Mr. 80. Grfcheint täglich außer Montags. Abonnements Prets für Berlin: Bierteljährlich 3,30 Mt., monatlich 1,10 Mr, wöchentlich 28 Pfg. fret tn's Hans. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- Nummer mit illuftr. Sonntags- Beilage Neue Welt" 10 Pfg. Poft- Abonnement: 8,30 Mt.pro Quartal. Unter Kreuzband: Deutschland u. Defterreich= Ungarn a Mt., für das übrige Ausland 3 Mt.pr.Monat. Eingetr. in der Boft- Zeitungs- Preisliste für 1892 unter Nr. 6652. Vorwärts 9. Jahrg. Infertions- Gebühr beträgt für dte fünfgespaltene Betitzette oder beren Raum 40 Bfg., für Vereins- und Bersammlungs- Anzeigen áo Pfg Suferate für die nächste Nummer müffen bts 4 Uhr Nachmittags in ber Expedition abgegeben werben, Die Expedition ift an Wochentagen bis 7 Uhr Abends, an Sonnund Festtagen bis 9 Uhr Bormittags geöffnet. Sern fpred- Anschluß Amt I, Nr. 4186. Berliner Bolksblatt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: Beuth- Straße 2. Freifinniger SteuerSonntag, den 3. April 1892. da steckten die freisinnigen Bäter der Stadt die Köpfe zu sammen und berathschlagten, auf welche Weise man dieses Malheur von unseren armen Reichen abwenden könne. Und fiehe da, das Mittel war bald gefunden in der Herabsetzung In der letzten Berliner Stadtverordneten- Versammlung des Prozentsatzes der Einkommensteuer; nun arbeitete die wurde der Etat pro 1892/93 endgiltig festgestellt und be- freisinnige Presse tapfer los, um dem werthen Publikum, schlossen, 70 pct. der Einkommensteuer zu erheben, dagegen d. h. den freisinnigen Weißbierphilistern, den Wählern der von einer weiteren Ermäßigung der Miethssteuer abzusehen. zweiten und ersten Abtheilung klar zu machen, daß die HerabDieser Beschluß fennzeichnet deutlich die kapitalistische segung der Gemeinde- Einkommensteuer das erste Erforderniß Tendenz der städtischen Verwaltung, welche im Dienste der einer gesunden städtischen Finanzwirthschaft sei. Bourgeoisie und deren Klasseninteressen eine der drückendsten Schwer ist es den Breßmamelucken des Kapitalismus und ungerechtesten aller Steuern die Miethssteuer nicht geworden, die Bezirksvereinspolitiker und die sonstigen konservirt und mit der Herabsehung der Gemeinde- Einkommen- Treiber der sogenannten freifinnigen Wählerschaft, für die steuer den oberen Zehntausend eine finanzielle Gunst von Herabsetzung dieser Steuer zu erwärmen, denn mit dem bedeutendem Umfange erweist. Klasseninstinkt, den die Bourgeoisie für jede Form der Die Miethssteuer wirkt progreffio nach unten; je geringer tapitalistischen Ausbeutung hat, begriffen die Klaffengenoffen das Einkommen, je höher die Quote, welche von demselben der liberalen Stadtväter sehr bald, daß die Herabsetzung durch die Miethe verschlungen wird; je höher das Ein- der Gemeinde Einkommensteuer hauptsächlich dem Unterkommen, desto kleiner der Theil, der für Wohnung ver- nehmerthum, dem Großkapitalisten, mit einem Wort, den Hieraus ergiebt sich, daß bei gleichem Steuersatz die Wozu hätte die liberale Bourgeoisie denn auch die Klinte fleinen Einkommen erheblich höher durch die Miethssteuer der städtischen Gesetzgebung in Berlin in der Hand, wenn sie belastet werden, als die mittleren und hohen Einkommen. nicht Riemen aus dem Fell der Steuerzahler für sich schneiden follte? Fünf Millionen Mark, wo sind dieselben besser Die Richtigkeit dieser Ansicht konnte selbst die fret abzusetzen als bei den Steuern der Reichen? Also vorwärts, finnige Majorität der Berliner Kommunalverwaltung nicht nur nicht ängstlich! Es ist doch sehr nett, wenn für die er mehr leugnen, und so entschlossen sich Magiftrat und Stadt- sparte Einkommensteuer im Sommer eine Badereise gemacht verordnete, gedrängt durch die sozialdemokratische Agitation werden kann. wendet wird. D wirthschaftlich Starken zu Gute kommt. Expedition: Beuth- Straße 3. Bei einem Einkommen von 900-1050 m. beträgt die Miethssteuer bei einer Wohnung von 270 M.- 5,40 m. und die Einkommensteuer zu 70 pet. berechnet 4,20 m., es werden also zusammen gezahlt 9,60 m. Ber Aufhebung der Miethssteuer und Erhebung von 100 pCt. Einkommensteuer würden zu zahlen sein 6 M., also 3,60 m. weniger als nach der letzten steuerreformatorischen Ausbeutung der Arbeiter durch die Bourgeoisie. Ein Beispiel aus dem Stande der Kleingewerbtreibenden oder kleinen Beamten. Bei dem Einkommen von 2700 bis 3000 m. wird gezahlt bei einer Miethe von 700 M. Miethssteuer 28 M. und 70 pet. Einkommensteuer 36 M. 40 Pf.; zusammen also 64 M. 40 Pf., während 100 pet. Ein tommensteuer in dieser Stufe 52 M. betragen; ein Unter schied von 12 M. 40 Pf., den der Steuerzahler nicht allzu freudig auf sich nehmen wird, um dem Großtapital Minderausgaben zu ermöglichen. Auch die mittleren Einkommen finden keine Entlastung durch die Herabſegung der Einkommensteuer. Ein Einkommen von 6000-6500 M. zahlt Miethssteuer bei einer Miethe von 1500 m. 100 M. und Eintommensteuer, zu 70 pCt. berechnet, 112 M., macht zusammen 212 M., während bei Fortfall der Miethssteuer und Erhebung von 100 pCt. Einkommensteuer 160 M., also 52 M. weniger, zu zahlen sein würden. Bei den hohen Einkommen liegt die Sache jedoch gerade umgekehrt. Die Stufe 30 500-32 000 M. zahlt bei einer Miethe von gegen die Miethssteuer, zu einer schwächlichen, ganz unzu Freilich giebt es auch andere Objekte in der städtischen 3000 m. Miethssteuer 200 M., und bei 70 pCt. Einkommenreichenden sogenannten Reform der Miethssteuer, welche Verwaltung, bei denen die Millionen gute Verwendung fteuer 672 M., zusammen also 872 M., während bei Aufhebung darin besteht, daß Gelaffe bis zum Miethspreis von fänden; die Verbilligung des Gases wird seit Jahren von der Wiethssteuer und Zahlung von 100 pet. Einkommen1000 m. niedriger befteuert werden, als es bis vor einigen ben Konsumenten gefordert. Weite Kreise der Gewerbesteuer 960 M., also 88 m. mehr, gezahlt werden müßten. Jahren der Fall war. treibenden können es nicht begreifen, daß eine städtische Ein Einkommen von 60 000-62 000 M. zahlt bei einer Dem unaufhörlichen Drängen der sozialdemokratischen Verwaltung bei dem Verkauf eines Fabritats, für dessen Wiethe von 4000 M. 266,60 M. Miethssteuer und bei Stadtverordneten deren Ansichten über diese Steuer in Herstellung fie das Monopol hat, einen Gewinn beansprucht, 70 pet. Ginkommensteuer 1512 M.; zusammen 1778,60 m. bem Gage gipfeln: die einzig vernünftige Reform der der von Privaten gefordert, ihnen den Vorwurf Wucher dasselbe Einkommen würde bei 100 pet. Einkommensteuer Miethssteuer ist ihre gänzliche Abschaffung- wurde ent- preise zu verlangen einbringen würde; für 16 Pf. liefert 2160 M., alfo 381,40 M. mehr, zu zahlen haben. gegengehalten, daß man das neue Einkommensteuer- Gesetz die städtische Gasanstalt den Kubikmeter Gas, während die Bei einem Einkommen von 100 000-105 000 m. be abwarten müffe, ehe man mit der Miethssteuer aufräumen Herstellungskosten 8 Pf. betragen. Hundert Prozent, ein trägt bie Miethssteuer bei einer Miethe von 5000 M., tönne. Das Einkommensteuer- Gesetz ist in Kraft und man schöner Nußen, den die Gaskonsumenten jährlich mit 333,30 W., 70 pet. Einkommensteuer 2800 M., zusammen muß gestehen, Herr Miquel fennt seine Pappenheimer. Millionen Mark dem Stadtsäckel abliefern; wir glauben, 3133,30 m.; während bei 100 pCt. Ginkommensteuer Bierzig Millionen Mehrbetrag für Preußen, über fünf daß eine bedeutende Herabsetzung dieser Gassteuer nüßlicher 4000 M., alfo 866,70 M. mehr, zu zahlen sind. Millionen allein für Berlin, haben die Selbsteinschätzungen und nothwendiger gewesen wäre, als die Herabsetzung der Wir glauben, diese wenigen Beispiele genügen, um ergeben, und hätten die letzten beiden Jahre nicht bereits Gemeinde- Einkommensteuer. nachzuweisen, daß die Herabseßung der Einkommensteuer unter dem Einfluß der industriellen Krise Mindererträge gegen Bei dem starren Festhalten an der Miethssteuer, welche auf 70 pCt. in Verbindung mit unserem sonstigen städtischen Bonem früher gezeitigt, die zur Beranlagung ge- ebenso wie die enormen Gaspreise vorwiegend die kleinen Steuersystem einzig und allein den Reichen von Vortheil ist, tommenen Gummen würden noch viel bedeutender sein, und mittleren Geschäftsleute, sowie die Arbeiter brückend und als der Ausfluß kapitalistischer Intereffenwirthschaft auf nie das Doppelte der bisherigen Veranlagung erreichen. belastet, schafft die Ermäßigung der Einkommensteuer keinen das Schärffte verurtheilt werden muß. Die unter der Herrschaft Die erste Steuerveranlagung nach dem neuen Gesetz hat nur einigermaßen genügenden Erjak. Hätte man die Ein- der freisinnigen Partei stehende Verwaltung der Stadt Berlin offenbart, um welch ungeheure Summen der Staat von der kommensteuer auf 100 pCt. belaffen und die Mieth3steuer giebt Straßen und Plätze der privatkapitaliſtiſchen AusBourgeoisie unter dem bisherigen System betrogen worden dagegen gänzlich aufgehoben, dann wäre den kleinen Leuten beutung preis, indem zu Ehren der Dividendenwirthschaft t; der Wahrspruch Hansemann's,„ bei Geldsachen hört die eine Erleichterung geschaffen worden, während man durch Pferdebahnen, Elektrizitätsbereitung, öffentliches AnschlagGemüthlichkeit auf", ist bezüglich des Steuerzahlens ins die Herabſegung der Einkommensteuer auf 70 pCt. und die wesen, Bedürfnißanstalten an Attiengesellschaften ausFleisch und Blut der bürgerlichen Gesellschaft übergegangen. Beibehaltung der Miethssteuer gerade die Besitzlofen belastet geliefert werden. Als sich herausstellte, daß Berlin eine Hand voll Millionen und nur den Reichen finanzielle Vortheile schafft. Einige In einer dem Intereffe der Gesammtheit entsprechen. mehr aus dem Ertrage der Einkommensteuer beziehen würde, Bahlen mögen dies beweisen! Feuilleton. Nagbrud verboten.] ( 80 Am Webstuhl der Zeit. Beitgenössischer Roman in 3 Büchern von A. Otto Walster. den Verwaltung würde man sich nicht an dem Almofen Ihr kennt es nicht; Niemand kennt es: nicht der Ein- aller Reußen trennen. Schwer fiel ihm hier auf's Herz heimische, er mag viel oder wenig gereist sein; nicht der was er in Deutschland gehört über den Kampf zwischen Fremde, der es nur in seiner Oberfläche kennt; der Bauer Polen und Russen, und was so entschieden von den Anfennt es nicht, dem alle Verwaltungsmaßregeln, selbst die noth- fichten abwich, die man in Rußland selbst darüber hatte. wendigsten, unvermeidlichsten, wie ein Ereigniß des Zufalls Noch sah man in Allem die Spuren des letzten Kampfes oder der Willkür erscheinen. Aber auch der Bar aller zwischen den beiden Bruderstämmen, so nennt man sie, Reußen fennt es nicht, da er meistens nur soviel erfährt, obwohl sie wenig mit einander gemein haben, die äußerlich als er erfahren soll. so refignirt dreinschauenden, gefügigen, unterwürfigen Russen, Rußland tennt Niemand! Der Statistiker sieht seiner bie wie eine Reihe von Nullen an einer mächtigen Eins zu as die Konservativen faum zu hoffen gewagt, was Wissenschaft dort unübersteigliche Schranken gezogen, der hängen scheinen, und die trozigen, widerspänstigen Polen, bie Liberalen nur flüchtig einmal befürchtet, traf ein. Der Böllerfundige braucht ein Lebensalter, um nur die Hälfte von denen Jeder für sich eine Kardinalzahl sein zu wollen Rampf war ein äußerst hartnäckiger gewesen; von den ber Böllerschaften fennen zu lernen, und dann müßte er scheint, so daß fie, wie die Juden der neuen Zeit, ibren meihundert zu wählenden Wahlmännern kamen'98 auf die fein Studium wieder von Neuem anfangen, denn während Boltsindividualismus, troß einer länger als hundertjährigen fonservative Partei, 93 auf die liberale und 9 auf die ber Zeit feines Studiums