Zlr. ä07. Abonnkment»-Kedingungtn: Sltionr.ementS- Prcti ptänumeranbos VIerliIjührl. 3,30 Ml,, monatl l.IOMI., Wöch-Xllich 28 Plg. frei lnt Hau», Simclne SBumnt'i 6 Psg. Sonnlag«. Nummer mir iiiuntictier Sonntags« Acilage„Sie Neue Well' 10 Psg, Post- tlbonneincnl: l.iv Marl pro Monat, iiingelragen in«er Post- Zeitung«» Preisliste siir IVO» unter»r. 707». Unter lireuzbanv für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Mark, für da« übrige Ausland 8 Marl pro Monat. Ersitz, in! täglich«ulier Wonlag». tS. Inl»rg. ZU Iilserllons-CUM?» de trägt für die sechsgespalten««oloned» »eile oder deren Raum*0 Psg., für politische und geiverlschaftliche Vereins- und Versammlung«- Anzeigen 20 Psg. «Kleine Zinieigen» sede« Wort 3 Psg. (nur da« erst, Wort sett>. Inserat« für die nächste Nummer müssen vi« 4 Uhr nachmittags in derErpedition abgegeben werden. Die Srpcdition ist an Wochen- tagen vi« 7 Uhr abendS, an Sonn- und FesttaKenbiSSUhr vormittags geössnel. Devlinev Volksblstt. Telegramm.Adrester »Sorittldemokr«» Verlin- Centvalorgan der socialdemokratischen Partei Deutschlands. Dedalttlvn: 3�.19. Veukh-Strshe 2. sserusprechcr: ülmt I, Nr. 1508. Freitag, den 5. September 1903. Expedition: sw. 19, Ventlz- Striche 3. Fernsprecher! Zlmt I. Nr. 5121. Hoheuzollernretter— für die Polen? Es ist eine Zroße Enttäiischimjs fiir die bürtscrlich-deutschen Kreise PvscnS gewesen, das; es der Kaiser anfangs vermieden hatte, die brennende nationale Frage der Stadt und Provinz Posen zu berühren. Während in beiden nationalen Lagern die Meinung verbreitet war, daß der Besuch Wilhelms II. nur den Deutschen von Posen gelte und. diese letzteren eine Zcrschmclternng der Polen durch den Kaiser erhofft halten, blieb in den ersten Tagen des Kaiserbcsnchs jeder rednerische Angriff gegen die Polen aus. Nun ist die lange und sehnsüchtig crivartete Polenrede endlich doch gekommen, sie entbehrt jedoch cinigemraßen der Färbung, die von den Hakatistcn erwartet wurde. Ans cincHnldignngSansprache dcsProvinzial-Landtags-Marschalls Freiherrn v. W i l a m o w i tz- M ö l l e n d o r f bei Ucbergabe eines Ehrcnlrnnls erividcrte' der Kaiser, nachdem er feinem Dank für den „patriotischen Empfang" seitens der Poscner Bevölkerung Ausdruck gegeben hatte, folgendes: Wir befinden miS hier in einer treuen deutschen Be- V ö l k e r u ii g. Wir befinden nnS hier in einer treuen deutschen Stadt, und treu ist die Arbeit, Ivelche die Deutschen zur Hebung des Landes hier vollführen. Soll diese Arbeit, deren Endziel die Hebung von Land und Volk ist, zum Nutz und Frommen des Ganzen gelingen, so ist notwendig einmal, dag die Deutschen ihren Erbfehler des Parteihaders ablegen, das; der Einzelne das Opfer seiner ausgeprägten Individualität zu bringen bereit ist, um in der Gejamthcit mit allen vereint zu tvirkeu, sowie einst die Ritter des Deutschen Ordens, auf persönliche llitgebnndenhcit und Bequemlichkeit verzichtend, sich zu dem sestcu Gesiige des Ordens zusammenscharten, um in anhaltend harter Arbeit die den t s ch c Kultur zu verbreiten. Zum andern versteht eS sich von selbst, das; meiue Bcamten unbedingt nach ineincit Dirrktiveu und gehorsam meincu Befehlen ohne Zander» die Politik durchführen, welche ich für dao Wohl der Provinz als richtig erkannt habe. Das Znsammeiuvirken von Boll und Beamtenschast miter der Leitung der Krone ivird nicht ermangeln, int Laufe der Jahre die segensreiche Eutlvicklung der Provinz zn fördern. Ich beklage tief, dgfi ein Teil meiner Unter« t h a n e n»ichtdentschen Stammes sich nur schwer in u n j r e B e r h ä l t n i s s e zu finden scheint. Der Grund dazu dürfte in z iv e i Irrtümern zu suchen sein. Einmal ivird in ihnen wachgehalten die Besorgnis vor Antastung i h r e r K o n f e s s i o n. Wer behauptet, daß meinen tlnterthauen katholischer Konfession Schlvierigkeitcn in der Ausübung ihres Glaubens gemacht oder sie gezwungen werden sollen, von dem- selben zu lassen, macht sich einer schweren Lligc schuldig. Meine ganze Rcgicrnngszeit und meine Worte in Aachen beweisen, wie hoch ich Neltgion, das heisit das persönliche Ber hältniS jedes Menschen zu seinem Gott, achte, und er beleidigt durch eine solche Verleumdung de» Nachfolger des grofzen Königs, der erslärt hat, ein jeder solle auf seine Faqon selig iverden. Der ziveite Irrtum ist der. dasi die Besorgnis ivach erhalten wird, daft die StammcSrigentümlichkeiten niid lieber lirscrungen ausgelöscht werden sollen. Deut ist nicht so. Das Königreich Prensien setzt sich ans vielen Stämmen zusammen, welche stolz sind auf ihre frühere Geschichte und ihre Eigenart. Das hindert sie jedoch nicht, vor allen Dingen brave Preiitzen zu fein. So soll eS auch hier sein, llcberlieferungcn und Er- imierungen können ruhig bestehen, allein sie sind Geschichte, der Vergangenheit angehörig. Jetzt kenne ich hier nur P r e it st c n, und bin ich es der Arbeit meiner Vorfahren schuldig, dafür zu sorgen, daß diese Provinz unauflöslich mit der preußischen Monarchie verknüpft, daß sie stets gut preußisch und gut deutsch bleibe. Diesen Becher, gefüllt mit dem Saft der Reben, die an den Ufern des schönen Rheins gcivachsen, leere ich auf das Wohl der Provinz Posen und ihrer Hauptstadt an der Warthe I Wilhelm II spricht nicht mehr von politischem Uebermut wie tu Marienbiirg, er vermeidet es überhaupt von P o I e n zu sprechen, sondern spricht nur von„U n t e r t h a n« n n i ch t d e u t s ch e n S t a in in e s*. Kein Wort der Anklage und des Vorwurfs ivird laut; nur an jener Stelle erhebt sich der Redner zu gewohnt kräftigen Accenten, an der er sich gegen den Vorwurf verteidigt, dem KatholiciSnmZ feindlich gestimt zu sein. Hier ist er aber ziveifellos im Rechte, dciiu seine besondere Sympathie für die katholische Kirche ist bekannt. Der Kaiser erkennt das Recht der Polen, ihre„Stammes- eigentümlichkeiten und Ueberliefernngen zu wahren an. Die wichtigste „Eigentümlichkeit" eines StamnieS aber ist doch unzweifelhaft seine Sprache, dieselbe Sprache, die man erst vor wenigen Monaten in Vreschen den Kindern ausznprügek» versucht hat! Der Kaiser wünscht, daß die Provinz Posen stets gilt deutsch bleibe. Man kann aber nicht das bleiben, was man nicht schon i st; und Posen ist in sprachlichem Sinne keine deutsche, sondern eine überwiegend polnische Provinz. Deutsch ist die Provinz nur in staatsrechtlichem Sinne, als Teil Preußens und dainit des Deutschen Reiches. Die Polen Wimen diese Rede mit Recht dahin deuten, daß die Anerkennung nationaler Freiheit innerhalb des deutscheu Staatenvcrbandcs ihr eigentlicher Sinn sei. Desto seltsamer niutet darum jene Stelle der kaiserlichen Rede an, die ihre Spitze gegen die preußischen S t q a t s b e a m t e u lichtet. Mit einer Schärfe, die zu wünschen nichts übrig läßt, giebt der König von Preußen zu erkennen, daß da» militärische SnbordinationS- Verhältnis, das stumme Parieren, auch innerhalb der Verwaltung für angebracht halte. Nun wird eS aber unter Umständen für die Beamten schwer sein, die Absichten dcS Königs richtig zu erkennen. Offenbar dachte Wilhelm II. an Löhuing und jene andren Beamten, die von dem ans dem Amte gedrängten Gatten der politischen Fcldtvcbelstochter alS Gegner der Hakatistischen Politik gekennzeichnet worden waren. Diese Absicht des Kaisers wird noch deutlicher durch die Aus- zeichnungen, die er den Handlangern des jetzigen Kurses gespendet hat. Er hat nämlich den Oberbürgenneister Wittin g zum E Regicrungsrat ernannt, den Oberpräsidenten der Provinz Posen Dr. v. Bitter zum Wirklichen Geheimen Rat mit dem Prädikat Excellcnz und den Präsidenten der Ansiedlnngskommission Dr. v. Wittenburg zum Wirklichen Geheimen Oberrcgierungsrat mit dem Range der Räte erster Klaffe. Diese hohe Auszeichnung, die dem Obcrpräsidenten verliehen worden ist, beweist im Zusammenhalt mit den bekannten Aeuße- rungen. daß die endgültige Entscheidung dcö Kaisers im Falle Löhning zu Gunsten der Regierung und besonders des Herrn v. R h e i n b a b e n lautet, der von der allzeit optimistischen liberalen Presse längst ans der Welt demissioniert worden war. Soviel nun über Löhning und seinesgleichen in der Oeffentlich- keit bekannt worden ist, haben diese Beamten in der Polcnfrage nichts andres gethan, als ihre Unparteilichkeit ini Amte ein wenig zu bewahren. Löhning hat sich geweigert, als Vorgesetzter die Wahlabstimmimg seiner Untergebenen zu bceliifluffen, und hat es nicht geduldet, daß bei SlencrrückerstattungS-Geftichen die Nationalität des Bewerbers berücksichtigt werde. Ein solche Handlungsweise konnte der Kaiser doch selbst zu jener Zeit nicht tadeln, als noch vom polnischen Ucbernmte die Rede war, er kann es heute noch weniger, da ihm nieinaud zumuten kann, er wünsche, daß gegen jene parteiisch verfahren werde, die ihre StanimcScigeutünilichkeitcn er- halten wollen. Alles in allem sind die Beamten von Posen durch die letzte Rede des Kaisers in keine besonders angenehme Lage versetzt. Sic sollen die Befehle des Kaisers unbedingt befolgen, aber wie lauten sie? Sie sollen scinc Absichten verwirklichen, doch welche sind sie? Sie müssen entschieden handeln, aber wie? Mit dem Sekretär Davison in„Maria Stuart" können sie sagen: Ich kenne nicht die Sprache Der Höfe und der Könige— in schlicht' Einfacher Sitte bin ich aufgewachsen. Drum habe du Geduld mit deinem Knecht I Laß' dich das Wort nicht reu'u, das mich belehrt, LR i ch klar in a ch t Über meine Pflicht— Auch diesmal ivird der Lord Burleigh nicht fehlen, der dem Aciigstlichen die Vollmacht aus den Händen reißt. Wilhelm II. überschätzt nämlich im Beivnßtscin seiner monarchischen Machtfülle den Einfluß, den er auf die Entivicklimg der politischen Verhältnisse Posens nchnicn kann. Nicht er hat die halatistische Politik inS Dasein gerufen, sondern das deutsche Bürgertum war eS, das sich dieses polnisch- agrarische Land wirtschaftlich erschließen wollte. Und darum wird auch diese Kaiserrede, die so vieldeutig ist, daß jede Partei sie zu ihren Gunsten auslegen kann, eine Aendernng des Kurses, der in Posen gesteuert wird, gewiß nicht in die Wege leiten._ politische Aebevllchb. Berlin, den 4. September. Kosakischcö aiiö Posen. AnS Posen Ivird uns vom 4. September geschrieben: Die Vorliebe des deutschen Kaisers für alles, wnS mit dem russischen Selbstherrschertmn zusammenhängt, ist bekannt. Deutlicher noch als in offiziellen Reden und Ordensverleihungen hat sie sich in folgendem kleinen Zwischenfall gezeigt, der sich bei der gestrigen Parade ereignet hat: Natürlich hat eS der Kaiser im allgemeinen unterlassen, die Hnrrarnfe seiner Getreuen durch Gcgcnrufe zu beantworten. Es ist auch nicht bekannt geworden, daß er ähnliches früher schon einmal gethan hätte; auch dürfte ein solches Verhalten den Elikettebegriffen seiner Ecremonienmeistcr kaum entsprechen. Auch diesmal beschränkte er sich darauf, dem deutschen Publiknin schweigend zu danken. Sowie er aber in der Menge ztvci russische Unteroffiziere erkannte, die den geladenen russischen Offizieren zum Dienste bei gegeben waren, rief er ihiicn, mit dem berühmten„Interims Marschallstabe" winkend, ein laut schallendes:«Bnwo Koiaki 1" zu. Die Begeisterung Wilhelm II. für das Kosakeutnm entspricht bekanntlich wenig den im deutschen Volke herrschenden Begriffen. Und so dürfte ei» andrer kleiner Vorfall, der sich während der Parade zugetragen hat. vielfach alS„echt kosakisch' bezeichnet werden, ohne daß man daS also gekennzeichnete Vorgehen mit diesem Ausdruck als ein überaus sympathisches keimzeichnen wollte. Der Fall soll in den Reihen der Kriegervereine eine große Erregung hervorgerufen haben. Nicht geling, daß mau die Scharen dieser von iveit und breit herbeigeeilten„frommeu und gel treuen Knechte" weit ungünstiger als das feiner gekleidete Privat- Publikum postiert hatte, man schien einen Akt der raffiiticrtcsten Graiisamkeit gegen sie geplant zn haben. Der Standort, der ihnen angewiesen war, befand sich nämlich in der Nähe eines WirtShaufeSß der Raum aber, der sie von diesem lockenden Ziele trennte, war— abgesperrt. Die Leute ivarcn in drückender Hitze sechs Kilometer iveit marschiert, der Kiessand, der in der Stadt ivie ans dein Wege zum Paradefclde zollhoch aufgeschüttet worden ivar. war durch tausend Hufe aufgeivirbelt und hatte Stadt und Umgebung in eine erstickende Sandwolke gehüllt. Ein gesunder Durst war also durch alle Umstände gerechtfertigt, und die Armen duldeten, so nah und doch so weit von der labenden Quelle, wahre TautalnSqnalen. Schließlich ertrug ihr Patriotismus diese Be- lastungsprobe nicht länger und sie drängten mit Macht gegen das Wirtshaus. Jetzt nahm die Sache, die humoristisch begönne» hatte, eine tragische Wendung. Die Gendarmerie ritt auf d i e M e n g e ein. Das Pferd eines Gcndarmerie-OfsizierS, der sich dabei besonders eifrig benahm, schlug aus und traf einen Man» an die Stirne, so daß sein Gesicht sofort von Blut überströmte. Eine ungeheuere Aufregung bemächtigte sich der Menge, heftige Worte wurden laut und im Tumult zog ein Offizier blank. Jetzt mischte sich das Militär i»S Spiel und erwies sich als ein gerechter Richter: Der Verletzte wurde nämlich für verhaftet erklärt I ES gelang erst langsam die Kriegervereinler zu besänftigen, von Begeisterung blieb aber ihre Stimmung doch recht weit entfernt. Dies ist das„Kosakenstnckchen' der preußischen Gendarmerie. Sprachkundige behaupten übrigens, daß der Kaiser seinen citicrtcn Ausruf nicht in russischer, sondern in polnischer Sprache gethan habe, und das wäre doch so ziemlich daS schlimmste, waS den Deutschen Posens passieren könnte. Russisch heißt eS nämlich nicht „Kosaki", sondern„Kasaky". a oder o ist also jetzt die Frage I Improvisierte Wcltpolitik. Der deutsche Gesandte in Peking Dr. M u mm v. S ch w a r z e n st e i n hat auf einer Abschiedsfeier der deutschen Kolonie in Tientsiii eine Rede gehalten, die das Sprunghafte, Plötzliche der deutschen Weltpolitik eigenartig beleuchtet. Wie iniprovisatorisch nnsre ganze auswärtige Politik be- trieben ivird, betveist schon die Ernennulig Mumm v. Schwarzen« steins selbst. Man vergegenivärtige sich die Situation der Ernennung. Der frühere deutsche Gesandte, v. Kctteler, war gerade infolge seines migeschickteii Anftreiens ein Opfer der Fremden- erhcbuug geworden, die eiste» Aktionen des RachekriegeS ivarcn vorüber, eS handelte sich um die Herbeiführung eines nknen modus vivendi zwischen China und den Mächten. Wenn je, so hätte in einem solchen Augenblicke nach China ein Mann gehört, der wenigstens eine gewisse Kenntnis jener migehencr schwierigen asiatischen Verhältnisse besaß. War nnu Mimim v. Schivarzcnstein dieser Mann? Nach seinem cigucn Geständnis rief seine Ernennung zum Nachfolger Kettelers recht gemischte Empfindungen bei ihm hervor, hauptsächlich deshalb, ivcil er von den Dingen hinten in Ostasien. bei deren Regelung seine Mitwirkung unter normalen Verhältnissen doch in erster Linie hatte in Frage kommen müssen, so viel verstand ivie jeder Durchschnitts-Enropäer: nämlich gar nichts: „Ganze zehn Tage blieben mir, um mich vom Großherzog zu verabschieden, um meine» Hausstand nnfznlösen, meine Koffer zu packen, mich in Berlin abznineldcn und mich, so gut eS die kurze Zeit erlaubte, dort a» der Quelle voll Weisheit zu saugen. Wußte ich dock, von China nicht viel mehr, als iv a s ich auf der Schulbank darüber gelernt und meistens auch s ch l e u n i g st wieder vergessen hatte, höchstens, daß eine gelegentliche Bertretimg des Referenten für China im Auswärtigen Amte mir einige ober- f l ä ch l i ch e Einblicke in die hiesigen politischen Verhältnisse gewährt hatte, die nur darunter stark litten, daß ich die schivierigen Sachen mit Vorliebe auf sechs Wochen, d. h. bis nach Rückkehr des eigentlichen Referenten zu vertagen pflegte." Der zu seiner eignen nicht ganz angenehmen Neberraschnng zum Gesandten in Peking crnaimtc Diplomat hielt cS als für daS beste, sich in Berlin das nötige Reisegepäck von Informationen mit- zunchmeii, sich„an der Quelle voll Weisheit zn saugen", wie er daS nicht ganz respektvoll ausdrückt. Mit seinen VerhaltnngSordrcS in der Tasche konnte er ja in China munter die berühmte ostasiatische Weltpolitik initmachcn. Die„Rheiiiisch-Westfälische Zeitung", die sich über diese Art, Diplomaten für so schivierige, verantwortungSrciche Posten zn berufen, einer gewissen Vcrwnnderimg nicht enthalte» kann, meint allerdings, cS sei ein NonsenS, Leute zu lw- rufen, die sich erst iin Auswärtigen Amte über die Zn- stände im Lande ihrer Thätigkeit unterrichten müßte», während doch umgekehrt das Auswärtige Amt auf die Jnfomiationen und Ratschläge dieser Gesandten angewiesen sei. Im allgemeinen mag daS ja auch der normale Zustand sein. In Deutschland ist man über diese schiverfällige, zeitraubende Art, auslvärtige Angelegen- hcitcn zu behandeln, längst hinaus. Bei nnS sind die Botschafter diirchanS nicht verpflichtet, eine auf gründlicher Kenntnis der Ber- hältniffe fußende eigne Meinung zu besitzen oder gar durch ihre im- maßgeblichen Aiisichtcii die Berliner„Quelle der Weisheit" zn in- kommodieren. In Berlin weiß man viel besser Bescheid. DaS hat ja die von hier ans erfolgende Leitung dcS ganzen China- Abenteuers bewiesen. Wie die strategische Leitung im Grunde nicht in den Händen den WeltgcneralissinmS lag, wie man von Berlin aus die militärischen Operationcu mit erstaunlicher Detailkenntnis zn dirigieren wußte, so verstand man auch, ohne daS störende Zwischenglied eines diplomatischen Beraters eine Reihe der scnsatio» ncNsten Zwischenfälle herbeizuführen und den Abschluß des Friedens- Vertrages um viele Monate zu verzögern.