Nr. 216. AdomttmeMs-KrdiiMNgeil: «lbonnemsnlS-Pr«>i prSnumirand«: viirleljäyrl. 3.S0 Sit., monalt. 1,10 Sit., Wochexilich 28 Plg. fiel in» Hau». Ciiuelnc iJlumni't 5 Plg. Sonniag»- Slununet mit ittuiirierier«onniagl- Vcilage„Tie Neue Well" 10 Psg. Post» Abonnement: 1,10 Slart pro Slonai, Singclragen in»er Posl-Zeltung»» BveUliftc für 1008 unter Hr. 7878. Unter«reu, band für Deulfchland und Oeflerretch- Ungarn 2 Marl, für dal übrige Ausland S Marl pro Slonai. 19. Jahrg. DI» Knstrtlons-Neltllyl betrügt für die fechlgefpaltene Kolon«» litte oder deren Raum»0 Pfg., für poltttfcheund gewerkschaftlich« Beretn», und Versammlung»-Anzeigen 20 Pfg. „Klelne Zinfetgen" jede» Wort S Pfg. lnur da» erste Wort fett). Inserate für die nächste Nummer muffen bt» 1 Uhr nachmittag» tn dertZrpedilion abgegeben werden. Die»rpcdttton ist an Wochen- tagen bi» 7 Uhr abend», an Sonn- und fiefttogen bt» 8 Uhr vormittag» geöffnet. Ärjchelnl lüglich«uster»vnlig«. Devlinev Volksblatt. Telegramm-Adreffer »Soriatdemokrat Scrli»" Centvalorgan der locinildemokratischen Partei Deutschlands. Ledalttivu: sw. 19, Veuklz-Strahe 2. Ferufbrecher: Sluii I, Nr. 1608. Dienstag, den 10. September R00Ä Expedilion: 3�. 19. Vellllj-Stvalje it. fferiifprrchert Slnii I, Nr. 5>12I. Die Hintermänner der konservativen Umsturzpläne. DaS offizielle und leitende Organ der sächsischen Konservativen, das.Vaterland", hat der Welt offenbart, welche Stitnmungen die konservative Anhängerschast auf dem Lande be- eleu, wie diese konservativen Leute bereit sind, im Falle der Nicht» nllnng ihrer agrarischen Forderungen, den gewaltsamen Umsturz Scene zu setzen und die Throne krachend zu zertrümmern. Es >r auch sofort klar, dafi die Aufdeckung dieser sonst stets ab» eugneten konservativen Umsturzgcsinnung nur zu dem .klischen Zweck unternommen Ivurde, die Fürsten und o Negierungen zu erschrecken und den Wnchcrfordernngcu "c Junker gefügig zu machen. Da erhebt sich die Frage, sind eigentlich die Leute, welche diese brutale Ein» hterungSpolitik pflegen? Die vorsichtige.Kreuz«Zeitung' nnd .Konservative Korrespondenz' haben ja versucht, jene Aenbe» » gen des„Vaterland' von der konservativen Partei abzulösen. 'r das.Vaterland' ist noch immer das offizielle rgan der sächsischen Konservativen und der Herbst» ld trägt unS ein kleines Dokument zu. das beiveist, welche :eise eS sind, die zu diesem Vaterland nnd seiner kon» 'Dativen Unisturzpolitik stehen. DaS sehr charakteristische Schriftstück ..tet: „DaS Baterland" Wochenblatt für das sächsische Boll. L gan deS Konservativen Landesvereins 'ind sämtlicher Konservativen Vereine im Königreich Sachsen. Herrn............ Leipzig-N. Senefclderstr. 15. Wir erlauben unS, Sie auf das Organ des Konservativen LandeSvercinS, unser.Vaterland', ergebenst aufmerksam zu machen 1». Sie zu bitten, demselben Ihre Annoncen mit zuweisen zu wollen. Wenn je ein Blatt zur Jnseratlon zu empfehlen, so isTes Eni unsere. Infolge seiner Eigenschaft als Organ deS Konserva» t i v e n LandeSvereinS und sämtlicher sKonservativcn Vereine im Königreich Sachsen erfreut sich das„Vaterland" in den höchsten Kreisen der wärmsten Shinpathien; die ge- samtc Zlristokratic, fast alle hohen Beamten, fast sämtliche Rittergutsbesitzer, die meisten der bedeutendsten Gutsbesitzer, die hohe Geistlichkeit, die Bcamtenkreise und viele auö den besten und bemitteltsten Klaffen des Publikums gehören zu seinen Abonnenten. Kaum die gröjjte Tageszeitung dürfte einen so ausgewählten Leserkreis auszuiveisc» haben.— Das .Vaterland" hat Inserenten, welche seit Jahren ständig inserieren und die eS seiner Erfolge wegen allen ähnlichen Zeitungen vor- ziehen. Dabei ist der Annoncenpreis billig und die GeschäftSverbindnug deshalb eine sehr erleichterte, weil diejenigen Firme», die ständig inseriere», sehr wohl das einmal in der Woche erscheinende .Vaterland" mit Ihrer Annonce bedenken können. Wir zlvcifeln nicht daran, dafi Sie das Geschäfts» i n t e r e s s e mit einer Anerkennung unserer Tendenz der- bindend, unserm Wunsche näher treten Iverden. Hochachtungsvoll Geschäftsstelle des.Vaterland'. Es ist interessant zu hören, wer beim.Vaterland" ein und auS- geht, niit ivelchen Kreisen das Blatt Beziehungen und Fühlung, geschäftliche und politische, hält. Es sind nicht die armen Kleinbauern, ob deren Not die Konservativen-Klagelieder ertönen lassen, nein, daS„Vaterland" hat seine Freunde„in den höchsten Kreisen", in der gesamten Aristokratie, unter den Rittergutsbesitzern, den be» deutendsten Gutsbesitzern, unter den be mittel st en Klassen deS Publikums! Also: die„bemittelsten Klassen' sind eS, die im konservative» Gefolge ivandeln. DaS reimt sich reizvoll zu der erschrecklichen„Not der Landwirtschaft'! Noch weit reizvoller aber ist eS, daß gerade das konservative Organ, daS sich so inniger Beziehungen zu aristokratischen Ritterguts- besitzeni nnd andern Mitgliedern der bemitteltsten Klassen rühmt, die Ninsturzgesinnungen der Kleinbauern ausspielt. ES konnte nicht schärfer zu Tage treten, daß eS die.Aristokraten' des Geldsacks, die Begütert st en sind, deren Interesse das „Vaterland" vertritt, indem es von den Regierungen den Ueber» Wncherzoll fordert und indem e» für den Fall der Nichtcrfnllutig mit der Banernrevolte droht. Man wagt eS nicht, mit der Auflehnimg der Rittergutsbesitzer zu drohen. Man imstbrallcht arme Bauern, denen der Zoll nichts nützt, als Kaiionen- futter konservativer Umsturzpläne l »» Die.K r e u z z e i t u n g" sieht sich zu stets erneuten Anstren- gnngen genötigt, nni das Unheil, da« die ofscnen AnSplanderungen der sächsischen Gefiiuiuiigskollegin heraufbeschworeil, zu_ bannen. Sie versucht in einem Leitartikel über„Bauernstand nnd KönigStrcue" mit heificstcm Bemühen, die konservativen Bauern gegen die Schilde- rntig zu verwahren, die daS„Vaterland" von ihnen entwarf und in seinem Rechtfertigungsversuch wiederholte. Die.Kreuz-Zeitung" muh niit uns erklären, daß dieser Rechtsertigungsversuch gänzlich mihglückt sei: das„Vaterland", sagt sie, habe unserm Angriff»nr neue Blöfie» geboten und hätte besser zugestehen sollen, dah es sich mikverständlich ausgedrückt habe und nickt habe andeute» wolle», daß die Bauern, wen» c« ihnen wirtschaftlich schlecht gehe, zum gewaltsamen Umsturz schreiten ii'ttrde». Leider aber hat das.Vaterland" eben diese Behauptung, die es nur aus taktischen Gründen abschwören soll, in aller Deutlichkeit auf» gestellt und wiederholt. Leider hat auch diese Aufstellnng und Wieder- Holling den Beifall des OrganS deS Bundes de rtotaler Blindheit geschlagen zu sein.— Landwirte gcfnndcn. Es nius; also bei unsrer früheren Annahnie verbleiben, daß es unter den Konservative» zwei Richtungen giebt, deren eine eS für klüger hält, niit der Regierung zollwucherisch zu mogeln, und eine andre, die offen an den Umsturz der Throne appelliert, sofern nicht aller Zollwncher erfüllt wird. AuS dieser Feststellung kann die konservative Partei nicht entschlüpfen und es wird stets ein erhabenes Schauspiel bleiben, KönigSinürdcr mit KönigStreiicn frcundnnchbarlich in der konservativen Partei zu finden. Die„Kreuz-Zcitiing" wählt natürlich die klügere Methode. Sie weiß, daß die Konservative» vorläufig noch andre Mittel als die Gcivalt haben,»in ihre Pläne gegen das allgemeine Wohl durch zusetzen. Sie weiß, daß bisher noch stets Regierungen ii»d Fürsten sich den konservalivc» Geboten gebeugt haben. Und so beantwortet sie denn die von itits gestellte Frage über die Grenze der konservativen KönigStrcue stolz: „Die deutschen Landwirte werden sich nach wie vor als die trencsten Stützen des Thrones bewähren und die Socialdcmo- kratie wird in ihnen jederzeit den festen Dannn finden, an dem ihre revolutionäre» und rcpnblikanischcn Bestrebungen scheitern werden." Das ist ganz die ordnimgSmäßige Antwort, die einem konser» vative» Blatte' ziemt. Nur hat daS edle Blatt de» Kern unsrcr durch das„Vatcrtand" veranlaßten Frage sorgfältig vermieden. Das „Vaterland" suchte sich zu rccklscrtigen, indeni es die Nicderwcrfinig der Throne dem Ballern zuschrieb,» n ch d« in er Proletarier gc- worden, daraitfhin stellten wir klar die Frage an die„Kreuz- Zeitung": Ist der konservative Bauer bereit, kvnigStren zil bleiben, auch wenn die Regierung eine Politik betreiben würde, die ihn z n m Proletarier macht? Die„Krenz-Zeitnng" Ivagt eS nicht, diese Frage zu bejahen, sie scheut zurück vor der vom„Vaterland" ausgespielten Zukimftsansficht. Die„Krcuz-Zcitnng" verfällt so, anstatt das„Vaterland" abzuschütteln, in eine utlgeivollte Bestätigung der vom„Vaterland" angelnndigtcn Umsturzpläne. Valikifttze Mebevfiltzk. Berlin, de» 15. September. ES ist vollbracht! Der preußische Schergcndienst für das nisstiche Tyrannen rcgiment hat seinen Lohn dahin. Es wird unS gemeldet: „Den Stiidcnte» Knlajcw, welcher vor kurzer Zeit von d deiltschen Behörden beim Neberschreiten der östreichisch-preußischen Grenze festgehalten und iveil er im Besitz von angeblich„an- archistischcn" Schriften gcfilndcn wurde, de» russischcn Grenzbehörden übergeben worden ist, hat das Bezirksgericht in Pctrikau zu siebe» Jahren Zwangsaufenthalt iu Nordsibiric» verurteilt. Von Urteilsgründen verlautet nichts." Zur gleichen Zeit, da diese Schmach preußischen HcnkerSdiensteS bekannt wird, erläßt der Berliner Polizeipräsident als Chef der politischen Polizei, welche die anarchistische Bewegung in ganz Preußen zu übcrivacheil hat, die Bekaiintmachiliig von der „AilSiveisung" Kalajeivs! „Johann Kalajeiv, stuck, xbi!., Anarchist, gebore» den«Z. Juli 1877 zu'Warschail, russischer SlantLangehöriger, griechisch-katholisch, ist durch Verfügung des königlichen NegiernngSpräsidenten am 10. v. MtS. aus Preußen ausgewiesen worden. Beschreibung: 1,70 Meter groß, schlank, blond, blasse Gesichtsfarbe. Sprache russisch, polnisch und wenig deutsch." Die Polizeibehörden, an Ivelche diese Bekaiintmachiliig ergeht, komnicn' nicht leicht in die Lage, einer Zilwiderhandliing gegen den SlnsiveisinigSbefehl nachspüren zu müssen. Dafür hat die russische Justiz gesorgt.—_ Wie Väterchen den hungernden Bauern hilft. Dem„RegierungSboten" zufolge wurden in K u S r k auf Befehl deS Kaisers einige Wolostältefte und Dorfälteste anS den Gonverne- mentS Kursk, Poltaiva, Charkoiv, Tschernigoiv, Orel und Worouesch im Hause deS Gouverneurs versammelt. Der Kaiser richtete an sie folgende Ansprache: „Im Frühling haben in einigen Gegenden der Gonverne- ments Poltawa n»d Charkow Bauern die be- nachbarten Wirtschaften ausgeplündert. Die Schuldigen iverden die verdiente Strafe erhalte»! die Obrigkeit wird, dessen bin ich sicher, i» Znknnft derartige Unruhen nicht zulassen. Ich erinnere auch an die Worte meines seligen Vaters, die er in den Tagen der Krönung au die Wolostältesten richtete:„Hört ans Eure A d e l s»i a r s ch ä l l e und glaubt keinen thö- richten Gerüchten." Denkt daran, so fuhr der Kaiser fort, daß nian nicht durch Besitzergreifung von fremdem Gut reich ivird, sonder» durch ehrliche Arbeit, Spar- samkeit und ein Leben nach den Geboten Gottes. Teilt alles, was ich Euch gesagt habe, den andern Leuten in Euren Dörfern mit sowie auch das, daß ich ihre wirNichen Bedürfnisse nicht ohne meine Fürsorge lassen iverde." Vor einigen Wochen kiirsierten Gerüchte, daß sich der Zar, dnrch die revolutionären Zeichen geivarnt, entschlösse» habe, endlich einmal die Stinnne des Volkes zu hören, und sich statt durch seine Beamten einmal dnrch Vertreter des Volkes über die wirtliche Lage des Landes informieren zu lasse». Nun hat der gar auch wirklich die Dorfältesten der Hungerdistrikte zu sich entboten. Freilich nicht, um mit ihnen ernsthaft nnd gründlich über die Notlage der Bauern zu konferieren und ihnen Hilfe in Aussicht zu stellen, sondern um ihnen eine Drohrede zu halten, die der erstbeste Kosakcnunterosfizier ebenso gut, und zwar auS dem Stegreif, hätte halten können. Die hnngernden Bauer», deren ausgemergelte Aecker das Unkraut überwuchert, deren Vieh gefallen ist. sollen„sparen", damit sie sich nicht an fremdem Eigentum zu vergreifen brauch»». Sie solle» ailf ihre Adelsniarschälle hören und stillschweigend HnngerS sterben, widrigenfalls die Kosaken wieder cinhauen werden. Die Rede deS Zaren beweist wenn nicht völligen Mangel deS guten Willens, so doch mindestens daS Fehlen auch nur der allergeringste» Einsicht. Der russische Absolutismus scheint von den Göttern mit Deutsches Hieich. Fleischnot. von der sächsisch- böhmische» Grenze schreibt man iiiis: Wen» es noch eines Beweises bedürfte, daß die Absperrung der Grenze» ungünstig ans die Fleischpreiie im Inland ein- wirkt, so iväre dieser Beweis durch folgende Thatsache vollständig erbracht. I» K l i n g e» t h a l. das circa zwei Mimiteii vo» der böhmischen Grenze entfernt liegt, kostet zur Zeit das Pfund Rindfleiick 75 Pf., Schweinefleisch 90 Pf., Kalbfleisch 75 Pf. und Speck gar 1,99 M.II I» Markhauscn jedoch, 4 Minuten von Klingen» thal entfernt nnd jenseits der Grenze liegend, kostet dasselbe Fleisch: Rindfleisch 58 Pf., also 17 Pf. mrniqer, Schweinefleisch 00 Pf., also 39 Pf. wentgcr, Kalvflcisch 0t Pf., das sind 11 Pf. weniger nnd Speck 00 Pf., also 49 Pf. pro P s» n d weniger! Der„kleine Grenzverkehr" erlaubt»li» de» Eiiiwohnel» itlingen- ihals»iib Umgegend, 2—4 Pfund zollfrei über die Grenze z» schaffe». Natürlich wurde vo» dieser Vergünstigniig bisher ausgiebiger Gc- brauch gemacht. Jetzt ans ciinnnl iverde» ihnen in dieser Beziehung allerlei Hindernisse i» den Weg gelegt. Es darf jetzt nämlich von ein und derselben Person nur noch täglich einmal Fleisch anS Böhnic» geholt iverden I Ja, um zu vcrhtnderii, daß die armen Milsikiiistrumenteii-Arbeiter sich billiges Fleisch leisten, muß jetzt jeder, der Fletsch über die Grenze bringt, de» Nachiveis er- bringen. 1. daß»och kein Mitglied seiner Familie an demselben Tage schon Fleisch geholt nnd 2. daß das Fleisch thalsäcklich für seinen eigenen B c d a r f beftimiiit ist! Auch die Bestinminiig, ivbiiach einer für den andern aus seinem V e r>v a n d t e n k r e i s e Fleisch mitbringe» durfte, ist plötzlich in Wegfall gekoiiimen. Damit erreicht man dann glücklich, das; die Grenzbciuohner, iin> den nn- erträgliche» zeilranbeiide» G r e» z p l n ck c r e i e n z» entgehen, d a S viel teuere Fleisch der inländischen Fleischer kaufen müssen!_ Die Parade der Ncberzöllner, die große Provinzlalversamm- lung des Bundes der Landivirte für Rheinlaiid-Westfalen hat am Sonntag i» Düsseldorf stattgefnndeii. Freiherr v.Wangen- heim sprach über die Znknnft der deutschen Laiidivirlschaft, Dr. Oertel über das schöne Thema„Die W e l t a nf ch an n n g deS Bnudes der Landwirte". Die agrarische» Uliras verträte» ihre iio»Luirdernngc» mit dein bekaniiten RadikalisnniS. Wangen- Heim erklärte, er müsse es zu seineni Bedanern offen mid rücksichtslos sagen, das; die Landwirtschaft von der Regierung nichts zu er iv arte» hadel Oertel legte der bündlerischen..Weltanschnnuiig" als Fitndamcntalsatz das famose Witzwort zu Grunde: Der Llcker wandle die Fäulnis im Leben, lvährend der g r o ß st ä d t i s ch e Asphalt das Leben in Fäulnis wandle. Oertel fühlte sich auch beivogen, den bekannten„Vaterland'-Artilel von den„krachenden Thronen" dahin abzuschwächen, daß die jetzige Landivirtschaft zwar Iren zu Küttig und Vaterland steht nnd daß namentlich ihre Führer niemals diese Königstreue verleugnen würden, daß aber dann, wenn an die Stelle des heutigen Bauernstandes ein„prolctarisicrtes, haltlvseS, wurzelloses Landvoll" getrete» sei, dies Banrniprolctariat sehr leickt in ei» andres Lager abschwenke» könne. Natürlich wurde auch eine übcrzöllncrische Resoliil>on an« genommen, die den Kompromiß der M e h r h c i t S p a c:' i e n verwirft»nd die mangelnde Parität zwischen dem Schlitz der Landwirtschaft nnd dein der I n d n st r i« beklagt. Niedergeschrien tvurde auf der Proviiizialversammliliig der Sekretär der rheinischen Baneruvereine Dr. Steplinger. der die Ansicht vertrat, der Bund der Landivirte möge der Rhein« Provinz fernbleiben.— Treuc Arbeit. Der Centralverband deutscher I n d u st r i e I l c r hatte bei seiner letzten, i» Düsseldorf abgehaltenen Delegierten- Versannnlnng folgendes Telegramm an de» Kaiser geschickt: „An Se. Majestät den Kaiser, Berlin. Eurer Majestät als dein machtvolle» Beschützer der heimischen Arbeit huldigt der Cciitralverband deutscher Jlldustrieller in der Stadt, deren AuSstellimg unter dem Protektorate Sr. kaiscrl. niid kgl. Hoheit des Kronprinzen die Belvunderung der ganzen Welt erregt. Eurer Majestät gelobt der Centralverband, für de» Schutz der deutschen Arbeit allezeit seine besten Kräfte cinziisetzen zum Wohle deS gesamten deutschen Vaterlandes. Das Dircltorinni des CcntrnlbcrbaiidcS deutscher Jiidnstricller. Jenckc. Vopelius. Koenig. Bueck." Daraufhin ist dem Centralverbande deutscher Industrieller folgende Antlvort zugegangen: „Dlrektorinm deS CentralverbandcS denlschcr Jndtislriellcr. Sc. Majestät der Kaiser und König lassen für den frelltib« lichctl Gruß bestens danken»nd der treuen Arbeit des CentralverbandcS denlschcr Jiidustrieller auch ferner g c- segneten Erfolg wünschen. Auf Allerhöchsten Befehl t der Geheime KabinetSrat v. Lnca»iis." Der Parteitag der dcntsch-soclalc» Rcfornipartei findet zur Zeit in Eisenach statt. Die Hauptrolle bei de» Erärteruiigen bildet natürlich die bevorstehende ReichStagSwahl. ANzngroßeni Optimismus scheint sich der Parteitag nicht hinzugeben. Ab- geordneter Z i m in e r m a n n- Dresden erklärte, daß die Partei nach rechts wie nach links einen schwere» Kampf zu kämpfen haben Iverde. Man dürfe sich daher nicht zer« pliltern, sondern müsse seine Kräfte znsainmeiihaltcn. Gehe man mit einer Partei zusannne», so dürfe daS nur aus Zusage einer reellen Gegenleistung hin geschehen. I» der Zollfrage wollen die Herren von der dcntsch-socialcn Reformpartei, die sich ihres giiteil Verhältnisses zu dein Bilnd dei Landwittc rühmten, möglichst für die bündlerischen llcbcrzollforde- nmgen eintreten. Die SchlagwöAer boin„Brot- nnd Fleischwncher" solle» von ihnen lebhaft bekämpft werden. Den weitete» Fortschritten der Socialdeniokratie gedenkt mau ferner dadurch zu be« gegne». daß man„in ganz entschieden antisemitischem Sinne gegen den Goldenen Kapitalismus Stellnng»i»i»U". Auch mit der Regierlnig tvill man wegen ihrer Jnlimiiät mit den Ballin, Mttiug je. ein ernstes Wort rede». Aus den Berhandlnngen lueht eine jieivissc müde Nesignntio»: man glaubt selbst nicht mehr an die alten Phrasen, die bramarba- siercndcu Kriegserklärungen. Die Zeiten dcS Antiscmitisuius sind uinviderbriiiglich vorüber.— Der RcichSverband der Vereine der nationalliberalc» Jugend tagte dieser Tage in Düsseldorf, bei welcher Gelegenheit der Abg. Basscrmaun eine jener farblosen Reden hielt, in denen er die Bcdeulung des Verbandes erläuterte. Nach dem Geschäftsbericht gählte die uationalliberale Jugendivchr bereits im Oktober vorigen Jahres 51(XXI ordentliche Mitglieder. Die greisenhafteste Partei des Reiches bedarf auch dringend der Bluteruenernng. Nur wird der uationalliberale Reichs- Jüuglingsvcrcin an sich keine Auffrischung der Säfte bedeuten, vielmehr würde es einer geistigen Auffrischung der Partei bedürfen. In den natioiiallibcralcn Darm, den vcr- mutlich schon Goethe bei seiner Definition des Philisters im Auge hatte, wird sich aber beim besten Willen kein neuer Wein füllen lassen.— Kein Mangel an Schlachtvieh! Mit Podbielskis Behauptung, dasi kein Mangel an Schlachtvieh vorhanden sei, pasil folgender Aufruf des Bayrischen L a n d lv i r t s ch a f t s r a t e s' nicht gerade völlig überein: «Laudivirte! Z ü ch t e t S ch w e i n e nud bringt schlachtfähigc Schweine baldigst zum Marktl Auf den Märkten der gröberen Städte ist der Zutrieb an Schweinen seit einiger Zeit gering; die Preise für Schweine sind den Produzenten so g ü n st i g tv i e lange nicht zuvor. Die Aufzucht und Mästung von Schweinen verspricht ja auch auf längere Zeit hinaus günstige Erträge. Hier wird noch die Arbeit des LaudlvirtS durch eine angemessene Rente entlohnt."— Ausland. Klaffe»- und Partcijnstiz. Paris, 14. September.(Eig. Ber.) Die Civiljustiz hat ent- schieden einen edlen Wettstreit mit der Militärjnstiz in parteiischer Rechtsbeugung zu Gunsten dcS Klerikalismus unternommen. Das gestern gefällte Urteil des Civilgerichts bildet ein würdiges Seitenstück zum inilitärgerichtlichcn Urteil von Nantes. In Brest stand vor Gericht Pierre Croc, der roya- l i st i s ch e Anführer der Rebellion zu Plondanicl. Die Anklage lautete auf Beleidigung nud Gewaltthntiglcitcn gegen den Polizei- kommissar. Die Gewaltthätiglciten bestanden in der Begiestung des Kommissars mit dem flüssigen Inhalt von Aborrgrubcn. Die Belveisaufnahme hat ergeben, daß der Hof des Nonnen- klosters zu Widerstandszwecken mit Unratskübcln angefüllt war, deren Inhalt, in Eimern von Hand zu Hand übermittelt, nicht nur Poli- zistcn nud Gendarmen, sondern auch die sonst den Klerikalen heilige Uniform der Soldaten beschmutzte. Neben den Eimern wurde eine Älhstierspritze benutzt... Der Zweck heiligt die Mittel. Unter andernr hantierte diese„Waffen" der A b b o- S a l a i n, dessen Prozeß jedoch mit mehreren andren auf Ende Oktober vertagt wurde. In Bezug auf Croc standen sich gegenüber die Aus- sagen der Schutzmänner und der Polizeikommissarc einerseits und der Entlastungszeugen und des Angeklagten andrerseits. Letztere bestritten die Beleidigung und gaben nur zu, daß Croc den Schlosser, der inr behördlichen Auftrag das Thürschloß zu öffnen hatte, mit der duftigen Flüssigkeit begossen hätte. Nun ist es bekanntlich stehender Brauch, daß die Nichter die Polizci-Aussagen stets für die Verkörperung der Wahrheit halten selbst dann, wenn die Evidenz dagegen spricht. Im vorliegenden Fall aber, wo alle Umstände für die Wahrhaftigkeit der Polizci-AuSiage» zeugten, gerade hier zog das Gericht die Entlastungsnussagen vor! Von der Anklage auf Beleidigung wurde der Royal ist und Klerikale wegen des„Zweifels" der geivissenhasligen Richter frei- gesprochen»md ebenso von der„direkten" Gewaltthätigkeit gegen de» Polizeikomniissar. Das Gericht konnte die Beichinutzung des Kommissars nicht ans der Welt schaffen, es erklärte daher, daß der Unrat den Kommissar mir„indirekt" beschmutzt hätte, gegen die Absicht des Croc. der nur auf den Schlaffer gezielt hätte. Der Schlosser wäre aber, obtvohl im behördlichen Auftrag handelnd, eine Privatperson. Croc wurde also der einfachen im P-tiv-a t» leben begangenen l I— Gewaltthätigkeit für schuldig erklärt und unter Z u b i l l i g n n g in i l d c r n d e r U in st ä n d e zu— hundert Frank Brihe verurteilt, die er n i ch t z u z a h l e n b r a n ch t. da ihm obendrein der Genuß der„bedingten Verurteilung" zu teil wurde.... Derselbe CyniSmns wie in Nantes, nur etwaS pfiffiger verklausuliert. Aus den Gerichtsverhandlungen ist noch solgeude, das schofle Treiben der Klerikalen kennzeichnende Thatsache hervorzuheben. Die fromme bretonische Bevölkerung ist überhaupt dem Schuapstriuken ergeben. Im Monat August aber, während des glorreichen Kampfes für die heiligen Nonnen, ist die Berfuselung der Bevölkerung er- heblich gestiegen. Im Vergleich mit August 1901 wurden in den rebellierenden Orten 109 bis 270 Liter reiner Alkohol mehr getrunken, macht 45 000 kleine Gläser Schnaps mehr. Diese Quelle der klerikalen Kampfbegeisterung ist der duftigen klerikalen Kampfes- lvaffen würdig. An demselben Tage, Ivo das skandalöse Urteil von Brest gefällt wurde, fällten die Ltichter von Villefranche ihr Urteil über T a i l l e f e r, den Geivcrkschaftssekretär der streikenden Metallarbeiter von Dccaze- ville. Ueber den Sachverhalt habe ich bereits berichtet. Taillcfer wurde wegen Beleidigung eines Polizeikomniissars zu 15 Tagen Ge- fängnis verurteilt, wenn auch unter Zubillignug der„bedingten Verurteilung". DaS zweierlei Gewicht der durch den Klassen- und Partcigeist verseuchten Justiz tritt gleichivohl grell zu Tage.— Oestreich-lliiflar». Wie», 15. September. In Parlamcntskreisen wird auf das bestimmteste versichert, daß Ministerpräsident v. Koerber entschlossen ist, falls die nächstens �beginnenden deutsch-czechi scheu Ver- st ä n d i g n n g s- K o n f e r e n z e n zu keinem positiven Resultat führen, und im Abgeordiielenhanse die eine oder die andre Partei den Ausgleich mit Ungarn durch Obstruktion zu ver- hindern suchen sollte, das Parlament aufzulösen und Neuwahlen auszuschreiben.— Trieft, 13. Septcniber. Eine hier abgehaltene socialistische Versannnliing nahin eine Resolution an, in welcher die social- demokratischen Abgeordneten aufgefordert werden, dahin zu wirken, daß das Preß ge setz in der nächsten Reichsrats-Scssion zu stände kommt und dadurch ein strenges Vorgehen gegen die Mißbräuche der Presse erreicht werde.— Schweiz. DaS Scheiter» eiuer RcfcrendnmSbeweguttg. Zürich, 13. September.(Eig. Ber.) Die von den Ultra- montanen eingeleitete und von den Socialdeniokraten unterstützte Unterschriftensammlung gegen das abgeänderte Nationalrats- W a h l k r e i s- G e s e tz hat leider nicht die erforderlichen 30 000 Unterschriften ergeben, sondern Mir 23 807, tvovon erst noch 2000 ungültig und 1000 zweifelhaft sein sollen. Die Campagne ist aller- dmgs mit wenig Eifer und Energie betrieben worden und daher ihr Scheitern keineswegs überraschend. Das genannte Gesetz tritt nun in Kraft und damit eine neue raffinierte Wahlkreis- Geometrie im Züricher und Lnzcrner Kreise sowie im Kanton Graubunden, die auf die Herrschaftsstellnng der brutalen Radikalen nud die Unterdrückung der Minderheitsparteien zugeschnitten ist. Der Züricher Kreis hätte 10 Abgeordnete in den Nationalrat zu wählen gehabt, man trennte aber einige, stark von Industriearbeitern bewohnte Dorfgemeinden ab und wies sie einem fast ausschließlich agrarischen Wahlkreise zu, in dem die Hunderte socialdemokratischer Stimmen ivirkimgslos verloren gehen, während sie andrerseits der socialdemokratischen Partei im Züricher Kreise entrissen wurden. Verschämt wurde die perfide Main- pulation damit gerechtfertigt, daß ein Kreis mit zehn Abgeordneten zu groß sei— mit neun Vertretern ist er offenbar gerade recht für die„Freisinnigen", deren Qualität in Sachen der Außensihler Wahlen alle Welt genügend kennen lernte. Es wäre ein göttlicher Witz, wenn es trotz alledem nnsren Genossen am 26. Okiober bei den National- ratsivahlen geläuge, den ganzen, so fein ausgeheckten Ranbplan zu vereiteln nud alle ucun Mandate für die socialdemokratischc Partei zu erobern. Tie Außersihlcr Wahlcrfolge haben den Boden für weitere socialdemokratischc Siege geebnet.— Frankreich. Vom Kulturkampf. Die erneute Schließung der Schule in Landerneau, über die der Telegraph bereits kurz berichtet hat, hätte diesmal vielleicht größere Schwierigkeiten bereiten künncn, ivenn die Schwdstcrn und die Blutern von der Ankunft der Truppen in KenutuiS gesetzt worden wären. Es gelang dem RegiermtgS- kommissar, der in Begleitung einer Conipaguic Infanterie anrückte, die Schwestern zu überrumpeln. In dem Pensionat fand sich alles für einen cucrgischeu Widerstand vorbereitet: Hof- und Zimmcrthürcu waren mit großen eisernen Gittern versehen, schwere Möbel bereit gestellt, um die Eingänge zu verbarrikadieren. Die Schwestern leisteten keinen Widerstand, versteckten sich aber alle; wie es heißt, gelang es zweien im Hause zu verbleiben. Nachdem neue Siegel angelegt wäre», zogen die Truppen wieder ab; mm kann das Spiel von neuem beginnen.— Der Liller Gemeindcrat nahm eine Nesolntion an, in welcher er den Maßnahmen der Regierung zustimmt. Dieselbe verlangt ferner die Anfhebimg sämtlicher Kongregationen und des Kou- kordats.— Niederlmide. Die Wahl in Amsterdam IX. Amsterdam, 13. Scpk.(Eig. Ber.) Die Ersatzwahl, welche in dem neunten Amsterdamer Wahl- bezirk stattgefunden hat, ist einer der glänzendsten Siege gewesen, welche bisher die Socialdemokratie in Holland davongetragen hat. Bei den allgemeinen Wahlen in 1901 wurden 877 socialdemokratischc Stimmen abgegeben; in einem Jahre stieg diese Zahl auf 2030. Ist ein Teil dieses Erfolges der energischen Agitation zuzuschreiben, zu welcher unsre Genossen bei dieser Ersatzwahl besser im stände waren, als bei den allgemeinen Wahlen im Vorjahre, weil ivir uns damals in 31 Kreisen an den Kampf beteiligten, so erklärt doch diese eine Ursache die besonders rasche Steigerung unsrer Stimmcuzahl nicht völlig. Zivci Motive kommen hier in Betracht. Im Jahre 1901 erhielten die Liberalen 29 Proz. der nbgegcbcucn Stimmen, jetzt 15 Proz.; die Radikalen erhielten 1901 und 1902 18 Proz.; die Klerikalen erhielten 1901 34. jetzt 30 Proz.; die socialdemokratischen Stimmen stiegen von 19 auf J? Proz. Daraus erhellt, daß in seinem ersten Negiernugsjahre der Reisc-Minister Dr. Kuhper,„der Mann der kleinen Leute", sich durch seine militarisliichen und renkliouärcn Bestrebungen das Vertrauen des Volkes nicht erworben hat, ferner, daß die liberale Partei, nachdem sie als Negicruugsparlei abgcwirt- schnftet hat, als Oppositionspartei erst recht verloren ist. Das ist die Quittung dafür, daß sich der Liberalismus in der Kammer völlig unter dein klerikalen Regimente fügt und eifrig in Svcialistcn- bekämpfnug macht. Auch den Radikalen ist cs nicht gelungen, obwohl sie diesmal mit einem ihrer beliebtesten Männer in den Kampf traten und so stark wie nur iiivglich ihre antiklerikale und praktische social- reforiuatorische Gesimiung betonten, eiuen größeren Teil der Wähler für sich zu gewinne». Die einzige Partei, welche ein schallendes Vertraueusvolnin als kräftige Oppositionspartei gegen Lebens- mittclvcrteuernng und VolkSucrduininuiig bekam, war die Social- deinökratie. Aber auch als eins der eifreulichsien Zeichen deS VerschwiudenS dcS AnarchiSüiuS gilt dieser Sieg. Amsterdam IX ist der größte Wahlkreis der Hauptstadt, ein typisches modernes Arbeiterviertel. Fabrikarbeiter und Arbeiter ans dem Baugelverbe wohnen hier in großen Massen, und unter ihnen findet der Anarchismus, der gerade in den letzten Monaten mit imerhörtem Lärm in der Gewerkschafts- bewegung seine letzten Trümpfe gegen die Socialdemolratie aus- spielte, noch einen Hort. Troelstra ist sein meist verhaßter, sein nieist verleumdeter Feind. In diesen Kreisen hat aber misre Wahlagitation einen begeisterten Wiedcrhall gefiiudeui! Gelingt es uns, den vorläufigen Erfolg des ersten WahlgangcS durch die Stichwahl zu vervollständigen, so ist Troelstra in der Kammer der Vertreter eines beträchtlichen Teiles der Amsterdamer Arbeiter- bcvölkeruNg. Die Nachwirkung dieses Sieges wäre für die Ent- Wicklung der Socialdemokratie in Holland von der größten Be- dcutung.— Italien. Zauardclli hielt am Sonntag in Neapel eine Bankcttrede, in der er erklärte, daß, wie er im Jahre 1883 ebenfalls in Neapel er- klärt habe, das n n w a n de I b a r e P r o g r a m in seines Lebens sei, den unerschütterlichen Bund zwischen der Frei- h c i t und der Monorchie herzustellen. Der Ministerpräsident verbreitete sich über die Fürsorge Italiens für Neapel und die Süd- Provinzen und criniierte an die Bcwillignng' der apulischen Wasser- leitung, an das N c b c n b a h n g c s e tz. das hanplsächlich dem S ü d e n zu gute komme, an die Mitwirkung der Regierung zur Regelung der G c s n n d h e i t s v e r h ä l t n i I s e Neapels sowie zur Ordnung seiner G e m e i n d e f i n a n z e u und die Einsetzung der Konmiission zur Hebung des industriellen Lebens in Neapel, deren Vorschläge durch die Kräfte des Slaates■ nach Möglichkeit gefördert werden sollen. Durch das Gesetz über die Ab- s ch a f f ii n g d e s O l t r o i s a u f Brot, das 1904 völlig durch- geführt sein werde, sei der B r o t p r e i s g e s n n k e n und werde iioch mehr sinken; diese imd die socialen Maßnahme n de r Regier n u g seien Handlungen der socialen Solidarität zum Besten der l e i d e n d e n K I a s s e n, welche die Bevölkerung Neapels zu würdigen wissen werde. Neben der Aufgabe des Staates aber müsse mau der Pflichle» der freien Kräfte der Initiative des Einzelnen und der Bereinigungen eingedenk bleiben.— Dänemark. Die WahlmaimSwahlen znni Landsthing. Am 10. September wählten die Höchstbestencrlen ihre Wahlmänner, und damit sind die Wahlmannswahlen beendet. Am 19. d. M. werden die gewählten Wahlmänner znsanimen mit den Großgrundbesitzern, die aus eigner Macht die Qualität eines Wahlmannes besitzen, die Abgeordneten wählen. Die Parteirichtniig dieser Leute läßt sich nicht genau fest- stellen. Nachdem aber auch die Wahlen der Höchstbestcuerteii in nenn Gemeinden Verluste für die Konservativen nnd Gewinne anWählmännern für die Liberalen gebracht haben, nimmt„ S o c i a l d e m o k r a t e n" an, daß die Zahl'der konservativen Abgeordneten von 35 auf 23 bis 29 herabsinken wird, die der Gemäßiglliberalen von 4 ans 2—3; die Zahl der Liberalen von 16 auf 23—25 steigen tvird.— Interessant und bezeichnend für den Zug nach links und für das Wachstum der Socialdemokratie ist die Ziisainnicn- stellung der Wahlergebnisse aus den Städten. In den 43 Städten, die diesmal an der Wahl beteiligt waren, wurden zusammen 132 Wahlmänner geivählt. Davon sind 58 Konservative, 42 S o ci a l- demokraten und 30 Liberale, einer ist„Moderatcr" und einer gehört den„Acht", einer konservativen Sondergrnppe, an. Im Jahre 1894 wurden in denselben Städten 113 Konservative, 15 Liberale. 1 Moderater, aber kein Socialdemokrat gewählt. Die Kon- servativen hatten 1894 88 Proz. der städtischen Wahlmänner. ihre Zahl ist aus 44 Proz. herabgegangen, die der Liberalen von 11 Proz. auf 23 Proz. gestiegen, die Zahl der Socialdemokraten von nichts auf 32 Proz. Die gemeinsame Demokratie hat in 17 Städten ganz, in 4 teilweise gesiegt. Die Liberalen nnd Social- demokraten gingen in 33 Städten gemeinsam zur Wahl, bekämpften sich aber in 10 Städten. Von diesen 10 siegten in 3 Städten die Liberalen, in 3 andren die Socialdemolratcn und die 4 übrigen fielen die Konservativen anHeim.— Schweden. Von den Wahle» zur zweite» Kammer des schwedischen Reichstags sind 133 von sämtlichen 230 Wahlen beendet worden. Die Liukenpartei, welche bisher 90 Sitze inne hatte, gewann bis jetzt 13 Sitze. Die Rcchtenpartci(sog. Landmaimspartei), welche bisher 116 Sitze hatte, verlor bis jetzt 16.— England. Irischer Masscnprotcst gegen die Crimeö Akt. Im Phönixpark in Dublin fand eine Massenversammlung statt, in welcher der Lordmayor den Vorsitz führte und an welcher 20 000 Einivohner teilnahmen. In derselben ivurde eine Resolution an- genommen, durch ivelche mit Entrüstung die Beleidigung u n d d e r S ch i m p f, welche der Stadt durch die gegen dieVereins- frcihcit gerichtete Proklamieruiig der Criines Akt zugefügt worden seien, zurückgewiesen werden, und durch welche die Versammlung verpflichtet wird, an der Ausbreitung der „United Jrish Leagne" mitzuarbeiten! Dillon und O'Brien sowie andre nationalistische Abgeordnete hielten heftige Ansprachen, griffen den Chefsekretär Wyudham scharf au und erklärten, die Proklamation werde die Macht der Nationalisten erhöhen.— Afrika. Die Repatriierung der Bocrcu wird besonders im Zont- spanSberg-Gebiet durch den Mangel an Bich und landwirtschaft- lichen Geräten erschwert. Diejenigen, die sich bereits wieder ans ihren Farmen befinden, können das Land nicht bebauen, da ihnen die nötigen Hilfsmittel fehlen. Sie kehren daher vielfach in die Znfluchtslager zurück. Infolgedessen herrscht unter der Bevölkerung große llnziifriedeiiheit. Es wird besonders darüber Klage geführt, daß das zur Verfügung ge- stellte Zugvieh vielfach zu schwach ist, um bis zum Be- stimmuugsort äusznhalteii und auf den langeu Wegen bis zu den entlegenen Farmen krepiert. Seit Anfang Juli sind 300 Familien von Pietersburg aus auf ihre Farmen zurückgeschickt worden, viele sind jedoch wieder um- gelehrt und lassen sich hier weiter verpflegen.— Voliicllickieo, Goviclilliches«sw. — Anö Oberschlesien. Genosse M o r a w s k i stand am Sonnabend wieder eiiiinal vor Gericht nnd wurde wegen Beleidigung eines Amtsvorstchers Holubcck in Chorzow zu 300 M. Strafe ver- urteilt. Die Beleidigungen sollen in Beschwerden enthalten sein, die Morawski einer armen Frau angefertigt hatte. — DaS vierzehnte Strafuiandat hat jetzt Fran Berger in Danzig, die Wirtin des dortigen Parteilokals, erhallen. Weil eine Sitzung des Maurcrvcrbnudcs im Lokal staltfnud, soll sie wieder 15 M. blechen oder drei Tage brummen gehen. Die Gesamt- strafsnmme erhöht sich hierdurch ans 132 M. oder 37 Tage Ge- fängnis. — Keine Majcstätsbcleidignng! Wie seiner Zeit mitgeteilt. wurde die«Angsburger Bolksztg." am 8. Juli konfisziert. In der betr. Nummer war unter dem Titel:„Mnjeslälsbeleidiguiigen einst nud jetzt" das Kuhnsche Werk über Majestätsbeleidigimgen in der römische» Kaiserzcit besprochen worden. Tie gegen die Konfiskation erhobene Beschwerde wurde verworfen und gegen den Geuosseu Roll- wagen Anklage erhoben wegen Beleidigung des deutschen Kaisers, Beleidigung des Prinzregciitc» und wegen eines Vergehens gegen Z 131(Verächtlichmachnug von Staatsciiirichtuugeu). Wie nun die „Augsb. Volkszlg." berichlek. bat' Gcnoffc Rollwagen jetzt vom ersten St'aalsmiwalt am Landgericht Augsburg die Aullageschrift erhalten. Ter Staatsanwalt bcainragt darin, gegen den tllcdactcur Haus Roll- wagen wegen eines durch die Press« verübte» Vergehens wider die öffentliche Orduuug nach 8 13l R.