fit. 206. AbolMkMtitt«-Kkdlngungtn: «bonnementS-Prel» pränumerando: «ierteljährl. 3,30 Mk., monatl. 1,10 Hl!., möchenllich 28 Psg. frei tnS Hau». Simelne Numw'r ö Psg. Eonnlagj- Nummer mir ili»nr>eri-c Konntag«, Beilage„Die Neue Welt" 10 Psg. Post, «llbonnement: l.io Mark pro Montu. Slngetragtn tn der Post-Zeitung», Pretsltfte sur IVOS unter Dr. 7878, Unter Kreuzband sur Deutschland und Leslerreich-Ungarn 2 Mark, sür da» übrige Autland 3 Marl pro Monat. 19. Jahrg. Ii« Inserltons-Grbstyr »«trägt für die sechsgespaltene Kolonrt- »eile oder deren Raum 40 Psg., sur politische und gewertschastliche Veroins- und BersammlungS-Anzeigen 20 Psg. „Kleine Anzrigeu" jede» Wort 5 Psg. (nur da» erste Wort seit). Inserate slir die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittag» tn derExpedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- lagen MS 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtage» bi« 8 Uhr vormittags geöffnet. Stscheiuk käglich«usjrr Woni«g«. Nerlinev Volksblakk. Telegramm-Adresse» „Sorialdeinokrnt Srrlin» C�ntralorgan der socicrldemokratiMen Partei Deutschlands. Redalttion: sw. 19, Beulh-Strahe 2. Fernsprecher: Sliiit I Nr. 1606. Posener Feste. Posen, 2. September. Posen hat sich nun mit dem heutigen Tage in jenen Trubel fest licher Ereignisse gestürzt, deren Programm durch den Eifer der höfischen Journalistik längst bekannt worden ist. Es weicht nicht weit ab von dem, was sonst in andren Stödten bei ähnlichen Anlässen geboten wird. Es giebt Enipfänge, Paraden, Zapfenstreiche und Denkmalsenthüllungen. Nur die besonderen politischen Verhältnisse des Ortes und der außerordentliche Pontp der kriegerischen Massen entfaltung machen dieses Fest besonders interessant. Es ist nun nicht leicht zu sagen, in welcher Stimmung die Stadt in diese Tage eingetreten ist. Die Berichterstatter der bürgerlichen Presse haben es gut. Sie werden sagen: Die Stimmung war„eine begeisterte", es herrschte echtes Hohcnzollern Wetter usw. Ganz so einfach ist die Sache nun doch nicht. Es ist freilich unverkennbar, daß ein großer Teil der Bevölkerung mit einer gewissen vergnügten Spannung die Entwicklnng der Dinge verfolgt Das ist aber wahrhaftig auch kein Wunder. Denn Posen ist eine weltferne große Provinzialstadt, in der es wochentags über von Kattun, Branntwein und Lmigcwcile riecht. Der Duft der Tannen guirlanden, die nian aus dem Harz herbeiholte— es ist unbekannt. ob man diese angeblich deutsche Stadt nicht mit polnischem Reisig verunzieren wollte, oder ob die adligen polnischen Tannen Wälder kein Laub zum deutschen Feste spenden wollten— bringt eine gewisse Abwechselung in das Einerlei dieser östlich provinzialen Straßengerüche. Dann aber ist es auch sicher, daß die Dekorationen zum großen Teile wirklich geschmackvoll sind, Ivenigstens den gewohnten berlinischen Fahnenschnickschnack durch kunstvolle Anordnung weit übertreffen. Jene aber, die diese bunte Pracht nicht ausschließlich vom Stand punkte des Vergnügens betrachten wollen, klagen über den vcr- schwenderischen Aufwand, den die Stadtverwaltmig getrieben hat. Die Kosten der Ansschinückung sollen hnndcrltauscnd Mark schon weit überschreiten, obwohl in der Stadtverordneten-Versammlung eine er heblich geringere Suntme bewilligt worden ist. Auch der Eifer, mit dem die städtische Behörde sich erbot, die Häuser polnischer Besitzer auf städtische Rosten auszuschmücken, kann nicht gefalle» Und er ist auch zmn großen Teil auf unfruchtbaren Boden gefallen Der Häuserschmuck der Oberstadt zeigt bedenkliche Lücken und die meist von polnischen Proletariern bewohnte Unterstadt fällt durch «ine geradezu demonstrative tverktagSniäßige Kahlheit auf. Wie man nun immer über Wert und Zweck dieser behördlich verordneten Fahnenbegcisterung denke» mag— jedenfalls steht die ärmliche Summe von 2000 Mark, die an 170V Ar nie der Stadt gespendet wurde, zur Berschtvendung des Festglanzes in recht auffälligem Widerspruch. 1700 Arnie I Man kann sich denken, daß eine Stadt von 120 000 Einwohnern, in der ciutansendsicbcuhnndert und niehr Menschen resp. Familien auf den Empfang von Bettelgcldern an- gewiesen sind, zur patriotischen Begeisterung nicht viel Zeit und Geld erübrigen sollte. Das Elend, das hier herrscht, dieses Elend, das seit Jahrzehnten durch eine immer größer werdende Wohnungsnot, seit einige» Wochen auch durch eine außerordentliche Steigerung der Lebensmittelpreise erhöht worden ist, läßt sich durch Fahnentücher und Goldbronzierungen nicht verstecken. An allen Ecken grinst es hervor: aus den zerlumpten Gestalten niit den braimtweiugeröteten Gesichtern, aus den krummen schmalen Seitengäßchen mit ihren ver- sallenen Fassaden, ihren winzigen Fenstern.... Unsre Posener Genossen glaubten darum nicht mit Unrecht, daß die Besprechung dieser erbarmungsivürdigcn Zustände der Volks stimmung besser entspreche» würde, als alle Flitterpracht. Für den 8. September hatten sie eine Versammlung einberufen, in der beraten iverden sollte, drnch welche Mittel dem Wohnungsclend und der Fleischnot zu steuern sei. Leider fanden sie nicht den Beifall des Herrn v. H e l l in a n n. des Polizeipräsidenten der Stadt. Da ihn eine, von seinem Standpunkt aus gewiß bedauernstverle Lücke der Gesetzgebung hinderte, die Bersainniluiig schlauktveg zu verbieten, nahm die Gerechtigkeit, wie hier zu Laude üblich, ihren Umweg über den Lokalbesitzer. Dieser erhielt folgende Zustellung: Königlicher Polizeipräsident. Ziffer 4343/02 P. A. Posen. 31. August 1002. Jni Interesse der allgeni einen Sicherheit und Ordnung untersage ich Ihnen hiermit ans Grund des Z 10 Teil 71 Tircl 17 des Allgemeinen Landrechts die Hergabe Ihres Lokals zu Bersammlutigszivecken für die Zeit vom 1. September mittags 12 Uhr bis zum 5. September mittags 12 Uhr. Im Falle des Znwidcrhandelns� gegen diese Verfügung wird für jeden einzelnen Fall gegen Sie eine Ordnungsstrafe von ISO M. auf Grund des§ 132 des LaudeSverivaltnngs- Gesetzes festgesetzt werden. I. Hellinann. An den Gastwirt Herrn Karl Bern dt, Hier Tiergartenstraße. Zu Ehren des Kaisers ist also die Versammlungsfreiheit für vier Tage sistiert, für vier Tage über die Stadt ein kleiner Be- lagerungSzustand verhängt ivorden. Zudem winimelt es hier von Berliner und Breslauer Geheinipolizisten. Das meiste von dem allen gehört freilich znr Schablone der Kaiser feste, kann aber gar nicht festlich stimmen. Dazu kommt noch die schwere Belastung, die der Bevölkerung durch die Ein- quarticrung ungeheurer Trnppenmasscn auferlegt worden ist. Jedes Haus ist eine Kaserne, jeder leere Laden eine Mannschafts- stube. Fast niemand ist verschont geblieben. Dabei entsprechen die Vergütungen, die für Wohnung und Beköstigung der Mannschaften gezahlt werden, noch lange nicht den eigenen Kosten, so daß die Einquartierung, abgesehen von ihrer Unannehmlichkeit auch ein schweres materielles Opfer bedeutet. Es wird gezahlt: für einen Gemeinen 94 Pf., für eine» Unteroffizier 1,05 M. zc. Bei den jetzigen hohen Fleischpreisen ist das erschrecklich wenig. Man kann sich zudem leicht vorstellen, ivie sich die Verhältnisse gestalten müssen, ivenn eine Stadt, in der ohnehin fast jedes Haus übervölkert ist, plötzlich eine Vermehrung seiner Bevölkerung um etwa 30 Prozent erfährt. Es wird sich bald zeigen, ob diese vom sanitären Standpunkt durchaus unzulässige Ueberfüllung der Stadt ohne schlimme Folgen bleibt. Ein Verdienst der verantivortlichen Veranstalter dieses militärischen Massenfestes ist es gewiß nicht, wenn alles gut abläuft. Mag so die Stimmung der größeren Menge sich zwischen harm losen Vergnügen am Schaugepränge und allerhand kritischen Bedenklich leiten in der Mitte halte», so kann doch nicht verhehlt werden, daß es auch noch beiden Seiten hin Extreme giebt. Einerseits natürlich die gute Gesellschaft, in der. man keine Fcldwebcltöchter heiratet, Beanite, Kommerzienräte mit gähnenden Knopflöchern, koutionsfähige Väter heiratsfähiger Töchter, für die jetzt die große Zeit gekommen ist— kurzum, das angesiedelte deutsche Bürgertum mit dem süßen Pfeffcrkuchcnherzen schwimmt im Taumel der Begeisterung, des Jnbels, der patriotischen Trunkcithcit. Die Stinimung, die aus der andren Seite, in klerikalen und nationale» polnischen Kreisen herrscht, darf sich nicht so laut geben: sie ist aber nicht minder kräftig, weil sie vergeblich nach Entladung ringt. Schließlich aber mußten wohl auch auf die Herzen der Aller getrenesten die umfassenden Sicherheitsvorkchrungen erkältend wirke« Auf seinem ganzen Wege vom Bahnhof zmn Gebäude des General kommandoS war der Kaiser von einem starrenden Wald von Bajonetten mngcbcn; wo es anging, hielt man auch noch hinter diesem schützenden Wall durch Schutzleute einen breiten Raum frei Von der Erlaubnis, hinter dieser doppelten Kette, hundert Schritt voni Leibe gehalten, Hurra schreien zu dürfe», machte die Menge darum nur ziemlich bescheidenen Gebrauch. Im Interesse des Mou archismus wäre es allenfalls besser gewesen, auf den Besuch lieber ganz zu verzichten, als ihn unter so seltsamen Umständen beginnen zu lassen. Bei Kaiserempfängen kommt eS bekanntlich immer anders. Man hatte eine Rede gegen die Polen erivartet; indes besprach Wilhelm II. bloß kommunalpolitische Fragen. Der Fall der Wälle ist allerdings ebenso eine wirtschaftliche Notwendigkeit, Ivie die Sanierung der schmutzigen verkommenen Unterstadt eine hygienische Nottvcndigkeit ist. Wenn aber Herr Witting-Witkotvski in seiner ehrftircht dnrchbcbtcn Anrede erklärte, daß.nnr in den Bahnen preußischen Regiments eine gedeihliche Eutlvicklung für dies Gemein. ivesen denkbar und möglich sei", so muß doch daran erinnert werden, daß der preußische Militärzopf bisher jene not- ivendige Entwicklung— man weiß nicht recht aus welchem Grunde— mit Hartnäckigkeit unterbunden hat. Man vermutet, daß bei dem morgigen„Pninkmahl" über die Polensrage mchrcrcs gesprochen iverden tvird. Dieses aber ist von der Ocffenllichkcit völlig abgeschlossen. Selbst die„kommandierenden Generale" der konservativen und polizeifrommen Presse hatten keinen Zutritt. Es wird weiter abgesperrt, ist jetzt hier die Losung. Volikifchr Urbrrlichk. Berlin, den 3. September. Bourgeolse Fürstenerziehnng. Bei zahlreichen Anlässen klagt die deutsche Bourgeoisie über den Verfall deS KonstitutionalismuS und das mächtige Vordringen des kaiserlichen Absolutismus. Erst jüngst, als Wilhelm II. das Eil- telegramm der Entrüstung und Empörung gegen das bayrische Eeutrnm schleuderte, erhoben sich selbst in konservativen Zeitungen lebhafte Bedenken. Die Presse aller bürgerlichen Parteien hat Wochen hindurch in zahllosen Artikeln Abhilfe gefordert. Wir sind in der eignen Lage, den Monarchen gegen die An chuldigungen seiner getreuen Monarchisten einigermaßen schützen zu müssen. So sehr gerade wir, in Ermangelung der besseren Staats. orm, die wir erstreben, die Alleinherrschaft des Einzelnen durch die Konstitution eingeschränkt wisse»»volle, so können»vir nicht ver- kennen, daß die Schuld des persönliche» Regiments, das in Preitßen- Deutschland waltet, weniger im Temperainent Wilhelm II. als viel- mehr in der B e d i e n t e u h a f t i g k e i t gerade derjenigen Kreise liegt, die mit dem Monarchen i» Berührung kommen. Ein Dokmnent dieser Bedicntenhaftigkeit ist die Rede, mit ivelcher der Ober» ärger m ei st er von Posen, Herr W i t t i n g, am Dienstag den Kaiser beivillkommnete. Diese Ansprache, die ivir im AnSzuge chon gestern initteilten, verdient, als Denkmal bourgeoiser Fürsten- erziehung festgehalten zu werden. Herr Witting sagte: „A l l e r d ii rch la u ch t i g st e r. Großm ä ch tigster Kaiserl Allergnädigster Kaiser, König und Herr! Wollen Euer Majestät die ehrfurchtsvolle Huldigung der getreuen Stadt Posen A l l e r g n ä d i g st entgegennehmen. Am Tage von Scdan hält der deutsche Kaiser, an der Seite Seiner erlauchten Gemahlin, Einzug in unsre Mauern; wer von uns sollte bei diesem Anblick nicht im Innersten ergriffen, erhoben, fortgerissen werden! Hundert Jahre, genau hundert Jahre niüssen wir in der Geschichte nnsres Gemeinwesens zurückblicken, um ähnlichen Glanzes uns zu ertnneru; zu jenen Sominertagen des Jahres 1802 schweift der Sinn, wo cinsteiis an Luisen« Seile König Friedrich Wilhelm III. bei uns eingezogen ist.— Ein Jahrhundert preußischer Geschichte ist seitdem ver- flössen— ein Säkulum, in dessen Verlauf hier an der Stätte tiefsten Verfalls preußischer Geist, preußische Zucht und Ordnung Expedition: sw. 19, Benth-Stvahe 3. Fernsprecher: 9(m( I. Nr. 6121. getreten sind. Geschlechter kamen und gingen'; Altes fiel und Neues entstand: unverändert aber blieb im Wandel der Zeit die Liebe zu König und Königin! Zum drittenmal betreten Euer Majestät als unser Landesherr diese Stadt. Noch ist es in treuer Erinnerung, wie Euer Majestät herbeieilten, als im Jahre 1839 die reißenden Hochwässer der Warthe sich verheerend über unser Gebiet ergossen, und unvergessen bleibt jene denkwürdige Sitzung auf dem Rathaus, in der ünser Souverän uns seines landesväter- lichen Schutzes versicherte und selb st die großen Linien v o r z e i ch n e t e, in dencti sich die Entwicklung der Stadt zn bewegen haben würde und thatsächlich bcivegt hat. Euer Majestät haben damals durch geivisse Erleichterungen in der schiveren Rayonlast überhaupt erst die Möglichkeit gedeihlicher Ausdehnung für das Gemeinwesen geschaffen, und bewegte» Herzens ivisscn die Teilnehmer an jener Sitzung noch heute davon zu erzählen, ivie des Kaisers Majestät auf der Karte die Gebietsteile bezeichnet haben, nach denen die Stadt sich zu eriveitern hätte, und auf denen inzwischen unsre stark bevölkerten Vorstädte entstanden sind. Und wenn es uns heute vergönnt ist, an dieser Stelle— wo noch vor kurzem Wall und Bastion sich erhoben— das erlauchte Kaiserpaar zn begrüßen, so wissen ivir nur zu gut, daß auch dies Euer M a j e st ä t Kaiserlicher Huld zn verdanken ist. Auf das Machtivort des obersten Kriegsherrn fällt der eiserne Wallgnrtel, und wo das Reich überlebte VerteidigungSmittel aufgiebt, tvird fortan Preußen seine bedeutungsvollen kulturellen und Wirtschaft- lichen Ausgaben in Gemeinschaft niit der Stadtverwaltung zn erfüllen haben. So weiß diese Stadt, so wird u-nd darf sie nie vergessen, was Euer Majestät sie an Dank schuldet, und jeder Stein ihrer Straffe» nnd jeder Ziegel ihrer Dächer predigt es lant nnd cindrncks- voll, daß nur im Schatten des Reichspaniers, daß nur in den Bahne» preußischen Regiments eine gedeihliche Entwicklung für dies Geineimvesen möglich und denkbar ist. Ans dem jauchzenden Rufen der Menge aber wollen Euer Majestät Huld- reichst ein Gelöbnis heraushören, das heute, bewußt oder un- bewußt, aus jeder Brust sich emporringt— ein Gelöbnis, in dem alle Lieb' und Treue, aber auch die zähe Entschlossenheit sich aus- prägt, festzuhalten an den d y n a st i s ch c n Traditionen, an Kaiser und Reich—, das Gelöbnis unsres alten Bornssen- liedcS:„Des Königs Ruf dringt tief ins Herz hinein— Ich bin ein Preuße, will ein Preuße sein!" So spricht der Vertreter der Bürgerschaft eines großen preußischen Gemeinwesens alles Verdienst um die Entlvicklung dieser Stadt den preußischen Königen zu, so feiert er in überschtvenglichen Worten die Thätigkeit des jetzigen Königs, als lväre sie der Quell alles Lebens nnd alles wirtschaftlichen Fortschritts. Gänzlich in den Schatten der Vergessenheit zurückgedrängt ivird die Arbeit des Volkes, die Ivahren Grundlagen der wirtschaftlichen und kulturellen Entfaltung. Und tvie Herr Witting, so feiern alle diese Mäunerstolzen vor Königsthronen überschwenglich den einzelnen als Urgrund alles Werdens, und die bürgerlichen Zeitungen verzeihen alle diese byzantinischen Leistungen ohne Einspruch und Widerspruch, verHerr- lichen in umfassenden Schilderungen höfische und dynastische Feste, als lväre in ihnen der wirkliche Geist unsrer Zeit lebendig. Ist es da wunderbar. daß Wilhelm II. dem Oberbürger- mcister Witting erividerte, daß,„was diese Stadt und dieses Land find, sie der Arbeit der preußischen ö n i g e verdanken"?! Ist es da seltsam, daß er als„große Wohlthat" die Erlaubnis zur Nicderlegung der unnötig gewordene» Festungswerke ankündigt nnd aus dieser Wohlthat ein„besseres und menschemvürdigercs Dasein auch für die Aermeren" erstehen zu ehe» vermeint? Wenn die bürgerliche Presse daS persönliche Regiment beklagt, o mag sie die Schuldigen ganz in ihrer Nähe erkennen!