hat ſich unendliches verändert. Bergewaltigung festgehalten haben. Kandidaten der Boltspartei. In den ersten Stufen der Kultur bringen die einfachsten Und doch hört gerade mitten im polnischen Lande der große Erregtheit in dem der Liberalen, stille Sammlung in das große so mannigfaltig zusammengefeßte Reich Niemand Angehöriger einer bestimmten Rangklasse, und sein Werth Ungeheuer war der Jubel im Heerlager der ersteren, Reformen großartige Veränderungen hervor. Darum lernt Individualismus fajt gänzlich auf; der Mensch ist nur noch Ge Reihen der Volkspartei, sie mußten selbst diese neun völlig fennen, nicht einmal der russische Dichter, denn ihm bestimmt sich nach Titel, Nang und Drven, welche bleerth fehlt ein russisches Bolt, ihm fehlt ein inniges Sichverwandt gierung verleiht. Das einzige Versöhnende dabei ist, daß Einen Umschlag in der allgemeinen Stimmung be- fühlen mit den Bewohnern seines Vaterlandes, er findet bas anerkannte Verdienst unter Umständen rasend schnell zu wirkten allerdings die telegraphisch einlaufenden Berichte keinen kennzeichnenden Bolkscharakter, kein gemeinschaft einem Range kommt, während Niemand hoch genug steht, über den Ausfall der Neuwahlen in der Provinz; dort liches Kulturleben, er kennt und versteht nur den Bolts- um nicht vorkommenden Falles das Loos des Niedrigsten buren überall die Liberalen mit entscheidender Majorität stamm recht, dem er selbst entstammt. Rußland ist für theilen zu müssen. teinen Menschen das, was man anderswo Vaterland nennt; stadt erblicken? durchgedrungen. Das Land konnte jubeln. Freiheit und Fortschritt" oder sollte der Finnländer am Kaukasus seine Landsleute punkte in Hülle und Fülle zu Gebote stehen, als der, welcher Wie ganz anders reist der Mensch, wenn ihm Vergleichshatten endlich einmal den heißbegehrten Sieg davongetragen. erkennen, der Bole in St. Petersburg seine natürliche Haupt- sich nur empfangend verhalten kann. Was man da sieht und erlebt, bekommt einen ganz anderen Charakter, und was Und dennoch schlug Jwan das Herz höher, als er, aus man früher gesehen und erlebt auch. Iwan merkte es mit seinem Eisenbahnwagen herausschauend, die Pfähle erblickte, jedem Blicke, den er in seine Umgebung schickte. Ihm, den welche die Grenze bezeichnen, die mitten im niedergeworfenen im Kulturlande Deutschland das Beste noch nicht genügend Polen den Großstaat Preußen vom Gebiete des Kaisers erschienen, däuchte das einstmals doch so wohl Gekannte Neuntes Kapitel. Nach Norden. Kennt Ihr das gewaltige Riesenreich Rußland, das wie eine unheilschwangere Wolfe am Horizonte der europäischen Bivilisation schwebt? einer AVgabe der Unternehmer genügen lassen, fondern man «ürde die im Interesse der allgemeinen Wohlfahrt noth- »endigen Unternehmungen in städtische Regie nehmen und sich nicht zum Handlanger des Privatkapitals machen. Bei solcher Bewirthschaftung hätte man weder Mieths- steiler noch Gassteuer nöthig, und man brauchte auch keine ! Ivv pCt. Einkommensteuer zu erheben. Freilich auf fette Dividenden aus städtischen Objekten müßte die Bourgeoisie verzichten; aber wir denken, die Straßen und Plätze Berlins sind doch nicht dazu da, um als Milchkuh für eine Handvoll Kouponabschneider zu dienen. Die Beschlüsse der vorigen Stadtverordneten-Bersamm- lung beweisen, daß das jetzige städtische Wirthschaftssystem, im Dienste des Kapitalismus stehend, unfähig ist, die Interessen der Arbeiterklasse und damit der Majorität der Bürgerschaft wahrzunehmen. Aufgabe der Wähler ist es, dafür zu sorgen, daß ge. recht«, und nicht die Interessen einer verschwindenden Minderheit berücksichtigende Grundsätze in der städtischen Berwaltung maßgebend werden. Krieg im Frieden. DaS kleinkalibrige Gewehr hat einen Triumvh gefeiert, die Schlagkraft der Geschosse hat sich glänzend bewährt, ein deutscher Soldat hat nutten im Frieden zwei Deutsche aus offener Straße niedergeschossen. Niedergeschossen laut seiner Instruktion, niedergeschossen mit kaltem Blut und treffsicherer Hand. Ein Berauschter neckt den Posten, er greift ihn thätlich an, der Posten ladet, der Andere ergreift die Flucht und der Soldat schießt nach der von der.Norddeutschen Allgemernen Zeitung" auS amtlicher Quelle gegebenen Darstellung den Fliehenden über den Haufen und mißerdem einen Unschuldigen, der zufällig sich in der Nähe des Fliehenden befindet. Es ist das selbstverständliche Recht jedes Angegriffenen, sich zur Wehr zu setzen, das Recht der Nothwehr. Der Soldat ist geneckt und mit einem Taschen- meffer bedroht, jedoch nicht verletzt worden, er hat erst dem Ausreißer die tödtliche Kugel nachgeschickt, die diesen und einen Unbetheiligten zu Boden streckte. War der Posten in Lebensgefahr? Aber er schoß ja erst, als der andere ent- wich. Und genügte hier nicht das Seitengewehr, der Gc- wehrkolben gegen das Taschenmesser? Ein junger kräftiger, nüchterner Mann gegenüber einem Trunkenen.... Der Polizist, der Gensdarm, der Forstbeamte, soweit sie überhaupt Schußwaffen führen, sind in ihrer Anwendung mit Recht auf das Nothwendige beschränkt. Und die Sicherheits Polizei geräth in weit ernstere Konflikte, i z. B. mit dem Verbrecherthum, sie ist oft in Situationen, die in der That eine Gefahr für Leib und Leben bedeuten. Aber nur der Soldat hat Schießfreiheit, eine Schießfreiheit, die Opfer und immer neue Opfer fordert, ohne daß Wandel geschaffen wird. Noch ist in Aller Gedächtniß der Vorfall vor der Reichs- ldrnckerei. Der Posten schießt auf einen harmlosen Menschen, der aus der Straße ein natürliches Bedürfniß befriedigt, der sich einer Uebertrrtung schuldig macht, die mit einem Straf- mandat von drei Mark gebüßt wird. In der Reichstags- Sitzung vom 1ö. Februar 1892, bei der zweiten Berathung des Militär-Etats, ist der Fall zur Sprache gebracht worden. Die Militärbudget- Kommission hatte folgende Resolution eingebracht, in welcher es u. A. hieß: „Die verbündeten Regierungen zu ersuchen:... auf eine thunlichste Einschränkung der Militärposten, insbesondere in verkehrsreichen Gegenden hinzuwirken; eine den veränderten Verhältnissen entsprechende Revision der Bestimmungen über den Gebrauch der Schießwaffen seitens der Militärposten herbei- zuführen." Und der Abgeordnete Singer hatte in der Debatte ausgeführt: „Der dritte Punkt der Resolution ist der weitaus wichtigste. Ich kann nicht annehmen, daß der Reichstag mit der Erklärung des Herrn v. Goßler zufrieden sein kann. Allerdings zeichnet sich diese Erklärung vortyeilhaft aus vor derjenigen, mit der er sich in Bezug auf diese Frage in der Budgetkommission geäußert tat. Der Zustand, der infolge der jetzigen Instruktion für die Wachtposten sich in Berlin entwickelt hat, ist unerträglich. Es geht absolut nicht länger, daß aus der Geringfügigsten Ver- anlaffung dem ersten besten Posten die Möglichkeit gegeben wird, Menschen auf belebten Straßen der Stadt zu erschießen. Es handelt sich in allen diesen Fällen um ganz minime Ver- gehen, die im Wege des Polizeimandats mit 10—l5 SB., im allerschlinimsten Falle mit einer geringfügigen Haststrase ge- ahndet werden. Und wegen solcher Vergehen sollen Wacht- jetzt wie etwas Unbegreifliches. Er sah, wie das kolossale Reich der Russen an seinen Grenzen kleinlich um Abhaltung aller verdächtigen Elemente bemüht war, als wenn jeder verdächtige Reisende im Stande wäre, den Koloß zum Falle zu bringen, während tm argzerklüfteten, von Feuer- stoffen erfüllten westlichen Europa schon längst alle der- gleichen Vorsichtsmaßregeln als eitel und vergeblich beseitigt waren. So interessant indessen diese Vergleichungen für ihn sein mochten, tonnte Iwan seine Gedanken nicht zwingen, immer bei ihnen zu verweilen; trotz allem Widerstande flogen sie zurück zu den vergangenen Tagen, in denen er sein nennen konnte, was er allein seinen Mitmenschen nicht zu gönnen vermochte, eine der schönsten Blumen im Rosen- garten der Frauenwelt. Solche blonde Locken sah er nie- mals wieder, nie wieder so ein unergründlich tiefes Auge, solch hellen, in die Seele dringenden Blick. Ein jedes Wort Elisen's war fest in seinem Gedächtnisse eingeprägt, und so oft das eine oder andere ihm wieder in den Ohren klang, schoß das Blut stromweis nach seinem Herzen.„Du wirft ein ähnliches Wesen niemals wieder finden", sagte er sich oft,„und darum auch kein Glück auf dieser Erde uiehr." Uild ohne ein Glück auf Erden zu leben, welch fürchter- liche Aufgabe! Wie garstig ist das Angesicht des WinterS, wenn er die Blumen dem Auge und das Glück dem Herzen zu gleicher Zeit nimmt, wenn man zugleich von der Sonne der Zivilisation, sie mag noch so umschleiert gewesen sein, Ab- schied nimmt, und der Nacht der Barbarei zufährt. Und Winter war es geworden rings uni ihn herum, denn er war dem Winter entgegengereist. Das merkte er recht, als er die Warschau-Moskauer Eisenbahn verließ und sich der Post anvertrauen mußte. Die dürren Blätter Langen ein Klagelied über ihre flüchtige Herrlichkeit, indem sie Posten befähigt werden, das Todesurtheik über Mitbürger nicht blos zu verhängen, sondern auch gleichzeitig zu vollstrecken? Dazu kommt, daß diese Fälle durchaus nicht vereinzelt sind. Wir haben in Berlin gerade in dem letzten Jahre eine Anzahl solcher Fälle erlebt, und auch in Wiesbaden wurde kürzlich in verkehrsreicher Gegend Seitens eines Wachtpostens von der Schußwaffe Gebrauch gemacht. Die Thatsache, daß dabei vor- übergehende Passanten in Lebensgesahr gerathen, sollte mit zwingender Nothwendigkeit die Militärverwaltung dahin führen, die Instruktion für Wachtposten in entsprechender Weise abzuändern oder dieselben in verkehrsreichen Straßen nicht mit scharfen Patronen auszurüsten. Der Regierungsvertreter hat ge- meint, ob man die Sache nicht derartig regeln könnte, daß man die Schuldigen möglichst streng bestraft; aber demjenigen Unbetheiligten, der todtgeschossen ist, wird kaum Genuglhuung gegeben, wenn der Veranlasser seines Todes mit einer stärkeren Strafe belegt wird. In der Kommission hat der Vertreter der verbündeten Regierungen die Frage in anderer Weise behandelt, wogegen ich auch hier im Plenum ai f das Allerschärsste Protest erheben muß. Er hat gemeint, die bestehende Instruktion für die Militärposten sei nothwendig, weil man dieselben gerade vor der alleruntersten Volksklasse schützen müßte; man könne die Posten nicht schändlichen Angriffen derselben ausgesetzt lassen. Aber wem in aller Welt ist es eingefallen, irgendwie zu ver- langen, daß der Wachtposten wehrlos etwaigen Angriffen aus- gesetzt sei? Das heißt die Dinge so verschieben, daß man nicht mehr versteht, was weiß und was schwarz ist. Es handelt sich hier nicht um den Schutz der Posten, sondern um den Schutz der wehrlosen Bürger gegen überschäumendes Temperament oder sonstige Unbesonnenheiten der Wachtposten, es handelt sich um den Schutz der Bürgerschaft, von der das Militär lebt. Warum folgen wir nicht dem Beispiel Oesterreichs, wo der Gebrauch der Waffe seitens der Posten nur dann gestattet ist, wenn sie angegriffen werden? In derartigen Fällen wird Niemand dem Posten verdenken, wenn er sich seiner Haut wehrt, obwohl es dann auch noch nicht nothwendig wäre, eine solche Waffe zn gebrauchen, wie sie das Militär jetzt hat. Zur Vertheidigung könnte auch immer noch das Seitengewehr be- nutzt werben. Der Gebrauch der Schußwaffe seitens der Posten ist ein Ausfluß des Militarismus, ein Ausfluß derjenigen Stellung, die nun einmal das Militär in Deutschland einnimmt. Die Soldaten werden durch ihre Instruktion in eine so außer- ordentlich bevorzugte Ausnahmestellung hineingebracht, sie werden mit einer solchen Macht umkleidet, daß