-St.-G.-B. das Hauptveifahrcn zu crösfiieu. Der StaatSamvalt scheint alio die Anklage wegen Majcskäts b clc id! g ung nicht mehr aufrecht halten zu wollen. Auch. dürfte die Eiuslclluiig des Verfahrens gegen Frau E. Rollwagen als Druckeriii und. den Verleger I. Gebhardt, gegen die ebenfalls Voruiitersuchuiig cingcleiket war. zu erwarten sein. TtM Kottgttß der sMnisllp Arbtitermtei. In Gijon(Asturicn) fand vom 29. Angnst bis 1. September der sechste Partciiag der socialistischen Partei Spaniens statt, der von 48 Delegierten besucht war, von denen 46 socialistische Zweig- vereine(im Ganzen 73) vertreten, während die andern zwei von dem Pnrteivvrsiaud, dem Natiöiinl-Komitre, abgeordnet waren. Da die spanische social istische Arbeiterpartei nicht jährlich ihren Kongreß abhält und seit dein letzten, der vom 17. bis 20. September 1899 in Madrid tagte, drei Jahre verflossen sind, fand sich Ber- schiedencs nachziiholen. damnter die Berichlerstattmig über die Teil- nähme am Pariser intcrnaiionale» socialistischen Kongreß und über die Beteitiguug am internationalen socialistischen Burcan. Die Haltung der Delegierten und ihre Zustimmung zum Autrag Kautsky wurde allgenicin gebilligt, sowie der Parteileitung und dem Central- orga»..El Socialisla"(Der Socialist) für ihr Verhalten in den Kämpfen der letzten Jahre eine Anerkenninig ausgesprochen. Ebenso fand die Thätigkcit der socialistischen Gcmeinderats- Mitglieder die Znstimmnng des Parteiorgans, der zugleich die Ausschließung eines früheren Mitgliedes des Muuizipalratcs von Bilbao, des ehemaligen Leiters nnsrcS dortigen Parteiorgans, der „Onclia de Clases"(der Klasieiikampf) bestätigte, nicht iveil dieser in seiner Eigenschaft als Municipalratsmitglied sich vergangen, soudcrii weil er als Rcdäcteur uusrcS Blattes von einer Spielbank Schweigegelder angenommen hatte. Als wichtigster Gegenstand der Beratung stand diesmal auf der Tagesordnung die Frage, unter welchen Bedingungen die Partei, wenn die politische» Umstände dazu nötigen, mit den �vorgeschrittenen bürgerlichen Parteien"(in Betracht kommen jpcciell die republikanischen Föderalisten und die Radikal-Repu- blilauer) gemeinsam gegen die Regierung vorgehen darf. Beschlossen wurde, daß nur dauu ein Biinduis mit gegucrischeii Parteien ab- geschloffen werden dürfe, wemi die Regierung die deutliche Absicht verrät, irgend welche der jetzt bestehenden Volksrechte aufzuheben oder sie durch entsprechende Maßuahmrii ciiizuschrkukcn. Doch kann auch in solchem Fall der Beschluß nicht ohne weiteres von einzeliicuLokal-odcr Provinzialverbänden gefaßt werden; die Eutscheidmig darüber, ob ein solches Bündnis einzugehen ist, ist vielmehr Sache der Gesamt» Partei, und nur wenn mmdcstcns zwei Drittel der organisierten Parteigcuossen sich in der Abstimmimg für eine Koalition erklären, darf mit bürgerlichen Parteien ein derartiges Uebereiukommcn ge- troffen werden. In weiterer Debatte wurde beschlossen, daß, da das jetzige Uiifallgesetz nur für Industrie-Arbeiter gilt und die Landarbeiter keine Ansprüche ans Eulschädigmig für die während ihrer Arbeitsthätigkeit erlittenen Unfälle haben, die Regierung nachdrücklich auf- zuforderu sei, die Bestimmungen dieses Gesetzes auch auf die Landarbeiter anszndehiieii. Ferner wurde der Beschluß gefaßt, daß auf Kosten der Gesamtpartei ein Agitalionsfeldzug in Ändalusien unternommen werden solle zu dem besonderen Zweck, die andalnsischen Landarbeiter zur Partei herüberzuziehen. Sodann wurden folgende Anträge angenommen: 1. An die Regierung die Forderung zu richten, die kousiitutioncllcn Garantien in Katalonien wiederherzustellen, und zugleich gegen den dortigen BelagcrungSziistand zu protestieren, der cs den Arbeitern unmöglich macht, sich zu versammeln nnd sich zur Bei- besserung ihrer Lohn- und Arbeitsverhältnisse zu organisieren. 2. Gegen die Maßnahmen des Ministers der ösicntlichcn Arbeite» zu protestieren, die daraus hinniislailseii, den Eisenbahnarbeitern und -Angestellten ihr KoalitionSrccht zn verkümmern. 3.(Denen die türkische barbarische Unterdrückung des armenischen Volkes wie auch gegen die russische Autokratie zu protestieren, der jede-Z Mittel recht ist, um die politische Entivicklnng aufzuhalten und die Arbeiter daran zu hindern, sich zum Ziveck ihrer Emancipatio» zu organisiereiu Zum Schlich beschäftigte sich der Parteitag mit'�dcn Barbe- rcituugen, die für die Abhaltung des nächsten Kongresses zu treffen find, besprach die Vertretung der spanischen Arbeiterpartei auf dem nächsten internationalen socialistischcn Kongrcst und nahm nach Erledigung verschiedener geschäftlicher Angelegenheiten die Neu- ivabl des Nationalkomitccs vor, als dessen Sitz wieder Madrid destimmt wurde. Leider schloff der Kongreff mit einem traurigen Vorfall. Ein föderalistischer Republikaner, ein Mensch mit anrüchiger Vergangen- beit, der zu den Anarchisten nahe Beziehungen hat, stürzte sich auf den Delegierten für Avilcs, als dieser eine Zeitung zur Hand nahm, und versetzte ihm von hinten mehrere Dolchstiche, die unfern Genossen schwer am Kopfe und Hals verwundeten; und doch hat dieser nie nut dem Angreifer irgend einen Streit gehabt. Das Verbrechen, das in Gijou aNgeincine Aufregung hervorrief, wurde allerseits verurteilt; nur die Anarchisten verteidigten es in einer Versammlung. Pablo Jglesias/ Nus Fttdnltviv mit» Die Preispolitik des HalbzengverbandeS. der nach dem Auslände seine Erzeugnisse um 20 bis 23 Proz. billiger exportiert. als er sie seinen deutsche» Abnehmern überläßt und dadurch letzteren, soweit sie für den Export arbeiten, eine gefährliche Konkurrenz auf den Anslandsmärkte» schafft, bildet seit längerer Zeit den Gegenstand fortgesetzter Klagen der deutschen Fcrtig-Jndnstrie, ohne daff sich bisher der Verband in seiner Machtfülle dazu verstandenhat, den deutschen Halb- zeug-Bcrbrauchern die geringsten Konzessionen zu machen. Treffend be- merkt dazu die„Industrie" in einer llcbcrsicht über die Lage des rheinüch-ivestfälischen Eisenmarktes: „Diejenigen, die glaubten, daff der Halbzeugverband endlich seine hohen' Preise ermäßigen werde, haben sich arg getäuscht. Die wiedennn von der Vereinigung der Halbzengvcrbrauchcr an den Verband gerichteten dringenden Vorstellungen habe» also gar keine» Eindruck gemacht. Ja wir haben das Gefühl, daff gerade der Hin- weis auf die nicht zum Verbände gehörigen Martimvcrke, die alle Unterstützung finden würden, gerade das Gegenteil von dem bewirkt hat, was er beztvcckte. Wir kennen die Ansichten und Meinungen der maßgebenden Herren! Stolz und Empfindlichkeit sind gar leicht verletzt, zumal Ivenn Leute eine offene Sprache führen und gar wagen, eine versteckte Drohung vorzubringen! Und die Halbzeug- Verbraucher sind eben abhängige Leute und sie sollen ja nicht einmal cxistcnzberechtigt sein! Es ist übrigens der Einwurf gemacht worden, daff eine Ermäßigung der Halbzeugpreise einen ungünstigen Eindruck auf den ganzen Eisemnarkt machen und auch die fertigen Er- zcuguisse nach sich ziehen würde! DaS ist ja eine wunderbare Logik, um die Haltung des unbeugsamen HalbzengverbandeS zu recht- fertigen, aber sie ficht ans schwache» Füße». Danach dürfte der Verband also überhaupt nicht seine Preise heruntersetzen, weil das immer einen. schlechten Eindruck machen könnte"! Er muff demnach seine Sätze so hoch halten, daff seine Abnehmer zu Grunde gehen, er muff sest bleibe», bis die Verbraucher alle am Boden liegen. Nach dem Anstände sind Knüppel zu 74 M. foli. Antwerpen verkauft worden; unsre inländischen Werke zahlen dafür frei Hütte L8 Vt. Bei 10M. Anöfnhrvcrgnlung und etwa 3 Fracht bleiben zur Verarbeitung für das Anstand noch ininier vll M.. also fast 20 M. die Tonne mehr zu rechnen, als den belgischen Werke». Diese werden also gegen die deutsche» Wettbewerber durch den deutsche» Halbzcngverband so gestärkt, daß die Ausfuhr für nnsrc kaufende» Werke einfach nnnwglich wird. Die belgischen Hütten werden gekräftigt und lebensfähig gemacht, die deutschen Abnehmer lahuiggelegt— das ist die Folge der nachgerade ganz unfaffbaren Haltung des Halbzcug- vcrbaudes. So können die Dinge aber unmöglich lvcitcr gehen und wir sind gespannt, ob die auf das äufferste erbitterten Verbraucher diese Behandlung hinnehmen oder sich nunmehr zu andren Schrillen entschließen werden." Von der„Köln. Volksztg." wird zwar berichtet, daff bei gröffercn Lieferungen der Verband feinen inländische» Knuden nur 03 M. pro Tonne Stahlknüppcl ab rheinisch- ivcstfälische» Merken bc- rechnet; aber selbst in diesem Fall würden zum Beispiel die belgischen Drahtwalzwerke die deutschen Stahlknüppcl noch um 16 M. billiger kaufen können, als ihre deutschen Konkurrenten. Den» die belgischen Drahtwalzwerke können Knüppel z» 74 M. pro Tonne verarbeiten, ivährend das deutsche Werk in seinem nach Belgien zn versendenden Draht mit 93 Mk.— 10 M.— 83 M. und 3 M. Fracht, zusammen also mit 90 M. für Knüppel z» rechnen hat. So„schützt" der Halbzengverband die„nationale" Industrie l Nach Mitteilung der„Köln. Volksztg." beabsichtigen die Ver- braucher von Halbzeug endlich energische Maßregeln gegen die Preis- Politik des Halbzeugverbandes zn ergreifen; sie haben zum 19. Scp- tember eine Versammlung des Verbandes zur Wahrung der Interessen der Halbzengvcrbrauchcr nach Hagen einberufen, um Stellung zu nehmen gegenüber dem Beschlnff des Halbzeugverbaudes vom 6. er. Wie erst jetzt bekannt wird, beschloff der Halbzengverband sogar eine Preiserhöhung um fünf Mark pro Tonne, ivelche allerdings jenen Abnehmern abgezogen wird, welche nachweislich kein Halbzeug von auffcusteheuden Werken bezogen haben. «piriinsprodilktionö-Einsckiräuknng. Wie die Centrale für Spiritusverwertnng uns mitteilt, hat das Komitee für die Ein- schränkung der Spiritusproduktion in seiner heute abgehaltenen Sitzung festgestellt, daff die geforderte Mindestveteilignng durch vor- bchnttloscn Beitritt von 90 Prozent des landivirlschaftlichen Kartoffel- kontingcnts erreicht ist, daff weitere 3>/s Prozent des Kontingents in ihrer Erzeugung fest gebunden sind, und hat einstimmig beschlossen. die Verpflichtung zur ProdnktioiiScinschränkung vom 1. Oktober 1902 i» Kraft zn setze». Auf Grund dieses Beschlusses ist der Abschlags- preis für die Mitglieder des Verwertungsverbaudcs mit Geltung vom 1. Oktober er. an auf 36 M. erhöht worden. Staatliche Bcaufsichtignng der Trusts. Nach einer Meldung der Londoner„Morning Post" ans Washington soll die erste An- rcgnng zur Kontrvllierung der Trusts durch die Regierung von George Roberls, dem Direktor des Mnnzwcsens, ausgegangen sein, und zwar schlägt Roberts vor, daß die Trusts der- selben Kontrolle unterworfen werden, wie die amerikanischen Nationalbanken, so daff sie in bestimmten Zwischenräumen ihre Bücher Regicrungsinspektoren zur Durchsicht vorzulegen hätten. Auf diese Weise erhalte die Regierung Kenntnis von den verschiedenen Transaktionen der Trusts und könne danach Iveitere gesetzgeberische Maffiiahmcn treffen. Der Vorschlag verlangt also eine ähnliche Beanfsichtignng, wie sie in Deutschland und Oeftreich ein Teil der Kartellgegncr fordert. Vorläufig vermögen Ivir aber noch immer nicht z» glaubt», daff dem Geschrei gegen die Trusts, das in den letzte» Wochen wieder mal besonders heftig im Dollarlande entbrannt ist. eine ernsthafte gesetzgeberische Aktion folgt; und die sonderbaren Umstände, unter denen der redselige Mr. Roosevelt zu seinen heimischen Penaten zurückgekehrt ist, bestätige» diese Auffassung. Die herrschende republikanische Parteitlique ist nun einmal unbedingt auf die reichen Geldmittel der Trusts angewiesen. Pom New Borkcr Geldmarkt. Das amerikanische Schatzamt ist eifrigst bemüht, so weit es kann, die Lage des New Dorker Geld- niarktcs zn erleichtern. Der Schatzsekrctär hat die Nalionalbaiike» ersucbt. alle unvcrpfändctcn BondL, über die sie verfügen, dem Staatsschatz einzusenden, der dafür bei diesen Bauken den Nominal- Ivert jener Bonds hinterlegen wird. Der Schatzsckretnr erwartet, daß infolgedessen 4 Millionen Dollars aus dem Staatsschatz fließen, dessen Barbestände sich stetig mehren; er hat auch beschlossen, den am 1. Oktober fälligen Zinsbetrag in Höhe, von 4 200 000 Dollar im voraus zu zah'lcn. Auch die bekannte Flcischversand-Firma Arinour u. Co. in Chicago hat, wie Iclegraphisch gemeldet wird, 4 Millionen Dollar nach dem New Aorker DarlehnSmarlt gesandt. Zugleich erließ der Schatzsekretär die Erklärung, es liege kein Grund zur Beunruhigung vor; es seien gegenwäriig, außer in New Aork, nirgendwo Anzeichen eines Mangels an Umlaussmitteln vorhanden, und dies sei auch für die nächste Zukunft nicht zu er- warten, und selbst in New Jork sei der Zinssatz für kaufmännische Wechsel nicht hoch. Vorläufig zeigt der Markt jedoch noch keine Er- holung. Der Wochenausweis der Rationalbankcn weist eine Ab- »ahme der Ucberschuffreserve um 3 373 300 Dollar auf, eine Abnahme des Mciallbcstandcs um 5 810 000 Dollar und eine solche des Noten- bestnndcs um 1221000 Dollar. Zum Kampf um die Frachten nach Südamerika. In betreff der heutigen Meldung des Londoner„Staudard", vom 16. bis 20. September werde in Ostende eine Konferenz der Leiter der den Verkehr zwischen Europa und Südamerika unterhaltenden Dampfer- linienstattfindcn, anfdcrdieBildung eines neuen atlantischen Schiffahrts- trustes eingeleitet werden solle, wird der.Hainburgische» Börsenhalle" von der Direktion der Hamburg-Amerika-Linie folgendes mitgeteilt: Die Nachricht von der Bildung eines neue» atlantischen Dampfer- trnsts ist unbegründet. Die Konferenz in Ostende solle lediglich der Besprechung des Frachtverhältnisse unter den an der Südamerika- nischen Fahrt beteiligten Linien dienen. Nach den nencsten Nachrichten wird übrigens die Konferenz wahr- scheinlich ühcrhanpt nicht stattfinden. Ahn drv Fvnnrnbcwrgttng. Zum Persammlnngörccht der Franc». Unsre Düsseldorfer Parteifreunde hielte» in Gerresheim im großen Volkmannschc» Saal eine ösfcutliche Versammlung ab, z» welcher auch Frauen zahlreich erschienen Ware». Nun verlangte der überwachende Polizist die Entfernung der Franc» ans dem Saale, dem stattgegeben wurde, um die Versammlung nicht zur Auflösung komme» zn lassen. Auf die seitens unsrcr Genossen eingelegte Bc- schwerde ist nun die folgende Antwort eingelaufen: Der R.ft»nmgS.Präsid«»t. Düsseldorf. 3. September 1902. Ihre gegen eine Anordnung der Polizciverwaltuug zn Gcrres- heim eingelegte Bcschivcrde vom 3. August ist mir von dem Herrn Landrat des Landkreises Düsseldorf zur zuständigen Entscheidung vor- gelegt worden. Nach Prüfung der Angelegenheit teile ich Ihnen mit, daff daS Verlangen der Polizeiverwallung zu Gerresheim a»f Enlscrnnng der Frauen aus einem Saal, in dem am 27. Juli d. I. eine öffentliche Versammlung abgehalken wiirdc, nicht gerechtfertigt gewesen ist. Ich habe die Polizcivcrwaltnng angewiesen, den bclrejsenden Beamte» auf das Unzulässige der von ihm getroffenen Anordnungen aus- mcrkjam zn machen. v. Hollenffer. Ter Percil: Berliner Tieustherrschasten und Dienst- angcstclltcr veranstaltet am Donnerstag, den 18. d. Mi-"., abends SVä Uhr, in Cohns Feslfäten, Benthslr. 20. eine össenltiche Ver- sammluitg, in welcher Herr Dr. Penzig über das Thema:„Dienst- boten und Kinder" sprechen ivird. GvtvovlisÄzoft! izszeO. Berlin und Umgegend. Buchdruckei streik. In der Vnchdriickcrci von Louis Aorchardt. Wilhelmstraffc 120. hat das gesamlc Setzer- und Druckerpersonal wegen T a r i f st r e i t i g k e i l e n Montag die Arbeit niedergelegt. 2 ie Ursache» wäre» die folgenden: Seit längerer Zeit haben bei dce Firma thätige Agenten für Drucksachen dcrselvcn billigere Arbeitskräfte offeriert, um die höher eutlohnle» Gehilfe» dadurch zu verdrängen. Auch in der letzlen Woche find derartige Fälle vorgekommen. Bei der Entlassung hieff es iinmer: Sie leisten i»ir zn wenig. Sic sind mir zn teuer! Trotzdem einzelne schon jahrellmg bei der Firma 'thälig waren und erst i» den letzte» Woche» Lohnziilage» erhalte» hatten. So ivurde am vergangene» Sonnabend ein seit mehreren Jahren bei der Firma beschäftigter Setzer entlassen, tveil er der Firma angeblich zu teuer war, nachdem vorher eine billigere Arbeitskraft von eine»! Agenten engagiert wurde. E s i st dies ein dem Tarifvertrag>v i V e r j p rechendes Verfahre», das die Gehilfen sich nicht gefallen lassen durfte», nicht allein ivegcn der L o h» d r ü ck u n g, sondern auch ivegen der unbotmäßigen A r b c i t s v e r in i t t c I u» g. Alle Verhandlungen seitens der Gehilfe» und des GanvorstaudeS blieben erfolglos, wohl hauptsächlich auS dem Grunde, ivcil der Agent Köhler(früher Faktor bei der bekannten Firma S. Schneider), dahinbestrebt, der nicht nur die billigen Arbeitskräfte der Firma empfahl, sonder» vorwiegend darauf bedacht ist, Drucksache»» in jeden Preis für die Firma herbeizuschaffen. AuS der Arbeitskraft der Gehilfe» soll dnini alles hcranSgegnetscht werden. Daß die tariftreu« Gehilfenschaft nicht dazu die Hände bieten darf, versteht sich von selbst und ersuchen wir daher nnS diesem Grunde bis zur Beilegung der Differenzen die Ossicin zn»icidcn. Verein der Berliner Buchdrucker und Schriftgießer. Der Streik der Banklcmpncr ist beendet. Die am Sonn- abend auf dem Gciverbegericht getrvffciicu Vereinbarungen sind von Arbeiinchmcru und Arbeitgeber» vollinhaltlich gutgeheißen und darauf von de» Vcrtrcler» beider Parteien am Sonntag unterzeichnet worden. A m Montag früh lv u r d e daraufhin bei allen Firmen d i e bl r b e i t>v i e d e r a u f g e u o m m e«ii. Damit hat die Organisation der Metallarbeiter»ach zweieiuhalbwöchcntlichem Kampfe abermals einen schöne» Erfolg errungen. Es heißt imil, Obacht zn geben, ob die Arbeitgeber die unterschriftlich anerkannten Berpflich- tuugcn auch in vollem Maße imiehalten iverdcn, und ivird es Sache der Gehilfe» sein, hierauf ein lvnchsamcS Auge zu haben. Selbstverständlich ist auch, daß diejenigen Arbeitgeber, die weder der Innung noch der freien Vereinigung angehören, nur zu dem mit der Arbeiterorganisation vereinbarte» Bedingungen Klcmpuergehilfcn bc- kommen. DcnIschcS Relcki. Die Steinsetzer in Kottbnö haben ihre Lohnbewegung vertagt. Dazu scheint hauptsächlich der Umstand Vernulafstmg gegeben zu habe», daß der M a g i st r a t für den Fall des Streiks— so wurde in einer Meisterversammlmig behauptet— gegen die Arbeiter Partei ergreifen wollte. Die Meister wollen vom Magistrat die Ziisicherinig erhalte» haben, daß er. wenn der Streik ans- brechen sollte, die offenen Straßen durch Arbeiter mit Steinen zupacken. Kies darauf schütlc» und so die Arbeit bis zum Frühjahr ruhen lasse» «verde. Man scheint dem Magistrat von KottbnS, dessen Mitglieder übrigens liberal sein wolle», einen derartige» Eingriff i» die Lohn- beivegimg der Arbeiter zuzntraueir, dem, die Steinsetzer beschlossen daraufhin die Vertagung ihrer Bewegimg. Der Tarif, de» die Dresdener Feingoldschläger durch ihren kürzlich beendeten Streik a»fs neue festgelegt haben, läuft bis zum 30. Jrmr 1904. Er setzt die 8'/- ständige Arbeitszeit fest und bestimmt»mtcr aiiderm, daß organisierte Arbeiter und Ar- beiteriimen der Fcingoldschlägerbranche nur in taristreuc» Betriebe» Arbeit nehme» dürfen, Ivährend sich die Inhaber tariftreuer Geschäfte verpflichten, Arbeiter und Arbeiterinnen andrer Schläger« gewcrbe jolvie Nichtorganisierte Arbeiter nicht einzustellen. Als Organe zur Durchführung des Tarifs gelten die beiderseitige» Organisationc»: Die Feiiigoldschläger-Vercinigung Dresdens und der Deutsche Metallarbeitcr-Verband bezw. die von beiden Seiten ernannten Vertreter. Alle Streitigkeiten aus dem Tarif oder ans dem Arbeitsverhältnis müssen, bevor weitere Schritte»nternomnrcn werden, erst in einer Kommission, zusammengesetzt aus de» Vertrauensleuten der Gehilsen rmd der Prinzipale, diölutiert werden. Metallarbeiter. Wie schon kurz berichtet, wurden am Dienstag, den 9. September in der Metallwarenfabrik von Steinfeld u. Blas« berg in Hannover sämtliche Arbeiter, 124 Mann, ans- g e s p e r r r. Als die Kommission, die am Montag der Firma die Forde- derurigen der Arbeiter mrterbreitele, die im lveseiitlichen darin gipfeln, für gelernte Arbeiter einen Stundenlohn von 38 Pf. und für im- gelernte einen solchen von 33 Pf. bei der bestehenden 9Vsstnndigc» Arbeitszeit zn geben, solvie bei Accordarbeiten den Stmrdcnlohn zu garantieren rmd feste Accordsätze einzuführen, vorstellig rvurde, um Antwort zn bekommen, ivurde ihr ans Anleitung des Betriebsleiters, nachdem es erst schien als wollte die Firma Zugeständnisse niackien, kurz bedeutet, daß alle Arbeiter ivelche an den Forderungen festhalten, entlassen seien rmd am Miltivochabcnd Geld und Papiere erhalten können. Es waren nun alle Arbeiter ausgesperrt und beschäftigt die Firma trotz der krampfhaftesten Anstrengungen, die sie macht, n»r Ersatz zu finden, nur jugendliche Arbeiter und ca. 10 sogenannte„Bontschers". die schon als AllcriveltSstreikbrechcr bekannt sind. Herr Blasbcrg erklärte, V e r b a n d s m i t g l i e d e r wurde er überhaupt nicht m e h r b e s ch ä f t i g e u, am a l l c r w e» i g st c rr aber die Entlassenen. Als dann ein paar Kollegen schoir am Millwochnnchmittag ihr Geld und ihre Papiere holen ivollten, wurde ihne» erklärt, daß sie wohl ihr Geld bekommen könnten, die Papiere aber erst d a n n, w e n n sie alle n» f die s ch>v a r z e L i st e gesetzt s c r e n. Bis jetzt hat BlaSbcrg damit»och nichts erreicht rmd rveim von auswärts kein Zuzug kommt, tvcrden die Absichten dcS IlnteriiehmcrS scheitern. Wir ersuchen nun die Metallarbeiter Deutschlands, uns in dem Kampfe, der sich jetzt in erster Linie nur die Organisation dreht, auf das Nachdrücklichste zu unterstützen; ebenfalls ersuchen ivir die Arbeiterpresse, die Metallarbeiter überall aus den hier bestehenden Kamps aufmerksam zu machen. Tic OrtSverlvnIlnng des deutschen Metallarbciter-Verbaudcs Hannover. Ausland. Z»»i Streik der Eisenhütten-Arbeiter in Trcazebille. Das Streikkomitee der Eisenhütten-Arbeiter erließ einen Appell an die Bergleute und forderte dieselben ans, die Arbeit in den Bergwerken einzustellen. Am Nachmittag begaben sich sämtliche Bergleute dcö Palchrets-SchachtcS unter Absingen der Jnternalionale nach dem permalienten Blirean und crklürien, die Arbeit nicht wieder auf- nehme» zn wollen. Die Arbeilcr in Miramout, die schon wieder cingctrelcn waren, verließen sämtlich wieder die Arbeit, begaben sich anf den Platz Decazes und sangen die Earnragnole; auch die Berg- teilte von Aonrrean haben die Arbeit niedergelegt. In einer von 4060 Personen besuchten Versamnilimg erklärten Tailcffer rmd Mozart den Generalstreik in den Sleinkohlcngrnbcn. Die Bärkerci-Arbrlter Italien? hielten dieser Tage in Genna einen Kongreß ab und griindeten einen Nationalverband; »»'treten ivarc» 30 Städte. Es wurde beschlösse», eine gemeinsame Widcrstandskasse zn gründen. Eine Resolution spricht sich gegen die N.ulUaideil an", in einer andren ivird die Beseitigung der privaten Siellcnvornüttlcr gefordert; zugestinmit wird einer Resolution, welche die Mililizipalijicrnng der Brolsabrikaliv» verlangt. Soornles. Gegen den Kindcrschntz. Gegen den armseligen Gcsctzenlwnrf zum Schutze der Kinder ivird bereits Sturm gelaufen. Die„Berk. Polit. Nachr." übcrnchmci» mit großem Behagen eine AnSlnssnng der Billinger Handelskammer, die lnfürchict, die armen Schwaizwäldcr Kinder, die in der Uhren- indlistrie ausgebeutet werden, kvimlen von dem Gesetze etwas pro- sitiercii. Da heißt es: Nach dem Gesetzentivrirf dürfen Kinder n. a. in Werkstätten nicht beschäftigt werde»,„in denen Blei, Kupfer, Zink oder Legierungen dieser Metalle bcarbeilet oder vcrarvcitct werden." Des ferneren gelten nach dem Entwürfe auch solche Räume als„Werkstätten", welche zinn Wohnen. Schlafen oder Kochen dienen, wenn darin ge- werbliche Arbeit verrichtet ivird. Da nun in der gesamten Haus- indnsleic ntis dem Schmarzwalde d a s W o h u z i in m e r oder a n ch da« S ch l a f z i in in e r z n m e i st zu gleicher Zeit das A r b e i t S z i in in e r ist, so kommt diese Bejtiininiing für die ganze HanZindnstne des SchivarzwaldeS zur Anweiidnng. Die Arbeit, die von den Hausgewerbetreibende» der llhren- iiidnstric verrichtet wird, vesteht unter andcrni im Zn- sanimensetze» von Bestandleilcn, Sliftcnstccken, Gorlieren usw. Da ferner das Material, ans welchem die Nhrenbcstandlcile her« gestellt sind, zum großen Teil sich als Legicrungen von Kupfer bezw. Zink darstellt, so rmstcht die Frage, ob die oben beschriebene Be» schäftigimgSart der HanSnrbcitcr als ein Ver- bezw. Bcarbcilen von Legieriiligen von Kupfer nsiv. z» betrachten ist. Ist dicS der Fall, so würden nach dem Eulwrirfc die Arbeitsränine der Haus- gcwcrbe-Betricbe der llhrmindustrie zu den Werkstätten ge- hören, in denen Kinderarbeit vcrbolcn ist. Nim kann aber von einer Gciundheitsschädlichkcit dieser Arbeit keine Rede sein,»licl eher t'rrdirnt sie die Bezeichniiilg„Spielerei" als „Arbeit". Andrerseits würde ein Verbot dieser Spielerei die ganze Schwarzwäldcr Hausindustrie zerstören. Ob für die Kinder selbst dadurch irgendwie eine günstige Wirkung erzielt wird, ist zweifehaft, ziemlich sicher aber ist, daß Trägheit und Miißtggang bei ihnen bestärkt würden." Wenn die Sache solche angenehme Spielerei ist, die nur vor Träg- beit und Müßiggang schützt, so ist zn verwundern, daß mir immer die Kinder der Aermsten solcher vorzüglichen Erziehung überantwortet werden. Die Herrschaften, die so lim das sittliche Wohl der Arbeiterkinder besorgt sind, sollten doch dann mit gutem Beispiele vorangehen mid ihre eignen Kinder auf diese angenehme Weise zur Arbeitsamkeit erziehe». Es ist aber in Wirklichkeit nichlS wie Heuchelei; nicht Sorge um das Wohl der Arbeiterkinder, sondern Sorge um den Profit ist eS, die sie bewegt. Wenn die Arbeit, die bisher von Schnlkinder» gemacht wurde, von älteren Personc» gemacht werden muß, dann wird sie auch besser bezahl! iverden»rüsie». Die Dar- lcgnnge» der Handelskammer über die Zustände i» der Schwarzlväldcr Uhreriiiidiistri« köimen mir dazu diene», darauf anfmerkiani zn machen, daß das Gesetz so gefaßt ivird, daff eS auch auf solche Arbeitsweise anlvciidbnr ist. Tie AiiSbeutiing der Bätkerlehrlinge. Zwei Bäckerlehrlinge hatten andauernd den obligatorischen Fort- bildnngSiiiitmicht in Krotoschiii versäumt und tvaren dafür mit Geldstrafen von je 20 M. belegt worden. Gegen das ihnen un- güiislige Urteil de» Schöffengerichts legten sie Bernfiing ein und niachtcn geltend, sie kämen wegen der Arbcitseinleilnng bei ihrem Meister immer erst um 3 Uhr iiachüiittagS zur Ruhe, so daff sie nniiiöglich schon um 7 Ulir i»' der ForlbildnngS- Schule sein kömitc». Sie müßten dann schon um 6 Uhr, also nach dreistündigem Schlafe, wieder anfsleheii und wären dann so müde, daß ihre Teilnahme am Unterricht gar keine» Ziveck hätte. Die Zeit von 7—9 Uhr, in die die UnterrichtSstniiden fielen, sei für Bäcker- lekjrliiige zn niigiinstig.— Das Landgericht verwarf jedoch die Benifnirg der Angeklagten. Es ließ ihre Eiitschnldigrnig nicht gelten und führte ans, sie könnten durch ihren Lehrherr» oder ihre» gesetzliche» Vertreter mir eine Bcrlcgniig der UnterrichtSstiliideir emkonnnen, dürfte» aber auf keinen Fall ohne weiteres vom Unter- richt.fortbleiben. Auch ihre� Revision wurde vom Kanmrergericht verworfen. Für die Jnriften ist ja die Sache anscheinend ganz klar; lvenn die Bäckerlehrlinge von 7 bis 9 Uhr— abends— nicht zur Schule gehe» können, weil sie hundemüde sind, dann müssen sie dafür sorgen, daß sie zn andrer Zeit, vielleicht»in Mitternacht Unterricht erhalten. Das ist so einfach, daß höchstens ei» verschrobener Socialpolitiker daran Anstoß nehincn kann. Außer dem Blciwrist hat der französische Marincminister mm- mehr auch die Benvendmig von arsenikhalligcn Farben imierhalb seines RcfforlS verboten. Dti Dnrchsiihrnng der jicsetzlichcn lNesttinnuttigen zum Schule des WUtschaftSPcrsonals in der Schweiz. Jin jüngst für 1801 erschienenen Gcschnftsl'erichte des Züricher Stndtrcitcö werden unter anderin nnch Mitteilungen über den Vollzug des Wirtschaftsgcsetzcs gemocht. Wir entnehmen denselben, dog wegen Beschäftigung von Wirtschaflsbcdienstctcn noch 12 nnchts in löv Fällen Verwarnungen ergangen und in 98 Fällen Bußen gegen Wirte ver- hängt worden sind. Wiederholt wurde die Entscheidung der Gerichte angerufen, indem verschiedene der Gebüßten dafür hielte», eine Buße sei in denjenigen Fällen nicht gerechtfertigt, wo die Kellneri» noch SWitlernocht freiwillig im Lokal verbleibe und ihr dann doch eine achtstündige Ruhezeit gewährt werde, oder wo die Angestellte noch bei den Gästen bleibe, ohne jedoch zu bedienen oder Dienste zu verrichten. Die Praxis des Bezirksgerichts ivar in solchen Fällen eine schtvankcnde geworden, indem eine Abteilung die Bußen aufhob, während eine andere Abteilung, sich an den Wortlaut des Z 48 des Wirlschaftsgesetzes hallend, die Bußen bestätigte. DaS Obcrgericht hat der strengeren Ansicht recht gegeben, indem eS in seiner t�igeii« schaft als Kassati onSinstnnz in einem Falle erklärte, es sei das'Bc- zhksgericht bei dem in Frage stehenden Falle mit Recht davon ans- gegangen, der Z 48 des Wirtschaftsgesctzcs habe den Sinn, daß die Wtrlschnftsbedienstcten»in Mitternacht die für die Gäste bestimmten Lokalitäten verlassen. Eine Buße sei daher in allen Fällen gerecht- fertigt, Ivo ein Bedicnsteler des Wirtes nach Mitternacht in den Wirlschaftslokolitäten betroffen werde, auch wenn er keinerlei Dienste verrichte. Die Mininiallöhne in Victoria. Dem Fabrikinspektoren- Berichte für 1901 für die Kolonie Victoria ist zu entnehmen, daß dort bereits 38 Lvhnämtcr für einzelne Industriezweige bestehen. Aufgabe dieser Aemter ist es, die Mininiallvhne für jede Kategorie von Arbeitern der betreffenden Branche festzusetzen. Wenn die im letzten Jahre errichteten Boards die Lohnlisten fertig- gestellt hoben werden, dürften im ganzen für 3ö OOO Arbeiter gesetzliche Minimollvhne i» Kraft sein. Die Lohnsätze werden in der Regel eingehalten, mir in der Tischlerei und Möbelindustrie halten die Chinesen die Vorschriften nicht ein und der Obcr-Jnspcktor bemerkt, daß er keine Macht besitze, solche Unigehnngen hintanzuhalten Der Bericht tritt auch der Ausnahme entgegen, daß der festgesetzte Minimallohii regelmäßig den Mnximallohn bedeute: der Ober-Jnspcktor schreibt:»DaS Special- Board-System ist für eine Reihe von Jndustriezlveigen seit 1897 in Kraft und ich zögere nicht zu be bnupte», daß der Minimallohn nie auch der Maximallobn ist. Im Bekleidungsgewerbe z. B. beträgt der durchschnittliche Wochenlvhn für erwachsene Arbeiter 53 sli 6 cl, während der Minimallohii bloß 45 ab beträgt; Frauen müssen wenigstens 20 sir per Woche erhalten und im letzten Jahre erhielten sie durchschnittlich 22 sb 3ck. Im Schuhniachergetverbe beträgt der Minimallohn für erivachsene Arbeiter 42«Ii, ivogegen der durchschnittliche Wochenlohn im Jahre 1901 sich auf 44«b 7 d bclics, und Franen, deren Minimallohn 20 sb ist erhielten im letzten Jahre durchschnittlich 21«Ii 8 d. Auch in der Wäsche-Jndustrie überstieg der mit 20 sb 8 d berechnete DnrchschnittS- wochenlohn den Minimallohii von 16 sd wesentlich; hier handelt eS sich allerdings meist um Stücklohn." nur an Zeitschriften mitarbeiten, die innerhalb des ParteiverbandeS stehen. Heine, Bernstein und David vertreten den entgegen- gesetzten Standpunkt. Diese Debatte ivird morgen fortgesetzt. Mit zur Debatte steht der Angsburger Antrag, daß Polemiken von Parteigenossen gegen Artikel der Partciprcsse mir in Partei-Organen anSgefochtcn werden sollen. Berliner Partei-Angelegenheiten. Erster Berliner RcichstagStvahlkreiS. Am Mittivochabeud 8Vz Uhr findet Fischerftr. 25(Schuhinacher-JnnungShaus) die Wo hl- v e r e i n s- V e r s a in ni l n n g statt. Der Stadtverordnete Genosse Borg m an n hat das Referat übernommen. Gäste sind willkommen. Der Vorstand. Schiineberg. Die Parteigenossen werden nochmals auf die heute Dienstagabend bei Obst stallfindende V e r s a ni m l u n g des Wahlvereins aufmerksam gemacht. Auf der Tagesordnung steht ein Vortrag des Ncdactenrs Gen. H. S t r ö b e l:„Nationale Ehre". Treptow- Baniiischulcnwcg. Mittwochabend 8'/z Uhr findet im Restaurant Michler, Ernst- und Marienthalcrstraßen-Ccke die regel- mäßige Mitgliedcr-Versanimlnng des Wahlvereins statt. Für die Frauen ist ein Abschnitt des Raumes reserviert. Die AgiiiltiM zu Den GemiitDeivHeu wird fortan sich bedeutend schwieriger gestalten als bisher. Denn ein von der„Verl. Korr." nntgeteilter Erlaß des Ministers des Innern ordnet eine Einsdiränkung der Offenlegung der Gemeinde« ivühlcrlisten ini Gebiete des Drciklnsscn-Wahlrechts an. Nach der der Parteitag deutschen Socialdemokratie. Montag- Nachmiitagssitznna. (Vorläufiger Bericht.) Miinche», 15. September.(Privattelegramm.) In der Nachmittags-Sitzung erstattet Gcrisch den Kassen- b e r i ch t. Die lvirtschaftliche Krise mußte naturgemäß auf die Beitragsleistungen ungünstig einwirken, zninal keine feste Beitrags Pflicht vorhanden sei. Die' Einnahmequelle der Erträgnisse nnsrer Partei nnteniehmungen dürfe nicht verstopft werden. Deshalb sei der Antrag von den Berliner Genossen, den..Renen Weltkalender" für 3« Pf. künftig zu verkaufen, sehr bedauerlich.„Neue Zeit",„Wahrer Jakob" und„Gleichheit" würden nunmehr völlig auf Rechnung der Gesamtpartei hergestellt.