— Deutsches Fleich. Der Brnch im Gcnosscuschaftövcrbaitd. Auf dem Genossenschaftstag in Kreuznach ist es am Mittivvch zum Ausschluß von KS Kousitinverciucu gekommen, die durch die freisinnigen Ber- bandSlcitcr dcS Verbrechens socialdeniokratischcr Tendenzen be- schuldigt wurden. sDen ausführlichen Bericht findet der Leser in der ersten Beilage des BlutteS.) Wir werden daS für die Ent« wicklitiig des dentschcii GcnoffeiischaftSwescnS entscheidende Ereignis alsbald näher würdigen. So viel ist sofort festzusteNen, daß dem Verbände aus dieser gcwaltsameu Aitsstoßnng seiner lebenskräftigsten Organe schwerste Schädignng ertvachscn muß, daß er seine bisherige Bedentimg einbüßen wird und daß»eben ihm ein neues Wirt» schaftliches Gebiet aufwachsen wird, welches ihn bald weit- ans überragt. Schon inißbilligeu Zeitungen, die der jetzigen Verbandsleituug politisch weit näher stehen als den aitsgestoßencn Konsnmvereknen, daS Verfahren der Verbandsleitung in aller Deutlichkeit. Die „Berk. Ztg." führt aus: „Der Genosseiischaflsanwalt Dr. Criiger hat damit ein Ziel erreicht, nach dem er seit Jahren emsig gestrebt. C6 er sich dcS SicgeS zu freue« haben wird, ist eine andre Frage. Liest man de» Bericht, den wir an andrer Stelle geben, so fragt mau sich vergebens nach de» Gründe»,' d i e l i b e r a I e M ä n n e r bestimmen konnten, dem Antrage auf Mlsschlnb der 09 Konsumvereine zuzustimmen. Vom freisinnigen Standpunkt aus kann man den Beschlug nur beklagen. Ein Verfechter des Crügerschen Antrages, Rechtsanwalt S ch m i d t b e r g e r, war so unvorsichtig, es offen auszusprechen, dafe die Berechtigung des Aus- schlusses sehr zweifelhaft sei, daß es sich hier nur darum handle, die Macht, die man noch besitze, geltend zu machen. Der Satz: Macht geht vor Olecht! ist niemals mit größerer Unbefangenheit als Maxime politischen Handelns oufgestellt worden, als auf dieser Versammlung, in der frei sinnige Männer das Heft in Händen hatten." Die»Freisinnige Zeitung" des Herrn Richter natürlich billigt durchaus das Vorgehen der Vcrbandsleitnng gegen die Konsum vereine. Sie erklärt: »Die rücksichtslose Art, wie die Socialdemokratie in allen Organisationen, in denen sie angefangen hat, Boden zu fassen, sie für ihre besonderen Zwecke dienstbar zu machen sucht, zwingt auch die politisch neutrale» Vereinigungen, schon bei dem ersten Anzeichen hiervon, solche» Versuchen entschieden entgegenzutreten, wie dies auf dem Verbandstag in Kreuznach geschehen ist." Irgend welchen Beweises für die socialdcmokratische Rücksichts losigkeit in der Genossenschaftsbcwegnng fühlt sich die»Frcis. Ztg." gänzlich enthoben. Die„Rücksichtslosigkeit" besteht allein darin, daß anch die Arbeiter die Vorteile der Konsumvereinigungen er- kaunt haben und zu nutze» beginne». Aber Arbeiterinteresscn kümmern de» Richterschen Freisinn nicht nur nicht, sondern dieser reizvolle Freisinn sagt sich schroff von denjenigen los, die Arbeiter interessen fördern. Es ist erstannlich, mit welchem Eifer der Freisinn seine Selbstvernichtung betreibt I— Gebotene Sühne? Ein Sittenbild ans Baden. Wir haben in unsrer Nummer vom 19. August die Geschichte der Ausweisung einer Italienerin aus Baden erzählt, welche Ausweisung zu stände kam durch gesetzwidrige B e a m t e n h i l f e für einen A r z t, welcher sich der Italienerin, mit der er ein Liebesverhältnis üntcrhalten hatte, entledigen wollte. Die Presse versuchte vielfach die Angelegenheit zu mildern und zu vertusche». Jetzt bringt die„Karlsruher Zeitung" folgende amtliche Darstellung des Falles: »In der That hat der erstgenannte Beamte(LaudgerichtSrat Bauer) zwar n i cki t in seiner amtlichen Eigen- fchaft als Untersuchungsrichter, ivohl aber unter mißbräuchlicher Ausnutzung seiner amtlichen Stellung im Interesse eineö durch seine Beziehungen zur Groggia sder Dame, mit welcher der Arzt in Neckargemiind ein Verhältnis hatte) kompromittierten FreundcS durch ein seiner richterlichen Stellung nicht entsprechendes außerdienstliches Verhalten sich eines DiSciplinarvcrgchenS schuldig gemacht, ivege» dessen das Justizministerium unterm 8. Juli d. I. auf Grund des Beamtengesetzes auf die Ordnungsstrafe der Versetzung in Berbindniig mit einer Geldstrafe im Hvchstbetrag von 200 M. erkannt hat. Das Jnstizministcrium, ivclchcs i» der Wahrung der Integrität des Beamtenslandes, und ganz besonders der richter- lichen Beamten, die wichtigste Aufgabe der Staatsverwaltung er- kennt, hatte alsbald, nachdem es von jenem Vorkommnis durch den zu deren Mitteilung dienstlich verpflichteten Staatsanwalt Kenntnis erhalten hatte, die Einleitung deS förmlichen Di s c i p l i n a r- Verfahrens und sodann mit Zustimmung des Disciplinarhofcs für richterliche Beamten die vorläufige Amtöentlassnng des Landgcrichtsrats Bauer verfügt. Nach Durchführung der Diseiplinarnntersuchiing durch den hiermit beauftragten besonderen Untersuchungsrichter, erklärte sich L a n d g'e r i ch t s r a t Bauer mit seiner Versetzung an ein beliebiges andres Landgericht einv er- stände n. Nachdem so die Nköglichkeit einer Versetzung eröffnet war. Ivurde das weitere Verfahren von dem Disciplinarhof gemäß dem Bcamtengesctze eingestellt, und nach dem Ausspruch der erwähnten Ordnniigsstrafe innerhalb der Zuständigkeit des Justizministeriums die Versetzung des Landgcrichtsrats nach Walds- Hut herbeigeführt. Was sodann das Verhalten des weiter genannten V e r- w a l t u n g s b e a m t e»ldci»okrate» die Mehrheit haben, ivollen die Bürgerlichen>nit ihnen leiten, d. h. ihnen clivas abnehmen, wo aber sie selbst die Mehrheit haben, da möchten sie nach wie vor alles hübsch für sich behalten. Ans den Acußernngen der übrigen Schiveizcrprcsse seien noch folgende beachtensiverte Bemerkungen erwähnt. Das frei- sinnige.Ln zern er Tageblatt" schreibt:.Im Wahl- r e k n r s lvar behauptet ivorde», kaum 2000 Socialdemokraten seien an, 7. April zur Urne, gegangen, alle andern Stimme» seien er- fd, Ii che» oder e r k a n f t worden. Und nun rücken die Socialdemokraten mit solchen S t i m m e» m a s s e n ans! Auch der hitzigste„Bürgerliche" wird nicht mehr behaupten wolle», daß die Tausende und Tausende von Stimmen über 2000 hinaus nur vom Slinnnvich herrührten." Das Blatt erklärt dann weiter, daß ihm der Kassa tions besch In ß weder rechtlich begründet noch politisch klug zu sein schien und sagt schließlich:„Das Wahl- ergebnis vom 31, August darf als ein energischer Protest gegen den K a n t o n s r a t und s e i n e W a h l m o r a l ans- gefaßt werden und die Leidenschaften, die der Kassations- beschluß entfesselte, werden nachwirken, schwerlich zum Frommen deS Gemeinwesens, Die neuen Anßersihler Wahlen haben also den Bürgerlichen nichts genutzt, aber dem ganzen eher geschadet". Voller jubelnder Begeisterung ist n n s r e Part ei presse und ist namentlich die zürcherische Arbeiterschaft. Ihr Jubel an, Sonntagabend über den herrlichen Sieg war groß und die Genossen Pflüg er. Lang, Greulich, sowie der aus Lnzer» herbei- gceilte Centralpräsident der schweizerischen socialdcmokratischen Partei, Genosse Alb isser, welche in begeisterten Worten den großen Siegcstng feierten, fanden stürmischen Beifall. Dank und Anerkennung wurde nnferm Züricher„Volksrecht", dem aus- gezeichnet redigierten Organ der Züricher Arbeiterschaft und seinem Nedactenr, dem Genossen H a n t h, gespendet für die wirksame Arbeit, die in diesem Kampfe von ihm geleistet worden. Den Sieg nennt das„Volksrccht" eine A b r c ch» n n g mit den Gegnern für all den Schimpf und die Vergewaltignng, die diese den Arbeitern zugefügt haben, und es konstatiert, daß die Socialdemo- k r a t i e i n d c r S t a d t Zürich, nicht bloß in Außer- sihl, die Mehrheit hat, w e n n die Arbeiter aller Kreise von ihren, S t i m m recht Gebrauch mache„. Das wird sich in zivci Monaten, bei den Ende Oktober statt- findenden N a t i o n a I r a t s w a h I e n zeigen. Gewähren die„gesammelten Gegner" nnsrcr Partei von den 0 Nationalratsmandalen nicht eilte ihrer Stärke entsprechende Anzahl und es kommt in, ganze» Wahlkreise zu einem Kampfe, wie ivir ihn soeben in Außcrsihl erlebt. es ist nicht unmöglich, daß 0 Socialdemokraten in den Nationalrat gewählt werden. Nach dem Siege von Außersihl sind die Wahl- anssichtc» für uns ebenso günstig als für die Vürgerlicheu ungünstig. Aus der alten Aschcnbrödelrollc ist unsre Partei in Zürich heraus und das hier gegebene gute Beispiel wird aufrüttelnd und er- mntigend zurückwirken aiis die Genossen im ganzen Lande. Es geht vorwärts!— Polizeispitzel in der Schweiz. In Genf wurde in einer Versanunlnng von Parteigenosse» der angebliche Student Isaak P c r s i z aus Moskau, geboren 1874, als Polizeispitzel entlarvt. Er hat in der Versammlung, wie in unsrer schweizerischen Partcipresfe berichtet wird, auf Vorhalt zugestände», in den Jahre» 1898 und 1899 im Dienste der russischen Polizei gestanden zu haben, dann aber habe er die Spitzclci anfgegeben und sich nacheinander dem socialdemokratischcn Verein Lemberg, dem Arbciterbildungs- verein St Gallen sowie de» daselbst bestehenden Vereinen der östrcichischcn und der italiciiischc» Socialisten angcschlosscn, zuletzt war er Mitglied des deutsche» Arbeitervereins in Genf. Die Per- sammlung beschloß, vor dem Pcrsitz öffentlich alle socialistischeu Organisationen zu warnen. Persitz ist von großer Statur, hat Helles Kopf- und Barthaar, helle, etwas schielende Augen, rundes Gesicht mit großer gebogener Nase. Er spricht deutsch, polnisch, den jüdischen Dialekt, französisch, italienisch und arabisch.— Zyraukreich. JanröS über die Rcvanchcrede AndröS. Janrös betont in eine», Artikel in der„Petitc Rspnbliqne", daß die Revanchetirade» des französischen Kriegsministers«chaumschlägerei gewesen seien. Die fade» Revanchephrasen, die den, Willen des französische» Volkes durch- a»S nicht entsprächen, dienten nur zur Verlängernmig des rohen Systems der Militärherrschaft.„Man brauche nur zu sehen, welche Aufnahme die chanvinistischei, Zeitungen Deutschlands der Rcvanche- rede Andrös bereitet hätten. Sic freuten sich über sie; sie wüßte», daß das hohle N e d e n s a r t e n seien, daß Frankreich den Frieden wolle; aber sie bedienten sich der Ministerrede für ihre Zivecke." Redncierunge» deS Marine-EtatS. Dem„Echo de Paris" zufolge hat der M a r i n e n, i n i sie r dem neuen Kommandanten des Mittelmeer-Gcschivaderö Admiral Pottier mitgeteilt, daß er in, Hinblick auf die Lage des Budgets dem vom Finaiizminister Rouvier ausgesprochenen Wunsch entsprechend E r s p a r n i S m a tz n a h m e n durchführen werde und besonders den Effektivbestand des Mittel m eer-Gesch waderS in demselben Ver- hältniswiedendes Nord ge schwaders verringern wolle. Der Bestand der Panzerschiffe würde dann nm je ISO Mann herabgesetzt werden. DaS„Echo de Paris" erhebt Einspruch gegen diese Maßnahmen.— Englnnd. Konferenz zwischen Chamberlain und den Boeren- gcncrnlcn. Nach einer Londoner Meldung bestätigt es sich, daß an, Freitagnachniittag 8 Uhr eine Besprechung zwischen Chamberlain und den Boerengenerale» stattfinden Ivird, der auch General K i t ch e n e r beiwohnen soll, Wie es heißt, werden die Boerenführer anßer der Zubilligung politischer Rechte an ihre Mitbürger auch eine Erhöhung der Summe zun, Wiederaufbau der Farmen im, 3 Millionen verlange». Chamberlain hat Kitchener zurückberufen, um an den Verhandlungen teilzunehmen.— Lord Roberts, Kriegsminister Brodrick folvie die Generale Kelly-Kenny, French und Jan Hamilton find am Donnerstag nach Deutschland abgereist, um den Kaisermanöver» beiznwohnen.— Afrika. Zur Minenarbeiternot.„Daily Telegraph" meldet ans Johannesburg vom 3. September: Eine gemeinsame Bersammlung der E x e k n t i v e d e r M i n e n k a m m e r hat nach Beratung mit den Ingenieuren der einzelnen Minengruppen und mit dem' Ver- bände der Minendirektoren den Grundsatz der Accord- arbeit angenoinme». Auf diese Weise hofft man Arbeiter für die Mine» heranzuziehen, indem man fleißigen und branchbaren Arbeiter» höhere Löhne gewährt. Dieser Beschluß ist ebenso schäbig wie die Verordnung deS Gouverneurs Milner, die schwarze» Arbeiter durch eine hohe Kopf- steuer zur Arbeit zu zwingen. Die zur Arbeit Gezwungene» sollen dann durch die Accordarbeit entsprechend ausgepreßt werden. Das sind die Seginingen der siegreichen englischen Kultur!— Amerika. Eine Schiedsgcrichtsbill. Ans Veranlassiing des Senators Qnay hat das republikanische Stantskomitee � von Pennsylvanieii an den Gouverneur dieses Staates das Ersuchen gerichtet, die Staats- legislatur zu einer Sondertagnng einznbernfen. um eine Bill durch- zubringen, welche die Streikenden, sowie die Grubenbesitzer nötigt, ihre Streitigkeiten einem Zwangsschicdsgericht zu unterbreiten.— Ueber den Unfall Roosevclt wird„och gemeldet: Der Kutscher deS Wagens, in welchem Präsident RooseveU saß, wurde infolge deS Zusammenstoßes 25 Schritt weit geschleudert und schwer verletzt. Der Präsident wurde unter den Trümmern des Wagens, welcher gänzlich zerstört wurde, fast vollständig begraben, befreite sich jedoch sofort ohne fremde Hilfe. Der Präsident und sein Geheim- sekretär Cortclyon erlitten erhebliche Quetschungen im Gesicht. Roosevclt blieb ruhig und drückte sei» lebhaftes Bedauern über den Tot des Geheimpolizisten aus. Er und seine Begleiter begaben sich in ein nahegelegenes Haus und fuhren sodann unter Aufgabe der Weiterfahrt nach Bridgcport, wo ein Dampfer sie erwartete und nach Ohster Bay brachte.—_ Ans Indttstvie und HAndel. Ter angeblich„gute Geschäftsgang" in der Textilindustrie. In einem Teil der Handelspresse wcrd.m in letzter Zeit allerlei Notizen Über den guten Geschäftsgang der Textilindustrie verbreitet. Soweit solche Nachrichten nicht überhaupt bloße Stimmungsmache treiben, haben sie nur für bestimmte Gegenden niid bestinuntc Branchen Gültigkeit, denen aber andre Gegenden und Zivcige der Textilindustrie gegenüberstehen. die noch immer stark unter der Krise leide». So bringt i» seiner Nr. 201 das„Sächs. Vollsbl." eine Znsammenstcllnng von S3 Firmen des Vogtlandes, fast ausscbließlich Kammgarnwebereien, ans der hervorgeht, daß von den 11 644 Webstühlen dieser Firmen in voriger Woche nur 8091 im Betriebe tvaren, dagegen 3S53, also beinahe ein Drittel, Iccrstandc». Dazu kommt aber noch, daß schon seit längerer Zeit einige Fabriken des Bezirks gänzlich außer Betrieb gesetzt sind, so daß im ganzen ungefähr 35 Prozent aller Stühle unbeschäftigt sind. Wclt-Gctreidc-Ernte. Das nngarische Ackerbati-Ministerinm veröffentlicht seine Schätzung lder Gesamt-Getreide-Ernte der Welt. Danach durfte der Dnrchschnittsertrag des Weizens 1023, des Roggens SS6, der Gerste 402, des Hafers 1058, von Mais 1047 Millionen Hektoliter betragen. Europa zeigt gegen das Vorjahr einen Mehrbetrag von Weizen 68, Roggen 49, Gerste 44, Hafer 32 Millionen Hektoliter, von Mais einen Minder- ertrag von 48 Millionen. Die überseeischen Staaten zeige» gegen das Vorjahr einen Mehrcrtrag: von Weizen 14 Millionen Hektoliter, Roggen 14, Gerste 46, Hafer 57, Mais 364 Millionen Hektoliter. Der Getreide- Ertrag ist daher in Europa nm 145, in den überseeischen Ländern um 481 Millionen Hektoliter größer. Der Bericht schätzt den Weizenertrag in Denschland auf 49 Millionen Hektoliter, den wahrscheinlichen Einfnhrbedarf r.iif 18; den Ertrag des Roggens auf 121, den wahrscheinlichen Einfuhrbedarf auf elf Millionen Hektoliter. Hnrkortsche Bergwerke«nd Chemische Fabriken. Der Bruttogewinn des abgelaufenen GeichäflSjahrcS beträgt 1 056 935 Mark, gegen 1 250 156 M. im Vorjahre. Davon gehen ab für Unkosten 53 000 Mark lim Vorjahre 49 000 Mark) und für Verlust beim Transsylvania- Goldsyndikat 98 391 Mark, ferner sollen 343 599 M. zu Abschreibungen verwendet(im Vorjahre 410 994 M) und 40 000 Dt. dem Erncnernngsfonds überwiese» werden. Es verbleibt ein Neingewinn von 521 801 M.(im Vorjahre 760 793 M.), von den, nach den, Vorschlag der Verwaltung eine Dividende von 5 Proz. zur Verteilung gelangen soll gegen 7 Proz. im Vorjahre. Zur Praxis der Losgescllschaften. Es ist zwar nicht gerade geschcidt, aber erklärlich, wenn mancher, der Tag für Tag sich plagen !ind schinden muß und doch trotz aller Anstrengung nicht vorwärts kommt, de» Wunsch hegt, er niöchte doch mal in der Lotterie sein Glück versuchen. Unerklärlich ist es aber, wenn von diesem Ver- langen getrieben, kleine Leute sich Losgescllschaften, vielfach sogar ausländischen, anschließen, die in ihrer Mehrheit nichts weiter find, als niedrige Spekulationen auf die Einsältigkeit derer, die nicht alle werden. Der einer solche» Gesellschaft Beitretende hat nicht nur keinerlei Garantie, daß die genannten Lose wirklich angeschafft und die etwa auf diese fallenden Gewinne richtig ausbezahlt werden, cS entspricht auch der Wert der Lose, deren Ankauf zugesagt wird, nur in den seltenste» Fällen der Summe, die von den Mitglieder» eingezahlt werden muß. Sehr oft kostet der Ankauf der betreffenden Lose der sogeiiamitcn„B a n k", die gewöhnlich hinter solchen Unteriiehmiingen steht, nur die Hälfte oder höchstens zwei Drittel der von den Mitgliedern der Los- gcscllschaft eingeforderten Gelder; und außerdem steckt sie durchweg auch noch die Zinsen ein, welche die zinstragenden Lospapicre abwerfen, so daß sich für die Bank das„Gründen" von Los- gesellschastcn als ein außerordentlich profitables Geschäft erweist. Zur Jllnstriening de? Treibens mag folgendes Beispiel diene». Am Sonnabend, den 23. August, erschien in,„Vorwärts" folgendes Inserat:„Man biete dem Glücke die Hand! Lotterievcrcin korresp. sticht Mitglied. 82 gesetzlich erlaubte Lose zc.... Meldungen unter„Germania" Nr. 24 postlagernd Berlin O. 17." Ein Parteigenosse, hiesiger Kanfmann, der seit längerer Zeit die Mache der Losgescllschaften verfolgt, ließ darauf an die«Germania" einen Brief schreiben und un, Znsendinig eines Prospekts bitten. Er erhielt sofort von der„Losgelegenheits-Gesellschaft„Ger- n, a» i a" unter Leitung d e S B a n k i» st i t u t s S k a n d i a i n Kopenhagen" einen lange» Prospelt mit Einladung zum Beitritt und allerlei Reklamezetteln zugesandt, aus denen hervorgeht, daß die Gesellschaft„Germania" unter der Leitung des„Bankinstituts Skandia" sich gewerbsmäßig mit der Gründung von Losgcscllschaftcn befaßt. Je 100 Mitglieder, die sich auf ihre Annonce» und Neklamen zum Beilritt melden, werden zu einer Losgescllschaft vereinigt und dann durch Unterschrift unter eine Beitrittserklärung, die nur ihre Pflicht zum Zahle» festsetzt, von den Gegeuverpflichlinigen des„Bankinstituts Skandia" aber kein Wort enthält, an die Gesellschaft gebunden. Der Beitrag beträgt für jedes Mitglied 5 M. pro Monat und zwar auf die Dauer von 30 Monaten, so daß jeder also im ganzen 150 M. zu bezahlen hat. Die Einzahlung einer Gesellschaft beträgt demnach 15 000 Mark. Dafür über- nimmt die„Germania" beziehungsweise„Skandia" den Ankauf von 82 Losen, deren nomineller Gesamtwert sich ans ungefähr die Hälfte der eingezahlten Summe bcläuft, deren Kurswert sich aber nach flüchtigem Hebers chlag noch etwas niedriger stellen dürfte; denn neben einigen guten Lospapiercn befindet sich unter dem Ramsch viel minderwertiges Zeug: türkische 400 Frank-Lose. Barlctta-Lose, Madrider Lose?c. k. Selbst wenn also die„Germania" bezw. „Skandia" die angegebenen Lose ivirklich kauft, verdient s i e bei der Gründung jeder L o s g e s e I l s ch a f t e t lv a 8000 Mark, dazu kommt aber noch, daß nirgends au- gegeben steht, der Ziuserlös aus den zinstragenden Papieren würde den Losgesellschaften gutgeschrieben; es dürfte also wohl auch dieser noch von der„Skandia" oder der von dieser vor- geschobene»„Germania" eingesteckt werden, und ferner wird— in dem Prospekt ist allerdings nichts darüber gesagt, aber es entspräche nur einem häufigen Brauch— höchst wahrscheinlich das ehrenwerte Institut sich für die Losankänfe und GewimiauSzahllliigen auch noch Provisionen bereckinen. Dagegen sind die Ausgaben der„Skandia" äußerst gering; sie bsstchen nur in den Kosten für Inserate und Reklame,' das' Porto für die Korrespondenz, auch das Rückporto, tragen die Gesellschaftsmitglieder. ' Ein famoses Geschäft: und doch fallen auf diesen Mumpitz iinmer wieder Leute hinein._ MommunKles. Stadtvcrordnctcu-Bersamuiluug. 25. Sitzung vom Donnerstag, den 4. September, nachmittags 5 Uhr. Auf der Tagesordnung der heutigen Sitzung, der ersten nach der zweimonatigen Ferienpanse, stehen 75 Nummern, von denen 23 in geheimer Sitzung zur Erledigung kommen sollen. Außerdem liegen vor die dringlichen Anträge betreffend schleunige Maßregeln gegen die Fleischnoi bezw. Fleischteuerung. und zwar a) der Antrag der socialden, akratischen Fraktion Augustin und Genossen: Die Stadtverordneten-Versammlung ersucht den Magistrat, mit ihr gemeinsam schleunigst Schritte zu unternehmen, den, Bundesrat zu veranlassen, die Absperrung der Grenzen gegen die Vicheiufuhr aufzuheben, nm die die Volkswohlfahrt schlver schädigende Fleischteuerung einzuschränken; b)' der gemeinsame Antrag der andren Vre, Fraktionen:, t Mit Rücksicht auf die durch Hemmung der Einfuhr entstandene. die Berliner Bevölkerung und nameutlich dic inindcrbemitteltenKlafsen derselben in ihrer Ernährung schwer schädigende Fleischteuerung, ersucht die Versammlung den Magistrat, i» Gemeinschaft mit der Versammlung bei den zuständigen Reichs- und Lnndc�behörden auf Beseitigung der Einsuhrverbote vorstellig zu werden. Die Sitzung wird um 5V2 Ilhr vom Vorsteher Dr. Langer- Hans mit einem Nachrufe für den am 20. v. M. im Alter von 72 Jahren plötzlich verstorbenen Stadtv. Theodor Metzner er- öffnet. Der Vorsteher erwähnt, daß Mehner schon 1891— 95 der Versammlung angehörte, hebt hervor, daß er nicht bloß in der Ver- sammlung wie in den Ausschüssen und Deputationen seine Schuldigkeit im höchsten Grade gethan, sondern auch ein freundliches und liebens- ivürdiges Veiiehmci, gegen sämtliche Kollegen stets gezeigt hat und schließt: „Er war wirklich ein außerordentlich braver und lieber Kamerad, und ich dcuke, wir werden ihn, ein freundliches und wohllvollendeS Andenken bewahren."(Beifall.) Die Versammlung hat die Worte des Vor- stehers stehend angehört. Der Ausschuß zur Vorbcratung des Antrages Angustm betr. den Urlaub der städtischen Arbeiter ist gewählt und hat sich konstituiert. Schleunige Maßregel» gegen die Flcischnot. Der Dringlichkeit der oben niilgelcilten Anträge wird von keiiier Seite Widerspruch entgegengesetzt. Die Versa», mlimg beschließt die- selben vorweg zu verhandeln. Stadtv. Cassel(A. L.): Da die Tendenz beider Anträge dieselbe ist, ivird sich in der Beschlußfassung der Versgnnnlung eine erfreu- liche llebereinstinmiung zeigen. Daß es sich nicht um einen künstlich gemachten„Nununel" handelt, daß ivirklich eine allgemeine Fleisch- teucruug eingetreten ist, beweisen die von allen Seiten aus demDeutschen Reiche ertönenden Klagen und Notschreie. Wenn der Laudwirtschafts- miinster v. Podbielski in dem Bescheide an die KöuigSberger Kaufmannschaft von einem ständigen Rückgang des Preises für Schlachtschwcine spricht, so stimmt das mit der amtlichen Statistik nicht übereilt. ES steht vielmehr fest, daß sich die Schweincfleischpreise zu enormer Höhe erhoben habe», für den Doppelcentner Lebendgewicht von 96 auf 118 M.