Nr. 202, Abmmkmntt,-Ktvingungen: KbonnemenlS-Pri>i pränumerando: vierleljährl. SM Mb, monalb l.lvMl., wöchentlich 28 PIg. frei In» Hau». Stiueln« Numm-r S PIg. Sonnlag». Nummer mU lUunttmaf Sonntag!» Beilage»Dle Neue Welt" 10 Plg. Poll. »lbvnnement: t.lv Mark pro Mona«, Singelragen In der Post- Zeitung». Preisliste für 1802 unter Hr. 7078. unter Nreuzdand für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Mark, für da» ül-rtge Autland S Marl pro Mona». 19. Jahrg. Ft« znsrrtilms-Gebliyr detrögi für die lschSgespaltene Kolonsk» «eile oder deren Raum 40 Psg., für politische und gewerlschastltche AereinS- und BersammlungS- Anzeigen 20 Psg. „Kleine Kmetgen" jedes Wart ö Psg. (nur daS erste Wort fett). Inserate für die nächste Nummer müssen bi» S Uhr nachmittags tn derExpedilion abgegeben werden. Die Erpcdition ist an Wochen- tagen dt» 7 Uhr abends, an Sonn- und gesusKea dt» S Uhr vormittags gsossna. Erscheint kstgltch Miss er»ionkag«. Devlinev Volksbl�tt. Centrawrgan der soeialdemokratischen Partei Deutschlands. Telegramm- Adresse: »SorltUdemostrai Perlin- KedaNtiau: SW. 19, Veuth- Strafte 2. Fernsprecher: Slint 1, Nr. 1508. Ein Militärnrteil in Oestreich. Die Wechsel der Prinzessin Luise von Koburg —sb— Wien, 28. August. Ein Drama, dessen Ursprünge in die höfischen Kreise reichen, hat gestern seinen vorläufigen Abschluß gefunden: Geza M a t t a ch i ch, der einstige Oberlientcnant und Gelieble der Prinzessin Luise von Sachsen- Koburg- Gotha, ist begnadigt worden und hat gestern die Strafanstalt Möllersdorf, wo er drei Jahre und acht Monate gefangen gehalten wurde, verlassen. Die Verurteilung dieses Offiziers erfolgte zwar Ivegen eines gemeinen Verbrechens, der Fälschung von Wechseln, aber der ganze Lauf der Verfolgung charakterisiert sie als eine Art unzweifelhafter Kabinettsjnstiz, zu dem die Möglichkeit die verrotete geheime Militär- Strasprozeßordnung geboten hatte. Die merk- würdige Affaire verdient es wohl, mitgeteilt zu iverden. Geza von Mattachich-Kcgleivich— so hieß er, bevor ihm die Verurteilung mit der Freiheit den Adel nahm— war der Günstling der Prinzessin Luise, bekanntlich eine Tochter des Königs der Belgier und einer Schwester der ehemaligen Kronprinzessin Witive Stefanie. Deren Ehe mit dem Prinzen Philipp von Koburg war nicht die glücklichste, und die Skandalchronik der Welt, in der man sich nicht langiveilt, war schon vor dein offiziellen Bruche voll von allerlei merklvürdigen Geschichten, deren Heldin die ebenso interessante als lebenslustige Prinzessin war. Da ihr der steinreiche Prinz nur eine ganz bescheidene Apanage aussehte, die Dame aber sehr verschwen derisch mar, geriet sie in Schulden und dadurch in Verbindung mit allerlei Wucherern, die der Königstochter unter den„üblichen" Be dingungen Wechsel eskomptierten. So wurden von ihr im Juni 1897 fünf Wechsel im Gesamtbetrage von 575 000 Gulden begeben. Als diese Wechsel zur Zahlung kommen sollten, trugen sie zwei Unterschriften: nebst der der Prinzessin auch die ihrer Schwester, der Kronprinzessin- Witwe, die damals selbst in argen Geldnöten steckte. Es entstand der Verdacht— und zlvar entstand er wie auf Kommando des Prinzen Philipp, der sich natürlich seines Nebenbuhlers in der Gunst seiner Frau gern entledigt hätte— daß die Unterschriften gefälscht seien und über eine Anzeige der Geldgeber leitete die Wiener Staatsanwaltschaft die Untcrs»chu»g ein. Bevor sie aber z» einem entscheidenden Schritte gelangte, wurden die Wechsel vom Hause Koburg' bezahlt— allerdings erst nachdem König Leopold die Zahlung verweigert hatte und vom östreichischen Hofe auf den Prinzen ein Druck ausgeübt worden war. Trohdcni wurde Mattachich, der gerade im Begriffe war, zu feiner militärischen Dienstleistung einzurücken, in Agrom ver- haftet und vor ein Kriegsgericht gestellt. Das Kriegsgericht erkannte ihn der Fälschung beider Unterschriften schuldig— wohlgemerkt beider I— und verurteilte ihn wegen Betrug zu sechs Jahren schweren Kerkers, Degradation und SdelSverlust. DaS Urteil wurde am 22. Dezember 1808 gefällt und eine halbe Stunde nach der Kundwerdung wurde Mattachich in die militärische Strafanstalt Möllersdorf als gemeiner Verbrecher ab» geliefert. Diese» Urteil war nun unzweifelhaft falsch: Das hat die zweite Jlistanz, das Militär-Obergericht, s e l b st aus- drü cklich anerkannt. Ueber die von dem Verurteilten aus der Kcrkerzelle eingebrachte Revision— denn die Wohlthat eines Verteidigers kennt der östreichische Militär- Strafprozeß nicht— erkannte ein Jahr später daS zweite Gericht sivir setzen, um den Lesern einen vollen Einblick in die Mysterien der östreichischen militärischen Rechtsprechung zu gewähren. daS Urteil wörtlich her) folgendes: DaS k. und k. Militär- Obergericht hat nach auf Grund der Bitte des Verurteilten um Wiederaufnahme der Untersuchung vor- genommener Revtfion befunden: 1. DaS ivesentliche der That dahin richtigzustellen, beziehungSiv eise einzuschränken, daß der Untersuchte nur das Äccept Ihrer k. und k. Hoheit der durch- louchligsten Frau Kronprinzessin-Witlve Erz- Herzogin Stefanie auf den bezogenen sechs Wechseln gesälscht und die Kommissionsgeschäfts-Jnhaber Markus Spitzet und Friedrich Reicher um die Beträge von 875 000 Gulden, beziehungsiveije 200 000 Gulden nicht ge- schädigt hat, sondern schädigen wollte. 2. Hinsichtlich der beabsichtigten Schadenshöhe und der auf- gezählten strafbaren Handlungen es bei dem Urteil zu belassen, und 8. im übrigen das Urteil für gerechtfertigt e, k a u n t. Rotzenhof er, Feldmarschall- Lieutenant. Für jeden Zurechnungsfähigen ist es klar, daß das zweite Urteil etwas ganz andres sagt, als das erste. Wohl ist juristisch schon die Fälschung einer Unterschrift das Verbrechen, und die Schadens- absicht konnnt strafrechtlich der Schädigung gleich. Dagegen ver- ändert sich vollständig der Thatbestand, die Sachlage wird von Grund aus eine andre, wenn sich die Annahme, beide Unterschriften Ivären falsch gewesen, beide wären gefälscht ivorden, als hinfällig erweist. Die Vcrdachtgründe, aus denen auf die Fälschung beider Unterschriften geschloffen ivurde, konnten cinleuchtcndcrivcise nicht auch zu der Meinung führen, es sei eine Unterschrift gefälscht worden: im Gegenteil: Wenn Mattachich nicht beide Unterschriften gefälscht hatte— mit falschen Wechseln nicht geschwindelt hatte— so hat er keine Unterschrift gefälscht; die„Fälschung"— die Unterschrift der Kronprinzessin Witwe war nämlich thatsächlich falsch— mußte ein andrer vollzogen haben, und zlvar jemand, der ein Jntereffe daran hatte, die Einlösung der Wechsel, auS deren falscher Unterschrift ein großer Skandal drohte, sicherer zu machen. Trotzdem es also die juristische Logik gebot, das Urteil, dessen Voraussetzungen sich als falsch erwiesen hatten, zu kasfieren und eine neue Untersuchung und Verhandlung durchzuführen, trotzdem daS Gesetz ausdrücklich bestimmt. eine neue Untersuchung habe stattzufinden,„wenn neue hervorgekommene Umstände vernniteii lassen, daß dem Verurteilten ein Unrecht zugefügt worden sei"— was in der Sache wortlvörtlich zutraf— beließ es das Obergericht bei dem Urteil und auch die dritte Instanz. der oberste Militär-GerichtShof, ivieS das Begehren des Verurteilten ab. Mittlerweile hatte man die Prinzessin Luise in ein Irrenhaus gebracht, Mattachich also des Hauptzeugen beraubt— die Prinzessin, die jetzt in einer Anstalt in Dresden interniert ist, hatten Wiener Psychiater als vollständig normal bezeichnet, bi» sich endlich daS gefällige Gutachten«instellte, auf Grund dessen die Prinzesfin ent- mündigt wurde— und so war den Bedürfnissen deS Hauses Coburg Genüge gethan worden. Mattachich, der die Fälschung nicht verübt hatte, war verurteilt und sollte cS bleiben. Die Wahrscheinlichkeit, daß dem Oberlieutenant, besten größte» Verbrechen es war, der Geliebte einer Prinzessin gewesen zu sei». schweres Unrecht gethan worden ist, ergicbt sich aus den iveitcren Umständen dieser dunklen Affaire. Es beweist das eigentlich schon die Hartnäckigkeit dieser Verfolgung; man pflegt in Oestreich solche Affairen lieber zu vertuschen als zu verfolgen, und wenn Mattachich nicht vor ein geheimes Kriegsgericht hätte gestellt werden können, ivenn man ein öffentliches Verfahren hätte riskieren müssen, so wäre der Prozeß ivohl nie geführt worden. Die Wechsel rührten doch von der Prinzessin her, sie waren auch sämtlich und auf den letzten Heller bezahlt, eS war also niemand geschädigt worden und nach der Sachlage konnie auch niemand geschädigt werden: was soll also diese merkwürdige energische Versolgnng denn ver- ursacht haben, weuu nicht der Wiuisch, den unbequemen Günstling auS dem Wege zu räumen? Daß dies der Zweck war, geht auch daraus hervor, daß man Mattachich die Einstellung der Unter- suchung anbot, wenn er sich verpflichte, Oestreich zu verlassen— und daß er es ablehnte, zeugt wohl nicht für seine Schuld. Daß man den Wunsch hatte, dem Skandal jene? Ver- hältniffes unter allen Umständen ein Ende zu setzen, beiveist das merkwürdige Eingreifen des advokatorischen„Vertreters" des Prinzen Philipp, der, ob mit Recht oder Unrecht sei dahingestellt, als vom Kaiser bevollmächtigt auftrat, die Verhaftung des Mattachich veranlaßte und wohl auch den Richtern die verurteilende Ueber- zeugung suggerierte. Von den sechs Jahren hat daS Opfer der Coburgschen Kabinettsjustiz drei Jahre und acht Monate abgebüßt, die Begnadigung, die gestern vom ReichS-KriegSministerium erfolgte, darf wohl als das Eingeständnis erachtet werden, daß der gewesene Oberlieutenaunt zu Unrecht verurteilt worden ist. Es ist nämlich keine landläufige Begnadigung, die da aus- gesprochen wurde, sondern die Kenntnis von diesem militärischen Urteil und seinen sonderbaren Begleitumständen ist seit Jannar dieses JahreS der Oeffentlichkeit vermittelt worden, und das Urteil ist sowohl im Lbgeordnetenhause in Wien wie auch in Budapest energisch verurteilt worden und ist auch m der Delegation zur Sprache gekommen. Es lvar nämlich die„Lrbeiter-Zeitnng" in den Besitz der Akten gelangt und sie hat in mehreren Artikeln den Sach> verhalt der Oeffentlichkeit vorgelegt, worauf der Abg. D a s z y n s k i in einer sensationellen Rede die Sache im Abgeordnetenhause zur Sprache brachte. Auf die ernsten Vorwürfe, die das öffentliche Gewissen im ungewöhnlichen Maße erregten. wußte die Kriegsverwaltuug nur ein paar verlegene Ausreden zu stammeln: Di« Darstellung der„Arbeiter-Zeitung" sei eine„ein- seitige" l Wenn man sich also, trotz der socialden, akratischen Aktion, zu einer Begnadigung verstanden hat, so ist das, wie gesagt, der Durchbruch einer Erkenntnis, die außerhalb der militärischen Macht« Haber Gemeingut geworden ist: daß, teils aus Irrtum, teils aus böser Absicht, ei» Unschuldiger verurteilt worden war! Welcher Qualität sonst der Mann ist, der der Eoburgschen Rachsucht geopfert ward, ist gleichgültig; die Gerechtigkeit verbietet, jemand anders zu strafen, als nach dem Matze seiner Schuld. Und daS Recht ist eine Einheit; wenn immer es verletzt wird, es wird der Gesamtheit geraubt. Diese schwere Rechtsverletzung konnte nur auf dem Boden des östreichischen Militär-Strafprozesses verübt werden. Der militärische Strafprozeß, nach dem in Oestreich-Ungarn im 20. Jahrhundert judiziert ivird, ist die Theresianische peinliche Gerichts- ordnung vom— 31. Dezember 17SS: die Grundsätze dieses Rechtes stammen also, man kann nicht anders sagen, an» dem Mittelalter. In dem militärischen Verfahren giebt es keine Anklage, keine Verteidigung, ja bei der sogenannten Verhandlung ist der Be- chuldigte überhaupt nicht zugegen! Wohl lvird das Urteil von einem Richterkollegium gefällt, aber die Grundlage des Urteils: die Führung der Untersuchung, die Sichtung' der Thatsachen. die Feststellung des ThatbestandeS; all das, woran im Civil- Strafrechtsverfahren die verschiedensten Personen und Parteien mitivirken— daS ist im Militär-Strafverfahren einem einzigen Menschen überliefert und ausgeliefert— dem Auditor. Er führt ganz allein die Untersuchung und sein„schrift- licher Vortrag", da« berühmte votum informativrim, ist der ganze Inhalt der Verhandlung. Was im Civil- Strafverfahren durch die gemeinsame, einander ergänzende und kontrollierende Thätigkeit von Untersuchungsrichter und Vertreter deS Angeklagten, von Staatsanwalt und Verteidigung, was durch die lebendige, den Thatbestand auf- rollende Verhandlung, was durch die Kritik aller Verdachts- und Entlastiingsmomente zu tage gebracht wird, das soll in diesem militärischen Verfahren«in einziger Mensch leistenl Seit einem Menschenalter ertönt immer dringender die Fordernng nach Reform dieses grotesken, dem modernen RechtSbeivußtsein so fremden und unverständlichen Verfahrens, und noch ist auch nicht ein Entwurf zu erblicken I Die Enthüllungen über den frevlen Spruch des Agramer Kriegsgerichtes, die Erkenntnis, wie dieses geheime Ver- Expedition: sw 19. Bentft Strafte 3. Fernsprecher: Slint I. Nr. 5121. fahren die Möglichkeit zur schlimmsten Kabinettsjnstiz bietet, haben die Reform nun unabweisbar gemacht. Aber zur Belehrung für alle Staaten des modernen Militarismus mutzte über die Affaire Mattachich berichtet werden. Rolitifche Mebevfichk. Verlin. de» 29. August. Znm Fall Kugel wird uns geschrieben: Die politische Sache, wegen der die Frau Kugel unschnldig fast ein ganzes Jahr hat schwere Zelleuhaft ertragen müssen, ist nun ans der bekaiinteu Weise des geudarmischen Adniinistrativverfahrens'er- ledigt worden. Es handelt sich dabei um zwei junge Letten auS den b a l t i j ch e» P r o v i n z e n, die in der Nacht auf den 24. Juni vorigen Jahres beim Ucberschreiten der Grenze der Libaucr Gendarmerie in die Hände fielen: Sie waren von dem Führer für ein paar Geldstücke verkauft worden. Eine Anzahl Gendarmea und Geheimpolizisten hatte mehrere Tage auf der Lauer gelegen, denn man glaubte mit den beiden jungen Leuten einen guten Fang an Mitteilungen und Briefen an die baltische Organisation von den Gruppen im Auslande zu thim. Sie wurden mit Stricken gebunden und am selben Tage in das Gefängnis»ach L i e b a u ver« bracht. Bei einem von ihnen fand man einen kleinen Schlüssel, dev zu einem Koffer zu paffen schien, der in derselben Nacht mit Büchern und Zeitungen gefüllt an einer andren Stelle an der Grenze der Grenzwache in die Hände gefallen war. Sonst lagen kein» Beweise gegen die beiden Männer vor; auch der Schmuggler» der den Koffer hiuübergeschafft hatte. konnte nicht bezeugen,� daß er ihiieu gehöre. Die Gendarmerie ging nun daran, i ein größeres Belastungsmaterial herbeizuschaffen. Der Verräter, dem eine Stelle bei der Polizei versprochen wurde, log de»» Gendarmerie-Obersten Wonsjutzki den kunterbuntesten Uufiiin übevj angebliche Bücherdepots jenseits der Grenze vor. Dieser hatte schon lange nach einer größeren Campngne geschmachtet, die Rangerhöhung und Brustschmucl einbringen könnte; nun wollte er sein Glück ver- suchen. Nachdem er sich mit dem damals in Libau anwesende» Chef der Gendarmerie, dem Ministergehilfen Fürsten Swjatopolk-MirSki. verständigt hatte, ging er ans Werk. Die Ortschaften gegenüber Polau gen undKrettingen— Bajohren und Nimmersatt— winde» mit verkleideten Gendarme« iibcrfchwcmmt, die die Einwohner von Bajohren und Nimmersatt auszuschnüffeln und die Polizei zu verständigen hatten, wenn einer von ihnen über die russische Grenze ging. Man wollte eur für allemal die Bewohner der Grenzorte davon abschrecken, einig» Groschen mit dem Biicherschmuggel zu verdienen. Wie eS die Praxis der russische» Regierung ist, war eS ihr einerlei, an wen da« Exempel statuiert wird, die Hauptsache ist, daß fie Rache üben kann»! und wenn eS auch eine sechzigjährige alte Frau ist, die auf die Folterbank gespannt wird. Die Frau wurde in eine dumpfe Zell« gesteckt, und da sie in Liban keine Verwandte hat, von denen sie mit! Lebensmitteln hätte versorgt werden könne», mußte fie buchstäblich von Wasser und Brot leben. ES begann die übliche Jnquisttioub Das erste ist, den Eingekerkerten mürbe zu machen. DaS geschieht! so, daß man ihn vollständig isoliert: er hat weder Bücher, noch sieht er einen Menschen, man thut alS ob man ihn ganz ver» gesien hätte. So vergehen 6 bis 8 Wochen, eine Zeit, an die die»! jenigen, die sie durchgeinacht haben, mit Grauen denken. Räch diesen 6 bis 8 Wochen wird der Eiugekerkerte zum Verhör gerufen� steht man, daß er noch nicht willenlos und betäubt ist. dann wird er in die Zelle zurückgeschickt und er lauert dort auf seinem Schemel abermals Wochen und Monate. Auf solch« Art und Weis» sollte auch Frau Kugel gefügig gemacht werde». Da die alte Frau aber nicht die geringste Ahnung hatte, warum ei sich handelte, und sie das auch zu Protokoll gab, so ließ man sie in ihre Zelle zurück»� führen, sie möge sich dort noch iveitcr überlegen und dem Gefängnischef melden, wenn sie sich nicht mehr sträuben wolle; man Ivnrtete, und so saß die Frau in ihrer Zell» einen Monat nach dem andern. Als man schließlich einsehen mußte,. daß aus der ganzen Sache doch