es erklärlich ist, wenn diese jungen Leute ihren Ansichten in einer der- artigen Weise Ausdruck geben, wie wir sie wiederholt erlebt haben. Aber wir dürfen uns nicht auf den Standpunkt der Regierung stellen; das Volk ist nicht des Militärs wegen da, sondern umgekehrt, und wenn wir in die Hand eines zungen Soldaten die Möglichkeit legen, wenn ein geringes Vergehen vorgekommen ist, den Schuldigen oder alle in der Nähe Befindlichen zu lödten oder schwer zu verwunden, so kämen wir in der äußersten Konsequenz dazu, daß überhaupt nur noch Soldaten vorhanden sind; ob aber der Militarismus dann überhaupt noch bezahlt werden kann, ist ein« andere Frage. Kurz, ich glaube, durch die Annahme der Resolution wäre die Nlegierung doch veranlaßt, der Frage ernstlich näher zu treten, in wie weit es möglich ist, solche Vorkommnisse, die nicht ge- rade zu den Seltenheiten gehören, zu verhindern. Die Regie- rung müßte eine Instruktion erlassen, durch welche die Möglich- kett, Menschenleben zu gefährden, ausgeschlossen ist. Bei Erlaß der geltenden Instruktion waren die Verhältnisse ganz andere, als heute; abgesehen von dem geringeren Verlehr in den Straßen hatten auch die Schußwaffen nicht die Wirkung der heutigen. Es kann auch jedem vorübergehenden Offizier passiren, abirrenden Kugeln zu begegnen. So lange es aber nicht den eigenen Kreisen fühlbar wird, welche Mißslände die jetzige Instruktion mit sich führt, ist an eine Abhilfe nicht zn denken. Wir im Reichstage aber müssen unter allen Umständen uns bemühen, die Angelegenheit so zu regeln, daß das Volk nicht schütz- und wehrlos den Geschossen der Soldaten preisgegeben ist. Sollte aber wirklich einmal das grenzenlose Unglück passiren, daß ein solcher Mensch, der sich einer Verunreinigung der Straße schuldig macht, entläuft, so nehme ich das lieber in den Kauf, als daß er oder ein Un- schuldiger vom Posten erschossen wird." Der Regierungsvertrcter, Generalmajor von Goßler, erklärte kurz und bündig, daß es beim Alten bleiben werde. Die Sachlage kennzeichnet sich durch ein Wort: E s w i r d fortgeschossen. In der Hand eines jungen Menschen liegt das Leben nicht blos desjenigen, der mit ihm irgendwie in Konflikt geräth. Die Kugel, die den Lauf verläßt, bedroht Jeden, der zufällig in ihren Bereich geräth, sie bedroht nicht blos die Passanten, sondern auch die Bewohner der Häufer, in deren Umkreis das kleinkalibrige Gewehr in Aktion tritt. Wer in der Wurfbahn des Geschosses sich bewegt, ist verloren. Schuldig oder unschuldig, die Kugel macht keinen Unterschied. Und sie wird auch treffen, wenn des Zufalls Spiel einen Minister, einen General, einen Prinzen oder sonst einen Mächtigen in den Bann ihrer ballistischen Kurve bringt.... Aber die Instruktion ist befolgt.... Mögen auch Menschenleben nutzlos geopfert werden: „Die Katze, die Katz' ist gerettet." den wenigen Gefährten in der Höhe Abschied sagten, um, den vielen vorangeeiltcn folgend, dem großen Erdengrabe anheimzufallen. Langsam kamen auch schon die Schnee- flocken herangrschwebt, die bald Alles bis zum nächsten Frühjahr einzuhüllen gedachten, und beim Rückivärtsblicken fah der Reisende schon hier und da einen nahrnngsuchenden Wolf den Saum des Waldes verlassen. „Tage der Rosen, seid ihr verblüht?" rief Iwan in schmerzlicher Bewegung versunken.„Sonne meines Ledens, bist du untergegangen? Ja, mein Frühling ist vorbei, die Träume sind verschwunden, und nun bleibt für mich nichts mehr, um mir die künstigen Jahre erträglich zu machen, als die freie männliche That. Wenn nur diese meine Lebenszeit auch zu keiner glücklichen gestalten sollte, wird sie mir dieselbe doch verkürzen, auch das ist dankbar anzu- nehmen." Auf dem Gute des Herrn von Sokolow war der Winter mit derjenigen Resignation aufgenonimen worden, die den Russen unter Umständen ganz eigenthümlich. Mau sprach von der Abreise nach Moskau, um an den Winter- Vergnügungen der mächtigen Stadt theilnehmen zu können, und Herr von Sokolow ivar verreist, um für denjenigen Theil seiner Pflegebefohlenen, der zurückbleiben sollte, die nothwendigen Lebensbedürfnisse zu besorgen. Freifrau Valeska von Sokolow aber saß am Bogen- fenster, das nach Westen blickte, und verbrachte die Zeit, indem sie abwechselnd einen Stich in ihre kunstvolle Stickerei fügte und dem draußen beginnenden Spiel der Schneeflocken ihre Aufmerksamkeit gönnte. Von dem vierzehnjährigen Mädchen, welches unter dem Beistande eines französischen Hauslehrers mühsam den Sinn eines französischen Alexandriners aus Racine's„Athalie" zu enträthjeln ver- sucht und welches der Freifrau wie auS den Augen ge- schnitten erscheint, nimmt sie fast gar keine Notiz. (Fortsetzung folgt.) Es ist fteilich ein Verbrechen, wenn em Trunkener die Schildwache hänselt, ein Verbrechen, das nur mit Strömen Blutes gesühnt werden kann. Das Strafgesetz fteilich würde den Frevler mit etlichen Tagen Hakt, mit einer Woche Gefängniß büßen. Aber der grobe Unfug wird zum Majestätsverbrechen, wenn er verübt wird gegen zweierlei Tuch. Die beleidigte Majestät des Militarismus heischt sofortige Ahndung, er ist Verletzter, Kläger, Richter und Nach- richter in Einer Person. Er vollstreckt sein Urtheil am Delinquenten ohne Prozeß, vermittelst eines summarischen Verfahrens, dessen blutigen Lakonismus kein Standrecht übertrifft.. Schonzeit für Wild haben wir glücklich in Deutschland. Schonzeit für die Menschen sollte auch der Militarismus garantiren zum wenigsten für die Zeiten des Friedens. Wie viele Verwundete und Todte sollen noch das Blachseld— der Straße bedecken, bis dem kulturwidrigen Zustand, der heute und zwar nur in Deutschland herrscht, em Ende gemacht wird? Schutz dem Bürger, fort mit der Schießinstruktion! Voltkisth» Meverftöltk. Berlin, den 2. April. Eine Sommer-Reichstagssessto». Angeblich soll der Reichstag vor dem Herbst für eine kurze Nachsession wegen des spanischen Handelsvertrages berufen werden.— Schöne AuSsichts-Lotterie. Die„Freisinnige Zeitung" schreibt:„Das Projekt der S ch l o ß l o t t e r i e zur Ver- besserung der Aussichten des Kaiserschlosses in Berlin ist noch keineswegs gescheitert oder aufgegeben. Nach wie vor liegt das Projekt dem Minister des Innern vor. Theil- weise dieselven Hände, welche auch bei der Schloßfteiheits- Lotterie die Fäden gezogen, sind auch hier im Spiel. Für das Projekt, so wird von dieser Seite verbreitet, mache sich ein Interesse geltend, dem gegenüber auch die Minister, wenn anders ihnen ihr Portefeuille lieb wäre, keinen Wider- stand leisten könnten. Bis zetzt hapert es noch in Betreff der Bildung eines Konsortiums für die Uebernahme der Loose." So wird das Glücksspiel doch von Statten gehen. Es wird dabei um ein Bischen mehr hazardirt, als um die schöne Aussicht.— Das herrschende System spielt dabei auch--- Bvm Denunzianten. Wir haben bereits(Nr. 79 vom 2. April) die Mittheilung gebracht, daß die Verwaltung des Aachener Zeitungsmuseums wegen angeblicher Majestäts- beleidigung in Anklagezustand versetzt worden ist. Wie die „Kölnische Zeitung" mittheilt, handelt es sich um„ein durch- aus gemeinnütziges Institut, wo aus allen Ländern 351 ver- schiedene Zeitungen und Zeitschriften eintreffen, die dem Publikum unentgeltlich zur Verfügung gestellt werden." Offenbar ist das Unternehmen ein stramm- loyales. Die „Kölnische" weiß wenigstens zu melden:„Bei ihrer Ankunft erfahren die Blätter eine genaue Durchsicht. Diese Zensur hat den Zweck, jegliche Zeitung mit strafbarem oder ver- letzendem Inhalt von der Auflegung im Lesesaal auszu- schließen...... Das Zeitungsmuseum verfolgt keinerlei politische Zwecke, es sammelt einfach Zeitungsnummern mit bemerkenswerthem Inhalt, um sie als historisch und kultur- historisch werthvolles Material der Nachwelt aufzubewahren. Mit ganz besonderer Liebe und Aufmerksamkeit beschäftigt sich das Museum hierbei mit unserem Kasserhause. Die Hohenzollernmappe umfaßt mehrere starke Bände, hier ist fast alles zusammengetragen, was an Kundgebungen der Würdigung, Verehrung und Begeisterung für die drei ersten deutschen Kaiser in Deutschland wie im fernsten Auslande in den Zeitungen veröffentlicht worden ist..... Die Verwaltung besteht überdies aus Personen, deren Loyalität über jeden Zweifel erhaben ist." Wie man sieht, ist die Gründung reinlich und zweifelsohne, und wir wissen nicht, ob die Zensur, ein Engel mit feurigem Schwerte, Arbeiterblätter über die patriotisch-monarchische Schwelle läßt. Doch das thut nichts zur Sache. Charakteristisch ist die Geschichte der Denunziation. Höreil wir die„Kölnische Zeitung": „Nun will ein fleißiger Besucher deS Lesesaals, ein Kandidat der Rechte, unter den aufliegenden 121 amerikanischen Zeitungen ein Exemplar entdeckt Häven, das, angeblich in einem Gedichl, die Krilerien der Majestätsbeleidigung enthielt. FlugS eilt der spüreifrige junge Mann zu der Auffeherin deZ Lesesaals, aber nicht etwa, um sie zur Entfernung der betreffenden Zeitung zu veranlassen, sondern um sich ein Kouvert und einen Briefbogen schenken zu lassen, auf welchen er noch im Saale selbst die Denunziation an den Staatsanwalt niederschreibt. Im Auftrage des Staatsanwalts erschien schon am nächsten Tage ein Polizeikommissar, um das dcnunzirte Zeitungsblatt zu veschlagnahmen. Trotz sorgfältigster Nachforschung fand sich dasselbe aber nicht vor. Nichtsdestoweniger erhielt der Besitzer des Zeitungsmuseums, Herr Oskar v. Forckenbeck, Bürger- meister a. D. und Kreisdeputirler, eine Vorladung zur Ver- nehmung in der gegen ihn wegen Majestätsbeleidigung und Verbreitung verbotener Schriften eingeleiteten Untersuchung." Ueber den Angeber und seine Handlung verlieren wir kein Wort. Person und That werden von unseren Lesern nach Verdienst und aus das Haar richtig bewerthet werden. Das Geschäft des Denunzirens bedarf keiner Kritik, es kritisirt sich selbst. Der Herr Rechtskandidat, der im monarchischen Schwünge seiner Seele die genossene Gast- srenndschaft durch eine Anzeige vergilt, kann später etwa als Strebender noch Bedeutsameres leisten. Aber wer hat das Streberthum, Gebärdenspähen und Geschichtentragen trcibhausmäßig gezüchtet, wer hat die Umversitäten zu Hochschulen banausischer Gesinnung und öden Streberthums gemacht, wer schuf den Nährboden für den Denunziattons- bazillus? Die liberale Bourgeoisie, die sich kopfüber in den Morast der Bismarckei gestürzt hat, darf nicht klagen, daß sie da Sturm erntet, wo sie Wind gesäet hat.— Die Renommisten. Schwarz auf weiß steht eS zu lesen in der Ansprache deS Zeutralvorstandes der national- liberalen Partei:„Sie(die Partei Drehscheibe) hat nie ge- zögert, die freiheitlichen Errungenschaften, wo Gefahr drohte, zu vertheidigen; noch in neuester Zeit wieder hat sie dies ourch ihre einmüthige, ausdauernde Haltung gegenüber den auf eine Umgestaltung des Volksschulwesens in Preußen ge- richteten, gefahrvollen Bestrebungen bethätigt." Nachdem der Nationalliveralisinus die bürgerliche Freiheit an die Reaktion aus Abbruch verkauft hat, nachdem er in Aus- nahmegesetzen geschwelgt und stets sich willig erwiesen hat. btt Unterdrücklmg bei Volke? Borschub»u leisten, ist diese? öde Poltern aus der Kesselpauke der„freiheitlichen Errungen- schaften" nur ein Glied mehr in der Kette. Er bleibt der Bramarbas ohne Witz und ohne Muth, der lärmt, ohne zu schrecken, und ins Mauseloch kriecht, wenn ihm der Daumen aufs Auge gedrückt wird.— Wohlverdient. Dem unermüdlichen Förderer der Geldsackinteressen, dem Chef aller Plusmacher, Bismarck, ist der wohlverdiente Glückwunsch der Unternehmerverbände zum 1. April zugegangen. Er wird in den Gratulation?