— AlS Ministers deö Fleifchwuchcrö bewährt sich unter dem Jubel seiner agrarischen Gefolgschaft der preußische Landtvirtschaftsnninster Herr v. Podbielski. Vor Monaten bereits hatten die städtischen Körperschaften von Königsberg eine Eingabe an die preußische Regierung gerichtet, in der die wöchentliche Einfuhr von 1000 Schivcinen über die russische Grenze erbeten wurde. Jetzt veröffentlicht die„Königsberger Hart. Ztg." die abschlägige Antivorl des Land>virtschafls-M inisters, die vom 1. Juli datiert. Darin findet sich dieser grandiose Ausfluß Podbielski« 'cher Weisheit: „Die Preise für lebende Schiveine sind zwar in ganz Deutschland ans den verschiedensten Gründen g e st i e g e n, ich vermag aber nicht anzuerkennen, daß dadurch eine derartige Beeinträchtigung deS Nahrungsstandes der hanpt« sächlich auf den Genuß von Schtveincfleilch angewiesenen Be- völleruiigsklassen herbeigeführt worden ist, daß vor der Befriedigung dieses Bedürfnisses die Sorge für die G e s u n d e r h a l t n n g der heimischen V i e h b e st ä n d e zurücktreten m ü ß t e. Iii den letzten Monaten sind die Schtvetnepreise auch bereits erheblich heruntergegangen, es ist zu erwarten, daß sie infolge der vermehrte» Schweinehaltung in nicht ferner Zeit wieder einen normalen Stand erreichen iverden." Weiler verweist der Minister ans den Unterschied der Untersnchungsgebühre» für auf dem Königs- berger Schlachthoi geschlachtete Schiveine l7ö Pf.) nnd für die Untersuchung eines ouSivärts geschlachteten Schweines(2 M.) Die Steigerung der Gebühr für das auswärts geschlachtete Fleisch bis fast auf den dreifachen Betrag der Gebühr für Schlachthausfleisch überschreite offenbar das gesetzlich zulässige Maß. Eine Herabsetzung der Gebühren iverde auf die Zufuhr auswärlige» Fleisches nicht ohne Einfluß bleiben. Der Minister schließt:„Es nmß jedenfalls der Versuch gemacht iverden. auf diesem Wege dem Mangel an Schlveinefleisch abzuhelfen, che der nur nnter Hintansetzung ivichtiger Interessen der deutschen Landlvirtschaft möglichen Zulassung von Schiveiuen aus Rußland näher getreten werden kann." Der ganze Podbielski! Mit einigen ebenso oberflächlich wie dreist herausgestoßencm agrarischen Gerede wird die lvichtige NnhrungS- frage der Bevölkerung abgeschüttelt. Alles in dieser„Begrnndnng" ist so falsch, wie die Annahme des Ministers am 1. Juli falsch war, daß die Schweincpreise„in nicht ferner Zeit wieder einen normalen Stand errcichenIwerden". Thatsachlich ist das Gegenteil eingetreten die Preise sind höher und höher gestiegen»nd haben gegenwärtig eine Höhe erreicht, die selbst städtische Verwaltungskörperschaften erschreckt, Ivelche sonstIgegenüber Notständen der unteren Volks- Lassen in kühler Nichtachtung verharren. Faules Geschivätz— um etwa im Jargon deS Ministers der Landwirtschaft zu sprechen— ist es natürlich, die Gesunderhaltung der heimischen Viehbestände vorzuschützen. ES ist leicht, den Vieh- transport unter ärztliche Kontrolle zu stellen, die jede Gefahr aus- schließt. Die Grenzsperre hat nur de» einen Sinn, den Agrariern die Emporschraubung der Preise ihres Viehs zu gewähren. Wenn Herr v. Podbielski die Stadt Königsberg auf die Herab- setznng der Schlachthaus-Gebühren Verlvcist, so ist dieser Hinweis gewiß berechtigt, aber gerade im Vergleich zu dieser geringfügigen Flctschverteuerungferscheint der agrarischeFleisch Wucher, den die preußische Negierung verteidigt und erhält, um so un« geheuerlicherl— • Wie Herr Ring die Fleischnot beseitigt. Wie ivcnig die Centrale für Viehverivertnng, die bekannte agrarische Gründung, im stände ist, das Deutsche Reich mit Vieh zu versorgen, bciveist folgende Nachricht, die sich im„Wolfen- b ü t t l e r K r e i s b l a t tj* findet. Dortige Schlächtermeister haben sich an die vom Bunde der Landtvirte begründete und Oberamtmann Ring unterstellte Centrale für Vichveclvertung in Berlin gewendet und angefragt, ob diese ihnen Schtveine liefern könne. Darauf ist folgende Antivort eingegangen: „Auf Ihr wertes Schreiben vom 2S. d. M. erwidere ich er- gebenst, daß wir der dortigen Fleischer-Innung Schweine liefern können, jedoch nicht billiger, als der jeweilige Marktpreis ist. Wir würde» nach Wolfenbüttel, je nach Qualität, mit S2— SS M. liefern. Offeriere sofort greifbar öl) Mecklenburger Fleischschweine mit je 180 Psd. Diese Offerte ist freibleibend auf Draht- bestellung und unsre Drahtzusagc, da wir stündlich deponieren müssen. Weitere Offerten folgen. Hochachtungsvoll Ernst R i n g.'' Der Obermeister der Wolfcnbüttcler Schlachter-Jnnung, Herr Seubert, erklärt dazu, baß für de» dortigen Schlachtereibetrieb Schtveine von 180 Pfund nicht brauchbar seien; das sei un- brauchbare Ware, bei der viel Tara abzurechnen sei. Hier am Orte geschlachtet, würde sich der Centner davon auf etwa 70 Mark stcllcii. Man könne daher von diesem Angebot keinen Gebrauch machen. 4» Die Meinung des Kreisblattes. Das„KreiSblatt* in Melle bei Osnabrück schreibt: „Die neueste Preissteigerung ist die de« Fleisches. OS Pf. pro Pfund«vollen die Schlächter für das Rindfleisch haben. Seit Monate» geht der Verdien st der Arbeiter i n- folge der schlechten Zeiten zurück und trotzdem zieht man von allen Seiten die Schrauben an, die als Zölle auf Verbrauch« mittel erscheinen. Da« konsumie- rcnde Publikum ist eben die Citrone, die«ach Kräften auö- geprefft wird." « Protestkundgebungen. In Leipzig fanden vier sehr zahlreich besuchte, von der Socialdemokratie veranstaltete Protestversammlungen statt. Ans München Ivird berichtet: Der Magistrat bescbäftigte sich mit der Fleischvertenerungsfrage. Der Antrag, sich der Petitioir an das Stantsniiiiisterium, in der Aufhebung der Grenzsperre gefordert wird, anzuschließen, fand einstimmige Annahme. Unser Genosse Ed. Schmid beantragte in längere» Ausführungen die Aufhebung der lokalen Fleischaufschläge. Gegen die in Mitteldeutschland täglich steigende Fleischnot werden nach der„B. Ztg.* die größeren Städte Sachsens und Thüringens Mitte dieses Monats bei de» Reicks- und Landcsbchörden gemeinsame Schritte unternehmen. Die Stadtverordneten- Versammlung in Frankfurt a. M. nahm fast einstimmig folgenden Antrag an: Die Sladtverordneten- Versammlung»volle beschließen: den Magistrat zu ersuche», sich mit der Einsetzung einer gemischten Kommission einverstanden zu er- klären, die den Auftrag erhalten soll, den städtischen Behörde» die- jenigen Schritte bei der Reichs- und StaatSrcgiernng vorzuschlagen. die notwendig erscheinen, dem Mangel an Schlachtvieh und der all- gemeinen Fleischteuenmg entgegenzrnvirken. » �» Deutsches Weich. Dringend der Aufklärung bedürftig ist ein Vorkommnis in Groß-Salze bei Schönebeck, von dem die.Volksstimme* in Magdeburg berichtet: Der Sckloffer Hermann P r ö h I aus Leipzig, seit circa vier Jahren in Schönebeck wohnhaft, ivar auf der dortigen Munition«- sabrik wegen schlechten Geschäftsganges beurlaubt worden. Er konnte daselbst augenblicklich keine Arbeit bekommen und reiste deshalb am Dienstag, den 8. Juli, früh nach Leipzig zu seineu Eltern. Er hatte schon seit längerer Zeit die Absicht, fein eignes Fahrrad zu verkaufen, was er auch einige Tage vor seiner Abreise noch gethan hat. Am Tage vor seiner Abreise ver- kehrte er noch im Restaurant Bischoff'in der Wilhelmstraße in Schönebeck, wo er auch früher oft gewesen war. I» der Nacht vom Montag zum Dienstag wurde nun dem Schlosser Ernst Bischoff ein Fahrrad gestohlen. Dieser verdächtigte ohne feste AnhaltSgrnnde seine» Freund Pröhl, obivohl Pröhl noch über einige 100 Mark Geld verfügt und überall als reeller Mensch galt. Am Dienstag langte der Verdächtigte in Leipzig an und am Mittwoch früh erschien bereits ein Kriminalbeamter in der Wohnung seiner Eltern und forderte ihn auf, mitzugehen. Die Ursache seiner Verhaftung ivar folgende Anzeige: , Heute morgen kam der Schlosser Ernst Bischoff zu uns und zeigte an, daß der Schlosser Hermann Pröhl in der Nacht vom Montag zum Dienstag vom Felde aus über die Mauer gestiegen ist, dann ist der Dieb durch den Garten und ist an die hintere Stubenthiir gelangt, selbige hat er erbrochen und das in der Gaststube sich befindliche Rad gestohlen.i Kreisen aus T s i n g t a u weist nach, daß der vergrößerte Umsatz, mit dem die offizielle Statistik prahlt, mit der Blüte der Kolonie deutscher Kaufleute an dem S o ii n e np l a tz e ii i ch t s zu thun habe. Im Gegenteil seien für diese Pioniere deutschen Handels dieZeiteu gerade momentan äußerst trostlose. Es hätten in den letzten ztvei Jahren bereits mehrere Geschäftsleute iu Tsingtau liquidieren oder gar ihre Zahlungen einstellen müssen, und es iverde sich voraussichtlich auch noch in Zukunft mehr als eine Firma von dem Felde ihrer bisherigen Thätigkcit zurückziehen müssen. Demi die Aussichten, daß die Zeiten sich in kurzem erheblich befferu werden, seien gleich Null. Einen Teil der Schuld an diesem Daniederliegen der Geschäfte trage das Fehlen eines geeigneten Hafens. Statt einen solchen her- zustellen, habe man gleich ein großes Hafeuprojekt, das 8 MiNioiien koste, dafür aber auch erst in OJahren fertig werde. inAiigriff genommen. Ueberhaupt habe man. statt sich alles von innen heraus entwickeln zu lassen, Prunkstraßen und Prunkbauten geschaffen, über die man in kaufmännischen Kreisen den Kopf schüttle. „Man spricht von ciuem neue u Wohnhaus für den Gouverneur zwischen dem Signalberg und dem Ostlager, das nach den ausgeaibeitetcii Plänen H u u d e r t t a u i e u d e von Dollars kosten würde, und läßt die Beamten des Gou- vernementS noch immer in den alten ulizureicheiidcn Räumen des chinesischen JamenS sich weiter quälen.* Da unsre ganze Kolonialpolitit künstlich gemacht und sozusagen bestimmten Persönlichkeiten auf den Leib geschnitten ist, darf nian sich auch nicht wundern, daß sich hinter ihren Potemkinschen Coulissen der Pleitejammer nur kümmerlich verbirgt.— Die Verstärkung der Kameruner Echntztrnppe wird jetzt energisch von der kolouialfreuiidlicheii Preffc gefordert. Das geschah ja schon seit geramner Zeit, nunmehr wird aber auch von den Offizieren der Schutztruppe die Vennehrimg der Schutz- truppe für notwendig erklärt. Die„ E r i ch l i e ß u u g s*- Expedition in die— nach dem Urteil der Expeditionsführer wirtschaftlich wertlose— Tsadseesphäre sollen die Ver- slärkungsfrage nunmehr aktuell gemacht haben. Nach der„Post* erklärten die Führer der Expeditionen gleich- mäßig, daß nur die Errichtung von Stationen, die eine Verhältnis- mäßig starke Besatzung habe» müßten, dauenid„Lrdimng und Ruhe" erhalten könnte. Durch die Ausbreituiig der Schutzlruppe auf das weite Gebiet bis zum B e n u s und darüber hinaus bis in Nähe des Tsadsees würde i h r Operationsfeld mindestens verdoppelt. Sollten in dem aiisgedehiitcii Schutzgebiete von ungefähr 400000 Quadratkilometer Flächeiiraum neue Unrnhen entstehen oder etiva feindliche Bewegungen von außen erfolgen, so kömitcii wir leicht in eine mißliche Lage kommen. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird man also demnächst dem Reichstag entsprechende Mchrsorderiingen vorlegen. Man wird dann aber auch die Frage beantworten müsie», warum man denn da« Operationsfeld der Schiitztruppe so ohne jede Veranlassung und ohne jede Aussicht auf»virtschaftliche Erfolge auf das doppelte ans- gedehnt hat! Ausland. Nationale Exceffe in Ngram. Zu heftigen nationalen Exceffen der Kroaten ist es in den letzten Tagen in Agram gekommen. Zwischen den zwar durch daS Band der gleichen Sprache verbundenen, aber durch das religiöse Betcimtins und eine verschiedene historische Entivicklimg geschiedenen Serben und Kroaten besteht eine traditionelle Feindschaft, die in diesen Togen durch einen kroatenfeindlichen Artikel in dem Agramer Blatt« der Serbenpartei zum wüsten Ausbruch gelangte. Aus einer Studenten« demoiistratton gegen das Serbenblatt entwickelte sich am Sonntag infolge deS übereifrigen Vorgehens der in � die Menge hineinreiteiiden Schntzmaimschaft ein allgemeiner Straßen- kämpf, der die gesamte kroatische Bevölkerung aufs äußerste erbitterte und das Vorspiel der Ausschreitungen der folgenden Tage bildete. Ueber diese nationalistischen AnSschreitimgen wird noch ge- meldet: A g r a m, 3. September. Die Wut der Menge bei den gestrigen Kundgebungen richtete sich gegen das Haus des H astl p t m a u n s W i t t o s, der auf die D e m o u st r a» t e n geschossen hotte. Die Menge errichtete eine Barrikade und warf alle Fenster ein. Militär säuberte die Straßen. Später kehrten die Demoiistranten zurück, drangen in daS Haus W i tto s ein, demolierten die Wohnung u n d ivarfeir die Möbel auf die Straße? eS gelang WittoS mit seiner Frau, unbemerkt aus dem Hause zu entfliehen. Die wütende Menge zog sodann nach der Mednlicsgasie und verwüstete dort die Wohnungen der Serben? auch in äudreu Straßen sollen Verwüstungen vorgekommen sein. Agram. Z.Scptembcr. Noch Mitternacht plünderten umher- ziehende Rotten die serbischen Kaufläden, zündeten deren Einrichtung an und housten in mehreren von Serben be- Ivohnten Gossen wie Mordbrenner. Heule früh wurde der pensionierte Hauptmann Wittos bei seiner Rückkehr»ach Hause aus seiner Wohiimig und durch die Gosse geschleppt. Der alte Mau» wurde trotz seines Flehens fürchterlich geschlagen und nnißte schwerverletzt ins Spitol gebracht werden. Es wurden zahlreiche Verhaftmigcn vorgenommen, darunter die mehrerer plündernder Weiber solvie zweier Journalisten, die die Menge ans- hetzten. Gegen Mittag ist Militär eingetroffen und in allen Gassen aufmarschiert. Agram, 3. September. Die Berichterstatter mußten nachlS 12 Uhr ihre Thätigkcit einstellen, da das Passieren d e'r Straßen lebensgefährlich wurde. Der Polizeichef, der Bürgermeister und der gesamte Genieinderat werden voraussichtlich demissionieren müssen. Die Serben verlassen scharen- weise die Stadt. Man glaubt, daß die Regierung den B e l a g e r u>i g s z u st a n d über ganz Kroatien verhängen wird. Frankreich. Tie Veiweltlichnng. Pari«, 1. September.