nichts herauszuschlagen war, wurde. man mit den beiden Angeschuldigten auch so fertig: der eine, Ernst Rolaivs, erhielt sechs Jahre Sibirien, der andre, JahniSKlawa, vier Jahre. Beide wurde» Ende Juli per Etappe nach dem Moskauer Centraigefängnis gebracht und von dort geht jetzt die Reise über Samara der Grenze Asiens zu. Frau Kugel wurde aber nach Hasenpot verbracht. wo das Gefängnis ein noch bei weitem erbärmlicheres ist als in Libau; sie mußte hier noch lange ivarten, bis sie»ach Deutschland entlassen wurde. Der Fall Kugel ist nicht der einzige, wo die Gendarmerie der Hafenstädte der baltischen Provinzen, Libau und Riga, deutsche Staatsangehörige überfallen haben auf den Verdacht hin, daß die Betreffenden verbotene Schriften mitgebracht hätten. Die Mannschaften der zwischen Stettin, Lübeck und Riga. Libau ver- kehrenden Dampfer können davon manche« erzählen. Im Jahre 1897 ist eS vorgekommen, daß der Gendarmerie-Oberst BasarewSki in Libau deutsche Schiffsleute auf offener Straße überfallen hat. Auch damals ist von den Eingekerkertender deutsche Koiisnl in Libau angerufen worden, mit demselben Erfolge, wie im Fall Kugel. Die Fest« genommenen saßen dort monatelang. Der Schreiber dieses lvar Augenzeuge, wie man mit ihnen umgegangen ist. Für einen Dolmetscher, der ihre Aussagen unparteiisch und ivahrheitsgetreu hätte iviedergeben können, war nicht gesorgt, die Uebertragung lag in den Händen des Gehilfe» des Gefängnischefs, eines gewissen Benkowski, dem die deutsche Sprache wohl nur vom Hörensagen bekannt war. Die Verhafteten zitterten über jedes Wort, das sie fallen ließen, denn sie waren nicht sicher, daß es nicht ver« reht wurde. Man drohte ihnen mit den nninenschlichsten Strafen, Ivcnn sie nicht nach dem Geschmack deS Obersten aussagten, jedes dritte Wort lvar„ S i b i r i e h",„10 Jahre Gefängnis" usw. Unter den Unglücklichen war auch ein alter Mann, der sich ein Stockwerk niedriger unter unsrer Zelle befand; ich hörte ihn oft nachts wie ein kleines Kind schluchzen. Sie wandten sich in ihrer Angst mit Bittschriften an den deutschen Botschafter in Peters- bürg, an die Prinzessin bon Oldenburg, selbst an die Kaiserin. Ob die Briefe an ihre Adressen gelangt sind? Immerhin dürfte der deutschen Regierung die Praxis der russischen Behörden nicht ganz unbekannt sein. Nur dadurch, daß Deutschland zu den früheren Wcgelagereien der russischen Behörden geschwiegen hat, hat sich die russische Regierung zu einer solchen Frechheit erdreisten können, wie sie sie bei der Gewaltthätigkeit gegenüber der greisen, schwachen Frau zu Tage gelegt hat._ Einkommeustntisttk und„Zukunftsstaat". ES ist»achgerade eine der beliebtesten Salonscherze geworden, die Unrichtigkeit des socialdemokralischcu Programms„statistisch zu beweisen". Wenn nun der offiziöse Herr Schwein bürg aus der Thatsache, daß im Jahre 1892 nur 8,15 Proz. der Bevölkerung PreufjenS mit einem Einkommen von mehr als 900 M. zur Einkommensteuer eingeschätzt worden sind, im Jahre 1901 aber 10,17 Proz., aus einen steigende» Wohlstand der Bevölkerung schlieft, so gehört das schließlich zu seinem Handwerk. Daß aber auch Herr Eugen Richter trotz seiner unbestreitbaren Kenntnisse auf finanzpolitische»! Gebiete in seiner »Freisinnigen Zeitung" den Schwindel niitmacht, kann ihm nicht zur Ehre gereichen. Die amtliche„Statistische Korrespondenz", die doch auch ein hervorragendes Interesse hat, die Entivicklung der Wirt- schaftlichen Verhältnisse in recht rosigem Lichte darzustellen, lvar bekanntlich immerhin gelvissenhaft genug, darans hinzuweisen, daß die größere Vervollkoninninng der Veranlagung die aufsteigende Richtung der untersten Einkommcnklassen lvenigsteiiZ zum Teil erkläre. Was übrig bleibt, wird durch die zunehmende Zahl der Erwerbs- thätigen und die steigenden Kosten der Lebenshaltung m i» d e st c» s auch wieder zum Teile aufgewogen. Der Bruchteil der Bevölkc- rung also, der die Hungergrcnze des Existenzminimums im letzten Jahrzehnt überschritten hat, muß bei einer kritischen Verwendung des vorliegenden Zahlenmaterials außerordentlich gering erscheinen. . Die„Freisinnige Zeitung" will nun aber in jener Einkonnncilsteuer- Statistik einen Beweis gegen die Behauptung des Erfurter Programms erkennen, daß die Zahl der Proletarier immer größer werde. Sie betrachtet den Proletarier offenbar als einen stenergesetzlich definier- baren Begriff. In Wirklichkeit aber ist er das natürlich nicht. Ebenso lvenig ist die Grenze des Existenzminimums ein für allemal festznsctzeii. Könnte beispielstveise eine Statistik allgemeine Geltung beanspruchen, die� der Fabrikiuspektor von Schlvabe» und Neuburg für Augsburg aufgestellt hat, derznfolge dort von 1893 bis 1900 die Preise aller Lebensmittel um 4— 20 Proz. gestiegen sind, dann mußte man das steuerfreie Existenzminimuni, das angeblich den Proletarier charaktcri- sieren soll, heute gleichfalls mn etwa 10 Proz. höher stellen als im Jahre 1892 Was aber Eugen Richter mit seinen untauglichen Mitteln, wenn sie tauglich wären, allenfalls beweisen könnte, das wird von der S o c i a l d e m o k r a t i e gar nicht in Abrede gestellt. Sie bezivcifelt nicht, daß eine verbesserte Lebenshaltung der Arbeiter- schast mich unter der kapitalistischen Herrschaft möglich ist und sich teilweise auch wirklich eingestellt hat. Trotzdem bleibt die Thatsache bestehen, daß noch immer die ungeheure Mehrheit der Bevölkerung unter der Hnngergrenze steht. Die„Freisinnige Zeitung" hat sich auch den Scherz geleistet, zu sagen, wie lvenig dabei herauskommen würde. wenn man„alles teilte". Wenn nian den Leute» mit mehr als 3000 M. Einkommen alles nähme, was über 3000 M. hinausgeht, so würde dabei jede Familie„nur" 270 M. jährlich profilicren. Herr Richter, der offenbar vor dem„Teilen" noch immer Angst hat, findet eine solche Verbesserung nicht der Rede wert. Denn' sie bedeute„mir" eine Lohnerhöhung von 10 Proz. für die Arbeitsstunde. Da aber der„socialdcmokratische Zukunftsstaat" ei» geringeres Gesamt- einkommen haben Ivürde, da ja„mit dein Fortfall des Anreizes, eine Lebenshaltung mit mehr als 3000 M. zu erreichen", die An- spaniiiing der Kräfte nachlassen Ivürde, würde auch diese Verbesserung in Wegfall kommen, Wenn man sich schon mit Herrn Richter in seiner socialpolitischen Kindersprnche unterhalten will, so mag der HimveiS darauf ge» nügen, daß 95,70 Prozent der Bevölkerung bislang ein Einkommen unter 3000 M. haben, daß für etwa 80 Proz. von ihnen ein Ein- kommen von mehr als 3000 M. eine vollkommen utopische Vor- stcllung ist, daß etwa 70 Proz. der Bevölkerung direkt inS Narren- Hans gesperrt werden müßten, fühlten sie„den Anreiz, eine LebenS- Haltung von mehr als 3000 M. zu erreichen". Selbst jene Krone aller Unsinnigkeiten also, Richters socialistischer Zukunftsstaat, würde für die ungeheure Masse der Bevölkerung immer»och gegenüber den heutigen Verhältnissen einen ansehnlichen Profit bedeute».' Vergebens versucht man ans der Phantasie ein Bild zu konstruieren, welches an Kläglichkeit jenes überböte, das uns von der gerühmten Ein- kommenstalistik geliefert wird l— Die Flcischnot. Auch in Berlin ist ein fortdauernder Rückgang des Fleischkonsums festgestellt, Die Schlachtungen in den öffentlichen Schlachthäusern des städtischen Schlachthofs sind in den letzte» 12 Monaten nnniiter- brachen znriilkgegangen, während sie s o n st in den letzten Jahren entsprechend der wachsenden Bevölkerung regelmäßig von Monat zu Monat zn steigen Pflegte». Die Gesamtzahl der im Monat Juli dieses Jahres geschlachteten Thierc betrug auf den» städtischen Schlachthofe nur 127 247 Stück, gegen 132 357 Stück im Monat Juli 1901 mithin ällv Stiilk weniger. Im Monat August haben die Schlachtungen weiter abgenommen. Auch der amtliche Bericht über das Veterinärwesen im König- reich Sachse» giebt die Abnahme der Schweine- schlachtungen um mehr als fünf Prozent gegen das Vorjahr zu und bedauert diese Thatsache mit Rücksicht auf die Volksernährung. Der amtliche Berichterstatter erklärt ausdrücklich, daß bei dem Auftreten ähnlicher Erscheinungen im ganzen Reiche die Ursache derselben nnr auf einen Mangel an geeigneten Schlachtschweinen zurückzuführen sei. In Dresden erließ gestern die Fleischerinnung im schütz- zöllnerischen Antisemiteublatt eine Bekanntmachung, wonach sie die Fleischpreise erhöhen mutz. Aus Düsseldorf wird uns geschrieben: Zur Flcischteueruug hielt die hiesige F l e i s ch e r- I n n u» g eine Versammlung ab. in welcher beschlossen wurde, das Publikum über die Erhöhung der Fleischpreise, die durch den derzeitigen Stand der Viehpreise ver- ursacht sei, in zweckentsprechender Weise aufzuklären. Ein eiuheit- liches Vorgehen bezüglich der Festsetzung der Fleischpreise wurde nicht gutgeheißen, vielmehr soll es bis auf weiteres jedem Metzgermeister überlassen bleiben, nach eignem Ermessen zu handeln. Was die Viehpreise aulangt, so halten sich dieselben seit Jahren auf einer ganz außerordentlichen Höhe. Die verschärften Einfuhrbedingungen, welche mit dem Jukrasttreten des neuen Fleischbcschau-Gesetzes vom 1. Oktober ab Geltung haben werden, dürften zudem die Düsseldorfer Fleischpreise noch weiter beein- f l u s s e n. da hierdurch die Einfuhr holländischen Fleisches erschwert werden wird. Aus Offenbach a. M. wird uns berichtet: Die hiesige Stadt- verordneten- Versammlung nahm am Donnerstagabend ein- stimmig einen Antrag des Genoffen Orb an: Der Ober-Bürger- meister wird namens der Stadtvertretung beauftragt, bei der hessischen Regierung vor st ellig zu werden, daß diese beim Bundesrat den Antrag auf Aufhebung der Grenz- sperre auf Schlachtvieh stellt und um Beschleunigung dieser An- gelegenheit ersucht. Zugleich kündigte der Antragsteller an, demnächst einen Antrag auf Außerkraftsetzung des Oktrois auf Schlacht- Vieh ec. einzubringen, weshalb die Bürgermeisterei eine Be- rechnung des Ausfalles dieser Einnahmeposten vornehmen möge.— Auf Dienstag, den 2. September, ist hier eine öffentliche Volksversammlung anberaumt, in der die Fleischuot und ihre Ursachen zur Besprechung steht! Wie sehr sich diese Fleischnot gerade auch hier fühlbar macht, zeigt der Preis für Schweinefleisch, der jetzt schon seit über acht Tagen 90 Pf. pro Pfund beträgt. In Frankfurt a. M. beschloß eine stark besuchte ö f f e n t- liche Versamnilung nach einem Referat des Reichstags- Abgeordneten Hoch einstimmig eine entschiedene Protestresolution gegen die Erhöhung der Fleischpreise und ersuchte die Abgeordneten. i m R e i ch S t a g e für Aufhebung der Grenzsperre und Beseitigung der Viehzölle einzutreten. AuS Stuttgart wird uns telegraphiert: Im Gemeinderat beantragten die socialdemokratischen Vertreter, die Stadtverwaltung solle in kürzester Zeit Maßnahmen gegen die ganz erheblicheSteigerung derFleischpreise treffen und durch den Einfluß der Landesregierung auf den Bundesrat dahin wirken, daß die Grenzabsperrung für Vieheinfuhr aufgehoben werde. Die württeinbergischen Städte sollen unter Stuttgarts Führung sich de» Bestrebungen andrer Städte anschließen. DerOberbürgermeister Gautz erwiderte, er halte es für eine Aufgabe der Stadtverivaltung, für die Versorgung der Einwohnerschaft mit Lebensmitteln ein- zutreten. Er halte eS aber für wünschenswert, ans Grund der Er- Hebungen deS Statistischen Amts, die ihrem Abschluß nahe seien, sorgfältig fundierte Einwände gegen den Widerstand in Berlin vorzubereiten. Ein gleichartiges Vorgehe» der socialdemokratischen Gemeinderats- Mitglieder wird aus München gemeldet. Kalajcw. Die Ueberantwortung des Studenten Kalajcw an die russischen Henkersknechte setzt allgemach alle offiziösen Feder» in Bewegung. Auch die Mllnchener„Allgelueiue Zeitung" unternimmt in einem längeren Artikel eines Berliner Korrespondenten den Versuch einer Verteidigung der preußischen Regierung. Dieser Versuch beschränkt sich aber auch hier nur auf wahrhaft kindische Verdrehungsmanöver. Der OsfiziosuS sagt: „Zunächst ivird die Sache so dargestellt, daß der flüchtige Leser den Eindruck empfangen muß, als ob Kalajew sich nicht nach deutschem, sondern nur nach russischem Gesetz st r a f b a r gemacht habe. Das ist falsch. Wäre Kalajew nicht Nüsse, sondern deutscher Reichsa n gehöriger gc- Wesen, so wäre genau ebenso das Strafverfahren gegen ihn eingeleitet worden, une es jetzt geschehen ist. Der Unterschied besteht nur darin, daß die Staatsanwallschaft deni Ausländer gegenüber von dem Recht Gebrauch machte, das Material der Untersuchung, sobald sich der Verdacht hinreichend bestätigt hatte, der Landespolizeibehörde zn übergeben, die sodann die Ausweisung verfügte." Der unsinnigste Unsinn wird herbcigctragen, um die Aus« liefcnmg zn beschönige». Hätte Kalajeiv sich einer nach deutschem Gesetz strafbaren Handlung schuldig gemacht, so mußte ihn die Staatsanwaltschaft in Anklage versetzen lind dem deutschen Gericht die Aburteilung zuweise», auch wenn der Beschuldigte nicht Reichsangehörigcr, sondern Ausländer wäre. Und jedenfalls würde eS für Kalajew. wenn er nach deutsche»! Gesetz strafbar wäre, ivcit günstiger gewesen sei», im deutschen Strafprozeß und nach dem deutschen Strafgesetzbuch verhandelt zn werden, als der russischen Willkür und blutdürstigen Grausamkeit zn verfallen. Die„ANgenieiue Zeitung" erklärt weiter, die Auslieferung KalajcwZ sei gerechtfertigt auf Grund der Abmachniigen, welche die Regierungen unter einander getroffen hätten zum Schutz gegen anarchistische Attentate. Nur eine Publizistik, die jede Empfindung für die Ehre ihres Berufs verloren, vermag die Bc- kämpfer des russischen Absolutismus auf eine Stufe zu stellen mit Individuen, die in parlamentarisch regierten Ländern wahnwitzige Unthaten an gleichgültigen und politisch schuldlosen Personen ver- richten. Aber Kalajew ist überhaupt nicht„Anarchist", sondern russisch-polnischer Socialist. Er hatte, lvie neuerdings der„BreSl. Volkswacht" bekannt wird, focialistifche Schriften in polnischer und rnfsischer Sprache bei sich, als er verhaftet wurde. Der „A n a r ch i s n! u s" des Studenten wurde„erwiesen", indem der von der prrnßischcn Polizei herbeigeholte rnssische Gendarmerie- kapit仄begutachtete", daß die beschlagnahmten Schriften„staatS- gefährlich(für Rußland!) und anarchistisch" seien, und auf Grund diese? klassischen Zeugnisses wurde die Auslieferung durchgeführt. Die Ab- scheulichkcit des Verfahrens zeigt sich um so erschreckender, je mehr alle Einzelheiten desselben bekannt werde». Es ist auch auf die besonderen Ortsverhältnisse hinzu- weise», in denen der Schergendienst für die heilige Knute verrichtet wurde; eS wird hierüber berichtet: Wer die Ortsverhältnisse in Myslowitz kennt, der weiß, wie eigenartig sich eine„Ausweisung nach Rußland' gestalten niuß. Myslowitz liegt an der Dreikaiserecke, übrigens der einzigen Stelle in der Welt, wo an einem Punkte drei Kaiserreiche zusammentreffen. Vom MySlo witzer PolizeigefäugniS beträgt die Entfernung nach Ocstreich und nach Rußland je zehn Minuten. Tirse zehn Minuten nach Ocstreich über de» Bahndamm sich eventuell n>it Polizeibcamte» zu be- geben, ist dem Studenten Kalajcw verwehrt worden. Nach Rußland getaugt nian von Myslowitz nur über die große Przemsa- briickc, da der Przemsafluß die Grenze bildet. Au dieser Brücke steht die russische Grenzivache, der Eintritt in das Land ist nur gegen Vorzeigung eines PaffeS möglich, die Ausweisung nach Rußland kann daher nur erfolgt sein, indem Kalajew der Grenz- wache übergeben wurde. Das nennt mau niit feiner Unter- scheidung Ausweisung nach Rußland und leugnet eine Aus- liefernng an Rußland ab.— DaS Zollspiel, in dem Regierung und Ueberzöllner mit ver- teilten Rollen thätig sind, dauert auch in der jetzigen Pause der parlamentarische» Berntungen fort. Eine Korrespondenz verbreitet über die Stimmung, die bezüglich deS Zolltarifs in der Regierung herrschen solle, folgendes: „Im Schöße der verbündeten Regicning soll die Hoff» nung so gut wie aufgegeben sein, daß aus dem Labyrinth des Zolltarifs ein geeigneter Weg zur Abschlietznng brauchbarer Handelsverträge führen werde. Gewinnt diese pessimistische Auffassung aber noch mehr Oberlvasser, dann schwindet auch bei der Regierungsseite die Lust zu Konzessionen an die Kommissionsmehrheit. Trotzdem wird freilich regierungs- feitig auf der Durchberatung des Entwurfs in der Kommission und im Plenum deS Reichstags bestanden werden. Graf Bülow, Graf Posadowsky erhalten eben die gewünschte Quittung, daß mit diesem Reichstage der Zolltarif nicht fertigzustellen ist. Auf Grund deS bisherigen neiieir Entwurfs wird in Uuterhandluiigen mit den andren Ver- tragsstaaten eingetreten werden." Durch solche Note sollen die Agrarier znr Nachgiebigkeit ge- drängt werden. Man sagt ihnen: Wenn ihr nicht nachgebt, so kommt der Tarif überhaupt nicht zu stände und die Landwirtschaft hat das Nachsehen. Die Agrarier wiederum, das Centruin sowie die Konservativen, spielen andauernd die ehern Unentwegten und fordern, daß die Regierung den überzöllnerischcn Forderungen weichen solle, sonst verliere sie alles Vertrauen bei der„Landwirtschaft" und die Stellung des Grafen Bülow werde erschüttert. So sucht mau sich gegenseitig zu bedrohen und man droht so heftig, daß man fast vergißt, daß nur Theater gespielt wird?