- briesen als der Wohlthäter der„deutschen Industriellen und des deutschen Kaufmanns*, als„Beförderer der nationalen Produktion* von den Organisationen des Großindustrialis- mus degrüßt, die in ihm den Schöpfer der Schutzzöllnerei, den Patron aller Gewaltmaßregeln gegen die Arbeiterklasse, den rücksichtslosen Gegner jeder positiven Sozialpolitik in- brünstig verehren. Der Verein zur Wahrung der gemein- samen wirthschaftlichen Interessen in Rheinland und West- falen, die Nordwestliche Gruppe des Vereins Deutscher Eisen- und Stahlindustriellen, der Verein deutscher Eisen- Hüttenleute sind die Gratulanten. Sie haben alle Ursache, »hm dankbar zu sein.— Häuslicher Zwist. Die Anhänger der Zedlitziade und die Regierungsmänner in den Reihen des Konservatis- mus sind sich in die Haare gerathen. Das„Konservative Wochenblatt*, das Organ des regierungsfrommen Herrn von Helldorff-Bedra, ist in formeller Weise von dem Vor- stand deS Wahlvereins der veutschen Konservativen— im Borstand sitzen die zwei Antipoden Helldorff und Rauchhaupt — und von der konservativen Herrenhaus» Fraktion desavouirt worden. Der Vorstand des Wahlvereins(unter- zeichnet Helldorff und Rauchhaupt) erklärt das„Wochen- blatt*, das gegen die Schulvorlaae Stellung genommen hatte, für ein Privatunternehmen, für welches die Gelder des Wahlvereins nicht verwendet werden; die Herrenhäusler erklären, sie hätten„gar keine Berührung* mit dem„Wochen- blatt*. Daß Herr von Helldorff sich schweigend diese Ab- Fertigung gefallen läßt, ja sie auch noch nnterschreibt, wofür vie„Kreuz-Zeitung* die ätzende Lauge ihres Spottes über Helldorff und seine Leute ausgießt, diese Beugung des Nackens unter das kaudinische Joch ist ein Triumph der konservativen Fronde. Gegenüber dem durch nichts begründeten Jubel der Liberalen über den Schein-Sieg, den sie so wemg erfochten haben, wie der Koburger den Sieg bei Eckernförde, gegenüber der Hintertreppen- Politik der Helldorff ist das starrnackige Festhalten an einer grundsätzlichen Auffassung und eigenen Meinung ein Zeugniß politischen Charakters und politischer Klugheit. Dw Halben, die Kompromißler, die Verschwommenen, sie werden zwischen den zwei Mahl- steinen der prinziviell festen Richtungen erbarmungslos zer- rieben. Zerschneiden die Getreuen des Herrn v. Helldorff das Tischtuch zwischen sich und den alten Deklaranten, so werden die Elfteren an die Wand gedrückt, daß sie quietschen. Wenn die Würfel fallen, stehen nur die großen Gruppen selbständiger Parteien einander gegenüber. Und je ent- schiedener wir den Gegner bekämpfen, desto weniger Anlaß haben wir, ihm die Achtung zu versagen, welche Unab- hängigkeit des Urtheils und Klarheit der Ziele stets ver- dienen.— Kartellbruder schlägt flch— Kartellbruder verträgt sich. Die konservativen, nationalliberalen und sortschritt- lichen Mitglieder des sächsischen Landtages haben eine kleine„R ü t l i s z e n e* aufgeführt und geschworen, gegen die Sozialdemokraten immer zusammenzustehen. Der Schwur war höchst überflüssig. Freilich Joon Zusammenstehen dieser Leute kann nur figürlich die Rede sein. Für die Sozialdemokraten ist es nur von Vortheil, sie hübsch zu- sammen zu haben— um so weniger Zeit kostet es, sie zu- sammenzuklopfen.— . Ein Schwindelfritze. Folgende Notiz geht durch die Zeltungen: Tie„Times* veröffentlichen«inen ihnen von PariS zugehenden Gericht über Aeußerungen, die Fürst Bismarck dieser Tage ewem Besucher gegenüber gethan hat, und zwar bei Besprechung des internationalen Eozialkongresses in Berlin:„Ein groß- stnnigcr junger Herrscher, bezaubert von dem Großen und schönen,"schreitet eifrig in den Fußstapfen Josephs II. einher. um die Welt zu resormiren, ihre Uebel und Schwächen abzu- stellen. Er wird mißverstanden und seine Handlungen sind nicht richtig eingerichtet. Die Sozialisten, von denen er er- wartete, daß fle mit ihm die Plutokralie bekämpfen würden. verabscheuen ihn. Die Nationalliberalen, denen er von Ruhm und Baterland gesprochen haste, sehen ihn alz zu schwankend an, während die intelligentesten von ihnen erbost sind, daß sie JJlcht in die Regierung des Reiches berufen sind. Und jetzt beleidigt unser Kaiser sogar die Konservativen, die festen Stützen des Thrones und Altars, weil er— und sehr mit Recht— uor ihren hohen Forderungen zurückschreckt. Sein alter Kanz- wr, der Gründer des neuen Reichs, sagte ihm dies vorher, als er den Sozialkongreß unternehmen wollte:„Ew. Majestät werden sehen*, sagte der Kanzler vor seinem Rücktritt,„daß die Arbeiter, welche Sie zu erheben und zu trösten hoffen, mehr undankbar als höflich sein werden. Sie werden Ew. Majestät steinigen, sobald sie sehen, daß Ew. Majestät ebensowenig wie wgend Jemand sonst ihnen Heinrichs IV. traditionelles Huhn w» Tops» geben kann. Sie werden sogar sehen, daß sich die «zenen von 184» wiederholen.* Der ungeduldige Reformer wollte aus nichts hören...* ... Verlogen genug sind die Aeußerungen, um echt sein zu rönnen. Daß der Kaiser sich gegen die Plutokratie auf die So- »laldemokraten hätte stützen ivollen, ist eine so groteske Lüge, »n er ihr über»verde»» sollte.— Präs.: Das klingt Alles sehr unwahrscheinlich. Wann begaben Sie sich dann nach der Bicste'schen Wohnung?— A n g e k l.: Es muß gegen halb zehn Uhr geivesen sein.— Präs.: Nun erzählen Sie mal, was sich bei Bieste ereignete.— Angekl.: Als die Schütt hinein- gegangen»var, blieb ich draußen und hielt mich hinter einem Zaun versteckt, bis die Schütt mir ein Zeichen dllrch Klopfen gegen die Thür gegeben hatte. Als dies geschehen»var, ging ich hin. Die Schütt faßte»nich um und zog mich hinein auf den buuklen Korridor. Sie drückte mir das Beil in die Hand und flüsterte niir zu:„So nun geh hinein und thue es." Ich sagte:„Nein, nein, ich kann es nicht." Sie»vollte mir noch einmal das Beil in die Hand drücken, ich»veigerte mich aber und da sagte sie: Sei nllr rilhig, bleib nur hier. Du brauchst nichts zu machen." Ich blieb auf den, dunklen Korridor stehen und sie ging wieder in die Stube hinein und steckte die Lampe an. Gleich darauf hörte ich mehrere Schläge fallen. Dann kam die Schütt»ind winkte mir, worauf ich in die Stube ging. Bieste lag in» Bette mit einer großen Kopfwunde, auch die Schütt»var voll Blut.— Präs.: War Bieste todt?— Angekl.: Zuerst glaubte ich es, dann sah ich aber, daß er noch schiver athmete und röchelte. Die Schütt sagte, ich sollte ihn vollständig mit den, Messer todtstechen, aber ich konnte es nicht. Die Schütt zeigte mir dann, wie sie gestanden und»vie sie geschlagen hatte. Die Angekl. Schütt bestreitet, daß sie ein Mester gehabt und damit geschlagen habe. Was die Schütt über die nächsten Vorgänge nach der That erzählt hat, giebt Ruttke im Allgemeine» als richtig zu. Das Geld habe er bei der Schütt gelassen,»veil dieselbe gesagt hatte:„Da können wir ja 3 Monate von leben, wenn wir ve»heirathet sind."— Präs.: Was haben Sie für sich»nitgenommen?—'Angekl.: Ein paar Kisten Zigarren, etwa? Butter und Pökelfleisch.— Präs.: Wo ist denn nun eigentlich die Uhrkette geblieben?— Angekl.: Die habe ich ver- loren, die Uhr habe ich aber der Schütt gegeben, damit sie dieselbe ihren Stiefvater schenken solle.— Präs.: Als die Schütt nun ab- gereist war, sind Sie erst nach einem Lokal gegangen, dann sind Sie in angetrunkenem Zustande in»„Goldenen Hirsch" gesehen»vorden.— Angekl.: Aber getanzt habe ich nicht, ich war nicht dazu auf- gelegt.— Präs.: An demselben Tage sind Sie dann auch noch wieder in den Besitz Ihrer eigenen Uhr gekommen, welche ver- setzt war, und welche Sie mit 10 M. aus dem Biefte'schen Geld« einlösten.-Angekl.: Ja.- P r ä s.: Sie behaupten, daß Sie beim Verlassen des„Goldenen Hirsch" hingeschlagen seien und sich eine Verletzung zugezogen hätten?— A n g k l.: Ja, ich weiß nicht, was da m,t mir passtrt»st.— Präs.: Am nächsten Tage find Sie dann den ganzen Tag bei Britz gewesen und sind erst Nachts nach Hause gekommen. Wie erklären Sie nun die Blutflecke, die an der Innenseite der Weste vorgefunden sind?— Angekl.: Das waren sehr alte Flecke.-Präs.: Ueber die Blutflecke an den Hosen, am Rock u. s. w. haben Sie auch die aller- verschiedensten Angaben gemacht, Sie haben von Hundeschlachten, Schweineschlachten bei Ihrem Schwager und anderen Ver- anlassungen gesprochen.— Angekl.: Ich kann nicht»mffen, wo die Blutflecke herkoinmen; es mag ja auch sein, daß sie von der Verletzung stammen, die ich beim Hinfallen erhalten hatte.— Präs.: Wollen Sie noch die Behauptung aufrecht erhalten, daß Sie von der Schütt aufgeredet worden seien und diese Jhnm immer zugerufen habe:„Ernstchen. sei nur nicht ängstlich. Fasse nur Muth, wenn'? schief geht, nehme ich Alles auf mich."— Angekl.: Das hat sie gesagt.— Präs.: Sie hatten auch behauptet, daß das Hemd der Schütt über und über mit Blut besudelt worden sei, als sie den Mord verübt habe. DaS Hemd ist nun aber keinesivegs so stark besudelt.— Angekl.: ES ist möglich, daß ich jhre blutigen Hände gesehen und mich getäuscht habe. Damit ist die Vernehmung der beiden Angeklagten beendigt und es folgt die Beweisaufnahme. Zunächst»vird der Polizei-Jnspektor Jäckel auS Köpenick ver- nommen, welcher feine Wahrnehmungen über den lokalen Befund mittheilt. Der folgende Zeuge, Engel, ist Eigenthümer deS HauseS.»»» welchem Bieste wohnte. Der Letztere sei ein sehr zurückhaltender und vorsichtiger Mann gewesen, der sich einige tausend Mark er- spart hatte. Auch der Angeklagte Ruttke sei ihm bekannt, da derselbe vor etwa zwei Jahren bei der Aufführung seines Hauses, in dem die Mordthat geschehen, geholfen habe. Ruttke mußte deshalb die Bieste'sche Wohnung genau kennen. Als der Zeuge zuerst mit dem Polizei-Jnspektor Jäckel die Bieftestche Schlafstube betreten habe, sei er anfänglich der Mei- nung gewesen, daß das Bett leer se», erst beim Nähertreten habe er die Leiche in der unteren Hälfte desselben bemerkt.____ Profestor Falk begutachtet, daß die tödtlichen Schläge m»t der stumpfen Seite des Beiles geführt sind. Der Sachverständige hat ebenfalls die Angeklagte Schütt auf ihren Geisteszustand unterslicht, aber keine Veranlassung gehabt, zu der Annahme zu gelangen, daß ihr Geist getrübt sein könne. Gerichtschemiker Dr. Bein hielt einen längeren Vortrag über die Verschiedenheit der Blutkörperchen, den er durcd Zeich- »ungen deutlicher zu inachen sich bemühte. Seine Ausführungen gipfelten dahin, daß das an den Kleidern des Ruttke gefundene Blut mit größter Wahrscheinlichkeit Menschenblul sei und aus nächster Nähe auf die Kleider gespritzt sei», müsse. Amtsrichter Dr. Riedel aus Köpenick, der die erst« Ver- nehmung der Angeklagten vorgenommen hat, hat«in anderes Geständniß nicht erzielen können, wie es Ruttke auch in der Verhandlung abgelegt hat. Es»verde»» verschiedene Zeugen vernommen, welche die An- geklagten am Abend des 30. Dezember auf dem Wege zur Biefte'schen Wohnung gesehen haben, dieselben haben nicht de- merkt, daß Ruttke etivas in der Hand getragen hat, dagegen habe» einige Personen bemerkt, daß er den Rock zugeknöpft trug. Wie bereits erivähnt, hat der Angeklagte behauptet, daß die an seinen Kleider» gefundenen Blutslecke» von einer Schlägerei herrühren könnten, in welche er am Sylvesterabende verwickelt worden sei und bei der er eine Wunde davongetragen habe. Vo» den hierüber vernommenen Zeugen bekunden«»mge, daß sie an jenem Abende »vohl an dem Angeklagten eine Beule oberhalb des AugeS, aber keine blutend« Wunde»vahrgenonnnen haben, während andere Zeugen bestätigen, daß Rüttle blutete. Da der Angeklagte ferner behauptet, daß er kurz vor der That einen H»tnd geschlachtet hat, so»verde» auch hierüber emige Zeugen vernommen,»velche die Angaben des Angeklaaten bestattgen. Auch wird von einem Zeugen bestättgt, daß Ruttke ihm kurz vor Weihnachten beim Schiveineschlachten geholfen hat, seine Thätig- keit habe sich aber darauf beschränkt, Wurst zu essen.