt 7 Uhr sämtlich zu erscheinen. Die von ausserhalb hier arbeitenden Kollegen werden ergebenst eingeladen. 87/16 Der Obmann. Modell- und Fabriktiscliler, Melldreclisler. Mittwoch, den 87. August 1608. abends 8«hr, bei Schmidt, Gartenstrafte Nr. 15: Braucheii-Versaniiiilaiig:. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Wolihelin über: lussion. 3. Die Differenzen in den NileS-Werken. Lust und Leben. 2. Dis» 4. Verschiedenes. Jedes Pfennig, Wort: Nurda3erate Wort fett, Worte mit mehr als 16 BucJistaben zählen doppelt, lUeme ßnzeigen. 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