5lr. 204. KdoMkMtltt«• Kedlngungeo: Cbonmments-Pret» pränumerando! Vierleljährb 3,30 Mb, monat l. 1,10 SU., wöchentlich 28 Psg. frei in! HauZ. Sin»elne Numm-r S Pfg. Sonnlagi» Nummer mir lUunriemr SonntagZ- Beilage„Tie Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: t.tv Marl pro Mona«. Eingetragen in der Post-Zellungl» Prei»liste für R»OV unter Nr. 7678. Unter Kreuzband für Teutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für da» übrig« Auiland S Marl pro Monat, 19. Jahrg. Dt« Instrtlans-Geliliift beträgt für die fechSgefpaUene Kolonsr» »eile oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewerlschastltche Vereins» und AerfammlungS- Anzeigen 20 Psg. „Kleine Ansrigen" jedes Wort 5 Pfg. (nur das erste Wort setl). Inserate sür die nächste Nummer müssen bis i Uhr nachmittags in derExpedirion abgegeben werden. Tie Srpcdition ist an Wochen» tagen dt» 7 Uhr abends, an Sonn- und geluagen bis s Uhr vormillags geöffnet. Srschettil täglich ausser Zvoul-g». Devlinev Volksblatt. COntralorgan der locialdemokratiMen Uartei Deutschlands. Telegramm- Adrestes „Sorialdemoiirat Lrrlin- Redalttion: s�v. 19, Venth-Strahe 2. Ferusprechert Amt I. Nr. 1598. Dienstag, de» 2, September 1902. Expedition: SW. 19, Venth-Strastv 3. gsernsprrcherz Sliiit I, Nr. 5121. Posen. Das ist man ja schließlich ffewohnt. daß allemal, wenn Fürstlich- leiten auf Reisen ffchen, die Neugierde des deutschen Bürgertunis hinten auf dem Bedientenbock mitfährt. Und auch daran hat man sich auf der andern Seite gewöhne» müsse», daß die Arbeiterschaft, die Masse des Volkes mit einer äußerst deutlichen Gelassenheit allen diesen zahlreichen Reisedispositioncn gegenübersteht. Da es aber keine Regel ohne Ausnahme giebt, so wird diesmal das ganze Volk ein ungeteiltes Interesse jenen Ereignissen zuwenden, die sich in den nächsten Tagen in der Hauptstadt der Provinz Posen abspielen werden. Man liebt ja an manchen Stellen nicht bloß den Glanz rednerischer Bilder, sondern auch die Pracht der symbolischen Hand- lnngen. An der Spitze einer gewaltigen kriegerisch bewaffneten Macht soll Wilhelin II. in die FestungSstadt Posen einen Einzug halten, wie in eine eroberte Stadt. Der Adel des Landes hält sich grollend fern. Niemand wird daS Heldentum dieser Enthaltsamkeit besonders rühmen dürfen: der polnische Adel hat bei diesem Spiele nichts zu gewinnen und nichts zu verlieren. Draußen im weite» Gebiet des flachen Landes, da stehe» seine Schlösser, dehnen sich seine Felder und Wälder, demütig zieht der Bauer den Hut, wenn das glänzende Gespann des Guts- Herrn vorübersaust. Draußen im weiten Lande, da sind sie noch die wahren Könige, ungebrochen steht dort ihre alte feudale Herrlichkeit. An allen Wohlthaten, die der preußische Staat mit so verschwenderischen Händen über die Jnnkerkaste streut, haben sie ihren Anteil. Lebensmittelzölle und Branntwein- Liebesgaben füllen ihre Kassen. Alle Winkelziige der Gesetzgebung sind für die Herren auf-ki ebenso sicher wie für die Herren-witz und -plitz. Ist die nationale Bewegung für jene ein Mittel, ihr wachsendes Machtbedürfnis zu befriedigen, so ist sie doch keine Waffe der Ver- teidigung. mn Rechte zu wahren, die etwa bedroht wären. Im Streite der Herren ist es allemal das»nterthänige Volk, da? die Schläge erhält; auch herrschende Klaffen haben SouveränitätS- rechte, die sie der Pflicht entheben, die Unannehmlichkeiten des Besiegt- Werdens am eignen Leibe zu verspüren. Die Ungnade, die das Verhalten der adeligen Herren hervorrufen mag, kann wiederum nur dem armen unterdrückten polnischen Volke fühlbar werden. Haben doch auch die Wolken, die den KoscielskiS den Gnadcnhinunel verdunkelten, schließlich nach— W r e s ch e n ihre Blitze gesandt.! Deutlicher als irgend etwas zeigt uns die Geschichte des pol- nischen Zickzackkurses, ivie sich alle nationalen Fragen nnsrer Zeit zum Echluffe zu Klasseufragen umwerten. Nicht dem Großgrundbesitzer, der der kleinen Baronesie ohnehin eine deutsche Erzieherin und eine französische Gouvernante hält, nein, dem polnischen Proletarier, der sich mit den ihm vorgesetzten Behörden nicht verständigen kann, dessen Kinder in einer Sprache unterrichtet tvcrdcn, die er nicht ver- steht, ihn«>vird die Germainsicrnngspolitik des Staates zur quälenden Last und zum brennenden Schmerze. In diese Wunde ivird in diesen Tagen ivahrhaftig kein Balsam ge- gössen Iverden. Die schießenden Flinten und hauenden Säbel haben ja nur für das Volk ihre Klingen und Läufe. Wenn an dein polnischen Adel etwas bewundernswert ist, so ist es die Geschicklichkeit, mit der er in Preußen und mehr noch drüben in Oestreich schließlich doch immer wieder seinen Machtbesitz zu wahren verstand. Ihn kann darum der politische Anschauungsunterricht, der den unteren Hunderttansenden erteilt wird, durchaus nicht schrecken. So oft auch dieses Sklaven- Volk zur Ader gelassen ivorde» ist, seine verspottete.Kani»chcii»at»r" hat immer wieder dafür gesorgt, daß dem polnischen Adel seine Knechte nicht aussterben I Nicht mit Eisen und nicht mit Gold kann cS gelingen, diese sonst von allen einsichtigen Staatslehrcrn so gepriesene Wurzel der Volks- kraft auszurotten. Die nationale Gewaltpolitik von heute hat keine andre Gewalt mehr, als die aufzureizen. In den gesegneten Tagen Hermann von Salzas, der sich in Preußen vorzeitig den Ruhm der Cortez und Pizarro erwarb— damals ging es freilich anders l In jener christlichsten Zeit konnte sich eine nationale Tot- schlagSpolitik ausleben, zu der in unsrer minderchristlichc» Zeit doch nieinand mehr den sittliche» Willen und die Kraft des Entschlusses fände. Aber immer»och krankt daS heutige Preuße» an de»» blutigen Erbe jener Zeit, von der nur die kriegerische Geberde, nicht die Ur- wüchstgkeit der brutalen Kraft erhalten geblieben ist. Die Mittel der Entnationalisierung, die das großbürgerlich. junkerliche Regiment heute noch anznivenden versucht, hat es auS der Feudalzcit übernommen. Auch diese Rüstung ist ihm zu groß und zu schwer geworden. Die Bcsiedelnngspolitik jener Zeit ruhte auf zwei Grundlagen: auf der rücksichtslosesten Blut- und Eisenpolitik und auf der Kunst, auch auf friedlichem Wege das Land mit Volksgenossen dichter zu füllen, als es dem feindlichen Volke möglich gewesen war. Die erfolgreiche Anwendung beider Mittel setzt aber eine ungeheure Verschiedenheit des Kulturgrades voraus, Ivie sie im heutigen Europa längst nicht«nehr besteht. Wenn der czechische Geschichts- schrciber Palacky sagt, zu jener Zeit sei„die Frage des Christen- tiims die Lebensfrage für alle slavijchen Völker gewesen", so behält er in gewissem Sinne recht. Denn Christentum gegen Heidentum, das hieß damals so viel wie Eisen gegen Holz. Streichbrcttpflug gegen Hakcnpflng. fürstliche Gewalt gegen lose Geschlechtzsverbände. Die, denen das Christentum in diesen, Sinne abging, Sorben. Prozze», Liutizen und andre, kennt die Geschichte inehr dein Namen nach. Jene Slavenvölker aber, die frühzeitig der Entwicklimg des Germanentums nacheilten, haben sich für Jahrtausende ihren Platz a» der Sonne gesichert. Zu ihnen gehören die Polen. Acht Jahrhunderte nach der Gründung der fürstlichen Gewalt ist daS polnische Land in drei Teile zerrissen worden, und seine Teilung steht auf keinem Rnhmesblatte der Geschichte verzeichnet. Sie ge- schah in einer Zeit, da die fürstliche HauSmacht alles war, und der nationale Gedanke vorerst nur in revolutionären Köpfen lebte. DaS war ungefähr die Zeit, da in der französischen Nationalversammlung das Wort laut wurde, daß alle Menschen Republikaner, aber nicht alle Franzosen werden wollten. Bücher und Lieder der folgenden Jahrzehnte beweisen uns, wie wohl der revolutionäre Nationalismus das Recht der fremden Nation zu beachten verstand, und mit wie überschwenglicher Begeisterung sich das Bürgertum auf die Seite der kämpfenden Polen stellte. Wie ganz anders doch der reaktionäre Nationalismus des modernen Großbürgertums geartet ist! Er ist auf die Politik des Mittelalters zurückgekommen, fremden Völkern die eigne Nationalität einzuschicßen und einzuhauen— und sei's auch nur mehr mit dem Schnlmcistcrstock! Die einzige nationalpolitische Idee aber, für die er unanfechtbar das Erfinderpatent in Anspruch nehmen kann, das ist das millionenverschlingende Schildbürgerstück des polnischen Ans- Verkaufs, der inneren Kolonisation. Er scheint ganz vergessen zu haben, daß in unsrer kapitalistischen Zeit das Entgegen- gesetzte von dem gilt, was in der Fendalzeit gewesen ist: daß nämlich heutzutage das knltnr- und bedürfnislosere Volk dem höher stehenden gegenüber in Fragen der Besiedelung naturgemäß immer im Vorteil ist. Wollte man doch ehrlich und einsichtig genug sein. eS gerade heraus zu sagen, daß alle Kämpfe, die angeblich zur Rettung oder zur Vernichtung einzelner Nationen unternommen werden, nichts andres als markierte Klassenkämpfe sind. Mit dem polnischen Bürgertum und dem polnischen Adel kämpft das deutsche Bürgertum rim das Recht, das polnische Volk ausbeute» zu dürfen. Nicht um Sein oder Nichtsein handelt es sich, wie uns so oft vortragiert wird, sondern darum, wer in dem polnischen Busch seine Pfeifen schneiden soll. So oft wird uns gesagt, daß die großpolnische Idee eine Gefahr für das Deutschtum bedeute, aber keiner jener Propheten will daS einzige Mittel gelten lassen, das dieser Gefahr vorzubeugen im stände wäre. Nur das vollste Recht, sich national auszuleben, nur die ungebundenste demokraiische Freiheit,»ur der wirksamste Schutz gegen die Ausbeutung des Volkes durch nationale oder frenrd- nationale Herren könnte die Polen zu sicheren Bürgern dcS' Reiches machen! Man vergesse doch nicht, daß auch daS deutsche Volk zerrissen ist, und daß sich dennoch niemand jenseits des Bodcnsees nach der preußischen nationalen Einheit sehnt. Weder das einstige Liebes- gctändel mit dem Poscner Schlachzizenlum, noch die SchrcckenSpolitik von heute vermag sich an Sicherheit der Wirkung mit jenem ein- fachen Mittel messen. WaS immer drum sich in den nächsten Tagen zu Posen begeben mag, eS muß ein Schritt auf abschüssigem Wege sein. Jenen Mächten, die nun dort das Wort führen, ist cS nicht gegeben, das Evangelium der Völkerfreiheit zu predigen, das da lautet: Wir wollen, daß alle Menschen frei, nicht aber, daß alle Menschen Deutsche sein sollen I Die Erbschaft dieser wahrhaft großen und wahrhaft nationalen Idee hat längst der internationale Socia- liSmnS angetreten. In Posen wird man sie ihm heute nicht streitig machen. Die Sichcrhcitsmaßrcgeln für die Person des Kaisers, die in Posen getroffen werden, sind, wie der„Volks- Zeitung" von dort geschrieben wird, außerordentlich. Die Posener Polizei ist durch viele hunderte Polizeibeamte aus Berlin und Breslau verstärkt und dazu kommen noch unzählige Geheimpolizisten. Im Provinzialmnseum, wo die Prunkmahle statt- finden, werden schon seit einigen Tage» die Säle Tag und Nacht durch Militär bewacht. Im Provinzialmnseum wurden in den letzten Tagen wiederholt s ä m t l i ch c H e i z k a n ä l e und Eni- l ü f t u n g s r o h r e besonders sorgfältigen Revisionen unterzogen. Die Prüfung und Uiitersuchmig dieser Heizkanäle und Entlüftungs- röhre erfolgt jcpt täglich. Aber im Liede hieß es einst: Nicht Roß noch Reisige..., Liebe des Volks allein... Die Gewerbe-Anfsicht im Deutschen Reiche. Zu Beginn des Sonnners hatte das ReichSamt des Innern die Berichte der Geiverbe-Aussichtsbeamte» für 1901, die diese in den einzelnen Bundesstaaten erstattet hatten, in einem dreibändigen Sonderabdrnck herausgegeben, dem jetzt als Band IV die tabellari- scheu Uebcrfichte», das Verzeichnis der Geiverbe-Aufsichtsbeamten so- ivie das Gesamtregister folgten. Diese ungekürzte Wiedergabe der Originalberichtc ist seit 1899 infolge einer von unsrer Fraktion aus- gehenden Anregung an Stelle des bis dahin im Reichsamt des Innern hergestellte»„Auszugs ans den Berichten" getreten, der gerade nicht ein Muster von Vollkommenheit und Objektivität tvar. Fast noch schlimmer wurde es aber von 1899 ab, wo zwar die ungekürzten Berichte den Rcichstagsmitgliedern zugingen, aber mit einem so unzureichenden Register versehen, so daß es nur wenigen, mit sehr viel freier Zeit beschenkten Personen möglich war, aus den mehr als 3000 Seiten der Berichte ein Bild zu gewinnen, denn das Register erleichterte nicht diese Aufgabe, sondern erschwerte sie. Diesmal sind wir nun in der seltenen Lage, dem ReichSamt des Innern ein volles Lob spenden zu können. Das zum Jahrgang 1991 gelieferte Register entspricht in seinem System vollständig den von uns gemachten Vorschlägen, ist nach dem Muster des preußischen, das stets ein brauchbares war, angefertigt und giebt nicht ein ver- wirrendes Haufenwerk von Zahlen, sondern eine bis in kleinste Details geordnete Uebersicht über den Inhalt der drei Bände, so daß es möglich ist, sich schon allein durch das Register über den Inhalt der Berichte und damit über die Thätigkeit der Gewerbe-Aufsichtsbeamten»nd die Lage der Arbeiter zu orientieren. Das Register ist damit geradezu zu einem selbständigen Werk geworden, das selbstverständlich nicht das Studium der Originalberichte überflüssig macht, aber es außer- ordentlich erleichtert. Gleichzeitig zeigt es den einzelnen Anfsichts- beamtcn, welche Lücken ihre Berichterstattung und Thätigkeit hat, so daß sie jene ausfüllen können, wenn sie wollen und— dürfen I Dürfen— denn sie sind ja von oben herab zu einer fast un- erschöpflichen Langmut gegenüber den Unternehmern verurteilt, obwohl diese nach wie vor mit nur vereinzelten Ausnahmen dem Arbeiterschutz wie der Gewerbe- Aufsicht einen mindestens passiven Widerstand entgegensetzen, d. h. nur gezwungen sich zu den durch das Gesetz vorgeschriebenen Einrichtungen verstehen. Wenn in den Berichten der Aufsichtsbeamten darüber nur selten Klage geführt wird, so hat dies dieselbe Ursache, wie jene Langmut, nämlich die Vorschriften der Dienstanweisungen. So heißt es in der von 1892 für die preußischen AussichtSbcamten:„Von dem Recht, polizeilich» S t r a f f e st s e tz u n g e n zu treffen, sollen die Geiverbe-Aufsichts- beamtcn keinen Gebrauch machen, von dem Rechte, Polizei» liches, nötigenfalls im Wege des Verwaltungs-Zwangsvcrfahrens durchzuführende Verfügungen zu erlassen, sollen sie nur ausnahmsweise in denjenigen Fällen, in denen Gefahr im Verzug ist, Gebranch machen. Wie bei den Soldatenmißhandlungen kommen auch bei diesen Arbeiter mißhan dl ii n gen durch die Unternehmer nur die allerkrassesten Fälle zur öffentlichen Kenntnis. Und wie bei jenen sind die Gerichte von einer Milde des Urteils, daS in schroffem Gegensatz zu der unerbittlichen Strenge steht, mit denen Verschlungen der Arbeiter geahndet werden. Früher haben einzelne Gewerbe-Aussichtsbeamte wenigstens manchmal ihre Miß- billigung über gar zu milde Bestrafungen der Unternehmer aus- gesprochen, jetzt ist davon nichts mehr zu finden. Aber registriert sind verschiedene Fälle, die deutlich zeigen, wie wenig st r e n g die Gerichte Vergehen gegen die Arbcitcrschutzbcstimmungen be- strafen. Rur einige V e i s p i e l e I In Hessen sind an einer Hobelmaschine„die Schntzvorrichtungen entfernt und befanden sich abseits der Maschine an einer Wand stehend." Ein 18 jähriger Schreiner verunglückte infolgedessen ast dieser Maschine; er wird am Damnen der rechten Hand verletzt und ist 2 Wochen arbeitsunfähig. 3Vs Wochen später wurden demselben Arbeiter an derselben Maschine vier Finger der linken Hand voll- ständig abgerissen. Die Strafkammer hält zwar den Unternehmer für schuldig der fahrlässigen Körperverletzung, verurteilt ihn ober nur wegen des ersten Unfalls und zwar zu 25 Mark Geldstrafe, den Werkführer für schuldig wegen beider Unfälle.— Resultat: 1 00 M a r k Geldstrafe! Im Bcrgrevier Saargemünd wird ein Steiger wegen fahrlässiger Tötung eines Arbeiters verurteilt �zu einer Woche Gefängnis. In einer Gipsfabrik im Bezirk Kassel ist das Zahnrad- getriebe einer Aufzugswinde ungeschützt; dem Arbeiter werden vier Finger abgedrückt, die beiden BetriebSinhaber werden mit je 199 Mark bestraft. Im Bezirk Koblenz fehlt an einer Kreissäge die Schutzvorrichtung; ein Arbeiter ivird infolgedessen erheblich ver- letzt, der Inhaber der Holzbearbeitungs-Fabrik mit 39Mark bestraft, im Bezirk Köln ein Flcischermcister wegen fahrlässiger Körper- Verletzung, hervorgerufen durch Fehlen einer Schutzvorrichtung an einer Fleisch-Schneidemaschine, mit 19 M a r k! Im Untcr-Elsatz wurde ein Monteur, durch dessen Schuld ein Gerüst zu schwach aufgebaut, zu schwer belastet und ein Mitarbeiter getötet wurde, zu vier- zehn Tagen Gefängnis verurteilt und der Besitzer einer Zuckerwarenfabrik wegen Vernachlässigung der in der Bauerlanbnis enthaltenen Vorschrift über seinen Warenaufzng, wodurch eine Ar- bciterin verletzt wurde, zu 4 sv i e r) M a r k Geldstrafe! In Baden bekam ein Sägewerksbesitzcr, der es unterlassen hatte, um eine tiefliegende Transmissionswclle eine Schntzverkleidung anzu- bringen, so daß ein Arbeiter erfaßt und getötet werden konnte/ acht Tage Gefängnis. Sehr häufig ist die U e b e r l a st u n g der Sicherheitsventile, die zu den entsetzlichsten Katastrophen führen kann. Aber welch' geringe Strafen stehen darauf I Im Bezirk Breslau trafen den Zcigeleimeister 39 Mark, den Maschinisten im Wiederholungsfall 59 Mark, im Bezirk Erfurt den Kessel- besitzer 19 Marl, im Bezirk Minden ö Kcsselbesitzer und Heizer mit 5—21 Mark, im Bezirk Kassel ein Molkereibetriebsleiter und sein Gehilfe mit je 15 Mark, weil sie das Sicherheitsventil wiederholt übeilastet hatten! Ist es da nicht selbstverständlich, daß die Unternehmer sich um die Anordnungen der Aussichtsbcamtcn nicht kümmern? Sind doch die Unkosten der Sicherheitsvorkehrungen weit höher als die Geld- strafen, die doch nur zu zahlen sind, wenn die Verfehlung entdeckt wird! Recht kennzeichnend ist folgende Bemerkung des Berichts aus Oberfranken: „Wie sehr Steinbrnchbesitzer an ihrem Arbeitsverfahren fest- halten, beweist der Fall, daß, trotzdem bei der beliebten Stein- gcwinnmig bereits drei Arbeiter getötet wurden, immer wieder das Ziehen der Grundsteine und Einstürzen der darüber liegenden Gesteinswand konstatiert werden muß." Wäre eine einzige der hier doch groben fahrlässigen Tötung entsprechend strenge Bestrafung der Unternehmer erfolgt, dies„beliebte Verfahren der Steingewinnung" wäre längst abgeändert und den Arbeitern das Leben erhalten worden! Uebrigens teilen die AnfsichtSbeamten nur in den seltensten Fällen die Höhe der Bestrafungen mit. Es würde aber die Thätigkeit der Gewerbe- Inspektoren erleichtern und den Schutz der Arbeiter erhöhen, wenn den Berichten jedes Jahr ein genaues Verzeichnis der er- statteten Anzeigen und der Höhe der Strafen unter Angabe der Firma des Be st rasten erfolgte — eine Forderung, die von unsrer Seite schon oft im Reichstage erhoben wurde! Noch schlimmer wie mit dem Unfallschutz steht eS mit dem Eesnndjjeitsschiitz der Arbeiter in den Betrieben l Die meisten Unternehmer künnnern sich freiwillig nicht im geringsten � darum, ob die bei der Arbeit entstehenden Gase und Dünste, Staubmassen und giftigen Substanzen den Arbeiter ruiiüeren oder nicht..DaS sind eben Berufskrankheiten/ heißt es. Nun— Erfahrung und Forschung beweisen, daß es gar keine solche Bernfskrnnkheiten zu geben braucht, wenn seitens der Unternehmer dafür gesorgt wird, daß die Werkstätten den Anforderungen der Hygiene entsprechen, die Arbeitszeit nicht zu lang ist und die Arbeit nicht zu intensiv gemacht wird— letzteres geschieht ja mit Hilfe Herabdrücknng der Bccordlöhne unausgesetzt. DaS Register spricht von der„Gleichgültigkeit bezw. Widerstand der Arbeitgeber gegenüber den Anordnungen der Gewerbe-Aufsichtsbeamtcn" be- züglich des Gesundheitsschutzes der Arbeiter. So heißt es im Bericht für Unter-Elsaß: Die häufigen Anregungen zur Herstellimg ordentlicher Um- kleide- und Wascheinrichtungen haben im großen und ganzen ivenig Erfolg gehabt. Es scheint, daß das jetzt! ebende Geschlecht der führenden Personen in diesen Industriezweigen(Eisen- Verarbeitung) zum Teil noch nicht reif ist für dergleichen und den positiv größeren Geschäftsivert auf ihre persönliche Sauberkeit bedachter Arbeiter noch nicht zu schätzen weiß. Der Haupt- teilhaber einer größeren Eisenfirma erklärte, er werde n i e eine andre Einrichtung treffen, die Verwendung solcher(unreiner, sonst im Be- triebe verwendetes Eimer zum Körperwaschen sei traditionell in der Eisenindustrie, er scheue sich auch nicht davor, und dann wusch er zur Bekräftigung des Gesagten im schmutzigen Wasser eines solchen Eimers seine Hände. Auch sein Betriebsdirektor wollte von besseren Einrichtungen nichts wissen, ivcil bei einer großen Firma im Rheinland genau ebenso verfahren werde. Aehnliche Bernfungen auf schlechtes Beispiel andrer und größerer Unter- nehmungen wurden auch anderwärts vorgebracht."' Mehr noch als die Berichte melden, wissen die Arbeiter ans eignen praktische» Erfahrungen heraus zu berichten. Freilich— es giebt noch große Massen von Arbeitern, die ans gesundheitliche Ein- richtungen gar keinen Wert legen, sie nicht benutzen oder nicht in stand halten. Aber ganz zutreffend heißt cS darüber im Bericht aus Württemberg 1:„Die organisierten Arbeiter machen von dieser Gleichgültigkeit eine Ausnahme." Die organisierten— ivcil sie durch Vorträge in ihren Organisationen über den außerordentlichen Wert unterrichtet sind, den gesundheitliche Einrichtungen ftir sie besitzen, und wie der jetzt»och fast überall herrschende Mangel an solchen schnld daran ist, daß das Heer der Lungenschwindsüchtigen unter den Arbeitern so entsetzlich groß ist. Prof. L. L e w i n hat im vorvorigen Jahre in der «Deutschen Medizinischen Wochenschrift" darauf hingeiviesen, daß ge- werbliche Vergiftungen als Unfälle angesehen iverdcn nnißten. In der„Neuen Zeit"(Band IL S. 817 u. ff. dieses Jahrgangs) sind seine sehr beachtenswerten Darlegungen ausführlich wiedergegeben. In Preußen sind, wie die Berichte zeigen, von zwei Arbeitern Prozesse aiigestrcngt worden, der eine im Bezirk Merseburg von einem Arbeiter in einer elektro- chemischen Fabrik— allerdings ohne Erfolg, weil begutachtet wurde, daß„in der Einrichtung und dem Betriebe der Fabrik alles geschehen sei, was zun, Schutz der Gesundheit der Arbeiter»ach der heutigen, allerdings noch mangelhaften Kenntnis über die Eut- stehungsnrsache der Krankheit gclhan werden kann". Der andre Arbeiter klagt gegen eine iin Kölner Bezirk gelegene Blciweißfavrik auf Grund des§ 823 des Bürgerlichen Gesetzbuches; dieser Prozeß ist noch nicht entschieden. Wie daSobenangefiihrteGutachten zeigt, können die Arbeiter bei Klagen auf Grund des