— Zollkrieg ans der Centrnmöparade. Die heftige Gänmg, die sich innerhalb der christlichen Gewerk« vereinler gegen die Zollwucher-Politik bemerkbar macht und die schon in zahlreichen Versammlungen und Zeitungsartikeln explodierte, ver- riet in der Dounerstagsitzung der Generalversammlung der Katholiken Deutschlands auch eine Auseinandersetzung, die sich zwischen dem Arbeitersckretär Giesberts und dem bayrischen Centrunis- agrarier D r. H e i m abspielte. Zu einem längeren rednerischen Klingenkreuzen kam es freilich nicht, da die Geschäftsordnungs- guillotine einer„Debatte in dieser Form" jäh ein Ende bereitete. Allein das kurze Wetterleuchten wirkte auch so in der stickigen Atmosphäre der nur durch krampfhafte Kalauer für Augenblicke stimulierten schläfrigen Versammlung aufrüttelnd genug. Es handelte sich um die Erörterung des Themas„Arbeits« l o s i g k e i t", zu dem folgender, von einem Ausschuß empfohlener Antrag vorlag: „Die Generalversammlung lenkt die Aufmerksamkeit der katho- lischen Socialpolitiker auf die infolge des Niederganges der Industrie neuerdings wiederum eingetretene Arbeitslosigkeit, die zu einer bedauernswerten Beglett- erscheinung der industriellen Eittwicklung geworden ist. Als Mittel und Wege zur Verhütung der Arbeitslosigkeit wie zur Milderung ihrer harten Folgen sind vor allem zu empfehlen der Ausbau desArbeitsvermittelungstvesens, dieVerkürzung der Arbeitszeit an Stelle von Arbeiterentlassungen; ferner Bereitstellung von Mitteln zur Ausführung von N o t st a nd s a r b e'i t e n durch staatliche und kommunale Verwaltungsbehörden. Des weiteren find, um den un« verschuldet arbeitslosen Arbeiter vor den Folgen der Arbeits- losigkeit thunlichst zu schützen, Institutionen zu schaffen, unter Heranziehung von Arbeitern und Arbeit» gebern, Staat und Gemeinden, welche dem Arbeiter die Möglichkeit bieten, sich durch Ver« sichern n g gegen die Folgen der Arbeitslosig« k e i t zu schützen." Dieser Resolution wollte Dr. Heim noch ein agrarisches, die Zöllncrpolitik des Centrunis sanktionierendes und anfeuernde? Schwänzchen folgenden Inhalts angefügt haben: „Gleichzeitig bringt die Versammlung zum Ausdruck, daß sie in einer kräftige»Abhilfe der traurigen Lage der Landwirtschaft eins der besten Milte! erblickt, um die Ab- Wanderung ländlicher Arbeitskraft nach den Städten und Jndustriecentren und der daraus folgenden Arbeitskoukurreuz zu vermindern.' Weniger gegen diese» Zusatzantrag selbst als gegen deffen Be« gründung im verschlviegencu Schöße des vorberatenden AuSschuffeS, der, wie Dr. Heim erklärte, auch diesen Antrag gebilligt habe, wendete sich niit einer auf den Centrnmsparaden bisher wahrschein« lich unerhörten Schärfe der Kölner Arbcitersekretär G i e S b e rt s, der ausführte: „Ich bin nicht grundsätzlich gegen den Znsatzantrag, ich bin aber der Ansicht, daß er nicht an diese Stelle gehört. Deshalb ersuche ich, den Z u s a tz a n t r a g abzulehnen. Es sind gestern im Ausschuß einige Aeußerungen gefallen, die ich wegen derKü rze der Zeit nicht mehr zurückweisen konnte, ich fühle mich aber genötigt, dies hier nachzuholen. ES ist gesagt worden: die A r b e i t e r fahren, wenn sie Geld ver« dienen in D r o s ch k e n. Ich bemerke: die Maurergesellen sind ebenso berechtigt, für ihr Geld Droschke zu fahren, wie die sekttriuken den Agrarier.(Ver» einzeltes Bravo). Es ist ferner im Ausschuß gesagt worden: der A r b e i t e r h a i k e i n R e ch t a n f A r b e i t. Ich muß alS Arbeiter dagegen P r o t e st erheben. Soll der Arbeiter bloß die Pflicht zur Arbeit haben und wenn er keine Arbeit hat, das Recht zu verhungern? Ich bedauere die erwähnten Aeußerungen, die ich als Arbeiter nicht unwidersprochen lassen kann."(Vereinzelter Beifall.) Auch der Vorsitzende des christlichen Bergarbeiter- Verbandes, August Brust(Altenessen), erklärte: „Ich schließe mich den Ausführungen meine? Freundes Gisberis vollständig an und muß eben- falls ersuchen, den Znsatzautrag des Dr. Heim, schon der Form wegen, abzulehnen. Der Zusatzantrag paßt jedenfalls nicht zum Thema der Arbeitslosigkeit. Wenn die Landwirtschaft den Arbeiter m an gel bekämpfen will, dannthut sie am besten, daß sie ihre Arbeiter auskömmlich bezahlt."(Vereinzelter Beifall.) Der Znsatzantrag des Dr. Heim gelangte trotzdem gegen etwa zehn S t i m m c n zur Annahme. Diese Episode, so belanglos sie an sich erscheinen möchte, der- dient immerhin Beachtnug. Auf der Versammlung selbst soll sie geradezu Sensation erregt haben. Dr. Heim soll über den Wider- sprnch aufs höchste erregt gewesen und nur mit M ü h e z u beruhigen gewesen sein. Schließlich soll man ihn sogar aus dem Saale haben geleiten müssen, so war dem Manne die Tonart der Erklärungen der Arbeiterverlretcr auf die Nerven gefallen. Offenbar glaubte er sich in den Reichstag und social« demokratischen Gegnern gegenüber versetzt. Und wie ihm mag es einem großen Teil der hochlvnrdigen Bersaminlung gegangen sein, denen mit einemmal die Augen darüber aufgingen. daß sie in den christlichen Gcwerkschafts-Orgauisationen möglicherweise eine Schlange an ihren: Busen großziehen. Die Herren Giesberts und Brust selbst wendeten sich nicht priucipiell gegen den Antrag. Wenn sie ihn trotzdem so ent- 'chieden bekämpfen zu müssen glaubten, so verrät das die Furcht vor ihren Auftraggebern, der M a s s e der christlichen Gewerk- V e r e i n I e r. Diese Furcht zwang sie, formale Gründe vorzu- 'chieben, um den Znsatzautrag bekämpfen zu können. Um die Schwächlichkeit dieses Standpunltes zu verdecken, ergingen sie sich in umso schärferen Ausführungen gegen allerlei Aeußerungen in der AnSschußsitzuug, die allerdings alleS eher als Verständnis für auch nnr die elementarsten Forderungen der Arbeiterklasse verraten haben müssen. Interessant ist dabei. daß in der Ansschnßsitznng den Vertretern der christlichen Gewerk- vereine e b e n s o w e u i g eine genügende Redefreiheit gewährt wurde, wie in dem Plenum der Versamnilung. wo man den GiesbertS und Brust einfach das Wort abschnitt und wo sie durch die pfäffisch-agrarische Majorität einfach glatt»iedergestininit wurden. Wir sind weit davon entfernt, die in der Sache schwächliche, wenn auch in der Form kräftige Opposition gegen den Zollwncher und die Arbeiterschädigung des Centrnms zu überschätzen. Aber daß die GicSberts und Brust dem Kalholikcntag ein solches Aergeinis bereiten mußten, beiveist, wo die Achillesverse des Centrunis liegt und wo die Hebel unsrer Agitation angelegt werden können.— Weitere Suhuopfcr der TueNfeier. Aus Gumbinnen wird gcnieldet: Die Vorgesetzleu der gemuhregclten Offiziere, der vi e e, r in c» t s l o»i in a u d e u r O b e r st l i e u t e n a n t W e i tz und Major Dieckerhoff, sind ersucht worden, ihr Abschieds- Ocfuch einzureichen, was auch sofort geschehen ist. . Wenn es richlig ist. daß der Oderstlieutenant und der Major persönlich gänzlich unbeteiligt an der Duellfcier geivesen sind, wenn die Maßregelung sie nur trifft, iveil in ihren, Truppenteil die Duell- Verherrlichung fiir Lieutenant Hildebrand geschah, so kann ihre Ver- absrhiednng gerade von denen nicht gebilligt werden, die das Duell und die Dnellverherrlichung am rücksichtslosesten verwerfen. Es scheint nun bei einer oberen Militärinstauz ein Akt Maß- r e g e l n n g s w n t bchuss Beschwichtigung der erregten öffentlichen Meinung ausgebrochen zu sein. Anstatt aber unbeteiligte Truppen- siihrer ans Bolkeskosten zu pensionieren, sollte die Militärbehörde ihre Verantwortlichkeit für Begnadigungen von Duellanten schärfen!— Löhning. Zur Löhuing-Affaire geht eine Mitteilung offiziösen Ursprungs durch die Presse. Herr v.' R h e i n b a I> e n ist von der Ltcisc zurückgekehrt und hat befunden, daß der Oberpräsident v. Bitter Oberpräsidcnt in Posen bleiben soll. Herr v. Bitter ist also offenbar trotz seiner Aeußerung, daß die Poleupolitik dem Stcucrdirektor Löhning nicht den Hals brechen könne, als hinreichend polcnhatztüchtig befunden worden. Auf den Vorwurf der Unwahrheit, den Herr Löhning gegen ihn erhoben, verharrt der Minister auch nach der Ferien- kräfliguug in Schweigen.— 114 Schritt in der Minute. Man meldet:.Die Schritt- probe für die am Sonnabend stattfindende Parade wurde am Donncrstagnachmittag von 3 Uhr ab auf dem Tempelhofer Felde abgehalten. Unter Leitung eines Adjutanten vom Generalkommando wurde der Marsch mit 114 Schritt in der Minute eingeübt. Dies geschah zunächst brigadeweise, dann vor der einsamen Pappel in der Gesamtheit." Welche Zeit ivird durch diesen ganz überflüssigen Drill vergeudet! Seit wieviel Wochen mögen die Regimenter, Bataillone und Com- pagnien diesen Parademarsch— 114 Schritt in der Minute— im Schweiße ihres Angesichts geübt haben. Die Dienstzeit muß doch ausgefüllt werden. Ob man auch in dem Tempo von 114 Schritt in der Minute gegen den Feind anrücken wird? Oder ob man einmal in diesem stoischen Heldenschritt den Rückzug antreten Ivird? Was lehrt der Boerenkrieg Z Parademarsch, 114 Schritt in der Minute!— Die BiSmarck-Begcistcrnng, die nur bis au den— Geld- beule! geht und über die wir eben nach dem„Hamb. Fremdcnbl." ein erhebendes Exempel berichten konnten, zeigt sich ebenso drastisch auch anderswo, soweit solche„Interna" überhaupt an die Oeffcntlich- keit kommen. So wird uns aus Erfurt berichtet, daß der dortige Bismarck säulen- Verein seine Bismarck-Begeistcrung sogar so weit treiben wollte, an die Stadt Erfurt seine— Schulden zu verschenken. Der genannte Verein hatte, mit großen, Tamtam natürlich, Erfurt auch mit so einer Bismarck- Säule beschenken wollen, es auch so weit fertig bekommen.— mir schade, daß er noch 2500 M. Schulden von dem Bau halte. Vor kurzem drängte eS nun und er wollte den ganzen Krempel mit den— Schulden, wie gesagt, der Stadt Erfurt„schenken". Die Stadtverwaltung ist aber so vernünftig, nur schuldenfreie Geschenke zu acccptieren und hat das naive Ansinnen daher vorerst dankend abgewiesen, bis die besagten 2500 M. Schulden getilgt sind. Für diese 2500 M. wird jetzt mit den patriotischtcn Gründen be- sonders bei den Erfurter Handwerkern geschnorrt. Es kann lange dauern, bis sie zusammen sind und die Bismarck-Bcgeisterimg befreit von den engenden Schuldfesseln wieder ungehemmt dahin- fluten kann.— Weimar, 28. August.(Eig. Ber.) Eine ganz u n g e w ö h n- l i ch e Erregung hat die hiesige Lehrerschaft ergriffen. Seit langem find hier die Lehrer und in allererster Linie natürlich die Volksschullchrer derart überbürdet durch die wachsende Schüler- zahl, wie kaum wo anders im Großberzogtum, obwohl in ihn, überall die Lehrerzahl zurückgeht und die Schülerzahl enonn wächst. Jetzt hatten endlich der Genicindevorstand und Volksschnlvorstand ein Ein- sehen und hatten bei der Regierung die Zuweisung zweier neuer Lehrer zum 1. Oktober beantragt. Weit gefehlt, daß die Regierung auf dies billige Verlangen irgendwie einging, ist sie gerade entgegengesetzt vorgegangen! Sie hat angeordnet, daß vom 1. Okiober ab die V o l k s s ch u l l e h r e r der Stadt wöchentlich zwei Unterrichtsstunde» mehr zu geben haben, und daß die durchschnittliche Stundenzahl, die jeder Bürgerschullehrer wöchentlich unterrichten muß. auf 29 Stunden erhöht wird. Diese Anordnung soll aber noch dazu nicht eine vorübergehende, sondern eine dauernde sein und die Lehrer sollen fiir diese Mehrleistung auch keine Entschädigung erhalten! Und das alles lediglich aus Sparsamkeitsrücksichten, weil für die Schulen im Staate Goethes und Schillers kein Geld mehr da ist! Die Lehrer Weimars zeigen nun aber erfreulicherweise diesem rigorosen Vorgehen gegenüber einiges Rückgrat. Sie haben zunächst in einer gemeinsamen, wohlbcgriindcten Denk- s ch r i f t an die Regierung unterm 15. d. M. sich gegen diese Anordnung energisch ausgesprochen und eine Menge pädagogische und hygienische Gründe dagegen geltend gemacht. Dem Schul- in s p e k t o r gegenüber haben sie sodann jede Verhandlung über eine Aenderung des Stundenplans, die durch Bcstehenbleiben der neuen Anordnungen der Regierung notwendig ist, ab- gelehnt, bis auf die überreichte Denkschrift eine Antwort der Regierung eingetroffen sei.— Ueber ein russisches Tcrroristcnkoinitce, auf dessen„Auftrag" hin das Attentat auf den Gouverneur von Charkow unternommen worden sei, wurden in der Presse in den letzten Tagen eingehende Berichte verbreitet. Ein„Angenzenge" gab z. B. nicht nur eine ganz genaue Schilderung der Vorgänge des Attentates, sondern auch über das Verhör des Verhafteten, das doch sicher unter Ausschluß der Oeffentlichkeit stattgefunden hat, wurden bis ins kleinste detaillierte Angaben gemacht. Wir haben von diesen Berichten keine Notiz genommen, weil sie uns zu deutlich den Stempel der Uiiwahr- schcinlichkeit zu tragen schienen. Wenn ein terboristisches Komitee existiert, in dessen Änftrag politische Attentate in Rußland vollführt werden, so wird dasselbe sorgfältig vermeiden, sich durch Verbreitung derartiger Seniationsberichte in ein äußerst zweifelhaftes Licht zu fetzen. Auslattd. Schweiz. Die Nenwahle» i» Ruficrsihl. Zürich, 28. August. sEig. Ber.) Die auf nächsten Sonntag für Anßcrsihl angesetzten Neuwahlen finde» unter ganz außerordentlichen Umständen statt. Die bürgerlichen Gegner sind»nmlich ganz feige und mutlos geworden, der durch die Kassation der 27 socialdemo- kratischen Wahlen vom Kantonsrat ihnen zuliebe ausgeführte Gewaltstreich hat nicht ihren Kampfesmut gehoben und ihre Sieges- zuversicht bestärkt, sondern das Centrailomitee der Anßersihler Bürgerlichen zu dem verzweifelten Entschlüsse geführt. Wahl- en»Haltung zu proklamieren und den Socialdcmokraten nnthätig den Kampsplatz zu überlassen. Genau gesprochen, hat natürlich nicht die Kassation diese unerwartete Wirkung' vei den Bürgerlichen hervor- gerufen, sondern die ob des Gewaltstreiches entstandene empörte Stimmung der gesamten Arbeiterschaft, die riesigen Protest- Versammlungen derselben»nd ihre eiserne Entschloffenheit, am LI. August die elenden gewaltthatigen Gegner derart in die Pfanne zu hauen, daß sie nicht mehr an ein Wiederkommen denken. Die kantonsrätlichen Staatsstreichler und ihre Anßersihler Anstiftet haben sich in Bezug auf die psychologische Wirkung auf die Arbeiterschaft gründlich geirrt; sie hatten offenbar eine„zerschmetternde" Wirkung erwartet, aber nun ist das Gegenteil eingetreten— zerschmettert, mutlos und feige find die„siegreichen Staatsstreichler", kampfgerüstet und fiegesfroh die brutal vergewaltigten Arbeiter. Das genannte Central- komitee begründete seinen feigen Rückzug mit zwei Protesten, einmal gegen den angeblichen Mangel an„geeigneten" Maßnahmen bei der Reuwahl durch die Behörden und sodann gegen die Ansehung der Neuwahl auf den 31. August, sie hätte später stattfinden sollen. Beide Proteste sind unberechtigt, denn in der That hat der Züricher Stadtrat seinen Parteigenossen zuliebe Maßnahmen getroffen, die in schroffstem Widerspruch zum Gesetz stehen und andrerseits mußte man ja meinen, daß die Radaumacher und Staatöstreichler längst ihre Vorbereitungen für eine Neuwahl getroffen hätten. Oder hatten sie gar nicht auf einen Erfolg ihres Schwindelrekurses gehofft und waren von dem Staatsstreich des KantonSrates überrascht? Die Versamm- lung der Bürgerlichen hat nun aber Wahlbeteiligung beschlossen, aber nur mit 12 Kandidaten, da 15 eine nochmalige Kandidatur ab- lehnten, also Deroute bei den„Siegern". Die Socialdemokraten notieren wiederum ihre 27 Kandidaten und sie werden siegen.— Rustlaud. Ueber den Notstand unter Jndnstric-Arbeitcrn berichtet die „Kreuz-Zeitung": Aus dem Gouvernement Nowgorod vernimmt man schlimme Nachrichten über die Notlage der Bevölkerung als Folge einer starken wirtschaftlichen Krisis. Eine Anzahl Fabriken hat ihre Thätigkeit einstellen müssen, und andre stehen im Betriff, es zu thun. Infolgedessen sind eine Menge Arberter erwerbslos geworden und befinden sich in großer Not. Schon gleich nach Ostern wurden in mehreren Fabriken Hunderte entlasse» und das hat sich nicht nur fortgesetzt, sondern wird noch mindestens bis zum Schluß des Jahres dauern. Es sind Tausrnde, die auf diese Weise brotlos geworden sind. Die Gesamtzahl wird mit Frauen und Kindern,' die allerdings nicht alle in der Fabrik arbeiten, auf über 20000 Personen geschätzt. Die meisten von ihnen besitzen keine Land- anteile, sie suchten ihren Erwerb nur in den Fabriken. Die Gouvernementslandschaft hat sich mit dieser Frage in einer mir zu diesem Zweck einberufenen Versammlung beschäftigt, ist aber zu keinem rechte» Ergebnis gelangt. Um das Elend der Arbeitslosigkeit zu mildern, will man öffentliche Arbeiten in den betreffenden Kreisen einrichten, aber dazu sind bedeutende Mittel erforderlich, und über die verfügt die Landschaft jedenfalls nicht. Man hat sich deshalb zunächst an die Regierung gewandt und um 150 000 Rubel gebeten, mit denen mau für den Anfang etwas unternehmen zu können glaubt. Leider ist es nicht sehr wahrscheinlich, daß die Landschaft beim gegenwärtigen Geld- Mangel und der ohnehin starken Inanspruchnahme des Staatsschatzes diese Summe erhält. Das Elend, welches in Rußland herrscht, äußert sich auf den verschiedensten Gebieten.