(Hört, hört!) Auch die freihändlerischen Neigungc» gewiß unverdächtige„Germania", das führende Centrumsorgnn, spricht am 31. August von einer Fleisch- teucruug, die. wen» sie länger andauere, zu einer wahren Kalamität werden müsse. Die Gründe für diese Erscheinung liegen zweifellos hauptsächlich in de» bestehenden Einfuhrverboten. Dem Minister geht eigentümlicherweise die Rücksicht auf den Schutz der heimischen Schweine vor Verseuchung der Rücksicht auf die hinreichende Ernährung der heimischen Menschen vor. Es hört sich ivie eine Satire an, wenn' iirni, erfährt, daß anläßlich des Kaiser- besuche in Posen der dortige Magistrat den Minister beschworen hat, dafür zu sorgen, daß in Pose» während dieser Zeit für die znsaminenströniende Menschenmenge auch genügend Fleisch zur Er- Nahrung vorhanden sei, und daß der Minister sich auf diesen Appell hiilsai, Herr»— Ring, den Obersten der auf die�Vertencrimg der Milch Ivie des Fleisches bedachte» Agrarier, gewendet hat!(Heiter- kcit.) Diese Flcischnot ist um so bedenklicher, als, wie ebenfalls die„Germania" zugesteht, die schlechten Erwerbs- Verhältnisse»och hinzukommen, nm der großen Masse den Fleischgenuß noch weiter zu verkümmern. Daß mit der Grenzsperre der An- steckimg des heimische» Schwcinebcstandcs vorgebeugt wird, ist eine Anschmiung, die natürlich die Agrarier eifrig vertreten; andrerseits steht fest, daß die anSläiidischcn Schweine an der Vcrscnchuiig nicht zn Grunde gegangen sind, niid daß in denj! Grenzbczirken die dort zulässige beschränkte Einfuhr noch keine Spur eiiicS Schadens angerichtet hat. I» einer Zeit, Ivo so viel Verdrossenheit über den Gang der öffentlichen Aiigelegenheilen auftritt, in einer Zeit, die andrerseits im Zeiche» deS Verkehrs stehen soll, wird ein solcher Protest von»ns wohl nicht wirkungslos verhalle» und man Ivird sich an den ciitschcidendeN Stelle» überlegen, ob es nicht besser ist, rechtzeitig ciiizngreifci, und nicht erst da»», wenn cS zn spät ist. (Beifall.) Stadtv. Pfannkuch(Soc.): Die herrschende Einmütigkeit über da» Vorhandensein einer Flcischnot nnd Fleischteuerung überhebt mich der Mühe, den Nachweis dafür meinerseits zu erbringen. Der Vertreter der größten Partei in diese», Saale hat dargelegt, daß die daraus erwachsende Gefahr nicht i» der Ferne liegt, sondern uns schon nahe auf den Hals gerückt ist und daß wir thatk, ästig eingreifen müssen, de» Notstand zu beseitigen. Für die minderbemittelte» Klasse» gehört der Fleischaeuuß schon z» den Nnkitäte». Der Vorredner hat das politische Gebiet möglichst zu vermcidci, gesucht. Das geht aber nicht ganz, tven» mau die Frage gründlich erörtern ivill, dem, durch die agrarische Agitation ist die Frage zu einer politische» geworden. Der Bund der Landwirte, das lieber- agrariertum, ist der Träger der künstliche» Fleischiencrnng in Deutschland. Die Uebcragraricr behaupte», die deutsche Landwirtschaft sei eben« sogut in der Lage, für das gcsnmie tägliche Brot des deutschen Volkes das Kor» zu produzieren, wie de» Fleischbcdarf Deutschlands zu decke». Nach der Statistik sind bis 1897 durchschnittlich in dem voraufgegaugeue» Jahrzehnt i» jedem Jahre eingeführt worden 47 000' Ochse», 97 000 Kühe. 68 000 Stück Jungvieh. 11693 000 Schweine unter 1 Jahr und 2635000 ältere Schweine. Diese einfachen Ziffer» ergeben für jede» logisch denkenden Menschen, daß die deutsche Landwirtschaft nicht den inländischen Fleischbcdarf decken kann. Was die Zeit»ach 1897 angeht, über welche mir keine statistische» Zahlen vorliegen, so soll ja inzwischen die deutsche Landwirtschast ihr möglichstes gethan babci,, aber etliche schon von Herrn Cassel gcstreifie Vorkommnisse strafen diese Behauptung Lügen. In Posen wird freilich auf der königl. Tafel von Fleischnoi und Fleischteuerung nichts zn spüren geujcsc» sein(Zustimmung), in der Stadt selbst aber desto mehr. Trotz der Versicherung des Herrn Ring, der dein Dkimstcr in Gegenwart des Oberbürgermeisters für genügende Flcischzufuhr in der Zeit der Masscnansammlung zu sorgen versprach, sind nicht mehr als ganze 123 Schweine nach Posen dirigiert Ivorden.(Heiterkeit.) Aber die Dirigierung dieser horrenden Summe Schweine nach Posen hat den sonstigen Auftrieb der Centrale für Viehvcrivcrluiig mininial gestaltet; er bestand auf dem hiesigen Viehhof aus 10 Stück. Also was nach Posen dirigiert wurde, hat anderswo gefehlt. Wie in Berlin, so ist im ganzen Deutscheu Reiche der Auftrieb und die Zahl der Schlachtmigeu auf den Viehhöfen zurückgcgaiige»; spcciell aus Gera, Dauzig, Dresden werden ganz charakteristische Zahlen gemeldet. Gewiß würde die Aufhebung der Grenzsperre eine iveseutliche Milderung schaffen. Aber die Agrarier haben in dem gegenlvärtigcn Landwirtschaflsministcr einen Partei« mann, der mit allen Fasern auf ihrer Seite steht, denn soiist würde er den Vorhaltungen dieser Art eher Gehör schenken. Auf der letzten Wiiilerparade der Agrarier im Cirkus Busch sagte Herr von Oldenburg, es müsse oberster Grundsatz sein, daß niemand in, Laude ei» Erzeugnis billiger kaufe» kam,, als es sich in, Laude selbst herstelle» läßt. Wenn solche Grundsätze auf- gestellt werden, habe» alle Freunde der freien Konkurrenz sich dagegen anfzubäimic». Richten die Bündler ihre ganze Politik nach diese» Grundsätzen ei», so ivird schließlich um Deutschland eine chinesische Mauer aufgeführt, und diejenige», die nichts zu lebe» habe», werden einfach auf die Kirchhöfe spediert. Die GrelizsperrUng ist seit Jahr- zehnten systematisch betrieben worden, sie ist das Komplement zu den höhere» Zölle» für die laudwirtschaftliche» Produkte, besonders für das inländische Vieh. Die heute für lebendes Vieh bestehende» Zölle lvill schon die Regierungsvorlage verdoppeln und verdreifachen, die Agrarier haben für das Vieh und das Fleisch ganz erhebliche Erhöhungen über die Sätze der Vorlage hinaus in derZolltariflon, Mission durchgesetzt, und da« Ucberagrariertun, geht bekanntlich selbst darüber noch ganz bedeutend hinaus. Was die Abwehr der agrarischen Bestrebungen betrifft, so werden luiv selbstverständlich der Slcflicnmt) da? Niiclgrvt schon stärken suchen', > cibcrcinch unter diesem Gesichtslvin'kel müssen mir diesystemotischc Grenz- absperriing betrochten. Die Unterdrückunc, der Mnnl-„nd Klonen- scuche ist fiir die Regiernng die Vcronlossung znr Grenzsperre ge» Wesen. Die deutschen Londivirte selbst wollen dnrnnter nicht leiden, sie wollen mich die Kosten der Versicherung nicht trogen, und die Regierung hol ihnen zugestondcn. dnsz sie in den verseuchten Be- zirken dos noch gesunde Vieh in die Schlochthöfe dirigieren können. Worum sollen dieselben Sicherheitsmostregeln nicht auch sür das Vieh von jenseits der Grenze zugebilligt werden? ES wäre damit die Flcischnot zu einem erheblichen Teile beseitigt. Bei dem Fleisch- bcschaugcsctz ist ja eine tveilcre Beschränkung der Fleijcheinfuhr, auch mit hygienischen Gründen motiviert, durchgesetzt worden, es darf doS sehr beliebte und billige Büchsenfleisch, ebenso Wurst nicht mehr eingeführt werden, zerlegtes Vieh auch nur im Znsaminenhang mit Leber, Lunge und Nieren. Damit ist diese Einsuhr fast völlig unterbunden. Die für den Grcnzvcrkchr be- stehenden Erleichterungen sind ebenfalls durch rigorose Handhabung in ihrer ivohlthätigen Wirkung für die Ernährung der Bevölkerung der Grenzdistrikte nahezu aufgehoben worden. Diese Mahregcln müssen dazu beitragen, die Bevölkerung aufsässig zu machen, und wir könnten ja froh sein, wenn dieDinge in dieserRichtnng weiter gingen, wenn nicht die Notlage da wäre und schweren Schaden für die Volkswohlfahrt brächte. Wie schwer diese Teuerung auf dem Arbeiter- und dem kleinen Gewerbestand lastet, geht gerade aus den Äußerungen der Mctzgermcistcr und ihrer Presse hervor. Die„Allgemeine Fleischer zcitung" hat die betreffenden Stimmen mit Eifer zusammengetragen und der Fleischcrmcistcr Mohrmann ans Hannover hat allen Ernstes vorgeschlagen, man solle einmal einen allgemeinen Streik machen»nd H Tage lang keine Schlachtmig vornehmen(Heiterkeit), den Fleischern könne es nicht schaden, ob sie schlachten oder nicht, Profit hätten sie doch nicht dabei. So bricht sich die Entrüstung über die Rücksichtslosigkeit eines einseitigen Interessentenkreises Bahn, und der Mann trifft das Nichtige, wenn er sagt, lenkt die Negicrnng nicht ein, dann wird es Zeit sein, daß das Volk bei den nächsten Wahlen die agrarische Seuche aus dem Lande hinansfcgt. Das wird auch eine liberale Aufgabe sein Wir unsrerseits werden alles aufbieten; aber auch Sic haben diese Aufgabe, vereinigen Sie Ihre Stimnie mit iniS, sie wird nicht ungehört verhallen. Es hat mich gefreut, daß der Berliner Magistrat fich im Sommer mit an die Spitze gegen die Brvtvcrtcncrnng gestellt hat, daß der Oberbürgermeister mit an der Spitze jener Versannnlniig gegen diesen unverschämten Beutezug der Agrarier stand. Ich hoffe, daß der Magistrat mit dem Oberbürgermeister an der Spitze einmütig mit uns Hand in Hand auch gegen de» Flcischwnchcr vorgeht, daß er Schulter an«Schulter mit uns den Kampf gegen den agrarischen Ncbernnit aufnehmen ivird, bis wir sieg- reich daraus hervorgehen werden. Den Agrariern muß be« greiflich gemacht werden, daß Deutschland längst nicht nrchr in den Bahnen deS Agrarstaates wandelt, daß die Industrie empor- geblüht ist, ein Interesse daran hat, vorwärts zu schreite», und dies nur kann, wenn sie von einem intelligenten, leistungsfähigen, gut- genährten Arbeiterstand unterstützt Ivird.(Beifall.) Damit schließt die Debatte. Ueber die Frage, ob über beide Anträge und in welcher Reihenfolge abgestimmt ivcrdcn soll, entsteht eine längere GeschäftSordmnigs-Debaltc. Während der L o r st e h e(r und Sladtv. M o m m s e n der Meinung sind, daß nur ein Antrag angenommen werden könne und der andre damit er- ledigl sei, äußern sich die Stadtvv. Cassel und Hugo Sachs entgegen den Stadtvv. Pfannknch, Singer und Kreitling dahin, daß zunächst über den Antrag Cassel, der die Priorität habe. abzustimmen sei. dann aber über den Antrag Angusti». Hiernach wird schließlich verfahren und der A n t.r a g C g s s e l c i n st i m m i g, der Antrag Aug» st in gegen die Stimmen der Fraktion Monnnsen a n g e n o m m e n. Im Anschluß an die seiner Zeit vom Magistrat vorgelegte Statistik über die Löhne«nd die Arbeitszeit der in den städtischen Betrieben beschäftigten Arbeiter hatte die Versammlung am 13. Juni 1901 beschlossen, den Magistrat zu ersuchen: 1. für sämtliche Betriebe Arbciteransschüsse einzuführe» mit Gewährung des aktiven Wahlrechts an alle großjährigen Arbeiter und des passiven an die mindestens 25 Jahre allen, sofern sie wenigstens 3 Jahre im Betriebe thätig sind; 2. die Arbeitszeit durchweg— mit Ausschluß der Landivirt- schaft— auf 10 Stunden herabzusetzen; 3. die Mindestlöhne der vollbeschäftigten Arbeiter ans 3.50 M. zu erhöhen; 4. Ucberstnnden soivie außerordentliche Sonntags- und Nachtarbeit, so weit es noch nicht geschieht, entsprechend höher zu löhnen. Der Magistrat erwidert nnterm 11. Juli d. I.. daß thatsächlich fast bei alle» Verwaltungsstellen diesen Grundsätzen entsprochen wird; die bei der Baudepntation U, dem Viehhof und der Des- infektionsanstnlt I noch fehlenden Arbcitcrausschüssc sollen eingerichtet und die Geschäftsordnungen der letzteren dem Magistrat zur Genehmigung vorgelegt werden, der Lohn der im Nachlaßdienste der Arbeitshaus- und ObdachSverwaliung sowie in der' Tiefbauverwaltnng vollbeschäftigten Arbeiter, soivie der Anfangslohn der bei der Kanalisation beschäftigten voll- kräftigen Arbeiter(Kohleukarrer, Putzer, Druckrohr-Anfscher, Kanal- und Sandfang- Arbeiter), endlich der Lohn der Heizer der höheren Lehranstalten soll eine Erhöhung auf 3,50 M. erfahren. Die Versammlung nimmt die Vorlage ohne Debatte zur Kenntnis. Der in der Pfingstwoche 1903 in Berlin tagende V. Inte r- nationale Kongreß für angewandte Chemie soll auf städtische Kosten im Rathanse festlich empfangen werden; die Versammlung bewilligt dafür 10 000 M. Die Vorlage wegen Neubaues einer Turnhalle nebst Abort- gcbände ans dem Grundstück der 09. Gemeindeschule, Kl. Frank- st r a ß e ö, geht an einen Ausschuß. Für das Friedrich Wilhelm S-Hospital und die S i e ch e n- A n st a l t e n in der Fröbclstrnße soll ein zweiter Assistenzarzt angestellt werden. Stadtv. Gotifr. Schulz(Soc.) halt diese Verbessernng des ärztlichen Dienstes an den qu. Anstalten für nicht enlsernt genügend. Auch Stadtrat Straßmann habe schon im Juni gründlichere Abhilfe verlangt. Es müßten für die 573 Schwerkranken des Sicchenhauses mindestens zwei Assistenzärzte hiiiziilonimen. außerdem ein Chefarzt angestelll werden. Die 200 Kranken im Hospital seien überhaupt ohne Arzt; das sei ein Verbrechen, die armen Kranken dort so liegen zu lassen. Mindestens müsse auch hier ein Assistenz- arzt stationiert werden. Redner beantragt Ansschußbcratnng. Stadtschulrat Gcrsteuberg entgegnet, daß die Mißstände vom Magistrat anerkannt werden und sein Vorschlag erst der Anfang der Abänderung des ärztlichen Dienstes an den Anstalten sei. ES konmre auch der Mangel an geeigneten Kandidaten für die AssistenzarztsteNen in Betracht. Stadtv. Dr. Rüge(N.L.) ist gegen Ausschußberaiimg. beantragt aber seinerseits die Annahme der Vorlage lmit dem Vorbehalt, daß die Versammlung hiermit ihren früheren Beichluß nicht sür erledigt hält, sondern einer Vorlage wegen Reorganisation deS ärztlichen Dienstes entgegensieht., Stadtv. Gottfr. Schulz: Der eine Assistenzarzt ist ia schon da; ohne meinen Antrag im Kuratorium hätten wir auch den noch nicht. (Rufe: Na. na!) Wenn Sie 150 M. monatlich gewähren, können Sie sich nicht wundern, daß keine Meldungen erfolgen. Wir schließen UNS dem Antrag Rüge an. Die Versammlung beschließt nach dem Antrage Nnge. Die beiden gegen die Richtigkeit der G e ni e i n d e iv a h I e r> liste erhobenen Einwendungen werden dem WahlprüsungS- Ausschuß überwiesen. Die vom Magistrat vorgelegten revidierten Bestimmungen des Reglements für die Viehseuchen- Entschädigungen und der Entwurf eines Reglements betr. die Entschndiguug für an Milzbrand gefallene Tiere werden unverändert angenonimen. Das Kuratorium der städtischen H e i m st ä t t e n für G e-- n c s e n d e sollte nach dem Wunsch der Versammlung um zwei Stadtverordnete vermehrt werden. Der Magistrai schlägt vor. das Kuratorium durch zivei Biirgerdepnlicrte zu verstärken, da nach der Meinung deS Knratorinnis und des Magistrats letztere mehr freie Zeit hätten, um sich den Pflichten dieses Amtes zu widmen, als die vielbeichäftigten Stadtverordneten. Sladtv. Roscnoiv(N. L.) beantragt Ablehnung der Vorlage und Festhalten an dem früheren Bejchlnsse. Sei die Ansicht des Magistrats richtig, so müßten alle Stadtverordneten aus dem Kura- torium hinaus. Es fei auch nur gcrcchlfertigt, daß in dieser sich immer mehr ausdehnenden Verwaitung Angehörige aller Gruppen der Versammlung vertreten seien, vor allem die Socialdemolratcn, damit diese in die Lage kämen, sich selbst von dem thatsächlichen Zu- stände in dieser Verwaltung zu überzeugen ES sei nichi erfindlich, weshalb der Magistrat bei dieser Gelegenheit der Schlvesterbchörde solchen Mangel an Entgegenkommen zeige. Stadtv. Dr. Wehl(Soe.)i Wir sind auS denselben Gründen mit der Vorlage nicht einverstanden und lehnen fic ab. beantrage» aber eventuell AuSschußberatnng. Bei Beginn deS Gcfchäslsiahrcs war man darin einig, daß allen Teilen der Versanimlung Ge- legenheit zur Mitarbeit in den Deputationen und Kuratorien geboten werden sollte. Bloß dieses Kuratorium steht noch aus; Stadtrat Mnrggraff hat selbst die Ucberlastung desselben in seiner jetzigen Zusammensetznng anerkannt. Nur bei einer Vermehrung um zwei Stadtverordnete können ivir ein Mitglied entsenden Geeignete Biirgerdeputicrte haben wir nicht, man inachi uns also die Mitarbeit immöglich. Ich verstehe nicht diesen Mangel anConlnnz beim Magistrat, der unsre Mitarbeit so niedrig einschätzt und einfach unterdrückt. während wir doch in unmittelbarster Beziehung zu den Pfleglingen stehen. Die Gründe des Magistrats sind gar leine Gründe. Nach iveiterer Debatte, i» welcher Stadtrat Maragraff sich füi einen Ausschuß erklärt und den Vorwurf zurückweist, daß der Magistrat gegen die Mitgliedschaft von Sladtverordnelen eine principielle Abneigung hälle, bemerkt Oberbürgermeislei Kirschucr: Wenn der Magistrat zu der Auf« fassung kommt, daß ein Beschluß der Verjaminlung in andrer Weise ausgeführt werden sollte, dann liegt doch kein Mangel an Entgegen« kommen darin. wenn er pflichtgemäß diese seine Anschauung vertritt. Der Magistrat hat doch nicht einfach die Beschlüsse der Ver« saimnlrmg anzunehmen. Stadtv. Singer(Soc.): Das Recht deS Magistrats, einen Beschluß von uns abzulehnen, ist unbestritten, aber anders fleht die Frage, ob er gut thui, sich zum Censor darüber zu machen, welches Maß von Arbeitskraft die Stadtverordnete» ihren amtlichen Pflichten opfern ivollcu. Das hat er gethau. Nicht ans objckliven Gründe» hal cr dic Notivendigkeit nach- griviesen, Bürgerdepulierle zu nehmen, sondern er erklärt uns,»vir hntlen nicht die Zeit dazu. Die Entscheidung darüber können ivir doch selbst bcansprnchen � diese väterliche Führung entspricht ziuar dem guten Herzen des Magistrats, ist aber nicht recht vereinbar mit der Änffasjung einer gleichgcslclllcn Kominunalbehordc. Oberbürgermeister Kirschncr: llnsre Gründe sind rein ob- jcktivc. Wollen Sie jetzt Sladlverordnele. ivir haben nichts dagegen und ivcrdcn uns in dem Ausschüsse verständtgen. Die Angelegenheit gehl an einen Ausschuß. Schluß 0»g llhr_ Gvwevksihnstlilsies. Berlin und ilmgcgcnd. Die Lohnbclvegnng der Baiitlrinpiier. Bis Donnerstag früh hallen 54 Firiiicn mit dum 400 Arbeitern die Forderunge» linterschristlich anerkannt. Weitere 12—15 Firmen mit ca. 200 Ar» heitern sind bereit, alles zu bewilligen, aber nicht zu unterschreiben. Am Mittwochabend fand im„Dcntscheii Hof" eine Besprechung statt, an der die Lohnkomnitssion der Arbeiter und die Slreiklomniissio» der Arbeitgeber teilnahmen, anßerdem der Geschäslssührer dcS llnlernehincr- Verbandes Herr Nasse und Cohen vom Metallnrbciter-Verbnnd. Bevor in die Verhandlungen«ingelretcn ivnrde, verlangten die Ver- Ireler der Arbeiter, daß. i»» das Princip der Gleichberechtigung zu wahren,»eben dem Obermeister der Innung ein Vertreter der Arbeiter znr Leitung der Vri Handlungen bestellt werde. Dem ivnrde nach einigen von Arbeitgebern gemachten Ein- wendinigen stattgegeben. Nu» wurde in die Verhandlung selbst eingetreten. Der erste Pmikt der Forderung, wonach die Arbeit nur im Zeitlohn vergeben werden soll, zeitigte eine mchrstündige Debatte, und ivar eine Einigung nicht möglich. Schließlich tvnrdc ein Vor- schlag Cohens angenommen. Danach soll zunächst bis zum 1. April 1903 ein Provisorinm geschaffen werde», in dieser Zeit eine zu gleichen Teilen aus Arbeitnehmern und Arbeitgebern bestehende Tariskominission zusammentreten, die einen vom 1. April 1903 an gellende» Tarif ausarbeiten soll. Dieser Vorschlag ivnrde nnge« nommcn und galt es nun noch, die einzelnen Punkte des Proviso- riums festzusetzen. Wieder ivar es Punkt 1, der Schivierigkcite» inachte, und haben schließlich die Vertreter der Arbeiter, um überhaupt vorwärts zu kommen, folgenden Ivcit e>itgegenkonm>ci>den Vorschlag gemacht. Punkt 1 der Forderungen kantete ursprünglich: Die Arbeit ivird nur in Zeitlohn vergeben. Bis zum 1, April 1903 soll eS heißen: D i e Arbeit wird möglichst in Zeitlohn vergeben. Die Arbeitgeber haben diese Fasiung angenommen. Pmikt 2 und 3(Nernistiindentag und Sonnabends 1 Stunde, am Tage vor den hohen Feiertagen' zivei Stiinden früher Feierabend) ivnrde schnell erledigt. Nun kam Punkt 4: M i n i m a l l o h n. Hier gab eS wieder eine sehr ausgedehnte Debatte. Die Arbeilgeber wollten eine Lohn« erhöh uug zugestehen, aber sich nicht ans eine» Mindestverdienst fest- legen lassen. Die Arbeitgeber machten den Vorschlag, an Stelle Mindestlohn von 55 Pf. zu setzen„Norm all oh u" oder»Durch« s ch n i t t S l o b u*. Darauf ließen sich die Arbeiter nicht ein. Eine Veiständignng Ivar nach anSgcdchntcster Debatte nicht möglich und ist dann schließlich an diesem Pmikt die ganze angebahnte V e r st ii n d i g u n g gescheitert. Den größten Teil der Schuld an dem Scheitern der Verhandlungen wird der nicht sehr geschickten Leitung des Herrn Berger zugcmcffen. Um 2V» Uhr nachts ivar die Sitzung beendet. Nun sollte ja heute die Generalaussperrung komme», und was ist geschehen? Bis jetzt hat gerade eine Werkstatt (Dietrich) mit 23 Mann die AnSsperrung gemeldet. Die Arbeiter ivarcn also durchaus im Recht, wenn sie sich durch den Schreckschuß nicht verblüffen oder einschüchtern ließe». Kommt aber hinterher doch noch eine größere AnSsperrnng, so sind die Arbeiter vorbereitet und warten der'Dinge, die da kommen sollen. Der Streik in der Motorwagen- Fabrik vorm. Gottschalk in Tempelhof ist zu Gunsten der Arbeiter beendet. Die Firma wünschte gestern nrit den Vertretern des Metallarbeiter-Verbandes in Unterhandliuig zu treten. Nach längeren Verhandlungen wurde vereinbart: Ein Teil der Streikende» nimmt die Arbeit ain Freitag- morgen ivieder auf. der andre Teil ivird iin Laufe der»ächsle» Wochen eingestellt. Ueberstunden kann die Fabrik noch im Monat September machen lassen, und zwar täglich eine Stunde über die zehnstündige Arbeitszeit. Sobald später über 50 Prozent der Arbeiter»ach Feierabend beschäftigt werden sollen, müssen darüber Verhandlunacit zivischen der GeschästSlcitung und dem Arbeiterausschuß getroffen iverden. Bei Ausbruch neuer Differenzen darf die Arbeit nur dann niedergelegt werden, wenn etwaig« Verhandlungen zivischen dem Vorstand des Metallarbeiter- Verbandes und der GeschäslSleitung resultatlos verlaufe» sind. HandelSaugestrllte«nd-Hilfsarbeiter. Der Strejk bei der Firma John Craven-Bnrleigb. L e i p z i g e r st r a ß e 84, an den» sowohl HandelSangestcllte wie HandelS-Hilfsarbeiter beteiligt find, dauert unverändert fort. Streikbrecher haben sich noch nicht gefunden. Zuzug ist fernzuhalten. Centralverbnnd der HandlrmgSgchilfen und-Gehilfinnen Deutschlands. Rchtnug, Schnhmacher! Wir machen imsre Mitglieder noch an dieser Stelle ans die am Sonnabend, den 0. d. M.. statifindende llrabstimmnng über die obligatorische Einsührung des Lokalfonds- beitragcs anfnierksam. Es ist Pflicht eines jeden Mitgliedes, sich an dicjer Absiimniung zu beteiligen, damit der Wille der Gesamtheit zum Ausdruck gelangt. Das Nähere ist durch Flngblätier und durch Inserat tn heutiger Nnminer bekannt gegeben. Verein Deutscher Schuhmacher. Töpfer. 