Nr. SOS. Kbomttmtitt«-Kedtngungen: AbonnemsnIZ-Preit pränumerando: vterleljährl. ZL0 MI., monatl. 1,10 Ml., möchenlltch 23 Plg. frei inS HauS. Simelne Numm'.r 5 Plg. SonnlagS- N Ummer mir ia»nr>eri«r SonniazZ- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: l.io Marl pro Mona», Singetragen in der Post-Zeitung»- Preisliste sür IVOS unter Nr. 7878. Unter streuzban» skr Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, skr da» übrige Autland S Marl pro Monat. 10. Jahrg. Ate Anstrtimts-We&tiyr betragt sür die sechsgespaltene Kvlonet» zeile oder deren Raum so Pfg., sür polltische und gewerlschastliche Vereins- und Versammlung»-Anzeigen 20 Psg. „Kleine Ankeigen" jedes Wort S Psg. (nur da» erste Wort fett). Inserate sür die nächste Nummer müssen bi» i Uhr nachmittag» in derExpedttton abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bi» 7 Uhr abends, an Sonn- und gestlaAen bis 3 Uhr vormittags geöffnet. Erscheint täglich ausser Montag«. Derliner Volksblakk. Telegramm- Adresse: «Sorialdemvstrat Verlw" Csntralorgan der socialdemokratifthen Partei Deutschlands. Kedaltlion: sw. 19, Beuttz-Strahe 2. Ferusprechert Slmt I, Nr. 1508. Sonntag, den 81. Angnst 1903. Gxpedttwn: sw. 19, Veutli- Strafe 3. Kernsprecher: Amt I. Nr. 51S1. Die Arbeitersekretariate. Während die Reichs-Socialpolitik bei jedem Schritt, den sie unternimmt, erst tausend Bedenken zu überwinden hat, geht ihr die organisierte Arbeiterklasse auf den wichtigsten Gebieten mit kraftvoller Initiative voraus. Den zaudernden Socialpoütikern des Reiches erscheint fast alles unendlich schwierig oder unmöglich, der Arbeiterklasse gelingt fast alles. So hat die Reichs-Socialpolitik bis heute noch keine völlige gewerbliche Sonntagsruhe zu schaffen vermocht, der Maximal- arbeitstag erscheint ihr als ein unlösliches Problem, vor seiner Einführung wenigstens für die Arbeiterinnen drückt sie sich durch die Veranstaltung einer nochmaligen Erhebung herum. Maßnahmen gegen die Folgen großer Arbeitslosigkeit trifft das Reich nicht und selbst eine einfache Arbeitslosenzählung erscheint ihm unmöglich. Vollends an ein Reichs-Arbeitsamt und Arbeiterkammern denkt die Reichs-Socialpolitik nicht. Derweilen versucht sich die Arbeiterklasse an großen Aufgaben und ruft Einrichtungen ins Leben, die sich bald allgemeine Bedeutung erringen. Eine der bedeutendsten Eim richtungeu, welche die organisierte Arbeiterklasse auf social politischem. Gebiete in den letzten Jahren geschaffen hat, sind die Arbeitersekretariate. Obwohl die Arbeitersekretariate erst seit verhältnismäßig kurzem Zeitraum bestehen, haben sie sich der Zahl nach rasch vermehrt und sind in ihren Aufgaben gelvachsen. Sowohl ihre Jahresberichte zeigen dies als auch die Thatsache, daß jetzt bereits die organisierte Arbeiterschaft daran gehen kann, für ihre Sekretariate eine Centralisation zu schaffen. Diese Sekretariate, zunächst bloß als Auskunftsstellen für die gewerb- lichen Streitigkeiten der Arbeiter, für Arbeiterschutz und -Arbeiterrecht gedacht, sind heute bereits wichtige Faktoren der Socialpolitik geworden. Sie sind die Vorläufer der reichs- gesetzlichen Organisation der Arbeit unter einem Reichs-Arbeits- amt und haben als solche noch eine wichtige Rolle in den Kämpfen der nächsten Zukunft. Es ist nun jintercssaiit zu beobachten, wie sich die be rufenen Stellen der Reichs-Socialpolitik zu den Sekretariaten der organisierten Arbeiter stellen. Bei uns hat Sankt Bureaukratius von vornherein die Arbeitersekretariate mit scheelen Blicken betrachtet und darüber gewacht, daß man sie nicht etwa mit amtlichen Stellen verwechsle. Man hat sie zu Titeländerungen gezwungen, weil der Irrtum entstehen könne, sie seien anitliche Stellen, in Sachsen wurden von den Ge- werbe-Jnspektoren Beschwerden der Sekretariate über Miß- stände in Betrieben zurückgewiesen niit dem Bemerken, daß man das Sekretariat als Vertreterin von Arbeitern nicht an- erkennen könne. Noch in frischer Erinnerung ist das Vor- gehen der Beuthcncr Anklagebehörde gegen den dortigen Arbeitersekretär, womit sie das Sekretariat zu einem Gewerbe- betrieb stempeln und erdrücken wollte. Auch heute stehen die amtlichen Stellen den Arbeiter- sekretariaten nicht eben freundlich gegenüber, wenn auch die Thatsachen sie zwingen, der Wirksamkeit derselben hier und da Anerkennung zu zollen. Sie sehen mißvergnügt, daß die Arbeitersekretariate sich rasch das Vertrauen der Arbeiter- schaft erringen, während dieselbe Arbeiterschaft dem Gewerbe-Jnspektorat, auf welches sie keinen Einfluß hat, kühl und fremd gegenüber steht. Die Breslauer Gewerbe-Jnspektion beklagt das Nachlassen des Besuches ihrer Sprechstunde seitens der Arbeiter, welche das Arbeiter- sekretariat an sich gezogen habe. Es habe„leider dem persönlichen Verkehr der Arbeiter mit den Beamten erheblichen Abbruch zugefügt". Andre Aufsichtsbehörden glauben wieder mit den Sekretariaten am besten fertig zu werden, wenn sie ihre Thätigkeit überhaupt ignorieren und nur von ihrem bloßen Vorhandensein mißvergnügt Notiz nehmen. Nur wenige Gewerbebcamte erkennen rückhaltlos die Thätigkeit der Arbeitersekretariate an, suchen sich ihrer zu bedienen und treten für ein gutes Einvernehmen mit den Arbeitersekretären ein. Meist aber ist das Mißvergnügen über das mangelnde Zutrauen der Arbeiter zur Gewerbe-Jnspektion zu groß, um eine objektive Würdigung der Einrichtung des Arbeiter- sekretariats aufkommen zu lassen. Zu den Jnspektionsstellen, welche der socialpolitischen Thätigkeit der Arbeitersekretariate rückhaltlose Anerkennung zollen, gehört Baden. In Mannheim hat der Gewerbe-Jn- spektor auf Veranlassung des Arbeitersekretärs in den Räumen des Sekretariats Sprechstunde abgehalten und dadurch das Vertrauen der Arbeiter gewonnen.„Es kann beobachtet werden, wie die Arbeiter beim Besuch der Fabriken mit dem Beamten offener sprechen, wenn sie ihn aus den Sprech- stunden kennen." In Pforzheim hielt auf Veranlassung des Arbeitersekretärs der Gewerbe-Aufsichtsbeamte eine Sprech- stunde mit voraufgehendem Vortrage ab. Sie war sehr stark besucht und verursachte eine rege Fragestellung, sodaß der Auffichtsbeamte dem Arbeitersekretär alles Lob spendet. Dafür fand dann freilich die in ihren Interessen verletzte kapitalistische Ausbeutung sofort einen Anwalt in der Presse, die den Ge- werbe-Jnspektor der einseitigen Förderung socialdemokrastscher Interessen beschuldigte. Den Wert der geschaffenen Arbeitersekretariate als Anwalte der Arbeiterinteressen müssen die Gewerbe-Jnspektoren nament- lich rückhaltlos anerkennen bei der Uebermittlung von Be- schwerden der Arbeiter über Mißstände in Betrieben. Während früher die Klagen über angeblich unbegründete Beschwerden der Arbeiter in den Berichten der Inspektoren einen breiten Raum ein- nehmen, findet man jetzt in den Berichten häufige Aeußerungen der Anerkennung der Inspektoren über die sachgemäße Prüfung der Beschwerden der Arbeiter seitens der Sekretäre und die Uebermittelung der Beschwerden an die Inspektion. Die württenibergische Inspektion erkennt an, daß die Vermittelung durch Arbeitervertretungen„unstreitig ihre Vorteile hat". Diese Arbeiterorganisationen zeichneten sich meist„durch bessere Kenntnis der Arbeiterschutz-Gesetzgebung aus". Deshalb be- dauert die Inspektion Baden direkt, daß der Metallarbeiter- Verband in Pforzheim ein Arbeitersekretariat hat eingehen lassen müssen. Es habe die Interessen der Arbeiter in wirksamer und gewissenhafter Weise vertreten.„Im Interesse der Arbeiterschaft", welche durch„vielfach verständnisloses Fernbleiben von der Organisation" ihre materielle Unterstützung der wohlthätigen Institution versagt habe, sei das Eingehen des Sekretariats zu bedauern. Eben- falls die hessische Inspektion urteilt, die Vertretung der Be- schwerden und Wünsche der Arbeiter durch das Sekretariat habe sich„in allen Aufsichtsbezirken als sehr zweckentsprechend erwiesen". So werden diese Arbeitersekretariate geradezu eine Notwendigkeit, namentlich auch bei der Vertretung der Arbeiter interessen gegenüber den Gewerbe-Jnspektoren. Auch in ihrem Verkehr mit den Arbeitgebern erobern sich die Arbeitersekretariate eine geachtete Stellung, obwohl der deutsche Unternehmer in noch höherem Grade als das kapitalistische Unternehmertum andrer Länder dem Arbeiter das Koalitionsrecht bestreitet durch die beharrliche Nichtachtung der Arbeiterorganisation. Das badenser Fabrikinspektoriat berichtet von Fällen, in denen das Arbeitersekretariat im Auf trage der Arbeiter mit den Arbeitgebern verhandelte und urteilt:„daß letzteren eine solche Vermittelung angenehmer war als der oft kaum mögliche direkte Verkehr mit einer un organisierten Masse, in der keiner eine genügende Autorität gegenüber seinen Mitarbeitern besitzt". Anch bei zahlreichen Betriebsstreitigkeiten sowie bei Streiks waren die Sekretariate bereits Anwalte der Arbeiterintcressen und erzielten durch ihre Vermittelung Beilegung der Streitigkeiten. So spärlich auch die Auslassungen der Gewerbe-Jnspektoren über die Arbeitersekretariate fließen, sie lassen doch bereits die immer umfassendere socialpolitische Wirksamkeit dieser Gründungen der organisierten Arbeiter erkennen. Vielleicht würden die Quellen der Jnspektorenberichte auch nach dieser Seite reichlicher fließen, wenn nicht eben das Reichsamt des Innern unter der bekannten Parole: Nicht Urteile, sondern Thatsachen, die Fabrikinspektoren veranlaßt hätte, ihre Meinungsäußerungen über socialpolitische Erscheinungen auf die dunkle Kürze des Heraklit zu reducieren. Dazu gesellt sich, daß in den Jnspcktorenkreisen die Animosität gegen die Arbeitersckretariate doch überwiegt. Die einen hassen sie als Gründungen der klassenbewußten Arbeiterschaft, die andern sehen in ihnen eine Art idealer Konkurrenz, die der Bureailkratismus in der Socialpolitik nach Möglichkeit unterdrücken muß. Das Wachstum der Arbeitersekretariate wird dadurch freilich nicht aufgehalten werden. Allgemein drängt das Klassen- interesse der Arbeiter- machtvoll nach wirksamer Vertretung gegenüber dem Staate, der Gesellschaft und den einzelnen kapitalistischen Ausbeutern. In dem Maße wie die Arbeiter- organisationen wachsen an Mitgliedern und an Mitteln, wird auch die Zahl der Arbeitersekretariate sich steigern und danüt ihre Thätigkeit und ihr Einfluß. Die Zeit ist gewiß nicht mehr fern, da ihre zusammengestellten Jahresberichte, gleich denen der behördlichen Gewerbeaufsicht, die heute das Reichsamt des Innern herausgiebt, ein umfassendes Bild der socialen Lage der Arbeiterklasse Deutschlands geben werden, ein Bild, welches sachgemäßer, zuver- lässiger und socialpolitisch brauchbarer sein wird, als die jetzigen Gewerbe-Jnspektions-Berichte, weil in ihm der Klassen- kämpf unserer Tage lebt._ Dolikifclze Berlin, den 30. August. Polnische Verwandtschaft! Zum Fall Löhniiiq erfährt das„Berliner Tageblatt", daß der Kaiser mit dem Grafen B ii l o iv die Angelegenheit be- prochen habe und daß das Ergebnis der Besprechung mar, den Oberpräsidente» v. Bitter als gerechtfertigt anzusehen. Das Verhältnis zlvischen Pole»Politik, ivegen deren Löhning zur Pensionierung genötigt sein soff, und der Feld- mebelstochter wird in derselben Mitteilung des„B. T." wie folgt dargestellt: „Die B e r l o b» n g L ö h n i n g s war insofern von Be- d e u t u n g, als sich in ihr unzweifelhaft eine Verbindung des Geheimen Oberfinanzrats und Provinzial-Steuerdirektors Löhning niit exklusiv polnischen Kreisen dokunientierte, da die Verwandtschaft der Braut LöhningS größtenteils polnisch ist. Es konnte das bei der momentanen Lage der Poscner Verhältnisse nicht als erwünscht angesehen werden." Also nicht die nnstaudesgemätze Tochter des Feldivebels wurde das Verhängnis des Provinzial-Steuerdirektors, sondern die polnische Verwandtschaft der Feldwebelötochter! Das ist eine ganz neue Behauptung. Weder Herr Löhning hat von dieser polnischen Gefährlichkeit seiner Braut Mitteilung gemacht noch auch seine Widersacher, die jeden Klatsch gegen ihn zusammen- kehrten. Dennoch hat die Meldung Wahrscheinlichkeit, da sie allcS, was bisher an polcnpolitischer Weisheit der preußischen Regierung bekannt wurde, noch weitaus übertrifft? Das Tollste ist hier das Wahrscheinlichste, das Unmögliche, das Ge- wißeste?—_ Von der Fleischnot. Aus Dresden wird uns berichtet: Sogar ein so durch und durch agrarisch regierter Staat wie daS Königreich Sachsen will jetzt die Fleischwucher-Politik des Posadowsky-Kurses nicht mehr gänzlich mitmachen. Die Dresdener Fleischerinnung hat eine Erhöhung der Fleischpreise an- gekündigt. In dieser Bekanntmachung erklären die Dresdener Fleischer, Schuld an der von ihnen geplanten Matz- regel, die sie durchführen mützten, damit nicht eine ganze Reihe kleinerer Meister bankrott würden, sei daS Unver- möge» der deutschen Viehzüchter, auS eigner Kraft de» Fleischbedarf des Deutschen Reiches aufzubringen, und die Sperrung der Reichsgrenzen gegen ausländisches Vieh. Das Gesuch der sächsische» Fleischer an die Reichsrcgieruug, die Grenze zu öffnen, wäre sogar vom sächsische» Ministerium deS Inner» befürwortet worden, allerdings ohneErfolg. Daß sich das agrarische Ministerium Metzsch für die ausländische Vieheiufuhr ausgesprochen hat, wird allgemein weniger auffalle», wenn man erst das einschlägige statistische Material, das der Regierung vorgelegen hat. kennt. Nach den Angaben des Dresdener Fleischerinnung ist der Vi eh auftrieb auf dem Dresdener Viehmarkt in den sieben Monaten vom 1. Januar bis 31. Juli dieses Jahres um 38 Prozent gegen denselben Zeitraum des Jahres 1900 zurück- geblieben. Es wurden tveniger aufgetrieben 2014Rinder oder 2S Proz., 23 670 Schweine oder 21,3 Proz., 1955 Kälber oder 3,8 Proz. und 1236 Hammel oder 3,5 Proz. Da der Unterkousum natürlich fast ausschlietzlich ans Kosten des Proletariats zu setzen ist, während die oberen Klassen nach wie vor die gleichen Fleischmengen verzehren, so scheint das Fleisch von dem Tische der Dresdener Arbeiter so gut wie verschwunden zn sei». Die Dresdener Arbeiterschaft verlangt von der Stadt- Verwaltung, datz diese jetzt zum mindesten den städtische» Einfuhrzoll ans Vieh und Fleisch, der 1300 über 644 000 Mark einbrachte, aufhebt. Abgesehen von der weiteren Fleischverteuerung durch diesen Stadtzoll werde» durch ihn auch die auswärtigen Händler vom Besuche Dresdens abgeschreckt. Ans Fürth wird der„F. Z." telegraphiert: Der Magistrat beschloß einstimmig, bei dem Staatsministerium dahin zn petitio- liieren, er möge beim Bundesrat dahin wirken, datz die Grenzsperre für Vieh aufgehoben und die Frist zum Schlachten des eingeführten fremden Viehes von 2 auf 3 Tage oder noch weiter erstreckt werde. Ein socialdcmokratischer An- trag, die Abschaffung des städtischen Octrois anzubahnen, wurde abgelehnt, nachdem Bürgermeister Kntzer Vorschläge der Stadt Nürn- berg in Aussicht gestellt hatte, gemeinsam mit Fürth über eine etwaige Aufhebung der Aufschläge' zu beraten.— Gekränkte Centrnms- Monarchisten oder: Wie Kaiser-Teleg ramme zu stände kommen. Die Centrumsleute in Mannheim bekundete» ihre einwandsfreie Fürsten- und Kaisertreue durch reichliches Antelcgraphieren des badischen Laudcsfürsten und des Kaisers. Nun erlebte das Centrum die schwere Kränkung, indem zwar der Grotzherzog von Baden, wie die Centrums- presse sagt,„in warmem Ton und individueller Färbung" erwiderte, aber anstatt des Kaisers selbst mir Herr v. L u c a n u s eine Antivort sandte, die„über den gelvöhulichcn Rahmen nicht hinausgeht und ivie üblich nur enthält:„Majestät haben entgegen- zunehmen geruht" und„Majestät lassen danken". Das Centrum ist höchst betrübt über diese Behandlung. Sein Eifer für die Monarchie konnte allerdings auf wärmere Töne hoffen. Aber der CentrnmSpresse steigt ein noch fürchterlicherer Verdacht auf. Vielleicht ist das Autivort-Telegranim überhaupt nicht vom Kaiser veranlaßt worden, sondern der Oberhcrr des Civil- kabinetts Herr v. LncannS hat dasselbe ausgefertigt, ohne daß das grotzmächtige Centrum der»mnittelbaren Antivort durch den Kaiser gewürdigt ist l Dieser Verdacht der Centruinnspreffe wird verstärkt durch folgende Mitteilung, die der„Köln. Volksztg." wohl aus der Bekanntschaft des G e n e r a I o b e r st e n v. Los zugeht: „DaS Zustandekommen solcher von Herrn v. L u c a n u s verfaßten Danktelegramme wird scharf illustriert durch einen Vor« gang, der sich bei Gelegenheit der in Bonn am 29. Juni ver- anstaltete» Pap st- In belfeier zutrug. Bekanntlich hatte Herr Generaloberst v. Los dort die vielerörterte Rede gehalten, als Antivort auf die Auslassungen der Presse über die ebensoviel besprochene Rede des Kaisers in Aachen. Bei dieser Gelegenheit wurde auch ein Hnldignngstelegramm an den Kaiser gesandt, der sich damals in Kiel befand. Auf dieses Telegramm sandte der Kaiser persönlich ein langes, warm gehaltenes Dank- telegramm an die Adresse des Herrn Freiherr» v. Loö. Herr v. Lucanus, der sich zu der Zeil in Berlin befand, hatte nun offenbar von dem Telegramm des Kaisers keine Ahnung, denn Tags darauf lief bei Herrn Frhrn. v. Los ein wei- t eres Telegramm ans Berlin ein des Inhalts, der Kaiser lasse huldvollst danken und am Schlüsse wörtlich:„Ans aller- höchsten Befehl v. Lncauus". Einige Stunden später er- hielt aber Frhr. v. Los ei» zweites Telegramm von Herr» v. Lucanns, er(Frhr. v. Loö) solle das von Herrn v. Lucnnus abgesandte Telegramm„als nicht geschehen" b e- trachten. Herr v. Lucanns hatte offenbar in der Zwischenzeit Kenntnis davon erhalte», datz der Kaiser bereits persönlich seinen Dank ausgesprochen hatte". Die CcntrnmSpreffe wirft nun halb verzweifelt halb drohend die Frage auf: Sollte vielleicht die Antivort auf das Huldiginigstelegramm der Mannheimer Generalversammlung der Katholiken Deutsch- Innbä ebenfalls auf alleinige Rechnung des Herrn v. Lucanus kommen? Wir hoffen, daß das also schwer geprüfte Centrum in christ- licher Demut die harte Enttäuschung seiner byzantinischen Be- mühungen überdulden wird!— RoosebcltS Reden. London, 23. August.(Eig. Ber.) Die geistige Aehnlichkeit zwischen Kaiser Wilhelm und Theodor Roosevelt ist schon seit längerer Zeit internationaler Gesprächsstoff. Ihre Vorliebe für rednerische Ueberraschungen in Welt- und Social- Politik ist allgemein bekannt. Ebenso bekannt ist es, daß sie beide unbewußt den Aspirationen und Gedanken der herrschenden Klassen Ausdruck geben. Und da sie dies thnn, sind ihre Reden objektiv zu beurteilen. Ihr Austausch von Höflichkeiten, ihre gegen- festige Freundschaft verschwindet vor den realen Interessen der Herr- schenden Klassen beider Länder. Die geschenkte Statue Friedrichs dcS Zweiten hat es nicht im geringsten verhindert, daß Roosevelt gestern eine sehr deutliche Warnung an Deutschland ergehen ließ, sich der Illusion einer Kolonisierung Südamerikas so schnell als möglich zu entschlagen. Der Präsident der Vereinigten Staaten hob mit aller Klarheit hervor, daß die Monroe-Lehre die Grundlage der amerika« nischcn Politik sei.„Sie ist der Ausdruck linsrer festen Ueberzeugung, daß die amerikanischen Völker nicht gestört werden dürfen in ihrer EntWickelung, und daß der amerikanische Kontinent nicht mehr als KolonisationSgebiet irgend einer europäischen Macht betrachtet werden dgrf. Die Vereinigten Staaten bilden die Wacht Amerikas und müssen stark genug sein, die übernommene Aufgabe zu erfüllen." Es kann nicht dem geringsten Zweifel unterliege», daß Roosevclts Worte gegen die südamerikanischen Pläne der deutschen Regierung gerichtet sind. Sie bilde» die Antwort ans die Gründung des deutsch- brasilianischen Vereins in Berlin und der alldeutschen Zweigvereine in Südamerika. Die deutsche Regierung entsandte ja vor einigen Jahren eine wissenschaftliche Expedition nach Brasilien, die sich ganz begeistert über eine deutsche Kolonisierung Südamerikas aussprach. Nun hat Roosevelt diese alldeutschen Träume zerstört— trotz der Reise des Prinzen Heinrich und der Ehrenbezeugung an Miß Alice Roosevelt, die— beiläufig bemerkt— der Krönung Eduards VII. beiwohnte. So wichtig diese Hervorhebung der Monroe-Lehre ist, so nichts- sagend sind die Worte RooseveltS gegen die Trusts. Denn jene ist «ine Kundgebung der Wünsche der herrschenden Klaffen, während diese nur der gewöhnlichen amerikanischen Wahldemagogie entsprungen sind. Die Vereinigten Staaten befinden sich vor Kongrcßwahlen. Die republikanische Partei, in deren Mitte sich alle Trustmagnaten befinden, braucht geriebener Wahl- agenten und socialpolitischer Schlagworte. Roosevelt hat die Cmnpagne in ganz geschickter Weise eröffnet. Nebenbei bemerkt: die Nähe der Kongreßwahlen dürfte zur baldigen Beilegung des Kohlenstreiks in Pennsylvanicn viel bei- tragen.