— Amerika. Eine EntschciduugSschlacht soll wieder einmal in Venezuela bevorstehen. Nach einem Telegramm der„Frankfurter Zeitung" aus New Dork gilt eine entscheidende Schlacht zwischen der Armee C a st r o s und den Revolutionären als bevorstehend, da beide Teile unweit von O c u m b r o stehen.— Gänzlich unberechtigte Vorwürfe erhebt Genosse Helphand in wiederholten Artikeln seiner Korrespondenz siir Parteiblätter gegen die socialdemokra tische Reichstag sfraktion. Diese soll den Kampf für den Achtstundentag nicht genügend ge- führt haben, weil sie nicht einen ausführlichen Gesetzentwurf beantragt habe. Helphand meint u. a.:„Es ist nicht die erste Legislaturperiode, die unbenutzt abläuft!" und er erhebt den Vorlvurf, daß die Fraktion mit der bürgerlichen Reformsimpelei liebäugele und so die Partei diskreditiere! ES ist h ö ch st e r st a u n l i ch, daß sich e i n i g e P a r t e i- b l ä t t e r finden, die diese gänzlich verfehlten Anschuldigungen kritiklos tveitergeben. Wir haben keine» Anlaß, uns noch- inals mit denselben zu befasse», da wir sie schon vor Monaten hinreichend in ihrer Nichtigkeit ertviesen habe».— Zum Parteitage faßten die Genossen dcS Wahlkreises G örlitz- L a u b a n folgende Beschlüsse: 1.„Der Parteitag beauftragt de» Parteivorstand, vor den nächst- jährigen Reichstagswahlen rechtzeitig ein kleines A-B-C-Büchelchcn herauszugeben. In dem Büchelchen sollen nur die für den Klein- kämpf sz. B. die Agitation am Biertisch, bei der Flngblattvcr- breitung jc.) notwendigsten Zahlen, Daten und Citatc nach die Materie leicht faßlich kennzeichnenden Stichworten alphabetisch geordnet enthalten sein. Der Preis des BüchclchcnS soll bei Masfenbezug 30 Pf. nicht übersteigen." 2.„Der Parteitag wünscht, daß der„Wahre Jacob" wieder, wie in früheren Jahren, mehr belehrende Artikel bringt." Ncichstags- Kaudidatnreu. Eine Kreiskonferenz des Wahl- kreises Duisburg-Mülhein«-Ruhrort nominierte ein- stimmig den Genossen Hengsbach« Köln als Kandidaten für die nächste Reichstagswahl.— Auf einer Kreiskouferenz in I s e r- lohn wurde der Genosse Redacteur Gewehr- Elberfeld als Kandidat aufgestellt. Für den 6. hannöverschen Wahlkreis kandidiert nach den Beschlüssen der Kreiskonfcrenz Genosse Henke in Bremen. sffuliteilichcs, Gerickitlichrs«sin. — Zum Kampf gegen die polnischen Tocialistcn. Eine Haussuchung in der Redaktion der„Gazeta Robotnicza" hat vor- gestern durch den obcrschlcsischen Grenzkommissar Mndlcr- Bcuthcn stattgefunden. Man fahndete nach den Mannskripten einiger ZeilnngS- artikel. Die Haussuchung hatte keinen Erfolg. � Mit dem VercinSgcsctz lebt der stellvertretende Amts- Vorsteher in G r o ß- St c n d o r f bei Brieg in Schlesien offenbar auf sehr gespanntem Fuße. I» dem zu diesem Amtsbezirk gehörigen Dorfe Tschöplowitz sollte Sonntag, den 24. August, vormittags, eine öffentliche Steinsctzer-Bersanunlung stattfinden, die von Görlitz aus angemeldet war. Auf die Anmeldung erhielt der Einberufer statt der vorgeschpiebeuen Anmelde-Bescheinigung diese Mitteilung: Groß-Neudorf, den 20. 8. 02. Herrn Gotth. Ließke Görlitz. Zur gefl. Kenntnisnahme, daß eine Genehmigung zur Ab- Haltung einer Versammlung in dem Lokal des Gastwirts Hilde- brand in Tschöplowitz nicht erteilt werden kann, da für Sonntag, den 24. d. M.. das Erntefest festgesetzt worden ist und in dem Saale des Herrn Hildebrand Tanzmusik stattfindet. Derselbe kann also kaum Ihnen de» Saal für Sonntag zur Verfügung gestellt haben und bedürfte ich für einen späteren Fall eines schriftlichen Nachweises, das Ihne» der Gastwirt den Saal zur Verfügung stellt. Der Amtsvorsteher. I. V.: Seidel. Aller Vorstellungen ungeachtet blieb der Herr im Gefühle seiner Polizciallmacht auf seinem ungesetzlichen Bescheide stehen. Dabei ist noch zu benicrken, daß der Wirt gar nicht daran dachte, sein Lokal zur der Versammlung zu verweigern; das Erntefest war ja auch kein Hindernis, da der Tanz natürlich erst abends war. Uebrigens war das Verbot der Versammlung insofern nnwirksam, als sich die zahl- reich erschienenen Steinsetzer am Biertisch über ihre Berufsfrageu unterhielten. So arbeitet die preußische Polizei eifrig an der Stärkung ihrer Autorität. Wirtschaftlicher Wochenbericht. Berlin, den 29. Augnst 1902. Bon der Börse nichts Neues. Die Widerstandsfähigkeit der Spekulation, die schon im vorigen Wochenbericht konstatiert wurde. zeigte sich auch in dieser Woche und fand an der festen Tendenz fremder Börsen Unterstützung. Dazu kam. daß man in den Börsen- kreisen die Verhältnisse des amerikanischen Marktes ivcseutlich günstiger zu beurteilen beginnt. Die Nachfrage nach Fertigware auf dem amerikanischen Eisenmarkt hat sich zwar noch mehr vermindert, aber das Ernte-Ergebnis stellt sich nunmehr als ein die früheren Er- Wartungen beträchtlich übersteigendes heraus, und die bedeutenden Getreideverschiffungcn versprechen dem Verkehr neue Mittel zuzuführen und den Geldmarkt zu erleichtern. So schließt trotz der Geschäfts- unlust, die sich wieder nach Beendigung der Schiebung für den zur Neige gehenden Monat eingestellt hat, die Woche auf fast allen Gc- bieten mit Kurserhöhungen.— Auf dem Viehmarkt sind die Preise noch immer im Steigen be- griffen. Die Preise für Schweine stehen schon seit Jahresfrist außer- gewöhnlich hoch, trotzdem haben sie in letzter Zeit noch weiter an- gezogen, und auch die Preise für Rindvieh und Schafe sind seit einigen Wochen beträchtlich in die Höhe gegangen. Als Hauptursache muß die angeblich aus Gesundheilsrücksichten aufrecht erhaltene Grenzsperre betrachtet werden; doch ist es diese nicht aNein. Es kommt hinzu, daß das laufende Jahr ein sogenanntes gutes Futterjahr ist, das infolge seiner reichlichen Futterproduktion dem Landwirt die Viehaufzucht erleichtert und ihm davon abstehen läßt, manches Stück Vieh, das er im andern Fall veräußern würde, zu verkaufen. Und drittens sind fast überall, selbst in den Ver- einigten Staaten, die Viehpreise in den letzten Monaten mehr oder weniger in die Höhe gegangen, wenn sie natürlich auch jenseits der deutschen Grenze, in Rußland, Oestrcich, Holland zc. noch immer um ein Beträchtliches niedriger sind als auf deutschem Gebiet. Die agrarische Presse will allerdings diese Wirkung der Einfuhr-Absperrung nicht zugeben und sucht nach allerlei sonstigen Gründen. Alles Gerede aber schafft nicht die einfache Thatsache aus der Welt, daß in den fremdländischen Grenzgebieten, die an Deutschland stoßen, die Vieh- und speciell die Schweine- preise zwanzig bis dreißig Prozent niedriger sind und daher, wenn die Absperrung der Zufuhr aufhörte, die Preise des deutschen Inlandsmarktes sofort um ein Bedeutendes fallen würden. Natürlich sucht die eine Erwerbsschicht der andern die Schuld an der Steigerung der FIcischpreise zuzuschreiben, unter der, wie immer, die Arbeiterbevölkerung am schwersten leidet. Die Agrarier schieben die Schuld auf die Viehhändler, und diese wieder im Verein mit de» Fleischern auf die Land- Wirte, die nicht genug produzieren, um den Markt versorgen zu können, und doch an dessen Abschließung gegen fremde Zufuhren festhalten. Eine Variation der Geschichte vom Mönch und Rabbi, die alle beide stanken. Daß der Viehhandel, Ivo er kann, sein Ge- schäftcheu macht und sich durch überflüssige Skrupeln nicht stören läßt, ist bekannt, und ebenso darf man die Klagen der Schlächter nicht allzu schwer nehmen. Das„OffenbacherAbendbl." hatte leider recht, als eS kürzlich meinte, die patriarchalischen Metzgermeister dürften bei der Steigerung der Fleischprcisc über das Notwendige hinaus nachgeholfen haben. Die Viehmarktnotierungen und ihr Vergleich mit den jetzigen Fleischpreiscn� zeigt, daß, wenn die Preise für Lebendgewicht um 4—5 und für Schlachtgewicht um 6— 9Proz. gestiegen sind, die Schlächter ihre Preise vielfach um 15 Proz. und mehr erhöht haben. Es ist kaum fraglich, daß mancher Schlächter, der gute bürgerliche Kundschaft hat, welche die verlangten Preise bezahlt und ihren Konsum nicht ein- schränkt, bei den heutigen hohen Preisen mehr profitiert als früher. Den kleinen Fleischern, die inmitten einer Arbeiterbevölkerung sitzen, geht eS allerdings weniger gut. Der PreiSanfschlag läßt sich hier nicht so leicht durchsetzen, und vor allem hat jede Preissteigerung sofort einen Rückgang des Konsums zur Folge. Die Arbeiterfrau, die bisher regelmäßig Ve Psimd holte, muß sich ein- richten, und an einem oder zwei Tagen der Woche giebt es ohne Fleisch zubereitete Speisen. Mr. Roosevclt, der seine Repräsentationspflichteu ebenso ernst »nimit, wie einst Felix Faure, macht zur Zeit nach dem Beispiel europäischer Herrscher Reisen durch sein Land und hält bei dieser Gelegenheit allerlei Reden— zwar nicht über alte und moderne Richtungen in der Kunst und über das Mediceische Zeitalter, aber über Trusts und Zollpolitik. Besonders seine am 23. d. M. in Providence(Rhode Island) gehaltene Rede bietet der Presse Stoff zu gefühlvollen Betrachlungen, in deren Verlauf der eine Teil zu der Folgerung kommt, Mr. Rooscvelt beabsichtige, sich dem Joch der in der republikanischen Partei maßgebenden Trustmagnaten zu entziehen und an das ainerikanische Volk zu appellieren, um den Uebermut der Trusts zu brechen, während ein andrer Teil findet, das Herrn Rooscvelts Rede noch nichtssagender ist, wie sonst meist die Reden von SlaatShäuplern zu sein pflegen, und kainn einen andern Zweck haben dürfte, als durch kleine, zu nichts verpflichtende Zugeständnisse an die Masse der Antitrustler billige Popularität zu erwerben. Wo so verschiedene Folgerungen aus demselben Wortlaut ge- zogen werden, ist dieser gewöhnlich nicht gerade klar, und that- sächlich bietet daS von Rooscvelt Gesagte denn auch nur eine Paraphrase seiner Botschaftsanslassungen vom vorigen Jahre. Wie in dieser Botschaft Roosevclt die industriellen„Combinations" (Verbindungen) als höchst nützlich pries und nur eine gewifie Be- aussichligung verlangte, die jedoch mit„größter Zurückhaltung" ausgeführt iverden müsse, so heißt es auch jetzt wieder, unter den heutigen Verhältnissen sei eS ebenso notwendig,. Verbände in der Geschäftswelt zu haben, wie Organi- sationen unter den Arbeitern, doch hätte die Nation ein Recht, von beiden zu verlangen, daß sie„Gutes und nicht Böses stiften". Deshalb wäre Bennfsichligniig nötig. Die Nation müsse die Macht der Kontrolle auf dem Wege der Gesetzgebung erhalten; aber diese Macht müsse„mit Mäßigung und Zurückhaltung" ausgeübt werden. Das ist nichts als ein Spielen mit Redensarten, und wer daraus die Folgerung ableitet, es solle unter Noosevclts Führung gegen die Trusts zum Angriffe übergegangen werden, muß nicht nur von der Anffassnng»nd Macht des Präsidenten, sondern auch von deu amcrika- nischcn Partciverhältnisscn eine seltsame Meinung haben. Charakterissisch ist. daß die im Dienst der Trusts stehende Presse sich zwar etwas ver- stimmt über die Redseligkeit Rooscvclts zeigt, aber nicht etwa, weil sie meint, es könnten die obigen Phrasen die Einleitung zu einem ernsten gesetzgeberischen Vorgehen sein, sondern weil sie der Ansicht ist, die Antitrustbewegung könne einzelne Sätze Roosevelts agitatorisch anLiintzen. llnd um ihrem„Manager"(Geschäftsführer) für zu- künftige Fälle etwas mehr Schweigen nahezulegen, fragen die Trust- blntter ziemlich offen, wer deim, wenn die Trusts nicht beisprängen. bei künftigen Wahlen die Kosten der republikanischen Wahlagitation tragen solle. Als temperamentvoller Politiker, der sich trotz seines ausgeprägten Partcicharakters gern dem amerikanische» Volk als der über den Par- tcie» thronende Volksrepräsentant zeigt, benutzt einfach Herr Rooscvelt die Gelegenheit, den Leuten, die in den Preistreibereien der Trusts ein Haar gefunden haben, zu erklären, daß auch er finde, die Trusts stifteten manchmal„BöseS" und daß gegen dieses Böse die Nation einschreiten müsse. Solche Zugeständnisse verpflichten zu nichts und machen doch Eindruck. Zudem ist nicht ausgeschlossen, daß wenn ein wirtschaftlicher Rückschlag erfolgt und die Stinimung gegen die Trusts an Breite gewinnt, die demokratische Partei, da das Schlagwort vom„goldenen Kreuz" und den fetten.Goldwanzen" nicht mehr zieht, die Parole-„Gegen die Trusts I" ansgiebt. und in diesem Fall würde durch die billigen Deklamationen Roosevelts den Demokraten eine gute Brise aus ihren Segeln genomnien. Zeitungen, die Roosevelts„smarte"(geriebene) Mache als Energie auffassen, weisen zwar als Beweis für seine ernsten Absichten darauf hin, daß er doch vom General-Staatsanwalt ein Gutachten über die Ungesetzlichkeit der Verschmelzung der Northern Pacific- mit der Great Northern-Bahn eingefordert habe, und daß er weiter sich in der Frage, welche Zollermäßigungen Kuba gewährt werden sollen, auf die Seite jenes Teils der republikanischen Partei ge« schlagen habe, der für die weitgehendsten Zollnachlässe sei. Nur wird dabe, vergessen, daß obgleich der Generalstaatsanwalt die Ver- schmelzung der beiden Bahnen als ungesetzlich bezeichnet hat, noch immer nichts von einem energischen Vorgehen gegen die Northern Securities Co.(den zum Erwerb der Aktien der beiden Eisenbahnen gebildeten �rust) zu spüren ist. Und was die kubanische Zollfrage anbelangt, so ist die republikanische Partei gespalten, und zwar sind«S gerade die Großkapitalisteu, die für die «roßer«,, Loleruiaßigunne» ciniretcii, gniiz erklärlicherweise, ört_ sie zum großen Teil Zucker- und Tabakplmitage», Millen ec. auf Kuba erworden habe» und die Insel als nilnstigen Kapitalanlagen, arkt betrachten. Suchte Lioosevelt that- sachlich den Uebcrgriffen der Trusts zu Ivehrc», dann niüßtcn sich s-nie Angriffe gegen den Protcklionisuius richten, der nicht nur die Entwicktwlg des Trustiveiens enorm gefordert hat, sonder» den Truslniagnnteu auch die Bedingungen für die jetzigen Preistreibereien licsert. Es ist aber bisher noch keine einzige Thatsache bekannt geworden, daß Nooscvelt nicht»lehr zu den Sätzen seiner vorjährigen Botschaft steht, in denen er das auierikanische Zolltarifshstem als Produkt höchster nationaler Politik pries. Tut. Attis Itidnftviv«nb AZondel. Große Geschäfts stille im Gasttvirtsgcwerbe herrscht gegen- wartig, namentlich in Berlin. Der Einfluß der ungünstigen Witterung hat such ,n den vielen Gartenlokalitäten Berlins und der llmgcgcnd dcr'uaße" nachteilig geäußert, daß nicht wenige Inhaber großer Etabllsjements mit erheblichen Zahlungsschwierigkeiten zu kämpfen haben. Unter den Kellnern herrscht eine Arbeitslosigkeit, wie sie noch selten während des Sommers zu beobachten gewesen ist. Die Fachvereine der Kellner warnen in der Presse ciudringlich vor Zuzug»ach Berlin. Deutsch« Schiffsankäufe. Die„Ha», burger Nachrichten" können aus authentischer Quelle mitteilen, daß der Lloyd Brkziliöro von der Hamburger Reederei A. C. de Freitas». Co. angekauft ist. Wie das Blatt mitteilt, wird der Lloyd in eine Aktiengesellschaft um- gewandelt,'deren Aktie» i» de» Besitz der genannten Firma über- gehen. Es handelt sich dabei um 50 Secdampfcr von ca. 40 000 Tonnen. 420 Leichter und Schleppschiffe, 2 Docks und großen Grundbesitz, em Objekt von ungefähr 800000 Pfund Sterling. ... Hebei; den Nnßcnhaiidcl GroßbritannicuS vom Januar v»s �uli 190» bringt der Londoner„Eeonomist" soeben die amt- lichcn Zahle», die interessante Vergleiche ermögliche». Während danach in der ersten Hälfte des laufenden Jahres der auswärtige Handel Großbritanniens im Vergleich zum ersten Halbjahr 1S0I'eine A b- nähme aufzuweisen hatte. zeigt im Juli 1902 die Einfuhr gegen 1901 eine Z»» a h n, e von 2,4 Proz. und die Aus- fuhr eine solche vo» 0.7 Proz. Diese Zunahme der Ein- fuhr im Monat Juli 1902 findet sich fast bei allen Warcnkategoricn, am meisten bei den zvllfreicl, Nnhrungs- Nutteln und bei den Fabrikaten. Unter de» ersierc» haben Fleisch ,i»d Mciercl-Erzeugniffe die stärkste Steige- rima der Einfuhr erfahren, während von Fabrikaten, deren Einfuhr sehr stark zugenommen hat, folgende zu nennen sind: Baumwoll-, Jute- und verschiedene Scidenwaren, Eisen- und Stahl- ivare», Maschine» und Motorwagen. Auch zur Steigerung der Ans- fuhr gegenüber dem Juli 4901 haben die meisten Warenkategorie» beigetragen. Eine Ausnahme machen vor allem die Rohstoffe, was indessen ausschließlich der Abnahme des Wertes der Kohlenaiisfuhr zuzuschreiben ist. Obgleich 25 000 Tonnen Kohlen mehr verschiff, wurden im Juli 4904, war der Wert dieser Ausfuhr um 334 400 Pfd. Sterl. geringer. Neben den Nohstoffen zeigen nnr die Garne und Webwaren eine geringere Ausfuhr, was vorwiegend dem Nachlassen des Bedarfes für Indien zuzuschreiben ist. Andrer- seits hat die Verschiffung von Eise» und Eisenwaren, namentlich '»folge stärkeren Absatzes nach den Vereinigten Staaten von Amerika. um 453 000 Pfund Sterling zugei,omu,cu. Der amerikanische Wcischlcch-Trnst hat nach einer Laffan- Meldung das letzte seiner Werke, in welchen, Mitglieder der Trade Uinons beschäftigt find, geschloffen, da die Arbeiter die Lohn- Herabsetzung ablehnen, welche der Trust für nötig hält,»m der Slandard Ott Company Wa Millionen Platten Weißblech zu demselben Preise zu liefern, den die Werke in Wales fordern. Der Verband der Weißblecharbeiter hat an den Kongreß ein Gesuch gerichtet, worin er Anfhebnng des Gesetzes fordert, welckies der Standard Oil Company die Einfuhr von Weißblech, das sie für Ausfuhrzwccke gebraucht, zu ermäßigten Zollsätze» ermöglicht. Vom aliicrikanischc,, Geldmarkt meldet da?