Bürgerlichen Gesetzbuchs oder des Haftpflicht-GesetzeS Opfer der noch nicht genügend orientierten S a ch v e r st ä n d i g e n werden. Bei einer Klage auf Grund des Unfall gesetzcs ist dies aber nicht möglich, da eS bei diesem nicht darauf ankommt, ob der Unternehmer an de», vor- ursachte» Schaden schuld ist, sondern nur, ob sich der Unfall im "Betriebe ereignete. Ganz richtig schreibt deshalb der Braunschiveigcr Beamte: «Wenn in einzelne» Fällen seitens der Arbeitnehmer unter Hinweis auf gesundheitsschädigende Einflüsse der Unternehmer Haft- pstichtig zu machen gesucht wird, so ist das im Hinblick auf die erstrebte Unfallrente sehr begreiflich. Möglich aber ist eS nicht immer, auf Grund der gcrichtSscits erforderten Gutachten den Arbeit- Nehmen, zu ihrem vermeintlichen Rechte zu verhelfen." Und eben weil es nicht immer, ja fast nie möglich ist, hier den Arbeiter mit Hilfe der Gerichte zu schützen, gerade deswegen ist die hygienische Fürsorge i» den Betrieben so außerordentlich gering. �ur Anbringung von Unfall-Schutzvorrichtungen kann der llnter- Hwhmer durch Anordnung der Berufsgenoffenschaftcn, der Polizei oder Her Gewerbe- Aufsichtsbeainten schließlich gezwungen werden, zu Nsfnndheitlichen Schtchvorkehrungcn aber in weit geringerem Maße, «nd da er selbst keine» Schaden von den Krankheiten der Arbeiter Hat, so geschieht fast nichts. Zrnnal die Gewerbe-Aufsicht ja, wie wir jedes Jahr immer wieder hervorhebe» müssen, so unvollkommen i st, daß sie nur zum allerkleinsten Teil ihre Aufgaben zu erfüllen vermag. Die— auch erst auf unsre Anregung hin— jetzt zusammengestellte Tabelle zeigt, daß durchschnittlich nur 39, S Prozent der Betriebe seitens der tLeaniten revidiert wurden I Und wie verlanfcn die meisten dieser Revisionen I Der Beamte durchwandert die Betriebsräume, deren -Eigenart infolge der in ihnen betriebenen Produktion ihn, mindoftenS bei den ersten Besuche» ganz unbekannt ist. Nur die gröbsten Ber- siöße gegen die gesetzlichen Vorschristen können ihm auffalle» und davon wieder nur diejenigen, die sich sogleich bemerkbar machen. Die meisten Uebelstände werden ober erst vorgefunden, wem, man längere Zeit in dem ArbeitSranme weilt, und zwar nicht als ruhiger Besucher, sondern als schwer angestrengter Arbeiter! Sich beim Besuche durch Fragen zu orientieren, ist de», AufsichtS- beamten unmöglich— oder nickt zu raten. Daß er die Arbeiter nicht fragen kann und darf, darüber melden auch in diesem Jahre die AufstchtSbeamten aus allen Gegenden; die meisten setzen es als so bekannt voraus, daß sie darüber gar nicht mehr schreiben. Der Arbeiter wird ge maßregelt, wenn er den Gewerbe- AuffichtSbeamten auf Mißstände im Betriebe aufmerksam macht; das ist so gut wie Regel. Blieben also dem Aufsichtsbeamte» nur die Unternehmer oder deren Angestellte zur Befragung—und das ist doch den Bock zum Gärtner machen, wenn diese Jntercffentcn der Aus- lbeutimg wegen des Schutzes der Arbeiter interpelliert werden I Soll die Gewerbe- Aufsicht etwas leisten, so muß sie selbst- verständlich zunächst über mehr Personal verfüge», dann aber auch mit den Arbeiterorganisationen in ständiger Füh- l'u n g sein, so daß sie von diesen, ohne daß der einzelne Arbeiter ge- sährdet wird, alleö Wissenswerte erfährt. Ja, eine de» Interessen des Arbeiterschutzes genügende Inspektion müßte in der Weise eingeleitet werden, daß der AufsichlSbeamte sich zunächst— selbstverständlich ohne daß die Unternehmer davon etwas erfahren mit der örtlichen Berufs- orgnuisation des betreffenden Industriezweiges in Verbindung setzt, von dieser sich Auskunft holt, welche Beschwerden über die zu inspiciereude Anlage eingegangen sind, respektive veranlaßt, daß die in jener beschäftigte» Arbeiter durch ihren Organisations- vorstand befragt und auch instruiert werden, was sie zu fordern haben— und daß dann der AufsichtSbeamte die Anlage untersucht. Dann würde er allerdings so viel auch bei einer verhältnismäßig kurzen Inspektion sehen, daß den Unternehmen, Hören und Sehen verginge! Den Unternehmern und ihren ministeriellen Beschützern! Und eben weil diese Art Inspektion die Gewerbe-Aufsicht zu einer erst wirklich gründlichen gestalten würde, deshalb ist es nur erst in wenigen Staaten üblich, daß die Aufsichtsbeamten mit den Organisationen der Arbeiter in Verbindung trete». I» Preußen haben, wie wir bei Besprechung des preußischen Berichts(am 26. Juni d. I.' zeigten, sich in diesem Jahr schon die Beamten von ganzen neun Bezirken(von den vorhandenen sechsunddrcißig) mit den Arbeiterorganisationen in Verbindung gesetzt, resp. Beschwerden derselben angenommen und geprüft. Auch in Sachse n ist dies seitens einzelner Jnspektionsbezirke geschehen. Systematisch aus- gebaut ist dieser Verkehr aber nur in Baden, wo ihn, der vor kurzem leider verstorbene, um den Arbeiterschutz hochverdiente Che der badischen Inspektion, Dr. WöriShoffer, die Wege ebnete, in Bayern»nd ganz besonders in Württemberg, dessen Berichte in socialer Erkenntnis und objektiver Beobachtung mitunter vortrefflich sind. Das sind aber alles nur kleine Anfänge, die sich die Arbeiter durch ihre O r g a n i- sationen wie durch die unablässigen Kämpfe in der Presse wie in den Parlamenten errangen! In der Hauptsache ist die Gewerbe-Anfsicht in, Deutschen Reich noch ungenügend, sowohl an Zahl der Beamten wie in ihrer ganzen Organisation. Die Hinzuziehung von Arbeitern selbst ist noch nirgends er- folgt, und doch ist sie unumgänglich notwendig. Am deutlichsten zeigt sich dicS bei de» weibliche» Gewerbe-AufsichtS- beamtet,, die im vergangenen Jahre thätig waren und zwar in Preuße», Bayern. Sachsen, Württemberg, Baden. Hessen, Sachsen-Weinrar und Sachsen-Koburg-Gotha»,it insgesamt 17 Assistentinnen. In einigen Bezirken wurde» sie„voi, den Arbeiterinnen nicht sehr i» Anspruch genommen, die Sprechstunden sind unbesucht geblieben", in andren haben sie nur wenig erfahren können, da die Arbeiterinnen noch ängstlicher wie die Männer— und leider mit Recht— fürchteten, entlassen zu iverde», wem, sie mit der Beamtin sprechen. Der Gc-� werbe-Anfsichlsdienst läßt sich eben nur im Anschluß an die Organi- sationen der Arbeiter durchführen— und so lange das nicht ge- schieht, bleibt er unzureichendes Stückwerk. polikifche Mebevstcht. Berlin, de» 1. September. Die Fleischtcucrung. Die konservativen und agrarischen Zeitungen versuchen mit allerlei Verlegenheitsansreden die Folgen ihrer gemeingefährlichen Grenzsperr-Politik zu verdecken. Aber die schweren Thatsachen der zttnehmtndc» Fleischnot sind zu offenbar als daß irgendwelche AnS- flüchte Erfolg haben könnten. Auch der übliche Versuch, alle etlvaige Schuld auf die Zwischenhändler und die Fleischer zu werfen, er- scheint völlig nüßglückt auch für uiiS, die wir in Händlern und Fleischern nichts weniger als die Verkörperung der Uneigennützigkeit erblicken. Aber selbst amtliche Organe, die fern(sind von jeden, Verdacht,„unnötige Beunruhigung" in die Landbevölkerung tragen zu wollen, sehen sich zum Geständnis der große» Gefahr genötigt, die durch wachsenden Fleischmangel und unerschwingliche Fleischpreise für die Ernährung des Volkes droht. Ter„Dresdner Anzeiger", das Magistratsblatt in einer Stadt, deren konservaiiv-antiscmitische Verwaltung für jede agrarische Maßnahme eintritt, veröffentlicht soeben eine sehr bemerkenS- tverte Zuschrift, in der n. a. dargelegt wird: „Was Dresden anlangl, so ist der Auftrieb auf dem hiesigen Centraischlachthof im Lause der letzte» Jahre allmählich immer gering fähiger geivorden, obgleich die E i n>v o h n e r- zahl der sächsischen Residenz ohne llntcrbrcchnng erheblich gewachsen ist und demzufolge der Fleischkonsum bei ge- sun.de» Verhältnissen zugenommen haben müßte. Hierdurch dürfte deutlich bewiesen sein, wie dringend notwendig daö Oeffucn der Grenze», sowie die Herabsetzung der Zölle zum Zwecke leichterer und billigerer Einfuhr von Schlacht- ticren aller Art ist, weil die deutschen Viehzüchter und-Mäster thatsächlich sich nicht in der Lage befinden. den Bedarf zu decken. Von gewisser Seite wird man, wie dies schon wiederholt geschehen ist, sofort mit der Behauplung bei der Hand sein, daß die Landwirte recht iv o h l im st a u d e seien, den Fleischbedarf zu decken, ivas ja schon dadurch erwiesen sei, daß auf den deutschen Schlachtviehmärkten fast regelmäßig, namentlich in Schweinen und Rindern, nicht unansehnliche Posten unverkauft stehen blieben und ans dem Grunde von keinem Mangel die Rede sei» könne. Dieser Eimvand ist insofern völlig hinfällig, als die bezeichneten Ueberstände lediglich dadurch entstehen, daß die Flcischprcise für ungezählte Familien nahezu nner- schwiuglich geworden sind und von den meisten un- bemitteltere» Hausfrauen der Fleischkonsum entweder auf das äußerste beschränkt oder— mit etivaigcr Ausnahme von Sonn- uttd Festlagen— möglichst vollständig vermieden wird." Und weiter sagt das ratsoffiziöse Blatt: „Hier in Dresden würde wirklich gutes Rindfleisch an« dauernd sehr knapp sein, wen» die Einfuhr aus den, nahen Böhmen wegfiele. So werden wenigstens f ü r schweres Geld gute Rinder auf die hiesige» Märkte gebracht. Wie außerordentlich groß aber die Unkosten sind, mag ans folgendem erhellen: An der östrcichischen Grenze ist der deutsche Reichszoll und in Dresden die Verzehrungssteuer zu entrichten; dazu lonunen noch die Schlachtstener, Gebühren für die sanitäre Untersuchung, Fracht- und Schlachtspcseu, Futterkosten. Stand- gelder zc.. und daß die Einkaupfspreise in Oestreich schon seit längerer Zeit auch nicht mehr billige sind, weiß jeder Fleischer, Landwirt und Händler zur Genüge." Sehr peinlich dürfte eS den Agrariern sein, daß die Centrumö- presse, welche bisher mit ihnen die Fleischnot zu vertuschen suchte, neuerdings sich genötigt sieht, eine gründliche Revision ihres Stand- Punktes vorzunehmen. Die Centrumöprcffe scheut sich anscheinend denn doch, zu dem Groll, den ihr B r o t w» ch e r in den arbeitenden Klassen erregte, auch die Verzweiflnug der durch die schnot in ihrer Nahrung Bedrängten wider sich zu entfesseln. So findet sich in,. C o l m a r e r Courier", einem stramm ichutzzöllnerische» Blatt, eine Korrespondenz aus Rtünster, in der ausgeführt wird: «Drei Stunden von Münster, in Frankreich» kostet das Schweinefleisch 13—14 Sons(1 Sou— 4 Pf.), dementsprechend auch die übrigen Fleischsorten. Während wir hier unter einer thatsächlicheu Teuerung seufze» und das Fleisch enorm doch bezahlen müssen, hat man jeuseitS der Grenze niedrige Preise und dabei noch Mühe, das Vieh abzusetzen. Die Landwirtschaft verdient gewiß alle Hilfe, aber keinen- falls darf der Schutz für die landivirtschaftlichen Er- zengnisse dahin austvachscn. daß de», größten Teile des Volkes ein hochwichtiges R a h r u u g s- mittel beinahe b i s zur U n e r s ch w i n g l i ch k e i t v e r« t e u e r t wird. An unser,, Vertretern in, Reichstag und Landes- ausschuß aber ist es, die Regierung aufzufordern, Mittel zur Milderung der Fleischteuerung zu ergreifen. Bei uus im Eliaß wäre ein ivirksames Mittel ja rasch gefunden: Man dürfte n u r die Grenzsperre für Vieh auö Frankreich aufhebe,,." Und nicht nur ein weniger maßgebeichcs Centrmusblatt schreibt also, da« reichshauptstädtische Blatt der Partei, die„Germania" bringt eine Artikelfolg«, in der die Ursachen der Teuenmg dargelegt werden und diese Teuerung in ihrer erschreckenden Größe zugestanden wird. Was sagen die konservativen Fleischuotslengner zu den Ausführungen des in allem Zollivncher ihnen innig verbündeten Centruntsblatles? Wir citieren daraus: „Enorme Preissteigerungen habe» in den letzte» Jahren fast alle Lebensmittel und Lebensbedürfnisse verteuert und so zu Einschränknuge» geführt, die nicht mir im Volkshans- halt, sondern auch in den einzelnen Familien»im so bitter empfunden wurden, als die guten L o h n v e r h ä l t n i s s e der letzten Jahre des vorigen Jahrzehnts ziemlich rasch eincin rapiden Niedergänge auf allen industriellen Gebieten Platz machen»inßte». Nu» zu gntcr Letzt kommt noch eine Fleisch- tenerung, die, wenn sie»och länger anhalten sollte, zu einer wahren Kalamität auszuarten droht... Das Merkwürdige an der gegenwärtigen Lage ist, daß die Klagen so ziemlich aus allen Gegenden dcS Tentsche» Reiches ertönen und ans de», Westen bezw. Südwesten noch mehr als anS dem Norden, dem, die Preise von Mannheim, Stuttgart, Straßbnrg zc. übersteigen die der Reichshanplstadt noch um ein Bedeutendes... Daß die Grenze gesperrt ist, und die Sperre in den letzten Monaten selbst für die Grenzbewohner bedeutend verschärft worden ist, ist Thatsache, Thatsache auch, daß unsre Landwirt- schaft momentan zu wenig schlachtreifes Vieh für den Markt liefern kann. Wie dem Schreiber dieses erzählt wurde, waren verschiedene bayrische Landwirt« und Viehhändler, die dieser Tage den Berliner Markt besuchten, geradezu erstaunt über das viele Magervieh, das sie zum Verkauf, d. h. als Schlacht- v i c h aiffgetrieben fanden. Daß an? anderthalb- bis höchstens zweijährigen Tieren, die znden, fast nur auf der Weide gewesen sind, in ein paar Wochen Mast- und Stallsüttcriing keine fetten Tiere zu erzielen sind, wird jedem Landwirte einleuchten. Das ist aber„tomenlan d�r Fall und man kann sage», die Signatur aller deutschen Märkte. Für minderwertiges Fleisch mag eine solche Schlachtung schließlich noch angehen, sie versagt aber, wenn, wie hier in Berlin, gutes Fletsch geliefert werden soll. Dann müssen die Preise für diese Ware enorm in die Höhe schnellen, wie es auch ans andren Gegenden berichtet wird. Vorläufig ist noch an kein Ende der Kalamität zn denke«, da mit dem Eintritt der kälteren Witterung Konscrven- und Wnrstfabrike» erhebliche Ansprüche an den Markt stellen»nd darum die Preise boraussichtlich bis zum Ende ihrer Campagne (Ende Februar bis Anfang März) auf der Höhe halten werden." Schließlich schildert die„Germania" als Symptom der Fleischnot die Zunahme der durch die Grenzbewohner zollfrei über die Grenze geholten Aleischmenge: „Angesichts der hohen inländischen F l e i s ch p r e i s e und der vielfach hervortretenden F l e i s ch k n a p p h e i t ist es bemerlenswert. wie sich seit einigen Monaten die zollfreie Einfuhr von Fleisch seitens der Grenzbewohner gesteigert hat. Nach den vorliegenden anitlichcn Nachweisen wurden im laufende» Jahre bis Ende Juli im zollfreien Grenzverkehr 3 149 999 Kilogramm Fleisch ans dem Anslandc eingebracht gegen 1986 399 Kilogramm im gleichen Zeiträume des Vorjahres. Spcciell die Einfuhr von Schiveincfleisch einschließlich Speck und Schinken hat sich von 1 193 699 ans 2 339 999 Kilogr. vermehrt, gegen daS Vorjahr also annähernd verdoppelt. Schon wäre die Zunahme noch größer, ivenn nicht die den Grenzbewohnern durch den derzeitigen Zolltarif geivährte Vergünstigung, Fleisch in Einzelmengeu bis zu 2 Kilogramm zollftei über die Grenze zu bringen, im Laufe der letzten Jabr« vielfach im Znsammenhang mit den Sperrmaßregeln eingeschränkt worden wäre. Bisher hat die zollfreie Grenz- einfuhr, die außer für Fleisch auch für Bulter, Brot und Mehl geivährt ist, stets zugenommen, wenn im Jnlaiide hohe Preise oder Knappheit in Lebensmitteln herrschten, und somit dürfte die jetzige Steigerung iv o h l an ch als eine Folge- Erscheinung der derzeitigen Knapphrtt in der inländischen Fleischversorgung zu betrachten sein." AnS Thüringen wird unS geschrieben: Die F l e i s ch» o t und exorbitante Fleischteuerung ist hier erst in der letzten Woche in ein besonders aluteS und böses Stadium getreten. Daß wir erst ein ivenig später, wenn nun auch desto plötzlicher und schärfer, diese neueste Geißel deS Volkes zu spüren bekommen, liegt in der Hauptsache an den bäuerlichen Besitz- und BetriebSverhältnissen der Thüringer Lande, wo, wie bekannt, von einigen Ausnahmen ab- gesehen, der kleine und kleinere bäuerliche Betrieb mit st a r k e r Viehhaltung vorherrscht. Nun hat aber der plötzlich gestiegene Fleischinangcl im besonderen der Großstädte von hier erhöht starke Vieh- und Fleischwarenmengen, die Thüringen be- kannllich mich sonst nach andren Provinzen abführt, weggeführt, und die Preise sind plötzlich ganz enorm in die Höhe geschnellt. So war z. B. in illrustadt mehrere Tage in der letzten Woche überhaupt keine Wurst in verschiedenen großen Fleischläden zu bekommen und die Preise sind für Arbeiter und kleine Leute unerschwinglich ge- ivorden; das Psund Schweinefleisch 39 und 99 Pf., die g e- iv ö h n i i ch e A o t w u r st 99 Pf. bis 1. M. und Cervelat wurst 1,89 M. bis 2 M. das Pstmd, das sind für Arnstadt wie in ganz Thüringen jetzt die Normalpreise! Noch st ä r k e r sind die Wirkungen in den größeren Städten Thüringens, z. B. in Erfurt. Die ärmere Bevölkerung, selbst die kleine» Beamten schränken ihren Flcischkonstmt auf ein Minimum ein, wenn sie nicht überhaupt gewissermaßen Vegctarianer werden. Durck den stärkeren Gemüsekonsttm sind aber plötzlich auch die Gemiiseprcisc gestiegenl Um überhaupt jetzt mal einen Happen Fleisch, wenn auch minderweriigeö von der Frei- dank, zu erhalten, spielten sich dieser Tage vor dem Erfurter städtischen Schkachthause kaum glaublicheScenen ab. Am Morgen, früh 6 Uhr, nachdem erst am Abend vorher die betreffende Bckanntmachnng erschienen war, drängten sich die Armen bor dem Psöttchcit des Schlachthofes; meist abgehärmte, bleiche Frauen, denen die bitterste Not vom Gesichte abzulesen ist. Leider zeigt sich die S ch I a ch t h a u s v e r w a l t u n g in Erfurt zu all dem Elend noch iehr rigoros; so ließ sie bei dem schlechtesten Wetter die armen Leute ans der Straße warten und warten und dann nur einzeln hinein, so daß sie erst nach langem Warten in Wetter und Wind mit einem Stück Fleisch oder auch nur niit einem Topf Fleischbrühe für ihre paar Pfennige wieder abziehen konnten, um oft mit starker Verspätung zu ihrem weit entlegenen Arbeitsplatz zu kommen.— «• # Deutsches Weich. Künstler-Eutlaffuugcn in der NeichSdrnckeret. Noch sind die neuesten Leistniigei, der Ncichsdruckerei, die eben ihr SOjähriges Jubiläum feierte, nicht so bekannt geworden, daß man sagen könne, sie marschiere auch nur technisch an der Spitze ihrer Branche. Es ging und geht alles nach dem berühmten preußisch- deutschen biireankratischeu Schema?. lim so erfrcnlicher wirkte immerhin seiner Zeit die Nachricht. daß man jüngere Künstler, wie Sattler, Sütt erlin, Pankok, Ehincke, K n a b und andre herangezogen habe, um knnst- lerisch die morschen Tradilioncn des Instituts zeitgemäßer umzugestalten oder gar ganz abzulösen. Aber schon als man die ersten Entwürfe der nenen Briefmarken leibhaftig kennen lernte. mußte man stutzig werden. Jetzt sickert durch den„Deutschen Buch- und Steindrncker" endgültig durch, daß eS an den leitenden Stellen mit einer noch höheren Stelle, die nach den bekannten MuseumSreden unschwer zu erraten ist, starke Auseinandersetzungen gegeben h n t, deren Folgen in die Demission, versteht sich:„frei- willigen", des Direktors und der Entlassung der genannten jungen Küustlrrschar bestanden! Die altpreußische Tradition war gereltet. Nun erklärt sich auch, iveslvegen es bei dem erwähnteil fiinfzigjährigcn Jubiläum der Lieichsdruckerei so gar still zuging und keine besondere Auszeichnung erfolgte. Was übrigens den einen der ftiinstler betrifft, den aus München berufenen und nun auch wieder eutlassencir P an kok, so war uns schoir lange bekannt, daß sein Buchschmuck des Ausstellungs« K a t a l o g e s deS Deutschen Reiches auf der Pariser Welt- A u s st e l l u n g, der auch in der Reichsdruckerei hergestellt war, allerhöchstes Mißfallen an bestimmter Stelle erregt hatte, dem in sehr drastischen Worten Ausdruck gegeben sein soll. Von der Presse und der sachtechnischen und ästhetischen Kritik war es zwar rückhalt- los anerkannt worden; aber seit wann wäre dies maßgebend? Jetzt ist die Rcichsdruckerei also gänzlich— desinfiziert. � Tic Schutzlosigkeit deutscher Staatsbürger gegen Nußlaud. Ein Seitcnstück zu dem Fall K u g l e r veröffentlicht das K a t t o w i tz e r P o l e n b l a t t. Es heW in dem Artikel dieses Blattes unter anderm: Täglich bringt die deutsche Presse immer niehr Beweise dafür, daß die Russen den preußischen Staats- angehörige» ungestraft eine rücksichtslose Behandlung zu teil werden lassen... Im April 1901 verhaftete man i n Milowice den preußischen Unterthan Borys aus Königshütte ohne jegliche Ursache, und brachte ihn in das Petrikauer Gefängnis. Dort wurde er auf das peinlichste über verschiedene Persönlichkeiten, die eine Rolle in der polnischen Bewegung in Schlesien spielten, ausgefragt. Man las ihm die gerichtlichen Strafen vor, die er als Vorsitzender eines (polnischen) Vereins erhielt. Wie kommt es, daß die Russen so genau über die persönlichen Verhält- nisse preußischer Unterthanen informiert sind? Entweder informierten sie die preußischen Behörden, oder aber russische Agenten ü b c r w a ch e n u n g e st r a f t preiißischeSlaatsangehörigeaufpreiißischemBodeii. Obgleich man bei einer an Herrn Borys vorgenommenen Revision nichts Strafwürdiges fand, behielt man ihn über vier Wochen im Gesäiignis und entließ ihn schließlich gegen Stellung einer Kaution von 75 M. Anfänglich forderte nian 500 Rubel I Herr Borys und sein Vater wendeten sich an den deutschen General« k o u s ii l in Warschau, damit er den unschuldig Verhasteten in seinen Schutz nehme. Im April sandte man den Brief an den Konsul ab. Die Antwort traf e r st a m 1 2. I u l i e i n; man teilte ihm darin nur mit, auf Grund welches Para- g r a p h e n des russischen Gesetzes sei» Sohn verhaftet worden war. Darin bestand die ganze Verteidigung des preußischen Unterthanen. Ebenfalls ohne Ursache verhastete man damals den Arbeiter Gleng, einen preußi- scheu Unterthanen. Die Russen behielten ihn über fünf Monate unschuldig im Gefängnis. Ans Bitten des Gleng um Ver- mittclung antwortete der deutsche Konsul in Warschau nach fünf Monaten, als G. sich schon wieder auf freiem Fuß befand; auch ihm teilte er den Palagraphen mit, aus Grund dessen er verhaftet worden war... So sieht der Schutz deutscher Unterthanen in Rußland auSl Wie lange sollen sich deutsche Staatsbürger noch ungestraft von der russischen Polizei vergewaltigen lassen?!— Die rote Garde der Regierung.„Gewehr ab I"— so ruft die konservative„Ostpreußische Zeitung"; verzweifelt erklärt sie: Bei dem neuen Wahlkampfe werde die„gegen den„Brotwucher" wetternde rote Phalanx als die Garde der Regierung auf- treten", und es erscheine zweifelhaft, ob es bei solcher Sachlage möglich sein wird, die von konservativem Standpuuktc zu wünschende Mäßigung in diesem Kampfe überall zu wahren.