— Daß RooseveltS Betonen der Monroedoktrin keine leere Drohung. beweisen am besten Amerikas fortgesetzte Marinerüstungen. So wird gemeldet, daß nach dem Projekt des A d m i r a l S T a y I o r. des Chefs des Navigationsburcaus im Marinennnisterium, die Präsenzstärke der Marine in allernächster Zeit von LS 600 auf 40 000— oder. wie eine genauere Berechnung der Einzelforderungen Taylors er- giebt— auf 47 SOO Mann erhöht werde» soll. Auch Roosevelt selbst läßt ankündigen, daß er in seiner nächsten Botschaft an den Kongreß wieder eine Vermehrung der Marinemannschaften verlangen werde. Zum Imperialismus gehört eine Riescnflotte, und die Ivill sich Amerika so rasch als möglich schaffen. Und seine Mittel sowohl wie die geringen Ausgaben für den LandmilitariSmns erlauben ihm das ja auch viel eher, als beispielsweise Deutschland. Dculschland aber war unklug genug, durch seine Weltpolitik in Ostasien, be- sonders den Rachefeldzug, Amerikas Flottenrüstnngcn eine» be- sonderen Anstoß zu geben.— Aufhcbitiig der Likin-Zölle. Schon vor einigen Wochen, als die„Times" die ersten Nach- tichten über den englisch-chinesischen Handelsvertrag brachten, wurde bekannt, daß einer der Artikel des Vertrages die Aufhebung der Likin-Zölle betreffe; doch hieß es damals, daß ein festes Abkommen über diesen Punkt sowie über die zur Ausgleichung des Steuer- ausfalles geplante Erhöhung der See- Einfuhrzölle»och nicht zu stand« gekommen sei. Wie durch das Wölfische Bureau gemeldet wird, veröffentlicht jetzt die amtliche „Peking> Zeitung" ein kaiserliches Edikt, das die Auf- Hebung sämtlicher Likin-Stationcn im ganzen Reich anordnet. Die Aufhebung wird mit dem Hinweis begründet, daß bei den Unter- Handlungen wegen neuer Handelsverträge mit dem Anslrmde bereits über eine Erhöhung der Ein- und Ausfuhrzölle qin Einverständnis erzielt sei. Wegen Festsetzung der Beträge, die" aus den Mehr- einnahmen nach Erhöhung der Zölle an Stelle der bisherigen Likm- Erträge den Provinzialregicrungen zu überlveisen sind, wird das Finanzministerium mit Auftrag versehen. Einer weiteren Meldung zufolge haben die Vertreter Deutsch« lands, Großbritanniens, Oestreich- Ungarns, Belgiens, Hollands, Spaniens und Japans in China den»eueir Zolltarif unterzeichnet. Der Vertreter Amerikas unterzeichnet den Tarifvertrag nächste Woche, und auch Frankreich und Rußland dürften sich baldigst anschließen. Die Likin- oder Binnen-Zöllewaren zuerst einheimische Pro- duktionSzölle, die von gewissen im Lande hergestellten Waren erhoben wurden, wenn diese aus dem Herstellnngsgebiet in leinen andren Distrikt übergeführt wurden. Infolge der Schuldenlast, die der Taiping- Aufstand und die verschiedenen Händel mit den europäischen Nationen dem chinesischen Reich einbrachten, wurden sie jedoch auch den vom Aus« lande eingehenden fremden Waren auferlegt und zugleich die ErhsbliiigS« stationen und die Gebühren mehrfach vermehrt. Da ihre Erhebung völlig in den Händen der Vicckönige der einzelnen Provinzen liegt und für sie eine der ivichtigstcn Einnahmequellen zur Bestreitung der Kosten ihrer Verwaltung— und zur eignen Bereicherung bildet, mehrten sich alsbald an den Flüssen und den Hauptverkehrsstraßen die Erhebungsstationen. Dazu kam, daß die Beamten der Stationen sich keinesivegs an die festgesetzten Zollsätze hielten, sondern nach Gutdünken Extravergütungen oder Trinkgelder für die Zollabfertigung verlangten, und wenn ihnen diese nicht gewährt wurden, die Ab- fertignng Wochen-, ja monatelang hinzögerten, bis oft die Waren verdorben tvaren. Die Aufhebung der Likin-Zölle bedeutet deshalb für den Aus« fuhrhandel nach China einen bedeutenden Gewinn, den selbst eine mäßige Erhöhung der Seezölle nicht zu vermindern vermag; denn die Verwaltung dieser Zölle steht unter englischer Leitung und eine derartige Willkür, wie bei den Likin-Zöllen, ist bei ihrer Erhebung ausgeschlossen. Zu befürchten ist nur. baß die chinesischen Binnenzölle, nachdem sie nominell auf- gehoben sind, von den Vicekönigcn in der einen oder andren Form- z. B. als Wege- Erhaltungsgebühren, Flußbeuutzungs- Abgabe» cc. wieder eingeführt werden, wenigstens in Distrikten, die von der Küste und dem Flußthal des Jangtse entfernt liegen. Die Aufhebung dieser Zölle bedeutet für die Vicekönige einen beträchtlichen Ausfall an Einnahme und sie werden suchen müssen, ihn in irgend einer Weise zu decken.— « J•• Deutsches Weich. Eine Historie des CeutralverbandeS. Der getreue Oberschildknappe deS großindustriellen Scharfmacher- tnmS, Herr H. A. B u e ck, hat soeben den ersten Band einer Ge- schichte deS Centraiverbandes deutscher Industrieller von 1376— 1S01 vollendet. Die Schrift ist bisher nur tvenigeu dem Centralverband nahestehenden Zeitungen zur Recension gegeben worden, während eS dem öffentlichen Buchhandel vorläufig vorenthalten bleibt. UnS war eS dennoch vergönnt, das Buch schon jetzt kennen zu�lernen, doch zeigt uns eine erste schnelle Durchsicht, daß wir eS nicht nur mit einer blinden Verhcrrlichnng deS CentralverbaudeS— ein andres war ja nicht zu erwarten— zu thun haben, sondern daß die Schrift überhaupt sehr ivenig nicht schon längst Bekanntes bietet. Die Einwirkungen des Verbandes auf die deutsche Zollpolitik behalten wir uns vor, gelegentlich noch zu besprechen, und lasse» uns vorläufig daran genügen, die charakteristische Darstellung der ZuchthauSgesetz- Aktion und des 12 000 M.-Bcttels wieder- zugeben. Die„geschichtswissenschaftliche" Befähigung des Generalsekretärs des Ccntralverbandes zeigt sich wundervoll in der Schilderung der politischen Situation, in ivelche die bekannten Kaiserreden auf dem Sparcnberg bei Bielefeld und zu Oeynhausen fielen. In Vcr- bindimg Iverden diese Reden gebracht mit dem weiteren Ausbau der Arbeiterschutz-Gcsetzgebung. wobei„sich einstarksocialistischer Zug sowohl bei der Regierung wie in den gesetz- gebenden Körperschaften bemerkbar gemacht" habe. Nun erzählt der Historiker Bueck also: „Die bei jeder ReichZtagSwahl in großen Summen zu- nehmende Zahl der abgegebenen socialdemokratischen Stimmen legte Zeugnis hierfür ab und erregte Bedenken namentlich in den Kreisen der Arbeitgeber, auf deren Stellung sich der Ansturm von beiden Seiten, von den S o c i a l i st e n i n den bürgerlichen Parteien und von den Social- demokraten selbst richtete. Derart von ber Gesetzgebung wie von den Verhältnissen begünstigt, trat die Socialdemokratie mit großen, Selbstbewußtsein auf. Sie ging besonders mit äußerster Rück- sichtslofigkeit gegen diejenigen Kreise der Arbeiter vor, die sich »och von den socialdemokratischen Organisationen fernhielten. Dies zeigte sich ganz besonders den Arbeitern gegenüber, die in Wahrung ihrer berechtigten Interessen fortarbcitcn wollten, wenn von den socialdemokratischen Führern in frivoler Weise Arbeitseinstellungen häufig nur zur Entscheidung von Machtfragcn angezettelt wurden. Solche Arbeitswillige wurden vielfach mit rücksichts- loser Brutalität behandelt und gezwungen, gegen ihren besseren Wille» gezwungen, die Arbeit einzustellen." Hier kommt die blinde Wut gegen die Socialdemokratie und die Arbeiterschaft zum Ausdruck und der„Geschichtsschreiber" Bueck scheut nicht vor de» ungeheuerlichsten Lügen und Verleumdungen zurück. Der jeder Socialrefvr», abholde„Geist" deS Centralverbandes wird offenbar in dem Zorn gegen die„bürgerlichen Socialisten". Die mit der ZuchthauS-Vorlage im Znsammenhang stehende ILOOO Mark-Affair« erfährt folgende Darstellung: „Nach Schluß deS Reichstags im Sommer 1899 hatte e i» hoher Beamter im ReichSamt des Innern an den Central- verband und zwar a» den Geschäftsführer Bueck, daS Ersuchen ge- richtet, dem Reichsamt 12 000 M. zur Verfügung zu stellen, um den Unwahrheiten und Entstellungen entgegenzutreten, die von der gegnerischen Presse über den in Rede stehenden Gesetzentwurf vcr- breitet worden waren. Wie sich s p ä t e r herausgestellt hatte, wurden zu diesen, Zweck lediglich Bruchstücke auö der Be- gründung drv Gesetzentwurfs und aus den von den Ver- lretern der Regierung bei der ersten Lesung im Reichstage ge- haltenen Reden i» geeigneter Weise im Volke verbreitet." Es ist interessant, daß Herr Bneck auch in diesem seinen Geschichtswcrk verschweigt, wer„der hohe Beamte" war. War es, ivie die ministerielle„Verl. Korresp." s. Z. behauptete, lediglich Dr. v. Woedtke, so könnte dies, da derselbe verstorben ist. mich von Herrn Bueck gcstost bestätigt werden. Die Nicht- bestätignug durch Verschweigung des Namens ist keine Annehmlichkeit für de» Vorgesetzten Woedtkes. de» Staatssekretär der Zuchthaus- gesetze und Wuchertarife, für den Grafen v. Posado w«tyl— Daß übrigens die 12 000 M.„lediglich" dazu verwendet wurden, Bruchstücke ans der Begründung des GeietzenlwurfS zu vcröffent- lichcn,„wie sich später herausgestellt," verrät nur zu deutlich die Enttäuschung der Scharfmacher, daß die Regieruug von dem Sünden- gelde keinen„besseren" Gebrauch machte. Trotz der„socialistischeu Neigungen" der Negierung und der gesetzgebenden Körperschaften gesteht Bneck an andrer Stelle seiner Geschichte bescheiden, wie er sein kann, zu:„Der Centralverband hat in manchen Fällen u n z>v e i f c l h a f t einen getvissen Einfluß auf den Gang der Gesetzgebung ausgeübt." Erwartungsvoller darf mau sei» auf das Erscheinen des für nächstes Frühjahr angekündigten 2. Bandes der Geschichte des Centralverbandes, in dem Bueck eine Gesamtdarstellung der central- vcrbändliche» Socialpolitik zu geben verspricht.— Dynastische LicbcnSwürdigkcitcn. AuS Petersburg wird der„Frankfurter Zeitung' gemeldet: „Der Pariser„Eclair" hat über die R c v a l e r K a i s e r- entrevue„Enthüllungen" veröffentlicht, die hie und da be- achtet worden sind. Danach sollte der G e g e n s a tz zwischen den Charakteren der beiden Monarchen niehrcre peinliche Zwischenfälle veranlaßt habe». Diese Behauptung des nationalistischen Blattes dürfte unbeweisbar sein. Dagegen ist der„Eclair" vollkommen gut unterrichtet, ivcnn er die Mitteilung macht, beim Abschied habe die„H o h enz o l l ern" signalisiert: „Der Admiral dcS Atlantische» OccanS dem Ndmiral dcS Stillen OccanS!", worauf der Zar den.Standart" nur kühl „Glückliche Reise!" habe antivorten lassen. Hierzu mag bemerkt werde», daß die Ccnsnr sofort»ach der Abreise des Kaisers Wilhelm den Zeitungen verbot, irgendwelche Mitteilungen über die beim Abschied zwischen den Äkonarchen durch Signale ausgetauschten Grüße zu dringen. Es ist also jedenfalls etwas v o n p o l i i t i s ch e r Bedeutung in denselben enlhnlten gewesen. In hiesigen russischen Kreisen wurde gleich nach der Entrevue dasselbe erzählt, was der„Eclair" jetzt enthüllt zu haben glaubt. Die Lesart war bloß:„Der Beherrscher der westlichen Meere entbietet seinen Gruß dem BeHerr scher des Stille n Ocea n s"; die Antwort habe„Glückliche Reise" gelautet." Die Nachricht ist in jeder Lesart unwahrscheinlich. Nachdem Wilhelm II. die Festsetzung an den chinesischen Ufern des Stillen Oceans so oft als Großthat feiner Regierung bekundet hat, kann er nun nicht wohl dem Zaren die Beherrschung dieses Oceans über- lassen haben.— Gangrado Schweinbnrg. Herr Schweinbnrg ist schon lvicder einmal an der Logik der Socialdemokratie irre geworden, weil wir uns erlaubt haben, das Zugeständnis des neuen Eisenbahnministers au die Eisen- und Stahlindustriellen in Bezug auf besondere Er» Mäßigung derAuSf uhrtarife kritischen Auges zu betrachten. Damit, daß wir eine einseitige Herabsetzung von Ausfuhrtarifen für wesensgleich der Schutzzöllnerei bezeichneten, haben wir die Maßregel nach Herrn Schweinbnrg, der aus die Schutzzöllnerei schwört,—„in den S ch m u tz gezogen." Eine wahrhaft erstaunenswerte Logik, vor der wir beschämt die Segel streichen. Mit dieser Art der Selbst- Verhöhnung vermögen wir eS nicht aufzunehmen. Aber Scherz bei Seite. Schiveinburg belehrt uns, daß„wenn der Export großer Warenkategorien gefördert wird, nicht den geringsten Vorteil davon die Arbeiter haben." Demi„diese können doch nnr beschäftigt werden, wenn die betreffenden Warengattungen auch wirklich Absatz finden." Letzteres ist unzweifelhaft richtig, und gegen eine bernüiifttge Förderung de» Absatzes wird auch kein Mensch etwas einwenden. Aber ganz etwas andre? ist die Unterstützimg einer Verschleuderung von Rohprodukten und Halb- fabrikaten. an das Ausland. Durch solche Ber- schleudernng iverden alle Industriell des Auslandes, ivelckis diese Rohprodukte und Halbfabrikate weiter verarbeiten, gegenüber den betreffenden Industrien des Inlands künstlich begünstigt, werden tste in den Stand gesetzt, diese JnlandSindustnen überall auf dem Weltmarkt in der Konkurrenz zu schlagen, lind wenn, waS thatsächlich der Fall, an diesen Industrien bis zu achtmal mehr Arbeiter interessiert sind, als an den Industrien der be- treffenden Rohprodukte nnd Halbfabrikate, dann heißt die Ausfuhr- vergüustigulig Verschlechterung der Arbeits möglich- leiten für je acht Arbeiter, um einem Arbeiter Arbeitsmöglichkeit zu geben. Herr Schweinbnrg kann beruhigt darüber sein, daß die Arbeiter„für diese Logik in der Wirtschaftspolitik noch selbst ein Verständiiis haben". Sie begreife», daß der volkswirtschnftliche Körper ein Organismus ist, den man nicht nach Art des famosen Dr. Sangrado' dadurch heilt, daß man ins Alaue hinein au irgend einer Stelle Aderlässe vornimmt, unbekümmert um die Frage, wie es sonst mit der Zllsainmensetzung und Cirkulation des Blutes steht.— Ncbcr die byzantinischen Wiirdelosigkcitcn der den! scheu Bourgeoisie entrüstet sich in der„ R h e i n i s ch- W e st f ä l i s ch e n Zeitung" ein deutscher UniversitätSprofessor. Er wirft die Frage auf, welche Wirkungen auf den Monarchen jene plumpen Schmeicheleien hervorbringen müßten, deren.er eine ganze Reihe citiert: In Bon n vor einem Jahre hörte er sich aus dem Munde Seiner Magnificenz als den„genialen Kaiser" grüßen; in diesem Jahre citicrte und kommentierte die Studentcnrcde dort den kaiserlichen Ausspruch von den„Männern, die wir brauchen"; ein Maxim, nebenbei bemerkt, von der doch auch nach objektivster Beurteilung Seine Majestät bei der Auswahl und noch mehr bei der Entlassung seiner Ratgeber wohl schiverlich einen richtigen Gebrauch geniackt hat. Bor einen, Jahre machte ein in Hofkreisen biel gelesenes Berliner Blatt die Entdeckung, daß der Auf- schw'iliig des deutschen KnnstgeiverbeS den Bemühungen der Kaiserin Friedrich zu ver- danken sei.(!) In Aachen wurde dem Kaiser ins Angesicht gerühmt:„jener ideale Kunstsinn, welchen der gütige Schöpfer in das Herz u n s r e s K a i s e r s so frei- gebig niederlegte, den eine k u n st b e g c i st e r t e Mutter sorgfältig in Pflege genommen und der heute von der Höhe des kaiserlichen Thrones in allen Lande» s i ch segensreich geltend macht, jener kaiserliche Sinn für alles echte K u n st s ch ö» e..." In einer andern Rede ani selben Tage ivurde der Dank ausgesprochen, daß„Majestät die Gnade gehabt habe, das jüngst errichtete Denk u> a l Kaiser Wilhelm s.dcs Großen a n z u s ch a u e u." I» einer niederrheinischen Stadt wurde den» Kaiser erklärt:„Ew. Majestät führen das Batcrland im Sinne des großen Kaisers. E>v. M a j e st ä t brechen dem Reiche neue Bahnen." In einer andern rheinischen Stadt wurde dem Kaiser gesagt, er sei„der unermüdliche Förderer aller die Völker verbindenden idealen nnd realen B c st r e b u n g e n zum Heile der gesamten gesittelen Welt". Da bleibt also nichts übrig auf d e r W e l t, was d e r K a i s e r n i ch t l e i st e n s o l l." DiejWirknngcn dieser überschwenglichen Schmeicheleien sind ein sich immer steigerndes Sclbstbcivnßtsein des Monarchen, der in den Staatsbürgern nur noch„Unterthanen" erblickt, lind«»scr Bürgertum reagiert darauf durch verdoppelte Unterthanen- d e ni u t I— Ter Weltfeldmarschall über de» innere» Feind. Der preußische Leitfaden für den Dieilstnnterricht der Infanteristen vom Grafen P. G. Waldersee, neu herausgegeben vom Grafen Alfred Waldersee hat folgende iiitercffmite nnd lehrreiche Stelle: „Nächst den äußeren Feinden giebt es auch innere Feinde unsreö Kaisers und Herrn, innere Feinde unsres deutschen Vater- landcS, deren Führer alle bestehende Ordnung Hinstürzen, den Kaiser und die Landesfürstcn besciligcn und die Herrschaft an sich zu reißen trachten. Sie suchen Dcnlsche gegen Deutsche zu hetzen. Uiiznfricdcnheit aller Orten zu schüren. Aber an einer fcstcil Säule iverden nnd niiissen alle ihre Umsturzbestrebimgen zerschellen, an der dentschen Armee! Sie bleibt der sicherste Hort de« Deutschen Reiches, sie schützt Gesetz und Ordnung. Familie und Religion." Der„innere Feind" ist dem ruhmvolle» Weltfeldmarschall sehr zu Danke, daß er die Soldaten eifrig mif ihn aufmerksam macht. Der Soldat, lapfer Ivie er ist, wird nicht verfehlen, sich mit Leiden- schaft auf die Erkenntnis des„inneren Feindes" zu stürzen, welche die Vorbcdingimg seiner Vesiegnng ist. Unternimmt es der Soldat, getrieben von Waldersecschen Anregungen, den.ninerc» Feind" gründlich zu erkennen, so wird auch er bald überzeugt sei», daß der „Leitfaden für den Dienstnnterricht der Infanteristen" immerhin etivaS Gutes zu stiften geeigner ist, indem er dein Soldaten zeigt, in welche Reihen er nach Rückkehr ins bürgerliche Leben gehört. Nicht einmal Vorschußlorbeeren winken dem Welt- feldmarschall im Kampfe gegen den„inneren Feind".— Die englische» Manövergäste. Nach einer Londoner Meldung lvird Lord Roberts außer vom Kriegsmini st erBroderick von folgenden Offizieren nach Deutschland begleitet werden: Generallieiltenants Kelly Kenny, French nnd Jan Hamilton, Oberst Slater und Lieutenant Majori- b a n k§. Bekanntlich hat der Londoner Marine-Attachö der deutschen Gesandtschaft den Manövergästen einen„königlichen Empfang" zu- gesichert. Da die Gäste auf spezielle Einladung des Kaisers den Manövern beiivohiicn, war die Versicherung eigentlich ziemlich über- flüssig. Oder glaubte man den englischen Gästen versichern zu müssen, daß ihnen nicht ein gleiches Mißgeschick begegnen würde. wie im vorigen Jahre einem noch erlauchteren englischen Gast, dem ein offiziöses Blatt erklärte, er habe sich ja selbst ein- geladen!— Tie freisinnige Bolksp artet wird ihren diesjährigen Parteitag in Hamburg vom 26.— 29. September abhalten. Das vorläufig mitgeteilte Programm erzählt nnr ausführlich von Vergnügungen und Komniersen für die Delegierten nnd ihre Damen. Ueber die politische Tagesordnung erfährt man nichts.— Der Parteitag der Nationalsocialen findet vom 2. bis 6. Oktober in Hannover statt. Referate werden gehalten von Dr. Weber-Bcrtiii über die wirtschaftlichen Kartelle und Syndikate, von Tischendörfcr-Bcrlin über die Arvcitslosen-Versichcrimg, von Dr. Maureiibrecker über das Aktionsprogramm des SocialismuS. Anßerdcni soll eine Aussprache über die bevorstehenden Reichstags- lvahlen stattfinden.— Kruppsche WohlfahrtSkolonie. Unsre nsuliche Miiteilnug über Verhältnisse auf einer Kruppschen Wohlfahitskolonie. wurde von der Presse, der wir den Vorwurf machte», sie habe die Skandal- geschichten aus Rücksicht aus den Ruhm der Wohlfahrlskolouien unterschlagen, mit wütendem Gekläff beantwortet. Keck und kühn schwindelte man, zur eignen Rehabilitierung, die ganze Notiz sei aus der Lust gegriffen, sogar die' angeblich angegriffene Behörde nahm man in Schutz. Die Wahrheit«nsrer Mit- teilungen konnte dadurch allerdings nicht erschütlert Iverden. Jetzt liegt übrigens für einen der angeführten Fälle auch schon der gerichtliche Wahrheitsbeweis vor. Wir hatten n. a. mit- geteilt, auf einer Kruppschen Kolonie— ans der man eine große Zahl Langfinger herausholte— dieselbe führt den Namen Schwer- Hof, sei vor einiger Zeit ein Schutzmann ohne die geringste Ver- anlaffmig von dort wohnenden jungen Burschen in bestialischer»geise mißhandelt worden. Die Blätter, die damals zeterten wegen an- geblich aus der Luft gegriffenen Behauptungen, berichten jetzt unter Essen: Fcrienstrafkammer vom 27. August. Ein Knmpf mit einem Polizeibeamten bildete heute den Gegenstand einer Verhandlung Hegen den arbeitslosen Mathias Schuhmacher und den Fabrik- „rbeiter König aus Essen. Beide Angeklagte sind bereits wegen gefährlicher Körperverletzung vorbestraft.' In der Nacht zum 6. Juli d. Js. kam der Polizeibeamte Richter auf seinem Patrouillengange über den Schederhof und bemerkte an der Kruppsche» Bierhalle einen Trupp junger Burschen, die Bier tranken und sich laut unterhielten. Als die Burschen des Beamte» ansichtig wurden, fielen aus der Mitte Rufe:.Was will der Pollenti, der Blitzableiter, lab ihn mal mit mir in die dunkle Ecke ziehen, wir beide werden schon mit einander fertig/ Trotz dieser provo- zierenden Redensart, die von dem Angeklagten König ausgegangen war. blieb der Beamte besonnen und stellte sich in der Mitte der Sleinfortstrahe auf. um die Gesellschaft, von der er nichts Gutes erwartete, besser im Auge behalten zu können. Plötzlich kam König auf den Beamten zu. Letzterer stiesi ihn mit den Worten zurück:.Bleiben Sie mir drei Schritt vom Leibe." Nichter glaubte, dag König einen Revolver in der Hand trage und wollte den Burschen visitieren. Dieser ging aber in drohender Haltung auf den Beamten zu. Letzterer zog darauf seinen Säbel und schlug seinen Angreifer auf den Arm. Beim zweiten Schlage flog ihm der Säbel aus der Hand. Jetzt begannen beide gegenseitig zu ringen und käme» dabei zu Fall. König rief seinen Freund Schuhmacher zur Hilfe mit den Worten:.Hol den Säbel und schlag' den Putz so lange, bis er kaput ist." Schuhmacher eilte auch dann mit dem Säbel hinzu und schlug in einer ganz un- menschliche» Weise ans den Beamten ein. Mindestens lö— 20 Säbelhiebe hat er diesem auf den Kopf versetzt. Wahrend der Zeit, dag Schuhmacher die Hiebe austeilte, wurde Richter von König festgehalten. Der Beamte wurde noch in der letzten Nacht schwer- verletzt in das Krankenhaus gebracht. Der ganze Köpf war zer- schlagen, teilweise waren die Hiebe bis auf den Schädelknochen gedrungen und man befürchtete anfangs, der Beamte werde nicht mit dem Leben davon kommen. Das Urteil gegen die beiden Zöglinge von der Wohlfahrtskolonie lautete auf 4 Jahre Gefängnis. Der Staatsanwalt hatte 3 Jahre beantragt.