(Heiterkeit.) Es»vird auf die Vernehmung aller übrigen Zeugen verzichtet und die Beweisaufnahme geschlossen. Die Fragen gehen dahin, ob jeder der Angeklagten des Mordes und des qualifizirten Raubes schuldig s«. Die Ver- theidiger stellen den Antrag, für jeden der Angeklagten die Unterfrage zu stellen, ob nicht nur Beihilfe durch Rath und That vorliege. Der erste Staatsanwalt Lademann führt an der Hand der Betveisaufnahme aus, daß es für die Gcschivorenen darauf ankomme, zu entscheiden, welchem von den beiden Ge- ständnissen der Vorzug zu geben sei. Er seinerseits sei der Ueberzeugung, daß beide Angeklagt« die That aus die An- regung des Ruttke gemeinsam geplant und gemeinsam ausgeführt hätten. Wenn man die Persönlichkeiten der beiden Angeklagten und deren Vergangenheit ins Auge fasse, so rönne »vohl kein Zweifel darüber sein, daß das Bekenntmß der Schütt der Wahrheit am nächsten komme und daß Ruttte die tödtlichen Schläge führte, während die Schütt dabeistand. Er bitte die Ge- schworenen, beide Angeklagten»nit gleichem Maße zu messen und dementsprechend ihren Wahlspruch abzugeben. Die beiden Verlheidiger sind der Natur der Sache nach dar- auf angeivicsen, jeder für sich dem Klienten des andern die eigentliche Mordthat znzuschieben und den eigenen Klienten als den eigentlich glaubivürdigen darzustellen, der nur die Bei- Hilfe geleistet. Stach 6 Uhr ziehen sich die Geschworenen zur Berathung zurück. Die Berathung der Geschworenen dauerte dreiviertel Stunden. Durch den Wahrspruch werden beide Angeklagte des gemeinschaft- lichen Raubmordes für schuldig erklärt. Der Gerichtshof erkennt demgemäß gegen beide Angeklagte auf die einzig zu- lässige Todes st rafe nebst Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte. — Beide Angeklagte nehmen das Urtheil ohne irgend welche Er- regung entgegen. Die Frage des Vorsitzenden, ob sie noch»rgend etivas zur Entlastung ihres Geiviffens»»zuführen haben, verneinen beide Angeklagte. Unmittelbar nach Schluß der Verhandlung treten zwei Brüder des Ruttke an die Anklagebank, um mit thränenden Augen Abschied von deinselben zu nehmen. Der Aeltere macht»hin mit laut tönender Stimme lebhafte Vorwürfe über die Schande, die er über die ganze Familie gebracht habe und ruft ihin wiederholt zu:„Das kommt blos von dein Frauen« ziinmer her! Ich habe Dir immer gerathen. Dich zu verheirathen, hättest Du es doch gethan." Erst jetzt fing auch Ruttte zu schluchzen an, dann wurde ihm wieder das Eisen um die Haiiv- gelenle gelegt und er wanderte in feine Zelle zurück. Eine Anklage wegen Vergehens gegen die öffentlich« Ordnung gelangte heule vor der zweite» Strafkammer des Landgerichts l gegen den Malergehilfen Viktor Buhr zur Verhandlung. Ain 3. Januar d. I. fand in einen» hiesigen Lokale«ine össent- liche Versammlung statt,»velche von Personen beiderlei Geschlechts und auch von K»uder>i besucht war. Den Vortrag hielt der Drechsler Sündermann über das Thema„Das Arbeiterelend und der Kampf ums Dasein". Dir Ausführungen des Vorwagenden gaben dem überwachende», Polizei- Lieutenant keine Ver- anlassung zu irgend einer Anzeige. Anders war es dagegen, als der Angeklagte das Wort ergriff. Er be- zeichnete die Ausführungen des Vortragenden als viel z» zahm und empfahl stärkere Mittel, um dem Arbeiter zu einem menschenivürdigen Dasein zu verhelfen. Nur Gewalt müsse ent- scheiden und nach dem Straßenkampfe fei der Streik daS wi� Tamfte Mittel. Man müsse die Kohlenausfuhr verbieten und bann einen Weltstreit ins Leben rufen. Die ganze Rede des An- arbeiter. Deffentliche aber antal, it- toabit 80/81. Bortrag des Genoffen ich war Alle in Holzbearbeitungs- Fabriken und auf Holzpläken beschäftigte| Die traurige Ratastrophe erfolgte so rafch, daß Hilfe faft unmög Bersammlung mit Frauen heute, Sonntag, Abends geflagten soll nach der Bekundung der Belastungszeugen einen Th. Wegner über: Die Ethit der heutigen Gesellschaft". Der katholische Pfarrer Springer von Dberigling, der höchst aufreizenden Charakter gehabt haben. Der Staatsanwalt Allgemeiner Arbeiterinnenverein Berlins und Umgegend( Filiale durch seine Rolle in einer türzlich stattgehabten Gerichtsverhandbeantragte gegen den Angeklagten eine Gefängnißstrafe Moabit). Heute Nachmittag 4% Uhr Versammlung bet Herrn Herzog, Strom lung wegen Bergebens bezüglich der Beurkundung des Personenvon vier Monaten und der Gerichtshof erkannte nach ftraße 28: Bortrag des Herrn 2. Henning über:" Die Sintfluth". diefem Antrage. Berliner Nagelschmiede. Heute Vormittag" 11 Uhr bei Setfe, Sichten- standes bekannt geworden ist, hat sich vorgestern Nacht erschossen. bergerstr. 21: Generalversammlung. Auflösung des Vereins. Unter den ausgewiesenen russisch- jüdischen Familien Ethische Gesellschaft. Heute Abend 7 Uhr Kommandantenstraße 77/79 in den Auswanderungsbaracken Eydkuhnens wüthen Scharlach Der zur Gruppe der„ unabhängigen" Sozialisten ge-( Bratweils Bierhallen), Vortrag des Herrn Dr. Karl Binn übrige et und Diphtheritis in der ärgsten Weise. Die Baracken mußten Berirrungen im Mittelalter". Dienstag, den 5. April, Abends Uhr, hörige Tapezier Ernst Biester hatte sich gestern wegen wieder- Geefeld, Grenadieritr. 33: Generalversammlung. Nur Mitglieder haben Zutritt. geräumt werden, ca. 80 Familien wurden nach Rußland zurückholter Majestätsbeleidigung vor der II. Straffammer des hiesigen Quittung legitimirt. befördert. Landgerichts I zu verantworten. Der Angeklagte hatte in einer vortrag des Herrn Henning über: Das Zeitalter der Inquifition". Freireligiöse Gemeinde. Heute Bormittag 10% Uhr Rosenthalerstr. 88: Wieder eine unschuldige Verurtheilung. Aus Wien Versammlung von der Aufreizung zum Klaffenhaß gesprochen Deutscher Tischler- Verband( Siz Stuttgart), 3 a blstelle Berlin 78. meldet der Telegraph: Im Jahre 1885 wurde im steirischen Beund dabei auch einer Aeußerung Erwähnung gethan, welche der geben Sonnabend, von 8-10 Uhr werden in folgenden Zotalen Beiträge zirk Berffeld der Bauer Holzbauer vom Grazer Schwurgericht Kaiser in einer Ansprache an die Rekruten in Potsdam gebraucht fit und neue outlieber aufgenommen Stemer, Guvryftraße 17; Gam, wegen Mordes zum Tode verurtheilt. Nachdem der Berurtheilte, faffirt Koppenstraße 43 e; Hente, Es war darauf hin das Verfahren wegen Ritterfir. 123; Scheuer, Gneisenaustraße 35; Kizing, Bülowfir. 52; Holzbecher, welcher zu zwanzigjährigem Kerker begnadigt worden war, sieben Majestätsbeleidigung gegen Biefter eingeleitet worden. Trotz- Dreyfeftr. 8; Gleinert, Fenn- und Müllerstraßen- Ede; Gnadt, Brunnenstr. 38 Jahre im Gefängniß zugebracht hatte, ist nunmehr infolge neuerer dem hat er an Gerichtsstelle von der Anklagebant aus Schmidt, Tresckow- und Diedenhofenerstraßen- Ece; lein, Schönleiner Recherchen seitens der Gendarmerie seine Unschuld an den Tag diefelbe Redewendung laut wiederholt. Es wurde damals vom raße 3.Haafe, Königgrägerstr. 47; Brüdner, Lothringerstr. 67 und Golz, GrünauerDas Eintrittsgeld beträgt 30 f.( wofür Statut), der wöchentliche gekommen. Der oberste Gerichtshof hat sofort die Freilassung des Gerichtshofe eine sofort zu vollstreckende Ordnungsstrafe von Beitrag 15 Pf.( inkl.„ Neue Tischler- Bettung"). Die Zusendung der Zeitung unschuldig Verurtheilten verfügt. Und wenn der Unglückliche 3 Tagen Haft über ihn verhängt. Gestern wurde er wegen der erfolgt durch Spediteure fret ins Haus. beiden Majestätsbeleidigungen zu 1 Jahr Gefängniß verkaufer, Nachmittags 3 Uhr, Schneetoppe, Noftiaftr. 29. Sozialdemokratische Lese- und Diskutirklubs. Sonntags. Max hingerichtet worden wäre, was dann, Ihr grundgelehrten Herren vom Jus? urtheilt. Arbeiter- Sängerbund Berlins und Amgegend. Sonntag von Aus Amerika. Nach New- Yorker Meldungen hat in der 2-4 Uhr: Uebungsstunde. Aufnahme neuer Mitglieder. Gesangverein ber Glas arbetter au Stralau„ Borwärts 7" Hummelsburg, bet Borg Dynamitfabrit in Bessemer( Alabama) eine Explosion stattmann.- Borwärts 8, Friedrichsberg, Berlinerstr. 10, bei Momber. gefunden, durch welche 6 Personen getödtet wurden und zahlreiche Uhr: uebungsstunde. Aufnahme neuer Mitglieder. Arbeiter- Sängerbund Serline und Umgegend. Montag, Abends Gebäude in Brand geriethen. Die Erschütterung wurde auf eine Norddeutsche In den nordwestlichen Schleife, Naunynftr. 86 bet Zubeil. Bieber luft, Fichteftr. 29 bei Entfernung von fünf Meilen verspürt." fuel ber Water und verwandten Berufsgenossen Annenftr. 14 bet Chren gerichtet. Biele Personen sind getödtet, ganze Ortschaften nahezu Krösche. Senefelder, Judenstr. 55 bet Trieschmann. Steder Staaten wurde durch Wirbelwinde bedeutender Schaden anberg.- to abiter Sieberta fel, Wilhelmshavenerftr. 25 bet Brosch. In Towanda sind sämmtliche Gebäude zerstört, zerstört. Landsbergerstr. 31 bet Musehold. Tonblüthe, Görligerftr. 68 bet Tolksdorf. Blüthe, Prenzlauer- Allee 26 bet Riebel. 20 Personen getödtet; auch die Stadt Angusta ist schwer heimftraße Dr. 43 bet Reimann. Sängerchor der Chirurgischen Branche, Alte Schönhauser- gesucht, 4 Personen blieben todt. In der Grafschaft Buttler Ueber Bismarckhöhe, Wilmersdorferstr. 8o.- Gängergruß, Friedrichshagen( Kansas) fanden ebenfalls große Verheerungen statt. bet Blant. Froh' Hoffnung der Zimmerer Berlin West. Chicago ging ein Wolfenbruch nieder, durch welchen verschiedene burg, Charlottenburger- ufer 3b bet Benzin. Gleichheit, Pappel- Alee 3-4 bei Struse. Die yra 2, Charlotten Gebäude zerstört und zwei Personen getödtet wurden, Gängerhatn, Reichen bergerstr. 21 bei Paghold. Sotosblume, letne turstraße 10 bei fruchtbarsten Gegenden von Nebraska wurden in einer AusKanzow. dehnung von 50 Meilen von einem Sturme heimgesucht. Der Sund der geselligen Arbeitervereine Serlins und Umgegend, Sturm dauert fort, die Verbindungen mit Illinois sind unterSonntag: Privat- Theatergesellschaft und Artistentlub umor, bei Sabeck, Fürbringerstr. 7.- Privat- theatergesellschaft Bustspiel bet Giegemund, brochen. Eisenbahnstr. 20. Theater- und Artiftenflub Jugendtraft 2 bei Ritter, Mauerstr. 86. Theaterverein Borussia bet Odert, Beughofstr. 8. Gefelliger Verein Neue Welt bet Strohschänt. Rytestr. 48. Bund der gefelligen Arbeitervereine Berlins und Umgegend. Montag: Theaterverein Proletariat bei Röhn, Naunynjtr. 83. Blaue Quaste bet Dubeck, Pflugstraße 16. Rauchtlub Deutscher michel, Koppenftr. 