Ar. SOI. Adom»ment«-Ktdingungen: CbonnementS-Prel» pränumerando: vterteljährb ZL0 Md. monall. l.lllMd, möchenlltch LS PIg. frei ins Hau». Ciiuelne Numm»r 6 PIg. Eonnlag», Nummer ml! Illunrlerier Sonniagi- Betlage»Die Neue Well" l0 PIg. Post- Bbonnemenl: l.io Mark pro Monai. «ingetragen In der Post-Zeitung», Preisliste für l»0S unter lir. 7V7S. Unter Kreuzband für Deurlchland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für da« übrige Autland S Marl pro Monai. 19. Jahrg. Fie JnftrtIoilg-GeMi)r beträgt für die fechSgespaltene Kolonei, »eile oder deren Raum 40 PIg., für politische und gewerlschaltliche Verein»- und Versammlung»- Anzeigen 20 PIg. „Kleine Anteigen" jede» Wort S PIg. (nur da» erste Wort felt>. Jnlerats für die nächste Nummer müsfen bi» 4 Uhr nachmittag» in derExpedition abgegeben werden. Tts Expedition Ist an Wochen- tagen bi» 7 Uhr abend», an Sonn- und gestlagen bi» s Uhr vorintttag» geöffnet. Erscheint täglich«»ffer Montag». Devlinev Volksblerkk. Telegramm-Adreste: „Korinldemolirnl vrrlin« Csntralorgan der socialdemokratisrhen Partei Deutschlands. Redalitivn: 3�.19. Beuch. Skrahe 2. Frrnfprecher: Amt 1, Nr. 1508. Freitag, den 311. August 190£. Expedttwn: sw. 19, Beuch-Strafe 8. Fernsprecher: Nmt I Nr. 5121. Stenerwirrwarr. Es giebt mir wenige Steuern, die fiir alle Einwohner des Deutschen Reiches bestehen und von ihnen allen getragen werden. Unter diesen Steuern nehmen die Aufwand steuern, also die indirekten, den Massenverbrauch belastenden Steuern die erste Stelle ein. Es ist amtlich berechnet lvordcn, daß von diesen Aufwand- steuern 18,79 auf den Kopf der Bevölkernng entfalle». Eine Arbeiter� familie, bestehend aus Mann, Frau und zwei unerwachsenen Kindern— hätte also nach den geringsten Ansätzen(die beiden Kinder als eine Person gerechnet) 56,37 M. für öffentliche Zivecke zu entrichten, selbst dann, wenn sie von allen andren öffentlichen Abgaben frei iväre. Es ist aber eine gemeinplätzliche Wahrheit, baff die Durchschnittsziffern der statistischen Berechnungen lügen. Der Betrag der gezahlten Verbrauchssteuern steigt absolut mit der zunehmenden Armut, Iveil der Bedarf der Unbemittelten an Artikeln des Massenverbrauches absolut größer ist als der der Be sitzenden, er steigt auch relativ nach unten mit einer ungeheuer- lichen Progression. Ein Arbeiter, der von einem Einkommen von 600 M. eine Faniilie in oben bezeichnetem Umfange zu ernähren hat, giebt durch Aufwandsteuern weit mehr als 10 Proz. von seinem Einkommen an den Staat ab, während eine Bankdirektoren-Familie, die eine Viertelmillion jährlich zn verzehren hat, durch die Aufwand stcuer mir etwa'/so Proz. ihres Einkonunens einbüßt. Während nun diese indirekte Besteuerung für das ganze Reich gilt, ist die Regelung der direkten Besteuerung bisher durch die Praxis, wenn auch nicht durch die Verfassung den Einzelstaaten vor- behalten geblieben. An Stelle der brutalen Gleichheit vor dem Steuergesetze findet man hier das bunteste Flicknnister der ver- schiedensten Finanzsysteme. Keines von ihnen hat es gewagt, die höchsten Eiukoinmen im Sinne einer ausgleichenden Gerechtigkeit auch nur s o zu belasten, daß thalsächlich keine Progression nach' oben, wohl aber nur eine verhältnismäßig gleiche Be lastung aller Steuerklassen bestünde. Wäre diese durchgeführt. dann dürste zum Beispiel ein Einkominen von 4000 M. nicht unter 340 M.. ein solches von 20 000 M. nicht unter 1940 M. direkt belastet werden I Wo ist der Staat, in dem eine solche Belastung bestünde? Und doch Iväre bei diese» Steuersätzen die Behauptung, daß das Einkommen progressiv nach oben besteuert sei, erst recht noch nicht wahr. In Wirklichkeit ist das totale Steuerverhältnis, das heißt das Verhältnis sämtlicher direkten und indirekten Steuern zum gesamten Einkommen iveitaus am größten bei den ärmsten Schichten, viel geringer bei de» reichsten. am gering st en aber in den meisten Staaten bei den mittleren Schichten. Unser gesamtes Steuersystem trägt demnach den Stempel der M i t t e I st a n d s- P o l i t i k. Der Reiche weiß den Verlust von einigen Prozenten seines Einkommens mit Humor zn ertragen, die große besitzlose Masse besitzt trotz der zwei Millionen Wahlstimmen von 1893 immer noch eine so unerschöpfliche Geduld, daß mau daran denken kann, durch Brotwucher, Bier- und Tabakstenern ihren wunden Rücken noch schwerer zu beladen: der Mittelstand aber, Geschäftsleulc, Beanite, geistige Arbeiter, würde unfehlbar revolu- tioniert werden, wenn man ihn verhältnismäßig nur so schwer bepacken wollte wie den Millionär oder gar— den Proletarier! Ein neues Buch über die Einkommcnsteuer-Gcsetzgebnng, das offenbar einen sehr ordnungsliebenden und staatstreuen Mann zum Verfasser hat,") zeigt unabsichtlich, drum nicht minder deutlich die parlilularistischen Schlupfwinkel auf, in die sich unsre finanzpolitische Reaktion verkrochen hat. Obgleich sich der Verfasser naturgemäß bloß mit jenen Staaten beschäftigt, die eine Einkommensteuer eingeführt haben, einander aber in ihrer Finanzverfassnng noch am ähnlichsten sind, ergiebt sich selbst auf diesem Gebiet die abenteuerlichste Bmit- schcckigkeit der einzelstaatliche» Vestimmmigen. Preußen mit seinem steuerfreie» Minimum von 900 M. und seinen progressiven Sätzen von 0,6 Prozent bis gegen 4 Prozent niarschiert sozusagen noch„an der Spitze der Civilisation". In Sachsen aber sinkt die Grenze des steuerfreien EinkoinmenS schon auf 400 M.. womit hier freilich nicht lvie in Preußen das Ein- kommen der Haushaltung, sondern das des Einzelnen gemeint ist. 900 M. beträgt das Minimum wieder in Baden, 500 M. in Hessen, 600 M. in Sachsen- M e i n i n g e n, 60 M. in S a ch s e n- A l t e» b u r g(!). wieder 900 M. in B r a u n s ch w e i g, wieder 600 M. in Anhalt, aber nur 300 M. in Lippe- De t- mold, IZ M. in Reuß S. L.(!). 900 M. in Hamburg. 600 M. in Lübeck;»ar kein Existenzminimum lassen frei: Oldenburg. S a ch s e n- W e i m a r. Schwarzburg. R u d o l st a d t und das reiche Bremen! Der n i e d e r st e S t e n e r s a tz beträgt beispielsweise inPreußen. wie gesagt, 0,6 Proz.. in Oldenburg 1 M.. in Sachsen-Weimar 0.8 Proz., i» Hessen 3 M., in Sachsen- Meiningen 0,8 Proz., in Sachsen-Altenburg 1.80 M.. in Braimschweig 3 M.. in Anhalt 15 Pf.. in Schivarzburg- Sondershansen 1 M.. in Schwarzburg-Rudolstadt 5 Pf., in Lippe-Detmold 12 Pf., j» Reuß ä. L. 3 Pf., in Haniburg 1 M.. in Lübeck 4 M., in Bremen 1 M. Der höchste Steuersatz beträgt in Preußen, Sachsen, Sachsen-Altenburg, Sachsen-Meininge», Hessen, Sachsen-Weimar und Oldenburg etwa 4 Proz.. in Braimschweig nicht ganz 2 Proz., in Anhalt 0,1? Proz.(I), in Schwarzburg- Sondershausen begiebt sich das Abenteuer, daß der Steuerfuß bis 20 000 M. auf 3 Proz. steigt. von da ab aber sinkt, da jedes iveitere Tausend des Ein- *) Dr. Otto Müller, Die Einkominensteuer-Gesetzgebuiig i" den verschiedenen Ländern. Jena. Gustav Fischer. 1902- kommenS nur mit 3 M., also mit 0,3 Proz. belastet wird! In Schwarzburg-Sondershausen beträgt es hinwiederum überhaupt nur 0,3 Prozent(I), ähnlich erreicht es in Lippe-Detmold erst bei 100 000 M. die schwindelnde Höhe von 0,32 Prozent! In Hamburg erreicht er erst bei 50 000 Mark die Höhe von 1 Prozent. 1 Prozent ist auch in Bremen der höchste Steuerfuß. dort beginnt er aber hinwiederum schon bei 9500 M., in Lübeck beträgt der höchste Stenersiiß aber 3 Prozent und beginnt schon bei 4000 M. Kleine Einkommen aber sind bald steuerfrei, bald zahlen sie in bunter Reihe bis 4 M.! Große Einkominen, von denen in dem einen Staate Tausende zu entrichten sind, haben in dem andern an den Staat nur ein wahres Nachtwächter-Trinkgeld zn bezahlen. In den Staaten mit der rücksichtslosesten Autokratie und mit den reichsten Einkünften aus Domänen kommt die Einkommensteuer fast gar nicht in Betracht. Wenn schon in der Proportion der Besteuerung eine solche bunt- scheckige Verschiedenheit herrscht, so kann man sich lebhaft vorstellen, wie groß erst die Verirrnng auf den übrigen Gebieten der Steuer- gesetzgebung wird. Uebcr Dcklarationspflicht und Einschätzung, über die Besteuerung von Ausländern, über die Heranziehung der juristischen Personen(Aktiengesellschaften, Kommanditgesellschaften, Genossenschaften usw.) hat jeder Staat seine besonderen Be stimmnngen. Erst jüngst ist die Meldung laut geworden, das Reichsamt des Innern habe sich entschlossen, für die Besteuerung der privaten Versicherungsgesellschaften eine einheitliche Regelung herbeizuführen und habe die hohen VnndeSregierungen zu einer Prüfung der einschlägigen Verhältnisse aufgefordert. Dieser Schritt ist natürlich mir auf das Andrängen der Jnieressenten unternommen worden, es bleibt aber eine vernünftige Maßregel auch wenn sie in erster Linie nur der Geschäftswelt zu gute kommt. Wir werden es also vielleicht bald dazu bringen, daß die Stcuer- Verhältnisse der privaten Versicherungsunternchmnngcn einheitlich geordnet werden. Aber davon hat man noch nie etwas gehört, daß sich ein Reichsamt vermessen hätte, den Einzelstaaten in der Frage dreinzureden, wie sie die physischen Personen in ihrem Gebiete unter die Steuerschraube bringen sollten. Und doch liegt es auf der Hand, daß die Ordnung der cinzclstaatlichen Finanzen für das Reich von der größten Bedeutung ist. Wir meinen das Reich wie es ist: mit seinen übermäßigen Militär- und Marine- forderiuigcn, mit seinen Plänen auf die Taschen, der armen Leute. Wenn beispielsweise das gesegnete Sachsen Zuschläge zur Einkommen steuer auch der niedersten Klasse» erhebt jnst in dem Augenblick, da für Bier- und Tabaksteuern Stimmung gemacht werden soll, so kann das dem Reiche nicht gleichgültig bleiben. Ebenso ist es für das Reich keineswegs bedeutungslos, wie die Einzelstaaten ihre Millionäre besteuern. Verstehen sie es, durch angemessene Bestenerung des Reichtnnis ihre Finanzen in gutem Zustande zu erhalten, so werden sie auch nicht rebellisch werden, wenn sie einmal etivas direkt aus ihrer Kasse für des Reiches Macht und Herrlichkeit beisteuern müssen. Wäre min aber das Reich erst so weit, jenen Kurs der Finanz- Politik zn steuern, der der seligen Bismärckerei entgegengesetzt ist, d. h. wollte es allmählich und schrittweise(denn die.Kontinuität der Entwicklimg' darf ja doch nicht gestört werden!) die in- direkten Steuern, teilweise w e n i g st e n s, durch direkte zu ersetzen suchen, dann würde die Frage der einzel- staatlichen Finanzpolitik geradezu zu seiner eignen L e b e n s f r a g'e iverden. Schon die vielleicht zu bescheidenen Wünsche der social demokratischen Partei betreffend die Einführung einer progressiven Reichs-Einkommensteuer auf die großen Einkommen begegnen dem Bedenken, daß mit Rücksicht anf die ungleiche Bestenerimg in den Einzelstaaten eine.gerechte" Besteuerung nicht möglich sei. Denn allemal, wenn eS sich um die Bestenerimg der großen Ein kommen handelt, wird die Steuergerechtigkeit empfindlich lvie ein Hühnerauge. Schließlich könnte aber doch ber Zeitpunkt kommen, da es anders überhaupt gar nicht geht. Unter allen Umständen ist also das Reich lebhaft daran interessiert, daß erstens einmal in allen Einzelstaaten ein ver- nünftiges Existenzminimum vom Stenerboten verschont bleibt, und daß zweitens nirgends im Reiche das große Vermögen jener Besteuerung entgeht, die nach Zeit und Umständen als angemessen erscheinen niuß. Die zweite dieser beiden Garantien wird sich auch im Interesse der Einzelstaaten als mnso dringender herausstellen, je mehr die Zahl der müßigen Empfänger großer Einkommen an- schwillt. Bietet sich doch jetzt schon oft genug das unwürdige Bild. daß die kleinen Einzelstaaten im Inseratenteil der Presse gegen die andern Schnmtzkonkurrenz treiben und daß sich einzelne Städte wegen ihrer geringen Steuern den?. D. Pensionäre» und Rentiers zum dauernden Anfenthaltc empfehlen. Diese beiden Garantien ließen sich aber nur auf zwei ver- schiedenen Wegen durchführen: entweder so, daß sie verfassungs- rechtlich gewährleistet würden, oder aber so, daß die Socialdemokratie von innen heraus, in den einzelnen Landstuben. für etwas mehr finanzpolitische Reinlichkeit zu sorgen. Gelegenheit fände. Es klingt drollig, aber es ist wahr. daß der ReichSschotzineister eigentlich keine» besseren Freund hat als die Socialdemokratie der Einzelstaaten und daß er darum eigentlich ein begeisterter Freund des allgemeinen, gleichen und direkten Wahl- rechts für den Landtag sein müßte. Aber merkwürdig; er will es nicht einsehen! Und so wird eS vorläufig weiter so bleiben, daß in Lippe-Detmold ein Ziegclschläger 10 und 12 Proz. seines Einkommens an öffentlichen Abgaben ent- richtet, der zwanzig» und mehrfache Millionär aber vierzignial weniger l Volikifche MebevMzt. Berlin, de» 23. August. Gesühnte Dnellfeler? AuS G n m b i n n e n wird gemeldet, daß Hauptmann von Frankenberg und Proschlitz sowie Oberlieutenaut R u m b a u e r, beide vom 1. Feldartillerie-Regimcnt, ihren Ab- schied erhalten haben und daß ein andrer Offizier des Regiments, und zivar derjenige, der die reitende Eskorte des LientcnantS Hildebrandt angeführt hat, zum Train versetzt sein soll. Diese Meldung, die auS privater Quelle kommt, während man amtlich schweigt, wird von der gesamten bürgerlichen Presse mit größter G e n u g t h u u n g begrüßt. Die„Köln. Ztg." gicbt den Ton an, indem sie erklärt: „Unzweifelhaft handelt es sich bei diesen Maßregeln um die Sühne für die Borgänge bei der AbschiedSfeier des Ober- lieutenants Hildebrandt, die so großen Anstoß erregt haben. So bedauerlich der ganze Vorfall war, so ist es doch anzuerkennen, daß den Vergehen die Strafe gefolgt und daß man gegen die betreffenden Offiziere schärf und schonungslos vorgegangen ist." Es ist recht zweifelhaft, ob die geschehene Sühne als«scharf und schonungslos" gelten kann. Nach den früheren Nachrichten haben die an der Duellverherrlichung beteiligte» Offiziere sich strafgesetzlich vergangen, indem sie Mannschaften zu einer nicht dienstlichen Handlung kommandierten. Jedoch liegt es uns fern, den bürgerlichen Jubel über die gestrenge Erledigung der Angelegenheit durch den Einwurf zu stören, daß nicht genügend gestraft worden ist. Vielmehr neigen wir durchaus zur Bewilligung mildernder U m st ä n d e für die beteiligt gewesenen Ossiziere, deren Handlungsweise mir ein Ausfluß der allgemein in Osfizierskreiscn herrschenden Anschauungen über das Duell ist. Der bürgerliche Jubel ist deshalb so überaus lächerlich, weil die an den Offizieren vollzogene Sühne eine winzige Nebensächlichkeit ist gegenüber der Thatsachc der früh- zeitigen Begnadigung des Lieutenants Hildebrand, der einen Mensche» im Duell gelötet hat. Ist es so verwunderlich, daß die Offiziere von Gumbinnen die zulässigen Grenzen ihrer Dnellfeier überschritten, nachdem in ihnen durch die eilige Begnadigung des Kameraden die Anschauung gestärkt worden war, daß ihr Kamerad nichts VerabscheuungSwerteS vollbracht habe? Ehe nicht die Ratgeber der Monarchen sich dazu entschließen, die jetzt andauernd übliche Begnadigung von Duellanten nicht bei den Inhabern des Be- gnädig» n gsrechts in Borschlag zn bringen, eher ist von einem ernsteren Willen. das schmähliche Duellunwesen ein- zuschränken, überhaupt nicht zu sprechen. Neben den Ratgebern der Monarchen sind allerdings an der Fortdauer der Duelle die Mchrhcitöparteicn dcS Reichstags inttschuldig. Das Centrum hat soeben in Mannheim auf der Katholirenversaniinluiig wieder in flammender Entrüstung sich gegen das unchristliche Duell ausgesprochen. Aber das Centrum spricht eben nur iimner. In der That>var es gerade die sophistische Be- schönigung des Centruins, als ob die kaiserliche Kabinettsorder über das Duell ein Verbot desselben bedeute, durch welche der jetzige Zustand noch immer erhalten bleibt. Die Kabinetts- order bedeutet in Wirklichkeit eine Gewährung des D n e l l i e r e» s, indem sie seine Verhütung„in leichteren Fällen" empfiehlt. Statt des großmäuligen Geredes sollten die Ccntrums- redncr endlich die Wahrheit vor ihren unchristlich-fcigen Byzantinis- ums stellen und die verhängnisvolle Kabinettsorder bckänipfen, anstatt sie zu verherrlichen.— Die Fleischnot. Ein interessantes Zugeständnis entschlüpft dem„R e i ch S b o t e n". da er die Fleischnot abzuleugnen versucht. Das konservative Blatt, das den Brotlvucher und Fleischwnchcr in der Sauce salbungsvoller Frömmigkeit aufzutragen Pflegt, erwähnt die von uns bereits mit- geteilte Thatsache. daß auf dem P o s e n e r Schlachthofe im letzten EtatSjahre dieser Stadt 6211 Schweine weniger geschlachtet worden sind, was einem Mindestprozentsatz von 17,35 und einem Rückgang des Gesanitkonsiiins an frischem Fleisch um drei Kilogramm pro Kopf der Bevölkerung entspricht. Der„Reichsbote" will diesen Beweis der Fleischnot beseitigen, indem er sagt: „Das beweist doch nur, daß die Bevölkerung weniger Fleisch konsumiert hat als früher, und daß das gerade dein, Schweinefleisch der Fall war, welches vorzugsweise von der Arbeiterbevölkerung genossen wird, weist als Ursache auf die wirtschaftliche Notlage mit ihrer Arbeitslosigkeit hin. Wen» die Arbeiter nicht so viel verdienen wie sonst, können sie auch nicht so viel Fleisch essen, und die Schlächter brauchen nicht so viel Schivcine zu schlachten." Da hat sich Herr.Reichsbote" recht nett verplaudert. Sonst ist es socialdemokratische Lüge, von„wirtschaftlicher Notlage" zu sprechen: sonst ist es socialdemokratische Verhetzung, zu behaupten, daß die Arbeiter so wenig verdienen, daß sie ihren Fleischkonsum einschränken müssen. Jetzt aber wird das alles zugestanden, um die andere„socialdemokratische Lüge und Verhetzung", daß es eine Fleischnot gebe, zu widerlegen. Es. ist klar, daß Mindcrverdienst und Arbeitslosigkeit der Arbeiter den Minderkonsnm von Fleisch verursachen. Aber wird durch diese Ursache das außerordentliche Emporschnellen der Fleischpreise erklärt? Müßte nicht der Minderabsatz um- gekehrt zur Preissenkung führen? Wir haben die Erscheinung doppelter Fleischnot: Einerseits die Not des Arbeiters, selbst wenn die Flcischpreise billiger wären, geniigcnd Fleisch zu kciufen. Andrerseits der Mangel an Vieh und Fleisch, der die Preise ungeheuerlich in die Höhe schnellt I Ans Gera wird berichtet: Der Fleischkonsum ist in den letzten Jahren auch in Gera erheblich zurückgegaugen. Im städtische» Schlachthofe dürften im laufenden Jahre mehr alö 1000 Schweine weniger geschlachtet werden, als im Vorjahre, und im letzteren de- trug der Rückgang gegenüber 1900 mindestens 600 Schweine. Dazu kommt noch der' Ausfall an amerikanischen Fleisch» waren, wovon früher Tausende von Kilo pro Jahr hier eingeführt und zum Verkauf gebracht wurden. Diese Thatsachen beweisen. luie schlecht es um die Ernährung der arbeitenden Bevölkerung bestellt ist. Durch Absperrung der Grenzen sind die Fleischpreise so gesteigert worden, daß sie von den schlecht bezahlten Arbeitern nicht mehr bezahlt tverbjsn können. In Leipzig hat das Agitationskomitee der socialdemokratischen Partei vier große Volksversammlungen einberufen, nm der arbeitenden Bevölkerung Gelegenheit zu geben, zur be- stehende» Fleischnot und ihren Ursachen Stellung zu nehmen. Aus Worms wird berichtet: Aehnlich wie in andren Städten haben auch die Wormser Schiveinemetzger eine» allgemeinen Auf- schlag sämtlicher Fleisch- und Wnrstwaren beschlossen. Ver- anlaßt ivnrde dies durch die nun schon lange dauernden ungemein hohen Schlveinepreise. Am Platze iväre es, daß in Rücksicht daran die Reichsregicrung sich entschließen würde, die Grenzsperre für Mastvieh, Und wen» auch nur vorübergehend, aufzuheben, und so einer weiteren Steigerung der Fleischpreise vorzubeugen. * Aus Mülhausen wird der nationalliberalen. S t r a ß b. Post" geschrieben: „Die Frankfurter Preise sind noch gering zu nennen im Ver- hältnis zu den Fleischpreisen unsrer Industriestadt Mülhausen. Hier ist das Pfund Kalbfletsch nicht unter 1 Mark zu haben. und die bessere Qualität kostet sogar 1,10—1,20 Mark; daZ Pfund Schweinefleisch kostet 80 Pf., Hammelfleisch 80 Pf. bis 1 Mark und das Rindfleisch 68— 80 Pf. Auch die Preise für Wurst- lv a r e n sind bedeute i'd in die Höhe gegangen, so daß nicht nur unsre zahlreiche Arbeiterschaft, besonders bei dem keineswegs günstigen Geschäftsgang unsrer Industrie, sondern auch die gesamte Bcamtenschaft, wie überhaupt der kleine Burgerstand sehr untcr diesen hohen Flcischpreiscn zu leide» hat. Jenseits der Schweizer und der französischen Grenze hingegen sind die Flcischpreise durchschnittlich SO bis ZO Prozent billiger alS hier. Wie bestimmt verlautet, beabsichtigt unser fortschrittlich gesinnter Ge- meinderat(Demokraten und Socialdemokrate») eine Untersuchung der Ursachen dieser hohen Flcischpreise behufs Prüfung etwaiger Gegenmaßnahmen vorzunehmen. Es ist dies ein sehr wichtiges Borgehen, da bei diesen enorm hohen Preisen leider die Gefahr der Untcrrrnährnng bei einem größeren Teil unsrer Bc- völkcrung zu befürchte» ist." # Aushungerung an der Grenze. Straßburg, 23. August.