„Der wahre Jakob" habe einen Rein- Uderschuh von 20 000 M. ergeben, aber durch die von ihm gestützte »Nene Zeit" und„Gleichheit" würde der Ertrag sehr gemindert. Die »Neue Zeit" hat mit eineni Deficit von 10 000 M. abgeschlossen, die „Gleichheit" mit einem solchen von 4480 M., bei der„Neuen Zeit" ist auf längere Zeit mit dem Zuschuß zu rechnen, aber das Deficit kann verringert tverdcn durch Berniehrnng der Abonnenten und durch rechtzeitige Abbestellung der nicht abgesetzten Exemplare durch die Partcikolporteure. Bei der„Gleichheit" würde eine Verhältnis- mäßig kleine Steigerung der Abonnentenziffer das Deficit be feitigen. Frau Zetkin tbue das menschenmögliche, das übrige müssen die Genossen selbst thun. Redner bedauert, daß die Provinz-Parteipresse die allmonatlichen Parteiquittungen nur verstümmelt veröffentliche, wodurch die Opferfreudigkeit der Genossen nicht erhöht werde. Eine genaue Uebersicht über den Stand der Parteipresse kann wegen mangelhafter Antworten der Verleger nicht gegeben werden. Die Eiimahmeu aus Abonnements und Inseraten sind zurückgegangen und eine ungesunde GründnnqSlnft mache sich bemerkbar. Redner wünscht, daß die romantische Vorstellung vom Rentamt in derKreuzberg straße verschwinde, es müsse gebremst werden, Ivcnn das Partei vermögen nicht biS zum letzten Pfennig aufgebraucht werden solle, und dringend zur Vorsicht bei;Blattgniiidiiiigen und Preß-Unter- stützimgen geraten Iverden. Meister erstattet den Bericht für die Controlenre und die Beschwerden: Beschwerden von Vieth und Jahn-Berlin seien zurückgewiesen worden, ebenso die Beschwerden von Eitzinger und Hcrriiiann-Nürnberg. Abgelehnt wurden auch die Beschwerden der „Sarja" über den„Vorwärts" und der Bochunier Genossen in einer llnIerslützungSfrage. Auch die Beschwerde der Mühlhanser wegen einer vom Vorstand verweigerten Kaution von 20 000 M. sei im» begründet. Eine Beschwerde des nordbahrischen Ganvorstandcs im Fall Roßkopf sei durch Zurücknahme von dessen Kandidatur erledigt. Redner beantragt Dcchiirge und gedenkt in warmen Worten des verstorbenen Veteranen Metzner. Die Anwesenden erheben sich von den Plätzen. In der Debatte suckite Wolf- Bochum die Notlvendigkeit eines besonderen Blattes für Bochum zu rechtfertigen. K i e s e l- Berlin verteidigt den Prolest dcS Wahlkreises gegen die Versicherung der Partei-Angestellten durch den Vorstand und hebt die idealistischen Motive hervor. F r o h ni e- Hamburg vermißte im Vorstandsbericht Angaben über die Stärke der socialdemokratischen Orgnnisatioiien und fordert Erhöhung der finanziellen Leistungen der Mitglieder der Wahlvcrcine schon mit Rücksicht auf die kommend«» Wahlen. Adolf B r a n n- Nürnberg empfiehlt de» Antrag Nürnberg auf Ans- knnft des Vorstandes über die Durchführung früherer Partcitngsbeschlüssc und wünscht, daß Privatbriefe Auers von offiziellen Briefe» der Parteileitung äußerlich unterschieden werden. W i n d h o f f- Düsseldorf verteidigt die dortige Blattgründung. Bömelbnrg- Hamburg tadelt die Bochunier Genossen wegen ihrer Blaltgründung. G r u n>v n l d« Erfurt empfiehlt die Erfurter Anträge auf Hergabe dcS Vorstandsberichtes als Beilage zu den Pnrteiblättern zur Berücksichligung und bedauert die Zersplitterung der wissenschast- lichen Litleratur. Adolf H o f f m n u n- Berlin regt an, daß eine besondere Kominission zur Prüfung neuer Zeitimgsgründnngen und weiterer Preßunterstützungen gebildet iverden soll. Das Deficit der „Neuen Zeit" sei durch die Konkurrenz eines Privalorganes verschuldet, für das hervorragende Genossen schreiben, weil ihnen die„Nene Zeit" nicht gefalle. Diese Genosse» sollten doch hier hervortreten, wenn sie eine Aenderung der„Neuen Zeit" wünschten. Lipiusky- Leipzig verteidigt die Versicherung der Partei-Angestellten. Richaid Fischer- Berlin! erwidert Braun, daß die jetzigen Protokolle bereits die Zusammenstellung aller Antrüge enthielten. Zu b eil- Berlin geht lvie Hoffniann auf die„Socialistischen Monatshefte" ein, es berühre ihn schmerzlich, daß Auer, der selber über Deficit der „Neuen Zeit" klage, an der Spitze des neuesten Heftes der„Monats- hefte" seine geistige Arbeit niedergelegt habe. Es entlvickelt sich nun über die Frage der„Neuen Zeit" und der„Monalshefte" eine sehr lebhafte Diskussion. Bebel wünscht entschieden, daß Parteigenosse» Rechtsprechung dcS Ober-VerwaltnngSgerichts liege sowohl die eigne A b s ch r i f t ii a h m e durch Dritte, als auch die Erteilung einer Abschrift durch dieGcmeindebchörde an Dritte außerhalb des Zwecks der Offenlegung der Listen. Vielmehr «verde nach dieser Rechtsprechung dem Einzelnen bei der Offeiilcgiing nur die Erlaubnis einzuräuinen sein, das Ergebnis der vor- genonmicnen Listenprüfnng alsbald zu notieren, indessen auch dies nur unter der doppelten Voranssetziing, daß dadurch die Rechte Gleichberechtigter auf Einsichtnahme und Prüfung nicht beeinträchtigt werden und daß nicht der Verdacht einer miß- b r ä u ch l i ch e n Benutzung oder Verbreitung der Notizen be- gründet ist. Die Gcincindevorstände sollen demgemäß angewiesen werden, sich bei Offeiilegnng der Wählerlisten streng innerhalb des bezeichneten Rahmens zu halten. In Gemeinden, deren Vorsteher in dem Wahn lebten, daß den oppositionellen Parteien und vor allem der verhaßten Socialdemo- kratie von Amtsivegcn dauernd das Feld abgegraben werden könne, waren der Arbeiterschaft bei der„Abschriftnahme" auch bisher allerhand Schwierigkeiten in den Weg gelegt worden, die zum Teil schwer zu überwinden waren, aber doch übenvnnden wurden. Dort aber wo man die völlige Nutzlosigkeit solcher M.ißiiahmen einsah, und das schien in den in der Näbe der Neichshanptstadt gelegenen Orten zu meist der Fall zu sein, halte der Gcmeindevorstand es für selbst verständlich gehalten, daß die Vertreter der Parteien sich Unterschieds- los die Liste zu Agitntionszwcckc» abschrieben. Das wird min anders werden. Daß sich für die Steuerzahler irgendwelche Miß- stände ans dem Abschreiben der Wählerliste ergeben hätten, ist bisher nicht bekannt geworden. Für die um die Mmidate känipfenden Parteien hatten die in der Liste verzeichneten Personen nur in ihrer Eigenschaft als Wähler Interesse, ihre privaten Verhältnisse kamen bei der Agitation gänzlich außer Betracht. Wem sollte es hierbei auch interessieren, ob Schulze oder Müller vierteljährlich 90 Pfennig oder 100 Mark Stenern zahlten. Die Hauptsache blieb doch zu ivissen, ob diese Personen überhaupt ani Orte Wähler ivaren und welcher Klasse sie in diesem Falle angehörten. Nun könnte ja eine Art Bernhignng eintreten, wenn man die Gewißheit hätte, daß unter einer Maßnahme, die der socialdemokratischen Partei die Agitation außerordentlich erschlverte, auch die konservative Partei im gleichen Maße zu leiden hätte. Dieser Geivißhcit ivird sich aber niemand hingeben können. Denn wer will einem Ge- meindevorsteher verbieten, daß er annimnit, der Beauftragte der konservativen Partei treibe keinen Mißbrauch mit der Wählerliste, ihm könne die Abschrift daher ruhig gestattet werden, dem Social- demokraten sei dagegen eine niißbränchliche Benntziing zuzutrauen? Man ivird da bei den nächsten Wahlen vielfach ein blaues Wunder erleben. Unter solchen Umständen erwächst nnsern Parteigenossen die Pflicht, um so frühzeitiger mit der AgitatiouS- und Aufklärungsarbeit zu beginnen und der Wählerschaft zu zeigen, wessen man in Preußen fähig ist. An der zähen Agitation der Arbeiterschaft sind bisher alle Schachzüge unsrer Gegner zu Schanden geworden, und so wird es auch ferner sein. war der Ansicht, daß für den Angeklagten absolut keine Veranlassung vorgelegen habe, die kritischen Leistungen des Privatklägers in so be- leidigendcr Weise herabzndrücken.— Ter Angeklagte betonte gcsteru, daß ihm eine beleidigende Absicht fern gelegen habe. Er habe nur gegen eine nnfaire Haltung einzelner Musikkritiker Stellung nchmeii wollen und befinde sich mit seinem Urteil in Uebcreinstimmng mit zahlreichen vornehincn Vertretern der musikalischen Welt. Der An- geklagte überreichte eine Anzahl von Nummern der„Allg. Mnsikzeitung", in denen Bilder einzelner Künstler in Verbindung mit bezahlten Annoncen veröffentlicht worden seien. Nach Vernehmnng der Zeugen und Sachverständigen, die sich über das vom Kläger beliebte Verfahren verschieden äußerten, tvurde nach achtstündiger Verhandlung das Urteil dahin pnbliciert: Dem Angeklagten sei an sich der Schutz des§ 193 StG.B. zuzubilligen. Was der Angeklagte an Thatsachen vorgebracht, sei im wesentlichen nicht ausreichend, um die Vorwürfe zu erweisen. Mit Rücksicht darauf, daß der Angeklagte nicht von pekuniären Interessen bei seinem Vorgehen geleitet lvorden und daß es andrerseits nach Ansicht des Gerichts bedenklich und nicht vornehm erscheint, ivenn ein Blatt von der Bedeutung des Privat- klägers die Scheidegrenzen zwischen redaktionellen Artikeln und Reklamen in der geschilderten Weise verwischt, hat der Gerichtshof die Strafe auf 100 M. event. 10 Tage Haft ermäßigt. VevsÄmmlungen» Gevirisks�oikmrg. Kritik und Reklame. Bor der 5. Strafkammer des Landgerichts II unter Borsitz des Landgerichtsdirektors Meyer stand gestern Berufnngstermin in der allgemeines Interesse erregenden Privatklage dcS Herausgebers der Allgemeinen Mnsikzcitnng" Otto Leßinaim gegen den Vorsitzendeu des„Vereins zur Förderung der Knnst", Heinz Wolfrndt, an. Der Beklagte hatte im November v. I. in einein Artikel der„Nachrichten ans dem Verein zur Förderung der Knnst" das Erscheinen einer neuen großen musikalischen Zeitschrift„Die Musik" lebhaft begrüßt und dabei Vergleiche mit bestehende» Fachzeitsckiristcn gezogen. Er machte dabei scharfe Ausfälle gegen das Organ des„vornehmen" Herrn Leßmaim und führte ans. daß dort Kritik und Neklaiuc in ekelerregender Weise nrit einander verbunden seien und das Blatt der Knust, der es dienen sollen nicht würdig sei. Herr Otto Leß- ni a n n strengte auf Grund dieser Bemerkungen die Privatllage an und das Charlottenburger Schöffengericht verurteilte seiner Zeit Herrn Wolfradt zu 300 M. Geldstrafe, indem es annahm, daß er über die Grenze» der Wahrnehmung berechtigter Interessen hinaus ge- gangen sei. Der Beklagte legte hiergegen Berufung ein. Zum gestrigen Termin, der zahlreiche Zuhörer in das kleine Gerichts- zimnier gelockt hatte, waren u. a. als Sachverständige beziv. Zeugen geladen: die Herren Profcssorcn K l i n d w o'r t h, S cki a r- w e n k a, Blank, Siegfr. Ochs, Kompoiiist A n s o r g e, Privat- docent Dr. Sternfeld, die Schriftsteller Diesterweg. Dir. Löschte, Ehcfrcdactenr Heinrich R i p p l e r, der Vorsitzende dcS Vereins deutscher Redacteure Dr. zur. Richard W r e d e und Redacteur Dr. Mantz.— Dem Kläger stand Reckitsanwalt Lewin- Charlottenburg, dem Angeklagten Ziechtsanwalt Stein- Berlin zur Seite. Der Angeklagte hatte in erster Instanz geltend gemacht, daß er sich zn seinen Bemerknngen für berechtigt hielt, um die Mitglieder des Vereins, dessen Vorsitzender er sei. zu orientier«»!. Er halte be- hauptct, daß der Privatkläger sich in seinen Kritiken von persönlichen Syinpathien und Antipathien leiten lasse; diejenigen Künstler, die die größten Reklanie-Annoncen in seinem Blatte erscheinen ließe», protegiere und trotz erwiesener Unzulänglichkeit über Gebühr lobe, daß er die Macht seiner Stellung mißbranibe und ihm mißliebige Leute einfach inmiöglich mache, indem er einen Druck auf sämtliche Konzert-Agentnren ausübe. Der Privatkläger hatte diese Beschnldi- gung niit Entrüstung zurückgewiesen und betont, daß er in den langen Jahren seiner Thätigkeit sich stets bemüht habe, streng ob- ektive Kritik zu üben. Auf den Reklameteil der Zeitung habe er ar keinen Einfluß, denn der ganze Verlag sei gegen einen destimmten Pachtzins verpachtet. Da« Schöffengericht ivar agf Grund der Beweisanftiahme, insbesondere des Prof. Klindworth und de« Koni- ponisten Ansorgc, zu der Ueberzeugnng gekommen, daß der Beweis zu Ungunsten des Angeklaglcn ausgefallen sei. Der Gerichtshof Central- Verband der Glaser sZahlstelle Berlin) hielt am 11. September seine Mitgliedcrversaniinluiig ab. Caspar giebt den SitnationSbericht von der Lohnbeivegung der Bleigläser. Die Stimmung unter den Kollegen ist eine gute. Der Verband der Arbeitgeber hat die schivarze Liste der Streikenden in ganz Dentschlnnd versandt, denn 2 Bleigläser, die nach Leipzig fuhren, um Arbeit zn nehiiieii, weil dort Bleigläser verlangt wurden, sind nicht eingestellt worden, ivcil der Meister dieselben n»f der schwarzen Liste gefunden hatte. Die Bau- glnser erklärten sich solidarisch und schlössen das Mitglied Walther Schänfler aus dem Centralverband aus, da er den Bleigläsern in den Rücken gefallen ist. Die Veinerkung im„Vorwärts", daß auch die Banglaser in eine Lohnbewegung eingetreten seien, ist nicht richtig, wohl aber wollen die Bauglaser die Abmachungen von 1900 durch das Einigungsanit des Gewcrbegerichts festlegen lassen, doch ist der geeignete Zeilpnnlt noch nicht gekommen. Jedoch ist die Lohn- komniission und der Vorstand der Zahlstelle auf dem Posten, um die in diesem Herbst zu erwartende gute Koiijimktur auszunützen.vie es sich unter Genossen, unter Freunden, Hilter Personen, die denselben Zielen zustreben, geziemt. Und dein gleichen Ziele, der Emancipation der Arbeiterklasse, streben»vir ja alle zu,»venn auch der eine oder av.dre im konkreten Falle in einem bestmunten Punkte andrer Meinung sei» kann. In der Erwartung, daß die Verhandlungen des Parteitages ebenso erfolgreich für unser Parteileben, für die Eilt- Wicklung der socialdemokratische»» Bewegung in Deutschland sein mögen,»vie die seiner Vorgänger, erkläre ich im Namen des Partei- vorslai»des den Parteitag für eröffnet.(Lebhafter Beifall.) Es folgt nun zunächst die Wahl deö BnrcnuS. Auf Vorschlag MolkenbnhrS werde»» Singer und V o l l m a r zu Vorsitzenden init gleichen Rechten eiiistiiniiiig gewählt. Singer übernimmt de»» Vorsitz nnd dankt zugleich im Rainen Vollmars herzlich für die ihnen erivicsene Ehre. Wir Höffen, daß uns in unsrcr Leitung der Verhandlnngen die Unterstützung der Dcle- gierten nicht fehlen wird und daß,»venn»vir auch nicht getvohnt sind, »nitcinander durch die Blume zu sprechen(Redner ineist dabei aus den vor ihm stehende» große» Blumenstrauß.— Heiterkeit), doch dieser Strauß ein schönes Zeichen dafür sein ivird, daß unser Partei- tag>»a»li wie vor die Einigkeit der Partei konstatiert, nnd daß»vir später mit den» Bewußtsein auseinander gehe» könlieii, ei» gut Stück Arbeit für den Fortschritt der deutschen Socialdemokratie geleistet zu haben.(Lebhafter Beifall.) Z»» Schriftführern tverden gewählt Meist-Köln, ThomaS- Altona. Bnrlhnrdt-Zittan, Frau Grcifenberg-Augsburg, Witte- München, Rau-Mühlheim, Keil-St»ttgart, Ernst-Berlin und Stubbe- Hamburg. Zu Mitgliedern der M a n d a t S p r ü f u n g s- R o m in i s f i o n, die zi»gleich Konimission zur Vorberatung der den Parteitag zu- gehenden Veschiverden ist: Pape-Lübeck, Schöpflin-Lcipzig, Säckler- Schiveinfiirt, Ebert-Bremen, Stücklen-Altenburg, Frau TIiicl-Tempel- Hof, Böhle-Straßburg, Wolderski-Bcrlin und Hengsbach-Köln. Der Parteitag giebt sich hierauf eine Geschäftsordnung. Der vorliegende Einwurf der Geschästsordimng. der derselbe ist wie bei allen bisherigen Parteitagen, wird debattclos angenonimen. Als tägliche T a g» i» g s d a u e r des Parteitages Ivird die Zeit von l/üg— 12 nnd l/23— 7 Uhr festgesetzt. Der Parteitag schreitet nunmehr zur Festsetzung der Tagesordnung. Hierzu liege», außer der vom Parteivorstand vorgeschlagenen provisorischen TageSordnnng, die Anträge 1— w vor. Der Antrag 1 null, daß in einem besondren Pmiktc der Tagesordnung Stellung z», de» Wahlrechtskänipfcn in den Einzelstaatc», beionders zu den preußische» Landtagsivahle» geuoiinneu Iverde. Antrag 2 wünscht die Berufung eines besonderen Parteitages für Preußen behufs Stellimgnahine zu den Landtagswahlen. Nach Antrag 3 soll der Punkt„Koinniunnlpolitik" eventuell lvcgfallei». Antrag 4 fordert, daß die„Wirtschaftskrisen" gesondert behandelt werden, wein» nicht Bebel oder Molkenbiihr in ihren Referaten darauf Bezug»ehmei». Antrag b verlangt, beim Punkt„Arbeiicrvcrsichcrinig" möge siih der Parteitag zur rcichsgcsetzliche» Regelung der Arbeitslosen-»nd Witwen- und Waiseiiversichernng erklären. Singer: Ich glai»be, zur Abkürzung der Verhandlungen beizn- tragen, wenn ich Ihnen mitteile, daß im Parteivorstand die Absicht herrscht, zu geeigneter Zeit eine prenffischc Lionferenz zur Be- ratnng unsrcr Taktik bei de» preußische» Landtagöwahle» cinznberufe». Dadurch erübrigen sich vielleicht, wein» der Parteitag derselben Meinung ist, wie ich, die beiden Anträge 1»nd 2.' Baethge- Magdeburg zieht infolge dieser Erklärimg den Antrag 2 zurück. Die Anträge 1 und 3 tverden nicht genügend unter« stützt, ebeiisoweiiig ei» versehentlich nicht in die Vorlage ans- genommener Antrag Brandenburg- Westhavelland, die Pmikle 1 bis 3 der provisorischen Tagesordimng an den Schluß z» setzen, sowie ei» gleichfalls nicht abgedruckter Antrag der Genoffen aus Höchst, die Stelllingnahme der Partei zun,' Centrum näher zu präcisicren. Zum Antrag 4 bemerkt Singer: Es handelt sich hier nni einen Eveiilnalaiitrag, den wir in dieser Form gar liicht accepiiere» können. Oder ist der Antrag vielleicht so z» verstehe», daß die „WirtschastSkrisen" einen besonderen Punkt der Tagcsordliniig bilden sollen?(Stufe: Nein!) Dann darf ich ivohl annehmen, daß der Antrag erledigt ist.(Allseitige Zuftininlnng).— Ferner gebe ich den Genossen ans Bremen, die den Antrag 5 eingereicht haben, den Rat, bei der Diskussion über das Referat über Arbeitcrversichcrniig eine entsprechende Resolution z» beantragen.(Zustimmung.) Damit ist also auch dieser Antrag erledigt. Weitere, auf die Tagesordnung bezügliche Anträge liegen nicht vor. Der Parteitag geiiehmigt die provisorische Tagesordnung, welche lautet: 1. Geschäftsbericht des Vorstandes, 2. Bericht der Controlenre, 3. Bericht über die parlamentarische Thäligkeit, 4. die bevorstehende Reichstagsivahl, 5. Arbcitcrvcrsicheriing. 6. Koninnmal- polilik, 7. Der internotionale Arbeiterkongrcß 1903, 8. Maifeier, 9. Anträge zmn Programm nnd zur Organisation, 10. Sonstige Anträge, 11. Wahl des Vorstandes nnd der Eontrolcure. Damit ist die Tagesordnung der Vorversammluug erledigt. Schluß 3 Uhr. München, 15. September 1902. Erster Verhandlnngsttzg. V o r iii i t t a g s s i tz u n g. Uli» 9 Uhr eröffnet der Vorsitzende Singer die Verhandlnngen. Singer: Genossen, wir haben,»vie stets auf unsrcn Parteitagen, auch diesmal die Freude, eine Anzahl Delegierte der ans- ivärti gen Bruderpartei cn unter uns zu sehen. Es sind der Vertreter der östrcichische» Parteileitung Genosse Seliger, siir die parlamentarische Fraktion Oestrtichs Dr. Adler, P e r n e r st o r f e r und Seitz, ferner die Genossinnen Popp Pohl nnd Schlesinger als Vertreterinae» der östreichische» Gcnossiimeii. Weiter sind ans Oestrcich anwesend die Genossen A brau», Zeige r imd Filger-Haas und für die czechiiche Partei Genoffe N e m e e. Wir sehen außerdem>i»ter uns den Genossen A s k e w ans London für die socialdeniolratische Föderation, Band er v e ldc ans Brüssel nnd Giovanni L e r d a ans Genna als Vertreter der italienischen Partei. Für den Laiidesvorstand der deutschen und östreichische»» Socialdemokratie in der Schweiz erschien Genosse Müller aus Zürich. Ich heiße diese Genossen nnd Geuosfinnen »aniens der Partei herzlich und brüderlich ivillkonmren. Die Social- deniokratie Deutschlands ist sich stets bewußt gewesen, welche Pflichten sie gegen die internationale Partei hat. Wir rechnen es»iiS zur Ehre an, ans imsrc» Parteitage» eine so reiche Vertretung der ans länditchen Brndeiparteien zu sehen. Wir tverden in Deutschland»ie vergessen, das Gefühl der Solidarität»md das Band der Jnter Nationalität, das das Proletariat aller Länder»unschlingt, nach Kräften zu stärken, wiflen wir doch, daß gleichviel Ivo Erfolge er- rnngen werden, es die Erfolge der gesamten interiintioiialen Partei sind,»md daß auch bei Mißerfolgen die gesamte inter- nationale Socialdemokratie mit denen fühlt, die diese Mißerfolge erleiden. Aber auch durch Mißerfolge lassen tvir»ns nicht cnt- mutigen, sie erheben»ins im Gegenteil zn neuer Kraftanstrengung, bis uns endlich der Sieg bcschicdcu sein ivird. Ich heiße nochmals die anSlvärtigen Genossen herzlich willkommen.(Lebhafter Beifall.) Srligee-Teplitz: Genossen und Genossinnen! Zunächst herzlichen Dank für die frenndlichen Worte Singers. Die deutsche Socialdemokratie Oest- reichs bringt Ihne» brüderliche Grüße und wünscht Ihren Verhandlungen besten Erfolg. Ich brauche wohl nicht zu betonen, wie eng die Bande sind, die uns verknüpfe». Wie iniiner, weil»» die deutsche Socialdemotratic etwas unternimmt, so sind mich diesmal unsre Augen ans Euch gerichtet. Dieser Parteitag erregt in ganz hervor- ragenden» Maße das Interesse der östreichischen Genosse». Sie stehen im Kampfe gegen den Brotivncher»nd tverden Gelegenheit nehmen, hier die Waffen zn schmieden, nn» die zu Baden zn schlage», die die Interessen des arbeitenden Volkes verletzen. Das hat auch für»ns große Bedenttlng, denn der deutsche Zolltarif hat sein Echo bei»niö gefnnde». Es ist zivischcn Oestrcich und Ungarn ein Zolltarif gegen das Ausland vereinbart, dessen Sätze an Höhe dem des deutsche» Eniivurss gleichkommen. In Deutschland ivird die Entscheidung falle» Über de» östreichische» Wnchcrtarif. Das östreichische Proletariat hat nicht die Waffen, die Sie im allgemeinen Wahlrecht besitzen, es kann nicht so ivie Sic den Brotivncher bc- kämpfe». Wenn Sic in den Kampf ziehen, dann tverden Sie die besten Wünsche für Ihre» Erfolg begleite», denn der Kampf, den Sie gegen die Agrarier führen, komint auch uns zn gute. Das östreichische Agrariertuni ist noch viel mächtiger nnd besitzt einen größeren Einfluß als das deutsche; deshalb haben tvir auch ein besonderes Interesse für den dentschei» Parteitag nnd wünschen Ihnen, schon ans diesen» Grunde den besten Erfolg. Sie werden in die kommende Wahlschlacht ziehen, tvir sind überzeugt, daß sie den Sieg glänzend erfechten werden und dieser Sieg ivird auch ein Sieg sei» für das östreichische Proletariat. Deshalb nochmals: Besten Erfolg I (Lebhafter Beifall.) Nemcc-Prag: Genossen»nd Genossinnen! Namens der czechischcn Social- demokratie begrüße ich den deutschen Parteitag und spreche die Hoffimiig ans. daß dieser ein Markstein sein möge in der weiteren Entwicklnng der proletarischen Bewegung. Wenn wir auch einer andren Nation angehöre» und eine andre Sprache sprechen, so sind doch»iisre Bestrebungen die gleichen. Euer Kampf ist»»»ser Kampf. Hoch die internationale revolutionäre Socialdemokratie.(Beifall und Händeklatsche».) Röketv- London überbringt die Giüße der Socialeemokratischen Föderation: Das englische Proletariat bringe den» tapferen Boerenvolke seine volle Sympathie entgegen und blicke mit Abscheu ans die Niedermctzelnng der Franen und Kinder durch die Engländer.(Beifall.) Die Social- demokratie wolle nichts von dem Imperialismus wissen. Zivanzig Jahre Propaganda bei den Geiverkschaftcn hätten nicht so viel vcr- mocht, wie die Weltmachtspolitik der herrschenden Klaffen und die damit verbundene Reaktion. Er wünsche den Verhandlnngen besten Erfolg.(Beifall.) Vanderbelde- Brüssel dankt für die Begrüßnngsivorte Singers nicht nur als Vertreter der belgischen Partei, sondern auch der Socialisten französischer Zunge überhaupt. Ich bedauere, daß ich nicht in deutscher Sprache ans die BctvillkoMniiinilg des Vorsitzenden antworten kann. Die Sprnchimterschicde bilden leider vielfach ein Hindernis, das sich dcx Vcrstäiidiguiig der Socialisten aller Länder entgegenstellt. Ich bin hierher gekommen, um eine Pflicht der Dankbarkeit zu erfüllen, die ich als Vertreter der belgischen Socialdemokratie gegenüber der deutschen Socialdemokratie empfinde. Vor ivenigen Monaten hat die belgische socialdemokratische Partei ciiicn ihrer schmerzlichsten, furcht- bätrste» Augenblicke erlebt. Die Partei stand i» einem schiveren Kampfe»in» die Erobc'rnng des gleichen Wahlrechts. Dieser Kampf richtete sich »icht bloß gegen die klerikale Reaktion, sondern auch gegen den belgischen Liberalismus. Die Anhänger der Partei stürzten ans den Straßen, die Gefängnisse füllte» sich mit Opfern, Hilfe war dringend nötig. Wenn heute die Witwen der Gemordeten nicht Not leiden. wenii die Familien der Eingekerkerte» gegen die bitterste Not geschützt sind, so ist das ganz IveseiitUch mit der thatkräftigen Uirteistiitzniig der deutschen nnd der östreichischen Social- dcniokraiie zu danke». Der Kampf uin die Eroberung der politischen Gleichberechtigling des Proletariats ist zwar vorläufig unterbrochen. aber nicht beendet und wird von der socialistischen Partei Belgieiis »nit aller Energie und allem Opfermut bis zum endgültigen Siege durchgefochien werden. Auch nach der Niederlage sieht die belgische Partei einheitlich und zielklar da. All die Niederlage wurden von den Gegner» überschtvengliche Hoffnungen auf eine Zersplitiernng geknüpft. Die belgischen Genossen sind aber mit der gleichen leiden- schasilichcn Begeisterung wie früher in den Wahlkamps eingetreten. Nicht ein Sonntag ist verflossen, an dem nicht ein Bolls- Hans eröffnet ivorden ist. Wenn auf den bald darauf erfolgten Kongreß auch Meinungsverschiedenheiten über die Taktik des Kampscs hervorgeirete» sind, so war man doch darüber einig, daß der Kampf bis ans Ende durchgeführt werden müsse. Es hat mich überrascht. hier von Genossen Kautsky zu hören, es habe sich innerhalb der belgischen Partei eine Spaltnng vollzogen.� Diese„Spaltung", von der in den Zeitniigcn die Rede gewesen ist, bestmid nur in einer kleine»' lokalen Zerpslitternng im Borinage, die dadurch entstaiiden ist, daß ein Mann die Situation ausnützte, der bereits vor zivci Jahren ans der Partei ausgeschlossen Ivorden ist. Solche falsche» Prcßnachrichten können das belgische Proletariat nur schädigen lind kompromittieren. Meinniigsverschiedenheiten giebt cS anch,»vie gestern Auer hervorhob, in der deutschen Partei, aber trotz aller Aiiscinandersetzniige» giebt uns die deutsche Partei ein Beispiel der Einigkeit im Kampfe gegen den gcmeinsainen Feind. Wir alle kämpfe» nnermildlich für das große Endziel, die Befreiung der Arbeiterklasse durch die Arbeiterklasse.(Lebhafter Beifall.) Giovanni Lerda begrüßt in italienischer Sprache den Kongreß als Vertreter der jungen italienischen Partei, die eben eine Krisis durchgemacht hat, von der sich vielleicht noch Nachtvehen bemerkbar machen werden. Aber es hat sich herausgestellt, daß die Differenzen vielmehr formeller als thatsächlicher Natur lvaren. Die bürgerliche Presse hat außer- ordentlich übertrieben. Der Kongreß von Juiola hat ergeben, daß keine ernstlichen Differcnzc» in de» ausschlaggebenden Grund- sätzcn vorhanden sind, sondern daß es sich im ivesent- lichen»iir um Unterschiede in der Beurteilung der taktischen Fragen gehandelt habe, in welchem Umfange die Regierung die Unterstützung der socialdemokratische» Partei haben kann. Iii Dentschland freilich hat es vielfach geschienen, als ob der Kongreß zn Jinola nicht eine Stätte der Beratungen, sondern eine Slätte wüsten Partcihaders gewesen wäre. So hat die„Frankfnrler Zeitung", die in Italien einen großen Ruf genießt, Nachrichten ge- bracht, als wären die Socialisten in Jniola»nter einander Hand- gemein geworden. Das ist natürlich unwahr. Derartige Meldmigen bezeugen nur, welche tiefe Schadeitfreude die bürgerliche Welt empfinden tvürdc, ivcnn thatjächlich unüberbrückbare Meinungsverschiedenheiten düwSoacilisteii anseiiinnderreißen würde». Als Vertreter der einigen socialistischen Partei Italiens kann ich der deutsche» Socialdemokratie inisreu Gruß entbieten, nnd die junge italienische Partei bedarf, gerade iveil sie jung ist, um so mehr der moralischen Unterstützung der internationalen Brnderparteicn. Hoffentlich ivird auch der MilNchener Parteitag die Sache des iiiternationalen Proletariats und seines BefreiungskampseS fördern.(Lebhafter Beifall.) Miillcr-Zürich: Ich bin zwar ein Deutscher, kann aber wohl behaupten, daß ich der internationalste Vertrelcr hier bin.(Heiterkeit.) Ich habe Sic zu begrüßen im Nainen des Landesansschusscs der deutschen und östieichischcn Socialdemokratcu in der Schweiz. In dieser Organisation sind aber nicht nur deutsche und östreichische Socialdeniokraten vertreten, sondern auch Ungarn, Böhmen. Nimiänen k. In der Schweiz behandelt man die Allsländer etlvas anders als in Deutschland. Wenn Sie auch nicht zur Wahlurne gehen dürfen, so macht»im» ihnen doch wenigflens keine Schlvicrig- kciten, wenn Sie sich au der politische» Betuegung beteiligen, man iveist sie deshalb nicht aus.(Rufe: Na, na!) Wir haben vierzig Vereine, die über die ganze Schlvciz verteilt sind, die sich die Auf- gäbe gestellt haben, dem gchctzlcn Edelwild, das das Äsylrccht in Anspruch nchnten innß, tinter die Arme zn greifen. Leider versagt dieses Äsylrccht niilnntcr gerade dann, wenn nian es am nötigsten braucht. Zur Unterstützlliig dieser nchetztcn Leute haben tvir einen eigenen Fonds gebildet. Da sich die deutschen Parteigenossen, die sich bei»ms ntifhalten, eifrig an unserem Parteileben beteiligen, so bietet dieses ein getreues Spiegelbild der deutschen Beivegnng. Aus dieser Thatsnche läßt sich ersehe», wie rege das Interesse ist, das die deutschen und östreichischen Socialdcuio- kryten in der Schlvciz de»» gcgcmväriigen Parteitag entgegenbringen. Neben vielen Alte», die schon vor langen Jahren für uns gekämpft haben, halten sich bei uns ans diese Jüngeren, die meist nur vorübergehend bei uns sind. Sie haben da Gelegenheit, die Demokratie kennen zn lernen, sie sehen, ivie bei uns der Kapitalismus genau so brutal ist tvie in Dentschland,»md daß es gleichgültig ist, ob er sich als Absolntisinns oder Demokratie geberdet. Während niail früher in der Schweiz das Hauptgelvicht auf die demokratische Bewegung legte, ist das jetzt anders geivorden. Jetzt sind auch bei uns die Revisionäre an der Arbeit.(Heiterkeit.) Sie trennen sich von den biirgerliche» Parteien. Die schweizerische Socialdemokratie ist selbständig geivorden»md der. Erfolg sind die Siege, die wir in den letzen Wochen erriliigen haben. Weitere Erfolge»verde»» Sie sehe», wenn in zwei Monaten die Sihweizcr an die Wahlurne schreiten, lim ihre Nalionnlräke zu wählen. Man hat erkannt, daß die demokratischen Ziele den socialen koordiniert sein müssen und daß der demokratische Gedanke»»anflöslich verknüpft sein muß dem socialen Gedanken. Im nächsten Jahre tverden Sie in Deutschland znr Wahlurne schreiten und Sie können sich versichert hallen, daß Sie dabei dio� Sympathien der schivcizerischc» deutschen und öslreiihischcn Socialdcmolralc» begleiten. Aber mich mit thatkrästiger Hilfe wolle»»vir Jhiien beistehen. Deshalb kann ich Ihnen als besten Gruß denjenigen übermitteln, daß wir entschlossen sind, Ihnen init allen»ms zu Gebole stehenden Mitteln zn helfen in den» schiveren Kampfe, dem sie entgegen gehe». In diese»»» Sinne entbiete ich Ihne» den Gruß der d'ciltschen nnd öst- rcichischen Socialdeniokraten in der Schweiz nnd des Arbeiter« Bildungsvcreins in Zürich.(Lebhafter Beifall.) Zahlreiche B e g r ü ß u» g s- T e l e g r a in m e sind eingegangen. unter ander»» vom deutschen socialistischen Arbeiterverein„Vorwärts" in Kopenhagen, von der socialdeniokratmhei» Partei Dänemarks, von der Parti emvrisr frany.ais(französische Arbeiterpartei).' von Plcchanoiv»md Axelrod siir die russische»evolutionäre Socialdemo- kratie. von der socialdeniokratischcn Partei Frankreichs, von der ungar- ländischen socialdeniokratischcn Partei, vom CciitralanSschuß des iiitcr- föderalen Komitees. L �ann in die Tagesordnung cingetreten. Elster Punkt derselben ist der Geschäftsbericht deS Vorstandes. Hierzu liege» folgende Anträge vor: a) Erfurt: Die mifeer- rdentlich hohen Zuschüsse für die einzelne» Parteiblätter haben zu unterbleiben; t>) Erfurt: Ilm die Provinzprcsse zu entlasten, wird der Parteivorstaud verpflichtet, die Geschästslcituug des„Vorwärts" zu veranlassen, den Geschäftsbericht des Vorstandes und den Thaligkeitsbericht der Araktioil den Parteiblättern, welche den- selben verlangen, als Beilage ziun Selbstkostenpreise abzugeben; c) Nürnberg; Den Parteivorstand zu ersuchen, in seinem Rechenschaftsbericht Auskunft zu geben, was er und die Reichstags- Fraktion zur Durchführung der früheren Parteitags- veschlüsse gelhan haben, ä) Wandsbeck: Beim Geschäftsbericht die Frage gesondert zu behandeln: Wie stärken wir die Finanzen unsrer Parter?«) Berlin IV: Die Delegierten zum Parteitag sind be- auftragt, Protest gegen die Maßnahmen des Parteivorstandes in betreff der Versicherung der Partei-Angestellte» einzulegen, f) Hamburg III: Das Ansinnen des Vereins„Arbeiterpresse", welches dahin geht, invaliden Rcdacteurcn und Angestellten sowie deren Witwen imb Waisen, soweit die Versicherung auf Kosten der Partei oder Ge- werkschaften geschehen soll, zu versichern, ist abzulehnen und zivar so lange, bis wir den Znkunftsstaat erkämpft haben. Die Anträge a, b und 0 werden genügend unterstützt. Antrag ck wird nicht unterstützt. Antrag o erledigt sich dadurch, daß Singer erklärt, es handle sich hier nur um einen Auftrag, der den Dc'le- gierten erteilt sei. Antrag k, dessen Verlesung große Heiterkeit her- vorruft, wird nicht unterstützt.— Es stehen also nun die Anträge a, b und c mit zur Debatte. Den Bericht erstattet Auer: Der Inhalt des vom Parteivorstande erstatteten schriftlichen Berichts ist Ihnen bereits bekannt. Ich brauche also nicht mehr in alle Details cinzrrgehcn. Bekanntlich sind, besonders im„Vorwärts" Ziveifel darüber arifgetancht. ob die von, Parteivorstaud vor geschlagene provisorische Tagesordnung zweckmäßig sei. Der Partei vorstand hatte sich aber bei der Aufstellung der Tagesordnung an Beschlüsse zu halten, die auf dem vorjährige» Parteitage gefaßt ivordcn sind. Damit waren die Punkte„Arbeiterversicherung" und «Kommunalpolitik" bereits fest gegeben. Ich möchte Sie ersuchen. zu erwägen, ob diese Praxis, daß ein Parteitag immer bereits die Themata für den folgende» vorschreibt, die richtige ist. Gewiß wird es Sache des Parteitages sein, derartige Anregungen zu gebe». Für falsch aber halte ich, wenn jetzt schon die Gegenstände für die nächste Tagesordnung fixiert iverden. sSehr richtig I Wir legen uns dadurch Fesseln auf, die mir durchaus über- flüssig erscheinen. Allerdings halte ich die diesmal gemachte» Vorschläge . für eine Aendernng der Tagesordnung nicht fiir besonders glücklich Ich meine, daß dje Punkte der provisorischen Tagcsordnnng glück- lichcr gewählt sind, als die zum Ersatz vorgeschlagene» Punkte. Der Parteitag hat ja durcki seinen gestrige» Beschluß bezeugt, daß er der selben Meinung ist. Wie soll es möglich sein, wenn der Parten vorstand an«ine bestimmte Tagesordnung gebunden ist,»ach Bekannt- machung dieser Tagesordnung noch neuen Anregungen zu folge»? Es scheint mir richtiger zu sein, daß in Zukunft die Parteiprcsse recht- zeitig gebührende Aufmerksamkeit auf die Tagesordnung wendet und die aufgetretenen Vorschläge diskutiert. Ein>vciterer Vorschlag ging dahin, daß der Parteitag sich spcciell mit den nächstjährigen preußischen Landtagsivahlen beschäftigen solle. Dieser Vorschlag ist ja bereits durch unsrcn gestrigen Beschluß erledigt. Es ist nun bekanntlich die Absicht hervorgetreten, daß die preußischen Genossen zur Beratung der Taktik bei den Landtagsivahlen eine besondere Delegierten-Konferenz einberufen Die Frage, ob dies zu geschehen hat, mutz offen gehalten 'werden. Sie ist vor allem eine Frage der preußischen Partei- � genossen. Es erschien uns unangebracht, wenn der allgemeine deutsche Parteitag den preußischen Genossen Vorschriften darüber ' niachen wollte, ob sie für sich einen Landesparteitag.«ins Landes Delegierten-Konferenz einberufen Ivollen. Ueber diese Dinge z» ' entscheiden, ist Sache der preußischen Genossen selber. Der allgemeine Parteitag wollte gegenüber den preußischen Genosse» denselben Stand- Punkt einnehmen, den er den Genossen aller übrigen deutschen Staaten einräumt. Wir müssen auch hier daS Recht der Selbst Wahrnehmung der Jntercffen anerkennen. Es sind dem Parteivorstaud weiter Monita darüber erteilt, daß das Ausschreiben des Parteitages dieses Mal ctivas zu spät erfolgt sei. Ich kann diesen Eintvurf nicht als unberechtigt anerkcnuen. Ein Zusammentreffen verschiedener Umstände hat es diesmal mit sich gebracht, daß die Einberufung eigentlich kurz vor dem letzten vor- geschriebenen Terniin erfolgte. Es kommt hierzu, daß der Parteitag in diesem Jahr eitvas früher als sonst abgehalten ivird. Dadurch ist hie und da die Empfindung hervorgerufen worden, als mache sich eine Aendernng der Organisation nottvendig, um solche Borkommnisse künftig auszuschließen. Die Magdeburger Genossen haben deshalb beantragt, daß die Einberufung des Parteitages nicht wie bisher spätestens vier Wochen, sondern acht Wochen vor dem Termin der Abhaltung des- selben erfolgen muß. Ich glaube nicht, daß sich dieser Antrag, der aus einem iicrcinzelte» Falle heran? entstanden ist, empfiehlt. Der Terniin zivischcn Einbernfinig und Znsammentritt des Parteitages muß möglichst kurz sein, damit im Notfall rasche Entscheidungen von der Partei getroffen Iverden können. Die Nürnberger stellen den Antrag, daß der Vorstand in seinem Berichte Auskunft zu geben hat, ivaS er und die Fraktion zur Durchführung der früheren Parteitags- Beschlüsse gcthan haben. Ich muß gestehen, daß mir der Antrag in der vorliegenden Form nicht klar' genug gefaßt zu sein scheint.' Soll der Vorstand Auskunft geben über alle Partei- tags-Bcschlüsse, die im Laufe der langen Jahre schon gefaßt ivordcn sind? Das ist doch ganz aiisgeschloffe». Es kann sich also wohl immer nur um die Beschlüsse des vorhergehenden Parteitages handeln. Darüber geben aber die Berichte des Vorstandes und der Fraktion genügend Änskunft. Und ist das nicht der Fall, so können in der Diskussion des Vorstands- und des Fraktionsberichtes der Mangel gerügt werden. Im übrigen trifft für die Partei tags- Beschlüsse dasselbe zu, wie für alles Mcnscheniverk. E« kann nicht nur einer viel fragen, das viele nicht beantivorten können, es können auch viele»iianches beschließen, was die wenigen nicht auszuführen vermögen. tHeitcrkcit.) Nicht jeder Partcitagsbeschluß ist der Inbegriff höchster Weisheit und Vollkommen- heit. Ich gebe zu, daß über viele dieser Beschlüsse in den Berichten keine Auskunft gegeben ist, und daß viele dieser Beschlüsse zu den Akten gelegt wurden und man sich ihrer später nicht mehr eriuncrt hat, sie sind eben abgelöst ivorden durch neue Aktionen, die sich notwendig machten. Ich glaube nicht, daß im große» und ganzen irgend etivas ivesentlichcs dabei verloren gegangen ist. WaS wirklich Bedeutung hatte, ist erledigt ivordcn, wenn das auch vielleicht nicht imnier in den Berichten erwähnt ist. ES ist ferner angeregt, den KainPf gegen das Centrum besonders auf die Tagesordnung zu setzen. Die Genossen empfinden daS Bc- dürsnis nach Agitationsmaterial zum Kanipf gegen das Centrinn. Dies Bedürfnis wird nirgends mehr anerkannt als im Parteivorstand selbst, aber nicht bloß das Bedürfnis zum Kampfe gegen das Centrnm, fonder» zum Kampf gegen alle uns feindlich gegenüber- stehenden Parteien. Persönlich wundere ich nnch geradezu darüber, Ivie das Verlangen nach Material gegen das Centrum jetzt auf einmal so in den Vordergrund tritt. Ich bin der Ansicht, daß. wenn gegen irgend eine Partei' Material im Ucberflnß vorhanden ist. dann gerade gegen das Centrnm. Diese Partei, die in den letzten Jahren eine völlige Schwenkung gemacht und den Charakier als Bolkspartei aufgegeben hat, die den Zoll- und Lebens- mittelwuchcr in einer nie gekannten Weise unterstützt, die heute die Trägerin des Militarismus und der Flotte ist. diese Partei, die noch heute genau so rückständig, wie jemals zuvor ist, wenn es heute gegen diese Partei noch immer nicht genügend Materal geben soll, so habe ich die lleberzengung, nicht der Mangel an Material ist es, der konstatiert werden muß, sondern der Mangel an Fähigkeit, daS vorhandene Material zu benutzen bei denjenigen, die das Centrnm bekämpfen sollen.(Sehr richtig I) Das Centrnm befitzt gewiß eine auSgezeichuete Orgguisaliou, und auch uu cntjerntejteu Dorfe hat es einen bezahlten Agitator in dem Geistlichen. Das Centruin kann sich auch auf eine Macht stützen, von der schon der Dichter sagt, daß selbst Götter gegen sie vergeblich kämpfen. (Heiterkeit.) Aber dafür, daß die Macht des Centrums nicht absolut unüber- windlich ist, dafür liefert gerade München-Schwabing und der zweite Münchener Wahlkreis einen klassischen Beweis.