(Eig. Ber.) In Frankreich Ist nicht nur die Eutstehnng von Gesetzen, sondern auch ibre Antvendung viel enger als anderswo an die aktuellen politif-� Ereignisse, an die gegebene politische Situation geknüpft. Dießem Schicksal entging selbst das Gesetz von 1880 über die Verweltlichimg der öffentlichen Primarschiilen nicht, eines der Grundgesetze der dritten Republik. Zwar für die Knabenschiilen hat jenes Gesetz eine kurze Frist von wenigen Jahren festgestellt, innerhalb welcher die Ersetzung de? geistlichen Lchrpersonals durch einen weltlichen vollzogen tverden mußte. Nicht so aber in Bezug auf die Mädchenschulen. Der Unterschied erklärt sich daraus, daß es anfänglich an iveiblichen Lehrkräften fehlte. Aber auch iiachdenr die Lehreriiinen-Seminare ein hinreichendes weltliches Lchrpersonal herangebildet hatten, blieb die Bertvclt- lichiing der Mädchenschulen ivesentlich dem freien Ermessen der Gc- mcinderäte beziv. der Präfckten aiiheim gestellt. Die Veriveltlichnng trat obligatorisch mir dann ein, wenn eine Nonne verstarb oder demissionierte in einem solchen Departement, wo ein Lehrerinnen- Seminar seit vier Jahren bestand. Wie saumselig die diversen Regieningen und ihre Präfckten dir Möglichkeit der Veriveltlichnng benutzten, zeigt die Zahl der am An- fang 1902 noch bestehenden öffentlichen Noimeiischnlen für Mädchen. Nach amtlichen Angaben tvaren es 3588 Primarschulen, 457 Kinder« gärten(öcoles maternelles) und 374 gemischte Schulen mit einem Lehrpersonal von 7170 Nonnen. Vertveltlicht wurden 1880—1902 im ganzen bloß ca. 3500 Mädchenschulen, nicht einmal die Hälfte I In den einzelnen Jahren schwanken die VcrwcltlichungSznhlen sehr wenig, ailSgeiiommcn die Jahre 1897 und 1893, in denen sie von der durchschnittlichen Zahl 300— 850 ans 121 sinken. Damals befand sich ja am Ruder das llerikalfreimdliche Kabinett M e l i n e. Dann stieg die Zahl der Verweltlichimg unter dem Kabinett Waldeck« Nousseaii bloß ans 512 bcziv. 502 im Jahre. Erst mit dem neuesten Feldzug gegen den KkerikaliSmiis entsann man sich der saumseligen Anwendung deS Gesetzes von 1880. Im Finaiizgesetz von 1902 wurde nun durch einen besonderen Artikel endlich eine Frist für die Veriveltlichnng der öffentlichen Mädchen- schulen festgesetzt: drei Jahre, gerechnet von Jaimar 1903, für die Gemeinden, die Eigentümerinnen der Schnlgebände der Nonnenschulen sind, zehn Jahre für die übrigen Gemeinden. Doch bedurfte es deS Kampfes gegen die privaten Ronnenschnlen mid besonders des gewalt- samen Widerstandes seitens der Klerikalen, um die Verweltlichung der öffentlichen Mädchenschulen wirklich in Gang zu bringen. Someldetinden letzten paar Wochen der Telegraph fortwährend über Verweltlichung von Dutzenden von Schulen in allen Ecken deS Landes. Ein weiterer Beweis, daß der bisherige Schiieckeiigang der Veriveltlichnng ledig- lich der klerikalsreiiiidlichen Saumseligkeit der Präfekten bezw. der lvohiwolleiid-iieiitralen Nachlässigkeit der Regierungen zuzuschreiben ist. In den letzten drei Monaten wurden bereit« ca. 1000 Schulen verweltlicht, lind es wird flott weiter vertveltlicht werden, so lange — die gegebene antiklerikale Kampfsitnation fortdauert.— Portugal. TaS verpfändete Srepter. Sämtliche Lissaboner Blätter be- schäftigen sich mit dem Gerücht von eiiiem g r o ß e n S k a n d a l, durch welchen die Regierung lompromittiert sein soll. Die Regierimg soll nänilich, als sie sich in Geldnöten befand, die Kronjmvelen, darunter auch das k o st b a r e S c e p t e r Don Juans l., in einem Gesamtiverte von 25 Millionen Frank, verpfändet haben. Die Bank von Portugal, welche die kostbaren Steine beliehen hatte, soll nunmehr die Rückgabe der Gelder verlangen unter der Drohung, die Angelegenheit an die O e f f e n t l i ch I e i t zu bringen. Da die Pumpgeschichte nun ja bereits an die Oeffentlichkeit ge- kommen ist, ist es doppelt fraglich, ob Don Juan I. nmunchr sein verpfändetes Srepter einlösen ivird.— Dänemark. Die LandSthingöwahlcn sind in vollem Gange. Der Haupt« Wahltag ist der 3. September, wo die allgemeine Wählerklasie ihre Wahlmäimer wählt. Die Laiidsthiiigsivahlen sind diesmal besonders wichtig, weil es von ihnen abhängt, ob die neue liberale Regierung ihre angekündigten Reformen ungehindert durchführen kann, oder ob auch in Zukunft eine reaktionäre Körperschaft die Macht haben soll. jede» demokratischen oder socialen Fortschritt in der Gesetzgebung zu vereiteln. Das Radikalmittel, sich freie Bahn zu schaffen, die Auflösung des L a n d s t h i n g s samt der vom König ernannten Mitglieder, ist zivar vom Jnstizmiiiister A l b e r t i als ver- fassiiiigsmäßig zulässig anerkannt worden, aber er selbst scheint am allerwenigsten geneigt, von diesem Mittel Gebrauch zu machen, und arbeitete sogar bei der gegenwärtigen Wahlbewcgung direkt darauf hin, daß keine liberale Regierungsmehrheit im Landsthing zu stände ioinint. Alberti machte in seinem Organ„Dannebrog" schon seit Wochen für Wahlbündnisse zwischen den Liberalen, den Gemäßi�tliberalen, den Agrariern und einer Sondergrnppe der Konservativen Propaganda und suchte die Socialdemokraten, die alten Bundesgenossen der Liberalen im Wahlkampf, mit allen Mitteln zu bekänipfen und zu verdächtigen. Thatsächlicki wird aber Albertis Wahltaltit von der liberalen Partei nicht gebilligt. Nur in sehr wenigen Wahlkreisen haben die Liberalen Albertis Rat befolgt und sich mit jenen reaktionären Parteigruppen alliiert; in den meisten ist ein Wahlbündnis mit den Socialdemokraten geschlossen worden, in einzelnen Kreisen werden diese beiden Parteien getrennt wählen. Die Socialdemokratie macht ihre Unterstützung liberaler Kan- didaten unter anderm hauptsächlich davon abhängig, ob diese kon- seqnent für die Einführung des gleichen kommunalen Wahlrechts sind. Für diese Reform hat sich im vorigen Jahre in seiner Programmrede der Ministerpräsident Deuntzer ans- gesprochen, auch der Landwirtschaftsminister Ole Hansen hat sich dafür erklärt, und kürzlich, bei der Enthüllung deS Denkmals für den berühnite» liberale» Parteiführer Berg sagte der Kultusminister Christensen, datz es BergS Kampf gegen das doppelte Wahlrecht sei, den die Linken- regier»ng zu Ende führen wolle. Der Justizminister ober, um die Ncaklionären nicht von einem Wahlbündnis mit den Liberalen abzuschrecken, erklärte dieser Tage im„Dannebrog*; Heber eine» Gesetzentwurf(das Konnnunal-Wahlrecht betreffend), den niemand bis jetzt kenne, weil er überhaupt n i ch t e x i sti e r e, brauche man sich nicht aufzuregen,«lberti ist offenbar kein auf- richtiger Freund der Wahlreform. Die Socialdemokratie ist jetzt diejenige Partei in Dänemark, welch« die demokratischen Forderungen der Liberalen ohne Ein- schränkung vertritt, und wenn sie deswegen von Alberti und seinen Anhängern als nicht mehr bündnisfähig betrachtet wird, so kann ihr das nur zur Ehre gereichen. Und sollte das Band mit den Liberalen demnächst zerreißen, so kann auch da? nur der Partei zum Vorteil gereichen, die konsequent ihren Grundsätzen getreu geblieben ist.~ JSlandö Verfassung. Der von der dänischen Negierung dem iSIäiidischen Althing vorgelegte Entivurf zur Abänderung der Ber- fassnng ivurde von beiden Kammern deS Althings angenommen. Island erhält danach seinen eignen Minister, der der BolkSvertrctung gegenüber Verantivortlich ist und in Reykjawik, der Hauptstadt Islands, seinen Wohnsitz hat. Island kommt dadurch in eine ähnliche Stellung zu Dänemark, wie sie die parlamentarisch regierten Kolonie» Englands ziun Mutterlande einnehmen. Es ist auerkeniieuSwert, daß die liberale dänische Regiernng dem alten Wunsch der Isländer nach Selbstverwaltung, den die früheren konservativen Minister stets unbeachtet ließen, nachgekommen ist.— Das Allhiug hat ferner die Einführung der geheimen Stimmabgabe bei den Wahlen beschlossen.— Afrika. General Cronje, der mit seiner Frau wieder nach KlerkSdorp zurückgekehrt ist, hatte mit einem Vertreter deS.Bureau Lassan" eine Unterredung, in welcher er erklärte, er habe keinen Anlaß zu Beschwerden über die Behandlung, welche er während seiner Gefangen- schaft auf St. Helena von den Engländern erfahren habe. Generat Cronje sagt«,«r fit mit d e n FriedenSbedingnngen völlig zufrieden und hege die feste Zuversicht, daß Boeren und Engländer bald Hand in Hand arbeiten würden. Er freue sich, nach Südafrika zurückkehren und seinem Volke mit Rat und That beistehen zu können.— Amerika. Roosevelt durch einen Unglücksfall leicht verletzt. Bei einer Fahrt, welche Präsident Rooievelt und Umgebung am Mittwoch auf einem Jagdwagen von PittSficld nach Lenox unternahm, stieß der Wagen mit der elektrischen Straßenbahn zusammen. Der Präsident kam mit einigen Quetschungen und Hautabschürfungen im Gesicht davon. Der Geheim- s e k r e t ä r des Präsidenten. Eortelhon, erlitt ebenfalls leichte Verletzungen. Ei» GeHein, polizi st wurde getötet. Der Führer und der Schaffner deS Straßenbahnwagens wurden verhaftet. Die Pferde des JagdwagenS wurden totgedrückt. Ein weiteres hier aus Pittsfield eingegangenes Telegramm be- stätigt, daß die Verletzungen des Präsidenten nur leichter Natur find.— Eine neue Rede über die Trusts hat der redceifrige Herr Roosevelt �ehalte». Etwas Neues hat der wortreiche Redner auch diesmal mcht gesagt. Er beteuerte, daß eine V e r n i ck t»» g der Trust», die nur von einen, Charlatan oder einem Feinde der Republik gewünscht werden könne, natürlich nicht geplant sei. Die Trust« vernichten, hieße die Industrien des Landes lahmlegen, nnd dazu könne er natürlich seine Hand nicht biete». Nichtsdestoweniger sei er der Ueberzeugung, daß durch die Gesetzgebung.etwas in der Trustangelegenheit gethair* werden kann.— Nnvkei Der Provtuzial-Partcttag für SchleSwig-Holstein»c. be- schäftigte sich in seiner letzten Sitzung mit den Landtags- wählen. ES wurde folgende Resolution angenommen: Der Parteitag erklärt cS für notwendig, daß schon jetzt in allen Wahlkreisen die Vorbereitungen für die Landtagswahlen zweckentsprechend getroffen werden. Er macht eS den Parteigenossen zur Pflicht, überall da, wo die Ausstellung socialdcmokratischer Wahlinanns-Kandidale» möglich ist, auf deren Vornahme bedacht zu sein. Ferner empfiehlt er de» einzelnen Landtags-Wahlkreiscn— wenn nicht der deutsche Parteitag andre Anweisung giebt— selbständig die Frille zu prüfen und zu' entscheiden, ob und wie Ivcit �bei ihnen mit der Wahl- dctcilignng die noch dem Wahlgesetz mögliche Lbstruktio» zu verbinden ist nnd enipfiehlt, bei Wahlabmachungeu mit andren Parteien. die nach dem Beschlüsse des Mainzer Parteitages der Genehmigung deS Parteivorstands zu unterbreiten sind, vor allem ins Auge zu fassen, daß jene sich für durchgreifende Bekämpfung des Zolltarifs im Reiche. sowie für Vertretung bestimmter rein demokratischer Forderungen im Staate wie im Reiche verpflichten. Gleichzeitig verweist er darauf, daß die Versicherung unbedingten Eintretens für de» Abschluß von Handelsverträgen allein nicht als ehrliche Gegnerschaft gegen Brot« und Zollwuchcr angesehen werden kann. Zur Frage der Kommunalwahlcn lvurde ein Beschluß gefaßt, der den Parreigenoffe» des Bezirks empfiehlt, init der bisher in den meisten Städte» beobachteten ablehnenden Taktik zu brechen. Hmn internationalen jtongreß wurde Genosse Frohme delegiert. Der Parteitag für beide Mecklenburg«»d Lübeck wurde am Sonntag in L n b e ck abgehalten. In Mecklenburg sind bekannt- lich socialdemokratische Versammlungen„»möglich. Deshalb nrüsseo die Parteigenossen mit ihrem Parteitage alljährlich nach der benach- harten Republik Lübeck auswandern und deswegen sind für sie Aktionen, wie die Sammlung der Unterschriften gegen den Brotivucher, von ganz besonderer Wichtigkeit. Es ist daher erklärlich, wenn der Bericht d-S Lmides-Vertrauensmauncs auf diese Aktion ganz besonderes Getvicht legt. Er chat eine Zusammen- stellniig über das Ergebnis der Protestbewegung»ach Ort- schofte» gemacht, die recht interessant ist. In beide» Mecklcn- bnrg sind bekanntlich zusammen 3S 025 Unterschriften auf unl're Petition gegeben ivorden. das sind ll.1 Proz. der Bevölkerung, für ein so stark laiidlvirtschaftlicheS Gebiet eine be« achtenswerte Anzahl; bedeutet eS doch ein Vimel der erwachsenen Bevölkerung. Von de» Unterschriften stamme» 6028 aus 168 Dörfern. ES find darunter eine ganze Anzahl Dörfer, in denen fast ei» Viertel der gesamten Emwohners-baft unterschrieben hat. In 60 Dörfern de» 1. und 7. Wahlkreises zusammengerechnet nnterschrieben mehr wie 20 Proz. der Einwohner. Es war leichter, die Dorfbewohner zum Unterschreiben der Petition zu veranlassen, als die Stadtbewohner. Sieht man die einzelnen Petitionsbogen ans den Dörfern genauer durch und vergleicht die Zahl der gewonnenen Unterschriften mit der Einwohnerzahl deS Dorfes, so ergiebt sich bei einer ganzen Reihe von Dörfer», daß fast die gesamten erwachsenen Einwohner männlichen nnd weiblichen Geschlechts unterschrieben haben. Und diese Dörfer, die sich fast ein- stnnmig geg.n die Kornzölle ausgesprochen haben, sind Gutsdörfer; die Tagelöhner manches mecklenburgischen Rittergutsbesitzers, deren „Herreu" im Bunde der Landwirte nach Getreidezöllen von 7S M. per Tonne schreien, haben sich mit überraschender Einhelligkeit gegen den Brotivucher ausgesprochen. Die sieben Wahlkreise Mecklenburgs brachten im Berichtsjahre zusammen S867 M. auf. Der Landes- Vertrauensmann hatte eine Einnahme von 3812 M., lvovon 2000 M. vom Parteivorstand und 1420M.Knsienbestand ans den, vorigcnJahre. Seine Ausgaben betrugen 3170 M., davon 1520 M. für Knlenderverbreitniig nnd 1353 M. für sonstige Agitation. Die Verhandlungsgegenstände und Beschlüsse betrafen nur innere Angelegenheiten. Zu erwähnen ist, daß der Agiiationslalender für 1903 in 100 000 Exemplaren verbreitet werden soll. Zum LaiitcS-BertrauenSinanu wurde einstimmig wieder Genosse E r d b e e r gewählt._ Der Parteitag der norwegischen Tocialdemokratie. Die 16. Landesversammlung der„Norwegischen Arbeiterpartei' fand vom 22.