—„Es sei darum begreiflich, wenn im konservativen Lager Stimmen laut werden, die es für das ricbtige halten, wenn die kon- servative Partei für die nächste Wahl das Kommando „Gewehr ab" ausgiebt und d e m B u n d e d e r L a n d- Wirte das Feld überläßt." Es ist U e b e rz ö l ln e r- Art, die Regierung zu erschrecken, in- dem man sie anklagt, sich auf die Socialdemokratie als Gardetruppe stützen zu müssen, wenn nicht alle agrarischen Tollheiten erfüllt werden. Die, K r e u z« Z e i t u n g", die natürlich weiß, was von diesen Citatcn des roten Gespenstes zu halten ist, ist dennoch einiger- maßen erschreckt über die klägliche Stimmung der ostpreußischen Gc- finnungsgenossin und sie spricht ihr also Mut zu: „Uns ist nichts davon bekannt, daß solche Mutlosigkeit in nnsren Reihen eingerissen sei. Im Gegenteil! Es liegt freilich Ursache genug zu pessimistischer Stimmung vor. Aber Gefahren sind dazu da, die Thalkraft und den Mut zu stählen. Und waS den Pessimismus angeht,— zu allen Zeiten ist er der Vater dcö HcrotSmnS gewesen. Das werden unsre Freunde im Lande auch jetzt wieder beweisen. Nach unsrer Auffassung würde die konservative Partei, wenn sie auf die Teilnahme an der bevorstehenden Wahibewcgnng grund- sätzlich verzichtete, zugleich für absehbare Zeit ihre Existenz- bcrechtigung preisgeben." Nicht weniger amüsant als der Scherz von der roten Regierungs- Parade, ist dieser Kreuzzeitungsspaß vom konservativen Heroi's- m u 3. Dieser Heroismus bestand bekanntlich stets in gewaltthätigcr Wahlmache, in amtlicher Wahlhilfe und Brutalisierung der Land- arbeiter. Auch im Zollkanipf wird die konservative Partei in reich- licher Entgegennahme der anitlichen Wahlhilfe ihren Heroismus bethätigen!— Als Viersteuer-Offiziosnö sucht sich Herr Schweinburg be- Harriich Herrn v. T h i e l m a n n in empfehlende Erinnerung zu bringen. Wir haben in dem Leitartikel„Steuerwirrwarr" die Ein- kommenstener-Verhältnisse in Deutschland ans Grnnd von Thalsachen beleuchtet und auf das Mißverhältnis hingewiesen, das zwischen der vclastnng der großen und der kleinen Einkommen besteht. Herr Schweinburg beeilt sich nun uns darüber zu belehren, daß eS auch Erbschaflssleuern(die wohl auch das„E i n t o m ni e n" treffen?) und Konimunalznschläge gäbe. Daß das Einkommen der ärmsten Proletarier mit 10—12 Proz. belastet ist, wagt er nicht abzuleugnen, dafür aber erklärt er, von allgemeinen Redens- arten abgesehen, daß die Belastung der wohlhabenden Klassen durch Äommnnalzuschläge bis zu 15 ja 20 Proz. gesteigert würde. Natürlich weiß sogar Herr Schweinburg, daß er damit Einzelfälle vorführt, während es sich bei der hohen Belastung deS Proletariats um eine allgemeine Erschciunng bandelt. Trotzdem meint er:„Die Arbeiterbevölker nng Deutschlands darf sich schon beruhigen!"— Die wohlhabenden Kreise Deutschlands seien von allen in der Welt am m e i st e n belastet. DaS ist nun erstens nicht wahr, und gäbe zweitens, auch wenn es wahr wäre, gar keinen Anlaß, patriotische Frendenfeuer anzuzünden, so lange nichts geschieht, um die viel schwerere Belastung des proletarischen Einkommens zu erleichtern. Es sei der Arbeiterschaft überlassen, ob sie unter sothanen Umständen von der freundlichen Erlaubnis Herrn Schwcinbnrgs. sich zu beruhigen. Gebranch machen will.— WaS ist daö: Ein Proletarier? Die.Freisinnige Zeitung" begreift noch immer nicht, daß die Zahl der Proletarier immer gröber werden kann, auch wenn die Zahl jener Personen geringer wird, deren Einkommen sich zufolge der stcuerbehördlichen Er- Hebungen unter 000 M. bewegt und wenn sich auch thatsächlich die Lebenshaltung der Arbeiter teilweise verbessert hat. Sie klagt, daß wir dem Begriff der Proletarier nicht den Sinn, den man allgemein damit verbindet, beilegten, sondern irgend einen andren, der„stcuer- gesetzlich nicht definierbar" sei. Nach Eugen Richter sind also offenbar nur die Leute Proletarier, «sie keine Einkommenstcuer bezahlest, z. B. Herr v. Wangenheim tjoer jene rheinischen Fabrikanten, die in den letzten Jahren der Krise ais cinkommenslos und steuerfrei in der Equipage spazieren fuhren j und Sekt tranken!— Nochinalö: Graf Waldersee gegen den inneren Feind. Man schreibt uns:„In Ihrer Nnmnier vom Sonntag brachten Sie ein Citat aus einem vom Grafen F. G. Waldersee verfaßten und vom Grafen Alfred„von neueni durchgesehenen" Leitfaden für den Dienstunterricht der Infanteristen, der allerdings nicht neu, sondern in weit über hundert Auflagen verbreitet, darum aber nicht minder interessant ist. Ihre Vermutung, die Soldaten könnten durch die Belehrungen dieses Leitsadens dazu angeregt werden, sich nach ihrer Dienstzeit genauer über die Socialdemokratie zu unterrichten, scheinen die Grafen Waldersee allerdings vorausgesehen zu haben. Denn gleich ein paat Zeilen nach der von Ihnen gegebenen Stelle findet sich eine andre, nicht minder beachtenswerte, die folgender- maßen lautet: Der Fahneneid bindet den Soldaten tveit über die D i e n st z e i t hinaus. Auch nach einer Ent- lassung von der Fahne ist eS eine heilige Pflicht, die gelobte Treue uuwandelbar zu bewahre». Mit Wort«nd That möge er jenen verderblichen Bestrebungen(der Social- dcmokrate». D. B.) entgegenwirken und jeder in seinem Kreise treue patriotisckie Gesinnung verbreiten zum Heile unsres Kaisers, unsres deutschen Volkes. Der verantwortliche Rcdacteur deS Leitfadens bleibt also nicht bei seinen bekannten politischen Tiefsinnigkeiten, sondern er verschmäht es auch nicht, ausgesprochene Wahlmache zu treiben. Er sucht den künftigen Reichslagswählern beizubringen, daß sie ihr Fahneneid hindere, für socialdemokratische Kandidaten cinzulreten. Gras Walder« see kann natürlich eine solche Wirkung nicht vorgesehen haben, da eine derartige Wahlbeeittflussimg, wenn sie mit Absicht geschähe, unter das Strafgesetz fiele.— Protcstvcrsqmmlungcn gegen den Flcischwncher. Aus Mainz wird uns gemeldet: Die Protestversammluug gegen die F l e i s ch t e u e r u n g in der Stadthalle nahm einen imposanten Verlauf. Die 4000— 5000 Aiiweseudcn, Angehörige aller Bernfsstände, folgten den Ausführungen des Referenten, Genossen Dr. David, mit lebhaftem Interesse und spendeten ihm stürmischen Beifall. Die Stimmung der Versammlung lieferte den Beweis, daß die Fleischteneruug die Gemüter aufs tiefste erregte. Es wurden drei Resolutionen ciustiinmig angenommen: an den Reichskanzler, an die hessische Regierung und an die Bürgermeister in Mainz, in welchen um schleunigste Aushebung der Einfuhrverbote ersucht wird. Der schriftlich eingeladene ultramontane Reichstags-Abgeordnete Dr. Schmidt war natürlich nicht erschienen. Zur Fleischnot nahmen, wie uns geschrieben wird, ztvei stark be- suchte Volksvcrsammlniigeii in Essen und in Essen- Altendorf Stellung. Es wurden Resolutionen angenommen, in denen die Stadtverwaltung aufgefordert wird, bei der Regierung die Aufhebung der Grenzsperre zu beantragen.— Hungersnot in Deutsch- Ostafrtka. Wie der„Kölnischen Volkszeitung" von einem Missionar geschrieben ivird, sind in einem Missionsbezirk in den ersten vier Monaten dieses Jahres 14 Leute am Hunger gestorben. Die am Hunger sterben, ereilt der Tod vielfach stuf dem Wege. Die Leute laufen mit ihrem ab- gemarterten, eingeschrumpften Körper immer noch herum, suchen sich Wurzeln im Walde oder ivollen noch zu Verivandten oder in ent- legcne Gegenden gehen, dabei versagen aber die Füße zuletzt doch den Dienst; die Leute setzen sich vor Mattigkeit nieder, und ihr letztes Stündlcin ist oft näher als sie glauben. In weiterer Ent- fernnna, wo keine Unterstützung der Leute stattfand, sind dieOpfer der Hungersnot sehr zahlreich, wohl über 300; die Zahl läßt sich nicht genau bestimmen, iveil die Leute in der größten Not sich in die Wälder zerstreuten, um sich von den kargen Waldfrüchten zu ernähren. Leider kamen die Leute daun infolge Mangels an Saatfrncht und Kraftlosigkeit nicht dazu, ihre Felder zu bestellen. Viele Negerdörfcr sind ganz verödet. Slcste von diesen Arme» haben sich in letzter Zeii mehrmals in der Nähe der Mission angesiedelt. Bekanntlich hat Wilhelm II. seiner Zeit eine Sammlung für die hungernden Eingeborenen Britisch-Ostindiens angeregt; wie wäre es mit einer Sammlung für die e i g n e n L a n d s- l eu t e Z— Anstand. Schweiz. Glänzender Nrvanchcsieg unsrer Anstersthler Genossen. Bei den Anßcrsihler Wahlen, die durch den schamlosen Ver- waltiguugsakt der bürgerlichen KantonsratS-Mchrheit, die die im April erfolgte Wahl der 27 Genossen kassiert hatte, notwendig geworden warenMegten am Sonntag wiederum s ä m t l i ch e 27 social- d e in i�r a t i s ch e n Kandidaten über ihre bürgerlichen Gegner. Wie erbitternd die schnöde Vergewaltigung ge- wirkt hatte, beweist der Umstand, daß diesmal die auf unsre Gcnoffen entfallene Stimmeuzahlen bedeutend größer waren, als bei der Wahl im April. Denn während die socialdemo- kratischen Kandidaten damals nur 4322—6392 Stimmen erhielten, betrug diesmal die Stimmenzahl 5024—3313 Stimmen. Die Slimmenzahl des bürgerlichen AntisocialistenmischmaschS betrug da- gegen diesmal nur 3272—3648 Stimmen gegen 3429—4029 Stimnicii im April I Der bürgerliche Klüngel hat also eine vernichtende Niederlage erlitten!— Frankreich. Zwei neue Rede» dcö KriegöiuinisterS. Bei der Enthllllnng eines Kriegerdenkmals in B o u r g o i n hielt Andrv wiederum eine Rede auf die Armee, die diesmal freilich minder chauvinistisch klang als seine letzte Rede. Ter KriegSminister erklärte, daß das bewundernswürdige Offiziers-Corps auch während einer ztvei- jährigen Dienstdaner die Arniee derartig„erziehen" werde. daß sie in einem künftigen Kriege siegen werde, denn ein künstiger Krieg m ü s s e siegreich sein. Eine solche Erklärung ist ja ziemlich harmlos, aber harmloser Iväre sie noch gewesen, tuen» Audi« von einem Abwehr kriege gesprochen hätte.— Bei dem Festmahl nach der Enthüllung des Kriegerdenkmals sagte Kriegsminister Andro in einer Rede: Ich werde einen Trink- spruch auf den französischen Arbeiter ausbringen; im Namen der republikanischen Nation kann ich Ihnen sagen, daß kein Mitglied deS Kabinetts, die Verantwortung für das gemeinsam nuternommene Werk fürchtet. Die Regierung ist entschlossen, den Arbeiter einer Erziehung zu e»treibeii, die seine g e i st i g e und materielle Freiheit nur schädigen kann. Eine Erziehung muß rein weltlich sein, wenn' das Werk der Republik nicht geschädigt werden soll. Die ersten Schritte in dieser Richtung habe» meine Freunde M i 1 1 e r a n d durch Regelung des Rechtes auf A u s st a n d und Waldeck-Rousseau durch das Vereins- gesetz untcruommen.— Vom Kulturkampfe. Die Schulen von St. Möen. Ploudaniel und Folgret werde» mit weltlichen Lehrerinnen im Oktober wieder eröffnet werde».— Eine Reihe Bürgermeister und Schöffen wurden wegen ihrer Haltung bei Schließung der OrdenSschulcn ihres Amtes enthoben. Der Untersuchungsrichter verhörte einen Großgrundbesitzer, welcher die Bauern aufgefordert hatte, ihre Gelder auS der Spar- lasse zurückzuziehen.— PnriS, 1. September. Amtlich wird gemeldet: Der bisherige Botschafter in Berlin, Marquis de NoailleS. erhielt das Großkrcuz der Ehrenlegion. Z» Botschaftern sind ernannt: Fiir Berlin B i h o u r'd. für Bern Neindre, Petersburg Bompard, Rkadrid Jules Tambon und Washington I u s s e r a n d. Zu Besandten sind ernannt: C r o z i e r fiir Kopenhagen. Labouliniörcs ffür Kairo, Bougarel für Sofia. «Sugkaiw. Verhandlungen über die künftige NegierungSreform in de» Bocrenrepublikc». Nach einer Londoner Meldung erwarten die Boerengenerale, Kolonialsekretär Chamber lain werde im Lauf dieser Woche von seinem Landsitz nach London kommen, um dort mit ihnen in einer Konferenz die künftige Regierungsfonn für die ehemaligen Boerenrepubliken zu er- örlern und die Frage der Vertretung der Boeren in den B e r w a l t u n g s k ö r p e r s ch a f t e n mit ihnen zu be- sprechen.— Die Durchführung der allgemeinen Wehrpflicht scheint man in England trotz der Erfahrungen des südafrikanischen Krieges nicht für möglich zu halten. In einer Rede in Birmingham wies Charnberbain auf den gegen die Regierung erhobenen Bor- wnrf, sie sei auf den Krieg nicht genügend vorbereitet gewesen. hin. Er sagte, nach seiner Meinung werde das Land niemals die Kosten auf sich nehmen, die erforderlich seien, um immer auf einen Krieg vorbereitet zu sein. Es werde stets notwendig sein, sich an die Vaterlandsliebe des Volles zu wenden, um für den Mangel eines ständigen Heeres einen Ersatz zu slbaffen. Es sei hauptsächlich, wenn nicht gänzlich dem B e i st a ii d e der F r e i w i l l i g e n zn verdanken, daß Eiufland erfolgreich aus dem letzten großen Feldzuge hervorgegangen sei. Das noch immer über ungehenre materielle Mittel verfügende England hält es also für unmöglich, gleichzeitig den Land- und WassermilitariSmus auf die gleiche Höhe zu bringen. Es verzichtet auf den Landmilitarisimis, um seine Flotte auf dein alten Stand halten zu können. Das viel ärmere Deutschland dagegen wähnt, zugleich als Land- wie als Seemacht an der Spitze marschieren zu können!— Rußland. Der Prozeß gegen die an der Hn»igerrevolte beteiligten Bauern, der in einigen Wochen in Charkow unter Ausschluß der Oeffcntlichkeit beginnen soll, soll sich nach der„Franlf. Ztg." gegen 300 Angeklagte richten, die an den„Rnhestörungen" in den Gouvcrne- inents Pnltäwa und Charkow beteiligt waren.— Türkei. Die Slnfhebnng der AuSnahmemaßnahmen gegen dit. Armenier. Dem armenisch gregorianischen Patriarchen O r ni a n i a n wurde am Sonnabend vom Uildiz-Palais mitgeteilt, daß das Jrade betreffend die Aufhebung der Ausnahme« maßnahmen gegen die Armenier n n t e r z e i ch n e t worden sei. Ormanian hat' infolge, dessen seine Demission zurück- gezogen.— Zur Tardancllcnfrage. Von russischer Seite wird bestritten, daß die Pforte die verlangte Durchfahrt durch die M c er- engen formell abgelehnt habe; es seien in dieser Hinsicht Verhandlungen im Zuge, bei denen darauf hingewiesen werde,� daß der bulgarische Torpedö-Aviso„Nadjeschda" unter denselben Umständen, nichlarmiert und mit der Handelsflagge versehen, im November 1893 die Meerenge passiert habe.— Asien. Likinzölle. Im Gegensatz zu der vorgestrigen Meldung de? Wolffschen Bureaus, die auf den Abschluß des englisch-chinestschen Handelsvertrages sibließen ließ, berichtet jetzt Reuters Bureau aus Shanghai, daß der Vertrag noch nicht unterzeichnet ist; Mackay und die audren Bcvollniächtigteii hatten sich zwar zur Unterzeichmiiig versammelt, fanden jedoch, daß das kaiserliche Edikt» icht befriedige und undeutlich sei. Mackay hatte Vorbereitungen getroffen, am Nachmittag des Tages, an welchem die Unterzeichnung stattfinden sollte, abzureisen, er weigerte sich jedoch, den Vertrag zu unterzeichnen, und verschob seine Abreise, um weitere Milteilungen aus Peking abzuwarten. Die Nichtunterzeichmmg hat Erstaunen er- regt; die Haltung Chinas zeugt von Mißtrauen. China sucht eine Gelegenheit für die cvculnelle Nichtaiierkemiuiig des Vertrages. Demnach dttifte das in der amtlichen„Peking- Zeitung"� ver- öffenllichte kaiserliche Edikt keineswegs in so unbedingter Weise die Aufhebung der Likinzölle verkünden, wie zuerst gemeldet wurde. Wahrscheinlich ist die Fassung eine solche, daß der englische Vertreter befürchtet, diese Zölle könnten unter andren Namen auch weiterhin noch von den in China eingeführten Waren erhoben Iverde». Afrika. Indirekter ArbeitSzwang gegen die Eingeborene». Nach einer Meldimg ans Pretoria erließ der Gouverneur der anuektiertew Boerenrepubliken M i l n e r eine Verordnung,»ach welcher jeder c r w a ch s e n e m ä n n l i ch e E i n g e b o r e n c e i n e K o p f st e u e r von jährlich zwei Pfund zu zahlen hat. Man glaubt, daß diese Maßregel zur Lösung der Arbeiter-Frage bei- tragen werde. Bekanntlich weigert sich ei» großer Teil der bisherigen ein- geborucn Miuciinrbeiter, zu dem ihnen offerierten niedrigen Lohn Arbeit nnzuuchme». Nach der Steuerverorduung Milnerö soll nun jeder erwachsene Arbeiter eine jährliche Kopfsteuer von 40 M. zahlen, was einem großen Teil nur dann möglich sein wird, wemi er Arbeit in den Miueu nimmt. Die Stimmung unter den Eingebornen wird durch diese ungerechte Kopfsteuer schwerlich verbessert werden.— Amerika. Eine Schlappe der venezolanischen Negiernngötruppen. Ein Telegramm aus Willenistnd meldet: Amtlich wird bestätigt, daß 550 Man» venezolanischer Truppen in der Nähe von Ocumare am 29. August zu den Auf- st ä n d i s ch e n übergegangen sind; dieselben führten den General C a st i l l o als G e f a n g e n e» mit sich. 600 Soldaten, welche den Berkehr auf der deutschen Eiseubahn von Caracas nach Valencia herzustellen versuchten, wurden in der Nähe von Los Tcqucs geschlagen, welches nunmehr in der Gewalt der A ujf st ä n d i s ch e ii i st.— DÄvkvt�MAchvichten. Partciprrsse. Mit der Nr. 203 vom 3l. August beschloß die „ N e n ß i s ch e Tribüne" in Gera ihr zehnjähriges Bestcheii als Tageszeilung. Am 1. September 1892 ging die„Renßische Tribüne" zum erstenmal als Tageszeitung ans der Druckerei hervor. Vorher, vom 15. Januar 1890 bis zum 1. Mai 1891 war die „Renßische Tribüne" wöchentlich zweimal und vom letztgenannten Tage an bis zum 1. September 1892 wöchentlich dreimal als Kopf- blatt der„Thüringer Tribüne" in Erfurt gedruckt worden. Die Redaktion des Feuilletons der. S ä ch s i s ch c n Arbeiterzeitung" in Dresden überniinnit an Stelle des nach Leipzig gehenden' Genossen Dr. Morgenstern Dr. Franz D i e d e r i ch', bisher politischer Nedactcur unsres Bremer Parteiblattcs. Parteigenossen dcö Ncichötagö-WahlkrciscS Spandau- PotSdam-Osthavelland. Laut Beschluß der letzten KreiSkonferenz zn Spandan hat sich da? Kreiswahlkomitee in Leiten konstituiert. Der Vorstand besteht ans den Genossen Rudolf Bräner, Vorsitzender. A u g u st Paris, Kassirrer, und Richard Schmidt, Schriftführer. Alle Anfragen, Briese usw. sind zn richten an Genossen August Paris, Vellen in der Mark, Lnisenstr. 17. Die Parteigenossen unsres Wahlkreises werden ersucht, für Ver- breitung dieser Bekanntmachung Sorge zu tragen. Wir bitten die Vertrauensmänner resp. Genossen in abgelegenen Orten, welche sich an der Agitation thatkräslig beteiligen wollen, khre Adresse nach be- namiter Stelle einzusenden._ Der diesjährige Landeö-Parteitag der Parteigenosse» im Herzogtum Altcnbnrg fand Sonnabend und Sonnlng in Kahla statt. Anwesend waren insgesamt 42 Delegierte. Ans dem Beriibt des Parteikassierer» ergiebt sich, daß die Krise auch ans die Partei- lasse»icht ohne Einwirkung war, denn die Einnahmen weisen einen Rückgang um rund 300 M. auf. Eingenommen winden 5514,26 M., ausgegeben 8983,14 M„ so dnß ein Kossenbestcind von 1531,12 M. bleibt. Au den Parteivorstand sind 3IX> M. abgeführt worden. Die Portcithätigkeit ist auch iin abgelaufenen Geschäfts- jfihre eine sehr rege gewesen; in verschiedenen Orte» ist es unsren Parteigenossen gelungen, Sitze in den Gemeinde- Vertretungen zu erobern, die Organisation ist weiter ans- gebaut worden und es kann gesagt werden, daß die Partei tvohl- gernstet dem kommenden Wahlkampf entgegensieht.— Der Stand des Pnrtciblnttes, der„Altenbnrger Volkszcitung" hat leider eine Verschlechterung erfahren. Zwar ist der Äbonnentenstand gestiegen, auch die Einnahme ans den Inseraten hat eine Steigerung erfahren, allein die höheren Papicrprcise insbesondere, haben dazu geführt daß für Druck der Zeitung 2699 M. mehr bezahlt werden mußte. Die Einnahme belief sich auf 42 925,99 M., die Ausgabe ans 44 567,19 M., so daß sich ein Defizit von 1641,29 M. ergiebt. Diesem Defizit stehen allerdings»och Außenstände in Höhe von rund 4599 M. gegenüber. Der aus den früheren Ueberschiissen des Blattes angesammelte Fonds hat einen Bestand von rund 8999 M. An Strafen und Prozeßkosten hatte das Blatt im Berichtsjahre 4439,73 M. zu tragen.— Als Vertrauensmann wurde wieder S t r i tz k e, als dessen Stellvertreter B u ch w a l d gewählt. Mit der Vertretung des Herzogtums auf dem Parteitag in München wurde B u ch>v a l d betraut.— Als Reichstags-Kandidat wurde der langjährige Kandidat des Kreises, Buchwald» Altenburg, wieder nominiert. Ehrung Ferdinand LassaNe». Am Todestage LassalleS. der in diesem Jahre auf einen Sonntag fiel, fand auf dem israelitischen Friedhof zu Breslau eine große Demonstration der Brcslancr Arbeiter statt. Von 7 Uhr früh an bis in die Nachmittagstnnden strömten viele Hunderte von Arbeitern auf den Friedhof und statteten dem Grabe uiisres Vorkämpfers einen Besuch ab. Von 8 Uhr an erschienen die Vertreter der Partei und die Vorstände der Gewerk- schaften, um Kränze mit roten Schleifen und Inschriften niederzulegen. Nach einer Stunde waren die drei Gräber der Familiengruft, die Lebensbäume, der Denkstein und die Hintcrlvand der Gruft dicht nnt Kränzen besät, so daß der rote Schein vom Grabe über den weiten Friedhof leuchtete, der zeitweise schwarz von Menschen war. Nach nnttag versammelten sich die Arbeiter zu einer größeren Feier im Gcwerkschaftshause, bei welcher Eduard Be ni stein die Fest rede hielt. GcwrMMzstfnMzes» Berlin und Umgegend. Zur Lohnbewegung der Banklempner. In der gestrigen, bei Keller stattgefundenen, stark besuchten Versanmilnng' der Klempnergehilfen sprach Cohen unter wieder- holtem Beifall über den Stand und die Aussichten des gegenwärtige» Streiks. Er teilte unter anderm mit, daß obgleich eine Minderheit der Meister den»veittragenden Beschluß der eventuellen Aussperrung gefaßt hätten, doch bereits 48 Firmen mit ca. 449 Arbeitern die Forderungen der Gehilfen unter- schriftlich anerkannt haben. Hierauf wurde folgende Resolution angenommen: Die an, 1. September in Kellers Festsälen stattfindende Bau- klempner- Versammlung beschließt: Mögen die Unternehmer eine Aussperrung vornehmen oder nicht— ehe nicht die Forderungen nnterschriftiich anerkannt sind, wird die Arbeit nicht wieder aus- genommen. In später Stunde berichtete sodann der Obmann des Gesellen- ausschnsses Weitzel über eine am selben Abend stattgehabte Besprechung mit dein Jnnnngsvorstande, zu der er eingeladen lvar. Die Meister wünschen demnach, daß die Gehilfen ihre Forderung betr. des Minimallohnes etwas modifizieren und erwarten bis Dienstagabend Bescheid. Folgender Beschluß wurde gefaßt: Die Versammlung nimmt Kenntnis von dein Bericht des Obmannes des Gesellenausschusses und erklärt, daß die Bauklempncr jederzeit bereit sind, mit den Meistern zu verhandeln. Die Ver- samnllung erwartet jedoch, daß den Fordenuigen der Klempner- gehilfcn seitens der Meister mehr Verständnis als bisher entgegen- gebracht wird. Durchgebrannt sollte nach Meldungen bürgerlicher Blätter der Genosse Schefer in Kobnrg sein, der Kassierer des dortigen social- demokratischen LandesvereinS. Er sollte 259 M. Kassengelder mit- genonmien haben. Unser Parteiblatt für Kobnrg-Gotha teilt nun zu dieser Sache mit:„Durch eine vorübergehende Reise des Kassierers vom Landesvcrein und dem Gcwerkschaftskartcll, August Sclicfer, nach seiner Heimat, der Schweiz, ist daS Gerücht entstanden,!daß Schefer unter Mitnahme der Kassen durchgebrannt sei. Wir können dem gegenüber feststellen, daß wir mit Schefer im brieflichen Verkehr stehen und daß bis auf einige kleine MonitaS die Bücher und Belege in Ordnung sind und auch der Kastenbestand uns voll ausgehändigt ivorden ist. Schefer hat sich seinen Arbeitsplatz bei Herrn Hofsattlcr Pfiffcr gesichert und tritt Sonnabend wieder hier ein." Bot« den polnischen Sorialisten. In der letzten Nummer der „Gazeta Robotnieza" teilt der Parteisekretär der P. P. S. offiziell mit, daß Genosse Merkowski ans dem Vorstand der genannten Partei ausgetreten ist.