43c. Ein Nachtrag zu dem Krawallprozeß beschäftigte gestern Die zweite Straftammer hiesigen Landgerichts I. Der Schmied Paul Schulze stand wegen Landfriedensbruchs, Diebstahls und Unterschlagung vor dieser Straftammer. Er konnte mit dem Gros seiner Genossen, welche vor Sturzem abgeurtheilt worden sind, nicht vor den Strafrichter gestellt werden, weil es erst nachträglich bekannt geworden war, armonte daß er bei den Unruhen in der Langenstraße die Rolle des Hauptkrakehlers gespielt, mit Knütteln die Schaufenster eingeschlagen und eine Uhr gestohlen hatte. Er war am 25. Februar mit blutenden Wunden am Kopfe nach Hause gekommen und hatte erzählt, daß er von den Säbeln der Schuhleute fo arg zugerichtet worden sei. Der Gerichtshof verurtheilte den Angetlagten zu 8 Jahren 6 Monaten Gefängniß. Versammlungen. In Rigdorf fand am 30. März, dem Vorabend der Kommunalwahlen, noch einmal eine vom sozialdemokratischen Wahlkomitee einberufene Wählerversammlung statt, in welcher Genoffe Bütgenau referirte. Das Referat wurde nit lebhaftem Beifall aufgenommen. Scharf mitgenommen wurde das Wahlprogramm der Gegner, der vereinigten Hausbesitzer und Miether, das die Interessen dieser beiden Gruppen für identisch erklärt. An der Debatte betheiligten sich die Genossen Schent, Röppen, Regerau und Andere und außerdem einer der Gegenfandidaten, Herr Hesse, der sich als Anhänger der Sozialdemokratie bekannte und dringend bat, dem von den SozialDemokraten aufgestellten Kandidaten Herrn Müller die Stimmen zu geben. Diese Erklärung rief große Seiterkeit hervor, doch wurde Herrn Hesse klar gemacht, daß er, wenn er Sozialdemokrat fein folle, fich nicht von einer anderen Partei aufstellen lassen bürfe und gegen eine ohne seinen Willen geschehene Aufstellung hätte protestiren müssen. Im übrigen fand man es ganz vernünftig, daß Grundbesitzer und Nichtgrundbefizer dahin übereingekommen waren, einen Sozialdemokraten zu wählen, einen Anhänger der Partei, die den Klasseninteressen ein Ende macht und den allgemeinen Fortschritt vertritt. Recht kennzeichnend für den sogenannten Unabhängigen, daß sie gleichzeitig, also in legter Stunde, eine Versammlung gegen die Wahlbetheiligung mit irreführender Ginladung einberufen hatten; dieselbe war indeß spärlich besucht. Freier Diskutivosrein. Montag Abend 8% Uhr, Marfgrafenftr. 88, Naturwissenschaftlicher Bortrag. Mordschule, Müllerstraße 179. Seute pünktlich s ubr Abends: Darwin und feine Lehre( Seleftionstheorie eriter Bortrag). Verband der in Holzbearbeitungsfabriken und auf Holzplätzen beSchäftigten Arbeiter Deutschlande( Ortsverwaltung Berlin 1). Diontag, ben 4. 5. M., Mitglieder- Bersammlung bei Säger, Grüner Weg 29. flandswahl und Wahl eines Delegtrten zur Generalversammlung. Wor Erete Vereinigung der Graveure und Ziseleure. Montag, den 4. April, Abends 8 Uhr, Dresdenerftr. 45: Bortrag bes Herrn Kundel. Freie Vereinigung der Kaufleute. Jeden Montag geselliges Bet fammensein bet Bodenburg, Kommandantenftr. 10-11. Freitag, den 8. April, Bersammlung bei Feuerstein, Alte Jakobstraße 75. Näheres Annonce und Säulenanschlag. Arbeiter- Gefangverein Nord". Montag, den 4. b. M., Abends 9 Uhr, Generalversammlung und Borstandswahl bet Gnadt, Brunnenstr. 38. Sumanistische Gemeinde Berlin. Seute um 10 Uhr Jub.läumsvortrag Kommandantenstr. 79.- Morgen, Abends 8% Uhr, Rosenthalerstr. 38: Gefellige Jubiläumsfeter. Schönleinstr. 6. ftraße 150. 2 -O Morgenroth Charlottenburg, Gesang, Turn- und gesellige Vereine. Sonntag. Privat- Theatergesellschaft al balla, jeben Sonntag Nachmittag 5 Uhr Restaurant Lautenbach, Cuvryftraße 77. Sonntag 4 Uhr bet Chitfted's, Manteuffeljer. 46. Privat- Theatergesellschaft Brectofa jeden Bergnügungsverein Nord, Nachmittags 5 Uhr Fennstr. 5 bet Krüger. Bergnügungsverein Germanta, alle 14 Tage Versammlung Linten Tambour- und Vergnügungsverein Gut Sett, alle 14 Tage bei Wendt, Schleiermacherstr. 2. 8wiebelfische, Nixdorf, Abends 9 Uhr in Barta's Botal, Berliner Gefang-, Turn- und gefellige Vereine. Montag. Gefelliger Verein traße 120. Bergnügungsverein Freundestreue, jeden Montag bei Möring, Admiralftr. 18c. Bitheitlub Freiheitettänge, jeden Montag Abend bet E. Frante, Apostelfirche 7b. Pfeifentlub Felsen fest, abends a Uhr, Bofenerstraße 15, Restaurant Schuitpels. rangelfir. 141. Rauchtlub Brüderlich fett, Abends 8-11 Uhr bet Wilt Schmidt, Sprechfaal. Die Redaktion stellt die Benutzung des Sprechsaals, soweit der Raum dafür abzugeben ist, dem Publikum zur Besprechung von Angelegenheiten allgemeinen Interesses zur Verfügung; fle verwahrt sich aber gleichzeitig dagegen, mit dem Inhalt desselben identifizirt zu werden. Den Genossen im Norden zur Nachricht, daß die 2 M., welche im Lotale Fennstr. 17 zum Maifonds gesammelt wurden, von Frau Gaede am 6. Mai abgeliefert und mit den gesammelten Fonds des Vereins der Gast- und Schankwirthe Berlins und Umgegend zu gleichen Theilen an die Kommission in Hamburg sowie an August Bebel gelangt find. Fr. Zubeil, Naunynstr. 86. Vermischtfes. Depeschen. ( Depeschen des Bureau Herold.) Mülheim, Rhein, 2. April. Bei der Ge verbegerichts- Wahl für die Bürgermeistereien Mülheim und Merheim wurden nur Sozialdemokraten, und zwar zehn, gewählt. Von 1800 Wählern waren 1500 Sozialdemokraten. Stockholm, 2. April. Sämmtliche Gifengrubenarbeiter im Bergdistrikte Grängesberg werden am 9. April die Arbeit niedernicht die Forderungen der dortigen streifenden Grubenarbeiter legen, wenn die Grubenbesizer im Bergdistrikte Norberg bis dahin bewilligt haben. Man befürchtet einen allgemeinen Ausstand der Grubenarbeiter im mittleren Schweden. ( Wolff's Telegraphen- Bureau. Prag, 2. April. Der Beschluß des böhmischen Landtags, der die Errichtung eines Comenius- Denkmals abgelehnt/ hat, be treffend die Aufstellung der Büfte des Amos Comenius im Landesmuseum sowie die Einrichtung eines Comensky- Gymnasiums" hat sich nur zufällig ablehnend gestaltet. Noch im Laufe der Session wird die Angelegenheit im Sinne der Antragsteller erledigt und die heutige Abstimmung forrigirt werden. " 1 Paris, 2. April. Nach einem amtlichen Telegramm aus Tongfing sind die befestigten Positionen der Rebellen in der Provinz Jen tse nach mehreren Kämpfen genommen worden. Auf französischer Seite blieben 20 Todte, darunter 3 Offiziere. London, 2. April. Die Times" melden aus Buenos- Ayres von heute: Die Polizeibehörde hat die Verhaftung aller jener Personen anbefohlen, die zur Rebellion aufreizen oder aufrührerische Rufe ausstoßen. Der Kriegsminister hat Befehl gegeben, daß zwei Schwadronen Kavallerie und zwei Batterien Artillerie in die Stadt einrücken, um die Polizei am Sonntage zu unterstügen. Diese Maßnahmen haben eine gewisse Beunrubigung bei den Radikalen hervorgerufen, welche ihre Parteigenossen auffordern, Beleidigungen der Polizei zu vermeiden. große Speicher, welcher sich auf der Spize des KaiserDurch eine Fenersbrunft wurde in Hamburg der Briefkaffen der Redaktion. A. K. in G. Ihre Fragen find an unseren Rechtsanwalt Diskutirklub der Sausdiener. Seute Abend 7 Uhr, öffentliche Ber Quais befand, in Asche gelegt. Der Schaden wird auf mehrere geschickt, die Beantwortung ist aber noch nicht erfolgt. fammlung mit Damen in den Armin- Hallen, Kommandantenstraße 20, Millionen geschätzt. Bortrag. Ein Feuerwehrmann wurde schwer ver- E.$. Magdeburg zählte nach der Volkszählung vom legt, wird vermißt. aschinisten und Heizer Berlins. Seute Nachmittags 5 Uhr, Bortrag der Hausinspektor In Hoch 1. Dezember 1890 202 235 Einwohner; wie viel hiervon auf die. mit Experimenten des Technikers Pieau über Atmosphärische Glettrizität in speyer steht die große chemische Fabrit in Flammen. Vorstädte kommen, können wir Ihnen augenblicklich nicht sagen, Schultheis Braueret, Neue Fatobftr. 24-25. Wegen der großen Size müssen die vorüberfahrenden Eisenbahn zumal wir auch nicht wissen, welche Stadttheile Sie zu den VorOeffentliche Versammlung für Männer und Heute NachDer Brand foll städten zählen, ob nur die in den letzten Jahren, oder auch die mittags 6 Uhr Vortrag des Genoffen Roblenzer im Restaurant Otto Meth, süge auf eine andere Strecke geleitet werden. durch Umfallen eines Mastes der elektrischen Beleuchtungsanlage schon früher einverleibten Vorstädte. Zentralverband der Bau- Arbeiter und Gerufsgenossen Deutsch entstanden sein. In Posen verunglückte bei einem Hausbrande Dr. C. P. Wir müssen wissen, worauf sich insbesondere lande. Mitglieber- Berfammlung ni Sonntag ben 8., fondern Sonntag, eine Frau mit ihren 5 Kindern, als sie aus dem 4. Stockwerk in Ihre legte behauptete Thatsache begründet. Ohne Beweismomente ben 10. April, Bormittags 11 Uhr, bet Säger, Grüner Weg 29. Lauerfir. 57. Montag, den 4. April, Abends 9 Uhr: Sigung. Verein Souvenir( ehemalige Böglinge bes franzöfifchen Sofpice) Stra- das Sprungtuch sprangen. Die Frau und eine Tochter sind bereits ver- erscheint Ihre Einsendung unverwendbar. storben, die anderen Kinder sind mehr oder minder schwer ver- Dobberstein( Mecklenburg). So verworfen" sollen die PostKranken- und Sterbekaffe der Maler( Filiale 4, Berlin W). Montag, lett. ben 4. April, Abends 8 Uhr, Bersammlung im Restaurant Hämmerle, BülowUeber das furchtbare Brandunglück, welches aus Frei- beamten gar nicht sein, wie wir sie schildern? Wir halten die Straße 59: Staffenbericht und Delegirtenwahl. burg i. B. gemeldet wurde, wird der Frankfurter Zeitung" Postbeamten für nichts weniger als verworfen, wir wissen aber, Verein Berliner Portiers und Berufsgenoffen. Generalversammlung noch berichtet: Erstickt oder verbrannt sind Kameral Assistent daß es ihnen mehr darum zu thun ist, bei ihrem angestrengten ane Montag, ben 4. April cr., Abends& Uhr, wartgrafenstraße 87 bet Weigt: Lederle und Frau, fünf größere Kinder, sowie das kleine, das Dienst einen Ruhetag zu erhalten, als daß man ihnen ein paar Bierteljahresbericht. Arbeiter- gildungsschule( Süd- Ost- Bezirt). Heute, Sonntag, Abends während der Katastrophe zur Welt kam. Lederle wurde am freie Stunden gewährt, um die Kirche zu besuchen. Wir wissen, Gruhr, bei Feuerstein, Alte Jakobftraße 75( oberer Saal): Vortrag des Bahn Fenster zusammengekauert vorgefunden. Ein Kind des Redakteurs daß wir Ihnen einen großen Gefallen thäten, wenn wir Ihren arates Herrn Paul Ritter über:" Bahn- und Mundkrankheiten und deren Be- Stefefeld starb deutung". an einem Schädelbruche. Mehrere andere Namen nennen würden. Wir haben aber gar nicht das Bedürfin Kürschner's Restaurant, Dalldorferstr. 40. Abends 9 Uhr. Bergnügungsverein Deutsche Treue". Montag Generalversammlung Personen trugen beim Rettungsverfuch Arm- und Knochenbrüche niß, Sie, strebsamer Postbeamter, als frommen Mann Ihren davon. Zwei große Familien, die ebenfalls im Hause gewohnt Borgesetzten zu empfehlen. Wo die Tüchtigkeit nicht zur Be Ortskrankenkaffe der Lachirer. Montag, den 4. April cr., Abends des Herrn Dr. Zabet. Borstands- Erfahwahl. Suhr, Generalversammlung bei Sen. Röllig, Neue Friedrichstr. i Bortrag hatten, zogen vor zwei Tagen aus, tönnen also von Glück fagen. förderung oder zu Gratifikationen führt, versucht man es mit Ueber die Entstehungsursache ist Genaues noch nicht bekannt. I der Heuchelei und Speichelleckerei! Mittheilung. Neumann's Mädchen Mäntel- Haus! Mädchen- Mäntel und Jackets für das Alter von 1-17 Jahren. Ausstellung von 350 Modellen aller Genres in 5 Schaufenstern. Detail- Verkauf zu Engros- Preisen. Eröffnung: Dienstag, den 5. April d. J. Kommandantenstr. 67 part. u. I. Etage, Ecke Alte Jakobstr. 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Steuer- Berufungen fertigt Ranarienhähne, feine Sohlroller, og Rind- und Schweineschlächterei saub. Rock- u. Hoſenſchneider verl. 2056b Frol. Schlafft. Reichenbergerstr. 151 22676 bei Delitzsch. 22686 Zither- Unterricht, ertheilt 22.1. straße 24. Julius Türt. Wrangel Meine Wohnung ist jetzt S. W. Solms Henkel, Hornftr. 19, v. 3 r. Einen Drechslerlehrling verlangt 2166L 2276b Törmer, Blumenstr. 19. Don Wilhelm Schulz, Alexandrinenstr. 81, empfiehlt sich den Ge noffen zur gefl. Beachtung. Achtung, Schneider! Die Arbeiter der Werkſtelle der Firma Solms n. Husfeldt, Friedrichftraße 64, befinden sich im Ausstande wegen Regelung des Plazgeldnehmens. Wir fordern alle Kollegen auf, keine Arbeit in diesem Geschäft anzunehmen; gleichfalls ersuchen wir, wenn unter dem Namen Padack, Friedrichstraße 64, Arbeiter verlangt werden, nicht auzufangen, da dieser der von der Firma bestimmte Platzmeister ist. 179/16 Die Agitations- Kommission. Tapezirer! Große öffentliche Versammlung am Dienstag, den 5. April, Abends 81/2 Uhr, bei Feuerstein( oberer Saal), Alte Jakobstr. 