(Telegramm.) Der„Weser-Ztg." zufolge hat der zollfreie Grenzverkehr mit Fleisch gegen früher eine erhebliche Einschränkung erfahren. Die Zollämter erhielten dieser Tage eiuen ministeriellen Erlaß aus Straßburg, der den zollfreien Grenzverkehr ciner Neuregelung unterzieht. Danach dürfen von den Grcnzbeivohnern nicht(mehr als S Kilogramm Fleisch über die Grenze gebracht Iverdcn, und daS täglich nur ein- mal von einer und derselben Familie. Von jedem, der Fleisch über die Grenze bringt, muß der Nachweis erbracht lvcrdeu, daß das Fleisch für seinen Bedarf bestimmt ist. und es ist nicht gestattet, für dritte Personen, Bekannte oder Verwandte, Fleisch über die Grenze zu bringen. Das Fleisch wird beanstandet und der Trans- porteur wegen Zolldefrandation in Strafe genommen l— Deutsches Weich. Socialdemokratifcher Bauernfang. Unter diesem Titel geht durch die liberale wie durch die agrarische Presse in rührender Einmütigkeit folgende Notiz, die wir wörtlich abdrucken, weil sie sonst um ihre volle Wirkung käme. Sie lautet: „Wie man Bauern fängt. Auf dem socialdemokratischen Parteitag in Breslau erklärte„Genosse" Kautsky im Jahre 1895: „Der Bauer ist ein Fanatiker des Privateigentums. Wir wollen die Persönlichkeit des Bauern schützen, aber nicht seinen Betrieb. Das dem Parteitag unterbreitete Agrarprogramm würde den Eigentumsfanatismus der Bauern neu entfachen.„Für die Erhaltung des Bauernstandes einzutreten, haben wir keinen Grund, denn das könnte nur geschehen, indem wir die Bauern in ihrem Besitz befestigen, also ganz entgegengesetzt verfahren als »onst." „In seinem Buche über die Agrarfrage schrieb Kautsky im Sommer 1899: „Wenn wir im Besitze der Staatsmacht sind, werden wir nicht daran denken, die kleine» Bauern zu expropriieren(einerlei, ob mit oder ohne Entschädigung), wie wir dies mit den Großgrundbesitzern zu thun genötigt find. Unsre Aufgabe gegenüber dem kleinen Bauer besteht zunächst darin, seinen Privatbesitz und Privatbetrieb in einen genossenschaftlichen überzuleite», nickt mit Gewalt, sondern durch Beispiel und Darbietung von genossenschaftlicher Hilfe zu diesem Zweck." „In ciner vor kurzem im Verlags des„Vorwärts" erschienene» Broschüre„Am Tage nach der socialen Revolution" schreibt derselbe KautSky: „Noch kein Socialist, der ernsthaft zu nehmen ist, hat je ver- langt, daß die Bauern expropriiert oder gar ihre Güter konfisziert werden sollen. Es wird vielmehr wahrscheinlich jedem kleinen Bauer gestattet bleiben, so weiter zu wirtschaften, wie er das bisher gelhan hat. Der Bauer hat von einem socialistischen Regime nichts zu fürchten. Es ist sogar sehr wahrscheinlich, daß diese bäuerlichen Wirtschaften durch das neue Regime(am Tage nach der socialen Revolution) eine Stärkung erfahren werden." „Dazu bemerkt die„Freis. Ztg.". der wir diese interessante Zu- fammenstelluNg entnehmen: „So fängt man Bauen«! Wie aber sind Kautskys Ver- sprechrmgen zu vereinbaren mit dem geltenden socialdemokratischen Programm,«velches die Verivandlnng jedes Privateigentums an ProduktionsmittelnZi» socialistische„für und durch die Gesellschaft" betriebene Produktion als Allheilinittel proklamiert?" „Diese„Vereinbaning" ist doch recht einfach. Wenn eS gilt, Bauernfang zu treiben, pfeift man eben auf das Programm." In der That, sehr einfach. Aber der Bauernfang ist noch weit schlimmer, als die„Freisinnige Zeitung" und ihre Nachbeter sich träumen lassen. Besagter Kautsky hat 18SS einen Kommentar zum Erfurter Programm herausgegeben, ivorin es n. a. heißt:„Der Uebergang zur socialistischen Gesellschaft bedingt keinesivegs die Erpropriation der Kleinhandiverker und Kleinbauern.... Die Kapitalisten find es. «velche thatsäcklich Bauern und Kleinhandwerker expropriieren. Die socialistische Gesellschaft macht dieser Expropriation ein Ende."(Das Erfurter Programm, 3. Aufl., S. 150. 151.) Die Socialdemokraten treiben also den Bauernfang so weit, daß sie sogar im Kommentar zu ihrem Prograinm a«lf dieses pfeifen. Aber noch mehr. Der Text des socialdemokratischen Programms. den die„Freisinnige Zeitung" citiert. findet sich einzig und allein in dem von ihr benutzten Exemplar. In allen andern wird nicht„die Verwandlung jedes Privateigentums au Produktionsmitteln in socialistische Produktion" verlangt, wie eS in der„Freisinnigen eitung" schön heißt, sondern„die Verwandlung des kapitalisti- che» Privateigentums an Produktionsmitteln in gesellschaftliches Eigentum und die Umwandlung der Warenproduktion in focia- listische". Mau sieht, die Socialdemokratie pfeift sogar aus lauter Bauen«- fängerei in ihrem eignen Programin auf ihr von der„Freisinnigen Zeitung" entdecktes Programm, indem sie bloß die Vergesellschaft- lichung des k a p i t a l i st i s ch e n(also nicht des kleinbäuerlichen) Privateigentums an den Produktionsmitteln fordert. Ganz abgesehen von den« besonderen bauerfängerischen Kniff, daß die allgemein zu- gängliche Ausgabe unsres Programms nichts von der freisinnigen Lesart enthält, die uns Verivandlung des Privateigentums in Produktion fordern läßt I Auf ebenso geheimnisvolle Weise lvie in den Besitz dieses CitatS ist die„Freisinnige Ztg." in den des andern gelangt. Das Citat anS dem Jahre 1895 ist nur zur Hälfte«vörtlich so gesagt«vorden, es sollte übrigens der.Freisinnigen Zeitung" nicht allzu unsympathisch fein. Wer die Worte im Zusammenhang liest, sieht, daß Kautsky nichts andres ablehnte, als künstlichen, staatlichen Schutz für besondere Betriebsformen, die sich a»S eigner Kraft nicht mehr behaupten könne». Wo da ein Gegensatz zu den beiden folgenden Citaten be- stehen soll, ist schiver erfindlich. Die„Freisinnige Zeitung" will offenbar sagen, indem sie die Zahlen von 1895 und 1899 fett druckt, Kautsky habe aus demagogischen Gründen 1899 anders geschrieben wie 1895. Aber sie muß auch da «vieder eine besondere Ausgabe deS von ihr citierte» Buches benutzt haben, die neben den geivöhnlichcn Ausgaben besteht. Denn die Worte, die als Citat aus KautSkyS„Agrarfrage" aus dem Jahre 1800 angeführt«verde», hat Friedrich Engels in einem Artikel der„Neuen Zeit" über die B a u e r n f r a g e 1804 („N. Z." XIII, 1. S. 301) geschrieben. Wenige Zeilen Iveiter heißt eS dort:„Wir können nun und niminermehr den Parzelle«, baneri« die Erhaltung des Einzeleigentums und Einzelbetriebs gegen die Uebernincht der kapitalistischen Produktion versprechen. Wir können ihnen nnr versprechen, daß ivir nicht«vider ihren Willen geivaltsam in ihre Eigenrnnisverhältnisse eingreifen tverden." Es ivnr gerade der Standpunkt dieses Artikels, den Kautsky 1895 in Breslau einnahm und verteidigte. Aber sonst stimmt alles in de» Citaten der„Freis. Ztg." Man sieht, ihre Gelehrten sind ebenso sachverständig«vie geivissenhaft, wenn es gilt, einem Socialde, nokraten die Ehre abzuschneiden. Das ist die richtige Vorbereitung zum„Kartell der Linken", zu dem«nnnche Herren des Freisinns die socialdemokratischen„Bauern- fängcr" gerne— einfangen»nöchten.— Katholizismus und Kunst. Das bekannte Telegramm des Kaisers an den Prinzregente» von Bayern mag mit den Ansatz geliefert haben, daß die in Mann- heim versammelten Heinze-Männer sich auch niit der Kunst auseinandersetzten. Möglichenveise mag sie auch die Ausichl geleitet haben, daß auch sie sich gleich der Socialdeinolratie eine Kunstdebatte leisten könnten. Sie begnügten sich freilich,«vir das bei diese» gründlichen Verhandlungen der Centrumsparaden ja überhaupt üblich ist, mit einem Vortrag über„Katholizismus und K u n st", dessen unglaubliche Thesen zu einer Diskussion natürlich keinerlei Anlaß gaben. Auch diesen Vortrag hatte man nach dein Schema aufgebaut, daß außerhalb der Kirche kein Heil sei. Nur die katho- tische Kirche treibt Socialpolitik. nur die Kirche tritt ein für wahre und freie Wissenschaft, nur die Kirche ist die Schützerin und Pflegerin der Kunst. So sagte der Referent Lyceal- Profefsor Dr. EndreS: „Ich sage nicht zu viel, wenn ich behaupte: Keine Macht der Erde hat der K u» st und zivar nicht bloß der kirch- Ii che n, sondern auch der profanen Knust einen derartigen Impuls gegeben. ciiici« derartige» Nährboden bereitet. «vie die katholische Kirche. Wenn man der katholischen Kirche das Verständnis und das Interesse für Kunst absprechen«rollte, die katholischen Dome, Münster und Museen, die katholischen Gotteshäuser fast ausnahmslos«vürden laiilen Protest dagegen erheben. Für unsre Kirche ist das Herrlichste, was«vir zu leisten im stände sind, gerade gut genug." Wie man sieht, hat auch dieser Centnimsredner den Mund ge- hörig vollgeiioinnien. Daß die Kirche die K«mst, namentlich die Architektur, gcivaltig gefördert hat, hat»och kein Mensch bestritte». Aber die Kirche bedurfte eben der Kunst bei ihrem Bestreben, durch Ponip und Pracht ihres Kultes die Masse» zu fascinicre»| Und das Eeutrum sollte doch auch nicht vcrgcfsen. daß es eine Antike gegeben hat, deren»vunderbare Kunstdenkmäler barbarisch zu zerstören gerade die Kirche seinerzeit alles aufgeboten hat! Und der Centrunisredner hätte doch auch zugestehen müssen, daß die Zeit, in der die Kunst in erster Linie in« Dienste der Kirche stand, läng st vorüber ist, daß überhaupt die kirchlich protegierte und kirchlich— bevormundete Kunst nur eine Gattung der Kunst darstellt. Statt dessen gebürdete sich Dr. Endres, als ob es außer- halb der kirchlich geaichten Kunst überhaupt nichts gäbe, das diesen Name verdiene. Namentlich goß der gestrenge Kunstrichter un- erbittlich die Schale seines sittlichen Abscheus über die moderne „Rinnsteinkunst" aus: „Eine andre Richtung, die(den persönlichen Gott. die Unsterblichkeit der Seele nicht anerkenut, verfällt selbst- verständlich immer mehr dem S i n n e n g e n u ß. Diese moderne Richtung ist bemüht, auch die Kunst iu ihren KrciS zu ziehen. Die Kunst verfällt in U n si t t I i ch k e i t, und da tausend Mittel vorhandci« sind, die Kunst zu vervielfältige» und in die breiten Massen des Volkes zu bringen, so liegt die Gefahr vor. durch diese Kunst das Volk sittlich zu gefährde». Deshalb müssen«vir immer und immer wieder rufen: Zurück auch in der Kunst zu den christlichen Idealen. Wenn der Künstler seine Aufgabe vom sittlich-wahren Standpunkt auffaßt, dann wird er zum Herold des Schönen und des Sittlichen. Wenn er aber in den Rinnstein hinabsteigt»nd sein künstlerisches Können in den Dienst der Unsittlichkeit stellt, dann wird er zum Anwalt d e S Gemeinen." Man«veiß aus den Heinze-Debatten, wie mimosenhaft empfind- lich keusche CentrumSgemüter sind. Für sie ist der unbekleidete menschliche Körper bekanntlich schlechthin unsittlich und gemein. Wie «veit diese traurigen Gesellen, die keine Spur jener«veitherzige» künstlerischeii Feinsinnigkeit besitzen, die manche» geistlichen Mäcen der Renaiffance auszeichnete, in ihren« öde») Banausentun« und ihrer blöden Bilderstünnerei gehen, dafür legen die lebhaften Klagen beredtes Zeugnis ab, die in einer späteren Sitzung deS Katholikentages einer der Ihrige«, selbst erheben ninßte. Assistent der Stadtbibliothek Dr. Pfeiffer(München) tadelte eS nämlich, daß man auf dem Gebiete«vahrer Kunst bis- weile» etwas zu empfindsam sei und gcivissermaßen da« Kind mit dein Bade ausschütte. So habe»nan in der Marienkirche zu Würzburg an«vahrhaften Kunstiverken durch Abmeißelung der Schamkapsel eine vollstäudige Ver- Wüstung angerichtet. In Münnerstadt sei eine Statue der Eva, ein Kunstlverk ersten Ranges spurlos verschivunden. Durch derartige Borkommnisse sei e« den jüdischen Antignare» möglich gewesen, sich des Handels mit christlichen Kunstiverken zu bemächtigen. Und dies« plump«, I. täppischen Barbaren. die sogar kirchliche Klinstschätze, die jahrhundertelang unbeanstandet geblieben, ekelhaft verstümmeln und bei Seite schaffen,«vollen sich als Hüter und Förderer der Kunst aufspielen!— Mit einer Kundgebung für die Kongregationen schloß an, Donnerstag die dritte und letzte geschlossene Generalversammlung des Katholikentages. Folgende Resolution Trimborn und Genoffen fand Annahme: „Die Generalversammlung erblickt im Bestehen und Wirken der katholischen Orden und Kongregationen eine glänzende Bethätigung der christlichen Welt- und Lebensauffaffuug, eine kraft- volle Schutz wehr gegenüber der verheerenden m a t e r i a l i st i s ch e n Strömung unsrer Zeit. Sie beklagt aufs lebhafteste, daß in einer Zeit, in welcher religi'ons- und kirchenfeindliche Bestrebungen aller Art ungehemmt sich gellend machen können, die der Seclsorge, der Krankenpflege und Heidenbekehrung gewidmeten katholischen Orden und Ko!«- gregationen sich nicht mit aller Freiheitsentfalten dürfen." Am Schlüsse der Sitzung wurde Graf Droste-Vischeriug-Münster «viedcrum zun« Kommissar der Gcueralverfammlung eruäuut und zum Ort der nächstjährigen Tagung Köln geivählt.— Dcu Nuschlnst der Elsaß-Lothringer au das Ceutruin will eine Resolution anbahnen, die am Montag vom Hauptvorstand des Angustinus- Vereins zur Pflege der katholischen Presse st, Mannhein« angenommen«vurde. Wie der„Elsässer" mitteilt, waren in der Versammlung zahlreiche Geistliche aus Elsaß- Lothringen er- schienen. Die Resolution lautet: Die anläßlich der 49. Generalversammlung der Katholiken Deutschland« in Mannheim versammelten Mitglieder des Augnslimis- Bereins aussalle» Teilen des Deutschen Reichs sprechen dcu Wunsch ans, die katholische Presse des Reichslauds möge e i i« m ü t i g und entschieden dafür eintreten, daß die e I s a ß- l o t h r i n g i s ch e n Katholiken in Land, Bezirk und Gemeinde auf der Grundlage des belvährten Pro- gramms der deutschen Centrnmspartei unter Berück- sichtigung der besonderen elsab-loihringischeii Verhältnisse s i ch organisieren und insbesondere dafür wirken, daß die nächsten Reichstags wählen auf der Grundlage dieses Programms sich vollziehen und die aus diesen Wahlen hervorgehenden Abgeordneten der Reichslande der Ceutrums- jraktion des deutschen Reichstages sich anschließen. Tie Führer der.Protestler", die Wetterls. Winter und Genoffen werden es verinutlich an einigem Widerstand nicht fehlen lasseit. Bisher sind wenigstens alle Bemühungen früherer Katholikentage, den Anschluß der kalholischen Wähler der Reichslande, die 76 Proz. der Bevölkerung bilden, herbeizuführen, erfolglos geblieben.— Beanitcu-Hörigkcit. Der preußische Beamte verfällt innner mehr dem Schicksal, das er durch ständige Bedientenhaftigkeit und fortdauernd geduldiges Ertragen aller Zumntnngen der Vor- gesetzten selbst verschuldet hat. In den polnischen Landes- leilci««verde«« Beamte gemaßrcgelt, soforu. sie sich nicht den schnell wechselnden Laune» der oben bclieble» Polenpolitik gehörig anzupassen wissen. Aber nicht nnr in politischen Fragen soll Meinuugssclbstäiidigkeit dein preußischen Beamtentiim fremd sein, selbst«n allem soll er noch so harmlose Ueber- z e u g i« i« g c i« ans dem Altar der nn bedingten Gefügigkeit opfern. Die„KönigSb. Hart. Ztg." erzählt von zivei Fällen� i» denen der Anlaß zur diseiplinaren Maßregelung in der— Bekämpfung des Alkohols lag! Das Blatt schreibt: „Der Oberstabsarzt Dr. Matthäi hat in Danzig die Antialkoholbeivegung in Gang gebracht. Er hat außerdem in den letzten Jahren in Wort und Schrift eine außerordentlich rührige Thäligkcit über die Alkohollvirkmigei«, besonders auch in Militärkreisen, entfaltet. Diese Thätigkeit scheint aber in steigendem Maße Mißbehagen erregt zu haben.' Man hielt eS für nörig und angebracht, Matthäi fornicll auf die Beftinlinnng aufmerksam zu machen, wonach Mililärpersonei, zur Veröffentlichung von Druck- schriften der Erlaubnis der vorgesetzten Behörde bedürfen. Der pffentlichen Wuksainkcit Matthäis aber schob man einen Riegel vor, indem man ihn, strikte verbot, in Vereinen zu sprechen, lim de«, Scherereien zu entgehen und die Frei- heit der Bethätigung für seine gute Sache zu erlangen, sah sich Matlhäi denn schließlich genöthigt, obgleich ernoch in dcn b e st e i« Jahren st e h t n»d eine große Arbeitskraft besitzt. d e n A b s ch i e d z» nehme«, und sich peusioiiiereii zu lasicii." Aehnlich erging es dem bekannten Eiscnbahndirektor de Terra in G n b e n. lieber sei» Erlebnis«vird berichtet: «De Terra hatte sich entschlossen, eine antialkoholische Bewegung unter den deutschen Eisenbahnern ins Leben zu rnfeir. Bevor er jedoch an die Ansfübrung seines EntfchlnffeS ging, wünschte er, sich mit dem E> s e n v a h n- minister(es«vor damals— Januar 1902—»och Thielen im Amte) in Verbindung zu setzen, und reiste z» diesem Zwecke nach Berlin, um dem Minister Vortrag zu halten. Derselbe empfing ihn aber nicht, sondern ließ sich durch einen M« i« i st e r i a l d i r e k t o r vertreten, welcher sich den Ab- sichte» de Terras gegenüber ablehnend verhielt und betonte, daß erfahrungsgemäß mir die Mäßigkeitsbestrebungen Erfolge haben, während die Enthaltsanikeitsbewcguiig aussichtslos fei. Den Einivenduiigen de TerraS gegenüber blieb der Herr Ministerialdirektor dabei, daß bei nnS in Deutschland mit solchen Bestrebungen nichts zu machen sei,«nid daß er Herrn de Terra dringend von seinem ll n t e r n e h m e n abraten müsse. De Terra ließ sich aber nicht abschrecken. Er erließ einen auch in der Presse veröffentlichten Aufruf an alle deutscheu Eisenbahner, in welchem er die verderblichen Wirkungen deS Alkohols besonders für den Eisenbahner darlegte und zur Gründung einer„Vereinigung enthaltsamer deutscher Eisenbahner" aufforderte. Der Erfolg des Aufrufs war überraschend; die Vereinigung, welche am 26. Januar in Berlin gegründet wurde, zählt bereits jetzt, 7 Monate nach Erlaß des Aufruf«, über 500 Mitglieder. Für de Terra selbst aber hatte die Nichtbeachtung der ministeriellen W a r u u«« g und die Agitation für die von ihm gegründete Vereinig, mg den Erfolg, daß er vor kurzem „im Interesse des Dienstcö" von Guben nach Stolp in Po mm er i« versetzt worden ist, weil er angeblich durch seine Agitation zu sehr seincn Dienstgcschäfteu entzogen iverde, waS, wie man meint, in DeuischlandS Norden ihm weniger möglich fein werde als im Centrum."