14 Kachel- und Simsmachcr der Osenfabrik von Jäntcke in Rathenow haben die Arbeit niedergelegt, weil der Unternehmer sich weigerte, irgendwelche Zugeständnisse bezüglich des von de» Arbcile» geforderten Veltcncr Tarifs zu machen. Ccntralvrrcin für ArbeitSiiachivciS zu Berlin. Bericht über den Geschäftsbetrieb im Monat August 1902: Ungelernte~x,. Klemp- Tape- Weibl. Ins Arbeiter„„ ner zicrcr Per! gesaiiit Eingeschriebene, ar- bcitincheiide Pers. Von Arbeitgebern vcrl. Arbeitskräfte I» Arbeil gebrachte Personen... TriillcheS Reich. Berschuielzung der Texlilarbcilcr-Qrganisationcn. An, 31 August hat sich die in Aachen abgehaltene Generalversammlung des Nikderrhcinische» Weberverbandcs mit der Verschmelzung besaßt. Nach lebhaften Debatten, an denen sich niiter andern Kater als Vertreter der Vertrauensmänner- Cenlralisation und Legin als Vertreter der Generalkommiision beteiligten, wurde ei» Antrag aus Verschmelzung znr Abstinimung gebracht. Es wurden 29 Stimmen dafür und 25 dagegen abgegeben. Da aber nach dem Statut znr Auflösung des Verbandes eine'/«-Mehrheit erforderlich ist, so wurde bcaulragt. daß bei der Verschmelzung dje einlache Mehrheit entscheiden soll. Dieser Antrag wurde nach heftiger Debatte nngemnnme». Der„Textil-Arbeiter", dem Ivir die vor- stehende» Angaben entnehmen, sagt am Schluß seines Berichts: „ D a k e i ii Ä ii t r a g auf Urabstimmung gestellt war, so hat die Generalversammlung endgültig ent- schiede n." Wolfis Tclcgraphenbnrean berichtet. daß»cnerdings der in Krefeld ansässige Hauptvorstand des Weberverbandes, ivie auch dessen dortige Filiale gegen den Beschluß der Generalversammlung Einspruch erhoben haben. Achtung, Lederarbeiter! Die Sperre über Königsee ist hier- mit ausgehoben. Der Centralborstand. Tic Gewcrbcgerichtö'Wahl in Gloga» endete mit einem glänzenden Siege der voin Geiverkschaftskaricll aufgestellten Arbeit« iichincrkandidatcn. Ans diese entfielen 3«2 Stinnnen, während die Kändidalen der Hirjch-Dmickerschcn nur etwa 00 Stiunnen erhielten, Ausland. Bei dem Choristeustreik in Zlinsterdam ist es bereits zu mehrere» Konflikten mit der Polizei gekommen, die empörend rücksichtslos gegen die Streikenden vorgebt. Als am Sonntag eine Choristin iii die Nähe cincS von sechs Schutzleuten und einein Polizci-Jnspeltor eskortierten Strcikbrecherznges kam, um sich die Leute anzuseheu, wurde sie plötzlich von Polizisten gepackt, auf die Straße gestoßen und mit Stöcken und Sävcln geschlagen.— Gegen daS gesetzwidrige Vorgehen der Polizei gegen die Streikposten werden vom Ainsterdanier Gcivcrkschastölnrlcll Prolest-Demonstrationen ver» ausialtct. Bei der Eröffmmgsvorstellinig der„Niederländischen Oper' kam es zu einer äußer st lebhaften De mon st ratio» gegen die Streikbrecher. Als der Chor auf die Bühne trat, wurde von de» obersten Plätzen ans so stark und anhaltend applaudiert, daß vom Gesang nichts zu hören Ivar. Die Leute auf den teuren Plätzen protestierten dagegen; es entstand ein solcher Lärm, daß der Vorhang herabgelassen iverden mußte. Nun veraiistaltetc die Polizei. die auf der Galerie sehr stark vertrete» ivar, eine förmliche Jagd ans die vcrineintlich Schuldigen; Iver nicht sreiwillig mitging, dem wurden Handfesseln angelegt.„Das Theater', schreibt„Het Voll',„Ivar in ein russisches Gefängnis verioandelt. V a ii d e r L i» d e», der Direktor, stand in der Mitte, nm anzu- zeigen, Iver verhaftet werden sollte, und die Polizisten folgten ihm gehorsamst.'— Ans der Straße ivar formell der Belagerungszustand erklärt. Wer nicht sofort der Aufforderung zum Weitergehen Folge lcislcte, wurde verhaftet oder weggestoßen.— Nach Schluß der Vor- stellnng war alleS wieder ruhig. Tic Tischler und Zinimcrcr von Mailand, die seit einem Monat in der Lohnbclvegnng standen, haben ihre Forderungen durch- gedrückt. Anstatt 11 Stunden, orbcitcn sie in Ziikuuft nur noch 10 Stnndcn. Für Ueberstunden ist eine Lohnerhöhung von 35 Proz. bewilligt; die Tagelöhne sind ans 2,00 Fr. erhöht. In Como streiken S00U Weber weil die Unternehnrer alle ihre Forderitngen rundweg ablehnten. Tie Kellner und Köche von Como find abermals in den Ausstand eingetreten, iveil die Unternehmer die Unterschrift unter die Anträge, die sie ini übrigen anerkannt halten, verweigerten. Die meisten Hotels sind geschlossen. Der Streik der Hafenarbeiter von Cettc(Frankreich) ist nach einmonatiger Dauer zu Gunsten der Arbeiter beendet. Die Arbeitszeit bleibt auf acht Stunden beschränkt. Wartezeit während der Nacht wird nach der ersten Stunde mit 1.50 Fr. entschädigt. Die Aufseher beziv. Vorarbeiter, die bisher von den Arbeitern bezahlt ivcrdcn inußten, iverden in Zukunft von den Untcrnchnrern entlohnt. Die Maurer und Handlanger t» Bern haben beschlossen, in eine Lohnbclvegnng einzutreten mit solgenden Forderungen: Minimaler Stundenlohn von 55 Centinies für Maurer und 40 Centinics für die Handlanger, Entziehung des Reckits der Poliere znr Einstellung und Entlassung von Arbeitern. Gleichzeitig ivnrde beschlossen, ans die Ncgelnng des Lehrlingsivesens und materielle Unterstützung desselben durch Gemeinde und Staat zur Heranbildung tüchtiger einheimischer Maurer hinzntvirken. Uchte Ltttchvirhten«nd Depeslstzen. Martinique. Pari», 4. Sept.(W. T. B.) Ein Telegramm des Gouverneurs von Guadeloupe giebt einige Einzelheiten über die Katastrophe auf Martinique am 30. August. Morne Range und ein großer Teil von Ajouba Bouillon sind zerstört. Die Grenze der ver- ivüstctcii Zone bildet der Fluß Capot bis zum Thal von Ehamy- flore. Ebenso hat der Ausbruch die Höhen von Basse Pointe ge- troffen._ München, 4. Septeniber.(B. H.) Wie wir erfahren, hat die UntersilchungSkoinniission die Ursache des Einsturzes der Cor- uclinS-Brülke nicht festzustellen vermocht. Die ganze Arbeit mußte als tadellos bezeichnet werden. Die Gerüste lvaren aus gntem Holz hergestellt und vorschriftsmäßig aufgestellt. Amsterdam, 4. Septeniber.(W. T. B.)„Nieuwe Rottcrdamsche Courant' meldet ans Batavia: Holländische Truppen haben zwei befestigte Orte des Stammes der Gajoes im Gouvernement Atchin genommen, wobei 83 GajoeS getötet und 58 Gewehre erbeutet wurden. Die Holländer verloren einen Lieutenant und 4 Mann. Ein Lientenanr, 1 Sergeant»nd 6 Mann tvnrden verivnndet. Der Prätendent des Sultanats ist ge- flohen und wird von einer Kolonne verfolgt. Bologna, 4. September.(B. H.) Räuber überfielen in der vergangenen Stacht den bekannten Grafen Ferdinando Bonniartini in dessen PalaiS; sie durchschnitten ihm die Kehle und raubten eine große Summe baren Geldes. Verantwortlicher Redacleur: Carl Leid in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Xh. Glocke m Berlin. Druck und Verlag von Mar Babing in Berlin. Hierzu S Beilagen u. Uuterhaltuugsblatt. >t 207 19. MM?/ 1 AtÜUt Zur La»tdtagswahl-Fvage. In einer Parteikonferenz in Breslau hat Genosse Bruhns ver- langt, der Münchener Parteitag solle sich oon neuem mit der prensüschen Landtagswahl-Frage beschäftigen' er vertritt diesen Standpunkt eingehend in der jüngst� erschienenen Nummer der »Soemlistischen Monatshefte", und ihm tritt in der gleichen Zeit- Ichrift Genosse Bernstein bei. Namentlich Brnhns ivendet sich hierbei gegen die Ansführnngen des Genossen Arons in Berliner Versnmm- iringeii, die nnsren Lesern bekannt sind,»nd die er in Ueberein- stinimnng mit den Gegnern als einen„Obstrnktionsplan" bezeichnet. Die freisinnigen Blatter begrüben diese Artikel natürlich mit ?rrende— dürfen sie doch hoffen, dag, wenn sie Anklang rn der Socialdeiuokratie finden, die folgeirichtvere Entscheidung, vor welche die Freisinnigen gestellt werde» können svgl. nnsren Leitartikel rn Rr. 190j. ihnen noch einmal erspart wird. Die„Voisijche Ztg." kommt denn auch in ihrem, den Ansführnngen der Genossen Bruhns und Bernstein geividnieteu Leitartikel zu dem Ergebnis: «Will die Socialdemokratie dazu beitragen, die Macht der konservativ- klerikalen Mehrheit bei den Landtagswahle» nach Möglichkeit zu brechen, so wird sie daher ihren Vorstob nicht gegen die bürgerliche Linke, sondern gegen die Agrarier, die Verteidiger r es Dreiklassen-Wahlsystcms, die Illtramontanen richten und d i e 8 r e i s i n II i g e n f ch l e ch t w e g u II t e r st ü tz e n müssen, nicht um der Freisinnigen willen, sondern um ein ausreichendes Gegengewicht gegen die bisher regierenden Parteien zu schaffen." Selbstverständlich nntcrstrcichl die«Voss. Ztg." auch die Aus- führnngeu des genannten Genossen, die die Mitzlichkeit und Aussichtslosigkeit der sogenannten„Obstruktioiisplnnes" darthun tollen. Von einem.Obstruktionsplan" ist aber niemals die Rede gewesen. Wir müssen die llrwahlen und die Abgeordnetenwahlen getrennt behandeln. Genoffe Arons hat nie daran gedacht, die Wahlmänuerwahlen unmögljch zu machen. Sie sollen nur durch «starke Beteiligung der dritten Klasse unter Ausnutzung aller gesetz- lichen Handhaben so in die Länge gezogen werden, dab sie den ZLiderwillen auch der reaktionärsten Wähler errege», sie zum Teil von der Wahlbeteiligung zurückschrecke». Mabgebeud für diese Taktik ist, dab es im Gegensatz zu andern Klassen bei den heutigen Wahl- bestimmungen für die Arbeiter völlig gleichgültig ist. ob'die Wahl- Handlung eine oder sechs Stunden dauert. Mutz der Wähler zu einer bestimmten Stunde am Vormittag soder Nachmittag) im Wahl- lokal antreten, so ist für ihn der ganze soder halbe) Arbeitstag ver- loren— unabhängig von der Dauer der Wahl. Die Bemerkung deS Genossen Brnhns, dah nian hierbei immer von Urlvahlbezirkeu mit sechs Wahlinännern ausgegaiigen sei, während solche mit dreien die Regel bildeten, findet an andrer Stelle des Blattes ihre Erledigung. Sauii und soll nun die möglichst lange Ansdrhnnng der llrwahlen .die schlietzliche Wahl von Wahlinännern nicht verhindern, so liegen die Verhältnisse bei der Wahl der Abgeordneten anders. Hier wird in der Thal die Wahl in einer gröberen Anzahl von Kreisen uu- möglich, ivenn auf strenge Diirchsubniiig der Vorschriften geachtet wird. Offiziell eingestanden ist die Uebertrctniig— und zwar die notgcdrungcne llebcrtretuiig ohne.Obstrukrion" der Social- dcniokratie— für die letzten Wahlen in Teltow-BccSkow. Sehr 'naiv äiitzerte sich kürzlich die ultramontaiie Dortmunder „Tremvuia":„Thatjächlich ist nur das Verfahren bei der Wahl der Abgeordneten durch die Wahlniänuer so umständlich und 10 unpraktisch geregelt, datz bei dieser Prozedur sich schon 'jetzt in vielen Wahlkreisen die gröbten Schwierigkeiten ergeben, ja mianchmal über getvisse Formalien, die sich nicht einhalten lassen vic sie uns paßt.(Slimnische Heiterkeit.) Anwalt Dr. Criigcr: Die Ausfiihrnngen des Vorredners haben den Beweis geliefert, daß wir recht hatten, den Antrag an Ausschluß anzunehmen. Wir haben uns nur gegen Obstruktion geschlitzt. Im übrigen ersuche ich, den Antrag abzulehnen. Die Anträge wurde» schließlich mit großer Mehrheit abgelehnt und dnnaeb die heutige Lerhandlnng geschlossen. Abg. PcnS teilte mit. daß morgen vormittag die Konsum- bereiiis-Vertrctcr tagen werden. Darkui Znr Brandcnburgischen Probinzialkonfcrcnz macht uns die „Märkische V o l k s st i m ni e" den Vorwurf, daß wir es unter- lassen hätten, die Berliner Genossen über die„Streitfragen" zu unterrichten, die die Konferenz„wesentlich" beschäftigt hätten, und daß unser Bericht einseitig sei, weil darin ivohl die Angriffe auf die Genossen des Regierungsbezirks Frankfurt und der Artikel der „Volksstimme" zur Bezirkskonscrcnz wiedergegeben seien, aber nicht die Antwort der Angegriffenen. Die Vorwiirfe sind ganz unberechtigt. Die„Streitfragen", die nach Meinung der„Frankfurter Volksstimme" die Konferenz„wesentlich" beschäftigt haben, sind die sehr wenig erquickliche Angelegenheit der Kandidatur i» Frankfurt-Lebus und der Streit um die Abhaltung der Ncgierungsbczirks-Koiifercuz, beides Dinge, die wir nicht gerade für die wesentlichsten zu halten geneigt sind, mit denen die Provinzial- konferenz z» thirn hatte. Unterrichtet waren die Berliner Partei- genossen darüber gerade ausreichend. Zur Frankfurter Kandidaten- frage haben lvir am Tage der Konferenz die Resolution des Frankfurter Parteivercius abgedruckt; unser Bericht enthält das Für und Wider in der Sache in zulänglicher Ausführlich- Zeit. Wir haben über sämtliche KreiSkoufcrcnzeil der Provinz Brandenburg Berichte gebracht, so daß auch die Frage der RegicrnngSbczirls-Konfcrcnz miscrn Lesern hinreichend bekannt war. Leitartikel darüber zu schreibe», Ivie die„Frankfurter Volksstimme", hatten irch» doch wohl keinen Anlaß. Zudem ist in den Porteiversainmlungen der Berliner Wnhllreisc über de» Provuizial-Parteitag verhandelt worden. Das sollte doch Ivahrlich für diese Haupt- und Staatsaktion der Regierungs- bczirkS-Konferciiz geuüaeii. Unser Bericht über diesen Gegenstand bringt znr Klärung dieser Streitfrage nicht nur genau so viel wie der Bericht der„Märkischen Vollsstimmc", sondern noch mehr; aus ihrem Bericht erfahren wir nicht, was die„Angegriffenen" zu ihrer Rechtfertigung gesagt haben, wenn auch sie der Rede Eberhards 25 Druckzeilen widmet, während bei uns in 4 Zeilen mit- geteilt ist, daß Eberhard erklärt habe, die Genossen des Frankfurter Bezirks denken nicht a» regelmäßige Bezirkskonferciizen. sonder» wollte» sich nur jetzt vor der Reichstagswahl über ihre Prefle unter- hallen. Also wozu der Lärm? Als Vertreter der belgischen Genossen wird jV an der» beide am Miinchener Parteitage teilnehmen. NcichötagS-Kandidaturrn. ES kandidieren: Für die 3 Kreise Reiche»bach- Nsurode. Glatz- Habelschlverdt und Frau leu st ei»- M ü» st e r b e r g � Genosse August Kühn; ssir de» 12. h a»» ö v e r s ch e n Kreis Genosse B. H e y in a u n- Stuttgart; für de» 14. h a n n ö v e r s ch e» Kreis Genosse Thiel- Horn- Hannover; für F r c i b n r g in Baden Genosse K r öu t e r; für den 11. ba bis che» Kreis Geiiosse Drees Vach; für den 10. I> ad i scheu Kreis Genosse Ad. Geck; für H ö ch st- U s i n g e n Genosse B r ü h n e- Frankfurt a. M. Unglücksfall auf der Agitation. Die„Chemnitzer Volks- stimme"' berichtet: AIS Sonntag spät abendö Zschopaner Genosseii mit dem ReichSIagS-Abgeordnetcn Rosenow, von der Marienberger Bersammlniig■ lonimendi mit Geschirr nach Zschopan fuhren, kam ans der sehr abschüssigen Straße in Hohndorf der Wagen ans imaiif- geklärter Ursache nis Schießen. Das Pferd stürzte in die Knie. ging aiisspringend, durch, so daß der Wagen nach lnizer Strecke um- kippte. Während das Pferd in die Dunkelheit hinanSjnqte, zerbrach der Wagen und kehrte die Räder nach oben. Die Insassen hatten bei dem UngliiekSfall, der ihnen die heilen Glieder oder da„ Leben hätte kosten können, noch großes Glück. Genosse Rietzel-Zschopan kam mit einer klasfeiidcn Wunde an der linkenl Hand, Genosse Spindlcr-Zschopau mit einer blutenden Kopfwunde, Genosse Rosenow mit einer Aiinverstauchimg davon. DaS Pferd wurde endlich in Zschopan auf der Brücke von Straßeiipassanten anfgchaltcii, nachdem es den von Hohndorf eine Stunde langen Weg in kaum 20 Minuten durchrast hatte. Oberelsässischer SlgitationSbczirk. Bekanntlich ist auf der am 5. Januar d. I. in Colmar abgehaltenen elsaß-lothringischen Landesloiiferenz die Landesorgaiiisation der Partei im Rcichsland aufgehoben worden. An deren Stelle trat eine Bezirks- Organisation in der Weise. daß Lothringen einen mit den politischen Grenzen ziisamnieiifalleiideii Agitationsbezirk Metz bildet, lvährend der das Unterelsaß niiifasiende Agitationsbezirk Straßburg im Oberelsaß noch die Wahlkreise Colmar und Rappolts- weiler einschließt und die drei übrigen Wahlkreise Mülhausen, Geb- weiler und Altkirch-Thaiiii als oberelsässischer Agitationsbezirk gruppiert sind. Der letztere Bezirk hielt am vergangenen Sonntag seine zweite diesjährige Parteikonferenz in Mülhausen ab. Es tvaren zehn Partei- orte durch 28 Delegierte vertreten. Neben der Hebung der Organisation beschäftigte sich die Konferenz hauptsächlich mit der Parteipresse und zwar mit der Verlegung des Druckortes von Franlsurt a. M., wo das Blatt zur Zeit als Kopf- blatt der„Vollsstimme" iintcr dem Titel„Freie Presse für Ober- Elsaß" erscheint,»ach Mülhausen selbst, um so für die im März 1894 auf Grund des Diktatnrparagraphcn aufgehobene„Mülhanser Volks- zeitnng" Ersatz zu schaffen. Die Konferenz faßte einstimmig eine dahingehende Resolution, die dem Bedauern Ausdruck giebt,»daß der Parleivarstand zu einein ablebiienden Enticbeide in Betreff der Kautionsstellung gekommen ist". Für das in Mülhausen zu druckende Blatt ist nämlich, nach den geltenden prcßgesetzlichen Vorschriften, eine Kaution von 20 000 M. zii stellen, die mit 3 Proz. verzinst wird. In der Debatte über die kommende Reichstagswahl winde mitgeteilt, daß für den Kreis Geb weiler von den Parteigciwsseii als Kandidat der Genosse Joseph B u ch e r, Milch- Händler, Mitglied dcS GemeinderatS in Gebweiler, aufgestellt ist. Kandidat in Mülhausen ist nach einem älteren Bcschluffe der Genosse Leopold E m in c l. seit den letzten Wahlen gleichfalls Mit- glicd des Genieinderattz in Mülhausen. Für Altkirch-Thaim liegt ein Beschluß noch nicht vor. An diese Koiifcrcnz schloß sich eine erste Konferciiz socialde m ok ratisch er Gemein devertreter des o berelsäs sische n Agitatio ii sbezirks. Daran nahmen teil 14 GemeinderatSiiiitgliedcr ans Miilhaiiseii, zwei ans Gebweiler, einer aus Bühl, einer ans Nixheim, je einer ans Hüningen und St. Ludwig. Im ganzen haben die zwei Wahlkreise Mülhausen und Gebiveilcr 29 j o c i a l d e m o k r a t i s ch e G e m e in d e ve rtreter, während vor den diesjährigen Wahlen, von den durch den Partei- ausschlnß betroffenen und auch nickt wiedergewählten Bncb und Hickel in Mülhausen abgesehen, nur die Gcmcindc Dörnach zwei oder drei und die Gemeinde Bühl zwei socinlistische Vertreter hatten. die Verhandluiigen zeigten. Ivie gründlich und mit welchem Ernst unsre Genossen auch in den kleineren Gemeinden ihre Aufgabe er- fassen. Es wurde beschlossen, schon im November eine zweite der- artige Konferenz abzuhalten. Die Versammlmig macht es den socialdemokratischeu Vertretern in der Gemeinde zur Pflicht,«neben der öffentlichen Berichterstattung über ihre Thätigkeit vor allem unter sich und mit den Partcigcnosicii ihres Ortes in ständiger Fühlimg zu bleiben. Die Gewählten in jeder Gemeinde, und wären es nur zwei, haben demgemäß regelmäßig von Zeit zu Zeit zu gemein- jchajtlicheii Berntimgeii über ihr Vorgehen zusanimenzutreten. Sin neues Ärbrltcrsckretariat in der Schweiz. Die Arbeiter- lliiion Schnffhausen eröffnet am 1. Oktober das längst geplante Arbeitersekrctariat. Als Sekretär wurde Genosse Schlatter, Advokat (früher Schriftsetzer), gewählt. Gleichzeitig erklärte die Arbeiter-Unioii das seil Jahresfrist in Nciibauscii am Rheinfall erscheinende„Echo" als ihr Partei-Organ, dcffen Redaktion Schlatter neben dem Sekretariat noch zu besorge» hat. Sein Jahresgehalt beträgt 2000 Franken.