— Kolouialjnstiz. Ein recht interessanter Schriftwechsel hat zwischen dem Evangelischen Afrika-Verein und dem Direktor der Kolonial-Abteilnng stattgefunden, der aus mehreren Gründen eine nähere Betrachlnng verdient. Der Afrika-Verein hatte sich Anfang Juni über die S t r a f e x p e d i t i o n gegen die Matthias-Jnsel» beschwert. In einem Zeitungsbericht war gesagt worden, der ermordete B. Mcucke und seine Begleiter hätten an dem Ueberfall selbst Schuld gehabt, so- ivohl durch ihre Sorglosigkeit, wie durch Vernichtung der Kokospalmen. Deshalb wäre, so schreibt der Verein, gar kein Anlas; zu einem Strafgericht vor- banden gewesen, bei dem 81 Inselbewohner das Leben verloren. Kölonialdirektor Dr. Stübel erklärt dazu, die vorangestellte Zeitungsmeldung stimme nicht mit den amtlichen Berichten übercin. Allerdings waren Kokospalmen ihrer Früchte und Blätter zum Bauen und Eindecken der Hütte» beraubt worden, trotzdem hatte sich jedoch ei» lebhafter Handelsverkehr mit den Eingeborenen entwickelt. Plötzlich erfolgte aber der Ueberfall, dem zwei Weiße und zwei Polizisten znik Opfer fielen. Die Beschädigung der Kokospalmen hat, so heißt es wörtlich, unter diesen Umstände» in der Sache überhaupt keine oder nur eine sehr untergeordnete Rolle gespielt. LuS der hinterlistigen Art, mit welcher der Ueberfall ausgeführt wurde, sei zu schließen, daß die Eingeborenen der Matthias- Inseln, die wegen ihrer Wildheit und Raubgier berüchtigt sind, sich i» de» Besitz der Tauschware u der reich ans- gestatteten Expedition setzen wollten. Später wurden noch einige Arbeiter der Firma Hcrnsheim von ihnen ermordet und ein Händler der Firma ivar im stände, mit Sicher- heit die Bewohner einer kleinen Insel als die Schuldigen zu bezeichnen. Gegen sie ging der.Tonnoran" vor. Solle nicht das Leben und Eigentum der Weiße» schutzlos bleiben, so sei die Sühne solcher Gewaltakte eine un- abweisbare ernste Pflicht der Verwaltung. Die F e st st e l l n» g der schuldigen Einzclpcrsonen sei ein Ding der U n in ö g- I i ch k e i t. Die Erklärung des Kolonialdirektors ist äußerst schwächlich. Er gesteht zu, daß man thatsächlich das Eigentum der Jiisnlaner v e r- w ästet hat, aber er behauptet gleichwohl, daß der Ueberfall nur aus räuberischer Absicht geschehen sei. Diese Behauptung ist aber durch nichts bewiesen. Ucbcr die Ursache der Er- mordnug der Arbeiter der Firma Hernsheim schweigt sich Dr. Stube! gleichfalls aus. Vielleicht lag auch hier ein Notwehrakt der Eingeborenen vor. Interessant ist schließlich, daß auf das Zeugnis einer einzigen Person hin 81 Eingeborene niedergemacht wurden. Daß sich Unschuldige zum mindesten unter den 81 Opfern deutscher Kölonialjnstiz befanden, gicbt Dr. Stübel ohne weiteres zu. Aber die Äölonialjustiz müsse in solchen Fälle» eben eine summarische und nachdrückliche sein, solle anders daS Leben und das Eigentum der Weißen gegen die.räuberischen" Eingeborenen geschützt werden. Und wer schützt diese Eingeborenen selbst, die doch den unanfechtbarsten RechtStitel auf ihr Land und ihre Kokospalmen haben, gegen die Annexion und Verwüstung dieses ihres Eigen- tumS?— Reue deutsch« Cholera-Qpfer k» Ostasien. Da».Wölfische Bureau" meldet offiziös: Von der in Ostasien aufgetretenen Cholera ist auch daS Schutz- gebiet Kiautschou nicht verschont geblieben. Unter der chinesi- scheu BevölkenmgZ der Umgegend von Tsingtan kommen seit Mitte dieses Monats täglich einzelne Todesfälle siris zu 10) an der Cholera vor und auch die Europäer haben bei dem Banpersonal, welches mit den Chinesen am nächsten in Berührung steht, bereits Todes- fälle zu beklagen. ES sind in der Zeit vom 18. bis 29. d. MtS. an der Cholera in Tsingtan verstorben: 1. M o n t e n r B r u n o P l e i tz, 2. Bau- anfseher Franz Benndorf auS Halle, 3. Aufseher Pfau er ans Hamburg, 4. Aufseher Karl Georg L o g e m a n n ans Bremerhaven. Die Benachrichtigung der Angehörigen ist durch das Reichs- Marine-Amt direkt veranlaßt. Da jetzt mit Ende August die Regenzeit aufzuhören pflegt und dann ein totaler Witterungsmuschlag eintritt(Einsetzen nördlicher Winde), so ist zu hoffen, daß die Krankheit, welche bis jetzt auch unter den Chinesen nach den Meldungen des Gouvernements keine» epidemischen Charakter angenommen hat, keine weitere Ausbreitung annehmen wird. Bekanntlich wurde kürzlich eine ähnliche Mitteilung gemacht, die mehrere Eholera-Todesfälle unter den Truppen meldete.—_ Offiziöse Temeiitiermigrn. Der russische Student K a I a j e w ist nicht an Rußland auS- geliefert, sondern nur nach Rußland ausgewiesen worden. ES ist ein aste» Vorurteil, daß der Scharfrichter tötet; er richtet bloß hin. � Der Provinzial-Steuerdirektor Löhning ist von dem Finanz- minister nicht veranlaßt worden, seinen Abschied zu nehmen; er ist vielmehr nur ersucht worden, nichts im Dienst zu bleiben. Da» Wetter ist in diesem Jahre nicht ungünstiger als in andren, vielmehr war es in früheren Jahren günstiger als in diesem. ES ist unwahr, daß offiziöse Dementi» oft unrichtig find: viel- mehr find nur die offiziös dementierte» Nachrichten manchmal richtig. .Kladderadatsch". Ausland. I. N. Hobson über de» JutperialiöuiuS. London, 27. August.(Eig. Ber.) Zu den wichtigsten Erscheinungen, die in letzter Zeit die eng- tischen Denker tief beeinflußten, gehören der südafrikanische Krieg und die Trusts. Dennoch giebt es vorläufig nur wenige schrift- stellerische Kundgebungen, die einer besonderen Aufmerksamkeit würdig wären. Herbert Spencer» Klage über die.Rebarbarafierung" Englands verdient nicht mehr als eine vorübergehende Er- wähnung. Der einst berühmte englische Philosoph findet in seiner wissenschaftlichen Rüstkammer kein Hilfsmittel zur Erklärung der hervorstechendsten Charakterzüge der neuesten Zeit. Er klagt und jammert; damit ist aber nichts gethau. Kein Wunder, daß Spencers Name jetzt in England kaum genannt wird. Er gehört bereits zu den Toten. Dagegen ist es erfreulich, feststellen zu können, daß Mr. I.A. Hob- son, der allgemein als der bedeutendste nationalökonomische Schriftsteller Englands betrachtet wird, sich unter dem Eindruck der Ereignisse immer klarer zu einer socialistischenUeberzeugung hindurcharbeitet. Für die Augustmunmer der„Contemporary-Review"schrieb ereinen langenArtikel über.die Saugwurzeln de» Imperialismus, in dem er u. a. folgende Bemerkungen macht:... Ueberproduktion, d. h. enorme ProdnktionS- kräfte und überschüssige Kapitalien, die nicht mehr im Inland« aus« genützt und angelegt werden können, zwingen England, Deutschland, Holland ee., ihre ökonomischen Mittel außerhalb ihrer politischen Grenzen zu weisen und damit auch zu einer Ausdehnung ihrer Machtgebicte. Die ökonomischen Quellen dieser Bewegung werden bloßgelegt durch die periodischen Krisen, die den Umständen geschuldet sind, daß die Märkte sich als zu enge erweisen für die vorhandenen Produktiv- kräfte.... Es ist deshalb nutzlos, den Militarismus oder Jmperia- liSmus als eine rein politische Erscheinung zu bekämpfen. Die Axt muß an die Wurzel gelegt werden. Die Klassen, i» deren Juteresse der Imperialismus unternommen wird. müssen ihrer überschüssige» Kapitalien beraubt werden. Der Kampf um Märkte, die größere Willfahrigkeit zu verkaufen als zu kaufen, sind Beweise einer falschen wirtschaftlichen Verteilung. Imperialismus ist die Frucht dieser falschen Wirtschaft; Socialpolitik ihr Hilfsmittel. Der erste Zlveck einer Socialreform ist die Hebung des Verbrauches im Jnlaude. Trades-UniouiSmus und S o e i a l i s m u s sind die natürlichen Feinde de» Imperialismus, denn ihre Politik ist darauf gerichtet, den imperialistischen Klassen die überflüssigen Kapitalien zu nehmen."— Oestreilh-ttngnr». Zolltarif-Schwlerigkeitc» i» Oestreich. — et— Wien, 26. August.(Eig. Ber.) Wider Erwarten haben sich in den Verhandlungen zwischen der östreichischen und der ungarischen Regierung neue Schwierigkeiten herausgestellt. Zwar, der sogenannte Ausgleich ist so ziemlich fertig. Unter dem Ausgleich versteht man die Angelegenheiten, die gemäß dem Gesetze vom Jahre 1867, dem BegründnngSgcsetze des Dualismus,„nach gleicher von Zeit zu Zeit zu vereinbarenden Grundsätze» behandelt werden", also die kommerziellen Angelegenheiten, die Feststellung des Münz- Wesens, die Gesetzgebung über die indirekten Abgaben und die Ver- fügnngen bezüglich jener Eisenbahnlinien, die das Interesse beider Länder berühren. Ueber alle diese Dinge, soweit sie durch neue Bestimmungen zu regeln sind, ist eine Einigung erzielt worden; sie besteht freilich zumeist in der unveränderte» Uebernahme des im Jahre 1900 durch§ 14-Berordmingen oetrohierteu Ausgleiches. Dagegen sind die Gegensätze über den Zolltarif-Ent- Wurf noch immer nicht überbrückt, und zu einer raschen Beilegung der Differenzen scheint vorläufig auch nicht viel Aussicht zu bestehe». Soweit sich in dem Dunkel, in dem die Verhandlungen mit erficht- sicher Absicht gehalten werden, der Sachverhalt erkennen läßt, handelt es sich nicht um Forderungen Ungarns, denen etwa Oestreich wider- sprechen würde, sondern um Wünsche Oestreichs. denen gegenüber sich Herr v. Szell ablehnend verhält. Die Forderungen der Ungarn nach erhöhtem Zollschutz für ihre agrarische Erzengimg hat Herr v. Koerber erfüllt; was den Brot- und Fleischwucher betrifft, wird der Entwurf sehr peinliche Ueberraschnugen liefern. Dagegen weigern sich die Ungarn, den Forderungen der Oestreicher»ach hohen I n d u st r i e z ö l l e n zu entsprechen. Herr v. Koerber scheint da Vorschläge gemacht zu haben, die auf Schaffung eineS wahren Kampftarifs gegen die deutsche Industrie Hinanslaufen, und die Ungarn befürchten nicht mit Unrecht, daß ein solcher Tarif die Ans- sichten für die Erhöhung der Getreidezölle in Deutschland nicht wenig steigern, also mittelbar zu einer Gefahr für ihre Einfuhr machen würde. Aber auch der weitere Einwand läßt sich hören: daß ein autonomer Tarif mit so übertriebenen Schutzzöllen die Vertrags- Verhandlungen sehr erschweren könnte und daß derart extreme Zölle zu einer Verteuerung der Jndustrie-Erzeugnisse führen würden, die den Konsumenten in Ungarn treffen, da» Maß ihrer Abgabe an Oestreich ungebührlich erhöhen müßten. Es scheint sehr, daß daS, was Herr v. Koerber als„östreichischeS" Interesse anSgiebt, nur das Interesse der Unternehmer aller Arten ist. Unter solchen Umständen wird es immer unwahrscheinlicher, daß der Zolltarif bis zum Schlüsse des Jahres fertig werden wird. Daß sich die östreichische Negierung entschließen könnte, in diesem Znstande der Unfertigkeit und Unsicherheit mit der Kündigung der Handels- Verträge vorzugehen, kann wohl als ausgeschlossen betrachtet werden. Es wird also so kommen, wie eS hier schon oft angekündigt wurde: daß die internationalen Handelsverträge, so weit Oestreich-Ungarn in Betracht kommt, stillschweigend verlängert werden. Das Still- schweigen wird dann auch derlAuSdruck von Verlegenheit sein.— Schwede». Als einZuchthaiiö-Gesetz gegen dieArbeiter-Organifationru muß man den Entwurf zu einem.Gesetz über den Arbeitsvertrag" bezeichnen, gegen den die LandeSorgauisation der Gewerkschaften dieser Tage einen eingehend begründeten Protest an das Ober- Statthalteramt von Stockholm eingereicht hat. In dem Komitee, das zur Ausarbeitung jene« Entwurfs ernannt wurde, hatte nicht ein einziger Arbeilervertreter Sitz' oder Stimme, und dem- entsprechend sind denn auch vor allem die Unternehmer- interesien berücksichtigt worden. Zwar find die Bestimmungen des Entwurfs im allgemeinen für Arbeiter und Arbeit« gcber die gleichen, doch müssen sie selbstverständlich die wirtschaftlich schwachen Arbeiter viel schwerer treffen als die Unternehmer. Die bedenklichsten Bestimmungen sind die über den Bruch des Arbeits- Vertrages. Hierfür sind, wenn der Betreffende sich weigert, Schadenersatz zu leisten, Bußen von 6— 200 Kronen oder Gefängnis- strafen von 3— 23 Tagen vorgesehen. Diejenigen, die jemand zum Vertragsbruch verleiten, sollen insofern noch harter behandelt werden, als sie niemals mit einer Schadloshaltung, die sie leiste» müssen, wenn der.Verführte" sich dessen weigert, sondern immer auch noch mit Geldstrafen oder Gefängnis bedacht werden. Für die Unternehmer aber ist die besondere Bestimmnng getroffen, daß sie sich durch Einbehaltung eines Fünftels vom Arbeitslohn bis zur Summe von 12 Tagelöhnen von vornherein gegen Schädigung durch Arbeitsvertrogsbrnch schützen können, während der Arbeiter, wenn er der Geschädigte ist. stets auf den Rechtsweg angewiesen ist. Das Komitee schlägt noch außerdem eine Abänderung im Straf- recht vor. wodurch solche Fälle von Vertragsbruch,' die grobe Schädigung an Eigentum oder Gesundheit usw. zur Folge haben, besonders hart betroffen werden solle».— Es ist wohl anzunehmen, daß dieser Entwurf ebensowenig Gesetz wird, wie seiner Zeit jener berüchtigte Znchthausgesetz-Entwnrf in Deutschland. Ist doch die Menschenwürde und Freiheit des Einzelnen in Schweden noch etwas mehr geachtet und geschützt, als das leider in Preußen-Deutschlaud der Fall ist.— Amerika. Ein deutsches Schiff in der Schnffliule. Nach einem Tele- gramm aus Jamaika befand sich der deutsche Dampfer„Polaria" am 22. d. M. in C u r u p a n o, als die Stadt von 700 Revo- lutiouäreu angegriffen wurde und dieselben nach mehrtägigem Kampf in die Stadt eindrangen. General Welutini mit 1000 Mann schlug 'die Angreifer schließlich zurück und brachte ihnen schtvere Verluste bei. Die„Polaria" wurde während dieses Kampfes von mehreren Geschossen erreicht, worauf der Kapitän den Schutz des G e n e ra ls W e lu ti n i b e a n sp r u ch t e; dieser antwortete jedoch, der Kapitän möge sein Schiff in allerEile aus dem Hafen bringen. Der Kreuzer„Gazelle" wurde telegraphisch benachrichtigt und holte den Dampfer ab. Gegen die Haltung des Generals Welutini läßt sich nichts ein- wenden. Die.Polaria" hätte sich eben rechtzeitig aus der Schuß- liuie zurückziehen müssen. Als die deutschen Schulschiffe sich im Jahre 1897 bei dem Konflikt mit Haiti zum Bombardement von Port-au-Prinee anschickten, richteten sie a» die im Hafen liegenden freniden Schiffe ebenfalls die kategorische Aufforderung, sich aus der Schußlinie zu eiitferueu, falls sie nicht Gefahr laufen wollten, mit in den Grund geschossen zu tverden.— Nttvkvi-Mtt�virszken. Vo» den socinldcinokratischcn Gcmeinde-Wahlprogeaminen wird die„Koimminale Praxis", wie in der soeben erschienenen Nimmier 17 des Blattes mitgeteilt wird, die wichtigsten in einer systematischen Zusammenstellung dem Parteitage vorlegen als Material für die Stellungnahme zu dem Punkte Kommuiialpolitik. Das Blatt tritt dabei zugleich enlschieden für Beibehaltung des Punktes Kommiinalpolitik ein, wobei der berechtigte Wunsch geäußert wird, daß dieser Gegenstand nicht wieder so eilfertig abgethan werden möge wie vorige« Jahr die Wohnungsfrage. Der Meinmig wird allerdings gewiß jeder beipflichten.' Wenn schon, denn schon. Die Frage der Kommuiialpolitik verdient allerdings eine gründliche Erörterung und es iväre schade um die Mühe, die sich der bestellte Referent machen wird,»in in seinem Referat die Grundlage für eine ersprießliche Erörterung des Gegenstandes zu liefern, wenn eS wieder nur mit der Reisetasche in der Hand angehört werden müßte. Ob es aber, wenn die Zeit zu ansreicheuder Disknsfion dennoch ivieder fehlen sollte— der Punkt steht an sechster Stelle.— dann zweckmäßig wäre, das Referat entgegen zu nehmen und die Diskussion auf einen der nächsten Parteitage zu verschieben, wie die„Koinmiinale Praxis" empfiehlt, das erscheint»ns doch sehr ziveifelhaft. Wenn sich die Geschäftslage des Parteitages so gestaltet, daß zur Diskussion über die Kommunal- Politik keine Zeit bleibt, dann befürchten wir. daß das Referat auch keine besondre Aufmerksamkeit mehr finden ivird. Und dann dürfte die Absetzung des ganzen Punktes im Interesse der Sache doch wohl das beste sein. Ter socialdemokratische Arbeiterverein zn Frankfurt a. O. faßte am Freitag, den 29. Anglist, in überfnlller Versammlung fplgendcn Beschluß, um dessen Veröffentlichung wir ersucht werden: Die Versammlung weist die A e u ß e r u n g e n S t a d t h a g e n s über die Reichstags-Kandidatur im KreiseFrank- f u r t- L e b i> s entschieden zurück. Es ist nicht ivyhr, daß Genosse Metzner sein Mandat infolge Quertreibereien einiger Frantfurter Genossen niedergelegt hat. Die Wahrheit ist vielmehr, daß schon seit 1893 eine Mißstimmung über die Art bestand, in der Genosse Metzner agitierte; Genosse Mehner konnte und wollte zum Teil den Aiifordernngen nicht nachkommen, die im Jnleresse der Agitation an ihn gestellt werden mußten. Trotz des Mangels an BcriainnilnngSlokalen, die für misre Partei zu haben sind, weigerte sich Genosse Metzner, gegnerische Versammlungen zu besuchen und dort zu sprechen. Er erklärte, mir dort reden zu wollen, wo er das«Schlußwort hat. Es führte das Iilisießlich dazu, daß den Frankfurter Delegierten zur Kreiskonferenz 1900 der strikte Auftrag erleilt wurde, das Verhällnis mit Genossen Metzner zu lösen und cs hat auch diese Konferenz, da Metzner auf einem formellen Beschluß bestand, in i t allen gegen bloß zwei Stil»»i e ii die Lösnng des Verhältnisses beschloffen, Es ist ferner nicht ivahr, daß auch nur ein einziger von den als Kandi- daten in Aussicht genominciien Geiiosien»ach einer Rücksprache mit Metzner und von diesem bewogen abgelehnt hätte. Ebenso ist un- ivahr, daß Metzners ernente Aufstellung die Landbevölkerung»och im März lebhaft geivüiischt hätte; ivahr ist vielmehr, daß die Auf- stcllnng der Kandidatur Braun am 16. März einstimmig erfolgt ist. Aufs schärfste wird zurückgewiesen, was Stadthagen über den „Schiister" sagt, de» die Frankfurter nicht mehr haben möchten, und über die angebliche Eliqnenwirtschaft. Die Versanimlung bezeichnet eS als leichtfertig und die Partei schädigend, daß Stadthagen feipe Anschnldignngeii in die Welt schlenderte, ohne vorher auch ii»r den Versuch zu machen, sich in Frankfurt über die Berechtigung der Vorwürfe zu erkiindigen. Sie verurteilt auch, daß Stadthagen erst dann seine Anschuldigiingen erhebt, nachdem Genosse Metzner nicht mehr reden kann. Zum Schluß wird nochmals hervorgehoben, daß ivohl im Kreise Differenzen mit Genossen Metzner bestanden haben, daß diese Differenzen aber stets sachlicher nnd nie persönlicher Art waren. Nachdem eine Einigung sich als unmöglich eriviesen hatte, war die Lösung des Verhältnisses das einzig mögliche und in Zukunft Ivird bei ähnlicher Sachlage gena» so verfahren iverden. Niemals kann und wird ein Kreis sich auf die Daner binden, cs bleibt ebenso selbst- verständlich aber anch dem Kaiididateu die Freiheit, zu geeignetem Zeitpunkt von der Kandidatur znrückzntreteu. Die Versaiinnluiig bedauert ansdrficklich, kurz»ach dem Tode dcS von ihr als Genosse und Persönliehkeit wertgeschätzten alten Metzner in d i e N o t w e h r gedrängt zu sein,"solche Erörterungen vornehinen zu müssen. Der Borstand: Emil Faber. Wilhelm Schulz. Otto Müller. Gcnoffe Bebel beabsichtigt»ach dem Miinchener Parteitag in Bamberg, der Restdenz des Dr. Schädler, eine Volksversanimlung abzuhalten,»in diesem die passende Antwort auf seine Rede auf dem Mannheimer Katholikenlag z» teil iverden zn lassen. Tic Parteigenossen in Köln haben am Freitag einen Beschluß gefaßt, der für die Partei- und die Gewerkschaftsbewegnng in der rheinischen Metropole von größter Bedentimg ist. Seil einem Jahrzehnt war die Partei in Köln, dem Hauptsitz der deutschen Centrums- Partei, der drittgrößten Stadt in der preußischen Monarchie, mit nur geringen U»terbrechu»gc,i obdachlos. Der Socialdemokratische Verein, die politische Organisation der Kölner Genosse», ist seit vielc» Jahren von einem kleinen Lokal ins andre ge- zogen mid hat zeitiveilig sogar seine Sitznugen ausfallen lassen müssen. Dieser imerträgliche Zustand veranlatzte die Partei- genossen, i» Geineinschaft mit den Geiverlschaflen, die unter den nämlichen Verhältnissen litten, an die Sainnilniig eines Lolalfonds, und vor zwei Jahren an die Gründling einer Geuossenschaft heran- zugehe». Der Vorstand u»d der Anfsichtsrat der letztere», lauter er» fahrene Leute, schlugen am Sonntag einer zahlreichen General- Versammlung vor. ein ihnen zum Kauf angebotenes Saal- gebände mit Tageswirifchaft zu erwerbe». Die Lage ist vortrefflich, in dein dichtesten Arbeiterviertel mid fast in der Mitte der Stadt. Die Versaminlnng hieß»ach reiflicher Be- ratung einstimmig den Kauf gut. Darauf ist am Sonnabend der Kaufakt notariell vollzogen worden. Auzzi Fttdttltvie Nttd UZattdel. Bank für Bergban nnd Judnstrie. In der heutigen außer- ordentlichen Generalversammlung, in der von dem 10 Millionen Mark betragenden Grundkapital ö 773 000 M. vertreten waren wurde nach längeren Erläuterungen des Kommerzienrat Lucas ein- stimmig der Antrag der Verwaltung angenommen, der dahin geht, das Grundkapital auf mindestens 7 Millionen Mark herabzusetzen, durch Nülkkanf von Aktien zum Kurse von höchstens 37Va Proz, im Wege der vffcntlchen Submiffion zlvecks Minderung des per 31. März 1902 ansgeiviesenen Verlustes von 4 949 877 M. Ueber die weitere Gestaltung des Geschäftes teilte die Verwaltung mit, daß sie ein be- stimmtes Progran, m nicht habe. Die Bank werde einstweilen nicht aktiv wieder eingreifen, sondern die vorhandenen Objekte möglichst günstig zu verwerten suchen. Aus diesem Grunde tverde sich die Liquidation verlangsamen. Eine Zusammenlegung der nach Rückkauf der 3 Millionen Mark Aktien verbleibenden 7 Millionen Mark sei eiiistweilen nicht beabsichtigt. PostUsche Bergarbeiter im rheinisch-westfälischeu Kohle»- revirr. Bekanntlich findet seit ettva einem Jahrzehnt eine starke Beschäftigung polnischer Bergarbeiter im ivestfälischen Kohlenbergbau statt. Im Jahre 1893 nahm die Bergbehörde im Rnhrrcvier' eine detaillierte Belegschaftszählung vor und ermittelte allein 17919 polnische Bergleute, mit Familienmitgliedern rund 54 000 Personen. 