(Sehr richtig!) Hier war der Einfluß der CentrumSpartei allmächtig, und in diesem Centrnms-Eldorado.lin diesem stockkatholischcn München und seiner llmgebnng ist ein Bollwerk der Socialdemokratie aufgerichtet worden. Was die Münchener fertig gekriegt haben, das müssen auch andre machen. Erreicht werden solche Erfolge aber nicht durch Beschlüsse des Parteitages, wie sie von verschiedenen Seiten vorgeschlagen werden, es sollen so und soviel Broschüren und Flugschriften herausgegeben werden, mit andern Worten, eS soll ein Nürnberger Trichter zur Belehrung des ganzen Volkes geschaffen werden.(Heiterkeit.) Solche Beschlüsse können gefaßt werden, obgleich ich keinen dieser Anträge unterstützen werde. Aber was helfen diese Beschlüsse? Brauchbare Broschüren nimmt der Parteivorstand stets mit Handkuß entgegen und läßt sie erscheinen. Aber es besteht eben die Schwierigkeit, solche ollen Anforderungen entsprechende geistige Arbeiten auch zu produzieren. Ich will damit nicht sagen, daß uns nicht vielleicht das nächste Jahr schon derartige Produkte bringen wird. Aber das Centrnm ist nicht überall dasselbe in seiner Stellung uns gegenüber. Das Centrnm in Schlesien, das ganz und gar dem Großgrundbesitz und der Großindustrie unterstellt ist, ist ein ganz andres, als das bayerische Eentrnni. das sich stützt auf einen rückständigen Bauernstand, ans ein rückständiges Handwerker- tum und auf die Einwohnerschaft kleiner Städte, die durch die wirt« schaftliche Entwicklung in eine teilweise Vernichtung ihrer Existenz hineingetrieben Ivorden ist. Ganz anders ist es wieder in den rhcinijchen Jndustriebezirken mit ausschließlich katholischer Bcvölkc rnng. Broschüren, die hier in Bayern ausgezeichnet wirken, sind absolut unbrauchbar zur Agitation in der katholischen Bevölkerung Schlesiens oder der rheinischen Jndustricbczirke. Wir haben ja auch bei der Agitation gegen das Junkertum gesehen, daß eines nicht für alle paßt. Das Flugblatt„Was kosten uns die Junker?", das rechts der Elbe ausgezeichnet eingeschlagen bat, hat in Süd- und West dcntschland, wo ganz andre agrarische Verhältnisse sind, gar keine Wirkung gethan. Für die Beschaffung des notwendigen Agitationsmaterinls ist mit Parteitags-Beschlnsscn nichts ge than. Im Gegenteil, es ist ungemein billig, das eigne Pflichtgefühl dadurch zu beruhigen, daß man die Ausführung einer für notwendig erachteten Arbeit andren überträgt; der Parteitag beschließt:„Der Parteivorstaud hat das und das zu niachen". Sieh zu, Parteivorstaud, wo du bleibst(Heiterkeit), wir Delegierten des Parteitages haben unsre Pflicht gethan, indem wir einen Arm oder, wenn es nötig ist, auch alle beide Arme hoch heben. Ich bin eigentlich etwas überrascht und geärgert durch daS Echo, das die Anregung, den Kampf gegen das Centrnm auf die Tagesordnung zu stellen, gefunden hat. Es war vielleicht taktisch nicht besonders klug, daß man im offiziellen Organ der Partei diese Anregung gegeben hat. Wir dürfen nicht vergessen: im Centrum rumort es, es ist durch eine gewaltige Front vcrändernng aus einer Oppositionspartei zur Regicrungspartei geworden und hat seine ganze Vergaiigenheit desavouiert. Die Aeiißerungen des Rcichstagsabgeordnelen Dr. Schacdlcr auf dem Katholikentag in Mannheim: die Regierung— was hat sie für das Volk? Kanonen und Stcnerzettel! � waren alter Cciitrumslradition entsprungen. Viele Mitglieder des Ccntrnms wünschen wohl, daß Dr. Schaedlcr dies Wort nicht gesprochen hätte oder ihm eine ab schwächende Bedeutung geben möge. Alle diese Vorgänge zeigen doch, wie es im Centrum selbst rumort. Ich erinnere ferner an die Auimosität der katholischen Arbeiter in Rheinland gegen die Haltung des Ccntrnms in der Zollsrage. Das beweist, daß es der Partei nicht so wohl ist in ihrer Haut, wie sie nach außen den Anschein nicht nur zu erwecken versucht, sondern auch nötig hat. Und in dieser Zeit der inneren Krisis des Centrnms wird nun mit einem Male geivissermaßcn offiziell von uns proklamiert, daß diese Partei der starke gewaltige Turm ist, gegen den sich unsre ganze >Kraft zu richten habe. Was hat dieser Vorstoß zur Folge gehabt? Doch nur, daß das Centrnm sich mit eineni Male wieder bläht und sagt:„Seht Ihr, welche Bedeutung wir haben?"(Sehr richtig l Wir find der Turm; wir sind noch der einzige Stützpunkt der ganzen bürgerlichen Gesellschaft! Täuschen wir uns nicht! Wann dem Centrum jcnials ein Gefallen erwiesen ivurde, so war eö durch diese Anregung. (Sehr richtig.) Damit soll kein Vorwurf ausgesprochen sein(Heiter keit), aber es ist meine persönliche lleberzengung, daß wenn wieder einmal derartige wichtige taktische Fragen von offizieller Seite an geregt werden, man das nicht auf eigne Faust tbun, sondern sich vorher mit den Kreisen in Verbindung setzen soll, die nach Lage der Dinge nun einmal die Verantwortung zu tragen haben. (Sehr gut.) Ich komme nun zu dem Kapitel Presse. lieber die finanzielle Seite dieser Frage wird Gcnoffe Gerisch, der ja der finanzielle Mittelpunkt in unsrer Partei ist, noch besondere Mitteilungen machen. Ich will noch vorausschicken, daß sich die wirtschaftliche Krisis auch gegenüber unsrer Presse bemerkbar gemacht hat. Es ist zwar nicht ein umfangreicher Rückgang ein- getreten, aber immerhin ist es doch so, daß ein Stillstand in der Entwicklung konstatiert werden muß. Nun liegen Anträge vor (Nr. 37 und 38), in denen verlangt wird, dcrjPnrteivorstand solle ein französisches Protokoll und eigne Parteiblättcr in französischer Sprache für die RcichSlande herausgeben. Dieser Wunsch ist be grciflich und es liegt nur ferne, dagegen von vornherein eine ab lehnende Haltung einzunehmen. Aber es ist nötig, daß der Partei- tag bei derartigen Beschlüssen nicht sich lediglich vom Gesiihl bc stimmen läßt, denn dem Beschluß muß dann auch die That folgen, und die kostet Geld, hat also finanzielle Folge». Zum Beweise dafür will ich einige Zahlen geben. Auf dem Paricitng in Halle wurde der Beschluß gefaßt, ein polnisches Partciblatt herauszugeben. Diesem Beschluß wurde entsprochen und die„Gazeta Robotuicza", ein Wochenblatt, mußte 11 Jahre lang von uns unterstützt werden. Für diesen Zweck mußten wir im Laufe der 11 Jahre die Summe von 28 441 M. bezahlen; eS soll kein Wort über diese Ausgabe gesagt werden, wir wollen uns auch darauf nichts zu gute thun, es war unser eigner freier Wille, der uns zu uusreni Beschlüsse bestimmte, diktiert von der Absicht, auch das polnische Proletariat in die Bewegung hereinzuziehen. Nun verlangen die AgitationS- konimission»ud der Wahlverein für die Provinz Posen, die in polnischer Spracbe in Posen erscheinende Wochenschrift„Gazcta Lndowa" ans der Parteikasse finanziell zu unterstützen. Ein solcher Wunsch kann uns in sehr große finanzielle Verpflichtungen führen, Sind wir nun in der Lage, derartige Ausgaben auf uns nehmen zu können? Unsre Finanzen sind nicht so besonders; wie in den Finanz- budgcts der Staaten wccbselii aiub bei uns die fetten mit den magcreu Jahren, im Laufe des letzten JahreS haben wir monatc- laug ein Deficit von 75 000 M. gehabt, und wenn wir am Stbluß des Jahres docki noch bilauciert haben, so ist das nur einer Reihe günstiger Umstände zu danken. Alle Jahre stirbt nicht ein Rentier Schmidt und nicht jeder Rentier Schmidt hinterläßt uns 38 000 M; außerdem sind wir in einem Cirkular an die Genossen mit der Pistole i» der Hand herangetreten und habe» sie erinnert, daß es nicht genügt. Hoch auf die internationale, völkerbefreieude Socialdemokratie zu rufen, sondern daß man auch ab und zu feinen Obolus abliefern muß.(Heiterkeit.) Im letzten Jahre hatten wir ein normales Geschäftsjahr, im nächsten Jahre aber stehen uns Wohlkäwpfe bevor, die viel höhere Ausgaben erfordern werden, als e vorher. Nun glaube ich ja, daß der Krieg den Krieg ernähren muß und daß im Wahlkampfe, wo sich jede Fiber der ocialistischen Arbeiter anspannt, größere Opfer als sonst gebracht werden, aber die Zeit der Krisis. in der wir leben, fesselt diese Opferfreudigkeit, und deshalb ist bei allen Ausgabe» Vorsicht geboten. Dazu kommt noch eins: In der polnischen Bewegung spielen sich Dinge ab, die lvir alle nur bedauern könncn. Es bestehen Mcinniigsverschiedenheitcn zwischen der polnischen Parleilcituug und uns. Wir haben eS für durchaus nützlich ge- halten, daß sich die Pole» eine eigene Leitung gegeben haben, und wir sind so lange gilt mit ihr ausgekommen. Ständig stmideiri wir in Berbindniig. Außer den 80 000 M. für die„Gazeia Robotnlcza" haben wir manches 1000 zur Förderung der polnischen Agitation her- gegeben. Wir lvußteu, wenn die polnischen Führer zu uns zu Besuch kamen, das es Geld kostet(Heiterkeit), aber wir gaben es gerne, es war Geld für die so notwendige polnische Agitation, notwendig schon, um das Streikbrcchcrbecken zu verstopfen. So lange es sich nur um die Einführung des Socialismns iir diese Kreise handelte, waren wir immer einig, aber augenblicklich haben lvir es mit einer Bewegung zu thun, die mit den Emancipationsbestrebuugcn des Proletariats in uuseriii Sinne nichts gemein hat. In Polen' hat sich eine nationale Bewegung entwickelt, die geradezu überraschend ist. und diese Bewegung hat nicht nur die polnische sogenannte beffere Gesellschaft erfaßt, sondern auch das Durch die brutalen, riicksichtsloscu Angriffe und Religion wurde das Gefühl der das hat auch auf ihr Verhältnis zu Das Empfinden, daß nian die nationale brutalen Angriffen zu schützen habe, eingedrungen. Aus diesem offiziellem Deutschtum sind uns polnische Proletariat. auf Sprache, Silke Polen verletzt und uns zurückgewirkt. Eigenart gegenüber ist auch Gegensatz in proletarische Kreise zwischen Polcutnm und Unannehmlichkeiten erwachsen, es ist der Gedanke der Zusammen- gehörigkcit des polnischen Volkes Ocstreichs, Rußlands. Deutschlands und der übrigen Länder wieder aufgetaucht, und so cutslaud auch bei unsren polnischen Genossen der Trieb zur Selbständigkeit und Nu- abhäugigkeit. Begreifen kann ich diese Erscheinung, billigen kann ich sie nicht.' Wir können nicht auf die Forderungen eingehen, die von diesen Bestrebungen der Polen heraus an uns gestellt werden. Es herrscht das Verlangen nach vollständiger Selbständigkeit, das Vcr- langen, in den preußischen Provinzen Posen und Oberschlcsien eine selbständige polnisch-socialistische Partei zu bilden, vollständig uuab- häugig von den dort wohnenden deutschen Genossen, zu denen die Polen nur in demselben Verhältnis stehen wollen ivie etwa die Schweizer zu den Deutschen. Tie Polen wollen selbst cutschcidcn, die Aufstellung von Kandidaten u. dgl. soll ihre Sache sein, die Deutschen dürfen sie unterstützen, sie dürfen für sie arbeiten, aber sie haben nichts zu sagen. Der deutsche Arbeiter soll den Polen gegenüber Ausländer sein'. Diese Auffassung konnten wir nicht billigen, wir wollten aber auch den Streit vermeiden. Es kam zu Auseinandersetzungen, besonders infolge der Vorgänge in Posen. Seitdem dort deutsche Genossen, teilweise mit polnischen Namen, die Bewegung leiten, haben wir einen starken Aufschwung, besonders ein stark' entwickeltes GewerkschaftSlcben in Posen zu verzeichnen. Wir freuen uns um so mehr darüber, weil dort nur sehr schwec etwas zu niachen ist. Nun wurde der Genosse Kasprzak als Kandidat unsrer Partei öffentlich proklamiert. Von scitcu der polnischen Genossen ivurde gegen diese Kandidatur lebhafter Widerspruch erhoben, es wurden dem Kasprzak Fehltritte, die er sich früher sollte haben zu Schulden kommen lassen, zum Vorwurf gemacht. Mau ist uns jeden Beweis für diese Anschuldigungen schuldig geblieben; der einzige Beweis war die Mitteilung, die polnische Partei in Warschau habe ihn seiner Zeit ausgeschlossen. Das konnte aber für uns nicht genügen. Die polnischen Genossen ließen sogar ein Flugblatt erscheinen, in dem sie in rücksichtslosester Weise Verdächtigungen gegen Kasprzak erhoben; es wurde ihm Ver- uutrcuung von Parteigcldcrn vorgeworfen, er führe ein Parasiten- leben uu'd unterhalte Beziehungen zur Polizei. Dieses Cirkular wurde der polnischen Bourgcoispresse zur Verfügung gestellt und von ihr abgedruckt. Wir selbst konnten über Wahrheit oder Unwahrheit aller dieser Vorwürfe kein endgiltigcs Urteil fällen, Beweise wurden uns nicht erbracht. Es war der erste größere Versuch für unsre Partei, in jener Gegend Stimmen zu gewinnen, da kani die uns befreundete Parteileitung und warf uns in dieser Weise Knüppel zwischen die Beine. Das war ein cjanz unrichtiges Vorgehen, das ist auch taktisch völlig falsch. Derartige Fälle haben sich wiederholt und wir sind deshalb dazu gekommen, daß wir den polnischen Genossen erklärten: Wir billigen Eure Auffassung nicht und könnten sie auch vor den Parteigenossen nicht verantworten. Wir wollen alles thun, um eine Verständigung herbeizuführen, aber unterstützen können lvir diese Bewegung nicht mehr. Deshalb wurde die Unterstützung fiir die „Gazeta robotuicza" gestrichen. Es muß zur Erwägung gegeben werden, daß, soll ein Blatt in der polnischen Bevölkerung für die Partei wirken, es in Oberschlesien erscheinen muß. Kommen wir »im mit einem zweiten Blatt, der. Gazeta Ludowa", so ist das natürlich eine Konkurrenz. So lange wir aber auf dem Standpunkte stcbcn, daß noch eine Verständigung mit de» polnischen Genossen herbeigeführt werden kann, solange könncn lvir kein Konknrrcnzblalt gründen. Der Ucberzcugung sind wir»och immer, daß der Zwist nur eine vorübergehende Erscheinung sein wird, und daß die polniichen Genossen mit uns das Bestreben haben müssen, daß zwischen den deutschen und den polnisch sprechenden Genossen nicht ein dauernder Gegensatz bestehen darf. Die Auffassung aber halten wir für absolut falsch, daß die Polen die Herren der Provinz seien, denen sich die Deutschen bedingungslos zu fügen hätten und höchstens ihre Kandidaten wählen dürfen. Die Deutschen haben natürlich auch auf einen Schelm andcrlhalbe gesetzt, nun stehen wir jetzt vor der That- fache, daß lvir in der Provinz, wo wir die Hakatisten be- kämpfen müssen, zwei Kandidatenlisten haben, eine deutsche und eine polnische. Ich hoffe bestimmt, daß auf Grund neuer Unterhandlnngcn die deutschen und die polnischen Genossen sich auf eine gemeinsame Lifte einigen. Wir sind bereit in unsrer Nachgiebigkeit vis an die äußerste Grenze zu gehen und wir befinden uns dabei in der Nolle des älteren Bruders und erfahrenen Freundes. Aber nnmöglich köinien wir dulden, daß innerhalb der deutschen Grenzen eine eigne selbständige Partei völlig unabhängig und ohne Rücksicht auf die deutsche Bewegung sich etabliert— das geht nicht. ist auch nicht wahr, daß wir, wie von manchen Leuten behauptet ivird, von der modernen chanviuistischcil Strömung angekränkelt sind. Wie iveit sich bei den polnischen Genossen dieses Vor- urteil festgesetzt hat, kann ich ihnen durch eine Stelle aus dem Brief eines hervorragenden polnischen Führer? be« weisen. Da heißt es:„Ich kann nicht glauben, daß die deutsche Socialdemokratie als Partei germanisatorisch auf- treten oder daß ihr die Traditionen der Hohenzollersche» Politik symphatisch sind..." Ja, wenn so hervorragende Führer schreiben, was soll man dann von den polnischen Arbeiter» er- warten? Ich meine, bei aller Anerkennung und aller Rücksicht, die wir de» Pole» schuldig sind, müssen wir uns darüber klar sein, daß die Polen, so weit sie sich innerhalb der deutschen Grenzen aus- halten, nicht ein von der Gesamtpartei unabhäugiger selbständiger Organismus sein können, sie muffen ein Glied von uns sein. Wir müssen daran festhalten: Sollen die Pole» mit uns zusammen arbeiten, sind sie uns stets willkommen; wolle» sie es getrennt auf eigne Faust versuchen, wünschen wir ihnen bestes Glück und legen ihnen nichts in den Weg, aber lvir niüsscn verlange», daß sie. iven» sie 'ich uns anschließe», nicht uns in der Weise entgegenarbeite», wie in dem geschilderten Falle. Solche Schwierigkeiten kominen naturgemäß für ei» ranzösisches Parteiblatt nicht in Betracht. Dort entsteht nur die Frage, ob ein solches Blatt auch Abonnenten finde» wird. (Heiterkeit.) I» Elsaß-Lothringen hat jahrelang ein Partei-Orga» niit Subvention aus der Partcikasse bestanden. Jetzt erscheinen dort zwei Parteiblätter ohne Subvention. Der Versuch, durch Snb- veutionierung in Elsaß-Lothringen ein Partei-Orga» aufrecht zu er- halten, hat uns große Opfer auferlegt. Die Subventionen für daS erst in Mülhausen, dann in Straßburg erschienene Organ haben der Partcikasse in 11 Jahren 88 842 M. gekostet, trotzdem hat das so nbvcnliouierte Blatt nirgends rechten Einfluß gewinnen könncn. Auf dem vorjährigen elsaß-lothiingischcn Parteitage ivurde dann seitens des Parteivorstandcs osfiziell erklärt, daß die Subventionen aufhören müßten. An Stelle des einen subveutioniertcu Blattes werden unn zwei Zeitungen herausgegeben, die nicht subventioniert iverden: das Straß- burger Blatt erscheint weiter, die Mülhausener haben sich ein eignes ge- gründet. Die Vertreter dieses Blattes haben zwar stolz erklärt,'sie brauchten die Partei nicht. Sie haben aber doch einen Brief an den Parleivorstand geschrieben mit dem Ersuchen. 20 000 M. als Kaution für das Blntt zur Verfügung zu stellen; das wäre gewiß keine Sud« ventiomeruiu,. aber doch der erste Schritt daW, da die Kaiitivn den Staatsbehörden gelrcniiber ancb als Garantie für etwaige Prozeß kosten usw. dient. Da« im offiziellen Bericht des Vorstandes die Mülhansener.Freie Presse" nichc aufgcfiihrt ist, beruht auf einem Verseheu bei der Abfassung des Berichtes. Auch die Düsseldorfer Genossen sind mit der Stellung des Parteillorstaudes bezüglich der Uutersiützmjg ihrer Presse nicht ein- verstanden. Der vorige Parteitag hat die Unterstützung abgelehnt und der Vorstand ist dem Beschluß nachgelommcn. Ich gebe zu, dafi die Düsseldorfer GenossensAnspruch auf ein eignes Organ haben, aber Zeitungen, die nicht � ans sich selbst heraus existieren können, sind immer ein sehr kostspieliges Unternehmen. Die Genossen in Bochum sind gleichfalls sehr unzufrieden. Die Verhältnisse sind dort sehr eigenartig, seit Jahren unterstützt die Partei mit sehr bedeuten- den Mitteln die Unternehmungen, die im rhcinisch-ivestsälischen Jndnstriebezirk ins Leben gerufen sind. Es erscheint dort die .Rheinisch-tveslfälische Arbeiterzeitung" mit Äopfblättern für Essen, Bochum und andre Orte. Das Blatt in Dortmund deckt sich jetzt selbst, dagegen macht das Bochumer Blatt Jahr für Jahr bedeutende Zuschüsse notivcndig, im letzten Jahre allein bLOV M. Der Parteivorstand ist nun nach vielen Be sprechungen_ mit den Genossen ans dem rheinisch-lveslfälischen Jndustriebezirk zu dem Entschluß gekommen, in Dortnnuid ein einziges großes gnt geleitetes und gut ausgerüstetes Central- organ zu schaffen, das unter Fortfall der Kopfblnlter für die Genossen des ganzen Bezirks gelten soll. Die Bochumer Genossen haben diesen Entschluß gebilligt, aber nachdem die gewaltigen Ausgaben für die Einrichtung der neuen Druckerei gemacht ivaren, kommen sie niit einem Male und sagen: wir thun nicht mit, wir behalten unser Blatt bei, e§ hat sich zwar bisher nicht rentiert, aber jetzt gründe» wir eine neue Druckerei, und da wird eS sich schon rentieren.' sHciterkeit.) Ich wünsche, daß sich diese Hoffnung erfüllt, aber man mutz es be- greifen, ivcnn der Vorstand die Unterstützung verweigert, zumal da die Genossen ihre alten Verpflichtungen noch nicht erfüllt haben; für das Bochumer Blatt mußten tvir noch 5200 M. nach Dortmund zahlen, und dieselben Genossen, die ihre Schulden in Dortmund nicht beglichen habe», richten sich jetzt eine eigne Druckerei ein und lasse» andre die Schulden für sich bezahle». Das sind interne Dinge, die ich am liebsten in geschlossener Sitzung vorgetragen hätte; da der Parteitag aber eine so starke Abneigung gegen die geschlossenen Sitzungen an den Tag gelegt hat, so niüssen tvir uns über diese Dinge in aller Oeffcntlichkeit ausspreche», derartige Zustände können nicht weiter so bleiben, die allgemeinen Verhältnisie dürfen doch nicht so ans dem Auge gelassen werden; einen Stein, den man nicht haben kann, den läßt man liege». Ist der Parteitag darin andrer Meinung, dann möge er auch dem Vorstand mitteilen, Ivo die Mittel hergenommen iverdeu sollen, um die Extravaganzen einzelner Genosse» zu befriedigen.(Sehr richtig.) Nun zu einem andern Gegenstand, zum Verein„Arbeiter- presse". Sie haben dein ungeschicktesten Antrag zu dieser Frage ihre Unterstützung versagt und ich brauche darauf nicht eingehen. Auf- klärung aber ist notwendig. Dieser Verein„Arbeiterpresse" ist eine durchaus selbständige Schöpfung der beteiligten Kreise der Partei- bennitcn. Im Vorstand herrscht seit langen Jahren die Empfindung, daß auf diesem Gebiet etivas geschehen muß. Auch tvir Socialdcmo- kratcn sind dem allgemein menschlichen Gesetze des Kraftverbrauchs uiitcrworfen. Die Fälle nichren sich, wo Genossen, die ihre Kräfte im Dienste der Partei verbraucht haben und aus dem Leben scheiden, ihre Familie in de» kärglichsten Verhältnissen zurückgelassen. Für die Partei besteht eine gewisse moralische und materielle Verpflichtung, für die Familie einzutreten, den invalide» Genossen zn unterstützen. Es ist auch bisher unterstützt worden, aber es bleibt immer ein im- angenehmes Gefühl, in jedem konkreten Falle konkret zu entscheiden. Der Einfluß, das Ansehen, die Liebe, die der einzelne Genosse genießt, sind sehr verschieden. Es gicbt ungenmn brave Genossen, die ihre Schuldigkeit in vollem Umfange thun und doch der breiten Oeffentlichkcit nicht bekannt sind. Für sie, wenn sie invalide iverdeu, eine Unter- stützung zu bewilligen, ist immer schwieriger, als für bekannte Genossen. Auch fehlen die festen Normen; eigentlich darf der Vor« stand nur für ein Jahr betvilligen, er läuft immer Gefahr, daß die Eontroleure andrer Meinung sind. Wie nnangenchnv sitzr'dtle betreffende Familie, wenn dann der Fall öffentlich behandelt wird. Weil dem so ist und iveil derartige Uuterslütznngcn sich immer mehr uotwendig machen, ist der Vorstand schon vor Jahren dem Gedanken näher getreten, daß hier etivas geschehen müsse, daß die Beteiligten selber eingreifen müßten, daß aber die Partei gewisse Zuschüsse dazu geben müsse. Wir haben es niit Freuden begrüßt, daß die Beteiligten selber die Angelegenheit in die Hand genommen haben. Es handelt sich dabei nicht um einen Slreikverein der sveialdemokratischen Nedacteure, wie wohl hier und da im Ucbermnt einmal gesagt ist, sondern um das Unterslützungsivesen für die invalide geivordenen Partcibeamten und die Angehörigen verstorbener Parteibeamten. Wir haben von vornherein erklärt: Gelingt es, eine solche Unter- stütznngskasse zu gründe», so iverdeu ivir, soweit eS auf uns an- kommt, eine Untcistützung ans der Pnrleikasse ganz getviß betvilligen. Der Verein„Arbeiterpresse" hat nun einen Ausweg damit gefunden, daß er auf eine Generalsiibvenlson verzichtet und nur einen persönlichen Zuschnßbcitrag vorschlägt, dessen Höhe genau der Summe der Beiträge entspricht, welche die Mitglieder des Vereins an die Unterstützniigsknsse zu zahlen. haben. Das macht 6 M. pro Monat. Es werden also die einzelnen Parlcigeschäfte ersucht, ebenfalls 0 M. pro Mmiat für jedes Vereinsmitglied an die gemeinsame Unterstützungskasse zu zahlen. Diesem Verlangen hat der Parteivorstaud keinen Widerspruch entgegengesetzt, und ivir haben, soweit die Parteigeschäfte im engeren Sinne, der „Vorwärts", die„Neue Zeit", der„Wahre Jakob", das„Hamburger Echo" und die„Bremer Bürgerzeitnug" in Betracht kommen und salls die sonst noch vorhandenen Instanzen zustimmen, unsre Bereitwilligkeit zur Zahlung von Beiträgen erklärt. Für den„Vorwärts" und das«Hamburger Echo" wird dieser Beitrag genau in der Höhe der Mitgliederbeiträge zur llntersliitzungs« lasse ans dem Geschäft bezahlt. In Bremen hat die Preßkommission einen bezüglichen Beschluß abgelehnt. Nun ist der Vorwurf erhoben worden, wenn für die Herren Nedacteure derartiges gcthan wird, niüssen alle Arbeiter in derselben Weise behandelt werde», besonders in Berlin wurde betont, daß derselbe Beitrag dann für alle in der Parteipresse angestellten Arbeiter bis zum Laufburschen gezahlt werden müsse. Wir haben darüber nicht zu entscheiden. Die Meiunng ist aber durchaus falsch, daß bei den Partei- örgäne» ein Unterschied zwischen Arbeitern und den Parteibeamten gemacht werde. Schon bisher ist in allen unseren offizielle» Partei- geschäftcn— für die Provinzpressc kann ich die Veraullvortung nicht übernehmen— für alle Arbeiter, die in der Invalidenversicherung sind, der volle Beitrag aus dem Parteigeschäft bezahlt worden, das sind immerhin auch Summen, es macht in Bremen etwa 000 Mark, beim„Hamburger Echo" gewiß zwei- bis dreimal soviel und beim „Vorlvärls" noch mehr. Für seine Partcibeamten bezahlt der„Vor- ivärts" jetzt einen Znichuß an die Unterstütznngsknsse des Vereins „Arbeiterpresse" von 90 Mark monatlich, das sind etwa über 1000 Mark ini Jahre. Wenn die Dinge so liegen und mit unserer Znstiininnng solche Summen für die Arbeiter bezahlt werde», dann iann kein Borwurf erhoben werden, wenn für die Angestellte», die sich öffentlichen Kasse» nicht anschließen können, ebenfalls Beiträge zu einer Versicherung gezahlt werden. Unsre Angestellten ivoNcn sich ein Recht sicher» und wenn wir sie darin unterstützen, so glauben wir damit nichts Unrechtes gcthan zu haben. Ans dem letzten GewerkschaslSkongreß wurde eine Behauptung aufgestellt, die uichl unwidersprochc» bleiben darf, ein hervorragender Gewerkschaftsführer behauptete, daß man sich in der Partei gegen hohe Geivcrlschaflsbeiträge ausgesprochen habe, weil inan darin eincKonkurrenz gegenüber der Partei erblicke. Diese Bchnuptuiig wurde zuerst i» Halderstadt aufgestellt und von dem Genosse», der die Äeußerung gcthan haben sollte, sofort dcn,e»tiert; lrotzdcni wurde sie später von dem Gewerkschaftler, der sie in Halberstadl aufgestellt hatte, wieder aufgcnouimen. Ich koustaticre hier öffentlich, daß niemals von offizieller Seite mir Rücksicht auf die Partci-Einiiahmcn geraten und verlangt worden ist, die gewcrkschafllicheu Beiträge möglichst niedrig zu halte», eine derartige Äeußerung von maßgebender Seile ist»ie« makS in der Partei gefallen; ob eS einzelne Genossen giebt, die dieser Auschauung huldigen, und ob hier da auch eine derartige Äeußerung privatim oder öffentlich gethan ist, das muß ich dahin- gestellt sein lassen. Ich bin genau der entgegengesetzten Meinung; wenn die Gewerkschaften etwas erreichen wollen, dann müssen die Mitglieder auch Opfer bringen.(Lebhafte Zustimmung.) Daß die verantwortliche Partei deswegen jemals eine solche Meinung ge- äußert habe» sollte, ist absolut falsch und ich weise solche Bchaup- tungen zurück. Eine andre unrichtige Behauptung bezieht sich auf die Konsum- vereine. Es wird gesagt, der Partei sei es unangenehm, daß die Konsumvereins-Bewegung hohe Anforderungen au die Partei- Intelligenz stelle und dadurch zu viele Kräfte der Partei entziehe, Ob die großen Erwartungen, die man an diese Bewegung knüpft, sich erfülle» werden, darüber brauchen wir»»s heute nicht zu äußern. Aber daß jemals die Partei sich geäußert hätte, diese Bcwcgiiug absorbiere zu viele Kräfte und Jntelligeuzen, das ist ganz unrichtig; einen derartige» Standpunkt halte ich für reaktionär und durchaus unhaltbar, wir löuuen ihn unter keinen Umständen vertreten.(Sehr richtig!) Ich komme nun noch zu einer organisatorischen Angelegenheit. In Nürnberg sind Parteigenossen aus der Lokalorganisatio» ausgeschlossc» worden. Damit ist noch nicht gesagt,' daß die betreffenden, keine Parteigenossen nichr sind. Sollten' sie aus der Partei ansgeschlosse» werde», so tritt die Bestiinnuing des Orgaiiisationsstatuts in Kraft. Nun sind die in Nürnberg aus geschlosseiieit an andern Orte» Mitglieder geworden, einer hat sogar die Geschmacklosigkeit gehabt, sich als Neichstags-Kandidat aufstellen zu lassen. Die Kandidatur ist inzwischen zurückgezogen worden, so daß diese Sache für uns erledigt. Die Nürnberger erblickten eine llugeheiierlichkeit darin, daß der betreffende in einem andern Orte Mitglied wurde, die Angelegenheit kanr ans dem LiidwigShafcner Parteitag zur Sprache nnd'dort wurde beschlossen, daß ein in einem Orte in Bayer» aus dem Wahlverein ausgeschlossener Genosse nicht mehr Mitglied eines audreu socialdemotratische» Vereins in Bayern werden kann. Diese» Beschluß halten wir für falsch. Haben die bayrischen Genossen die Ueberzeugung, daß die Betreffende» nicht niehr würdig sind, der Partei anzugehören, so sind sie verpflichtet, den Ausichlnß aus der Gcsamtpartei zu beantragen. Geschieht daS, dann wird de» Betreffende» auch die Möglichkeit gegeben, die Einsetzung eines Schiedsgerichts beim Parteivorstand zu beantragen und wciierhin an den Parteitag zu appellieren. Aber nach der Maxiine der bayrischen Genossen bleibt der Betreffende nach wie vor Parteigenosse, seine allgemeine deutsche Parteizugehörigkeit ivird nicht bestritten. I» Betracht kommt»och, daß es für die Genossen, die»ach dem bayrischen Organisatioiisstatnt ausgeschlossen werden, nicht die RctnrSiustauzeu giebt, die i» unsreni allgemeinen OrganisntionSstatut vorgesehen sind. Durch den Ludwigshafener Beschluß ist eine grundlegende Bestimmung unjreS für die ganze Partei geltenden Orgniiisations statutS aufgehoben worden. Würde daS maßgebend sei», was dort geschehen ist, so würden wir eine bayrische, eine sächsische, eine badcnsische usw. Socialdemokratie bekommen und unser allgemeines Orgnniiatiousstatut würde überflüssig. Das ist bedenklich; dem läßt sich aber leicht abhelfe», wenn die bayrischen Genossen das thun, was die Genossen im übrigen Deutschland thu», wenn sie sich uäinlich an unser allgemeines Orgauisatioiisstatut halten. Die Lokal->i»d Landes statutcu dürfen nicht im Widerspruch zu dem Gesauitstatnt stehen Glaubt man, das Orgnnisationsstatut sei mangelhaft, so stelle man Ab äudcrnngsanträge, so lange es aber besteht, gilt eS für uns alle gleichviel ob diesseits oder jenseits der blauwciße» Grenze. Es dar nicht die Praxis einreißen, daß die allgemeine» Bestimmungen der Partci-Orgaiiisation einfach umgangen werden. Es gilt auch, das Recht des Einzelnen zu schützen und dem Eiiizclncn ist hier, wenn auch ohne Absicht, Unrecht geschehen; man sagt sich: Für ganz Bayern taugt der Kerl nichts, aber für die Preuße» ist er gut genug. (Stürmische Heiterkeit.) Das ist so gut bayrisch empfunden. daß ich es wohl verstehe, so viel habe ich mir von meiner Heimat noch gerettet. Ob eine Aenderung des OrganisatiouSstatut» not- wendig ist, lasse ich dahingestellt, ich bin über'zengt, wir werden unS verständigen. Ich bin am Schluß Jetzt ist es an Ihnen, Kritik zn tibc». Machen Sic es gnädig, denn auch für uns gilt der Satz: Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach.(Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Singer teilt mit, daß noch folgender Antrag eingelaufen ist: Nr. 91: Der Parteitag erklärt: Da die ökonomischen und politischen Interessen des polnischen wie des deutschen Proletariats im Deutschen Reiche die gleichen sind; da ferner die Socialdemokratie es für ihre Pflicht erachtet, die polnische Arbeiterklasse auch gegen die Unterdrückung ihrer Nationalität zu schützen, und dieser Pflicht stet? nach Kräfte»»achgclommen ist; da endlich die Socialdemokratie ihre deutschen und polnischen Mitglieder stets als vollkommen gleich berechtigt betrachtet und behandelt und die Agitation unter dem polnischen Proletariat materiell und moralisch in kräftigster Weise unterstützt, so»tuß die Absouderung einer polnischen Gruppe der„polnischen socialistischcn Partei" von der Gesamtpartei als gänzlich ungerechtfertigtes Vorgehen erscheinen, das durch separatistische Tendeuzen hervorgerufen ivurde, die mit den Aufgaben der Social dcniokratie nichts zu thu» haben. Der Parteitag verurteilt scharf die von der Gruppe„polnische socialistische Partei" provozierten Doppel kandidatnren in Oberschlesien und fordert die polnischen Partei genossen, die ans dem Boden der Socialdemokratie stehen, auf, dieser demoralisierenden Sondcrbündelei baldmöglichst ein Ende zu bereiten. Die Gegenkandidaten der„polnischen socialistische» Partei kommen von nun als Parteikandidnten nicht mehr in Betracht. Damit sind die Anträge 12 und 13 als erledigt zu betrachten. lieber die Anträge 14 und 15 geht der Parteitag zur Tagesordnung über. Luxemburg und 20 Genossen." Der Antrag wird mit den dazu gehörigen Anträgen 12—15*) mit zur Debatte gestellt. Eine Reihe Begrüßungsschreiben sind eingelaufen. Darunter eines von der„Jskra"»nd„Sarja" im Namen der„Liga der russischen revolutionären Socialdemokratie", des„PeterSbiirgeffKomitecS der russischen Socialdemokratie" und deS„nördlichen ArbciterbundeS" (Föderation der Arbeiterorganisationen in den Gouvernements Wladimir, Kostroma und Jnroslaff). Schluß 12�/4 Uhr. *) lÄ. Parteigenossen in verlin III: Die Sondcr-Kan- didaturen der polnischen socialdemokratischen Partei in Oberschlesien sind zu verwerfen. IS. Parteigenossen in Breslau: Die von der Batzdorfer Konserenz der oberschlesischen Genossen aufgestellten Reichstags- Kandidaten sind als die rechtmäßigen Kandidaten der socialdcino- kratischen Partei anzuerkennen und ist der Parteivorstand zu ersuchen, diese Kandidaturen durch finanzielle Mittel nach Kräften zn unterstützen. 14. Parteigenosse Bit tau und 27 Genossen in Z a b r z e protestieren gegen die Beschlüsse der Batzdorfer Koufcrcnz in Bezug ans die Kandidatur ini Wahlkreise Kattowitz-Zabrze und verlangen Aufhebung deS bezüglichen Beschlusses. IS. Parteigenosse Leb ins in Dresden: Die politische und gewerkichastliche Sonderorgaiiisation der polnischen Socialdeniokraten ist bcrcckuigt, weil die Polen in der deutschen Organisation infolge ihrer völligen oder teilweise» Unkenntnis der deutschen Sprache be- nachteiligt sind.— Auch eine Sonderorganisation, die die polnischen Socialdeinolraten aus nationalen und nicht nur ans praktischen Gründen schaffeit, dürfen wir als Vorkämpfer der internationale» Völkerverbrüderung nicht bekämpfen. Andernfalls stellte sich die dentsche Socialdemokratie ans de» Standpunkt der Schulnreister von Wreschen. Jnternationnlität schließt Nationalität nicht ans, wie schon Liebknecht 1807 in Hamburg ausführte.— Ucberall, Ivo eine gemeinsaiue Aktion beider Nationalitäteu ivünschensivcrt ist, z. B. bei Wahle» und Lohukämpse». möge eine Versläudiguug auf Grund der Slärkeverhältnisse beider Organisationen stattfinden. Briefkasten der Redaktion. Die jailsilsche SPrcchslnude findet täglich mit Zlnsmihme de» Sounabends von?>/, bis tl'/,>>br abends statt. Rob. K. Das Krankeiiversicheriings-Gesetz besti»»iit über die Verteilung der NorstandSgeschäfte auf die eiiizelncn Vorstandsmitglieder nichts. Das Statut der Kasse kann darüber bestiuuiicn; es ist jedoch weder nötig noch empfehlenswert. Der Vorstand hat dauu freie Hand, die Fühlung seiner besonderen Geschäfte ganz nach Bedarf unter seine Mitglieder zu verteile». Lydia. Krimilialkoiilinissar Thiel ist am 15. Februar 1951 wegen der Bestechiliig und Verleitiulg zum Meineide, die im Sternberg-Prozeh ans Licht kam, zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt worden. E. T. 480. Eine Beleidigungsklage muh spätestens iimerhalb drei Monaten nach erlangter Kenutvis von der Beleidigiuig zu Protokoll des Gerichtsschreibers des Amtsgerichts erklärt oder schristlich bei Gericht ein- gegangen sein. Die BeleidiguilgSklagc ist i» zwei Exemplaren einziireicheu. Wohnen der Beleidiger und der Beleidigte in derselben Gemeinde, so inuh der Klage ein Sühnevcrsuch vor dem Schiedsmann vorangehen. Das Attest über Filichtlostgkcit des Sühncversuchs ist der Klage beizufügen. Ein Bei- spiel für eine Beleidigungsklage finden Sie Nr. 85 S. 410 dcS in den öffentlichen Bibliotheken ausliegenden„Arbeiterrechts".— R. R. 101. 1. Nein. 2. So lange die Ehe noch nicht gerichtlich getrennt ist, steht dem Vater das Erzichnngsrecht zu. 3. Die BerjährniigSfrist für Alimente beträgt vier Jahre. 4. Ja.— Kollege». Was Sie wünsche», finden Sie im Adrestkalender, zweiter Teil.— W. 9)1. 99. Nein. — K. M. 78.§ 616 des Bürgerlichen Gesetzbuches lautet in seinem ersten Satz: Ter zur Dienstleistung Verpflichtete wird des Anspruchs auf die Vergütung nicht dadurch verlustig, dag er für eine verhältuismähig nicht erhebliche Zeit durch einen in seiner Person liegenden Grund ohne sei» Verschulden an der Dicustlejftuiig verbindert wird. Danach kann ein längere Zeit beschäftigter Arbeiter Lohn für die Zeit einer militärischen Nebung verlangen.— G. H. St.. C. B. 11. Ja.- 10. F. B. Den Staats- angebörigkeitS-AusweiS erteilen in Sachsen die KreishaupMiannschasten zu Dresden, Leipzig, Zwickau und Bautzen. Erforderlich ist lediglich der StaatSangchörigkcits-AusweiS Ihrer Person, nicht ein solcher Ihrer Familie. — Fiflner. 1, und 2. Die Gemeindevertretung hat w beiden Fällen zu bcschliehen. 