— In St. Gallen ist der Arbeitersckretär Dr. Keller durch den Schlosser Böschcnstein ersetzt worden. Die Genossen Kärntens sprachen sich auf ihrem Landes-Partei- tage, der am Sonntag in K l a g e n f u r t stattfand, in einer Re- soiutioii snr die Schaffung eines gcmciiischnftlicheii Wochenblattes für die Alpenländer ans. Zur Landtagswahl wurde beschlossen, in allen Wahlkreisen der iiengcschaffeiien vierten Kurie Kandidaten auf- zustellen. Pvliiriliches, Gerichtliches»sin. — Ilcbcr die Volksschule sollte in einer Versammlung in Gautzsch bei Leipzig gesprochen werden. Sie wurde mit folgender Begründung verboten: ES ist hinreichend bcanzeigt(zu deutsch: bekannt), daß daselbst ein VorkoinmiiiS in Gautzsch ans letzter Zeit zur össentlicheii Be- sprechring kvinmeii soll, das gegenwärtig der zuständigen Entschließung und Beurteilung miterliegt. Zur Behandlung in einer Bolls- versaiiimlniig, zu der jedermann und ivomöglich auch Personen im jugendlichrii Alter der Zutritt gestattet sein soll, ist aber die An« gclegenheit schlechterdings nnpassciid; vielmehr steht eine dringende Gefährdung der öffentlichen Ordnimg namentlich insofern zu be- fürchten, als die Versammlung öffentlich ein AergerniS zu geben geeignet und dazu angcthan sein würde, zu sittlich anstößigen Aeußerunge» zu verleiten. Es ist deshalb die von Ihnen angemeldete Versammlung gesetzlich iinstatthaft—§§6 und 12 des VereinSgesctzeS vom 22. November 1850. Die königl. AmtShanptmannschast 'I. V.: Thiele. DaS Vorkommnis, das die Polizei meint, ist eine unsittliche Haiidliiiia. dle ein Lehrer begangen haben soll. Deshalb verbietet die Behörde die Versammliing mit der Begründung, daß die Sittlichkeit gefährdet Iverdcn köiintc, obwohl doch klar ist, daß ei sich, selbst wenn die Sache besprochen worden wäre, nur um eine Bcrnrleilinig der vorgekommeiieii Uiisittlichkeit nach summarischer Erwähnnlig derselben handeln könnte. Nach dem ächsischcn Gesetz ist ein VersammluiigSverbot zulässig, wenn eS der Zweck der Wersainniliing ist. misiltliche Handlungen zu begehen, dazu aufzufordern oder dazu geneigt zu machen. Das Gesetz hat also ivieder einmal nur als bequeme Handhabe dazu dienen miiffeii, eine »»bequeme socialdemokratische Versammlung zu verhindern. — Der Maiprozcß, der iiiin einmal in jedem Jahre für misre Polizei ein Bedürfnis zu sein scheint, kam am Mittwoch vor dem Schöffengericht in Halle znr Verhandlung. Angeklagt Ware» 35 Personen, Parteigenossen und Gewerkschastsmitglieder usiv. Auch eine Frau und ein HandwerkSbursche, den man hier am Mai« tage im Polizei-Eifer mit aufgegriffen hatte, aber den man niemals wieder sah, waren mit angellagt. Den Angellagte» war nicht etwa wie den Kriegcrvereinlcrn eine Fahne weggenomiiien; nein, sie sollen mir an einem öffentlichen Aufzuge, zu dem die polizeiliche Geiiehiiiigiiiiq nicht erteilt worden ist. teilgenomineii haben; Ueber- tretimg der 10 und 17 deS Vereiusgesetzes. Die Angellagtcii, die mit andren Parteigenossen von zwei Versammlungen ans Giebichen- 'tein kamen und nach einem VergniigimgSlokal in Halle wollten, be- tritten, daß jener Spaziergang den Charakter eines Aufzuges hatte. Der FamuluS des Obcr-Polizei-Jiispcktors Weydeinami. ein Herr Inspektor v. Dossow. der sich bei der Maiseier»sehr forsch" gezeigt hatte, war allerdings andrer Anficht. Er sagte, daß so gegen'/il2 Uhr im Mühlwegvicrtel. Ivo am Mai- tage die 33'Sistierungen vorgenommen tviirden, sonst der Verkehr vollständig tot sei, am genannten Tage der Berkehr aber vollständig ausgeschlosse» gewesen sei. Auf. die Frage de? Verteidigers, Jnslizrat Hcrzfeld, wie es denn tomiiie, daß die Angeklagten, die mit den übrigen Teilnehmern der Maifeier einen Weg gingen, in jener toten Gegend, Ivo zu dieser Zeit gar kein Verkehr durch andre Personen ist, den Vcr- kehr stören konnten. antwortete Herr v. Dossow verdutzt nach etwas längerer Ueberlegung mit den Worten:„Ja, eö hat ntemand an» seinem Hause heraus gekonnt«ud von der rtuen nach der andern Straßensette gehen können." Diese äußerst getvagle Angabe eines Beamten unter dein Eide wurde von den Angeklagten allerdings mit Protest widerlegt, aver daS half alles nichts. 30 Angeklagte wurden zu j e 6 Marl Geld- träfe event. L Tagen Haft, 2 Angeklagte zu je 8 Mark Geldstrafe verurteilt, und nur einer wurde freigesprochen. AIS Zeugen Ivare» 29 Polizeibeamte geladen._ ZSocinles. Ungültige Arbeiter-Schutzverordnuug. Die zum Schutze der Bauarbeiter für Köln erlassene Polizei- Verordnung vom 16. November 1901 bestimmt, daß in Neubauten zur Winterzeit nur gearbeitet werden darf, wenn die Räume durch feilster und Thülen' verschloffcu sind. Der Architekt iind Baiiiliiter- iichmer Odenthal, der sich hiergegen vergangen hatte, ivnrde freigesprochen und daS Kammcrgericht verwarf die Revision der Staats- auwaltschaft mit folgender Begründimg: Die Polizeiverordiinng vom 16. November 1901 sei rechtsungültig, weil sie als Ler- ordliuiig im Sinne deS§ 120 e der Gewerbe- Ordnung keinen ausdrücklichen HinlveiS auf diesen Paragraphen und den § 120» der Gewerbe- Ordliuiig enthalte. Der Hinweis auf daS PolizeiverwaltniigS- Gesetz genüge nicht, eben lveil eS sich um eine Verordnung gemäß§ 120e der Gewerbe-Ordnung handle, das heißt um eine Verordnung, die den Schutz gegen außer» gewöhnliche Gefahren, die durch besondere Umstände hervorgeruseir seien, bezwecke: den Schutz gegen Gefahren, welche speeiell die Bau- arbeiter bedrohe. Das Polizeiverwaltmigs-Gesetz habe, gleich denr Allgemeinen Landrecht, daS eS nicht erweitere, nur den Schutz gegen allgemeine, das Pudlikum oder einzelne seiner Mitglieder bedrohende Gefahren im Auge. Die beneidenswerte» NeichSrcntncr. Dem Borstande der Landes-Versicherungsanstalt Königreich Sachsen gehen laut einer Belaniitmachnng hin und wieder, zum Teil anonym, Anzeigen zu, daß die Empfänger von Renten ihrer Fort- gewährnng nicht mehr bedürftig oder würdig seien. Nach den Be- stnmmmgen des Gesetzes kann eine Altersrente überhaupt nicht, eine Invalidenrente nur dann entzogen werden, wenn in den Verhält- niffen des Empfängers eine Veränderung eintritt, die ihn nicht mehr als erwerbsunfähig erscheinen läßt. Eine solche Neränderinig ist inS- besondere anzunehmen, wenn der Gesiindheitsziistand des Renten- empfängers sich gebessert oder gekräftigt hat und der letztere wieder arbeitsfähig erscheint. Der Vorstand der Landes-Versichcrungsaiistalt vermag daher Anzeigen, die ihm ohne Neniiimg des Verfassers zugehen und einer andren Person in neidischer, gehässiger Weise die Reute nicht gönnen, keine Beachtung zu schenken, andrerseits aber auch den Hinweis darauf nicht zu unterlasieii, daß die öffentlicheir Behörden ivie auch die Organe der Krankenkassen nach§ 172 des Jiivnlidenversichcriiiigs-Gcsetzes verpflichtet sind, ihm auch imauf- gefordert alle Mitteiliingeii zukommen zulassen, die für den Geschäfts- betrieb hier von Wichtigkeit sind. Einer rücksichtslosen Behandlung städtischer Lohnarbeiter machte sich der Stadtbaumeister in I n st e r b u r a schuldig. Die dort erscheinende„Oftdeutsche Volkszeitnng" martne Mitteilung davon, daß der Herr Stadtbaumeister, als er eine dreiwöchige Ferienreise antrat, angeordnet habe, daß den Känimerei-Arbeiterii ihr Lohn er st nach seiner Rückkehr ausgezahlt werde. Das Blatt erhielt darauf folgende, seine Angaben durchaus bestätigende Zuschrift: Jnsterburg, den 30. August 1902. An die Redaktion der„Ostdeutschen Volkszeitung", hier. Wir ersuchen Sie ergcbeiist, in Ihrer heutigen Nummer folgende Erklärung zu bringen: Herr Stadtbaumeister Friede! hatte vor Antritt seines Urlaubs die Kämmerei-Arbciter befragt, ob sie damit einverstanden wären, ihre Arbeitslöhne erst nach seiner Rückkehr zu erhalten; wer Geld brauchte, könnte Vorschuß erhalten. Darauf hat sich niemand gemeldet. Der Zweck der Anordnung des Herrn Stadtbaumeisters war, Anweisiiiigcu auf unrichtige Etatstitel zu vermeiden. Es ist heute angeordnet lvorden, daß den Kämmerei-Arbeitem ihre fälligen Löhne gezahlt werden. Der Magistrat. Krüger. Zu dieser Zuschrift bemerkt das Blatt noch, daß der Herr Friede!: gesagt hat, wer nicht drei Wochen warten wolle, müsse entlassen� werden. Ob wohl der Herr Stadt-Bmimeister aus Rücksicht auf die Ordnung des städtischen Etats sein Gehalt für vier Zahlniigstermiiie stehen lassen möchte?_ Aus drv IsruurubewcAung. Arbeitttillne» Mills, wilhret Um Rtchie! Die Bestinimungen der Gewerbe-Ordnimg, die zum Schutze der Arbeiterinnen und jugendlichen Arbeiter erlassen find, tverden viel- fach seitens der Unternehmer nicht beachtet und die Rechte der Arbeiterinnen werden oft gekürzt. Das Gesetz bestimmt: Tie Arbeitszeit dauert für Arbeiterinnen über 16 Jahre 11 Stunden täglich, mit einstündiger Mittagspause; an Vorabenden von Sonn- und Festtagen nur 10 Stunden, und eS muß die Arbeitsstätte an diesen Tagen bis spätestens 5'/s Uhr verlassen sein. Jugendliche Arbeiter von 14—16 Jahren dürfen täglich mir 10 Stunden mit cinstündiger Mittagspause sowie je Vestiindiger Frühstücks- und Vesperpanse beschäftigt werden. Kündigungen und Entlassungen. Gründe für sofortiges Vcr- lassen der Arbeit sind z. B.: Unsittliche Angriffe der Unternehmer oder ihrer Vertreter, Thätlickkeiten, grobe Beleidigungen, unregelmäßige Lohnzahlung, bei Accordarbeit nicht ausreichende Be- schäftigung usw. Die Kündigungsfrist ist eine 14tägige; sie kann durch gegen- scitige Vereinbarung ausgeschlossen werden. Wenn KündiguiigS- fristen bestebcn, müssen sie fiir beide Teile gleich sein. Ausstellung von Zeugnissen. Die Arbeiterin hat das Recht, ein Zeugnis über Art und Daner ihrer Beschäftigung zu verlangen; besondere Merkmale, welche die Schädigung der Arbeiterin zur Folge haben können, sind ungesetzlich und sind zurückzuweisen. Strafgelder. Vestimiiiiingen Über Lohnabzüge in Form von Strafgcldcni müssen in der Fabrikordnung, die sichtbar aushängen muß, bekannt gegeben sein. Die Verhängung jeder Strafe muß der Arbeiterin ohne Verzug mitgeteilt werden. Hygienische nud Schiitzinasircgcln. Arbeitsräume, Betriebs« Vorrichtungen, Maschinen und Gerätschaften sind so einzurichten und zu«iiterhalten. daß die Arbeiterinnen gegen Gefahren für Leben und Gesundheit geschützt sind. Es ist für genügend Licht, reine gute Lust, Bescitigmig von Staub und Abfällen zu sorgen; ebenso sind Schutzvorrichtmigcn an Maschinen anzubringen. In Anlagen, deren Betrieb es mit sich bringt, daß die Arbeiterinnen sich umkleiden und nach der Arbeit reinigen, müssen ansreichende, für beide Geschlechter getrennte Ankleide- und Waschräume vorhanden sein. Bedürfnis- anstalten müssen in genügender Zahl vorhanden und so eingerichtet sein, daß Sitte und Anstand nicht verletzt werden. Arbeiterinnen, achtet darauf, daß diese zu Eurem Schutze er- kassciien gesetzlichen Bestimmnngen durchgeführt und iiniegehnlten werden. Wir weisen darinn von neuem darauf hin, daß nachstehende Personen bereit sind, um eS den Arbeiterinnen zu ennöglichen, ohne Nachteile für ihre Existenz auf Beseitigung der Mißstände in den Arbeitsstätten hinzuwirken, wahrheitsgetreue Beschwerden entgegen» zniiehmen und für schleunigstc Abhilfe Sorge zu tragen. Die Namen der Beschwerdeführer werden streng geheim gehalten! Beschwerden nehmen entgegen: Frl. Bqader, Großgörschen- straße 38, zweiter Hof II. Fron B a n s ch k e, Nostockerstr. 47, Hof II. Frau Dr. W e y l. Lothringerstr. 67. 1. Frau Lutz, Waterloo-Ufer 9, im Laden. Frau M e s ch, Lyckcnerstr. 3, linker Ausg. IV. Frau T i e tz, Blinnenstr. 63. I rechts. Frl. H e i d e m a u u, Alte Jakobstr. 113,1V. Frl. Grünberg, Köpnickerstr. 8 b. IV. Frau Zeetze, Nixdorf, Steiiinietzstr. 120, Hof I. Sprechzeit jeden Mittwochabend von 7—9 Uhr. G e w e r k s ch a f t S b u r e a u. im Gewerkschaftshause, Engel« Ufer 15, im Laden. Vorm. 9—1 und nachm. 6—8 Uhr. Die Gewerbe-JnspektionS-Assisteiitinnen Frl. Reichert, Engcl-Ufer 4, Frl. K u m in e r t, Georgenkirchplatz 21, Frl. v. B e nn i g s e n- F ö r d e r, Prinzen-Allee 83, sind für Arbeiterinnen allein jeden Donnerstag von 7—8 Uhr abends und jeden ersten Sonntag im Monat voii 9—10 Uhr vormittags zu sprechen._ Zur Fraurnorganisation in Norwegen. Der Parteitag der norwegischen Socialdemokrasie befaßte sich auch mit der Frage: WaS sann und muß gethan werden, um die Frauen zu organisieren? trau M a r t h a T y Ii ä S, die hierüber referierte, forderte unter !elfall der übrigen weiblichen Delegierten, daß die Männer ganz anders als bisher ihre Agitation danach einrichten, daß auch die Frauen herangezogen werden, und daß außer- dem eine specielle Agitation unter den Frauen selbst be- trieben weide.— Der Parteivorsitzcnde Chr. H. K n u d s e n hob hervor, daß in erster Linie die Frauen selbst die Ariitation cnt- falten müßten; die Partei aber solle die nötige finanzielle Unter» stntznng hierzu gewähren. Einstimmig' wurde dann folgende Ncsv- Intiou angenommen:„Da die Organisation der Frauen von großer Bedeutung für die AuSbrcilung und Verwirklichung der socialistischen Ideen ist und von großem Nutzen für die Lösung der geiverkschaft- liche» und politischen Fragen, m»ß von den Parleivereinen im ganzen Lande energisch und unermüdlich gearbeitet werde»,»m Interesse und Verständnis für«»Ire Sachs und nnsrc Anschnnungen bei den Frauen zu erwecken, damit die Stärke der Partei bei den kommunalen und staalsbürgerlichen Wahlen beträchtlich vermehrt werden kann." Hierzu wurde dann noch folgender Znsatz angenommen:.Socio- listische Frauen und Männer müsse» ihren Einfluß unter den jungen Mädchen geltend machen, um bei ihnen Interesse für sociale Ideen zu erwecken und sie in die s o c i a l i st i s ch e I u g e n d b e w e g u n g einführen, die ein wichtiger Faktor der Arbeiterbewegung ist. Auf diese Weise wird das junge Mädchen reif für die Oraanisalion der Frauen." Verntisthfes» Zugentgleisung. Frankfurt a. M., 4. September. Amtliche Meldung. Heule mittag 12 llhr 15 Minuten entgleisten nach der Anssahrt ans den» Bahnhof Vockenheiin ans bisher noch nicht fest- gestellten Ursachen von dem Schnellzug 45 die drei letztet. Wage», ein Personenwagen und zwei Packivagen. Verletzt wurde niemand. Die entgleisten Wagen sowie der Oberbau des Bahndammes erlitten zum Teil größere � Beschädigungen. Der vordere Teil des Zuges konnte mit geringer Verspätung die Fahrt fortsetzen. Explosion. In der letzten Nacht cutstand in einer Kohlengrube bei Trcdeqar in Wales eine Explosion. Zur Zeit des Unglücks be- fanden sich 120 Mann in der Grube, von denen die meisten lebendig herauskamen, viele jedoch Brandwunden und andre Verletzungen erlitten. Bis jetzt sind ö Leiche» geborgen und S weitere unter de» Erdmassen entdeckt ivorden. Eine spätere Meldung besagt: Die Gesamtzahl der bei der Explosion in der Kohlengrube bei Tredcgar ums Leben gekommene» Personen beträgt nach neueren Feststellungen 16. SlincrikanischcS Prötzel, tum. Mr. Morgan, der in diesen Tagen von seiner europäischen Reise in New Dork zurück er- wartet wird, ist natürlich Gegenstand zahlreicher Preßäußerunge». Ein Abendblatt brachte ein humoristisches Interview, das als durch drahtlose Telegraphie zwischen dem Schiff und New Jork stattgefunden hingestellt tvar: „Ist es richtig. Herr Morgan, fragte der Interviewer, daß Sie so unifan greiche Einläufe gemacht haben, und daß Netv Jork auch etwas von Ihrer europäischen Reise profitieren wird? „Nein, antivortcte der Magnat, meine Einkäufe können kaum umfangreich genannt werden i meine ganzen Ausgaben betragen nur wenig über 136 589 264 902,25 Dollars. Ich beabsichtige der Stadt einige kleine Geschenke mitzubringen, das ist richtig; wenn man so lange von zu Hause tveg ist. hat man die Empfindung, daß man für die, ivelche zn Hanse bleiben mußten, etwas thnn müsse. Ich hatte große Last, die„Westminster Abtei" zn kaufen, um sie in unscrm„ C e n t r a l- P a r k" aufzustellen, aber der König Eduard bat mich, es nicht zn thnn; er wünschte die Abtci� als ein Andenken an die Krönung zn behalte», und die liebenswürdige Gast» frcnndschaft, die der König mir gegenüber bcthätigte, ließ mich denn auch davon Abstand nehmen. Dafür aber habe ich den St. I a ni c s- P a l a st gelaust. Zusammen mit den„Luzerner Löwen", dem Moni Blanc und einigen Pyramiden, die ich als Zugabe bekam, tvird er viel zur Verschönerung der Stadt bei, ragen. Ich bin sehr froh, daß ich mich auf dem Wege nach New Jork befinde und werbe mich nicht eher wohl snhle», als bis ich meinen GesellschaftSrock ausgezogen und einige Trustpräsidenten zur Gcncralinspicierung vor mir stehen." „Was ich über de» Kaiser Wilhelm denke?" Ich meine, er kann etwas. Ich habe ihm sogar eine» Posten in meinem Bureau an» geboten, jedoch lehnte er das Angebot ab. Er sagte, er habe seinem Vater versprochen, auf seiner alten Farm zu bleiben, und das wolle er denn auch lieber thnn." Der kleine Scherz charakterisiert treffend die anmaßende Denk» weise der amerikanischen Geldmagnaten. AMir de» Inbalt der I»|cr»!e liberiiiimiit die Rednkiio» dem Publik,,», grgeuuver keiuerlei Äern»l»>ori»»g. Dlirtttvv. F'r c i t a g, d e n 5. S e p t e m b e r. Opernhaus. Die Entführ»»» aus dem Sernil. Ansang 7>/z Uhr Schauspielhaus. Die Hochzeitsreise.— Die Heiterethei. Aufaua 7V, Uhr. Neues Oper«< Xbraic«. Orpheus in der Unterwelt. An- fang?>/, llhr. Deutsches. Es lebe daS Leben. Anfang 7V, Uhr. Lessiug. Dame Kobold. Anfang 7V, Uhr. Berliner. Alt-Heidelberg. Anfang 7V, Uhr. Weste». Der Freischütz. Anfang 7V- Uhr. Stcues. Ledige Leute. Anfang 8 llhr. Residenz. Der Fall MatHieu. (L'affaire Mathieu.) Vorher: Ich liebe Sie. Anfang 7V, Uhr. Thalia. Er und seine Schwester. Ansang 7V, Uhr. Eeutral. Drei Paar Schuhe. An- fang 7V, Uhr. Schiller. O. Sappho. Anfang 8 Uhr., Schiller. N.(Friedrich Wilhelm- siädtischcs Theater.) Einsame Menschen. Ansang 8 Uhr. Earl Wessi. Eine Paria. An- fang 8 llhr. Luisen. Nene Lust. Anlang 8 Uhr. Sasin». Ehrliche Arbeit. Anfang 8 Uhr. Kleines. Serenissimus- Zwischen- spiele. Ansang 8 Uhr. SlpoNo. Lysistrata. Specialitäteu- Vorstellung. Anfang 7,/, Uhr. Wintergarten. Spccialitätc». An- fang 8 Uhr. Büntes Theater. Susann» im Bad«. Allfang 8 Uhr. Metropol. Berlin bleibt Berlin. Anfang 8 Uhr. Reichs!,»llrn. Sleltiner Sänger. An,»»» 8 Uhr. Passage- Theater. Specialitäteu- Vorstellung. Slnsang 8 Uhr. Passage, Pauoptituui. Special,- * täicu-Vorflelliing. Nrnnia. Taubenslr. 48/41».