1897 fand wieder eine Zählung statt, da wurden schon 34 361 Berg Xeute mit polnischer Muttersprache gezählt, das sind 18,62 Prozent der Gesamtbelegschaft. Ein halbes Jahr später war der Prozentsatz auf 26 Proz. gestiegen. Die letzte umfassende Statistik der Ruhrbergleute, vom 1. Januar 1900, stellte 69 379 mit polnischer Muttersprache fest, das sind 33,9 Proz. von 204 000 Mann Gesamt- bclegschaft. Seitdem ist die Belegschaft noch um 40 000 Köpfe gestiegen, Ivorunter wieder ein großer Prozentsatz Polen. Man kann -annehmen, daß zur Zeit etwa 76 000 aus dem polnischen Sprach- gebiet stammende Arbeiter im Rnhrbergbau arbeiten. Diese Masse repräsentiert nebst Familienmitgliedern eine polnische Ansiedelung bon mindestens 300 000 Köpfen. Zun» amerikanische» Kohletlarbeiterstrcik. Telegraphisch wird ans Washington gemeldet, Arbeitskommissar Wright habe über den Ausstand der Kohlen-Bergleute einen Bericht erstattet, wonach ein Eingreifen des Präsidenten Roosevelt in den Streik nicht wahr- scheinlich ist. Solicitor-General(General-Staatsauwalt) Knox, dem der Bericht unterbreitet wurde, ist der Ansicht, daß die Regierung keine gesetzmäßige Handhabe hat, sich in den Streit zwischen Arbeit gebern und Arbeitnehmern einzumischen. Ein Einschreiten der Regie- rnng wäre daher ungerechtfertigt. Man glaubt, daß Präsident Roosevelt derselben Ansicht wie Kommissar Wright ist. Einwanderung in die Vereinigte» Staate». Die ungünstige Geschäftslage in Europa hat auch der Auswanderung nach den Vereinigten Staaten von Amerika einen neuen Anstoß gegeben. Nach einer von dem Einlvandcrnngsbureau in Washington veröffentlichten vergleichenden Statistik kamen im Fiskaljahre 1901/02 in den Bereinigten Staaten von Amerika 648 743 Einivanderer und 82 056 sonstige fremde Reisende an. Gegenüber der Einwandererziffer des Fiskaljahres 1901 trat eine Zunahme von 160 826 Köpfen ein. Die größten Eiuwandcrerkontingente stellten im Fiskaljahre 1901/02 die iiachgeuanntcn Staaten mit der beigefügten Gesamt- kopfzahl: Italien einschließlich Sizilien und Sardinien 178 376, Ocstreich-Ungarn 171 989, Rußland und Finnland 107 347, Schweden 30 894, Irland 29188, Deutschland 23 304, Norwegen 17 484, Japan 14 270 und Großbritannien 13 676. Soriales. Schutz der Franc»- und Kinderarbeit in Italien. Die letzte Legislaturperiode hat die bestehende Gesetzgebung be- züglich der Frauen- und Kinderarbeit in den Fabriken in vielen Punkten wesentlich erweitert. Durch diese Novelle, die nunmehr in Kraft getreten ist, wird zunächst der Begriff Fabrik dahin erweitert, daß unter diese Bezeichnung alle industriellen Arbeitsplätze fallen, in denen Arbeit industrieller Natur mit maschinellen Hilfsmitteln verrichtet wird, gleichgültig, wie groß die Zahl der darin schäftigten Personen ist. Ferner sind einbegriffen alle Werkstätten, Bau- und sonstige Arbeitsplätze, wo mehr als 10 Personen regelmäßig beschäftigt sind.' Nach dem bisherigen Gesetz durften Kinder unter 9 Jahren in Fabriken und Werkstätten, Kinder unter 10 Jahre» in unterirdischen Betrieben nicht beschäftigt werden. Jetzt ist die Altersgrenze für die erstcren auf 12 Jahre(auch für Baute»), für die Arbeiten unter Tage auf 13 Jahre festgesetzt; in iveiteren 3 Jahren wird die Altersgrenze •für unterirdische Betriebe auf 14 Jahre hinaufgesetzt werden. Für gefährliche Berufe sind weitere Einschränkungen vorgesehen, und zwar ist die Arbeit der männlichen Arbeiter unter 16 Jahre» und die der weiblichen unter 21 Jahren in solchen untersagt. Frauenarbeit in Bergwerken ist ohne Rücksicht auf das Alter gänzlich verboten. Die Nachtarbeit für Kinder von 12 bis 16 Jahren durfte bisher 6 Stunden währen: das neue Gesetz verbietet sie für jugendliche Arbeiter unter 16, für Arbeiterinnen unter 21 Jahren. Nach Verlauf von fünf Jahren hat die Nacht- arbeit für Franc» gänzlich aufzuhören. Diejenigen Frauen, welche heute in Nachtarbeit beschäftigt sein wollen, haben ein ärztliches Zeugnis beizubringen. Das neue lvie das alte Gesetz verbietet die Beschäftigung von Kindern unter 12 Jahren für mehr als 8 Stunden: für solche von 12—16 Jahren ist das Maximum 11 Stunden; Frauen und Mädchen über 16 Jahre dürfen bis zu 12 Stunden beschäftigt werden. In Ausnahmefällen darf auch die Arbeitszeit der 12— 16jährigen bis auf 12 Stunden ausgedehnt werden. Während das frühere Gesetz nur für Kinder eine Unter- brechnng von einer Stunde für die Mahlzeit vorsah, und auch nur dann, wenn dieselben über 6 Stunden beschäftigt waren, wird jetzt für Kinder und alte Frauen, welche 6—3 Stunden beschäftigt sind, eine Pause von einer Strinde, für solche, die 8—11 Stunden arbeiten, l'/s Stunden, für die, welche über 11 Stunden arbeiten, eine solche von 2 Stunden festgesetzt. Für männliche Arbeiter unter 16 Jahren und für Frauen jeden Alters sieht das neue Gesetz einen vollen Ruhetag pro Woche vor. GvivevKMotftlijfzeS. Berlin»nb Umgegend. Ein Gewaltöakt der Klcmpneruieister. Trotzdem die Generalversainmlung der Klempner beschlossen hatte, alle Fordrungen der Gehilfen abzulehnen, war eS doch ge- lungen, bei einer größeren Anzahl von Unternehmern die Belvilligungen durchzusetzen. Die Herren ans der Dresdenerstraße sahen sich deshalb genötigt, zum Sonnabend, den 30. August, eine neue Versammlung einzu- berufen, um aufs neue Stellung z» nehmen. ES wurde beschlossen, daß, wen» biS Mittwochiniting dlc Arbeit nicht wieder aufgenommen wird, eine Aussperrung der Bau- und Wcrkstattkleuipncr vorzunehmen. Eine kleine Aufbesserung wollte man zugestehen, aber keinen Minimallohn. Auch dieser Beschluß lvnrde cinstimniig gefaßt. Nlöglich war diese Einstimmigkeit aber erst, nachdem man diejenigen die sich «ege» die ÄuSspcrrnng wandten, hinauörxpcdiert hatte. Die Berliner Bevölkerung soll anfgernfcn und der Oeffcntlichkcit be- wiesen werden, daß die Meister iin Recht sind. Den Gehilfen kann es wohl recht sein. Der Metallarbeiter- Verband wird in den nächsten Tagen eine Reihe von Versanimlnngen einberufen, in denen die gesamten Metallarbeiter zu der angedrohten Ausspcrrnng Stellung nehmen iverden. Die Bleigläser sind in eine Lohnbewegung eingetreten. Sie reichen ihre Forderungen(siehe Versammlnngsbericht) am Sonntag den Arbeitgeber» ein, erwarten Antivort bis Dienstag und lege» dann in allen Werkstältcn, Ivo die Forderungen nicht bcivilligt werden, die Arbeit nieder.- Achtung, Steinsetzer! Laut Beschluß der Versammlung vom 29. August haben überall da, Ivo unser Tarif nicht vollinhaltlich bezahlt wird, Besprechungen aller bei den betreffenden Firmen beschäftigte» Kollegen stattzufinden, welche sich über ein eventuelles Vorgehen schlüssig machen müssen. Und zwar soll bei allen diesen Firmen eventuell die Arbeit niedergelegt werden. Es ist von dem ErgebmS der Be- fprechnng sofort der Kollege A. Knoll zu benachrichtigen, welcher den Gesellenausschuß zu benachrichtigen hat. Nach erfolgter Sanktion des Gesellenausschusses hat dann nötigenfalls die Arbeitseinstellung zu beginnen. Der Gesellenausschuß. Bei der Firma Frisier(Inhaber Engel n. Hegewald) haben sämtliche Schleifer wegen willkürlicher Lohnabzüge die Arbeit niedergelegt. Den Ausständigen sind daraufhin sofort die Entlassungspapiere zugestellt worden. Als Vorsitzender der Vcrtrauenskommission des Metallindustriellen- Verbandes(Bezirk Süden) verweigert Herr Hegewald principiell jede Unterhandlung. Ter Streik bei der Firma Goltz u. Brcutmann hat seine Ursachen in der Vorlegung eines neuen Tarifs, in welchem die Verdienstsätze um 10 bis 15 Proz. reduziert waren. Aehnliche Tarif- Herabsetzungen haben sich die Arbeiter wie Tischler, Anschläger und Mechaniker schon wiederholt gefallen lassen, ohne sich in Rücksicht auf die allgemeine Krise ernstlich dagegen zu wehren; doch jetzt war die Geduld der Beteiligten erschöpft. Zunächst traten die Tischler und Anschläger geschlossen in den Ausstand, und als dann den Mechanikern zugemutet wurde, Anschlägerarbeiten zu verrichten, da legten auch diese die Arbeit nieder. Bisher haben sich der Firma mir zwei „Arbeitsivillige" zur Verfügung gestellt. Die Lohnbewegung der Lederarbeiter in Brandenburg a. H. scheint einen ernsthaften Charakter anzunehmen, da die Arbeitgeber beschlossen haben, sich auf keinerlei Zugeständnisse einzulassen.' Die seitens der Arbeiter erfolgte Kündigung des Arbeitsverhältnisses ist am Sonnabend abgelaufen, so daß sich v o m Montag ab s ä m t- liche Lederarbeiter im Streik befinden. Seitens der Arbeiter ist das Gewerbegericht als Einignngsamt angerufen. Die streikenden Brilleuarbeiter in Rathenow hatten dieser Tage durch ihre Kommission mit der Firma verhandelt. Die letztere hatte aber nur so geringfügige Zugeständnisse gemacht, daß eine am Freitag abgehaltene Bersanimlnng der Streikenden denselben nicht zustimmte und die Fortsetzung des Streiks beschloß, der eine weitere Ausdehnung erfährr durch die mit Ablauf der Woche erfolgende Arbeitsniederlegung von 94 Goldarbeitern. DentscheS Reich. Die Verschmelzung der beiden Textilarbcitcr-Organisationen stößt sowohl in den Reihen des niederrheinische» Webervcrbandes, als auch innerhalb des deutschen Textilarbeiter-Verbandes auf heftige Opposition. Es ist nicht die Verschmelzung an sich, welche den Wider- spruch hervorruft, sonder» vielmehr sind es die von den beider- scitigen Vertreten» festgesetzten Einigmigsbedingungen, denen man in Mitgliederkreisen nicht glaubt zustimmen zu können. Im Textilarbeiter-Verband will man namentlich davon nichts wissen, daß die beiden besoldeten Beamten des nieder- rheinischen Webcrverbandes, Bär und Vollen, im Textilarbeiter- Verband ebenfalls eine besoldete Stellung erhalten, ferner wird dagegen opponiert, daß die„Fachzeitimg" des N.-W.-V. auch nach der Verschmelzung weiter erscheinen soll und zwar für den niederrheinischen Gau als Beilage zum„Textilarbeiter". Auf der andern Seite, im N.-W.-V., wird der Einigung ebenfalls wider- sprochen, der Unwille richtet sich hauptsächlich gegen Bär und Vollen, welche die EinignngSverhandlnngen nnt den Vertretern der andern Organisation geführt haben. Die N.-W.-V. gc- hört der„Freien Vereinigung deutscher Gewerkschaften"(Vertrauens- männer-Centralisation) an, daher wendet sich denn auch deren Organ. die„Einigkeit" gegen die Verschmelzung, indem sie ausführt. daßBär auf einem früheren Kongreß der Vertrauensmänner-Centralisation einen Standpunkt vertreten habe, der es ihm konscqueuterweisc nicht ge- statten sollte, den Anschluß au den Textilarbeiter-Verband zu be- treiben. Die Vorwürfe, welche in den Kreise» des N.-W.-V." aus Anlaß der EinigungSbestrebnngcn gegen Bär und Vollen erhoben wurden, haben' diese veranlaßt, ihre Stellungen im Verband zum 1. Oktober zu kündigen und zn erklären, daß sie auf keinen Fall, auch wenn die Einigung nicht zn stände kommt, lvicdcr ein Amt an- nehmen würden. Mit Rücksicht darauf, daß die Gelverkschaften um so leistungs- fähiger werden und ihre Aufgaben mu so besser erfüllen können, je einheitlicher und stärker ihre Organisationen sind, hoffen wir, daß eine dauernde, beide Teile befriedigende Einigung beider Organi- sationcn zu stände komnit. Zur Aussperrung der Klempner in Hamburg. Trotz der großsprecherischen Worte des Obermeisters in der letzten Jnnungs- Versammlung und der von derselben angenommenen Resolnlion, haben in den letzten Tagen mehrere bedeutende Firmen, die kein Interesse an der weiteren Ausspcrrnng haben, ihre früheren Leute zünden alten Bedingungen eingestellt. Ausland. Tie Kntschcr von„Kopenhagens Paketexpcdition" befinden sich im Streik, der durch einen neuen Arbeitsvertrag, den man ihnen aufzivingen wollte, verursacht wurde. Ter Niederländische Maurervcrband hielt am 24. und 25. August in Rotterdam seine fünfte Jahresversammlung ab. Der Verband besteht jetzt ans 11 örtlichen Abteilungen. Die Mitglieder- zahl ist im verflossenen Jahr um 160 gestiegen. Der Verband hat sich während des Streiks in Hamburg eifrig und größtenteils mit Erfolg bemüht, die Ausfuhr holländischer Streikbrecher zn verhindern. Die Jahresversammlung sprach sich im Princip für die Gründung einer internationalen Verbindung der Maurer aus. Die finanzielle Seite dieser Frage soll in den Abteilungen erwogen werden. Sämtliche Bäckergesellen in Gerona(Spanien) sind— wie W. T. B. nieldet— in den Ausstand getreten. Sic wollen denselben bis zur vollständigen Befriedigung ihrer Forderungen fortsetzen. In der Stadt herrscht große Aufregung. Vevfeutttttlnnigen. Erster Wahlkreis. In Cohns Festsälen wurde am Donners- tag die regelmäßige Mitgliederversammlung des Mahlvcrcins ab- gehalten. Gleich nach Eröffnung derselben teilte der Vorsitzende mit, daß der überwachende Beamte ein Verweilen der Frauen au den Tischen der Männer nicht gestatten könne. Infolge dessen wurde ein Bühncnraum hinter dem Vorstandstische schnell als„Segment" eingerichtet, in dem die Frauen dann unter allgemeiner Heiterkeit Platz nahmen. Hierauf erhielt Rcichstags-Abgeordncler Kunert außerhalb der Tagcsordnmig das Wort zu cincin Nachruf für den verstorbenen Genossen Mehner. Die vorhin so heitere Stimmung wich jetzt einem tiefen Ernst. Unter lautloser Slille der Versammlung schilderte Redner das Leben und Wirken des Dahingeschiedenen, der sich unvergängliche Verdienste um die Partei im allgemeinen wie um die politische Organisation des ersten Kreises im besonderen erworben hat. Sodann sprach Genosse Kunert in l'/s siündigem Vortrage über: Die Notwendigkeit der Weltlichkeit nnsres gesamten Schulwesens, eine social- demokratische Programmfordcrung. Der Vortrag wurde mit leb- haften» Beifall aufgenommen, eine Diskussion schloß sich nicht daran.— Unter„Verschiedenes" forderte der Vorsitzende etwaige Nicht-Prenßen auf, sich zwecks Ausübung ihrer politischen Rechte, die preußische Staatszugchörigkeit zu erwerben. Genosse O p p e l krilisierte zum Schluß»och in scharfen Worten das Verhalten der Bahn- und Polizeibehörde, deren Betreiben es in erster Linie zu danken sei, daß die„Knrhallen", das„Brandenburger Haus" sowie„Zelt 1" der Partei zu Versainmlungszwecken nicht mehr zur Verfügung stehen. Lohnbewegung der Bleiglaser und Glasmaler. Eine sehr zablreich besuchte Versammlung der Bleigläser. Messingglaser und Glasmaler fand am Freitag in den Arminhallen statt und befaßte sich zunächst mit der Antwort, die die Unternehmer auf die Forderung, de» Arbeitsnachweis der Gehilfen anzuerkennen, erteilt haben. Der Arbeitgeber-Verband und die Innung haben diese Forderung rundweg abgelehnt und cm- pfehlen in ihrem Schreiben, das in der Versammlung ver- lesen wurde, den Gehilfen die Benutzung ihres Arbeits- Nachweises in der Markusstraße.— Diese strikte Ablehnung kam nach der Stellung, die von den Unternehmern früher zu dieser Frage eingenommen wurde. unerwartet und aus der Diskussion ging hervor, daß die Gehilfen sich auf keinen Fall damit zufrieden geben wollen. Von mehreren Rednern wurde ans- geführt, daß jenerNachweis durchaus nicht besonders gut funktioniere, daß während dort nur 38 Stellen, auf dem Nachweis der Gehilfen 200 Stellen vermittelt wurden. Die Versanimlnng beschloß, die An- erkenn»»g des Arbeitsnachweises der„Freien Vereinigung der Bleiglaser und Glasmaler" als er sie der Forderungen an die Unternehmer auf- z u st e I l e n. Zunächst wurde jedoch eine besondere Abstimmung der anwesenden Glasmaler und Messingglaser darüber vor- genommen, ob sie willens seien, mit den Bleiglasern, wenn es notwendig werden sollte, zusammen die Arbeit niederzulegen. Sämt- liche Anwesende beider Branchen stimmte» dafür. Dann wurden nach längerer lebhafter Diskussion noch die folgenden Forderungen aufgestellt: " Der Stundenlohn beträgt bei 9 st ü n d i g e r Arbeits- zeit für perfekte Arbeiter 62 Pf. und darüber, für schwächere Kräfte 66 Pf. und nicht darunter. Für Ueberstnndeu wird ein Zuschlag von 26 Proz.. nach 9 Uhr jedoch von 50 Proz. gezahlt, der nach oben abzurunden ist. Sonnabends ist eine Stunde früher, an den Vorabenden der Feste zwei Stunden früher Feierabend und zwar ohne Lohnabzug. In» übrigen wurden die Bestimmungen darüber, daß nicht in Accord gearbeitet iverden soll, daß die Arbeit- gebcr bei Arbeiten außerhalb der Werkstatt die Unkosten tragen sollen, daß nächtliche Eisenbahnfahrt als Ueberstunden zu berechnen ist, sowie die Vorschriften im Interesse der Reinlichkeit und Gesundheitspflege lvie im alten Tarif wieder aufgestellt. Hinsichtlich der Schlichtung von Streitigkeiten über Lohnvcrhältnisse in den Werkstnben wurde jedoch die Aendernng ge- troffen, daß nicht mehr der älteste Geselle der Werkstube, sondern der V e r t r a u e n s m a n n mit dem Meister zusammen entscheiden sollen. Diese Forderungen wurden von der Versammlung gutgeheißen und sollen den Arbeitgebern spätestens Sonntag früh zugesandt werden. Bis Dienstagabend wird Antwort verlangt, wo sie ablehnend ausfällt, soll die Arbeit sofort nieder- gelegt werden. Noch am selben Abend soll der Lohnkommission ans den verschiedenen Wcrkstuben Bericht erstattet werden. An» Mittwochvormittag 10 Uhr wird eventuell eine Versammlung der Streikenden in den Arminhallen stattfinden. Steinsetzer. Am 29. August fand im Nümannschen Lokale eine vom Gesellcnansschnß einberufene gntbesnchte Versammlung statt. Dieselbe bcschäftigle sich in» ersten Punkte mit der gegenwärtigen Situation im Berufe, wobei insbesondere die Organisationsverhältnisse, wie sie augenblicklich vorliegen, einer eingehende» Würdigung unterzogen worden. Bestehen doch augenblicklich außer dem Verband noch drei andre Vereine, die angeblich alle dasselbe wollen, wie der Verband. Das einleitende Referat gab Knoll. Derselbe führt aus, daß man nach den Lehren des Streiks vor drei Jahren nicht hätte für möglich halten sollen, daß solche Zustände, wie sie jetzt bestehen. jemals hätten entstehen können. Die Znslände in den sieben Jahren vor dem Streik hätten doch wahrlich auch den Steinsetzern die Augen darüber öffnen können, daß sie mit dieser Bereinsspielerci nichts erzielen, als höchstens die vollständige Ohnmacht dem Unternchmertnm gegenüber. Damals habe man sieben Jahre dazu gebraucht, um die Steinsetzer endlich einmal zum geschlossenen Vorgehen zu bringen. Dabei haben aber bloß zwei Organisationen bestanden. Wie' soll es da möglich sein, die- selben unter einen Hut zn bringen, wenn dieselben in vier Vereine zersplittert sind. Geradezu gefährlich sei aber die Situation, wenn es wirklich wahr sei, was von dem jüngsten Steinsctzcrgesellen- Verein behauptet werde, nämlich daß die Mitglieder desselben die Parole ausgegeben haben, sich an Streiks nicht mehr zn beteiligen, da der Lohn je nach der Konjunktur steige und falle. Dann habe man es also init einer ausgesprochenen Slreikbrechcr-Organisation zu thu». lind wenn man in Betracht ziehe, daß sowohl der Vorstand als auch die meisten Mitglieder dieses Vereins eS direkt abgelehnt haben, zu der Versaininlnng zu erscheinen, obwohl es sich nni wichtige Beschlüsse handle, so sei das Mißtrauen gegen diese Auch- Organisation durchaus berechtigt. Die Diskussion war eine sehr lebhafte und zeigte dieselbe, daß gegen den neuen Verein eine allgeincincErbitterimg herrscht. Ein Antrag, mit Mitgliedern des genannten Vereins nicht zusammen zu arbeiten, wurde späterer Beschlußfassung vorbehalten. Auch ein Mitglied des Gcwerkvcreins der Steinsetzer erklärte, daß dieser mit dem neuen Verein keinerlei Gemeinschaft habe oder ivünsche. Es kam dann der Raminerstrcik bei der Firma Butt u. Grabonski in Spandau zur Sprache und wurde einstimmig beschlossen, daß die Steinsetzer am Montag die Arbeit niederzulegen haben, falls die Firma den Lohntarif der Rammcr nicht anerkennt. Bezüglich aller übrigen Firmen, welche den Lohntarif der Steinsetzer nicht vollinhaltlich bezahlen, wurde beschlossen, daß die bei denselben beschäftigten Steinsetzer sofort in Firmenversaminlunge» Stellung zu nehmen und nach erhaltener Sanktion der Lohnkonimission die Arbeit niederzulegen haben,»im den Tarif zur Durchführung zu bringen.