— 25. August zu Trondhjeu, statt. Amvesend waren 68 Delegierte. Dein Bericht über die Thätigkeit der Partei ist folgendes zu entnehme,,: I» der Zeit vom 1. Juli 1901 vis zum 80. Juni 1902 haben sich 76 Vereinigungen der Partei angeschlossen; ausgetreten find zwei: die„Typographische Vereinigung' nnd der deutsche Verein„Freiheit", beide in Kristiania. Die Partei zählt jetzt insgesamt 211 Vereinigungen mit ca. 12 000 Mitgliedern. Im Auftrage der vorigen Landesversammlung wurden von, Partei- vorstand Gesuche a» das Storthing eingereicht in Bezug auf das Bereinigungsrecht, die Bestellungen staatlicher Arbeite» i». Aus- lande und Aenderungen im FabrikanfstchtS-Gesetz. Ein weiterer Auftrag der vorigen Landesversammlung, einen Gesetzentwurf den Achtstundentag betreffend, konnte von, Parteivorstand wegen Ueberlastnng mit Arbeiten bis jetzt nicht erledigt werden, jedoch wird an der Ausführung gearbeitet.— A g i t a t i o n s v e r s a m n,- l u n g e„ wnrden unter Mitwirkung deS Parteivorstandes über 150 an verschiedenen Orten deS Landes abgehalten. Die s o c i a l i st i s ch e n I u g« n d v e r e i n e haben eine ganz bedeutende Agitation für die socialdemokratische,, Ideen cnt- faltet nnd mit Erfolg dahin gewirkt, Interesse nnd Vor- ständnis unter der Jugend zu wecke».— Das Wählerlisten- C o in p t o i r Wandtals-Kontor), das die Partei zur Förderung der Wahlbeteiligung in Kristiania errichtet hat, hatte viele Anfrage» ans Stadt nNd Land zu erledigen, so daß eine frrichtbriiigcnde Thätigkeit enifaltet wurde. Bei den K o m m u n a l w a h l e n 1901 hat eine bedeutende Zunahme der socialdemokratischen Stimmen festgestellt werden können. In Kristiania betrug jedoch die Zu- »ahme gegenüber der Stimnrenzahl der Storthingswahl von 1900 niir ca. dOO, was hauptsächlich der u n g e h e n e r e n Arbe itSlosigkeit zuzuschreiben ist, durch die die Zahl der stimmberechtigten Männer der Haupt st adt um ca, 4000 sei tderStorthingswablsvon 1900 vermindert w u r d e. Die Einfühning des Frauenstimmrechts ist. wie bestimmt behauptet wird, hauptsächlich der konservative» Partei zu gute ge- komme», und da« soll in besonders hohem Grade auch in Kristiania der Fall sei». Di« Wahlbeteiligung der Frauen betrug in den Städten dulchschnittlich 048 Proz., auf dem Lnnde dagegen nur 9,4 Proz. der wahlberechtigten Frauen. Socialdemokratische Gemeindevcrtreter wnrden an' den verschiedenen Orten zusammen 147 geivählt.— Das Centralorgan.Socialdemokraten' hat noch immer unter finanzielleii Schwierigkeiten zu leiden. Der Brand, der in der Nacht von, 27, zu», 28. Februar in den Räumen der Zeitung ausbrach, hat ziemlichen Schaden angerichtet. Leider ivar die Bersicherung zu niedrig angesetzt, und außerdem wurde die kurz vordem vom Buchbinder gelieferte Auflage des socialistischen Liederbuches zerstört, die nicht mit versichert war. ES ist z» erlvnrten, daß die Verhältnisse des BlatteS sich bald bessern. Eine zu Gunsten des Blattes vorgenonimens Sammlung hat 2093,22 Kronen ergeben,— Die Abteilung T r o n d h j e in hat einen besondere» Bericht gegeben. Dort zählte die Partei in 16 Vereinigungen ca, 700 Mitglieder. Das Parlei-Orgn». N y T i d' soll in ein Tageblatt umgewandelt werden.— In Berge» sind 11 Vereinigungen mit ca. 1000 Mitgliedern angcschlosscn; eine wesentliche Berutchruug der Miiglicderzahl hat hier, wohl Haupt- sächlich infolge der furchtbaren Arbeitslosigkeit nicht stattgcfuudcn.— Der Bericht des Parteivorstandcs wurde eu, stimmig gnlgeheißeu.— Darauf wurde beschloffeu, daß alle der Partei angehörenden Vereinig,»igen bis zu», 1. Juli 1903 pro Mitglied 1 Krone in die PaNeikasse zahlen sollen, um mit diesem Gelde„Socialdeinokraiens" Schulde» zu decken. De» Vcrcinignngei, werden auf Wunsch für die eingezahlten Summe» Aktien ausgestellt.— Ein Antrag des deutschen Vereins„Borivärts" in Kristiania, für „Socialdemokraten" eine Preßkon, Mission einzusetzen, wurde von Jessen, den, Vertreter des Vereins mit dem Hin- tvcis auf die in Deutschland bestehenden Preßkommissioneii empfohlen, aber nach längerer Debatte mit allen, gegen Jesiens Stimme abgelehnt. Ueber Kranken, und Nnfallveriichernn g referierten dann nach einander Oskar Nissen nnd M. O r n, e st a d. Hierzu ivnrde eine große Resolution ausgearbeitet, worin unter ausführlicher Begründung der von der parlamentarischen„Arbeiter- kommissio»' gemachte Borschlag zu einem Krankel, versichenings- Gesetz verlvorfe» und die schrittweise Einsührung einer allgenieinei, öffeullicheii und unentgeltlichen Kraukeupflege verlangt wird. Zu den, A g r a r p r o g r a m in bemerkte der Referent Torgeir V r a a nntcr andern,, daß dies der ivichtigste Punkt der Tagesordnung sei,„anienllich deswegen, weil die vürgerliche Presse den Socialisinns als Schreckbild für die Bauer» benutze. In der Debatte traten nur geringe Meinugnsverschiedcnheitcn hervor. Der Entwurf, (der bereits in Nr. 150 des„Borwärls" mitgeteilt) wurde unverändert angenommen. I» Bezug a»f die Reorganisation der Partei wurde der Vorschlag der Koinitcemehrheit, wonach die Einzelvercine in Stadt- nud Anitsorgaiiisationen zusammentreten,»nd diese de» Grundstock der Partei bilde» sollen, in, Princip angenommen. Der Parteivorstand wurde beauftragt, den Entwurf bis zu», nächsten Parteitag genauer auszuarbeiten.— Zur Arbeitslose„frage wnrde»ach eine». Vortrage von C. I e p p e s e n eine Resolntio» angen omni en, worin auf die privatkapitalische Produktionsmeise als auf die Ursache der Unsicherheit in den Erwerbsverhälttiiffeii, und der damit verbundenen Uebelstände hingewiesen wird und es dann weiter heißt: „Zum Schutz gegen die Arbeitslosigkeit und deren Folgen innsscn die Arbeiter durch ihre politischen nnd gewerkschaftlichen Organisationen dahin wirken: daß die Produktionsbetriebe der offent- lichen Leitung»nd Kontrolle unterstellt werden; daß alle unbenutzten ReichtnmSqucllen in Gebrauch genommen werden; daß die Arbeit planmäßig organisiert wird, um StockuiigSperioden zu verhindern; daß die Arbeitszeit verkürzt, der Lohn erhöht wird; daß Staat oder Kommune Zuschüsse zu den Arbeitsloscii-Unterstiitziingen der GeWerk- schafte» leisten."— Der Parteivorstand wnrde sodann deauftragt, in Gemeinschaft mit den Barsländen der Gewerkschaften Vorschläge zur Arbeitslosenfrage zur Einreichung an das«torthing und die Gc- meindeverivaltungen anSzuarbeiteii.— Zur Taktik der Partei wurde folgender Beschluß gefaßt: „Alliancen mit andren politischen Parteien könnev„nr unter der Be- dingung einer den Berhältniisc» einsprechende» Nepräsenlation der Partei eingegangen werden, aber unter keinen Umständen auf Kosten deS Programms der Partei. Keine Partei-Abteilniig hat das Recht, eine Allianc« ohne Zustimmung deS ParteivorstandeS einzugehen.— Der nächste Parteitag wird so zeitig einberufen, daß Taktik und Pro- gramin vor den Wahlen endgültig festgestellt werde» können."— I Ferner nahm die Landesversammlung eiustiinmig ein„An das arbeitende Volk" gerichtetes Manifest an, worin auf die teils direkt arbeiterfeindliche, teils von großem Mangel an socialem Ber- ständnis zeugende Politik der herrschenden Linkeupartei hingetviesen wird.„Unsres Landes Arbeiter", heißt eS dann weiter,„sind in politischer Hinsicht glücklicher gestellt alS die der iiieisten Länder: das Wahlrecht ist in einer Ausdehnung erobert, die es möglich macht, die Wagschale der Macht zu ihren, Gunsten zu neige». Unter diesen Umständen ist es„»verantwortlich, sich mit den ge- wonnene» Resultaten zufrieden zu geben. ES ist jede? Arbeiters Pflicht, entschlossen und klassenbeivußt der Reaktion entgegenzutreten, die sich offenbar immer mehr ausbreitet und mit kurzsichtigem Eifer die Arbeitskräfte des L-Mdes hinaus»ach fremden Weltteilen treibt." Zum Schluß wirdstinf die im nächste» Jahre stattfindenden Storthings- wählen Bezug genommen, für die jetzt schon durch eifrige Agitation gelvirkt werde» soll. Zum Vorsitzenden der Partei wurde Chr. H. Knud sen mit allen gegen eine Stimme wiedergewählt; als Redacteur des Centralorgans A. B u e n mit der gleichen Majorität. Trnckfehlerberichtigung. In den Anträgen zum Parteitage in gestriger Nummer muß es bei Antrag 72 nicht Wilhelm Zieten, sondern wie bei 54 Wilhelm G i e h m heißen. Polileiliches, Gerichtliches usto. — Ein MciucidSProzest spielte sich jetzt in Eving im Ruhr- rebier ab. Angeklagt des Meineides ist der Gendarm V a c z e ck. An, 4. Novcniber 1900 fand in Eving ei» Fest deS dortigen Arbeiter- Gesangvereins statt. Infolge einiger Streitigkeiten, spät abends, schritt die Polizei ein; weil sie angeblich in bedrängter Lage war, zog sie blank und schlug um sich. Mehrere Perjonen wurden dabei verletzt. In Nr. 165 der„Arbcitcr-Zeitung" waren jene Vorgänge geschildert und dabei behauptet, daß die Be- aniteu in brutaler Weise selbst gegen Wehrlose vorgegangen seien und nicht das mindeste Recht gehabt hatten, so vorzugehen. Deswegen war gegen unsern damaligen verantwortlichen Redacteur, Geiioffcn Anton Bredenbeck, die Beleidigungsklage eingeleitet, da die Beamten angeblich im Recht gewesen sein sollen. Ein gegen die Beamte» angestrengtes Verfahren wurde eingestellt. Die Ver- Handlung gegen Bredenbeck fand am 23. Januar d. I. statt nnd endete mit der Verurteilung zu 5 Monaten Gefängnis, die er gegenwärtig in Herford verbüßt. In der Verhandlung trat der Gendarm Baczeck als Belastinigszeuge auf und sagte unter seinem Eide aus, daß er weder blank gezogen, noch geschlagen habe. Der Bergnimm Schmidt bekundete, daß B. geschlagen hat, und blieb auch dabei. Gegen ihn wurde ein MeincidSverfahrcn eingeleitet, das aber eingestellt wurde, da ihm nichts Falsches nachgewiesen werden konnte. Eine große Reihe Zeugen sagten a»S, daß B. geschlagen habe. Nun- mehr wurde gegen B. bei der Gcudarmerie-Brigade in Münster die Anzeige wegen ivffsentlichen Meineids erstattet. Die Vornntcrsuchnng hat zur Erhebung der Anklage geführt nnd nun hatte vor dem Kriegsgericht dcr'XHI. Division sich der beschuldigte Gendarm zu verantworten. Baczeck als Angeklagter erklärte, daß er in der Verhandlung gegen Vredenbeck seine Bchanptmig. nicht geschlagen zu habe»,»nr mit der Einschränkung„so weit ich mich erinnere", aufgestellt habe. Der Berichterstatter der„Rh. Wests. Arbeiter-Zeitung" behauptet jedoch, daß Baczeck diese Einschränkung nicht gemacht habe. Die Verhandlung ergab das in solchen Fällen bekannte»nd natürliche Bild. Es standen Aussagen gegen Aussagen. Selbst die be- teiligten Gendarmen widersprachen einander. Ein Gendarm behauptete, er habe nicht geschlagen, ivährend ihn, der andre vorhielt, daß er doch geschlagen habe. Klarheit über die Vorgänge wnrde durch die Verhandlung nicht geschaffen und das Gericht s p r a ch deshalb den Angeklagten frei, obwohl der öffentliche Ankläger ein Jahr Zuchthaus und Ausstoßung aus dem Heere be- antragt hatte. Wir haben gegen die Freisprechung in solchen, Falle nichts ein- zuwenden; wir vertreten stets die Meinung, daß die Schuld zweifels« frei festgestellt sein ni»ß, wenn eine Verurteilung erfolgen soll. Aber das müßte auch de», socialdemokratischen Redakteur zu gute kommen. Stand doch für ihn soviel fest, daß in der That mehrere Gendarmen von der Waffe Gebrauch gemacht haben. Ob das mit Recht oder Unrecht geschehen, ist in der Verhandlung gegen(ihn mindestens so ztvcifelhaft geblieben, wie die MeincidSichuld des Gendarme»'. Doch der socialdemokratische Rcdallenr Ivurde verurteilt, der Gendarm aber freigesprochen. — Zu», Militärvcrbot. Das Garnison-Kommando Leipzig hat das über mehrere Gastwirtschaften verhängte Mililärverbot in der Weise aufgehoben, daß künftighin nur an den Tagen, an ivelchcu socialdemokratische Bersammlungen in diesen Lokalen statt- finde», der Besuch derselbe» den Militärpersonen verboten ist, im übrigen aber der Besuch gestaltet wird. In Betracht kommen hierbei zunächst nur vier Etablissements, zivei in den westlichen Vor- orte», eins in Connelvitz»nd eins in Anger-Crotlendorf. Ob diese Veränderung so ganz bedingungslos eingetreten ist, bedarf noch der Aufklärung._ Aus Industvie und AZundel. Dreiimdvicrzigster Geuofscnschaftötng. Heute nachmittag gegen 5 Uhr begann in Kreuznach die von, Anivalt Dr. Crüger„ach den, Knrhaussaale einberufene Versammlung der Delegierte» der deutschen Genossenschaften. Auf Vorschlag des Amvalts Dr. Crüger wurde Vcrbandsdirektor Dr. Feldhei»,- Burg zun, Vorsitzenden gewählt. Sodann ging Dr. Crüger auf den Geschäftsbericht der Deutschen Genossenschaftsbank ein n»d suchte von sich»nd den andre» freisinnigen Mitglieder» des AnfsichtSrats die Mitschuld an de» Verlusten der Bank abzuwälzen. Eine Koinniandit-Gesellschaft a»f Aktien mit persönlich haftenden Gesellschaftern sei nichts weiter als eine offene Handelsgesellschaft. Aus der Kommandit- Gesellschaft iverde»»»mehr eine Aktien- Gesellschast, ans persönlich haftenden Gesellschaftern Direktoren nnd der Anfsichtsrat werde eine Stellung bekomme», die ihn in die Lage setze» iverde. gennne Revision vorzunehnic». Der Vorivnrf der Ber- lranciisseligkeit gegen die neuen Anffichtsratsmitglieder sei voll- ständig ungerechtfertigt. Wir haben alle Conti aufs eingehendste geprüft, wir waren aber falsch informiert, ganz besonders fehlte es den Anffichtsratsniitglicdern an einer Unterlage zur Prüfung der Renlabilität der Unternehmungen. Die GenosscnschaftLbaiik hat sich allerdings in Unternehmungen eingelassen, die ihr fern liege», zu deren Leitung ihr die geeigneten Persönlichkeiten fehlten. Eine Berlenindimg ist es, z» behaupten, daß die Bilanzen gefälscht waren. Fehler seien begangen ivorden, von einer Bilanzfälschnng kann aber in keiner Weise die Rede sein. ES wird nun gefragt: Welchen Schutz haben den» die Aktionäre, wen» sie durch den Aufsichisrat nicht vor Verlusten geschützt werde». Ich erividcre darauf: einen absolute» Schutz der Aktionäre giebt es nirtN. Höchst bedauerlich ist es, daß das Vor- koniuinis von der gegnerischen Presse z» gemeinen Angriffen ans die Schulze-Delitzschschc» Gcnossenschasten benützt werde. Eine Zeitung schrieb: Ter Znsammenbrnch der Deutsche» Genossenschaftsbank ist der Anfang vom Ende der Schulze-Delitzschichen Genossenschaften. So bedauerlich das Borkon,»iniS ist, so hat es mit den Schulzc-Delitzschschen Genossenschaften als solche gar nichts zu th»n. Direktor G m ü n d e r- Darmjtadt: Ich kann de», Herrn An- Ivalt, der erst 1398 in den Anfsichtsrat eingetreten ist, nicht einen Vorwurf der Pflichtverletzung machen. Aber ein Vorwurf trifft die Herren Wcill nnd Siebcrt, die die Statuten der Gesellschaft verletzt haben. Eine» Vorivnrf mache ich Herrn Parisins, der auf seinen Millionen sitzt.