3. Erst nach Schlich der Seiston oder nach Verhandlung über die Petittoil erhalten Sie Antwort,— P. St. 15. ES giebt keine gesctz- lich erlaubten und nickt«rlaiibten Spiele, Das von Ihnen benannte Spiel gilt nicht als Hazardipiel,— A. I, Nein,— Ttraudichlost. Wilde Gänse darf»ur der Jagdbcrechtigte und derjeulge schieheu, dem a»S besonderen Gründen die Erlaubnis hierzu erteilt ist.— P. II. Spandau. Sie iiiüstteu sich an das Nochlabgerickt niit dem Antrage auf Nachllchregliliernng wenden und evriltuell auf Zahlung klagen. � F. flv. 22. Daraus hat der Wirt leinen Anspruch.— W. V. 50. Ein nicht deutscher Ausländer hat kein Recht auf Naturalisation. Die Naturalisatioil lann ihm also auch dann abgeschlagen werden, wenn er ans seinem Staate ansgeireten ist. Das Gesuch ist in Berlin an das Polizeiprästdium, in der Provinz an den Regieniiigspräsidentcn zu richten. Die Gebühr für die Naturali- sationSurkunde kostet 50 Mark.— A. T. E. Nein.— O. Ja. Locislllellioliilltisoller Wshlvvmu für den 6. keil. Rei di s( ags-Wali 1 k reis. Den Parteigenossen zur Nachricht, dcch unser Mitglied, der Schankwirt Wilhelm Abraham am 18. b. M. verstorben ist. Ehre s c i» c i» Sl» d e n k e n! Die Beerdigung ftndet mn Mittwoch, den 17. d. M., nachm. 3 Uhr, vom Tranerhausc Wolgasterstr. S ans, nach dem Kirchhof der Friedens- Gemeinde, Nicder-SchSnhaiisen, statt, Zahlreiche Beteilinnng erwünscht. 249/4__ Der Borstand. Deutscher Metallarbeiier- Verband Berwaltungsstelle Berlin To<1oh- AnseiKe. Den Kollcaen zur Nachricht, bah unser Mitglied, der Klempner Paul Prieke am 13. d. M, an eliicm Herzleiden gestorben ist, 120/20 Ehre seiuem Audenken! Die Beerdigung findet statt am Dienstag, den 16. September 1902, nachmittags 41/, Uhr, von der Leichen- halle de« Neuen Rixdorfer Kirchhofs, Mariendorfer Weg. Rege Beteiligniig erwartet Die OrtSverwaltung. Da»ksog»«g. Allen Freunden' und' Bekannten sage ich für die Beteiligung nnd die schönen Kranzspenden bei der Bccrdi- guiig meiner lieben Frau meinen besten Dank. 2085b Friedrich Zell, Siallschreibcrstr. I.l. Karlhaus-Kummerscher Männer-Chor. Dodvs" Ättzorgv. Den Mitgliedern die betrlibende Nachricht, dab unser Mitbegründer und Sangesbruder ehilhis Gohlke am Sonntag, den 14. d. M. am Blut- stürz plötzlich verstorben ist. Sei» aufrichtiger und ruhiger Charakter stckcru ihm ein treues Andenken im Verein. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 17, d, M, um 4 Uhr, von der Leichenhalle des Gemeinde-Fried- Hofes zu Friedrichöfelde ans statt, 2100b____ Der Borstand. Zurückgokohrt 50881."* Dr. Ooorg Klose, Hals-, Nasen- und Ohrenarzt, Friedrlchatraase 110. Gesundheits-Pfeifen mitAluminiinn-Rauchlüliler u, Patent« köpf. Reise-, Marsch-, Klub-, Sbng-, lange und halblange Weichselpfeifen. Pseifentctle. Tabaksbeutel. Schmips- tabakdosen. Schinalzlcr-FIasche». Ci- garren-». Cigarettenspitz. Hamburger il. Duisburger Rauchtabake. s507lL* Cnrl Sclinhcrt, KUatrlnor Plnti6. Steppdecken billigst;;, FabrikmöB iÄEmll Letevre, Berlin S, Mustltiaflramente Ii. Kalten altirlletl liciert»iM«? unlcrK arantted!« Fabrtl I '!««»»»«!«t IHOasaer,';! Markuenätrchen 1. 6, Catologe fttll 5% Psiiild Brot 50 Ps. Kack war© aagT" 0 Stiiek für 10 Pf."»»z Albvrclits iiilckoreion: Wraiigelitrassc 9, Krniititrnsse 10, Falkensteinstr. 28, Laiisitzerstr. 2. 36 Mark elegante Winter-Faletots, :tO IHnrk hochfeine Herren- Anzüge, 12 Mark schwere Wlnter-Keinkloldor. Guter Stoff, tadelloser Sitz. 14. Kransenstr. 14. 1 Treppe. Tel.-Amt I Nr. 3708. 1 Treppe. fiillardiuche zu Fabrikpreise» 20876 Albert Marwlti, Nene Grünstr. 27, I. Cabliau 25-30" HSg" Fleisch teuer, aber m Seefische billig! SeliellflSClie�röllan Ä0-Ä5 Pf. pro Pfd. grosse ohne Kopf und im Anschnitt 30—85 Pf. (zum Kochen und Braten sehr empfehlenswert) ohne Kopf u. im Ansohn. Bratflnnder 20-25 pro Pfd.(3 Pfd. 65 Pf.) Seehecht pro Pfd. 35-40 Pf. Knurrhahn...... 25 Seelachs 25 Pf., im Anschnitt 30 Rotzungen.... 40—45 SW' Alle andren Sorten cbrnrnllK billig. üentsclie Damiifflsclierei-Gesellscliaft Hauptfiliale Berlin C, 23, Bnhnliof HOrwe, Bogen 9—10. Pf. Pf. Pf. pro pro pro Pfd. Pfd. Pfd. „Mordsee!' II. Filiale: IAInehnr{;crstriii.KC, Ecke Paulstiasae, III.„ PriitzciistrnüHe 30. IV.„ IHadnistr. 22, im Schlcslschen Bahnhof. Johs. Skorczyk� Generalvertreter. cr- Anfang >»VMMjWWWM!MWWW» ksiir>�'» Jiiliult bit Insrrute ul-l,»i»»iit diu Nudnkiiv» dum Pttdlifiim ncnciiiilier keiiiurlei �i'uniiltvortaiifl. WiSWZSMWWgTiSMLSMiSS Z�hrntov. DicnStag, 16� S e p t e ni b e r. Opernhaus. Häusel mid Gretes Die Puppeiifcc. Anfang V/2 Uhr. aiciin- Oper»- T'hu.Uur«Rrall». Tic Äcisha. oder: Etne japanische Schee tsgusgefchichte. Auf. 7V2 Uhr. Schaiisplrlhanö. Das arage Licht. Aliiann 7-/2 Uhr. Deutsches. Wenn wir Toten wiichcn. Anfang 7'/: Uhr. Berliner. Alt-Heidelderg. Anfang 7'/2 Uhr. Lessing.!. o Noeud d© Cravatö.— La Jfniir.— Souper d'Adieu. — i.llomme aux poupees. Anfang 7'/, Uhr. Ncdcrnians. Ansang ReneS. Ledige Leute. S Uhr. Nciide!!.;. Ter Fall Mathien. (Laffnire Mailneu.) Vorher! Ich ltcl'c Sie. Anfang 1\'2 Uhr. Er und feine Schwester. Anfang 7i/2 Uhr. ®ic Ulan 3Jlöt«Fi. fesselt. Anfang 7V2 Ulit. Schiller. O.(Wallner- Theater.) Snppho. An iana 8 Uhr. Schiller. 17.(Friedrich- Wilhelm- städtisches Theater.) Einsame Meinchen. Anfang 8 Uhr. Varl Weist. Eine Paria. An- fang 8 Uhr. Lulsc». Wildfener. Ankang 8 Uhr. Castus. Ehrliche Ardeit. Anfang S Uhr. Kleines. Serenifstinns- Zwischen- spiele. Maieniiachl., Faniilien- idnll. LicbesNaunie. Anfang 8 Uhr. Slpullo. Lhfistrata. Speeialitäten- Borslellnng. Ansang 8 Uhr. Wintergarten. Specialitäten. An- fang 8 Uhr. Buntes Theater. Snsaiine im Bade. Bnnter Teil. Anfang 8 Uhr. Mctropol. Berlin bleibt Berlin. Anfang 7 Uhr. Wilhelm. Der WalzerlSnig An- fang 8 Uhr. Palast. Fromme Wünsche. Anfang 8 Uhr. Dtcidl Speeialitäten. Anfang 8 Uhr. ilietchshaNe». Stettiiier Sänger. Ansang 8 Uhr. Passage- Theater. Speclalitäte»- Borslelllivg. Aiisalig 3 Uhr. Passage■ Panoptitnm. Specialis täten-Bolsteltnng. Urania. Ta»>>e»str.-tS/it».(Im Thenlcrsaal.) Abends 8 Uhr: Tausend Jahre deutscher Kultur. Innatidenslraste K7/ÜÄ. Täglich: Sternwarte. Ifrania. Tauben-Strasse 48/49. Im Theater um 8 Uhr: Tarail Jalire öentsete Ksltar. ■•ivalMeiiNtf. Tätlich geöffnet von 7—11 Uhr. iPassap-Tlieater.| Auf das glänzendste renoviert, Aufgang nur Unter den Linden 22. Anfang Sonntags 3 Uhr. Ende 11 Uhr. Wochentags Anfang 8 Uhr. Hella Collier Deutschlands beste Vortrags- 1 Soubrette. Saycly Ciiorc, neuer russischer Tenor.— fi.iunc d'Atniruir, hohe Schule, geritten auf einer Plattform. 14 erstklassige Nummern. Schi Her-Tli eater. Schiller-Theater O.(Walllier-Theaicr) Dienstagabend 8 Uhr: Sappho. Trauerspiel in 5 Anszüjftn von Franz Grillparzcr. Mittwochabend 8 Uhr: Ilolttor Klans. Donnerstagabend 8 Uhr: ftloritnri. Schiller-Tbeater NI.(Friedr-Wilhelui- städilsches Theater) Dienstagabend 8Uhr: Hlnsaine Itlensobon. Drama in 5 Akte» von Gerhari Hauptmann. Mittwoch abend 8 Uhr: Elnsamv Kcnschen. Donnerstagabend 8 Uhr: I>ie Braut von lUcssina. CASTÄNS Pacoptiknm Frlediicli-Strasse 165. Bic sensationellen lebenden Bilder, dargestellt v. 6 jungen Damen. Kirclimcicrs Berliner Original- Melirainineln. QQ LOCI SCHER Centrai-Theater. Heilte 7>/z Uhr: Wie uiiU! Miiuuer fesselt. Große AuSstattlingsposse in 4 Akte» von Mars ü. Hcniiegillii. Musik von Berger.— Gäste: dosepblnv Nora, Pspi Weiss, Marie Manci, Toni Crlln- feld.— Morgen lind solgeiide Tage: Wie man Mäinier fesselt.— Soniitagnachi». 3 Uhr, halbe Preise: »Die schöne Sünderin".— Abends: »Wie niaii Mäinier fesselt". Tbalia-Tiieater. Brcsdciierstrussc 7JS— 7S. Kovltät I Ansang 71/2 Uhr. Novität! Er und seine Seliv/esler. Posse mit Gesang»nd Tanz in 4 Akten. Guido Thlclsclier als Orchcster-Dirtg. Im 2. Alt: Kitzel-Eonplet. Gerda Walde. Frllr Helmerdtng. Herbert Faulmilllor. August ReKf. Morgen»nd folgende Tage: Er »ud seine Schwester. Täglich nachmittags 4 Uhr: WM-voDsl-ÜoAölt. zizs?- lüntree 1 M.,"TSBd ab<5 Ohr abends e»tt Pf. Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. �srnsaammammmm kleines Theater (Schall und Ranch) Unter den Binden 44. Anfang 8 Uhr. Serenissiinus-Zwisclieiispiele Frau Mlml Kollegen. Schöne Seelen. Luisen-Theater. Reicheubergerstraße.'14. Drei Minmeu 00m Koilbnser Thor. Wildfener. Drama in 5 Asien von Friedr. Halm. Ansang 8 Uhr. Norverkans 10-2 Uhr Theaterkasse, Invaliden- und Künftlerdank. Margen: Die Dame von Lyon. Donnerstag: Othello. Freitag: Robert nnd Bertrm». Kumtes Theater. („UeberbretU".) Köpeniikerstraße 68. Ansang 8 Uhr. Susan»» im Bade von H. Salus. Bunter Teil. Leitung: 0. Straus«. Tlny Senders a. G. Bozena Bradsky. Marcell Salzer. Boltken-Lassoil. iÜI'fl" 1 IIUULUI 1 Frirdvirlz�tv. Dtk Mcherdönig. Gesangsposse in 4 Akten von W. JKannstädt. Morgen und svlgende Tage: Der Walzerkönig. Kassenerössiinng 7 Uhr. Anfang 8 Uhr. Vriiter-WM Rastanien- ZUlee 7— U. 'I Uzxl ieii: Durch fremde Schuld. Voltsstfnk in 3 Zillen von A. Seelen. Bugen Mllardo, Tanzhiiniorist.— EirlnS toyal.— Leodlskas Kakadus, fr.imirfu' Ouifl unicr.— The Elrados. Flenry Flaurstte, Soiltirclte.— 3Stege- manns, rönii che Seile.— Konzert. Anfang 4 lllir. Eintritt 30 Pf., numerierter Platz 50 Pf. Kalbo. Casino- Theater. Lothringer str. 37. Täglich 8 Uhr, Sonntags V-h Uhr. Neu! Stella Kaza. Neu! Schniuck. Origin. Nenderty. Dazu andauernder großer Erfolg: Ehrliche Arbeit. Eittree 30, Park. 50, Fant. zc. bis 2 M. liSliT DV" Heute: TSE Berlin Bleibt Berlin. Grosse Ausstattungsposse mit Gesang und Tanz in 5 Bildern von Julius Freund. Musik von Erik Meyer- Holmund. Emil Thomas a.G. Josof Josephl. Henry Bender. Flora Sldlng. Hans! Reichsberg. Winl Grabitz. — Johanna Junker-Schatz.— Anfang 71/, Uhr. "Rauchen gesi atieb.' i •Theater. («roste Fraiikfnrirrstr. JH2. Kisie Paria. Lebensbild in 5 Allen(8 Bildern) von Ernst ZlitteiMdt. Ansang 8 Uhr. Morgen: Dieielbe Vorstellung. Souuabeildnachniltlag 4 Uhr: Erste Kinder- Vorstelinng. Tausend und eine Nacht.— Somitagnachniitlag 3 Uhr: Mari» Stuart. iM-tahis. Georqensteaöse, Bahnhof Feiedrichstr. Erölfimng Sonnabend, 27. Septbr. T-> Sönimertheater �a�iersibad Vadstr. 35/36, Gesnndbrunnen. Täglich: Der Bra»»dstifter. Operette in I Akt von Linderer. Willy Reinhold: vir. R. Wagner. Erstklassige Speeialitäten. Entree 20 Pf. Bous und Borzugskarten haben Gülli ikeii. Apollo- Tlieater Um 8 Uhr: Die sensationellen Speeialitäten. nfarlin Kettner mit seinen neuen Solo-Vorträgen Um 9 Uhr: ILysistraisi Operette in 2 Akt. y. PanlLIncke mit Carola x Steidl x Bleck KröcliertXKettnerXLIebau X Runge Kasseneröffnung 7 Uhr. Anfang der Vorstellung 8 Uhr. Palast- Theater früher Feen-Palast, Burgstr. 22. Durchaus renoviert. Direktion: Richard Winkler. 9 Uhr:-WW ZV" 9 Uhr: Der Taisou-Zchlager Eine Ut Im Ballbaose. Schivank in 4 Akten von N. Kneisel. Hänfling, Küster.. Dir. R. Winkler, hotte blende, beste deutsche Soubrette, tes Premler», Alrobat-Canotiers. Fritz Brandt, der bei, Salon-Hnmorist. The Gronays, Les Aleros, Les Ternes Usw. usw. öntree 30 Pf., Parkett 75 Pf., reservierter Platz 50 Pf., mline- rierter Platz 1 M., Sperrsitz 1,50 M., Loge 2 alt.— Anfang 8 Uhr. Fröbels Allerlei Theater fr. Puhlmann, Schönhauser Allee 148. Mittwoch, den 17. September: Erster groster Gesellschafts-Äbend — � Ullb"_' Tsubä. Verschiedene Uebeeroschiinge». Anfang 8 Uhr. Eintritt(inkl. Garderobe) 25 Pf. Freitag: Erster Spielabend d. bestrenommiericii Dambmger Sänger. W. Hoaclis Theater. I irji Vninnetlflrahe 16. Geschlossen. Eröffnung der Winter-SMn Soiluabend, de» Ä0. September. (Direktion Robert Dill.) OoicieBse. ßeichshallen. py TUclIch; Steltincr Säiigcr Ansang: Wochentags 8 Uhr, Sonniagö 7 Uhr. Tageskasse 11— 1>/,llhr. -Z'? R Stempel> Fabrik von[37838« Robert Ileolit, Berlin Jtz.. Orauienstr. 142, liefert ittmefl»nd billig alle Arten Stnapd in bester Ansführnug. Kantschnk- Typen»Perfekt«' znin Zusammensetzen einzelner Wörter owic ganzer Sätze von 1.50 M. an. NiiHSSouei KntthnucrHtr. 4 a, Station der Hochbahn. Täglich EloiriiiniiiiH Rsrijsseiitslhe gäiitiec Sonntag, Montag nnd Dviliierstag nach der Soiree: Tauzkränzchen. Ansang Sonntags 5 Uhr, Entree 50 Pf., Wochenlazs 8 Uhr, Elitree 30 Pf. Bereinsbillcis gültig und Tanz frei. Tteilll»Tkesten Li»ie»st.l32 am Oranicii- bnrger — Thor.— Täglich Humorist. Soiree u. a.: SMenten Lost n. Leid. Ansang 8 Uhr. Sonntag 7 Uhr. Torverlaus 11—1 Uhr. Somit, u. Donnerstag im Fcstsaal Tanzkränzchen."ÄW Rernbarll Rose-Tlieater- 1 Ensemble. 1 Stadt-Theater Alt-Moabit! AU-Boabit 47 49. I2Ö0Ö9 Mar! BtlOmg.! I Gr. Posse mit Gelang tu'4 Akten 1 I v.LeonTreptow. Mnsikv. Steffens.| Anfang des Konzerts 7 Uhr, der Vorstellung 8 Uhr. Donnerstag: VortteNiifig. Wintergarten. Rodinso» Raker, Springer. „In den Alpen", Tanzcfnartett. Angeline von Loo, Sängerin vom kgl. Theater, Brüssel. Maud Griselda, Hunde-Dresseuse. Joele de Witt, Sängerin u. Geigerin. Die Vlcentinas, Rollschuhläufer. Rofix, athletische Produktionen. Helene Gerard,„Hohe Schule". Die Keilliio-Truppe, itnl. Akrobaterz., Clandinc Polalre, Pariser- Sängerin. W. C. Flelds, komischer Jongleur. [CI6o de Merode j Tänzerin v. d. gross. Opel: in Paris. „Biograph".__ Achtum?, Vereine! Empfehle meine gänzlich neu- renovierlen Säle zu Nersainmliinge» nnd Festlichkeiten. Einige Sonnabende »nd«-uniiiage noch frei. 5037L«' Beves Klubhaus, 72, KommandantenNtr. 72. Kranz- iiiiü Blilmubiniitrei m Robert Meyer, mir Mariailnen- Strasse 2. Lcreins-Kränze, Palmen- u. Blameu- Arrangenienis, BouquetS, Gnirlandcn nsw. werden fein n. preiswert gelieserl. In Ltr.-Pl. empfehle: Gognac 1,25— 10-, 35, Rum 1.00-5,60. Nordhäuser 0.45—1,35. Liqueure, Ejer- cognac.Citvon en- » Himbeersaft, Port-u. Ungarweiue gut u. billigst. Carl Schindier, © Palentanwait Dautmann, Bai-iiasplatx 57. AuSliinit hie abends neun[4539ß» Diese Woche Ausnaiimepreise für Gardinen, Stores. Portieren Teppichhaias Adler& Co., Inhaber; Jnlias Blameiifcld, ÄO— Äl, dicht am Rathaus. Zur Vermeidung von Verwechselungen bitten wir, stets auf unsre No. SO— 21 zu achten. Solllildemoliralisiiitt MHIvereiil für dt» 1. Lerliiirr Rkichsiiigs-WiiHllireis. Mittmoch, dcu 17. September, abends 8Us Uhr: �epsamBn iung""WZ Fischcrstraße 25(Schuhmacher-JnnungShanS). Tages-Ordnung: 1. Kommunale Praxis. NesereM Stadtverordneter Genosse B»?»- inaaa. 2 Diskusswn. 3. Verschiedenes. 236/11 Gäste willkoiniiien. _ Per Torstand. SocialdemokraMer Mahlverein für den L Verl. Velchslags-Wahlkrels lS.-S.). Dienstag, den 14». September, abendS S1/« Uhr: WM" im Lokal„Urania", Wrangelstraste Nr. 1O. Tages-Ordnung: I. Vortrag des Genossen Pr. Steiner über:»Erdbeben und Vulkan- ausbrüche". 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegenheiten. 244/9 Zahlreichen Bestich erwartet_ Per Tor.tand. SocIalBeinokratiscIier Walilverein für den sechsten Berliner Beichstags-Wahllireis. Dienstag, den 16. September, abends S'/z Uhr: Versammlung"WB in Bernhard RabcS Salon, Kolbcrgerstraße 2'i. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Kallski über:„ßiimpcnproletariat". 2 Diskussion. 3. Verschiedenes. 249/3 Für die besonders eingeladenen Frauen sind die Galerieit reserviert. Zahlreichen Besuch erwartet Per Vorstand. £PV- Der Zahlabend findet Donnerstag, den 18. d. Mts. statt. Zeiltslher HslzkrbeitMerbaiiii. AMmig! BslhettdeilenleM. AM»»! Dienstag, den 16. September, abends 8 Uhr. bei Schulz. Grenadierstr. 33: Versammlung mit Frauen. Tage»-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Waldeck Btanasse. 2. Branchen-Angelegen heiten. 3. Verschiedenes. Da der Vortrag des Herrn Referenten sehr lehrreich ist, werden die Kollegen ersucht, recht zaglreich mit ihren Frauen zu erscheinen. _ Per Obmuun. Bezirk Rummelsburg. Am Mittwoch, den 17. d. Mts., abends 8 Uhr, bei Krause, Kant- nnd Goeihestraßen-Ecke: B es i p lks- ¥ eß Pf. aus allen Zahlstellen und im Gewerkschasishaus«, Zimmer 11, juntimg! �aiirfraiOfr. AM»g Berdand der PorteseMer ziild Ledergalallterie-Arbeiter und-Arbeiterlilneil iZüsslssclle Berlin). Am Mittwoch, de» 17. September 1S6S, abends 8 Uhr: Mitglieder- Versammlung. Tages-Ordnung: I. Der Alkobol und die Arbeiter. Referent Herr Pr. Zadck. 2. Diskussion. 3. Verbaildsaiigelcgeilhclten und Verschiedenes. M?- Gäste, Domen imb Herren, sind zu dieser Versammlung freund- lichst eingeladen.— Die Milgliedcr sind vcrpflichlet, zahlreich und pünktlich zu erscheinen. 109/10 Ple Oi-tsverwaltiiiis;. Deutsch. Metallarbeiter-Verband Vertvnltnngssteile Berlin. Burean: Engel-Ufer 15, Zimmer 1—5, Telephon Amt 7 Nr. 355. Mittwoch, 17. Sept., abcndö 8'/s Uhr» im Gewcrkschaftshauö, Saal 1: konleren! kier VerirauLNLlZnte öes 8NSev. Mittwoch, 17. September, abends 8b'z Vrnunenstr. 188: Uhr, bei Niiinan», tesseennleeß Csl lllilsesMelise Brenelss. T a g e S- O r d Ii u u g: 1. Vortrag des Herrn Schmantjc über: Bivisektion und ihre Gefahr für die Arbeiter. 2. Diskussion. 3. Vcrbaiidsangelegciiheiten. Mittwoch, 17. September, abends 8'/« Uhr, Hauptstr.: Leiirks-VerLammliiNli lnr Weslenu. Ledönkderg. Tages- Ordnung: I. Bortrag des Genossen Waldeck Mattasse. 2. Diskussion. 3. Ver- bandsailgelegenheiteii. 121/1 Mittwoch, 17. Scpt, abcndö 8'� Uhr, im EewerkschaftöhanS, Engel-Nfer 15(Saal 4): Meckuini er�iniislussir der Melhaeerker, Uhreuucher u. Optiker. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Aeends über: Die Gewerbegerichte. 2. Stellungnahme zu den Gewerbegerichls-Wahlen, Aufstellung eines Kandi- daten. 3. Verbairdsaiigelegeiiheiieu. Die Wichtigkeit de> Tagesordnung erfordert da? Erscheinen aller Kollegen. NN- Nchtung: Tie Biblioihek ist wieder- geiifsnet. ______ Die Ortnvervraltting. Möbel- und Poisteraaren-Fabrik Reiclienbcrgersti'. 5 Reiclienbergerstr. 5 empfiehlt sein grosses Lager in Wolinun�seinrlcktuiieca in Aussbanni und.Uuiiagonl,»O«, 40«, 5««, OUO bis Surk. 5070L- Anerkannt gediegene Arbeit, billigsto Preise, coulanteste Zahliuigsbedhiguua Verantworilicker Redacieur: Carl Leid in Berlin. Für den Fnseratenteil verantwortlich: Th.«locke in Berlin. Druck und Vertag von Mut Vadiug in Berlin. J!r. 216. 19. ZahtMy. 2. gWUlg" Kerlim WlKsdlM mmß mmwm. Kvttferenz der soeialdemokratischen Frauen Teutschlands. M ü»che». 13. September. Die Konferenz der socialdemolrolischen Frone» Deutschlands, die, ebenso wie vor 2 Jahren in Mainz oor dein all�eincinen Partei- tag der Socialdcmokratie einberufen worden ist. trat heute im Krcnz- brnii zn München zusammen. Ts sind ungefähr LZ Delegierte erschienen, darunter auch eine Slnzahl Männer, die von Frauen- organisationen mit der Vertretung ihrer Interessen beauftragt sind. Als Vertreterinnen der östreichischcn soeialdemokratischen Franc»- bcwegnng sind erschienen Frau Popp und Frau Schlesinger- Tcksteiiv Nachdem Frl. Baader-Berli» als Einberuferi» die Konferenz für eröffnet erklärt Halle, begrüstte v. Voll mar die Trschicnenen im Namen der Miinchener Socialdcmokratie. Unter der überreichen Aufgabe, die der Socialdemokratie gesetzt sind, um die Gesellschaft gründlich umzugestalten, bietet kaum eine Frage so viel Schivierigkeiten, wie die Frauenfrage. Nirgciidwo sind die Vorurteile, das von Alters her Ucbcrkomnicne, das sich so gern als Natur ausgebeu möchte, so stark und so ividcrslandskrästig, als anf dem Gebiet des Kampfes um die Gleichberechtigung der Frau. Nirgendivo begegnen ivic auch so viel Schwäche und Ucbelwollc». Sliiu- müssen uns offen eingestehen, ivie wenig»och auf diesem Gebiet erreicht ist und wieviel Ardeit uns noch devorsteht. Aber die Schwierigkeiten dürfen uns nicht abhalten, unsre Ziele tvcilcr zu verfolgen. Es ist sehr verdienstlich, ivenn eine Gruppe sich besonders mit diesen Fragen bclchaltigt, um sie ihrer Lösung näher zu bringen. In diesem Sinne ivunsche ich Ihnen namens der Müncheuer Parteigenossen den aller- besten Erfolg zu Ihre» Beratungen.(Beifall.) Fräulein Baader: Auch ich richte einige Worte des Willkommens an die Anivescnde». Wir soeialdemokratischen Frauen erstreben innerhalb der Partei nichts Besonderes, sondern wollen gerade für die Socialdemokratie die Frauen als Auliängerinncn werben. Vor zwei Jahren j» Mainz wurde überhaupt erst eine planmäßige Agitation unter den Frauen ein- geleitet. Seit jener Mainzer Konscrcnz ist manches Gute geschehen, Me Natschläge, die dort gegeben worden sind, haben gut gelvirkt; oic gemachten Erfahrungen haben uns aber gezeigt, daß wir nicht fülle stehen dürfen. Sic haben uns dazu gebracht, jetzt iviedcnun eine Konferenz einznbcrnfe». Neue Fragen sind seitdem aufgetaucht, eine wichtige und eniste Arbeit steht»ns bevor. Ich begrüße Sie zu dieser Arbeit und hoffe, daß unsre heutige» Beschlüsse wieder»,» einen Fortschritt bedeuten werde». Nednerin gedenkt darauf des Todes der Genossi» Eichhoru-Drcsdcu in einein ivarnien Nachruf. Die Anwesende» erheben sich zu Ehren der verstorbenen Genossi» von ihren Plätzen. Es wird in die Tagcsordinmg eingetreten. In das Bureau werde» wie in Mainz Frau Zetkin als erste Bö» sitzende, Frl. Baader als ziveite Vorsitzende und Frau Zirtz- Hamviirg als Schriftfübreriu einstimmig gcivnhlt. Iii die MandatSprnfnngs« Kommission ivcrden die Frauen Greife ii berg. Kahler und P a n z e r a in gewählt und die Tagesordnung wie folgt festgesetzt: 1. Thäligkeitsbericht. 2. Wie bilden wir Agitatorinnen heraus? 3. Gesetzlicher Schutz der Frauen-, Kinder« und Heimarbeit. 4. Die politische Gleichberechtigung des weiblichen Geschlechts, insbesondere auf dem Gebiete des Vereins- und Vcrsammlungs- rechtes. Z. Verschiedeues. Den ThätigkeitSbericht(ausführlich siehe.Vorwärts" Nr. ILO) erstattet als Ccntral-Vertraucnsperjon Fräulein Baader: I» Mainz war beschlossen, daß die Centrak-VertraucnSperson immer anf der Konferenz gewählt werde» solle. Mein Mandat hat zwei Jahre gedauert, da es sich im erste» Jahre, wo daS Thätigkeits- feld der Genossinncu noch beschränkt lvar, nicht empfahl, eine Konferenz einzuberufen. Eine Umfrage bei den Genossinnen stellte das fest. Die wichtigste Ausgabe im abgelaufeucu Zeitraum war, das System der Vertrancnspersoncn auszubauen. Es wurde ein Regulativ als Wegweiser für die Thätigkcit der VertrauenSpcrsonen geschaffen. Wir haben gute Erfahrungen mit diesem System gehabt. Auf unsre Anregung hin waren im Januar 1801 bereits in 25 Orten iveibtiche BertraueNSpersoue» geivählt, deren Zahl jetzt bereits auf 54 gestiegen ist. Das Znsainmenarbciten mit den Genossen hat fich im Laufe der zwei Jahre wesentlich gebessert, wenn auch noch nicht überall die Franc» sich des volle» Wohlwollens der Genossen erfreuen. Die Mainzer Konferenz hat in ihrem Regulativ der socialdeinokralischen Francnbewegmig die notwendige Richtschnnr für ihre Thäligkeit ge- gebe». Ich habe es mir insbesondere angelegen sein lasse», daß Agitntionsversnnnnluiige» für den Arbeiterinnenschntz abgehalten tvurdeu. Die Bewegung unter dem weiblichen Proletariat hat im ganzen große Fortschritte gemacht. UnS fehlt es aber immer noch an Ncdnerinneu und an verschiedenem andrem. Diejenigen Genossen, in deren Kreisen immer noch ei» gewisser Widerwille gegen unsre Bcwegnng herrscht, werden wohl von ihrem Standpunkt bald zurück- kommen. Die Frauenbewegung ist nur ein Teil der allgemeinen Arbeiterbewegnng; unsre Agitation muß aber in mancher Beziehnng anders geartet sein wie diejenige unter den Männern. Unser Ziel iit, die Massen des weiblichen Proletariates dem SocialiSmns znzii- führen!(Lebhafter Beifall.) Auf Vorschlag der Vorsitzenden Fron Zetkin Ivird die Bcratnng eines vorliegenden Antrages der Genossin Weiß-Dnsseldorf:„Zur besseren Regelung der Organisation und Agitation unter den Frauen ist eine Person nnznslcNen mit dem Sitz in Berlin"'mit der Dis- kussion über den Thäligkeitsbericht verbunden. Ebenso folgender Antrag der Kölner Genossinnen:.Es sind bestimmte Beiträge fest- zusetzen, die von den einzelnen Verlranenspersone» an die Central- verlranenSperson jährlich abzuliefern sind." Zur Begründung ihres Antrages weist Frau Weisj-Düsseldorf darauf hin, daß eine besoldete Beamtin ihre Zeit ausschließlich der Organifation und Agitation widmen könne. Die Bewegung sei so groß, daß der Posten nicht mehr im Nebenamt versehen iverdcn könne. Die Agitationstouren müßten rechtzeitig bekannt gegeben und auf längere Zeit ausgedehnt werden. Frl. Baader erwidert, daß die Agitationstour in der Rheinprovinz nicht früher angezeigt und auch nicht länger ausgedehnt werden konnte. Die Arbeit einer CentralvertraneNSperson ist schwer. Auch eine besoldete Beamtin in Berlin kann die Agitation in Düsseldorf nicht persönlich betreiben.(Zustimmung.) Die Bezahlung spielt dabei keine Rolle. Frau Wchinann-Leipzig: Fräulein Baader habe ihre Arbeit z» aller Zufriedenheit geleistet. (Lebhafte Zustimmung.) Der Antrag Düsseldorf sei unannehmbar. Fran Greifeubcrg-AugSburg wendet sich gleichfalls entschieden gegen den Antrag Düsseldorf. Wen» eS mit den Agitalionöloiiren gelegentlich„ichl ganz llnppe. so liege die Schuld a» der Sauniseligteil»imicher Oris-VertranenS» Personen im Schreiben.(Zustinnnung.) Eine bezahlte Sekretärin könne diesen Mißstand nicht beseitigen. Der Kölner Antrag sei sehr gut gemeint, aber leider nicht durchführbar.(Bravo I) Frau Weyl-Berim: Wir können nicht, wie die bürgerlichen Frauen, unsre Tage. sondern nur unsre Abende und Nochlsiimde» der AgitationSarbcit zur Verfügung stellen. Eine besoldete Sekretärin kann den Mangel. anf de» hmgedcntet worden, nicht beseitigen i sie kann doch nicht die Vertraucnspersoncil in der Provinz wie Marionetten am Faden hnlicn.(Lebhafte Zusiimmung.) Hätten wir genügend Geld, so lvürde eS sich vielmehr empfehlen, daß in allen Städten Franen bc ioldet würden, die ihre Arbeitskraft nnsrcr Bewegung znr Verfügung stellen. lSchr richtig s) Frl. Baader hat ihr Amt misgezcichiiet ausgefüllt; sie hat nicht erklärt: es geht nicht mehr, ich kann die Arbeit nicht mehr im Nebenamt erledigen. Der Düsseldorfer Antrag ist dcS halb überflüssig.(Lebhafter Beifall.) Fran Kählcr-Chenmitz: Der Bericht der Genossin Baader bciveist, daß sie ihr schtvierigcS Amt in einer bcwmidermlgkwürdigen Weife ausgefüllt hat. Bon auS wärts sind durchaus keine Klagen eingegangen. Eine besoldete Person in Berlin würde dem ganzen Lande wenig»ntze», sie würde wahrscheinlich nur Vertraucnsperson für Berlin Iverden.(Sehr richtig!) Ich bitte, den Antrag Düsseldorf, den ich für verfrüht halte, abzulehnen. Frau Lily Brann-Berlin: Der Düsseldorfer Antrag enthält in keiner Weise eine Akr erkenniing der großen Verdienste der Genossin Baader. Diesen Ein- druck möchte ich nicht anskonnuc» lassen. Der Antrag hat mir znm Zweck, entweder unsre Central-VerlranenSpcrson in gclvisscr Weise für ihre Mühe mid Aufopferung zn entschädigen, damit sie nicht anderweitig ihre Zeit zum Broterwerb verwenden muß, oder der Ccntral-VertranciiSperson eine besondere bezahlte Person zur Seite zu stellen. Es handelt sicki im wcsentlicheii um eilte Geldfrage. Es ivärc durchaus nicht annuißcnd, ivenn wir von nnsrer Partcilcitnng erwarten, daß sie uns das Geld dafür giebt. Das wäre miser gutes Recht; wir arbeiten doch alle in der socialdemokiatischc» Belvegung Wie die Partei zivei männliche Sekretäre anstellt, so könnte sie auch eine weibliche Hilfskraft nnsrer Central-Bertraiicnspcrson zur Seite stelle» oder der letzteren eine gewisse Summe als Entschädigung nnssetzen. Was unser Verhältnis zn den Genossen anlangt, so thnt man de» Männern vielfach Unrecht. Wir müssen nur iinmcr aufs neue bc- iveisc», daß wir keine Sondcr-Francnbeivcgmig wollen; dann werden die Männer miS anerkennen und überall, wo cS nötig ist, unsre Hiife fordern.(Lebhafter Beifall.) Frau Zictz-Hambnrg: Die Notwendigkeit, der BertrauenSpcrson eine bezahlte Hilfskraft beizugeben, hol steh bisher nicht hcransgestellt. Die Anstellmig einer bezahlte» Sekretärin in Berli» würde die Schwierigkeiten der Agitation nicht aus der Welt schaffen.(Sehr richtig I) Diese Schivierigkeiten liegen vielmehr i» dem Mangel an Zeit bei den VertrnneiiSpcrsoiieii in den einzelnen Orten. Die Durch- führnng des Düsseldorfer Antrages würde nnS wahrscheinlich schwer enttänschen. Was wird von dieser Person nicht alles verlangt! Sie soll der Gcncral-Arrangcnr der Agitation für ganz Dentfchland und die litterarische Centraistelle für alle agitatorisch lhätigen Genossinuen sein. Aber das litterarische Material, das wir brauche», ivird»»s schon jetzt von den Arbeitersekrctariate» und den Redaklionen nnsrer Partcizeitnngen aufs vcreitivilligstc znr Ber fügiing gestellt. Gerade das fördert die gemeinsame Arbeit mit den Genosse». Was die Worte der Genossin Braun anlangt, so habe» wir doch noch nirgends den Versuch gemacht, eine besondere Be Ivcgnng im Gegensatz zur allgemeinen Belvegung zn machen. Nur mit Rücksicht aus die Arbeitsteilimg wünschen wir eine besondere Franenngitation. Die bezahlte Sekretärin»inßte ferner überall dort, Ivo die Genossinncu mit der Agitation»och nicht recht Bescheid tvisieu, die Sache ins rechte Geleis bringen. Das wäre ein Ueberniaß von Arbeit. Jedenfalls haben aber diejenigen Meiiossiimeii, die nur ab»nd zn etwas von sich hören lassen, sonst aber praktisch so gut wie gar nichts arbeiten, das Vertrauen der übrigen Gcnossiiinc» nicht, die könnten wir für eine solche Stelle nicht gebrauchen.(Ziistiinnlung.) Mit dein Erfolge»»srer Agitation bin ich im allgemeinen zn- frieden. Abgesehen von Einzelheiten haben wir mich überall die nötige lluterslützinig der Geiiosscii gcfinidc». Erstrebenswert ist die Errichtung einer liesoiideren Rubrik für die Francnbeivegnng in unsern Parteiblältern, wie sie im„Vorwärts" schon lange besteht. Auch daS „Hanibnrgcr Echo" haben wir ersucht, eine solche ständige Rubrik einzilrichten. DaS war nn» zwar ans technischen Gründen nicht zn ermöglichen, dagegen hat das Blatt alle von nnS eingereichten Arbeiten gern abgedruckt. Weiter möchte ich die Amvescndcn bitten, mehr als bisher für die Berbreitnng der„Gleichheit" zn sorgen. Die„Gleich hcit" bildet so recht daS geistige Band, das»nS alle umschlingt. Damit schließt die Disknjsio» über de» Tbätigkeitsbericht. Der Düsseldorfer Antrag wird gegen 2 Stimmen abgelehnt, der Kölner A»trag gegen 1 Stimme abgelehnt. Vorsitzende Fran Zetkin: IInS Frauen ivird gewöhnlich vor geworfen, daß wir viel Ilebcrflüisigcs reden. Ich konstatiere, daß nicht eine einzige Genossin die ibr zur Verfügmig stehenden 10 Mi- nnlcn Redezeit anLgcnntzt hat. Ich wünsche, daß die Genosse» dei allen ihren Beratungen gleiche Enthallsamkeit iivcn.(Große Heiler- keit imd Beiiall). Der CcntralvertrancnSpcrson, Fräulein Baader, wird einstimmig D e ch a r g e erteilt. Die Borsitzcnbc Fran Zetkin begrüßt die Verlreterinne» der östreichischcn Geliojsinncn, ivoraus Frau Popp und Fran Schlesinger erwidern. ES folgt Pimkt 2 der Tagesordnung: Wie bilde» wir Agita- torinue» heran? Fran Zicti-Hanibnrg: Hätten ivic einen Nürnberger Trichter, dann wäre die Frage sehr einfach gelöst.(Heiterkeit!-) So aber ist der Zuwachs an Frauen gering, die die Grundsätze dcS SocialiSinnS in einfacher und klarer Weise öficnllich verbreiten können. Während es sich mit dem Fort- fall des Socialistengcsetzcs überall regte, treten jetzt wenig neue Agitatoriiinen hervor. Die Bewegnng bat sich verliest, und es werden jetzt andre Anfvrdcrnngcn als früher an die Agitatorinnc» gestellt. Die Mamischaftcii sind da, aber die Ofsizicre fxhleii. Des- halb ist das vorliegende Thema sehr aktuell. Wo die VereinSgesctzc die Teilnahme von Frauen an socialdemoktatischen Wahlvercineii ge- statten, ist die politische Bildung der Fran erleichtert. I» Hamlmrg haben wir nun einen KrciS von Frauen gebildet, mit denen wir das Programm in allen Einzelheiten besprochen und daS Knochen- gerüst von Vorträge» entworfen haben, zu dem die Frauen dann daS Fleisch hiiiznthuii mußseu. So haben wir die Schüchternheit der Frauen überwunden und die Freude erlebt, daß jüngst eine Arbeiterin öffenlljcki einen Vortrag über die indirekten Steuern gehalten hat. So sollte es allenthaibeu geschehen, dann werden wir Iveiter kommen.(Bravo I) Frau Wehmanu-Leipzig: Wir haben nntcr Leitimg der Genoisin Dnnkcr Leseabendc ge- bildet, an denen Franc» teilnehmen, die sich zu Agitatoriiinen ans- vilden ivolleit. Wir haben das Programm dnrckgenoinmeii, ebenso Engels„von dcr lllovie znr Wisiciischaft" und Kantskys Broch» re über die Handelspolitik. Geinelnschastiich habe» wir dann die Disposition eines Vortrages anSgcarbcilct, die AiiSfnhriingen wurden dann in einer späteren Sitzung vorgelesen. So ist weiiigsteiis der Anfang gemacht. 1>. Oppel-Charlottenbiirg tritt für lliiterstütziing der Klein- agiiation ein. Frau Grcifenberg-AiigSbiirg begn'ißt die Anregnngen aus Leipzig und Hamburg. In Augsburg sind wir noch nicht so weil. Dort müssen wir die Frauen erst für die Bewegimg begeistern. Erst in letzter Zeil kommen die Frauen häufiger in die soeialdemokratischen Versammlungen. Wir suchen mit ihnen in Verkehr zu kommen, und so ist es n»s vor Jahresfrist gelungen, einen FrauenbildungSverein zn gründen, der beständig Fortschritte macht. Auch eine Nedneriil, Fran Rollwagen, hat slich herangebildet»nd bereits zivei Vorträge über Lenau und den„Wert der Bildung für die Frau" gehalten.(Beifall.) Fran Kähler-Chemnitz: Die Agitatorinnen köiiiic» nicht anS dein Acrmel geschüttelt lverden. Es macht bei der Sonderiialnr der Franc» schon außer- ordentliche Mühe, � sie znm öffentliche» Rede» zu veranlasien. Heute köiiiicn ivir nur einpfehlc», daß die Frauen dazu veranlaßt lverden, sich i» de» allgcnieiiic» Versanuniungen a» der Diskussion zu be- tciiigcu. I» Dresden sprachen eine ganze Anzahl Geuoisiimen in den" Gcivcrlschafts- imd in den poiitiiche» Versanii»l»nge». Wir müssen den Frau»« raten, in allen Parteiversaninilnnge» daS Wori zn nehmen mid sich eingehend mit der Partcilitteratur zu beschästigeu und ihr Selbstvertrauen wecken. Paul Miillcr-Hamburg rät dringend dazu, Ngitatorimie» für die Kleinarbeit heranzubilden. In allen größeren Betrieben, wo Frauen und Mädchen beschäfligt iverdcn, sollten Bertrancnspersonen vorhanden sein, die imgeleitet von der OrlS-Verlrancnspcrson Mitglieder für die soeialdemokratischen Vereine und die Gewerkschaften iverbcn. Besondere Aufmerksamkeit muß der Berbreilung von Wisscn und Bildung durch die Presse ge- schenkt und der Schnndprcsse eiitgcgcngcivirkt werde», die von den Frauen viel zn gern gelesen ivird.(Lebhafte Zustimmung.) Frl. Baader-Berltii hält die Teilnahme von Arbeiterinnen an den Werlslnhen-Sitznngeii der Gclverkschaftcn für besonders iverlvoll. Hier im kleinen Kreise, Ivo die Berhandlnngen gewissermaßen einen familiären Anstrich haben, treten die Frauen leichter aus sich heraus und lernen rede». Wir müssen mis mehr als bisher die Eimichtiingen, die schon in nnsrer Belvegung bestehen, zn nutze mache». Besonders die Frauen- Bildnngsvcrcine köiiiicn i» der Hcranbildnng von Agitatorinnen viel leisten, linier den Agitatorinnen giebt eS iichcn den Peoletarieriuneil auch Akadcniikerinnc», von denen lvir Ivisscn. daß sie gniiz eins mit der Arbeitcrinnenbewegnng sind. Ich verweise nur aus die Genossin Zetkin, die doch auch eine akademisch gebildete Dame ist. Die steht imS nicht fern, die ist Fleisch von»nserni Fleisch. Es giebt freilich auch � akademisch gebildete Damen, die sich sonst um Weiler nichlS küinuiern, die iinr, nni sich einmal zu zeigen, in einer großen Ver- sainmliiiig einen Vortrag halten. Diese Dame» iverden von de» meisten Arbeiterinnen nicht verstanden. Das sind sog. Paradcpfcrde, die ivir nicht brauchen können. Frau Schlesingcr-Wicn: Den Vorschläge» der Frau Zictz stehe ich etwas skeptisch gegen- über. Viel mehr halte ich von den Anrcg»»gen der Genossi» Weh- »>n»n, Leseabendc mit Diskussionen abzuhallen. Freilich miiß dabei mit populären Tingen angcsangcn iverden, man muß mit den nächstliegenden Interessen begimicii. In Anwesenheit von Männern lvime» viele Frauen sich schwer cntschließen, das Wort zn nehmen, in reine» Franenversammlinigen tränen sich die Arbeiterinnen mehr heraus. Die Agitalorimien, die ans bürgerlichen Kreisen komniei, und nie in piner Fabrik geivesen sind,»lüssen von den Arbeiterinnen zmmchst in aller Bescheidenheit lernen.(Ziistinininng.) Ohne Kleinarbeit giebt es keine tüchtige Agitatvrin. Wir müssen an einem Tisch mit den Arbeiterinnen sitzen, müssen sie und ihre Jntcressen im Privatgespräch kennen lernen. Erst wenn ivir in ihre Ideenwelt hiiiciiigeivachscii sind, dann erst kömien wir ihnen von unsre» Idealen auch ciivas mitteilen.(Sehr richtig!) Die akademisch gebildete Agitator!» muß wisse», wie viel die Arbeiterin ihr an praktischer Lebensarbeit überlegen ist und wie viel sie von ihr lerne» kann.