__ Uvtzkv und DopeMxeu. Zum Fall Löhning verbreitet das„Wölfische Vnrcaii" die folgende Meldung: Von der „Neuen Politischen Korrespondenz" und im Anschluß daran von anderen Blättern sind in den letzten Tagen Mitteilungen über angebliche neuere Enlschließnngc» der Staatsregiernug in der Löhningsche» Angelegenheit verbreitet worden. Alle diese Mit- teilungen bernhen auf freier Kombination und sind auf keine maß- gebende Stelle zurückzuführen._ Kassel, 30. August.(V. H.) Auf der Strecke Bieberach— Kassel entgleiste heute nachmittag zwischen den Stationen Melsungen und Knxhavcn die Lokomotive des um 21s Uhr in Kassel fälligen Thüringer Schnellzuges. Verletzt wurde niemand. Es entstand eine mehrstündige Betriebsstörung; der Materialschaden ist bedeutend. Wien, 30. August.(B. H.) In Brixlegg in Tirol fanden gestern mittag zwei äußerst heftige Erdstösje statt. Mährisch-Ostran, 30. August.wch lenicin Amtsantritt hatte, gehört anch die Verstärkung der Polizei. Zu dicscin Zweck erhielt das Polizcidepartemcnt einen iiencn Chef. Der Minister »st entschlossen, jetzt auch den Koinmandenr des GcndarmeriecorpS, den Fürsten Swiatopolk Mirsly, durch eine andre schneidigere Persönlichkeit zn ersetzen. Es wird immer mehr zur Gewißheit, daß Herr v. Plehwe die unter Alexander III. i» den 80er Jahren eingeichlagene Politik zu erneuern entschlossen ist. Leraiitwortlichcr Redacteur: Julius Kaliski in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Berlag von Aiax Vading in Berlin. Hierzu 3 Vcilagen«. UnterhaltnngSblatt. Pf. 203. IS. MrglW. j. Keilltße An hie Kl'iii'.kenklljsen-MWthtt Berlins nnii der Bororte. Wir weisen nochmals die Krankeiikasscil-Mitjilieder darauf hin, basj die Prinzen-Apotheke, N, Prinzen-Allee 69 sBösenhagen), und die Luisen-Ztpothekc, It., Niigeuerstr. 21(Brandes) den Krankenkassen einen R e z e p tu r- R a b a t t von 20 Pro z. ge- lvährcil und deshalb im Bedarfsfalle thunlichst zu bevorzugen sind. Ferner veröffentlichen ivir nachstehend die wiederum erweiterte lListe der Rezept- Sammelstellen. Berlin H. R. Aßmus, Gerichtstr. 10. E. Fischer, Lothringer- sirahe 20. W. Kapell, Bnnmenstr. 118. Tb. Knabe, Wörther- straße 10. R. Liichter, Nciuickeudorfcrstr. 61. gl. Sahffarth, Schön- Häuser Allee IIa. H. Schulz, Miillerstr. 166». L. P. Wannske, Wörtherstr. 12. Wenk, Chausscestr. 7. A. Wohlgemuth, Acker- strasw 60. Berlin NO. E. Hennig, Maricnburgerstr. 27. Berlin M. Eckert, Cnlmstr. 1. F. AmboS, Potsdamer- straßc 06 b. Berlin NW. H. Bardorf, Gotzkowskystraße 30. H. Bischoff Densielstc. 31. F. Kühne, All-Moabit 45. Pankow. Buchman», Mühlenstr. 17. Roscmann, Brehme- siraße 05. Charlottenburg. Kassenlokal der OrtS-Krankeukasse Charlotten- bürg, Ltosinenstr. 3. P. Haberman». Pestalozzistr. 28. H. Munter, Danckelinannstr. 2. Nenmann Söhne, Bcrlinerslr. 103. A. Höritsch, Bcrlinerstr. 56. Schöncberg. Kassenlokal der Orts-Krankcnkasse Schöneberg, Hauplslr. 8. H. Hotze, Sedanstr. 82. O. Nichter, Gleditschstr. 52. Friede»««. Lorenz, Uhrmacher, Rheinstr. 55. Alle nicht eiligen Rezepte sollten diesen Sammelstellen über- wiesen werden. Die Kassenmitglicder erhalten dann ohne Ver- a u s la g u n g des Betrages die Arznei frei ins Hans geliefert! es bleiben ihnen also so die Abholung der Arznei und die vorläufige VerauSlagung des Betrages erspart. Zugleich aber erwächst der Kasse— und damit doch auch den Kasscnmitglicdern— ein Vorteil, da auch auf die dort abgegebenen Rezepte ein N a b a t t von 20 Proz. gewährt wird. Die Apotheken von Bösenhagen und VrandeS, welche bisher allein den berechtigten Forderungen der Krankenkassen entgegen- gekommen sind, verdienen die Unterstützung der Krankenkassen- Mitglieder auch insoweit, als sie auch bei Deckung des F a m i I i c n b e d a r f s t h u n l i ch st zu berücksichtigen find. Auch hierfür können die Sammelstellen benutzt weiden. Centralkommissio» der Krankenkassc» Berlins und der Vororte. Berliner Partei-Angelegenheiten. Die Kranzschleifen, welche von der Arbeiterschaft an Metzners Grabe niedergelegt ivurden, find auch noch diese Woche im Lokal der Witwe, Skalitzerstraste 59, ausgestellt. Zur Lokalliste. DaS Lokal„Knrhallen", Holsteiner Ufer IS, am Bahnhof Bellevue, ist von der Liste zu streichen, da der Inhaber desselben, Herr Thienie, sein Lokal der Arbeiterschaft zu Vcrsamni- lungcn nicht niehr zur Verfügung stellt. Die Lokalkommission. Sechster Wahlkreis. Dienstagabend 8'/» Uhr finden vier Volksversammlungen statt, und zivar für M o a b i t: Peters Gcscllschaftshaus, Alt- Rtoabit 80/31; W e d d i n g- O r a n i e n- burger Vorstadt: Kolberger Salon, Kolbergerstrasze 23; Gesundbrunnen und Ros entHaler Vorstadt: Swine- münder GesellschaftshauS, Swinemünderstr. 42; Schönhauser V o r st a d t: Wernau. Schlvedterstr. 23. Tagesordnung: Vortrag über„Unsre Toten'. Die Referenten werden in derDienstagS-Anzeige bekannt gegeben. D i e Vertrauensleute. Wilmcrödorf. Sstitttvochabend 8'/s Uhr findet in Wittes Volks- garten, Bcrlinerstraste 40, die Vereinsversammlnng des soc. Wahl- Vereins statt. Tagesordnung: 1. Vortrag, 2. Berichterstattung von der Gcncralversnmmluiig des Kreises. Referent wird in der Ver- samniluna bekannt'gegeben. Zahlreiches Erscheinen der Mitglieder ist erwünscht. Gäste haben Zutri lt. Mitglieder werden aufgenommen. Lichtenberg-FricdrichSberg-Wilhclmöbcrg. Morgen Montag findet um 8�/, Uhr abends in den 12 Bezirkslokalen der Zahlabend statt.— Der Bestellbczirk der Vorwärts-Spedition Lichten- berg beginnt an der ProSkauerstrahe resp. Kreutzigerstraße. Partei- genossen, sorgt für Verbreitung des Blattes und der Parteilitteratur durch die Parteispedition. Die Spedition Frankfurter Allee 197, O. Grauer, sendet ihre Boten— keiitd Kinder— auch nach Friedrichsfelde, Wilhelmsberg und Hohen-Schönhausen. Schvileberg. Die Parteigenossen iverden nochmals auf das heute nachmittag in den Obst scheu Lokalitäten stattfindende Volks- fest des WahlvercinS aufmerksam gemacht. Johannisthal. Dienstagabend 8Vs Uhr findet die Ver- saminlung des WahlvereinS bei Mertins, Roonstr. 2 statt. Tages- ordnung: 1. Vortrag des Genossen H. Schubert über: Der Kampf ums Dasein. 2. Vereinsangelegenhciten. Wciftensee. Die Parteigenossen werden auf die am Dienstag- abend 8l/s Uhr bei Tzscheutschler, Langhansstr. 106, stattfindende Versammlung aufmerksam gemacht. Genosse JuliuS K a l i s k i wird über:.Unsre Toten' sprechen. Wahlverrin für Marirndorf»nd Umgegend. Dienstag- abend 9 Uhr bei Adel. T e m p e l h o f, G e r m a n i a st r. 26: v e r s a m in I u n g. Vortrag des Genossen Georg Davidsohn über: Lassalles Leben und Wirken und Bericht von der KreiS-Generalversamnilnng. UoKitfes. Die Tenernng im Zeichen d-S ZollwncherS. Die Fleisch- tcuerung macht sich immer mehr in recht schwer fühlbarer Weise in den Privat-Haushalti, ngen geltend, nmsomehr, als di-lhohen Fleisch- preise eine Steigerung der Ausgaben für andre Lebensmittel zur Folge haben. Da die Fleischpreise um 15—20 Pf. im Ladenverkauf ge- stiegen sind und die Fleischer sehr knapp wiegen, sind die HauS- franen vielfach genötigt, die Fleischeinkäufe einzuschränken und hierfür Ersatz in andren Lebensniirtelii zu suchen. Die Nachfrage nach Fischen ist infolgedessen derartig gestiegen. dag auch hier Preisanfschläge erfolgten, welche eine Höhe erreicht haben, wie noch niemals vorher. Aehnlich liegen die Verhältnisse ans dem Geflügel- und Eicrniarkt und selbst die Preise für Gemüse beginnen bereits anzuziehen. Hinzu kommt, dost infolge der nngiinstigen Ernte auch das Obst sehr teuer ist. Die Folgen dieser schwierigen Lage zeigen sich bereits in dem Mehrverbrauch an Pferdefleisch, dessen Absatz sich ebenfalls derartig gesteigert hat. dafi sich bereits ein Mangel an Schlachipferden geltend macht. Auch hier hat fchon teiltveise ein Preisausschlag stattgesundcn und manche Schlächter befinden sich in der Lage. Fleisch„ür noch an feste Knuden abgeben zu können. Die nächste Sillung der Stadtverordneten- Bersainmlnng findet am Donnerstag, den 4. September, statt. Die Tagesordnung ist eine sehr reichhaltige, wahrscheinlich finden auch Interpellationen, die angekündigt sind, ihre Erledigung. Ks JowSrls" Dreizehn Personen im Strassenverkehr getötet. Ungewöhn- lich grob ist die Zahl der Opfer der im Monat August im Straßen- verkehr verunglückten Personen. Nicht weniger als 12 Menschen- leben wurden vernichtet, während sich siebzehn Personen schwerere Verletzungen zuzogen. Von den Getöteten sind sechs Männer, drei Frauen und vier Kinder. Durch Lastivagen überfahren und tödlich verletzt wurden vier Personen, durch Wagen der Allgemeinen Berliner Omnibus« Gesellschaft zwei Personen, ferner je eine Person durch Wagen der elektrischen Straßenbahn-Gesellschaften SienienS u. Halske(Städtische), Große Berliner Straßenbahn nnd Westliche Vorortbahn. Sin Kind fand den Tod durch Abstürze» von einem in der Fahrt befindlichen Last- wagen, ein Mann dadurch, daß er blindlings gegen einen Last- wagen rannte, dessen Brcmshcbel sich dem Unglücklichen ins Auge bohrte, während ztvei Franen, welche vor herannahenden Wagen schnell den Fahrdamm überschreiten wollten, aus- glitten und durch den Sturz tödliche Verletzungen erlitten. Von den siebzehn Schwerverletzten cntfallen zehn Fälle auf Lastfuhrwerke, zwei Fälle auf Geschäftswagen und fünf Fälle ans den Straßen- babnbctrieb. Hiervon verunglückten drei Personen beim Ans- resp. Absteigen während der Fahrt und zwei Personen beim Ueberschrciten der Geleise vor heranioinniendcn Straßenbahnwagen. Bemerkens- wert ist, daß bei den oben erwähnten dreizehn Todesfällen in keinem einzigen Falle Wagenführern ein Verschulden au dem Un- glück trifft. In der Psiiigfiwoche des JahrcS 1903 findet in Berlin der fünfte internationale Kongreß für angewandte Chemie statt. Der Magistrat hat für den Empfang der Mitglieder des Kongresses 10000 M. bewilligt. Tierärztliche Sprechstiinden. In Rücksicht auf bis außer- ordentlich starke Inanspruchnahme der tierärztlichen Klinik des Deutschen Ticrschntz-Vereius in dem Tierdepot an den Stadtbahn- bögen 79/80 hat sich der Vorstand veranlaßt gesehen, die Zahl der Sprcchstuiiden zu erweitern. Es wird fortan cinch am Montag- und Mittwochnnchmittag von V—S Uhr ein Tierarzt anwesend sein. Die tierärztlichen Sprechstnnden, in welchen Unbemittelte ihre Tiere un- entgeltlich mitersuchen lassen können, finde» nunmehr wochcutäglich, mit AuSnakmie von Donnerstag, vormittags von 11— 12, ferner Montag-, Mittwoch» und Donnerstagnachniittags von 5—6 und an Sonn- nnd Feiertagen vormittags von 10—11 Uhr statt. Ter GcnchtSvollzichcr dcS StenerfiSknS verschont zwar Weder Alt noch Jung, daß er aber selbst die Toten im Grabe nicht ruhen läßt, wird manchem unbekannt sein. Ein Arbeiter L. in der Kastanien-Allee hatte vor neun Monaten das Unglück, seine 22 Jahre alte Tochter durch den Tod zu verlieren. Der' Schmerz über den herben Verlust war durch die Zeit ein wenig gelindert worden, als ein Gerichtsvollzieher durch sein ungeahntes Walten die Wunde wieder anfriß. Eines Tages in der vorigen Woche er- schien der Beamte bei dem Vater, um— zu pfänden. Ja, aber die Stenern seien doch bezahlt I Der Gerichtsvollzieher setzte nun dem Arbeiter auseinander, daß die Exckutto» nicht ihm, sondern seiner Tochter gelte. Die sei Verkäuferin und somit steuerpflichtig; sie habe zweimal ohne Erfolg einen Mahnzettel erhalten und müsse sich nun, sie möge wollen oder nicht, als Pflicht- vergessene Staatsbürgerin die Pfändung gefallen lassen. Der durch diese Ankündignug recht eigenlümlich berührte Arbeiter hatte zu thun, nni dem Gerichtsvollzieher zu bedeuten, daß sein Kind, das seines geringen Einkommens wegen auch im Leben nie ein Opfer des StcnerfiSkiis geworben war, nunmehr im Tode doch erst recht nicht bluten könne. Unter Ausdrücken des Bcdnucrns entfernte sich endlich der Gerichtsvollzieher. Der Briefträgrr Franz Braasch, der. wie wir berichteten, am Mittwoch durch einen Stich in den Unterleib lebensgefährlich verletzt wurde, ist in der heutigen Rächt nach 11 Uhr im Kranken- Hause am Friedrichshain der Verletzung erlegen. Der erst S3jähiige Beamte, der Frau nnd ein etwa 11 Monate altes Kind hinterläßt, ivar in der mehr als zehnjährigen Dienstzeit mit geringen Unter- brechnngen am Postamt 34 thätig, wo er sich bei den Bocgejctzten und Kollegen allgemeiner Beliebtheit erfreute. Die Hcrbstparade ging gestern unter den üblichen Ab- sperrungsniaßnahmen programmmäßig vor sich. Selbstverständlich hatten sich auch hier müßige Zuschauer genug eingefunden, um der patriotischen Beranstaltnng das erforderlich Relief zu geben. „Fliegende' Tribünen ivaren besonders errichlct in der Belle- Alliancestraße, deren Besitzer dem Publikum die Stehplätze an- priesen, Händler mit Paradcfahnen, Ansichtskarten, Gedenkmünzen offerierten ihre Waren, unternehniende Kellner ans benachbarten Restaurants schlängelten sich, gefüllte Viergläser ans Tabletts tragend, durch die Massen, um durstigen Kehlen Erfrischungen zu bringen. Es ist ja gewiß nichts dagegen einzuwenden, daß die Polizei im Vierverkauf unter solchen Umständen fünf gerade sein läßt, aber sie sollte dann auch in andern Fällen weniger vorschrifts- mäßig vorgehen. Ein guter Patriot hatte am gestrigen Tage alles, tvaS fein Herz an Fürstlichkeiten nur begehren konnte. Nach der Parade beim Einzüge m die«tadt ritt, wie die Blätter berichten, zur Rechten des Kaisers König Victor Emannel Hl. Den Zug der ein- niaschierenden Fahnencompagnie eröffneten Polizeipräsident v. Wind- heim und Polizeioberst Krause, denen eine Abteilung berittener Schutz- leute folgte. Der Kronprinz ritt neben dem greisen Feldmarschall Grafen Waldersee. während Prinz Eitelfritz den ersten Zug der Lcibcoinpagnie führte. In einem der den Zug schließenden Wagen aber saß der Oberhäuptling Manga Bell von Bellstadt(Kamerun) mit seinen beiden Söhnen. Die Schulkinder wurden in der zehnten Stunde wieder nach Hanse geschickt, nicht der Hitze, sondern auch der Parade wegen. Schwindel mit Ansicht?- Postkarten ist gelegentlich der An- kimft des Königs von Italien verübt worden. Von einzelnen Händlern wurden nämlich Postkarten verkauft, die in der Mitte den Pariser Platz in der Ansschmücknng zeigten, die er im Jahre 1900 bei dem Einzüge des Kaisers von Oestreich gehabt hatte. Links davon sah man daS Bild deS deutschen Kaisers und rechts das des italienischen Königs, und darunter stmidcn die Worte:„Zur Srinnernng an den Besuch Gr. Majestät des König? Victor Emannel III. in Berliu im August 1902'. I« der Tollwutstation de» hiesigen Instituts für JnfektionS- krankheiten befinden sich zur Zeit nicht weniger als 36 Personen ans Schlesien. Wie berichtet wurde, hat in voriger Woche in Schwerta, Kr. Lauban, ein tollwütiger Hund eines Bäckermeisters dort nnd in den umliegenden Dörfern verschiedene Personen, darunter mehrere Kinder, gebissen. Fünf der Gebissenen haben neuerdings' in der Berliner Tollwut-Schutzstatioii Aufnahme gefunden. Nach längeren Brrhandlnngcu ist zwischen dem kaufmännischen Hilfsvercin für weibliche Angestellte nnd den Aeltesten der Kauf- Mannschaft von Berlin ein Abkommen wegen der kaufinännischen Schulen für junge Mädchen getroffen worden. Auf Grund dieses Abkommens, das am 8. Anglist von dem Herrn Minister für Handel und Geiverbe genehmigt worden ist. gehen sämtliche Schulen des Vereins, die von ca. 800 bis 1000 Schülerinnen besucht werden, in die Verwaltung der Aeltesten der Kanfmannschaft von Berlin über. Anmeldungen, Freischulgesuche usw. für daS Wintersemester werden aber noch von dem Verein erledigt. Im Grunewald festgenommen wurde auf Veranlassung eines Spaziergängers ein Mann, in dem der 36 Jahre alte Maschinen- bauer Fritz M. festgestellt wurde. Cr hatte lleinen Mädchen nach- gestellt und konnte nach der Beschreibung des mutmaßlichen Mörders für diesen gelten. Bei näherer Ermittelung ergab sich, daß er in der Baakeschen Mordsache nicht in Betracht kommt. In dieser Sache . Zmillag, 31. Aeps! 1902. sind im ganzen bereits zwölf Verhaftungen erfolgt; die gesuchte Persönlichkeit wurde aber noch nicht gefaßt. Verloren gegangen ist die Lifte 3054 vom Parteitage. Man wolle sie bei Hans Höllisch, Stargarderstr. 13, abgeben. Strassensperrung. Die Waisenstraße wird behufs Verlegung der Gaszusührnngsleitniig von heute ab bis auf weiteres für Fuhr- werke und Reiter gesperrt. Im Verlinrr Fröbel-Vercin(Vorsitzender Prof. v.Dr. Zimmer) beginnen die neuen Nnterrichtsknrse am 7. Oktober. Auskunft im Dnrean, Johcimiiterstr. 20, 10—2 llhr, nnd bei Frl. Pappcnheim, Alexandrinenstr. 70, 1—2 Uhr. Im Zoologische» Garten sind zwei Leipoa-Hühner ans dem südlichen Australien eingetroffen. Sie haben ungefähr die Größe einer Auerhenne; ihr Gefieder ist ziemlich lebhaft braun mit dunkler Zeichnung; auf dem Hinterkopfe erhebt sich eine Haube� von längeren Federn,' über die Brust verläuft eine breite schwarze Längs- binde. Von den echten Hühnern unterscheidrn sie sich dadurch, daß die Hinterzehe sehr lang und tief angesetzt ist und daß die kräftigen Krallen wenig gekrümmt sind. Die Leipoa-Hühner leben in den sandigen, mit kümmerlichem Pflanzenwuchs besetzten Wüsten des iiiliercu Anstraliens. Sehr merkivürdig ist ihre Brutpflege. Sie scharren die Erde zu einen» Haufen, legen darin nacheinander»lehv als 12 Eier ab, nmhüllm jedes einzelne mit Gras und Sand lind bedecken daS ganze wieder mit Erde. Die Sonne besorgt das Ans- brüten der Eier, ähnlich wie bei de» bekannte» Tallegalla-Hühnenv und zwar so gründlicki, daß die jungen LeipoaS innerhalb des Tics die Stufe des Dunenkükens erledigen, so daß sie als fertige, mit Federn bedeckte Vögelcheu das Licht der Welt erblicken. Die Eier sind dementsprechend groß und erreichen die Größe von Puteu- Eiern. Im Theater der Urania findet heilte die letzte SonntagScnifflihnmg deS mit zahlreichen farbigen Bildern ausgestatteten Vortrags„Die deutschk Ostscektiste" statt, und wird der Vortrag dann noch bis zum Freitag all» abendlich wiederholt werden. Am Somiabend findet die Erstaufführung des scenisch ausgestatteten Vortrags„Tausend Jahre deutscher Kultur' von Dr. Franz Hirsch statt. Arbeiter-«iidnnzSschnle Vcrli». Sonntag, den 7. Sep« tember, A n S f l n g nach Nolvnweö-Waniisee, verbunden mit einer Besichtigung der Webesch nie in Nowawes, unter Führung und Erklärung des Herrn Direktors. Abfahrt 8� Wannsee-Bahnhof. Anknnft Nowawes-Neucndorf 9�. Treffpunkt für Nachzügler bis IVs llhr Nestanrant Gnhl, Priestcrstraße in Nowawes, von 4 Uhr ab im Nestanrant„Fürstenhos", Inhaber Krüger, Königstraße 40 in Wannsce. Die Besichtigung der im Betriebe befindlichen Webeschule findet vormittags statt. Fenerbericht. Sonnabendnachmittag gegen 4 Uhr wurde die Wehr nach der Mittenwalderstr. 