„Wolfffche Bureau": Da die Nationalbanke» ermächtigt sind, für 700 Mill. Dollar Banknoten aiiszngcben in der Höhe ihres gesamten Kapitals, während Banknoten„nr für 358 Millionen Dollar im Umlauf sich befinden, forderte der Schatzsekretär die Hauptbanke» auf, weitere Bank- , loten drucken zu lassen. Der Vorschlag wurde günstig anfgeiiommen; es besteht jedoch nicht die Absicht, die ncnen Bai, knoten ohne weiteres riuSzugebe». Der Borgang ist nnr eine Vorsichtsmaßregel, um einem Mangel an barem Gelde in der Zukunft vorziibcngei». Die Nachricht beweist, ivie beengt sich noch immer der amerika« uische Geldmarkt fühlt, denn die Aufforderung des Schatzsekretärs dürfte kaum dessen eigner Initiative entspringen, sonder» von den Banken angeregt sei». Erst vor einigen Tagen charakterisierte die »Times" treffend die Lage: „Die New Uork'Associated Banks befinden sich in einer schwachen Position. Ihre Bar-Resem steht nicht viel über dem gesetzlich vorgeschriebenen Betrag, während die Anleihen und Diskonts sehr hoch, wenn auch nnter dem höchsten Betrag dieses Jahres stehen. Der Ausweis der Banken vom Sonnabend zeigt eine Erleichterung des Status. Dieselbe ist indessen hauptsächlich durch eine Verrinqernng in den Anlagen hervorgerufen worden, die auch durch ähnliche Mittel ersetzt worden sei» können." GewevkMNfkliches. Verlitt und Umgegend. Achtung! Klavierarbcitcr, Tischler! Die Kollegen der Pianofabrik von Ernst Koch n. C o.. Greifswalderstraße 455/466, sind wegen enormer Lohnabzüge bei den Boden-, Rasten» und Uinban», acher» in den Ausstand getreten. Die Bemühungen der Kollegen der Fabrik sowie der Organisation, eine Einigung herbei- zuführen, sind von den Fabrikanten rücksichtslos zurückgewiesen worden. Wir ersuchen die Kollegen, den Zuzug»ach der Fabrik ans das strengste f e r n z n h a l t e n. Der Vorstand des Fachvcreins der Mnsikinstrnmcnten-Arbeiter. Zur Lohnbewegung der BauNempner. Entsprechend den an, Mittwochabend gefaßten Beschlüssen haben die Gesellen an, Donnerstag überall dort, wo ihre Forderungen nicht anerkannt wurden, die Arbeit niedergelegt. Bis jetzt haben bewilligt 36 Finnen mit 396 Gesellen. In 60 Werkstätten mit 428 Gesellen, ruht die Arbeit. HicronS geht hervor, daß gerade die bedeutendsten Firmen die Forderungen der Gesellen beivilligt haben. Der paritätische Arbeitsnachweis der Töpfer hat i» der kurzen Zeit seines Bestehens in Berlin»nd Stegtitz über 4600 Ge- selle» Arbeit nachgewiesen. Im Monat Juli entfielen ans Berlin bei 915 Nachfragen 805 Veruiittelnngen, ans Steglitz 402 Nachfragen UIld 23 Lermittelungen. Die Firmen I ahnke.Gebaner.Arn old und S ch l a f f k e, die sich dem geineinjame» Arbeitsnachweis nicht angeschlossen habe», sind noch gesperrt. Ter Crntralverein der Vnrca»-A>, gestellten Tcntschlauds hält seine erste Generalversammlung am Sonntag und Montag in Berlin im Gewerlschastshnnse ab. An, Sonntagabend 7 Uhr findet zu Ehren der Delegierte» ein Kommers in, Saal 7 des Gewerk- schaftshnuscs statt, bei dem Gäste willkonnnen sind. Der. Eintritt ist frei. D-ntscheS Reich. KonfektionSarbciter. Räch Nürnberg werden von einem Herrn Hntzler. bisherigen Zuschneider, 500 Schneider gesucht. Da »,», die Preise, die Herr Hntzler bezahlen will, durchaus nicht derartige sind, die eine Existenz sichern, so wird es gut sein, Iven» sich die Kollegen allerorts es erst reiflich überlegen, bevor sie»ach Niirn- berg gehen. Die Preise sind bis zu 400 Proz. niedriger, als die- selben sonst in Nürnberg üblich sind. Herr Hntzler offeriert folgende Preise: Sacko 1.30 M., Winterüberzieher einreihig 4.80 M., zwei- reihig 4,90 M., Hose und Weste je 6V Pf., ynzug 2,60 M. ES ist außerdem möglich, daß diese Arbeiter für einen andern Ort bestimmt sind. Die Kollegen allerorts mögen daher doppelt auf der Hut sein. Verantwortlicher Redacteur: Julius Kaliski in Berlin. Der Holzarbeiterstreik iu Stolp i. P. dauert m, verändert fort.— Die bis jetzt stattgefundenen Verhandlungen haben zu keinem Ergebnis geführt. Zuzug ist fernzuhalten. Der Streik der Düsseldorfer Pliesterer und Stueeateure nimmt größere Dimensionen an. Es haben sich bis jetzt 380 Stueca- teure und Pliesterer fdeuZ von der Gehilfenschaft aufgestellten Forde- rungen angeschlossen. Von 46 Meistern, die znsonimei, 466 Gehilfen beschäftigen, find die Forderungen bereits anerkannt worden: 83 Aus- ständige haben Düsseldorf verlassen. Die Baiigewerks-Jnnnng in Elberfeld hat die durch den GeselleuauSschnß eingereichten Forderungen der Manrer abgelehnt. Während ein Stundenlohn vo» 50 Pf. gefordert wird, will die Innung nur 46 Pf. bewilligen. Bezüglich der übrige» Forderungen: Sonnabends eine Stunde früher Feierabend, wöchentliche Lohn- zahlimg k., meint die Innung, es sei kein Bedürfnis dafür vorhanden. Steckbriefe wegen Strctkbrechcr-Bclcidtgnng. Schon mehr' fach ist berichtet worden, daß die geringfügigsten Ausschreitungen, die während des Ausstandes der Stuttgarter Straßenbahner gegen Streikende verübt wurden, vom dortigen Amtsgerich, mit nngcwöhn- lich harten Strafen geahndet worden sind. Die Richter und Staats- anwälte in Stuttgart begnügen sich nun keineswegs bannt, daß sie Streikl'recher-Beleidiger, welche sie haben, ins Gefängnis schicken, sondern es wird sogar eifrig gefahndet nach solchen Beleidigern der Streikbrecher, die nicht anfzufinden sind. Wie die„Schwöb. Taglv." mitteilt, ist neuerdings ein Steckbrief erlassen worden gegen einen Mann, der sich während des Straßenbahnerstreiks einer Ucbertretnng der Gciverbe-Ordnnng schuldig gemacht haben soll. Vermutlich handelt es sich hier um einen gegen einen Streikbrecher ausgestoßenen„Pfui'-Ruf oder eine ähnliche Kundgebung des ge- rechten ilnwillcns, die ja das Stuttgarter Amtsgericht sehr scharf- sinnig unter den§ 453 der Gewerbe-Ordnung gebracht hat. Ein»euer Beweis für die Schneidigkeit der Stuttgarter Justiz ist vor einigen Tagen wieder erbracht worden. Das Schöffengericht verurteilte einen Man», der beschuldigt war, einen Ausruf gegen einen Streikbrecher ausgestoßen zu haben, zu drei Wochen Ge- f ä n g n i s. Anöland. Der„Dänische DrcchSlerverband" hielt am 10. und 11. August seinen fünften Kongreß in Odense ab. Der Kongreß wählte einen Aiisschuß, der eventuell niit dem Eentralverein der Meister über Einsührnng eines Minimallohns und Ordnung der Lehrlingsverhältnisse verhandeln soll. Ein Antrag auf Austritt aus dem Gcsamtverband der Gewerkschaften wurde mit allen gegen eine Stimme abgelehnt. Der Finnländische Bnchdnickcr-Verband hielt seinen zweiten Verbandsiag n», 15. und 16. August in Helsingfors ab. Vertrete» waren 667 Mitglieder. Die Mitgliederzahl ist infolge der Hilter» drückungen der Presse durch die russischen Behörden etwas zurück- gegangen, weil viele typographische Arbeiter das Land verlassen mußten. Trotz der große» Ausgaben für die Arbeitslosen stieg das Verbandsvermögen nn, ca. 84 000 finnländischer Mark.— Der Verbandstag beauftragte die Abteilung Helsingfors einen Lohntarif für Lehrlinge auszuarbeiten. Auf Kündigung des Lohntarifs für Gehilfe» wurde mit Rücksicht ans die Zcilverhältnisse verzichtet, jedoch soll versucht werden, auf friedlichem Wege eine Revision des Tarifs durchzuführen. Ferner wurde» die Abteilungen aufgefordert, für eine bessere Durchführung der Gewerbc-Jiispeltion hinsichtlich der Bnchdruckereien zu ivirkeu. Znm Kohlenarbeiterstrcik in Pcnnsylvanic» meldet die „Fr. Ztg." ans New Aork: Die streikenden Kohlenarbeiter im LangS- ford griffen die Streikbrecher und die Miliz an und wurden mit dem Bajonnelt zurückgeschlagen: viele Ivnrden dabei verletzt. Weiter wird berichtet, daß die Kobleiistreiker in BluefieldS tWest- Birginien) auf die Streikbrecher schössen. Zwei Wächter und zwei Streikende wurden getötet, viele Personen verletzt. Eine Meldung des„W. T. B." lautet: Nach Shenandoah ist eine weitere Abteilung peiinsylvanischcr Kavallerie gesandt worden. In Taniagna s?j ist den Berichten der Landivehr-Offiziere zufolge die Lage bedenklich: es kam dort zu eine», Zusammenstoß zivischen den Streikenden und einer Landivehr-Abteilung. Die öffentliche Meinung ist gegen die Soldaten aufgeregt. Der Gouverneur von Wcstvirginien veraulaßte die Sendung von Landwehr»ach dem New River-Kohlen- gebiet, wo Unruheu drohen. Sociales. Sittcnzustände. In O e l s>, i tz ,. v., einer Stadt mit 43 000 Einwohnern, hat der Stadtrat an die Gastwirte eine Zuschrift gerichtet, die das „Sächsische Bollsblatt" beröffentlicht. Sie lautet: „Nach den Ergebnissen der in letzter Zeit öfter veranstalteten Revisionen und»ach den ärztlicherseits dem Stadtrate ge- machten Mitteilnngen über die beträchtliche Zahl der Fälle von Geschlechtslrankhciten, die auf den Verkehr mit Kellnerinnen zurückzuführen sind, hat das Kelliicrimiennnlvesen in Oelsnitz wieder einen bedenklichen Grad erreicht. Fast in allen Schank- wirtschaften mit weiblicher Bediemmg waren Zuwiderhandlungen der Wirte und der Kellnerinnen gegen Vorschriften des Regulativ« vom 27. April 4897 festzustellen: gegen einige Wirte liegt überdies erheblicher Verdacht der Kuppelei vor. Der Stadtrat schärft deshalb allen Wirten, i» deren Wirtschafte» Kellnerinnen bedienen, bierdnrch letztmalig die genaueste Befolgung der Be- stimmungen des vorerwähnten Regulativs ein und bemerkt, daß bei künftigen Zuwiderhandlungen außer hohen Geld- oder Haftstrafen Einsühruug der Polizeistunde auf 10 Uhr abends und deren Wer- öffentlichung im Amtsblatt erfolgen und gegebenenfalls die Schank- erlaubnis entzogen und staatsanivaltschaftliches Einschreiten wegen Kuppelei herbeigeführt werden wird." Dieses kennzeichnende Schriftstück wird noch ergänzt durch eine Notiz des„Oelsnitzer Amtsblatts", die als ans dem Rathause stammend bezeichnet wird und in der es heißt: „Welchen erschreckenden Umfang das KeNnerinnen-Univesen in Oelsnitz angenommen hat, zeigen die vo» Polizei wegen an- gestellten Erörterungen. Danach sind seit Ende 4897, in welchem Jahre die Kellnerinucn-Koiitrolle eingeführt wurde, in TI Schank- wirtschaften SÄ»(sage»nd schreibe: sünfhinidertfünfmidzwaiizig) Kellnerinnen thätig gewesen. Von diesen waren 424 gerichtlich oder polizeilich vorbestraft, während 406 der gewerbsmäßigen Unzucht überführt oder dringend verdächtig oder mit ansteckenden Geschlechtskrankheiten behaftet waren. Einzelne Wirtschaften haben in der erwähnten Zeit bis zu 84 Kellerinnen gehabt, von denen über 24 Proz. nachweislich sittlich anrüchig waren. Welches Un- heil durch die Frauenzimmer bezw. durch die Ebemänner, die sich nicht gescheut haben, sich mit ihnen einzulassen, über hiesige Familien gekommen ist, davon wissen die Aerzte ei» Wort zu sagen. Die Polizei, der alle möglichen Schwicrigkeite» in den Weg gelegt werden, vermag allen, in der Bekämpfung des Kelliieriimenuiiwesens nicht viel auszurichten. Pflicht eines jeden anständigen Mannes wäre es, sie zu unterstützen und ihr fach- dienliche' Mitteilungen zu machen, damit mit aller Strenge gegen die Schnldigen eingeschritten werden kann." Einem entschiedenen Vorgehen gegen die Wirte, die solchen schamlosen Menschenhandel treiben, wollen wir gewiß nicht wider- spreche»; wenn es möglich wäre, durch irgend eine Maßregel die Wirte zu veranlassen, den Kellnerin ne» auskömmlichen Lohn zu zahlen, da« iväre das geeignetste Mittel, die armen Sklavinnen vor der Prostitution zu bewahren. Das ist ja sicher eine der zwingendsten und die nrsprünglichste Ursache dieser furchtbaren Zu- stände. Auch das Stelleiiverinittelungswcsen spielt dabei wohl eine erhebliche Rolle. Die private Stellenvermittelung i» diesem Gewerbe ist ein schwerer Krebsschaden; sie beutet die schlecht oder gar nicht entlobiiten Kellnerinnen ans, befördert den Stellenwechsel und die Prostitution. Aber noch eine Frage drängt sich auf: A u S welchen Bevölkern ngskrelsen stammen die Kunden dieser Kellnerinnen? Wieviel honette Bürger, die schrecklich über die Unstttlichleit zetern und nach Polizei und Staatsanwalt rufen, bedienen sich dieser Kellnerinnen und geben ihnen eist Gelegenheit, sich zu prostituieren? Möchte der Stadtrat der sittlichen Stadt Oelsnitz nicht auch darüber Auskunft geben? Tie Arbeitsverhältnisse der Jrrenwärter. Ueber die Arbeitsverhältnisse des Wärterpersonnls in der Landes- Jrrenanstalt N e u« R u p p i n werden uns einige Mitteilungen ge- macht, die für die Oessentlichkeit Interesse haben. Nach den uns gc- machte» Angaben haben die Wärter von früh 5 Uhr bis abends 9 Uhr Dienst. Natürlich müssen sie aber auch des Nachts zu jeder Zeit ausstehen, Ivenn irgend etwas vorfällt, was bei den Pfleglingen einer solchen Anstalt wohl häufig vorkommt. Urlaub erhalten die Wärter jede Woche einmal(wochentags) und zwar Ledige von 7 Uhr abends bis Vall Uhr abends, Verheiratete bis 6 Uhr morgens: sodann alle 14 Tage Sonntags, irlanb von 1 Uhr an bis abends Vell Uhr. Bei so anstrengendem Dienste dürste man sich allerdings nicht wundern, wein, sich ein Wärter mal vorschriftswidriger Behandlung der Kranken schuldig machte. Nicht nur im Interesse der Wärter, sondern in, Jntereffe der Irren behandlung muß die öffentliche Auf- merksamkeit auf solche Zustände gelenkt Iverde»; es»nih gefordert werden, daß dem Personal täglich eine ausreichende Ruhe- irnd Erholungszeit gewährt wird, damit die Leute frischen Geistes und mit der nötige» Freudigkeit ihren schweren und verantwortungsvollen Dienst versehen können. Vor kurzem ist den Wärtern selbst die bescheidene, schriftlich ein- gereichte Bitte um Verlängerung des Sonntagsurlaubs bis 12 Uhr ohne weiteres abgeschlagen worden. Auch über die Beköstigung wird in dem uns zugegangenen Schreiben geklagt. So giebt es manch- mal als Abeudkost nur eine Suppe und ein Stück trockenes Brot, zuweilen allerdings auch Käse. Wurst, Eier oder einen halben Hering. Butter giebt es täglich 33 Gramm, was entschieden viel zu wenig ist. Es erklärt sich unter diesen Um- ständei, auch leicht, daß der Wärterbestand nicht vollzählig ist; es ist wirklich kein beneidenslvertes Los. bei schmaler Kost und außer- ordentlich langer Arbeitszeit sein Leben im Dienste Geisteskranker zu verbringen. Da kam, wohl auch die Humanität nicht gedeihen, die gerade in solche», Dienste so notivendig ist. Saubere Zustände in des Worte» vollster Bedeutung muß die praktische Auwenduiig des Ministerial-Erlasses vom 2. November 1838 — II 20 975— in manchen preußischen Volksschulen herbeiführen. Der Erlaß, der hier mid da thatsächlich noch in Kraft fein soll, ordnet nämlich an: eS unterliege keinen, Bedenken, daß da, Ivo ortsüblich die Reinigung des Schnlzimmers durch die Schulkinder besorgt wurde, es auch ferner so gehalten werde. Wem, ein Vater sein Kind hierzu nicht hergeben wolle, so habe er statt dessen eine andre Person zu stelle» oder beim Schulvorstande zu beantragen, daß eine Aenderung beschlossen werde. Eine von, hygienischen, pädagogischen und ökonomischen Stand« punkte gleich vortreffliche Maßregel! Was kann aber auch ver« nünstiger und gerechter sein, als daß man die hin und wieder doch notwendig werdende Reinigung der Schulräume— wie es ja auch in den Gefängnissen Preüben-Dentschland« geschieht— durch die Urheber der Schmutz- und Staubablagerungen selbst vornehmen läßt? Hier liegt die Möglichkeit für die Regierung vor. an den noch immer viel zu hohen Kosten für� das Volksschulwesen nicht unwesentliche Ersparnisse zu machen, indem man nach Ab« schaffung sämtlicher Schnldiener die in dem oben angeführten Schul- erlaß erwähnte Reinigungsmethode in allen preußischen Volks- schulen zur Anwendung bringt. Als eine Art von Oberkalefaktoren könnten hierbei sehr wohl die Lehrer fungieren, die ja ohnedies durch den niederen Küsterdienst, zu dem sie auch heute noch in zahlreichen Fällen verwendet werden, nicht verwöhnt sind. Neuerdings erst hat sich das Vertrauen in die Vielseitigkeit deS VolkSschutlehrerS drastisch iu der Stadtverordnetensitzung von Radevormwald dokumentiert. Ein Stadtverordneter machte dort den Vorschlag, die Kosten de« Fußbodenanstrichs im Schulgebäude dadurch um 5 Pf. pro Quadratmeter zu verringern,„daß die Herren Lehrer das Streichen besorgen könnten". Man sieht, die Thätigkeit de«„Siegers von Königgrätz" ist noch bisher ungeahnter Sr- Weiterungen fähig. Zum Nachfolger WöriShofferS wurde der Fabriklnspeftot F ö h l i s ch ernannt, der bisher schon in badischen Diensten stand, also unter Wörishoffer gearbeitet hat. Möge er seinemVorgänger nachstreben. Die SountagSarbcit der Dienstboten. In England ist eine Bewegung im Gange, die sich die Ein- fchränknng der Sonntagsarbeit der häuslichen Angestellten zum Ziel gesetzt hat. Die Beivegung geht von den.Herrschaften' aus: im Komitee sitzen eine ganze Anzahl Grafen. Herzöge usw. In einem Aufruf bedauert das Konntee, daß die häuslichen Angestellten durch die Gesellschaften, DinerS, allerhand Festlichkeiten so wenig von der Sonntagsfeier haben und ersuchen die Dienstherrschaften, die Dienst« ihrer Angestellten an den Sonn- und Feiertagen so wenig wie mög« lich in Anspruch zu nehmen. Vevsninittlnnjzen. Polizeilich aufgelöst wurde die Mitgliederversammlung des soeialdemokratischen WahlvereinS für AdlerShof. welche am 28. d. M. bei Becker tagte, weil Frauen anwesend waren. Der über« wachende Gendarm forderte den Vorsitzenden auf, die Frauen auS den, Saal zu weifen. Derselbe erklärte, unter Berufung auf die be« kannte Verfügung des Ministers, daß er sich für berechtigt halte, die Frauen zu dulden. Zur Geschästsordnung wollte noch Genosse Kiesel, welcher das Referat halte» sollte, sprechen; doch der Gendarm löste ohne iveitercS die Versammlung auf. Wannsee. Eine sehr gut besuchte öffentliche Versammlung für Männer und Frauen fand am 27. d. Mts. im Lokal Fürstcnhof statt. Das Referat hatte der ReichStagS-Abgeordiicte Fr. Zubeil übernommen. Im zweistündigen Vortrag geißelte der Redner unter große», Beifall der Anweseiidei, die Brotwncherpolitik der Regierung und der MehrheitSpartcien in, Reichstag. In der Diskussion vertrat ein Redner den Standpunkt, daß die Erträge des Lebensmittel« Wuchers doch immerhin dem Reiche zu gme komme», derselbe wnrda vom Referenten dahin belehrt, daß der Riesemu, teil in die Taschen der Großgrundbesitzer fließt. Uchte Ütaihcithkett«nd Depephen. Wilhelmöhaven, 29. August.