(Beifall.) Darauf wird die Vorinittagssitzniig abgebrochen. Die Ma n d a t s- p r ii f ii ii g s ko in m i s s o ii tritt während der Mittagspause zur Prüfung der Mandate zustimmen. Borsitzcnde Fran Zetkin teilt mit, daß eine telegraphischo Sympathiciimdgcbung der Leipziger Geuossinncit eingelaufen ist. (Beifall.) Den Verhandlungen wohnt außer den schon Genannten auch Abg. Wandcrvcldc- Brüssel bei. N a ch in i t t a g L- S i tz n n g. Von den Hamburger Genossinnen ist ein BegrüßimgS-Tclcgramm eingelaufen. Für die MandatSprüfungS-Koinmission berichtet Fran Kahler- Wandsbek, doh außer den beiden östreichischen Dele- gierten ans Dcnischland 20 Delegierte, 1ö Frauen und 4 Männer mit ordiilingSmäßigen Mandaten erschienen sind. Der Delegierte Päyold aus N e tz s cki k a u hat es verjärnnt, sich ein Mandat aus- stellen zu lassen. Er ist aber, wie der BerlraucnSmann versichert, auch für die Franenkonfcrenz gewählt. Die Ksuiniission beantragt, ihn als Delegierten gelten zu lassen. Als Gäste sind u. a. Vollmar und Fran und Frau Lily Braun gemeldet. Dr. Heinrich Brunn: Henie vormittag ist in sehr erfreulicher Weise konstatiert ivorden. daß die Franenbcwegimg ein iutegricreiider Bestandteil der allgemeinen socialdcrnolratischen Bewegung sei. Man mag aiicrkenncil, daß eine Frauenbewegung aus technischen Gtiiiidcil selbständige Wege einschlagen muß, und daß es wohl gerechlserligt ist, daß eine ,Fraucllkoiiscrc»z neben de», allgenieincil Parteitage stattfindet, zn der auch besondere Delegierte gewählt werden. Dagegen ist es ganz unverständlich, weshalb die Delegierten für de» allgemeinen Parteitag, die auf der Fraiicnkoiifcreiiz erschieneil, hier gelvissermatzcu als Delegierte zweiter Klaffe behandelt, werde«, die zwar spreche» und berate», aber uickit mit abstimmen dürfe». Frau Panzsrain- Berlin: Herr Braun meint jedenfalls daS Mandat feiner Frau, die von dem Städtchen Roicnhcim zwar ein Mandat für den allgemeine» Parteitag, aber nicht für die Franeu» konfcrenz erhalten hat und deshalb hier nur als Gast betrachtet werden kann. Frl. Baader-Berliu: In der Aufforderimg, die zur Frauen- konfereuz einlud, ist ausdrücklich daraus hingeiviescii worden, daß besondere Delegierte zur Fraueukoiisereuz gewählt und mit Maudaten ausgestattet werden müffen. Dr. Heinrich Braun: Es handelt sich hier gar nicht»im eine private oder persönliche Angelegenheit. Wenn die Frailenkonferenz nicht als etivaS Klüngel-»nd CiigncnhaftcS gelten will, solsle man doch sehr zufrieden damit sein, daß Delegierte für de» allgemeinen Parteitag, die sich für die Franenbewegmig iuteressieren, hier erscheinen. Man sollte sie ohne weiteres als gleichberechtigt gellen lassen. Fran Zictz- Hamburg: Dr. Braun geht von einer falschen VoranSjetznng ans. Um dein besonderen Charakter der Agilation unter den Frauen Rechnmig zu trage», ffudni diese Fiauenköuferenzen statt. Aus der Einladung ging hervor, daß lvir es für selbstvcr« ländlich hielten, daß Feaiic» und Männer als Delegicrie hier er- chienen, die sich um die allgemeine Bewegung kümmern, mitten darin stehen und daS Bertranen ihrer Mandatgeber haben. Nur sie kömien hier beschließen. So gut wie man sich ein Mandat zum all- gemeinen Parteitag verschafft, so gut kann man sich auch eins für diese Konfcrenz verschaffen. Wir wollen den offiziellen Charakter dieser Kon- ercnz betone», sonst könnte» lvir sie ja im Anschluß au den allgemeinen Parteitag stattfinden lasse» und allen Delegierten für de» Parteitag auch hier das Stimmrecht geben. Frau(Ämscnberg: Fran Braun hat das Mandat für den allgemeinen Parteitag, das sie zuerst bei uns abgegeben hatte, wieder zurückgezogen, als ich sie darauf aufinerksanl machte, daß daS Mandat nicht für die Konferenz ausgestellt sei. Die Mandals- toumiission konnte also gar nicht anders beschließen, als sie ge- than hat. Frnn L. Brau»: Ich muß mich wundern, daß man die all- gemeine Bemerkung meines Mannes sofort auf mich bezogen hat. Ich Pflege mich selbst zu verteidigen. Ich habe Frau Greifenberg gesagt, daß die Noscnheimer Genossen mich auch zur Frauenkouferenz delegiert und nur vergessen haben, es im Mandat zu vermerken/) Mir erscheint übrigens die sachliche Diskussion wichtiger, als die Frage, ob eine Stimme gelten soll. Mir liegt nichts daran, da ich ei» Mandat zum allgemeinen Parteitag habe, den ich doch»och höher einschätze, als die Konferenz. Pank Baadcr-Münche» teilt die Ansichten Brauns. ES scheine so. als betrachte man diese Konferenz schon als dem Parteitag koordiniert. So weit sind wir denn doch nicht. Der Parteitag ist die höhere Instanz. Sie setzen sich dem Vorwurf der Sonder- biindclei ans und schädigen die Bewegung, wenn sie die Männer zurnrkstoßen. die sich für die Frage interessieren. Frau Zictz-Hamburg: Dr. Braun und Baader hätten ihre Ansicht bei.Zusammentritt der Konferenz äußern sollen, dann hätte darüber diskutiert werden können. Bei dem Mandat aus Netzschkau liegt die Sache anders. Genossin Braun hat offiziell nur ein Mandat zum Parteitag. Das Vogtland aber hat offiziell einen Delegierten angemeldet und nur das Mandat ist nicht ausgestellt worden. Im Vogtlande gicbt es eine Frauenbewegung, während es uns bisher noch nicht bekannt war. daß in dem Städtchen Rosen- heim eine Frauenbewegung existiert. Frau Kähler-Wandsbek und Frau Wcudlcr-Mnnchen schließen sich dieser Auffassung an. Dr. Heinrich Braun beantragt, daß die Mandate der Delegierten zum Parteitage auch hier Geltung haben sollen, weil es sich auch auf der Franeukonferenz um allgemeine socialdemvkratische Angelegenheiten handle. Frau Weyl-Berlin: Der Antrag hätte von vomherein gestellt werden solle», nicht aber jetzt. Nach der Erklärung der Frau Brann, daß ihr Mandat auch für die Franenkonserenz gelten sollte, kann ihr Mandat anerkannt iverden. Der Antrag Braun wird abgelehnt. Frau Zietz-Hambnrg tritt dafür ein, Frau Brann als Delegierte airznerkennen. Frau L. Brau»: Ich verzichte darauf, nachdem der Antrag Brann eben abgelehnt worden ist, deflen Annahme ich für selbst- verständlich hielt. Denn wir haben keine besondere Frauenbewegung, sondern nur eine einzige socialdemokratische Bewegung. Darauf wird die Diskussion über Punkt 2 der Tagesordnung: »Wie bilden tvir Agitatorinnen heran?" fortgesetzt. Frau Lilh Brann: Man hat heute die alte Streifrage über die Akademikerinne» nnter den Agitatorinnen wieder augcschnitten. Meiner Ansicht nach kommt eS nicht darauf an, aus welchen Kreisen man hervorgegangen ist, sondern welche Gesinnung man bcthätigt und ob man überhaupt mit allem, Ivos man thnt und leistet, für die Partei thätig ist. Von großer Wichtigkeit ist die Werkstubcnagitation. Diese wird in Berlin in außerordentlich erfreulicher Weise betrieben. Man hat aber vielfach bürgerliche Frauen, die nicht auf dem Boden unsrer Partei-Anschanung stehen, zu diesen Agitationen zugelassen. Das sollte man gerade bei dieser ersten internen Agitation vermeiden. Diese Anschauung enthält keine Animosität gegen die bürgerliche Frauenbewegung, ich erkenne im Gegenteil an, daß die bürgerliche Franenbeivegung Fortschritte macht und uns auf andere Weise vielfach nützen kann. Lieber weniger Wcrkstubcnagitation als Acceptierung der bürgerlichen Unterstützung! Frau Zietz-Harnburg: Auf nnseren Hamburger Diskussionsabenden handelt es sich vor- zngslveise nur die Einsührnng der Genossinnen in die. Technik des Vortrags. Heuer ivird das Handwerkszeug in Bezug auf de» logischen Aufbau und die Gliederung eines Vortrages gegeben. Als Vorstufe zu diesen Abende» sind die Leseabende zu empfehlen. Bei alledem sind ivir unS klar darüber, daß wir bei Frauen stets die doppelten und dreifachen Schwierigkeiten zu bekämpfen haben. In, kleinen Kreise suchen wir die Frauen, die sich in Zukunft mehr an der Bewegung beteiligen wollen, auf ihre Aufgabe vor- zubereiten. Mit der Teilnahme bürgerlicher Frauen an den Werlstuben- Sitzungen haben auch tvir in Hamburg recht schlechte Erfahrungen gemacht. So riet eine bürgerliche Dame den jungen Mädchen, die ä» einer' Werkstnben-Sitzung der Schneiderinnen teilnahmen, doch lieber Dienstmädchen zu iverden. Zu diesem Zwecke hatten wir allerdings die Sitzung nicht abgehalten. Frau Baumann-Altona: Ein gutes Mittel zur Heranbildung von Agitatorinnen ist es, wenn man den Frauen Themata zu Vorträgen an die Hand giebt, die sie dann näher auszuarbeiten haben. Vorträge über alle Punkte unsres Programms in Fraiienversammlnngen sind durchaus not- wendig. Besonders der erste Teil unsres Programms muß den Frauen so viel wie möglich zum Verständnis gebracht Iverden. Auch die Leseabende sind zu empfehlen, tvenn dabei daS Gelesene zugleich erklärt wird. In der Diskussion sollten die Frauen so viel tvie möglich das Wort ergreifen, um die Scheu vor dem öfientlichen Auf- treten zu überwinden. Frau Wehl- Berlin: Auch in Berlin haben Ivir Diskussionsabende eingerichtet. Hoffentlich werden sie von Erfolg gekrönt. Die AnS- führungen der Genossin Baader über die Akademikerinnen sind von Frau Braun doch wohl falsch verstanden. Gegen die Teilnahme bürgerlicher Frauen an den Wcrkstnben- Sitzungen haben wir in Berlin stets Front gemacht, wir konnten aber nichts thnn, wenn einzelne Genossinnen bürgerliche Damen— eS waren zwei hervorragend in der Bewegung thätige Frauen— nnt zu diesen Sitzungen herangezogen haben. Diese beiden Damen haben dann, als der Bericht des Bereins.Franeiitvohl* erschien. mit der»regen Wcrkstättcnagitation" ihrerseits Reklame gemacht. Infolgedessen mußten die Genossinnen sich von selbst von diesen Damen zurück- ziehen; sie haben sich dabei so sehr die Finger verbrannt, daß sie sich in Zukunft wohl hüten werden, noch eine Bürgerliche hinzu- zuziehen. Im übrigen bietet gerade die Werkstätten- Agitation die mannigfachste Gelegenheit zur Aneignung socialpolitischer Kenntnisse. Paul Müller--Hamburg: Es ist erwünscht, daß die Verhandlungen über diesen Punkt mit einem praktischen Resultat abschließen. Ich würde es deshalb für richtig halten, daß die Konferenz beschließt, daß von der Central- Lertrauensperson unter Hinzuziehung weiterer in der Frauenbewegung thätiger Genossinnen ein Leitfaden über die praktische Agitation unter den Frauen ausgearbeitet werde. Dieser Leitfaden müßte genaue Auskunft über die bisher in der Franenbeivegung praktisch gemachten Erfahrungen geben. Hoffmann-Hambnrg: Die sogenannten Ilntcrhaltungs« oder Lese-Abende habe» keinen Zweck, wenn die nötigen Kräfte nicht vorhanden sind. Der Schwer- Punkt der Agitation niuß in den Kreisen liegen, in denen Frauen und Mädchen beruflich thätig sein müssen. Erst nach der gewerk- schaftlichen Organisation kann die politische konimen. sSehr richtig.) Das habe ich an mir selbst erfahren. Frau Thiel-Tempelhof: Im Wahlkreise Teltow-Beeskow-Charlottenburg fehlt eS nicht an Agitatorinnen, sondern an der Kleinarbeit in der Agitation. Damit aber muß der Anfang gemacht Iverden. Nach und nach werden sich vielleicht auch Genossinnen heranbilden lassen, die Bor- träge halten können. Frau Zetkin: Der Schwerpunkt der Agitation liegt in der Kleinarbeit. Darauf baut sich unsre ganze Bewegung auf. Durch planmäßiges Vorgehen müssen wir unsren Genossinnen die nötigen Kenntnisse zur Agitation vermitteln. Es kann aber nicht der Zweck unsrer Konferenz sein, ein einziges Allheilmittel für die Agitation ausfindig zu machen. Die- *) Diese Darstellung korrigiert unsern relegraphischen Vorbericht über die Angelegenheit des Mandats der Genossin etwas; dadurch erledigt sich der Abdruck einer unS dazu zugegangenen Berichtigung. jenigen Genossinnen, die von dem glühenden Wunsche erfüllt sind, als Agitatorinnen thätig zu sein, sollten von uns mit den nötigen Mitteln und dem notwendigen litterarischen Material unterstützt Iverden. Noch nicht erwähnt ist bisher die Erziehung des Charakters der Agitatorinnen. Es ist eine hohe Aufgabe, den Enterbten das Evangelium des Socialismus zu verkünden. Durch die Agitation der Genossinnen muß eine Wiedergeburt des ganzen menschlichen Geschlechtes angebahnt werden. Dazu gehört aber, daß unsre Agitatorinncn von aller Selbstsucht und Eigenliebe frei einzig ihrer socialistischen Mission leben.(Lebhafter Beifall.) Paul Müller-Hambnrg befürwortete seinen oben erwähnten Antrag, der in folgender Forin formuliert ist: Die Konferenz be- auftragt die Ccntralvertraucnsperson unter Zuhilfenahme praktisch und agitatorisch in der Frauenbewegung thätiger Genossen, in möglichst kürzester Frist einen Leitfaden für die praktische Agitation auf allen Gebieten auszuarbeiten und in geeigneter Form zur Ver- breitung zu bringen. Fräulein Baader: Die Anleitungen, die der Antrag Müller ver- langt, habe ich schon großenteils den Vertrauenspersonen gegeben, zum Beispiel in Bezug auf die gewerkschaftliche Organisation. Was der Antrag zusammengefaßt wissen will, habe ich schon im einzelnen gethaii. Paul Müller-Hamburg zieht mit Rücksicht auf diese Mitteilungen seinen Antrag zurück. Frau Zetkin: Das Resnmö dieser Verhandlungen ist, daß wir alle Einrichtungen fördern müssen, die geeignet sind'zur Ausbildung von Agitatorinnen je nach den Umständen und den disponiblen Kräften. In den einzuschlagenden Mitteln und Wegen werden natürlich Verschiedenheiten hervortreten. Wir alle müssen uns mit Eiser und Pflichttreue die Anregungen der Konferenz zu nutze machen. Es folgt der dritte Punkt der Tagesordnung:„Gesetzlicher Schutz der Franc»-, Kinder- und Heimarbeit." Dazu liegen folgende Resolutionen vor: Punkt 3 der Tagesordnung: l. Arbeiterinnenschntz. In Erwägung, daß die von der Reichsregiernng angeordnete Enquete über die Fabrikarbeit verheirateter Frauen die Nottvendigkeit wirksamer gesetzlicher Arbeiterinnenschutz-Bestimmungen neuerlich dokumen- iarisch bestätigt hat; daß jedoch die in letzter Zeit vcranlaßte Erhebung des Reichs- amts des Innern über eine eventuelle Verkürzung der Arbeitszeit der Fabrikarbeiterinnen nichtsdestoweniger eine Verschleppung der dringenden Reformen befürchten läßt, ebenso auch ein durchaus ungenügendes Maß an weiterem gesetzlichen Schutz der Arbeiterinnen: fordert die Konferenz socialistischer Frauen die schleunige ivcitcre Ausgestaltung des gesetzlichen Arbeitcrinnenschntzcs durch Festlegung der Reformen, für welche sich der Parteitag der Social- demokratie zu Hannover und die Konferenz socialistischer Frauen zu Mainz erklärt haben, und die in einer Eingabe zur Kenntnis des Reichstags gebracht worden sind. Was insbesondere die unabweisbare Verkürzung der Arbeitszeit anbetrifft, so fordert sie an erster Stelle: Für alle erwachsenen Arbeiterinnen die gc- setzliche Einführung des A ch t st n n d c n t a g s, der durch eine stufeinveise Herabsetzung der tägliche» Arbeitszeit auf 10 beztv. neun Stinrden für eine kurze, gesetzlich bestimmte Ucbcrgangszeit vorbereitet iverden kann: für die jugendlichen Arbeiterinnen die Herab- setznng der täglichen Maximalarbeitszeit auf 4 bezw. 6 Stunden, Erhöhung der Altersgrenze auf 18 Jahre und Einführung eines o b l i g a t o r i sch e n F o rt b i I d» n g s u n t e rr i ch ts, indessen Schulplan Hanshaltungsunterricht, Gesundheitslehre und Säug- lingspflege einzubeziehcn sind. Die Konferenz socialistischer Frauen zu München erklärt ferner: daß der existierende Schutz der lohnarbcitendcn Schwangeren und Wöchnerinnen weder im betreff der gesetzlichen Schutzfrist noch in betreff der für die Zeit des Eriverbsansfallcs gesicherten Für- sorge den zu erhebenden Ansprüchen genügt. . i? Sie fordert deshalb niindestcns: Verbot der Beschäftigung von Frauen acht Wochen nach der Niederkunft tvenn das Kind lebt, scchsWochen nach der Niederkunft bei Tot- und Fehlgeburten oder im Falle des Ablebens des Kindes. Recht der Schwangeren auf k n n d i g u u g s l o s e Ein- st eilung der Arbeit 4 Wochen vor der Niederkunft. Verlängerung der Schutzfrist für Schivangere und Wöchnerinnen auf Grund eines ärztlichen Zeugnisses. B e s e i t i g ll n g der A u s n a h m c b c iv i l l i g u n g e n, welche auf Grund eines ärztlichen Zeugnisses die Wiederaufnahme der Arbeit vor Ablauf der festgeleglen Schutzfrist gestatten. Ausgestaltung der Schwangeren« und Wöchncrinnenfürsorge seitens der Krankenkassen durch: Zubillligung eines Pflegegeldes an Schwangere und Wöchnerinnen für die Dauer der Schutzfrist und in der vollen Höhe des durchschnittlichen Tagesverdienstes. Obligatorische Aus- dehnung der betreffenden Bestimmungen auf die Franen der Kassen- Mitglieder. Die Möglichkeit dieser Leistungen ist zu schaffen durch Ver- einheitlichung der Krankenversicherung, Zusammenschluß der Kassen zu kapitalkräftigen Verbänden, weitgehendes Selbslvertvaltungsrecht der Versicherten und Zuschüsse vom Staat. Errichtung von Entbindnngs-Anstaltcn, Schwangeren- und Wöchnerinnenheimen, Bcschäftignngsanstnltcn für stillende Mütter, Organisation der Wöchneriiincu-Hauspflege durch die Gemeinde. Die Konferenz macht es den Genossilmen zur Pflicht, für die Durchführung dieser Forderungen zu wirken durch: fleißiges und gründliches Studium der in Betracht kommenden Fragen: S a m in l u n g lt n d Veröffentlichung von Thnt- fachen, welche die Berechligimg dieser Forderungen begründen. aufklärende mündliche und schriftliche Agi- t a t i o n unter den Arbeitcriimcii; Beteiligung an der Gewerkschaftsbewegung und am politischen Kampfe des Proletariats. ll. Beschwerdckominissioncn. Um den Arbeiterinnen die nötige Kcuiiluis der gesetzlichen Schutz- bestimmungcn zu ihren Gunsten zu vermitteln: um ihnen die größte Möglichkeit zur rückhaltslosen Beschwerde- führung über gesetzwidrige Ärbcitsbedingiingen und zur Nutzbar- machnng der Gewerbe-Jnfpektion zu geben: um aus der Klasse des Proletariats weibliche Kräfte für die Getverbc-Jnspektion zu schulen, erklärt es die Konferenz für wünschenswert: t. Daß in allen Jiidustriecentren mit zahlreicher weiblicher Arbeiierschnst im Einvernehmen mit den Gcwerkschafts- kommissionen und-Kartellen Bcschwcrdekommissionen der Ge- nossinnen errichtet, bezw. weibliche Mitglieder oder Vertrauens- personen der geiverkschnftlichen Beschwerdekonimissionen ernannt werden. 2. Daß die bestehenden Beschlverdekommissionen und Vertraucns- personen zur Entgegennahme von Beschwerden der Arbeiterinnen nach«inheiilichen Gesichtspniikten und unter Zugrunde- legung eines einheitlichen Schemas thätig sind, und daß das bei ibnen eingegangene, sorgfältig geprüfte Material einer Centralstelle überwiesen wird, durch ivelche es der allgemeinen Agitation für den gesetzlichen Arbeiteriuneiischutz nutzbar gemacht iverden muß. 8. Daß die Genossinnen der in Betracht kommenden Centren Vortragskurse über die gesetzlichen Arbeiterinnenschutz- Bestininiungen organisieren, so daß die Frauen der Arbeiter- klaffe für die Aufgaben der Beschiverdelommissionen und Bertrauenspersonen methodisch vorbereitet und geschult iverden. 4. Daß die Genossinnen sich niit den in Frage kommenden gewerkschaftlichen Instanzen ins Einvernehmen setzen und gemeinsam mit ihnen der Prüfung und Durchführung der möglichen Maßnahmcn nähertreten. * III. Kinderschulz. Die Konferenz socialistischer Frauen erklärt, daß der von der Regierung eingebrachte Entivurf zum Schutz der gewerblichen Kinder- arbeit außerhalb der Fabrik ein socialrefonnlerischcs Pfuschiverk ist, das nicht im Entferntesteu den Ansprüchen an den gesetzlichen Schutz der Kinder gegen die vorzeitige Verwüstung ihrer körperlichen, geistigen und sittlichen Kräfte gerecht wird. Sie fordert deshalb im Interesse der Zukunft des Proletariats und der gesamten Nation: Verbot jeglicher Ertverbsthätigkeit schul- Pflichtiger Kinder im Getverbe, der Land- und Forstwirt- schaft, bei häuslicher Arbeit und im Gesiiidcdienst. Ausdehnung der Schulpflicht auf das voll- endete 14 Lebensjahr. Herabsetzung der täglichen MaximalarbeitS- zeit für jugendliche Arbeiter von 14 bis 16 Jahren auf 4, von 16 bis 18 Jahren auf 6 Stunden und Eiusiihrung eines obligatorischen Fortbildu n gs Unterrichts. IT. Heimarbeit. Die Konferenz tritt in der Frage des gesetzlichen Schutzes der Heimarbeit der Resolution des 4. Gewerkschaftskon- gresseszn Stuttgart bei: Da Heiniarbeitereiend in hervorragendem Maße Arbeiterinnen- elend ist und die Genossinnen seit langem der Frage der Heimarbeit die gebührende Aufmerksamkeit zugewendet haben, scheint ihre Mit- arbeit an dem bevorstehenden Heiniarbeit-Kongrcß besonders tvLnschenswert. Die Konferenz empfiehlt deshalb den Geiiossinnen, überall rechtzeitig in Verbindung mit den organisierten Arbeitern die nötigen Schritte zu thun, damit auch fachkundige Genossinnen als Delegierte an dem Kongresse teilnehmen. Die Konferenz spricht ferner die Ansicht aus, daß aller Schwierig- leiten ungeachtet Versuche zur Organisierung der Heim- a r b e i t e r i n n e u gemacht werden müssen. Als nächster Schritt in dieser Richtung erscheint ihr der Zu- saniinenschlnß der Heimarbeiterinnen der einzelnen Berufe in be- sondercn Sektionen, deren Grundlage die gewerkschaftlichen Unter- slützungs-Einrichtuiigen sind, und die den betreffenden Gcwerkschafts- verbänden angegliedert werden. Sie empfiehlt deshalb den gewerk- schaftlicki thätige» Genossinnen, eine gründliche Diskussion der Frage in den Organisationen anzuregen. ES ivird zunächst über die beiden ersten Resolutionen verhandelt. wozu zunächst Frau Zietz- Hamburg zur Begründung das Wort nimmt. Frau Lily Brann: Ich vermiffe in unsrer Resolution, so sehr ich ihr zustimme, doch einige wesentliäde Punkte, und zwar die Abschaffung der Ueber- stniiden- und der Nachtarbeit und die Freigabe des Sonnabend- nacknnittags. Diese Forderungen sind ja schon früher erhoben, müssen aber, schon um Mißverständnisse zu vermeiden, jetzt von uns wiederholt werden. Energisch Bedacht genommen werden muß speciell in der Textilindnstrie auf die Einführung von maschinellen und technischen Einrichtungen, die die Gesundheit weniger schädigen, als es bisher der Fall ist. Besonders kommt hier die Gefährlichkeit des Bleiweiß für die Franen und die werdenden Kinder in Betracht; durch Bleiwciß wird so- gar die Muttermilch vergiftet. Das Bleiweiß in der Textil- industrie, zum Beispiel in der Spitzcnfabrikation, muß durch Zinkweiß ersetzt werden. Von großer Wichtigkeit ist die Fürsorge für die Schwangeren und Wöchnerinnen. Es ist schon vielfach von einer gesonderten Mutterschaftsversichernng gesprochen worden. Es ist eine rein technische Frage, ob hier eine besondere Versicherung ein« gerichtet wird oder eine solche ini Anschluß an die Ärankenkasscn. Gegen letzteres scheint mir die enorme Neberlnstinig der Kranken- kasscn zu sprechen. Das zu erstrebende Ziel ist eine allgemeine Mnttcrschaftsversicherung für das gesamte Volk; diese Versicherung muß von dem ganzen Volk getragen werden, vielleicht durch eine progressive Einkonimensteuer, und auch dem ganzen Volke zu gute kommen. Das wäre ein Schritt zu dem Ideal, die Frau ökonomisch selbständig zu machen.(Lebhafter Beifall.) An der weiteren Dislussion beteiligen sich die Genoffen E b e r t- Bremen, Frau Kühler- Chemnitz, Frl. Baader- Berlin, Frau Zietz- Hamburg und Frau L. Braun. Frau Zetkin: Der Gedanke der Mutterschaftsversichemng ist der Gedanke der menschlichen Solidarität in seiner weitesten Form. Die Verwirklichung dieses Princips aber steht in so schreiendem Gegensatz zu dem Wesen der kapitalistischen Gesellschaftsordnung, daß wir sie auf ihrem Boden nicht erreichen werden. Die heutige Gesellschaft mißachtet den Wert und die Bedeutung des menschlichen Lebens und stellt den toten Besitz darüber. Die mangelnde gesellschaftliche Schätzung trifft besonders die Prolctarierin als Mutter. Der Ge- danke der Mutterschaftsversichernng kann erst verwirklicht werden, Ivcuii das Recht des lebenden Menschen über den toten Besitz zur Geltung gebracht sein ivird, in einer socialistischen Gesellschaft. (Lebhafter Beifall.) Welche Gestalt diese Fürsorge dann annehmen wird, köimcn wir heule noch nicht entscheiden. Wir müssen zur Sicherung der Mutter und des Säuglings die bürgerliche Gesellschaft auf dem Wege vorwärts drängen, den sie zögernd und widerwillig. mit den kleinsten und erbärmlichen Schritten bereits betreten hat. Das ist die Krankenversichernng.(Lebhafte Zustiminnng.) Die Krankenkassen haben bereits erkannt, daß die rechtzeitige Fürsorge für die weiblichen Mitglieder für sie eine finanzielle Entlastung be- deutet. Die Mängel des Krankenkasscnwesens müssen beseitigt, die Krankcnversicherung vereinheitlicht und den Versicherten das weiteste Selbstverwaltungsrecht gegeben werden, dann sind diese Reformen unter finanzieller Mithilfe des Staates möglich. Weiter müssen von den Kommunen Einrichlnngen für die Frau als Mutter und für die Säuglingspflege verlangt werden, wie sie in der Resolution gefordert Iverden. Diese Forderung ist nicht scheuiatisch für alle Gemeinden zu erheben. Für das Land gelten andere Vediiigungeu, als für die Stadt. Nicht vom WohllhätigkeitSsport. sondern von den Komniinicn verlangen wir Einrichtungen wie die Säuglingsheime, wo Hunderte und Aberhunderie von sogenannten alten Jungfern, die ihr mütterliches Gefühl nicht durch die Pflege eines cignen KiudcS ausfüllen können, das iiitensivste des WeibempfindcnS, die Mutter- enipfindnug dadurch anszudiücken vermögen, daß sie den Kindern andrer Pflege und Fürsorge zu teil werden lassen.(Lebhafter Beifall.) Frau Brann: Aisher hat es nur als Kennzeichen der bürgerlichen Frauen- bewcgnng gegolten, daß sie aus Opportunitätsgründen möglichst wenig forderte, um überhaupt etwas zu erreichen. Wir fordern im Gegenteil alles, weil wir meinen, daß nur dann etwas zu erreichen ist.' Auch die Mntterschafts-Vcrsichcrung müssen wir von der heutigen Gesellschaft fordern, in deren Interesse sie auch liegt. Denken Sie an die inigniistigen RekrntenanShcbnngen. Die bürgerliche Gesellschaft entsetzt sich über die schreckliche Kindcrstcrblich- lest und die Degeneration ganzer Volksschichten. Frau Zetkin: Soweit die Socialdemolralie Refonnfordernngen aufstellt, die im Rahmen der bürgerlichen Gesellschaft zu erfüllen sind, bat sie diesen Opportunismus innner besessen. Die Forderung der Mutter- schastsversichernng ist durchaus nicht so radikal socialistisch, wie Frau Brann meint. Niemand tritt reger dafür ein, als eine Führcriu der bürgerlichen Franenbeivegung, Frau Schiff in Mailand. Damit schließt die Diskussion. Die beiden Zusatzanträge der Frei» L. Brunn(Verbot der Ueber st nn den arbeit und Förderung sanitärer Mahn ah in en) iverden angenommen; ebenso die so ver- änderte Resolution in ihrem ersten Teile über Arbeitcrinnenschutz� Gleichfalls angenommen wird der zweite Teil der Resolution über die Beschtverdrkoimnijfion. Zur Debatte wird dann Teil 3 der Resolution: Kind er schütz gestellt, der nach kurzer Diskussion ei n st i m m i g a n g e n o in m e» wird; ebenso die Resolution zur Hciniarbeit. Daraus vertagt die Bersanunlung die Weitcrberatuug der Tages orduiiug aus Sonntag!) Uhr. Zustiiiiniiingsknndgcbuugcn sind eingelaufen von dem social dcinolratischen Verein z» Rcichcnhall und' von den socialdemokrati scheu Francii Belgiens. Die letzteren betonen in ihrer Zuschrift, dah sie den Veihnndlungeii der Konferenz mit großem Interesse folgen Die belgische Beivegimg sei uoch neu und unerfahren; sie betrachte die deutschen Genossinnen als ältere Schwester, deren Beispiel sie folge. Schluß 7 Uhr. *- m » Sitzung vom Sonntag, 14. September. Vorsitzende Frau Zetkin-Sluttgart eröffnet die Sitzung mit Ver- Icsuiig eines Begrühungsschreibeus der Gellossiunen aus der Schweiz. Vor Eintritt in die iveitere Tagesordnung uimuit das Wort Frau Lilly Brau» zu folgender Erklärimg: Eine vielleicht etivas lmgeichickt abgefaßte Aeuhcruiig von mir ist mißverstanden worden. Ich habe gesagt, daß die allgemeine Zustimmung zu einer Resolution vielfach nicht die genaue Kenntnis der Materie bezeugt, sondern die Unwissenheit� der Teilnehmer über den Inhalt der Resolution. Es ist mir dabei nicht entfernt eingefallen, dem letzten Gewerkschafts longrcß. der auf einer solchen geistige» Höhe stand wie ivohl keiner seiner Vorgänger, den Vorwurf der Unwissenheit machen zn lvollen. Darauf tritt die Konferenz ein in die Beratung des nächsten PunIteS der Tagesordnung: „Tic politische Gleichberechtigung deS weibliche» Geschlechts, iuöbcsondere auf dem Gebiete dcö Vereins- nnd Vcrsammlnngs rechtes." Hierzu liegen folgende Resolutionen vor: a) Franc»Wahlrecht. In Erwägung, daß die Forderung der politische» Glcichbcrcch kigung der Geschlechter durch die Grundsätze und das Programm der Socialisten bedingt ist, nnd daß ihre Vcrivirklilbiing die Möglichkeit schafft für die unbeschränkte Beteiligung der Proletarierinnen am Befreiungskampfc ihrer Klasse; in weiterer Erwägung jedoch, daß gerade mit Rücksicht auf die sociale Befreiung des gesamten weibliche» Geschlechts das Klassen- intcrcsse des Proletariats dem Soiideriutercssc der Frau vorangestellt werden mutz, erklärt die Konferenz: Bei de» Kämpfen, welche das Proletariat für die Eroberung des allgemeinen, gleichen, geheimen und direkte» Wahlrechts iii Staat und Gemeinde führt, muß das Fraucnwahlrccht gefordert und in der Agitation grundsätzlich festgehalten nnd mit allem Nach druck vertreten iverden. Die Forderung kann jedoch nur als ausschlaggebender Punkt des jeweiligen Aktionsprogramms in diesen Kämpfen mit in den Vorder- grnnd gestellt werden, wenn dadurch die Eitveiterung und Sicherung des politischen Rechts der Arbeiterklasse nicht gefährdet wird. b) Vereins- und Versammlungsrecht. Die Konferenz erhebt nachdrücklich Protest gegen die Vereins gesetzlichen Bestimmungen, welche in einer Reihe deutscher Bundes staaten das Vereins- und Versammlungsrecht des weiblichen Geschlechts beschränken und ihn, dadurch eine unwürdige, seine Interessen schädigende Ausnahmestellung anweisen.� Sie brandmarkt insbesondere die Praxis dieser Bestimmungen, welche mittels kühner JnterprctatiouS- kmislfiücke das kümmerliche gesetzliche Recht des weiblichen Geschlechts für die Proletaricrin aufs Aeußcrste einschränkt, ja aufhebt, für die Frauen des werkthätigcn Volkes und die Damen der besitzenden Klassen zweierlei Recht schafft, einen unglaublichen Wirrwarr der Begriffe über gesetzlich Zulässiges und Verbotenes und eine Rechts- Unsicherheit ohne Gleichen erzeugt. Die Konferenz fordert für das Deutsche Reich ein einheitliches und freiheitliches Vereins- und Versammlungsgesetz, das ans Wirt- schaftlichem und politischem Gebiete Frauen wie' Männern das gleiche Recht znerkennt. Solange diese Forderung nicht erfüllt ist, niacht sie es den Genossinnen zur Pflicht, in Gemeinschaft mit den Genossen dafür zn sorgen, daß die vielfach beliebte Praxis des zweierlei Rechts und der Textesdeutung energisch zurückgewiesen und be- kämpft wird. Das Referat erstattet Frau Zetkin: h Wir haben diesen Punkt auf die Tagesordnung geletzt, weil bei den letzten Kämpfen um die politische Gleichberechtigung des Pro- lelariats in Belgien, Schweden nnd auch bei uns in Deutschland das Frauen-Stimmrecht in einer Weise in den Hintergrund getreten ist. die nicht im Einklang steht mit dem Wesen unsrcr Bewegung und ihren praktische» Interessen. Künftighin wird aber in den Kämpfen des Proletariats um die Erweiterung seiner politischen Rechte das Frauen-Stimmrecht eine größere Rolle spielen. als bisher. Diese Frage wird in den Vordergrund geschoben werden gerade von den reaktionärsten Parteien. In England tritt seit langem ei» sehr ansehnlicher Teil der konservativen Parteien für das Frauen« stimmrccht ein, in Belgien ist ei» großer Teil der Klerikalen dafür, und bei uns hat selbst Herr v. Kardorff, der Gründer der Laurahütte- Aktiengesellschaft, ein Reaktionär von reinsten, Wasser, erklärt, daß nian sich mit dem Frauenstinimrccht befreunden könne. Die rcnktiouarstei, Parteien aber suche» höchstens ein verfälschtesFrane» stimm- recht durchzusetzen. Die Socialdeinokrntic muß auch hier die äußersten Konsequenzen des demokratischen PrincipS ziehe», sie darf nicht die Hälfte der Staats- und Gcmeindebiirgcr von den gesetzgebenden und verwaltenden Körperschafte» ausschließen. Die' deutsche Social- dcmokratie darf sich im Kampfe»in die Gleichberechtigung der Gc- schlechter nicht von reaktionäre» Parteien schlagen lassen. Erst das Frauenstimmrecht ermöglicht die Aufklärung. Organisation und die wirtschastliche und politische Teilnahme der Frauen am Klassenkampf. Wir dürfen nicht auf dem Standpunkt stehe», die Frau sei noch nicht reif für das politische Stimmrecht. Wir wollen das Stimmrecht nicht als Zuckerbrot für politische Einsicht und Wohlverhaltcn, sondern als Mittel zur politischen Er- ziehung und zur politischen Macht der Proletarierinnen. Die For- dcrung des Frauenslimmrechts muß in der parlamentarische» und außerparlamentarischen Agitation nnsrer Partei mit allem Nachdruck vertreten werde», damit wir die Köpfe der Massen revolutioniere» und die Frauen darauf vorbereiten, einst von den Stimmzetteln auch den rechten Gebrauch zn machen. Durch die praktische Notivcndigkeit des Kampfes sind wir aber gezwungen, das höhere Interesse des Proletariats den Forderungen des weiblichen Geschlechtes voran- zustellen. Politische Fortschritte dürfen nicht deshalb abgelehnt werden, weil sie nicht verknüpft sind mit der Verwirklichung des F r a u e n st i n, m r e ch t§. Weiter verlangen wir ein einheitliches und freiheitliches Vereins- und Versammlungsrecht auf wirtschaftlichem und politischen, Gebiet. ei» Recht, das Männer und Frauen init gleichem Maße mißt. In bnrgerlich-socialreformerischel, Kreise» werden ancb diese Forderungen bürgerlich verhunzt, indem man nur für Frauenrcchte auf Wirtschaft- lichcn, nnd socialpolitischem Gebiete, nicht auf politischem Gebiete eintritt. Mit einer so reaktionär verzopfte» Reform können wir uns nicht begnügen. Es giebt ja anslcgungskundige Juristen genug, die ans jeder»»liebsamen Bethätigung der Fran eine verbotene politische Bethätigung zu machen wisse». Das bißchen Vereins- und Versammlungsrecht, das die Frauen in einzelnen Staate» schon jetzt habe», muß voll ausgenutzt werden. Vor allen Dingen protestieren»vir gegen das zweierlei Recht für Bourgeoisie- danien„nd Proletarierinnen. Uns muß recht sei», was frauen- rcchtlcrijchcn Spielereien, reaklionärcu Flottenparaden und dem die Frauen an öffentlichen teilnchmcn dürfen. Nur nicht über die Gesetze So wurden die Frauen in Scdanfestrununel mit weiblichen Teilnehmern billig ist. Alle Schichten der weiblichen Bevölkerung müssen mit gleichen, Maße gemessen werden. Dadurch werden wir unserm Ziel näher kommen, der vollen politischen Gleichberechtigung beider Geschlechter.(Leb- haftcr Beifall und Händeklatschen.) Frau Popp-Wicn: Das, was Fran Zetkin gesagt hat, ist auch den östreichischeu Genossinnen aus der Seele gesprochen. Auch wir haben keine politischen Rechte. Seit die Christlich- Socialen an, Ruder sind, habe» die Frauen auch daS bißchen Komnnnialwahlrccht, wo sie es hatten, verloren. Mit aller Kraft und aller Begeisterung kämpfen auch wir um politische Rechte. Was das Ver- sanimlnugSrecht l anlangt, so wird es in Oestreich keinem Kommissar einfallen, aus einer politischen Männer- Ver- sammlnng, sei sie nun Vereins- oder öffentliche Versammlung, eine Frau hinansznweiscn oder am Reden zu hindern. Nur Mit- glicder politischer Vereine dürfen wir nicht tvcrdcn. Statt dessen nehmen wir Gastkarten und zahlen so uusre Beiträge. Auch nnsre Zeitung verkaufen ivir unter den Augen der Rcgicrmigsvertrctcr i» den Versammlungen trotz deS Kolportageverbots. Fällt mal eine hinein, so werden die paar Gulden Strafe bezahlt oder die paar Stunden abgesessen.(Große Heiterkeit.) Je mehr Siege nnsre Männer erkämpfen, uu, so eher werden die Frauen ihre Rechte er- halten.(Lebhafter Beifall.) HcngSbach-KLI» bringt auf Wunsch der Duisburger Genossen einen Fall von Be- einträchtignng des Versammlungsrechtes der Frauen zur Sprache. Jeder politische Abc-Schütze weiß, daß politischen Versanunlungen ungehindert mauche Beamte scheinen noch immer orientiert zu sein, die sie hüte» sollen. Lahr aus einer össenllichc» Versa», mlung, in der am 10. November v. I. über den Parteitag berichtet werden sollte, von dem überwachenden Polizeibcamten entfernt. Der Bürgenucister »nd der Landrat erklärten auf Beschwerden nbcrcinstimmcud, daß der Beamte sich in, Rechte befunden habe. Präsident schaffte Rcmcdur. Jeder derartige Ucbcrgriff muß aufs schärfste zurückgewiesen und bis zur höchsten Instanz Beschwerde er hoben werden.