8 gerufen, wo in einer Wohnung Gardinen, Kleidungsstücke usw. i» Flammen standen, die indes bald erstickt werden konnten. Früh 5 Uhr war auf dem Dresdener Güter- bnhnhof ein Waggon mit Preßkohlen durch Selbstentzündung in Brand geraten, der jedoch vom 9. Zuge in kurzer Zeit abgelöscht werden konnte. Aehnliche Brände beschäftigten die Wehr in de» letzten 24 Stunden in der Neuen Fricdrichstr. 73. ans dem Moabiter Güterbahnhof und in der Warschanerstr. 66. In allen drei Fälle» konnte aber die Gefahr auch bald beseitigt werden. Freitagabend 11 Uhr hatte die Wehr in der Rathenoiverstr. 27 in einem Keller einen Brand zu beseitigen, der durch Entzündung von Putzlappen entstanden war. In zlvei Fällen wurde die Feuerwehr in Anspruch genonulien, um Personen, die unter die elektrische Straßenbahn geraten ivaren, zu vefreien und zwar in der der Friedrich Wilhelnistraße, Ecke Tiergarten- straße, und in der Königgrätzerstraße 40. Im ersten Falle handelte es sich um eine Frau, in dem andern um einen Mann. Beide Per« sonen trugen bei dem Unfall erhebliche Quetschungen davon. Außer» den» hatte die Wehr noch Alannierungen von der Blücherstr. 11 und der Neuen Fricdrichstr. 76 zu verzeichnen, die jedoch beide aich un bedeutende Anlässe znrückzilführen waren. Ans de»» Nachbarorten. NuS Schönebcrg. Daß der Gesuiidheitsznstaild der Schüler lliid Schülerinnen nnsrer Gemeindeschulen immer noch viel zu wünschen übrig läßt, ergiebt von neuem der sich über die Zeit vom 1. April 1901 bis 31. März 1902 erstreckende Bericht der vier Schulärzte. Der Bericht erstreckt sich ans die zehn Gemeindeschulen nnd die Mittelschnlen. Es sind in der erwähnten Zeit 1900 Krankenscheine ausgestellt worden; bei der Aufnahme in die unterste Klasse mußte» 107'Kinder znriickgetviesen und 3l6 unter ärztliche Kontrolle gestellt iverden. Im ganzen werde» 1279 schivnche Kinder ständig von den! Aerzte» kontrolliert, davon in der Mittelschule 71 Kinder. Von den wichtigeren Erkrankungen, die zur Untersuchung gekonnn»» sind» stehen obenan Masern, Scharlach und Diphtherie und die KonstitutionLkrankhcitcn(mit ihren Folgen) Tuberkulose, Skrophulose, Rhachitis nnd Blutarmut. Bei den A u f n a h m e- tt n t e r s ii ch u ii g e n wurde festgestellt. A. All- genieine geistige Beschaffenheit: in 216 Fällen schlecht, in 8 Fällen Idiotie, in 60 Fällen Nervenleiden. B. Allgemeine körperliche Beschaffenheit: in 302 Fällen schleckt, in 637 Fällen Blutarmut, in 150 Fällen Olhachitis, in 888 Fällen Skrophnlofe, in 18 Fällen Tuberkulose. 0. Augen: in 204 Fällen herabgesetztes Sehvermögen, und in 98 Fällen andre Krankheiteil. v. Ohren: in 98 Fällen herabgesetztes Hörvermögen und in 50 Fällen andre Krankheiten. E. Zähne: in 666 Fällen defekt. F. Sprache, Nase, Rache»: in 66 Fällen Sprach» stSrung, in 509 Fällen Hypertrophie(Organvergrößern ng) der Mandeln, in 95 Fällen Nnsenaffellion. Cr. Brust und deren Organe: in 151 Fällen fehlerhafter Bau de? Brustkorbes, i n 106 Fällen Lunge n krankheiten. in 16 Fällen ausgesprochene Tuberkulose und in 26 Fällen Herzkrankheiten. II. Bauch: in 35 Fällen Brüche und andre Erkrankungen. I. Haut: in 30 Fällen Ungeziefer und in 7 Fällen Krätze, soivie 33 andere Erkrankungen. X. in 73 Fällen Verkrümmung der Wirbelsäule mid in 177 Fällen Verkrümmnug der Extremitäten. Fürwahr, ein trauriges Bild der GesundheitS- Verhältnisse nnsrer ärmeren Jugend! Marienfclde. An unscrm stillen Ort hatten Ivir dieser Tag« auch einmal wieder eine Sitzung der Gcnieiiidevertrelinig. die zlveite seit den Wahlen im März dieses Jahres. Es handelte sich vor- nehnilich um einen von dem Baunischnlenbesitzer und Terrain» spekulanten Hronitzky gestellten Antrag auf Erteilung der Bauerlaubnis für nugepflasterte Straßen der Villenkolonie. Da es klar war, daß der Autrag ans einem SpekulationS- Projekt beruhte, wurde er einstimmig abgelehnt; die Vertretung be- schloß, die Bauerlaubnis für ungepflasterte Straßen nur von Fall zu Fall zu erteilen, etiva wenn es sich um Anträge von Fabrik- Unternehmern oder Baugenossenschaften handle. Sodann beschloß man verschiedene Verbcsserungen für die Ge- meindeschnle. Bei der Wahl eines Mitgliedes der iJahresrechnungs-� Prüfungskommissiou standen sich zwei Kandidaten gegenüber, nämlich unser Parteigenosse Greulich und der LandeSsekretär Woysche. Letzterer wurde mit 6 gegen 5 Stimmen, die auf Greulich fielen, gewählt. Rninmelsburg. Die Genieindevertretimg beschäftigte sich in ihrer letzten Sitzung zunächst mit dem Ortsstatnt für das zu er» richtende Ge Werbegericht. Das Gericht soll am 1. Januar nächsten Jahres in Wirksamkeit treten. Die Zahl der Beisitzer ist auf 24 festgesetzt, die Besetzung des Gerichts soll ans dem Vorsitzenden und zwei Beisitzern bestehen, doch steht dem Vorsitzenden das Recht >u. die Zahl der Beisitzer auf 4 zu erhöhen, die Verhandlungstermine ollen immer nachmittags nach 4 Uhr stattfinden.— Ferner be» schäftigte man sich mit dem Schmerzenskind nnsrer Gemeinde, der Kanalisation und der Kläranlage. Diese Einrichtungen wurden vor 3 Jahren von einem Unternehmer Herrn Smreker, mit einem Kosten« aufwand von einer halben Million ausgeführt; schon nach kurzer Zeit stellte sich heraus, dah die Anlage verfehlt war, und nun sind die Mißstände in den Kläranlagen so schlimm geworden, daß die Gemeinde von der Regierung gezwungen wird, eine Aenderung der Kläreinrichtung herbeizuführen. Die Vertretung beschloß, das Rothe- Degnersche Kohlebrcisystcm einzuführen, die Kosten werden sich ans 140 Ovo Mark belaufen; diese Ausgabe erwächst der Gemeinde als eine Folge der Mißwirtschaft der früheren Verwaltung. Auf dasselbe Conto ist auch eine andre Summe von 800 M. zu setzen, welche gefordert wurde, um sämtliche Fenster der S ch u i- T u r n h a l l e zu erneuern; da das Gebäude kaum 10 Jahre steht, so wurde die Angelegenheit der Baukommission zur Untersuchung überlviesen.— Wie vorsichtig die Gemeinden bei V c r g e b u n g von Arbeiten sei» müssen, belvies auch die De- lbatte über die Neupflasterung der hiesigen Straßen. Die Arbeiten find in Submission einem Spandauer Unternehmer als deni Billigsten übergeben worden. Es wurde konstatiert, daß die Ausführung nicht den zu stellenden Anforderungen entspricht und daher wird eine scharfe Kontrolle nötig sein, um die Gemeinde vor Schaden zu bewahren.— Vom Kuratorium der Fortbildungsschule war ein Antrag ans Errichtung von zwei Tagcsklasseu eingegangen, um denjenigen Schülern, welche in Nachtschichten beschäftigt sind, Gelegenheit zum! Schulbesuch zu geben. Hauptsächlich kommen die jugendliche» Arbeiter der S t r a l a u e r G l a s h ü t t e in Betracht; deren Direktion hat sich bereit erklärt, pro Schüler und Jahr einen Zuschuß von 10 Mark zu leisten. Der Antrag wurde genehmigt. Der Mörder der Jnstizratöwitwc Anna Jsimcr in Potsdam, Malergchilfe Otto Wagner, befindet sich als Untersnchungsftefangener im Potsdamer städtischen Krankenhause und hatte dort seine erste gerichtliche Vcrnehnrung durch den Untersuchungsrichter. Sein Gc- ständnis, das er dem Polizeikommissar Steinhauer gegenüber im Oberlin-Krankenhause in Nowawes abgelegt hatte, erhielt er aufrecht; er wollte es, obgleich inzwischen das Beil, mit dem die Mordthat anscheinend vollbracht wurde, gefnuden ist, nicht erweitern. In seinem Wohnort verstand es Wagner, sich den Mantel der Frömmigkeit umzuhängen, Ivodurch cS ihm auch möglich ivurde, im Oberlin- Krankenhaus zur Ausführung von Anstreicher- arbeiten Verwendung zu finden. Die Oberlin-Schwestcrn hielten eS. als Wagner als Verwundeter unter denr Verdacht dcS Mordes bei ihnen eingeliefert wurde, kaum für denkbar, daß der Mann ihres lbisherigen Vertrauens ein Verbrecher sei. Es haben sich inzwischen Leute gemeldet, welche Wagner mit einem, Paket nnd»ach dein Morde im Walde getroffen haben, so daß man annimmt, er habe das der Frau I. geraubte Geld irgcndivo vergraben. Erlvähnt sei, daß Wagner 1896 in der Dalldorfer Irrenanstalt gewesen, aber von dort als vollständig gesund entlassen worden ist. Eine ganz kluge Frau.«Männer-Anziehungstrank"— heißt ein Gehcimmittel, mit dein eine Frau S. in Spandau seit längerer Zeit einen schivunghaften Handel treibt. Der Znubcrtrank soll eine unwiderstehliche Wirkung insbesondere auf Männer ausüben, die einige Tropfen davon ohne ihr Wissen genießen. Der Trank, den die„kluge Frau" für 1 M. 75 Pf. die Flasche verkaufte, fand unter den sog. kleinen Leuten viele Abnehmerinncii; sein Ruf drang sogar über das Weichbild der Stadt hinaus. Die gläubigen Käuferinnen machten aber die Erfahrung, daß die erwarteten Wirkungen sich häufig nicht einstellten. Einige Frauen, deren jede von dem Trank mehrere Flaschen gekauft hatten und keine Erfolge damit erzielten, haben nun gegen die„kluge" Frau Anzeige wegen Betruges erhoben. GevMzks-Bsif Ein schwerer Fall vou Dicnstbotenmisihandlung gelangte gestern vor der sechsten BerufungS-Strafkammer des Landgerichts I zur Erörterung. Auf der Anklagebank hatte eine Dame aus den gc- bildeten Ständen, die Druckcrcibcsitzcr-Ehesrnn Emma S ch n m ach e r, Platz zu nehmen. Die Dame ist bereits viermal wegen Mißhandlung und Beleidigung ihrer Dienstboten vorbestraft worden und mußte auf Borhalt des Vorsitzenden einräumen, daß sie vor einer Stunde vom Schöffengericht wegen schwerer Mißhandlung eines Dien st mädchens zu vier Wochen Gefängnis der« urteilt tvorden sei. In dem jetzt vorliegenden Falle handelte eS sich um Vorgänge, welches sich am Morgen des 11. März in der Wohnung der Angeklagten abgespielt hatten. Das 19 jährige Dienstmädchen Minna Tittel, welches als Bclastungszeugin anftrat, machte folgende Aussage: Sie sei etwa acht Wochen im Dienste der Angeklagten gewesen und habe bis dabin keinen Grnnd zur Klage gehabt.' Am Abend des 10. März sei ihre Herrschaft zu einem Ver- gnügen gegangen. Frau Schumacher habe ihr aufgetragen, bei den beiden Kindern zu wachen, bis sie zurückgekehrt sei. Bis 5 Uhr morgens habe sie wachend neben den Betten der Kinder gesessen, dann sei sie von der Müdigkeit überwältigt ivorden. Ihre Kammer habe sich neben der Kinderstube befunden. Da die Kinder ruhig schliefen, habe sie sich zu Bett gelegt und die Thür zum Kinderzimmer offen gelassen, damit sie hören konnte, wenn die kleinen Schläfer sich bemerkbar machen sollten. Um 7 Uhr des Morgens sei sie durch heftiges Rütteln geweckt worden. Vor ihrem Bette habe ihre Herrin gestanden, die in der Hand eine gefüllte Wasserkanne hielt, deren Inhalt sie der Zeugin ohne iveiteres über den Kopf gegossen habe. Dann habe die Augeklagte sie aus dem Bett herausgerissen, ihr Faustschläge versetzt, sie an den Haaren im Zimmer auf dem Fußboden umhergezerrt und sie dabei wiederholt mit den Füßen gestoßen. Die� Mißhandelte hat sich ein ärztliches Attest ausstellen lassen, wonach sie eine ganze Anzahl Hautabschürfungen, Anschwellungen und blaue Flecken aufzuweisen hatte. Die Angeklagte entschuldigte sich mit hochgradiger Nervosität, auch habe sie in der fraglichen Nacht dem Wein iind Sekt reichlich zugesprochen. Das Schöffen- gericht hatte die grobe Ausschreitung der Angeklagten mit einer Geldstrafe von 300 M. gesühnt, eine Strafe, die der Verteidiger, Rechtsanwalt Leop. Meyer für viel zu hoch hielt, wenn der Gerichts- Hof nicht zu einer Freisprechung kommen sollte, weil die Angeklagte sich i» einem Zustande so hochgradiger Erregung befunden habe, daß sie für ihr Thun nicht verantwortlich zu machen sei. Der Gerichtshof folgte dem Antrage des Staatsanwalts und verwarf die Berufung. Es bleibt somit bei 300 M. Geldstrafe. erhielten und in der kaufmännischen Krankenkasse seien, ändere daran nichts.. � Der AngeNagte legte vergeblich Revision em. Das Kammer- gericht wies sein Rechtsmittel mit der Begründung ab. daß der Be- griff der Fabrik nicht verkannt worden sei. Das Fehlen der elementaren Kraft könnte nicht ins Gewicht fallen, da deren Ver- Wendung kein durchaus notwendiger Bestandteil des Fabrik- betriebcs sei. Arbeiter-Samariter-Kolonne.(Gegründet 1888.) Montag, den I. September, abends 9 Uhr, in der Filiale, Brmnienstr. 41, bei Lietzle: Vortrag über Krankenpflege; nachdem praktische Uebungen. Hilfskasse der Graveure, Eiseleure und verw. Berufsgeuossen in Berlin tagt jeden ersten Montag im Monat im Restaurant Eltze, Luisen-Ufer 1, abendS 9 Uhr. VermiMkoSs Ein Konfektionsbetrieb als Fabrik. Gegen die zum Schutz der Fabrikarbeiterinnen erlassenen Bestimmungen der Geiverbe- Ordnung sollte sich der Großkonfektionär Fischbein in Berlin vergangen haben, weil er seine Einrichterinnen länger, als dort vor- geschrieben, hatte arbeiten lassen. Angeklagter bestritt, daß es sich um einen Fabrikbetrieb handele, auch wären die Einrichterinnen kaufmännische Angestellte.— Das Landgericht I verurteilte den Angeklagten mit folgender Begründung: Es stehe fest, daß F. einen Jahresumsatz von IVs bis 2 Millionen Mark erziele. Er beschäftige einschließlich seines kaufmännischen Personals über IS0 Personen. Die Arbeitsräume umfaßte» etwa 600 Quadratmeter Grundfläche. Er habe eine große Stofflagcrei, Plätterei, Dekatiererei ec. Außer in dem Geschäftshause in der Leipzigerstraße, wo er drei Etagen benutze, habe F. noch in der Konunandautenstraße zwei Räume für stiäherei und Zuschuciderei. Der Betrieb in der Kom- mandantenstraße bilde mit dem in der Leipzigerstraße eine wirtschaftliche Einheit. Die Thätigkeit des Angeklagten beschränke sich ans die Leitung des ganzen Betriebcs. Es bestehe eine Arbeitsteilung nicht mir zwischen den kaufmännischen und technischen Thätigkeitc», sondern auch bei der Thätigkeit der beschäftigten Geiverbegchilfcn; ein Teil fertige nur Röcke, ein andrer nur Taillen zc.— Nachdem die Kalkulation erfolgt sei, komme das Buch i» die Einrichterei. Dort, würden nach Maßgabe der Kalkulation die Stücke abgemessen, abgezählt, zusammengelegt usw. Dann gelangten sie nach den Arbeitsstuben in der' Kommandantcnstraße. Nach allcdeni handele es sich hier um eine Vereinigung von Fabriks- und Handels- betrieb. Die große Zahl der Arbeiterinucn, die große Zahl der Näh- Maschinen, die Arbeitsteilung, der große Umfang der Produktion und die Beschränkung der Thätigkeit dcS Unternehmers auf die Leitung des Betriebes sprächen für einen Fabrikbctrieb. Die Einrichterinnen gehörten zu de» Gewerbegehilfiunen und könnten nicht als kauf- niänuische Angestellte angesehen werden. Daß sie ein festes Gehalt Unwetter im westlichen Teutschland. In der Nacht zu gestern hat bei einem über die Vorgebirge des Niedcrrhcins her- nieder gegangenen Gewitter der Blitz mehrfach gezündet. In Brühl ging die Zuckerfabrik(Aktiengesellschaft) gegen Mitternacht in Flammen auf; der Trockeiiraum mit großen Vorräten lvurde eingeäschert und ein großes Preßkohlen-Lager brennt noch. Der Schaden ist bedeutend.'— Bei Wesel lvurde ein Matrose auf dem Verdeck des Schiffes vom Blitz getroffen und sofort getötet.— Nach einer weiteren Meldung aus Osnabrück sind auch in dem westlichen Teile Westfalens und iin Teutoburger Walde schwere Umvetter nieder- gegangen. Ein schweres Eiseubahnnuglüek hat sich auf der Untergrund- bahn in G l a s g o>v zugetragen. Dort wurden bei einem Zu- saumlenstoß zweier Züge 23 Personen verletzt. Tic Toten von St. Pierre. Den ersten ärztlichen Bericht über St. Pierre, der auf eingehenden Beobachtungen beruht, hat Dr. Kermorgant vor der französischen Akademie der Medizin er- stattet. Er'stützt sich auf die Mitteilungen von Kolonialärzten über den Zustand, in dem sich die Leichen in der zerstörten Stadt befunden haben. Danach hatten sich die heftigsten Explosionen wahr- scheiulich im Mittelpunkt der Stadt ereignet. Dort wurden die Leichen in Stücke zerrissen und mit verschiedenen Brüchen in Armen und Beinen gefunden. In vielen Fällen waren sogar die Schädel zertrümmert und leer. In einiger Entfernung vom Mittel- punkt der Stadt lagen die Körper genau so, wie sie im Augenblick des Todes hingefallen sein mußten. und waren zum großen Teil verkohlt. Uebcr die eigentliche Ursache des Todes sind die Meinungen noch immer geteilt. Entweder scheint der Tod durch Ein- a t m u n g v o'n Gasen niit außerordentlich hoher Temperatur hervorgerufen zu sein, die ein fast plötzliches Gerinnen des BluteS veranlaßte, oder durch elektrische Schläge. Diejenigen Menschen, die nicht augenblicklich getötet wurden, hatten ohne Zweifel unter furcht- barer Ä t e m n o t zu leiden. Die Nase war meist mit Staub und Bruchstücken von Biinstein gefüllt. Der Schlund und die Kehle zeigten bis in die Luftröhre hinein Spuren von Verbrenninig. In einigen Fällen hatten sich Teile der Schleimhaut abgelöst. Die Gesamtheit dieser Beobachtungen enthält trotz ihrer furchtbaren Einzelheiten einen gewissen Trost, weil sie die schon bisher geäußerte Vermutung' bestätigt, daß die Vernichtung von Menschen- 'leben durch Vulkanausbrüche, sei es nun durch eine Ueberschwemmung der Stadt mit Lavastrom oder durch einen Hagel von heißen schwef- ligen Aschen, nicht ein von schwerem Todeskampf begleitetes Sterben herbeizuführen braucht. Es ist im Gegenteil wahrscheinlich, daß wenigstens in einem Teil der Fälle solche unheilvollen Ereignisse die Opfer mit so schnellem Tode überraschen, daß diese durch plötzliche Erstickung und ohne Schmerz zu Grunde gehen. Uebrigens wird in jenem Bericht nockr hervorgehoben, daß viele Leichen das Aussehen zeigten, als wären sie vom Blitz getroffen. 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Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen I. Rein: „Socialismus und sociale Bewegungen im 19. Jahrhundert." 2. Diskussion. 3. Abrechnung vom Sttstungsfest. 4. Verschiedenes. Zahlreichen Besuch erwartet Die Ortsverwaltung. Kinderwagen, Grösstes Lager Kii»derbettstellen. Berlins.' zahle ich jedem, der mir iu Berlin ein gräberes Specialgeschäft in der Brauche uls das ineüiige nachweist. Dies« Belohirung biete ich schon seit 15 Jahren ans und ist meine Konturrenz garnicht in der Lage, diese 1000 Mk. zu verdienen 18(10 Mark ßelolinung altberUhmte Marke. Die früheren yy Echten Hammei*- üarie-Brikets11 aus der Mariengrube in Senftenbsrg N.-L. werden zum Schutze gegen Nachahmungen nur mit obigem gesetziieh geschützten Stempel I hergestellt. 84/13» GtnejsensMfts-BilOrlllkerei Soliiiqeil. E. Gen. m. beschr. Hasipfl. Sonntag, 28. Septbr., nachm. 5 Uhr, bei Wirt Karl Ern, Wehrwolf: Ansserordentlicho Generalversammlung. Tagesordnung: 1. Ausnahme einer Anleihe. 2. Verschiedenes. 126/14 vor Vorstand. vor Mitsicht, rat. Aug. Schreiner. Karl Aschauer. 12. kbälläernng zum Statut der sl692bj Orts-Krankenkasse des Gewerbes der Llickierer zu Berlin. Artikel 1. § 18 wird wie folgt abgeändert: Abs. 1: Klasse 2, für erwachsene weibliche Mitglieder von 40 Mk. Abs. 2: Klasse 2, sür- erwachsene weibliche Mitglieder von 50 Mk. Abs. 1: Klasse 3, sür. männliche Mitglieder unter 16 Jahren und sür Lehrlinge von 20 Mk. Abs. 2: Klasse 3, für männliche Mitglieder unter 16 Jahren und sür Lehrlinge von 25 Mk. Artikel II. § 28 wird wie folgt abgeändert: Für erwad>se»e weibliche Mitglieder über 16 Jahren 0,45 Mk. Für männliche Mitglieder unter 16 Jahren(zwischen 14—16 Jahren) und für Lehrlinge 0,21 Mk. Artikel III. ß 11 wird wie folgt abgeändert: Für erwachsene weibliche Mitglieder über 16 Jahren 2 Mk. Für männliche Mitglieder unter 16 Jahren und für Lehrlinge auf 1 Mk. Artikel UV. Vorstehende Bestimmungen treten am Montag nach der statutenmäbig erfolgten Bekanntmachung in Kraft. Berlin, den 27. April 1902. Her Vorstand. I. B.: Otto Wridcmaiiu. Bors. Genehmigt durch Beschlub vom 5. Juli 1902. (L. S.) Der Bezirks- Ansschust Abteilung II. I. B.: Bättgcr. ZU 10576/02. Zu II. C. 77/4 02. Allen Freunden und Parteigenossen zur Nachricht, daß ich das Lokal �srbgrslensli'. 102 von doli. Sa«» übernommen habe und bitte um gütigen Zuspruch. 1749b frlk Ohnesorge. Saal, fassend, ist noch zu Festlichleitcn und Versammlungen zu vergeben. Sonn- abends und Sonntags noch frei. 0. Spiiitos.„ÄSS an der Michaelkirchstrahe. «S. Märkischer Hof. Admiralstraste 18 c. Säle, 150 bis 400 Personen fassend, zu Versaiiimliiiigen und Festlichleiten, der kleine auch Sonntags zu vergeben. Der grobe Saal ist am 4. Ottober noch frei. s4882L»s L. Albrecht. vis scliittii Herren- Anzüge. 