— Kavallerie gegen Pole»! Wie die„Frankfnrter Odex-Zeitmig" erfährt, liegt es st, der Absicht der Heeresverwaltung. eine Reihe von Landstädten Posens und West Preußens mit Garnisonen zu belegen, um die dort besonders schivierige Stellung der deutschen Geiverbetreibenden und Geschäfts- leute dem vordringenden Polen tum gegenüber zu stärken. Dieses Ganiisoniermigsprojekt wird seincn Niederschlag in der nächsten Militärvorlage finden und zwar spccicll iu der Forderung von Ncnfor»nattoucn für die Kavallerie.— Bade» und Aachen. In Baden bei Wien, so lesen»vir in der Wiener„Arbeiter-Zeitung". wurde der Drechsler Wnhack wegen Betrüge« zu drei Tagen Arrest verurteilt, weil er in gewinnsüchtiger Absicht prähi st arische. Fun de" erzengt und damit Gelehrte zu täuschen gesucht hatte.— In Aachen ivird eines von den vielen beglaubigten Schiveißtüchern des Heilands ausgestellt, worüber sich die Gelehrte«, nicht täuschen lassen. Dennoch erzielt die Aachener Diöcese mit ihrer klnsstelliiiig mehr Gewinn, als Wnhack in seinen kühnsten Träumen hätte erhoffen können, und zwar völlig u n b e a n st a n d e t. Warum hat sich dieser un» geschickte Wuhack nicht statt auf die Archäologie lieber auf die Reliquien- forschuiig verlegt?— Die welthistorische Fahneiiiiagclmig. Bei der Fahnen- nagelimg, die am Donnerstag früh im Zeugbnufe stattgefimben hat. hielt der F e I d p r o p st Richter die Weihcrede, durch die die- jenigen, die diesen militärischen Akt für einen beiläufige«, Punkt deS höfischen Festprogramms zu halten geneigt waren, eines besseren be- lehrt wurden. Feldpropst Richter gab dem lrieaerischei« Akt folgende theologische Weihe: Köllig Jesu, streite, siege, Das alles alsbald Dir unterliege, Was lebt und webt in dieser Welt! Amen. Im Lichthofe des Zeughauses, als des Schatzhauses der groben Vergangenheit des Vaterlandes und der Armee, sollen diese altehrwürdigen Fahnen jetzt neu geiveiht werden vor uns rein Kaiser und Könige und vor seinein erhabenen Verbündeten. Der hohe Gast hat mit und nächst un s er ni Kaiserpaar einen Nagel eingeschlagen in eine jede dieser Fahnen, und diese Hammerschläge der Herrscher finde» mächtigen Widerhall in den Herzen der Völker diesseits und jenseits der Alpen. Es ist eine große Ehre und Auszeichnung, die diesen Fahnen ividerfährt, ja eine große Stunde für Vaterland und Armee... Könige sollen stets auch Propheten sein, Propheten für ihre Völker; denn Gott s e l b st hat sie auf hohe Warte gestellt. Aber sie sind es nur, wenn sie ihn schauen mit dem Glaubensange, und ihm nach- folgen mit der Liebcsthat, dem großen barmherzigen Samariter, der Oel und Wein in die Wunden der Menschheit gegossen hat, und der zu jedem spicht, er sei ein König oder ein Geringer:»So gehe hin und thue des- gleichen!" Darum tragen diese Fahnen auch sein Kreuz an der Spitze; sie sind Kriegözciche», aber auckl FriedenSzeichen ohne Gleichen; sie zeugen vom Geiste der Väter und sind ein heiliges Gelöbnis für die Enkel, eine Gottesmahnnng für die Herrscher und für die Völker. So gehe hin und thue desgleichen. Amen. So recht klar ist u»S freilich der innere Zusammenhang zwischen Fahnennagelnng, Prophetie des Königtums, Samaritertuin und Ehristentnm nicht geworden. Aber der Herr Feldpropst muß sich auf die heilige Schrift ja besser verstehen.— Ausland. Frankreich. Prozessiernng der klerikalen Ruhestörer. Der Landivirt Sanssct, welcher beschuldigt ist, den Kommissar Lomont anläßlich der Schließung der Ordensschulen schiver verletzt zu haben, ivurde vom Untersuchungsrichter verhört. Sausset leugnete entschieden ab. die That begangen zu haben. Der Führer des Widerstands in Plondaniel, Croc, welcher den Polizeikoinmissar mit Unrat bcworfcii haben soll, wurde gleichfalls einem Verhör unterzöge». Gegen beide ivird heute Haf tb efeh l crlasseit werden.— Der Bürgermeister von A ii r i o l ist wegen seiner Haltung anläßlich der Aufhebung der Ordensschulen seines Amtes entsetzt worden.—' Der Präfekt des Departements Ardeche hat die Ver- w e l t l i ch u n g von acht Schulen für den Monat Oktober verfügt, ebenso hat der Präfekt dcS Departements S a r t h e die Schließung von 20 Schulen angeordnet.— Weitere Opfer des Humbcrt- Schwindels. U5 neue Gläubiger der Familie Humbert haben bei der Gerichtsbehörde Forderungen im Gesamtbetrage von 25 Millionen Francs eingeklagt.— Belgien. Eine Parteiabsplitterung. Schon seit dem Tode Alfred Defuisscaux machte sich in der Borinage eine Bewegung bemerkbar. die ans eine Loslösmig eines Teiles der Socialisten von der Partei hinauslief; die Bewegung leitete» vor allem der Sohn und der Bruder Leon des verstorbenen Defuisseaux. Jetzt erlassen dieselben einen Aufruf au die »revolutionären Socialisten der Borinage", in welchem sie sich direkt in Gegensatz zur offiziellen Partei stellen. Sie machen dieser den Vorwurf, daß sie durch ungeschicktes Vorgehen die Massen ermüdet und entmutigt habe. Die Führer leiteten die Partei zu dem kooperativen Handel, die Partei werde ruhiger und abgeklärter, aber sie sei nicht revolutionär geblieben, die Partei sei eine parlamentarische geworden und habe die scharfe und revolutionäre Sprache von 1830, 1843 und 1893 aufgegeben. Als Ziele der neuen Sekte wird ange- geben: die Befreiung des allgemeinen Wohlrechts von allen ihm anhaftenden Hcmninissen, die Beseitigung des Plural- Stimmrechts und des Proportional- Wahlsystems und die Erreichung der„vollen unbegrenzten Volkssouveränitär."— England. Dreifiig Millionen für ein Linienschiff! Dem„Berliner Tageblatt" wird aus London gemeldet: Räch Informationen aus den Kreisen der Werft von Devon- Port ivird das daselbst im Bau befindliche englische Schlachtschiff „König Edward VIl." dreißig Millionen Mark k o st e n. Es dürfte das das teuerste Schlachtschiff sein, das jemals für die britische Marine erbaut worden ist. Die beiden Schwesterschiffe des„König Edward VII.". die„Dominion" und die„Common- lvealth", werden wahrscheinlich ebenso viel kosten. Die„Jrresistible" kostete 22266580 M.. die„Bulwark" 21 656 100 M. und die„Venerable" 22 595 120 M. Die„Queen" wird wahrscheinlich 22 900 000 M. und die„Montagne" 21 637 540 M. kosten. In jedem Jahre steigern sich die Baukosten der Kriegsschiffe, und man schaudert bei dem Gedanken an die Unsummen, die nach zwanzig Jahren in den Schlachtschiffen stecken. Die hydraulischen Einrichtungen für die 12-zölligett und 9 2- zölligen Geschütze„König Edwards VII." werden ungefähr 2 500000 M. kosten und das Anbringen dieser auf dem Schiffe weitere 200 000 M. Die Geschütze selbst sind mit 1600 000 M. veranschlagt. Im deutschen Flottengesetz sind die Bau- und Armierungskosten eines Linienschiffes' mit 20 Millionen berechnet. Bei den' letzten Schiffsbauten wurde dieser Voranschlag bereits überschritten. Da Deutschland ja ständig zu riesenhafteren Linienschiffs-Typen-greift. wird eS hinter den englischen Kolossen schwerlich zurückbleiben wollen. Die Linienschiffe werden uns dann 30 statt 20 Millionen kosten, womit freilich der Schlußrecord der Kostspieligkeit des Wassersports noch nicht einmal erreicht sein dürfte.— Norwegen. Norwegischer Protest gegen den deutschenZolltarif-Entwnrf. Wie wir seiner Zeit mitteilten, hat der Norwegische Steinhauer- Verband die Negierung aufgefordert. Deutschland gegenüber Einspruch gegen die von der Zolltarif-Kommission vorgeschlagenen Zölle ans Pflastersteine zu erheben. Jetzt hat das Departement des Innern geantwortet, daß ein solcher offizieller Einspruch nicht erhoben werden könne, weil keine vertragsmäßigen Verpflichtungen hinsichtlich des Zollwcsens zwischen Norwegen und Deutschland beständen. Man hätte es aber inzwischen dem Departement des Aeußern in Stock- Holm anheimgegeben, die Gesandtschaft in Berlin zn beaustragen, bei Gelegenheit und in der w i r ks a m st e n Weise die Vorstellungen in dieser Angelegenheit zu machen, zu denen Ver- anlassnng vorliegt.— Nnfiland. Tic Riistnngcn de« Friede, iSzare». Gestern brachten wir die Nachricht von der bevorstehenden Ncubewaffnung der russischen Artillerie, heute lvird� gemeldet, daß die nach englischem Muster gebauten Panzerzüge zu je drei Wagen von Petersburg abgegangen seien, um an den Manövern bei Kursk teilzunehmen. Die Panzerzüge seien in aller Stille im Austrage des Kriegs- Ministeriums erbaut worden. Für militärische Experimente ist in dem von chronischen Hungersnöten heimgesuchten Laude des Friedens- zareu immer Geld vorhanden.— Autsrika. New Jork, 23. August. Ein Telegramm aus Kap Haitien bcrichiet, daß die Truppen der provisorischen Ne- g j e r u n g die Stadt L u n d e eingenommen und sie größtenteils eingeäschert haben. Die Verluste sind auf beiden Seilen bedeutend. Das amerikanische Kriegsschiff „Cinciunati" ist zn,,, Ersatz dcS Kriegsschiffes„Machias" daselbst riugetroffen.— Darkei-MAthvirhken. Mit dem Parteitage beschäftigten sich die Genossen in Magdeburg. Sie faßten nach lebhafter Diskussion eine Anzahl Beschlüsse dazu. So unter anderm die folgenden: „Die Versammlung vernrißt im Berichte der Fraktion ein Ein- gehen auf die so brennend gewordene Wohnungsfrage, speciell eines Reichs- Wohnnngsgesetzcs und erwartet in der nächsten Tagung ein energisches Eingreifen." „Der Parteitag möge beschließen, daß die Tagesordnung zum Parteitag früher als bisher, und zwar möglichst ein Vierteljahr vor dem Stattfinden des Parteitages seitens des Parteivorstandes bekannt gegeben ivird." Zu den preußischen Landtagswahlen wurde be- schlössen: „Der Parteitag wird ersucht, in einer geeigneten Weise zu der Art der Beteiligung an den preußischen Lanotagslvahlen Stellung zu nchmen, eventuell durch Anordnung eines Parteitages für Preußen." Aehnliche Beschlüsse sind in verschiedenen Parteiversammlnngen in Preußen gefaßt worden. Sie dürften sich dadurch erledigen, daß zur Behandlung der spcciellen Fragen der Wahlagitation ein preußischer Parteitag arrangiert werden wird. Die Genossen in Wandsbeck, die in einer General- Versammlung des socialdcmokratischen Vereins über de» Parteitag verhandelte» und die jetzt alle Partci-Angelegenheitcn nur im Verein erledigen wollen, behandelten besonders die Finanz- frage. Als bestes Finanzmittel schlug der Vereiusvorstand eine allgemeine Erhöhung der Beiträge der socialdcmokratischen Vereine vor. Diese Angelegenheit müßte auf dem Parteitag bei», Geschäftsbericht gesondert behandelt und es den Vereinen zur moralischen Pflicht gemacht werden, für die Stärkung der Parteikasfe Sorge zu tragen.' Ein diesbezüglicher Antrag, der dem Partei- vorstände zugestellt werden soll, fand einstimmige Annahme. Vorher hatte man bereits beschlossen, die Vereiusbcitrnge von 30 auf 40 Pf. pro Monat zu erhöhen. Der socialdemokratische Verein in Frankfurt a. M. behandelte hauptsächlich die Ccutrumsfrage. Es wurde beschlossen, den auf dem Mainzer Parteitag gestellten Göllcrschcu Autrag:„Der Parteitag wolle beschließen, den Partei- vorstand zu ersuchen, die Herausgade einer wissenschaftlichen Schrift veranlassen zu wollen, welche in eingehender Weise das Streben des katholischen!UerikaIismuS zur Erlangung der politischen, social- ökonomischen und allgemein geistigen Weltherrschaft behandelt," aufs neue zn stellen. Tasselbe Thema behandelte die Parteiversammlung in Wies- b a d e n. Nach sehr lebhafter Debatte ivurde beschlossen, zu bc- antragen: „Der Parteitag empfiehlt, besonders in allen Wahlkreisen, in deiicu die Partei gegen das Ceutrnn, zn kämpfen hat, die religiöse Aufklärungsarbeit gegenüber der Kirche mit allen Kräfte» zu be- treiben und zu uilkerstützen." Für dcn Neickiötagö-WnhlkrciS Strrnberg tagte eine Kreis- konfereuz am Sonntag in Zieleuzig, die von 11 Delegierten aus sieben Orten besucht war. Für die Agitatiouskommission war Ge- nosse Jöchel anwesend. Die Einnahme des Vertrauensmannes betrug 85,50 M., die Ausgabe 55,78 M. Es wurden nur in Zieleuzig 3 Versammlunge» abgehalten, sonst steht uns im ganzen Kreise kein Lokal zur Verfügung. Der„Märkische Landbote" wurde in 5000 Exemplaren verbreitet, auch sonstige Flugschriften wurden ver- teilt. Es wurde veschlvssen, für den ganzen Kreis Partei- legitimationskarten einzuführen und monatlich 20 Pf. Beitrag zu erheben. Die Reichstags- Kandidatur soll dem Genossen Freiwaldt- Panlolv übertragen werden. Zum Delegierten für die Provinzial-Konfcrcnz ivurde Genosse Bayer- Sonnenburg gewählt und dem Genossen Hackelbusch-Berlin IV das Mandat zum Parteitag übertragen. Als Kreis-BerlrniienSmann wurde Genosse Münchoberg- Drosscn wiedergeivählt. Von einer Beschickung der Negiernngsbezirks- Konferenz wurde Abstand genommen, sollten jedoch einzelne Orte Delegierte cutseiidcn, so sind dieselben verpflichtet, nur zum Punkt „Presse" Stellung zn nchmen. Partciprcssc. Nach dem Bericht des Parteivorslandes sollten demnächst die drei Blätter des Nnhrrcvicrs„ N h e i n i s ch- W e st- f ä l i s ch e Arbeiterzeitung" in Dortmund,„Weckruf" in Essen und„ V o l k S b l a t t" in Bochum, die bisher mit gemeinschaftlichem politischen Text erschienen, zu einem gemeinsamen Blatte mit dem Titel„Arbeiterzeitung" als Centralblatt für das rheinisch-wcstfälischc Judnstriegcbict verschmolzen werden. Jetzt haben die Vertraneiismämicr in Bochum, wie das„Volksblatl" offiziell mitteilt, beschlossen, dieses Blatt vom I. Oktober an in eigner Druckerei herzustellen. Es seien schon alle Schritte gethan, im» dcn Beschluß auszuführen. Ob dieser Schritt klug und gerechtfertigt ist, möchten wir sehr bezweifeln. In die Redaktion der„Leipziger V o l k s z c i t u n g" tritt am 1. September Dr. Gustav Rt o r g e n st e r n, um die Leitung des Feuilletons zu Übernehmen. Bisher war er bekanntlich Fenilletou- Redacteur der„Sächsischen Arbeiter- Zeitung" in Dresden. Die Redakiion der socialdcmokratischcn Familien- Zeitschrift„Die Hütte" wird Morgenstern von Leipzig aus besorgen. Gedruckt wird„Die Hütte" nach wie vor in Dresden. Von der Agitation. Auf einer AgitatiouStonr durch Hessen, Baden, Elsaß, Saar- und Ruhrgebiet sowie dem Stheiiilaiide und Westfalen sprach Genosse A. Hoffinami-Berliii in 45 Versammliiiigen, unter andren in Kassel, Frankfurt tMain), Osfenbach, Worms, Mann- beim, Heidelberg, Speyer, Straßburg, Markirck. Colmar, St. Johann- Saarlirückcn.'Rrciiziiach.jRüdesheim. Wiesbaden, Köln, Bonn, Düsseldorf, Elberfeld, Essen. Dortmund je. Ueberall herrfckite ein so reges politisches Leben, wie man es sonst erst kurz vor der ReichstagSlvahl gewöhnt ist, was wohl in erster Linie der überaus regen Vorarbeit der Genossen, ganz besonders aber der n n g e h e u r e n Erbitterung gegen den Z o l l iv ii ch e r zuzuschreiben ist; denn jedesmal wenn der Redner auf diesen zu iprcchcn kam, zeigten die stürmischen Zu- stimmunge», wie man allenthalben im Volke über den neuesten Ver- such der BolkSmiSpowerung denkt. In Straßbnrg lEtsaß) und in Schiltigheim mußten P r i v a t v e r s a in m l n n g e n stattfinden, Ivcil den„neugewonnenen Landcsbriidern" trotz Aufhebung des Diktaturparagraphen heute noch kein freie« Vereins- und Versammlungsrecht zur Verfügung.steht,� sondern noch das alte französische Gesetz in Kraft ist, mit dessen Hilfe auch eine Versammlung in Bisckj Weiler verhindert wurde, in ivelcher Hoffmann über die wirtschaftliche und politische Lage sprechen sollte. Dagegen konnten mit demselben Thema die ersten politischen Versammlungen in Marli rch und Col- m a r(Oberelsasss stattfinden. Im Stummrevier fand seit langer Zeit die erste öffentliche Volksversammliing wieder statt, bie trotz der Größe des Lokals so überfüllt war, daß sich der selige Stumm sicher im Grabe umgedreht hat. Auch im schwarzen Kreuznach und Bonn war es wieder mal möglich, ftarkbesiichte Versammlungen mit gutem Erfolge abzuhalten. In Heidelberg war da» größte Lokal«Zum Ritter' überfüllt; unter den Erschienenen waren eine große Anzahl Studenten und einige Professoren, kein Gegner aber nahm in der imposant verlaufenen Versammlung daS Wort. Ganz besonder« interessant gestaltete sich die Versammlung in Hilden bei Düsseldorf, in welcher ein Vertreter des christlichen EentrumSvereinS das Wort zur Dis- kufston nahm, um zn erklären, „daß er allerdings nicht umhin könne, dem Centrnm aus seiner Haltung in der Zollfrage einen schweren Vorwurf zu machen, einen Vortvurf, in welchen» die katholischen Arbeiter niit tvenlg Ans- nahmen sich einig wären. Er müsse auch den socialdemokratische» Abgeordneten im Reichstage öffentlich Anerkenn, mg zolle», als dcn einzige», die«virklich ehrlich und rücksichtslos die Zollvorlage be- kämpft hätte»». Trotzdem könne man wegen der Stellung der Socialdemokratie zur Religion nicht für diese stimmen, hoffe aber, christliche Kandidaten zur nächsten ReichStagSwahl zu finde»», die dem Zolllvucher gegenüber unbedingt z>iverlässig ivären." Genoffe Hoffmann IvieS darauf hin,»vie ganz nnzilverlässig die scheinbar vor der Wahl radikalsten Centrumskandidaten»vären. Das hätte am deutlichsten der Fall F n s a n g e l gezeigt, der im Reichs- tage sehr bald ein stiller, ja man kann sagen ein toter Mann g e>v o r d e n ist. Redner ging dann auf unsre Stellung zur Religion ein und zeigte an der Hand von Beispielen, wie es gerade das Centrnm ist,»velches der Religion die schlechtesten Dienste ieiste und dieselbe untergrabe, um zn herrschen und die Hirarchie der Kirche zu befestigen, die Bolksrechte dutzendweise preisgebe. Der stürmische Beifall zeigte, daß die Worte des Referenten gesessen hatten. Kein Centrnmsredner»ahm mehr das Wort, um dasselbe gegen die wuchtigen Hiebe zu verteidigen. Auch im Kruppschen Königreich verliefen beide Versammlungen glänzend für unsre Sache, so daß»vir auch hier der kommenden Reichstagsivahl mit den schönsten Hoffnungen entgegensehen können. Es regt sich dank der Nimmersatte» Volksanshungerer überall, niögen die Genossen allent« halben dafür sorgen, daß der Uinville des Volkes zu hellen Flammen der Begeisterung für die Ziele der Socialdemokratie emporschlägt. Poliirlliches. K-rtchttiches nsU'- Vereinövorstehcr sind wegen Nichteinreichung eineS nicht- vorhandenen Statuts strafbar! Der Ferienstrafsenat des Kammcrgerichts hat einen Grundsatz aufgestellt,»nit dein er selbst noch hinter dem rückständigen Ober- Verwaltnngsgericht zurückbleibt. Drei Mrnirer aus Grimberg(Posen) waren als Borstcher der dortigen Zahlstelle des Centralverbandes der Mairrer auf Grund der 88 2 und 13 des Vereinsgesetzes be- straft worden,»veil sie einem Verlangen der Polizei, die im Auftrage des Landrats zu Samter handelte, nicht gefolgt waren und die Einreichung eines Special st atuts der Zahl» st e l l e wegen Fehlens eines solchen vertveigert hatten. Sie übersandten damals der Polizei nochmals das Statut und Streik- reglemcnt des Centralverbandes der Maurer, das sie gleich „eich der Gründung der Zahlstelle bereits eingereicht hatten. Einer abermaligen polizeilichen Auffordernng, Specialstatnten der Zahl- stelle einzureichen, konnte natürlich»nangcls solcher Statuten ebenfalls nicht entsprochen»verde». Die drei Vorstandsmitglieder»vnrden von neuem bestraft, erzielten aber diesmal beim Landgericht Posen als der Berufungsinstanz ihre Freisprechung.