75. Zages Ordnung: Große öffentliche Versammlung Dem rothen August Schmidtke ein dreifach donnerndes Hoch zu seinem 28. Wiegenfefte. 2265b aller i. d. Papierindustrie beschäftigten Arbeiter u. Arbeiterinnen unserem Freund Paul Fierenkranz Montag, den 4. April, Abends 8 Uhr bei Scheffer Inselstr. 10. Zages Ordnung: 1. Bericht des Delegirten vom Gewerkschaftskongreß. 2. Diskussion. 3. Abrechnung vom Gewerkschaftskongreß. 4. Verschiedenes. zu feinem 40. Wiegenfeste ein donnerndes Hoch, daß die Kellerfenster flirren. Na Brodmann nu laß Ußen einschenken 254/20 22466 Die Kollegen M. M. M. N. B. Z. S. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht Der Einberufer. Deffentliche Versammlung für Frauen und Männer Sonntag, den 3. April 1892, Abends 7 Uhr, in Schneider's Salon Proskauerstraße 37/38. Vortrag des Genossen Strikkowsky über Ursache und Abhilfe 1. Berichterstattung vom Halberstädter Gewerkschaftstongreß. Kollege der Arbeitslosigkeit." Feder. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 383/20 Das Erscheinen sämmtlicher Kollegen ist erforderlich. Der Einberufer. Verband der in Holzbearbeitungs- Fabriken und auf I.) Nachher: Geselliges Beisammensein und Tanz. Entree 10 Pf. Deffentliche Versammlung 434/7 Holzplätzen beschäft Arbeiter Deutschl. Fil. Berlin der Löpfer Berlins und Umgegend Montag, den 4. April, Abends 81/2 Weg 29: 暖 Mitglieder- Versammlung. Tages- Ordnung: am Donnerstag, den 7. April, Abends 6½ Uhr, Tagesordnung: 1. Kaffenbericht. 2. Bericht der Arbeitsnachweis- und Rechtschutz- im Louisenstädtischen Konzerthaus, Alte Jakobstr. 37. Kommission. 3. Vorstandswahl. 4. Wahl beider Kommissionen. 5. Anträge zur Generalversammlung und Wahl eines Delegirten. 6. Bericht vom Halberstädter Rongreß. 7. Verschiedenes und Fragekasten. 1. Stellungnahme zum fiebenten deutschen Töpferkongreß. Vorschläge 166/19 zur Tagesordnung. 2. Wahl der Delegirten zum Kongreß. 3. Gewerkschaft Die Mitglieder werden ersucht zahlreich zu erscheinen. Neue Mitglieder liches. NB. Bei der Wichtigkeit der Tagesordnung werden die Kollegen er werden aufgenommen. Mitgliedsbuch legitimirt. Der Vorstand. fucht, alle, Mann für Mann, pünktlich zu erscheinen. Säulenanschlag findet nicht statt. Verein zur Wahrung der Interessen der Schuhmacher. Versammlung 277/17 am Montag, 4. April, Abends 81/2 Uhr, bei Feuerstein, Alte Jakobstr. 75. Tagesordnung: 1. Vortrag über: Die Vertheilung der Produktion in der sozialistischen Gesellschaft. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen bittet Der Vorstand. Lokalv. Berlin). Verband deutsch. Zimmerlente Be Versammlung am Mittwoch, 6. April, Abends 81/2 Uhr, bei Feuerstein, Alte Jakobstr. 75. Tages Ordnung: Der Vertrauensmann. Karl Thieme. Charlottenburg. Dienstag, den 5. April: Große Mitglieder- Versammlung des 411/10 Allen Kollegen und Genossen die traurige Mittheilung, daß mein lieber Mann, der Buchdrucker Albert Lau nach langen, schweren Leiden an der Proletarierkrankheit im 56. Lebensjahre erlegen ift. 2275b Die Beerdigung findet am Sonntag, den 3. April, Nachm. 4 Uhr, von der Leichenhalle des Neuen Jerufalemer Kirchhofes aus statt. Die trauernde Wittwe Auguste Lau geb. Dennin. Kranzbinderei und BlumenHandlung 17902 von J. Meyer, Wienerstr. 1( nur dort). Telephon Amt 9, 9482. Radikal- Journalist, überzeugungstreuer, südd. Genosse( 27) sucht behufs Mitarbeiterschaft bei der Parteipreffe, eine seinen literarischen und typographischen Fähigkeiten entsprechende Stellung als verantwort licher oder politischer Redaktenr. Diesbezügliche Anträge erbeten durch G. Göhring- Negwer, Sadowaftr. 59, 2281b 3 Tr., Breslau. Allen Parteigenossen und Bekannten zur Nachricht, daß meine ZeitungsSozialdemokr. Wahlvereins f. Teltow- Beeskow- Charlottenburg.pedition von der Arbeiter- BildungsTagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Gerisch- Berlin über: Die Schule Kastanien- Allee 53 nach KaftanienAllee 13/14 verlegt ist. Dort befindet heutige Gesellschaftsordnung und ihre Früchte. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. sich auch mein Zeitungsstand.[ 2269b 342/20 Der Vorstand. Achtung! Schöneberg. 1. Berichterstattung vom Halberstädter Kongreß. 2. Diskussion. 3. Ver Große öffentliche Wählerversammlung stets billiger wie die Konkurrenz. schiedenes und Fragekasten. Zahlreichen Besuch erwartet 359/20 Der Vorstand. Deutscher Tischlerverband. ( Zahlstelle Berlin.) Montag, den 4. April 1892, Abends 8½ Uhr: General- Versammlung im Louisenstädtischen Klubhaus, Annenstraße 16. Tagesordnung: der 3. Wählerklasse. Tages Ordnung: 1. Bortrag des Genossen Antric, über: Die bevorstehenden Kommunal wahlen und wer muß gewählt werden? 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Zur Deckung der Unkosten ein Entree von 10 Pf. 421/16 Das Wahlkomitee. Maler, Ladirer, Auftreicher R. F. Daubitz' der Filiale III( Oft). Versammlung Magenbitter, 1. Berichterstattung vom Halberstädter Kongreß. 2. Wie stellt sich die am Dienstag, den 5. April, Ab. 8/2 Uhr, weltbekannt und seit 1861 erprobt und Filiale zum Anschluß der Mitglieder des Fachvereins der Tischler. 325/19 Die Ortsverwaltung. DEF Mitgliedsbuch legitimirt. Zahlreichen Besuch erwartet NB. Die Mitglieder im N., NW. und NO. erhalten ihre TischlerZeitung" erst Dienstag. Oeffentliche Bersammlung für Männer u. Frauen am Sonntag, den 3. April, Nachm. 6 Uhr, im Restaurant Otto Klein, Schönleinſt r. 6. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Koblenzer. 2. Diskussion, 3. Verschiedenes. 434/8 Nachdem findet vom Sozialdemokratischen Lese- und Diskutirllub ,, Vereinte Kraft" gemüthliches Beisammensein statt. Um zahlreichen Besuch bittet Der Vorstand. Bäckerei- Genossenschaft für Berlin und Umgegend. ( Gingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht.) Dienstag, den 5. April, Abends 81/2 Uhr, bei Bötzow, Prenzlauer 2hor: General- Versammlung. Zages Ordnung: bei Henke, Blumenstr. 38. Tages- Ordnung: 1. Raffenbericht. 2. Vortrag über Darwinismus. 3. Filial- Angelegenheiten. 4. Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen der Mitglieder wird gebeten. 213/16 Der Vorstand. Sozialdem. Leseklub Herwegh. Heut, Sonntag, Nachmittags 512 Uhr, findet im Lokal des Herrn Schayer, Reichenbergerstr. 54, eine 432/5 bewährt, dürfte in keiner Familie fehlen; zu haben in allen Droguen, Kolonialwaarenhandl. u. in der Fabrik Berlin SW., Neuenburgerstr. 28. 1 gr. Fl. 3,00, 1 fl. FI. 1,00 m.[ 2200b Nordhäuser Korn, garantirt echt Liqueure, Rum, Cognac 2c. Ungarwein Weißbier, 2tr. 0,60 " U O. Ahlers, Kastanien- Allee 13/14. Buchfinken 90 Pf., Weibchen 30 Pf. Staare 1,50 M. Alle Arten M. Redtmann, 22746 Stralauerplat 21, Berlin O. Vogel, Tauben- und Thierhandlung, sowie Thierausstopferei, am Schles. Bahnh. Anfr. g. Rückporto. " Für den Westen zur Lieferung sämmt. licher Beitungen, Beitschriften, Jour nale, Vorwärts", Bolts Tribüne" Wahre Jakob", fowie sämmtliche sozial demokratische Schriften empfiehlt sich 22736 F. Henzka, Bülowstr. 40a. Achtung Achtung! Vereinen Berlins und Umgegend empf. sich. Osang, Boltshumorist, Berlin SO., Mariannenstr. 10, Sof part., 2. Eing. rechts. 1972L Allen Freunden u. Genoffen empf. mein Zigarren. n. 1,- Tabakgeschäft. Ernst Krüger, 2,- Krautftr. 1a, Gr. FrankfurterstraßenEcke. Hilfebein od. Landré, o. 3. 36 Fl. 3 M. m. 3.40 3 " 22776 Dompfaffen 3,00 M. Staare 1,75 M. Lerchen, Buchfinken, Rothfelchen 1,25 M. Reelle Männchen. Schnelle, In22806 öffentliche Versammlung Berbster Malzbier validenstr. 7. mit Frauen statt. Tages- Ordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. Nachher: Geselliges Beisammensein. Der Vorstand. Freie Vereinig. d. Graveure und Ciseleure. Versammlung Dresdenerstr. 45. Tagesordnung: Vortrag des Genossen 1. Bericht über die Thätigkeit des Vorstandes und Aufsichtsrathes. Montag, den 4. April, Abends 82 Uhr, Referent Genoffe Kunkel. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Gäfte, welche Mitglieder werden wollen, haben Zutritt. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Aufsichsrath. J. A.: Pfeiffer. Achtung, Textilarbeiter! 95/6 Runtel. Montag, den 4. April, Abends 8 Uhr, bei Meise, Lichtenbergerstraße 21: Große öffentliche Versammlung aller in der Textilindustrie beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen, als da find: Weber, Wirker, Sticker, Posamentirer, Steiler, Färber u. f. w. Tagesordnung: 1. Berichterstattung vom Halberstädter GewerkschaftsRongreß. Referent: Paul Petersdorf. 2. Diskussion. 3. Stellungnahme zur Maifeier. 4. Berschiedenes. Es ist Pflicht aller Textilarbeiter und Arbei terinnen, in dieser Versammlung zu erscheinen. Der Einberufer.[ 2279b Sonntag, den 10. April 1892( Palmsonntag), findet in den anteren Gesammträumen der Arminhallen, Rommandantenstr. 20, für den im zweiten Jahre kranken, erwerbsunfähigen Genossen, den Baritonisten Gustav Steinmeh, eine Wohlthätigkeits- Soirée, verbunden mit Familien- Tanzkränzchen C FERDINAND LASSALLE 414/6 statt, arrangirt vom Genoffen Hugo Ofang, unter gütiger Mitwirtung des R. Aeustergerling, Berlin S., · Größtes LagerBerlins für nährende Mütter 30 Fl. 3 M. offeriren 2118 L Kinderwagen.andreasftr. 23 H.p. Brauer& Grützmann, Andreasstr. 68. Buttbuferstr. 17. KRONENGARN. Wichtig für Schuhmacher! Montag, den 4. April, Eröffnung der Meißner, Reichenbergerstaße 137, Neuen Lederhalle von Eugen Teichmann, Grüner Weg 70, zwischen Roppenstraße und Küstriner Play. Billiger Sohlenausschnitt von bestgegerbten Ledern. Oftens. 1 Uhrmacher 1 Laufigerstraßen- Ecke, hat die billigsten Uhrmacherpreise, weil fein Saben. Reinigen 1 M. Flaschen und Kruken 2260b Gr. 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Eingang Gold- und Silberwaaren, sowie meine Klempner- Werkstatt für Bau-, Gas- Jakobstr. 35, part., Restaurant.( 2271b parterre; Gründel, Dresdenerstr. 116; gubeil, Naunynftr. 86; Kehr( Hut beliebten Bebel- und Laffalle- Uhren. Werkstatt für Reparatur und Neu- u. Wafferanlagen, 14 Jahre bestehend. Allen Freunden u. Genossen empfehle geschäft), Röpniderstr. 126; Salzwedel, Klosterfir. 88; Fröhlich und Richter, Alte Uhren und altes Gold Pr. 1800 M. wegen Todesfall z. vert. mein gr. Vereinszimmer m. Piano, auch Grüner Weg 65; Schentsch, Adalbertstr. 17, sowie in allen mit Plataten arbeit. nehme in Zahlung. 2227L Reglaff, Rönigsbergerstr. 28, 1 Tr. als Zahlst. Schüchner, Antiamerstr. 45. belegten Geschäften. Um zahlreichen Besuch wird gebeten. Berantwortlicher Redakteur Angust Enders in Berlin Druck und Verlag von Mag Bading in Berlin SW., Beuthstraße 2. 2. Beilage zum„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Nr. 80. Soziale Uebersicht. Sonntag, den 3. April 1892. 9. Jahrg. Anzahl unserer Kollegen, nämlich solche, welche sich bei ihnen die Kosten für denselben und üben auch die Kontrolle über mißliebig gemacht haben, von ihren Arbeitsnachweisen aus- denselben. gesperrt. Diefen Boykott unterstützen die meisten Wirthe. Des- 3. Die Bibliothek wird leihweise den organisirten Berliner halb haben wir stets trotzdem wir nicht im Streit liegen Kollegen zur Verfügung gestellt. eine Anzahl Kollegen, die schwer unterzubringen sind, weil die Birthe es verschmähen, unsern kostenlosen Arbeitsnachweis zu benußen, die Kommissionäre aber, wie schon gesagt, über viele der unsern- die sogenannten Heßer und Wühler" Bontott verhängt haben. den Genoffen! Wollt Ihr uns also tampffähig erhalten, so sorgt dafür, daß diejenigen Kellner, die bei Euren Festlichkeiten beschäftigt werden, unferem kostenlosen Arbeitsnachweis entnommen sind. Annenstraße 14, Telephonamt IX Nr. 1116 An die Arbeiterschaft Berlins und Umgegend! Genoffen, Arbeiter! Am 16. Februar wurden Vorstand und Aufsichtsrath der zu gründenden Genossenschafts- Bäckerei gewählt. Nach sechswöchentlicher Thätigkeit haben diefelben folgendes Resultat erzielt: Erstens sind in der Müllerstr. 