— Die schon gemeldete Hanssuchnng in den Räumen dieses Blattes fand statt, um den Verfasser eines Artikels über die Wreschener Affaire zu ermitteln. Die Schulbchörden in Posen haben Anklage lvegc» Beleidigung erhoben. Warnung. Ei» gewisser Jsaack Per sitz ans Moskau, der, wie er selbst eingestanden hat, im Jahre 1898/99 bei der russischen Polizei in Warschau Polizeispitzel war, versucht sich jetzt in die socinlistischen Organisationen einzuschleichen. Er behauptet, die Dienste der Polizei verlassen zu haben, aber die Nachforschungen, die von unsren Vertrauensmännern gemeinsam mit den hiesigen revolutionären Gruppen aller Nationen über Persitz' letzte Vergangen beit und sein jetziges Tfhm und Treiben gepflegt wurden, habe» ein für ihn sehr belastendes Material ergeben.' Trotzdem ihm in drei von allen Gruppen gemeinsam arrangierten Versammlungen Gelegenheit geboten wurde, sich gegen die Beschuldigung zu verteidigen, noch heute Polizeispitzel zu sein, Haler das gegen ihn gc- sammelte Material nicht entkräften können und eine am 22. August d.J. im Cafs Landolt abgehaltene Versammlung der verschiedenen socia- listischen Gruppen hcit beschlossen, alle socinlistischen und reuolntio- nären Organisationen vor Jsaack Persitz auf daS Nachdrücklichste zu lvarnen. Der Vorstand des Allgemeinen Arbeiter- Vereins Genf. I. A.: E. Dittmer, Präsident. Nns Indultvio tt ti fr Heittfrel. Margarinefabrikation. Wie der.Arbeitsmarkt" berichtet, ist zur Zeit die Margarinefabrikation recht gut beschäftigt und im Zu- sammenhang damit auch die'Oelmühlen-Jndnstrie. Dieser gute Geschäftsgang ist auf den ersten Blick in der gegenwärtigen Zeit der Krise eine abnorme Erscheinung. Aber er hängt eng mit der Krise zusammen und ist eine direkte Folge derselben. Die schlechten ErlverbSverhältnisse haben das Einkommen der arbeitenden Bevölkerung so geschmälert, daß der Arbeiterhaushalt so billig wie nur möglich wirtschaften mutz. Namentlich nimmt unter diesen Ilmständen die Verwendung billiger Ersatzmittel zu; so tritt auch an Stelle der Butter Margarine. Schon im vorigen Jahre hat diese Aendernng im Arbeiterhaushalt die Oel- indnstrie günstig beeinflußt. Der Gewerbe-Jnspcktor für Wies- baden weist in seinem Bericht für 1991 ausdrücklich auf diese bemerkenswerte Thatsache hin, indem er schreibt:„Auffallend günstig war der Geschäftsgang der Oelmühlen, welche den an sie genelllen Forderungen nicht genügen konnten. Nach Ansicht der betreffenden Kreise ist das aber nur ein Zeichen der ungünstiger gewordenen Lebenshaltung der Bevölkerung, da die Nachfrage nnch Oel durch den stärkere» Verbranch von Margarine veranlaßt wird." R. Blohm u. Vost, Konnnaudit auf Aktien. Der Geschäfts- bericht über das mit dem 39. Juni 1992 beendete BetriebSjabr er- giebt, daß im Laufe desselben 6 Handclsdampfer und ein Linien« schiff für die Marine mit zusammen 51 III Brntto-Registcrtons und 89 799 indici erten Pferdestärken zur Ablieferung gelangle». Am Schlüsse des Betriebsjahres verblieben im Bau 6 Dampfer und ein Segelschiff mit zusammen 29 994 Brutto-Rcgistertons und 14 459 ind. Pferdestärke» sowie der große Kreuzer„Friedrich Karl". Es wurden durch- schuittlich 5359 Beamte und Arbeiter beschäftigt gegen 4429 im Vor- jähre. Nach Abschreibungen und Dotierungen des Reservefonds bleibt ein Reingewinn von 541 685,49 M., wovon unter Hinzuziehung des Vortrages vom Vorjahre eine Dividende von 9 P r o z. gezahlt und der Rest auf das neue Bctriebsjahr vorgetragen wird. Slnösichte» der Baumwollerute in den Vereinigten Ttaate». Wie die Getrcide-Ernte verspricht auch die BaumwoN-Ernte der nordamerikanischen Union ein besseres Ergebnis zu liefern, als noch vor kurzem erwartet wurde. Auf Grund der neuesten amtlichen An- gaben schätzt man den Ertrag der kommenden Baumwollernte 'auf 11999 999 Ballen gegen 19 399 999 im Jahre 1991, 9 499990 im Jahre 1900, 11259999 im Jahre 1899 und 11280909 im Jahre 1898, dem bisher besten Erntejahre. Neuerdings lauten die WitternugSberichte vom Süden äußerst günstig, so daß gute Aus- sichten auf einen reichen Ernte-Ertrag vorhanden sind. In das neue Erntejahr werden alte Vorräte kaum zu übertragen sein. FleischverpacknugS-Trust. Nach eiuer Meldung der„Morning Post" aus New Jork hat sich jetzt in Chicago der Fleiichvcrpackmigs- Trust, idessen bevorstehende Gründung schon vor Wochen berichict wurde, unter der Leitung Armonrs konstituiert. Das Aktienkapital beträgt 509 Millionen Dollar. Deutsche? Reich. Eisenbahncr-Streik. Ans K o t t b u s wird uns geschrieben: Seit Sonnabendabend haben auf dem hiesigen, sehr verkehrsreichen Bahnhofe die Rangierer die Arbeit eingestellt. Diese angehenden preußischen Beamten erhalten bei z w ö l f st ü n d i g e r Arbeits- zeit 2,19 M. pro Tag. Früher bestand achtstündige Arbeitszeit. welche aus Ersparnisrücksichten auf zwölf Stunden erhöht wurde. In den Vororten liegen Güter- und Viehzüge. Mau be schränkt sich hier vorläufig damit, den Passagicrverkchr aufrecht zu erhalten. Sämtliche vom Fahrdienst hier eintreffende Beamte wurden sofort zum Rangierdienst beordert. Am Sonntag früh trafen 75 Rangierer ans den verschiedenen Stationen des Bezirks als Ersatz der Streikenden hier ein. Der Slachencr Strastcubahncr-Anöstand ist nach genau zwei wöchiger Dauer beendet. Am Sonntag haben sich die AuSständigcu der Direktion der Aachener Kleinbahnen zur Verfügung gestellt, nach- dem sie die Züfichennig erhalten hatten, daß sie teils sofort, teils späicr wieder eingestellt würden. Die WicdcreinstcNnng der acht Gemaßregeltcu. von denen übrigens vier auf weitere Dienste bei der Direktion verzichtet hatten, ist nicht zugestanden ivorden. Erreicht haben die Ausstandige», daß die Direktion zugesagt hat, daß eine Regelung des Mittagspauien eintrete, daß ein Ausschuß, dem auch von den Arbeitern gewählte Vertreter angehören sollen, künftig über die Be rcchtiguug von Geldstrafen, Ersatzabziigen n. dcrgl. als Bernfungs instanz entscheidet, ferner daß den Äugestelltcn die Zugehörigkeit zum Centralverbaud der Handels-, Transport- und Verkehrs arbeiter freistehe. Da es der Direktion in der vorigen Woche gc- lungen war, eine erhebliche Anzahl Arbeitswilliger zu gewinnen, so wird ein nicht kleiner Teil der Ausständigen noch eine Zeit auf Wicdcranstcllung warten müssen, wie denn überhaupt von einem großen Erfolg des AuSstandcS nicht geredet werden kann. Wohl selten hat die Bürgerschaft einer Stadt so einmütig auf der Seite von Ausständigen gestanden, ivie hier; ebenso trat die gesamte Aachener Presse mit'mehr oder niger Ent schicdcnheit für die Ausständigen ei». Die Partei der Direktion hat während deö Ausstandcs kein Mensch ergriffen. Ein Angriff Arbeitswilliger auf Streikende. In Barmen kam es zu einem Zusammenstoß zwischen streikenden und arbeits willigen Maurern, bei denr die letztere», wie aus der Darstellung der Elberfelder„Freien Presse" hervorgeht, die Angreifenden waren Eine Anzahl Streikender begegnete auf der Straße einen» Trupp Arbeitswilliger, denen sie jedoch, uni uulicbsame Vorkomm niste zu venneiden, aus dem Wege gingen. Als die Arbeitswilligen einen Polizisten erblickten, scheint der Mut zu einer staatk- und gesellschafiscrhalrcndcn That in ihnen erwacht zu sein. Sie wandten sich gegen die Streikenden, eine Anzahl in der Nähe arbeitender Italiener gesellten sich zu ihnen, und bald be- fanden sie sich im Handgemenge mit den Streikenden. Die Angreifer hatten eS besonders auf den Leiter des Streiks, der mit in der Gruppe war, abgesehen. Dieser wurde angegriffen, mißhandelt und, als er sich zur Wehr setzte, von einem Polizisten gefesselt, und ab- geführt; er wurde jedoch am folgenden Tage wieder aus der Haft entlassen. Aus welchem Grunde gerade diese Verhaftung erfolgte, muß durch die Untersuchung des Falles klargestellt werden. Ter Lcdorsärberstrcik in Hayna»— bei der Firma Kipper« mann— ist von neuem ausgebrochen. Der Streik wurde erst vor etwa einer Woche durch eine Vereinbarung beendet. Die Firma hatte sich verpflichtet, die unter der Bezeichnung als„Lehrlinge" während des Streiks eingestellten Arbeitswilligen zu eutlasjcn, was aber nicht geschehen ist. Das war die Ursache des erneuten Streiks. Anstand. Der Goueralstreik in Florenz. Seit Freitag sind, wie der Telegraph bereits gemeldet, die Arbeiter von Florenz in den Generalstreik eingetreten. Diese Be- wegung ist unternommen, nm den seit bereits einem Monat währenden Streik in den Gießereien von Pignone zu nntcrstützen und für die Arbeiter zu einem siegreichen Ende zu führen. Die streikenden Gießerei-Arbciter haben alles versucht, um mit der Direktion zu einer Verständigung zu gelangen; der Präfekt sowie der Bürgermeister von Florenz»md auch einige socialistische Abgeordnete und die Arbeitskammer haben mit dem Direktor unterhandelt. Zunächst weigerte er sich überhaupt, mit den Arbeitern zu nuterhandeln, erst ganz kürzlich hat er sich bereit erklärt, hundert der Streikenden wieder aufzunehmen. Dieselben müßten sich aber als neu engagiert betrachte» und ihre Unterwerfung unter das Reglement erklären. Sämtliche Streik- brecher sollten behalten werden. Die Arbeiter sind sehr entgegen- kommend gewesen; sie ließen zuletzt alle ihre Forderungen fallen, selbst die. daß die 22 Entlassenen»viedcr aufgenommen werden ollten. Sie verlangen nur die Abänderung der während des Streiks eingeführten Arbeitsordnung und eine Gewähr, daß keine Maß- regelrmgen erfolgen. Alle diese Verhandlungen führten zu keinen» Resultat und so erklärten die Metallarbeiter den Generalstreik und orderten alle Florentiner Arbeiter auf, ihrem Beispiel zi» folgen. Die socialistische»» Gemeinderäte hatten den Bürgermeister auf- gefordert, zu intervenieren, um den Generalstreik mög- lichst abzuhalten. Sie haben aber auch erklärt, daß sie iin Falle eines Streiks für die Streikenden eintreten würden. Die Arbeitskammer und verschiedene Volksversannn- lungen und politische Parteien haben � ähnliche Erklärungen abgegeben. Die Arbeitskanuner erklärte den Streik als gerechtfertigt, da alle andren Mittel erschöpft seien; die Arbeiter der Industrie, des Handwerks und des Handels möchten ihre Solidarität durch den Streik bekunden. Die Regierung hat Tnippen und Gendarmen»ach Florenz geschickt. Weitere Meldungen des„W. T. B." vom 31. August sagen: Ein Teil der Trnmwaybcdienstetrn ist in den A u S st a n d getreten; nur eine kleine Anzahl von Wagen verkehren nuter dem Schutze von Polizisten.___ Die Zahl der im Ausstande befindlichen Arbeiterverbände be- trägt nunmehr 42. Die Cafes sind geschlossen. Man setzt die Unterhandlungen fort, um den Ausstand in der Metallwaren-Fabrik in Pignone, der den allgemeinen Ausstand hervorrief, zu unter- drücken. Die Bevölkerung ist unzufrieden über den allgemeinen Ausstand, weil derselbe in keinen» Verhältnisse stehe zu der gering- fügigen Angelegenheit(?), nm die es sich in der Metallwaren-Fabrik in Pignone handelt. Jeder öffentliche Play in der Stadt ist durch eine Compagnie Soldaten besetzt und starke Kavallerie- Patrouillen ziehen durch die Straßen und die Vorstädte. Außer eiuer großen Zahl von Carabinieren und Polizisten sind KOOO Soldaten in Florenz znsammcngezogcn. Man glaubt, daß der Ausstand höchstens noch 2 Tage anhalten werde. An einer Stelle wurden die Gasröhren zerschnitte», doch wurde der Schaden gleich wieder ausgebessert. Vom 1. September wird telegraphiert: Die Besprechting der Vertreter der Metallarbeiter mit dem Direktor des Etablissements in Pignone und den Ortsbehörden führte zu keiner Verständigung. Die Ausständigen verhalten sich sehr ruhig. Viele Läden sind geschlossen. Die Zahl der hier heute konzentrierten Truppen beträgt 8990 Man»». Die Ausständigen in der Fabrik von Pignone nahmen eine Tagesordnung an, in welcher sie auf dem Ausstand beharren, aber die andren Arbeiter ersuchen, die Arbeit wieder äufzunehmc».— Heute regnet es hier in Strömen. Strastcnbahner-Anöstand in Gcnf. Wie der„Frkf. Ztg." aus Genf gemeldet wird, ist am Sonntag früh ein Streik der Straßen- bahn-Ängcstelltci» ansgebrochen. Nicht ein Straßenbahn- w a g e n v e r k e h r t. Die Ursache des Allsstandes ist die ohne An- gäbe von Gründen erfolgte Kündigung von 44 Bediensteten,»nit denen sich das ganze Personal solidarisch erklärte. Tie Heizer der Gasgescllschaft in Valenzia sind in den Ans- stand getreten._ Sociales. In Bahern hungern lasten. man,»vie die, Katholische Nächstenliebe. hat man wieder einmal eine Armenhänslerin ver- In den» obcrfränkischcn Dorfe Nicdermirsberg fand M. N. N." berichten, vor 8 Tagen die 79 jährige Gcmeindearine tot im Bette. Der Tod war nach dem Zeugnis des Amtsarztes infolge von Hunger und Verwahrlosung ein- getreten! Der Körper der Aermsten soll sich in einem unbeschreib- liche» Zustande befunden haben; einzelne Körperteile seien vom Ungeziefer völlig zerfressen gewesen. Der Vorstand des Armen- PflegschaftSrateS— natürlich ein geistlicher Herr— war, während die Armenhänslerin»nit den» Hungertods rang, nach Mannhein» gefahren, um sich an der große» ultrninontanc» Demonstration z» beteiligen und sich an den Rodomonladen der Herren S ch ä d l e r und Konsorten z» erbauen. Der Bürgermeister will die Pflege der Kranken der Gcnleindcdicncrsfran übertragen haben, doch diese lvar zur Rettung ihrer Seele auf vier Tage zum Missionsfeste nach Forchheim gegangen. und der Herr Gemcindediener hielt es»»uter seiner Würde, sich nach der Kranken umzusehen. Deswegen sind in Bayern auch die Geistlichen die„geborenen und natürlichen" Leiter der gcincindlichen Armenpflege. Fürsorge für Krüppelkiuder. Die Zahl der verkrüppelten Kinder innerhalb des Deutschen Reiches wird von»mterrichtetcr Seite auf mehr als 69 990 geschätzt. Allein in Schlesien wurden iin Lauf dieses Jahres rund 6990 Krüppelkiuder gezählt. In ihrer großen Mehrzahl entstammen diese Unglücklichen den Schichten der Besitzlose». Haben»vohlhabende Elten» daS Unglück, ein verkrüppeltes Kind ihr eigen zu nennen, so können sie ihm eine doch immerhin erträgliche Existenz verschaffen. Auch bietet die heutige Wissenschaft eine ganze Reihe von sinnreich erdachten orthopädischen Kuren in besonderen Anstalten, wo manche Verkrüppclungcn gcinildert und zuweilen gänzlich be- scitigt werden könne». Aber eine derartige Behandlung in eiuer orthopädische» Anstalt dauert oft jahrelang und kostet große Summen, Grund genug, daß diese Institute nur von zahlungsfähigen Leuten in Anspruch genommen werden können. Bei der große» Mehrzahl der proletarischen Krüppelkinder, die ihr Unglück oft dem Mangel an Aufsicht wahrend der ersten Kindheit verdanken, unterbleibt gewöhnlich infolge der Armut uudUnwiffeuheitder Eltern eine geeignete Behandlinig des Leidens. Erwachsen sind die Krüppel nur unvollkommen oder gar nicht im stände, sich ihren LebcnSnnlerhalt zu erwerben»md müssen dann der Gemeinde zur Last fallen. Trotzdem die Fi'age der Krüppel- sürsorgc, wie erst kürzlich wieder auf der Jenaer Jahresversammlung des Ve»eins fürKinderforschnng hervorgehoben wurde, nachgerade brennend geworden ist und dringend eine Lösung heischt, hat der Staat oder das Reich nach dieser Richtung noch nichts gethan. Wie in so vielen Dingen ist Deutschland auch hierin hinter andern kleineren Ländern, wie zum Beispiel Schweden und Dänemark weit zurückgeblieben. Bei uns überläßt man dergleichen meist der privaten Wohlthätig- kcit. Auf diesem Wege ist jetzt ein Krüppclhciin, das ganz arme» Kindern kostenlose Aufnahme gewähr», in Angerbcrg zu stände ge- kommen. 290 Krüppelkiuder könncu hier Aufuahine finden. Gegen- wärtig befinde» sich darunter solche, die an mehreren Gebrechen gleichzeitig kranken. Tanbstunune, die zugleich blind. Blinde, die zugleich gelähint oder verkrümmt sind rc. 20 Kinder sind zur Zeit w elend, daß sie gefüttert»verde» müssen. So weit, so gut,— aber eine» nennenswerte» Einfluß auf die Verminderung des Krüppelelends können einige wenige von privater Seite gegründete Anstalten nicht haben. Auf die Leistungen der bürgerlichen Wohlthätigkeit läßt sich gewöhnlich das Wort anZ Goethes„Faust" anwenden:„Das Unzulängliche, Hier wird's Ereignis." Nachdem die Ergebnisse der nc»icrdingS vorgenommenen Zählungen verkrüppelter Kinder auch die schliuunsteu Erwartungen überstiegen haben, ist cS hohe Zeit, daß st a a t l i ch e r s e� t s eine größere Zahl von Krüppelaustaltcn errichtet werde, in denen unter Leitung er- fnhrener Pädagogen und Aerzte alles geschehen n»üßle, waS geeignet ist, das leibliche und geistige Elend der Krüppel zu lindern. Tehkv NttiszDiifzkeit imfr Drpvsrtzen. Kassel, 1. Sept. kB. H.) Der mit sechs Kohleutanks beladen- Friihzug der elektrischen Thalbahu stürzte heute morgen 8 Uhr an einer abschüssigen Stelle vom Bahndamm herab und zertrüminerte ein gerade vorübergehendes Fuhrwerk. Der Lenker desselben erlitt schwere Verletzungen, der Zugführer ist leicht verletzt. London, 1. September. Nach einen» Telegramu» des Lloydagentcn ans Port Elisabeth vom heutigen Tage hält das stürmische Wetter an; das Telegramm meldet ferner, daß nicht 11, sondern 17 Segelschiffe und mehrere Leichterschiffe ge- funken sind. Viele Menschen sollen das Leben eingebüßt haben. New Jork, 1. September. sW. W. B.) Ei» Telegramm aus Port Castriö von» heutigen Tage meldet: Der englische Dampfer Korona" ist gestern abend nuö Fort de France hier eingetroffen; derselbe berichtet, daß Sonnabendabend ein überaus starker Slusbrnch des Mont Peläe erfolgt sei; Leute, die ans dem Norden in Fort de France angekommen seien, hätten bcrichter, daß das Dorf Morncronge völlig' zerstört und daS Dorf Le Carbel durch eine große Flut wie weggefegt sei. Ungefähr 200 Mensche» hätten hierbei das Leben eingebüßt. Nc>o Bork, 1. September.(W. T. B.) Auf der Southern- Eisenbahn ist bei Bcrry(Alabama)-i» Zug entgleist. Der Zug- fjihrcr»nid etwa 25 farbige Passagiere wurden getötet, der Lokomotivführer und der Heizer wurden schwer verbrüht und ettva 25 Passagiere verletzt.__ Verantwortlicher Nedacteur: Carl Leid in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke m Berlin. Druck im» Verlag von Max«adiiig in Berlin. Hierzu S Beilagen u. NnterhaltnngSblatt. Nr. 204. 19. Ichrgailg. des Lmiilts" KMer UslksM Zie lörtdfonferenj für Berlin vnh die Provinz Brnndcnbnrg sollte am Sonntagmittag um 12 Uhr im Gewerkschaftshaus zu- sammentreten. Polizeiliche Eingriffe. Durch das Vorrecht der Polizei, durch ihre GesetzesuuIenntniS die Bürger in der Ausübung ihrer Siechte zu beschränken, wurde die Eröffnung derKo uferenz jedoch vereitelt. Im großen Saale des GcwerkschaftShauses hatte sich eine große Anzahl von Zuhörern, Männer und Frauen eingefunden, um den Verhandlungen der Delegierten zu folgen. Kaum waren die Klänge des Gesanges, mit denen der Verein„Nordwacht" die Versammlung einleiten sollte, verrauscht, als der niit der Bewachung beauftragte Polizeilieutenant auf Grund des 8 8 des Vereinsgesetzes verlangte, daß die an- iveseu den Frauen den Saal verließen. Diesem Ver- langen konnte schon deshalb nicht entsprochen werden, tveil die Ver- sammlnng gar nicht eröffnet tvar. Nichtsdestoweniger erklärte nunmehr der schneidige Herr die noch gar nicht er- öffnete Persauimlimg für aufgelöst und' forderte die An- wesenden auf, den Versamnilungsranm zu verlassen. Es wurde sofort telegraphisch Beschwerde beini Polizeipräsidium eingelegt. Man hätte ja nun gegen 1 Uhr die Versammlung eröffnen können. Nichtig angemeldet war sie; da jedoch so wie so zu 3 Uhr eine neue Versammlung angcnieldet war, so setzte man sich jetzt bereits zu Tisch. Pünktlich um 3 Uhr eröffnete Genosse Schubert die Ver saminlnng und entbot den Delegierten einen Willkommcnsgruß. Mit warmen Worten gedachte er sodann der uns entrissenen Genossen Bruno Schocnlank, Maufred Wittig, Max Kegel, G c r st e n b e r g e r und vor allem des alten Theodor M e tz ü e r. Die Versammelten ehrten das Andenken der Verstorbenen durch Erheben von den Plätzen. Bald darauf durchbrausten die Klänge des Liedes„Empor zum Licht" und„Durch die Welt ist er gezogen" den Saal. Unterdessen erschienen die niit der Ueberwachung beauftragten Beamten und hatten eine längere Unterhaltung mit dem Genoffen Schubert. Dieser teilte darauf mit, daß der überwachende Polizeilieutenant zwar keine Einwendung gegen die Teilnahme der weiblichen Delegierten erhebe, aber verlange, daß die weiblichen Zuhörer auf den Tribünen Platz nehmen. Zwar entbehre auch dies Verlangen der gesetzlichen Begründung, aber um die Verhandlungen nicht zu stören, bitte er, ihm Folge zu leisten. Als dies geschehen, schritt man zur Burcauwahl. Zu Vor sitzenden lvurden Schubert- Berlin und K r a t s ch- Brandenburg, zu Schriftführern Hänchen- Guben nnd K u t o Iv s k i- Landsberg a. W. gewählt. Die Mandatsprüfungs-Kommission wurde ge- bildet ans den Genossen G ü n t e r b e r g- Schwedt a. O., K a d l e r- Zehdenick, Anders-Berlin VI., P a e ch- Schwiebns, Krüger- Spremberg. Die Prüfung der Mandate ergab die Anwesenheit von öl Delegierten, 44 ans den 20 Wahlkreisen der Provinz und 17 ans den sechs Berliner Wahlkreisen. Außerdem tvaren niehrere Abgeord- nete nnd Kandidaten der Kreise anwesend. Ferner hatte sich die Berliner Lokalkommission zwei Mandate ausgestellt; diese wurden für ungültig erklärt. ES wurde beschlossen, die drei ersten Punkte der Tagesordnung: Bericht der Agitations-Kommission, Bericht der einzelnen Kreise, die Presse, zusammen zu diskutieren. Den Bericht der AgitationS- Kommission erstattete Schubert. Das ThätigkeitSjahr wurde mit den Pctitioiislistcn gegen den Brotwucher eröffnet; dieselben erhielten 282 177 Unterschriften gegenüber 161 5V7 bei der Neichstagswahl abgegebenen socialdcmokratischen Stimmen. Die„Fackel" ist in 149 lXX) Exemplaren verbreitet worden, der Kalender in 220 000 Exemplaren gegenüber 205 000 und 200000 in den beiden vorher- gegangenen Jahren. Sehr zu verurteilen ist es, daß der Kreis Frankfurt die Abnahme des Kalenders mit der vorgeschobenen Motivierung verweigert habe, ein zur Deckung der Kosten aufgenommenes Inserat verstoße gegen unsre Priiicipicn. Der dafür angeschaffte„Ostprcußische Volks- böte", der unter dem Namen„Märkischer Landbote" verbreitet Ivurde, mußte die Genossen naturgemäß enttänschen, da er ostpreußische, nicht brandenburgischc Laiidarbcitcr-Vcrhältnisse zu Grunde legt. Ei» erfreuliches Zeichen der Zunahme der Agitation ist es, daß über 400 Versammlungen veranstaltet wurden, zu denen die Komniission 263 Referenten hinansgeschickt hat. Entsprechend der verniehiten Agitation stieg auch die Korrespondenz; bei der Kommission gingen ein 613 Briefe. 