— Das Landgericht ging erstens davon aus. daß eS sich hier im Grunde uin ein einziges Delikt handele, »vcgcn dessen die Angeklagten schon einmal rechtskräftig bestraft feien und nicht ein zlveiteS Mal bestraft»verde» könnten. Es führte dann »veiter ans: Selbst»venu aber der Grundsatz ns bis in idern hier nicht anwendbar»väre, so müßten die Angeklagten doch freigesprochen »verde»,»veil es ihnen unmöglich geivesen sei, Statuten einzureichen, die nicht existierten. Die Einreichungspflicht erschöpfe sich mit der Einreichung der vorhandenen Stählte». Sei die Erfüllung un- möglich, so sei die Unterlaffmig nicht strafbar, es»väre denn, daß die Tbäter die Unmöglichkeit selber verschuldet hätten, »vas hier nicht der Fall»väre. Vereinsftatnten feie» der Ausdruck des Willen« der Gesamtheit der Bereinsmitglieder, und diese seien sämtlich mit freier Willensbestinnnlmg begabt; die Mitglieder- versammlmig kviiiie gegen etivaige Anträge der Vorsteher beschließen, keine schriftlichen Statuten zn normieren. Der Ferienstrnfsennt des Kannnergerichts, vor demRechtSanlvalt W o l f g a n g H e i i» e die Angeklagten vertrat, gab der gegen das landgerichtliche Urteil eingelegten Revision der Staatsanivaltschaft statt, hob die Vorentscheidung auf und verlvicS die Sache z»» ander- »veiter Verhandlung an das Landgericht zurück. Der Senat erachtete dcn Grundsatz ne bis in ickem nicht für anlvendbar und führte »veiter aus: Im Gegensatz zum Landgericht sei anzmiehmen, daß ein Vereiusvorstand strafbar sei,»venu er die Einreichung eines nicht existierenden Statuts ohne»veitercs ablehne, vorausgesetzt, daß die Verpflichtung zur Einreichung eines Statuts bestand. An sich sei hier letzteres der Fall, da die Zahlstelle ans öffentliche Angelegen- heitc» einznlvirken bezivccke. Die Vorsteher solcher Vereine sollten durch 8 2 des Vereinsgcsctzcs angehalten werden, auf die Errichtung von Statuten hinzu wirke». Sie machten sich strafbar,»veiin sie liicht für Statuten sorgten. Jin Notfall könnten sie ja ihr A in t niederlege»». Die Sache sei an daS Landgericht zurückznverlveifen, damit dieses der Frage nähertrete, ob nicht das rechtzeitig eingereichte Verbandsstatnt zugleich als Statut der Zahlstelle anzusehen sei,»vie der Verteidiger geltend geinacht hatte. Wir enniiern daran, daß das Ober-Verwaltnngsgericht im Fall Dinunick(Braudenbnrgische Agitatiouskonunission) ausgesprochen hat, daß die Polizei nicht die Einreichung eines nicht vorhandenen Statuts, d. h. nichts Unmögliches verlangen könne. — Von der prenffischen Polizciwirtschaft. In Magdeburg Ivar es der Polizei eingefallen, im März d. I. eine General- Versammlung der dortigen Allgemeine» Orts-Kranlcnkasse allem Recht zulvider überivachen zn lassen. Die dagegen«»»gelegte Be- schiverde»vnrde sogar vom NegiernngSpräsidenten znrückgeiviesen und es bedurfte erst einer Beschlverde an den Oberpräsidenten und einer Zeit von mehr als 4 Monaten, um der Kasse ihr klares Recht zu verschaffen und die Polizei in ihre Schranken zurückzulveisen. — Der gefährliche Regenschirm. I» Brannschlvcig verlangte ein Gendarm in einer Lersammlnng die Entfernmig eines Regen« schirmeS, der friedlich an einem Nagel hing, 7 da ein Schirin eine Waffe im Sinne des Gesetzes sei. Man that dem Manne den Gefallen; im übrigen aber lachte man. — Ei» Dokument der Schande: so laiitete die Ueberschrift eines Artikels im„Volksiville", nnsern» hannoverschen Parteiblatte, der die Staatsanivaltschaft so in Aufregung versetzte, daß sie ihn konfiszierte. Es»vnrden in der Expedition des Blattes noch ctiva 50 Exemplare der Rummer beschlagnahmt. Ans FndnIU'io nnd Hnndrl. Gcncrnlpcrsammlung der Deutschen Genossenschaftsbank. Die heutige Generalverjaninilnng»var ziemlich zahlreich besticht, »vohl gegen 200 Personen waren amvesend, darunter eine Reihe bekannter Politiker der freisinnigen Partei; doch vertraten die An- wesenden nur einen kleinen Teil der Aktionäre. Selbst die Gesaint- anmcldnng erreicht n»r,»vie der Vorsitzende, der frühere Reichstags- Abgeordnete Hugo HcrmcS, mitteilte, 10 316 000 M.. während zur Abänderung der Statuten miiidestcns die Aiiivcsenhcit derVertreter von einem Drittel des Aktienkapitals, also 12 Millionen Mark, erforderlich ist. ES soll deshalb die Beschlußfassung über die von der Verivaltung gestellten Anträge auf Hcrabsetzmig deS Aktienkapitals nnd Aendcrung der Statute», einer in 4 Wochen einznbernfenen zweiten General- Versammlung vorbehalten bleiben. �Bor Eintritt in die Debatte bringt der Borsitzende eine längere Erläuterung der Verwaltung zur Berlesnng, in der es n. a. heißt: Mr haben»ins zn unserm Bedaner» genötigt gesehen, unsre Aktionäre znsannnenzurufen, hin ihnen Kenntnis von anßerordcnt- lichen Verluste» zn gebe»,»velche»ins betroffen haben. Nachdem»vir über diese Verluste zur Klarheit gekoimne»»varen, hielten»vir für das Richtigste, dies« sofort offenznlegen und nicht erst die Jahres- bilanz abzuivarte». Man hat den Vorlvnrf erhoben, daß die Mitglieder der Ver- Ivallung die Schuld von sich abzuwälzen nnd ausschließlich dem einen ausgeschiedenen persönlich haftenden Gesellschafter aufzubürden versuchten. Das ist nicht richtig. Es ist im Geschäftsbericht bereits zugestanden. daß der AnsfichtSrat und die übrigen persönlich haftenden Gesellschafter sich insofern einen Vorwurf zu machen haben, ass fie bei der Behandlung dieser Ge- schnfte Herrn Sichert ein zu großes Vertrauen entgegenbrachten; c5 Ist nber irrtümlich, ailzmichmen, eS habe der AufstchtSrat sich um die hier in Frage komu, enden Geschäfte überhaupt nicht geliinmiert. Um Sie über die Thntigkeit des Anssichtsrats zn orientieren, sei hier bemerkt, daß derselbe ans seiner Mitte eine Finanzkommisston ge- bildet hatte, ivelche in der Regel monatlich zusammentrat. In diesen Sitzungen sind sowohl die Debitoren und deren Bedeckung wie die Beteiligungen und Esiektenbcstände der Bank einer regelmäßige Besprechung unterzogen worden. Hierbei wurden selbstverständlich auch die Contcn erörtert, ans denen jetzt die Verluste erwachsen sind. Sie haben Anlaß zu häufigen Auseinandersetzungen gegeben, weil die Beurteilung keineslvegs auf allen Seiten die gleiche war Daß bei diesen Meinungsverschiedenheiten schließlich ininier wieder die Anschauung des Herrn Siebert obsiegte, ist in der Natur der Sache begründet. Nach längeren Alisfühnmgen über die Conten„Watt",„Kyff Häuser" und„Schnchardt", die nur wenig Neues bieten, sowie über den Charakter der Bank als Koinmaudit-Gcsellschaft, heißt es weiter Nach den jetzigen Erfahrungen sehen ivir ein, daß eine Aende� rung in der Organisation ein unbedingtes Erfordernis ist. Die persönlich haftenden Gesellschafter haben sich daher entschlossen, einer Umwandlung der Bank in eine Aktiengesellschaft im Princip zm zustimmen. Diese Umwandlung wird dem Aufsichtsrat einen Einfln auf die Geschäfte und eine Machtvollkommenheit gewähren, die er bisher nicht besaß. Bei dieser Verschiebung in der Bedeutung des AufsichtSrats tvird es erforderlich sein, denselben bei der Umiva'ndlnng zu verstärken und durch neue entsprechende Zlräfte zu ergänzen. Endlich wollen wir konstatieren, daß, abgesehen von den jetzt zur Abschreibung gelangenden Conten, unser Geschäft durchaus intakt ist und auf solidester Grundlage beruht. Alle Posten, nnt denen irgend welches Risiko verbunden ist, haben ivir in der detaillierten Ausitellnng über unsre Effektenbestände und Beteiligungen mit der größten Offenheit klargelegt. Wir haben nichts verheimlicht und haben auch nichts zn verheimlichen. An die Verlesung knüpft sich eine längere Erklärung des Herrn W e i l l als Antwort gegen die in der Presse betreffs der Bilanz erhobenen Bedenken: Unser Wechselbesiand bei Veröffentlichung des Geschäftsberichts von 27 Millionen Mark enthielt 14— 15 Millionen Mark Prima- Diskonten, der Rest bestand ans Diskontwcchscln nnsrer Kundschaft und zivar zum erheblichen Teil von Genossenschaften. Unsre Giro Verbindlichkeiten bestehen zum größten Teil ans Priina-Diskontcn. die wir im Auftrage unfrer Kundschaft an der Börse kaufen. Unter unsren Debitoren sind versteckte Lombard-Conten eigner Effekten nicht enthalten; Ivir besitzen keine Effektenbestände, ivelche wir nicht im GeschästZbericht aufgeführt haben. Unsre Debitoren sind znni weitaus � größten Teile gedeckt. Die Deckung besteht durch gängig in börsengängigen knrsfähigen Wertpapieren, zn einem geringen Teile auch in Hypotheken. Das Konto für Vcr schiedene enthält ungedeckte Debitoren nur in ganz nnbedeutenden Beträgen. Als Bedeckung für gewährte Kredite auf Conto für Private in Höhe von 12tXX) M. sind an der Börse notierte Aktien uns nahestehender Gesellschaften im Kurswert von 1 500 000 Mark hinterlegt. Sodann ergreift zunächst Herr L>"> d e r s daS Wort, der de» Anfsichtsrat heftig angreift und die Frage der Regreßpflichtig keit der Aufsichtsratsmitglieder anregt. Aehnlich äußert sich Herr R a st ni a n n, der jpcciell Herrn S i e b e r t haftbar gemacht zu sehen wünscht. Nach verschiedenen Anfragen des Direktors der Darmstädter Volksbauk. die von Herrn W e i I l bcant- lvortet werden. folgt dcniii Dr. C r ü g e r. Er verteidigt seine bekannte Annonce, in der er sich als Vertreter der Aktionäre anbietet. Was die Einsetzung einer Revisionskonnnission betreffe, so läge dies in scinent Interesse und namentlich in dem derjenigen Anfsichtsrats- Mitglieder, welche iir den Aufsichtsrat eingetreten siiid, als die Verlust bringenden Geschäfte bereits eingeleitet waren. Aber die Einsetzung der Kommission würde zur Gefährdung des Kredits der Bank führen. Gegen den Aufsichtsrat dürfte der Vorwurf übergroßer Vertrauens- seligkeit nicht erhoben werde». Es habe nicht sorgfältiger gearbeitet werden können, als es von feiten des AufsichtLratcS geschehen sei. (Gelächter.) Allerdings habe keine genügende Nachprüfung der er statteten Berichte des persönlich haftenden Gesellschafters Sicbert stattgefunden. Auch sei znzngeben, daß die Geschäfte nicht im Nahmen der Bank gelegen hätten. Aber die alten Geschäfte mußten abgewickelt iverden. A» neuen industrielle» Unternehmungen werde die Bank sich nicht mehr beteiligen. S t a a t s m i n i st e r a. D. V.Strenge(Gotha) meint, es sei sehr ziveifelhaft, ob eine grobe Fahrlässigkeit vorliege, und ob nia» daher eine Rcgrehklage mit Erfolg»verde anstrengen können. Aber die Vorgänge bei' der Kyffhauser-Gesellschaft,' Ivo ohne Gewerkenbeschliiß Zubußen geleistet wurden, seien doch sehr bedenklich. Stadtrat a.D. Kaempf- Berlin findet, die Mitglieder der Verlvaltung treffe kein Vorlvurf, denn vor zwei Jahren sei noch kaum jemand in Deutschland gcivcsen, der an der Zukunft elektrischer Unternehmungen zivcifclte. Damit, daß bedauerlicherweise drei Millionen verloren gingen, ist der Kredit der Bank nicht erschüttert, aber die gestellten Anträge würden die Folge haben, ihn zu er- schüttern. A l b e r t i- Wiesbaden spricht im selben Sinne Ivie Kämpf, da- gegen richtet Direktor Könitz heftige Angriffe gegen Dr. Crüger und ist für Einsetzung einer Kommission. Direktor T h o r>u a r t teilt mit, daß Aufsichtsrnt und persönlich haftende Gesellschafter sich schlüssig geniacht haben betreffend Vermehrmig des Anfsichtsrats um zivei Mitglieder. Herr B e r g m a n n und Herr A l b e r t i- Wiesbaden erklären sich im Interesse des Kredits der Bank gegen die Revisionskominission, ebenso Dr. S ch n e i d e r. Nachdem noch verschiedene Redner gegen die Einsetzung einer Nevisionskommission und die Erhebung einer Regreßklage gesprochen haben, wird, da die Verivaltung auf Abstimmnng und Entlastung wegen der Beschlnßnnfähigkeit der Versammlung verzichtet, die Debatte eingestellt. Darauf iverden in vorläufiger Ab- st i in m u n g die Anträge ans Statutenänderung mit großer Mehr- heit genehmigt._ GeiveMMKftlichleS. «erlitt und Umgegend. Der Streik der Bauklempner ist, wie bereits mitgeteilt wurde, am Mittwoch beschloffen. Gegen die hauptsächlichsten Forderungen der Gesellen: Bewilligung eines Mindeststundenlohnes von 55 Pf. und Beseitigung der Accordarbeit sträuben sich die Jimungsmeister mit besonderer Heftigkeit. Die Fest- setzung des Lohnes wollen sie in jedem Fall der„freien Ver- einbariing" überlassen. Das ist ja vom Standpunkt des Arbeitgebers verständlich, denn er ist in der That frei bei solcher Vereinbarung, während die„Freiheit" des Arbeiters nur in der Theorie, aber nicht in Wirklichkeit besteht. Von der Beseitigung der Accordarbeit wollen die Meister schon gar nichts lvissen. Weil es für s i e sehr vorteilhaft und sehr bequem ist, die Arbeiten in Accord zu vergeben, deshalb meinen die Schlaumeier. es sei nicht möglich, die Accordarbeit abzuschaffen, denn es gäbe Arbeiten, die gar nicht anders als im Accord ausgeführt werden können. Ob denn die Fähigkeit des Gesellen, gewisse Arbeiten an- znfertigen, plötzlich schwindet, wenn er diese Arbeit nicht mehr im Accord, sondern im Lohn ausführen soll, das haben die klugen Meister, die solche Weisheiten in der Jimungsversammlung mit ernsten Mienen vortrugen, nicht verraten. Wenn die Klempnermeister die Accord- arbeit so inbrünstig verehren, so hat das seinen guten Grund. Sie wollen, daß die Gesellen sich selbst antreiben, zum größeren Nutzen des Meisters natürlich. „Wenn wir m ü s s e n", sagte ein Jnnuiigsmeister in der Versammlung,„dann können wir den Lohn wohl er- höhen, aber wir wären schlechte Geschäftsleute, wenn wir es freiwillig thätc n."— Damit ist also zugestanden, daß die Klempnergeselle» nicht mehr fordern, als die Meister ohne Schaden bewilligen können. Die üblichen Redensarten von„frivolen Forderungen der Gesellen", die auch in dieser Ver- sammlung laut wurden, sind demnach nichts als frivole Entstellungen der thatsächlichen Verhältnisse. Wo es gilt, den Widerstand gegen Arbeiterforderungen zu stärken, da muß natürlich auch der Bund der Baugeschäfte Berlins auf dem Plan erscheinen. Diese Unternehmer-Vereinigung hat denn auch den Klempnermeistern volle Solidarität zugesichert und ihnen ihre Unter stiitzung zugesagt. Die Klempner- Innung hat beschlossen, jeden Jimungsmeister in Strafe zu nehmen, der einen Streikenden in Arbeit nimmt. Soviel über die Situation des Lohnkampfes. Daß die Forderungen der Gesellen bewilligt werden können haben die Meister also zugestanden. Daß sie bewilligt werden m ü s s e n, dafür werden die Arbeiter sorgen. Aussperrung in der Motorwagenfabrik in Tempelhof. I» der genannten Fabrik beträgt die in der Arbeitsordnung festgesetzte Arbeitszeit g Stunden. Schon seit längerer Zeit wurden täglich 10 Stunden und mehr gearbeitet. Als aber diese Arbeitszeit neuer- dingS noch verlängert werden sollte, da weigerten sich die Arbeiter, ferner Ueberstunden zu machen. Verhandlungen, die seitens der Vertreter der Arbeiter mit der Direktion gepflogen wurden, hatten keinen Erfolg. Die Direktion war so naiv, zu erklären, sie werde die kürzere Arbeitszeit bewilligen, aber nicht den gegenwärtig im Betriebe beschäftigten Arbeitern, sondern den an Stelle derselben neu einzustellenden Kräften, deren Lieferung die Direktion vom Arbeitsnachweis des Metallarbeiter- Verbandes erwartete. Selbst verständlich wurde ein so sonderbares Ansinnen einmütig abgelehnt Die Antwort der Direktion war die am Donnerstag erfolgte Aus sperrung von sämtlichen— etwa 100— Arbeitern. Die Aus- gesperrten gehören dem Metallarbeiter- Verband, der Metallarbeiter� Gewerkschaft, dem Schmiede-Verband, dem Holzarbeiter-Vcrband und dem Hirsch-Dunckcrschen Gewerkvcrein an. Zuzug nach der genannten Fabrik ist streng fernzuhalten. Kleine Mitteilungen. Bei der Firma Goltz». Breit- in a ii ii, mechanische Werkstatt, Holzmarktstraße, sind wegen Lohn diffcrenzc» sämtliche Arbeiter in den Ausstand getreten. Bei der Allgemeinen Elektricitäts-Gescll- s ch a f t. Schlegclstmße, drohen wegen systematischer Lohnabzüge crnste Differenzen auszubrechen. Vorläufig sind Verhandlungen an- gcbabut. Die Berliner Zahlstelle des Zimmerer- Verbandes wählte das Mitglied Gaschmann in den Verbands- anSschnß und bewilligte 1000 M. zur Vergrößerung der Bibliothek. DrntschrS gleich. Der Straßenbahner- Ausstand in Aachen dauert nun schon zwölf Tage. Seit unsren letzten Mitteilungen haben auf dem Rat- hause in Aachen schon wieder zwei EinigungS-Verhand- lungen stattgefunden, ohne daß Aussicht auf Beilegung des Streiks vorhanden wäre. Die Direktion der Aachener Kleinbahn-Gesellschaft will eine große Zahl der Ausständigen nicht anstellen; die letzteren bestehen aber darauf, daß alle Straßenbahner wieder eingestellt werden, die nicht das Gegenteil selbst wünschen. D u r ch e Arbeitswilligen, Idie die Direktion eingestellt hat, sind schon wiederholt Karambolagen oder andre Unfälle herbeigeführt worden. Ein Fahrer, der früher wegen Trunkenheit entlassen worden war, jetzt aber als Arbeitswilliger wieder beschäftigt wurde, verursachte durch zu chnclleS Fahren einen Unfall, wobei ein elfjähriges Mädchen erheblich verletzt wurde. Ein Schaffner. der in zwei Tagen zum Führer„ausgebildet" wurde, verursachte einen schweren Z» ammenstoß mit einem Vierwagen. Früher mußten die Führer vierzehn Tage zur Probe fahren, jetzt nur zwei Tage. Die Direktion sandte an siebzig der Ausständigen ein Schreiben, worin diese zum Dienstantritt aufgefordert werde«. Die Leute blieben aber sämtlich mit den übrigen solidarisch. Die Auösperrnng der Hamburger Klempner ist noch nicht beendet. Nachdem die Arbeiterorganiiation die Sperre über die Zirma Oldenburg n. Heugstler anfgchoben hat, hat die Innung auch die Aussperrung aufzuheben beschlossen, jedoch unter dem Vorbehalt, daß die Gesellen den Zuzug nach Hamburg freigeben. Auch hält die Innung an der Einstellung durch ihren Arbeitsnachweis und einer freien Vereinbarung", das heißt eine geringere als die üblicbe Lohn- zahlung, in gewissen Fällen fest. An diese n Beschlüssen der Innung dürfte die endgültige Beilegung der Differenzen viel- leicht noch scheitern. Die' Ausgesperrten werden erst in den nächsten Tagen hiqzn Stellung nehmen. Vorläufig haben die organisierten Klempner also Haniburg noch zn meiden. Der Streik der Dresdener Feingoldschläger dauert bereits länger als sechs Wochen, und sein Ende ist noch nicht abzusehen. Dieser Tage erst haben die Streikenden wieder beschlossen, so lange im Kampf auszuhalten, bis der Tarif unterschrieben ist. Die Gold- 'chläger sind ini Deutschen Metallarbeitcr-Verband organisiert und werden von diesem unterstützt, außerdem haben die süddeutschen Schläger Extra-Unterstützuiigen zugesagt. Nur ein einziger Arbeits- williger aus Nürnberg bat sich gefunden. Der Streik kennzeichnet 'ich als eine Machtprobe der Arbeitgeber, die einseitig die Lohn- und Arbeitsbedingungen festsetzen wollen. Schuhmachcr-Auöstand in Offenbach. In der Schuhfabrik Hassia(Inhaber Liebmann) in O f f e n b a ch a. M. ist es zu Differenzen zwischen den Goodyear-Ueberholern und dem Fabrikanten gekommen infolge geplanter Lohnrednktionen, die man als„Lohn- egulierungen" hinzustellen beliebte. Da trotz des größten Entgegen- kommcns der Arbeiter der Fabrikant unnachgiebig blieb, kam es zur Kündigung der Arbeiter, die vom übrige» Personal für vollständig gerechtfertigt angesehen wurde. Der Maurerstreik in Barme» hat die dortigen Bauunter- nchmer zu Maßregeln der hinlänglich bekannten Art veranlaßt. Sie haben eine schwarze Liste versandt, auf der 330 Barmer Maurer ver- zeichnet stehen, die, wenn es nach dem Wunsch der Unternchiner geht, ausgehungert werden sollen. Ans Anlaß des Streiks haben sich die Baminternehnier von Bannen, Elberfeld und Vohwinkel zu einem „Schntzverband der Bergischen Bauunternehmer" znsainmengethan. Die Suche nach Streikbrechern hatte bisher wenig Erfolg. Die Maurer iu Bielefeld haben über die Bauten des dortigen Maurermeisters K l a r h o r st die Sperre verhängt. Die Ursache dazu gaben Differenzen, ans deren Anlaß gegen 100 Maurer die Arbeit niederlegten. Aus der Bclvegung der Gcmeiudc-Arbciter. Die Leipziger Schleusenräumer wurden bei ihrer vorgesetzten Behörde wegen der Nedncierung der täglichen Arbeitszeit von 11 auf 10 Stunden vor- tellig.