(Bravo!) Frau Schlcsittger-Wicn: Das Vertrauen, daß die männlichen Socialdcmokralen uns zur richtigen Zeit das Wahlrecht verschaffen iverden, kann ich nicht uneingeschränkt teilen. Wir haben ja in Belgien gesehen, wie sich bewährte Genossen, die das Vertrauen der internationalen Social dcmokratie genießen, zum Fraucnwahlrccht verhalten haben, ein Verhalten, das wir als Fernstehende nicht ohne weiteres verurteilen wollen, das aber doch zu Bedenken Anlaß giebt. Ich weiß nicht, ob es bei u»S anders gehe» würde. Wen» ein östrcichischcr klerikaler Machthaber de», Beispiel der belgischen Klerikalen folgen»nd die radikalen Parteien durch die Verleihung des FraucnstimmrcchtS in die Enge treiben Ivollte, so bin ich offen gesagt im Zweifel, ob linsre Gc nosscn da Stand halte» würden. Deshalb gefällt mir der letzte Absatz der Resolution nicht. Er müßte schärfer gefaßt iverden. Wir sollte» doch nicht selber die Thür aufmachen, durch die man sich retten kann von Verpflichtungen, die hoch gehalten werden müsse» (Bravo!) Fran L. Vranu: Wir können die Resolution, so wie sie ist, mit gutem Gewissen annehme». Der letzte Absatz drückt ja nur aus, daß die besonderen Fraucnintcresse» zurückzustehen haben, wenn die allgcmciuen Partei intcressen wichtiger sind. Das ist für uns alle selbstverständlich, die wir in erster Linie socialdcmokralische Parteigenossen sind. Die beiden Resolutionen sollten durch Acclamatio» augcuommcn werden (Bravo!) Frau Zictz-Hamburg: Gerade diejenigen Genossinnen, die in der praktische» Agitation stecken, fühlen fast täglich, wie notwendig volles Vereins- nnd Ver sammlungsrecht für die Arbeiterinnen ist. Die JiitcrprctationSkünslc der Behörden schaffen da jetzt einen migeheuren Wirrwarr. Dazu kommt die Buntschcckigkcit des Vercinsrcchts in Deutschland. I» Preußen haben die Frauen an einer ganze» Reihe von Orten an keiner öffentliche» politischen Versammlung trotz des klaren Wortlauts des VcrcinSgcsctzcS teilnehmen können. So in, ganzen RcgicrungS bezirk Arnsberg. In einer Volksversammlung mit polilischem Thema, in der etwa ein halbes Dutzend Frauen anwesend waren, verlangte der Über- wachende Bennitc die Entfernung dieser Frauen. Selbst die be- dienende Frau deS Wirtes mußte den Saal verlasse». Danach konnte ich als Redner!» ungehindert meinen Vortrag halten.(Heiterkeit.) Zu der nngehcuren Verwirrung in den Köpfen der überwachenden Beamten hat nun die bekannte Rede des Ministers Freiherr» von Hamnierstcin noch sehr viel beigetragen. Diese Rede mit der Forde- rnng eines besonderen„Segmentes" für die Frauen hat die Teil- »ahme von Frauen an öffentlichen Versammlungen vielfach noch mehr eingeschränkt. Ebeiiso oder noch schlimmer als in Preußen steht es in airdern Bundesstaaten. In Braunschwcig können Frauen ans Grund der bestehenden Bestimmungen an keiner Versammlung, in der öffentliche Angelegenheiten erörtert werden sollen, teilnehmen. lind was versteht man dort alles unter öffentliche Angclegcuhcitc»! Auch hier in Bayern hat man selbst nach der Reform des bayrischen Vereins- gesetzcs noch lange in alter Weise fortgewurstelt. Gegen alle Ver- suche, die bestehenden gesetzlichen Bestimnnnigen noch weiter einzuschränken, müssen wir mit Nachdruck protestieren. Weiler aber fordern ivir ein volles Vereins« und Versammlungsrecht für die Fran, die einen so außerordentlich wichtigen Faktor in, Produktionsprozeß bildet. Ich bitte Sie, die Resolution ciustiminig anzunehmen.(Lebhafter Beifall.) Frau Thiel-Teinpelhof führt Beispiele aus dem Wahlkreise Tellow-Bccskow-Charloltenburg an, in denen die Entfernung der Frauen aus politischen Ver- saimnlnngcn verlangt oder angeordnet wurde, daß die Franc» sich auf die Äalcrie begäben. Redneri» selbst durste zunächst als Dclc- gierte im Saale selbst verbleiben, mußte aber nachher auch auf der Galerie Platz nehmen.(Heiterkeit.) Georg Ledcbonr-Berlin: Die Bedenken der Genossin Schlesinger teile ich nicht. Ans den bisherigen Reden geht hervor, daß alle auwesendcn Delegierten, männliche wie weibliche, für die Durchführung des Frauen» »in,„rechtes eintreten und daß für uns mitcr keinen Umstände» 'olche Bedenken gelten, wie sie i» Belgien bestanden und zur Kritik Anlaß gegeben haben. Die Ansicht des Genosse» Hengsbach, daß die überwachenden Beamte» mit de» Gesetze» vertraut seien, ist nach n leinen Erfahrungen irrig. Wir müsse» vielmehr mit der VoranS- ctzung rechnen, daß die Beamten die Gesetze nicht kennen. Das hängt mit Gründen der höheren StaatSraison zusammen, in deren Interesse es liegt, daß möglichst viel öffentliche Versamnilnnge» auf- zclöst werden. Rcchtinäßige Gründe zur Auflösnng sind aber nur clten zu finden; sda ist es denn sehr nützlich, daß der Beamte die Gesetze nicht kennt(Heiterkeit) und auflöst ohne gesetzliche Gründe. Bei nu§ in Deutschland iverden gewöhnliche Leute wegen Gesetzes- Verletzungen bestraft, auch ivenn sie die Gesetze nicht gekannt haben. DaS gilt aber nicht für die Beamten. Diese lömien die Gesetze straflos verletzen, weiin sie»nr in gute», Glauben handeln.(Sehr richtig!) In diese», guten Glaube» aber befinden sich deutsche Be- amtc immer.(Große Heiterkeit.) Spätere Rekriniiiiationen bei de» höheren Behörden werden, selbst wenn sie zur Rektifiziernna deS betreffenden Beamten führen, dem Publikum nie bekannt. Räch meiner Erfahrung sind auch Beamte durch eine solche Rcktifizierung»och nie weder körperlich noch geistig,»och materiell irgendwie geschädigt, sie blühen, gedeihen und nähren sich weiter wie zuvor. sHeiterkeit). Die höhere StaatSraison spricht in jedem Falle dafür, daß die Beamten die Gesetze nicht kennen.(Er- »eute Heiterkeit). Die Beamten, die in ungesetzlicher Weise auslösen, aber besorgen nur unsere Geschäfte. Die Gesetzcserkenntnis geht ja noch viel höher hinauf. Das ist erklärlich: wein, heute ein Minister .Verschiedenes". ersetzt werden muß. so greift man blindlings in den nächsten Haufen Generale hinein.(Heiterkeit). Die berühmte Rede deS Frhrn. v. Hammcrstcin hat den preußische» Staat ans diejenige Kulturhöhe erhoben, die bei den alten Juden schon vor 2000 Jahren bestand.(Große Heiterkeit). DaS Hammersteinsche Segment entspricht genau de», Synagogen-Rccht, Ivo auch die Frauen ihr besonderes„Segment" hatten.(Erneute Heiterkeit.) Iliigcsetzliche Auflösungen sind' für uns das beste ÄgitntionSmiltel. Die Bcamteu in Preußen und Sachsen sind so vorzügliche Agitatoren für die Socialdcniokratie, daß wir»nr wünschen könne», daß an dieser vollständigen Verworrenheit der Gesetze u»d der GesctzeSaus- legung nicht so bald etwas sich ändere. Ein besseres Agitatious- Material besonders für die Anfriitlelung der Frauen können wir gar nicht bekommen.(Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Frau Kähler-Ehcinuitz: Die gewerkschaftliche und politische Entwicklnng wird bei uns in Sachsen sehr erschwert durch das Verbot der Teilnahme von Minder- jährigen. Auch liegt es ganz in der Hand des überwachenden Beamten. ob er eine gcwerlschnftliche Versammlung für eine politische erklären will oder nicht. Wir müsse» unausgesetzt für die Frauen- fordcrungcn Propaganda machen, damit auch die ober-sten Kreise das Deinütigcnde des jetzigen ZnstaiidcS endlich erkennen lernen. (Bravo!> Die Resolutionen a nnd b iverden einstimmig ange- n o»>>„ e n. ES folgt Punkt S der Tagesordnung: Dazu liegt folgende Resolution vor: Resolution. Die unerhörte Steigerung der Fleischprcise droht den ohnehin geringen Fleischkonsnm des Proletariats in einer Weise cinzuschränkeii, welche nicht nur Gesundheit und Kraft des arbeitenden Volkes schwer schädigt, sondern auch die wirtschaftliche Lage vieler kleiner Existenzen untergräbt. Diese allgemeine Not, hervorgerufen durch die Be- günstigungen, welche dem Großgrundbesitz auf Kosten der übrigen Bevölkerung zugewendet werden, macht es allen Frauen, insbesondere Erst dcr RegicrungS� Proletarieriuuen zur Pflicht, energisch Protest zn erheben gegen ''......... Negiernngsmaßregeln wie die Vichspcrrr, welche dem Reichen giebt, was den, Annen'genommen wird. Die Fraucnkonfcrenz beschließt: De», Münchener Parteitage diese Resolution zu unterbreiten»nd zu beantragen, daß in, ganzen Lande Volksversammlungen einberufen werden, um sich niit dieser Materie zu beschäftigen und gegen eine solche Politik lebhaft zu protestieren. Die socialdemokralische Fraktion wird ersucht, bei Eröffnung deS Reichstags eine Interpellation über die Flcischnot und Viehsperre an die Regierung zn richten. Berliner Parteigenossinnen. Die Resolution wird cinstinuuig aiigeuommcn mit einem Zusatz- antrage Zetkin: Die socialdemokratischen Gemeindevcrtreter werden ersucht, die Abschaffung bez. die Sisticrnng der Oktrois auf Fleisch und Flcischwnrcn zu beantragen. Außerdem haben die Görlitzer Parlcigenossinncn einen Antrag eingebracht:„die„Gleichheit" in Zukunft populärer zu gestalten." Frau Gragor-Görlitz befürwortet den Autrag. Die„Gleichheit" müsse besonders in ihrem letzten Teile einfacher geschrieben nnd dem Verständnis der proletarischen Frauen mehr angepaßt werden als bisher. Fran Zetkin: Die„Gleichheit" ist in erster Linie ein Organ zur Schulung der im Kampfe stehenden GenossiiiNeu; sie soll ihnen die theoretische Richtschnur geben. Aber in jeder Nnnnner ist ein einfacher, schlichter Artikel enthalten, der zur Agitation unter den Arbeiterinnen bestimmt ist. Gewiß könnte in dieser Richtung noch mehr geschehen. Aber die? ist in erster Linie eine Frage Ihrer Mitarbeit. Arbeiten Sic alle, soviel wie nur möglich, an der„Gleichheit" mit. Der Antrag wird gegen zwei Stimmen abgelehnt. Fran Zietz-Hnmbnrg beantragt zur Interpretation der Resolution deS Mainzer Parteitages bezüglich der Wahl von weiblichen VertraiicnSpcrsone» folgende Resolution, die dem Müncheiier Parteitage zur Annahme vorgelegt werden soll. „Die Konferenz socialistischer Frauen erklärt, daß durch das OrganisaliouSstotut, das der Parteitag zn Mainz der social- demokratischen Partei gegeben hat, das vom Parteitag zn Gotha den Franc» zuerkamite Recht nicht berührt wird, zur einheitlichen und planmäßigen Betreibung der Agitation unter den proletarischen Frauen eine eigne Vcrtrnncnsperso» zn wählen." I» Hamburg ist die Meinung vertreten, daß in deujeingcn VmideSstaate», wo wie in Hamburg, Baden, Würrteinberg, Hessen nnd Sachsen die Frauen Mit- glieder der socialdemokratischen Wahlvereine werden können, es nicht iiotlvcndig ist, eine besondere tveibliche VcrtranenSperson zn wählen. Man ist der Ansicht, daß sich die Mainzer Resolution nicht auf die »iSunliche», sondern auf die tveibliche» Vertraucnspcrsonc» bezieht. Aber auch in den Ländern mit freierem VersamnilnngSrecht fordern wir, nicht ans Eigcnbrödelei, sondern ans den, Bedürfnis der Agi- tation heraus, eine weibliche Vertrauet, sperson, nnd der falschen Interpretation deS Mainzer Beschlusses soll durch unsere Resolution entgegengetreten iverden.(Beifall.) ' Nnchdei» die Genossen P>ml H o f fm a n n- Hamburg, Frau Zetkin. Frau Z i e tz, Pank M ii l l e r- Ha», bürg und Frau Bau», a n n- Altona dazu gesprochen, wird die Resolution ciustiminig a n g e n o m n, c n. Ans Vorschlag von Fran Greife nberg Ivird Frl. Baader zur Cciitral-Vertranciisperson für Deutschland' in Anerkeimung ihrer ausgezeichneten Leistungen einstimmig w i c d e r g e>v ä h I t. Frau Popp-Wicn' ladet z» der zweiten socialdemokratischen Fraucukonferenz Oestreichs, die zn Ostern in Wie» statlstndet, Ver- lreterinncn der dentschen Socialdcniokratie ein, die der herzlichsten Aufnahme gewiß sein dürften.(Beifall.) Nach cincni begcislcrnde» Schlußwort der Genossin Zetkin, das mit stürmischem aiihaliendc» Beifall aufgeiioinincn wurde, wurde die Konferenz»m 12 llhr mit cinem dreimaligen Hoch a»f die social- demokratische intertialionale revolutionäre Bewegung geschlossen. VevmiMztvs- Kirchelischändiiilg in Hamburg. Noch nicht crmiitelte Personen drangen in vergaiigencr Nacht in die Sakristei der Pelrikirche ein. durchwühlte» alle Behältnisse, zertrümmerte» die Fenster, beschiinitzten Altar»nd Taufbecken und verübten andren llnfng. Offenbar war eine Beraub»,, g der Kirche beabsichtigt gewesen. Die Einbrecher warfen auch einen Schrank mit mehrere» Flasche» Wein»m und zerrissen einige»cue Bibeln. Etscnbohnunsall in Bayern. Ans der Strecke Augsburg— Wcilhciin in Oberbayern entgleiste nahe der Station Gclieiidorf ml, Sonntag infolge vorzeitiger Weicheiisielluiig ein niit 30 Fahrgäste» besetzter Wagen eines Personenzuges nnd stürzte um. Mehrere Personen kanie» zn Schade». Schwer verletzt wurden der Betriebs- lcitcr der Station Geitendorf, Obcrcxpcdilor Dichlcr,»nd die Gattin eines Münchencr Malers._ Lvitteriiiigsüberficht von, 15. September 100S, morgeiiS 8 Ilftr. Stationen SwiiieNide. Hamburg Berlin Fraulf./M. München Wie» u II -v «s, Slalivnen S6 o£ s§ , I 8 Haparavda 7MSSW 9 Petersburg!— I— II Cork 70235)2353 11 Llbcrdeen—|— 9 iParis 704 SSW 12 i I Wetter 4 bedeckt 35». beb 2 bedeckt äs & 11 Sä WS, 13 12 Wetter-Prognose für Montag, den IL. September 11)02. Bielfach heiter, am Tage etwas wärmer bei ziemlich lebhaste» süd- westliche» Winden; später iicue Trübung und Regen. Berti»er Wetterburea». Woblfahrts- jrtu Ooldwaren-JnduslrieBelmortre&C?- -fotterie. Ziehung: 4-, ßis S,Oroj:r. 10 870 Geldgawlnno linnr ohne jeden Aäzuo zahlbar von Mk. eto. etc. eto, Orlglnallooso a ik, 1«1 Mk. Mir Porto und Liste ItO Pf. extra. OnSrienSCo.HcM. Bank-Cesehäft Berlin W., Frledrichstrasee 181, I. Filiale: Wllsnackerstr. 63. II.„ Andreasstr. 46 a. Wir empfehlen sofortige Bestellung, da Loose bald teurer werden. 5040L* EH GROS � Konigs-Srr.46 �DETAIL . 1' dk Sil«a« Feistsäle, £lciitli~8ii»asse ÄO. 48499* Die Sonnnbcnde 11., 18. und 35. Oktober sind frei geworden und unter ooulanten Bedingungen zu vergeben. insegnnngs- Geschenke in grösster Auswahl. Gold waren• Uhren etc. Elektrischer Kraftbetrieb. Grosshandel.— Export.— Versand nach allen Ländern. Belmonte& Co., König-Str. 46. 10 Jahre Garantie. Teilzahlung wöchentlich 1 Mark Vollkoiniecn schmerzloses Kubnzichen 1 Mark. Plomb. 1,50 M. Renarat. sof. Umarbeitung schlecht sitz. Gebisse 1 täsihne B Mk. /ollkoinmen«chincrz iomb. 1,50 M. RepRl'Jlt. sof. umtbi S'Uiii.ovu.i'aiu�. vxeuis; Zalra-Arzt Wolf, leipziprstr. 130. (Haus Schnarwächter.) Sprachst. 0— 7 Uhr. Tel. VI 440). 35/11* Fordern Sie in den Tabnlhnndliingen Vsnisvken Neiiistc Marke 5 nud Itt Pf.-Schleife«. Kur echt, ivCNU sich i»i Tobak der Firmenzettel mit Anker bestndet. Gcuerolvcrtvttcr: C. Uttcker, Berlin, Olriiuev ivcn 8, ütuit 7, 3861 Ein Posten von circa in verschiedenen Crösten und Oamlitäten wirb Dienstag, de» IS., Mittwoch, den 17., Donnerstag. de» 18., Freitag, de» ID., nnd Sonnabend, den SV. Septcniber, nachm. von S— 7 Uhr, in ciiiein Loger- ronme des DcPPich-Fabeik-LagerS, Hauptsirafte 1, circa 4V Prozent nnter bisberigen bckoiint biNigen Listenpretseu ziiin Berkiuif gebracht. Der Verkons dieser Teppiche, worunter sich groste, schwere, eleganie Salon-, Wohn-»»d Speisczimmer-Exemplare befinden, welche nur als Moster-Teppiche gebraucht wurden, findet nur an genannten Tagen»achmittags von!f— 7 Uhr Berlin-Schöneberg, Hanpistr. 3-6, Hof links 1 Treppe, st-tt MK. Unter obigen Teppiche» befindet sich ein Posten von 120 Teppichen von einem Muster in extra prnna Velonr-Q-nalität,-xnb?--kat, Größe elffl Farbstellung der Teppiche zu allen Einrichtmige» passend, rcguliirer Listen-•>'7 SStl Preis Ml. 48.-.................. jetzt das Stück-vtt. dos. �remmer's V)>»e. E-ancishut, Ladern. Erste und älteste Brasiltabakfabrik BraBilschnupftabak per Pfd. Mk. 170, Mk. 1.60 und Mk. 1.30. Von 0 Pfd. an franco. ßtaniol-Packete aum 10 Pfg.- und 5 Pfg.- Verkaut §S3r Beste und vorthcilhafteste Besugsqueile."WD «iir�SMiMerr Ucrlin SO. 16, Engel-üler 5. Fabrik-Lager sämtlicher gangbarer Kautabake ialität; NordMnser Kautabak stets frisch zu billigsten Engros-Preisen. 48990* p GijllMttll 00 Pf. plr. Pfunb(gröbere znm Reißen). Schlachtfedern, wie sie v. d. Gnns fallen, mit allen Daunen m. 1.60, fullfeniger Gänserupf IN. L.OO, beffere Gänsehalbdaunen M. 2.60, 3.00. beste schneeweiße IN. 3.60, russische Daunen M.3.60, weiße böstm. Daunen M. 6.00, ge- rissen? Tedern m. 1.60, 2.00, 2.50, Prima gerissene Nl. 3.00, 3.50. Versand gegen Nachnahme. kuüu l.ut!ig, pr�nst�kika. Lrst« Vettfcdcrnfabrif nr tiectr. ersitlassiger Qualitäten Cassu und coulante Itaten- 1 znlilnng. I Vereinigte Berliner Möbeltischler( 42 Mose*ius&,Zifnnierinann,Äl9X?n ------ derstr. Hof, Fabrikgebäude, lein Lad. Die beste Cigarre, 25 Stück in Kiste» 1 M., wegen Umzug. Bi»mcb«>se. Schillingstraiie 86. Brucli-PsllmanR cmpstehlt sein Lager in Braclihan. dagen, Leibbinden, Ceradehaltern, Spritzen, Suspensors, sowie sämtl. Artikel zur Krankenpflege. JJBET" Kisiic Werkstatt. Lieseranif Orts-n Hilfs-Krankenkasien Berlin C.,[37829* 30. Wml-HtM 30. Ein vorziigliclies, gelialtreiches, 3.ldlt©S ßrän In Flnsclien nml Gebinden. 102/7» Telephon iv, uns öi'suöi'öi F. Hapjioldt, Berlin S., Hasenlieide 82 33. 2. Ziklinnk 3. Klusse 207. Ksil. Prciisi Loiterlt. Zlchnng vom 15, Ekptcmber l»aS, vormittags. k!ur tili Vewinoe über 172 ifl. und Pen t»l(ei|ciihea Sliunmern in nlngimeni brlgcjügU (Olpit Bewähr.) 93 377 482 642 701 30 67 1020 246 71 97 319 681 764 869 84 2963 1 66 557 720 34 4 3 864 3 086 148 224 351 635 67 869 23 939 47 85 4167 9 t 700 92 650 5U00 224 335 78 521 668(300) 758 985 6204 322 95 451 519 20 619 867 995 7 051 153 64 437 513 645 766 820 8011 100 39 230 57 387 436 65 t 700 813 30 32 0030 53 97 134 222 74 304 454 608 39 746 850 981 10242 314 92 406 517 610 88 775 085 11147 83 224 44 62 302 37 454 1 2030 67 142 270 404 20 33 56 531 611 50 703 890 902 1 3214 308 602 58 658 762 821 72 14147 54 99 240 62 79 621 708 13 59 992 1 5067 87 95 131 232 71 373 413 69 626 64 1 6291 377 488 89 775 93 17226 39 72 304 537 630 82 706 59 833 18028 59 190 206 74 454 512 770 804 32 39 58 961 10075 177 83 221 363 676 787 20083 103 65 248 303 96 640 73 817 913 61 2 1 054 73 78 141 354 405 531 665 706 22162 217 331 462 500 48 55 818 961 2 3058 288 354 661 13001 931 2 4044 69 122 32 340 470 501 661 757 91 918 2 5016 62 100 470 712 18 840 74 990 2 6.328 430 608 88 772 804 34 92 962 2 7032 93 272 460 574 924 2 8022 151 79 226 398 532 621 82 792 2 0119 67 350 64 509 21 695 924 30o38 176 331 834 62 92 3 1 033 96 175 585 674 782 886 73 914 21 72 3 2004 88 90 354 99 504 28 55 659 83 84 892 3 3044 77 240 56 363 825 47 908 25 3 4203 307 28 591 604 744 87 825 82 35176 83 202 8 371 465 513 67 643 53 82 3 6014 152 210 4 2 50 53 358 65 444 7 7 79 13001 500 938 82 37 029 320 528 49 655 64 896 972 3 8312 464 538 690 711 16 47 907 3 9139 98 499 631 767 875 059(5001 62 40058 191 241 86 311 13 588 617 47 94 754 814 4 1095 110 90 318 408 21 556 622 62 42134 73 341 832 870 960 43148 379 439 650 4 4365 476 588 641 851 4 5096 406 639 69 83 732 46 864 4 6011 33 127 73 75 376 404 LI 38 529 58 711 812 33 63 47122 227 366 419 826 941 48056 81 339 50 445 85 552 939 4 9003 88 193 274 456 K9 94 5IQ 719 XT1 99 50297 312 49(30001 495 546 58 750 829 91 51197 316 457 664 52105 6 27 263 403 19 012 73 964 5 3068 103 213 23 353 59 412 87 668 832 927 5 4157 227 348 446 65 684 98 5 5137 298 427 60 82 508 33 84 650 852 962 5 6020 340 51 434 747 836 51(5001 094 5 7 267 82 455 801 5 8015 87 234 323 60 80 665 84 91 819 98 5 9032 586 60129 30 Ol 352 427 61 769 913 56 61120 282 84 556 15001 82 867 900 50 6 2081 113 318 489 520 65 t5 635 90 6 3250 395 440 57 500 816 27 917 64143 61 2 346 657 69 782 837 65 948 6 5074 1300J 96 110 222 41 324 655 631 44 96 797 985 6 6206 504 6 607 777 860 901 92 6 7080 498 603 61 869 73 946 6 8079 83 173 208 73 326 43 556 78 697 753 829 80 93 6 9 074 238 417 56 537 75 683 727 58 88 937 87 70138 83 279 91 359 545 43 658 750 822 51 71107 399 1300] 839 924 7 2270 76 333 57 67 74 526 609 740 42 79 7 3076 77 82 202 355 422 526 70 849 908 7 4045 158«9 99 420 078 768 928«0 75047 142 262 413 628 69 936 47 51 81 7 6042 148 319 436 84 713 879 922 7 7014 160 313 71 519 671 705 834 974 7 8268 110001 466 616 757 880 912 7 9042 63 67 136 221 68 76 520 1500) 56 916 80232 630 82 762 8 1 009 40 404 625 869 922( 3001 82312 452 92 553 747 66 8 3157 2U) 365 507 13 41 59 694 705 933 8 4211 59 89 337 98[lOOOOl 613 Ol 619 96 756 8 3038 80 439 50 599 681 826 944 86137 218 46 539 605 71 96 711 78 85 948 73 8 7016 178 287 358 60 647 62 8 8155 272 586 854 58 904 8 9 036 50 293 328 416 570 621 842 84 978 90U29 139 40-1 501 52 711 55 853 038 6 4 8 1 001 27 212 54 305 404(5001 66 644 821 84 972 9 2022 233 384 411 597 744 70 907 14 9 3 032 127 43 78 494 98 541 686 823 901 45 51 iSOOl 94004 22 184 4SI 638 729 855 9 5141 73 235 311 17 27 405 760 82 813 949 57 9 6084 157 280 521 631 67 833 71 92 903 9 7040 252 74 491 576 80 89 687 872 9 8153 465 735 847 917 28 9 9074 183 9 2 371 442 884 100Ö84 452 63 640 784 888 1 0 1 230 427 61 890 1O2103 54 222 78 371 83 85 508 611 764 103171 Stö 682 791 810 83 969 1 04157 356 89 405 600 U 36 816 50 913 1 05136 339 406 514 622 52 721 38 10 6018 87 137 68 500 13 61 83 667 85 91 725 928 107019 105 41 92 235 69 90 504 63 828 47 9<3 108171 221 606 7 721 908 65 1 09269 440 650, 55 � 110425 531 88 737 937 111124 36 317 427 510 112087 358 571 653 868 113017 14060) 6o 5,7 60a 17 86 885 114162 436 80 595 788 800 923 27 115168 257 74 331 533 41 745 833 94 116077 289 417 81 668 [3001 934 87 628 ,43,69 707 29-861 117014 122 583 765 851 60 988 118024 37 150 543 695 854 97 09 93 119181 308 789 891 993 12 0 046 99 198 248 415 569 619 68 77 731 86 832 12 1 207 301 52 478 627 76 700 61 12 2028 76 81 174 330 760 6 4 060 69 76 1 2 3022 160 99 254 64 493 640 55 7 3 738 75 604 1 2 4006 68 383 513 085 771 853 922 1 2 5008 91 145 337 4 1 562 80 826 91 120091 117 204 618 876 1 27118 214 58 93 329 559 655 713 842 47 1 2 8925 44 95 134 231 38 494 808 83 87 1 2 9 415 525 4111 703(5001 806 947 03 13 0080 203 50 385 499 567 832 86 97 978 1 3 1333 83 408 10 26 729 805 31 63 76 1 32135 99 546 675 911 133143 91 98 217 65 82 349 433 686, 23 13 40a2 233 76 549 901 48 57 1 3 5055 56 410 31 633 788 13 6070 383 92 681 808 19 70 907 1 3 7067 III 08 352 401 4 7 509 682 801 974 1 3 8242 328 46 55 611 58 662 74 866 908 1 30177 270 377 517 41 688 140227 71 374 525 630 713 16 887 932 44 1 4 1097 107 55 509 757 96 805 1 4 2021 120 94 231 46, ,7 583 600 72 727 1 4 3 069 118 28 79 267 383 460 53a 730 86 808 1 4 4037 148 201 658 79 946 1 4&0a6 160 400 70 541 789 810 80 89 1 4 0031«S IS4«1 W M? 703 17 27 56 811 27 1 47157 354 65 434 1500) 509 81 7j7 845 87 1 48106 251 13001 391 458 ,9 641 66 717 8-4 VI 149065 233 65 460 602 29 842 912 150349 57 513 665 844 1 51121 557 606 7 18 89 05 15 2065 187 226 314 84 468 051 58 84- 87 084 1S3�1 210 1 54116 202 8 345 78 439 73 503 43 70 78 83 698 QQ 703 29 35 155127 95 315 68 t9 669 811 6«) 962 15 6055 81 140 330 64 479 878 982 J 57000 54 200 1- 47 405 599 719 1 5 8033 99 238 92 42- 643 52 621 41 54 92 1 5 9030 192 238 64 519 03 94 823 902 47 16 0003 22 107 384 623 640 740 58 880 1 6 1 234 66 472 538 39 605 747 50 834 927 1 62132 540 638 801 (30001 045 1 63168 201 69 318 40 1 0 26 528 87 631 701 25 815 928 164073 82 135 45 235 306 62 ,0 651 70 1 6 5 079 122 27 30 438 515 45 56 684 930 1 8 8098 248 86 641 854 1 67041 52 64 87 248 302 64 61- ,60 889 1 654137 286 304 432 52 538 85 90 700 54 828 44 63 977 1 6 9071 87 149 350 59 5 9 72 709 N 837 Sul 170119 302 70 417 8 1 7,3 1 71187 27, 465 ,62 870 93 936 58 1 7 2061 238 315 71 46- 596 ,3 056 800 9-7 1 7 3128 32 51 273 319 40 407 901 64 1 74197 12 84 362 ,547 90 708 831 38 1 75U5D 275 644 99 67- 893 918(Vi 69 1 7 6014 87 137 13001 209 79 83 544 67 798 ß�'i oru ITT 040 61 03[5001 146 81 34o 57 40.' 621 7t iß 810 05 60 080 17 8005 6 23 57 62 108 78 424 09 824 79 971 179184 91 207 14 408 637 712 20 828 I508J 180012 18 160 330 432 68 76 621 754 849 96 988 1 AI 156 305 66 75 430 680 761 182014 282 334 42 44- 617?22 65 15001 948 68 82 1 88056 95 213 32 63 68 617 711 34 W[5001 184036 117 54 260 76 561 685 704 36 1 8 5057 211 320 50 420 900 f3oO| 37*86012 41 114 46 90 796 908 98 187055 59 62 261 300 896 937 18 8050 1 87 545 86 655 889 986 189011 40 80 264 398 431 5« 99„80 741 75 833 69 957 1 9 1074 83 195 358 79 457 712 833, 52 938 98 192001 241 61 320 416 949 193065 70 13.) 383 4iö hm; 23 809 61 968 1 9 4315 22 55 78 608 6S 737<>47 015 19 5042 246 75 443 45 63 521 613 15 99 786 875 19 0226 46 453 75 580 720 107031 175 81 393 486 89?«7 946 1 9 8028 671 762 81 878 987 1 99191 30« 75 5ZOO03tfmi 130 232 68 420 661 759 858 909 20101° 13 195 237 13001 97 526 683 743 823 J30 202028 173 212 80® 1 38 9» 439 66 234 80 «m: I3n.il 723 30 9)1 204-205 8 18 4-t 5.1--9 7-2 8-t 208049 256 60 tTC 627 80 770 945 2 0 0085 111 49 361 M WS 65 5,5 51«5*005% 160 24 1 470 520 40 70 901 34 70 815 2 0 8008 30 235 58 3Jl 65 711 50 944 55 200036 107 2 1 ooii4 347 62 449 74 661 923 38 76 211266 78 322 31 66 640 Oä 70« 820 61 947 2 1 2014 108 51 64 303 450 98 943 2 1 3052 84 259 427 555 623 83 913 2 1 4046 102 284 302 417 56 85-52 777 8-0 54 98- 2 1 5039 54 138 643 65 865 94 913 48 216 152 280 88 340 508 9 76 93 827 58?,1 217016 TO 18« 383 629 na 7sa a«n 2151918 84 123 77 261 400 20 15001-49 58 810 828 2 1 9-30 198 478 559 680 709 816 28 41 220310 60 97 540 63 98 037 22 1 075 135 97 205 54 560 625 33 54 774 99 801 7 47 2 22186 277 330 436 50 57 82 636 725 56 �5 86 91 223001 148 85 329 610 726 56 801 932 224100 40 60 2-9 69 409 23 844 940 64. I,n W.iuhinrnte«rtlirbrn: I•jj'jj' P, 000 I«u 80 000 Ml.. 1»u 16 000 Mk, 1»u 10000.S,"„.1 81,00 iünrt 4 zu 800 0 Mb. 14 z» 1000 Mk.. LI zu 600 Mt. L.ZitsillNst 3 Misse 207 Ksil. Pieilss. Llilltrle. Liehttilg vom 15. Eeptember Wb2. nachmittags» Bim tu(tfenmiue vbrr HZ IM stad den betreu«»»«» Siummcril iv. Ui Ummern brijcistjt. (Ohne Tewiljr.) 13 54 201 327 30 472 729 1070 287 351 413 507 63 87 «So 8» 816-8 6o 928 2085 177 9 4 371 488 5»1 96 617 883 3185 377 474 547 696 765 921 82 4041 2-2 56 438 70 552 81 922 5136 289 400 87 741 8 10 39 45 941 6104 270 399 464 517 662 809 47 55 940 7031 44 120 44 809 931 8157 86[45 0001 291 324 28 99 494 525 612 733 849 970 0039 186 201 740 901 9 19 10085 271 555 721 92 974 11093 292 362 590 793 853 12060 153 257 69 90 385 445 537 732 70 834 13463 010 74 83 735 897 1 4220 21 53 94 342 82 442 542 792 021 56 1 5012 97 144 57 234 384 433 696 728 3o 74 050 10923 234 73 402 94 616 53 948 1 7111 13 44 80 204 5 12 444 jö 81 92 573 707 1 8004 127 82 244 304 I i 44 48 3(8 419 551 807 135093 WU1 239�422�546 24 88 513 19 34 83 695 1 9124 228 440 82 538 770 91 924 1----------- I"""i 20004 6 15 70 178 448 590 632 788 895 2 1 236 40 304 429 694 720 802 2 2176 490 513 02 633 782 2 9030 61 97 255 496 544 53 740 80 867 69 2 4167 229 40- 594 «08 27 65 742 2 5122 279 419 23 837 ,00 812 55 2 6027 86 171 374 7 9 406 58 550 66 648, 23 SO 993 27118 19 217 30 319 BIO 22 48 26028 139 225 689(500) 647 790 819 SOG 8 2 9011 63 107 Ol 344 459 62 534 629 50 82 743 85 991 70 l 50.,2U 54 123 244 741 73 829 33 3 1020 22 24 41 77 NN 431-24 62 663 733» 2233 96 3-8 63 550 98 651 91- !26 34 45»»011 81 157 203 340 199 578 645 68 940 40 ;S).inna■;« in-w« soa us asn 7in 979 3525» 87 1 04000 38 143 25» 333 95 480 710 823 979 3 3259 87 418 61 531 635 720 33 3 6283 340 69 85 526 47 83, 30 925 3 7121 83 69 275 31]«0 735 814 925 30 3 8592 71 86 601 80 741 83 87 811 39064 168 386 497 586 938 65 1 40014 195 266-06 70 t 99 868 4 1047 113 16 367 435 91 522 679 717 33 43 962 84 4 2 216 93 403 2- 54 5' 9«21«0 814 83 4 3003 67 115 245 424 507 009 97 782 908 15001 44035 79 249 303 481 KOS 81 713 821 45)81 1418 604 756 76 851 905 4C070 100 225 734 38 915 ,9 147259 311 486 621 62 82 759 97 965 81 4 8 089 512 81 '698 791 820 22 4 9330 628 85 762 77(500) 99 852 86 50088 123 430 94 13(81) 534 687 839 83 922 27 73 510.il 122 78 91 417 535 688 720 79 95 852 5 2.341 98 471 575 80 827 959 85 5 3230 308 25 681 941 54190 378 433 36 566 644 710 92 800 031 5 5008 242 45 81 398 556 692 721 77 960 5 6 080 143 233 48 459 83 503 50.109 8)4 15 953 89 5 7052 101 13 258 474 522 631 781 98 803 26 49 93 932 5 8058 140 338 86 76 88 444 68 710 915 91 59050 101 43 53 87 449 60097 199 405 566 991 6 1 009 153 404 559 606 51 747 931 62388 461 771 83 888 056 6 3037 64 289 682 712 32 914 35 6 4007 184 329 32 33 80 Sä 571 617 27 32 42 73« 825 6 5006 39 144 205 448 673 735 853 63 035 6 0298 435 728 78 833 49 6 7066 409 65 506 75 885 957 6 8279 325 550 89 662 834 65 985 93 60150 53 312 510 670 982 1 70050 72 86 133 61 364 568 802 948 57 7 1 022 106 45 292 349 50 477 52) 602 711 894 923 35 86 .(509) 7 2052 117 24 51 59 214 304 411 39 501 10 756 67 820 987 7 3 032 151 80 296 97 416 19 30 517 701 16 89 80 1 44 47 59 68 74118 2.16 410 64-36 64 89« 951 75124 322 24 433 622 771 7 0014 128 275 737 866 936 39 7 7 066 236 64 450 511 51 707 807 76 7 8014 65 233 336 90 728 52 67 800 982 70247 93 329 640 76 847 74 79 85 909 800)5 132 222 369 82 523 724 834 56 81136 228 643 749«62 90 904 19 45 88322 449 9-3 83482 670 85 62 1 43 73 769 90 855 8 4001 158 74 241 300 40 659 833 8 5005 241 517 91 726 32 83 861 86166 249 304 89 502 79 610 26 880 07 920 49 8 732,) 618 34 727 814 91 959 8 8004 215 35 4 75 89 600 87 740 74 91 832 8 0125 54 362 94 430 577 868 913 00135 61 73 331 448 557 617 729.56 992 9 1 308 69 607 22 30 635 818 982» 2156 70 376 445 07 505 62 600( 3001 758 8)2 69 952 62 9 3162 268 489 579(5001 628 9 4029 53 76 151 439 528 43 770 84 9.53 9 5012 176 377 629 83 799 918 37 9 5017 29 62(300) 212 47 622 726 974(3001 9 7964 150 201 364 430 81 613 940 78 0 8338 9 9078 85 405 11 «7 OD_____ 1(M>187 210 303 614 836 47 74 97 924 82 101140 *72 316 80 617 51 60 1 02070 104[10 0001 280 316 23 92 463 91 068 1 03177 94 337 633 726 45 800 30 71 104003 15 37 135 282 573 601 4 762 9-- 105033 117 44[300] 221 533 79 722 74 830 37 918 23 33 47 106404 591 618 86 719 8W 51 927 86 107030 67 145 2.53 656 721 823 108022 71 250 841 966 100029 470 501 81 876 91 913 110060 220 45 71 565 76 94 882 920 26 79 85 111091 122 43 203 508( 300).99 MO?0! 8�, 43«» 923 112045 83 277 337 416 44-4 96 9,0 113184 516 681 735 90 897 1 i 4048 102 293 307 402 ,65 806 61 69 992 115241 61 320 460 89 518 24 617 742. 82 819 110196 312 467 594 603 5 117199 225 50» 709 118203 444 523 783»6«-6 88"00-8 252 8,3 12 0006 475 508 645 722 1 21104 271 503 62- 740 81 93 865 988 1 2 2023 164 316«! 626 �05 13 81 123090 158 72 390 104 8-2 1 24042-3 54 24- 4-5 SO 510 12 686 738 977 1 25096 102.33 347 557 634 65 821 98 126039 47 145 237 66 310 13 28 56 554 634 748 68 77 982 1 27074 101 95 243 354 409 15 523 645 790 878 942 1 2 8021 580 89 653 79 853 995 1 20629 120 44 52 77 399 451 602 3 7 792 813 70 130175 2-3 66 95 380 469 537 38 634 920 42 131180 388 4.35 68 6«3 35 766 99 967 1 32131 372 516 889 1 3 3002 168 322.445 861 957 60 I 134017 fSM vfmm M§1 ÄM (!? 81«WSÄ»«««75 m« s (3001 99 911 144171 300 ,31 92 442 505 18 601 19 «VH 80 1 45603 4 91 495 559 705 20 32 1 46196 206 96 40.5 777 809 965 1 47215 58- 708 920 2» 148254 384 4 68 69 97 535 690 715 905 1 49 1 02 608 802 25 974 15 0041 109 203 411 589 630 819 96»03 1 5 1 061 338 405.583«97 811 152180 628 29 56 838 928 30 153:".3fl.56 645 787 9-8 1 5 4272 423 843 930 58 ,6 155160 94 32.3 80 600 8 728(5001 20 50 71 816 99 052 61 1 56108 206 9 88"15 76 4,2 56- 623 44 97 706 962 76 157014 36 161 216 58 81 302 77 410 669 775 87 8)1 65(.300) 995 1 7, 86.16 371 414 637 81 933 15 9 014 125 307 74 491 670 788 922 61 71 82' 1C01S2 207.31 40 520 139.50 562 828 65 972 1 61160 86 202 93 321 456 71 709 842 7 3 944 1 62149 315 454 62T 814 37 917 1 03.383 421 502 32 96 604 11 13 755 942" 164067 137 851 911 64 1 65146 254 478 621 845-0, 2� 73 96 924 IC 6083 148 62 217 65 67 76 388 456 537 602 741*" 167913 352 476 97 615 737 914 1 6 8024 1,0 296 388 480 514 1 6 9268 385 90 507 36 648 94 749 170o39 55 75 Hl 53 457 501 633 720 44 50 94 862. 83 991 17 1018 32 158 356 91 425 31 719 61 887 1 721 U 337 50 88 618 68 761 84 1 73027 SO 94 516 686 784 921 17400')«2 109 14 54 61 282 499 536 622 91 98 713 57 87 977 1 75(1)3 214 66 413 92 594 687 786 176041 40 90 91 211 47 70 569 630 1 7 7 030 95 158 289 98 438 SU" 78 85 907 1 7 8010 102 45 240 55 66 312 90 431 637 97 860 945 90 1 79"26 194 230 87 612 714 813 20 80 180084 235 575 876 927 1 8 1 000»0 75 00 109 98 200 370 482 517 37 883 1 8 2009 36 6» 202 93 37« 80 5 5 607 18 54 712 ,58 80 833 904 1 83019 78 80 164 245 412 47 513 fil0 63 98 98) 18 420- 13 20 420-32 6.30 62 753 828 /3 1 8 5 048 81 145 74 233 436.95 � 91 698 S(» 91» 180121 52 221 31 85 344 71 91 465 �°,�5 924 16718» 276 98 99 38«) 82(3001 468, 7 87 1 8 8 029 210 5-4 65 891 lOOr�O2»)�:�! Ol'9! 01635 140 211 480 513 25 (3001 58 675 722 78 823 75 1 92138 364 74 511 68 90 704 874 1 0 32)5 315 177 520 31.38 768 82 830 909 2» 00 194260 412 63»60(iöl 792 822 904 31 X D 5 1 66 3-8 439 55 1 9 0062 139 216 6 4 392 416 24 79 075 812 33 197002 204 4 37 98 599 716 1 9 8043 74 146 87 461 62 533«21 RS 714 832 1 99102 45 242 69 315 470»27 631 92 2001)32% 18 4 207(300) 84 400 542 677 732 815 201009 213 13001 82 413 30 44 558 617 700 17 21 40 92 2 0 2003 340 444 79-20 47 922 2 0 3020 33 3(9 92 446 5ÜS 702 991 204091 330 495 609 726 928 99 20 5088 123.30 217 43 742 91« 75 2 0 017(1 226 66 74 301 537 041 719 89 9«S 2 0 7320 71 504 741 901 87 9« 208128 348 40.4 7 Sgl 615 862 992 20910» 26 261 307 s '7 �2 1 0017 20 189 338 832 943 57 211052 81 138 42 233 64 74 382 555 784 98 2 1 2134 224 RS 446 587 90 753 95 807) 2 46 902 2 1 3036 102 215 48 60 12- A, 630 70(306) 7-6 894 2 1 4055 239 815 97 2 1 5019.�180 300 578 612 26 778 903 216098 Ul 344 404(.300) 49 611 791 993 2 1 7464 226 311(309) 85 417 35 805 218170 488 500 91 056 2X9731 99 349 708 22001« 1HS 547 64 914.39 2 2X1-0 316 423 619 29 776 810 965 2 22115 271 470 541 09 890 990 98 223214 33 518 2 2 4095 116 48 81 251 332 503 11 20 921 60«6 .4«, U'Ctuin uriKt uerottcbcM: I au 30 0«) jKt, I All 45 00) Sil, 1 zu 5")"" ort 7 1» 3«0 MX. 11 tu WW Mk, 14 zu iuu Ml,«1 ja 8 u Mk. VernutworUichu Nedacteur:<5arl Leid in Berlin Für den Inseratenteil verantwortlich: Dh.«locke in BerlitL Druck und Verlag von Mar Pading m verlw. jit.2i6.>». 3. Wage des„DmMs" KeMer WlksblR Uoknlvs. Die Kosten ficifiinitnct„Höflichkeit.� Der Magistrat prä- fcnticrt jctzl der Sladtverordiieieii-Veriamiiiliing die Rechnung über die K o st e n des bunten Flitters, den er zum E in p f a n g des Königs von Italien hatte herrichten lassen. Die Geschichte hal 26 000 M. gelastet,. ryn. deren nachträgliche Bcwillignng die Sladlvcrordncteil-Vcrsammlnng voin Magistrat ersucht ivird. 26 000 Morl ist zwar nicht so viel wie die Suinine, die vor zwei Jahren beim Empfang des Kaisers von Oestreich vergeudet worden ist, aber Geld genug ist auch das noch. Schade nm jeden Pjf e n u ig, der für solche Zwecke ausgegeben wird I Der Berliner Stadtfreisinn aller Schattierungen kuilt es allerdings* Nicht" fiit Byzantinismus, sondern für einen„Akt der Höflichkeit", den Gästen des Kaisers ans den Stenergroschen der Bürger einen pomphaften Empfang zu bereiten und zugleich in eigner Person am Branden- bnrgcr Thor anzutreten und dort ihre Diencrchen zu machen. Der Magistrat sagt in seiner, die Bewilligung der Kosten fordernden Vor- läge, er habe es nicht für nötig gehalten, die Stadtverordneten- Versammlung noch in den Ferien znsanrmenberufen zu lassen, um die Beiviltignng bei ihr zu beantragen. Er habe die Zustimmung der Versammlung als sicher vorausgesetzt. In dieser Erwartung dürfte sich der Magistrat leider nicht getäuscht habe»— soweit es fich nm die Vertreter des Freisinns in der Stadtverordneten- Versnuinilung handelt. Der Magistrat beabsichtigt an der Litthauer st ratze eine neue G c nr e i n d e- D o p p e l s ch u I e zu errichten. Zu diesem Zweck hat die Verwaltung mit den Spielennannschen Erben Vcr- Handlungen wegen Erwerb beziv. Tausch eines geeigneten Grundstücks gepflogen, die zum Abschlutz gekonnnen sind. Die Stadtverordneten- Versammlung ivird jetzt ersucht, den Tausch des Grundstücks rmd die Zuzahlung von 20 000 Mk. zu genehmigen. Volkszählung in Grost-Bcrlin. Gleichzeitig mit de» Berliner Zählkarte» sind auch diejenigen der 17 Vororte mit 354 805 Einwohnern im Statistischen Amt der Stadt Berlin revidiert und ans- gezahlt worden. Die Herausgabe des daraus hergestellten T a b el l e n- W e r k e s mit Einschlutz aller 23 Vororte, d. h. einer Einwohnerzahl von zwei Millionen und 481 186, ist indes, wie der Jahresbericht der Deputation für Statistik bemerkt, bisher verzögert worden, weil vielfach»nchträgliche Berichtig'.. ngen erforderlich geworden sind. Die interessante Grundstücks- nnd Wohnnngs- Statistik Grotz-Berlins kann daher erst im nächsten Jahr- gange des Statistischen Jahrbilchs kerscheinen, der zugleich nnS- führlichere Nachweisungen über die Neubauten, Abbruche, svtvie über dle Waisenkinder-Sterblichkcit zc. bringen wird. Der Verband deutscher Arbeitsnachweise hält vom 9. bis II. Oktober d. I. in Berlin lim Künstlcrhanse, Bellevncstratzcl seine Verbandsversammlung ab. Der Verlauf der Versammlung verspricht ein sehr interessanter zu werden, da nur zwei grotze aktuelle Fragen zur Beratung stehen: die letzte Krisis auf dein Arbcitsmarkt und die Arbeitslosen-Vcrsicherung. Zu dein ersten Gegenstand iverden Vcr- trcter ans allen Teilen des Deutschen Reiches Bericht erstatten, für den zweiten Gegenstand sind Berichterstatter Professor Hcrkner- Z ü r i ch und der Vorsitzende des Verbandes Dr. Fmmd- Berlin. Auf dem Verbandstage wird das prentzische Handelsininistcrim» und das Reichsamt des Innern offiziell vertreten sein. DaS Ausland nimmt an der Verbandsversammlung ganz besonderes Jnter- esse. Es werden offiziell vertreten sein das östrcichische nnd belgische Handelsministerilim nnd das Musöe social de Paris; ferner werden teilnehmen Vertreter von Schtveizcr und belgischen Arbeilsnachweisen. Am 11. Oktober findet eine Besichtigung des neuerbauten C e n t r a l« A r b e i t s n a ch>v e i s- G c b ä u d e s in der Gormannstratze und der Arbeiter-Heilstättcn in Beelitz statt. Gesuche um Zulaffring zur Verbandsversammlung sind an daS Bureau des Verbandes, Berlin C., Klofterstr. 