246 Postkarten, 8 Telegramme; sie versandte 609 Briefe, 216 Postkarten, 6 Telegramme. Bei dem so vermehrten Umfang der Geschäfte mußte auch der Etat erheblich steigen; die Einnahmen betrugen 11296,20 M., die Ausgaben 10 622,21 M., sie sind seit 1899 um 3411 M. gewachsen. In der Agitation ist also überall genug geschehen; in der Organi- sation dagegen ist an vielen Orten noch manches zu wünsche», häufig ist noch mcbt der zehnte Teil der gewerkschaftlich organisierten Arbeiter politisch organisiert. Tie Leitungen der Gewerkschaften geben sich ja redliche Mühe, das Wort BömelburgS:„Gelverkschafts- bcioegung und Socialdemokratie sind eins" zur Wahrheit werden zn laffcn; an vielen Orten können wir auch ein einträchtiges Znsammenarbeiten konstatieren, an andren dagegen läßt die Solidarität zu wünschen übrig. Des weiteren gab Schubert der Bewunderung und Erregung der Berliner Genossen über die Art und Weise Ausdruck, wie im Frankfurter Kreise dem Genossen Mctzner die Kandidatur abgenommen wurde. War er auch nur ein anner Schuster, so hatte er doch so viel praktische Erfahrmigen und Kenntnisse gesammelt, daß er im stände war, die Forderungen und Ziele der Socialdemokratie zu vertreten. Ferner ist ein ganz ungehöriges Verhalten der Frankfurter Gc- nossen die Ankündigung einer Stegicrungsbezirks-Konferenz. die auf der vorjährigen Provinzialkonferenz abgelehnt war. Weil wir uns da- gegen wandten, erschien in der„Märkischen Volksstimme" ein heftiger Angriff gegen die Kommission. Von einem Redactcur, der noch die Schulbank drückte, als die Mitglieder der Kommission schon in ihr thätig waren, wird diesen aller Wahrheit zuwider nachgesagt, sie vernachlässigteil die Agitation und kennen die Verhältnisse im Kreise nicht. Gegen diese ganz ungehörige Art der Polemik, die zwei Tage vor der Konferenz erscheint, so daß eine Erwiderung unmöglich ist, muß entschieden protestiert ivcrden. Zum Schluß empfiehlt Schubert namens der Kommission folgende Resolution: 1. Den Parteigenossen wird der Beschluß des ersten Probinzial- Parteitages vom 16. Mai 1892 in Erinnerung gerufen: '.Die Parleikolifereilz erklärt es als dringende Pflicht aller Genossen, den von der Partei geschaffenen Organisationen, ins- besondere den Wahlvercinen beizutreten und dieselben zu unter- stützen, da nur dadurch ein einniütiges Handeln der Genossen erzielt lverden kann." 2. Den Parteigenossen, denen der Beitritt zu einer politischen Lrganisatio» unmöglich ist, wird die lliiterstützung der Partei durch regelmäßige Beiträge dringend empfohlen. 8. Den Kreisen lvird die Verpflichtung halbjährlicher Bericht- astattung über die Verhältnisse des Kreises an die Agitations- kominission wiederholt in Erinnerung gerufen. 4. Die Provinzialkonferenz tadelt es entschieden, daß unter Mißachtung der im Vorjahre von der Konferenz beschlossenen Ab- lehnung des Antrages: „Die Provinzialkonferenz nur alle zwei Jahre ein- zuberufen nnd zwischendurch RegierungSbezirks-Konferenzen tagen zu lassen" Genossen des Regierungsbezirks Frankfurt a. O. versucht haben, die Einberufung einer RegierungsbezirkS-Konferenz zu veranstalten. Selbstverständlich ist es nach lvie vor Recht und Pflicht der einzelnen Kreise, gemeinschaftlich die Regelung von Angelegen- heiten, die diese Kreise gemeinsam angehen— wie Ausgestaltung nnd Verbreitung ihrer Presse, Vorbereitung der Landtagsivahl in demselben Landtags-Wahlbezirk—, vorzunehmen, Es folgten die Berichte der einzelnen Kreise, in denen ein Bild der Lage von 13 Kreisen entlvorfen wurde. In den Kreisen mit größereu Städten geht die Bcivegung naturgemäß vorwärts; hier besteht unsre Aufgabe darin, unsre Ideen auch in die äußersten Winkel dieser Lireise zu tragen. In den kleineren Land- kreisen ist das Arbeiten selbstverständlich schwerer, zumal fast nirgends Lokale zu haben sind. In verschiedenen Kreisen ist hierbei das Ver- halten der gelvcrkschaftlich organisierten Arbeiter ganz uiisolidarisch und schädigend für die gesamte Arbeiterbewegung, in andren ivird recht einträchtig zusammengearbeitet. Frau Thiel, die einzige iveibliche Delegierte— sie ist vom Wahlkreise Teltow-Beeskolv entsandt—, hob rühmend die Unter- stützung hervor, ivelche die Frauenbewegung in diesem Kreise durch die männliche» Genossen finde, und wünschte, daß ähnliche Verhält- nisse auch in Berlin Platz greifen. F a b e r- Frankfurt nimmt nachdrücklich das Recht jedes Kreises in Schutz, das Verhältnis mit einem Kandidaten zu lösen, wenn die Genosse» in wichtigen Fragen der Agitation nicht mit ihm nbereiiistimniten. Das war bei M e tz n e r der Fall, der trotz des notorischen Mangels von Lokalen, entgegen der Memuug der Genossen, es für ganz zwecklos erklärte, in' gegnerischen Versammlungen zu sprechen. Wir suchten für ihn nicht einen Doktor, sondern einen Parteigenossen, der gewillt und fähig ist, mit uns und für uns zu arbeiten. Uebrigens' sei der Beschluß, Mehner nicht wieder aufzu- stellen, vor zwei Jahren gefaßt. Wie komine man heute, nach dem Tode Metzners, dazu, die Sache zur Sprache zu bringen? Warum nicht damals oder im vorigen Jahre, als Metzner noch lebte? Des iveitereu wendet sich der Redner heftig gegen Stadthage», der auf einer Kreiskonferenz den Vorstand der Frankfurter Genossen als Clique bezeichnet habe. Zu Punkt 3 der Tagesordnung: Die Presse erstattet Kiesel Bericht. Er giebt ein Bild der Verbreitung der „Brandenburger Zeitnug" und der„Märkischen Volksstimme", die gegenüber der Zahl uusrer Wähler an manchen Orten geradezu kläglich ist; so haben wir in Prenzlau-Angermünde nur 3 Proz. Leser, in Templiu und Landsberg-Soldin gar nur 1 Proz. Im ganzen beträgt die Leserzahl unsrer Presse nur 10 Proz. unsrer Stimmen. Während die„Brandenburger Zeitung" sich hält, erfordert die „Märkische Volksstimme" Zuschüsse; als sie ein noch dreimal lvvchcutlich erscheinendes Blatt lvar, war das nicht der Fall. Seitdem ist ihre Abounentenzahl in zwei Jahren von 4916 auf 6096, also ganz minimal gestiegen. Der Schreiber des Artikels, auf' ivelche» Schubert schon Vertvicsen, behauptet schlankiveg, die Abonnentenzahl sei um 26 Proz. gewachsen. Sehr energisch lvcndet sich Kiesel gegen diesen Artikel, der die voll ständigste Unkenntnis mit der thatsächlichen Entwicklung und den ivirklichen Verhältnissen belveise. Zum Schluß geht er noch auf folgende sieben Anträge kurz ein, die er mit Ausnahme des sechsten namens der Kommission befürwortet: 1. Pflicht der Parteigenossen ist, strikte Befolgung des iviederholt gefaßten Beschlusses:„Die Herausgabe von neuen Parteizeitungeu in der Provinz Brandenburg darf nur unter Zustimmung der beteiligten Kreiie beziehnngsiveise des Branden bnrger Provinzial- Parteitages stattfinden." Die Parteikonferenz spricht sich wiederholt entschieden gegen Neugründung von Partei blättern aus. 2. Den Kreisen wird eS wiederholt zur Pflicht gemacht, ftir die Einführung und lveiteste Verbreitung der zur Zeit anerkannten Parteiorgane zu wirken. Anerkannt sind außer dem„Vorwärts für die Provinz Brandenburg die„Märkische Volksstimme", die „Brandenburger Zeitung" und die„Fackel". Das Halten der „Fackel" entbindet keineswegs von der Verpflichtung, eins der täglich erscheinenden Parteiorgane zu halten. 3. Der Redaktion und den: Verlag der„Brandenburger Zeitung und der„Märkischen Volksstimme" Ivird die Herausgabe von Agitationsuummern und stete Fühlung mit den Kreisen ihres Ver brcitlliigSbezirks von neuem empfohlen. 4. Der Redaktion und dem Verlag der„Märkischen Volksstimme" wird empfohlen, mit den Kreisen ihres Verbreitungsbezirks darüber in Beratung zu treten, lvie es zu ermöglichen'ist, daß die„Mär tische Volksstlnime" mehr verbreitet und endlich aus eignen Mitteln nnterhaltcn wird; welche Schritte iiisbesoudere zu unter nehmen sind, um an Stelle des„Niederlausitzer Volksblatts" der „Märkischen Volksstimme" Eingaug zu verschaffen und den Tief- stand der Abonnentenzahl in der Stadt Frankfurt a. O. zu be- seitigen. Es wird ihr empfohlen, der Agitationskominission von Zusammenkünften, die zu diesem Zweck.stattfinden, Nachricht zu geben. 6. Entschieden mißbilligt wird die auf der Kreiskonferenz zu Landsberg-Soldin ausgesprochene Drohung, dem Kreise die Zeitung zu eutzieheu, wenn der Kreis sich an der von der Redaktion der „Märkischen Volksstimme" einpfohleilen Regierungsbezirks-Konferenz nicht beteiligen lvürde. 6. Die„Fackel" soll während der Wahlzeit nach Art des während der Reichstagswahl 1898 erschienenen„Wähler" in kürzeren Zwischenräumen als Wahlzeitung erscheinen. 7. Der Kalender ist im November zu verbreiten. Die Beschaffung des„Ostpreußischen Volksboteu" unter dem Nanicu „Märkischer Landbote" durch Genossen der Stadt Frankfurt a. O. ohne Zustimmung und gegen den Wunsch der Parteigenossen des Landbezirks Frankfurt a. O. wird entschieden mißbilligt. In einer persönlichen Bemerkung bestreitet Eber- Harb-Forst, daß die im fünften Antrag erwähnte Drohung aus- gesprochen worden sei. Dann wird die Versammlung um Vi8 Uhr auf Montag früh um 9 Uhr vertagt. In der Sitzung am Montag begann die DiSknssio»». Sie drehte sich wesentlich darum, ob es wahr sei, daß dem verstorbenen Genossen Metzner gesagt sei, er solle nicht wieder kandidieren, weil er zu alt und nur ein Schuster sei. F a b e r und Dr. Braun bestritten das auf das eutschiedenste. ebenso entschieden behauptete es S t a d t h a g e n. Auf seinen Autrag wurde den Delegierten von Berlin IV aufgegeben, durch Zeugenvernehmung dieses festzn- stellen, sowie weiter die Wahrheit der Bchauptimg, daß die länd- lichen Delegierten noch auf der Konferenz im März 1902 erklärten, sie wünschten am liebsten die Aufstellung Mctzncrs. Ueber das Er- gebnis dieser Untersuchung werden diese Delegierten öffentlich Bericht erstatten. F a b e r behauptet entgegen Stadthagen, daß dieser einen falschen Eindruck habe, tvenn er einen sehr starken Zwiespalt zwischen städtischen und ländlichen Genossen im Wahlkreise Frankfurt-Lebus annehme, daß die Verbreitung des„Ostpreußischen Volksboten" ein Mißgriff war, giebt er zu, bittet jedoch, Punkt 7 der Au- träge zur Presse abzulehnen, um nicht ohne Not die Gegen- sätze zwischen den Genossen im Kreise und der Agitations- tommisston zu verschärfen. Da der Fehler zugegeben wird, steht die Agitationskommifsion den Antrag 7 zurück; Anträge 1 >iS 6 werden angenommen. Ebenfalls zurückgezogen wird der Absatz 4 in der Resolution der Agitationskommiision, nachdem Eberhard- Forst erklärt hatte, man denke gar nicht an regelmäßige Regicrimgsbezirks-Kouferenzen, sondern wolle sich jetzt vor der Reichstagswahl wesentlich über die Verbesserung der Pretzverhältnisse unterhalten. Die Absätze Ibis 3 der Resolution werden an- genommen. Von weiteren mit zur Debatte gestellten Anträgen wird an- g e» o m ni e n: den Geschäftsbericht mindestens acht Tage vor der Konferenz den Delegierten gedruckt zuzustellen.— Abgelehnt wird der Antrag des Kreises Ruppin-Templin: Die Fackel wöchentlich her- zustellen. Ein Antrag Frankfurt, die Provinzialkonferenz nur alle zwer Jahre stattfinden zu lassen, sowie ein Autrag Kalau-Lnckau, sie jedes Jahr in einem andern Ort abzuhalten, werden nicht genügend unterstützt. Abgelehnt wird auch der Antrag Berlin III, die Konferenz für die Folge vier Wochen vor dem Parteitage statlfinden zu lassen. Dagegen werden auf Antrag Kottbus-Spremberg der Agitations- kommission zur Berücksichtigung überwiesen: Die Konferenz in Berlin auch in Zukunft zwei Tage abzuhalten, am ersten Tage die provinziellen Angelegenheiten und dann den Punkt Presse zu ver- handeln. Angenommen wird auch ein Antrag desselben KreiseS, für etwaige Referate nur eine Stunde Redezeit zu bewilligen. (Mittagspause.) Wieder ein polizeilicher Eingriff. Um V�3 Uhr wurde die Nachmittags-Sitzung eröffnet. Sie be- gann mit einem neuen Eingriff des überwachenden Poliznbeaintcn in die Versammlungsfreiheit; die weibliche Delegierte, Frau Thiel, wurde genötigt, auf der Galerie Platz zu nehmen. Um die Versammlung nicht zu verhindern, fügte man sich dem ungesetzlichen Verlangen. S t a d t h a g e n, der zu den bevorstehende» ReichStagSwnhle» referierte, wies treffend darauf hin, wie die Polizeiplackereieii iil Berlin und in der Provinz für uns agitieren. Wo diese Plackereien uns die Abhaltung von VersaiiinKnngen unmöglich machen, muß recht bald in die mündliche Agitation eingetreten werden. Als einigermaßen sicher können wir fünf Kreise bezeichnen: Teltow-Bceskow, Sora», Kottbns, Brandenburg, Niederbarnim; möglicherweise zuhaben sind noch acht Kreise: Obervarnim, Potsdam- Osthavelland, Zauch-Belzig, Ruppin, Frankfurt-Lebus, Landsberg- Soldin, Königsberg, Knlau-Luckau. Aber überall muß so gearbeitet werden, als ob ein Sieg nur in der Hanptwahl errungen worden kann. Nur dann wird auch für die Nevolutionierung der Geister, für die Verbreitung unsrer Ideen, für die Vermehrung unsrer Wahlstiinmen etwas geschehen. Dies ist schließlich die Hauptsache, nicht die Er- ringimg' eines Wahlsteges. Vermehrung unsrer Stimmen muß auch in den Kreisen eintreten, in welchen wir Abgeordnete nicht durch- bringen. Eine vorzügliche Waffe für den Wahlkanipf haben uns die Gegner selbst geliefert, nämlich den Zolltarif. Wo man ihn anfaßt, zeigt er seinen kapitalistischen Charakter. Dem Arbeiter werden die Lebensmittel vertheuert; der Bauer aber wird geradezu vernichtet. Alle Futtermittel, sogar der künstliche Dung wird ihm verteuert. Ver- bcsserung der Verkehrswege, Landbau und Kanäle könnten den Klein- dauern ein wenig erleichtern. Aber dahingehende Anträge werde» von der schutzzöllnerischcn Mehrheit abgelehnt. Es muß gelingen, die Taufende und Zehntauscnde, die heute abseits von uns stehen. aufznrüttelir und aufzuklären. Vorwärts, zum Anfang deS Sieges I Ohne Diskussion wurden darauf folgende Anträge an« g e n o m in e n; 1. Die Agitationskommission wird als Central-Wahlkomitee für die Provinz Brandenburg während der Zeit der Reichstags- Wahlbeweguug konstituiert. 2. Den Rcichstags-Wahlkreiscn wird empfohlen, von der Ver« breitimg des Kalenders im November ab in eine rege Reichs- tagS-Wahlagitation einzutreten. In den Teilen des Wahl- kreises, in denen die Abhaltung von Versammlungen unmöglich ist, empfiehlt sich neben der Agitation durch die Schrift die Agitation von Mund zu Mund, au der teilzunehmen dem Kandidaten Gelegenheit zu geben ist. 8. Es wird die Herausgabe eines für die Provinz Brandenburg einheitlichen Flugblattes in polnischer Sprache der Agitations» kommission empfohlen. Dann erhält das Wort zu den LandtagSwahlen Dr. Arons: Er entwickelt nicht den mehrfach im„Vorwärts� besprochenen Vorschlag, den er als bekannt voraussetzt; nur wendet er sich dagegen, denselben als Obstruktionsplan zn bezeichnen. Die llrwahlcn kommen sicher zn stände und den Arbeitern kann die Länge derselben nicht schaden. Sie können dadurch höchstens mehr Wahl- männer durchbriugen. Und bei den Wahlen der Abgeordneten selbst kann man nicht von Obstruktion sprechen, wenn wir das Weg» hüpfen über gesetzliche Bestiimnungen verhindern. Ein zweiter Grund, den Plan nicht auszuführen,' ist der Umstand, daß vor de» Wahlen noch Aenderungen des Reglements und Gesetzes stattfinden werden. Schon rufen Konservative und Centrum danach, das ist be« reits ein Erfolg; die Wahlrechtsfrage kommt in Fluß und wir können dabei nur gewinnen. Unsrer Beteiligung liegt der Parteitags-Beschluß von Mainz zu Grunde. Derselbe verlangt Eintreten in die Wahl mit eignen Wahl- männern und verbietet Wahlbündnisse ohne Mitwirkung des Partei« Vorstandes. In allen Wahlkreisen uns zu beteiligen ist nicht möglich, z. B. da, wo wir nicht geeignete Wahlmäuner finden. Auch bei de» Reichstagswahlen beteiligen wir uns nicht überall; noch 1890 waren von 236 preußischen Wahlkreise» 39, mehr wie 11 Proz. ohne Kandidaten; ja 1398 sogar waren noch 64 Kreise mit bloßen Zähl- kandidaturen besetzt, die weniger als 600 Stimmen erzielten. Wo wir einzutreten haben, wo nicht, das können wir nur entscheiden, nach den letzt vorhergegnngeueu Reichstagswahlen. Der Vortragende geht auf das Bild, das die Wahlen von 1898 für die Kreise der Provinz Brandenburg geliefert haben, näher ein. Ein besonders wichtiger Punkt bei der Landtagsivahl sind die Stichwahle», für ivelche die Verhältnisse wesentlich anders sind als bei den Reichstagswahlen. Bei der Vorbereitung zu den Wahlen ist die größte Schwierig« keit, geeignete Wahlmänucr zu finden; denn jeder Wahlmann muß in denr betreffenden Bezirk Ivohuen. Diese schwierigste Bestimmung zivingt uns aber auch zu einer Durcharbeitung der Bezirke, wie wir sie noch niemals gehabt haben. Die zu treffenden Vorbereitungen iverdeu von dem Redner in großen Zügen besprochen. . Zweitens verbietet der Mainzer Beschlutz Vereinbarungen mit bürgerlichen Parteien unter Umgehung des Parteivorstandes. Solche sind aber auch gar nicht nötig;' wir haben nur in den Kreisen mit mehreren Abgeordneten, wo unsre Wahl- männer zur absolute» Majorität nötig sind, fest zu erklären: Im ersten Mahlgang habt ihr einen Socialdemokraten zn wählen, dann wählen wir im zweiten und eventuell im dritten einen Freisinnigen. Nicht wir sind hierbei in einer Zwangslage, sondern die Freisinnigen, unbarmherzig müssen lvir Freisiimige durch- fallen lassen, die nicht zuerst einen Socialdemokraten wählen. Ei» solcher ist nicht das kleinere Nebel, sondern er gehört zu der äußersten Reaktion. Zum Schluß empfiehlt Arons folgende Rc- solntion zur Annahme: Die Provinzialkonferenz für die Provinz Brandenburg erklärt es für unzweckmäßig, schon heut ins einzelne gehende Vorschriften betreffs der Beteiligung an der Landtagsivahl zu geben. Sie hält es für angebracht, vor der endgültigen Entscheidung weiinmöglich das Ergebnis der nächsten Reichstagsivahl abzuivarteu, um nach diesem'daS Borgehen für die einzelnen Kreise zn bestimme», Inzwischen ist mit cillem Nachdruck neben der Agitation für die Neichstagswahlcn auch die für die Landtagslvahlen zu betreiben, namentlich der Aufklärung der breitesten Massen über die Verwerf« lichkeir des Wahlsystems und über die wichtigsten Fragen, die dem Landtage vorbehalten sind. Im besonderen ist inst allen zur Verfügung stehenden Mitteln darauf hinzuarbeiten, datz die UrWahlbezirks- Einteilniig. der die Bevölkerungszählung vom 1. Dezember 1900 zu Grunde gelegt wird, möglichst bald vorgenommen wird, wie das in einzelnen Gemeinden bereits jetzt geschehen ist. Weiter soll schon von heut ab nach Genossen Umschau gehalten werden, die als Wahlmänner auftreten können und wollen. Die Provinzialkonferenz für die Provinz Brandenburg hält eS für nicht angebracht, die preußische Landtagstvahlfrage auf dem Münchcner Parteitag zur Diskussion zu stellen. Sie wünscht die Frage, ob im Laufe des Frühjahrs oder Sommers 1803 ein besonderer preußischer Parteitag zwecks Be» ratung der Landtagswahlfrage einzuberufen sei, dem Partcivor- stand zur Entscheidung zu überlassen, gicbt aber zu erwägen, ob es nicht zweckmäßiger ist, die Entscheidung den einzelnen Provinzen zn überlassen. Endlich erklärt die Provinzialkonferenz es für dringend er« forderlich, daß an dein Mainzer Parteitngs-Beschluh, wonach die Parteigenossen verpflichtet sind, in die Wahlagitation mit eignen Wahlmännern einzutreten und in den einzelnen Wahlkreisen ohne Zustimmung des Eeiitrnl-Wahlkomitees sParteivorstand) keine Abmachungen mit bürgerlichen Parteien zu treffen, nicht gerüttelt wird. S eile r-Luckcnivnlde will den ersten Satz streichen, damit nicht der Anschein eriveckt werde, wir haben jetzt noch nichts zu thun. In Absatz 3 niöchte er, daß die Arbeiten ans Grund der Einteilniig von 1898 vorgenommen wcrdcii. A r o n s rechtfertigt die angegriffene» Bestimmungen noch einmal: daß möglichst früh in die Vorbereitnnge» eingetreten werden soll, verlangt auch die Resolution. Er schließt mit der Bitte, sich an den Wahlen zu beteiligen, nicht weil der Parteitag es beschlossen hat, sondern weil wir das elende Wahlsystem zerbrechen wollen. Die Resolution wird angenommen. Punkt 6 und 7 sG e m e i n d e w a h l e n u n d Arbeiter- Versicherung) werden der vorgerückten Zeit wegen abgesetzt Der gestern mitgeteilte Antrag, die Agitationskommission.hier zu wählen und ans 12 Mitgliedern(6 Berlinern und 6 Provinzlern) zusamnienznsetzcn, wird von Fabcr-Frankfurt begründet, von Manasse, Antrick, bekämpft und dann abgelehnt. Ein weiterer Antrag von Teltow-Beeskow verlangt, den Kopf der Lokalliste zu ändern; in Berlin sollen sämtliche Lokale als frei bezeichnet werden, die bis zu 100 Personen faffen, in den Vororten diejenigen, die bis zu 50 Personen fassen. P i e l c k e- Johannisthal begründet den Antrag. Auf Antrag Kiesel wird er der Lokalkvmmission überwiesen. Daniit sind die Verhandlungen erschöpft. Der Vorsitzende Schubert geißelt zum Schluß scharf daS »n gesetzliche Vorgehen der Polizei und schließt um 6 Uhr die Versammlung mit einem dreimaligen Hoch auf die Social- demokratie. Sitbenter VerblilÄfl her Slhmhtr inil) Weldmilm DtiiMuds. M ii n ch e n, 30. August. Zunächst erstattet Stühmcr namens der Koniiiiission z!ir Be- ratung der Anträge zum Streik-Reglemeiit Bericht. Ein Antrag Dresden:„Die Einführung einheitlicher Lohntarife für Groß-, Mittel- und Kleinstädte der einzelnen Landesbezirke ist möglichst zn fördern," wird dem Vorstand zur Berücksichtigung über- wiesen. Ferner unterliegen sämtliche Abwehr- und Angriffsstreiks inner- halb des Verbandes der L>bcrleitiing des VerbandsvorstandcS. Dem Vorstande sind bei Ausbruch von Weikstättcnstreiks Mit- teilungen zu machen, widrigenfalls die Streikunterstützung verweigert werden kann. Weitere Aenderiingen sind von geringerem Interesse. Sodann wird in der Statiitenbcratnng fortgefahren. Auf Antrag Hamburg wird beschlossen:„Von den cingegaiigcnen Mitgliedcrbeiträgen kann jede Mitgliedschaft 25Proz. am Orte zurück- behalten, wovon sämtliche Lokalansgaben zn bestreiten