(Im Thealersaal.) Abends 8 Uhr: Die deutsche Ostseelüste. Javnlidrustrasie S7/«iÄ. Täglich: Sternwarte._ Cestral-Theater Anfang 7V, Uhr. CMml Josefint Dora. AM- Zum zweitenmal: Drei Paar Schnhe. Lcbeiisoild niitGesangin 8 Abteilungen von Gvrlty. Musik von Karl Mill äckcr. Mitwirleiide: Fasciine Dora, Marie tbcanci, Else Wniinovius, Hedwig Dahm. Herren:JoiliÄrii»seld, Gustav Beaurcpaire, Paul Hambrock, Max Saut«»«, Gurt OlferS, Bcuno Klein. Morgen und folgende Tage: Drei Paar Schuhe._ Tiiaiia- Theater. I>reB(lciicrBtrnK»e 7tt— 73. Novität 1 Ansang T1/, Uhr. Novität! ErumiseineSeliwesler. Po sie mit Gesang»»d Tanz in 4 Bilden, von Beruh. Buchbinder. Guido Thielscher als Orchcslcr-Dirig. Im 2. Alte: Kitzel-Couplet. THK Helmerdln«. Gerda Walde. Herbert Paulmllller. August Reiff. Morgen und solgcnde Tage: Er und seine Schwester.____ Luisen-Theater. Reichenbergersirahe 34. Drei Bimmen vom Koirbuier Thor. Abends 8 Uhr: Zum 7. Mal: KI Nene Lnft. � Vorverkauf an der Theaterkasse 10 biS 2 Übt vormittags, Jnvalidendank, Unter den Linden 24, und Künstler- dank, Unter de» Linden 19. Morgen: Zum erstenmal: Tie Dame von Lyon. Schaiispiel in b Alten von Lord Lytton Bulwer. Sonntag 3 Uhr: Othello. Abends 8 Uhr: Die Dame von Lyon. Kleines Theater (Schall und Rauch) Unter den I.Inden-H. Anfang 8 Uhr. Screnissinms Zivisclicnspiele Hocli/.citwabcnd Kollegen. Schöne Seelen. Urania. QBammxzm mm i iiBiiBumaaau Tauben-Strasse 48/49. Im Theater um 8 Uhr: Die deutsche Ostseekuste. iPassage-Tlieatgr. Auf das glänzendste renoviert. Aufgang mir Untor den Linden 22. | Anfang 8 Uhr, Sonntags 3 Uhr. Liane d'Äiniroff Hohe Schule, geritten auf einer Plattform. Savcly Ortre, der neue russische Tenor.— Kciln Collier, beste deutsche Soubrette.— Ludwig; Tellheim, der famose Couplet-Sänger. 14 erstklassige Nummern. CASTANS Panoptiknm Frledrich-Strasee 163. I>ic sensationellen lebenden Bilder,! Heute:"TMS Berlin lileibt Berlin. Grosse Ausstattungsposse mit Gesang und Tanz in 5 Bildern von Julius Freund. Musik von Erik Meyer- Heimund. Emil Thomas a.C. Josef Josophl. 9 Henry Bender. Flora Siding.~ Hansi Reichsberg. Wini Grabitz. — Johanna Junker-Schatz.— Anfang 8 Uhr. 'ßauchen Casino- Theater. Lothringerstr. 37. Wochentags 8, Sonntags 7Vs Uhr. Bttntes Prograknm. Dazu: Ehrliche Arbeit. kleisoh teuer, aber SeefisGlie billig! JSchellflsclie�i"®» �60-425 pi pro pru. Naaclis Thealer. ?)r»i»ic»st>afle iö. Äbselilert undReinikebr. Lebensbild mit Gesang iu 3 Akten| von Edwin Meyer»ud Rudolf Aix. Vorher: �(itüUtC., Schwank in 1 Akt von Schniaiow. grosse ebne Hopf und im Anschnitt 80—35 Pf. (zum Kochen und Braten sehr empfehlenswert) ohne II'(zum Kochen und rt f" ffl fl Cab iaufa 2a oü p{- Kopf u. im Ansehn. M Bratflundcr 20—25 pro Pfd.(3 Pfd. 65 Pf.)| Seehecht pro Pfd. 35—40 Pf. Kimrrhahn...... 25 Pf. pro Pfd. Seelachs 25 Pf., im Anschnitt 30 Pf. pro Pfd. Rotzungen.... 40—45 Pf. pro Pfd. Alle andren Sorten ebcnfullH billig. Dcntsclie DampffiscLerei-öesellscliaft Haupifiliale Berlin C. 23, Itabnbof Börse, Bogen 9— 10, II. Filiale: IdineburgcratrasMe, Ecke Paulstiasse. III.„ Prlnzenstrasmo 30. 5002b IV.„ JKadaistr. ÄÄ, Im Schleslechcn Bahnhof. „Nordsee" dargestellt v. 6 jungen Damen Kirclinieier« Berliner Origina Heliramnioln 1- Täglich nachmittags 4 Uhr: Iffiär-Boppel-teeF!. ___ Entree 1 M., ab Aufzügen von Franz Grillparzer. Sonnabendabend 8 Uhr: ZlardTurl. So ntztajjnachmittag 3 Uhr: le> Ibi-aut v«i» Jlv««lazs. Sonntagabend 8 Uhr: — Die Moltculmi-ger.— Schiller-Theater X.(Friedr.-Wilhelm- städtisches Theater) Freitagabend 8 Uhr: Linnaiu« illcnNchen. Drama in b Akten von Gerhart Hauptmann. Sonnabendabend 8 Uhr: Di« Braut von Zl««»ina. Sonntag nach mittag 3 Uhr: Boiniat. Sonntagabend 8 Uhr: Aloritarl. Wurst! | Thüringer Rotwurst ä Pfd. 55 Pf. „ Flolschwurst„ 65„ , Hall. Zwlebsllfcberwurst v 55„ Braunschw.Kalbsleberw„ 85„ Mettwurst u. Polnische„ 65„ Braunschw. Mettwurst„ 85„ i Schlackwurst u. Salami*105 do. Echte Thüringer„ 135„ ! Ostp.Landsch.i.g.u.halb.„ 100„ Dellk-Schlnk. o.Knech.„ 115„ | Schlnkenspeck...„ 00„ Paul Klahn, ChuaMticcfctr.£7. r BW Die roeltbelnnnte"W Bettfedern-Fabrik G»stnbLilfrig,'S-rl!n».,PrIii»ii. flrafee 40, versendet gegen Nachnahme garant.nene Vettfedern d. Pfd. 5b Pf., chinesische Halbdnunen d.Pfd.M.1,25, bessere Halbdnunr« d. Pfd. M. 1,75, vorzügliche Tanne« d. Pfd. M. 2,85. Von diesen Tannen genügen 3 biS4 Pfnnd znm groben Oberbett. Verpackung frei. Preis!, n. Proben . gratis. Viele AnerkennungSschr. Dr. Limms!, Prl°--ll8lr. 41. Speclaiarzt für 35/10» Haut» uad Harnleiden. 10-2, 5-7. Sonntags 10-12, 2-4. Von der Heise zurück B>r. 4*rolJalm 1829b* Alezandrinenstr. 90. Unser», Kollegen Huri B r o s e zu feinem 35. Wiegenfeste ein dreifaches Hoch, das, das ganze Kranken- Hans wackelt niid er ans seinem Rabe „ach Rixburg hiuzappelt. Die Kollege« bOOlS vom Kranlenhaus Turin strasie. Heutsede? ESetoMeiler-Verbirnll VerlvallungSstelle Berlin. Tode«- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, baß unser Mitglied, der Schnittarbetter ködert Eictmer gestorben ist. 120/7 1 Ehre seinem Zludcnken. Die Beerdigung findet statt am. Sonnabend, den K. September, nach- mittags 4 Uhr, auf dem Marienborser Kirchhof. Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverivaltung. keutseiier klelZlllsrbeiter-Verbsvll Lrtsverwaltung Berlin. Anchrnf. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß iinser Kollege, der Silbcrarbciter C. Diadow gestorben ist. Wir werde» sein Andenken in Ehren halten. DantasaKniis. 500311 Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und reichen Kranzspende« bei der Beerdigung meines lieben un» vergeßlichen Mannes, des MaurerS ködert Wendt sagenwir alle,, Verwandte» u. Freunden sowie dem Gesangverein„EangeSlust" unsenl lies empfundenen Dank. Wwe. Bertha Wendt nebst Sohn. Die beste Cigarre, 25 Stück in Kiste» 1 M., wegen Umzug. Biaaeitiine, Ichillingstraße 36. Täglich Eingang der letzten Neuheiten l Koiniii9nilanteDStr.20 Wclcli© Herren-Hüte von 1,65 bis 4,80 M. Steife Herren-Hüte von 1,87 bis 4,50 M. Bchte Haar-Hüte 4,7» M. Cylinder-.'ööte von 3,97 bis 8 M. .laRd-Hiltc 1,98 M[4918Ö* KoinillllildiUlttllstrllsjeLtj. Dr. Schilneniano, Specialarzt für Haut-, Harn- und Franenlride»,«ez-delat»». v» VjI«— Vi«. Vc«-Vi«. Sonnt. 9-11. Mobsicht MÜTTER! Q Zuin Schrecken der Eltern erkranken sehr viele Kinder nach de», Genuß von Milch in der Zeit. Ivo die Kühe mit Gras oder Rüben gefüttert werden, weil die Kuhmilch infolge dieser Futtermitiel bei den Kindern die heftigsten Darmkrank- heiten hervorruft. Gcwisienhaste Eltern bestelle» deshalb während der heißen Jahreszeit die bewährte Trockenfntter-Milch bei der„Milch- knr-Slii-stalt SchweizerHaf«. 1 Idtcr Kindcrmilcli 33-50 Pf. Für Säiiglmge. die diese» Gefahre» besonders ausgesetzt sind, wähle man die bewährte Prof. Gärtners Gängimg»- milch, welche wir in mehrere», dem Alter des Kindes an- gepaßten Mischungen, trinksertig und sterilisiert liefern. Gärtners Säuglingsmilch ist der natürliche Ersatz der Fraueii- milch»»d weist die glänzendsten EniährnngSresultate auf, die je bei der SäuglingStriiährnng erzielt worden sind. Bollmilch in plombierte» Flasche» 1 Liter SO Pf. frei Küche. Zklikeiilrui-aastait 8chwelzerliof JfW., Emdeacrstr. 40/41.- Tel. II,«517. Mauarbeiter. Wir ersuchen alle organisierten Bauarbeiter dringend, die auf Bauten arbeitenden Klempner nach der Legitimationskarte zu fragen. 120/9 I�ur wer im Besitz einer solchen Karte ist, arbeitet zu den neuen Bedingungen. Deutscher Mctallarbeiter-Verband. Ortsverwaltung Berlin. Verein der Bananschläger Berlins und Umgegend. Sonnwg. den 7. d. M., vorm. I«Vz Uhr. im Gewcrkschnftshause. Engcl-Ufer 15(Saal I): AM' Veoi'Qbtttttlnnzz."MU T a g e s. O r d n u n g: Vortrag des Herrn Dr. Rudolf Steiner. 2. Diarussion. 3. Verenisangolegendeitcu. zz/lg Mitglieder werden aufgenommen. Beiträge werden nur zwischen SV--it Uhr angenomuie». Zu dem Vortrage haben Damen Zutritt. Um regen Besuch bittet»er V»r«t»ild. Verblwi! der Bau-, Erd- u. gewerbl. Hilfsarbeiter Deutschlands.— Zahlstelle Berlin III. Donntag. 7. d. M.. vorm. 1« Uhr. bei Herrn Rose. Badstr. 58: Mitglieder- Bersamm lung. Tages-Ordnung: i. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Berbandssachen. 43/11 Regen Besuch erwartet Die Drtsvern'a.Itunzx. Töpferträger Berlins nnd Umgegend. Sonntag, den 7. September 19US, vormittags 10 Uhr, Mütgliecfles*« Veirsammlung im Lokale Rosenthalerstrastc 57(Hof). Tagcs-Ordnnug: 1. Protokoll. 2. Abrechnung des BeitraueilSuiannes. 3. Gründung einer eignen Verwaltung; Wahl der Ortsbeamten. 4. Der Fensttrstreik. b. Welche Stellung uehmeii die Kollegen ein betreffs der Organisation zwischen der centralen und lokalen Richtung der Töpfer? 6. Abrechnung des VergnügungSkoinitees. 7. Vereinöangelegenbeiten. 43/12 Es ist Pflicht eines jeden Kollegen, in dieser Versammlung zu erscheinen. Der Vertrauensmann. JMer HchMiter-MM. Heute, Freitag, abends 8>/z tter Sonntag, den 7. d. M.. Uhr, im Gcwerkschaftshause, Engel-User 15 vorm. IvV- Uhr. Engei-ttfer 15: im GewcrkschaftShause, Branciien-Versiminliiiig der Bautischler. Tages-Ordnung: 1.„Die Gewerkschaftsbewegung in der Arbeiterbewegung". Referent: Genosse Davidsoh». 2. Diskussion. 3. Wahl eines Obmanns. Die Bibliothek ist wieder geöffnet. 88/6 aU Bleiglaser, Glasmaler, Messinggfaser. Freitag, de» 5. d. M., in den Arminhallen. Kominnndaiitcnftr. SV: Große öffentliche Versammlung. Tages-Ordnung: 18456 1. Situationöbericht über den Streik. 2. Bcschiußsaffung' über die letzte Antwort des Arbeitgeber-Berbandes. Der Ulnheruker. Uerdaud der Bun-, Erd- md gewerdliÄtu Düfsarbelter Deutschlunds. (Zahlstelle Berlin I.) Sonntag, den 7. d. M.. vorm. Iv'/z Uhr. in Granmanns Festfälc». Nannvnstr. S7: Tages- Ordnung: 1.„Was lehrt uns die Bewegung?" 2. Abrechnung vom Stistungs- fest. 3. Verbandsangelegenhciten. 43/3 Zahlreichen Besuch erwartet Die Ortsvcrwaltnng. Tischler-Verein zu Berlin. Sonnabend, den<». September, abends 8V- Uhr. Mclchiorstr. 15: IpM Terssi mml n u Tagcs-Orduung: VcreinSangelegeuheitcn. Aufnahme neuer Mitglieder. 3®— Unser diesjähriges jsill.) Stiftungsfest sindet Sonnabend, den 4. Oktober, in»Sanssouci". Koltbuserstraste 4», statt, bestehend in Humoristischer Soiree der Hosfmannschen Norddeutschen Sänger und Ball. Billcts a 30 Pf. sind in der Versammlung und bei sämtlichen Vorstandsmitgliedern zu haben. Regem Besuch sieht entgegen vor Voratanä. Verei» dkMtt Schuhmacher. Sonnabend, den(».September, findet in nachfolgenden Lokalen und der angegebenen Zeit die Urabstimmung über die obligatorische Ein- Wir ersuchen nnsre Mitglieder, sich recht zahlreich an dieser Abstimmung zu beteiligen. [170/1] Die Ortsverwnltung. für Hute auszugeben, man erhält auch zu. billigen Preisen gute Sachen, wenn man die richtige Bezugs- quelle kennt. s4982L» Srnabenfilzhüte 0,75-3 M. Herrenstlzhütc weich 1,75—5,25 Mk. steif 2,00-5,25„ Eylinderhute 4,00-12,00„ Chapcaux claqneö 7,00-12,00„ im Einzelverkauf bei .Arnold& Kggert, Hut-Engros-Gewiäst, Waldemarstr. 41, pt. Kein Laden. Wohlfahrts-Geld-Lotterie. Ziehung 4 bis O. Olitohcr er. im Zlehungtsaal dor König). Preusslschen Lotterie. 16 870 Geld-Gewiane im Beu-ase von ST.i OOO Mark bar. Die Hauptgewinne sind:' 494SL* lOO OOO, 50 000. L5 OOO, 15 OOO H. etc. Lose a 3,30 M. amtlicher Preis(Porto und Liste 30 Pf, extra) empfehlen u. versenden auch gegen Nachnahme u. Briefmarken Wni»«nv fn Bank- Berlin W., Friedrlchstr.198/19 9 VV cl liCl Oii IjU.? Geschäft, Ecke Krausenstrasso. Bs dürfte sich im Interesse des Publikums empfohlen, umgehend zu bestellen, da diese Lose zum Teil schon mit Aufschlag gehandelt werden und allgemeine Preiserhöhung demnächst eintreten wird. Te)egr.-Adr.; Millionenecke. II. Wahlkreis. Sonntag, den 7. September, in den Räumen der Berliner Bockbrauerei, Tempelhofer Berg; Grones Uolks Fest. Konzert"WU des Sinfonie-Orchesters(Kapellmeister: Herr»ax Flacher.) Vorträge der Gesangvereine(Mitgl. des Arb.-Sängerbundes)„Kreuz- berger Harmonie",„Gerechtigkeit West",„Freiheit West" u.„Froh Hoffnung". Dirigent: Herr B l e i l. Auftrete» der Gesellschaft!Str?:elerv1e�. Groster Ball. Anfang 4 Uhr.— Billets im Borverkauf 20 Pf., an der Kasse 30 Pf. Kinder erhalten eine Stocklaterne gratis._ 210/8 Charlotteiibiirg. Sonntag, den 7. September, im Volksbause, Rosluenstr. 3; 10, Stiftungs-Fest des Konsum-Yereins(E. G. in. b. H.) Charlotlenburg. Konzert mtö Ball.— Theater, Vortrage. Belustigungen aller Art.— Reigenfahren. Die Kasscekuche ist von 3 Uhr an geöffnet.— Ansang 4 Uhr— Ende?? Entree 30 Pf. inkl. Tanz.— Gäste können durch Mitglieder eingeführt werden._ 126/18_ Das Komitee. Anzug-, Paletot-, Hosen-SloffeT Mmnunsis-Ansverkauf!!! Die Bestände misres Ladengeschäfts GgSÄnrSsusi'S'tfN 33/35 werden wegen Aufgabe des Ladens bedeutend unter Preis ausverhauft.(49542* B�ennea*& Co. ßitpjMnii Versand-Lager jetzt: Kömgstr. 46!.„ Reste spottbillig,| »« ZMme 2 Mk. 10 Jahre Garantie, Teilzahlung wöchentlich 1 Mark. Vollkommen schmerzloses Znlmzlehen 1 Mark. Plomb. 1,50 M. Eeparat, sof. Umarbeitung schlechtsitz. Gebisse| Zaiin-Arzt Wolf, Leipziferstr. 130. (Haus Schaanrächter.) 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Die erste Sitzung nach den S o in in e r f e r i e n Ivar nicht sehr stark besucht. Sie wurde vorn Vorsteher ervffnet niit einer kurze» Begrüßinigsaiisprache an die Versaininlung und einein warmen N a ch r n f auf unsrcn verstorbenen Genossen Stadtverordneten Sli e tz» e r. Die Tagesordnung enthielt für die öffentliche Verhandlung ein halbes Hundert Niunnier», vorweggenommen wurden aber die beiden von der socialdemokratifchen beziv. von den freisinnigen Fraktionen eingebrachten dringlichen Anträge betreffend die Fleisch- tcuerung. Die Anträge stiinmen inhaltlich überein, unterscheiden sich aber hinsichtlich der Schärfe des Ausdrucks. Den freisinnigen Antrag begründete Herr Cassel. Seine Ausführungen waren treffend, doch von einer Art„Sachlichkeit", die in diesem Falle als zu weitgehend bezeichnet werden nintz. Wir haben Herrn Cassel in der Stadtverordneten- Versammlung bei andern Gelegenheiten schon temperamentvoller sprechen hören. Einen schärferen Ton schlug unser Genosse Pfannluch an. Während Cassel die politische Seite der Fleisch- »otsrage»ivglichst»venig zu berühren sich beinüht hatte, wies Pfann- knch nachdrücklich darauf hin, dag die Frage eine hervorragend politische ist. Der socialdemokratische Nediier erinnerte im letzten Teil seiner Ans- sühnuige» an die kommenden N e i ch s t a g s w a h l e n und richtete an die Liberalen die Mahnung, hier init dazu beizutragen, dasj m i t den Lebens mittelvertcuerern, den Agrariern, a>i f g e r ä n m t werde. Als Genosse Pfannknch seine'cindrneksvollc Rede mit der Aufforderung an den Magistrat, sich dem Vorgehe» der Stadtverordneten anzuschlicszen, beendet hatte, blickte alles nach dem Oberbürgermeister und wartete, Ivos der zu sagen haben würde, aber Herr Kirschner— s ch w i e g. Die Debatte war damit geschlossen. Bei der Abstimmung versuchte der Vorsteher den socialdciiiokratischcn Antrag kurzerhand zu beseitigen, Iveil er sich mit dem freisinnigen decke iind daher überfliissig sei. In einer langen GeschäftSordnnngs- Debatte traten Pfann kuch und Singer diesem Versuch entgegen und forderten Abstimmung über beide Anträge, während die Mehrzahl der freisinnigen Redner dem Plan, den socialdeinokratischen Antrag unter den Tisch fallen zn lassen, ihre Ziistmininiig gab. CS wurde schließlich über beide Anträge ab- gestimint, aber zuerst über den freisinnigen. Dieser wurde c i>i st i m m i g a n g c n o in in e n, dagegen fand der social- demokratische Antrag bei der«Fraktion Moniinscii" und eiiieiii Teil der»Alten Linken" keine Unterst n tz n n g. Im weiteren Verlans der Sitzung wurde fast alles bcbatteloS erledigt. Erst bei der Vorlage über die A» st c l l u» g eines z w e i t c n A s s i st c n z a r z t c s für die S i c ch e» a» st a l t e n gab es wieder eine Debatte. Unser Genosse Gottfried Schulz brachte hier die Mißstände zur Sprache, die hinsichtlich der Regelung des ärztlichen Dienstes in den Siechenanstalten bestehen. Zuletzt führte noch der Vorschlag des Magistrats, das Heim- st ä t t e ii- K u r a t o r i n m um zwei V ü r g e r d e p u t i e r t c zu verstärken, zn ciiiem lebhaften Redegcsecht. Von frei- sinniger Seite rügte Stadtv. R o s e n o w, von socialdemokratischer unser Genosse Stadtv. Wehl, daß der Sladtverordiictcn-Beschlnß von Anfang dieses Jahres, der die Wabl von noch zivei Stadt- verordneten in das Heimstätten- Kuratorium forderte, vom Magistrat uiibcachtcr gelassen worden sei. Als HcrrKirschncr in die Debatte eingriff und sich damit verteidigte, daß der Magistrat doch ebenfalls in der Lage sei, eine Meinung zn haben, wies ihn Singer darauf hin, daß der Magistrat sich nicht in der«Väter- lickien Art", wie er es in der vorliegenden Frage gethan habe, als « C o n s o r" der Stadtverordneten aufspielen dürfe. Herr Kirschner begriff und lenkte ein. Er will in einem Ausschuß mit sich reden lassen._ Sisticriingen und kein Ende. Daß den Arbeitswilligen bchvrdlichersciiS der denkbar größte Schutz gewährt wird, ist bekannt genug, um noch besonders erwähnt zn werden. In welcher Art und Weise aber in letzter Zeit die Polizei gegen die Streikenden vorgeht, dafür haben wir Beispiele, tvie sie sich mit de» Holzarbeitern in der Warschauerstraße und vor dein Arbeitsnachweis der«hölzernen" Kühiiemänncr in der Alcxanderstraße abgespielt haben. Diese anfsehenerregenden Vor- lonimnisse werden aber durch folgenden Vorfall bei weitem über- troffen. Bei der Firma Schwarz in der Liniciistraßc stehen seit einigen Wochen die dort beschäftigten Arbeiter— Klempner, Drücker, Schleifer, Schnittarbcitcr ze.— im Streik. Die Streikenden haben ihr Verkehrslokal schräg gegenüber der Firma. Am Donnerstag früh L Ubr erschiene» plötzlich zivei Schutzleute im Lokal und kurz darauf ungefähr noch 12 uniformierte Schutzleute, ein Kriminalbeamter, ein Wachtmeister und der Lieutenant des zuständigen Polizeireviers. Die erste Frage war nach dem Klempner D., und als derselbe sich incldcle und der Kiiininalbeaintein der Privat- Wohnung des Restauratenrs nach— ja. nach was?— Ilmschan gehalten hatte, ging eS ini Zuge, sechs Streikende und ca. 1ö Poli- zisten, nach der Revierwache. Dort wurde» sie zwei Arbeitswilligen gegenübergestellt, dann dem Klempner D. sämtliche Gegenstände, die er bei sich halte, abgenommen und er in die Arrestzelle gebracht. Die andern fünf Streikenden bekamen nach Anfnahme ihrer Nationale von dem Polizeiliciitenant die Belehrung, daß sie sich nicht mehr auf der Straße bewegen dürften, denn„der Streik sei beendet und>v a s sie machen sei Aufruhr"(1). film Abend vorher erschienen zwei filrbcitswillige in Begleitung von zivei Schntzlenten in dem Verkehrslokal der Streikenden und provozierten dieselben. Einer dieser sauberen Herren ver- suchte es. hinter den Schanktisch zu gehen, wurde aber von der WiAin daran verhindert. Darauf trat ein Schntzinann der Wirtin hindernd entgegen, und gab derselben einen Stoß, daß die Frau über einen Stuhl fiel. Mit ihrer Beschwerde ist die Frau auf der Polizei abgewiesen worden und will nnnmehr den Klageweg bc- schreiten. Ein Beauftragter des Deutschen Metallarbeitcr-Verbandes, der am Orte den Sachverhalt beobachten wollte, wurde von dem patronillierenden SÄntzmniin angewiesen, weiter zu gehen, trotzdem er ca. 100 Schritt von der Fabrik entfernt iind völlig allein und UN- aiifsällig an der Straßenecke stand. Ob die Behörden glauben, daß s i e schon so weit sind. Streiks für beendet zu erklären, oder ob sie meinen, die Arbeiter lassen sich durch solche Behandlung in ihrem Vorgehen beeinflussen, wissen wir nicht. Eins aber wissen wir. trotz Drangsalieruiig und Chikanierung von Unternchmern und Behörden werden sich die filrbeiter in ihrem berechtigten Streben»ach Verbesserung ihrer Klassenlnge nicht irre machen lassen.