(Beifall.) Direktor V o l l b o r»(Eisenach): Ich kam, mich dem Vorredner im allgemeine» niischlicßeii. Ich bedauere aber, daß selbst die maß- gebende Presse gänzlich falsche Schlüsse gezogen hat. Hinter der Genossenschaftsbank stehe» die deutsche» Gciiossenschafte», die sämtlich liquide sind. Unser Vertraue» ist zur Genossenschaftsbank in keiner Weise erschüttert. Direktor Münch(Diez): Ich kann doch dem Anfffchtsrat einen Vorivnrf nicht ersparen. Der Herr Anwalt sagte: Man wußte wnjHt, va� Mht alles!lar sei. Ja, wenn das der Fall war, wie konnte der Aufsichtsrat noch die Ausgabe 1 u�n g e r A k t i e u z u 1 1 3 P r o z. zulassen? Da mubte man doch annehmen, datz die Bank große Geschäfte macht. Baukdirektor Thorwart(Frankfurt a. M.). Den Vorstand trifft keinerlei Vorwurf. Er halte das Recht, sich an industriellen Unternehmungen zu beteiligen. Ein Vorivurf trifft den Vorstand nur, daß er zu oplimistisch>var. Hätten aber die Unternehmungen Nutzen ergeben, dann würden die Aktionäre denselben gern mit- genommen haben. Vor Unglück kann niemand. Blindlings ist der Borstand an die Beteiligung der Unternehmungen nicht heran- gegangen; er hat alles durch Sachverständige aufs genaueste prüfen lassen. Jedenfalls liegt nicht der geringste Anlas; zu einem Miß- trauen vor. Die weiteren Redner ersuchten fast sämtlich, dafür zu wirken, daß die Genossenschaften ihre Aktien behalten. Der Vorsitzende schloß danach die Versammlung mit dem Wunsche, daß die Besprechung dazu beigetragen haben niöge, das Vertrauen zu der Deutschen Genossen- schastsbant wieder zu befestigen. Der amcrikauischc Flcischtrnst, über dessen Gründung wir »orgestern berichteten, besteht, ivie neuerdings gemeldet wird, in der Hauptsache aus den Firmen: Armour, Swift. Morris, Schwarzschild und Cudahh. Von dem Gcsanit-Aktienkapstal im Betrage von 500 Millioiien Dollar entfallen auf diese Firmen allein über vier Fünftel._ Ans i»ev Fvnnvnbetnegung. Eine Partciversamuilullg, die von der Vertrauensperson der Genossinnen einberufen war, tagte gester» in den Arminhallen. Genossin Baader gab in ihrem Referat über: Die Frauen- lonferenz und den Parteitag in München zunächst ein Bild von der günstigen Entlvicklung, die die Frauenbewegung in mehrere» Teilen Deutschlands seit der Konferenz in Mainz durchgemacht hat, und schilderte dann die bevorstehende Frauen- koirferenz in München. Mit Bezug auf den Punkt Gleichberechtigung der Frauen kritisierte die Referentin die sonderbaren und einander widersprechenden Maßnahnie» der Polizei auf der Brandenburger Konferenz und wies dann weiter darauf hin, wie notwendig es fft, daß die Fronen sich auch für die auf den Parteitag zu behandelnden Fragen interessieren.— Nach kurzer Diskussion, in der Genosse v. O p p e l und Genossin Heide mann sprachen, wurde beschlossen, zwei Delcgiertinnen zur Frauenkonferenz und zum Parteitag zu senden, und hierzu einstimmig die Genossinnen Wehl und Panzeram gewählt. Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. Montag, den 8. September, abends 8'/s Uhr, in den.Arniilihallen", Kommandantenstr. 20: Versammlung. Tagesordnung: I. Vortrag des Frl. Dr. I. Springer über:„Wie erziehen wir linsre Kinder zu gesunden Menschen?" 2. Vercinsangelegenheiteil: Aussprache über Einrichtung von Diskussionsabenden. Gäste lvillkomnie». Der Vorstand. GemevkMxAftliches. Berlin und Umgegend. Handluttgögehilfeu- Streik. Das kaufmännische Personal der Firma John Cravcn-Lurleigh, Leipziger st r. 34, ist in den Ausstand getreten. Bor Zuzug wird gewarnt. Centralverband der Handluiigsgehilse» und Gehilfinnen Deutschlands, Bezirk Berlin, Elsasserstr. 25. II. Streik bei Borfig. Aus dein Bureau des Metallarbeiter- Verbandes wird uns geschrieben: Wegen fortgesetzter Lohnabzüge haben sämtliche Eisen- und Metalldreher der Firma Borsig in Tegel die Arbeit niedergelegt. Zuzug ist fernzuhalten. Lohnbewegung der Bleigläser. Eine Sitzung von Glaser- meistern beschäftigte sich mit den von den Blei- und Mcssingglascrn sowie den GlnSinalerii aufgestellten Forderungen. Die Herren Arbeitgeber bewilligten großmütig— die Lieferung von Handtuch, Seife und Ver- bandszeng. Die Hauptforderungen der Gehilfen bezüglich des Lohnes, der Arbeitszeit, des Arbeitsnachweises zc. wurden der Reihe nach abgelehnt. Trotzdem haben von 125 Firmen bereits neun mit ca. 52 Gehilfen den Lohntarif anerkannt. Die am Mittivochvonnittag abgehaltene Versammlung der Gehilfen beauftragte dieLvhnkommissioii, weitere Schritte zur Anerkennung und Durchführung der aufgestellten Forderungen zu unternehmen. Im Ausstand befinden sich augenblicklich 125 Arbeitnehmer. Angesichts der guten Koujnnktur und da die Beschlüsse der Glasermeister-Sitznng insofern erklärlich sind, daß die Herren fast gar keine oder nur vereinzelt Bleiglaser beschäftigen, steht zu er- warten, daß die wirklich in Betracht kommenden Firmen, sich nicht abhalten lassen, mit der Lohnkommissio» in Unterhandlung zu trete». Es spricht dafür die Thatsache, daß während der Versammlung einige Bewilligiiiigen einliefen. Der Zuzug ist feriiznhalten. Die Lohnkonnnission. Durch das Eingreife» der Polizei ist schon wieder eine Ar- beitcrvcrsammlung verhindert worden. Der Centralverband der Töpfer hatte am Dienstag seine Vertrauensmänner zu einer Sitzung nach dem Gciverkschaftshause eingeladen. Da eine Erörterung von Angelegenheiten, die der gesunde Menschenverstand als öffentliche betrachten müßte, nicht beabsichtigt war, so hatte man die Sitzung auch bei der Polizei nicht augemeldet. Bekanntlich liest man auf der Polizei den„Vorwärts" mit großem Eifer, und so hatte die Behörde von der Einberufung der Sitzung Kenntnis erhalten. Ehe die Sitzung beginne» konnte, erschien ein Polizeilieutenant und bedeutete dem Einberufer, daß die Sitzung nicht abgehalten werden dürfe. Der Beamte berief sich auf eine ausdrückliche Aniveisung des Polizei- Präsidiums, welche ihn beauftrage, das Stattfinden der Sitzung zu verhindern, weil in derselben öffentliche Angclegenheilcn erörtert werden sollten, und sie deshalb hätte angemeldet werden niüsseu. Woher das Polizeipräsidium wissen konnte, ivas in der Sitzung er- örtert werden sollte, bleibt rätselhaft. Ans der bekannt gegebenen Tagesordnung geht das keineswegs hervor. Sie lautet:„Die Situation in unsrem Beruf. Gewerkschaft- liches." Die polizeiliche Auslegung des Begriffs„öffentliche Angelegenheiten" mag ja iveiter gehen, als die andrer Leute, welche in der Auslegungskunst nicht so bewandert sind. Die Polizei glaubte in diesem Falle, sie müsse dabei sein, wenn die Vcrtraiicnsmänncr der Töpfer über Angelegenheiten ihres Berufs und ihrer Gewerkschaft rede», und deshalb fühlte sie sich berufen— unsrer Ansicht nach zu Unreckit— die Sitzung zu verhindern, anstatt einfach dazubleiben und sich zu überzeugen, ob man wirklich„öffentliche Angelegen- Heiken" eiörtert hätte/ Der prenßische Staat würde ja nicht gleich ins Wanken gekommen sein, wenn die Töpfer einmal unangemeldet getagt hätten. Deutsches Reich. Streikjustiz. Fortgesetzt beschäftigen sich die Gerichte in Stuttgart mit Anklagen gegen Leute, die während deS Straßen- bahner-Streiks ihren Univillen gegen Streikbrecher in nicht gerade Höf- lichen Worten Luft gemacht haben. Jüngst stand ein Mann vor den Schranken des Gerichts, dem nichts iveiter vorgeworfen werden konnte, als daß er den Arbeilsivilligc» zugerufen habe:„Ihr sollt und dürft nicht fahren". Obgleich nicht einmal erwiese» iverdcn konnte, ob der Angeklagte diese Aeußerung gethan hat, beantragte der Amtsantvalt eine Woche Gefängnis. Das Gericht kam dagegen zu einem Freispruch. � Schlimmer erging es einem andren Angeklagten, der zu derselben Zeit vor Gericht (stand. Er soll die Arbeitsroilligeii„Streikbrecher",„Lumpen" zc. gemannt und ihnen vorgehalten haben, daß sie sich schämen müßte», ihre Kameraden ums Brot zu bringen usiv. Diesen Frevel an der „Ehre" der Streikbrecher muß der Angeklagte mit einer Gefängnis- strafe von zehn Tagen büßen. I n Brann schweig sind drei Bauarbeiter mit 3 Monate», einem Monat, und 2 Wochen Gefängnis bestraft worden, weil sie, wie das Gericht erachtete, streikbrecheude Zimmerer bedroht haben sollen „Deutsche Arbeitgeber-Zeituug". Unter diesem Titel soll vom 1. Ottober an ein Preßorgan erscheinen, welches sich als Pnblikattons- organ der deutschen Arbeitgeber-Berbände bezeichnet. In der An- kündigung heißt es: „Hinter der„Deutschen Arbeitgeber-Zeitung" stehen die her- vorragendsten Arbeitgeber-Berbände. Sie wird die Waffe des organisierten Arbeitgebcrtums in gleicher Weise werden, wie es die socialdemokratische Presse für die organisierten Arbeitnehmer ist." Für die Aufgaben, welche sich die neue Preßgrllndung gestellt hat, ist folgender Passus aus ihrem Programm kennzeichnend: „Allen Arbeitgebern, den größer» wie den kleinern, den In- dustriellen wie den Handwerkern und Kaufleuten, ist das Bestreben nach einer Abwehr der Gefahr gemeinsam. welche durch den socialpolitischen Ucbereifer wohl- meinender, aber einseitiger und kurzsichtiger Reform a- t o r e n im Vereine mit der unablässigen Wühlarbeit der socialde m akratischen Agitation den Fortbestand der Industrie und des Gewerbes znm unberechenbaren Schaden nicht nur der Arbeitgeber, sondern auch der Arbeitnehmer selbst bedroht." Die„Deutsche Arbeitgebcr-Zeittmg" will also den Kampf nach zwei Fronten führen, sowohl gegen die milden Befürworter unzulänglicher Socialrefonnen, als auch gegen die gewerkschaftlich orgauisierteu Arbeiter. Das letztere wird jedenfalls die Haupt- aufgäbe des neuen Organs sein. Darauf läßt schon der Name des Chcfredacteurs schließen. Es ist dies ein Herr Klebinder, der bisher die.Fachzeitung" der Berliner Tischlermeister und Holz- industriellen ebenfalls als„Chef" redigierte. Hinter dem„Chef" des neuen Kampforgans stehen vermutlich auch die bekannten Führer der Berliner Holzindustriellen, die Herren Brh. Rahardt usw. Damit ist die Richtung der neuen Zeitung wohl genügend gekennzeichnet. Ausland. Vom euglischen Gewerkschaftskongreß. Die für Sonntag vorgesehene Dcnionstration im Hhdepark hat unter großer Beteiligimg'stattgefundeil. Trotz strömenden Regens umstanden Tausende die Plattformen und folgten den Ausführungen der Redner. John Burns nimmt die Lordrichter wegen ihres Ent- scheides in der Taff- Vale- Angelegenheit in Schutz, er bezeichnet die brittsche Justiz als die beste. Wenn aber die Richter recht haben, dann sei die Gesetzgebung falsch und müsse abgeändert werden; dann seien die Gewerkschaften 30 Jahre laug in einem Narrenparadies(kools-paradies) gehalten worden. Da sie nun aus ihrer Illusion gerissen wurden, müßten sie nun auch Protest erheben. Am Sonnabend trat das Labour Representation Commitee zu einer Konferenz zusammen. Die Sitzung war eine geschlossene, jedoch ist bekannt, daß sich die Verhandlungen um die direkte Verttetung der Arbeit im Parlament drehten. Am Nachmittag fand eine Konferenz über die Arbeiter- Wohnungsfrage statt. Es wurde eine Resolution angenommen, welche eine Verbillignng der Eisenbahnfahrten verlangt. Eine zweite Resolution fordert die'gesetzgebenden und die Verwaltnngsbehördcn auf, zum Zwecke der Wohnungsbauten für billiges Land und billiges Kapital zu sorgen; die Resolution bezeichnet es als eine besondre Pflicht der Lokalbehörden, zur Lösung der Arbeiter-Wohnungsfrage beizutragen. Am Montag früh wurde der Kongreß durch Steadmnn, dem Präsidenten des Schiffszimmerer- Verbandes eröffnet. Es sprachen sodann Gregori vom Gewerkschaftslartell, McDonalt vom Londoner Grafschaftsrat, John BurnS und Keir Hardie. Nach Erledigung des geschäftlichen Teils. Wahl des Bureaus und der Koinmissione», wurde die Sitzung für den Tag geschlossen. Ucbcr dcu Straßenbahner-Streik in Genf, der am Sonntag ausgebrochen ist, und wie gestern mitgeteilt, am Dienstag bereits wieder beigelegt worden sein soll, werden der„Frankf. Ztg" die bis jetzt noch nicht bekannt gewordenen Ursachen berichtet. Danach trifft die Schuld au dem Ausstand zweifellos die Direktion der Straßen- bahn-Gesellschaft, welche, nachdcnr der vorige Ausstand kaum bei- gelegt war, eine neue Dienstordnung erließ, die für die kleinsten Vergehen die Strafe mehrtägigen AussetzcnS mit Lohnabzug festsetzt. Große Erbitterung— nicht nur unter den Angestellten sondern auch i» der Bevölkerung,' erregte die Anstellung geheimer Controleure, sowie die plötzliche Kündigung von 44 Angestellten, darunter die Wortführer der letzten Lohnbewegung. 3000 Eisenschmirde sind in Mailand ausständig; die Ursache des Streiks ist die Einführung eines neuen Tarifs. Ju äiemu(Spanien) ist ein allgemeiner Ausstand ausgebrochen. Die Arbeiter der meisten Industriezweige beteiligen sich an dem Streik. Eine Anzahl im Hafen liegender Schiffe mußten, ohne Ent- und Verladen zu werden, wieder abdampfen. I» Wcstbirginicn sollen, einem vom«W. T. B" verbreiteten Telegramm zufolge, die dortigen Ansstäudigen die Kohlengruben der PoeahontaS-Grubengesellschaft an der nach Virginicn zu gelegenen Seite in Brand gesetzt haben. Vevfalmnrlttngen. Dem Gedächtnis unsrer Tote» waren vier stark besuchte öffentliche Versammlungen gewidmet, die am Dienstag im sechsten Wablkreis abgehalten wurden. Die Ver- sammlungen fanden statt: für Moabit in Peters Gesellschaftshans, für den Wcddiug und die Oranienburger Vorstadt im Kolberger Salon, für Gesundbrunnen und die Roseuthalcr Vorstadt im Swine« inünder GescllschaftShaus und für die Schönhauser Vorstadt in Wernaus Salon. Die Gedächtnisreden hielte» Ed. Bernstein, B a r t h c I s, Schulz und D n v i d j o h n. Aukuüpfcud an den Todestag Ferdinand Lassalles gaben die Redner ei» Bild von dem Leben und Wirken des großen Vorkämpfers. würdigten dessen Thätigkeit als Politiker, Wissenschafter und Agitator. Doch nicht allein dem Andenken Lassalles galt die Feier. Ist es doch schon eine große Anzahl von pflichttreuen Männeru. deren Verlust die klassenbewnßte Arbeiterschaft betrauert. Teils sind ihre Namen unauslöschlich in der Geschichte des interuationalen SocialismnS ver- zeichnet als hervorragende Führer und Vorkämpfer der gewaltigen Arbeiterbewegung, teils aber sind sie nur in engeren Kreisen bekannt geworden als Milkänipser, die begeistert und opsermütig in prosaischer, alltäglicher Kleinarbeit für die große«ache des Proletariats gewirkt haben. Ihnen allen galten die warmen Worte der Anertennung. sie alle werden forlieben im Gedächtnis der Arbeiterschaft als Vorbilder der lebende» und kommenden Generation. — Zu Beginn sowohl als auch vor Schluß der Versammlungen trugen Vereine des Arbeiter- Sängerbundes durch den Gesang stimmungsvoller Lieder mit dazu bei, der Feier einen würdigen Charakter zu verleihe». Die Parteigenossen von Weißensee hielten eben- falls eine Versammlung zum Gedächtnis unsrer Toten ab. Den Vortrag hielt Genosse Kaliski. Die Arbeiter-Gesangvereine Weißensees brachten vor und nach dem Vortrage einige Lieder dar, so daß die von Männer» und Frauen gut besuchte Versammlung zu einer ftimninngsvollen Feier wurde. Die vom Gcwerkschaftötartell zu gestern abend nach Kellers Festsälen einberufene öffentliche Getv erkscha fts- Versa inm lu ii'g, in der auch die verschiedenen Verbände sehr zahlreich vertreten waren und in der darüber verhandelt werden sollte, ob die Mitglieder des Vereins der Töpfer Berlins Streikbrecher sind, ist recht stürmisch aber gänzlich resultatlos verlaufen.