sind." In der letzten Sitzung des Bcrbandstagcs gelangt der Rest der Tagesordnung zur Bearbeitung und Erledigung. Zunächst haudelt es sich um die Frage der eventuellen Sitzverlegung. Vom Stuttgarter Delegierten Schlnm berger wird diese Notwendigkeit energisch bestritten. Unter veränderten Verhältnissen, wie sie bevorstehen. werden sich in Zukunft keine Uiizuträglichkeitcn ergeben, wenn der Sitz in Stuttgart verbleibt. T i m m- München wendet sich gegen diese Auffassung und glaubt, daß die Sitzverleguug nach Berlin mit zu der geplanten Reform gehöre. Man dürfe sich bei der Be- urteilung nicht von partiknlaristischen Neigungen leiten lassen. Auch nach außen hin müssen wir repräsentieren können. Nach kurzer Debatte wird die Sitzverlegung des Verbandsvorstandes von Stuttgart nach Berlin in namentlicher Abstimmung mit 40 gegen 17 Stimmen be« schlössen, d. h. mit ein e r Stimme über die erforderliche Zwei- drittel-Majorstät. Die Sitzverlegung der Fachzeitung von Ham- bürg nach Berlin wird' gleichfalls in namentlicher Abstimmung entschieden. Dafür stimmen 45, dagegen 12 Delegierte. Die Sitzverlegung ist somit beschlossen. Als Sitz des Ausschusses werden eine ganze Reihe von Städten vorgeschlagen. Die Frage wird durch schriftliche Abstimmung entschieden, nach welcher für H a m b u r g 38 Stimmen entfallen. Die andren zerspitterten sich für verschiedene vorher vorgeschlagene Städte. Zur Vorstands» und Redncteurwahl wird gleichfalls per Stimm- zettel geschritten. Es werden gewählt: als 1. Vorsitzender S t ü h m e r, als 2. Vorsitzender H o l z h ä u s e r, als Kassierer Käming, als Redacteur der Fachzeitung S a b a t h. Solvohl alle beschlosseneu Statutenänderungen als auch die Ueberfiedelung des Vorstandes und der Fachzeitung nach Berlin treten am 1. Januar 1903 in Kraft. Eine umfangreiche Debatte ruft noch die Gehälterfrage hervor, die nach der vom Gewerkschaftskongreß vorgeschlagenen Skala wenigstens annähernd geregelt werden soll. Endlich gelangt folgender Antrag mit nahezu Zweidrittel-Majorität zur Annahme: „Das Gehalt der Beamten beträgt 2100 M. und steigt jährlich um 100 M. bis zur Höhe von 2500 M., von da ab jährlich um 50 M. bis zur Höhe von 3000 M." Ferner gelangt nahezu einstinmiig folgender Antrag Ritter und Genossen zur Annahme:„Der Verbandstag konstatiert, daß sich die Anstellung der Lokalbeamten in den verschiedenen Großstädten gut bewährt hat, beauftragt den Vorstand, dieses System, wenn in den andren Städten angängig, weiter auszubauen und dahin zu wirken, daß die Anstellung' dieser Beamten in Bezug ans Entlohnung nicht unter 30 M. pro Woche zu geschehen hat." Sodann verliest Stühnier jene Resolution, welche noch vom Kongreß nach dem Referat Täterows her aussteht. Sie lautet: „Der am 25. August in München tagende Kongreß der Schneider und Schneiderinnen Deutschlands erklärt die Ansdehnung der ge- samten Versicheriliigsgesetze(Kranken-, Unfall-, Jnvaliditäts- und Altersversicherung) aiif die HanSindiistrie für dringend notwendig. Als erste Maßregel auf diesem Gebiete erwartet der Kongreß, daß der Bundesrat von den ihm laut Z 2 des Krnnkeii-Versicherungs- gesetzcs(Absatz 3 und 4) und Z 2 des Jnvaliditäts- und Alters- versichernngS-GcsctzeS zustehenden Rechte der Verordnung der Ver- sichernngspflicht für die Hausindustrie Gebrauch macht und zwar in der Weise, daß diejenigen, in deren Auftrage oder für deren Rechnung sie gewerbliche Erzeugnisse herstellen, zur Erstattung der auf sie ent- fallenden Beiträge in vollem Umfange herangezogen werden. Des ferneren erwartet der Kongreß, daß dem Reichstage in allernächster Zeit eine Vorlage unterbreitet wird, welche unter Auf- hebniig der diesbezüglichen Jnniingsprivilegieii eine Vereinheitlichung der verschiedenen Versicheriliigsgesetze bezweckt, wodurch es ermöglicht wird, die Versicherungspflicht auch auf die Familienangehörigen der Heimarbeiter aiiszndchneii. Der Kongreß erlaubt sich, diese Resolution nebst Begründung dem Bundesrat zur Berücksichtigung zn uiiterbreiteir." Ohne Disliission wird diese Resolution einstimmig angenommen. Sodann wird der Bericht der Beschwerdekommission entgegen- genoinmcii, die sich über 14 verschiedene Fälle erstreckt, welche kein öffentliches Interesse bieten. Nachdem noch die ausländischen Gäste sich in warmen Worten verabschiedet, schließt T i ni in in siebenter Abendstniide den Verbandstag mit eindringlicher Mahnung, alles daran zn setzen, um die Organisation zii stärken. Mit einem begeistert aufgenommtnen Hoch ans den Verband werden die Ver« Handlungen geschlossen._ Nus dov Ja'micutiruteijimfi. Frauen und Mädchen Charlottrnbnrgs! Heute, Dienstag, den 2. September, abends 8Vs Uhr, findet im Volkshause, Rosinen- straße 3, eine Wanderversammlnng des Frauen- und Mädchen- Vereins für Schönebcrg und Umgegend statt. Frau Mesch wird einen Vortrag über„Tie Heimarbeit" halten. Um recht regen Besuch ersucht Der Borstand. Gäste, Männer und Frauen willkommen. Zu oft die Politik gestreist. In öffentlicher Versammlung sprach kürzlich in Deutz bei Köln die Genossin Greifenberg, die in dortiger Gegend zur Agitation weilt, über die notlvcndige Teilnahme der Frauen' am Klassenkampfe. Bei Erörterung dieses eminent politischen Themas wurde sie mit einem Male vom überwachenden Beamten unterbrochen mit der Be- merkung, sie habe schon zn oft die Politik gestreift, und wenn sie das noch einmal thne, dann werde er die Versamni- lang auflösen. Frau Greifenberg versuchte erfolglos, den Beamten darüber zu belehren, daß sie ja überhaupt nur von Politik gesprochen habe und daß sie dazu in einer öffentlichen Versanimlniig auch das volle Recht habe. Als sie weiter sprach, drohte ihr der Beamte noch zweimal mit Auflösung, stand dann auf und löste die Versammlung— nicht ans. Die Polizeibehörde thäte wirklich im Interesse ihres eignen Ansehens gut, solche Beamte erst vorher einer Prüfung auf ihre Gesetzeskeniitnis zu unterwerfen, daniit nicht Socialdemokraten diese Belehrung immer wieder übernehmen müssen. Sooialv Velsztspflege. Nicht Geschäftsführer, sondern Teilhaber. Von der Frau H., die eine Zeitlang ein Siestaurant hatte, beanspruchte der„Ge- schäftsfiihrer" M. im Klagewege 400 Mark rückständigen Gehalt. Die Beklagte bestritt, datz M. überhaupt ihr Angestellter ge- Wesen sei.' Sie habe ihm allerdings bescheinigt, daß sie ihn als Geschäftsführer gegen ein Monatsgehalt von 100 M. engagiert habe; das sei aber nicht ernsthaft gemeint ge- Wesen und Kläger habe das gewußt. Sie habe mit dem Kläger zusammen das Geschäft machen und mit ihm Wirt- schaften wollen. Kläger habe thatsächlich auch immer das Geld an sich genommen. Jene Bescheinigung sei dem Kläger ihres Mannes wegen ausgestellt worden. Während der in Frage kommenden vier Monate habe M. nie das„Gehalt" beansprucht.— Nach längerer Verhandlung wies das Gewerbegericht die Klage mit folgender Be- griindiing ab: Das Gericht sei zu der Ueberzeugung gelangt, daß die Parteien zu einander in näheren Beziehungen gestanden hätten und die Absicht gehabt hätten, zusammen zu leben und gemeinsam den Unterhalt aus dem Geschäft zu gewinnen. Ferner nahm das Gericht an, daß jener Engagementsschein that- sächlich nur zum Schein ausgestellt worden sei, um eine feste Form zu haben, falls Schivicrigkeiten aus der Lebensgemeinschaft der Beklagten entstehen sollten. Das Gericht werde in seiner Auffassung bestärkt dadurch, daß der Kläger während der vier Monate niemals seinen angeblichen Lohn gefordert habe. Somit liege ein CompagnieverhälMis und nicht ein Arbeitsverhältnis vor. Von einem Gehaltsanspruche könne nicht die Rede sein und für Ansprüche aus Teilhabergeschäften sei das Gelverbegericht nicht zuständig. Eiiigegangeile Trnckschriften. Bon der„Neuen Zeit"(Stuttgart, Dtetz' Verlag) ist soeben da? 48. Hest des 20. Jahrgangs erschienen. Aus dem Inhalt des Hestes heben wir hervor: Galtzien. Reise-Eindrücke und SNidien von I. Karski. I.— Zur Lage der Burcau-Angestellteii. Bon Hugo Zaddach.— Socialpolitische Umschau. Von Enranuel Wurm.— LUterarische Rundschau: Ein Schweizer Borschlag zur Arbcitsloscn-Versicherung.— Notizen: Di- Krisis in der Metallindustrie und die Berussgenossenschasten.— Feuilleton: Maurice Maeterlinck. Bon Henriette Roland Holst.(Schluß.) Die„Neue Zeit" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch- Handlungen, Postanstaltcn und Kolporteure zuni Preise von 3,25 M. pro Quartal zu beziehen. In der Zeitlingspreisliste der Postnnstalten ist die „Neue Zeit" unter Nr. 538S eingetragen, jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. Das einzelne Hest kostet 25 Pf. Probenuminern stehen jederzeit zur Berfstgung. Von der„Hütte". Zeitschrift für das Volk und seine Jugend(Dresden, Verlag H. Wallfisch), ist soeben das elfte Heft erschienen. Aus dem Inhalt des Hestes beben wir hervor: Der Klingeljunge. Erzählung von Klara Biebig.— Klara Vicbig. Von Franz Diederich.— Die Entstehung der Sächsischen Schweiz. Von Wilhelm Bölsche.(Schluß.)— Die Albigenser. Freie Dichtungen von Nikolaus Lenau.(Schluß.)— Im Hamburger Waisenhaus-. Erinnerungen eines ehemaligen Zöglings. Von R.(Schluß.) — Die Wanderzeit. Von Adolf Braun.(Schluß.)— Spruch. Von Goethe. Maria und Josef. Ein Bild aus der Eisel von Klara Viebig.— Max Kegel f.— Bunte Lese. Auö Goethes Briefen.— Kunstbeilage: Königstein. „Das Gewrrbegericht". Monatsschrift des Verbandes Deutscher Ge- werbcgerichte. Herausgeber: Dr. Jastrow, Charlottenburg-Berlin, Dr. Flesch, Frankfurt a. M.(Verlag von Georg Reimer in Berlin.) Die Zeitschrift enthält in Nr. 12 des 7. Jahrganges außer der Rechtsprechung in deutschen Gewerbegerichten und Berufungsgerichten(Ludwigshaseii a. Rh.. Haiinu, Leipzig und Breslau), andren deutschen Gerichten(Landgericht Dresden) u. a.: Entwicklunacii im Aibciisvertrag. Von Stadtrat Dr. Flesch. — Litt erat ur: v. Schulz, Gcwcrbegerichts-Gcsctz.— Berbandsangelegeuheiten: Beitrittserklärungen.— Petition des Allg. deutschen Gärtnervereins. „Ter stlrbeitsmarkt", Halbmonatsschrift der Centralstelle für Arbeits- inarkt-Berichte(Herausgeber Dr. I. Jastrow, Berlin, Verlag von Georg Reimer). Die als Organ des„Verbandes dculscher Arbeitsnachweise" erscheinende Zeitschrift enthält in Nr. 23 deS 5. Jahrganges unter anderm: Der Arbeitsmartt im Jahre 1S0I. Nach den Berichten der Gewerbe-Ans- stckitsbeamten.— Situationsberichte aus einzelnen Gewerben: Bergbau und Hütten �Rentabilität i. I. 1901. Rückgang in der Kalt-Jndustrie. Absatz- siockung und Äalisvndilat); Nahrungsmittel(Guter Geschäftsgang in der Margarine-Fabrikation); Baugewerbe.(Besserung des Besckiästigiingsgrades iui Juli).- Statistisches Monatsmaterial: Internationale«treikstatistik.— Börsenkurse.— Haüshaltskoften, Konsum: Lebensmittelpreise im August.— Verwaltung der Arbeitsnachweise: Ausschließung vom Arbeitsnachweis in Franlfurt a. M.— Innungen und Arbeitsnachweis.— Abnahme der gewerbsmäßigen Stellenvermittelung in München.— Der Arbeitsnachweis im socialdemokratischen Reichstags- Handbuch.— Litterarische Neu-Er- scheinungen. Der„Süddeutsche Postillou" bringt in seiner Nr. 18 einen Nachruf für Max Kegel und dessen wohlgetroffenes Bild. Das Titelblatt ist der Streichung der 100 000 M. sür Kunstzwecke durch das Centnim im bayrischen Landtage gewidmet. Max Engerl bietet als„politische Eharallerköpse" ein Panoplikum bekannter Ericheinungen in der Politik. Kur den Inhalt der Inserate «hernimmt die Nedattion dem Pnblitnni gegenüber teinerlei _ Vernntwortnng. Theekfrv. DienStag, den 2. Septbr. Opernhaus. Cavalleria rusticana (Bauern- Ehre).- Die Abreise. — Vergißmeinnicht.- Anfang „ 7V, Uhr. Schauspielhaus. Die Hernmnns- schlacht. Anfang?>/, Uhr. Neues Opern. Theater(Kroll). Orpheus in der Unterwelt. An. fang?>/, Uhr. Deutsches. Es lebe das Leben. An- fang T/s Uhr. Lessing. Der Zeuge. Anfang 7»/, Uhr. Berliner. Alt-Heidelberz. Anfang 7V, Uhr. «Sesten. Der lustige Krieg. Anfang 7-/. Uhr. NeneS. Ledige Leute. Anfang 8 Uhr. Residenz. Der Fall Maihien. (I/atkairs Mathieu.) Vorher; Ich liebe Sie. Anfang 71/, Uhr. Thalia. Er und seine Schwester. Anfang?>/, Uhr. Central. Die schöne Sünderin. An- fang 7V, Uhr. Schiller. O. Morituri.(Teja. » Fritzchen. Das Ewig-Männliche.) Anfang 8 Uhr. Carl Weih. Eine Paria. An- fang 8 llhr. Luisen. Neue Luft. Anfang 8 Uhr. Casiuo. Ehrliche Arbeit. Anfang 8 Uhr. Sri-drich-Wilhelmstädttsches. Specialitäten- Vorstellung. Ans. _ 7V. Uhr. Secession. Silbersteins Flitter- Wochen. Anfang 8 Uhr. Kleines. Serenissimus. Frau Mimi. Anfang 8 Uhr. Apollo. Lyststrata. Specialitäten- Vorstellung. Anfang.7V, Uhr. Wintergarten. Specialitäten. An- fang 8 Uhr. Bniites Theater. Susanne im Bade. DaS Wetterhäuschen. An- fang 8 Uhr. Metropol. Berlin bleibt Berlin. Ansang 7»/, Uhr. SieichShalle». Stettiner Sänger. Anfang 8 Uhr. Passage- Theater. Specialitäten DorstcNiing. Ansang abend? 8 Uhr. Passage- Panoptlknin. Speciall tnien-VorfleNiiiig. Urania. Tmibeitstv. 48/10.(Im Theotersaal.) Abends 8 Nhr: Die deutsche Ostsecküstc. Jnualideiistrasie S7/ 54 ü S5 S «i®»Ts: »« 3 Täglich nachmittage 4 Uhr: Militär-Doppel-Konzert iV Entree 1 M., ab 6 Uhr abends 50 Pf., Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Passage-Theater.) Auf das glänzendste renoviert. Aufgang nur Unter den Linden 22. Anfang 8 Uhr, Sonntags 3 Uhr. Liane dlmiroiT Hohe Schule, geritten auf j einer Plattform. Savcly Göre, der neue russische Tenor.— Hella Collier, beste deutsche Soubrette.— Undwlg Tellhcim, der famose Couplet-Sänger. 14 erstklassige Nummern. SaiBSSonci KottbnscrHtr. 4 a, Station der Hochbahn. Täglich im Garten, bei un- günstig. Witterung imSaal: ll,tlT»ia»ni) NMentsche Tiinger und Konzert. «-onntng, Montag und Donnerstag nach der Soiree: Tiiiizkrünzchen, Tnuz frei! Anfang Sonntags 5 Uhr, Entree 30 Pf., ab 3 Uhr 20 Pf. Anfang Wochentags S Uhr. Enttee 30Ps., ab S Uhr 20 Pfg. CASTANS Panoptikum Frtedrtch-Strasse 165. Die sensationellen lebenden Bilder, dargestellt v. 6 jungen Damen. Kirchmeiers Berliner Original- Schrammcln. Vrgttr-Thtltttr Kastanien- Allee 7—0. Täglich; Buch fremde Schuld. Volksstück in 3 Akten von A. Seelen Nagen Kllardo, Tanzhumorist.— Cirkus Loyal.— Leodlskas Kakadus, ko mische Reckturiier.— The Elrados Emmy Palmay, Soubrette.— 3 Stegemanns, römische Seile.— Konzert. Anfang 4 Uhr. Eintritt 30 Pf., numerierter Platz 50 Pf. Kalb«. ßM- Frobels Allerlei Theater fr. Puhlmann, Schönhauser Allee 148. Ter neue Künstler Spielplan. Neu! Renedettt miö Stuart. Neil! Tsching u. Tschang. Mlldow u. Feldow. Dazu Ott« Wnldeinar mit neuen selbstversaßteu Schlagern! Um8Vz Uhr: Das humorvolle große _ Gesango-Volksstück: IM�llnser Gotdjun/jo.'TPG Im Saale: Täglich Ball. Anfang 3 Uhr— Entree 30 Pf. Dienstag, den 9. September: vrogö- Benefiz.— Montag, den 15. d. M.: Schluß der Sommerspielzeit. Bis dahin finden keine Privatsestlichleilen mehr statt. ApoHo-Hiester Neues Speclalltaten-Programm. Ellioth Savonnas. Max Welson-Troupe— 3 Satours. The Sennets etc. etc. Um ZV. Uhr: Lysistfrata Leonidas,.. Robert Steldl. Kasseneröffnung 6 Uhr. Anfang 8 Uhr. Berlin bleibt Berlin. Grosse Ausstattungsposse mit Gesang und Tanz in 5 Bildern von Julius Freund. Musik von Erik Meyer- Heimund. Emil Thomas a.G. Josef Josephi. Henry Bender. Flora Sidlng. Hans! Reichsberg. Wlni Grabitz. — Johanna Junker-Schatz.— Anfang 8 Uhr. 'Bauchen gestattet. Buntes Theater. („üeberbreltl".) Köpenickerstraße 68. Anfang 8 Uhr. 1. Susanna im Bade. Schauspiel von Hugo Salus. 2. Bunter Teil unter Leitung von Oskar Strauß, Tlny Senders a. G., Bozens Bradsky, Bokken Lassen, Marceil Salzer. Parkett 3 M."*8 Stahillc-r-Th eater. Schiller-Theciter O.(Wallncr-Thcater) Dien stagabend 8 Uhr: Zum erstenmal: Zioritrii-i. es»� kritrckan, var �ig-NSnnIIclie von Hermann Sudermann. Mittwochabend 8 Uhr: Zlovitrir». Donnerstagabend 8 Uhr: Div MotteubnrRer. Schiller�Theater TV.(Friedr-Wilhelm städtisches Theater) Mittwoch, den Z, September, abends 8 Uhr: EröffnungS-Vorstellnng. vi« Bviiat von Besslna Ein Tranerspiel mit Chören von Friedrich Schiller, Donnerstagabend 8 Uhr BIii«iiino Menschen. Wintergarten. Mauel Griseida, Hurule-Dresseuse. Les Silvas, Leiter- Equilibristen. Josie de Witt, Sängerin u. Geigerin. Die Vicentinas, Kollschuhläufer. Rofix, athletische Produktionen. Karl Meister, Tenorist vom k. k. priv. Carl-Theater in Wien. Helene Gerard,„Hohe Schule". Sari Fedak, Sängerin vom Ungar. Theater in Budapest. Die Kellino-Tvuppe, ital. Akrobaten. Clandinc I'olatre, Pariser Sängerin. W. C. Fleids, komischer Jongleur. W. Knacks Theater. iNrnnnenstraiie 16. DesNlichstenDaugftan. Original-Lustspiel in 8 Akt. v. J.Rosen. Vorher: Ije Kthtllllte. Schwank in 1 Ali von Schmasow. Im Saal: T'nn�Irrttnsichcn ülkoitk Nöroäe! Tänaerin v. d. gross. Oper in Paris. „Riegrapli"._ Max Kliems Sommer- Thealer. Htuscnbeldc 13—15. Artistischer Leiter: P. Milbitz.| Täglich: Gr. Konzert, Theater- u. Specialitäten-Vorstellnngj Jeden 1. und 15. d. Monats: Wechselndes Programm! Donnerstag: Elite- Tag. Palast- Theater früher Feen-Palast, Sonnabend, den 6. Burgstr. 22. September: Gr. Eröffimiigs-Vorstellnng. Das Theater ist gänzlich nen seiie. 8.ÄSU älihr. Fromme Wünsche. Schwank in 3 Akte» von I. Rosen. Stroh v. Strohberg: Dir. Rloh. Winkler. Kunstspecialitaten erste» RangeS. hotte Mende, beste deutsche Soubrette. Fiitz Brandt, nur Original-Schlager. Les Premlers, Acrobai-Canotiers. Terns-Truppe, Oriental-Akt. Entree 30 Pf. Anfang 8 Uhr. Gasino- Theater. Lothringerstr. 37. Wochentags 8, Sonntags 7»/, Uhr. Buntes Programm. Dazu: EhrlicheÄrbeit. LommertTieater MMKriSSHdcsdl Badstr. 35/36, Gesundbrunnen. Täglich: Der Brandstifter. Operette in 1 Akt von Linderer. Willy Reinliold; Dir. R. Wagner. Erstklasfige Specialitäten. Enttee 20 Pf. Bous und Vorzngskarten haben Gültigkeit. StciiM» Theater Linienst.132 an der Friedrichstr. Täglich 8 Uhr: die unver- gleichlichen seilst Entree 50 Pf. Sperrsitz 1 Üb, Vorverkauf von 11—1 Uhr an der Kasse. Sonnt.u.Donnerst. Tanzkränzchen. Achtung l Steirisches Mastgeflügel, Fische(Karpfen), Preß- und Tafelobst Itefert Xinxenr. Mürack, Gieln- stätten(Steiermark). 1814b* Dr. Simmel, Prinzenstr. 41. Specialarzt für 35/10* Haut» und Harnleiden. 10—2, 5—7. Sonntags 10—12, 2—4. A«! -lkerArtl lteiert»iM,|kllnlkrA»rtirdIrgabrtt! �OBtaeel Oc Mdssner,')| »«»»«utUrHe» t.S. Batalogt frti j Dr. Schünemann, Specialarzt für Haut-, Harn- n»d Frauenleiden, Klez-delntr. S. -/.12--/,3, l/,«-i/,8. Sonnt. 0-11. ArMtemrUtttt-Umm Berlin. Donnerstag, den 4. September, abends 8'/- Uhr. in, Geiverkfchafts- hause. Engel-Ufer 15. Saal III: Tages-Ordnnng: 1. Bericht über die Thätigkeit der Berliner Rettungsgesellschaft. Ref.: Kollege X-ndwlg. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 53/9 Gäste, durch Mitglieder eingeführt, haben Zutritt. _ Der Vorstand. I. A.: Pleschel. Wunll, Mtstiiltgtr! Die Veretnsversammlung findet nickt am 3. September, fondern am Mittivoch, den 10. September 1A<)Ä, abends 8V, Uhr, im Lokale von 11. Sckul�, Grenadierstrastc 33, mit derselben Tagesordnung statt. Sämtliche in der Filesenbranche beschäftigten Maurer sind dazu eingeladen._[56/9]_ Der Vorstand. SmOem. Wstlilvemi! Sleglijs. Morgen, Mittwoch, abends 8 Uhr- Ml tgl leder- V ersauiml un g ~ bei Schellliase, Ahornstraste 15a. Vortrag des Genossen Grempe über: Technische Sachen der Neuzeit. Wichtige Vereinsangelegenheiteil erfordern das Erscheinen sämtlicher Mitglieder. Gäste, auch Frauen, sehr willkommen. Neue Mitglieder werden aufgenommen._[18056]_ Der Borstand. D. Dobersteins Festsäle, Prlnzenstr, 04 und Wasiserthorstr. 68, find noch an Sonnabenden zu Vcreins-Festlichkeiten und an andern Tage» zu Versammlungen zn vergeben. Bestellungen erbitte Prinzenstr. 94 abends von 8 Uhr ab. 4838?*_ D. Dobcrstclu. Anzug�TPälelot-, Hosen-Si® Mnmimgs-Ausverkauf!!! Die Aciiände unsres Ladengeschäfts ZI/ZZ werden wegen Zlnfgabe des Ladens ßSST" bedeutend unter Preis »Uisverknirkt. s4954L� EMS- llllij Vechnd-Lllger jtjzt: Köüigstr. 16 I. !AGmg; E. WakIStfvSs. AMig! Dienstag, den 2. September 1902, abends>/-9 Uhr: Vier große ößentlilhe Volks-Versniiinililiigeil. Moabit: Peters CeseWoftshilllS, Alt-Moobit 8lj!81. VeSöivg u. Oranienburger Vorstadt: Kolberger Salon, Kolbergerjir. Z3. Gesundbrunnen u. Rosenlh. Vorstadl: Lmneminkitr SesellschllstshanS,® Va"1 Schönhauser Vorstadt: Wernon, CchioeSterstr. 23. Tages-Ordnung: Vovkrslg übvv unsve Toten. Referenten: Hd. Hernsteln, Hsrtkel», Soltnlz, H»vld««l»u. Um zahlreichen Besuch bitten_ Ple 219/20* Tertrancnslente. Achtung! Achtung! Töpfer! Dienstog, iien l Teptmber, abends 6 Uhr, im Gewerkslhastshanse/z, von der Leichenhalle des Georgen-Kicchhofs, Landsberger-Allee, aus statt.— Dies zeigt tiesbetrübt an G. Nichter, Cigarrenfabrikant, __ Landsberger Allee 145._ Deutscher Holzarbeiter-Verband. Zahlstelle Berlin. Mittwoch, den 8. September, abends 8l|4 Uhr nttttMNMWIkr-VtlsMMlUWkl!. Osten UNh ilOlhOfteit: bei Mann,®trn..f!6eraCt«r. 3. Tages-Qrdnung: 1. Bericht der Werkstatt-Kontrollkominission. 2. Werkstattangelegenheit. 3. Verbandsangelegenheiten. Der Bhniann für den Nordosten ist Koll. Friedrich Hertel, Weidenweg 23, Seitenfl. IV.; für den Osten Koll. Wilhelm Güth, Mirbachstr. 2, IV. Anhusten! bei C. Bohrend, Mnnteuffelstr. 05. Tages-Ordnnng: 1. WerkstattangelcgeiiHeiten. 2. Verbandsapgelegenheit. 3. Verschiedenes. Althm» bei Ratzolk, jetzt Bobersteln, Wasserthorftrafze 68. Tages-Ordnung: 1. Bericht des Obmannes und der Kommission 2. Verschiedenes. Ziid-Weke» und IMfii: Tages-Ordnnng: 1. Bericht der Kommission und der Vertrauens- änner. 2. Werkstattaiigelegenheite». 3. Verschiedenes._ Es ist Pflicht der Kollegen, ans jeder Werkstatt einen Vertreter zu entsenden, UtORhlt: bei Jocksch, Tiirmsir. 84. Tages-Ordnung: 1. Bericht der Vertrauensmänner. 2. Werkstatt- angelegeuheiten upd Verschiedenes. dede Werkstatt mnss vertreten sein."VCi bei Herr» Knabe, Kolbergerstrasic Ä3. Tages-Ordnung: 1. Bericht der Konimisfiou. 2. Diskussion. Verbands- und Werkstattangelegenheiten. 4. Verschiedenes. UP-.Icdc Werkstatt Ist verpflichtet, dorch den gjBCT- Vertrauensmann vertreten zn sein."NW Rosenthaier nnh Schönhnnser Uorstnht: bei Werna», Schivcdterstr. 23/24. Tages-Ordnung: 1. Bericht der Werkstatl-Kontrollkommission. Verbandsangelegenheiten. 3. Wcrlstattaiigelcgcnheiten und Vcridiicdenes. Obmann des Bezirks ist F. Schade, Namlerstr. 21, v, III. Musikinstrumenten- Arbeiter Tages-Ordnung: 1. Bericht der Kontrollkommission. 2. Brauchen- angelegeuheiten. 3. Verschiedenes. KB. Laut Beschlust der Branchenversammlung müssen alle nodi ausstehende» Fragebogen in dieser Versammlung nnsgefnlll zurückgegeben werden. Es Ist Bflleht, dass jede Werkstatt vertreten wird. Modell- ii. Fabriktischler*" iSä?'"'