(W. T. B.) Beim Einsturz eineö NcnbancS wurden hier 3 Personen getötet, 3 schwer verletzt. Florenz, 29. Angust.(W. T. B.) Im Anschluß an den AuS- stand in einer Metallwarenfabrik in Pignone, der bereits seit einigen Tagen anhält, stellten heute sämtliche Metall« arbcitcr, Schriftsetzer, Cigarrcnarbciterinncu und Tischler die Arbeit ein. Die Metallarbeiter forderten alle übrigen Arbeiter auf, niorgen in den Ausstand zu treten. Bis jetzt ist der Ausstand jedoch ein tcilweiser. Mau hofft, daß es zu keiner all- gemeinen ArbeitScinstellnng kommen wird. Die Stadt zeigt ihr gewohntes Aussehen. Madrid, 29. Angust.(B. H.) Der Ministerrat beschloß die Aufhebung deö BelagernngSzustandeS in Barcelona. Die Suspendieruiig der verfasstnigsniäßigen Garantien wurde jedoch aufrecht erhalten. Konstantinopcl, 29. Angust.(B. H.) Infolge des Protestes der Mächte hat die Pforte das Projekt der Erhebung eines weiteren ZollznschlagcS ans nnSländische Waren falle» gelassen. New Bork, 29. August.(W. T. B.) I» Lanssord(Pennsylvanie») fand heute ein Znsammenstoß zivijchcn den AuSständtgc» und dem Militär statt, bei dem ei» Hauptmann und 6 Ausständige verwundet wurden. Die Truppen bemühten sich seit Tagesanbruch, die Unruhen zu unterdrücken. Hierzu 4 Beilage. Für den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. at. 202. 19. KklllM des Jjraitls" fiftliltt WM».-»-»>'«« Citbeilter Verbandötag der CAtiher M München, 28. August. In öffentlicher Sitzung wird heute zunächst in die Beratung der Agitation, Streiks und Presse in Verbindung mit dem U n t e r st ii tz n n g s w e s e n eingetreten. Holzhäuser konstatiert, daß es sich dabei hauptsächlich um die Entscheidung handeln werde, ob die in den Anfängen vorhandene AgitationS-Bezirkseinteilung aufrecht erhalte» bleiben und ausgebaut werde» solle oder nicht. Auch seien Wünsche nach der Anstellung von Lokalbeamten laut ge- worden, und müßte man somit auch dieserhald eine Entscheidung treffen. Nach Begründung der in Betracht kommenden Anträge beginnt die Diskussion. Man schilderte die Verhältniffe in den einzelnen Orten und die Schwierigkeit der Agitation in zurückgebliebenen Distrikten, von verschiedene» Seiten wird die Ansicht vertreten, daß die Anstellung lokaler Verwaltungsbeamten viel znr Belehrung der Agitation bei» tragen und veranlassen würde, daß sich die Mitgliederzahl dadurch bedeutend hebt. Sie müßten erst den Boden lockern durch eine intensive und dauernde Kleinarbeit und dann wäre die Zeit zum Ausbau des Gaubeamten-Shstems gekommen. Heute sehe man von ihrer Arbeit noch sehr wenig Früchte, dagegen würde» die Ausgaben für Lokalbeamte hundertfältige Früchte tragen. Von andrer Seite wurde eingewandt, daß der verhältnismäßig geringe greifbare Vorteil, den die Gaubeamken aufzuweisen hätten, daher rührte, weil ihr Arbeitsgebiet ein viel zu umfangreiches sei, um sofort Erfolge zu zeitigen. Auch sei man bisher viel zu knauserig gewesen, bei größerer Anwendung von Agitationsinitteln in den vcr» gangenen Jahren wären vielleicht Tausende an Streikgeldern usw. gespart. Die Agitation im Osten möge nach andren Principien als bisher erfolgen. Man dürfe nicht nach einer Versammlung wieder weiter reisen, sondern je nach Bedarf auch tagelang dableiben. mit den Leuten Fühlung nehmen, die ört- lichcn VerwaltungS- Beamten schulen; wo es notwendig ist, AgitationS-Kommissionen einrichten und zeitweise»achsehen, ob auch alles im Lot sei. Gut sei eS gewesen, daß der Hauplvorstand Zuschüsse zur Anstellung von Lokalbeamten gewährt habe. Das System sei beizubehalten und auszubauen. Weitere Redner wünschten zusammen mit dem Ausbau des Lokalbeamten-SystemS auch jenen des Gaubeamten-SystcmS. Man könne das eine thun und braucht das andre nicht zu lassen. Auch der Druck von Statuten in polnischer Sprache wurde in Anregung gebracht. Käming giebt zu bedenken, daß für all diese in der Diskussion geäußerten Wünsche die finanzielle Tragkraft nicht vorhanden ist. Es handelt sich dabei um etwa 45 bis 50 000 Mark jährlich. Finanziell werden sich die angestellten Gauvorstcher noch auf Jahre hinaus nicht rentieren. Der Vorstand mutz in dieser Frage von Fall zu Fall die Entscheidung treffen. In der Nachmittags-Sitznng wird die Diskussion fortgesetzt. Nach einem Schlußwort Holzhäusers konunt es zur Abstimmung über die vorliegenden Anträge. Einstimmig angenommen wird folgender Antrag Stühmer: .Der Verbandstag beschließt, daß der„KonfeklioiiS-Nrbciter* in Zukunft nicht mehr regelmäßig alle Monat, sondern je nach Bedarf in geringerem Umfange herauszugeben ist. Ferner ist der Inhalt den Verhältnissen der einzelnen Bezirke, für welche die einzelnen Nummern bestimmt sind, anzupassen. Die Verlranenspcrsonen der Bezirke, welche hierbei in Betracht kommen, sind verpflichtet, der Redaktion das ihnen zur Verfügung stehende Material zur weiteren Verarbeitung einzusenden." Gleichfalls einstimmig angenommen wird folgender Antrag Solingen: .Dal VertrauenSmännersystem wird weiter alS bisher aus- gebaut. Die Ausführung desselben wird dem Vorstande über- tragen." Eine beffere Berücksichtigung in betreff der Wahl der Bezirks« SgitationSkonlmisstonen wird dem Vorstande zur Erwägung anhcim- gegeben. Ein Antrag Hamburg:„Der Agitator für den Osten ist ver- pflichtet, seinen Wohnsitz an einem der maßgebenden KonfcktioitS- orte seines Bezirks zu nehmen", gelangt znr Annahme. Hinterher wird behauptet, daß dieses AbstimmnngSresultat die Folge eine« MißverständnisicS gewesen sei. Die Diskussion wird unter schwierigen Verhältnissen nochmals eröffnet und gestaltet sich sehr umfangreich und teilweise ziemlich erregt. Täterow erklärt, daß er sich mit einer Versetzung nach Breslau, das hierbei in erster Linie in Frage kommt, nicht gerne zu unfruchtbarer Arbeit verurteilen lassen möchte. Von Berliner Seite wird Berlin als der maßgebende Konfeklionsort des östlichen Agitationsgebiets deklariert, was speciell von süddeutscher Seite sowie vom BreSlauer Delegierten energisch bestritten ivird. F i n k e- Breslau verlangt, daß der Vertrauensmann für den Osten seinen Wohnsitz in BreSlan zu nehmen und dort auch die Beiträge einzukassieren habe. Es liegen eine ganze Reihe neuer Anträge vor, die mit dem Hainburger Antrage der Reihe nach zur Abstimmung kommen. Auch über den AbstimmungsmoduS ivird noch zur Geschäftsordnung ge- sprvchen. Angenommen wird endlich ein Antrag Trcn-Nürnberg, daß der Sitz von Berlin verlegt wird, die Wahl des Ortes jedoch dem Vorstand überlassen. Auf Antrag Stühmer wird auch der Zeitpunkt der Sitzverlegung dem Vorstande überlassen. Damit ist der Hamburger Antrag nunmehr gefallen resp. erledigt. Täteroiv giebt die Erklärung ab, daß er keineswegs habe sagen ivolle», daß er an einem andern Orte nicht thätig sein werde. Nur gegen die Ziveckmäßigkeit der Sitzverlcgnng habe er sich gewandt. Nunmehr kommt die Strciksrage zur Behandlung. Auch hierzu giebt H o lz h ä u s e r das einleitende Referat, der auf die Ueber- stürzung der meisten Lohnbeiuegungen hinweist. Gründlichste In- sormatio» ist nötig. Man muß für bessere Fundamentierung der Lohnbeiveguiigen sorge». Die Tariffrage ist gleichfalls vorsichtig zu behandeln. Dies alles muß berücksichtigt werden und die Debatte wird an der Hand der Anträge das weitere ergeben. Nunmehr werden einzelne Anträge begründet und dann wird von der ivcitcren Begründung Abstand genommen und darauf die Sitzung geschlossen._ Atts dvr Jfcmicii&cmcflmta» Eklavenlebcn jüdischer Arbeitcrinneu tu Rusjland. In der Tabakfabrik von Lurge u. LeiseroivSky in D w i n S k war die 16 Jahre alte Arbeiterin Peiffachoivitsch von den Fabrik- beninten Fisch, Rappoport und Steinmann abends unter einem Borwande in der Fabrik aufgehalten, dann gewaltsam trunken gemacht und vergewaltigt worden. Am andern Morgen erzählte st« den Vorfall weinend ihren Mitarbeiterinnen, denen ihr verstörtes Wesen aufgefallen war und die deshalb in sie gedrungen waren. Die Arbeiterinnen, erregt und aufs tiefste empört, legen die Arbeit nieder. Man ruft den Fabrikinspektor herbei. In Erwartung de« Inspektors tuenden sich die hitzigsten Arbeiterinne» an den anwesenden und ganz kaltblütigen Ansel Fisch. Der grimmig ihn anschreienden Menge antwortete er:„Was wollt Ihr? WaS geht's Euch an: das ist doch nicht Euch passiert!... Die dumme Person da lügt! Und überhaupt, wenn man Euch alle visitieren wollte. nian ivürde keine einzige Unschuldige unter Euch finden! Schreit nicht! Da kommt der Herr!... Erdreistet Euch nur. in seiner Gegenwart von der Arbeit fernzubleiben! Er wird den Polizei« ineister herrufen und den Militärarzt, mau wird Euch alle auf der Stelle untersuchen und allen Schreierinnen gelbe Pässe geben! Dann könnt Ihr klagen gehen, Ihr Schlampen! Diese Drohung wirkte. Die Arbeiterinnen schwiegen. Einige nehmen die Arbeit auf, andre weinen. Als der Inspektor kam. erzählten ihm die Arbeiterinnen das Vorgefallene und einige ähnliche Vorgänge, die alle denselben Ansei Fisch zum Helden haben. Nach Ostern dieses Jahres hatte er auf dieselbe Weste die Zirel Nordin entehrt, Mina und Sarah Fleisch« mann, 14 und 16 Jahre alt, hatte er unehrlich gemacht und ins Freudenhaus abgeliefert; am 3. Juni wollte er der Chaja Sclbet Gewalt anthun, als sie in der Mittagspause im Sortierzimmer schlief usw. Sie erzählten ferner, daß Ansel Fisch gemeinsam nnt Hirsch Steinmann und Mendel Rappoport, die 12- bis 13 jährigen Arbeiterin»»«» systematisch verderben und unehrlich machten, indem sie ihnen Süssigkeiteu gäben und unzüchtige Reden mit ihnen führten. Sogar der Fabrikinspektor war empört:„Der Peissachowitsch 40 Rubel auszahlen von dem Gehalt« des Fisch, Steinmann und Rappoport!" befahl er;„Fisch, Steinmann und Rappoport werde» entlassen und der Kriminalverantwortung unterzogen!" setzte er rasch hinzu. Aber da blieb er plötzlich still, da er einen bösen Blick des Fabrikanten LeiseroivSky aufgefangen hatte. Dieser selbst ist auch aufgeregt:„Untersuchung, Gericht!" Alte Arbeiterinnen können sich noch der Zeit erinnern, Ivo der ehrwürdige Fabrikant selbst sich der- selben sauberen Beschäftigung hingab wie jetzt sein Meister Fisch. „Ich bürge für meinen Meister und für meinen Buchhalter," sagt er mit wichtiger Miene;„ich schwöre, daß sie ehrliche Männer sind. Diese Arbeiterinnen Ingen alle, alle sind liederlich... sind Streik- macherinnen und Socialistinncn.... Ich werde sie alle entlassen und sie durch russische ersetzen, dann wird es in meiner Fabrik keine Skandale geben."„Daß es nur keine Bestechung gebe!" schreit ihm eine Arbeiterin aus der Menge ins Gesicht. Die Folgen des Dramas: Der Vater prügelte die Peissachowitsch durch; der Bruder soll von LeiseroivSky 25 Rubel bekommen haben; Fisch& Co. bleiben nach wie vor in der Fabrik; LeiseroivSky hat den jüdischen Mädchen angezeigt, daß er sie nach zwei Wochen entlassen werde. Er werde diese Drohung erfüllen, wenn die Mädchen nicht zum Inspektor gingen und ihm sagten, daß die Gerüchte über Fisch u. Co. ganz unbegründet seien. Unter den Arbeiterinnen beginnt sich schon der Kleinmut zu zeigen. Wie wir gehört haben. sind fünfzehn Mädchen, in der Furcht anfS Pflaster geworfen zu werden, zum Inspektor gegangen, aber dieser soll sie fortgejagt haben. ES war keine leere Drohung, wenn Fisch von„gelben Päffen" sprach. Wie bekannt verhaftete im April dieses Jahres die Polizei in'Libau viele Arbeiterinnen in einer Arbciterversammlnng; alle wurden medizinisch untersucht und vielen„gelbe Pässe" mit« gegeben. Dieser„gelbe Paß", der Paß, den in Rußland die der Polizei bekannte Prostituierte bekommt, schivcbt ivie ein Damoklesschivert über dem Haupte einer jeden an der Bewegung beteiligten Arbeiterin. Jetzt ivird jede noch so opferbereite Arbeiterin unschliiisig werden.„Aber die Ausgabe von„gelben Pässen", schreibt der„Allgemeine jüdische Arbeitcrbund für Litauen, Polen und Rußland" in seinem letzten Bulletin„fängt an, System zu werden. Gegen dieses System empfehlen wir Widerstand mit allen und den verziveifeltste» Mitteln. Dem kleinsten derartigen Versuch der Polizei- macht ninß sofortiger, entschiedener Massenwiderstand entgegen- gehalten werden."_ Loliollvs. Wie die Hausbesitzer daö Fett abzuschöpfen suchen. Der Vau des zweiten Rathauses, der für«ine Reihe von Jahren Hunderte von Arbeitern beschäftigen wird, hat bei den R e st a u r a t e u r e n der den Bauplatz umgebenden Straßen, der Stralaner-, Jüden-, Parochial- und Klosterstraße, begreiflicherweise die Hoffnung rege gemacht, daß ihnen in den nächsten Jahren eine reiche Ernte beschieden sein ivird. Dasselbe haben sich auch die Hausbesitzer gesagt und nach altem hausagrarischen Brauch haben einzelne Eigen- tümcr derjenigen Häuser, in denen Nestaurationen bereits bestanden oder mit Rücksicht auf den RathanSban neu eingerichtet wurden, stch beeilt, sich ihren Anteil an dem von den Restaurateuren erivarteten Gewinn im voraus zu sichern. Für einige der in Be- tracht kommenden Restaurationen ist die Miete gesteigert worden bczw. soll sie nächstens gesteigert iverden. Zum Teil ivird die Steigernng ausdrücklich damit begründet, daß der Bau den Restaurateuren größeren Verdienst bringen werde. Nun hat sich aber herausgestellt, daß auf dem Rathaus- Bauplatz eine eigne Kantine eingerichtet wird, für die der„oben" gut angeschriebene NatSkellerwirt die Lieferungen und eine von ihm abhängige Persönlichkeit die Verwaltung übernehmen soll. Da wird auS der„reichen Ernte" der andren Gast- Wirte ivahrscheinlich nicht viel iverden. Die Hausbesitzer hindert das natürlich nicht, ihren„Gelvinnanteil" einzusacken, noch ehe von dem Gelvinn auch nur ein einziger Pfennig vorhanden ist. Der eine oder der andre von ihnen wird aber am letzten Ende vielleicht doch merke», daß auch er sich verrechnet hat. Schon mancher Hausbesitzer hat ssch dadurch selber hineingelegt, daß er die Ladcnmieten sinnlos steigerte. Er mußte es schließlich erleben, daß er seine Mieter um ihren Erwerb und sich selber um die Mieten brachte. Vom alte» Votanischeu Garten.