__ Ter gcwcrbSmäsflge StcllcunachtveiS ist in Berlin längst als schliiiinier Schaden bekannt und wird denn- noch immer rasfimertcr ausgebildet. Eine besonders bedenkliche Art, die erst seit ivenigen Jahren im Schwange ist. verdient von neuem an einem krassen' Beispiel gekennzeichnet zn werden. In der Wein- meisterstraße befindet sich ein Institut für Wohnnngsr e i n i g u n g. ein lliiternehmen. das weibliches Arbeilspersonal an«Herr- schasten" kostenlos vermittelt. Laut Offerte ist als Tage« lohn bei zwölfslündigcr Arbeitszeit zu zahlen an Waschfrauen 2.25 M.. an Reinmachefranen 1.75 M. und an Aushilfe- mndchen 1.25 M. Wie schon bemerkt, geschieht die Vermitlelniig gebuhrciilos— für Herrschaften. Dagegen haben die arbeilsucheuden Frauen und Mädchen eine unverhältnismäßig hohe Vermiltelimgs- geliichc zu entrichten. Jede Frau muß für jeden nnchgewiesciien Arbeitstag im voraus bare 50 Pfennig an den Herrn„Direktor" zahlen: macht für die Woche mindestens 2 M. oder monatlich 13 bis 14 M. Mit andren Worten heißt daS: Für die Vennittclnng der Arbeit hat eine Frau ungefähr den vierten Teil ihres A r b e i t s V e r d i e n st e s' zur llnlerhciltung dcS Instituts herzu- geben. Und dabei rühmt der Inhaber des Instituts in einem Cirknlar noch seine schöne Einrichtung, wonach dem Personal fast der ganze Verdienst direkt zukommen soll, so daß eS«mit Lust arbeitet". Man bedenke, eine Frau, die sich den ganzen Tag über am Waschtrog abmüht, kann von den versprochenen 2.25 M. nur 1,75 M. nach' Hanse bringen, eine Rcinmachefrau von 1,75 M. nur 1,25 M. und einem Anshilfcniädchcn bleiben bei 35 Pf. Vcrmitteliings- gebühr von den zugesicherten 1,25 M. nur 90 Pf. übrig. Unter solchen Umständen wird es mit der„Lust" zur Arbeit tvohl nicht besonders weit her sein. Doch dies ist noch nicht alleS in diesem idealen Verhältnis; die Frauen haben sich auch noch besondere» Bedingungen zu unterwerfen. Bei der filnnahme einer Arbeitsuchenden hält ihr der„Direktor" nämlich einen Zettel vor, reißt ein großes Stück davon ab und be« hält es selbst; das kleinere Stück bekommt dann die Frau, und die kann folgende Zeilen darauf lesen: Ich erkläre mich mit vorstehenden Bedingungen einverstanden und verpflichte mich, niemals der Kundschaft des Instituts meine Adresse anzugeben oder eigenmächtig zu der Herrschaft zn gehen, indem ich mich sonst des Betruges schuldig bekenne ohne jeden Einwand. Unterschrift... Nr.... Aehnliche Vorschriften macht der Herr„Direktor" auch den „Herrschasten". Auf dem für diese bestimmten Zettel heißt eS: Zur gefl. Beachtung I Sämtliche Arbeiterinnen sind Ängestellte des Instituts und können von den Herrschaften nicht engagiert Iverdcn, indem das Institut kein Stelleiivcrniittclnngsburcan darstellt. Sollte trotzdem von der Herrschaft eine Liifti'tntSarbeiterin unter Umgehung des Instituts weiter beschäftigt werden, so ist dasselbe berechtigt, von der betreffenden Herrschaft den entstandenen Geschäftsverlust(3 bis 10 M> einzuziehen. Weiter beißt es auf demselben Zettel in hervorragendem Druck: Die Ueberweisung von Personal erfolgt gebührenfrei, jedoch nur auf die Dauer des Auftrages. ES ist nicht gestattet, dieses Personal eigenmächtig zu andern Tagen unter Umgehung des Instituts wieder z» bestellen, letzteres würde als Betrug gelten und gerichtlich verfokgt werden. Die Direktion. Ter Herr„Direktor" scheint aus einer Gegend zu stammen, wo sich ein jeder seine eignen Gesetze macht, sonst könnte er nicht a»f so schnurrige Mittel verfallen, um sich einerseits die Kundschaft der „Herrschaften" und andrerseits die BermittelnngSgebühr der armen Frauen und Mädchen zu sichern. Besonders die Arbeiterinnen scheint er einfach als seine Leibeigenen zn betrachten, obwohl er nicht die geringsten Verpflichtimgen gegen sie übernimmt. Er vermittelt ihnen gegen gleich bare Bezahlung von 50 resp. 35 Pfennig Arbeit für einen Tag. ganz selten für längere Zeit. Ist der Arbeits- tag zn Ende, so ist auch das Verhältnis zwischen Vermitteler und filrbcitsnchendcn beendet, film nächsten Tage spielt sich dasselbe ab: Nachfrage, ob Arbeit vorhanden; wenn ja, dann Zahlung der VermiltellingSgebühr und Antritt der Arbeit bei der betreffenden Herrschaft. Kann der Vermittler keine Arbeit nachweisen, so geht die Frau iviedcr fort und sucht sich selbst Beschästignng, denn der Herr „Direktor" kann sie in seiner beschränkten Häuslichkeit nicht gc- brauchen. Und trotzdem nennt er die Arbeitsuchende stolz„Angestellte dcS Instituts" und verlangt, daß sie iiieinals selbständig bei einer Herrschaft in filibeit treten, die ihm vielleicht vor Wochen oder Monaten einmal filuflrag gab, eine Arbeiterin für einen Tag zn besorgen! Ob der Mann nun wirklich so thöricht ist, zu glauben, daß sich irgend jemand nach seinen Gesetzen richtet? gtiickgang der Schlachtungen in Berlin. Der Vichmangel ist keineswegs mit einem Male überraschend hervorgetreten, sondern ist. wie die„Allgemeine Fleischcr-Zeitnng" nachweist, seil längerer Zeit vorhanden; er hat sich allmählich, wie von sachkundiger Seite vorausgesagt wurde, zn der jetzigen Not anS- gewachsen. Einige Zahlen mögen dies beweisen. Die Schweineschlachtnngen in Berlin bezifferten sich im Monat filngiist des Jahres 1900 auf 67 759. des Jahres 1901 ans 63 733 Stück, während sie im August diese? Jahres nur 56 581 Stück betrugen, also 7152 Siück weniger als im Jahre 1901, und 11 178 Stück weniger als im Jahre 1900. An Rindern wurden im August 1901 in Berlin 15 382, im filngiist dieses Jahres 12176, also 3206 Stück weniger geschlachtet. Kälber wurden im August vorigen Jahres 14 229, dieses Jahres 12 338, also 1891 weniger geschlachtet. Diese Zahlen reden eine eindringliche Sprache. llcbrr die Berliner Rcchtöainvaltc bringt Jnstizrat Dr. Stranz im„Jnr. Litteraturblatt" eine Plauderei. Gegenwärtig ftingieren in Berlin am Kammcrgcricht 31, am Landgericht I 612, am Land- gericht II 125 filnwalte. Wohl die Hülste aller filnwnlte, welche an den drei Gerichten thätig sind, wird das fünfnndvierzigste Lebensjahr nicht überschritten haben. Schon ist jedoch ihre Zahl zn groß, als daß die Niedeilaffung hier, wie zur Monopolzcit vor 1879, eine Anwartschaft auf hohes Einkommen gewähre» kann. Die Reincinnahmcn ans der filnwaltSpraxiS schätzt Dr. Stranz bei 8 Prozent der filnwalte Über 20 600 M., bei 8 Prozent zwischen 15 000 und 20000 M., bei 12 Prozent zwischen 10000 und 15 000 M., bei 50 Proz. zwischen 5000 und 10 000 M.. bei 12 Proz. zwischen 3000 und 5000 M., bei 10 Proz. unter 3000 M. Das Einkommen der Notare, deren es 180 in Berlin giebt, stellt sich durchschnittlich auf 11 900 M., gegen 6500 M. in der gesamten Monarchie; die geringste Einnahme beträgt 55 M., die höchste 105 000 M.— so ungleich verteilt sind de? Lebens Güter auch unter den Berliner Notaren. Das Verhältnis zwischen Anwalt und Nichter schildert Dr. Stranz ivie folgt. Am angenehmsten ist die Temperatur im alten Hanse an der Lindenstraßcergericht), wo die abgeklärte Ruhe älterer Richter herrscht. Lebhafter ist bereits der Ton am Land- gericht II. Und sind auch am Landgericht I scharfe Konflikte zwischen Gericht und Anwalt sehr selten, so werden doch nicht immer diejenigen Formen gewahrt, die zwischen ebenbürtigen Standesgenossen herrschen tollen. Weniger in den Personen, als in den Verhältnissen ist der Grund zu suche». Bei dem großen Personal der Richter ivie der filnwalte fehlt häufig die gegcnseitge Bekanntschast und die hieraus sich entwickelnde Zuvorkommenheit; es gehört nicht zur Sage, daß sich manche Berliner Richter oder filnwalte eher an Schweizer Wirtstafeln, als an Berliner Gerichts- stältcn persönlich keiinen lernen. Dazu die Hast und Hetze der vielen Termine und gewisse eigenartige KonsteNationen, wie sie gerade an diesem Gerichte nicht selten sind. Ein junger, schneidiger Assessor, eben erst anS dem Examensei gekrochen, dem ein ergrauter Anwalt gegenübersteht: andrerseits erfahrene Richter, vor denen blutjunge filnivalte ihre Weisheit aiiSkramen. Wie sollen da Un- gelcgcnheitcn und Ncibnngen ausbleiben! Arn schärfsten weht die Luft in Moabit. Seit der Brausewettcr-Perivde haben sich freilich die Zustände gebessert. Immerhin haben sich gerade hier mamiig- fache Erschwerungen der an sich schon dornenvollen filnfgabe der Verteidigung zu tief enipfundencii Mißständen herausgebildet. Der Stcucrerhcbcr als Antvalt der Notleidenden— dies Bild tritt einem nicht alle Tage vor Augen. Selbstverständlich sind unter Notleidenden im Sinne des Sleuerbeaiiiten nicht etwa die Opfer der gegenwärtigen G e s ch ä f t S k r i f i S zn verstehen, die seit Wochen und Monaten arbeitslos auf der Straße um- herlaufen und von denen nun auch noch verlangt wird, daß sie ihre Steuern richtig und rechtzeitig zahlen. Der Steuererheber kennt als Stacitsbürger von loyaler Gesinnung nur eine Sorte Notleidende, und zwar die Junker im Osten, und die Not tritt ihm beileibe nicht in den stickigen P r o l e ta ri e r- höhlen entgegen, die er täglich zn Dutzenden in allen Variationen des Jammers und des Schmutzes sieht. An den Anblick gewöhnt man sich. Dem Mann des Fiskus geht eine andre, schreiende Not zu Herzen und zwar die berühmte L e u t e n o t der in allen Schattierungen not- leidenden L a n d wi r t s ch a f t. Unser Freund kommt zu einem in der Nähe deS Moritzplatzes wohnenden Arbeiter.� Dieser Mann ist seit fünf Wochen ohne Beschäfligung und erklärt dem städtische» Beamten, daß er nicht im stände sei, die fälligen Stenern zu zahlen. Ein Stcnererheber von Dnrchschnittsgüte macht nun nach solcher höflich erteilte» Antwort ebenso höfli-b die Thüre von außen zu und geht zum Nachbar, um dort vielleicht mit mehr Erfolg an- zuklopfen. Nicht so der Herr im«üdosten. Er gab auf den ihm gewordenen Bescheid seine socialpolitischen Erfahrungen ivohltvollend zum besten u»d formulierte sie in folgender Sentenz:„Wer arbeitslos ist und Arbeit haben will, braucht nur nach Mecklenburg zn fahren, dort werden E in t e arbeiter in Menge gebraucht. Es genügt, wenn man eine Zweipfennigkarte an die Herberge zur Heimat schickt I" Vesser hätte es der Inhaber eines StellenverniittelimgsbnreanS auch nicht machen können. Aber da der Stenererheber Stenererheber ist und in dieser Eigenschaft wenigstens während der Dienststnnden gut tbnt, seine Privatgcfühle im innersten Schrein seines Herzens zu bewahren, so sei er durch diese paar Zeilen höflichst an die Grenzen seiner Pflicht erinnert. Wirkungen der Fleischsperre. Die Bermindernna des Auf- tricbs und die filbnahme der Schlachtungen auf dem städtischen Central- Vieh- und Schlachthof hat naturgemäß auch auf die Beschäftigung der Engros-Schlächtergesellen eingewirkt» so daß ein großer Teil der- selben entlassen werden mußte. Diese haben sich nun eine andre Stellung suche» müssen und arbeiten als Steinträger auf Bauten, bei StraßeiiaSphaltieningen, in den Eiswerken und dergl. Auch von den Treibern können viele auf dem Viehhof keine Verwendung mehr finden, so daß auch diese sich auf eine andre Art ihr Brot erwerben müssen. Durch einen Sturz ans dem Fenster ist eine Frau Abraham« söhn in der Straßburgeistr. 41 ums Leben gekommen. Sie ivar am Dienstag fiüh nach 6' Uhr, nur notdürftig bekleidet, ans ihrer im ersten Stockwerk gelegenen Wohnung aus den Bürgersteig herab- gestürzt und war, äußerlich und innerlich schtver verletzt, nach dem Krankenhaiise am Fricdrichshain gebracht worden. Hier ist sie ihren Verletzungen erlegen. Nach den Schilderungen der Augenzeugen muß ein Selbstmord als zweifellos angenommen werden, doch ist nicht ganz klar, was die bereits in den Sechzigern stehende Frau in den Tod getrieben haben kann. Frau fil. war schon seit einer Reihe von Jahren kränklich, aber noch am filbend vor ihrer verzweifelten That hatte sie mit ihren filngehörigen in einem benachbarten Branereigarte» gciveilt und keine Spur von Lebensüberdruß gezeigt. Die Schutivovrichtuiig. I» der Fangvorrichtung eines Straßen- bahnivagcns wurde gestern abend gegen 53/i Uhr der Klenipner Karl Bock an's der Wrangclstr. 14 schtver verletzt. B. wollte zu der ge- nannten Zeit den Fahrdamm in der Skalitzcrsiraße vor dem Hause 39 überschreiten, als der Motorwagen 1991 der Straßenbahnlinie Zoologischer Garten— Trcptolv hcrangesanst kam. Der Fahrer des Motorwagens war nicht mehr in der Lage, das schtvere Gefährt, welches mit der Gitter-Fangvorrichtung versehen war, zun» Stehen zu bringen; B. fiel in das Fangnetz des Wagens und schlug hierbei vermutlich mit dem Kopf gegen das Pnffgitter der Plattform. Er erlitt einen Schädelbruch, sowie verschiedene Kopfverletzungen und wurde in bcsiniiungslosem Znstande nach dem Krankcnhause am Urban überführt. Der tolltvntvcrdächtigc Hund in dem Hanse Victoriastraße 25 wird voraussichtlich in der Ticrarzneischule, wohin er sofort zwecks genauer Beobachtung gebracht worden ist, in den nächsten Tagen vergiftet werden, da an eine Heilung bei den schweren Verletzungen nicht zu denken ist. Ein Vorhandensein von wirklichen Tollwut- shniptomen hat sich indessen nicht feststellen lassen. Eine Neuerung im Berliner Droschkentvesen ist im Fach- verein Berliner Droschkenbesitzer vorgeschlagen worden. Es handelt sich um Einrichtung tclephonischer Vermiltclungsstellen zur Bestellung von Droschke». Man will dadurch den Fahrgästen daS zeitraubende Aufsuchen der Droschken auf den Halteplätzen ersparen und den in Bureaus, Banken usw. Arbeitenden, wie jedermann, dem ein Telephon erreichbar ist, die Möglichkeit bieten, ohne sich oder andern Umstände zu machen, telephonisch sich vom nächsten Halteplatz einen Wagen zu bestellen, fills Vcrmittelnngsstellen könnten event. die den Halte- platzen znnächstlicgenden Schanklokale dienen, während Verzeichnisse mit den Telcphonnimimer» der Vermittelungsstellen gratis in der ganzen Umgebung verteilt werden müßten. Man hofft auf diese Weise die in den letzten Jahren infolge der Konkurrenz der Straßen- bahn erheblich zurückgegangene Droschkcnbeniitzung von neuem steigern zu können. Um sich und ihren Kindern das Leben zu nehme», hat die 35 Jahre alte KajifinainiSfrau Christine Brandau geb. Freuden- berg aus der Goetbcstr. 4 zn Schöneberg gestern nachmittag, während ihr' Mann sich im Geschäft befand, ihre Wohnung verlassen. Di« Vermißte ist ziemlich groß und blond und trägt eine weiße, rot- gestreifte seidene Bluse, einen weißen Rock und einen»veitzen Hut. Ihre Töchter Elise und Hertha, die sie in den Tod mitnehmen will. sind 6 und 3 Jahre alt. Elise trügt ein weißes Kleid mit blauem Kragen, weiße Strümpfe, gelbe Schuhe und einen schwarzen Hut, Herlha weiße Kleidung ohne Hut und ebenfalls gelbe Schuhe. Die Absicht, mit den Kindern in den Tod gehen zu wollen, teilte die nervös sehr aufgeregte Frau ihrem Mann in einem Briefe mit, den sie für ihn in der Wohnung hinterließ. Ihr Mann, der eine Jalonsiefabrik besitzt, ist verzweifelt. Er nahm seit sechs Wochen an seiner Fran eine zunehmende Aufregung wahr, für die er keine Erklärung zu haben versichert. Die beiden ältesten Kinder, Knaben von 10 und 12 Jahren, befanden sich in der Schule, als Frau Brandau mit den jüngeren die Wohnimg verließ. Einen schrecklichen Tod fand der 3�/« Jahr« alte Arbcitersohn Willi Leweick ans der Wasserthorstr. 74, dessen Leiche von der Staats- ainvaltschaft beschlagnahmt wurde. Fran Leweick wusch am Montag- nachmittag in ihrer Küche kleine Wäsche, fills ihr 3 Monate alter Sohn, der in der Rcbenstnbe im Bett lag, aufwachte und schrie, stellte sie eine kleine Waschwanne mit kochendem Wasser auf den Fußboden, um rasch nach dem Kinde zn sehen. Kaum war sie weg, da fiel ihr älterer Sohn von einem neben der Wanne am Fenster stehenden Stuhl, auf den er geklettert war, herab mit beiden Beinen in das kochende Wasser und zog sich so umfangreiche Verbrühungen zu, daß er nach furchtbaren Schmerzen gester» starb. Im Chanssecgrabcn erschossen hat sich der 51 Jahre alte, geisteskranke, ehemalige Schlächter Wilhelm Binder aus der Koppen- straßc 39. Der Mann hatte einst bessere Tage gesehen. Vor zwanzig Jahren machte er in der Münchebergerslraße eine» Schlächterladen auf. Das Geschäft ging anfangs leidlich, nach einigen Jahren aber so schlecht, daß er es aufgeben mußte. Nun arbeitete Binder, ein kräftiger und scbr fleißiger Mensch, in Eisenfabriken, da er seine ganzen Ersparnisse zugesetzt hatte. Sein Mißgeschick aber konnte er nicht verivinden; er wurde nervös und war seil fünf Jahren geisteskrank und arbeitsunfähig. Vor drei Jahren wußte er in eine Irrenanstalt gebracht werden, aus der er nach vier Monaten als gebessert entlassen wurde. Weihnachten vorigen Jahres wurde Binder auf Wiyisch seiner Fran in Pflege gegeben, nachdem er zwei Jahre in Dalldorf gewesen ivar. Nim setzte er sich in den Kopf, daß er seiner Familie — Frau und zwei Kindern im filltec von 8 und 12 Jahren— zur Last falle und sich deshalb daS Leben nehmen müsse. Am Montag- nachmittag um 3 Uhr ging er von Hause weg, erhob auf dem Postamt die monatliche Jiwalidenrente, sandte seiner Frau die Hälfte davon, laufte sich für die andre Hälfte einen Revolver und irrte dann umher, bis er sich in Lichtenberg im Chausseegraben durch ei»en Schuß m den Kopf tötete. Bo« ihren Kindern weg ins Wasser gegangen ist die 38 Jahre vite� Ehefrau Marie des Pnckhofarbeitcrs Andretzky aus der Stephan- straße 19. Die Frau litt vier Jahre lang an einem Fnßübel, das aber feit zwei Jahren geheilt war. Die Furcht, daß es wieder- kommen könnte, verleidete ihr das Leben. Vorgestern vormittag verließ sie ihre Kindep. eine Tochter von zehn»nid einen Sohn von 9 Jahre»,»nit� denen sie auf der Straße spazieren ging, unter dein Vorwaiide, daß sie ans dem Bäckerladen eiivas holen wolle und kam »icht wieder. Gestern landete man sie in Heiligensee bei Tegel als Leiche aus der Havel. Erwischte Ladeuhicbi». Einen neuen Kniff benutzte eine Ladeudicbin, die seit einiger Zeit mit Vorliebe Goldwaren- und Uhrenhandlungen heimsuchte. Wenn der Verkäufer eifrig dabei war, ihr allerhand Sachen zur Ausivahl vorzulegen, zog sie unauffällig ihr Taschentuch, putzte ihre Nase und schob mit dem Tuch eine wert- volle Uhr oder was sie soi,st gerade erwischen konnte, in ihre Kleidertasche. Als sie gestern abend in einem Laden in der Kastanieu-Allee ihr Glück versuchte, merkte der Geschäftsmann den Kilisf, sah daß eine Uhr fehlte, und sagte der Diebin auf den Kopf zu, daß sie sie gestohlen habe. Die Kundin lief nun davon, bestritt, als mau sie aus der Straße anhielt, den Diebstahl und »nachte großen Lärm, daß mau sie zu Unrecht beschuldige i'iud fest- halte. Bald kam aber ei» Schusterjunge dazu und überreichte dem Bestohlenen die Uhr, die die„Unschuldige" weggeworfen hatte. Auf bor Revierwache nannte sich die Festgenommene Klenn», auf dem Polizeipräsidium aber stellte sich heraus, daß sie eine LOjährige, aus Böhmen stammende Bertha Voit, die in der Chorinerstraße wohnte. Sie� räumte außer diesem zunächst»iir einen Diebstahl ans dem Juli d. I. ein, nachdem man aber eine Anzahl Pfandscheine bei ihr gefunden hatte, gestand sie, gewohiiheitsmäßig gestohlen zu haben, und zwar in verschiedenen Stadtvierteln. Dic'Beutc versetzte sie auf ihren eignen Namen oder auf den ihrer Wirtin, Frau Kastedt; vereinzelt brauchte sie auch den Name» ihrer Freundin Parsicke. Die meisten Pfandscheine hat sie bereits verkauft. Da nur lveuige An- zeigen eingelaufen sind, so ist auzuuehmcn, daß viele Ladcmiihabcr gar«ncht wissen, daß sie bcstohlen worden sind. Wer jetzt nach- träglich einen Verlust entdeckt, möge sich im Zimmer Nr. 97 dcö Polizeipräsidiums melden. Die junge Diebin ist eine kleine, schmächtige Person mit rötlich blondem Haar und trägt eine rote seidene Taille und einen tveißen Strohhut. Unterschlagung bei der Groften Berliner Straßenbahn. Der Stationsvorsteher Alte, welcher bei der Straßenbahn seit langer Zeit angestellt war und»ach llnterschlagung dienstlicher Gelder flüchtig wurde, ist gestern mittag in Spandan verhaftet worden. Fenerbericht. Eine ganze Reihe von Alarinierungcn hatte die Wehr in den letzten 24 Stunden zu verzeichnen. In der Nacht zum Donnerstag wurde sie nach der Schönhauser Allee 99 gerufen. Hier waren in einer Kellerwohnung Möbel, Kleidungsstücke'ec. in Brand geraten, der indes bald abgelöscht werden konnte. Kurz vorher hatte die Wehr in der Behrenstr. 26 in einer Küche eine» Brand zu beseitigen, der den Fußboden nud die Balkenlage er- griffen hatte. Donnerstag früh gegen 4 Uhr hatte sich in der Elsasserstr. 