41, zu richten. Znm Apothekcnboykott. Die„Apotheke zum gol- denen Adler", welche von, 1. Oktober ab den Krankenkassen zur Verfügung steht, liegt nicht, ivie es in unsrer letzten Notiz irr- tümlich hietz, Opanienstr., sonder» Alexandrinenstr. 41, nahe der Oranienstr. 2742 Liter Tinte, davon 110 Liter farbige, sind während des letzten Etatsjahrcs i» den städtischen Bureaus verschriebe» worden. Dazu wurden 3360 Grotz Stahlfedern nnd 223 Stück— Fcdcrposen sowie eine Million und'03753 Bogen Schreib- nnd Brief- Papier, 68 375 Bogen Löschpapier zc. gebraucht. Für die Versendung der Briefschafte» waren 622 343 Converts erforderlich. Aber aiich mit der Druckerschwärze wurde nicht gespart: es sind zu den Druck- fache» des Magistrats nicht weniger als 11 421 379 Bogen Papier und 93 421 Converts verwendet worden. Ucber die kaufmännische nnd gewerbliche Anstalt fiir die weibliche Jugend, Alte Jakobstr. 127, ist aus Anlast ihres zehn« jährigen Bestehens ei» vom Rektor Hellermann verfatzter Rechen- schafisbericht erschienen. Seit der Gründung'892 hat sich der Besuch von 312 Schülerinne» auf 790 im Winterquartal d. I. vermehrt. Be- merkenswerte Fortschritte hat die Schule i» de» letzten vier Jahre» gemacht. Gcgcnivärtig weist die Anstalt eine völlig ausgebildete G e iv e r b e- schule und eine bis ins einzelne entwickelte Handelsschnle aus. Jedes dieser beiden Institute hat wiederum Tages- und Abendkurse, in jedem Falle gegliedert in zwei und drei anfsteigende Klasse». Beachtenswert sind hierbei einige Mitteilungen ans de» Anfängen des Fortbildnngsschulivesens. Die ersten Nachrichten über eine M ä d ch e n- F o r t b i I d n n g s s ch n I e in Berlin datieren aus dein Jahre 1800. Angeregt durch die Wirksamkeit der durch Professor M ü ch l e r ins Leben gerufenen vier„soniitäglicheii Freischnlen in Berlin zum Besten armer in den Elenieiitarkciintnisscn vcriäilinter Hand- wcrkslehrlinge", richtete im geiiannten Jahre ein Herr Samuel L e v y in Gemeinschaft mit seiner Gattin selbständig eine„Sonnlagsschule für dedürftige Bürgertöchter und Dienstmädchen" ein und dotierte sie mit jährlich 50 Thalen,. Die Schule wurde bei Hern, Lehrer Convcrs, Nikolaikirchslraste 11, untergebracht und stand wie die„sonntäglichen Frvischulen usw." unter Aufsicht des Professors Müchler. Anfang der zwanziger Jahre des iieiicn Jahrhunderts zählte die Schule 60 Zöglinge und mutzte deshalb in zwei Klassen geteilt werden. Die Gattin des inzwischen verstorbenen Gründers zahlte von iinii an»0 Thaler an de» Lehrer. 1828 war Lehrer Lohföe Leiter der nach Spandanerstratze 44 verlegten Schule, dem als Gehilfe ein Herr Rnniiiicl beigegeben war. Besonderer Blüte erfreute sich die Schule unter Leitung des«chnIvorstcherS Rittershansen im Jahre 1833. Es mutzte eine Hilfslehrkraft eingestellt werden, deren Gehalt auf jähr- lich 20 Thaler festgesetzt wurde. Der Besuch lictz indessen bald nach. und die Stelle des Hilfslehrers wurde 1836 wieder eingezogen. Untergebracht war die Schule Klosterstratze 52. Nur noch einmal gedenkt Grumbach in seiner Broschüre„Die Entwicklung des berli- iiischen Fortbildungsschnlwesens". 1898. L. Oehmiqke's Verlag, der wir hier folgen, der Existenz dieser Schule im Jahre 1839. Sie scheint also bald eingegangen zu sein. Im Anfange der siebziger Jahre machte sich das Bedürfnis nach Abend- und Sonntagsschnlen für das weibliche Geschlecht mehr und mehr geltend. Einige gemein- nützigc Vereine beschlossen, die Mittel zur Errichtung einer ent- sprechenden Schule bereit z» stellen, und da auch die Stadt die Ltänmc der 34. Gemeindeschnlc. Langestr. 76, für diesen Zweck kosten- los gewährte, konnte die Schule im Januar 1876 eröffnet werden. Da die Mittel der erwähnten Vereine für den Unterhalt der Schule nicht aus- reichten, gewährte die Stadt schon von, nächsten Jahre ab einen Zu- schust von jährlich 1500 M. I» den nächsten Jahren entstanden noch vier solcher Schnlen, alle von privater Seite ins Leben gerufen. Im Jahre 1832 traten unter Stadtschulrat Prof. Dr. Bertrai», der die alleinige GesaiiNlcitnng der Fortbildungsschule übernommen hatte, die.Grundsätze für die Verwaltung des Fortbild, uigSschiilwesens der Stadt Berlin" in Kraft, welche auch das Mädchcn-Fortbildungs- schulwesen von Grund auf neu regelten. Ucber einen tödlichen Unfall in der Ccntral-Markthallc berichteten wir am letzten Sonntag. Hierzu wird uns vom Central- verband der Handels- nnd Transportarbeiter mitgeteilt, datz höchst wahrscheinlich die mangelhafte Beleuchtung in der Markthalle an dein Ereignis die Schuld trägt. Von der Verwaltung ivird nämlich ans nicht erkeniwnren Giündcn die Beleuchtung in der Zeit von 71/4 bis 8 Uhr abends zum Teil abgestellt. Es ist nach der Milteilnng ein Wunder, daß nicht schon mehr derartige Unfälle sich ereignet haben; zu bestiinintcn Stunden kann man z. B. die Gänge auf der Gallerte nur mit Lebensgefahr passieren. Die Verwaltung sollte ihr mögliches thun, nm derartige Gefahren zu verringern. Durch einen Ttnrz ans den» Fenster tötete sich Sonntag früh die 39 Jahre alte Kaufmamiswitive Amalie Wechsler ans Rnmänien, die erst vor vierzehn Tagen nach Berlin gekommen war. Frau Wechsler verlor vor kurzem ihren Man», zog mit ihren, zwölfjährigen Sohne nach Berlin, weil hier eine Schivester von ihr verheiratet ist, und mietete in der Bariiimstr. 35 im dritten Stock ein möbliertes Zimmer. Ihrer Wirtin klagte sie oft, datz der Gram über den Tod ihres Mannes nnd die Sorge, ihren Sohn nicht gehörig erziehen zu können, sie von Tag zu Tag nervöser inache. Den gröstten Teil des Tages pflegte sie sich bei ihrer Schwester aiifznhaltcn, der sie auch ihre Mittel. 10 000 Mark in Wertpapieren und 800 Mark bares Geld, übergeben hatte. Am Sonntag früh nm 4 Uhr sah der Wächter, wie sich auf dem Grundstück Baruinistratze 35 eine ihm nnbclaiinte Frau ans dein Fenster auf den Bürgersteig herabstürzte und mit zerschmettertem Schädel bewntztloS liegen blieb. Es ivar Frau Wechsler. Die Iln glückliche hatte ihr Zimmer von innen verschlossen und den Schlüssel stecken lassen. Als ein Mechaniker ans dem Hanse öffnete, lag ihr Sohn noch schlafend im Bett und wntzte nicht, was vorgefallen war. Die Schwerverletzte wurde von einem Schutzmanu mit einer Droschke nach dem Krankenhaus an, FriedrichShain gebracht, Ivo sie schon nach kurzer Zeit verschied. „Reserve hat Ruh". Viele tanicnde Soldaten sind in diesen Tagen nach Beendigung der Manöver entlassen nnd ihren, bürgerlichen Beruf wiedergegeben worden. Manches Glas wird ans Anlast dieses freudigen Ereignisses geleert nnd manches Abschiedswort mit den, Liebchen oder mit guten Frennden anS- getauscht. Denn nicht alle Soldaten hängen starr an dein Grund- sntz, datz der vornehmste Umgang für den Soldaten der Soldat sei; vielmehr gedenkt mancher junge Mann, der stumpf nnd in jeder Hinsicht unerfahren aus dein Osten hierher kam, voller Dankbarkeit der Aufklärung und Belehn, ng, die ihn» hier inr Umgang mit der Einivohnerschaft zu teil geworden. Von guten Frennden nnd Bekannten wollten auch die Reservisten der dritten nnd vierten Compagnie des 4. Gardc-Reginiciits. das in Moabit kaserniert ist, Abschied nehmen. Sie waren mit ihrem Regiment an, Sonnabend- abend aus dem Manöver nach Berlin zurückgekehrt, halten Sonntag- morgen die üblichen Abichiedswoite des Chefs angehört nnd waren dann eiligst in ihre Civilklcidnng geschlüpft, im, vor der gestern. Montag, erfolgten Abreise in die Heimat noch einmal Berlin zu betrachten. Wegen AnShäiidiginig des Passes hatte der Feldwebel die Reservisten zun, abend'/elO Uhr zu sich bestellt. Diese Förmlichkeit ist spätestens in einer halben Stunde abgethan; um so mehr wnnderten sich die Frcuiide der Entlassenen, die sich in den Lokalen in der Nähe der Kaserne aufhielten, datz die Leute der beiden erwähnten Kompagnien gar nicht wieder zun. Vor- schein kommen wollten. Als man endlich vor der Kaserne Nach- frage hielt, erfuhr man, datz der Feldwebel an die Reservisten den Befehl erlassen hatte, die Nacht über in der Kaserne zu bleiben. Aus welchem Grunde dies geschehen ist, bleibt uiibekaiint, die Wirkung dieser Matzrcgel war aber, datz die Leute ihre letzte Berliner Nacht nicht in besonders rosiger Stimiining verlebten. Es mutz ja wohl eine sehr wichtige Ursache gewesen sein, die zu einem bisher nicht geübten Branche den Anlast gab. Der Fall Ivurde selbstverständlich in der Nähe der Kaserne viel besprochen. Zur Vorsicht! Durch einen O b st r e st ist gestern der 33 Jahre alte Eifendreher Richard Mothcs aus der Blumenstratze schwer zu Schaden gekommen. Auf den, Heimweg glitt er auf ihn, aus. fiel hin und zog sich einen Knöchclbruch zu. Der Verunglückte mutzte von der nächsten Unfallstation mit einem Koppschen Rcttungslvagcn »ach der Charilo gebracht werden. Tie Ehesran eines städtischen Beamten verhaftet. In das Monbitcr Gefängnis wurde gestern die Ehefrau eines in der Sommerfrische zu Grünau wohnenden städtischen Beainten ans Berlin eingeliefert. Die Ehefrau des allgemein geachteten Beamten wird der Beihilfe bei Anssühruiig eines Verbrechens gegen das keimende Leben beschuldigt. Die Handlnngcn sollen an einem Dienstmädchen ans Tcnpitz ohne deren Wissen verübt sein. Bereits vor einiger Zeit Ivurde die in Grünau wohnhafte Dienstherrin des Mädchens nnd eine Hebamme ans Berlin wegen dringenden Verdachtes in dieser Sache verhaftet, nach wenigen Tagen aber tvieder entlassen. Jetzt scheint aber diese Angelegenheit eine kritische Wendling genommen zu haben. Auch die Hebamme sitzt bereits in, Moabiter Gefängnis. Ihren, Manne in den Tod gefolgt ist die 37 Jahre alte Witwe des Schneidermeisters Löhme Ernestine geb. Förster ans der Ackerstratze 137. Böhme starb vor drei Monaten nach einjähriger Krankheit an einen. Herzleide». Seine Frau, die seitdem mit ihre», zwölfjährigen Sohne zusammen wohnte, während eine zehnjährige Tochter bei Verwandten in Dresden untergebracht ist, war seitdem schwermütig. Gestern morgen fand ihr Soh» sie in der Küche er- hängt auf.' Ei» Arzt konnte nur»och den Tod feststelle». Eine Leiche mit zusaniinengebnudcnrn Beinen wurde gester». Montagvormittag, ans dem Flakensce bei Erkiler gelandet. Es handelt sich um einen Mann von etwa 30 Jahre», der den Eindruck eines Kellners macht. Ein Verbrechen scheint nicht vorzuliege». da eine goldene Uhr„och bei der Leiche gefimden wurde. Die Persönlichkeit konnte nocki nicht festgestellt werde». Der Mann trug einen schwarzen Jackettanzug. Einen schivarzen Regenschirm hatte er am Jackett in einem Knopfloch befestigt. Die Beine ivaren mit einem Strick znsamniengebnnde». Ei» Gistmordversuch bat auch in der vergangenen Nacht wieder die Kriminalpolizei beschäftigt. Ein Kontrollniädchen hatte in der Passage einen Herrn kenne» gelernt, und beschuldigte ihn, als er nichts mehr von ihr wissen wollte, datz er sie vergiftet habe. Die Folge war. datz der ganze Apparat der Kriminalpolizei anfgeboten wurde, der Ausgang aber wird wahrscheinlich der sei», datz die an- geblich Vergiftete wegen groben Unfugs bestraft wird. Einstweilen wurde sie eingesperrt, Iveil man sie wegen Diebstahls schon gesucht hatte.— Der Schankwirti» Sziinmnt hat der Giftmordversuch auch nicht weiter geschadet. Bei der chemische» Untersuchniig des Magen- inhalts zeigte sich keine Spur von Gift. Feucrbericht. Mehr als ein Dutzend Alarinieruiigen hatte die Wehr im Laufe des Sonntags zu verzeichne». Vormittags 11 Uhr wurde sie nach der Greifenhagenerstr. 85 gerufen, wo an einein Gasmesser die Verpackung in Brand geraten war. Kurz vorher war in der Stralauerstr. 35 in einem Keller ei» gröhcres Feuer aus- gekoimnen, das an den dort aufgestapelten Hölzern und Gcrümpel reiche Nahrung gefunden hotte. Die Wehr nintzte daher längere Zeit mit einer Schlauchleitung Wasser geben,»m die Gefahr zu beseitigen. Gegen 12 Uhr hatten in der Christburgerstr. 29 Kleidungsstücke und Möbel in einer Wohnitng Feuer ge- fangen, dessen Ablösch, mg indes bald erfolge» konnte. Gleich- zeitig hatte die Wehr in der Liegnitzerstr. 11 einen Schornsteinbrand zu beobachten. Eine Stunde später war in der Nencn Friedrich- stratze 78 auf dein Hofe ein Brand entstanden, der Kisten zc. er- griffen hatte. Unfug a», öffentlichen Feuermelder lag einer Älarmierung zu Grunde, die nachmittags 3 Uhr mehrere Löschzüge nach der Noniintcnerstr. 14 führte. Leider gelang es nicht, des Thälers habhaft zu werden. Gardine» und Wäschestücke gingen um 5 Uhr in der Ä'otheniusstr. 12 in einer Wohnstube in Flainmen auf, die jedoch noch in. Keime erstickt werden konnten. Zur selben Zeit war in der Schönhauser Allee 124 Pntzrohr:c. auf einem Bau in Brand geraten, während in der Bensselstr. 38 sich Prctzkohlen von selbst entzündet hatten. Nach der Müllcrstr. 4 wurde die Wehr ge- rufen, weil hier der herrschende Stur,» ein Zinkdach sörnrlich ab- gedeckt hatte und dasselbe herab zu stürze» drohte Die Gefahr konnte bald beseitigt werden. In der Schönhauser Allee 164 mutzte am Sonnabendabend ein Feuer abgelöscht werden, datz die Stroh- Verpackung eines Wasscr-Hochreservvirs ergriffen hatte. Autzerdcn, liefe» in den letzten 24 Stunden noch Lllariniernnge» von der Fenn- stratze 22/26. Stratzburgcrstr. 44 und von de», Victoria Louijeplatz ein, die jedoch auf geringfügige Anlässe zurückzuführen waren. Auf der Radrennbahn au, Kurfiirstcnda!»», hat am Sonntag das Rennen nm den Grotze» Preis v 0„ D e n t s ch l a ,1 d be- gönnen. Das Wetter war rauh nnd regnerisch und daher hatten sich»nr Verhältnis», ätzig wenig Zuschauer eingefunden. Trotz der ungünstige» Witterung tvare» die Nennen aber interessant und nicht ohne Ueberraschiingeii. Bemerkenswert ist, datz einige Fahrer, die bis dahin nicht aii erster Stelle rangierten, zu», Teil die erschienenen Matädore besiegten. Sa siegte Buisson über Hnber, Kudela über Schilling, Hering über Ferrari, ebenso schlug Scidl den Italiener Bixio.'Es sind folgende Einzclcrgcbnissc zu verzeichne»: 1. Großer Preis von Deutschland. 3000,'000, 500 M. Vor- länfe über 2000 Meter. I. Lauf: 1. Hering 3:45�. Unpl. Ferrari, Dcinke, Schinischkc. II. Lauf: 1. Buisson 4:30. Ilnpl, Hubcr-Kurz- meier. III. Lauf:'. Kudela 3:46. Ilnpl. Schilling, Dörflingec, Bertram. IV. Lauf: 1. Arcnd 3:42. Ilnpl. Vejtrnba, Ine, Mictke, Thcilc. V. Lauf: 1. Seidl. Ilnpl. Bixio, Taniphal. Althoff hatte Maschincndefekt. VI. Lauf: 1. Grognä 4pl2. Unpl. Pcler, Schener- »innn, Reiischcl. 2. H a n p t f a h r e n f ii r H e r r e» f a h r e r. 2000 Meter. 3 Ehrenpreise in, Werte von 100, 50, 30 M. In den Vorläufen placierten sich: Bätzler, Tadcwald, C. Barta. Petras, Hansen, Hufe, Tctzlaff. Entschcidnng: 1. Bätzler 4:38�. 2. Hansen. 3. Barta. 3. P r ä 1» i c n f a h r e ,1. 5000 Meter. 30, 40, 20 M.! Riinden- Prämien 10 M. 1. Kudela 7:3'. 2. Huber. 3. Ferrari. Die Prämien erhielten: 1. Käser, 2. Mündtier, 3. Doinkc, 4. Dörslinger, 5.-9. Kudela. 4. Ta n d c in-H a n p t f a h r e 11. 3000, Vorläufe 2000 Meter. 300,'50. 80 M. I. Lauf: 1. Hnbcr-Scidl. 2. Käl'cr-Petcr. Ilnpl. Biiisson-Ferrari. Müiidncr-Kndcla und Knrzmeicr-Snchctzki schieden infolge von Maichineiidcsckten ans. II. Lauf: 1. Eros-Bixio. 2. Hcring-Arend. Ilnpl. Grogiia-Schilling, Juc-Schcncrma»», Demke- Krause. Endlanf: 1. Hnber-Seidl 5:41. 2. Hcriiig-Arend. 3. Käser- Peter. Ilnpl. Eros-Bixio. 5. Tä» d e in f a h r e n f ii r H e r r c n f a h r e r. 3000 Meter. 3 Ehrenpreise im Werte von 30. 40. 20 Mk. 1. Bätzler-Hansen 5: 023. 2. Bailci-Schinnann. 3. Teylaff-Müllcr. Es bleiben nun noch 2 Vorläufe zu erledigen, in denen Ruit und Ellegaard starten werden, die gestern j» Duisburg zu fahren verpflichtet waren. Diese beiden Vorläufe sollen an, Donnerstag- nachmittag 5 Uhr gelegentlich eines Exlrarenntags zum Austrag kommen, der aiitzerdeui ein Präinicnfahren und ein Taiidcmfahrcn enthält. Orgelkonzert. Der Orgelvortrag in der Marienkirche am Mittwoch, den'7. September, mittags'2 Uhr, ist ein Bach-Konzert. Durch Herrn Miisikdircltor Otto Dicnel, Frl.. Martha Dziobek, die Biolmisiin Frl. Wally Paasch, Hrn. Felix Ledercr-Prina und Hrn. Adolf Balte werden mehrere Orgelpräliidien und Fugen, die Cantate„Jesu, der .d» meine Seele", ein Duett aus dem WethnachtSoratorium u. a. aufgeführt. Der Eintritt' ist frei. Theater. Im Schiller-Theatcr befindet sich gegenwärtig die Komödie„Tarlüff" von Moliere, in der Ueberjetzinfg von Ludwig Fulda, in Vorbeieitung. Die Erstaiiffüluiing wird im Schiller- Theater 0. (Wallner-Theater) gegen Ende des Monats statifinden.— Im Deutschen Theater geht am nächsten Mittwoch, den 17. September, Hermann Siideimanns Drama„Es lebe das Leben" zum 100. male in Scene. Die erste Aiisfllhruiig fand am 1. Februar d. I. statt. Ans den Nachbarorten. Zur Tchönebergee KrankenhauSfragc erfahre» wir aus zuverlässiger Quelle, datz der dortige Magistrat in seiner letzten Sitzung dein bekmmtcu 4Vs Millionen-Projekt beigetreten ist. 3lnf de», städtische» Friedhofe bei Feicdrichöfelde, der am 21. Mai 1881 eröffnet wurde, sind bis zum 31. März 1902 59 035 Personen beerdigt werden. Aiitzerdcn» fanden 191 Beisetzungen von Feiierbestatteten statt. Ans Ersuchen von Jutercsseiiteii ist' neuer- dings gestattet, Lcichenbrmidrcste in wohlverschlossenen Steiimrncn oder andren Vchältern in sämtlichen BegräbiiiSabtcilniigcn oberirdisch gegen eine Gebühr von 10 M. für jede Urne aufzustellen. Die städtischen Friedhöfe erforderten im Gegensatz zu den der Kirchen- gemeinden, die grotze Uebcrschüsse abwerfen, ciiicn Züsch,>tz, und zwar von riind 22 660 M. in, letzten Jahre. Ein neneö Sittlichkeitsvcrbrecheu. Ei» gefährlicher Kinder- sreiind ist am Soniitagabend in Steglitz festgeiiominei, worden. Der Arbeiter Karl Votz au?' der Gcrichlstratze Nr. 32 lockte, nachdem er mehrere Kneipen besucht hatte, ein 7jährigcs Mädchen an sich, indcni er ihm Versprcchnngc» machte, und verschleppte es in ein Gebüsch,»in es zu vergewaltigen. Als das Kind, dem mihcimlich wurde, schreien wollie, drückte ihn» der Unhold die Kehle zu, so datz ihm Blut aus Mund und Nase lief. Zum Glück hatten mehrere Knabe» das Beginnen des Mannes gejchc» und waren ihn, nachgegangen. Als sich Votz„»beobachtet fühlte, Uetz er das Mädchen los und lief davon. Die Knaben aber verfolgten ihn und sorgte» für seine Festnahme. Bei der Steglitzer Polizei suchte sich der Unhold damit m>Sz»redc», datz er dein Mädchen nur etwas habe mitteilen wollen. Da die Möglichkeit bestand, datz der Verhaftete mit der Ermordimg des Mädchens Bake in der Jungfcrnhcide zu ihn» hätte, so wurde er zunächst i» Steglitz i» Gewahrsam gehalten, um heute der hiesigen Kriminalpolizei vorgeführt zu werden. In der Nacht hängte er sich mit seinem Taschentuch auf, ivurde aber nvch rechtzeitig abgeschnitten. Die Kriminalpolizei stellte ihn heute voriniltag mehreren Mädchen gegenüber, die ihn aber als den nmtmatzlichc« Mörder ans der Jmigferiiheide nicht erkannten. Votz wurde nach seiner Vernehmung den,' Gcfliiignis des Amtsgerichts II ciiigclicfert. Er ist vorbestraft und auf seinen Geisteszustand schon einmal untersucht worden. Auch jetzt will er geisteskrank sein. Die Kriminalpolizei prüft jetzt noch seinen Alibibcweis._ Gingegangene Triukschriften. Von der„Renen Zeit"(Stuttgart, Dtetz'' Verlag) ist soeben das 59. Heft des 20. Jahrgangs erschienen. Ans de», Inhalt des Heftes heben wir hervor: Ein freisinniger Staatsstreich.— Galizien. Reise-Eindrücke und Studien von I. Karski. II.— lieber den geistigen Zustand Eiiglnnds. Von M. Beer.— Krmireiwcrsichcriing und Krnnkenlasicin'chwindel. Bon H. Mattutat.— Hamburger Koimmmalpolitik. Von Ludwig Radio ff.— Wirtschaftlich« Umschau. Von Heinrich Cuiww.— Litterarische Rundschau: G. Füsscnhäuler, Die Wohmnigssrage mit besonderer Baiickfichtiamig' der Stuttgarter Verhältnisse. Bon C. Hugo.— Notizen: Zur Frage der Arbeilslofen-Verficheriing. Die„Neue Zeit" erscheint wöchentlich einmal nnd ist durch alle Buch- baiidluiigen, Postanstaltcii und Kolporteure znm Preise von 3,25 M. pro Quartal zu beziehen. In der Zcituiigspreisliste der Posian stalten ist die „Neue Zeit" unter Nr. 5389 eingetragen, jedoch kann dieselbe dci der Post nur pro Quartal abonniert werden. Das einzelne Heft kostet 25 Pf Proben tvpiiiern stehen jederzeit zur Versügung. Sanerstofflwassei* übertrifft jede Art der natürlichen und künstlichen Mineralwässer an Geschmack. Sanerstottwassep ist nicht nur ein sehr feines Tafelwasser, sondern auch medicinisch als eines der besten Heilwasser anerkannt. Sanerstofiwassicr wird bei Krankheiten auch ärztlich verordnet. Im Krankheitsfälle befrage man den Arzt.[5049L* Sanenstolfwassei* liefern wir SO Flaschen infolge unsres Grossbetriebes zu dem billigen Preise von 3 illk. frei Hans exkl. Flasche, welche mit 10 Pf. berechnet und zurückgenommen wird. In unsren SOO Silederlagen ist dieses Sanerstoff- wasser auch in einzelnen Flaschen a 10 Pf. zu haben. Hermann Meyer& Ci Fernsp. III, 3524. Berlin, Wattstr. 11-12. Altes SchOtzenhaus,»r. simmei, ph»»«. Specialarzt für 35/10' Hant- und Harnleiden. 10-2, 5-7. Soillitags 10-12, 2-4. lilnien- Strasse 5 empfiehlt feine Säle. 20286 Sonnabende im November ic. frei. Bier- Abteiltang. 30 Flaschen I.agerbier, I. Qualität, a 8 Pf.. Ä.40 Mh. 30 Flaschen Iterliner iHUnchener a 9 Pf.. 2,70„ 30 Flaschen Iterliner Pilsener a 9 Pf.. 2,70 30 Flaschen Prima Weissbier a 7 Pf.. ä.lO„ exkl. Flasche, welche mit 10 Pf. berechnet und zurückgenommen wird, liefern wir frei Hans. In unsren SOO Niederlagen sind auch einzelne Flaschen zu gleichem Preise erhältlich. 5050L* Hermann Meyer& Co. Fernspr. III. 3524. Berlin, WattStr. 11-12. Fernspr. III. 3524. D. Dobersteins Festsäle, Prlnzenstr. 94 und Wasserthorstr. 08, sind noch an Sonnabenden z» Vereins-Festiichleiien und an andern Tagen zu Versammlungen zu vergeben. Bestellungen erbitte Prinzenstr. 94 abends von 8 Uhr ab.__ 48388*_ I». Dobersteln. Derliner Ressource NommÄndÄnkenfkrtttze 37. Kleine und große Säle für 100, 500 und 1000 Personen empfiehlt 50438» Adolf Stein. Biisitag sowie ein Sonnabend im Oktober und November frei geworden. i? Säle � große und kleine, zu Bersammlnngen:c. vergicbt 60648» Balduin Franke, anfef�ÄÄfie. Selterswasser 30 grosse Flaschen IjSO ßßka BrttitselifiBioMttdeit Hlmbcer-, Cltronen-, Waldmeister-, a 10 Pf. exkl. Glas, nur ans destillierten, frischen Früchten bereitet, 30 Flaschen•> susl. frei Hans......... wj—"3 X» Fruchtsäffle Hlmbeer-, Citronen-, Kirsch-, Erdbeer-, Johannisbeersaft, In feinster Raffinade eingekocht, a Ltrfl.......... 1,30 iflka Citronensaft zur Kur aus frischer Fracht a Fl. 1.50, 1.00 u. 0,55 Hb. exkl. Flasche, welche mit lO Pf. berechnet und zurückgenommen wird. Lieferung frei Haus. In unsren 300 Niederlagen sind einzelne Flaschen zu gleichem Preise erhältlich. 505 IL» Hermann Meyer& 0� Fernspr. III, 8524. Berlin, Wattstr. 11, IS. as Dr. Scliünemann, Specialarzt für Haut-, Harn- und Frauenleiden. iSez'delstr. O. VjlS— Vi3, Vi6-VÄ Sonnt. 9-11. Dr. med. Schapev honiöop. Arzt u. Spez.-Arzt f. Haut- u. Harnleiden, Frauen krankh e iten. Küniggrätzerstr. 27, Spr. 9-1. 4-7. SM» Grosses Lager Brillant-, Opal-, lürlds-, Silli-, Korallen- und Granat-Sclnnüclis. Goldene Ketten n. Gewicht u. billigster Fa(jonberechnung. Dukaten-Trauringe in jedem Gewicht am Lager. H. Zimmermann 206. Oranienstrasse 206. Gold- und Siiberwaren-Fabrik. Eigne Werkstatt für Neuarbeit und Kopar atur.'IKJ Telephon: Amt IV, 6549. 4984L* Ühren-Grosshandlung. Glashütter-Ühren. Grösstes Lager in goldenen und silbernen Uhren. Goldene Damen-Uhren Mk. 15,75 an. Silberne Herren-Uhren mit Kette Mk. IG,— Goldene Herren-Uhren Mk. SO,— an. Möbel Bartsch BiiHnlf Bar kch Oranienstrasse 73. llUaeilll«IUI Ü ilf 2Wjsc}1- �]exan�rjfteils�rassse u> � ...__ P________... 4863» Wem wäre die Möbelfabrik für bürgerliche Wohnungseinrichtungen IUI Ulli i UUl lulillt zwisoh. Alexandrinenstrassseu. Moritz- Platz, nicht bekannt? Grösste Auswahl in meinem extra dazu erbauten, 4 Etagen hohen Fabrikgebäude. Empfehlenswerte Einkaufsquelle für ßl'JJUtlBUtG. Solide tmd gediegene Einrichtungen für 200— d00~4Ö0— 500 tlS 10 OGO Mctrk stets zur Ansiehtvorrätig Verlangen Sie meinen PräClllkätälOg gratis und franco. Coulante Zah lungshedingungen. Kßlll LädSIigCSClläft. Verkauf direkt im Fabrikgebäude. Lagerbesichtigung erbeten ohne Kaufzwang. Lieferung frei Haus durch eigne Gespanne. Gegr. 1889. Jedes Wort: Pfennig. _ Nur das ersii Wort fett. Worte mit mehr als 16 BucJista b en zählen doppelt, fCleine flnzeigen.% Atizeigen in den Annahmestellen für Berlin bis 2 Uhr, für die Vororte bis 1 Uhr, in der Hauptexpedition Beuthstr.3 bis 4 Uhr angenommen, Verkäufe. Restauration villig zu verkaufen krankheitshalber Beusselstrafie 51. Grünkraingcschaft billig verkäuflich Zionskirchstrahe 3. 2082b» Griiukramgeschäft, neu eingerichtet, sofort zu verkaufen. Näheres bei Scharnberg, Charlottenburg, Se>e»- heiinerstrafie 1._ tl42 . BardinenhauSBrobeFranksurter, Krabe 9, parterre._ 137* Diesjährige elegante Herren-Anzüge und Paletots aus den modernsten Stoffen in guter Verarbeitung und guthaten von 18 bis 45 Mark. Julius Lindenbaum, Grobe Frankfurter- strabe 141, Ecke Fruchtstrabe. fl268K* Vorjährige elegante Herrenhosen aus feinsten Stoffen 9—12 Mark. Verkauf Soniiabend und Sonntag. Versandhaus Germania, Unter den Linden 21, II._ 128351* Herrenanzüge, Paletots, elegante Ausführung, geringe Teilzahlitng Kurzberg, 8andSbergerstrabel3. 12l5K» EinsegiiuugSkleider, 12,50, 13,50 15.00, Prüfitiigskleider, Mädchen- kleider, Mädchenjacken, enorm billige Preise, Riesenanswahl. Rosenberg, Kottbnserdaiilin 93.__ Nesterhandlung. Stoffe zur An- fertigung von Herrenanzügen, Knaben- garderobe, Mädchenjacke». Reste zu Snmmetanzügen. Cnpesstofse, Seiden- stoffe, Kleiderstoffreste, seidene Kleider, Plüsche spottbillig. Zilschnitt gratis. Rosenberg, Kottbuserdamm 93._ Kottbiiferda»»» 93, Rosenberg, der billige, giiesenanswaht Golf- capes, Damenjacketts, Kostüme, Damen- paletots, Sostümröcke, hochelegant mit Volant 4,50, hochelegante Bluse 1,75. Bitte genau ans iiiciuc Firma zu achten._ 1294S'v* Rosenberg, der billige, Kottbnser- dämm 93. Riesenanswahl in Knaben- anzügen, Knabenpaletotö, Schul- anzügen, Sammetanzllgen, englisdie Bluienanzüge, hochgeschtossene einzelne Blusen, gestreift, eitlzelue Knaben- Hosen, Sammethofcn, Buudhosen, alles in enormer Austvahl._ Bezugnehmend auf obige An- noncen ersuche ich die geehrten Damen, sich zu überzeugen; ein Versuch ge- uügt, wenn Sie auch weit wohne», Sic haben bis vor meine Thür Ver- binduiig und Sie sparen bei Ihren Cinkänsen Geld. Also bitte nur einen Versuch. Parterre. I. Rosenberg, Kottbuserdamm 93, Souterrain. Reste spottbillig. proste 2. Tuchlager Roh- 1775b» Bettfedern, Pfund von 45 Pf. an, echt chinesische Mandarmelidauiien Psund 1,90. Fabriklager Landsberger- Allee 37 L 1200K* Nähmaschine» ohne Anzahlung, Woche 1,00, gebrauchte 12,00. Köpnicker- strabe 60/61, Landsbergerstrabe 82. P91* Weiche Herreuhüte, gute Qualität, Stück 95 Pfennig. Bessere Sache» enorm billig. Hutfabrik, Comptoir Äniserslrabe 25A, früher Barilim- strabe 4 und 5. Sonntags ge- öffnet. sll97K» Maurerfilz vorrätig Hutgcschäft Potsdamerstrabe 61. 1249K» Teppiche!(fehlerhafte) in allen Gröben für die Hälfte des Wertes im Teppichlager Brünn, HackefcherMarkt l, Bahnhof Börse. 119/5» Tcppiche, Betten, Stepodecke». Gardinen, Spiegel, Bilder, Regula- toren spottbillig Leibhaus Ncander- strabe 6. Teilzahlungen gestattet* Slchtnng, Brautleute. In Paul Burows Möbelfabrik, Neue Schön- bauserstrabe 2, bietet sieh Brautleuten die günstigste Gelegenheit, vorzügliche Ausstattungen für 150, 200, 300, 500 bis 10 000 Mark einzukaufe». sSlcit- zahlnug gestattet. In ineincn groben Möbelspeld;erli, drei Etagen, halte stets eine grobariige Auswahl aller Arien Möbel zum Verkauf. Durch Maffeneinkäuse, Erlparung teurer Ladenmiete bin ich im staube, ganz bedeutende Vorteile zu gewähren. Stets reichhaltiges Lager in verliehen gewesenen Möbeln, welche spottbillig abgegeben werden. Nubbaum- oder Mahagoni-Kleiderspinde und VertikoS 36 Mark, Korridorspinde 22, Muschel- Kleiderschränke 35, Bettstellen mit Matratze und Keilkiffen 22, französische Muschelbeltstelle mit Sprungfeder- Matrahe und Keilkissen 38, Kommoden 18, Spiegel 8, Säulentruiiieans 37, Diwan mit Sihauszug 36, Paneel- sofa mit Satteltaschen 35 Mark, Garnitnren 90 Mark. Herren-Schreib- tische, Gardervben-Schränke, Küchen- möbel. Besichtigung ohne Kailszwang. Gekaufte Möbel können beliebige Zeit stehe» bleiben und werden durch eigne Gespanne sauber transportiert und ausgestellt; auch nach außerhalb. Musterbuch gratis und franko. t261A» Möbelmagaziu liesert aus Teil- zahlung Möbel. Teppiche, Gardinen unter eoulautesten Bedingungen. Ab- zahlimaen aus Jahre verteilt. Mever, Nnvalidenstraße 38, nahe Chauffee- strabe. 1S75K» vi upbaninmöbcl beim Auktionator Otto Lideke, Möckernstraße 25(Bahn- speicher am Anhalter Bahnhof), stehen zum spottbilligen Verlans: grobe Ballen kleinere und gröbere Prachtteppiche, gediegene neue, and; ganz wenig gebrauchte Einrichtungen, Paneetsofas.Salongaruituren, Säulen- trnweaux, Satonbitber, Nubbaum- Büffett, Schreibtische, Salonlronen, Bücherschränke, Ruhebetten, Tüll- gardinen, Spachtetstvres, Steppdecken, Portieren, Ptnschtischdecken, ver- schied cue Gelegenheitskäufe, unent- geltliche Lagerung. 1287Ä» Steppdecken Weinstrabe-20. spottbillig. Fabrik 1701b» Möbel, mehrere Zimmer, Paneel- sofa 50,00, grober Spiegel, neue Rohrstühle 3,00, Schränke, Bettstellen, Nnbbaumbiiffett.Oelgemälde, Teppiche, Kücheneinrichtiing spottbillig Garten- strabe 148 I, Vorderhaus. 1-133» Sechs Zimmer Möbel verkauft fortzugshalber schleunigst Dame, auch einzeln, wenig benutzt. Brautleute, Polstersachen, Schlafsofa 15.00. Gardinen Fenster 2,75, Küchenmöbel, Pia- nino, Trumeau 33,00. Muschelschrank, Vertiko 25.00, Plüschgarnitur 50,00, rot, grün, Schreibtisch 25,00, Taschen- sosa 45,00. Stores 2,25, Salontcppich 8.00, Regulator. Schönhauser Allee>01, R-stanrant. L070b» Ringschisschen, 20,00, gutnähend, Neanderstrabe 7._ 38/6 Ka»arie»roIIcr4,00,Zuchtwetbchen 0,75, Neanderstrabe 7. 38/5r vermischte Anzeigen. Klageanträge, Strafsachen, Schanksachen, llnfallsachen, Gesuch- schreiben, Ratertcilung billigst. Hoppe, Linienstrabe 117, Nähe Friedrichstrabe. Rcchtsburea». Teltowerstrabe 45, Eingaben, Gesuche, Raterteilung. Un- beinittelten unentgeltttch. 1185K» Stühle billig. buserstrabe 4. Stuhllager, Kott- 20oZb Hobelbänke, verschiedenes Werk- zeug. Küchenspind, Leckbauer billigst. Diemitz. Motzstrabe 76._ 20216 Tcppiche mit Farbenfehler» Fabrikniederlage Grobe Franlsurter- strabe 9. parterre. 1-37» Nähmaschinen ohne Anzahlung, wöchentlich 1,00. Lieferung vom Haupt- lag«(Postkarte) Swiiiemiinderstraßc sechzig. Binder._ t72 Policrlappe». saubere, Pfund 40 Pf., verkauft Handtuch- Verleih- Institut Rosenthal, Spandauer- strabe 47/48. Fernsprecher I 3614.» Einsegnuiigs-Änzüge. neueste FaeouS, in blau und schwarz kau»»- garn und Cheviot. Julius Linden- bauni, Große Frankfurtcrstrabe 141, Ecke Fruchtstrabe. 1270K» Steppdecke» billigst Fabrtl Grobe Frankfiirlerftrabe 9, parterre. 1-37» Nnsibaiiin-Kleiderspind, Vertiko. Spicgelspind, billig. Hoscr, Admiral- strabe 19, Hof IV._ Existenz. Bierapparat-Neinigung, günstige Bedinamigen, verkäuflich. Heuschkcr, Gastwirt. Lcbnserflrabe 14. Kohlrngeschäf» mit Böttcherei krankheitshalber verkäuflich Bovei»- strabe 23._____ 20916 Gardincurefte, spottbillig, Gardinen-Fabriklager, Grüner Weg>0. parterre. Kein Laden._ LiOliv* Bcrfallenc Pfänder! Zur Ei»- segnung goldene Uhren, Ringe und andre Goldsache», Ketten jeder Art, sauber und schön, werden ipottbifltg vertäust. AlteS Gold und Silber wird gekauft und in Zahlnng genommen in der Pfandleihe Prinzenftrabe 28. I, Ecke Ritterstrabc._ 21036* Pianino, 160.00, Garantieschein, umzugshalber, Wilsnackerstrabe 63, Hof links. 2102b -Milchgeschäft zu verkaufen, Motz- strabe 57, am Vielorta-Luiseplatz. Kleider.'Üiöbel, Betten. Wäsche, Nachlässe, eigner Geschäflsbedarf, höchstzahlend. Nachbar, Langestrage 32. ttnsnllsachen, Klagen, Eingaben, Reklamationen. Pntzger, Steglitzer- strabe 65._ 16046* Knnststopferei von Frau Kokosky, Steinmetzstrabe 43, Quergebäude Hochparterre.__* Kostenfreie zahnärztliche Vchand- lnng, Zahnziehen. Zahnärztliche Polt- klinik, Chauffeeftrabe 1a. 1207K» Schercnschleife». Stück 10 Pf. Grcifenhagenerstrabe 15, Seitenflügel 1 Treppe, Hering._ 1-63» Ailfpvlitcrnng Matratze 5,00, Sofa 6,00. Roller, Neue König- strabe 2. 2050b Fahrradaukauf. hauser Allee 163 a. Ratzlaff, Schön- 120/10» Vivisektion k Wer sich üb« diese ruchloseste Gransamkeit unsr« Zeit unterrichte» will, verlange die Flug- blätter des Weltbundes gegen Vivi- sektion, welche unentgeltlich versendet werden vom Berlin« Tierschutz- verein, Königgrätzerstrabe 108. Um gütigen Abdruck wird gebeten. 16lh» Saal, Vereinsräume zu Versamm- lungen und Sltznngen noch frei Insel- strabe 10. Jaunaschk. 1259K» Bcrcinsziminer Lenz, Alte Jakob- strabe 69._ 127SK Vereiuszimmer. Lier, Alte Jakob' strabe IIS.__ 1262«» VereinSzimmcr zu vergeben. Potsdamer Stangellbier. Franke, Zvrndorserstrabe 8.______ t36* 75 Pfennige! Eingabengesuche, Schanksachen, Strafsachen, Ehe- fcheidungs-, JnterventionS-, Be- leidigungS-, Alimentenklagen, Unfalls- fachen, Zahlungsbefehle, Nalerteilung. Wulkow, Slalitzerstrabe 141. Abends geöffnet. 2088b Vermietungen. tVohnungvil. Freundliche Wohnungen Rostocker- strabe 3l. 1-82» Wohnnngen, 1, 2, 3 Zimmer und Küche, jährliche Miete 150, 200 und 250 Mark. Zu erfragen bei Schramm, Große Frankfurterstrabe 27. 2104b Schlosserlehrling verlangt Neue, BranbenburgstraHe 75, 1302«» Glasschleifer auf Facetten ver- langt Heckert, Prinzenstr. 32. 88/3» Gü> tlerlehrll ng verlangt Bronze- warenfabrik von O. Weise, Stall- schreiberstraße 55. 38/4 Korbmachergesellc aus grün ge- schlagen verlangt Karl Grüger, Weibensee, Prenzlauer Chauffee I._ Etnisnrbeiter verlangt, zus prechen von 12—2, Rudolf Link, Alte Jakob- strabe 13._ 1303« Suche tüchtigen Kehler aus Goldleisteil. Werkmeister, Bninnen- strabe 194. 2101b 21mm«?. Suche möbliertes Zimmer, wanzen- frei, 15 Mark, Moritzplatz. Offerten E. M., Postamt 19. 21086 Sohlsfstellen. Möblierte Schlafstelle vermietet sofort für 1 oder 2 Herren Frau Jacobey, Kolbergerfttabe 26, vom III. �rbeitsmarkt. Stellengesuch«. Invalider Buchdrucker, 41 Jahre, welcher nur Invalidenrente bezieht, sucht leichte Beichästigung jeder Art, Seher, Adalbertstrabe 40, bei Schmidt. "Buchdructer-Jnvatlde, 35, schrist- gewandt, guter Rechner, sucht Be- schäftigniig bei bescheidenen An- sprüchen. Walter, Fischerbrücke 12. Vereiuszimmer für 50 Personen noch einige Tage frei. A. Lieschp«, Swineuiünderstrabe 97. 1530b» Rechtsbure»» Fabisch, Andrea«- strabe dreiuiidsechzig. Rechtshilfe. Ei ngabengesuche, Raterteilung. 120976 — 50 Mark gegen Sicherheit und Zinsen vom Selbstdarteiher gesucht. M. W. Postamt 36. 20956 RechtSdureau-Prozebbetstand, Eingabengesuche, Raterteilung. Falk, Bruilnenstraße vierzig. 2105b "Vereins zimmer Wienerftrabe 43. frei Wolff. 209g b» Tie Beleidigung gegen Herrn Wragge liebst Frau, Pruiz Eugen- strabe 10, nehme hiermit znMck. I. Wurbs, Müllerstrabe 114. 2093b Blinder Stiihistcchler bittet um Arbeit. Stühle werden z» den billigsten Preisen gestochte», werden abgeholt und iinentgelllich zurück- geliefert. Adresse: Mulackstrabe 27, A. Gläser.' Stelleuengehote. Knabcu-RevcrSjacken-, Blusen- und Paletot-Arbeiter im und auberm Hause, dauernde Beichästigung. Betriebs- Werkstatt Gustav Laas«, Brunnen- strabe 84, Fabrikgebäude._ "Berstlberer sucht Goldleistenfabri. BarlhelS, Michaelkirchstraße 17. s-209ab Rahmenmacher verlangt I. Lazarus, Alepandriilenstrabe 2''. s2096d Tüchtige» Stepper verlangt Atelier Otto Kohlmann, Kurstrabe 40. j208gb Kartonarbeitcrinneu, geübte, so- wie HauSarbeiterilinen verlangt Schwandt, Neue Jakobstraße 6. s2092b Tüchtige Arbeiterinnen auf Pale- tots und Kostüme verlangt Otto Kohlmatin, Kurstraße 40. L090b Backfisch- und Mädchenpaletots- Arbeiterin verlangt Schmidt, Prinz Eligenstraße 16._ 20656 "Mamsells bessere Paletots in und außer dem Hause. Schulze, Gär- litzerslrabe 41. 20546- Im ülrbeitSniarkt durch besondere» Druck hervorgehobene Slnzeige» koste» 10 Pf. pro Zeile Achtililg! ßolzarbtiler! Gesperrt sind folgende Werkstättc» für Tischler, Einsetzer, Maschinen- arbeiter und Polierer: «. Schulz, Krantstr. 18/19. Emmeluth, Dieffcnbachstr. 33. Kimbel it. Frledrichsen, Vorlstr. 43. Kimbel u. Friedrichse», �orkstr. 59. Ferdinand Wolf, Waldemarstr. 27 und Bethanien-Ufer 6. Lux n. Engbrecht, Görlitzer-Ufer. Goltz u. Breutmann. Holzmarktstr. 11. Die OrtSverivaltuilg. Achtung, Klsvittllrbeiter! Die P i a n o f a b r ik von Feinst Koch& Co., Greifswa der- s, raste 155/150, ist wegen Lohn- differenzm biö aiif weiteres gesperrt., 88/5 Tie Ort Sve Achtung! Achtuiip II Bei Wehner, Stallschreiber. straste 58, sind die Kollegen in den Streik getreten. Zuzug fernhalten! Achtung! Classclilelfer. Bei der Filma I»!ttm»z'er, Zl» der Stadtbahn d, sind Differenzen ausgebrochen. 21066. Zuzug ist streng fernzuhalten. Hie Ortuvcnvaltunj;. Verantwortlicher Redatteur: (Sorl Leid in Berlin. Für de» Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Trnck und Verlag von Max Badtng in Berlin. -7-