- Tages-Ordnung: 1 Bericht der Kommission. 2. W-rlstattsachcii. 3. Verschiedenes._ py Jede Werkstatt mnss vertreten sein,-WU Drechsler. Osten bei MatthcS, Koppenstr. 41. Xorden bei Schmitz. Brunncnstr. 150. �»fldosten und Westen bei Albrccht. Admiralstr. 18c Tages-Ordnung: I.Bericht der Kommission. 2. Verbands- und Werkstattangelegenheiten. Verbandsbuch legitimiert. 8 kKMss in Stolze- ifi Schrey Der Arh• Stenographen- Verein Stelze eröffnet neue dreim onatb.ch e U nterrichtskurse für Dameu und Herren am Freltng, den S.September, abends «Ve Uhr, bei Grape, Annenstr. 16. Dienstag, den 9. Septemb., abends SVjUhr, beiGleinert, Schulstr. 29. Unterrichtsgeld 41 Mk. Die erste Stunde ist kostenfrei. - Vlnzeigv. ' Am 31. August berfchied nach laugen schweren Leiden im Alter von 52 Jahren mein lieber unvergestlid/er Mann, der Maurer 4985? Roherl Wendt. Die Beerdigung findet Mittwoch, den 3. Sept., nachmittags 5:/« Uhr, von der Leichenhalle des Schönebergcr Kirchhofs, Maxstraste, aus statt. Die trauernde Witwe»ebft Sohn Bertha Wendt geb. Müller, Otto Wendt. Von der Reise zurückgekehrt J. Kallniunn, Münzstr. 14/15 u. Kaiser Wilhelinstr. 18. Sprech sttmden 8—8. Zahn-Operationen mit örtlicher Betäubung, für Kasscnmitglieder auf Verlangen ohne Nachzahlung.__ 35/15 Wen; siir ftlcinviicr. Altershalber verkaufe ich mein rentables Küchengerätgeschäft unter Jnventurpreis. 18l3b V. I-anz, Schöiieberg, Stubcnrailchstr. 12. ! Album-»- Lederwarenfabrik Oskar Gundau, Mehhing nnh Gesmihhrmmen: so. Oruulenstrasso ..•rf» pttinlbertstraste. 30, Ctutrol-Kroukeu- u. Sterbt- kosstberbkiltschtilWligtublliitt »Berlin Gesnndbrnniicii*. Am Sonnabend, den 30. August, verstarb unser Mitglied Herniänn Hirie. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am DieuZ- tag, de» 2. September, nachm. 5 Uhr, von der Leichenhalle des Sebastian- Kirchhofes(Dalldorf) statt. Um rege Beteiligung ersucht 18006 Die Ortsverwaltung. Mpi. Kraukeil-«. Sterbe» fiijjc bet Drechsler und Bcrufsgenosse»,'E. H. 8V, zn Hamburg. Verwaltnugsstelle Berlin A. Verspiitot. De» Mitgliedern hiermit zur Nach- richt, dost»iiscr Mitglied 178VV OeorD Mechelke am 29. August gestorben ist. Die Beerdigung hat bereits am l. September, nachmittags 4 Uhr, aus dem Gcorgenlirchhof in der Lands- berger Allee stattgefuudeli. _ Die Ortsvcrmaltung. Lfr�WL Cognao, Eurn, Nordhäuser 1.25-10,35 s 1 ,00—5,60 B 0,45-1 ,35 Liköre, Eiorcognac, Citron- und H/rmbeersaft, Port- und Ungarwein etc., gut und billigst. Dar! Schindler, �«�5. Stock- bei Achtung! und Cellttloidarbeiter. Barelnz, Brückenftr. 7. Parkettbodeilleger. �-i»tnng- «esverksehat'tshans, Eugel-llfer 15. Versammlung sämtlicher Vertrauensleute uud Kommisfionsmitgliedev. Die Dresdener und Leipziger Kollegen sowie die Kollegen der Firma Mittag werden ersucht, zu erscheinen. 88/2_ l>ic OrtsverwaUnng. ß Iß.& I*. Utlefi», 1"—~ oowifHnlirtt* fronfrViQ» J Berlin SO. 16. Engel-Ufer 5 Fabrik-Lager sämtlicher gangbarer Kautabake ja t: Hordhäuser Kautabak ß stets frisch zu billigsten Engros-Preisen. 48998* � Deutsch. Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Bnreau: Eugel-Ufer 15. Zimmer 1—5, Telephon Amt 7 Ar. 353. Mittwoch, den 3. September 1902, abends 8t/z Uhr: Konferenz der Vertrauensleute des Ostens bei Oold, Grosse Frankfurterstraste 133. Mittwoch, den 3. September 1902, abends 81/, Uhr: Konferenz der Vertrauenslente des Westens bei Knnike, Bnlowstrasse 59. Zahlreichen Besudi erwartet Ole Ortsverwnltnng. pi-ämllert Wik der uoldenen Medaille. �KraFt-Rothwein furBIuterme u.lCnanke ärzMich Mpfohten ßj.50 1U.2M. aübepalj zu hsben in Apotlioken, Droguenhandlunn., De- likatess- u. KolonlalwarengeschäFten. ßriiMini) geiüftblifett �ilföiii'liclter Deutschlands. (Zahlstelle Seliünchcrg). Todes- Anzeige. Am Freitag, den 29. August, verstarb plötzlich durch Absturz unser langjähriges Mitglied Joluiim Bode. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung studet am DienStag, den 2. September, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle der Matthias- Gemeinde in Südende statt. Um zahlreiche Beteiligmig ersucht 1791b Tie Ortsverwaltung. Centrai-Festsäle, Oranienstraße 180, noch verschiedene Sonnabende frei. Elegante Säle. 1785b Patentanwalt Dammann, llorltzplutz 57. Auslunft bis abends nenn. s4539L� Dr. med. Schapev homöop, Arzt u. Spei.-Arzt f. Haut- u. Harnleiden, Frauenkrankheiten, Küniggrätzerstr. 27. Spr. 9-1. 4-7. Kriluz- imb lölinneiibiitlietfi uou Robert Meyer, nur Mmnut». Straße 2. VereinS-Kränze, Palmeit-». Viilmcii- Arrailgcmciits, BoiiquclS, Bnirlande» usw. werden sein n. vreiswert geliefert Ködststütr» 60 Sf. pr. psund(gröb-r, zum 7l-Ifl,n>.I Srchlachtfedcrn, wi« sie». d. San, j sollen, niii allen Dnntteit M. 1.50, 1 ffillferriqrt Gänsernps IN. 2.00, 1 bessere Gäns,halbdaun-n m. 2.50, 1 3.0». begr Ichneew-Ih- IN. Z.50, I russische?a»n«n m. 3.50, wein. J l'-hm. Dmiitcii IN. 5.00, at.( "iTent Federn m. 1,50, 2.00 1 2.50. Prima gerissen« iir.3.«o! f 3.oO. Versand gez.,, Itochnahnic Kuzwtuslig.���.. «rste Pcttfedcen-obrik m.-lern. Betriebe, viel? 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Die Ortsverwaltung. Achtuilg! Holzarbeiter. In der M ü b e l t i s ch l e r e i von H. iflchir», AZeistensee, llSnlgs- cbauseee 74, haben sämtliche Gesellen wegen Lohndifferenzen die Arbeit niedergelegt. Zuzug ist streng fernzuhalten. 87/14* Die Ortsverwaltung. Invalider Buchdrucker, 41 Jahre� welcher mir Jnvalidenrenie bezieht- sucht leichte Beichästigung jeder Art- Seher, Adalbertsiraffe 40, bei Schuiidt- Stellenangehote. Einen tüchtigen Rahrnenmacher verlangt sofort F. Brandtner, Neu- Weiben-'ee, HeinerSdorser Weg 13/t4. Hnndn-erker und solide Slrbeiter niit leserlicher Handschrist erhalten hohen Verdienst. Näheres Chiffre E. 4, Expedition. 17886 Tischler(tüchtig Dresdenerstraße 13. aus Billards) 1802b Lehrfräuleiu verlangt Handschuh- geschäst AII-Moabit 113._ 1808b Wuug, Klavierarbeiter! Die P i a n o f a b r i t von Rra�t Roch de herabzusetzen sind, so daß die eingewanderten Arbeiter nach fünf- jähriaeni Aufenthalt in England das Bürgerrecht erhalten können. Ebenso sind die Bestimmungen so zu vereinfachen, daß keine Advokaten- Hilfe dazu nötig ist"(die jüdischen Schneider). Im Anschluß an den Kongreß soll zum 4. Septeniber eine Kon- ferenz derjenigen Gewerkschaftsvertreter stattfinden, die sich für eine unabhängige politische Aktion interessieren.— Als Sekretäre des Parlamentarischen Komitees sind vorgeschlagen: I. Hodge(Stahlarbeiter, Mitglied der Unabhängigen Arbeiterpartei), Ben Tillett(Sekretär der Docker, Mitglied der Unabhängigen Arbeiter- Partei) und Sam Woods(Sekretär des Parlniiientarischen Komitees feit dem Jahre 1894)._ Berliner Partei-Angelegenheiten. Ueber die Konferenz socialdcmokratischcr Frauen in München wird Mittwoch, abends S>/- Uhr, in den Armiiihallen ein Wortrag gehalten werden. Näheres morgen im Aunoucentcil. Steglitz-Friedenau. Morgen, Mittwoch, abends 8 Uhr. bei Schellhase, Ahornstr. 15»: Mitgliederversammlung des WnhlvereiuS. Ein interessanter Vortrag sowie wichtige Vereiusangelegeuheiten er- fordern das pünktliche Erscheinen sämtlicher Mitglieder. Gäste, auch Frauen haben Zutritt. Rixdorf. Im Lokal des Herrn Thiel, Bergstr. 151/152, findet heute abend eine Volksversammlung, mit der TageSordnimg„Unsre Toten' statt. Referent: Reichstags-Abgeordueter Emil Roseuow. Uolmles. Die Berliner Feuerwehr im Jahre 1S01. Nach dem soeben erschienenen Verwaltnngsbericht des Magistrats umfaßte das Personal iinsrcr Feuerwehr im letzten Jahre außer dem Branddirektor, sechs Brandiuspektoren. 15 Brandnieistern und sieben Feldwebeln 819 Mann, dainuter 95 Ober-Feuerinänner und 27 Spritzenmänner. welch' letztere Charge auf dem Aussterbe-Elat te Joraiärto" steht. Dazu kommen noch 42 Telegraphen- und 14 Bureaubcamte. Die Anzahl der Pferde betrug 148, die der Gespanne 69(aus- schließlich der für Wirtschaftszwecke gebrauchten Gespanne.) Die Besetzung der 15 Feuerwachen mit Normalzügen wird in diesem Jahre durchgeführt werden, so daß dann sämtliche Wachen, außer mit Personen- und Wasserlvnge» und mechanischer Leiter, mit Dampfspritzeu ausgerüstet sein werden. Da es auf Unglücksstätten mehrfach an entsprechenden Winden gefehlt hat, so sollen auch alle Züge mit der Toblerschen„Teleskop-Winde" aus- gerüstet werden. Für die D a m p f s p r i tz e n ist eine neue Heiz« Vorschrift erlassen worden, welche die größtmöglichste Beschleunigung in der Bereitschaft der Spritze herbeizuführen geeignet ist. Die mechanische Leiter(System Hönig). welche aus fünf Teilen besteht, weist jetzt eine Höhe von 26,5 Metern auf. Die Zahl der Feuermelder betrug 541(davon 159 öffentliche), die der Hydranten 5528; es wird geplant, für die Feuer- wehr nur noch S a u g e b r u n n e n(bei denen das Rohr nitr bis zur nächsten wassersnhrendeii Schicht reicht) ein- zurichten, falls der au der Jernsalemer-Kirche befindliche Versuchs- brimnen sich bewährt. Aus der B r a n d- S t a t i st i k sei noch er- wähnt, daß die Zahl der Brände sich gegen das Vorjahr wieder um 368 vermehrt hat; sie betrug 11 423, darunter 94 Groß- und 186 Mittelfener. Alarmiert wurde die Feuerwehr im ganzen 2561 mal, an einzelne» Tnpeu 13, 14 und 16 mal. In 318 Fällen bandelte es sich um Wassersnot, Rettung gefährdeter Mciischeu oder Tiere, Einsturzgesahr ic. Versichert waren bei der städtischen Feuersocictät für rund 7853 Millionen Mark Gebäude, Mobilien:c.; an Brandentschädigiingen wurden ca. 1 690 500 M. gezahlt, und zwar über eine Million allein für Mobiliar. Ueber die neuen Feuerschutzmiltel, welche Branddirektor GierZ- b e r g im abgclanfeneu Jahre hat erproben lassen, äußert der Ver- waltungSbericht der Feuerwehr u. a. folgendes: Der verbesserte Rnuchschutz-Apparat ermöglicht die Atmung unter Zuführung von Sa u er st off beliebig durch Nase oder Mund resp. durch beide Orgaue, auch in einem Helni. Schon während dcs Alarms kann der Apparat angelegt werden. Ans den Fahrzeugen befinden sich Gestelle, in weiche der betreffende Fciiermaiin so eintritt, daß er beim Aufstehen den Apparat schon nach Art eines Tornisters auf dem Rücken und den Atmungsbeutel auf der Brust hat. Damit ist eine Betriebsbereitschaft erreicht, wie sie kaum noch übertroffen werden kann. Erfolgreich ist mit dem neuen Apparat in einem überschwemmten Keller gearbeitet worden; dort schloß der Träger desselben die GaShähne unter Wasser.— Die S t r a ß e n- F e n e r m e l d e r sollen durch einen kandelaber- artige» Aufsatz mit Laterne besser sicktbar gemacht werden, um so einem vielseitig geäußerten Wunsche des Publikums gerecht zu werden; über die Probr-Aussührung eines solchen Melders am Belle-Alliance- Platz haben wir seiner Zeit berichtet. Auch die Feuerwachen will die Vcrwaltiiug für das Publikum besser leuullich machen und zwar durch Aubriugnng von Feuerwehr-Emblemcn. Die Versuche mit der A n t o m o b i l- Dampfspritze sollen demnächst fortgesetzt werden, ebenso die Versuche mit dcr T e e r f e u e r u n g. der Er- weitcruug dcr Feuermelder zur Eutgegeunahme vonAutwortsignalen, mit dcm'elektriichcn F e r n d r u ck e r ec. Aesthetik deS Straffcnhandels. Jetzt wo der Herbst vor der Thür steht, wird der Berliner an jeder Straßenecke von Kindern dcs sonnigen Südens begrüßt. Blumen- kohl, Pfirsiche mid Weintrauben sind die hauptsächlichsten Früchte, die vom Wagen aus feilgeboten werden. Besonders Weiiitrauben, rote und grüne. Beide Sorten sind süß und kosten im Straßenhandcl nur 25 Pf. das Pfund. Kein Wunder, daß die Trauben vom Wagen zahlreiche Liebhaber finden und zumeist tvcggehen wie warme Semmel. Nicht immr werden sie in einer Weise verzehrt, die vom hygienischen Stand- punkte aus zu billigen ist. Zwei kleine Mädchen, die sich gestern zusammen ein halbes Pfund erstanden hatten, verschluckten die Schalen mitsamt dem Inhalt und gaben auf die Frage, warum sie ihrem Magen diese Ungebühr zufügten, die Antwort, daß sie ein solches Opfer auf sich nehmen, um ihre Mitmenschen vor Beinbrüchen zu bewahren, denn wenn sie die Schale auf die Straße würfen, könnte leicht jemand darauf ausgleiten und das Malheur sei da. Das sind Gründe, die sich hören lassen, und man darf annehmen, daß den beiden Kindern auch im späteren Leben die Rolle barm- herziger Samnriterinnc» wohl anstehen wird. Ist hier ein schönes Beispiel von Rücksicht auf das Wohl der Mitmenschen gegeben, so bildet nicht minder die energische Au- ordnung einer Straßenhändlerin, die in der Nähe des Potsdamer Platzes haust, in dieser Hinsicht eine Zierde. An ihrem Wagen steht auf eiucnr Stück Holz folgendes zur Nachachtuug zu lesen:„Das Betasten der Früchte ist nicht gestattet. Auch mit Handschuhen nicht". Der letzte Satz dieser Verfügung ist besonders lehrreich. Er zeigt erstens, daß auch„bessere" Damen sich Unarten heranSnehmen, die nun einmal im Interesse dcr Gesamtheit des lanfendeii Publikums nicht zu dulden sind. Zweitens aber lehrt er, daß die Verkäuferin auch im Verkehr mit dcr lrnuts volöe ihren Mann zu stehen weiß nud Haare auf den Zähnen hat. ES kann nun einmal ans hygienischen Gründen wie ans Gründen dcs guten Geschmacks oder richtiger des guten Appetits nicht gestaltet werden, daß jedermann der Aprikose in die Wangen kneift. Aber nicht jeder Straßcnhäudlcc nimmt sich den Rein- lichkcitssinn der hier als Beispiel gerühmten Kollegin zum Vorbild. Ja, es darf nicht verschwiegen werden, daß in diesem Punkt zum Teil noch recht üble Sitten herrschen, die einem Menschen mit etwas Hang zur Reinlichkeit es schier ver- leiden können, ein Pfund Obst auf dcr Straße zu kaufen. Namentlich das stärkere Geschlecht hat oft keine Ahnnng davon, was sich dem Publikum gegenüber schickt. Betrachtet nian zunächst die Hände so eines Verkäufers, so muß einem znivcilcn schon der Appetit vergehen. Man kann am Ende darüber hinweggehen, daß der gute Mann nicht sehr adrett gekleidet geht und sein Hemd auf längeren Gebrauch schließen läßt. Aber die Hände kann der Verkäufer bei den zahlreichen öffentlichen Brunnen in de» Straßen Berlins immer schon sauber halten. Eine andre Unannehmlichkeit im Straßenhandel ist hier, daß viele Verkäufer darauf verpicht sind, den ganzen Tag auf der Straße zu rauchen. Wären die guten Leute in ihrem Fache bewandert, so würden sie wissen, erstens, daß es an sich nicht schicklich ist, die Kundschaft mit der Cigarrc im Munde zu bedienen und ferner, daß es anwidert, mit den nach Tabak riechenden Häuden Früchte oder andre Eßwaren anzufassen. Noch ein Uebelstand niacht sich im Straßenhandel bemerk- bar. nämlich dcr, die Ware in ZeitiingSpapier, um dessen Saubekeit es oft sehr fragwürdig aussieht, zu verpacken. Mögen auch Düte» etwas theuerer zu stehen kommen, so wird, wie man meinen sollte, die Ausgabe dafür durch den größere» Unisatz bald wieder ausgeglichen Gewiß find diese Unuanehmlichkeiten nur einem Teil dcr Händler in Rechnung zu stellen, doch bringt dieser Teil den Straßen- Handel ohne Zweifel in einen schlechteren Ruf als er es verdient. Eine Aeuderung zum Besseren wäre um so niehr zu wünschen als die Polizei im Verein mit dein Hausbesitzertuin diesem Handel das Leben so schon sauer genug zu machen sucht. Ditusliig, 2. ZkMoilier 1902. Die Erziehung dcr Schuljugend zum Patriotismus ist in Berlin in den letzten Tagen quasi mit Dampf betrieben worden. Am Donnerstag traf der König von Italien in Berlin ein, da bc- kamen die Schulen frei— am Sonnabend war Herbstparade auf dem Tempelhofer Felde, da bekamen die Schulen zum zweitenmal frei— heute, am Dienstag, ist St. Sedanstag, und die schule» haben zum drittenmal frei. Von Donnerstag bis Dienstag drei unterrichtsfreie Tage und dazu als vierten den Sonntag mehr kann wirklich der schulscheueste Bengel nicht verlangen! Die Jugend wird für diese angenehme Methode, den Patriotismus in ihr zu wecken, vermutlich empfänglicher sein als für die sonst übliche, die bekanntermaßen darin besteht, daß man unsre Kinder im sogenaimten Geschichtsunterricht mit der Eintrichterung der Daten von Regierungs- autritten, Schlachttageu usw. malträtiert. Kiiuigötreue Männer. Die„Potsd. Korr." meldet: Die italienischen Maurer und Zimmergesellen, welche m Potsdam zum Ersatz für die st r e i k e n d e n B a u h a n d w e r k e r von den Meistern mit vielen Unkosten herangezogen wurden, waren bei der Ankunft ihres Landesherrn unter Anführung ihrer Poliere nach der Wildparkstation gekommen und hatten dort, angethan mit ihren Soimtagsanzügen sowie grün-weiß-rotcr Schleife im Knopf- loch, ihren König mit Evivarufen begrüßt. Wie wir hören, wurde vorher jeder einzelne dieser Italiener durch die Kriminalpolizei genau daraufhin geprüft, ob er nickst etwa A n a r ch i st ist. Der Kaiser wird sich über diese Italiener ja gewiß gefreut haben, nachdem sie von anarchistischer Räude frei beftinden worden sind. Wilhelms II. Stellung zur Arbeiterschaft ist ja in der bekannten Rede vom 6. September 1898 niedergelegt, nach der ein jeder, der einen deutschen Arbeiter, der willig wäre, seine Arbeit zu vollführen, daran zu hindern sucht oder gar zum Streik anreizt, mit Zucht« Haus bestraft werden soll. Es ist uns nicht bekannt, ob der itnlicnischc Monarch ähnliche Anschauungen hat. Merkwürdig ist übrigens, daß die Italiener noch besonders auf ihre politische Ge« sinnung hin revidiert worden sind. Nachdem die Zuchthans-Denk- schrift die Arbeitswilligen als die für den Staat besonders nützlichen Elemente bezeichnet hat, sollte man doch in diese Elemente, gleich- viel welcher Nationalität sie entstammen, auch etwas Vertrauen setzen. Eine vernnglückte Stiftung. Der verstorbene Kaufmann Joseph Herzfeld hatte in seinem Testament eine Summe von 200000 Mark für wohlthätige Zwecke bestimmt. Die Erben erstichten infolge dessen den Magistrat, eine Stift u n g zu errichten, ans deren Zinsen hiesige Arme(neben den bedürftigen Verwandten des Erblassers) imterstützt werden sollten. Eine Ein- Wirkung auf die Verwendung der Stiftung solle der Stadt Berlin aber erst nach 50 Jahren z u st e h e n. Dcr Magistrat erklärte sich mit diesem Vorschlage ein« verstanden, znnial bereits eine Stiftimg(Behrend- Samnlon) vorhanden ist, über welche die Stadtgemeinde zur Zeit auch noch nicht verfügen kann. Die Stadtverordneten über- wiesen die Magistratsv'orlage aber einem Ausschnsse. in welchem geltend gemacht wurde,„daß es derWttrde derStadt nicht angemessen sei., Bankiers und Rechtsanwälten Konkurrenz zu machen dadurch, daß sie Gelder gegen Provision verwahre und Ziiiszahlungen auf Anweisung dritter vornehme". Der Ausschuß be« schloß denn auch, dem Beschlüsse dcs Magistrats nicht beiz u- trete» und die Sache für erledigt zu erklären. Inzwischen hat der Bevollmächtigte dcr Herzfeldschen Erben seinen Antrag z n r ü ck- gezogen, da die Erben„nicht in der Lage sind, den Wünschen des Ausschusses der Stadtverordneten(betr. Bildung eines Kuratoriums unter Hinzuziehnng von Mitgliedern der städtischen Verwaltung) zu entsprechen". Die Erben werden dem Willen dcs Testators nun auf andre Weise gerecht werden müssen. Mehr Licht. In der gestrigen Sitzung der städtischen Gas« dcpntation unter dem Vorsitz des Stadtrats N a m s I a u wurde be« schlössen, die öffentliche Belcuchtnng in der Prenzlancr Allee, der Äittelpromenade der Christianiastraße, in dcr Reichenberger- und Skalitzerstrnße, am Lausitzcrplatz, in der Verbindungsstraße zwischen der Schönhauser Allee und Greifenhagenerstraße, auf der Nordseite des Ostbahnhofcs und in der Kurfüistcnstraße zu verstärken beziehungsweise zu verbessern, um den Wünschen dcr Anlvohner dieser Straßen cntgegenznkommen. Zarte Rücksicht. Das Kuratorium ber st ä d t i s ch e n Heimstätten sollte bekanntlich nin zwei Stadtverordnete vermehrt werden. Der Magistrat ivünsckst mm aber mit Rücksicht darauf, daß Stadtverordnete nicht die nötige Zeit hätten, die fern gelegenen Anstalten häufiger zn besuchen, zwei Bürger« deputierte als Mitglieder des Kuratoriums und zwar einen Bailsachvcrständigen und einen in wirtschaftlichen Dingen erfahrenen Ehrcnbcainten. In diesem Sinne ist eine lvkagistratsvorlage gehalten. welche den Stadtverordneten jetzt zugegangen ist. Dcr Krieg gegen die Pole». Wegen Aufreizung der polnischen Bevölkerung zu Gewaltthätigkeitcn(§ 130 dcs Strafgesetzbuchs) ist gegen den Redacteur dcs hiesigen Polenblattcs, W r o b e l, Anklage erhoben worden. Die Straflhat soll durch die Verbreitung deS kürzlich beschlagnahmten Sokol-Liederbnches begangen worden sein. Beanstandet sind acht darin enthaltene Lieder, neben den bekannten ,3 ss�o�o kolslra nie zgineta"(„Noch ist Polen nicht verloren") und»2 ckz'mem xozaror?"(„Mit dem Rauch dcr Feuerbrände") auch der sogenannte Polenmarsch, die sLieder„Heil dem Polenlande I".