„Dieser Platz ist bis auf iveiteres zum Spielen für Kinder freigegeben." so lautet die Auf- schrift einer Tafel am Gelände um die„Alpen" des alte» Botanischen Gartens an der PotSdamerstraße. Von diesem ihnen zugestandenen Rechte mache» sie natürlich in umfassendster Weise Gebrauch, indem allerlei Steig- und Rutschpartien nach und von den Höhen unter« nomnien werden, während die Kleinsten der Kleinen gleich Hcinzel- Männchen mit Harke, Schippe und Blechgefäß ausgerüstet an den Abhängen buddeln. Die Standenflächcn sind zum größten Teil geräumt und die Gewächse von ihnen»acki dem neuen Garten verbracht worden. In Bezug auf die großen KaktuS- und Agaven-Hügel- gruppe» ist noch alle? beim alten geblieben, und in letzterem habe» einige Geivächse bis 3 Meter hohe kerzengerade Blütenstände ge- trieben. Die Berliuer Zu- und Aortzugövcrhitltniff« haben in der letzten Zeit ivieder eine Wandlung erfahren. Die Verminderung der Zuzüge nach Berlin, die fich das ganze vorig« Jahr hindurch stark bemerkbar gemacht und noch bis in den April de? laufenden Jahres angedauert hatte, ist mit Beginn dieses Sommers zum S t i l l st a n d gekommen. Die Monate Mai»nd Juni 1902 zeigen mit rund 18 000 und 16 200 Zuzugsmeldungen bereits ivieder eine recht ansehnliche Zunahine gegenüber den- selben Monaten deS Jahres 1S01, auS denen 16 306 und 14 710 Zuzüge gemeldet worden waren. Andrerseits hat die Ver- Mehrung der Fortzügc aus Berlin seit Mai 1902 ivieder einer Verminderung Platz gemacht. AuS den Monaten Mai und Juni d. I. find rund 14 600 und 12 700 Fortzüge gemeldet worden, während aus denselben Monaten des VorzahreS 15 046 und 15 235 Perjonen als fortgezogeu gemeldet worden ivaren. Für Mai und Juni zusammen sind im laufenden Jahre die ZuzugSmeldungen um rund 2200 über diejenigen de« Vorjahre« hinausgegangen und gleichzeitig die Fortzugsmeldungrn um rmid 8000 hinter denen des Vorjahres zurückgeblieben. Bei dem Ordenösegen an« Anlaß de« italienischen Besuchs sind auch die Spitzen»nftcr städtischen Behörden nicht zu kurz ge- kommen. Der König von Italien hat dem Oberbürgermeister K i r s ch» e r den Orden zur Eisernen Krone mit dem Stern, den beiden Stadtbauräten Krause und Ludwig H o f f m a n n da« Offizierkreuz zum St. Mauritius-Orden und dem Gartenbaudirektor Mächtig sowie den beiden Stadtbauinspektoren Matzdorf und S z a l l a das Ritterkreuz zum St. Mauritius- Orden verliehen. Hoffentlich wiffen die Herren das Geschenk seinem Werte nach zu würdigen. AuS der MagtstratS-Gitznug vom Freitag. Der Magistrat hat beschlossen, obgleich die dritte städtische Irrenanstalt in Buch noch nicht vollendet ist, daS Programm für den Bau einer vierten städtischen Irrenanstalt von der zuständigen Deputation auf« stellen zu lassen. Diese vierte Irrenanstalt dürfte ebenfalls nach einem Vorort und zwar in die Nähe von Buch kommen. Tie Sistierungen von Tischlergescllen mehren sich in auf« fälliger Weise. Heute wird uns darüber folgendes mitgeteilt: In der Möbelfabrik von H ü ls en b e ck, K r o I l u. Eo., Warschauer« stratze, hatten die Gesellen die Arbeit niedergelegt, weil der eine Firmeninhaber die Wiedereinstellung eines entlassenen Kollegen ver« weigerte. Letzterer hatte nämlich das in den Augen des gestrengen Arbeitgebers als fluchwürdig betrachtete Verbrechen begangen, mit einem durch den berühinten Arbeitsnachweis der Tischler«Jnnung eingestellten Gesellen wegen dessen unsolidarischen Verhaltens Rücksprache zu nehmen, was diese» veranlaßte, freiwillig wieder die Werkstatt zu verlassen. Da Herr Hülsenbeck trotz aller Bemühungen des Jnnungsnachwelses nur 6 Arbeitswillige anstatt der gebrauchten 150 bekommen konnte, so scheint sich seiner eine hochgradige Erbitterung gegen die Streikenden bemächtigt zu haben. Vor einigen Tagen wußte er es zu veranlassen, daß ein von ihm als Streikposten bezeichneter Holzarbeiter von einem Polizei- lieutenant und zivei Schutzleuten aus dem Litfinschen Lokal in der Warschauerstraße herausgeholt und verhaftet wurde. Am selben Tage ließ er in dieser und andren benachbarten Wirtschaften noch vier iveitere Verhaftungen vornehme». Da« Auftreten de« Herrn hatte zur Folge, daß ihm die Wirte ein für allemal ihre Lokale verboten. Ein großer Straßenauflauf entstand, als H. die Sistierung deS Tischlergesellen Kl uck forderte, der al« Unbeteiligter mit seiner Fran das Lokal von Hanne, Warschauer» straße 69, verließ. K. wurde thatsächlich vom Arme seiner Fran weg zur Wache gebracht. Zwar wurden sämtliche Sistierte nach Fest- stellnng ihrer Personalien wieder entlassen, doch zeigt sich an diesen Vorkoniinnissen auf daS deutlichste, wie überaus dienstfertig die Polizei ist, wenn ein Arbeitgeber sie gegen streikende Arbeiter be- nutzen will. Ob die Polizei wohl ebenso schnell mit der Ver« Haftung eines Fabrikanten bei der Hand wäre, wenn sich ein Arbeiter von diesem„belästigt" fühlte? Ein schlimmes Andenken an Berlin wird ein Sachsengänger« Ehepaar ans Ungarn mit nach Hanse nehmen. Der Landarbeiter Anton Nagy aus Osinvarz in Sudungarn war ini Frühjahr von einem Rittineister v. Arnim auf Augustfelde im Kreise Prenzlau als Vorschnitter in Arbeit genommen worden. Auch seine Fran hatte auf dem Gute Beschäftigung gefunden. Verschiedene Mitzhelligkeiten beivogen den Ungarn, bei dem Rittmeister um die' Entlassung einzukominen. doch Ivurde dies Ersuchen abgeschlagen. Nagy verließ darauf sefiie Stellung: der Gutsbesitzer v. Arnim behielt aber von dem Arbeiter nicht allein 176 M. Kaution ein, sondern ivcigcrte sich auch, die Papiere der Leute heraus« zugeben. Das Ehepaar ivandte sich nun nach Berlin und fiel hier' am Donnerstag einem Schivindler in die Hände, der es verstand, den ortsinikundigen Mann unter allerhand Vorspiegelungen um 23 M. zu erleichtern. In seiner Hilflosigkeit brachte da« Ehepaar die Nacht zu gestern im städtischen Asyl für Obdach- lose zu; als der Mann am Morgen erwachte, machte er eine neue schlimme Entdeckung, man hatte ihm lm Asyl seine Uhr gestohlen. Ratio« irrten die Leute nun abermals in der Stadt umher, bis sie endlich nach dem östreichisch« ungarischen Konsulat gebracht wurden. Hoffentlich hat man fich dort mit der nötigen Entschiedenheit ihrer Rechte angenommen. VirchowS Befinden. Wie man der„Voss. Ztg." aus Bad Harzbnrg meldet, ist erfreulicherweise in dem Befinden VirchoivS plötzlich eine ganz staunenSiverte Besserung eingetrcten. Der greise Gelehrte trifft am Sonnabendabend in Berlin ein. Hoffentlich hält die Besserung fortdauernd an. Wege» eines Geldverlustes erschossen hat sich am Donner«- tagnachmittag um 4 Uhr der 73 Jahre alte frühere Zörster Karl G r a Ii d k e aus der Lessingstr. 67. G. war früher 23 Jahre lang Förster in Ebersivalde. lebte seit 16 Jahren als Witlver im Ruhe- stand und wohnte mit einem unverheirateten Sohn zusammen im Keller des Seitenflügel«. Vor einiger Zeit verlor er die Summe von 4600 M., die er ausgeliehen hatte. Darüber wurde er schwer« niütig. DonnerStagnachinittag fiel in der Wohnung deS Greife« ein Schuß und Hausbeivohner fanden ihn auf dem Sofa sitzend mit einer Wunde in der Brust. Der geladene Revolver lag neben ihm. Ein Arzt konnte nur den nach einige» Minuten eingetretenen Tod fest- stellen. Bei lebendigem Leibe verbrannt ist am Freitag früh um 10'/« Uhr der dreijährige Sohn Ernst der Witive Stibba in deren Wohnnng Qnitzoivstr. 131. Ans nnbckauiit gebliebener Ursache war in der Wohnung der Frau Stibba Feuer ausgekomineu, während die Mutter abwesend war. Als daS Feuer von Hausbeivohner» bemerkt tvurde, drangen beherzte Leute in die verschlossene Wohnung ein. In der Nähe des Ofens in der Küche brannte Wäsche und Papier. Die Flammen hatte» die Kleidung des Knaben erfaßt und verbrannt. Die Brandtvunden ivaren so schwer, daß keine Hilfe mehr möglich ivar. AIS die Fencrivchr erschien, wurden Wieder- bclebungsversnche gemacht, indes ivaren alle Beinühnugen vergeblich. Die Flaunnen konnten bald gelöscht werden. Zehn Taschendiebe und ein SittltchkeitSverbrecher, die bei den« vorgestrigen Gedränge im Trüben fischen z» können glaubten, ivnrden von der Kriminalpolizei abgefaßt und in Sicherheit ge- bracht. Der SittlichkeitS-Verbrecher hatte fich, nachdem die polizeiliche Absperrnng anfgehobcii ivar, in dem starken Ge- dränge nicht weit vom köiigliche» Schloß an ein Schnlmädchen herangemacht und es in strafbarer Weise berührt. Damit »och' nicht zufrieden, verfolgte der verkommen« Mensch da» vor Angst enlfliehende Kind bis Hinter dem Gieß« Hanse und wollte es dort in einen Hausfliir schleppen. Al« Polizeibeamte, die ihn schon beobachtet hatten, jetzt zngriffen, setzte er sich kräftig zur Wehr, so daß er gefesselt abgeführt werden mußte. Auf der Wache vcrivetgerte er jedivedc Auskunft. Auf dem Polizeipräsidium aber tonnte mis Vorgängen festgestellt werden, daß man«incii alten Kunden gepackt hatte. Es ist der bereits siebenmal ivegen ähnlicher Verbrechen bestrafte Buchhalter M, ein Mann von 44 Jahre», der guten HerkonnnenS, verheiratet und Vater von drei Kinder» ist. Nnnmehr legte er ei» Geständnis ab und ivurde dem Unter« suchnngsrichter vorgeführt— ZU den eingebrachten 10 Taschendieben gehöre» zwei internationale, schon mehrfach mit Zuchthaus bestrafte Verbrecher. Der frühere Schneider Franz Si c i b i ch hatte Berlin seit Jahren gemieden, iveil er hier jedesmal abgefaßt ivurde. Der Einzug des Königs von Italien hatte in ihm die Sehnsucht nach der Neichshanptstadt erweckt: er ivollte sein Glück von neuem versuchen und war in der Erwartnng auf eine gute Ernte von Rotterdam hier eingetroffen. Der Zufall fügte, daß er von einem alten Kriniinalbeamteii, der ihn aus früherer Zeit kaiuite, bemerkt und abgefaßt wurde, als er einem holländischen Kaufmann die Geldtasche stibitzt hatte. Er wurde znr Herausgabe der Beute veranlaßt, noch bevor der Bestohlene den Verlust bemerkt hatte und mußte bei den Verhandlungen mit seinem nicht deutsch sprechenden Opfer den Dol« metscher spiele».— Ei» Zweiter, der„Dochsel* aus Miincheu, wurde ertappt, als er Nuter de» Liuden eiueni Herr» die Uhrkette ab« gekuippst und die Uhr inr Werte von 800 Mark an sich gebracht hatte. Auch er sitzt inr UutersuchuugsgefäugniS. Die übrigen acht gehöre» der Berliner Zunft an; drei von ihnen sind noch nicht be- straft. Unter diese» befindet sich ei» 1ö Jahre altes Mädchen, das von den Eltern zum Einholen ausgeschickt war, die günstige Ge- legenheit aber benutze» ivollte, um sich durch Taschendieberercicn einige Mark zum Naschen zu holen. Bei allen wurden gestohlene Portemonnaies gefunden. Baniiiifall. Schon wieder hat sich auf dem Neubau der Firma Scharnke in der Liitzowstrahe ein schtvcrer Unfall ereignet. Der Maurer Palm anZ der Apostel Paulusstrahe in Schöneberg war im Begriff, die zum Mauer» gebrauchte Flnchtschnur au seinem Pfeiler nni eine Schicht zu erhöhen. Uni dieses zu beiverkstellige», »»uhte er von innen heraus um den Pfeiler herumgreifen; er hielt sich mit der ander» Hand an einem hcranSgeslrccklen Stein. Hierbei brach der Stein ans seiner Lage, Palm verlor das Gleichgewicht und fiel etiva zwei Meter tief nach anhen auf einen eingemäncrten Träger. Er wurde nach dem Elisabeth-Krankcnhanse in der Liitzotu strahe gebracht, woselbst eine schwere Nippen- und Niercnquctschung konstatiert wurde. Zwei weitere schwere Baiinnfäkle ereigneten sich gestern nachmittag. Der Tapezierermcister Gustav Koch ans der Tilsiter« strahe 33 gliit auf einem Neubau von der Leiter und stürzte so unglücklich, das; er sich einen doppelten Unterschenkelbruch zuzog.— In der Bahnhofstr. 30(verlängerte Gnrtelstrahe) stürzte aus der Höhe des zweiten Stockwerks der Maurer Licmann in die Tiefe. Er erlitt einen komplizierten Armbrnch und schtvere innere Per- letzungen. Lebensgefährliche Brandwunden erlitt Frcitagnachmittag die LSjährige Arbeiterin Anna Wiisteiiberg, die in der Spiclhagenfchen Seifenfabrik in der Nostizstrahe 30 beschäftigt war. Das sonst sehr zuverlässige Mädchen war beauftragt worden, in einem Arbeits- räume des zweiten Stockwerkes Bohnermasse über Dampf zu kochen. Aus noch nicht festgestelltem Grunde ging aber die Arbeiterin in einen andren Raum und setzte bier die Bohnermasse über Gasfeuer. Im Nu kochte die Masse über und fing Feuer, dessen Flammen auch sofort das Mädchen erfahten. Laut um Hilfe rufend rannte das lichterloh brennende Mädchen im Naume herum, konnte aber in seiner Angst den Ausgang nicht finden, zumal da eine enorme Berqualmung eingetreten war. Auf die Hilferufe eilten Arbeiter der Fabrik herbei und erstickten die Flammen durch anfgeivorfene Tücher. Der Körper der Unglücklichen war schrecklich verbrannt. Sie ivurde sofort nach dem Krankcuhanse .Am Urban" geschafft, Ivo sie zur Zeit hoffnungslos daniederliegt.— Im übrigen war Berlin in den letzten 24 Stunde» feuerfrei. Strastcnsperrnng. Die Koppenstrahe von der Pallisaden- bis zur Friedcustrahe ivird behufs Asphaltierung vom 1. l. Mts. an, bis auf tveitercs für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Bor die Maschine eines Giiterznges sprang gestern vormittag von der hölzernen Uebersübrung der Geleise des SüdriugcS unweit des Bahnhofs Haleufce die 30jährige Kaufmannsfrau Luise Z.. die vor einigen Tagen aus Afrika zum Besuch von Verivandten nach Halensec gekoinmen tvar. Ein Unglück wurde jedoch verhindert, iveil der Güterzug au der betreffenden Stelle zu halten pflegt, so dah die Maschine vor dem auf den Schienen liegenden Körper zum Stehen tarn. Bahnbeamte hoben die Unglückliche, die anscheinend innere Berletzungen erlitten hat, ans und brachten sie nach dem Stations- gebände des Haleuseer Bahnhofs. Bon dort wurde sie im Stvade- scheu Krankenwage» nach dem Charlottenburger Krankenbanse gebracht Ein langes, schweres Nervenleiden ist das Motiv der That. Wiif der Treptow- Ttenitvarte wird jetzt täglich die VeuuS schon am hellen Tage von nachmittags 2— ö Uhr den Bcinchern gezeigt. Soniv tag, den 31. August, spricht Direktor Archenhold um 5 Uhr über die „Bewohnbarlett der Welten" und um 7 Uhr über.Jupiter und Saturn welche Planeten während der ganzen Woche in den frühen Abendstunden beobachtet werden. Das Institut bleibt während des Monats September noch bis 12 Ahr abends geöffnet. Zusage zu de», Projekte erteilt hat, stellt nämlich die Bedingung, daff der Unterricht nur solchen Lehrkräften übertragen werden darf, welche die erforderliche Befähigung erworben haben. Auch wird mit der Einrichtung realgymnasialer Nebenklassen die städtische höhere Mädchenschule in Schöneberg der Aufsicht des königlichen Provmziab Schulkollegiums in Berlin unterstellt. Schöneberg. Die Einführung unsres Genoffen Obst in das Stadtparlament wird in der nächsten Stadtvcrordneten-Sitzung am Montag erfolgen. Bekanntlich erhielt unser Genosse in dem viekiimstrilienen vierten Bezirk gegen den Kartellkandidaten Bäcker meifter Polenz in der Nachwahl an, 17. Juni die Mehrheit. Die Rechtmässigkeit der Wahl wurde darauf angefochten. Hoffentlich werden die Gegner mit ihrem bei», Kreisausschuß eingelegten Protest kein Glück haben. Der Militärstaat. AuS Spandau wird berichtet: Auf recht eindringliche Art ivurde hier am Donnerstag einen, auswärtigen Milchhändler plausibel gemacht, welche Sonderrechte das Militär in Prcnhen-Deutschland vor jedem gemeinen Civiliste» genieht. Eine grössere Abteilimg Militär passierte auf dem Marsche unsre Stadt; natürlich verursachte dies für einige Zeit die gewohnte Verkehrsstörung. Der Milchhändler Ramiii aus Gatow, der durch das marschierende Militär verhindert ivurde, seine auf der andern Seite der Straffe wohnenden Kunden zu bedienen, benutzte eine Lücke in dem Zuge, zwischen zwei Sonderabteilungen hindurch- zuichliipfen. Dieses Vergehen ivurde von dem befehligenden Offizier sofort geahndet, indem er den dreisten Civilisten, von zwei Soldaten in die Milte nehmen und ihn der Polizei übergeben lieff. Wir sind begierig zu erfahren, welcher Gesetzcsparagraph ausreichend sein ivird,' das fürchterliche Vergehen des Milchhändlers a n- gemessen zu bestrafen._ Freireligiöse Geineinbe. Sonntag, den 31. August, vorinittagS 8'/, Ilhr, in der Aula der KS. Gemeindeschule, Kl. Frankfurter st r. 6: Versamiiilnng. Freireligiöse Vorlesung. Um 103/4 Uhr vormittags ebendaselbst: Vortrag des Herrn Dr. Bruno Wille:„Die Bergpredigt. III." — Gäste, Damen und Herren, sehr willlomine». VermiMztes. Palast-Theater. An, 6. September eröffnet Herr Direktor Richard Winkler als nunmehr alleiniger Leiter dieses Theaters die Wintcrspielzcit. Er hat für die Eröffnungsvorstellung den Rosenschen Schwank„Fromme Wünsche" gewählt. Auf der Radrennbahn Kurfitrstendamin waren Robl, D i ck e u t m n n n, R y s e r und S a l z m a n n schon eifrig an der Arbeit, im» für die morgen staltfindendeu Dauerrennen über die 10, LS und S3 Kilometer gut vorbereitet zu sein. Dem Ausgange der beiden kürzeren Konkurrenzen sieht man mit berechtigtem Interesse entgegen, da Robl in Dickentmann und Ryscr sehr scharfe Gegner findet, die über diese Strecke ihn, mindestens ebenbürtig sind. Der kleine Engländer Michael, den die Direktion verpflichtet hatte, ist bis zur Stunde nicht eingetroffen. Tegel und Umgegend. hält der Wahlverein bei Krause, Ans den Stachbarorten. Jeden Mittwoch, abends O'/s Uhr, Berlinerstr. 93, einen Diskutier- abend ab; die Mitgliederversammlung findet Mittwochs nach dein 16. im Monat bei Klippenstein statt. Am nächsten Dienstag wird bei Trapp eine Volksversammlung abgehalten, in der Redacteur Karl Schulz spricht. Nen-Weificnsee. Die Anstellung eines Schularztes vom 1. April 1903 ab hat die letzte Genieindevertreter-Sitznng bc- schloffen; jedoch nicht ohne längere Debatte, denn die einen be- trachteten die Anstellung als«Modesache", während die andren„im Princip" dafür waren, aber— Vertagung beantragten. Nur von unsrer Seite wurde ganz energisch für die Anstellung wenigstens eines Schularztes gestritte». Die bürgerlichen Herren gerieten ganz aus den, Häuschen, als ihnen„der neue eingelretenc Kollege" Schumann(Soc.) jedes sociale Verständnis absprach. Gegen fünf Stimmen wurde jedoch der Autrag angenommen.— Ein in der Nähe des Rieselfeldes belegenes Grundstück wurde anzukaufen beschloffen, um den dort beschäftigten Beamten und Arbeitern Wohngelegenheit zu geben.