79 ein Posten Preßkohlen in einem Keller von selbst entzündet. Nach der Dorothccnstraße, Ecke der Charlotten- straße, wurde die Wehr gerufen, weil hier durch Kurzschluß ein clck- irischer Straßenbahntvageu der Strecke Charlottenburg— Kupfergraben in Brand geraten tvar. Gardinen, Wäsche und Möbel gingen eine Stunde später in der Eichcndorffstraßc 4 in Flammen auf, die jedoch »och im Keinie erstickt werden konnten. In der Tresckowstraße 38 hatte alter Hansrat ec. Feuer gefangen, während auf dem Ostbahnhofe Preßkohlen in Brand geraten waren. Durch Ueberkochcn von Teer war in der Lychcnerstraßc 114 ein Feuer entstanden, dessen Ablvschung aber bald erfolgte. Durch Unvorsichtigkeit tvar in der Chauiseestr. 64 ein Brand ausgekommen, bei welchem sich eine Frau schivere Braudwnnden au den Händen zuzog. Gardinen gingen in der Gräfestr. 35 in Flamme» auf. Außerdem lief noch eine Fencrmeldung von der Garlenstr. 78 ein. Hier hatten sich in einem Cigarrenladen Fencrwerkskörper entzündet, ohne indes größeren Schaden Einzurichten. Zeugen in einer lknfallsache gesucht. Am 23. v. M.. abends ztvischen 8 und S1/* Uhr, ist auf dem Nettelbeckplntz der Tischler Karl Hänse von einer unbekannt gebliebeneu Droschke überfahren worden i da der Verunglückte infolge dieses Unfalls nach einigen Tagen ver- starben ist, ohne nähere Angaben gemacht zu haben, werde» etwaige Zeugen ersucht, an den Vormittags-Dienststnndeu bei der Kriminal- Polizei, Alexanderplatz, Zimmer 331. II. Stockiverk, zu 1. Nr. 6837 IV/11. 02 ihre Wahrnehmungen anzugeben oder schriftlich ciuzn- reichen._ Ans den Nachbarorten. WaidmannSlust. Sonnabendabend 8'/» Uhr findet bei A.Kuhn in WaidmannSIust die Mitgliederversammlung des Wahlvereins statt. Gäste haben Zutritt, neue Mitglieder iverden aufgenonimen. Pünll- licheS Erscheinen aller Mitglieder ist Pflicht. Charlottenburg. Die Stadtverordneten- Versaminlung hatte am Miltivoch in ihrer erste» Sitzung nach de» Sommcrfcrien eine Tagesordnung von nicht weniger als 31 Punkten zu erledigen. Eine längere Diskussion knüpfte sich an die Mitteilung betreffend das vor- läufige Ergebnis über die Versuchskläranlnge auf dem Ricselfeldc Karoliuenhöhe-Gatolv. Unser Genosse Vogel ivieS darauf hin, daß selbst nach dem Gutachten der königl. Prüfungsanstalt das aus den Filtern abfließende Wasser nur bei Frost, also während weniger Monate des Jahres, dem vom Ricselfeldc stanunenden überlegen sei. Nach den Erklärungen des Stadtbaurats trifft für Charlottenbnrg nicht einmal das zu,»nscr Rieselwaffer ist auch im Winter tadellos und dem der Kläranlage Überlegen. Weiter wies Vogel darauf hin, daß de» Arbeite»!! Stiefel geliefert iverden, um sie gegen Krankheiten zu schützen; bei Paris liefere man ihnen auch Kleidung. Das sollten ivir auch thun. Es handelt sich bei den Krankheiten, denen sie ausgesetzt sind, nicht bloß um Typhus, sonder» Wurinkrankheiten werde» vielfach durch die Produkte der Rieselfelder verbreitet. Der Stadt- baurot gab die beruhigende Erklärung ab. daß die durch die Blätter gegangene Notiz von Typhuserkrankungen bei Arbeitern»nsrer Rieselfelder irrig sei, es sei in diesem Jahre nicht ein einziger Typhusfall vorgekommen. Wichtig ivar ferner noch der von Dr. P e n z i g gestellte Antrag, der Magistrat möge eine Vorlage behufs Anlegung eines städtischen Gemeinde-Friedhoses niacheu. Gegeinvärtig ivird der Friedhof der Lniseugcmeinde als städtischer Friedhof benutzt-, aber natürlich besitzt hier die Kirchengemeinde das für eine Großstadt ganz»in- geeignete Rcdemonvpol. Der Geistliche, der die Verstorbeuei» nicht kenne» kann, kommt über allgemeine Redewendungen nicht hinaus. und ein Frennd dürfe einige ivarme, aus vollem Herzen kommende Worte zu den Hinterbliebenen nicht sprechen. Ferner laste sich die Mrchengemeinde, tvas man ihr nicht verdenken könne, sehr gut be- zahlen, und lege so den ärineren Mitbürgern eine große Last auf. die für die ihr nicht Angehörigen noch verstärkt wird. Die Parteien gabcii sämtlich ihrer Zustiinmung zu dem Ge- danken des Antrags Ausdruck-, aber annehmen ivollte ihn die rechte Seite der Versammluiig nicht. Die Herren forderten nur sehr überflüssiger Weise den Magistrat auf, der Versammlung von dem Resultat der Erwägungen über diesen Punkt, die er bereits anstellt, seiner Zeit Mitteilung zu niachen— als ob das nicht ohnehin ge- schehei« weiteren sehr überflüssigen Beschluß leisteten sich die Herren von der Majorität(Fraktionen Slröhler und Buka), Der Magistrat forderte die Nachbewilligung von 500 M., weil er in eine «talsmäßige Stelle eines VorschuilehrcrS einen Herrn gewählt hat und für diesen die Bestätigung der Regierung bezw. des Provinzial- Schulkollegiums erlangt hat, der nach seinem Dienstalter auf Grund des Normaletats 500 M. mehr zu beanspruchen hat, als in den dies- jährigen Etat eingesetzt war. Die Herren spielten nun die gekränkte Leberwurst, angeblich weil die Deputation vor der Wahl nicht gehört ivorden war. Der Stndtschulrat, dem die Sache!oblag, war nicht zur Stelle. Doch erklärte der Bürgernleister, falls ein Versehen vor- läge, so bedaure er dies. Anstatt sich mit dieser Erklärung zufrieden zu geben oder besten- falls die Sache abzusetzen und in der nächsten Sitzung den Stadt- schulrat um Ausklärung zu bitten, wollte die Mehrheit schneidig sein und lehnte die geforderten 500 M. ab, so ziemlich das Dümmste, ivas sie thun konnte. Da die Stelle von derselben Versammlung in» Etat bewilligt ist, hat der rechtmäßig gewählte Lehrer auf das ihm seinem Alter zustehende Gehalt ein klagbares Recht. In diesem Falle iverden die 500 M. zwangsweise in den Etat eingestellt, was der Magistrat»ach Lage der Dinge überhaupt bei der Regicnmg beantragen kann. Ja, die bürgerliche Mehrheit ist schlau. Wo keine Rechte zu wahren sind, bramarbasieren sie laut. Natürlich find sie hierbei nur von sachlichen Gründen geleitet; daß der vom Magistrat Gewählte ihr politischer Gegner ist, der freisinnige Lehrer Otto, ist lediglich ein peinlicher Nebenumstand. Treptow-Baunischuleiitveg. Uusre Gemeindevertreter-Wahlen haben wegen der dabei von den Behörden beliebten Praktiken s. Zt. ziemliches Aufsehen erregt. Wenn auch durch die Bestiiiimnngen der Landgemeinde-Ordmmg die Bcschiocrdefnhruug gegen offenbare Un- gesetzlichkeiten sehr erschwert und die Austragung der Sache auf die bekannte lange Bank geschoben wird, so glaubten unsre Genossen doch ein Exempel statuieren zu müssen. Gegen die im Oktober v. I. vollzogenen Ersatzwahlen, die mit einem Siege dcr bürgerlichen Kandidaten endeteu, ivnrde daher von zwei Partei- gcnoffen in aller Form Protest eingelegt. Die Gemeindevertretung ivies denselben natürlich zurück, da nach ihrer Ileverzeugung alles in schönster Ordnung vor sich gegangen ivar. Bor' dem Kreis- ausschnß kam die Sache aber etwas anders. Nacki den» den Be- schiverdeführeni vor einigen Tagen zugestellten schriftlichen Urteil hat der KreisanSschuß die Ersatzwahlen für nngültig erklärt und unsre Gemeindevertretung hat in ihrer letzte» Sitzung beschlosten, sich bei der E n t i ch e i d n n g des K r e i s a n s s ch u s s e s zu beruhigen und baldigst eine Neuwahl auszuschreiben. Herr Nickel hat demnach während seiner ganzen Amisdauer als Ersatzvertreter und Herr Bettmaiin fast ein ganzes Jahr zu Unrecht m der Gemeindevertretung gesessen. Da Herr Nickel inzivischen tvieder neugewählt wurde, trifft die Ungnltigkeitocrklärnng nur Herrn Bett- mann und mir für diesen ist also eine Neuwahl vorzuiichiiicn. Recht interestant ist. daß im vorliegenden Fall, wie aus dem Urteil ersichtlich ist, der KreisanSschuß sich auf die— nach uusre»» Dafürhalte» allerdings auch absolut korrekte— Rechtsprechung des Ober- VerivaltungsgerichtS beruft, nach ivelchem die f c st g c st e l l t c W ä h l e r l i ft e die unabänderliche Grundlage für die Wahlen bis z n m nächsten B c r i ch t i g u» g S- verfahren bildet. Selbst ivcuu einer in der Wählerliste verzeichneten Person materiell ein Stimmrecht nicht mehr zusteht und diese Thatsache dem Gemeinde- bcziv. Wahlvorsteher genau bekannt ist, muß der Betreffende zur Stimmabgabe zugelassen werden. Mit dieser Darlegung wurde ein von»nsrer Seite gegen die Gültigkeit der Wahl erhobener Eiiiwnrf, der sich auf die Thnt- sache stützte, daß ein längst nicht mehr in der Gemeiude tvohn- hafter Gewerbetreibender an der Wahl teilgenommen hatte, als unerheblich znrückgewicscn. Indirekt ist damit freilich auch die von »nselm Gemeindevorsteher als Wahlvorsteher ständig geübte Praxis. die Wählerliste nicht als»niabänderlichc Grundlage für die Wahlen anzusehen, indem Personen, die in aller Form Rechtens in die Wähler- liste ciiigetragcn, später aber mit ihren Steuern in» Rückstände ge- blieben waren, die Teilnahme au der Wahl verweigert wurde, als ganz unhaltbar festgestellt. Bei zukünftige» Wahlen wird auf diesen Ilm- stand besonders scharf geachtet iverden niüsicn. Inzivischen mögen»nsre Genossen für den bevorstehenden Wahlkampf aber alle Vorbereitungen treffen und ihr Pulver trocken halten. Zehlendorf. Die Gcincindcvcrtretnng hat in ihrer letzten Sitzung beschlossen, die H n n d e st c» e r zu erhöhen. Der Vertreter für Schlachtensce, Herr Ziethen, bekämpfte die Erhöhung;»ach seiner Meiunng würden durch eine solche Maßnahme stcnerkräftige Leute vom Zuzug abgeschreckt werden, auch wäre es bedenklich, wenn etiva auf andren» Gebiete der Grundsatz angewendet werde, daß. wer viel Geld habe, auch vixl zahlen solle.— Der Bau der höberen Töchterschule, deren Projekt genehmigt wurde, soll un- gefähr 200 000 M. kosten. Das noch nicht genehmigte G y m n a s i u n» ivird einschließlich der Direktorwohunug 655 000 Mark losten. Der Kricgervercin erhielt für sein 25 jähriges Stiftungsfest 200 M. bewilligt. Für geincinnützige Zwecke wäre die Summe besser an- gewandt. Zur Frage der Flcischvcrtcncrnng äußert sich jetzt in einer öffentlichen Erklärung auch die Potsdamer FIcischeriuuuug. ES ivird darauf hingewiesen, daß das Steigen der Flcischpreise seinen Höhe- Punkt»toch nicht erreicht habe, da sich seit Absperrung aller Grenzen ein großer Mangel an Vieh, speciell an Schweinen bemerkbar mache, ein Beweis, daß uusre Landwirtschaft»icht im stände ist, das nötige Vieh zu züchten. Für Potsdam ist die Kalamität um so größer, als die benachbarte Residenz eine von den wenigen Städten ist, in denen man trotz ihrer großen Ilnpopularität die Schlachtsteuer noch nicht über Bord gcivorfcn hat. Die Innung erinnert daran, daß in Nürnberg, wo die Schlachtsteuer gleichfalls noch besteht, der erste Bürgermeister eine gemeinsame Beratung mit der Stadtvcrivaltung Nürnbergs wegen Aufhebung der Steiier in Aussicht gestellt hat, nud spricht den Wunsch ans, daß man in Potsdam'dicscm Beispiel folgen»verde. ES ist in Potsdam schon so viel und so oft, im Stadtparloment, in Volksversammlungen, in der Presse, gegen die Steuer erfolglos Sturm gelaufen ivorden, daß mau sich vorerst auch von diesem Appell der Flcischerinnung nicht übermäßig viel versprechen darf. Wie geringfügige Anlässe zu einer Anklage gegen Arbeiter führen können, zeigte eine Verhandlung, die am 4. September vor dcm Landgericht U unter Vorsitz des LandgerichtSrats Aschrott gegen de» Möbelpolierer S ch o s s a u stattfand. Dieser hatte bei dem Tischlermeister Mctzkow in Neu-Weißcnsce in Accord zusanime» mit den Möbclpolierern Gotsch und Hcfle auf Teilung gearbeitet. Als im April einmal keine Arbeit vorhanden war, setzten alle drei einen Nachmittag aus. Der Meister Metzkoiv, dem das nicht recht war. rief dem Gotsch nach, er niöchte doch zurückbleiben und bemerkte, daß Gotsch einen Augenblick anhielt, als wollte er um- kehren, dann aber doch nnt den andern wegging. Gotsch, am andern Tage von dem Meister zur Rede gestellt, gab au. Schostai» hätte ihm gesagt:„Wenn D» umkehrst,»veißt Du,«vas Dir passiert." Auf Mctzkows Veranlassung denunzierte Gotsch den Schostau deswegen und dieser wurde ivcgcnNötigung augeklagt. In der Verhandlung gab Gotsck» als Worte Schossaus an: s.Ach ivas. Du gehst mit. und damit gut," er wollte darin aber eine Bedrohung gesehen haben. Seine Angaben machten einen so verworrenen Eindnick, daß der Staatsanwalt selbst ans die Bedenken hinwies, die einer Verurteilung entgegenstünden. Der Verteidiger Rechtsauivalt Heine betonte, daß man es offenbar mit einem übermäßig ängstlichen Menschen zi» thun hätte, der sich vielleicht die angeblichen Worte Schossaus. von denen der andre Zeuge Hcfle nicht das geringste gehört hatte, aus Angst vor dem Meister eingeredet haben könnte. Das Gericht sprach Schossan frei. Wegen Vergehens gegci» 8 1311 der Gcwerbe-Ordnung stand gestern der Steinträgcr Brcier vor dem hiesigen Schöffen- gericht. Auf dem Ban aus einen» hiesigen Brauereigrmidstücke hatten die Bauarbeiter die Arbeit niedergelegt, weil sie einen höheren Stundenlohn al- 40 Pfennige beanspruchten. Zwei Arbeiter hatten sich diesem Vorgehen nicht angeschlossen und als diese am nächsten Tage auf die Arbeitsstätte gehen wollten, trafen sie auf den Augeklagten, der mit dem Zeige- finger eine drohende Bewegung gemacht und den beiden zugerufen haben soll:„Ihr werdet heute daS letzte Mal hinaufgehen!" Der Staatsanivalt erblickte hierin eine Drohung zu dem Zwecke, die Arbeitswilligen z»un Niederlegen der Arbeit zu bewegen und be- antragte einen Monat Gefäiiguis. Der Gerichtshof hielt auch den Thatbestand des 8 153 der Gewerbe-Ordnung für gegeben, den Fall aber so milde liegend, daß er ans eine Woche Gesängnis erkannte._ Vevsammlungen. Der Verein zur Wahrung der Interessen der Manrcc hielt am 27. d. M. seine Mitgliederversammlung ab. Der Vorstand teilte die Verhandlungen mit.' welche zivischen ihm und den Vor- ständen der Rabitzpntzer und Fliesenleger stattgefunden hckb-n betreffs einheitlicher Beitragsleistung derjenigen nnsrer Kollegen, welche in jenem Berufe thätig sind. Man einigte sich dahin, daß diejenigen lokalorgauisierten Kollegen, welche dltrch de» Arbeitsuachtveis der Rabitzputzer Arbeit erhalten. 25 Pf. zum Streikfonds derselben zu zahlen haben. Mit de», Vorstand der Fliesenleger konnte eine Einigung nicht herbeigeführt werden und ivnrde be- schloffen, daß' die Kollegen, welche bei u»S organisiert sind, und Fliesenlegerarbeit verrichten, ihre Adresse bei den Zahlstellen- Obnianuern anzugeben haben, um so eine Verständigung herbei- zuführen. Tic Stcinarbeiter hielten am Mittwoch-ine öffentliche Ver- sammlung im Englischen Garten ab. U. a. berichtete Walter: Die Steinarbeiter hätten sich vor längerer Zeit an die Aufsichtsbehörde der Kraukenkaste mit dem Ersuchen gewandt, ihren Uebertritt in die gemeiusome Ortskasie der Bildhauer zuzulassen, weil ihnen dreie Kasse bei gleicher Beitragsleistung größere Vorteile gewähre wie die Allgemeine Orts-Krankenkasie. der sie jetzt angehören. Von der Gewerbedeputation sind darauf Erhebungen angestellt worden, ob der Uebertritt von allen oder nur von einzelueu Steinarbeitern geivüuscht ivird. Im übrigen aber befürwortete die Gewerbedeputation das Gesuch, so daß der Uebertritt schon am 4. August erfolgen sollte. Hiergegen hat jedoch der Vorstand der Orts-Kraukeukasse Rekurs beim' Minister eingelegt, dessen Entscheid in dieser Sache zwar noch aussteht, wohl aber zu Gunsten der Steinarbeiter ausfallen dürfte. Im„Verschiedenen" teilte B u ch m a n n»nit, daß der Gesellen- ausschnß bei de» Meistern vorstellig geworden ist. bei Einstellung von Arbeitskräften nach Möglichkeit hiesige verheiratete Gesellen zu berücksichtigen, weil diese unter der schon seit längerer Zeit an- dauernden Arbeitslosigkeit besonders schwer zu leiden haben. Eine Erfüllung dieses Wunsches ist von dein stellvertretenden Ober- nicistcr der Innung in Aussicht gestellt. Zum Schluß forderte Walter die Anivesendeii noch z»l weitgehendster moralischer Unter- stützung der Bauklcmpuer und Bleiglaser auf. Ter Verband deutscher GastwirtSgehilfc»»(Ortsverwaltung Berlin) hielt an» 29. August seine regelmäßige Mitglieder- Versammlung ab. Den Geschäftsbericht des Vorstandes vom zweiten Quartal 1902 erstattet Thomas und betont, daß trotz der schlechten Konjunktur sowie der ungüiisiigeii Witteruugsvcrhciltnisse der Arbeits- »achweis gut floriert hat im Vergleich zum zweiten Quartal 1901, iiidcm noch 36 feste sowie 127 Aushilfsstellen mehr vergeben Ivurden. Die Kollegen des Berliner G e w e r k s ch a f t s h a u s e s haben auf ihre Fordernug hin erzielt, daß sie jetzt ein Gehalt von 40 M. pro Monat statt der bisherigen 25 M. beziehen. Gleich- zeitig wird noch mitgeteilt, daß in Charlottenbnrg sowie Rixdorf Zahlstellen nnsres Verbandes gegründet worden sind. Verichtigniig. In dem Bericht über die Generalversaminlung der Bureau-Angestellten muß es nicht heißen 959,50 M., sondern 859,40 M. Kassenbestand. Rixdorf. Am Dienstag veraustalteten die Parteigenossen Rix- dorfs eine bis auf den letzten Platz besuchte Voirsversammlimg bei Thiel, Bcrgstr. 151. als Gedenkfeier für unsre Toten. Ei» Sängerchor leitete die Feier ein»nit dem Liebe„Frtthlingsstürme". Hierauf hielt Reichstags-Abgeorducter Emil Rosenow seinen Vortrag. DeS zuletzt verstorbenen Genossen Theodor Metzner gedachte die versa, nnil, mg durch Erheben von den Sitzen. Hierauf schloß die Bersanunlung mit den» Vortrage des„Arbeiter-Vaterlandsliedes". Tic Konsningcnossenfchaft für AdlerShof und Umgegend hat in ihrer letzten Geucralvcrsaiiunluug beschlosten, den Geschäfts- führer Hildcbraudt, der diese Thätigkeit bisher in» Nebenamt ausübte. zu besolden, da die Arbeiten sich nicht mehr nebenbei erledigen lasten. Im Oktober soll eine Verkaufsstelle in Alt-Glienicke eröffnet werden. Steglitz. In der letzten Versammlung des socialdemo« kratischen Wahlvereins gedachte der Vorsitzende des auch in der hiesigen Arbeiterschaft allgemein geachteten und beliebten Genosse,» Metzn er-Berlin. Nach den» Vortrage des Ingenieurs Gren, pe über die Fortschritte in der Belenchtuugslcchuik wurde über die Geiieralversanuulinig des Central- Wahlvereins Bericht erstattet. Betreffs der bevorstehenden Ersatzwahl zur Gemeindevertretung wurde der Vorstand beauftragt, sich mit der Kandidatenfrage zu beschästigen und zu geeigneter Zeit Vorschläge zu innchen. Der Vorsitzende macht auf das Mißverhältnis zwischen den bei der Gcmeindewahl abgegebenen Stinimcu und der Mitgliederzahl des Vereins aufmcrksam und fordert zu reger Agitation auf, des- gleichen wird von verschiedenen Genossen zum Anschluß an den be- stehenden Konstimverein aufgefordert. Schriftett-Eingattg. Protokoll über die Verhandlungen des Parteitages der deutlchen social- demokratischen Arbeiterpartei in Oestreich. Abgehalten in Aulstg 1902. Wien. Lolksbnchhaiidliuig, Jgnaz Brand, Glunpendorferslr. 18. 1 Krone. -Arthur Tix: Die Jugendlichen in der Social- und Sriunnalpolitik. Jena, Gustav Fischer. 2 M.__ Briefkasten der Redaktion. Di« juristische Sprechstunde finde» taglich niit AnSnahm« de« Sonnabends von?>/, bis 9«/, Ilhr abends statt. W.N. 3. Wenn Sie für die Partei thätig sein wollen, dann schließen Sie sich dem Wahlverein Ihres Kreises an. Der Vorsitzende ist Genosse Emst Baader, Große Franlsurterstr. 84. M., Lbcrschöncwcide. Die Angelegenheit kann nur im Anzeigenteil bekannt gegebe»»verde». Attenberg. In Cirkuskilnsteu wird Busch für leistungsfähiger gehalten als Barnum. Ob Herr Busch schon mit 190 Pferden ausgetreten ist, wissen wir nicht. W. R. 1617. Es fahren jetzt keine Pferdebahnen mehr. Görbersdorf. Eine solche Versammlung hat im GeweikschaflShauie stattgefunden, kurz nachdem Liebknecht gestorben war. SS stand Liebknechts Leben und Wirken ans der Tagesordnung. WitternngSnbersicht von» 4. September 1962,»norgenS 6 Ilhr. Stationen Wetter käf c» *11 i» w?« i wmemde. 762 SSO; 2 heiter 18 Haparanda 756 S 2 Regen I 11 Hamburg 762 WSW 2 heiter 17 Petersburg 768S Ywoltig j V Verlin 762 SSO 1 heiter 18 Cork � Franls /M. 763 S 2 heiter 20 Aberdeen München 767 SO| 1 wolle»! 19 Paris Wien 766 NO s l woikenl 17 s Weitcr-Prognoie für Freitag, de» 6. September 196«. Nachts etwas kühler, am Tage sehr warm, vorwiegend h-iier bei mäßigen südöstlichen Winden; Gewitter nicht ausgeschlossen, sonst trocken. Berliner Wetterb urca n. 755 WNW 3hlb.bed; 16 764SSO LHIb.bed. 15 Verantwortlicher Stedaeteur: Carl Leid in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Db.«locke in Berlin. Druck und Verlag von Mar Badiug in Berlin.