„Zu den Waffen, Brüder I" usw. Vielleicht ivird gelegentlich noch einmal Körners„Leyer und Schwert" auf Grund des Anfreizungsparagraphen verfolgt. Maßnahmen gegen de» nbcrgueNcnden Patriotismus. Man berichtet: Die hiesigen Polizci-Organe find angewiesen worden. am henligcn Sedantage gegen den sich alljährlich wiederholenden „Sedans-Unfug" einzuschreiten. Bekanntlich wird von halbwüchsigen Personen und Kindern dadurch ein gemeingefährlicher Unfug ge» trieben, daß Feuerwcrkskörper auf der Straße abgebrannt werden. Ebenso ist in den letzten Fahren wiederholt daS an den Anschlag« sänlcu befindliche Plakatpapier angezündet und dadurch die Alarmierung der Feuerwehr notwendig geworden. Die Polizei wird mit größter Energie gegen Unfugstifter vorgehen, die, sofern kein andres Strafdclilt in Frage lommen sollte, sich wegen groben Un- sugs zu verantworten haben werden. Dcr Prozeß gegen das Blnmenmedinin Nnna Rothe soll, nach Mitteilungen aus Spiritisienkrcisen, im Oktober d. I. stattfinden. Frau Rothe befindet sich jetzt wieder im Untersitchimgsgesäiigiiis, nachdem sie bekanntlich in der Charit« auf ihren Geisteszustand untersucht und für hochgradig hysterisch erklärt worden ist. Auch ihr Impresario I e n t s ch. dcr sich einige Monate in einer sächsischen Natur-Heilanjtalt aufhielt, soll jetzt wieder in Berlin weilen. Jndnstricschnh von oben. Ans Anord, iiiiig dcs Justizministers haben die Justizbehörden ihren gesamten Bedarf an Vriefnmschlägcn ans dem Strafgefängnis in Tegel zu bezichen. Alle Verträge inlt den bisherigen Lieferanten mußten gelöst werden; die geschädigten Papierfabrikanten richteten an den Justizminister eine Eingabe in dieser Angelegenheit. Ihre Beschwerde wurde jedoch vom Minister zurückgewiesen. Briefmarken-Antomaten dürften in absehbarer Zeit mich auf den Bahnsteigen größerer Eisenbahn-Stalioiien zu finden sein. Infolge diesbezüglicher Wünsche hat nämlich der Minister der öffent- lichen Arbeiten die Eiscnbahn-Dircktioncn um gutachtliche Aeußerungen darüber ersucht, ob die Ausstellung von Briefmarken- Automaten (System Abel) auf den Bahnhöfen üutiiilafsen sein möchte und ob Jiit fflctnifiii'5 oder ein alliieinelnes Jntereffe hierflir anznerkeimen sei� Die Vedllrfnisfra�e diirfte ohne Bedenken zu bejahen sei»; de»» nicht» Ist unangenehmer als die Verlegenheit de» Reisenden, ftir eine» schnell abzusendenden Brief eine Marke zn erlangen. Die Be- diennng am Bahnhofsbnffctt hält sich natnrgemäb nicht gern mit dem Markenderkanse auf und dein Staiions- und Fahrpersonal kann >nan kaum zunmten, auch noch postalische Geschäfte zu besorgen. Die Briefmarten-Antomate» würden am besten ihren Ort neben dem Briefkasten der Station finden, und um de» Bahnsteig durch Nntomaten nicht allzusehr in Anspruch zu nehmen, würde man gut thun, sie mit andren, bereits vorhandenen Automaten, z. B. den Postkarten-Autoinaten zu verbinden. Professor Dr. Virchow, der am Sonnabendabend von Harz- bürg hier angekommen ist, scheint von seiner Krankheit doch sehr mit- genommen zn sein. Das Wölfische Telegraphenbureau bringt von> Montagnachmittag folgende Meldung: Ucber das Befinden des Geheimrats Professor Dr. Virchow erfahren wir, daß ziemlicher S ch w ä ch e z u st a n d herrscht. Durch die Reise von Harzburg nach Berlin hat sich der Zustand nicht verschlechtert, ist vielmehr äugen- blicklich sogar besser als vor acht Tagen. „Schwester Leoutiue". Unter dem Verdacht der Kuppelei und des Mädchenhandels ist heute morgen eine aus Pillkalle» stammende Masseuse Leontine P. von der Kriminalpolizei verhaftet worden. Die schon bejahrte und noch nicht vorbestrafte Frau, die sich einen vornehmen Anstrich zu geben versteht und in einem feinen Pensionat für Ausländer in der Friedrichstraße zwei sehr schön ausgestattete Zimmer bewohnte, pries unter dem Namen„Schwester Leontine" ihre„Wiener Massage" an. Kriminalkommissar v. Tresckow, dem diese immer wiederkehrenden Anzeigen auffielen, erniittelte, daß Schwester Leontine auch„Assistentinnen" hielt, hübsche junge Mädchen, die sie sich angeblich für schlveres Geld mit Vorliebe aus dem Süden verschrieb. Diese Mädchen dienten besonders dem Ziveck, Kundschaft aus der besser gestellten Herrenwelt anzulocken.„Schwester Leonline" fuhr aber auch, wie die ausgedehnte» Beobachtungen der Kriminalpolizei ergaben, mit ihnen nach ausländischen Städte», namentlich in die bekannten belgische» Spielbädcr, und kehrte nicht selten ohne ihre jugendlichen Reisebegleiterinnen nach Berlin zurück. So entstand gegen die„Schtvester" außer dem Verdacht der Kuppelei in ihrem hiesigen Massagcheim auch der des Mädchenhandels. Gestern morgen schritt die Kriminalpolizei zur Verhaftung der Verdächtigen. In ihrcni eleganten Quartier fand sie auch»och ein junges Mädchen, das erst gester» aus Wien hierhergekommen war; es wurde vor- läufig anderwdtig untergebracht. Beschlagnahmt wurden von der Kriminalpolizei eine Menge Briefe und Karten, die junge Mädchen aus den verschiedensten Städten des Auslandes an„Schwester Leontine" geschrieben haben. Ein hartnäckiger Selbstmörder venirsachte Sonntagabend in der Burgstraße, nahe dem Cirkus Busch, großes Aufsehe». Ein etlva 30 jähriger Mann hatte sich über das(Geländer in die Spree gestürzt. Zwei Schutzleute lösten sofort den Rettnngskah», und es gelang ihnen, den Lebensmüden den Fluten zn entreißen. Sie brachten ihn ans Land; im nächsten Augenblick aber sprang der Selbstinordkandidat zum zweitenmal in die Spree. Die beiden Beamten mußten ihr Rettungswert erneuern und fanden hierbei verzweifelten Widerstand. Schließlich gelang es ihnen doch, den Selbstmörder an das Ufer zu schaffen, von Ivo er nun zu seiner eignen Sicherheit zur Polizeiwache gebracht wurde. Der Lebensmüde, ein stelleiiloscrKanf- niann Werner, wurde durch die Polizei nach einem Krankenhause gebracht. Riugkaiiipf in der Droschke. Nachts gegen 1 Uhr fuhr durch die Alvenslebenstraße in sausendem Galopp ein Taxameter, in dem zwei junge Männer miteinander rangen, während eine Dame Hilfe- rufe ausstieß. Der Kutscher hieb wie wahnsinnig auf seinen Gaul ei». An der Ecke der Potsdamerstraße hatte der eine Herr den andren überwältigt und machte Miene, ihn auf das Pflaster zu werfen. Da erschien als Retter in der Not ein Schutzmann, der die Droschke �um Stehen brachte. Nach Feststellung der Personalien wurden die„Zweikämpfer" wieder entlassen. Ein dreistes Verbreche» wurde am Sonntagmorgen in aller Frühe in der Schönhauser Vorstadt versucht. Im Parterre des Hauses Lhchenerstratze 23 befindet sich das M i l ch g e s ch ä f t der Ehefrau Lilie. Der Mann der Inhaberin fuhr wie gewöhnlich nm l/23 Uhr nach dem Stadtbahnhof, um die im Geschäft gebrauchte Milch zu holen, und die Frau blieb, während die Hausthür offen gelassen war, im Schlafzimmer»eben dem Laden zu Bette. Vor einer Störung glaubte sie sicher zu sein, da der Knecht, der sonst mit zur Bahn fährt, zufällig im Geschäft geblieben war. Gegen 3 Uhr erwachte sie voller Schrecken; vor ihrem Bette standen zwei Männer, die ihr Mund und Nase zuhielten und sie am Kehlkopf würgten. Es gelang der zu Tode geängstigten Frau immerhin, einen Hilferuf auszustoßen, so daß' der Knecht, der in den hinteren Räumen der Wohnung beschäftigt war, herbei- eilte. In diesem Augenblick entflohen die Fremden. Die Fra» hat in dem einen der Verbrecher einen früheren Angestellten wieder- erkannt, der sich während seiner Thätigkcit im Geschäft als fleißiger und ordentlicher Mensch bewährt hatte. Der jnuge Mann mag. auf die Bahn des Verbrechens gekonnncn, sich erinnert haben, daß Frau Lilie Montags mit dem Milchlicfcranten abrechnet und daher am Tage vorher immer einen größeren Geldbetrag im Hanse ans- bewahrt. Auch am Sonntag wären den Räubern, wenn ihnen ihr Vorhaben gelungen wäre, etwa S00 M. in die Hände gefallen. Die Kriminalpolizei wurde benachrichtigt, doch ist sie der Verbrecher noch nicht habhaft geworden. AlS ein ungetreuer Liebhaber erwies sich ein Schlofier Hill- mann, der vor acht Tagen mit seiner Geliebten Johanna Möhring aus dem Gefängnis zu Oderberg in der Mark-entkam. Das Mädclieii, das von einer neunmonatigen Strafe bereits acht Monate verbüßt hatte, fand Gelegenheit, den Untersuchnngsgefangcnen Hillmann kennen zu lernen und ihn gegen das Verspreche», daß er sie heiraten werde, zu befreien. Beide wanderten zu Fuß von dannen und kamen unangefochten nach Biesenthal. Hier verließ der Schlosser seine Gc- liebte und Befreierin unter dem Vorwande, daß er in die , Stadt gehen wolle, um Eßwaren zu holen, und kehrte nicht wieder zurück. Fünf Stunden lang wartete Johanna Möhring und malte sich ans, wie schön die Zukunft für sie an der Seite des geliebten Mannes sich gestalten werde. In Berlin, wo Hillmann Verwandte hatte, wollten sie sich Geld holen und dann ins Ausland wandern. Statt dessen aber sah sie endlich ein, daß er sie in schnödem Undank hatte sitzen lassen, um die Freiheit allein zu genießen. Rache brütend ging die Verlassene nach Berlin und zeigte den Treulosen bei der Kriminalpolizei an, indem sie sich bitter über ihn beklagte. Die einzige Folge dieses Schrittes aber war, daß sie selbst ins Gefängnis' zurückwandern mußte, während der Ungetreue sich wohl hütet, nach Berlin zu kommen und bei seinen Verwandten vorzusprechen. Fenerbericht. Montag früh 7 Uhr wurde die Wehr nach der Waldemarstr. 46 gerufen, wo in einer Fabrik ein große? Lager von Preßkohlen durch Selbstentzündung in Brand geraten war. Auch in der Kaiser Wilhelmstr. 28 hatte die Wehr längere Zeit zu thun. Hier war in einem Keller ein Feuer ausgekommen, das Gerümpel, Verpackungsmaterial ec. ergriffen hatte. Die Wehr mußte daher längere Zeit ans einem Rohre Wasser geben, um die Gefahr zu beseitigen. In der Nacht zum Sonntag hatten in der Nostizstr. 63 Kleidungsstücke. Möbel und Wäsche in einer Wohnung Feuer ge- fangen, das indes bald abgelöscht werden konnte. In der Neuen- burgerstraße 6 war Müll' in Brand geraten, während in der Linienstraße 144 Holzbalken ze. durch Feuer zerstört wurden. Ja der Nacht zum Montag ging in der Jahnstr. 1 VerpaclungSmaterial in einem Keller in Flammen auf. Kurz darauf wurde die Wehr nach der Triftstr. 46 gerufen, wo in einer Küche ein Brand abzulöschen war, der den Fußboden und die Balkenlage er- faßt hatte. Nach der Miihlenstr. 63/64 wurde die Feuerwehr geholt, um dort ein in die Spree gestürztes Pferd herauszuholen. Montag- «ormittag 11 Uhr hatte in der Prenzlauer Allee 220 alter Hausrat, Verantwortlicher Redacteur: Karl Leid in B Balken k. in einem Bodenverschlag Feuer gefangen, deffen Ablöschung die Wehr auch längere Zeit beschäftigte. Außerdem hatte die Wehr in der Zwischenzeit noch Alarmierungen von der Sparrstr. 16 und von der Nannyiistr. 86 zu verzeichnen, die jedoch beide auf un- bedeutende Anlässe zurückzuführen waren. Orgel Konzert. Der Orgel-Vorlrag in der Marien-Kirche am Mittwoch, den 3. September, mittags 12 Uhr, wird ausgeführt von Herrn Musikdilektor Otto Dienel, Frl. Gertrud Meyer, Frl, Margarete Heilbron, Frl, Marie Reese, den Herren Konzertmeister Leop. Hartmann und Ad. Bolte, welche Kompositwncn von Bach, Stradella, Mozart, Schubert, Dienel:c. zu Gehör bringen. Der Eintritt ist stet. Daö Radrennen ans der Bahn am Kurfürsten da mm am Sonntag zeichnete sich dadurch aus, daß der Engländer Michael nicht erschienen war. Der Brave, dem Wunder welche Eigenschaften nachgesagt wurden, hatte es vorgezogen, nach Paris zu gehen, um sich dort mit Kräften minderer Güte zu mesicu. So erlebten die Berliner eine unangenehme Enttäuschung. Es gab am Kurfürsten- dämm drei Rennen, eins über 16, eins über 26 und eins über 66 Kilometer. In alle» drei Rennen siegte R o b l und zwar spielend, nur im Zehnkilometcr-Reinien hatte er sich gegen Ryser, der gleich im Anfang 166 Meter Vor« sprnng hatte, einigerniaßen zu wehren. Doch ein Defekt am Motor brachte den Schweizer aus der Fassung und Robl siegte in 3:44, Rhser blieb 666, Dickentmann 366 Meter zurück. Im zweiten Nennen geschah ein Unglück. Ryser kollidierte mit einem Motortandem, wurde aus dem Sattel geschleudert und riß sich an der Maschine eine schlimme Wunde am Oberschenkel. Er mußte von der Bahn getragen werden. Robl siegte in 25:283, Dickentmann blieb 1316 Meter hinter ihm zurück. Im 66 Kilometer-Rennen siegte Robl ebenfalls mühelos in 66:46, Dickentmann blieb 1636, Salz- mann 2666 Meter hinter ihm. So trat auch hier wieder die Ueber- legenheit Robls zu Tage._ Aus den Nachbarorten. Tic Schmargendorfer Genieiudcvcrtretniig hielt dieser Tage eine stürmisch verlaufene Sitzung av. Der nengewählte Gemeinde- verordnete Herr Jung kritisierte den diesjährigen Etat, dessen wenig gründliche„Beratung" seiner Zeit schon von uns im „Vorwärts" getadelt wurde. Jung erhob dabei den Vorwurf, daß der Genieindevorsteher Hohmann 666 Mark, die der Teltow« Kreis als Amtszuschuß an die Gemeinde zahlt, nicht wie in früheren Jahren in den diesjährigen Etat als Einnahme eingestellt und den Betrag ohne Gemeindebeschluß für sich persönlich„annektiert" habe. Der Gemeindevorsteher behauptete ein Anrecht ans diesen Zuschuß, den der Landrat an die Ainlsvorsicher einzahle, z» haben und glaubt Anspruch auf die Rückcrstatlung der Beträge ans den früheren Jahren erheben zu können. Jedenfalls habe er in gutem Glanben gehandelt. Herr Jung stellte dagegen fest, daß der Zuschuß der Gemeinde nachträglich vom Kreis bewilligt sei. Die Gemeinde habe da-Z Diensteinkommen des Vorstehers einschließlich der Standes- und Amtsciiinahmen festgesetzt. Er fordere, nm die übliche Ver- schleppung inidBeeinflnssimg zu verhüten, sofortige Vorlageder Akten und Beschliihfassnng. Die Beratnngcn wurde» auf Vorschlag des Gemeindevorstehers in geheimer Sitzung fortgesetzt.' Hoffentlich wird die vorgesetzte Behörde Klarheit scbaffen. Beschlossen wurde, zu- künftig den Gemcindevcrtretern den Etatsentwurf 14 Tage vor der Beratung zuzustellen. Der KreisauSschuß hat die Wahl des AnitsparteilerS Schmidt 'ür ungültig erklärt, da— wir citiercn das Urteil—„durch das nnzulässige Verfahren des Gcmeiiidcvoistehers das Ergebnis der Wahl beeinflußt worden" ist. DaS Urteil sah der Herr als„Privatsache" an und legte— wieder einmal ohne Gcmeindebcschluß— Berufung dagegen ein, trotzdem das Urteil sich auf die Spruchpraxis des Ober- Verwaltungsgerichts aufbaut. Mit 5 gegen 4 Stimmen stellt die Gemeindevertretung fest, daß äe mit der selbständigen Handlung deS Vorstehers nicht einverstanden ist. Beschlossen wurde, die späteren Genieindewahlen für die Zeit von 4—3 Uhr nachmittags anzuberaumen. Dem Schuldiener wurden 26 Mark Zuschuß zur Errichtung eines Hühnerstalles bewilligt. Mit der notwendigen Anfbeffernng des 66 Mark betragenden Monats- gehaktes wäre dem Manne mehr geholfen als mit der Lappalie. Der Wochen markt findet hinfort nicht Donnerstags, sondern Mittwochs statt. Die Handwcrkerkannncr-Beiträge werden aus der Gcmeiiidekasfe entrichtet. Wie anö Potsdam bekannt wird, ist die Stichwunde in den Unterleib, die sich der Mörder der Jiistizrntsivilive I ß m e r, Maler- gehilfe Otto Wagner ans Nowawcs, bei seiner Verhaftung bei- gebracht hatte, so weit wieder verheilt, daß der Verbrecher am Sonnabend ans dem Potsdamer städtischen Krankenhaus nach dem Unterfuchnngsgefängnis gebracht werden lonnte. Die Verwnildnng 'cheint die Kürperkraft Wagners wenig geschwächt zu haben, denn derselbe hat es im städtischen Krankenhause fertig gebracht, die Riemen, mit denen er auf seinem Bett wegen seiner Ungeberdigkeit und zur Verhütung cincS weiteren Selbstmordversuchs angeschnallt war. zu sprengen. Im Gefängnis wurde der Mörder sofort in Fesseln gelegt. AnS Britz. Der seiner Zeit von der Socialdcmokratie zum Gcmeindeverordneten gewählte Schankwirt Karl Dorn, welcher kürz« lich wegen seines cigcnarligen Verhaltens durch Beschluß einer Volks- Versammlung zur Niederlegung seines Mandats aufgefordert war, hat jetzt sein Amt„aus Gesundheitsrücksichten" niedergelegt. Sein Kollege Jcnner, der gleichfalls zur Nicderlegnng seines Mandats auf- gefordert war, nachdem er das Vertrauen seiner Wähler verloren hatte, scheint dagegen tvidcr den Willen seiner Wähler im Amte bleiben zu wollen; ivenigstcns hat er sich bisher allen Auf- fordernngen zur Niederlegung seines Mandates gegenüber absolut taub gestellt._ Gevilkzk-s�ÄeitunH« Multatult«nd seine Ucbersctzcr. Eine litterarischc Fehde bc- schäftigte gestern längere Zeit das hiesige Schöffengericht. Als Privatkläger standen die Schriftsteller Dr. Karl M i s ch k e und Theodor Strome r unter Beistand der Rechtsamvalte Dr. H a d r a und Dr. B e r b i g dem Schriftsteller Wilhelm S p o h r, der vom Justizrat Paul Jonas verteidigt ivurdc, gegenüber. Den Mittel- pnnkt des Streites bildete der holländische Schriftsteller Eduard Doutves D e kk er, der unter dem Pseudonym M n l t a t u l i in dem Roman„Max Havclaar" Menschen und Zustände in Java ergreifend geschildert und eine Reihe gedankenreicher Schriften socialen und philosophischen Inhalts verfaßt hat. Die„Welt am Montag" kündigte in einem Buchhändler-Wafchzettel an, daß die„Abenteuer des kleinen Walter" als neue Folge der Mnltatuli-Ansgabe in der Uebersetzinig von Wilhelm Spohr erschienen seien. In der Ankündigung wurde von dem„großen autorisierten Mnltatuli-Werk" gesprochen und Wilhelm Spohr als der eigentliche Entdecker Mnltatuli« für Deutsch- land hingestellt. Hiergegen verwahrte sich Herr Dr. Karl Mischte und wies in einem an die Redaltion der„W. a. M." gerichteten Schreiben darauf hin, daß er selbst schon die„Abentencr des kleinen Walter" verdeutscht und in einer für das deutsche Lese- Publikum beftiinmten Uebersetzinig in der„Bibliothek der Gesamtlitteratur" habe erscheinen laflen. Daraufhin veröffentlichte Wilhelm Spor in der«Welt am Montag" eine» Artikel unter der Ueberschrift.Zun» Kapitel Mnltatuli und Deutschland" und übte darin nicht nur eine sehr abfällige Kritik an der Mischkeschen Arbeit. sondern warf dem Verfasser auch Ausdrücke vor, daß er sich durch willkürliche Verkürzungen und Vergewaltigungen an dem Geist des Dichters versündigt habe ic. zc. Bei der Behandlung des Themas kam Spohr auch auf eine vor 27 Jahren erschienene Uebertetzung des„Max Havelaar' aus der Feder Th. Stromers zurück und griff auch den letzteren in persönlich be- leidigcnden Ausdrücke» heftig an. Die Beleidigten strengten auf Grund dieses Artikels die Privatklage an. Bei der gestrigen Ver- Handlung figurierte als Sachverständiger der vom Verein Berliner Ilm. Für. den Znseratenteil verantwortlich: Tb.«locke in Berlin. Druck Presse vorgeschlagene Herr v. Hanneken, der die Zustände in Java aus eigner Anschanung kennt und auch mit den Bestrebungen und de» Werken Mullatulis vertraut ist. Sein Gutachten ging dahin, daß Spohrs Uebersetzung der umfangreichen Arbeit MultatuliS ztveifellos Lob berdieue, daß seine Uebersetzung aber doch einen ganz andern Zweck verfolge, als die Verdeutschung des Dr. Mischke, der sich zur Aufgabe gemacht � habe, durch Weglassung mancher Längen und Abschiveifnngen die„Abenteuer des kleinen Walter" dem größeren deutschen Lesepubliknin mundgerecht zu machen. Das Spohrsche Werk sei mehr zum Studium, das Mischkesche sei eher ein populäres, mehr der Unterhaltung dienendes Werk, welches aber die Tendenzen Mnltatulis doch nicht verloren gehen lasse. Der Privatkläger Stromer gab zn, daß seiner Jugendarbeit, die gar keine jklavische Uebersetzung, sondern eine freie Uebertragnng ins Deutsche darstellen sollte, Mängel anhaften mögen, er hielt aber den Angeklagten nicht für berechtigt, ihn daraufhin persönlich zu ver- unglimpfen.— Die Verhandlung endete nach längerer Dauer mit einem Vergleich. Der Angeklagte Spohr, der seine abfällige Kritik sachlich für begründet hielt, erklärte zn Protokoll, daß er die per- sönlich beleidigenden Wendungen in dem Artikel mit dem Ausdrucke des Bedauerns zurncknehme, er übernehme auch die sämtlichen Kosten, worauf die Privatkläger die Klage zurücknahmen. WerntiMkes- Dampfkessel» Explosion. Wie die„Neue Badische Landes- zeitung" meldet, explodierte vergangene Nacht in der Ritierbrauerei l» S ch tv e tz i» g e ii ans bisher unaufgeklärte Weise ein Dampf- k-'ssel, wodurch daS Kesselhaus in einen Schutthaufen Verivandelt und ein in der Nähe stehendes Haus eingeäschert wurde. Bei der Explosion kam ein Arbeiter ums Leben, ein andrer wurde schwer verletzt. Unter Freunde». Aus Budapest wird berichtet: Großes Anffcheii erregt die Verhaftung des als Millionär geltenden viel- fachen Hausbesitzers Wolstreich in Ncupest, welcher i» dem Moment überrascht wurde, als er der Kasse seines Freundes Scherzer, die er mittels Nachschlüssels geöffnet hatte, einen größeren Barbetrag entnahm. Ein Bombenanschlag. Gegen den Bergrat Max v. G u t m a n n einen Neffen des östreichischen Kohlengniben-Besitzers, schlenderte der Ingenieur Scholz, ein entlassener Angestellter, eine Bomb c. Dem Thäter wurde der Unterleib aufgerissen: er war sofort tot. Bergrat v. Gutmann wurde leicbt und ungefährlich im Genick und am Auge verletzt. Ein Oberförster, der sich in Begleitung Gut- manns befand, erlitt sehr schwere Verletzungen. Die Fenster des Bahnhofs- Gebäudes in Selzthal, in dessen unmittelbarer Nahe der Anschlag erfolgte, wurden zertrümmert. Der Ingenieur Hugo Scholz. der die Bombe warf, war früher in Gntmannschen Kohlcnwerken bei Mährisch-Ostran bcdienstet. Er wurde vor fünf Jahren entlassen, erhielt aber eine Abfertigungssumme und Ruhegehalt. Er bc- mühte sich in letzter Zeit eifrig, wieder angestellt zu werden. Gutmann lieh ihn aber unbedingt abweisen. Man weiß jedoch von keinem Zwist, der den Anschlag erklären würde. Scholz soll aber innner ein sehr überspannter Mensch gewesen sein, nnd man glaubt, er habe vielleicht den Bombenanschlag im Irrsinn unternommen. Womit die Eisenbombe, die Apfelgröße hatte, gefüllt war, ist noch nicht bekannt. Dynamit ist es nicht gewesen. DaS Ergebnis der Untersuchung einer zweiten Bombe, die im Koffer des Scholz ini Sclzthalcr Gasthof gefunden wurde, wird vom Gericht geheim gehalten. Wie nachträglich noch gemeldet wird, ist der schwer verletzte Oberförster, er heißt Sabotka, bereits gestorben. Die Eisenbahn im Cyklon. In der Nähe von AendcS im Staate Minnesota wurde, wie man dem„Berliner Tagcbl." aus New Dork meldet, ein Zug der Chicago-Nordwcstcrn-Bohu von einem heftigen Cyklon überrascht. Der Zug, welcher mit 36 Meilen Schnelligkeit fuhr, wurde von den Schienen hcrabgerissen und stürzte einen 18 Fuß tiefen Abhang hinunter, wobei die Wagen in Brand gerieten. Bisher wurden drei Leichen aus den Trümmern hervor- gezogen. Etwa 26 Passagiere erlitten schwere Verletzungen. VlarNprels« von Berlin am 30. Anglist> SOS iiinb Srininennin-ii des lgl. Polizeipräsidiums. t ab Bahn. » frei Wagen nnd ab Bah». Prodiiktenmarkt vom 1. September. Obwohl am heutigen Getreide- inarlte alle Vorbedingungen für eine feste Teiidenzentwicklmig gegeben, trugen die Käufer die gröbte Lustlofigkeit zur Schau nnd die Stiinmung gewann ein schwächeres Gepräge. Weder die festen Auslandsmeldungen, noch das wieder eingetretene Rogenwetrer vermochten den Markt stimulierend zn beeinflusse», und die Abnahme der hiesigen Lagcrbestände machte deöhaib keinen Eindruck, weil uilm in alleniächstcr Zeit gröbere Zufuhren erwartet. Südrublaud meldet bedeutende Abladmige», die sich jedoch ansichiieblich aus ältere Abschlüsse bezichen. Neue Offerten lagen nicht vor. Im Lieferungs- Handel ivar Roggen vor» 1,'2, hinten 1U M. niedriger zu baben. Weizen, für den vom Anslande vereinzelte Orders kamen, ungefähr behauptet. Mehl war last gar nicht gefragt. Von Futtcrartikeln war Hafer ans fort- gesetzte Znsuhren aus Schlesien weiter abgeichwächt, Mais wenig verändert; mixed stich runder etwas besser gefragt. Rübül konnte sich schwach behaupten. Die heutige Lagerausnabme ergab 421 To. Weizen(gegen I. August weniger 1786 To.) Iiiid 1238 To. Roggen(weniger 700 To.). Schlnb stir Getreide: Weizen leicht erholt, Roggen weiter nachgebend. Spiritus wurde nicht gehandelt. WitternngSübersicht vom I. September 1363, morgens 8 Uhr. Wetter-Prognose für Dienstag, den S. September 1963. ENvas wärmer, vielfach heiter, aber veränderlich mit Gewitterneigima und mäßigen südwestlichen Winden. Berliner Wetterbureau. Briefkasten der KevaKkion. Die juristische Sprechstunde findet täglich mit Niisnahme des Sonnabends vo» 7-/, bis»>/, Uhr abends statt. M. A. 47. Die letzte Bilanz der betreffenden Bank war leine stige, doch habe» sich seitdem ihre Berhältniffe gebessert— wieweit läßt nicht sagen, da die Veröffentlichung einer Halbjahrsbilanz bisher nicht erfolgt ist.____ und Verlag von Mar Babing in Berlin.