— Der Kartell- vorsitzende Hinrichsen wollte von einer Bureauwahl Abstand nehmen und die Leitung der Versammlung in Händen behalten. Infolge der heftigen Opposition, die sich dagegen geltend machte, sollte dann doch eine Bureauwahl vorgenommen werden. Die hierzu gemachten Vorschläge wurden aber schließlich sämtlich abgelehnt und darauf hin die von' nahezu 2000 Personen besuchte Versammlung vom Vor- sitzenden geschloffen.__ Uehko HarfjsWfef*« und Der Kaiser in Pose». Pose», 3. September.(W. T. B.) Ter Kaiser hielt bei dem Festmahle in den Räumen des Provinzialmuseums eine Rede, in der er u. a. folgendes sagte: Dem 5. Armeecorps spreche ich zum heutigen Tage von ganzem Herzen meinen Glückwunsch aus. Es hat bei seiner Parade die Probe auf seine Entwicklung im Frieden gegeben. Ich kann wohl sagen, daß, als ich die Reihen der Re- gimenter an mir vorüberziehen sah, mir die Geschichte des Corps wieder lebhaft vor die Augen getreten ist. In ernste» Zeiten haben die gelben Achselklappen sich bewährt. Vor allen Dingen ist mir dabei das Bild meines unvergeßlichen Herrn Vaters wieder vor die Augen getreten, der stets mit Stolz von seinen gelben Achsel- klappen sprach. Ich glaube nicht zu viel zu sagen, wenn ich dem Corps mit einen Teil des Verdienstes zuschreibe, daß es in den Kriegen, Ivo es unter dem Oberbefehl meines Vaters gefochten hat. durch seine tapfere Haltung mit dazu gewirtt hat. daß er sich den Marschallstab erwerbe» konnte. Niemand, in deffen Busen ein Preußenherz schlägt, wird der Kriegsgrenadiere vergessen, und niemand wird vergessen den Moment, als der Kronprinz auf dem Geisberge den sterbenden Kaisenberg in seinen Armen hielt. Ich würde aber bei meinem Trinkspruch auf das Armeecorps mir zur Hälfte seinen Leistungen gerecht werden, wenn ich nicht zugleich an das andre Armeecorps dächte, was heute im schwarzen Rock, den Hut in der Hand mit seinen Fqhucn vor uns stand, die 8000 Krieger, die an der Straße aufmarschiert standen. Auch sie haben zu meiner Seele gesprochen. Es reihte sich dort Kreuz an Kreuz und Schnalle an Schnalle. Das sind die Leute, die die Geschichte des Corps geschrieben haben, die mitgeholfen haben, unser Vaterland zu einigen; das find die Kämpfer, die meinem Vater in die blauen Augen geschaut haben, als sie ihm den Sieg erfochten hatten. In den Glückwunsch an mein Corps möchte ich daher auch meine Freude mischen über die vorzügliche tadellose Haltung der Kriegervereine, die ich heute ge- sehen habe. Mögen diese Leute den jungen Soldaten als Vor- aildcr dienen, daß der alte Geist jener Kriegskameraden sich immerdar bewähren möge. Posen, 3. September. Der Kaiser empfing heute vor der Paradctafel den Generalgouverneur von Warschau, General Tschcrtkoff, sowie das Offizierkorps seiner beiden russischen Regimenter. Der Kaiser richtete zum Schluß an dieselben folgende Ansprache:„Ehe ich von Ihnen, nieine Herren, Abschied nehme, drängt es mich, Ihnen meine Freude auszusprechen, die Offizierkorps zweier meiner russischen Regimenter, deren Uniform ich mit Stolz trage, in Posen bei unserer Parade habe begrüßen können. Ihre Anwesenheit verdanke ich der Güte des Kaisers Nicolans. welcher mir bei meinem Besuch in Reval freudige Zustimmung zu Ihrer Einladniig gewährte. Ihre Anwesenheit in Posen bedeutet nicht nur einen Besuch der Offiziere meiner schönen russischen Regimenter, sondern ist auch ein Beweis der alten Waffenbrüderschaft, welche seit einem Jahrhundert uusrc Heere mit einander verbindet. Sie sollen, nach den eignen Worten Ihres Herrn, ein Glied in der festen Kette darstellen, welche uns beide in treuer Freundschaft umschlingt. Gott gebe seinen Segen dazu, daß das immer so bleibe." Vom GenosscnschaftStag. Kreuznach, 3. September.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Die Großeinkauss-Geselljchaft Hamburg, welche 98 Arbeiter-Konsum- vereine vertritt, sowie alle sächsischen Konsumvereine wurden nach großer Debatte mit 233 gegen 84 Stimmen ausgefchloffeu. ES ist ein Verband der Konsumvereine geplant. Schweres Ban-Nuglück. Leipzig, 3. September.(B. H.) Am Neubau des an der Abt« Nanndorferstraße bei Schönefeld gelegenen Wasserturmes ist nachmittags das innere Gerüst zusammengestürzt. Dabei sind, wie die„Leipziger Neuesten Nachrichten" melden, von 32 Mann siebet« getötet und 25 teils schwer, teils leichter verletzt. Die Leichen wurden in die Schönefeldcr Leichen- halle, die Verletzten in das dortige Krankenhaus geschafft. Die Sanitätswachcii der Leipziger Feuerwehr sind mit Mannschaften zur Hilfeleistung abgegangen. Leipzig, 3. September. Eine Privatdepesche meldet: Die Zahl der Tote«« ist von 7 auf 10, die der Schwerverletzten auf 25 gestiegen. Die Aufregung in der Stadt ist groß. Die Staats- anwaltschaft hat sofortige Untersuchung am Ort der Katastrophe eingeleitet. Ter neue VulkanauSbruch des Monte Pclöe. Paris, 3. September. Ein dem Minister der Kolonien miS Fort de France zngegangcncs Telegramm bestätigt, daß die Dörfer Morne Rouge, Ajonpa-Bouillon und Morue Loudon durch den Ausbruch des Mout Pelse in der Nacht voni 30. zum 31. August zerstört worden sind. Man schätzt die Zahl der durch die Katastrophe betroffenen Personen auf etwa 1000, von denen gegen 800 uuiö Lebe» kamcu. Die Uebcrlebcnden sind aus den ver- wüsteten Ortschaften nach Fort de France und der Umgegend gc- bracht worden. Fort de France hat nicht gelitten. Dem„New Jork Herald" wird aus St. ThoinaS gemeldet: Morue Rouge war bei der Eruption des Mont Pelse in einem Augenblick von brühend heißem Wasser und Schiilutzmassen über- flutet, Ajoupa Bouillon wurde von dcu Schinntzfluleii des Flusses und herniederfliegeudeii Steinen zerslört. Während des Ausbruchs war die See in furchtbarem Aufruhr, und eine Flutwelle wogte längs der ganzen Küste. I» Le Carbct kamen viele Personen in den Fluten mit. Nach der Eruption versank eine Strecke von mehr als einer Meile Länge am Ostende der Insel ins Meer. Aus Pointc-a-Pitre wird dem„Herald" telegraphiert: Grand Riviere auf Martinigue ist gleichfalls zerstört. In einem andren Telegramm aus Pointe- a- Pitre heißt es: Die SchreckeiiSscenen. die sich beim ersten Ausbruch abspielten, wieder- hole» sich. Die Temperatur auf Martinique ist fast unerträglich. Kiel, 3. September. großen Perlen besetzt ist(Wert 1000 M.) und eine goldene Damen- Remontoiruhr mit der Nummer 7783(oder 15g 627), der Deckel dunkelblau emailliert mit Blumen, mit Brillanten besetzt(Wert 350 M.). Wie der Dieb z« Werke gegangen ist und wie er aussieht, weiß niemand. Neberfall anf der Straße. Als am Dienstag in der achten Stunde der 36jährige Bierfahrer August Struck von der Brauerei � Friedrichshain mit seinem Wagen auf dem Heimwege die Dalldorfer- Chaussee entlang fuhr, wurde er plötzlich von vier im Chaussee- graben liegenden Strolchen überfallen. Nur durch seine Geistes- gegenwart, indem er seine Pferde durch Peitschenhiebe znm Galoppieren zwang, entrann er den Wegelagerern, welche ihm mehrere Revolverschüsse hinterhe sandten. S. erhielt durch einen Streif- schliß eine 3 Cenlimeter tiefe, mehrere Centimcter lange Wunde am Hinterkopf und mußte sich in ärztliche Behandlung begeben. Durch Sturz von einem Hängcgcrüst verunglückte gestern nachmittag um 5 Uhr auf dem Grundstück Prinzenallee 29 der 32 Jahre alte Maurer Jnlins Nikolaus aus der Putbuserstr. 10, � als er in der Höhe des ersten Stockes arbeitete. Wie es kam, steht noch nicht fest. Der Verunglückie zog sich eine schwere Stirnwunde und einen Bruch des rechten Beines zu. Er wurde mit ememv Lückschen Rettungswagen nach dem Lazarus-Krankönhnuse gcbraäjt.s Vor den Augen seiner Mutter erschoß sich gestern nachmittag in einem Hotel der Dorothcenstadt ein junger Mann Namens Werner. Der Lebensmüde kam am Tage vorher an und schrieb auf seinem Zimmer eine größere Anzahl Briefe, die er zur Post bringen ließ. Gestern nachmittag traf seine Mutter im Hotel ein und begab sich sofort zu ihm auf das Zimmer. Nach kurzer Zeit hörten die Angestellten einen Schuß fallen. Unmittelbar darauf kam die Frau aus dem Zimmer herausgcstürzt und schrie laut auf, daß ihr Sohn sich erschossen habe. Der junge Mann hatte während einer' Auseinandersetzung mit seiner Mutter plötzlich einen Revolver ans der Tasche gezogen und sich eine Kugel in de» Kopf geschossen. Schwer verivnndet Ivurde er mit einem Koppschen Rettungsivagen. in ein Krankenhans gebracht, wo er nach einer Stunde seinen GeisL aufgab. Welche Vorgänge dem Selbstmord zu Grunde liegen, ist' noch nicht bekannt. Wie nachträglich gemeldet wird, ist der jungem Mann der 1881 zu Daiizig geborene Georg Wundermann. Bei dem Herbstvergniige» in Marienbad sind am Sonntag folgende Gegenstände gesunde» worden; 1. eine Kindermütze, 2. ein Schirm lind 3. eine Streichholzschachtel. Die Sachen sind abzuholetr in der Zeitnngsspedition bei H. Raschle, Grünthalerstr. 65. I» der Urania wird der bereits angekündigte Vortrag von Herrn Dr. Franz Hirsch.Tausend Jahre deutscher Kultur" am Sonn- abend zum erstenmal gegeben iverden; an de» übrigen Tage» dieser Woche kommt der Vortrag„Die deutsche Ostseeküste, von den Wanderdünen bis zum Alsensund" noch zur Wiederholung. Fciicrbericht. Mittwochnachmittag gegen 3 Uhr wurde dte Wehr nach der Gitschinerstr. 91 gerufen. Hier war in dem Maschinen- Hanse einer Fabrik ein Haufen Hobelspäne in Brand geraten. Die Wehr mußte längere Zeit aus einer Schlauch« lcitnng Wasser geben, um die Flammen zu ersticken. In der Nacht zum Mittwoch war durch die Explosion einer Petroleumlampe in der Kottbuserstr. 9 in einer Wohnung Feuer entstanden, da? Decken, Kleidungsstücke ec. cxfaßte, aber noch im Keime erstickt werden konnte. Unfug an, öffentlichen Feuermelder lag einer Alarmierung zu Grunde, die um Mitternacht von der Grimmstr. 13 erfolgte. Leider gelang es nicht den Thätec zu ermitteln. In der Wallner« theatcrstraße 24 war nachmittags ei» Destillierkcssel geplatzt, ohne indes wesentlichen Schaden zu verursachen. Außerdem liefen in der Zwischenzeit»och Fcnermcldungcn von der Gvrlitzerstr. 31 und von der Warscljanerstr. 50 ein, die jedoch beide auf unbedeutende Anlässe! zurückzuführen waren._ Aus den Nachbarorten. In Britz hatte die Gemeindevertretung in ihrer letzten Sitzungu sich mit verschiedenen Angelegenheiten, die Gas- und Kaualisations- 1 werke betreffend, z» befassen. Ein Antrag des Britzer Gaswerkes»- die Frist zur Ausführung von Gasanschlüssen an der Rudower.! Chaussce von vier Woche» ans drei Monate zu verlängern,>vurde-c angenommen, um der Gesellschaft Zeit zu geben, mit der Mitten» waldcr Bahn zu unterhandeln. Dagegen wurde ein weiterer Antrag, j die VertragSbestimmnngen z» ändern, abgelehnt. Die Schönebergcr i Kanalisations-Kommissio» schlägt eine gen, einsame Sitzung zur' Aenderung einiger Bestimmungen im Schönebcrg-Britzer Kaualisations- Projekt vor; die Verhandlnugen darüber wurden für eine ver»� tranliche Sitzung zurückgestellt. Das Britzer Kanalisations-Projekt ist! am 22. August an die Regierung abgeschickt worden. Friedrichsfelde. Recht schlimme und boshafte Feinde muß der znm Oktober abgehende Pfarrer K. am Orte haben. Im Lokal-! Anzeiger des Ortes wird dem Herrn ein Nachruf in gebundener Rede gewidmet. Es finde» sich darin folgende Niederträchtigkeiten: Warst Du zu finde» bei Kranke» und Siechen?— Ja I in Berlin— in der Kneipe von Siechen— Trankest in munterer Zecher Runde— Bis um die mitternächtige Stunde!— Gingest dann schwer und. schwankend nach Hans,— Kannst Dich schlafen und ruhen ja aus;— Stöhntest:„Mein Anit, das ist eine Bürde.— Aber was hilft es, man trägt es mit Würde I"— Siehe 1 man nimmt Die die Bürde, daS Schwitzen,— Kannst jetzt bei Siechen den ganzen Tag sitzen,— Unbehindert von Bagatellen:— Hochzeits- und Sterbe-»nd andren Fällen.— Bürgert laßt fließen die Zähren und blinken,— Nehmet das größte Schnupftuch znm Winken,— Netzet mit Thräns» der Wehmut die Wange»,— daß er nicht früher, viel früher gegangen I Wie uns mitgeteilt wird, solle» die Predigten des Pfarrers in. letzter Zeit zumeist sehr schlecht gewesen sein, trotzdem hielt er Sonntag für Sonntag dreimal Gottesdienst ab. Eine Anttvort hat der Pfarrer auf die Vorwürfe»och nicht ergehen lassen. Wir meinen aber, daß vom menschlichen Standpunkt aus betrachtet, auch ein- Pastor mit Gemütsruhe von einer Gemeinde scheiden kann, wenn ihm nichts Schlimmeres nachzusagen ist, als daß er gern bei Siechen gekneipt hat._ Goviclxks-Äettunq» Ungetrrne Angestellte haben dem Warenhanse Gerson am Werderschen Markt bedentenden Schaden zugefügt. Gester» standen die drei Hausdiener Karl Exner, Gustav Czurrat und Ferdinand W a r t a t vor der 4. Ferien-Strafkammer des Land- gerichts I unter der Anklage des fortgesetzten Diebstahls. Exner war seit elf Jahren bei Gerson mit einem Gehalt von 100 M. an- gestellt. Während der ganzen Zeit hat er gestohlen wie ein Rabe. Alle Hansdiener, welche die Geschäftsräume mit Pakete» verließen, mußten sich in einem besonders dazu eingerichtete» Bureau einen Passicrzettel ausstellen lassen, daniit der Portier sie ungehindert die Straße betreten ließ. Hatte Exner Waren fortzutragen, so »ah», er außer diesen noch andre mit, die er»ach seiner Wohnung tkng. Außerdem knöpfte er unter seine» Rock Stücke Seidenstoffs »nd andre Gegenstände, die sich unbemerkt herausschaffen ließe». Als die Veruntreuungen in diesem Frühjahre entdeckt wurde», wurde Berliner Partei-Nngelegenheiten. Sechster Wahlkreis(Schönhauser Vorstadt). Sonnabend ver- anstalten die Parteigenossen im Berliner Prnter-Theater eine große Ex t r a- T h e a t e r v o r st e l l u n g. Zur Aufführung gelangen sämtliche Specialitäte». Im Saale ist großer Sommernachtsbnll. Entree 10 Pf. Ilm zahlreichen Besuch ersucht das Komitee. Der Vertrauensmaim. C. Wünsch. Ober- Schönctvcide. Am Sonnabend veranstaltet der Wahl- verein in„Wilhelminenhos" ein V e r e i n s v e r g n ü g c n. Seit Gründung des Vereins im Jahre 1898 ist dies das erste von der Polizeibehörde gestattete Vergnügen. Alle früheren Gesuche wurden im Hinweis anf die Kaminergcrichts-Entschcidnng, welche auch Ver- gnngen des Vereins zu Versammlungen stempelte, abgelehnt, gc- tcgentlich wurde auch ein Fest aufgelöst. In Anbetracht der That- fache, daß an den Bersanimlungen des Vereins jetzt auch Frauen als Znhörerinnen teilnehmen dürfen, versuchte der Verein es mit einer neuen