— Die städtischen Arbeiter Stuttgarts sind bei dem Gemeindcrat um die Beseitigung des �18 stündigen Schichtwechsels und die Einführung einer allwöchentlich sich wieder« holenden ununterbrochenen Ruhezeit von 24 Slunden vorstellig geworden. Außerdem wünschen sie eine Erhöhung der' Löhne für die Kohlcnführer, Tagelöhner und Hand- werker. Die Mainzer städtischen Arbeiter haben der Bürger- meisteret eine Petition unterbreitet, in der Lohnerhöhungen für die Arbeiter der einzelnen städtischen Betriebe gefordert werden. Außerdem wünschen sie die Einführung eines Sommer- Urlaubs: ferner die Bezahlung der Feiertage für diejenigen Arbeiter, welche im Stundenlohn beschäftigt werden. Dann ersuchen sie die Bnrgerineiiterei noch in der fraglichen Petition, eine Unter- snchung über die Arbeits- und Einkominensvcrhällnisie der städtischen Arbeiter durch das Statistische Amt vornehmen zu lassen.— In Fürth und Nürnberg sind städtische Arbeiter wegen ihrer ge- werkschaftlichen Thätigkeit unter Vorschlltzung von andren Gründen entlassen worden. In Fürth gelaug es der Organisation, die Ent- laffnng rückgängig zu machen, in Nürnberg verliefen dagegen die be- züqlichen Bemühungen des Gemeindearbeiter-Verbandes resultatlos. —' Das F ü r t h e r Gaswerk hat für die Retorten- und Feuerhaus- Arbeiter den Achtstundentag probeweise eingeführt.— Die wiederholten Eingaben der Chemnitzer städtischen Gas- arbeiter haben nun endlich einen Erfolg gezeingt, indem ihnen Lohnerhöhungen von 20—55 Pfennig pro Tag gemacht wurden. Außerdem ist die Arbeitszeit der Handwerker von 11 ans 10 Stunden herabgesetzt worden. Dann hat man noch den Arbeitern des Feuerhauses täglich 2 Liter Kaffee auf Kosten der Verwaltung zugesprochen. — Die Berliner Gaswerksverwaltung hat ihren Arbeiter» nach zehnjähriger Dienstzeit einen Sommerurlaub von einer Woche bewilligt.— In Wiesbaden und D a r m st a d t schloffen sich die städtischen Arbeiter dem Gemeinde-Arbeiterverbande an. Der Verband der städtischen Arbeiter Württembergs beabsichtigt zum Deutsche» Gemenide- arbeiter-Verband, mit dem er bisher im Kartellverhältnis stand, am I.Januar 1903 übertreten. Der Gcmeindearbeiter-Verband errichtet an diesem Tage in Stuttgart ein eignes Sekretariat für Süd- dentschland und stellt zum' Leiter desselben den bisherigen Vor- sitzenden des Württemberger Verbandes an. Diese Vereinbarungen, ivelche zwischen den beiderseitigen Verbandsleitnngcn getroffen wurden, bedürfen noch der Sanktion durch die Geueralversammluiig des Württcmberger Verbandes.— Ausland. Lolinbcwcgnng der uorwegifchen Buchdrucker. Die typographische Verciniguug in Kristiania, die ca. 700 Mitglieder zählt, hat beschlossen, den in Kristiania seit 1893 geltenden Tarif zn kündigen. Man beabsichtigt, einen für ganz Norwegen geltenden L o h» t a r i f mit Lokalzuschlägc» für die einzelnen Orte einzuführen. Den iveiblichen Arbeitcrn soll für die gleiche Arbeit auch ein gleich hoher Lohn wie den männlichen gezahlt werden. Nach dem Tarif von 1898 ist der Minimallohn für Setzerinnen um 7—3 Kronen niedriger als für Setzer. Eine große Anzahl der Setzerinnen gehören der Gehilfcnorgaiiisation an. Ferner soll eine Lehrlingsskala durch- geführt iverden._ Geviltzks ��eikunA. Ein Nachspiel zur Maifeier. Vor der 145. Abteilung des Schöffengerichls stand am Mittwoch eine Verhandlung gegen den Schuhmacher Heinrich Ranft an, der nach Aussage des An- geklagte» folgender Vorfall zu Grunde liegt: Am 1. Mai hielten. die organisierten Schuhmacher ihre von circa 2000 Personen besuchte Maifest-Bersanmilnng bei Lipps ab. Nach Schluß der Versammlung beabsichtigten sie, einen gemeinsamen Ausflug nach Johannisthal zu machen. Um nun nicht eliva der Polizei Anlaß zu irgendivelchem Ein- schreiten zu geben, gingen sie in zivanglose» Gruppen, so wie sie gerade aus der Versammlung kanien, auf den» Promeiiadenivege der Friedens- straßc dein Landsberger Platze zu. Hier sahen sie plötzlich, wie aus der Erde gewachsen, eine Sektion Schutzleute unter Führung eines Polizei-Offizicrs stehen. Mit einem Male ertönte das Koinmando: „Schwärme»!" Die Schutzleute bildeten sogleich eine Kette und sperrten die Promenade ab. Dann riefen sie den Schnhmachen» zn, sofort auseinander zu gehe». Ehe diese der Auffordcruiig aber überhaupt nachkonnucn konnten, stürzte» sich schon die Polizisten auf sie, teilten iiiilcr allerhand Redensartc» Püffe unter ihnen ans und stießen einzelne von ihnen sogar geiv altsam über das Promenadengeländer auf den Fahrdani m. Unter der Menge befand sich auch der Angeklagte. Als er daS rücksichtslose, provokatorische Vorgehen der Polizeitrnppe sah, ver- ließ er den Proinenadenweg und ivar schon auf dem Fahrdannn. um das Trottoir zu geivimien, als er von dem Schlitzmann Schmidts barsch angefahren wurde, sich zu beeile». Hierbei soll er zu dem Schutzmann gesagt haben:„Ich gehe Ivo ich will ," lvährcnd er� in Wirklichkeit gesagt haben ivill:„Ich gehe ja schon alleine, was soll ich noch mehr." Der Schutzniann faßte seine Aeußerung als eins „Ungebührlichkeit" auf und brachte ihn zur Wache. Die Folge ivar ein Slrnfinandat von 30 M., ivegcn Uebertretnng und groben Unfugs, Ivo- gegen er unter Beistand des Rechtsanwalts WolfgangHcine Bernsung eingelegt hatte. Außer diesem einen Strafmandat hat sich der Polizei kein Anlaß geboten, gegen irgend einen andren Teilnehmer an dem geplante» Ausflug eine Strafe z» verhängen oder gar ein straf- rechtliches Verfahren einzuleiten; in Anbetracht des überaus schroffen Vorgehens der Polizei gewiß der beste Beiveis dafür, daß es die Schnhinacher am 1. Mai nicht eliva anf den„Umsturz des Staates", auf eine„Revolution" abgesehen hatten. Interessant ist die Zengenaussoge des Schutzmanns Schmidts. In niilitärischcni Tone bekundet er: Am I.Mai sei eine Depesche auf der Wache eingegangen des Inhalts, daß die Schnhinacher sofort nach Bcendign'ng der Bersanimluiig cinen Ausmarsch nach Johaunis- thal unternehmen wollten. Der Reviervorstehcr, Polizeilieutenant S ch i r ni c r habe darauf sämtliche Schutzleute des Rc- vicrs zusammcttgczogen und»ach dem Landsberger Platz geführt mit dem strikten Befehl, unter allen Umständen den öffent- l i ch e u A n f z n g der S ch u h in a ch e r zu zerstreuen. Diesem Beseht hätten die Schutzleute natürlich pünkilich Folge ge« leistet. Rcchtsaiiivalt W o l f g a n g Heine stellt durch Fragen an den Zeugen fest, daß die Teilnehiiicr des.Aufzuges" von der Polizei gerade von dem für Passanten erlaubten Promcnadenwege auf den iinerlaubten Fahrdamm und in den Friedrichshain getrieben scicn, auch habe der Zeuge den Angeklagten sistiert, als dieser der polizeilichen Aufforderung, aliscinandcrziigehen, bereits nach- gekommen und sich voii der übrigen Menge schon abgesondert halte. Bei dieser Sachlage ivünschtc der Vorsitzende die Vertagung des Termins, um vor allem die Polizei- lientenanls Schirme r und Marsch als Zeugen zu laden; ebenfalls wurde es der Verteidignug anheimgegeben, noch neue EntlastuiigS- zcugeli anziigcbcn. Der Stantsanivalt stellte hierauf formell den Vcrtngilngsmitrag, führte dabei jedoch aus, für ihn stehe es fest, daß der Angeklagte sich an eincin inierlailbten öffentlichcii Aufzuge be- lciligt und sich des grobe» Unfugs schuldig gemacht habe. Diese Bcnierkuiigeii gaben dem Verteidiger Anlaß, mit einigen Worten auf die Definition eines öffentlichen Aufzuges einzugehen. Er setzte dem Staatsanwalt auseinander, daß nach dessen Logik es unbedingt schon als öffentlicher Aufzug aiiznsehen wäre, wenn des Morgens einige Hundert Menschen nach den Markthallen gingen oder das Publikum des Abends i» Masse ein Theater verließ. Im Gegenteil eien die Merkmale eines öffentlichen Aufzuges juristisch nur dann gegeben, wenn sich eine größere Zahl von Personen in geschlossenem Zuge, mit der Absicht, zu dciiioiistriercn, auf offeucr Straßc fort- bewege». Nach diesen Anssührunge» sprach der Vorsitzende die Vertagung ans.__ Urkzto und Dope filze«. Frankfurt a. M., 23. Angnst. Strenge militärische nnd polizeiliche AbsperrnngSmaftnahme« werden für den 31. August aus Anlaß der Anwesenheit dcS Königs Victor E in a n u e l von Italien hier für nötig gehalten. 1500 Man» Infanterie und 300 Schntzlcnle werden die Abiperrnng vom Haiiptbahnbofe bis zitm Hotel Imperial, Ivo der König absteigt, auf einer verhältnismäßig kurzen Strecke durchführen. AfcherSlebcn, 28. Angnst.(V. H.) Heute nacht stürzte in einem Hanse der Straße Ladstnben der Schornstein ein und durch« chlug die Decke. Der Arbeiter Fiuk wurde unter den Tiüiniiiern begraben und ivurde zivar äußerlich unverletzt aber tot aufgcfnndrn. Er dürfte erstickt sein. Mannheim, 23. August.(B. H.) In der vergangeneu Nacht Ivurde der ca. 40 Jahre alte Fabrikarbeiter Wollenschläger anS Heidelberg verhaftet unter de», Verdachte, von der Neckarbrücke ans einen bis jetzt mibekannten Mann über das Geländer in den Neckar geworfen zn haben, sodaß der Mann ertrank. Die Leiche ist noch nicht geflinden. Wollenschläger behauptet, der Man» sei selbst in den Neckar gespriingen. Marseille, 23. August.(B. H.) Ei» junger Mann, welcher mit eincin Kameraden ein Seebnd nahm, wurde plötzlich von einem Haifisch angegriffen. Herzugerufene Schiffer konnten dem Unglück- liclicii leine Reilniig bringen. Verantwortlicher Redactcur: Julius Knliski in Berlin. Für de» Inseratenteil verantwortlich: Th.(Slocke in Berlin. Tiuck und Verlag von Max Bading in Berlin. Hierzu 1 Beilage u. Uuterhaltiiugsblatl. st. 2oi. i9. IMM». Ktllllgt Ks JmüMs" DMtt WlksblM. � 29 A»g»» IS� LNkevÄvisitze Nundsihkru. Prof. Wilhelm Förster.«LebeiiSfrngc» mid Lebensbilder." Social- ethische Betrachtungen. Berlin 1902. John Edelhcim. Ans diesen gesainniclten Aufsähen und Vorträgen spricht uns die Stimme eines überaus feinen und klugen Menschen an. Förster redet von der Verkürzung der Arbeitszeit und von der Francnfrage. von Demokratie und Fürstentum, Ethik und Politik, von Napoleon, Bismarck und vielen andern Dingen, und immer ivieder muh man über die leidcnschaflslose Milde erstaunen, mit der er an die Beurteilung aller Fragen herantritt. Für ihn ist nichts so gut, dag es nicht auch eine schlechte, und nichts so schlecht, datz es nicht auch eine gute Seite hätte. Man kann an diesem Buche deutlich studieren, wie da wahrhaftig„jeder Gegensatz in seinem Gegensatz aufgehoben und aufgehoben" ist, d. h. in diesen» Falle, wie knapp die Förstcrsche Ethik mit ihreni Gerechtigkcitsfanatismns daran ist, in einen ethische» Nihilisnius zu überschlage», der schlietzlich alles versteht und alles Verzeiht und nicht richtet, um nicht gerichtet zu werden. Nicht etwa, dag es Herrn Prof. Förster einfiele, das„Böse" zu verteidigen, o. er tadelt es, tadelt es ganz gewiß! Aber dieser Tadel ist ohne Kraft, den» er ist ohne Haß. Pros. Förster meidet jedes Kampfgetümmel; jede„revolutionäre Klangfarbe" beleidigt sein Ohr. Ich glaube, wenn er zu Christi Zeiten gelebt hätte, hätte er wohl die Benutzung des Tempels als Frnchlbörse entschieden mißbilligt, nicht miiider aber würde ihn die Gewaltthätigkeit des Tische und Stühle uinwcrfcnden Nnhcslörcrs peinlich abgestoßen habe». Diese vornehme Tcmpcramentlosigkcit mag nun für das private Leben unter Umständen einen großen Vorzug bedeuten, im öffentlichen Leben ist sie einem Verzicht ans jede Wirkung gleich- bedeutend. Die Mißerfolge der Gesellschaft für Ethische Kultur haben das reichlich bewiesen. � Ob nun diese Wirkungslosigkeit zu bedauern ist? Nein, und tansendmal nein l Denn so zweifellos ehrlich diese kühle Voraus- setzungslosigkeit des politischen Denkens vom subjektiven Standpunkte aus auch ist, so scheinheilig, so heuchlerisch >v i r k t sie in objektivem Sinne. In einem Lande, dessen Dcnkfreihcit durch Strafgesetze beschränkt ist, und in dein bestiinmtc» Kreisen wieder eine gewisse standesgemäße Enge der geistige» Bc- wegnng geboten wird, kann der Prediger der rechten Mitte schwerlich dem bitteren Schicksale entgehen, den einen für verdächtig, den andern für vorsichtig zu gelten, beiden aber als recht überflüssig zu erscheinen. Die herrschende Staatsgewalt weiß sehr genau, wofür sie kämpft, und ein guter Teil ihrer Vertreter ist ehrlich davon überzeugt, in diesem Kampfe die„sittlichen Güter der Nation" zu verteidigen; die Arbeiterklasse weiß nicht minder genau, wofür sie kämpft, und auch über ihrer Interessensphäre schivebt ein Sittlichkeitsideal, das nach ihrer Neberzeugung edler und reiner ist als das ihrer Gegner. Beide Teile sind nun darin einig, daß für die höchste absolute Sittlichkeit in dieser Welt kein Platz ist: überhaupt nickit, meinen die einen, vorlänstg nicht, hoffen die andern. Der Unterhändler, der mahnend und beschwichtigend von einem zum andern läuft und beide Teile zu bewegen sucht, das anzimchmen, was ihm das Beste dünkt, vcr- säumt bei diesem aussichtslosen Beginne» für das erreichbare Bessere einzutreten und Ivird mit vollem Recht von beiden gc- schölten. Die ethische Kultur, die Herr Prof. Förster in diesem Buche predigt, ist schließlich nichts andres als eine Art von politischem Qnictismns, im besten Falle ist sie ein Verpnppnngsznstand. in dem sich manche schtvarzweiße Raupen zu roten Faltern verivandeln können; im allgemeinen aber bleibt sie politisch und social in jener Zwilterstellung hängen, die Robert P rutz schon so artig ver- spottet hat: Allznscharf, ihr wißt, macht schartig. Tadeln dürft' ihr, aber artig Raisonnieren, aber sacht. Schwarz und weiß, das sind Extreme: Grau, das ist das Angenehme, Das so Schwarz in Weiß enthält. Jede Sache hat zwei Seiten, Ucber jede läßt sich streiten... Aber auch Klugheit und Gerechtigkeit können bis zu solcher Sub- tilität geschärft werden, daß ihre Spitze bricht! Rcinhold Riehl».„Da? Konsnmvereinswesen in Deutschland." Seine volkswirtschaftliche und sociale Bedeutung. I. S. Cottasche Buchhandlung Nachfolger. Stuttgart und Berlin 1902. Wie sovicle von den Münchcncr volkswirtschaftlichen Studien. die die Professoren Brentano und Lötz herausgeben, trägt auch dieses ihr einundvierzigstcS Stück den Charakter einer Schülcrarbeit. Prof. Lujo Brentano hat ihm ein Vorwort mitgegeben, aber lange noch, nachdem er das Wort an Herrn Dr. Rieh» abgegeben hat, tönt des Meisters Stimme»»ach. Brentano hat nun die Eigenschaft— Vorzug und Fehler zugleich I—, mit einem scharfen Blick für ivirt- schaftliche Neubildungen begabt zu sein, ihre unmittelbare Wirkung aber für den gesamten Produktionsprozeß leicht zu überschätzen. Er ist sozusagen ein Utopist der Wirklichkeit. Man erkennt ihn ivieder in der Arbeit seines Schülers, für de» scheinbar alle Fragen der Well mit einer zunehmenden Verbreitung des Konsunivereinswesens gelöst sind. Man darf nun eine solche, leicht übers Ziel hinausschießende Begeisterung in diesen» Falle durchaus nicht als schädlich ansehen. Ganz im Gegenteil! Die Bedeutung des Konsnmvcrcinsivesens ist so lange unter schätzt ivorden, daß eine Periode der U.e b e r- schätzung nur ein»vohlthätiges Gleichgelvicht herstellen könnte. Wenn freilich Herr Dr. Riehl» unter Berufung auf Gen. K a u t s k y den hohe» Regieningen das Konsumvereinswesen als ein Mittel wider den Umsturz anpreist, so ivird er damit lvcnig Erfolg erziele»,. Wer Gelegenheit gehabt hat, in Sachsen den Kampf gegen die Umsatzsteuer zu beobachten, weiß,»vie revolutioi»iercnd gerade dieser Kamps um die Konsumvereine auf die Arbeiter geivirkt hat. Rieh», selbst ruft init seinem Buche ja ganz andre Wirkungen hervor, als es in seiner Absicht liegt. Wer sich seinen Schilderungen ganz gefangen giebt, dem muß die Zornesader schivellen über die Behandlung, die die meiste» deutschen Regierungen den Konstlmvereinen angcdeihcn lassen. Es ist»vahrhaftig ein Bild des lebendigste» und spannendsten Klassenkampfes, das Dr. Riehl» seinen Lesern entrollt, und seine Wirkung ist »n, so sicherer, je weniger sie beabsichtigt ist. Die Thatsachen sind einfach stärker als der Mann! Es ist aber auch ein Erbteil des Meisters, wenn Rieh» an einer falschen Alternative hängt und zwischen der praktischen Bethätignng und der„revolutionären Phrase" einen Gegensatz zn konstruieren sucht. Beide sind doch in Wirklichkeit kerngesunde Zivillinge, und was dem einen nützt, ist dem andern willkomme». Dem Apostel des socialen Friedens, der„von selbst kommt", steht es schlecht an, die einzig berechtigte reine Wissen- schaft zu spielen. Den Genossenschaftlern wird diese flotte Streitschrift, die sich in erster Reihe doch gegen die gciverbsmäßige Mittelstandsretterei richtet, sehr willkommen sei». ** « Konstantin Liebich. Das Arbeitsheer. Ei» ZuknnstSbild der staat- lichcn Beseitigung der Arbeitslosigkeit. Berlin 1992. Wiegandt u. Grieben. Die Phantasien eines guten Deutschen I Constantin Lieb ich er- zählt die rührende Geschichte eines arbeitsschenen Trunkenbolds, der in das„deutsche Arbeitsheer" eingereiht ivird und durch militärische Zucht imd Ordnung ein so braver Mann wird, daß er vom Kaiser einen Orden bekommt. Das einzig Wichtige a» dieser Schrift und andren ihresgleichen besteht darii», daß man an ihnen den Einfluß studieren kann, den die socialistische Wirtschaftskritik auch auf konservative Köpfe ausgeübt hat. Daß die Kinder eines so»in- natürlichen Bundes Ungetüme mit zivci Köpfen sind, ist iveiter nicht vcriminderlich, und drollig ist, daß sich gerade der Begrinider der Berliner.Sckirippenkirchen" für einen socialistischen„Kasernen- staat" nach dem Muster des gepriesenen Militarismus so sehr er- wärmt. Weitere Bcdeiitmlg kommt diesem Schriftchen nicht z»». Df- I. Ingwer. Die Preßresorin. Eine Kritik der Regierungs- Vorlage vom 11. Juni 1902. Wien 1902. Verlag der Wiener Volksbuchhandlung Jgnaz Brand. Der bekannte östreichische Parteigenosse und RechtsaMvalt kommt bei der Kritik des neue» östreichische» Preßgesetzcs nn Gegensatz zu der milden Beurteilung, die dieses Werk der Gesetzgebung aiich in der oppositionellen Presse erfahren hat, zu einer sehr