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Den Mitgliedern zur Nachricht, daß imfer Mitglied, der Former Karl Urbacli am 27. d. MtS. gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 1. September, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des Central- friedhofs in Friedrichsfelde anS statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet 1745b Her Vorstand. Socialdemokratischer Walilverein für den 4. Beil. Reichs tags-Walilkreis. (Osten.) Tode«- Anzeige. De» Mitgliedern zur Nachricht, daß unser langjähriges Mitglied, der Metallarbeiter Karl Urbach (Stadtbez.167) am 28. d.M. gestorben ist. Ehre seinem Aildeiiken! Die Beerdigung findet am Montag, den 1. September, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhall« des Gemeinde- Friedhofs in Frtedrichsfelde aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 244/15 Der Vorstand. Aehteng, Vereine! Sonnabende und Soiiiitagc im Oktober und November Saal frei! 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Keilllge Ses„Dmilrlg" Kerliner AlksblM s°'«"«s. b''S«2� Ans drv Fvnnrnbrntegung. Parteigc»ossi»»c»! Die Genossen ruften sich zum Miinchener Pnrteitaq, auf welche»» wir unsre Forderungen an die Gesetzgebung formulieren und die praktische Arbeit für die Zukunft beraten und festlegen wollen. Wir werden, wie in allen Jahren, Heerschau halten und mit berechtigtem Stolz ein weiteres Vorwärtsschreiten der Socialdemokratie konstatieren können. Das Arbciterparlamcnt wird eine tüchtige Arbeit vorfinden/ will es alle Frage», die uns bewegen, erledigen. Nun'wissen wohl alle Frauen, datzuns alle Vorgänge in der Ocffentlichkeit genau so wichtig sind, tvie den Männern. Ja in vielen Fällen leiden wir noch in weit stärkcrem Maße unter den Wirkungen gesetzlicher Bestinnnnngen. Es sei hier nur an das Fleischeinfnhr-Verbot erinnert. Wem bereiten die hohen Fleischpreise die größte Sorge? Der Fraul Sie erhält am Sonnabend das schmal bemessene Wirtschaftsgeld und muß rechnen und wieder rechnen, uni mit den wenigen Groschen auszukommen. Die Fleisch- ratio» wird immer kleiner. Der Mann muß ein Stückchen bekommen, ist dann noch übrig, so erhallen es die Kinder. und die Familien- mutier geht leer ans. Dies eine Beispiel für viele. Doch in diesem Jahre haben wir noch ein besonderes Interesse: denn neben dem Parteitag wird die zweite Konferenz der socialdemokratischen Frauen Deutschlands tagen, welche sich mit den uns speciell betreffenden Fragen beschäftigen wird. Es stehen zur Beratung: Der gesetzliche Schutz der Frauen, Kinder und Heimarbeiter, die politische Gleich- berechtignng des weiblichen Geschlechts, insbesondere auf dem Ge- biete des Vereins- und Versammlungsrechts, ferner die Agitation unter den Proletarierinnen und andre Fragen mehr. Die Ge- noisinneu werden aus den angeführten Punkten ersehen, wie wichtig unsre Vertretung auf der Konferenz wie auch auf dem Parteitag ist. Wir habe» zum Mittwoch, den 3. September, abends �/s9 Uhr, nach den Arminhallen, Koinmandantenstraße 20. eine Volksversammlung einberufen, in welcher Genossin Baader das einleitende Referat über die Konferenz und den Parteitag halten wird; auch sollen dort die Dclegicrtinnen gewählt iverden. Da es gilt, in der Versammlung unsre eigensten Interessen zu erörtern, so versäume keine Genossin zu erscheinen und agitiere eine jede in ihrem Kreise für den Besuch der Versammlung. Die Vertrauensperson. A» die Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse! Mit dem 3. September nehmen wir unsre regelmäßig vierzehn- tägigcn Bereinsvcrsaminlnngen wieder auf. Wir können wohl mit der Mitgliederzahl und dem Interesse, welches dem Verein entgegen- gebracht wird, zufrieden sein. Denken wir aber an die ungeheuer große Anzahl von Frauen, die unserm Verein fernstehen uiid ihrer sociale» Stellung nach unbedingt zu uns kommen müßten, so gilt es, eine eifrige Agitation zn entfalten. Ganz besonders die Frauen, welche keinem Vernfsverein augehören, finden bei uns die Stätte, Ivo ihr Sinn für die Gemein- schaft und das Streben, ihre eigne Persönlichkeit in stetem Fortschritt zu erhalten, geweckt wird. Gerade die Arbeiterfrau, die sich in der Hanswirtschaft plagen muß. die wenig aus ihrem Heim heraus- kommt, gerade für sie ist es besonders wichtig, sich einem Kreise von Gleichgesinnten anzuschließen. Wir behandeln speciell die Fragen, die in das Leben der Frauen eingreifen, ohne aber dabei allgemeine wiffenschaftliche und künstle- rische Probleme zn vernachlässigen. Zeigt es uns nun, Ihr Frauen Berlins, indem Ihr in großer Anzahl an unsre» Vcreinsiiitcressen teilnehmt, daß Ihr das starke Bedürfnis habt, in Gemeinschaft mit- zuarbeiten an den großen Aufgaben der Kultur und an Eurer eignen innerlichen Fortcntwickelung. Die am Montag, den 3. September, in den Arminhallen, Kommandantenstr. 20, stattfindende Versamm- lung hat zum Thema:„Wie erziehen wir unsre Kinder zu gesunden Menschen?" Referentin: Fräulein Dr. I. Springer. _ Der Vorstand. Briefkasten der Redaktion. Wir bitten bei jeder Anfrage eine Chiffre(zwei Buchstaben oder eine Zahl anzugeben, unter der die Antwort erteilt werden soll, und die letzte Abonnemcntsguittung beizulegen. Fragen ohne solche werden nicht beant- wartet und schriftliche Antwort wird nicht erteilt. Tie juristische Sprcchstiindc findet täglich mit SUisiiahuie des Sonnabends von?>/, bis'.»>/->>l>r abends statt. S. Eh. K8. Wenden Sie sich an den Vorsitzenden W. Hinz, Prinzen- straffe ßk. P. W. Am Grabe unsres Genoffen Th. Metzner sind Sonntag 107 Kränze mit 100 Schleifen uiedergelegt worden. I. Lllinänn. Die Steuer nuih bezahlt werden.— N. 80. Nein. — Ni. S. 21. 1. Ja. 2. Das ist möglich. Eventuell müffen Sie sich an das Reichs-Versicherungsamt wenden. 3. Ja.— O. M. 34. Ja: sogenannte zusammengebrachte Kinder, die nicht von denselben Eltern ab- stammen, auch weder denselben Vater noch dieselbe Mutter haben, die viel- mehr von der Mutter und dem Bater in die Ehe gebracht sind, dürfen einander selbst dann heiraten, wenn aus der Ehe der Eltern ihnen halb- bärtige Geschwister geboren sind. F. D. III. In der Metallindustrie Nordamerikas liegen die Arbeits- Verhältnisse, soweit sich das von hier aus beurteilen labt, zur Zeit günstig. Wer der englischen Sprache nicht mächtig ist, dem ist das Fortkommen natürlich erschwert, jedoch nicht unmöglich. Die Uebersahrt im Zwischendeck wird jetzt etwas über 100 M. losten. Genaue Auskunft über den Preis erhalten Sie in einem der Schiffahrtsbureaus Unter den Linden. Aerztliche Untersuchung wird unsres Wiffens jetzt nicht verlangt, jedoch muff der Ein- Wanderer sich über den Besitz von Barmitteln, wenn wir nicht irren, 600 M., ausweisen. Innung. Kein Meister kann gezwungen werden, seine Gesellen vom Arbeitsnachweis der Tischler-Jummg zu nehmen. Die Innung hat auch lein Recht, ihre Mitglieder deshalb in Strase zu nehmen, weil sie Gesellen ohne Benutzung des Arbeitsnachweises eingestellt haben. Die Absicht der Tischler-Jnnung, wonach die Geselleu nur durch den Arbeitsnachweis der Innung eingestellt werden sollten, ist von der Aussichtsbehörde als ungesetzlich erklärt worden._ Briefkasten der Exxedifian. E. B. 1867. Abonnementsbetrag erhalten. A.-R. kostet 5,60. Witternngsiiberslcht vom 30. Angnst 1902, morgens 8 Uhr. Stationen Swinemde Hamburg Berlin Frankf./M. München Wien öS i i 5 s 757 SSO 754 OSO 757 SO 756 SW 760 758 still Scheiter LRcgen Slwolkig 2 heiter 2 wolkig Dunst s S 16 Haparanda 16.Petersburg 18 Cork 18 Aberdeen 19 Paris 19 i 766 NO 761NNO 75491 751 S Wetter as £ � iH lä 4chedeckt fibedeckt 2 bedeckt 1 bedeckt 9 10 12 15 Wetter-Prognose für Sonntag, den 31. Angnst 1902. Ziemlich warm, zeitweise heiter, aber sehr veränderlich, bei mäffigen südwestlichen Winden, etwas Rege» und Gewitterneigung; nachher kühler. Berliner W c l t e r b u r e a>t. Berliner Theater. Alle Abende: Alt- Heidelberg.— Ncsidcnz-Theater. Alle Abende: Der Fall Mathieu. Vorher: Ich liebe Sie. Nächsten Sonntagnachmittag: Der Schlafwagen-Controleur.— Neues Theater. Alle Abende: Ledige Leute.— Thalia-Thcater. Alle Abende: Er und seine Schwester.— Apollo- Theater. Alle Abende: Lysistrata. Specialitäten.— Wintergarten. Alle Abende: Specialitäten. Vaareobaiis Hennaon Tietz ,Monfa| Siensta| .Mittwoch Besonderes Angebot jSoweit der �Vorrafb reicht: Leinen unter Anderem: Stuben- u. Eficbenhandtücher.» Jacquard, Gerstenkorn u. Drei),*7 ne Q-JK OR zum Tlieii mit kleinen Fehlern, Werth bis i jCO Serie I Oj*9 Seriell fiHCbCIlllcinCltläCllGl* h'leiuen, 50 cm breit, schwere Qnal. Mtr. 24 Pf. Reinleinen Tischtficher ges � 160/160 cm 2,6a 8 w. Werth 2,40 IW Reinleinen gebleichte samast-Tiscbtücberm.i.i.nE 3,45 meinen lacqnard-Servietten 3,90 Reinleinen Jacquard-Senrieiten 4,90 Staubtücher r--»...........;... m, 1,1« Abwaschtücher 80 p- meinen Wischtücher 1,95 Reinleinen i�ischttlcher mit., vi,. 3�90 Bettiahen«.«1, t-ox-oo........ 1,45 Baumwollwaaren Elsasser Hemüentnch 50"n brei' ,n'e unter Anderem: Wasche-Qualitäteu Mir. 28,32,38 Elsasser Reutorce Ärf.,°.'f,TT.u°.d®nfe:30, 45 MaCCOtneh aus tsioster Baumwolle,(Or feine Leibwasche... Mir. 45 LOUlSianatnCh-n, Leib- u. Beuwaecbe. 82 cm breit. Mtr. 30, 36, 46 Pf. Pf. Pf. 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Orpheus in der Unterwelt. An- fang 7>/, Uhr. Nachmittags 3 Uhr: Die Geisha, oder: Eine japanische Thechaus geschichte. Montag: Di« Fledermaus. Im Licderspielhaus i Offenbach- ChcluS. Fritzchen und Lieschen. — Dorothea.— Der Regiments- zauberer. Anfang 8 Uhr. Deutsches. Der Biberpelz. Anfang 7-/- Uhr. Nachmittags LV2 Uhr: Die per- funken- Glocke. Montag: Die Weber. Lessing. So leben wir. Anfang 7-/2 Uhr. Nachmittags 3 Uhr zu volkSttim lichen Preisen: Flachsmann als Erzieher. Montag: Flachömann alS' Erzieher. Berliner. Alt-Heidelberg. Anfang 7-/2 Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Weste». Der lustige Krieg. Anfang 7-/- Uhr. Nachmittags 3 Uhr zu halben Preisen: Der Troubadour. Montag: Der Waffenschmied. Neues. Lcdige Leute. Anfang 8 Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Nefidenz. Der Fall Mathleu. (L'affaire Mathieu.) Vorher: Ich liebe Sie. Anfang 71/2 Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Thalia. Er und seine Schwester. Anfang 7i,-z Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Central. Die schöne Sünderin. An- fang 7l/z Uhr. Schiller. O. Die Mottenburger. Anfang 8 Uhr. Nachmittags 3 Uhr: Heimat. Montag: Die Motteuburger. Carl Weis«. Eine Paria. An- fang 3 Uhr. Nachmittags 3 Uhr(ermäßigte Preise): Die Biper. Luisen. Nene Luft. Anfang 8 Uhr. Nachmittags 3 Uhr zu kleinen Preisen: Wildfeuer. Cafino. Ehrliche Arbeit. Anfang 8 Uhr. Friedri,!). Wilhelm städtisches. Specialitäten- Vorstellung. Auf. 7V- Uhr. Sccefsion. Silbersteins Flitter- wachen. Anfang 8 Uhr. Buntes Theater. Susanne im Bade. Das Wetterhäuschen. An- sang 71/2 Uhr. Nleincs. Serenissimus. Frau Mnni. Zlnfang 8 Uhr. Slpollo. Lysistrata. Specialitäten- Vorstellung. Ansang 7� Uhr. Wintergarten. Specialitäten. An- sang 8 Uhr. Mctropol. Berlin bleibt Berlin. Anfang 7Vz Uhr. Meichshnlle». Stettiner Sänger. Anfang 8 Uhr. Bassage- Theater. Specialitäten- Vorstellung. Anfang nachmittags 3 Uhr. Passage- Panoptikum. Specials- tiiien-Worstelliing. Ilrmiiii. Tnnbenstr. 48/�S.(Im Theatcrsaal.) Abends 8 Uhr: Die deutsche Ostseeküste. Juualideiistraste 57/03. Täglich: Sternwarte._ Thalia- Theater. Dresßenerstrasse 73— 73. Novität! Anfang 7-/2 Uhr. Novität! Er und seine Schwester. Posse mit Gesang und Tanz in 4 Bildern von Beruh. Buchbinder. vutäo Idlelsclier als Orchcster-Dirig. Im 2. Akte: Kitzel-Couplet. krIU Helmerding. Gerda Walde, Herbert Paulmüller. August Reiff Morgen und folgende Tage: Er Und seine Schwester. I.iii8en-Theater. Reichenbergerstraße 34. Drei Minuten vom Kottbuier Thor. Direktion: l.udrvlg Rosenfeld. Nachmittags 3 Uhr zu kleinen Preisen: E Wildfeuer. � a in b Atten von Friedr. Halm. Abends 8 Uhr: Zum bttttenmal: Urania Tauben-Strasse 48/49. Im Theater um 8 Uhr; Die deutsche Ostseekäste. KI Nene Luft, Schauspiel in 4 Atten von M. A Sieuiacek, deutsch von Milade Fürth. Kasseneröffnung«>/, Uhr. Ans. 8 Uhr. Vorverkauf an der Theaterkasse 10 bis 1 Uhr vormittags, Jnvalidendank, Unter den Linden 24, und Künstler- dank, Unter den Linden 19._ Apollo• Theater und Konzert-Garten. Um 6V2 Uhr: Garten-Konzert. Um 71/2 Uhr: Die glänzenden' Specialitäten. Um P/2 Uhr: Lyisisirata Leonidas... Robert Steidl, Kasseneröfinocg 6 Uhr. CASTANS Panoptiknmj Frledrlch-Straiie 165. Das berühmteste Wachsfiguren- Kabinett der Welt. Beachtenswerte Neuheit: Lebende Bilder, ausgeführt v. einem Ensemble junger, schöner Damen. Passage-Theater. Auf das glänzendste renoviert. Aufgang nur Unter den Linden 22. Anfang: Sonntags 3 Uhr, Wochentags 8 Uhr. |Das vornehmste u. glänzendste Programm allerVarietebühnen Berlins. Liane DlmiroiT Hohe Schule auf einer Plattform. SaTell Oore der neue russische Tenor. I Hella Collier die beste deutsche Yortrags- Soubrette. Ludwig Teübeim der famose Couplet-Sänger. 14 erstklassige Nummern. Unter den U.Inden 68a. Eingang Schadowstr. 14. Heute Sonntag Eintrittspreis; 25 Pf.-WU Keichhaltigste Ausstellung der Welt an lebenden Seetieren, _ Beptilien etc. 33/9 Heute» k HTB Jt* SEnt?eea:S»O f t. Kinder unter 10 Jahren die Hälfte- Ah Nachmittags 4 Uhr: MUitär- Konzert J|S8F~ 3 Musikcorps. [ad Weiss-Theater. «Irostr Frankfurterstr. 132. Nachmittags 3 Uhr: Kleme Preise. Zum leiztenmal:-ML Die Viper. Kriminalschauspiel in 7 Bildern von Curt Junge. DM- Abends 8 Uhr:-MD Ciue Paria. Lebensbild in 5 Akten oder 8 Bildern von Ernst Rttterfeldt. Im Garten: Specialit.-Vorstellung. Anfang 4 Uhr. Montag und folgende Tage: Eine Paria. Heute: Berllii bleibt Berlin. Grosse Ausstattungsposse mit Gesang und Tanz in 5 Bildern von Julius Freund. Musik von Erik Meyer- Heimund. Emil Thomas a.G. Josef Joseph). Henry Bender. Flora Slding. Hansl Reichsberg. Winl Grabitz. — Johanna Junker-Schatz.— Anfang VrS Uhr. 'Hauchen gestattet.*MB ygri Schiller-Theater. Casino- Theater. Loihringerstr. 37. Wochentags 8, Sonntags 7Vi Uhr. Buntes Programm. Dazu: Ehrliche Arbeit. �anssonei liottbasei-str. 4 a, Station der Hochbahn, Täglich im Garten, bei ungünstig Witterung imSaal 1 liolTiuaiiiiH NMeMe Tiiilger «nd Konzert. Sonntag, iviontag und Donnerstag nach der Soiree: Tanzkränzchcn, Tanz frei! Ansang sonntags 5 Uhr, Entree 30 Pf., ab 9 Uhr 29 Pf. Anfang Wochentags 6 Uhr. Entree 30 Pf., ab 9 Uhr 20 Pfg. Schiller-Theater O.(Wallner-Theater) Sonntagnachmittag 3 Uhr: Heimat. Schauspiel in 4 Akten von Hermann Sudemiann. Sonntagabend 8 Uhr: Hie Hottcnbnrgcr. Posse mit Gesang in 0 Bildern von D. Kalisch und A. Weirauch. Montagabend 8 Uhr: — Hie Mottenbaegei'.— Dien stagabend 8 Uhr: Zum zweitenmal: üloeitarl. Buntes Theater. Köpenlckerstr. 68. Heute Sonntag Anfang 8 Uhr. 1. Susan, in im Bade. Schauspiel von Hugo Salus. 2. Bnntrr Teil unter Leitung von Gsear 8trauss, Tlny Senders a. G., Bozens Bradsky, Bokken Lassen, Mareell Salzer. 3. Das Wetterhäuschen._ W. Noacks Theater. Vriinneiistrahe 16. Theater, n n d Special itaten- Vor stellang. Zum letztenmal:-MQ Das tanzende Berlin. Posse mit Gesang und Tanz von Leopold Ely. Im Saal: TanMlrrdnsehen. Montag; Abschied und Heimkehr. Fröbels"WS Allerlei Tbeater fr. Puhlmann, Schönhauser Allee t48. DM Heute letzter Sonntag.-ML Aiisldikds-Wftikttllllg des erfolgreichen Jkagust-Splelplan». Um 8»/z Uhr: Das humorvolle große _ Gesangs-Volksstück: g�-Unser Goldjunge.-�3 Um 10 Uhr: Der mit stürmischem Beifall empfangene_ HSr' Otto Waldemar. Im Saale: Gr. Ball. Anfang 5 Uhr.- Entree 30 Pf. Freitag, den S. September: Benefiz für die beliebte Mira Grogs. Kleines Iliester (Schall und Rauch) Unter den I.Inden 44, Anfang 8 Uhr. 8ereiii8simll8-�wiseliviispiele Malennacht. Er. MImI. Liebesträume. Montag: Hochzettsabend. Kollegen. Schöne Seelen. Vrater-TIMer Kastanien- Allee 7—9. Tttglich: Johanniszauber. Operetten-Burleske in 4 Bildern. Eugen Milarde, Tanzhumorist.— Cirkus Loyal.— Leodlskas Kakadus, komische Reckturner.— The Elrados. Mdme. Georgette, Feuer- iL Flammentanz.— Lebende Photographien. (Neue Serie.)— Konzert. Ansang 4 Uhr. Eintritt 30 Pf., numerierter Platz 50 Pf. Hnlbo. Am KMnigsthor 42028* Am Erlodrlchsbaln JHP* Täglich:-MU Theater- lind Saecialitateil- Täglich btS 7 Uhr: Ereler vamentanz. Jeden Abend 10 Uhr: Rosen- Dienstag. Graste Posse m. Gesang in 1 Alt v. Ely. Lommertlieater NIZsi'ISNKsli Badstr. 35/36, Gesundbrunnen. Täglich: Der Brandstifter. Operette in 1 Att von Linderer. Willy Reinhold: Dir. R. Wagner. Erstklassige Specialitäten. Entrce 20 Pf. Bons und Vorzugskarten haben Gültigkeit. Ostbalm-Park. Am KQstrtnerplatz. Rüdersdorferstr.TI. Hermann Imbs. Täglich: Gr. Konzert. Theater- nnd Specialitöten- Borstellung. SGviitl- Theater Lwienst.132 an der Fttednchstr. Täglich 8 Uhr: die unver- gleichlichen Fritz Steidl-Sänger Entree 60 Pf. Sperrsitz 1 M.. Logen 1,50 M. Vorverlauf von 11—1 Uhr. Sonntag und Donnerstag: Tanz- �krän�chen�m�errlichm�eM Schiller-Theater Ns.(Friedr.-Wilhelm- städtisches Theater) Mittwoch, den Z. September, abends 8 Uhr: ErSffnnngs-Borstellnng. Hie Hraat von XTesslna. Ein Trauerspiel mit Chören von Friedrich Schiller. NM" Der Billetv erkauf im Schiller- Theater G. und N. findet täglich von IOV2 bis 2 Uhr statt. Max Kliems Sommer- Theater. llnscnltcide 13-15. Artistischer Leiter: P. Milbitz.| Täglich s Gp. Konzept, Theatep- u. SpeGiaiitäten-Vopsteilungj Jeden 1. und 15. d. Monats: Wechselndes Programm I Donnerstag: Elfte-Tag. Wintepgarten. Maud Crlselda, Hunde-Dressease. Les Silvas, Leiter- Equilibristen. Josle de Witt, Sängerin u. Geigerin. Die Vlcentlnas, Rollschuhläufer. Roflx, athletische Produktionen. Karl Meister, Tenorist vom k. k. priv. Carl-Theater in Wien. Helene Gerard,„Hohe Schule". Sari Fedak, Sängerin vom Ungar. Theater in Budapest. Die Kelllno-Truppe, ital. Akrobaten. Clandlne l olaii-c, Pariser Sängerin. W. C. Flelds, komischer Jongleur. Cleo de Merode Tänzerin vT�ross. Oper in i'aris. „Biograph". Bepnhapd Rose-Theatep Gesundbrunnen, Badstr. 58. Letztes Auftreten von Carl Braun und Blolly Vereh. Mss- Montag:-MG Gänzlich neues groftartiges Programm. Anfang 4 Uhr. Enttee 30 Pf. Kaffeelüche.— Ball. chshallen. Täglich: Stettincr Sänger. Anfang: Wochentags 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. Tageskasse ll-l'/zUhr. Gesellschaftshans Smiuemiinderstr. 12. Tägl. Theater. 11. Specialitäten» Borstellung. Jeden Sonntag: Ball. Säle für Gefellschaften, Vereine coulant zu vergeben. Noch einige Sonnabende frei. I3l89L* linsms Wrangel«trM«e lO/ll. Jeden Sonntag: Grosser Balle Ans. 4 Uhr. Siehe Anschlagsäuleu. I Empfehle mein Lokal zu Fest- 1 lichkeiten und Versammlungen. 44968* O. F. Walter. Alliambra Wallnertheater-Strasse 15 Jeden Sonntag und Dienstag: Grosser Extra-Ball bei doppelt besetztem groben Orchester. Ansang 5 Uhr. Entree 59 Pf. inkl. Tanz. A. küameltut. fejs Gesellsctiaftstiaus Brunnenstr. 184. Zu Bergnügungen und Versam«,- lungen empfehle meinen Saal bis 500 Personen sassend. 1350b* G. Fey. Johannisthal. Raus Park-Restauraut. Jeden Sonntag: GronsierHall Kaffeeküche.— Kegelbahn.— Auespannung.— 1 Saal für Bereine und Versammlungen. 44928* ! Buss' Salon! Gr. Frankfurterstr. 85. Einige Sonnabende, im Oktober, November und Hessember sind noch frei. Empfehle meine Säle und Vereins- zimmer auch zu Versammlungen. 48928* Wwe. Theel. Central-Festsäle, Oranienstrafte 180, noch verschiedene Sonnabende frei. Elegante Säle. 1785b »»»«««««»«»»«»« Achtung! Wahlkreis. Acht«»s! Am Somitag, den 31. August er., im Lokal„Marieubad", Badstrabe 35/36: Gr. Herbstvergnngen veranstaltet von den socialdemokratischen Parteigenossen der Rosenthaler Vorstadt und Gesundbrunnen bestehend in Konaiert, Speclalltaten und Gesangs-Anf- ruhrnngen. Unter Mitwirkung des Arbeiter-Gesangvereins Oranienburger Vorstadt(M. d. A.-S.)— Bei einttetender Dunkelheit grosse E£ii:dcr- Fackelpolonalse. JedcS Kind erhält eine Stocklaterne gratis. Tan» in beiden Sälen(Herren, welche daran teilnehmen, zahle» 50 Pf. nach).— Billet 20 Pf. Kasscneröffnung 2 Uhr. Anfang des Konzerts Ä'/e Uhr. Die Kaffeeküche steht den geehrten Damen von 2 Uhr an zur Verfügung. 219/19 Ha» Komitee. «««SS 0SGGS GVSSS GOGGG Wo amüsiert man sich grossartlg? In Schnegelsbergs Festsälen Inhaber: Max Schindler Haaenhelde 21 und Jahnstrasse 8. Heute: WM' Großer Vsill'ME verbunden mit Eigarren-, Bonbon-Rcgen und diverse»| Ueberraschungen. Entree: illlttwocbs frei, sonntags 15 Pf. Täglich: Specialltllten-Vorstellnng. Entree s 45358* llax Schindler. Mas Kliems Festsäle Hasentaelde 13—15. In allen Sälen: 8oUNtagS grvSLer Lall. Montags und Donnerstags: �aniUinn- Ilranackon. Jeden Mittwoch die beliebte» Kinderfeste. ggr* Die Kaffeeküche ist täglich von 2 Uhr ab geöffnet.