— Einen Antrag eines Alt-Weiffenscer Bürgers auf Auschluff seines Grundstückes an die hiesige Kanalisation, welcher in einer vorhergehenden Sitzung abgelehnt war, wurde diesmal zugestimmt, weil der Amtsvorsteher bereits schon früher die Erlaubnis für Legung der Röbren usw. erteilt hatte. Zum Unschluff an die Wasserleitung ist die Gemeinde kontraktlich verpflichtet.— Ein früheres Gesuch an die„Groffe Berliner", die von ihr durchfahrenen Straffeuteile regclinäffig zu sprengen, wurde von der Gesellschaft abgelehnt; es soll nun- mehr beantragt werden, eine Polizei- Verordnung in diesem Sinne zu erlassen.— Der Cuxhaveuerplatz wird umgetauft und zwar erhält er den Namen„Mirvach-Platz". Dieser Platz, auf welchem die neue Kirche steht, soll mit geräuschlosem Klein Pflaster delegt werden.— Einer beanlragten Aenderung der Stencrordnung über die Aufbringung der direkten Gemeindesteuern wurde nicht zugestinimt, jedoch steht zu erwarten, daff die Einkoimneiisteuer in, nächsten Jahre wiederum herabgesetzt wird.— Die in der letzten Gewerkschasts- Versammlung gefaffte Protestresolution betreffend die frühere Eröffnung des Gewerbe- gerichts wurde nicht vorgelegt. Sie wurde auf eine Anfrage von, Porsitzeudei! dahin beantwortet, daff jetzt nichts mehr zu machen sei, denn das Ortsstatut liege bereits der Regierung zur Ge« nehinigung vor. Zu der vom Schönrbergcr Magistrat geplanten Errichtung eines Mädcheu-RealgyiiinafitiuiS ist der Stadtverordneten-Ber- sainnilung„unrnchr eine Vorlage zugegangen, sich damit einver- standen zu erklären, daff an der höheren Mädchenschule von Ostern 1903 ab ein sechsjäbriger Lehrgang für Mädchen, welcher zu den Zielen eines NealgymnasiuinS führt, eiiigerichlet und daff zu demselben Zeitpunkte an der höheren Mädchenschule«ine Oberlehrer- stelle errichtet wird. Die Regierung, die den, Magistrat« bereits ihre Rettung eines gestrandeten russischen SchiffeS. Die RettnugSstation Anirum der Deulschen Gcscllchaft für Rettung Schiffbrüchiger telegraphiert:„An, 23. August sind von der hier gestrandeten russischen Bark„Delta", Kapitän B e h r s i n, mit Asphalt von Trinidad»ach Hamburg bestimmt, elf Personen durch das ReltungSboot„Emil Robin" von der Nordstation gerettet. Stürmisches Wetter und hoher Seegang. DaS Boot war 6 Stunden unterwegs." Pulverexplosion. Aus Clermont-Ferraiid wird telegraphiert: In der Patrouenfabrik zu P r a d e l l e s erfolgte gestern in einem Räume, in welchem eine Frau beschäftigt war, eine Explosion von 150 Kilo Pulver. Das ganze Gebäude wurde zerstört und in einer Umgebung von 160 Meter zahlreiche Fenster und Thören eingedrückt. Von der Frau wurden mir noch einige Körperteile gefunden. Truppen sind mit den Nettiiugsarbeiten beschäftigt. Der allgciiiciiie Kircheukrach. Die„Vossische Zeitung" schreibt: Nicht nur Italien ist in Sorge um seine Baudenkmäler, auch die Londoner halten sich in den letzten Moualen wiederholt mit dem bc denklichcn Zustand ihrer kolossalen St. P a u l s- K a t h e d r a l e in der Cily, die 1676 bis 1710 in Kreiizesform, mit einer mächtige Kuppel erbaut wurde, zu beschäfligcu.„Die Gefahr, in der die Paulskirche durch unsichere Fundamente schwebt." so äuffcrt sich ein Sachverständiger, der eine sorgsälligc Prüfung vorgenoinmcn hat,„ist nicht übertrieb«»; es wäre schwer, den Ernst der Lage zu übertreiben." Er bestätigt durchaus die ernste Warnung, die der Architekt der Kirche, Somers Clarke, den Kircheubehörden übermittelt hat.„Sogar wenn man mit der Architektur gar nicht vertraut ist. wird man von den gähnenden Nissen, die sichtbar sind, wenn man auf dem Dach des Portikus ist, betroffen. Als ich vor einige» Wochen oben auf dem südlichen Portikus war, bemerkte ich, daff der sich vom Fundament bis nach oben erstreckende Riff oben thatsächlich 5 Zoll breit ist. Die Oeffuungen des westlichen Portikus zu beziehen habe.— R. T. 10. Ja: Sie müßten einen Psändungs- beschluß beim Gericht erwirken.— Bruch. Ein Wiederausnahnie-Versahrcii ist in Ihrem Fall unmöglich.— G. B. 40. Leider nein.— A. Ja. — Schornsteinfeger Erich. Zwischen� und 20 M.— Strafgeld für Gasrechnung. Das beabsichtigte Schreiben enthält eine zwecklose Bc- leidigung.— M R. R. 1. Eine Frau darf erst zehn Monate nach der Auflösung oder Nichtigkeitserklärung ihrer früheren Ehe ciuc neue Ehe ein- gehen. Bon diesem Ehehinderms kann dispensim werden. Der Antrag aus Dispens ist zweckmäßig, unter Beifügung eines Hebammeiiattestes, an das Amtsgericht zu richten. 2. Wenden Sie sich an einen Kammerjäger zwecks Vertilgung des Ungeziefers.— Wie. 1. Formulare für die AuS- trittöerklärung ans der Landeskirche erhalten Sie bei Adolf Hoffmann, Blumenstr. 14. 2. Bon, Ausgang des auf Ihren Austritt folgenden Kalenderjahres ab, also wenn Sie 1902 austreten, vom 1. Januar 1904 ab, sind Sie kirchenstcuersret.— A. T. Nein. — H. K. 100. 1. Das ist zulässig. 2. Wollen Sie Hebamme werden, so wenden Sie sich an das Polizeipräsidium. Bon dort werden Sie zu einer Borprüfmig zum Stadtphystkus beschieden. Die Borprüfung erstreckt sich auf Rechnen, Lesen, Sehen, Wahrnehmen usw. Ist diese Prüfung be- standen, dann wenden Sie sich abemialö an das Polizeipräsidium. Dann erfolgt Ihre eventuelle Zulaffung zum Kursus in der Charits. Dieler kostet gegen 300 M.— H. K. 1. a) Nur auf ausdrücklichen Beschluß des Ge- richts. b) und o) Ja.— L. Z. Sie kömieu mit Aussicht auf Erfolg Klage beim Gewcrbegericht erheben.— Ehe 100. 1. Nein. 21 Jahre alte Kinder bedürfen keiner elterlichen Einwilligung. Die von Ihnen gemeinte Borschrift bezieht sich aus 18—21 Jahre alte, für volljährig erklärte Kinder. 2. und 3. Wenden Sie sich an Ihre Geivcrkschaft. 4. Nein. 5. Nein.— H. D. 1000. 1. Man muß überall anmelden. 2. Das zu beantworten ist ohne Darlegung der gesamten ausländischen Patent-Gcietzgebilng nicht angängig. Wenden Sie sich an einen Patentanwalt.— W. W. Nein. — Adolf Sch. Zillmerei, Zillmersche Sieckuuuigsiiiethode, Zillmerschcs System ist ein bei einigen VerftchcruiigSgeselischaften angewendetes System zur Berechnung und Deckung der Prämien rcserve. Das System ist vom Mathematiker Zillmer erfunden. Nach der Zillmerschen Melhode wird aus der ersten Jahresprämie nichts oder nur wenig in die Prämienreserve zurückgestellt, vom zweiten Jahre ab fließt in die Prämienreserve mehr als bei der unverkürzt zurnckgestellteii Prämienreserve. Die Zillmerei ist im Reichstag bei Beratung des Z 11 des Gesetzes über die privaten Bcr- sichenmgsunieriiehnmnaen vom 12. Mai 1901 eüigeheud besprochen.— N. L. 37. Sie müssen ans dem Juslizministerinm selbst anfragen.— F. O. LO. Rein, der Anspruch auf Rückerslaiiniig kann seitens der jungen Ehefrau nur innerhalb eines Jahres nach der Berchelichmig erhoben werden. — Zwei Streitende 100. 1. Ja, auf besovbere Genehmigung hin. 2. Silbern, vergoldet.— M. W., Neii-Wciffciisee. Sie sind im Recht. WitterniigSübersicht vom SO. August 100S, morgens« llhr. sind nicht ganz so breit; aber die architektonischen Formen dieses flachen Daches machen es gefährlicher und gecigncler zum Ziisanimen- vrechcn. Die Lage ist sehr ernst und Aiisinerksamkeir dringend nötig. Die Grimdschivellcii der Kirche an der ganzen Südseite und ein Stückchen um die ivcstliche Ecke hcriiin müssen iintermanert werden. Wenn es sich Nicki um die Natwnalkirche handelte, könnte man vorschlagen, daff sie dürftig ausgebessert würde; aber inan wird schliefflich doch dazu kommen müssen, frische Fimdaineiite zu legen, wenn die Kirche erhalten werden soll. Die Kathedrale würde unter den Bedingungen, unter denen sie gebaut ist. sehr gut gestanden haben, und der Architekt Christopher Wren tonnte keine andern voraus- setzen. DaS groffe Erdgeschoff der Kathedrale wird nämlich von groffen Steingewölben getragen, die wiederum auf steinernen, 10 Fnff tiefen Pfeilern ruhen. Unter diesen Gewölben befindet sich eine sechs Fnff dicke Schicht Töpferthon. Dieser Töpferthon vildete das Fundament der alten Kathedrale, und als Sir Christopher sein groffes Gebäude er« richtete, schloff er, daff das Material, das einst so groffes Gewicht gclragen halte, wieder zuverlässig sei. Unter dem Töpfcrihoii ist ein Sand- und Kiesbett und darunter Londoner Thon. Nun hat aber eine Aenderung in der Eniivässerung der Oertlichkeit stattgefunden, die den Töpferthon angegriffen hat, so daff die Fnndamente jetzt mi- genügend gestützt sind. Eine derartige Arbeit kann 800000 bis 1600 000 M. kosten. Die Gemeinde selbst kann das nicht bezahlen, da ihr Einkommen mir etiva 200 000 M. jährlich beträgt." Hochwaffcr und Erdrutsch im Hinialayalande. Aus Nepal in Darjiling eingetroffene Personen berichten, infolge heftiger Regen- gösse seien die Flüsse Hagmati und Vishiumiali aus ihren Usern getreten, ivas in dem Schate bei Kalmander gefährliche Erdrutsche zur Folge gehabt habe. Die Slädte Bhatgvng und Patau hätten groffen Schaden erlitten, einige hundert Dkenschen seien uingekommen. Religiöser Wahnsinn. Die Mitglieder einer groffen in Maniioba, Nordamerika, neulich angestcdclicn Kolonie von russischen Donkhobor haben, von einer religiösen Manie ergriffen, alle Pferde, Kühe und sonstigen Tiere freigelassen, da sie die Tiere in Gefangen- schaft zu halten sich weigern. Die Donkhobor tragen weder Leder noch Wolle, da dies Tierprodnkte seien. Die Männer verrichten jetzt die Arbeit der Lasttiere._ Briefkasten der Redaktion. SÄctter- Prognose für Sonnabend, den 30. Augnft 1008. Ziemlich warm bei mäßigen südlichen Winden, zunehmender Bewölkung und ciwas Regen; nachher wieder aufklarend. Berliner Wetterb nreau. Niverm Freunde ßeinhold HUbner zu seinem 40, Geburtstage die herzlichsten Glüchvünsche von O-G. W-H. A-K, E-P. Reinhold gieb den Ton an, wir wollen eins üugen. 4S29L Tfloii q*-.A n zr«?. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß mein lieber Mann, unser Sohn und Bruder O-Ho John am 26. b. M. im Alter von 24 Jahren verschieden ist. Im Namen der trällernden Hinter- blicbcneneii Anna Jolin, Witwe, Tcgclcrstraße 27, Die Beerdigung findet Sonnabend, den 30. August, nachmittags 2 Uhr von der Halle des Augnsta-Hospitals, Scharnhorststraße, ans nach dem alten Johauniskirchbof, S ee straße, statt._ Allgeincinr Kranken- u. Sterbe- lasse der Drechsler u. Berufsg. (E H. 86, Hamburg) Verwalluiigsstelle Berlin A. Den Mitgliedern hierdurch zur Nach- richt, daß unser Mitglied Adolf Pilasky am 26. August gestorben ist. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 31. August, nachmittags 2 Uhr, van der Leichenhalle deö Elisabeth- Kirchhofes, Ackerstr. 35/37, ans nach dem Elifabeth-Fricdhof in der Prinzen- Allee statt. 1707b Um zahlreiche Beteiligung ersucht Tic Ortsverwaltuug. Iköer Arlititrr. Jeder Handwerker soUts zur Arbeit die Lcderhosc Hcrlrnl»»,» tragen. Allein-Vcrkauf. Sehr starke Ware in praktische» grauen u. braunen Streifen, auch einfarbig. An, Bund aus einem Stück gearbeitet. Sehr feste Kapp- nähte. 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Berger. Der Stralauer Fischzug wird in drei Zügen gemacht. sti. stv. DaS Licht auf dem Alexanderplatz heißt MilleniumSlicht. Wo die Fabrik ist, wiffen wir nicht. O. B. Der Schweizer- Verein in Berlin versammelt sich Sonnabends Alte Jakodstr. 64. Schwägerin Ida. Keineswegs braucht sich eine Arbeiterin, die gegen monatliches Gehalt angestellt ist, einen Abzug au dem Gehalt wegen Arbeitsmangels gefallen zu lasien. Geschieht dies dennoch, so ionn sie mit Aussicht aus Erfolg beim Gewerbegericht auf Zahlung klagen.— Schwindel 100. Sie sind zur Zahlung verpflichtet. Wir haben im Jahre 1900, 1901 n„ und in diesem Jahre wiederholt eindringlich dazu geraten, sich nicht mit>p°th«it-n, oroyllonvanälung.. ve Nichtzahlung an die verkrachte Kaffe zu begnügen, sondern ausdrücklich ein- geschrieben den Anstritt zu erklären.— W. Z. X. 1. Nein. 2. Ja. — H. St. 17. Allerdings kann die Steuerdeputatioii Behörden um Aus- kiitift darüber, wo ein Steuerzahler arbeitet, angehen. Der Steuerzahler ist aber berechtigt, jeder Behörde Auskunft zu verweigern.— Koburg. Sie sind im Unrecht. Wenn ein Mietsvertrag von beiden Eheleuten unter- schrieben ist, so gilt trotz formaler Bedenken nach dem Grundsatz von Treu und Glauben die de», Ehemann gegenüber ausgesprochene Kündigung gegen beide Eheleute, es sei denn, daß ausnahmsweise Verhältnisse vorliegen, die die Annahme nchtferttge«, daß die Kündigung sich nur aus den Ehemann prämiiert mit noidenen IVTedhrn«. KraFi-Roihweln crBlutarme uKranke ärztlich eopFohlen aiso um iübirail llkates»- u. Kolonlalwarenfleschäften. Landparzellen Biesdorf. 800 Morgen alnd der Bebauung neu erachlotaen. Mlescliaike, Rleger& Co., Contardstr. 5. Verkäufer auf dem Terrain. Echlbiaues Monteur- Jackett 1 M. 90 Echtblaue Monteur- Hose.. 1 M. 50 Echtblaues Monteur- Jackett Prima Köper-Gewede.. L M. 50 Echtblane Monteur- Hos« Prima Köper-Gewebe.. 2 M. 10 Maiustcsler-Hose8,50, 5,25, 4,25, 3 M. 50 Gefüttert. 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M ontagabend 8 U h r: — Hie Zletteiiborger.— Schillcr-Theater IV.(Fricdr.-Wilhelm- städtisches Theater) Mittwoch, den 3. S e p t e m d er, abends 8 Uhr, Eröffnungs-Borstellung. Hie Hraat von Ifle«»!»». Ein Trauerspiel mit Thören von Friedrich Schiller. NM- Der Billetverkauf im Schiller- Theater 0. und dl. findet täglich von 10V, bis 2 Uhr statt. W. Noacks Theater. Vr»»i»'nsl>asir l>> Heute Sonnabend, den 30. August: Grosse Eztra-Theater-Vorstell»»g. Msebieli und Heimkehr. Lebensbild mit Gesang in 3 Akten von Edwin Meyer und Rudolf Ahr. Am Saal:'Eanzllrilnzehen. SS�IHR�SOIICi KotthiiMerMtr. 4 a, Station der Hochbahn. Täglich im Garten, bei ungünstig Witterung imSaal: NolT„ia»»»> NotOcntslhe Siingtr und Konzert. Sonntag, Montag und Donnerstag nach der Soiree: Tauzkränzcheu, Tanz frei! Anfang Sonntags 5 Uhr, Entree 30 Pf., ab g Uhr 20 Pf. Anfang Wochentags 8 Uhr. Eutree 30 Pf., ab 9 Uhr 20 Pfg. Reichshalle n. Kfe- Täglich; £5 Stetüner Siiiij?ei'. Anfang; Wochentags 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. 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Mitteilungeu über gcwerksd)astliche Angelegen- heiten. 3. Verschiedenes._ Mittwoch, 3. September: Sitzlllg der BertklüItllslNNIltr. Für Xoi-deiz, Brunuenstr. 96. I Tagesordnung wird daselbst Für«ttdoat, Skalitzerstr. 59. I bekannt gemacht. Für Ost, Blumenttr. 38. Tagesordnung: Die richterlichen Eni- scheidungen über die Selbständigkeit der Möbelpolicrer. 145/20 MS Den Mitgliedern und Freunden des Verbandes zur Kenntnis, hast in obigen 6 Lokale» und Koppenstr. 42, Friedrichsbergcrstr. 11, Oranien- strafe cp 97, Dalldorferstr. 16, Fricdrich-Karlstr. 11, Heuteabend 8—10 Uhr, Flugblätter für die Kollege» in den Provinzen zu haben sind. Wer Adressen weife, wird gebeten, diese bekannt zu geben oder selbst Flugblätter zu versenden. Das 19. Stiftungsfest findet am 11. Oktober, Koppenstr. L9, statt. Oer VorHtund. Sonnabend, den 30. Aiignst 1903, abends 8 Uhr: Oeffentlichi Metallarheiter-Versamnilang im Lokale von Witwe Thomas, Reinickendorf, Eichbomstr. 18. Tages-Ordnung: 1. Die Kämpfe der Berliner Metallarbeiter in diesem Jahre. 2. DiS- kufston. iig/s Die Kollegender nachstehenden Betriebe sind besonders dazu eingeladen: Dtolzenburg, Minkin-Werke, Akrssiugwerkc, Bnfs. Berliner Kessel. fchmiedc, Gniremaud& Schlesinger, Breitling, Schraubenfabrik und GiuSberg. Sonntag, den 31. Sliisinst cr, vormittasiS 10 Uhr: Oelfentliche VersaDimlunp der Stahl f bei NUmann, Brunnenstraste 188: TageS-Ordnnng: 1. Die Lohn- und Arbeitsverhältnisse in der Stahlbranche. Referent: Kollege IVlviivntlml. 2. Diskussion. Zahlreichen Besuch erwartet Uvz- F.lnbernfer. llIOOOUBrilBUt! IVO R eeitations- Abend. Dienötasi, 2. Srpt., abends 8 Uhr, im GcivcrkschaftöhanS, Engel-Ufer 15(Saal 1): Zum Vortrag gelangen:„Die Parabel vom Horizont"..„DaS Gleichnis vom Schöpfbrunnen" von Jnl. Hart. Dichtungen von Stoltz, Dahn, Fontane u. n. Vortragende die Kollegen Köhn und Rex. Pünktliches Erscheinen notwendig. Damen erhalten um 9 Uhr Zutritt. -■O/H Per Yortitand. Koramverein für Sctionetierg iiiig! In lilqaldatlon. Eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht. Die Generalversamnilung vom 14. August 1902 hat zwecks Anschlusses an die»Konsum-Genossenschaft Berlin uud Umgegend» eiustimmio dte Liquidation unsres Vereins beschlossen. 12(5/13 Auf Grund des§ 82 des GenosscnschaftsgesetzcS fordem wir alle dieieiilgen, welche Ansprüche an obengenaniite Genossenschaft zu stellen haben auf, solche in der Verkaufsstelle Gothcnstr. 1 unverzüglich geltend zu machen. Tie Liquidatore»: lycrznann Welling. Otto Reiche. Otto Knhlniey. Souutag, de» 31. August: Dampfer-Extrafabrt mit Musik mr"MZ Abfahrt 9 Uhr Stralaner Brücke 5.— Rückfahrt 8 Uhr abends. Fahrpreis hin und zurück 75 Pf. 4914L* 1,. Kaimt-Stralau. .Pferdebucht', Restaurant b. Köpenick. Empfehle mein allbekanntes, in herrlichem Lanbwalde gelegenes Lokal den geehrten Gesellschaften und Vereinen zu Ausflügen und Landpartien. Sommerwohnungen mit nnd ohne Pension. 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