Eingabe, welcher„im auch stattgegeben wurde. Was doch die Cirkns- Versammlungen des Bundes der Landwirte alles zu Wege bringen. Die hiesigen Parteigenossen werden aufgefordert, durch zahlreichen Besuch das Fest zu einem würdigen zu machen. Der Eintrittspreis beträgt(mit Tanzbercchtigung) nur 30 Pf. Uoksrles. Schutz den Arbeitswilligen. Das war seit jeher schon die Parole der Polizei, dürfte jedoch seit langen, nicht so schroff zur Geltung gekommen sein, wie in der gegenwärtigen Streikbewegung. Der polizeiliche Schutz der Arbeits« willigen hat leider nur->» häufig eine große polizeiliche Rück- sichtslosigkcit gegen die Streikenden zur Folge; beide ergänzen sich mit voller Präcision. Hier wieder einige Fälle: In der Motorwagen-Fabrik von Gottschalk- Tempclhof streiken die Metallarbeiter, weil ihnen außer der täglichen Arbeitszeit von zehn Stunden»och die Ableistung voii ein bis drei Ucberstnndcn zugemutet wurde. Da es der Firma gelungen ist, eine Streikbrecher-Kolonne von 20 Mann mit einem Meister aus Cannstatt herznlotsen. so wird die Fabrik selbstversländlicb von Streikposten beobachtet. Gleichzeitig haben sich aber auch rnchrere berittene und Fuß-Gendarmen eingefunden, um jede Be- rührnng zwischen Streikenden und Arbeitswilligen z» verhüten. Mit welchem Pflichteifer die Beamten ihre Aufträge a»S- führen, erhellt daraus, daß am Dienstag vier Streikposten von ihnen si stiert wurde»; dabei werden letztere mit Ans- drücke» wie„Gesindel",„Wegelagerer" usw. reguliert. Besondere Äusmcrksamkeit widmen die Gendarmen dem fiskalischen Weg, der zum Fabrikeingang führt. Kein Unbekannter, der etiva das Ans- sehen eines Arbeiters hat, darf sich dort aufhalten. Kürzlich wollte einGewerkichafts-Angestellterdes Holzarbeiter-Vcrbaudes mit mehreren der am Streik nicht beteiligten Holzarbeiter in einer Verbandsangelegcnheit Rücksprache nehmen. Gleich kam ein Gendarm auf ihn zn»nd forderte ihn anf, sich dort„weg- znschcren", da er keine Belästigung von Arbeitswilligen dulde. Dem Beamten war es absolut nicht begreiflich zu machen, daß die beabsichtigte Rücksprache mit der Streikangelegenhcit gar nichts zu thu» hatte. Natürlich dienen derartige Vorkonnnnisse nicht dazu, die Achtung der Arveiter vor de» Polizci-Organen besonders zn erhöhen. Besser wäre es schon, wenn letztere ihr Augenmerk auf die überaus mangelhaft eingerichtete» Arbeits- r ä» m e„nd die sehr primitiven Schutzvorrichtungen in der Fabrik richten würden, anstatt die Streikenden in der Ansübnng ihrer schwere» Uebcrwachnngspflicht, ihrer gesetzlich gewährleisteten' Rechte zn beeinträchtigen. Ganz ähnlich wie hier geht es auch vor der Fabrik von H ü l s e» b e ck, K r o II». Co. i» der Warschauerstraße z». woselbst 150 Holzarbeiter im Streik liege». Erst vor einigen Tagen be- richteten wir von der auffälligen Sistierung mehrerer Streikposten daselbst. Seit der Zeit ist die polizeiliche Einmischung noch viel ärger geworden. Die paar Streikbrecher, acht an der Zahl, machen den Beamten und der Firma viel Sorge. Man hat sie schon im Möbelwagen aus der Fabrik gefahren, um nur zn ver- hindern, daß sie etwa durch Berührung mit den Streikenden auch noch von dem Streikgift infiziert werden. Keinen Streikposten will man in der Warschauerstraße dulden, eS erfolgen Sistierungen, Notierungen und ewige„Verlvarnungin". Am Montagabend erschien anf Requisition des Finneuchefs ein Polizei-Aufgebot von einem Offizier und 15 Schutzleute» znm Schutz der liebe» Arbeitswilligen. Natürlich erregte dies allgemeines Anf- sehe»; es entstand ein großer Auflauf. Nachbarslcute, Passanten. Bauhandwerker und zahlreiche Arbeiter aus den Eisenbahn- Werkstätten— sie alle wollten sehen, wie die Arbeitswilligen „geschützt" würden. Schließlich kamen auch die beiden früheren Mitglieder des Holzarbeiter- Verbandes, die„Kollegen" Stroh und H a a s e aus der Fabrik heraus. Sie wurden mit Hurra begrüßt. Jetzt ging der Polizeilieutcnant mit zwei Schutzleuten im Sturmschritt in das Hannesche Lokal,»in die Rufer fest- zustellen. Da dies nicht gelang, drohte er mit Räumung des Lokals, brachte die Drohung jedoch nicht zur Ausführung. Zu», nächste» Tage wurden mehrere Lokalbesttzer, wie auch der Bauführer und die Poliere eines neben der Fabrik aufgeführte» Neubaues»ach dem Polizeibureau geladen, woselbst ihnen wegen ihrer Synipathie mit den Streikenden gehörig die Leviten gelesen wurde». De» Wirten drohte man mit K o n z e s s i o» s- E n t z i c h u n g. Am Dienstagabend war sogar vor der Hinteren Hoflhiir deS Hanneschen Lokals ein Schutzmann postiert. Der Polizei- Offizier hat erklärt, er wolle„schon Ruhe" in der Warschauerstraße schaffen. Man fragt sich: Wozu dieses Aufsehen erregende Vorgehen der Polizei? Die Streikenden lassen sich ganz von selbst keinerlei Uebergriffe zu Schulden konimen. Wen» Aufläufe und unangenehme Auftritte entstehen, so ist das meistens dem übereifrigen Vorgehen der Polizei zu danken. Merkwürdig: Streikpostenstehen ist den Arbeitern gesetzlich erlaubt, thu» sie es aber, so iverden sie von der Polizei mit den schroffsten Mitteln an ihrer Pflicht gehindert. Der von der socialdcinokratischcn Fraktion der Stadt- verordneten- Versammlung eingebrachte D r i n g l i ch I e i t s- Antrag wegen der Fleischteuerung hat folgenden Wortlaut: Die Stadtverordnetcn-Versamnilung ersucht den Magistrat. mit ihr gemeinsam schleunigst Schritte zu unternehme», den Bundesrat zu veranlassen, die Absperrung der Grenzen gegen die Bieheinfuhr aufzuheben, um die die Volkswohlfahrt schwer schädigende Fleischverteuerung einzuschränken. Die Herren von der Neuen Linken und der Freien Fraktion haben ebenfalls einen dringlichen Antrag eingebracht, der folgenden Wortlaut hat:„Mit Rücksicht auf die durch die Hemmung der Ei»- fuhr entstandene, die Berliner Bevölkerung und namentlich die unbe- mittelten Klassen in ihrer Ernährung sehr schädigende Fleischteuerung. ersucht die Versammlung den Magistrat, genieinsnm mit ihr bei den zuständigen Reichs- und Laudesbehörden zur Beseitigung der Einfuhr- verböte vorstellig zu werden." Die Flrischnot. Zu dein Mangel an Schlachtvieh gesellt sich nun auch, wie uns mitgeteilt wird, ein Mangel an Milchvieh. Der Auftrieb an frisch melkenden Kühen ist so klein, daß die hiesige» Molkereibesitzer nur schwer und unter bedeutende» Opfern ihre» Bestand an Rindvieh ergänzen könne». Diese Schwierigkeiten, frisch melkendes Vieh zu bekommen, wirkt nicht unwesentlich auf die Ab- gäbe von Schlachtvieh ein. Die Molkereibesitzer weigern sich unter den oblvaltenden Verhältnissen, Tieren, die noch täglich 4— S Liter Milch abgebe», zu verkaufen, bis sie Ersatz haben, während früher solche Tiere gemästet und dann den hiesige» Schlächtermeistern überlassen wurden. Die Mastkühe der Molkereibesitzer spielen aber eine nicht un- bedeutende Rolle in der Fleischvcrsorgnng der Bevölkerung Berlins und Umgebung. Wöchentlich wurden von den Molkereien im Durch- schnitt etwa 100 Kühe verkauft, deren Fleisch znm größte» Teil in der Reichshanptstadt konsumiert wurde. Die Zahl der von de» Molkereien jetzt abgegebenen Mastkühe beträgt jedoch kann, die Hälfte. Uebrigens haben hiesige Schlächter in den letzten Tagen teilweise einen neuen Preisausschlag eintreten lassen, ebenso haben sich zahl- reiche Gastwirte genötigt gesehen, die Preise ans ihren Speisekarten zu erhöhen. Diese Preiserhöhung ist eine ziemlich gleichmäßige und erstreckt sich nicht»nr auf Fleisch, sondern auch auf andre Lebens- mittel. In der gestrigen Sitzung der städtischen Park-Depntatio» unter dem Vorsitz deS Stadtrats Kalisch wurde beschlossen, den Arkona-Platz mit gärtnerischen Anlagen anszustatten und den Magistrat um die Einstellung der erforderliche» Summe in den nächsten Etat zn ersuchen. Ein starkes Stück. Als Neuigkeit brachten gestern verschiedene Zeitungen die Meldung über einen Brand im Theater Schall und Rauch. Unter den Linden 44. Es sei dort anf der Bühne i» der elektrischen Leitung Kurzschluß entstände», indem eine Eisenschiene an ein altes Gasrohr angelehnt worden wäre usw. Die Mitteilung trifft zu, an ihrer Richtigkeit ist nicht im geringsten zu zweifeln. Nur ist an ihr zn ergänzen, daß das Unglück, das ein Berichterstatter als Neuigkeit auftischt, nicht etiva gestern oder vorgestern, sondern bereits am 7. Dezember vorigen Jahres geschehe» ist. Die Nachricht findet, sich genau in der' Fassung, in der sie die Zeitungen veröffentlichen. in dem vorigen Sonntag erschienenen Verwaltungsbericht des Magistrats über das Feuerlöschwesen und zwar auf Seite 29 abgedruckt. Den verschiedenen Blättern, die die Nachricht brachten, kann um so weniger der Vorwurf leichtfertiger Berichterstattung gemacht iverden, als sie in diesen, Falle von einem Manne bedient worden sind, der täglich mit ihnen in Verbindung steht und der im Nathause sogar gewürdigt wird. magistratSoffiziöse Meldungen der Presse zur Verfügung zu stellen. Um so energischer sollte die Frivolität, die stark an die Praktiken gewisser wilder Reporter erinnert, von der gcnasführlen Presse gerügt werde». Eine ganz gescheite Palriotin. An dem Tage vor den Empfangsfeierlichkeiten für de» italienischen Herrscher betrat, wie die ..B. Z." berichtet, Frau v. G. den Lade» einer hiesigen angeschenen Firma und bat, man möchte ihre echte Perser vorlegen. Sie er- wählte zwei Prachtexemplare, konnte sich jedoch für eine» festen Kanf nicht sogleich entschließen, denn Verwertung habe sie eigentlich nur für einen Teppich, ihr kranker Gemahl solle die Wahl zwischen den beide» von ihr ausgesuchten treffen. Der Verkäufer schickte beide Teppiche anstandslos sofort zur Austvnhl in die Wohnung der Dame. Bei der Uebergabe wurde jedoch de», Boten die Mitteilung gemacht, daß Herr v. G. augenblicklich schläft und nicht gestört werde» könne; er möge die Tcppiche nur bis Freitag dalasse» und dann de» nicht konvenierendeu abholen. Der Bote wollte natürlich auch nicht, daß der kranke Herr v. G. deshalb geweckt werden soll,»nd entfernte sich. Ein Erwecke» des Herrn v. G. wäre auch»„möglich gewesen, den»— er schläft schon seit langen Jahren den— ewigen Schlaf. Nicht etwa, daß Frau v. G. sich in den Besitz der Tcppiche setzen wollte, um sie nicht zu bezahlen, das war gewiß nicht ihre Absicht— aber sie wollte sich für den Tag der Empfangsfeierlichkeit ei» paar billige Dekorationsstücke verschaffe», denn sofort am Freitag er- suchte sie telephonisch um Abholung der Teppiche, da beide nicht den Beifall ihres kranke» Gatte» gefunden hätten. Ein Angestellter der Firma hatte aber die beide» „Pnnipstücke" anf dein Balkon der Frau v. G. prangen sehen und seinen Chefs davon Mitteilung gemacht. Diese teilten der Dame mittels eingeschriebenen Briefes mit, daß sie mit einer Zurücknahme nicht einverstanden sind, daß sie auf Abnahme beider Teppiche be- stehen, da beide von der Bestellerin gebraucht worden sind. Der ziemlich hohe Preis, den Frau v. G. zahlen muß. reißt ein gewaltiges Loch in das nicht allzu gefüllte Portemonnaie der ingeniöse» Dame. Aber es Hilst nichts— sie muß zahlen, und das alles: weil der ver- storbene Herr v. G. so fest schläft. Dast die Polizei nach Gold und Geld gräbt, ist nichts Neues, daß sie aber nach Stiefel» buddelte, kam gester» wohl zum ersten- male vor. In der vorvorige» Nacht wurde ein obdachloser Schlosser Karl Schulze erwischt, als er in das Schuhwarengeschäft von Tack in der Chansseestraße einbreche» wollte. Er leugnete die Absicht des Einbruchs, bis man ihm nachwies, daß er Schuhe trug, die in einem andren Tückschen Laden gestohlen waren. Nun gab er auch an, daß er einen Helfer gehabt habe. Als dieser wurde ein wohnnngsloser Schlosser Wilbclin Schmidt festgenommen. Schmidt gestand fünf Einbrüche i» Tacksche Läden. Was er von seinem Auteil an der Beute nicht verschärfe» konnte, hatte er in Kamerun hinter einer Laube vergraben. Dort buddelte die Kriniinalpolizei gestern einen Sack mit 15 Paar Schuhe» ans. Ein vcrschwimdcner Schiedöinan». Großes Aufsehe» erregt daS Verschwinde» des Schiedsmannes B o l z a n i ans der Linde»- straße 66. Er bekleidete früher verschiedene Kommimalämter, war bis vor kurzem Waisenrat und galt allgemein als gut sitiiiertcr Mann. Von einer alte» Tante, mit der er jahrelang bis z» ihre», vor einem Jahre erfolgte» Tode zusammenlebte, erbte er außer de», genannten Hause„och ei» solches in der Holzmarklstraßc. Beide Häuser Ware» aber, wie sich jetzt herausstellt, mit Hypotheken hoch belastet. Bolzani, der krank war, verlobte sich nach dem Tode seiner Tante mit einem»nttelloscn Mädchen und nahm dieses samt der zukünftige» Schwiegermutter zu sich ins Haus. Zn einer Heirat scheint es aber nicht kommen zu sollen, denn der Bräutigam ist seit dem 19. August verschwunden und wird von der Polizei gesucht. Obgleich er bei seinein Weggänge andeutete, daß er mir verreise, wird mit seiner Rückkehr nicht mehr gerechnet Wie jetzt bekannt wird, hängt sei» Verschwinden mit nn- gesetzlichen Wcch>elma»ipulatioiien znsammc», die ihn mit dem Ge- richt in Konflikt brachten. Da er zu dem angesetzten Termine nicht erschien, wurde ei» Vorführungsbefehl erlassen, der indes nicht voll- streckt werde» konnte, da B. bereits„verreist" ivar. Als vor einige» Tagen in Nixdorf die Leiche eincS Selbstmörders gefunden wurde, glaubte man»ämlich, es sei B.; doch erwies sich diese Annahme als irrig. Sedanfcicr. Brennende Litfnß-Säulen verursachten Dienstag- abend nicht weniger als zehn Alarmierungen. Es brannten folgende Säulen: Gartenstraße, Ecke Grenzstraße; Kottbuserstraße 9; Görlitzer- straße; Wraugelstraße; Fürbriugerstraße, Ecke Mittenwalderstraße; Fürbriugerstraße, Ecke Schleiermachcrstraße; Köpenickerstrabe. Ecke Zeughofstraße; Fürbriugerstraße, Ecke Solmsstraße; Warschauer- straße 50 und Gvrlitze, straße, Ecke Lübbeuerstraße. Außerdem wurde Unfug am öffentlichen Feuernielder in der Grimmstraße verübt.