-MS Empfehle meine Säle, auch den groben renovierten, zu Festlich- keite» an Vereine und Versammlungen. Mehrere Sonnabende noch frei. f4307L* Ms» Kliem. MM Birkenwäldchen. MM Schönstes und gröbteS Bergnügungs-Etablissemcnt von Berlin und Umgegend. AM- Mit der Wannfcebahn für 10 Pf. bequem zu erreichen.-Mg SonntafT, den 31. August 1902: 17516 Crrosses Monstre-Konzert des Berliner Tromvetercorps ehemaliger 3. Dragoner, Dir. Herr Duhry, sowie- Croßes Land- uild Wasser-ztliemtrk. Im Saal: Hall. Kaffeeküche ab 2—6 Uhr. Anfang des Konzerts 4 Uhr. Entree 15 Bf. Kinder frei.— Jeden Montag: Norddeutsche Sänger. Jeden Mittwoch: Gartcn-Konzert. Jeden Donnerstag: Tanzkränzchen. Germania-Fracbtsäle Chanssecstrasse 103. Arnold Scholz. Sonntag, dm 31. August 1902: Große Specialitäten-Borstellung. Unter andcrm: Jörgensen, der Mann mit 1000 Käpfm. Hr. Francesco, Klischniggart auf dem Ptdestal. Tbe 4 Vollmers, bestes akrobatisches Potpourri. Hans llolfmann, Heldentenorist v. Hoftheater in Braunschweig. Hr. Nadir, mit seinen wunderbar dressierten Katzen. Elvira Wlosna, Liedersänaerin. Panl Corradinl. populärer Humorist. Anfang 7 Uhr. Nachdem: Kall. Eintritt 50 Pf. Jeden Sonntag von 5 Uhr ab: Grosser Hall. Sonntag, den 7. September: 1. grobe Soirs« der NM- Hambnrger 8knger."MQ Aus dem Programm:„Stippe in Nöten" u.„Pieseckes Zwerg- Iheater'. In Vorbereitung:„Die lustigen Weiber von Stralau". Kallers Festsäle, Koppenstrasse 29. : Sonnabend, den 6. September 1902:: 7. Stiftnngsts-Feist des in Grosser Fest-Ball in den festlich dekorierten Sälen, unter gütiger Mitwirkung deS Turn- Vereins„Ficht e*. GutbesetzteS Doppel- Orchester, ernste Borträge ee. Sämtliche Freunde und Gönner find freundlichst eingeladen. Billets sind beim Bundeslassterer Robert Ehrke, Schönleinstr. 11, zu haben. 291/5* Her Vorstand. MENTE'S Volksgarten, Lichtenberg, MnI. M, 25000 Personen fassend. 8000 Sitzplätze. §r Jeden Sonntag und Donnerstag: Grosses Frei-Konzert. cv. c* k»»«'«'»-«»II V n A b" A- 4� Tanzmeister: W. Haner. Für 4500 Personen verdeckte Hallen nnd Zelte. Mee-Kiiebe. 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Ansang 4V, Uhr. gW" Reservieren der Plätze ist nicht gestattet.'VtzA Entree 30 Bf. Zahlreichen Besuch erwartet vs» lioniitvv. WM- Geilsjfitlilell mh tohn.«« Mittwoch, den B. September, abends 8� Uhr: » NvZ'ssmmiung in de» Arminhallen, Kommandantenstr. SV. Tages-Ordnung: 1/12 1. Vortrag der Genossin Ottilie Baader über: Die Frauenkonferenz nnd der Parteitag in München. 2. Diskussion. 3. Wahl der Delegiertinnen. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht_ Die Vertrauensperson. Frauen n. Mädchen Charlottenhnrgs. Dieustag, den 2. September er., abends Sva Uhr, im Volkshanse, Rosiuenstr. 3: Wlliijjer-VttsllmlllW ücö Vereins si'ir grauen n.»chcn dtt ArbeLterkliljse für THnederg nni» Nlilljegend. Tagcs-Ordnung: Bortrag der Frau M e s ch über:„Die Heini- arbeitt— Diskussion.- Verschiedenes. 55/13 Gäste, Männer und Frauen, sehr willkommen._ Der Vorstand. Rixdorf! Dienstag» den S. Sepkembev ISVS» abeuds S'/s Uhr, Kolks- Versammlung im Lokal des Hrn. Thiel, Bergstr. IS1— ISS. TaztS- Ordnung: M„UIiAsvrv VOtvi»". � Neferent: Reichstags- Abgeordneter Genosie Emil R o s e n o tv. Um zahlreichen Besuch bittet 203,? Der ülnherneei-. Nchknng! Achtung! M\m Charlottenburgs. Sonntag, den 31. August er., nachniittags 4V- Mr. im gr. Saale des„Boltöhanses». Rofinrnstrnste 3: Gr. öffentliche Bersammlnng mit Frauen mit nachfolgendem gemütlichen Beisammenfein und Tanz. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Renn» Ritrseli über:„Aus der deutschen Gewerkschaftsbewegung." 2. Diskussion. In Anbetracht der agitatorischen Bedeutung dieser Versammlung er- suchen wir um recht zahlreichen Besuch und laden auch sämtliche Berufs- genossen und Freunde freundlichst ein. 110/15 Ter Kinberufcr: I. A.: peltr vu»,-. Achtung! KliPSGlHIEP! Montaz, Ken 1. SeptenlSer ct., abends S1� Uhr: Oeffentliche Versammlung aller in der Äitfdjiierel WSstigten Arbeiter nni) Arbeiterinnen Berlins und Umgegend im„Englischen Garten", Aleranderstr. S7e. Tages-Ordnung: I. Vortag des Genossen Kotzke:..Ist eine Regclnng der Arbeiterschutz- Gesetzgebung auf internationaler Grundlage möglich?" 2. Diskusston. 3. Verschiedenes. py* Die Kollegen von»erblod u. Soidaod sind besonders eingeladen- Um zahlreichen Besuch bittet 102/12 Der Vertrauensmann der Berliner Kürschner. KonsiMGiii für Schöiierg«od llU. in Liquidation. Eingetragene Geiioffcnschaft mit beschränkter Haftpflicht. Die Generalversammlung vom 14. August 1902 hat zwecks Anschlusses an die„Konsnm-Genossenschast Berlin und Umgegend" einstimmig die Liquidation unsrcs Vereins beschlossen. 120/13 Auf Grund des tz 82 des GenossenschastsgesetzeS fordern wir alle diejenigen, welche Ansprüche an obengenannte Genossenschaft zu stellen haben, auf, solche in der Verlaufsstelle Gothenstr. 1 unverzüglich geltend zu machen. Die Liquidatoren: Hermann RetUn». Otto Reiche. Otto Knhlmey. Achtung!"MS WM" Achtung! Kurbelsticker, Kurbelstickerinnen, Paoserinnen, Terpuizerinnen und alle Hilfsarbeiter. Donnerstag, 4. September 1902, abends SVa Uhr: Ca rosse öffcntl. Versa mmliiiij* im gr. Saale der Arminhallen, Kommandantenstr. ÄS. Tages-Ordnung: 1. Bortrag des Genossen Massini über; Paritätische Arbeitsnachweise. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 17676 Kollegen und Kolleginnen! Wir fordem Euch auf, des höchst wichtigen Vortrages wegen recht zahlreich und pünktlich zu erscheinen. »er Clnbemfer. von 2, 3 und 4 Zimmern nebst Küche Gubonerstr. 32 billig zu vermieten. Albtms! 6. Wahlkreis. Dienstag, den 2. September 1902, abends �9 Uhr: Vier pjje iiSeiitMje ZM-Versammlnngen. Moabit: Peters EeseWftShans, Alt-Maabit 8ö|8L Wedöiny u. Oranienburger Vorstadt: kslberger Talon, Kslbergersir. II Gesundbrunnen u.Rosentl!. Vorstadt: Cminemnber EtseWastshanS,®Ä,,4tet' Scliönhauser Vorstadt: Wernan, Slhniebterstr. 23. Tages-Ordmmg: Dovtvug über unsvo Goten» Die Referenten werden in der Dienstag-Anzeige bekannt gemacht. 210/20' Um zahlreichen Besuch bitten Rle Veetranenslente. äwfipcrei» Berlin. Sektion der Pnher. Mittwoch, den 3. September 1902, abends 7 Uhr, in den„Arminhallen", Kommnildanteiistrahe 20: Mitglieder Kersammtnng. Tages-Ordnung: 1. Sitnationsbericht. 2. Vaubudenfrage und Regelung der Arbeitszeit in den Winternionaten. 3. Verbandsangelegenheiten. 134/13 Zahlreiches Erscheinen der Mitglieder erwartet_ Die örtliche Verwaltung. Oemerkschastskartei! Berlins und Uulgegend. Mittwoch, den 3. September, abends 8 Uhr: Große öffentliche Gtliielkschiifls-Bersamlalllag sömti. im Knttel! vereinigten GemerKschllfieü in dem Lokal des Herrn Keller, Koppenstr. S9. Tages-Ordnung: „Sind die Mitglieder deö Vereins der Tüpfer Berlins Streikbrecher?" (Liehe VersammlungSbericht Nr. 1S3 deS„Vorwärts* vom 20. August). Wegen der Wichtigkeit der Tagesordnung erivartet vollzähliges Erschemen 300/8 11 e> A««.«« H»„ s s. SCelnarhelCer. Mittwoch, den S. September 1903, abends 8 Uhr, im Englischen Garten, Alexanderstr. Oeffentliche Versammlung. Tages-Ordnung: l. Bortrag deS Reichstags- Abgeordneten E. Rosenow. 2. Unsere Petitionen. 3. Anfstellung eines Gewcrbegerichts-Beisitzers. 4. Verschiedenes. Um vollzähliges Erscheinen ersucht 172/20 _ l>ei- Vertrauensmann. Achtung! Acht««»! Montag, den 1. September, abends 8Vz llhr, in den �nSreas. W'estsitlen, Andreasstrane Nr. 21: Gr. öffentliche Versammlung. Tages-Ordnung: 1.„Die wirtschaftlichen Krisen, die Arbeits- losigkeit und die Gewerlfchaftsbewegung." Reserent: Reichstags-Abgeordnetcr Emil Rosenow. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Die Kollegen werden ersucht, zahlreich und pünktlich zu erscheinen und gleichzeitig ihre Francn zu dieser Versammlung mitzubringen. Der lSiubcrnfer: 104/0_ Karl Jnchel, Rummclsburg, Tllrrschmidtstr. 34. Nsilss-ksilliilisN-VösM ßerlin. Sonnabend, den 13. September er. i Feier des N. Stiftungsfestes in den Gesamtränmen des„Böhmischen Brauhauses", Landsberger Allee 11—13, bestehend aus Ball. Rcigciifahrcn, komische» Vortrage», Tamenüberraschnngen it. Eintritt 50 Pf. Kaffeetafel findet nicht statt. Anfang 0 llyr. Einem zahlreichen Besuch entgegensehend, zeichnet 0»» llomltoo. Acbtung! GßÖr. CfdllZ' FßStSÖlß Achtung! STcu! Köslincrstr. 8. Xcu! Wir machen den geehrten Vereinen und Gewerkschaften hiermit bekannt, daß wir oben genanntes Etablissenient nach glänzender Renovierung anfangs Oktober eröffnen werden. Dasselbe ist modern und mit allem Komfort, der Neuzeit entsprechend, eingerichtet. Gleichzeitig empfehlen wir den geehrten Vereinen und Gewerk- schaften unsern grossen Festsaal mit neuer Theaterbühne, 1200 Personen saffend, zu allen Festlichkeiten und V e r- sammlungen und sind noch Sonnabende im Oktober, November. Dezember, Januar, Februar und März frei. Anmeldungen werden schon jetzt im„Victoria- Garten", Bad- siraste 12, angenommen. 49368» HgEBBBgggiHWBB Hochachtungsvoll O. Cranz. Diez's Spficiälitaten-Iteter. Bei ungnnstiger Witterung im Saale. Ringbahiistation. Willi: Konzert, Theater, Specialitäten u. Bali. Ohne Konkurrenz. 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Verantwortlicher R-dacteur: Anlius KaliSkt in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Map Bading in Berlin. m. 19. 3, KW»es Jmlrts" Ktlintt KlksIiIM.->>«» l».».,» Sitbenter Verbaniigtllg der Tchileider M ClhileidmNelt DeutsililaM. München, 29. August. Die Diskussion über die zur Verhandlung stehende Streikfrage ist eine sehr lebhafte und berührt alle Punkte dieses weiten Gebiets. Man verlangt die Schaffung eines Streikreglements, welches der grgemvärtigen Situation angepafzt ist. An Stelle des resoluten Draufgängertums, das manche„wilde" Streiks verschuldete, muß eine gewisse Diplomatie in Streitfragen Platz greifen, die uns mehr Vorteile sichern dürfte. Wir haben es in Zukunft mit einem organisierten Unternehmertum zu thun und müssen aus dieser That- fache für uns die größtmöglichen Vorteile herauszuschlagen suchen. Es nnitz darauf hingezielt werden, so weit zu kommen, wie der Auchdrucker-Verband jetzt schon ist. Tarifgemeinschaften sind an- zustreben, Einheitstarife für Militärschneider und auch sonst statt sogenannter Staffel« oder Doppeltarife. Für gleiche Arbeit gleicher Lohn I Bei Abwehrstrciks wird man nicht mehr wie bisher die u n- organisierten Kollegen unterstützen dürfe», die sonst für die Organi- satiou nichts übrig haben und nur die Vorteile kostenlos einheimsen, welche die Organisation erringt. Wollten wir der bisherigen Taktik treu bleiben, so würden wir damit den Unternehmern eine Hand- habe bieten, uns nach Belieben schröpfen und den Verband zum Weißbluten bringen zu können! Ein Fülle vorgebrachter Einzel- hcitcn von Streikfällen aus Karlsruhe, Straßburg, Eberswalde, Brandenburg und namentlich aus München dienen zur Illustration des Gesagte». Auch wird der Wunsch geäußert, bei Lohn- bewegungen die kleinen und mittleren Städte mehr als bisher zu berücksichtigen, dagegen mögen sich die Großstädte etwas mehr Zurückhaltung auferlegen, deren Lohnbewegungen bisher viele Taufende gekostet. Weiter kommt die Frage der Heimarbeit und Betriebswerkstätten zur Debatte. Unter allgemeiner Zustimmung giebt man der Ansicht Raum, daß der Aufschlag für Heimarbeit eigentlich nur eine Prämie für Hausindustrie sei. Wenn man auf Heimarbeit eine» Aufschlag lege, wird dadurch die Forderung von Bctriebsiverkstätten unmöglich praktisch verwirklicht, weil dann die Wcrfftättenflncht noch größer wird als bisher. Wer schon einmal nicht gewillt ist, auf der Werkstätte zu arbeiten, soll wenigstens nicht noch gewissermaßen eine Prämie für seine Wid-rhaarigkeit er« halten. Von einer Seite loird die merkwürdige Thatfache konstatiert, daß es vorgekonmien, daß die Heimarbeiter selber gegen einen Auf- schlag für Heimarbeit gewesen seien, weil fie einerseits zmn Teile als Zwischenmeister selber noch die schlechtestgestellten Arbeiter aus- nützen und daher den Aufschlag glauben entbehren zu könne», namentlich deswegen, weil fie befürchten, daß in der flauen Zeit die vorhandene Arbeit in der Werkstätte gefertigt wird, um Geld zn sparen und die Werkstätten-Arbeiter beschäftigen zu können, dcrlveil sie arbeitslos zn Hause sitzen. Manche«vollen auch deshalb nicht ans Werkstätten arbeiten, iveil sie dort einer größeren Kontrolle ausgesetzt sind, eine pünktliche Arbeits- zeit innehalten müssen und für Privatknndschaft nicht gut arbeiten können.— ES kommt zur Abstimmung folgender Antrag Ritter« Berlin und Genoffen: „Der Verbandstag Ivolle beschließen: Um die Organisation und Agitation unter den Mililärschneidern Deutschlands m Zukunft lebhafter zn betreiben, lverden die Agitationskonimissioneu der ein- zclnen Bezirke und Ortsvcrlvaltungen beauftragt, an Orten, Ivo Militärarbeiten angefertigt wird, Erhebungen Über die Lohnverhält- nisse der MilitSrschneider vorzunehmen. Da» gesammelte Material ist dem Vorstande zu überweisen, der in einer ihm geeignet erscheinenden Zeit— jedoch vor Abschluß dieses Jahre»— eine Konferenz der Militärschneider Deutschlands ein- zuberufen hat, welche weitere Stellung zur einheitlichen Regelung der Löhne unter Berücksichtigung der örtlichen Verhältniffe zu nehmen hat." Der Antrag wird angenommen. Ebenso der folgende von Ries- München und Genossen: „Der Verbandstag wolle beschließen, daß die bei der Münchcner Aussperrung von der' Streikleitung ausbezahlten Unterstützungssätze von 11 M. für ledige und 13 M. fiir verheiratete Kollegen von der Verbandskasse zu leisten sind. Desgleichen ist die ausbezahlte Unter- stlltzung an Unorganisierte auf die Verbandskaffe zu übernehmen." Auf Antrag Kiel wählte der Verbandstag eine Siebener- Kom- Mission, die ei» Streikreglenient auszuarbeiten hat und der alle hier- her gehörigen Anträge überwiesen werden. Dem Vorstand wird sodann bis auf die Fachzeitungs-Angelegen- heit für seine Wirksamkeit Decharge erteilt und in genannter Sache mit allen gegen zwei Stimmen folgende Resolution Timm und Gen. angenommen: „Der Verbandstag erklärt: Nachdem der sechste deutsche Schneider- und Schneidcrinnen-Kongreß in Halle a. S. nach Würdigung aller in Betracht kommenden Verhältnisse den Beschluß faßte, die Fach- zeitung in Hamburg zu belafsen, ist der Versuch de» Vorstandes und AnSschuss-s, die Zeitung nach Stuttgart zu verlegen und eventuell unter einer neuen Redaktion erscheinen zu lassen, ein Gewaltakt, der auf das entschiedenste verurteilt werden muß. Dies um so mehr, als gerade Vorstand und Ausschuh berufen sind, den gefaßten Be- schlüffen Geltung zu verschaffen. Der Verbandstag muß deshalb allen Personen des Vorstandes und Ausschusses, die an der rechts- widrigen Handluugsweif» mitgewirkt haben, die schärfste Mißbilligung aussprechen." Sodann wird in die Debatte über da» UnterstlltzungSwesen eingetreten. R ä m i n g führt einleitend aus. daß man mit Annahme aller Anträge, die weitergehende Unterstützungen bezwecken, recht vorsichtig und zurückhaltend sein möge. Man möge erst eine weitere Spanne Zeit abwarten und nicht experimentieren. Bezüglich oller Anträge auf Erhöhung der Reise-Unterstlltzung geht der Verbandstag zur Tagesordnung über mit Ausnahme eines BorstandSantrogeS, der eine Verschärfung enthält. Derselbe wird angenonimcn. Der Antrag aus Einführung der Arbeitslosen-Unter- st ü tz u n g wird auf Antrag München abgelehnt und der Vor- stand mit Materialsanimlung beauftragt, um einem nächsten Berbandstage dasselbe zu unterbreiten. Bezüglich der Erwerbsunfähigkeit wird ein VorstandSantrag angeuommen, der hier das Unterstützungswesen regelt, darunter auch für Wöchnerinnen, und zwar mit rückwirkender Kraft in den bis jetzt bcanstandeten Fällen. Den Bericht über die Verhandlungen des GewerkschaftSkongreffe« in Stuttgart erstattet kurz Ritter- Berlin. Er schließt mit dem Antrag, daß der Verbandstag sich allen gefaßten Beschlüffen des Gewcrkschoftskongrcsies anschließt und die Aufrechterhaltung des Ver- hältniffcS zur Generalkomnrission ausspricht. Eine Debatte knüpft sich nicht an diesen Punkt und der Antrag Ritter wird einstimmig angenommen. Sodann wird in Punkt 11 der Tagesordnung eingetreten:„Be- ratuug und Beschlußfaffung über die gestellten Anträge zur Ab- ändernng der Statlttei»". Wir erwähnen von den wichtigeren. Beschlüssen folgenden Antrag des Vorstandes, der einstimmig zur Annahme gelangte: „8 1. Zum Beitritt berechtigt sind alle in der Schneiderei und Konfektion beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen und Angestellten in den Berufsgefchäften, ferner die Angehörigen verwandter Berufe, für welche keine Centralorganisation am Orte besteht, sofern sie die Bestimmungen dieses Statuts durch eigne Unterschrift als rechtsverbindlich anerkennen und das fünfzehnte Lebensjahr vollendet haben." Eine lebhafte Debatte entspinnt sich über den VorstandSantrag betreffend die Beitragserhöhung. Gegenwärtig beträgt derselbe für männliche Mitglieder 20 und für weibliche 10 Pf. pro Woche. Diese Sätze follen auf 30 b»zw. 13 Pf. erhöht werden. Angenommen wird eine Beiiragserhöhung für Männer von 20 auf 25 Pf. mit 63 gegen 4 Stimmen. Für weibliche Mit- glieder blelbt der bisherige Satz von 10 Pf. pro Woche weiter bestehen. Die Extrasteuem werden abgeschafft,' die FondSmarken bleiben auch in Zukunft weiter bestehen. Die weiteren Beratungen und Beschlüffe entbehren deS öffent- lichen Jntereffes._ Eiiigegangeue Druckschriften. Die„Socialistischen Ntonatshefte"(Administration: Berlin W., Lützowstr. 85A) haben soeben das Septemberheft ihres Vlll. Jahrgangs erscheinen lassen. Dasselbe ist vorwiegend den Verhandlungsgegen- ständen des M ü n ch e n e r Parteitages der deutschen Socialdcmokratie gewidmet. Aus dem Jnbalt desselben heben wir hervor: Jgnaz Auer: Zum socialdemokratischen Parteitag in München.— Eduard Bernstein: Der Kampf um die ZoUpvlittk im Reich und das Dreiklaffen-Wahlsystem in Preußen.- Julinö Bruhns: Obstruktion bei den vreußischen Landtags- wählen?- Max Schippe!: Wie steht es in Wirklichkeit mit dem Zolltarif? — Dr. Conrad Schmidt: Sombarts Buch über den modernen Kapitalismus. — Paul Kampffmeyer: Die Arbeitcrversichernng und die Socialdemokratie. - Johannes Tiuun, Arbcitcrsetretär in München: Die Bedeutung und die Aufgaben der Arbeitersekretariate bei der Ausführung der Bersicherungs- gefetze.- Karl Legten: Der Einfluß der Krise auf die Gewerkschaften.— Paul Müller, Vorsitzender des ScemannS-Verbandes: Die neue Seemanns- Ordnung, ihre Geschichte und ihre Bedeutung.- Adolf von Elm: Auf der Suche nach Gerechtigkeit.— Dr. Ladislaus Gnmplowicz: Emile Vandervelde. — Jgnacy Daszynsti: Nationalität und Socialismus.— Rundschau; Politik, von Richard Calwer.- Wirtschaft, von Max Schippe!.- Socialistische Bewegung, von Dr. Ladislaus Gumplowicz.— Gewerkschafts» bewegung, von Ernst Deinhardt.- Genosienschaftsbewegung, von Gertrud David.— Socialpolttik, von Paul Kampffmeyer.— Sociale Kommunal- Politik, von. Dr. Hugo Lindemann(C. Hugo).— Rechtswiffenschaft, von Wolfgang Heine.- Bücher, von Dr. Ch. S ch i t l o w s k y und Friedrich Stampfer.- Revuen, von Dr. Ch. Schitlowsky.- Notizen, von Theodor Schulz und Dr. H. B. Adains-Lehmann.- Dem Heft ist serner ei» Portrait des Führer» der belgischen Soctalisten Emile Vandervelde beigegeben.- Der Preis des Heftes beträgt bv Pf., pro Quartal 1,50 M. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen, Colportenre und Postanstalten(Post-Zeitungs-Katalog Nr. 7138), ferner direkt bei der Expedition der„Socialistischen Monatshefte", Berlin W. 35, Lützow» straffe 85 A.(Zusendungen unter Kreuzband oder in geschloffenem Canvert.). Probehefte stehen jederzeit kostenlos zur Verfügung. Anne Eland-Snar. Kaiserin Elisabeth auf Kap Martin. Zürich, Verlag von Cäsar Schmidt. Preis 2,40 M. Fcdor Dostojewski. Der Gatte. Zweite Auflage. Berlin 190?. Bruno Cassirers Verlag. Preis 2 M. Wöriohoser Kalender für Kneippschcs Heilversahren 1903. Druck und Verlag der Buchdruckerci und BerlagSanslalt WLrishofui. Preis 50 Pf. Max. Riedl. Herrschaftslüchc. Zürich, Verlag von Cäsar Schmidt. Preis geh. 7 M., geb. 8 M. Martin Böhm. Das große Buch der Tafellieder. Thcater-Verlaz Martin Böhm, Berlin, Wilhelmstr. 139. Preiö 5 M. Hermann Hvhneck. Ei» Sklave. Lebensbild eineS Masochistcu. Zürich, Verlag von Cäsar Schmidt. Preis 1,80 M. EffnseZmitixs Anzüge. Relehhalttfate Auswahl In den neuesten Moden und verschiedensten Webarten, sowie Kammgarn, Satins, Cheviots, Ripssarn, Rrap�s, Moltons usw. 88, 30,»7, 84, Sl, 18, 15, IS, Hüte, Wäsche, Cra vatten, Handschnhe zu besonders billigen Preisen. Hk. Jeder Käufer eines Einsegnungs-Anzuges erhält reizende Beigaben umsonst. 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