33-34a Räume gemiethet worden, die, wenn auch bescheiden, doch immer einen Anfang bedeuten. Die Genossenschaft wird mit zwei Defen den Betrieb eröffnen und ist im Stande, täglich 1500-2000 Brote zu liefern. Das Brot selbst soll und wird ein reines Roggenbrot fein, was bekanntlich nicht häufig in Berlin gebacken wird. Zweitens soll das erste Brot am Arbeiterfeiertag, dem 1. Mai, der Arbeiterschaft Berlins und Umgegend zur Verfügung stehen. Ganz besonders seien die Vorstände, VergnügungsBir betrachten es als ein gutes Zeichen, daß an einem solch be- fomitees von Gewerkschaften, welche an den kommenden Festtagen, deutungsvollen Tage ein Unternehmen wie das unsere ins Leben sowie am Arbeiterfest tag( 1. Mai) irgend welche Bertritt. Möge es zum Wohle der Arbeiterschaft blühen und gegnügungen arrangiren, hieran erinnert. deihen! Nun sind wir schon oft gefragt worden, wann endlich das Statut den Mitgliedern ausgebändigt wird, so daß Jeder davon Kenntniß nehmen kann. Auf die Frage haben wir nur eine Antwort, Geduld!" Das Gericht hat in uns teine Juristen gefunden, folglich mußten wir bei aller Lauferei recht viel Geduld mitbringen, doch in 2-3 Wochen wird das Statut Jedermann zur Verfügung stehen. Der Hauptpunkt ist, daß es unserm Unternehmen noch an graue Erkennungszeichen seine Giltigkeit verloren hat und das Gleichzeitig verweisen wir darauf, daß seit dem 1. April das blaue an dessen Stelle getreten ist. Verein Berliner Gastwirthsgehilfen. Der Vorstand. An die Militärschneider Berlins! Kollegen! In Riel ist wegen verweigerter Lohnerhöhung dem Nothwendigen fehlt; es gehören immerhin etliche tausend ein Streit der Militärschneider ausgebrochen. Da Mark dazu, um Betriebsfähig zu sein und zu bleiben. Muß doch es dortige Unternehmer verstehen, Arbeiter durch Versprechen vor allem im Großen eingekauft werden und zumal das günstigster Arbeitsbedingungen heranzulocken, oder dieselben auch Mehl! um etwas Gutes zu bieten. Wohl wissen wir, daß die Arbeit nach Berlin schicken, um auf diese Weise den Streit die ganze Arbeiterschaft durch die Krists unendlich schwer zu illusorisch zu machen, so fordern wir Euch dringend auf, bis auf leiden hat. Ja! wir merken es täglich an unserm eigenen Leibe. Weiteres in Riel nicht in Arbeit zu treten, und sofern Euch Doch fagen wir uns: ein Unternehmen wie die Genossenschafts- Arbeit für jene Stadt zur Anfertigung angeboten wird, folche Bäckerei, beren schon viele in Deutschland zur Blüthe gelangt energisch zurückzuweisen. Leistet teinerlei Streitbrecherdienste, sind und bei welchen die Arbeiterschaft thatsächlich reelle Waare denn wenn die Kieler Kollegen siegen, so ist das auch ein Sieg erhält, das wird und muß prosperiren. Der Antheilschein ist für uns. Der Vorstand. J. A.: H. Roloff. auf die kleine Summe von 5,50 M. mit Einschreibegeld gestellt, die erst in 13 Wochen abgetragen zu werden braucht, daher ist es jedem, und sei er noch so schlecht fituirt, doch ermöglicht, einen Antheilschein zu erwerben und so sein eigner Produzent und Konsument zu werden. Darum, Arbeiter, werdet Mitglieder der Genossenschaft und schafft Euch das eigne Brot. Helft nicht Jenen durch Euern Zuspruch, die jede freie Bewegung der Arbeiter mit tapitalistischer Brutalität unterdrücken. Welchen Hort die Genossenschaft für die Bäckerarbeiter selbst ist, braucht nicht erst besprochen werden, das versteht sich von selbst. Zum Schluß sei noch erwähnt, daß in allen bekannten Lokalen Zahlstellen er richtet sind, wofelbft Mitglieder gern aufgenommen werden. J. A.: Lazarus. Caspar. Versammlungen. Achtung Schneider! Die Arbeiter der Firma Solms und Husfeldt befinden sich wegen Lohndifferenzen im Ausstand. Es handelt sich darum, das auf der Werkstelle übliche Erheben von Platzgeld, welches den Arbeitern die Kosten der Werkstatteinrichtungen aufhalft, abzuschaffen. Wir fordern die Kollegen auf, in diesem Geschäft bis auf Weiteres keine Arbeit gefühl mangelt, 4. Die Verwaltung des gesammten Vereinsvermögens besorgt der Borstand; derfelbe erstattet in den ordentlichen Generalversammlungen Bericht. Sind nun berechtigte Gründe zu der Annahme vorhanden, daß der Zentralverband nicht in der Lage ist, den Kollegen dasjenige zu leisten, wie der Fachverein, so tann eine solche Generalversammlung das Wiedererheben der Beiträge beſchließen." Jm Mündlichen wurde noch als selbstverständlich hingestellt, daß eine Neuwahl der Ortsverwaltung stattzufinden habe. ES sei hier nochmals darauf aufmerksam gemacht, daß die Annahme dieser Resolution durchaus nicht gleichbedeutend ist mit der Auflösung des Vereins, vielmehr den Mitgliedern die größten Chancen geboten sind, versuchsweise in dem Verband zu wirken, und es dann überhaupt noch von dem Anerkennen dieser Bedingungen erzielen. feitens des Verbandes abhängt, Wirkungen der Resolution zu B Der Fachverein der Musikinstrumenten Arbeiter ers örterte am 28. März die Frage der Maifeier. Die Debatte hierüber war lebhaft. Die Kollegen Blo3cis, Niendorf, Scholz und Westermann plädirten für eine selbständige Feier von Seiten des Vereins, während Kollege Rob. Schmidt in längerer Ausführung den Anschluß an die politische Partei empfahl, ebenso Kollege Stod. Hierauf wurde im Sinne der letzten Redner beschlossen. Nachdem sich noch drei Kollegen hatten aufnehmen laffen und mehrere Kranken- Unterstützungsgesuche zur Erledigung gelangt waren, wurde die Versammlung geschlossen. Im letzten Versammlungsberichte ist durch ein Versehen des Schriftführers der Antrag der Arbeitsvermittelungs- Kommission unrichtig wiedergegeben; die forrette Fassung desselben ist folgende: Die gemaßregelten Kollegen sind bei der Stellen ausgabe nur den Nichtvereins Kollegen vorzuziehen." " W Der Lese- und Diskutirklub Otto Reimer" hielt in Knebel's Salon am 27. März eine öffentliche Versammlung ab, in welcher Genosse Paul Heitmann über das Thema:„ Die Entwickelung des Rapitals" sprach. Die Versammlung, welche von Frauen und Männern zahlreich besucht war, zollte dem eine außerordentliche Generalversammlung ab, in welcher die fand bei Klang und Tanz ein gemüthliches Beisammensein statt. Der Fachverein der Tischler Berlins hielt am 27. März Redner lebhaften Beifall. Nach Erledigung der Tagesordnung Debatte über die„ Stellungnahme zum Verband" fortgesetzt wurde. An der regen Diskussion betheiligte sich noch eine beträchtliche Brig. In einer öffentlichen Voltsversammlung sprach am Anzahl Redner für und wider den Verband, worauf folgende 29. März Genoffe Roland aus Berlin über„ Die Bedeutung vom Kollegen Koblenzer gestellte Resolution Annahme fand: des 1. Mai und die Sozialdemokratie." Der Redner legte in " In Erwägung, daß unter den heutigen wirthschaftlichen eingehender Weise die große Bedeutung des 1. Mai als Berhältnissen ein einheitliches Vorgehen, nicht nur der Kollegen Demonstrationstage der Arbeiter dar, kritisirte dann die Berlins, sondern auch der Kollegen ganz Deutschlands durchaus Broschüren des Landgerichts- Direktors v. Runowsky: Wird die nothwendig ist; in fernerer Erwägung, daß, will man der weit ver- Sozialdemokratie siegen?" und die des Herrn Jentsch:" Werden Die Berliner Kollegen schlössen sich die Elenden siegen?" und forderte am Schlusse seines mit breiteten Legende: Die der Bentralisation nicht an, weil ihnen das Solidaritäts- großem Beifall aufgenommenen Vortrages sämmtliche Klassenmit Erfolg entgegentreten, ein An- und zielbewußten Arbeiter auf, am 1. Mai nicht zu fehlen; einen schluß an dieselbe unumgänglich nöthig ist, beschließt die Jeden müsse das Festzeichen, das Zeichen der Solidarität und heutige Generalversammlung des Fachvereins der Tischler: Zusammengehörigkeit schmücken. Von einer Diskussion wurde in Anbetracht des gediegenen und ausführlichen Referats Abstand genommen und dann ein Komitee zur Arrangirung der Maifeier am hiesigen Orte gewählt, das aus den Genossen Beyhorner, Schönberner, Faber, Günther, Steinert, Weh= nert und Möß besteht. Gen. Menzel erstattete hierauf den Bericht der Revisoren und beantragte Entlastung des Vertrauens mannes; diefelbe wurde ertheilt. Die Genossen Gottwald und Menzel forderten Namens des Wahlkomitees zu recht 1. Das Baarvermögen, sowie sämmtliche Vereinsutensilien reger Betheiligung an der Wahl auf. Nachdem noch ein Antrag, bleiben bis auf Weiteres Eigenthum des Vereins und kann nur die Tellersammlung am Schluß der Versammlung fortzusetzen, eine Generalversammlung, bestehend aus den, sich durch das afzeptirt war, erfolgte unter begeistertem Hoch auf die Sozial Mitgliedsbuch des Fachvereins legitimirenden Mitgliedern darüber demokratie Schluß der Versammlung. Es wäre sehr zu wünschen, daß die Versammlungen hauptsächlich von solchen Mitgliedern verfügen. 2. Der Arbeitsnachweis wird unter der Firma: Zentral des Voltsbildungs Vereins besser besucht würden, welche fich aufgaben unserer Organisation. Das wissen die Kommissionäre und deshalb ist eine große den organisirten Kollegen zur Verfügung gestellt; dieselben tragen lassen. zu nehmen. Die Agitationstommiffion der Schneider und Schneiderinnen Berlin 3. An die Arbeiter Berlins! Die allgemeine wirthschaftliche Krise trifft die Gastwirths gehilfen in ganz besonders hohem Grade. Die Arbeitslosigkeit, die in unserm Gewerbe naturgemäß im Winter eine große, hat im letzten einen Umfang erreicht, wie nie zuvor. Wie wenig andere Berufe haben wir einen doppelten Kampf zu beftehen, gegen das Ausbeuterthum unter den Wirthen und gegen die Kommissionäre. Letztere legen unseren Kollegen eine Steuer von 50 Pf bis 1 M. für jeden Tag Arbeit auf, den sie ihnen nachweisen und dieser Betrag muß bezahlt werden, noch ehe der Lohn, der in den meisten Fällen in nur 2 M. besteht, 1. den Fachverein bis auf unbestimmte Zeit zu vertagen, d. h. der Verein bleibt bestehen, es werden bis auf Weiteres feine Beiträge gezahlt, ebenso bis auf Weiteres keine Rechte gewährt; 2. verpflichten fich sämmtliche Mitglieder, dem deutschen Tischlerverband beizutreten, sofern der Uebertritt ohne Beitritts geld und ohne Rarenzzeit erfolgen kann. Weiter bestimmt die Generalversammlung: verdient ist. Dieses Unwesen abzuschaffen, ist eine der Haup Arbeitsnachweis der Berliner Tischler und verw. Berufsgenossen und zwar zu ihrem eigenen Nachtheil selten oder gar nicht sehen Größtes Geschäft des Nordens. Singer& Co., Chausseestr. 56, Streng reelle Bedienung. Feste Preise. Ecke Liesenstr. 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Mitgliedsbuch legitimirt. Da diese Verfammlung eine Fortsetzung der am 15. März bei Knebel stattgehabten sein soll, ersuchen wir alle Mitglieder, welche in jener Verfammlung zugegen waren, zu erscheinen. Der Genosse Henning ist brieflich eingeladen. 423/19 Die Eröffnung der Versammlung erfolgt präzise 8 Uhr. Der Vorstand. Achtung! Feen- Palast. Achtung! Burg- und St. Wolfgangstraßen- Ecke. Am Oster- Sonntag, den 17. April 1892: KinderWagen auf Theilzahlg. Paul Neugebauer, Charlottenburg, Wilmersdorferstraße Nr. 54a. Bettfedern! Daunen und Betten, Spezialgeschäft. Großes Lager. Billige, feste Preise. A. Schonert, 12. Mariannenplatz 12, Parterre( fein Laden). 2032L Meine geehrten Kunden mache ich auf meine seit 1868 bestehende Fabrit für 1963L auerk. Grosse Matinée, et uberhemden, veranstaltet von den Schulkommissionen der Arbeiter- Bildungsschule, unter geft. 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