— Unfng mit FcucrwerkSkörper»,»amentlich mit Schwärmern und Fröschen, wurde abends trotz aller polizeilichen Warnungen auch in den Straßen der inneren Stadt von Knaben verübt. Die Jungen verfuhren dabei in der Weise, daß sie sich durch Ausstellung von Posten vergewisserten, daß keine Schutzleute in der Nähe scicu, und dann die Feneriverkskörper, von denen besonders die Frösche die Vorübergehenden oft heftig erschreckten, abbrannten. Ein internationaler Hoteldieb scheint beim Besuche des Königs von Italien in Berlin gearbeitet zu haben. Ei» fremdes Ehepaar. das in einem Hotel ersten Ranges wohnte, wurde dort empfindlich bestohlen. Der Dieb erbeutete am Tage der großen Herbstparade aus seinem Zimmer ein Paar Brillant- Ohrringe, be- in der Wohnung des Exner eine Haussuchung vorgenommen, welche ein überraschendes Ergebuis hatte. Die kleine Wohnung war an allen Ecken und Enden vollgestopft mit gestohlenen Gegen ständen. Man fand ein Warenlager, welches einen Wert von über 8000 Mark hatte. Es war da ein ganzes Lager der feinste» Pclzwaren, darunter nicht weniger als 11 Mriffen, zwei feine Geh pelze, mehrere BoaS und noch andre Pelzsachen. Da waren Kartons mit inSgesanit 13 Dutzend Paar Handschuhen, Pakete mit Damen- Wäsche, eine Menge Bijouterie- und Lcderwaren und dutzcndiveise Schachteln mit Parfümerie». Kriminalkommissar WannowSki, welcher die Haussuchung vornahm, entdeckte, dah die Nücklchne deS großen Paneelsofas sich in den Angeln drehen ließ, sodah unter dem Sitz ei» großer Raum frei wurde. Hier fand man ein Portemonnaie mit 900 M. Inhalt und einige Sparkassenbücher über mehrere tausend Mark. Auch bei dem Hausdiener Czurrat förderte die Haussuchung für etwa 900 M. gestohlener Waren zu Tag« sowie ein Sparkassenbuch über 960 M. Bei dem dritte» Angeklagten, Wartat, wurde» nur einige Kleinigkeiten gefunden. Es lag die' An nähme nahe, daß die beiden ersten Angeklagten bereits viele der ge� stohlcuen Waren verkauft und dafür das Geld gelöst hatten, welches in ihren, Besitz gefunden wurde. Soivohl Exner wie Czurrat bc- stritten dies. Der crstere ivollte sich das Geld.von, Leib« ab- gespart", der letztere einen Lotteriegewin» gemacht haben. Das Gegenteil dieser Behauptungen hat sich nicht erweis«,, lassen. Exner gab an, daß er gar nicht die Absicht gehabt habe, die Sachen zu verkaufen, er sei lediglich von einer Art Sammellvut beseelt ge- wescn. Czurrat räumte ein, daß er einen Teil der bei ihm ge- fundene» Waren von Exner gegen von ihm selbst gestohlene Sache» «ingetauscht habe. Der Staatsanwalt beantragte gegen Exner drei Jahre Gefängnis, gegen Czurrat ein Jahr sechs Monate, gegen Wartat drei Monate Gefängnis. Die Verteidiger, Rechtsanwälte Dr. Schwindt, Dr. Werthauer und Dr. Braß, baten um eine gelindere Strafe, da die Firma Gerson den größten Teil der entwen'deten Waren zurückerhalten habe. Der Gerichtshof verurteilte den Angeklagten Exner nach de», Antrage, Czurrat zu einem Jahre Gefängnis und zwei Jahre» Ehrverlust ruid Wartat zu v i e r W o ch e n Ge- fänginS._ Der S4 stündige Arbeitstag nnsrer Dienstboten, eine Betrachtung über die Sklaverei unsrer Zeit, heißt das Thema, über daS Herr Edwin Bab am DomierStag, den 4. September, abends SV, Uhr, im.KLnigöhof", Bülowstraße 37—40, in ctner öffentliche» BerlamuUung spreche» wird. An der darauf folgenden Diskusston kann sich jederman» beteiligen, ganz be- sonders die Hausfrauen. Verband deutscher Barbiere, Friseure nnd Periickenmacher (Zweigverein Berlin). Donnerstag, den 4. b. Mts., abends 10 Uhr, Außerordentliche Generalvcrammlnng bei Bauer, Rosenthalerstr. b7. Mitglieds- buch legitimiert. Verein abstinenter Arveiter und Arbciteriuneu Berlins. Donnerstag, den 4. d. M., abends SV, Uhr, in den Arminhallen, Kommandanten str. 20: Versammlung. Dr. Georg Keferstein spricht über das Ber- hältnis der Arbeiter-Abstiiienz-Bereine zu den übrigen Absttnenz-Organi- sationen. Diskusston. Gäste willkommen! Vevntifihteso Ein Ballonunglüer. Am Sonnabend tvnrde in England der Versuch gemacht, ob«in in Bewegung befindlicher Ballon von militärischen Radfahrern bei der Landung eingeholt werden könne. Nach Beendigung der Ucbnng ivar der Leiter unvorsichtig genug. Radfahrer und andre Leute kleine Aufstiege machen zu lassen. tvobci das Seil des Ballons festgehalten wurde. Der Ballon erhob sich aber plötzlich mit größerer Kraft, als man erwartet hatte nnd nahm an dem Seil zwei Menschen, einen Soi- baten und einen Landarbeiter, mit in die Luft. Der Soldat ließ sich noch rechtzeitig fallen und kam mit ei»er gelinden Verletzung davon, während der Arbeiter sich erst fallen ließ, als der Ballon bereits 50 Fuß hoch war. Der Unglückliche brach das Genick und beide Beine und starb bald darauf. Zwei junge Leute, die in dem Korbe des Ballons sahen, hatte» Geistesgegenwart genug, die Leine des Sicherheitsventils zu ziehen und den Ballon dadurch zum Sinken zn bringen. Großfeuer. In Gieboldehausen bei Dudcrstadt wurden an, Dienstag durch Großsener IS Gebäude, darunter die katholische Pfarre eingeäschert. Als Entstehiingsursache des um 12 Uhr mittags ansgebroch'enen FeuerS wird Brandstiftung angenommen. Zu dem»eucn Ausbruch deS Mont Pclöe liegen folgende Nachrichten vor: Basse-Terre(Guadeloupe), S. September. Nach Melduugeu von Polizisten auf Martinique sind bei den letzten Ausbrüchen des Mout PelSe 1060 Menschen umgekommen und 1S00 verletzt worden.— Nach den, neuen Ausbruch des Mout Pelöe ist die frauzöstsche Negierung entschlosseu, die ursprünglich beabsichtigte, dann aufgegebene vollständige Räumung des Nordbezirks von Martinique rasch durchzuführen. Die schivarze Bevölkerung soll teils»ach Guadeloupe, teils noch Cayenne geschafft werden, es scheint indes, daß viele Farbige die freiivillige Aus- Wanderung nach Kuba vorziehen. Ein Telegramm aus St. Thomas besagt, nach Mitteilungen dort aus Martinique eingetroffener Schiffe sei in M o r n e R o u g e auch nicht ein einziges lebendes Wesen den, Tode entgangen. Ajoupa Bouillon liege ebenfalls i» Trümmern, gleichwohl seien dort nicht soviel Menschen umgekommen als in Moruc Rouge, insgesamt etiva 200. Die Zahl der Verletzten betrage m Ajoupa Bouillon 400. man glaube aber, daß viele der- selbe» nicht mit dem Leben davonkommen würde». Der Sturm an Kapstadt: Ein Sturm am Somitagnbend an aus. Die ganze Wucht WirbelstiinneS kurz vor gleitet von einer Flut Nack» Ivar stockdunkel aufsteigenden Raketen welche der Sturm der Kapküste.«Daily Mail" meldet aus von noch nicbt dageiveseuer Heftigkeit brach der ganzen südlichen Küste der Knpkolonie des Sturmes ivütete mit der Heftigkeit eines Mitternacht in Port Elizabeth und war be- von Regen und glänzenden Blitzen. Die und nur die fortwährend von den Schiffen zeigten die furchtbare Zerstörung an. in der Algoa- Bai anrichtete. Vcr- schieden« Bergungsdampfer des Hafens versuchten hinaus« zudampfen. um die gefährdeten Schiffe zu retten. aber die Dunkelheit machte es unmöglich zu erkennen, was draußen vorging. Als der Tag anbrach, war der ganze Strand am nördlichen Ende der Bai mit' trocken daliegenden Schiffen überstreut, andre lagen in der Brandung und große Wellen rollten über sie iveg. Bis Mittag war jedes Segelschiff im Hafen gestrandet, mit Ausnahme von vieren, tvelche mit der ganzen Besatzung untergingen. Vier kleine Dampfer sanken auch und dreißig Lichterkähne sind gestrandet. Der Dampfer„Scot" von der Union- Castle- Linie fuhr am Sonnabend von Port Elizabeth nach Kapstadt nnd sollte am Montag früh in Kapstadt ankommen, er kam aber noch nicht in Sicht.' Den letzten Nachrichten zufolge sind achtzehn Schiffe gestrandet, fünf andre gescheitert und mit der ganzen Besatzung gesunken.— Dem Sturm ist auch die Hamburger Bark«Hans Wagner", Eigentum der Needereifirma H. D. I. Wagner in Hamburg- Altona zum Opfer gefallen. Das Schiff wurde, wie noch erinnerlich sein dürste, in, Januar 1900, bald nach Ausbruch deS südafrikanisch«» Kriege», auf der Fahrt von Hamburg»ach Port Elizabeth und der Delagoa-Bai(unter Führung des Kapitäns Müllmami) in Port Elizabeth von der englischen Behörde zurückgehalten und beschlag- nahmt, angeblich weil eS KriegSkonterbande(für die Boeren) an Bord haben sollte. Eine höchst merkwürdige Geschichte von der König ZkrLunng in Wcstminstcr wird nachträglich durch den«Kreis-Anzeiger" einer westfälischen Stadt bekannt: Das Blatt berichtet:»Nach der Krönung des Königs kniete der Erzbischof von Canterbury nieder, um de», Könige den Huldigungseid zu leiste»; der König mußte dem Kirchen- fürsten mit der Hand' beim Aufstehen behilflich sein. Hierauf leistete der Prinz von Wales den OffenbanmgSeid und küßte die Hand seines Vaters. Dieser umarmte darauf seinen Sohn." «ltterungsübersicht vom 3. September 1902. morgens 8 Uhr. riV i» .«i Stationen Swinemde. Hamburg Verlin Frmrlf./M. München Wien LL iv£ Ii <5.2 23 Ii 8? 7S4 SSO 761 SO 763 SSO 762 SSO 765 SO 765 Still Wetter I 4 heiter 3 molkig 1 heiter 2 heiter 1 heiter — wolkenl öS C*4 WS, 17 Stationen Haparanda 18 Petersburg 18 Cork 18 Aberdeen 1« Paris . is! Wetter-Prognose für Tonnerstag, den 4. September 4908. Warm bei mäßigen südlichen Winden; zeitweiliger Trübung uud Gewitterneigung; später etwas lühler. Berliner Wettervureau. . s « 6 Sa T 765 SSW 766 NNO 748 WSW Wetter 757 SSO 4 bedeckt Ibedeckt 4 hlb. bed. Zch-deckt 10 9 14 Briefkasten der Expedition. W. L. G3, Sie können den«Führer" durch Ihren Spediteur beziehen Für den Inhalt der Inserate iiberniuinlt die Ncdnktiv» den, Pnbliknm gegenüber keinerlei _ Verantwortniig. Tlivtttrv. Donnerstag, den 4. Septbr. Opernhaus. Mara.- Dcr Evangeli- nimm. Anfang 7V> Uhr. Schauspielhaus. Das große Licht. Anfang 7Vz Uhr. AencS Opern< Theater(KroNl. Die Geisha, oder: Ewe japanische Theehaus- Geschichte. Anfang 7V, Uhr. Deutsches. Nora. Anfang 7V- Uhr. Lessing. Der Zeuge. Anfang ?'/- Uhr. Berliner. Alt-Heidclberg. Anfang 7V» Uhr. Böcstcn. Der lustige Krieg. Anfang 71/, Uhr. Acne». Ledige Leute. Anfnug 8 Uhr. Residenz._ Der Fall Mathieu. (L'affiuro Mathieu.) Vorher: Ich liebe Sic. Anfang 7'/2 Uhr. Thalia. Er nnd seine Schwester. Anfang 71/2 Uhr. Central. Drei Paar Schuhe. An- fang 71/, Uhr. Schiller. 0. Die Mottcnburger. Anfang 8 Uhr. Schiller. N.(Friedrich Wilhelmstädtisches Theater.) Einsame Menschen. Anfang 8 Uhr. Carl Weist. Eine Paria. An- fang 8 Uhr. Luisen. Neue Luft. Anfang 8 Uhr. Castno. Ehrliche Arbeit. Anfang 8 Uhr. Kleines. Serenissimus- Zwischen- spiele. Anfang 8 Uhr. lllpollo. Lysislrata. Spcclalitäteii- Vorstellllilg. Ansang 7>-/t Uhr. Wintergarten. Specialitäten. An- fang 8 Uhr. Wliutcs Tsteater. Susann» im Bade. Anfang 8 Uhr. Nletropol. Berlin bleibt Berlin. Aiilang 8 Uhr. ReichShallen. Steltiner Sänger. Ansang 8 llhr. Passage- Thealer. Specialiläteii- Borftetllliig. Ansang 8 Uhr. Passage- Panopttk!»». Specials- lnlell-Vorstellnng. Ilrania. Tanbenjtr. 48/49.(Im Tbeatersaal.) Abends 8 Uhr: Die deutsche Ostseelüstc. ,Jnvalide»jlraste 57/;cI>cn. Täglich nachmittags 4 Uhr: ilitär-Doppel-Konzert US" Entree 1 M.,-T&Q ab O Uhr abends 50 Pf., Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Luisen-Theater. ReichenSergerstraße 34. Drei Minuten vom Kottbuser Thor. Direttion: Ludwig Rosenfeld. Abends 8 Uhr: Zum sechstenmal: MI Nene Luft. HZZ Schauspiel in 4 Akten von M. A. Siemacek, deutsch von Milada Fürth. Vorverkauf an der Theaterkaffe 10 bis 2 Ubr vormittags, Jnvalidendank, Unter den Linden 24, und Künstler- dank, Unter de» Linden 10. Morgen: Neue Luft. Sonnabend zum ersiennial: Die Dame von Lhon. Ciil Weiss-Theater. «roste Frankfnrlerstr. 133. Abends 8 Uhr: Sine Paria. Levensbild in B Akten(8 Bildern) von Ernst Ritterseldt. Morgen: Dieselbe Borstellung. Im Garten:'Neues Specialitäten- Programm. Ansang 6 Uhr. Centrai-Theater Anfang 71/i Uhr. Wspiel Josefine Nora. 33�"" Zum erstenmal:"HsCJ Drei Paar Schuhe. Lebensbild»lit Gesang in 3 Abteilungen von Görlitz. Musik von Karl Millöcker. Mitwirkende: Josefine Dora, Marie Manei, Else Waniiovius, Hedwig Dahm. Herren: JoniArünseld, Gustav Beanrepaire, Paul Hambrock, Max Laurence, Gurt Olsers, Bruno Klein. Morgen und folgende Tage: Drei Paar Schuhe Lunte» Theater. („Ueherhrettr'.) Köpenickerstraße 68. Anfang 8 Uhr. 1. Susann» im Bade. Schauspiel von Hugo Salus. 2. Bnnier Teil unter Leitung von Oscar Strauss TIny Senders a. G., Bozen. Brsdsky, Bokken Lassan, Marcell Salzer. Parkett 3 M."Wtz joBöi-Ttoter Heute:"UAZ Berlin Bleibt Berlin. Grosse Ausstattungsposse mit Gesang uud Tan« in 5 Bildern von Julius Freund. Musik von Erik Meyer- Helmund. Emil Thomas a.G. Josef Josephl. Henry Bender. Flora Sldlng. Hansl Reichsberg. Wlnl Grabitz. — Johanna Junker-Schatz.— Anfang 8 Uhr. Wy Rauchen gestattet."TUS Gasino- Theater. Lothringerstr. 37. Wochentags 8, Sonntags 7Vz Uhr. Buntes Programm. Dazu: EhrlicheÄrbeit. Vroler-Ukottk Kastanie»- Zlllee 7—9. Tdgllcl,: Durch fremde Schuld. Bolksstück in 3 Akten von A. Seelen. Eugen Mllardc, Tanzhumorlst.— Cirknö Loyal.— Leodlskas Kakadus, lomische Reckturner.— The Eirados. Emmy Palmay, Soubrette.— 3 Stege- manne, römische Seile.— Konzert. Ansang 4 Uhr. Eintritt 30 Pf., numerierter Platz SO Pf. Kzsldu. Palast- Theater früher Feen-Palast, Burgstr. 22. Sonnabend, den 6. September: Gr. Eröftnangs-Vorstellnng. Das Theater ist gällzltch»e» Q(Ihn umgestaltet. fl Ith» a um. Zum erstell Male:»1 um. Fromme Wünsche. Schwank in 3 ANe» von I. Rosen. Stroh v. Strohberg: Dir. Rieh. Winkler. Knnftspecialitäten ersten Ranges. Lotte Mende, beste deutsche Soubrette. Fritz Brandt, nur Original-Schloger. Los Frernlara, Acrobat-EanotierS. Ternö-Trupps, Orientnl-Akt. Enttee 30 Pf. Anfang 8 Uhr. Fröbels Allerlei Theater fr. Puhlmann, Schönhauser Allee 148. Der neue Künstler-Spielplan. Neu! Benedettt und Staart. Neil! Taching u. Tschang. Mildow u. Feldow. Dazu Otto Wnldeniar mit neuen selbstverfaßteu Schlagern! Um SV, Uhr: Das humorvolle grobe _ Gesangs-Voiksstück: BMF�UiiHer GotdJiinfre.TSBQ Im Saale: Täglich Ball. Allsang ii Uhr.— Entree 30 Pf. Dienstag, den 9. September: Grogs- Benefiz.— Montag, den 15. d. M.: Schluß der Sommerspielzeit. Bis dahin finde» keine Privatsestlichkeiten mehr statt. Vöde«- Anzeige. Allen Freunden, Bekannten und Verwandten die traurige Nachricht, daß meine inniggcr.rdte Frau nnd unsre gute, unvergcvliche Mutter, Tochter, Schwester, Schwägerin und Tante citfA Selrönfelder geb. Schnitze plötzlich nach dreitägigem schweren Krankenlager an, Montag, 1. Sep- tember, abends 9 Uhr verstorben ist. Die Beerdigung findet am Freitag, den 5. September, nachmittags 4 Uhr von der Leichenhalle des Moabiter Krankenhauses nach dem Kirchhof in Plötzensee statt. Der tiefbetrübte Gatte 496VLj Adolf SchUnfelder nebst Kindern und Verwandten. Für die zahlretche Beteiligung bei der Beerdigung meines lieben Mannes Heruian» Hirthe spreche ich allen meinen herzlichsten Dank aus. Die trauernde Witwe 1835b Derth» Hirthe. Wintergarten. Maod Grlselda, Hunde-Dresseuse. Les Silvas, Leiter- Equilibristen. Joste de Witt, Sängerin u. Geigerin. Die Vlcentlnas, Kollsohuhläufer. Rofix, athletische Produktionen. Karl Meister, Tenorist vom k. k. priv. Carl-Thoater in Wien. Helene Gerard,„Hohe Schule". Satt Fedak, Sängerin vom Ungar. Theater in Budapest. Die Kelllno-Truppe, itaL Akrobaten. Clandlne Polairc, Pariser Sängerin. W. C. Flelds, komischer Jongleur. CI60 de Merode Tänzerin v. d. gross. Oper in Paris. ..Biograph". Reichshalle n. Tilglich: Stettiner Säuger Anfang: Wochentags 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. Tageskasse 11-1'/, Uhr .�ommertkeater Maräenbad Badstr. 35/36, Geslindbrimuen. Täglich: Der Brandstifter. Operette in 1 Akt von Linderer. Willy Roinhold: Dir. R. Wagner. Erstklassige Specialitäten. Entree 80 Pf. 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