cnischiedencn Verurteilung. Er erkennt in dem Entivurfe eine verböserte Auflage des deutschen Preßgesctzes, das sich das Kompliment gefallen lassen muß, es sei— natürlich nach dem bestehenden östreichische»,— das re aktionärste von Europa. Solche„Verböserungen" bestehen im K o nz e s si o n sz>v a n g für Buchhändler, der bestehen bleibt, obgleich in Deutschland ans 7497 Einwohner ein Buchhändler kommt, in Oestreich aber erst einer auf 30 478, in den Beschrän» kungen der Kolportagefreiheit, in der Abgabe der Pflichtexemplare, hauptsächlich aber in der Reform des objektiven Verfahrens und den Veränderungen der Gerichts- b a r k e i t. Der Unterschied zwischen alter und neuer Oa.niiig besteht einzig und allein darin, daß die Regierungsvorlage die straf- baren Handinngen, wegen welcher die Beschlagnahme zulässig ist, aufzähle, während sowohl in« alte» Preßgesetze als auch in der Strafprozeß-Ordnnng eine derartige Aufzählung fehle. Die Auf- zählung der Vergehen, wegen welcher eine vorläufige Beschlagnahme vorgenommen werden könne, sei so erschöpfend, daß die Censorcn allen Grund hätie», zusrieden zu sein. Und wenn sie künftig auch manche Meinungsänßerung nicht würden beschlagnahmen können, so würde ihnen' doch der süße Trost bleiben, daß sie denjenigen, der diese Meinung geäußert hat, zuverlässig einsperren lassen könnten. Diese Zuverlässigkeit hat bekanntlich bis jetzt gefehlt, da fast alle Preßdelikte vor das Schwurgericht kamen. Nun werden Ehren- beleidignngen der Jurisdiktion der Geschwornen entzogen und bor die Bezirksgerichte gebracht. Damit«röffnet sich die Möglichkeit, auch Beaintcnbeleidignugcn vor den gelehrte» Richter zu bringen. Gegen diese Bestinimung ivendet sich Ingwer mit aller Schärfe, und seine Ängriffs- lnst halte gewiß keine Abjchwächnng erfahren, hätte er auch das deutsche Verfahren bei Beamtenbeleidigungen aus eigner Praxis kennen ge- lernt. Alle Fehlurteile, die parteiische und unwissende Schwurgerichte in Oestreich gcthau haben, wiegen die Vorteile des Grundsatzes, alle Preßdelikte vor das Schwurgericht zu bringen, lange nicht auf. Die östreichische» Genossen, zumal die Wiener, haben in der letzten Zeit zn sehr unter der Parteilichkeit der verluegerten Schwurgerichte gelitten, als daß sie sich für diesen Grundsatz begeistern könnten. Nichtsdestoweniger bleibt seine Durchbrechung ein gefährlicher Rück- schritt, der sich für jene Länder besonders empfindlich bemerkbar machen wird, in denen er nicht durchgeführt ist. Wenn sich Oestreich „genötigt" sieht, von ihm abzuweichen, so wird andern Regierungen ein Argument dafür geliefert, ihn nicht anzunehmen. Trotzden, »ncint selbst Ingwer, der sonst mit Recht nicht in den» System der Schwurgerichte, sondern in der heute beliebten Art ihrer Zusammen- setznng, die Ursache ihrer Fehlurteile sieht, seit Jahren bestehe kein Zweifel darüber, daß Privat- Ehrcnbeleidigungeii der Kompetenz der Schwurgerichte zu entziehen seien. Einerseits wird es überaus schwer sein, den Begriff der Privat-Ehrbeleidigung richtig zu konstruieren, weil es sich dabei doch mehr um die Stellung der beleidigten Person, als um die Art der kritisierte» Thätigkeit handeln kam», andrerseits entfallen alle Einwände gegen die Schwurgerichte, wenn ihre Znsanuncnsetzung verbessert wird. Das Argument, es handle sich oft um zu geringfügige Sachen, als daß es sich verlohne, ihretwegen einen so komplizierten Apparat in Scene zu setzen, kann dort, wo es sich um die Wahrung eines so»vichtigen Grundsatzes handelt. kaum ernstlich in Betracht kommen. Das Schöffengericht, das Ingwer für Privat-Ehrenbeleidigungen vor- schlägt, dürfte»ach den Erfahrungen andrer Länder nur das Klassen Vorurteil des Besitzes mit dem A in t s Vorurteil der an- gestellten Gelehrsamkeit brüderlich vereinigen. Sehr bemerkenswert ist Ingwers Klarlegung, daß der§ 36 deS neuen Gesetzes eine schwere Gefahr siir das Koalition s- recht bedeute. Dieser Paragraph besagt nämlich:„Wer eine offenbar gehässigen Beweggründen entspringende mittelbare oder unmittelbäre Aufforderung zu Meidung des geschäftlichen Verkehrs mit bestimmten Kreisen von industriellen Gewerbetreibenden... durch eine Druckschrift veröffentlicht, ist wegen Ucbertretuiig an Geld init S0— 2600 Kronen zu bestrafen." Diese Bestimmung richtet sich offenbar i» erster Linie gegen den in Oestreich beliebten nationalen und konfessionellen Boykott, läßt sich aber sehr bequem auch gegen jede im Druck empfohlene Maß- regel des Lohnkanipfes anwenden. Alles in allen» gewinnt man aus Ingwers Darstellung keineswegs den Eindruck, als ob das neue Gesetz das viele Lob verdiente, das es gefunden hat. «« » Siegfried Geyerhahn.„Das Problem der verhäliniSmäßigen Vectrctnnq." Ein Versuch zu seiner Lösung. Tübingen und Leipzig. I. C. B.'Mohr. 1902. Als elftes Stück der von den Universilätsprofessoren Edmund B e r n a tz i k und Engen v. P h i l i p p o v i ch herausgegebenen „Wiener Staatswiffenschastlichcn Studien" ist diese Schrift die erste, die sich nicht mit östreichische» Verhältnisse» und Zuständen be- schäftigt, sondern auch für andre Staaten politisch umnittelbare Bedeutung besitzt. Siegfried Geyerhnhn, ein entschiedener Anhänger des Proportional- Wnhlverfahrcns, liebt es nicht, auf Oestreich zn exemplifizieren, das ihm allzu sehr in mittel- alterlichcn Wahlrechtszuständen besangen erscheint, sondern er zieht das Deutsche Reich vor. das freilich diese Ehre seiner reaktionären Regierung halber schlecht verdient. Indem der Verfasser die bekannte Nechnnng anfslellt,»ach deren Ergebnis die Socialdcmokratie ge- rechterweise mit 110 Abgeordneten im Reichstag vertreten sein müßte, spricht er ja selbst den Aussichten, die sich unter jdem gegenwärtigen Kurse im Deutschen Reiche seiner demokratischen Wahlgerechtigkeit eröffnen, bis ans weiteres das Todesurteil. Gcycrhahn verwirst die bestehenden Systeme des Proportional- Wahlverfahrens, besonders das belgische. Dieses Wahlvcrfahren hat es nicht verhindern können, daß die belgischen Klerikalen bei den Kammerwahlen von» 23. Mai 1900 mit 36 gewonnenen Sitzen die Mehrheit in der Kammer erhielten, obwohl sie nach dem Ver« hältnis der Wählerziffcrn nur 74 von im ganzen 132 Kammersitzen hätten einnehmen dürfen. De» Gnind dieser Ungerechtigkeit erkennt Gcycrhahn in dem Umstände, daß der Grundsatz der Verhältniswahl nur innerhalb der einzelne» Wahlbezirke gilt, für die gesamte Znsannnensetznng der Kammer aber nicht entscheidend ist. Geyer- Hahn hat nun' ein Mittel gesucht, um unter Beibehaltung der Selbständigkeit der Wahlbezirke gleichwohl die Verwertung der unvcrtreten gebliebenen kleineren Minoritäten für die Gestaltung des Gesamtresultats möglich zu machen. Er macht folgenden Vorschlag: Es sollen' halb soviel Wahlbezirke geschaffen werden, als Mandate zn besetzen sind. Jeder Bezirk wählt zunächst einen Abgeordneten. Die Stimmzettel werden nach dem a n st r a l i s ch e» Verfahren eingerichtet, d. h. sie müssen die Namen aller im Bezirke angemeldeten Kandidaten samt ihrer Partei« Zugehörigkeit enthalten; der Wähler bezeichnet durch ein bestimmtes Zeichen den Kandidaten der ihn» genehm ist. So wird die eine Hälfte der Abgeordneten gewählt und zwar mit absoluter Majorität. Eine Wahl-Ccntralstelle berechnet sodann die Gesamtstimmenzahl, die jede Partei erhalten hat, wobei auch die Wilden als eine Partei zählen, und wie viele Mandate ihr noch zur Erreichung der richtigen Vcrhältniszahl fehlen. Diese Mandate werden nun mit jenen unterlegenen Parteimäiuiern besetzt, die die größten Stimnien- zahlen auf sich bereinigt haben. Da dieses System Ersatzwahlen vermeiden muß, sind gleich bei den allgemeinen Wahlen zwei Ersatz« männer zn wählen, die der Reihe»ach in die etwa entstehende Lücke eintreten könnte». An einem Uebermnße von Einfachheit leidet Herrn Geyerhahns Vorschlag allerdings nicht, und besonders die Ersatzmännerwahl dürfte in der Praxis zu recht argen Mißverständnissen der Wähler fuhreiv An der Möglichkeit, das allgeinein bestehende Wahlsystem ge- rechter zu gestalten und durch Erfahrungen der Praxis zur Voll- kommenheit zu bringen, hat übrigens auch vor dem. Erscheinen dieser Schrift kaum jemand gezweifelt. Der schwierigere Teil der Arbeit liegt noch vor uns, und schließlich kann niemand verlangen, daß er in einem stantswissenschaftlichen Scininar gelöst wird, sei es auch noch so wenig durch den Polizeistock eingeengt, wie erfreulicherweise das des Herrn Prof. Bernatzik in Wien. F. 8. Siebenter Lerbnudstag der Schneiber»nb Schlleiderinnen Deutslhlaitbs. München, 27. August. Aiich heute dauert die geschlossene Sitzung des Verbandstages noch fort. Schon gestern stellte es sich heraus, daß zu den bereits angeführten noch diverse andre Punkte der Tagesordnung in den KreiS der Besprechung gezogen werden müssen, so z. B. Wahl des Sitzes für den Vorstand und Aiisschntz, die Lohnbewegungen der letzten Jahre und eine Reihe hierher gehöriger Anträge. Die Diskussion erstreckte sich hauptsächlich auf Personenfragen. die teilweise bereits in der öffentlichen Sitzung vom Dienstag- vormittag angeschnitten wurden, für die Oeffentlicbkeit aber keinerlei Bedeutung hoben. Unter andern wurde ausgeführt, die gegen- wärtige Situation sei eine Folge der Knauserei des Vorstandes am unrichtigen Orte. Man habe sich dort die Verhältnisse in mancher Hinsicht über den Kopf wachsen lassen. Daran kranke das ganze System. Man müsse also andre Wege einschlagen, besonders m Streikfragen, wo manche taktische Fehler gemacht wurden. Es dürfe über die Diktaturversuche des Vorstandes in der Fachzeitungsfrage nicht geschwiegen werden. Es trete eine neue Entwickelnngsphase ein, die keineswegs bedauerlich sei. Man habe in Zukunft nnt einem korporativen Arbeitgeber-Verband zu thun und müsse dieser Thatsache Rechnung tragen. Kurz vor Schluß der heutigen Vormittagssitzung kommt es nach gründlicher Aussprache über alle zur Beratung fteheiiden Fragen zur Abstimmung. Die Frage, ob der Verbandstag der Meinung ist, daß sich die Anstellung eines dritten Bcainten im Berbandsbureäu nötig macht. wird mit allen gegen acht Stimnien bejaht. Ebenso die weitere Frage, ob dieser anzustellende Beamte in Zukunft als erster Vorsitzender des Verbandes zu suiigieren habe. Andre Anträge und eine Resolution bleiben der öffentlichen Ab- stimmung und Erledigung vorbehalten. Nachmittags fällt die Sitzung ans, da das Lokalkomitee einen Ausflug des Verbaudstages nach dem Starnberger See arrangiert hat. Bediuer Partei-Attgelegenheite». Parteispcdition im 2. Berliner Wahlkreis. Die Genossen, die zun» 1. August d. I. den„Vorwärts" und sonstige Parteilitteratur bestellt, aber versäumt hatte», bei ihreni bis- herigen Privatspeditenr abzubestellen, und dadurch den„Vorwärts" weiterhin von demselben nehmen mußten, werden hiermit ersucht, bis zun» 31. August bei dem Privatspediteur abzubestellen und zun» 1. September bei der Parteispedition zu abonnieren. Weiter wird ersucht, die weitgehendste Agitation für unser Unter- nehmen, die Parteispedition zu betreiben, die geschaffen worden ist im Interesse des KreiseS und der Partei. Der Partcispcditeur ist Geuoffe H. Weruer, Mitten- walderstr. St», vorn parterre liutS. Für die Partei-Spedition kommen folgende Straßen in Betracht: Alexandrinenstraße, Am Tempelhofer Berg, Arndtstraße. Barntherstraße, Bärwaldstraße. Belle-Alliancestraße, Bergmannftraße, Blücherstraße, Blücherplatz, Boeckhstraße, Boppstraße, Brandenburgstr. 1— 17 u. 64— 82, Camphausenstraße, Chamisso- Platz. Dieffenbachstraße. Fichtestraße, Fidicinstraße, Friesenstraße. Fürbringerstrnße. Geibelstraße. Gitschiner- siraße 1—113, Gneisenaustraße, Golßenerstraße. Gräfestraße, Grimm- straße, Großbeercnstraße 10—83, HagelSbergerstraße, Hasenhcide, Heim« straße, Hohenstaufen-Platz, Hornstraße, Jahnstraße, Johanniterstrahe, Johannistisch, Jüterbogerstraße, Katzbachstraße, Kloedenstraße, Kopischstraße, Kvttbuser Damm. Kreuzbergstraße. Lachmann- straße. Lankwitzstraße. Lehninerstraße, Lichterfelderstraße, Luisen«. Ilfer 47 bis Ende. Marhcinckc-Platz, Maricndorfcrstraße, Mitten- walderstraße. Möckcrnstraße, Mvritzstraße, Müllenhofsstraße, Nostiz- straße, Plan-User. Prinz August von Württembergstraße, Prinzen« straße 1—l6 und 103—119, Schcnkendorfstraße. Schleiermacher« straße, Schönleiustraße, Sedan-llfer, Siboldstraßc, Solmsstrahetz Teltowerstraße. Teinpclhcrrcnstraße, Tempclhofer-Ufer, An, Urban, Urbnnstraßc. Wartenburgstraße, Walerloo-Ufer, Wasserthorstr. 1—76, Willibald Alexisstraße. Wilmsstraße, Uorkstraße 1—34 und 58—90, Zossenerstraße. ZiiNichaucrstraße. Die Kommissjon und die Vertrauensleute. Schöncberz. Am kommenden Sonntag veranstaltet der Wahl- verein in de» O b st scheu Lokalitäten ein V o I k s f c st. Entree 20 Pf. Eine zahlreiche Beteiligung wäre wünschenswert. Tolrnles. Das höfische Schangepriinge, das der deutsche Kaiser seinem Gast, d e m K ö» i g v o n I t a l i e n, am Donnerstag bereitet hat, ist programmgemäß verlaufen. Der König ist unter einem gewaltigen Aufgebot von Militär und von Kricgervereine», wie es bei solchen Gelegenheiten Brauch ist, durch die„Sieges-Allce" und die„Linden" nach dem kaiserlichen Schloß geleitet worden, Ein Teil der Berliner BevöNernng hatte sich willig zu de.. höheren Orts gewünschten Mitwirkung an dieser Beranstaltung her- gegeben. Die städtischen Behörden, die Innungen und das übrige .Volk" waren herbeigeeilt,»m den Gast des Kaisers mit dem üblichen Begcisternngsjubel zu begrüßen. Durch eine stattliche Anzahl.gehorsamer und pflichteifriger Untcr thanen" waren die städtischen Behörden vertreten. Vom Magistrat seglten nur wenige z Herr Kirschner hat seine Leute wirklich in guter Zucht. Aus der Stadtvcrordneten-Versammlung sah man zahlreiche Mitglieder aller bürgerlichen Fraktionen. Auch die.Neue Fraktion der Linken", deren Mitglieder so gern als die Blüte des Berliner Freisinns> als die entschieden und wahrhaft Freifinnigen an- gepriesen werden, war würdig vertreten. Die Braven haben recht daran gethan. daß sie ihr Licht nicht unter den Scheffel stellten. In der langen. langen Zeil, die die Herren vom Magistrat und der Stadtverordneten- Versammlung samt ihren ehrenjungfräu- lichcn Töchtern vor dem Brandenburger Thor im Sonnenbrand ans die Ankunft des Zuges warten mußten, hatten sie reichlich Muße, den geschmacklosen Flitter zu betrachten, der hier als Festschmnck aus dem Gelde der Berliner Steuerzahler hergerichtet worden war. Die Innungen waren keineswegs in voller Stärke erschienen. viele der kleinen Gewerbetreibenden haben in der That Wichtigeres zu thu», als des morgens früh um s/47 Uhr im Sonntagsstaat an zutreten und einen ganzen Bormittag mit.Spalierstehen" zu ver- trödeln. Auch daS.Volk", das hinter den dichten Reihen der Spaliere Aufstellung nehmen und ans respektvoller Entfernung zuschauen durfte, war diesmal lange nicht so zahlreich, wie man' es bei den» prächtigen Wetter hätte erlvarten können. Am Ende fangen die sich häufenden Fürstenempfänge doch an. den Berlinern langweilig zu werden. Die arbeitende Bevölkerung Berlins hatte sich selbstverständlich. wie immer, ganz fern gehalten. Die gegenteilige Behauptung eines konservativen Blattes ist aus der Luft gegriffen und die Klagen über die Neugier der Berliner, die sich übrigens gerade in einem solchen Blatte sehr eigentümlich ausnehmen, müssen an eine ganz andre Adresse gerichtet werden. Die Scharen der Männlei» und Weiblein, die da standen und sich nach jedem Helmbnsch die Hälse ausreckte», waren durchweg.besseres Publikum". Die Polizei nahm allerdings darauf wenig Rücksicht und behandelte die harrende Menge gelegentlich fast so, als hätte sie ganz ordinäre Bummler vor sich. Am Brandenburger Thor gab es vor Ankunft des Zuges eine amüsante Scene. Infolge eines Ge- dränges, das hier entstand, wurde ein Schutzmann so nervös, daß er, wie verschiedene Personen vernommen zu habe» versicherten, das herbe Urteil fällte,.es seien Lumpen unter den Herrschaften". Einem Herren, der sich darüber aufregte, wurde von einem Lieutenant ge- antwortet:„Beschweren Sie sich beim Präsidium; aber Radau machen, das giebt's hier nicht I" Als der Herr erklärte, er Iverde sich in der That beschweren, steckten einige Schutzleute die Köpfe zusammen. dann trat der Nervöse, der durch die kurze Konferenz rasch seine Fassung wiedergewonnen zu haben schien, auf den Aufgeregten zu und— ersuchte ihn um sein Nationale. Dem Aufgeregte» dürfte später ein kleines Andenken an den Einzugstag überreicht werden. Durch die Absperrungen, die in der gesamten Umgebung der Einzugsstraße wieder in bekannter Ausdehnung vorgenommen worden waren, war dafür gesorgt, daß auch derjenige Teil der Bevölkerung, der— unbekümmert um Fürstenempfänge und ähnliche militärisch-dynastische Veranstaltungen— seinen Geschäften nach- zugehen pflegt, die Freuden dieses Tages gründlich zu kosten bekam. Die Rede, mit welcher der Oberbürgermeister Berlins, Herr K i r f ch n e r, gestern den König von Italien am Brandenburger Thor begrüßte, war in dem üblichen höfische» Stil gehalten und zeichnete sich noch weniger als frühere Ansprachen durch irgendwelche Pointen aus. Sie lautete im wesentlichen: Die Bürgerschaft Berlins ist sich bewußt der vielen und be» deutuugsvollen Beziehungen, die zwischen Italien und Deutschland, den Fürsten und den Völker» durch die lange Reihe der Jahrhunderte bestanden haben und noch bestehen; sie ist mit aufrichtiger Genug- thnung eingedenk der Freundschaft, welche das untcr dem Fürsten- Hause Savoyen geeinte Italien mit dem unter dem Hohenzollern- fürsten neu erstandenen Deutschen Reiche von der Begründung beider Reiche an innig verbindet; sie gedenkt heute bewegten Herzens der schönen, festlichen Tage, an welchen Euer Majestät Herr Großvater und Vater als Gäste unsres Herrscherhauses in den Mauern dieser Stadt»veilten; und vor allem sie erblickt mit dem gesamten deutschen Volke in dem Erscheinen Eurer Majestät auf deutschem Boden freudig und hoffnungsvoll einen neuen Beweis dafür, daß' Euere Majestät entschlossen sind, das erst vor kurzem erneute Bündnis zwischen Italien, Deutschland und dein befreundeten Oestreich- Ungarn allezeit zu hegen und zu pflegen, um dadurch in voller Uebereinstimmung mit dem unablässigen, eifrigen Be- mühen der erhabenen Verbündeten den Völkern der Erde den Frieden zu�erballen l Nachdem der König von Italien diese Rede vernommen hatte, sprach er in französicher Sprache sein Bedauern darüber aus, daß es ihm nicht möglich sei, auf deutsch zu danken und machte dann den Oberbürgermeister darauf aufmerksam, daß die zur Begrüßung hinzu- gezogenen Damen ungeduldig würden. „So'n bißche» Französisch.. Für den Byzantinismus und dem Mangel an wirkliche»! Vaterlandsgefühl bei unsren Hurra- Patrioten ist folgende von der„Deutsch. Tgsztg." mitgeteilte Er- innernug bezeichnend: Die offiziellen Begrüßungsansprachen an den König von Italien werden in deutscher Sprache gehalten. Es geschieht dies auf einen Wunsch des Kaisers. Als im Jahre 1889 König Humbert in Berlin einzog, wurde er aniBrandenburger Thorvon der sprechenden Ehrenjungfrau in italienischer Sprache begrüßt. König Hum- bert glaubte, daß die Dame perfekt italienisch spreche, und stellte in seiner Sprache einige Fragen an die junge Dame. Da stellte es sich denn heraus, daß' sie das Gedicht in italienischer Sprache aus- wendig gelernt hatte und nur deutsch sprechen konnte. Natüriich machte der Borfall auf alle Anwesenden, namentlich auf den Kaiser, einen peinlichen Eindruck. Dem soll jetzt vorgebeugt werden. Die arme Ehrenjungfrau, die sich so blamieren mußte, ist Ivohl am unschuldigsten an dieser peinlichen Affaire. I» sie wird die italienische Ansprache ebenso hineingetrichtert worden sein, wie man die„Klofterglocken" in unsre, im Klavierspiel talentlosen höheren Töchter hineintrichtert. Aber der hurrapatriotische Vater dieses jungen Mädchens hätte sich vor Augen führen sollen, daß in dem Dressurstück, das er an seiner Tochter verrichten ließ, sich eine schimpfliche Mißachtung unsrer eignen schönen Muttersprache und damit ein bedenklicher Mangel an wirklichem Patriotismus kund- giebt. Wir glauben nicht, daß ein französischer oder italienischer Staatsbürger' einer Albernheit, wie der hier mitgeteilten, fähig wäre; das kann nur deutschen Patrioten passieren. BettelPatriotiSmnS. Mehrere Bittschriften Ivurden gestern beim Einzüge des Königs von Italien in den Wagen der Majestäten zu werfen' versucht. Da der Schutzmannschaft anbefohlen worden war, hierauf ein ivachsameS Auge zu haben, so wurden die Bitt- steller, zumeist Frauen, von ihrem Vorhaben abgehalten. Nur in der Bellevuestraße gelang eS einer Dame, ein ziemlich dickleibiges Schreiben in die kaiserliche Egu'pag« zu werfen.— Im übrigen wird König Mctor Emanuel von vielen als ein Retter in der Not an- gesehen. An seine Adresse sind unzählige Briefe- gerichtet, welche augenscheinlich nichts weiter als Bitten enthalten. Die überquellende Begeisterung, in der bei patriotischen Gelegenheiten ein Teil der Zuschauer sich ergeht, hätte gestern beim Einzug des Königs von Italien bedenkliche Folgen haben können. Nachdem der erste Wagen mit dem König von Italien und dem Kaiser bereits abgefahren war, wurden die'Vordcrpfcrde des zweiten a la Daumont gefahrenen Wagens, in dem die Kaiserin mit zwei Kindern Platz genommen hatte, infolge der Hurrarufe des Pnbli- kums scheu und bäumten. Der Reiter, der anscheinend auch die Ruhe verloren hatte, konnte mit den aufsetzenden Tieren nichts Rechtes anfangen, so daß die Hinterpferde mit dem Wagen nach dem Fiirstenhofe zu in das Publikum hinein zurückgedrängt wurden. Der Spitzenreiter und die vordere Eskorte— eine halbe Schwadron— hatten nichts bemerkt und waren weitergerittcn. Sie mußten um- kehren. Einem Schutzmann vom 37. Polizeirevier, der anscheinend Kavallerist gekvesen ist, gelang die Beruhigung des sich bäumenden vorderen Handpferdcs, indem er es am Halse klopfte und streichelte. Dadurch ließ das Tier von weiteren Sprüngen ab und sich zum Anziehen bewegen. Der Vorfall dauerte immerhin so lange, daß die beiden Monarchen bereits bis zur Sieges-Allee vorausgeeilt waren, während das Gespann der Kaiserin noch auf dem Potsdamer Platz festsaß. Die Opfer beS gestrige» TageS. Wie die Unfallstationen mitteilen, sind bei dem gestrigen Stratzentrnbel 23 Ohnmachtsfälle und kleinere Verletzungen vorgekommen. Ein Mitglied des Krieger Vereins mußte mit dem Wagen der Unfallstation am Brandenburger Thor wegbefördert werden. Ein ILjähriges Schulmädchen Namens Kümmel brach unter den Linden bewußtlos zusammen und wurde mit dem Wagen der Unfallstation nach der Ambulanz gebracht. Neue Strastcnspcrrnnge» für heute. Der Polizeipräsident veröffentlicht folgende Bekanntmachung: Aus Anlaß der am 30. August d. I.. vormittags ö Uhr, auf dem Tempekhofer Felde tattfindenden Parade ivird die Tempelhofcr Chaussee von 8 Uhr an bis zur Beendigung der Parade für jeden Verkehr gesperrt. Die Bellealliancestraße und die Lichterfelderstraße dürfen von Lastwagen während der Zeit vom Ausrücken der Truppen bis nach dein Ein marsch derselben in die Stadt nicht befahren werden. Der Betrieb der Straßen- beziv. Pferdebahn- und Omnibnslinien wird auf der Tempelbofer Chaussee und den aus Berlin nach dem Tempclhofer Felde führenden Straßen sinSbesondere auch in der Friedrichstraße� mit dein Beginn des AuSmarschcS der Truppen(etwa von 7 Uhr ab bis zur Aufhebung der Absperrung eingestellt bezw. eingeschränkt oder abgelenkt. Die Bedeutung deS elektrischen Betriebs der Straßenbahn ür die Reinlichkeit und für die öffentliche Gcfnndheit zeigen folgende Angabe», nachdem nunmehr der mechanische Betrieb in der Haupt ache durchgeführt ist. Der hauptsächliche Erzeuger des Standes in den Straßen der Großstadt ist bekanntlich das Pferd. Die xiroße Berliner Straßenbahn hatte zur Zeit der größten Ausdehnung ihres Pferdebetriebes, ehe sie zum elektrischen überging, einen Bestand von etwa 3800 Tieren. Tie Fahrleistungcn der Straßenbahn sind inzivischen aber erheblich gewachsen. Um die 130 000 Wagen kilomcter, kvelche die Große Berliner täglich leistet, mit Pferde» zu ahren, iväre» heute allein 14 600 Pferde erforderlich. Für die westliche Berliner Vorortbahn wären ca. 060, für die südliche 360, 'ür die Bcrliu-Charlottenbnrger 880 Pferde erforderlich. Die vier vereinigten Gesellschaften hätten somit heute einen Bestand von 10 060 Tieren. Rechnet man den Bedarf der ivenigen übrigen Straßen- bahnen Berlins hinzu, so käme man auf einen Bestand von rund 17 000 Straßenbahn-Pferden. Diese gewaltige Heerde ist aus den Straßen verschwunden. An ihre Stelle ist der reinlichste aller Motoren, der elektrische getreten. Was die Zahl bedeutet, geht daraus hervor, daß sie etwa der Zahl der in Dienst befindlichen Pferde für die Droschken und Omnibusse entspricht, wenn man die Zahl der Berliner Droschkenpferde mit 13 000, die der Omnibuspferde mit 4000 annimmt. Berlin alö Zcitungsstadt. Die führende Stellung der Reichs Hauptstadt im Zeitungsgcwerbe zeigen die Zahlen der durch die Post beförderten Zeitungsnummern. Im ganzen Rcichspostgebict wnrde» im letzten Jahre 1138>/s Millionen Zeitungsnummern bei der Post aufgegeben. Von dieser 1'/? Milliarde Zeitungsnnnunern entfielen 300 Millionen auf den Ober- Postdirektionsbezirk Berlin. Selbst große und verkehrsreiche Bezirke wie Köln geben wenig mehr als 44 Mill. Zeitungsnummern jährlich zur Post. Bezirke mit einem größeren Zeitungsversand sind ferner Düsseldorf mit 38 Millionen, Leipzig mit 33V2, Breslau mit 32,8, Frankfurt a. M. mit 29, Erfurt mit 28 Millionen ic. Die Zahl der eingegangenen ZeitungSnunimer» betrug im Reichspostgcbiet 1112 Millionen. Berlin erhält hiervon nur 29 Millionen, während im Erfurter Bezirk 49>/s, im Düsseldorfer Bezirk 33Vs, in Magdeburg 421/2, in Potsdam 42 Millionen Zeitungsnummer» bestellt»verde». Die Zahlen beziehen sich lediglich auf die durch die Post bezogenen Zeitungen. Die Riunmern, welche von den Verlegern oder Zeitungsspediteuren bestellt iverden, sind nicht in Betracht gezogen. Zum Wohnungswechsel. Der Polizeipräsident giebt bekannt: ES wird wiederholt davor gewarnt, Mielsverträge über Räume in neu erbauten öder umgebauten Hänsern für eine Zeit abzuschließen, zu ivclcher die von der Ausfertigung des Rohbannbnahme-Scheines ablaufende Frist von sechs Monaten für die Gcbrauchsabnabine Prüfung noch nicht verstrichen ist, da die Polizei-Organe vor Ablauf dieser Frist das Beziehen der fraglichen Räume nicht dnlden und nach den gesetzliche» Bestiinmungen auch nicht dnlden können. Die Polizei-Reviere»verde» nach»vie vor anf Anfragen aus den» Publikum über den voranssichtlichen Termin der Beziehbärkeit von Wohnungen in neuen beziehnngslveise umgebauten Häusern bereitwilligst Aus- kunft erteilen. Für Heilgehilfen. Am 2. Oktober beginnt ein neuer Vor- bereilUngS-Knrsus für die staatliche Prüfung als Heilgehilfe und Masjeur, und zivar für männliche und»vciblichc Personen. Meldungen bei dem königl. Kreisarzt Herrn Geh. Medizinalrat Dr. Gramer, Wallstr. 3, in den Sprechstunde» 8—9 und 6—0 Uhr. Der unter dem Verdacht, der Mörder an der kleinen Baake aus Plötzensce zu sein, in Noivaives verhaftete landstreichende Maler Lemmer soll dieser Tage mit verschiedenen Personen konfrontiert »verde», doch ist man schon jetzt fest überzeugt davon, daß Lemmer nicht der ruchlose Thäter ist, trotzdem er sein Alibi bisher noch nicht genau nachgeiviesen hat. Im Befinden BirchowS ist.»vie die„Deutsche Med. Wochen- chrift" von ärztlicher Seite aus Bad Harzbnrg erfährt, die in voriger Woche konstatierte Besserung„leider nicht von langer Dauer geivcsen und ein Schivinden der Körperkräfte, namentlich in den letzten Tagen, unverkennbar". Graf und Gräfin Hatzlcch in der Sommerfrische. Viel Beivnndening rief ein aristokratisch aussehendes Paar hervor, das ich vor etiva acht Tagen in Hessemvinkel bei dem Gastlvirt Schreyer einmietete, um einige Tage der ungestörten Ruhe zu genießen. Sein Bater, so ließ der vornehme Graf fallen, sei Kammerherr und»vohne in der Wilhelmstraße zu Berlin; er selbst stehe beim 2. Garde- Dragoner-Regiment. sei bei Hofe zweiter Vortänzer, habe auch zivei Villen in Karlshorst. Dort aber»volle sich das gräfliche Paar nicht aufhalten,»veil ihm der Besuch aus Berlin lästig sei; eine Reise aber könne es nicht unternehmen,»veil der Herr bei den Hoffestlichkciten anivesend sein müsse. In der ersten Zeit zahlre der Herr Graf in Bar, dann aber ließ er anschreiben,»veil ihm das jedes- malige Begleichen von Lappalien unbequein war. Endlich fuhr der Graf mit seiner hohen Gemahlin nach Berlin, um für die Hoffeste eine Befehle— Ordrcs— entgegen zu nehmen, kehrt« aber nicht nehr zurück. Da die in der Landidylle zurückgelassene Habe wertlos ist, forschte der Wirt den gegebenen Spuren»ach, konnte aber weder bei den Dragonern, noch in Karlshorst, noch von Hofbeamten etwas über den Grafen Hatzlech erfahren. Jetzt nahm er seine Zuflucht zur Kriminalpolizei. Diese ermittelte daS Paar in einem neuen Heim. Der Herr Graf erwieS sich als der Maschinenbauer Krebs aus der Berlinerstraße in Friedrichsfelde, die Giäfin als eine ihrem Mann durchgegangene Frau Lydia Sonnenschmidt. Wegen Zech- Prellerei und Betruges wurden beide eingesperrt. De» Tod durch Verbrühen erlitt Mittivochabend die dreizehn Monate alte Tochter Erika des Landivirts Müller ans Noivaives. Das Kind befand sich in Begleitung der Mutter zu Besuch bei Be- kannten in der Moritzstr. 19. Ain Nachmittag fiel es in einem im- belvachten Augenblick in eine mit heißen: Wasser gefüllte Ab- waschlvanne, an der es sich zu schaffen gemacht hatte. Die ganze Rückenseite»vnrde derart verbrüht, daß der alsbaldige Tod unausbleiblich war. Durch einen Messerstich in den Unterleib wurde der im Post- an»te 34 angestellte Postbote Franz Brnasch, Mainzerstr. 6 ivohiihaft, tödlich vettvundet. Als nintii»aßlicher Thäter ist der Tischlermeister und Hauseigentümer N. Stelmaczyk, Warschauerstratze 12, verhaftet »vorden. B.', dessen Frau mit ihrem Kinde bei Verivnndten in Schlesien»vcilte, hatte am Dienstagabend mit einigen Bekannten einige Wirlschaften besucht. In einer Wirtschaft in der Warschauer- straße»var einer seiner Freunde mit St. in Streit geraten. Die ganze Gesellschaft»vnrde zur Wache sistiert, und dort sagte B. zu Ungunsten Stclinaczyks ans. Darüber kam es anf den, Rück- »rege zu neuein Wortlvechsel, n,an vertrug sich aber und besuchte zusammen noch mehrere Kneipen. Gegen 3 Uhr morgens, auf de»», Heiinlvege, gerieten Braasch und Stelmaczyk von neue», an einander, und letzterer versetzte Braasch, wie dieser meinte, eine» Stoß mit der Faust vor de» Unterleib. B. schleppte sich noch nach ause, in seiner Wohnung angekommen, brach er aber zusammen. leine Nachbarn hörte», sei» Stöhnen und Schreien und erbrachen die Thür. Sie fanden ihn in, Blute schlvimmend. Die Gedärme »varen bereits ans der Wunde getreten. Ein rasch herbeigerufener Arzt ließ ihn unverziiglick» nach dem Krankeiihause am Friedrichshai», schaffen, wo er hoffn,n»gslos danieder liegt. Seine telegraphisch be- nachrichtigtc Gattin traf gestern abend hier ein. St. wurde durch die Kriininalpolizei verhaftet. Aus eigenartige Weise getötet hat sich am Mitttvoch- nachmittag um 4 Uhr der nicht ganz zurechnungsfähige und arbeits- unfähige Arbeiter Ferdinand Schrödter ans der Prinzen-Allee 44. Der 60 Jahre alte Mann brachte sich mit einem Kücheninesscr einen liefen Schnitt in das Ellenbogengelcnk des linken Armes bei. Die That»vnrde nicht gleich bemerkt, iuid nach Verlauf von einer Stunde war Sch. an Verblutung gestorbe»,. Bou der Divektio» der Große» Berliner Straßenbahn erhalten wir folgende Zuschrift: Zu der gestern in Ihren, geschätzte», Blatte gebrachte», Mitteilung von dein Unglücksfall der Wiiive R i n>» o>v möchte»»vir berichtigend bemerken, daß dieselbe nicht von einem Straßenbahnwagen erfaßt und»iedcrgetvorfci, wurde, da sie mit einem solchen Wagen gar nicht in Berührung gekoimncn ist. �ie glitt vielmehr bei», eiligen Ueberschreite», des Geleises vor den, herantoininenden Wagen aus und stürzte. Dem Führer des Straßen- bahinvagens gelang' es, sein Gefährt noch v o r der besinnungslos Liegenden zum Stehen zu bringen. Ein Zimuicrmardcr kehrte vorgestern bei der Zimmervcrmieterin Frau B. in der Mauerstraße ein. In de» späten Nachmittagsstundeii »icldcte sich ein junger Mann von etlva 22 Jahre» und fragte nach einem möblierten Zimmer. Er gab an, Schubert zu heißen und bei der Centrale für Spiritnsverivertnng in der Taubenstraße angestellt zu sein. Der Herr entschied sich für ei», Zimmer, das bereits von eine», Herrn bewohnt»var, in den, aber zur Zeit das ziveite Bett leer stand. Da er einen vertraueneriveckenden Eindruck machte,„ahn, Frau B. ihn anstandslos auf und er bezog dann auch am Abend sein Schlaslogis. Als sein Zimmergenosse an, andern Morgen erlvachte,»var der neue Mieter bereits sortgegangen, mit ihm zugleich aber auch Uhr und Kette des älteren verschwunden. Augenscheinlich sieht der Spitzblibe sich möblierte Zimmer an, und sucht da für eine Nacht Logis zu bekommen, wo sich ihn» Gelegenheit zu», Diebstahl bietet. Fenerbericht. Ii, der Nacht zu», Donnerstag wnrde die Wehr nach der Belle-Alliancestr. 32 gerufen. Hier war in einem Keller auf noch nicht ennittclre Weise ein größeres Feuer ausgekommen, das an de», dort lagernden Hölzer», reiche Nahr»i,g gefunden hatte. Die Wehr mutzte daher auch längere Zeit aus einer Schlanchleitnng Wasser geben, um die Flammen zu ersticken. Zur selben Zeit mußte in der Namihnstr. 02 im ersten Stock in einem Comptoir ein Brand beseitigt werden, der in der Hauptsache Ladentische beschädigte. Mittwochabend gegen 8 Uhr hatte die Wehr in der Memelerstr. 11 in einer Küche ein Feuer abzulöschen, welches de», Fußboden und die Balkenlage ergriffen hatte. Gardinen, Kleidungsstücke zc. gingen nachmittags 4 Uhr in der Höchstestr. 23 in einer Wohnung in Flammen auf, die indes noch im Keime erstickt iverden konnten. Außerdcni»var noch in der Prinzesstmienstr. 19 ei», Anton, obil um- gefallen, zu dessen Aufrichtung die Feuerwehr gerufen wurde. Pafsagc-Theater. Für die am Sonnabend beginnende neue aison hat die Direktion das Haus unter den Linden einer voll- kündige n Neugestaltung unterzogen. Die Bühne wurde bedeutend vergrößert und ettvas niedriger gelegt, der Zuschauerraum renoviert, Terrassen sind errichtet worden und eine neue Sitzeinteilung ist erstanden. Man wird jetzt von jedem Platze ans alle Vorgänge auf der Bühne verfolgen können. Aus den Nachbarorten. Potödam. In der Jßmerfchen Mordaffaire ivird gemeldet, daß nachdem gestern und vorgestern die in Potsdam eingetroffenen Ver- Iva», dien bezw. die beide», Erbe» die ganze Villa durchsucht hatten, und bis gefteri, abend mir 16 M. und 76 Pf. gefunden hatten, es heute dem Kriiniiiallommissar Steinbaner. der heute morgen nach Abreise der Verivandten eine erneute Untersuchung vornahin. gelang, 30 Hundertmarkscheine. 180 Zivanzigmarkstücke und ca. 4000 M. in Coupons einzeln in Wäschestücken, in. Rücke» und in Aerineln von Kleidern eingenäht aufzufinden. Der wichtigste kriniinalistische Fund aber ist ein blntbeflcckles Beil, das der Kommisiar hinter eiuein großen, an der Erde festgeschraubten Kleiderschrank vorfand. Die Blutspnren daran sind noch frisch. Die ermordete Wittve des JustizratS Jßmer ist am Donnerstag in aller Stille beerdigt»vorde». Als Erben der alten Frau koininen in Frage der 82jährige Bruder ihres verstorbenen Gatten. Maurermeister Moritz Jßnier in Neuzclle bei Guben, soluie dessen Söhne, von denen der eine Maurer- und Zimmermeister in Nenzelle, der andre Kceissekrctär in Kottbus und der dritte Kaufmann in FLrstenberg ist. Außer diesen näheren Ver- »vandten sind noch einige ferner stehende Verivandte bei der chon am 18. Januar 1882 erfolgten geineinsanien Testaments- errichtung der Jßinerfchcn Eheleute mit Legaten bedacht»vorden. Damals schon betrug das Vermögen über 00 000 M., so daß eS jetzt, bei den, notorischen Geiz der Ermordeten, sich bis auf ca. 9V 000 M. vermehrt haben dürfte. Trotz der auch»och an» Mittivoch stattgehabten Nachforschunge» in der Villa der Ermordeten, kqgnte man aber bisher nichts von etivaigen Wertpapieren entdecken, so daß es immer mehr den Anschein gewinnt, als habe der Mörder Wagner dieselben durch Helfershelfer irgendivo in Sicherheit bringen lassen. Es»vnrde be- reits festgestellt, daß Wagner bald nach'der That Goldmünze», in Zahlung gegeben hat; auch hat er wahrscheinlich in der Villa eine alte Münzensammlung. welche der verstorbene Justizrat Jßmer an- gelegt halte, gestohlen. Am Mittivoch»vnrde Wagner, dessen Wunde gut verheilt, zunächst nach Potsdam als Untersuchungsgefangener gebracht. VevmiMzkes« Deutsche Kultur im 20. Jahrhundert. Aus«ltenburg wird vom Donnerstag berichtet: Henle hat hier eine dreifache H>»- r i ch t u n g stattgefunden. Die Ehefrau Seifert und deren beiden Liebhaber Niedermeier und Tänzler, die wegen Ermordung deS Ehe- maimS Seifert zum Tode verurteilt worden waren, wurden heute früh auf dem Hofe des Landgerichts durch Scharfrichter Engelhardt hingerichtet. Alle drei Mörder waren geständig. Ncbcr eincn derungluckte» Luftballon wird der„Frankfurter Zeitung" aus Kreuznach gemeldet: Ein rätselhafter Vorgang hält andauernd in der ganzen ländlichen Umgebung unsrcr Stadt die Gemüter in Erregung. Am Mittwochmorgen landete auf einer Waldtviese bei dem benachbarten Dorfe Bockenau ein in- s a s s e n l o s e r Luftballon, auf dessen Kuppe die französische Trikolore wehte. Einem zufällig anwesende» Volks- schnllehrer aus Köln gelang es, durch Oeffnen des Ventils den Ballon zu entleeren. Man fand in dem Korbe eine Tafel, die den Ballon als Eigentum der französischen Luft- schiffcr-Abteilung in Versailles kennzeichnete, eine größere Anzahl Generalstabskarten, ein Barometer, einen Höhenmesser und ein Thermometer, das als Minimaltemperatur—10 Grad C. anzeigte. Hieraus und ans der Thatsache. daß an dem Korbe sich Eiszapfen befanden, ist zu schließen, daß der Ballon in sehr hohe Regionen ge- stiegen war. während das Fehlen des Ankers und das Herabhänge» eines zerrissenen Taues darauf hinweisen, daß der Ballon, dessen Insasse» irgendwo ausgestiegen ivareu, sich losgerissen hat. Wo das der Fall geivcsen ist, darüber fehlt jeder Anhaltspunkt. Der Ballon wurde im Bockeuauer Gcmeindchause geborgen und der Vorfall dem Bezirkskommaudo Kreuznach gemeldet, das die Untersuchung, bis jetzt allerdings ohne Ergebnis, in die Wege geleitet hat. R»S München wird berichtet: Das Befinden der beiden bei dein B r ü ck e n e i n st u r z schwerverletzten Arbeiter ist befriedigend, und obwohl Komplikatioueu nicht ausgeschlossen sind, ist zu hoffen, daß sie mit dem Leben davonkomme». Die übrigen leichlverletzte» Arbeiter, die durchweg Prellungen und Quetschungen erlitten, klage» allerdings über starke Schmerzen; doch sind bei ihnen keine Kom- plikationen zu befürchte». Als Ursache des Unglücks ist die Möglich- kcit einer Senkung der aus Beton hergestellten Flußsohle zu be- tralbtc». Der Bauleiter, Ingenieur Grub, dürfte nach Ausfassung des Geschäftsinhabers, Kommcrzicnrats Wörner sAschaffcnburg) ebenso wie Ingenieur Greise! vollkonimen ohne Schuld sei». Bei den Ans- räuinungsarbeiten verunglückte ein weiterer Arbeiter durch Sturz in den Schacht. Unglücksfälle mit dem Automobil. ES scheint als ob dies modernste Verkehrsmittel es auf die Vernichtung der gesamten Plutokratie abgesehen hat. Während kürzlich erst ein Mitglied der Familie Vanderbilt mit dem Automobil tödlich verunglückt ist. kommt jetzt aus New Jork die Nachricht, daß der Millionär Matthews aus Jersey-City mit seinem Automobil einen Abhang herunterstürzte. Matthews und eine Dante wurden getötet, eine zivcite Dame sowie ein Geistlicher erlitte» tödliche Verletzungen.— Bei Vivicr. unweit Saint Mala, stürzte in einer scharfen Kurve der Straße das Automobil, in dem der Marquis de Manneville mit dem Grafen und der Gräfin v. Camburg und dem Baron v. Camburg einen Ausflug gemacht hatte Der Graf brach dabei drei Rippen, der Marquis zog sich eine Hüftenverrenkung zu. Zcitgemiiffcu Humor haben die Einwohner und Gäste des Badeortes Devin skr. Franzburg, Pom.) entwickelt. Sie veranstalteten nämlich am Sonntag ein großes— Rcgenschirmfcst. an dem rund 1000 Personen aus Devin, Stralsund und andren Orten der Um- gegcnd teilnahmen. Nach dem Umzüge fand die Preisverteilung für die am eigenartigsten und tvitzigsten ausgeschmückten Schirme statt. Ueber ein starkcö Erdbcbcu, das sich auf den europäischen Erdbebenwarten, wie wir berichtete», schon vor einigen Tagen be- merkbar gemacht halte, kommt jetzt aus Nctv Dork die erste kurze Drahtincldung. General Chaffee hat nämlich aus Manila gekabelt, daß zahlreiche Erdbeben i» dem Bezirke Lakelauo im Laude der Moros auf Mindanao, in der Nähe des Lagers des amerikanischen Hauptquartiers, stattgefunden haben. SO bis SO Einacborne haben hierbei daS Leben eingebüßt. Von den Amerikanern ist niemand zu Schaden gekommen. Neuentdeckte Erzlager tu Norwegen. Im Laufe dieses Sommers fanden in den Bergen von Südvaranger Untersuchungen statt, die zur Entdeckung von Eisenerzlagern führten, welche so groß sind, daß man nach dem Urteil von Fachleuten in der Welt nicht ihresgleichen findet. Man fand Erzadern von 70—200 Meter», die geringste Ader mißt 30 Meter. Die Lager dehnen sich über 15 Quadratkilometer aus. Der Grund ist Staatseigentum. Da die Lager nur 1 Kilometer vom Fjord entfernt sind, ist außerordentlich günstige Gelegenheit zur Ausschiffung des Erzes vorhanden. In der Nähe bildet der Pasvikelv einen Wasserfall der 40 000—50 000 Pferde- kräfte enthält, aber zur Hälfte zu Rußland gehört. Im nächsten Jahre soll, sobald der Schnee schmilzt, mit der Ausbeutung der Erz- lager begonnen werden._ Marktpreise von«erliu am 27. August ISNS nach EniiiNelttiige» des tgl. PvlizeivräsidiiimZ. fWelze», gut D.-lit» „ utilUI „ gering t'llOflgc», gut „ mittel „ gering »Äeifle, gut . mittel . gering »Haler, gut , mittel lnring Ntchtstroh Scu rbse» Tvetsedohneu Linsen -f ab Bahn. » frei Wagen und ab Bahn. Prodnkteuinarkt vom 28. August. Getreide. Trotz des herrschenden Westwindes ist seit gestern schönes Wetter eingetreten. Infolge dessen zeigte» sich am heutige» Frühmarkte Käufer für Weizen sehr zurück- haltend, während für prompten trockenen Roggen gute Kauflust bestehen blieb. Aus Schlesien und Posen waren Ladungen mehrsach angeboten, fanden jedoch trotz garantierten Abladegewichts keine Unterkunft, da gesunde trockne Ankunft nicht gewährlelstet werden konnte und Käufer eS vorzogen, die Ankunft der Ware erst abzuwarten. Bon den amerikanischen Börsen wurde etwas schwächere Tendenz gemeldet, während in Oeftreich-Ungarn die Weizenpreise eine kleine Beflerung erfahren haben.— Am Mittagsverkehr ruhte daö Geschäft zunächst fast ganz und konnte sich auch später nur un- wesentlich beleben. Die Preise stellten sich für Roggen behauptet, für Weizen etwas schwächer als gestern. Mehl war still und unverändert. Von Finte»- krachten war Hafer ans neue Abladungen leicht gedrückt, Mais behauptet. Rüböl nach gestrigem Rückgänge leicht erholt. Spiritus. Ilm Spiritnsinartte wurden für 70er loco 39,30 M. geboten, doch kamen Abschlüsse nicht zu stände. Schlug für Getreide durchweg schwächer; Weizen per September 1>/t, 4,— 120 110 1,30 1,20 1,30 2- 2 60 1,40 1,40 140 1,40 0,80 I 40 0,70 3,- Briefkasten der Redaktion. Tie jurtsii siiie Sprechstunde findet täglich mit Zlusuahme des Sonnabends tum-1 Hvlckemaiin. Arhtunq! WM" Mditnng! Bleigläser«nl! Clasitlüler, sowie die in dieser Branche beschäftigteu Persouen. Freitag, SS. August, abcudö Uhr: Gr. öffentliche Versammlung in den„Arminhallen", Kommandantenstraffe Äv. Tages-Ordnung: 1. Die Antwort der Unternehmer auf unsre Forderung betreffend die Anerkennung unsres Arbeitsnachweises. 2. Wie stellen sich die Kollegen zu einer Lohnbewegung? Das Erschemeu aller Kollegen ist dringend nottveudig. 73 3 Die Liolinkouiiuission. Wurst! Thüringer Rotwurst& Pfd. 55 Pf. v Flelachwurst„ 65„ Hall Zwiebelleberwurst„ 55„ Braunschw.Kalbeleberw„ 85„ Mettwurst u. Polnische„ 65„ Braunschw. Mettwurst„ 85„ Schlackwurst u. Salami JOS„ do. Echte Thüringer„ 125„ Ostp.Landsch.l.(j.u. halb.„ 100„ Dellk.-Schink. o. Knoch.„ 115„ Schinkenspeck...„ 90 ,, Paul Klähn, Cliansseestr. 27. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Heute, Freitag, abendS 8Vj Uhr, im Gewirkschastshause, Eugel-Ufer 15: KKt»!ui,K- Ä«i'- Wer w al t«11. Achtung! Elnisetasep« Achtung! Sonntag, den 31. August er., vormittags 10'/, Uhr: V erssätnmlung im Gewerkschaftshaus«. Engel-Ufer 15. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Benoffen Iturl Onthclt über:„Invaliden- und Unfallversichernttg." 2. Bericht der Delegierte» der Arbeite>1chiitz-Kommission. Referent: KoNege K u r k o w s k i. 3. Branchenangelegenheiten. Zu dieser Bersanimlimg sind die Kollegen der Firma Hellmich, Bergstraße 37, speeiell der Kollege B ü l o w, geladen._ 87/19 -5 i Jelltslher Hglzllrbeiter-BerliMi!. Zahlstelle Charlottenburg. Sonnabend, den 30. August, im großen Saale deS Bolkshauses. Nosiueusirasie Nr. 3: 87/20 Großer Sommernachts-Ball. Kollegen iowie Freunde nnd Gönner ladet ein Das Komitee. Tegel— Tegelort Jörsfelde. Dampfer- Linie von vaH Hoitz. Bequem eingerichtete große und kleine Dampfer. Billigste Preise. Tegel— Degclort. Restaurant„Zum Schwan" und zurück 15 Pf. Xegcl-Jiirsfelde und zurück 20 Pf. falle mich allen Freunden. Bekannten nnd Nuöflüglern besten« empfohlen. C. Hoitz. Täglich Eingang der letzten Neuheiten! I vr. Llmmel,?ri°,«ll8kr. 41. Speeialarzt für 31/9» llant» und Harnleldon. 10-2. 6-7. Sonntags 10-12, 2-4. Kiinianilaitatr.20 W eiche Herren-Hüte von 1,65 bis 4,80 M. Steife Herren-Hüte von 1,87 bis 4,60 M. Kchte Haar-Hüte 4,75 M. Oz lindec Hüte vo» 3,97 bis 8 M. dasd-Hüte 1,9« M.(49152» KWtMhMttlstlMLl). thteit billig und gut sitzen- den Anzug oder Paletot wünscht, be- stelle dasselbe bei Schneider- ineifter Kawlecki,«harlotten- burg, Kautftr. 50. Großes Lager von nur guten Stoffen. EinsegnungS- anzüge nach Maß. Ladenpreis. Große Ketten IS M. (Obtrb-ti, Unlirtm. ,»et«ilw» mit «rretniaten neu»» K-dera»«t Bukt»» LmRt«, S«U» Orbst?' ftr»»« 4«.«r,.«lift> tofunfret. Viel» V WKerfeaaanfUtdrtlb«». � Heute starb nach längerem! Leiden unser lieber Kollege, deff Schriftsetzer krit? Cloräso im 29. Lebensjahre.(1705b I Sein lauterer Charakter, sein I aufopferungsvolles»nd persönlich! liebenswürdiges Wesen sicheni l ihm ein treues Gedenken weit| über das Grab hinaus. Berlin, 28. August 1902. Die Kollegen der Abteilungen j„Oie Woche" u.„Der lag"! Die Beerdigung findet am am Sonntag, den 31. Augnst, nachmittags 3'/. Nhrvom Traner-! bause, Friedrichshageu, Ahorn- l Allee 46, aus statt. Alle» Freunden und Genoffen für! die erwiesene Teilnahme und Kranz- spende» bei der Beeidigung meines Mannes, des Drückers ■Inllns Klinke sage meinen herzlichsten Dank. _ Wwe. Klinke, geb. Kipke. H Ai'b.-Kadf.-Verciii „Dsrlin". Sonntag 5 Uhr: Lands- berger Thor nach Buckow(Märkilche Schweiz), Restaurant Rosenburg, Wriezenerstraße(60 Kilometer).— 1 Uhr: Landsberger Thor nach Strauß- borg(Hungriger Wolf).— Donners- tag: Versammlung Andreasstraße 26. Ausgabe der BilletS zum Stiftungs- fest. Siehe Soimlags-Jnferat. 13/4 Vll'Zkvtt« hllll«. »Iu 55 55 biniß. llcrrniannci Kohlenlager, O., Mühlenstr. 12. Wege» Aufgabe meines Bahnplatzes offeriere la Senftenbcrger Briketts Abnahme von 3000, 5000, 10000 Stck. frei Keller 6" 6,25 6,- 5,75 Mk. „ 7" 7,50 7,25 7,-„ frei Boden 50 Pf. pro 1000 St. mehr, ab Lagerplatz nttsprecheiid billiger. Sämtliche andern Breniimalcrinlleit ebenfalls billig. 4913L» iilkn, WerkztWe!c n. kK«nknr»n>n»»cn--Ausver» kaut) für Tchlosser, Schmiede.' Klempner. Maschiueiifabrikeit Wf- Holzmarktstr. 20. IBfig MöheWCriit. U 0, Tischlerm., Laiigestr.lk>9, �1« Sllllfftl, cmpf. kompl. Wohniiugs- einrichtunge» sowie einzelne Stücke in »ier Zlnsstihrmig Billige Preise. tataloa auf Wunsch frei zugeschickt. Gur bcu Jiilinlt ber Inserate übernimmt bie Nebaktio» beut Publtkuin gegenüber keinerlei _ Aerniitwortniig. Thrstkov. Freitag, den 29. August. Opernhans. Samson und Dalila. Anfang 71/2 Uhr. Schauspielhaus. Der Compagnon. Anfang 71/2 Uhr. Neues Opern- Theater lNroN). Orpheus in der Unterwelt. An- fang 7i/z Uhr. Im Lieberspielhans: Offenhach- Cyclus. Fritzchen und Lieschen. — Dorothea.— Der Regiments- Zauberer. Anfang 8 Uhr. Deutsches. Die Hoffnung. Anfang 71/2 Uhr. Lessing. So leben wir. Anfang 7i/z Uhr. Berliner. Alt-Heidelberg. Anfang 7V2 llhr. Westen. Der lustige Krieg. Anfang 7-/2 Uhr. Neues. Ledige Leute. Anfang 8 Uhr. Residenz. Sein Doppelgänger. Vor- her: Wiener in Paris. Anfang 7-/2 Uhr. Thalia. Er und seine Schwester. Anfang 71/2 Uhr. Central. Die schöne Sünderin. An- fang 71/2 Uhr. Carl Weih. Eine Paria. An- fang 8 Uhr. Casino. Ehrliche Arbeit. Anfang 8 Uhr. Kriebrich-Wilheluistnbtisches." Speeialitäten- Vorstellung. Ans. 7'/- Uhr. Seeession. Silbersteins Flitterwochen. Anfang 3 llhr. Wolzcgens Buntes Theater. (Ueberbrettl.) Anfang 8 Uhr. Kleines. Serenisstimls. Frau Miuti. Anfang 8 Uhr. Apollo. Lysistraia. Speeialttäten- Borslellnng. Anfang 8 llhr. Wintergarten. Speeialitäten. An- fang 8 Uhr. Metropol. Berlin bleibt Berlin. Anfang 8 Uhr. ReichShalleu. Stettiner Sänger. Anfang 8 Uhr. Passage- Thealer. Speeiallläien- Vorstellung. Anfang nachmittags 8 Uhr. Passage- Pauvptiknut. Speeiali- täten-Vorslellttttg. Urania. Tnnbenstr. 18/10.(Im Theatersaal.) Abends 8 Uhr: Die deutsche Ostseelüste. Jttvalibeustrahe 57/03. Täglich: Sternwarte. Urania. Tauben-Strasse 48/49. Im Theater um 8 Uhr; Die deutsche Ostseeküste. Passap-Panopticumj Tari�tä-Vorstcllang Im kleinen Theatersaal. Ital. Konzevt-Gesellschaft| Pariser Karionetten-Theatsr.[ Wunderspinne. Arab. Fakir u. Feuennonsch. Entree�SiltSOPf.l Tbalia- Theater. Dresdenerstrasse 78— 73. Novität! Anfang 71/2 Uhr. Novität! Er und seine Schwester. Posse mit Gesang und Tanz in 4 Bildern von Beruh. Buchbinder. Guido Thielscher als Orchcster-Dirig. Im 2. Alte: Kitzcl-Conplet. Fritz Helmerding. Gerda Walde, Herbert PaulmUller, August Reiff. Morgen und folgende Tage: Er und feine Schwester. LMies'Hleatar. Kiipenickcrstr. 68. Margen Sonnabend Wiedereröffnung. Anfang auSuahmowcise Uhr. 1. Snsanna im Bade. Schauspiel von Hugo Salus. 2. Bnnter Teil unter Leitung von Oscar Straus, Tlny Senders a. G., Bozena Bradsky, Bokken Lasson, Marceil Salzcr. 3. Das Wetterhäuschen. Passage-Theater. Nach vollendeter umfassender Renovation ErOflnnng der Winter-Saison Sonnabend, 30. Angnst, abends 8 Uhr. CASTANS, Panoptikamj Frledrlch-Slrasse 165. Das berühmteste Wachsfiguren- Kabinett der Welt. Beachtenswerte Neuheit: Lebende Bilder, ausgeführt v. einem Ensemble j junger, schöner Damen. Rlßtropöl-Thßäter Heute; Berlin bleibt Berlin. Grosse Ausstattungsposse mit Gesang und Tanz in 5 Bildern von Julius Freund. Musik von Erik Meyer-Helmund. Emil Thomas a. G. Josef Joseph). Henry Bender, üt Flora Sldlng. Hansl Reichsberg. Wlnl Grabitz. — Johanna Junker-Schatz.— Anfang 8 Uhr. Bauchen gestattet.-TSC 3 Bernhard Rose-Theater Gesundbrunnen, Badstr. 58. Sensatiouell! Der phäuoiiicnalc Ber- wandlHitgökiinstlcr Carl Bratm mit seinem Bunten Theater| worin er 36 Personen darstellt. Annsierdcni das neue Itlescn-ProKranini. Anfang 4 Uhr. Entice 80 Pf. Borzugskarten haben Gültigkeit. Knffecküche.— Ball. Schiller-Tfa eater. Schiller-Theater O.(Wallner-Theater) Sonnabendabend 8 Uhr: Wieder-Eröffnung. Zum erftenmale: ihapplro. Trauerspiel in 5 Aufzügen von Franz Grillparzer. Sonn tag nachmittag 3 Uhr: Dolmat. Sonntagabend 8 Uhr: Die Dottenbnrger. M o n t a g n b e n d 8 Uhr: — Die Mottenbnrger.— Schiller-Theater JH.(Friedr.-Wilhelm- städtisches Theater) Mittwoch, den 3. September, abends 8 Uhr, Eröffnungs-Vorstellnng. Die Braut von Messina. Ein Trauerspiel mit Chören von Friedrich Schiller. N>>7- Der Billetverkauf im Schiller- Theater G. und N. findet täglich von IOV2 bis 2 Uhr statt. ZOOLOCISCHER GARTEN Heute ab 4 Uhr nachmittags: ilitär-Ooppel- Konzert. Gastspiel der Banda musicale dl Palermo. gar* Entree 1 M., ab OUhr abends 50 Pf.. Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. c ari Weiss-Theater. Grohe Frankfnrterstr. 138. |P£"" Täglich Anfang 8 Uhr.-MW Piiie Paria. Lebensbild in 5 Akten und 8 Bildern von Ernst Ritierfeldt. Im Garten: Speeialitäten- Vor- stellung. Anfang ö Uhr. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Vlpoi«�__ Luisen-Theater. Reichenbergerstrafie 34. Drei Minuten vom Kottbuscr Thor. Direktion: Eudwlg Rosenfeld. Heute (köpiinw- llDijtclliniii. BT Neue Luft. � Schauspiel in 4 Akten von M. A. Siemacek, deutsch von Milada Fürth. Kaffeneröffnung O'/z Uhr. Auf. 8 Uhr. Vorverkauf an der Theaterkaffe 10 bis 1 Uhr vormittags, Jnvalidendank, Unter den Linden 24, und Künstler- dank, Unter den Linden 18._ Apollo- Theater und Konzert-Garten. Um 7 Uhr: Carten-Konzsert. Um 8 Uhr: Die glänzenden Speeialitäten. Um 9 Uhr: ILysi st ralst Leonidas... Robert Steidl. Kassoneröffhung 7 Uhr. Casino-Theater. Lothringerstr. 37. Wochentags 8, Sonntags TV, Uhr. Bttntes Programm. Dazu: Ehrliche Arbeit. Kleines Theater (Schall und Rauch) 33/14 llutcp den Unden 44. Anfang 8 Uhr. — Serenissimus- Zwischenspiele.— Hoclixeitsabend. Kollegen. lüchiine Seelen. m- Fröbels-ma Allerlei- Theater fr. Puhlmann, Schönhauser Allee 148. Gr. Benefiz- Vorstellung für die beliebten Ducttisten Fougeres- Milardo. Ricsen-Fest-Programiu. Flora-Truppe. Hochberg. Christon. Salvador u. Selma. Die 5 Orientsterne. Lou u. Georges. Fougeres- Mllardo. Um 8V2 Uhr: Unser Goldjunge. Um 10 Uhr; Otto Waldemar. Im Saale: Gr. Ball. Anfang 5 Uhr— Entree 30 Pf. Sonnabend: Sommcrfest der Steindrucker und Lithographen. Vraler-Thellltr Kastanie»- Zlllee 7-». 'rtlgllel,: Johamiiszattber. Operetten-Burleske in 4 Bildern. Eugen Milardo, Tanzhumorift.— CirkuS Loyal.— Leodlskas Kakadus, komische Reckturner.— The Elrados. Mdme. Georgette, Feuer- u. Flammen- tauz.— Lebende Pholographien. (Neue Serie.)— Konzert. Ansang 4 Uhr. Eintritt 30 Pf., numerierter Platz SO Pf. Kallro. W. Noacks Tbeater. Brnuneuklrabe lk. Tilglicli: Tlieatev- und Speeialitäten- Vorstellung. Grober Beifall! Ms tilttzende Veriin. Poffe mit Gesang und Tanz von Leopold Elp. Im Saal: Tanzkränzclien. Schweizer Carlen Am KUnigstiior 4202 L* Ana Uricdriclishain Täglich:-TW2 Theater- imii Spttialitäteii- Vorstelliing. Täglich biS 7 Uhr: Freier Damentanz. Jeden Abend 10 Uhr: Nofen- Dienstag. Grobe Posse»1. Gesang in 1 Akt v. Elp. Max Kliems Sonimer- Theater. liasenhcidc 13—15. I Artistisoher Leiter; P. Milbitz. Täglich: Gr. Konzert, Theater- u. |S|ieGialitäten-Vorsteliung Jeden 1. und 15. d. Monats: Wechselndes Programm I Donnerstag; Klltc-Tag. Ostbahn-Park. Am Kltstrlnerplatz. RUdersdorferstr.71. Hermann Imbs. Täglich: Gr. Konzert, Theater- uud Specialitäten- Vorsteiluug. Zommertlieater MHianisnksrI Badstr. 35/36, Gesundbrunnen. Täglich: Der Brandstifter. Operette in 1 Akt von Linderer. Willy Relnhold; Dir. R. Wagner. Erstklassige Speeialitäten. Entree 80 Pf. Bous und Vorzngskarten haben Gültigkeit. Wintergarten Maud Grlselda, Huude-Dresseuse. Les Silvas, Leiter- Equilibristen. Josle de Witt, Sängerin u. Geigerin. Die Vlcentinas, Rollschuhläufer. Roflx, athletische Produktionen. Karl Meister, Tenorist vom k. k. priv, Carl-Theater in Wien. Helene Gerard,„Hohe Schule". Sari Fedak, Sängerin vom Ungar. Theater in Budapest. Die Kelllno-Truppe, ital. Akrobaten. Claudinc Polaire, Pariser Sängerin. W. C. Flelds, komischer Jongleur. [Cleo de Merode| Tänzerin v. d. gross. Oper in Paris. ,, Biograph". Die beste Cigarre, 25 Stück in Kisten 1 M., wegen Umzug. Diaa«l»ii«e,«chillingstrabe 36. Reichshall e n. Täglich: Stettiner Säuger Ansang: Wochentags 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. Tageskasse 11-1 V-Uhr Iiottl»»«ci-»tr. 4 a, Station der Hochbahn. Täglich im Garten, bei un- günstig.Witternng imSaal: Ilolkl»»»»-« Not'dhtlltslije Töiißtr »nd Konzert. Sonntag, Montag»nd Donnerstag nach der Soiree: Tanzkränzchen, Tanz frei! Anfang Sonntags 5 Ubr, Entree 30 Pf., ab 9 Uhr 20 Pf. Anfang Wochentags 6 Uhr. Entree 30Pf., ab 9 Uhr 20 Pfg. Steidl- Theater Linicnst.132 an der Friedrichstr. Sonnabend 30. August Enste S olree der unvergleichliche» humoristischen Steidl-Sanger (Fritz Steidl, Wehling, Scheuer!, Müller-Lipart, Reifing, Corviuus, Hans und Munkel. Ansang 8 Uhr. Entree 50 Pf. Sperrsitz 1 M., Logen 1,50 und 2 M. Borverkauf an der Kasse täglich von 11—1 Uhr. Nach der Soiree Tanzkränzchen im Feftsaal. Sonntag, de» St. August: Dampfer-Extrafahrt mit Musik mr nschl Helsen, oinkel."mm Abfahrt 9 Uhr Stralauer Brücke 5.— Rückfahrt 8 Uhr abends. Fahrpreis hin und zurück 75 Pf. 4914L» Li. Kahnt-Straulau. i Anzug-, Palelot-, Hosen-Stoffe. Riimunngs-Ausverkauf!!! Die Bestände unsres Ladengeschäfts TpsnlSsusns-t»». 33/23 werden wegen Aufgabe des Ladens IM- bedeutend unter Preis aiisvvi-lrauD.[47782* Brennen& Co. 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Eo., Warschauer- strabe. Die Orisverwaltnng. Älljtnilg! Holzarbeiter. In der Möbeltischlerei von E. Schlrn, Wcistensee, Königschaussee 74, haben sämtliche Gesellen wegen Lohndisserenzen die Arbeit niedergelegt. Zuzug ist streng fernzuhalte». 87/14* Die Ortsderwaltung. Achtung, Klavierarbeiter! Die Pianofabrik von Eenat Kock& Co., Greifsioalder- ftrasie 155/156, ist wegen Lohndifferenzen bis auf wefteres gesperft. 88/2 Die OrtSvertvaltnug. «erou.uwrtlicher Mebacieiir: JnlinS«aliski in Berlin, ftiir den Anieraienieil verantwortlich: Tb.«Hocke i» Berlin. Druck u»h Verlag von Mar Badin« in Berlin.